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Taxi Times München - Dezember 2017

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FLUGHAFEN »VON DER DEMO

FLUGHAFEN »VON DER DEMO GEGEN UBER WAREN ALLE BEGEISTERT« Selim Güven Auch am Flughafen halten sich schon längst Uber-Fahrer systematisch bereit. Bei der Taxi-Demo waren deshalb auch die Kollegen aus dem Münchner Umland mit von der Partie. Liest man die Berichterstattung der regionalen Presse über die Taxidemonstration vom 26. Oktober 2017, so gewinnt man leicht den Eindruck, dass sich Münchner Taxifahrer und Taxiunternehmer lediglich gegen unliebsame Konkurrenz von Uber und dessen Nachahmern im Stadtgebiet wehren würden. Dabei ist Uber kein Wettbewerber, die Uber-Fahrer agieren illegal – und nicht nur die Taxler in der Stadt fühlen sich betroffen. Würde sich die wachsende Zahl an Uber-Fahrern – wie von Vertretern des Konzerns nach außen hin gerne betont, aber bereits tausendfach widerlegt – strikt an das Personenbeförderungsgesetz (PBefG) halten, so wären viele der Uber-Partner genauso schnell verschwunden, wie sie kamen. Auch nutzt Uber keine bestehenden Gesetzeslücken aus, wie gerne behauptet wird. Man verstößt schlicht gegen das PBefG, etwa gegen die Rückkehrpflicht, und betreibt dubiose Lobbyarbeit, wie die rasch durchgezogene Aufhebung der Ortskundeprüfung für Mietwagenfahrer jüngst zeigt. Was übrigens zu einem weiteren Andrang auf die Eignungsprüfung für den Verkehr mit Taxis und Mietwagen bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) führt. TAXIBÜRO AM FLUGHAFEN MÜNCHEN Im Ankunftsbereich Terminal 2 Telefon: 089 / 97 58 50 50 E-Mail: muc@isarfunk.de Presserechtlich verantwortlich für diese Seite: Christian Hess Redaktion: Florian Osrainik (fo) „WIR SIND EINE BEWEGUNG“ Dabei gilt es aber grundsätzlich zwischen Uber und „altbekannten und ehrlichen Mietwagenfahrern zu unterscheiden“, wie Günter „Günni“ Bäurle, Münchner Taxifahrer und Mitorganisator der Sternfahrt, sagt. Bäurle ist zwar mit dem Erfolg der Taxi-Demo, nicht aber mit dem noch immer von der Politik geduldeten Treiben von Uber & Co. zufrieden. Bäurle ist oft am Flughafen und lobt das Engagement der zahlreichen Demoteilnehmer aus den umliegenden Landkreisen. „Ein herzliches Dankeschön an alle Kollegen vom Land, ob aus Erding, Oberding, Freising oder Fürstenfeldbruck“, freut sich Bäurle. Er kennt hier viele Kollegen, wie zum Beispiel Erkan Dursun, einen selbst fahrenden Unternehmer, den die Solidarität bei der Sternfahrt beeindruckt hat. „Es war sehr bewegend, so viele Kollegen zusammen für eine Sache eintreten zu sehen. Wir haben gezeigt, dass wir eine Bewegung sind“, blickt der Unternehmer zurück. Auch Dursun weiß: Nicht Mietwagen sind das Problem. Die wären ja schon lange genug dabei, man würde sie eben kennen. „Das Problem ist Uber. Und ja, die werden immer mehr.“ Denn auch am Flughafen sind die Fahrzeuge von Uber mit ihren meist identischen Kennzeichen leicht auszumachen. Nun hofft er, dass die Stimme des Alt-Oberbürgermeisters Christian Ude von dessen Nachfolger Dieter Reiter (SPD) gehört wird und man in der Landeshauptstadt endlich etwas gegen die systematischen Regelverstöße von Uber unternimmt. „WIR HÄTTEN SCHON FRÜHER ETWAS MACHEN SOLLEN“ Für Selim Güven, der viele Flughafenfahrten durchführt und hauptsächlich hier draußen ist, war die Taxi-Demo „sehr gut, aber ein paar Jahre zu spät“. Man hätte schon früher etwas tun müssen, FOTOS: Florian Osrainik 20 DEZEMBER / 2017 TAXI

