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Digitale Fotografie - Themen Landschaften (Vorschau)

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<strong>Digitale</strong><br />

LANDSCHAFTEN<br />

So machen Sie eindrucksvolle Fotos mit Ihrer Digitalkamera<br />

www.digitale-fotografie-magazin.de<br />

Deutschland:<br />

EUR 9,99<br />

Österreich:<br />

EUR 11,-<br />

Schweiz:<br />

CHF 19,-<br />

LU/BE<br />

EUR 11,50<br />

MIT<br />

EXPERTEN-<br />

RATGEBER!<br />

Für perfekte Landschaftsfotos<br />

mit Ihrer DSLR & CSC-<br />

Kamera!<br />

Nr. 18/2014 Jan-März<br />

TECHNIKEN<br />

BEHERRSCHEN<br />

IHRE KAMERA<br />

VERSTEHEN<br />

PROFI-<br />

TUTORIALS<br />

DIE OPTIMALE<br />

AUSRÜSTUNG


<strong>Digitale</strong><br />

LANDSCHAFTEN


ADAM BURTON<br />

IMPRESSUM<br />

HERAUSGEBER: Ultimate Guide Media<br />

REDAKTION INTERNATIONAL: Mark Bauer,<br />

Sarah Plater, Pete Davis, Terry Hope,<br />

Damien Lovegrove, Philip Nash, Pip, Ian<br />

Wood<br />

ART DIRECTOR: Dean Mullock<br />

FINANZDIREKTOR: Richard Layton<br />

DATENSCHUTZERKLÄRUNG<br />

Dieses MAGBOOK wird unter der Lizenz und<br />

mit der Erlaubnis von © Bright Publishing<br />

Limited herausgegeben. Alle Rechte an<br />

Material, Titel und Marke dieses Magazins<br />

sind Eigentum von Bright Publishing Limited<br />

und dürfen weder im Ganzen noch teilweise<br />

ohne vorherige schriftliche Genehmigung<br />

reproduziert werden.<br />

Willkommen...<br />

„Wenn Sie zu den Millionen Fotografen auf dieser Welt gehören, die eine<br />

Leidenschaft für die Landschaftsfotografie haben, dann haben Sie bestimmt<br />

schon lohnenswerte Landschaftsmotive fotografiert. Es ist ein tolles Gefühl,<br />

nach einem langen Fototag mit einer Speicherkarte voll atemberaubender<br />

Szenen nach Hause zu kommen.<br />

Doch stellt uns diese <strong>Fotografie</strong> auch vor viele Herausforderungen: Man muss<br />

sich auf stundenlange Arbeit vorbereiten – dazu gehört ein früher Start, um<br />

vor Sonnenaufgang am Schauplatz zu ein, ebenso wie das <strong>Fotografie</strong>ren<br />

bis nach Sonnenuntergang, oder muss jeglichem Wetter trotzen, um eine herrliche Szene<br />

einzufangen.<br />

Dieser große Ratgeber für die Landschaftsfotografie ist randvoll gepackt mit Fototechniken,<br />

Expertenratschlägen sowie Tutorien unserer beliebtesten Outdoor-Fotografen – und<br />

natürlich mit atemberaubenden Bildern. Wir haben uns das Ziel gesetzt, Ihnen sämtliche<br />

Informationen, Tipps und Inspiration zu bieten, um Ihre Kenntnisse in der <strong>Fotografie</strong> zu<br />

verbessern. Der Schwerpunkt liegt bei kameraspezifischen Techniken und entscheidenden<br />

Fähigkeiten zur Nachbearbeitung.<br />

Wir hoffen, dass es Ihnen helfen wird, die besten Landschaftsfotos Ihres Lebens zu schießen.<br />

Alles Gute!“<br />

DANIEL LEZANO, REDAKTEUR<br />

Treffen Sie unsere Landschafts-Experten<br />

All unsere Experten schreiben regelmäßig Beiträge für unser Magazin <strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong>. Holen Sie sich die neueste<br />

Ausgabe, die jeweils am zweiten Dienstag in jedem Monat erscheint, für Expertenratschläge und Inspiration, um<br />

Ihre Fototechniken zu verbessern. Weitere Informationen finden Sie auch unter www.digitale-fotografie-magazin.de.<br />

Haftung<br />

Das Heft wurde mit großer Sorgfalt<br />

produziert. Der Verlag kann jedoch keine<br />

Haftung, Gewährleistung, Garantie oder<br />

Versicherung für Meinungen, Waren oder<br />

Dienstleistungen übernehmen, die in<br />

dieser Ausgabe veröffentlicht wurden.<br />

Der Herausgeber übernimmt keine<br />

Verantwortung für Inhalte von externen<br />

Webseiten, deren Adressen veröffentlicht<br />

werden.<br />

VERTRIEB<br />

VU VERLAGSUNION KG<br />

Am Klingenweg 10<br />

65396 Walluf<br />

Telefon: 0612/3620 0<br />

BÜRO DEUTSCHLAND<br />

Ultimate Guide Media<br />

Landsberger Straße 302<br />

80687 München<br />

Telefon: +49 (0) 89 90 40 5 805<br />

Fax: +49 (0) 89 90 40 5 066<br />

BÜRO UNITED KINGDOM<br />

Ultimate Guide Media Ltd<br />

Argyle House, 1 Dee Road<br />

Richmond, Surrey<br />

TW9 2JN<br />

Company No. 06965305<br />

HOMEPAGE<br />

www.digitale-fotografie-magazin.de<br />

ABONNEMENTS UND PRESSEVERTRIEB<br />

IPS Pressevertrieb GmbH<br />

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53340 Meckenheim<br />

E-Mail: abo-ugm@ips-d.de<br />

Telefon: 022 25/70 85-362<br />

Homepage: www.ips-d.de<br />

LESERFRAGEN<br />

Bitte schicken Sie Leseranfragen an<br />

info@digitale-fotografie-magazin.de<br />

ROSS HODDINOTT<br />

Ross ist ein preisgekrönter Fotograf,<br />

der auf eine langjährige Erfahrung mit<br />

der <strong>Fotografie</strong> der breit gefächerten<br />

Schönheit von britischen <strong>Landschaften</strong><br />

und Tieren zurückblicken kann.<br />

www.rosshoddinott.co.uk<br />

HELEN DIXON<br />

Helen hat ihren Traum wahr gemacht<br />

und ihren Vollzeitjob aufgegeben, um<br />

professionelle Landschaftsfotografin zu<br />

werden. Sie gehört zu den größten<br />

Talenten Europas.<br />

www.helendixonphotography.co.uk<br />

LEE FROST<br />

Lee Frost ist seit zwei Jahrzehnten<br />

Profi und einer der bekanntesten<br />

Fotografen Großbritanniens. Er hat 20<br />

Bücher veröffentlicht und verkauft<br />

seine Bilder weltweit.<br />

www.leefrost.co.uk<br />

ADAM BURTON<br />

Adam ist ein extrem erfolgreicher<br />

Landschaftsfotograf mit einem<br />

ausgiebigen Portfolio an Bildern und<br />

außerdem Autor des Fotobuches The<br />

Dorset Coast.<br />

www.adam-burton.co.uk<br />

DRUCK UND BINDUNG<br />

Quad/Graphics Europe Sp. z o. o.<br />

Drukarnia Wyszków<br />

ul. Pułtuska 120<br />

07-200 Wyszków, Polska<br />

www.quadgraphics.pl<br />

Das Papier, auf dem dieses<br />

Magazin gedruckt ist, besteht<br />

aus umweltverträglichen Fasern.


INHALT<br />

DER GROSSE RATGEBER FÜR LANDSCHAFTSFOTOGRAFIE | 5. AUSGABE<br />

7 Einführung in <strong>Landschaften</strong><br />

Um die Grundlagen der Landschaftsfotografie zu lernen<br />

und zu nutzen, müssen Sie vorbereitet sein<br />

8 Bildaufbau<br />

Diese Schlüsseltechniken müssen Sie beherrschen,<br />

um perfekte Landschaftsaufnahmen aufzunehmen,<br />

einschließlich Führungslinien, Vordergrundinteresse und<br />

natürliche Rahmen<br />

20 Belichtung<br />

Mit diesen einfachen Techniken sind Sie auf dem besten<br />

Weg zu gut belichteten Landschaftsaufnahmen<br />

24 EXPERTEN-TUTORIALS: ZEITAUTOMATIK MIT<br />

BLENDENVORWAHL<br />

26 VERSCHLUSSZEITEN<br />

28 WASSER IN LANDSCHAFTEN<br />

31 Schärfe<br />

Die besten Techniken für superscharfe<br />

Landschaftsaufnahmen<br />

32 EXPERTEN-TUTORIALS: HYPERFOKALES FOKUSSIEREN<br />

34 FÜR DIE SCHÄRFE FOKUSSIEREN<br />

36 Beleuchtung<br />

Lernen Sie das Beste aus allen Lichtverhältnissen<br />

herauszuholen, von Sonnenaufgang bis -untergang<br />

38 EXPERTEN-TIPPS: TAGESZEIT<br />

40 DIE MAGISCHE STUNDE & SONNENUNTERGÄNGE<br />

42 EXPERTEN-TIPPS: WETTER<br />

44 JAHRESZEIT-TYPISCHES LICHT<br />

50 Raw & <strong>Landschaften</strong><br />

Maximieren Sie die Bildqualität, indem Sie in Raw<br />

fotografieren<br />

52 EXPERTEN-TIPPS: EINFÜHRUNG IN RAW<br />

54 ACR VERSTEHEN<br />

56 RAW-DATEIEN VERARBEITEN<br />

58 RAW-DATEIEN ZUSAMMENFÜGEN<br />

60 NACH RECHTS BELICHTEN<br />

62 Filter<br />

Verwenden Sie Filter, um Ihre Ergebnisse zu verbessern<br />

und aufzuwerten<br />

64 EXPERTEN-TIPPS: EINEN ND-VERLAUFSFILTER<br />

VERWENDEN<br />

66 EINEN POLFILTER VERWENDEN<br />

68 EINEN ND-FILTER VERWENDEN<br />

70 DER ZEHNSTUFIGE ND-FILTER<br />

73 Farbe<br />

Verstehen Sie die Beziehung zwischen Farbe &<br />

<strong>Landschaften</strong><br />

74 EXPERTEN-TIPPS: FARBTHEORIE<br />

76 WEISSABGLEICH<br />

78 Schwarzweiß<br />

Meistern Sie die Kunst der Schwarzweiß-<br />

<strong>Fotografie</strong><br />

80 EXPERTEN-TIPPS: DIE GRUNDLAGEN VON<br />

SCHWARZWEISS<br />

82 BELEUCHTUNG & WETTER<br />

84 MONOCHROME KÜSTENLANDSCHAFTEN<br />

86 IDEEN & INSPIRATION<br />

88 PHOTOSHOP-TUTORIALS: KONVERTIEREN NACH<br />

SCHWARZWEISS<br />

90 PROFESSIONELLE BEARBEITUNGSTECHNIKEN<br />

93 Landschafts-Projekte<br />

Fantastische Techniken für atemberaubende<br />

Landschaftsbilder<br />

94 EXPERTEN-TUTORIALS: MACHEN SIE PANORAMA-<br />

AUFNAHMEN<br />

96 DIE KRAFT DER MOHNBLUME<br />

98 LANDSCHAFTEN AUS LAVENDEL<br />

100 WUNDERSCHÖNE GLOCKENBLUMEN<br />

102 DEN WIND EINFANGEN<br />

104 NEBEL AM MORGEN<br />

106 REFLEXIONEN IN GEZEITENTÜMPELN<br />

108 REALISTISCHE WELLEN FOTOGRAFIEREN<br />

110 SO FANGEN SIE STILLE GEWÄSSER EIN<br />

112 SONNENUNTERGANG AN DER KÜSTE<br />

114 EINDRUCKSVOLLE SILHOUETTEN<br />

116 STERNSPUREN FOTOGRAFIEREN<br />

118 LANDSCHAFTEN IM MONDLICHT<br />

121 Photoshop-Techniken<br />

Einfache Schritt-für-Schritt-Anleitungen für Photoshop, um<br />

Ihre Landschaftsfotos zu verbessern<br />

122 PHOTOSHOP-ANLEITUNGEN: KONTRAST<br />

VERSTÄRKEN<br />

124 FARBE KONTROLLIEREN<br />

126 DETAILS HERVORHEBEN<br />

128 SELEKTIVE BEARBEITUNG<br />

130 NEBEL & ATMOSPHÄRE ZUFÜGEN<br />

132 FARBENFROHER HIMMEL<br />

134 DUPLEX<br />

136 EINEN HIMMEL ERSETZEN<br />

138 SAISONALE UNSCHÄRFE<br />

140 EINEN ND-EFFEKT ERZEUGEN<br />

142 Landschafts-Ausrüstung<br />

Die beste Ausrüstung für die Outdoor-Fotogafie<br />

142 DIE IDEALE AUSRÜSTUNG FÜR IHRE BEDÜRFNISSE<br />

148 WEITWINKEL-OBJEKTIVE<br />

150 EXPERTEN-TUTORIALS: WEITWINKEL-OBJEKTIVE<br />

152 TELE-OBJEKTIVE<br />

154 FILTERSYSTEME & MARKEN<br />

158 DIE WAHL DES RICHTIGEN STATIVS<br />

160 DIE WAHL DER RICHTIGEN TASCHE<br />

162 Perfekte Belichtung


164<br />

SEITEN<br />

EXPERTENWISSEN<br />

ZUM THEMA<br />

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<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong>-Magazine


Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e<br />

Die Grundlagen 7<br />

DIE GRUNDLAGEN<br />

ATEMBERAUBENDE LANDSCHAFTEN AUFNEHMEN – das möchten wir alle gerne können! Die Schönheit von <strong>Landschaften</strong> inspiriert<br />

mehr Fotografen als jedes andere Motiv, und auf den ersten Blick erscheint das Thema auch leicht zu beherrschen: Man suche sich einen<br />

faszinierenden Ausblick, richte die Kamera darauf, drücke den Auslöser – schon ist ein tolles Bild im Kasten.<br />

Auf diesem einfachen Weg erreicht man vielleicht ein paar nette Schnappschüsse, doch oft genug wird die Aufnahme der prächtigen<br />

Landschaft vor uns einfach nicht gerecht. Wir alle waren schon mal enttäuscht über ein Foto, das nicht unseren hohen Erwartungen<br />

entsprach. Dabei liegt der Unterschied zwischen einem durchschnittlichen Schnappschuss und einem Spitzenbild oft nur in einigen<br />

originellen Ideen, etwas erlernbarem Fachwissen, der richtigen Ausrüstung und sorgfältiger Planung.<br />

Mit unserem inspirierenden Leitfaden erhalten Sie ein exzellentes Gespür für diese Grundlagen. Er wird Ihnen dabei helfen, aus Ihren<br />

gewöhnlichen Aufnahmen etwas ganz Besonderes zu machen.<br />

ADAM BURTON


MARK BAUER


Die Basics #1<br />

BILDKOMPOSITION<br />

MEHR ALS JEDER ANDERE Faktor kann die Bildkomposition<br />

ein gutes Bild in ein Meisterwerk verwandeln. Es gibt eine kleine<br />

Zahl von Techniken, die, hat man sie erst einmal gelernt, in<br />

vielen verschiedenen Situationen hilfreich sind.<br />

Die Elemente im Sucher zu komponieren, ist eine der<br />

Fähigkeiten, die man für das Aufnehmen großartiger Bilder<br />

braucht. Man muss aufmerksam schauen, wie die interessanten<br />

Einzelheiten angeordnet sind, und in welcher Beziehung sie<br />

zueinander stehen. Ein Objekt in der Mitte des Bildausschnitts<br />

zu platzieren, führt in der Regel zu einer mehr statischen<br />

als dynamischen Komposition. Ein außerhalb des Zentrums<br />

platziertes Objekt fordert das Auge auf, sich im Bildausschnitt<br />

mehr zu bewegen.<br />

Eine Methode, um eine gewisse Harmonie im Bildausschnitt zu<br />

erzeugen, bietet die Drittelregel. Die Drittel-Proportion tritt in der<br />

Natur häufig auf, und Studien belegen, dass unsere Sinne sie als<br />

attraktiv empfinden.<br />

1) Die Drittelregel:<br />

Eine einfache Methode, um die Elemente im Bildfeld so zu<br />

organisieren, dass sie eine ausgeglichene Komposition schaffen.<br />

Als Kompositionswerkzeug ist es schon seit Jahrhunderten<br />

in Gebrauch, als vereinfachte Version des in der Kunst und<br />

Architektur bekannten „goldenen Schnitts“. Stellen Sie sich zwei<br />

vertikale Linien vor, die das Sucherbild in drei Teile teilen; dann<br />

tun Sie dasselbe mit zwei horizontalen Linien. Anschließend<br />

ordnen Sie die Hauptelemente des Bildes in diesem Raster an:<br />

Für einfache <strong>Landschaften</strong> platzieren Sie etwa den Horizont auf<br />

einer der Linien, sodass das Bild aus zwei Dritteln Landschaft und<br />

einem Drittel Himmel besteht, oder umgekehrt.<br />

Sind starke Fokuspunkte wie ein Baum oder Gebäude vorhanden,<br />

dann können Sie diese auf einem der Knotenpunkte platzieren,<br />

wo sich horizontale und vertikale Linien überschneiden. Dies<br />

erzeugt eine viel dynamischere Komposition als wenn Sie den<br />

Fokuspunkt in der Mitte positionieren, was das Bild eher statisch<br />

wirken lässt. Unerfahrene Fotografen setzen Objekte oftmals<br />

genau in die Bildmitte, doch das funktioniert selten. Ein Element<br />

einer Szene auf einen anderen Schnittpunkt zu setzen, kann ein<br />

vollkommen anderes Bild schaffen, so groß ist die Macht der<br />

Drittelregel. Scheuen Sie sich nicht und probieren Sie einige<br />

Variationen Ihres Motivs aus.<br />

DRITTELREGEL-RASTER: Dieses Bild befolgt die Drittelregel ziemlich<br />

streng. Es zeigt annäherungsweise zwei Drittel Landschaft/Meer und ein<br />

Drittel Himmel. Der Leuchtturm und der Obelisk liegen jeweils auf den<br />

Drittel-Vertikalen, mit etwa gleichem Versatz nach links.


HELEN DIXON FOTOS: MARK BAUER<br />

10 Komposition Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografie<br />

2) Vordergrund:<br />

Das Problem ist, dass die Welt dreidimensional ist, eine <strong>Fotografie</strong> jedoch nur<br />

zweidimensional. Einer der Gründe, warum so viele Landschaftsbilder ihr Ziel<br />

verfehlen, liegt also darin, dass sie unseren Augen kein Gefühl der dritten Dimension<br />

vermitteln: der Tiefe. Glücklicherweise können einige Kompositions-Tricks helfen,<br />

dieses frustrierende kleine Problem zu vermeiden.<br />

Ein sehr wirkungsvoller Weg, um Tiefe in einer <strong>Fotografie</strong> zu erzeugen, ist<br />

die Einführung eines starken Vordergrundes, häufig in Verbindung mit einem<br />

Weitwinkel-Objektiv. Der betonte Vordergrund verleiht dem Bild mehr Tiefe, weil<br />

er dem Auge einen Eintrittspunkt bietet, der den Blick in die Szene hineinzieht und<br />

dem Bild das Gefühl für Distanz und Größenordnungen gibt. Weitwinkel-Objektive<br />

sind bei dieser Technik sehr hilfreich, weil sie die Perspektive strecken, die Elemente<br />

in der Nähe des Objektivs übertrieben darstellen und den Ausblick jenseits des<br />

Vordergrunds öffnen. Seien Sie jedoch vorsichtig: Es kann sein, dass die Bildmitte<br />

leer wirkt, weil ihr interessante Details fehlen. Der Trick ist hier, aus einem tieferen<br />

Blickwinkel aufzunehmen. So wird die Mitte gestaucht und leerer Raum aus der<br />

Komposition ausgeblendet.<br />

Um die Tiefenschärfe zu maximieren, sollten Sie eine kleine Blende benutzen,<br />

vorsichtig fokussieren und den Fokuspunkt sowohl auf den Vordergrund als auch auf<br />

entfernte Objekte richten – wie das geht, wird später erklärt.<br />

SO FUNKTIONIERT’S: Der Wiesenkerbel und der Stechginster bilden einen ansprechenden<br />

Vordergrund, der das Auge in die Szene hineinzieht und einen ausgezeichneten<br />

Bildausschnitt für den Blick dahinter bietet. Ein Weitwinkel-Objektiv und eine kleine Blende<br />

von f/22 sorgen für ausreichende Tiefenschärfe.<br />

4) Ebenen und Plateaus<br />

Eine weitere kamerainterne Technik, die angewendet werden kann, um in einem<br />

Bild mehr Tiefe zu schaffen, liegt in der Erzeugung eines Schichten-Effekts. Die<br />

Ebenen können in einem Bild durch eine Reihe von sich gegenseitig überlappenden<br />

Formen (siehe rechts), oder durch ein starkes Seitenlicht hervorgerufen werden, das<br />

wechselnde Licht- und Schattenbänder erzeugt und so verschiedene Lichtebenen<br />

erzeugt.<br />

Diese Technik funktioniert besonders gut mit längeren Objektiven, weil sie die<br />

Perspektive so stauchen, dass entfernte Formen sich gegenseitig überlappen – jede<br />

Schicht oder Ebene erscheint dünner und näher zur nächsten. Denken Sie jedoch<br />

daran, dass längere Objektive weniger Tiefenschärfe bieten, sodass Sie kleinere<br />

Blenden wie f/16 verwenden müssen, wenn die Elemente im Vordergrund oder in<br />

der Nähe der Bildmitte sind.<br />

Diese Aufnahme wurde im Morgengrauen in der Nähe von Lyme Regis mit<br />

einem 70–200mm Zoomobjektiv bei circa 100 Millimetern gemacht. Die<br />

längere Fokallänge staucht die Entfernung zwischen den Schichten und das<br />

starke Richtungslicht betont die Ebenen – der frühmorgendliche Nebel sorgt für<br />

Atmosphäre.<br />

GROSSER VORDERGRUND ODER KLEINE DETAILS: Es ist nicht immer<br />

notwendig, einen breiten Vordergrund zu haben – Farben, Texturen und Muster<br />

bieten oft attraktive Vordergrundobjekte. Dieser Blumenteppich ist genauso<br />

effektiv wie die kräftigen Felsformationen (gegenüberliegende Seite).<br />

3) Führungslinien:<br />

Linien erzeugen Tiefe in einem Bild und können genutzt werden, um<br />

das Auge in eine Szene hinein zu führen. Es gibt sie überall: in Form<br />

menschengemachter Straßen, Pfaden und Hecken, oder natürlichen<br />

Ursprungs wie Flüsse und Küstenstreifen. Sie alle liefern dynamischere<br />

Szenerien. Die Linien müssen nicht unbedingt feststehen, sondern können bei<br />

langen Belichtungen etwa durch Wellenbewegungen gezeichnet werden, oder<br />

von Objekten, die in den Bildausschnitt ragen.<br />

Gerade, konvergierende Linien sind sehr dynamisch und können dem Bild<br />

viel Wirkung verleihen – es besteht aber die Gefahr, dass der Blick den<br />

Linien folgt und so wieder aus dem Bild herausgeführt wird. Bilder mit<br />

konvergierenden Linien erzeugen zwar schnelle Wirkung, können aber<br />

dennoch unbefriedigend sein. Es ist also hilfreich, interessante Details<br />

wie Figuren oder Bäume in das Bild einzubeziehen, um dem Auge einen<br />

Ruhepunkt in der Szene zu bieten. S-förmige Kurven haben zwar nicht die<br />

Sofortwirkung von geraden, konvergierenden Linien, trotzdem können sie<br />

befriedigende Resultate bringen. Sie führen das Auge sanft durch das ganze<br />

Bild und erlauben dem Betrachter, auch andere Elemente der Komposition<br />

wahrzunehmen.<br />

HELEN DIXON MARK BAUER


HELEN DIXON<br />

Bleiben Sie beim Einfachen!<br />

Bei der Bildkomposition geht es darum, was<br />

Sie in den Bildausschnitt aufnehmen – und<br />

was Sie weglassen. Denn weniger ist mehr,<br />

und schlichte Kompositionen sind oft die<br />

erfolgreichsten!


12 Komposition Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografie<br />

5) Brechen Sie die Regeln!<br />

Wie für alle Regeln gilt auch für die Drittelregel, dass sie nicht nur als Routine<br />

anzuwenden ist, sondern Ihr eigenes Urteilsvermögen erfordert.<br />

Es gibt sogar viele Situationen, in denen man sie ganz vernachlässigen kann.<br />

Wenn Sie beispielsweise eine Szene aufnehmen, in der ein Himmel von<br />

Wasser reflektiert wird, wollen Sie vermutlich den Horizont in der Mitte des<br />

Bildausschnitts platzieren, um die beiden Bildebenen von Himmel und Spiegelung<br />

im Gleichgewicht zu halten. Falls der Himmel keine interessanten Details bietet,<br />

platzieren Sie einfach den Horizont höher im Bild oder schneiden ihn vollständig<br />

heraus. Er kann auch ganz unten platziert werden, um das Gefühl von Leere und<br />

Einsamkeit zu verstärken.<br />

Das Schöne bei digitalen Aufnahmen ist die Leichtigkeit, mit der man seine<br />

Ideen und Experimente überprüfen kann, um sich schrittweise einer perfekten<br />

Komposition anzunähern.


Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografie<br />

Komposition 13<br />

LEE FROST<br />

RICHARD JOHNSON<br />

6) Suchen Sie den natürlichen Bildausschnitt<br />

Ein beliebtes kompositorisches Mittel ist die Einbeziehung von<br />

Objekten, die den Blick einrahmen, wie zum Beispiel ein Torbogen,<br />

ein Fenster, oder die überhängenden Äste eines Baums.<br />

Probieren Sie es mal mit frostbedeckten Pflanzen und Torpfosten,<br />

um einen natürlichen Bildausschnitt zu erzeugen.<br />

Nutzen Sie den Bildausschnitt, um das Auge des Betrachters<br />

in die Szene hinein zu ziehen und einen Blickfang zu schaffen.<br />

Kontrollieren Sie dabei jedoch vorsichtig den Fokus und<br />

die Tiefenschärfe. Obwohl kleine Blenden meist am besten<br />

funktionieren, kann auch ein unscharfer Bildausschnitt die<br />

Aufmerksamkeit auf das Hauptmotiv lenken. Wenn Sie Ihren<br />

Bildausschnitt außerhalb des Fokus verlagern wollen, achten Sie<br />

darauf, ihn weich genug zu zeichnen, sodass der Effekt nicht wie<br />

ein Fokussierungsfehler wirkt.<br />

FOTOS: MARK BAUER<br />

7) Experimentieren Sie mit Blickwinkeln<br />

Den richtigen Blickwinkel zu finden, ist der Schlüssel zu einer<br />

erfolgreichen Landschaftskomposition. Anstatt alles aus Kopfhöhe<br />

aufzunehmen, sollten Sie mit hohen und tiefen Blickwinkeln<br />

experimentieren.<br />

Höhere Blickwinkel haben den Effekt, dass Sie die Ebenen im<br />

Bild strecken, was vor allem mit Standard- und Tele-Objektiven<br />

von Nutzen ist. Wenn Sie Sehenswürdigkeiten fotografieren,<br />

liegen die bekannten Blickwinkel nahe; trotzdem sollten Sie<br />

versuchen, einen neuen Blickwinkel zu finden, denn das ist<br />

befriedigender und origineller. Im ersten Bild – eine Standardsicht<br />

auf die Felsen von Old Harry in Dorset – ist nichts verkehrt;<br />

dennoch findet man ohne große Mühe eine weniger oft<br />

fotografierte, dramatischere Perspektive.


14 Komposition Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e<br />

Führungslinien<br />

Lernen Sie das erste von drei<br />

wesentlichen Kompositionswerkzeugen<br />

zu beherrschen: Führungslinien<br />

1<br />

ADAM BURTON<br />

NUR WENIGE KOMPOSITORISCHE Mittel<br />

können die Wirkung so sehr verstärken und<br />

Ihren Landschaftsbildern so viel Tiefe geben<br />

wie Führungslinien. Welche Arten von<br />

Führungslinien fallen spontan ein? Reihen von<br />

Getreide, eine scheinbar endlose Straße, ein<br />

kurvenreicher Strom? Vielleicht auch<br />

Schatten, Fußabdrücke, Wolken,<br />

Küstenlinien, Fenster, Pfeiler, Fugen, Pfade<br />

oder Felsen – die Liste könnte endlos<br />

weitergehen. Während Führungslinien in<br />

vielen verschiedenen Formen existieren –<br />

einige natürlich, andere von Menschen<br />

gemacht –, neigen sie dazu, den Betrachter in<br />

das Bild hinein- und wieder hinauszuführen,<br />

oder in Richtung eines Fokuspunkts. Das<br />

letztere ist die bevorzugte Wahl, denn sie<br />

erlaubt dem Auge in der Szene zu verweilen;<br />

je nach Art des Bildes kann aber beides<br />

funktionieren.<br />

Die effektivsten Führungslinien beginnen am<br />

unteren Rand des Bildausschnitts und<br />

verlaufen gerade bis zum Zentrum, etwa ein<br />

Pfeiler zum Horizont – es gibt jedoch<br />

zahlreiche Variationen, die ebenso<br />

wirkungsvoll sind, je nach dem, um was für<br />

eine Szene es sich handelt. Während gerade<br />

Linien das Auge schnell in Richtung des<br />

interessanten Details ziehen, zwingen kurvige<br />

Linien den Betrachter zu einer<br />

gemächlicheren Reise durch das Bild.<br />

Vertikale Linien, wie die eines Gebäudes, aus<br />

einem tiefen Winkel aufgenommen, geben<br />

dem Bild zusätzliche Spannung, und<br />

diagonale Linien funktionieren, wenn sie von<br />

unten links nach oben rechts verlaufen, weil<br />

das dem natürlichen Verlauf des<br />

menschlichen Auges entspricht. Es muss<br />

auch nicht nur eine einzige Linie sein:<br />

Mehrere Linien verstärken die Wirkung einer<br />

einzigen, solange sie klar defi niert sind und in<br />

die gleiche Richtung verlaufen. Es ist wichtig,<br />

dass die Elemente einer Szene in Beziehung<br />

zueinander stehen. Jeder Bruch der<br />

Komposition erzeugt ein Gefühl von<br />

Zusammenhanglosigkeit und lässt den Blick<br />

des Betrachters ziellos herumirren.<br />

Die Führungslinien können je nach<br />

Blickwinkel und Objektiv hervorgehoben<br />

werden, da beides die Perspektive entweder<br />

abfl achen oder strecken kann. Die<br />

dynamischste Verzerrung von Führungslinien<br />

bieten konvergierende Vertikale.<br />

Konvergierende diagonale Linien erzeugen<br />

einen starken Eindruck von Entfernung und<br />

Tiefe, vor allem wenn sie in der Mitte des<br />

Rahmens konvergieren und parallel<br />

zueinander verlaufen. Wenn Sie in der Mitte<br />

der Linien stehen, werden Sie merken, dass je<br />

weiter sie von der Kamera entfernt sind, desto<br />

näher liegen sie beisammen, und erzeugen,<br />

wenn sie sich treffen das, was wir gemeinhin<br />

als Fluchtpunkt bezeichnen. Ein Weitwinkel-<br />

Objektiv kann diesen Effekt untermauern, weil<br />

es die Perspektive streckt, so dass die Linien<br />

zu Beginn weiter voneinander entfernt wirken<br />

und in der Entfernung enger beisammen<br />

liegen. Ein Teleobjektiv hingegen staucht die<br />

Perspektive und verhindert ein Gefühl von<br />

Tiefe.<br />

1) Führungslinien müssen nicht gerade sein oder in<br />

Richtung eines Fokuspunktes verlaufen, sie können<br />

auch das Hauptmotiv sein. Sehen Sie, wie Ihr Blick von<br />

der winterlichen, von Bäumen gesäumten Straße durch<br />

die Szene oben geführt wird?<br />

2) Wenn man konvergierende Vertikale verwendet,<br />

muss die komplette Szene fokussiert werden.<br />

Montieren Sie die Kamera auf ein Stativ, wählen Sie<br />

eine kleine Blende (f/11 – f/22) und fokussieren Sie die<br />

hyperfokale Distanz, um die Tiefenschärfe zu<br />

maximieren.<br />

3) Einfache Kompositionen sind oft die effektivsten.<br />

Denken Sie an eine Küstenlandschaft mit nicht viel<br />

mehr als Buhnen oder einem Pfeiler als Führungslinien.<br />

Wenn Sie dies mit dem Horizont verbinden, wird der<br />

Blick des Betrachters in die Weite der Szene eingeführt<br />

und durch die Horizontlinie wieder heraus.<br />

4) Diagonale Linien können genutzt werden, um den<br />

Blick von unten links nach oben rechts zu führen, dem<br />

natürlichen Anziehungspunkt des Auges folgend. So<br />

wie in dieser Küstenlandschaft, in der die Felslinien in<br />

Richtung des atemberaubenden Sonnenuntergangs<br />

konvergieren.<br />

5) Der Zaun wird in diesem Bild als elegantes Mittel<br />

benutzt, um das Auge in Richtung des Fokuspunktes zu<br />

ziehen, der wiederum in dem erhöhten Schloss in der<br />

Ferne besteht.<br />

2<br />

HELEN DIXON<br />

3 4<br />

ROSS HODDINOTT<br />

ADAM BURTON<br />

Führungslinien: Umdenken!<br />

Versuchen Sie, Führungslinien aus verschiedenen<br />

Blickwinkeln zu fotografieren. Sie werden merken,<br />

dass manche Linien besser funktionieren, wenn sie in<br />

das Bild hinein ragen als wenn sie im Bild beginnen.<br />

Probieren Sie trotzdem verschiedene Perspektiven<br />

aus: Legen Sie sich auf den Boden, um extrem<br />

konvergierende Vertikale zu erhalten. Neigen Sie die<br />

Kamera etwas, um zu sehen, welche vertikalen<br />

Linien Sie nutzen können, und versuchen Sie Ihre<br />

Position zu erhöhen, indem Sie sich z. B. auf eine<br />

Brücke stellen.<br />

Halten Sie die Augen auch offen für weniger<br />

offensichtliche Linien. Vergessen Sie dabei aber nicht<br />

die anderen Kompositionsregeln – insbesondere Ihren<br />

Vordergrund und die Drittelregel!<br />

HELEN DIXON<br />

Schatten Muster Spuren<br />

HELEN DIXON<br />

LEE FROST


5<br />

LEE FROST


16 Komposition<br />

Vordergrundgestaltung<br />

Einige kompositorische Tricks verbessern Ihre <strong>Fotografie</strong>: Gestalten Sie<br />

Vordergründe aus, um Ihren Aufnahmen ein Gefühl von Tiefe und<br />

Größenordnungen zu verleihen.<br />

DER LETZTE GROSSE KRIEGSFOTOGRAF<br />

Robert Capa sagte einmal: „Wenn ein Bild nicht<br />

gut genug ist, dann warst Du nicht nah genug<br />

dran.“<br />

Natürlich ging es bei ihm darum, das Drama<br />

menschlicher Konflikte festzuhalten und die<br />

Notwendigkeit, in das Herz der<br />

Auseinandersetzung vorzudringen – ein Ansatz,<br />

der ihn schließlich das Leben kostete. Diese<br />

Maxime kann auch auf die<br />

Landschaftsfotografie angewendet werden,<br />

denn wenn man die Dramatik einer Szene<br />

festhalten will, dann muss man nah genug<br />

herangehen und den Vordergrund zur Geltung<br />

bringen – das ist eines der wichtigsten<br />

Elemente, um eine dynamische Komposition zu<br />

schaffen. Vordergrundelemente sind aus vielen<br />

Gründen nützlich. Der Erste und Wichtigste liegt<br />

darin, dass ein betonter Vordergrund Ihren Fotos<br />

ein Gefühl von Entfernung und Größenordnung<br />

verleiht. Dafür ist die Perspektive verantwortlich<br />

– Objekte, die der Kamera näher sind, sehen<br />

größer aus als die weiter entfernten, daher<br />

registriert unser Gehirn sofort, dass kleinere<br />

Objekte in der Entfernung liegen müssen und<br />

nimmt das Bild als dreidimensional wahr, was<br />

es realistischer macht. Des Weiteren bietet der<br />

Vordergrund dem Auge des Betrachters, das<br />

dann auf natürliche Art und Weise weiter durch<br />

die Szene und in Richtung Fokuspunkt oder<br />

Hintergrund wandert, einen günstigen<br />

Eintrittspunkt in die Komposition. Eine<br />

erfolgreiche Komposition braucht einen<br />

„Haken“, um den Betrachter zu verführen und<br />

seine Aufmerksamkeit zu erlangen. Bei<br />

<strong>Landschaften</strong> liegt dieser Haken im<br />

Vordergrund. Außerdem enthält der Vordergrund<br />

mehr Information als der Rest der Szene, und da<br />

er der Kamera so nah ist, erlaubt er Ihnen,<br />

feinste Details aufzunehmen, die nicht von<br />

Dunst, Trübheit oder Nebel beeinträchtigt sind,<br />

im Gegenteil zu Objekten, die in der Ferne<br />

liegen. Weitwinkel-Objektive sind am besten<br />

geeignet, um die interessanten Details im<br />

Vordergrund voll auszuschöpfen, weil sie Ihnen<br />

erlauben, Elemente in den Rahmen mit<br />

aufzunehmen, die sich buchstäblich zu Ihren<br />

Füßen befinden. So wie Weitwinkel-Objektive<br />

die Perspektive strecken, rücken diese Elemente<br />

im Rahmen bedrohlich näher, während alles<br />

1<br />

ADAM BURTON<br />

andere in die Ferne zu drängen scheint. Je<br />

niedriger der eingenommene Blickwinkel, desto<br />

dominanter der Vordergrund. Objektive mit<br />

einer Brennweite von 16-18 mm (24-28 mm<br />

bei Vollformat-Sensoren) sind für den Anfang<br />

eine relativ sichere Wahl, weil sie weitwinkelig<br />

genug sind, um viel interessante Details im<br />

Vordergrund aufzunehmen, ohne jedoch so<br />

weitwinkelig zu sein, dass man außer dem<br />

Vordergrund gar nichts mehr einfängt. Wenn Ihr<br />

Selbstvertrauen erst einmal wächst, können Sie<br />

erstaunliche Bilder mit Ultraweitwinkeln von<br />

10-15 mm (15-22 mm bei Vollformat-<br />

Sensoren) erzeugen, doch dazu müssen Sie<br />

wirklich sehr nah an den Vordergrund<br />

herangehen, weil er andernfalls aufgrund der<br />

exzessiven Streckung der Perspektive,<br />

meilenweit entfernt zu sein scheint.<br />

Teleobjektive sind in dieser Hinsicht eher<br />

dynamisch, weil der Vordergrund, den man<br />

aufnimmt, von Elementen gebildet wird, die<br />

offensichtlich weiter entfernt sind. Die<br />

Verkürzung oder die Perspektive „quetscht“ die<br />

Elemente zusammen, so dass man nicht das<br />

gleiche Gefühl von Distanz und Dimensionalität<br />

erhält. Dennoch kann der Effekt mit nur einem<br />

dominanten Objekt im Vordergrund noch stark<br />

genug sein.<br />

Wie kann man Vordergrundinteresse erzeugen?<br />

Eigentlich mit fast allem – mit Felsen, Flüsse,<br />

Mauern, Toren, Zäunen, Bäumen,<br />

festgemachten Booten, sandigen Wellen,<br />

Reflexionen, Menschen. Elemente, die in der<br />

Szene natürliche oder angedeutete Linien<br />

erzeugen, funktionieren am besten, weil sie das<br />

Auge des Betrachters in und durch die Szene<br />

führen. Linien, die vertikal verlaufen wirken gut,<br />

diagonale Linien von links unten nach rechts<br />

oben sogar noch besser, und Linien, die in der<br />

Distanz konvergieren, wie zum Beispiel<br />

Schienen oder gerade Straßen, erzeugen die<br />

stärkste Wirkung von allen. Um das Optimum<br />

aus vertikalen und konvergierenden Linien<br />

herauszuholen, drehen Sie die Kamera seitlich<br />

und nehmen Sie im Porträtformat auf.<br />

Diagonale Linien fotografiert man am besten im<br />

Landschaftsformat, da sie einen weiteren Weg<br />

durch die Komposition haben, und die<br />

Aufmerksamkeit länger auf sich ziehen.<br />

2<br />

3<br />

LEE FROST LEE FROST<br />

1) Verwenden Sie ein Weitwinkel-Objektiv, um die<br />

Perspektive zu strecken, und einen tiefen Blickwinkel,<br />

um den Vordergrund markanter zu machen.<br />

2) Suchen Sie Elemente, die diagonale Linien formen<br />

und im Rahmen von unten links nach oben rechts<br />

verlaufen – so wie diese Boote den Blick des<br />

Betrachters in das Bild ziehen.<br />

3) Anstatt Vordergrundinhalte als Einleitung zu<br />

entfernten Fokuspunkten zu nutzen, können Sie auch<br />

Bilder komponieren, deren dominantes Objekt im<br />

Vordergrund liegt, und den Hintergrund einfach halten.<br />

4) Ein guter Grund, das Haus nicht ohne eine Reihe<br />

an Grauverlaufsfiltern zu verlassen, liegt darin, dass sie<br />

für einen korrekt belichteten Vordergrund sorgen. Bei<br />

schwachen Lichtverhältnissen, wie zum Beispiel bei<br />

Sonnenuntergängen, kann man den Vordergrund auf<br />

einfache Art und Weise dunkel und verwirrend<br />

machen.<br />

5) Fast alles kann für Vordergrundinteresse sorgen,<br />

solange es gut komponiert ist und in die Szene passt.<br />

Halten Sie Ausschau nach ungewöhnlichen Objekten,<br />

oder nach Elementen, deren Gebrauch Sie noch nie in<br />

Erwägung gezogen hatten, wie Treibholz<br />

beispielsweise, Muscheln, oder auch Wrackteile.<br />

6) Felsen sind die populärsten Objekte in<br />

Küstenlandschaften, da sie besonders effektive<br />

Einführungslinien bieten. Auch Bootsanleger, Stege<br />

und Pfeiler wirken sehr gut und haben den Vorteil, dem<br />

Bild konvergierende Vertikale zu liefern.


6<br />

LEE FROST<br />

4 5<br />

ROSS HODDINOTT<br />

LEE FROST<br />

Maximieren Sie die Tiefenschärfe<br />

Es bringt nichts, einen fantastischen Vordergrund ins<br />

Bild aufzunehmen, wenn er außerhalb des Fokus liegt.<br />

Was Sie brauchen, ist ausreichend Tiefenschärfe für<br />

eine Schärfe, die von vorne nach hinten verläuft. Als<br />

Faustregel gilt: Wenn Sie eine Kamera mit<br />

APS-C-Sensor und eine Fokallänge von 16–18<br />

Millimetern verwenden, fokussieren Sie einen Punkt in<br />

circa 15 Metern Entfernung, stellen eine Blende von<br />

f/11 ein, und alles ab einer Entfernung von circa 75<br />

Metern wird scharf sein. Bei einer größeren Fokallänge<br />

im Bereich 10–15 Millimeter, fokussieren Sie einen ein<br />

Meter entfernten Punkt, stellen eine Blende von f/11<br />

ein, und alles ab einer Entfernung von circa 50 Metern<br />

wird scharf sein. Für Vollformatkameras mit einer<br />

Fokallänge von 24–28 Millimetern, fokussieren Sie<br />

einen 15 Meter entfernten Punkt, stellen eine Blende<br />

von f/16 ein und die Tiefenschärfe wird sich ab einer<br />

Entfernung von 75 Metern einstellen. Bei weiteren<br />

Objektiven, die im Bereich von 16–20 Millimetern<br />

liegen, fokussieren Sie einen ein Meter entfernten<br />

Punkt, stellen eine Blende von f/16 ein und ab einer<br />

Entfernung von 50 Metern erhalten Sie die gewünschte<br />

Tiefenschärfe. Um die Tiefenschärfe in Verbindung mit<br />

Weitwinkel-Objektiven zu maximieren, muss man im<br />

Grunde einen Punkt fokussieren, der sich in der Nähe<br />

der Kamera befindet. Viele Fotografen fokussieren<br />

hingegen einen weiter entfernten Punkt der Szene, was<br />

in einem unscharfen Bild resultiert.


18 Komposition<br />

Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e<br />

Wie man natürliche Rahmen<br />

einsetzt<br />

Hier finden Sie Ideen, Anregung und Informationen, um mithilfe natürlicher<br />

Rahmen aus der Umgebung Ihre Landschaftsbilder zu verbessern.<br />

Weitwinkel<br />

ISTOCK PHOTO<br />

DAS AUFGENOMMENE OBJEKT oder die<br />

aufgenommene Szene einzurahmen, ist einer<br />

der effektivsten Wege, um dichte, strukturierte<br />

Kompositionen zu schaffen. Dies hilft nicht<br />

nur, das Auge des Betrachters zum wichtigsten<br />

Bildgegenstand zu führen – Rahmen können<br />

auch weniger interessante Bereiche<br />

kaschieren, etwa die Weite eines leeren<br />

Himmels. Natürliche Rahmen können in jeder<br />

fotografischen Arbeit genutzt werden – Sie<br />

werden jedoch merken, dass die<br />

Landschaftsfotografie von allen die größte<br />

Auswahl bietet.<br />

Wenn Sie an natürliche Rahmen denken, was<br />

fällt Ihnen dazu ein? Die überhängenden Äste<br />

eines Baumes sind besonders offensichtlich.<br />

Die Lücke zwischen Bäumen, um dahinter<br />

liegende Szenen einzurahmen? Vielleicht auch<br />

überhängende Klippen oder der Eingang zu<br />

einer Höhle? An der Küste können Lücken<br />

zwischen ausbrechenden Felsen oder Klippen<br />

als Rahmen für den dahinter liegenden Strand<br />

oder das Meer benutzt werden.<br />

Dies sind alles recht offensichtliche Optionen,<br />

doch wenn Sie um die Ecke denken, werden<br />

sich Ihnen neue Ideen erschließen. Die Form<br />

eines Hügels oder Berges kann zum Beispiel<br />

dazu verwendet werden, Objekte einzurahmen,<br />

die vor ihnen liegen. Auch Wolken können als<br />

Rahmen dienen – sie umfassen Elemente, die<br />

sich am Boden befinden und zwingen das<br />

Auge, sich in deren Richtung zu bewegen.<br />

Wenn Sie für Ihre Aufnahme einen Rahmen<br />

nutzen wollen und die Sonnen in Ihrem<br />

Rücken steht, fällt das Licht auf die gesamte<br />

Szene, sodass alles ungefähr gleich hell ist und<br />

Sie die Szene so aufnehmen können, wie Sie<br />

1<br />

3<br />

ISTOCK PHOTO<br />

sie sehen. Wenn Sie jedoch gegen das Licht<br />

aufnehmen oder die Sonne seitlich zur<br />

Kameraposition steht, wird zwar ein Großteil<br />

der Szene gut beleuchtet, doch auf den<br />

Rahmen fällt nur wenig Licht fallen, sodass er<br />

dunkel oder als Silhouette erscheint. Wenn der<br />

Rahmen und die dahinter liegende Szene<br />

gleichmäßig beleuchtet sind, sollten Sie in<br />

jedem Fall gut belichtete Bilder erhalten.<br />

Falls Sie im Schatten eines Rahmens stehen,<br />

droht Überbelichtung; in diesem Fall treten Sie<br />

möglichst hinter den Rahmen bzw. aus seinem<br />

Schatten heraus, führen eine Lichtmessung<br />

durch und stellen Ihre Kamera mithilfe der<br />

Messwertspeicherung darauf ein. Oder Sie<br />

nehmen im manuellen Modus auf und ändern<br />

nichts, wenn Sie Ihr Bild mit dem Rahmen neu<br />

komponieren. Alternativ können Sie eine<br />

Aufnahme aus Ihrer derzeitigen Position<br />

machen, das <strong>Vorschau</strong>bild und das<br />

Histogramm überprüfen und dann je nach<br />

Bedarf die Belichtungskorrektur anwenden<br />

und eine weitere Aufnahme machen.<br />

Zu guter Letzt, wenn Sie den Rahmen und die<br />

dahinter liegende Szene im Fokus haben<br />

möchten, stellen Sie eine kleine Blende wie<br />

zum Beispiel f/13 ein und fokussieren<br />

hyperfokal, um die Schärfentiefe zu<br />

maximieren. Wenn Sie alternativ dazu eine<br />

große Blende wie beispielsweise f/4 einstellen<br />

und die Szene hinter dem Rahmen<br />

fokussieren, dann wird die Schärfentiefe<br />

reduziert, so dass der Rahmen selbst<br />

außerhalb des Fokus liegt und alle<br />

Aufmerksamkeit in Richtung des Hauptobjekts<br />

gelenkt wird.<br />

2<br />

LEE FROST<br />

LEE FROST<br />

Weitwinkel- oder<br />

Teleobjektiv?<br />

Der Effekt, den der Rahmen auf die Komposition<br />

hat, wird teilweise von der Wahl Ihres Objektivs<br />

beeinflusst. Weitwinkelobjektive strecken die<br />

Perspektive, sodass alle Entfernungen zwischen<br />

den Elementen einer Szene noch größer<br />

erscheinen. Wenn Sie sich in die Nähe eines<br />

natürlichen Rahmens aufstellen, können Sie ihn<br />

mit ins Bild aufnehmen und erhalten trotzdem<br />

einen klaren Blick auf die Szene im Hintergrund.<br />

Teleobjektive haben die gegenteilige<br />

Wirkung – sie stauchen die Perspektive, sodass<br />

die Elemente der Szene dichter zusammen<br />

rücken. Sie sind deshalb für Aufnahmen mit<br />

natürlichen Rahmen weniger geeignet. Sie<br />

können allerdings hilfreich sein, wenn Sie einmal<br />

nicht nahe genug an einen effektiven Rahmen<br />

heran kommen und sich freuen, wenn die Szene<br />

hinter dem Rahmen vergrößert wird.<br />

1) Torbögen haben wir schon häufiger gesehen, doch<br />

sie bilden immer wieder einen wunderschönen<br />

Rahmen für einen Fokuspunkt. Mit dieser Kirche<br />

funktioniert es besonders gut, weil das eingerahmte<br />

Detail das Objekt ergänzt.<br />

2) Denken Sie an die Symmetrie, wenn Sie<br />

Ausschau nach natürlichen Rahmen halten; sie ist<br />

dem Auge immer gefällig. Auch schon die einfachste<br />

Anordnung kann Wirkung erzeugen, wie wir hier<br />

sehen.<br />

3) Natürliche Rahmen im Vordergrund einer Szene<br />

bieten tolle Gestaltungsmöglichkeiten. Obwohl das<br />

Schloss im Fokus dieser Aufnahme steht, sind es die<br />

Dornen, welche beim Betrachter dramatische<br />

Wirkung erzeugen.<br />

4) Ihr Objekt muss den Rahmen nicht völlig<br />

ausfüllen, um eindrucksvoll zu wirken – die<br />

ausladende Wolke als Rahmen trägt hier dazu bei,<br />

der kleinen Kapelle Bedeutung zu verleihen.<br />

Versuchen Sie, subtile Formen aus der Natur wie<br />

Wolken oder Hügel zu nutzen, um Ihre Komposition<br />

zu verbessern – einfach nur die Kirche in die Mitte zu<br />

setzen, würde nicht die Energie erzeugen, die man<br />

hier spüren kann. Denken Sie um die Ecke, und Sie<br />

werden die unwahrscheinlichsten Objekte als<br />

Rahmen entdecken.<br />

5) Der dunkle Rahmen bildet einen auffälligen<br />

Kontrast zur dahinter liegenden, helleren Szene.<br />

Suchen Sie farbliche Unterschiede, um Ihren<br />

Rahmen bei Bedarf stärker hervorzuheben.<br />

4<br />

LEE FROST


5<br />

IAN WOOLCOCK


20 Belichtung Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e<br />

Mittenbetonte Messung<br />

Die Belichtungsmesssysteme von Digitalkameras sind<br />

auf einen mittleren Grauton von 18 Prozent<br />

eingestellt. Die Belichtungsmessung in<br />

Mittenbereichen (zum Beispiel einer grünen Wiese) ist<br />

ein guter Ausgangspunkt für eine präzise Belichtung.<br />

1 2<br />

MARK BAUER<br />

1) Richtig belichten<br />

Mark Bauer hielt Ausschau nach einer etwas<br />

anderen Sicht auf Corfe Castle in Dorset,<br />

Großbritannien. Er entdeckte den Dorffriedhof<br />

und fand eine passende Bildkomposition nahe<br />

eines Kreuzes. Das nächste Problem war<br />

die Belichtungseinstellung. Mark erklärt uns<br />

Schritt für Schritt, wie er diese Herausforderung<br />

gemeistert hat:<br />

1) „Dies ist das Resultat einer Mehrfeldmessung<br />

ohne Filter: Das Motiv wies einen hohen Kontrast<br />

auf, und die Kamera hatte Probleme, alle<br />

Farbtoninformationen aufzuzeichnen.<br />

2) Spotmessungen am unteren Teil des<br />

Kreuzes und im Himmel ergaben einen<br />

Helligkeitsunterschied von etwa 4 1/2<br />

Lichtwertstufen. Bei der Belichtung der<br />

Landschaft wurde nun ein 0,9-Graufilter (drei<br />

Stufen) unter dem Horizont am Rande des<br />

dunkelsten Schattenbereichs eingesetzt. Um<br />

das Kreuz nicht in zwei Teile zu schneiden,<br />

wurde ein Filter mit weichem Verlauf benutzt.<br />

Da die hellsten Bereiche des Himmels ihre<br />

Details verloren, wurde die Belichtung um<br />

einen 2/3-Schritt reduziert und das Bild erneut<br />

aufgenommen.<br />

3) Das Bild wurde nach rechts belichtet (siehe<br />

umseitige Beschreibung), ohne die Spitzlichter zu<br />

reduzieren. Das Histogramm zeigt immer noch<br />

dunkle Töne, aber auch reichlich Information<br />

im hellen Bildbereich oben, sodass die Schatten<br />

nicht zulaufen.<br />

4) Die direkte Raw-Konvertierung machte<br />

einen trüben, kontrastlosen Eindruck. Für das<br />

endgültige Bild wurde die Belichtung leicht<br />

reduziert und der Kontrast in den Schatten erhöht,<br />

um das Hauptmotiv korrekt wiederzugeben. Ich<br />

optimierte den Weißabgleich, um zusätzliche<br />

Wärme und eine bessere Farbsättigung zu<br />

erreichen.<br />

5) Um die Resultate zu vergleichen, nahm ich<br />

noch ein Bild auf, das um eine Lichtwertstufe<br />

unterbelichtet war. Wie man sieht, sind die<br />

Schatten unklar und ohne Detailschärfe.“<br />

4 5<br />

3<br />

Belichtung<br />

Schatten<br />

Die beiden zwei Beispiele auf<br />

der rechten Seite zeigen,<br />

warum das Aufnehmen von<br />

unterbelichteten Bildern und<br />

deren Nachbearbeitung auf<br />

dem Computer nicht<br />

funktioniert:<br />

Das nächste Bild ist um eine<br />

Lichtwertstufe unterbelichtet,<br />

um die Detailschärfe in den<br />

hellen Bildbereichen zu<br />

erhalten. Die Schattenkurven<br />

wurden verstärkt, damit sie<br />

zum korrekt belichteten Bild<br />

passten (rechts). Anstatt<br />

reibungsloser Farbübergänge<br />

tritt in den Schattenbereichen<br />

eine Tonwerttrennung und<br />

Bildrauschen auf. Der Sensor<br />

hat deutlich weniger Details<br />

erfasst.<br />

✘ Unterbelichtet<br />

✔ Korrekt belichtet


Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e<br />

Belichtung 21<br />

2) Belichtung von Landschaftsaufnahmen an der See<br />

Die richtige Belichtung ist bei Aufnahmen am Meer etwas schwieriger<br />

einzustellen als sonst, da verschiedene Faktoren das Messsystem der Kamera<br />

irritieren können. Spitzlichter im Wasser und helle, schäumende Wellen können<br />

zu Unterbelichtung führen; andererseits können dunkle Felsen im Vordergrund<br />

die Kamera zur Überbelichtung verleiten. Bei besonders großen hellen oder<br />

dunklen Bildbereichen muss daher die Belichtungskorrektur eingesetzt werden.<br />

Man sollte nach jeder Aufnahme das Histogramm prüfen und bei Bedarf die<br />

Aufnahme wiederholen.<br />

Motive mit hellem Himmel, dunklen Felsen und hellen Spitzlichtern im Wasser<br />

erzeugen einen riesigen Kontrastumfang; hier sind Grauverlaufsfilter eine große<br />

Hilfe. Je nach Wetterbedingungen bzw. der Helligkeit von Himmel und Meer<br />

gegen den Vordergrund wird der Graufilter im Bildausschnitt etwas nach unten<br />

gezogen; man kann ihn sogar bis unter den Horizont ziehen. Andernfalls werden<br />

Himmel und Vordergrund zwar korrekt belichtet, doch in der Bildmitte sticht ein<br />

heller Streifen im Wasser hervor. Bei der Belichtungsmessung sollten sowohl<br />

Bereiche im Vordergrund, im Himmel als auch im Meer gemessen sowie die<br />

richtige Filterstärke und Filterposition gewählt werden.<br />

HELEN DIXON ROSS HODDINOTT<br />

LANGE BELICHTUNGSZEITEN<br />

Bewegungen festhalten<br />

Reizvoll beim <strong>Fotografie</strong>ren am Meer sind die<br />

vielen Möglichkeiten, stimmungsvolle<br />

Wellenbewegungen einzufangen. Bei<br />

schwachem Licht und erweitertem<br />

Schärfentiefebereich sind lange<br />

Belichtungszeiten notwendig – je nach<br />

Umgebungslicht einige Sekunden oder sogar<br />

Minuten. Die Brandung auf Felsen und Wellen<br />

am Strand werden bei weit offener Blende als<br />

romantischer, geheimnisvoller Dunst<br />

aufgezeichnet. Dafür empfehlen sich<br />

Verschlusszeiten ab 1/4 Sekunde.<br />

ADAM BURTON


22 Belichtung Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografie<br />

3) Histogramm: Hilfsmittel zur Belichtungskontrolle<br />

Ein Histogramm ist ein zweidimensionales Diagramm, dessen Ausschläge den Farbtonumfang eines<br />

Fotos darstellen. Auf den ersten Blick wirken Histogramme kompliziert und verwirrend, doch sie<br />

sind eigentlich recht einfach zu lesen. Richtig interpretiert, sind sie eine wichtige Hilfe und sorgen<br />

für korrekte Belichtung, denn sie sind genauer und verlässlicher als das Bild des LCD-Monitors der<br />

Kamera. Gewöhnen Sie sich an, bei Ihren Aufnahmen die Histogramme zu Hilfe zu nehmen. In<br />

diesem Ratgeber werden Sie lernen, Histogramme zu “lesen”.<br />

Das Histogramm ist eine grafische Darstellung des Farbtonbereichs eines Bildes. Die waagerechte<br />

Achse gibt den Umfang der Farbtöne vom reinen Schwarz (0, ganz links) bis zu reinem Weiß<br />

(225, ganz rechts) wieder. Die senkrechte Achse zeigt den Pixelwert jedes Farbtons. Mit Hilfe des<br />

Histogramms eines Bildes können Sie erkennen, ob ein Bild mehrheitlich aus hellen, mittleren oder<br />

dunklen Farbtönen besteht.<br />

Obwohl die Diagramme von den Farbtönen des Motivs bestimmt werden, bedeutet ein Histogramm<br />

mit einer hohen Pixelzahl (und starken Ausschlägen) an einem Rand des Bildausschnitts eine<br />

Unterbelichtung. Ein Histogramm mit einer großen Anzahl von schwarzen Pixel auf der linken<br />

Seite beispielsweise bedeutet oft eine Unterbelichtung. Dadurch werden die Details in den<br />

Schattenbereichen verdunkelt. Eine große Pixelzahl in der rechten Seite des Histogramms bedeutet<br />

ein überbelichtetes Bild. Die Spitzlichter sind ausgebrannt und die Details gehen dabei verloren. Ein<br />

Histogramm mit einem schmalen Ausschlag in der Mitte und mit nur wenigen schwarzen und weißen<br />

Pixel zeigt fehlenden Kontrast an.<br />

Wie also sollte das Histogramm einer korrekten Aufnahme aussehen? Diese Frage kann nicht so<br />

einfach beantwortet werden, denn es gibt kein perfektes Histogramm. Das Histogramm gibt nur<br />

Auskunft darüber, wie das Bild belichtet wurde und erlaubt dem Fotografen dadurch, bei der nächsten<br />

Aufnahme desselben Motivs die Belichtung besser einzustellen. Das bedeutet, dass ein Histogramm<br />

eines hellen Motivs ganz anders aussieht, als das eines dunklen Motivs oder einer Mischung von<br />

Farbtönen. Etwas allgemeiner formuliert, sollte ein Histogramm eine breite Auswahl von Farbtönen auf<br />

der waagerechten Achse aufweisen und sich die Pixel im Mittelbereich (100, Mittelpunkt) befinden.<br />

Normalerweise sollten Ausschläge auf der rechten Seite des Diagramms vermieden werden, da diese<br />

Kennzeichen von überbelichten Spitzlichtern sind, die immer zu Detailverlust führen.<br />

Beim Auswerten eines Histogramms sollte vor allem auf die Helligkeit des Motivs geachtet werden.<br />

Ein Motiv mit einem hohen Prozentsatz von hellen oder dunklen Farbtönen wie bei Schnee oder einer<br />

Silhouette hat einen großen Einfluss auf das resultierende Histogramm. Daher gibt es zum Thema<br />

Histogramm keine allgemeingültigen Bedienungsanleitungen, sondern nur hilfreiche Empfehlungen.<br />

Oft ist eine gleichmäßige Pixelverteilung über die gesamte Grauskala wünschenswert. Die eigene<br />

Erfahrung hat aber beim Einsatz von Histogrammen zur richtigen Belichtung einen ebenso hohen<br />

Stellenwert.<br />

Wie kann man das Histogramm eines Bildes prüfen? Die meisten digitalen Kameras erlauben<br />

eine Histogramm-Ansicht auf dem Monitor während der Bildwiedergabe. Um das Histogramm<br />

zu aktivieren, drücken Sie die Wiedergabe-Taste und wählen in dem zusätzlichen Hilfsmenü die<br />

Histogramm-Funktion. Wird die Histogramm-Funktion als Standard-Einstellung gewählt, kann das<br />

Histogramm bei Bedarf direkt nach der Aufnahme konsultiert werden. Ist aus dem Histogramm eine<br />

Unterbelichtung ersichtlich, sollte eine positive Belichtungskorrektur eingesetzt werden. Konzentrieren<br />

sich die Bildpunkte auf der rechten Seite, und das Bild erscheint überbelichtet, kann dies durch eine<br />

positive Belichtungskorrektur korrigiert werden. Der Einsatz eines Histogramms ist eine verlässlichere<br />

Methode, die richtige Belichtung einzuschätzen, als die Bilder auf dem Monitor der Kamera. Das gilt<br />

vor allem im Freien, wenn das Umgebungslicht so hell ist, dass das Monitorbild nur schwer erkennbar<br />

ist.<br />

Keine Panik!<br />

Die Belichtungswarnung<br />

Die meisten Spiegelreflexkameras sind mit der<br />

Funktion „Spitzlichter anzeigen“ ausgerüstet.<br />

Histogramme liefern eine grafische Darstellung des<br />

Farbtonumfangs des gesamten Bildes. Dadurch kann<br />

die Belichtung des Bildes beurteilt werden. Die<br />

Belichtungswarnanzeige hingegen wurde zum<br />

Vermeiden überbelichteter Spitzlichter entwickelt.<br />

Weiße und helle Objekte im direkten Sonnenlicht<br />

profitieren besonders von dieser Funktion. Ein<br />

Histogramm mit einem starken Ausschlag nach rechts<br />

bedeutet in der Regel, dass das Bild teilweise<br />

überbelichtet wurde. Die Belichtungswarnung<br />

identifiziert all jene Bildpunkte, die den Wert von<br />

reinem weiß (255) überschreiten. Diese Pixel können<br />

von der Kamera nicht verarbeitet werden und werden<br />

daher nicht aufgezeichnet. Wird ein solches Bild auf<br />

dem Kamera-Monitor wiedergegeben, zeigt diese<br />

Funktion außerhalb des Dynamikumfangs liegende<br />

Bildpunkte an. Man sieht dadurch, welche<br />

Bildbereiche „ausgebrannt“ wurden und Details<br />

verloren haben. Mit einer negativen<br />

Belichtungskorrektur wird dies korrigiert und das Bild<br />

dunkler aufgenommen.<br />

Die Belichtungswarnung ist nicht bei allen Kameras<br />

standardmäßig aktiviert. Bei Bedarf sollte sie also mit<br />

Hilfe des Benutzer-Handbuchs aktiviert werden.<br />

Normalerweise findet man diese Funktion im<br />

Wiedergabe-Menü der Kamera.<br />

ROSS HODDINOTT<br />

TENDENZ NACH LINKS: Das Histogramm wurde nach<br />

links gedrückt. Es gibt die Pixelkonzentration im<br />

Schattenbereich wieder. Das Bild wurde aber trotzdem<br />

richtig belichtet.<br />

KORREKTE BELICHTUNG: Ein typisches<br />

Landschaftsmotiv ergibt ein sogenannt „perfektes<br />

Histogramm“, da die Mitten durch eine breite Auswahl<br />

an Farbtönen und Ausschlägen gekennzeichnet sind.<br />

TENDENZ NACH RECHTS: Die richtig belichtete<br />

Aufnahme eines extrem hellen Motivs erzeugt, so wie<br />

ein überbelichtetes Bild, ein ganz nach rechts<br />

gedrücktes Histogramm.


Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e<br />

Belichtung 23<br />

Farb-Histogramme<br />

Manche digitalen Spiegelreflexkameras bieten<br />

die Option getrennter Histogramme für rote,<br />

grüne und blaue Farbkanäle. Einsteiger sollten<br />

diese Option ignorieren und die Standard-<br />

Grauskala-Funktion benutzen.<br />

4) Nach rechts belichten<br />

„Nach rechts belichten“ ist eine verbreitete Methode, um die Bildqualität zu<br />

optimieren. Sie funktioniert allerdings nur bei Aufnahmen im Raw-Format.<br />

Dadurch können die Belichtungseinstellungen soweit wie möglich an die<br />

Überbelichtung angenähert werden, ohne Spitzlichter abzuschneiden.<br />

Beim resultierenden Histogramm befinden sich die meisten Pixel rechts der<br />

Mitte, daher der Ausdruck „nach rechts belichtet“. Das Resultat macht im Raw-<br />

Konverter wohl einen etwas hellen Eindruck, der aber mit den Helligkeits- und<br />

Kontrastreglern schnell und einfach korrigiert werden kann. Das Endergebnis hat<br />

eine bessere Bildqualität.<br />

CCD- und CMOS-Sensoren messen das Licht linear. Die meisten<br />

Spiegelreflexkameras zeichnen ein 12-Bit-Bild mit bis zu 4096 Tonwerten über<br />

sechs Lichtwertstufen auf. Die Tonwerte sind aber nicht regelmäßig über die<br />

Lichtwertstufen verteilt. Jede Lichtwertstufe zeichnet die Hälfte des Lichts der<br />

vorherigen auf. Die Hälfte der Tonwerte wird also von der hellsten Lichtwertstufe<br />

beansprucht (2048), die Hälfte davon wiederum (1024 Tonwerte) von<br />

der zweithellsten Lichtwertstufe etc. Dadurch besitzt die letzte, dunkelste<br />

Lichtwertstufe nur 64 Tonwerte. Wird die rechte Seite des Histogramms nicht<br />

richtig genutzt, geht die Mehrheit der Tonwerte verloren. Wenn man also die<br />

Aufnahme unterbelichtet, um Details in den Spitzlichtern zu erhalten, verliert<br />

man einen großen Teil der Bildinformationen.<br />

HAUPTBILD UND HISTOGRAMM: Belichtet man nach rechts, können<br />

maximale Detailschärfe und minimales Bildrauschen erreicht werden.<br />

Das Bild im Raw-Konverter wirkt fast zu hell, was aber mithilfe der<br />

Helligkeits- und Kontrastregler angepasst werden kann.<br />

MARK BAUER


24 Belichtung Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografie<br />

Die Zeitautomatik<br />

Welcher Automatik-Modus ist am nützlichsten für<br />

Landschaftsaufnahmen? Erfahren Sie hier alle<br />

Geheimnisse der Zeitautomatik.<br />

IN DER BETRIEBSART ZEITAUTOMATIK können Sie<br />

entscheiden, welche Blendenöffnung (f/-Zahl) Sie zum<br />

<strong>Fotografie</strong>ren verwenden möchten, während die Kamera<br />

auf der Grundlage der herrschenden Lichtverhältnisse<br />

automatisch eine Verschlusszeit festlegt, um die richtige<br />

Belichtung zu erzielen. Mit anderen Worten: Sie können die<br />

Blendenwahl vorgeben, und die Kamera wählt danach die<br />

Verschlusszeit aus.<br />

Da die Blende die Tiefenschärfe (den Bereich des scharfen<br />

Fokus) in einem Foto am stärksten beeinflusst, ist die<br />

Zeitautomatik die praktischste Betriebsart, wenn Sie ein<br />

Motiv oder eine Situation fotografieren, bei der die Kontrolle<br />

über die Tiefenschärfe wichtig ist.<br />

Die Landschaftsfotografie ist das beste Beispiel: Bei<br />

<strong>Landschaften</strong> sollten Sie immer darauf achten, dass die<br />

Tiefenschärfe so groß ist, dass die gesamte Szene scharf<br />

ist – vom unmittelbaren Vordergrund bis „unendlich“. Das<br />

bedeutet, dass Sie eine kleine Blende wie f/11 benötigen. In<br />

der Betriebsart Zeitautomatik ist das kein Problem, da Sie<br />

die erforderliche Blende manuell einstellen müssen.<br />

Bei Porträtaufnahmen ist es in der Regel genau umgekehrt:<br />

Sie wollen eine geringe Tiefenschärfe, damit das Modell<br />

scharf und der Hintergrund unscharf ist. Sie müssen<br />

das Bild also mit einer großen Blende wie f/4 oder f/2.8<br />

aufnehmen. Auch das ist mit der Zeitautomatik einfach, weil<br />

Sie selbst entscheiden, welche Blende verwendet wird.<br />

Sie können aber auch bei anderen Belichtungsarten<br />

festlegen, welche Blende benutzt wird. Hierfür ist jedoch<br />

eine etwas andere (und langwierigere) Vorgehensweise<br />

erforderlich. In der Betriebsart Belichtungsautomatik<br />

(S oder Tv) müssen Sie beispielsweise nur die<br />

Verschlusszeit ändern, bis die Kamera die gewünschte<br />

Blende einstellt. Ähnlich können Sie im Programmmodus<br />

mit der Programmumschaltfunktion die Blenden-/<br />

Verschlusszeitkombination ändern, die die Kamera eingestellt<br />

hat, bis Sie die gewünschte Blende haben.<br />

Der Vorteil der Zeitautomatik im Vergleich zu diesen<br />

Betriebsarten besteht darin, dass die Kamera eine<br />

eingestellte Blende nicht ändert, auch wenn sich die<br />

Lichtverhältnisse ändern. Stattdessen wird die Verschlusszeit<br />

angepasst, um die richtige Belichtung beizubehalten. Das<br />

ist in der Betriebsart Belichtungsautomatik nicht so – wenn<br />

sich hier die Lichtverhältnisse ändern, passt die Kamera<br />

die Blende an, um korrekt zu belichten. Hier hat also die<br />

Verschlusszeit Vorrang, sodass Sie weniger Kontrolle über die<br />

Tiefenschärfe haben. Im Programmmodus passt die Kamera<br />

die komplette Blenden-/Verschlusszeitkombination an,<br />

sobald sich die Lichtverhältnisse ändern.<br />

Die Zeitautomatik ist auch eine praktische Betriebsart zur<br />

allgemeinen Verwendung, wenn Sie einfach nur umhergehen<br />

und fotografieren, was Ihnen vor die Linse kommt, seien<br />

es Gebäude, Details, Abstraktaufnahmen oder zufällige<br />

Schnappschüsse. Die Anforderungen an die Tiefenschärfe<br />

variieren je nach Aufnahme. Einmal brauchen Sie eine große<br />

und das nächste Mal eine möglichst geringe. Aber das kann<br />

mit dem Einstellrad der Kamera schnell festgelegt werden,<br />

und die Sucheranzeige hält Sie immer auf dem Laufenden,<br />

welche Blendenöffnung und zugehörige Verschlusszeit<br />

verwendet wird.<br />

f/4<br />

DIE AUSWIRKUNG VON BLENDENÖFFNUNGEN Da die Tiefenschärfe eine große Auswirkung auf das<br />

fertige Bild hat, ist es nicht verwunderlich, dass viele erfahrene Fotografen am liebsten mit der Zeitautomatik<br />

arbeiten. Diese beiden Aufnahmen zeigen, wie unterschiedliche Blenden zu sehr unterschiedlichen<br />

Ergebnissen führen können.<br />

Einstellen der Zeitautomatik an der Kamera<br />

Das Auswählen der Zeitautomatik ist ganz einfach: Sie müssen lediglich das Einstellrad für<br />

die Belichtung drehen (oder in einigen Fällen die Taste für die Belichtungsart drücken) und<br />

A oder AV auswählen. Die Kamera ist dann auf die Betriebsart Zeitautomatik eingestellt.<br />

Dann müssen Sie nur noch das kleine Einstellrad (entweder am Handgriff oder rechts oben<br />

an der Rückseite der Kamera) drehen, um die Blende zu ändern. Wenn Sie leicht auf den<br />

Auslöseknopf drücken, um das Belichtungssystem zu aktivieren, können Sie feststellen,<br />

welche Verschlusszeit die Kamera ausgewählt hat.<br />

Canon<br />

Olympus<br />

Nikon<br />

Pentax<br />

f/22<br />

Sony<br />

Panasonic<br />

ROSS HODDINOTT<br />

Die wichtigsten<br />

Automatik-Modi...<br />

Die Zeitautomatik wählt man mit<br />

dem Belichtungsrad (A oder Av). Bei<br />

manchen Modellen muss dazu die<br />

Taste Belichtungsprogramm<br />

gedrückt werden. Die Blende wird<br />

dann mit dem kleineren Einstellrad<br />

auf dem Handgriff oder rechts oben<br />

an der Rückseite der Kamera<br />

gewählt. Wenn Sie nun den Auslöser<br />

halb durchdrücken, wird das<br />

Belichtungssystem aktiviert, und Sie<br />

sehen die von der Kamera gewählte<br />

Verschlusszeit.<br />

Vollautomatik Programmautomatik Blendenautomatik Nachführmessung Motivprogramme<br />

Die Kamera setzt die<br />

Verschlusszeit und<br />

Blende für eine korrekte<br />

Belichtung. Man kann in<br />

diesem Fall die<br />

Verschlusszeit und<br />

Blende nicht selbst<br />

wählen.<br />

Sie funktioniert ähnlich<br />

wie die Vollautomatik,<br />

man kann hier aber bei<br />

Bedarf die gewünschte<br />

Verschlusszeit und<br />

Blende selbst wählen.<br />

Die Verschlusszeit wird<br />

festgelegt, die Kamera<br />

stellt automatisch die<br />

Blende ein. Auch bei<br />

verändertem Licht bleibt<br />

die Verschlusszeit<br />

konstant, nur die Blende<br />

wird angepasst.<br />

Man stellt Verschlusszeit<br />

und die Blende<br />

unabhängig voneinander<br />

ein. Die Einstellung<br />

verändert sich dann<br />

auch bei wechselnden<br />

Lichtverhältnissen nicht<br />

mehr.<br />

Diese Programme sind<br />

auf besondere Motive<br />

zugeschnitten und<br />

passen den Autofokus,<br />

Blitz und die<br />

Belichtungseinstellung<br />

entsprechend an.


Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e<br />

Belichtung 25<br />

Blendenstufen<br />

Bei den meisten Kameras können Sie die<br />

Blenden in Stufen von 1/2 ändern. Schauen<br />

Sie im Menü für benutzerdefinierte<br />

Funktionen nach – bei vielen Modellen<br />

können Sie auch 1/3-Blendenstufen<br />

einstellen, wenn Sie dies wünschen.<br />

MARK BAUER<br />

Blendenwert: f/22<br />

Die Zeitautomatik erlaubt<br />

dem Fotografen, die<br />

Schärfentiefe zu steuern.


26 Belichtung Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografie<br />

Verschlusszeiten<br />

und <strong>Landschaften</strong><br />

Um Dynamik und Bewegung in einer Landschaft einzufangen, brauchen Sie eine<br />

lange Verschlusszeit. Wenn Sie hohe Schärfe bei maximaler Schärfentiefe wollen,<br />

können Sie lange Verschlusszeiten und kleine Blenden einsetzen. Dafür nutzen<br />

Sie die Zeitautomatik und stellen die gewünschte Verschlusszeit ein. Sie sorgt<br />

für die korrekte Belichtung, da die Kamera die Blende automatisch anpasst. Bei<br />

langen Verschlusszeiten werden im Motiv auftretende Bewegungen abgebildet.<br />

Die Bewegung von fließendem Wasser und dem Laub der Bäume im Wind, wird<br />

leicht verwischt, während unbewegliche Elemente wie Zäune und Felsen scharf<br />

bleiben. Eine lange Belichtung erzeugt zusätzliche Tiefe und bringt gleichzeitig<br />

Bewegung ins Bild.<br />

Allerdings kann eine Belichtungsautomatik auch fehlerhaft funktionieren. In<br />

bestimmten Aufnahmesituationen ist Vorsicht geboten, um die Bilder nicht<br />

überzubelichten. Ein Kornfeld in der goldenen Abendsonne ist ein Beispiel dafür.<br />

Überprüfen Sie das Bild anhand des Histogramms auf dem LCD-Monitor der<br />

Kamera auf ausgebrannte Spitzlichter.<br />

Für noch längere Verschlusszeiten können Filter benutzt werden. Ein Pol-Filter<br />

vermeidet Lichtreflexe und intensiviert blauen Himmel. Dadurch werden die<br />

Bilder farbenfroher, doch das Licht, das den Sensor erreicht, wird um zwei<br />

Blendenstufen reduziert. Bewegungen können mit Hilfe eines Graufilters<br />

verstärkt und verwischt werden. Ein neutraler Graufilter hat keinen Einfluss auf<br />

die Farbbalance, reduziert aber die Lichtmenge und erlaubt dadurch die Wahl<br />

längerer Verschlusszeiten.<br />

Für optimale Resultate bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergang sollte ein Stativ<br />

eingesetzt werden. An dunkleren, wolkigen Tagen kommt uns die Natur entgegen.<br />

Weniger Licht bedeutet längere Verschlusszeiten. An windigen Tagen sollten Sie<br />

das Stativ zusätzlich beschweren, damit es nicht in Bewegung gerät. Hängen sie<br />

dazu die Kameratasche mit Ihrer Ausrüstung an den Haken unter der Mittelsäule.<br />

Weiter können Sie eine Fernbedienung oder den eingebauten Selbstauslöser<br />

verwenden, um das Bild während der Aufnahme nicht zu verwackeln.<br />

OBEN POLFILTER UND GRAUFILTER:<br />

„Ich benutzte einen Graufilter<br />

zusammen mit dem Polfilter, um das<br />

Licht des hellen Himmels zu reduzieren<br />

und eine gut ausgeglichene, lange<br />

Belichtung zu erreichen. Ich nahm im<br />

Raw-Format mit Selbstauslöser auf bei<br />

einer Belichtungszeit von 1,6<br />

Sekunden.“<br />

VERGLEICH VERSCHIEDENER<br />

VERSCHLUSSZEITEN:<br />

„Das Objektiv (10 bis 22mm eingestellt<br />

auf 13mm) fokussierte auf die Wiese im<br />

Vordergrund. Ich veränderte nur die<br />

Verschlusszeit von 1/50 Sekunde auf<br />

1,6 Sekunden. Man sieht, wie die Wiese<br />

durch die längere Verschlusszeit etwas<br />

verwischt wird. Mein Lieblingsbild<br />

dieser Serie ist das Bild mit der längsten<br />

Verschlusszeit. Es hält die Bewegung<br />

auf dem Bild so fest, wie ich sie in<br />

Erinnerung habe.“<br />

Sek 1/50<br />

1/20 Sek 1/10 Sek


Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografie<br />

Belichtung 27<br />

Das fertige Bild<br />

Dunstanburgh Castle, Northumberland,<br />

Großbritannien. „Der Vordergrund macht<br />

das Bild eindrücklicher. Ich benutzte das<br />

Histogramm und das Bild auf dem Monitor,<br />

um die Belichtung auf ausgebrannte<br />

Spitzlichter zu prüfen.“<br />

1/5 Sek 0,3 Sek 0,8 Sek 1,6 Sek


28 Grundlagen: Belichtung Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografie<br />

Grundlagen für die Aufnahme von<br />

Wasserlandschaften<br />

Bei atemberaubenden Bildern von Wasserlandschaften dreht sich alles um Technik<br />

und darum, das richtige Zubehör zu verwenden: Bevor Sie sich hinaus wagen, sollten<br />

Sie gut vorbereitet sein<br />

WIR WISSEN NICHT, ob Ihnen das auch schon<br />

aufgefallen ist, aber auf der Mehrzahl der schönsten<br />

Landschaftsaufnahmen ist in irgendeiner Form<br />

Wasser zu sehen. Ob so subtil wie bei einem kleinen<br />

Bach, der sich durchs Bild schlängelt, oder so<br />

offensichtlich wie beim Meer in einer<br />

Küstenaufnahme – Wasser ist ein elementarer<br />

Bestandteil vieler Landschaftsbilder.<br />

Einer der Hauptgründe dafür ist, dass Wasser ein so<br />

dankbares fotografisches Element ist. Durch Filter<br />

und / oder die Verschlusszeit kann man Wasser auf<br />

allen möglichen Arten aufnehmen. Das reicht vom<br />

Einfrieren der Wasserbewegung, sodass die einzelnen<br />

Tropfen in der Luft schweben, bis hin zu einem<br />

ätherischen Dunst, der durch eine lange Belichtung<br />

entsteht. Da Wasser das Licht reflektiert, verursacht<br />

es mitunter auch Probleme bei der Belichtung, doch<br />

diese Reflexionen können Sie genauso gut auch zur<br />

Wahl der Verschlusszeit<br />

Die korrekte Verschlusszeit für Ihre Wasseraufnahmen<br />

hängt von mehreren Faktoren ab: Ob und wie schnell das<br />

Wasser sich bewegt, wie viel Wasser es ist, ob Sie seine<br />

Bewegung ganz einfrieren möchten oder ob es unscharf<br />

werden soll. Bei großen Wasserfällen oder brechenden<br />

Wellen sorgt eine Verschlusszeit von 1/1000 – 1/200<br />

Sekunde dafür, dass jeder einzelne Tropfen eingefroren<br />

wird. Bei schnell fließenden Gewässern versuchen Sie<br />

es mit 1/200 – 1/500 Sekunde, bei langsam fließenden<br />

sollte 1/125 – 1/250 Sekunde ausreichen.<br />

Wenn Sie aber Unschärfe erzielen möchten, ist bei großen<br />

Wasserfällen eine Verschlusszeit von einer Sekunde<br />

optimal, für kleinere Wasserfälle etwa zwei Sekunden.<br />

Für Flüsse und Bäche benötigen Sie langsamere<br />

Verschlusszeiten bis zu vier Sekunden, wenn Sie möchten<br />

auch noch langsamer von 10 – 20 Sekunden. Rechts<br />

sehen Sie einige Standard-Verschlusszeiten im Vergleich.<br />

Wenn sich große Wassermengen in bestimmten<br />

Bildbereichen konzentrieren, kann Überbelichtung zum<br />

Problem werden. Behalten Sie also das Histogramm im<br />

Auge und verwenden Sie eine längere Verschlusszeit,<br />

wenn Sie damit beginnen, die hellen Bildbereiche zu<br />

beschneiden. Bei Küstenszenen sorgen ein bis zwei<br />

Sekunden dafür, dass die Wellen unscharf werden, und<br />

20 bis 30 Sekunden erzeugen einen milchigen Effekt.<br />

Aufwertung Ihrer Bilder nutzen. An Tagen mit wenig<br />

oder gar keinem Wind kann man an einem See,<br />

Wasserbecken oder einer anderen großen<br />

Wasserfläche eindrucksvolle Fotos schießen, auf<br />

denen sich die Landschaft in der glatten<br />

Wasseroberfläche spiegelt. Damit hören die<br />

Möglichkeiten aber noch nicht auf – Flüsse lassen<br />

sich hervorragend als starke Führungslinien nutzen,<br />

und abgeschlossene Felsbecken oder sich<br />

schlängelnde Bäche, übersät mit Felsen, geben sehr<br />

wirkungsvolle Motive für den Vordergrund ab.<br />

Diese Liste lässt sich endlos weiterführen, aber wir<br />

möchten uns hier auf die Grundlagen der<br />

Verschlusszeiten für Wasseraufnahmen<br />

konzentrieren, und auf das Zubehör, mit dem Sie es<br />

ganz leicht mit unseren Wasserlandschaftsprojekten<br />

auf den Seiten 92 bis 119 aufnehmen können.<br />

Worauf warten Sie noch? Auf geht’s!<br />

1/60 Sekunde<br />

1/20 Sekunde 1/2 Sekunde<br />

Basiszubehör<br />

Weitwinkelobjektiv:<br />

Ein Ultraweitwinkel-<br />

Zoomobjektiv im Bereich von<br />

12–24 mm ist ideal geeignet,<br />

da es die Möglichkeit<br />

bietet, den Vordergrund<br />

mit Wasser zu füllen, und<br />

dennoch ausreichend<br />

Tiefenschärfe bietet, um durchweg scharfe Bilder zu<br />

erzielen. Das Sigma 10–20mm Objektiv kostet rund<br />

380 Euro; es ist sehr beliebt wegen seiner exzellenten<br />

Leistungsmerkmale und des attraktiven Preis-<br />

Leistungsverhältnisses.<br />

Wasserwaage: Wenn<br />

Ihr Objektiv mit einer<br />

Wasserwaage ausgestattet<br />

ist, verwenden Sie diese um<br />

sicherzustellen, dass der<br />

Horizont gerade dargestellt<br />

wird – wenn Sie dies schon<br />

bei der Bildaufnahme<br />

berücksichtigen, vermeiden Sie aufwändige<br />

Nachbearbeitungen in Photoshop. Ansonsten<br />

kaufen Sie sich eine günstige Wasserwaage, die Sie<br />

in den Blitzschuh schieben können, oder geben Sie<br />

etwas mehr Geld aus und kaufen sich eine digitale<br />

Waage wie die Kaiser / Seculine Action Level .<br />

(www.amazon.de).<br />

Filter: Wenn<br />

es Ihnen mit der<br />

Landschaftsfotografie<br />

ernst ist, lohnt es sich, in<br />

ein Slot-in-Filtersystem<br />

zu investieren. Das Cokin<br />

P-System (www.amazon.<br />

de) bietet ein tolles<br />

Preis-Leistungsverhältnis, und falls Qualität im<br />

Vordergrund stehen soll, schauen Sie sich einmal<br />

das tolle 100-mm-System von Lee Filters an – die<br />

erste Wahl der Profis (www.leefilters.com). Ein<br />

Polfilter sorgt für leuchtend blauen Himmel und<br />

klare Spiegelungen auf der Wasseroberfläche.<br />

Ein 0,6 oder ein 0,9 ND-Filter (kein ND-<br />

Verlaufsfilter!) ist auch überlegenswert, da er<br />

Ihnen die Möglichkeit gibt, bei Tageslicht lange<br />

Verschlusszeiten zu wählen, um bewegliches<br />

Wasser unscharf zu machen.<br />

Stativ: Wenn Sie<br />

Wasser fotografieren,<br />

sollten Sie kleinere<br />

Blenden verwenden,<br />

um die Tiefenschärfe zu<br />

erhöhen. Und bei den<br />

langen Verschlusszeiten<br />

müssen Sie die Kamera<br />

stabil halten, um ein Verwackeln zu vermeiden.<br />

Lesen Sie weiter hinten in diesem Ratgeber den<br />

Abschnitt zum Basiszubehör und finden Sie dort<br />

heraus, welches Stativ für die Outdoor-<strong>Fotografie</strong><br />

am besten zu Ihrem Budget passt.<br />

Fotorucksack: Wenn<br />

Sie draußen kilometerlang<br />

unterwegs sind, ist ein<br />

Fotorucksack wesentlich<br />

besser geeignet, Ihre<br />

Ausrüstung zu schützen,<br />

als eine Fototasche.<br />

Rucksäcke mit einem<br />

Allwetterschutz bieten einen noch besseren<br />

Schutz vor Wind und Wetter. Auf unserer Website<br />

finden Sie Bewertungen über einige der besten<br />

Rucksäcke: www.digitale-fotografie-magazin.de<br />

Bekleidung: Es gibt<br />

nichts Schlimmeres als<br />

auszurutschen, in einen<br />

Fluss zu fallen und den Tag<br />

dann in nasser Kleidung<br />

verbringen zu müssen.<br />

Tragen Sie geeignete<br />

Schuhe von bekannten<br />

Herstellern, zum Beispiel Berghaus, und denken<br />

Sie über wasserfeste Hosen oder Gamaschen<br />

nach, zum Beispiel von Paramo. Mit dieser<br />

Ausrüstung können Sie auch in einem Fluss<br />

stehen – und trocken bleiben.


So machen Sie Wasseraufnahmen wie ein Profi<br />

Als Wasserlandschaften sind dramatische Küstenstriche perfekt geeignet, um<br />

das Erlernte in die Fotopraxis umzusetzen. Folgen Sie unseren Ratgebern für<br />

Zubehör, Technik und Einstellungen, und bald machen Sie professionelle<br />

Landschaftsbilder.<br />

HELEN DIXON


<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong><br />

Abonnement<br />

4 Ausgaben für<br />

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Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografie<br />

Grundlagen: Schärfe 31<br />

Scharfstellen wie die Profis<br />

Meistern Sie die Grundlagen des präzisen Scharfstellens und der Schärfentiefe.<br />

STELLEN SIE SICH VOR, sie hätten auf ein Objekt scharfgestellt, das sich genau<br />

5 Meter von der Kamera entfernt befindet. Wie verhält es sich dann mit der<br />

Schärfe von Objekten in vier oder sechs Metern Entfernung?<br />

Die Antwort hängt von der Schärfentiefe ab, dem Bereich vor und hinter dem<br />

exakten Schärfepunkt, in dem Objekte scharf abgebildet werden. Solange Sie die<br />

Blende aktiv steuern, kann auch die Schärfentiefe kreativ genutzt werden. Es gibt<br />

Gelegenheiten, bei denen wenig Schärfentiefe erwünscht ist. In den meisten<br />

Fällen werden Sie aber den Bereich der Schärfentiefe eines Landschaftsfotos<br />

maximieren wollen, damit von der gesamten Szene so viel wie möglich scharf<br />

abgebildet wird.<br />

Die Details des Vordergrunds beispielsweise sind bei einem Landschaftsfoto sehr<br />

wichtig und sollten deshalb gestochen scharf sein. Das gilt aber auch für die<br />

näheren Objekte im Hintergrund. Eine kleine Blende sorgt in diesem Fall dafür,<br />

dass die wesentlichen Bildelemente sowohl des Vorder- als auch des<br />

Hintergrunds mit ausreichender Schärfe abgebildet werden. Doch es stellt sich<br />

die Frage, wo genau denn der Schärfepunkt in der Landschaft liegen soll. Der<br />

Neuling stellt einfach auf „unendlich“ und darf sich meistens auch über ein<br />

einigermaßen gelungenes Foto freuen. Doch der Schärfentiefebereich erstreckt<br />

sich vom Schärfepunkt der Kamera aus gesehen um etwa ein Drittel nach vorn<br />

ins Bild und um zwei Drittel nach hinten. Deswegen ist die Einstellung<br />

„unendlich“ alles andere als optimal, denn bei ihr liegt der Schärfepunkt praktisch<br />

auf dem Horizont; das heißt, unser Novize verschenkt zwei Drittel der möglichen<br />

Schärfentiefe. Hinterm Horizont geht`s zwar weiter, wie wir dank Udo<br />

Lindenberg heute wissen, doch der Betrachter des mit der Einstellung<br />

„unendlich“ geschossenen Fotos hat davon nichts, denn er kann nicht hinter den<br />

Horizont sehen. Verlegen wir also unseren Schärfepunkt besser nach vorn und<br />

zwar möglichst genau so weit nach vorn, bis das hintere Ende des<br />

Schärfentiefebereichs auf dem Horizont liegt. Durch diesen einfachen Kniff wird<br />

die gesamte Szene viel schärfer. Man nennt dieses Verfahren etwas sperrig die<br />

„Scharfeinstellung auf den hyperfokalen Punkt“. Gleichwohl ist es der Schlüssel<br />

zu wirklich guten Landschaftsbildern, weswegen Profifotografen es auch seit<br />

Jahrzehnten anwenden.<br />

Der optimale Schärfepunkt für eine gegebene Szene hängt dabei von der<br />

gewählten Blende und der für die Aufnahme verwendeten Objektivbrennweite<br />

ab. Auch die Frage, ob in Ihrer Kamera ein Vollformatsensor oder ein kleinerer<br />

Sensor eingebaut ist, spielt eine Rolle. Zur Bestimmung des hyperfokalen Punkts<br />

gibt es spezielle Rechner und auch Tabellen in Papierform. Sie können auch<br />

jederzeit eine Faustregel benutzen, nach der Sie den Bildausschnitt von vorn<br />

nach hinten in drei Drittel einteilen und den Schärfepunkt auf den Beginn des<br />

zweiten Drittels legen, mit der Entfernungseinstellung „unendlich“, wohlgemerkt,<br />

und möglichst kleiner Blende. Auf den folgenden Seiten erfahren Sie, was Sie<br />

über das optimale Scharfstellen wissen müssen beispielsweise auch, warum die<br />

kleinste Blende nicht automatisch das schärfste Foto liefert, obwohl sie doch den<br />

größten Schärfentiefebereich erzeugt.<br />

ADAM BURTON


32 Grundlagen: Schärfe Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografie<br />

Den Schärfebereich maximieren<br />

Den Vordergrund zu betonen, kann<br />

schwierig werden, wenn Sie von vorn<br />

bis hinten alles scharf bekommen<br />

wollen – es ist aber möglich.<br />

Ross Hoddinott: Blättern Sie durch<br />

die Seiten eines beliebigen Magazins mit<br />

Landschaftsaufnahmen und Sie werden<br />

schnell erkennen, dass bei fast all diesen<br />

Fotos ein interessanter Vordergrund eine ganz<br />

wesentliche Komponente der Bildkomposition ist.<br />

Er gibt dem Auge des Betrachters einen<br />

Einstiegspunkt und dem Bild Tiefe. Solange es zur<br />

abgebildeten Szenerie passt, kann alles Mögliche<br />

als Aufmerksamkeit erregendes<br />

Vordergrundelement dienen – seien es ein paar<br />

Felsen, eine Steinmauer, ein gewundener Pfad, oder<br />

Schilfrohre im Wind. Blumen sind sehr gut geeignet.<br />

Sie geben einem Panorama nicht nur einen<br />

Maßstab, sondern fügen auch einen willkommenen<br />

Farbtupfer hinzu. Natürlich ist der Frühling dazu die<br />

geeignetste Jahreszeit – denken Sie nur an die<br />

farbenfrohen Wildblumen auf den Wiesen.<br />

Um ein Vordergrundelement in einer Landschaft<br />

wirksam ins Bild zu setzen, braucht es einen großen<br />

Schärfentiefebereich, der vom Vordergrund bis zum<br />

Horizont reichen muss. Versuchen Sie es mit einer<br />

Blende in der Gegend von f/16, doch vermeiden Sie,<br />

weiter abzublenden, da sich sonst unerwünschte<br />

Verzerrungen, die physikalisch bedingt von jedem<br />

Objektiv erzeugt werden, bemerkbar machen<br />

können. Auch die Position des Schärfepunkts<br />

müssen Sie sorgfältig bestimmen. Der<br />

Schärfentiefebereich erstreckt sich bis etwa zwei<br />

Drittel hinter den Schärfepunkt und bis zu etwa<br />

einem Drittel davor. Wenn Sie den Schärfepunkt<br />

also zu weit nach hinten in das Bild legen,<br />

verschwenden Sie einen Teil des Schärfebereichs,<br />

der Ihnen für den Vordergrund zugute gekommen<br />

wäre. Eine nützliche Faustregel besagt, dass ein<br />

Schärfepunkt am Ende des ersten Drittels der<br />

gesamten Entfernung zum Horizont den<br />

verfügbaren Schärfentiefebereich optimal abdeckt.<br />

Noch präziser geht es mithilfe der hyperfokalen<br />

Entfernung, deren Berechnung relativ unkompliziert<br />

ist (siehe Tabelle rechts).<br />

Um Ihr Bild möglichst dreidimensional aussehen zu<br />

lassen, benutzen Sie ein Ultraweitwinkelobjektiv,<br />

z. B. ein 17–24mm Zoom, und gehen damit so nah<br />

wie möglich an das nächste Vordergrundobjekt<br />

heran. Dadurch wird dessen Größe auf dem<br />

späteren Foto übertrieben und die Perspektive wird<br />

„auseinandergezogen“, was einen eindrucksvollen<br />

Effekt erzeugt.<br />

Die hyperfokale Entfernung<br />

Die hyperfokale Entfernung ist die Entfernung<br />

zu dem Punkt in der Landschaft, auf den Sie<br />

scharfstellen, wenn Sie den Schärfentiefebereich<br />

für eine gegebene Blende maximieren wollen.<br />

Alles, was sich in dem Bereich von der halben<br />

Entfernung zu diesem Punkt bis unendlich<br />

befindet, wird mit akzeptabler Schärfe abgebildet.<br />

Das genaue Lokalisieren dieses Punktes ist also<br />

sehr wichtig, wenn Sie die maximal mögliche<br />

Schärfentiefe nutzen wollen, doch es ist recht<br />

einfach. Bei einem Objektiv mit fester Brennweite<br />

und je einer Entfernungs- und Schärfentiefeskala<br />

bringen Sie einfach die Markierung für<br />

„unendlich“ mit dem eingestellten Blendenwert<br />

zur Deckung. Leider besitzen immer weniger<br />

moderne Objektive solche Skalen. Sie müssen<br />

Finden Sie Ihren Blickwinkel Bilder<br />

1ohne interessanten Vordergrund sehen oft „flach“<br />

und langweilig aus. Obwohl es sich hier um ein<br />

eindrucksvolles Panorama handelt, ist aus dem Foto<br />

nur ein Schnappschuss geworden, weil nichts, was das<br />

Auge ästhetisch ansprechen würde, sich im<br />

Vordergrund befindet und den Blick in das Motiv hinein<br />

führen würde.<br />

die optimale Entfernungseinstellung also selbst<br />

ermitteln. Zum Glück gibt es Schärfentiefen-<br />

Rechner und Tabellen mit hyperfokalen<br />

Entfernungen, die sie aus dem Internet<br />

herunterladen können. Besuchen Sie www.<br />

dofmaster.com, dort finden Sie auch eine App für<br />

Ihr Smartphone.<br />

Unten finden Sie zwei Tabellen für hyperfokale<br />

Entfernungen für die gängigsten Brennweiten<br />

und Blendenwerte. Die Tabellen gelten jeweils für<br />

Vollformat- und APS-C Sensoren. Fotokopieren<br />

und laminieren Sie die relevante Tabelle für Ihre<br />

Kamera, damit Sie sie immer dabei haben und<br />

zur Bildkomposition bzw. Scharfeinstellung von<br />

Landschaftsaufnahmen nutzen können.<br />

APS-C Sensoren<br />

Blende 12mm 15mm 17mm 20mm 24mm 28mm 35mm 50mm<br />

f/8 3.2ft 5ft 6.4ft 8.9ft 12.6ft 17ft 27ft 55ft<br />

f/11 2.3ft 3.5ft 4.5ft 6.2ft 9ft 12ft 19ft 39ft<br />

f/16 1.7ft 2.5ft 3.3ft 4.4ft 6.4ft 8.6ft 14.5ft 27ft<br />

f/22 1.2ft 0.9ft 2.3ft 3.2ft 4.5ft 6ft 9.5ft 19.2ft<br />

Vollformatsensoren<br />

Blende 16mm 20mm 24mm 28mm 35mm 50mm<br />

f/8 3.8ft 5.6ft 8ft 11ft 17ft 35ft<br />

f/11 2.6ft 3.9ft 5.8ft 7.8ft 12ft 25ft<br />

f/16 1.9ft 2.9ft 4ft 5.5ft 8.5ft 17.5ft<br />

f/22 1.4ft 2ft 2.9ft 3.9ft 6ft 12.5ft<br />

Verändern Sie den Standpunkt Schon<br />

2durch eine einfache Standortänderung von nur<br />

wenigen Metern ist dieses Bild viel besser geworden.<br />

Die blühenden Grasnelken im Vordergrund geben ihm<br />

mehr Tiefe und Atmosphäre. Leider ist der Himmel<br />

überbelichtet, also wird ein Filter benötigt, oder die<br />

Belichtung muss angepasst werden.<br />

Finden Sie die passende Belichtung<br />

3Ich habe eine Messung am Himmel vorgenommen<br />

und eine andere auf den Blumen. Der Unterschied<br />

betrug etwa vier Blendenstufen. Ich wollte das Licht<br />

nicht vollständig angleichen, da unser Auge generell<br />

den Himmel heller wahrnimmt, als Anderes auf einem<br />

Foto. Deswegen habe ich einen zweistufigen<br />

Grauverlaufsfilter benutzt, um zwar den Himmel<br />

abzuschwächen doch die Details der Landschaftsszene<br />

bei der Aufnahme nicht zu verlieren.<br />

Optimieren Sie die Bildkomposition Bei<br />

4nunmehr korrekter Belichtung wird es Zeit, sich um<br />

die Bildkomposition zu kümmern. Damit der Vordergrund<br />

stärker betont wird und um der Szene mehr Tiefe zu<br />

verleihen, ist ein niedriger, nah an einem<br />

Vordergrundobjekt befindlicher Kamerastandpunkt am<br />

besten, zumal dann, wenn er durch eine kurze Brennweite<br />

unterstützt wird. Deswegen benutzte ich hier das kurze<br />

Ende meines 17-35mm Zooms. Das Scharfstellen hat hier<br />

nicht ganz geklappt, deswegen sind die am nächsten am<br />

Objektiv befindlichen Blumen unscharf.<br />

Berechnen Sie die hyperfokale<br />

5Entfernung<br />

Damit alles, vom nahen Vordergrund bis zum Horizont,<br />

ausreichend scharf abgebildet wird, sollten Sie auf die<br />

hyperfokale Entfernung scharfstellen. Der Tabelle<br />

konnte ich entnehmen, dass bei einer Brennweite von<br />

17 mm und einer Blende von f/16 Die hyperfokale<br />

Entfernung etwas mehr als 60 cm beträgt. Diese<br />

Entfernung stellte ich manuell ein und fotografierte<br />

erneut. Das Ergebnis: Schärfe von vorn bis hinten.


Das fertige Bild<br />

Ich entschied mich für die vertikale<br />

Bildkomposition, weil das Portraitformat den<br />

Vordergrund stärker betont. Die Blüten bilden den<br />

Einstiegspunkt und führen das Auge in das Bild.<br />

Denken Sie auch daran, dass Vordergrundobjekte<br />

nicht die Bildkomposition dominieren, sondern nur<br />

das Motiv komplettieren und räumliche Tiefe<br />

erzeugen sollen.


34 Grundlagen: Schärfe Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografie<br />

Der richtige<br />

Umgang mit<br />

kleinen Blenden<br />

Scharfe <strong>Landschaften</strong> – dank kleiner<br />

Blende<br />

Lee Frost: Kleine Blenden erhöhen die<br />

Schärfentiefe, weswegen Sie mehr Objekte in<br />

Ihrer Szene scharf abbilden können.<br />

Idealerweise ist auf einem Landschaftsfoto alles<br />

scharf abgebildet, vom unmittelbaren<br />

Vordergrund bis zum Horizont. Das zu erreichen,<br />

wählen viele einfach die kleinste Blende des<br />

Objektivs – üblicherweise f/22 – stellen auf<br />

„unendlich“ scharf und drücken ab.<br />

Überraschenderweise kommen auf diese Art<br />

trotzdem mehr gute als schlechte Bilder<br />

zustande, doch das liegt nur daran, dass die für<br />

Landschaftsaufnahmen bevorzugten<br />

Weitwinkelobjektive bei kleinster Blende eben<br />

„automatisch“ einen riesigen<br />

Schärfentiefebereich erzeugen. Es ist jedoch<br />

nicht sinnvoll, immer die kleinste Blende zu<br />

verwenden, denn sie liefert nicht grundsätzlich<br />

die schärfsten Bilder. Im Folgenden werden wir<br />

Ihnen zeigen, welche Blendeneinstellungen bei<br />

Landschaftsaufnahmen am besten sind.<br />

Weit offene Blende Dieses Foto entstand mit<br />

1 einer Vollformat-Kamera mit 17–40mm<br />

Zoomobjektiv und einer eingestellten Brennweite von<br />

17mm. Die Schärfe war manuell auf die der Kamera<br />

am nächsten befindlichen Felsen eingestellt und der<br />

Blendenwert betrug f/4 – die größte an diesem Objektiv<br />

einstellbare Blende. Wie Sie sehen, sind die Felsen<br />

scharf abgebildet, doch in mittlerer Entfernung ist die<br />

Schärfentiefe schon ausgereizt und das weiter entfernte<br />

Schloss im Hintergrund ist unscharf.<br />

2<br />

Auf den Vordergrund scharfstellen<br />

Abblenden auf einen kleineren Wert vergrößert den<br />

Schärfentiefebereich, so dass dieser sich weiter nach<br />

vorn und hinten erstreckt. Doch da wir immer noch auf<br />

den Vordergrund scharfgestellt haben, müssen wir bis<br />

auf den kleinsten Blendenwert f/22 heruntergehen, bis<br />

das Schloss im Hintergrund scharf wird. Das liegt<br />

daran, dass sich die Schärfentiefe reduziert, wenn der<br />

Schärfepunkt wie in diesem Fall dicht vor der Kamera<br />

liegt.<br />

Auf „unendlich“ scharfstellen Eine<br />

3 andere Möglichkeit ist, die Schärfe auf „unendlich“<br />

zu stellen – wie es die meisten Fotografen auch<br />

tatsächlich tun, wenn sie <strong>Landschaften</strong> mit Weitwinkel<br />

fotografieren. Wenn Sie dem folgen und auf f/22<br />

abblenden, wie in dem Beispiel oben, wird die gesamte<br />

Szene scharf, was auf die extrem kurze Brennweite, die<br />

kleine Blende und den maximal entfernten<br />

Schärfepunkt zurückzuführen ist.<br />

Aufblenden Ist es aber wirklich nötig, auf f/22<br />

4 abzublenden, wenn die Schärfe auf „unendlich“<br />

eingestellt ist? Diese Szene wurde mit „unendlich“<br />

aufgenommen, wobei wir die Blende nach jeder<br />

Aufnahme eine Stufe weiter öffneten, um zu sehen, wie<br />

weit wir gehen konnten, bevor der Vordergrund<br />

merklich unschärfer wurde. In diesem Fall geschah dies<br />

schon bei der nächst größeren Blendenstufe, sodass wir<br />

Blende 22 belassen mussten. Es ist also zu empfehlen,<br />

den Schärfepunkt weder zu dicht zur Kamera noch zu<br />

weit in den Hintergrund zu legen.<br />

Der Schärfepunkt im ersten Drittel<br />

5 sorgt für einen Schärfebereich, der je nach Bedarf<br />

entweder vom Horizont bis weit bin den Vordergrund,<br />

oder vom Vordergrund so weit wie möglich in den<br />

Hintergrund reicht. Wir versuchten es mit Blende 22,<br />

und wie erwartet wurde alles scharf, weil die<br />

Schärfentiefe optimal genutzt wird.


Das fertige Bild<br />

Zum Schluss machten wir noch einen Versuch mit<br />

Blende 16; dadurch wurde das Bild nicht nur von<br />

vorn bis hinten, sondern bis in die Ecken scharf,<br />

weil sich die Objektivverzerrung geringer<br />

auswirkte.<br />

Fazit: Für gestochen scharfe Fotos fokussieren Sie<br />

auf das Ende des ersten Drittels in Ihrem<br />

Bildausschnitt, vermeiden aber die kleinste<br />

Blende.


36 Licht Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografie<br />

LICHT IN DER<br />

LANDSCHAFT<br />

Tageslicht ist die vielseitigste<br />

Lichtquelle für den Fotografen. Hier<br />

untersuchen wir die<br />

unterschiedlichen<br />

Erscheinungsweisen und Sie<br />

erfahren, wie Sie das Tageslicht bei<br />

Ihren Landschaftsaufnahmen am<br />

besten nutzen.<br />

LICHT IST DER ENTSCHEIDENDE Faktor für<br />

jedes Foto. Es kann sehr viele Formen<br />

annehmen – es kann hart oder weich sein,<br />

stark oder schwach – und die zwischen<br />

diesen Extremen möglichen Variationen<br />

haben weitgehende Auswirkungen auf<br />

Stimmung und Charakter einer Landschaft<br />

und nicht zuletzt auch auf die Qualität des<br />

einzelnen Bildes.<br />

Tageszeit und Wetterbedingungen sind die<br />

beiden wesentlichen Faktoren der Qualität<br />

von Tageslicht. Nehmen Sie noch die<br />

unterschiedlichen Jahreszeiten dazu, und<br />

Sie erhalten zahllose Variationen möglicher<br />

Lichtverhältnisse. Dies kann Segen und<br />

Fluch zugleich sein: Unter Idealbedingungen<br />

ist Tageslicht zwar die beste Lichtquelle –<br />

wenn Sie aber sehr früh aufstehen und 250<br />

Kilometer fahren, um bei Sonnenaufgang vor<br />

Ort zu sein, dann aber dichte Regenwolken<br />

vorfinden, erweist sich Tageslicht als die<br />

unzuverlässigste Lichtquelle.<br />

Bereit sein ist Alles<br />

Gute Planung erhöht Ihre Erfolgschancen,<br />

und dank des Internets können Sie heute<br />

einfacher planen als je zuvor. Sie können sich<br />

das Wetter von Morgen, Übermorgen oder<br />

der kommenden Woche anzeigen lassen, Sie<br />

können den genauen Zeitpunkt des<br />

Sonnenaufgangs nachschlagen und das für<br />

jeden Tag und für jeden Ort der Welt. Sie<br />

können auch den Status der Gezeiten<br />

feststellen, bevor Sie an die Küste fahren. Je<br />

mehr Informationen Sie zusammentragen,<br />

desto wahrscheinlicher sind Sie zur richtigen<br />

Zeit am richtigen Ort und haben dort dann<br />

auch zumindest annehmbares Licht. Sollte<br />

es einmal nicht nach Plan gehen, machen<br />

Sie vielleicht trotzdem noch Fotos, die besser<br />

sind, als Sie erhofft hatten, denn unerwartete<br />

Wetteränderungen schaffen oftmals<br />

spektakuläre Lichtverhältnisse, die man<br />

zwar nicht einplanen kann, aus denen Sie<br />

aber Ihren Vorteil ziehen können.<br />

Es ist keineswegs Glückssache, wenn<br />

Top-Landschaftsfotografen regelmäßig<br />

hervorragende Fotos abliefern, sondern<br />

vielmehr Sache des Vor-Ort-Seins und mit<br />

dem gegebenen Licht den Möglichkeiten<br />

entsprechend zu arbeiten.<br />

Auch die Bereitschaft sich anzupassen, wird<br />

Ihnen helfen, das Beste aus dem<br />

vorhandenen Licht zu machen, denn manche<br />

Lichtsituationen eignen sich besonders für<br />

bestimmte Motive. Das diffuse, gleichmäßig<br />

verteilte Licht eines bedeckten Himmels<br />

eignet sich beispielsweise nicht besonders<br />

für Weitwinkelansichten, aber es ist ideal für<br />

landschaftliche Details. Eine andere<br />

Die wichtigsten Filter<br />

Grauverlaufsfilter: Er wird vor das<br />

Objektiv geschraubt oder gesteckt und ist<br />

im oberen Drittel mehr oder weniger grau<br />

eingefärbt, wobei die Graufärbung nach<br />

unten hin abnimmt. Dieser Übergang oder<br />

Verlauf kann sich über eine große oder kleine<br />

Fläche des Glases erstrecken; man spricht<br />

dementsprechend auch von weichem oder<br />

hartem Übergang. Solch ein Filter wird<br />

eingesetzt, um den Himmel abzudunkeln,<br />

damit die Szene richtig belichtet werden<br />

kann. Ohne Filter erhielte man einen korrekt<br />

belichteten Himmel, aber einen unterbelichteten<br />

Vordergrund oder einen korrekt belichteten<br />

Vordergrund mit überbelichtetem Himmel.<br />

Das gilt besonders in der Morgen- und<br />

Abenddämmerung, wenn der Kontrast zwischen<br />

Himmel und Erde am größten ist. Dann<br />

brauchen Sie einen Grauverlaufsfilter der Stärke<br />

0.9, was drei Blendenstufen entspricht. Zu<br />

normaler Tageszeit reicht ein Filter der Stärke<br />

0.6 entsprechend zweier Blendenstufen.<br />

Polarisationsfilter: Besser bekannt<br />

als Polfilter, erlaubt er die Farbgestaltung des<br />

Motivs besonders bei sonnigem Wetter erheblich<br />

zu beeinflussen. Das Blau des Himmels lässt<br />

sich intensivieren, Reflexionen lassen sich stark<br />

vermindern und Farben und Kontrast werden<br />

verstärkt. Der Polfilter eignet sich auch sehr<br />

gut für Aufnahmen von herbstlich gefärbtem<br />

Blattwerk, selbst an trüben Tagen.<br />

Möglichkeit ist, die Bilder in Schwarzweiß zu<br />

konvertieren. In diesem Fall kommt es auf<br />

die Lichtqualität nicht so genau an; oder Sie<br />

setzen Filter ein. Egal wie eintönig das<br />

Wetter auch sein mag, an der Küste können<br />

Sie beeindruckende Bilder produzieren,<br />

einfach indem Sie einen 10-stufigen<br />

Grau-Verlaufsfilter benutzen. Dadurch wird<br />

die Bewegung des Wassers hervorgehoben<br />

und kann mit statischen Elementen wie<br />

Felsen, Buhnen und Molen kontrastiert<br />

werden.<br />

ALL IMAGES: LEE FROST<br />

Die richtige Richtung<br />

Die Richtung, aus der das Licht auf Ihr<br />

Motiv fällt, hat einen erheblichen Einfluss<br />

auf die Stimmung und den Gesamteindruck,<br />

den Ihre Bilder vermitteln werden. Direktes<br />

Licht – wenn die Sonne in Ihrem Rücken<br />

steht – lässt die Landschaft in natura zwar<br />

sehr schön aussehen, auf einem Foto<br />

allerdings wirkt sie eher flach, weil alle<br />

Schatten von der Kamera weg weisen.<br />

Direkt nach Sonnenaufgang oder vor<br />

Sonnenuntergang, wenn die Sonne niedrig


Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografie<br />

Licht 37<br />

Fantastische<br />

Lichteffekte<br />

Selbst an vollständig<br />

wolkenverhangenen Tagen können Sie<br />

großartige Ergebnisse erzielen, wenn<br />

Sie solche kurzen Lichtdurchbrüche für<br />

die Bildkomposition ausnutzen.<br />

über dem Horizont steht und die Landschaft<br />

in goldenes Licht taucht, kann man die<br />

fehlende Tiefe vernachlässigen. Gleichwohl<br />

werden Sie feststellen, dass es gar nicht<br />

einfach ist, den eigenen Schatten immer<br />

aus dem Bild heraus zu halten.<br />

Seitliches Licht, mit der Sonne in einem<br />

Winkel von etwa 90 Grad zur Kamera, ist<br />

auf jeden Fall die bessere Lösung, denn<br />

dann werden die Schatten zu einem<br />

integralen Bestandteil der Bildkomposition.<br />

Oberflächendetails sind besser erkennbar,<br />

und das gesamte Motiv erhält mehr Tiefe.<br />

Der Effekt ist umso größer, je tiefer die<br />

Sonne am Himmel steht, weil dann die<br />

Schatten am längsten sind.<br />

Eine andere Möglichkeit ist, ins Gegenlicht<br />

zu fotografieren. Ein Sonnenaufgang wird<br />

beispielsweise so aufgenommen, denn der<br />

farbenprächtigste Teil des Himmels ist<br />

immer der, an dem die Sonne aufzugehen<br />

im Begriff ist oder gerade aufgegangen ist.<br />

Auch bei höher stehender Sonne sind<br />

hervorragende Fotos möglich, doch die<br />

Szene muss mit Bedacht ausgewählt<br />

werden. Küstenabschnitte oder ein wie<br />

auch immer geartetes Motiv, bei dem<br />

Wasser im Spiel ist, eignen sich gut, ebenso<br />

wie winterliche Szenen, weil das<br />

Sonnenlicht dann von Eis und Schnee<br />

reflektiert wird. Auch Dunst und Nebel sind<br />

gute Bildelemente, denen<br />

durchscheinendes Licht eine interessante<br />

Atmosphäre verleiht.<br />

Generell ist Tageslicht etwas Besonderes,<br />

weil Sie es definitiv, nicht steuern können.<br />

Was bleibt ist, sich damit zu arrangieren,<br />

wobei gute Planung, Geduld und<br />

Beharrlichkeit ausschlaggebend sind.


38 Umgebungslicht<br />

Die Tageszeit<br />

Die Tageslichtverhältnisse verändern sich zwischen frühem Morgen und<br />

spätem Abend ständig. Diese Unterschiede können in der Landschaftsfotografie<br />

für besondere Bildeffekte genutzt werden.<br />

MORGENDÄMMERUNG Das erste Tageslicht<br />

erscheint 30 bis 40 Minuten vor Sonnenaufgang am<br />

Himmel. Als Fotograf sollte man am besten eine<br />

Stunde vor Sonnenaufgang am Aufnahmeort<br />

eintreffen, um anzufangen sobald die ersten Farben<br />

am Himmel erscheinen. Das Licht wird vom Himmel<br />

auf die Landschaft gespiegelt und ist weich und<br />

schattenlos. Die Bilder haben dadurch meist einen<br />

starken kühlen Stich, ein guter Kontrast zum glühend<br />

warmen Horizont.<br />

Wasser, nasser Sand und feuchte Felsen geben die<br />

Farbe des Himmels wieder. Die erste Dämmerung<br />

eignet sich also besonders für Küsten- und<br />

Seeansichten. Ein paar Wolkenfetzen am Himmel<br />

sind wünschenswert, um zusätzliche Farbe auf den<br />

Himmel zu bekommen, wolkenlose Morgen sind aber<br />

ebenfalls reizvoll. Da das Licht noch schwach ist,<br />

muss man mit langen Belichtungszeiten rechnen.<br />

Wegen des Mangels an direktem Licht ist der<br />

Kontrast zwischen Himmel und Erde groß, es wird<br />

daher empfohlen einen 0,9-Graufilter einzusetzen,<br />

um Detail und Farbe im Himmel zu erhalten.<br />

FRÜHER MORGEN Nachdem die Sonne<br />

aufgegangen ist, dauert es nur wenige Minuten, bis<br />

das Licht an Wärme verliert. Im Sommer ist das<br />

Tageslicht während der zwei Stunden nach dem<br />

Sonnenaufgang farbneutral. Danach bleibt die<br />

Farbtemperatur über zehn bis zwölf Stunden<br />

konstant. Im Frühling und Herbst verliert das Licht<br />

die Wärme etwa um 8:00 Uhr und die<br />

Farbtemperatur bleibt bis etwa 16:00 Uhr<br />

konstant. Im Winter bleibt die Farbtemperatur fast<br />

immer unter 5500 K, sogar am Mittag. Das<br />

kommt daher, dass der Winkel zwischen Sonne<br />

und Erde während des ganzen Tages relativ klein<br />

ist.<br />

Die ersten zwei Stunden nach Sonnenaufgang<br />

eignen sich am besten für die<br />

Landschaftsfotografie, da die Lichtintensität dann<br />

schwach ist und die langen Schatten zusätzliche<br />

Tiefe und Modellierung aufs Bild bringen. Ein<br />

Polfilter ist besonders wirkungsvoll, wenn die<br />

tiefstehende Sonne im rechten Winkel zur Kamera<br />

steht.<br />

SONNENAUFGANG Sobald die Sonne<br />

aufgeht, beginnen die Farben am Himmel zu<br />

verschwinden. An einem wolkenlosen Morgen im<br />

Sommer kann man an der Küste noch ein paar<br />

Minuten nach Sonnenaufgang aufnehmen, da das<br />

Meer und der nasse Sand das Licht spiegeln und<br />

der Kontrast dadurch nicht zu stark wird. Objekte<br />

wie Stege, Schlösser und Leuchttürme können als<br />

wirkungsvolle Silhouetten ins Bild aufgenommen<br />

werden. Danach ist es meist zu hell für gelungene<br />

Landschaftsfotos. Im Inland wird der Kontrast zu<br />

stark, sobald die Sonne bei klarem Himmel<br />

aufgeht. Dann sollte man sich umdrehen und das<br />

goldene Licht der Landschaft mit der Sonne im<br />

Rücken aufnehmen. Idealerweise sollte die Sonne<br />

das Motiv von der Seite beleuchten. Dadurch<br />

können lange, betonte Schatten ins Bild<br />

aufgenommen werden, die für zusätzliche Tiefe<br />

und Textur sorgen. Das Licht ist bei<br />

Sonnenaufgang so warm, weil das Sonnenlicht<br />

beim Durchdringen der Atmosphäre gestreut wird.<br />

Zudem wird ein Teil des kurzwelligen blauen<br />

Lichts herausgefiltert.<br />

TAGSÜBER Zwei Stunden nach<br />

Sonnenaufgang wird die Lichtqualität bei<br />

klarem, sonnigen Wetter gegen Mittag immer<br />

schlechter. Je höher die Sonne im Zenit steht,<br />

desto greller und intensiver wird das Licht<br />

und desto kürzer und dunkler die Schatten.<br />

Im Sommer steht die Sonne bereits ab 11:00<br />

Uhr im Zenit und bleibt dort bis in den<br />

Nachmittag hinein. Landschaftsaufnahmen<br />

wirken dann flach und kontrastreich, das<br />

Licht ist unattraktiv. Urbane <strong>Landschaften</strong><br />

passen besser zu starkem Licht. Moderne<br />

Architektur mit abstrakten und farbenfrohen<br />

Details und einem durch einen Polfilter<br />

verdunkelten Himmel wäre hier eine gutes<br />

Motiv für eine gelungene Aufnahme. Auf dem<br />

Land können Bäume aus einem tiefen Winkel<br />

gegen den Himmel oder Spiegelungen im<br />

Wasser fotografiert werden. Die Infrarot-<br />

<strong>Fotografie</strong> funktioniert gut mit grellem Licht,<br />

vor allem im Frühling und Sommer wenn das<br />

Laub saftig grün ist.<br />

SPÄTER NACHMITTAG Sobald die<br />

Sonne langsam sinkt, wird das Licht wieder<br />

wärmer. Es wird weniger intensiv und die<br />

Schatten werden länger. Die Landschaft<br />

gewinnt ihre Form und ihren Charakter<br />

zurück. Je länger man für die Aufnahme<br />

wartet, desto besser. Am Morgen trifft das<br />

Licht auf eine kalte Erdoberfläche, am<br />

Nachmittag hingegen ist die Erde warm und<br />

die Schatten erscheinen in einem neutralen<br />

Licht. Die Atmosphäre lässt am Nachmittag<br />

weniger Licht durch als am frühen Morgen,<br />

daher wirkt das Licht röter. Die Stunde vor<br />

Sonnenuntergang wird von Fotografen oft als<br />

„goldene Stunde“ bezeichnet, da man dann<br />

das beste Licht zur Verfügung hat. Lange<br />

Schatten holen Textur und Modellierung<br />

hervor, was dem Bild Tiefe gibt. Wenn die<br />

Sonne untergeht, ist das Licht einfacher<br />

vorauszusehen, sodass man sich einen guten<br />

Standort suchen kann.


