25.02.2014 Aufrufe

Ubuntu User Per Tethering und UMTS ins Netz (Vorschau)

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UBUNTU<br />

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● Tricksen mit der Secure Shell (SSH)<br />

● Streamen über UPnP<br />

● Elementare <strong>Netz</strong>werktools<br />

Cloud: <strong>Ubuntu</strong> One<br />

DATEIEN VERSCHLÜSSELN<br />

Th<strong>und</strong>erbird 7 vs. Evolution<br />

Skype-Anrufe mitschneiden<br />

Bash: Audioplayer skripten<br />

Topspiele mit <strong>und</strong> ohne Wine<br />

Weitere Themen:<br />

• Quicklists basteln<br />

• Codecs einrichten<br />

• Tipps <strong>und</strong> Tricks zu<br />

<strong>Ubuntu</strong> & Unity<br />

• ARM-Netbook angeschaut<br />

• Metadaten für Bilder<br />

• Interview mit Lubuntus<br />

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auf max. 10 MBit/s. Freischaltung jeweils kostenlos über den K<strong>und</strong>enservicebereich). Preise inkl. MwSt.


Editorial<br />

Service<br />

Route<br />

in die Freiheit<br />

Was Microsoft für sein Betriebssystem plant, ist vielen überzeugten Linux-<br />

Anwendern herzlich schnuppe. Die aktuellen Pläne für den neuen Windows-8-<br />

Browser bringen jedoch Überraschungen mit, die auch Linux-Nutzer angehen.<br />

Zwar gibt es den Internet Explorer 10 auch weiterhin in einer traditionellen Version,<br />

aber wer die vom Microsoft empfohlene Metro-Style-Variante benutzt, der bekommt<br />

einen Browser ohne Plug-<strong>ins</strong>. Kein Flash, kein Silverlight, dafür HTML 5.<br />

Kristian Kißling,<br />

Chefredakteur<br />

Das ist nicht das Ende von Flash <strong>und</strong> Silverlight, aber vielleicht der Anfang davon.<br />

Für den <strong>User</strong> ist es eine gute Nachricht: Die Anzahl von Sicherheitslücken in Adobes<br />

Flash Player ist berüchtigt, die Stabilitätsprobleme sind immer wieder Thema.<br />

Dennoch führte bislang kein Weg an dem Player vorbei. Das scheint sich gerade<br />

zugunsten des offenen Standards HTML 5 zu ändern.<br />

Adobe, das weiterhin recht gut von seinen Klassikern wie Photoshop <strong>und</strong> In-<br />

Design leben wird, darf sich den Bedeutungsverlust selbst zuschreiben. „Das<br />

Benutzererlebnis, das aktuelle Plug-<strong>ins</strong> bieten, passt nicht zum Browsen im<br />

Metrostil <strong>und</strong> einem modernen, HTML-5-basierten Internet“, schreibt Steven Sinofsky,<br />

Präsident der Windows-Abteilung bei Microsoft, in einem Blog [1]. Hätte<br />

Adobe den Quellcode des ohnehin kostenlos angebotenen Plug-<strong>ins</strong> offen gelegt,<br />

würde Sinofsky womöglich anders reden.<br />

<strong>Ubuntu</strong> <strong>User</strong> Online<br />

Fragen, Kritik, Anregungen an:<br />

redaktion@ubuntu-user.de<br />

Neuigkeiten <strong>und</strong> Artikel:<br />

http:// ubuntu‐user. de/<br />

Folgen Sie uns auf Twitter,<br />

Iden ti.ca <strong>und</strong> Facebook:<br />

* http:// twitter. com/ ubuntu_<br />

user_de<br />

* http:// identi. ca/ ubuntuuserde<br />

* http:// www. facebook. com/​<br />

ubuntuuser<br />

Doch auch Microsoft musste dazulernen. Mit Silverlight wollte der Konzern aus<br />

Redmond eine plattformübergreifende Konkurrenz zu Adobe etablieren, was –<br />

trotz des Quasi-Monopols <strong>und</strong> der Investitionen – misslang. Microsoft trennt sich<br />

nicht von der Technologie, sieht sie aber offenbar nicht mehr im Zentrum<br />

seiner Internetstrategie. Silverlight hat denselben Makel wie Adobes Produkte:<br />

Es kommt von einer einzigen Firma <strong>und</strong> ist nicht offen.<br />

Das Internet, hieß es in den frühen Tagen, routet einfach um Hindernisse herum.<br />

Das bedeutet, dass Pakete autonom einen anderen Weg finden, wenn Server<br />

ausfallen. Den Schritt zum offenen Standard HTML 5 kann man als Ende einer<br />

langen Umleitung begreifen, als Rückkehr zur Normalität. Es gibt noch immer<br />

viele Baustellen im <strong>Netz</strong>, aber diese Route ist nun wieder befahrbar.<br />

Info<br />

[1] [http:// blogs. msdn. com/ b/​<br />

b8/ archive/ 2011/ 09/ 14/ met<br />

ro‐style‐browsing‐and‐plug<br />

‐in‐free‐html5. aspx]<br />

www.ubuntu-user.de 01/2012<br />

UBUNTU<br />

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3


Service<br />

Inhalt<br />

<strong>Ubuntu</strong> <strong>User</strong> 01/2012<br />

UBUNTU<br />

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94<br />

Im zweiten Teil unseres Bash-<br />

Workshops zeigt unser Autor Ihnen,<br />

wie Sie mit einfachsten Mitteln <strong>und</strong> Funktionen<br />

einen simplen Audioplayer programmieren.<br />

Service<br />

Aktuelles<br />

Schwerpunkt<br />

3 Editorial<br />

Route in die Freiheit<br />

34 DVD-Inhalt<br />

Was ist <strong>Ubuntu</strong> <strong>und</strong><br />

welche Software bringt<br />

unsere Heft-DVD mit?<br />

98 Impressum<br />

91 <strong>Vorschau</strong><br />

6 Bücher<br />

TYPO3 – Version 4.5,<br />

LibreOffice<br />

7 Gewinnspiel<br />

Gewinnen Sie mit <strong>Ubuntu</strong><br />

<strong>User</strong> tolle Preise!<br />

8 News<br />

<strong>Ubuntu</strong> 12.04 ist der<br />

Precise Pangolin. Ändert<br />

<strong>Ubuntu</strong> sein Release-Modell?<br />

<strong>Ubuntu</strong>s App Store<br />

10 Interview<br />

Lubuntu ist seit Version<br />

11.10 ein offizielles <strong>Ubuntu</strong>-Derivat.<br />

Wir sprechen<br />

mit dem Hauptentwickler.<br />

29 Intro<br />

Wir zeigen, was Sie im<br />

Schwerpunkt erwartet<br />

<strong>und</strong> stellen die einzelnen<br />

Themen vor.<br />

30 <strong>Netz</strong>werktools<br />

Wenn das <strong>Netz</strong>werk einmal<br />

klemmt, helfen diese<br />

Kommandozeilentools<br />

bei der Analyse.<br />

Erste Schritte – der Guide für E<strong>ins</strong>teiger<br />

14 Neu in <strong>Ubuntu</strong>!<br />

Wir schauen, wie der neue Unity-Desktop<br />

in <strong>Ubuntu</strong> 11.10 aussieht <strong>und</strong> was<br />

es sonst noch Neues gibt.<br />

16 Installation – Schritt für Schritt<br />

Zwar soll die Installation von <strong>Ubuntu</strong><br />

auch für Anfänger fast selbsterklärend<br />

funktionieren, einige Hintergründe sollten<br />

Sie dennoch kennen.<br />

20 Aktualisierungen aus dem <strong>Netz</strong><br />

Die Sicherheit eines Systems hängt an<br />

seiner Aktualität. Wir zeigen, wie Sie online<br />

gehen <strong>und</strong> Ihr System aktualisieren.<br />

22 Software verwalten<br />

Das Software-Center ist der App Store<br />

von <strong>Ubuntu</strong>. Für die Version 11.10 wurde<br />

es vor allem optisch überarbeitet.<br />

26 Multimedia <strong>und</strong> Codecs<br />

<strong>Ubuntu</strong> wird zur perfekten Multimediazentrale,<br />

wenn Sie ein paar zusätzliche<br />

Programme <strong>und</strong> Codecs e<strong>ins</strong>pielen. Wir<br />

zeigen, was Sie brauchen.<br />

4 UBUNTU<br />

01/2012<br />

www.ubuntu-user.de<br />

user


Inhalt<br />

Service<br />

11.10<br />

50<br />

<strong>UMTS</strong> again! Seit unserem letzten <strong>UMTS</strong>-Test<br />

ist einige Zeit <strong>ins</strong> Land gegangen. Wir zeigen,<br />

wie Sie aktuelle <strong>UMTS</strong>-Sticks unter <strong>Ubuntu</strong> 11.10 einbinden.<br />

Die gute Nachricht: Es ist einfacher geworden!<br />

Im Heft:<br />

Oneiric Ocelot:<br />

<strong>Ubuntu</strong> 11.10 (32-Bit-DVD)<br />

<strong>Ubuntu</strong> 11.10 (64-Bit-DVD)<br />

Desktop<br />

Wissen<br />

Software<br />

36 SSH-Tricks<br />

SSH kann Sie nicht nur<br />

mit fremden Rechnern<br />

verbinden, sondern hat<br />

auch ein paar geniale<br />

Tricks auf Lager.<br />

42 UPnP<br />

Filme, Musik <strong>und</strong> Bilder<br />

streamen Sie im <strong>Netz</strong>werk<br />

über UPnP. Aber<br />

hier lauern Fallen.<br />

58 <strong>Ubuntu</strong> One (Teil 1)<br />

Wir stellen die wichtigsten<br />

Features von <strong>Ubuntu</strong>s<br />

Onlinedienst vor.<br />

62 Dateien verschlüsseln<br />

Dank PGP-Verschlüsselung<br />

schützen Sie Ihre<br />

Daten in der Cloud.<br />

72 Metadaten<br />

Können Sie Ihre Bildbeschreibungen<br />

auch in 20<br />

Jahren noch lesen?<br />

Tipps & Tricks<br />

74 Tipps für <strong>Ubuntu</strong><br />

Diese Tricks helfen Ihnen<br />

im täglichen Umgang<br />

mit <strong>Ubuntu</strong> 11.10.<br />

82 Skype-Rekorder<br />

So zeichnen Sie Gespräche<br />

auf, die Sie über<br />

Skype führen.<br />

86 Zwölf coole Spiele<br />

Wir stellen freie Spiele <strong>und</strong><br />

PC-Blockbuster vor, die<br />

mit Wine laufen.<br />

90 Turpial<br />

Venezuelas Twitter-Client<br />

50 <strong>UMTS</strong>-Test<br />

Wir haben <strong>UMTS</strong>-Sticks<br />

für Sie getestet.<br />

54 <strong>Tethering</strong><br />

Der Artikel zeigt, wie Sie<br />

mit <strong>Ubuntu</strong> <strong>ins</strong> mobile<br />

Internet gelangen: per<br />

<strong>Tethering</strong> <strong>und</strong> MiFi.<br />

64 Quicklists<br />

Praktische Quicklists<br />

einfach selber basteln<br />

Office<br />

Admin<br />

79 Shortcuts<br />

Mit „grep“ fahnden Sie im<br />

System nach Dateinamen<br />

<strong>und</strong> -inhalten.<br />

Software<br />

Hardware<br />

92 ARM-Rechner<br />

Wir nehmen einen ARM-<br />

Rechner mit <strong>Ubuntu</strong><br />

10.04 unter die Lupe.<br />

Programmieren<br />

68 Th<strong>und</strong>erbird vs. Evolution<br />

Wie schneidet der neue<br />

E-Mail-Client ab?<br />

80 Banshee<br />

<strong>Ubuntu</strong>s Audioplayer<br />

besitzt nette Features.<br />

94 Bash-Workshop, Teil 2<br />

Wir basteln mit der Bash<br />

einen Audioplayer.<br />

www.ubuntu-user.de 01/2012<br />

UBUNTU<br />

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5


Aktuelles<br />

Zwei Bücher<br />

TYPO3<br />

Content für Unternehmen<br />

Buchinfo<br />

Susanne Moog, Patrick Rodacker,<br />

Marc Wöhlken:<br />

„TYPO3 4.5. Das Enterprise Content<br />

Management System“,<br />

Open Source Press, 2011,<br />

492 Seiten, Broschiert,<br />

ISBN 978-3-941841-43-7,<br />

34,90 Euro<br />

Sind Sie auf der Suche nach einem Content<br />

Management System, um damit auf einer<br />

Webseite dynamisch Informationen anzubieten,<br />

fällt meist schnell der Name TYPO3. Das<br />

Open-Source-System verwaltet den Content<br />

unzähliger Webseiten, was oft überertrieben<br />

ist. Planen Sie den Aufbau einer kleinen<br />

Firmenpräsenz, schießen Sie beim E<strong>ins</strong>atz von<br />

TYPO3 mit Kanonen auf Spatzen. Rechnen Sie<br />

hingegen für Ihre Webseite mit erhöhtem <strong>und</strong><br />

permanentem Publikumsverkehr, stellt TYPO3<br />

eine valide Option dar.<br />

Dem trägt auch das Buch „TYPO3 4.5“ von<br />

Open Source Press Rechnung, das den Untertitel<br />

„Das Enterprise Content Management<br />

System“ trägt. Es richtet sich vorwiegend an<br />

Benutzer, die über Vorwissen im CMS-Bereich<br />

verfügen. Das Werk spart sich daher auch<br />

einleitende Verzierungen <strong>und</strong> steigt ohne<br />

Umschweife mit der Installation des CMS ein.<br />

Es setzt damit voraus, dass Sie technisch<br />

beschlagen sind <strong>und</strong> wissen, was ein CMS ist,<br />

was genau TYPO3 tut, wie seine Architektur<br />

aussieht <strong>und</strong> warum Sie es anderen Content<br />

Management Systemen vorziehen.<br />

Zunächst fällt lobenswert auf, dass sich 40<br />

Seiten mit dem Thema Sicherheit beschäftigen,<br />

ein Thema, das andere CMS-Handbücher<br />

gern stiefmütterlich behandeln. Schön ist auch<br />

der ausführliche Anhang, der die zahlreichen<br />

<strong>und</strong> teils sehr kryptischen Konfigurationse<strong>ins</strong>tellungen<br />

detailliert erklärt. Andernfalls lässt<br />

sich nur schwer erraten, wozu Parameter wie<br />

devIPmask <strong>und</strong> enable_exceptionDLOG gut<br />

sind. Auch die Kapitel zu den Themen „<strong>Per</strong>formance“<br />

<strong>und</strong> „TypoScript“ helfen weiter, wenn<br />

Sie tiefer in TYPO3 e<strong>ins</strong>teigen wollen.<br />

Fazit: Ein gutes Buch für Adm<strong>ins</strong> also, die<br />

TYPO3 4.5 im professionellen Umfeld aufsetzen<br />

wollen <strong>und</strong> später pflegen müssen.<br />

Positiv ist auch, dass die besprochene Version<br />

4.5 eine LTS-Variante von TYPO3 ist, die drei<br />

Jahre lang Support erhält. Das gibt Ihnen eine<br />

zusätzliche Planungssicherheit.<br />

LibreOffice<br />

LibreOffice handlich<br />

Buchinfo<br />

Karsten Günther:<br />

„LibreOffice – kurz & gut“,<br />

O’Reilly, 2011,<br />

272 Seiten, Taschenbuch,<br />

ISBN 978-3-86899-118-5,<br />

12,90 Euro<br />

Wer unter Linux arbeitet <strong>und</strong> einen Ersatz für<br />

Microsoft Office sucht, kommt momentan<br />

nicht um LibreOffice herum. Nicht nur <strong>Ubuntu</strong><br />

setzt die Suite als Standardsoftware zum Bearbeiten<br />

von Dokumenten, Tabellenkalkulationen<br />

<strong>und</strong> Präsentationen ein. Kein W<strong>und</strong>er also,<br />

dass O’Reilly dem Office ein eigenes Buch<br />

widmet – wenn auch ein recht kleines Bändchen.<br />

„LibreOffice – kurz & gut“ von Karsten<br />

Günther ist nur 272 Seiten dick <strong>und</strong> passt<br />

so bequem in die Gesäßtasche eines Hip-<br />

Hoppers (diese tiefhängenden Hosen mit den<br />

großen Taschen).<br />

In dem Büchlein versammelt der Autor alle<br />

wichtigen Fakten zu LibreOffice <strong>und</strong> seinen<br />

Modulen Writer, Calc, Impress, Draw, Base<br />

sowie Math. Er erklärt die Menüeinträge <strong>und</strong><br />

listet die wichtigsten Tastaturkürzel auf. Im<br />

ausführlichen Index am Ende des Buches<br />

suchen Sie gezielt nach Schlagworten.<br />

Inhaltlich ist an dem Buch nichts auszusetzen:<br />

Es trägt auf wenig Raum viele wichtige<br />

Informationen zu LibreOffice zusammen <strong>und</strong><br />

geht dabei auch in die Tiefe. Allein – es liest<br />

sich nicht besonders schön. Das liegt weniger<br />

am Schreibstil als am Format. Die Seiten des<br />

Bändchens wirken überfüllt, die Abbildungen<br />

sind mitunter sehr klein geraten, <strong>und</strong> schmale<br />

Innenränder führen dazu, dass Sie das Buch<br />

mit etwas Kraft auseinander drücken müssen,<br />

um es vernünftig zu lesen. Auf der anderen<br />

Seite ist es dadurch vergleichsweise günstig<br />

<strong>und</strong> lässt sich gut transportieren.<br />

Alles in allem handelt es sich bei dem Buch<br />

eher um eine Referenz: Es erzählt nicht <strong>und</strong><br />

erklärt die Software nicht Schritt für Schritt anhand<br />

von Beispielprojekten. Stattdessen stellt<br />

der Autor einfach sämtliche Funktionen vor<br />

<strong>und</strong> beschreibt nüchtern, was diese bewirken.<br />

Das liest sich nicht spannend, frischt aber Ihr<br />

Gedächtnis auf, wenn Sie nach einer bestimmten<br />

Funktion suchen.<br />

Fazit: Wenn Sie die optischen <strong>und</strong> haptischen<br />

Nachteile des kleinen Formats nicht stören,<br />

dient das Werk als gutes <strong>und</strong> günstiges<br />

Nachschlagewerk für Anwender, die für die<br />

Büroarbeit regelmäßig zu LibreOffice greifen.<br />

Das kleine Büchlein behandelt die wichtigsten<br />

Funktionen der LibreOffice-Module, ohne zu<br />

sehr an der Oberfläche zu bleiben. (kki) ●●●<br />

6 UBUNTU<br />

01/2012<br />

www.ubuntu-user.de<br />

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Gewinnspiel<br />

Aktuelles<br />

Hauptgewinn!<br />

Zwei dLAN-200-Adapter<br />

<strong>und</strong> 10 Jahres-DVDs von 2011<br />

Das nächste Gewinnspiel läuft bis zum<br />

31.12.2011. Diesmal suchen wir den<br />

Namen einer Software mit grafischer<br />

Oberfläche, über die Sie Informationen<br />

zu Ihren Festplatten, Partitionen<br />

<strong>und</strong> USB-Sticks sammeln (Stichwort:<br />

SMART-Werte). Wohlgemerkt: Es geht<br />

nicht um den deutsche Namen, sondern<br />

um den Namen, über den Sie<br />

die Anwendung auf der Kommandozeile<br />

starten. Die Software ist Teil von<br />

<strong>Ubuntu</strong> 11.10 <strong>und</strong> war auch bei einigen<br />

Vorgängerversionen dabei.<br />

Zu gewinnen gibt es diesmal ein Paket<br />

mit zwei dLAN-Adaptern (200 AV<br />

Wireless N) von Devolo [1]. Wer ein<br />

Haus mit Betonwänden hat, der kennt<br />

das Problem: Oft klappt die Datenübertragung<br />

per Funk nur mäßig. PowerLAN<br />

schafft Abhilfe: Die Technologie schickt<br />

die <strong>Netz</strong>werkdaten einfach über die<br />

Steckdose. Sie benötigen auf der Sender-<br />

<strong>und</strong> der Empfängerseite jeweils einen<br />

Adapter, den Sie an eine Steckdose<br />

stecken <strong>und</strong> über ein <strong>Netz</strong>werkkabel<br />

oder eine WLAN-Verbindung erreichen.<br />

Neben zuschaltbarem WLAN nach dem<br />

N-Standard bringen die beiden Adapter<br />

auch drei Ethernet-Anschlüsse für weitere<br />

Geräte mit.<br />

Wer den Hauptgewinn verfehlt,<br />

hat vielleicht mehr Glück bei den<br />

Nebenpreisen. Wir vergeben<br />

zusätzlich zehn Exemplare<br />

unserer neuen Jahres-DVD:<br />

Auf dieser warten sämtliche<br />

Artikel der Ausgaben 01 bis<br />

04 aus dem Jahr 2011 im<br />

HTML- <strong>und</strong> PDF-Format. Eine<br />

integrierte Suchmaschine<br />

lässt Sie die Artikel nach Stichworten<br />

durchforsten. Zusätzlich<br />

bringt die DVD ein <strong>ins</strong>tallierbares<br />

<strong>Ubuntu</strong> 11.10 mit.<br />

Wenn Sie also die richtige Antwort<br />

auf die oben genannte Frage wissen,<br />

schicken Sie eine E-Mail unter dem<br />

Betreff Platten bis zum 31. Dezember<br />

2011 an gewinnspiel@ubuntu‐user. de.<br />

Wir drücken die Daumen!<br />

Info<br />

Win-win-Situation<br />

Zwei Tablets auf Reisen<br />

Diesmal stürmten 149 Leser (darunter vermutlich<br />

auch einige ihrer Fre<strong>und</strong>e) auf unser<br />

Rätsel los <strong>und</strong> lösten es richtig. War ja auch<br />

nicht so schwer, denn wir haben mindestens<br />

drei Lösungen gelten lassen. Am „richtigsten“<br />

ist der Befehl lsb_release ‐c, der<br />

wirklich nur den Codenamen des Systems<br />

anzeigt. Doch auch wenn Sie lsb_release ‐a<br />

eingeben, finden Sie in den Ergebnissen<br />

den Codenamen wieder. Daneben ließen wir<br />

auch cat /etc/lsb‐release gelten. Unter Linux<br />

gibt es eben stets mehrere Wege, um eine<br />

Aufgabe zu lösen. Nebenbei: Bei doppelten<br />

oder mehrfachen E<strong>ins</strong>endungen derselben<br />

<strong>Per</strong>son lassen wir immer nur eine Adresse<br />

gelten, weil das sonst die Chancen für die<br />

anderen Spieler mindert.<br />

Herzliche Glückwünsche gehen<br />

diesmal an Patrick Tanz <strong>und</strong> Jonathan<br />

Manthey; die Geräte sollten<br />

bereits bei den Gewinnern angekommen<br />

sein. Ermittelt haben wir<br />

die Sieger wie immer über den<br />

Zufallsgenerator von Random.org.<br />

Alle anderen sollten es einfach beim<br />

nächsten Mal wieder versuchen!<br />

[1] [http://www.devolo.de/<br />

consumer/77_dlan-200-<br />

av-wireless-n_starterkit_produktvorstellung_1.<br />

html?l=de]<br />

www.ubuntu-user.de 01/2012<br />

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7


Aktuelles<br />

<strong>Ubuntu</strong>-News<br />

<strong>Ubuntu</strong>-News<br />

Newbuntu<br />

Den <strong>Ubuntu</strong> <strong>User</strong> gibt es jetzt im Software-Center! Mit 10,50<br />

US-Dollar ist er sogar etwas günstiger als am Kiosk.<br />

Infos<br />

[1] Leserumfrage 2011:<br />

[http://ubuntu-user.de/umfrage2011]<br />

[2] <strong>Ubuntu</strong> <strong>User</strong> DigiSub:<br />

[http://shop.linuxnewmedia.<br />

de/abd0407.html]<br />

[3] App-Developer-Webseite:<br />

[http://developer.ubuntu.<br />

com/]<br />

[4] App-Developer-FAQ:<br />

[http://developer.ubuntu.<br />

com/publish/commercialsoftware-faqs/]<br />

[5] Ankündigung: [http://developer.ubuntu.com/2011/09/<br />

announcing-the-ubuntuapp-developer-site/]<br />

[6] App Developer Week:<br />

[https://wiki.ubuntu.com/<br />

<strong>Ubuntu</strong>AppDeveloperWeek]<br />

[7] Eintrag des Design-Teams:<br />

[http://design.canonical.<br />

com/2011/09/the-newubuntu-app-developerwebsite/]<br />

[8] Ankündigung <strong>Ubuntu</strong> 12.04:<br />

[http://www.markshuttleworth.com/archives/784]<br />

[9] Remnants Blog: [http://netsplit.com/2011/09/08/newubuntu-release-process/]<br />

[10] <strong>Ubuntu</strong> One für Windows:<br />

[https://one.ubuntu.com/<br />

downloads/windows/]<br />

Neues vom <strong>Ubuntu</strong> <strong>User</strong><br />

Ja, auch bei uns entwickeln<br />

sich neue Dinge,<br />

die wir Ihnen einfach nicht<br />

verschweigen wollen.<br />

Zum einen haben wir<br />

eine neue Leserumfrage<br />

gestartet [1], um herauszufinden,<br />

wie Ihnen das<br />

Heft gefällt, worauf wir<br />

stärker achten müssen<br />

<strong>und</strong> welche Themen Sie<br />

besonders interessieren.<br />

Da es sich um ähnliche<br />

Fragen wie 2010 handelt,<br />

dürfte der direkte Vergleich besonders<br />

interessant sein. Wir freuen uns, wenn Sie<br />

sich ein paar Minuten Zeit nehmen, um den<br />

Onlinebogen auszufüllen!<br />

Aber das ist noch nicht alles! Dass es den<br />

<strong>Ubuntu</strong> <strong>User</strong> auch im PDF-Format gibt,<br />

Canonical bewirbt massiv das Software-<br />

Center als neuen App Store, in dem Entwickler<br />

ihre Software zum Kauf anbieten können.<br />

Dazu hat die Firma eine Webseite eingerichtet,<br />

die sich an App Developer richtet [3]. Sie<br />

soll alle Informationen liefern, die nötig sind,<br />

um eine Anwendung für <strong>Ubuntu</strong> zu entwickeln<br />

<strong>und</strong> sie in den App Store zu bekommen. Dazu<br />

gehören laut einer ausführlichen FAQ [4] auch<br />

kommerzielle Anwendungen, die preislich<br />

zunächst 2,99 US-Dollar aufwärts kosten<br />

sollen. Canonical behält eine Transaktionsgebühr<br />

von 20 Prozent für sich, zum Vergleich:<br />

Apple <strong>und</strong> Google kassieren 30 Prozent ein.<br />

Funktioniert der Store, könnte das Canonical<br />

frisches Geld in die Kassen spülen.<br />

David Planella erklärte in der Ankündigung [5],<br />

wie die Seite im Detail funktioniert. Sie soll die<br />

Entwickler auf ihrem Weg zur App begleiten,<br />

egal, ob diese sich mit <strong>Ubuntu</strong> auskennen<br />

oder nicht. Planella gab aber auch an, dass<br />

hatten wir bereits an anderer Stelle erwähnt.<br />

Unser DigiSub-Programm [2] hat einen<br />

großen Vorteil: Wir bewahren die gekauften<br />

PDFs dauerhaft für Sie auf. Sie laden die Artikel<br />

nicht nur auf beliebige Geräte, sondern<br />

nutzen die Webseite zugleich als Archiv, auf<br />

das Sie über Ihren Browser zugreifen – egal,<br />

wo Sie sich gerade aufhalten <strong>und</strong> welches<br />

Betriebssystem Sie nutzen.<br />

Nicht zuletzt finden Sie uns neuerdings auch<br />

in <strong>Ubuntu</strong>s Software-Center! Dort können<br />

Sie nun mit einer Kreditkarte bewaffnet auch<br />

die deutschen Hefte kaufen, worüber wir uns<br />

riesig freuen. Schließlich sind wir nun dort,<br />

wo wir hingehören: im Zentrum von <strong>Ubuntu</strong>.<br />

Versuchen Sie es mal: Drücken Sie die Tasten<br />

[Windows]+[A] <strong>und</strong> geben Sie <strong>Ubuntu</strong> <strong>User</strong><br />

ein, dann erscheint unser Heft. Cool, oder?<br />

Ok, das mussten wir mal loswerden, jetzt<br />

geht es weiter mit den anderen News.<br />

Canonical bewirbt neuen App Store<br />

man die Seite wohl noch optimieren müsse.<br />

Das könne ein Thema für den <strong>Ubuntu</strong> Developer<br />

Summit in Florida sein.<br />

Die App-Developer-Webseite stellt die nötigen<br />

Tools <strong>und</strong> Arbeitsabläufe vor, verweist auf<br />

Informationsquellen für Entwickler <strong>und</strong> zeigt<br />

auch, wie kommerzielle Apps in <strong>Ubuntu</strong> landen.<br />

Ein Community-Bereich soll den App-Entwickler<br />

mit Gleichgesinnten zusammenbringen<br />

<strong>und</strong> z. B. die Möglichkeit geben, Fragen zu<br />

stellen. Nicht zuletzt gibt es My Apps, das die<br />

Veröffentlichung einer fertigen Anwendung<br />

zu einem Kinderspiel machen soll. Der neuen<br />

Seite vorausgegangen war die App Developer<br />

Week [6], in deren Verlauf eine Woche lang<br />

Workshops <strong>und</strong> Vorträge zum Entwerfen von<br />

Apps abgehalten wurden.<br />

Am Rande lässt sich auch das Design-Team<br />

in einem Blogeintrag [7] über die Schulter<br />

schauen <strong>und</strong> beschreibt detailliert, wie die<br />

Seite entstanden ist <strong>und</strong> was sie leisten soll.<br />

8 UBUNTU<br />

01/2012<br />

www.ubuntu-user.de<br />

user


<strong>Ubuntu</strong>-News<br />

Aktuelles<br />

Präzises Schuppentier: <strong>Ubuntu</strong> 12.04 hat einen Namen<br />

Zur Tradition von <strong>Ubuntu</strong>-Releases gehört die<br />

Benennung der Version durch <strong>Ubuntu</strong>-Gründer<br />

<strong>und</strong> ‐Finanzier Mark Shuttleworth. Für die<br />

12.04, die nächste <strong>Ubuntu</strong>-Version mit Long<br />

Term Support (LTS), hat Shuttleworth in seinem<br />

Blog [8] den Namen „Precise Pangolin“<br />

ausgewählt. Die Idee zum präzisen Pangolin,<br />

einem Schuppentier, das sich von Ameisen<br />

<strong>und</strong> Termiten ernährt, kam Mark Shuttleworth<br />

bei einer Tour durch die Kalahari, bei der er<br />

einen Pangolin verfolgte.<br />

Wie Shuttleworth in seinem Blog schreibt,<br />

sei das Pangolin passend, weil es präzise<br />

jeden Ameisenhügel ansteuere <strong>und</strong> weil seine<br />

Schuppen ein W<strong>und</strong>er an Detailreichtum <strong>und</strong><br />

damit schon ein Fashion Statement seien.<br />

Letzteres bezieht Shuttleworth auf die<br />

hauseigene Desktopumgebung Unity,<br />

deren Design bisher aber nicht auf<br />

ungeteilte Zustimmung stößt. Nicht<br />

zuletzt kann sich das Pangolin<br />

hervorragend schützen <strong>und</strong> so<br />

auch den Angriffen von Löwen<br />

standhalten – zufällig<br />

auch der Codename von<br />

Apples Betriebssystem<br />

Mac OS X. Wenn<br />

das kein Zufall<br />

Namenspatron von <strong>Ubuntu</strong> 12.04 LTS: das Schuppentier<br />

ist …<br />

Pangolin, hier in einer Abbildung von Hubert Ludwig,<br />

Schul-Naturgeschichte 1891.<br />

Neues Release-Modell vorgeschlagen<br />

Scott James Remnant ist nicht irgendwer. Er<br />

sitzt im Technical Board von <strong>Ubuntu</strong>, arbeitet<br />

aber mittlerweile für Google. Von ihm stammt<br />

Upstart. In seinem Blog wies er nun auf Probleme<br />

hin, die <strong>Ubuntu</strong>s aktueller Release-Zyklus<br />

verursache [9]. Aufgr<strong>und</strong> des 6-Monats-<br />

Zyklus’ würden Mitarbeiter Software in <strong>Ubuntu</strong><br />

integrieren, die noch nicht fertig sei.<br />

Als Alternative stellte er einen neuen Ansatz<br />

zur Diskussion. Er wolle <strong>Ubuntu</strong> zu einem<br />

Rolling Release machen. Normale Nutzer<br />

bekommen monatliche Updates, nach<br />

<strong>Ubuntu</strong> 11.10 würden <strong>Ubuntu</strong> 11.11, 11.12<br />

usw. folgen. Die Updates würden aus einem<br />

Betazweig stammen, den interessierte Nutzer<br />

anstelle des Release-Zweiges nutzen können.<br />

Darunter gibt es noch einen Alphazweig.<br />

Damit die Entwickler nicht ihre experimentelle<br />

Software als Alpha verkaufen, sollten sie in<br />

einem nicht öffentlichen Zweig arbeiten. Erst<br />

wenn die Software bestimmte Build-Kriterien<br />

erfülle (keine kritischen Bugs mehr), würde<br />

sie in den Alphazweig rücken. Neue Features<br />

wie Upstart, Unity, Wayland oder Grub 2 würden<br />

die Entwickler hingegen zuerst in einem<br />

PPA bauen. Dort könnten dann auch andere<br />

Nutzer an der Entwicklung teilnehmen. Für<br />

sein Konzept spreche laut Remnant, dass<br />

die Werkzeuge für so eine Umstellung bereits<br />

da seien. Der Ansatz sorge dann dafür, dass<br />

neue Features erst dann in <strong>Ubuntu</strong> landen,<br />

wenn sie stabil sind.<br />

Der Blogbeitrag stieß bei den <strong>Ubuntu</strong>-<br />

Nutzern jedenfalls auf Resonanz. Auch wenn<br />

Remnants Vorschlag in der Form vermutlich<br />

nicht umgesetzt wird, scheint er mit seiner<br />

Kritik am aktuellen Release-Prozess zumindest<br />

einen Nerv zu treffen.<br />

<strong>Ubuntu</strong> One für Windows<br />

Canonical hat für sein Cloud-Angebot <strong>Ubuntu</strong> One die Tür zu Windows-Rechnern<br />

aufgestoßen. Es gäbe nun einen offiziellen Windows-Client für <strong>Ubuntu</strong><br />

One, schreibt das Produktteam in einem Blogbeitrag [10]. Zum „Warum?“<br />

heißt es dort, man habe auf die Wünsche der Nutzer reagiert, die ihren Content<br />

gerne auf einer Cloud-Plattform verwalten würden – <strong>und</strong> dies auch von<br />

verschiedenen Plattformen <strong>und</strong> Geräten aus.<br />

Der zwischen verschiedenen Systemen wie Mac OS X, Windows <strong>und</strong> Linux<br />

wechselnde Nutzer schien dem Feedback zufolge häufig aufzutreten. Eine<br />

weitere Zielgruppe sei die Familie, in der es auch Windows-Rechner gibt. Die<br />

Strategie von <strong>Ubuntu</strong> One sei auf Multiplattform-Support ausgerichtet, heißt<br />

es im Beitrag – Windows sei ein Element dieser Strategie. Die fertige Windows-Anwendung<br />

solle dabei alle Funktionen von <strong>Ubuntu</strong> One unterstützen.<br />

Ein <strong>Ubuntu</strong>-One-Client für Windows ist da.<br />

www.ubuntu-user.de 01/2012<br />

UBUNTU<br />

user<br />

9


Aktuelles<br />

Interview<br />

Interview mit Julien Lavergne<br />

„Unsere<br />

oberste Priorität“<br />

Lubuntu ist ab Version<br />

11.10 erstmals ein offizielles<br />

<strong>Ubuntu</strong>-Derivat. Wir<br />

waren dabei, als Mark<br />

Shuttleworth das auf<br />

dem UDS-O in Budapest<br />

bestätigte, <strong>und</strong> haben<br />

uns anschließend mit Lubuntus<br />

Julien Lavergne<br />

unterhalten.<br />

<br />

LNM<br />

Kristian Kißling<br />

UU Herzlichen Glückwunsch! Was passiert nun<br />

mit Lubuntu?<br />

JL Es wird offiziell, aber wir haben noch eine<br />

Woche vor uns. Ich werde eine Mail an das Technical<br />

Board schicken, um den Status zu verifizieren.<br />

Mark hat geantwortet, dass es prinzipiell okay<br />

ist, aber es gibt technische Fragen, die wir auf<br />

dem UDS-O diskutieren müssen. In der Sitzung<br />

eben ging es um diese technischen Fragen. Sind<br />

sie geklärt, muss ich nur eine Ankündigung auf<br />

der Entwickler-Mailingliste schreiben, um zu sagen,<br />

dass Lubuntu hier ist <strong>und</strong> dass wir existieren.<br />

Es ist dann praktisch offiziell.<br />

UU Wie viele Leute arbeiten im Lubuntu-<br />

Projekt?<br />

JL Das ist schwierig zu sagen. Für das reine<br />

Paketieren sind zwei Leute zuständig – Jonathan<br />

Marsden <strong>und</strong> ich. Auch die Leute, die in der Sitzung<br />

gesprochen haben, nehmen an der Entwicklung<br />

teil. Mehrere <strong>Per</strong>sonen arbeiten an der Dokumentation,<br />

aber nicht Vollzeit. Sie betreuen auch<br />

andere <strong>Ubuntu</strong>-Projekte <strong>und</strong> -Teams.<br />

Wir haben einige Leute, die das ISO testen <strong>und</strong> auf<br />

der Mailingliste posten. Wir haben eine Mailingliste,<br />

auf der alle Entwicklerdiskussionen stattfinden,<br />

da bei uns Leute aus verschiedenen Zeitzonen<br />

arbeiten. IRC ist dazu ziemlich ungeeignet, wir<br />

erledigen das lieber über die Mailingliste.<br />

Wir haben noch eine <strong>Per</strong>son, die am Artwork arbeitet.<br />

Das gesamte Artwork stammt von Rafael<br />

Laguna. Wir haben ein sehr gutes <strong>und</strong> originelles<br />

Artwork, daher sind wir sehr glücklich, dass er<br />

uns unterstützt. Und wir<br />

haben Mario Behling, der<br />

an der Webseite Lubuntu.​<br />

net arbeitet <strong>und</strong> sich um<br />

Kommunikation, Werbung<br />

<strong>und</strong> Marketing kümmert.<br />

Er hat das Projekt gestartet <strong>und</strong> ging vor zwei Jahren<br />

mit der Idee zu Mark Shuttleworth [1]. Er ist<br />

immer da, wenn wir Hilfe benötigen.<br />

UU Habt Ihr eine Art Teamleader? Gibt es jemanden<br />

der sagt, wir treffen eine Entscheidung in<br />

diese Richtung oder in jene? Bist Du das?<br />

JL Ja, aber wir sagen „by default“. Als ich mit<br />

der Arbeit an Lubuntus LXDE-Paket begonnen<br />

habe – das war mein erster Job – gab es quasi<br />

nichts dergleichen. Es gab einige Ideen <strong>und</strong><br />

Upstream-Leute (vom LXDE-Projekt, d. Red.), die<br />

daran gearbeitet haben. Aber niemand versuchte,<br />

die Teile zu koordinieren. Also fing ich mit der<br />

Arbeit an, war der Hauptlieferant <strong>und</strong> wurde zum<br />

selbsternannten Projektleiter.<br />

Aktuell haben wir nicht so viele Entwickler <strong>und</strong><br />

Zulieferer <strong>und</strong> <strong>ins</strong>ofern auch kein Problem mit der<br />

Verwaltung. Vielleicht ändert sich das in Zukunft.<br />

Aber aktuell funktioniert es ganz gut. Wir reden<br />

mit den Anwendern, auch wenn es mitunter hitzige<br />

Diskussionen gibt, zum Beispiel darüber, welchen<br />

Browser wir für Lubuntu benutzen – Firefox<br />

oder Chromium. Am Ende war das eine schwierige<br />

Entscheidung, aber es gab nur wenige Beschwerden<br />

<strong>und</strong> keine wirklichen Probleme. Wir treffen<br />

eine Wahl <strong>und</strong> erklären, warum wir diese Wahl<br />

getroffen haben. Wir haben einige Zielrechner<br />

(wir wollen nicht auf alle Rechner), meist kleine<br />

Geräte mit eingeschränkter <strong>und</strong> schwacher Hardware.<br />

Wir müssen Programme für diese Art von<br />

Hardware aussuchen, das ist unser Hauptanliegen:<br />

Wir wollen nicht so sehr Features, sondern hauptsächlich<br />

<strong>Per</strong>formance.<br />

„Wir wollen nicht so sehr Features,<br />

sondern hauptsächlich<br />

<strong>Per</strong>formance.“<br />

10 UBUNTU<br />

01/2012<br />

www.ubuntu-user.de<br />

user


Interview<br />

Aktuelles<br />

UU Lubuntu hat technisch betrachtet nur einen<br />

kleinen Fußabdruck, den kle<strong>ins</strong>ten unter den offiziellen<br />

<strong>Ubuntu</strong>-Derivaten (abgesehen von Headless,<br />

das sich an Entwickler richtet). Mit Xubuntu<br />

habe ich die Erfahrung gemacht, dass es sich im<br />

Laufe der Zeit nicht unwesentlich aufblähte. Wie<br />

wollt Ihr das vermeiden?<br />

JL Wir überwachen den Arbeitsspeicher. Das<br />

behalte ich persönlich im Auge, wenn auch nicht<br />

permanent. Die erste Version 10.04 brauchte<br />

etwa 60 MByte RAM, nun benötigen wir 70 bis<br />

80 MByte auf einigen Systemen.<br />

In den letzten beiden Release-Zyklen haben wir<br />

Funktionen ergänzt. Einige waren unbedingt notwendig.<br />

Die erste Version schaute zum Beispiel<br />

nicht nach Updates, was etwas problematisch<br />

war. Also haben wir das Programm übernommen,<br />

das auch unter <strong>Ubuntu</strong> nach Updates schaut. Es<br />

benutzt allerdings mehr als 10 MByte RAM. Für<br />

<strong>Ubuntu</strong> ist das nichts, aber für uns ziemlich viel.<br />

Wir versuchen, solche Sachen zu vermeiden. Und<br />

jedes Mal, wenn wir ein Feature oder Programm<br />

ergänzen, gehört die Frage nach den verwendeten<br />

MBytes zu den ersten.<br />

UU Könnt Ihr Lubuntu weiter verschlanken?<br />

JL Am Anfang ist das Reduzieren einfach, da<br />

kann man viele Programme entfernen. Aber sobald<br />

wir anfangen, Kernprogramme zu löschen oder<br />

deren E<strong>ins</strong>atz zu reduzieren, ist jedes MByte hart<br />

erkämpft. Wir versuchen, Ersatz für Anwendungen<br />

zu finden, etwa für den Update Checker. Ich würde<br />

dafür gern eine Art Skript verwenden, das wir aufrufen,<br />

wenn wir es brauchen, anstelle eines großen<br />

Programms, das jedes Mal startet.<br />

Das Problem ist: Es schaut nicht nur nach Updates,<br />

sondern auch nach Abstürzen <strong>und</strong> bringt<br />

andere kleine Werkzeuge mit. Wir müssen also<br />

prüfen: Was brauchen wir <strong>und</strong> was nicht? Wir<br />

müssen eine Balance zwischen dem E<strong>ins</strong>atzzweck,<br />

dem Speicherverbrauch <strong>und</strong> der CPU-Auslastung<br />

finden. Manchmal ist es nicht einfach, aber es<br />

macht Spaß (lacht).<br />

UU Was verändert es für Euch, dass Ihr nun ein<br />

offizielles <strong>Ubuntu</strong>-Derivat seid?<br />

JL Ja, zum Beispiel die Werbung. Wir hatten<br />

immer einen inoffiziellen Status. Wenn wir also<br />

mit anderen Entwicklern sprachen, mussten wir<br />

bisher sagen: „Hallo, wir sind Lubuntu, wir sind<br />

nicht offiziell, aber nehmt bitte unseren Patch,<br />

unseren Bug etc.“ Der neue Status erleichtert die<br />

Kommunikation, wir sind sichtbarer. Das ist eine<br />

Verbesserung. Wir können das ISO-Build-System<br />

<strong>und</strong> den ISO-Tracker verwenden. Es gibt also <strong>ins</strong>gesamt<br />

zwei wesentliche Verbesserungen: das ISO-<br />

System <strong>und</strong> die Werbung.<br />

UU Plant Ihr eigentlich 2012 eine LTS-Variante<br />

von Lubuntu?<br />

JL Nein.<br />

UU Weil es nicht möglich ist?<br />

JL Unsere Pakete sind hauptsächlich in Universe.<br />

Security-Support gibt es nur für Main-<br />

Pakete. Also können wir technisch keine LTS<br />

anbieten. Praktisch können wir eine Art von LTS<br />

anbieten, wenn wir an unseren Security-Paketen<br />

arbeiten <strong>und</strong> Community-Support leisten. Da wir<br />

aber nicht genügend Entwickler zählen, glaube ich<br />

nicht, dass es nötig ist, an diesem Punkt der Entwicklung<br />

eine LTS zu haben.<br />

UU Was werden die neuen Features für Euer<br />

erstes offizielles Release sein?<br />

JL Unglücklicherweise wird das wohl das langweiligste<br />

Release (lacht). Ich erkläre warum: Wir<br />

hatten einige Features in den letzten beiden Zyklen.<br />

Also wollen wir etwas Zeit aufwenden, um<br />

„Der neue Status erleichtert die Kommunikation,<br />

wir sind sichtbarer. Das ist<br />

eine Verbesserung.“<br />

aufzuräumen <strong>und</strong> zu optimieren. Zudem werden<br />

wir wohl aufgr<strong>und</strong> der Migration anderer Pakete<br />

beschäftigt sein. GTK 3 wird einen großen<br />

Teil der Entwicklung für <strong>Ubuntu</strong> absorbieren,<br />

aber wahrscheinlich auch für<br />

uns, weil wir auf GTK basieren.<br />

Und wir haben im Upstream<br />

nicht viele Entwickler, also<br />

müssen wir die meiste Arbeit<br />

selbst erledigen.<br />

Ein Feature wird darin<br />

bestehen, Autostarts von<br />

Programmen zu verhindern.<br />

Dann kann man<br />

den Gnome-Power-Manager<br />

deaktivieren, wenn<br />

man einen Plug-Computer<br />

verwendet <strong>und</strong> gewinnt<br />

einige MByte. Die<br />

Anwender bekommen eine<br />

grafische Oberfläche, um<br />

das zu ändern. Das ist aber<br />

sicher nicht besonders aufregend.<br />

Unser Ziel sind schlanke<br />

<strong>und</strong> bescheidene Rechner. Lubuntu<br />

existiert, weil diese Hardware existiert<br />

– meiner Meinung nach ist das unsere<br />

oberste Priorität. (kki) ●●●<br />

Glossar<br />

Plug-Computer: Kleine Rechner,<br />

die direkt in einer Steckdose stecken.<br />

Info<br />

[1] Start von Lubuntu: [http://​<br />

blog. lxde. org/ ? p=208]<br />

www.ubuntu-user.de 01/2012<br />

UBUNTU<br />

user<br />

11


Erste Schritte Neu in <strong>Ubuntu</strong> 11.10<br />

Weg von Gnome, hin zu Unity<br />

Häuschen,<br />

wechsle dich<br />

<strong>Ubuntu</strong> 11.10 wechselt<br />

mit dem aktuellen<br />

Release zwar zu Gnome<br />

3, kommt aber trotzdem<br />

ohne Gnome-Desktop<br />

aus. <br />

Referenz<br />

Kristian Kißling<br />

Déjà Dup: Wie die neu in <strong>Ubuntu</strong><br />

integrierte Backup-Software tickt,<br />

lesen Sie im letzten <strong>Ubuntu</strong> <strong>User</strong><br />

(04/​2011) ab Seite 40.<br />

Th<strong>und</strong>erbird: Einen Vergleich von<br />

Th<strong>und</strong>erbird 7 <strong>und</strong> Evolution finden<br />

Sie in diesem Heft ab Seite 68 ff.<br />

Software-Center: Details zum<br />

neuen Software-Center entnehmen<br />

Sie dem Artikel ab Seite 22 ff.<br />

<strong>Ubuntu</strong> 11.10 (Codename „Oneiric Ocelot“,<br />

„verträumter Ozelot“) hat auf den ersten Blick nur<br />

wenig spektakuläre Neuerungen zu bieten. Schaut<br />

man genau hin, lassen sich aber dennoch einige<br />

signifikante Änderungen ausmachen. Die Migration<br />

zu Gnome 3 <strong>und</strong> dem GTK+-3-Toolkit stand<br />

klar im Mittelpunkt der Entwicklung. Einer der<br />

Vorteile: Sie können den Gnome-3.2-Desktop nun<br />

über die Standardpaketquellen <strong>ins</strong>tallieren. Das<br />

Paket heißt gnome <strong>und</strong> zieht etwa 120 MByte an<br />

Daten auf den Rechner.<br />

<strong>Ubuntu</strong> verzichtet zugleich erstmalig auf den<br />

E<strong>ins</strong>atz des Gnome-Desktops. Ließ sich das<br />

klassische Gnome unter <strong>Ubuntu</strong> 11.04 noch als<br />

Fallback-Lösung auswählen, müssen Sie den<br />

Gnome-3.2-Desktop nun explizit nach<strong>ins</strong>tallieren.<br />

Den klassischen Gnome-2-Desktop finden Sie auch<br />

noch; er steckt im Paket gnome-session-fallback.<br />

Während der klassische Desktop im Test eine gute<br />

Figur machte, wirkt Gnome 3.2 – zumindest unter<br />

<strong>Ubuntu</strong> – noch etwas unausgereift.<br />

<strong>Ubuntu</strong>s neuer Unity-Desktop setzt OpenGL in<br />

Version 1.4 sowie die Unterstützung für einige<br />

OpenGL-Erweiterungen voraus. Genügt Ihr Rechner<br />

diesen Anforderungen nicht, springt unter<br />

<strong>Ubuntu</strong> 11.10 Unity 2-D in die Bresche. Das benötigt<br />

keine 3-D-Beschleunigung <strong>und</strong> läuft dadurch<br />

auch auf älteren Rechnern <strong>und</strong> ARM-Geräten, die<br />

keinen 3-D-Support bieten. Allerdings ist es auch<br />

nicht in der Lage, Anwendungen mit 3-D-Ansprüchen<br />

zu starten, etwa Google Earth o. Ä.<br />

Verbesserungen an Unity<br />

Unity 3-D kann im aktuellen <strong>Ubuntu</strong> 11.10 einige<br />

Änderungen vorweisen. <strong>Ubuntu</strong>s Entwickler wollten<br />

den Umgang mit der grafischen Oberfläche<br />

konsistenter machen <strong>und</strong> weitere Details ergänzen.<br />

So fällt nach dem Start auf, dass im Launcher<br />

die Icons für die Anwendungs- <strong>und</strong> Dateil<strong>ins</strong>en<br />

(engl. „lenses“) fehlen. Bei den L<strong>ins</strong>en handelt<br />

es sich um Filter, die aus der Masse der Dateien<br />

bestimmte Typen herausfiltern. Die Anwendungs<strong>und</strong><br />

Dateienl<strong>ins</strong>en sind noch da, aber nun in das<br />

Dash integriert (Abbildung 1). Dieses rufen Sie<br />

über das Icon ganz oben oder die Taste [Windows]<br />

auf. Unten im Dash klicken Sie dann auf das Icon<br />

mit den drei Gegenständen, um die Anwendungen<br />

anzuzeigen. Verwenden Sie das Bildchen mit dem<br />

leeren Blatt, gelangen Sie zu den Dateien. Alternativ<br />

verwenden Sie weiterhin [Windows]+[A] <strong>und</strong><br />

[Windows]+[F] – sicherlich der schnellere Weg.<br />

Ein Beispiel für eine Neuerung ist die Musikl<strong>ins</strong>e.<br />

Lassen Sie Ihre Musiksammlung von<br />

Banshee durchsuchen <strong>und</strong> indizieren, landen<br />

die gef<strong>und</strong>enen Titel in dieser L<strong>ins</strong>e, die Sie über<br />

[Windows]+[M] aufrufen. Geben Sie nun einen<br />

Titel ein <strong>und</strong> drücken Sie [Eingabe], spielt <strong>Ubuntu</strong><br />

11.10 ihn direkt in Banshee ab. Eine weitere Kategorie<br />

heißt Zum Kauf verfügbar: Klicken Sie auf<br />

eines der hier gezeigten Suchergebnisse, öffnet<br />

Banshee es im <strong>Ubuntu</strong> One Music Store.<br />

Das Dash selbst lässt sich nun zudem über einen<br />

Button links oben in der Ecke verkleinern oder auf<br />

Christos Georghiou, 123RF<br />

14 UBUNTU<br />

01/2012<br />

www.ubuntu-user.de<br />

user


Neu in <strong>Ubuntu</strong> 11.10<br />

Erste Schritte<br />

die Größe des Bildschirms ausweiten. Neben der<br />

Eingabezeile, in der Sie die Suche innerhalb einer<br />

L<strong>ins</strong>e e<strong>ins</strong>chränken, finden Sie nun auch einen<br />

Eintrag mit der Beschriftung Suchergebnisse filtern.<br />

Hier sorgen Sie dafür, dass die L<strong>ins</strong>e zum Beispiel<br />

nur Musiktitel aus den 90er-Jahren anzeigt, die<br />

zum Genre Rock gehören. Ähnliche Filter gibt es<br />

auch für die Anwendungen <strong>und</strong> Dateien.<br />

Schalten Sie mit der Tastenkombination<br />

[Alt]+[Tab] zwischen mehreren Anwendungen<br />

hin <strong>und</strong> her, erscheint nun ein hübsch animiertes<br />

Fenster, das auch Anwendungen berücksichtigt,<br />

die mehrere geöffnete Fenster verwenden. Das globale<br />

Menü existiert weiterhin; Sie erreichen es nun<br />

zusätzlich über [F10].<br />

Systeme<strong>ins</strong>tellungen<br />

Neu organisiert wurde das Menü ganz rechts<br />

oben, in dem sich auch die Systeme<strong>ins</strong>tellungen<br />

befinden. Es wirkt nun sortierter, wenn auch nicht<br />

in allen Punkten logisch. Nach den Systeme<strong>ins</strong>tellungen,<br />

auf die wir gleich noch kommen, folgt der<br />

Eintrag Anzeigegeräte, hinter dem sich die Bildschirme<strong>ins</strong>tellungen<br />

verbergen.<br />

Darunter ändern Sie die Startprogramme, die<br />

<strong>Ubuntu</strong> beim Start automatisch lädt. Es folgt ein<br />

Bereich für angeschlossene Geräte, der zum Beispiel<br />

Ihre Webcam, den Drucker <strong>und</strong> angestöpselte USB-<br />

Geräte auflistet. Im Abschnitt ganz unten legen Sie<br />

den Rechner schlafen (Bereitschaft), sperren den<br />

Bildschirm <strong>und</strong> fahren den PC herunter. Was hier<br />

fehlt, ist der Eintrag Neu starten: Der erscheint erst,<br />

wenn Sie auf Herunterfahren klicken.<br />

Hinter dem Punkt Systeme<strong>ins</strong>tellungen versammeln<br />

sich allerlei bekannte <strong>und</strong> neue Anwendungen,<br />

über die Sie die Komponenten des Systems<br />

einrichten (Abbildung 2). Über den Button Alle<br />

E<strong>ins</strong>tellungen gelangen Sie von einer speziellen E<strong>ins</strong>tellung<br />

wieder zurück zur Gesamtübersicht. Neu<br />

dabei ist der Eintrag Farben, der es Ihnen erlaubt,<br />

Farbprofile für einzelne Anwendungen anzulegen.<br />

Ein weiterer Punkt heißt Wacom Graphics Table –<br />

offenbar schießt sich <strong>Ubuntu</strong> 11.10 auf Nutzer ein,<br />

die im Grafikbereich arbeiten.<br />

Über den Eintrag Wechselmedien bestimmen Sie,<br />

wie <strong>Ubuntu</strong> reagiert, wenn jemand eine CD <strong>ins</strong><br />

Laufwerk legt oder einen USB-Stick ansteckt. Den<br />

Startmedienersteller <strong>und</strong> die Laufwerksverwaltung<br />

finden Sie jedoch nur über das Dash: Ersterer erlaubt<br />

es Ihnen, <strong>Ubuntu</strong> auf einen bootbaren USB-<br />

Stick zu schreiben, Letztere lässt Sie Festplatten<br />

<strong>und</strong> externe USB-Sticks formatieren <strong>und</strong> löschen.<br />

