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Digitale Fotografie - Themen Einstellungen erklärt (Vorschau)

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DER LEITFADEN FÜR PORTRÄTFOTOGRAFIE

Nr. 9/2011 • ABO 07

RATSCHLÄGE VON

SPEZIALISTEN,

INSPIRIERENDE AUFNAHMEN

UND NEUE TECHNOLOGIEN!

Digitale

PORTRÄTS

VERBESSERN SIE IHRE FOTOKENNTNISSE FÜR EXZELLENTE AUFNAHMEN

Neue

Themen!

EXPERTEN-

METHODEN

Schritt-für-Schritt-

Anleitungen zeigen

Ihnen den Weg zu

atemberaubenden

Aufnahmen

Nr. 9/2011

EINSTELLUNGEN

ERKLÄRT

4 191705 609905 10009

Deutschland:

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Österreich:

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ZUBEHÖR

BELICHTEN WIE

DIE PROFIS


Liebe Leser und Fotografen!

MENSCHEN INTERESSIEREN sich am meisten für Menschen – diese Grundweisheit des

Journalismus gilt auch für die Fotografie. Menschen, in der Sprache der Fotografie „Porträts“

genannt, sind das Hauptmotiv schlechthin. Bei den Schnappschüssen, die gern im Kreise

der Familie gemacht werden, sind sie vermutlich das einzige Motiv. Denn wer fotografiert

schon gern nur den Wohnzimmerschrank?

Doch die Porträtfotografie ist auch gleichzeitig eine der schwierigsten. Bei Schnappschüssen

im Familienkreis mag das nicht immer ins Gewicht fallen, weil wir hier meist über

technische Unzulänglichkeiten hinweg sehen – wir erkennen den porträtierten Menschen

und freuen uns an dem Moment der Aufnahme.

Wer sich aber schon einmal in ein Fotostudio begeben hat – und sei es nur für ein paar

Passbilder – der weiß, wie viel Aufwand hier getrieben wird: Hochwertige Kameraausrüstung, mehrere große

Blitzlichter und wählbare Hintergründe gehören zur Grundausstattung.

In dieser Themen-Ausgabe von „Digitale Fotografie“ (Nr. 9) lernen Sie, wie Sie mit Ihrer

Kamera ebenso gute Porträtfotos machen können – und das nicht nur im Studio,

sondern bei sich zuhause und draußen unter verschiedenen Lichtverhältnissen

(ab Seite 27).

Dass das Licht für die Fotografie essentiell ist, ist eine Binsenweisheit. Dennoch

widmen viele Hobbyfotografen dem Licht oft zu wenig Aufmerksamkeit.

Lernen Sie, wie Sie das Tageslicht, das grelle Sonnenlicht, die „magische

Stunde“, das Blitzlicht oder die künstliche Abendsonne einsetzen, um

atemberaubende Porträts zu fotografieren (ab Seite 34).

Auf das Fotografieren folgt die Nachbearbeitung. Mit dem Standardprogramm

Photoshop können Sie schöne Verbesserungen und tolle Effekte erzielen – wir

zeigen Ihnen einige Möglichkeiten (ab Seite 100).

Viele Beispiele, Anleitungen und Tipps für die benötigte Ausrüstung runden unser Themen-Heft

„Porträts“ ab. Selbst wenn Sie nicht alles nachmachen, so bekommen Sie doch genügend

Anregungen, um mehr als nur Schnappschüsse zu produzieren. Ihre fotografierten Modelle –

und Sie selbst – werden es Ihnen danken!

Immer das beste Licht wünscht

Hagen Hellwig

Willkommen

P.S.: Das nächste Themen-Heft von

Digitale Fotografie“ (Nr. 10), dann

zum Thema „Landschaftsfotografie“,

erscheint am 3. Januar 2012.


DIGITALE FOTOGRAFIE–THEMEN

PORTRÄTS

Nr. 9

Der Leitfaden für Porträtfotografie

INHALT

006 Einrichten Ihrer Kamera für perfekte Porträts

008 Grundlagen der Einstellung

010 Die Belichtungsmessung

012 Belichtungskorrektur

014 Gegenlichtaufnahmen

016 Porträtgestaltung

018 Die Regeln anwenden

020 Regeln brechen ist ein Kinderspiel

022 Grundlagen der Fokussierung

024 Schärfentiefe für Porträtbilder

027 Porträtbeleuchtung

028 Tageslicht

030 Outdoor-Technik: Sonnenlicht

032 Outdoor-Technik: bewölktes Wetter

034 Outdoor-Technik: Fotografieren im Schatte

036 Outdoor-Technik: Die „magische Stunde“

038 Techniken für Innenaufnahmen

038 Verfügbares Licht

040 Tageslicht vom Fenster

042 Kontrollieren des Sonnenlichts

044 Ideen für jeden Raum

046 Wärme erzeugen

048 Einsatz von Blitzgeräten

048 Eine Einführung

050 Swirl-Effekte erzielen

052 Blitzlicht-Technik

052 künstliche Abendsonne

054 Porträts mit Stimmung aufnehmen

056 Farbfilter

058 Langzeitsynchronisation

060 Mischen Sie Blitzlicht mit Tageslicht

062 Studioblitzlicht

062 Grundlagen

064 Zubehör

068 Belichtungsmessung im manuellen Modus

070 Ein-Lampen-Setup

072 Zwei-Lampen-Setups

074 Der High-Key-Effekt

076 Erzeugen eines High-Key-Effekts

078 Familienfotos

078 Babys

082 ältere Kinder

086 Teenager

044 Ideen für jeden Raum

046 Wärme erzeugen

100 Photoshop-Technik

100 Schwarz-Weiß-Tönung

102 Füllmethoden

104 Pop-Art

108 Schatteneffekte

110 Digitale Technik: Polaroids erstellen

112 Künstlerische Aktaufnahmen

120 Das Ein-Stunden-Foto: Familienporträts

125 Arbeitsbuch zur Beleuchtung

130 Arbeitsbuch zur Belichtung

136 Kreativprojekt

136 Kinder

140 Porträtserie

144 simulierter Regen auf Fenster

146 Polaroid-Selbstporträt

149 Ausrüstung für Porträtfotos

150 Objektive

152 Studioblitzgeräte

155 Reflektoren

156 Allgemeines Porträtzubehör

158 Blitzzubehör

160 Kalibrierung Ihres Druckers

162 Graukarten für Belichtungsmessung


IMPRESSUM

REDAKTION

Chefredakteur: Hagen Hellwig

ART DIRECTOR

Dean Mullock

FINANZDIREKTOR

Richard Layton

Die in diesem Magazin artikulierten Meinungen, sind die

Meinungen der jeweiligen Autoren und stimmen nicht

zwingend mit der Meinung des Herausgebers, der Redaktion

oder den Vertreibern dieses Magazins überein.

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6 Die Grundlagen Der essentielle Leitfaden für Porträts 2. Ausgabe

Perfekte Portraits

Ihre digitale Spiegelreflexkamera (DSLR) bietet Ihnen eine Vielzahl

von Funktionen. Das ist zwar großartig, kann aber mitunter das

Finden der richtigen Einstellungen erschweren.

BELICHTUNGSMODUS Vergessen Sie ruhig den vorprogrammierten Porträt-Modus – wenn

Sie diesen Leitfaden gelesen haben, können Sie es besser! Zweckmäßiger ist die Wahl des

Zeitautomatik-Modus (A oder AV), damit Sie die Blende frei wählen können und die

passende Verschlusszeit automatisch eingestellt wird. Für die meisten Porträtaufnahmen

wählen Sie eine offenere Blende, um den Hintergrund unscharf zu machen. Beginnen Sie mit

Blende 5,6: Diese Einstellung lässt den Hintergrund verschwimmen, lässt aber noch genug

Schärfentiefe zu, um das gesamte Gesicht (Augen, Nase und Ohren) scharf abzubilden. In

den Modi Zeitautomatik und Blendenvorwahl arbeiten Sie nur mit Umgebungslicht. Blitzlicht

hat zwar Vorteile, aber die Nutzung (und Kontrolle) des Tageslichts hilft Ihnen, natürlichere

Ergebnisse zu erzielen und den Umgang mit Tageslicht zu lernen.

ISO-WERTE und REZIPROKEN-REGEL So weit es die Qualität betrifft, ist der niedrigere

ISO-Wert der beste, deshalb empfehlen wir zu Beginn eine Einstellung von ISO 100 oder

200. Wenn Sie Ihre DSLR in der Hand halten, haben Sie bei der Arbeit größere

Bewegungsfreiheit, müssen aber Verwacklungen fürchten. Die einfachste Lösung für dieses

Problem bietet die Reziprokenregel. Diese besagt einfach, dass der Wert Ihrer Verschlusszeit

nicht unter den Kehrwert des genutzten Objektivs fallen darf. Das klingt kompliziert, ist es

aber gar nicht: Wenn Sie ein Objektiv mit 100 Millimetern verwenden, können Sie mit einer

Verschlusszeit von mindestens 1/100 Sekunden das Verwacklungsrisiko deutlich verringern,

bei einem Objektiv mit 200 Millimetern wählen Sie als Verschlusszeit mindestens 1/200

Sekunden, und so weiter. Einfach, oder?

Die Erhöhung des ISO-Werts ist ein einfacher Weg, um Verwacklungen mithilfe schnellerer

Verschlusszeiten zu vermeiden. Wählen Sie aber möglichst keine Werte über ISO 800, da

sich sonst erhöhtes Bildrauschen bemerkbar macht. Bei schwachem Licht empfehlen wir,

nach Möglichkeit ein Stativ zu benutzen. Damit können Sie problemlos niedrigere ISO-Werte

bei längeren Verschlusszeiten verwenden und sich in Ruhe auf den Bildaufbau konzentrieren.

WEIßABGLEICH Sie sollten den Weißabgleich entsprechend den Lichtverhältnissen wählen,

mit denen Sie arbeiten. Wenn Sie gemischtes Licht haben und sich unsicher sind, ist die

Einstellung Auto (AWB) der beste Kompromiss. Falls Sie allerdings im RAW-Format

aufnehmen, können Sie den Weißabgleich auch später verändern, sobald Sie das Bild auf

Ihrem Computer öffnen. Sie sollten auch wissen, dass ein gezielt veränderter Weißabgleich

genutzt werden kann, um die Farbbalance zu manipulieren. Zum Beispiel bewirkt die

Einstellung Bewölkt bei Tageslicht wärmere Töne, während die Auswahl Wolfram zu einem

sehr kühlen Blaustich führt. Seien Sie kreativ!

BILDQUALITÄT Wir empfehlen Ihnen, im RAW-Format aufzunehmen, da dies Ihnen

erlaubt, mit Einstellungen insbesondere beim Weißabgleich zu experimentieren. Wenn Ihre

Kamera über eine Option für RAW + JPEG verfügt, nutzen Sie JPEG mit der Einstellung

Klein/Basic. Die kleinen JPEGs können Sie später beim Sortieren Ihrer Bilder schnell

durchsuchen, um Ihre Favoriten auszuwählen und dann die dazugehörigen RAW-Dateien zu

bearbeiten. Wenn Sie Ihren Fähigkeiten vertrauen und voraussichtlich keine

Nachbearbeitung von Belichtung oder Weißabgleich mehr erforderlich ist, erzielen Sie mit

der höchsten JPEG-Qualität die optimalen Ergebnisse und sparen außerdem Platz auf Ihrer

Speicherkarte.

AUTOFOKUS Die Augen des Modells sind immer das wichtigste Element des Bildes. Für die

Mehrheit aller Porträts gilt also, dass sie scharf sein müssen. Ihre Kamera hat möglicherweise

einen Mehrpunkt-Autofokus, mit dem Sie entweder alle Autofokus-Punkte aktivieren oder

einzelne Punkte gezielt auswählen können. Sie können zwar alle Autofokus-Punkte aktiviert

lassen, nur um nichts zu verpassen, riskieren dabei jedoch, dass die Nase – weil dichter an der

Kamera – schärfer abgebildet wird als die Augen.

Es ist daher oft besser, sich nur auf einen Autofokus-Punkt für die Augen zu konzentrieren.

Der zentrale Autofokus-Sensor ist in der Regel der empfindlichste. Diesen können Sie nun auf

eines der Augen einstellen, dann den Auslöser halb herunterdrücken, um den Autofokus zu

sperren, nochmals die Bildkomposition prüfen – und auslösen. Das klingt kompliziert, ist aber

nur eine Sache der Übung. Als weitere Möglichkeit kann man als Autofokus-Punkt den Bereich

direkt über den Augen des Modells im Bildfenster wählen. Dadurch müssen Sie weniger

nachkorrigieren und können schneller arbeiten. Diese Option ist geeignet, wenn Sie bei

ähnlicher Bildkomposition mehrere Aufnahmen in Folge machen. Falls Sie jedoch den

Autofokus sperren möchten, achten Sie darauf, Ihre Kamera auf Einzel-Autofokus einzustellen,

da sonst die Augen Ihres Modells nicht mehr fokussieren.

BELICHTUNGSMESSUNG Die Mehrfeldmessung Ihrer digitalen SLR sollte

Porträtaufnahmen in den meisten Situationen perfekt belichten. Machen Sie eine

Probeaufnahme, prüfen Sie das Bild und verwenden Sie ggf. die Belichtungskorrektur, um

die Einstellung leicht nach oben oder unten auszugleichen, falls die Aufnahme zu dunkel

bzw. hell erscheint. Leider versagt Mehrfeldmessung oftmals bei Modellen mit sehr hellen

oder dunklen Hauttönen, heller oder dunkler Kleidung oder sehr starker

Hintergrundbeleuchtung. Verwenden Sie in solchen Fällen entweder die

Belichtungskorrektur oder nutzen Sie die Spot-Messung zusammen mit der AE-L-Taste

(Auto-Exposure Lock, Belichtungsautomatik-Sperre), um einen mittleren Lichtwert in der

Szene zu messen oder von einer neben das Modell gehaltenen 18-Prozent-Graukarte

abzulesen.

Einrichten Ihrer DSLR für Porträts

Sie sind noch unsicher, wie Sie Belichtung, Weißabgleich oder Autofokus-

Systeme auf Ihrer digitalen Spiegelreflexkamera einstellen sollen? Wir zeigen es

Ihnen anhand fünf beliebter digitaler Spiegelreflexkameras.

CANON EOS 450D/500D

(1) Stellen Sie die oben angebrachte

Wählscheibe auf AV, um die Zeitautomatik zu

aktivieren. Vor der Wählscheibe befindet sich die

ISO-Taste, um den ISO-Wert einzustellen. Die

nächsten Schritte erfolgen über die Vier-Wege-

Navigation und die SET-Taste auf der Rückseite.

(2) Drücken Sie auf der Vier-Wege-Navigation die

Aufwärts-Taste und wählen Weißabgleich.

Drücken Sie gleich darauf die Rechts-Taste, um

den Autofokus auf Einzelaufnahme zu stellen.

Drücken Sie nun die SET-Taste, wechseln Sie

zum Symbol für Belichtungsmessung und

wählen ein Muster (wir empfehlen EVALUATIV).

(3) Drücken Sie nun die Taste MENU, um auf der

ersten Registerkarte die Bildqualität einzustellen

(wir empfehlen RAW + JPEG).

NIKON D80

(1) Stellen Sie den Wahlschalter der oberen

Bedienkonsole auf A, um die Zeitautomatik zu

aktivieren.

(2) Drücken Sie nun die Messmodus-Taste und

wählen Sie ein Muster (wir empfehlen MATRIX).

Stellen Sie anschließend durch Drücken der

AF-Taste den Autofokus auf AF-S.

(3) Zur Einstellung des Weißabgleichs drücken Sie

WB und stellen mithilfe des LCD und des

Wahlschalters auf der Bedienkonsole den

Weißabgleich ein. Nach dem gleichen Verfahren

drücken Sie nun ISO, um einen ISO-Wert

festzulegen, und anschließend QUAL zum

Einstellen der Bildqualität (wir empfehlen RAW +

JPEG).

OLYMPUS E-400/410/420

(1) Stellen Sie den Wahlschalter der oberen

Bedienkonsole auf A, um die Zeitautomatik zu

aktivieren. Die anderen Einstellungen erfolgen

mithilfe der Fn-Taste, der Vier-Wege-Navigation

und der OK-Taste.

(2) Um den Autofokus einzustellen, drücken Sie

erst auf OK, dann auf AF und wählen S-AF aus.

Für die Belichtungsmessung drücken Sie auf OK,

wechseln zum Messsymbol, wählen

Mehrfeldmessung und drücken auf OK. Stellen

Sie nach dem gleichen Verfahren noch die Werte

für ISO, Weißabgleich und die Bildqualität ein.

PENTAX K100/K200D

(1) Stellen Sie den Wahlschalter der oberen

Bedienkonsole auf AV, um die Zeitautomatik zu

aktivieren.

(2) Drücken Sie nun die Fn-Taste und dann die

Rechts-Taste auf der Vier-Wege-Navigation, um

einen ISO-Wert auszuwählen, und bestätigen Sie

mit OK.

(3) Drücken Sie nun in gleicher Weise die

Links-Taste, um den Weißabgleich einzustellen.

(4) Zur Auswahl des Autofokus-Modus wählen Sie

nun MENU, wechseln auf der Registerkarte vom

Rec.-Modus zum AF-Modus und drücken zum

Einstellen die Rechts-Taste (wir empfehlen AF-S).

Stellen Sie in gleicher Weise auch den Modus für die

Belichtungsmessung (wir empfehlen

MEHRFELDMESSUNG) und die Bildqualität ein.

SONY ALPHA 350

(1) Drehen Sie den Belichtungswähler auf der

Bedienkonsole nach links auf A, um die

Zeitautomatik zu aktivieren.

(2) Drücken Sie nun MENU und wählen auf der

ersten Registerkarte die Bildqualität aus

(vorzugsweise RAW & JPEG). Die folgenden

Einstellungen wählen Sie mithilfe der Fn-Taste und

der Vier-Wege-Navigation auf der Rückseite aus.

(3) Drücken Sie Fn, wechseln Sie zum

Belichtungsmess-Modus und wählen Sie

MEHRFELDMESSUNG. Drücken Sie wieder Fn,

wählen Sie unter dem AF-Modus die Option AF-S,

und stellen Sie anschließend in gleicher Weise den

Weißabgleich ein.

(3) Drücken Sie die ISO-Taste und stellen den

gewünschten ISO-Wert ein.

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Speichern & Archivieren

Bevor Sie mit der Bearbeitung beginnen,

übertragen Sie nach Ihrer Fotosession alle

Aufnahme zum Archivieren auf eine

Festplatte oder CD/DVD. Erstellen Sie für

bearbeitete Bilder anschließend ein

separates Archiv.

UNSERE EMPFOHLENEN

KAMERAEINSTELLUNGEN

FÜR PORTRÄTFOTOS

Belichtungsmodus: Zeitautomatik, beginnend

mit Blende 5,6

Belichtungsmessung: Mehrfeldmessung

Autofokus: einzelner AF-Sensor im

Einzelaufnahme-Modus (AF-S)

Weißabgleich: Entsprechend den

Lichtverhältnissen

Bildqualität: Raw + JPEG

ISO-Wert: ISO 100 oder 200


8 Die Grundlagen Der essentielle Leitfaden für Porträts 2. Ausgabe

Grundlagen der

Belichtung

Unser verständlicher Leitfaden für Einsteiger liefert Ihnen alles, was Sie zu den

Themen Belichtung, Blenden und Verschlusszeiten wissen müssen.

Wenn die digitale SLR-Fotografie Neuland für Sie ist,

sind einige Grundlagen zum Verstehen der

Belichtung für Sie unerlässlich. Bei jedem

Belichtungsvorgang wird durch eine Kombination

aus Blende und Verschlusszeit bestimmt, wie viel

Licht den Sensor erreicht. Die Blende in Ihrem

Objektiv ähnelt dabei einer Pupille im Auge: Sie kann

sich erweitern, um mehr Licht hereinzulassen oder

sich verengen, um die Menge des Lichts zu

beschränken, das die Linse erreicht. Wenn Sie eine

große Blende verwenden, gelangt in einem

bestimmten Zeitraum mehr Licht hindurch, als wenn

Sie eine kleine Blende wählen.

