150 Jahre jung. - CVJM Göppingen

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150 Jahre jung. - CVJM Göppingen

150 Jahre jung.

CVJM Göppingen

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Impressum Inhalt

Christlicher Verein Junger

Menschen Göppingen e.V.

Dietrich-Bonhoeffer-Haus

Ulrichstraße 29

73033 Göppingen

Tel.: (0 71 61) 75 29 1

Fax: (0 71 61) 91 74 23 4

E-Mail: info@cvjm-gp.de

Vorstand:

Roland Lehr, Vorsitzender

Jan Becker, Stellvertr. Vorsitzender

Ulrich Steinbach, Rechner

Jugendreferent:

Volker Landskron

Auflage: 750

Layout: chris pollakdesign consulting

Gedruckt auf 100 % Recyclingpapier

Glaubensgewissheit 3

Vorworte 4

Die Häuser 6

1862 8

„Goldene Zeit“ 10

Von unsichtbarer Hand geführt 14

1934-1942 16

1945-1974 18

1953-1970 19

1974 22

CVJM Göppingen heute 23

Ferientagheim 24

Freizeiten 26

Offene Arbeit 28

Gruppen und Kreise 29

Eichenkreuz 30

Cantamus 31

Aktionen und Projekte 32

Jubiläum 2012 34

Glaubensgewissheit

Ich glaube,

dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes

entstehen lassen kann und will. Dafür braucht er Menschen,

die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.

Ich glaube

dass Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandskraft

geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im voraus,

damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn

verlassen. In solchem Glauben müsste alle Angst vor der

Zukunft überwunden sein.

Ich glaube,

dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich

sind und dass es Gott nicht schwerer ist, mit ihnen fertig zu

werden, als mit unseren Guttaten.

Ich glaube,

dass Gott kein zeitloses Schicksal ist, sondern dass er

auf aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten wartet

und antwortet.

Dietrich Bonhoeffer

Ein Zeuge Jesu Christi unter seinen Brüdern.

Geboren am 4. Februar 1906 in Breslau,

gestorben am 9. April 1945 im KZ Flossenbürg.


VorwortE

150 Jahre CVJM Göppingen | 4 5 | 150 Jahre CVJM Göppingen

150 Jahre CVJM Göppingen, ein

stolzes Jubiläum, zu dem ich

allen Mitgliedern und Freunden

des CVJM herzlich gratuliere.

1862 waren die Anfänge

zwar erst klein und unscheinbar,

aber schon bald fühlten

sich auch in unserer Stadt

viele dem gemeinsamen

Anliegen verbunden, das

Mitte des 19. Jahrhunderts

von Paris aus seine weltweite

Verbreitung angetreten hatte.

Auch heute suchen junge Menschen Orientierung und

Halt. Daher ist es umso wichtiger, dass wir mit dem CVJM eine

kinder- und jugendgerechte Anlaufstelle haben. Einladend

und stets mit der Möglichkeit mit zu wirken und mit zu gestalten

bietet der Verein Kontaktmöglichkeiten und fördert durch

Aktionen und Veranstaltungen den christlichen Gedanken.

Im örtlichen Leben ist der CVJM fest verwurzelt, erfreut

sich bis heute regen Zuspruchs und ist als verlässlicher Partner

geschätzt. Allen ehrenamtlich Aktiven gilt daher mein besonderer

Dank für ihr Engagement zum Wohle unserer Jugend

und der Gesellschaft.

Allen Mitgliedern und Freunden des CVJM wünsche ich zum

eine weiterhin positive Entwicklung des Vereins. Mögen auch

in Zukunft durch Ihre Arbeit viele Menschen im Glauben

Halt und Orientierung finden, Gemeinschaft erleben und ihr

Leben kreativ und sinnvoll gestalten.

Ihr Guido Till, Oberbürgermeister

Wenn das kein Grund zum Feiern ist! 150 Jahre CVJM

Göppingen - ein bemerkenswertes

Jubiläum. Denn erst

1844 ist der erste CVJM in

England gegründet worden -

und schon 1862 erfolgte die

Vereinsgründung in Göppingen.

Die Gründung des

Vereins stand im Zeichen der

Industrialisierung, welche die

sozialen Verhältnisse auch in

Göppingen sehr schnell wandelte.

Viele junge Menschen

gingen auf der Suche nach

Arbeit aus ihren Familienverbänden heraus und brauchten in

ihrer veränderten Lebenssituation Begleitung und Orientierung.

Dies war die wesentliche Aufgabe des CVJM. Die beiden

Weltkriege und das „Dritte Reich“ erschütterten auch den

CVJM, unter dem Dach der Kirche überstand er aber auch die

dunklen Jahre der Nazidiktatur. Und all die gesellschaftlichen

Veränderungen der Nachkriegszeit hatten wiederum ihren

eigenen Einfluss auf den CVJM, der neue Möglichkeiten der

Betätigung erschloss.

Als Dekan des Evangelischen Kirchenbezirks gratuliere

ich dem CVJM Göppingen herzlich zu seinem Jubiläum. Ich

wünsche dem Verein, dass er auch künftig gemäß seinem Vereinszweck

junge Menschen begleitet, ihre Fragen nach Orientierung

und Lebenshilfe aufnimmt und in diesem Zusammenhang

auch gesellschaftliche und politische Verantwortung

übernimmt. Allen ehren- und hauptamtlich Engagierten

wünsche ich dafür viel Kraft, Ideen und Gottes Segen!

Ihr Rolf Ulmer, Dekan

150 Jahre CVJM in Göppingen, das heißt 150 Jahre Verantwortung

für junge Menschen in unserer Stadt übernehmen. Nachdem

sich 1855 während der Weltausstellung in Paris 99 junge Männer

aus 9 Ländern über die christliche Jugendarbeit in ihren

Ländern ausgetauscht, einen CVJM-Weltbund gegründet und

eine gemeinsame Basis formuliert und beschlossen hatten,

wurden überall in Deutschland „christliche Jünglingsvereine“

gegründet. Im Mai 1862 also auch in unserer Stadt Göppingen.

Während es in der Anfangszeit darum ging, jungen Männern

in ihrer Freizeit eine Alternative zum Kneipenbesuch zu

bieten, die sie darüber hinaus im Glauben an unseren Herrn

Jesus stärkt, kamen später Reisen (Freizeiten) und sportliche

Aktivitäten dazu. Jugend- und Kindergruppen (Jungscharen)

folgten. Nach den zweiten Weltkrieg bot der CVJM zehn Jahre lang jungen Menschen eine

Heimat im neu erbauten Dietrich-Bonhoeffer-Heim. Nach mehr als einem Jahrhundert Konzentration

auf Jungen und junge Männer dehnte er seine Arbeit auch auf Mädchen und junge

Frauen aus und nennt sich seither Christlicher Verein Junger Menschen. Obwohl der CVJM

Göppingen seine Wurzeln in der Evangelischen Kirche hat und mit ihr eng zusammen arbeitet,

ist er konfessionell ungebunden. Er versteht sich als ehrenamtliches Werk, in dem Menschen

sich in ihrer Freizeit für junge Leute engagieren.

Wir wollen unsere Gesellschaft auch in Zukunft mit gestalten und uns dabei von der

gemeinsamen Basis leiten lassen: Die Christlichen Vereine Junger Männer haben den Zweck, solche jungen

Männer miteinander zu verbinden, welche Jesum Christum nach der Heiligen Schrift als Gott und Heiland

anerkennen, in ihrem Glauben und Leben seine Jünger sein und gemeinsam danach trachten wollen, das

Reich ihres Meisters unter den jungen Männern auszubreiten.

(Paris, 1855)

Die CVJM sind als Vereinigung junger Männer entstanden. Heute steht die Mitgliedschaft

allen offen. Männer und Frauen, Jungen und Mädchen aus allen Völkern, Konfessionen und

sozialen Schichten bilden die weltweite Gemeinschaft im CVJM. Die Pariser Basis gilt heute

im CVJM-Gesamtverband in Deutschland für die Arbeit mit allen jungen Menschen. (Zusatzerklärung

Kassel 1985/2002)

Ihr Roland Lehr, Vorsitzender


Die Häuser

150 Jahre CVJM Göppingen | 6 7 | 150 Jahre CVJM Göppingen

Von den Häusern, in

denen der CVJM Göppingen

in seiner Geschichte tätig

war, stehen noch fast alle.