Alles ist rosarot!<br />

Farben und Texturen des Himmels sind<br />

besonders aufregend, wenn die Sonne<br />

am Horizont steht.<br />

SONNENUNTERGANG Am besten<br />

trifft man 45 Minuten vor Sonnenuntergang<br />

am Aufnahmeort ein, um den besten<br />

Bildwinkel zu wählen und die Kamera<br />

einzustellen. So können bei Sonnenuntergang<br />

wunderschöne, in goldenes Licht getauchte<br />

Motive aufgenommen werden. Flache<br />

<strong>Landschaften</strong> entfalten im Sonnenuntergang<br />

nur kurz ihre magische Wirkung; und in<br />

bergigen Regionen entschwindet die Sonne<br />

schon eine halbe Stunde früher aus dem<br />

Blick.<br />

Wenn man gegen die Sonne aufnimmt,<br />

werden alle Bildelemente zwischen der<br />

Kamera und der Sonne zur Silhouette – ein<br />

guter Trick für Wasseroberflächen. Die<br />

glühende Sonne und Farbe des Himmels<br />

werden darin gespiegelt und bieten einen<br />

schönen Hintergrund für Silhouetten von<br />

Booten, Inseln, Stegen und so weiter. Tauchen<br />

dabei unerwünschte Lichtreflexe auf, sollte<br />

die Sonne hinter einem Bildelement versteckt<br />

oder mit der Aufnahme bis zum<br />

Sonnenuntergang gewartet werden. Wer mehr<br />

Vordergrunddetails aufnehmen will, kann<br />

einen 0,9-Verlaufsfilter einsetzen.<br />

ABENDDÄMMERUNG Sobald die<br />

Sonne hinter dem Horizont verschwunden ist,<br />

nimmt das Licht sehr rasch ab und wird nur<br />

noch vom Himmel auf die Landschaft<br />

reflektiert. Mit etwas Glück kann man ein<br />

lebhaftes Nachglühen erleben, wenn die<br />

Wolken am Himmel von der untergegangenen<br />

Sonne kurz von unten beleuchtet werden. Die<br />

Farben sind gedämpft, das Licht weich, die<br />

Schatten verblassen und die Lichtmenge lässt<br />

immer mehr nach. Am Ufer eines Gewässers<br />

kommen die Pastellfarben im Himmel am<br />

besten zur Geltung. Diese Farben können auch<br />

gut als Hintergrund für Silhouetten verwendet<br />

werden.<br />

Für Langzeitbelichtungen bieten wogende<br />

Baumkronen im Wind, driftende Wolkenfetzen<br />

am Himmel, Strömungen von Flüssen und<br />

Meereswellen tolle Gelegenheiten, um<br />

Bewegung aufzunehmen. Arbeiten Sie einfach<br />

so lange weiter, bis die Farben verblassen.<br />

MONDLICHT Der Mond kann bei<br />

Nachtaufnahmen als reizvolle Lichtquelle<br />

eingesetzt werden. Wintermotive passen<br />

besonders gut dazu, weil der Schnee das<br />

Mondlicht reflektiert. Aufnahmen mit dem<br />

schimmernden Band, das der Mond auf dem<br />

Wasser hinterlässt, sind ebenfalls sehr<br />

eindrucksvoll. Mit langen Belichtungszeiten<br />

kann man surrealistische Aufnahmen<br />

schaffen, die aussehen, als ob sie bei<br />

Tageslicht aufgenommen wurden. Sie sehen<br />

fast aus wie normale Bilder, nur haben sie eine<br />

eigenartige Bildqualität. Wird der Verschluss<br />

der Kamera bei einem Sternenhimmel offen<br />

gelassen, können die Bewegungen der Sterne<br />

aufgezeichnet werden. Da man in der Nacht<br />

natürlich lange Belichtungszeiten einsetzt,<br />

braucht man unbedingt ein Stativ. Für eine<br />

gute Bildqualität empfiehlt sich eine tiefe<br />

ISO-Empfindlichkeit von 400 (oder weniger).<br />

Unabhängig der Aufnahmesituation (außer der<br />

Mond wird gerade von einer Wolke verdeckt)<br />

sollte der Mond selbst nicht in den<br />

Bildausschnitt aufgenommen werden, da er<br />

sonst als überbelichteter weißer Klecks<br />

erscheint.<br />

GARY McPARLAND


40 Umgebungslicht Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e<br />

Die Zauberstunde für Frühaufsteher<br />

„Die Morgendämmerung ist die beste Tageszeit für wunderschöne, stimmungsvolle Aufnahmen“, sagt Landschafts-Expertin Helen Dixon.<br />

MITTEN IN DER NACHT AUFSTEHEN und vor der<br />

Morgendämmerung zum Aufnahmeort zu reisen, ist<br />

nicht jedermanns Sache. Wer jedoch die möglichen<br />

Ergebnisse kennt, denkt anders darüber. Eine gute<br />

Planung ist entscheidend. Wettervorhersagen sowie<br />

die genaue Zeit des Sonnenaufgangs können vorher<br />

im Internet recherchiert werden. Wer zur Küste fährt,<br />

muss auch die Gezeiten berücksichtigen. Ebbe ist<br />

für Aufnahmen am Strand üblicherweise am besten<br />

– und falls das Wetter nicht mitspielt, bieten sich<br />

immer noch Nahaufnahmen an.<br />

Man sollte den Aufnahmeort möglichst mindestens<br />

eine halbe Stunde vor Sonnenaufgang erreichen,<br />

da sich vor Sonnenaufgang oftmals zauberhafte<br />

Lichtverhältnisse bieten. So hat man auch genug<br />

Zeit, um die Kamera einzustellen und den besten<br />

Standpunkt zu fi nden. Wolkenfetzen am Himmel sind<br />

besonders reizvoll, da das Licht der aufgehenden<br />

Sonne wunderschöne Farben darauf erzeugt. Um<br />

sich über öffentliche Wege und Parkmöglichkeiten zu<br />

informieren, sollte man den Aufnahmeort am besten<br />

schon vor dem Aufnahmetag besuchen. Morgennebel<br />

entsteht nach kalten Nächten und hält nur an, bis<br />

die Sonne die Luft erwärmt hat. Vergessen Sie auch<br />

nicht, dass das Messsystem der Kamera Motive<br />

bei Nebel oft unterbelichtet. Das Resultat ist eine<br />

trübe, leblose Landschaft. Um dies zu korrigieren,<br />

wählt man eine positive Belichtungskorrektur von<br />

einer halben oder ganzen Lichtwertstufe. Auf dem<br />

Histogramm im Kamera-Monitor kann man prüfen,<br />

ob das Motiv überbelichtet wird.<br />

Der Einsatz von Grauverlaufsfi ltern ist schon fast<br />

Standard in der Landschaftsfotografi e. Verlaufsfi lter<br />

helfen dabei, besonders helle Bildbereiche, meist den<br />

Himmel, besser zu kontrollieren. Frühmorgens ist der<br />

Unterschied zwischen dem Licht am Himmel und<br />

dem auf der Erde besonders groß.<br />

Vorsicht vor Refl exlichtern im Objektiv, wenn<br />

die Sonne in den Bildausschnitt aufgenommen<br />

wird. Um dies zu vermeiden, muss die Linse des<br />

Objektivs absolut sauber sein. „Ich benutze selten<br />

Filter für einen wärmeren Farbton, da das grüne<br />

Laub der Bäume sonst meist in einer gelb-braunen<br />

Farbe wiedergegeben wird. Stattdessen stelle ich<br />

den Weißabgleich der Kamera auf „Wolken“ oder<br />

„Schatten“ und wärme dadurch das Motiv etwas<br />

auf.“ Die automatische Weißabgleich-Einstellung<br />

(AWB) sollte vermieden werden, da sie das Licht<br />

kühler macht (es sei denn, diese Wirkung ist<br />

gewünscht).<br />

„Ich habe verschiedene Gründe, warum ich die<br />

Morgen- der Abenddämmerung vorziehe. Ich möchte<br />

meine Aufnahmen so stimmungsvoll wie möglich<br />

gestalten und dazu ist der frühe Morgen die beste<br />

Zeit, da häufi g Nebelschwaden in der Luft hängen.<br />

Das gestreute Licht wirkt weicher. Die Sonne in den<br />

Bildausschnitt aufzunehmen, ist am Morgen eine<br />

größere Herausforderung als am Abend, da das<br />

Licht durch den während dem Tag entstandenen<br />

Staub und Dunst in der Luft gestreut wird, was<br />

die Helligkeit leicht reduziert. Ein weiterer, großer<br />

Vorteil bei Aufnahmen am frühen Morgen ist, dass<br />

zu dieser Zeit kaum jemand unterwegs ist und man<br />

die schönsten Orte für sich hat. Die Welt gehört in<br />

diesen Momenten mir. Es erfüllt mich, Zeugin einer<br />

zauberhaften Morgendämmerung zu sein.“<br />

Sobald die Sonne aufgegangen ist, wird das Licht<br />

zu stark für Gegenlicht-Aufnahmen. Dann dreht<br />

man sich am besten um und fotografi ert mit der<br />

Sonne im Rücken weiter. Vorsicht vor dem eigenen<br />

Schatten! Jetzt kann das goldene Licht, dass die<br />

Landschaft überströmt, eingesetzt werden. Das Licht<br />

ist nicht statisch, es verändert sich ständig. Es ist das<br />

Hauptelement für kreative Aufnahmen.<br />

Fototipp<br />

Helens Foto-<br />

Ausrüstung für die<br />

goldene Stunde<br />

Man sollte natürlich immer<br />

selbst entscheiden, welche<br />

Ausrüstung man einsetzen<br />

möchte. Ein stabiles Stativ ist<br />

aber unbedingt notwendig,<br />

wenn man mit langen<br />

Belichtungszeiten aufnimmt.<br />

„Ich benutze ein Manfrotto<br />

MF4 Carbonfaser Stativ mit<br />

einem 322RC2 Stativkopf.<br />

Es ist sehr leicht und äußerst<br />

stabil. Um es an windigen Tagen<br />

noch stabiler zu machen, kann<br />

man die Kameratasche<br />

darunter hängen. Ich benutze<br />

immer eine Fernbedienung,<br />

aber wenn keine zur Verfügung<br />

steht, kann man auch den<br />

Selbstauslöser und die<br />

Spiegelvorauslösung<br />

verwenden, um das<br />

Verwackeln der Kamera zu<br />

vermeiden. Ich finde mein<br />

17–40 Millimeter Weitwinkel<br />

Objektiv und mein 70–200<br />

Millimeter Telezoom besonders nützlich. Diese<br />

beiden Objektive erfüllen die meisten meiner<br />

Bedürfnisse beim <strong>Fotografie</strong>ren. Ich benutze das<br />

Weitwinkel-Zoom, um Vordergrunddetails ins<br />

Bild aufzunehmen. Das Tele-Zoom ist besonders<br />

gut geeignet, um die Perspektive zu<br />

komprimieren oder verschiedene Ebenen zu<br />

schaffen.“<br />

HELEN DIXON<br />

Spiegelvorauslösung<br />

Viele digitale Spiegelreflexkameras bieten die<br />

Option zur Spiegelvorauslösung, um<br />

Kamerabewegungen vor der Belichtung zu<br />

minimieren. Die Einstellung wird in der Regel<br />

über eine benutzerdefinierte Funktion aktiviert.<br />

DURCHSCHEINEND<br />

„Ich wartete, bis die Sonne<br />

aufging und nutzte eine kleine<br />

Baumgruppe, um das Sonnenlicht<br />

zu streuen.“<br />

Belichtung: 0,5 Sekunden bei<br />

Blende f/22


Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e<br />

Umgebungslicht 41<br />

Eindrucksvolle Sonnenuntergänge<br />

Die zweite goldene Stunde ist die vor Sonnenuntergang. Mark Bauer erklärt: „Gute Vorbereitung lohnt sich!“<br />

ES IST ZWAR MÖGLICH, fast bei jeder Tageszeit<br />

Landschaftsbilder aufzunehmen – es gibt aber zwei<br />

Stunden am Tag, an denen die Lichtverhältnisse<br />

die besten Resultate erzielen, nämlich die erste und<br />

letzte Stunde des Tages. In diesen Stunden wirft die<br />

tiefstehende Sonne lange Schatten, was den Charakter<br />

der Landschaft stärker betont. Auch der Himmel ist bei<br />

Morgengrauen und vor Sonnenuntergang besonders<br />

eindrucksvoll, weil die Wolken von unten beleuchtet<br />

werden.<br />

Diese beiden Tageszeiten bieten relativ ähnliche<br />

Lichtverhältnisse. Ob eine Bildkomposition am Morgen<br />

oder am Abend aufgenommen wird, hängt meist von<br />

der Lichtrichtung ab, die am besten zum gewählten<br />

Motiv passt. Die Südküste Großbritanniens zum<br />

Beispiel eignet sich im Winter besser für Aufnahmen<br />

am Ende des Tages. Das Licht ist am Abend, wenn die<br />

Sonne untergeht, meist wärmer und die Landschaft<br />

wird mit einem goldenen Schimmer überzogen. Ein<br />

weiterer Vorteil von Aufnahmen bei Sonnenuntergang<br />

ist, dass man dazu nicht zu Unzeiten aus dem Bett<br />

steigen muss, wie wenn man den Sonnenaufgang<br />

fotografieren will.<br />

Fast alle <strong>Landschaften</strong> sehen in der goldenen<br />

Stunde gut aus. Einige besondere Bildelemente wie<br />

Steinbauten oder Felsklippen profitieren besonders<br />

davon. Wenn die tiefstehende Sonne die Landschaft<br />

aufwärmt, kommt die Textur von Felsen und<br />

Steinblöcken hervor und Motive, die sonst einen<br />

trüben, langweiligen Eindruck machen, werden<br />

plötzlich interessanter.<br />

Auch Wasseroberflächen sind für die goldene Stunde<br />

besonders gut geeignet. Durch die Spiegelung eines<br />

interessanten Himmels im Wasser wird der Ausdruck<br />

des Bildes verstärkt. Die Bewegung von fließendem<br />

Wasser kann entweder glasklar eingefroren oder durch<br />

eine lange Belichtung verwischt werden. Das Resultat<br />

wird auch hier von der Lichtmenge und Lichtqualität<br />

bestimmt.<br />

Die Lichtrichtung hat ebenfalls einen großen Einfluss<br />

auf die Stimmung des Bildes am Anfang und am Ende<br />

des Tages. Eine Beleuchtung von vorne kann ziemlich<br />

flach aussehen, da die Richtung der Schatten die<br />

Details der Landschaft verschwinden lässt.<br />

Wird das Motiv seitlich beleuchtet, helfen die Schatten<br />

dabei, Tiefe ins Bild zu bringen und Form und Textur<br />

hervorzubringen. Eine seitliche Beleuchtung eignet<br />

sich auch für einen Polfiltereinsatz zur Farbsättigung.<br />

Steht die Kamera im rechten Winkel zur Sonne,<br />

kann damit die beste Wirkung erzielt werden.<br />

Gegenlichtaufnahmen können sehr dramatisch wirken.<br />

Man sollte dabei aber besonders vorsichtig belichten,<br />

um Reflexlichter zu vermeiden, wenn das Licht direkt<br />

auf die Filter oder die vordere Linse des Objektivs fällt.<br />

Wie plant man Aufnahmen zur goldenen Stunde?<br />

Wie kann deren Wirkung vorausgesehen werden?<br />

Wetterprognosen können eine große Hilfe sein. Die<br />

Webseite www.wetter.de kann Auskunft über die<br />

Wetterprognosen in den verschiedenen Regionen<br />

geben. Man sollte dabei nicht vergessen, dass<br />

langfristigere Prognosen immer ungenauer werden.<br />

Am besten informiert man sich am Tag vor den<br />

Aufnahmen über die aktuellen Wetterprognosen.<br />

Auf der Fahrt zum Aufnahmeort sollten die<br />

Wetterprognosen lokaler Radiostationen gehört<br />

werden. Dabei sollte man auch ab und zu ein Auge<br />

auf den Himmel werfen.<br />

Die Sonne geht im Westen auf. Viele Wetterfronten<br />

kommen ebenfalls aus dem Westen. Man sollte also<br />

dem westlichen Horizont besondere Aufmerksamkeit<br />

schenken.<br />

Auch mit Hilfe von Windrichtung, Himmelsrichtung<br />

und Wetterbedingungen können zauberhafte<br />

Aufnahmesituationen vorausberechnet werden.<br />

Fototipp<br />

Mark Bauers Foto-Kit für die<br />

goldene Stunde<br />

Weitwinkelobjektive sind am beliebtesten für<br />

Landschaftsaufnahmen. Längere Objektive sind<br />

außerdem hilfreich, um Muster und Textur in der<br />

goldenen Stunde zur Geltung kommen zu lassen.<br />

Ein Polfilter hilft dabei, eine seitliche Beleuchtung<br />

optimal zu nutzen. Er verstärkt die gesamte<br />

Farbsättigung und ist besonders wirkungsvoll bei<br />

einem blauen Himmel.<br />

Ein stabiles Stativ ist wesentlich. Bei Aufnahmen<br />

nach Sonnenuntergang sind die Lichtverhältnisse<br />

schwach und man kann nicht mehr aus der Hand<br />

aufnehmen. Ein Stativ hat aber bei allen<br />

Lichtbedingungen Vorteile. Es gibt dem<br />

Fotografen eine gute Grundlage, um die<br />

Aufnahmen optimal einzustellen und somit eine<br />

gelungene Bildkomposition zu erreichen.<br />

Grauverlaufsfilter sind ebenfalls hilfreich, vor<br />

allem wenn die Wolken von unten beleuchtet<br />

werden und wenn keine direkte Lichteinstrahlung<br />

vorhanden ist. Grauverlaufsfilter helfen dabei, den<br />

Kontrast zu kontrollieren.<br />

MARK BAUER<br />

Weißabgleich:<br />

Der benutzerdefinierte Weißabgleich hat großen<br />

Einfluss auf das fertige Bild; der automatische<br />

Weißabgleich sollte dagegen vermieden werden.<br />

Aufnahmen im Raw-Format können später auf<br />

dem Computer überprüft und korrigiert werden.<br />

OSMINGTIN MILLS BEACH<br />

Die tiefstehende Sonne betont die<br />

Details auf dem Felsvorsprung und<br />

verleiht den Klippen einen warmen<br />

Glanz. Ein 0,6-Grauverlaufsfilter hilft,<br />

die Details im Himmel zu erhalten. Er<br />

wurde so positiontiert, dass er die<br />

Felsen nicht beeinflusste.<br />

Objektiv: Canon EOS 5D mit 17–40<br />

mm


42 Licht Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografie<br />

Das Wetter beobachten<br />

Wetteränderungen haben mehr Einfluss auf die Lichtqualität als Tageszeiten. Um<br />

jederzeit gute Aufnahmen zu machen, bereiten Sie sich auf die Elemente vor...<br />

ES GIBT KEIN SCHLECHTES WETTER, nur<br />

unpassende Kleidung. Diese Weisheit ist ebenso<br />

abgedroschen wie zutreffend. Wenn die Sonne nicht<br />

scheint und der Himmel nicht blau ist, dann sagen<br />

wir gerne, das Wetter sei schlecht. Aus<br />

fotografischer Sicht jedoch kann schlecht auch gut<br />

sein, weil es uns Variationen der Lichtqualität bietet,<br />

die Dramatik steigert und Atmosphäre erzeugt. Das<br />

sogenannte „gute“ Wetter ist für die <strong>Fotografie</strong> gar<br />

nicht so gut, weil <strong>Landschaften</strong> in diesem<br />

nüchternen Licht wie Postkarten aussehen, und das<br />

wird mit der Zeit langweilig.<br />

Wolken wirken sich dramatisch auf die Qualität des<br />

Tageslichts aus, weil sie es aufweichen und streuen,<br />

sodass die Intensität und der Kontrast reduziert<br />

bzw. Schatten schwächer werden; außerdem<br />

machen Wolken den Himmel interessanter. Kurz:<br />

Gute Landschaftsaufnahmen stehen oder fallen mit<br />

dem Himmel.<br />

Tage, an denen der Himmel eine Decke aus<br />

monoton-grauen Wolken bildet, sind für die<br />

Landschaftsfotografie wahrscheinlich am wenigsten<br />

spannend, weil Farben matt und verhalten<br />

erscheinen und fehlende Schatten die Szene flach<br />

und ungemütlich machen.<br />

Verhangenes Licht eignet sich hingegen ideal für<br />

interessante Landschaftsdetails – Muster und<br />

Texturen von Felsen, die sanften Formen und<br />

weichen Farben von Felsen und Kieselsteinen, von<br />

Meerwasser umspült, die satten Farben von<br />

Herbstlaub oder Blumenfeldern im Frühling.<br />

Kräftige Farben wirken in diffusem Licht intensiver,<br />

da kein grelles Licht die Sättigung dämpft. Bewölkte<br />

Tage eignen sich auch gut für Aufnahmen von<br />

Wasserfällen mit langer Verschlusszeit – verbannen<br />

Sie einen langweiligen Himmel einfach aus dem<br />

Bild, um bessere Ergebnisse zu erzielen.<br />

Weiße Wolken in ihren mannigfaltigen Formen und<br />

Gestalten sehen gegen einen blauen Himmel<br />

fantastisch aus, und mit Hilfe eines Polarisators, der<br />

für ein tieferes Blau sorgt, können Sie sie sogar noch<br />

etwas weiter hervorheben. Die stärksten Resultate<br />

erhalten Sie, wenn Sie seitlich zur Sonne stehen.<br />

Suchen Sie auch in der Landschaft nach<br />

Wolkenmustern – sie sorgen für ein zusätzliches<br />

Element, das eine gute Szene zu einer großartigen<br />

machen kann, und sind aus einem erhöhten<br />

Blickwinkel am einfachsten zu fotografieren.<br />

Stürmisches Wetter erzeugt die dramatischsten<br />

Bedingungen für die Landschaftsfotografie – dunkle<br />

Wolken, die über den Himmel rauschen, starke<br />

Winde und Augenblicke, in denen das Sonnenlicht<br />

durch die Wolkendecke bricht und die Szene<br />

darunter erleuchtet. Mit diesen Bedingungen kann<br />

man nicht planen, doch wenn Sie bei stürmischem<br />

Wetter etwas unternehmen, dann besteht immer<br />

die Chance, dass Sie sich am richtigen Ort befinden,<br />

um sie festzuhalten.<br />

Wenn die Sonne an stürmischen Tagen durchbricht<br />

und die Landschaft heller scheint, als der Himmel,<br />

dann ist das eine Umkehrung der Norm. In der<br />

Praxis bedeutet das, dass man ohne<br />

Grauverlaufsfilter arbeiten kann, weil der Himmel<br />

nicht überbelichtet wird.<br />

Es lohnt sich trotzdem, einen Grauverlaufsfilter von<br />

0,6 zu verwenden, weil der Himmel so noch<br />

dramatischer aussieht, als er es eigentlich ist.<br />

Etwas anderes, nach dem man bei stürmischen<br />

Verhältnissen ebenfalls Ausschau halten kann, sind<br />

Regenbögen, die sich über den Himmel erstrecken.<br />

Sie entstehen, wenn die Sonne durch fallenden<br />

Regen scheint. Wenn dies passiert, während Sie<br />

draußen sind, dann wenden Sie der Sonne Ihren<br />

Rücken zu und beobachten den Himmel, der vor<br />

Ihnen liegt. Um die Farben des Regenbogens am<br />

besten wiederzugeben, versuchen Sie, ihn vor<br />

dunklen Wolken zu erwischen, und benutzen Sie<br />

ein Teleobjektiv, um einen Teil des Regenbogens<br />

anpeilen zu können. Alternativ dazu können Sie<br />

auch ein Weitwinkelobjektiv verwenden und den<br />

ganzen Regenbogen mit aufnehmen.<br />

Nebel und Dunst zeichnen die Landschaft weich<br />

und verringern sie zu diesigen Umrissen. Aus drei<br />

Dimensionen werden zwei und für die<br />

Luftperspektive bedeutet es, dass Farbtöne in der<br />

Entfernung heller werden. Das Licht ist diffus,<br />

Schatten existieren nicht und Details gehen<br />

verloren. Die Szene wird schlichter und auf Ihrem<br />

Bild sollte das zu sehen sein. Teleobjektive<br />

unterstreichen den Effekt von Nebel und Dunst,<br />

indem sie die Szene vergrößern und die Perspektive<br />

stauchen, so dass sie sich hervorragend dazu<br />

eignen, sich gegenseitig überlappende<br />

Gebirgsformationen aufzunehmen, oder einzelne<br />

Elemente wie zum Beispiel einen einsamen Baum,<br />

oder eine Kirchturmspitze herauszupicken, die in<br />

der Dämmerung verblasst. Wenn Sie Nebel und<br />

Dunst in die Entfernung verbannen wollen, sollten<br />

Sie ein Weitwinkelobjektiv verwenden – die<br />

Sichtverhältnisse in der Nähe der Kamera werden<br />

Infoseiten im Netz<br />

Wenn Sie vorhaben, Landschaftsaufnahmen zu machen,<br />

suchen Sie vorher im Web nach Informationen, um das<br />

beste aus den Lichtverhältnissen zu machen. Ob Sie<br />

nun frühmorgens aufstehen, um den Sonnenaufgang zu<br />

fotografieren, oder eine Woche in die Wildnis fahren – hier<br />

sind ein paar Weblinks mit nützlichen Informationen:<br />

Wettervorhersage:<br />

www.wetter.com<br />

www.wetter.de<br />

www.wetteronline.de<br />

Zeiten für Sonnenauf- und -untergänge:<br />

www.sonnenaufgang-sonnenuntergang.de<br />

Gezeiten-Infos<br />

www.bsh.de/de/Meeresdaten/Vorhersagen/Gezeiten<br />

Planung Ihrer Aufnahmen<br />

Ein raffiniertes Hilfsmittel ist der „Photographer‘s<br />

Ephemeris“ (www.photoephemeris.com).<br />

Das Programm ist als kostenloser Download für<br />

Mac und PC erhältlich (mit Aufpreis als App für das<br />

iPhone) und erlaubt Ihnen, nicht nur für die ganze Welt<br />

an jedem Tag des Jahres die Sonnenaufgangs- und<br />

Sonnenuntergangszeiten zu bestimmen, sondern auch<br />

deren Winkel; so können Sie zum Beispiel nachschauen,<br />

ob der Sonnenball von Bergen verdeckt wird.<br />

Auch die Aufgangs- und Untergangszeiten des Mondes<br />

stehen zur Verfügung.<br />

Unten links: Wolken ruinieren das Bild nicht, sondern<br />

können sogar das entscheidende Detail bei Aufnahmen<br />

von Küstenlandschaften sein.<br />

Unten rechts: Zu diesigen Aussichten passen einfache<br />

Szenen.<br />

Rechts: Lichtstrahlen, die durch Sturmwolken<br />

scheinen, erzeugen wirklich dramatische Effekte.<br />

sehr viel besser sein, als die in der Ferne, so dass Sie<br />

eine Menge Details im Vordergrund festhalten und<br />

den Rest der Szene verblassen lassen können.<br />

Dichter Nebel ist schwer und feucht. Er löscht die<br />

Farben aus und lässt die Welt ergrauen, daher<br />

werden Sie Ihre nebligen <strong>Landschaften</strong><br />

möglicherweise zu Schwarz & Weiß konvertieren<br />

wollen. Dunst ist feiner: Anstatt die Farben zu<br />

zerstören, kann er sie miteinander vermischen, was<br />

besonders weiche Farbtöne erzeugt, und ist<br />

zugleich fein genug, um Licht hindurch zu lassen.<br />

Daher sollten Sie bei Sonnenaufgang, wenn noch<br />

Nebelschwaden über Waldland und Gewässern<br />

hängen, immer im Gegenlicht aufnehmen und<br />

versuchen, die goldenen Strahlen einzufangen.<br />

Solche Verhältnisse sind selten, doch die<br />

Lichtqualität eines Sonnenaufgangs im<br />

Morgendunst ist kaum zu überbieten.<br />

Sonnig<br />

LEE FROST<br />

Dunstig<br />

ROSS HODDINOTT


Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e<br />

Licht 43<br />

Stürmischer Himmel<br />

LEE FROST<br />

Farbtemperatur und Weißabgleich<br />

Wenn man die Farbe des Lichts meint, spricht man von der „Farbtemperatur“, die in Kelvin<br />

(K) gemessen wird. Je wärmer das Licht ist, desto niedriger ist die Farbtemperatur, und je<br />

kühler es ist, desto höher seine Temperatur. Unsere Augen passen sich Änderungen der<br />

Farbtemperatur automatisch an, daher sieht natürliches Licht immer mehr oder weniger<br />

weiß aus – was wiederum als chromatische Adaption bezeichnet wird. Das fotografische<br />

Äquivalent dazu bildet der kamerainterne automatische Weißabgleich (engl. ‚Auto White<br />

Balance‘, AWB). Wenn Sie diesen einschalten, dann werden Sie feststellen, dass die Kamera<br />

in den meisten Situationen mit Tageslicht gefällige Ergebnisse liefert. Der Weißabgleich<br />

schwankt jedoch, und so kann es sein, dass Sie die Farbe des Lichts nicht so aufnehmen,<br />

wie sie in Wirklichkeit ist. Wenn Sie dies wollen, dann sollten Sie den Weißabgleich auf<br />

die Voreinstellung „Tageslicht“ stellen, die bei 550 Kelvin liegt, was der durchschnittlichen<br />

Farbtemperatur um die Mittagszeit entspricht. In normalen Situationen mit Tageslicht<br />

werden Ihre Bilder somit neutral aussehen. Bei Sonnenauf- und Sonnenuntergang ist<br />

das Licht allerdings viel wärmer (die Temperatur niedriger). Wenn Sie um diese Tageszeit<br />

die Tageslicht-Voreinstellung benutzen, wird Ihre Kamera diese Wärme aufnehmen. Im<br />

umgekehrten Fall, wenn das Licht kühl ist, was vor Tagesanbruch oder bei schlechtem<br />

Wetter häufiger vorkommt, dann wir die Tageslicht-Voreinstellung dafür sorgen, dass diese<br />

Kälte auf dem Bild zu sehen ist.<br />

Denken Sie daran, dass Sie die Farbtemperatur des Bildes später nachbearbeiten können,<br />

wenn Sie in Raw aufnehmen. Wenn Sie den kühlen Stich also nicht mögen, können Sie ihn<br />

einfach loswerden. Genauso können Sie bei einem wärmeren Bild, das nicht warm genug<br />

ist, die Farbtemperatur einstellen und das Bild noch wärmer machen.<br />

7000k<br />

3000K<br />

Bedingungen<br />

Farbtemperatur<br />

(K = Kelvin)<br />

Farbstich<br />

(Weißabgleich für Tageslicht)<br />

Offene Schatten unter blauem Himmel 10000K Sehr blau<br />

Schatten unter teilweise bewölktem<br />

7500K<br />

Blau<br />

Himmel<br />

Bewölktes Wetter 6000K Etwas kühl<br />

Durchschnittliches Tageslicht um 5500K<br />

Keiner<br />

die Mittagszeit<br />

Sonnenlicht am frühen Morgen/ Abend 3500K Warm<br />

Sonnenaufgang/ Sonnenuntergang 2000K Sehr warm


44 Licht Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografie<br />

Licht im Wandel der Jahreszeiten<br />

Jahreszeitliche Wetteränderungen haben nicht nur physische Auswirkungen auf die Landschaft, sie ändern auch die<br />

Qualität des Tageslichts. Wir zeigen, wie Sie den Lichtverhältnissen verschiedener Jahreszeiten begegnen.<br />

LEE FROST<br />

1) Winter<br />

Schmucklos und kahl liegt die Landschaft im<br />

Winter. Bäume sehen gegen den Himmel wie<br />

Skelette aus, die Felder sind braun und starr. Die<br />

Tage sind kurz, die Sonne kommt nicht vor acht<br />

Uhr morgens heraus und geht im Januar um vier<br />

Uhr nachmittags schon wieder unter.<br />

Zum <strong>Fotografie</strong>ren jedoch ist der Winter<br />

fantastisch. Es gibt nur wenige Ansichten, die<br />

schöner sind, als eine mit frischem Schnee<br />

bedeckte Landschaft in der Morgensonne. Falls<br />

Ihnen dieses Motiv versagt bleibt, haben auch Eis<br />

und Raureif ihren Reiz, wenn die Temperaturen<br />

unter null fallen.<br />

Auch die kurzen Tage haben ihren Vorteil: Sie<br />

können Sonnenaufgänge und Sonnenuntergänge<br />

zu zivilisierten Tageszeiten fotografieren, und die<br />

Sonne steigt nie höher als 20 Grad über den<br />

Horizont. Das garantiert eine von morgens bis<br />

abends gleichbleibende Lichtqualität. Sie können<br />

an einem klaren Wintertag durchaus acht Stunden<br />

gutes Licht haben.<br />

Verfolgen Sie die Wettervorhersagen und wenn<br />

eine klare Nacht angesagt wird, bereiten Sie sich<br />

auf eine Fotosession vor, denn das bedeutet<br />

normalerweise Frost und Eis am nächsten Morgen<br />

und wenn Sie Glück haben, friert Nebel zu Reif, das<br />

von der Sonne langsam aufgetaut wird.<br />

Waldlandschaften mit Wasser sind<br />

vielversprechend. Achten Sie auf winterliche<br />

Details: Von Eisperlen bedeckte Spinnweben, die<br />

Muster im Eis auf Teichen und Pfützen, gefrorene<br />

Blätter am Boden etc.<br />

Eine eisige Morgendämmerung hat etwas<br />

Magisches mit einem pastellfarbenen Himmel und<br />

der als gigantischer Feuerball aufsteigenden<br />

Sonne. Deren Intensität wird oft durch Dunst oder<br />

Nebel vermindert. Sie können dann sogar in die<br />

Sonne fotografieren ohne das Blendungen<br />

auftreten.<br />

Schnee wird am besten dann aufgenommen, wenn<br />

er gerade frisch gefallen ist und idealerweise bei<br />

sonnigem Wetter. Eine schneebedeckte Landschaft<br />

unter blauem Himmel ist ein herrliches Motiv. Sie<br />

brauchen dazu nicht unbedingt aufs Land zu<br />

fahren. Ein Park kann für Sie genau so produktiv<br />

sein, wenn Sie einfache Szenen wählen wie einen<br />

Baum in einem schneebedeckten Feld.<br />

HELEN DIXON<br />

Fragen und Antworten zum Winter<br />

F Worauf muss ich bei Aufnahmen<br />

im Schnee achten?<br />

A Auf die Belichtung. Das viele Weiß wird<br />

Ihre Kamera zum Unterbelichten verleiten.<br />

Machen Sie ein Test-Foto und sehen Sie<br />

sich dessen <strong>Vorschau</strong> und das Histogramm<br />

an. Sie werden die Belichtung fast immer<br />

etwas verlängern müssen. Tun Sie das in 1/3<br />

Blendenschritten, bis die Spitzlichtwarnung<br />

zu blinken beginnt und Ihnen Überbelichtung<br />

signalisiert. Dieses Bild löschen Sie dann<br />

wieder. Das Vorherige sollte genau richtig<br />

sein.<br />

F Kann man auch im Winter einen<br />

Pol-Filter benutzen?<br />

A Auf jeden Fall, aber vorsichtig. Blauer<br />

Himmel ist im Winter noch blauer und der<br />

Effekt des Polfilters wird noch stärker als<br />

sonst. In Extremfällen wird der Himmel fast<br />

schwarz, wenn voll polarisiert wird. Dann<br />

müssen Sie den Effekt etwas zurücknehmen.<br />

F Funktioniert meine Kamera bei<br />

Frost normal?<br />

A Ja, aber die Akkus entladen sich schneller.<br />

Sorgen Sie also für volle Aufladung und<br />

idealerweise nehmen Sie einen Ersatz-Akku<br />

mit. Vermeiden Sie den Kontakt Ihrer Atemluft<br />

mit Objektivlinse und Filtern, sie beschlagen<br />

sonst und sind nur schwer wieder klar zu<br />

bekommen.


Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografie<br />

Licht 45<br />

HELEN DIXON<br />

HELEN DIXON<br />

2) Frühling<br />

Die Landschaft erwacht zu neuem Leben. Die<br />

kahlen Bäume treiben neue Knospen aus,<br />

Waldböden, Hecken und Flussufer bedecken<br />

sich mit farbigen Wildblüten, während auf<br />

vormals öden Feldern frisches Grün wächst.<br />

Was grau und eintönig aussah, verwandelt<br />

sich in wenigen Wochen – besonders wenn<br />

das Wetter schon gegen Ende des Winters<br />

milder geworden war. Der Frühling ist auch<br />

die Zeit, in der Tulpen, Narzissen,<br />

Butterblumen und Glockenblumen ganze<br />

Lichtungen mit bunten Teppichen überziehen.<br />

Frühlingswetter wechselt schnell und ist<br />

unvorhersehbar – doch das hat seine Vorteile.<br />

Kurze Schauer reinigen die Luft und<br />

produzieren Regenbogen über der<br />

Landschaft, Sonnenlicht bricht durch<br />

stürmischen Himmel und erleuchtet die<br />

darunterliegende Szenerie. In der<br />

Dämmerung liegt leichter Dunst über<br />

Flüssen, Seen und Tälern.<br />

Die Tage werden wieder länger. In den<br />

ersten Frühlingstagen geht die Sonne gegen<br />

sieben Uhr morgens auf und gegen halb<br />

sieben wieder unter. Die Dämmerung eines<br />

perfekten Frühlingsmorgens wird begleitet<br />

vom Vogelgezwitscher in der kühlen Luft<br />

und den ersten Sonnenstrahlen, die<br />

langsam den Dunst auflösen.<br />

Die Frühlingsfarben können durch einen<br />

Pol-Filter verstärkt werden, der auch<br />

Blendungen durch Blattwerk unterdrückt.<br />

Wenn Sie die bunten Teppiche der<br />

Frühlingsblumen fotografieren wollen,<br />

warten Sie auf einen hellen aber bedeckten<br />

Tag, an dem der Kontrast weniger stark und<br />

die Schatten nur schwach sind. Das<br />

erleichtert es, die delikaten Farben und<br />

feinen Details der Blüten aufs Bild zu<br />

bekommen, besonders wenn Sie Fotos in<br />

waldreichen Gegenden machen, in denen<br />

das Licht unregelmäßig auf den Boden fällt.<br />

Fragen und Antworten zum Frühling<br />

F Wie fotografiert man Dunst?<br />

A Dunst entsteht oft dann, wenn eine klare Nacht mit<br />

kalten Temperaturen auf einen milden, regnerischen<br />

Tag folgt. Hört sich die Wettervorhersage so an,<br />

dann stellen sie den Wecker und seien Sie vor<br />

Sonnenaufgang vor Ort. Dunst ist in der Nähe von<br />

Wasser und in Waldgebieten anzutreffen. Wenn Sie<br />

Glück haben, bricht die Sonne durch den Dunst und<br />

Sie sehen Sonnenstrahlen, die ihren Ursprung hinter<br />

Bäumen und Gebäuden zu haben scheinen. Eine<br />

kurze Verschlusszeit sollte diesen Effekt einfangen<br />

können, wenn nötig, steigern Sie die Belichtung um<br />

2/3 bis eine Blendenstufe.<br />

F Was ist die beste Verschlusszeit bei<br />

Wasserfällen?<br />

A Eine Sekunde ist normalerweise lang genug, das<br />

Wasser verwischen und doch etwas von der Textur<br />

aufzunehmen. Experimentieren Sie aber ruhig mit<br />

längeren Zeiten, dann wird das Wasser allerdings<br />

weiß, weil es überbelichtet wird.<br />

F Wie bekomme ich<br />

hintergrundbeleuchtete Aufnahmen<br />

von Blumen?<br />

A Alles was Sie tun müssen ist, fotografieren,<br />

wenn die Sonne niedrig am Himmel steht, also<br />

frühmorgens oder am späten Nachmittag. Der<br />

Morgen hat oft mehr Atmosphäre. <strong>Fotografie</strong>ren<br />

Sie mit einem Telezoomobjektiv von tief unten,<br />

um einzelne oder eine Gruppe von Blumen<br />

herauszuheben und versuchen Sie, sie vor einem<br />

dunklen Hintergrund abzubilden, sodass die Farben<br />

betont werden.


46 Licht Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografie<br />

HELEN DIXON<br />

ADAM BURTON<br />

3) Sommer<br />

Für Landschaftsfotografen ist der Sommer die<br />

undankbarste Jahreszeit, ganz einfach, weil das Licht<br />

zu grell ist. Die Landschaft sieht zwar blendend aus<br />

mit all dem üppigen Grün, Gärten und Wiesen sind<br />

farbenfroh und die Tage sind wesentlich länger. Doch<br />

wenn die Sonne scheint, ist sie sehr intensiv und ihr<br />

Licht ist hart. Die Farbtemperatur ist hoch, das lässt<br />

Fotos „kalt“ aussehen. Etwaiger Dunst verwandelt<br />

das Blau des Himmels in einen hässlichen,<br />

verwaschenen Farbton. So gibt es denn auch für die<br />

Landschaftsfotografie nicht mehr effektiv nutzbare<br />

Stunden als an einem klaren Wintertag.<br />

Zwischen zehn Uhr morgens und vier Uhr<br />

nachmittags steht die Sonne hoch, das Licht ist<br />

harsch und charakterlos und die Schatten sind kurz<br />

und dicht. Für die konventionelle<br />

Landschaftsfotografie sind das keine guten<br />

Bedingungen, doch wenn Sie an einem Tag mit<br />

blauem Himmel Motive mit sehr viel Farbe finden,<br />

Rapsfelder, Mohn, Sonnenblumen, dann können Sie<br />

immer noch schöne Fotos machen. Verwenden Sie<br />

den Pol-Filter um Kontrast und Klarheit zu verbessern<br />

und halten Sie die Bildkomposition einfach.<br />

Sommergewitter mit viel Regen können ein<br />

seltsames, schönes Licht über der Landschaft<br />

erzeugen, doch dabei werden sie ziemlich nass.<br />

Wenn der Regen nachlässt, ist das Licht oft klar und<br />

weich und ein Regenbogen erscheint.<br />

Im Hochsommer werden die Tage schon wieder<br />

kürzer, doch Sie können sich immer noch zwischen<br />

vier Uhr morgens und zehn Uhr abends betätigen.<br />

Machen Sie ein Nickerchen am Nachmittag, wenn<br />

das Licht ohnehin nicht gut ist.<br />

Wilde <strong>Landschaften</strong> können auch im Sommer gute<br />

Motive sein, und im September sehen sie schon<br />

etwas herbstlich aus. Schweifen Sie also ein wenig<br />

herum und finden Sie fotogene Szenerien. Eine karge,<br />

felsige Küstenlandschaft verändert sich im Sommer<br />

nur wenig und kann beeindruckende Bilder liefern,<br />

besonders frühmorgens und am Spätnachmittag,<br />

wenn das Licht warm ist.<br />

Fragen und Antworten zum Sommer<br />

F Was kann man gegen dunstigen<br />

Himmel tun?<br />

A Nicht viel. Dunstigem Himmel und grauem<br />

Himmel fehlen Texturen – sie sind schlicht<br />

langweilig. Ein Verlaufsfilter dunkelt den<br />

Himmel zwar ab, doch interessanter wird er<br />

dadurch kaum. Halten Sie den Himmel aus dem<br />

Bild heraus, vielleicht mit Hilfe eines Telezoom-<br />

Objektivs. Damit können Sie genau bestimmen,<br />

was Sie aufnehmen und sich auf kleinere Details<br />

konzentrieren.<br />

F Ist der Sommer eine<br />

gute Jahreszeit für die<br />

Infrarotfotografie?<br />

A Auf jeden Fall. Es gibt viel grünes Blattwerk,<br />

das den geisterhaften Infraroteffekt erzeugt und<br />

es kommt nicht darauf an, wie hart das Licht<br />

auch sein mag, denn Infrarotfotos profitieren<br />

davon. Machen Sie Infrarotbilder in Parks und<br />

im Garten, im Wald und auf dem Land. Wer<br />

keine Infrarotkamera hat, kann es mit einem<br />

Infrarotfilter versuchen.<br />

F Meine Sommerlandschaften<br />

haben oft einen Blaustich. Woran<br />

liegt das?<br />

A An der zu hohen Farbtemperatur. An einem<br />

klaren Sommertag kann sie 10000 Kelvin<br />

erreichen. Wenn dann der Weißabgleich auf<br />

normale Tageslichtbedingungen – 5500<br />

Kelvin – eingestellt ist, nimmt die Kamera die<br />

Kälte des Lichts intensiver auf. Stellen Sie den<br />

Weißabgleich auf „Schatten“, und der Blaustich<br />

verschwindet. Oder fotografieren Sie von<br />

vornherein im Raw Format, dann beseitigen Sie<br />

den Blaustich bei der Nachbearbeitung.


Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografie<br />

Licht 47<br />

LEE FROST<br />

4) Herbst<br />

Farbe – darum dreht sich alles im Herbst. Wenn<br />

die Tage kürzer werden und die Temperaturen<br />

fallen, färbt sich das Herbstlaub in<br />

wunderschönen, rustikalen Farben. Mit<br />

Heidekraut und Farnen bewachsene Hügel<br />

werden golden, die Natur bereitet sich auf den<br />

Winter vor. Doch ob der Herbst zum Hit oder zum<br />

Flop wird, was die Farben betrifft, hängt von den<br />

Temperaturen und den Regenmengen des<br />

vorangegangenen Frühlings und Sommers ab. Um<br />

HELEN DIXON<br />

die erste Novemberwoche herum sind die Farben<br />

in der Regel am schönsten.<br />

Klare, sonnige Tage bieten die besten<br />

Bedingungen, die herbstliche Schönheit<br />

einzufangen, besonders am frühen Morgen und<br />

am Spätnachmittag, wenn das Sonnenlicht<br />

natürlich warm ist und der Himmel von tiefem,<br />

samtigen Blau.<br />

Naturlandschaften sehen am besten aus im<br />

Herbst – fahren Sie in den Schwarzwald, die<br />

Vulkaneifel, den Harz oder die Lüneburger Heide,<br />

und Sie können nichts verkehrt machen.<br />

Wenn Sie im Wald fotografieren, tun Sie das<br />

idealerweise an einem bedeckten Tag, wenn das<br />

Licht weich und die Schatten schwach sind, sonst<br />

wird der starke Kontrast zum Problem. Unter<br />

solchen Bedingungen kommen die Herbstfarben<br />

der Waldlandschaft am besten zur Geltung.<br />

Trotzdem sorgt auch hier der Pol-Filter noch für<br />

Verbesserung, denn er neutralisiert den Dunst über<br />

feuchtem Blattwerk.<br />

Suchen Sie sich kleine Flüsse und Seen, in denen<br />

sich bei ruhigem Wasser die Herbstfarben der<br />

Natur spiegeln. <strong>Fotografie</strong>ren Sie solche Motive<br />

mit Weitwinkel und verwenden Sie das<br />

Teleobjektiv für Details wie am Boden liegendes,<br />

buntes Laub.<br />

Am Herbstanfang, dem 21. September, geht die<br />

Sonne gegen sieben Uhr auf und um sieben Uhr<br />

unter; die Tage sind also noch lang und die<br />

Lichtqualität bleibt den ganzen Tag hoch.<br />

Fragen und Antworten zum Herbst<br />

F Warum ändern die Blätter im<br />

Herbst die Farbe?<br />

A Laubbäume werfen ihre Blätter ab, wenn das<br />

Licht zu schwach wird, um die Fotosynthese<br />

aufrechtzuerhalten. Sie leben dann von den im<br />

Sommer gespeicherten Zuckerreserven. Die<br />

ansonsten grüne Farbe der Blätter wird durch<br />

das enthaltene Chlorophyll hervorgerufen. Wenn<br />

die Tage kürzer werden und die Zahl der dunklen<br />

Stunden steigt, sinkt die Chlorophyllproduktion<br />

und infolgedessen ändern sich die Farben. Die<br />

Herbstfärbung erreicht ihren Höhepunkt, wenn<br />

die Chlorophyllproduktion vollständig zum<br />

Erliegen gekommen ist.


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<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong>


Die Grundlagen # 4<br />

RAW-FORMAT UND<br />

LANDSCHAFTEN<br />

AUCH WENN ES IHNEN NOCH NICHT BEWUSST IST –<br />

erstklassige Bilder zu machen, ist dank digitaler Technologie<br />

heutzutage einfacher als je zuvor in der Geschichte der<br />

<strong>Fotografie</strong>. Viele von Ihnen haben vermutlich sogar erst im<br />

digitalen Zeitalter zu <strong>Fotografie</strong>ren begonnen. In diesem Fall<br />

haben Sie wenig oder gar keine Erfahrung damit, wie das<br />

Leben ohne Pixel war. Vertrauen Sie uns: Im Vergleich zur<br />

<strong>Fotografie</strong> auf Analogfilm ist digitale <strong>Fotografie</strong> ein Kinderspiel!<br />

Vor allem, weil Sie Ihre Bilder schon wenige Sekunden nach<br />

der Aufnahme betrachten können. Der Erfolg ist fast<br />

vorprogrammiert, denn Sie lernen während des <strong>Fotografie</strong>rens<br />

ständig dazu. Sie können Fehler korrigieren und Änderungen<br />

vornehmen, sodass Ihnen kein tolles Bild entgeht. Durch diese<br />

Unmittelbarkeit, und weil der Druck auf den Auslöser Sie<br />

nichts kostet, werden Sie auch zu kreativen Experimenten<br />

ermutigt – mit Abstand die beste Methode, um neue Techniken<br />

zu erlernen und Ihrem Können den letzten Schliff zu geben!<br />

Natürlich ist das Betätigen des Auslösers nur der erste Schritt<br />

im kreativen Prozess. Denn später zu Hause werden die Bilder<br />

auf einen Computer heruntergeladen, wo Sie die Millionen<br />

Farbpunkte mithilfe neuester Bearbeitungssoftware in<br />

atemberaubende Kunstwerke verwandeln können.<br />

Erfolgreiche digitale Bildbearbeitung erfordert deshalb eine<br />

Kombination aus guter Kamerabeherrschung und geschickter<br />

Manipulation.<br />

Für viele kreative Fotografen gibt es nur eine Möglichkeit,<br />

beides zu erreichen: das Raw-Format. Wenn Sie bisher lieber<br />

mit JPEG gearbeitet haben und nicht wissen, wie Sie von Raw<br />

profitieren können, lassen Sie sich überraschen. Wir erklären<br />

die vielen Vorteile, die Ihnen das Raw-Format bietet.