Software<br />

Mit jedem neuen Release bringt <strong>Ubuntu</strong> neue<br />

Software mit <strong>und</strong> trennt sich von alten Zöpfen –<br />

meist aus Platzgründen. Nicht mehr dabei sind<br />

der Rechner-Hausmeister, der Videoeditor Pitivi<br />

<strong>und</strong> die Paketverwaltung Synaptic. Sie lassen sich<br />

nach<strong>ins</strong>tallieren, finden aber auf der Standard-<br />

1 Die L<strong>ins</strong>en bieten nun auch die Möglichkeit, die Suchergebnisse noch feiner zu filtern.<br />

CD keinen Platz. Beim Wechsel zu Gnome 3 ging<br />

auch der traditionelle Bildschirmschoner verloren.<br />

Er dürfte aber vermutlich bereits in der nächsten<br />

<strong>Ubuntu</strong>-Version wiederkehren.<br />

Neu an Bord sind die Backup-Lösung Déjà Dup<br />

(Referenz: Déjà Dup) <strong>und</strong> der E-Mail-Client Th<strong>und</strong>erbird<br />

in Version 7, der Evolution ablöst (Referenz:<br />

Th<strong>und</strong>erbird). Der Instant Messenger Gwibber<br />

wurde ebenso überarbeitet wie das Software-<br />

Center (Referenz: Software-Center). Letzteres<br />

bringt nun eine Option mit, die es Ihnen erlaubt,<br />

die aktuelle Softwarekonfiguration mittels <strong>Ubuntu</strong><br />

One auf andere Rechner zu übertragen.<br />

Ganz neu ist nicht zuletzt der Loginmanager<br />

LightDM: Er ist schlanker als sein Vorgänger GDM<br />

<strong>und</strong> lässt sich leichter konfigurieren.<br />

Und sonst?<br />

Schauen wir noch unter die Haube: Der Kernel<br />

trägt mittlerweile offiziell die Versionsnummer 3.0,<br />

was wohl die bemerkenswerteste Änderung für<br />

<strong>Ubuntu</strong> 11.10 ist. Leider haben sich die Bootzeiten<br />

von <strong>Ubuntu</strong> seit Version 10.04 wieder verschlechtert.<br />

Das dürfte nicht zuletzt daran liegen, dass<br />

der Hauptentwickler in diesem Bereich das Projekt<br />

verlassen hat. Eine gute Nachricht gibt es für Benutzer<br />

von 64-Bit-Systemen: Sie können nun auch<br />

32-Bit-Pakete auf Ihrem<br />

64-Bit-<strong>Ubuntu</strong><br />

<strong>ins</strong>tallieren. Alles in<br />

allem haben <strong>Ubuntu</strong>s<br />

Entwickler mit<br />

Oneiric Ocelot den<br />

Sprung zu Unity<br />

<strong>und</strong> Gnome 3 abgeschlossen<br />

<strong>und</strong> feilen<br />

nun an den zahlreichen<br />

Details. Das<br />

ist sicher nicht verkehrt,<br />

wenn <strong>Ubuntu</strong><br />

12.04 eine stabile<br />

LTS-Version werden<br />

soll. (kki) ●●●<br />

!<br />

Tipp<br />

Der Befehl /usr/lib/nux/unity_<br />

support_test ‐p zeigt Ihnen, wie<br />

es um den OpenGL-Support Ihres<br />

Systems steht.<br />

Glossar<br />

Farbprofile: Verschiedene Geräte<br />

zeigen die Farben eines Bildes unterschiedlich<br />

an. Farbprofile sollen<br />

dieses Dilemma lösen <strong>und</strong> einheitliche<br />

Farbdarstellungen bei Druck,<br />

Bildschirmanzeige <strong>und</strong> digitaler Fotografie<br />

gewährleisten.<br />

2 Einige Anwendungen finden Sie in den neuen Systeme<strong>ins</strong>tellungen<br />

nicht mehr, ein paar weitere wurden ergänzt.<br />

www.ubuntu-user.de 01/2012<br />

UBUNTU<br />

user<br />

15


Erste Schritte<br />

Installation<br />

<strong>Ubuntu</strong> 11.10 auf die Platte<br />

Neuland betreten<br />

LNM<br />

Am Installationsprozess<br />

von <strong>Ubuntu</strong> hat sich gegenüber<br />

dem Vorgänger<br />

wenig geändert. Ganz<br />

spurlos ist die Entwicklung<br />

am Installer aber<br />

nicht vorübergegangen.<br />

<br />

Kristian Kißling<br />

1 Im Bootmenü passen Sie die Bootoptionen an, falls der Rechner<br />

Probleme beim Hochfahren hat. Hier überprüfen Sie die DVD<br />

zudem auf Fehler <strong>und</strong> testen den Arbeitsspeicher.<br />

<strong>Ubuntu</strong> zu <strong>ins</strong>tallieren, ist keine Hexerei – <strong>und</strong><br />

die soll es auch nicht sein. Das <strong>Ubuntu</strong>-Projekt<br />

will freie Software perfekt auf E<strong>ins</strong>teiger <strong>und</strong> Menschen<br />

zuschneiden, die mit Computern einfach<br />

arbeiten wollen, ohne sich um technische Hintergründe<br />

zu kümmern. Daher haben die Entwickler<br />

die Installation so einfach wie möglich gestaltet.<br />

Kennen Sie bisher nur Windows, wirft der Prozess<br />

dennoch Fragen auf, die wir hier klären wollen.<br />

Gr<strong>und</strong>sätzlich besteht eine Neu<strong>ins</strong>tallation von<br />

<strong>Ubuntu</strong> 11.10 aus zwei Phasen: Zunächst sehen<br />

Sie sich <strong>Ubuntu</strong> dank des Live-Systems in Ruhe<br />

an, testen Programme <strong>und</strong> gewöhnen sich an den<br />

Desktop. Dann <strong>ins</strong>tallieren Sie die Distribution<br />

über den Installer. Verwenden Sie <strong>Ubuntu</strong> bereits,<br />

springen Sie am besten vor zum Abschnitt<br />

„<strong>Ubuntu</strong> aktualisieren“. Egal, für welchen Weg Sie<br />

sich entscheiden: Sichern Sie im Vorfeld die wichtigsten<br />

Daten. Unfälle <strong>und</strong> Bedienfehler geschehen<br />

mitunter, so ersparen Sie sich unnötig Ärger.<br />

Medium einlegen<br />

Die doppelseitige Heft-DVD bringt <strong>Ubuntu</strong> in zwei<br />

Versionen mit: für 32-<br />

<strong>und</strong> 64-Bit-Rechner.<br />

Um von der DVD zu<br />

booten, muss Ihr Rechner<br />

diese zunächst als<br />

bootfähig erkennen.<br />

Häufig tun Rechner das<br />

automatisch: Starten<br />

Sie einen PC mit einer<br />

bootfähigen CD oder<br />

DVD im Laufwerk,<br />

lädt dieser häufig den<br />

passenden Bootloader.<br />

Findet Ihr Rechner die<br />

DVD nicht, bewegen<br />

Sie ihn über das BIOS<br />

dazu, die Reihenfolge<br />

der Geräte zu ändern,<br />

auf die er nach dem Start zuerst zugreift. Um in<br />

das BIOS zu gelangen, drücken Sie nach dem<br />

E<strong>ins</strong>chalten des Rechners wahlweise [Esc], [Entf],<br />

[F2] oder [F12] – das ist von PC zu PC verschieden.<br />

Suchen Sie dann nach der passenden Option,<br />

um die Reihenfolge der Bootmedien zu ändern,<br />

<strong>und</strong> schieben Sie das CD/​DVD-Laufwerk an die<br />

oberste Stelle. Speichern Sie die neue E<strong>ins</strong>tellung<br />

<strong>und</strong> starten Sie den Computer neu.<br />

Im Bootmenü<br />

Legen Sie die Heft-DVD so in Ihr Laufwerk, dass<br />

das Label der Architektur, die Sie nicht (!) verwenden<br />

wollen (32 Bit oder 64 Bit), sichtbar ist. Dann<br />

schalten Sie den Rechner ein. Bevor das Bootmenü<br />

erscheint, fordert <strong>Ubuntu</strong> Sie auf, eine Sprache zu<br />

wählen. Im Bootmenü (Abbildung 1) passen Sie<br />

dann über die [F]-Tasten Sprache, Tastaturbelegung<br />

<strong>und</strong> Bootparameter an.<br />

Über [F6] gelangen Sie an Optionen, die Sie an<br />

den Eintrag Startoptionen hängen, falls Sie nicht<br />

– wie vorgesehen – auf <strong>Ubuntu</strong>s Desktop landen.<br />

Tragen Sie die hier genannten Bootoptionen ein-<br />

Festplatten unter <strong>Ubuntu</strong><br />

<strong>Ubuntu</strong> hängt Festplatten über Gerätedateien ein, die<br />

es nach einem bestimmten Schema benennt: /dev/​sda<br />

adressiert die erste erkannte Festplatte, /dev/​sda1 die<br />

primäre Partition auf dieser (/dev/​sda2 bis /dev/​sda4<br />

heißen die drei weiteren primären Partitionen). Bei /dev/​<br />

sda5 handelt es sich um die erste logische Partition,<br />

die sich innerhalb einer erweiterten Partition befinden.<br />

Windows sollte sich stets in der ersten primären Partition<br />

befinden, belegt also /dev/​sda1 – <strong>und</strong> meist zusätzlich<br />

/dev/​sda2. Stecken Sie nun einen USB-Stick oder eine<br />

externe Festplatte in den USB-Slot, erhalten diese Geräte<br />

die Bezeichnung /dev/​sdb, ansonsten folgt alles<br />

dem obigen Schema. Über den Befehl sudo fdisk ‐l<br />

erhalten Sie eine Übersicht der verfügbaren Festplatten<br />

sowie USB-Speicher <strong>und</strong> der darauf befindlichen Partitionen<br />

<strong>und</strong> Dateisysteme.<br />

16 UBUNTU<br />

01/2012<br />

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user


Installation<br />

Erste Schritte<br />

fach anstelle der Parameter quiet <strong>und</strong> splash ein.<br />

Die Optionen nomodeset, radeon.modeset=0,<br />

nvidia.modeset=0 oder nouveau.modeset=0,<br />

helfen weiter, wenn Sie auf grafische Probleme<br />

stoßen <strong>und</strong> der Bildschirm schwarz bleibt. Der<br />

Bootparameter acpi=off behebt bei älteren Rechnern<br />

Probleme mit der Energieverwaltung.<br />

<strong>Ubuntu</strong> auf Probe<br />

Sie müssen nicht gleich <strong>Ubuntu</strong> <strong>ins</strong>tallieren, sondern<br />

können zunächst <strong>Ubuntu</strong> ohne Installation<br />

ausprobieren. Im so genannten Live-Modus kopiert<br />

<strong>Ubuntu</strong> lediglich die benötigten Programme in<br />

den Arbeitsspeicher <strong>und</strong> führt sie von dort aus.<br />

Das Booten dauert daher deutlich länger als bei<br />

der <strong>ins</strong>tallierten Version, <strong>und</strong> das gesamte System<br />

läuft langsamer. Dafür testen Sie <strong>Ubuntu</strong> 11.10<br />

zunächst gefahrlos aus. Sie schauen die mitgelieferten<br />

Anwendungen an <strong>und</strong> prüfen, ob <strong>Ubuntu</strong><br />

Ihre Hardware unterstützt, etwa Drucker, Scanner,<br />

WLAN- <strong>und</strong> Grafikkarten.<br />

Kann <strong>Ubuntu</strong> 11.10 keine 3-D-Beschleunigung für<br />

Ihre Grafikkarte einrichten, lädt es die 2-D-Variante<br />

des Unity-Desktops. Gefällt Ihnen <strong>Ubuntu</strong>,<br />

<strong>ins</strong>tallieren Sie die Distribution über ein entsprechendes<br />

Icon (Abbildung 2).<br />

Auf die Platte<br />

Der Installer öffnet nun ein Fenster. In diesem<br />

wählen Sie zunächst eine Sprache aus <strong>und</strong> lesen<br />

auf Wunsch die Veröffentlichungshinweise im<br />

Browser. Der nächste Dialog prüft, ob Ihr Rechner<br />

die Voraussetzungen erfüllt, um <strong>Ubuntu</strong> 11.10 zu<br />

<strong>ins</strong>tallieren (Abbildung 3). Dieser sollte mindestens<br />

4,9 GByte freien Speicherplatz mitbringen (bei<br />

der DVD-Version), am Stromnetz hängen (wichtig<br />

bei der Installation auf Laptops <strong>und</strong> Netbooks) <strong>und</strong><br />

möglichst über eine Internetanbindung verfügen,<br />

was aber nicht zwingend notwendig ist.<br />

Weiter unten im Fenster warten noch zwei ankreuzbare<br />

Optionen: Verwenden Sie Aktualisierungen<br />

während der Installation herunterladen,<br />

nutzt <strong>Ubuntu</strong> die<br />

untätige Zeit der<br />

Installation, um<br />

Patches <strong>und</strong> Sicherheitsupdates<br />

aus dem Internet<br />

zu holen – ohne<br />

diese jedoch zu<br />

<strong>ins</strong>tallieren.<br />

Über den Punkt<br />

Software von<br />

Drittanbietern<br />

<strong>ins</strong>tallieren spielen<br />

Sie bereits<br />

während der<br />

Installation einige<br />

wichtige Codecs 2 Über den Installations-Button links oben stoßen Sie die Installation von<br />

zum Abspielen <strong>Ubuntu</strong> 11.10 über einen Doppelklick an.<br />

von MP3-Dateien<br />

<strong>und</strong> Flash-Inhalten auf den Rechner. All diese Aufgaben<br />

erledigen Sie auf Wunsch auch später, über<br />

Weiter gelangen Sie zum Partitionierer.<br />

<strong>Per</strong>fekt eingerichtet<br />

<strong>Ubuntu</strong> fordert Sie nun – wenn es kein anderes<br />

Betriebssystem findet – auf, die Festplatte zu<br />

löschen <strong>und</strong> <strong>Ubuntu</strong> zu <strong>ins</strong>tallieren oder etwas<br />

anderes zu tun. Befindet sich z. B. ein Windows 7<br />

auf dem Rechner, will der Installer <strong>Ubuntu</strong> neben<br />

Windows 7 <strong>ins</strong>tallieren (Abbildung 4), was Sie<br />

mit einem Klick auf Weiter in die Tat umsetzen.<br />

Nutzen Sie eine ältere <strong>Ubuntu</strong>-Version, erscheinen<br />

die Optionen <strong>Ubuntu</strong> 11.04 auf die Version 11.10<br />

aktualisieren <strong>und</strong> <strong>Ubuntu</strong> 11.04 löschen <strong>und</strong> neu<br />

<strong>ins</strong>tallieren. Bevölkern gleich mehrere Systeme die<br />

Platte, wählen Sie <strong>Ubuntu</strong> daneben <strong>ins</strong>tallieren.<br />

<strong>Ubuntu</strong> als Hauptmieter<br />

Wählen Sie die erste Option, übernimmt <strong>Ubuntu</strong><br />

die komplette Festplatte <strong>und</strong> schreibt alle Daten in<br />

die primäre Partition /dev/​sda1. Zusätzlich legt es<br />

eine erweiterte Partition /dev/​sda2 an <strong>und</strong> inner-<br />

3 Der Installer bietet unter anderem Optionen, um während der Installation<br />

den MP3-Support einzuspielen <strong>und</strong> Aktualisierungen herunterzuladen.<br />

4 Nutzen Sie auf dem Rechner noch andere Systeme, bietet <strong>Ubuntu</strong> an,<br />

sich daneben zu <strong>ins</strong>tallieren <strong>und</strong> erzeugt für diese Systeme Booteinträge.<br />

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UBUNTU<br />

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17


Erste Schritte<br />

Installation<br />

Referenz<br />

Grub verstehen: In einem freien<br />

Onlineartikel lesen Sie, wie Grub<br />

2 tickt <strong>und</strong> wie Sie den Bootmanager<br />

an Ihre Bedürfnisse anpassen:<br />

[http:// ubuntu‐user. de/ 20044]<br />

Wubi: Wie Sie <strong>Ubuntu</strong> mit Hilfe<br />

des Wubi-Installers unter Windows<br />

<strong>ins</strong>tallieren, erklärt der freie Online-<br />

Artikel unter [http:// ubuntu‐user.​<br />

de/ 20880]<br />

Desktop-Verschlüsselung: Mehr<br />

zum Thema „Desktop-Verschlüsselung“<br />

lesen Sie in unserem Onlineartikel<br />

unter [http:// ubuntu‐user.​<br />

de/ 21562].<br />

6 Partitionieren Sie Ihr <strong>Ubuntu</strong>-System selbst, legen Sie mindestens zwei<br />

Partitionen an: eine Swap- <strong>und</strong> eine Systempartition.<br />

halb von dieser wiederum eine logische Partition<br />

/dev/​sda5, in die der Swap-Bereich kommt (siehe<br />

Kasten Festplatten unter <strong>Ubuntu</strong>). Bei Letzterem<br />

handelt es sich um eine Auslagerungsdatei, welche<br />

die Aufgabe des Arbeitsspeichers übernimmt,<br />

wenn dieser überlastet ist. Das Schreiben in den<br />

Swap-Bereich ist aber deutlich langsamer als der<br />

direkte Zugriff auf den Arbeitsspeicher.<br />

<strong>Ubuntu</strong> als Untermieter<br />

Windows belegt die komplette Festplatte. Wollen<br />

Sie <strong>Ubuntu</strong> daneben <strong>ins</strong>tallieren, müssen Sie zuvor<br />

die Windows-Partition verkleinern <strong>und</strong> komplett<br />

defragmentieren, wie es der Kasten Windows <strong>und</strong><br />

<strong>Ubuntu</strong> erklärt. <strong>Ubuntu</strong> richtet dann den Bootloader<br />

Grub 2 ein, über den Sie<br />

fortan beide Systeme starten.<br />

Mehr zu Grub lesen Sie in<br />

diesem Onlineartikel (Referenz:<br />

Grub verstehen).<br />

<strong>Ubuntu</strong> – Marke<br />

Eigenbau<br />

Wollen Sie die Kontrolle über<br />

die Installation behalten,<br />

wählen Sie die Option Etwas<br />

anderes, was allerdings ein<br />

paar Kenntnisse über den<br />

Aufbau von Festplatten unter<br />

<strong>Ubuntu</strong> erfordert (siehe<br />

Kasten Festplatten unter<br />

<strong>Ubuntu</strong>). Idealerweise legen<br />

Sie dann auf einer leeren<br />

Festplatte mindestens zwei logische Partitionen<br />

für <strong>Ubuntu</strong> an (Abbildung 6): eine Swap-Partition<br />

(/dev/​sda5) sowie eine Partition für das Wurzelverzeichnis<br />

/, die mindestens 4,9 GByte groß sein<br />

sollte (/dev/​sda6). Optional packen Sie noch eine<br />

Extrapartition für Ihr Home-Verzeichnis /home<br />

dazu (/dev/​sda7). Neue Partitionen ergänzen Sie<br />

über einen Klick auf die Schaltfläche Hinzufügen,<br />

für / <strong>und</strong> /home wählen Sie am besten jeweils Ext4<br />

als Dateisystem.<br />

Installation<br />

Haben Sie sich für eine Partitionierungsversion<br />

entschieden, klicken Sie auf Jetzt <strong>ins</strong>tallieren.<br />

<strong>Ubuntu</strong> stellt nun Fragen nach Ihrem Aufenthalts-<br />

Windows <strong>und</strong> <strong>Ubuntu</strong><br />

Windows verteilt seine Dateien beim Speichern gern<br />

über die gesamte Platte. Beim Defragmentieren<br />

ordnet es die zerstreuten Dateifragmente in einem<br />

zusammenhängenden Bereich an. So zerstört das<br />

spätere Verkleinern der Partition keine <strong>ins</strong>tallierten<br />

5 Die Windows-Partition verkleinern Sie aus Windows heraus. Dabei hilft<br />

das Programm „Festplattenpartitionen erstellen <strong>und</strong> partitionieren“.<br />

Programme. Unter Windows 7 starten Sie die Defragmentierung<br />

über Start | Programme | Zubehör<br />

| Systemprogramme. Haben Sie Windows gerade<br />

frisch <strong>ins</strong>talliert, müssen Sie es nicht defragmentieren.<br />

Starten Sie Windows anschließend neu, tritt<br />

ein Programm namens<br />

Chkdisk auf den Plan,<br />

das die Partition routinemäßig<br />

auf Schäden<br />

überprüft. Danach fahren<br />

Sie Windows ganz<br />

normal hoch.<br />

Nun verkleinern Sie die<br />

Partition aus Windows<br />

heraus. Tippen Sie in<br />

die untere Zeile des<br />

Startmenüs fest ein<br />

<strong>und</strong> klicken Sie dann<br />

auf den Eintrag Festplattenpartitionen<br />

erstellen<br />

<strong>und</strong> partitionieren.<br />

Unter Windows XP<br />

<strong>und</strong> Vista funktioniert<br />

das analog. Markieren<br />

Sie nun im unteren<br />

Bereich die Windows-Partition, die Sie verkleinern<br />

wollen. Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf<br />

sie <strong>und</strong> wählen Sie den Punkt Volume verkleinern<br />

aus dem Kontextmenü. Passen Sie den Wert in der<br />

Zeile Zu verkleinernder Speicherplatz in Megabyte<br />

an Ihre Bedürfnisse an <strong>und</strong> wählen Sie dann Verkleinern<br />

(Abbildung 5). Anschließend booten Sie<br />

Windows neu.<br />

In beiden Fällen startet nach der <strong>Ubuntu</strong> -Installation<br />

beim Hochfahren von Windows das Programm<br />

Chkdisk. Es überprüft die Partition aufgr<strong>und</strong> der<br />

Verkleinerung routinemäßig auf Schäden <strong>und</strong> startet<br />

den Rechner dann neu – erst jetzt bootet Windows<br />

wie gewohnt. Wollen Sie keine eigene <strong>Ubuntu</strong>-Partition<br />

auf dem Rechner anlegen, können Sie <strong>Ubuntu</strong><br />

unter Windows auch über Wubi <strong>ins</strong>tallieren, wie<br />

es ein freier Onlineartikel erklärt (Referenz: Wubi).<br />

Dazu brauchen Sie lediglich ein paar GByte freien<br />

Speicher auf der Windows-Festplatte.<br />

Windows nachträglich zu <strong>ins</strong>tallieren, ist so kompliziert,<br />

dass wir davon abraten. Planen Sie es dennoch,<br />

sollten Sie in <strong>Ubuntu</strong>s Installer eine Partition<br />

manuell festlegen, wie es der Abschnitt „<strong>Ubuntu</strong> –<br />

Marke Eigenbau“ erklärt, <strong>und</strong> dabei im Vorfeld eine<br />

leere Partition /dev/​sda1 für Windows einrichten.<br />

18 UBUNTU<br />

01/2012<br />

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Installation<br />

Erste Schritte<br />

7 Neuerdings verschönern Sie Ihr Konto durch einen Schnappschuss<br />

mit der Webcam, falls <strong>Ubuntu</strong> 11.10 diese erkennt.<br />

ort (um die Zeitzone zu ermitteln), Ihrer Tastenbelegung<br />

<strong>und</strong> Ihrem Namen, Benutzernamen sowie<br />

dem Passwort. In diesem letzten Dialog legen Sie<br />

auch fest, ob <strong>Ubuntu</strong> Sie bei jedem Hochfahren<br />

nach dem Passwort fragt oder ob Sie sich automatisch<br />

anmelden. Setzen Sie ein Kreuzchen bei Meine<br />

persönlichen Dateien verschlüsseln, um Ihr Home-<br />

Verzeichnis zu verschlüsseln, verwendet <strong>Ubuntu</strong><br />

dazu EcryptFS (Referenz: Desktop-Verschlüsselung).<br />

Hängt an Ihrem Rechner eine von <strong>Ubuntu</strong><br />

erkannte Webcam, schlägt der Installer zudem<br />

vor, ein Foto von Ihnen zu schießen, das Ihr Profil<br />

ergänzt (Abbildung 7). Nicht zuletzt kann <strong>Ubuntu</strong><br />

11.10 – wie seine Vorgänger auch – Profile von anderen<br />

Betriebssystemen importieren, wozu neben<br />

Browser- <strong>und</strong> E-Mail-Daten auch Bildschirmhintergründe<br />

<strong>und</strong> Dokumente gehören.<br />

Während der Installation sehen Sie eine Diashow,<br />

die das neue <strong>Ubuntu</strong> vorstellt (Abbildung 8). Der<br />

Prozess dauert nun – abhängig von der Geschwindigkeit<br />

Ihres Rechners – eine Weile <strong>und</strong> endet mit<br />

der Aufforderung Jetzt neu starten. Entfernen Sie<br />

die CD/​DVD <strong>und</strong> drücken Sie [Eingabe], damit der<br />

Rechner tatsächlich neu bootet.<br />

<strong>Ubuntu</strong> aktualisieren<br />

Nutzen Sie bereits <strong>Ubuntu</strong> 11.04,<br />

müssen Sie Ihre Installation lediglich<br />

aktualisieren. Dazu spielen Sie alle Aktualisierungen<br />

ein, drücken dann auf<br />

dem Desktop [Alt]+[F2] <strong>und</strong> geben<br />

update‐manager ‐d ein. Im Fenster der<br />

Aktualisierungsverwaltung taucht nun<br />

oben rechts der Button Aktualisieren<br />

auf. Mitunter fragt der Installer während<br />

des folgenden Upgrades, ob Sie<br />

eine bestimmte Konfigurationsdatei<br />

behalten oder ersetzen wollen. Wählen<br />

Sie Letzteres, wenn Sie die Datei nicht<br />

manuell verändert haben.<br />

Bootloader-Probleme<br />

Es passiert gelegentlich, dass nach dem<br />

Installieren von <strong>Ubuntu</strong> kein Bootloader<br />

mehr auftaucht oder Sie nur noch ein<br />

System booten können. Spielen Sie Windows nach<br />

<strong>Ubuntu</strong> ein, kommt es sogar unweigerlich zum<br />

Ausfall des Bootloaders. In beiden Fällen tippen<br />

Sie einfach die Befehle im Kasten Wiederbelebung<br />

in ein Terminal. Die führen vor, wie Sie den Bootloader<br />

Grub mit Hilfe eines Live-Systems erneut<br />

<strong>ins</strong>tallieren. Über die Befehle gaukeln Sie dem <strong>ins</strong>tallierten<br />

System vor, dass Sie es gebootet haben<br />

<strong>und</strong> aktualisieren so den Bootloader. (kki) ●●●<br />

8 Haben Sie alle Angaben zur Installation gemacht,<br />

werfen Sie einen Blick auf die Diashow, welche die<br />

Vorzüge von <strong>Ubuntu</strong> 11.10 schildert.<br />

Wiederbelebung<br />

Um ein <strong>ins</strong>talliertes <strong>Ubuntu</strong> wiederzubeleben,<br />

booten Sie in den Live-<br />

Modus der Heft-DVD, in den Sie<br />

über die Bootoption <strong>Ubuntu</strong> ohne<br />

Installation ausprobieren gelangen.<br />

Dann rufen Sie ein Terminal auf <strong>und</strong><br />

führen die Schritte aus dem Listing<br />

aus. Den Eintrag /dev/​sda6 ersetzen<br />

Sie durch die Partition, auf der<br />

sich das Wurzelverzeichnis (/) des<br />

<strong>ins</strong>tallierten <strong>Ubuntu</strong> befindet.<br />

01 $ sudo mount /dev/sdU<br />

a6 /mnt<br />

02 $ sudo mount ‐o bind U<br />

/dev /mnt/dev<br />

03 $ sudo mount ‐o bind U<br />

/sys /mnt/sys<br />

04 $ sudo mount ‐t proc U<br />

/proc /mnt/proc<br />

05 $ sudo chroot /mnt<br />

06 $ grub‐mkconfig ‐o /boU<br />

ot/grub/grub.cfg<br />

07 $ update‐grub2<br />

08 $ grub‐<strong>ins</strong>tall /dev/sda<br />

09 $ exit<br />

10 $ sudo reboot<br />

Der Befehl chroot steht für „change<br />

root“: Über ihn hängen Sie das <strong>ins</strong>tallierte<br />

System in Ihr Live-System<br />

ein <strong>und</strong> arbeiten so damit, als<br />

hätten Sie es gebootet. Auf diese<br />

Weise richten Sie Grub 2 neu ein.<br />

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UBUNTU<br />

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19


Erste Schritte<br />

NetworkManager <strong>und</strong> Updates<br />

<strong>Netz</strong>werk <strong>und</strong> Updates<br />

Anschluss finden<br />

Maxim Kazmin, 123RF<br />

Mit dem NetworkManager kommen Sie nach der Installation über WLAN, DSL-Modem oder <strong>UMTS</strong>-Stick<br />

spielend einfach <strong>ins</strong> Internet. Hier sollten Sie zunächst das System aktualisieren.<br />

Kristian Kißling<br />

Nach dem offiziellen Release einer Distribution<br />

bügeln die Entwickler in der Regel noch Fehler in<br />

der Software aus <strong>und</strong> schließen in den folgenden<br />

Wochen <strong>und</strong> Monaten regelmäßig Sicherheitslücken.<br />

Wenn Sie <strong>Ubuntu</strong> 11.10 also nicht am Tag der<br />

Veröffentlichung herunterladen<br />

<strong>und</strong> <strong>ins</strong>tallieren, warten<br />

wahrscheinlich bereits<br />

Updates auf Sie.<br />

Das finden Sie heraus, indem<br />

Sie erst auf das kleine<br />

Rädchen ganz rechts oben<br />

im Panel klicken <strong>und</strong> dann<br />

auf Aktualisierungen verfügbar.<br />

Der Klick ruft die<br />

Aktualisierungsverwaltung<br />

auf den Plan, die anhand<br />

von Paketlisten prüft,<br />

welche Fehlerkorrekturen<br />

die bei Ihnen <strong>ins</strong>tallierten<br />

Programme betreffen (Abbildung<br />

1). Ist das Fenster<br />

leer, klicken Sie auf Prüfen;<br />

andernfalls downloaden<br />

<strong>und</strong> <strong>ins</strong>tallieren Sie die<br />

1 Fehlerkorrekturen <strong>und</strong> Sicherheitsupdates spielen Sie unter Patches über Aktualisierungen<br />

<strong>ins</strong>tallieren. <strong>Ubuntu</strong> über die Aktualisierungsverwaltung ein.<br />

Mitunter<br />

müssen Sie nun den Rechner neu starten, um die<br />

Patches anzuwenden. In diesem Fall sehen Sie in<br />

der Aktualisierungsverwaltung einen Button mit der<br />

Inschrift Jetzt neu starten. Im Systemmenü erscheint<br />

der Text Anwendungen sind aktuell.<br />

Die Fehlerkorrekturen halten Ihr System sicher<br />

<strong>und</strong> aktuell. Neue Versionen der <strong>ins</strong>tallierten Programme<br />

erhalten Sie meist erst mit der nächsten<br />

<strong>Ubuntu</strong>-Version. Lediglich über Backports <strong>und</strong><br />

PPAs (Referenz: Paketmanagement) aktualisieren<br />

Sie vorhandene Software auf eine neue Version.<br />

Stößt <strong>Ubuntu</strong>s Updatemanager bei seinen regelmäßigen<br />

Checks auf Patches, informiert er Sie auf die<br />

bereits erwähnte Weise. Nutzen Sie ein tagesaktuelles<br />

PPA, geschieht das wesentlich häufiger,<br />

da es hier oft täglich Updates gibt. Wollen Sie die<br />

Aktualisierungsverwaltung von Hand starten, drücken<br />

Sie [Windows] <strong>und</strong> geben Sie aktu ein.<br />

Das Henne-Ei-Problem<br />

Um die Updates für <strong>Ubuntu</strong> 11.10 zu beziehen,<br />

brauchen Sie einen Zugang zum Internet. Der<br />

NetworkManager hilft bei der Konfiguration; ihn<br />

repräsentiert ein kleines Icon oben rechts im Panel<br />

(Abbildung 2). Nutzen Sie eine WLAN-Karte,<br />

sehen Sie dort ein wellenförmiges Icon. Bei Kabelverbindungen<br />

erscheinen zwei gegenläufige Pfeile.<br />

20 UBUNTU<br />

01/2012<br />

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NetworkManager <strong>und</strong> Updates<br />

Erste Schritte<br />

Stoßen Sie bei der Konfiguration von WLAN-<br />

Karten, DSL-Modems oder <strong>UMTS</strong>-Sticks auf<br />

Schwierigkeiten, weil der NetworkManager die<br />

Geräte nicht anzeigt, verbinden Sie den Rechner<br />

behelfsmäßig über ein <strong>Netz</strong>werkkabel mit einem<br />

(WLAN-)Router – das klappt fast immer. Bei einigen<br />

Notebooks schalten Sie die WLAN-Karten<br />

über einen Schalter am Gehäuse an <strong>und</strong> aus, bei<br />

anderen über eine spezielle [F]-Taste. Prüfen Sie,<br />

ob Ihr WLAN aktiv ist. Um die Zugänge für DSL,<br />

<strong>UMTS</strong> <strong>und</strong> Co. im Detail zu bearbeiten, klicken<br />

Sie oben rechts auf das NetworkManager-Icon <strong>und</strong><br />

wählen Verbindungen bearbeiten.<br />

Ethernet<br />

WLAN-Router verfügen meist über Eingänge für<br />

<strong>Netz</strong>werkkabel. Sofern der Router IP-Adressen per<br />

DHCP vergibt (was meist der Fall ist), stellt der<br />

NetworkManager automatisch eine Verbindung<br />

her – Sie müssen nichts weiter tun.<br />

WLAN<br />

Damit <strong>Ubuntu</strong> Ihre WLAN-Karte automatisch einrichtet,<br />

muss der Kernel einen passenden Treiber<br />

mitbringen. Dann genügt ein Klick mit der linken<br />

Maustaste auf das Icon des <strong>Netz</strong>werk-Applets,<br />

damit dieses die umliegenden <strong>Netz</strong>werke anzeigt<br />

(Abbildung 2). Sie wählen den Namen Ihres<br />

WLAN-<strong>Netz</strong>es aus <strong>und</strong> melden sich bei diesem<br />

mit der Eingabe des korrekten Passworts an.<br />

<strong>Ubuntu</strong> erkennt selbstständig, welche Form der<br />

Verschlüsselung (WEP, WPA usw.) das <strong>Netz</strong>werk<br />

verwendet. Nach einer erfolgreichen Authentifizierung<br />

weist der Router Ihrer WLAN-Karte dann per<br />

DHCP eine gültige IP-Adresse zu.<br />

Gibt es nur einen proprietären Treiber für Ihre<br />

WLAN-Karte, weil der Kartenhersteller den Quellcode<br />

nicht herausrückt, drücken Sie unter <strong>Ubuntu</strong><br />

kurz auf [Windows], geben zusä ein <strong>und</strong> klicken<br />

auf das Icon Zusätzliche Treiber. Wählen Sie im<br />

Hardwaremanager Ihre Karte aus (wenn diese dort<br />

auftaucht) <strong>und</strong> klicken Sie auf Aktivieren, damit<br />

der Assistent die passende Software herunterlädt<br />

<strong>und</strong> die Karte einrichtet.<br />

Zeigt sich bereits im Live-Modus, dass <strong>Ubuntu</strong> keinen<br />

Treiber für die WLAN-Karte anbietet, helfen<br />

Programme wie Ndiswrapper weiter. Einen Artikel,<br />

der auch das Thema „Ndiswrapper“ streift, finden<br />

Info<br />

[1] Kristian Kißling, „Grüne Welle?“, <strong>Ubuntu</strong> <strong>User</strong><br />

02/​2010, S. 66 ff., [http:// ubuntu‐user. de/ 20104]<br />

[2] WLAN-Karten unter <strong>Ubuntu</strong>:<br />

[http:// wiki. ubuntuusers. de/ WLAN/ Karten]<br />

[3] Infos zu Wicd:<br />

[http:// wiki. ubuntuusers. de/ wicd]<br />

[4] Hardware-Wiki: [http:// wiki. ubuntuusers. de/​<br />

Hardwaredatenbank/ Verbindungen]<br />

Sie hier [1]. Dieses Wiki [2] listet zudem<br />

WLAN-Karten <strong>und</strong> den Grad ihrer Unterstützung<br />

durch <strong>Ubuntu</strong> <strong>und</strong> seine Derivate<br />

auf. Das Einrichten ist dann mitunter wesentlich<br />

komplizierter.<br />

<strong>UMTS</strong>-Stick <strong>und</strong> DSL-<br />

Modems<br />

Auch <strong>UMTS</strong>-Karten <strong>und</strong> DSL-Modems<br />

richten Sie über den NetworkManager ein.<br />

Voraussetzung ist, dass das System die<br />

Hardware erkennt – andernfalls erscheinen<br />

die Reiter nur grau unterlegt. Wie Sie<br />

<strong>UMTS</strong>-Sticks konfigurieren, entnehmen<br />

Sie dem Artikel im Heft (Referenz: <strong>UMTS</strong>-<br />

Sticks).<br />

DSL-Modems richten Sie ebenfalls über<br />

den NetworkManager ein. Klicken Sie<br />

dazu in seinem Kontextmenü zunächst<br />

auf Verbindungen bearbeiten. Im Reiter<br />

DSL wählen Sie Hinzufügen, verbinden<br />

das DSL-Modem mit der Telefondose <strong>und</strong><br />

Ihren Rechner via Kabel mit dem Modem <strong>und</strong> kramen<br />

dann die Zugangsdaten von Ihrem Internetprovider<br />

hervor. Diese gehören <strong>ins</strong> Register DSL.<br />

Unter den Daten finden Sie gewöhnlich eine längere<br />

Textzeile, die ein @ enthält. Der Teil vor dem<br />

@ ist der Benutzername, nach dem @ folgt der<br />

Dienst. Zum Schluss geben Sie noch das Passwort<br />

ein <strong>und</strong> wechseln im selben Fenster zum Reiter<br />

Kabelgeb<strong>und</strong>en. Dort geben Sie die MAC-Adresse<br />

Ihrer <strong>Netz</strong>werkkarte ein, an der das DSL-Modem<br />

hängt. Meist lautet ihr Name eth0. Sie finden die<br />

Adresse heraus, indem Sie ein Terminal öffnen <strong>und</strong><br />

$ /sbin/ifconfig | grep Hardware<br />

eingeben. Die MAC-Adresse besteht aus sechs<br />

zweistelligen Zahlen, die jeweils ein Doppelpunkt<br />

voneinander trennt. Fügen Sie diese in die Maske<br />

zur DSL-Konfiguration ein.<br />

Lässt sich Ihr DSL- oder <strong>UMTS</strong>-Modem trotz des<br />

richtigen Treibers partout nicht einrichten, kann<br />

auch ein Bug im NetworkManager vorliegen. In<br />

diesem Fall gibt es zwei Möglichkeiten: Sie <strong>ins</strong>tallieren<br />

eine aktuelle Version der Software, indem<br />

Sie ein externes PPA (deb http://​ppa.launchpad.<br />

net/​network-manager/​trunk/​ubuntu oneiric main)<br />

einbinden (Referenz: Paketmanagement). Alternativ<br />

geben Sie dem Einwahltool wicd eine Chance<br />

[3] – dafür müssen Sie NetworkManager allerdings<br />

im Vorfeld entfernen.<br />

Troubleshooting<br />

Listen mit gut unterstützter Hardware finden Sie<br />

auf den <strong>Ubuntu</strong>users.de-Seiten unter [4]. Das Wiki<br />

hilft auch, wenn es mit der Hardware nicht auf<br />

Anhieb klappt. Zusätzlich googeln Sie die Kombination<br />

aus Ihrem Gerätenamen <strong>und</strong> <strong>Ubuntu</strong> 11.10,<br />

was oft hilfreiche Tipps hervorbringt. (kki) ●●●<br />

2 Über den NetworkManager sorgen Sie dafür,<br />

dass Sie per <strong>UMTS</strong>, WLAN, DSL-Modem<br />

oder auch per Kabel den Weg <strong>ins</strong> Internet<br />

finden. Hier sehen Sie das Icon, das eine<br />

<strong>UMTS</strong>-Verbindung anzeigt.<br />

Referenz<br />

Paketmanagement: Wie Sie PPAs<br />

<strong>und</strong> externe Paketquellen einbinden,<br />

erklärt ein Artikel im Heft, der<br />

auf Seite 22 beginnt.<br />

<strong>UMTS</strong>-Sticks: Wie Sie <strong>UMTS</strong>-<br />

Hardware einrichten, lesen Sie im<br />

Heft ab Seite 50.<br />

Glossar<br />

Backports: Spezielle externe Paketquellen,<br />

die neuere Versionen<br />

bestimmter Software anbieten.<br />

Um Backports zu aktivieren, rufen<br />

Sie im Software-Center Bearbeiten<br />

| Software-Paketquellen auf. Im<br />

neuen Fenster setzen Sie dann im<br />

Reiter Aktualisierungen ein Häkchen<br />

bei Nicht unterstützte Aktualisierungen<br />

(oneiric-backports).<br />

DHCP: Steht für „Dynamic Host<br />

Configuration Protocol“; im Kern<br />

geht es darum, Rechnern über dieses<br />

Protokoll automatisch eine freie<br />

IP-Adresse im lokalen <strong>Netz</strong>werk zuzuweisen.<br />

Die meisten Router verteilen<br />

IP-Adressen per DHCP.<br />

www.ubuntu-user.de 01/2012<br />

UBUNTU<br />

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21


Erste Schritte<br />

Paketmanagement<br />

Das neue Software-Center<br />

Neues<br />

Makeup?<br />

Für <strong>Ubuntu</strong> 11.10 haben die Entwickler das<br />

Software-Center komplett überarbeitet. Wie<br />

die Paketverwaltung nach der Schönheits-OP<br />

funktioniert <strong>und</strong> wie Sie Software unter<br />

<strong>Ubuntu</strong> generell <strong>ins</strong>tallieren, lesen Sie hier.<br />

<br />

Kristian Kißling<br />

Dmytro Demianenko, 123RF<br />

Bevor wir uns dem neuen Software-Center<br />

zuwenden, sollten wir einigen Lesern erklären,<br />

wie die Softwareverwaltung unter <strong>Ubuntu</strong> generell<br />

funktioniert. Das ist heute einfach:<br />

Man verweist einfach auf den App-Store.<br />

Egal ob Apple-Rechner, iPhones, Android-<br />

Smartphones oder E-Book-Reader – Software<br />

<strong>ins</strong>tallieren Sie heute häufig über eine<br />

einheitliche Oberfläche <strong>und</strong> aus einer Hand –<br />

selbst Windows 8 soll einen App-Store bekommen<br />

[1]. Das Software-Center ist also nichts anderes als<br />

ein App Store für (meist) freie Software (sie können<br />

1 Das r<strong>und</strong>erneuerte Software-Center lädt vor allem E<strong>ins</strong>teiger zum Stöbern ein. Dabei helfen<br />

unter anderem die Softwarebewertungen der Benutzer.<br />

dort aber auch den <strong>Ubuntu</strong><br />

<strong>User</strong> erwerben).<br />

Unzählige Freiwillige <strong>und</strong> zahlreiche<br />

Angestellte von Canonical<br />

bestücken <strong>Ubuntu</strong>s Software-<br />

Center, indem sie den Quellcode<br />

der vielen Open-Source-Projekte<br />

(man denke u. a. an Firefox, VLC<br />

<strong>und</strong> LibreOffice) in <strong>ins</strong>tallierbare<br />

Pakete verwandeln. Diese lädt das<br />

Software-Center dann auf Ihre Anfrage hin von<br />

etlichen Servern weltweit herunter.<br />

Programme für <strong>Ubuntu</strong> liegen nicht als EXE-<br />

Dateien vor, sondern als Debian-Pakete – im<br />

DEB-Format. Dabei handelt es sich um Archive,<br />

in denen Bibliotheken, Konfigurationsdateien <strong>und</strong><br />

ausführbare Dateien stecken. Bei der Installation<br />

des Firefox-Paketes verteilt das Software-Center<br />

die zum Betrieb notwendigen Dateien an die richtigen<br />

Orte im Dateisystem.<br />

Häufig verfügen die Debian-Pakete jedoch über so<br />

genannte Abhängigkeiten: Installieren Sie Paket<br />

A, müssen Sie auf jeden Fall auch Paket B e<strong>ins</strong>pielen;<br />

andernfalls startet das Programm nicht wie<br />

gewünscht. Das Software-Center löst solche Abhängigkeiten<br />

während der Installation automatisch<br />

auf <strong>und</strong> spielt sie im Hintergr<strong>und</strong> auf den Rechner.<br />

Sie sehen diese Pakete ebensowenig wie die Bibliotheken<br />

<strong>und</strong> die nicht-ausführbaren Programme.<br />

Dass Pakete voneinander abhängen, bemerken Sie<br />

22 UBUNTU<br />

01/2012<br />

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Paketmanagement<br />

Erste Schritte<br />

meist erst, wenn Sie ein einzelnes Debian-Paket<br />

aus dem Internet <strong>ins</strong>tallieren – dazu mehr im Kasten<br />

Einzelsendung.<br />

Fehlt einmal ein Programm im Software-Center<br />

(etwa ein bestimmter Videocodec oder eine proprietäre<br />

Software), binden Sie es über eine so genannte<br />

externe Paketquelle ein, über die Sie nicht<br />

nur die Software selbst, sondern auch die abhängigen<br />

Pakete <strong>ins</strong>tallieren. Wie das geht, zeigt das<br />

Kapitel „Externe Paketquellen“.<br />

Software-Center im E<strong>ins</strong>atz<br />

Zunächst zum Aufbau des Software-Centers (Abbildung<br />

1). Die neue Startseite richtet sich vor allem<br />

an Benutzer, die <strong>Ubuntu</strong> noch nicht so richtig<br />

kennen. Sie lädt zum Stöbern ein, stellt neue <strong>und</strong><br />

attraktive Anwendungen vor. Klicken Sie jeweils<br />

rechts daneben auf Weitere, gelangen Sie zu einer<br />

langen Liste solcher Programme. Über den orangefarbenen<br />

Pfeil links oben kehren Sie zum Startfenster<br />

des Software-Centers zurück.<br />

Auf der linken Seite listet das Software-Center die<br />

Kategorien auf <strong>und</strong> ordnet Software nach Bereichen.<br />

Alle anderen Bedienelemente finden Sie am<br />

oberen Rand der Paketverwaltung. Der Menüeintrag<br />

Alle Anwendungen listet alle verfügbaren Paketquellen<br />

auf. Anfangs gibt es hier die Einträge Bereitgestellt<br />

durch <strong>Ubuntu</strong> (hier finden Sie die meiste,<br />

freie Software), Canonical-Partner (kostenlose, unfreie<br />

Software ohne Quellcode wie Skype <strong>und</strong> Flash<br />

10) sowie Zum Kauf (kommerzielle Software, darunter<br />

viele Spiele). In <strong>Ubuntu</strong> gibt es unterschiedliche<br />

Paketquellen, die Sie nach Belieben ergänzen<br />

– anfangs sehen Sie nur die ersten drei von ihnen<br />

(Abbildung 2). Diese durchsuchen Sie <strong>und</strong> <strong>ins</strong>tallieren<br />

die darin aufgeführten Anwendungen.<br />

Klicken Sie in der Menüleiste oben auf Installiert,<br />

sehen Sie nur die Anwendungen aus den Paketquellen,<br />

die Sie tatsächlich auf Ihrem System<br />

<strong>ins</strong>talliert haben. Wählen Sie zum Beispiel Bereitgestellt<br />

durch <strong>Ubuntu</strong>, zeigt das Software-Center<br />

Ihre <strong>ins</strong>tallierte Software an, sortiert nach verschiedenen<br />

Kategorien, die Sie bei Bedarf durchsuchen.<br />

Nicht zuletzt stoßen Sie auf den Menüpunkt<br />

Verlauf, der verrät, wann Sie welche Software auf<br />

dem Rechner <strong>ins</strong>talliert <strong>und</strong> aktualisiert haben.<br />

Funktioniert plötzlich ein Programm nicht mehr,<br />

liegt es vielleicht an einem Update. Das Menü hat<br />

einen rein informativen Wert.<br />

Wissen Sie also nicht genau, wonach<br />

Sie suchen, verwenden Sie<br />

die Kategorien oder den Eintrag<br />

Alle Anwendungen, um sich über<br />

Software zu informieren. Kennen<br />

Sie hingegen den Namen des<br />

Programms, fahnden Sie über das<br />

Suchfeld rechts oben gezielt nach<br />

diesem. Bereits beim Eintippen<br />

erscheinen die Treffer, die aus der 2 Klicken Sie auf „Alle Anwendungen“, erscheinen die<br />

Paketquelle stammen, die Sie gerade<br />

unter Alle Anwendungen ver-<br />

verfügbaren externen Paketquellen.<br />

wenden. Rechts sehen Sie die Bewertungen. Wählen<br />

Sie ein attraktives Paket aus, tauchen darunter<br />

Schaltflächen mit der Beschriftung Weitere Informationen<br />

<strong>und</strong> Installieren auf. Erstere führt zu einer<br />

ausführlicheren Beschreibung des Programms,<br />

oft versehen mit einem Screenshot (Abbildung 3).<br />

Werfen Sie einen Blick auf die Erweiterungen: Hier<br />

finden Sie oft Software, die ein Programm noch<br />

besser macht. Über den Link Eine eigene Bewertung<br />

schreiben beurteilen Sie die Software selbst,<br />

3 Ein Klick auf „Weitere Informationen“ liefert zahlreiche Details zu den verfügbaren Apps.<br />

Einzelsendung<br />

Auf Webseiten angebotene Debian-Pakete <strong>ins</strong>tallieren<br />

Sie bei Bedarf auch einzeln, indem Sie im Browser auf<br />

das Paket klicken <strong>und</strong> die Option Öffnen mit <strong>Ubuntu</strong><br />

Software-Center wählen. Das erscheint dann – samt Bild<br />

<strong>und</strong> Beschreibungstext – im Software-Center, wo Sie<br />

es über Installieren auf den Rechner spielen. Dasselbe<br />

geschieht, wenn Sie im Dateimanager Nautilus doppelt<br />

auf ein heruntergeladenes DEB-Paket klicken.<br />

4 Externe Paketquellen, bei denen es sich nicht um PPAs handelt, binden Sie am besten über<br />

<strong>Ubuntu</strong>s Software-Center ein.<br />

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UBUNTU<br />

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23


Erste Schritte<br />

Paketmanagement<br />

5 Auf den Webseiten, die zu den PPAs gehören, finden Sie alle Informationen, die Sie brauchen,<br />

um ein PPA einzubinden <strong>und</strong> die darin befindliche Software zu nutzen.<br />

Referenz<br />

<strong>Ubuntu</strong> One: Mehr Details zu<br />

<strong>Ubuntu</strong> One <strong>und</strong> dem Synchronisierungsdienst<br />

lesen Sie im Artikel<br />

ab Seite 58 ff.<br />

Multimedia: Wie es um die Multimedia-<br />

<strong>und</strong> Spieleunterstützung<br />

in <strong>Ubuntu</strong> steht, lesen Sie ab Seite<br />

26 ff.<br />

Code kompilieren: Wie Sie Quellcode<br />

in ausführbare Software verwandeln,<br />

erklärt ein Artikel im Heft<br />

03/2011 ab Seite 74 ff.<br />

Schnelle Quelle<br />

Das Software-Center dient als grafische Oberfläche<br />

für APT (das Advanced Packaging Tool).<br />

Es verwaltet im Hintergr<strong>und</strong> die Listen mit der<br />

Software, die in den Paketquellen stecken. Es<br />

erkennt Abhängigkeiten <strong>und</strong> löst sie auf. APT<br />

lässt sich auch direkt über die Kommandozeile<br />

bedienen – viele routinierte <strong>Ubuntu</strong>-Anwender<br />

bevorzugen diesen Weg. Der Vorteil: Die Befehle<br />

funktionieren unter allen <strong>Ubuntu</strong>-Derivaten. Die<br />

wichtigsten APT-Befehle lauten:<br />

$ sudo apt‐get update<br />

$ sudo apt‐cache search U<br />

(‐‐names‐only) banshee<br />

$ sudo apt‐get <strong>ins</strong>tall banshee<br />

$ sudo apt‐get remove (‐‐purge) U<br />

banshee<br />

Das erste Kommando aktualisiert die Paketliste,<br />

über die das Software-Center erfährt, welche<br />

Software in den Paketquellen steckt. In der<br />

nächsten Zeile suchen Sie nach einem Paket<br />

in dessen Namen oder Paketbeschreibung der<br />

Begriff banshee auftaucht. Gibt es zu viele Treffer,<br />

ergänzen Sie die Option --names-only (ohne<br />

Klammern), um nur in den Programmnamen zu<br />

suchen. In der dritten Zeile <strong>ins</strong>tallieren Sie das<br />

Paket banshee – die Versionsnummer lassen<br />

Sie weg. In der letzten Zeile entfernen Sie Banshee:<br />

Nutzen Sie dabei die Option --purge (ohne<br />

Klammern), entfernt das Kommando auch die<br />

Konfigurationsdateien von Banshee. Das gilt<br />

für alle bis auf die lokalen Konfigurationen im<br />

Home-Verzeichnis, die Sie selbst entfernen<br />

müssen. Um mehrere Dateien zu <strong>ins</strong>tallieren<br />

oder zu entfernen, geben Sie die Paketnamen<br />

übrigens getrennt durch Leerzeichen ein.<br />

Wichtig sind auch noch:<br />

$ sudo apt‐get upgrade<br />

$ sudo apt‐get dist‐upgrade<br />

Das erste Kommando aktualisiert nur die bestehende<br />

Software, das zweite <strong>ins</strong>talliert auch<br />

neue Pakete <strong>und</strong> Abhängigkeiten – wenn es in<br />

den Paketquellen welche findet. Wie Sie sehen,<br />

ist auch Paketmanagement über die Kommandozeile<br />

keine Hexerei.<br />

benötigen dazu aber einen Launchpad-Account.<br />

Über den Button Installieren spielen Sie das Paket<br />

hingegen auf den Rechner. Im Anschluss erscheint<br />

ganz unten eine Leiste mit zwei weiteren Schaltflächen<br />

<strong>und</strong> fragt, ob Sie die Software zum Starter<br />

hinzufügen wollen.<br />

Die Suche entdeckt aber nicht alle Programme. Das<br />

Software-Center versteckt Bibliotheken, Entwicklerdateien<br />

<strong>und</strong> Programme ohne GUI vor Ihnen. Um<br />

sie dennoch zu betrachten, klicken Sie auf Technische<br />

Dateien anzeigen ganz unten oder geben den<br />

vollständigen Namen der Software ein.<br />

Das Software-Center bringt aber auch noch das<br />

globale Menü im Panel mit. Hier finden Sie weitere<br />

interessante Einträge. Im Menü Datei <strong>ins</strong>tallieren<br />

Sie gekaufte Software neu, die Sie in der<br />

Kaufabteilung des Software-Centers erstanden<br />

haben (Vorherige Einkäufe erneut <strong>ins</strong>tallieren). Die<br />

Option Zwischen Rechnern abgleichen erlaubt es<br />

Ihnen, Ihre Paketauswahl e<strong>ins</strong> zu e<strong>ins</strong> auf andere<br />

Rechner zu übertragen. Dazu verwendet <strong>Ubuntu</strong><br />

11.10 den integrierten Cloud-Dienst <strong>Ubuntu</strong> One<br />

(Referenz: <strong>Ubuntu</strong> One). Nicht zuletzt richten Sie<br />

über den Eintrag Bearbeiten | Software-Paketquellen<br />

weitere Paketquellen ein.<br />

Was sind Paketquellen?<br />

Über die drei integrierten Paketquellen greifen Sie<br />

auf mehr als 2 000 Programme zu. Vermissen Sie<br />

dennoch eine bestimmte Software, helfen entweder<br />

externe Paketquellen oder die so genannten<br />

PPAs weiter, eine spezielle Form von Paketquellen.<br />

Die Medibuntu-Paketquelle [2] gehört dazu <strong>und</strong><br />

bietet eine Reihe von Multimediaprogrammen an,<br />

die in den Standardquellen fehlen (Referenz: Multimedia).<br />

Das VirtualBox-Projekt [3] liefert über<br />

seine eigene Paketquelle aktuellere Versionen aus<br />

als die Standardquellen von <strong>Ubuntu</strong>. Der große<br />

Vorteil: Die externen Paketquellen lösen zugleich<br />

Abhängigkeitsprobleme. Anstatt – wie in früheren<br />

Zeiten – 15 Pakete einzeln herunterzuladen <strong>und</strong> in<br />

der richtigen Reihenfolge zu <strong>ins</strong>tallieren, spielen<br />

Sie dank der Paketquelle gleich alle abhängigen<br />

Pakete ein.<br />

Bei den PPAs (<strong>Per</strong>sonal Package Archive) handelt<br />

es sich um eine spezielle Variante der externen<br />

Paketquellen, die Sie nur auf <strong>Ubuntu</strong>s kostenloser<br />

Onlineplattform Launchpad vorfinden. Wenn versierte<br />

<strong>Ubuntu</strong>-Anwender <strong>und</strong> ‐Entwickler eigene<br />

Debian-Pakete ihrer Lieblingssoftware basteln,<br />

laden sie diese häufig in ihr persönliches Paketarchiv<br />

auf Launchpad. Über eine Suchfunktion [4]<br />

durchforsten Sie die Plattform nach neueren Versionen<br />

einer Software.<br />

Paketquellen ergänzen<br />

Um beispielsweise die externe Paketquelle des<br />

Medibuntu-Projekts zu ergänzen, die zahlreiche<br />

Multimedia-Codecs mitbringt, klicken Sie auf Bearbeiten<br />

| Software-Paketquellen <strong>und</strong> dann im Reiter<br />

Andere Software auf Hinzufügen. In die folgende<br />

Zeile geben Sie deb http://packages.medibuntu.<br />

org/ oneiric free non‐free ein (Abbildung 4) <strong>und</strong><br />

klicken dann auf Software-Paketquelle hinzufügen.<br />

Das allein genügt aber noch nicht. Die meisten<br />

Paketquellen verwenden einen Schlüssel, um<br />

die Signaturen der Pakete zu überprüfen. Diesen<br />

Schlüssel müssen Sie zusätzlich hinzufügen. Dazu<br />

rufen Sie ein Terminal auf <strong>und</strong> geben<br />

$ sudo apt‐get update<br />

ein. Der Befehl aktualisiert die Liste der verfügbaren<br />

Software für das Software-Center <strong>und</strong> gibt am<br />

Ende eine Fehlermeldung aus. Diese bemängelt<br />

24 UBUNTU<br />

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Paketmanagement<br />

Erste Schritte<br />

eine nicht verifizierte Signatur <strong>und</strong> nennt die dazugehörige<br />