Nur das Spitalgebäude (am

Spitalplatz, den Göppingern

als ehemalige Wirtschaftsschule

bekannt) und das

Evangelische Vereinshaus

(ehemaliges Marstallgebäude,

späteres Oettingerhaus) mussten

weichen. Die Privatquartiere

Schwaderer (Pfarrstraße,

gegenüber Kinderhort), Faber

(Schulstraße, hinter dem Rathaus),

Leimenstoll (Gartenstraße)

und Roth (heutiges

„Uhrwerk“) stehen noch, das

Gebäude der Wilhelmshilfe

wurde umgebaut (ehemalige

Stadtbücherei).

Die Gebäude die jetzt dem

CVJM Göppingen gehören

(Schöllkopfheim und Dietrich

Bonhoeffer Haus) stehen

nach der Sanierung 2006 in

bestem Zustand dem Verein

zur Verfügung.

Dietrich Bonhoeffer-Haus

Schöllkopfheim

Evangelische

Vereinshaus

(Frommer Löffel)

Haus Faber

Wilhelmshilfe

Roth am

Markt

Haus Schwaderer

Spitalgebäude

150 Jahre CVJM Göppingen | 6 7 | 150 Jahre CVJM Göppingen

Haus Leimenstoll


1830

Göppingen hat 5200 Einwohner

erste Treffen als Jünglingsverein

Göppingen

1831

1832

1833

1834

Die letzte Hinrichtung auf dem

Göppinger Galgenberg

1835

1836

1837

1838

1839

Dr. Landerer kauft das

Christophsbad

1840

1841

1842

1843

1844

Die Göppinger „Turnerschaft“

wird gegründet

1845

1846

1847

Göppingen erhält einen Anschluss

an das Eisenbahnnetz.

1848

„Märzrevolution“

1849

1850

1851

1852

1853

1854

1855

die „Pariser Basis“ wird beschrieben

1856

1857

1858

1859

Firma Märklin wird gegründet

1860

1861

Gründung CVJM Stuttgart

Um die Geschichte

des Christlichen

Vereins Junger

Menschen in Göppingen

ganz zu erfassen, muss

man auch immer bedenken,

zu welchen Zeiten sich die

Arbeit des Vereins abspielte.

Nicht nur das im Laufe der

150 Jahre der Mitgliedsbeitrag

in fünf verschiedenen

Währungen entrichtet wurde

- von den verschiedensten

politischen Systemen ganz zu

schweigen - auch das Kommen

und Gehen von Modeerscheinungen,

ideellen Strömungen,

Baustilen, wechselnden

Moralvorstellungen

und vielem mehr haben den

CVJM Göppingen geformt

und wurden von ihm begleitet.

Schon um 1830 trafen

sich um Karl Kötzle junge

Männer um ihren Glauben

an den dreieinigen Gott zu

besprechen. Von diesem

ersten Verein, damals noch

„Jünglingsverein“ genannt,

gibt es nicht viele Aufzeichnungen.

Als sich 1862 eine

kleine Schar um den Schreiner

Leimenstoll traf, wurden

ihnen eine Opferbüchse,

zwei Biertischgarnituren und

ein Brief übergeben, der „an

den lieben Jünglingsverein

in Göppingen“ gerichtet war

und von 1835 stammte. Leimenstoll,

der bei seiner Wanderung

auf den Jünglingsverein

in Elberfeld (Wuppertal)

aufmerksam gemacht geworden

war, kehrte von dort mit

der Erfahrung und dem Satz

zurück: „wart nur, der Herr

kann dir auch in Göppingen

was bescheren“. Hier traf er

sich mit fünf anderen jungen

Männern im Wohnzimmer

des Lehrers Schnirrling im

„Spitalgebäude“. Die ersten

Zusammenkünfte waren etwa

im Mai 1862, sonntags und

donnerstags, um in der Bibel

zu lesen. Bald folgten weitere

Abende und neue junge

Männer, die sich der Sache

anschlossen. Neue Themen

wurden schnell gefunden,

schließlich war die Zeit voller

Neuerungen, die industrielle

Revolution begann und mit

dem Ende des 1870er Krieges

kam ein neues Selbstbewusstsein

in die Lande. Verbunden

mit der zunehmenden

Entwicklung der Industrie in

Göppingen und dem regen

Austausch mit anderen Jünglingsvereinen

z.B. Stuttgarts,

Reutlingens oder Ludwigsburgs

stieg auch das Interesse

an einer Vereinsordnung.

Einen Vorstand wollten sie,

die sich als Brüder verstanden,

nicht. Dass 1863 Lehrer

Schnirrling verzog und sie

nun für das Zimmer im Jahr

18 Gulden zahlen mussten,

machte die Einführung von

Mitgliedsbeiträgen notwendig:

6 Kreuzer monatlich. In

der Festschrift zum 50jährigen

Jubiläum

von

1912 heißt

es über

diese Zeit:

„Im Verein

selbst, der

durch Einführung

der

längst ersehnten

Singstunde

ein neues Bindemittel erhalten

hatte, herrschte viel

Freiheit, zu viel für manches

unbefestigte Herz. Das Rauchen

im Haus musste verboten,

das Wassertrinken während

der Bibelstunden sollte

wo möglich(!) unterlassen

werden.“

Während der so genannten

Gründerzeit sahen

sich die jungen Männer auch

einer stetig wachsenden Stadt

gegenüber, die durch die zunehmende

Industrialisierung

neue Menschen nach Göppingen

zog. In den ersten 20

Jahren des Vereins musste

auch im- mer wieder

ein neues

Obdach

gefunden

werden.

Dabei legten

auch

die Mitglieder

selbst

Hand

a n :

„Andere

Mitglieder sorgten dann

für Ausstattung des Zimmers

mit dem nötigsten Mobiliar,

indem sie in der Lage waren,

solches gegen geringe Entschädigung

selbst herzustellen“

so heißt es in der Festschrift

zum 25jährigen.

Zwar waren in dieser Zeit

auch immer wieder Diskussionen

unter den Brüdern in

Gang, aber „was dem Verein

in der ersten Zeit seines Bestehens

einen besonderen Halt

verliehen hat, war das Band

der Liebe und Freundschaft,

welches sich um die einzelnen

Mitglieder geschlungen

hatte“ so die Festschrift von

1887 weiter.

Nach den vielen Umzügen

von einem Privatquartier in

ein anderes war es im Oktober

1876 möglich im Speisesaal

der Wilhelmshilfe unter

zu kommen. Über 9 Jahre

lang konnten dort die Bibelstunden,

Vorträge zu Themen

der Zeit - etwa die Umstellung

auf das metrische System -

und Sitzungen der Freunde

stattfinden.

150 Jahre CVJM Göppingen | 8 9 | 150 Jahre CVJM Göppingen


„goldene zeit“

150 Jahre CVJM Göppingen | 10 11 | 150 Jahre CVJM Göppingen

Nachdem in diesen Jahren

eine stattliche Summe

zusammengekommen war,

ergab sich die Möglichkeit

mit dem Evangelischen Verein

in das neue Vereinsheim,

dem ehemaligen Marstallgebäude

neben dem Göppinger

Schloss, einzuziehen.

Während des Martinimarktes

1885 brachten zwei Jünglinge

mit einem Handwagen das

gesamte Vereinseigentum in

die neue Bleibe. Durch die

Hilfe vieler Menschen konnten

dort gute Jahre verbracht

werden, der Verein blühte

auf. Pfarrer Blumhardt trat

immer wieder als Gönner

und als geistliche Stütze auf.

Er ermöglichte die Gründung

eines Posaunenchors und

auch die nötige Heimorgel

für die Bibelabende wurde

von ihm gestiftet. Schon bald

konnte die Arbeit des Vereines

um das Turnen erweitert

werden. Die Stadt vermietete

ihnen die Turnhalle gegen

eine geringe Jahresgebühr.

