Heft 2/2010 - Bund der Deutschen Landjugend

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Heft 2/2010 - Bund der Deutschen Landjugend

Fachmagazin der Landjugend 02/10

Interkulturelle Öffnung


Inhalt

Editorial Seite 3

Bedeutung von interkulturellem Lernen Seite 4

„Keine Nebensache, sondern Pflicht“ Seite 5

Dialog zwischen den Kulturen Seite 7

Altes Fahrrad - neue Hoffnung Seite 8

„Auch die Landjugend ist gefragt!“ Seite 10

Geduld und diplomatisches Geschick Seite 12

Viehzucht, Ackerbau & russische Gedichte Seite 14

Ein interkulturelles Vergnügen Seite 15

Ein schwedischer Sommertraum Seite 17

Wenn die Ferne ruft ... Seite 18

„Außenseiter im Dorf? - Unmöglich!“ Seite 20

BDL-Report Seite 21

Termine / Impressum Seite 23

Seite 8

Altes Fahrrad - neue Hoffnung

Vor mehr als zehn Jahren startete die Niedersächsische Landjugend

ihre bekannte Aktion „Fahrräder für Ghana“: Landjugendgruppen

sammelten alte Fahrräder und machten sie wieder funktionstüchtig.

Das hat nicht nur die Mobilität gefördert, sondern war

ein weiterer Baustein für eine intensive Freundschaft.

Seite 15

Ein interkulturelles Vergnügen

Interkulturelles Lernen bedeutet Chancen und großartige Erfahrungen.

Seit mehr als 40 Jahren fördert das Referat Internationales

des Bundes der Deutschen Landjugend interkulturelle Lernprozesse

bei deutsch-französischen Begegnungen.

Seite 17

Ein schwedischer Sommertraum

Hauke, Katti, Nicole, Anika und Fabian waren die fünf Nordlichter

aus Deutschland bei der European Rally in Schweden. Diese Rally,

sozusagen ein „europäisches Landjugendtreffen“, findet jedes

Jahr eine Woche lang in einem anderen europäischen Land statt.

Das Motto 2010: „think globally, act locally“.


Editorial

Von der Haustür in die Welt

Wir alle essen gerne Döner, reisen im Urlaub am liebsten in exotische

Länder wie Thailand oder zumindest nach Italien. Andere Länder beeinflussen

uns alltäglich bei der Kleidung, die wir tragen, den Filmen, die

wir schauen oder den Sprachen, die wir lernen. Aber habt ihr euch schon

einmal mit den anderen Kulturen direkt vor der Haustür beschäftigt?

Deutschland ist ein Einwanderungsland. Mittlerweile leben die verschiedensten

Menschen bei uns. Aber leben sie auch mit uns? Es wird zunehmend

normal, schon im Kindergarten Fremdsprachen zu lernen. Exotische

Kulturen - wie beispielsweise die japanische - scheinen „schick“ zu sein.

Aber was ist mit der kulturellen Vielfalt zu Hause?

Wir finden es schade, dass in der Schule drei oder mehr Fremdsprachen

gelehrt werden, die Muttersprache vieler Schüler aber kaum eine Rolle

in deren Schulalltag spielt und ihre Erfahrungen aus den verschiedenen

Kulturkreisen oft nur unzureichend wert geschätzt wird.

Diese Ausgabe des BDL-Fachmagazins berichtet von spannenden Begegnungen

von Landjugendlichen mit anderen Landjugendlichen auf der ganzen

Welt, aber auch direkt vor der Haustür. Von der Autorin Birgit Jagusch

erfahrt ihr, was interkulturelle Öffnung für Jugendverbände bedeutet und

BDL-Referentin Daniela Ruhe hat zusammengefasst, was Landjugendgruppen

tun können, wenn sie sich interkulturell öffnen wollen.

In Erlebnisberichten erfahrt ihr von Begegnungen mit russischen Landjugendlichen

und von Seminarwochenenden bei der Europäischen Landjugend,

bei denen Landjugendliche aus mehr als 20 Ländern aufeinander

treffen, zusammen arbeiten und miteinander feiern.

Aber auch vom Engagement Landjugendlicher wird euch

erzählt: für Menschen im Ausland, wie bei der Vorstellung

des Ghana e.V. der Niedersächsischen

Landjugend, aber auch für die eigene Gruppe

wie bei der Erntekronenübergabe an den

Bundespräsidenten Christian Wulff.

Ich wünsche euch viel Spaß

beim Lesen dieser Ausgabe,

bei dieser kleinen Reise um

die Welt!

Eure

©leiana - Fotolia.com /Portrait: BDL


Jeder anders – alle gleich

Aus Fremden Freunde machen – es ist ganz leicht

Laut Definition des Instituts für Interkulturelle

Kompetenz und Didaktik bedeutet der

Begriff Interkulturelle Öffnung „die interkulturelle

Ausrichtung eines Unternehmens, einer

Einrichtung oder Organisation. Dabei werden

verschiedene Bereiche beeinflusst, so zum

Beispiel der strukturelle Aufbau, der organisatorische

Ablauf und die einzelnen Arbeitsprozesse.

Wichtig ist hierbei, Hindernisse für

kulturelle und ethnische Minderheiten abzubauen.

Diese Minderheiten können Migranten,

Flüchtlinge, Aussiedler, Angehörige alteingesessener

Minderheiten oder auch ausländische

Wirtschaftspartner sein.“

Weiter heißt es: „Als Weg der Interkulturellen

Öffnung können zum Beispiel Sprachkurse oder

Kurse für interkulturelle Kompetenz angeboten

werden und Dolmetscher zum Einsatz kommen,

um Sprachbarrieren zu umgehen.“

Aha. Klingt sehr theoretisch, oder? Aber eigentlich

bedeutet Interkulturelle Öffnung nur,

offen zu sein für Menschen mit einem anderen

kulturellen Hintergrund und mögliche Hindernisse

und Hemmnisse abzubauen, die diese

Menschen davon abhalten, in anderen Gruppen

mitzumachen.

Offen sein. Eigentlich ist das für die Landjugend

nichts Neues. Landjugend ist immer

schon vielfältig gewesen. Habt ihr einmal versucht,

euren Freunden, die nicht wissen, was

Landjugend ist, in einem Satz die Aktionen

der Landjugend zu erklären?

So einfach ist das nämlich gar nicht. Landjugendgruppen

unternehmen verschiedene

Aktivitäten. Wir machen Sport wie Fußballturniere

oder Bowlingabende, aber nicht nur. Wir

machen Kulturprogramme mit Volkstanz und

Theater, aber nicht nur. Wir bilden uns weiter,

mit Computerkursen und Rhetorikseminaren,

aber nicht nur. Wir organisieren Großveranstaltungen

wie Scheunenfeten und Kirmesfeiern,

aber nicht nur.

Wir packen an, reisen, diskutieren, kochen,

kämpfen, bauen und basteln oder sitzen einfach

zusammen und tauschen uns aus. Das

Landjugendprogramm ist unterschiedlich und

vielfältig.

Und auch die Mitgliederstruktur in den Ortsgruppen

ist so bunt. Es gibt Schüler und

Studenten, LandwirtInnen und Bankkaufleute,

VerkäuferInnen und MechatronikerInnen, ErzieherInnen

und Auszubildende. Manche unserer

Mitglieder sind eher zurückhaltend, andere im-

mer ganz vorne dabei. Manche wollen zu Hause

den Hof übernehmen, andere warten sehnsüchtig

auf das Studium in der großen Stadt.

Und trotz alledem: Wer auf Landjugendveranstaltungen

wie beispielsweise im Rahmen

der Internationen Grünen Woche in Berlin

oder dem Deutschen Landjugendtag war,

kann bestätigen, dass Landjugend trotz aller

Unterschiede in den Gruppen zwischen den

Mitgliedern und ihren Meinungen immer ein

Zusammengehörigkeitsgefühl verbindet: Egal,

wohin man kommt, wird man mit offenen

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Armen empfangen, entdeckt Gemeinsamkeiten

und fühlt sich als Teil eines großen Ganzen.

Interkulturelle Öffnung bedeutet eigentlich

nur, diese Offenheit, mit der wir andere

Landjugendliche aufnehmen, allen Menschen

entgegenzubringen. Menschen nicht wegen

einer anderen Hautfarbe oder eines anderen

Herkunftslandes zu beurteilen oder sie nur

als „anders“ zu sehen. So wie Studenten und

Bankkaufleute oder LandwirtInnen Gemeinsamkeiten

haben, haben auch ein Michael und

ein Medin trotz vielleicht unterschiedlicher

Muttersprachen gemeinsame Hobbys oder mögen

die gleiche Musik.

Dass Interkulturelle Öffnung derzeit politisch

en vogue ist – egal ob beispielsweise in der

Rede des Bundespräsidenten zur Wiederverei-

4 www.landjugend.de


links: © a4stockphotos - Fotolia.com / rechts: © Robert Kneschke - Fotolia.com

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nigung oder aktuell in den Bestsellerlisten der

Sachbücher – ist das eine. Was Interkulturelle

Öffnung für deine Ortsgruppe bringt, ist das

andere. Auch im ländlichen Raum gibt es

immer mehr Menschen, die hinzuziehen, und

einige von ihnen kommen aus einem anderen

Land.

Indem ihr euch öffnet für alle, könnt ihr neue

Mitglieder für die Ortsgruppe gewinnen. Das

bedeutet nicht nur mehr Mitglieder auf dem

Papier, sondern neue Menschen, die sich mit

Ideen und Erfahrungen in die Verbandsarbeit

einbringen können. Und diese Ideen sind

umso vielfältiger, je vielfältiger die Menschen

sind.

Landjugend bewahrt Tradition. Wir feiern

Erntefeste, tragen Trachten und wissen, dass

Kultur ein wichtiger Bestandteil unserer Identität

ist. Gerade weil wir die Kultur und das

Brauchtum unserer Heimat so wertschätzen,

sollten wir die gleiche Wertschätzung der Kultur

anderer entgegenbringen. Genau wie wir

sind alle Menschen von ihrer Kultur geprägt

und leben sie gern aus. Und genau wie wir alle

eine Kultur haben und trotzdem so völlig unterschiedlich

sind, sind Menschen aus anderen

Ländern weit mehr als nur Träger ihrer Kultur.

Traut euch, neue Menschen kennen zu lernen,

aus Fremden Freunde zu machen.

Auf einer gemeinsamen Basis, in einer gemeinsamen

Gruppe kann man sich austauschen,

Neues entdecken und voneinander lernen.

Übrigens: nicht nur gegenüber anderen Kulturen

lohnt es sich, sich zu öffnen. Egal ob

Menschen mit einer Behinderung, einem

ungewöhnlichen Musik- oder Kleidungsstil,

Liebesleben oder Lebensentwurf. Es gibt viele

Formen, anders zu sein. Und trotzdem sind

wir alle irgendwie gleich. Denn wir leben in

unseren Regionen und wollen das Leben dort

attraktiv gestalten. Egal wie unterschiedlich

wir alle sind. Wir alle bewegen das Land - zusammen!

Katrin Biebighäuser

Vorsitzende des Bundes der Deutschen Landjugend

„Keine Nebensache, sondern Pflicht“

Jugendarbeit, interkulturelle Öffnung oder beides? Ein Erklärungsversuch

Interkulturelle Öffnung der Jugendarbeit muss

zwei Dimensionen berücksichtigen und vereinen:

die interkulturelle Öffnung von Strukturen

und Angeboten der etablierten Jugendarbeit

und das Empowerment von Vereinen von Jugendlichen

mit Migrationshintergrund (VJM) 1 .

Um einen Prozess der interkulturellen Öffnung

in Gang zu bringen, ist es zunächst

notwendig, dass sich die einzelnen Akteure

und Akteurinnen der Jugendarbeit bewusst

werden, dass die bisherige Jugendarbeit durch

(subtile) Ausschlussmechanismen geprägt ist,

die ein Grund dafür sind, dass Jugendliche mit

Migrationshintergrund nicht adäquat an den

Angeboten der Jugendarbeit partizipieren und

in den Gremien der Jugendarbeit nicht ausreichend

repräsentiert sind. Dabei stehen diese

Ausschlussmechanismen nicht im Widerspruch

zu der, nahezu alle Angebote der Jugendarbeit

kennzeichnenden Kernaussage, dass diese

„offen für alle Jugendlichen sein“. Diese Aussage

ist vielmehr ein Indiz für die Subtilität

der Ausschlusspraxen. Entsprechend müssen

Akteurinnen und Akteure der Jugendarbeit

selbstkritisch ihre Angebote und die Struktu-

1) Für den Bereich der Erwachsenenorganisationen hat sich der Begriff MSO (MigrantInnenselbstorganisationen)

eingebürgert. Da die meisten der Organisationen aber über nach deutschem Recht gültige Vereinsstrukturen

verfügen und sich auch zunehmend bemühen, die notwendigen Schritte zu unternehmen, um

dem deutschen Vereinsrecht zu entsprechen, wähle ich für die Jugendvereine den Terminus Vereine von

Jugendlichen mit Migrationshintergrund (VJM), um auch begrifflich eine Augenhöhe mit anderen Akteuren

der Zivilgesellschaft zu erreichen.

ren der jeweiligen Institutionen hinterfragen

und nach Indikatoren suchen, die dazu führen,

dass sich Jugendliche mit Migrationshintergrund

nicht von der Jugendarbeit angesprochen

fühlen.

Insgesamt gilt, vor dem Hintergrund der Entwicklung

der in der Bundesrepublik Deutschland

lebenden Bevölkerung und auf der Basis

der rechtlichen Grundlagen, die sich im 8. Sozialgesetzbuch

im Kinder- und Jugendhilfegesetz

(KJHG) manifestieren, dass interkulturelle Öffnung

der Jugendarbeit eine der Kernaufgaben

der Jugendarbeit ist, die nicht als Nebenaufgabe,

sondern als Pflicht der Jugendarbeit gelten

sollte. Ziel der Öffnung ist dabei, dazu beizutragen,

dass alle Kinder und Jugendlichen,

die in der Bundesrepublik Deutschland leben,

nicht nur theoretisch, sondern auch prak-

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tisch die Möglichkeit haben, sich zu beteiligen

und die Jugendarbeit aktiv mitzugestalten.