Schlüssel-ID (im Medibuntu-Beispiel<br />

2EBC26B60C5A2783). Tippen Sie nun<br />

$ sudo apt‐key adv ‐‐recv‐keys ‐‐keyserver U<br />

keyserver.ubuntu.com 2EBC26B60C5A2783<br />

in das Terminal, um den Schlüssel zu importieren<br />

(Abbildung 6) <strong>und</strong> geben Sie erneut sudo aptget<br />

update ein. Rufen Sie das Software-Center auf,<br />

erscheint die Medibuntu-Paketquelle unter Alle<br />

Anwendungen (Abbildung 2).<br />

PPAs einbinden<br />

PPAs sind eine spezielle Form von externen Paketquellen.<br />

Häufig stoßen Sie dank der PPA-Suche [4]<br />

in den etwa 6 000 aktiven PPAs auf brandaktuelle<br />

Versionen einer bestimmten Software. Bevor Sie<br />

eine Software aus dem Quellcode kompilieren<br />

(Referenz: Code kompilieren), schauen Sie am<br />

besten nach, ob es ein PPA mit dem fertigen Paket<br />

gibt, was oft der Fall ist.<br />

PPAs binden Sie bei Bedarf auf dieselbe Weise<br />

in den Paketmanager ein, wie externe Paketquellen.<br />

Auf den Webseiten der PPAs (im Beispiel<br />

ein PPA für den Browser Chromium) wählen Sie<br />

aus dem Aufklappmenü Ihre Distribution aus<br />

(Oneiric (11.10)) <strong>und</strong> kopieren den ersten Eintrag<br />

aus der Box (Abbildung 5). Den fügen Sie dann,<br />

wie oben beschrieben, über das Software-Center<br />

in die Paketquellen-Verwaltung ein (Bearbeiten<br />

| Software-Paketquellen | Andere Software) <strong>und</strong><br />

ergänzen den Schlüssel (unter Signing key auf<br />

der Webseite) über die Kommandozeile. Aber das<br />

Ganze geht auch einfacher.<br />

In Abbildung 5 sehen Sie einen fettgedruckten<br />

Text, der mit ppa: beginnt. Kopieren Sie ihn, rufen<br />

Sie über [Strg]+[Alt]+[T] ein Terminal auf <strong>und</strong><br />

geben Sie im Falle des Browsers Chromium diesen<br />

Befehl ein (Abbildung 7):<br />

$ sudo add‐apt‐repository ppa:chromium‐daiU<br />

ly/beta<br />

Nach der Eingabe des Passworts bindet APT (das<br />

Advanced Packaging Tool), das im Hintergr<strong>und</strong> die<br />

Software verwaltet, nicht nur die externe Paketquelle<br />

ein, sondern importiert auch den Schlüssel.<br />

Nach einem Update über sudo apt‐get update ‐qq<br />

(-qq unterdrückt alle Ausgaben) starten Sie das<br />

Software-Center neu – hier sollte die Paketquelle<br />

für Chromium Beta nun auftauchen.<br />

Paketquellen <strong>und</strong> Software<br />

entfernen<br />

Unter dem Eintrag Installiert listet das Software-<br />

Center die verwendeten Paketquellen auf. Hier<br />

entfernen Sie eine <strong>ins</strong>tallierte Software über einen<br />

Klick auf die gleichnamige Schaltfläche. Um eine<br />

ganze Paketquelle zu deaktivieren, wählen Sie<br />

6 Über die Kommandozeile ergänzen Sie den Schlüssel für die hinzugefügte Medibuntu-Paketquelle.<br />

Den Schlüssel entnehmen Sie einer Fehlermeldung beim Updaten der Paketliste.<br />

7 Mit zwei einfachen Befehlen binden Sie ein PPA ein <strong>und</strong> importieren dabei gleich die dazugehörigen<br />

Schlüssel. So greifen Sie auf neue <strong>und</strong> aktuelle Software zu.<br />

diese namentlich aus <strong>und</strong> entfernen die darin enthaltene<br />

Software. Das Repository selbst löschen<br />

Sie dann über Bearbeiten | Software-Paketquellen |<br />

Andere Software. Hier wählen Sie die betroffenen<br />

Zeilen aus <strong>und</strong> klicken auf Entfernen.<br />

Dabei verschont das Software-Center die systemweiten<br />

Konfigurationsdateien, was hilft, wenn Sie<br />

das Paket später wieder benötigen. Sollen auch<br />

diese restlichen Überbleibsel verschwinden, die in<br />

den Ordnern /etc oder /var liegen, entfernen Sie<br />

das Programm über einen Kommandozeilenbefehl<br />

<strong>und</strong> mit Hilfe der Option --purge, wie es der Kasten<br />

Schnelle Quelle zeigt.<br />

Nun gibt es noch die lokalen Konfigurationsdateien.<br />

Meist legen frisch <strong>ins</strong>tallierte Programme<br />

nach dem ersten Start versteckt im Home-Verzeichnis<br />

Dateien ab. Die löschen Sie, um ein Programm<br />

in die Ausgangskonfiguration zu versetzen.<br />

Die obigen Löschbefehle entfernen diese Dateien<br />

nicht restlos. Um etwa Nautilus in der ursprünglichen<br />

Konfiguration zu starten, beseitigen Sie<br />

den versteckten Ordner .nautilus in Ihrem Home-<br />

Verzeichnis manuell. Viele Programme legen noch<br />

weitere Vore<strong>ins</strong>tellungen im Home ab – unterhalb<br />

der Ordner /.config, /.local <strong>und</strong> /.cache, auch diese<br />

sollten Sie prüfen. (kki) ●●●<br />

Glossar<br />

Kompilieren: Mitunter liegt von einer<br />

Software nur der Quellcode vor,<br />

<strong>und</strong> es gibt keine Pakete. Mit den<br />

richtigen Werkzeugen lässt sich der<br />

Quellcode kompilieren <strong>und</strong> in ausführbare<br />

Software verwandeln.<br />

Info<br />

[1] App-Store für Windows 8<br />

geplant: [http:// www. golem.​<br />

de/ 1108/ 85811. html]<br />

[2] Medibuntu-Paketquelle:<br />

[http:// www. medibuntu. org/]<br />

[3] VirtualBox-Projekt:<br />

[http:// www. virtualbox. org/​<br />

wiki/ Linux_Downloads]<br />

[4] PPAs in <strong>Ubuntu</strong>s Plattform<br />

Launchpad:<br />

[https:// launchpad. net/​<br />

ubuntu/ +ppas]<br />

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UBUNTU<br />

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25


Erste Schritte<br />

Proprietäre Programmteile<br />

Multimediakomponenten <strong>und</strong> proprietäre Programme<br />

Multimediale<br />

Gr<strong>und</strong>versorgung<br />

Um Filme zu sehen, Musik zu hören <strong>und</strong> via VoIP mit den Eltern zu telefonieren, müssen Sie unter <strong>Ubuntu</strong><br />

zusätzliche Software <strong>ins</strong>tallieren. Wo Sie die dazu nötigen Komponenten finden, erklärt dieser Artikel.<br />

<br />

Tim Schürmann, Marcel Hilzinger<br />

Referenz<br />

Banshee: Mehr zu Banshee lesen<br />

Sie im Artikel ab Seite 80.<br />

UPnP: Was UPnP ist <strong>und</strong> warum<br />

es auch Sie interessieren könnte,<br />

lesen Sie ab Seite 42 im Heft.<br />

<strong>Ubuntu</strong>s Installer Ubiquity bringt bereits eine<br />

Option mit, um während der Installation gr<strong>und</strong>legende<br />

Multimedia-Codecs von Drittanbietern zu<br />

<strong>ins</strong>tallieren. Damit lassen sich zwar nicht sämtliche<br />

Multimediawünsche erfüllen, dennoch sollten<br />

Sie das Kreuzchen bei Drittanbieter-Software<br />

<strong>ins</strong>tallieren (Abbildung 1) setzen. Als<br />

Resultat spielt die Distribution das<br />

Paket ubuntu-restricted-addons<br />

auf den Rechner, das den legalen<br />

MP3-Codec von Fluendo<br />

ebenso enthält wie<br />

einige Komponenten für<br />

das GStreamer-Framework<br />

(plug<strong>ins</strong>-ugly,<br />

plug<strong>ins</strong>-bad, ffmpeg)<br />

<strong>und</strong> ein freies<br />

Java (icedtea6-<br />

plugin). Den Flash<br />

Player spielt die<br />

Erweiterung aktuell<br />

nicht mehr auf den<br />

Rechner.<br />

Als Folge können Sie<br />

direkt nach der Installation<br />

MP3s abspielen, Audio-<br />

CDs brennen <strong>und</strong> mehr als 90 Filmformate<br />

anschauen. Das <strong>ins</strong>tallierte Paket ist nicht<br />

deckungsgleich mit dem Paket ubuntu-restrictedextras,<br />

das Sie nach der Installation zusätzlich <strong>ins</strong>tallieren.<br />

Es bringt weitere Codecs für GStreamer<br />

mit sowie eine Bibliothek namens Lame, die unter<br />

anderem MP3-Dateien enkodiert <strong>und</strong> die Sie beim<br />

Transkodieren von Audio-CDs benötigen.<br />

GStreamer<br />

Generell spielen unter <strong>Ubuntu</strong> zahlreiche Anwendungen<br />

Musik <strong>und</strong> Filme ab, es gibt aber Standardtools.<br />

So ist Banshee (Abbildung 2) die vor<strong>ins</strong>tallierte<br />

Abspielsoftware für Musik (Referenz:<br />

Banshee). Einer der Vorzüge besteht darin, dass<br />

Sie auch Audio-CDs bequem über die Software in<br />

das Ogg-Vorbis- oder MP3-Format konvertieren.<br />

Videos spielt hingegen Totem standardmäßig ab.<br />

Der sehr reduzierte Player benutzt das GStreamer-<br />

Framework <strong>und</strong> bringt im rechten Reiter ein Aufklappmenü<br />

mit, über das Sie die enormen Videovorräte<br />

von YouTube <strong>und</strong> der BBC anzapfen, aber<br />

auf Wunsch auch UPnP-Ressourcen (Referenz:<br />

UPnP). Wer es komfortabler mag, der <strong>ins</strong>talliert<br />

VLC: Der Player spielt einfach alles ab <strong>und</strong> lässt<br />

sich über zusätzliche Module bequem erweitern.<br />

Letztere finden Sie im Software-Center, wenn Sie<br />

nach vlc‐plugin‐ suchen <strong>und</strong> auf Technische Dateien<br />

anzeigen klicken.<br />

Als Brennprogramm kommt unter <strong>Ubuntu</strong> traditionell<br />

Brasero zum E<strong>ins</strong>atz, das einen integrierten<br />

Cover-Editor mitbringt, aber ansonsten eher Durchschnittliches<br />

leistet. Wollen Sie Blu-Rays brennen,<br />

klappt das unter Linux momentan nur mit dem<br />

kommerziellen Nero für Linux, von dem Sie im Internet<br />

eine Demoversion bekommen [1].<br />

Im Hintergr<strong>und</strong> werkelt wie erwähnt GStreamer,<br />

ein modular aufgebautes Multimedia-Framework.<br />

Es stellt diversen Anwendungen Ton- <strong>und</strong> Bildschnittstellen<br />

zur Verfügung. Dadurch müssen die<br />

einzelnen Programme keine speziellen Codecs unterstützen;<br />

es genügt, wenn sie das Playback über<br />

GStreamer beherrschen. Um etwa MP3-Dateien abzuspielen,<br />

reicht Totem diese an GStreamer weiter.<br />

Die Software kramt im eigenen F<strong>und</strong>us nach einem<br />

Plug-in, das sich um MP3-Formate kümmert.<br />

Mit Hilfe des darin enthaltenen Codecs wandelt<br />

GStreamer die Datei in hörbares Material um, das<br />

Totem umgehend wieder in Empfang nimmt <strong>und</strong><br />

über die Lautsprecher ausgibt (Abbildung 3). Um<br />

Totem <strong>und</strong> Banshee, aber auch dem Videoeditor<br />

Pitivi, neue Dateiformate beizubringen, müssen<br />

Sie oft nur die passenden GStreamer-Plug-<strong>ins</strong><br />

nach<strong>ins</strong>tallieren.<br />

Gefährliche Liebschaften<br />

Zwar decken Sie mit den eingeschränkten Extras<br />

einen Großteil aller Multimediaformate ab,<br />

doch verschlüsselte DVDs können Sie so nicht<br />

anschauen – das betrifft praktisch alle kommer-<br />

26 UBUNTU<br />

01/2012<br />

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Proprietäre Programmteile<br />

Erste Schritte<br />

1 Bereits während der Installation weisen Sie <strong>Ubuntu</strong> an, die wichtigsten<br />

Multimediakomponenten auf den Rechner zu spielen.<br />

2 Aktivieren Sie die Multimediaunterstützung nach der Installation, spielt<br />

Banshee MP3s ab <strong>und</strong> verwandelt Musik-CDs in das MP3-Format.<br />

ziellen DVDs. Die zum Umgehen des Content<br />

Scrambling Systems (CSS) benötigte libdvdcss2 fällt<br />

in vielen Ländern (darunter auch Deutschland) in<br />

eine rechtliche Grauzone. Ihr E<strong>ins</strong>atz ist verboten,<br />

da sie den CSS-Abspielschutz aushebelt <strong>und</strong> somit<br />

theoretisch einen wirksamen Kopierschutzmechanismus<br />

umgeht. Möchten Sie in Deutschland DVDs<br />

legal abspielen, helfen Ihnen zwei kommerzielle<br />

Linux-Programme beim DVD-Playback: LinDVD<br />

aus dem Hause Corel [2] <strong>und</strong> der DVD-Player von<br />

Fluendo [3], dessen Entwickler auch an GStreamer<br />

arbeiten. Letztere Lösung finden Sie gewöhnlich<br />

auch in der Paketquelle Zum Kauf.<br />

Leser in anderen Ländern, in denen eine abweichende<br />

Rechtssprechung gilt, finden die Bibliothek<br />

zusammen mit anderen Codecs <strong>und</strong> dem MPlayer<br />

in der Medibuntu-Paketquelle (siehe Kasten Medibuntu).<br />

DVDs, die neuartige Kopierschutzmechanismen<br />

wie Arccos, Puppetlock oder Ripguard nutzen,<br />

lassen sich unter <strong>Ubuntu</strong> zur Zeit entweder<br />

gar nicht oder nur mit Aufwand ansehen.<br />

Partner- <strong>und</strong> Kaufquellen<br />

Beliebte proprietäre Anwendungen wie Skype<br />

oder den Flash Player von Adobe bietet <strong>Ubuntu</strong><br />

nicht über die Standardpaketquellen an, weil diese<br />

Programme die Kriterien nicht erfüllen. Sie sind<br />

zwar kostenlos, stehen aber gewöhnlich unter<br />

proprietären Lizenzen <strong>und</strong> bringen zudem keinen<br />

offenen Quellcode mit.<br />

Diese häufig nachgefragten Anwendungen von<br />

Drittanbietern finden Sie im Repository Canonical-<br />

Partner unter Alle Anwendungen. Um diese Software<br />

zu <strong>ins</strong>tallieren, klicken Sie auf ihren Namen<br />

<strong>und</strong> dann auf die Schaltfläche Weitere Informationen.<br />

Über Diese Paketquelle verwenden aktivieren<br />

Sie das Partner-Repository.<br />

Das Paketquelle mit der Beschriftung Zum Kauf<br />

existiert nur in <strong>Ubuntu</strong> <strong>und</strong> enthält Software, die<br />

Sie direkt aus dem Software-Center heraus käuflich<br />

erwerben – unter anderem finden Sie darin<br />

auch diese Zeitschrift sowie ihr englischsprachiges<br />

Pendant. Die Entwickler schalten die Inhalte der<br />

Quelle immer erst zum Release-Termin frei. Klicken<br />

Sie auf eine Software <strong>und</strong> wählen Sie Weitere<br />

Informationen, erscheint links der Preis <strong>und</strong> rechts<br />

die Schaltfläche Kaufen. Die Kontaktaufnahme<br />

zum Bezahlservice erfolgt in einem Extrafenster.<br />

Sie melden sich beim <strong>Ubuntu</strong>-One-Dienst an <strong>und</strong><br />

zahlen dann einfach per Kreditkarte (Referenz:<br />

<strong>Ubuntu</strong> One). Neben einem offiziellen DVD-<br />

Player von Fluendo warten dort auch die Spiele<br />

Family Farm, Oil Rush <strong>und</strong> eine Trial-Version von<br />

CrossOver Office, mit dem verschiedene Windows-<br />

Referenz<br />

Paketmanagement: Wie Sie Medibuntu<br />

einbinden <strong>und</strong> den passenden<br />

Schlüssel importieren, verrät<br />

im Detail der Artikel ab Seite 22.<br />

<strong>Ubuntu</strong> One: Der Cloud-Dienst von<br />

<strong>Ubuntu</strong> heißt <strong>Ubuntu</strong> One; wir stellen<br />

ihn ab Seite 58 vor.<br />

Glossar<br />

Proprietäre Anwendungen: Es handelt<br />

sich dabei um Software, von<br />

der die Anbieter keinen Quellcode<br />

frei zur Verfügung stellen.<br />

Medibuntu<br />

Einige exotische Dateiformate aus der Windows-Welt<br />

sowie proprietäre Programme stehen nur in zusätzlichen<br />

Paketquellen bereit. Eine der meistbenutzten ist das<br />

Medibuntu-Repository [4]. Es bringt MPlayer, MEncoder,<br />

Schriftarten für Adobes PDF-Reader Acroread, die<br />

erwähnte Libdvdcss sowie weitere Multimedia-Codecs<br />

mit, die im Paket non-free-codecs stecken. Der Eintrag<br />

für das Medibuntu-Repository lautet unter <strong>Ubuntu</strong> 11.10:<br />

deb http://​packages.medibuntu.org/​ oneiric free nonfree.<br />

Vergessen Sie nicht, auch den Schlüssel zur Paketquelle<br />

zu importieren (Referenz: Paketmanagement)!<br />

Lautsprecher<br />

Totem<br />

Gstreamer<br />

MP3-Plugin<br />

MP3<br />

Mp3<br />

MP3-Datei<br />

[Gstreamer-Plug<strong>ins</strong>]<br />

GSTREAMER<br />

3 Totem setzt auf einen modularen Aufbau <strong>und</strong> lernt über Plug-<strong>ins</strong> neue Codecs kennen.<br />

www.ubuntu-user.de 01/2012<br />

UBUNTU<br />

user<br />

27


Erste Schritte<br />

Proprietäre Programmteile<br />

ohnehin gerade in den Sternen. Microsoft hat die<br />

Software gekauft <strong>und</strong> dürfte wenig Interesse daran<br />

haben, sie für Linux-Benutzer auf dem neuesten<br />

Stand zu halten. Und noch ein Tipp: Empfangen<br />

Sie kein Bild von der Webcam, starten Sie Skype<br />

auf 32-Bit-Systemen über diesen Befehl:<br />

LD_PRELOAD=/usr/lib/libv4l/v4l1compat.so U<br />

skype<br />

Auf 64-Bit-Systemen heißt das Kommando:<br />

LD_PRELOAD=/usr/lib64/libv4l/v4l1compat.so U<br />

skype<br />

4 Das proprietäre Google-Earth-Paket laden Sie von der Webseite herunter <strong>und</strong> <strong>ins</strong>tallieren es<br />

über einen Doppelklick. Damit es läuft, müssen Sie die 3-D-Unterstützung aktivieren.<br />

Referenz<br />

Wine: Auf der <strong>Ubuntu</strong>-<strong>User</strong>-Webseite<br />

finden Sie nicht nur Artikel<br />

dazu, wie Sie verschiedene Spiele<br />

mit Hilfe von Wine unter <strong>Ubuntu</strong><br />

<strong>ins</strong>tallieren, sondern finden auch<br />

einen freien Artikel zu Wine: [http://​<br />

ubuntu-user.de/​20260]<br />

Info<br />

[1] Nero für Linux: [http://www.<br />

nero.com/deu/linux4.html]<br />

[2] Informationen zu LinDVD:<br />

[https:// www. pseudonym.​<br />

org/ software1/ lindvd. html]<br />

[3] Kommerzielle GStreamer-<br />

Plug-<strong>ins</strong>:<br />

[http:// www. fluendo. com/]<br />

[4] Medibuntu-Homepage:<br />

[http:// www. medibuntu. org/]<br />

[5] Google-Video-Plug-in:<br />

[http:// www. google. com/​<br />

chat/ video]<br />

[6] Google Earth:<br />

[http:// www. google. de/ intl/​<br />

de/ earth/ index. html]<br />

[7] Fehler melden:<br />

[http:// wiki. ubuntuusers. de/​<br />

fehler_melden]<br />

Anwendungen (Outlook, MS Office) <strong>und</strong> ‐Spiele<br />

(World of Warcraft, StarCraft II, Civilization V)<br />

auch unter Linux laufen. Es basiert auf Wine, einer<br />

freien Software, die Sie ebenfalls im Software-<br />

Center finden – ganz umsonst.<br />

Adobes Produkte<br />

Adobes Flash Player 10 <strong>ins</strong>tallieren Sie über das<br />

Partner-Repository von Canonical. Dabei handelt<br />

es sich um eine von Canonical offiziell unterstützte<br />

Flash-Player-Variante. Spielen Sie hingegen<br />

das Paket flashplugin-<strong>ins</strong>taller (Adobe Flash-<br />

Erweiterung) auf den Rechner, lädt dieses jeweils<br />

die neueste Flash-Version von Adobes Webseite<br />

herunter <strong>und</strong> <strong>ins</strong>talliert diese. Meist sind beide<br />

Versionen identisch, aber im Zweifelsfall ist die<br />

Variante im Partner-Repository besser an <strong>Ubuntu</strong><br />

angepasst. Probieren Sie diese also, wenn Sie Probleme<br />

mit dem Flash-Plug-in haben.<br />

Ebenfalls aus dem Partner-Repository holen Sie<br />

Adobes PDF-Reader. Den brauchen Sie eigentlich<br />

nur, wenn <strong>Ubuntu</strong>s eingebauter PDF-Betrachter<br />

Evince versagt. Das passiert nur sehr selten <strong>und</strong><br />

dann bei PDF-Dateien, die 3-D-Inhalte oder sehr<br />

komplexe Grafiken mit mehreren Ebenen mitbringen.<br />

Als wir diesen Artikel verfassten, fehlte die<br />

Software allerdings noch im Software-Center.<br />

Skype<br />

Auch die neue Version von Skype steckt jetzt in<br />

der Paketquelle Canonical-Partner. Bei der derzeit<br />

angebotenen Version 2.2 handelt es sich um eine<br />

Betaversion, die neben Videotelefonie auch Desktop-Sharing<br />

unterstützt. Dabei lassen Sie Ihren Gesprächspartner<br />

einen Blick auf Ihren Desktop werfen,<br />

was Kooperationen über das Internet vereinfacht.<br />

Erfahrungsgemäß bleibt die Bildqualität von<br />

Skype für Linux allerdings deutlich hinter der von<br />

Windows zurück. Kein W<strong>und</strong>er, bringt das doch<br />

mittlerweile einen Client in der Version 5.6 mit.<br />

Wie es mit Skype unter Linux weitergeht, steht<br />

Als Alternative zu Skype können Sie Googles<br />

Video-Plug-in testen, das es mittlerweile auch für<br />

Linux gibt [5].<br />

Google Earth<br />

Auch Fre<strong>und</strong>e von Google Earth kommen unter<br />

<strong>Ubuntu</strong> 11.10 auf ihre Kosten. Von [6] laden Sie<br />

das entsprechende Debian-Paket für Ihre Architektur<br />

herunter. Dann rufen Sie das Software-Center<br />

auf <strong>und</strong> <strong>ins</strong>tallieren das Paket lsb-core. <strong>Per</strong> Doppelklick<br />

auf das Google-Earth-Paket spielen Sie dieses<br />

auf den Rechner, was eine Weile dauert. Achten<br />

Sie darauf, genug freien Speicherplatz zu reservieren.<br />

Sie starten Google Earth über [Windows] <strong>und</strong><br />

Eingabe von goog (Abbildung 4). Seien Sie aber<br />

gewarnt: Ohne eine vernünftige 3-D-Beschleunigung<br />

macht Google Earth keinen Spaß.<br />

Suns Java<br />

Um Java-Anwendungen zu verwenden, benötigen<br />

Sie eine Java-Laufzeitumgebung (Java Runtime<br />

Environment, kurz JRE). <strong>Ubuntu</strong> <strong>ins</strong>talliert die<br />

OpenJDK-Variante IcedTea 6, mit der einige Java-<br />

Programme in der Vergangenheit Probleme hatten.<br />

Diese ließen sich bisher mit der proprietären Java-<br />

Variante von Sun (Paket sun-java) lösen, die es<br />

im Partner-Repository von Canonical gab. Oracle<br />

verteilt sein proprietäres Java aber seit Neuestem<br />

unter einer anderen Lizenz. Das unter <strong>Ubuntu</strong><br />

11.10 eingesetzte OpenJDK 7 gilt aber als offizielle<br />

Java-Referenz <strong>und</strong> sollte mit den meisten Java-<br />

Programmen klarkommen. Läuft eine Java-Anwendung<br />

doch einmal nicht, verfassen Sie am besten<br />

einen Bug-Report <strong>und</strong> folgen dazu den Schritten<br />

im <strong>Ubuntu</strong>users-Wiki [7].<br />

Wer suchet, der findet<br />

Viele proprietäre Anwendungen <strong>und</strong> Multimedia-<br />

Codecs <strong>ins</strong>tallieren Sie aus den vorhandenen<br />

Paketquellen. Zahlreiche proprietäre Windows-<br />

Programme laufen zudem in der Windows-kompatiblen<br />

Laufzeitumgebung Wine. (Referenz: Wine).<br />

Davon abgesehen lohnt sich aber eine Suche im<br />

Software-Center, denn für fast jedes Anwendungsgebiet<br />

existieren freie Alternativen. (kki) ●●●<br />

28 UBUNTU<br />

01/2012<br />

www.ubuntu-user.de<br />

user


Intro<br />

Schwerpunkt<br />

Mobile <strong>und</strong> klassische <strong>Netz</strong>werke<br />

Ab <strong>ins</strong> <strong>Netz</strong><br />

Khz, Fotolia.com<br />

Die Protagonisten unseres aktuellen Schwerpunkts<br />

sind <strong>Netz</strong>werke. Wir zeigen, wie Sie Probleme<br />

im <strong>Netz</strong>werk aufspüren <strong>und</strong> welche Tricks<br />

es für SSH gibt. Daneben schauen wir auch auf die<br />

drahtlosen Artgenossen, die über <strong>Tethering</strong>, UPnP<br />

oder <strong>UMTS</strong> kommunizieren.<br />

<strong>Tethering</strong> <strong>und</strong> MiFi<br />

Es ist nicht so, dass Kabelverbindungen inzwischen<br />

völlig out sind, aber im Alltag verlassen<br />

sich die meisten Zeitgenossen <strong>und</strong> <strong>Ubuntu</strong>-Nutzer<br />

inzwischen immer häufiger auf drahtlose <strong>Netz</strong>werke.<br />

Das liegt auch daran, dass die Access<br />

Points, die bisher friedlich in der Stube standen,<br />

zunehmen mobil werden. Daher gibt es heute<br />

mehrere Wege, um unterwegs im Internet zu surfen,<br />

die der Artikel zum Thema „<strong>Tethering</strong>“ zeigt.<br />

Er erklärt auch, wie Sie Ihr Smartphone in einen<br />

Access Point verwandeln <strong>und</strong> was ein MiFi ist.<br />

<strong>UMTS</strong>-Sticks<br />

Nach diesem Ausflug in die Gegenwart geht es<br />

fast ein wenig historisch zu, wenn wir einmal<br />

mehr den guten alten <strong>UMTS</strong>-Stick unter die Lupe<br />

nehmen. In diesem Bereich hat sich seit unserem<br />

letzten <strong>UMTS</strong>-Test einiges getan. Das Einrichten<br />

der von uns getesteten <strong>UMTS</strong>-Sticks bietet ein<br />

hübsches Beispiel dafür, dass sich <strong>Ubuntu</strong> heute<br />

einfacher bedienen lässt als früher <strong>und</strong> dass die<br />

Entwickler Prozesse permanent verbessern. Zugleich<br />

erinnert ein Bug daran, dass es noch etwas<br />

Zeit braucht, bevor <strong>Ubuntu</strong> die Weltherrschaft an<br />

sich reißt – für Spannung <strong>und</strong> Drama ist gesorgt.<br />

UPnP, DLNA <strong>und</strong> Co.<br />

Natürlich darf auch die Unterhaltung nicht fehlen.<br />

Viele Multimediageräte, etwa Smartphones, Internetradios<br />

<strong>und</strong> <strong>Per</strong>sonal Video Recorder, bieten<br />

Ihnen inzwischen an, Musik <strong>und</strong> Filme von UPnP-<br />

Ressourcen zu streamen. Das erspart wertvolle<br />

Kopierzeit. Was UPnP ist, wie solche <strong>Netz</strong>werke<br />

zustande kommen <strong>und</strong> wie gut sie funktionieren,<br />

deckt dieser Artikel auf. Wir zeigen zudem, welche<br />

Clients es für <strong>Ubuntu</strong> gibt <strong>und</strong> mit welchen<br />

Programmen Sie die eigene Musiksammlung <strong>ins</strong><br />

lokale <strong>Netz</strong>werk streamen. Das läuft bisher alles<br />

andere als einheitlich, <strong>und</strong> oft bilden sich interessante<br />

Client/​Server-Konstellationen.<br />

SSH-Tricks<br />

Und wie in einem guten Roman, dürfen auch in<br />

einem ausgewogenen Schwerpunkt Überraschungen<br />

nicht fehlen, was uns zum SSH-Artikel bringt.<br />

Ehemaligen Windows-Nutzern erschließen sich die<br />

Vorteile von SSH vermutlich erst allmählich. Wir<br />

stellen einige Tricks vor, die SSH schnell zu Ihrem<br />

liebsten Werkzeug machen. Laufen bestimmte<br />

Dienste nur im <strong>Netz</strong>werk der Firma? Kein Problem<br />

– mit SSH leiten Sie diese an den häuslichen<br />

Rechner weiter. Oder Sie rufen Programme mitsamt<br />

ihrer grafischen Oberfläche auf, wenn diese<br />

auf entfernten Rechnern laufen.<br />

<strong>Netz</strong>werktools<br />

Funktioniert das <strong>Netz</strong>werk doch einmal nicht so,<br />

wie Sie wollen, hilft auch unter <strong>Ubuntu</strong> oft nur die<br />

Kommandozeile weiter. Wir stellen einige wichtige<br />

Tools vor, die Sie kennen sollten, wenn Sie<br />

Probleme im <strong>Netz</strong>werk analysieren <strong>und</strong> beheben.<br />

Mit ihrer Hilfe erfahren Sie zum Beispiel, ob die<br />

Namensauflösung via DNS-Server funktioniert, ob<br />

die voreingestellten Routen passen <strong>und</strong> wie Sie die<br />

<strong>Netz</strong>werkschnittstellen überwachen. Mit Traceroute<br />

verfolgen Sie zudem Pakete auf ihrem Weg durchs<br />

Internet. Am Ende lösen Sie mit diesen Tools hoffentlich<br />

den Knoten im <strong>Netz</strong>. (kki) ●●●<br />

Das <strong>Netz</strong>werk steht<br />

diesmal im Fokus des<br />

<strong>Ubuntu</strong> <strong>User</strong>. Wir zeigen,<br />

wie Sie das Internet mobil<br />

nutzen, stellen aber<br />

auch hilfreiche traditionelle<br />

(Analyse-)Werkzeuge<br />

vor. Kristian Kißling<br />

Inhalt Schwerpunkt<br />

<strong>Netz</strong>werktools 30<br />

SSH‐Tricks 36<br />

UPnP 42<br />

<strong>UMTS</strong> 50<br />

<strong>Tethering</strong> 54<br />

www.ubuntu-user.de<br />

01/2012<br />

UBUNTU<br />

user<br />

29


Schwerpunkt<br />

<strong>Netz</strong>werktools<br />

<strong>Netz</strong>werkverbindungen konfigurieren <strong>und</strong> debuggen<br />

Pflegeset fürs<br />

<strong>Netz</strong>werk<br />

LNM<br />

Die Linux-Kommandozeile<br />

hält einen Satz leistungsfähiger<br />

Werkzeuge<br />

bereit, mit denen Sie<br />

Fehlern in der <strong>Netz</strong>werkkonfiguration<br />

oder im<br />

<strong>Netz</strong> selbst schnell auf<br />

die Spur kommen.<br />

James Mohr,<br />

Joe „Zonker“ Brockmeier<br />

Referenz<br />

<strong>Netz</strong>werkgr<strong>und</strong>lagen: Einen freien<br />

<strong>Ubuntu</strong>-<strong>User</strong>-Artikel zu diesem<br />

Thema finden Sie unter [http://​<br />

ubuntu‐user. de/ 22957].<br />

Linux – <strong>und</strong> andere Systeme auf Unix-Basis –<br />

bieten meist mehrere Möglichkeiten, ein Problem<br />

zu lösen. Das verwirrt neue Anwender gelegentlich,<br />

gehört aber zu den typischen Merkmalen der<br />

Open-Source-Welt. <strong>Netz</strong>werktools bildet da keine<br />

Ausnahme: Der Artikel stellt nützliche Programme<br />

vor, mit denen Sie <strong>Netz</strong>werkverbindungen konfigurieren<br />

<strong>und</strong> verwalten, aber auch Fehler suchen<br />

<strong>und</strong> beheben. Das setzt voraus, dass Sie ein paar<br />

Kenntnisse von TCP/​IP-<strong>Netz</strong>werkkonzepten wie<br />

Adressierung, Namensauflösung <strong>und</strong> Routing mitbringen<br />

(Referenz: <strong>Netz</strong>werkgr<strong>und</strong>lagen).<br />

Schnittstellen<br />

Der Befehl ifconfig (Abbildung 1) gilt als Standardtool<br />

für die Konfiguration von <strong>Netz</strong>werkschnittstellen.<br />

Auf neueren Linux-Systemen, zu denen <strong>Ubuntu</strong><br />

gehört, finden Sie zusätzlich den Befehl ip, hinter<br />

dem sich nicht bloß eine Neuauflage von ifconfig<br />

verbirgt, sondern das Zugpferd einer neuen Generation<br />

von <strong>Netz</strong>werkprogrammen.<br />

Das kleine Werkzeug integriert nicht nur die<br />

Funktionen diverser älterer Tools, sondern bietet<br />

auch eine einheitliche Syntax an. Im Kontrast dazu<br />

stehen die im Paket net-tools bereitgestellten Werkzeuge,<br />

zu denen auch ifconfig zählt. Es handelt<br />

sich um eine breite<br />

Palette eigenständiger<br />

Hilfsprogramme<br />

aus unterschiedlichen<br />

Quellen <strong>und</strong><br />

mit verschiedenen<br />

Bedienweisen (arp,<br />

route, iptunnel etc.)<br />

Das ip-Tool gehört<br />

hingegen zum Paket<br />

iproute, dessen<br />

Werkzeuge alle<br />

ähnlich funktionieren.<br />

Das ist gut: So<br />

müssen Sie keine<br />

unterschiedlichen<br />

1 Das kleine Tool „ifconfig“ gehört noch immer zu den Standardwerkzeugen<br />

bei der <strong>Netz</strong>werkanalyse.<br />

Befehle für diverse Werkzeuge erlernen <strong>und</strong> konfigurieren<br />

Ihr <strong>Netz</strong>werk effizienter. Sie müssen sich<br />

auch nicht merken, welches Werkzeug Sie gerade<br />

für welche Funktion benötigen, da ip die Fähigkeiten<br />

von ifconfig, route <strong>und</strong> arp bündelt. Ein Aufruf<br />

von ip sieht üblicherweise so aus:<br />

$ sudo ip {OPTIONEN} {OBJEKT} {KOMMANDO}<br />

Das {OBJEKT} ersetzen Sie wahlweise durch<br />

Einträge für <strong>Netz</strong>werkschnittstellen (link), IP-<br />

Adressen (addr), Routen (route) usw. Neben<br />

den oben genannten unterstützt ip noch weitere<br />

Objekte, die der Befehl man ip anzeigt. Beim link-<br />

Objekt handelt es sich – wie eben erwähnt – um<br />

ein (physikalisches oder virtuelles) <strong>Netz</strong>werkgerät.<br />

Weitere Details zu diesem verrät der Befehl<br />

aus Listing 1.<br />

In den meisten Fällen liefert das {KOMMANDO}<br />

show die gr<strong>und</strong>legenden Informationen über das<br />

von Ihnen angegebene {OBJEKT} zurück. Geben<br />

Sie kein explizites Objekt an, präsentiert show Informationen<br />

zu allen gef<strong>und</strong>enen Objekten. Zum<br />

Beispiel liefert ip addr show Details zu den Adressen<br />

aller <strong>Netz</strong>werkschnittstellen. Alternativ verwenden<br />

Sie list statt show, was besser passt.<br />

In Listing 1 tritt das Kommando show als Befehl<br />

im Befehl auf <strong>und</strong> bringt die zwei Argumente dev<br />

eth0 mit, die auf die Ethernet-Karte verweisen. Das<br />

Beispiel zeigt auch, dass die Befehlsketten von ip<br />

meist komplexer ausfallen als beim Pendant ifconfig,<br />

wo derselbe Befehl kurz ifconfig eth0 lautet.<br />

Möchten Sie eine virtuelle Schnittstelle eth0:1 hinzufügen,<br />

sieht der entsprechende Befehl so aus:<br />

$ sudo ip addr add 192.168.1.42 dev eth0:1<br />

Hier dienen die Parameter 192.168.1.42 dev eth0:1<br />

als Argumente für das Kommando add, das im<br />

Beispiel der <strong>Netz</strong>werkkarte dev eth0:1 die IP-<br />

Adresse 192.168.1.42 zuweist. Den Befehl müssen<br />

Sie mit Rechten des Systemverwalters ausführen.<br />

30 UBUNTU<br />

01/2012<br />

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user


<strong>Netz</strong>werktools<br />

Schwerpunkt<br />

Den ip-Befehl verwenden Sie auch zum Aktivieren<br />

<strong>und</strong> Deaktivieren von Schnittstellen:<br />

$ sudo ip link set up dev eth1<br />

Hier kommt das Kommando set (mit dem Parameter<br />

up) zum E<strong>ins</strong>atz. Die Befehle set <strong>und</strong> view<br />

gehören zum oben erwähnten Objekt link. Als<br />

Alternative bietet sich das Shell-Skript ifup an,<br />

welches vom System beim Hochfahren aufgerufen<br />

wird (aus der Datei /etc/​init.d/​network heraus),<br />

um die <strong>Netz</strong>werkschnittstellen zu aktivieren. Daneben<br />

gibt es auch den Befehl ifdown, bei dem es<br />

sich um einen symbolischen Link auf ifup handelt.<br />

Routing<br />

Geben Sie ip route (oder ip route show) ein, erscheint<br />

eine Liste mit den vorkonfigurierten Routen,<br />

denen Ihre Daten folgen. Die Ausgabe dieses Befehls<br />

wirkt informativer als die von route, weil sie<br />

auch die IP-Adresse des eigenen Rechners anzeigt<br />

(src 192.168.111.123). Einen direkten Vergleich der<br />

Ausgaben beider Tools zeigt Listing 2.<br />

Vermutlich kommen Sie eher selten in die Verlegenheit,<br />

eine eigene Route anlegen zu müssen,<br />

etwa, wenn Sie VPN nutzen, mehrere <strong>Netz</strong>werkkarten<br />

in einem Rechner verwenden oder wenn<br />

Sie Ihre <strong>Netz</strong>werke bewusst trennen (eines für<br />

WLAN, eines für Ethernet). Traditionell definieren<br />

<strong>und</strong> verwalten Sie feste Routen über den Befehl<br />

route. Mit ip route steht dann auch eine modernere<br />

Alternative des Befehls bereit. Bevor Sie eine neue<br />

Listing 1<br />

$ ip addr show dev eth0<br />

2: eth0: <br />

mtu 1500 qdisc pfifo_fast qlen 1000<br />

link/ether 00:19:d1:a1:3e:b9 brd<br />

ff:ff:ff:ff:ff:ff inet 192.168.1.203/24<br />

brd 192.168.1.255 scope global eth0 inet6<br />

fe80::219:d1ff:fea1:3eb9/64 scope link<br />

valid_lft forever preferred_lft forever<br />

Listing 2<br />

$ route<br />

Kernel‐IP‐Routentabelle<br />

Ziel Router Genmask Flags Metric Ref Use Iface<br />

192.168.111.0 * 255.255.255.0 U 1 0 0 eth0<br />

link‐local * 255.255.0.0 U 1000 0 0 eth0<br />

default 192.168.111.254 0.0.0.0 UG 0 0 0 eth0<br />

$ ip route<br />

192.168.111.0/24 dev eth0 proto kernel<br />

scope link src 192.168.111.123 metric 1<br />

169.254.0.0/16 dev eth0 scope link metric<br />

1000<br />

default via 192.168.111.254 dev eth0 proto<br />

static<br />

Route hinzufügen, müssen Sie eine vorhandene<br />

Route zunächst löschen:<br />

$ sudo route delete default gw U<br />

192.168.111.254<br />

$ sudo ip route delete default<br />

Das Hinzufügen einer Route sieht bei den beiden<br />

Tools wie folgt aus:<br />

$ sudo route add ‐net 192.168.42.0/24 gw U<br />

192.168.1.99<br />

$ sudo ip route add 192.168.42.0/24 via U<br />

192.168.1.99<br />

Sie fügen also eine Route zu einem separaten<br />

<strong>Netz</strong>werk hinzu, wobei der Weg über ein bestimmtes<br />

Gateway (192.168.1.99) führt. Das<br />

Schema kennen Sie bereits vom Hinzufügen von<br />

IP-Adressen. Beachten Sie, dass beide Befehle<br />

die Route für einen Bereich von IP-Adressen<br />

(192.168.42.0/​24 – im CIDR-Format) ergänzen<br />

<strong>und</strong> dieser Route eine konkrete Routeradresse<br />

zuordnen. Das erledigen wahlweise das Argument<br />

gw (engl. „gateway“) im klassischen route-Befehl<br />

oder das intuitivere via des ip-Befehls.<br />

Namen <strong>und</strong> Zahlen<br />

Das Address Resolution Protocol (ARP) ermittelt<br />

die physikalische Hardwareadresse, die zur IP-<br />

Adresse eines Rechners gehört. Ursprünglich nutzte<br />

<strong>und</strong> verwaltete arp die gleichnamigen Tabellen.<br />

Auch hierfür stellt ip einen Ersatz bereit. Das Objekt<br />

heißt hier neigh (engl.:„neighbor“, „Nachbar“).<br />

Beispiele für die Ausgabe der zwei Befehle zeigt<br />

Listing 3. In beiden Fällen enthält die Ausgabe die<br />

IP-Adresse des Gateways (192.168.1.111), die Link-<br />

Layer-Adresse (00:30:05:0c:0b:23) sowie das physikalische<br />

Gerät (eth0), das den Rechner mit dem<br />

Gateway verbindet.<br />

Benutzer bauen die Verbindung zu einem entfernten<br />

Rechner eher über den Hostnamen als über<br />

die IP-Adresse auf. Computer müssen aber die<br />

IP-Adresse verwenden <strong>und</strong> wandeln den Namen<br />

dazu über das Domain Name System (DNS) in<br />

Zahlen zurück. Ob das Umwandeln von Namen<br />

<strong>und</strong> Adressen klappt, prüfen Sie entweder mit dem<br />

Tool nslookup oder mit host (Abbildung 2).<br />

Beide Programme gehören zum Paket bind-utils.<br />

Der Befehl nslookup kennt dabei – verglichen mit<br />

host – mehr Schalter <strong>und</strong> weist eine umfangreichere<br />

Ausgabe auf.<br />

Fehler beheben<br />

Haben Sie einmal eine Route definiert, überzeugen<br />

Sie sich zuerst davon, ob die Pakete die entfernten<br />

Hosts tatsächlich erreichen. Dazu verwenden Sie<br />

das Werkzeug ping <strong>und</strong> geben dabei als Argument<br />

entweder den Hostnamen oder die IP-Adresse des<br />

Gateways an (Listing 4).<br />

!<br />

Listing 3<br />

$ arp 192.168.111.254<br />

Adresse Hardware‐Typ<br />

Hardware‐Adresse Optionen<br />

Maske Schnittstelle<br />

192.168.111.254 ether<br />

00:30:05:0c:0b:23 C eth0<br />

$ ip neigh show<br />

192.168.111.254<br />

192.168.111.254 dev eth0<br />

lladdr 00:30:05:0c:0b:23<br />

REACHABLE<br />

Glossar<br />

CIDR: Classless Inter-Domain Routing<br />

[1]; ein Verfahren zur effizienteren<br />

Nutzung des IP-Adressraums<br />

<strong>und</strong> zur Reduzierung der Größe von<br />

Routing-Tabellen.<br />

Tipp<br />

Der Befehl ip erlaubt es, die Namen<br />

der Objekte abzukürzen. Meist<br />

genügt der erste Buchstabe des<br />

Objektbezeichners, etwa ip l für ip<br />

link oder ip a für ip addr. Beachten<br />

Sie jedoch, dass es Objekte mit<br />

denselben Anfangsbuchstaben<br />

gibt, etwa address <strong>und</strong> addrlabel.<br />

Sie können Abkürzungen auch für<br />

Kommandos verwenden, z. B. ersetzen<br />

Sie ip addr show dev eth0<br />

durch ip a s eth0.<br />

www.ubuntu-user.de 01/2012<br />

UBUNTU<br />

user<br />

31


Schwerpunkt<br />

<strong>Netz</strong>werktools<br />

2 Mit Hilfe der Befehle „host“ <strong>und</strong> „nslookup“ suchen Sie nach den<br />

passenden Namen zu einer IP-Adresse.<br />

3 Mit Tracerroute verfolgen Sie die Route eines Datenpakets durch das Internet.<br />

Allerdings antworten nicht alle Server auf dem Weg auf Ihre Anfrage.<br />

Glossar<br />

Time-to-live: Eingebaute „Lebenszeit“<br />

eines IP-Pakets, kurz TTL; ein<br />

Paket wird verworfen, wenn es nach<br />

spätestens 255 Sek<strong>und</strong>en sein Ziel<br />

noch nicht erreicht hat.<br />

Maximum Hops: Die maximal erlaubte<br />

Anzahl von IP-Adressen<br />

(Gateways), die ein Paket auf seinem<br />

Weg zur Ziel-IP durchlaufen<br />

darf; unter <strong>Ubuntu</strong> sind das 30.<br />

Info<br />

[1] Classless Inter-Domain Routing:<br />

[http:// de. wikipedia.​<br />

org/ wiki/ Classless_Inter‐Domain_Routing]<br />

Listing 4<br />

$ ping ‐c4 192.168.1.111<br />

PING 192.168.1.111 (192.168.1.111)<br />

56(84) bytes of data.<br />

64 bytes from 192.168.1.111: icmp_seq=1<br />

ttl=128 time=0.309 ms<br />

64 bytes from 192.168.1.111: icmp_seq=2<br />

ttl=128 time=0.361 ms<br />

64 bytes from 192.168.1.111: icmp_seq=3<br />

ttl=128 time=0.316 ms<br />

64 bytes from 192.168.1.111: icmp_seq=4<br />

ttl=128 time=0.318 ms<br />

‐‐‐ 192.168.1.111 ping statistics ‐‐‐<br />

4 packets transmitted, 4 received, 0%<br />

packet loss, time 2998ms<br />

rtt min/avg/max/mdev =<br />

0.309/0.326/0.361/0.020 ms<br />

Die Option -c (engl. „count“, „zählen“) begrenzt<br />

die Anzahl der übermittelten Pakete auf vier.<br />

Ohne diese E<strong>ins</strong>chränkung sendet ping fortlaufend<br />

Testpakete, bis Sie das Programm über [Strg]+[C]<br />

gewaltsam beenden. In der Ausgabe sehen Sie einen<br />

Bericht für jedes Paket mit den Informationen<br />

über den Erfolg der Verbindungsaufnahme <strong>und</strong> die<br />

entsprechenden Antwortzeiten.<br />

Spuren verfolgen<br />

Um die Route der Pakete bis zum Ziel zu überprüfen,<br />

verwenden Sie entweder das traditionelle<br />

traceroute oder das neuere Hilfsprogramm tracepath,<br />

das zum Paket iputils-tracepath gehört.<br />

Obwohl es sich bei Traceroute um das ältere<br />

Programm handelt, kennt es mehr Optionen als<br />

Tracepath. Letzteres nimmt als Parameter im Prinzip<br />

nur ein Ziel (Adresse oder Hostname) sowie<br />

eine Port-Nummer entgegen. Ansonsten geben Sie<br />

lediglich über -l die Paketlänge an <strong>und</strong> schalten<br />

mittels -n die Namensauflösung aus. Traceroute<br />

kennt hingegen r<strong>und</strong> ein Dutzend Parameter von<br />

Time-to-live-Werten über Maximum Hops bis hin<br />

zum Typ der Schnittstelle.<br />

Erscheint Ihnen die Route der Pakete ineffizient<br />

oder überraschend, erfahren Sie über route oder<br />

ip route mehr. Beachten Sie jedoch, dass Sie nur<br />

die Route der lokalen Maschine sehen<br />

– eventuell liegt das Problem ganz<br />

woanders.<br />

Es kommt vor, dass Router explizit<br />

keine Rückmeldung geben. Von Tracepath<br />

erhalten Sie in diesem Fall keine<br />

Ausgabe. Das bedeutet aber nicht,<br />

dass mit dem Ziel keine Verbindung<br />

möglich wäre (was Sie wiederum mit<br />

ping prüfen). Es heißt lediglich, dass<br />

der dazwischen liegende Router die<br />

Anfragen von Tracepath oder Traceroute<br />

ignoriert (Abbildung 3).<br />

Als weiteres Tool für die Fehlersuche<br />

dient netstat. Es gibt Informationen<br />

über Verbindungen sowie Routing-<br />

Tabellen <strong>und</strong> umfangreiche Statistiken<br />

für Schnittstellen aus. Hier lässt sich<br />

zudem das neuere Tool ss erwähnen,<br />

das im Paket iproute steckt <strong>und</strong> sich<br />

auf Sockets <strong>und</strong> Verbindungen konzentriert (Listing<br />

5). Weitere Informationen entnehmen Sie der<br />

Hilfeseite von ss.<br />

Letzter Schliff<br />

Klappt der Ping auf ein entferntes Ziel, dürfen Sie<br />

davon ausgehen, dass das <strong>Netz</strong>werk richtig funktioniert<br />

(oder zumindest so gut, dass die verschickten<br />

Pakete ihren Bestimmungsort erreichen). Um<br />

jedoch sicher zu gehen, dass wirklich alles passt,<br />

versuchen Sie, den entfernten Rechner sowohl über<br />

den Hostnamen als auch über die IP-Adresse zu<br />

erreichen. Reagiert die Maschine lediglich auf Anfragen,<br />

die sich direkt an ihre IP-Adresse richten,<br />

liegt das Problem höchstwahrscheinlich im DNS-<br />

Bereich, bei der Umwandlung der Nummern in<br />

einen Namen. Dasselbe gilt für den umgekehrten<br />

Fall: Der Eintrag für den Host verweist dann auf<br />

eine falsche IP-Adresse.<br />

Können Sie weder über den Hostnamen noch über<br />

die IP-Adresse Kontakt zu einem entfernten Rechner<br />

herstellen, fangen Sie mit der Fehlersuche am<br />

besten beim lokalen Rechner an <strong>und</strong> arbeiten sich<br />

dann Schritt für Schritt nach außen vor. Die erste<br />

Frage lautet zum Beispiel, ob Sie TCP/​IP auf dem<br />

lokalen System richtig konfiguriert haben, was Sie<br />

mit ip addr testen.<br />

Ein Ping an den Router stellt sicher, dass Ihre<br />

<strong>Netz</strong>werkkarte in Kontakt mit diesem steht. Trifft<br />

das zu, pingen Sie eine öffentliche IP-Adresse an,<br />

um festzustellen, ob der Router die Pakete weiterleitet.<br />

Wissen Sie noch immer nicht, wo das<br />

Problem liegen könnte, führen Sie Traceroute oder<br />

Tracepath womöglich auf die Spur der verlorenen<br />

Pakete. (agr/​jlu/​kki) ●●●<br />

Listing 5<br />

$ ss ‐r<br />

State Recv‐Q Send‐Q Local Address:Port Peer<br />

Address:Port<br />

ESTAB 0 0 192.168.1.105:57633 hydra.<br />

ntm‐gmbh.de:ssh<br />

ESTAB 0 0 192.168.1.105:50981 grape.<br />

canonical.com:https<br />

ESTAB 0 8 192.168.1.105:40217 defendo.<br />

local:24800<br />

32 UBUNTU<br />

01/2012<br />

www.ubuntu-user.de<br />

user


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Service<br />

DVD-Inhalt<br />

<strong>Ubuntu</strong> 11.10 für 32- <strong>und</strong> 64-Bit-Rechner<br />

Freiheit mit System<br />

Was ist <strong>Ubuntu</strong>, wieso kostet es nichts, <strong>und</strong> welche<br />

Programme gehören dazu? Diese <strong>und</strong> weitere Fragen<br />

klären wir bei der Vorstellung der Heft-DVD.<br />

<br />

Kristian Kißling<br />

DVD booten<br />

Die Heft-DVD bringt <strong>Ubuntu</strong> 11.10<br />

für zwei Architekturen mit. Um die<br />

Variante für 32-Bit-Rechner zu booten,<br />

legen Sie die DVD vor dem<br />

E<strong>ins</strong>chalten des Computers so in<br />

das Laufwerk, dass Sie das 64-Bit-<br />

Label anschauen. Analog verfahren<br />

Sie mit der 64-Bit-Version.<br />

Referenz<br />

Paketmanagement: Wie <strong>Ubuntu</strong>s<br />

„App Store“ funktioniert, lesen Sie<br />

ab Seite 22 ff.<br />

Spielen unter <strong>Ubuntu</strong>: Auf Seite 86<br />

finden Sie eine Tabelle von Spielen,<br />

die laut unseren Tests mit Wine unter<br />

<strong>Ubuntu</strong> laufen.<br />

Installation: Hilfe beim Installieren<br />

finden Sie im Artikel ab Seite 16.<br />

Im Heft finden Sie eine beidseitig beschriebene<br />

DVD, die <strong>Ubuntu</strong> 11.10 in den 32- <strong>und</strong> 64-Bit-Versionen<br />

enthält. Wir erklären hier kurz, was<br />

<strong>Ubuntu</strong> ist, was Sie auf der DVD erwartet <strong>und</strong> wie<br />

Sie diese starten (siehe Kasten DVD booten).<br />

Was ist <strong>Ubuntu</strong>?<br />

<strong>Ubuntu</strong> ist eine so genannte Linux-Distribution,<br />

ein Betriebssystem auf Linux-Basis. Der Distributor<br />

ist die Firma Canonical, die ihren Hauptsitz<br />

auf der Isle of Man hat <strong>und</strong> etwa 350 Mitarbeiter<br />

beschäftigt. Zugleich arbeiten weltweit Tausende<br />

von freiwilligen Helfern an den Anwendungen,<br />

die <strong>Ubuntu</strong> mitbringt. Es handelt sich vorwiegend<br />

um freie Software, deren Lizenzen es erlauben, sie<br />

beliebig weiterzuentwickeln <strong>und</strong> zu kopieren – Sie<br />

kennen vermutlich den Browser Firefox oder das<br />

Officepaket LibreOffice (vormals OpenOffice). Eine<br />

wichtige Bedingung für den E<strong>ins</strong>atz von freier Software<br />

besteht – grob vereinfacht – darin, dass der<br />

Quellcode allen Interessierten frei zur Verfügung<br />

gestellt werden muss. Linux heißt eigentlich nur<br />

der Kern dieses Betriebssystems – der so genannte<br />

Linux-Kernel.<br />

Mit Linux allein können Sie noch nicht viel anfangen.<br />

Der Kernel kümmert sich im Wesentlichen<br />

um die Hardware. Canonical <strong>und</strong> die <strong>Ubuntu</strong>-Entwickler<br />

kombinieren nun diesen Kernel mit einem<br />

Desktop (Unity) sowie mit zahlreichen Programmen,<br />

mit denen Sie <strong>ins</strong> Internet gelangen, Briefe<br />

schreiben, Musik <strong>und</strong> Videos abspielen, Software<br />

verwalten u. v. m. Diese Programme passen die<br />

Entwickler so an, dass sie optimal mit dem Desktop<br />

zusammenarbeiten (Abbildung 1).<br />

Zwischen Kernel <strong>und</strong> Desktop gibt es noch eine<br />

Schicht aus Systemprogrammen, die beide Komponenten<br />

miteinander verbinden. Das Gesamtpaket<br />

ist dann die vorliegende <strong>Ubuntu</strong>-Distribution.<br />

Diese steht allen Interessierten frei zur Verfügung,<br />

<strong>und</strong> sie lässt sich über das Internet herunterladen<br />

[1]. Das wird sich aufgr<strong>und</strong> der freien Lizenzen<br />

auch zukünftig nicht ändern – verspricht jedenfalls<br />

der Gründer von <strong>Ubuntu</strong> <strong>und</strong> Chef von Canonical,<br />

Mark Shuttleworth. Für die Nutzer ist <strong>Ubuntu</strong><br />

eines der am einfachsten zu bedienenden Linux-<br />

Derivate mit einer enorm hilfsbereiten Community<br />

im Internet [2].<br />

Alles an Bord<br />

Welche Programme erwarten Sie nun auf der DVD?<br />

Es gibt fast alles, was Sie im Alltag brauchen – <strong>und</strong><br />

noch wesentlich mehr Programme obendrauf. Die<br />

DVD-Version bringt klassischerweise etwas mehr<br />

Software mit, als die CD-Version – aktuell sind das<br />

1,5 GByte Daten. Auf die <strong>Ubuntu</strong>-CD quetschen<br />

die Entwickler nur die notwendigsten <strong>Ubuntu</strong>-<br />

Anwendungen. Dennoch ist auch die Softwareauswahl<br />

auf der DVD nur die Spitze des Eisbergs. Der<br />

riesige unsichtbare Rest versteckt sich im Software-<br />

Center, der Softwareverwaltung von <strong>Ubuntu</strong> (Referenz:<br />

Paketmanagement). Aber welche Software<br />

erhalten Sie direkt nach der Installation?<br />

<strong>Ubuntu</strong> <strong>ins</strong>tallieren<br />

Haben Sie Fragen zur Installation von <strong>Ubuntu</strong>, schauen<br />

Sie am besten in den relevanten Installationsartikel im<br />

Heft (Referenz: Installation). Er erklärt die notwendigen<br />

Schritte, um <strong>Ubuntu</strong> 11.10 zu <strong>ins</strong>tallieren. Das integrierte<br />