Einen weiteren Aufwind

erfuhr der Verein durch

seinen neuen Vorsitzenden:

„Also Nicht-Theologe war

der Mann, der im Jahr 1896

die Leitung des Vereins erhielt,

und jung war er. Was

ist es doch etwas Schönes,

jung zu sein! Da gehört jedem

die Welt. Mit Tatkraft

und feurigem Mut wagt man

sich an Aufgaben, um die das

bedächtige Alter erst einige

Male herumgeht. Und wenn

zu der Jugend noch ein gut

Teil lebendigen Tätigkeitsdrangs,

ein praktischer Sinn

und ein für seinen Gott und

Heiland begeistertes Herz

sich gesellen, da kann es

nicht genug zu tun geben.

Stramm ist er damals drein

gefahren, unser Freund Adolf

Klein, in die äußere Ordnung

und in die innere. Seine tiefe

Abneigung gegen alles Halbe

hat gründliche Arbeit getan.“

Es ist Adolf Klein zu verdanken,

dass noch Jahrzehnte

danach von der „goldenen

Zeit“ des Vereines gesprochen

wird. Damals bestand

der Verein aus 16 Gruppen!

In diese Zeit fällt auch der

Kauf des Grundstückes am

Oberholz, das als „Jünglingswiese“

viele Stunden für Aktionen

und Freizeiten diente.

Mit viel Elan, Zeit und auch

Geld sorgten die Menschen

um den CVJM Göppingen

(diesen Namen bekam er

1902) für das Gelände am

Rande der Stadt, das dem

Bedürfnis nach Freizeitgestaltung

und Erholung nachkam.

Schon all die Jahre davor

waren die „Jünglinge“ mit

anderen Jünglingsvereinen

im Gespräch. Bezirkskonferenzen,

gegenseitige Besuche

zu Jubiläen und Einladungen

zu Bibelabenden zeigten

ihnen immer wieder, auf

dem richtigen Weg zu sein.

Je mehr Vereine entstanden,

desto kleiner wurden die Bezirke.

Während anfangs noch

oft Besuche aus Stuttgart,

Ludwigsburg oder Reutlingen

kamen, gab es schon um

1905 in der näheren Umgebung

Göppingens schon so

viele Vereine, dass das jetzige

„Evangelische Jugendwerk

im Bezirk Göppingen“ als das

erste vergleichbare überhaupt

gegründet wurde.

Voller Stolz wurde 1909

mit Lichbildvorträgen begonnen,

um auch Themen der

Zeit aufzugreifen. Möglich

wurde das freilich erst nachdem

nicht mal 10 Jahre vorher

der Strom in Göppingen

Einzug gehalten hatte.

1862

Otto erfindet den Benzinmotor

der Göppinger Jünglingsverein

wird gegründet

Karl J. Leimenstoll

1863

Göppingen hat 7000 Einwohner

1864

1865

1866

1867

die erste kath. Kirche in Göppingen

wird gebaut

1868

1869

1870

1871

Einführung der Goldmark

1872

1873

1874

Verlegung des Rabbinatssitzes

nach Göppingen

1875

1876

Einzug in die Wilhelmshilfe

1877

Neufassung der Satzung

1878

Mitgliedsbeitrag 20 Pfennig

Johann M. Krauss

1879

1880

1881

Einweihung der Göppinger

Synagoge

1882

1883

Hausvater Kübler

1884

1885

Einzug in das Vereinshaus

(ehem. Marstallgebäude)

1886

erstes Auto fährt

Mitgliedsbeitrag 1 Mark

1887

25jährige Jubiläumsfeier

Max Holland

1888

Dreikaiserjahr

Gründung des Posaunenchores

1889

1890

Göppingen hat 14 350 Einwohner

1891


„Der Göppinger Verein braucht rasch und viel Geld.“

150 Jahre CVJM Göppingen | 12 13 | 150 Jahre CVJM Göppingen

Nachdem der Vorsitzende

Fritz Mössner zum Leiter

der Karlshöhe in Ludwigsburg

berufen wurde, war es

nur ein kleiner Schritt zur Anstellung

des ersten CVJM Sekretärs.

Wilhelm Weber hatte

vor allem die Aufgabe, Vorbereitungen

für die Gruppen zu

treffen wie zum Beispiel den

Ofen vorzuheizen. Das Jubiläum

1912 wurde groß gefeiert,

Vorträge, Gottesdienste

und vieles mehr machten

das damalige Selbstbewusstsein

der CVJMer deutlich.

Als zwei Jahre später der erste

Weltkrieg ausbrach und nach

und nach an die 100 Mitglieder

(von denen 16 fielen) eingezogen

wurden musste der

Vereinsbetrieb eingeschränkt

werden. Auch die Pfadfinderabteilung

ging in dieser Zeit

ein. Nach dem Krieg wurde

„mit neuem Ernst die Arbeit

wieder aufgenommen“, so

die Festschrift zum 60jährigen

von 1922: „Eine Eingabe

an den Gemeinderat in Sachen

Jugendbewahrung und

Erziehung im Blick auf die

Gefahren der Jetztzeit gab

Zeugnis von dem ernsten fürsorglichen

Geist der Jugend,

der uns beseelte“.

1921 veranstaltete

der CVJM die

erste Freizeit, bei der mit Hilfe

zusammengelegter Gelder

der Mitglieder auch solche

Knaben beteiligt werden

konnten, deren Eltern ihnen

diese Freude und Erholung

nicht hätten verschaffen

können. Die aufkommende

Wirtschaftskrise führte dazu,

dass der Jugendpfleger mit

dem bescheidenen Gehalt,

das der Verein ihm zahlte,

aufgrund der „krassen Teuerung“

seinen Lebensunterhalt

nicht mehr bestreiten

konnte und deshalb ging. Die

Stelle sollte erst 1928 wieder

besetzt werden.

Eine weitere Aufgabe neben

all der Jungmännerarbeit

kam 1924 auf den Verein

zu. Mina Schöllkopf, eine

Frau, die dem CVJM sehr

nahe stand,

starb und vermachte

dem

Verein das

Haus Hauptstraße

23 (heutige

Metzgerei

Heinzmann). Da die damaligen

Mitglieder das Haus als

„für die Zwecke des Vereins

nicht geeignet“ ansahen, verkauften

sie das Haus. Durch

den Erlös von 39.000,- Mark

wurde die Schöllkopfstiftung

gegründet und das Haus

Ecke Ulrich-/Rosenstraße für

45.000,- Mark erworben. Im

Jahre 1925 schrieb der Vorstand

des CVJM einen Brief

an seine Freunde, in dem der

deutliche Satz stand: „Der

Göppinger Verein braucht

rasch und viel Geld“. Begründet

auch damit, dass das

Anwesen für die Zwecke des

Vereines besonders geeignet

wäre. Am 14. Februar 1926

konnte der CVJM das Haus,

das nun den Namen Schöllkopfheim

trug, feierlich einweihen.

„Nach langem Warten

und Hoffen ist endlich

der Zeitpunkt da, an dem wir

nach 64jährigem Bestehen

unseres Vereins nunmehr mit

Gottes Hilfe in unser eigenes

Heim einziehen können.“

1892

Gründung CVJM Faurndau

1893

das erste Telefon kommt nach

Göppingen

Hermann Faber

1894

ein Göppinger erfindet das

Papiertaschentuch

1895

1896

erste Olympische Spiele der Neuzeit

Adolf Klein

1897

1898

Auflösung des Posaunenchores

1899

Der Südturm der Oberhofenkirche

wird ausgebaut.

1900

Das BGB tritt in Kraft

Der Verein wird ins Amtsregister

eingetragen

1901

Jünglingswiese wird gekauft

1902

Umbenennung in CVJM

1903

Eröffnung des neuen Friedhofs

Karl Schaible

1904

Fritz Mössner

1905

1906

der Junglingsbund im Bezirk

Göppingen entsteht

1907

Die Vereinszeitung entsteht

1908

Ferdinand Grunsky

1909

1910

Der CVJM wird Verlag des Ev.