52 Raw Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e<br />

Einführung in das Raw-Format<br />

Wenn Sie Details optimieren und die Kontrolle maximieren möchten, ist das Raw-Format die<br />

einzige Antwort. Wir erläutern die Grundlagen, die Sie kennen sollten .<br />

DER HAUTPUNTERSCHIED ZWISCHEN einer<br />

Raw-und einer JPEG-Datei besteht darin, dass die im<br />

Raw-Format auf der Speicherkarte der Kamera<br />

aufgezeichneten Bilder aus den Rohdaten des Sensors<br />

bestehen. Es wird nichts hinzugefügt, nichts entfernt<br />

und nichts verändert. Wenn Sie im JPEG-Format<br />

fotografieren, zeichnet die Kamera alle Rohdaten auf<br />

und entwickelt die Datei dann in der Kamera. Dabei<br />

werden voreingestellte Parameter für Weißabgleich,<br />

Schärfe, benutzerdefinierte Kamerastile usw.<br />

angewendet und anschließend alle nicht benötigten<br />

Bild- und Rohdaten gelöscht.<br />

Vergleicht man es mit analogem Film, wäre eine<br />

Raw-Datei ein Negativ, während eine JPEG-Datei in<br />

etwa einem Farbdia entspricht. Dias sind praktisch,<br />

weil sie fix und fertig aus dem Entwicklungslabor<br />

kommen und gleich betrachtet werden können.<br />

Gleiches gilt für JPEG-Dateien, die angeblich direkt<br />

von der Kamera ausgedruckt werden können. Diese<br />

Annehmlichkeit bedeutet jedoch, dass Sie schon bei<br />

der Arbeit mit der Kamera alles richtig machen<br />

müssen – für Fehler ist wenig Spielraum. Negative<br />

sind zeitaufwändiger als Dias, weil Sie sie in der<br />

Dunkelkammer nach Ihrem Geschmack entwickeln<br />

müssen. Aber sie sind wesentlich vielseitiger und<br />

lassen Ihnen mehr Spielraum für Fehler. Genauso<br />

verhält es sich mit Raw-Dateien. Sie müssen immer<br />

mit geeigneter Software „verarbeitet“ werden, bevor<br />

sie fertig sind. Aber auf diese Weise können Sie auch<br />

Änderungen vornehmen, um die Bilder zu verbessern<br />

und beim <strong>Fotografie</strong>ren gemachte Fehler zu<br />

korrigieren. Mit einer Raw-Datei können Sie die<br />

folgenden Hauptparameter kontrollieren:<br />

Die Farbtemperatur kann eingestellt werden, um<br />

unerwünschte Farbstiche zu entfernen oder die<br />

Stimmung eines Bildes zu verändern. Dies ist mithilfe<br />

von Photoshop auch bei JPEG-Dateien möglich,<br />

jedoch nicht mit derselben Präzision.<br />

Die Belichtung kann korrigiert oder aus Gründen der<br />

Kreativität verändert werden, ohne die Bildqualität zu<br />

beeinträchtigen. Wenn Sie dagegen eine JPEG-Datei<br />

heller oder dunkler machen, wirkt sich das auf die<br />

Bildqualität aus. Sie können die Bildqualität auch<br />

optimieren, indem Sie Raw-Dateien in der Kamera so<br />

überbelichten, dass die Spitzlichter nicht<br />

„explodieren“, sondern nur Schattendetails verstärkt<br />

und Rauscheffekte verringert werden. Die Belichtung<br />

kann dann bei der Verarbeitung der Raw-Datei<br />

„zurückgenommen“ werden. Dies ist möglich, weil die<br />

Raw-Datei mehr Daten enthält als nötig sind,<br />

während eine JPEG-Datei bereits komprimiert ist,<br />

indem „überschüssige“ Daten gelöscht wurden.<br />

Wenn Sie eine Raw-Datei versehentlich<br />

überbelichten, sodass die Spitzlichter „explodieren“,<br />

können Sie Details während der Verarbeitung<br />

wiederherstellen. Das ist mit einer JPEG-Datei nicht<br />

möglich, sodass „explodierte“ Spitzlichter weiß<br />

erscheinen – wenn Sie diese abzudunkeln versuchen,<br />

Fehlerbehebung<br />

F Ich kann die Raw-Dateien von meiner neuen Kamera nicht öffnen. Woran kann das<br />

liegen?<br />

A Das liegt daran, dass Kamerahersteller die Raw-Dateiformate ständig ändern, wenn<br />

sie neue Kameras auf den Markt bringen. Adobe veröffentlicht regelmäßig<br />

Aktualisierungen der Software Camera Raw (ACR) für neue Kameras. Unter www.<br />

adobe.com können Sie nachsehen, ob Ihre Kamera in der neuesten Aktualisierung<br />

enthalten ist.<br />

F Ich habe einige Raw-Dateien verarbeitet und als TIFF-Dateien gespeichert, aber die<br />

Dateien sind sehr klein. Was ist hier passiert?<br />

A Wenn Sie ACR verwenden, öffnen Sie eine Raw-Datei. Unter der Dateinummer für<br />

die <strong>Vorschau</strong>datei sehen Sie eine Textzeile. Klicken Sie darauf, um ein Fenster mit<br />

Arbeitsablaufoptionen zu öffnen. Wählen Sie „Adobe RGB (1998)“ für „Platz“, „16<br />

Bits/Kanal“ für „Tiefe“, „300 Pixel/Zoll“ für „Auflösung“, und für „Größe“ wählen Sie den<br />

Größenwert, der der maximalen Pixelauflösung Ihrer Kamera am nächsten kommt.<br />

werden sie nur grau. Scharfzeichnung kann mithilfe<br />

von Werkzeugen in der Raw-Bearbeitung oder über<br />

Software von Drittanbietern angewendet werden.<br />

JPEG-Dateien sind bereits scharfgezeichnet, sodass<br />

jede weitere Arbeit sehr vorsichtig gemacht werden<br />

muss, um die Bilder nicht zu zerstören.<br />

Bei Änderungen an einer Raw-Datei hingegen geht<br />

nichts verloren, denn bei der Umwandlung –<br />

idealerweise in eine TIFF-Datei – bleibt die<br />

ursprüngliche Raw-Datei unverändert. Das bedeutet,<br />

Sie können später wieder zu derselben Raw-Datei<br />

zurückkehren und sie erneut bearbeiten. Raw-Dateien<br />

enthalten so viele Daten, dass sie mehrmals<br />

bearbeitet und sogar kombiniert werden können, um<br />

Belichtungs- und Kontrastprobleme zu beheben, oder<br />

als Grundlage für kreative Techniken wie HDR (High<br />

Dynamic Range), die wir Ihnen später erläutern.<br />

Wenn Sie schließlich optimale Bildqualität möchten,<br />

dann haben Sie mit dem Raw-Format die besten<br />

Karten. Raw-Dateien unterstützen 16 Bit-Daten pro<br />

Farbkanal, während JPEG-Dateien 8 Bit unterstützen.<br />

Der Unterschied in der Bildqualität ist auf den ersten<br />

Blick nicht deutlich zu erkennen, aber durch<br />

intensives Bearbeiten wird die Qualität verringert, und<br />

bei 8-Bit-Dateien ist dies eher zu erkennen als bei<br />

16-Bit-Dateien.<br />

Viele Fotografen lassen sich davon abschrecken, im<br />

Raw-Format zu fotografieren, weil sie meinen, dass es<br />

kompliziert ist. Aber die Arbeit mit einer<br />

Raw-Dateiverarbeitungssoftware ist sehr intuitiv<br />

(siehe Kasten), und alle Änderungen, die Sie<br />

vornehmen, können problemlos wieder rückgängig<br />

gemacht werden. Eine JPEG-Datei dagegen wird zwar<br />

von Anfängern als das praktischere Format betrachtet,<br />

ist aber anfälliger für Fehler, die Anfänger mit<br />

Sicherheit machen werden.<br />

Was sind die Nachteile des <strong>Fotografie</strong>rens im<br />

Raw-Format? Nicht viele, außer dass Sie mehr Zeit<br />

am Computer mit der Dateiverarbeitung verbringen.<br />

Und wenn Sie schon möglichst viel mit der Kamera<br />

richtig machen, kann eine Raw-Datei in wenigen<br />

Sekunden bearbeitet werden. Raw-Dateien sind etwa<br />

vier Mal so groß wie JPEG-Dateien (in Megabyte),<br />

nehmen also mehr Speicherplatz in Anspruch.<br />

Speicherkarten und externe Festplatten kosten<br />

heutzutage aber nicht viel.<br />

Wenn Sie also ein Vermögen für Ihre Kamera<br />

ausgegeben haben, sparen Sie am falschen Platz,<br />

wenn Sie ein Bildformat wählen, nur weil es weniger<br />

Speicherplatz braucht. Größere Bilddateien bedeuten<br />

auch, dass sich der Puffer der Kamera schneller füllt,<br />

wenn Sie im Raw-Format fotografieren. Das kann<br />

zwar frustrierend sein, wenn Sie Motive wie Sport oder<br />

wild lebende Tiere fotografieren, wobei viele<br />

Aufnahmen schnell hintereinander gemacht werden.<br />

Aber für einen Landschaftsfotografen ist das eigentlich<br />

kein Problem.<br />

<strong>Fotografie</strong>ren Sie im Raw- und JPEG-Format<br />

Wenn Sie sich mit dem <strong>Fotografie</strong>ren im Raw-Format noch<br />

nicht wohl fühlen, stellen Sie Ihre Kamera einfach so ein, dass<br />

sie jedes Bild sowohl im Raw- als auch im JPEG-Format<br />

aufzeichnet.<br />

So gewöhnen Sie sich an die Verarbeitung von Raw-Dateien<br />

und haben zugleich die beruhigende Sicherheit, Ihre Bilder<br />

auch als JPEG-Dateien zu erhalten.<br />

<strong>Fotografie</strong>ren und Verarbeiten von Raw-Dateien<br />

So stellen Sie die Kamera auf das Raw-Format ein:<br />

Wählen Sie zuerst die Bildqualitätseinstellung über<br />

den LCD-Menübildschirm und dann die Option „Raw“<br />

(oder „Raw und JPEG“). Die Bedienung der Kamera<br />

und ihrer Funktionen bleibt fast unverändert; der einzige<br />

Unterschied ist, dass Sie das Bild beim <strong>Fotografie</strong>ren<br />

im Raw-Format möglichst stark belichten sollten,<br />

natürlich ohne die Spitzlichter überzubelichten. So<br />

zeichnen Sie möglichst viele Schattendetails auf, was<br />

in der Folge zu einer besseren Bildqualität führt. Das<br />

bedeutet zwar, dass die Bilder in ihrem Rohzustand<br />

überbelichtet erscheinen, doch das lässt sich während<br />

der Verarbeitung der Raw-Datei leicht beheben. Hierfür<br />

finden Sie weiter hinten in diesem Leitfaden eine<br />

schrittweise Anleitung.<br />

Sie werden außerdem feststellen, dass deutlich weniger<br />

Aufnahmen auf die Speicherkarte passen – nehmen Sie<br />

also immer genügend Karten mit!<br />

Software für die Verarbeitung von Raw-Dateien<br />

Für die Verarbeitung von Raw-Dateien brauchen<br />

Sie eine spezielle Software. Beim Kauf einer<br />

neuen Kamera ist eine CD-ROM mit der Raw-<br />

Dateiverarbeitungssoftware des Kameraherstellers<br />

enthalten. Canon hat sein eigenes System,<br />

ebenso wie Nikon und so weiter. Die meisten<br />

Fotografen bevorzugen jedoch eine Raw-<br />

Dateiverarbeitungssoftware von Drittherstellern.<br />

Das mit Abstand beliebteste Programm ist<br />

Adobe Camera Raw, das in allen Versionen von<br />

Photoshop ab CS2, Photoshop Elements ab<br />

Version 3.0 und in allen Versionen von Adobe<br />

Lightroom enthalten ist. Apple Aperture hat auch<br />

seine eigene Raw-Dateiverarbeitungssoftware,<br />

während Capture One von Phase One bei<br />

einigen Fotografen sehr beliebt ist. SilkyPix<br />

ist weniger bekannt, aber es lohnt sich, die<br />

kostenlos herunterzuladende Software einmal<br />

auszuprobieren.<br />

ADOBE CAMERA RAW<br />

www.adobe.com<br />

APPLE APERTURE<br />

www.apple.com/de<br />

CAPTURE ONE<br />

www.phaseone.com<br />

SILKYPIX<br />

www.silkypix.de


Das Raw-Format bietet mehr!<br />

Haben Sie sich beim Betrachten von Bildern schon mal<br />

gefragt, wie der Fotograf so viele Details in der Szene<br />

erfassen konnte? Das <strong>Fotografie</strong>ren im Raw-Format hat<br />

dabei zweifellos eine große Rolle gespielt.<br />

FOTO: ADAM BURTON


54 Raw-Format und <strong>Landschaften</strong> Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e<br />

17<br />

16<br />

15<br />

14<br />

Die Werkzeugleiste<br />

In der oberen, linken Ecke der Bedieneroberfläche finden Sie mehrere Symbole, hinter denen sich die Funktionen zur<br />

Bildbearbeitung verbergen. Die wesentlichen Werkzeuge für die alltägliche Arbeit sind die Zoomfunktion, das Hand-Werkzeug,<br />

die Funktion „Drehen“ und die Werkzeuge zum Weißabgleich. Andere, wie die Werkzeuge zur Farbaufnahme, zum Freistellen<br />

und Zuschneiden, Ausrichten und Retuschieren sind in der Raw-Verarbeitung weniger sinnvoll, es sei denn, es erfolgt keine<br />

Weiterverarbeitung in Photoshop. Das Rote-Augen-Werkzeug – eigentlich Farbe-ersetzen-Werkzeug – ist eine Ausnahme,<br />

aber andererseits werden Sie nicht viele Porträts mit dem Problem roter Augen bearbeiten müssen, wenn Sie im Raw-Format<br />

schießen.<br />

1 2 3 4 11 5 6 7 8 12 13 9<br />

1) Zoomfunktion: Sie dient dem<br />

Vergrößern des Bildes zur einfacheren<br />

Bearbeitung von Details.<br />

2) Hand-Werkzeug:<br />

Zur Navigation innerhalb des<br />

vergrößerten Bildes.<br />

3) Weißabgleich: Gestattet<br />

die Korrektur und die Einstellung<br />

eines angepassten Weißabgleichs.<br />

Dazu klicken Sie einfach auf neutrale<br />

Bereiche der <strong>Vorschau</strong>, etwa auf eine<br />

weiße Fläche.<br />

4) Farbaufnahme-<br />

Werkzeug: Damit wählen Sie eine<br />

zu korrigierende Farbe aus, indem Sie<br />

in den entsprechenden Bildbereich<br />

hineinklicken.<br />

5) Freistellungs-Werkzeug:<br />

Zum Zuschneiden von Bildern oder<br />

Freistellen von Bildelementen.<br />

6) Ausrichten-Werkzeug:<br />

Zum Korrigieren eines schiefen<br />

Horizonts und zum Drehen des Bildes.<br />

7) Retuschier-Werkzeug:<br />

Entfernt durch Staubpartikel<br />

auf dem Sensor hervorgerufene<br />

Verunreinigungen und andere<br />

Unreinheiten.<br />

8) Rote-Augen-Werkzeug:<br />

Einfach auf das betroffene Auge<br />

klicken.<br />

9) Voreinstellungen: Hier<br />

passen Sie die Standardeinstellungen<br />

von ACR an.<br />

10) Im Uhrzeiger- und<br />

10<br />

Gegenuhrzeigersinn-<br />

Drehen-Werkzeug: Erzeugt<br />

90°-Drehungen des Bildes in die eine<br />

oder andere Richtung.<br />

11) Zielgerichtetes<br />

Korrekturwerkzeug: Anstatt<br />

die Schieberegler zu benutzen, ziehen<br />

Sie zum Bearbeiten einfach dieses<br />

Werkzeug auf das Bild.<br />

12) Korrekturpinsel: Zum<br />

Verändern definierter Bildbereiche<br />

13) Verlaufsfilter: Ziehen<br />

Sie eine Linie in das Bild, um den<br />

Übergangsbereich eines Verlaufsfilters<br />

zu simulieren. Dann stellen Sie<br />

Belichtung, Helligkeit, Kontrast,<br />

Sättigung, Klarheit, Schärfe und Farbe<br />

des Filters ein.<br />

Objekt öffnen<br />

Wenn Sie mit der<br />

Raw-Bearbeitung fertig<br />

sind, drücken Sie die<br />

Umschalt-Taste, um<br />

die Öffnen-Schaltfläche<br />

auf „Objekt öffnen“<br />

umzuschalten.<br />

Nun können Sie die<br />

Raw-Datei in Photoshop<br />

als Smart-Objekt<br />

bearbeiten. Der Vorteil<br />

eines Smart-Objekts<br />

besteht darin, dass Sie<br />

in Photoshop darauf<br />

doppelklicken können,<br />

was die Raw-Datei<br />

erneut zur Bearbeitung<br />

in ACR öffnet. Wenn Sie<br />

nicht an der originalen<br />

Raw-Datei arbeiten<br />

wollen, drücken Sie<br />

statt der Umschalt- die<br />

Alt-Taste zusammen mit<br />

der Öffnen-Schaltfläche,<br />

sodass eine Kopie der<br />

Raw-Datei geöffnet wird.<br />

Mit der Abbrechen-<br />

Schaltfläche versetzen<br />

Sie das Bild bei Bedarf<br />

wieder in seinen<br />

Originalzustand.


Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e<br />

Raw-Format und <strong>Landschaften</strong> 55<br />

Den Raw-Konverter verstehen lernen<br />

Hier zeigen wir den Prozess einer Raw-Datei bis zum fertigen Bild, am Beispiel von Adobe Camera Raw.<br />

Beim ersten Mal ist jeder mehrstufige, technische<br />

Prozess etwas kompliziert, aber durch etwas<br />

Herumprobieren und entsprechende Erfahrung<br />

werden auch Sie mit Adobe Camera Raw Ihr<br />

Erfolgserlebnis haben.<br />

Der Grund, warum viele Fotografen beim<br />

JPEG-Format bleiben, liegt in seiner Schnelligkeit,<br />

Einfachheit und Sicherheit. Die Kamera erledigt all<br />

die Komplizierten Einstellungen und<br />

Anpassungen. Alles Was Sie zu tun haben, sind<br />

vielleicht ein paar Korrekturen in Photoshop oder<br />

Lightroom. Wenn Sie jedoch in Raw fotografieren,<br />

müssen Sie neue Bearbeitungsverfahren lernen,<br />

denn dann muss jede einzelne Aufnahme, egal<br />

wie „gut“ sie geworden ist, bearbeitet werden.<br />

Diese Bearbeitung ist das digitale Äquivalent zum<br />

Einrichten einer Dunkelkammer, Entwickeln des<br />

Negativfilms, anschließender Belichtung und<br />

Vergrößerung auf Fotopapier. Sie werden sich<br />

vielleicht fragen: „Ist es das wert?“. Die Antwort<br />

heißt ja! Wenn Sie als Fotograf Ihr Potenzial<br />

ausschöpfen wollen, kommen Sie nicht umhin,<br />

die vollständige Kontrolle des gesamten Prozesses<br />

zu übernehmen – und die einzige Möglichkeit<br />

dafür ist das <strong>Fotografie</strong>ren in Raw mit<br />

anschließender Verarbeitung zu präsentablen<br />

Bildern.<br />

Auf den nächsten Seiten erfahren Sie die<br />

Bedeutung und Anwendung der Einstellungen<br />

und Werkzeuge, die in ACR zur Verfügung stehen.<br />

Wir beginnen mit den Basiswerkzeugen zur<br />

einfachen Konvertierung.<br />

Basiswerkzeuge zur<br />

Raw-Konvertierung<br />

Die meisten Einstellungen in ACR werden mit<br />

Schiebereglern vorgenommen. Hier die wesentlichen<br />

Steuermöglichkeiten.<br />

Einstellungsbedienfelder: Die<br />

Symbole zur Einstellung der Parameter für<br />

die Raw-Verarbeitung finden Sie rechts in der<br />

Bedienoberfläche zwischen dem Histogramm und<br />

den Schiebereglern. Die acht Symbole steuern<br />

folgende Funktionen (von links nach rechts):<br />

Grundeinstellungen, Tonwertkurve, Detail,<br />

HSL/Graustufen, Teilweise einfärben,<br />

Objektivkorrekturen, Kamerakalibrierung und<br />

Voreinstellungen.<br />

Leuchtkraft und Sättigung:<br />

Dieses Werkzeug ist eine Alternative zum<br />

Sättigungsregler, das alle Farben eines Bildes<br />

gleichmäßig verändert. Das Leuchtkraftwerkzeug<br />

hingegen wirkt sich nur auf Farben aus, die<br />

der Verstärkung bedürfen und hat nur wenig<br />

Auswirkung auf Farben, die bereits stark gesättigt<br />

sind.<br />

Schwarz: Dieser Regler verschiebt die<br />

linke Seite des Histogramms noch weiter nach<br />

links, was die Schatten im Bild noch dominanter<br />

werden lässt. Er eignet sich gut zur Steigerung des<br />

gesamten Kontrasts.<br />

Weißabgleich: In Raw fotografieren<br />

bedeutet, dass Sie den Weißabgleich auch<br />

in der Nachbearbeitung vornehmen können,<br />

anstatt vor der Aufnahme direkt in der Kamera.<br />

Sie finden alle für die Kamera passenden<br />

Weißabgleicheinstellungen in einem Drop-<br />

Down-Menü, aus dem Sie auswählen könnenbeispielsweise<br />

„Auto“, „Tageslicht“, „Bewölkt“<br />

usw. Sie können auch die Temperatur- und Tinten-<br />

Regler benutzen, um einen eigenen Weißabgleich<br />

zu erstellen. Alternativ können Sie auch das<br />

Weißabgleichwerkzeug in der Werkzeugleiste<br />

verwenden.<br />

Aufhell-Licht: Aufhell-Licht versucht,<br />

Details aus Schatten hervorzuholen, ohne das<br />

dadurch die Schatten heller werden. Ähnlich dem<br />

Aufhellblitz wird dieses Werkzeug etwas Licht<br />

auf den Vordergrund. Verwenden Sie es mit dem<br />

Schwarz-Regler, um mehr Eindruck zu erzeugen,<br />

doch übertreiben Sie es nicht, denn der Effekt<br />

wirkt dann unnatürlich.<br />

Klarheit: Sie können einem Bild mehr Tiefe<br />

geben, indem Sie lokal den Kontrast erhöhen,<br />

ein Effekt, der sich am stärksten auf mittlere<br />

Farbtöne auswirkt. Er funktioniert ähnlich wie<br />

eine große radiale Unschärfemaske in Photoshop.<br />

Zoomen Sie das Bild auf 100%, um den Effekt gut<br />

erkennen zu können, und hören Sie auf, sobald<br />

sich nahe den Kanten der abgebildeten Objekte<br />

Halos zu entwickeln beginnen.<br />

Belichtung: Oben in der Basiswerkzeugleiste<br />

unter dem Weißabgleich befindet sich der<br />

Belichtungsregler, mit dem Sie Bildhelligkeit – mit<br />

Schwerpunkt auf den Spitzlichtern – regeln können.<br />

Das Skalenraster entspricht den Blendenstufen.<br />

Dieses Werkzeug ist es, das vielen Fotografen<br />

den Tag rettet, denn es kann die von der Kamera<br />

vorgenommene Belichtung nachträglich korrigieren.<br />

Passen Sie jedoch auf, dass kein Bildrauschen<br />

und keine Artefakte sichtbar werden, wenn Sie die<br />

Belichtung erhöhen. Am besten verwenden Sie das<br />

Werkzeug in Verbindung mit der Wiederherstellen-<br />

Funktion, um die Spitzlichtwerte zu reduzieren.<br />

Helligkeit / Kontrast:<br />

Der Helligkeitsregler<br />

funktioniert ähnlich wie die Belichtungskorrektur.<br />

Doch im Gegensatz zu dieser werden von ihm die<br />

Spitzlichter und Schatten nicht „abgeschnitten“,<br />

sondern die Bildinformation wird komprimiert<br />

und expandiert. Stellen Sie zunächst den<br />

Gesamttonbereich mit dem Belichtungswerkzeug,<br />

der Wiederherstellen-Funktion und dem<br />

Schattenregler ein, danach die Bildhelligkeit.<br />

Der Kontrastregler beeinflusst hauptsächlich die<br />

mittleren Farbtöne, die entweder aufgehellt oder<br />

abgedunkelt werden, um den Kontrast zu erhöhen.<br />

Wiederherstellen: Dies ist eine „Notbremse“<br />

für den Fall, dass Sie die Spitzlichter leicht überbelichtet<br />

haben. Es ist ein raffiniertes Werkzeug, doch verlassen<br />

Sie sich nicht zu sehr darauf, auch wenn es eine<br />

der wertvollsten Funktionen in ACR zur Verfügung<br />

stellt. Es stellt Details des mittleren Farbtonbereichs<br />

abgeschnittener Spitzlichter wieder her, kann aber keine<br />

Wunder wirken: die Details müssen natürlich überhaupt<br />

vorhanden sein, um sie wiederherstellen zu können.<br />

Die ACR-<br />

Bedienoberfläche<br />

Wenn Sie eine Datei in Adobe<br />

Camera Raw öffnen, sehen Sie<br />

diese Bedienoberfl äche vor sich.<br />

Das <strong>Vorschau</strong>bild zeigt die Raw-<br />

Datei in ihrem Originalzustand.<br />

14) Zoom: Sie können die<br />

Größe des <strong>Vorschau</strong>bildes<br />

variieren und außerdem in das<br />

Bild hineinzoomen; dazu benutzen<br />

Sie die Tabs in der linken unteren<br />

Ecke der Bedienoberfl äche.<br />

15) Workflow Optionen:<br />

Am unteren Bildschirmrand<br />

befi nden sich die Workfl ow-<br />

Optionen. Wenn Sie darauf<br />

klicken, öffnet sich ein Dialogfeld<br />

mit mehreren Optionen. Als<br />

Bereich (Farbbereich) wird<br />

meistens Adobe RGB (1998)<br />

verwendet. Als Tiefe wählen Sie<br />

16 Bits/Kanal, und stellen als<br />

Größe einen Wert entsprechend<br />

zur Pixel-Aufl ösung Ihrer Kamera<br />

ein – so werden Ihre teuer<br />

erkauften Megapixel endlich<br />

genutzt! Als Aufl ösung wählen Sie<br />

300 Pixel/Zoll.<br />

16) Histogramm: In der<br />

rechten, oberen Ecke befi ndet<br />

sich das Histogramm des Bildes,<br />

das die Verteilung der Farbtöne<br />

der roten, grünen und blauen<br />

Farbkanäle anzeigt. Wo Sie Cyan<br />

sehen, weist dies darauf hin, dass<br />

dort der Übergang vom grünen<br />

zum blauen Kanal liegt. Wenn<br />

Sie Gelb sehen, bedeutet das<br />

den Übergang vom roten in den<br />

grünen Kanal, und Magenta zeigt<br />

den Übergang von Rot nach Blau.<br />

Weiß bedeutet die Überlagerung<br />

aller drei Kanäle. Anhand des<br />

Histogramms können Sie die<br />

Belichtung beurteilen, während<br />

Sie mit den Reglern hantieren.<br />

17) „Abschneiden“-<br />

Warnung: Die beiden<br />

dreieckigen Tabs oben links<br />

und rechts des Histogramms<br />

informieren Sie darüber, ob<br />

Spitzlichter oder Schatten<br />

abgeschnitten worden sind.<br />

Sind die Dreiecke schwarz, ist<br />

nichts beschnitten worden,<br />

und der volle Tonwertumfang<br />

ist vorhanden. Zeigen die Tabs<br />

eine andere Farbe, bedeutet<br />

das, dass ein Farbkanal<br />

oder eine Kanalkombination<br />

beschnitten wurde. Sind die<br />

Dreiecke weiß, sind alle drei<br />

Farbkanäle beschnitten. Wenn<br />

sie auf die Tabs klicken, werden<br />

die betroffenen Bereiche des<br />

<strong>Vorschau</strong>bildes markiert –<br />

abgeschnittene Schatten blinken<br />

blau, abgeschnittene Spitzlichter<br />

blinken rot.


56 Raw Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografie<br />

Wie eine Raw-Datei verarbeitet wird<br />

Holen Sie aus allen Bildern das Beste heraus, indem Sie mit Adobe Camera Raw arbeiten<br />

DAS BESTE am <strong>Fotografie</strong>ren in Raw ist, dass man durch Nachbearbeiten der Datei weitaus bessere Ergebnisse<br />

erzielen kann als mit Aufnahmen im JPEG-Format. Die <strong>Vorschau</strong> einer Raw-Datei auf dem LCD-Monitor Ihrer<br />

Kamera mag genau wie ein JPEG aussehen, da alle zusätzlichen Informationen in der Datei versteckt und auf dem<br />

Kameramonitor nicht darstellbar sind. Erst wenn Sie die Raw-Datei auf Ihrem Computer öffnen, erleben Sie die<br />

Wunder, welche dieses reinste aller Dateiformate ermöglicht. Unsere Schritt-für-Schritt-Anleitung erläutert, wie Ihnen<br />

die enormen Datenmengen beim Öffnen von Raw-Dateien in Adobe Camera Raw von Photoshop wesentlich bessere<br />

Ergebnisse liefern als jede JPEG-Aufnahme.<br />

Raw-Datei<br />

DIE DATEI ÖFFNEN Das erste, was wir tun, wenn wir die Raw-Datei öffnen, ist ein<br />

1 Blick auf das Histogramm mit den Standard-Einstellungen von Camera Raw. Hier<br />

können wir sehen, dass der Kontrast ziemlich gering ist und der größte Anteil der<br />

Bildinformationen in der Mitte zu finden ist. Das Bild wirkt etwas gedämpft, würde also<br />

durch mehr Kontrast, zusätzliche Farben und Details profitieren.<br />

AUF DIE HELLEN BEREICHE ZUGREIFEN Überprüfen Sie zunächst, ob es helle<br />

2 Details gibt, die beschnitten wurden. Klicken Sie auf das Dreieck oben rechts am<br />

Histogramm, um die Anzeige der Lichterbeschneidung einzuschalten. Wenn es aktiv ist,<br />

blinken alle beschnitten Bereiche rot. Hier ist das Weiß des entfernten Leuchtturms<br />

beschnitten; das bedeutet, wir verlieren möglicherweise Details in den hellen Bereichen.<br />

DIE HELLEN BEREICHE RETTEN Sie können diese hellen Informationen mit dem<br />

3 Schieberegler Lichter wiederherstellen, aber dies würde auf Kosten von hellen<br />

Bereichen an anderer Stelle gehen, wodurch der Kontrast effektiv reduziert wird. Die<br />

kleine Menge von beschnittener Information ist nicht so wichtig, daher entscheiden wir<br />

uns, die Dinge so zu lassen, wie sie sind. Die Belichtung sieht genau richtig aus, daher<br />

müssen wir diesen Schieberegler auch nicht anpassen.<br />

DIE DUNKLEN BEREICHE VERSTÄRKEN Wenn das Bild direkt aus der Kamera<br />

4 kommt, sieht es wahrscheinlich ein wenig kontrastarm aus, so wie hier. Passen Sie<br />

den Schieberegler Schwarz an, bis das Histogramm sich weit zur linken Seite ausbreitet,<br />

indem Sie die Alt/Option-Taste gedrückt halten und den Schieberegler Schwarz bewegen,<br />

bis einzelne Bereiche auf dem weißen Hintergrund schwarz dargestellt werden. Jetzt<br />

haben Sie ein reines Schwarz in Ihrem Bild erzeugt – achten Sie aber darauf, nicht zu<br />

übertreiben.<br />

AUF DAS BESCHNEIDEN ACHTEN Normalerweise versucht man zu vermeiden,<br />

5 dass helle Bereiche oder Schatten beschnitten werden. Manchmal ist es dennoch<br />

notwendig, um dunkle Töne zu verstärken und die Kontraste zu erhöhen. In diesem Bild<br />

würden wir nicht erwarten, detaillierte Risse auf den Felsen zu erkennen. Wir stellen<br />

den Kontrast auf +60 ein, um den Kontrast weiter zu erhöhen, ohne zu viele dunkle<br />

Details abzuschneiden.<br />

DIE FARBEN VERSTÄRKEN Nun passen wir den Schieberegler Klarheit an (hier<br />

6 stellen wir ihn auf 30 ein), oder den Schieberegler Sättigung, wenn Ihre Software<br />

keine Klarheit unterstützt, um die Farben leicht zu verstärken. Drücken Sie I, um das<br />

Weißabgleichs-Werkzeug zu öffnen, und überprüfen Sie den korrekten Weißabgleich,<br />

indem Sie in einen neutral weißen oder grauen Bereich klicken – hier bietet sich der<br />

Leuchtturm dafür an.


Fertiges Bild<br />

Der Vorteil des <strong>Fotografie</strong>rens in<br />

Raw ist klar zu erkennen:<br />

Es können viel mehr Details<br />

herausgearbeitet werden als bei<br />

Aufnahmen im JPEG-Format.<br />

DEN WEISSABGLEICH ANPASSEN Wenn Sie mit dem Farbton des Bildes<br />

7 (Weißabgleich) nicht zufrieden sind, passen Sie den Schieberegler Farbtemperatur<br />

an. Falls nötig, können Sie den Kontrast noch mehr verstärken, indem Sie auf von dem<br />

Reiter Grundeinstellungen auf Gradationskurve klicken. Wählen Sie Punkt anstelle von<br />

Parametrisch und ändern Sie das Drop-Down-Menü von mittlerem zu starkem Kontrast.<br />

ERHÖHEN SIE DIE WIRKUNG Bei diesem Bild möchten wir den Himmel und das<br />

8 Meer etwas stärker betonen, indem wir selektiv die Sättigung und Brillianz erhöhen.<br />

Wir wählen den Reiter HSL/Graustufen und wählen den Unterreiter Sättigung und stellen<br />

die Blautöne auf +40 ein. Wie Sie sehen können, führen diese Anpassungen dazu, dass<br />

das Bild eine wesentlich höhere Wirkung hat.<br />

DAS BILD SCHÄRFEN Nun ist es Zeit, sich mit dem Reiter Details zu beschäftigen<br />

9 und mit der Zoom-Schaltfläche das Bild auf 100 % zu vergrößern. Arbeiten Sie mit<br />

dem Schieberegler Schärfe, bis das Bild auf dem Bildschirm knackig scharf aussieht. Wir<br />

wählten für die Schärfe 100, Radius 1.0 und Detail 30. Wenn man zu extrem schärft,<br />

können Artefakte oder Bildrauschen entstehen, daher ist es wichtig, die Bilder mit dem<br />

kleinstmöglichen ISO-Wert aufzunehmen.<br />

SPEICHERN UND ÖFFNEN Wenn Sie fertig sind, können Sie das Bild entweder<br />

10 öffnen, um weitere Verbesserungen in Photoshop vorzunehmen, oder für später<br />

abspeichern. Wenn Sie das Bild im .TIFF oder .PSD Format speichern, behalten Sie eine<br />

16-Bit-Datei – im Gegensatz zur Komprimierung des Bildes auf 8-Bit JPEG, was die<br />

Datenmenge und somit die Flexibilität für spätere Bearbeitungen reduziert.


58 Raw Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e<br />

Kombinieren von Raw-Dateien<br />

VON LUKE MARSH Wenn Sie Ihre Bilder mit der Kamera im Raw-Format aufnehmen, können Sie<br />

verborgene Details aus überbelichteten Bereichen der Szene wiederherstellen, beispielsweise einen<br />

hellen Himmel. Der Photoshop-Experte Luke Marsh zeigt Ihnen, wie Sie mit dem Raw-Konverter von<br />

Photoshop Elements zwei verschiedene Bilder mit verschiedenen Belichtungen aus derselben Raw-Datei<br />

erstellen und anschließend zusammenführen, um ein perfektes Ergebnis zu erhalten. In dieser einfach<br />

nachzuvollziehenden Übung werden Techniken wie Belichtungskorrektur, Erstellung und Bearbeitung von<br />

Ebenen, Tonwertkorrektur, Steuerung der Schärfe mit dem Hochpassfi lter, Deckkrafteffekte und Farbkorrektur<br />

angewendet. Diese sind besonders überzeugend, weil sie nur mit Bilddaten arbeiten, die im Originalbild<br />

enthalten sind. Hier wurde Elements 4.0 verwendet, neuere Versionen eignen sich aber ebenso.<br />

Original<br />

Wenn Sie noch nie mit dem Elements-Raw-Konverter gearbeitet haben,<br />

1 bemerken Sie beim Öffnen einer Datei zunächst, dass das Bild im<br />

Raw-Steuerfenster geöffnet wird (siehe oben). Für den ersten Schritt klicke ich<br />

einfach auf Öffnen und lasse die Einstellungen unverändert. Da wir mit Ebenen<br />

arbeiten werden, wähle ich nun Datei > Speichern unter und erstelle eine<br />

Photoshop-Datei (*.psd).<br />

2<br />

Ich öffne erneut die Original-Raw-Datei, das Bild erscheint im<br />

Raw-Steuerfenster. Diesmal verwende ich das Bedienelement Belichtung<br />

und bewege den Schieberegler nach links, um das Bild unterzubelichten,<br />

wodurch die Details im Himmelbereich auf dem Originalbild zurückkommen. Ich<br />

bin mit dem Ergebnis zufrieden und klicke auf Öffnen, um das Bild nach Elements<br />

zu übertragen.<br />

Ich habe jetzt zwei Dateien geöffnet: Eine enthält die Originalaufnahme, die<br />

3 andere das neue, unterbelichtete Bild. Ich wähle zuerst die unterbelichtete<br />

Datei, dann die Befehlsfolge „Auswahl > Alles auswählen“ und „Bearbeiten ><br />

Kopieren“, um das Bild in die Zwischenablage zu legen. Jetzt kann ich die Datei<br />

schließen und das Bild mit „Bearbeiten > Einfügen“ in eine neue Ebene auf der<br />

Originaldatei einfügen.<br />

Nachdem die beiden Aufnahmen am gewünschten Ort sind, möchte ich den<br />

4richtig belichteten Vordergrund mit dem neu belichteten Himmel kombinieren.<br />

Ich aktivere die Himmel-Ebene und wähle mit dem Auswahlrechteck-Werkzeug einen<br />

großen Bereich des Vordergrundes bis kurz vor dem Hintergrund. Mit „Bearbeiten ><br />

Löschen“ entferne ich den Bereich und betrachte den Effekt in der<br />

Ebenenpalettenvorschau (siehe Kasten).<br />

Jetzt muss der Horizont aufgeräumt werden. Also stelle ich das<br />

5Radiergummi-Werkzeug auf einen mittelgroßen Pinsel mit weicher Kante und<br />

einer Deckkraft von 55 Prozent ein und lösche nach und nach die Bereiche der neu<br />

belichteten Ebene, sodass die ursprüngliche Horizontaufnahme zum Vorschein<br />

kommt. Der leichte Verwischungseffekt zwischen den beiden Ebenen erzeugt eine<br />

neblige Wirkung, der die Stimmung des Bildes noch weiter verstärkt.<br />

Die erste Ebene ist fertig. Zum Sichern meiner Arbeit wähle ich zunächst „Ebene<br />

6> Auf Hintergrundebene reduzieren“, dann „Datei > Speichern unter“, um eine<br />

neue Datei zu erstellen. Wenn beide Ebenen zusammengeführt wurden, können<br />

einige allgemeine Verbesserungen vorgenommen werden. Ich wähle also<br />

„Überarbeiten > Beleuchtung anpassen > Tonwertkorrektur“, um das Bild heller zu<br />

machen und die Definition zu verbessern. Dann klicke ich auf OK, um die<br />

Änderungen anzuwenden.


Fertiges Bild<br />

GEWITTER IM ANZUG!<br />

Die Vorzüge der Aufnahmen im<br />

Raw-Format liegen auf der Hand:<br />

Sie können mehr Details<br />

wiederherstellen als wenn die Szene<br />

als JPEG-Datei aufgezeichnet wird.<br />

Mit dem Hochpassfilter können Sie Details wesentlich einfacher zur Geltung<br />

7bringen als mit dem Scharfzeichnungsfilter. Um den Filter zu verwenden,<br />

wähle ich zunächst die Befehlsfolge „Ebene > Ebene duplizieren“, um das<br />

Originalbild beizubehalten. Dann wähle ich „Filter > Sonstige Filter > Hochpass“<br />

und stelle den Radius auf etwa 20 Pixel ein, bevor ich auf OK klicke. Ich ändere<br />

die Füllmethode in der Ebenenpalette auf Weiches Licht.<br />

Wählen Sie noch einmal die Befehlsfolge „Ebene > Auf Hintergrundebene<br />

8reduzieren“, um bei Bedarf eine Kopie zu speichern. Jetzt mache ich mit dem<br />

Nachbelichter-Werkzeug (siehe Kasten rechts) mit einem großen Pinsel mit<br />

weicher Kante und einer Deckkraft von etwa 25 Prozent die Belichtung bestimmter<br />

Bereich dunkler, wodurch die Tiefenwirkung des Bildes verbessert wird. Ich<br />

konzentriere mich auf die Ränder des Bildes und baue den Effekt nach und nach<br />

auf.<br />

Das Bild hat einen vorwiegend blauen Farbton, und ich würde in den<br />

9 Himmel gerne einen anderen Ton aufnehmen. Mit dem Auswahlrechteck-<br />

Werkzeug wähle ich den Bereich über dem Horizont aus und verwende dann die<br />

Befehlsfolge Auswahl>Weiche Kante. Ich gebe den Wert 50 Pixel ein, um die<br />

Auswahl weicher zu machen. Dann wähle ich die Befehlsfolge „Bearbeiten ><br />

Kopieren“ und anschließend „Bearbeiten > Einfügen“, um die Auswahl in eine<br />

neue Ebene einzufügen.<br />

Ändern Sie die Füllmethode der neuen Ebene in Weiches Licht und<br />

10 wählen Sie dann „Überarbeiten > Farbe anpassen > Farbton/Sättigung<br />

anpassen“. Im Fenster klicke ich zunächst in das Feld Färben und sehe den<br />

Effekt sofort in der <strong>Vorschau</strong>. Schließlich passe ich die Schieberegler Farbton und<br />

Sättigung an, bis ich mit der Farbe zufrieden bin, und klicke auf OK.


60 Raw Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e<br />

„Nach rechts belichten“ mit Raw<br />

Um die Vorteile von Raw-Aufnahmen auszuschöpfen, muss man Histogramme lesen<br />

können und wissen, wie die Kamera Farbinformationen aufzeichnet.<br />

UM DAS MAXIMUM aus Raw-Dateien<br />

herauszuholen, sollte man lernen, wie man das<br />

Histogramm benutzt, das von der Kamera erzeugt<br />

wird. Die meisten enthusiastischen Fotografen<br />

sind vom <strong>Vorschau</strong>bild abhängig, um ihre<br />

Belichtung beurteilen zu können, doch leider ist<br />

dies nicht die beste aller Referenzen. Trotzdem<br />

bietet ein Histogramm auf der anderen Seite all die<br />

essentielle Information, die man braucht, um die<br />

ultimative Raw-Datei zu schaffen. Es zeigt die<br />

Farbverteilung eines digitalen Bildes, von den<br />

dunkelsten Schatten am linken Ende des<br />

Histogramms, bis zu den hellsten Farben am<br />

rechten Ende. Die Form des tonalen Graphen und<br />

seine Position zwischen den Extremen sagt viel<br />

über das Bild aus: Ob der Kontrast hoch oder<br />

niedrig ist, mehrheitlich aus hellen oder dunklen<br />

Farben besteht, über- oder unterbelichtet ist etc.<br />

Als allgemeine Regel bei der Belichtung eines<br />

Bildes gilt, dass die Töne innerhalb der Extreme<br />

des Histogramms liegen, damit die Details<br />

erhalten bleiben. Wenn zu viel Information am<br />

linken Ende liegt, dann fehlen einigen Schatten<br />

möglicherweise ein paar Details, wenn sich<br />

hingegen zu viel Information am rechten Ende<br />

befindet, dann könnten einige der Lichter<br />

aufgebläht und ausschließlich als weiße Bereiche<br />

aufgenommen werden. Ist keines der Extreme<br />

„abgehackt“, so hat man eine akzeptable<br />

Raw-Datei, mit der sich arbeiten lässt. Wenn man<br />

allerdings ein Maximum an Farbdetails aufnehmen<br />

will, dann muss man eher „rechtsum belichten“.<br />

Dies meint, das Bild so gut es geht zu belichten,<br />

ohne die Lichter „abzuhacken“, und ein<br />

Histogramm zu schaffen, das etwas nach rechts<br />

verschoben ist. Warum? Weil Sensoren bei den<br />

Lichtern mehr Töne aufnehmen, als bei den<br />

Schatten. Die meisten Sensoren nehmen eine<br />

Helligkeitsreichweite von fünf oder sechs Stufen<br />

auf. Nützlicherweise für diese Technik, sind die<br />

Histogramme vieler Kameras in fünf Sektionen<br />

aufgeteilt, welche die fünf Helligkeitsstufen<br />

repräsentieren, die sie aufgezeichnet . Anstatt die<br />

Tonwerte gleichmäßig über fünf Stufen zu<br />

verteilen, werden 50 % aller Werte im hellsten<br />

Bereich aufgenommen, halb so viele im<br />

zweithellsten, nochmals die Hälfte im dritthellsten<br />

und so weiter... Das bedeutet, die hellsten 20 %<br />

am rechten Ende enthalten 16-mal mehr Tonwerte<br />

als die dunkelsten 20 % am linken Ende. Wenn<br />

man „rechtsum belichtet“, so dass sich der tonale<br />

Graph über die hellsten 20 % des Histogramms<br />

erstreckt, dann maximiert man die aufgenommene<br />

Information. Überprüft man die <strong>Vorschau</strong> auf dem<br />

Display, sieht es so aus, als seien rechtsum<br />

belichtete Bilder überbelichtet. Die natürliche<br />

Reaktion wäre, die Belichtung zu reduzieren und<br />

eine weitere Aufnahme zu machen. Ignorieren Sie<br />

stattdessen die <strong>Vorschau</strong> und vertrauen Sie dem<br />

Histogramm! Sie können die Belichtung und den<br />

Kontrast korrigieren, wenn Sie die Datei<br />

nachbearbeiten, indem Sie die wichtigen Tonwerte<br />

erhalten, was das Bild mit mehr Details und<br />

weniger Rauschen versorgt. Wie Sie sehen<br />

werden, ist es besser, ein überbelichtetes Bild<br />

abzudunkeln, als ein unterbelichtetes aufzuhellen<br />

– solange man aufpasst, dass sich die Lichter nicht<br />

zu sehr aufblähen.<br />

Erhöhen Sie die Belichtung<br />

Der einfachste Weg, um „rechtsum zu<br />

belichten“, besteht darin, eine<br />

Probeaufnahme zu machen und dann auf das<br />

Histogramm zuzugreifen. Wenn der Graph<br />

mittig liegt (in anderen Worten: wenn das Bild<br />

gut belichtet ist), dann erhöhen Sie die<br />

Belichtung mittels der Belichtungskorrektur<br />

um +1/3, machen Sie eine weitere<br />

Aufnahme und überprüfen Sie das<br />

Histogramm. Machen Sie es solange, bis die<br />

Lichterwarnung in der <strong>Vorschau</strong> aufblinkt und<br />

anzeigt, dass die Lichter „abgehackt“ wurden<br />

und Sie die Belichtung ausgereizt haben. Das<br />

vorhergehende Bild, dem Sie 1/3 weniger<br />

Belichtung gaben, ist die Datei, mit der es zu<br />

arbeiten gilt.<br />

A) Das Histogramm eines unterbelichteten<br />

Bildes: Der tonale Graph ist nach links<br />

verschoben, wo es weniger Tonwerte gibt.<br />

Wenn Sie eine solche Aufnahme „zu retten“<br />

versucht hätten, wären Rauschprobleme<br />

aufgetreten.<br />

B) Technisch gesehen ist an diesem Bild oder<br />

Histogramm nichts falsch: Der tonale Graph<br />

ist mittig, weder Lichter noch Schatten<br />

wurden „abgehackt“. Würde man dieses Bild<br />

in der <strong>Vorschau</strong> betrachten, wäre man<br />

wahrscheinlich zufrieden...<br />

C) Wenn man aber nach rechts belichtet,<br />

werden viel mehr Tonwertdetails in die<br />

Raw-Datei aufgenommen als bei ‚korrekter‘<br />

Belichtung.<br />

Das <strong>Vorschau</strong>bild wäre überbelichtet und<br />

verwaschen; dennoch die beste von drei<br />

Raw-Dateien!<br />

A B C<br />

NICHT „ABHACKEN“: Die hellsten Lichter in<br />

1 Gewässern und am Himmel wurden so belichtet,<br />

dass sie beginnen sich „aufzublähen“; erkennbar an<br />

den roten Lichtern. Das Bild sieht insgesamt etwas<br />

verwaschen aus.<br />

BESSERN SIE DIE LICHTER AUF: Auch wenn<br />

2 Sie versuchen, die Lichter nicht „abzuhacken“,<br />

können Sie trotzdem den Aufbesserungsschieber<br />

nutzen, um sie zu retten – es sollten aber nicht mehr<br />

als 20 % eingestellt werden, da sonst das Bild<br />

abflachen kann.<br />

DECKEN SIE DIE DETAILS AUF: Es gibt<br />

3 verschiedene Möglichkeiten, um das Bild<br />

abzuschwächen: Kontrast, Helligkeit, Belichtung. Am<br />

effektivsten sind jedoch Tonwertkorrekturen. Hier<br />

wurde der dunkle Tonwert auf -39 eingestellt – das<br />

sieht schon viel besser aus!<br />

STELLEN SIE DIE TONALITÄT EIN: Die Lichter<br />

4 wurden auf einen Wert von +26 und das Licht<br />

auf einen Wert von -14 gestellt. Sie sehen, wie sich<br />

die Tonwertkorrekturen von einer geraden Linie zu<br />

einer flachen S-Kurve verändert haben.<br />

BESSERN SIE DIE FARBEN AUF: Wenn Sie<br />

5 wieder zur Standard-Registerkarte wechseln, ist<br />

der Schwarzschieber von seiner Grundeinstellung um<br />

5 Werte nach rechts auf 14 gewandert, während die<br />

Vitalität auf +22 und die Sättigung auf +8 stehen,<br />

um die Bildfarben zu kräftigen.


Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografie<br />

Raw 61<br />

Das fertige Bild<br />

Nachdem die bearbeitete Raw-Datei als<br />

16-bit-TIFF gesichert wurde, wurden mit<br />

Photoshop ein paar letzte Schliffe<br />

durchgeführt – und hier das endgültige<br />

Bild: viel beeindruckender als die<br />

ursprüngliche Raw-Datei, aus der es<br />

stammt.


62 Filter Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografie<br />

Die Grundlagen # 6<br />

FILTER<br />

Wir erläutern den Einsatz der wichtigsten<br />

Filtertypen für die Landschaftsfotografie<br />

MAN STELLE SICH VOR: Das Schiff, mit dem man<br />

unterwegs ist, sinkt vor einer verlassenen Insel, und man<br />

kann nur drei Filter mitnehmen. Vielleicht ein etwas<br />

extremes Szenario, aber auf hoher See ist schon<br />

Schlimmeres vorgekommen! Die Frage ist also: welche<br />

drei Filter? Als Vertreter der Cokin-Generation habe ich<br />

mir mehr Filter zugelegt als ein Fotogeschäft. Ich hatte<br />

Plastikscheiben aus C39 Kunstharz, mit denen man<br />

Regenbogen imitieren, einen wunderschönen Himmel<br />

braun färben, attraktive Motive in grelle Farbflecken und<br />

helle Farbpunkte in glänzende Explosionen verwandeln<br />

konnte. Die meisten dieser Filter benutzte ich nie, weil<br />

die Effekte scheußlich waren. Damals war man aber kein<br />

richtiger Fotograf, wenn man nicht überall Dutzende<br />

Filter mit sich schleppte. Schlimmstenfalls riss man sich<br />

mit den scharfkantigen Filtern die Taschen in Fetzen, wie<br />

ich an hunderten Beispielen beweisen kann!<br />

Nach zahlreichen gescheiterten Versuchen schaffte ich<br />

es, meine Cokin-Sucht in den Griff zu bekommen,<br />

sortierte alle unbrauchbaren Filter aus und behielt die<br />

wenigen wirklich nützlichen.<br />

Als ich später auf digitale <strong>Fotografie</strong> umstieg, konnte ich<br />

auch die Farbkorrektur- und Konversionsfilter wegwerfen,<br />

da diese durch Funktionen zur Anpassung von<br />

Weißabgleich und Farbtemperatur ersetzt wurden.<br />

Heute benutze ich nur noch drei Arten von Filtern:<br />

Verlaufsfilter, Polfilter und Graufilter. Für <strong>Landschaften</strong><br />

und normale Aufnahmen werden alle drei benötigt. Man<br />

kann sie sowohl getrennt als auch gemeinsam<br />

einsetzten.<br />

Viele fragen sich wohl: „Warum sollte ich mich mit Filtern<br />

herumärgern, wenn ich die Effekte auch mit Photoshop<br />

erzielen kann?“ Die Antwort lautet: Nicht alle<br />

Filtereffekte können mit Photoshop imitiert werden! Und<br />

auch wenn man einen Effekte nachmachen kann, ist es<br />

besser, das Bild so weit wie möglich in der Kamera zu<br />

bearbeiten, anstatt stundenlang am Computer zu sitzen.<br />

Die wichtigsten Informationen über Filtersysteme findet<br />

man auf der Tabelle unten – den Unterschied zwischen<br />

Landschaftsbildern mit und ohne meine drei<br />

Lieblingsfilter erkläre ich im folgenden Beitrag.<br />

Welches Filtersystem?<br />

Schraubfilter: Diese hochwertigen<br />

Glasfilter werden direkt, schnell und einfach auf<br />

dem Filtergewinde des Objektivs befestigt. Es gibt<br />

zahlreiche, verschiedene Pol- und Grau-<br />

Schraubfilter, Verlaufs-Schraubfilter sind aber fast<br />

keine auf dem Markt. Schraubfilter bieten eine<br />

außerordentliche Bildqualität, haben aber einen<br />

großen Nachteil: Wenn man verschiedene Objektive einsetzt,<br />

braucht man meist auch Schraubfilter in verschiedenen Größen.<br />

Empfehlenswerte Hersteller sind B+W, Hoya, Kood, Jessops und<br />

Tiffen.<br />

Steckfilter: Die beste Wahl ist ein<br />

Stecksystem. Man schraubt einen Halter auf das<br />

Objektiv und kann den Filterhalter darauf<br />

stecken. Dadurch kann der gleiche Filter auf allen<br />

Objektiven eingesetzt werden. Polfilter, Graufilter<br />

und Verlaufsfilter sind alle als Steckfilter<br />

erhältlich. Die Filter von Cokin (P oder X-Pro) und<br />

Formatt Hitech sind empfehlenswert für<br />

Einsteiger, Lee Filters sind die ultimativen Profifilter.<br />

Nebelschwaden<br />

Der richtige Einsatz von Filtern<br />

kann Ihren Aufnahmen mehr<br />

Geheimnis, Dramatik und<br />

Stimmung verleihen.


Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografie<br />

Filter 63


64 Filter<br />

Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e<br />

Verlaufsfilter<br />

Dank Verlaufsfiltern gehören<br />

Landschaftsfotos mit langweiligem<br />

Himmel der Vergangenheit an<br />

FAST ALLE LANDSCHAFTSFOTOGRAFEN haben<br />

schon einmal großartige Aufnahmen mit einem<br />

dramatischen Himmel geschossen und dann<br />

gemerkt, dass auf dem fertigen Bild die<br />

Landschaft zwar gut, der Himmel aber<br />

ausgewaschen bzw. überbelichtet war. Dies kann<br />

man in der Nachbearbeitung korrigieren – jedoch<br />

nur, wenn noch etwas zu korrigieren da ist. Ist der<br />

Himmel so stark überbelichtet, dass keine Details<br />

aufgezeichnet wurden, ist nicht mehr viel zu<br />

retten.<br />

Erfahrenere Fotografen machen zwei Aufnahmen<br />

des Motivs: Bei der ersten nehmen sie den<br />

Himmel, bei der zweiten die Landschaft auf und<br />

setzen beide Aufnahmen später in Photoshop<br />

zusammen. Diese Methode funktioniert gut,<br />

erfordert aber mehr Zeit am Computer.<br />

Die schnellste und einfachste Lösung für dieses<br />

Problem sind Verlaufsfilter!<br />

Sie sind in der oberen Hälfte grau wie ein Graufilter<br />

und durchsichtig im unteren Teil. Der graue Teil<br />

reduziert die Helligkeit des Himmels beim<br />

Aufnehmen einer Landschaft; dadurch wird dieser<br />

richtig belichtet und bleicht nicht zu sehr aus.<br />

Verlaufsfilter und<br />

Belichtung<br />

Bevor es die Mehrfeldmessung gab,<br />

musste die Belichtung manuell ohne<br />

Verlaufsfilter gemessen werden, sonst<br />

wurde das Bild überbelichtet. Heutige<br />

Messsysteme sind so weit entwickelt,<br />

dass man eine Aufnahme mit<br />

Verlaufsfilter fertig komponieren kann,<br />

bevor die Belichtung gemessen wird.<br />

Die Mehrfeldmessung teilt das Bild in<br />

verschiedene, einzeln messbare<br />

Bildbereiche auf. Der Filter hat also<br />

keinen negativen Einfluss auf die<br />

endgültige Belichtung, sondern hilft der<br />

Kamera sogar zu einer präzisen<br />

Belichtungsmessung.<br />

Der graue Teil des Verlaufsfilters<br />

verdunkelt den Himmel und reduziert<br />

dadurch den Kontrast zwischen<br />

Himmel und Vordergrund.<br />

Fototechnik!<br />

Die richtige Lichtdichte wählen<br />

Damit das Resultat des Filters überzeugend<br />

wirkt, muss die passende Lichtdichte gewählt<br />

werden. Und das ist nicht schwer, da nur drei<br />

verschiedene Lichtdichten zur Auswahl stehen:<br />

Mit den Filtern 0,3-, 0,6- und 0,9 wird die<br />

Helligkeit des Himmels jeweils um eine, zwei<br />

oder drei Lichtwertstufen reduziert. Manche<br />

Hersteller haben auch ein 1,2-Verlaufsfilter im<br />

Angebot, der die Helligkeit des Himmels um<br />

vier Lichtwertstufen reduziert. Der schwächste<br />

Filter (0,3) produziert nur eine subtile Wirkung.<br />

Der 0,9-Filter wird meist bei Sonnenauf- und<br />

-untergang eingesetzt, wenn der Himmel sehr<br />

hell ist, die Landschaft aber nicht direkt<br />

beleuchtet wird. Der 0,6-Verlaufsfilter eignet<br />

sich am besten für allgemeine Aufnahmen.<br />

Wenn man sich nicht sicher ist, welchen Filter<br />

man einsetzen sollte, kann man zuerst eine<br />

Probeaufnahme mit dem 0,6-Verlaufsfilter<br />

machen, das Bild auf dem Monitor der Kamera<br />

prüfen und bei Bedarf den Filter wechseln.<br />

0,3 0,9


Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e<br />

Filter 65<br />

Für erfahrene<br />

Landschaftsfotografen sind<br />

Verlaufsfilter kein technisches<br />

Spielzeug, sondern wesentlicher<br />

Bestandteil ihrer Ausrüstung.<br />

ALL IMAGES: LEE FROST<br />

Einstellen des Verlaufsfilters<br />

Es ist wichtig, den Verlaufsfilter richtig<br />

auszurichten, damit er im Bild nicht<br />

sichtbar ist. Dazu gibt es leider keine<br />

Zauberformel; der richtige Einsatz von<br />

Verlaufsfiltern beruht vor allem auf der<br />

Erfahrung des Fotografen.<br />

Die Kamera auf<br />

1 das Stativ<br />

montieren und für<br />

die gewünschte<br />

Bildkomposition<br />

ausrichten. Den<br />

Verlaufsfilter in der<br />

Halterung auf dem<br />

Objektiv befestigen. Durch den Sucher<br />

schauen und den Filter langsam nach<br />

unten auf die<br />

richtige Höhe<br />

schieben.<br />

Der obere Teil<br />

2 des Bildes<br />

sollte dabei dunkler<br />

werden. Das<br />

Resultat ist<br />

manchmal auf den ersten Blick nicht sehr<br />

deutlich ersichtlich, darum sollte die<br />

Filterposition sorgfältig geprüft werden.<br />

Viele Einsteiger<br />

3 schieben den<br />

Filter zu weit nach<br />

unten. Dadurch<br />

kann der<br />

Verlaufsfilter als<br />

Graufilter wirken,<br />

was zu einer<br />

Überbelichtung des Himmels und einer<br />

Trennlinie im Vordergrund führen kann.<br />

Wenn man Mühe hat, den Filter mit<br />

4 dem Sucher<br />

anzupassen, kann<br />

LiveView zu Hilfe<br />

genommen werden.<br />

Auf dem Monitor<br />

sieht man die<br />

genaue Wirkung<br />

des Filters auf das<br />

Bild und dieser kann daher besser richtig<br />

eingestellt werden.<br />

Fototechnik!<br />

Harte oder weiche Verlaufsfilter?<br />

Es gibt zwei Typen von Verlaufsfiltern: harte und weiche.<br />

Dies bezeichnet den Verlauf zwischen dem grau<br />

beschichteten und dem durchsichtigen Teil des Filters. Harte<br />

Verlaufsfilter haben einen weniger abgestuften Übergang als<br />

weiche Verlaufsfilter.<br />

Anfänger denken oft, weiche Verlaufsfilter seien einfacher zu<br />

benutzen, da man eine falsche Ausrichtung nicht so leicht<br />

bemerkt. Trotzdem sind harte Verlaufsfilter die bessere Wahl,<br />

da sie eine klarer definierte Wirkung haben.<br />

Weich<br />

Hart<br />

Weich<br />

Stark


66 Filter<br />

Polfilter<br />

Ein runder Polfilter ist oft der beste Filter<br />

des Fotografen. Er verstärkt die<br />

Farbwirkung und reduziert Blendlichter.<br />

WENN DAS LICHT auf eine Oberfläche trifft,<br />

strahlt es oft in alle Richtungen ab und wird<br />

polarisiert. Dies führt zu Blendlichtern bzw.<br />

Reflexen und reduziert die Farbsättigung, vor<br />

allem auf glänzenden Oberflächen wie Metall,<br />

nassem Laub usw. Der Polfilter lässt nur eine<br />

Lichtrichtung zu; dadurch wird polarisiertes<br />

Licht wirkungsvoll herausgefiltert. In der<br />

Landschaftsfotografie gibt es drei wichtige<br />

Gründe dafür, den Polfilter zu nutzen:<br />

Erstens wird blauer Himmel dunkler, da er<br />

große Mengen polarisierten Lichts enthält. Die<br />

Wirkung der Bilder auf das Auge wird durch<br />

einen ausdrucksstarken Himmel verstärkt.<br />

Zweitens werden Blendlichter auf nichtmetallischen<br />

Oberflächen reduziert, sodass die<br />

Farben des Motivs reicher und satter<br />

hervortreten.<br />

Sein dritter Vorteil besteht darin, Reflexlichter<br />

zu unterdrücken, sodass man durch ein Fenster<br />

oder in ein Gewässer hinein fotografieren kann.<br />

Polfilter und Belichtung<br />

Polfilter reduzieren das Licht um zwei<br />

Lichtwertstufen. Das bedeutet, wenn<br />

man ohne Polfilter mit f/11 1/125<br />

Sekunde belichtet, wird die Belichtung<br />

auf 1/30 Sekunde (bei f/11) vermindert.<br />

Da die Kamera diesen Lichtverlust<br />

automatisch ausgleicht, er muss nicht<br />

extra korrigiert werden. Man sollte sich<br />

aber bewusst sein, dass ein Polfilter die<br />

Verschlusszeit verlängert – selbst bei<br />

hellem Sonnenlicht. Das Risiko der<br />

Verwacklung ist entsprechend höher.<br />

Ein Polfilter kann auch wie ein<br />

0,6-Graufilter verwendet werden, um<br />

Verschlusszeiten gezielt zu verlängern<br />

(siehe Haupttext).<br />

Bei Aufnahmen von Wasserfällen erzeugt<br />

ein Polfilter nicht nur eine längere<br />

Verschlusszeit, um die Wasserbewegung<br />

zu verwischen, sondern entfernt<br />

Lichtreflexe aus dem Wasser und<br />

Blendlichter von nassen Felsen oder<br />

Holz.<br />

Ohne Filter<br />

Man kann die Wirkung eines Polfilters am<br />

besten durch den Sucher beobachten, wenn<br />

man ihn langsam vor das Objektiv schiebt.<br />

Dunkle Himmel werden dunkler und weiße<br />

Wolken stechen hervor, Lichtreflexe kommen<br />

und gehen und die Blendlichter verschwinden.<br />

Sobald man mit dem Resultat zufrieden ist,<br />

kann der Auslöser gedrückt werden. Um die<br />

bestmöglichen Resultate zu erzielen, sollte man<br />

ein paar wichtige Faktoren beachten:<br />

Obwohl Polfilter normalerweise am besten bei<br />

hellem, sonnigem Wetter - wenn am meisten<br />

polarisiertes Licht abgestrahlt wird -<br />

funktionieren, können sie auch bei bedeckten<br />

Wetterverhältnissen eingesetzt werden, um<br />

Blend- und Reflexlichter zu vermeiden.<br />

Herbstmotive mit farbigem Laub an den<br />

Bäumen sehen durch den Polfiltereinsatz besser<br />

aus, weil dadurch die Blendlichter reduziert<br />

werden und die reichen Farben des Laubs<br />

besser zur Geltung kommen.<br />

Wenn man den Polfilter benutzt, um einen<br />

blauen Himmel zu verdunkeln, sollte die<br />

Kamera im rechten Winkel zur Kamera stehen.<br />

Somit steht der Filter vor dem Himmelbereich,<br />

wo am meisten polarisiertes Licht vorhanden ist.<br />

Dadurch erhält man die stärkste Wirkung.<br />

Befindet sich die Sonne hinter dem Rücken oder<br />

nimmt man gegen die Sonne auf, hat der<br />

Polfilter keine große Wirkung. Der Polfiltereinsatz<br />

funktioniert am besten bei einer tiefstehenden<br />

Sonne. Am frühen Morgen und späten Abend<br />

erzielt er bessere Resultate wie am Mittag.<br />

Die Polarisierung verläuft unregelmäßig über<br />

den Himmel. Beim Einsatz von Weitwinkel- oder<br />

Ohne Filter<br />

Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e<br />

Mit Polfilter<br />

Fototechnik!<br />

Rund oder linear<br />

Es gibt zwei Sorten von Polfiltern, lineare und runde.<br />

Auf modernen, digitalen Spiegelreflexkameras werden<br />

runde Polfilter eingesetzt. Lineare Polfilter wurden für<br />

besondere, ältere Film-Spiegelreflexkameras ohne<br />

Autofokus entwickelt. Beide Filtertypen dienen<br />

demselben Zweck. Runde Polfilter garantieren die<br />

richtige Belichtung bei digitalen Spiegelreflex- und<br />

Kompaktkameras mit Autofokus.<br />

Zoomobjektiven mit einer Brennweite über 24<br />

Millimetern (16 Millimeter bei APS-C Sensoren)<br />

kann der Himmel auf einer Seite dunkler werden<br />

als auf der anderen. Das Resultat kann etwas<br />

eigenartig erscheinen. Man kann dieses Problem<br />

zwar im Photoshop lösen, was aber ziemlich<br />

zeitaufwendig ist. Man darf nicht vergessen, dass<br />

Blendlichter nur auf nicht-metallischen<br />

Oberflächen wie Bilderrahmen, Laub und Plastik<br />

entfernt werden. Um Reflexlichter auf Wasseroder<br />

Glasoberflächen zu vermeiden, sollte der<br />

Winkel zwischen der Oberfläche und der<br />

Objektivachse ungefähr 30 Grad betragen. Um<br />

die richtige Filterposition zu erreichen, sollten<br />

verschiedene Blickwinkel ausprobiert werden.<br />

Polfilter können beim Einsatz bei hellem,<br />

sonnigen Wetter einen leicht blauen Stich auf den<br />

Bildern hinterlassen. Um dies zu korrigieren,<br />

kann der Weißabgleich der Kamera angepasst<br />

werden oder die Raw-Datei auf dem Computer<br />

nachbearbeitet werden.<br />

Mit Polfilter<br />

Techn


Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografie<br />

Filter 67<br />

Ein Polfilter intensiviert die<br />

Wirkung vom blauem Himmel<br />

und <strong>Landschaften</strong>.<br />

ALLE BILDER: LEE FROST<br />

que watch!