Aufgrund der heterogenen Ausrichtung der

außerschulischen Jugendarbeit, die mit unterschiedlichen

Zielgruppen und zu unterschiedlichen

Themen und Aktionsgebieten arbeiten,

ist es notwendig, dass Konzepte der Öffnung

so angelegt sind, dass sie der Heterogenität

der Jugendlichen, der Pluralität der Angebotsformen

sowie der regionalen und sozialstrukturellen

Unterschiede Rechnung tragen.

Im Zuge der interkulturellen Öffnung gilt es zu

berücksichtigen, dass ein Prozess der Öffnung

stets unterschiedliche Arbeits- und Organisationsebenen

berücksichtigen und die in den

einzelnen Ebenen implementierten Maßnahmen

miteinander verzahnen muss. Die Triade

der interkulturellen Öffnung stellt dabei die

drei wesentlichen Ebenen dar, die angegangen

werden sollten. Auf der individuellen Ebene

geht es insbesondere darum, die Angebote,

die ein Träger der Jugendarbeit durchführt,

so zu gestalten, dass auch Jugendliche mit

Migrationshintergrund daran teilnehmen. Es

geht also darum, dass beispielsweise die Mitglieder

eines Jugendverbands sich aus allen

gesellschaftlichen Gruppen zusammensetzen

oder internationale Jugendbegegnungen nicht

ausschließlich von Jugendlichen ohne Migrationshintergrund

wahrgenommen werden. Neben

der individuellen Ebene umfasst ein Prozess

der interkulturellen Öffnung immer auch Veränderungen

in den Strukturen der einzelnen

Institutionen. Auf der strukturellen Ebene

kommt es darauf an, sowohl die Zusammensetzung

der haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden

einer Institution hinsichtlich der

Frage nach der Einbeziehung von Menschen

mit Migrationshintergrund zu analysieren, als

auch die interne und externe Darstellung der

Einrichtung hinsichtlich des Anspruchs auf

interkulturelle Öffnung oder gesellschaftliche

Gerechtigkeit zu überprüfen. Hier sind die

Veränderungsprozesse, die Nancy Fraser im

Sinne einer participatory parity unter „Umverteilung

und Anerkennung“ subsumiert,

virulent und handlungsleitend (Fraser 1997).

Jugend(politisch) sollte eine Institution, die

sich interkulturell öffnet, öffentlich Stellung

beziehen und den Stellenwert sowie die politischen

Veränderungsforderungen, die sich

2) Der Artikel ist ein gekürzte Version des Artikels

„Veränderungsprozesse in der Jugendarbeit:

Anerkennung und Umverteilung als Maximen der

interkulturellen Öffnung“ und wurde erstmals

veröffentlicht in: IJAB (Hg.): Forum Jugendarbeit

international. 2006/2007 Qualität zeigt Wirkung

- Entwicklungen und Perspektiven, Bonn 2007,

S. 208-223.

Die Trias der Interkulturellen Öffnung

Strukturell

aus einer Öffnung ergeben, auch innerhalb der

jugend(politischen) Gremien deutlich machen.

Interkulturelle Öffnung der Jugendarbeit ist

nicht nur ein Prozess, der als Organisationsentwicklungsprozess

verstanden werden kann,

sondern beinhaltet auch politisch relevante

Elemente, insofern als eine Einrichtung, die

sich öffnet, den gesellschaftlichen Wandel hin

zu einer Einwanderungsgesellschaft anerkennt

und dementsprechend auch politisch Stellung

bezieht. Notwendig ist es zudem, dass Maßnahmen

der Öffnung auf den verschiedenen

horizontalen Institutionsebenen verfolgt und

kommuniziert werden. Ein Jugendverband, der

sowohl lokal wie auch auf Landes- und Bundesebene

agiert, kann nicht ausschließlich auf

lokaler Ebene den Prozess der interkulturellen

Öffnung beginnen, wenn die Öffnung langfristig

erfolgreich sein will. Ebenso kann nicht

der Vorstand einer Einrichtung den Prozess der

Öffnung zur Aufgabe der Einrichtung erklären,

ohne dies mit den Mitarbeitenden abzustim-

Literatur

Individuell

Jugend

(politisch)

Djo-Deutsche Jugend in Europa (Hg.): Grundsätze.

Positionen und Forderungen der djo-Deutsche Jugend

in Europa, 2004

Fraser, Nancy (1997): Die halbierte Gerechtigkeit.

Schlüsselbegriffe des postindustriellen Sozialstaates,

Frankfurt/M.

Gaitanides, Stefan: Checkliste für die interkulturelle

Öffnung sozialer Dienste (www.fb4.fh-frankfurt.de/

whoiswho/gaitanides/checkliste_interk_oeff.pdf,

Stand vom 10. Mai 2007)

Jagusch, Birgit (2007): Partizipation für die Zukunft.

Bildungsressourcen von Jugendlichen mit

Migrationshintergrund durch Qualifizierung ihrer

Jugendverbände aktivieren, in: deutsche Jugend,

05/2007

Lorde, Audre (1984): Age, Race, Class and Sex:

Women Redefining Difference, in: Sister Outsider:

Essays and Speechs, Trumansburg

Nick, Peter (2005): Kinder und Jugendliche mit

nichtdeutscher Staatsangehörigkeit und/oder familiärem

Migrationshintergrund in der Jugendver-

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men und die Notwendigkeit der Öffnung in allen

Ebenen im Bewusstsein der Mitarbeitenden

zu verankern.

Es wäre jedoch zu kurz gegriffen und im

Sinne einer umfassenden Strategie der gesellschaftlichen

Inklusion kontraproduktiv,

interkulturelle Öffnung nur auf die Erhöhung

des quantitativen Anteils von Jugendlichen

mit Migrationshintergrund zu reduzieren, ohne

gleichzeitig die anderen, identitätsrelevanten

und gesellschaftsstrukturierenden Differenzlinien

zu berücksichtigen. Neben der Frage des

Migrationshintergrundes umfasst interkulturelle

Öffnung also auch andere Indikatoren, wie

beispielsweise Gender, Gesundheit, soziales

Millieu, Religion oder Bildungshintergrund.

Gleichzeitig geht es auch um eine qualitative

Öffnung von Einrichtungen. Es ist beispielsweise

nicht egal, welche Positionen Mitarbeitende

einer Einrichtung unter interkulturellen

Gesichtspunkten einnehmen. Eine Institution,

die zwar hauptamtlich Beschäftigte mit Migrationshintergrund

hat, die jedoch in prekären

Beschäftigungsverhältnissen sind – beispielsweise

als Reinigungskräfte oder mit befristeten

Arbeitsverträgen – kann nicht als interkulturell

geöffnet gelten. 2

Die Autorin: Birgit Jagusch arbeitete bis Juni

2010 beim Informations- und Dokumentationszentrum

für Antirassismusarbeit e.V. (IDA e.V.)

und ist derzeit wissenschaftliche Mitarbeiterin

des Instituts für Sozialpädagogische Forschung

Mainz e.V. (ism).

bandsarbeit in Deutschland – Überblick über den

Forschungs- und Diskussionsstand, Expertise für das

Deutsche Jugendinstitut (DJI), München

Rosenstreich, Gabriele Dina (2007): The Mathematics

of Diversity Training: Multiplying Identities, Adding

Categories and Intersecting Discrimination, in: Broden,

Anne/Mecheril, Paul (Hg.): Re-Präsentationen.

Dynamiken der Migrationsgesellschaft, IDA-NRW,

Düsseldorf

Thimmel, Andreas: Pädagogik der internationalen

Jugendarbeit. Geschichte, Praxis und Konzepte des

interkulturellen Lernens, Schwalbach/Ts. 2001

Weiss, Karin/Thränhardt, Dietrich (Hg.) (2005):

SelbstHilfe. Wie Migranten Netzwerke knüpfen und

soziales Kapital schaffen, Freiburg i. Br.

Yiğit, Nuran/Can, Halil (2006): Politische Bildungs-

und Empowerment-Arbeit gegen Rassismus in People

of Color-Räumen – das Beispiel der Projektinitiative

HAKRA, in: Elverich, Gabi/Kalpaka, Annita/Reindlmeier,

Karin (Hg.): Spurensicherung – Reflexion von

Bildungsarbeit in der Einwanderungsgesellschaft,

Wiesbaden

6 www.landjugend.de


Nr. 02/10

Dialog zwischen den Kulturen

Interkulturelle Öffnung in der Landjugend - Ideen und Ansätze

Der Bund der Deutschen Landjugend beschäftigt

sich mit dem Thema Interkulturelle Öffnung

bereits seit mehreren Jahren. Im Jahr

2005 gab es eine erste Publikation unter dem

Titel „Spurensuche-Migration“, erste Fortbildungsveranstaltungen

wurden durchgeführt.

Darüberhinaus fand der fachliche Austausch

von haupt- und ehrenamtlichen MitarbeiterInnen

bei den Bildungswochen der letzten Jahre

zur Thematik der Interkulturellen Öffnung

statt. Im Frühjahr 2007 wurde im Grundsatzpapier

„Jugendpolitik“ ein Absatz zum Thema

Integration und Extremismus aufgenommen.

Unter anderem heißt es darin: „Die Landjugend

selbst begreift sich als ein Verband, der

offen ist für alle jungen Menschen, egal mit

welchem Hintergrund. Jugendliche kommen

in der Landjugend mit ihren persönlichen

Geschichten, Erfahrungen und Hintergründen

zusammen und prägen mit dem daraus resultierenden

Aktiv-Werden den Verband. Die

Landjugend versteht sich in der Folge dessen

auch als Forum für interkulturelles Lernen und

den Dialog zwischen Kulturen.“

Doch der Schritt zwischen grundsätzlicher

Positionierung und Umsetzung im Verband

auf den verschiedenen Ebenen ist nicht so

schnell gemacht, zumal interkulturelle Öffnung

nicht von oben „verordnet“ werden kann.

Inzwischen liegen konkrete Erfahrungen in

der Umsetzung in den Landesverbänden vor.

Vorreiter im Verband ist dabei der Bund Badischer

Landjugend, der mit seinem Projekt „Wir

sind alle Landjugend!“ 1 aufgezeigt hat, wie

interkulturelle Öffnung im Landjugendverband

funktionieren kann. Die Integrationsoffensive

hatte unter anderem das Ziel, für die Themen

Migration, Heimat und Kultur zu sensibilisieren

sowie aber auch konkrete Begegnungen zu

ermöglichen. Dabei zeigte sich, dass gerade

die Landjugend sehr gute Anknüpfungspunkte

durch beispielsweise Volkstanzgruppen hat.

Der Arbeitskreis „JumPo - Jugend macht Politik“

des Bundes der Deutschen Landjugend hat

sich Anfang des Jahres 2010 intensiv mit der

Frage der Umsetzung in der Landjugend be-

schäftigt. Dabei wurden folgende Handlungsmöglichkeiten

zur Interkulturellen Öffnung

identifiziert:

Überprüfung der Satzung, des Selbstverständnisses:

• Wie ist der Mitgliedsbegriff definiert?

Impulsgeber Bundes-/ Landesebene:

• Workshop im Rahmen von bundeszentralen

Veranstaltungen

• Landesversammlungen

• (Teil-)Projekte

• Austausch und Vernetzung auf Bundesebene

Kompetenzen aufbauen:

• Bausteine für FreizeitleiterInnenschulung,

GruppenleiterInnenschulungen entwickeln

und umsetzen

Vernetzung/Austausch:

• von anderen Erfahrungen profitieren

• externe, fachliche Beratung hinzuziehen

• Fachveranstaltungen besuchen

Der BDL arbeitet beispielsweise im Netzwerk

interkultureller Jugendverbandsarbeit und

–forschung (NiJaf) 2 mit

Sensibilisierung:

• kleine Schritte

• informieren

• kleine Einheiten und Übungen

1) www.bdl.landjugend.info/de/ernst-engelbrecht-greve-preis/eeg-preistraeger-2009

2) www.idaev.de/service/interkulturelle-oeffnung/nijaf

3) Das Informations- und Dokumentationszentrum für Antirassismusarbeit (IDA e.V.) hat hierzu eine Datenbank

aller Vereine in Deutschland aufgebaut. Diese findet sich im Internet unter www.idaev.de/service/

vereine-junger-migranten

Marke „Landjugend“ bekannt machen:

• Reichweite von Angeboten analysieren

• Angebotsstruktur: Welche Zielgruppen erreichen

wir damit?

• nach Analyse: gegebenenfalls Angebotserweiterung,

Veränderung

Rahmenbedingungen, Strukturen analysieren:

• Stehen Ressourcen zur Verfügung?

• Sind Strukturen so, dass neue Gruppierungen

sich einbringen können?

Stellungnahmen, Positionen:

• Jugendpolitische Möglichkeit der interkulturellen

Öffnung

Begegnungen, Austausch mit Vereinen von

Jugendlichen mit Migrationshintergrund 3 :

• gemeinsame Freizeitinteressen

• Anknüpfungspunkte suchen

Diese Handlungsmöglichkeiten sind mögliche

Schritte, die sich aus den Erfahrungen in der

Umsetzung bei der Landjugend herauskristallisiert

haben - sie sind weder vollständig, abschließend

oder als die einzigen Möglichkeiten

zu verstehen. Manchmal sind es die ganz eigenen

Erfahrungen und Zugänge, die plötzlich

Veränderungen mit sich bringen – nicht nur

bei der interkulturellen Öffnung von Jugendverbandsarbeit.

Daniela Ruhe

Grundsatzreferentin

Jugendpolitik und Bildung

Bund der Deutschen Landjugend

www.landjugend.de 7

Foto: DFJW/ Susanna


Altes Fahrrad - neue Hoffnung

Von der Theorie zur Praxis: Interkulturelle Öffnung in Afrika

Der Ghana e.V. – Verein zur Unterstützung der

Rural Youth Association in Ghana und Partner

der Niedersächsischen Landjugend (NLJ) - wurde

am 5. Juli 1988 offiziell gegründet. Die

ersten Überlegungen wurden aber bereits 1980

während der Landesversammlung der NLJ angestellt,

da das Thema der Landesversammlung

damals „Dritte Welt, zwei Drittel der Welt“ war.