Gemeindeblattes

1911

Einweihung des heutigen

Mörike-Gymnasium

Der erste Sekretär wird angestellt

1912

Untergang der Titanic

Der CVJM feiert sein 50-jähriges

1913

Göppingen hat 23 000 Einwohner

1914

Ausbruch 1. Weltkrieg

1915

1916

1917

1918

Ende des Kaiserreiches


150 Jahre CVJM Göppingen | 14 15 | 150 Jahre CVJM Göppingen

Von unsichtbarer Hand geführt

Bald nachdem ich in die Schreinerlehre eingetreten war,

erzählte mein Mitlehrling Otto Fink in einer Vesperpause

begeistert von seinen Erlebnissen in seiner Jugendgruppe, der

evangelischen Jungmannschaft im CVJM. Er machte mir den

Vorschlag doch einmal in die Gruppe mitzukommen ... Also

holte Otto mich eines Abends zuhause ab und wir begaben

uns ins Schöllkopfheim. Dort wurden wir mit Handschlag

begrüßt, und Otto stellte mich gleich dem Jugendwart Heiner

Kern vor … Weil mir die neuen Freunde und auch das Gebotene

sowie vor allem der Jugendführer zusagte, entschloss ich mich,

dem Verein beizutreten … Großen Eindruck hinterließ auch

das letzte große Pfingstzeltlager des evangelischen Jungvolks

in Württemberg, das in Münsingen unter der Leitung unseres

Göppingers Heiner Kern abgehalten wurde.

…Im Frühjahr 1934 ging in Göppingen der Traum einer

selbständigen CVJM-Jugendarbeit zu Ende. Es kam zur

Eingliederung. Unsere Eichenkreuzkluft mussten wir ablegen,

die Eichenkreuzfahne musste eingerollt werden…Meine evangelische

Jungenschaftsarbeit konnte ich anfangs noch neben

dem Jungvolkdienst halten….

Nach meiner glücklichen Heimkehr aus dem zweiten Weltkrieg

schloss ich mich sofort wieder dem Verein an und stellte

mich für eine aktive Mitarbeit zur Verfügung. Meine Frau und

ich zogen mit unseren Kindern für einige Jahre ins Schöllkopfheim,

wo wir als Hauseltern tätig waren. Meinem CVJM

Freund Ludwig Wolf habe ich es zu verdanken, dass ich bereits

am 8. August 1945 beim Kreisjugendamt als Jugendfürsorger

eingestellt wurde. Diese Tätigkeit durfte ich dann 34 Jahre lang

als meinen endgültigen Lebensberuf ausüben.

der CVJM zwischen den

beiden Weltkriegen

Dank des Schöllkopfheimes

mit seinem großzügigen

Garten, des Grundstückes

am Oberholz und der

Möglichkeit bei größeren

Veranstaltungen immer noch

das Evangelische Vereinsheim

(bei den Göppingern

als „frommer Löffel“ bekannt)

zu nutzen, gedieh die

Arbeit. Sie war geprägt von

Jugendarbeit - die Jungscharen

damals hatten bei ein bis

zwei Betreuern immerhin 50

bis 60 Teilnehmende, Bibelabenden

und Vorträgen (teils

mit Lichtbildern). Auch der

Posaunenchor wurde 1928

wieder gegründet. Mit vielen

meist arbeitslosen Mitgliedern

und Jugendlichen die in

der Stadt angesprochen wurden

konnte das Gelände am

Oberholz eingeebnet werden.

Der schon im 1.Weltkrieg

gelernte Weg, am Bahnhof

für Menschen da zu sein, die

ohne Heimat durch die Lande

ziehen, brachte viele junge

Männer dazu, dem CVJM tatkräftig

zu helfen und so ein

Vesper und im Schöllkopfheim

ein Bett zu finden.

Die politischen Umwälzungen

gingen auch

am CVJM Göppingen nicht

vorbei. „Der Radikalismus

zur Rechten und Linken mit

seinen Massenbewegungen

übt große Anziehungskraft

auf die Jungen aus“ hieß es

im Jahresbericht von 1930.

Im Februar 1933 schrieb der

Vorsitzende Pfarrer Pfitzenmaier

an die Mitglieder: „Die

Leidenschaft der Parteipolitik

geht durch unser Volk; mit

weltanschaulicher Tiefe werden

in Deutschland Kämpfe

ausgefochten. An einem

CVJM können diese Wogen

nicht unbemerkt vorüberrauschen;

sind wir doch junge

Männer, die mit ihrem Volk

verbunden sind.“ Am 1. März

1934 musste dann der CVJM

all seine Mitglieder unter 18

Jahren aus dem Verein entlassen.

Aus: „von unsichtbarer Hand geführt. Lebenserinnerungen meines langen

Lebens“ von Eugen Arthur Mühlhäuser (Jahrgang 1916)

1919

Versailler Friedensvertrag

Verlag des Ev. Gemeindeblatt

wird abgegeben

Adolf Klein

1920

1921

1922

Die Teurungsrate macht einen

Jugendwart unbezahlbar

1923

1924

Einführung der Reichsmark

1925

Georg Schraag

1926

Umzug in das Schöllkopfheim

1927

1928

Immanuel Pfitzenmaier

1929

Weltwirtschaftskrise

1930

1931

1932

1933

1934

Einstellung der Jugendarbeit im CVJM

1935

Erich Wagner

1936

1937

1938

der Landkreis Göppingen entsteht

Ludwig Wolf

1939

Ausbruch 2.Weltkrieg

1940

Eröffnung des Staufentheaters.

1941

1942

Übergabe des Vereinsvermögens

an die Kirche

1943

1944

1945

Luftangriff auf Göppingen


1934 wandte sich der CVJM an seine unterstützenden

Mitglieder und Freunde mit folgenden

Worten:

… Der Führer hat den zwischen dem Reichsbischof

und dem Reichsjugenführer abgeschlossenen

Vertrag gutgeheißen und die Führer der Kirchen

haben zugestimmt … Der CVJM Göppingen

… entlässt nunmehr alle seine Mitglieder unter

18 Jahren und stellt es den Jugendlichen und ihren

Eltern frei, sich der H.J. anzuschließen …

Alles Äußere wie Mitgliedschaft, Beitrag, Kluft

u.a. fällt weg; … Der CVJM selbst, die Sammlung

der über 18 jährigen jungen Männer, bleibt

bestehen; es werden sich aber auch hier infolge

der ganzen Entwicklung tiefgreifende Änderungen

vollziehen: Geländesport und dergl. fällt weg; alle

derartige Ertüchtigung erfolgt in der S.A. … Aber

um so größer ist die Aufgabe, unter neuen Formen

das alte Ziel zu verfolgen, der deutschen Jugend

die Botschaft von Jesus zu bringen …

Ein Marsch durch die Innenstadt war im März

1934 dann der letzte Auftritt in der Öffentlichkeit.

In den dann folgenden Jahresberichten wird

die Arbeit eher als „stilles Tun“ bezeichnet.

In das Schöllkopfheim wurde ein christliches

Soldatenheim eingerichtet, und weiterhin trafen

sich die Freunde zu wöchentlichen Bibelabenden.

Einen Eindruck von der Zeit gewährt

der Briefwechsel zwischen dem Vorsitzendem

Ludwig Wolf und Herbert Häberle von 1939.

Am 11.8.1942 übergab der CVJM Göppingen

der Kirchengemeinde durch einen Schenkungsvertrag

sein Vermögen: Das Schöllkopfheim,

den Vereinsgarten im Oberholz und

sein gesamtes bewegliches Vermögen um es

„dem zugriff der Partei zu entziehen“. Diese

Schenkung wurde erst nachdem der CVJM

die Zeit für richtig hielt am 15.4.1954 wieder

Rückgängig gemacht, die Kirchengemeinde

behielt nur den vorderen Streifen der Jünglingswiese

auf dem dann 1956 das Waldheim

am Oberholz gebaut wurde.