Der Verschluss bildet eine Schranke vor dem

Lichtsensor und gibt beim Betätigen des Auslösers

den Lichtweg frei, damit das Licht den Sensor

erreichen und dieser das Bild aufnehmen kann. Die

Dauer der Belichtung wird durch die Belichtungszeit

bestimmt. Da zwischen Blende und Verschlusszeit

ein enger Zusammenhang besteht, wird zum

Ermitteln der richtigen Kombination ein

Belichtungsmodus vorgewählt. Dabei bietet ein

Vollautomatik-Modus – also die automatische

Einstellung von Blende und Verschlusszeit – den

minimalen Aufwand, mit dem auch Anfänger

großartige Bilder erzielen können. Wahre

Begeisterung an der digitalen SLR-Fotografie kommt

jedoch erst auf, wenn Sie selbst die Kontrolle

übernehmen und direkt bestimmen, wie Ihr Bild

aussehen soll.

Der erste wichtige Schritt dorthin ist – anstelle der

Vollautomatik Ihrer Kamera – einen

Belichtungsmodus zu wählen, der kreativeres

Fotografieren ermöglicht. Folgen Sie unserem

Leitfaden, experimentieren Sie mit Blenden und

Verschlusszeiten – ohne Sorge um verschwendetes

Filmmaterial. Und anstelle der gewohnten

Schnappschüsse machen Sie schon bald herrlich

kreative Aufnahmen.

Belichtungssteuerung

Viele Anfänger glauben, das Einstellen von

Blenden oder Verschlusszeiten sei

schwierig, doch es ist eigentlich ganz

einfach. Sobald Sie einen

Belichtungsmodus (1) ausgewählt

haben, müssen Sie nur noch den

Wahlschalter drehen (2), bis die

gewünschte Blende oder

Verschlusszeit auf dem

LCD-Bildschirm (3) der Konsole

(Ober- oder Rückseite) angezeigt

wird. Drücken Sie den Auslöser

halb durch, und die Kamera

erledigt den Rest. So einfach ist das!

1

3

2

VERSCHLUSSZEITEN VERSTEHEN

Belichtungseinstellungen erfolgen entweder durch Veränderung der Blende

oder der Verschlusszeit. Die Schritte, in denen Sie diese Werte ändern,

werden auch als „Stopps“ bezeichnet. Wenn Sie eine Einstellung um einen

Stopp ändern, wird Ihre Belichtung entweder verdoppelt oder halbiert.

Wechseln Sie zum Beispiel von 1/500 Sekunde zu 1/250 Sekunde,

verdoppelt sich damit die Belichtungszeit. Bei manchen Kameramodellen

können Sie die Belichtungszeit auch in Schritten von 1/2 oder 1/3 verändern.

Das folgende Diagramm zeigt die Verschlusszeiten von 1 Sekunde bis

1/4000 Sekunde:

Volle Schritte

Halbe Schritte

1 Sek. 1/2 Sek. 1/4 Sek. 1/8 Sek. 1/16 Sek. 1/30 Sek. 1/60 Sek. 1/125 Sek. 1/250 Sek. 1/500 Sek. 1/1000 Sek. 1/2000 Sek. 1/4000 Sek.

0,7 Sek. 1/3 Sek. 1/6 Sek. 1/10 Sek. 1/20 Sek. 1/45 Sek. 1/90 Sek. 1/180 Sek. 1/350 Sek. 1/750 Sek. 1/1500 Sek. 1/3000 Sek.

BLENDENEINSTELLUNGEN VERSTEHEN

Die folgende Abbildung zeigt die Blende bei Einzelschritten, d. h. jeder

Schritt von links nach rechts halbiert die Lichtmenge, welche durch das

Objektiv fällt. Der höchste Blendenwert steht für eine weit geöffnete

Blende (hier f/2,8), der kleinste Blendenwert für die maximal verengte

Blende (hier f/32). Zu erklären, woraus sich die f-Werte ergeben, erfordert

eine umfangreiche wissenschaftliche Abhandlung. Zum Verstehen von

Blendeneinstellungen genügt es für uns, dass sie jeweils die Weite der

Blendenöffnung angeben.

Volle Schritte f/2,8 f/4 f/5,6 f/8 f/11 f/16 f/22 f/32

Halbe Schritte f/3,5 f/4,5 f/6,7 f/9.5 f/13 f/19 f/27


2. Ausgabe Der essentielle Leitfaden für Porträts

Die Grundlagen 9

Perfekte Belichtung

Das Grundverständnis der

Belichtung als Kombination aus

Verschlusszeit und Blende ist der

Schlüssel zum perfekten Porträt.

BJORN THOMSSASEN


10 Die Grundlagen Der essentielle Leitfaden für Porträts 2. Ausgabe

Die Belichtungsmessung Ihrer DSLR-Kamera

Bevor Sie die Belichtung selbst beeinflussen können, sollten Sie

verstehen, wie die Belichtungsmessung bei Ihrer Kamera funktioniert. Wir

liefern Ihnen das Grundwissen, das Sie zum Bestimmen der besten

Messmethode unter verschiedenen Aufnahmebedingungen benötigen.

DIGITALE SPIEGELREFLEXKAMERAS verfügen über komplexe

Belichtungssysteme und eine große Auswahl von Messmustern, um allen

denkbaren Lichtverhältnissen in jeder Weise gerecht zu werden. Dabei geht das

Belichtungssystem einer Kamera bei einer zu messenden Szene stets von einer

mittleren Helligkeit aus – genauer gesagt von einem 18 prozentigen Grau als

Durchschnittswert, der sich aus der Vermischung aller dunklen, hellen und

mittleren Töne ergeben würde. Diese bewährte Methode bildet die Grundlage aller

Messverfahren, und Sie sollten sich dessen bei Ihrer Arbeit bewusst sein, um

mögliche Belichtungsprobleme zu erkennen.

Obwohl dieses System in den meisten Situationen gut funktioniert, kann es auch

zu Fehlbelichtungen führen – etwa wenn das Motiv oder Objekt wesentlich hellere

bzw. dunklere Tonwerte aufweist als 18 Prozent Grau. Zum Beispiel kann das

Messsystem bei einem sehr dunklen Objekt irrtümlich annehmen, die ganze Szene

sei dunkler, als sie wirklich ist, und infolgedessen das Bild überbelichten. Ebenso

können sehr helle Motive die Kamera zur Unterbelichtung veranlassen, weil sie

dunkler erscheinen, als sie sind, und der Belichtungsmesser sie entsprechend zu

mittleren Tonwerten korrigiert. Bei diesen schwierigeren Lichtverhältnissen

gewährleisten die beliebte Mehrfeldmessung, die die komplette Szene auszuwerten

versucht, für rund 90 Prozent aller Aufnahmen eine korrekte Belichtung. Auch

andere Messmuster wie Selektiv- und Spot-Messung sind in solchen Fällen

nützlich, weil sie mehr Kontrolle erlauben.

Während Ihre Kamera also versucht, möglichst ein Durchschnittsbild zu

erzeugen, liegt es an Ihnen, die Originaltöne durch Ausgleich lebendig zu erhalten.

Dazu müssen Sie entweder über den Messwert der Kamera belichten, um das

Ergebnis heller zu machen, oder unterbelichten, um ein dunkleres Ergebnis als die

Kamera zu erzielen. So müssen Sie z. B. die Belichtung reduzieren, wenn ein

Porträt in sehr dunkler Umgebung die Kamera zur Überbelichtung mit

ausgebleichten Gesichtern verleiten würde. Bei sehr hellen Szenen ist es genau

umgekehrt, sodass Sie für eine korrekte Aufnahme stärker belichten müssen. Auch

wenn Sie jetzt noch unsicher sind: Keine Sorge, sobald Sie in heller oder dunkler

Umgebung aufnehmen und die Kameramessungen ausgleichen müssen, kommen

Sie damit schnell zurecht. Und mithilfe unseres Experten-Ratgebers können Sie

Belichtungsfehler bald ganz ausschließen.

Die Auswahl eines Messmusters

Die Auswahl eines Messmusters ist ziemlich einfach – trotzdem

bieten wir im Folgenden einen Leitfaden zu einigen beliebten digitalen

Spiegelreflexkameras von sechs führenden Herstellern.

CANON EOS 400D/450D

Das Messmuster-Symbol

erscheint in der Mitte des

LC-Displays. Um die

Messmuster anzuzeigen und

zu ändern, drücken Sie die

Links-/Rechts-Tasten auf der

Vier-Wege-Navigation und

drücken dann SET, um Ihre

Auswahl zu bestätigen.

CANON EOS 30D/40D/50D

Einige EOS-Modelle – wie die

EOS 20D und 30D – verfügen

über eine Tastensteuerung. Bei

diesen Modellen drücken Sie

die Messmodus-Taste (1) und

drehen am Wahlschalter (2),

bis das gewünschte

Messmodus-Symbol auf der

LCD-Anzeige erscheint.

SONY ALPHA 230

Drücken Sie die Fn-Taste (1)

und wählen durch Drücken

der AF-Taste (2) das

Messmodus-Symbol. Wählen

Sie das gewünschte Muster

aus und drücken wieder AF,

um Ihre Auswahl zu

bestätigen.

1

2

1

2

Mehrfeldmessung

Theoretisch können Sie für jede Aufnahme die Mehrfeldmessung nutzen und

würden niemals falsch belichten – theoretisch!

Die Mehrfeldmessung ist das neueste und modernste Messverfahren, und die

meisten Fotografen werden es für die Mehrzahl ihrer Aufnahmen nutzen. Obwohl

alle Hersteller eigene Varianten der Mehrfeldmessung mit jeweils verschiedener

Anzahl und Formen von Messzonen anbieten, arbeiten doch alle nach dem

gleichen Prinzip: Wenn die Funktion aktiviert ist, wird die gesamte Bildfläche in

mehrere Zonen aufgeteilt und jede einzeln gemessen. Der Mikroprozessor der

Kamera wertet dann alle Einzelmessungen aus und nutzt komplexe Algorithmen,

um die endgültige Belichtung zu errechnen.

Zur Verbesserung der Genauigkeit verfügen manche Kameras über eine Bibliothek

aus zehntausenden Bildern mit verschiedenen Lichtverhältnissen, die in

Millisekunden mit der neuen Szene verglichen werden, um daraus einen

passenden Belichtungswert zu ermitteln. Dieses System hat sich als äußerst

zuverlässig erwiesen und liefert korrekte Belichtungen für über 90 Prozent aller

Fälle. Seine Schwäche sind jedoch ungewöhnlich helle oder dunkle Motive. Doch

auch bei Szenarien mit sehr hohen Kontrasten können Mehrfeldmesssysteme

versagen – insbesondere bei Hintergrundbeleuchtung. Für solche Fälle stehen

andere Messmuster sowie eine Auswahl manueller Korrekturmethoden zur

Verfügung, welche Ihnen zur perfekten Belichtung verhelfen.

Symbole für die Mehrfeldmessung

Jeder Kamerahersteller hat für seine Messmuster eine Reihe eigener

Symbole; nachstehend zeigen wir Ihnen die Symbole von vier beliebten

Modellen.

CANON NIKON OLYMPUS PENTAX

NIKON D80

Bei der D80 und anderen,

fortgeschrittenen Modellen

von Nikon wählen Sie das

Messmuster wie folgt:

Drücken Sie die Messmodus-

Taste (1) auf dem oberen

Bedienfeld und drehen den

Wahlschalter (2) an der

Rückwand, bis das

gewünschte Symbol auf der

LCD-Anzeige erscheint.

OLYMPUS E-400/E-410/E-420

Schneller als über das

MENÜ-System geht es wie

folgt: Sie drücken auf OK,

markieren mit der Vier-Wege-

Navigation das Symbol für

Belichtungsmessung, drücken

OK, wählen (mit der

Vier-Wege-Navigation oder

dem Wahlschalter) das

gewünschte Muster aus und

bestätigen es mit OK.

PENTAX K100D/K200D

Die meisten DSLR-Kameras von

Pentax wählen den Messmodus

in gleicher Weise wie die

K100D: Drücken Sie MENU,

um den Rec.-Modus zu öffnen,

wechseln Sie per Vier-Wege-

Navigation zur AE-Messung,

wählen dort das gewünschte

Muster aus und drücken auf OK.

1

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BJORN THOM

2. Ausgabe Der essentielle Leitfaden für Porträts

Die Grundlagen 11

Messoptionen

Das Verständnis von Messmustern

ist hilfreich bei Aufnahmen mit

schwierigen Lichtverhältnissen, z. B.

Hintergrundbeleuchtung.

Mittenbetonte Integralmessung

Dieses klassische Messmuster hat trotz der Verfügbarkeit neuerer Muster in digitalen

Spiegelreflexkameras noch immer seinen Platz und war vor Einführung von

Mehrfeldmusssystemen stets die erste Wahl. Wie der Name bereits andeutet, wird dabei

aus dem Licht des gesamten Bildfelds ein durchschnittlicher Messwert ermittelt, die

Objekte nahe der Bildmitte werden jedoch dabei stärker gewichtet. Obwohl im Vergleich

zu neueren Messmustern weniger anspruchsvoll, ist die mittenbetonte Integralmessung

aufgrund ihrer früheren Beliebtheit noch in allen Kameras zu finden und wird von vielen

erfahrenen Fotografen nach wie vor geschätzt. Nützlich ist dieses Muster auch beim

Korrigieren der Belichtungsautomatik, was später genauer erklärt wird.

Spot- und Selektivmessung

Ein großartiges Verfahren, wenn Sie nur einen bestimmten Bildbereich messen wollen

– verlangt jedoch Erfahrung im Einschätzen von Tonwerten. Während die

Mehrfeldmessung den gesamten Bildbereich auswertet, konzentrieren sich Spot- und

Selektivmessungen auf den mittleren Bildbereich (zu erkennen am kreisrunden Messfeld

in der Suchermitte). Da hierbei nur der Bildbereich innerhalb des Messkreises

ausgewertet wird, können Sie den Ort der Belichtungsmessung für jede Aufnahme exakt

bestimmen.

Mithilfe der Spot- und Selektivmessung können Sie sicherstellen, auch unter schwierigen

Lichtverhältnissen richtig zu belichten. Beide Verfahren funktionieren sehr ähnlich, mit

dem einzigen Unterschied, dass die Spot-Messung einen sehr präzisen Messkreis (in der

Regel ca. 3 Prozent des Bildbereichs) auswertet, während die Selektivmessung etwa 9

Prozent der Bildmitte erfasst. Die genauere Spot-Messung findet sich in den meisten

DSLR-Kameras, die Selektivmessung ist weniger häufig, und nur wenige Kameras

verfügen über beide Messsysteme. Wenden Sie die Spot- oder Selektivmessung aber mit

Vorsicht an: Messen Sie anstatt heller oder dunkler Objekte stets einen Bereich mittlerer

Helligkeit, sonst kommt es zu Belichtungsfehlern.

Die Symbole für mittenbetonte Integralmessung

Obwohl Sie in den meisten Fällen der Mehrfeldmessung den Vorzug geben werden, ist in den

meisten DSLR-Modellen auch eine Option für mittenbetonte Integralmessung vorhanden.

CANON

NIKON

Die Symbole für Spot- und Selektivmessung

Spot- und Selektivmessung werden jeweils mithilfe einer Auswahltaste

oder durch Aktivierung des entsprechenden Symbols auf der

LCD-Anzeige ausgewählt. Dabei erscheint das Symbol für

Spot-Messung meist als einzelner Punkt innerhalb eines Rechtecks,

während die Selektivmessung durch zwei gerundete Linien dargestellt

wird, die einen Kreis um die Bildmitte herum

NIKON

andeuten. Manche DSLR-Kameras bieten auch

beide Messmethoden an.

ACHTUNG: Denken Sie immer daran, die

Spot- bzw. Selektivmessung auf einen mittleren

Helligkeitsbereich zu richten, um korrekte

Messergebnisse zu erhalten. Eine Spot-Messung

sehr dunkler Objekte führt zu Überbelichtung –

umgekehrt gilt dasselbe. Machen Sie sich durch

ein paar Probeaufnahmen mit beiden Methoden

vertraut.

OLYMPUS

OLYMPUS

PENTAX

CANON (PARTIAL)

CANON (SPOT)

PENTAX


12 Die Grundlagen Der essentielle Leitfaden für Porträts 2. Ausgabe

Belichtungskorrektur

Dies ist die am häufigsten genutzte Methode, um

Belichtungseinstellungen nach oben oder unten anzupassen

+1.5EV

BJORN THOMASSEN

NACHDEM SIE die verschiedenen Messsysteme verstanden und mit Ihrer DSLR

etwas mehr Erfahrung gesammelt haben, können Sie mögliche

+ –

Belichtungsfehler besser voraussehen und korrigieren. Der einfachste Weg zum

Ausgleichen der Belichtungsmessungen Ihrer Kamera ist die

Belichtungskorrektur, wobei Sie mithilfe eines Drehschalters die Belichtung

stufenweise erhöhen (+) oder verringern (–). Ist zum Beispiel Ihr Motiv – etwa ein weißes

Brautkleid – deutlich heller als der mittlere Tonwert und wird daher von Ihrer Kamera

wahrscheinlich unterbelichtet, müssen Sie nach oben korrigieren (+). Ist das Modell jedoch

dunkler als der Durchschnitt, weil es etwa sehr dunkle Kleidung trägt, würde es wahrscheinlich

überbelichtet und eine Korrektur nach unten (–) ist erforderlich.

Die Anwendung der Belichtungskorrektur ist wirklich einfach, und mit der Zeit werden Sie

lernen, sie richtig zu dosieren. Alle digitalen Spiegelreflexkameras besitzen eine Spezialtaste für

die Belichtungskorrektur, um den Vorgang für alle automatischen oder halbautomatischen

Belichtungsmodi zu erleichtern. Dabei wird Ihre Korrektur oft als + oder – EV (Exposure Value =

Belichtungswert) dargestellt; so steht +1/2 EV für eine Belichtungskorrektur um eine halbe

Stufe nach oben, –1/3 EV für die Korrektur um eine Drittelstufe nach unten, usw.

–1.5EV

ISTOCKPHOTO

Wie funktioniert die Belichtungskorrektur?

Die Belichtungskorrektur wirkt je nach verwendetem Belichtungsmodus anders:

Im Zeitautomatik-Modus erfolgt der Ausgleich durch Änderung der Verschlusszeit,

im Blendenautomatik-Modus durch Anpassung der Blendeneinstellung. Im

Programm-Modus entscheidet die Kamera je nach Lichtintensität automatisch

zwischen Verschlusszeit und Blende, um das Verwacklungsrisiko zu reduzieren.

ohne Belichtungskorrektur

Belichtungskorrektur durch +1 EV

Belichtungskorrektur in der Praxis

Die Belichtungskorrektur Ihrer

DSLR-Kamera ist nützlich in

Situationen, wenn Sie ein Motiv

heller oder dunkler als die

Einstellung der Kamera belichten

wollen. Obwohl die

Belichtungskorrektur nur zum

Ausgleich gedacht ist, kann ihre

Wirkung auch kreativ genutzt

werden, und sie ist extrem einfach

zu bedienen: Probieren Sie die

Einstellungen (+) und (–) an

Motiven mit verschiedenen

Tonwerten aus, um die Wirkung zu

sehen. Und so funktioniert es:

1 2

3

BELICHTUNGSKORREKTUR

In diesem typischen Beispiel wird das

Messsystem durch ein Objekt getäuscht:

Beim Aufnehmen der Szene versuchte die

Kamera einen Mittelwert zu ermitteln,

daher wurde das erste Ergebnis

unterbelichtet. Nach der Korrektur von

+1 EV nach oben wurde das Motiv im

nächsten Bild schließlich korrekt belichtet.