Die Idee, sogenannte Mikroprojekte in Entwicklungsländern

durchzuführen, wurde erarbeitet:

Landjugendgruppen sollten kleine, vor allem

zeitlich und finanziell überschaubare Projekte

im ländlichen Raum in Entwicklungsländern

Entwicklungshelferin Theresa Nyarko-Fofie

unterstützen. Durch diese Projekte sollte ein

regelmäßiger Kontakt zwischen den Landjugendgruppen

und den Gruppen vor Ort in den

Entwicklungsländern entstehen, sodass durch

Briefe, Fotos und Besuche die Motivation der

Landjugendlichen aufrecht erhalten wird, die

Projekte weiter zu unterstützen.Über mehrere

Jahre wurde über verschiedene Wege versucht,

Kontakte zu Hilfsempfängern aufzubauen.

1986 kam es zum Kontakt mit Theresa Nyarko-

Fofie, einer einheimischen Entwicklungshelferin

der Food and Agriculture Organization der

Vereinten Nationen (FAO). Zum Start bekam

Theresa rund 380 Euro und hat damit sieben

Frauengruppen über Kleinkredite aufgebaut.

Angesichts der relativ hohen Fluktuation in der

Landjugend wurde 1988 schließlich offiziell der

Ghana e.V. gegründet, um die Projekte langfristig

abzusichern. 1990 konnte mit Hilfe von

Theresa eine Kreditgenossenschaft im Wenchi-

District gegründet werden. Das Startkapital

betrug damals 10.000 DM (umgerechnet rund

5100 Euro). Da

380 Euro für

sieben neue

Existenzen

die Kreditgenossenschaft

sehr

gut angelaufen

war und es viele

Frauengruppen

gab, die weiter

unterstützt

werden mussten, hat sich der Ghana e.V. entschlossen,

Theresa ab 1991 für zwei Jahre als

eigene Entwicklungshelferin zu finanzieren,

da sie nicht mehr durch die FAO unterstützt

wurde. In diesen zwei Jahren expandierten die

Aktivitäten auf den benachbarten Nkoranza-

District. 1993 gründete sie im Wenchi- und

Nkoranza-District die Rural Youth Association

(RYA), eine Nicht-Regierungs-Organisation

(NGO), die seitdem Partner der NLJ ist.

Das bislang größte Projekt startete 1993, als

es dem Ghana e.V. gelang, von der niedersächsischen

Landesregierung umgerechnet rund

181.000 Euro Projektmittel zu erhalten. Mit

diesem Geld wurden sehr viele Projekte gestartet

und ausgebaut, unter anderem wurden

neun Brunnen in Dörfern gebohrt. Ackergeräte

wurden gekauft, es gab ein Ochsenanspannungsprojekt

mit 20 Ochsenpaaren, Baumschul-

und Aufforstungsprogramme, eine Pilz-

und Schneckenzucht, Ausbildungsförderung

und die Aufstockung des Kapitals der Kredit-

Ghana

Elfenbeinküste

Burkina Faso

Nr. 02/10

genossenschaft wurde finanziert. Das war die

Initialzündung für die weitere Entwicklung.

1997 startete die berühmte Aktion „Fahrräder

für Ghana“. Landjugendgruppen sammelten

alte Fahrräder und machten sie in diversen

Workshops, unter anderem beim Landes Musischen

Fest (LaMuFe) wieder funktionstüchtig.

Danach wurden sie in gekauften Seecontainern

zur RYA nach Ghana verschifft und dort zum

Teil verkauft oder Bedürftigen zur Verfügung

gestellt. 1999 gab es eine ähnliche Aktion

mit Rollstühlen und Krankenhausbetten. Die

Krankenhausbetten und medizinische Geräte

wurden an das Emil-Memorial-Hospital in Wenchi

übergeben. Als Gegenleistung werden RYA-

Mitglieder in dieser Einrichtung zu besonderen

Konditionen behandelt. Die verschiedenen

See container wurden umgebaut und dienen

mittlerweile als verschließbare Werkstatt, Kiosk,

Friseursalon, Textilwerkstatt und Restaurant

in Wenchi, Nkoranza und Accra.

Das Angebot, eine Ausbildungspatenschaft für

einen jungen Menschen aus der RYA zu übernehmen,

wird auch sehr gut angenommen. In

Ghana ist es nämlich üblich, dass das Werkzeug

selbst vom Lehrling mitgebracht wird

und manchmal muss sogar noch der Lehrherr

bezahlt werden. Eine Landjugendgruppe oder

Einzelperson kann für einmalig zu entrichtende

100 Euro einem Jugendlichen eine Ausbildung

ermöglichen. Die Spender werden über

den Fortschritt der Ausbildung informiert.

8 www.landjugend.de

Wenchi

Nkoranza

Ghana

Accra

Togo Benin


Nr. 02/10

Auf der Gari-Farm werden Rüben geputzt.

Schuhmacher Prince hat eine

Ausbildungspatenschaft erhalten.

In den letzten zwei Jahren wurde wieder ein

größeres Projekt vorangetrieben. Seit Juni

2009 befindet sich das berufliche Ausbildungszentrum

für körperbehinderte und nichtbehinderte

Menschen in Wenchi im Bau. Das

Projekt kostet insgesamt 55.000 Euro und wird

gemeinsam mit ananse – Support of people

with special needs e.V., einem Entwicklungshilfeverein

aus Bielefeld, und dem Bundesministerium

für wirtschaftliche Zusammenarbeit

und Entwicklungshilfe (BMZ) finanziert. Nach

der Fertigstellung und Einweihung im Herbst

2010 bietet das Ausbildungszentrum Lehrplätze

für 25 junge Menschen. Unter anderem gibt

es einen Friseursalon, eine Textilwerkstatt für

ghanaische Kleidung mit Batik- und Nähwerkstatt

und eine Metallwerkstatt, in der Metalltüren

und –schränke, aber auch Hilfsmittel für

Behinderte erstellt werden können. Es gibt ein

Gebäude mit Übernachtungsmöglichkeiten für

die Auszubildenden und ein Gebäude für Physiotherapie

und Seminare.

Der Ghana e.V. präsentiert sich bei den größeren

Veranstaltungen der NLJ, wie dem LaMuFe,

der Landesversammlung und dem diesjährigen

60jährigen Jubiläum, bei dem unter dem

Motto „Eis schlecken für Ghana“ Eis auf dem

Festgelände verkauft wurde.

Maike Arens

Vorstandsmitglied des Vereins zur Unterstützung

der Rural Youth Association in Ghana e.V.

www.landjugend.de 9

Fotos: Ghana e.V.; Karte: http://english.freemap.jp

Info

Der Ghana e.V. hat bundesweit über 120

Mitglieder und das Ziel, Projekte weiter zu

unterstützen und auszubauen. Ende 2010/

Anfang 2011 soll erneut ein Hilfscontainer

Werkstattausrüstung für die Bereiche Metall,

KFZ, Holz und Elektrik, wie zum Beispiel Dreh-

und Drechselbänke, Fräsmaschinen, Kurbelwellenschleifmaschinen,

Hobelbänke und andere

große Geräte nach Ghana bringen.

Der Mindestjahresbeitrag für die Mitgliedschaft

beträgt 20 Euro, auch Ortsgruppen können

Mitglied werden und den Fortbestand und Ausbau

der Projekte in Ghana unterstützen.

Weitere Informationen, Spendendaten und

Kontaktdaten der Ansprechpartner unter

www.ghana-ev.de.


„Auch die Landjugend ist gefragt!“

Sprache, Vertrauen und die „Stimme der Jugend“ - ein Integrationsrezept

Wer sich engagiert, gestaltet aktiv die

Zukunft junger Migranten mit, sagt die

Migra tionsbeauftragte der Bundesregierung

Dr. Maria Böhmer. Im Interview erklärt

sie außerdem, was Bundesregierung und

Behörden unternehmen, um Zuwanderern

einen Weg in Deutschland zu ebnen und

begründet, wie Integration auch im ländlichen

Raum funktionieren kann.

Frau Dr. Böhmer, Sie sind die Beauftragte der

Bundesregierung für Integration – was genau

sind Ihre Aufgaben?

Mittlerweile leben 16 Millionen Menschen aus

Zuwandererfamilien in unserem Land. Viele

von ihnen sind gut integriert, sie haben den

sozialen Aufstieg geschafft. Zahlreiche Migranten

haben aber nach wie vor mit Nachteilen

zu kämpfen, beispielsweise im Bildungsbereich

und auf dem Arbeitsmarkt. Ihre Förderung und

Unterstützung ist ein Schwerpunkt meiner

Arbeit. Ich möchte, dass alle Menschen, die

dauerhaft in Deutschland leben, die gleichen

Chancen haben. Besonders entscheidend für

eine erfolgreiche Zukunft sind gute Deutschkenntnisse,

ein solider Schulabschluss und

eine fundierte Ausbildung. Der 2007 verabschiedete

Nationale Integrationsplan, den ich

koordiniere, sieht zahlreiche Maßnahmen zur

Verbesserung der Situation der Migranten insbesondere

in den Bereichen Sprache, Bildung

und Arbeitsmarkt vor.

Von zentraler Bedeutung ist die Sprachförderung

von Anfang an in den Kindergärten: Junge

Migranten müssen die gleichen Startchancen

wie Kinder ohne Migrationshintergrund

haben. In den Schulen muss die individuelle

Förderung der Jugendlichen aus Zuwandererfamilien

intensiviert werden. Vielen Migranteneltern

ist unser Bildungssystem fremd. Sie

können ihren Kindern nicht die notwendige

Hilfe geben. Ich setze mich bei den Ländern

dafür ein, dass sie die Schulen mit einem hohen

Migrantenanteil stärker unterstützen, das

heißt mehr Lehrer, mehr Schulsozialarbeiter,

mehr Zeit - also mehr Ganztagsschulen.

Im Rahmen des Ausbildungspakts von Politik

und Wirtschaft habe ich erfolgreich dafür

gekämpft, dass junge Migranten besonders

in den Blick genommen werden. Vielfalt ist

eine Chance für unser Land - dafür gibt es

viele Belege wie tüchtige Handwerker, Ärzte,

Polizisten und Sportler. Klar ist aber auch,

dass beide Seiten ihren Beitrag für ein gutes

Miteinander leisten müssen. So sind die Migranten

gefordert, Integrationsangebote auch

anzunehmen.

Welchen Beitrag über Ihre Arbeit hinaus leistet

die Bundesregierung, um Migrantinnen

und Migranten zu stärken beziehungsweise zu

fördern?

Ganz aktuell haben wir eine gesetzliche Regelung

zur Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse

auf den Weg gebracht. Dafür habe ich

mich mit allem Nachdruck eingesetzt. Das ist

ein wichtiger Beitrag für die Integration von

vielen qualifizierten Zuwanderern in unserem

Land. Viele von ihnen können ihre Fähigkeiten

im Moment noch nicht einbringen, weil ihr im

Ausland erworbener Abschluss nicht anerkannt

wird. Ingenieure müssen deshalb Taxi fahren,

Zahnärzte als Kellner arbeiten. Mit dem Gesetzesvorhaben

erreichen wir, dass jeder Zuwanderer

einen Anspruch auf ein Anerkennungsverfahren

hat. Das ist ein Riesen-Gewinn für

jeden Einzelnen. Und ein großer Fortschritt

für unser Land, weil wir damit ein Stück weit

den Fachkräftemangel ausgleichen können.

Die vielfältigen Potenziale in unserem Land zu

heben hat für uns oberste Priorität!

Zudem ist die Sprachförderung ein Kernanliegen

der Bundesregierung. In den Integrationskursen

des Bundes können Migranten die

deutsche Sprache erlernen. Seit 2005 haben

mehr als 600.000 Frauen und Männer an den

Kursen teilgenommen - das ist ein großer Erfolg.

Wegen der großen Nachfrage haben wir

in diesem Jahr die Mittel für die Kurse auf die

Rekordsumme von 233 Millionen Euro erhöht.

Wie ist die Situation der MigrantInnen in den

ländlichen Räumen?

Pauschal lässt sich die Frage schwer beantworten,

weil ländliche Regionen von ihrer

Struktur sehr unterschiedlich sein können.

97 Prozent der Migranten leben in den westlichen

Bundesländern. Sie sind sowohl in Großstädten

als auch in ländlichen Regionen anzutreffen,

sofern es sich um industriell geprägte

Regionen handelt. In der Regel ist der Anteil

der Migranten in mittleren und kleineren Gemeinden

zwar niedriger als in großen Städten.

Aber Integration ist mittlerweile auch für

Nr. 02/10

viele solcher kleinen und mittleren Städte

und Landkreise eine wichtige Aufgabe. Immer

mehr Kommunen, gerade auch in ländlichen

Regionen, entwickeln deshalb Integrationskonzepte

- eine zukunftsorientierte Entwicklung.

Festzuhalten ist: Die berufliche Situation der

Migranten im ländlichen Raum ist im Schnitt

besser als in Großstädten. In kleinen Städten

ist der Anteil derjenigen ohne Berufsabschluss

wesentlich niedriger als in Großstädten mit

mehr als 200.000 Einwohnern.

Gibt es Unterschiede zum urbanen Raum? Wenn

ja, worin sind diese Unterschiede begründet?

Im ländlichen Raum finden Migranten offensichtlich

leichter Kontakte zu ihren Nachbarn

und Arbeitskollegen, zu anderen Eltern und im

Verein. Diese Kontakte können sie beispielsweise

bei der Suche nach einem Ausbildungs-

oder Arbeitsplatz nutzen. Junge Migranten engagieren

sich dort vor allem in Sportvereinen,

wo sie schnell Gleichaltrige kennen lernen können.

Wenn es auf allen Seiten die Bereitschaft

und Offenheit gibt, dann kann Integration im

ländlichen Raum sehr gut gelingen. Für Kinder

unterschiedlicher Herkunft ist es selbstverständlich,

miteinander aufzuwachsen. Daran

gilt es bei den Jugendlichen anzuknüpfen. In

einem Projekt der Schader-Stiftung, für das ich

die Schirmherrschaft übernommen habe, wird

ganz gezielt nach den Integrationspotenzialen

der Kleinstädte und Landkreise gefragt. Nachteilig

wirkt sich in ländlichen Regionen aus,

dass es in der Regel nur wenige ausdifferenzierte

und spezialisierte Integrationsangebote

gibt, die in Großstädten realisierbar sind. So

ist es allein aufgrund der kleineren Zahl an Migranten

oft schwieriger, dass es beispielsweise

die erforderlichen Alphabetisierungskurse für

Frauen oder Deutschförderung in Schulen für

neu zugewanderte Kinder gibt.