Göppingen 7. Januar 1939

Lieber Herr Häberle

Ich weiß nicht, ob sie schon davon gehört

haben, dass es auch in Göppingen

einen CVJM gibt. Wir treten zwar in

der Öffentlichkeit kaum in Erscheinung,

aber wir setzen uns jeden Dienstagabend

in unserem Heim um die Bibel

zusammen…

Sie sind erst seit kurzer Zeit hier. Vielleicht

haben Sie noch keinen rechten

Anschluss gefunden. Wenn Sie bei uns

einen Kreis von Menschen treffen, in

dem Sie sich wohl fühlen, so würde ich

mich freuen…

Heil Hitler

Ludwig Wolf

150 Jahre CVJM Göppingen | 16 17 | 150 Jahre CVJM Göppingen

11. Januar 1939

Herrn Ludwig Wolf

Auf Ihr Schreiben vom 7. ds.Mts.

…Ein mitleidiges Lächeln entlockt es

mir höchstens, wenn ich daran denke,

wie ein konfessioneller Verein…

vergessen kann, sich genauer nach

der …Konfession zu befragen… hatte

ich doch das Glück, von einer mir als

unmündiges Knäblein eingeimpften

Krankheit gerettet zu werden.

…Nun wollen Sie mich einladen zu

einem Bibelabend, ins mystische Licht

halbdunkler Kulträume, in denen sich,

wie sich der Führer 1938 ausdrückte,

nichts weiter tut als öde Langeweile…

Die Wunder, an die ich glaube, mindestens

ebenso felsenfest wie Sie an die

Ihrigen, werden im Zwanzigsten Jahrhundert

von einem Mann vollbracht,

der zwar nicht vom Heiligen Geist,

aber immerhin von der Frau eines …

deutschen Zollbeamten geboren wurde.

… wird es in 2000 Jahren plötzlich

heißen, damals war der Messias zum

zweiten Mal auf Erden; er hat die Hand

in die Höhe gehalten und alle Arbeitslosen

sind verschwunden gewesen!! …

Heil Hitler!

Herbert Häberle

12. Januar 1939

Herrn Herbert Häberle

Ich danke Ihnen für Ihren Brief. Sie haben

Ihre Meinung offen gesagt und werden

daher nichts dagegen haben, wenn

auch ich dies tue: Ich bin erstaunt, dass

ein gebildeter Mensch glaubt, Jesus und

die Bibel mit ein paar Schlagworten abtun

zu können. Was Sie über die Bibel

sagen, ist nichts Neues. Ähnliche Urteile

kann man schon lange in vergilbten

Büchern finden… Haben Sie daran

gedacht, dass Sie mit Ihrem Brief den

Glauben vieler Millionen Deutscher

verhöhnen und die Toten des Weltkrieges

beleidigen, die in diesem Glauben

für ihr Volk gefallen sind…Ich weiß

genau, an was für einen Gott ich glaube.

Es ist der Gott der Bibel. … werden

Millionen Deutsche und darunter auch

ich die Bibel und den Glauben an den

Gott der Bibel mitnehmen, wenn es einmal

nötig sein sollte, unser Volk und

seinen Führer mit den Waffen zu verteidigen.

Seien Sie überzeugt, dass wir

dann nicht die schlechtesten Soldaten

sein werden.

Heil Hitler

26. Januar 1939

Herrn Ludwig Wolf

… würde Luther in der heutigen Zeit

leben, so stünde er nicht im schwarzen

Talar, sondern im Braunhemd unter

uns…will ich Sie an Aussprüche eines

Mannes erinnern, den uns Gott geschenkt

hat: Adolf Hitler… Wenn Sie

behaupten wollen, für den Führer genau

so tapfer kämpfen zu können wie ein

Mensch der den Glauben an den Führer

hat, dann sind Sie entweder ein Lügner,

oder ein Schuft, oder halten Sie es mit

Ihrem Glauben sehr unehrlich… Und

wenn Sie heute noch glauben, durch

einen CVJM die von Ihrer Kirche gern

gesehene Zwietracht ins deutsche Volk

hineintragen zu können, dann irren

Sie sich. Das Balkenwerk Ihrer Kirche

ist morsch und ächzt in allen Fugen.

Der eiserne Besen steht in der Ecke der

deutschen Stube und eine noch eisernere

Faust wird es meisterhaft verstehen,

den verschmutzten Stubenboden zu

reinigen…Ein Volk zu sein, das ist die

Religion unserer Zeit…siegen über die

Machtgier einer politischen Kirche und

ihrer verblendeten Anhänger.

Heil Hitler!


1945-1974

150 Jahre CVJM Göppingen | 18 19 | 150 Jahre CVJM Göppingen

Ein Gespräch mit Teilen des Männerkreises

1953-1970

Beim Luftangriff am

1.März 1945 wurde

hauptsächlich die

Nordstadt, also das

Gebiet um das Schöllkopfheim,

getroffen. Hausverwalter

Fauth konnte Brandbomben,

die ins Haus gefallen

waren unschädlich machen,

und so das Haus vor der Zerstörung

retten. In der ersten

Zeit nach dem zweiten Weltkrieg

war man bemüht, wieder

in ein normales Leben

zurückzukehren. Der Stammkreis

des CVJM Göppingen

sammelte sich nach wie vor

dienstags zum Bibelabend. So

1946

Der CVJM nimmt die Jugendarbeit

wieder auf.

1947

Das erste Haus der Jugend in

Göppingen entsteht.

1948

Einführung der D-Mark

1949

1950

1951

1952

Die erste Ampel in Göppingen

Gottfried Seckinger

1953

1954

Rückgabe des Vereinsvermögens

von der Kirche

1955

Einweihung der Stadthalle

1956

Einweihung Bonhoefferhaus

Paul Mack

1957

1958

Paul Zeeb

1959

1960

1961

1962

Der CVJM feiert sein 100-jähriges

Kurt Dittert

1963

Heinrich Voss

1964

1965

1966

Paul G. Schürrle

1967

Bau der Hohenstaufenhalle

1968

Auflösung der Jugendwohnheims

Karl-Heinz Schröder

1969

Erste Christbaumaktion in Göppingen

1970

1971

1972

Paul Zeeb

1973

1974

Umbenennung in CVJMenschen

Friedrich Fuchs

genannte Heimkehrerkreise

hatten jedoch schwankenden

Besuch, da „der ehemalige

Soldat sich daheim noch

nicht zurechtgefunden hat

und sich daher auch nicht

gerne bindet“, wie Heiner

Völker in seinem Arbeitsbericht

zum Jahre 1945 schrieb.

Die Militär-Regierung der

US-Zone erlaubte Ende 1945

Gruppen zu gründen, so

sollte „das Bestreben dieser

Gruppen dahin gehen, in

der deutschen Jugend einen

hohen moralischen Standard

zu entwickeln und aufrecht

zu erhalten. Die Bildung von

Zweigstellen wohlbekannter

internationaler Jugendorganisationen

wie Pfadfinder,

CVJM und ähnlicher soll ermutigt

werden.“

Abermals war es Adolf

Klein, der Besprechungen

und Lösungen von Zukunftsfragen

des Vereines anleitete.

Schon im Juni 1946 konnten

den Mitgliedern mehrere

Jungmannschaften, Jungenschaften,

und Jungscharen

gemeldet werden, die insgesamt

über 200 Teilnehmer

in den Gruppen hatten. Die

Handballer des Göppinger

CVJM wurden 1950 Eichenkreuz

Württembergischer

Landesmeister. Auch ein Posaunenchor

wurde wieder gegründet.

Was sind eure ersten Erlebnisse und

Erinnerungen an den CVJM Göppingen,

wie seid ihr hier her gekommen?

H. Kern: 1953 hat mich Hans Klaiber

in eine Jungenschaft eingeladen, „ihr

müsst aber erst den Keller aufräumen“,

das war so eine Rumpelkammer. Bei

der Jungenschaft die dann entstanden

ist waren wir 12-15 Leute.