BELICHTUNGSKORREKTUR

– ZUSAMMENFASSUNG

Ein Ausgleich nach oben (+) verstärkt die

Belichtung einer ansonsten

unterbelichteten Szene, z. B. wegen eines

hellen Motivs.

Ein Ausgleich nach unten (–) reduziert die

Belichtung, z. B. beim Aufnehmen einer

besonders dunklen Szene.

1) Drücken und halten Sie die

Belichtungskorrektur-Taste Ihrer

Kamera (meist gekennzeichnet durch

die Symbole +/–).

2) Drehen Sie den Wahlschalter, um

das Maß der Korrektur festzulegen.

Durch negative Werte wird die

Belichtung verringert, durch positive

Werte wird sie verstärkt.

3) Die Belichtungskorrektur-Skala

wird im Sucher und/oder Bedienfeld

Ihrer Kamera angezeigt.

4) Die eingestellte

Belichtungskorrektur bleibt auch für

nachfolgende Aufnahmen so lange

aktiv, bis sie auf +/– 0 EV

zurückgesetzt wird.

4


2. Ausgabe Der essentielle Leitfaden für Porträts

AE-Speicherung (AE-L)

Mit dieser Funktion können Sie die Belichtung eines Objekts

unabhängig vom Fokussierungssystem speichern, um bei sehr dunklen

bzw. hellen Objekten oder Motiven Belichtungsfehler zu vermeiden.

PRAKTISCH JEDE DSLR besitzt eine AE-L-Taste – normalerweise

AE-L rechts oben auf der Kamera-Rückseite oder in der Nähe der

LCD-Anzeige. AE-L steht als Abkürzung für „Auto Exposure Lock“.

Sie hat die Aufgabe, Ihre aktuellen Belichtungseinstellungen zu sichern, damit diese im

Fall einer Neukomposition des Bildes oder Veränderung Ihrer Position nicht

automatisch geändert werden. AE-L kann in jedem Aufnahmemodus verwendet

werden – nur im manuellen Modus macht es wenig Sinn.

Wenn Sie den Auslöser halb andrücken, wird damit der Autofokus aktiviert; zugleich

führt das Belichtungsmesssystem eine Messung durch. Dies ist in den meisten Fällen

ideal, doch was tun, wenn Sie sich auf verschiedene Bildbereiche konzentrieren und

diese einzeln messen wollen? An dieser Stelle hilft Ihnen die AE-L-Funktion, denn sie

erlaubt, Lichtmessungen unabhängig vom fokussierten Bildbereich durchzuführen –

was ideal ist, wenn das Motiv sehr hell oder dunkel bzw. in einem hellen oder dunklen

Bereich der Szene positioniert ist. Die AE-L-Funktion wird am häufigsten zusammen

mit der Spot- oder mittenbetonten Integralmessung genutzt, um sich die Messung

eines einzelnen Bildbereichs zu „merken“. Besonders nützlich ist die Funktion bei

schwierigen Lichtverhältnissen, in denen von hinten beleuchtete Objekte oder

Personen vor sehr dunklem oder hellem Hintergrund Ihr Messsystem verwirren.

Wenn Sie etwa eine Szene mit nur einer starken Lichtquelle in einem Bildbereich

aufnehmen, könnte Ihr Mehrfeldmesssystem die Szene heller interpretieren als sie

tatsächlich ist und infolgedessen das Bild unterbelichten. Um die Szene korrekt zu

messen, benötigen Sie ein Muster, das solche Extreme ausschließt. Dafür nehmen Sie

zunächst eine Spot- oder Selektivmessung direkt an Ihrem Motiv oder einem

durchschnittlich beleuchteten Bildbereich vor, speichern dann mithilfe der AE-L-Taste

die Belichtungsautomatik, bevor diese bei Rückkehr an Ihren Aufnahmestandpunkt

die Messung automatisch neu anpasst. Nach dem gleichen Prinzip ist die

AE-L-Funktion hilfreich bei Motiven, die abseits der Bildmitte positioniert sind, oder

wenn Sie eine Bilderserie mit exakt gleichen Belichtungseinstellungen aufnehmen

wollen. Wenn Sie z. B. mehrere Einzelbilder zu einem Panorama zusammensetzen

möchten, ist es wichtig, dass die Aufnahmeeinstellungen für jedes Einzelbild identisch

sind. Hier gewährleistet die AE-L-Funktion für jedes Bild eine gleichbleibende

Belichtung.

AE-Lock

Die Grundlagen 13

Die AE-L-Taste ist ein wichtiges Hilfsmittel bei der Belichtungsmessung von Objekten vor sehr

dunklem oder hellem Hintergrund, welche die Mehrfeldmessung Ihrer Kamera zur Über- oder

Unterbelichtung verleiten können. In diesem Beispiel täuschte der sehr dunkle Hintergrund

der Kamera vor, die Szene sei dunkler als tatsächlich der Fall. Folglich wählte sie eine längere

Verschlusszeit als nötig, sodass das Motiv überbelichtet wurde. Um eine korrekte Belichtung

zu erhalten, wurde eine Wand neben der Treppe mit der Spot-Methode gemessen und das

Ergebnis mithilfe der AE-L-Taste gespeichert. Anschließend wurde der Bildaufbau kontrolliert

und das Bild aufgenommen. Das Ergebnis ist perfekt belichtet.

Die AE-L-Funktion

in der Praxis

Die AE-L-Funktion – kombiniert

mit Spot- oder mittenbetonter

Integralmessung – ist eine der

besten Methoden, für praktisch

jedes Motiv die richtige

Belichtungseinstellung zu finden.

1) Aktivieren Sie die Spot- oder

Selektivmessung Ihrer Kamera.

2) Richten Sie die Kamera so aus,

dass sich das Messfeld über dem zu

messenden Bereich oder Objekt

befindet.

3) Aktivieren Sie die AE-L-Funktion

durch Drücken der Taste. Hinweis:

Bei einigen Modellen muss die Taste

festgehalten werden, lesen Sie dazu

Ihre Bedienanleitung. Die

Einblendung von AE-L im Sucher

zeigt an, dass die Funktion aktiviert

ist.

4) Bewegen Sie die Kamera zurück,

um die Bildkomposition zu prüfen.

Ihre Belichtungseinstellung wird

beibehalten, auch wenn ein

Kompositions- oder Stellungswechsel

die Beleuchtung verändert.

6) Drücken Sie anschließend den

Auslöser voll durch, um das Bild

aufzunehmen.

1) Spot- oder Selektivmessung aktivieren

2) Messfeld positionieren

3) AE-L-Taste betätigen 4) Bildaufbau prüfen und das Bild aufnehmen


14 Die Grundlagen Der essentielle Leitfaden für Porträts 2. Ausgabe

Belichten von Gegenlichtaufnahmen

Paul Stefan zeigt Ihnen, wie Sie durch Einsatz eines Belichtungsmessers, eines Reflektors und ein wenig Aufhellblitz, ein Gegenlichtporträt perfekt belichten.

EINE PERSON IM GEGENLICHT zu fotografieren (z.

B. wenn die Sonne hinter ihr steht) ist etwas, das ich

nicht sehr oft mache, da dies mit Sicherheit mit

Herausforderungen verbunden ist. Wenn Sie sich

nicht darauf vorbereiten, können die Ergebnisse unberechenbar

sein. Meistens wird die Person unterbelichtet werden und flach

aussehen. Diese Anleitung wird ihnen helfen, die Möglichkeiten

zu verstehen und großartige Ergebnisse zu erzielen.

Beginnen wir mit der Erläuterung, wieso die Option, die Kamera

die Entscheidungen treffen zu lassen, hier nicht die Beste für Sie

ist. Oftmals ist es so einfach, die Kamera auf Vollautomatik zu

stellen und diese die Belichtungszeit wählen zu lassen. Bei

Porträts, bei denen die Sonne direkt auf das Gesicht oder leicht

von der Seite scheint, funktioniert dies ganz gut, da die

Belichtungsparameter nicht allzu extrem sind. Wenn Ihr Modell

die Lichtquelle allerdings hinter sich hat (sodass Sie das Modell

und die Sonne oder Lichtquelle im Bild haben), verwirrt dies die

Kamera und die Belichtung wird fehlerhaft. Normalerweise wird

Ihr Modell dann unterbelichtet und manchmal nur als Silhouette

dargestellt, – furchtbar! Der Grund dafür liegt darin, dass die

Mehrfeldmessung der Kamera die gesamte Szene mit einem

Durchschnittswert berechnet. Wird also die Kamera in Richtung

der Lichtquelle gehalten, so wird diese das Licht des hellsten

Punktes messen, sodass die dunklen Bereiche – in unserem

Beispiel die Person – unterbelichtet werden.

Übernehmen jedoch Sie die Kontrolle über Ihre Kamera, so wird

dies das Bild deutlich verbessern, und Sie erhalten die

Belichtung, die Sie wollen. Einer der einfachsten Wege ist es,

Ihre DSLR auf Blendenvorwahl zu stellen und den

Spotbelichtungsmesser zusammen mit der AE-L-Funktion

(Belichtungsmesswertspeicherung) zu benutzen, um die

Lichtmessung zu speichern. Mit dieser Methode können Sie

mithilfe der Spot-Messung einen Belichtungswert für das

Gesicht der Person erhalten, unabhängig von den anderen

Lichtbedingungen um die Person herum, was fast immer ein

perfekt belichtetes Resultat ergibt. Eine Ausnahme hierbei

bilden Personen mit sehr dunkler Haut, bei welchen die

Belichtung ein wenig schwieriger sein kann.

Sollte dies der Fall sein, so verwenden Sie am besten eine

18-Prozent-Graukarte oder ein Stück Stoff , um mithilfe der

Spot-Messung einen korrekten Wert für die

Lichtsituation ermitteln zu können.

Da die Spot-Messung schnell und einfach ist, kann dies dazu

führen, dass die Umgebung des Modells überbelichtet wird,

wenn diese heller als die Person ist. Möchten Sie die Umgebung

in das Bild einbeziehen, so können Sie die Messung eines

Objektes zwischen dem Modell und dem Hintergrund

vornehmen und den Kamerablitz dazu verwenden, den

Vordergrund aufzuhellen und somit die Belichtung der gesamten

Szene ins Gleichgewicht zu bringen. Auch ein Reflektorschirm

hat einen ähnlichen Aufhelleffekt und hilft dabei, Ihr Modell

richtig auszuleuchten. Versuchen Sie doch, mit ein wenig mehr

Erfahrung, Blitz und Reflektor gemeinsam einzusetzen, um so

das Licht optimal zu beeinflussen!

Spot-Messung manuell einsetzen

Sie können die Spot-Messung auch manuell

einsetzen. Ändern Sie Blende und Belichtungszeit,

bis in der Belichtungsskala die korrekten Werte

eingestellt sind. Dies spart Ihnen die Verwendung der

AE-L-Funktion (Belichtungsmesswertspeicherung).

1) Benutzung der Vollautomatik der DSLR

Ich wollte unbedingt einen schönen Hintergrund für mein Porträt haben, also wählte

ich einen nach Süden gerichteten Hügel in der Nähe meines Hauses. Meine erste

Aufnahme machte ich im Vollautomatik-Modus der Kamera, um zu sehen, wie diese

mein Modell, mit der Sonne direkt hinter und über ihr, belichtet. Mit dieser

Einstellung hielt ich die Kamera in Richtung Sonne, was mit Sicherheit eine

Herausforderung an das Mehrfeldmesssystem meiner Kamera stellen dürfte.

Auto

2) Einsatz von Spot-Messung und Reflektor

Die Aufnahme mit Vollautomatik war zwar kein Reinfall, aber sie wäre mit Sicherheit besser,

würde ich die Spot-Messung verwenden. Als ich die DSLR auf Blendenvorwahl und

Spot-Messung gestellt hatte, war es mir möglich, eine Messung von Emilys Gesicht zu erhalten

und diesen Wert mit der AE-L-Funktion zu speichern. Hierbei schaute ich durch den Sucher,

positionierte den Mittenkreis über ihr Gesicht und drückte den AE-L-Knopf, um eine perfekte

Belichtung zu erhalten. Ich fokussierte dann auf ihr Gesicht, arrangierte die Szene und löste

aus.

Spot -Messung mit Reflektor

Das Ergebnis meiner DSLR war

tatsächlich nicht allzu schlecht, da

das Gesicht meines Modells, meine

älteste Tochter Emily, nicht sehr

unterbelichtet war. Allerdings gab

es durchaus noch Raum für

Verbesserung. Unter noch

schlechteren Lichtbedingungen,

hätte die Sonne z. B. einen tieferen

Stand gehabt und wäre diese direkt

im Bild gewesen, wäre es noch

schwieriger geworden. Andere

DSLR-Kameras hätten dies

eventuell auch nicht so gut

bewältigen können wie meine

Canon EOS 5D Mark II.

Die Spot-Messung hat die Szene

bereits gewaltig verbessert, aber

für weitere Verbesserungen,

platzierte ich einen Reflektor an

den Rand des Bildes, um ein wenig

warmes Sonnenlicht auf Emilys

Gesicht zu werfen und somit der

Aufnahme die gewünschte Tiefe zu

geben. Dieses Detail macht

wirklich den Unterschied , da sehr

viel mehr Details und Tiefe sowohl

in ihrem Gesicht als auch ihrer

Kleidung dargestellt werden.


3) Einsatz eines

Aufhellblitzes

Ich mag den natürlichen Look

der Spot-Messungs- und

Reflektoraufnahme sehr, aber

für dieses Beispiel möchte ich

eine weitere Veränderung des

Setups zeigen, das ein

dramatischeres Porträt

ermöglicht. Hierfür habe ich

mein Blitzlicht mit einem

Verbindungskabel an die

Kamera angeschlossen, das es

mir erlaubt, den Blitz auf der

Seite zu positionieren. Dies ist

eine nützliche Technik, die dem

Modell eine schmeichelhaftere

Ausstrahlung gibt, als wenn

das Gesicht direkt beleuchtet

wird. Mit diesem Setup und

ebenfalls mit dem Reflektor

noch am Platz, habe ich die

gleichen

Belichtungseinstellungen wie

bei der vorherigen Aufnahme

verwendet und habe den Blitz

eher auf Emilys Körper

gerichtet, weniger auf ihr

Gesicht.

Der Blitz hat eine starke Bildwirkung

hinterlassen. Ihr Gesicht ist sehr viel heller, da

ich aber den Blitz eher auf ihren Körper und

die Füße gerichtet habe, kommen viel mehr

Details zum Vorschein als beim

vorhergehenden Bild. Ihr Haar ist ebenfalls

perfekt belichtet, und durch den Blitz hat sie

nun schöne Lichtreflexionen in ihren Augen.


16 Die Grundlagen Der essentielle Leitfaden für Porträts 2. Ausgabe

Porträtgestaltung

Wenn es um die Gestaltung eines Porträts geht, so gibt es keine

Regeln, nur Richtlinien. Aber genauso wie die Beleuchtung

haben diese das Potenzial, ein perfektes Porträt zu erhalten oder

es unbrauchbar zu machen. Die Entwicklung Ihres Stils wird Zeit

und Übung brauchen, aber es gibt ein paar Richtwerte, die man

beachten sollte und die helfen, Ihnen den Weg zu weisen.

1) Quer- oder Hochformat?

Es ist ganz normal, die Kamera beim Aufnehmen von Porträts ins Hochformat zu drehen,

um das Bild mit dem Kopf und den Schultern des Modells oder aber mit dem gesamten

Körper zu füllen. Es ist auch daher ein gutes Format, da es den Fokus auf das Modell legt. Da

dieses Format meist benutzt wird, um Menschen zu fotografieren, wird es auch gerne als

Porträtformat bezeichnet. Die Aufnahme von Porträts im Querformat erlaubt jedoch weitaus

kreativere Gestaltungsmöglichkeiten. Zum einen kann man das Modell außerhalb der

Bildmitte positionieren, um somit etwas vom Hintergrund aufzunehmen. Es erlaubt einem

zum anderen, enger in das Gesicht zu schneiden, was ein wenig Dramatik erzeugen kann,

und somit einen großen Einfluss auf das Bild üben kann. Wenn man durch den Sucher

schaut, sollten beide Optionen ausprobiert werden, um zu sehen, welche am besten passt.

Im Zweifelsfall kann man Aufnahmen in beiden Formaten machen und später auswählen.

Wir haben das gleiche Bild (siehe rechts) einmal im Querformat, und einmal im Hochformat

gemacht. Welches bevorzugen Sie? Die Ausrichtung, die Sie vorziehen, entscheidet über die

Aussage des Porträts und ist eine Entscheidung, die Sie jedes Mal treffen müssen, wenn Sie

eine Aufnahme machen.

Querformat

Hochformat

2) Der Blickwinkel

Normalerweise nimmt man

ein Bild so auf, dass man auf

Augenhöhe mit dem Modell

ist. An diesem

Standardblickwinkel ist

nichts verkehrt, jedoch kann

die Aufnahme ein wenig

unkreativ wirken. Auch ist

dies nicht immer die

schmeichelhafteste

Perspektive für das Modell

– Sie werden sehen, dass die

Aufnahme aus einer

Perspektive von leicht oben

nach unten auf Ihr Modell

eine bessere Aufnahme

bedeutet. Experimentieren

Sie, indem Sie Ihr Modell

aus höheren oder

niedrigeren Blickwinkeln

fotografieren und

vergleichen die Ergebnisse.

3) Regelbruch: Neue Blickwinkel zum Ausprobieren

BENUTZEN EINES WEITWINKELOBJEKTIVSEKTIVS

Stellen Sie Ihr Standardzoom auf Weitwinkel

(oder benutzen Sie ein

Superweitwinkelobjektiv) und machen Sie

originelle Porträts.

Da die Perspektive komplett verzogen ist, ist

es möglich, ungewöhnliche

Porträtaufnahmen zu machen. Das Gesicht

erscheint aufgrund der Nähe zum Objektiv

sehr viel größer als der Körpers, der weiter

weg ist.

AUGENKONTAKT

Wir geben immer den Rat, die Augen des

Modells zu fokussieren und

Augenkontakt mit dem Modell zu halten.

Aber es gibt auch sehr viele gelungene e

Beispiele, bei denen das Modell von der

Kamera wegschaut oder die Augen

nicht zu erkennen sind. Fehlender

Augenkontakt vermittelt den Eindruck

eines ungestellten Porträts und lässt

den Betrachter auf das Bild neugierig

werden. Scheuen Sie sich also nicht,

Ihr Modell auch mal von der Kamera

wegschauen zu lassen.

Aufnahmen von einer gewissen Höhe herab erlauben einen erhöhten Blickwinkel und

produzieren ungewöhnliche und verrückte Ergebnisse. Versuchen Sie es!

Mit dem Weitwinkelobjektiv können

Sie originelle Porträts machen.


2. Ausgabe Der essentielle Leitfaden für Porträts

Die Grundlagen 17

Location, Location

Fast jeder Ort eignet sich für Porträts. Sie

werden sehen, dass Sie überall hervorragende

Porträts machen können, so lange Sie das

Licht richtig verwenden. Machen Sie es sich

zur Aufgabe, in Ihrer Nachbarschaft passende

Hintergründe zu finden.

Verzerrte Aufnahmen

Schräge Aufnahmen geben dem Bild

Energie, da die Diagonale die Balance

der Szene aus dem Gleichgewicht

bringt. Versuchen Sie die Kamera im

Hochformat oder im Querformat zu

halten. Dies kann mehr Leben ins Bild

bringen.

Häufig gestellte Fragen

Meine Kamera hat Szenen-Modi. Soll ich

den Porträt-Modus für Porträtaufnahmen

verwenden?

Der Porträt-Modus nimmt Ihnen zwar viel

Vorarbeit ab, schränkt jedoch auch Ihre

Kreativität ein. Wie allen anderen

Szenen-Modi auch, aktiviert der

Porträt-Modus gewisse

Bildaufnahmeparameter. Abhängig von der

Kamera, die Sie benutzen, werden Sie

sehen, dass der Porträt-Modus die

folgenden Dinge festlegt: Weißabgleich:

Automatisch; Autofokus: Mehrpunkt-AF/

Einzelaufnahmemodus; ISO Wert:

Automatische Auswahl; Messmodus:

Mehrfeldmessung; Aufklappblitz:

Automatisch.