68 Filter<br />

Graufilter<br />

Belichtungszeiten für kreative Effekte mit einem Graufilter verlängern<br />

GRAUFILTER WURDEN entwickelt, um die durch ein<br />

Objektiv eindringende Lichtmenge zu reduzieren,<br />

ohne dabei den Farbabgleich zu beeinflussen.<br />

Graufilter funktionieren ähnlich wie Verlaufsfilter,<br />

wirken sich aber gleichmäßig auf das gesamte Bild<br />

aus. Sie werden vor allem eingesetzt, um die<br />

Belichtungszeit eines Bildes zu verlängern. Dadurch<br />

können bei einer langen Verschlusszeit Bewegungen<br />

festgehalten werden. Ein klassisches Motiv für den<br />

Graufiltereinsatz sind Wasserfälle, bei denen die<br />

Wasserbewegung anmutig verwischt wird. Mit Hilfe<br />

von Graufiltern kann die Bewegung bei verschiedenen<br />

Motiven aufgezeichnet oder verstärkt werden:<br />

Pendler, die aus dem Morgenzug strömen, der<br />

Verkehr an befahrenen Straßen, sich im Wind<br />

wiegende Baumwipfel, die Brandung an Felsen und<br />

so weiter. Sie sind ideal für den Einsatz bei sehr<br />

hellen Lichtverhältnissen, wenn die niedrigste<br />

ISO-Empfindlichkeit und die kleinste Blende nicht die<br />

gewünschte Verschlusszeit bieten können.<br />

Belichtungstabelle:<br />

Beim Einsatz von schwächeren Graufiltern mit<br />

einer Lichtdichte von bis zu 1.2, kann das<br />

Messsystem der Kamera durch das Objektiv<br />

eine richtige Belichtung garantieren. Bei einer<br />

Lichtdichte ab 1.2 hat das Messsystem<br />

manchmal Probleme und die Aufnahmen<br />

werden unterbelichtet.<br />

Um Belichtungsfehler zu vermeiden, sollte die<br />

Belichtung ohne Graufilter gemessen, die<br />

richtige Belichtung berechnet und dann<br />

manuell eingestellt werden. Für iPhone<br />

Benutzer gibt es eine nützliche App mit dem<br />

Namen „ND CalC“, mit der man die Belichtung<br />

berechnen kann. Alternativ kann die folgende<br />

Tabelle verwendet werden. Werden<br />

Belichtungszeiten von über 30 Sekunden<br />

eingestellt, sollte der Modus<br />

„Langzeitbelichtung“ (B) gewählt und die<br />

Belichtungszeit mithilfe der Kontrolluhr auf der<br />

Kamera oder dem Smartphone, der<br />

Fernbedienung oder der Armbanduhr gestoppt<br />

werden.<br />

Ohne<br />

Filter<br />

mit<br />

0,6ND<br />

mit<br />

0,9ND<br />

mit<br />

1,2ND<br />

1/500 Sek 1/125 Sek 1/60 Sek 1/30 Sek<br />

1/250 Sek 1/60 Sek 1/30 Sek 1/15 Sek<br />

1/125 Sek 1/30 Sek 1/15 Sek 1/8 Sek<br />

1/60 Sek 1/15 Sek 1/8 Sek 1/4 Sek<br />

1/30 Sek 1/8 Sek 1/4 Sek 1/2 Sek<br />

1/15 Sek 1/4 Sek 1/2 Sek 1 Sek<br />

1/8 Sek 1/2 Sek 1 Sek 2 Sek<br />

1/4 Sek 1 Sek 2 Sek 4 Sek<br />

1/2 Sek 2 Sek 4 Sek 8 Sek<br />

1 Sek 4 Sek 8 Sek 16 Sek<br />

2 Sek 8 Sek 16 Sek 32 Sek<br />

3 Sek 16 Sek 32 Sek 1 Min<br />

4 Sek 32 Sek 1 Min 2 Min<br />

Fototechnik<br />

Unterschiedliche Lichtdichten<br />

Wie lange die Belichtung mit Graufilter verlängert wird,<br />

hängt von seiner Lichtdichte ab. Der schwächste<br />

Graufilter, dessen Einsatz sich lohnt, ist der 0,6 (4x)<br />

Graufilter; er reduziert die Belichtung um zwei<br />

Lichtwertstufen. Ein Polfilter verlangt ebenfalls eine<br />

Mehrbelichtung von zwei Stufen und kann somit als<br />

0,6-Graufilter genutzt werden. Es folgen der dreistufige<br />

0,9 (8x) Graufilter und der vierstufige 1,2 (16x)<br />

Graufilter. Wird damit die gewünschte Lichtdichte nicht<br />

erreicht, können auch mehrere Filter zugleich eingesetzt<br />

werden. Eine Kombination aus 0,6 und 0,9 Graufilter<br />

verlangt z. B.eine Mehrbelichtung von fünf<br />

Lichtwertstufen.<br />

Auch Graufilter mit 1,8 (sechs Lichtwertstufen)<br />

Lichtdichte und mehr sind möglich. Diese wurden<br />

ursprünglich für industrielle Fotoprozesse mit extremer<br />

Helligkeit entwickelt, sind heute aber immer beliebter<br />

unter Fotografen, da sie auch bei Tageslicht<br />

Belichtungszeiten von mehreren Minuten erlauben. Einer<br />

der stärksten Graufilter hat eine Lichtdichte von 3,0 und<br />

erfordert eine Mehrbelichtung von zehn Lichtwertstufen<br />

– das 1000-fache von normaler Belichtung.<br />

Ohne Filter<br />

0,6ND


BILD: LEE FROST<br />

Der Einsatz von Graufiltern<br />

erlaubt bei Tageslicht längere<br />

Verschlusszeiten:<br />

Ideal für Aufnahmen von<br />

Wasserfällen.<br />

1,2ND<br />

3,0ND<br />

Farbstiche<br />

Obwohl Graufilter farbneutral sind,<br />

erscheinen bei deren Einsatz mit einer<br />

höheren Lichtdichte und einer längeren<br />

Belichtung Farbstiche auf dem Bild. Bei<br />

zehnstufigen Graufiltern ist dieser Effekt<br />

besonders gut sichtbar. Während der<br />

B+W 3,0 einen sehr warmer Farbstich<br />

hat, erzeugt der Lee Big Stopper einen<br />

kühl blauen Farbstich.<br />

Diese Farbstiche können den Ausdruck<br />

des Bildes verbessern. Falls nicht<br />

gewünscht, kann die Farbtemperatur bei<br />

der Nachbearbeitung der Raw-Datei<br />

korrigiert werden.


70 Filter<br />

Zehnstufige Graufilter<br />

Ein zehnstufiger Graufilter ermöglicht<br />

kunstvolle Landschaftsaufnahmen in<br />

Schwarzweiß<br />

DAS ERSTE, was man beim Einsatz eines zehnstufigen Graufilters<br />

bemerkt ist, dass er so dunkel ist, dass man nicht durchsehen<br />

kann. Bei hellem Sonnenlicht sieht man ein undeutliches Bild<br />

durch den Sucher. Die Helligkeit ist aber 1000-mal schwächer als<br />

ohne den Filter. Daher muss die Kamera für eine Aufnahme zuerst<br />

auf einem Stativ montiert werden. Dann wird das Bild komponiert,<br />

der Fokus manuell eingestellt (der Autofokus funktioniert bei<br />

Graufiltern nicht), der Verlaufsfilter bei Bedarf eingesetzt und zum<br />

Schluss der zehnstufige Graufilter am Objektiv befestigt. Modernere<br />

Kameras mit LiveView sind genug empfindlich, um durch einen<br />

zehnstufigen Graufilter hindurch zu sehen. Dadurch kann die<br />

Bildkomposition oder die Kameraposition gewechselt werden,<br />

ohne dass der zehnstufige Filter entfernt werden muss.<br />

Bei den meisten Kameramodellen muss der Graufilter allerdings<br />

entfernt werden, damit man durch den Sucher sieht. Darum sind<br />

die Steckfilter Big Stopper von Lee Filter praktischer als B+W<br />

Schraubfilter. Der Big Stopper kann einfach aus dem Halter<br />

entfernt werden, währenddem der B+W-Filter vom Objektiv<br />

abgeschraubt werden muss.<br />

Die längste Belichtung, die man mit der programmierten<br />

Verschlusszeit der Kamera erreichen kann, sind 30 Sekunden.<br />

Häufig wird aber zu deren Verlängerung ein zehnstufiger Graufilter<br />

eingesetzt. Dabei muss die Kamera auf den Modus<br />

„Langzeitbelichtung“ (B) eingestellt werden, damit der Verschluss<br />

offen bleibt. Wenn man in solchen Aufnahmesituationen versucht,<br />

die Belichtung durch das Öffnen der Blende und eine verstärkte<br />

ISO-Empfindlichkeit unter 30 Sekunden zu halten, kann das Motiv<br />

ruiniert werden, da die beste Wirkung oft nur durch eine Belichtung<br />

von mehreren Minuten erreicht werden kann.<br />

Dies ist der Fall bei allen Motiven mit beweglichen Bildelementen.<br />

Der Himmel ist zum Beispiel ein sehr beliebter Kandidat für diese<br />

Technik. An windigen Tagen bewegen sich die Wolkenschwaden<br />

schnell über den Himmel. Man weiß daher nie, wie die Bewegung<br />

aufgezeichnet wird, bis man die Aufnahme vor sich hat. Sich im<br />

Wind bewegende Baumwipfel oder Grashalme haben ebenfalls<br />

einen ganz anderen Ausdruck, wenn sie während mehreren<br />

Minuten belichtet werden.<br />

Küstenaufnahmen sind wahrscheinlich am besten für den Einsatz<br />

von zehnstufigen Graufiltern geeignet. Das Meer befindet sich in<br />

ständiger Bewegung. Wenn man also während mehrerer Minuten<br />

belichtet, verliert dessen Oberfläche jegliche Textur und bekommt<br />

einen sanften, milchig-weißen Ausdruck, der im Kontrast mit den<br />

statischen Elementen wie Landestegen, Leuchttürmen,<br />

Landzungen, Hafendämmen und Felsen erscheint. Man kann mit<br />

einem zehnstufigen Graufilter aber auch ganz andere Motive wie<br />

urbane <strong>Landschaften</strong> aufnehmen. Das meiste, was sich bei<br />

offenem Verschluss über den Bildausschnitt bewegt, wie<br />

Menschen oder Verkehr, wird nicht aufgezeichnet. Man kann also<br />

mit dieser Technik Bilder aufzeichnen, die man mit bloßen Augen<br />

gar nicht sieht. Belebte Straßen werden dadurch plötzlich<br />

menschenleer.<br />

Weitwinkelobjektive sind beim Einsatz von zehnstufigen Graufiltern<br />

effektiver als Teleobjektive, weil der Himmel und der Vordergrund,<br />

wo am meisten Bewegung aufgezeichnet wird, hervorgehoben<br />

werden kann. Man sollte dabei ein unbewegliches Element im<br />

1/4 Sekunde ohne Filter<br />

4 Minuten mit zehnstufigem Graufilter<br />

Vordergrund und fließendes Wasser oder sich am Himmel<br />

bewegende Wolken im Hintergrund haben. Man sollte sich dabei<br />

entweder nahe an den Vordergrund heran bewegen oder das<br />

Weitwinkelobjektiv vom Boden aus nach oben gegen den Himmel<br />

richten.<br />

Helles Sonnenlicht erzeugt die am wenigsten geeignete<br />

Beleuchtung für Aufnahmen mit zehnstufigen Graufiltern, da es<br />

grell und flach wirkt. Die hohe Lichtintensität erlaubt außerdem<br />

keine wirklich langen Belichtungszeiten, auch wenn das Objektiv<br />

und die ISO-Empfindlichkeit möglichst tief eingestellt sind.<br />

Sonnenauf- und -untergänge und der frühe Morgen und späte<br />

Abend produzieren perfekte, stimmungsvolle Bilder, da die Sonne<br />

dann tief im Himmel steht und das Licht schön und warm ist. Der<br />

zehnstufige B+W 3,0 Graufilter hat einen warmen Farbstich, der<br />

sich ideal für Aufnahmen am frühen Morgen oder am späten Abend<br />

eignet. Bei stürmischem Wetter kann eine dramatische Wirkung<br />

erreicht werden, da sowohl der Himmel als auch das Meer<br />

bewegter sind. An bedeckten Tagen ist das Licht weich und die<br />

sanften Töne erzeugen einfache, grafische Bilder. Der Einsatz von<br />

zehnstufigen Graufiltern kann sowohl in Farbe als auch bei<br />

Schwarzweißaufnahmen zu eindrucksvollen Resultaten führen. Der<br />

Himmel und die restlichen Bildelemente sollten getrennt bearbeitet<br />

werden. Mithilfe von Tonwertkorrekturen und Gradationskurven<br />

werden Dramatik und Kontrast gesteigert, bis das Endresultat stark<br />

vom Originalmotiv abweicht.<br />

Mit einem zehnstufigen Filter vor dem Objektiv betrittt man visuell<br />

eine neue Welt.<br />

Belichtungstabelle:<br />

Die Grafik rechts zeigt die<br />

Zunahme der Belichtungszeit beim<br />

Einsatz eines zehnstufigen<br />

Graufilters. Dies ist einer der<br />

wichtigsten Gründe, warum der<br />

Kameramodus<br />

„Rauschunterdrückung bei langer<br />

Belichtung“ der Kamera nicht<br />

eingesetzt werden sollte, da er die<br />

gleiche Zeit in Anspruch nimmt wie<br />

die Belichtung. Es empfiehlt sich<br />

stattdessen, eine Aufnahme mit<br />

einer zweiminütigen Belichtung<br />

aufzunehmen und noch etwas zu<br />

warten, bis das Bild aufgezeichnet<br />

wird. Die Rauschunterdrückung<br />

sollte besser abgeschaltet und das<br />

Bildrauschen im Nachhinein<br />

korrigiert werden.<br />

Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e<br />

Ohne Filter<br />

3,0ND<br />

(Ten-stop)<br />

1/500 Sek 2 Sek<br />

1/250 Sek 4 Sek<br />

1/125 Sek 8 Sek<br />

1/60 Sek 16 Sek<br />

1/30 Sek 32 Sek<br />

1/15 Sek 1 Min<br />

1/8 Sek 2 Min<br />

1/4 Sek 4 Min<br />

1/2 Sek 8 Min<br />

1 Sek 16 Min<br />

2 Sek 32 Min<br />

4 Sek 48 Min<br />

4 Sek 1 Stunde


Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografie<br />

Filter 71<br />

Zehnstufige Graufilter<br />

sind vielseitig einsetzbar.<br />

Als Landschaftsfotograf<br />

sollten Sie immer einen<br />

bei sich haben.


Süße Limonaden und Fastfood stehen für viele Menschen<br />

auf der Liste der ungesunden Lebensmittel ganz oben. Aber<br />

was ist mit Spaghetti? Laut einer Studie im „American Journal<br />

Of Epidemiology“ kann es sehr ungesund sein, sich zu oft an<br />

raffinierten Kohlenhydraten wie weißen Nudeln, Reis- und<br />

Brotsorten sattzuessen. Es heißt, dadurch steige merklich das<br />

Risiko eines Hirnschlags. Bei der Untersuchung wurden die<br />

Versuchspersonen über 18 Jahre hinweg beobachtet. Dabei<br />

stellte sich heraus: Bei den Probanden mit einer hohen Zufuhr<br />

raffinierter Kohlenhydrate war die Neigung zu Blutgerinnseln<br />

mit anschließendem Schlaganfall höher als bei den anderen<br />

Testteilnehmern. Die positive Meldung: Die Personengruppe,<br />

geringeres Schlaganfallrisiko. Eine hohe Ballaststoffzufuhr<br />

raffinierte Kohlenhydrate sein müssen, solltest du sicherstellen,<br />

dass sie der Körper auch gut gebrauchen kann (siehe Artikel<br />

JETZT IM HANDEL<br />

Bei allen guten<br />

Zeitschriftenhändlern<br />

AUFTANKEN<br />

Die weiße<br />

Gefahr<br />

Halte dich von raffinierten Kohlenhydraten<br />

fern, um das Schlaganfallrisiko zu senken.<br />

Lebensmittel mit hohem<br />

Ballaststoffanteil wie<br />

Pilze oder Kidneybohnen<br />

können die negativen<br />

Auswirkungen der weißen<br />

Kohlenhydrate ausgleichen.<br />

Gönn dir also einen Chili-<br />

Eintopf mit diesen<br />

Zutaten.<br />

die mehr Ballaststoffe zu sich nahm, hatte ein weitaus<br />

kann also helfen, das Leben zu verlängern. Und wenn es<br />

zur Kohlenhydratzufuhr nach dem Training auf Seite 90).<br />

mensfitness.de/FEBRUAR 2014/83<br />

83 AA EATFIT OPENER.indd 83 10/12/2013 14:53<br />

DER COUNTDOWN ZUM FITTEREN LEBEN<br />

Die verbotene Frucht<br />

Verzichte vor dem Sport auf Fruktose, um effektiver abzunehmen<br />

Der gewohnte Apfel vor dem Gang ins Fitnesscenter ist<br />

vielleicht nicht ungesund. Es besteht jedoch das Risiko, dass du<br />

damit deine Abspeckpläne unterwanderst. Obst und Pflanzen<br />

enthalten Fruktose. Laut einer Studie im „Journal Of Sports<br />

Sciences“ veranlasst die natürliche Zuckerart den Körper dazu,<br />

eher Kohlenhydrate anstatt Fett als Energiequelle zu nutzen.<br />

Daneben macht die Substanz süchtig, während sie den Hunger<br />

steigert, wie kanadische und amerikanische Wissenschaftler<br />

herausgefunden haben. In frischem Obst ist die Fruktose kein<br />

so großes Problem. In Obstsäften ist sie jedoch in höheren<br />

Konzentrationen enthalten. Und industriell verarbeitete<br />

Lebensmittel sind richtiggehende Fruktosebomben – ein guter<br />

Grund, auf diese Lebensmittel zu verzichten. Lass auch den<br />

Apfel vor dem Workout weg. Dann wirst du die Früchte deiner<br />

harten Arbeit im Fitnesscenter viel schneller ernten können.<br />

MF INHALT<br />

FIT ZONE<br />

FEATURES<br />

07 Die verbotene Frucht – Ohne Fruktose vor dem Sport<br />

effektiver abnehmen<br />

08 Sixpack-Tipp – Im Uhrzeigersinn zum Waschbrettbauch<br />

10 Testosteron fürs Leben – Push dein Sexleben mit der<br />

richtigen Ernährung<br />

12 Fight Zone – Tipps & Tricks unseres MF-Fight-Profis<br />

Tobias Voss<br />

14 Expertentipp – Sprinter Adam Gemili sorgt für Tempo<br />

und Kraft<br />

16 V-Form – Festige Deinen Core mit drei klassischen<br />

Ringübungen<br />

18 Movies, New & Win – Checkt die aktue len Film- &<br />

DVD-Tipps und gewinnt einen Top-Film<br />

22 Leserbriefe – Fragt unseren Experten Dirk van der Klok<br />

24 Michaels Fitnessecke – Deutschlands gefragtester<br />

Fitnesstrainer über die Welt der Fitness<br />

26 Muskelexperte Charles Poliquin – Muskeln im Schlaf<br />

28 Ra ly-Experte Ken Block – Mut, Wagnis & Risiko für den<br />

Erfolg<br />

30 Körper & Geist: Fit werden- Zehn Dinge, die dich am<br />

Erfolg hindern<br />

33 Bruce Lee-Story (Teil 1) – Fist of Fury – Leben und<br />

Vermächtnis<br />

38 Fitness-Story – Überleben ist eine Sache, wieder<br />

Zurückkommen eine andere: Das Comeback des<br />

James Grange.<br />

44 Blick in die Zukunft – Wir präsentieren euch die<br />

Fitness-Trends und –Technologien von morgen<br />

50 Eine sportliche Affäre – Tipps für Ausgleichssportarten,<br />

die euer Workout- und Trainingsleben abwechselnder<br />

gestalten<br />

54 F1-Fitness – Auf dem Weg zur Nummer Eins:<br />

Nico Rosberg exklusiv über Training, Rennen und den<br />

Wi len zum Sieg<br />

60 Girl Power Extrem – CrossFit Games: Wir verraten die<br />

Trainingsgeheimnisse der härtesten Frauen der Welt<br />

67 Men’s Fitness beim Abu Dhabi-Triathlon – Wir waren<br />

dabei beim Start der besten Triathleten im<br />

Wüstenstaat<br />

CHECK<br />

OUT!<br />

MF ONLINE<br />

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www.mensfitness.de<br />

&<br />

07 10<br />

44<br />

50<br />

60 78<br />

33 38<br />

54<br />

98<br />

133<br />

FEATURES<br />

73 Outdoor-Herausforderung – MF beim ultimativen<br />

Steilsprint in Frankreich<br />

78 Muscle Drink: Starke Smoothies – Sieben Rezepte für<br />

leckere Fruchtgetränke zum Muskelaufbau<br />

83 EAT FIT – Die weiße Gefahr: Vermeide Kohlenhydrate<br />

um das Schlaganfalrisiko zu senken<br />

84 Ernährungsexperte – Das Maß ist vo l. Die Tricks der<br />

Lebensmittelindustrie<br />

86 EF Wissen – Das Rezept für eine gesunde Lasagne<br />

90 Perfekte Ernährung – Abspecken und auftanken durch<br />

die Kohlenhydratzufuhr nach dem Training<br />

92 Body Book: Leg dein Waschbrett frei – Der<br />

8-Wochen-Sixpack-Ernährungsplan<br />

146 Fitness über 40 – Mach es wie Hugh Jackman!<br />

TRAINER<br />

FEBRUAR 2014<br />

97 Body-Tipp: Das Bausatz-Prinzip: Stück für Stück zum<br />

Mode lkörper<br />

98 Body Book “Slider Workout” - Neue Wege: Mehr Muskeln<br />

mittels „Mädchen-Equipment“<br />

106 Gast Trainer – Steinhartes Sixpack, starker Bizeps und<br />

weniger Fett durch isometrisches Training<br />

112 MMA-Training – UFC-Fighter Tom Kong’s Workout für den<br />

Kraftaufbau und die richtige Power im Ring<br />

116 Body Book „Hantelstangen-Training– Ste l neue Rekorde<br />

auf: Power für die Bank<br />

124 Must Do Move – V-Power: Die perfekte Rückenübung für<br />

den V-förmigen Oberkörper<br />

128 Wissen – Schlanker und stärker durch mehr Tempo im<br />

Kardiotraining<br />

130 A lround-Gerät – Gymnastikba l, der Katalysator für dein<br />

Traum-Sixpack<br />

133 Top-Workout – Der Weg zum Traumbody in nur<br />

12 Einheiten: Muskeln aufbauen und Fett verlieren mit<br />

diesen effektiven Supersätzen<br />

144 Gym Talk – 5-fache Power für das Stoßen<br />

4/FEBRUAR 2014/mensfitness.de mensfitness.de/FEBRUAR 2014/5<br />

S. 8, 16,<br />

92, 106,<br />

130<br />

S. 60<br />

S. 112<br />

S. 78<br />

S. 28<br />

S. 12<br />

AUF<br />

DEM<br />

COVER<br />

S. 33<br />

S.54<br />

S. 101<br />

S. 67<br />

Du möchtest<br />

vor dem Training<br />

trotzdem<br />

einen kleinen<br />

Fruktosekick?<br />

Mandelbutter hilft<br />

beim Abspecken.<br />

Nimm davon einfach<br />

einen Löffel voll<br />

zu dir.<br />

Das Video zum Workout findet ihr unter:<br />

www.mensfitness.de/must-do-move<br />

mensfitness.de/FEBRUAR 2014/7<br />

07 F1 FIT LIST.indd 7 10/12/2013 13:32<br />

A<br />

Vornübergebeugtes Rudern an den<br />

Kurzhanteln mit Handdrehung<br />

Durch die Änderung der<br />

Handhaltung werden bei dieser<br />

Übung mehr Muskelfasern im<br />

oberen Rücken einbezogen.<br />

c Mit hüftbreit voneinander entfernten Füßen aufrecht<br />

hinste len und in jede Hand eine Kurzhantel nehmen.<br />

c Aus der Hüfte heraus den Körper nach vorne neigen<br />

und leicht in die Knie gehen. Die tief liegende<br />

B<br />

Words John doe Photography Jane doe<br />

www.mensfitness.de<br />

Halte- und Stützmuskulatur des Rumpfes (sog.<br />

Core) angespannt lassen. Den Rücken durchgehend<br />

gerade und para lel zum Boden halten.<br />

c Die Handgelenke so drehen, dass die<br />

Handflächen zum Körper weisen.<br />

c Nun die Kurzhanteln hoch zum Brustkorb führen. Dabei<br />

die Handgelenke so drehen, dass du die Gewichte<br />

in der oberen Position im neutralen Griff hältst.<br />

c Kurz innehalten, um die Rücken- und<br />

Bizepsmuskulatur anzuspannen. Dann die Gewichte<br />

langsam zurück in die Ausgangsposition sinken lassen.<br />

Warum es funktioniert<br />

„Anfangs sind die Arme nach innen gedreht, am Ende befinden sie sich im<br />

neutralen Griff. Das bewirkt eine stärkere Kontraktion der Zielmuskulatur. Somit<br />

werden mehr Muskelfasern beschädigt, was die Grundvoraussetzung für schnelle<br />

und große Zuwächse ist“, erklärt Mitchell. „Zusätzlich wird auch der Bizeps<br />

miteinbezogen, eine schöne Ergänzung zur verbesserten Form des Oberkörpers.“<br />

126/FEBRUAR 2014/mensfitness.de<br />

www.facebook.com/mensfitnessmagazin<br />

124-127 II MUST DO MOVE.indd 126 10/12/2013 15:35


Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e<br />

Grundlagen: Farbe in Landschaftsaufnahme n 73<br />

Die Grundlagen #8<br />

VERSTEHEN DER FARBLEHRE<br />

ÜBER FARBEN, ihre praktische Anwendung und<br />

psychologische Wirkung ist schon viel spekuliert worden.<br />

Oft sind Anwendungen und Effekte eng miteinander<br />

verknüpft; es ist daher kein Zufall, dass Stoppschilder<br />

rot sind, die kalte Seite des Wasserhahns blau, oder die<br />

Umweltbewegung grün.<br />

Auch über die Beziehungen zwischen unterschiedlichen<br />

Farben gibt es viel zu lernen, denn Farben funktionieren<br />

auf verschiedene Weise miteinander: Manche<br />

Kombinationen schaffen Energie und Spannung, andere<br />

harmonisieren und schaffen Ruhe. Wenn eine Farbe in<br />

der Natur besonders intensiv auftritt, ist die Bühne für<br />

großartige Landschaftsfotos bereit. Wer die Beziehungen<br />

zwischen den Farben versteht, wird reich belohnt.<br />

1) Harmonie und Kontrast<br />

Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Beziehungen<br />

zwischen Farben: Harmonie und Kontrast. Der Blick<br />

auf den Farbkreis hilft dies zu verstehen: Farben, die<br />

nebeneinander liegen, wie zum Beispiel Grün und<br />

Blau, harmonieren miteinander, während Farben, die<br />

einander gegenüber liegen, wie zum Beispiel Blau<br />

und Gelb, einen Kontrast bilden.<br />

Zudem harmonieren Farben, die sich auf der<br />

„warmen“ Seite des Farbkreises befinden,<br />

miteinander, ebenso wie die auf der „kalten“ Seite.<br />

Harmonische Farben üben eine beruhigende<br />

Wirkung aus, insbesondere Blau- und Grüntöne.<br />

Kontrastierende Farben sind dramatischer und<br />

schaffen eine Spannung, die das Auge herausfordern<br />

kann – z. B. bilden Blau und Gelb einen starken<br />

Kontrast.<br />

DER FARBKREIS<br />

Kontrastierende Farben wie<br />

Gelb/Blau oder Rot/Grün<br />

schaffen Spannung und<br />

Dramatik, und benachbarte<br />

Farben beruhigen<br />

ADAM BURTON


74 Grundlagen: Farbe in Landschaftsaufnahmen<br />

Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e<br />

R<br />

B<br />

2) Farbe und Emotionen<br />

Neben ihrer visuellen Wirkung können Farben auch unterschiedliche Stimmungen<br />

andeuten, verschiedene Gefühle hervorrufen und, je nach unserer Kultur und unserem<br />

Hintergrund, symbolische Bedeutung haben. Überlegen Sie, welche Wirkung eine<br />

dominante Farbe auf Ihr Bild haben kann. Manchmal ist es angebracht, eine Farbe<br />

zu dämpfen oder zu betonen. Beachten Sie die Farben in Ihrem Bildaufbau, im<br />

Zusammenhang mit der Ausleuchtung und der sorgfältigen Verwendung von Filtern.<br />

ROT ist eine intensive Farbe, besonders, wenn sie vor einem dunklen Hintergrund<br />

R auftritt. Diese Farbe wird universell zur Warnung und bei Gefahr eingesetzt und ist<br />

kaum zu übersehen. Rot ist die kräftigste Farbe, die in der Fotografi e die meiste<br />

Aufmerksamkeit auf sich zieht. Deshalb kann sie auch ablenkend wirken, wenn sie als<br />

kleines Detail in einer Landschaft auftaucht, zum Beispiel in der Ferne als Auto, Boot<br />

oder Verkehrsschild.<br />

BLAU ist eine zurückhaltende Farbe, die verwendet werden kann, um Erholsamkeit,<br />

B Traurigkeit oder Stille zu vermitteln. In der Fotografi e wird sie gerne verwendet, um Kälte<br />

anzudeuten. Das funktioniert besonders gut in Verbindung mit Wasser und Winterlandschaften.<br />

Blau ist eine sehr wichtige Farbe für Landschaftsfotografen, weil ein gesättigter Himmel einen<br />

sehr schmeichelhaften Hintergrund darstellt.<br />

GRÜN wird oftmals verwendet, um Gesundheit und Leben zu suggerieren. Grün ist<br />

G bekanntlich die vorherrschende Farbe in der Pfl anzenwelt und beherrscht deshalb viele<br />

Landschaftsfotos. Es wird sehr leicht von leuchtenden, kräftigen Farben wie Rot in den<br />

Hintergrund gedrängt und verliert dann einige Wirkung. Wenn es jedoch einzeln auftritt, kann<br />

Grün trotzdem kraftvolle, interessante Bilder schaffen.<br />

GELB ist ebenfalls eine kräftige, hervortretende Farbe, die oftmals verwendet wird, um<br />

G Fröhlichkeit oder Helligkeit anzudeuten. Sie verleiht Ihren Bildern Wärme und funktioniert<br />

besonders gut, wenn sie mit Blau verbunden oder in Kontrast gesetzt wird. Gelb in Verbindung<br />

mit ähnlich kraftvollen Farben wie Gold oder Orange versinnbildlicht den Herbst. Es dient auch<br />

gut als Hintergrund für Stillleben.<br />

CRAIG ROBERTS<br />

G<br />

G<br />

TOM MACKIE MARK BAUER<br />

ROSS HODDINOTT


Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e<br />

Grundlagen: Farbe in Landschaftsaufnahmen 75<br />

3) Die Verwendung einzelner Farben<br />

Einzelne Farben verleihen Bildern eine ganz besondere<br />

Stimmung, und es ist durchaus möglich, mit nur einer<br />

einzigen Farbe – oder Abstufungen davon – erfolgreiche Bilder<br />

zu komponieren.<br />

Bestimmte Lichtverhältnisse können diesen Effekt erzeugen<br />

und einer Szene besondere Atmosphäre verleihen. Ein<br />

intensiv orangefarbener oder roter Sonnenuntergang hat<br />

einen starken Einfluss auf jede neutrale Farbe und badet<br />

eine Szene geradezu in feuriger Wärme. Auch eine starke<br />

Hintergrundbeleuchtung kann Farben entsättigen und einen<br />

fast monochromen Effekt erzielen. Vor Sonnenaufgang und<br />

nach Sonnenuntergang dagegen gibt es keine einzelne, starke<br />

Lichtquelle und das Licht wird gestreut und vom Himmel<br />

reflektiert.<br />

Die beiden Fotos auf der rechten Seite sind sehr gute Beispiele<br />

für monochrome Bilder: Auf dem linken Bild sind der See<br />

und das tote Holz vor Sonnenaufgang in ein diffuses Licht<br />

getaucht, das vom ganzen Himmel auf die Szene fällt. Es<br />

verleiht der gesamten Szene einen Hauch von Kälte, aber die<br />

Stimmung ist sehr beschaulich. Das passt sehr gut zu der<br />

kalten, windstillen Ruhe eines Wintermorgens. Auf dem Bild<br />

rechts können Sie sehen, wie die Hintergrundbeleuchtung<br />

die Farben der Szene entsättigt, sodass die Szene fast farblos<br />

wirkt.<br />

Monochrom vor Sonnenaufgang<br />

Entsättigung durch Hintergrundbeleuchtung<br />

ALLE BILDER: MARK BAUER<br />

4) Farbsättigung<br />

Wenn wir streng technisch sein wollen, bezieht sich<br />

„Sättigung“ auf die Reinheit einer bestimmten Farbe. Mit<br />

der Zeit und im praktischen Umgang erhielt „Sättigung“ die<br />

Bedeutung von Intensität oder Kraft einer Farbe. Ein gesättigtes<br />

Bild bedeutet aber mehr als die Farben in Photoshop zu<br />

pushen, auch wenn das interessante Ergebnisse schaffen<br />

kann.<br />

Es gibt jedoch zahlreiche Optionen, die schon bei der<br />

Aufnahme zu bedenken sind, wie wir zuerst erläutert wollen:<br />

Die Tageszeit hat einen Einfluss auf die Farbsättigung. Das<br />

Licht am frühen Morgen und am späten Abend, wenn<br />

die Sonne tief am Himmel steht und nur wenig Blendlicht<br />

vorhanden ist, führt zu intensiveren Farben als zu anderen<br />

Tageszeiten. Ebenso verhält es sich bei einer Ausleuchtung von<br />

vorne im Gegensatz zu einer Ausleuchtung von der Seite oder<br />

von hinten. Ein Polfilter verbessert ebenfalls die Farbsättigung,<br />

indem er Reflexionen reduziert und Blendlicht dämpft. Ein<br />

Polfilter erzielt den größten Effekt, wenn die Kamera sich in<br />

einem Winkel von 90 Grad zur Sonne befindet. Polfilter sind<br />

so einfach zu benutzen und der Effekt ist schon durch den<br />

Sucher der Kamera deutlich zu sehen. Der offensichtlichste<br />

dabei ist die Zunahme der Fabsättigung bei blauem Himmel.<br />

Ein paar Dinge sind dennoch zu beachten. Es ist durchaus<br />

möglich, eine Szene übermäßig zu polarisieren, so dass<br />

der Himmel fast schwarz wirkt, und bei der Benutzung<br />

eines Weitwinkelobjektivs (weiter als 25 mm bei einem<br />

Vollformat-Sensor oder 17 mm bei einem APS-C-Sensor)<br />

kann der Polarisationsgrad über den gesamten Bildausschnitt<br />

ungleichmäßig sein.<br />

Natürlich ist es nicht immer erstrebenswert, dass die Farben<br />

lebhaft und gesättigt erscheinen. Gedeckte Pastelltöne sind<br />

subtiler, können aber für das richtige Objekt genau so effektiv<br />

sein und eine Atmosphäre von Ruhe und Erholung vermitteln.<br />

Früher Morgennebel verwäscht die Farben und verleiht einer<br />

Szene einen kühlen, bläulichen Schimmer. Diesen können Sie<br />

noch verstärken, indem Sie den Weißabgleich entweder in der<br />

Kamera, oder, wenn Sie im Raw-Format fotografieren, später,<br />

bei der Konvertierung optimieren.<br />

Natürlich kann auch in der Phase der Nachbearbeitung noch<br />

viel verändert werden. Experimentieren Sie mit verschiedenen<br />

Einstellungen für den Weißabgleich, um die gesamte<br />

Atmosphäre abzustimmen und finden Sie den Farbstich, der<br />

am besten zu Ihrem Foto passt. Auf der gesamten Seite zeigen<br />

wir Ihnen, wie stark eine Veränderung des Weißabgleichs in<br />

einer Raw-Datei das Ergebnis verändern kann.<br />

Vor Sonnenaufgang<br />

Ohne Polfilter<br />

Mittag<br />

Mit Polfilter<br />

Die Wahl des Filters<br />

Die verschiedenen Typen von Polfiltern<br />

Es gibt zwei verschiedene Arten von Polfiltern: zirkulare<br />

und lineare. Das bezieht sich nicht auf deren physisches<br />

Erscheinungsbild – sie sind in der Tat beide rund –,<br />

sondern auf die Art, wie das Licht polarisiert wird.<br />

Sie sollten für Ihre digitale Spiegelreflexkamera auf<br />

jeden Fall einen zirkularen Polfilter kaufen. Lineare Filter<br />

beeinträchtigen das Messsystem Ihrer Kamera, da es mit<br />

linear polarisiertem Licht nicht umgehen kann.


76 Farbe Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e<br />

Weißabgleich-Voreinstellungen<br />

Hier erfahren Sie wie Sie den Farbton Ihrer Landschaftsbilder kreativ verändern,<br />

indem Sie mit unterschiedlichen Weißabgleich-Voreinstellungen arbeiten.<br />

Helen Dixon: Unterschiedliche<br />

Lichtquellen haben unterschiedliche<br />

Farbtemperaturen, die die Wärme oder Kälte<br />

der Farben eines Bildes bestimmen.<br />

Fluoreszierendes Licht beispielsweise sorgt für einen<br />

Gelbstich, während Kunstlicht leicht bläulich wirkt.<br />

Normalerweise stellen Sie den Weißabgleich Ihrer DSLR<br />

so ein, dass er den herrschenden Lichtverhältnissen<br />

entspricht, um jeglichen Farbstich zu vermeiden, der<br />

sich am deutlichsten in den Weißtönen eines Fotos<br />

zeigen würde. Auf diese Weise bleibt Weiß tatsächlich<br />

Weiß, doch andere Weißabgleich-Voreinstellungen<br />

können bestimmten Szenen einen beabsichtigten<br />

Farbstich geben, der sie kälter oder wärmer wirken lässt.<br />

Eine Weißabgleich-Voreinstellung lässt sich somit als<br />

digitales Äquivalent zu unterschiedlichen Filmsorten und<br />

Filtern auffassen, wie sie zu Zeiten des Zelluloidfilms<br />

benutzt wurden.<br />

Die Automatik ist am einfachsten anzuwenden, wenn<br />

der Weißabgleich korrekt werden soll und sie führt<br />

generell zu akzeptablen Ergebnissen. Wenn Sie<br />

allerdings eine Szene mit besonders warmem oder<br />

kaltem Licht aufnehmen, beispielsweise einen<br />

Sonnenuntergang oder ein Motiv im Zwielicht, oder<br />

wenn eine Szene von einem einzigen Farbton dominiert<br />

wird, kann der automatische Weißabgleich<br />

überkompensieren, wodurch die Farben verfälscht<br />

werden und flach wirken können. In diesem Fall steuern<br />

Sie den Weißabgleich besser selbst, damit ihr Foto die<br />

Farbtönung und die Stimmung bekommt, die Ihnen<br />

vorschweben. Wenn Sie beispielsweise bei einem<br />

Sonnenuntergang die Einstellungen „Bewölkt“ oder<br />

„Schatten“ verwenden, wird das Bild wärmer als<br />

gewöhnlich, weil die Orange-Töne und das Gelb des<br />

Himmels verstärkt werden, während die Einstellungen<br />

„Kunstlicht“ und „Fluoreszent“ die Farben kühler werden<br />

lassen, indem der Szene etwas Blau hinzugefügt wird.<br />

Falls Sie im JPEG-Format fotografieren, müssen Sie den<br />

Weißabgleich schon an der Kamera einstellen, bevor Sie<br />

ihr Foto machen. Doch viel mehr Optionen haben Sie,<br />

wenn Sie im Raw-Format fotografieren, denn dann<br />

können Sie den richtigen Weißabgleich noch in der<br />

Nachbearbeitung am Computer finden, außerdem<br />

können Sie dann mit unterschiedlichem Weißabgleich<br />

experimentieren. Die folgenden Schritte beschreiben,<br />

wie das funktioniert.<br />

Aufnehmen in Raw<br />

Um die größtmögliche Flexibilität bei der<br />

Bildverarbeitung zu behalten, sollten Sie<br />

im Raw-Format fotografieren und den<br />

Weißabgleich bei der Nachbearbeitung<br />

in Adobe Camera Raw einstellen. Wenn<br />

Sie das Bild geöffnet haben, klicken Sie<br />

in das Dropdown-Menü im Basic-Reiter<br />

und wählen Sie die Weißabgleich-<br />

Voreinstellung, die Sie Ihrem Bild geben<br />

wollen.<br />

Sie können die Einstellung so oft ändern,<br />

wie Sie wollen, und mit dem Regler<br />

für die Farbtemperatur jede einzelne<br />

Einstellung noch genauer anpassen.<br />

Vor Ort Ein Sonnenuntergang am Meer eignet sich sehr schön zum<br />

1Ausprobieren dieser Technik, denn die intensiven Farben können in vielfältiger<br />

Weise abgewandelt werden. Seien Sie wenigstens 30 Minuten vor Beginn der<br />

goldenen Stunde vor Ort. Machen Sie mehrere Bildkompositionen und achten Sie<br />

dabei auf einen interessanten Vordergrund. Falls Sie nichts Brauchbares finden,<br />

nehmen Sie den nassen Sand oder eine Pfütze mit ins Bild, in der sich idealerweise<br />

der Himmel spiegelt.<br />

Automatischer Weißabgleich Nachdem Sie ihre Bildkomposition<br />

2gefunden haben, stellen Sie den automatischen Weißabgleich ein und schalten die<br />

Kamera auf Zeitautomatik, wobei Sie eine Blende von wenigstens f/13 wählen, um eine<br />

angemessen große Schärfentiefe zu erhalten. Sollte ihr Autofokus bei den schlechten<br />

Lichtverhältnissen Probleme bekommen, stellen Sie manuell scharf. Falls sich der<br />

Helligkeitsunterschied zwischen Himmel und Vordergrund als zu groß erweisen sollte,<br />

um korrekt belichteten zu können, benutzen Sie einen Grauverlaufsfilter.<br />

AWB Automatischer Weißabgleich Tageslicht Schatten Bewölkt Kunstlicht<br />

Weißabgleich-Voreinstellungen Wie Sie hier sehen, bewahrt der<br />

3automatische Weißabgleich die Realität der Farben in der Szene, doch die Farben<br />

wirken insgesamt flach. Um mehr Wärme ins Bild zu bekommen, mache ich dieselbe<br />

Aufnahme noch einmal, jeweils mit den Weißabgleich-Voreinstellungen für Tageslicht,<br />

Schatten und bedeckten Himmel. Je geringer der Kelvin-Wert, also die<br />

Farbtemperatur, umso gesättigter werden die Farben. Die Voreinstellung „Bewölkt“<br />

erweist sich als die beste, denn sie verstärkt die Wärme des Himmels, ohne die kühlen<br />

Töne ganz zu verlieren.<br />

Farbtemperatur erhöhen Wenn die Sonne gerade hinter dem Horizont<br />

4verschwunden ist, erhöhen Sie den Kelvin-Wert durch die Einstellungen<br />

„Kunstlicht“ und anschließend „Fluoreszierend“ für den Weißabgleich, um den<br />

Blauton des Zwielichts zu verstärken. Damit die Farben nicht zu unnatürlich wirken,<br />

benutzen Sie den Weißabgleich, der das Blau in der Szene verstärkt, jedoch nicht das<br />

ganze Bild überwältigt. Für diese Szene hier war die Einstellung „Fluoreszierend“<br />

wesentlich besser als „Kunstlicht“.


Fluoreszierend<br />

Der fluoreszierende Weißabgleich ergab die besten<br />

Ergebnisse, weil er die tiefen Blautöne und das Rosarot<br />

des Himmels verstärkte.<br />

Belichtung: 2 Sekunden bei Blende f/13 und ISO 100


78 <strong>Landschaften</strong> in Schwarzweiß<br />

DIGITALE-FOTOGRAFIE-MAGAZIN.DE<br />

SO MEISTERN SIE<br />

LANDSCHAFTEN<br />

IN SCHWARZWEISS<br />

BEFREIEN SIE BILDER VON ÜBERFLÜSSIGEM BALLAST UND KONVERTIEREN SIE NACH SCHWARZWEISS,<br />

UM DRAMATISCHE ATMOSPHÄRE ZU ERZEUGEN – EGAL OB ALS MODERNE KUNST ODER ALTMODISCH<br />

PRÄSENTIERT: DASS SCHWARZWEISSBILDER NICHT REALISTISCH SIND, MACHT SIE GERADE SO ATTRAKTIV.<br />

WENN SIE DIE ARBEITEN VON MICHAEL KENNA, ANSEL ADAMS UND JOSEF HOFLEHNER ANSCHAUEN,<br />

WERDEN SIE SOFORT ERKENNEN, WARUM…<br />

BILD: HELEN DIXON


80 <strong>Landschaften</strong> in Schwarzweiß<br />

DIGITALE-FOTOGRAFIE-MAGAZIN.DE<br />

SO WUNDERVOLL Farbfotos auch<br />

sind, manchmal fehlt ihnen einfach<br />

das Besondere. Sie zeigen uns, wie<br />

Dinge wirklich aussehen, und<br />

schaffen so ein Gefühl von Sicherheit und<br />

Bequemlichkeit. In der Kunst ist die Realität<br />

jedoch nicht immer entscheidend, denn sie<br />

ermutigt uns nicht, hinter die Kulissen des<br />

Gewohnten zu blicken und ein Bild für etwas<br />

anderes zu bewundern als für das, was es<br />

zeigt. Sobald Sie einem Bild die Farbe<br />

entziehen, ändert sich alles, weil es dann<br />

nicht mehr die bloße Wirklichkeit<br />

repräsentiert.<br />

Schwarzweißfotos sind simpler, dafür oft<br />

dramatischer und atmosphärischer als<br />

Farbaufnahmen. Unsere emotionale<br />

Rückmeldung auf ein Landschaftsfoto in<br />

Farbe bleibt aufgrund der Gewohnheit oft<br />

oberflächlich. Wenn wir die Farbe entziehen,<br />

wird sie viel tiefgreifender. Licht, Schatten,<br />

Strukturen und Formen treten in den<br />

Vordergrund und was eigentlich abgebildet<br />

ist, wird fast schon irrelevant – es zählt nur<br />

LEE FROST<br />

Die Grundregeln<br />

Auch wenn es beim <strong>Fotografie</strong>ren schwarzweißer<br />

<strong>Landschaften</strong> keine Regeln gibt, an die Sie sich<br />

unbedingt halten müssen, gibt es doch ein paar,<br />

die man in Betracht ziehen sollte. Zum Beispiel:<br />

Verwenden Sie interessante Details im<br />

Vordergrund, um dem Bild ein Gefühl von Tiefe<br />

und ein Größenverhältnis zu geben, wenn Sie mit<br />

einem Weitwinkelobjektiv fotografieren.<br />

Halten Sie Ausschau nach Linien, die das Auge<br />

in die Szene hinein führen – Mauern, Zäune,<br />

Flüsse, Ströme, Pfade, Schatten und andere<br />

natürliche oder von Menschen gemacht<br />

Merkmale können benutzt werden.<br />

Fokussieren Sie hyperfokal, um die<br />

Tiefenschärfe zu maximieren, sodass Sie die<br />

Szene von vorne bis hinten scharf stellen können,<br />

ohne Ihr Objektiv dabei bis auf seine minimale<br />

Blende abblenden zu müssen.<br />

Wenden Sie die Drittelregel an, um den<br />

Fokuspunkt der Szene zu positionieren – das<br />

obere rechte Drittel ist dabei für gewöhnlich der<br />

beste Platz dafür. Sie können die Szene auch in<br />

Drittel aufteilen – zwei Teile Himmel und einen<br />

Teil Vordergrund oder umgekehrt.<br />

die Wirkung und der Effekt, die das Bild auf<br />

uns ausüben.<br />

Die Digitaltechnologie macht die<br />

Landschaftsfotografie in Schwarzweiß<br />

einfacher als jemals zuvor, hauptsächlich<br />

weil wir keine Dunkelkammer und<br />

übelriechende Chemikalien mehr brauchen,<br />

um Bilder von höchster zu erzeugen.<br />

Heutzutage kann jeder, der eine<br />

Digitalkamera besitzt, erstaunliche<br />

Schwarzweißbilder fotografieren. Es kann<br />

schwierig sein, die Landschaft vor dem<br />

inneren Auge in Schwarzweiß zu sehen, aber<br />

dieses Hindernis kann leicht überwunden<br />

werden. Stellen Sie einfach Ihre Kamera auf<br />

Schwarzweißmodus ein und verwenden Sie<br />

das LCD-Display in LiveView, und Sie können<br />

die Szene vor sich in Schwarzweiß sehen und<br />

schnell erkennen, welche Szenen und Farben<br />

bei monochromen Bildern am besten<br />

herauskommen. Bestimmte Farben sehen<br />

nach der Konvertierung in Schwarzweiß wie<br />

ähnliche Grautöne aus, was Ihren Bildern<br />

Tiefe nimmt. Wenn Sie lernen, welche Farben<br />

kontrastierende Töne hervorrufen, wird Ihnen<br />

das helfen, zu erkennen, welche Szenen auch<br />

in Schwarzweiß gut aussehen werden. Sie<br />

können sogar gleichzeitig in Raw und in JPEG<br />

fotografieren. Das Bild, das Sie auf dem<br />

<strong>Vorschau</strong>monitor Ihrer Kamera sehen, wird<br />

schwarzweiß sein, aber Sie haben auch eine<br />

Raw-Datei in Farbe auf Ihrer Speicherkarte,<br />

die Sie später bearbeiten können.<br />

Die andere Option ist, einfach wie gewohnt in<br />

Farbe zu fotografieren und später zu<br />

Filter für die Schwarzweißfotografie<br />

Wenn Sie ein Bild in Schwarzweiß<br />

konvertieren, erscheinen manche<br />

Grautöne sehr ähnlich. Die Lösung für<br />

dieses Problem sind Filter; damit<br />

können Sie beeinflussen, wie Farben<br />

zu Grau konvertiert werden und<br />

zugleich den Kontrast steuern.<br />

Analogfotografen tun dies heute noch,<br />

indem sie optische Filter auf Ihre<br />

Objektive aufsetzen (Gelb, Orange, Rot<br />

oder Grün für <strong>Landschaften</strong>). Diese<br />

Filter hellen die Farben auf, die ihrer<br />

eigenen ähnlich sind, und verdunkeln<br />

Farben, die im Farbspektrum<br />

gegenüberliegen. Ein roter Filter hellt<br />

zum Beispiel Rot und alle warmen<br />

Farben auf, verdunkelt aber Blau- und<br />

Grüntöne.<br />

Als Digitalfotograf brauchen Sie keine<br />

optischen Filter auf Ihrem Objektiv,<br />

weil Sie dieselben Effekte in der<br />

Nachbearbeitung, mit Photoshop,<br />

Lightroom oder Aperture hinzufügen,<br />

oder mit Plug-Ins wie Silver Efex Pro 2<br />

von Nik Software in Schwarzweiß<br />

konvertieren können.<br />

Eine Alternative , sofern vorhanden, ist<br />

die Nutzung der Bildeinstellung<br />

‚Monochrom‘ Ihrer Kamera,<br />

Filtereffekte schon bei der Aufnahme<br />

anzuwenden. Sie können Ihre Kamera<br />

auch in den Monochrom-Modus<br />

einstellen und zusätzlich optische Filter<br />

auf das Objektiv aufsetzen; Sie erzielen<br />

jedoch bessere Ergebnisse, wenn Sie<br />

in Raw (Farbe) fotografieren und das<br />

Bild später nach Schwarzweiß<br />

konvertieren (auf Seite 80 lesen Sie,<br />

wie es die Profis machen). Es folgt ein<br />

kurzer Abriss über die Effekte der<br />

verschiedenen Schwarzweißfilter:<br />

Gelb Hellt warme Farben auf und<br />

dunkelt kühle Farben ab. Verstärkt<br />

außerdem ein wenig den Kontrast, aber<br />

der Effekt ist subtil.<br />

Orange Hellt warme Farben auf<br />

und dunkelt kühle Farben ab.<br />

Bereichert den Himmel und verstärkt<br />

merklich den Kontrast.<br />

Rot Der dramatischste Filter von<br />

allen – ein blauer Himmel wird fast<br />

schwarz, Wolken stechen deutlich<br />

davon ab und der Kontrast wird sehr<br />

deutlich verstärkt. Dunkelt Grüntöne in<br />

der Landschaft ab und hellt warme<br />

Farben auf.<br />

Grün Hellt Grün- und Blautöne auf<br />

und dunkelt wärmere Farben ab. Sehr<br />

nützlich für <strong>Landschaften</strong>, weil er<br />

Grünschattierungen hervorhebt.<br />

Blau Generell keine gute Wahl für<br />

Landschaftsbilder, weil Grün- und<br />

Blautöne sehr hell werden, sodass ein<br />

dramatischer Himmel wahrscheinlich<br />

ruiniert wird.<br />

Es gibt bestimmte Filter, die Sie auf Ihr<br />

Objektiv aufsetzen können, wenn Sie<br />

Bilder in Farbe aufnehmen, um sie<br />

später in Schwarzweiß zu konvertieren.<br />

Zu ihnen gehören Polfilter, Graufilter<br />

und Grauverlaufsfilter.<br />

Der Polfilter hat einen<br />

ähnlichen Effekt auf den<br />

Himmel wie ein roter<br />

Farbfilter. Er dunkelt Blau<br />

ab und lässt die Wolken hervortreten.<br />

Außerdem verbessert er die Klarheit<br />

und verstärkt den Kontrast. All diese<br />

Effekte werden später im Bild zu<br />

erkennen sein, wenn dieses in<br />

Schwarzweiß konvertiert wird.<br />

Grauverlaufsfilter<br />

reduzieren die<br />

Helligkeitsunterschiede<br />

zwischen Himmel und<br />

Landschaft, sodass auch der Himmel<br />

korrekt ist, wenn auf die Landschaft<br />

belichtet wird. Ein 0,6<br />

Grauverlaufsfilter ist für allgemeine<br />

Anwendungen gut geeignet, aber ein<br />

dunklerer 0,9 Grauverlaufsfilter ist<br />

besser geeignet, wenn der Himmel<br />

sehr hell ist, oder wenn man einen<br />

dramatischen Effekt wünscht.<br />

Graufilter ermöglichen<br />

Ihnen die Belichtung zu<br />

verlängern, um<br />

Bewegungen einzufangen.<br />

Graufilter werden meist mit Stärken v.<br />

0,6, 0,9 und 1,2 eingesetzt, um<br />

bewegtes Wasser unscharf aufzulösen.<br />

In den letzten Jahren werden extreme<br />

Graufilter wie der Big Stopper von Lee<br />

Filters immer beliebter, weil sie auch<br />

bei Tageslicht Belichtungszeiten von<br />

einer Minute und länger erlauben, um<br />

Bewegung in der Landschaft<br />

einzufangen.


<strong>Landschaften</strong> in Schwarzweiß 81<br />

Schwarzweiß -<br />

häufig gestellte Fragen<br />

LEE FROST<br />

DIE MONOCHROME<br />

LANDSCHAFTSFOTOGRAFIE BIETET VIEL<br />

SPIELRAUM FÜR DIE KREATIVE ENTFALTUNG<br />

entscheiden, welche Bilder Sie konvertieren<br />

möchten. Bei einigen wird das funktionieren,<br />

bei anderen nicht, aber es gibt keinen Grund,<br />

warum Sie am Ende nicht ein paar großartige<br />

Bilder erhalten sollten. In Wahrheit wollen<br />

doch die meisten von uns sowohl in Farbe,<br />

als auch in Schwarzweiß fotografieren und<br />

sich nicht ausschließlich für eine Variante<br />

entscheiden müssen, und wir möchten auch<br />

zwischen beiden Möglichkeiten hin und her<br />

wechseln, während wir uns an einem<br />

Schauplatz befinden, oder uns vielleicht sogar<br />

Monate später entscheiden, ein Farbfoto in<br />

Schwarzweiß zu konvertieren. Es gibt nichts,<br />

was dagegen spräche – alles, was zählt, ist<br />

das Endergebnis.<br />

Das Tolle an monochromen Landschaftsfotos<br />

ist, dass sie zahllose Möglichkeiten zur<br />

kreativen Entfaltung und zum<br />

Experimentieren bieten. Mit der Farbe<br />

entziehen Sie dem Bild auch die Realität, also<br />

ist es anschließend nicht mehr wichtig, was<br />

Sie tun. Sie können die Szene dunkel und<br />

dramatisch gestalten, auch wenn sie es<br />

ursprünglich nicht war, oder weich und sanft.<br />

Somit kontrollieren Sie die Stimmung, die das<br />

Ergebnisbild transportiert. Sie können auch<br />

Filtereffekte verwenden, um die Beziehungen<br />

der Farbtöne in dem Bild zu verändern und<br />

den Kontrast zu verstärken (siehe Kasten auf<br />

der gegenüberliegenden Seite).<br />

Sie machen Ihre eigenen Regeln.<br />

Schwarzweiß passt zu allen möglichen<br />

<strong>Landschaften</strong>, von weiten Ausblicken bis hin<br />

zu kleinen Details – und allem, was<br />

dazwischen liegt. Es ist also egal, wo Sie sich<br />

befinden, Sie werden auf jeden Fall<br />

Inspiration für monochrome Bilder finden. In<br />

manchen Situationen, in denen Farbe einfach<br />

nicht funktioniert, zum Beispiel an trübgrauen<br />

Tagen, können sie trotzdem<br />

erstaunliche Schwarzweißbilder produzieren.<br />

Somit kann Ihnen die schwarzweiße<br />

Landschaftsfotografie auch einen kreativen<br />

Ausweg bieten, an den Sie vielleicht noch<br />

nicht gedacht hatten.<br />

Die Bilder in diesem Teil sollten einen ersten<br />

Überblick bieten.<br />

Hat es irgendwelche Nachteile, wenn<br />

F ich in JPEG fotografiere und meine<br />

Bilder dann in Schwarzweiß konvertiere,<br />

oder sollte ich lieber in Raw<br />

fotografieren?<br />

A<br />

Es ist immer besser, in Raw zu<br />

fotografieren, weil die Raw-Datei wie ein<br />

schwarzweißes Negativ ist. Sie enthält alle<br />

Informationen, die Sie benötigen, und Sie<br />

können diese auf verschiedene Weise<br />

interpretieren, um die Stimmung des Bildes zu<br />

manipulieren. Bei JPEG-Dateien wird eine<br />

ganze Menge dieser Informationen bereits in<br />

der Kamera gelöscht, es bleibt daher ein<br />

weniger vielseitiges Bildformat – was aber nicht<br />

heißt, dass Sie aus einer JPEG-Datei nicht auch<br />

tolle Schwarzweißbilder machen können.<br />

Ich möchte einen zehnstufigen<br />

F Graufilter kaufen. Welchen würden Sie<br />

für Schwarzweißaufnahmen empfehlen?<br />

A<br />

Es gibt im Wesentlichen drei Optionen:<br />

Den Big Stopper von Lee Filters (125<br />

Euro), den B + W 3,0 (115 Euro für ein 77<br />

mm Filtergewinde) oder den Hitech Pro Stop<br />

10 (93,70 Euro). Was den Preis anbelangt, so<br />

ist der Filter von Hitech der Sieger, aber wenn<br />

es um die Bildqualität geht, so ist der Big<br />

Stopper von Lee die bessere Wahl. Was die<br />

Vielseitigkeit anbelangt, so sind der Lee und der<br />

Hitech Filter besser, weil der B + W Filter<br />

aufgeschraubt wird und somit in Verbindung<br />

mit anderen Filtern wie Grauverlaufsfiltern (die<br />

Sie benötigen werden, um den Himmel vor<br />

Überbelichtung zu schützen) schwierig in der<br />

Anwendung ist. Alles in Allem würden wir uns<br />

für den Big Stopper von Lee Filters entscheiden.<br />

Welches ist die beste Software, um<br />

F Bilder in Schwarzweiß zu<br />

konvertieren?<br />

A<br />

Die im Moment beliebteste ist Silver Efex<br />

Pro 2 von Nik Software (www.<br />

niksoftware.com). Sie beinhaltet jede Menge<br />

Voreinstellungen, die Ihnen mit einem<br />

Mausklick tolle Effekte bieten, ermöglicht es<br />

Ihnen, Ihre Bilder abzutönen und die<br />

Charakteristika spezifischer Schwarzweißfilme<br />

hinzuzufügen und überlässt Ihnen aber<br />

gleichzeitig ein hohes Maß an Kontrolle über<br />

das Bild, sodass Sie in bestimmten Bereichen<br />

den Kontrast und die Belichtung anpassen<br />

können. Photoshop, Lightroom und Aperture<br />

sind ebenfalls hervorragende und sehr<br />

vielseitige Optionen.<br />

Ich besitze eine Kamera, die für<br />

F Infrarot umgebaut ist. Können Sie mir<br />

ein paar Tipps geben, wie ich damit<br />

<strong>Landschaften</strong> in Schwarzweiß<br />

fotografieren kann?<br />

A<br />

Befolgen Sie diese Schritte, um die besten<br />

Ergebnisse zu erzielen:<br />

<strong>Fotografie</strong>ren Sie in praller Sonne und<br />

nehmen Sie Laub oder Gras mit in den<br />

Bildausschnitt auf, weil dies den Infraroteffekt<br />

deutlich zeigt.<br />

Nehmen Sie viel Himmel und Wolken mit in<br />

den Bildausschnitt auf. Sie haben in Infrarot<br />

eine ganz erstaunliche Wirkung.<br />

Achten Sie auf die Belichtungszeiten –<br />

eventuell müssen Sie eine Belichtungskorrektur<br />

hinzufügen, um gut belichtete Aufnahmen zu<br />

erhalten.<br />

Duplizieren Sie bei der Nachbearbeitung die<br />

Ebene und fügen Sie ein wenig Diffuses Licht<br />

hinzu („Filter > Verzerrungsfilter > Weiches<br />

Licht“), um den Infraroteffekt zu verstärken.<br />

Passen Sie die Deckkraft der Ebene an, bis Sie<br />

mit dem Effekt zufrieden sind.