Laut einer Definition ist die „Interkulturelle

Kommunikation die Fähigkeit, mit Menschen

aus anderen Kulturen situationsadäquat und

zielführend zu kommunizieren“. Wie sieht diese

„zielführende“ Kommunikation im Alltag aus?

Ein Patentrezept für jede Situation gibt es

sicherlich nicht. Entscheidend ist, dass beide

Seiten offen füreinander und dazu bereit

sind, auf den Anderen zuzugehen. Oft weiß

man ja im ersten Moment gar nicht: Woher

stammt mein Gegenüber, welchen kulturellen

Hintergrund, welche religiösen Überzeugungen

10 www.landjugend.de


Nr. 02/10

bringt er mit? Der gegenseitige Respekt muss

das Miteinander prägen. Dann lässt sich auch

unverkrampft miteinander umgehen. Das gilt

ja grundsätzlich für die Kommunikation und

ein gutes Miteinander - nicht nur zwischen

Menschen mit unterschiedlichen kulturellen

Hintergründen. Hilfreich ist es, mehr über andere

Kulturen und Traditionen zu wissen, um

Missverständnissen vorzubeugen und Vorurteile

abzubauen. Nicht übereinander, sondern

miteinander reden - das sollte das Motto sein.

In einem Aufruf der Bundesregierung heißt

es: „Interkulturelle Öffnung geht alle an“. Nur

wird man „alle“, also alle Bürger, aber nicht

erreichen können beziehungsweise werden sich

alle Menschen nicht mobilisieren lassen. Was

plant dazu die Bundesregierung bzw. setzt sie

bereits um zur Mobilisierung „aller“?

Zunächst ist es konkretes Anliegen des Bundes,

als Arbeitgeber den Anteil der Migranten

im öffentlichen Dienst zu erhöhen - unter

Berücksichtigung von Eignung, Leistung und

Befähigung. Dabei sollen insbesondere ihre

sprachlichen und interkulturellen Kompetenzen

einbezogen werden. Dies muss Aufgabe

der Personalplanung jeder einzelnen Behörde

sein. Übrigens nicht nur beim Bund. Auch die

Länder haben sich im Nationalen Integrationsplan

dazu verpflichtet, mehr Migranten zu

beschäftigen. Wir brauchen mehr Menschen

aus Zuwandererfamilien in den Verwaltungen,

aber auch bei der Polizei, bei der Feuerwehr,

als Lehrkräfte und Erzieherinnen und Erzieher.

Migranten sind wertvolle Brückenbauer.

Die wachsende Vielfalt in unserem Land geht

aber in der Tat alle an. Und das lässt sich nur

vor Ort mit Leben füllen. Unternehmen sind

gleichermaßen gefordert wie Schulen, Sportvereine,

Musikgruppen und natürlich auch die

Landjugend. Um die Startschancen von jungen

Migranten zu verbessern, engagieren sich

mittlerweile viele Bildungspaten ehrenamtlich

in ihrer Freizeit. Im Rahmen der „Aktion

zusammen wachsen“ helfen sie Kindern und

Jugendlichen aus Zuwandererfamilien bei den

Hausaufgaben oder bei der Suche nach einem

Ausbildungsplatz. Für den Zusammenhalt unserer

Gesellschaft ist es wichtig, dass Migranten

in sämtlichen Bereichen der Gesellschaft

teilhaben können. Dafür müssen die Einheimischen

bereit sein, Vielfalt noch stärker als

Chance zu sehen.

Welchen Beitrag zu diesem Thema erwartet Ihrer

Ansicht nach die Bundesregierung von den

Jugendverbänden?

Wir würden es sehr begrüßen, wenn es gelingen

würde, verstärkt Kinder und Jugendliche

aus Zuwandererfamilien für die Jugendarbeit

zu gewinnen. Jugendverbände bieten attraktive

Freizeitgestaltungsmöglichkeiten und geben

jungen Menschen die Chance, sich aktiv einzubringen,

mitzuentscheiden, Verantwortung

zu übernehmen und Kontakte zu knüpfen. Die

Erfahrung, das Lebensumfeld mitgestalten zu

können, schafft Selbstvertrauen und stärkt

die Identifikation mit dem Gemeinwesen und

seinen Institutionen. Die Mitwirkung in der

Jugendarbeit kann zur gesellschaftlichen Integration

beitragen. Auch die Landjugend ist

gefragt: Wie können Jugendliche aus Zuwandererfamilien

für ein Engagement gewonnen

werden? Erhalten junge Migranten auch in

Leitungspositionen des Verbandes die Möglichkeit,

sich einzubringen? Wichtig ist die

Botschaft: Wer sich engagiert, gestaltet aktiv

die Zukunft der Jugend mit.

Interkulturelle Kommunikation scheitert oft

auch an Klischees und vorgefertigten Meinungen

gegenüber den Vertretern anderer Kulturen

– und halten sich leider oft hartnäckig. Was

raten Sie in solchen Fällen?

Vorurteile und stereotype Vorstellungen über

andere Kulturen verhindern ein friedliches

Zusammenleben. Toleranz und gegenseitiges

Verständnis sind die Voraussetzung für ein

gutes Miteinander. Jeder Einzelne kann dabei

helfen, Vorurteile abzubauen und Hürden zu

überwinden. Die Botschaft lautet: „Integration

fängt bei mir an“. Wenn jeder, Einheimische

und Migranten gleichermaßen, in seinem

Umfeld in der Schule, im Verein, am Arbeitsplatz

oder in der Nachbarschaft mit gutem

Maria Böhmer ist Staatsministerin für Integration

im Bundeskanzleramt, seit November 2006

Mitglied des Präsidiums der CDU Deutschlands

und Bundesvorsitzende der Frauenunion. Sie ist

zudem Professorin für Pädagogik in Heidelberg.

Neben ihren politischen Aktivitäten und der

Lehrtätigkeit engagiert sie sich in mehreren

Beiräten und Stiftungen und ist Mitglied des

Kuratoriums für die FIFA Frauen-Fußball-Weltmeisterschaft

2011. www.maria-boehmer.de

Beispiel vorangeht, funktioniert Integration.

In Deutschland gelingt die Kommunikation

von Einheimischen und Migranten im Alltag

übrigens in den meisten Fällen gut. Zu dem

Ergebnis kommt das erste Jahresgutachten

des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen

für Integration und Migration. Danach

vertrauen Zuwanderer den Deutschen zum Teil

sogar mehr als diese sich selbst. Mut macht

auch eine Studie der Universität Würzburg,

wonach Jugendliche mit türkischstämmigen

Wurzeln zu zwei Dritteln auch deutsche Freunde

haben.

Frau Dr. Böhmer, Sie sagten einmal, „die Stimme

der Jugend ist eine ganz wichtige Stimme,

wenn es um Fragen der Integration geht“. Warum

ist das so?

Gerade wenn wir die Situation von jungen

Migranten verbessern wollen, müssen wir

auf die „Stimme der Jugend“ hören. Deshalb

haben wir beispielsweise im Bundeskanzleramt

Jugendintegrationsgipfel durchgeführt.

Die Diskussionen gaben wichtige Impulse für

unsere Integrationspolitik, speziell zu den

Bereichen Bildung und Ausbildung. Wie wollen

wir in 20 Jahren leben? Wie steht es dann mit

dem Miteinander in unserem Land? Auch darüber

entscheiden die Jugendlichen von heute

wesentlich mit. Es ist wichtig, gemeinsam

Zukunftsvisionen zu entwickeln. Besonders

entscheidend ist das gegenseitige Vertrauen.

So hat mir die erfolgreiche WDR-Fernsehmoderatorin

Asli Sevindim von den Gastarbeitern

im Ruhrgebiet berichtet, die dort als Bergleute

gearbeitet haben. Unter Tage habe niemand

gefragt, woher man komme. Entscheidend sei

gewesen, dass man sich aufeinander verlassen

konnte. Gegenseitiges Vertrauen ist das, was

zählt. Vertrauen ist die Voraussetzung für gelingende

Integration.

www.landjugend.de 11


Geduld und diplomatisches Geschick

Die Landjugend Oberfranken pflegt seit Jahren eine deutsch-russische Partnerschaft

Die interkulturelle Öffnung eines Verbandes ist

harte Arbeit und nicht mal eben schnell erreicht.

Doch was lange währt, wird ja bekanntlich

gut. Deshalb trägt auch jeder noch so

kleine Schritt in diese Richtung zur Erreichung

dieses großen Zieles bei. Der Landjugendbezirksverband

Oberfranken der Bayerischen

Jungbauernschaft e.V. hat einen Seitenweg

des Öffnungsprozesses mit seinem deutschrussischen

Landjugendaustausch beschritten.

Pro Jahr findet mindestens eine Begegnung

in Russland und eine in Deutschland statt. In

diesen meist acht Tage dauernden Begegnungen

erfahren sowohl die deutschen Jugendlichen

als auch die russischen AustauschteilnehmerInnen

was es heißt, in Kontakt mit

einer anderen, ihnen oft fremden Kultur zu

stehen. Für viele von ihnen ist es eine kurze,

aber intensive interkulturelle Lernerfahrung.

Für den Landjugendverband ist es ein kleiner

Beitrag zur Entwicklung interkultureller Kompetenz

seiner Mitglieder.

Im Jahr 2010 besteht die Partnerschaft seit

fast 20 Jahren. Eine lange Zeit, in der sich

viele viele Jugendliche kennen gelernt und

Pensa

Finnland

Estland

Litauen

Polen

Lettland

Weiss-

Russland

russland

Moskau

Moldawien

Ukraine

Türkei

Schweden

Georgien

sich gegenseitig in Pensa oder Oberfranken

besucht haben. Begonnen hat die Partnerschaft

mit Wladimir Uchobotov, einem damaligen

russischen Praktikanten im oberfränkischen

Hof, der mittlerweile die internationalen

Nr. 02/10

Beziehungen an der Staatlichen Landwirtschaftlichen

Akademie in Pensa koordiniert

und unser Ansprechpartner der Landjugend vor

Ort ist. Über ihn, den APOLLO e.V.* und den

damaligen Jugendreferenten Hermann Schiller

sind die Kontakte über Jahre und mit viel

Geduld und Ausdauer sowie „diplomatischem

Geschick“ nach Pensa gewachsen. Seither

haben nicht nur zahlreiche Jugendbegegnungen

stattgefunden, sondern auch MultiplikatorInnenaustausche.

Besonders stolz ist der

Bezirksverband auf die Gründung des Landjugendregionalverbandes

Pensa. Er ist aus dieser

Partnerschaft entstanden, noch lange bevor

sich auf russischer Seite der Landjugend-

Dachverband RSSM gründete. Dieser wurde erst

2009 ins Leben gerufen.

Doch was bedeutet es nun ganz konkret, als

Landjugendlicher mit einer fremdartigen Kultur,

einem anderen Land wie Russland in Kontakt

zu kommen?

Die Vorbereitungsseminare, die Evaluationseinheiten

sowie die Gespräche mit ehemaligen

TeilnehmerInnen machen Erkenntnisse der

Jugendlichen deutlich:

12 www.landjugend.de

Pensa

Kasachstan

Gemeinsames Basteln verbindet – Christine Göldel, Oksana Gruschina und Alexander Tschigrow (v.l.) üben sich in interkultureller Gruppenarbeit (Bild links).


Fotos: Andreas Steinhäußer, Florian Schaller, Alexandra Krause; Karte: http://english.freemap.jp

Nr. 02/10

Lecker, landestypisch und einfach herzlich - der Empfang der Landjugendlichen auf einem landwirtschaftlichen

Betrieb nahe Pensa.

Dass… einige Bilder in ihren Köpfen (Stereotypen)

stimmen, andere aber nicht zutreffen,

… sie nur einen kleinen Teil der russischen

Kultur im Vorfeld kannten und auch nur einen

kleinen Ausschnitt dieses großen Landes kennen

gelernt haben,

… sie durch die Besichtigungen, Führungen

und Gespräche viel Neues gehört und gesehen

haben und sich ihr Wissen über Russland erweitert

hat,

… Bekanntes durchaus in einem anderen Kontext

steht, was zu Verwirrung führt,

… sie Bekanntes mit dem Erlebten vor Ort

vergleichen und ihre Schlüsse ziehen,

… es die Menschen in Russland sind, die sie

getroffen haben, die das Land für sie liebenswert

macht,

… sie das Programm, mit dem was sie gesehen

und gehört haben, emotional berührt,

… sie noch eine ganze Zeit, wenn nicht sogar

ihr Leben lang von der Begegnung begeistert

erzählen werden.

Die russischen Gäste erhalten zudem vor allem

einen Einblick in die allgemeine Jugendarbeit

und die Landjugendarbeit im Speziellen. Sie

* Arbeitsgemeinschaft für Projekte in Ökologie,

Landwirtschaft und Landesentwicklung in Osteuropa.

Ziel der APOLLO-Mitglieder ist die Förderung der

Entwicklung des Agrarsektors und der ländlichen

Räume Osteuropas, denen eine wichtige Rolle für die

wirtschaftliche und gesellschaftspolitische Entwicklung

in diesen Ländern zukommt.

erfahren, was ehrenamtliches Engagement

alles umfassen kann, welche Strukturen dies

ermöglicht und erhalten Anregungen und

praktische Tipps für die Umsetzung in ihrem

eigenen Land. Auch die Landwirtschaft spielt

in den Begegnungen eine große Rolle. Die

deutschen Jugendlichen bekommen in Pensa

und Umgebung ebenfalls einen Einblick in die

russische Landwirtschaft, den Universitäts-

und Schulbetrieb sowie in regionale Firmen,

Organisationen und diverse Ämter. Die Jugendarbeit

ist in Russland anders strukturiert

und bei Weitem nicht so gut entwickelt wie in

Deutschland. Ehrenamtliches Engagement oder

gar Verbandsarbeit wie wir es kennen, gibt es

kaum. Deshalb ist es der Landjugend Oberfranken

besonders wichtig, die Partnerschaft mit

ihren Zielen weiterzuführen.