Diese Einstellungen sind durchaus nützlich

für diejenigen, die Schnappschüsse machen

wollen, sind jedoch hinderlich für

diejenigen, die ihre fotografischen

Fähigkeiten auf kreative Weise entwickeln

wollen. Auch die Tatsache, dass gewisse

Kontrollmöglichkeiten nicht gegeben sind,

wie Blitz und Weißabgleich, kann das

Ergebnis beeinflussen. Unser Rat ist:

Machen Sie sich mit der den Funktionen der

Halbautomatik vertraut und arbeiten Sie

lieber z. B. mit der Blendenvorwahl.

Welche Kleidung sollte das Modell tragen?

Das Wichtigste ist, dass sich das Modell

wohlfühlt und entspannt ist. Manche

Personen möchten sich besonders schön

anziehen, andere wollen lieber in ihrer

Alltagskleidung fotografiert werden. Was das

Modell also trägt, ist egal, Hauptsache es

wirkt natürlich. Am besten fragen Sie,

welche Kleidung das Modell am liebsten

trägt und einigen Sie sich dann auf ein Outfit

oder eine bestimmte Farbkombination, denn

schließlich möchten Sie für Ihr Porträt

Farben vermeiden, die das Bild dominieren.

Welche Posen sollte das Modell

einnehmen?

Es ist wichtig, dass das Modell natürlich

wirkt, egal ob Sie es sitzend, stehend oder

liegend fotografieren. Sie werden sehen,

dass die meisten Personen nicht wissen,

was sie mit den Händen machen sollen, was

meist dazu führt, dass diese ungeschickt

oder unansehnlich im Bild wirken. Wenn die

Person steht, können die Hände in den

Hosentaschen sein, wenn das Modell sitzt,

kann es die Hände über die Knie oder

zwischen die Beide legen. Kaufen Sie doch

Fashion- und Lifestyle-Magazine und zeigen

Ihrem Modell dort abgebildete Posen als

Vorlage.

Haben Sie bestimmte Make-up-Tipps?

Wir haben den professionellen Make-up-

Artist Pay Bacon um Expertenratschläge

gebeten:

1) Bevor Sie das Make-up auftragen,

reinigen Sie die Haut und tragen eine

Feuchtigkeitscreme auf. Der Teint wirkt dann

gleich viel ebenmäßiger für folgenden

Produkte.

2) Tragen Sie auf die Feuchtigkeitscreme

einen Aufheller auf. Dies polstert die Haut

auf und erhöht die Spannkraft unter der

Grundierung, sodass die Haut jünger wirkt.

3) Tragen Sie die folgende Grundierung

immer mit einem Grundierungspinsel auf,

da dies die Menge des Produkts auf der

Haut dosiert und somit hässliche Linien auf

dem Gesicht vermieden werden, sodass die

Haut rein und natürlich erscheint.

4) Benutzen Sie losen Puder und stäuben es

leicht über die T-Zone Stirn-Nase-Kinn. Dies

lässt die Haut weniger fettig erscheinen.

5) Benutzen Sie stets Abdeckcreme, um

dunkle Ringe und Hautunreinheiten zu

verdecken. Verwechseln Sie dabei nicht

Grundierung und Abdeckcreme! Die

Grundierung gleicht den Hautton aus,

während die Abdeckcreme nur gezielt

Stellen abdeckt. Sie müssen beides

verwenden, um fehlerlos wirkende Haut zu

erhalten.

6) In Bezug auf die Farben für den

Lidschatten, das Rouge und den Lippenstift

sollten Sie auf das Farbzusammenspiel von

Hautton, Augen und Lippen achten.

Abhängig von Stil und Thema Ihres

Fotoshootings müssen nicht immer alle

Make-up-Regeln gelten. Allerdings raten die

meisten Make-up-Spezialisten zu helleren

und intensiveren Farbtönen, wie Violett,

Blau und Grün auf dunkler Haut und Augen,

da dies helfen kann, die Schönheit und Kraft

des Hauttons zu betonen.

Für hellere Hauttypen sind pastellfarbene,

neutrale und dunklere Schattierungen

besser geeignet, da diese den Augenbereich

und den Hautton betonen.


18 Die Grundlagen Der essentielle Leitfaden für Porträts 2. Ausgabe

Die Regeln anwenden

Wohl jeder macht mit seiner Kamera Fotos von Menschen. Sei es ein Freund, ein Familienmitglied

oder ein professionelles Modell – oft erscheint nichts einfacher, als die Person zu fokussieren und

auszulösen und schon haben Sie einen, nun ... Schnappschuss. Mit ein wenig Vorbereitung bei

der Gestaltung können Sie jedoch auf lange Sicht Ihre Porträts verbessern und die Persönlichkeit

ihres Modells besser einfangen.

Die Standardregeln der Bildgestaltung sind die gleichen bei Porträts wie auch bei den meisten

anderen Motiven. Die Drittel-Regel, die Bildkomposition und die Überlegungen zur passenden

Umgebung und zum Hintergrund sind Faktoren, die großen Einfluss auf das Porträt haben und

über Erfolg oder Misserfolg entscheiden können. Wenn sie korrekt und kreativ angewendet

werden, können diese Richtlinien helfen, Ihre Fotos von Schnappschüssen abzuheben und Bilder

zu machen, auf die Sie stolz sein können. In den nächsten wenigen Schritten werden wir Ihnen

zeigen, was für einen Unterschied die Anwendung der Regeln bei Ihren Fotos machen kann.

Setup

Schritt 1 Diese

Aufnahme ist ein

Beispiel dafür, wie

man es NICHT

machen sollte. Ohne

die Regeln der

Bildgestaltung zu

beachten, machen

Sie zwar einen

hübschen

Schnappschuss, aber

der Hauptfokuspunkt,

die Augen, sind nicht

in einem Drittel,

sodass das Bild

komisch erscheint.

Zusätzlich lenken die

Bauarbeiten im

Hintergrund den

Betrachter ab und die

grünen Bäume, die

aus dem Kopf des

Modells zu ragen

scheinen, sehen auch

nicht gut aus. Für

einen Anfänger ist die

Entscheidung für

einen Hintergrund

nicht der einfachste

Weg, den Aufbau des

Porträts schnell zu

verbessern.

Links: Schritt 2 Wie alle Rocky Horror-Fans

sagen würden: „Es ist nur ja ein Sprung nach links!”

In der nächsten Aufnahme wurde das Modell

gebeten, einen Schritt nach links zu machen. Die

Bildkomposition wurde dadurch sofort verbessert,

da ein wesentlich einfacherer Hintergrund in den

Bildausschnitt rückte. Verglichen mit der ersten

Aufnahme können Sie sofort erkennen, welchen

Unterschied dies auf die Gesamtwirkung des Bildes

hat. Textur und Tönung sind sehr viel einfacher, was

das Auge des Betrachters auf das Gesicht des

Modells fokussieren lässt.

Oben: Schritt 3 Um den Bildaufbau zu

verbessern, sollte die Platzierung der Augen im Bild

an erster Stelle stehen. Normalerweise sind Porträts

am besten, wenn sich die Augen im oberen Drittel

der Aufnahme befinden, da dies den Blick des

Betrachters von oben nach unten führt. Gehen Sie

ein wenig näher und benutzen Sie ein Objektiv mit

70 statt 50 Millimeter Brennweite, wie es in den

vorherigen zwei Aufnahmen verwendet wurde. Das

Gesicht des Modells rückt dadurch stärker in den

Vordergrund und der Hintergrund verschwimmt

mehr.


Zusammenfassung...

Bei Porträtaufnahmen sollten Sie

insbesondere Frauen bitten, den Kopf

leicht zu neigen. So wirkt das Bild

gleich viel entspannter.

Fertiges Bild

Durch weitere Überlegungen zur

Bildgestaltung könnte die Aufnahme noch

verbessert werden. Hier wurde z. B. das

Gesicht des Modells im Großporträt

aufgenommen, was durch die Nähe ein

intimeres Bild erzeugt. Die Fokuspunkte

(Augen und Haarband) wurden in das

obere Drittel verschoben und die leichte

Schräge in der Aufnahme ergibt einen

dynamischeren Eindruck. Eine kleine

Blende von 6,3 erzeugt einen

verschwommenen Hintergrund für ein

besseres Ergebnis.


20 Die Grundlagen Der essentielle Leitfaden für Porträts 2. Ausgabe

Regeln brechen ist ein Kinderspiel!

Die Regeln des Bildaufbaus auf Porträts anzuwenden, wie z. B. die Positionierung der

Augen im oberen Drittel des Bildes und das Verwenden von Diagonalen und

Führungslinien, sind wunderbare Wege, um ein Porträt zu verbessern. Aber Regeln sind

auch dazu da, gebrochen zu werden, und wenn Sie dies bei Porträtaufnahmen machen,

so kann ein Regelbruch zu ungewöhnlichen Ergebnisse führen.

Mit dieser Schritt-für-Schritt-Anleitung können Sie originelle Porträts machen. Anstatt ein

typisches Porträtobjektiv wie das 50 Millimeter zu verwenden, verwenden wir ein

17-40-mm-Weitwinkelobjektiv mit der kleinsten Brennweite. Diese Art von Objektiv

kann auch unschöne Porträts hervorbringen, da die porträtierte Person u. U. verzerrt

wird, daher spielt der Bildaufbau hier eine besonders wichtige Rolle. Achten Sie stets auf

spezielle Elemente, wie die Drittel-Regel, den Hintergrund usw.. Schrecken Sie aber nicht

davor zurück, diese eher als Richtlinien, denn als Regeln zu sehen. Suchen Sie nach

ungewöhnlichen Wegen für Ihre Porträtaufnahmen, interpretieren Sie die Regeln neu und

erzielen somit ein originelles und kreatives Porträt. Experimentieren Sie!

Setup

Rechts: Schritt 1 Bei

dieser ersten Aufnahme

benutzte ich ein

17-mm-Objektiv, das mir

eine sehr verzerrte

Perspektive auf das Modell

gab. So sollte man die Regeln

NICHT umgehen, denn zum

einen ist die Positionierung

der Augen nicht gelungen.

Sie sollten normalerweise der

Fokuspunkt sein und sind

hier in der Mitte des Bildes

gelandet. Zum anderen

wurden der Hintergrund und

die Umgebung nicht

beachtet. Der leicht schräge

Winkel lässt die Komposition

ebenfalls ein wenig komisch

wirken, auch wenn die

Führungslinien der Beine

gelungen sind. Der Bruch mit

den Regeln zum Bildaufbau

brachte bei dieser Aufnahme

also nicht das gewünschte

Ergebnis – dies hätte sehr

viel besser gelingen können.

Links: Schritt 2 Für die zweite Aufnahme wurde

die Brennweite bei 17 Millimetern belassen und das

Modell hat sich umgedreht, um eine bildfüllende

Aufnahme zu ermöglichen. Auch wenn sich die

Augen des Modells in keinem Drittel befinden, was

das Bild noch verbessern würde, so haben die

Führungslinien, die vom Ellenbogen aus von unten

links nach oben rechts führen, doch zu einer

Verbesserung des vorherigen Bildes geführt.

Sicherlich wollen Sie nicht unbedingt die Füße des

Modells in einer Porträtaufnahme, aber der

Regelbruch führt hier doch zu einer interessanten

Perspektive.

Oben: Schritt 3 Diese Aufnahme hat mit den

Regeln des Fokussierens gebrochen, was hier gut

funktioniert. Statt sich auf die Augen des Modells zu

konzentrieren, liegt der Fokus hier auf seiner Hand.

Die Wahl der Blende 4 führt zu einem

verschwommenen Gesicht, was normalerweise

nicht für ein Porträt geeignet ist. Hier wird das Bild

dadurch jedoch interessanter und durch den

Weitwinkel wurden zwei Hauptobjekte in einen

Rahmen gesetzt, eines im oberen Bereich der

Aufnahme und eines im unteren.


Interpretieren Sie die Regeln

nicht allzu frei!

Die freiere Auslegung der Regeln zur

Bildkomposition kann mit Sicherheit auch zu sehr

originellen Porträtaufnahmen führen.

Experimentieren Sie aber nicht allzu viel, da Sie

wahrscheinlich häufiger gelungene Porträts

machen werden, wenn Sie die Regeln befolgen!

Fertiges Bild

Diese Aufnahme vereint die besten Elemente

der anderen Bilder: Die Wahl eines

Weitwinkelobjektivs, die Aufnahme von einem

höheren Standpunkt herab, die Wahl der

Blende 4. Die Augen sind fokussiert, und der

Hintergrund wurde auf ein einzelnes Element

reduziert, was die Wirkung eher verstärkt, als

dass sie ablenkt. Der ungewöhnliche

Blickwinkel und der Bildbeschnitt passen

ebenfalls gut zu der Aufnahme.


22 Die Grundlagen Der essentielle Leitfaden für Porträts 2. Ausgabe

Grundlagen der Fokussierung

Der Autofokus digitaler Spiegelreflexkameras funktioniert zwar sehr

gut, wir können seine Genauigkeit jedoch noch verbessern.

DER AUTOFOKUS IST EINES DER DINGE, die alle Fotografen früher oder später als ganz normal

erachten: Einfach den Auslöser antippen, und der Fokus stellt das Objekt automatisch scharf ein.

Wenn dies gut funktioniert, brauchen Sie sich keine Gedanken darüber machen, was warum

passiert. Wenn Sie jedoch mit dem Autofokus (AF) umgehen können, wird dies Ihnen vor allem in

den Momenten helfen, in denen Ihre DSLR Probleme damit hat zu verstehen, was Sie denn

eigentlich meinen und nicht richtig fokussiert. Das Verständnis dieser fortgeschrittenen Technologie

und wie diese funktioniert wird Ihnen helfen, Ihre Fotografie zu verbessern.

SO FUNKTIONIERT DAS AUTOFOKUSSYSTEM

Es gibt zwei Arten von Autofokussystemen, die sich in den heutigen modernen Kameras finden:

Autofokus durch Kontrastmessung und Autofokus durch Phasenvergleich. Letztere ist in den

digitalen SLR-Kameras am weitesten verbreitet. Der Autofokus durch Phasenvergleich funktioniert,

indem ein Teil des Lichtes, das in die Kamera durch das Objektiv eintritt, abgenommen und auf zwei

Sensoren gelenkt wird. Der Punkt, auf den es auf die Sensoren trifft, gibt der Kamera an, ob das

Objekt im Fokus ist oder nicht. Ist dies nicht der Fall, gibt er auch an, wie weit und in welcher

Richtung das Objekt außerhalb des Fokus ist, sodass die Kamera den korrekten Fokus sehr schnell

finden kann. Der Nachteil dieses Autofokussystems ist, dass der Phasenvergleich zum Funktionieren

immer einen Kontrast braucht. Richten Sie die Kamera z. B. auf eine leere Wand, so kann das

System nicht funktionieren.

Ebenso muss für den Phasenvergleich der Spiegel nach unten geklappt sein, was bedeutet, dass dies

nicht in der Live View funktioniert. Hier springt nun der Autofokus durch Kontrastmessung ein – das

gleiche System, das in Kompaktkameras verwendet wird. Dies funktioniert so, dass durchgängig der

gesamte Kontrast der Szene überwacht wird. Die Idee dahinter ist, dass ein Bild mit dem größten

Kontrast am schärfsten ist. Es ist eine langsamere Methode und geeignet, wenn die Kamera auf

einem Stativ befestigt ist, wo Geschwindigkeit keine Rolle spielt.

AUTOFOKUS-MODI

DSLR-Kameras haben zwei beliebte AF-Modi. Der erste, und wahrscheinlich der mit dem größten

Nutzen ist der statische Autofokus (Single-Shot AF oder One-shot bei CANON EOS DSRLs). Bei

diesem Modus wird der Auslöser einmal halb angedrückt, um den AF zu aktivieren. Hat dieser

fokussiert, so wird dieser einmal gefundene Schärfepunkt gespeichert, bis der Auslöser voll

durchgedrückt wird. Der Single-Shot AF verhindert, dass ein Bild gemacht wird, solange sich das

Objekt noch nicht im Fokus befindet, auch wenn der Auslöser voll durchgedrückt wird. Der

kontinuierliche Autofokus hingegen lässt die Kamera immer und zu jeder Zeit auslösen, unabhängig,

ob sich das Objekt im Fokus befindet, oder nicht. Dieser Modus wird immer weiterfokussieren, wenn

der Auslöser halb gedrückt ist. Wie wir bald sehen werden, ist dieser Modus hauptsächlich für die

Aufnahme von bewegten Motiven geeignet. Da wir gerade bei den Fokus-Modi sind, sollte auch der

gute alte manuelle Fokus-Modus (MF) erwähnt werden, denn manchmal ist der AF nicht die beste

Option und manuelle Scharfeinstellung führt zu besseren Ergebnissen. So zum Beispiel bei

Nachtaufnahmen, wenn wenig Licht den AF verwirrt, ebenso wie bei Nahaufnahmen, bei denen die

Fokussierung selbst bestimmt und somit besser manuell gemacht wird.

AF-MESSFELDER

Frühe AF-Systeme benutzten ein einzelnes Messfeld in der Mitte des Bildes. Moderne DSLR haben

heutzutage mehrere AF-Messfelder, die zentral angeordnet sind und bis zu der Hälfte des Bildes

einnehmen können. Der Vorteil hierbei ist, dass Sie nicht darauf beschränkt sind, das zu fokussieren,

was sich in der Mitte der Szene befindet, sondern Sie haben die Möglichkeit, sowohl außermittige

wie bewegte Objekte schnell scharfzustellen.

Die höchste Anzahl an Messfeldern in einer DSLR ist derzeit 51 (Nikon), wobei der Durchschnitt bei

ca. 11 liegt. Wenn Sie alle Messfelder aktiviert haben, wird die Kamera das fokussieren, was Ihnen

am Nächsten ist. Dies ist in den meisten Situationen hilfreich, kann aber bei Porträtaufnahmen zu

einer scharf gestellten Nasenspitze führen, anstatt zu scharf eingestellten Augen. Normalerweise

haben Sie verschiedene Einstellungsmöglichkeiten, um die Anzahl aktiver Messfelder auszuwählen,

sodass die Geschwindigkeit beim Fokussieren erhöht und der Fokussierungsbereich stärker eingrenzt

wird.

Nicht alle Messfelder gleichen sich. Es gibt hier auch zwei unterschiedliche Arten. Linienbasierte

Sensoren sind am häufigsten anzutreffen; sie sind die mit der geringsten Genauigkeit, da sie in einer

Richtung angeordnet sind (normalerweise von oben nach unten) und das Detail senkrecht dazu

sehen müssen (von links nach rechts), um genau fokussieren zu können. Kreuzsensoren hingegen

suchen nach Details in beide Richtungen, sind schneller und genauer. Das zentrale Messfeld ist

meistens ein Kreuzsensor, wobei neuere DSLR-Kameras oftmals auch eine höhere Anzahl von

diesen aufweisen können.

Einstellen des AF-Modus an Ihrer DSLR

Die Auswahl des AF-Modus und die Auswahl der aktiven AF-Punkte unterscheidet sich

von Kamera zu Kamera. Hier zeigen wir, wie es bei den fünf populärsten Modellen der

führenden Hersteller funktioniert. Bei anderen ist es ähnlich.

CANON EOS 500D

AF-MODUS: Drücken Sie den

AF-Knopf (auf der rechten Seite der

Vier-Wege-Navigation) und wählen

ONE SHOT, AI FOCUS oder AL

SERVO AF.

AF-Messfelder: Drücken Sie den

AF-Punkte-Knopf oben rechts an der

Rückseite der Kamera und benutzen

das Eingaberad beim Auslöser, um

die gewünschten Messfelder

auszuwählen.

NIKON D60

AF-MODUS: Drücken Sie den Info-Knopf

(unten links an der LCD-Anzeige) und

scrollen zum Fokus-Modus. Benutzen

Sie die Vier-Wege-Navigation und den

OK-Knopf, um AF-A, AF-S, AF-C oder

den manuellen Fokus einzustellen.