P. Austen: Ja, da kam vom CVJM jemand

in den Konfirmandenunterricht und

hat Werbung gemacht, meine Gruppe

in Oberhofen hatte damals so 30-40

Leute, davon sind ca 5 mit mir hin gegangen.

H. Zepf: Bei mir war es so, dass alle in

der Familie in einem Verein waren, nur

ich nicht. Mein Vater ist mit einem

Maler ins Gespräch gekommen, und

er meinte „schick ihn doch mal zum

CVJM“. Ich weiß es noch genau, ich

stand dann unter der Uhr der NWZ

und bin von dort abgeholt worden in

die Jungenschaft. Das muss 1956 gewesen

sein.

W. Fink: Meine frühste Erinnerung

an den CVJM ist eine Freizeit 1957 in

Stötten. Damals war ich 9 Jahre alt.

Da haben sie uns Nachts geweckt und

erzählt, dass Hans Klaiber verschleppt

wurde. Mit Rote Beete Saft waren

Blutspuren aufgemalt, sogar jemand

mit einer Polizeiuniform war da. Und

dann sind wir alle zusammen mit den

Taschenlampen in den Steinbruch los

gezogen.

H. Kern: 1958 sind dann ein paar Jungenschaften

zu einem Jungmännerkreis

zusammen gelegt worden, die

Teilnehmerzahlen hatten abgenommen.

Ich kam Freitags nach Hause,

hab meiner Mutter die Dreckwäsche

gegeben und bin zu Peter, hab ihn abgeholt

und dann ging es in den CVJM

ins Schöllkopfheim.

H. Zepf: Damals gab es ja noch große

Konfirmandenjahrgänge, da gab es in

der Stadtkirche alleine noch fast 50

Konfirmanden.

Wie habt ihr die Zeit um den Bau des

Bonhoefferheimes erlebt?

H. Kern: Wir jungen hatten ja mit dem

Bau nichts zu tun, wir haben aber fleißig

„Bausteine“ verkauft mit denen der

Bau mitfinanziert wurde.

P. Austen: Ich habe damals Maler gelernt,

und die Firma bei der ich gelernt

habe, hat beim Bau mitgewirkt. Ich seh

mich noch 1957 unten im Saal sitzen

und die Heizkörper

streichen.

H. Zepf: Mein Vater

hat die Kleiderschränke

für das Lehrlingswohnheim

gemacht,

da gab es schon viel

zu tun.

Fortsetzung Seite 21 >>>


150 Jahre CVJM Göppingen | 20 21 | 150 Jahre CVJM Göppingen

Da sich der Verein in den

ersten Nachkriegsjahren

mit den ehemaligen Immobilien

noch überfordert

sah, wurde das Vereinsheim

durch den Verwaltungsrat

der Schöllkopfstiftung gelenkt.

Anfang 1946 wurde

ein Teil an einen Kindergarten

vermietet, der seit dem

im Haus ist. Umso größer

muss man sich heute den

Schritt vorstellen, als Mitte

der 50er Jahre zusätzlich zu

den, nun wieder eigenen Liegenschaften,

an der Planung

eines Lehrlingswohnheimes

gearbeitet wurde. Durch den

Krieg gab es viele Waisen,

Flüchtlinge und Vertriebene.

Dazu fehlte Wohnraum, so

dass manch Jugendlicher aus

sehr beengten Verhältnissen

eine neue Heimat brauchte.

Viele zogen ins Filstal, weil

es hier Arbeitsplätze gab. Bewegt

von der Not dieser jungen

Menschen, unterstützt

von Bund, Land, Kirchen

und vielen Freunden konnte

1956 das Dietrich Bonhoeffer

Haus eingeweiht werden. Die

Freude an den voll belegten

Plätzen (rund 70 insgesamt)

währte aber nicht lange, und

so musste - mit der Normalisierung

der Verhältnisse Anfang

der 1960er Jahre - der

Heimbetrieb wieder aufgegeben

werden. Die öffentlichen

Zuschussgeber forderten nun

Gelder zurück. Schlussendlich

half nur der Verkauf der

Jünglingswiese 1968 an die

Gesamtkirchengemeinde

und eine Reihe von Spenden

wohlgesonnener Göppinger.

Die folgenden Jahre waren

gekennzeichnet

vom Bemühen,

der Jugendarbeit

des Vereins

neue Impulse zu

geben und die

spürbare Entfremdung

zwischen

Jugendarbeit

und Verein

zu beseitigen.

Die politische Arbeit gewann

an Bedeutung, ein politischer

Arbeitskreis wurde gegründet

und mit sogenannten „Foyer-Gesprächen“

wurden Ansätze

offener Arbeit gewagt.

Das Angebot einer Diskothek

nahmen in den 1970er Jahren

bis zu 200 junge Leute

wahr.

Und was hat sich nachdem das Bonhoefferhaus

fertig war geändert?

H. Kern: Die Arbeit hat sich verändert.

Es gab die „offene Tür“ als zusätzliches

Angebot. Ein Angebot hauptsächlich

für die Bewohner, aber auch wir vom

Jungmännerkreis kamen dort hin.

P. Austen: Neue Räume haben wir bekommen,

Jungscharzimmer, Jungenschaftszimmer,…

H. Zepf: Aber drüben im Schöllkopfheim

waren wir auch noch.

Wie war das mit den Mädels im CVJ-

Männer wie er damals ja noch hieß?

W. Fink: Es muss um 1964 rum gewesen

sein als wir auch mal Mädels eingeladen

haben, mit denen sind wir dann unten

im Keller auf den Sofas rumgeflackt.

P. Austen: Die erste gemischte Freizeit

war 1961 nach Holland. Ich weiß noch,

dass der Freizeitleiter sehr ängstlich

war da zu der Zeit die Mauer gebaut

wurde und die Kubakrise ihren Höhepunkt

hatte.

H. Kern: Ich habe bei einer gemischten

Freizeit Ostern 1964 meine Frau kennen

gelernt. Nach Berlin sind wir damals

gefahren. Wir sind auch nach Ostberlin

rüber, durften aber immer nur zu

zweit in die U-Bahn weil wir als Gruppe

nicht in den Osten durften. Dort haben

wir uns mit Ostberlinern getroffen zu

denen dann auch lange Brieffreundschaften

entstanden sind.

H. Zepf: Um 1964 rum gab es eine Kooperation

mit dem CVJM Ludwigsburg,

eine Freizeit nach Korsika bei der ich

dabei war. Da sind wir mit einer Propellermaschine

ab Stuttgart hingeflogen

und haben bei einem Gärtner gezeltet.

W. Fink: Als dann nach und nach Gemeindehäuser

in den Kirchengemeinden

gebaut wurden hat sich die Jugendarbeit

nach dorthin verlagert. Die

Jugendarbeit lief dann selbständig in

den Kirchengemeinden.

P. Austen: Die erste Christbaumaktion

1968 ist auch von Pfarrer Schürrle angeleitet

worden.

Und aus dieser Jungenschaft von 1953

hat sich der heutige Männerkreis heraus

entwickelt

H. Kern: Ja, das war ein ziemliches

Drama als um 1975 uns das ‚Jung’ im

Jungmännerkreis abgesprochen wurde.

Es kamen jüngere nach die nicht

verstanden haben warum wir - um die

40 Jahre alten - uns noch ‚Jungmännerkreis’

nennen.

W. Fink: Die allererste 1. Maiwanderung

war 1967, es waren zwar nur rund

10 Männer die da wanderten, aber seit

dem wird am 1. Mai gewandert.

H. Kern: Es hat aber nicht lange gedauert,

schon 1968 kamen über 50 zum

wandern mit, auch von allen Generationen

des CVJM Göppingen.

W. Fink: Wir haben 1987 unser erstes

Buch begonnen in das wir jedes Treffen

vermerken, welches Thema oder

was wir gemacht haben. Mittlerweile

haben wir, nach 25 Jahren 18 dieser Bücher

voll mit Erinnerungen und Unterschriften.

H. Kern: Und wir sind alle mindestens

drei mal Umgezogen, und alle haben

immer mitgeholfen bei den Umzügen.