82 <strong>Landschaften</strong> in Schwarzweiß<br />

DIGITALE-FOTOGRAFIE-MAGAZIN.DE<br />

HELEN DIXON<br />

WETTER UND AUSLEUCHTUNG<br />

Ein unmittelbarer Vorteil der<br />

Landschaftsfotografie für die Konvertierung in<br />

Schwarzweiß ist, dass der Qualität des Lichts<br />

deutlich weniger Bedeutung zukommt, als<br />

dies beim <strong>Fotografie</strong>ren in Farbe der Fall wäre.<br />

Sie benötigen zwar immer noch gutes Licht,<br />

um großartige Schwarzweißbilder<br />

aufzunehmen, aber dieses Licht finden Sie<br />

auch bei Wetterbedingungen, die für die<br />

<strong>Fotografie</strong> in Farbe ungeeignet wären. So<br />

erscheint zum Beispiel an einem trüben,<br />

bedeckten Tag die Landschaft recht<br />

kontrastarm und leblos, die Farben sind<br />

gedämpft und abgesehen vom <strong>Fotografie</strong>ren<br />

kleinerer Details sind Ihre Optionen für die<br />

Farbfotografie ziemlich begrenzt. Tatsächlich<br />

jedoch ist die Qualität des Lichts, das an<br />

einem bedeckten Tag zur Verfügung steht, sehr<br />

hoch. Das Licht ist weich und es gibt wenig<br />

Kontrast, sodass Sie nicht mit tiefen Schatten<br />

oder glänzenden Spitzlichtern kämpfen<br />

müssen und es enthüllt eine große Anzahl<br />

Details, die bei stärkerem Licht womöglich<br />

verloren gegangen wären. Das macht es<br />

perfekt für die Landschaftsfotografie in<br />

Schwarzweiß. Der Himmel mag an trüben<br />

Tagen recht verwaschen wirken, aber das<br />

können Sie, wenn Sie möchten, später ein<br />

Oben: Mit solcher Dramatik in den Wolkenformationen<br />

schreit dieses Foto förmlich danach, in Schwarzweiß<br />

konvertiert zu werden. Beachten sie die Unterschiede in<br />

den Tonwerten des Lichts, das auf die Landschaft fällt.<br />

Rechts: Durch die Verwendung eines<br />

Grauverlaufsfilters wird eine körnige Griffigkeit erreicht,<br />

die den dunkel brütenden Himmel noch düsterer<br />

erscheinen lässt. So viele unterschiedliche Farbtöne<br />

lassen den Gesamteffekt in monochrom hervorragend<br />

funktionieren.<br />

wenig aufpeppen. In der Tat gilt dies für das<br />

gesamte Bild. Betrachten Sie die original<br />

Raw-Datei einfach als digitales Negativ: Sie<br />

enthält alle Informationen und Details, die Sie<br />

benötigen, aber wie Sie diese interpretieren,<br />

liegt ganz bei Ihnen.<br />

Bei dunklem, stürmischem Wetter entfaltet die<br />

Schwarzweißfotografie ihre volle Wirkung.<br />

Wenn Sie in Farbe fotografieren, brauchen Sie<br />

schon die Sonne, die zwischen den Wolken<br />

hervorbricht, um die Landschaft<br />

auszuleuchten, sodass diese mit dem Himmel<br />

in Kontrast tritt. Bei Schwarzweißfotos jedoch<br />

kommt man ganz gut ohne Sonne aus und<br />

kann sich voll und ganz darauf konzentrieren,<br />

den brütenden Charakter der Szene<br />

herauszustellen, vielleicht, indem man einen<br />

starken Grauverlaufsfilter verwendet, um den<br />

Himmel noch stärker abzudunkeln, als dies<br />

tatsächlich der Fall war, oder indem man bei<br />

der Nachbearbeitung den Kontrast verstärkt.<br />

Bei der Landschaftsfotografie in Schwarzweiß<br />

geht es nicht darum, die Realität abzubilden,<br />

sondern darum, eine Stimmung zu schaffen.<br />

Manchmal ist das Licht so monochrom, dass<br />

die Bilder schwarzweiß erscheinen, obwohl<br />

sie tatsächlich in Farbe aufgenommen<br />

wurden. Wenn das passiert, ist es wohl keine<br />

Frage, was man mit diesen Bildern tun sollte.<br />

Bei dichtem Nebel oder bei starkem Dunst<br />

zum Beispiel wird fast jeder Tropfen Farbe aus<br />

der Landschaft gesaugt. Auch das<br />

<strong>Fotografie</strong>ren in Richtung der Sonne kann<br />

diesen Effekt hervorrufen, insbesondere, wenn<br />

Wasser in der Szene vorhanden ist, weil man<br />

silberne Lichtflecken erhält, die auf dem<br />

Wasser tanzen und jedes solide Element<br />

LEE FROST


DIGITALE-FOTOGRAFIE-MAGAZIN.DE<br />

<strong>Landschaften</strong> in Schwarzweiß 83<br />

HELEN DIXON<br />

So machen es die Profis…<br />

LEE FROST: „Ich liebe es, bei schlechtem Wetter zu fotografieren, die brutale Kraft der<br />

Elemente einzufangen. Dieses Foto wurde am Alnmouth Beach eingefangen, in der<br />

Nähe meines Hauses an der Küste von Northumberland. Trockener Sand wurde von<br />

den starken Windböen aufgewirbelt und auf die See hinaus geweht. Als die Sonne<br />

herauskam, war es, als ob die Oberfläche des Strandes zum Leben erweckt würde. Ich konnte<br />

beim Gehen spüren, wie der Sand gegen meine Beine peitschte. Ich hatte noch niemals zuvor<br />

versucht, dieses Phänomen zu fotografieren, aber ich beschloss, es einmal zu versuchen. Bei<br />

dem Versuch, den geisterhaften Effekt des fliegenden Sandes einzufangen experimentierte ich<br />

ein wenig mit verschiedenen Verschlusszeiten, und dieses Bild, das mit einer Belichtungszeit<br />

von 1/6 Sekunde aufgenommen wurde, erwies sich als das Beste. Ich mag den Kontrast<br />

zwischen dem hellen Farbton des Sandes und dem dunklen, wütenden Himmel, den ich<br />

mithilfe eines Grauverlaufsfilters und durch eine Verstärkung des Kontrasts in der<br />

Nachbearbeitung noch betont habe.“<br />

Canon EOS-1DS Mk III, EF 24 - 70 mm f/2.8 L bei 24 mm, Stativ, 0,6 harter<br />

Grauverlaufsfilter, 1/6 Sekunde bei f/22, ISO 50.<br />

„BEI DER LANDSCHAFTSFOTOGRAFIE IN<br />

SCHWARZWEISS GEHT ES NICHT DARUM, DIE<br />

REALITÄT ABZUBILDEN, SONDERN DARUM,<br />

EINE STIMMUNG ZU SCHAFFEN „<br />

innerhalb der Szene auf eine schwarze<br />

Silhouette reduziert wird.<br />

Das bedeutet natürlich nicht, dass Sie<br />

unbedingt schlechtes Wetter benötigen, um<br />

gute Schwarzweißbilder zu fotografieren –<br />

starkes, gerichtetes Licht kann Wunder<br />

wirken, um die Struktur einer Szene<br />

herauszuarbeiten. Wenn Sie zum Beispiel an<br />

einem trüben Tag einen Strand fotografieren,<br />

wird dieser kontrastarm erscheinen, aber<br />

wenn das Licht von einer tief am Himmel<br />

stehenden Sonne auf den Sand fällt, sehen Sie<br />

jede Kräuselung. Dies ist für die<br />

Schwarzweißfotografie mindestens ebenso<br />

wichtig, wie für die <strong>Fotografie</strong> in Farbe.<br />

Tatsächlich sind Strukturen in mancherlei<br />

Hinsicht für Schwarzweißbilder sogar noch<br />

wichtiger, weil man keine Farbe hat, auf die<br />

man sich verlassen kann. Es lohnt sich<br />

deshalb immer noch, früh morgens<br />

loszugehen und abends lange draußen zu<br />

bleiben, sodass man die tief am Himmel<br />

stehende Sonne, das Seitenlicht und die<br />

langen, schwachen Schatten ausnutzen kann.<br />

Es kann sich auch auszahlen, das Licht aus<br />

unterschiedlichen Richtungen zu nutzen.<br />

<strong>Fotografie</strong>ren Sie mit der Sonne auf einer<br />

Seite, sodass die Schatten quer über die Szene<br />

fallen, oder mit der Sonne im Rücken, sodass<br />

die Schatten als Führungslinien dienen, die<br />

Oben: Schneelandschaften sind sehr gut für die<br />

monochrome <strong>Fotografie</strong> geeignet. Die kahlen, nackten<br />

Bäume erscheinen vor dem strahlend weißen Schnee<br />

und dem grauen Himmel fast als Silhouetten.<br />

das Auge in das Bild hinein leiten (achten Sie<br />

dabei auf Ihren eigenen Schatten im<br />

Bildausschnitt!).<br />

Gegenlichtaufnahmen, bei denen man in die<br />

Sonne hinein fotografiert, sind ebenfalls sehr<br />

gut für die Schwarzweißfotografie geeignet.<br />

Überlassen Sie die Belichtungszeit Ihrer<br />

Kamera und jegliche, solide Form wird als<br />

reine Silhouette abgebildet. Alternativ können<br />

Sie auch einige Stufen Belichtungskorrektur<br />

hinzufügen, um den Hintergrund ausreißen zu<br />

lassen und einen atmosphärischen High<br />

Key-Effekt zu schaffen.<br />

Bei farbigem Licht wird Ihnen Ihr Bauchgefühl<br />

dazu raten, in Farbe zu fotografieren. So sind<br />

es zum Beispiel bei Sonnenaufgang oder<br />

Sonnenuntergang für gewöhnlich die Wärme<br />

des Lichts und die lebhaften Farben des<br />

Himmels, die Sie dazu inspirieren, die Kamera<br />

zur Hand zu nehmen. Sie sollten aber nicht<br />

davon ausgehen, dass dasselbe Foto nicht<br />

auch in Schwarzweiß funktionieren würde.<br />

Ziehen Sie die Farbe heraus und sehen sie,<br />

wie es Ihnen gefällt. Goldenes Licht sieht<br />

fantastisch aus, aber es kann die tatsächliche<br />

Schönheit einer Szene auch verhüllen und<br />

man lässt sich nur allzu leicht von den Farben<br />

hinreißen und ignoriert die Formen und Töne,<br />

die dahinter stehen. Wenn Sie ein<br />

farbenfrohes Bild in Schwarzweiß<br />

konvertieren, wird sowieso niemand mehr<br />

wissen, dass es einmal farbenfroh war, aber<br />

man wird es in einem völlig unterschiedlichen<br />

Licht betrachten.<br />

Auf gewisse Weise lässt sich hier ein Muster<br />

erkennen: Ist das Licht für Farbaufnahmen<br />

ungeeignet, ist es ideal für Schwarzweiß, und<br />

umgekehrt. Aus diesem Grund brauchen Sie<br />

sich auch nicht auf das eine oder andere<br />

festzulegen, sondern können sich als kreativer<br />

Fotograf in beiden Medien ausdrücken und<br />

sich zwischen ihnen bewegen, um stets das<br />

Beste aus den Bedingungen machen, die Sie<br />

in einer Landschaft vorfinden. Puristen mögen<br />

einwenden, dass man auf diese Weise keiner<br />

Richtung gerecht wird, aber es ist durchaus<br />

möglich, sich beide Medien zunutze zu<br />

machen und trotzdem fantastische Arbeiten<br />

hervorzubringen.


84 <strong>Landschaften</strong> in Schwarzweiß<br />

DIGITALE-FOTOGRAFIE-MAGAZIN.DE<br />

LEE FROST<br />

HELEN DIXON<br />

KÜSTENLANDSCHAFTEN<br />

Was Dramatik, Schönheit und Stimmung betrifft, so<br />

kann man nichts falsch machen, wenn man<br />

Küstenlandschaften in Schwarzweiß fotografiert.<br />

Diese Szenen verändern und entwickeln sich<br />

aufgrund der Gezeiten und der physikalischen Effekte<br />

des Wetters ständig. Aus diesem Grunde sind sie<br />

auch zu den beliebtesten Schauplätzen vieler<br />

Fotografen geworden. Auf den ersten Blick käme<br />

man nicht auf den Gedanken, die Küste auf<br />

irgendeine andere Art als in Farbe zu fotografieren,<br />

aber wenn Sie sie in Schwarzweiß ablichten, erhalten<br />

Sie eine Atmosphäre mit der die eines Farbfotos nicht<br />

mithalten kann. Wenn Sie Probleme haben, die<br />

Bilder vor Ihrem inneren Auge in Schwarzweiß zu<br />

„sehen“ (d.h. die unterschiedlichen Töne in einer<br />

Szene zu erkennen, die gut für eine Konvertierung in<br />

Schwarzweiß geeignet sind), ist die Küste ein<br />

geeigneter Ort für Einsteiger, um sich in ein<br />

monochromes Abenteuer zu stürzen – schon allein<br />

deswegen, weil Seelandschaften so voller Farbtöne,<br />

Kontraste, Strukturen und kraftvoller Formen<br />

stecken, den idealen Zutaten für eindrucksvolle,<br />

monochrome Bilder. Zum Glück gelten viele der<br />

Überlegungen, die Sie anstellen, bevor Sie ein<br />

Farbfoto schießen, auch für Aufnahmen in<br />

Schwarzweiß. Wir beginnen damit, uns einen<br />

Kamerawinkel zu suchen.<br />

Wenn man die Dramatik einer felsigen Küstenlinie<br />

einfangen möchte, sollte man versuchen, einen<br />

hohen Standort zu finden, von dem aus man eine<br />

Bucht oder einen Meeresarm überblicken kann, und<br />

Gesteinsbrocken oder Felsblöcke im Vordergrund<br />

verwenden, um der Bildkomposition Tiefe und ein<br />

Größenverhältnis zu verleihen. Diese Regeln finden<br />

auch auf Höhe des Meeres Anwendung, wo sich<br />

Felsblöcke bis an das Ufer erstrecken, die man<br />

verwenden kann, um das Auge in die Szene<br />

hineinzuführen. Man kann auch den Vordergrund<br />

mit Wasser füllen, ohne sich dabei die Füße nass zu<br />

machen. Wenn Sie in Schwarzweiß fotografieren<br />

und dem Bild die Ablenkung durch die Farbe<br />

entziehen, liegt die gesamte Betonung auf Formen<br />

und Umrissen. Das bedeutet: Ihre Bildkomposition<br />

ist von größter Wichtigkeit. Einfachheit ist dabei<br />

oftmals das beste Rezept.<br />

Wie das Meer abgebildet wird, hängt davon ab, wie<br />

rau es ist und welche Verschlusszeit Sie benutzen.<br />

Wenn Sie eine wild tosende See einfrieren möchten,<br />

müssen Sie bei 1/1000 Sekunde oder sogar bei<br />

1/2000 Sekunde schießen. Dieser Ansatz<br />

funktioniert gut, wenn Sie ein Teleobjektiv<br />

verwenden, um den Bildausschnitt mit starken<br />

Wellen zu füllen, oder um diese einzufangen,<br />

während sie an den Strand schlagen und Gischt<br />

hoch in die Luft schleudern. Um Bewegung im Meer<br />

zu fotografieren, benötigen Sie eine lange<br />

Verschlusszeit – je länger sie ist, umso weicher wird<br />

das Meer. Verwenden Sie 1/4 Sekunde bis hin zu<br />

Oben links: Fotos wie dieses werden mit langen<br />

Belichtungszeiten und zehnstufigen Filtern erzielt. Das<br />

Meer verschwimmt milchig-trüb, was die Faszination<br />

der Szene ausmacht.<br />

Oben: Felsvorsprünge sind fantastisch geeignet, um<br />

einem Bild ein interessantes Detail zu verleihen. Stellen<br />

Sie eine kurze Verschlusszeit ein, um die Bewegung im<br />

Meer einzufrieren. Beginnen Sie mit 1/1000 Sekunde.<br />

Rechts: Muster und Kräuselungen im Meer sind für<br />

Schwarzweißbilder ein Segen. Wenn Sie eine lange<br />

Belichtungszeit einstellen, erscheint alles als Silhouette.<br />

einer Sekunde, um die Bewegung in den Wellen<br />

einzufangen, aber trotzdem noch eine Struktur zu<br />

erhalten, und verlängern Sie die Verschlusszeit dann<br />

nach und nach. Wenn Sie erst einmal bei 20 bis 30<br />

Sekunden angelangt sind, verwandeln sich die<br />

Wellen in Dunst und es werden nur noch wenige<br />

Strukturen an der Wasseroberfläche abgebildet.<br />

Wenn man diese Idee noch weiter führen möchte,<br />

sollte man einen zehnstufigen Graufilter verwenden,<br />

sodass die Belichtungszeiten sich nicht nur über<br />

Sekunden, sondern über Minuten erstrecken und die<br />

See in Milch verwandelt wird. Alternativ kann man<br />

auch abwarten, bis die Lichtverhältnisse so schlecht<br />

geworden sind, dass man auf natürliche Weise<br />

Belichtungszeiten von mehreren Minuten erreicht.<br />

Nehmen Sie auf jeden Fall auch statische Elemente<br />

in die Szene mit auf, die mit der weichen See<br />

kontrastieren – Stege, Felsen, Buhnen und Pfähle<br />

Fotoideen zum Ausprobieren…<br />

HELEN DIXON<br />

LEE FROST<br />

LEE FROST<br />

HELEN DIXON<br />

ZURÜCKWEICHENDE WELLEN<br />

Wenn man Wellen zuschaut, die<br />

wieder zurück ins Meer weichen,<br />

wird man feststellen dass diese<br />

oftmals schaumige Streifen<br />

hinterlassen, die auf<br />

Schwarzweißbildern eine<br />

erstaunliche Wirkung entfalten.<br />

Verwenden Sie, um diesen Effekt<br />

einzufangen, ein Weitwinkelobjektiv<br />

und eine lange Verschlusszeit – um<br />

1/2 Sekunde herum sollte<br />

ausreichen. Warten Sie mit dem<br />

Auslösen, bis die Wellen<br />

zurückweichen. Eine<br />

Schwarzweißkonvertierung mit<br />

hohem Kontrast verstärkt den Effekt.<br />

SAND FOTOGRAFIEREN<br />

Kräuselmuster im Sand kann man<br />

am besten früh am Morgen oder spät<br />

am Abend einfangen, wenn die<br />

Sonne tief am Himmel steht, oder<br />

wenn starke Sonneneinstrahlung sie<br />

als Silhouetten erscheinen lässt.<br />

Verwenden Sie sie als Führungslinien<br />

in Fotos mit dem Weitwinkelobjektiv<br />

oder füllen Sie den Bildausschnitt aus<br />

kurzem Abstand. Inspizieren Sie<br />

flache Ablaufrinnsale genau. Dort<br />

werden einzelne Sandkörner oftmals<br />

separiert und so zu auffälligen<br />

Mustern angeordnet.<br />

FELSENKUNST<br />

An der Küste sind Felsen niemals<br />

weit und sie bieten jede Menge<br />

Potenzial. Kieselsteine und<br />

Felsblöcke, die vom Meer glatt poliert<br />

wurden, sind ideal für Fotos von<br />

Mustern, während Felsen, die<br />

unterhalb der Gezeitenmarke liegen,<br />

oftmals voller anmutiger Kurven und<br />

Konturen sind. Halten Sie auf<br />

Felsblöcken Ausschau nach Kieseln,<br />

die in Spalten und Rissen stecken,<br />

oder gehen Sie nah heran, um<br />

Muster und Strukturen zu entdecken.<br />

PIER<br />

Piere bieten tolle Küstenmotive, als<br />

Fokuspunkt in Weitwinkelaufnahmen,<br />

oder als Hauptmotiv in Aufnahmen mit<br />

langer Belichtungszeit, um die<br />

Bewegung in Himmel und Meer<br />

einzufangen. Wenn Sie sich unter<br />

einen Pier stellen und aufs Meer<br />

blicken, erkennen Sie das komplexe<br />

Muster aus Beinen, Streben und<br />

Stützen. <strong>Fotografie</strong>ren Sie sie als<br />

Silhouetten vor auf-/untergehender<br />

Sonne oder im Mondlicht.


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<strong>Landschaften</strong> in Schwarzweiß 85<br />

LEE FROST<br />

sind sehr gut geeignet. In Schwarzweiß konvertiert<br />

sehen diese Bilder mit langen Belichtungszeiten<br />

grandios aus.<br />

Sie können Kräuselungen im Sand verwenden, um<br />

das Auge zu leiten oder Gezeitentümpel, in denen<br />

sich der Himmel spiegelt, um den Vordergrund zu<br />

füllen. Seetang, Treibholz, von Seepocken verkrustete<br />

Buhnen, alte Hummerreusen, Fischernetze, Felsen<br />

und Kiesel, die man am Strand findet, können<br />

ebenfalls als interessante Details im Vordergrund<br />

dienen. Stellen Sie Ihr Stativ niedrig ein, um das<br />

Meiste aus diesen Elementen herauszuholen,<br />

verwenden Sie einen Grauverlaufsfilter, um den<br />

Himmel abzutönen und stellen Sie Ihr Objektiv auf<br />

f/11 oder f/16 ein, sodass Sie genügend<br />

Tiefenschärfe erzielen, um das Bild von vorne bis<br />

hinten scharf zu bekommen.<br />

Küstenbilder brauchen oftmals einen Fokuspunkt,<br />

um die Bildkomposition abzurunden. Das könnten<br />

ein Schloss oder eine Landzunge in der Ferne, ein<br />

Mensch, ein Boot, ein Leuchtturm oder eine der<br />

Küste vorgelagerte Insel sein. Idealerweise sollten Sie<br />

diesen Fokuspunkt im oberen, rechten Drittel<br />

platzieren. Auf diese Weise erhalten Sie ein<br />

ausgewogenes Ergebnisbild.<br />

Ein letzter Punkt über das Licht und das Wetter:<br />

Beide haben einen starken Einfluss auf die<br />

Stimmung Ihrer schwarzweißen Küstenfotos. Das<br />

Tolle beim <strong>Fotografie</strong>ren in Schwarzweiß ist: Es ist<br />

völlig unerheblich, wie schlecht das Wetter wird,<br />

insbesondere, wenn Sie einen zehnstufigen Graufilter<br />

verwenden. In der Tat kann man sagen: Je schlechter<br />

das Wetter ist, umso besser werden Ihre<br />

monochromen Bilder, denn man kann niemals zu<br />

viel Dramatik haben, wenn man das Meer<br />

fotografiert! Die Morgendämmerung ist ein<br />

großartiger Zeitpunkt wegen des atmosphärischen<br />

Lichts. Wenn das Wasser über Nacht<br />

zurückgewichen ist, hat man darüber hinaus den<br />

Vorteil, dass der Strand frei von Fußabdrücken ist und<br />

dass die zarten Kräuselungen noch frisch und nass<br />

sind. Stehendes Wasser auf dem Sand kann<br />

außerdem wunderschöne Reflektionen erzeugen.<br />

„FOTOS IN SCHWARZWEISS ERZEUGEN EINE<br />

ATMOSPHÄRE, MIT DER EIN FARBFOTO<br />

NICHT MITHALTEN KANN „<br />

So machen es die Profis…<br />

ROSS HODDINOTT: „Ich liebe die<br />

Schwarzweißfotografie. Allerdings<br />

fällt es einigen Leuten leichter als<br />

anderen, Szenen in Schwarzweiß zu<br />

‚sehen‘ und ich muss zugeben, dass ich keiner<br />

bin, der gut darin ist, in monochrom zu ‚sehen‘.<br />

Über die Jahre hinweg habe ich mir selber<br />

beigebracht, wonach ich Ausschau halten<br />

muss. Dafür ist die Küste einer der am besten<br />

geeigneten Schauplätze. Einfachheit ist das<br />

Schlüsselwort. Wenn man einem Bild die<br />

Farbe entzieht, verlagert man die Betonung auf<br />

Formen und Konturen, sowie die<br />

Bildkomposition und das Licht. Ein ‚aktiver‘<br />

Himmel kann oftmals hilfreich sein, wenn er<br />

interessante Wolken und viel Dramatik enthält.<br />

Wenn das nicht zur Verfügung steht, muss<br />

man sich auf starke Merkmale und<br />

interessante Details im Vordergrund<br />

konzentrieren: große, glatte Felsblöcke, Piere,<br />

Leuchttürme und verwitterte Buhnen. Das<br />

Wetter ist wichtig. Schlechtes Wetter ist der<br />

Schwarzweißfotografie zuträglich, da es<br />

Stimmung und Atmosphäre transportiert. Mir<br />

gefällt auch der Effekt, der von extremen<br />

Graufiltern hervorgerufen wird. Ich persönlich<br />

verwende den Big Stopper von Lee Filters. Mit<br />

diesem Filter auf dem Objektiv sind<br />

Belichtungszeiten von einer Minute oder länger<br />

möglich, was das Meer ätherisch<br />

verschwimmen lässt.“<br />

Nikon D800, 17 - 35 mm f/2.8, Big<br />

Stopper, Stativ, 91 Sekunden bei f/11, ISO<br />

200.


86 <strong>Landschaften</strong> in Schwarzweiß<br />

DIGITALE-FOTOGRAFIE-MAGAZIN.DE<br />

LANDSCHAFTEN<br />

Die Landschaftsfotografie wird häufig als simpel<br />

abgetan – man geht einfach hinaus, sucht sich<br />

eine schöne Landschaft, baut seine Kamera auf<br />

und schießt drauflos. Die wirkliche Arbeit ist ja<br />

schon von Mutter Natur erledigt worden. Alles,<br />

was Sie noch tun müssen, ist, sie aufzunehmen.<br />

Richtig?<br />

Wenn es so leicht wäre, wären wir alle<br />

meisterliche Landschaftsfotografen. Ganz<br />

offensichtlich steckt mehr dahinter. Die<br />

Bildkomposition ist der heilige Gral der<br />

<strong>Fotografie</strong>. Ein gut komponiertes<br />

Landschaftsbild, das bei mittelmäßigem Wetter<br />

aufgenommen wurde, schlägt auf jeden Fall ein<br />

schlecht komponiertes Landschaftsfoto, das bei<br />

großartigem Licht gemacht wurde, insbesondere,<br />

wenn das Ergebnisbild monochrom ist. Warum<br />

das so ist? Weil die Kreativität in sich<br />

zusammenbricht, wenn sie nicht auf einem<br />

festen Fundament ruht – und die<br />

Bildkomposition ist das Fundament eines jeden<br />

Fotos, das wir aufnehmen.<br />

Glücklicherweise ist Bildkomposition aber keine<br />

Astrophysik. Gesunder Menschenverstand,<br />

Überlegung und Konzentration sind die<br />

wichtigsten Voraussetzungen. Alles, was Sie tun<br />

müssen, ist zu überlegen, welche Elemente Sie<br />

einfangen möchten, und wie Sie diese im Sucher<br />

Ihrer Kamera arrangieren.<br />

Tele- und Zoomobjektive haben zwar in der<br />

Landschaftsfotografie durchaus ihren Platz, aber<br />

im direkten Vergleich haben Weitwinkelobjektive<br />

ganz einfach aufgrund ihres „Wow“-Faktors die<br />

Nase vorn. Sie bieten uns einen Ausblick auf die<br />

Welt, mit dem der, den das nackte Auge sieht,<br />

einfach nicht mithalten kann. Sie verbiegen,<br />

dehnen und verzerren die Wahrheit, und je weiter<br />

So machen es die Profis…<br />

HELEN DIXON: „Einige meiner<br />

Lieblings-Schwarzweißfotos sind<br />

ausgesprochen simpel. Oftmals gibt<br />

es nur einen einsamen Baum unter<br />

einem weiten Himmel. So wie dieser hier, der<br />

mir auffiel, als ich über Land fuhr. Ich ging um<br />

das Feld herum, um den besten Blickwinkel<br />

zu finden. Ich wollte den Zaun mit in die<br />

Bildkomposition aufnehmen, um noch ein<br />

weiteres, interessantes Detail hinzuzufügen.<br />

Die Wolken verliehen dem Bild Strukturen<br />

und Formen und waren dem Tonspektrum<br />

zuträglich. Normalerweise hätte ich mich für<br />

mein Weitwinkelobjektiv entschieden, aber da<br />

ich das Feld nicht betreten konnte, musste ich<br />

ein Teleobjektiv verwenden, was dazu führte,<br />

dass das Bild frei von ablenkenden Details ist.<br />

Die Raw-Datei wurde in Farbe verarbeitet.<br />

Anschließend fügte ich in Photoshop eine<br />

schwarzweiße Einstellungsebene hinzu, um<br />

die Tonwerte anzupassen. Zum Schluss<br />

wendete ich die Gradationskurven an, um<br />

den Kontrast deutlicher herauszubringen und<br />

ausdrucksstärker zu gestalten.“<br />

Canon EOS-1DS Mk III, EF 70 - 200 mm<br />

f/4L, 1/20 Sekunde bei f/13, ISO 200.<br />

der Winkel, umso besser wird es. Eine kleine<br />

Veränderung des Standortes kann ebenfalls einen<br />

großen Unterschied ausmachen, was die<br />

Wirkung einzelner Elemente anbelangt.<br />

Gleichzeitig garantiert die flächendeckende<br />

Tiefenschärfe, die Sie mit einer kleinen Blende<br />

wie f/16 und f/22 erzielen, von vorne bis hinten<br />

durchgängige Schärfe.<br />

Die Verwendung eines Weitwinkelobjektivs zur<br />

Nutzung interessanter Elemente im Vordergrund<br />

trägt außerdem dazu bei, ein Bild dreidimensional<br />

wirken zu lassen, weil es nicht nur einen<br />

logischen Eintrittspunkt in das Bild bietet,<br />

sondern ihm darüber hinaus ein Gefühl von Tiefe<br />

und ein Größenverhältnis verleiht. Wenn der<br />

Stein, der den Vordergrund ausfüllt, größer<br />

aussieht, als das Häuschen im Hintergrund,<br />

dann muss das Häuschen wohl ziemlich weit<br />

entfernt sein. Auf diese Weise werden Entfernung<br />

und räumliche Tiefe angedeutet und ein Gefühl<br />

der Dreidimensionalität wird erweckt. Gehen Sie<br />

nah heran und tief hinunter, um das Meiste aus<br />

den interessanten Details im Vordergrund<br />

herauszuholen. Es ist völlig in Ordnung, aus<br />

Augenhöhe zu fotografieren, aber wenn sich die<br />

Kamera in 1,80 m Höhe befindet, verlieren die<br />

interessanten Details im Vordergrund an<br />

Wirkung. Knien Sie sich jedoch hin und gehen<br />

Sie nah heran, dann wird dieser bescheidene,<br />

bemooste Stein zu einem gigantischen<br />

Felsbrocken, der die Bildkomposition dominiert,<br />

<strong>Fotografie</strong>ren bei hohen ISO-Werten<br />

Wir predigen ständig, dass man bei der<br />

Landschaftsfotografie seine ISO-Einstellung niedrig<br />

belassen soll, um Bildrauschen zu minimieren.<br />

Wenn es jedoch um Schwarzweiß geht, kann ein<br />

wenig Bildrauschen auch einen Vorteil darstellen.<br />

Auf Farbfotos sieht Bildrauschen zumeist unschön<br />

aus, aber sobald Sie dasselbe Bild in Schwarzweiß<br />

konvertieren, sieht es aus wie die Körnigkeit eines<br />

Films und dieser reine, grobkörnige Look kann<br />

fantastisch aussehen. Die Behandlung lässt sich<br />

besonders gut auf simple Bilder anwenden – Dunst<br />

und Nebel, Seelandschaften, Fotos, die an trüben<br />

Tagen aufgenommen wurden. Man benötigt<br />

schlichte Tonflächen, um das Rauschen, bzw. die<br />

Körnigkeit sehen zu können. Vermeiden Sie also das<br />

<strong>Fotografie</strong>ren überladener Szenen mit hohen<br />

ISO-Werten. Wie hoch Sie gehen können, hängt<br />

davon ab, wie alt Ihre Kamera ist. Die neuesten<br />

digitalen Spiegelreflexkameras sind im Umgang mit<br />

Bildrauschen so gut geworden, dass man selbst bei<br />

ISO 3200 noch glatte Bilder erhält. Wenn man dann<br />

Oben: Wenn Sie sich eine Szene anschauen,<br />

versuchen Sie, sich vorzustellen, wie sie in<br />

Schwarzweiß aussehen könnte. Wenn es viele<br />

unterschiede Farbtöne gibt, wie es auf diesem Foto der<br />

Fall ist, sollte dies besonders gut funktionieren.<br />

Oben rechts: Schatten und Spitzlichter sind,<br />

zusammen mit einem knackigen Bildaufbau, die<br />

wesentlichen Bestandteile eines guten, monochromen<br />

Bildes. Hier sehen Sie ein perfektes Beispiel dafür, wie<br />

alle drei Faktoren zusammenkommen und ein<br />

wundervolles Schwarzweißbild ergeben.<br />

und Sie haben ein dramatisches Bild<br />

eingefangen, indem Sie einfach nur in die Knie<br />

gegangen sind.<br />

Linien sind ein weiteres, kraftvolles Mittel zur<br />

Bildkomposition. Pfade, Spuren, Straßen,<br />

Eisenbahnlinien, Zäune, Mauern und Alleen<br />

stellen großartige, von Menschen gemachte<br />

Linien dar. Flüsse und Ströme sind ideale,<br />

natürliche Linien. Diagonale Linien funktionieren<br />

am besten, wenn Sie sich von der unteren linken<br />

Ecke zur oberen rechten erstrecken, denn das ist<br />

die natürliche Art und Weise, wie unser Auge ein<br />

Bild betrachtet. Stürzende Linien sind sogar noch<br />

besser geeignet. Stellen Sie sich mittig auf eine<br />

Straße und betrachten Sie ihren Verlauf durch ein<br />

Weitwinkelobjektiv. Der Effekt der parallelen<br />

Linien, die in der Ferne aufeinander zu laufen, ist<br />

schwindelerregend und faszinierend. Wenn Sie<br />

den Fluchtpunkt, an dem sich die Linien am<br />

Horizont zu treffen scheinen, mit in den<br />

Bildausschnitt aufnehmen, wird die<br />

aber Bildrauschen ausdrücklich wünscht, muss<br />

man bis ISO 6400 oder sogar noch weiter hinauf<br />

gehen. Bei älteren Modellen sehen Sie unter<br />

Umständen schon bei ISO 1600 oder 3200 jede<br />

Menge Rauschen. Experimentieren Sie einfach ein<br />

wenig herum. Wenn Sie merken, dass das Bild in<br />

Schwarzweiß kontrastarm wirkt, was bei hohen<br />

ISO-Werten oftmals der Fall ist, verstärken Sie den<br />

Kontrast, indem Sie die Tonwertkorrektur und die<br />

Gradationskurven anpassen.<br />

LEE FROST<br />

HELEN DIXON


LEE FROST<br />

Rechts: Sich schlängelnde Führungslinien sind<br />

hervorragend für eine fantastische Bildkomposition. Sie<br />

leiten das Auge auf seiner Reise durch das Bild und<br />

üben auf den Betrachter eine gewisse Faszination aus.<br />

Ganz rechts: Die Schwarzweißfotografie erfordert bei<br />

der Aufnahme Ihres Bildes ein Umdenken. Oftmals<br />

werden Sie Ihr Motiv über Ihrem Kopf finden. Schauen<br />

Sie also nach oben. Hier bilden die Wolken einen<br />

Rahmen um die Kirche.<br />

LEE FROST<br />

LEE FROST<br />

Bildkomposition zu einem zufriedenstellenden<br />

Ergebnis gebracht. Linien müssen nicht gerade<br />

sein – die sich schlängelnde Linie eines Stromes,<br />

der von der Kamera weg fließt, ist visuell weitaus<br />

interessanter als eine gerade Linie.<br />

Achten Sie bei der Bildkomposition auf die<br />

Farben und darauf, wie diese miteinander in<br />

Verbindung treten könnten, wenn sie in Grautöne<br />

konvertiert werden – was in Farbe toll aussieht,<br />

kann nach der Nachbearbeitung kontrastarm<br />

wirken. Umgekehrt kann eine Szene, die für das<br />

bloße Auge fade und langweilig erscheint, zu<br />

einem fantastischen, monochromen Bild werden.<br />

Bei der schwarzweißen Landschaftsfotografie hat<br />

der Erfolg eine ganze Menge mit Selbstvertrauen<br />

zu tun. Viele Digitalfotografen haben große Angst<br />

vor der Schwarzweißfotografie, weil für<br />

gewöhnlich tiefe Schatten und ausgerissene<br />

Lichter drohen. Dabei braucht man in der<br />

monochromen <strong>Fotografie</strong> echtes Schwarz und<br />

Weiß, ansonsten würde man nur langweilige<br />

Grautöne erhalten.<br />

Seien Sie mutig. Haben Sie keine Angst, den<br />

Kontrast zu verstärken, einen Himmel<br />

abzudunkeln, den Kontrast und die Belichtung<br />

mithilfe von Abwedeln und Nachbelichten nur<br />

stellenweise anzupassen (so wie es auch in den<br />

Tagen der Dunkelkammer gemacht wurde).<br />

Denken Sie stets daran, dass Sie es hier nicht<br />

mehr mit der Realität zu tun haben. Das<br />

Regelwerk können Sie also getrost aus dem<br />

Fenster werfen!<br />

Ideen für Schauplätze<br />

LEE FROST<br />

LEE FROST<br />

LEE FROST<br />

LEE FROST<br />

MEINE HEIMATSTADT<br />

Wir neigen dazu, das Land mit<br />

Landschaftsfotografie gleichzusetzen,<br />

aber städtische Szenen sind ebenso<br />

interessant – und oftmals deutlich<br />

besser zugänglich. Machen Sie es zu<br />

Ihrem Projekt, eine Serie von<br />

Schwarzweißaufnahmen von Ihrer<br />

Heimatstadt zu schießen – nicht nur<br />

tolle Sehenswürdigkeiten, sondern<br />

Details, die Ihren Charakter<br />

einfangen. Womöglich entdecken Sie<br />

Stellen, von deren Existenz Sie gar<br />

nichts wussten.<br />

VOM HIMMEL HOCH<br />

Wenn wir <strong>Landschaften</strong> fotografieren,<br />

spielt der Himmel für gewöhnlich die<br />

zweite Geige. Die Hauptrolle ist dem<br />

Vordergrund vorbehalten. Aber in<br />

manchen Situationen ist der Himmel<br />

viel interessanter als die Landschaft<br />

selber. Haben Sie keine Angst, Ihre<br />

Kamera nach oben zu neigen und ein<br />

Hauptmerkmal daraus zu machen –<br />

dramatische Wolkenformationen<br />

sehen fantastisch aus, wenn sie mit<br />

einem Weitwinkelobjektiv fotografiert<br />

werden und sind häufig das Motiv für<br />

unglaubliche Fotos.<br />

MINIMALISTISCHE BILDER<br />

Die Schwarzweißfotografie ist ein<br />

minimalistisches Medium. Nutzen<br />

Sie dies zu Ihrem Vorteil, wenn Sie<br />

Szenen auswählen. Entscheiden Sie<br />

sich für simple, reine Kompositionen,<br />

so wie einen Baum vor dem<br />

Hintergrund des Himmels, oder<br />

einen, der in sich ruhigem Wasser<br />

spiegelt. Winterlandschaften sind für<br />

diese Behandlung besonders gut<br />

geeignet, insbesondere, wenn sie mit<br />

Schnee bedeckt sind. Das Gleiche gilt<br />

für den Himmel an trüben Tagen, da<br />

dieser einen reinen Hintergrund ohne<br />

besondere Merkmale bietet.<br />

BEWEGTES WASSER<br />

Wasserfälle, Flüsse und Ströme<br />

gehören zu den Lieblingsmotiven<br />

vieler Landschaftsfotografen und<br />

stellen auch gute Objekte für die<br />

Schwarzweißfotografie dar. Auch sie<br />

fotografiert man am besten bei<br />

trübem Wetter, wenn das Licht weich<br />

ist. Wenn also das Wetter schlechter<br />

wird, suchen Sie sich ein bewegtes<br />

Gewässer. Experimentieren Sie mit<br />

Verschlusszeiten von 1/4 -Sekunde<br />

bis hin zu mehreren Sekunden, um<br />

einen auf attraktive Weise<br />

verschwommenen Effekt<br />

herbeizuführen.


88 Schwarzweißlandschaften<br />

Raw-Datei nach Schwarzweiß<br />

konvertieren<br />

Die Konvertierung eines Bildes in Schwarzweiß reduziert ein Motiv auf das<br />

Wesentliche, weil keine zusätzlichen Farbinformationen anfallen. Erfahren<br />

Sie, wie Sie plakative Schwarzweißbilder aus Raw-Dateien erzeugen.<br />

Jordan Butters: Die Ursprünge der <strong>Fotografie</strong> sind in Schwarzweiß verwurzelt, und trotz<br />

der Erfindung des Farbfilms und später des Anbruchs des digitalen Zeitalters ist die<br />

Schwarzweiß-<strong>Fotografie</strong> nach wie vor der klare Favorit vieler Fotografen.<br />

Zu analogen Zeiten mussten Fotografen spezielle Schwarzweiß-Filme mit Farbfiltern<br />

kombinieren, um den Tonwertumfang bestimmter Farben zu verstärken. Glücklicherweise ist dies im<br />

digitalen Zeitalter viel einfacher geworden, da die Filterung von Farben einfach während der<br />

Nachbearbeitung vorgenommen wird.<br />

Während Farbbilder mit kräftigen, leuchtenden Farbtönen das Auge des Betrachters fesseln können,<br />

müssen Schwarzweißaufnahmen auf die Kernaspekte der <strong>Fotografie</strong> vertrauen – Bildkomposition,<br />

Belichtung, Beleuchtung und Perspektive. Schwarzweißbildern haftet eine künstlerische Eleganz an, aber<br />

nicht jedes Bild ist für die Konvertierung geeignet. Sie funktioniert am besten bei Bildern, die einen guten<br />

Tonwertumfang von dunkel bis hell haben - Bilder, die hauptsächlich über Mitteltöne verfügen, wirken<br />

nach der Umwandlung in Schwarzweiß flach und matt. Sie sollten Strukturen, Führungslinien und<br />

interessante Formen in Ihr Bild integrieren. Auch ein stimmungsvoller Himmel und auftürmende Wolken<br />

kommen in Schwarzweiß hervorragend zur Geltung.<br />

Die Schwarzweiß-Konvertierung in Adobe Camera Raw ist optimal, denn Raw-Dateien enthalten mehr<br />

Bildinformationen als komprimierte JPEG- oder TIFF-Dateien. Wenn Sie jedoch keinen Zugriff auf ACR<br />

haben oder Ihr Bild bereits komprimiert gespeichert ist, können Sie mithilfe einer Schwarzweiß-<br />

Einstellungsebene in Photoshop ähnliche Ergebnisse erzielen. Während die Farbentfernung praktisch auf<br />

Knopfdruck geschieht, erfordert es etwas mehr Aufwand, die verbleibenden Bildinformationen Ihrer<br />

Schwarzweißbilder sichtbar zu machen. Mit etwas Zeit und Übung kann wirklich jeder beeindruckende<br />

Schwarzweißbilder erzielen.<br />

Original Raw<br />

Datei öffnen Zunächst einmal öffnen Ihre<br />

1Original Raw-Datei in Adobe Camera Raw und<br />

wählen Sie den Reiter HSL / Graustufen rechts in der<br />

Bildschirmansicht. Sie können Ihr Bild ganz einfach in<br />

Schwarzweiß konvertieren, indem Sie das Häkchen<br />

oben bei „In Graustufen konvertieren“ setzen.<br />

zurücksetzen Um alle verbliebene<br />

2Bildinformation Ihres Schwarzweißbildes sichtbar<br />

zu machen, sind einige Anpassungen bei der Grautöne<br />

erforderlich. ACR wird automatisch ein paar der<br />

Einstellungen anpassen, um Ihr Bild abzutönen. Da wir<br />

dies aber selbst tun möchten, klicken sie auf das Wort<br />

„Voreinstellung“ über den Reglern, um alle Werte auf<br />

null zurückzusetzen.<br />

Farbregler einstellen Wir beginnen mit der<br />

3Einstellung das Blau-Reglers, da blau der zentrale<br />

Farbton in unserem Ursprungsbild war. Klicken Sie auf<br />

den Regler Blau und ziehen Sie ihn bei gedrückter<br />

Maustaste nach links, um die Blautöne abzudunkeln.<br />

Behalten Sie dabei das Histogramm oben am<br />

Bildschirm im Auge um sicherzustellen, dass nichts<br />

„abgeschnitten“ wird.


Fertiges Bild<br />

Die starke Beleuchtung und interessanten<br />

Strukturen machen dieses Bild zum<br />

perfekten Kandidaten für eine Schwarz-<br />

Weiß-Konvertierung in Raw.<br />

Gezielte Einstellungen Alternativ zur<br />

4Anpassung der Farbtöne über die Regler können Sie<br />

auch gezielte Einstellungen vornehmen. Klicken Sie oben<br />

auf das Zielkorrektur-Werkzeug und halten Sie die<br />

Maustaste gedrückt. Wählen Sie den Graustufen-<br />

Kanalmixer. Klicken Sie in einen beliebigen Farbton in Ihrem<br />

Bild und ziehen Sie die Maus bei gedrückter Maustaste nach<br />

oben oder unten, um diesen Farbton und auch die<br />

umliegenden Farbtöne aufzuhellen oder abzudunkeln.<br />

Graustufen-Mix verstärken Einige der<br />

5wärmeren Töne wirken nun etwas verloren. Eine<br />

Verstärkung des Graustufen-Mix in den Kanälen Orange<br />

und Gelb hebt Details in den Felsen hervor und erzeugt<br />

einen starken Kontrast zwischen den Felsen und dem<br />

Meer. Dies kann manuell vorgenommen werden oder<br />

wieder mit dem Zielkorrektur-Werkzeug.<br />

6<br />

Gradationskurven anpassen Zum<br />

Schluss klicken Sie oben auf Tonwertkurve und<br />

wählen den Reiter „Zeigen“. Unter dem Reiter „Kurve“<br />

wählen Sie „Starker Kontrast“ aus. Falls nötig, können<br />

sie die Gradationskurve darunter anpassen, indem Sie<br />

die einzelnen Punkte nach Bedarf verschieben. Dieser<br />

letzte Schritt verleiht unserem Schwarzweißbild noch<br />

eine zusätzliche Dramatik


90 Schwarzweiß-Umwandlung Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografie<br />

Original<br />

So macht es<br />

der Profi<br />

Lee Frost: An dem Tag, als ich dieses<br />

Bild aufnahm, erkundete ich die Küste<br />

von Northumberland und suchte nach<br />

Schauplätzen, die zum Effekt eines<br />

zehnstufigen Graufilters passen würden. Als ich<br />

diese alte Fischerhütte sah, wusste ich, dass ich mit<br />

einer langen Belichtungszeit hervorragend die<br />

Bewegung der ziehenden Wolken und des<br />

wehenden Grases aufnehmen könnte, während die<br />

Hütte statisch in der Mitte des Bildes bleiben würde.<br />

Die originale Aufnahme im Raw-Format sah<br />

ziemlich trübe aus, teilweise weil die<br />

Lichtverhältnisse ziemlich schlecht gewesen waren,<br />

aber auch, weil der zehnstufige Graufilter dem Bild<br />

etwas Wärme und eine Vignette verlieh. Das war<br />

aber überhaupt nicht schlimm, weil ich wusste,<br />

dass ich das Bild beschneiden und in Schwarzweiß<br />

umwandeln würde.<br />

Die dramatische Wirkung herauszustellen, war<br />

einfach. Ich mag es nicht besonders, Ewigkeiten an<br />

Raw-Dateien zu arbeiten und in diesem Fall<br />

verwendete ich auch keine andere Spezialsoftware<br />

- ich arbeitete nur mit Photoshop. Zunächst habe<br />

ich den Kontrast verstärkt, indem ich die<br />

Tonwertkurve angepasst habe: Ich habe den<br />

Tiefen-Regler ein wenig nach links und den<br />

Lichter-Regler ein wenig nach rechts verschoben.<br />

Dann öffnete ich das Bild in Photoshop und schnitt<br />

es quadratisch zu. Für die Schwarzweiß-<br />

Umwandlung wählte ich zunächst „Bild ><br />

Korrekturen > Schwarzweiß“, um das<br />

Schwarzweißbild zu erzeugen. Dann verwendete ich<br />

das Polygon-Lasso-Werkzeug mit einer Weichen<br />

Kante von 100 Pixeln, um den Himmel<br />

auszuwählen. Um die Wirkung des Himmels zu<br />

verbessern, klickte ich dann auf „Bild > Korrekturen<br />

> Tonwertkorrektur > Auto“, um zu überprüfen, ob<br />

dies bereits das Aussehen erzeugen würde, das mir<br />

vorschwebte. Das war der Fall, also blieb ich dabei.<br />

Wenn dem nicht so gewesen wäre, hätte ich<br />

normalerweise die Anpassung rückgängig gemacht<br />

und feine Änderungen per Tonwertkorrektur oder<br />

Gradationskurve vorgenommen. Danach ging ich zu<br />

„Auswahl > Auswahl umkehren“, damit alles außer<br />

dem Himmel ausgewählt war und wendete ein<br />

weiteres Mal den automatischen Befehl der<br />

Tonwertkorrektur an. Dadurch wurde der Kontrast in<br />

der Hütte und im Gras verstärkt. Zum Schluss wollte<br />

ich die Details und Struktur der Hütte verstärken,<br />

also wählte ich sie mit dem Polygon-Lasso-<br />

Werkzeug mit einer weichen Kante von 30 Pixel aus<br />

und passte die Tonwertkorrektur an („Bild ><br />

Korrekturen > Tonwertkorrektur“).<br />

Wenn ich schwarzweiße Landschaftsaufnahmen<br />

ausdrucke, verwende ich immer das gleiche Papier:<br />

Hahnemühle Photorag 308. Das ist ein schweres,<br />

mattweißes Kunstpapier mit einem sehr schönen<br />

Mattglanz und hervorragenden Haltbarkeits-<br />

Eigenschaften. Ich drucke mit einem Epson Stylus<br />

Pro 7880 24 Zoll Drucker und verwende die K3<br />

Ultrachrome Tinte von Epson. Um in Schwarzweiß<br />

zu drucken, benutze ich die Schwarzweiß-<br />

Einstellung am Drucker, die drei schwarze Tinten<br />

verwendet, um rein monochrome Bilder zu<br />

produzieren. Ich drucke gerne im Großformat aus<br />

(normalerweise 50x50 cm auf 24 Zoll Papier) und<br />

fasse die Bilder in Glasrahmen der Größe 80x<br />

80cm, sodass an allen Seiten 15 cm Rand<br />

verbleiben und rahme dann in Naturrahmen aus<br />

Eichenholz.<br />

Das gerahmte Werk hat schließlich die Größe von<br />

90x90 cm, macht also einen starken Eindruck,<br />

wenn es an der Wand hängt - der beste Platz für<br />

Schwarzweiß-<strong>Landschaften</strong>!<br />

Tinte, Papier und Drucker<br />

Wenn Sie die richtigen Produkte kombinieren,<br />

können Sie beim Drucken zuhause perfekte<br />

Ergebnisse erzielen.<br />

Wir empfehlen Ihnen die matten<br />

Kunstpapiere von Hahnemühle, Ilford oder<br />

Permajet, die perfekt zu Schwarzweiß-<br />

Bildern passen. Eine Überlegung wert ist die<br />

Anschaffung eines großformatigen Druckers<br />

mit nur einem Satz schwarzer Tinte anstelle<br />

von Farbe, um die Details in den Tiefen und<br />

Lichtern zu optimieren.<br />

Schwarzweiß-Einstellungsebene<br />

Einige Fotografen bevorzugen zwar die Einfachheit einer direkten<br />

Schwarzweiß-Umwandlung, aber Sie können auch hervorragende<br />

Ergebnisse bekommen, wenn Sie eine Schwarzweiß-Einstellungsebene<br />

verwenden: „Ebene > Neue Einstellungsebene > Schwarzweiß“.<br />

Damit können Sie die Schattierung des Schwarzweiß-Bildes über die<br />

Farbkanäle steuern, ähnlich wie bei einem Farbfilter in der Kamera.<br />

Außerdem bleiben sämtliche Anpassungen erhalten, sind also nicht<br />

destruktiv. Sie können jederzeit auf die Einstellungsebene in der<br />

Ebenenpalette doppelklicken und die Umwandlung neu bearbeiten, falls<br />

notwendig. Eine sehr flexible und effiziente Methode, um Ihre Schwarzweiß-<br />

Bilder zu behandeln.<br />

Werkzeuge für selektive Schwarzweiß-<br />

Anpassung<br />

Oft sind die Schwarzweiß-Bilder nach einer einfachen Umwandlung<br />

etwas matt und grau. Daher ist die Kontrastverbesserung über eine<br />

Einstellungsebene zu empfehlen. Sie können dies über Tonwertkorrektur,<br />

Gradationskurven oder Helligkeit/Kontrast erledigen.<br />

Falls Bereiche Ihres Bildes dann immer noch Hilfe brauchen, können Sie<br />

Ihre Anpassungen auch selektiv vornehmen: Verwenden Sie entweder ein<br />

Auswahlwerkzeug, um den Zielbereich zu isolieren und eine Tonwertkorrektur<br />

anzuwenden, oder duplizieren Sie die Bildebene über „Bild > Ebene<br />

duplizieren“ und verwenden Sie das Abwedeln-und-Nachbelichten-Werkzeug,<br />

eingestellt auf Mitteltöne und niedrige Belichtung, um Details hervorzubringen.


Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e<br />

Schwarzweiß-Umwandlung 91<br />

Jetzt wird’s speziell – mit Silver Efex Pro<br />

Wenn Sie eine schnelle und effektive Möglichkeit suchen, Ihre<br />

Landschaftsaufnahmen nach Schwarzweiß umzuwandeln, brauchen Sie so<br />

etwas wie Silver Efex Pro 2 von Nik Software<br />

Caroline Wilkinson: Wenn Sie die<br />

körnige Qualität vermissen, die Ihre<br />

Kodak T-Max P3200 hatte, die glatten<br />

Farbtöne einer Agfa APX Pro 100 oder<br />

die tiefen Schwarz- und strahlenden Weißtöne<br />

einer Ilford XP2 Super 400 Filmrolle, werden Sie<br />

Silver Efex Pro 2 mögen. Die sorgfältige Auswahl<br />

des richtigen Films hatte viel mit der Kunst der<br />

Schwarzweiß-<strong>Fotografie</strong> zu tun, aber dieses<br />

Vergnügen muss bei der digitalen <strong>Fotografie</strong> nicht<br />

zu Ende sein.<br />

Auch wenn es eine Vielzahl von Möglichkeiten gibt,<br />

ein Schwarzweiß-Bild mit Photoshop CS, Elements<br />

oder Lightroom mit sehr guten Ergebnissen zu<br />

entwickeln, geht Silver Efex Pro 2 noch einen<br />

Schritt weiter und ermöglicht es, die Effekte noch<br />

kreativer und raffinierter einzusetzen. Man kann<br />

damit nicht nur den Look des Lieblings-Films mit<br />

ein paar Klicks reproduzieren, man kann auch mit<br />

Farbfiltern den Tonumfang anpassen und aus<br />

Dutzenden von klassischen, nostalgischen oder<br />

modernen Voreinstellungen wählen. Man kann<br />

sogar wie gewohnt selektive Anpassungen für<br />

Kontrast, Rauschen und Belichtung vornehmen<br />

und anschließend noch eine Vignette, einen<br />

Rahmen oder eine Tönung auswählen. Sie können<br />

dabei so klassisch oder kreativ vorgehen, wie Sie<br />

möchten. Es kostet kaum Mühe und man kann<br />

kaum etwas falsch machen. Also keine Sorge,<br />

wenn die digitale Bearbeitung für Sie noch Neuland<br />

ist - mit dieser Software wird Sie zum reinsten<br />

Vergnügen.<br />

Als Plug-in funktioniert Silver Efex Pro 2 verknüpft<br />

mit Ihrer Haupt-Bearbeitungssoftware und kann<br />

über das Filter-Menü erreicht werden. Das<br />

bedeutet, dass Sie Ihr Bild sowohl vor als auch<br />

nach der Bearbeitung mit Silver Efex Pro in<br />

Photoshop bearbeiten können: es ist eine optimale<br />

Lösung. Persönlich finde ich, dass man mit den<br />

Techniken, die wir Ihnen bereits vorgestellt haben,<br />

zwar gute Ergebnisse in Photoshop erreicht, aber<br />

mit der Flexibilität und Einfachheit von Silver Efex<br />

Pro 2 ist nichts vergleichbar. In der Zeit, die Sie für<br />

eine einzige Umwandlung in Photoshop brauchen,<br />

könnten Sie eine ganze Reihe unterschiedlicher<br />

Looks mit Silver Efex Pro produzieren – eine davon<br />

werde ich Ihnen hier erläutern.<br />

Bevor ich dieses Beispielbild mit der Nik Software<br />

bearbeitete, habe ich es in Photoshop beschnitten.<br />

Das sollte immer dann getan werden, wenn Sie<br />

vorhaben, Ihr Bild mit einer Vignette oder einem<br />

Rahmen zu versehen, damit die Kanteneffekte<br />

nicht im Nachhinein abgeschnitten werden. Bevor<br />

ich irgendwelche selektiven Anpassungen<br />

vornahm, habe ich mich durch die voreingestellten<br />

Kategorien gescrollt, um zu sehen, welche<br />

Voreinstellung am besten zu dem Bild passt. Bei<br />

„Low Key“ sah es zu dunkel aus, während andere<br />

wie „Lochkamera“ oder „Antike Fotoplatte II“ zwar<br />

ungewöhnlich aussahen, aber für meinen Zweck<br />

zu altmodisch wirkten. Ich entschied mich für die<br />

einfache Voreinstellung „Hoher Kontrast“. Um für<br />

einen körnigen Effekt wie bei einem hohen<br />

ISO-Wert das passende Rauschen hinzuzufügen,<br />

Professionelle Herangehensweise<br />

Ross Hoddinott<br />

Wie bei jedem<br />

kreativen Beruf<br />

bedeutet die<br />

Präsentation in der<br />

<strong>Fotografie</strong> alles.<br />

Wunderschön<br />

gestaltete und<br />

technisch brillante<br />

Aufnahmen<br />

können total<br />

unterbewertet<br />

werden, wenn<br />

sie schlecht<br />

ausgedruckt<br />

oder präsentiert<br />

werden. Bei der<br />

Wahl des Papiers<br />

ist die Auswahl<br />

groß, aber mein<br />

Lieblingspapier<br />

ist Galerie Gold Fibre Silk von Ilford. Das Papier hat<br />

hervorragende Haltbarkeits-Eigenschaften und kommt<br />

zweifelsohne einem echten Dunkelkammer-Ausdruck<br />

am nächsten. Es sieht so aus, fühlt sich so an und<br />

riecht sogar wie traditionelles Dunkelkammer-Papier!<br />

Der richtige Beschnitt ist ein wichtiger Bestandteil<br />

des Gestaltungsprozesses und insbesondere ein<br />

quadratisches Format passt sehr gut zu Schwarzweiß,<br />

denn es verstärkt den künstlerischen Eindruck.<br />

Ein schmaler Rand, etwa ein bis zwei Zentimeter,<br />

kann das Aussehen Ihres Mono-Meisterwerks<br />

vervollständigen.“<br />

stellte ich den Regler „Körnung pro Pixel“ auf 86<br />

ein. Den Effekt der Einstellungen auf das Bild kann<br />

man fast unmittelbar im <strong>Vorschau</strong>fenster sehen.<br />

Zum Schluss fügte ich einen Rahmen zu, indem ich<br />

den Typ 8 unter „Bildränder“ auswählte. Sofort<br />

nachdem ich auf „OK“ geklickt hatte, wurde der<br />

Effekt angewendet und das Bild öffnete sich im<br />

Hauptfenster von Photoshop als separate,<br />

editierbare Ebene in der Ebenenpalette. Einfach.<br />

Vor dem Kauf können Sie Nik Silver Efex Pro 2 für<br />

15 Tage kostenlos testen. Sie können die Software<br />

von www.niksoftware.com herunterladen. Das<br />

Plug-in ist für 149 Euro separat erhältlich, oder als<br />

Teil der Complete Collection von Nik Software für<br />

223,50 Euro.<br />

Weitere Ideen zum Ausprobieren<br />

Leinwand & Acryl Wenn ein Kunstdruck<br />

für Sie zu traditionell ist, denken Sie einmal<br />

darüber nach, Ihr Bild auf eine Leinwand,<br />

auf Acrylglas oder sogar, für einen besonders<br />

modernen Look, auf Aluminium zu drucken.<br />

Marken wie White Wall, Jessops, Point101 und<br />

Lucy Art haben sich hierauf spezialisiert.<br />

Professionelle Druckerei Wenn<br />

Ihnen die Investition in einen Qualitätsdrucker<br />

und Tinte für Ihre gelegentlichen Schwarzweiß-<br />

Bilder zu hoch erscheint, können Sie auch<br />

eine Druckerei beauftragen, für Sie zu drucken.<br />

Theprintspace zum Beispiel bietet hochwertige<br />

Fine Art Giclée Prints und Abzüge auf<br />

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zu verhindern, dass die Farben mit den Jahren<br />

verblassen.<br />

Web Wenn Sie Ihr Bild auch in ein<br />

Online-Portfolio stellen möchten, damit es für<br />

ein breiteres Publikum zugänglich ist, achten<br />

Sie darauf, die Auflösung auf 72 zu reduzieren<br />

(„Bild > Bildgröße“), das Bild zu verkleinern<br />

und zu schärfen, bevor Sie es auf Ihre Website<br />

hochladen.