AF-Messfelder: Drücken Sie den

Info-Knopf und scrollen herunter zur

AF-Bereich-Option. Wählen Sie

zwischen OBJEKTNÄHE und

DYNAMISCHER BEREICH, wo Sie

Fokuspunkte zur Bewegungsverfolgung

oder für Einzelaufnahmen auswählen

können.

OLYMPUS E-420

AF-MODUS: Drücken Sie OK und

scrollen Sie durch die AF-Modus-

Option. Drücken Sie erneut OK und

wählen zwischen S-AF (statischer

Autofokus), C-AF (kontinuierlicher

Autofokus) und MF (manueller

Fokus).

AF-Messfelder: Drücken Sie OK und

scrollen durch die AF-Bereich-Option,

Sie können das Eingaberad

verwenden, um alle AF-Messfelder zu

wählen, oder einzelne Fokuspunkte

festzulegen.

PENTAX K200D

AF-MODUS: Drücken Sie den

MENU-Knopf und benutzen die

Vier-Wege-Navigation, um den

AF-Modus zu wählen.

AF.S ist der Single-Shot AF-Modus,

während AF.C der kontinuierliche

AF-Modus ist.

AF-Messfelder: Drücken Sie den

MENU-Knopf und benutzen die

Vier-Wege-Navigation, um den

SELECT AF-Punkt auszuwählen:

AUTO, Mehrfeldmessung oder SPOT

AF, wobei letzterer nur den Sensor in

der Mitte nutzt.

SONY ALPHA 350

AF-MODUS: Drücken Sie Fn und

wählen mit der Vier-Wege-Navigation

die Autofokus-Modus-Option.

Wählen Sie zwischen AF-S. AF-A

oder AF-C-Modus.

AF-Messfelder: Drücken Sie den

Fn-Knopf und wählen die AF

area-Option mit der Vier-Wege-

Navigation. Entscheiden Sie hier

zwischen WIDE (alle Messfelder) und

LOCAL (manuelle Auswahl einzelner

AF-Punkte).

Einzelpunkt-AF

Wählen Sie den

Einzelpunkt-AF-

Modus und

fokussieren Sie

präzise das gewählte

Objekt. Den zentralen

Punkt zu wählen, ist

häufig die beste Wahl.

Mehrpunkt-AF-Modus

Der Mehrpunkt-AF-Modus

aktiviert alle Sensoren und

fokussiert normalerweise

das, was sich am nächsten

befindet. Er ist ideal, um

bewegte Objekte zu

verfolgen, wie zum Beispiel

ein laufendes Kind.


BRETT HARKNESS

Fokussieren von außermittigen

Objekten

BEI EINEM FOTOSHOOTING, ist es oftmals so, dass sich Ihr

Modell nicht in der Mitte des Bildes befindet. Vielleicht möchten

Sie sogar Aufnahmen vermeiden, bei denen sich das Modell in der

Bildmitte befindet, um eine bessere Bildgestaltung zu erreichen.

Wenn Ihre DSLR die Wahl mehrerer Messfelder über einen weiten

Bereich anbietet, stehen die Chancen gut, Objekte außerhalb der

Bildmitte fokussieren zu können. Für die beste Kontrolle

versuchen Sie einzelne AF-Messfelder auszuwählen, um zu

entscheiden, was Ihre Kamera fokussieren soll. Der traditionelle

Weg, um außermittige Objekte zu fokussieren, beinhaltet drei

Schritte: das zentrale AF-Messfeld auf das Modell richten, den

Auslöser zur Fokussierung antippen und dann die Bildkomposition

neu arrangieren, sodass sich das Modell außerhalb der Bildmitte

befindet. Der Schärfespeicher ist leicht zu finden, vorausgesetzt,

Ihre Kamera ist auf statischen Autofokus (Single/ONE-Shot AF)

gestellt. Drücken Sie den Auslöser halb herunter, sodass der

Kamera signalisiert wird, dass nun scharf eingestellt werden soll.

Sobald sich das Objekt im Fokus befindet wird die Einstellung

übernommen, solange der Auslöser noch halb gedrückt bleibt.

Dies ist ein intuitiver Prozess und Sie werden schnell

herausfinden, wie dies funktioniert, ohne sich noch Gedanken

darum zu machen.

Die meisten Kameras betätigen nicht nur den Schärfespeicher,

wenn der Auslöser angetippt wird, sondern stellen auch

automatisch die Belichtung ein. Probieren Sie es aus und sehen

Sie selbst, wie Ihre DSLR reagiert. Sie können eine manuell

einstellbare Funktion für den Auslöser haben, um die Speicherung

des AF und der Belichtung gleichzeitig zu verwenden, oder auch

nur den Autofokus. Einige DSLR-Kameras haben einen Extra-AF/

AE-L-Knopf, womit sich der Autofokus noch genauer eingrenzen

lässt.


24 Die Grundlagen Der essentielle Leitfaden für Porträts 2. Ausgabe

Mit der richtigen Schärfentiefe kommen

Ihre Porträtbilder viel besser zur Geltung

Wenn Sie die korrekte Entfernung zum Aufnahmeobjekt wählen, den Fokus kreativ einsetzen und sich

über die richtige Blende Gedanken machen, werden Ihre Porträtbilder mit Sicherheit ein Hingucker.

IN DER FOTOGRAFIE GIBT es kaum etwas Besseres

als ein Porträtbild, das nicht nur Ihnen als Fotograf

gefällt, sondern mit dem auch der oder die Porträtierte

mehr als zufrieden ist. Natürlich wird man sehr oft

fotografiert, doch nur die wenigsten haben schon ein

Porträtbild von sich machen lassen. Es gibt einen

kleinen, aber feinen Unterschied: Ein normales Foto o

ist ein Schnappschuss, bei dem nur der grundlegende nde

Bildaufbau wichtig ist. Ein Porträtbild dagegen

erfordert viel Kreativität und vorherige Überlegung.

Man sagt oft, dass ein gutes Porträt auch ein

bisschen die Persönlichkeit eines Menschen

widerspiegelt und das stimmt auch. Außerdem

kommen dabei ganz andere Facetten der Person

als bei einer gewöhnlichen Aufnahme zur Geltung.

Durch ein paar einfache Techniken in Hinblick auf

Schärfentiefe und Fokus können Sie

eindrucksvolle Ergebnisse erzielen. Gleich

erfahren Sie wie.

Die Grundregel bei Porträts besagt, dass die

Augen des Modells im Mittelpunkt sein sollten und dass man

eine große Blende (für gewöhnlich mindestens 5,6) verwenden

sollte, damit der Hintergrund nicht zum Vordergrund d wird. Das

Gesicht sollte scharf eingestellt sein. Die „5,6-Regel“ wird von

vielen professionellen Lifestyle-Fotografen oft und erfolgreich

umgesetzt. Sie arbeiten schnell und konzentrieren sich eher auf die

Interaktion mit dem Modell als darauf, die Einstellungen zu ändern.

Falls Sie aber mehr von der Umgebung in das Bild mit einbeziehen

möchten, benötigen Sie eine kleinere Blende (für gewöhnlich in

Verbindung mit einem größeren Objektiv), damit der Hintergrund

sowie das Motiv im Fokus bleiben.

Das Umgebungslicht reicht zwar meistens vollkommen aus – und ist

manchmal sogar ideal –, aber man sollte eventuell einen Studioblitz

in Erwägung ziehen. Mit diesem kann man Lichteinfall und

-intensität anpassen, damit man die passende Lichtmenge für jede

beliebige Blende hat. Sobald man mit der Bedienung vertraut ist,

kann man seiner Kreativität mit ein oder zwei Studioblitzen freien

Lauf lassen.

Porträtbilder haben das gewisse Etwas, wenn der Schärfebereich

extrem flach ist. Dies lässt sich am einfachsten erreichen, wenn man

die entsprechenden Tricks anwendet, mit denen man einem Bild die

flachste Schärfentiefe gibt, d. h. durch den Einsatz eines

Teleobjektivs mit maximaler Blende bei einer relativ nahen

Aufnahmeentfernung. Bei der Aufnahme ist das Gesicht im

absoluten Fokus, wobei der Rest in den Hintergrund tritt. Das Bild

wird dann sehr „weich“. Setzt man Streulicht ein, sorgt dies für einen

Hauch Romantik, bei stark gerichtetem Licht wirkt das Bild kunstvoll

und kantig. Beim Anwenden dieser Technik sollten Sie auf den

Differenzielle Fokussierung

Eine weitere beliebte Methode beim Einsatz

flacher Schärfentiefe ist die differenzielle

Scharfeinstellung. Diese Technik ist leicht zu

erlernen, aber das Geheimnis ist, zu wissen,

wann man sie einsetzt. Das Grundprinzip ist,

eine sehr große Blende zu verwenden, um

einen bestimmten Bildteil zu betonen. Dieser

wird scharf gestellt, wohingegen der Rest

(Hintergrund oder Vordergrund) unwichtig

ist. Dies ist besonders effektiv, wenn die

Szene sehr viel Tiefe hergibt und man eine

große Blende verwendet, durch die Elemente

im Bild in dem Maße unscharf werden, dass

sie gerade noch erkennbar sind. Suchen Sie

sich zum Beispiel eine bestimmte Person in

einer Menschenmenge heraus. Machen Sie

ein kreatives Porträtbild und schreiben Sie

der Person eine Geschichte auf den Leib.

f5,6 bei 200 mm

f/5.6 bei 200mm

AUFNAHMEENTFERNUNG

Beide Aufnahmen wurden mit dem gleichen Objektiv und der

gleichen Blende gemacht. Die Schärfentiefe wurde jedoch durch

eine unterschiedliche Entfernung zum Aufnahmemotiv verändert.

Eine kürzere Entfernung bedeutet weniger Schärfentiefe, weshalb

die Jalousien verschwommen sind.

entsprechenden Fokus achten. Das kann ein Auge oder der Mund

sein, je nachdem was Sie in den Mittelpunkt rücken möchten.

Experimentieren Sie einfach mal mit jemandem aus Ihrem

Freundes- oder Familienkreis, denn Übung macht bekanntlich den

Meister.

Objektivwahl

Für Porträts eignen sich fast alle

Objektive, vom 18-55-mm-Objektiv

bis zu einem Teleobjektiv, z. B.

55-200 Millimeter. Mit einer

längeren Brennweite erreicht man

ein besseres Ergebnis als mit einem

Weitwinkelobjektiv und zudem wird

die Schärfentiefe flacher. Besonders

bei Porträtbildern wirkt sich dies

positiv aus.

Profitipps für Porträtbilder

1) FREIHÄNDIG FOTOGRAFIEREN Sie

können sich frei bewegen und schneller

scharf stellen. Ein Einbeinstativ eignet sich

sogar noch besser. Mit der maximalen

Blende erreichen Sie die schnellstmögliche

Verschlusszeit. Falls sie trotzdem langsam

ist, können Sie den Bildstabilisator Ihrer

DSLR (falls vorhanden) verwenden und/

oder die ISO-Empfindlichkeit erhöhen.

2) AUFNAHMEENTFERNUNG

Bei sehr großen Blenden dürfen Sie nach

dem Fokussieren weder nach vorne noch

nach hinten gehen, da die Aufnahme sonst

unscharf wird.

3) AUGENKONTAKT Der Augenbereich

Ihres Modells sollte sauber sein. Make-up

je nach Bedarf. Machen Sie ein paar

Aufnahmen, bei denen Ihr Modell in die

Kamera schaut und ein paar, bei denen es

wegschaut.

4) SCHATTEN Achten Sie auf das Licht

und wohin die Schatten fallen. Schatten

können einem Bild Dramatik verleihen.

5) SCHWARZ-WEISS Eine Umwandlung

in eine Schwarz-Weiß-Aufnahme kann

stets interessant sein. Vor allem hat man

dann einen Vergleich zum farbigen

Original.

VERSTECKSPIEL: Bei diesen Aufnahmen

sieht man, was für einen Effekt die

differenzielle Scharfeinstellung bewirken

kann. Bei beiden Bildern war die

Belichtung gleich, es wurde jedoch jeweils

auf ein anderes Motiv der Szene fokussiert.

Fokus auf die Person, die am nächsten ist

Fokus auf die Person, die am weitesten entfernt ist


Kreative Verwendung der Schärfentiefe

ISTOCK PHOTO

Schärfentiefe ist ein sehr kreatives Mittel. Ohne

zusätzliche Hilfsmittel können Sie Ihren Bildern eine

neue Dimension verleihen.


4

Ausgaben

für

35,- €!

8

Ausgaben

für

67,50 €!


EINFACHE

SCHRITTE ZU

BESSEREN

BILDERN

PORTRÄTBELEUCHTUNG

EXPERTENRATSCHLÄGE UND TECHNIKEN, DIE IHNEN DABEI HELFEN, DAS LICHT WIE EIN PROFI ZU KONTROLLIEREN


28 Porträtbeleuchtung

Kontrolle des Tageslichts

Das Manipulieren des Tageslichts ist eine essentielle Fähigkeit, die jeder

Porträtfotograf meistern sollte.

DAS ARBEITEN MIT TAGESLICHT hat im Vergleich zur Arbeit mit künstlichen Lichtquellen

wie Studioblitzlicht und Blitzlicht mehrere Vor- und Nachteile für Porträtfotografen.

Tageslicht ist sehr vielseitig: Die Bandbreite an möglichen Bildern ist herausragend,

abhängig von Wetter und Tageszeit. Außerdem ist es kostenlos! Leider ist das verfügbare

Licht, wie es oft genannt wird, oft nicht verfügbar, sowohl nachts oder an Tagen mit

besonders schlechtem Wetter, wo die Lichtverhältnisse zu schlecht sind. Zu den schönsten

Dingen beim Arbeiten mit Tageslicht gehört, dass Sie an fast jedem Ort im Freien

fotografieren können. Egal ob es sich um den örtlichen Park, einen Schrottplatz oder die

Küste handelt. Die Optionen für großartige Tageslichtaufnahmen sind nur durch Ihre

Vorstellungskraft und die Fähigkeit begrenzt, das Tageslicht zu kontrollieren. Was das

letztere angeht, stehen Ihnen zahlreiche Wege zur Verfügung, um zu kontrollieren, wie das

Tageslicht auf ein Motiv fällt. Sie brauchen lediglich grundlegende Beleuchtungshilfen wie

Reflektoren und Diffusoren. Auf den folgenden Seiten werden wir Ihnen zeigen, wie Sie das

meiste aus dem grundlegenden Beleuchtungszubehör herausholen und Ihre

Tageslichtporträts transformieren können. Wie Sie feststellen werden, ist der zusätzliche

Aufwand für das korrekte Platzieren Ihres Motivs im Vergleich zu Schnappschüssen

minimal, aber der Unterschied macht sich deutlich bemerkbar. Investieren Sie also in ein

oder zwei Reflektoren, und wenn Sie im Freien fotografieren möchten, sollten Sie auch einen

Diffusor kaufen, der Ihnen bei der Verbesserung Ihrer Porträts helfen wird.

Einstellen der DSLR für Tageslichtporträts

BELICHTUNG Bevor Sie sich ins Freie

begeben, nehmen Sie sich eine Minute

Zeit, um Ihre DSLR einzustellen. Wenn

Sie sich dann vor Ort befinden, können

Sie unmittelbar anfangen zu

fotografieren. Zuerst einmal sollten Sie

den Blendenprioritätsmodus einstellen,

da Sie eine begrenzte Schärfentiefe

brauchen. Wir empfehlen Ihnen bei

f/5,6 anzufangen. Wenn die

Verschlusszeit zu langsam ist, dass es

zu einem Verwackeln kommen könnte,

erhöhen Sie den ISO-Wert auf 400 und

aktivieren ggf. den Bildstabilisator.

BELICHTUNGSMESSUNG Was die Belichtungsmessung angeht, eignet sich das

Mehrfeldmessungsmuster am besten. Aber wenn Sie eine dunkelhäutige Person

fotografieren, werden Sie wahrscheinlich ein oder zwei Stopps als Ausgleich

hinzufügen müssen.

FOKUSSIEREN Wir empfehlen vom Mehrpunkt-Fokus zum mittleren Fokuspunkt

zu wechseln, da Sie ansonsten riskieren, dass Sie die Augenbraue oder Nase

anstatt der Augen des Motivs im Fokus . Richten Sie den mittleren Autofokuspunkt

auf ein Auge, drücken den Auslöser halb herunter und komponieren das Bild neu.

ACHTEN SIE AUSSERDEM DARAUF... dass Sie bei Verwendung des

Weißausgleichs im automatischen Modus (AWB) besser dran sind, wenn Sie die

Einstellung vor Ort vornehmen, insbesondere wenn Sie nur im JPEG-Format

fotografieren. Wir empfehlen aber, dass Sie im RAW- + JPEG-Format arbeiten.

Auf diese Weise können Sie die JPEGS am Computer als Vorschauhilfe

verwenden. Dann öffnen und bearbeiten Sie die RAW-Dateien und nehmen alle

Anpassungen des Weißabgleich oder der Belichtung vor, die nötig sind.

Welches Objektiv eignet

sich am besten?

Die Verwendung einer Teleobjektiv-

Brennweite, welche die Perspektive

abflacht, ist die beste Wahl für

schmeichelhafte Porträts. Sie kommen

mit der Verwendung eines

Standardzooms davon, aber Sie

werden feststellen, dass die

Verwendung eines Telezoomobjektivs

mit 55 bis 200 Millimetern wesentlich

besser ist. Sie könnten auch der „alten

Schule“ folgen und mit einem

50-mm-Festbrennobjektiv und f/1,8

fotografieren (effektiv ein 80-mm-

Objektiv mit APS-C-Sensoren), das

den Vorteil einer weiteren maximalen

Blendenöffnung bietet.

Einstellung Ihrer DSLR für Tageslichtporträts

Wählen Sie den Blendenprioritätsmodus, passen Sie den Weißabgleich für

die Lichtverhältnisse an und verwenden Sie den Mittelpunkt-AF. Jetzt Sie

sind Sie bereit zu fotografiern!

CANON EOS 500D/550D/600D

1) Stellen Sie das obere Wahlrad auf

AV, um den Blendenprioritätsmodus

zu wählen.

2) Drücken Sie die WB-Taste und

verwenden die vier Richtungstasten,

um den Weißabgleich zu wählen.

Wählen Sie die gewünschte

Einstellung für den Weißabgleich und

drücken Sie OK.

3) Drücken Sie die AF-Punkte-Taste

und wählen den Mittelpunkt-AF.

4) Drücken Sie die AF Taste und

wählen „One Shot“.

NIKON 3100/5100

1) Stellen Sie das Wahlrad oben

rechts auf A, um den

Blendenprioritätsmodus zu wählen.

2) Drücken Sie die i-Taste und

verwenden Sie die vier

Richtungstasten, um den

Weißabgleich zu wählen. Wählen Sie

die gewünschte Einstellung für den

Weißabgleich und drücken OK.

Drücken Sie erneut die i-Taste und

stellen den Autofokus auf AF-S und

den AF-Bereich auf „nur

Mittelpunkt“.

OLYMPUS E-SERIES

1) Stellen Sie das Wahlrad oben

rechts auf A, um den

Blendenprioritätsmodus zu wählen.

2) Drücken Sie die OK-Taste und

verwenden die vier Richtungstasten,

um den Weißabgleich zu wählen.

Wählen Sie die gewünschte

Einstellung für den Weißabgleich und

drücken OK.

Drücken Sie erneut die OK-Taste und

stellen den Autofokus auf S-AF und

die AF-Punkte auf „nur Mittelpunkt“.

PENTAX K-SERIES

1) Stellen Sie das Wahlrad oben links

auf AV, um den

Blendenprioritätsmodus zu wählen.

2) Drücken Sie die OK-Taste und

verwenden die vier Richtungstasten,

um den Weißabgleich zu wählen.

Wählen Sie die gewünschte

Einstellung für den Weißabgleich und

drücken OK.