Nicht zu vergessen die Familienfreizeiten,

die erste war 1971 im Kleinwalsertal,

und erst 2002 war die nun letzte.


1974

150 Jahre CVJM Göppingen | 22 23 | 150 Jahre CVJM Göppingen

CVJM Göppingen heute

aus CVJMänner wird CVJMenschen

Wir haben eine Zukunft,

weil wir eine Vergangenheit haben!

In den 1960er Jahren öffneten

sich landesweit die

CVJM auch für Mädchen.

Nur in Göppingen dauerte es

etwas länger. Die älteren mit

ihrem konservativen Weltbild

bremsten, die jungen Männer

waren hingegen für die

Öffnung. Anfang der 1970er

Jahre liefen Verhandlungen

mit dem evangelischen Mädchenwerk

in Göppingen.

Selbstverständlich wollte die

weibliche Seite auch an Entscheidungen

beteiligt sein. So

einigte man sich nach zähem

Ringen auf eine Quote vvon

einem Drittel im Vorstand

und im Hauptausschuss. Dabei

gab es anfangs mehr Mädchen-

als Jungenkreise.

Im Mai 1974 war es dann soweit:

Der Christliche Verein

Junger Männer wurde zum

Christlichen Verein Junger

Menschen. Zunächst blieben

die bestehenden Kreise

erhalten. Neue gemischtgeschlechtliche

Gruppen und

Freizeiten kamen schnell

dazu. Zwar schlossen der

Verein und die Evangelische

Gesamtkirchengemeinde einen

Vertrag, der den CVJM

mit der Jugendarbeit betraute

und die Anstellung der

Jugendreferenten durch die

Kirche regelte. Seine Umsetzung

unterlag aber immer

der Kooperationsbereitschaft

der einzelnen Pfarrer.

Was im CVJM Göppingen

nach der

Fusion entstanden ist,

war zunächst die klassische

christliche Jugendarbeit.

Viele Angebote

und Projekte wurden fortgeführt,

mit den Menschen kamen

neue und gingen andere.

Jugendreferenten wirkten

zusammen mit all den Ehrenamtlichen,

genau so wie

es in den vielen Jahren davor

der Fall war. Der Bau der Gemeindehäuser

führte jedoch

zur Verlagerung der Gruppen

in die Gemeinden.

In den 1970er und 1980er-

Jahren zogen viele Familien

in die Vororte weg. Das

führte zusammen mit dem

Geburtenrückgang ab Mitte

der 1960er-Jahre, einer Wohlstandsfolge,

zu einschneiden

Veränderungen.

Die Übernahme der inhaltlichen

Verantwortung für das

Ferientagheim 1988 setzte einen

neuen Schwerpunkt der

Vereinsarbeit. Als Ende 1988

die Deutsche Bundespost in

ihr neues Fernmeldeamt im

Reusch umzog, nutzte der

Verein die Chance, Erdgeschoss

und Keller für die Jugendarbeit

einzurichten.

Der CVJM Göppingen engagierte

sich mit einem namhaften

Betrag beim Kauf und

dem Umbau des Freizeitheimes

Rötenbach. 2005 feierten

wir zusammen mit

sieben CVJM im Bezirk

und dem CVJM-Landesverband

das 150jährige

Jubiläum der Pariser Basis.

Die Zusammenarbeit mit

Einrichtungen, Vereinen und

Verbänden prägt auch heute

noch die Jugendarbeit. Eine

sehr wechselhafte Beziehung

zur Gesamtkirchengemeinde

ging einher mit ebenso wechselnden

Mitarbeitergenerationen

im CVJM.

Nachdem fast 30 Jahre

lang zwei Jugendreferenten

für den CVJM tätig waren,

ist heute nur noch eine 50%

Stelle übrig. Doch wir werden

nicht klagen, denn: Wir

haben eine Zukunft, weil wir

eine Vergangenheit haben!

1975

1976

1977

1978

1979

1980

1981

Einweihung der Stadtbibliothek im

Kornhaus

1982

1983

1984

1985

1986

1987

Der CVJM feiert sein 125-jähriges

1988

Eröffnung der Fachhochschule für

Technik

Übernahme des Ferientagheims

1989

Fall der Mauer

Dieter Merkle

1990

Umbau Bonhoefferhaus

1991

1992

1993

1994

1995

1996

1997

1998

1999

2000

2001

Roland Lehr

2002

Einführung des Euro

2003

2004

www.cvjm-gp.de geht online

2005

2006

2007

50 Jahre Bonhoefferhaus

2008

2009

2010

Vertrag mit der Gesamtkirchengemeinde

wird gekündigt

2011

2012

Der CVJM feiert sein 150-jähriges


Ferientagheim

Waldheim am Oberholz

Was das Waldheim ist,

kann man mit Worten

nur schlecht beschreiben. Waldheim heißt

neue Freunde zu finden, über 11 Tage etwas

zu erleben, das man das ganze Jahr nur schwer

wieder findet. Waldheim bedeutet auch viel

Spaß, gesunden Spaß, in einer Gruppe mit

anderen. Waldheim ist die Zeit jenseits des

Kalenders, eine Zeit, die mit dem Herzen

erlebt wird. Waldheim ist die Erfahrung, dass

Fremde Freunde sind, die man noch nicht

kennt, eine Erfahrung, die zeigt, dass man

nicht alleine ist und gemeinsam viel bewegen

kann. Seit über 60 Jahren findet das Ferientagheim

im Waldheim am Oberholz statt.

Zwei Wochen voller Spiel–Spaß-Spannung in

einer Gruppe mit Gleichaltrigen, mit gutem

Essen, motivierten ehrenamtlich Mitarbeitenden

und vielen Kindern, die wieder zahlreiche

Erlebnisse nach Hause bringen. Auf alle

Fälle kommt keine Langeweile auf!

Das Ferientagheim beginnt jeweils um

8.30 Uhr und endet um 18.30 Uhr (Samstag

nur bis 13.00 Uhr, und am Sonntag ruhen

wir uns aus!). Die Kinder sind in altersgleiche

Gruppen eingeteilt. Jeweils zwei Betreuerinnen

bzw. Betreuer führen ein abwechslungsreiches

Programm mit ihrer Gruppe durch.

Hinzu kommen gemeinsame Veranstaltungen

mit allen rund 200 Kindern. Verpflegt werden

die Kinder aus unserer eigenen Küche. Frühstück,

Mittagessen und Abendessen werden

täglich frisch zubereitet.

150 Jahre CVJM Göppingen | 24 25 | 150 Jahre CVJM Göppingen


Freizeiten

Gemeinschaft erleben

150 Jahre CVJM Göppingen | 26 27 | 150 Jahre CVJM Göppingen

Seit 1921 führt der CVJM Göppingen

Freizeiten durch. Während einer Freizeit

kommt es zu Erlebnissen die prägend sind,

für Teilnehmende ebenso wie für Mitarbeitende.

In der Freizeitarbeit geht es uns

darum, ein möglichst breites Spektrum

an Teilnehmern in den unterschiedlichen

Altersstufen zu erreichen. Freizeiten sollen

so einen Erfahrungsraum des Miteinanderlebens

bieten, in dem Leib Seele und Geist

in gleicher Weise angesprochen werden.

Dabei wird soziales Lernen ermöglichen

und das Gemeinschaftsgefühl gestärkt.

Ökologisches oder länderkundliches

Lernen ist ebenfalls Ziel der Freizeit. Die

einzelnen Teilnehmer können durch Erlebnisse

in der Gruppe eine Ich-Stärkung und

persönliche Aufwertung erfahren. Dem

Freizeitteam dient die Freizeit als selbst

organisiertes, demokratisches Experimentierfeld.

Bei all dem soll die Freizeit auch

einfach nur Spaß machen und der Erholung

dienen.