Alexandra Krause,

Bundesjugendreferentin

bei der BayerischenJungbauernschaft

e.V. im Bund

der Deutschen Landjugend

ist Ansprechpartnerin

für alle Fragen

im internationalen

Bereich. Zusammen

mit Ehrenamtlichen organisiert sie internationale

Begegnungen und weiß, dass man viel über

sich selbst lernen kann, wenn man seinen Blick

anhand von Begegnungen mit anderen schärft.

Kultur, interkulturelles Lernen und interkulturelle

Kompetenz - was ist das eigentlich?

Unter interkulturellem Lernen versteht man

das Hin- und Herspringen zwischen verschiedenen

Kulturen. Kultur kann dabei als Nation,

als alles, was nicht Natur ist, oder ganz

allgemein als ein aus Zeichen und Symbolen

bestehendes Orientierungssystem verstanden

werden. Die Definitionen sind vielfältig. Nicht

nur jede Nation hat eine Kultur, sondern jeder

Mensch hat seine eigene Kultur. Und abhängig

davon, zu welcher Gruppe man sich selbst

zugehörig fühlt und mit welchem Orientierungssystem

man lebt - also nach welchem

kulturellen Code man lebt - gibt es verschiedene

Kulturen: beispielsweise Esskultur, Diskussionskultur,

Hochkultur (Theater, Tanzen,

Literatur...) Jugendkultur usw. Nicht nur bei

deutsch-russischen Landjugendaustauschen,

sondern auch bei einer Begegnung zwischen

Mitgliedern der Bayerischen Jungbauernschaft

e.V. und der Landjugend Schleswig-Holstein

kann man vom interkulturellen Lernen reden.

Durch interkulturelles Lernen wird unter anderem

die Erziehung zu Toleranz, Akzeptanz

und Verständnis gegenüber Andersartigem, ja

fremdkulturellen Orientierungssystemen angestrebt.

Auch der Abbau von Fremdenfeindlichkeit

gehört dazu. Wenn man folglich gelernt

hat, sich und seine eigenen Verhaltensmuster

selbstkritisch zu reflektieren; bereit ist, seine

bisherige Weltsicht in Teilen zu relativieren

und Andersartigkeit akzeptieren kann, dann

verfügt man über interkulturelle Kompetenz.

www.landjugend.de 13

Info


Viehzucht, Ackerbau & russische Gedichte

Viel Land und noch mehr ländliche Räume - ein Erfahrungsbericht

Der erste Kontakt zu unseren Partnern in

Pensa, Russland, ist 2008 über die Hochschule

Neubrandenburg zustande gekommen.

Die Kooperation zwischen der Staatlichen

Landwirtschaftlichen Akademie Pensa und der

Hochschule Neubrandenburg besteht seit langem.

Schnell hat sich aus dem Kontakt eine

Zusammenarbeit im Sinne eines internationalen

Jugendaustausches entwickelt.

Der Austausch begann im August 2008 mit

dem Besuch einer Studentengruppe aus Russland

bei uns. Ziel war es zunächst, sich persönlich

kennenzulernen, unseren Gästen unser

Land näherzubringen und sie mit unseren Verbandsstrukturen

vertraut zu machen. Fachlich

ging es natürlich um die landwirtschaftlichen

Gegebenheiten Mecklenburg-Vorpommerns und

die Vorstellung typischer Agrarbetriebe. So

ermöglichten unter anderem die B&S Landtechnik

GmbH in Grabow, die Zuckerfabrik Anklam

und das Gut Darß GmbH & Co. KG - ein

Bio-Fleischerzeuger - uns und unseren Gästen

einen Blick hinter deren Kulissen.

Gleich im folgenden Jahr – 2009 – traten wir,

zwölf Mitglieder des Landjugendverbandes

Mecklenburg-Vorpommern und Agrarstudenten

den Gegenbesuch an - und wurden an einem

kalten Herbsttag herzlich in Moskau in Empfang

genommen. Zu diesem Zeitpunkt ahnte

niemand, welche Vielfalt an Eindrücken das

riesige Land für uns bereithielt – und wie groß

es ist. Allein die Zugfahrt nach Pensa dauerte

zwölf Stunden.

Die Fahrt war unter dem Motto „Zukunft der

Landwirtschaft in Russland und Deutschland“

klar agrarökonomisch ausgerichtet. Fachlich

prägten vor allem Betriebsbesichtigungen im

Umland Pensas und der bilaterale Fachtag die

Fahrt. Die Gruppe besuchte verschiedene landwirtschaftliche

Betriebe und erfuhr viel über

die Betriebsstrukturen, technischen Abläufe

und die landwirtschaftlichen Ressourcen der

Region. Unsere Reisegruppe lernte ein großes

Spektrum möglicher landwirtschaftlicher Unternehmensformen

kennen: den fünftgrößten

Geflügelzucht, -schlacht und –zerlegebetrieb

Russlands, einen mittelständischen Betrieb

in Zarewschina, der Ölpflanzen anbaut, die in

Pensa zu Nahrungsergänzungsmitteln weiterverarbeitet

werden und einen kleinen Familienhof,

der vorweigend Gemüse anbaut und vertreibt.

Reisten durch russische Städte und übers Land -

die Gruppe aus Mecklenburg-Vorpommern.

Der Fachtag gab den Teilnehmern beider Nationalitäten

die Möglichkeit, über die Abläufe

und Strukturen in ihren Betrieben, Anbau- und

Zuchtvarianten und andere landwirtschaftliche

Themen zu referieren. Dank einer fachkundigen

Dolmetscherin und der teilweise vorhandenen

Sprachkenntnisse der Teilnehmer konnten

sie auch über die verschiedenen Themen

miteinander ins Gespräch kommen. Ein paar

der Beiträge wurden sogar in Russland als

Sammelband publiziert.

Trotz der fachlichen Ausrichtung war es unseren

Gastgebern ein besonderes Anliegen, uns

auch immer wieder einen Blick über den landwirtschaftlichen

Tellerrand zu gewähren und

uns auch auf Probleme Russlands aufmerksam

Nr. 02/10

zu machen. Besuche in russischen Familien,

Schulen, Kindertagesstätten, anderen sozialen

Einrichtungen und verschieden russischen

Gemeinden ermöglichten uns einen direkten

Einblick in den russischen Alltag. So fanden

wir uns einmal recht unvermittelt in einem

russischen Klassenzimmer wieder, umgeben

von Kindern, die sogar ein Programm für uns

vorbereitet hatten. Sie gaben uns die Möglichkeit,

uns selbst ein Bild von der Situation

in russischen Familien, Schulen, Kindertagesstätten,

anderen sozialen Einrichtungen

und verschiedenen russischen Gemeinden zu

machen.

Durch den Austausch konnten auf beiden

Seiten Vorurteile abgebaut werden. Durch die

offene Art unserer Teilnehmer konnte das Bild

des effizienten, wenig herzlichen deutschen

Arbeitsroboters, das im Ausland nach wie vor

vorherrscht, etwas begradigt werden.

Die deutschen Teilnehmer lernten vor allem,

dass russische Betriebe - landwirtschaftliche

und andere - vielmehr als in Deutschland

finanzielle Verantwortung in ihrer Region

übernehmen. Gemeinden, die allein auf staatliche

Mittel angewiesen sind, können kaum

die Grundversorgung der Bevölkerung gewährleisten.

Zusammen mit der Staatlichen Agrarakademie

Pensa (Penza State Agricultural Academy)

übernahmen wir die Organisation, die sich

nicht ganz unproblematisch gestaltete. So erfuhren

wir zum Beispiel nur durch Zufall, dass

nur noch maschinell ausgefüllte Visumanträge

akzeptiert werden. Weder die Homepage der

russischen Botschaft, noch deren Hotline (traditionell

eher nicht besetzt) gaben über diesen

Punkt Auskunft. Auch die sehr guten Deutschkenntnisse

unserer russischen Ansprechpartnerin

in Pensa, Ludmila Besschaposchnikowa,

konnten nicht verhindern, dass es das ein oder

andere Missverständnis gab.

In Pensa konnten sich die Teilnehmer von der

russischen Gastfreundschaft überzeugen. Vor

allem die reichhaltige Kost war für einige - sagen

wir mal - überwältigend. Der Umgang zwischen

Gastgebern und Gästen war freundlich

und wurde im Laufe der Fahrt sogar richtig

herzlich. Die russischen Studentinnen und Studenten

zeigten sich vielseitig interessiert und

sehr kommunikativ.

14 www.landjugend.de

Fotos: privat/ S. Köhncke


Nr. 02/10

Eine ganz andere Seite Russlands konnten die

Teilnehmer im Lermontow-Museum kennenlernen.

Die Russen sind sehr stolz auf ihre Dichter

und beschäftigen sich begeistert mit deren

Werken und Lebensgeschichten. Diesen Eindruck

vermittelten zumindest das dem romantischen

Dichter Michail Jurjewitsch Lermontow

gewidmete Museum und der Enthusiasmus, mit

dem unsere Gastgeber über russische Dichter

Interkulturelles Lernen bedeutet Chancen

und großartige Erfahrungen. Seit mehr als

40 Jahren fördert das Referat Internationales

des Bundes der Deutschen Landjugend

interkulturelle Lernprozesse bei deutschfranzösischen

Begegnungen.

Mit der Erweiterung und Stabilisierung der

Europäischen Union wird die Gesellschaft zunehmend

multikulturell. Infolgedessen wird

das gute Miteinander aller immer wichtiger. So

engagieren sich Institutionen wie das Deutsch-

Französische Jugendwerk (DFJW) und seine

Partner wie der Bund der Deutschen Landjugend

(BDL), um zur Völkerverständigung durch

Organisation von binationalen beziehungsweise

trinationalen Begegnungen und Ausbildungen

beizutragen. Aber mehr als ein bürgerliches

und Dichtung redeten. Insgesamt sind Kultur,

Religion und Geschichte im ländlichen Russland

viel eher Bestandteil des normalen Lebens

als das in Deutschland, als das bei uns in

Mecklenburg-Vorpommern, der Fall ist.

Russland entzieht sich, wie jedes andere Land

der Welt, einer abschließenden Bewertung

(vor allem nach einer Woche Aufenthalt).

Ein interkulturelles Vergnügen

Gemeinsames Lernen macht Spaß – und manchmal auch süchtig

Frankreich

Großbritannien

Spanien

Belgien

Deutschland

Luxemburg

Paris

Frankreich

Engagement betrachte zumindest ich das Interkulturelle

Lernen lieber als eine Chance. Für

Aber unsere Russlandreisenden zeigten sich

besonders von dem Kontrast zwischen reichen

landwirtschaftlichen Ressourcen und dem Mangel,

an dem ein Teil der Bevölkerung leidet,

beeindruckt.

Sowohl unsere Partner in Pensa als auch wir

wollen die Zusammenarbeit unbedingt fortsetzten.

mich bedeutet die Teilnahme an interkulturellen

Kursen dieser Art eine außergewöhnliche

persönliche Bereicherung. Es erlaubt mir, andere

Menschen kennen zu lernen, mich Unbekanntem

und Unverstandenem zu öffnen.

Es ist ein Vergnügen – das Interkulturelle Lernen.

Und oft löst die erste Erfahrung ein beinahe

unersättliches Verlangen nach mehr aus.

Zumindest bei mir war es so. Im Alter von 14

Jahren habe ich an meinem ersten Schüleraustausch

zwischen meinem Gymnasium in einer

elsässischen Kleinstadt und einem Berliner

Gymnasium teilgenommen. Seitdem habe ich

mich immer wieder um derartigen Begegnungen

bemüht: ein Schüleraustausch mit Wiener

Gymnasiasten, ein Praktikumsjahr in Frankfurt

am Main und so weiter. Heute gehört die Organisation

eben solcher schulischen und

www.landjugend.de 15

Schweiz

Italien

Für Floriane Canton (3.v.r., obere Reihe) - hier mit Teilnehmern des Seminars „Landart“ -

sind interkulturelle Kurse eine „außergewöhnliche persönliche Bereicherung“.

Foto: DFJW/ Susanna; Karte: http://english.freemap.jp


Durch interaktive und spielpädagogische Methoden eine Beziehung zur Natur aufzubauen

und sich für ökologische Zusammenhänge zu sensibilisieren, ist Ziel des Seminars „Land Art“.

außerschulischen deutsch-französischen Gruppenbegegnungen

zu meinem Arbeitsfeld. Seit

mehr als 40 Jahren bemüht sich der Bund der

Deutschen Landjugend um die Verwirklichung

von Austauschen dieser Art im Schwerpunkt

für junge Landwirte in der Berufausbildung.

Darüberhinaus bildet der BDL BegleiterInnen

und DolmetscherInnen aus, um Interkulturelle

Lernprozesse in Gang zu setzen. Ziel eines

meiner letzten Seminare war es, die Methoden

„Naturerfahrungsspiele“ und „Landart“ kennen-

zulernen, zu praktizieren und mit interkulturellem

Kompetenz- und Fremdsprachenerwerb

zu verbinden. Interessant war es zudem, die

Anwendung beider Methoden in Frankreich und

in Deutschland miteinander zu vergleichen

und zu erleben, wie durch die Zusammenarbeit

deutscher und französischer Teilnehmer das

Interkulturelle Lernen gefördert wird. Es geht

also wirklich!

Kein Wunderder Kurs war ja selbst schon

eine interkulturelle Begegnung: Sechs Deut-

Nr. 02/10

sche, sechs Franzosen und ein binationales

Leitungsteam haben während mehrerer Tage

zusammen gearbeitet, gelebt und sich selbst

versorgt. In diesem Rahmen war der traditionelle

deutsch-französische Spezialitätenabend

ein Höhepunkt. Denn bei gutem Essen lässt es

sich herrlich über die wechselseitigen Wahrnehmungen

- natürlich auch kontrovers - diskutieren.

Es steht fest: Alltagserfahrungen und

intensive Gespräche ermöglichen manchmal

eher ein gegenseitiges Verstehen als vielleicht

der eine oder andere offizielle Vortrag.