3) Drücken Sie die Menütaste,

wählen Sie die Registerkarte

„Aufnahmemodus“, stellen den

Autofokus auf „AF.S“ und wählen den

Mittelpunkt-Fokus.

SONY ALPHA SERIES

1) Stellen Sie das Wahlrad oben links

auf A, um den

Blendenprioritätsmodus zu wählen.

2) Drücken Sie die Fn-Taste und

verwenden die vier Richtungstasten,

um den Weißabgleich zu wählen.

Drücken Sie die AF-Taste und wählen

die gewünschte Einstellung für den

Weißabgleich.

Drücken Sie jetzt erneut die Fn-Taste,

wählen den Autofokusmodus und

„Punkt“ für den AF-Bereich und AF-S

für den Autofokusmodus.

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Der essentielle Leitfaden für Porträts 2. Ausgabe

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2. Ausgabe Der essentielle Leitfaden für Porträts

Porträtbeleuchtung 29

Das Fotografieren von Porträts

mit Tageslicht bietet einen

ausgezeichneten Weg, um mit

den fundamentalen

Beleuchtungstechniken zu Recht

zu kommen und zu lernen, wie

man Reflektoren und Diffusoren

einsetzt.

Das wichtigste Beleuchtungszubehör für

Tageslichtporträts

Wenn Sie mit Tageslicht arbeiten, steht Ihnen nicht die

gleiche Kontrolle zur Verfügung wie bei der

Verwendung eines Studioblitzlichts, welches die

Steuerung von Richtung und Intensität ermöglicht. Sie

können die Sonne zwar nicht kontrollieren, aber mit

Hilfe von Reflektoren, Diffusoren oder einer

Kombination beider Hilfsmittel können Sie die

Lichtmenge steuern, die auf Ihr Motiv fällt. Reflektoren

und Diffusoren gibt es in unterschiedlichen Formen. Hier

besprechen wir die gängigsten Varianten.

REFLEKTOREN Dieses einfache Zubehör ist unglaublich effektiv

beim Füllen von Schatten und kann Ihre Porträts stark verbessern.

Fangen Sie mit dem Standardmodell an, das über eine weiße und

eine silberne Seite verfügt (1). Die weiße Seite reflektiert ein sauberes,

neutrales Licht und eignet sich ideal, wenn Sie den Reflektor in der Nähe

des Motivs platzieren können, da er das Licht gleichmäßig verteilt. Die

silberne Seite ist wesentlich effizienter und produziert stärkere Ergebnisse und kann daher bei

starkem Sonnenlicht oder zu naher Platzierung überwältigend sein. Aber beim Fotografieren

im Schatten und bei bewölktem Wetter ist sie ideal. Es sind auch goldene Reflektoren

erhältlich, die wie die silbernen sehr effizient sind, aber für einen warmen goldgelben Ton

sorgen. Sie sollten nach zusammenklappbaren Reflektoren Ausschau halten, da diese leicht

und einfach zu verstauen sind. Je größer der Reflektor, desto größer das Gebiet das er abdeckt.

1

2

Achten Sie darauf, dass Ihr Reflektor einen Mindestdurchmesser von

80 Zentimetern hat und nicht zu groß ist, was die Handhabung erschwert.

Reflektoren mit Griffen wie Lastolites „Tri-Grip“ eignen sich hervorragend, wenn

Ihnen niemand assistiert, da Sie ihn mit einer Hand halten können. Auch die Reflektoren mit

silbernem oder goldenem Überzug (2) oder mit leichtgewichtigem Rahmen wie der California

Sunbounce (3) sind gut geeignet.

3


30 Outdoor -Technik: Sonnenlicht streuen

Der essentielle Leitfaden für Porträts 2. Ausgabe

Kontrolle von hellem Sonnenlicht

Ein heller Sommertag scheint der ideale Zeitpunkt für Porträts im Freien zu sein, aber nur wenn Sie

wissen, wie man mit grellemSonnenlicht umgeht, um schmeichelhafte Ergebnisse zu erzielen.

ES GIBT VIELE VORTEILE bei der Fotografie im Freien, wenn

der Himmel blau ist und die Sonne scheint. Das Lichtniveau

ist sehr hoch, und somit können Sie aus einer Reihe an

Blendenöffnungen und Verschlusszeiten wählen, selbst wenn

der ISO-Wert auf eine niedrige Empfindlichkeit eingestellt ist,

um maximale Bildqualität zu erhalten. Außerdem sind die

Modelle dank des wärmeren Wetters bereitwilliger sich

hinzusetzen und zu posieren, und Sie können aus einer

großen Palette an Kleidung wählen. Da das Licht so hell ist,

kommen Farben besser zur Geltung und die Sättigung ist

höher, was für zusätzliche Wirkung der Bilder sorgt. Aber

auch wenn das Fotografieren im Sonnenlicht viele Vorteile

birgt, bestehen gewisse Nachteile, die man berücksichtigen

muss. Der erste Nachteil ist am offensichtlichsten:

Sonnenlicht ist sehr hell und direkt, wenn Ihr Motiv also in

die Sonne schaut wird es blinzeln, und auf dem Gesicht sind

tiefe Schatten zu sehen. Eine Lösung besteht darin, das Motiv

von der Sonne wegschauen zu lassen, aber Sie müssen auf

Lichtreflexionen achten und die tiefen Schatten im Gesicht

des Motivs bewältigen. Der hohe Kontrast zwischen dem

hellen Hintergrund und dem Motiv bedeutet zudem, dass Sie

mit der Belichtungsmessung vorsichtig sein müssen, um

sicherzustellen, dass das Motiv nicht unterbelichtet ist.

Die andere Lösung, die wir Ihnen hier zeigen werden, besteht

in der Verwendung einer Diffusor-Platte, die zwischen Sonne

und Motiv platziert wird, um das Motiv in

schmeichelhafterem Licht zu baden. Dabei beschatten Sie

zwar Ihr Motiv, aber die Verwendung eines Diffusors bietet

mehr Möglichkeiten, als wenn man das Motiv im Schatten

platziert.

Licht verläuft nicht auf gerichtete Weise durch den Diffusor,

so wie ein Schatten, aber da das Licht durch ein weißes

Material gelangt, ist es neutral, sauber und behält eine hohe

Beleuchtungsstärke. Im Schatten wird das Licht von

Oberflächen reflektiert. Wenn diese farbig sind, beeinträchtigt

dies das Licht, das auf das Motiv fällt. Da das Licht von einer

oder mehreren Oberflächen reflektiert wurde, ist es nicht so

hell. Das bedeutet, dass Sie bei den Belichtungseinstellungen

weniger Auswahlmöglichkeiten haben. Der andere wichtige

Unterschied bei der Streuung des direkten Sonnenlichts

besteht darin, dass Sie bei der Wahl des Orts nicht

beschränkt sind. Sie können im Garten, am Strand, im Park

oder wo auch immer Sie möchten fotografieren, da Sie mit

der Diffusor-Platte in der Lage sind das einfallende Licht zu

kontrollieren. Da das Licht gleichmäßig gestreut wird, können

Sie aus jeder Richtung fotografieren und das Motiv somit vor

jeden Hintergrund platzieren.

Fotografieren gegen

das Licht

Wenn Sie keinen Diffusor haben, können

Sie probieren, das Motiv mit der Sonne in

dessen Rücken zu fotografieren und eine

Stelle finden, an der die Sonne verdeckt

wird. Das Verwenden der Blätter eines

Baumes stellt eine Option dar, oder Sie

verwenden wie in diesem Beispiel einen

breitkrempigen Hut. Verwenden Sie

einen weißen Reflektor, um das Licht auf

das Motiv zu reflektieren und benutzen

den Belichtungsspeicher, um eine

Messung vom Gesicht durchzuführen.

Oder fügen Sie +1 bis +2 Stopps beim

Belichtungsausgleich hinzu.

ISTOCK PHOTO

Schritt-für -Schritt-Anleitung

für sonnige Aufnahmen

1

3

Für diese einfach schrittweise Anleitung haben wir

mit Hilfe eines „Lastolite Skylite“ ein paar Fotos im

Garten aufgenommen. Diese große Diffusor-Platte

erfordert eine Person zum Halten. Kleinere Platten

sind einfacher zu halten, aber bedenken Sie, dass

der Bereich der zerstreuten Lichtmenge dabei

kleiner ist. Schauen Sie sich den Abschnitt

„Porträtausstattung“ an, um weitere Informationen

zu den erhältlichen Diffusoren zu erhalten. Sie

werden feststellen, dass Reflektoren beim

Manipulieren des zerstreuten Lichts auch eine

Rolle spielen. In diesem Foto haben wir den

Blendenprioritätsmodus mit f/5,6 (ISO 100)

verwendet und den Weißabgleich auf Sonnenlicht

gestellt.

Hier ist die grundlegende Ausstattung für die

1Fotos. Wir fotografieren um 15:00 Uhr, die

Sonne steht also noch hoch am Himmel. Der Diffusor

muss entsprechend über Rubys Kopf gehalten

werden. Sie können den großen Bereich zerstreuten

Lichts sehen, der unter ihr produziert wird.

Das ist das Ergebnis mit der grundlegenden

2Ausstattung. Da die Sonne von der Platte

verdeckt wird, muss Ruby nicht blinzeln, und da der

Diffusor sich direkt über Ihrem Kopf befindet, erhält

der Kopf ein schönes Highlight. Auch wenn das Licht

auf ihrem Gesicht ziemlich ausgeglichen ist, sind

immer noch ein paar störende Schatten vorhanden.

Um dem gestreuten Licht etwas Farbe zu

3verleihen, habe ich einen „Sunfire“-Reflektor

innerhalb des gestreuten Schattens im Gras platziert.

Es handelt sich um einen starken Reflektor, aber als

ich ihn unter der Platte platzierte, sorgte der Effekt

nicht dafür, dass Ruby blinzeln musste.

Das Ergebnis ist wesentlich besser als das Foto,

4das alleine mit dem Diffusor aufgenommen

wurde. Das Licht von der Oberfläche des

„Sunfire“-Reflektors hat für zusätzliche Wärme auf

Rubys Haut gesorgt und die Schatten ausgeglichen.

Das Ergebnis ist mehr als zufriedenstellend, aber ich

bin mit der Pose nicht ganz glücklich und möchte

etwas anderes probieren.

2

4


Fertiges Bild

Ich bitte Ruby, sich

hinzulegen und mache das

gleiche. Ich wende den

Sunfire-Reflektor auf die

weiße Seite, nachdem ich

festgestellt habe, dass der

Effekt zu stark ist. Jetzt ist der

Effekt wesentlich weicher und

neutraler und sorgt

zusammen mit der Pose für

ein besseres Ergebnis.


32 Outdoor-Technik: Porträts an den bewölkten Tagen

Der essentielle Leitfaden für Porträts 2. Ausgabe

Fotografieren bei bewölktem Himmel

Bewölkte Tage sind Glück für Porträtfotografen. Wir zeigen Ihnen, wie einfach es ist,

Mutter Natur zu manipulieren und dabei großartige Bilder zu fotografieren.

JEDER, DER IN NORDEUROPA LEBT, weiß, dass

wir mit mehr bewölkten Tagen als mit klarem

Himmel und Sonnenschein gesegnet sind, selbst in

den Sommermonaten. Das hört sich für die meisten

zwar nicht ideal an, aber für Porträtfotografen ist es

perfekt. Ein graue Wolkendecke wirkt wie eine

natürlicher Diffusor, die für formbares,

gleichmäßiges Licht sorgt, ohne dabei

Beleuchtungshilfen wie Reflektoren verwenden zu

müssen. Ein bewölkter Tag bietet viel Spielraum für

die Lichtmanipulation, da Winkel, Stärke und Ton

des Lichts, das auf Ihr Motiv fällt, nur davon

abhängt, welchen Reflektor Sie verwenden und wie

Sie ihn positionieren. Da Sie außerdem nicht mit

direktem Sonnenlicht kämpfen müssen, können Sie

Ihr Motiv selbst um 12 Uhr mittags fotografieren,

ohne sich um das grelle Sonnenlicht und dessen

Folgen Gedanken machen zu müssen. Wenn Sie

flache Beleuchtung für eine sommerliche

Atomsphäre verwenden, können Sie Ihr Motiv

hellfarbige Kleider tragen lassen und eine

Umgebung mit starker Farbwirkung wählen wie

zum Beispiel eine üppige grüne Wiese oder ein

Garten voll mit Sonnenblumen. Wie gut Ihr Motiv

beleuchtet ist, hängt nicht immer von der

Umgebung ab, sondern oft von Ihrem Geschick im

Umgang mit den Beleuchtungshilfen. Da das Licht

durch die Wolken scheint, empfiehlt es sich, den

Reflektor im Winkel zum Motiv unterhalb zu

platzieren, um die Schatten auszufüllen. Sie können

zudem mit der Distanz zum Subjekt spielen, um die

gewünschte Lichtstärke zu erhalten. Wenn Sie

kleine Kinder fotografieren, können Sie diese auf

den Reflektor setzen: Dadurch werden alle Schatten

ausgefüllt, da die maximale Lichtmenge des

Himmels auf das Motiv reflektiert wird und sich als

„fliegender Teppich“ krümmt. Das ist ideal, um die

Kinder für ein paar Bilder beschäftigt zu halten. Sie

können reflektierende Oberflächen in Ihrer

Umgebung wie zum Beispiel Marmor oder weiße

Mauern dazu verwenden, das Licht auf das Motiv

zu reflektieren: Passen Sie dabei mit farbigen

Oberflächen auf, da diese farbiges Licht reflektieren.

Es stehen unterschiedliche Arten von Reflektoren

zur Verfügung, wobei ein 5-in-1-Kit für Anfänger die

beste Option darstellt, da dieses über eine goldene,

weiße und silberne Seite verfügt. Die Seiten

unterscheiden sich im Reflexionsgrad. In manchen

Szenarien erscheint Ihnen der Silberreflektor zu

stark und kühl, während der goldene zu warm ist.

In solchen Fällen sollten Sie vielleicht in einen

gemischten Reflektor wie den „TriGrip Sunfire/Silver

Reflektor“ von Lastolite investieren, den Brett

Harkness in der folgenden Anleitung verwendet.

Erzeugen Sie Hintergrundbeleuchtung

durch Blitzlicht

Meistens taucht die Sonne insbesondere dann nicht auf,

wenn Sie es wollen. Die nächstbeste Alternative ist das

Blitzlicht. Wenn Sie Blitz- und Tageslicht mischen, hilft Ihnen

das praktisch gesehen beim Füllen von Schatten und hebt

Ihre Bilder in kreativer Hinsicht auf eine neues dynamisches

Niveau. Es handelt sich um eine fortgeschrittene Technik.

Aber wenn Sie diese kontinuierlich üben, werden Sie

feststellen, dass Ihnen einige neue Möglichkeiten zur

Verfügung stehen. Sie könnten beispielsweise probieren,

einen Blitz hinter Ihrem Motiv zu platzieren, um eine

Hintergrundbeleuchtung durch die Sonne zu imitieren. Da

sich Ihr Blitz nicht an der Kamera befindet, müssen Sie in der

Lage sein, ihn drahtlos zu aktivieren. Wenn Sie diese Technik

zum ersten Mal ausprobieren, sollten Sie den

Programmmodus Ihrer Kamera aktivieren und den Blitz auf

TTL stellen. Sollte der Blitzlichteffekt zu schwach sein,

erhöhen Sie den Blitzlichtausgleich im positiven Bereich.

BRETT HARKNESS

Bewölkte Lichtverhältnisse

Das Arbeiten mit Kindern ist im besten Fall

anstrengend. Das Fotografieren bei bewölktem Wetter

ist daher ideal, da Sie den Kindern erlauben können,

sich frei zu bewegen, ohne sich um Schatten oder

Blinzeln sorgen zu müssen. Wir haben Brett Harkness

bei einem typischen Lifestyle-Fotoshoot begleitet,

während er seine Kunst unter bewölkten

Lichtverhältnissen unter Beweis gestellt hat.

Bretts Model ist ein typisches achtjähriges Kind, das

nicht in der Lage ist, für mehr als ein paar Bilder still zu

sitzen, bevor es losrennt und anfängt zu erforschen und

zu spielen. Das Schöne am bewölkten Himmel ist,

dass Brett ihn das machen lassen kann, und wenn sich

die Möglichkeit für ein gutes Foto bietet, muss er

einfach nur den Reflektor bewegen, um die

Lichtqualität zu verbessern. Wenn Sie Kinder

fotografieren, denken Sie daran, dass es Spaß machen

sollte: Sie erhalten wahrscheinlich bessere Resultate,

wenn Sie sich auf ein paar Spiele einlassen, als wenn

Sie die Kinder dazu bewegen möchten, sich an die

Regeln Ihres Fotoshoots zu halten.

Nachdem er die Umgebung auf der Suche nach

1geeigneten Hintergründe erkundet hat, fängt Brett

an, indem er sein Modell vor einer grünen Tür hinsetzt

und eine Blendenöffnung von f/5,6 einstellt. Da die

Lichtverhältnisse schwach sind, haben wir einen Lastolite

Sunfire/Silber-Reflektor an seiner Seite platziert, um

etwas Kontrast zum schwachen Licht zu schaffen.

Als sich das Gesicht im Fokus befindet, macht Brett

2ein paar Bilder und ermutigt das Modell, ein paar

unterschiedliche Gesichtsausdrücke zu machen und mit

dem Gras zu spielen. Um ein dynamischeres Bild zu

erhalten, dreht Brett seine Kamera für eine diagonale

Komposition.

Nachdem er das Modell eine Weile spielen lässt,

3setzt Brett ihn auf ein Schutzgitter. Wir hielten zwei

Lastolite TriGrip Reflektoren seitlich und unter ihm, um

das Licht des Himmels auf ihn zu reflektieren. Einer der

Reflektoren befand sich näher an ihm, während der

andere weiter entfernt gehalten wurde, um einen leichten

Kontrast im Gesicht zu erzeugen.

1

3

2


Fertiges Bild

Bretts Bilder lieferten eine

Reihe an unterschiedlichen

Ausdrücken und Posen. Die

Reflektoren funktionierten

ausgezeichnet. Wir hoben die

Sättigung leicht an, um diese

endgültige Ergebnis zu erhalten.


34 Outdoor-Technik: Fotografieren im Schatten

Der essentielle Leitfaden für Porträts 2. Ausgabe

Wie man Porträts im Schatten aufnimmt

Sollten Sie jemals mit starkem, direkten Sonnenlicht Schwierigkeiten haben, begeben Sie sich einfach in den

Schatten, um so das Licht zu kontrollieren. Finden Sie heraus, wie wir es machen…

WENN DIE SONNE STARK IST und hoch am Himmel steht, gibt

es oft keine Möglichkeit, den starken Strahlen und den hohen

Kontrastverhältnissen zu entgehen. Wenn Sie also auf der Suche

nach einer weiten, weichen Farbtonpalette mit begrenztem

Kontrast und besserer Kontrollmöglichkeit sind und über keinen

Diffusor verfügen, bietet Schatten die beste Lösung für Sie.

Suchen Sie Schutz unter einem Baum oder neben einem

Gebäude. Das Platzieren des Motivs im Schatten verbessert

sofort die Beleuchtung und gibt Ihnen mehr Kontrolle über Stärke

und Richtung des Umgebungslichts. Denken Sie nur daran, dass

das Licht weicher, kühler und mehr gestreut sein wird. Außerdem

müssen Sie mit weniger Licht auskommen und potentielle

Farbstiche berücksichtigen. Schatten ist kühler als Sonnenlicht,

daher müssen Sie Ihren Weißabgleich auf „Schatten“ einstellen

und eventuell einen Reflektor einsetzen, der Wärme hinzufügt.

Ein goldener Reflektor oder Lastolites Sunfire/Silber-Reflektor ist

hierfür hervorragend geeignet. Sie müssen auch auf die Farben in

der Umgebung achten, da dunkle Oberflächen das Licht

absorbieren, während helle Oberflächen das Licht reflektieren.