Im Laufe der vielen Jahre die der CVJM

Göppingen Freizeiten anbietet fanden die

unterschiedlichsten Freizeiten statt. Workcamps

oder Strandfreizeiten, Zeltlager oder

Hausfreizeiten, Kanu- oder Skifreizeiten,

Kinder- oder Familienfreizeiten, Freizeiten

mit vielen Teilnehmenden und Kleingruppenfreizeiten,

Mitarbeiterfreizeiten,…

150 Jahre CVJM Göppingen | 26 27 | 150 Jahre CVJM Göppingen


Offene Arbeit

Gruppen und Kreise

Die Offene Arbeit im CVJM

Göppingen hat, wie überall,

besonders nach dem 2.Weltkrieg an Bedeutung

gewonnen. Durch dieses niedrigschwellige

Angebot wird Jugendlichen eine Alternative

geboten und die Räumlichkeiten als

„offen“ dargeboten. Bei vielen Göppingern als

legendär bekannt ist die Disco aus den späten

70er Jahren. Auch das Jugendcafe „Puzzle“

das über mehrere Jahre lief war bekannt und

beliebt. Die Anschaffung eines Kickers um

1968, sowie die neuen Möglichkeiten im Bonhoefferhaus

nach der Renovierung Ende der

80er wurden von unterschiedlichsten Jugendlichen

angenommen. Der Neustart der Offenen

Arbeit in 2011 mit einem Jugendkulturcafe

ist auf einem guten Weg diese Arbeit fort

zu setzen.

Nachdem der CVJM Göppingen

viele Jahre sich auf unterschiedlichster

Weise den klassischen Gruppen

und Kreisen in einem CVJM gestellt hat und

durch Jungscharen, Jungenschaften, Jungmännerkreisen,…

hunderte von Göppingern

eine Heimat und sinnvolle Freizeitbeschäftigung

geboten hat, haben sich die Angebote

gewandelt. Dennoch gibt es Gruppen die

teils seit sehr vielen Jahren im Bonhoefferhaus

heimisch sind. Wir sind auch auf unsere

Generationen übergreifenden Angebote stolz.

150 Jahre CVJM Göppingen | 28 29 | 150 Jahre CVJM Göppingen


Eichenkreuz

der Sportverein im CVJM

CANTAMUS

der Chor im CVJM

Der Höhepunkt der

Woche? Für die Eichenkreuz-

Fußballer des CVJM Göppingen

gibt es da nicht viel zu

überlegen. Der Freitag ist es.

Dann rollt ab 19 Uhr in der

Sporthalle in der Oede der

Ball. Ein buntgemischer Haufen

im Alter zwischen 16 und

60Jahren spielt gemeinsam

den gepflegten Doppelpass.

Fair geht vor heißt das Motto.

Auch danach in der dritten

Halbzeit bei Alexandros in

der Turnhallen-Gaststätte in

Faurndau. Deshalb sind zum

gemütlichen Beisammensein,

inklusive Binokel-Spiel, auch

bandscheibengepagte Nichtmehr-Fußballer

zugelassen.

Kicken ist wichtig, doch

längst nicht alles. Die Eichenkreuzler

gehen Wandern,

Skifahren, und ein fester

Stamm nimmt regelmäßig

an Laufwettbewerben teil.

Dazu gehören der Faurndauer

Dorffestlauf, der Süßener

Stadtlauf, der Ottenbacher

Silvesterlauf oder der

Barbarossa-Berglauf. 2011

liefen zehn CVJM-Mitglieder

beim Mallorca-Marathon

mit. Auch eine Familienausfahrt

über ein verlängertes

Wochenende mit Kind und

Kegel taucht einmal im Jahr

im Programm auf. Sogar ein

Benefizkonzert wurde schon

einmal organisert. „Faurndau

rockt und hilft - damit auch

arme Kinder wieder träumen

können“, lautete 2010 der

Slogan. Von der Veranstaltung

profitierten Kinder und

Jugendliche in Haiti und

Ghana. Eine Wiederholung

ist nicht ausgeschlossen.

Denn Sport im Eichenkreuz

ist eben viel mehr als nur

Fußball.

„Cantamus – Chor im

CVJM Göppingen“, wurde

vor ca. 30 Jahren gegründet.

Die Entstehung ging auf

musikalische Aktivitäten in

den Teilgemeinden zurück.

Es gab Sangesinteressierte,

man kannte sich, und so

kam es, dass der Chor in das

Bonhoefferhaus „umzog“

und weitere Mitglieder dazu

gewann.

In der ersten Zeit hauptsächlich

intern im Verein,

gab es aber auch erste Außentermine.

Die Proben waren

auch damals schon immer

mittwochs. Das Repertoire

entwickelte sich aus den

Wünschen der Mitwirkenden.

Es konnte erreicht werden,

dass Frieder Maier, seinerzeit

Kantor in der Oberhofenkirche,

etwa 1985 die

Leitung des Chores in seinen

Dienstauftrag übernahm.

Anfang der 90er Jahre gab

Frieder seine Stelle auf und

Gerald Buß, der als Kantor an

die Reuschgemeinde gekommen

war wurde angefragt. Er

übernahm 1991 die Leitung –

die er bis heute innehat.

Die Entwicklung unter seiner

Leitung brachte eine Vergrößerung,

derzeit sind ca.

35 Personen regelmäßig im

Chor aktiv, und eine Vergrößerung

des Repertoires mit

sich. Über die Jahre wurden

hauptsächlich kirchenmusikalische

Werke angegangen.

Gute Praxis wurde es auch,

dass Chorprojekte durchgeführt

wurden, so ergaben sich

immer wieder Gelegenheiten

für Mitsingende, die nicht

kontinuierlich in einem Chor

singen möchten, mitzumachen.

Auch hat sich Cantamus

an Chorprojekten beteiligt,

beispielsweise im Zuge

des Festivals auf dem Schloss

Filseck.

Der Chor hat lange Jahre

im Bonhoefferhaus geprobt.

Mit der zunehmenden Größe

war es notwendig geworden,

in einen größeren Raum

auszuweichen. Seit 2005

probt der Chor, nach wie vor

mittwochs ab 19.30 Uhr, im

Blumhardthaus. Der Chor

heißt Menschen die gerne

mitmachen wollen sehr willkommen!

150 Jahre CVJM Göppingen | 30 31 | 150 Jahre CVJM Göppingen


AKTIONEN UND PROJEKTE

150 Jahre CVJM Göppingen | 32

33 | 150 Jahre CVJM Göppingen

Schon in den frühen Jahren des CVJM Göppingen

hat sich der Verein durch Aktionen hervorgetan. Der

Charakter der Projekte war und ist auch immer ein Spiegel der

Zeit in der sie statt finden. In den 1920er Jahren wurde durch

eine Art „Arbeitslosenprojekt“ (den Begriff gab es damals freilich

so noch nicht) die Wiese am Oberholz eingeebnet. Während

den Weltkriegen haben Göppinger CVJMer sich um Heimatlose

und Soldaten gekümmert und Gebetbüchlein verteilt.

Auch der Bau des Bonhoefferhauses als Lehrlingswohnheim

mit all dem was dies so mit sich brachte (z.B. Angebote die den

Bewohnern galten) waren im heutigen Sinne ein Projekt. Um

1968 begann der CVJM Göppingen mit der Christbaumaktion

die seit dem durchgeführt wird und mittlerweile einen

Spendenerlös für „Brot für die Welt“ von über 200.000 Euro

erbracht hat. In der jüngeren Vergangenheit war der CVJM

Göppingen treibende Kraft bei Ökumenischen Jugendkreuzwegen

in Göppingen. Aber auch Kunstwettbewerbe zur jeweiligen

Jahreslosung und mehrere „Woche gemeinsam Leben“

bei dem Jugendliche und junge Erwachsene teil nahmen fanden

statt. Und dem Erfindungsreichtum sind keine Grenzen

gesetzt. Aktionen und Projekte sind und waren schon immer

ein klassisches Übungsfeld in der Jugendarbeit.


Jubiläum 2012

150 Jahre CVJM Göppingen | 34 35 | 150 Jahre CVJM Göppingen

1862‚‚‚1887‚‚‚1912‚‚‚1937‚‚‚1962‚‚‚1987‚‚‚2012


150 Jahre jung.

CVJM Göppingen

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