Live-System bietet die Möglichkeit, die Distribution<br />

auch ohne Installation zu testen.<br />

34 UBUNTU<br />

01/2012<br />

www.ubuntu-user.de<br />

user


DVD-Inhalt<br />

Service<br />

In LibreOffice steckt eine komplette Bürosuite<br />

mitsamt Textverarbeitung, Tabellenkalkulation,<br />

Datenbankanwendung <strong>und</strong> Zeichenprogramm<br />

(LibreOffice Draw). Mit ihr rufen Sie auch unter<br />

MS Office erstellte Dateien auf.<br />

Fotos bearbeiten Sie unter Linux traditionell mit<br />

Gimp, das zahlreiche Effekte anbietet <strong>und</strong> auch<br />

das klassische Ebenenmodell verwendet. Als Fotobetrachter<br />

dient Shotwell; die Software verfügt<br />

über ein eigenes Tagging-System <strong>und</strong> hilft Ihnen<br />

dabei, Fotos optimal zu verwalten. Auch ein paar<br />

rudimentäre Werkzeuge zum Bearbeiten von Fotos<br />

bietet Shotwell (rote Augen entfernen etc.).<br />

Wollen Sie <strong>ins</strong> Internet, steht Firefox 7 als Browser<br />

bereit. Zugleich finden Sie im Software-Center<br />

auch einige Erweiterungen für den Browser – darunter<br />

das berühmt-berüchtigte Flash-Plug-in.<br />

Im neuen <strong>Ubuntu</strong> holt nicht mehr Evolution die<br />

E-Mails ab; diesen Job erledigt nun Th<strong>und</strong>erbird<br />

7. Fans von Kurznachrichten kommen mit Gwibber<br />

auf ihre Kosten. Die Software lässt Sie Tweets<br />

abschicken <strong>und</strong> empfangen, dabei dürfen Sie<br />

sowohl Twitter selbst als auch Identi.ca verwenden.<br />

An weitere Kommunikationskanäle schließt<br />

Sie Empathy an: Über die Anwendung nutzen Sie<br />

den Internet Relay Chat (IRC), Instant-Messenger-<br />

Dienste wie ICQ, MSN <strong>und</strong> Google Talk, aber auch<br />

Facebook <strong>und</strong> MySpace (Abbildung 2).<br />

Mit Transmission bringt <strong>Ubuntu</strong> einen ausgefeilten<br />

P2P-Client mit, über den Sie schnell Software<br />

<strong>und</strong> andere Daten herunterladen. Nicht zuletzt<br />

nutzen Sie mit Banshee <strong>und</strong> Totem die integrierten<br />

Audio- <strong>und</strong> Videoplayer <strong>und</strong> brennen mit Brasero<br />

CDs, DVDs, aber auch ISO-Abbilddateien. Wollen<br />

Sie <strong>Ubuntu</strong> übrigens über ein ISO-Image auf einen<br />

USB-Stick kopieren, hilft der Startmedienersteller,<br />

den Sie aus einem Terminal heraus starten.<br />

Und noch viel mehr<br />

Neben diesen vor<strong>ins</strong>tallierten Programmen finden<br />

Sie noch weitere interessante Anwendungen im<br />

Paketmanager. Stehen Sie anfangs etwas überwältigt<br />

vor diesem Berg von Software, hilft das Software-Center<br />

selbst bei der Orientierung: Sie stoßen<br />

darin auf empfohlene <strong>und</strong> neue Programme sowie<br />

Ranglisten mit der beliebtesten Software (Abbildung<br />

3). So helfen Ihnen andere Nutzer dabei,<br />

die vorhandene Software einzuordnen.<br />

Da wir in der Redaktion ständig über Software berichten,<br />

stolpern wir immer wieder über tolle freie<br />

Programme. Dazu gehört zum Beispiel Stellarium:<br />

Die Software zeigt den sichtbaren Sternenhimmel<br />

in Echtzeit – mitsamt Sternbildern <strong>und</strong> Echtzeit-<br />

Bewegungen von Satelliten. VirtualBox simuliert<br />

einen Computer im Computer: Über die Software<br />

lassen Sie fremde Betriebssysteme unter <strong>Ubuntu</strong><br />

laufen – neben Linux-Varianten auch die handelsüblichen<br />

Windows-Versionen. Sie können diese<br />

virtuellen Betriebssystem in beliebigen Momenten<br />

einfrieren <strong>und</strong> damit experimentieren; so machen<br />

1 <strong>Ubuntu</strong>s Entwickler kombinieren die Software aus diversen freien Projekten zu einem Betriebssystem,<br />

das einen Desktop <strong>und</strong> zahllose Anwendungen mitbringt.<br />

2 <strong>Ubuntu</strong>s Messenger Empathy unterstützt eine Reihe von Chat- <strong>und</strong> Instant-Messaging-Protokollen,<br />

aber auch Facebook <strong>und</strong> MySpace.<br />

Sie z. B. fehlgeschlagene Updates rückgängig, sperren<br />

einen Server in eine virtuelle Umgebung ein<br />

oder testen neue Software oder Linux-Distributionen.<br />

Wine geht in eine ähnliche Richtung: Es fängt<br />

Windows-Aufrufe ab <strong>und</strong> biegt sie für Linux um.<br />

Auf diese Weise führt es zahlreiche Windows-Spiele<br />

<strong>und</strong> -Programme auch unter Linux aus – wenn sie<br />

dort oft auch mehr Systemressourcen verbrauchen<br />

(Referenz: Spielen unter <strong>Ubuntu</strong>)<br />

Sie stoßen im Software-Center<br />

auch<br />

auf proprietäre Programme,<br />

von denen Sie<br />

sicher einige kennen<br />

(Google Earth, Skype,<br />

Adobe Flash Player<br />

oder Picasa). Die hier<br />

beschriebene Software<br />

zeigt jedoch nur einen<br />

Bruchteil der verfügbaren<br />

Programme:<br />

Starten Sie <strong>Ubuntu</strong> also<br />

<strong>und</strong> machen Sie sich<br />

am besten selbst ein<br />

Bild. (kki) ●●● ausführlich beschreibt.<br />

Infos<br />

[1] <strong>Ubuntu</strong>-Distribution:<br />

[http:// www. ubuntu. com/]<br />

[2] <strong>Ubuntu</strong>-Community im <strong>Netz</strong>:<br />

[http:// www. ubuntuusers. de/]<br />

3 Unter der beliebtesten Software findet sich auch eine Anwendung,<br />

welche die Elemente im <strong>Per</strong>iodensystem der Elemente<br />

www.ubuntu-user.de 01/2012<br />

UBUNTU<br />

user<br />

35


Schwerpunkt<br />

SSH<br />

Tipps <strong>und</strong> Tricks zu SSH<br />

Ivan Mikhaylov, 123RF<br />

Muschelspiele<br />

Den meisten Administratoren<br />

ist SSH ein Begriff.<br />

Doch neben dem Zugriff<br />

auf die entfernte Shell<br />

hält das Programm zahlreiche<br />

weitere Funktionen<br />

bereit.<br />

<br />

Florian Effenberger<br />

Bekannt geworden ist die Secure Shell, kurz<br />

SSH, als sicherer – weil verschlüsselter – Nachfolger<br />

von RSH <strong>und</strong> Telnet. Was Sie vielleicht<br />

nicht wissen: Das Tool erlaubt es Ihnen nicht nur,<br />

sich auf fremden Rechnern anzumelden <strong>und</strong> dort<br />

eine Shell zu verwenden. Es beherrscht auch verschlüsselte<br />

Datentransfers, bietet eine Anmeldung<br />

über eine Schlüsseldatei an <strong>und</strong> eignet sich sogar<br />

zur Port-Weiterleitung <strong>und</strong> als SOCKS-Proxy, um<br />

<strong>Netz</strong>werkrestriktionen zu umgehen. Wir zeigen einige<br />

Tricks, mit denen Sie SSH effizienter nutzen.<br />

Wir müssen draußen bleiben<br />

SSH stellt die Verbindung zwischen Client <strong>und</strong><br />

Server gewöhnlich über den TCP-Port 22 her. Aus<br />

Sicherheitsgründen filtern viele Distributionen<br />

diesen Port, damit Außenstehende nicht unberechtigt<br />

auf Ihren SSH-Server zugreifen <strong>und</strong> das<br />

Passwort erraten oder knacken. <strong>Ubuntu</strong> aktiviert<br />

die integrierte Firewall UFW hingegen nur auf Ihr<br />

Geheiß. Hier genügt es also, den SSH-Server über<br />

das Paket openssh-server zu <strong>ins</strong>tallieren; der Client<br />

ist ohnehin vor<strong>ins</strong>talliert.<br />

In Reih <strong>und</strong> Glied<br />

Normalerweise geben Sie beim Herstellen einer<br />

SSH-Verbindung den Benutzernamen <strong>und</strong> den<br />

Namen des Zielservers an (etwa ssh redaktion@<br />

ubuntu‐user.de). Etwas Tipparbeit ersparen Sie sich<br />

indes, wenn Ihr Benutzername mit dem auf dem<br />

Zielsystem übere<strong>ins</strong>timmt. Dann geben Sie nur<br />

den Namen (oder die IP-Adresse) des Rechners an<br />

(z. B. ssh ubuntu‐user.de). Den Benutzer redaktion<br />

<strong>und</strong> die Domainnamen ubuntu-user.de sowie ich@<br />

homelinux.de verwenden wir im Artikel nur als<br />

Beispiele. Sie ersetzen diese Platzhalter durch Ihre<br />

Server-IP <strong>und</strong> den dortigen Benutzernamen.<br />

Erkennungsdienstliche<br />

Behandlung<br />

Bei der Installation des Pakets openssh-server<br />

generiert der Installer automatisch einen Host<br />

Key. Dabei handelt es sich um einen öffentlichen<br />

Schlüssel, der den Rechner eindeutig identifiziert<br />

<strong>und</strong> der im Verzeichnis /etc/​ssh landet. Zu diesem<br />

Schlüssel gehört auch ein Fingerprint, den Sie am<br />

besten nach der Installation notieren. Tippen Sie<br />

dazu folgende Befehle in ein Terminal ein:<br />

$ ssh‐keygen ‐lf /etc/ssh/ssh_host_dsa_key.U<br />

pub<br />

$ ssh‐keygen ‐lf /etc/ssh/ssh_host_rsa_key.U<br />

pub<br />

1 Hat sich bei einem Zielrechner, auf dem ein SSH-Server läuft, die IP-Adresse geändert, lösen<br />

Sie auf diese Weise die alte Schlüssel/​IP-Zuordnung auf.<br />

Die beiden Kommandos zeigen jeweils einen Fingerabdruck<br />

des öffentlichen Schlüssels an – einmal<br />

in seiner DSA- (ssh_host_dsa_key.pub), einmal<br />

in der RSA-Variante (ssh_host_rsa_key.pub).<br />

36 UBUNTU<br />

01/2012<br />

www.ubuntu-user.de<br />

user


SSH<br />

Schwerpunkt<br />

Stellen Sie von Ihrem Rechner (den wir im Folgenden<br />

„Client“ nennen) eine Verbindung zu einer<br />

Maschine her, auf der ein SSH-Server läuft, dient<br />

der Fingerabdruck zur Echtheitsprüfung:<br />

The authenticity of host 'ubuntu‐user.de U<br />

(80.237.227.154)' can‘t be established.<br />

RSA key fingerprint is a3:0b:83:1d:6c:e6:93U<br />

:b3:43:fb:34:5e:cf:8f:f2:46.<br />

Are you sure you want to continue U<br />

connecting (yes/no)?<br />

Geben Sie yes ein, speichert der Rechner den<br />

Fingerabdruck mitsamt Hostname <strong>und</strong> IP-Adresse<br />

verschlüsselt in der Datei known_hosts. Diese liegt<br />

im versteckten Ordner .ssh in Ihrem Home-Verzeichnis<br />

– in dem Ordner dürfen nur Sie Dateien<br />

lesen <strong>und</strong> schreiben. Bei künftigen Anmeldeversuchen<br />

erscheint die Abfrage nicht mehr, solange<br />

der Fingerabdruck noch stimmt. Leiten Dritte die<br />

Verbindung um, weil sie an Ihr Kennwort gelangen<br />

wollen, verweigert SSH nicht nur die Verbindung,<br />

sondern warnt Sie zugleich.<br />

Nicht selten ändert sich der Fingerabdruck jedoch<br />

auf legitime Weise, weil zum Beispiel der SSH-Server<br />

neu <strong>ins</strong>talliert wurde. Das schon bekannte Tool<br />

ssh-keygen hilft Ihnen dabei, die alte Zuordnung<br />

von Schlüssel <strong>und</strong> Hostname sowie IP-Adresse zu<br />

löschen (Abbildung 1):<br />

$ ssh‐keygen ‐R 80.237.227.154<br />

$ ssh‐keygen ‐R ubuntu‐user.de<br />

Bei der nächsten Verbindung bittet SSH darum,<br />

dass Sie den Fingerabdruck erneut bestätigen.<br />

Schlüssel zum Glück<br />

Standardmäßig benötigen Sie einen Benutzernamen<br />

<strong>und</strong> ein Kennwort, um sich auf einem<br />

SSH-Server anzumelden. Trotz verschlüsselter<br />

Verbindung gilt das Anmelden via Passwort als unsicher<br />

– oft lässt es sich erraten, oder ein simpler<br />

Keylogger protokolliert Ihre Tastatureingaben mit.<br />

Ein Plus an Sicherheit bietet daher das Anmelden<br />

über eine Schlüsseldatei. Dabei erstellen Sie ein<br />

Schlüsselpaar, das aus einem privaten Schlüssel<br />

zur Identifikation <strong>und</strong> einem öffentlichen Schlüssel<br />

als Gegenstück für den Server besteht. Ein potenzieller<br />

Angreifer muss dann gleich zwei Hürden<br />

überwinden: Neben Ihrem Kennwort benötigt er<br />

auch den privaten Schlüssel.<br />

Geben Sie auf dem Client den folgenden Befehl in<br />

ein Terminalfenster ein, um das Schlüsselpaar zu<br />

erzeugen:<br />

$ ssh‐keygen ‐t rsa ‐f ~/.ssh/sshkey<br />

Ein Assistent hilft Ihnen dabei (Abbildung 2). Der<br />

öffentliche Schlüssel (auch Public Key genannt)<br />

landet im Ordner ~/​.ssh/​sshkey.pub, den privaten<br />

2 Ein Schlüssel für den SSH-Austausch über Schlüsseldateien ist schnell generiert.<br />

speichert ssh-keygen als ~/​.ssh/​sshkey. Zusätzlich<br />

fragt Sie der Assistent nach einer Passphrase, mit<br />

der er den privaten Schlüssel auf dem Client verschlüsselt.<br />

Nur diese Passphrase gibt den Schlüssel<br />

beim Anmelden auf dem SSH-Server frei, aktualisieren<br />

Sie sie regelmäßig:<br />

$ ssh‐keygen ‐p ‐f ~/.ssh/sshkey<br />

Um das Schlüsselpaar nun auch auf dem Server<br />

zu aktivieren, melden Sie sich wie gewohnt dort<br />

an. Wenn es nicht ohnehin existiert, erzeugen Sie<br />

ein Konfigurationsverzeichnis für SSH, dessen Zugriffsrechte<br />

Sie auf den Benutzer beschränken:<br />

$ mkdir ~/.ssh<br />

$ chmod 700 ~/.ssh<br />

In das Verzeichnis kopieren Sie über scp (dazu<br />

später mehr) den eben auf dem Client erzeugten<br />

öffentlichen Schlüssel in das Verzeichnis /home/​<br />

redaktion/​.ssh auf dem entfernten Server:<br />

$ scp ~/.ssh/sshkey.pub redaktion@U<br />

ubuntu‐user.de:/home/redaktion/.ssh<br />

Nun erstellen Sie im Verzeichnis /home/​redaktion/​<br />

.ssh auf dem Server eine Datei namens authorized_keys,<br />

in die Sie den kompletten Inhalt der<br />

Datei mit dem öffentlichen Schlüssel kopieren.<br />

$ ssh redaktion@ubuntu‐user.de "cd /home/U<br />

redaktion/.ssh;cat sshkey.pub >> authorizU<br />

ed_keys"<br />

Dazu melden Sie sich zunächst per SSH an (ssh<br />

redaktion@ubuntu-user.de) <strong>und</strong> führen dann die<br />

zwei Befehle aus, die in den Anführungszeichen<br />

stehen. Sie wechseln <strong>ins</strong> Verzeichnis ~/​.ssh (über<br />

cd /home/​redaktion/​.ssh) <strong>und</strong> übertragen dort den<br />

Inhalt der Schlüsseldatei sshkey.pub in die Datei authorized_keys<br />

(cat sshkey.pub >> authorized_keys).<br />

Glossar<br />

RSH: Remote Shell, erlaubt es unter<br />

Unix, auf einem entfernten Rechner<br />

eine Shell zu benutzen. Dabei wandern<br />

die Daten unverschlüsselt über<br />

das <strong>Netz</strong>werk. SSH gilt als abgesicherter<br />

Nachfolger von RSH.<br />

Telnet: TCP-basiertes Client/​Server-<br />

Protokoll, um auf entfernte Rechner<br />

zuzugreifen <strong>und</strong> diese über textbasierte<br />

Eingaben zu bedienen. SSH<br />

löst auch dieses unsichere Protokoll<br />

mittlerweile ab.<br />

SOCKS-Proxy: SOCKS steht für<br />

Sockets. Proxy-Server, die das<br />

SOCKS-Protokoll verwenden, erlauben<br />

das Umgehen einer Firewall.<br />

Ein Client meldet sich nicht direkt<br />

bei einem externen Server an, sondern<br />

wendet sich an den SOCKS-<br />

Server. Der prüft, ob der Client den<br />

Server kontaktieren darf <strong>und</strong> leitet<br />

die Anfrage dann weiter.<br />

Fingerprint: Der digitale Fingerabdruck<br />

ist eine vergleichsweise kurze<br />

Zeichenfrequenz, die stellvertretend<br />

für den sehr langen öffentlichen<br />

Schlüssel steht <strong>und</strong> dessen Authentifizierung<br />

erlaubt.<br />

RSA: Kryptografischer Algorithmus,<br />

benannt nach den Erfindern<br />

Rivest, Shamir <strong>und</strong> Adleman. Kann<br />

Daten sowohl signieren als auch<br />

verschlüsseln.<br />

DSA: Der Digital Signature Algorithm<br />

wurde von einer amerikanischen<br />

Standardisierungsbehörde<br />

entwickelt <strong>und</strong> dient dem Signieren<br />

von Daten <strong>und</strong> dem Prüfen von Signaturen,<br />

nicht dem Verschlüsseln.<br />

www.ubuntu-user.de 01/2012<br />

UBUNTU<br />

user<br />

37


Schwerpunkt<br />

SSH<br />

3 Der SSH-Agent behält den privaten Schlüssel im Speicher.<br />

So müssen Sie beim Anmelden auf dem Server nicht jedes Mal<br />

das Passwort angeben.<br />

4 Im Gnome-Dateimanager Nautilus richten Sie die SSH-Verbindung<br />

einfach über einen Serverdialog ein.<br />

!<br />

Tipp<br />

Nutzen Sie unter <strong>Ubuntu</strong> die integrierte<br />

Firewall UFW, erlauben Sie<br />

beliebige SSH-Zugriffe von außen,<br />

wenn Sie in ein Terminal sudo ufw<br />

allow 22/tcp eintippen. Sicherer<br />

ist es jedoch, wenn Sie nur Verbindungen<br />

aus dem internen <strong>Netz</strong>werk<br />

zulassen: sudo ufw allow proto<br />

tcp from 192.168.0.0/16 to any<br />

port 22.<br />

Der Autor<br />

Florian Effenberger engagiert<br />

sich seit vielen Jahren ehrenamtlich<br />

für freie Software. Er ist<br />

Gründungsmitglied <strong>und</strong> Mitglied<br />

des Steering Committee der Document<br />

Fo<strong>und</strong>ation. Zuvor war<br />

er fast sieben Jahre im Projekt<br />

OpenOffice.org aktiv, zuletzt als<br />

Marketing Project Lead. Zudem<br />

schreibt er regelmäßig für zahlreiche<br />

deutsch- <strong>und</strong> englischsprachige<br />

Fachpublikationen.<br />

Im letzten Schritt bewegen<br />

Sie den Client beim<br />

Anmelden mit Hilfe der<br />

Option -i dazu, dem Server<br />

seinen privaten Schlüssel<br />

zu präsentieren. Der dazu<br />

nötige Befehl lautet:<br />

$ ssh ‐i ~/.ssh/sshkey U<br />

redaktion@ubuntu‐user.de<br />

Geheimagent<br />

Das Anmelden per Schlüssel<br />

ist nicht nur sicherer,<br />

sondern auch komfortabler.<br />

Müssen Sie beim<br />

normalen Anmelden jedes<br />

Mal das Kennwort eingeben,<br />

greift Ihnen nun der<br />

SSH-Agent unter die Arme,<br />

der zu den mit SSH ausgelieferten<br />

Werkzeugen gehört.<br />

Er hält den privaten<br />

Schlüssel im Speicher <strong>und</strong><br />

stellt ihn automatisch zur<br />

Verfügung, wenn Sie ihn<br />

brauchen. In der Standardkonfiguration<br />

müssen Sie<br />

dann lediglich einmal pro<br />

Sitzung das nötige Kennwort<br />

eingeben (Abbildung<br />

3). Alle weiteren Verbindungen, die denselben<br />

Schlüssel nutzen, fragen nicht erneut nach. Lassen<br />

Sie beim Erzeugen des RSA-Schlüssels die Passphrase<br />

weg, melden Sie sich stets ohne Passworteingabe<br />

an (was jedoch unsicherer ist).<br />

Stille Post<br />

Auf Wunsch stellt der SSH-Agent aber nicht nur<br />

dem lokalen SSH-Client die Schlüssel zur Verfügung,<br />

sondern auch einem entfernten Server. Das<br />

hilft, wenn Sie Verbindungen über mehrere Geräte<br />

hinweg aufbauen<br />

wollen. Ein Beispiel:<br />

Auf Ihrem<br />

heimischen Router,<br />

den die Welt über<br />

eine öffentliche IP-<br />

Adresse erreicht,<br />

läuft ein SSH-<br />

Server, auf dem Sie<br />

sich via Schlüssel<br />

anmelden. Am<br />

Router hängen wiederum<br />

Server, die<br />

das Anmelden per<br />

Schlüssel erlauben.<br />

Um sich mit diesen<br />

zu verbinden, müssen<br />

Sie theoretisch<br />

zuerst mit Ihrem lokalen Schlüssel eine Verbindung<br />

zum Router aufbauen. Von dort melden Sie<br />

sich dann schließlich mit einem im Router gespeicherten<br />

Schlüssel beim Server an.<br />

Dieser Weg ist nicht nur unsicher, sondern – wie<br />

Sie schnell merken – auch unpraktisch. Aus diesem<br />

Gr<strong>und</strong> reicht der lokale SSH-Agent die Authentifizierung<br />

einfach durch (über das Argument<br />

-A für Agent Forwarding):<br />

$ ssh ‐i ~/.ssh/sshkey ‐A redaktion@U<br />

ubuntu‐user.de<br />

Mit anderen Worten: Der Router greift auf Ihren<br />

lokal gespeicherten Schlüssel zu, um sich bei den<br />

dahinter stehenden Servern anzumelden. Sie müssen<br />

das Passwort also nicht auf dem Router speichern.<br />

Das Ganze funktioniert sogar über mehrere<br />

Server hinweg.<br />

Viele Wege führen nach<br />

Rom<br />

SSH eignet sich aber auch hervorragend zur sicheren<br />

Dateiübertragung. Passwörter <strong>und</strong> Dateiinhalte<br />

verschlüsselt es dabei automatisch. Unter anderem<br />

bietet Nautilus – der Dateimanager von Gnome –<br />

eine direkte Serveranbindung mittels SSH/SFTP.<br />

Wählen Sie dazu in Nautilus den Punkt Datei |<br />

Mit Server verbinden. In der Dialogbox wählen Sie<br />

SSH als Typ, geben oben einen Server an <strong>und</strong> in<br />

den unteren Zeilen einen Benutzername <strong>und</strong> ein<br />

Passwort (Abbildung 4). Der Klick auf Verbinden<br />

öffnet ein Dateifenster <strong>und</strong> zeigt die entfernten<br />

Verzeichnisse an.<br />

Doch auch für die Kommandozeile gibt es nützliche<br />

Helfer. Prominenter Vertreter ist das schon<br />

erwähnte kleine Programm scp, das – ähnlich wie<br />

sein Pendant cp – Dateien kopiert. Angenommen,<br />

Sie wollen als Benutzer redaktion unter Verwendung<br />

des Schlüssels eine Verbindung zum Server<br />

ubuntu-user.de aufbauen. Dann wollen Sie die Datei<br />

examples.desktop aus Ihrem Home-Verzeichnis<br />

5 Über „sshfs“ hängen Sie entfernte Ordner in Ihren lokalen Verzeichnisbaum ein.<br />

38 UBUNTU<br />

01/2012<br />

www.ubuntu-user.de<br />

user


SSH<br />

Schwerpunkt<br />

auf den entfernten Rechner in das Verzeichnis /home/​alle kopieren.<br />

Dazu geben Sie einfach das folgende Kommando ein:<br />

$ scp ‐i ~/.ssh/sshkey ~/examples.desktop redaktion@U<br />

ubuntu‐user.de:/home/alle<br />

Mögen Sie es interaktiver, greifen Sie zu SFTP, einem FTPähnlichen<br />

Protokoll, das auf SSH basiert <strong>und</strong> bei dem das S im<br />

Namen für „sicher“ (engl. „secure“) steht. Über<br />

$ sftp ‐i ~/.ssh/sshkey redaktion@ubuntu‐user.de<br />

öffnen Sie eine interaktive Shell, die Befehle wie get, put, cd,<br />

lcd versteht. Weitere Informationen erhalten Sie, wenn Sie help<br />

eingeben. Am besten kopieren Sie Dateien aber über Nautilus<br />

oder den FTP-Client FileZilla [1].<br />

Für die dauerhafte Arbeit eignet sich auch sshfs. Es hängt Ordner,<br />

die Sie üblicherweise nur per SSH erreichen, über einen<br />

eigenen Einhängepunkt in Ihren lokalen Verzeichnisbaum ein.<br />

Unter <strong>Ubuntu</strong> gehen Sie dazu wie in Listing 1 vor (Abbildung<br />

5). Sie <strong>ins</strong>tallieren das Paket, legen ein Zielverzeichnis an <strong>und</strong><br />

hängen das entfernte Home-Verzeichnis über sshfs in den lokalen<br />

Ordner ~/​sshfs ein (Abbildung 6). Mehr Informationen<br />

zu sshfs finden Sie in einem Artikel auf <strong>Ubuntu</strong>users.de [2].<br />

Tunnelblick<br />

Eine weitere praktische Funktion besteht darin, beliebige<br />

Dienste über SSH „zu tunneln“. Hier gibt es zwei Möglichkeiten:<br />

Über das Local Port Forwarding leiten Sie einzelne Verbindungen<br />

weiter, als SOCKS-Proxy spielt SSH hingegen das<br />

Sprungbrett <strong>ins</strong> Internet.<br />

Beim Local Port Forwarding leitet der lokale SSH-Client einzelne<br />

TCP-Ports an den Server weiter. Dadurch sorgen Sie dafür,<br />

dass nur authentifizierte Nutzer Zugang zu einem Dienst<br />

erhalten. Zudem schützen Sie unverschlüsselte Protokolle, indem<br />

Sie diese durch einen sicheren Tunnel leiten. Ein Beispiel:<br />

In Ihrem heimischen <strong>Netz</strong>werk verrichtet ein <strong>Netz</strong>werkdrucker<br />

seinen Dienst. Sie erreichen die Druckerverwaltung dort, indem<br />

Sie http://localhost:631 in einen Browser eingeben. Nun<br />

möchten Sie von außen – über den SSH-Server, der auf Ihrem<br />

Linux-Router läuft – auf diese Druckerverwaltung zugreifen.<br />

Dazu starten Sie eine SSH-Verbindung über<br />

$ ssh ‐i ~/.ssh/sshkey ‐L 8888:localhost:631 ich@U<br />

homelinux.de<br />

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Der SSH-Client greift nun über den verschlüsselten SSH-<br />

Tunnel <strong>und</strong> den lokalen Port 8888 (der gewählte Port muss<br />

oberhalb von 1024 liegen) auf den entfernten Dienst localhost<br />

<strong>und</strong> dessen Port 631 zu. Geben Sie nun im Browser http://localhost:8888<br />

ein, erscheint das Webinterface Ihres heimischen<br />

Druckers im Fenster.<br />

Auf einen Apache-Server, der im heimischen <strong>Netz</strong>werk auf<br />

Port 80 läuft, greifen Sie zum Beispiel so zu:<br />

Linux am Bodensee<br />

www.bodenseo.de<br />

$ ssh ‐i ~/.ssh/sshkey ‐L 7777:localhost:80 ich@U<br />

homelinux.de<br />

Geben Sie in Firefox http://localhost:7777 ein, erscheinen die<br />

Inhalte des entfernten Apache-Servers auf dem Schirm.<br />

www.ubuntu-user.de 01/2012<br />

UBUNTU<br />

user<br />

39


Schwerpunkt<br />

SSH<br />

6 Unten links erscheint nun auch in <strong>Ubuntu</strong>s Dateimanager Nautilus<br />

der eingehängte Ordner namens „sshfs“.<br />

Referenz<br />

SSH-Guard: Mehr zu SSH-Guard<br />

lesen Sie online in einem freien<br />

Artikel unter [http://​ubuntu-user.<br />

de/​23039].<br />

Soll es nicht bei einzelnen<br />

Ports bleiben,<br />

übernimmt SSH auch<br />

die Funktion eines<br />

SOCKS-Proxys, über<br />

den Sie mit einer<br />

entsprechenden<br />

Anwendung alle Internetverbindungen<br />

abwickeln. Sind Sie<br />

beispielsweise auf einer<br />

Konferenz, deren<br />

WLAN-Router lediglich<br />

Kommunikation<br />

über die Ports 22, 80<br />

<strong>und</strong> 443 (für SSH,<br />

HTTP <strong>und</strong><br />

HTTPS) erlaubt,<br />

bleibt Ihnen der<br />

Zugriff auf Ihre IMAP-Postfächer verwehrt, da<br />

diese z. B. den Port 143 verwenden. Die Option -D<br />

schafft Abhilfe – vorausgesetzt, Sie betreiben zu<br />

Hause einen SSH-Server (ich@homelinux.de):<br />

$ ssh ‐i ~/.ssh/sshkey ‐D 4444 ich@U<br />

homelinux.de<br />

ubuntu‐user.de aktiviert das so genannte X-Forwarding.<br />

Das leitet die X11-Befehle an den lokalen<br />

Rechner weiter. Die Programme laufen nun, als<br />

wären sie lokal <strong>ins</strong>talliert, aber – abhängig von der<br />

Bandbreite des <strong>Netz</strong>werks – meist langsamer.<br />

Die Kür – SSH absichern<br />

SSH ist von Haus aus sicher. Öffnen Sie den Dienst<br />

jedoch nach außen, sollten Sie das System r<strong>und</strong>um<br />

absichern. Eines der am häufigsten genutzten Einfallstore<br />

sind unsichere Passwörter. Stellen Sie im<br />

ersten Schritt sicher, dass die lokalen Passwörter<br />

nicht zu einfach zu knacken sind.<br />

Zudem sollten Sie die Logdateien überwachen <strong>und</strong><br />

IP-Adressen vorübergehend sperren, die durch<br />

viele ungültige Zugriffsversuche auffallen – das<br />

nimmt möglichen Angreifern wortwörtlich den<br />

Wind aus den Segeln. Hier helfen zum Beispiel<br />

fail2ban, welches das <strong>Ubuntu</strong>-Wiki beschreibt [3],<br />

sowie SSH-Guard (Referenz: SSH-Guard).<br />

Doch auch von legitimen Schlüsseln geht Gefahr<br />

aus. Ein jahrelang unentdeckter Bug in manchen<br />

Distributionen sorgt dafür, dass damit erstellte<br />

Schlüssel sehr leicht kompromittierbar sind. Um<br />

Ihre Schlüssel zu überprüfen, <strong>ins</strong>tallieren Sie auf<br />

dem SSH-Server schwarze Listen mittels:<br />

Listing 1<br />

01 sudo apt-get <strong>ins</strong>tall U<br />

sshfs<br />

02 mkdir ~/​sshfs<br />

03 sshfs ‐o IdentityFileU<br />

=~/​.ssh/​sshkey redaktionU<br />

@ubuntu-user.de:/​home/​reU<br />

daktion ~/​sshfs<br />

Da Port 22 funktioniert, bauen Sie zunächst eine<br />

Verbindung zum heimischen Server auf. Dann<br />

rufen Sie den lokalen E-Mail-Client auf <strong>und</strong> tragen<br />

als SOCKS-Proxy localhost <strong>und</strong> den Port 4444 ein<br />

(Abbildung 7). Das war es – die Verbindung steht.<br />

Üblicherweise können Sie auf dem entfernten<br />

Server zwar Textbefehle absetzen, aber keine<br />

grafischen Programme starten. Auch dafür gibt es<br />

jedoch eine Option. Der Befehl ssh ‐X redaktion@<br />

$ sudo apt‐get <strong>ins</strong>tall openssh‐blacklist U<br />

openssh‐blacklist‐extra<br />

Rufen Sie anschließend das Tool ssh‐vulnkey ‐a<br />

auf, das unsichere Schlüssel identifiziert.<br />

Zahlreiche weitere interessante Optionen stecken<br />

in der Konfigurationsdatei von SSH (/etc/​ssh/​sshd_<br />

config), die Sie mit den Rechten eines Systemverwalters<br />

bearbeiten. Verwenden Sie eine schlüsselbasierte<br />

Authentifizierung, schalten Sie die Passwortoption<br />

ab, indem Sie PasswordAuthentication<br />

auf no stellen <strong>und</strong> den Server anschließend per<br />

sudo service ssh reload neu starten. Von nun an<br />

dürfen Sie sich nur noch via Schlüssel anmelden.<br />

Möchten Sie die Weiterleitungsfunktion von SSH<br />

abstellen, deaktivieren Sie die Option AllowTcp-<br />

Forwarding – dann ist nur noch eine Verbindung<br />

zum Server möglich. Wollen Sie, dass nur der<br />

Systembenutzer backup das Backup-Skript starten<br />

darf, konfigurieren Sie das benutzerbezogen in der<br />

Datei authorized_keys [4]. (kki) ●●●<br />

Info<br />

7 Dank des heimischen Linux-Routers nutzen Sie SSH als SOCKS-Proxy – hier unter Mac OS X.<br />

[1] FileZilla: [http:// www. filezilla. de/]<br />

[2] Informationen zu sshfs bei <strong>Ubuntu</strong>users.de:<br />

[http:// wiki. ubuntuusers. de/ FUSE/ sshfs]<br />

[3] fail2ban-Dokumentation unter <strong>Ubuntu</strong>:<br />

[https:// help. ubuntu. com/ community/ Fail2ban]<br />

[4] Die Datei authorized_keys:<br />

[http:// www. eng. cam. ac. uk/ help/ jpmg/ ssh/​<br />

authorized_keys_howto. html]<br />

40 UBUNTU<br />

01/2012<br />

www.ubuntu-user.de<br />

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UBUNTU<br />

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Schwerpunkt<br />

UPnP/​DLNA<br />

Musik, Videos, Bilder im LAN streamen<br />

UPnPray<br />

Shariff Che’Lah, 123RF<br />

Dank UPnP brauchen<br />

Sie Ihre Audio- <strong>und</strong><br />

Videodateien nicht mehr<br />

von einem Rechner auf<br />

den nächsten zu kopieren<br />

– Sie streamen<br />

die Inhalte einfach. Das<br />

klingt lustig, hat aber ein<br />

paar Haken. Kristian Kißling<br />

1 Das DLNA-Logo erhalten Geräte, die beim<br />

Streamen von Musik, Videos <strong>und</strong> Bildern bestimmte<br />

Mindestanforderungen erfüllen.<br />

Angenommen, Sie schließen einen PC an den<br />

Fernseher, um einen Film zu schauen. Nun fällt<br />

Ihnen ein, dass sich der Film auf einem anderen<br />

Rechner befindet. Natürlich ist es möglich, die<br />

mehrere GByte umfassende Datei per Samba oder<br />

SSH an den Wohnzimmerrechner zu schicken –<br />

aber das dauert mitunter recht lange. Selbst das<br />

Kopieren auf einen USB-Stick braucht einige Zeit.<br />

Dank UPnP gibt es allerdings auch eine zügige<br />

Lösung: Sie starten auf dem Rechner mit dem Film<br />

einfach einen UPnP-Server <strong>und</strong> geben das Video<br />

zum Streamen frei. Der Client im Wohnzimmer<br />

entdeckt ihn <strong>und</strong> spielt ihn in einem UPnP-fähigen<br />

Player ab. So weit die Theorie.<br />

UPnP <strong>und</strong> DLNA<br />

Im UPnP-Forum, einer Initiative der Industrie, die<br />

es seit 1999 gibt, haben sich r<strong>und</strong> tausend Anbieter<br />

aus dem IT- <strong>und</strong> Hardwarebereich zusammengeschlossen,<br />

um einen technischen Standard zu<br />

etablieren, der Bilder, Töne <strong>und</strong> Videos mit der<br />

passenden Abspielsoftware bekannt<br />

macht. Nicht selten kommt<br />

es vor, dass die abspielbaren Medien<br />

auf einem Rechner liegen,<br />

der Player aber auf einem anderen<br />

Gerät läuft. Egal ob Multimediaplayer,<br />

Fernseher oder Smartphone<br />

– sie alle suchen mittlerweile dank<br />

UPnP im lokalen <strong>Netz</strong>werk nach<br />

abspielbaren Inhalten. Der Standard soll nun die<br />

Medien <strong>und</strong> die zugehörige Abspielsoftware im<br />

LAN einfach miteinander verbinden – im Idealfall<br />

greifen Sie nicht in den Prozess ein.<br />

Universal Plug and Play ist ein lokales Peer-to-<br />

Peer-<strong>Netz</strong>werk, das aus Clients, Kontrollpunkten<br />

<strong>und</strong> Servern besteht, die sich über ein eigenes<br />

Protokoll unterhalten. Es beruht auf offenen Internetstandards<br />

(SSDP, XML, HTTPU) <strong>und</strong> macht<br />

die UPnP-fähigen Geräte im <strong>Netz</strong>werk miteinander<br />

bekannt. Diese holen sich zunächst selbstständig<br />

eine IP-Adresse <strong>und</strong> kündigen dann ihre Existenz<br />

im LAN an. Während UPnP AV MediaServer Inhalte<br />

anbieten, spielen die Clients (UPnP Media-<br />

Renderer) diese ab. Sie prüfen, welche Features<br />

der Server anbietet <strong>und</strong> bieten eine Oberfläche<br />

an, um ihn zu steuern. Die UPnP AV MediaServer<br />

ControlPoints verbinden Clients <strong>und</strong> Server miteinander:<br />

Sie sind in der Lage, die Freigaben auf den<br />

Servern zu entdecken <strong>und</strong> zu lesen.<br />

Zwar konzentrieren wir uns im Artikel auf die Fähigkeit<br />

von UPnP, Multimediadateien anzubieten,<br />

aber UPnP steuert mittlerweile auch Router <strong>und</strong><br />

setzt das Internet Gateway Device Protocol (IGD)<br />

um. Dieses automatisiert Portfreigaben, wenn bestimmte<br />

Anwendungen sie verlangen. Das ist nicht<br />

ganz risikolos: Meist wird empfohlen, die UPnP-<br />

Steuerung für Freigaben im Router besser zu deaktivieren.<br />

Das Firefox-Add-on Foxbox [1] verwendet<br />

das UPnP-Protokoll zum Beispiel, um die öffent-<br />

42 UBUNTU<br />

01/2012<br />

www.ubuntu-user.de<br />

user


UPnP/​DLNA<br />

Schwerpunkt<br />

liche IP-Adresse von Fritzbox-Routern auszulesen<br />

<strong>und</strong> zu erneuern. Seit Neuestem verknüpft UPnP<br />

auch Drucker in <strong>Netz</strong>werken miteinander.<br />

Neben UPnP taucht auch häufig der Begriff DLNA<br />

auf. Die Digital Living Network Alliance vergibt<br />

eine Art Gütesiegel – ein Logo (Abbildung 1) –<br />

für Geräte, die bestimmte Richtlinien erfüllen: die<br />

„Home Networked Device Interoperability Guidelines“.<br />

Diese liegen seit 2006 in Version 1.5 vor <strong>und</strong><br />

werden nur an Mitglieder der DLNA oder zahlende<br />

Interessenten vergeben. So führt die Organisation<br />

verschiedene Tests mit Geräten durch, die<br />

im Erfolgsfall das Siegel erhalten [2]. CNET weist<br />

allerdings in einem aufschlussreichen Artikel auf<br />

die Mängel von DLNA hin, die dazu führen, dass<br />

ein Gerät lediglich drei vorgeschriebene Audio-,<br />

Video- <strong>und</strong> Bildformate (LPCM, MPEG-2, JPEG)<br />

unterstützen muss, um das Logo zu erhalten [3].<br />

Server <strong>und</strong> Clients<br />

Es gibt überraschend viele UPnP-AV-Server für<br />

Linux. Einige sind frei, andere kosten Geld. Wir<br />

haben uns im Test auf die freien Servervarianten<br />

Rygel, MediaTomb <strong>und</strong> Ushare konzentriert, die<br />

Sie unter <strong>Ubuntu</strong> 11.10 einfach über das Software-<br />

Center <strong>ins</strong>tallieren. Dann haben wir die Freigaben<br />

mit verschiedenen Clients getestet – <strong>und</strong> sind auf<br />

interessante Ergebnisse gestoßen. Während eine<br />

freie Android-App namens UPnPlay die von den<br />

Servern angebotenen Dateien noch am zuverlässigsten<br />

abspielte, zeigten sich bei den <strong>Ubuntu</strong>-<br />

Clients diverse Probleme, welche die einzelnen<br />

Tests beschreiben. Was für Features die Server<br />

mitbringen <strong>und</strong> unter welchen Betriebssystemen<br />

sie laufen, zeigt eine große Übersichtstabelle in<br />

der englischen Wikipedia [4].<br />

Rygel<br />

Rygel befindte sich bereits länger in der Entwicklung.<br />

Sie <strong>ins</strong>tallieren die Version 0.10.1 über das<br />

Software-Center <strong>und</strong> rufen den Server über<br />

$ rygel<br />

auf. Da Sie keine eigene Konfigurationsdatei<br />

angelegt haben, verwendet Rygel zunächst die<br />

systemweite Datei /etc/​rygel.conf. Dank ihr sucht<br />

der Server in <strong>Ubuntu</strong>s Standardverzeichnissen<br />

nach Bildern, Musik <strong>und</strong> Videos (also $HOME/​<br />

Videos, $HOME/​Bilder sowie<br />

$HOME/​Musik). Wollen Sie<br />

die Vore<strong>ins</strong>tellungen um eigene<br />

Pfade ergänzen, kopieren<br />

Sie die Konfigurationsdatei<br />

über die Kommandozeile<br />

([Windows] drücken <strong>und</strong><br />

ter eingeben) in Ihr Home-<br />

Verzeichnis <strong>und</strong> passen Sie<br />

diese dann den eigenen Vorstellungen<br />

an:<br />

2 Rygel richten Sie über eine Konfigurationsdatei ein. In ihr ergänzen Sie unter anderem zusätzliche<br />

Verzeichnisse, die Sie einfach im <strong>Netz</strong>werk teilen.<br />

$ cp /etc/rygel.conf $HOME/.config/rygel.U<br />

conf<br />

$ gedit $HOME/.config/rygel.conf<br />

Im Bereich [MediaExport] (Abbildung 2) ergänzen<br />

Sie die mit uris beginnende Zeile <strong>und</strong> hängen<br />

Ihren eigenen Ordner von Hand an die Zeile an.<br />

Im Beispiel ergänzen Sie die von Rygel durchsuchten<br />

Ordner um das Verzeichnis /home/​redaktion/​<br />

Downloads:<br />

uris=@MUSIC@;@VIDEOS@;@PICTURES@;/home/U<br />

redaktion/Downloads;<br />

Anschließend starten Sie den Server neu. Rygel<br />

prüft nun, welche Dateien sich in den Verzeichnissen<br />

befinden <strong>und</strong> gibt eine Meldung aus, sobald<br />

er sie erfasst hat (Abbildung 3). Dabei lauert eine<br />

kleine Falle: Kopieren Sie neue Dateien in einen<br />

der Ordner, erfasst Rygel das zwar, der UPnP-<br />

Client nimmt davon jedoch keine Notiz. Sie<br />

müssen Rygel neu starten, damit auch die UPnP-<br />

Clients die Änderung bemerken.<br />

Haben Sie keine Lust, die Konfigurationsdateien<br />

von Hand zu bearbeiten, <strong>ins</strong>tallieren Sie eine<br />

grafische Oberfläche dazu, die beim Einrichten<br />

hilft. Dazu spielen Sie das Paket rygel-preferences<br />

auf den Rechner <strong>und</strong> rufen das gleichnamige Pro-<br />

3 Nach dem Start durchsucht Rygel die vorgegebenen Verzeichnisse nach<br />

Medien <strong>und</strong> listet seine F<strong>und</strong>stücke auf.<br />

!<br />

Tipp<br />

Läuft auf dem Rechner mit dem<br />

Server eine Firewall, kann es sein,<br />

dass die Serverfreigaben nicht<br />

sichtbar werden. In diesem Fall<br />

geben Sie die Ports 1900 (UDP)<br />

<strong>und</strong> 2869 (TCP) frei.<br />

Glossar<br />

SSDP: Simple Service Discovery<br />

Protocol, entdeckt Dienste im <strong>Netz</strong><br />

<strong>und</strong> basiert auf HTTPU.<br />

XML: Beschreibungssprache, die<br />

an HTML erinnert <strong>und</strong> text- <strong>und</strong><br />

tagbasiert aufgebaut ist. Sie dient<br />

dem Austausch von Daten zwischen<br />

ganz unterschiedlichen Anwendungen.<br />

HTTPU: Heißt das über UDP (<strong>und</strong><br />

nicht TCP/​IP) transportierte HTTP/​<br />

1.1-Protokoll.<br />

www.ubuntu-user.de 01/2012<br />

UBUNTU<br />

user<br />

43


Schwerpunkt<br />

UPnP/​DLNA<br />

6 XBMC aus dem PPA legte beim Abspielen von Musikstücken<br />

über UPnP sehr lange Kaffeepausen ein.<br />

Referenz<br />

XBMC: Wie Sie XBMC als <strong>Per</strong>sonal<br />

Video Recorder (PVR) e<strong>ins</strong>etzen, lesen<br />

Sie im Heft 04/​2011 ab Seite<br />

44 ff.<br />

4 Alternativ konfigurieren Sie den UPnP-Server auch<br />

mit Hilfe einer grafischen Oberfläche.<br />

gramm über das Dash auf. In einem Fenster, das<br />

sich im Wesentlichen selbst erklärt, verwalten Sie<br />

die Rygel-Freigaben (Abbildung 4). Anschließend<br />

müssen Sie Rygel jedoch manuell neu starten.<br />

5 Das Coherence-Plug-in verwandelt Totem in einen UPnP-Player – zumindest unter <strong>Ubuntu</strong><br />

11.04. Unter 11.10 fand der Player die Erweiterung zum Testzeitpunkt nicht.<br />

Rygel-Clients: XBMC, Totem<br />

<strong>und</strong> UPnPlay<br />

Zwar behaupten einige Linux -Anwendungen, dass<br />

sie UPnP unterstützen, im Praxistest entpuppte<br />

sich das aber als Übertreibung. Dass es überhaupt<br />

funktioniert, zeigte eine Android-Anwendung namens<br />

UPnPlay, die Rygels Freigaben – <strong>und</strong> die der<br />

anderen Server – ohne große Zicken in der jeweils<br />

dafür vorgesehenen Anwendung abspielte: Bilder<br />

im Bildbetrachter, Musik im Audioplayer <strong>und</strong><br />

Videos im Videoabspieler. Weniger souverän agierten<br />

die Desktoplösungen.<br />

Beginnen wir mit dem eingebauten Audio- <strong>und</strong><br />

Videoplayer Totem. Der lässt sich über ein Framework<br />

namens Coherence mit UPnP-Fähigkeiten<br />

ausstatten, wozu Sie die Pakete python-coherence<br />

<strong>und</strong> totem-plug<strong>ins</strong>-extra <strong>ins</strong>tallieren. Dann rufen<br />

Sie in Totem den Menüpunkt Bearbeiten | Plug<strong>ins</strong><br />

auf. Hier setzen Sie ein Häkchen bei Coherence<br />

DLNA/​UPnP-Client <strong>und</strong> starten den Player neu<br />

(Abbildung 5). Wählen Sie aus dem Aufklappmenü<br />

ganz rechts den Eintrag Coherence DLNA/​<br />

UPnP-Client, sollten die UPnP-Freigaben im<br />

rechten Bereich erscheinen. Während Totem Audio-<br />

<strong>und</strong> Videodateien abspielte, weigerte er sich,<br />

Bilder anzuzeigen. In der Beta 2 von <strong>Ubuntu</strong> 11.10<br />

funktionierte die Zusammenarbeit mit Coherence<br />

nicht, unter <strong>Ubuntu</strong> 11.04 hingegen schon. Hier<br />

spielte Totem im Test die Audiodateien von Rygel<br />

nach dem Aufrufen zwar recht zügig ab, beim<br />

Öffnen einer großen Liste gab der Player jedoch<br />

seinen Geist auf. Zudem hängte sich die Software<br />

auch gelegentlich beim Abspielen von Audiodateien<br />

auf <strong>und</strong> zeigte Bilder nicht an.<br />

Letztere zeigte auch das Mediacenter XBMC nicht<br />

– <strong>und</strong> das gilt für beide von uns getesteten Versionen<br />

unter <strong>Ubuntu</strong> 11.04 <strong>und</strong> 11.10, die wir aus<br />

einem PPA <strong>ins</strong>tallierten. Das Abspielen von Musik<br />

klappte mit XBMC nur eingeschränkt. Die Version<br />

von <strong>Ubuntu</strong> 11.04, die wir in einem Artikel im<br />

letzten Heft beschrieben haben (Referenz: XBMC),<br />

brauchte jeweils eine geschlagene Minute, bevor<br />

sie das nächste Musikstück abspielte. Während<br />

dieser Wartezeit fror XBMC komplett ein. Bei einer<br />

XBMC-Version für <strong>Ubuntu</strong> 11.10 (ppa:yavdr/​<br />

unstable-xbmc) wurde dieser Bug offenbar noch<br />

nicht behoben: Auch hier pausierte die Software<br />

beim Abspielen von Musikstücken deutlich zu<br />

lange (Abbildung 6).<br />

Weiterhin zeigte XBMC unter <strong>Ubuntu</strong> 11.04 keine<br />

Filmchen mit der Endung .mov an, während<br />

es MPEG-4-Formate brav abspielte. Die XBMC-<br />

Version von <strong>Ubuntu</strong> 11.10 stürzte beim Versuch,<br />

Videos abzuspielen, komplett ab. Gr<strong>und</strong> war hier<br />

aber vermutlich der fehlende 3-D-Treiber für die<br />

verbaute ATI-Karte. Sowohl im Fall von Totem als<br />

auch von XBMC besteht also Verbesserungspotenzial,<br />

obwohl die letztgenannte Software sicher<br />

besser mit Rygel kooperiert.<br />

Auch VLC kann offiziell UPnP-Streams abspielen.<br />

Mit Rygel als Server funktionierte die in <strong>Ubuntu</strong><br />

11.10 integrierte Version aber eher schlecht als<br />

recht <strong>und</strong> zeigte die UPnP-Ressourcen nicht an.<br />

Als Ushare zum E<strong>ins</strong>atz kam, drehte sich das Bild<br />

hingegen, was Sie weiter unten lesen.<br />

Ein Java-basierter UPnP-Player namens eezUPnP<br />

machte hingegen eine gute Figur – leider spielte<br />

er lediglich die angebotene Musik ab. Sie laden<br />

das Softwarearchiv von der Webseite herunter [5]<br />

44 UBUNTU<br />

01/2012<br />

www.ubuntu-user.de<br />

user


UPnP/​DLNA<br />

Schwerpunkt<br />

<strong>und</strong> wechseln anschließend in den neu erstellten<br />

Unterordner. Von dort aus rufen Sie dann die Anwendung<br />

auf, indem Sie<br />

$ ./CP<br />

in ein Terminal tippen ([Strg]+[Alt]+[T]). Der<br />

eezUPnP-Player zeigt nun links die erkannten Ressourcen<br />

an, die Sie markieren <strong>und</strong> rechts in eine<br />

Wiedergabeliste schieben (Abbildung 7). Es gab<br />

im Test keine Zwangspausen, <strong>und</strong> Sie speichern<br />

die Titel auf Wunsch auch lokal. Ob Sie das allerdings<br />

wollen, steht auf einem anderen Blatt: Es<br />

widerspricht schließlich ein wenig dem Sinn von<br />

UPnP. Handelt es sich jedoch um Freigaben auf<br />

fremden Rechnern, dürfte diese Möglichkeit wiederum<br />

interessant für Sie werden.<br />

Ushare<br />

Ushare <strong>ins</strong>tallieren Sie über die Paketverwaltung,<br />

indem Sie im Software-Center den Namen der<br />

Software eingeben. Es richtet sich im Verzeichnis /<br />

etc/​init.d/​als eigener Dienst ein, den Sie über<br />

$ sudo service ushare start<br />

7 eezUPnP funktionierte im Zusammenspiel mit allen Servern sehr gut, spielte aber nur Musik ab.<br />

aufrufen (Abbildung 8). Sie müssen allerdings explizit<br />

Verzeichnisse zum Teilen angeben; andernfalls<br />

erscheint nach dem Start nur die Meldung No<br />

shares available. Also stoppen Sie den Dienst über<br />

$ sudo service ushare stop<br />

<strong>und</strong> konfigurieren ihn anschließend über den<br />

Befehl sudo dpkg‐reconfigure ushare in einem<br />

Textinterface. Zunächst geben Sie den Namen für<br />

1. Lernen Sie!<br />

Ja, „training-on-the-job“, oft praktiziert, aber nicht<br />

überzeugend. Denn die Kollegen haben nie Zeit<br />

für echte Erklärungen, außerdem werden „Neue“<br />

sofort von dem vereinnahmt, was im Unternehmen<br />

schon seit Ewigkeiten tradiert wird. Warum gibt's<br />

seit 2000 Jahren Schulen <strong>und</strong> Universitäten?<br />

„LERNEN“ ist eine vollwertige Tätigkeit, auf die<br />

man sich konzentrieren muß, die man nicht 'mal<br />

eben so nebenbei tun kann, <strong>und</strong> die immer auch<br />

eine Prise „Erneuerung“ beinhalten sollte!<br />

2. Ineffiziente Arbeit nicht akzeptieren!<br />

Je spezialisierter Sie arbeiten, desto weniger<br />

echte, fachliche Kollegen haben Sie in Ihrem eigenen<br />

Unternehmen. Wir stellen deshalb Gruppen<br />

zusammen, in denen Sie neben hilfsbereiten<br />

Kollegen mit ähnlichen Kenntnissen an IHREM<br />

Projekt arbeiten. Und ständig ist ein fachlicher Berater<br />

anwesend.<br />

„Guided Coworking“ nennen wir das, <strong>und</strong> es<br />

könnte DIE Lösung für so manches Projekt sein,<br />

das in Ihrer Firma „hakt“.<br />

3. Hintergr<strong>und</strong><br />

Wer den riesigen OpenSource-Baukasten schnell<br />

beherrschen muß, geht zu einer unserer über 100<br />

Schulungen. Wer das bereits kann, aber schneller<br />

mit seinen Projekten vorankommen will, der<br />

kommt mit seiner Arbeit zum Guided Coworking.<br />

Wir sind eine der erfolgreichsten Schulungseinrichtungen<br />

im gesamten Bereich „OpenSource“<br />

- sowohl für Adm<strong>ins</strong>, als auch für Entwickler.<br />

Siehe www.linuxhotel.de


Schwerpunkt<br />

UPnP/​DLNA<br />

8 Ushare findet anfangs keine freigegebenen Dateien. Die nötigen<br />

Verzeichnisse müssen Sie noch einrichten.<br />

die Freigabe ein (Abbildung<br />

9), im nächsten<br />

Fenster wählen<br />

Sie eine <strong>Netz</strong>werkkarte<br />

aus, über die<br />

der Dienst läuft, <strong>und</strong><br />

abschließend geben<br />

Sie – getrennt durch<br />

Kommata – noch die<br />

Verzeichnisse ein,<br />

die Ushare in Ihrem<br />

lokalen <strong>Netz</strong>werk verteilen<br />

soll.<br />

K<strong>und</strong>schaft<br />

Tatsächlich scheint<br />

es eklatante Unterschiede<br />

zwischen<br />

den verschiedenen<br />

Servern zu geben –<br />

9 Ushare lässt sich über eine textbasierte Benutzerschnittstelle einrichten.<br />

Neben der <strong>Netz</strong>werkkarte, welche die Daten verteilt, geben auf die Bedienung.<br />

nicht nur im Hinblick<br />

Sie auch die freizugebenden Verzeichnisse an.<br />

Wir hatten anfangs<br />

beschrieben, dass die<br />

Clients prüfen, welche Operationsmöglichkeiten<br />

ihnen die Server anbieten. Als wir die Tests mit<br />

Ushare <strong>und</strong> denselben Clients wiederholten, zeigten<br />

sich daher deutliche Unterschiede, etwa beim<br />

E<strong>ins</strong>atz von VLC: Der Client funktionierte unter<br />

11.04 <strong>und</strong> 11.10 zusammen mit Ushare plötzlich<br />

tadellos. Gut, er zeigte keine Bilder an, aber das<br />

beherrschen auch die anderen Clients nicht. Die<br />

Ruckler beim Abspielen des 480p-Videos verursachte<br />

das verwendete <strong>Netz</strong>werk.<br />

Seine UPnP-Fähigkeit versteckt der Videolan-Client<br />

allerdings etwas verschämt in den Tiefen seiner<br />

grafischen Oberfläche: Sie drücken nach dem Start<br />

[L], um die Wiedergabeliste aufzurufen, wählen<br />

links Lokales <strong>Netz</strong>werk <strong>und</strong> darunter Universal<br />

Plug&Play. Rechts erscheinen dann die Freigaben<br />

von Ushare (Abbildung ).<br />

Ästhetisch hat die VLC-Standardoberfläche nichts zu bieten, spielt aber die von Ushare angebotenen<br />