Achten Sie auch auf stark farbige Oberflächen, da diese farbiges

Licht reflektieren könnten. Platzieren Sie Ihr Motiv also nicht zu

nah an solchen Oberflächen. Fotografieren Sie im RAW-Format,

so dass Sie Farbstiche später korrigieren können. Wenn Sie im

Schatten fotografieren müssen Sie darauf achten, von wo das

Licht kommt. Das kann tückisch sein, da es wahrscheinlich von

verschiedenen Oberflächen wie zum Beispiel Mauern und

Untergründen reflektiert wird, aber mit Übung lernen Sie dies zu

meistern. Wenn Sie das Motiv im Schatten platzieren, können Sie

durch Variierung der Distanz vom Motiv zum Schatten und zur

Sonne Richtung und Stärke des Lichts sehr einfach kontrollieren.

Je weiter das Motiv vom Schatten entfernt ist, desto stärker ist

das Licht. Sie können das Licht noch mehr kontrollieren, wenn

Sie einen Reflektor vom oder zum Motiv bewegen. Durch die

Platzierung Ihres Motivs können Sie auch den Kontrast

kontrollieren, zum Beispiel wenn es sich halb im Schatten und

halb im Licht befindet oder mit dem Rücken zum Licht, so dass

das Motiv hintergrundbeleuchtet ist. Wenn Sie diese Technik

ausprobieren, sollten Sie einen Reflektor vor Ihrem Motiv

positionieren, um das Licht in dessen Gesicht zu reflektieren und

die Schatten zu füllen. Sie können auch probieren Ihren Rücken

der Sonne zuzuwenden und Ihr Motiv zu Ihnen schauen lassen.

Das sorgt für einen sehr schmeichelhaften, weichen und

niedrigen Kontrast im Gesicht.

Es lohnt sich zu lernen, wie man mit Schatten arbeitet,

insbesondere an sonnigen Tagen, wenn Sie mit Motiven arbeiten,

die fast gänzlich weiße oder schwarze Kleidung tragen. Bei hellen

Lichtverhältnissen kann das ein Belichtungsalbtraum sein.

Weißabgleich

Die meisten Anfänger stellen den

Weißabgleich auf Auto und erhalten

normalerweise gute Ergebnisse. Aber

wenn Sie den Weißabgleich an die

Lichtverhältnisse anpassen, erhalten Sie

akkuratere Ergebnisse. Wenn Sie zum

Beispiel AWB wählen, sieht ein Foto im

Schatten sehr bläulich aus. Aber wenn

Sie die Einstellung „Schatten“

verwenden, erhalten Sie ein wärmeres

Ergebnis. Sie können sogar einen Schritt

weiter gehen und den benutzerdefinierten

Weißabgleich oder eine der anderen

Einstellungen verwenden, um Bilder zu

erschaffen, die absichtlich einen

wärmeren oder kühleren Ton haben.

Fotografieren im Schatten

1 2

Wir haben den professionellen Fotografen Brett

Harkness gebeten, uns sein Vorgehen für das

Fotografieren im Schatten zu zeigen. Diese Gasse

war perfekt. Sie bot etwas Schatten, und das

beschränkte Licht war weich und ließ sich leicht

kontrollieren. Um das gewünschte Licht auf Emma

fallen zu lassen, ließ er sein Modell sehr langsam

von der Mitte der Gasse zu sich laufen, bis er damit

zufrieden war, wie ihr Gesicht beleuchtet ist.

Da die Lichtverhältnisse schwach waren, fing

1Brett mit einer Blendenöffnung von f/4 an und

erhöhte den ISO-Wert auf 640, um eine

ausreichende Verschlusszeit für den Handbetrieb zu

erzeugen. Die ersten paar Bilder waren gut, aber es

war noch sehr viel vom verschwommenen

Hintergrund bemerkbar. Brett zoomte heran, um

einen besseren Ausschnitt von Kopf und Schulter zu

erhalten. Viel besser!

Um ein anderes Bild zu bekommen, positionierte

2er Emma gegen eine Wand. Aber indem er sie

bewegte, wurde das Licht auf Ihrem Gesicht

reduziert, so dass er einen Reflektor holte. Wir

entschieden uns für die silberne Seite des Lastolite

Sunfire-Reflektors, da diese für den stärksten

Reflexionsgrad sorgte und viele Schatten ausfüllte.

Wenn Sie eine weite Blendenöffnung wie f/4

verwenden, müssen Sie mit dem Fokuspunkt extrem

vorsichtig sein. Brett hat hier Emmas Augen mit dem

selektiven Fokus scharf gestellt, wodurch Vorder- und

Hintergrund verschwommen sind. Die Mauer liefert

zudem eine hilfreiche Einführungslinie zu Emmas

Gesicht, was die Komposition stärkt.


Fertiges Bild

Wir haben unsere Favoriten

ausgewählt und sie in

Schwarzweißbilder

umgewandelt. Achten Sie

darauf, wie das schattige Licht

wunderschöne weiche

Hauttöne erschafft.


36 Outdoor-Techniken: Die „magische Stunde” Der essentielle Leitfaden für Porträts 2. Ausgabe

Aufnahmen am frühen Abend

Daniel Lezano zeigt uns, wie man die Herausforderungen

bei Aufnahmen kurz vor Sonnenuntergang meistert.

MIT DEM BEGRIFF „DIE MAGISCHE STUNDE” bezeichnen Landschaftsfotografen die

Zeit früh am Morgen oder am frühen Abend, wenn die Sonne so tief am Himmel steht,

dass der ganze Himmel in ein goldenes Licht getaucht wird. Bei Landschaftsbildern

kann dieses Licht für einen dreidimensionalen Effekt sorgen, da das Restlicht Schatten

erzeugt, die der Landschaft Tiefe und Kontur geben. Bei der Porträtfotografie lässt dieses

Licht die Haut des Modells sowie den Hintergrund wärmer wirken.

Zu dieser Tageszeit zu arbeiten, hat seine Vorteile, aber man muss auch sehr schnell

sein. Man hat nur ein Zeitfenster von ein paar Minuten, bevor die Sonne untergeht.

Außerdem muss man auch Glück mit dem Wetter haben. Wenn der Himmel nämlich

bewölkt ist, hat man nur wenig oder gar kein goldenes Licht, mit dem man arbeiten

kann. Falls aber alles passt, kann man das Modell Richtung Sonne schauen lassen oder

den Sonnenuntergang als malerischen Hintergrund verwenden.

Ein weiterer Vorteil der tief stehenden Sonne ist, dass man ein sehr weiches Licht und

viele Schatten hat. Sie können also ganz auf Beleuchtungshilfen verzichten.

Nichtsdestotrotz werden Sie feststellen, dass Reflektoren selbst bei geringer Lichtstärke

wie aus dem Nichts etwas Beleuchtung hervorzaubern! Die zusätzliche Reflexion ist

nützlich, da die Verschlusszeit wegen der geringen Lichtstärke länger ist. Somit ist die

Verwacklungsgefahr nicht so groß.

Für ein paar Beispielporträts bei diesen Lichtbedingungen bin ich mit der Tochter einer

Freundin zu einem Park gefahren. Ruby hat blonde, lockige Haare, die meiner Meinung

nach in der Spätnachmittagssonne ideal zur Geltung kommen. Anstatt mit bunter

Kleidung einen Kontrast zu den Braun- und Grüntönen im Park herzustellen, habe ich

Ruby neutrale Farbtöne tragen lassen, um die Farbgebung der Landschaft zu ergänzen.

Bei einem knappen Zeitfenster empfiehlt es sich, bereits zehn Minuten vor der

Aufnahme vor Ort zu sein, damit man sich ein gutes Bild von den Bedingungen machen

kann. Als Aufnahmeort wählte ich einen Punkt bei einer Bank an einem Teich. Der Blick

auf den Horizont war frei, sodass ich länger Licht hatte, als wenn ich mit Bäumen im

Hintergrund gearbeitet hätte.

Ich hatte einen weißen, einen silberfarbenen und einen goldfarbenen Reflektor dabei,

die Rubys Mutter für mich bei Bedarf gehalten hat. Der weiße Reflektor ist bei

Tageslichtaufnahmen meist die erste Wahl, wirft jedoch bei der geringen Lichtstärke

vielleicht nicht genug Licht zurück. Der silber- oder goldfarbene Reflektor eignet sich hier

besser. Beim goldfarbenen Reflektor sollte man jedoch daran denken, dass das Licht der

Sonne an sich schon sehr warm ist. Dieser Effekt sollte nicht übersteigert werden.

Wie bei fast allen meinen Porträtbildern habe ich meine DSLR (Objektiv 50 mm 1:1,8)

auf Zeitautomatik gestellt und die Anfangsblende 5,6 gewählt. Der Weißabgleich stand

aufgrund der sich ändernden Lichtbedingungen auf AWB, und ich habe Aufnahmen in

den Formaten RAW und JPEG gemacht, um den Weißabgleich in der Nachbearbeitung

bei Bedarf anpassen zu können.

Die Sonne ist immer noch am Himmel sichtbar. Ich habe Ruby mit dem Rücken zur

Sonne vor einen See stehen lassen, um aus dem goldfarbenen Hintergrund das Maximale

herauszuholen. Ihre Haare glühen förmlich durch das Sonnenlicht, doch das Blendlicht ist

zu stark. Der Mangel an Kontrast wirkt sich negativ auf das Bild aus.

Ich habe Ruby vor einen Baum stehen lassen und die Aufnahmen von verschiedenen

Standpunkten aus gemacht. Dabei habe ich beim Format variiert und habe Porträt- und

Landschaftsbilder gemacht. Der Baum und das goldfarbene Sonnenlicht zur Linken von

Ruby verleihen dem Bild das gewisse Etwas.

Verwacklungsgefahr vermeiden

Aufgrund der relativ langen Verschlusszeiten bei Shootings zu dieser Tageszeit,

sollten Sie unbedingt darauf achten, nicht zu verwackeln. Hierbei hilft Ihnen der

Bildstabilisator, falls Ihre Kamera oder Ihr Objektiv darüber verfügt. Außerdem

sollten Sie eine große Blendenöffnung verwenden, ungefähr 4-5,6 und die ISO-

Empfindlichkeit auf mindestens 400 einstellen. Zudem sollten Sie ein angemessenes

Teleobjektiv verwenden (50 mm bis 100 mm) und kein längeres, da sonst die

Verwacklungsgefahr größer ist. Mithilfe der Reziprokenregel können Sie herausfinden,

wann Verwacklungsgefahr besteht. Dafür müssen Sie sicherstellen, dass Ihre

Verschlusszeit mindestens gleich oder kürzer als der Kehrwert Ihres verwendeten

Objektivs ist. Bei einer Brennweite von 100 Millimetern sollte die Verschlusszeit also

maximal 1/100 Sekunde betragen, bei 200 Millimetern folglich 1/200 Sekunde usw.

1/30 Sekunde 1/60 Sekunde

Bevor die Sonne vollständig verschwunden und alles in Schatten getaucht ist, hat das

Licht immer noch einen leicht goldfarbenen Ton, der Rubys Haarfarbe hervorhebt. Mit

einem weißen Reflektor zur Linken von Ruby konnte ich zusätzliches Licht gewinnen,

um Schatten auszuleuchten, und dabei ihren natürlichen Hautton erhalten.

Zu viel Gold!

Seien Sie vorsichtig mit dem

goldfarbenen Reflektor: In Kombination

mit der Sonne kann der Effekt des

warmen Lichts zu stark sein, vor allem

wenn der Reflektor zu nahe an das

Modell gehalten wird. Nehmen Sie

den goldfarbenen Reflektor nur, wenn

sich das Modell im Schatten befindet,

andernfalls können Sie auf den

weißen oder silberfarbenen Reflektor

zurückgreifen.

goldfarben

weiß


Vorsicht windig!

Wenn Ihr Modell lange Haare hat, sollte es diese zu

einem Pferdeschwanz oder Zöpfen

zusammenbinden oder einen Hut aufsetzen. Bei

starkem Wind stören die Haare sonst. Sie können

Ihr Modell auch an einen windstillen Ort

positionieren, z. B. neben einer Mauer oder einem

Baum.

Fertiges Bild

Indem ich einen größeren Abstand

zum Modell eingehalten habe, konnte

ich Teile der Landschaft in das Bild

aufnehmen und die Aufnahme

interessanter gestalten. Ich habe die

Aufnahme im Hochformat gemacht,

wobei Ruby nicht in der Bildmitte ist.

Das Auge des Betrachters folgt der

Baumzeile und verweilt dann auf ihr.


38 Techniken für Innenaufnahmen: Verfügbares Licht

Der essentielle Leitfaden für Porträts 2. Ausgabe

BRETT HARKNESS

Verfügbare Lichtquellen nutzen

Wenn nicht genügend natürliches Licht vorhanden ist, so sind die im Haushalt

vorhandenen künstlichen Lichtquellen möglicherweise Ihre einzige Rettung. Wir

verraten Ihnen, wie Sie vorhandene Lichtquellen am besten nutzen.

BEI INNENAUFNAHMEN ist es wichtig, vorhandene

Lichtquellen richtig zu nutzen. Tagsüber ist dies

vielleicht das Sonnenlicht, das durch die Fenster oder

die Terrassentür scheint oder das leicht diffuse Licht,

das durch die Vorhänge dringt.

Wollte man alle Möglichkeiten beschreiben, wie man

das Tageslicht in Innenräumen gezielt nutzen kann,

so könnte man ein Buch darüber veröffentlichen.

Aber es genügt, einige einfache Lichttechniken zu

beherrschen, um großartige Resultate zu erzielen.

Das Tageslicht in Innenräumen ist normalerweise

diffus und nicht ausgerichtet, da es von den Wänden,

der Decke oder dem Fußboden reflektiert wird. Das

wirkt sich sehr vorteilhaft auf ein Bild aus. Wenn das

Licht aber besonders stark hereinbricht, empfiehlt es

sich, das Fenster mit einem Vorhang, einem

Musselintuch oder einem anderen dünnen, weißen

und lichtdurchlässigen Stoff abzudunkeln. Alternativ

können Sie das Modell etwas vom Fenster

wegbewegen, so dass das darauf scheinende Licht

etwas gedämpfter wird.

Ungeachtet der Art und Stärke des vorhandenen

Lichts, sollten Sie einen Reflektor verwenden. Mit

diesem Accessoire nutzt man selbst schwache

Lichtstrahlen optimal,da Sie mit ihm das

Umgebungslicht auf das Gesicht des Modells

umleiten können. Wenn Sie noch keinen Reflektor

haben, so sollten Sie sich einen Weiß/Silber-Reflektor

zulegen oder noch besser einen 3-in-1-Reflektor, der

auch über eine Goldbeschichtung verfügt.

Wenn Sie Schwierigkeiten haben, einen neutralen

Hintergrund zu finden, so stellen Sie Ihr Modell vor

das Fenster. Dadurch erhalten Sie einen weißen

Hintergrund. Werfen Sie das Sonnenlicht dann mit

einem Reflektor auf das Gesicht des Modells. Sie

können sich auch mit dem Rücken zum Fenster

stellen und das Modell aus dem Fenster blicken

lassen. So wird das Gesicht des Modells gleichmäßig

mit gedämpftem Licht beleuchtet. Sollten Sie mehr

Schatten wollen, lassen Sie das Modell seitlich zum

Fenster stehen und leuchten Sie die

gegenüberliegende Seite mithilfe des Reflektors aus.

Je größer das Fenster, desto weicher ist das Licht

normalerweise. Und wenn Sie ein großes Fenster im

Hintergrund haben, können Sie die Augen des

Modells damit auch wirkungsvoll in Szene setzen.

Nachts beschränkt sich das vorhandene Licht auf die

jeweilige Raumbeleuchtung. Dabei kann es sich um

eine gewöhnliche Glühbirne, in Decken eingebaute

Halogenlampen oder Strahler handeln. Und in

Küchen findet man häufig Neonbeleuchtung vor. Die

Lichtstreuung ist dabei sehr unterschiedlich und

bietet vom gerichteten Licht der Strahler über das

nicht gerichtete Licht der Glühbirnen viele

Möglichkeiten. Diese gilt es genau abzuwägen, um

die bestmögliche Ausleuchtung des Motivs zu

gewährleisten. Bedenken Sie auch, dass jedes Licht

eine eigene Farbtemperatur hat. Wählen Sie also die

richtigen Einstellungen für den Weißabgleich, um

präzise Farben zu erhalten oder verwenden Sie eine

Graukarte, um den Weißabgleich mit Ihrer digitalen

Spiegelreflexkamera durchzuführen (in der

Bedienungsanleitung Ihres Fotoapparats lesen Sie,

wie Sie vorgehen müssen).

Sie können auch bewusst mit den „falschen“ Werten

des Weißabgleichs arbeiten, wenn Sie zum Beispiel

eine besonders warme oder kalte Stimmung in der

Aufnahme erzeugen wollen. Egal, für welche

Methode Sie sich entscheiden, wir empfehlen Ihnen,

das Foto im RAW-Format zu aufzunehmen. Dann

können Sie den Weißabgleich einfach nachjustieren,

bevor Sie die Bilder auf Ihrem Computer vom

RAW-Format in eine JPEG-Datei konvertieren.

Die Badewanne als Reflektor

Wenn Ihr Badezimmer nicht gerade in Avocado-farbenen Tönen

oder Rosa gehalten ist, ist es vielleicht das einzige Zimmer im

Haus, in dem Sie sauberes, weißes Licht finden werden. Es kann

der ideale Ort sein, um natürliches Licht zu optimieren. Die weißen

Wände funktionieren wie eine riesige Softbox. Wenn das Licht

trotzdem zu schwach ist, könnten Sie Ihr Objekt in eine weiße

Badewanne setzen. Denn die Wände der Badewanne leiten das

Licht um und wirken dadurch wie ein Reflektor. Diese Technik

bietet sich besonders bei Kindern an. Sie können auch das Blitzlicht

von den Wänden der Badewanne reflektieren, um eine ähnliche

Wirkung zu erzielen.

Oben: Das Bild stimmungsvoll und geheimnisvoll wirken lassen

Fensterlicht ist perfekt für schöne Porträtbilder. Verleihen Sie dem Foto etwas

Flair, indem Sie das Objekt aus dem Fenster blicken lassen und Blickkontakt

vermeiden. Wenn Sie das Bild unterbelichten, erscheint das Motiv etwas

dunkler.

Links: Was tut man nicht alles für Kinder!

Stellen Sie sich auf alles ein, wenn Sie Kinder fotografieren. Halten Sie sich von

Anfang an bereit, damit Sie ja keine Chance verpassen, ein natürliches Bild zu

schießen.

BRETT HARKNESS BRETT HARKNESS


Mit dem Rücken zum Fenster

Wenn Sie das Gesicht Ihres Modells

gleichmäßig ausleuchten wollen, so

stellen Sie sich mit dem Rücken zum

Fenster und lassen das Modell aus dem

Fenster ins Licht blicken.

PAUL WARD


40 Techniken für Innenaufnahmen: Tageslicht vom Fenster Der essentielle Leitfaden für Porträts 2. Ausgabe

Porträtaufnahme im Fensterlicht

STEWART BYWATER:

Wenn das unberechenbare englische

Wetter Sie wieder einmal davon

abhält, das Haus zu verlassen,

können Sie einfach mit Hilfe einer simplen

Technik zu Hause Porträtaufnahmen mit dem

Tageslicht vom Fenster erstellen. Viele der besten

Porträtfotografen bevorzugen Aufnahmen mit

Fensterlicht vor denen, die mit künstlichen

Lichtquellen erzeugt werden, da sie viel

natürlicher wirken und einfach verändert werden

können. So kann der Fotograf eine Unschärfe

durch Vorhänge oder verschiedene Papiersorten

erreichen oder mit einem Reflektor Licht auf das

Motiv fallen lassen. Mit dieser traditionellen und

einfachen Fototechnik gelingt Ihnen bei jedem

Wetter ein hervorragendes Foto! Mein Motiv bei

dieser Fotosession war Bob, ein Nachbar, der

sich freundlicherweise bereit erklärte, mir Modell

zu stehen. Bob sieht sehr jung aus für sein Alter

(er ist 80), und sein Gesicht strahlt sehr viel

Charakter aus – ein Faktor, den man bei der Wahl

des Modells beachten sollte, vor allem wenn das

Foto schwarz-weiß werden soll.