Und dann ist es die Aufgabe der Multiplikatoren,

interkulturelle Mediationsverfahren in

Gang zu setzen. Seit mehr als zehn Jahren

bietet der BDL regelmäßig binationale Ausbildungen

zum Mediator an. Dabei lernen

TeilnehmerInnen wie beispielsweise Konflikte,

insbesondere interkulturelle, statt mit Macht

und Gewalt durch Berücksichtigung der Interessen

aller Beteiligten gelöst werden können.

Die Möglichkeiten, die eigenen interkulturellen

Kompetenzen zu entwickeln, sind heutzutage

immer zahlreicher – zum Glück!

Info

Nächste Aus- und Fortbildungen im Bereich

Internationales des BDL

• GruppenleiterInnen-Vorbereitung,

4.- 6. März 2011 in Berlin

• Interkulturelle Mediation in Gruppen und

Teams, Binationales Vertiefungsseminar,

24. März bis 2. April 2011 in Ribeauvillé/

Frankreich

• Deutsch-französische Ausbildung in „Flüster-

Dolmetschen“ in Sanary sur Mer/ Frankreich

• Tanzpädagogik zur Förderung des interkulturellen

Gruppenprozesses, 19. - 25. Mai 2011

in Bischofrod (Thüringen)

Weitere Infos auf www.landjugend.de

Floriane Canton hat

am Institut für Politikwissenschaften

in

Straßburg und

„Öffentliche Kommunikation“

in Lille

studiert. Bereits 2007

war sie für ein Jahr

in Frankfurt am Main

und arbeitet derzeit

als Assistentin im Referat deutsch-französischer

und internationaler Jugendaustausch beim

Bund der Deutschen Landjugend.

16 www.landjugend.de

Fotos: DFJW/ Susanna


Nr. 02/10

Ein schwedischer Sommertraum

Richtung Norden: auf der Suche nach neuen Geschäftsideen

Hauke, Katti, Nicole, Anika und Fabian

waren die fünf Nordlichter aus Deutschland

bei der diesjährigen European Rally in

Schweden. Diese Rally, sozusagen ein „europäisches

Landjugendtreffen“, findet jedes

Jahr eine Woche lang in einem anderen

europäischen Land statt. Das Motto 2010:

„think globally, act locally“.

Am 30. Juli haben wir fünf uns in Hamburg

in den Zug gesetzt und waren gespannt auf

die anstehende Woche. Schon die Reise war

ein Erlebnis: Denn wer kann schon von sich

behaupten, dass er mit der Bahn in eine Fähre

gefahren ist, sich dann 45 Minuten auf Deck

gesonnt hat und anschließend wieder im Zug

in Richtung Kopenhagen saß?

Angekommen in Schweden trafen wir auf rund

100 andere neugierige Jugendliche aus 20 Mitgliedsorganisationen

der Rural Youth Europe

und haben bei „Ice-breaking-games“ schnell

die erste in-

Feuerspucken

zwischen

Blumenkränzen

ternationalenBekanntschaften

gemacht.

Sonntagmorgen

war dann die

offizielle Eröffnung

der Rally

2010 mit dem

traditionellen

klingeln der „Rally bell“. Ziel des diesjährigen

Treffens war es, die ländliche Jugend für die

Arbeit vor Ort zu sensibilisieren, um beispielsweise

auch der in Deutschland bekannten

„Landflucht“ vorzubeugen. Eine ganze Woche

über war dieses Thema präsent und es gab

diverse Workshops und Gruppenarbeiten rund

um das Unternehmertum junger Leute. So

waren wir beispielsweise auf der Suche nach

neuen Geschäftsideen, haben örtliche Unternehmen

besucht, deren Marketingkonzept

analysiert und haben Verbesserungsvorschläge

abgegeben. Die besten Gruppenarbeiten und

Vorschläge wurden prämiert.

Damit wir uns untereinander besser kennen

lernen konnten, wurden immer wieder Spiele

angeboten und die Gruppen dabei neu gemischt.

Dadurch waren wir auch die ganze

Zeit dazu angehalten, miteinander Englisch zu

sprechen. Aber auch die Bewohner der Zimmer

sprachen so gut wie nie dieselbe Sprache:

Denn es hat beispielsweise eine Armenierin

mit einer Schwedin und einer Irländerin zusammen

gewohnt. Dies hat die Verständigung

sowie den kulturellen Austausch untereinander

enorm gefördert und war auch eine spannende

Erfahrung.

Neben den vielen Workshops und Spielen gab

es aber auch immer wieder die Chance, seine

Fähigkeiten auszutesten und neue Talente zu

entdecken. Bei einem „Markt der kreativen

Möglichkeiten“ konnte jedes Land nach Interesse

seine eigenen Besonderheiten präsentieren.

Beispielsweise haben die LettInnen einerseits

„Blumenkranz binden“, andererseits aber

Eine heiße Angelegenheit - Fabian

beim Feuerspucken

das völlige Kontrastprogramm, nämlich „Feuerspucken“

angeboten. Hier konnte jeder einmal

seinen Mut unter Beweis stellen, was Fabian

auch ganz gut gelungen ist. An anderer Stelle

konnten wir slowenisches Theater spielen,

die Haare auf bulgarische Art flechten lassen,

armenische Tänze lernen oder Rally-Briefe an

die liebsten Teilnehmer schreiben.

Damit die Abende nicht zu lang wurden, standen

diese jeweils unter einem anderen Motto.

So gab es zu Beginn ein internationales Buffet,

wo jedes Team landestypische Spezialitäten

angeboten hat – sehr lecker! Hier konnte

man stundenlang Schlemmen und war selbst

nach drei Stunden noch längst nicht bei jedem

Land angelangt. Am nächsten Abend stand ein

Karaoke-Wettbewerb auf dem Programm, der

bei allen Teilnehmern auf große Beliebtheit

gestoßen ist. Natürlich durften hier die Songs

von ABBA nicht fehlen. Zusätzlich wurden uns

noch schwedische Tänze beigebracht die auch

wenige Stunden später sofort Anwendung auf

der Tanzfläche fanden.

Um aber auch die richtige Kultur Schwedens

hautnah miterleben zu können, stand gegen

Ende der Woche ein Gastfamilientag auf dem

Programm. Wir wurden in verschiedene einheimische

Familien einquartiert, die bereit waren,

ihr Haus für 24 Stunden mit uns zu teilen. So

konnten wir das typische Familienleben kennen

lernen. Zusätzlich hat diese Erfahrung den

kulturellen Austausch sowie das Verständnis

für andere Sitten und Bräuche gefördert.

Am letzten Abend gab es eine „Closing Ceremony“

die das offizielle Ende der Rally 2010

einleitete, aber auch gleichzeitig Vorfreude

auf die Rally in Slowenien im nächsten Jahr

machte. Aber bevor es am Samstagmorgen

auf den Heimweg ging, wurde ein letztes Mal

kräftig mit allen TeilnehmerInnen gefeiert und

große Wiedersehenspläne geschmiedet.

So ging eine arbeitsreiche Woche gespickt mit

reichlich Spaß, viel Englisch, leckerem Essen,

intensiven Gesprächen, guten Ideen und neuen

Freunden schnell vorüber. Und wenn keiner

in Schweden vergessen wurde (dem walisischen

Team ist es leider so ergangen), sieht

man den einen oder anderen bestimmt noch

einmal wieder.

Nicole Schröder

Niedersächsische Landjugend

www.landjugend.de 17

Fotos: privat


Wenn die Ferne ruft...

Arbeiten im Ausland – ein Leitfaden

Ein Auslandsaufenthalt ist für neugierige

und unkomplizierte Landjugendliche eine

gute Möglichkeit, ein Land authentisch

kennen zu lernen, denn Du arbeitest mit

den Menschen vor Ort und nimmst an deren

Leben teil. Wie das geht? Ganz einfach:

Was Du Dir überlegen solltest:

Was ist meine Motivation? (Berufserfahrungen

oder Sprachkenntnisse erweitern, Kennenlernen

des Landes...)?

Wie sind meine sprachlichen Fähigkeiten?

Welche Qualifikationen für eine Arbeit im Ausland

habe ich (persönlich und beruflich)?

Was entspricht meinem Wesen (selbständiges

Leben und Arbeiten oder organisierte Praktika

und Zusammenleben mit einer internationalen

Praktikantengruppe, Leben in einer Stadt,

Arbeiten in einem kleineren Betrieb mit Familienanschluss

auf einem abgelegenen Hof und

so weiter)?

Welche Kosten bin ich bereit zu tragen? Oder

muss ich arbeiten, um Geld zu verdienen?

Ein Auslandspraktikum

In Deutschland ist ein Praktikum eine freiwillige,

zeitlich begrenzte, praktische, oft

unentgeltliche Mitarbeit in einem Betrieb. In

anderen Ländern ist ein solches unentgeltliches

Arbeiten möglicherweise illegal, die Betriebe

sind zum Teil an die Auszahlung eines

Mindestlohnes gebunden. Du solltest Dir Dein

Praktikum über eine Organisation suchen oder

einen Arbeitsvertrag mit dem Praktikumsbetrieb

abschließen.

Ein Auslandspraktikum über eine Vermittlungsorganisation

Vermittlungsorganisationen arrangieren Dir

Deinen Aufenthalt nach Deinen Bedürfnissen.

Du wirst über Seminare und Sprachkurse vorbereitet,

über Zwischenseminare und/ oder

Ansprechpartner vor Ort betreut. Du wirst

in der Regel ein Taschengeld oder kein Geld

verdienen. Allerdings verlangen Praktikumsorganisationen

in der Regel Kosten für ihre

Leistungen. Daher ist es wichtig, notwendige

Leistungen und Eigenleistungen genau abzuwägen

(Visum, Aufenthaltsgenehmigungen,

Flugbuchungen, Transfer vom Flughafen usw.)

Vermittlungsorganisationen –

eine Auswahl

Der Internationale Praktikantenaustausch

des Deutschen Bauernverbandes vermittelt

beispielsweise berufliche Praktika in landwirtschaftliche

Bereiche. Aufgrund des hohen

fachlichen Niveaus werden berufliche Qualifikationen

vorausgesetzt.

www.bauernverband.de

Europäische Praktikums- und Berufsbildungsprogramme

werden über Träger der Leonardoda-Vinci-Programme

gefördert - berufliche

Erfahrungen vorausgesetzt. Im Rahmen dieser

Programme ist eine Weiterzahlung ALG I möglich,

da es sich speziell an arbeitslose oder

arbeitssuchend gemeldete junge Menschen mit

beruflicher Erfahrung richtet, ein Eigenfinanzierungsanteil

ist notwendig.

www.na-bibb.de

www.ba-auslandsvermittlung.de/leonardo

Die Zentrale Auslandsvermittlung der Agentur

für Arbeit (ZAV) ist ebenfalls Träger der

Leonardo-da-Vinci-Programme. Teilweise entstehen

Programmkosten, in der Regel ist ein

Eigen finanzierungsanteil notwendig.

www.ba-auslandsvermittlung.de

Es gibt unzählige private Organisationen,

welche Auslandsaufenthalte, „Work and Travel“

und berufliche Praktika im Ausland vermitteln.

Du solltest unbedingt die Leistungen

prüfen. In der Regel erhältst Du freie Kost,

Logis und ein Taschengeld und solltest einen

Ansprechpartner vor Ort haben. Adressen und

Ansprechpartner findest Du zum Beispiel auf

www.interswop.de

Internships/ placements

Was wir unter einem Praktikum verstehen, gibt

es natürlich auch im Ausland - oft unter den

Namen Internship/ placements/ trainee. Das

sind in der Regel Programme mit festgelegten

Lern- oder Arbeitsinhalten ausländischer Arbeitgeber.

Vergütung wie Teilnahmegebühren

Nr. 02/10

stellen sich sehr unterschiedlich dar, in der

Regel bist Du sozial versichert.

Du kannst im Internet in deinem Arbeitsgebiet

suchen, Anbieter sind oft große und international

arbeitende Firmen oder Vermittlungsagenturen.

www.globalplacement.com

Länder- und kulturspezifische Förderungen:

Länder- und kulturspezifische Programme

dienen der Umsetzung politischer Ziele und

bedingen daher in der Regel eine geringe

Teilnahmegebühr oder Programmkosten. Willst

Du mit Deiner Landjugendgruppe einen Internationalen

Fachkräfte- oder Jugendaustausch

durchführen, können Förderungen über bestimmte

Träger - beispielsweise Euern Landjugendverband

- erfolgen. Ansprechpartner

für Deutsch-Französische und Internationale

Jugendaustausche beim Bund der Deutschen

Landjugend (BDL) ist beispielsweise Timm

Ueckermann.

Selbstorganisation eines

Auslandspraktikums

Es gibt im europäischen Ausland Erfahrungen

mit dem „deutschen Praktikum“. Dafür musst

Du für den Zeitraum Deines Auslandspraktikums

einen befristeten Arbeitsvertrag abschließen

(Festlegung von Vergütung und sozialen

Absicherung). Geprüft werden muss auch

die Notwendigkeit einer Auslandskrankenversicherung

und Aufenthaltsgenehmigung. Generell

verhält es sich in der Europäischen Union

unkompliziert, aber es gibt Ausnahmen. Seriöse

Arbeitgeber prüfen, ob Du eine Arbeitserlaubnis

benötigst oder besitzt. Du kannst Dir

Deinen Praktikumsbetrieb selber aussuchen

und Du musst keine Vermittlungsgebühren

bezahlen. Du bist aber auch eigenverantwortlich,

möglicherweise ohne deutschsprachige

Ansprechpartner, musst Dich in allen Belangen

(Arztbesuche, Mobilität, Kontoeröffnung usw.)

selbst kümmern und mit den Menschen vor Ort

in deren Landessprache in Kontakt kommen.