Audio- <strong>und</strong> Videodateien ohne zu meckern ab.<br />

Die sonst vorbildliche Android-App patzte hier<br />

beim Abspielen der Videos: Sie zeigte nur drei an<br />

(das Flash-Video fehlte) <strong>und</strong> versuchte, zwei davon<br />

mit dem Audioplayer abzuspielen. Das gelang,<br />

war aber natürlich nicht Sinn der Sache. Die MOV-<br />

Datei wurde als Video erkannt, aber nicht abgespielt.<br />

Bilder <strong>und</strong> Musik verarbeitete das Android-<br />

Handy hingegen korrekt.<br />

Auch bei XBMC ließen sich Änderungen beobachten:<br />

Version 11.10 stürzte weiterhin ab (was<br />

an den proprietären Treibern lag), zeigte auch<br />

keine Bilder an, spielte aber Musik ohne auffällige<br />

Pausen ab. Beim XBMC von 11.04 zeigte sich<br />

hingegen das Phänomen, dass es nun die MOV-<br />

Datei abspielte, die beim E<strong>ins</strong>atz von Rygel nicht<br />

aufgetaucht war. Das liegt wohl daran, dass Rygel<br />

als Ausgabeformate laut Webseite [6] zur Zeit<br />

nur MP3, MPEG-TS <strong>und</strong> PCM unterstützt. Zudem<br />

spielte XBMC unter <strong>Ubuntu</strong> 11.04 die Dateien von<br />

Ushare mit einer deutlich geringeren Verzögerung<br />

ab, die bei 10 bis 15 Sek<strong>und</strong>en pro Song lag (was<br />

natürlich noch immer zu viel ist).<br />

Bleibt noch der Videoplayer Totem: Da die Version<br />

von 11.10 das Coherence-Plug-in nicht erkannte,<br />

blieb der Player außen vor. Erstaunt hat uns hingegen<br />

die Version von 11.04: Sie spielte Musikstücke<br />

fast ohne Hänger ab <strong>und</strong> schien sich generell mit<br />

Ushare besser zu verstehen. So kämpfte Totem<br />

zwar beim Abspielen der MOV-Datei mit Rucklern<br />

(vermutlich hardwarebedingt), aber das Format<br />

wurde erkannt <strong>und</strong> abgespielt. Die MPEG-4-Dateien<br />

liefen problemlos.<br />

MediaTomb<br />

Der dritte Server im B<strong>und</strong>e heißt MediaTomb,<br />

bringt als einziger eine umfassende browserbasierte<br />

Oberfläche mit <strong>und</strong> lässt sich so recht komfortabel<br />

bedienen. Die erste Überraschung: Nach<br />

dem Start erschien im Browser der Text: „Media-<br />

Tomb UI is disabled. Check your configuration.“<br />

Starten Sie die Software über die Kommandozeile<br />

(indem Sie mediatomb eingeben), stellt sich die<br />

Sache etwas anders dar: Sie finden nach dem<br />

Start eine URL vor, die Sie einfach in den Browser<br />

eingeben (Abbildung ). Das MediaTomb-GUI<br />

öffnet sich. Um die Software später komplett zu<br />

beenden, genügt es allerdings nicht, den Browser<br />

zu schließen: Sie müssen auch den zugehörigen<br />

Dienst über sudo service mediatomb stop herunterfahren.<br />

Der Dienst startet auch automatisch, wenn<br />

Sie den Rechner neu booten – allerdings bietet er<br />

die Dateien nur dann im LAN an, wenn Sie mediatomb<br />

explizit aufrufen.<br />

Jetzt gilt es, die Ordner freizugeben, die Sie veröffentlichen<br />

wollen. Dazu klicken Sie auf Filesystem<br />

<strong>und</strong> suchen dann die entsprechenden Verzeichnisse<br />

heraus, deren Inhalte im rechten Bereich des<br />

Fensters erscheinen (Abbildung ). Wollen Sie<br />

das komplette Verzeichnis indizieren, klicken Sie<br />

rechts oben neben dem Verzeichnis auf das Plus-<br />

46 UBUNTU<br />

01/2012<br />

www.ubuntu-user.de<br />

user


UPnP/​DLNA<br />

Schwerpunkt<br />

Nach dem Start über die Kommandozeile zeigt MediaTomb eine URL an, die<br />

Sie in den Browser eingeben.<br />

zeichen. Soll MediaTomb den Ordner regelmäßig<br />

auf neue Dateien hin abklopfen, verwenden Sie<br />

das Symbol mit den zwei kreisförmigen Pfeilen.<br />

Einzelne Dateien ergänzen Sie hingegen über die<br />

Pluszeichen rechts daneben – mehr gibt die Oberfläche<br />

auch nicht her. Klicken Sie anschließend auf<br />

Database, erscheinen dort die gerade gewählten<br />

Dateien <strong>und</strong> Ordner. Auch hier finden Sie rechts<br />

oben Symbole, die dabei helfen, die Medien wieder<br />

zu entfernen.<br />

MediaTomb <strong>und</strong> seine<br />

Clients<br />

UPnPlay patzte beim Abspielen der Videos <strong>und</strong><br />

zeigte nur ein MPEG-Video an – Musik <strong>und</strong> Bilder<br />

stellte die Android-App hingegen problemlos dar.<br />

Im Videobereich fiel XBMC unter <strong>Ubuntu</strong> 11.04<br />

positiv auf, da es auch ein Flash-Video abspielte.<br />

Zwischen den Musiktiteln pausierte die Anwendung<br />

allerdings wieder so lange wie beim E<strong>ins</strong>atz von Rygel,<br />

was den Player in dieser Beziehung unbrauchbar<br />

macht. Auch Bilder zeigte die XBMC-Version<br />

nicht an. Die XBMC-Variante von <strong>Ubuntu</strong> 11.10<br />

reagierte ebenfalls wie zuvor: Sie stürzte beim Abspielen<br />

von Videos ab, hatte mit der Musik weniger<br />

Probleme, zeigte aber keine Bilder an.<br />

Während VLC unter <strong>Ubuntu</strong> 11.04 zwar die Verzeichnisse<br />

anzeigte, aber nicht die darin enthaltenen<br />

Inhalte, spielte VLC unter 11.10 alle von MediaTomb<br />

angebotenen Audio- <strong>und</strong> Videodateien<br />

problemlos ab, wenn auch keine Bilder. Auch Totem<br />

zeigte – unter <strong>Ubuntu</strong> 11.04 – alle vier Filme<br />

an. Es gab kleine Pausen zwischen den abgespielten<br />

Musikstücken, davon abgesehen kam die<br />

Software aber auch mit der Musiksammlung gut<br />

zurecht. Bilder wurden hingegen schlicht ignoriert.<br />

Bleibt noch eezUPnP: Das gab sich auch im Angesicht<br />

von MediaTomb keine Blöße, sondern spielte<br />

die angebotene Musik brav ab.<br />

<strong>Ubuntu</strong>. Auch in einem<br />

kürzlich absolvierten Hardwaretest<br />

hatten wir enorme<br />

Probleme mit den UPnP-<br />

Fähigkeiten der kommerziellen<br />

Multimediafestplatten<br />

(Referenz: Multimediafestplatten).<br />

Einige Geräte<br />

zeigten die Shares nicht an<br />

oder konnten nicht auf diese<br />

zugreifen, andere spielten sie<br />

klaglos ab.<br />

In unserem Test mit <strong>Ubuntu</strong> funktionierte – je<br />

nach Server – mal die eine, mal die andere Client/​<br />

Server-Kombination besser. Hier liegt dann auch<br />

der H<strong>und</strong> begraben: Sie müssen also ein Server-<br />

Client-Paar finden, das sich möglichst optimal<br />

ergänzt. Aktuell lässt sich das nur über eigene<br />

Tests herausfinden. Eventuell können Sie die Möglichkeiten<br />

der Server noch über das Anpassen der<br />

Konfigurationsdateien optimieren.<br />

Das Streamen von Musik im MP3-Format verursachte<br />

alles in allem noch die wenigsten Probleme.<br />

Mit dem Anzeigen von Bildern standen hingegen<br />

alle Anwendungen auf Kriegsfuß – lediglich die<br />

Android-App reichte die Bilder an die richtige<br />

Anwendung weiter. Sie patzte teilweise beim Abspielen<br />

von Filmen. Abhängig von den Fähigkeiten<br />

des Servers spielten die UPnP-Clients mal alle <strong>und</strong><br />

mal nur bestimmte Formate ab. Einige Clients<br />

weigerten sich komplett, die im lokalen <strong>Netz</strong>werk<br />

geteilten Dateien anzuzeigen.<br />

Zu den besten Kombinationen gehörten in unserem<br />

Test Ushare <strong>und</strong> VLC unter <strong>Ubuntu</strong> 11.10. Für<br />

MediaTomb erwies sich Totem unter <strong>Ubuntu</strong> 11.04<br />

als bester Player. Verwenden Sie Oneiric Ocelot,<br />

greifen Sie zu VLC. Für Rygel, mit dem wir die<br />

meisten Probleme hatten, dürfte XBMC für <strong>Ubuntu</strong><br />

11.10 die erste Wahl sein – wenn die Software<br />

beim Zeigen von Filmen nicht mehr abstürzt. Wollen<br />

Sie über UPnP nur Musik hören, <strong>ins</strong>tallieren<br />

Sie am einfachsten eezUPnP; das erledigt diese<br />

Aufgabe unspektakulär <strong>und</strong> zuverlässig – <strong>und</strong> im<br />

Zusammenspiel mit allen drei Servern. (kki) ●●●<br />

Referenz<br />

Multimediafestplatten: Dass auch<br />

kommerzielle Multimediafestplatten<br />

Probleme mit UPnP haben,<br />

zeigt unser Test in Heft 02/​2011 ab<br />

Seite 90 ff.<br />

Info<br />

[1] Foxbox-Erweiterung:<br />

[https:// addons. mozilla. org/​<br />

de/ firefox/ addon/ foxbox/]<br />

[2] DLNA-Zertifizierung: [http://​<br />

www. xxcal. co. jp/ english/​<br />

stAuthor_dlna_2. html]<br />

[3] DLNA-kritischer CNET-<br />

Artikel: [http:// www. cnet. de/​<br />

praxis/ tv‐gaming/ 41515883/​<br />

page/ 2/ dlna_so_loesen_<br />

filmfans_die_probleme_<br />

beim_multimedia_netzwerkstreaming.<br />

htm]<br />

[4] UPnP-Server im Vergleich:<br />

[http:// en. wikipedia. org/​<br />

wiki/ Comparison_of_UPnP_<br />

AV_media_servers]<br />

[5] eezUPnP-Player:<br />

[http:// eezupnp. de/]<br />

[6] Rygel-Webseite: [http:// live.​<br />

gnome. org/ Rygel]<br />

Fazit<br />

Wenn es funktioniert, ist UPnP eine Supersache,<br />

denn es spart lange Kopiervorgänge <strong>und</strong> macht<br />

Ihre Mediensammlung im Handumdrehen netzwerkweit<br />

verfügbar. Im Praxistest zeigte sich<br />

jedoch, dass von einer Einheitlichkeit in Sachen<br />

UPnP noch nicht die Rede sein kann – UPnPray<br />

eben. Das Problem gibt es aber nicht nur unter<br />

In MediaTomb verwalten Sie die Freigaben bequem in einem Webinterface.<br />

www.ubuntu-user.de 01/2012<br />

UBUNTU<br />

user<br />

47


Schwerpunkt<br />

<strong>UMTS</strong>-Sticks<br />

Drei Sticks im Test<br />

Verbindlich<br />

<strong>UMTS</strong> ist zwar keine brandneue Technologie, doch das<br />

Einrichten der Hardware erwies sich im letzten Test als nicht<br />

allzu simpel. Nun haben wir erneut nachgesehen.<br />

<br />

Kristian Kißling<br />

ktsdesign, 123RF<br />

Referenz<br />

<strong>Tethering</strong>: Welche Wege <strong>ins</strong> mobile<br />

Internet führen, schildert der<br />

Schwerpunktartikel auf Seite 54<br />

1 Über den NetworkManager bearbeiten Sie Ihre<br />

<strong>UMTS</strong>-Verbindungen <strong>und</strong> melden sich beim Provider an.<br />

Der Artikel zum <strong>Tethering</strong> zeigt es: Wollen Sie<br />

heute <strong>ins</strong> mobile Internet, führen mehrere Wege<br />

dorthin (Referenz: <strong>Tethering</strong>). Wer jedoch kein<br />

Smartphone kaufen will, um unterwegs <strong>ins</strong> <strong>Netz</strong><br />

zu kommen, dem genügt vielleicht ein gewöhnlicher<br />

<strong>UMTS</strong>-Stick für den USB-Port. Der Vorteil:<br />

Diese Hardware kostet – ohne Vertrag – zwischen<br />

50 <strong>und</strong> 150 Euro <strong>und</strong> ist damit günstiger als ein<br />

Smartphone. Zudem bringt selbst<br />

der kle<strong>ins</strong>te Rechner einen USB-<br />

Slot mit. Also haben wir uns von<br />

den drei großen Herstellern O2,<br />

Telekom <strong>und</strong> Vodafone aktuelle<br />

<strong>UMTS</strong>-Sticks schicken lassen <strong>und</strong><br />

geschaut, wie gut diese unter<br />

<strong>Ubuntu</strong> 11.10 funktionieren.<br />

<strong>UMTS</strong> – kann man<br />

das essen?<br />

Wer noch nicht nie eine mobile<br />

Breitbandverbindung verwendet<br />

hat, dem kommen womöglich<br />

einige Dinge neu vor, die hier<br />

kurz erklärt werden. Die <strong>UMTS</strong>-<br />

Sticks sind im Prinzip Modems.<br />

Sie wählen sich über eine gewöhnliche<br />

Telefonnummer bei<br />

einem Provider ein <strong>und</strong> melden<br />

sich dann automatisch bei einem<br />

Zugangspunkt an. Je nach Vertrag<br />

erhalten Sie dann Zugang zu einem der verfügbaren<br />

3G-<strong>Netz</strong>e, die Daten in unterschiedlichen<br />

Geschwindigkeiten übertragen. Ist der <strong>UMTS</strong>-Empfang<br />

zu schwach, wechseln die <strong>UMTS</strong>-Sticks zu<br />

EDGE, einer aufgepeppten GSM-Variante.<br />

In den <strong>UMTS</strong>-Sticks stecken dabei SIM-Karten,<br />

die Sie üblicherweise von Ihrem Mobiltelefon<br />

kennen. Diese sind austauschbar: Sie können eine<br />

Vodafone-SIM auch in einem <strong>UMTS</strong>-Stick von O2<br />

verwenden <strong>und</strong> vice versa. Wechseln Sie den Anbieter<br />

für das mobile Internet, brauchen Sie nur<br />

eine neue SIM-Karte <strong>und</strong> nicht gleich einen neuen<br />

<strong>UMTS</strong>-Stick.<br />

Der Weg zum Ziel<br />

Die gute Nachricht: Gr<strong>und</strong>sätzlich lassen sich<br />

<strong>UMTS</strong>-Sticks heute recht einfach einrichten. Wo<br />

das nicht der Fall ist, müssen Sie händisch nachhelfen,<br />

wie es der Abschnitt „Troubleshooting“ anreißt.<br />

Die drei Sticks im Test ließen sich jedenfalls<br />

alle auf demselben Weg einrichten.<br />

Vorsichtshalber sollten Sie Ihre WLAN- oder Kabelverbindung<br />

vor dem E<strong>ins</strong>tecken deaktivieren.<br />

Das tun Sie über den NetworkManager, das kleine<br />

Icon oben rechts im Panel, indem Sie bei Auto<br />

eth0 auf Trennen klicken <strong>und</strong> das Häkchen bei<br />

Funknetzwerk aktivieren entfernen (Abbildung 1).<br />

Nach dem Anstecken des Sticks müssen Sie ein<br />

wenig warten, da <strong>Ubuntu</strong> zunächst im Hintergr<strong>und</strong><br />

passende Treiber <strong>und</strong> Kernel-Module lädt.<br />

50 UBUNTU<br />

01/2012<br />

www.ubuntu-user.de<br />

user


Die Welt <strong>UMTS</strong>-Sticks des perfekten Schwerpunkt Druckens<br />

TurboPrint 2<br />

for Linux<br />

"Mit TurboPrint macht der E<strong>ins</strong>atz aktueller Drucker<br />

unter Linux richtig Spaß." Zitat Linux<strong>User</strong> 3/2011<br />

2 Zusammen mit Ihrer SIM-Karte erhalten Sie eine<br />

PIN, die Sie eingeben, um die Karte freizuschalten.<br />

Es erscheint ein Fenster, das Sie nach der PIN für die Karte<br />

fragt. Die sollten Sie vom Anbieter beim Abschluss Ihres<br />

Mobilfunkvertrags bekommen haben (Abbildung 2). Die<br />

korrekte PIN versetzt den Stick in den Betriebszustand als<br />

Modem. Im NetworkManager setzen Sie nun das Häkchen<br />

bei Mobiles Breitband aktivieren. Als Antwort erscheint eine<br />

Mitteilung mit der Nachricht You are now registered on the<br />

home network. Haben Sie bisher noch keine Breitbandverbindung<br />

verwendet, wählen Sie nun Neue mobile GSM-Breitbandverbindung.<br />

Das ruft einen Assistenten auf den Plan, der<br />

als Fenster mit der Beschriftung Neue mobile Breitbandverbindung<br />

auftaucht.<br />

Existiert bereits eine Breitbandverbindung, rufen Sie hingegen<br />

den NetworkManager auf <strong>und</strong> wählen Verbindungen bearbeiten.<br />

Im Reiter Mobiles Breitband können Sie die alte Verbindung<br />

markieren <strong>und</strong> löschen <strong>und</strong> eine neue Verbindung<br />

hinzufügen (Abbildung 3). Auch in diesem Fall erscheint<br />

dann der Assistent, <strong>und</strong> Sie wählen Ihr <strong>UMTS</strong>-Modem aus.<br />

Klicken Sie dann auf Fortsetzen. In beiden Szenarien zeigt<br />

Ihnen der Assistent nun ein Fenster, in dem Sie das Land auswählen,<br />

in dem Sie leben. Fällt Ihre Wahl auf Deutschland,<br />

müssen Sie im nächsten Fenster einen Dienstanbieter aus<br />

einer Liste auswählen – Ihren Mobilfunkprovider. Weiter geht<br />

es mit Fortsetzen.<br />

Nun wählen Sie einen Abrechnungsmodus aus. Zu jedem<br />

Modus gehört ein Zugangspunkt (APN). Die Software warnt<br />

Sie netterweise: Wählen Sie den falschen Abrechnungsmodus,<br />

zahlen Sie womöglich zu viel Geld oder es kommt<br />

keine Verbindung zustande. Sie sollten also wissen, welchen<br />

Abrechnungsmodus Sie<br />

mit Ihrem Provider vereinbart<br />

haben <strong>und</strong> dementsprechend<br />

Ihre Wahl<br />

treffen (Abbildung 4).<br />

In einem letzten Fenster,<br />

das Ihre vorherigen Entscheidungen<br />

noch einmal<br />

zusammenfasst, klicken<br />

Sie auf Anwenden. Nun<br />

baut der <strong>UMTS</strong>-Stick eine<br />

Verbindung zum Anbieter<br />

auf. Das dauert einige<br />

Sek<strong>und</strong>en, dann dürfen<br />

Sie mobil surfen. Verwenden<br />

Sie einen Dienst wie<br />

Vodafone WebSessions,<br />

landen Sie noch bei ei-<br />

Glossar<br />

EDGE: Steht für Enhanced Data Rates<br />

for GSM Evolution <strong>und</strong> tut, was<br />

der Name sagt: Es verbessert die<br />

Datenübertragungsrate von GSM.<br />

GSM: Ist das Global System for<br />

Mobile Communications, das 1992<br />

eingeführt wurde. GSM erlaubt es,<br />

mobil zu telefonieren <strong>und</strong> Daten zu<br />

übertragen. EDGE <strong>und</strong> GPRS sind<br />

Erweiterungen von GSM mit schnellerem<br />

Datendurchsatz.<br />

APN: Access Point Name; es handelt<br />

sich um den Zugangspunkt in<br />

einem GPRS-<strong>Netz</strong>.<br />

ZE<br />

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UBUNTU<br />

user<br />

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Schwerpunkt<br />

<strong>UMTS</strong>-Sticks<br />

3 Mobile Breitbandverbindungen richten Sie über den<br />

NetworkManager ein.<br />

4 Wählen Sie den mit Ihrem Provider vereinbarten Abrechnungsmodus aus, andernfalls kann<br />

es recht teuer für Sie werden.<br />

Info<br />

[1] Vodafone-Bug:<br />

[https:// bugs. launchpad.​<br />

net/ ubuntu/ +source/ linux/​<br />

+bug/ 772577]<br />

[2] Mehr zu usb-modeswitch:<br />

[http:// wiki. ubuntuusers. de/​<br />

usb_modeswitch]<br />

Tabelle 1<br />

Gerätename<br />

nem Browserportal, in dem Sie angeben, wie lange<br />

Sie mobile online sein wollen. Um sich die Internetverbindung<br />

wieder zu trennen, klicken Sie auf<br />

Verbindung trennen im NetworkManager.<br />

Gut verb<strong>und</strong>en?<br />

Die drei getesteten USB-Sticks folgten genau dem<br />

beschriebenen Schema, <strong>und</strong> wir landeten anschließend<br />

im Internet – außer bei dem Gerät von Vodafone.<br />

Hier versperrt offenbar zur Zeit ein noch nicht<br />

behobener Bug [1] den Zugang. Der Stick erhält<br />

beim Einwählen nur gelegentlich eine IP-Adresse<br />

<strong>und</strong> entlädt sofort oder nach einer halben Onlineminute<br />

den Treiber für das Modem, sodass Sie<br />

wieder bei der PIN-Eingabe landen. Haben Sie eine<br />

SIM-Karte von Vodafone, ist das allerdings kein Problem:<br />

Wie oben erwähnt, verwenden Sie einfach<br />

einen der beiden anderen Sticks mit dieser SIM-<br />

Karte. Konkretere Daten zur getesteten Hardware<br />

entnehmen Sie ansonsten Tabelle 1. Da manche<br />

Hersteller die Bezeichnungen für ihre Geräte jedoch<br />

beibehalten, aber die unter der Haube verbaute<br />

5 Wollen Sie mehr über Ihren <strong>UMTS</strong>-Stick herausfinden, suchen Sie nach der USB-ID.<br />

Telekom O2 Vodafone<br />

Web’n’Walk-Stick<br />

Fusion III<br />

O2 Surfstick Plus<br />

Hersteller Huawei Huawei Huawei<br />

Vodafone Mobile<br />

Connect K4505-H<br />

USB-ID 12d1:1506 12d1:1506 12d1:1464<br />

3G-Support<br />

HSPA+, <strong>UMTS</strong>, EDGE,<br />

GPRS<br />

HSPA+, <strong>UMTS</strong>, EDGE,<br />

GPRS<br />

HSPA+, <strong>UMTS</strong>, EDGE,<br />

GPRS<br />

Datenraten (Download) 21 MBit/s 28 MBit/s 14,4 MBit/​s<br />

<strong>Ubuntu</strong>-Support ja ja z. Zt. nicht<br />

Preis (ohne Vertrag) ab 50 Euro ab 80 Euro ab 130 Euro<br />

Hardware ändern, überprüfen Sie anhand von Tabelle<br />

1, ob die dort angegebene USB-ID mit der von<br />

Ihrem gekauften <strong>UMTS</strong>-Stick identisch ist.<br />

Ein Problem betraf aber alle verwendeten <strong>UMTS</strong>-<br />

Sticks: Wenn Sie den Rechner in Bereitschaft<br />

versetzen (Suspend-to-RAM), meldet sich die<br />

Hardware anschließend wieder komplett neu an.<br />

Sie müssen also die PIN erneut eingeben. Die gute<br />

Nachricht ist: Haben Sie bereits eine Verbindung<br />

eingerichtet, klicken Sie die im NetworkManager<br />

an, um wieder <strong>ins</strong> Internet zu gelangen.<br />

Troubleshooting<br />

Probleme kann es geben, wenn Sie einen anderen<br />

als die hier vorgestellten Sticks verwenden. Scheitert<br />

das hier beschriebene Prozedere für den Stick,<br />

gehen Sie im <strong>Netz</strong> auf die Suche nach alternativen<br />

Lösungen. Dazu rufen Sie ein Terminal auf <strong>und</strong><br />

geben lsusb ein (Abbildung 5). Suchen Sie die<br />

Zeile, in der das Modem auftaucht, <strong>und</strong> kopieren<br />

Sie die durch einen Doppelpunkt getrennte Ziffernkombination<br />

rechts von ID. Geben Sie in die<br />

Google-Suche diese ID zusammen mit Ihrer Version<br />

von <strong>Ubuntu</strong> ein, stehen die Chancen nicht schlecht,<br />

dass Sie auf hilfreiche Ergebnisse stoßen.<br />

Besonders häufig lesen Sie in den Foren von einem<br />

Programm namens usb-modeswitch [2]. Was<br />

tut das genau? Aktuelle <strong>UMTS</strong>-Sticks integrieren<br />

auch gleich Treiber für Windows. Die werden <strong>ins</strong>talliert,<br />

dann schaltet Windows die Geräte in den<br />

Modembetrieb. Das erzeugte unter Linux anfangs<br />

Probleme, da die Geräte als Massenspeicher erkannt<br />

<strong>und</strong> eingeb<strong>und</strong>en wurden. Das Umschalten<br />

übernahm dann das erwähnte Programm namens<br />

usb-modeswitch, welches die Entwickler ständig<br />

weiterentwickeln. Es wird bei <strong>Ubuntu</strong> 11.10 automatisch<br />

<strong>ins</strong>talliert; früher mussten Sie es noch<br />

über den Paketmanager e<strong>ins</strong>pielen.<br />

Fazit<br />

Im Idealfall richten Sie Ihren <strong>UMTS</strong>-Stick mit ein<br />

paar Mausklicks ein. Sie müssen keine Pakete<br />

nach<strong>ins</strong>tallieren <strong>und</strong> keine Dateien von Hand ändern.<br />

Klappt das nicht, hilft die Suche nach der<br />

USB-ID weiter. Dabei sollten Sie nur aktuelle Quellen<br />

zurate ziehen, da sich die Installationsroutinen<br />

für <strong>UMTS</strong>-Sticks verändert haben. (kki) ●●●<br />

52 UBUNTU<br />

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Schwerpunkt<br />

<strong>Tethering</strong><br />

Mobiles Internet nutzen<br />

Tetherete!<br />

Über Smartphones <strong>und</strong><br />

Tablets nutzen Sie heutzutage<br />

dank integrierter<br />

Modems überall schnelles<br />

mobiles Internet.<br />

Ganz nebenbei verhelfen<br />

die Gerätschaften auch<br />

dem guten alten Notebook<br />

zu einer Verbindung.<br />

Florian Effenberger<br />

Referenz<br />

<strong>UMTS</strong>-Sticks: In diesem Heft<br />

testen wir ab Seite 50 die <strong>UMTS</strong>-<br />

Sticks von drei großen Mobilfunkprovidern<br />

unter <strong>Ubuntu</strong> 11.10.<br />

Glossar<br />

MiFi: Ist ein eingetragenes Warenzeichen<br />

für eine Hardware, die als<br />

mobiler WLAN-Hotspot agiert <strong>und</strong><br />

die so einem oder mehreren Geräten<br />

einen Internetzugang über eine<br />

3G-Verbindung ermöglicht.<br />

HSPA+: High Speed Packet Access<br />

heißt eine Erweiterung von <strong>UMTS</strong>,<br />

die schnellere Datenraten ermöglicht.<br />

1 Ein MiFi von Huawei: Das Gerät<br />

funktioniert als WLAN-Hotspot <strong>und</strong><br />

bringt Ihren Rechner über eine 3G-<br />

Verbindung in das mobile Internet.<br />

Wollten Sie in den letzten<br />

Jahren mobil <strong>ins</strong> Internet,<br />

hatten Sie kaum eine Wahl: Sie<br />

benötigten meist ein Notebook<br />

mit zusätzlichem <strong>UMTS</strong>-Stick<br />

[1,2], um unterwegs zu surfen.<br />

Seit sich jedoch moderne<br />

Smartphones <strong>und</strong> Tablets immer<br />

rasanter verbreiten, ändert sich<br />

das Bild. Mittlerweile eignen sich<br />

die handlichen Begleiter bestens,<br />

um von jedem Ort der Welt aus<br />

auf Dienste wie das Web, E-Mail,<br />

Twitter <strong>und</strong> Facebook zuzugreifen.<br />

Doch bei Weitem nicht alle<br />

Aufgaben lösen Sie auf den beschränkten<br />

Displays der modernen Gadgets: Häufig<br />

muss am Ende doch das Notebook her.<br />

Das Angebot an <strong>UMTS</strong>-Sticks ist daher nach wie<br />

vor groß; fast jeder Mobilfunkprovider hat entsprechende<br />

Geräte im Programm, die von einer handvoll<br />

Herstellern stammen. Seit unserem letzten<br />

<strong>UMTS</strong>-Test hat sich der Support für diese Geräte<br />

unter Linux zwar drastisch verbessert (Referenz:<br />

<strong>UMTS</strong>-Sticks), dennoch stehen Linux-Anwender<br />

bei einigen Modellen noch immer vor unnötigen<br />

Einrichtungshürden. Da tröstet es nur bedingt,<br />

dass auch Anwender von Mac OS X ein Lied von<br />

schlechten Treibern <strong>und</strong> abenteuerlicher Einwahlsoftware<br />

singen können.<br />

Haben Sie Probleme beim Einrichten eines <strong>UMTS</strong>-<br />

Sticks, oder sind Ihnen diese Teile schlicht zu<br />

klobig, werfen Sie einfach einen Blick auf die<br />

verfügbaren Alternativen, die es mittlerweile gibt.<br />

Am bequemsten sind Notebooks mit direkt eingebautem<br />

<strong>UMTS</strong>-Modem – einfach die SIM-Karte<br />

<strong>ins</strong> Notebook stecken, fertig. Das spart nervige<br />

<strong>Per</strong>ipheriegeräte <strong>und</strong> erfreut durch gut integrierte<br />

Treiber, die aber unter Linux nicht<br />

immer perfekt funktionieren. Da bislang<br />

nur wenige Hersteller auf diesen Zug aufgesprungen<br />

sind, erweisen sich entsprechende<br />

Angebote als Mangelware. In der<br />

Regel stoßen Sie nur bei den teuren Business-<br />

Notebooks auf diese Technologie.<br />

Eine interessante Alternative dazu sind so genannte<br />

MiFis – eine noch recht junge Gerätegattung<br />

(Abbildung 1). Dabei handelt es sich um<br />

mobile Hotspots [3], die über die eingelegte SIM-<br />

Karte eine Verbindung zum Mobilfunknetz herstellen<br />

<strong>und</strong> die Daten wahlweise per USB oder WLAN<br />

an den Rechner weiterleiten. Die letzte Variante<br />

erspart Ihnen das Installieren problematischer<br />

Treiber oder proprietärer Einwahlsoftware komplett,<br />

denn die MiFis verhalten sich Ihrem Rechner<br />

gegenüber wie gewöhnliche WLAN-Hotspots:<br />

Sie geben die Zugangsdaten ein <strong>und</strong> stellen eine<br />

Verbindung zu dem Gerät her, das Sie dann <strong>ins</strong> Internet<br />

bringt. Die etwa streichholzschachtelgroßen<br />

Geräte haben noch einen weiteren Vorteil, denn<br />

2 Mit nur vier Klicks gelangen Sie auf vielen Android-<br />

Handys ans <strong>Tethering</strong>-Ziel. Zunächst müssen Sie die<br />

„E<strong>ins</strong>tellungen“ aufrufen.<br />

Todd Arena, 123RF<br />

54 UBUNTU<br />

01/2012<br />

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<strong>Tethering</strong><br />

Schwerpunkt<br />

sie bieten in der Regel bis zu fünf Geräten gleichzeitig<br />

einen Zugang <strong>ins</strong> Internet, was für Messen<br />

oder längere Gruppenreisen mit dem Zug ideal ist.<br />

3 In den „E<strong>ins</strong>tellungen“ rufen Sie einen Punkt auf,<br />

der meist „Drahtlos <strong>und</strong> <strong>Netz</strong>werke“ heißt <strong>und</strong> der die<br />

Drahtlose<strong>ins</strong>tellungen konfiguriert.<br />

Das Beste aus allen Welten<br />

Möchten Sie jedoch nicht ständig mehrere Geräte<br />

mit sich herumtragen, oder wollen Sie kein Geld<br />

in zusätzliche Hardware investieren, nutzen Sie<br />

einfach Ihr Smartphone. Die meisten Anwender<br />

haben das ohnehin immer dabei, <strong>und</strong> aktuelle<br />

Mobilfunkverträge beinhalten nicht selten einen<br />

Pauschalpreis für den Zugriff aufs Internet. Nicht<br />

zuletzt erreichen moderne Telefone dank HSPA+<br />

häufig einen Datendurchsatz, den auch herkömmliche<br />

DSL-Anschlüsse kaum überbieten. Warum<br />

also nicht gleich das Handy nutzen, um das Notebook<br />

<strong>ins</strong> Internet zu bringen? Das Zauberwort<br />

heißt in diesem Szenario „<strong>Tethering</strong>“, <strong>und</strong> es vereint<br />

das Beste aus beiden Welten.<br />

Beim <strong>Tethering</strong> baut das Handy eine Verbindung<br />

zum Internet auf <strong>und</strong> reicht die Daten per USB<br />

oder WLAN an andere Geräte weiter – es wird<br />

zum mobilen Hotspot. Ähnlich wie beim MiFi<br />

müssen Sie am Notebook dafür keine weiteren<br />

Treiber <strong>ins</strong>tallieren, sondern greifen einfach per<br />

WLAN auf das Smartphone oder Tablet zu – ganz<br />

wie zu Hause oder im Hotel. <strong>Tethering</strong> löst dabei<br />

zugleich noch ein weiteres Problem: Je nach Anbieter<br />

erhalten Sie meist nur eine SIM-Karte pro<br />

Vertrag. Sie müssen diese also ständig zwischen<br />

dem <strong>UMTS</strong>-Stick <strong>und</strong> dem Handy hin <strong>und</strong> her stecken.<br />

Dank <strong>Tethering</strong> bleibt die Karte hingegen im<br />

Handy; ein zusätzlicher Datenvertrag ist technisch<br />

nicht nötig.<br />

<strong>Tethering</strong> unter Android<br />

Android-Geräte der aktuellen Generation unterstützen<br />

<strong>Tethering</strong> von Haus aus. Unsere Testgeräte<br />

sind ein Samsung Galaxy S2 mit der aktuellen<br />

Firmware (Android 2.3.4) sowie ein Samsung<br />

Galaxy S GT-I9000 mit Android 2.3.3. Da die Telefonhersteller<br />

<strong>und</strong> Mobilfunkanbieter ihre Android-<br />

Versionen mitunter selbst anpassen, weichen die<br />

Bezeichnungen durchaus voneinander ab – selbst,<br />

wenn dieselbe Android-Version zum E<strong>ins</strong>atz<br />

kommt. In diesem Fall suchen Sie in den E<strong>ins</strong>tellungen<br />

nach Mobiler Access Point, Mobiler WLAN-<br />

Hotspot oder ähnlichen Einträgen.<br />

Bevor Sie den Hotspot einrichten, stellen Sie sicher,<br />

dass Sie das Smartphone korrekt konfiguriert<br />

haben, sodass es von sich aus eine mobile Internetverbindung<br />

mit Ihrem <strong>UMTS</strong>-Provider aufbaut.<br />

Unser Testgerät richtete den benötigten APN<br />

(Internetzugangspunkt des Mobilfunkbetreibers)<br />

vollautomatisch ein. Viele Provider bieten Ihnen<br />

zudem an, die korrekten E<strong>ins</strong>tellungen per SMS zu<br />

senden. Hier kann ein Fallstrick lauern, denn manche<br />

Provider koppeln einen Tarif an einen APN <strong>und</strong><br />

rechnen teuer ab, wenn Sie andere Zugangspunkte<br />

wählen. Informieren Sie sich vorher bei Ihrem Anbieter<br />

über die korrekte Konfiguration!<br />

Ist Ihr Smartphone im Internet, richten Sie das <strong>Tethering</strong><br />

ein. Dazu öffnen Sie die E<strong>ins</strong>tellungen (Abbildung<br />

2) <strong>und</strong> wählen dort die Funktion Drahtlos<br />

<strong>und</strong> <strong>Netz</strong>werke (Abbildung 3). Unter <strong>Tethering</strong><br />

<strong>und</strong> mobiler Hotspot beim Galaxy S2 (Abbildung<br />

4) <strong>und</strong> <strong>Tethering</strong> (beim Galaxy S) finden Sie die<br />

Unterpunkte Mobiler WLAN-Hotspot: E<strong>ins</strong>tellungen<br />

(Galaxy S2) bzw. Mobile AP-E<strong>ins</strong>tellungen (Abbildung<br />

5). Sie dienen als Schaltzentralen für alle<br />

Optionen r<strong>und</strong> um den Hotspot (Abbildung 6).<br />

Die Konfiguration ist in beiden Fällen recht simpel<br />

(Abbildung 7). Die SSID ist bereits auf einen<br />

Wert voreingestellt, den Sie jedoch nach Belieben<br />

ändern. Die Testgeräte verstecken die Hotspots<br />

nicht – das wäre ohnehin nur eine trügerische Sicherheit.<br />

Viel wichtiger ist es, dass Sie ein sicheres<br />

Passwort <strong>und</strong> eine gute Verschlüsselung wählen.<br />

Ihr Passwort sollte mindestens acht, besser zehn<br />

Stellen haben sowie Groß- <strong>und</strong> Kle<strong>ins</strong>chreibung<br />

samt Ziffern <strong>und</strong> Sonderzeichen enthalten, damit<br />

Angreifer es nicht erraten. Auch die Verschlüsselung<br />

ist wichtig: Im Test lässt Ihnen das Galaxy S2<br />

die Wahl zwischen WPA2 PSK <strong>und</strong> Open; beim Galaxy<br />

S heißen die Optionen WPA2 PSK <strong>und</strong> Öffnen.<br />

Letzteres macht den Hotspot für jedermann ohne<br />

Kennwort zugänglich, weswegen Sie die Option<br />

auf jeden Fall meiden sollten. Ein offener Hotspot<br />

führt nicht nur dazu, dass jeder über Ihren<br />

Zugang im Internet surft, Sie haften auch partiell<br />

für die Konsequenzen. Nicht zuletzt geben Ihnen<br />

4 Der dann gewählte Unterpunkt<br />

heißt oft „<strong>Tethering</strong>“, taucht bei<br />

einigen Handys aber auch als „Mobiler<br />

Hotspot“ auf.<br />

5 Im Samsung Galaxy S wählen<br />

Sie die Option „Mobile AP-E<strong>ins</strong>tellungen“,<br />

um eine verschlüsselte<br />

WLAN-Verbindung einzurichten.<br />

6 Beim Galaxy S2 aktivieren Sie<br />

den mobilen Hotspot, indem Sie<br />

ein Häkchen bei „Mobiler WLAN-<br />

Hotspot“ setzen.<br />

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55


Schwerpunkt<br />

<strong>Tethering</strong><br />

7 Die Konfiguration des Hotspots ist bewusst<br />

einfach gehalten.<br />

Glossar<br />

Jailbreaken: Nennt man das inoffizielle<br />

Entsperren von Apple-Handys,<br />

das die Garantie ungültig macht.<br />

Rooten: Leute, die sich einen Root-<br />

Zugriff auf ein Android-Handy verschaffen,<br />

„rooten“ das Handy.<br />

8 Ein Nachteil, wenn Sie das Smartphone als<br />

mobilen Hotspot e<strong>ins</strong>etzen: Der Akkuverbrauch<br />

steigt mitunter rasant.<br />

einige Provider ungeschützten Zugriff auf<br />

das Online-K<strong>und</strong>eninterface, wenn Sie<br />

sich mit Ihrer SIM-Karte einwählen. Im<br />

schlimmsten Fall bestellt ein Dritter in Ihrem<br />

Namen Waren.<br />

Haben Sie ein sicheres Passwort für die<br />

Verschlüsslung WPA2 PSK gewählt, klicken<br />

Sie auf Speichern <strong>und</strong> aktivieren den<br />

Haken bei Mobiler WLAN-Hotspot. Das<br />

Betriebssystem weist Sie darauf hin, dass<br />

dadurch der Akkuverbrauch steigen kann<br />

(Abbildung 8). Ein Klick auf OK, <strong>und</strong><br />

kurze Zeit später verrät die Statuszeile,<br />

dass der Hotspot aktiv ist (Abbildung 9).<br />

Sie arbeiten nun wie gewohnt mit dem<br />

Telefon weiter, denn der Hotspot-Dienst<br />

läuft im Hintergr<strong>und</strong>. Ein blaues Icon<br />

zeigt, dass er aktiv ist (Abbildung ).<br />

Um das <strong>Tethering</strong> zu beenden, gehen Sie<br />

wieder <strong>ins</strong> Menü <strong>und</strong> deaktivieren die Optionen<br />

Mobiler Zugangspunkt (GT-I9000)<br />

bzw. Mobiler WLAN-Hotspot (Galaxy 2).<br />

<strong>Tethering</strong> unter<br />

anderen Geräten<br />

Auch Geräte mit anderen Betriebssystemen unterstützen<br />

<strong>Tethering</strong>. Problematisch dabei ist, dass<br />

oft der Provider bestimmt, ob er die Funktion aktiviert<br />

oder nicht. So gibt es Mobilfunkbetreiber, die<br />

bei ihren Geräten die <strong>Tethering</strong>-Funktion sperren,<br />

um den K<strong>und</strong>en teure Zusatzdatentarife anzubieten.<br />

Auch Android-Geräte beherrschten früher von<br />

Haus aus kein <strong>Tethering</strong>. Gerüchten zufolge ist die<br />

Funktion in der aktuellen Version auf einigen Geräten<br />

ebenfalls gesperrt. Zwar besteht im Zweifel<br />

immer die Möglichkeit, die Hotspot-Funktionalität<br />

durch zusätzliche Programme nachzurüsten, doch<br />

erfordert das häufig ein so genanntes Jailbreaken<br />

bzw. Rooten des Geräts, was zumindest die Garantie<br />

beeinträchtigt.<br />

Darauf sollten Sie achten<br />

So einfach <strong>und</strong> bequem <strong>Tethering</strong> generell<br />

ist, sollten Sie dennoch einige Fallstricke<br />

beachten. Sicherlich empfiehlt sich<br />

der Betrieb eines Smartphones nur mit<br />

Internetzugang (WLAN oder <strong>UMTS</strong>),<br />

da das System ständig Daten überträgt.<br />

Das Surfen im mobilen Internet mit<br />

HSPA+-Geschwindigkeit <strong>und</strong> ohne einen<br />

entsprechenden Vertrag reißt jedoch binnen<br />

Minuten ein großes Loch in die Familienkasse.<br />

Sie sollten daher unbedingt<br />

darauf achten, einen Tarif mit Flatrate<br />

abzuschließen; andernfalls können Sie<br />

die übertragene Datenmenge nur schlecht<br />

kontrollieren. Zwar helfen Ihnen Tools<br />

wie die Android-App RadioOpt Traffic Monitor<br />

[4] dabei, den Überblick zu behalten<br />

– diese trennt Sie aber nicht automatisch<br />

9 Ein Text signalisiert: Jetzt ist der Hotspot aktiv.<br />

Solange der Hotspot aktiv ist, sehen Sie dieses oder<br />

ein ähnliches Icon in der Statuszeile.<br />

vom <strong>Netz</strong>, sobald Sie einen Grenzwert überschreiten.<br />

Ganz prekär ist die Situation im Ausland,<br />

denn dort sind die Preise für mobilen Datentransfer<br />

trotz Regulierung noch immer horrend. Zwar<br />

warnt Sie – dank einer EU-Richtlinie (Bill Shock<br />

Prevention) – in den meisten Ländern inzwischen<br />

eine SMS, falls Sie eine bestimmte Summe überschreiten,<br />

aber dieses Limit liegt bei ca. 60 Euro.<br />

Auch das Kleingedruckte Ihres Vertrages sollten<br />

Sie genau lesen. Viele Anbieter drosseln die Geschwindigkeit,<br />

sobald Sie ein bestimmtes Transfervolumen<br />

erreichen; andere berechnen hingegen<br />

Extragebühren. Nicht immer eignet sich zudem<br />

jede Flatrate, um mit dem Notebook online zu gehen.<br />

Viele Anbieter bieten günstige Tarife an, die<br />

Sie allerdings nur mit dem Handy nutzen dürfen,<br />

<strong>und</strong> teurere Tarife, die auch Laptops einbeziehen.<br />

Haben Sie sich informiert <strong>und</strong> die Kostenfallen<br />

umschifft, steht dem mobilen Surfvergnügen jedoch<br />

nichts mehr im Weg.<br />

Fazit<br />

Unterwegs online zu sein, ist heutzutage bezahlbar<br />

<strong>und</strong> technisch leicht zu lösen. Wie so oft<br />

buhlen diverse Lösungen um Ihre Gunst. Um auf<br />

<strong>UMTS</strong>-Sticks zu verzichten, bieten sich entweder<br />

die hier vorgestellte <strong>Tethering</strong>-Lösung an oder<br />

aber ein mobiler Hotspot. Beide funktionieren<br />

dank WLAN auf fast jedem Gerät <strong>und</strong> lassen<br />

sich schnell einrichten. Während <strong>Tethering</strong> damit<br />

punktet, dass es auf fast allen modernen Mobiltelefonen<br />

läuft, überzeugen mobile Hotspots (MiFis)<br />

durch gute Akkulaufzeiten. In unserem Test kamen<br />

wir – verglichen mit einem MiFi-Zugang –<br />

beim <strong>Tethering</strong> auf bessere Onlinegeschwindigkeiten,<br />

was sich besonders beim Übertragen großer<br />

Datenmengen bemerkbar macht. (kki) ●●●<br />

Info<br />

[1] Florian Effenberger: „Hauptsache Internet“,<br />

Linux<strong>User</strong> 07/​2008, S. 38 ff.:<br />

[http://www.linux-community.de/16097]<br />

[2] Florian Effenberger: „Mobiler Koala“, <strong>Ubuntu</strong> <strong>User</strong><br />

02/​2010, S. 72 ff.: [http://ubuntu-user.de/20021]<br />

[3] Erik Bärwaldt: „Mobiler Hotspot“, Linux<strong>User</strong><br />

02/​2011, S. 80 ff.<br />

[4] RadioOpt Traffic Monitor im Android Market:<br />

[https:// market. android. com/ details? id=com.​<br />

radioopt. widget]<br />

56 UBUNTU<br />

01/2012<br />

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Alles zum ThemA<br />

Android<br />

Die Monatszeitschrift für Android-Fans, Smartphone-<strong>und</strong> Tablet Nutzer<br />

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Neu!<br />

am KiosK


Desktop<br />

<strong>Ubuntu</strong> One<br />

Der Cloud-Storage-Dienst <strong>Ubuntu</strong> One<br />

Fütterungszeit<br />

Jeder <strong>Ubuntu</strong>-Nutzer besitzt automatisch einen 5 GByte großen Onlinespeicher, in dem er eigene Dateien<br />

parken kann, die er von überall auf der Welt wieder abruft. Um den komfortablen Dienst zu nutzen, müssen<br />

Sie lediglich den Speicherplatz freischalten <strong>und</strong> mit Daten füttern.<br />

Tim Schürmann<br />

Das leistet <strong>Ubuntu</strong> One<br />

● Onlinespeicherplatz (5 GByte<br />

kostenlos, beliebig viel zusätzlicher<br />

Speicher mietbar)<br />

● Zugriff auf die dort gespeicherten<br />

Daten per Browser oder über<br />

ein intelligentes Verzeichnis<br />

● Synchronisation der online gespeicherten<br />

Dateien über mehrere<br />

Rechner<br />

● Freigabe von Dateien im Internet<br />

inklusive Änderungsrechte<br />

● Synchronisation von Einträgen<br />

der Notizsoftware Tomboy<br />

● Synchronisation von Kontakten<br />

des E-Mail-Clients Evolution<br />

● Synchronisation von Firefox-<br />

Lesezeichen<br />

● Anbindung an den <strong>Ubuntu</strong> One<br />

Music Store: Speicherplatz für<br />

erworbene Musik <strong>und</strong> Streaming<br />

dieser Dateien auf Mobiltelefone<br />

(kostenpflichtig)<br />

Im Starter lacht es Sie direkt an: das dicke,<br />

fette U-Symbol. Und auch im Me-Menü, das sich<br />

im Panel hinter dem kleinen Briefsymbol verbirgt,<br />

stoßen Sie auf einen Eintrag. Beide Symbole führen<br />

zur Anwendung aus Abbildung 1, dem so genannten<br />

<strong>Ubuntu</strong>-One-Client. Er tritt nicht nur als<br />

Türsteher zum Onlinespeicherplatz auf, sondern<br />

fungiert auch als komfortabler Paketdienst – auf<br />

Wunsch synchronisiert er sogar Notizen <strong>und</strong> Kontaktdaten.<br />

Den kompletten Leistungsumfang listet<br />

der Kasten Das leistet <strong>Ubuntu</strong> One auf, im nächsten<br />

Heft gehen wir ausführlich auf die Zusatzfunktionen<br />

von <strong>Ubuntu</strong> One ein.<br />

Her damit!<br />

Um den <strong>Ubuntu</strong>-One-Dienst überhaupt zu nutzen,<br />

benötigen Sie ein Benutzerkonto bei <strong>Ubuntu</strong>s Single-Sign-On-Dienst.<br />

Mit ihm greifen Sie auch auf<br />

andere Canonical-Dienste zu – etwa auf die Entwicklungsplattform<br />

Launchpad. Fehlt Ihnen so ein<br />

Konto, klicken Sie im <strong>Ubuntu</strong>-One-Client auf den<br />

Registrieren-Button. Es erscheint ein Formular, in<br />

dem Sie einen (beliebigen) Namen, eine gültige E-<br />

Mail-Adresse <strong>und</strong> ein Passwort hinterlassen (Abbildung<br />

2). Letzteres muss aus mehr als sieben Zeichen<br />

bestehen <strong>und</strong> mindestens einen Großbuchstaben<br />

sowie eine Zahl enthalten. In das untere<br />

Feld übertragen Sie noch die zwei angezeigten<br />

Nonsenswörter zur Spam-Vermeidung.<br />

Nach einem Klick auf Vor verschickt<br />

Canonical eine Bestätigungs-E-Mail.<br />

Darin befindet sich ein kryptischer<br />

Bestätigungscode, den Sie in das<br />

neu angezeigte Eingabefeld tippen.<br />

Der Klick auf OK aktiviert<br />

das <strong>Ubuntu</strong>-One-Benutzerkonto<br />

schließlich.<br />

Mit ihm in in der Hinterhand, klicken Sie im<br />

<strong>Ubuntu</strong>-One-Client aus Abbildung 1 auf den recht<br />

kleinen Schriftzug Ich habe bereits ein Konto <strong>und</strong><br />

tippen in das neue Fenster die bei der Registrierung<br />

angegebene E-Mail-Adresse nebst zugehörigem<br />

Passwort ein. Klicken Sie abschließend auf<br />

Verbinden, kontaktiert der <strong>Ubuntu</strong>-One-Client Ihre<br />

persönliche Internetfestplatte. Dabei enthüllt er<br />

sein wahres Gesicht (Abbildung 3). Ganz oben<br />

links zeigt ein kleiner Fortschrittsbalken an, wie<br />

viel Onlinespeicherplatz Ihre Dateien bereits belegen<br />

<strong>und</strong> wie viel <strong>ins</strong>gesamt zur Verfügung steht.<br />

Rechts oben trennen Sie die Verbindung zu den<br />

Canonical-Servern explizit wieder über Trennen.<br />

Um die übrigen E<strong>ins</strong>tellungen sinnvoll zu nutzen,<br />

sollten Sie nun ein paar Dateien hochladen.<br />

Ordnungswidrigkeiten<br />

Der <strong>Ubuntu</strong>-One-Client legt im persönlichen Ordner<br />

ein neues Unterverzeichnis <strong>Ubuntu</strong> One an.<br />

Ihn öffnet unter anderem die Schaltfläche Meinen<br />

„<strong>Ubuntu</strong> One“-Ordner anzeigen im Register<br />

1 Über den <strong>Ubuntu</strong>-One-Client schalten Sie den<br />

Onlinespeicher frei.<br />

Pixeljäger, Fotolia.com<br />

58 UBUNTU<br />

01/2012<br />

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<strong>Ubuntu</strong> One<br />

Desktop<br />

2 Mit diesem Formular beschaffen Sie sich ein kostenloses Benutzerkonto.<br />

Die E-Mail-Adresse <strong>und</strong> das Passwort müssen Sie zur Sicherheit in den rechten<br />

Feldern doppelt eingeben.<br />

3 Der <strong>Ubuntu</strong>-One-Client als Steuerzentrale: Dem dunklen Bereich<br />

oben entnehmen Sie, dass im Moment 3 MByte von 5 GByte belegt<br />

sind <strong>und</strong> der Client gerade das Verzeichnis „<strong>Ubuntu</strong> One“ aktualisiert.<br />

Dienste. Alle Dateien <strong>und</strong> Unterordner, die Sie in<br />

dieses Verzeichnis schieben, kopiert der Client<br />

automatisch in den Onlinespeicher (Abbildung<br />

4), oder er holt die auf dem Server vorhandenen<br />

Dateien auf die lokale Festplatte. Das passiert<br />

normalerweise im Hintergr<strong>und</strong>, wenn gerade kein<br />

anderes Programm <strong>ins</strong> Internet funkt. An seinem<br />

oberen Fensterrand vermeldet der <strong>Ubuntu</strong>-One-<br />

Client dabei: Dateien werden abgeglichen. Aktualisiert<br />

sich der Balken für die Speicherbelegung<br />

links oben nicht, müssen Sie den Client einmal<br />

kurz beenden <strong>und</strong> dann wieder starten.<br />

Neben dem <strong>Ubuntu</strong> One-Ordner stellen Sie beliebige<br />

andere Verzeichnisse aus Ihrem Home unter<br />

die Beobachtung des Clients. Dazu rufen Sie das<br />

Verzeichnis im Dateimanager Nautilus auf (etwa<br />

über das Symbol <strong>Per</strong>sönlicher Ordner im Starter)<br />

<strong>und</strong> klickt den Ordner der Wahl mit der rechten<br />

Maustaste an. Aus dem Kontextmenü wählen Sie<br />

<strong>Ubuntu</strong> One | Diesen Ordner abgleichen. Ab sofort<br />

landen auch seine Inhalte immer auf dem Server.<br />

Welchen Ordner Ihr Client aktuell beobachtet,<br />

verraten der Reiter Cloud-Ordner <strong>und</strong> die grünen<br />

Häkchen im Nautilus-Fenster (Abbildung 5).<br />

Wollen Sie einen Ordner wieder abmelden, entfernen<br />

Sie im <strong>Ubuntu</strong>-One-Client den Haken in seiner<br />

Zeile. Alternativ klicken Sie ihn im Dateimanager<br />

Nautilus mit der rechten Maustaste an <strong>und</strong> wählen<br />

dann <strong>Ubuntu</strong> One | Diesen Ordner nicht mehr abgleichen<br />

aus dem Kontextmenü.<br />

Freiheit!<br />

Normalerweise sind die Dateien in der Cloud vor<br />

den Blicken Dritter geschützt. Sie können diese<br />

aber anderen Menschen auch explizit zugänglich<br />

machen. Dazu klicken Sie die entsprechende Datei<br />

in einem Nautilus-Fenster mit der rechten Maustaste<br />

an <strong>und</strong> wählen <strong>Ubuntu</strong> One | Veröffentlichen.<br />

<strong>Ubuntu</strong> One blendet jetzt über das Benachrichtigungssystem<br />

eine kryptische Internetadresse<br />

ein, über die ab sofort jede <strong>Per</strong>son, der Sie dies<br />

mitteilen, die Datei herunterladen kann. Haben Sie<br />

die Adresse nicht so schnell notiert, bemühen Sie<br />

noch einmal über die rechte Maustaste das Kontextmenü<br />

<strong>und</strong> kopieren die Adresse via <strong>Ubuntu</strong><br />

One | Internet-Verweis kopieren in die Zwischenablage.<br />

<strong>Per</strong> <strong>Ubuntu</strong> One | Nicht mehr veröffentlichen<br />

sperren Sie den Zugriff wieder.<br />

Alternativ zu einzelnen Dateien geben Sie auch<br />

ein komplettes Unterverzeichnis frei – vorausgesetzt,<br />

es steht unter der Fuchtel von <strong>Ubuntu</strong> One.<br />

Dazu müssen Sie zudem das E-Mail-Programm<br />

Evolution <strong>ins</strong>talliert haben <strong>und</strong> als Standardmailprogramm<br />

nutzen. Sind diese Voraussetzungen<br />

erfüllt, klicken Sie das Verzeichnis in Nautilus zunächst<br />

mit der rechten Maustaste an <strong>und</strong> wählen<br />

<strong>Ubuntu</strong> One | Freigeben. Das ruft ein Fenster mit<br />

allen unter Evolution angelegten Kontakten auf<br />

den Plan. Hier picken Sie bei gedrückter [Strg]-<br />

Taste diejenigen <strong>Per</strong>sonen heraus, denen Sie Zugriff<br />

auf den Ordner gewähren. Diese müssen allesamt<br />

ein <strong>Ubuntu</strong>-One-Benutzerkonto besitzen oder<br />

4 Das Verzeichnis „<strong>Ubuntu</strong> One“ gleicht <strong>Ubuntu</strong> automatisch mit dem Onlinespeicher <strong>Ubuntu</strong><br />

One ab. In der Abbildung synchronisiert der Client noch das Verzeichnis „pdf“, während die<br />

übrigen Bilder bereits auf dem aktuellen Stand sind.<br />

www.ubuntu-user.de 01/2012<br />

UBUNTU<br />

user<br />

59


Desktop<br />

<strong>Ubuntu</strong> One<br />

5 Hier sehen Sie, wie der Client die Inhalte der Ordner „Dokumente“, „Musik“<br />

<strong>und</strong> „<strong>Ubuntu</strong> One“ auf den Internetserver befördert.<br />