FLUGHAFEN FOTOS: F. Schmeidl/MTZ, Taxi Times wie er meint. Zu lange hätte man zugesehen, wie Uber mit seinen illegalen Praktiken wachsen konnte. Auch ihm Mustafa Gür und fallen die ganzen Uber- Morad Rachidi Fahrer am Flughafen auf. Andere Kollegen hätten schon unzählige Kennzeichen gesammelt und an die Behörden weitergegeben. „Obwohl diese Fahrzeuge bekannt sind, wird nichts dagegen unternommen“, so Güven. Stattdessen hätte er, wie das gesamte Gewerbe, das im Gegensatz zu den Mietwagen einer Tarifpflicht unterliegt, deutliche Umsatzeinbußen zu verzeichnen. Und auch der Verkehr hätte durch Uber und diverse Erkan Dursun Nachahmer spürbar zugenommen. Zwei andere Kollegen, Mustafa Gür und Morad Rachidi, bestätigen, dass man das gesetzeswidrige Verhalten von Uber schon jeden Tag frühmorgens beobachten kann. Etwa wenn die immer gleichen Fahrzeuge vorfahren, nur wenige Minuten, nachdem jemand vor einem Hotel auf seinem Smartphone herumgetippt hat. Dass diese Mietwagen nicht von ihrem Betriebssitz kommen, sondern sich illegal vor Ort bereithalten, wissen alle Taxifahrer längst. Es reicht ja auch ein Blick auf die Uber-App. Zum Zeitpunkt des Interviews stehen vier Uber-Fahrer am Münchner Flughafen herum und verstoßen so gegen das PBefG, indem sie auf die Vermittlung einer Fahrt warten, ansatt zu ihrem Betriebssitz zurückzukehren. Bäurle probiert es aus und führt eine spontane Probebestellung um 16.31 Uhr durch. Danilo, auf dem Foto der App gibt er sich seriös mit Hemd und Krawatte, wäre in vier Minuten mit einem 5er BMW hier. Der Fahrer müsse nur von der Terminalstraße Mitte über die Terminalstraße West zum Terminal 2 (T2) anfahren. Dann sollte der Kunde, so der Hinweis in der App, nach der Gepäckausgabe links bis vor den Ausgang gehen. Man könne den Schildern P29 folgen, um zum Treffpunkt mit Fahrer Danilo zu gelangen. Bemerkenswert ist dabei, dass die eingegebene Strecke zum Bestellzeitpunkt mit 97,97 Euro rund 25 Euro teurer im Vergleich zum Taxi wäre. Doch so weit kommt es nicht. Die Bestellung wird kurzerhand wieder storniert. „Natürlich haben wir weniger Umsatz deswegen“, bestätigen auch Rachidi und Gür. Vielen Uber- Kunden wäre es aber egal, ob Uber-Fahrer sich an das Gesetz halten. „Das interessiert mich nicht“, hätte erst heute früh wieder ein Fahrgast vor einem Hotel in Schwabing gesagt. Auch das sei ein Grund, weshalb die Sternfahrt eine richtige und wichtige Aktion gewesen wäre, wie die beiden meinen. „MAN ACHTET NICHT MEHR AUF DIE MENSCHEN“ Ein anderer Kollege im Taxispeicher von T2 erzählt, dass ihn Kunden ab und zu fragen würden, warum er denn nicht auch für Uber fährt. Er verweist dann auf die Tarif- und Rückkehrpflicht, so wie es das Gesetz hier in Deutschland eben verlangen würde. Viele Fahrgäste wären diesbezüglich „taub und blind“, weshalb auch er an der Taxidemo teilgenommen hat. Seit sechs Jahren fährt er Taxi, aber „von der letzten Demo waren alle begeistert. Zum ersten Mal gab es einen echten Zusammenhalt, eine große Einheit“, erzählt er mit einem gewissen Stolz. Schließlich würden die von Uber „immer dreister“. Die kämen sogar schon an den Taxistand, um Leute abzuholen. Wie bei der Wiesn, als die Polizei die Mietwagen in Taxibereiche gelassen hätte. Die wüssten, dass sie sich das erlauben können, denn niemand unternimmt etwas dagegen. „Die Augen sind zu. München ist nur noch eine Firmenstadt, man achtet nicht mehr auf die Menschen, nur auf die Firmen. Was die sagen, wird gemacht“, sagt er und erzählt, wie er nach dem Urlaub von einem Kollegen erfuhr, dass die Ortskundeprüfung für Mietwagenfahrer einfach so abgeschafft wurde. Eine Einschätzung die auch Taxiunternehmer Frank Pollack teilt. „Ja, die Mietwagenfahrer hier am Flughafen bekomme ich mit. Da kam vor Kurzem ein Fahrgast an den Taxistandplatz und hat gefragt, wo denn hier Uber sei.“ Seine Kollegen erzählen ihm von bis zu 20 wartenden schwarzen Limousinen am T2. Aber keiner, weder Polizei noch Behörden, unternimmt etwas gegen die Gesetzesverstöße. „Ich merke, dass wir von der Behörde drangsaliert werden, und die anderen können machen, was sie wollen. Mich haben sie zwei Mal meine Folie neu machen lassen, weil die erste zu hell war. Oder wenn man nicht gleich den TÜV-Bericht schickt, dann gibt es sofort eine Geldstrafe, solche Sachen halt“, sagt Pollack. Dass es sich bei Uber nicht um einen fairen Konkurrenten, sondern ein bis heute gesetzeswidriges Geschäftsmodell handelt, ist zwar offensichtlich, wird in der Politik und Öffentlichkeit aber nicht ausreichend zur Kenntnis genommen und benannt. Vielleicht sind ja weitere gemeinsame Aktionen nötig. Wenn schon andere in regelmäßigen Abständen den Verkehr in der Innenstadt mit wöchentlichen Demos oder abendlichen Rundfahrten lahmlegen konnten, dann sollte vielleicht auch das Taxigewerbe, etwa einmal im Monat um die Mittagszeit, demonstrieren, bis endlich Gerechtigkeit bei der Anwendung des PBefG herrscht. fo TAXI DEZEMBER / 2017 21

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