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Magazin<br />

DER KOMPLETTE LEITFADEN ZUM TRAUMKÖRPER<br />

12-WOCHEN<br />

PLAN<br />

n MUSKELAUFBAU<br />

n FETTVERBRENNUNG<br />

n SIX-PACK<br />

SIXPACK UND FETTABBAU<br />

Was ist ein Sixpack?<br />

A<br />

Anatomisch gesehen handelt es sich<br />

bei dem Sixpack um den Rectus<br />

Abdominus, ein gepaarter Muskel, der<br />

senkrecht auf jeder Seite des vorderen<br />

Bauches verläuft. In der Mitte wird er durch<br />

ein Bindegewebeband geteilt, das Linea<br />

Alba oder auch weiße Linie genannt wird.<br />

Es ist diese Linie und diejenigen, die<br />

waagerecht über diese Muskelgruppe<br />

verlaufen, die die ausgeprägten Teile eines<br />

Sixpacks erzeugen.<br />

Was bewirkt dieser<br />

Muskel?<br />

Es ist ein wichtiger Haltungsmuskel,<br />

der für das Vorwärtsbeugen der<br />

Wirbelsäule verantwortlich ist. Er<br />

unterstützt außerdem die Atmung,<br />

stabilisiert den Oberkörper während der<br />

Übungen und schützt die inneren Organe<br />

vor Aufpra l.<br />

A<br />

Warum kann ich<br />

meinen nicht sehen?<br />

Jeder hat ein Sixpack, aber die<br />

meisten Menschen können ihren aus<br />

einem ganz einfachen Grund nicht sehen:<br />

A<br />

136 12-Wochen-Plan<br />

Er versteckt sich unter einer Schicht Fett.<br />

Männer haben die Veranlagung, Fett um<br />

den Magen herum zu speichern, während<br />

Frauen ihr Fett eher auf den Hüften und am<br />

Po einlagern. Wenn du überschüssiges<br />

Körperfett besitzt, führt das dazu, dass<br />

deine Bauchmuskeln nicht vo lständig zu<br />

sehen sind.<br />

Wie kann man am besten<br />

Bauchfett verlieren?<br />

A<br />

Jahrelang haben Menschen<br />

fälschlicherweise angenommen,<br />

dass viel Cardio-Training in der<br />

Fettverbrennungszone die einzige<br />

Methode ist, Körperfett loszuwerden (siehe<br />

Kasten unten). In der Tat ist aber die beste<br />

Methode, effektiv überschüssiges Fett zu<br />

verbrennen, eine Kombination aus<br />

Gewichtstraining und hoch intensivem<br />

Cardio-Training wie zum Beispiel Sprints.<br />

Bei dieser Herangehensweise wird deine<br />

Herzfrequenz und dein Stoffwechsel<br />

erhöht (der Umsatz mit dem dein Körper<br />

Kalorien verbrennt), sodass dein Körper die<br />

körpereigenen Fettspeicher als Treibstoff<br />

verwenden muss. Außerdem so ltest du<br />

dich vorwiegend eiweißhaltig ernähren<br />

und deine Zufuhr an Kohlehydraten<br />

einschränken, denn diese geben deinem<br />

Körper Energie, die nicht nur daran hindert,<br />

Fett zu verbrennen, sondern sogar die<br />

Fettspeicher erhöht, wenn du diese Energie<br />

nicht komplett verbrauchst.<br />

Welche Übungen sind<br />

besonders effektiv für den<br />

Aufbau von knallharten<br />

Bauchmuskeln?<br />

A<br />

Schwere zusammengesetzte Hebe-<br />

Übungen, wie Kniebeugen,<br />

Kreuzheben und Überkopfpressen<br />

trainieren die gesamte Bauchregion<br />

wesentlich stärker als Sit-ups oder<br />

Bauchpressen. Das liegt daran, weil die<br />

Sixpack-Muskeln dafür verantwortlich sind,<br />

den Rumpf zu stabilisieren. Daher müssen<br />

sie hart arbeiten, um den Oberkörper beim<br />

Heben schwerer Gewichte in einer stabilen,<br />

sicheren Position zu halten. Jedoch so lten<br />

Übungen, die direkt die Bauchmuskeln<br />

ansprechen auch in jedem<br />

Trainingsprogramm enthalten sein, um die<br />

Muskeln so stark wie möglich zu trainieren<br />

und ein maximales Wachstum zu fördern.<br />

Welche Übungen sind am<br />

besten geeignet, um die<br />

Bauchmuskeln direkt zu<br />

trainieren?<br />

A<br />

DIESE METHODE<br />

WURDE MIT ERFOLG GETESTET!<br />

SIXPACK WISSENSCHAFT<br />

Du schaffst es trotz zahlloser Bauchpressen nicht, deinen Bauch zu formen? Das liegt<br />

wahrscheinlich daran, dass du die falsche Übung machen. Hier ist alles, was du wissen<br />

musst, um einen perfekten Waschbrettbauch zu erhalten.<br />

DER MYTHOS DER FETTVERBRENNUNGSZONE<br />

Wenn lange, langsame, stationäre<br />

Cardio-Übungen die beste Methode<br />

zur Fettverbrennung wären, würde<br />

jeder, der den London Marathon<br />

läuft, die Ziellinie mit stahlharten<br />

Bauchmuskeln überqueren. Auch<br />

wenn bei dieser Art von Training<br />

natürlich Kalorien verbrannt<br />

werden, führt es tatsächlich nicht<br />

zu einem optimalen Fettverlust.<br />

Das liegt daran, dass zu viele<br />

stationäre Übungen in der Tat den<br />

Spiegel des Muskel aufbauenden,<br />

Fett verbrennenden Testosterons<br />

und Wachstumshormons senken,<br />

während sie gleichzeitig den Spiegel<br />

des Stresshormons Cortisol erhöhen.<br />

Ein hoher Cortisolspiegel regt<br />

den Körper an, Energie als Bauchfett<br />

einzulagern und Muskeln für<br />

Energie aufzubrechen. Also halte<br />

deine Cardio-Einheiten kurz und<br />

intensiv und du wirst schneller zum<br />

Waschbrettbauch kommen.<br />

Brust und Arme<br />

Nicht Sit-ups, auch wenn es eine weit<br />

verbreitete Ansicht ist, dass sie es<br />

sind. Sie ermöglichen es, dass die<br />

Hüftbeugemuskeln und nicht die<br />

Bauchmuskeln die Übung dominieren,<br />

deswegen wirst du niemals einen<br />

Waschbrettbauch damit erreichen, ganz<br />

egal wie viele Stunden sie damit zubringen.<br />

Liegestützen dagegen sind hervorragend<br />

geeignet, um Kraft in den tief liegenden<br />

Stabilitäts-Muskeln der Rumpfmuskulatur<br />

aufzubauen. Bauchpressen mit Gewichten<br />

sprechen die oberen Bauchmuskeln an und<br />

Knie- und Beinhebungen die unteren<br />

Bauchmuskeln, während ein Ausro len mit<br />

Langhanteln a les trainiert. A l diese<br />

ÜBUNG SÄTZE WH RHYTHMUS PAUSE<br />

SATZ 1<br />

Übungen werden auf den folgenden Seiten<br />

detai liert beschrieben.<br />

Was ist effektiver bei<br />

Bauchübungen: Sätze<br />

mit wenigen oder vielen<br />

Wiederholungen?<br />

A<br />

Jede Muskelgruppe besteht<br />

hauptsächlich entweder aus schne l<br />

oder aus langsam reißenden Muskelfasern.<br />

Bauchmuskeln reißen meist schne l, was<br />

bedeutet, dass sie üblicherweise besser bei<br />

Übungen mit hohen Gewichten und<br />

wenigen Wiederholungen reagieren.<br />

Trotzdem so ltest du eine Kombination aus<br />

Bauchübungen mit wenigen und vielen<br />

Wiederholungen machen, um die<br />

Muskelfasern so viel wie möglich zu<br />

strapazieren und bessere Resultate zu<br />

erreichen.<br />

Ist es auch wichtig, die<br />

Muskeln im unteren Rücken<br />

zu trainieren?<br />

A<br />

Deine unteren Rückenmuskeln sind<br />

ein wichtiger Teil Ihrer<br />

Rumpfmuskulatur, der oft übersehen wird.<br />

Sie spielen eine große Ro le bei der<br />

Stabilisierung des Rumpfes und<br />

unterstützen den Kraftausgleich zwischen<br />

Ober- und Unterkörper.<br />

Wenn du nicht die gleiche Menge<br />

an Trainingszeit deinem unteren<br />

Rücken widmest wie du es für Ihre<br />

Bauchmuskeln machst, führt das zu einer<br />

unausgeglichenen Rumpfmuskulatur, die<br />

im besten Fa l dazu führt, dass sich deine<br />

Bauchmuskeln nicht zum vo len Potenzial<br />

entwickeln. Schlimmstenfa ls kann es auch<br />

zu Verletzungen führen. In diesem Workout<br />

sind viele Übungen für den unteren<br />

Rücken enthalten. Deswegen bietet es<br />

auch eine große Menge an direktem<br />

Bauchmuskeltraining, damit dein Traum<br />

vom kna lharten Waschbrettbauch bald zur<br />

Realität wird.<br />

ANATOMIE DER BAUCHMUSKELN<br />

Deine Bauchmuskeln verfügen über<br />

drei Hauptfunktionen – oder vier,<br />

wenn du dazu zählst, dass dein Körper<br />

ohne Oberteil besser aussieht. Sie<br />

stabilisieren deinen Körper, halten<br />

deinen Rumpf stabil, wenn externe<br />

Kräfte auf ihn einwirken. Sie sind<br />

verantwortlich für Vorwärtsbeuge-<br />

und Drehbewegungen und sie regeln<br />

die seitliche Beugung und die<br />

Rückenstreckung. Dies sind die vier<br />

Hauptmuskeln in der Gruppe:<br />

1<br />

Transversus<br />

abdominis<br />

Dieser tief liegende Muskel läuft<br />

über deinen Rumpf von der einen<br />

zur anderen Seite, hält deine<br />

Rippen an Ort und Stelle und<br />

stabilisiert Ihren Beckenbereich.<br />

2<br />

Innere seitliche<br />

Bauchmuskulatur<br />

Deine innere, seitliche<br />

Bauchmuskulatur befindet sich<br />

über dem Transversus Abdominis.<br />

Sie verläuft von der Hüfte nach<br />

oben und ermöglicht es, sich zu<br />

beugen und zur Seite zu drehen.<br />

3 Äußere seitliche<br />

Bauchmuskulatur<br />

Die äußere seitliche<br />

Bauchmuskulatur liegt<br />

über der inneren seitlichen<br />

Bauchmuskulatur und verläuft<br />

in entgegengesetzter Richtung.<br />

Sie sorgen neben anderen<br />

ebenfalls dafür, den Oberkörper<br />

zu beugen und zu drehen.<br />

4 Rectus<br />

abdominis<br />

2<br />

Diese Muskelbahn ist in Segmente<br />

eingeteilt. Wenn sie entwickelt ist,<br />

erhalten Sie dadurch das klassische<br />

Aussehen eines Sixpacks.<br />

Guillotine-Presse<br />

FÜR DIE FOLGENDEN<br />

WORKOUTS 9<br />

2<br />

1<br />

10 11 12 13 14 15 16 17<br />

4<br />

3<br />

MIKRO­<br />

ZYKLUS<br />

2<br />

1 Schrägbankdrücken mit Kurzhanteln 3 12* 4010 90 Sek.<br />

SATZ 2<br />

2 Guillotine-Presse 3 10* 4010 90 Sek.<br />

SATZ 3<br />

3a Negativbankdrücken+ 3 12 3010 60 Sek.<br />

3b Preacher-Curl mit EZ-Stange 3 12 4010 60 Sek.<br />

SATZ 4<br />

Wenn dein Fitnesscenter<br />

über Ketten verfügt,<br />

bring diese an den Enden<br />

der Langhantel an, um<br />

deine Muskeln noch<br />

stärker zu trainieren.<br />

Der letzte Satz ist ein<br />

Drop-Set. Mach die<br />

Wiederholungen, reduziere<br />

dann das Gewicht um 15<br />

Prozent und führ die<br />

Übungen erneut aus.<br />

Wiederhole den ganzen<br />

Prozess erneut und mach<br />

anschließend eine Pause.<br />

c Leg dich auf die Bank und halte<br />

dabei die Füße direkt unter den<br />

Knien auf dem Boden.<br />

c Dein Kopf, dein oberer Rücken<br />

und deine Gesäßmuskeln<br />

sollten flach auf der Bank<br />

aufliegen.<br />

c Halt die Stange im Obergriff mit<br />

den Händen schulterbreit<br />

auseinander.<br />

c Senke die Stange langsam zum<br />

Nacken hin ab. Die Ellbogen<br />

drehen sich dabei zu 90 Grad<br />

nach außen, bis die Stange sie<br />

fast berührt.<br />

Schräger Hammer-Curl 3 10 4b Negativ-Trizepsdrücken mit EZ-Stange 3 12 3010 45 Sek.<br />

3110 45 Sek.<br />

SATZ 5<br />

Trizepsdrücken am Kabel 2 30** 5b Bizeps-Curl am Kabel mit engem Griff 2 24** 2010 0 Sek.<br />

2010 0 Sek.<br />

1<br />

Schrägbankdrücken mit Kurzhanteln<br />

Jeder Satz ist ein Drop-Set in<br />

drei Teilen. Mach zunächst<br />

ein Drittel der<br />

Wiederholungen, reduziere<br />

anschließend das Gewicht<br />

um 15 Prozent für das<br />

nächste Drittel und<br />

schließlich noch einmal um<br />

15 Prozent für das letzte<br />

Drittel.<br />

c Leg dich auf eine auf 45 Grad<br />

eingestellte Schrägbank<br />

und halte in jeder Hand auf<br />

Schulterhöhe eine Kurzhantel.<br />

Negativbankdrücken<br />

a b<br />

c Press die Füße fest auf den Boden<br />

und drücke die Stange kräftig<br />

zurück in die Ausgangsposition.<br />

TRAININGSTIPP<br />

c Konzentriere dich so stark wie<br />

möglich auf das Dehnen und<br />

Zusammendrücken der<br />

Brustmuskeln (während du<br />

das Gewicht absenken und<br />

hebst).<br />

3a 3b Preacher-Curl mit EZ-Stange<br />

c Halte die Füße flach auf<br />

dem Boden und den Rücken<br />

gegen die Bank gedrückt.<br />

c Drücke das Gewicht direkt<br />

über den Kopf, aber drück die<br />

Ellbogen oben nicht durch.<br />

c Senke das Gewicht langsam<br />

Erstellt durch Nick Mitchell<br />

54 12-Wochen-Plan<br />

a b<br />

wieder zur Brust ab. Die Ellbogen<br />

zeigen dabei zur Seite.<br />

Deutschland:<br />

EUR 9,99<br />

Österreich:<br />

EUR 11,-<br />

Schweiz:<br />

CHF 15,-<br />

TRAININGSTIPP<br />

c Wenn du Schulterprobleme<br />

habst, dreh deine Handflächen<br />

so, dass sie aufeinander zu<br />

zeigen und drehe die Ellbogen<br />

im unteren Teil der Bewegung<br />

nach innen.<br />

c Leg dich auf eine Negativbank und<br />

halte dabei die Füße direkt unter den<br />

Knien auf dem Boden.<br />

c Dein Kopf, dein oberer Rücken und<br />

deine Gesäßmuskeln sollten flach auf<br />

der Bank aufliegen.<br />

c Halte die Stange im Obergriff mit den<br />

Händen schulterbreit auseinander.<br />

a b a b<br />

c Senke die Stange langsam ab. Die<br />

Ellbogen drehen sich dabei zu 90<br />

Grad nach außen, bis die Stange fast<br />

die Mitte deiner Brust berührt.<br />

c Presse die Füße fest auf den Boden<br />

und drück die Stange kräftig zurück in<br />

die Ausgangsposition.<br />

c Setze dich auf eine Preacher-<br />

Bank und halte eine EZ-<br />

Stange im Untergriff.<br />

c Halt die Ellbogen auf der Bank<br />

und curle die Stange nach<br />

oben in Richtung deines<br />

Kinns.<br />

Ausgangsposition zurück.<br />

c Vermeide es, vor- und<br />

zurückzuschaukeln, um<br />

Schwung zu holen, denn das<br />

nimmt den Druck vom Bizeps<br />

weg.<br />

c Senke die Stange langsam zur<br />

mensfitness.de 55<br />

1 12 week body transformation<br />

WOCHE 1<br />

Gewicht 72,3 kg<br />

Körperfettanteil<br />

16.5%<br />

WOCHE 4<br />

Gewicht 73,8 kg<br />

Körperfettanteil<br />

10.6%<br />

WOCHE 8<br />

Gewicht 74,2 kg<br />

Körperfettanteil 8.4%<br />

WOCHE 12<br />

Gewicht 74,3 kg<br />

Körperfettanteil 5.5%<br />

www.mensfitness.de/apps<br />

www.facebook.com/mensfitnessmagazin


Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e<br />

Landschaftsprojekte 93<br />

LANDSCHAFTS-<br />

PROJEKTE<br />

ERWEITERN<br />

SIE IHRE<br />

FÄHIGKEITEN...<br />

UND LERNEN SIE NEUE<br />

FOTO-TECHNIKEN<br />

KENNEN!


Panorama aus<br />

Einzelbildern<br />

Eine einfache aber effektive Technik das<br />

Gesichtsfeld Ihrer Fotos zu erweitern<br />

Lee Frost: Die Theorie ist einfach: Sie schießen<br />

eine Reihe sich an den Rändern überlappender<br />

Bilder und fügen Sie mit dem Computer aneinander.<br />

Früher hätte man dazu eine spezielle Software<br />

braucht, heute bekommen Sie mit Photoshop und auch mit<br />

Elements großartige Ergebnisse. Leider hat die Sache mit den<br />

aneinanderzufügenden Bildern so ihre Tücken. Sie brauchen ein<br />

Stativ, doch wenn Sie eine weit entfernte Landschaft<br />

aufnehmen, muss es kein spezielles Panoramastativ sein.<br />

Schalten Sie die Kamera auf Zeitautomatik und finden Sie eine<br />

Belichtung, die für die gesamte Szene geeignet ist. Dann<br />

schalten Sie die Kamera in den manuellen Modus und stellen die<br />

gefundenen Werte ein. Dadurch stellen Sie sicher, dass sich die<br />

Belichtung der einzelnen Aufnahmen nicht unterscheidet. Wenn<br />

Sie mit dem Schwenk wieder am Ausgangspunkt angekommen<br />

sind, müssen die einzelnen Aufnahmen in Photoshop mit der<br />

Photomerge-Funktion verbunden werden. Das Ganze ist ein<br />

ziemlich intuitiver Prozess, an dessen Ende ein Bild steht, das<br />

Sie mit den normalen Bearbeitungswerkzeugen von Photoshop<br />

weiter nachbearbeiten können.<br />

Setup Montieren Sie ihre Kamera im<br />

1Hochformat auf ein Stativ und richten Sie sie<br />

genau horizontal aus, damit Sie beim Schwenken in<br />

derselben Ebene bleibt. Machen Sie ein paar<br />

Schwenks zur Übung, und legen Sie dabei fest, wo<br />

ihr Panorama beginnen und enden soll.<br />

Manueller Modus Machen Sie ein<br />

2Test-Foto von einem durchschnittlichen Teil der<br />

Szene - nicht vom dunkelsten, aber auch nicht vom<br />

hellsten Teil. Überprüfen Sie das Bild und dessen<br />

Histogramm und wenn alles gut aussieht, stellen Sie<br />

die gefundenen Belichtungswerte im manuellen<br />

Modus an der Kamera ein. Das sorgt dafür dass, jede<br />

Einzelaufnahme des Panoramas dieselbe Belichtung<br />

erhält.<br />

Den Startpunkt festlegen<br />

3Schwenken Sie die Kamera ganz<br />

zur linken Kante des Blickfeldes, dass<br />

sie einfangen wollen und machen Sie ein<br />

Foto ihrer linken Hand, wobei die Finger<br />

nach rechts ausgestreckt sind. Das dient<br />

Ihrer Orientierung, wo die Sequenz<br />

beginnt, damit Sie später nicht<br />

durcheinander kommen.<br />

4 Einzelaufnahmen<br />

Machen Sie die erste Aufnahme<br />

der Sequenz, schwenken Sie die<br />

Kamera leicht nach rechts und machen<br />

Sie die zweite Aufnahme. Wiederholen<br />

Sie das, bis Sie das andere Ende der<br />

Szene erreicht haben, wobei Sie darauf<br />

achten sollten, dass die Bildausschnitte<br />

sich um 30–40 % überlappen, um<br />

später das Zusammenfügen zu<br />

erleichtern.<br />

5 Schlussaufnahme<br />

Machen Sie eine Aufnahme ihrer<br />

rechten Hand, wobei die Finger nach<br />

links weisen, um das Ende der Sequenz<br />

zu markieren. Nachdem Sie die Dateien<br />

auf Ihren Computer kopiert haben,<br />

wissen Sie, dass die Fotos zwischen den<br />

beiden Aufnahmen ihrer Hände zu der<br />

gewünschten Panoramasequenz<br />

gehören.<br />

Stapelverarbeitung Falls<br />

6Sie im Raw-Format fotografiert<br />

haben, führen Sie mit den<br />

entsprechenden Bilddateien eine<br />

Stapelverarbeitung durch, damit alle<br />

Bilder dieselben Anpassungen und<br />

Korrekturen erhalten. Andernfalls wird<br />

es später sichtbare Inkonsistenzen<br />

geben. Kopieren Sie die bearbeiteten<br />

Einzelbilder in einen eigenen Ordner.


Landschaftsprojekte 95<br />

Photomerge Öffnen Sie Photoshop und gehen<br />

7Sie auf „Datei> Automatisieren> Photomerge“.<br />

Wählen Sie den gewünschten Layoutstil. Versuchen Sie<br />

ruhig auch Zylindrisch und Perspektivisch. Klicken Sie<br />

auf die Schaltfläche „Durchsuchen“.<br />

Zuschneiden Nachdem das Panorama<br />

9erzeugt wurde, müssen Sie es möglicherweise an<br />

den Kanten zuschneiden. Nun braucht es nur noch<br />

wenige Anpassungen, und ihr Panoramafoto ist fertig.<br />

Letzte Anpassungen Nachdem Sie<br />

10gespeichert und alle Ebenen<br />

zusammengeführt haben („Ebene> Auf<br />

Hintergrundebene reduzieren“), nehmen Sie die letzten<br />

generellen Anpassungen vor, bis Ihnen der<br />

Gesamteindruck des Bildes gefällt. Entfernen Sie ggf.<br />

störende Elemente mit dem Kopierstempelwerkzeug.<br />

Das fertige Bild<br />

Das Ergebnis ist ein eindrucksvolles Panorama,<br />

bestehend aus acht Einzelbildern, die in Photoshop<br />

zusammengefügt wurden. Die 280 MB große<br />

Photoshop-Datei mit 16 Bit Farbtiefe ist ohne<br />

Interpolation für Ausdrucke bis zur Länge von 90 cm<br />

und 300 dpi Auflösung geeignet.<br />

Dateien zusammenführen Klicken Sie<br />

8auf den Ordner, der die zusammenzuführenden<br />

Bilder enthält, und sie erscheinen im Photomerge-<br />

Dialogfeld. Klicken Sie auf OK und warten Sie, bis der<br />

Vorgang abgeschlossen ist. Das kann ein paar Minuten<br />

dauern.<br />

Panorama-Software<br />

Zur Produktion von Panoramen gibt es mehrere<br />

Programme für PC und Mac -- hier stellen wir Ihnen die<br />

bekanntesten vor.<br />

Adobe Photoshop<br />

Falls Sie mit Photoshop, Elements oder Lightroom<br />

arbeiten, fügen Sie die Einzelbilder ihres Panoramas<br />

mit der Photomerge-Funktion zusammen, wie hier<br />

beschrieben. Es funktioniert schnell und einfach. Vor der<br />

Version CS3 hatte die Funktion ihre Schwächen, doch<br />

bei allen späteren Versionen bleiben keine Wünsche<br />

offen. Die Software steht für PC und Mac zur Verfügung.<br />

Kosten: ist in Photoshop und Lightroom enthalte<br />

www.adobe.com/de/<br />

PTGui<br />

(Panoramic Tools Graphical User Interface)<br />

Auch dieses Programm gibt es für Mac und PC,<br />

doch es beherrscht wesentlich mehr Optionen als<br />

Photomerge. Damit können Sie unter anderem mehrere<br />

Ebenen von Bildern zusammenführen, zylindrische<br />

Schwenks von 360° durchführen, ebenso 360°×180°<br />

sphärische Schwenks, HDR-Schwenks sowie<br />

Gigapixel-Schwenks mit hunderten von Ausgangsfotos.<br />

Die neueste Version bietet die Funktion „Am Raster<br />

fangen“, die es wesentlich erleichtert, mehrere Ebenen<br />

zusammenzuführen; zusätzlich können Sie den<br />

Prozess manuell steuern und die Überlagerung präzise<br />

anpassen. Das Programm ist zu empfehlen, wenn Sie<br />

diese Arbeitstechnik des Öfteren benutzen.<br />

Kosten: 79 Euro für PTGui, 149 Euro für PTGui Pro<br />

www.ptgui.com<br />

PanaVue Image Assembler<br />

Ähnlich wie PTGui bietet auch dieses Programm<br />

automatisches und manuelles Zusammenführen, es<br />

korrigiert Objektivverzerrungen und falsche Ausrichtung,<br />

kann mit mehreren Bildebenen umgehen und Formate<br />

von bis zu 1m x 1 m verarbeiten. Der Zuschnitt kann<br />

automatisch erfolgen und es können sogar aus der Hand<br />

geschossenen Sequenzen zusammengefügt werden.<br />

Auch vertikale Schwenks sind kein Problem. Leider<br />

ist es nur für den PC verfügbar. Es gibt eine kostenfreie<br />

Testversion zum Download.<br />

Kosten: 64 Euro für die Standard Version; 129 für die<br />

Pro Edition.<br />

www.panavue.com<br />

Panoweaver 8<br />

Eine gute Wahl, falls Sie zylindrische oder sphärische<br />

Schwenks produzieren wollen, die später mit HTML<br />

5, Flash VR, QTVR und ähnlichen Plattformen weiter<br />

verarbeitet werden sollen. Mit dem Programm können<br />

Sie beispielsweise mehrere horizontale Bildreihen<br />

zusammenfügen und auch Bilder, die mit Fisheye-<br />

Objektiven an einer Vollformatkamera für sphärische<br />

Schwenks aufgenommen wurden, sind kein Hindernis.<br />

Ebenso ist die Erzeugung von HDR-Schwenks kein<br />

Problem, wenn Sie Probleme mit Belichtung und<br />

Kontrast beseitigen müssen. Das Programm gibt es für<br />

PC und Mac.<br />

Kosten: $99.99 Standard Edition.<br />

www.easypano.com/de/<br />

Arcsoft Panorama Maker 6<br />

Diese Software ist relativ preiswert und einfach zu<br />

benutzen. Sie bietet fünf unterschiedliche Verfahren,<br />

um Einzelbilder zusammenzuführen: Auto, 360°,<br />

Horizontal, Kachel und Vertikal – Sie wählen einfach die<br />

Methode aus und anschließend die zu verwendenden<br />

Fotos. Sie können Panoramen aus Einzelbildern und aus<br />

Videos erzeugen, sogar 360° Virtual-Reality-Filme sowie<br />

3D-Panoramen produzieren. All das können Sie in eine<br />

Reihe unterschiedlicher Formate exportieren, wobei<br />

Farbbalance, Belichtung und Beleuchtung dynamisch<br />

angepasst werden können. Das Programm gibt es nur<br />

für den PC.<br />

Kosten: 79.99 Euro<br />

www.arcsoft.com


96 Landschaftsprojekte<br />

Sommerlandschaft<br />

Eine Wiese mit Wildblumen ruft geradezu nach ihrer Kamera – hier erfahren<br />

Sie, wie Sie sie so fotografieren, dass sie sich von ihrer schönsten Seite zeigt.<br />

Helen Dixon: Mohnblumen sind für mich die Vorboten des Sommers. Leider war der Frühling in diesem<br />

Jahr von wochenlangem Regen und starker Bewölkung begleitet, deswegen konnte ich nichts tun als auf<br />

einen klaren Tag zu hoffen. Als dieser Tag endlich kam, wollte ich mit der Kamera so viel wie möglich<br />

erreichen. Dass der Sommer wieder vorbei ist, bevor er richtig begonnen hat, ist in unseren Breiten leider<br />

keine Seltenheit.<br />

Mohnfelder sind nicht mehr häufig zu finden, da Bauern Pestizide spritzen, außer im biologischen Anbau.<br />

Trotzdem ist kaum vorhersehbar, wo Mohnblumen auftauchen. Sie wachsen oft zusammen mit anderen<br />

Wildblumen und blühen von Mitte Mai den ganzen Sommer hindurch, manchmal sogar noch im Oktober.<br />

Ich war bereits vorher in der Gegend gewesen und wusste, dass die Sonne zu dieser Jahreszeit über dem<br />

Meer untergeht. Ich plante den Fototag so, dass er bei den Felsen an der Küste zu Ende ging. Falls Sie ein<br />

Mohnfeld fotografieren wollen, nachdem es geregnet hat, warten Sie noch etwas ab; der Regen<br />

beschädigt die zarten Blüten, und die Pflanzen brauchen Zeit zur Erholung. Ein halber Tag reicht<br />

normalerweise aus, damit neue Blüten sprießen können. Ich machte mich am späten Vormittag auf, weil<br />

ich wusste, dass das Feld, das ich besuchen würde, im Gegenlicht der Abendsonne besser aussieht als<br />

bei Sonnenaufgang.<br />

Kameraeinstellungen und Aufnahmetechnik An Tagen, an denen der Himmel viel heller<br />

ist als der Erdboden, müssen Sie einen Grauverlaufsfilter benutzen, um den Helligkeitsunterschied<br />

anzugleichen. Machen Sie eine Punktmessung für den Himmel, eine für den Vordergrund und notieren Sie<br />

die Differenz zwischen beiden Werten. Nun stellen Sie im manuellen Modus der Kamera eine mittlere<br />

Blende ein, um ausreichende Schärfentiefe für Ihre Szene zu erhalten – für mch hat Blende f/13 immer gut<br />

funktioniert. Nun stellen Sie die Verschlusszeit ein, die Sie zuvor durch die Belichtungsmessung des<br />

Vordergrunds ermittelt haben, und montieren anschließend den Verlaufsfilter am Objektiv. Ich benutze<br />

üblicherweise harte Verlaufsfilter der Stärken 0,3 (1 Blendenstufe), 0,75 (2.5 Blendenstufen) und 0,9<br />

(drei Blendenstufen).<br />

Stellen Sie auf einen Punkt scharf, der ungefähr auf dem Ende des ersten Drittels des Weges in die Szene<br />

liegt und benutzen Sie LiveView und Schärfentiefen-<strong>Vorschau</strong>, um die Schärfe zu prüfen.<br />

10:00 bis 13:00 Uhr – Ich ging am Feld<br />

entlang, um festzustellen, wo die Mohnblumen<br />

am dichtesten stehen. Suchen Sie nach<br />

Kamerastandpunkten, die für Nachmittagslicht<br />

geeignet sind. Wenn Sie Glück mit dem Wetter<br />

haben, können Sie den ganzen Tag<br />

fotografieren. Beziehen Sie Wolkenformationen<br />

mit ein, denn Sonnenlicht durch Wolken ist<br />

besonders gleichmäßig, vermeiden Sie aber die<br />

Mittagszeit bzw. senkrechten Sonnenstand.<br />

Tagsüber ist es nicht immer nötig, einen<br />

Grauverlaufsfilter zu benutzen, erst wenn die<br />

Sonne den Zenit überschritten hat und Sie die<br />

Belichtung verlängern müssen. Manchmal<br />

reicht bereits der 0,3ND Verlaufsfilter, um eine<br />

Szene auszubalancieren und die Details des<br />

Himmel zu verstärken.<br />

Für diese Aufnahmen habe ich allerdings einen<br />

Polfilter benutzt, um die Farben zu sättigen, den<br />

Himmel zu intensivieren und Reflexionen auf<br />

den Blüten zu vermeiden. Der Polfilter erfordert<br />

eine Verlängerung der Belichtung um zwei<br />

Blendenstufen.<br />

Warten Sie, bis sich eine Wolke vor die Sonne<br />

schiebt – dadurch werden mehr Details der<br />

Blüten sichtbar!<br />

Ohne Polfilter<br />

Mit Polfilter


Das fertige Bild<br />

Etwa eine Stunde vor Sonnenuntergang ging ich<br />

zu den Klippen und baute meine Ausrüstung auf.<br />

Diesmal ließ ich den Polfilter weg und benutze<br />

statt des 0,75ND einen 0,9ND Verlaufsfilter, um<br />

den Vordergrund drei Blendenstufen heller zu<br />

machen, mehr Details zu erhalten und<br />

ausbrennende Spitzlichter zu vermeiden.<br />

14:00 bis 17:00 Uhr – Am Nachmittag war<br />

die Sonne über mich hinweg gezogen und schien<br />

seitlich ins Objektiv. Ich verlagerte also meinen<br />

Standpunkt ans Ende des Mohnfeldes, um die<br />

Sonne wieder im Rücken zu haben. Da sich<br />

Wolken gebildet hatten, war das Licht nicht mehr<br />

so harsch wie am Mittag. Ich benutze einen<br />

0,75ND Verlaufsfilter, zusätzlich zum Polfilter, und<br />

verlängere die Belichtung, um Himmel und<br />

Vordergrund auszubalancieren. Außerdem<br />

benutzte ich einen Fernauslöser, um meine<br />

Aufnahmen nicht zu verwackeln. Es wäre schön<br />

gewesen, einen Baum als Fixpunkt in der Szene zu<br />

haben, um dem Motiv Tiefe zu geben; doch an<br />

meinem neuen Standpunkt musste ich ohne<br />

auskommen. Stattdessen ging ich näher an die<br />

Mohnblumen heran, damit der Vordergrund<br />

stärker betont wird und eine einfachere<br />

Bildkomposition entsteht.<br />

Später am Nachmittag gelangen noch einige<br />

Nahaufnahmen, da das Licht und die Schatten<br />

weicher wurden.<br />

Anstelle eines Makroobjektivs lässt sich auch ein<br />

Teleobjektiv verwenden, um die Perspektive zu<br />

komprimieren und mit weit geöffneter Blende<br />

einzelne Blumen zu isolieren.<br />

Ohne Verlaufsfilter<br />

Mit 0,75ND Verlaufsfilter


98 Landschaftsprojekte Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografie<br />

Lavendel<br />

Einige Erfahrungen und Tipps zu Lavendel-<strong>Landschaften</strong>, damit Sie diese intensiv<br />

duftenden Sommerpflanzen perfekt ins Bild setzen...<br />

Helen Dixon: Es gibt eine ganze<br />

Reihe von Lavendelpflanzungen bei<br />

uns: ein Hauch von Provence<br />

praktisch vor der Haustür. In voller<br />

Blüte stehen sie zwischen Mitte Juni und Ende<br />

August.<br />

Ein Besuch kurz vor der Ernte bietet die Chance<br />

auf fantastische Bilder der lila blühenden<br />

Pflanzen, die in regelmäßigen Reihen<br />

angeordnet sind, wodurch sehr schöne<br />

Führungslinien für ein Foto gebildet werden.<br />

Diese Aufnahmen stammen von einer<br />

Lavendel-Farm – mit etwas Internet-Recherche<br />

finden Sie auch Gärtnereien, die Lavendel<br />

aufziehen. Wilder Lavendel ist sehr selten und<br />

wächst bestimmt nicht in regelmäßigen<br />

Reihen, doch er hat den Vorteil, dass Sie ihn zu<br />

jeder Tageszeit fotografieren können, während<br />

Sie bei der Gärtnerei an deren Öffnungszeiten<br />

gebunden sind. Die Erntezeit hängt stark von<br />

der Art des Sommers ab, deswegen sollten Sie,<br />

wenn Sie einen Betrieb ins Auge gefasst haben,<br />

sicherstellen, dass nicht gerade drei Tage vor<br />

ihrem geplanten Besuch die jährliche Ernte<br />

erfolgt ist. Dass Sie auf einem Betriebsgelände<br />

eine Fotogenehmigung brauchen, versteht sich<br />

von selbst.<br />

Es gibt eine Reihe von Aufnahmetechniken, die<br />

Sie beim Lavendel probieren können – sie<br />

reichen vom Einbeziehen der vorhandenen<br />

Führungslinien über das selektive Scharfstellen<br />

bis zum Einsatz von Filtern, mit denen Sie<br />

unterschiedliche Effekte erzeugen können. Es<br />

lohnt sich auf jeden Fall, verschiedene<br />

Objektive mitzunehmen. Das Wichtigste ist ein<br />

Weitwinkel Zoom mit 10-20mm Brennweite,<br />

falls sie einen APS-C Sensor in der Kamera<br />

haben, 17–35mm Brennweite beim<br />

Vollformat. Packen Sie außerdem ein<br />

70–300mm Telezoom ein, um Perspektiven zu<br />

komprimieren, sowie ein Makroobjektiv für<br />

extreme Nahaufnahmen.<br />

Für Aufnahmen von Lavendel in <strong>Landschaften</strong><br />

müssen Sie die jeweiligen Lichtverhältnisse in<br />

Betracht ziehen. Auch hier ist die beste<br />

Tageszeit die goldene Stunde bei Sonnenaufoder<br />

Sonnenuntergang. Im Sommer ist diese<br />

Zeit abends etwas länger als morgens.<br />

Falls Sie wegen der Betriebsöffnungszeiten nur<br />

bei Tag vor Ort sein können, vermeiden Sie die<br />

Zeit zwischen 11:00 Uhr vormittags und<br />

15:00 Uhr nachmittags. Warten Sie ggf. auf<br />

leichte Bewölkung, da Streulicht die Farben<br />

des Lavendels verstärken kann. Hartes<br />

Sonnenlicht bleicht die Farben und lässt die<br />

Bilder blass und flach wirken.<br />

Nehmen Sie auf jeden Fall einen Polfilter mit,<br />

um dem Farbeindruck der Blüten auf die<br />

Sprünge zu helfen. Und nun viel Spaß...<br />

Nahaufnahmen Benutzen Sie eine weit offene<br />

Blende von etwa f/2.8 bis f/4 und stellen Sie mit<br />

Einzelpunkt-Autofokus auf einen ausgewählten<br />

Bereich scharf, wobei der Rest der umgebenden<br />

Pflanzen nicht im Schärfebereich liegen sollte. Am<br />

besten funktioniert das bei Windstille, weil sonst<br />

jede Bewegung mit aufgenommen wird. Falls Sie<br />

ein Makroobjektiv verwenden, können Sie<br />

gegebenenfalls einen Reflektor benutzen, doch<br />

blenden Sie in diesem Fall ab, um die Schärfentiefe<br />

zu erhöhen. Bei diesem Bild benutzte ich ein Canon<br />

EF 100mm f/2.8 Makroobjektiv, wobei die Kamera<br />

auf 1/125 Sekunde bei Blende f/4.5 und ISO 100<br />

eingestellt war.<br />

Mit Grauverlaufsfilter<br />

Ohne Grauverlaufsfilter<br />

Filter Ein Polfilter verstärkt die Farben und unterdrückt Reflexionen und<br />

Blendungen. In diesem Fall war er nicht notwendig wegen der Schatten, die von den<br />

Wolken erzeugt wurden. Ich habe hier einen Grauverlaufsfilter benutzt, weil der<br />

Himmel heller war als der Vordergrund. Sie brauchen einen umso stärkeren Filter, je<br />

mehr Schatten sich in der Szene befindet. Ich benutzte einen 0,9 ND und einen 0,75<br />

ND Verlaufsfilter, um die Details am Himmel zu erhalten, wobei die Verschlusszeit 0,5<br />

Sekunden bei Blende f/13 und ISO 100 betrug.<br />

Bildkomposition Lavendel wird in Reihen gepflanzt, wodurch hervorragende<br />

Führungslinien entstehen, die Sie unbedingt in ihr Bild einbeziehen sollten. Stellen Sie<br />

das Stativ von Zeit zu Zeit auf eine andere Höhe ein, um unterschiedliche Blickwinkel<br />

zu bekommen. Experimentieren Sie mit einer Vielzahl von Bildkompositionen – selbst<br />

das Porträt-Format ist mitunter angebracht, genauso wie ein sehr niedriger<br />

Kamerastandpunkt oder eine Verschiebung des Fluchtpunktes, denn nicht immer ist<br />

ein zentraler Fluchtpunkt der beste. Je mehr Sie ausprobieren, umso größer ist die<br />

Chance auf ein wirklich außergewöhnliches Foto.


Das fertige Bild<br />

Wenn Sie einen Baum finden, kann er als<br />

Fixpunkt und durch zusätzliche Farben Ihr<br />

Motiv attraktiver machen.<br />

Für einen möglichst tiefen Schärfebereich<br />

fokussieren Sie auf einen Punkt am Ende<br />

des ersten Drittels der Szene und nutzen<br />

eine kleine Blende wie f/13 oder f/16.


100 Landschaftsprojekte Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografie<br />

Glockenblumen<br />

Planen Sie ein bis zwei freie Tage ein und begeben Sie sich in einen Glockenblumenwald, um eine<br />

von mehreren kreativen Techniken auszuprobieren und atemberaubende Bilder zu machen.<br />

GROSSBRITANNIEN IST DER BESTE ORT DER<br />

WELT, um Glockenblumen zu fotografieren –<br />

Schätzungen zufolge befindet sich hier circa<br />

70 % der gesamten Population. Wo immer man<br />

in Großbritannien lebt, man ist nirgends weit von<br />

einem Glockenblumenwald entfernt. Sie blühen<br />

von Mitte April bis Ende Mai, doch Ihre<br />

Hauptblütezeit kann von Jahr zu Jahr leicht<br />

abweichen. Anfang Mai sind sie normalerweise<br />

am fotogensten, doch ein früher Besuch lohnt<br />

sich, um zu sehen, in welchem Stadium sie sich<br />

gerade befinden – so können Sie Ihren Besuch<br />

richtig abstimmen und verpassen es nicht, wenn<br />

die Pflanzen ihren Höhepunkt erleben.<br />

Wetter und zeitliche Abstimmung sind<br />

Schlüsselfaktoren. Um ehrlich zu sein, gibt es für<br />

die <strong>Fotografie</strong> von Glockenblumen kein<br />

schlechtes Wetter, doch ein heller, bewölkter Tag<br />

eignet sich am besten. Die Kontraste sind<br />

schwach und erleichtern eine korrekte<br />

Belichtung. Die Beschaffenheit des Lichts ist<br />

weich und gedämpft und die Farben der<br />

Waldblumen und des frischen grünen Laubwerks<br />

sind von Natur aus gesättigter. Der frühe Morgen<br />

und der späte Abend können ein magisches Licht<br />

für die <strong>Fotografie</strong> des Waldlandes schaffen. Das<br />

Licht ist wärmer und die langen Schatten<br />

erzeugen in Ihren Aufnahmen zusätzliche Tiefe.<br />

Wenn die Sonne hell ist und hoch oben am<br />

Himmel steht, dann kann der sonnengesprenkelte<br />

Waldboden sehr ansprechend für die Augen sein,<br />

doch kann das Kontrastniveau die Fähigkeiten<br />

der dynamischen Reichweite Ihres Sensors<br />

übersteigen. Es kann sich als schwierig, wenn<br />

nicht gar unmöglich erweisen, bei so viel Kontrast<br />

zu einer guten Belichtung zu gelangen – daher ist<br />

es oftmals besser, in der Mittagssonne<br />

aufzunehmen. Auch der Besuch an einem<br />

ruhigen Tag ist eine gute Idee, da sich die<br />

Glockenblumen während der Belichtung somit<br />

nicht bewegen.<br />

Wenn man in einen Wald mit großen Schwaden<br />

voller Glockenblumen geht, kann es sich als<br />

schwierig erweisen, „die Aufnahme“ zu<br />

identifizieren, da die Auswahl an Kompositionen<br />

quasi unendlich groß ist. Ein kreatives Auge ist<br />

für großartige Aufnahmen unerlässlich. Halten<br />

Sie die Komposition einfach. Vermeiden Sie<br />

Durcheinander, wie beispielsweise ablenkende<br />

heruntergefallene Zweige, und halten Sie<br />

Ausschau nach interessanten Details des Waldes,<br />

die Sie als Charakteristikum verwenden können<br />

– ein moosbedeckter Baumstumpf, oder große<br />

Farnbüsche zum Beispiel. Enge Pfädchen, die<br />

sich auf ihrem Weg in die Ferne schlängeln,<br />

eignen sich hervorragend dazu, das Auge des<br />

Betrachters in die Aufnahme zu ziehen.<br />

Die Wahl des Objektivs ist entscheidend, nehmen<br />

Sie daher eine Auswahl an verschiedenen<br />

Fokallängen mit. Weitwinkel-Objektive sind ideal,<br />

um weite Blumenteppiche festzuhalten, doch<br />

oftmals eignet sich ein mittleres Tele-Objektiv im<br />

Bereich von 50–100 Millimetern für Blumen<br />

besser. Ein kurzes Tele-Objektiv verkürzt die<br />

Perspektive und erzeugt den Eindruck, dass die<br />

Blumenteppiche noch dichter sind, als es<br />

eigentlich der Fall ist. Diese Art von Fokallänge<br />

hilft Ihnen auch, wenn Sie eine besonders<br />

fotogene Baumgruppe oder einen einzelnen<br />

Baumstamm hervorheben möchten. Ein<br />

Makro-Objektiv, oder das lange Ende eines<br />

Telezooms ist hingegen ideal, um einzelne<br />

Blumen zu isolieren.<br />

In bedecktem Licht ist es relativ einfach, zur<br />

richtigen Belichtung zu gelangen. Das<br />

Mehrzonenmesssystem Ihrer Kamera sollte daher<br />

nicht vor größeren Problemen stehen. Am Licht<br />

eines frühen Morgens oder späten Abends erweist<br />

es sich häufig als leichter, in die Richtung des<br />

Lichts aufzunehmen, so dass es attraktiv durch<br />

das Laubwerk „blutet“. Wenn man jedoch auf<br />

diese Art und Weise ins Licht fotografiert, kann<br />

das Messsystem getäuscht werden und die<br />

Resultate sind unterbelichtet. Werfen Sie ein<br />

Weitere Waldblumen<br />

Buschwindröschen: Eine<br />

weit verbreitete und regional übliche<br />

mehrjährige Waldblume, die häufig in<br />

großen Gruppen wächst. Ihre weißen<br />

Blüten sind wunderschön zart. Am<br />

besten fotografiert man sie einzeln<br />

in Nahaufnahmen oder mit einem<br />

Weitwinkel-Objektiv im Kontext ihrer<br />

natürlichen Umgebung.<br />

Bärlauch: Er wächst oft in<br />

direkter Nachbarschaft zu den<br />

Glockenblumen, riecht stark nach<br />

Knoblauch und kann auf feuchtem<br />

Waldboden in großen Mengen<br />

wachsen. Von hinten angeleuchtet oder<br />

in rahmenfüllenden Nahaufnahmen<br />

macht er sich am besten. Verwenden<br />

Sie einen Polarisator, um die Farbe der<br />

Blätter zu sättigen.<br />

Ruprechtskraut:<br />

Üblicherweise weit verbreitet tauchen<br />

seine fotogenen rosa Blüten ab April<br />

auf. Mit einem Makro-Objektiv oder<br />

einem Nahaufnahmefilter können<br />

Sie seine zarte Schönheit bestens<br />

enthüllen. Ein kleiner silberner/ weißer<br />

Reflektor spiegelt das natürliche Licht<br />

und schwächt harte Schatten.<br />

Auge auf das Histogramm und wenden Sie wenn<br />

nötig eine Belichtungskorrektur an. Die<br />

Verschlusszeiten sind im Schatten des Waldes oft<br />

lange, was stark für ein Stativ spricht. Bei<br />

ausladenden Weitwinkelbildern aus dem Inneren<br />

des Waldes sollte man sich für eine kleine Blende<br />

wie f/13 entscheiden. So erhält man eine hohe<br />

Tiefenschärfe, die von vorne bis hinten alles in<br />

den Fokus rückt. Eine flache Tiefenschärfe eignet<br />

sich für mancherlei Aufnahmen allerdings besser.<br />

Bei einer einzelnen, isolierten Pflanze<br />

beispielsweise, oder einem attraktiven Farnkraut<br />

sollte man sich für eine große Blende wie f/4 oder<br />

f/5.6 entscheiden, um die Blumen im<br />

Hintergrund als ansprechenden blauen Schleier<br />

darzustellen, der sich außerhalb des Fokus<br />

befindet.<br />

Schritt für Schritt zur Magie von<br />

Glockenblumen<br />

Glockenblumen sind zweifelsohne wunderschön, doch das<br />

bedeutet nicht, dass sie einfach zu fotografieren sind. Und<br />

da es sich um ein so populäres Fotomotiv handelt, ist es<br />

sogar noch schwieriger, originell und kreativ zu sein. Ross<br />

Hoddinott versorgt uns mit Inspiration, indem er den<br />

örtlichen Wald besucht, um eine Reihe von<br />

Glockenblumenbildern aufzunehmen. Sein Expertenrat wird<br />

Ihnen helfen zu wissen, wonach Sie suchen, welche<br />

Techniken Sie ausprobieren können und was Sie bei<br />

Aufnahmen von Glockenblumen vermeiden sollten.<br />

f/4<br />

f/22<br />

VERMEIDEN SIE DURCHEINANDER UND<br />

1 ABLENKUNG: Als ich dieses Bild machte, wurde ich<br />

von der Vitalität und den Farben der Glockenblumen<br />

verführt und übersah die heruntergefallenen Zweige und<br />

das Durcheinander auf dem Waldboden. Halten Sie die<br />

Komposition sauber und einfach.<br />

HALTEN SIE AUSSCHAU NACH<br />

2 KOMPOSITIONSHILFEN, einem kurvigen Pfad oder<br />

einem moosbedecktem Baumstumpf beispielsweise, die für<br />

starke Einführungslinien sorgen. Sie geben Ihren Bildern ein<br />

Gefühl von Dreidimensionalität, ohne das ihnen womöglich<br />

die Tiefe und die interessanten Details fehlen.<br />

EXPERIMENTIEREN SIE MIT DER<br />

3 TIEFENSCHÄRFE: Ein flacher Fokus kann bei der<br />

<strong>Fotografie</strong> von Waldobjekten gut funktionieren.<br />

Wählen Sie eine große Blende, um anstatt von<br />

Hintergrunddetails nur Ihren Fokuspunkt<br />

hervorzuheben.


Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e<br />

Landschaftsprojekte 101<br />

Fotografen-Kodex<br />

Umweltschutz ist oberstes Prinzip! Bleiben Sie auf<br />

den Pfaden, zertrampeln oder pflücken Sie keine<br />

Pflanzen, um zu einer besseren Bildkomposition zu<br />

gelangen. Fotografen haben bereits einen schlechten<br />

Ruf für ihre Gleichgültigkeit gegenüber Wildblumen<br />

– bitte gehen Sie mit gutem Beispiel voran!<br />

Standardaufnahme<br />

Standardaufnahme<br />

Ohne Polfilter<br />

Mit Bewegung Mit Zoomexplosion Mit Polfilter<br />

SEIEN SIE KREATIV: Stellen Sie eine Verschlusszeit<br />

4 von einer Sekunde ein und bewegen Sie die<br />

Kamera während der Belichtung nach oben und nach<br />

unten, um die Bäume künstlerisch weichzuzeichnen. Es<br />

ist eine Technik aufs Geratewohl und mag einige<br />

Versuche in Anspruch nehmen, um zu einem gefälligen<br />

Ergebnis zu gelangen.<br />

PROBIEREN SIE ES MAL MIT EINER<br />

5 ZOOMEXPLOSION: Hierbei handelt es sich um eine<br />

weitere einfache, kreative Technik. Komponieren Sie<br />

Ihre Aufnahme entweder mit Hilfe des kurzen oder des<br />

langen Endes des Zooms. Während der Belichtung<br />

drehen Sie dann den Zoom sanft zum anderen Ende der<br />

Objektivreichweite.<br />

VERWENDEN SIE EINEN POLFILTER: Dadurch<br />

6 werden grelles Licht und Reflexlicht von Blumen<br />

und Laub reduziert. Der Filters stellt die natürliche<br />

Farbsättigung wieder her und verleiht den Waldbildern<br />

zusätzliche Wirkung. Denken Sie daran, dass der<br />

Polarisator Ihre Verschlusszeit verlängert.


102 Landschaftsprojekte<br />

Bäume kreativ verwischen<br />

Der geschickte Einsatz langer Verschlusszeiten kann einem Foto den<br />

Eindruck von Bewegung vermitteln und Natur- und Landschaftsbilder zum<br />

Leben erwecken.<br />

Helen Dixon: Ein Element der Bewegung in Ihren Landschaftsaufnahmen kann einer<br />

Szene Energie und Leben verleihen. Landschaftsfotografen verwenden des Öfteren<br />

Langzeitbelichtungen, um sich bewegendes Wasser zu verwischen. Es gibt keinen Grund,<br />

warum diese Aufnahmetechnik nicht auch bei Gras, Bäumen, Pflanzenbewuchs und<br />

Blumen angewendet werden könnte. Achten Sie bei der Bildkomposition darauf, dass mindestens<br />

ein statisches Objekt nicht von der herrschenden Brise erfasst wird. So entsteht ein Spannungsfeld<br />

zwischen Ruhe und Bewegung in Ihrem Bild. Es bewirkt außerdem die klare Unterscheidung<br />

zwischen einer Aufnahme, in der die sichtbare Bewegung gewollt ist und einer verwackelten<br />

Aufnahme. Bäume sind ideal, denn der wind bewegt zwar Blätter, Zweige und Äste, doch der dicke<br />

Stamm bleibt unbewegt.<br />

Das Sie mit einer Langzeitbelichtung arbeiten werden, ist es am besten, wenn der Himmel bedeckt<br />

ist. Grelles Sonnenlicht erzeugt zu einem starken Kontrast zwischen den im Sonnenlicht und den im<br />

Schatten befindlichen Bereichen. Der bedeckte Himmel sorgt demgegenüber für eine gleichmäßige<br />

Ausleuchtung Ihrer Szene. Sie brauchen eine Brise, die Bewegung in den Bäumen erzeugt, doch zu<br />

starker Wind ist unerwünscht, denn der könnte die Kamera durchschütteln, selbst auf einem Stativ.<br />

Apropos: Natürlich ist ein Stativ unerlässlich für diese Art der <strong>Fotografie</strong>, aus der Hand würden Sie<br />

unweigerlich verwackeln. Wählen Sie eine Komposition, in der das Licht möglichst diffus in der<br />

Szene verteilt ist, denn jede zu helle Stelle würde zu Spitzlichtern im Foto führen. Ich habe diese<br />

Baumreihe gewählt, weil sie ein gleichmäßiges Laubdach aufweist, um Spitzlichter zu vermeiden,<br />

und die dicken Stämme sorgen für sehr schöne Führungslinien im Bild, wobei die Äste oben im Bild<br />

einen passenden Rahmen des Motivs abgeben.<br />

Setup und<br />

Kameraeinstellungen<br />

Damit ich eine lange<br />

Verschlusszeit verwenden<br />

konnte, ohne überzubelichten,<br />

stellte ich die ISO-<br />

Empfindlichkeit auf 100 und<br />

eine Blende von f/13 ein, damit<br />

von vorn bis hinten alles scharf<br />

abgebildet werden würde. Ein<br />

Polfilter sorgte dafür, dass<br />

Blendungen durch das Blattwerk<br />

vermieden wurden. Außerdem<br />

hatte das den Vorteil, die<br />

Belichtung noch um zwei Stufen<br />

verlängern zu können. Es reichte<br />

jedoch immer noch nicht aus,<br />

wirklich wahrnehmbare<br />

Bewegung abzubilden. Ein 0,9<br />

ND Graufilter verlängerte noch<br />

einmal die Verschlusszeit, die<br />

nötig war, um die Bewegung der<br />

Äste und des Grases abzubilden,<br />

doch erst Abblenden auf f/16<br />

brachte die Verschlusszeit so weit<br />

herunter, dass ich zufrieden war.<br />

Vermeidbare Fehler<br />

Bildkomposition Falls das Licht mit<br />

variierenden Intensitäten einfällt, kann es schwer<br />

werden, eine gleichmäßige Belichtung der gesamten<br />

Szene zu erreichen. In diesem Bild ist das Licht<br />

außerhalb des Laubdaches zu hell und wirkt<br />

ablenkend.


Fertiges Bild<br />

Eine perfekte Mischung aus<br />

Bewegung des Laubdachs und scharf<br />

abgebildeten Baumstämmen machen<br />

diese Aufnahme zu einem<br />

künstlerischen Bild.<br />

Zu viel Gras Die Baumstämme sollten die<br />

interessanten Führungslinien des Bildes sein, doch<br />

hier sind sie zu nah am Rand des Bildrahmens und<br />

fungieren deshalb nicht als Führungslinie.<br />

Spitzlichter Trotz des dichten Laubdachs sorgt<br />

die durch die Wolken brechende Sonne dafür, dass die<br />

nicht im Schatten liegenden Areale am Boden total<br />

überbelichtet werden. Nur wenige Minuten später<br />

hatte sich die Wolkendecke wieder geschlossen, und<br />

ich konnte weiter fotografieren.<br />

Nicht genug Wind Die Belichtung ist<br />

gleichmäßig und die Bewegung des Laubdachs ist<br />

schön eingefangen, doch es sind noch zu viele<br />

unbewegte Äste sichtbar. Eine kleinere Blende und<br />

eine noch längere Verschlusszeit sind nötig, um mehr<br />

Bewegung ins Bild zu bringen.