6 In diesem Fall haben die „<strong>Ubuntu</strong> One“-Verzeichnisse auf den Computern<br />

mit den Namen „zaphod“ <strong>und</strong> „marvin“ den gleichen Inhalt.<br />

Referenz<br />

Dateien verschlüsseln: Wie Sie<br />

Dateien unter <strong>Ubuntu</strong> 11.10 verschlüsseln,<br />

erklärt der Artikel ab<br />

Seite 62.<br />

Info<br />

[1] <strong>Ubuntu</strong> One:<br />

[https:// one. ubuntu. com/]<br />

[2] Dropbox:<br />

[http:// www. dropbox. com/]<br />

zumindest gewillt sein, sich e<strong>ins</strong> anzulegen. Setzen<br />

Sie ein Häkchen bei Veränderungen erlauben,<br />

dürfen alle <strong>Per</strong>sonen gleich die Dateien in dem<br />

freigegebenen Verzeichnis verändern. Nach einem<br />

Klick auf Freigeben schickt <strong>Ubuntu</strong> One an alle<br />

gewählten Kontakte eine kurze E-Mail. In ihr befindet<br />

sich ein Link, über den die angeschriebenen<br />

<strong>Per</strong>sonen ab sofort Zugriff auf das entsprechende<br />

Verzeichnis erhalten. Möchten Sie den Zugriff wieder<br />

verweigern, rufen Sie im Kontextmenü <strong>Ubuntu</strong><br />

One | Nicht mehr freigeben auf.<br />

Gleichmacher<br />

Das Sichern von Daten über ein <strong>Ubuntu</strong> One-Verzeichnis<br />

ist schon extrem bequem. Doch es kommt<br />

noch besser: Richten Sie den <strong>Ubuntu</strong>-One-Client<br />

auf einem weiteren Rechner wie beschrieben ein,<br />

zieht dieser automatisch alle auf dem Server gelagerten<br />

Dateien auf die Festplatte. Auf diese Weise<br />

sind die <strong>Ubuntu</strong> One-Verzeichnisse auf allen Rechnern<br />

stets auf dem gleichen Stand – egal, wo auf<br />

der Welt Sie sich gerade befinden.<br />

Welche Computer derzeit auf den eigenen Onlinespeicherplatz<br />

zugreifen, verrät der <strong>Ubuntu</strong>-One-<br />

Client im Register Geräte (Abbildung 6). Über<br />

Entfernen trennen Sie die Verbindung des nebenstehenden<br />

Computers zum Server manuell <strong>und</strong><br />

verhindern so einen weiteren Abgleich. Setzen Sie<br />

Alte Herren<br />

In älteren <strong>Ubuntu</strong>-Versionen vor 10.04 müssen Sie den<br />

<strong>Ubuntu</strong>-One-Client noch nach<strong>ins</strong>tallieren. Notwendig<br />

sind mindestens die Pakete ubuntuone-client, ubuntuone-client-gnome,<br />

ubuntuone-control-panel <strong>und</strong><br />

ubuntuone-control-panel-gtk. Darüber hinaus benötigen<br />

Sie für die Datensynchronisation die Pakete bindwood<br />

(Firefox-Lesezeichen), evolution-couchdb (Kontakte aus<br />

Evolution), rhythmbox-ubuntuone-music-store (integriert<br />

den <strong>Ubuntu</strong> One Music Store in Rhythmbox) <strong>und</strong><br />

banshee-extension-ubuntuonemusicstore (integriert den<br />

<strong>Ubuntu</strong> One Music Store in Banshee).<br />

zusätzlich noch ein Häkchen bei Bandbreite beim<br />

Abgleich von Daten beschränken, begrenzen Sie<br />

für jeden Rechner explizit die Geschwindigkeit,<br />

mit der die Daten auf den Server wandern (Max.<br />

Upload-Geschwindigkeit) beziehungsweise mit der<br />

sie der Client herunterlädt (Max. Download-Geschwindigkeit).<br />

Der Haken vor Benachrichtigungen<br />

über Aktivitäten anzeigen sorgt schließlich dafür,<br />

dass der Client Sie über jede Aktion des Computers<br />

informiert. So wissen Sie stets, was welches<br />

Gerät derzeit so treibt.<br />

Synchronisieren Sie mehrere Computer, ist Vorsicht<br />

angesagt, falls <strong>Ubuntu</strong> One neben dem Verzeichnis<br />

<strong>Ubuntu</strong> One noch weitere überwacht: Geben Sie auf<br />

zwei verschiedenen Computern Verzeichnisse mit<br />

dem gleichem Namen frei, führt <strong>Ubuntu</strong> One ihre<br />

Inhalte unweigerlich zusammen, was zu unliebsamen<br />

Überraschungen führen kann.<br />

Haben Sie <strong>Ubuntu</strong> One einmal eingerichtet, können<br />

Sie den Client beenden <strong>und</strong> sogar komplett<br />

vergessen: Er verschwindet im Hintergr<strong>und</strong> <strong>und</strong><br />

beobachtet dort im Stillen das Verzeichnis <strong>Ubuntu</strong><br />

One. Sobald er Dateien auf den Server laden muss,<br />

weist er mit einer kurzen Einblendung rechts oben<br />

in der Bildschirmecke darauf hin. Ist Ihnen dieser<br />

eigenständige Aktionismus suspekt, wechseln Sie<br />

im Client auf das Register Dienste. Nur die hier<br />

mit einem Haken versehenen Daten beziehungsweise<br />

Informationen gleicht der Client tatsächlich<br />

mit dem Server ab.<br />

Seitenweise<br />

Auf die Dateien auf dem Server greifen Sie auch<br />

mit einem Browser zu. Das ist besonders praktisch,<br />

wenn Sie im Ausland vor einem fremden<br />

Computer sitzen oder der Client nicht das tut, was<br />

Sie wollen. Dazu steuern Sie die <strong>Ubuntu</strong>-One-Seite<br />

an [1] <strong>und</strong> melden sich rechts oben in der Ecke<br />

über Sign in or Sign up with <strong>Ubuntu</strong> SSO an.<br />

Das so genannte Dashboard (Abbildung 7) gibt<br />

einen Überblick über den Füllstand sowie die<br />

Anzahl der derzeit verwalteten Kontakte <strong>und</strong><br />

60 UBUNTU<br />

01/2012<br />

www.ubuntu-user.de<br />

user


<strong>Ubuntu</strong> One<br />

Desktop<br />

Notizen. Alle auf dem Server liegenden Dateien<br />

sehen Sie unter Files ein. Es erscheint dann der<br />

kleine Dateimanager aus Abbildung 8. Ein Klick<br />

auf eine der Dateien lädt diese herunter, ein Klick<br />

auf ein Verzeichnis wechselt dorthin. Um wieder<br />

auf eine höhere Ebene zu gelangen, bemühen Sie<br />

die kleine orangefarbene Brotkrumenleiste unter<br />

dem Files-Knopf. My Storage führt hingegen immer<br />

wieder zum Hauptverzeichnis. Über New folder<br />

angelegte Unterordner erscheinen später auch als<br />

Unterverzeichnisse des <strong>Ubuntu</strong> One-Ordners.<br />

Über Upload files laden Sie eine Datei von der<br />

lokalen Festplatte in das aktuelle Verzeichnis.<br />

Anschließend müssen Sie die Seite allerdings neu<br />

laden, damit die Datei auch in der Liste erscheint.<br />

Auf der rechten Seite wartet das etwas unscheinbare<br />

More. Klicken Sie es an, klappen für die entsprechende<br />

Datei beziehungsweise das Verzeichnis<br />

weitere Funktionen heraus. Hier sehen Sie nicht<br />

nur den MIME-Type der Datei (in Abbildung 8 ein<br />

image/​jpeg, also ein JPEG-Bild), sondern können<br />

diese unter anderem auch löschen (Delete file),<br />

explizit herunterladen (Download file) <strong>und</strong> für alle<br />

Benutzer des Internets freigeben. Entscheiden Sie<br />

sich für Letzteres, blendet <strong>Ubuntu</strong> One die zugehörige<br />

kryptische Internetadresse ein. Möchten<br />

Sie dies wieder unterbinden, hilft der Button Stop<br />

publishing rechts daneben weiter.<br />

Ein komplettes Verzeichnis geben Sie bequem<br />

über Share this folder frei. Es erscheint dann ein<br />

Fenster, in dem Sie die E-Mail-Adresse desjenigen<br />

eintippen, der Zugriff auf den Ordner erhält. Diese<br />

<strong>Per</strong>son muss selbst ein <strong>Ubuntu</strong>-One-Benutzerkonto<br />

besitzen. Des Weiteren müssen Sie einen Bezeichner<br />

angeben, den so genannten Shared name.<br />

Über ihn greift die angemailte <strong>Per</strong>son gleich auf<br />

das Verzeichnis zu. Sie darf darin selbst Dateien<br />

e<strong>ins</strong>tellen oder vorhandene löschen, wenn Sie Allow<br />

modification abhaken. Nach einem Klick auf<br />

Share schickt <strong>Ubuntu</strong> One eine E-Mail an die angegebene<br />

Adresse. In ihr befindet sich ein Link, über<br />

den die angeschriebene <strong>Per</strong>son ab sofort Zugriff<br />

auf das entsprechende Verzeichnis erhält. Möchten<br />

Sie den Zugriff wieder entziehen, klicken Sie auf<br />

Stop sharing neben der E-Mail-Adresse.<br />

Die letzten beiden Register Notes <strong>und</strong> Contacts<br />

verwalten auf analoge Weise die Tomboy-Notizen<br />

<strong>und</strong> die Kontakte. Letztere dürfen Sie nun auch<br />

über das entsprechende Symbol von Facebook<br />

importieren.<br />

Fazit<br />

Wie auch bei anderen Diensten dieser Art vertrauen<br />

Sie Canonical Ihre Daten an. Sie wissen<br />

nicht, auf welchen Servern die Dateien genau<br />

liegen <strong>und</strong> was Canonical mit ihnen anstellt.<br />

Ohne Benutzernamen <strong>und</strong> Passwort erhält zwar<br />

niemand Zugriff auf die Daten, aber auch hier<br />

müssen Sie Canonical vertrauen <strong>und</strong> hoffen, dass<br />

niemand eine Sicherheitslücke in <strong>Ubuntu</strong> One<br />

entdeckt <strong>und</strong> ausnutzt.<br />

Der Teil der<br />

Software, der auf<br />

Canonicals Servern<br />

läuft <strong>und</strong> dort die<br />

Daten entgegennimmt,<br />

steht jedoch<br />

unter Verschluss.<br />

Folglich können<br />

keine Freiwilligen<br />

den Code e<strong>ins</strong>ehen<br />

<strong>und</strong> auf Schwachstellen<br />

oder Hintertürchen<br />

abklopfen,<br />

was aber auch für<br />

Apples iCloud, Microsofts<br />

SkyDrive<br />

<strong>und</strong> Dropbox gilt.<br />

Andererseits hat 7 Im Browser liefert das Dashboard unter anderem Zahlen zum Belegungsstand<br />

Ihrer Onlinefestplatte.<br />

Canonical einen Ruf<br />

zu verlieren. Wer<br />

<strong>Ubuntu</strong>s Hauptsponsor nicht traut oder um die Sicherheit<br />

der Dateien fürchtet, sollte diese verschlüsseln,<br />

bevor er sie in das Verzeichnis Unbuntu One<br />

stellt beziehungsweise über den Browser hochlädt<br />

(Referenz: Dateien verschlüsseln).<br />

<strong>Ubuntu</strong> One hat sich von einer einfachen Onlinefestplatte<br />

zu einem interessanten Synchronisationsdienst<br />

gemausert – wenn er denn mal so<br />

funktioniert wie vorgesehen. Im Moment macht<br />

<strong>Ubuntu</strong> One eher den Eindruck einer großen Baustelle.<br />

Dennoch gibt Canonical nicht auf <strong>und</strong> verzahnt<br />

<strong>Ubuntu</strong> One immer weiter mit <strong>Ubuntu</strong> – die<br />

pfiffige Integration in das Software-Center ist nur<br />

der Anfang. Umgekehrt wandern aber auch immer<br />

mehr Daten in die Cloud. Im Gegensatz zu konkurrierenden<br />

Diensten wie Dropbox [2] ist <strong>Ubuntu</strong><br />

One im Moment noch mehr oder weniger auf<br />

<strong>Ubuntu</strong> abonniert. Es dürfte aber nur eine Frage<br />

der Zeit sein, bis Canonical auch diese Ecken abschleift.<br />

(kki) ●●●<br />

8 Wie ein Klick auf das nebenstehende „More“ enthüllt, ist das Bild mit dem Vogel momentan<br />

über den angezeigten Link erreichbar.<br />

www.ubuntu-user.de 01/2012<br />

UBUNTU<br />

user<br />

61


Desktop<br />

Dateien verschlüsseln<br />

Verschlüsselte Dateien für die Cloud<br />

Sicher in die Wolke<br />

Paul Prescott, 123RF<br />

Dateien verschlüsseln ist<br />

wieder richtig sinnvoll,<br />

seitdem die Anwender<br />

immer mehr Inhalte in die<br />

Cloud schieben – ungesichert<br />

<strong>und</strong> theoretisch für<br />

jeden e<strong>ins</strong>ehbar.<br />

<br />

Kristian Kißling<br />

1 Über die grafische Oberfläche eines Programms namens<br />

Seahorse legen Sie einfach neue PGP-Schlüssel an.<br />

Unternehmen haben sich in der Vergangenheit<br />

nicht immer sensibel gezeigt, wenn es<br />

um den Umgang mit den Daten ihrer K<strong>und</strong>en<br />

ging. Sony hat in diesem Jahr wohl den Vogel<br />

abgeschossen <strong>und</strong> ließ sich über das Playstation-<br />

<strong>Netz</strong>werk Millionen von K<strong>und</strong>endaten stehlen – es<br />

gibt weitere Fälle. Beim Cloud Computing, zu dem<br />

inzwischen schon das Hochladen von Daten in<br />

einen Onlinespeicher gezählt wird, ist nicht nur<br />

der Datendiebstahl ein Problem. Die Betreiber<br />

von Cloud-Diensten wie Dropbox, HiDrive <strong>und</strong><br />

<strong>Ubuntu</strong> One können – auch ohne Ihr Wissen – auf<br />

Ihre Daten zugreifen <strong>und</strong> diese auswerten. Zudem<br />

kann es passieren, dass Mitarbeiter einer Firma<br />

Daten stehlen <strong>und</strong> weiterverkaufen – auch hierfür<br />

gibt es reale Beispiele.<br />

Das macht das Hochladen von Daten in die Cloud<br />

aber nicht zwangsläufig zu einem Himmelfahrtskommando.<br />

Einerseits gibt es durchaus eine Reihe<br />

von Daten, die auch für unbekannte Dritte uninteressant<br />

sind, etwa die private Musiksammlung.<br />

Andererseits besteht die Möglichkeit, Daten zum<br />

Beispiel mit PGP zu verschlüsseln, wie es dieser<br />

Artikel beschreibt.<br />

PGP-Schlüssel anlegen<br />

GnuPG ist eine freie Implementierung von Open-<br />

PGP, das sich an Phil Zimmermanns Pretty-Good-<br />

Privacy-Algorithmus (PGP) anlehnt <strong>und</strong> als RFC<br />

4880 [1] standardisiert wurde. Die Software lässt<br />

sich unter <strong>Ubuntu</strong> <strong>ins</strong>tallieren <strong>und</strong> zum einfachen<br />

Verschlüsseln von Dateien<br />

nutzen.<br />

GnuPG selbst ist bereits<br />

vor<strong>ins</strong>talliert, Sie müssen<br />

allerdings noch einen<br />

Schlüssel erzeugen. Das<br />

gelingt über ein paar<br />

Kommandozeilenbefehle<br />

[2]. Bequemer geht es<br />

aber über eine grafische<br />

Software namens Seahorse<br />

oder Passwords and Keys.<br />

Diese rufen Sie auf, indem Sie [Windows] drücken<br />

<strong>und</strong> pass eingeben. Das öffnet ein Fenster, in<br />

dem Sie die verfügbaren Schlüssel sehen. Klicken<br />

Sie auf Datei | Neu, um einen neuen Schlüssel<br />

anzulegen, wobei Ihre Wahl auf PGP-Schlüssel<br />

fällt. Ein Klick auf Weiter bringt Sie <strong>ins</strong> nächste<br />

Fenster. Hier tragen Sie zunächst die Daten für Ihren<br />

Schlüssel ein, den Sie später auch verwenden<br />

können, um Ihre E-Mails zu signieren <strong>und</strong> zu verschlüsseln.<br />

Aber hier soll es nur um das Verschlüsseln<br />

von Dateien gehen.<br />

Unterhalb der Eingabefelder sehen Sie ein Aufklappmenü<br />

mit der Beschriftung Erweiterte Optionen<br />

(Abbildung 1). Sie müssen hier nichts ändern,<br />

dürfen aber ruhig einen Blick riskieren. Als Standardverschlüsselung<br />

kommt RSA mit einer Schlüssellänge<br />

von 2048 Bit zum E<strong>ins</strong>atz. Das sollte genug<br />

Sicherheit für Ihre Daten bieten. Standardmäßig<br />

schlägt die Software vor, die Schlüssel nie ablaufen<br />

zu lassen. Wollen Sie die Laufzeit begrenzen, entfernen<br />

Sie das Häkchen bei Läuft nie ab.<br />

Über einen Klick auf Erstellen lassen Sie dann den<br />

Schlüssel generieren. Dabei geben Sie als erste<br />

Amtshandlung ein Passwort ein, mit dem Sie<br />

später auch die Dateien ver- <strong>und</strong> entschlüsseln.<br />

Dieses sollten Sie sich also gut merken. Wollen Sie<br />

einmal das Kennwort für den Schlüssel ändern,<br />

klicken Sie diesen mit der rechten Maustaste im<br />

Register Eigene Schlüssel an <strong>und</strong> wählen Eigenschaften<br />

| Kennwort ändern.<br />

Anschließend beginnt Seahorse (<strong>und</strong> im Hintergr<strong>und</strong><br />

gpg) die Schlüssel nach Zufallswerten zu<br />

generieren, welche die Software auf dem System<br />

vorfindet. Sie sollten in dieser Zeit ganz normal<br />

weiterarbeiten. Gewöhnlich dauert es ein paar<br />

Minuten, bis der Schlüssel fertig ist. In diesem<br />

Fall taucht in der Seahorse-Oberfläche ein neuer<br />

Schlüssel im Reiter Eigene Schlüssel auf.<br />

Chiffrieren/​Dechiffrieren<br />

Leider ändern sich die Dinge in <strong>Ubuntu</strong> im Halbjahrestakt<br />

– <strong>und</strong> nicht immer zum Besseren. In<br />

<strong>Ubuntu</strong> 11.10 gibt es beispielsweise das Paket<br />

62 UBUNTU<br />

01/2012<br />

www.ubuntu-user.de<br />

user


Dateien verschlüsseln<br />

Desktop<br />

seahorse-plugin nicht mehr. Das erlaubte es in<br />

den vorherigen <strong>Ubuntu</strong>-Versionen, Dateien aus<br />

dem Dateimanager Nautilus heraus zu verschlüsseln.<br />

Dabei genügte es, eine Datei mit der rechten<br />

Maustaste anzuklicken <strong>und</strong> den Eintrag Verschlüsseln<br />

aus dem Kontextmenü zu wählen. Bis die<br />

Funktion zurückkehrt (<strong>und</strong> das bleibt zu hoffen),<br />

müssen Sie sich mit der Kommandozeile behelfen.<br />

Über die Eingabe des Befehls<br />

$ gpg ‐‐encrypt ‐a ‐‐recipient U<br />

{Schlüsselname oder Schlüssel_ID} test.txt<br />

verschlüsseln Sie eine Datei mit dem Namen test.<br />

txt <strong>und</strong> machen aus ihr eine Datei namens test.txt.<br />

asc. Der Schalter --encrypt dürfte selbsterklärend<br />

sein, interessanter ist die Option -a. Dank ihr erzeugt<br />

gpg verschlüsselte Dateien mit der Endung<br />

.asc, die nur aus druckbaren ASCII-Zeichen bestehen.<br />

Einige Internetprotokolle übertragen nur<br />

solche Zeichen, <strong>ins</strong>ofern empfiehlt sich der E<strong>ins</strong>atz<br />

dieses Schalters, wenn Sie verschlüsselte Daten<br />

über das Internet versenden. Schließlich geben Sie<br />

über --recipient {Schlüsselname oder Schlüssel_ID}<br />

den Namen Ihres öffentlichen Schlüssels oder dessen<br />

ID an. Beide finden Sie über den Befehl<br />

$ gpg ‐k<br />

heraus. In Abbildung 2 lautet der Name Testschlüssel<br />

<strong>und</strong> die zugehörige ID 7EE9ADEC.<br />

Das Entschlüsseln einer Datei funktioniert über:<br />

$ gpg ‐‐decrypt ‐‐output ergebnis.txt test.U<br />

txt.asc<br />

Hier entschlüsseln Sie eine Datei über die Option<br />

--decrypt. Es folgt der Parameter --output ergebnis.<br />

txt, der einen Namen für die entschlüsselte Datei<br />

vergibt. Lassen Sie den Schalter weg, gibt gpg den<br />

Inhalt der Datei nur im Terminal aus. Nach Eingabe<br />

des Befehls erscheint ein Fenster, in das Sie<br />

das beim Erstellen des Schlüssels angelegte Passwort<br />

eingeben. In der Datei ergebnis.txt finden Sie<br />

dann den gesuchten Klartext vor (Abbildung 3).<br />

Einfacher verschlüsseln<br />

Es ist mühselig, vor jedem Upload ein Terminal<br />

aufzurufen. Sie erleichtern sich das Leben ein<br />

wenig, indem Sie die Befehle zum End- <strong>und</strong> Verschlüsseln<br />

mit einem Alias verkürzen. Es handelt<br />

sich um ein Kürzel, das Sie anstelle eines langen<br />

Befehls verwenden. Das definieren Sie in der versteckten<br />

Datei .bash_aliases in Ihrem Home:<br />

$ echo "alias enc='gpg ‐‐encrypt ‐a U<br />

‐‐recipient 7EE9ADEC'" >> $HOME/.basU<br />

h_aliases<br />

$ echo "alias dec='gpg ‐‐decrypt'" U<br />

>> $HOME/.bash_aliases<br />

2 Sie lassen sich erst den Schlüsselnamen <strong>und</strong> die Schlüssel-ID Ihres öffentlichen Schlüssels<br />

anzeigen <strong>und</strong> chiffrieren dann die Datei.<br />

Den Befehl zwischen den doppelten Anführungszeichen<br />

hängt echo an das Ende der Datei $HOME/​<br />

.bash_aliases (beachten Sie das einfache vor dem<br />

schließenden doppelten Anführungszeichen). Er<br />

definiert das Alias, dem Sie in der ersten Zeile das<br />

Kürzel enc zuweisen, in der zweiten das Kürzel<br />

dec. Nach den Gleichheitszeichen folgt – in einfachen<br />

Anführungszeichen – jeweils die Befehl, die<br />

Sie abkürzen wollen. Nach einem Neustart des<br />

Terminals sind die neuen Kürzel bekannt, <strong>und</strong> Sie<br />

verschlüsseln die Dateien also über:<br />

$ enc {DATEI}<br />

Sie entschlüsseln sie mit diesem Befehl:<br />

$ dec {DATEI}.asc > {ZIELDATEI}<br />

Leider löst alias keine Variablen auf, daher die manuelle<br />

Umleitung in eine {ZIELDATEI}, die Sie in<br />

der Praxis durch einen Wunschnamen ersetzen.<br />

Fazit<br />

Sicher wäre es schöner, wenn das Verschlüsseln<br />

auch aus dem Dateimanager Nautilus heraus<br />

funktionierte. Die von uns gezeigte Alternative ist<br />

etwas komplizierter, aber auch ein gangbarer Weg,<br />

um Ihre Privatsphäre <strong>und</strong> die Sicherheit Ihrer Daten<br />

zu schützen. Gewiefte Kommandozeilenfans<br />

könnten noch ein Skript anlegen, das die Dateien<br />

in einem bestimmten<br />

Ordner automatisch<br />

verschlüsselt <strong>und</strong><br />

dann in <strong>Ubuntu</strong>s Uploadordner<br />

kopiert.<br />

Umgekehrt kann<br />

dann auch ein Skript<br />

heruntergeladene<br />

Dateien wieder automatisch<br />

entschlüsseln,<br />

wenn Sie diese<br />

in einen bestimmten<br />

Ordner legen. Sicher<br />

ergibt es aber Sinn,<br />

sensible Daten zu<br />

verschlüsseln, bevor<br />

sie in die Cloud wandern.<br />

(kki) ●●● entschlüsselte Datei tragen soll.<br />

Glossar<br />

RSA: Ronald L. Rivest, Adi Shamir<br />

<strong>und</strong> Leonard Adleman haben dieses<br />

asymmetrische kryptografische Verfahren<br />

am MIT entwickelt.<br />

Info<br />

[1] RFC 4880: [http:// tools. ietf.​<br />

org/ html/ rfc4880]<br />

[2] Mehr Infos zu<br />

GnuPG: [http:// wiki.​<br />

ubuntuusers. de/ gnupg#​<br />

Der‐Schluesselb<strong>und</strong>]<br />

3 Beim Dechiffrieren müssen Sie noch angeben, welchen Namen die<br />

www.ubuntu-user.de 01/2012<br />

UBUNTU<br />

user<br />

63


Desktop<br />

Quicklists<br />

Quicklists für Unity erstellen<br />

Listige Listen<br />

Mit Hilfe von Quicklists beschleunigen Sie den Start von Programmen, indem<br />

Sie gezielt bestimmte Funktionen derselben aufrufen. Wir zeigen, wie Sie<br />

solche Listen selbst anlegen. <br />

Kristian Kißling<br />

Listing 1<br />

01 [Timebased Shortcut U<br />

Group]<br />

02 Name=Ein Foto des U<br />

Bildschirms nach 5 U<br />

Sek<strong>und</strong>en aufnehmen<br />

03 Exec=gnome‐screenshot U<br />

‐d 5<br />

04 TargetEnvironment=Unity<br />

In Unity rufen Sie Programme entweder auf,<br />

indem Sie [Windows] drücken <strong>und</strong> den Namen<br />

eingeben, oder Sie berühren mit dem Mauszeiger<br />

den linken Desktoprand, woraufhin der Launcher<br />

mit seinen Icons erscheint, über die Sie Anwendungen<br />

dann starten. Wollen Sie den Launcher<br />

um Programme ergänzen, öffnen Sie diese, klicken<br />

dann mit der rechten Maustaste auf das angezeigte<br />

Icon im Launcher <strong>und</strong> wählen Im Starter behalten<br />

aus dem Kontextmenü.<br />

Was sind Quicklists?<br />

Dieses Kontextmenü bezeichnen die Unity-Entwickler<br />

als Quicklist – in die sich einzelne Funktionen<br />

einer Anwendung auslagern lassen. Das<br />

Kontextmenü der Anwendung Bildschirmfotos<br />

erlaubt es zum Beispiel nicht nur, die Anwendung<br />

selbst zu starten. Zwei weitere Einträge ermöglichen<br />

es, aus einem Menü heraus ein Bildschirmfoto<br />

des gesamten Desktops oder nur des aktuellen<br />

Fensters aufzunehmen (Abbildung 1).<br />

Das setzt voraus, dass ein Programm die Möglichkeit<br />

bietet, es direkt mit dieser Option aufzurufen.<br />

Das Bildschirmfototool ist ein gutes Beispiel. Über<br />

die Kommandozeile rufen Sie es auf, indem Sie<br />

gnome‐screenshot eingeben. Werfen Sie über man<br />

gnome‐screenshot einen Blick auf die Hilfeseite zur<br />

Software, entdecken Sie weitere Möglichkeiten.<br />

Starten Sie die Software über gnome-screenshot<br />

‐w, nimmt sie nur das aktuelle Fenster auf.<br />

Diese Option finden Sie auch in der zugehörigen<br />

Quicklist wieder. Über den Aufruf<br />

gnome-screenshot ‐d 5 nehmen Sie indes<br />

ein Bildschirmfoto mit einer Verzögerung<br />

von fünf Sek<strong>und</strong>en auf. Diese Möglichkeit<br />

fehlt in der Quicklist, wir würden sie aber gern<br />

dort sehen. Kein Problem – sie lässt sich einfach<br />

ergänzen.<br />

Quicklist selbst erweitern<br />

Eine Möglichkeit besteht darin, zum Unity Launcher<br />

Editor [1] zu greifen (Abbildung 2). Die Python-Software<br />

liegt zwar nur im Quellcode vor, den<br />

können Sie aber einfach ausführen. Leider funktioniert<br />

die aktuelle Version nicht: Da die letzten Änderungen<br />

vom Juni stammen, entwickelt eventuell<br />

niemand mehr das Projekt weiter.<br />

Die einzige Option besteht derzeit also darin, die<br />

Einträge per Hand einzufügen, wie es das Kapitel<br />

„Quicklists manuell ändern“ erklärt. Aber wir erklären<br />

die Installation des grafischen Editors dennoch<br />

kurz; möglicherweise tut sich ja nach dem<br />

Erscheinen des Heftes noch etwas (siehe Kasten<br />

Quellcode verwenden).<br />

Quicklist manuell ändern<br />

Alternativ – <strong>und</strong> das ist aktuell der einfachere<br />

Weg – ändern Sie einfach die zum Launcher-Icon<br />

gehörige Datei mit der Endung .desktop im Ordner<br />

/usr/​share/​applications. Dort finden Sie zahlreiche<br />

vordefinierte Quicklist-Einträge, die Sie nach<br />

Belieben anpassen. Um beim Beispiel zu bleiben,<br />

drücken Sie [Strg]+[Alt]+[T] <strong>und</strong> geben<br />

$ sudo gedit /usr/share/applications/U<br />

gnome‐screenshot.desktop<br />

ein (Abbildung 3). Bereits am Namen der Datei<br />

erkennen Sie das Schema, nach dem <strong>Ubuntu</strong> die<br />

dariusl, 123RF<br />

1 Über die Quicklist-Einträge rufen Sie direkt bestimmte<br />

Funktionen eines Programms auf.<br />

64 UBUNTU<br />

01/2012<br />

www.ubuntu-user.de<br />

user


Quicklists<br />

Desktop<br />

2 Der Unity Launcher Editor nach dem Start: Aktuell funktioniert die Software, für die es kein<br />

PPA gibt, leider nicht. Auch erklärt sie ihre Optionen eher wenig.<br />

3 Die Desktopdateien bearbeiten Sie ohne großen Aufwand<br />

auch per Hand. Den grafischen Editor brauchen Sie<br />

dazu nicht unbedingt.<br />

Desktopdateien – <strong>und</strong> damit auch die Quicklists<br />

– benennt. Es besteht aus dem Namen des Programms,<br />

gefolgt von der Endung .desktop. Nun<br />

fügen Sie in die Datei neue Zeilen ein (Listing<br />

1). Wichtig sind die Abschnitte [Screen Shortcut<br />

Group] <strong>und</strong> [Window Shortcut Group]. Den Namen<br />

der neuen Gruppe legen Sie selbst fest; darunter<br />

folgen die zugehörigen Befehle.<br />

Den Namen des Quicklist-Eintrags tragen Sie am<br />

besten auf Deutsch ein, andernfalls müssten Sie<br />

extra dafür die Datei mit den Übersetzungen anpassen.<br />

Hinter Exec steht der auszuführende Befehl.<br />

Wie erwähnt nimmt gnome‐screenshot ‐d 5 nach<br />

fünf Sek<strong>und</strong>en ein Bild des Desktops auf. Als TargetEnvironment<br />

lassen Sie Unity stehen.<br />

Nun haben Sie die wichtigsten Einträge ergänzt,<br />

dennoch erscheint der Quicklist-Befehl nicht,<br />

wenn Sie mit der rechten Maustaste auf das Icon<br />

der Bildschirmfoto-Software klicken. Der Gr<strong>und</strong>:<br />

Sie haben mit Timebased einen neuen Begriff<br />

eingeführt. Den müssen Sie erstmal in der Zeile X-<br />

Ayatana-Desktop-Shortcuts ergänzen:<br />

X‐Ayatana‐Desktop‐Shortcuts=Screen;U<br />

Window;Timebased<br />

Das wars schon. Klicken Sie nun auf das erwähnte<br />

Icon, erscheint der neue Eintrag in der Quicklist.<br />

Er gilt systemweit: Nutzen andere Anwender dasselbe<br />

<strong>Ubuntu</strong>-System, erscheint der neue Eintrag<br />

auch bei ihnen. Wollen Sie einen lokalen .desktop-<br />

Eintrag anlegen, verwenden Sie den Ordner .local/​<br />

share/​applications in Ihrem Home-Verzeichnis.<br />

Fazit<br />

Eigentlich sollte der grafische Editor das Einrichten<br />

von Quicklists vereinfachen. Doch abgesehen<br />

davon, dass er nicht funktioniert, bringt er auch<br />

sonst (noch) keine sichtbaren Vorteile mit. E<strong>ins</strong>teigern,<br />

die mit der Kommandozeile nicht viel am Hut<br />

haben, gibt der Editor bisher keine Hilfestellung.<br />

Möglicherweise wird das eine zukünftige Version<br />

ändern, denn der Quellcode ist offen; jeder kann<br />

ihn verwenden <strong>und</strong> weiterentwickeln.<br />

Bis dahin tragen Sie die wichtigen Daten für die<br />

Quicklists am besten über einen Texteditor ein.<br />

Für einige Programme, bei denen im Launcher bisher<br />

nur ein Icon mit Fragezeichen erscheint, müssen<br />

Sie eventuell eigene .desktop-Dateien erstellen.<br />

Orientieren Sie sich dabei am besten an den bereits<br />

vorhandenen Exemplaren. (kki) ●●●<br />

Quellcode verwenden<br />

Software, die noch in einem Quellcode-Repository<br />

steckt, müssen Sie zunächst aus diesem<br />

auschecken – so nennt sich das in Entwicklerkreisen.<br />

Das ist beim Unity Launcher Editor nicht<br />

anders. Öffnen Sie daher als erstes ein Terminal<br />

<strong>und</strong> geben Sie<br />

$ bzr branch lp:unity‐launcher‐editor<br />

ein, um den Code aus dem Repository der Entwickler<br />

auf Ihre Festplatte zu holen. Damit das<br />

funktioniert, müssen Sie zuvor das<br />

Paket bzr <strong>ins</strong>tallieren:<br />

$ sudo apt‐get <strong>ins</strong>tall bzr<br />

In dem Paket verbirgt sich ein Client<br />

für die Versionsverwaltungssoftware<br />

Bazaar. Der Befehl bzr ist nichts anderes<br />

als ein Aufruf dieses Clients.<br />

<strong>Ubuntu</strong> holt den Quelltext nun aus<br />

dem Onlinespeicher <strong>und</strong> legt ihn in<br />

dem lokalen Verzeichnis ab, in dem<br />

Sie sich gerade befinden.<br />

Wechseln Sie nun in das beim Auschecken<br />

erstellte Verzeichnis (cd<br />

unity-launcher-editor) <strong>und</strong> geben Sie<br />

Info<br />

[1] Unity Launcher Editor:<br />

[https:// launchpad. net/​<br />

unity‐launcher‐editor]<br />

dort den folgenden Befehl ein:<br />

$ ./ule<br />

Auf diese Weise rufen Sie die Software direkt<br />

auf. Um einen neuen Quicklist-Eintrag anzulegen,<br />

wählen Sie links das Icon der passenden<br />

Anwendung aus <strong>und</strong> klicken dann rechts auf<br />

das grüne Pluszeichen. In das neue Fenster<br />

tragen Sie die Daten ein, die Sie auch in Listing<br />

1 vorfinden (Abbildung 4).<br />

4 Die Daten für die Desktopdateien tragen Sie auch im<br />

grafischen Editor selbst ein.<br />

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UBUNTU<br />

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65


Office<br />

Th<strong>und</strong>erbird vs. Evolution<br />

Cheryl Quigley, 123RF<br />

Welcher Client hat die Nase vorn?<br />

Kopf an Kopf<br />

Mittlerweile ist es<br />

Tatsache: Th<strong>und</strong>erbird<br />

7 hat Evolution als<br />

<strong>Ubuntu</strong>s Standardclient<br />

für E-Mails abgelöst.<br />

Doch war der Wechsel<br />

gerechtfertigt? Wir<br />

schauen nach.<br />

<br />

Joe „Zonker“ Brockmeier<br />

Seit den Anfängen von <strong>Ubuntu</strong> begleitet Evolution<br />

die Distribution als offizieller E-Mail-Client,<br />

was sich in <strong>Ubuntu</strong> 11.10 ändert. Wir schauen, ob<br />

Th<strong>und</strong>erbird 7 einen würdigen Ersatz für Evolution<br />

abgibt, <strong>und</strong> vergleichen beide Programme.<br />

Einrichtung<br />

Wenn Sie einen E-Mail-Client verwenden, müssen<br />

Sie ihn zuerst einrichten. Th<strong>und</strong>erbird macht<br />

diesen Prozess einfach. Die Abbildungen 1 <strong>und</strong><br />

2 zeigen, wie Th<strong>und</strong>erbird einen Großteil des<br />

Einrichtungsprozesses automatisiert. Geben Sie<br />

einfach Ihren Namen <strong>und</strong> eine E-Mail-Adresse<br />

ein, <strong>und</strong> der Donnervogel rennt los. Dieser Ansatz<br />

funktioniert großartig, wenn Sie bekannte E-Mail-<br />

Provider verwenden, wie<br />

Google Mail, Yahoo! oder<br />

T-Online. Bei kleineren <strong>und</strong> unbekannteren Providern<br />

müssen Sie eventuell selbst Hand anlegen:<br />

Th<strong>und</strong>erbird versucht zwar, die POP- <strong>und</strong> IMAP-<br />

E<strong>ins</strong>tellungen (also die Servernamen <strong>und</strong> Ports) zu<br />

erraten, häufig müssen Sie aber nachhelfen. Scheitert<br />

das Verschicken von E-Mails, passen Sie über<br />

Bearbeiten | Konten-E<strong>ins</strong>tellungen | Postausgang-<br />

Server (SMTP) die Daten für den Versand nachträglich<br />

an die Vorgabe des Providers an.<br />

Bei Evolution starten Sie, wie die Abbildungen 3<br />

<strong>und</strong> 4 zeigen, mit der Angabe der Daten für den<br />

E-Mail-Empfang (POP/​IMAP). Dann geht es weiter<br />

mit ein paar Optionen, die den Empfang betreffen,<br />

anschließend gelangen Sie zu den Versande<strong>ins</strong>tellungen<br />

(Verschicken von E-Mails). Die Konfigura-<br />

1 Nach dem ersten Start erfragt Th<strong>und</strong>erbird zunächst Ihre E-Mail-<br />

E<strong>ins</strong>tellungen. Basierend auf diesen Daten …<br />

2 … versucht der Donnervogel, mit Hilfe einer Datenbankabfrage die Servere<strong>ins</strong>tellungen<br />

für den E-Mail-Provider zu erraten.<br />

68 UBUNTU<br />

01/2012<br />

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Th<strong>und</strong>erbird vs. Evolution<br />

Office<br />

3 Evolution einrichten: Das Drop-down-Menü „Server-Art“ bietet eine Reihe<br />

von Protokollen zum Abholen Ihrer E-Mails an.<br />

4 Evolution einrichten: Verschicken dürfen Sie Ihre E-Mails hier wahlweise<br />

über SMTP oder Sendmail.<br />

tion umfasst einige Schritte <strong>und</strong> fühlt sich – verglichen<br />

mit Th<strong>und</strong>erbird – etwas schwerfällig an. Natürlich<br />

können Sie einwenden, dass die Benutzer<br />

doch besser selbst die E<strong>ins</strong>tellungen vornehmen,<br />

doch das will eher eine Minderheit unter den Anwendern.<br />

Und deren Vertreter hangeln sich einfach<br />

hinterher durch die Vore<strong>ins</strong>tellungen – wenn der<br />

Client bereits läuft.<br />

Apropos E<strong>ins</strong>tellungen: Riskieren Sie nun einmal<br />

einen Blick auf die Vore<strong>ins</strong>tellungen für Th<strong>und</strong>erbird<br />

<strong>und</strong> Evolution. Abbildung 5 zeigt Th<strong>und</strong>erbirds<br />

Einrichtungsdialog, Abbildung 6 den für<br />

Evolution. Der Vergleich fällt nicht so eindeutig<br />

aus. Insgesamt scheint Th<strong>und</strong>erbird das sauberere<br />

Layout zu besitzen, über das Sie Optionen einfacher<br />

finden. An Evolution gefällt uns hingegen<br />

der Umgang mit den E-Mail-Konten besser, die Sie<br />

direkt in den Vore<strong>ins</strong>tellungen einrichten. Alles in<br />

allem erweist sich die Beurteilung der E<strong>ins</strong>tellungen<br />

eher als Geschmackssache.<br />

Was aber in der Tat stört (<strong>und</strong> das schon länger),<br />

sind Browser, E-Mail-Programme <strong>und</strong> andere Anwendungen,<br />

die sich ständig als Standardanwendungen<br />

andienen. Das Feature stammt noch aus<br />

den längst vergessenen Browserkriegen, <strong>und</strong> die<br />

meisten Anwender dürften eher darauf verzichten<br />

wollen. Nur weil Sie einen E-Mail-Client einmal<br />

starten, wollen Sie ihn ja nicht ewig <strong>und</strong> ausschließlich<br />

benutzen. Besser wäre es, eine einfach<br />

zu entdeckende E<strong>ins</strong>tellung zu verwenden, die Sie<br />

auswählen, wenn Sie sich tatsächlich dauerhaft<br />

für einen Client entscheiden.<br />

Insgesamt geht der Sieg in Sachen Setup aber klar<br />

an Th<strong>und</strong>erbird. Das Einrichten von Evolution ist<br />

unnötig komplex <strong>und</strong> nimmt dem Anwender selbst<br />

einfachste Arbeiten nicht ab. Die Mozilla-Entwickler<br />

haben beim Automatisieren der Konteneinrichtung<br />

Großes geleistet. Für sehr viele Anwender<br />

errät Th<strong>und</strong>erbird automatisch die richtigen Kontene<strong>ins</strong>tellungen.<br />

Das Einrichten von Evolution<br />

artet hingegen eher in lästige Arbeit aus.<br />

Überbewerten wollen wir diesen Prozess allerdings<br />

nicht: <strong>Per</strong> Definition richten Sie eine Software<br />

schließlich nur einmal ein (vielleicht auch mehrmals,<br />

aber jedenfalls nicht täglich). Als Nächstes<br />

schauen wir daher auf die eigentlichen Features<br />

von Th<strong>und</strong>erbird <strong>und</strong> Evolution.<br />

Funktionen <strong>und</strong> Protokolle<br />

Über die Gr<strong>und</strong>lagen wollen wir hier nicht diskutieren<br />

– natürlich unterstützen beide Clients das<br />

Lesen, Schreiben <strong>und</strong> Senden von E-Mails <strong>und</strong> alles,<br />

was damit einhergeht. Wir konzentrieren uns<br />

lieber auf einige der Kernfunktionen, die nicht zu<br />

den Standards gehören.<br />

Evolution bringt im Bereich der Funktionen <strong>und</strong><br />

unterstützten Protokolle enorme Vorteile gegenüber<br />

Th<strong>und</strong>erbird mit (Abbildung 7). Der Client<br />

unterstützt zwar die offenen Standards (IMAP,<br />

POP3 <strong>und</strong> SMTP), aber ihm fehlt der Support für<br />

Microsoft Exchange, IMAP+ <strong>und</strong> Unix-Mailverzeichnisse,<br />

die einige Linux-Anwender womöglich<br />

bevorzugen. Evolution<br />

setzen Sie hingegen<br />

so auf, dass<br />

es bei Bedarf das<br />

Mbox-Format von<br />

Unix oder Exchange-<br />

Servern unterstützt.<br />

Sie können Th<strong>und</strong>erbird<br />

zwar über<br />

IMAP mit Exchange<br />

verbinden, aber<br />

diese Konfiguration<br />

unterstützt u. a.<br />

keine Kalender.<br />

Tatsächlich bringt<br />

Th<strong>und</strong>erbird 7<br />

weder Kalenderunterstützung,<br />

noch<br />

Aufgabenverwaltung<br />

<strong>und</strong> ToDo-Listen<br />

5 Die Bereiche in Th<strong>und</strong>erbirds E<strong>ins</strong>tellungen erreichen Sie über<br />

Icons, die der Donnervogel horizontal nebeneinander aufreiht.<br />

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69


Office<br />

Th<strong>und</strong>erbird vs. Evolution<br />

6 Evolution ordnet die Icons zu den verschiedenen E<strong>ins</strong>tellungen<br />

vertikal an <strong>und</strong> zeigt im rechten Bereich die Benutzerkonten.<br />

Glossar<br />

MH: Message Handler; Format eines<br />

gleichnamigen E-Mail-Clients,<br />

der um die 30 Jahre alt ist.<br />

7 Das Bild zeigt die von Evolution unterstützten Protokolle <strong>und</strong><br />

Formate für das Abholen von E-Mails.<br />

8 Th<strong>und</strong>erbird lässt sich über zahlreiche Add-ons erweitern.<br />

mit. Hier hilft die Erweiterung<br />

Lightning,<br />

die aber nicht fest zum<br />

Lieferumfang von Th<strong>und</strong>erbird<br />

gehört. Zudem<br />

hielt Lightning im Test<br />

nicht mit dem Kalenderpendant<br />

von Evolution<br />

mit.<br />

Was bedeutet das nun?<br />

Evolution ist der relevante<br />

E-Mail-Client<br />

für Businessanwender,<br />

die in einer Windows-<br />

Umgebung arbeiten<br />

müssen. Es eignet sich<br />

speziell für Leute, die<br />

von Microsoft Outlook<br />

weg wollen. Während die Funktionen <strong>und</strong> das<br />

Aussehen von Evolution sich an Microsoft Outlook<br />

orientieren, wurzelt Th<strong>und</strong>erbird eher in der alten<br />

Netscape-Suite. Auch wenn sich der Donnervogel<br />

über die Jahre verändert hat, steckt ihm das Erbe<br />

von Netscape noch in den Knochen.<br />

Von beiden E-Mail-Clients ist Evolution auch die<br />

Wahl für Linuxer der alten Schule, die ihre E-Mails<br />

in Formaten aufbewahren, die Th<strong>und</strong>erbird einfach<br />

nicht unterstützt (etwa MH). Benötigen Sie<br />

hingegen zum Verwalten Ihrer E-Mails nur IMAP<br />

<strong>und</strong> POP3, liegen beide Clients gleichauf.<br />

Th<strong>und</strong>erbirds Stärke<br />

liegt bei den Erweiterungen<br />

<strong>und</strong> Add-ons<br />

(Abbildung 8). Auch<br />

wenn Evolution Plug<strong>ins</strong><br />

unterstützt, ist die<br />

Auswahl an Erweiterungen<br />

<strong>und</strong> Add-ons<br />

nicht so groß wie die<br />

für Th<strong>und</strong>erbird. Neben<br />

dem erwähnten (<strong>und</strong><br />

sehr empfehlenswerten)<br />

Kalender- <strong>und</strong> Aufgaben-Add-on<br />

Lightning<br />

gibt es für Th<strong>und</strong>erbird<br />

7 Zusatzsoftware, die<br />

Werbung in E-Mails<br />

ausblendet, eine Konversationsansicht<br />

wie<br />

Google Mail e<strong>ins</strong>tellt,<br />

nach doppelten Nachrichten<br />

sucht <strong>und</strong> vieles<br />

mehr. Auch wenn Th<strong>und</strong>erbirds<br />

Add-ons im<br />

Vergleich zu denen von<br />

Firefox nur ein Tropfen<br />

auf den heißen Stein<br />

sind, übertrumpfen sie<br />

dennoch die Zahl der<br />

Plug-<strong>ins</strong> für Evolution.<br />

Geschwind <strong>und</strong> stabil<br />

Im täglichen Umgang mit E-Mails bedeutet Geschwindigkeit<br />

alles: Wenn Sie Mails abholen,<br />

senden, kopieren oder bearbeiten, soll der E-Mail-<br />

Client so schnell reagieren wie Ihre Finger.<br />

Th<strong>und</strong>erbird punktet bei der Geschwindigkeit.<br />

Beim Abholen von vielen E-Mails über IMAP<br />

beeindrucken uns weder Th<strong>und</strong>erbird noch Evolution<br />

besonders, aber Th<strong>und</strong>erbird legt doch<br />

die bessere <strong>Per</strong>formance hin. Er rendert zudem<br />

Nachrichten schneller, während Evolution immer<br />

ein wenig Zeit braucht, bevor es eine Mail anzeigt.<br />

Das trifft selbst dann zu, wenn Sie das Add-on<br />

Conversations [1] verwenden, das Th<strong>und</strong>erbird zusätzlichen<br />

Rechenaufwand abverlangt.<br />

Zwar bringen beide Clients Tastaturkürzel mit,<br />

um E-Mails schneller zu bearbeiten, doch die<br />

von Th<strong>und</strong>erbird sind meist kürzer (<strong>und</strong> damit<br />

praktischer). Um eine Nachricht zu archivieren,<br />

drücken Sie [A]. Eine neue Nachricht erzeugt<br />

[Strg]+[N] – im Gegensatz zum Fingerbrecher<br />

[Strg]+[Umschalt]+[M] bei Evolution. Die Unterschiede<br />

sind nicht schlachtentscheidend, aber<br />

ohne Maus arbeiten Sie mit Th<strong>und</strong>erbird besser.<br />

Nicht zuletzt leidet die Geschwindigkeit von Evolution<br />

an einigen Prozessen, die im Hintergr<strong>und</strong><br />

ablaufen <strong>und</strong> die etwa einen Alarm bei einem<br />

Ereignis auslösen – Th<strong>und</strong>erbird verzichtet auf<br />

dieses zusätzliche Gepäck.<br />

GUI <strong>und</strong> Benutzerfre<strong>und</strong>lichkeit<br />

Eine der häufigsten Fragen, die Anwender an einen<br />

E-Mail-Client stellen, lautet: Lässt er sich gut<br />

bedienen? Sicher sind der Prozess des Einrichtens<br />

<strong>und</strong> die unterstützten Protokolle wichtig, aber wie<br />

steht es um die Benutzerfre<strong>und</strong>lichkeit der Mailer?<br />

Auch das so genannte Look & Feel ist sicher nicht<br />

der wichtigste Faktor, aber schon deshalb relevant,<br />

weil Sie einfach viel Zeit damit verbringen, auf<br />

den Client zu starren. Das betrifft gelegentliche<br />

E-Mail-Nutzer eher weniger. Beantworten Sie jedoch<br />

als fortgeschrittener Anwender st<strong>und</strong>enlang<br />

E-Mails, macht es einen Unterschied.<br />

Wir finden die in den Abbildungen 9 <strong>und</strong> dargestellten<br />

Clients etwa gleich attraktiv. Hatte sich Evolution<br />

früher deutlich besser in den Unity-Desktop<br />

integriert, fällt dieser Vorsprung nun weg, denn<br />

Th<strong>und</strong>erbird wurde – auch im Hinblick auf eine potenzielle<br />

Integration, recht gut in Unity eingepasst<br />

(siehe Kasten Unity <strong>und</strong> Th<strong>und</strong>erbird).<br />

Th<strong>und</strong>erbird bringt unserer Meinung nach mittlerweile<br />

das bessere Interface mit, das zudem<br />

ein wenig aufgeräumter wirkt. Aber es ist nicht<br />

ohne Makel: So finden wir das Hin- <strong>und</strong> Herschieben<br />

von Nachrichten in Evolution einfacher<br />

([Strg]+[Umschalt]+[V]), während in Th<strong>und</strong>erbird<br />

das Archivieren problemlos klappt (über<br />

Nachrichten | Archivieren oder [A]). Th<strong>und</strong>erbird<br />

unterstützt zudem Tags <strong>und</strong> lässt Sie Ordner in<br />

Tabs verfrachten, um sie so parallel anzuschauen.<br />

70 UBUNTU<br />

01/2012<br />

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user


Th<strong>und</strong>erbird vs. Evolution<br />

Office<br />

9 Evolution in der Standardansicht: Links sehen Sie die E-Mail-Ordner,<br />

rechts oben erscheinen die Nachrichten, darunter deren Inhalte.<br />

Th<strong>und</strong>erbird strukturiert seine grafische Oberfläche ähnlich wie Evolution,<br />

wirkt aber etwas aufgeräumter.<br />

Nicht zuletzt lässt sich das Interface über <strong>Per</strong>sonas<br />

[2] anpassen, die der Oberfläche ein individuelles<br />

Aussehen verleihen.<br />

Lebhafte Entwicklung<br />

Einen weiteren Faktor, den man beim Bewerten<br />

eines Tools in Betracht ziehen muss, ist die Entwickler-Roadmap:<br />

Wird es schnell verbessert, oder<br />

plätschert der Prozess eher vor sich hin?<br />

Bei diesem Kriterium liegt Th<strong>und</strong>erbird klar vorn,<br />

während (die) Evolution – man verzeihe das Wortspiel<br />

– ein wenig stagniert. Einen Großteil der Entwicklung<br />

dieses E-Mail-Clients, der Teil des Gnome-<br />

Projekts ist, hatte Novell gesponsert, als sich die<br />

Firma noch stark für den Linux-Desktop interessierte.<br />

Diese Tage sind lange vorbei. Auch wenn<br />

vielleicht noch einige Leute an Evolution arbeiten,<br />

sieht die Roadmap aktuell eher dürftig aus.<br />

Th<strong>und</strong>erbird bekommt indes wieder mehr Zuwendung<br />

von der Mozilla Fo<strong>und</strong>ation. Die Entwicklung<br />

des Clients nimmt an Fahrt auf <strong>und</strong> folgt<br />

nun denselben beschleunigten Entwicklungszyklen<br />

wie Firefox. Neue Versionen erscheinen im<br />

Sechs-Wochen-Rhythmus, was Features schneller<br />

zu den Anwendern bringt. Allerdings bringt das<br />

den Entwicklern auch Kritik ein, da nun ständig<br />

neue Th<strong>und</strong>erbird-Versionen erscheinen <strong>und</strong> die<br />