Vermittlung von Arbeitsverhältnissen:

Zu empfehlen sind:

• international agierende Betriebe (diese

Betriebe besitzen Erfahrungen mit Menschen

anderer Kulturen und möglicherweise

Sprachkenntnisse in deiner Landessprache)

• Betriebe, welche Ausbildungs-, Traineeoder

Internship-Programme anbieten (diese

Betriebe sind erfahren in der Ausbildung

und eventuell auch im interkulturellen

Austausch, bei der Vermittlung von Unterkünften)

• Forschungseinrichtungen und Universitäten,

Ausbildungsstätten und Institutionen

18 www.landjugend.de


Nr. 02/10

• Deutscher Entwicklungsdienst

www.ded.de

• Deutscher Akademischer Austauschdienst

(DAAD) www.daad.de

• Agentur für Arbeit unter > Jobbörse > Art der

Anfrage ändern > Suchkriterien hinzufügen >

Land ändern www.arbeitsagentur.de

• Saisonal Arbeitsverhältnisse werden häufig

in der Landwirtschaft, Gartenbau, Hotel und

Gastronomie angeboten. Aber: Aufgrund

deiner Anstellung stehst Du mit lokalen

Arbeitnehmern in Konkurrenz. Günstig sind

deswegen Länder, deren Sprache Du sprichst.

Weitere Kontaktmöglichkeiten sind:

• Dein Landjugendverband

• Städtepartnerschaften und Schulpatenschaften

• Botschaften, Konsulate und Handelskammern

des Ziellandes und deutsche Auslandshandelskammern

(AHK)

• internationale Organisationen und Organe

der Europäischen Union

• Zeitarbeitsfirmen mit Filialen im Gastland

• Messen

• gemeinnützige Vereine

• Jobbörsen

www.monster.de www.jobac.co.uk

Absolvieren von Teilen der Berufsausbildung

im Ausland oder in einem anderen

Bundesland

Bis zu einem Viertel deiner Ausbildung kannst

Du im Ausland zu absolvieren. Diese Zeit wird

Dir als Ausbildungszeit anerkannt inklusive

Sozialleistungen und Versicherungsschutz. Du

kannst sehr spezielle Berufserfahrungen und

Fachkenntnis gewinnen und „nebenbei“ die

Kultur und Menschen des Gastlandes kennen

lernen und Deine Sprachkenntnisse verbessern.

Aufgrund der Komplexität und Vielfalt der

Berufsbildungssysteme in Europa ist der Einstieg

in ein fremdes Ausbildungssystem jedoch

nicht einfach. Die wichtigste Frage, welche Du

Fotos: Wilma Landgraf

Dir stellen solltest: Sind meine sprachlichen

und beruflichen Kenntnisse ausreichend, um

einen Teil meiner Ausbildung im Ausland zu

absolvieren?

Ein Auslandsaufenthalt in der Beruflichen Ausbildung

kann mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds

gefördert werden. Erkundige Dich in

deiner Berufsschule oder Deinem Ausbildungsbetrieb

nach Partnerschaften oder setzte Dich

mit deinem Landjugendverband in Verbindung.

Freiwilligen Dienste/ Zivildienst

Werden eher als Auslandsaufenthalte bezeichnet,

denn der berufliche Erfahrungsgewinn ist

oft hintergründig. Obwohl sich beide nicht

ausschließen. So kann beispielsweise ein

Freiwilligendienst der Berufseinstieg in der

Entwicklungshilfe sein.

Freiwilliges Ökologisches Jahr, Freiwilliges

Soziales Jahr und Freiwilliges Denkmalpflegerisches

Jahr

Diese sind Berufsorientierungsjahre, in welchen

Dir Zuschüsse für Unterkunft und Verpflegung

sowie ein Taschengeld gestellt werden.

Teilweise können diese im Ausland absolviert

werden.

www.foej.de www.pro-fsj.de

Förderung der Völkerverständigung

IFYE steht für International Farm Youth

Exchange, also internationaler Landjugendaustausch.

Das IFYE-Programm ist ein

Austausch-Programm mit dem Ziel, die Völkerverständigung

zu fördern. Dabei habt Ihr die

Möglichkeit, andere Lebensweisen und im Besonderen

andere Jugendorganisationen kennen

zu lernen. Das Programm erfordert einen Eigenleistungsanteil

und enthält einen Sprachkurs.

Die Deutschen Agentur für das EU-Programm

Jugend in Aktion fördert Jugendaustausche

oder Freiwilligendienste.

www.jugendfuereuropa.de

Go4europe bietet kostenfreie Europäische

Freiwilligendienste. Um daran teilzunehmen

benötigst du eine Entsendeorganisation - zum

Beispiel deinen Landjugendverband oder einen

anderen gemeinnützigen Verein.

www.go4europe.de

Datenbank der Europäischen Kommission von

Freiwilligendiensten: http://ec.europa.eu/

youth/evs/aod/hei_en.cfm

Au Pair-Aufenhalte

Die Hauptaufgabe eines Au-pair-Mädchens

oder Au-pair-Jungens liegt in der Kinderbetreuung

der Gastfamilie - man geht mit den

Kindern spielen, liest ihnen etwas vor, bringt

sie zur Schule, hilft ihnen beim An- und

Ausziehen und so weiter. Neben der Kinderbetreuung

gehören auch leichte Hausarbeiten

(Staubsaugen, Aufräumen, Mahlzeiten

vorbereiten) zum Au-pair-Alltag. Aus der

Tatsache heraus, dass die Hauptaufgabe des

Au-pair-Menschen die Betreuung der Kinder in

der Gastfamilie ist, ergibt sich die wichtigste

Frage, die Du Dir unbedingt stellen solltest:

Magst Du Kinder (große und kleine) und

kannst Dir vorstellen, mit ihnen zusammen zu

wohnen und für sie zu sorgen?

In der Regel sind Au-Pair-Aufenthalte auf

sechs bis zwölf Monate angelegt. Du wohnst

prinzipiell im Haus der Gastfamilie, bist Teil

der Familie und bekommst Taschengeld, Unterkunft

und Verpflegung gewährt. Vorausgesetzt

werden Grundkenntnisse der Landessprache

oder der in der Familie gesprochenen Sprache,

oft ein Führerschein. Im Allgemeinen wird ein

Gesundheitszeugnis verlangt, in dem Deine

physische und psychische Gesundheit von einem

Arzt bestätigt wird.

Die Gütegemeinschaft Au pair e.V. hat für Aupair-Agenturen,

die ausländische Au-pairs in

deutsche Gastfamilien vermitteln (incoming),

Qualitätsstandards festgelegt und Agenturen,

die sich einer Überprüfung ihrer Arbeit unterzogen

haben, ein Gütezeichen vergeben. Diese

Qualitätsstandards gelten zwar noch nicht für

Au-pair-Agenturen, die ins Ausland entsenden

(outgoing). Jedoch kannst Du Dich bei der

Auswahl einer Au-pair-Agentur an diesen Gütebestimmungen

orientieren. Du kannst also

diese Standards als Hinweise betrachten, worauf

Du bei der Auswahl einer Agentur achten

solltest. Es besteht die Möglichkeit, Dir deinen

Au-Pair-Aufenthalt privat zu organisieren und

eine Familie über diverse Internetdatenbanken

zu suchen, empfohlen wird jedoch die Vermittlung

über eine Agentur.

www.guetegemeinschaft-aupair.de

Bleibt zu resümieren:

Ein Auslandsaufenthalt - in welcher Form

auch immer – ist sehr zu empfehlen. Es gibt

Unannehmlichkeiten, weniger richtige Schwierigkeiten,

jedoch überwiegen die positiven

Erfahrungen, wenn Ihr Euch ausreichend Zeit

für die Vorbereitungen nehmt.

Und seid gewarnt: Das Risiko einer lebenslangen

Sehnsucht nach der Unabhängigkeit solcher

Lebensreise oder nach dem Austauschland

ist hoch - sehr hoch.

Die Autorin Wilma Landgraf ist Diplom-Ingenieurin

für Gartenbau (FH) und zweite Vorstandsvorsitzende

der Sächsischen Landjugend e.V.

www.landjugend.de 19


„Außenseiter im Dorf? - Unmöglich!“

Redakteur Jörg Paulus (31), Landjugend

Laisa (Nordhessen)

Habt Ihr in eurer

Landjugendgruppe

Mitglieder mit Migrationshintergrund?

Wir haben einen

indisch-stämmigen

Tänzer in unserer

Volkstanzgruppe. Er

heißt Jose, ist 17

Jahre alt und wurde

als Kind von einer Familie aus unserem Dorf

adoptiert. Und seit einigen Wochen kommt ein

Au-pair-Mädchen zu uns in die Übungsstunde.

Sie heißt Uno, ist 23 Jahre alt und kommt aus

dem afrikanischen Namibia. Sie kümmert sich

in einer Familie in unserem Dorf um deren vier

Kinder.

Generell gibt es in den Landjugendgruppen in

unserer Region (Waldeck-Frankenberg in Nordhessen)

aber nur wenige Mitglieder mit Migrationshintergrund.

Das liegt vor allem daran,

dass unsere Region sehr ländlich geprägt ist

und deshalb hier in den Dörfern relativ wenige

Menschen mit Migrationshintergrund leben.

Die beiden sind bei uns absolut integriert, da

gibt es keine Einschränkungen.

Gab es Veränderungen in der Gruppe?

In unserer Gruppe hat sich durch Jose und

Uno im Prinzip nichts verändert. Da Uno allerdings

nicht fließend Deutsch spricht, muss

man manche Dinge etwas langsamer erklären,

wenn wir zum Beispiel einen neuen Volkstanz

lernen. Da es ihr – und uns – aber nichts

ausmacht, wenn sie mal einen falschen Schritt

tanzt, ist auch das kein Problem. Im Gegenteil:

Sie bringt viel Spaß in die Gruppe.

Gibt es dennoch Besonderheiten?

Man merkt ab und zu, dass Zuschauer bei unseren

Volkstanzauftritten „neugierig“ gucken,

wenn ein dunkelhäutiger Junge in einer hessischen

Tracht tanzt. Für uns ist das aber kein

Problem, und ich denke, für Jose auch nicht.

Ist die Situation von MigrantInnen im ländlichen

Raum anders als in der Stadt? Was

denkst Du?

Ich denke, dass es da schon Unterschiede

gibt. Wer neu in ein Dorf zieht, fällt dort na-

türlich mehr auf als jemand, der als Migrant

„anonym“ in eine Stadt kommt. Ein Migrant

wird also bewusster als fremd und anders

wahrgenommen. Das mag auch daran liegen,

dass es auf dem Land nicht so viele Migranten

gibt, sie sind für die Menschen dort also

prinzipiell etwas Ungewohntes. Das führt aber

nicht zu Ablehnung, sondern eher zu Interesse.

Und es ist auf dem Land einfacher für

Migranten sich zu integrieren – in Vereinen, in

Lokalen, auf Festen, durch die Nachbarschaft.

Menschen auf dem Land sind zwar traditionell

und konservativ, aber sie sind deshalb nicht

intolerant. Denn wer heutzutage zum Beispiel

Volkstanz macht und Tracht trägt, weiß, wie

es ist, anders zu sein und komisch angeschaut

zu werden.

Was macht Integration für dich aus?

Integration bedeutet für mich, einen Fremden

so selbstverständlich anzunehmen wie

jeden anderen auch. Natürlich ist es für eine

Volkstanzgruppe in einem 600-Einwohner-Dorf

etwas Ungewöhnliches, dass ein indischstämmiger

Junge und ein namibisches Aupair

- Mädchen mittanzen. Denn alle anderen

Mitglieder stammen fast ausschließlich aus

dem Dorf, ihre Familien wohnen seit mehreren

Generationen dort. Integration ist deshalb

aber kein Problem bei uns. Durch gemeinsame

Aktivitäten, die Geselligkeit und die gute

Dorfgemeinschaft sind Menschen mit Migrationshintergrund

bei uns schnell aufgenommen.

Da in einem kleinen Dorf jeder jeden kennt,

ist es fast unmöglich, Außenseiter zu sein.

Man gehört dazu, wenn man dazugehören will.

Arzthelferin Julia Lerch (22), Landjugend

Rosenthal (Nordhessen)

Habt Ihr in eurer

Landjugendgruppe

Mitglieder mit Migrationshintergrund?

Direkte Mitglieder

mit Migrationshintergrund

haben wir

nicht. Allerdings

haben wir schon

mehrfach Besuch

von AustauschschülerInnen gehabt, die in

Rosenthal in Gastfamilien für mehrere Monate

Nr. 02/10

MigrantInnen auf dem Land – selten, seltsam oder selbstverständlich? Drei Meinungen.

Foto: privat

untergebracht waren. Bis vor kurzem waren

noch ein Amerikaner und eine Französin Teil

unserer Gruppe. Aber wir hatten auch schon

Brasilianer und Russen zu Gast.

Alle sind wunderbar und super schnell integriert

worden. Sie haben Interesse an dem Thema

Volkstanz. Für die meisten Jugendlichen

ist es ein völlig neues, aber interessantes

Erlebnis.

Die Gruppe selbst ist sehr aufgeschlossen

und heißt jeden willkommen, egal woher er

kommt. Das Interesse, sich über die Nationalitäten

auszutauschen, ist sehr groß. Viele

hatten noch nicht die Möglichkeit in andere

Länder zu reisen. Hier wird durchaus das Interesse

geweckt, selbst diesen Schritt zu wagen

und neue Länder und Kulturen kennen zu lernen.

Es ist immer eine sehr lockere Stimmung,

wenn Austauschschüler und-schülerinnen unsere

Übungsstunden besuchen.

Bitte ein Beispiel…

Im Jahr 2007 besuchten uns zwei amerikanische

Austauschschülerinnen. Dies war das

erste Jahr, in dem wir wieder am Tanzturnier

teilgenommen haben. Eine der Austauschschülerinnen

war begeistert und hat sich sofort

bereit erklärt, uns zu unterstützen - ohne

zu wissen, was das Tanzturnier wirklich ist

und was auf sie zukommt. Das war ein sehr

schönes Erlebnis und wir erzählen heute noch

davon.

In diesem Jahr hatten wir Unterstützung einer

französischen Austauschschülerin für das Filmprojekt

der hessischen Landjugend.

Haben es MigrantInnen auf dem Land leichter,

sich zu integrieren?

Ich kann mir vorstellen, dass es Migranten

auf dem Land ein bisschen einfacher haben

sich zu integrieren als in der Stadt. Auf dem

Land ist es familiärer. Ich kann es selbst nicht

beurteilen, aber meine Erfahrung hat gezeigt,

dass es auf Land so ziemlich egal ist, woher

man kommt. Man wird so angenommen, wie

man ist. Ich denke, dass es in der Stadt nicht

so einfach ist.