104 Landschaftsprojekte Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografie<br />

Nehmen Sie eine neblige Morgenszene auf<br />

Frühmorgendlicher Nebel bietet wundervolle Gelegenheiten für magische, ätherische Szenen ...<br />

FRÜHNEBEL ist ein besonders typisches<br />

Phänomen des Frühlings. Nebel kann<br />

magisch wirken, wenn er Täler füllt und<br />

atmosphärisch über Feldern liegt.<br />

Da er Farben und Kontraste reduziert,<br />

vereinfacht Nebel die Struktur von Objekten,<br />

betont aber stattdessen ihre Formen. Es gibt<br />

unterschiedliche Arten von Dunst und Nebel;<br />

der fotogenste ist jedoch der Strahlungsnebel,<br />

der während klarer und ruhiger Nächte<br />

entsteht, wenn der Boden wegen der<br />

Strahlung und der Frische an Hitze verliert. Er<br />

kühlt die umgebende, gesättigte Luft ab, bis<br />

die Feuchtigkeit kondensiert. Dies beschränkt<br />

sich meist auf niedrige Bodenlagen und formt<br />

eine dünne weiße Schicht am Grund von<br />

Tälern.<br />

Wer den regionalen Wettervorhersagen folgt,<br />

sollte auf klaren Himmel und kühle, windstille<br />

Nächte warten: perfekte Bedingungen für<br />

Frühnebel. Auch was die Sicht betrifft, sollte<br />

man die Wettervorhersagen beachten. Wird<br />

die Sicht laut Vorhersage durchschnittlich<br />

oder schlechter, dann besteht eine gute<br />

Chance, am nächsten Morgen von Nebel<br />

begrüßt zu werden. Stellen Sie also Ihren<br />

Wecker früh und planen Sie genug Zeit ein,<br />

um vor Sonnenaufgang Ihre gewünschte<br />

Position einzunehmen, sodass Sie alles<br />

aufbauen und sich auf den besten Zeitpunkt<br />

vorbereiten können. Wer mit dem Auto<br />

unterwegs ist, sollte auch bedenken, dass er<br />

aufgrund des Nebels ggf. langsamer fahren<br />

muss.<br />

Ein hoher Blickwinkel – die Spitze eines<br />

Hügels oder der höchste Punkt eines Tals – ist<br />

oft die beste Wahl, um sich über den Nebel<br />

erheben und atmosphärische Aufnahmen<br />

machen zu können. Häufig werden Objekte<br />

bei nebligem Wetter auf einfache Silhouetten<br />

reduziert. Suchen Sie nach starken, plakativen<br />

Objekten, die Sie in der Landschaft<br />

fotografieren können – eine Kirchturmspitze,<br />

eine Burgruine, Bäume oder Grenzsteine.<br />

Längere Fokallängen passen am besten zu<br />

nebligen Bedingungen, weil sie die<br />

Perspektive verkürzen und dem Fotografen<br />

erlauben, interessante Details zu isolieren.<br />

Das Licht ist stark gestreut und diffuser im<br />

Nebel, was dem mystischen Effekt zugute<br />

kommt. Die dramatischste Wirkung entsteht<br />

oftmals, wenn man in Richtung des Lichts<br />

aufnimmt. Ein mittleres Teleobjektiv mit ca.<br />

100 Millimetern sollte ideal sein. Nebel neigt<br />

dazu, genau wie Schnee, das Messsystem der<br />

Kamera zu täuschen. Das liegt daran, dass<br />

Messsysteme darauf ausgelegt sind bzw.<br />

Objekte erwarten, deren Farben in den<br />

Mitteltönen liegen (18 % Grau). Objekte, die<br />

deutlich heller oder dunkler als die Mitteltöne<br />

sind, beispielsweise eine neblige Landschaft,<br />

können daher falsch belichtet werden. Gerade<br />

das TTL-Messsystem neigt dazu, Nebel<br />

unterzubelichten, sodass er zu dunkel wird.<br />

Bevor Sie bei Nebel auslösen, prüfen Sie das<br />

Histogramm auf dem Kameradisplay. Wenn<br />

der Graph eher auf der linken Seite liegt, ist<br />

dies ein Zeichen für Unterbelichtung. Wenden<br />

Sie eine positive (+) Belichtungskorrektur an,<br />

um das Bild aufzuhellen, und machen Sie<br />

noch eine Aufnahme. Verwenden Sie wieder<br />

das Histogramm als Richtlinie. Nachdem Sie<br />

sich frühmorgens aus dem Bett gequält<br />

haben, um Frühnebel zu fotografieren, sollten<br />

Sie das Bildpotenzial kleinerer, weniger<br />

offensichtlicher Objekte nicht übersehen –<br />

zum Beispiel taubedeckte Spinnennetze, die<br />

in der Morgensonne glitzern.<br />

Ich hörte täglich den regionalen Wetterbericht,<br />

1 bis eine klare, ruhige Nacht vorhergesagt wurde.<br />

Die Sichtweite war über Nacht gefallen, also war ich<br />

optimistisch, dass es am nächsten Morgen neblig<br />

würde. Ich bereitete meine Kameraausrüstung vor<br />

und stellte den Wecker auf kurz vor Sonnenaufgang.<br />

Es ist ziemlich sicher, dass die Landschaft in<br />

2 morgendlichen Nebel gehüllt ist. Ich fuhr zu<br />

einem hohen Aussichtspunkt, der mir einen guten<br />

Blick über die neblige Landschaft bot und baute<br />

meine Ausrüstung auf. Ein Tele-Objektiv ist eine gute<br />

Wahl für Nebelaufnahmen, weil es die Perspektive<br />

staucht und die Wirkung des Nebels übertreibt.<br />

3<br />

Nebel vereinfacht den Look von <strong>Landschaften</strong><br />

und gibt ihnen einen „Schicht-“Effekt. Ich<br />

komponiere meine Aufnahme und löse den<br />

Verschluss aus, doch das Ergebnis ist zu dunkel. Ein<br />

Blick auf das Histogramm sagt mir, dass sich die<br />

Belichtung nach links verlagert hat, und bestätigt<br />

mir die Unterbelichtung.<br />

Die Helligkeit des Nebels kann das Messsystem der<br />

4 Kamera täuschen, weil es von einer Szene ausgeht,<br />

deren Farben in den Mitteltönen liegt. Ich korrigiere die<br />

Belichtung mit Hilfe der Belichtungskorrektur um eine<br />

Stufe nach oben (+), um die Belichtungszeit zu<br />

verlängern. Das Resultat ist weitaus besser, doch der<br />

Szene mangelt es an einem Fokuspunkt.<br />

Ich suche die Landschaft nach einem interessanten<br />

5 Schlüsseldetail ab, der meiner Aufnahme ein Ziel<br />

gibt und bemerke einen Kirchturm, der durch die<br />

Nebeldecke stößt. Ich komponiere die Szene erneut,<br />

machen den Kirchturm zu meinem Hauptfokuspunkt<br />

und versuche es mit einer vertikalen Komposition. Das<br />

Ergebnis ist ein tolles Bild im Frühlingsnebel.


Hüten Sie sich vor Kondenswasser<br />

Kleine Wassertröpfchen in der Luft können auf Ihren<br />

Objektiven und Filtern kondensieren. Halten Sie Nässe<br />

von optischen Geräten fern und wischen Sie sie<br />

vorsichtshalber mit einem sauberen Mikrofasertuch<br />

trocken.<br />

Das fertige Bild<br />

Ich probierte mehrere Kompositionen aus,<br />

aber diese ist mein Favorit. Ich nahm sie mit<br />

einer kurzen Tele-Einstellung auf, und es<br />

gelang ein atmosphärisches<br />

Landschaftsbild.


106 Landschaftsprojekte Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e<br />

Spiegelnde Meerwassertümpel<br />

Mark Bauer sucht bei Ebbe an einer Felsküste nach zurückgebliebenen<br />

Tümpeln und zeigt, wie man ihre Spiegelungen fotografiert.<br />

Bildkomposition<br />

Mark Bauer: Reflexionen sind<br />

dankbare Objekte in der<br />

Landschaftsfotografie. Die Symmetrie<br />

einer perfekten Spiegelung in einem<br />

ruhigen See hat etwas Einzigartiges, doch eine<br />

solche Reflexion kann auch ein Stilmittel bei<br />

kleinen Teichen, in Tümpeln und sogar Pfützen<br />

sein.<br />

Reflexionen im Wasser bieten sich am Meer nicht<br />

immer als Hauptmotiv an, doch die bei Ebbe<br />

zurückbleibenden Felsentümpel eignen sich gut als<br />

Vordergrund für größere Szenen, die mit Weitwinkel<br />

geschossen werden. Sie sorgen für mehr Tiefe<br />

sowie Helligkeit und Farbe im Bild, um dunkle<br />

Vordergründe auszugleichen. Bei Niedrigwasser<br />

sind solche Tümpel an jeder Felsenküste zu finden.<br />

Sie sollte allerdings auch fotogen sein: Ist sie zu<br />

klein, macht sie wenig Eindruck, ist sie zu flach und<br />

der Untergrund hell, sind die Reflexionen zu<br />

schwach. Der ideale Zeitpunkt für einen mit diesem<br />

Motiv ist bei Beginn des ablaufenden Wassers, so<br />

dass Sie verfolgen können, wie sich die<br />

Wasserpfützen in den Felsen bilden und wenn die<br />

Felsen noch nicht getrocknet sind sondern im Licht<br />

glänzen. Außerdem ist diese Vorgehensweise viel<br />

einfacher, als wenn Sie unter dem Zeitdruck der<br />

hereinkommenden Flut arbeiten müssten, wobei<br />

eine geeignete Pfütze nach der anderen vollläuft,<br />

bis der Fels wieder verschwunden ist.<br />

Auch das Wetter ist von Bedeutung. Es muss ruhig<br />

genug sein, dass das Wasser sich nicht kräuselt und<br />

die Reflexion verdirbt und es müssen Farben oder<br />

Wolken am Himmel zu sehen sein, denn sonst ist<br />

die Spiegelung völlig uninteressant, es sei denn Sie<br />

haben das Glück, einen Leuchtturm als Spiegelung<br />

im Wasser zu haben.<br />

Was die Aufnahmetechnik angeht, sind präzises<br />

Scharfstellen und Schärfentiefe entscheidend, denn<br />

das Motiv wirkt am besten, wenn sowohl der<br />

unmittelbare Vordergrund als auch die Reflexion<br />

gestochen scharf sind. Das ist nicht ganz so<br />

einfach, wie es scheint, denn die Schärfeebene der<br />

Spiegelung ist viel weiter entfernt als das<br />

reflektierende Medium. Im Übrigen müssen Sie<br />

auch gegebenenfalls Filter richtig einsetzen, um für<br />

eine Gesamtbalance des Lichts zu sorgen und die<br />

Reflexion hervorzuheben.<br />

Ausrüstung<br />

Ein Ultraweitwinkel-Zoom sorgt<br />

dafür, dass Sie nah genug herankommen und<br />

den Vordergrund mit dem Objekt ihrer Wahl<br />

ausfüllen können.<br />

Ein Stativ, das einen niedrigen<br />

Kamerastandpunkt erlaubt, denn der wird den<br />

Himmel in der Spiegelung besser zeigen und<br />

für ausgeglichene Proportionen sorgen.<br />

Ein Polfilter, um die Spiegelung zu<br />

verstärken. Entgegen landläufiger Meinung<br />

unterdrücken Polfilter nicht nur Reflexionen<br />

sondern auch Blendungen, die wiederum<br />

Reflexionen verstärken können. Sie müssen<br />

die richtige Polarisation präzise einstellen,<br />

indem Sie durch den Sucher blicken und den<br />

Polfilter sehr langsam drehen. Beenden Sie<br />

die Drehung, wenn Sie den Effekt sehen, den<br />

Sie wünschen.<br />

Grauverlaufsfilter helfen, den<br />

Kontrast der Szene auszubalancieren.<br />

Übertreiben Sie das aber nicht, denn in der<br />

Realität sind Reflexionen dunkler als der<br />

Himmel, und das Bild würde unnatürlich<br />

aussehen, wenn es umgekehrt wäre.<br />

Graufilter. Wenn das Wasser sich nur<br />

sehr wenig kräuselt, können Sie mit einem<br />

Graufilter die Belichtungszeit verlängern,<br />

wodurch das Spiegelbild etwas unscharf und<br />

dadurch weicher abgebildet wird.<br />

Belichtung und Schärfe<br />

Reflektierende Oberflächen sind von Natur aus<br />

hell; das kann den<br />

Belichtungsmesser<br />

Ihrer Kamera zur<br />

Unterbelichtung<br />

verleiten. Fügen<br />

Sie +0,5 bis +1<br />

Blendenstufen<br />

Korrektur hinzu<br />

und prüfen Sie die<br />

Belichtung auf dem<br />

Histogramm.<br />

Beim Scharfstellen ist zu beachten, dass<br />

Wasseroberfläche und Spiegelung verschiedene<br />

Schärfeebenen haben. Daher verbietet<br />

sich der Autofokus, denn er könnte auf die<br />

Wasseroberfläche scharfstellen, sodass die<br />

Spiegelung unscharf wird.<br />

Um sicher zu sein, dass die Szene durchgehend<br />

scharf ist, stellen Sie die Schärfe manuell ein,<br />

auf einen Punkt am Ende des ersten Drittels der<br />

Szene. Benutzen Sie eine kleine Blende von etwa<br />

f/16.<br />

Bildkomposition<br />

Ein niedriger Kamerastandpunkt füllt das<br />

Bildfeld mit dem Meerwassertümpel, in dem<br />

sich der Himmel spiegelt. Bei diesem Motiv<br />

ist das Querformat dem Hochformat<br />

vorzuziehen.<br />

Früh anfangen Ich komme im Morgengrauen<br />

1an und suche nach einem passenden, attraktiven<br />

Vordergrund. Dieser hier gefällt mir, doch die Pfütze<br />

darin ist zu klein und zu flach, um den Himmel gut zu<br />

reflektieren.<br />

Anderer Kamerastandpunkt Hier sieht<br />

2es etwas besser aus, aber ohne Filter sind die<br />

Spitzlichter am Himmel ausgebrannt und die Schatten<br />

des Vordergrunds beginnen schwarz zu werden.<br />

Grauverlaufsfilter Ein Grauverlaufsfilter sorgt<br />

3dafür, dass die Details am Himmel erhalten bleiben.<br />

Lichtstrahlen beginnen, durch die Wolken zu fallen,<br />

wodurch die Szene dramatischer wird. Die Spiegelung<br />

kann aber noch verbessert werden.


Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografie<br />

Landschaftsprojekte 107<br />

Das fertige Bild<br />

Für ein perfektes Foto müssen alle<br />

Komponenten zusammenwirken.<br />

Polfilter Im nächsten Schritt schraube ich<br />

4einen Polfilter aufs Objektiv. Doch wie hier zu<br />

sehen, ist er falsch eingestellt, was die Reflexion<br />

unterdrückt, statt sie zu verstärken.<br />

Feineinstellung Eine halbe Drehung des<br />

5Polfilters sorgt dafür, dass die Spiegelung sehr<br />

schön hervortritt. Das Bild kann weiter verbessert<br />

werden, indem das Wasser in mittlerer Entfernung<br />

weicher gezeichnet wird.<br />

Graufilter Ein zusätzlicher Graufilter erlaubt<br />

6mir, die Verschlusszeit auf 10 Sekunden zu<br />

verlängern, um die Oberflächen von Meer und Tümpel<br />

weicher und tiefer wirken zu lassen.


108 Landschaftsprojekte Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografie<br />

Meeresbrandung<br />

Mark Bauer erklärt, mit welcher Aufnahmetechnik die Bewegung von Gischt<br />

an Meeresküsten besten eingefangen wird.<br />

Mark Bauer: Es wird oft diskutiert,<br />

wie Meereswellen zu fotografieren sind.<br />

Lange Belichtungszeiten erzeugen ein<br />

nebelhaftes Aussehen, das von vielen<br />

Fotografen bevorzugt wird. Doch das ist nicht<br />

jedermanns Geschmack, weil es nicht authentisch<br />

ist. Wenn wir Wellen beobachten, die an den<br />

Strand rollen, sehen wir die gesamte Bewegung<br />

– nicht einen in der Zeit stehen gebliebene<br />

Moment oder Gischt, die an den Felsen aufspritzt.<br />

Eine Methode, mit der man dem Wellenphänomen<br />

so nah kommen könnte, wie die Realität, ist,<br />

anstelle einer DSLR eine Videokamera zu<br />

benutzen. Doch mit richtig bemessenen<br />

Verschlusszeiten können Sie auch mit der DSLR<br />

natürlich aussehende Meereswellen aufnehmen.<br />

Der Trick besteht darin, genau das richtige Maß an<br />

Bewegung einzufangen. Ist der Verschluss zu<br />

lange offen, ist die Bewegung zu stark verzerrt, ist<br />

er nicht lange genug offen, erscheint die Welle zu<br />

statisch. Sie müssen einen Mittelweg finden, bei<br />

dem eine nebelhafte Verschwommenheit<br />

erkennbar ist, die Wellen aber noch ihre Form<br />

behalten.<br />

Dafür gibt es kein einfaches Rezept. Die beste<br />

Verschlusszeit hängt ab von Größe und Tempo der<br />

Wellen, davon, wie sie auf den Strand fallen und<br />

nicht zuletzt auch vom persönlichen Geschmack<br />

des Fotografen. Experimentieren ist hier der<br />

Schlüssel zum gewünschten Bild – Sie müssen<br />

jede Menge Aufnahmen schießen und viel Zeit<br />

damit verbringen, sich den Kameramonitor<br />

anzuschauen und zu versuchen, die richtigen<br />

Feineinstellungen vorzunehmen.<br />

Verschlusszeiten steuern<br />

Für Meeresgischt gibt es keine Ideale Verschlusszeit;<br />

sie hängt von den aktuellen Bedingungen ab.<br />

Verschlusszeiten zwischen 1/4 Sekunde und einigen<br />

Sekunden führen meistens zum gewünschten<br />

Ergebnis; doch leider ist es nicht damit getan, die<br />

Kamera auf Blendenautomatik zu schalten und die<br />

Verschlusszeit einzustellen. Auch die Blende muss<br />

genau stimmen, damit angemessene Schärfentiefe<br />

und Belichtung erreicht werden.<br />

Für Landschaftsfotos liegt der richtige Blendenwert<br />

normalerweise zwischen f/8 und f/22. Es gibt aber<br />

noch andere Wege, um die Verschlusszeit zu steuern:<br />

Wer nicht auf andere Lichtverhältnisse warten<br />

will, kann die ISO-Empfindlichkeit seiner Kamera<br />

erhöhen. Das verstärkt zwar das Bildrauschen,<br />

doch bis ISO 800 können Sie durchaus gehen.<br />

Wenn Sie eine Profi-DSLR benutzen, die ein wirklich<br />

gutes Rauschverhalten hat, kann dieser Wert auch<br />

überschritten werden.<br />

Für Verschlusszeiten von mehr als 30 Sekunden<br />

müssen Sie die Kamera in den B-Modus schalten<br />

und die Verschlusszeit manuell steuern. Das führt<br />

jedoch oft zu überbelichteten Fotos, deswegen ist ein<br />

Graufilter oft die bessere Lösung, denn er reduziert<br />

die Lichtmenge, die auf den Sensor fällt. Graufilter<br />

gibt es in unterschiedlichen Stärken, üblicherweise<br />

mit einer, zwei und drei Blendenstufen. Sie können<br />

mehrere davon kombinieren, sogar zusammen<br />

mit einem Polfilter, falls Sie einmal extrem lange<br />

Verschlusszeiten erzeugen möchten<br />

1<br />

Standpunkt Ich mache die Bildkomposition so,<br />

dass die Wellen auf die Felsen im Vordergrund<br />

auflaufen und überprüfe anschließend die Belichtung für<br />

den Himmel als auch für den Vordergrund separat mit<br />

dem Messsystem meiner Kamera.<br />

Verlaufsfilter Da der Himmel wesentlich heller<br />

2ist als der Vordergrund, montiere ich einen<br />

dreistufigen, weichen Grauverlaufsfilter vor das Objektiv,<br />

um den Kontrast auszubalancieren. Der weiche Verlauf<br />

des Filters sorgt dafür dass die Übergangszone nicht allzu<br />

offensichtlich ist.<br />

Testfoto Mit Blendenautomatik und einer 1/100<br />

3Sekunde mache ich meinen ersten Versuch, doch<br />

die Bewegung wird eingefroren. Bei langen Wellen mag<br />

dies dramatisch aussehen, doch bei den kleinen<br />

Wellenlängen hier verdirbt es die Aufnahme.<br />

Graufilter Um die Belichtung zu verlängern,<br />

4warte ich, bis die Lichtverhältnisse sich<br />

verschlechtern und ersetze den dreistufigen<br />

Grauverlaufsfilter durch einen vierstufigen, wodurch sich<br />

eine Belichtungszeit von 10 Sekunden bei Blende f/22<br />

ergibt.<br />

Noch immer nichts… Immer noch ist die<br />

5Belichtungszeit nicht lang genug, um den<br />

gewünschten nebelhaften Effekt auf dem Wasser zu<br />

erzeugen und an Dramatik in der Szene ist auch noch<br />

nichts zu erkennen.<br />

Belichtung verkürzen… Aufblenden auf f/11 und Austausch des<br />

6vierstufigen Graufilters gegen einen Zweistufigen verkürzt die Belichtungszeit auf 0,3<br />

Sekunden. Das Ergebnis sieht fast gut genug aus, doch die Welle ist ein bisschen zu stark<br />

eingefroren.<br />

…und wieder verlängern Ein weiterer Versuch bei noch ein wenig schlechter<br />

7 gewordenen Lichtverhältnissen, und ich habe die Aufnahme, die ich wollte, im<br />

Kasten – mit 0,6 Sekunden Verschlusszeit. Nun ist genug Bewegung im Bild vorhanden,<br />

um etwas Spannung zu suggerieren doch die Wellen behalten dabei ihre Form.


Das fertige Bild<br />

Aufblenden auf f/11 ermöglicht eine Verschlusszeit von<br />

einer halben Sekunde, bei guter Tiefenschärfe. Nun<br />

wirkt das Bild dramatisch und die Wasserbewegung<br />

realistisch genug, ohne zu viel Dunst zu erzeugen.<br />

Besonders gut gefällt mir, wie die Gischt an den<br />

mittleren Felsen aufsteigt.


110 Landschaftsprojekte Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e<br />

Bewegungen des Wassers verschwimmen lassen<br />

Ross Hoddinott demonstriert, wie man bewegtes Wasser zu geheimnisvollen<br />

Nebelschwaden verschwimmen lässt.<br />

Ross Hoddinott: Verschwommene<br />

Wasserbilder – ich selbst mag sie, manch<br />

anderer nicht. Damit fließendes Wasser<br />

milchig wird, ist die richtige Belichtung<br />

entscheidend; nur etwas zu schnell und das Wasser<br />

sieht schmutzig aus. Als Faustregel gilt eine<br />

Verschlusszeit von etwa 1 Sekunde oder länger.<br />

Dadurch sollte ein attraktives Verschwimmen des<br />

Wassers erreicht werden. Mit längeren<br />

Belichtungszeiten können Sie jedenfalls nichts falsch<br />

machen.<br />

Um die längste zum verfügbaren Licht passende<br />

Verschlusszeit zu erzwingen, stellen Sie den kleinsten<br />

ISO-Wert und die kleinste Blende ein, also f/22 oder<br />

f/32. Bei schwachem Licht ist eine Langzeitbelichtung<br />

relativ einfach, da die Belichtungszeit ohnehin sehr lang<br />

wird. Ist das Licht gut, dann ist es schwieriger, eine<br />

Verschlusszeit zu finden, die für den gewünschten<br />

Effekt lang genug ist, ohne das Bild überzubelichten.<br />

Die Lösung für dieses Problem bieten Graufilter:<br />

Je stärker die Dichte des Graufilters, desto mehr Licht<br />

absorbiert er; je länger die Belichtungszeit, desto<br />

verschwommener wird das Wasser gezeichnet.<br />

Ausrüstung<br />

Aufnahmen mit langen Verschlusszeiten, die<br />

Bewegungen im Wasser verschwimmen<br />

lassen, setzen unbedingt ein stabiles Stativ<br />

voraus; andernfalls werden ihre Bilder<br />

verwackeln.<br />

Für extreme Effekte kann der „Big Stopper“ von Lee<br />

Filters mit seinen zehn Blendenstufen eine<br />

Verschlusszeit von mehreren Minuten bewirken – was<br />

allerdings den B-Modus der<br />

Kamera und einen<br />

Setup<br />

Fernauslöser erfordert.<br />

Diese Aufnahmetechnik<br />

bringt Fotos hervor, von<br />

denen niemals zwei gleich<br />

aussehen, jedes ist<br />

einzigartig. Nehmen Sie<br />

daher gleich eine ganze<br />

Sequenz auf und suchen Sie<br />

später am Computer das<br />

beste Bild aus.<br />

Bildkomposition Es ist Abend, und die Flut<br />

1hat ihren Höchststand erreicht. Um das Wasser in<br />

dem Moment verschwimmen zu lassen in dem es über<br />

die Felsen und den Kiesstrand schwappt, mache ich<br />

meine Bildkomposition sorgfältig, selbstverständlich<br />

mit Stativ, damit nichts verwackelt. Mit der Kamera auf<br />

Programmautomatik geschaltet, ergibt sich eine<br />

Verschlusszeit von 1/80 Sekunde bei Blende f/8 – bei<br />

weitem nicht lang genug für den gewünschten Effekt.<br />

Betriebsart Um das bewegte Wasser unscharf<br />

2verschwimmen zu lassen, wählen Sie entweder<br />

die Blendenautomatik und die längste mögliche<br />

Verschlusszeit, die der Kamera zur Verfügung steht,<br />

oder die Zeitautomatik in Verbindung mit der kleinsten<br />

Blende. Beide Verfahren führen bei den gegebenen<br />

Lichtverhältnissen zur längstmöglichen Belichtung.<br />

Selbstverständlich haben Sie zuvor auch die kleinste<br />

ISO-Empfindlichkeit eingestellt. Das ist bei den meisten<br />

Kameras ISO 100.<br />

Belichtung Nachdem ich ISO 100 und die<br />

3Zeitautomatik eingestellt habe, stelle ich die<br />

kleinste Blende von f/22 ein und warte auf eine Welle,<br />

die über die Felsen im Vordergrund spülen soll. Die<br />

erreichte Belichtungszeit von 1/8 Sekunde bei Blende<br />

f/22 ist zwar schon erheblich länger, doch das Wasser<br />

wird immer noch nicht milchig abgebildet. Also<br />

verwende ich einen Polfilter, um die Verschlusszeit<br />

weiter zu verlängern<br />

Polfilter Der Polfilter hat einen Filterfaktor von<br />

4zwei Blendenstufen und kann deshalb als<br />

improvisierter Graufilter benutzt werden – das Mittel der<br />

Wahl, wenn Sie keinen Graufilter haben. Außerdem<br />

unterdrückt der Polfilter Reflexionen und Blendungen, in<br />

diesem Fall an den Felsen. Das Ergebnis ist zwar besser,<br />

aber auch die nunmehr erreichte Verschlusszeit von 1/2<br />

Sekunde bei Blende f/22 ist immer noch nicht lang<br />

genug für die Intensität des Effekts, die mir vorschwebt.<br />

Graufilter Ich muss noch einen „echten“,<br />

5dreistufigen Graufilter hinzufügen, lasse jedoch<br />

auch den Polfilter auf dem Objektiv. Das<br />

Belichtungsmess-System der Kamera berücksichtigt<br />

den weiteren Filter automatisch, doch der Sucher ist<br />

nun so dunkel, dass ich froh bin, die Bildkomposition<br />

und die Schärfeeinstellung schon gemacht zu haben,<br />

bevor ich den Graufilter montierte.


Das fertige Bild<br />

Das fertige Bild<br />

Dank des „echten“ Graufilters und der schlechter<br />

werdenden Lichtverhältnisse beträgt die<br />

Verschlusszeit nun 6 Sekunden bei Blende f/22.<br />

Wieder warte ich auf eine passende Welle und<br />

drücke den Auslöser, während das Meer die Felsen<br />

im Vordergrund umspült. Ich benutze einen<br />

Fernauslöser, um die Schärfe zu maximieren.


112 Landschaftsprojekte Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografie<br />

Sonnenuntergang am Meer<br />

Es gibt kein schöneres Naturschauspiel als die Farbenpracht eines leicht bewölkten Himmels, der von einer im Meer<br />

untergehenden Sonne angestrahlt wird<br />

Ross Hoddinott: Kaum jemand kann<br />

dem Motiv eines spektakulären<br />

Sonnenuntergangs widerstehen, jedenfalls kein<br />

Fotograf. Bei Sonnenuntergang werden selbst<br />

banale Szenerien zu etwas Besonderem, dank der<br />

außergewöhnlichen Farben des Abendhimmels.<br />

Noch beeindruckender ist dieses Schauspiel direkt an der<br />

Küste. Das Meer reflektiert das Licht und die Wärme des<br />

Himmels, und die Wellen geben dem Motiv Bewegung,<br />

was insbesondere Weitwinkelaufnahmen attraktiv macht.<br />

Ein Sonnenuntergang am Meer ist ein populäres<br />

Postkartenmotiv; trotzdem ist es nicht so einfach, dieses<br />

Naturschauspiel wirklich gut einzufangen. Die meisten<br />

Sonnenuntergänge sind nämlich eher enttäuschend,<br />

manche sind kaum wahrnehmbar. Aus fotografischer<br />

Sicht sind die perfekten Bedingungen: nicht zu viele und<br />

nicht zu wenige Wolken, gerade genug, um Licht und<br />

Wärme der Sonne zu reflektieren, doch nicht so Viele,<br />

dass Sie die Sonne verdecken könnten. Das größte<br />

Problem besteht darin, dass wirklich spektakuläre<br />

Sonnenuntergänge fast unmöglich vorherzusagen sind.<br />

Großartige Farben können zwar kurz auftauchen, aber sie<br />

können genauso schnell wieder verschwinden. In der<br />

Praxis gibt es nur eine Möglichkeit, das Motiv einzufangen:<br />

Fahren Sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit an die<br />

Küste – früher oder später wird Ihre Hartnäckigkeit mit<br />

einem atemberaubenden Schauspiel belohnt.<br />

Gute Planung erhöht Ihre Chancen. Sie sollten die Position<br />

der Sonne an Ihrem Standpunkt vorher kennen, was im<br />

Internet einfach in Erfahrung zu bringen ist. „The<br />

Photographer’s Ephemeris“ (www.photoephemeris.com)<br />

ist wohl das meistgenutzte Programm für diesen Zweck,<br />

und sogar kostenlos. Eine weitere nützliche App heißt<br />

„Sun Scout“ – sie halten einfach Ihr Smartphone gegen<br />

den Himmel, und es zeigt Ihnen die Bahn der Sonne an.<br />

Der Winter ist nicht die schlechteste Jahreszeit, um einen<br />

Sonnenuntergang zu fotografieren. Er passiert am frühen<br />

Abend, was Ihnen zugutekommt, wenn Sie eine lange<br />

Rückfahrt vor sich haben.<br />

Wenn Sie einen potentiellen Kamerastandort zum ersten<br />

Mal besuchen, seien Sie wenigstens zwei Stunden vorher<br />

dort, um sich mit den Gegebenheiten vertraut zu machen<br />

und passende Bildkompositionen zu finden. Suchen Sie<br />

nach Aussichtspunkten, wo sie nicht nur in Richtung des<br />

Sonnenuntergangs fotografieren können, sondern bei<br />

denen auch ein interessanter Vordergrund vorhanden ist<br />

– etwa eine felsige Küste, eine Buhne oder ein auf Reede<br />

liegendes Schiff. Lassen Sie auch die Gezeiten nicht außer<br />

Acht, denn Ebbe und Flut bestimmen an vielen Orten<br />

Ihren Kamerastandpunkt.<br />

Hausaufgaben Bringen Sie die Zeiten von<br />

1Ebbe und Flut in Erfahrung – http://www.amwasser.<br />

de/gezeitenkalender.html – und- stellen Sie die Position<br />

der Sonne an dem von Ihnen anvisierten Ort fest – www.<br />

photoephemeris.com. Seien Sie wenigstens eine Stunde<br />

vor Sonnenuntergang an Ort und Stelle und finden Sie<br />

die besten Aussichtspunkte. Wenn Sie ein Smartphone<br />

haben, empfehle ich Ihnen die „Sun Scout“ App. Sie<br />

zeigt Ihnen präzise, wo genau die Sonne im Meer<br />

versinken wird - bei Capri wird es in den seltensten<br />

Fällen sein - so dass Sie Ihren besten eigenen<br />

Standpunkt genau bestimmen können.<br />

Erkundung des Geländes Halten Sie<br />

2Ausschau nach einem guten<br />

Kamerastandpunkt, von dem Sie gegen die<br />

untergehende Sonne fotografieren können.<br />

Normalerweise ist die Intensität des Sonnenlichts zu<br />

stark, um bereits in der Frühphase eines<br />

Sonnenuntergangs zu fotografieren.<br />

Sie müssen Geduld haben; wenn Sie zu früh<br />

beginnen, sind Ihre Fotos voller Streulicht, und der<br />

Himmel wird hoffnungslos überbelichtet.<br />

Verlaufsfilter Selbst bei niedrigem<br />

3Sonnenstand und bereits verminderter<br />

Lichtintensität ist der Himmel erheblich heller als der<br />

Vordergrund. Ihre Kamera wird daher entweder den<br />

Himmel richtig messen, was zu einem<br />

unterbelichteten Vordergrund führt oder Sie misst den<br />

Vordergrund korrekt, was zu einem überbelichteten<br />

Himmel führt. Wenn Sie das nicht später mit<br />

Photoshop ausgleichen wollen, besteht die einzige<br />

Lösung des Problems im Einsatz eines<br />

Grauverlaufsfilters. Ein Wert von zwei oder drei<br />

Blendenstufen reicht aus.<br />

Was die Ausrüstung betrifft, ist ein Stativ unerlässlich,<br />

denn Sie werden bei schlechten Lichtverhältnissen<br />

arbeiten. Der Kontrastunterschied zwischen hellem<br />

Himmel und Vordergrund übersteigt den Dynamikbereich<br />

Ihrer Kamera, deswegen ist ein Graufilter erforderlich. Bei<br />

besonders schönen Farbenspielen werden Sie viel Himmel<br />

im Bild haben wollen. Ein Objektiv mit kurzer Brennweite<br />

im Bereich von 17-35 mm ist daher eine gute Wahl.<br />

Ansonsten ist die Zeitautomatik für solche Szenen am<br />

besten geeignet, weil sie Ihnen die volle Kontrolle über die<br />

Schärfentiefe überlässt. Eine Blende zwischen von f/11<br />

und f/16 liefert gute Schärfe vom Vordergrund bis zum<br />

Horizont. Vorausgesetzt, Sie benutzen ein Stativ, stellen<br />

Sie die ISO-Empfindlichkeit auf den niedrigsten Wert, den<br />

Ihre Kamera zulässt. Damit sorgen Sie für optimale<br />

Bildqualität und Farbreproduktion.<br />

Auch warme Kleidung gehört dazu, denn um diese<br />

Jahreszeit kann es an Europas Küsten bitter kalt sein.<br />

Gummistiefel sind kein eleganteres Schuhwerk, ersparen<br />

Ihnen aber möglicherweise eine Erkältung und halten ihre<br />

Füße selbst im Watt trocken. Auch eine Taschenlampe ist<br />

von Nutzen, denn wenn Sie noch das Nachglühen des<br />

Sonnenuntergangs fotografieren, müssen Sie im Dunkeln<br />

den Rückweg zum Auto finden.<br />

Ausrichten In diesem Beispiel benutzte ich<br />

4einen dreistufigen Aufsteck-Verlaufsfilter mit<br />

hartem Verlauf. Der harte Verlauf eignet sich gut für<br />

Aufnahmen an der See, weil der Horizont durch die<br />

Kimm genau abgegrenzt ist. Der Übergangsbereich<br />

des Verlaufsfilters muss so präzise wie möglich auf<br />

den Horizont gelegt werden.<br />

Weißabgleich Denken Sie auch bei<br />

5diesem Motiv daran, wie nützlich der<br />

Weißabgleich sein kann. Obwohl der automatische<br />

Weißabgleich normalerweise gut funktioniert, kann<br />

es in diesem Fall ein besseres Ergebnis bringen,<br />

wenn Sie den Weißabgleich auf „Bewölkt“<br />

einstellen. Das ergibt ein wärmeres Bild und kommt<br />

den natürlichen Farben des Sonnenuntergangs<br />

zugute.<br />

Falls Sie ohnehin im Raw-Format fotografieren,<br />

können Sie diesen Schritt vernachlässigen und den<br />

Weißabgleich später in Photoshop vornehmen.


Das fertige Bild<br />

Packen Sie nicht zu früh ein; die besten Farben<br />

erscheinen oft im letzten Moment. Wenn die Sonne<br />

bereits verschwunden ist, bilden sich wunderschöne<br />

Schattierungen von Rot, Orange und Violett – es<br />

wäre doch schade, diesen grandiosen Schlussakt<br />

des Schauspiels zu verpassen.<br />

Ist das Stativ erst eingepackt, können Sie nicht mehr<br />

improvisieren, denn der Moment ist von kurzer<br />

Dauer und das Licht zu schwach.


114 Landschaftsprojekte Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e<br />

Eine Szene als Silhouette<br />

Durch das Unterbelichten von Bildelementen können Sie<br />

in Landschaftsbildern mehr Wirkung erzeugen<br />

Ross Hoddinott: Als Fotografen streben wir nach der<br />

„perfekten“ Belichtung – doch gibt es sie in der Praxis überhaupt?<br />

Die Belichtung kann zu kreativen oder künstlerischen Zwecken<br />

manipuliert werden – eine „technisch korrekte“ Belichtung wird<br />

nicht immer für das visuell gefälligste Resultat sorgen. Nehmen Sie zum<br />

Beispiel Silhouetten. Sie sind eines meiner Lieblingsobjekte, doch aus<br />

technischer Sicht ist die Silhouette auf einem Foto das Ergebnis falscher<br />

Belichtung, weil das Objekt sehr stark unterbelichtet wird. Es besteht jedoch<br />

kein Zweifel daran, dass die Silhouette als Blickfang dient und deren Abbildung<br />

bewusst herbeigeführt wurde.<br />

Die Silhouette umreißt Objekte nur als schwarze Konturen, ohne farbliche oder<br />

plastische Details. Diese extremste Form der Hintergrundbeleuchtung kann in<br />

Kombination mit einer passenden Szene sehr eindrucksvoll wirken. Plakative,<br />

leicht zu identifizierende Objekte wie Gebäude und Bäume funktionieren als<br />

Silhouetten in der Landschaft am besten – vor allem im Kontrast zu einem<br />

dramatischen Himmel. Idealerweise nimmt man sie am frühen Morgen oder<br />

am späten Abend auf, wenn die Sonne am Himmel eine niedrige Position<br />

einnimmt. Wenn man gegen das Licht fotografiert, werden zwischen der<br />

Kamera und der Lichtquelle befindliche Objekte als Silhouetten<br />

wiedergegeben. Deswegen sind sie so einfach zu produzieren, man benötigt<br />

dafür keinerlei zusätzliche Ausrüstung. Es gibt jedoch Funktionen an Ihrer<br />

Kamera, die Ihnen helfen, die Wirkung des großartigen Effekts noch zu<br />

verbessern.<br />

Ausrüstung<br />

Messtechnik: Das Mehrfeld-<br />

Belichtungsmesssystem Ihrer Kamera<br />

ist so ausgelegt, dass es die Farben<br />

von Objekten als mittlere Farbtöne<br />

wiedergibt, was der sichtbaren Realität<br />

weitgehend entspricht. Während<br />

es sich in den meisten Situationen<br />

als sehr genau erweist, kommt es<br />

zu Problemen, wenn man Objekte<br />

fotografiert, deren Farbton deutlich<br />

heller oder deutlich dunkler als mittlere<br />

Farbtöne sind. Silhouetten gehören<br />

zu den Objekten, die das Messsystem<br />

einer Kamera täuschen. Sie versucht<br />

unsere Silhouette in einem mittleren<br />

Farbton wiederzugeben und für mehr<br />

Belichtung zu sorgen als nötig. Das<br />

führt zu überbelichtetem Himmel und<br />

ungewollten Details.<br />

Glücklicherweise kann die korrekte<br />

Belichtung für Silhouetten einfach<br />

durch Umschalten von der<br />

Mehrfeldbelichtungsmessung zur<br />

Punktmessung erreicht werden. Das<br />

Punktmessverfahren berechnet die<br />

Gesamtbelichtung einer Szene aus<br />

den Daten eines zentralen Kreises<br />

im Sucherbild der Kamera, der etwa<br />

3 % des gesamten Bildausschnitts<br />

ausmacht. Richten Sie also den Kreis<br />

auf eine helle Stelle im Sucherbild<br />

und drücken Sie den Auslöser<br />

halb durch, um eine Messung zu<br />

bekommen. Danach drücken Sie die<br />

automatische Belichtungsspeicherung<br />

AEL („Auto-Exposure Lock“), um die<br />

Messwerte zu speichern. Nun machen<br />

Sie Ihre Bildkomposition und lösen<br />

den Verschluss aus. Das Ergebnis<br />

sollte eine perfekte, tintenschwarze<br />

Silhouette sein.<br />

Falls noch ungewünschte Details<br />

erkennbar sind, nehmen Sie etwas<br />

negative Belichtungskorrektur vor, um<br />

die Belichtung weiter zu reduzieren.<br />

Plakative Objekte funktionieren bei Aufnahmen von Silhouetten am<br />

1besten in Verbindung mit sauberen, einfachen Kompositionen. Diese kleine<br />

Kirche, die auf einem Hügel thront, stellte sich als ideales Objekt heraus. Ich<br />

entscheide mich für einen tiefen Kamerastandpunkt, der mir erlaubt, das Gebäude<br />

stark gegen den Himmel zu kontrastieren. Ich positioniere mich so, dass ich in<br />

Richtung der untergehenden Sonne aufnehme.<br />

Histogramm<br />

Wenn Sie Silhouetten aufnehmen,<br />

erwarten Sie, dass die entsprechenden<br />

Histogramme eher zur linken Seite des<br />

Graphen tendieren. Während man<br />

normalerweise versucht, einen hohen<br />

Prozentsatz der Pixel auf der linken<br />

Seite zu vermeiden, spiegelt der Graph<br />

bei solchen Aufnahmen die Natur<br />

dieser Aufnahmetechnik wider.<br />

Ich verwende das lange Ende eines 70-300 Millimeter-Telezooms und gehe<br />

2nah an die Kirche heran. Da Kameras nicht erraten können, welche Wirkung der<br />

Fotograf erzielen will, kann es sein, dass das Mehrfeldmess-System nicht die besten<br />

Ergebnisse liefert. Das schlägt sich in diesem Bild durch ungewollte Details der Kirche<br />

und im Vordergrund nieder. Die Belichtung von einer halben Sekunde mit Blende f/11<br />

ist zu lang und als Resultat erhalte ich einen „verwaschenen“ Himmel.<br />

Wenn Sie Silhouetten aufnehmen, dann werden Sie gewöhnlich eine<br />

3korrekte Messung für den Himmel durchführen wollen. Indem Sie die Messung<br />

auf einem hellen Bereich des Himmels basieren lassen, stellen Sie sicher, dass er<br />

richtig belichtet wird, während alles andere unterbelichtet – also als Silhouette<br />

dargestellt wird. Am besten funktioniert dies mit Hilfe der Punktmessung in<br />

Kombination mit der automatischen Belichtungsspeicherung (AEL).


Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografie<br />

Landschaftsprojekte 115<br />

Das fertige Bild<br />

Zufrieden mit meiner Bildkomposition, wollte<br />

ich noch einen zehnstufigen Graufilter<br />

ausprobieren; dieser verlängerte die<br />

Verschlusszeit auf 30 Sekunden.<br />

Während der Belichtung wurde die Bewegung<br />

der Wolken als künstlerischer Pinselstrich<br />

aufgenommen. Als die Sonne endlich unterging,<br />

erstrahlte der Himmel und gab diesem letzten<br />

Silhouettenbild die richtige Stimmung.<br />

Richten Sie den Messkreis des Kamerasuchers auf eine helle Stelle am<br />

4Himmel und drücken Sie den Auslöser halb durch. Bei mir liegen die erhaltenen<br />

Werte bei 1/30 Sekunde und Blende f/11. Speichern Sie Ihre Werte mit der<br />

automatischen Belichtungsspeicherung (AEL). Ich platziere meine Kamera aufs Stativ<br />

und mache mit meinen neuen Einstellungen ein weiteres Bild, das als schöne<br />

Silhouette herauskommt.<br />

5<br />

Während die Belichtung für die Aufnahme einer Silhouette korrekt ist,<br />

könnte die Komposition noch ein paar Schliffe vertragen. Anstatt den Rahmen<br />

mit der Kirche auszufüllen, entscheide ich mich für eine kürzere Brennweite, die es<br />

mir erlaubt, mehr vom Himmel und den interessanten Wolken aufzunehmen. Das<br />

Ergebnis ist ein ausgeglicheneres Bild, das die Kirche im Kontext ihrer Umgebung<br />

zeigt.


116 Besondere Landschaftsfotos<br />

Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e<br />

Leuchtspuren von Sternen<br />

In abgelegenen Regionen kann man den klaren Nachthimmel<br />

ausnutzen, um tolle Sternenfotos aufzunehmen.<br />

Abstand von Städten<br />

Zuerst muss man weg von der Stadt und ihren<br />

Lichtern. Der Lichtschein am Himmel über<br />

dicht besiedelten Gebieten – auch<br />

Lichtverschmutzung genannt – ist in klaren<br />

Nächten weithin sichtbar. Obwohl das<br />

Phänomen vom menschlichen Auge kaum<br />

wahrgenommen wird, kommt es bei<br />

Langzeitbelichtungen zum Vorschein.<br />

STERNENSPUREN können Landschaftsaufnahmen eine zauberhafte<br />

Stimmung verleihen. Das dabei von der Kamera aufgezeichnete Bild<br />

ist so für das menschliche Auge nicht sichtbar - eine tolle Gelegenheit<br />

für Fotografen, die im Winter tagsüber keine Zeit haben. Machen Sie<br />

interessante Landschaftsbilder stattdessen einfach nachts!<br />

Das Geheimnis für erfolgreiche Sternenspuren liegt bei Digitalaufnahmen in der richtigen Belichtung.<br />

Fototipp<br />

Manfrotto<br />

055 Pro B Stativ<br />

Bei einer langen Belichtung<br />

bleibt der Verschluss offen.<br />

Am besten wird zum<br />

Auslösen eine<br />

Fernbedienung eingesetzt.<br />

Sie hilft dabei, die<br />

Verwacklung der Kamera<br />

zu vermeiden.<br />

Ein standfestes Stativ<br />

ist ebenfalls wichtig.<br />

Mit Hilfe eines<br />

Weitwinkelobjektivs<br />

bekommt man einen<br />

möglichst großen Bereich<br />

des Himmels in den<br />

Bildausschnitt. Sonst<br />

braucht man für<br />

Aufnahmen von<br />

Sternenspuren keine<br />

besondere Ausrüstung.<br />

Man sollte aber genügend<br />

warme Kleider dabei haben. Auch<br />

wenn man sich daran gewohnt ist, bei<br />

kaltem Wetter draußen zu sein, wird es<br />

einem bei Temperaturen unter null<br />

nach einer halben Stunde<br />

Herumstehen schnell ziemlich kalt und<br />

ein paar extra Schichten sind dann sehr<br />

willkommen.<br />

1<br />

DER AUFNAHMEORT<br />

Manchmal ist es besser, den<br />

Aufnahmeort tagsüber zu fi nden und<br />

später wiederzukommen. Die Mittagszeit<br />

bietet sich für die Suche nach guten<br />

Standorten an. Mit der Sonne im Süden<br />

zeigen die Schatten nach Norden, wo<br />

nachts der Polarstern steht. Ein<br />

Standortbesuch vor der Aufnahme hilft<br />

bei der Bildkomposition; zudem sollte<br />

sich man sich versichern, dass man<br />

genügend weit von Lichtverschmutzung<br />

entfernt ist.<br />

KAMERAEINSTELLUNG: Eine gute Wahl sind<br />

2 Nächte mit Halbmond. Die Kamera muss auf<br />

ein Stativ montiert werden. Wenn es zu dunkel ist<br />

und man im Sucher nichts erkennen kann, können<br />

Probeaufnahmen mit einer hohen<br />

ISO-Empfindlichkeit und einer großen Blende<br />

eingesetzt werden, um die Bildkomposition Schritt<br />

für Schritt anzupassen. Der Autofokus funktioniert<br />

bei sehr schwachem Licht nicht, man muss daher<br />

manuell scharf stellen. Dies kann man entweder mit<br />

Hilfe der Distanzskala oder mit einer Lichtquelle<br />

Fackel als Fokuspunkt.<br />

BELICHTUNGSMESSUNG: Vor der endgültigen<br />

3Aufnahme sollte man das Motiv anhand von<br />

Probeaufnahmen mit hoher ISO-Empfindlichkeit und<br />

großer Blende ausloten.<br />

Ich wählte ISO 1600 und f/4, den Kameramodus<br />

„manuell“ und eine Belichtungszeit von 20 Sekunden.<br />

Dann eine Probeaufnahme und das Resultat auf dem<br />

Histogramm prüfen. Die Belichtungszeit mit Hilfe von<br />

Probeaufnahmen solange anpassen, bis das<br />

Histogramm das gewünschte Bild liefert.<br />

Nach meiner Erfahrung ist eine Unterbelichtung von<br />

einer Lichtwertstufe optimal.


Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografie<br />

Landschaftsprojekte 117<br />

Das fertige Bild<br />

Ich gab dem Bild mithilfe von<br />

Gradationskurven mehr Kontrast<br />

und passte den Farbabgleich an,<br />

um die Farbtöne kühler zu<br />

machen. Außerdem verwendete<br />

ich die Photoshop-Funktion<br />

„Unscharf maskieren“.<br />

DIE EINSTELLUNG FÜR DAS ENDGÜLTIGE BILD: Sobald man mit der<br />

4Belichtung zufrieden ist, kann man die Kamera auf den Modus<br />

„Langzeitbelichtung“ schalten, ISO 100 und eine große Blende wählen – Ich benutze<br />

meist f/5.6. Die Belichtungszeit von Schritt drei einsetzten, um die Belichtungszeit der<br />

endgültigen Aufnahme zu berechnen. Wird die Belichtungszeit verlängert, müssen<br />

ISO-Wert und Blende angepasst werden. Benötigte man in Schritt drei eine<br />

Belichtungszeit von 30 Sekunden, bedeutet das: 30 Sekunden x 2 (für den<br />

Blendenwechsel von f/4 auf f/16) x 16 (für die Reduktion der ISO-Empfindlichkeit von<br />

1600 auf 100). Das Ergebnis ist eine Belichtungszeit von 16 Minuten.<br />

DIE AUFNAHME: Alle Lichter ausschalten, auf die Uhr schauen und den<br />

5Verschluss mit der Fernbedienung öffnen. Nun muss man 16 Minuten Geduld<br />

haben. Das beste ist, heißen Kaffee und Kuchen dabeizuhaben und die Nacht zu<br />

genießen. Falls man während der Aufnahme Licht braucht, um die Zeit abzulesen,<br />

sollte man vorsichtig sein, dass der Vordergrund dabei nicht beleuchtet wird, sonst<br />

sieht man das auf dem endgültigen Bild. Man kann diese Technik (Lichtmalerei)<br />

natürlich auch bewusst einsetzen, aber das ist ein anderes Thema.


118 Besondere Landschaftsfotos<br />

Landschaft im Mondlicht<br />

In hellem Mondlicht erhalten Landschaftsbilder eine ganz besondere Stimmung. IWir<br />

zeigen Ihnen, wie Sie Mondlicht gezielt einsetzen.<br />

DASS DIE SONNE untergegangen ist, heißt nicht, dass<br />

Sie keine schönen <strong>Landschaften</strong> mehr fotografieren<br />

können! <strong>Fotografie</strong>ren bei Mondschein ist tatsächlich<br />

einfacher als Aufnahmen bei Dämmerung, denn<br />

Mondlicht ist weniger wechselhaft.<br />

Landschaftsaufnahmen bei Mondlicht unterscheiden<br />

sich nicht allzu sehr von solchen bei Tag, sind jedoch<br />

einfacher als bei Sonnenuntergang, weil das<br />

Mondlicht wesentlich stärker ist als das letzte<br />

Tageslicht. Trotzdem müssen Sie natürlich genauso<br />

auf den Winkel und die Position des Mondes achten,<br />

wie Sie dies bei der Sonne tun würden. Ein Mond, der<br />

hoch am Himmel steht, wirft starke Schatten, ein<br />

niedrig stehender Mond schafft lange Schatten und ein<br />

weicheres Licht.<br />

Das optimale Licht für Landschaftsaufnahmen hat<br />

man, wenn der Mond kurz nach Sonnenuntergang zu<br />

steigen beginnt. Die Belichtung ist die größte<br />

Herausforderung der <strong>Fotografie</strong> bei Mondlicht, denn es<br />

ist tausendmal schwächer als Sonnenlicht. Eine<br />

weitere Komplikation entsteht, weil der Mond sich so<br />

schnell bewegt, dass Belichtungszeiten von mehr als<br />

ein paar Minuten ihn als Streifen am Himmel<br />

aufzeichnen würden. Eine Lösung ist, den Mond<br />

einfach nicht mit ins Bild zu nehmen, sondern nur die<br />

von ihm beleuchtete Landschaft. Aufnahmen, die<br />

ausschließlich vom aufgehenden Vollmond mit<br />

weichen Schatten beleuchtet werden, können eine<br />

gespenstische Wirkung schaffen.<br />

Wenn Sie hingegen zu lange belichten, wirkt das Licht<br />

flach. Wenn Sie den Mond lieber mit ins Bild nehmen<br />

möchten, aber die benötigte Belichtungszeit zu lang<br />

ist, wählen Sie die korrekte Belichtungszeit für den<br />

Vordergrund, gefolgt von einer kürzeren Belichtung für<br />

den Himmel, und verbinden Sie die beiden Fotos<br />

später miteinander.<br />

Die Länge jeder Belichtung hängt von der Intensität<br />

des Mondlichts ab: Ein Vollmond in einer klaren Nacht<br />

ist toll, um eine Landschaft auszuleuchten, wenn Sie<br />

ausgeprägte Tiefenschärfe wünschen. Wenn der Mond<br />

nicht so stark scheint oder weniger markant ist,<br />

müssen Sie bei der Tiefenschärfe evtl. Kompromisse<br />

machen, indem Sie eine große Blende verwenden und<br />

die Belichtungszeit reduzieren. Denken Sie daran:<br />

Wenn Sie eine große Blende verwenden, müssen Sie<br />

sehr sorgfältig fokussieren! Die besten Momente zum<br />

<strong>Fotografie</strong>ren sind Vollmondnächte, oder die Nächte<br />

davor und danach, wenn der Mond seiner volle Größe<br />

erreicht und langsam wieder abnimmt. Beachten Sie<br />

außerdem, dass Wolken bei Nacht die Belichtungszeit<br />

ebenso beeinflussen wie bei Tag!<br />

Für zusätzlich interessante visuelle Details können Sie<br />

versuchen, ein Bild mit einem Fluss, einem See oder<br />

Meer im Vordergrund aufzunehmen. Auf diese Weise<br />

können Sie Lichtstrahlen einfangen, die sich auf der<br />

Oberfläche spiegeln. Sie werden feststellen, dass das<br />

reflektierte Licht die Szene zusätzlich aufhellt. Sie<br />

können auch ausprobieren, mit Blitz zu arbeiten oder<br />

eine Taschenlampe zu verwenden, um den<br />

Vordergrund mit Licht „anzumalen“.<br />

Wenn Sie Ihre Kamera einstellen, sollten Sie die<br />

gleiche Technik verwenden, die wir bereits in diesem<br />

Leitfaden beschrieben haben: Verwenden Sie den<br />

Bulb-Modus oder den manuellen Modus, berechnen<br />

Sie die Belichtung, fokussieren Sie möglichst manuell<br />

und starten Sie die Aufnahme mit einem Fernauslöser.<br />

Für die Berechnung einer Belichtung bei Mondlicht ist<br />

die Multizonenmessung geeignet. Beachten Sie auch<br />

die bereits vorgestellte Technik: Machen Sie eine<br />

Probeaufnahme mit Zeitautomatik und<br />

Blendenvorwahl bei maximaler ISO-Einstellung und<br />

größter Blende. Nun haben Sie einen Ausgangspunkt<br />

für die Verschlusszeit! Berücksichtigen Sie den<br />

Schwarzschildeffekt, wenn Sie die Belichtungszeit für<br />

eine geeignete Blende und niedrigen ISO-Wert<br />

berechnen. Alternativ können Sie auch auf<br />

Punktmessung umschalten und vom hellsten Punkt in<br />

der Szene aus messen. Fügen Sie in dem Fall zwei<br />

Stufen Mehrbelichtung hinzu, weil das Messsystem<br />

sonst Ihre Höhen in mittlere Tonwerte ändert.<br />

Wenn Sie erst einmal Sternenspuren und<br />

<strong>Landschaften</strong> im Mondschein gemeistert haben,<br />

können Sie diese Verfahren auch auf Morgenröte oder<br />

Meteoritenschauer anwenden. Sie können natürlich<br />

auch in Ausrüstung investieren, die für die<br />

Weltraumfotografie benötigt wird.<br />

RECHTS: MONDLICHT: Die Blendenstufe und der<br />

ISO-Wert mussten für jedes Einzelbild in dieser<br />

Szene neu eingestellt werden, um die Verschlusszeit<br />

in einem Bereich zwischen 15 und 30 Sekunden zu<br />

halten und die Bewegung des Mondes so<br />

einzufrieren.<br />

UNTEN: Dieses Foto beinhaltet eine Aufnahme mit<br />

vier Minuten Belichtungszeit für den Vordergrund<br />

und eine mit 30 Sekunden Belichtungszeit für den<br />

Himmel.<br />

JOHN PATRICK<br />

Der Schwarzschildeffekt<br />

Bei der Low-Light-<strong>Fotografie</strong> ist immer<br />

die Wechselbeziehung zwischen<br />

Verschlusszeit und Blende zu bedenken,<br />

um die erforderliche Belichtungszeit zu<br />

errechnen. Das erfordert etwas<br />

Kopfarbeit; es gibt jedoch Apps für Ihr<br />

Smartphone, welche die entsprechende<br />

Belichtungszeit für Sie berechnen.<br />

Grundsätzlich gilt: Jedes Abblenden um<br />

eine Stufe verdoppelt die Verschlusszeit.<br />

Wenn Sie also von Blende f/4 zu f/5.6<br />

wechseln, muss eine Verschlusszeit von<br />

2 Sekunden auf 4 Sekunden verlängert<br />

werden.<br />

Der Schwarzschildeffekt, wenn die<br />

Kamera die Belichtung aufgrund<br />

schlechter Lichtverhältnisse nicht<br />

korrekt messen kann, tritt in der<br />

Digitalfotografie seltener auf als in der<br />

Analogfotografie. Trotzdem kann es<br />

vorkommen, dass Sie die Belichtungszeit<br />

eine weitere Stufe verkängern müssen,<br />

um Unterbelichtung zu vermeiden.


GARY McPARLAND<br />

So fotografieren Sie den Mond<br />

Für diejenigen, die nicht über die notwendige<br />

Ausrüstung verfügen, um die Milchstraße in<br />

den Tiefen des Weltalls zu fotografieren,<br />

kommt der Mond der Mystik des Weltalls am<br />

nächsten.<br />

Um ihn zu fotografieren, benötigen Sie keine<br />

spezielle Ausrüstung, sondern nur, was Sie<br />

für Nachtaufnahmen normalerweise<br />

verwenden würden. Ein ordentliches<br />

Teleobjektiv ist allerdings von Vorteil – sofern<br />

die Brennweite mindestens 300 mm beträgt.<br />

Wenn Sie kein passendes Objektiv besitzen,<br />

könnten Sie einen Telekonverter anschaffen,<br />

um die Reichweite eines Objektivs zu<br />

vergrößern. Beachten Sie, dass der<br />

Crop-Faktor einer Kamera mit APS-C Sensor<br />

1,5 x beträgt, sodass die Brennweite eines<br />

200 mm-Objektivs sich auf 300 mm<br />

verlängert.<br />

Die Helligkeit des Mondes wird leicht<br />

unterschätzt, sodass es recht schwierig sein<br />

kann, die Belichtung richtig einzustellen.<br />

Viele Versuche beim <strong>Fotografie</strong>ren des<br />

Mondes enden mit einem überbelichteten<br />

Kreis dort, wo eigentlich der Mond erscheinen<br />

sollte. Sie können dies vermeiden, indem Sie<br />

zunächst in einer wolkenlosen Nacht einen<br />

Standort ohne Umgebungslicht, Autoverkehr<br />

oder Straßenlaternen suchen. Es erfordert<br />

einige Versuche, bis die Belichtung perfekt<br />

eingestellt ist, denn sie hängt stets von der<br />

Umgebung ab.<br />

Als Ausgangsbasis stellen Sie Ihre Kamera<br />

auf manuellen Modus mit einer<br />

Belichtungszeit von 1/250 Sekunde bei<br />

Blende f/8 ein (ISO 100). Nehmen Sie um<br />

diese Einstellung herum einige<br />

Belichtungsreihen auf (im Abstand von<br />

jeweils einer Stufe), die Sie sie auf dem<br />