Add-on-Entwickler mitunter nicht Schritt halten<br />

können. Der neue Release-Zyklus bedeutet aber<br />

nicht, dass jede Veröffentlichung gravierende<br />

Änderungen mitbringt: Er sorgt dafür, dass die<br />

Unity <strong>und</strong> Th<strong>und</strong>erbird<br />

Die Integration von Th<strong>und</strong>erbird in Unity hat sich in der<br />

Tat deutlich verbessert. Klicken Sie zum Beispiel mit der<br />

rechten Maustaste auf das Th<strong>und</strong>erbird-Icon im Launcher,<br />

erscheint eine Quicklist. Diese erlaubt es, eine neue<br />

Nachricht zu erstellen oder die Kontakte aufzurufen.<br />

Auch schön: Eine kleine Zahl zeigt an, wie viele ungelesene<br />

Nachrichten im Posteingang warten.<br />

Entwickler das veröffentlichen, was gerade da<br />

ist. <strong>Ubuntu</strong>-Nutzer kennen das Modell, das die<br />

Distribution seit ihren Anfängen verwendet. Auch<br />

wenn Th<strong>und</strong>erbird 7 im Vergleich zum Vorgänger<br />

kein großer Schritt war, ist es wahrscheinlich, dass<br />

der Donnervogel in der nahen Zukunft deutlich<br />

schneller wächst als Evolution.<br />

And the winner is …<br />

Jeder Mailclient hat seine Stärken <strong>und</strong> Schwächen.<br />

Es gibt so viele Featurewünsche <strong>und</strong> E<strong>ins</strong>atzmöglichkeiten,<br />

dass es unmöglich ist, alle Anwender<br />

glücklich zu machen. So lange Sie jedoch IMAP<br />

oder POP verwenden, um E-Mails abzuholen, ist<br />

Th<strong>und</strong>erbird der Client der Wahl. Die Entwicklungsgeschwindigkeit,<br />

die Add-ons <strong>und</strong> der Fokus<br />

auf das reine E-Mail-Geschäft machen ihn zu<br />

unserem Client der Herzen. Bevorzugen Sie einen<br />

Outlook-Klon, greifen Sie zu Evolution. Eine Sorge<br />

ist hierbei aber, dass die Entwicklung e<strong>ins</strong>chläft:<br />

Die Zukunftspläne wirken eher bescheiden; es<br />

scheint sich nicht viel zu tun.<br />

Für <strong>Ubuntu</strong> ist der Hammer schon gefallen: Jetzt,<br />

da die Entwickler kein reines Gnome mehr ausliefern,<br />

fallen auch Gründe weg, Evolution einzusetzen.<br />

Ohnehin will man beim <strong>Ubuntu</strong>-Projekt weg<br />

von einer Festlegung auf einen Desktop <strong>und</strong> sein<br />

Ökosystem an Anwendungen. Da ist der E<strong>ins</strong>atz<br />

von Th<strong>und</strong>erbird nur ein konsequenter Schritt.<br />

Andererseits könnte Evolution etwas mehr Aufmerksamkeit<br />

erhalten, wenn mit dem Erscheinen<br />

von Gnome 3 für das Projekt ein großes Stück Arbeit<br />

vom Tisch ist.<br />

Wie also lauten die letzten Worte? Auch wenn<br />

Th<strong>und</strong>erbird Evolution nicht vernichtend schlägt,<br />

würden wir es den meisten Anwendern empfehlen<br />

<strong>und</strong> halten den Wechsel für richtig. In den meisten<br />

Punkten erwies sich Th<strong>und</strong>erbird als der bessere<br />

Client, der zudem einen Plan für die Zukunft in<br />

der Tasche hat. Wie sich der neue Release-Zyklus<br />

auswirkt, bleibt jedoch abzuwarten. (kki) ●●●<br />

Der Autor<br />

Joe „Zonker“ Brockmeier ist ein<br />

freier Technologie-Journalist,<br />

Redakteur, Community-Mensch<br />

<strong>und</strong> Advokat für freie Software.<br />

Brockmeier war zwischen<br />

2008 <strong>und</strong> 2010 Community-<br />

Manager im OpenSuse-Projekt<br />

<strong>und</strong> schreibt nun für das Linux<br />

Pro Magazine, OStatic, Linux.<br />

com, Linux-Magazine <strong>und</strong> eine<br />

Reihe weiterer Technologiepublikationen.<br />

Seine Webseite<br />

finden Sie unter [http:// www.​<br />

dissociatedpress. net/], <strong>und</strong><br />

Sie können ihm auf Twitter <strong>und</strong><br />

Identi.ca folgen (@jzb).<br />

Info<br />

[1] Conversations-Add-on für<br />

Th<strong>und</strong>erbird:<br />

[https:// addons. mozilla.​<br />

org/ de/ th<strong>und</strong>erbird/ addon/​<br />

gmail‐conversation‐view/]<br />

[2] <strong>Per</strong>sonas für Th<strong>und</strong>erbird:<br />

[https:// addons. mozilla.​<br />

org/ de/ th<strong>und</strong>erbird/ addon/​<br />

personas‐plus/]<br />

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UBUNTU<br />

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71


Wissen<br />

Metadaten für Bilder<br />

Bilder richtig taggen<br />

Daten für die<br />

Ewigkeit?<br />

Sinisa Botas, 123RF<br />

Können Sie die Meta-<br />

informationen Ihrer<br />

Fotos auch noch in 20<br />

Jahren lesen? Erst allmählich<br />

vereinen Lösungen<br />

die verschiedenen<br />

Standards. Kristian Kißling<br />

1 Ein Wikipedia-Nutzer hat hier skizziert, wie die Richtlinien der Metadata Working Group sich<br />

auf den Umgang mit Metadaten auswirken (Losch/​Wikipedia).<br />

Angeregt durch die Frage eines Lesers beschäftigen<br />

wir uns diesmal mit Metadaten von<br />

Bildern (siehe Kasten Metadaten). Das Problem<br />

besteht nicht nur theoretisch: Auch für <strong>Ubuntu</strong>-<br />

Anwender lautet die schlichte Frage: Mit welchem<br />

Bildbetrachter soll ich meine Fotos verwalten,<br />

damit auch die in die Bilder eingebauten Informationen<br />

die nächsten 20 Jahre überstehen?<br />

Ein Wendepunkt in der Metadaten-Diskussion<br />

war sicherlich der 24. September 2008. Auf der<br />

Photokina in Köln kündigte die Metadata Working<br />

Group (MWG) eine erste Richtlinie zur Kompatibilität<br />

von Metadaten an. Diese wurde notwendig,<br />

weil verschiedene Metaformate für digitale<br />

Bilder nebeneinander existierten <strong>und</strong> bis heute<br />

existieren. Eine der Folgen: Die verschiedenen<br />

Bildbetrachter interpretieren die Metadaten jeweils<br />

anders <strong>und</strong> zerstören sie zum Teil.<br />

Weil die Lage ernst ist, hat das International Press<br />

Telecommunications Council (IPTC, ein in London<br />

angesiedelter Zusammenschluss von Nachrichtenagenturen)<br />

im Mai diesen Jahres ein Manifest<br />

zum Thema verfasst. Die Organisation beschreibt<br />

darin in fünf Punkten, wie sie sich den richtigen<br />

Umgang mit Bildmetadaten vorstellt [2].<br />

Von IIM zu XMP<br />

Aber zu den Anfängen: Da existierte nur IIM, das<br />

Information Interchange Model. Dieses wurde 1991<br />

vom eben erwähnten IPTC entwickelt. Es brachte<br />

bestimmte Tags mit, die es erlaubten, im damals<br />

noch sehr teuren Bereich der professionellen Digitalfotografie<br />

auch Informationen zu den Fotos<br />

(Titel, Aufnahmeort usw.) zu übermitteln.<br />

Doch dann schaffte Adobe 1994 Fakten: Der bedeutendste<br />

Softwareanbieter im Bereich der digitalen<br />

Bildverarbeitung schnappte sich die Definitionen<br />

der IPTC-Metadaten (ohne aber die Struktur<br />

zu übernehmen) <strong>und</strong> bezeichnete sein Metadatenmodell<br />

als IPTC-Header. Dank Photoshop <strong>und</strong><br />

Co. verbreitete sich diese Form der Metadaten <strong>und</strong><br />

wurde zum Standard. Die Informationen zu den<br />

Fotos steckten in den Bildern selbst <strong>und</strong> erschienen<br />

nur, wenn der Bildbetrachter sie aus den Fotos<br />

lesen <strong>und</strong> interpretieren konnte. Dieses Modell<br />

überwiegt bis heute.<br />

72 UBUNTU<br />

01/2012<br />

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Metadaten für Bilder<br />

Wissen<br />

2001 schwenkte Adobe dann zum XML-basierten<br />

XMP-Standard (Extensible Metadata Platform)<br />

um, der sich – anders als IPTC – vom Anwender<br />

beliebig erweitern ließ. Im Gegensatz zur Dublin<br />

Core Metadata Initiative [3], die Metadaten extern<br />

anlegen will, bettete Adobe die XMP-Daten auch<br />

hier direkt in die Bilder ein <strong>und</strong> schrieb sie nicht<br />

in eine separate XML-Datei. Mit XMP-Daten ließen<br />

<strong>und</strong> lassen sich Bilder im PNG- <strong>und</strong> GIF-Format,<br />

aber auch HTML- <strong>und</strong> WAV-Dateien versehen. Das<br />

IPTC reagierte auf XMP <strong>und</strong> entwarf ein XML-<br />

Schema mit dem Namen IPTC Core Schema, das<br />

die IPTC-Metadaten <strong>und</strong> XMP miteinander verband,<br />

also einen kle<strong>ins</strong>ten geme<strong>ins</strong>amen Nenner<br />

zwischen den Formaten schaffte.<br />

Weitere Metadaten kamen allerdings von einer<br />

ganz anderen Seite – den Hardwareherstellern.<br />

Insbesondere die japanischen Kamerahersteller<br />

beeinflussten die Entstehung von Exif. Im Exchangeable<br />

Image File Format schreiben Kameras automatisch<br />

Metadaten in die Header der von ihnen<br />

produzierten Fotos. Das bietet sich an, weil die<br />

Kameras ihre Bilder meist ohnehin gleich in das<br />

JPG-Format konvertieren. Zu den gesammelten<br />

Informationen gehören unter anderem das Datum,<br />

die Uhrzeit, die Blende <strong>und</strong> die Auflösung des Fotos,<br />

aber auch der geografische Standort.<br />

Es kam in der Folge zu einem ziemlichen Chaos:<br />

Verbreitete Bildbetrachter interpretierten die Metadaten<br />

ganz unterschiedlich, weshalb diese falsch<br />

ausgelesen, überschrieben oder schlicht ignoriert<br />

wurden. Das ändert sich nun langsam.<br />

Die Metadata Working<br />

Group (MWG)<br />

Die erwähnte Metadata Working Group wurde<br />

wohl auch aus diesem Gr<strong>und</strong> eingerichtet: um<br />

Metadaten<br />

Versteckt in den Daten von Bildern finden Sie meist auch<br />

ergänzende Informationen zu diesen – die Metadaten.<br />

Sie geben beispielsweise an, wo Sie ein Bild aufgenommen<br />

haben <strong>und</strong> mit welcher Blende. Sie enthalten aber<br />

auch Informationen, die Sie selbst eingeben – etwa den<br />

Titel eines Fotos usw.<br />

Leider fehlt bisher ein einheitliches Metadatensystem<br />

für digitale Bilder, einige Bildtypen bringen gar eigene<br />

Varianten mit. So nutzen Bilder im PNG-Format neben<br />

XMP ein eigenes Metadatensystem [1], bei dem so<br />

genannte Chunks zum E<strong>ins</strong>atz kommen („iTXt, tEXt,<br />

and zTXt chunks“). RAW-Fotos greifen für ihre Metadaten<br />

wahlweise zu den Standards XMP, Exif <strong>und</strong> IPTC<br />

(DNG von Adobe) oder Exif, Makernote (CR2 von Canon)<br />

<strong>und</strong> viele mehr. Fast jeder Kamerahersteller bringt<br />

ein eigenes RAW-Format mit. Die Formate sind dabei<br />

unterschiedlich gut darin, Metadaten aufzunehmen. Im<br />

Artikel konzentrieren wir uns jedoch im Wesentlichen auf<br />

den Umgang mit JPG- <strong>und</strong> TIFF-Dateien, die XMP, Exif<br />

<strong>und</strong> IPTC verstehen.<br />

Ordnung <strong>ins</strong> Chaos der verschiedenen Standards<br />

zu bringen. Zu dem Konsortium, das Microsoft<br />

2006 <strong>ins</strong> Leben rief, gehören unter anderem Apple,<br />

Adobe, Canon, Nokia <strong>und</strong> Sony. Es versuchte<br />

nicht, einen weiteren Standard zu erfinden, sondern<br />

gab Richtlinien vor, die regeln, was passiert,<br />

wenn eine Software in einem Foto auf mehrere<br />

Metadatensysteme trifft. Abbildung 1 zeigt recht<br />

schön, was beim Lesen geschieht: Sind zugleich<br />

Exif- <strong>und</strong> XMP-Daten vorhanden, bevorzugt die<br />

Software zum Beispiel die Exif-Daten.<br />

Wer unterstützt was?<br />

Natürlich kann es gut sein, dass sich die Metadaten<br />

in den nächsten 20 Jahren noch einmal deutlich<br />

ändern. Wenn Sie aber aktuell daran denken,<br />

Ihre Fotos zu taggen, sollten Sie entweder zu Picasa<br />

[4], Digikam [5] oder den Exiftools [6] greifen.<br />

Alle drei unterstützen bereits die von der Metadata<br />

Working Group entworfene Spezifikation. Während<br />

Picasa aber eine proprietäre Bildverwaltung<br />

von Google ist, die sich nach Aussage eines Mitarbeiters<br />

an den MWG-Richtlinien orientiert [7],<br />

steht mit dem KDE-Programm Digikam eine freie<br />

Software mit einem riesigen Funktionsumfang<br />

bereit, die nach Aussage des Projekts den MWG-<br />

Richtlinien folgt [8]. Nicht zuletzt lassen sich mit<br />

den Exiftools gezielt Metadaten beeinflussen – allerdings<br />

über die Kommandozeile. Die Software<br />

bringt eine MWG-Option mit, die Sie gezielt als<br />

Modul aktivieren <strong>und</strong> dann über einen Schalter<br />

anwenden [9].<br />

Wie aber sieht es mit den gängigen <strong>Ubuntu</strong>-<br />

Programmen Gimp <strong>und</strong> Shotwell aus? Letzteres<br />

ist <strong>Ubuntu</strong>s offizieller Bildbetrachter <strong>und</strong> noch<br />

nicht so weit. Die Entwickler kennen jedoch die<br />

MWG-Richtlinien <strong>und</strong> denken darüber nach, sie zu<br />

implementieren [10]. Immerhin kann Shotwell ab<br />

Version 0.8 Tags in den Formaten Exif, XMP <strong>und</strong><br />

IPTC in die Fotos schreiben.<br />

Anders sieht es in Gimp aus: Zwar arbeitet aktuell<br />

ein Entwickler an den Metadaten, aber dabei geht<br />

es offenbar zunächst darum, die Metadaten auszulesen<br />

<strong>und</strong> darzustellen [11]. Es dauert vermutlich<br />

noch etwas, bis die Software zu den anderen<br />

aufschließt – allerdings sind Metadaten auch nicht<br />

das Kerngeschäft von Gimp.<br />

Quo vadis?<br />

Natürlich weiß niemand, wie die Welt in 20<br />

Jahren aussieht. Wenn Sie aber jetzt sofort eine<br />

Fotosammlung inklusive Tags aufbauen wollen,<br />

würden wir empfehlen, das JPG- oder TIFF-Format<br />

zu verwenden <strong>und</strong> – zumindest unter <strong>Ubuntu</strong><br />

<strong>und</strong> Linux – zu Digikam oder Picasa zu greifen.<br />

Alternativ stehen noch die Exiftools bereit, wenn<br />

es Ihnen nur um das reine Taggen der Fotos geht.<br />

Wer RAW-Fotos bevorzugt, sollte wohl Adobes<br />

DNG-Format verwenden, mit dem auch UFRaw<br />

<strong>und</strong> RawTherapee umgehen können. (kki) ●●●<br />

Glossar<br />

XML: Eine Beschreibungssprache<br />

im Textformat, die den Austausch<br />

von Daten zwischen gänzlich verschiedenen<br />

Programmen über Tags<br />

<strong>und</strong> Schemata ermöglicht.<br />

Info<br />

[1] PNG-Spezifikation:<br />

[http:// www. libpng. org/ pub/​<br />

png/ spec/ 1. 2/ PNG‐Chunks.​<br />

html# C. Anc‐text]<br />

[2] IPTC-Manifest 2011:<br />

[http:// www. iptc. org/​<br />

site/ Photo_Metadata/​<br />

Embedded_Metadata_Manifesto_%282011%29]<br />

[3] Format für externe Metadaten:<br />

[http:// en. wikipedia.​<br />

org/ wiki/ Dublin_Core]<br />

[4] Picasa für Linux: [http://​<br />

picasa. google. com/ linux/]<br />

[5] Digikam-Webseite:<br />

[http:// www. digikam. org/]<br />

[6] Exiftool-Webseite:<br />

[http:// www. sno. phy.​<br />

queensu. ca/ ~phil/ exiftool/]<br />

[7] MWG-Richtlinien in Picasa:<br />

[http:// www. google.​<br />

com/ support/ forum/​<br />

p/ Picasa/ thread?​<br />

tid=21cbcd04ba4c2569&​<br />

hl=en]<br />

[8] Digikam unterstützt die<br />

MWG-Spezifikation:<br />

[http:// www. digikam. org/​<br />

drupal/ sharedlibs]<br />

[9] Exiftool <strong>und</strong> die MWG:<br />

[http:// www. sno. phy.​<br />

queensu. ca/ ~phil/ exiftool/​<br />

TagNames/ MWG. html]<br />

[10] Shotwell <strong>und</strong> die MWG:<br />

[http:// redmine. yorba. org/​<br />

issues/ 4050]<br />

[11] Metadaten in Gimp:<br />

[http:// romanofskiat.​<br />

wordpress. com/ 2008/ 07/ 21/​<br />

gimp‐metadata‐browser/]<br />

www.ubuntu-user.de 01/2012<br />

UBUNTU<br />

user<br />

73


Tipps & Tricks<br />

<strong>Ubuntu</strong>-Tipps<br />

Tipps & Tricks zu <strong>Ubuntu</strong><br />

Kirsty Pargeter, 123RF<br />

<strong>Ubuntu</strong><br />

tunen<br />

Auf Wunsch mehrerer Leser bringen wir wieder<br />

allgemeine Tipps & Tricks zu <strong>Ubuntu</strong>. In diesem<br />

Heft drehen sich die Tipps hauptsächlich um<br />

Unity <strong>und</strong> seine Komponenten. Kristian Kißling<br />

Dank der Innovationsfreude der <strong>Ubuntu</strong>-Entwickler<br />

dürfte es uns auch in Zukunft nicht allzu<br />

schwerfallen, diese Seiten mit Tipps & Tricks zu<br />

füllen. Egal, ob Unity, LightDM oder anderen neue<br />

Komponenten – meist gibt es versteckte Handgriffe,<br />

um die Software, den Desktop oder das Betriebssystem<br />

besser zu bedienen.<br />

Umschalter intelligent<br />

nutzen<br />

Beginnen wir gleich mit dem Unity-Desktop, der<br />

für das aktuelle <strong>Ubuntu</strong> 11.10 wieder überarbeitet<br />

wurde. Wollen Sie auf traditionelle Weise – also<br />

über [Alt]+[Tab] – zwischen geöffneten Anwendungen<br />

hin- <strong>und</strong> herschalten, erscheint dabei neuerdings<br />

ein hübsches, kleines Fenster mit den Icons<br />

der betroffenen Programme. Aber es ist nicht nur<br />

1 Beim Umschalten der Fenster mit [Alt]+[Tab] ist es nun möglich, mehrere offene Fenster einer<br />

Einzelanwendung zu durchstöbern.<br />

schöner gestaltet, sondern bringt auch ein praktisches<br />

Feature mit: Benutzen Sie eine Anwendung<br />

wie LibreOffice, Firefox oder Evolution, die gleich<br />

mehrere Fenster parallel öffnet, durchsuchen Sie<br />

diese über [Alt]+[Tab]. Lassen Sie die weiß schimmernde<br />

Auswahlmarkierung einen Augenblick über<br />

dem Icon der gesuchten Mehrfenster-Anwendung<br />

verharren, erscheinen die zur Anwendung gehörigen<br />

Fenster (Abbildung 1).<br />

Auch neu ist, dass Sie in diesem Umschaltfenster<br />

stets ein Icon sehen, das den violetten Desktop<br />

zeigt – auch wenn nur eine Anwendung offen<br />

ist. Klicken Sie auf dieses Icon, zeigt <strong>Ubuntu</strong> den<br />

kompletten, aber leeren Desktop an. Diese Funktion<br />

steckte früher hinter einem Icon im Launcher,<br />

wurde nun aber offenbar ausgelagert.<br />

Automatisches Ausblenden<br />

stoppen<br />

Zwar bringt <strong>Ubuntu</strong> 11.10 keinen Bildschirmschoner<br />

mehr mit (weil es auf Gnome 3 basiert, das<br />

ganz darauf verzichtet), aber dennoch dunkelt das<br />

System nach einer gewissen Zeit den Bildschirm<br />

ab <strong>und</strong> sperrt ihn. Das ergibt Sinn: Verlassen Sie<br />

den Rechner einmal für längere Zeit, kann nicht<br />

jemand anders auf Ihre persönlichen Daten zugreifen.<br />

Das Abdunkeln spart hingegen Energie, was<br />

wichtig ist, wenn der Rechner mit Batterien läuft.<br />

Problematisch wird es allerdings, wenn Sie einen<br />

Film sehen <strong>und</strong> die Anwendung nicht in der Lage<br />

74 UBUNTU<br />

01/2012<br />

www.ubuntu-user.de<br />

user


<strong>Ubuntu</strong>-Tipps<br />

Tipps & Tricks<br />

ist, das Abdunkeln zu verhindern. Dann müssen<br />

Sie das manuell erledigen, während der Film läuft,<br />

was umständlich ist.<br />

Sie ändern das Verhalten, indem Sie auf den Indikator<br />

ganz rechts oben klicken <strong>und</strong> dann Systeme<strong>ins</strong>tellungen<br />

| Bildschirm wählen (Abbildung 2).<br />

Hier stellen Sie die Helligkeit des Bildschirms ein<br />

(hilft auch beim Stromsparen!) <strong>und</strong> schalten die<br />

Bildschirmverdunklung sowie die automatische<br />

Sperre ab. Dazu entfernen Sie das Häkchen bei<br />

Bildschirm abdunkeln <strong>und</strong> schieben den Schalter<br />

unter Sperren nach links.<br />

Es gibt L<strong>ins</strong>en, Baby!<br />

Auch im neuen Unity von <strong>Ubuntu</strong> 11.10 finden Sie<br />

wieder die so genannten L<strong>ins</strong>en. Dabei handelt es<br />

sich um Filter, mit deren Hilfe Sie bestimmte Aufgaben<br />

schneller erledigen. Über die Anwendungsl<strong>ins</strong>e,<br />

die bereits in <strong>Ubuntu</strong> 11.04 existierte, greifen<br />

Sie zum Beispiel über [Windows]+[A] schnell auf<br />

<strong>ins</strong>tallierte Programme zu. Existierte in <strong>Ubuntu</strong><br />

11.04 noch ein Icon für diese L<strong>ins</strong>e im Launcher,<br />

hat sich das nun geändert. Um an die neuen L<strong>ins</strong>en<br />

zu gelangen, drücken Sie [Windows] <strong>und</strong> klicken<br />

auf eines der Symbole am unteren Rand des<br />

Dash-Fensters (Abbildung 3).<br />

Neu hinzugekommen ist eine Musikl<strong>ins</strong>e, mit<br />

deren Hilfe Sie die komplette Musiksammlung<br />

durchsuchen. Damit diese L<strong>ins</strong>e erfolgreich arbeitet,<br />

müssen Sie zuvor Banshee starten <strong>und</strong> die<br />

Musiksammlung einlesen lassen. Anschließend<br />

drücken Sie [Windows]+[M], um die L<strong>ins</strong>e aufzurufen<br />

<strong>und</strong> tippen den Namen des Künstlers Ihres<br />

Vertrauens ein. Alternativ erreichen Sie die L<strong>ins</strong>e,<br />

indem Sie [Windows] drücken <strong>und</strong> auf das kleine<br />

Notensymbol im unteren Bereich klicken.<br />

Neue Indikatoren<br />

Seit der Einführung von Unity im April gibt es<br />

keine Panel-Applets mehr. An ihre Stellen treten<br />

die Indicator Applets oder Indikatoren. Sie übernehmen<br />

zum großen Teil die alten Aufgaben, lassen<br />

sich allerdings nicht mehr über ein zentrales<br />

Auswahlmenü in das Panel integrieren oder nach<br />

Belieben dort herumschieben. Klicken Sie mit<br />

einer Maustaste auf ein Icon, erscheinen die verfügbaren<br />

Optionen. Das Indikator-Icon der Batterie<br />

erlaubt es Ihnen zum Beispiel, bestimmte Energiee<strong>ins</strong>tellungen<br />

zu ändern.<br />

Um neue Indikatoren zu ergänzen, die das Wetter<br />

oder die Systemprozesse anzeigen, rufen Sie das<br />

Software-Center auf <strong>und</strong> geben in die Suchzeile<br />

indicator ein. Klicken Sie dann noch unter der<br />

Wanted!<br />

Kennen Sie eigene Schachzüge, Tricks <strong>und</strong> Abkürzungen,<br />

die den <strong>Ubuntu</strong>-Nutzern das Leben erleichtern,<br />

schreiben Sie einfach eine kurze Mail mit einer Beschreibung<br />

an redaktion@ubuntu-user.de.<br />

Ergebnisliste<br />

auf Technische<br />

Dateien anzeigen,<br />

blendet das<br />

Software-Center<br />

alle verfügbaren<br />

Indikatoren ein.<br />

Im Laufe der Zeit<br />

kommen immer<br />

neue Indikatoren<br />

hinzu, die Sie<br />

dann im Internet<br />

finden.<br />

Platzmangel im Panel<br />

Ein Problem, das <strong>ins</strong>besondere Netbooks <strong>und</strong><br />

kleinere Laptops betrifft, ist der Platzmangel im<br />

Panel. Dieser sorgt dafür, dass die Indikatoren die<br />

Menüeinträge einiger Anwendungen verdecken, die<br />

ja mittlerweile meist im Panel erscheinen. Es gibt<br />

verschiedene Mittel dagegen. Einerseits können Sie<br />

Indikatoren, die Sie nicht benötigen, de<strong>ins</strong>tallieren,<br />

was sicher nicht die eleganteste Lösung ist. Und Sie<br />

können Ihren Benutzernamen entfernen, der oben<br />

rechts im Panel erscheint, keine besondere Funktion<br />

hat <strong>und</strong> deutlich mehr Platz wegnimmt als die<br />

Indikatoren. Rufen Sie dazu über [Strg]+[Alt]+[T]<br />

ein Terminal auf <strong>und</strong> geben Sie<br />

$ sudo apt‐get <strong>ins</strong>tall dconf‐tools<br />

2 Über die Systeme<strong>ins</strong>tellungen verhindern Sie, dass <strong>Ubuntu</strong> ungewollt<br />

den Bildschirm abdunkelt oder mit einem Passwort sperrt.<br />

3 Die L<strong>ins</strong>en befinden sich in<br />

<strong>Ubuntu</strong> 11.10 im unteren Bereich<br />

des Dash-Fensters.<br />

ein, um den Dconf-Editor zu <strong>ins</strong>tallieren. Er<br />

funktioniert etwa so wie die Registry unter Windows.<br />

Sie dürfen hier zahlreiche Werte ein- <strong>und</strong><br />

ausschalten, die das Aussehen des Desktops beeinflussen.<br />

Sie sollten allerdings wissen, was Sie<br />

tun, andernfalls entfernen Sie unter Umständen<br />

wichtige Komponenten des Desktops. Haben Sie<br />

doch einmal vergessen, welche Änderungen Sie<br />

im Menü vorgenommen haben, klicken Sie auf die<br />

Schaltfläche Set to Default (Abbildung 4).<br />

Sie starten den<br />

Dconf-Editor,<br />

indem Sie [Windows]<br />

drücken<br />

<strong>und</strong> dconf eingeben.<br />

Dann<br />

suchen Sie nach<br />

der E<strong>ins</strong>tellung<br />

apps | indicatorsession<br />

<strong>und</strong><br />

wählen auf der<br />

rechten Seite<br />

den Eintrag<br />

show-real-nameon-panel.<br />

Entfernen<br />

Sie das<br />

Häkchen neben<br />

dem Eintrag <strong>und</strong> 4 Im Dconf-Editor ändern Sie einige E<strong>ins</strong>tellungen, für die es in der Systemsteuerung<br />

keine Schalter schließen Sie<br />

gibt.<br />

www.ubuntu-user.de 01/2012<br />

UBUNTU<br />

user<br />

75


Tipps & Tricks<br />

<strong>Ubuntu</strong>-Tipps<br />

6 Nicht intuitiv: Um den Rechner neu zu starten, müssen Sie ihn herunterfahren.<br />

das Fenster. Nach dem Abmelden <strong>und</strong> erneuten<br />

Anmelden auf dem Desktop, sehen Sie oben rechts<br />

in der Ecke nur noch einen kleinen Kopf als Icon,<br />

der Name fehlt.<br />

Es gibt aber noch einen weiteren Weg, um im<br />

Panel Platz für das Menü einer Anwendung zu<br />

schaffen: Sie nutzen das Panel schlicht nicht für<br />

das Menü. Wie in den guten alten Zeiten ist es<br />

auch unter Unity möglich, die Menüeinträge in die<br />

Fenster selbst zu verschieben. Das setzt voraus,<br />

dass Sie diese über ein<br />

Terminal starten.<br />

Ein Beispiel wäre der Messenger<br />

Empathy. Drücken<br />

Sie [Strg]+[Alt]+[T], um<br />

ein Terminal aufzurufen<br />

<strong>und</strong> geben Sie UBUNTU_<br />

MENUPROXY=0 empathy ein,<br />

damit die Software ihre Menüeinträge im eigenen<br />

Fenster behält. Das funktioniert nicht bei allen<br />

Anwendungen: Firefox bewegen Sie so nicht dazu,<br />

sein Menü zu verlegen.<br />

Wollen Sie diese E<strong>ins</strong>tellung dennoch auf alle Anwendungen<br />

übertragen, ist es mühselig, jedes Mal<br />

ein Terminal aufzurufen. Listing 1 zeigt, wie Sie<br />

die Konfigurationen dauerhaft speichern.<br />

Zunächst erstellen Sie über den cp-Befehl Sicherungen<br />

der beiden Dateien, die Sie modifizieren<br />

Der perfekte Auftritt macht<br />

unseren Erfolg: auf dem Laufsteg<br />

<strong>und</strong> im Web.<br />

Stefan Klos<br />

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Für Anwender mit hohen Ansprüchen<br />

5 Das wichtigste Indikator-Icon<br />

finden Sie ganz rechts im Panel.<br />

Hier konfigurieren Sie das System,<br />

spielen Aktualisierungen ein <strong>und</strong><br />

verwalten angeschlossene Geräte.<br />

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<strong>Ubuntu</strong>-Tipps<br />

Tipps & Tricks<br />

7 Über die Kommandozeile binden Sie das Zeitgeist-PPA ein, um den Activity Log<br />

Manager zu <strong>ins</strong>tallieren.<br />

wollen. Dann ändern Sie diese Dateien im nächsten<br />

Schritt, indem Sie sie über den echo-Befehl mit<br />

neuen Daten füttern. Nach einem Neustart sollten<br />

die E<strong>ins</strong>tellungen greifen.<br />

System neu starten<br />

Apropos Neustart: Wollen Sie Ihr System neu starten,<br />

klicken Sie wie gewohnt auf das Indikator-Icon<br />

rechts oben im Panel (Abbildung 5), suchen aber<br />

vergebens nach<br />

dem passenden Eintrag<br />

mit dem Titel<br />

Neustart. Was die<br />

GUI-Designer hier<br />

geritten hat, bleibt<br />

etwas unklar, denn<br />

tatsächlich versteckt<br />

sich der Button – gegen<br />

jede Intuition – hinter dem Eintrag Herunterfahren<br />

(Abbildung 6).<br />

Befinden Sie sich auf dem Anmeldeschirm des<br />

Loginmanagers LightDM, ergibt sich ein ähnliches<br />

Bild: Den Neustart-Button erreichen Sie nur<br />

über die Schaltfläche Ausschalten. Um sich nur<br />

schnell vom Desktop abzumelden, drücken Sie<br />

[Strg]+[Alt]+[Entf] <strong>und</strong> erhalten eine passende<br />

Schaltfläche.<br />

Listing 1<br />

Stefan Klos<br />

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$ sudo su<br />

$ cp /etc/X11/Xsession.d/80U<br />

appmenu /etc/X11/Xsession.dU<br />

/80appmenu.BACKUP<br />

$ cp /etc/X11/Xsession.d/80U<br />

appmenu‐gtk3 /etc/X11/XsessU<br />

ion.d/80appmenu‐gtk3.BACKUP<br />

$ echo "export UBUNTU_MENUU<br />

PROXY=0" > /etc/X11/XsessiU<br />

on.d/80appmenu‐gtk3<br />

$ echo "export UBUNTU_MENUU<br />

PROXY=0" > /etc/X11/XsessiU<br />

on.d/80appmenu<br />

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Servicetelefon: 0 18 05 - 055 055<br />

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UBUNTU<br />

user<br />

77


Tipps & Tricks<br />

<strong>Ubuntu</strong>-Tipps<br />

8 Der Activity Log Manager löscht<br />

das Gedächtnis von Zeitgeist.<br />

Noch ein Tipp zum Ausschalten <strong>und</strong> Neustarten,<br />

wenn Sie mit mehreren Benutzern arbeiten.<br />

Im Beispiel verwenden Sie einen Nutzer zum<br />

Programmieren (der trägt den Namen coding),<br />

den zweiten, um private Korrespondenz zu erledigen<br />

oder zu spielen (play) <strong>und</strong> einen dritten<br />

für rein jobbezogene Aufgaben (job). Über das<br />

erwähnte Icon mit den Benutzernamen oder<br />

über [Strg]+[Alt]+[F8], [Strg]+[Alt]+[F9] usw.<br />

springen Sie bequem zwischen ihnen hin <strong>und</strong> her.<br />

Vorher müssen Sie sich mit verschiedenen Benutzernamen<br />

anmelden. Wollen Sie nun den Rechner<br />

herunterfahren, ist das etwas kompliziert: Klicken<br />

Sie als Benutzer job auf das Neustart-Icon, landen<br />

Sie auf dem Desktop des angemeldeten Benutzers<br />

play. Melden Sie sich hier ab, landen Sie bei coding<br />

usw. Das ist nicht immer erwünscht.<br />

Alles auf Halt<br />

Schneller geht es, wenn Sie den Rechner über die<br />

Kommandozeile anhalten bzw. neu starten. Dazu<br />

drücken Sie [Strg]+[Alt]+[T] <strong>und</strong> geben sudo reboot<br />

ein (für einen Neustart) bzw. sudo halt (zum<br />

Herunterfahren des Rechners). <strong>Ubuntu</strong> folgt dem<br />

Befehl dann nach der Eingabe Ihres Passwortes sofort<br />

<strong>und</strong> ohne Nachfrage. Laufen noch Anwendungen,<br />

werden die nun gewaltsam geschlossen – was<br />

unter Umständen zu Datenverlust führt!<br />

Und nun noch ein Ausschalttipp, den viele Leser<br />

kennen werden. Drücken Sie drei Sek<strong>und</strong>en lang<br />

auf den Ausschaltknopf des Rechners, starten Sie<br />

auch abgestürzte Computer neu. Dabei kann es zu<br />

Datenverlust kommen, aber nach einem Totalabsturz<br />

haben Sie ohnehin keine Wahl, oder?<br />

Läuft auf dem Rechner ein SSH-Server, <strong>und</strong> kennen<br />

Sie die IP-Adresse des Rechners, können Sie<br />

versuchen, sich von einem anderen Rechner aus<br />

auf dem Hängekandidaten anzumelden. Klappt<br />

das, identifizieren Sie das störende Programm über<br />

den Befehl top <strong>und</strong> schießen es dann ab. Dieser<br />

Weg funktioniert nur in speziellen Fällen. Sie melden<br />

sich zunächst am hängenden Rechner an:<br />

Aktualisierungen<br />

Der Umgang mit Aktualisierungen im <strong>Ubuntu</strong>-<br />

Projekt ist schon fast ein Running Gag: Jedes halbe<br />

Jahr, mit jeder neuen Distribution, gibt es wieder<br />

einen anderen Weg, auf dem das Betriebssystem<br />

die Anwender über Sicherheitsupdates <strong>und</strong> Patches<br />

informiert. Mal ist das besser, mal schlechter<br />

gelöst. Der aktuelle Weg löst das Problem wieder<br />

etwas besser. Klicken Sie ganz rechts oben auf das<br />

Icon im Panel, erscheint dort ein Eintrag Aktualisierungen<br />

verfügbar (Abbildung 5), wenn neue<br />

Updates vorliegen. Klicken Sie auf diesen Eintrag,<br />

öffnet sich die Aktualisierungsverwaltung, <strong>und</strong><br />

Sie laden die Patches herunter <strong>und</strong> <strong>ins</strong>tallieren sie.<br />

Schön wäre es, wenn die Entwickler die Schrift<br />

auch bei wartenden Aktualisierungen einfärbten,<br />

schließlich sollten Sie Sicherheitsupdates so<br />

schnell wie möglich e<strong>ins</strong>pielen.<br />

Wollen Sie nicht selbst jedes Mal nachsehen, ob<br />

bei den Aktualisierungen auch Sicherheits-Patches<br />

dabei sind, lassen Sie Letztere einfach automatisch<br />

im Hintergr<strong>und</strong> <strong>ins</strong>tallieren. Um das einzustellen,<br />

drücken Sie [Windows], geben aktua ein <strong>und</strong> rufen<br />

die Aktualisierungsverwaltung auf. Hier wählen<br />

Sie E<strong>ins</strong>tellungen <strong>und</strong> im neuen Fenster den Reiter<br />

Aktualisierungen. Aus dem Drop-down-Menü<br />

rechts neben Wenn Sicherheitsaktualisierungen<br />

verfügbar sind wählen Sie den Eintrag Automatisch<br />

herunterladen <strong>und</strong> <strong>ins</strong>tallieren. Wo Sie schon<br />

einmal hier sind, schauen Sie sich am besten auch<br />

einmal die anderen Konfigurationsmöglichkeiten<br />

an, die sich alle um die Behandlung von Updates<br />

drehen.<br />

Logfunktion abschalten<br />

Zeitgeist sorgt dafür, dass <strong>Ubuntu</strong> nichts vergisst.<br />

Es erinnert sich an die verwendeten Dateien<br />

([Windows]+[F]) <strong>und</strong> die zuletzt genutzten<br />

Programme <strong>und</strong> heruntergeladenen Dateien<br />

([Windows]+[A]). Ist Ihnen Zeitgeist zu geschwätzig,<br />

finden Sie im Zeitgeist-PPA ein Programm<br />

namens Activity Log Manager. Der löscht<br />

die Zeitgeist-History <strong>und</strong> nimmt einzelne Programme<br />

vom Logprozess aus. Sie verwenden das<br />

PPA (Abbildung 7) <strong>und</strong> <strong>ins</strong>tallieren die Software,<br />

indem Sie ein Terminal öffnen ([Strg]+[Alt]+[T])<br />

<strong>und</strong> diesen einfachen Schritten folgen (Referenz:<br />

Paketmanagement):<br />

Referenz<br />

SSH: Ein ganzer Artikel ab Seite 36<br />

im Heft beschäftigt sich ausschließlich<br />

mit SSH.<br />

Paketmanagement: Wie Sie externe<br />

Paketquellen einbinden <strong>und</strong><br />

Software <strong>ins</strong>tallieren, lesen Sie ab<br />

Seite 22.<br />

$ ssh {BENUTZER}@{IP‐ADRESSE}<br />

Die beiden Variablen hier ersetzen Sie durch die<br />

realen Benutzernamen <strong>und</strong> IP-Adressen (Referenz:<br />

SSH). Dann rufen Sie top auf <strong>und</strong> schauen, welcher<br />

Prozess die CPU oder den Arbeitsspeicher<br />

überlastet. Merken Sie sich die Prozessnummer,<br />

die top ausgibt <strong>und</strong> geben Sie dann sudo kill<br />

{PROZESSNUMMER} ein. Dann testen Sie, ob sich auf<br />

dem abgestürzten Rechner wieder etwas bewegt.<br />

$ sudo add‐apt‐repository ppa:zeitgeist/ppa<br />

$ sudo apt‐get update<br />

$ sudo apt‐get <strong>ins</strong>tall activity‐log‐manager<br />

Der Manager bringt drei Reiter mit, über die Sie<br />

verschiedene E<strong>ins</strong>tellungen vornehmen. Im Register<br />

History stellen Sie einen Zeitraum ein, für den<br />

die Software die Zeitgeist-Daten löscht (Abbildung<br />

8). Der reicht von 15 Minuten bis zu einem Intervall<br />

über mehrere Tage hinweg. Im Reiter Applications<br />

setzen Sie Anwendungen auf eine Blacklist:<br />

Diese ignoriert Zeitgeist fortan. Nicht zuletzt<br />

nehmen Sie im Register Files spezifische Dateiformate<br />

vom Protokollieren aus. Zusätzlich finden<br />

Sie unten rechts einen Button mit der Beschriftung<br />

Logging active. Klicken Sie diesen an, schalten Sie<br />

das komplette Logfeature ab. (kki) ●●●<br />

78 UBUNTU<br />

01/2012<br />

www.ubuntu-user.de<br />

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Shortcuts & Schalter<br />

Admin<br />

Chode, 123RF<br />

Grep<br />

Schnelle Suche<br />

Mit „grep“ fahnden Sie im System nach Dateinamen, durchsuchen Verzeichnisse <strong>und</strong> die darin enthaltenen<br />

Dateien. Suchmuster definieren Sie auf Wunsch über reguläre Ausdrücke. Kristian Kißling<br />

Wenn altgediente Linuxer „greppen“, durchsuchen<br />

sie ihr Dateisystem nach Mustern <strong>und</strong> Zeichenketten.<br />

Das zeigt, wie zentral das Kommandozeilentool<br />

„grep“ für die Suche unter Linux ist. Besonders in<br />

Bash-Skripten taucht der Befehl häufig auf. Wir<br />

stellen die wichtigsten Schalter vor. ●●●<br />

Befehl<br />

Shortcuts & Schalter<br />

grep ‐F "Begriff" Datei<br />

grep ‐Fi "Begriff" Datei<br />

grep ‐Fw "Begriff" Datei<br />

grep ‐A 2 ‐B 2 "Begriff" Datei<br />

grep ‐v "Begriff" Datei<br />

grep ‐c "Begriff" Datei<br />

Erklärung<br />

Durchsucht Datei nach Begriff (fester String durch -F) <strong>und</strong> gibt die F<strong>und</strong>stücke zeilenweise aus.<br />

Durchsucht Datei nach Begriff <strong>und</strong> gibt die F<strong>und</strong>stücke zeilenweise aus. Unterscheidet dabei nicht zwischen<br />

Groß- <strong>und</strong> Kle<strong>ins</strong>chreibung (-i).<br />

Liefert als Begriff nur alle<strong>ins</strong>tehende Wörter zurück (-w).<br />

Gibt die F<strong>und</strong>stücke einer Datei zeilenweise aus <strong>und</strong> zeigt dabei die zwei vorhergehenden (-B 2) <strong>und</strong> die zwei<br />

nachfolgenden Zeilen an (-A 2).<br />

Gibt nur die Passagen der Datei wieder, in denen das Suchwort nicht vorkommt.<br />

Zeigt, wie oft der Suchbegriff in einer Datei vorkommt.<br />

grep ‐m 3 "Begriff" Datei Hört nach drei positiven Ergebnissen mit der Suche auf (-m 3).<br />

grep ‐Ff begriffe.txt Datei<br />

grep ‐Fr "Begriff" Verzeichnis<br />

grep ‐F "Begriff" .<br />

grep ‐Froh "Begriff" Verzeichnis<br />

grep ‐Fl "Begriff" /Verzeichnis<br />

grep ‐Frn "Begriff" Verzeichnis<br />

grep ‐e "Muster" Datei<br />

grep ‐es "Muster" Datei<br />

grep ‐eq "Muster" Datei<br />

Durchsucht eine Datei nach mehreren Suchbegriffen, die untereinander in einer anderen Datei (-f begriffe.<br />

txt) stehen <strong>und</strong> gibt die Ergebnisse zeilenweise aus.<br />

Durchsucht ein Verzeichnis (relativer Pfad) mitsamt Unterverzeichnissen (-r) nach einem Begriff (-F) <strong>und</strong><br />

liefert zeilenweise passende Dateinamen <strong>und</strong> Inhalte zurück.<br />

Grast das aktuelle Verzeichnis (.) nach einem Begriff ab <strong>und</strong> liefert zeilenweise passende Dateinamen <strong>und</strong><br />

Inhalte zurück.<br />

Durchforstet ein Verzeichnis rekursiv nach einem Begriff <strong>und</strong> liefert nur den Begriff selbst zurück, ohne Dateinamen<br />

(-h) <strong>und</strong> Zeilenkontext (-o).<br />

Schaut in einem Verzeichnis (hier absoluter Pfad) nach einem Begriff <strong>und</strong> zeigt nur die Dateinamen der Dateien<br />

an, in denen der Begriff auftaucht (-l).<br />

Durchsucht ein Verzeichnis mitsamt Unterverzeichnissen nach einem Begriff <strong>und</strong> liefert den Dateinamen, die<br />

Zeilennummer (-n) <strong>und</strong> die Inhalte zurück.<br />

Untersucht eine Datei auf ein komplexes Muster hin. Letzteres darf aus regulären Ausdrücken bestehen<br />

(-e).<br />

Fahndet in einer Datei nach einem Muster <strong>und</strong> unterdrückt dabei jegliche Fehlermeldungen.<br />

Durchsucht eine Datei nach einem Muster <strong>und</strong> unterdrückt dabei alle Ausgaben abgesehen von den Fehlermeldungen.<br />

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79


Software<br />

Banshee<br />

Der Medienplayer Banshee<br />

Komfortable Musik<br />

Auf den ersten Blick ist<br />

Banshee ein ganz normaler<br />

Audioplayer. Doch das<br />

Programm spielt auch<br />

Filme ab <strong>und</strong> integriert<br />

gleich mehrere Musikläden<br />

<strong>und</strong> Internetradios.<br />

<br />

chispas, Fotolia<br />

Kristian Kißling, Marcel Hilzinger<br />

Banshee ist der Standard-Musikplayer in<br />

<strong>Ubuntu</strong> 11.10 (Abbildung 1). Die ursprünglich<br />

von Novell entwickelte Anwendung [1] verfügt<br />

über ein sehr breites Repertoire <strong>und</strong> spielt neben<br />

Musik auch Videos ab. Dieser Artikel stellt Ihnen<br />

die Jukebox <strong>und</strong> ihre Fähigkeiten vor.<br />

Auftakt<br />

Sie starten Banshee über [Windows] <strong>und</strong> die<br />

Eingabe von banshee. Der Medienplayer teilt sein<br />

Interface in mehrere Bereiche auf, die alle mit<br />

verschiedenen Informationen zu Titeln <strong>und</strong> Interpreten<br />

aufwarten. Die Seitenleiste ganz links bildet<br />

quasi das Hauptmenü. Dort reihen sich die Einträge<br />

zur Musik- <strong>und</strong> Videobibliothek, zur Warteschlange<br />

sowie zu Podcasts, Internet-Radiosendern<br />

<strong>und</strong> Musik-Stores aneinander. Klicken Sie auf Musik,<br />

öffnen sich auf der rechten Seite zwei Spalten.<br />

Im größeren Bereich tummeln sich die Titel der<br />

lokalen Musikbibliothek; die Spalten in der Mitte<br />

listen Alle Künstler <strong>und</strong> Alle Alben auf.<br />

Um ein Album oder einen Song abzuspielen, klicken<br />

Sie doppelt auf das Cover oder oben links auf<br />

den Play-Button. Soll Banshee ein paar zusätzliche<br />

Informationen zum aktuellen Stück aus dem Internet<br />

holen, dann wählen Sie aus dem Menü den<br />

Eintrag Ansicht | Kontextleiste (Abbildung 2).<br />

Um in einer sehr langen Playlist schnell<br />

den richtigen Titel zu finden, geben<br />

Sie ein Stichwort in die<br />

Suchleiste ein, die Sie<br />

oben rechts in Banshee<br />

sehen. Der Filter listet<br />

daraufhin sämtliche<br />

Titel auf, die<br />

dem von Ihnen<br />

eingegebenen<br />

Suchbegriff entsprechen.<br />

Klangbibliothek<br />

Wie aber machen Sie Banshee<br />

mit der eigenen Musikkollektion<br />

bekannt? Am besten legen<br />

Sie Ihre Bibliothek im Verzeichnis<br />

Musik ab, das Banshee automatisch<br />

durchsucht. Möchten<br />

Sie Songs oder Videos importieren,<br />

wählen Sie Medien | Medien<br />

importieren. Um lokale Ordner oder<br />

einzelne Dateien zu importieren, wählen<br />

Sie Ordner oder Dateien aus. Sie können zudem<br />

eine bestehende Wiedergabeliste importieren.<br />

Haben Sie Ihre eigene Musiksammlung bisher<br />

Rhythmbox anvertraut, finden Sie im Medienimport<br />

einen Eintrag, um die Songs <strong>und</strong> Metadaten<br />

des ehemaligen Standard-Audioplayers von<br />

<strong>Ubuntu</strong> in Banshee unkompliziert zu übernehmen.<br />

Banshee kommt auch recht gut mit umfangreichen<br />

Musiksammlungen zurecht. Zudem synchronisiert<br />

das Programm erfolgreich Songs mit Apples iPod<br />

<strong>und</strong> mit Android-Smartphones. Sie gleichen die<br />

eigene Musiksammlung per Knopfdruck ab oder<br />

lassen den Prozess automatisieren. Vorsicht: Im<br />

zweiten Fall überschreibt Banshee eventuell die<br />

Musikbibliothek des mobilen Geräts mit den eigenen<br />

Songs <strong>und</strong> löscht dort alle vorhandenen Titel.<br />

Musik kaufen<br />

Möchten Sie Ihre eigene Musikbibliothek um<br />

weitere Songs erweitern, bietet Banshee dazu<br />

gleich zwei Alternativen an: Den <strong>Ubuntu</strong>-eigenen<br />

Musikstore <strong>Ubuntu</strong> One <strong>und</strong> Amazon MP3. Der<br />

Musikdienst von Amazon gehört zu den umfangreichsten,<br />

allerdings ist das Angebot nicht in allen<br />

Ländern verfügbar. Der <strong>Ubuntu</strong> One Music Store<br />

steht weltweit zur Verfügung, allerdings unterscheidet<br />

sich das Angebot je nach Land. So kommt<br />

man nur in Deutschland, den USA <strong>und</strong> in England<br />

in den vollen Genuss des Angebots von 7digital,<br />

das hinter <strong>Ubuntu</strong> One Music Store steht. In anderen<br />

Ländern zeigt der Shop „nur“ den EU-Store an<br />

(Abbildung 3).<br />

CD-Import<br />

Auch beim Abspielen von CDs <strong>und</strong> deren Archivierung<br />

auf der Festplatte hilft der Player. Legen<br />

Sie eine Musik-CD ein, erscheint links in der Seitenleiste<br />

ein CD-Icon. Bahnsee sucht im Internet<br />

nach Informationen zur CD <strong>und</strong> blendet bei Erfolg<br />

hier den Namen des Albums ein. Klicken Sie darauf,<br />

listet Banshee im rechten Bereich die Tracks<br />

ebenfalls mit den Songnamen auf, wenn die Daten<br />

zur Verfügung stehen. Oben rechts helfen zwei<br />

Buttons bei den nächsten Schritten: Sie können<br />

die CD kopieren oder die CD importieren. Im ersten<br />

Fall brauchen Sie einen CD/​DVD-Brenner; das<br />

Kopieren <strong>und</strong> Brennen übernimmt dann Brasero.<br />

Im zweiten Fall rippen Sie die CD mit Banshee:<br />

Der Klick auf CD importieren wandelt die mit einem<br />

Häkchen versehenen Tracks standardmäßig<br />

in das Ogg-Vorbis-Format um <strong>und</strong> fügt auch die<br />

Metadaten, also die Namen der Songs <strong>und</strong> des Albums,<br />

wenn vorhanden, automatisch ein.<br />

Bei Ogg Vorbis handelt es sich um ein freies Format,<br />

das allerdings nicht alle portablen Player<br />

80 UBUNTU<br />

01/2012<br />

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Banshee<br />

Software<br />

abspielen. Bevorzugen Sie für den Import das<br />

MP3-Format, <strong>ins</strong>tallieren Sie zunächst über das<br />

Software-Center das Paket ubuntu-restricted-extras<br />

oder libmp3lame0, um auch MP3-Audiodateien<br />

kodieren zu können. Die E<strong>ins</strong>tellungen hierfür finden<br />

Sie unter Bearbeiten | E<strong>ins</strong>tellungen im Reiter<br />

Quellspezifisch; für die Quelle wählen Sie Audio-<br />

CDs <strong>und</strong> für das Importformat: MP3 (Lame Encoder).<br />

Ein Rechtsklick auf das Audio-CD-Symbol<br />

bringt Sie zu diesem Dialog. Kodierungsmodus<br />

<strong>und</strong> Bitrate legen Sie über Bearbeiten fest.<br />

Feintuning<br />

Über Erweiterungen lässt sich Banshee noch besser<br />

Ihren Wünschen anpassen. Momentan bringt<br />

die Software etwa 30 davon mit, die Sie auf dem<br />

Reiter Erweiterungen in den E<strong>ins</strong>tellungen sehen.<br />

Die meisten davon sind in der Standarde<strong>ins</strong>tellung<br />

schon aktiviert. Es gibt aber auch zahlreiche Plug<strong>ins</strong><br />

von Drittanbietern, die Sie im Software Center<br />

über eine Suche nach dem Stichwort „banshee-extension“<br />

finden. Dazu gehören unter anderem das<br />

von iTunes her bekannte Coverflow für den Albumwechsel,<br />

ein Lyrics-Plugin, das sich Songtexte<br />

aus dem Internet holt, <strong>und</strong> viele weitere. Auch den<br />

Support für die freien Online-Musikdienste Magnatune<br />

<strong>und</strong> Jamendo laden Sie über entsprechende<br />

Erweiterungen nach.<br />

Album-Cover<br />

Um auch etwas für das Auge der Hörer zu tun,<br />

verwenden immer mehr Multimediaplayer Album-<br />

Titelbildchen. Beim Abspielen eines Tracks identifiziert<br />

die Software diesen anhand seiner Metadaten<br />

<strong>und</strong> sucht das passende Cover. Banshee fahndet<br />

zunächst in der Audiodatei selbst nach dem<br />

Bild, durchforstet dann den Ordner des Albums<br />

<strong>und</strong> sucht schließlich im Internet bei Rhapsody,<br />

Amazon <strong>und</strong> Last.fm nach passenden Covern.<br />

Findet die Software das richtige Titelbild trotzdem<br />

nicht, legen Sie einfach eine passende JPG-Datei<br />

in das Verzeichnis mit den Songs. Optimalerweise<br />

benennen Sie die Datei etwa cover.jpg oder album.<br />

jpg; andere Namen akzeptiert Banshee aber auch.<br />

Noch schöner: Wenn Sie beim Abspielen der Titel<br />

auf Jetzt wiedergegeben klicken, zeigt Banshee die<br />

Cover – zusammen mit einem netten Spiegeleffekt<br />

– im Großformat an. Ein Mausklick auf Vollbild<br />

bläst das angezeigte Bild bis in den Vollbildmodus<br />

auf. Beim Abspielen einer gemischten Playlist<br />

sieht es cool aus, wenn Banshee die Cover vor<br />

schwarzem Hintergr<strong>und</strong> einblendet.<br />

Bevorzugen Sie einen minimalen Player, dann aktivieren<br />

Sie in den E<strong>ins</strong>tellungen | Erweiterungen<br />

die Kompaktansicht. Im Menü Ansicht erscheint<br />

ein neuer Eintrag hierfür.<br />

Auch für Filme<br />

Wer mehr auf bewegte Bilder steht, für den spielt<br />

Banshee auch Videos ab. Analog zur Musikbibliothek<br />

landen diese automatisch in der Videobibliothek.<br />

Beim Klick auf einen Film zeigt Banshee ihn<br />

im Reiter Jetzt wiedergegeben. Viel mehr als das<br />

Abspielen <strong>und</strong> Anhalten eines Videos erfolgt hier<br />

allerdings nicht, für Otto Normalverbraucher genügen<br />

diese Funktionen aber durchaus.<br />

Auch Videos reihen Sie auf Wunsch in eine Warteschlange<br />

ein, sogar mit Musikstücken kombiniert<br />

geht es. So generieren Sie aus Ihrer Sammlung<br />

eine Playlist. Um einen Titel dorthin zu verschieben,<br />

klicken Sie ihn mit der rechten Maustaste an<br />

<strong>und</strong> wählen Zur Warteschlange hinzufügen. Ist die<br />

Playlist fertig, speichern Sie sie über Bearbeiten |<br />

Wiedergabeliste exportieren. Banshee legt sie im<br />

M3U-Format ab <strong>und</strong> importiert solche Listen über<br />

Medien | Wiedergabeliste importieren.<br />

Fazit<br />

Banshee bringt praktisch alle Funktionen mit,<br />

die man von einem modernen <strong>und</strong> umfassenden<br />

Audioplayer erwarten darf. Auch den direkten Vergleich<br />

zum KDE-Programm Amarok oder zum Vorgänger<br />

Rhythmbox braucht die Software nicht zu<br />

scheuen. Durch den zusätzlichen Video-Support<br />

eignet sich Banshee inzwischen auch als universaler<br />

Medienplayer. (mhi) ●●●<br />

1 Banshee ist zusammen mit den<br />

Audioe<strong>ins</strong>tellungen <strong>und</strong> dem Lautstärkeregler<br />

komplett in <strong>Ubuntu</strong>s<br />

System integriert.<br />

Info<br />

[1] Banshee-Homepage:<br />

[http:// banshee. fm]<br />

2 Das Hauptfenster von Banshee mit der Albumansicht zur Rechten <strong>und</strong><br />

den Menüpunkten auf der linken Seite.<br />

3 Über Musikkäufe im <strong>Ubuntu</strong> One Music Store fördern Sie Canonical <strong>und</strong><br />

damit auch die Distribution <strong>Ubuntu</strong>.<br />

www.ubuntu-user.de 01/2012<br />

UBUNTU<br />

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81


Software<br />

Skype-Rekorder<br />

Skype-Konversationen aufzeichnen<br />

Total Recall<br />

Mit der Erlaubnis des Gesprächspartners dürfen Sie Skype-Telefonate aufzeichnen.<br />

Wie aber lässt sich das technisch lösen? Einerseits mit dem Skype Call<br />

Recorder, aber auch mit Bordmitteln. Wir erklären beide Wege. Christoph Langner<br />

Referenz<br />

Paketmanagement: Ab Seite 22<br />

im Heft lesen Sie, wie Sie Software<br />

über externe Paketquellen <strong>ins</strong>tallieren.<br />

Glossar<br />

Skype Public API: Skype stellt einige<br />

Funktionen öffentlich bereit,<br />

über die externe Anwendungen<br />

eigene Dienste an die von Skype<br />

koppeln.<br />

Der Autor<br />

Christoph Langner (Blog unter<br />

[http://linux<strong>und</strong>ich.de/]) arbeitet<br />

für die PTV AG Karlsruhe in<br />

Karlsruhe im Bereich des Testmanagements<br />

<strong>und</strong> ist seit Jahren<br />

im Bereich der Open-Source-<br />

Software aktiv.<br />

Die meisten Nutzer verwenden Skype „nur“<br />

zum Telefonieren oder Chatten. Manche Anwender<br />

wollen Skype-Gespräche aber auch aufzeichnen,<br />

um etwa Interviews für Podcasts zu sammeln oder<br />

um die Inhalte eines längeren Gesprächs – wie ein<br />

Protokoll – im Nachhinein noch einmal durchzugehen.<br />

Prinzipiell bringt <strong>Ubuntu</strong> mit PulseAudio<br />

schon eine funktionierende Lösung zum Aufzeichnen<br />

mit, doch etwas komfortabler geht es mit<br />

einem zusätzlichen Programm.<br />

Bevor Sie aber jetzt anfangen, wahllos Gespräche<br />

aufzuzeichnen: Nach §201, Absatz 1 des Strafgesetzbuchs<br />

drohen bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe, wenn<br />

Sie das nicht öffentlich gesprochene Wort eines anderen<br />

auf einen Tonträger aufnehmen [1]. Fragen Sie<br />

also vor dem Start der Aufnahme Ihren Gesprächspartner<br />

jedes Mal, ob er der Aufnahme zustimmt.<br />

Andernfalls machen Sie sich ungewollt strafbar.<br />

Skype Call Recorder<br />

Über das quelloffene Programm Skype Call Recorder<br />

[2] zeichnen Sie Skype-Gespräche am einfachsten<br />

auf. Es nutzt direkt die Skype Public API [3],<br />

um die Audioeingaben <strong>und</strong> ‐ausgaben aufzunehmen.<br />

Für <strong>Ubuntu</strong> 11.04 <strong>und</strong> seine Derivate gibt es<br />

ein PPA [4], aus dem Sie das Programm <strong>ins</strong>tallieren<br />

<strong>und</strong> aktualisieren (Referenz: Paketmanagement).<br />

Rufen Sie über [Strg]+[Alt]+[T] ein Terminal auf<br />

<strong>und</strong> geben Sie die folgenden Befehle ein:<br />

$ sudo add‐apt‐repository ppa:dajhorn/U<br />

skype‐call‐recorder<br />

$ sudo apt‐get update<br />

$ sudo apt‐get <strong>ins</strong>tall skype‐call‐recorder<br />

Vor dem ersten Start des Skype Call Recorder rufen<br />

Sie Skype auf, indem Sie [Super] drücken <strong>und</strong><br />

skype eingeben. So kann der Rekorder die API von<br />

Skype anfordern. Starten Sie ihn, präsentiert Skype<br />

ein Dialogfenster, über das Sie dem Rekorder erlauben,<br />

auf Skype zuzugreifen.<br />

Nun quartiert sich der Rekorder neben Skype im<br />

Panel ein. Über die E<strong>ins</strong>tellungen, die Sie über<br />

einen Klick auf das Rekorder-Icon erreichen, passen<br />

Sie ihn an Ihre Wünsche an. Wichtig sind die<br />

Details zur automatischen Aufnahme von Gesprächen<br />

(ja oder nein), zur Aufnahmequalität (MP3,<br />

Ogg Vorbis, Bitrate usw.) <strong>und</strong> zum Speicherort.<br />

Der Skype Call Recorder meldet sich automatisch<br />

(Abbildung 1), wenn ein Anruf eingeht oder Sie<br />

jemanden anrufen. <strong>Per</strong> Mausklick beenden <strong>und</strong><br />

löschen Sie die Aufnahmen noch während des<br />

Anrufs oder lassen sie laufen. Fertige Aufnahmen<br />

landen im Home-Verzeichnis unter ~/​Skype Calls,<br />

sortiert nach Kontaktnamen.<br />

Mixen mit PulseAudio<br />

Wie anfangs erwähnt, brauchen Sie<br />

nicht zwangsläufig ein Zusatzprogramm<br />

für die Aufnahme. <strong>Ubuntu</strong><br />

bringt mit dem So<strong>und</strong>server Pulse-<br />

Audio <strong>und</strong> dem Audio-Recorder von<br />

Haus aus alles Notwendige mit, um<br />

Skype-Gespräche aufzuzeichnen.<br />

Das Prozedere ist nicht so simpel wie<br />

beim Skype Call Recorder, dafür lässt<br />

sich die geschilderte Lösung auf andere<br />

Situationen übertragen, in denen<br />

Sie zeitgleich Ton aus verschiedenen<br />

Quellen benötigen.<br />

Viktor Gmyria, 123RF<br />

82<br />

UBUNTU<br />

user<br />

01/2012<br />

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Skype-Rekorder<br />

Software<br />

Ein Problem bleibt aber: Führen Sie ein Gespräch<br />

über Skype, zeichnet es von Ihrem Mikrofon auf<br />

<strong>und</strong> spielt den Ton des Gesprächspartners über die<br />

So<strong>und</strong>karte ab. In den E<strong>ins</strong>tellungen des Audio-<br />