Was macht Integration für Dich aus?

Es ist immer wieder ein neues Erlebnis, wenn

jemand aus dem Ausland zu uns in die Gruppe

stößt. Alle sind neugierig und es gibt viel

zu erzählen. Teilweise entstehen sogar langjährige

Freundschaften. Meine Schwester hat

20 www.landjugend.de

Foto: privat


Nr. 02/10

noch heute Kontakt zu einer amerikanischen

Austauschschülerin. Alle sind super entspannt

und jeder freut sich, Gelerntes weiterzugeben.

Ich persönlich finde Integration sehr wichtig.

Ich selbst erwarte auch, wenn man in ein

anderes Land reist, aufgenommen zu werden.

Letztendlich macht es immer wieder Spaß,

ausländische Schüler in die Gruppe aufzunehmen

- man lernt viel dazu.

Stefanie Fuchs (22), Hauswirtschaftsmeisterin

und Landesvorstandsmitglied in der

Landjugend Württemberg-Baden.

Habt Ihr in eurer Landjugendgruppe Mitglieder

mit Migrationshintergrund?

Ja, es gibt vereinzelt Mitglieder mit Migrationshintergrund.

Meist sind es Schul- oder

Studienfreunde unserer Orts- beziehungsweise

Kreisgruppenmitglieder. Sie nehmen sowohl an

BDL-Report

Besuch aus dem Osten

jugendpolitischen

als auch an agrarischenThemenabenden

teil, an Freizeiten

und Ausflügen.

Berlin. Die Verbundenheit wächst: Im Spätsommer dieses Jahres begegneten

sich erneut Mitglieder des russischen Landjugendverbandes

(RSSM) und Vertreter des Bundes der Deutschen Landjugend (BDL), um

sich über ihre Verbandsarbeit auszutauschen und die Beziehungen beider

Organisationen zu stärken. Die RSSM-Vorsitzende Olga Platoschina und

zehn Koordinatorinnen und Koordinatoren lokaler Vertretungen gehörten

der Delegation aus Russland an, die im Sommer verschiedene Orte in

Deutschland besuchte.

Die Gruppe machte in Brandenburg und Niedersachsen Station und traf

Bereits während des Besuchs des russischen Landjugendverbandes im

Spätsommer 2010 in Berlin war klar - die Partnerschaft von BDL und RSSM

wird weitergehen.

Hat sich etwas in

der Gruppe verändert?

Nein, grundsätzlich

nicht. Allerdings muss man sich ab und an

zurückhalten mit dem bei uns gesprochenen

Dialekt, aber sonst eigentlich nicht.

Wie schätzt Du die Situation von MigrantInnen

im ländlichen Raum ein?

Ich denke, dass es mehr Migranten in der

Stadt gibt als im ländlichen Raum. In der

Stadt ist es weitaus schwieriger an die Migranten

heranzukommen, da es dort wieder

Kleingruppierungen und Zusammenschlüsse

gibt. Im ländlichen Raum werden viele Mig-

Foto: Schulz/ BDL

sich mit dort aktiven Landjugendlichen. In Berlin wurden die russischen

Gäste von dem BDL-Vorsitzenden Gunther Hiestand und drei VertreterInnen

des Bezirksverbandes Oberfranken empfangen. Der bayerische

Landesverband pflegt seit Jahren einen regen Austausch mit Russland.

Gäste und Gastgeber zeigten sich bei dem Treffen in Berlin neugierig

und diskutierten intensiv über Verbands- und Bildungsstrukturen, Öffentlichkeitsarbeit

sowie über regionale und überregionale Aktionen.

Die russischen BesucherInnen interessierten vor allem die Erfahrungen,

die die deutschen Landjugendmitglieder auf internationaler Ebene gemacht

haben. Gesprochen wurde zudem über die Ziele des jeweiligen

Verbandes, aber auch über die Probleme junger Menschen im ländlichen

Raum beider Nationen.

Einig waren sich die BDL- und RSSM-VertreterInnen darüber, den Austausch

beider Jugendverbände weiterzuführen und weiterzuentwickeln.

Dafür haben die Vorsitzenden Gunther Hiestand und Olga Platoschina

einen Brief an die Landwirtschaftministerinnen beider Länder unterzeichnet

mit der Bitte um Unterstützung beim Ausbau der partnerschaftlichen

Beziehungen zwischen den russischen und deutschen

Landjugendlichen, beispielsweise im Rahmen des Kooperationsprojektes

„Deutsch-Russischer agrarpolitischer Dialog“. Durch dieses Projekt, welches

sich stark für den Austausch beider Verbände einsetzt, wurde auch

die Reise der russischen LandjugendvertreterInnen unterstützt.

Die Partnerschaft zwischen dem Bund der Deutschen Landjugend und

dem russischen Landjugendverband wurde nach der ersten Begegnung

beider Verbände auf der Internationalen Grünen Woche 2010 durch

einen Kooperationsvertrag in Moskau nur wenige Wochen später gefestigt.

Der russische Landjugendverband wurde 2009 gegründet.

www.landjugend.de 21

Foto: privat

rantenkinder schon früh durch Vereine und so

weiter integriert. Zumindest ist das bei uns in

der Gegend so.

Was macht Integration für dich aus?

Ich finde es wichtig, dass ein Zusammenleben

verschiedener Kulturen in Deutschland

ermöglicht werden kann. Wichtig ist, dass

die Mitglieder sensibilisiert werden, auch

Migranten in die Gruppe aufzunehmen. In

der Landjugend ist der Austausch der Interessen

und Erfahrungen sehr fördernd. Es ist

sehr gewinnbringend für eine Gruppe, auch

andere Kulturen aufzunehmen, denn der

Austausch ermöglicht jedem einzelnen auch

„einmal über den Tellerrand hinauszublicken“.

Die Mitglieder sollten „so wie sie eben sind“

in die Gruppe aufgenommen und integriert

werden. Natürlich geht es bei der Integration

nicht nur um Migranten, sondern auch um die

Schwächergestellten, Behinderten und „Außenseiter“.


Neue Kräfte für den ländlichen Raum

Berlin. „Die Übergabe der Erntekrone ist immer ein ganz besonderes

Ereignis für uns“, betonte Hans-Michael Goldmann, Vorsitzender des

Bundestagsausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

(ELV). Einer Tradition folgend hat der Bund der Deutschen

Landjugend (BDL) im Oktober die Erntekrone an den ELV-Ausschuss

übergeben.

Bereits vor der Sitzung hatten sich der Ausschussvorsitzende sowie

weitere Ausschussmitglieder Zeit für ein Gespräch mit der Landjugend

genommen. Dabei konnten die Vorstandvorsitzenden Katrin Biebighäuser

und Gunther Hiestand sowie die stellvertretende Vorsitzende

Ines Pöhler aktuelle Themen ansprechen und diese in einer kurzen

Diskussion mit den Ausschussmitgliedern erörtern. Im Fokus standen

dabei die Themen wie Bildung und Föderalismus, die Hofabgabe sowie

die GAP-Reform 2013. Das dafür vom Bund der Deutschen Landjugend

erarbeitete Positionspapier wurde den Ausschussmitgliedern übergeben.

Ines Pöhler forderte zudem im Ausschuss dazu auf, die Landwirtschaft

und somit auch den ländlichen Raum zu stärken, um vor allem dem

Fachkräftemangel zu begegnen.

Bereits im September hatten die BDL-Vorsitzenden Katrin Biebighäuser

und Gunther Hiestand zusammen mit dem Präsidenten des Deutschen

Bauernverbandes (DBV), Gerd Sonnleitner und der Präsidentin des

Deutschen LandFrauenverbandes (dlv), Brigitte Scherb, die Erntekrone

der deutschen Landwirtschaft in der Friedrichstadtkirche an Bundespräsident

Christian Wulff übergeben. Die Krone wurde von der Niedersächsischen

Landjugend gebunden und nach Berlin gebracht.

Zudem präsentierte die niedersächsische Volkstanzgruppe Hepstedt

zwei Tänze, um auf besonders schwungvolle Art ihre Wertschätzung

gegenüber Lebensmitteln auszudrücken. Das Thema Ernährung war

neben der Agrarpolitik auch Inhalt der Rede Wulffs. Der Bundespräsident

verwies auf die wichtige Aufgabe der Landwirtschaft beim Thema

Welternährung. Dass die Erntekrone im Übrigen von Landjugendlichen

seines Heimatlandes übergeben wurde, sei Zufall gewesen, betonte der

Bundespräsident.

Nr. 02/10

Die Erntekrone für den Bundespräsidenten Christian Wulff wurde von der

Niedersächsischen Landjugend auf einer Veranstaltung des Niedersächsischen

Landesjugendringes in Hannover - der Nextkonferenz 2.0 - gebunden.

Sie ist schon längst Tradition geworden: die Erntekrone der Landjugend im

Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Ein Jahr

wird sie dort aufgestellt sein und an die Arbeit der Landjugend erinnern.

22 www.landjugend.de

Fotos (alle): Wandel-Sucker/ BDL


Nr. 02/10

Leckerei für den guten Zweck

Berlin. Allerorten gibt es Sonderangebote: „Bezahlen Sie eines – und

nehmen Sie zwei“. Die Landjugend dreht das Motto gemeinsam mit der

Welthungerhilfe um in: „BUY 1, PAY 2“. Dahinter verbirgt sich eine Kampagne

für die kleine Großzügigkeit im Alltag. Als zukünftige Mitgliedsorganisation

der Welthungerhilfe unterstützt der Bund der Deutschen

Landjugend diese Aktion als ersten gemeinsamen bundesweiten Auftritt.

Mehr als 100 Muffins durften die Teilnehmer der Bildungswoche 2010

beispielsweise im Oktober naschen. Hauptamtliche und Ehrenamtliche

des Bundesverbandes hatten mehr als 20 verschiedene Sorten gebacken

und einen Erlös von rund 120 Euro erzielt.

Nachmachen ist ganz einfach.

Ihr krempelt die Ärmel hoch und

backt Muffins. In einem kostenlosen

Aktionskit, zu bestellen

unter www.welthungerhilfe.de/

buy1-pay2.html, findet Ihr ein

Rezept und Muffin-Förmchen.

Verkauft Eure Muffins beim

BuY1

PaY2

Dein kleiner

hunger hilft

Mach Mit! Deine aktion zuM Welternährungstag.

infos unter WWW.Welthungerhilfe.De/aktiv-gegen-hunger

Blz 370 501 98, konto 1115, www.welthungerhilfe.de, Welthungerhilfe – Der anfang einer guten entwicklung

Impressum

bdl-spezial 02/10

Fachmagazin der Landjugend

Herausgeber:

Bund der Deutschen Landjugend (BDL)

Claire-Waldoff-Str. 7, 10117 Berlin

Tel.: 030 - 31904-258

Fax: 030 - 31904-206

eMail: info@landjugend.de

Internet: www.landjugend.de

www.wir-fuers-land.de

www.junglandwirte.de

Redaktion: Christina Wandel-Sucker

Erscheinungsform: dreimal jährlich

Titelfoto: © iStockphoto.com/CEFutcher

Rückseite: © iStockphoto.com/apomares

Graphische Gestaltung: SEQUENZ, Berlin

Druck: Druckerei Greschow, Welzow

Das Magazin wird gefördert durch das Bundesministerium

für Familie, Senioren, Frauen

und Jugend.

Weihnachtsbasar, Gemeindefest

oder auf dem Markplatz. Zur

Bewerbung Eurer Aktion könnt

ihr gerne Postkarten und Poster

bestellen. Für die Käufer heißt

es dann am Aktionstag: Dein

kleiner Hunger hilft. Denn für

den Muffin wird getreu dem

Motto „Kauf einen, zahl zwei“

der doppelte Betrag gegeben

Kokos mit Ananas, Schokolade mit Rotwein oder klassisch marmoriert - die

Auswahl an Muffins war groß, der Appetit der Teilnehmer an der Bildungswoche

in Berlin ebenfalls.

- für den guten Zweck. Der Erlös trägt dazu bei, den Alltag von Menschen

in Entwicklungsländern leichter zu machen, den Hunger zu reduzieren

und für ein Stückchen mehr Gerechtigkeit zu sorgen.

Informationen und Anmeldung bei:

Welthungerhilfe in Bonn

0228-2288-421

info@welthungerhilfe.de

Termine 2010/11

November 2010

06.11.-07.11. Joomla!-Workshop, Berlin

12.11.-14.11. Bundesmitgliederversammlung, Berlin

18.11. Young Farmers Day & YFD-Party auf der Eurotier, Hannover

26.11.–28.11. AK JumPo – Jugend macht Politik, Nürnberg

27.11.-29.11. Klausurtagung des AK Wein - Deutsche JungwinzerInnen, Baden

Dezember 2010

08.12. AK Agrar - Agrarpolitik, Berlin

Bund der Deutschen Landjugend

Daniela Ruhe

d.ruhe@landjugend.de

Januar 2011

21.01.-30.01. Internationale Grüne Woche in Berlin mit dem Landjugendstand auf dem ErlebnisBauernhof

(Halle 3.2), gestaltet und betreut von der Berlin-Brandenburgischen

Landjugend, täglich 10 bis 19 Uhr

22.01. 13 Uhr, Junglandwirtekongress GAP nach 2013 mit EU-Agrar-Kommissar Ciolos

(angefragt), ICC-Lounge

20 Uhr, Landjugend-Fete, Konzerthalle arena, Berlin Treptow

23.01. 10 Uhr, Jugendveranstaltung mit Verleihung des Ernst-Engelbrecht-Greve-

Preises 2011 & Premiere eines Theaterstückes der Landjugend Württemberg-

Baden, ICC Saal 1

14 Uhr, Kulturveranstaltung

24.01. 14 Uhr, Jugendforum „Die Zukunft der Wehrpflicht“ mit Dr. Karl-Theodor Freiherr

zu Guttenberg, Bundesminister der Verteidigung, ICC-Lounge

20 Uhr, Landjugendball mit Me & The Beauties, ICC Saal 2

www.landjugend.de 23

Foto: Wandel-Sucker/ BDL

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