Recorders (den Sie über [Windows] <strong>und</strong> aud aufrufen)<br />

dürfen Sie jedoch nur eine Aufnahmequelle<br />

wählen. Um zwei Quellen zu mixen, müssen Sie<br />

ein wenig in PulseAudio eintauchen.<br />

Um die Audioquellen von PulseAudio zu verwalten,<br />

<strong>ins</strong>tallieren Sie zunächst das Paket pavucontrol,<br />

die PulseAudio-Lautstärkeregelung. Nach der<br />

Installation finden Sie das Programm unter dem<br />

Namen PulseAudio-Lautstärkeregler im Dash bzw.<br />

in den Anwendungsmenüs. Nun bringen Sie<br />

PulseAudio bei, die Daten mehrerer Quellen<br />

zeitgleich zu verarbeiten. Legen Sie dazu auf der<br />

Kommandozeile über die folgende Serie von Befehlen<br />

eine so genannte Null-Senke sowie zwei<br />

virtuelle Loopback-Audiogeräte an. Letztere leiten<br />

ihre Ausgabe dann jeweils an die neu angelegte<br />

Senke. Als Name für die Senke wählen wir combi,<br />

es gibt hier keine Namensvorgaben:<br />

$ pactl load‐module module‐null‐sink sink_U<br />

name=combi<br />

$ pactl load‐module module‐loopback U<br />

sink=combi<br />

$ pactl load‐module module‐loopback U<br />

sink=combi<br />

Nun starten Sie den PulseAudio-Lautstärkeregler<br />

<strong>und</strong> wechseln in den Reiter Aufnahme. Dort lassen<br />

Sie sich im Aufklappmenü Anzeigen unten rechts<br />

All Streams (Pfeil in Abbildung 2) einblenden,<br />

damit Sie die neu angelegten virtuellen Loopback-<br />

Geräte zu Gesicht bekommen.<br />

Als Quelle für die erste „NULL“-Ausgabe (Punkt<br />

1 in Abbildung 2) wählen Sie Monitor of {IHRE<br />

SOUNDKARTE} aus. Auf die zweite „NULL“-Ausgabe<br />

(Punkt 2) legen Sie das Mikrofon, das Sie später<br />

für Ihre Skype-Gespräche nutzen. Die angelegte<br />

Null-Senke kombiniert dann beide Signale. Dazu<br />

starten Sie nun ein Programm für die Audioaufnahme<br />

– Audio-Recorder genügt hier völlig. Klicken<br />

Sie auf den Mitschneiden-Button, erscheint sein<br />

Signal im PulseAudio-Lautstärkeregler. Als Quelle<br />

für die Aufnahme setzen<br />

Sie jetzt mit „Monitor<br />

of NULL-Ausgabe“ den<br />

aus dem Eingangssignal<br />

des Mikrofons <strong>und</strong> dem<br />

Ausgangssignal der So<strong>und</strong>karte<br />

kombinierten Audio-<br />

Stream (Punkt 3).<br />

Der Eingangspegel des Rekorders<br />

sollte ausschlagen,<br />

wenn Sie <strong>ins</strong> Mikro reden<br />

oder einen Klang abspielen.<br />

Die fertige Aufnahme<br />

des Audio-Recorders<br />

sollte Ihre Stimme <strong>und</strong><br />

die Klänge vom Rechner<br />

wiedergeben. Beginnen<br />

Sie nun ein Skype-Gespräch, <strong>und</strong> starten Sie den<br />

Audio-Recorder, nimmt dieser das Gespräch auf.<br />

Mitunter müssen Sie mit der Hardware experimentieren,<br />

bis die Aufnahme klappt.<br />

Um die Konfiguration permanent zu nutzen, tragen<br />

Sie die Null-Senke <strong>und</strong> die virtuellen Loopback-Geräte<br />

fest in Ihre PulseAudio-Konfiguration<br />

ein, indem Sie die Datei /etc/​pulse/​default.pa in<br />

den Ordner ~/​.pulse im Home-Verzeichnis kopieren<br />

<strong>und</strong> an den lokalen Benutzer anpassen. Öffnen<br />

Sie die kopierte Datei ~/​.pulse/​default.pa in einem<br />

Editor <strong>und</strong> ergänzen Sie sie um folgende Zeilen:<br />

load‐module module‐null‐sink sink_name=combi<br />

load‐module module‐loopback sink=combi<br />

load‐module module‐loopback sink=combi<br />

Speichern Sie die Änderungen <strong>und</strong> melden Sie sich<br />

neu auf dem Desktop an. Der PulseAudio-Lautstärkeregler<br />

sollte nun die Loopback-Geräte auflisten.<br />

Das gesamte Prozedere erfordert mitunter etwas<br />

Geduldsarbeit, dafür gilt die Lösung auch für andere<br />

Anwendungen. So zeichnen Sie etwa beim<br />

Erstellen von Screencasts zugleich den Ton sowie<br />

Ihre gesprochenen Kommentare auf. (kki) ●●●<br />

1 Der Skype-Rekorder in Aktion: Abgeschlossene Aufnahmen<br />

landen, nach Kontaktnamen geordnet, in Ihrem Home-Verzeichnis<br />

im Ordner „Skype Calls“. Den legt die Software selbst an.<br />

Info<br />

[1] Gesetzlicher Hintergr<strong>und</strong>:<br />

[http:// www.​<br />

gesetze‐im‐internet. de/​<br />

stgb/ __201. html]<br />

[2] Homepage des Skype Call<br />

Recorders:<br />

[http:// atdot. ch/ scr/]<br />

[3] Skype-API:<br />

[https:// developer. skype.​<br />

com/ accessories]<br />

[4] Inoffizielles Launchpad-PPA<br />

für Skype Call Recorder:<br />

[https:// launchpad. net/​<br />

~dajhorn/ +archive/​<br />

skype‐call‐recorder]<br />

[5] Dokumentation zu PulseAudio:<br />

[http:// www. pulseaudio.​<br />

org/ wiki/ Documentation]<br />

Quellen <strong>und</strong> Senken?<br />

PulseAudio kennt für jedes So<strong>und</strong>gerät oder Audioprogramm<br />

so genannte Quellen <strong>und</strong> Senken. Erstere<br />

sind üblicherweise Programme, die Klänge abspielen<br />

(inklusive Hardware wie etwa Mikrofone). Letztere geben<br />

Klänge aus wie zum Beispiel So<strong>und</strong>karten.<br />

Der So<strong>und</strong>server PulseAudio nimmt auf Wunsch Audioströme<br />

aus verschiedenen Quellen auf <strong>und</strong> leitet sie in<br />

Senken. Viele der dafür nötigen E<strong>ins</strong>tellungen sind leider<br />

nicht über grafische Oberflächen zugänglich, daher müssen<br />

Sie die etwas dünne PulseAudio-Dokumentation [5]<br />

zurate ziehen <strong>und</strong> experimentieren.<br />

2 Mischen Sie die Quellen mit dem PulseAudio-Lautstärkeregler. Dazu legen Sie über ein Terminal<br />

zwei virtuelle Loopback-Geräte an, die ihre Ausgaben in eine Null-Senke leiten.<br />

www.ubuntu-user.de 01/2012<br />

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user<br />

83


Software<br />

Unter <strong>Ubuntu</strong> laufen<br />

mittlerweile nicht nur<br />

viele erfolgreiche<br />

Windows-only-Games<br />

(dank Wine), sondern es<br />

gibt neben freien Spielen<br />

auch Support für diverse<br />

kommerzielle Indie-Produktionen.<br />

Wir zeigen<br />

eine Auswahl.<br />

Milos Mitrovic, Kristian Kißling<br />

Spiele<br />

Zwölf Spiele im Test<br />

Sehr verspielt<br />

!<br />

Tipp<br />

Damit die hier vorgestellten Spiele<br />

flüssig laufen, brauchen Sie meist<br />

recht aktuelle Grafikkarten <strong>und</strong><br />

müssen die passenden proprietären<br />

Treiber für diese <strong>ins</strong>tallieren.<br />

Unter <strong>Ubuntu</strong> gibt es im Prinzip mehrere Kategorien<br />

von Spielen. Es gibt viele freie Exemplare,<br />

die Sie im Paketmanager aufstöbern – etwa Flight-<br />

Gear, OpenTTD, Supertuxkart <strong>und</strong> Freeciv. Andere<br />

freie <strong>und</strong> kostenlose Spiele wie Dead Cyborg <strong>und</strong><br />

Xonotic laden Sie aus dem Internet herunter. Seit<br />

Kurzem stoßen Sie in <strong>Ubuntu</strong>s Software-Center<br />

auch auf kommerzielle Spiele, etwa Oil Rush <strong>und</strong><br />

Family Farm, die Sie in der Rubrik Zum Kauf entdecken.<br />

Um im Vorfeld zu testen, ob diese Spiele<br />

auf Ihrem Rechner laufen <strong>und</strong> Ihnen gefallen, laden<br />

Sie Demos von den Webseiten herunter.<br />

Von anderen kommerziellen Spielen, die zum Teil<br />

sehr originelle Spielideen vorweisen, bieten die<br />

Entwickler lediglich auf ihren Webseiten Linux-<br />

Versionen an. Der Client für Heroes of Newerth<br />

gehört in diese Kategorie. Nicht zuletzt – <strong>und</strong> das<br />

zeigt die Tabelle 1 übersichtlich – laufen dank<br />

Wine auch echte Welterfolge unter <strong>Ubuntu</strong>. Bei<br />

den Tests kam zwar in den meisten Fällen <strong>Ubuntu</strong><br />

10.10 zum E<strong>ins</strong>atz, doch die Spiele sollten auch<br />

unter <strong>Ubuntu</strong> 11.10 mit dem aktuellen Wine 1.3.28<br />

<strong>und</strong> späteren Versionen problemlos funktionieren.<br />

Und nun: happy gaming!<br />

Infos zum Spiel<br />

Webseite: [http:// www.​<br />

familyfarmgame. com/ de/​<br />

family‐farm‐game]<br />

Download: Software-Center<br />

Version: 1.3.1<br />

Preis: ca. 12 Euro (kostenlose<br />

Demo)<br />

Infos zum Spiel<br />

Webseite: [http:// supertuxkart.​<br />

sourceforge. net/]<br />

Download: Software-Center<br />

Version: 0.7<br />

Preis: Freie Software<br />

1. Family Farm<br />

Family Farm ist eine toll gemachte Wirtschaftssimulation,<br />

die auf einem Bauernhof des 19. Jahrh<strong>und</strong>erts<br />

spielt. Sie steuern sämtliche Figuren <strong>und</strong><br />

sorgen dafür, dass die Kasse stimmt <strong>und</strong> Ihre Felder,<br />

Bäume sowie das liebe Vieh Erträge abwerfen.<br />

Von denen zahlen Sie die hilfsbereiten Leiharbeiter,<br />

das Essen, das Tierfutter <strong>und</strong> die Setzlinge für neue<br />

Obstbäume. Falls unter <strong>Ubuntu</strong> 11.10 der So<strong>und</strong><br />

fehlt, tippen Sie diesen Befehl in ein Terminal ein:<br />

sudo ln ‐s /usr/lib/i386‐linux‐gnu/libaso<strong>und</strong>.so.2<br />

/usr/lib/i386‐linux‐gnu/libaso<strong>und</strong>.so<br />

2. Supertuxkart<br />

Wer Mario Kart liebt, wird auch Supertuxkart mögen.<br />

Die Software orientiert sich an dem Klassiker<br />

von Nintendo, bringt aber eigene Charaktere aus<br />

der Welt der freien Software mit. Wie bei Mario<br />

Kart gilt es, zahlreiche Strecken zu entdecken <strong>und</strong><br />

dabei Items mit magischen Fähigkeiten einzusacken,<br />

die auf der Fahrbahn herumliegen. Optisch<br />

kommt das Ganze sicherlich nicht an aktuelle Mario-Kart-Versionen<br />

heran, Spaß macht es trotzdem.<br />

86 UBUNTU<br />

01/2012<br />

www.ubuntu-user.de<br />

user


Spiele<br />

Software<br />

3. Xonotic<br />

Als der Hauptentwickler den freien 3-D-Shooter<br />

Nexuiz eines Tages an die Spieleschmiede Illfonic<br />

lizenzierte, reagierten einige der Mitentwickler<br />

enttäuscht <strong>und</strong> verärgert. Sie schnappten sich den<br />

Quellcode <strong>und</strong> starteten neu durch: Das Ergebnis<br />

heißt Xonotic, liegt nun in Version 0.5.0 vor <strong>und</strong><br />

kann sich sehen lassen. Die Level sind gut gemacht;<br />

grafisch bewegt sich der Shooter auf dem<br />

Stand von 2006/​2007. Nach dem Download rufen<br />

Sie im entpackten Spieleverzeichnis die Datei<br />

./xonotic‐linux‐sdl auf.<br />

Infos zum Spiel<br />

Webseite: [http:// www. xonotic.​<br />

org/]<br />

Download: [http:// www. xonotic.​<br />

org/ download/]<br />

Version: 0.5.0<br />

Preis: Freie Software<br />

4. Oil Rush<br />

Oil Rush findet in einer post-apokalyptischen Welt<br />

statt, in der die Erde überflutet ist. Mit Schiffen<br />

verteidigen Sie in dem Echtzeit-Strategiespiel Ihre<br />

Plattformen <strong>und</strong> schwimmenden Fabriken im<br />

Krieg um den letzten Tropfen Öl. Die Software<br />

befindet sich aktuell noch im Betastadium; die<br />

fertige Version erhalten Sie als Update über das<br />

Software-Center. Zum Redaktionsschluss gab es<br />

noch keine Demoversion des Spiels <strong>und</strong> auch<br />

keine Präsenz im Software-Center.<br />

Infos zum Spiel<br />

Webseite: [http:// oilrush‐game.​<br />

com/]<br />

Download: Software-Center<br />

(<strong>Ubuntu</strong> 11.04) oder Webseite<br />

Version: 0.75<br />

Preis: ca. 16 Euro<br />

Spiel<br />

Tabelle 1<br />

Getestet<br />

mit<br />

Wine-<br />

Version<br />

Grafik<br />

Steam 10.10 (64 Bit) 1.3.8 Beta GeForce<br />

8800<br />

StarCraft II 10.10 (64 Bit) 1.3.8 Beta GeForce<br />

8800<br />

World of Warcraft 10.10 (64 Bit) 1.3.9 Beta GeForce<br />

8800<br />

Assassin's Creed<br />

Brotherhood<br />

10.10 (64 Bit) 1.3.16 Beta GeForce<br />

8800<br />

Dragon Age II 10.10 (64 Bit) 1.3.16 Beta GeForce<br />

8800<br />

Call of Duty: Modern<br />

Warfare 2<br />

Call of Duty:<br />

Black Ops<br />

Pro Evolution<br />

Soccer 2011<br />

Need for Speed<br />

– Shift 2 Unleashed<br />

10.10 (64 Bit) 1.3.16 Beta GeForce<br />

8800<br />

10.10 (64 Bit) 1.3.16 Beta GeForce<br />

8800<br />

10.10 (64 Bit) 1.3.17 Beta GeForce<br />

8800<br />

10.10 (64 Bit) 1.3.22 Beta GeForce<br />

8800<br />

Crysis II 10.10 (64 Bit) 1.3.22 Beta GeForce<br />

8800<br />

Die Sims 3 11.04 (64 Bit) 1.3.22 Beta GeForce<br />

8800<br />

Dead Space 2 11.04 (64 Bit) 1.3.24 Beta GeForce<br />

8800<br />

Treiberversion<br />

Besonderheiten<br />

Testbericht<br />

64-260.19.21 nein http://​www.ubuntu-user.de/​Online/​News/​<br />

Wine-<strong>und</strong>-Steam-unter-<strong>Ubuntu</strong>-10.10-<br />

startklar-machen<br />

64-260.19.2 braucht Blizzard-Account <strong>und</strong> Star-<br />

Craft-II-Installer-Client<br />

64-260.19.21 braucht WoW-4.0.0-WOW-deDE-<br />

Installer.exe<br />

http://​www.ubuntu-user.de/​Online/​News/​<br />

Starcraft-II-unter-<strong>Ubuntu</strong>-Linux-mit-Wine<br />

http://​www.ubuntu-user.de/​Online/​News/​<br />

World-of-Warcraft-unter-<strong>Ubuntu</strong>-Linux<br />

64-260.19.21 nein http://​www.ubuntu-user.de/​Online/​News/​<br />

Assassin-s-Creed-Brotherhood-unter-<br />

<strong>Ubuntu</strong>-10.10<br />

64-260.19.21 braucht No-CD-Patch <strong>und</strong> Winetricks http://​www.ubuntu-user.de/​Online/​News/​<br />

Dragon-Age-2-unter-<strong>Ubuntu</strong>-10.10<br />

64-260.19.21 braucht Steam <strong>und</strong> Microsoft Visual<br />

C++ 2010 Redistributable Package<br />

64-260.19.21 braucht Steam <strong>und</strong> Microsoft Visual<br />

C++ 2010 Redistributable Package<br />

64-260.19.21 braucht Winetricks, No-CD-Patch <strong>und</strong><br />

Registry-Edits<br />

http://​www.ubuntu-user.de/​Online/​News/​<br />

Call-of-Duty-Modern-Warfare-2-unter-<br />

<strong>Ubuntu</strong>-10.10<br />

http://​www.ubuntu-user.de/​Online/​News/​<br />

Black-Ops-mit-Wine-unter-<strong>Ubuntu</strong>-10.10<br />

http://​www.ubuntu-user.de/​Online/​<br />

News/​Pro-Evolution-Soccer-2011-unter-<br />

<strong>Ubuntu</strong>-10.10<br />

64-275.09.07 Bildfehler mit Wine 1.3.22 http://​www.ubuntu-user.de/​Online/​News/​<br />

Need-for-Speed-Shift-2-Unleashed-unter-<br />

<strong>Ubuntu</strong>-10.10<br />

64-275.09.07 braucht EA-Download-Manager http://​www.ubuntu-user.de/​Online/​News/​<br />

Crysis-2-unter-<strong>Ubuntu</strong>-10.10<br />

64-275.09.07 braucht Origin-Download von EA http://​www.ubuntu-user.de/​Online/​News/​<br />

Die-Sims-3-unter-<strong>Ubuntu</strong>-11.04-spielen<br />

64-275.09.07 No-CD-Patch http://​www.ubuntu-user.de/​Online/​News/​<br />

Dead-Space-2-unter-<strong>Ubuntu</strong>-11.04<br />

Portal 2 11.04 (64 Bit) 1.3.28 Beta ATI HD 5850 11.8 braucht Steam http://​www.ubuntu-user.de/​Online/​News/​<br />

Portal-2-unter-<strong>Ubuntu</strong>-11.04-mit-Wine<br />

www.ubuntu-user.de 01/2012<br />

UBUNTU<br />

user<br />

87


Software<br />

Spiele<br />

Infos zum Spiel<br />

Webseite: [http:// blendogames.​<br />

com/ atomzombiesmasher/]<br />

Download: [http://​<br />

blendogames. com/ files/​<br />

atomzombiesmasherdemo_<br />

v1_84. tar]<br />

Version: 1.84<br />

Preis: ca. 14 Euro (kostenlose<br />

Demoversion)<br />

Infos zum Spiel<br />

Webseite: [http:// www.​<br />

theclockworkman2. com/]<br />

Download: [http:// www.​<br />

totaleclipsegames. com/ en/ the<br />

‐clockwork‐man‐2‐the‐hidden<br />

‐world/]<br />

Version: 2.1.0.4.0<br />

Preis: ca. 15 Euro (kostenlose<br />

Demoversion)<br />

Infos zum Spiel<br />

Webseite: [http:// deadcyborg.​<br />

com/]<br />

Download: [http:// deadcyborg.​<br />

com/ download. html]<br />

Version: Episode 1<br />

Preis: Kostenlos<br />

Infos zum Spiel<br />

Webseite: [http:// de. freeciv.​<br />

wikia. com/ wiki/ Freeciv_Wiki]<br />

Download: Software-Center<br />

Version: 2.2.7<br />

Preis: Freie Software<br />

5. Atom Zombie Smasher<br />

Schräg ist hier nicht nur die <strong>Per</strong>spektive aufs<br />

Spielfeld: Zombies überfallen eine Stadt, <strong>und</strong> Sie<br />

müssen die noch nicht „zombifizierten“ Teile der<br />

Bevölkerung mit einem Hubschrauber in Sicherheit<br />

bringen. Zugleich sollen Sie den Zombies in<br />

diesem Indie-Game mit Hilfe diverser Superwaffen<br />

das Abendessen vermiesen. Eine Demoversion auf<br />

der Webseite lädt zum Testen ein. Um das Spiel zu<br />

starten, entpacken Sie es, wechseln dann in das<br />

Unterverzeichnis <strong>und</strong> rufen dort das Kommando<br />

./AtomZombieSmasher auf.<br />

6. The Clockwork Man 2<br />

The Clockwork Man 2 ist ein klassisches Pointand-Click-Adventure.<br />

Die Story ist eher zweitrangig,<br />

gilt es doch, durch geschicktes Kombinieren<br />

von allerhand Gegenständen ein Rätsel nach dem<br />

anderen zu lösen <strong>und</strong> am Ende eine versteckte<br />

Welt zu finden. Die Grafik ist extrem detailliert,<br />

die einzelnen Szenen sind schon fast überfrachtet.<br />

Wollen Sie die Demoversion testen, laden Sie ein<br />

Archiv unter Download | More Systems & Languages<br />

von der Webseite herunter, entpacken es <strong>und</strong><br />

starten das Spiel, indem Sie im Unterverzeichnis<br />

./The eingeben <strong>und</strong> dann [Tab] drücken. Aktuell<br />

gibt es nur eine 32-Bit-Version.<br />

7. Dead Cyborg<br />

Dead Cyborg verfolgt eine interessante Geschäftsidee:<br />

Das Spiel ist kostenlos, weitere Episoden<br />

programmiert der Entwickler nur für zahlende<br />

K<strong>und</strong>schaft. Die Grafik von Dead Cyborg erinnert<br />

an einen leicht angestaubten Egoshooter <strong>und</strong><br />

wurde mit Blender umgesetzt. Der Protagonist der<br />

Geschichte wacht in einer Art Schlafkammer auf<br />

<strong>und</strong> versucht nun herauszufinden, was passiert<br />

ist. Dabei helfen ihm die herumliegenden Gegenstände.<br />

Sie entpacken das Spiel <strong>und</strong> finden im Unterverzeichnis<br />

diverse Skripte vor, von denen Sie<br />

eines ausführen. Für <strong>Ubuntu</strong> 11.10 rufen Sie am<br />

besten ./start‐game_pulseaudio_fullscreen auf.<br />

8. Freeciv<br />

Beim Civilization-Klon Freeciv handelt es sich um<br />

ein strategisches, r<strong>und</strong>enbasiertes Aufbauspiel. Sie<br />

entscheiden sich für eine Nation, breiten sich mit<br />

Hilfe von Krieg <strong>und</strong> Diplomatie auf der Erdoberfläche<br />

aus, gründen Städte, erweitern diese <strong>und</strong><br />

bereichern die Zivilisation durch neue Erfindungen<br />

<strong>und</strong> tolle Bauwerke. Das Spiel lässt sich eher<br />

sperrig bedienen, bringt aber alles mit, was klassische<br />

Civilization-Spieler mögen – inklusive einer<br />

liebevollen Grafik. Leider funktionierte im Test mit<br />

der Beta von <strong>Ubuntu</strong> 11.10 der Ton nicht, den Sie<br />

über das Paket freeciv-so<strong>und</strong>-standard <strong>ins</strong>tallieren.<br />

88 UBUNTU<br />

01/2012<br />

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user


Spiele<br />

Software<br />

9. Schlacht um Wesnoth<br />

Die Schlacht um Wesnoth wird unter Linux bereits<br />

seit ein paar Jahren geschlagen, das Spiel darf<br />

daher auch ohne Weiteres als Klassiker bezeichnet<br />

werden. Im Rahmen von Kampagnen <strong>und</strong> freien<br />

Spielen besetzen Sie in diesem Strategiespiel<br />

umliegende Dörfer <strong>und</strong> versuchen, verschiedene<br />

Kampagnenziele zu erreichen. Die Figuren von<br />

Wesnoth dürfen im Rahmen eines Levelsystems<br />

aufsteigen. Das Spiel lässt sich über das lokale<br />

<strong>Netz</strong>werk <strong>und</strong> im Internet spielen, wo Sie auf<br />

zahlreiche weitere Fans von Wesnoth treffen.<br />

Infos zum Spiel<br />

Webseite: [http:// www. wesnoth.​<br />

org/]<br />

Download: Software-Center<br />

Version: 1.8<br />

Preis: Freie Software<br />

10. Heroes of Newerth<br />

Wer StarCraft mag, dem wird auch Heroes of Newerth<br />

gefallen. Das Onlinespiel paart klassische<br />

Rollenspielelemente mit Echtzeit-Strategie. Die<br />

Grafik ist exzellent. Es gibt Clients für alle großen<br />

Plattformen, darunter auch Linux. Das kommerzielle<br />

Spiel lebt davon, dass Sie irgendwann<br />

beginnen, mit echtem Geld virtuelle Gegenstände<br />

zu erstehen, um ihre Spielfigur hochzurüsten. Sie<br />

laden den Client herunter, machen ihn über chmod<br />

u+x HoNClient‐2.1.10.sh ausführbar <strong>und</strong> starten<br />

ihn dann über ./HoNClient‐2.1.10.sh. Bevor Sie<br />

das tun, müssen Sie sich auf der Webseite noch<br />

einen kostenlosen Account zulegen.<br />

Infos zum Spiel<br />

Webseite: [http:// www.​<br />

heroesofnewerth. com/]<br />

Download: [http:// www.​<br />

heroesofnewerth. com/​<br />

download. php]<br />

Version: 2.1.10<br />

Preis: Kostenlos, Bezahlgegenstände<br />

im Spiel<br />

11. FlightGear<br />

Der freie Flugsimulator FlightGear richtet sich eher<br />

an flugbegeisterte Anwender <strong>und</strong> passt nicht wirklich<br />

in die Kategorie „Spiel“. Das merken Sie bereits,<br />

wenn Sie versuchen, einen der Vögel in die<br />

Luft zu bringen – ohne Handbuch oder Flugerfahrung<br />

kommen Sie nicht weiter. Die Software bringt<br />

diverse Flugzeugtypen mit, verwendet JSBSim <strong>und</strong><br />

YASim zur Simulation der Flugeigenschaften <strong>und</strong><br />

lässt sich unter anderem per Tastatur <strong>und</strong> Joystick<br />

steuern. Jahreszeiten, Sternenkonstellationen <strong>und</strong><br />

andere Details entsprechen der Realität, <strong>und</strong> es<br />

gibt Zusatzsoftware. Kartenmaterial für bestimmte<br />

Regionen laden Sie z. B. aus dem Internet nach.<br />

Infos zum Spiel<br />

Webseite: [http:// www. flightgear.​<br />

org/]<br />

Download: Software-Center<br />

Version: 2.0.0<br />

Preis: Freie Software<br />

12. OpenTTD<br />

Wer baut schon noch an seiner kleinen Modelleisenbahn<br />

im Keller, wenn es auch ein riesiges,<br />

wimmelndes Streckennetz sein kann? OpenTTD<br />

lehnt sich an die Simulation Transport Tycoon Deluxe<br />

von 1994 an <strong>und</strong> erlaubt es, sehr detaillierte<br />

Eisenbahnstrecken, aber auch Straßen <strong>und</strong> Wasserwege,<br />

aus dem virtuellen Boden zu stampfen.<br />

Neben Bahnstrecken, Straßen <strong>und</strong> Buslinien bauen<br />

Sie Stationen, Depots, Tunnel <strong>und</strong> Brücken in die<br />

Landschaft <strong>und</strong> lassen so Städte gedeihen. Vom<br />

Gewusel her erinnert das Spiel an SimCity <strong>und</strong> erfreut<br />

im <strong>Netz</strong> eine recht lebhaften Fangemeinde.<br />

Infos zum Spiel<br />

Webseite: [http:// www. openttd.​<br />

org/ en/]<br />

Download: Software-Center<br />

Version: 1.0.4<br />

Preis: Freie Software<br />

www.ubuntu-user.de 01/2012<br />

UBUNTU<br />

user<br />

89


Software<br />

Turpial<br />

Schöner twittern mit Turpial<br />

Zwitschernder<br />

Das Programmangebot<br />

für zwitschernde<br />

Linux-Benutzer wächst<br />

stetig: Mit Turpial steht<br />

ein weiterer Twitter-<br />

Client in den Startlöchern.<br />

Doch macht<br />

der Neuankömmling<br />

<strong>Ubuntu</strong>s Platzhirschen<br />

Gwibber echte Konkurrenz?<br />

Thomas L. Raukamp<br />

Referenz<br />

TweetDeck: Einen Artikel zu dem<br />

kostenlosen <strong>und</strong> sehr beliebten<br />

Twitter-Client finden Sie im <strong>Ubuntu</strong><br />

<strong>User</strong> 04/​2011 ab Seite 84 ff.<br />

Der Autor<br />

Thomas L. Raukamp (@thomasraukamp)<br />

ist seit drei Jahren<br />

Twitter-Enthusiast <strong>und</strong> hält<br />

Vorträge über die Nutzung des<br />

Informationsservices für Kreative<br />

<strong>und</strong> Firmen.<br />

Geselle<br />

Dass die Linux-Bewegung aufgr<strong>und</strong> ihrer offenen<br />

Philosophie auch Freigeister jenseits der<br />

Wirtschaftsmetropolen anspricht, beweist nicht<br />

zuletzt <strong>Ubuntu</strong>s Südamerika-Connection: Auch im<br />

sozialistischen Venezuela schrauben Entwickler<br />

fleißig an freier Software. Der dabei entwickelte<br />

Twitter-Client Turpial [1] erregte in den letzte Monaten<br />

auch hierzulande Aufmerksamkeit; sein Namensgeber<br />

ist der Nationalvogel Venezuelas.<br />

Alles auf einen Blick<br />

Turpial verfolgt bei der Darstellung von Twitter-<br />

Nachrichten (den Tweets) einen ähnlichen Ansatz<br />

wie das im letzten Heft vorgestellte TweetDeck<br />

(Referenz: TweetDeck), lässt sich aber einfach<br />

über das Software-Center <strong>ins</strong>tallieren. Während<br />

Sie in Gwibber jedoch aufgr<strong>und</strong> der GUI-Aufteilung<br />

die Maus ständig in Bewegung halten,<br />

präsentiert Turpial den allgemeinen Nachrichtenstrom,<br />

die persönlichen Erwähnungen sowie<br />

die Direktnachrichten auf Wunsch übersichtlich<br />

in einer Spaltenansicht (Abbildung 1). Das setzt<br />

voraus, dass Sie in den E<strong>ins</strong>tellungen die Option<br />

Allgemein | Breit-Modus zeigen auswählen.<br />

Andernfalls präsentiert sich der Client mit drei<br />

Themenreitern.<br />

1 Turpial präsentiert den Nachrichtenstrom in einer<br />

übersichtlichen Spaltenansicht – die persönlichen<br />

Nachrichten verschweigt der Client allerdings mitunter.<br />

Als hilfreich erweist sich die pastellfarbene Unterlegung<br />

der Spalten <strong>und</strong> Tweets, die eine zusätzliche<br />

Orientierung gewährt: So erscheinen<br />

eigene Nachrichten rötlich, neue Tweets blau <strong>und</strong><br />

gelesene Beiträge weiß hinterlegt. Schön ist, dass<br />

Turpial 1.5 auch das Hochladen <strong>und</strong> Veröffentlichen<br />

von Bildern innerhalb der eigenen Zeitleiste<br />

ermöglicht – neben diversen Bilderdiensten für<br />

Twitter unterstützt es sogar den Microblogging-<br />

Anbieter Posterous [2].<br />

Sendepause<br />

Turpial verzichtet komplett auf Menüeinträge <strong>und</strong><br />

verbirgt seine Funktionen hinter einer Icon-Leiste<br />

am unteren Fensterrand. Etwas unpraktisch ist,<br />

dass Sie eigene Nachrichten in ein Extrafenster<br />

eingeben müssen, das Sie über ein entsprechendes<br />

Piktogramm (das mit dem Vogel) aufrufen. Intuitiver<br />

wäre hier ein Eingabefeld unter dem Hauptfenster,<br />

wie es Gwibber <strong>und</strong> TweetDeck anbieten.<br />

Auch die Integration in <strong>Ubuntu</strong>s Unity-Umgebung<br />

weiß (noch) nicht zu überzeugen. So benachrichtigt<br />

das Programm auch noch nach dem Schließen<br />

– bei dem das Launcher-Icon verschwindet – über<br />

neue Tweets. Zudem lässt es sich leider nicht in<br />

<strong>Ubuntu</strong>s Nachrichtenmenü integrieren.<br />

Schwerer wiegt, dass sich Turpial, wenn Sie es<br />

eine Weile verwenden, mit einer Fehlermeldung<br />

um die Darstellung der persönlichen Nachrichten<br />

drückt – die Spalte bleibt schlicht leer. Abhilfe<br />

schaffen Sie, indem Sie die Anwendung in Twitters<br />

Vore<strong>ins</strong>tellungen mehrmals an- <strong>und</strong> abmelden.<br />

Das ist nicht im Sinne der Erfinder, die schnellstmögliche<br />

Besserung geloben. Apropos: Trotz<br />

spanischsprachiger Webseite verfügt der Kommunikationsvogel<br />

über eine deutschsprachige Benutzeroberfläche.<br />

¡Vamonos!<br />

Turpial macht Lust auf mehr <strong>und</strong> könnte bald zu<br />

einer nativen TweetDeck-Alternative für Linux/​<br />

<strong>Ubuntu</strong> heranreifen. Bis dahin müssen die Entwickler<br />

noch fleißig an den Details feilen. (kki) ●●●<br />

Info<br />

[1] Turpial-Webseite: [http:// turpial. org. ve/]<br />

[2] Posterous: [https:// posterous. com/]<br />

tuna, Fotolia.com<br />

90 UBUNTU<br />

01/2012<br />

www.ubuntu-user.de<br />

user


<strong>Vorschau</strong><br />

Service<br />

Dmitry Naumov, 123RF<br />

Bilder- <strong>und</strong> Bildungsstürme<br />

das nächste Heft erscheint am 9.2.2012<br />

Was kommt im Heft<br />

<br />

02/​2012?<br />

Am 09. Februar 2012 kommt der nächste <strong>Ubuntu</strong> <strong>User</strong> an den Kiosk, <strong>ins</strong> Software-Center <strong>und</strong> in unseren<br />

Onlineshop. Einige Themen stehen bereits jetzt fest. <br />

Kristian Kißling<br />

Bildersturm<br />

Im nächsten Heft haben wir etwas Besonderes vor: Unser Autor<br />

Tim Schürmann schnappt sich eine Kamera <strong>und</strong> zeichnet damit ein<br />

Theaterstück auf. Anschließend bearbeitet er das fertige Produkt<br />

mit Hilfe von Open-Source-Tools. Im Heft wird er beschreiben, welche<br />

Erfahrungen er dabei macht <strong>und</strong> wie das Ganze unter <strong>Ubuntu</strong><br />

am besten funktioniert. Und wo er gerade in Fahrt ist, stellt er auch<br />

noch ein kleines Skript vor, mit dem Sie Ihre DVD-Sammlung automatisch<br />

auf die Festplatte kopieren (Abbildung 1).<br />

1 Mit dem<br />

Arista-Transcoder<br />

konvertieren<br />

Sie Ihre DVDs<br />

in verschiedene<br />

Formate.<br />

2 Eine neue Twitter-App<br />

namens<br />

Polly versorgt<br />

Abhängige mit<br />

frischen Tweets.<br />

Twitter-Alarm<br />

Für unseren Autor Thomas L.<br />

Raukamp geht ohne Twitter nichts<br />

mehr. Kein W<strong>und</strong>er, dass der<br />

Experte für den Versand von Kurznachrichten<br />

ständig auf der Suche<br />

nach der besten Twitter-App für<br />

<strong>Ubuntu</strong> ist – <strong>und</strong> einer guten Alternative<br />

zum proprietären Tweet-<br />

Deck. Nun ist er auf Polly gestoßen.<br />

Diese kleine App steckt zwar<br />

noch in den Kinderschuhen, aber<br />

Thomas bringt sie im nächsten<br />

Heft groß raus (Abbildung 2).<br />

Bildung <strong>und</strong><br />

Weiterbildung<br />

Wenn Schulen auf die Einführung von<br />

Linux verzichten, wird ja gern auf die fehlende<br />

Unterstützung für eine bestimmte<br />

Windows-Software verwiesen. Autor<br />

Sebastian Seitz macht den Praxistest: Er<br />

lässt sich aktuelle Schulsoftware von verschiedenen<br />

Verlagen kommen <strong>und</strong> schaut,<br />

ob diese unter Wine laufen. Als studierter<br />

Pädagoge stellt er die Programme vor <strong>und</strong><br />

zeigt auch gleich, ob sie sich gut für den<br />

Unterricht eignen <strong>und</strong> vielleicht auch Ihre<br />

Kinder zum Lernen anregen.<br />

Erscheinungsdatum<br />

Autoren<br />

Anzeigen<br />

Den nächsten <strong>Ubuntu</strong> <strong>User</strong> (02/​2012) finden Sie am 09.02. 2012 am<br />

Kiosk Ihres Vertrauens oder neuerdings auch in <strong>Ubuntu</strong>s Software-<br />

Center. Alternativ bekommen Sie die aktuellen Hefte versandkostenfrei<br />

unter [http://​shop.linuxnewmedia.de/]. Tägliche Informationen<br />

<strong>und</strong> Updates zu <strong>Ubuntu</strong> finden Sie bei Facebook unter<br />

[http://​www.facebook.com/​ubuntuuser] <strong>und</strong> auf unserer Webseite<br />

[http://​ubuntu-user.de/]. Hier bieten wir eine große Auswahl<br />

freier Artikel aus aktuellen <strong>und</strong> älteren Heften an.<br />

Joe „Zonker“ Brockmeier S. 30/68<br />

Florian Effenberger S. 36/54<br />

Christoph Langner S. 82<br />

James Mohr S. 30<br />

Thomas Raukamp S. 90<br />

Tim Schürmann S. 26/58<br />

Christoph Stockmayer S. 94<br />

Bibliograph. Institut S. 33<br />

Bodenseo S. 39<br />

Diavlon S. 19<br />

Galileo Press S. 100<br />

Ixsoft S. 99<br />

Linux-Hotel S. 45<br />

PlusServer AG S. 12/48/66/84<br />

STRATO AG S. 76/2<br />

ZEDOnet S. 51<br />

www.ubuntu-user.de 01/2012<br />

UBUNTU<br />

user<br />

91


Hardware<br />

ARM-Rechner mit <strong>Ubuntu</strong><br />

Hercules Ecafé Ex HD im Test<br />

Ein starker ARM?<br />

ARM gilt vielen noch<br />

immer als obskure<br />

Prozessorarchitektur.<br />

Das <strong>Ubuntu</strong>-Projekt<br />

unterstützt ARM jedoch,<br />

weil immer mehr Mobilgerätehersteller<br />

auf<br />

diese Chips setzen. Wir<br />

schauen uns ein aktuelles<br />

Gerät an. Kristian Kißling<br />

Referenz<br />

Paketmanagement: Wie Sie Paketquellen<br />

unter <strong>Ubuntu</strong> einbinden,<br />

schildert der Artikel auf Seite 22<br />

Mit dem Hercules Ecafé Ex HD landete endlich<br />

ein ARM-Netbook auf unserem Schreibtisch, nachdem<br />

die <strong>Ubuntu</strong>-Entwickler – <strong>ins</strong>besondere die<br />

von Canonical – schon seit geraumer Zeit an einer<br />

Unterstützung für diese Architektur arbeiten (siehe<br />

Kasten Was ist ARM?). Unser Eindruck war eher<br />

durchwachsen, was bei einem 250-Euro-Rechner<br />

keine Überraschung ist.<br />

Hardware<br />

Zunächst zu den Hardwaredaten: Der Prozessor<br />

in dem Netbook ist ein Freescale i.MX515, der auf<br />

dem ARM-Cortex-A8-Design basiert <strong>und</strong> mit einer<br />

Taktfrequenz von 800 MHz läuft. Dazu kommen etwas<br />

knausrige 512 MByte RAM, ein interner iNAND<br />

Flash-Speicher mit 8 GByte Kapazität sowie eine<br />

SD-Karte, die 8 GByte Speicherplatz anbietet.<br />

Der Monitor des Rechners ist 10,1 Zoll groß mit<br />

einer Auflösung von 1024 x 600 Pixeln. Der Akku<br />

hat offiziell eine Laufzeit von 13 St<strong>und</strong>en; im Test<br />

sah es – je nach Auslastung – eher nach 8 bis 10<br />

St<strong>und</strong>en aus – was immer noch ein sehr guter<br />

Wert ist. Die eingebaute WLAN-Karte überträgt<br />

Daten nach dem schnellen N-Standard, läuft mit<br />

einem Ralink-Treiber <strong>und</strong> nutzt die Schnittstelle<br />

/dev/​ra0. Neben drei USB-Anschlüssen <strong>und</strong> einem<br />

integrierten Kartenleser fällt der HDMI-Ausgang<br />

auf: Tatsächlich soll der schmale Rechner auch<br />

HD-Material abspielen können.<br />

Weiterhin bringt das Netbook eine Webcam mit<br />

0,3-Megapixel-Auflösung mit, die Sie über eine<br />

eigene Webcam-Anwendung ansprechen. Die so<br />

genannte Kaugummitastatur [1] – zwischen deren<br />

gummibeschichteten Tasten kleine Zwischenräume<br />

liegen – flankieren rechts <strong>und</strong> links zwei erhöhte<br />

Gehäusestreben (Abbildung 1). Diese machen das<br />

Tippen etwas gewöhnungsbedürftig, da die Handflächen<br />

auf den Leisten liegen.<br />

Erfreulich ist das Fehlen eines Lüfters – so arbeiten<br />

Sie ohne lästige Nebengeräusche. Das grenzt<br />

jedoch nicht wirklich an ein W<strong>und</strong>er: Für die<br />

Aufgaben, die Sie mit dem Ecafé Ex HD sinnvoll<br />

erledigen können, werfen auch herkömmliche<br />

Rechner nicht unbedingt ihre Lüfter an.<br />

Mit <strong>Ubuntu</strong> 10.04<br />

Das Gerät braucht vom Start bis zum fertig geladenen<br />

Desktop knapp eine Minute. Das Bootmenü<br />

von Grub suchen Sie vergebens, da ein spezieller<br />

Bootloader zum E<strong>ins</strong>atz kommt. Als Kernel verwendet<br />

das Netbook eine angepasste Variante mit<br />

der Versionsnummer 2.6.35.4-ecafe. Leider scheint<br />

der Treiber für optische externe USB-Mäuse zu<br />

fehlen, weshalb Sie vermutlich mit dem eher<br />

sperrigen Touchpad vorliebnehmen müssen. Ob<br />

andere Geräte besser funktionieren,<br />

haben wir allerdings<br />

nicht getestet.<br />

Andres Rodriguez, Fotolia.com<br />

92 UBUNTU<br />

01/2012<br />

www.ubuntu-user.de<br />

user


ARM-Rechner mit <strong>Ubuntu</strong><br />

Hardware<br />

Nach dem Booten landen Sie auf der Netbook-<br />

Oberfläche für <strong>Ubuntu</strong> 10.04 – quasi dem Vorläufer<br />

von Unity mit Gnome-2.30-Unterbau. Auf der linken<br />

Seite erscheinen die wählbaren Softwarekategorien<br />

(etwa Internet), rechts stapeln sich die Starticons<br />

der Anwendungen (zum Beispiel Chromium).<br />

Diese laufen nach dem Start im Vollbildmodus. Sie<br />

schließen sie, indem Sie oben in der Fensterleiste<br />

auf das kleine Kreuzchen klicken.<br />

Das vor<strong>ins</strong>tallierte Gnome bringt dabei die bekannten<br />

Standardanwendungen mit: Evolution zum<br />

Mailen, das mittlerweile durch LibreOffice abgelöste<br />

OpenOffice, Totem zum Abspielen von Videos <strong>und</strong><br />

Rhythmbox als Audioplayer. Auch der Dateimanager<br />

Nautilus <strong>und</strong> der Messenger Empathy sind mit<br />

an Bord. Eine Anwendung namens Minitube lädt<br />

zum Betrachten von YouTube-Videos ein. Dumm<br />

nur, dass im Hintergr<strong>und</strong> nirgends ein Flash-Plugin<br />

läuft. Dadurch erweist sich die Anwendung als<br />

überflüssig. Zwar gibt es Gerüchte, nach denen ein<br />

Flash für ARM in Arbeit ist, konkrete Früchte dieser<br />

Bemühungen stehen aber aus.<br />

Filme spielt der Rechner ab, allerdings treibt ihn<br />

der E<strong>ins</strong>atz von HD-Material an seine Grenzen.<br />

Die HD-Version von „Big Buck Bunny“ spielte der<br />

Rechner nur mit Mühe ab. Teils lief der Ton asynchron,<br />

teils erschienen Artefakte auf dem Bildschirm.<br />

Auch Software, die 3-D-Support voraussetzt,<br />

ist unbenutzbar; einfache Spiele wie GLtron<br />

<strong>und</strong> Anwendungen wie Stellarium laufen nicht.<br />

Als Browser kommt Chromium zum E<strong>ins</strong>atz.<br />

Firefox funktioniert zwar, aber nur, wenn Sie ihn<br />

über die Kommandozeile starten. Und dann dauert<br />

es eine Weile, bis der ARM-Rechner den Browser<br />

lädt. Ganz allgemein reagiert der Ecafé Ex HD<br />

recht träge <strong>und</strong> meist mit ein wenig Verzögerung<br />

auf Aktionen wie Eingaben oder Mausklicks.<br />

Software erweitern<br />

Das Verwalten der Software sehen die Macher<br />

des Rechners nicht vor: Lediglich den Aktualisierungsmanager<br />

erreichen Sie. Updates für <strong>Ubuntu</strong><br />

10.04 liefern die Entwickler noch bis April 2013<br />

aus. Einen Paketmanager starten Sie über ein Terminalfenster,<br />

das Sie wiederum über das Kürzel<br />

[Strg]+[Alt ]+[T] aufrufen.<br />

Was ist ARM?<br />

ARM Limited ist ein britisches Unternehmen – das Apronym<br />

steht für Advanced RISC Machines. RISC ist wiederum<br />

ein Akronym für Reduced Instruction Set Computer:<br />

Es handelt sich um eine Chiparchitektur, die bewusst<br />

auf einfache Befehle setzt. ARM-Prozessoren stecken<br />

vor allem in mobilen <strong>und</strong> eingebetteten Systemen, in<br />

Telefonen, PDAs, aber auch in Routern. Sie verbrauchen<br />

vergleichsweise wenig Energie. ARM Ltd. stellt die Prozessoren<br />

jedoch nicht selbst her, sondern lizenziert das<br />

Design an Partnerfirmen weltweit, etwa IBM, Motorola,<br />

HP, Samsung, Apple <strong>und</strong> Intel.<br />

Den Paketmanager Synaptic starten Sie dann, indem<br />

Sie sudo synaptic eintippen. Die Ecafé-Macher<br />

haben jedoch fast alle verfügbaren Pakete aus<br />

ihrem Repository <strong>ins</strong>talliert. Sie müssen <strong>Ubuntu</strong>s<br />

ARM-Paketquellen einbinden, um an zusätzliche<br />

Software zu gelangen. Dazu wählen Sie in Synaptic<br />

den Menüpunkt E<strong>ins</strong>tellungen | Paketquellen,<br />

wechseln zum Reiter Software von<br />

<strong>Ubuntu</strong> <strong>und</strong> kreuzen die Option Von<br />

Canonical unterstützte Open-Source-<br />

Software (main) an. Dann klicken Sie<br />

auf die Schaltfläche Schließen <strong>und</strong><br />

wählen aus der Werkzeugleiste den<br />

Eintrag Neu laden aus. Um die neue<br />

Software aufzuspüren, klicken Sie<br />

dann links unten auf den Eintrag<br />

Ursprung <strong>und</strong> dann<br />

oben auf<br />

/main<br />

(ports.<br />

ubuntu.<br />

com). Es<br />

dauert mitunter einen<br />

Moment, bevor rechts die <strong>ins</strong>tallierbare<br />

Software erscheint.<br />

Alternativ <strong>ins</strong>tallieren Sie Software über ein Terminal<br />

(Referenz: Paketmanagement). Taucht die<br />

Frage Diese Pakete ohne Überprüfung <strong>ins</strong>tallieren<br />

(j/​N) auf, drücken Sie [J] – es handelt sich um ein<br />

Problem mit fehlenden Schlüsseln.<br />

Ob die <strong>ins</strong>tallierte Anwendung auf dem Rechner<br />

läuft, finden Sie erst nach dem Start heraus. Im<br />

Test ließ sich z. B. Th<strong>und</strong>erbird aufrufen, während<br />

das Software-Center den Dienst verweigerte. Auch<br />

Gimp lief; wirklich Spaß macht die Arbeit auf dem<br />

sehr kleinen Display aber nicht.<br />

Keine Konkurrenz<br />

Ohne Flash, Skype <strong>und</strong> vernünftigen 3-D-Support<br />

fehlen beim Ecafé einige nützliche Programme, die<br />

auf anderen Rechnern dieser Preisklasse laufen.<br />

Besonders schnell ist der Rechner auch nicht. Der<br />

fehlende Lüfter ist von Vorteil, aber nicht schlachtentscheidend;<br />

mit der langen Akkulaufzeit punktet<br />

das Netbook schon eher.<br />

Am ehesten eignet es sich wohl für ARM-Enthusiasten<br />

<strong>und</strong> Leute, die ohnehin nur Mails schreiben<br />

<strong>und</strong> Texte verfassen. Der Internetpreis von<br />

250 Euro ist dennoch recht happig. Zum Vergleich:<br />

Der Eee PC X101 von Asus kostet r<strong>und</strong> 170 Euro,<br />

<strong>und</strong> auf ihm läuft Unity flüssig in 3-D [2]. Zudem<br />

bringt er eine höhere Taktfrequenz <strong>und</strong> mehr RAM<br />

mit. Glaubt man den Experten, werden sich ARM-<br />

Prozessoren in Zukunft dennoch super verkaufen.<br />

So steht mit dem Cortex-A15 MPCore ein ARM-<br />

Prozessor in den Startlöchern, der mehrere Kerne<br />

verwendet. Es gibt bereits einige Lizenznehmer;<br />

erste Geräte werden für 2012 erwartet. Das getestete<br />

Netbook besteht hingegen den Vergleich mit der<br />

x86-Konkurrenz noch nicht. (kki) ●●●<br />

1 Etwas ungewohnt: Die Tastatur<br />

des Rechners fassen zwei Plastikstreben<br />

rechts <strong>und</strong> links ein, was<br />

das Tippen erschwert.<br />

Info<br />

[1] Wikipedia zur Kaugummitastatur:<br />

[http:// de. wikipedia.​<br />

org/ wiki/ Kaugummitastatur]<br />

[2] Unity auf dem Eee PC<br />

X101: [http:// blog.​<br />

rootserverexperiment. de/​<br />

2011/ 08/ 31/ asus‐x101‐wied<br />

er‐ein‐echter‐eee‐pc/]<br />

www.ubuntu-user.de 01/2012<br />

UBUNTU<br />

user<br />

93


Programmieren<br />

Bash-Workshop: Teil 2<br />

Case, While <strong>und</strong> Funktionen<br />

Alles inklusive<br />

Tomasz Rzymkiewicz, 123RF<br />

Funktionen lassen sich<br />

auch in Bash-Skripten<br />

sinnvoll nutzen: Im<br />

Workshop basteln wir<br />

mit ihrer Hilfe einen<br />

simplen MP3-Player.<br />

<br />

Christoph Stockmayer<br />

Referenz<br />

Bash-Programmierung: Den ersten<br />

Teil des Workshops finden Sie<br />

im letzten <strong>Ubuntu</strong> <strong>User</strong> 04/​2011 auf<br />

Seite 94.<br />

1 Ein Auswahlmenü bietet verschiedene Optionen an; darunter<br />

erscheinen dann die gef<strong>und</strong>enen Ergebnisse der Suche.<br />

In der ersten Folge zur Bash-Programmierung<br />

haben wir bereits einige Gr<strong>und</strong>lagen beschrieben<br />

(Referenz: Bash-Programmierung).<br />

Nun wollen wir ein kleines (rudimentäres) Auswahlmenü<br />

erstellen, um die Musiktitel aus dem<br />

letzten Workshop anzuzeigen, zu suchen <strong>und</strong><br />

abzuspielen. Dabei lernen Sie wieder einige Bash-<br />

Features kennen – primär geht es aber darum, die<br />

Möglichkeiten der Bash vorzustellen.<br />

Alle Musiktitel anzeigen<br />

Im ersten Schritt kümmern Sie sich um die einzelnen<br />

Funktionalitäten. Damit das eigentliche Skript<br />

nicht zu unübersichtlich wird, speichern Sie diese<br />

Bash-Funktionen in einer eigenen Datei namens<br />

musiksammlung.func, die Sie später einfach in das<br />

Skript einbinden.<br />

Eine Bash-Funktion besitzt einen Namen (Sie<br />

dürfen auch das Schlüsselwort function verwenden)<br />

<strong>und</strong> zwei r<strong>und</strong>e Klammern. Das kennen Sie<br />

womöglich von der Programmiersprache C. In den<br />

geschweiften Klammern stehen dann alle Anweisungen,<br />

die diese Funktion<br />

abarbeiten soll.<br />

In Listing 1 sucht die Funktion<br />

anzeigen() über das<br />

find-Kommando (siehe<br />

Kasten find) vom aktuellen<br />

Verzeichnis ausgehend<br />

nach Dateien mit der<br />

Endung .mp3. Vor dieser<br />

Endung dürfen dank der<br />

Wildcard * beliebige Namen<br />

stehen.<br />

Die Option -iname sorgt<br />

dafür, dass find nicht zwischen<br />

Groß- <strong>und</strong> Kle<strong>ins</strong>chreibung unterscheidet.<br />

Außerdem müssen Sie den Dateinamen *.mp3 in<br />

Hochkommata setzen, damit die Bash die Wildcard<br />

nicht sofort durch alles Passende ersetzt,<br />

sondern sie an das Kommando find weitergibt (andernfalls<br />

wird nur nach Dateien im aktuellen Verzeichnis<br />

gesucht). Das Ergebnis der Suche formatiert<br />

nun eine weitere Funktion namens format(),<br />

die Sie unter anzeigen() anlegen. Sie entfernt, wie<br />

im letzten Workshop gezeigt, die Endung .mp3.<br />

Zum Schluss zeigt less das Ergebnis seitenweise<br />

an, weil Sie hier ggf. viele Resultate erzielen. Die<br />

Option -e beendet less, ohne dass Sie am Ende explizit<br />

[Q] drücken müssen.<br />

Nach Titeln suchen<br />

Auch die Suche lösen Sie mit einer Funktion<br />

(Listing 2): Zuerst schreibt echo eine Frage auf<br />

den Bildschirm. Dabei unterdrückt die Option -n<br />

das Einfügen eines Zeilenumbruchs (engl. „newfind<br />

Das Kommando sucht aufgr<strong>und</strong> bestimmter Kriterien<br />

nach Dateien, zum Beispiel:<br />

$ find / ‐name passwd ‐exec ls ‐ld {} \;<br />

Die Parameter legen fest, wo im Verzeichnisbaum die<br />

Suche beginnt (/), wonach find sucht (-name passwd,<br />

also nach einer Datei namens passwd) <strong>und</strong> was es mit<br />

dem Ergebnis anfängt (es listet die F<strong>und</strong>stücke auf:<br />

-exec ls ‐ld {} \;). Noch ein Beispiel:<br />

$ find . ‐size +10G ‐exec rm ‐i {} \;<br />

find fahndet hier – vom aktuellen Verzeichnis aus (.) –<br />

nach Dateien, die größer als 10 GByte sind (-size +10G)<br />

<strong>und</strong> löscht diese (-exec rm ‐i {} \;) – Sie erkennen hier<br />