ZEITAUFWAND

20 MINUTEN

BENÖTIGTES EQUIPMENT

NIKON D700 MIT 105 MM

MAKROLINSEN UND STATIV

WAS WIR NOCH VERWENDETEN

5-IN-1-REFLEKTOR

Holen Sie sich Hilfe!

Wenn Sie bei Ihrem Shooting keinen

Assistenten haben, bitten Sie die Person,

die Sie ablichten, den Reflektor seitlich

zu halten.

Verwendung eines Reflektors

Bei der Aufnahme eines Porträts im Fensterlicht

sitzt das Modell seitlich zum Fenster. Dadurch

wird eine Seite des Gesichts erhellt, die andere

Seite bleibt im Schatten. Mit dieser Technik

gelingen sehr ansprechende und kontrastreiche

Aufnahmen. Wenn Sie dies nicht wollen, besteht

die Möglichkeit, die ungleichmäßige Beleuchtung

zu korrigieren, indem Sie einen Reflektor

verwenden, der diejenigen Gesichtspartien

ausleuchtet, auf die Schatten fallen. Ich habe hier

den 5-in-1 Reflektor verwendet. Unten sehen Sie

den Effekt, der durch die unterschiedlichen Farbtöne

auf Bobs Gesicht entstehen.

Keiner Weiß Silber Gold

1Zunächst stellte ich einen Stuhl ans Fenster. Die Wahl des richtigen Platzes ist wichtig.

Überlegen Sie, wo genau das Gesicht des Modells fotografiert wird. Der Trick liegt

darin, sicherzustellen, dass das Licht direkt auf das Gesicht fällt. Nun stellte ich mein

Stativ auf und montierte die Kamera. Ich prüfte anhand des Suchers, ob sich die Kamera für

die gewünschte Nahaufnahme in korrekter Entfernung zu Bob befindet.

2Nachdem alles am richtigen Platz war, sollte sich Bob bequem hinzusetzen. Ich stellte

die Kamera auf ISO 200 ein und wählte die Blende 2,8, da ich lediglich die Augen von

Bob sowie die Vorderseite seines Gesichtes fokussieren wollte und der Hintergrund

unscharf bleiben sollte. Dann machte ich ein paar Aufnahmen und prüfte sie auf der

LCD-Anzeige der Kamera.

3Aufgrund der schlechten Lichtverhältnisse war die Belichtungszeit länger als

erwünscht. Jede kleinste Bewegung von Bob machte sich bemerkbar, sodass die

Gesichtszüge aufgrund der geringen Schärfentiefe leicht verzerrt waren. Deshalb

erhöhte ich den ISO-Wert auf 1000 und wählte die Blende 5,6. So ergaben sich eine etwas

längere Belichtungszeit und eine größere Schärfentiefe.

4Ich machte ein paar Aufnahmen von Bob, der direkt in die Kamera blickte. Auf den

Fotos kam aber sein Temperament nicht zur Geltung. So begann ich mich mit Bob zu

unterhalten. Für seine 80 Jahre sah Bob erstaunlich jung aus, und er hatte einen

großartigen Sinn für Humor. Nachdem sein Gesicht nun mehr Emotionen ausstrahlte, traten

auch mehr Lachfältchen zu Tage, und es gelang mir, interessante Aufnahmen zu machen.


2. Ausgabe Der essentielle Leitfaden für Porträts

Techniken für Innenaufnahmen: Tageslicht vom Fenster 41

Catchlight-Effekt in den Augen!

Je nachdem, ob das Modell näher oder weiter

entfernt vom Fenster positioniert ist, lässt sich der

Catchlight-Effekt (Lichtreflexionen in den Augen

des Objektes) erhöhen oder verringern.

Fertiges Bild

Dieses Foto ist eines meiner

Lieblingsfotos aus der Fotosession

mit Bob, da es seinen Charakter

sehr gut wiedergibt. Ursprünglich

wollte ich dieses Foto in

Schwarz-Weiß aufnehmen, wählte

dann aber in Photoshop CSS ein

dunkles Schokobraun als zweite

Farbe.


42 Techniken für Innenaufnahmen: Tageslicht vom Fenster Der essentielle Leitfaden für Porträts 2. Ausgabe

Machen Sie eine zeitgenössische Porträtaufnahme

DANIEL LEZANO: Viele der führenden Lifestyle-Fotografen verwenden nicht

mehr als das Tageslicht der Umgebung beim Großteil ihrer Porträts. Wenn wir

also die Vorteile von hellen, sonnigen Tagen zur Verfügung haben, sollten wir

diese nutzen, um einfache aber effektive Porträts von Freunden und

Familienmitgliedern zu fotografieren. Das Beste bei Lifestyle-Porträts ist, dass Sie diese

mit minimaler Ausrüstung anfertigen können. Ihre DSLR mit einem Objektiv reicht aus,

auch wenn ich mein bescheidenes (und günstiges!) 50-mm f/1,8-Objektiv verwende.

Aufgrund der Unvorhersehbarkeit von Tageslicht können Hilfsmittel wie Reflektoren und

Diffusoren hilfreich sein, aber sie sind nicht notwendig. Das wichtigste ist, dass Sie

daran denken, ein „sauberes“ Foto zu schießen. Das bedeutet, dass Sie das Motiv und

die Ausstattung so einfach wie möglich halten sollten. Ich habe mich für eine klassische

Kombination entschieden und lasse mein Motiv Bethany ein weißes Oberteil und Jeans

tragen. Ich habe Sie auf dem Laminatboden meines Wohnzimmers liegend fotografiert.

Bereiten Sie sich vor

ERFORDERLICHE ZEIT:

15 MINUTEN

BENÖTIGTE AUSSTATTUNG:

CANON EOS 5D MKII MIT

50 MM F/1,8

AUCH VERWENDET :

SILBERNER REFLEKTOR

UND LASTOLITE

DIFFUSOR

Fotografieren in Schieflage

Ein Trick bei der Komposition, der von vielen

Lifestyle-Fotografen verwendet wird, ist es,

die Kamera schräg zu halten, so dass die

Bilder mit einem ungleichmäßigen Horizont

fotografiert werden. Diese einfache Technik

fügt dem Bild etwas Energie hinzu und ist

sehr effektiv. Achten Sie nur darauf, dass Sie

die Kamera nicht zu sehr kippen.

Passen Sie mit dem Fokus auf!

Sie müssen bei der Verwendung einer weiten

Blendenöffnung sicherstellen, dass Ihr Fokus präzise

ist. Die große Blende liefert Ihnen eine beschränkte

Schärfentiefe und lässt nur wenig Platz für Fehler.

Wählen Sie Einzelpunkt-AF, speichern Sie den Fokus

auf dem Auge und komponieren Sie neu.

n Fokus

OBEN: Mein Esszimmer ist relativ klein, daher musste

ich alle Möbel entfernen. Da mein Modell auf dem Boden

liegt, reinige ich den Boden vorher mit einem

Staubsauger, um ihn so sauber wie möglich zu machen.

Aufgrund des engen Raums öffne ich die Terrassentüren,

falls ich von der Terrasse aus fotografieren muss. Ich

werde im Zimmer anfangen zu fotografieren und die

weißen Wände als neutralen Hintergrund verwenden.

Die Verwendung einer weiten Blendenöffnung ist ideal

für diese Art von Foto. Ich werde die maximale

Blendenöffnung meines 50-mm-Objektivs ausprobieren,

die f/1,8 beträgt. Die meisten Aufnahmen werde ich aber

bei f/2,5 – 3,5 machen, das dies die Schärfe verbessert.

Diffundiertes Tageslicht

Für schmeichelhafte Porträts sollte das Licht so diffundiert wie möglich sein, um zu

verhindern, dass Ihr Model im direkten Sonnenlicht blinzelt. Versuchen Sie in diesem

Fall das Motiv neu zu platzieren, so dass es im Schatten ist, oder verwenden Sie einen n

Diffusor, um die Szene zu abzudunkeln (rechts einsetzen). Wenn nichts davon

funktioniert, sollten Sie vielleicht warten, bis die Position der Sonne sich ändert oder

fotografieren, wenn der Himmel bewölkter ist. Ein silberner Reflektor ist hilfreich für

das Ausfüllen von Schatten, selbst bei nicht richtungsgebundenem Licht.

Mein erstes Foto ist nur ein Test für Komposition und Belichtung. Ich habe eine

1 sehr deutliche Vorstellung von der Art des Fotos, auf dem Bethany Ihre

Unterschenkel und Füße zum Kopf winkelt. Das Foto ist nicht schlecht, die seitliche

Beleuchtung lässt ihre rechte Seite dunkel erscheinen.

Ich platziere einen silbernen Reflektor auf Bethanys rechter Seite. Das macht

2 einen deutlichen Unterschied. Es wird genug Licht reflektiert, um die Beleuchtung

Ihres Gesichts auszugleichen. Die Beleuchtung ist jetzt besser, aber die Wand im

Hintergrund lässt die ganze Szene für meinen Geschmack zu beengt erscheinen.


2. Ausgabe Der essentielle Leitfaden für Porträts

Techniken für Innenaufnahmen: Tageslicht vom Fenster 43

Fertiges Bild

Mein nächstes Bild ist perfekt. Ich muss nur

noch minimale Änderungen in der

Nachbearbeitung vornehmen. Ich habe den

Kontrast über die Gradationskurven in

Photoshop angehoben und das Bild leicht

zugeschnitten, um das ursprünglich

gewünschte Ergebnis zu erhalten. Probieren

Sie es aus. Sie werden überrascht sein, wie

einfach es ist, ein ausgezeichnetes

Lifestyle-Porträt zu Hause zu fotografieren.

Ich versetze Bethany und verlege meine Position, so dass ich jetzt von der Terrasse

3 ins Zimmer fotografiere, anstatt von der Seite. Ich schließe die Jalousien im

Hintergrund, um diesen zu verdunkeln. Der leere Raum im Hintergrund stellt eine

Verbesserung dar, aber mein Standpunkt befindet sich zu hoch.

Ich gehe in die Hocke. Der tiefere Standpunkt ist wesentlich besser. Allerdings hat

4 die Mehrfeldmessung Bethanys Gesicht ausgebleicht, da der dunkle Hintergrund

für eine Überbelichtung der Szene gesorgt hat. Das lässt sich einfach durch den

negativen Belichtungsausgleich korrigieren. Ich stelle fest, dass -2/3EV die ideale

Einstellung ist.


44 Techniken für Innenaufnahmen: Ideen für jeden Raum Der essentielle Leitfaden für Porträts 2. Ausgabe

Projekt: Zimmer mit Aussicht

Paul Ward zeigt die vielfältigen Möglichkeiten, die jedes

Zimmer für Porträtaufnahmen bietet.

WIR HABEN den Porträtfotografen Paul Ward gebeten, innerhalb einer Stunde in

jedem Zimmer eines Hauses ein Porträt anzufertigen und dabei unterschiedliche

Lichtquellen und Techniken zu verwenden, um so die Möglichkeiten von Licht,

Blitz und Fantasie aufzuzeigen. Wie Sie sehen, setzte er trotz des Zeitdrucks

kreativ und erfolgreich Fensterlicht, Blitzlicht, Kerzen und sogar

Weihnachtsbeleuchtung sowie ganz normale Haushaltsglühbirnen ein! Am Ende

des Artikels zweifeln Sie nicht mehr daran, dass Sie zu Hause genügend

Möglichkeiten haben, um schöne Porträts zu erstellen. Versuchen Sie es am

besten gleich!

1) Elternschlafzimmer: Diffuses Fensterlicht

Sofort bei Betreten des Schlafzimmers wählte Paul Ward die Fenster und den Spiegel, um

ein ansprechendes Raumlicht und einen interessanten Hintergrund zu schaffen. Rebecca

positionierte er seitlich des mit Tüllgardinen behangenen Fensters und experimentierte mit

einigen Ideen. Zunächst bat er Rebecca, den Kopf vom Fenster abzuwenden, um das Licht

vom Fenster als weißen Hintergrund zu verwenden. Dadurch fiel Schatten auf ihr Gesicht und

ein Freund positionierte daher seitlich neben Rebecca einen Reflektor, sodass das Licht vom

Fenster wieder auf ihr Gesicht fiel. Dann wies Paul Ward Rebecca an, zum Fenster zu blicken.

Um mehr Schatten zu erzeugen, wurde der Vorhang leicht geöffnet. Da nur begrenzt Platz für

ein Stativ war, stellte Paul Ward seine digitale SRL auf manuellen Betrieb um und wählte eine

Blende von 2,8 sowie eine Belichtungszeit von 1/60 Sekunden bei ISO 800.

2) Speisezimmer:

Kerzenlicht

Dunkeln Sie das Zimmer ab und zünden Sie einige

Kerzen an. Ihr Modell sollte so nah wie möglich an der

Lichtquelle sitzen, damit das Gesicht hell erleuchtet

wird. Außerdem sollte das Modell sehr ruhig sitzen,

um einen hohen ISO-Wert zu vermeiden. Stellen Sie

die Blende auf mindestens 2,8 im Verschlussprioritäts-

Modus, um maximales Licht zu erhalten. Wenn Sie

Probleme mit dem Autofokus-Modus haben, stellen

Sie auf manuellen Betrieb oder Live View um und

optimieren Sie die Scharfeinstellung.

3) Wohnzimmer:

eine Glühbirne

Eine einzige Glühbirne kann

kontrastreiche Aufnahmen erzielen,

denn Glühbirnen sind Lichtquellen,

die harte Schatten erzeugen.

Versuchen Sie, die Glühbirne auf

Höhe des Kopfes des Modells und

vor seinem Gesicht zu positionieren,

damit die Schatten minimal gehalten

werden. Verwenden Sie entweder

einen hohen ISO-Wert mit einer

Blende von 2,8 oder höher oder

montieren Sie die Kamera auf ein

Stativ und bitten das Modell, sehr

ruhig zu sitzen. Denken Sie daran,

den Weißabgleich auf Kunstlicht

umzustellen!


2. Ausgabe Der essentielle Leitfaden für Porträts

Techniken für Innenaufnahmen: Ideen für jeden Raum 45

4) Loft: Bounce-Blitz

Das Prinzip für diese Aufnahme lässt

sich in jedem Raum anwenden, der

über weiße Wände oder eine weiße

Decke verfügt. Paul Ward wählte die

Tapete als Hintergrund. Da der übrige

Raum weiß war, setzte er einen Blitz

gegen die Wand hinter ihm ein, um

Rebecca gleichmäßig auszuleuchten.

Und obwohl der Effekt schon

ausreichte, lenkte er auch noch einen

zweiten Blitz in einen Reflektorschirm

und machte eine Aufnahme von

Rebecca im 45-Grad-Winkel.

5) Gästezimmer:

Weihnachtsbeleuchtung

Diese Aufnahme kann in jedem

völlig abgedunkelten Raum erfolgen.

Arrangieren Sie Weihnachtsbeleuchtung

im Raum oder dekorieren die Lichter

um das Modell. Sie benötigen einen

hohen ISO-Wert von mindestens 800

und eine weite Blende von etwa 1,8

und idealerweise ein 50-mm-Objektiv.

Solange Sie die Lichter auf oder in der

Nähe des Gesichtes platzieren, sollte der

Autofokus der Kamera die Augen des

Modells fokussieren; ist das nicht der

Fall, stellen Sie auf manuellen Fokus um.

6) Badezimmer: Diffuses Fensterlicht

Starkes Sonnenlicht lässt sich mit Jalousien regulieren. Bei diesen Aufnahmen wurden

sie eingesetzt, da im Verlauf des Fotoshootings das Licht immer heller wurde. Nach einer

Testaufnahme im manuellen Modus war klar, dass eine Blende von 6,3 nicht ausreichen würde,

da die Fotos sogar bei ISO 800 unterbelichtet waren. Paul Ward öffnete also die Blende auf 4

und wählte eine Belichtungsdauer von 1/160 Sekunden bzw. 1/125 Sekunden sowie ISO 400,

um das Bildrauschen zu verringern. Dann bat er Rebecca, sich seitlich zum Fenster zu drehen,

da durch die Jalousien auf ihrem Gesicht Kontraste erzeugt werden konnten. Obwohl Paul

Ward normalerweise den Weißabgleich verändert, um ihn an die Lichtverhältnisse anzupassen

(in diesem Fall Tageslicht) und damit die besten Resultate erzielt, testete er hier auch einen

Kunstlicht-Weißabgleich, um dem Bild einen kreativen Blaustich zu geben.

Kunstlicht-Weißabgleich


46 Techniken für Innenaufnahmen: Wärme erzeugen

Der essentielle Leitfaden für Porträts 2. Ausgabe

Fügen Sie Winterbildern ein warmes Gefühl hinzu

Finden Sie heraus, wie man ein Schwachlicht-Porträt an einem Kaminfeuer fotografiert

Es gibt nichts Schöneres, als sich an einem lodernden

Kaminfeuer zusammenzurollen, wenn es draußen eiskalt

ist. Das Licht des Feuers löst ein Gefühl von Wärme und

Komfort aus, das auch zu einer stimmungsvollen

Porträtausleuchtung führen kann. Leider wirft ein Feuer

nicht so viel Licht aus, wie Sie vielleicht denken, sodass

Sie oft auf lange Verschlusszeiten und hohe ISO-Werte

angewiesen sind. Sie könnten ein Stativ zur Verringerung

des Verwacklungsrisikos benutzen, aber Sie müssen

dennoch darauf achten, dass Ihr Motiv sich nicht bewegt

um die Aufnahme nicht zu ruinieren.

Der Einsatz eines Objektivs mit einer schnellen Blende

wie einem 50-mm-f/1,8 hilft bei Aufnahmen mit

begrenztem Licht und hat den Bonus, eine attraktive,

geringe Tiefenschärfe zu bieten. Selbst mit einer Blende

von f/1,8 müssen Sie Ihre ISO auf 800 oder sogar 1250

einstellen, um eine entsprechend schnelle Verschlusszeit

zur Vermeidung von Bewegungsunschärfe zu erzielen.

Gehen Sie nicht unter 1/60 Sekunden, weil Ihr Motiv

anderenfalls unscharf erscheinen mag. Obwohl Sie im

Schwachlichtbereich arbeiten werden, können Sie eine

ganze Menge Kontrast in der Aufnahme erwarten, sodass

die Benutzung des Autofokus kein Problem darstellen

sollte. Aber wenn Sie feststellen, dass die Kamera

Probleme mit der Fokussierung der Augen hat, wechseln

Sie zur Benutzung des manuellen Fokus. Denken Sie

daran, dass Sie bei der Arbeit mit einer weiten Blende wie

f/1,8 und geringer Schärfentiefe extrem vorsichtig sein

müssen, auf die richtige Stelle zu fokussieren, so dass das

Bild nicht unscharf wiedergegeben wird.

Es ist eine ganze Menge des Experimentierens bei

dieser Art von Aufnahme nötig, so dass Sie sicher stellen

sollten, dass Sie ein sehr kooperatives Modell haben und

sich bewußt sind, wie warm es für dieses nahe am Feuer

sein kann. Ein Kaminfeuer ist oft ein Blickfang für die

Menschen, so dass es nicht unnatürlich aussieht, wenn

jemanden hineinsieht. Wenn ein Kind von den Flammen

lange genug fasziniert werden kann, still zu sitzen, könnten

Sie ein paar tolle Kinderportraits einfangen. Oder

versuchen Sie stattdessen, ein Paar vor dem Kamin mit

einer Flasche Wein für ein romantisches Porträt zu

positionieren. Katzen und Hunde liegen oft am Kaminfeuer

und können perfekte Medien für diese Art von Aufnahmen

darstellen. Profi-Fotograf Paul Ward zeigt uns, wie er diese

schöne stimmungsvolle Aufnahme von Megan bei ihr zu

Hause mit einem Standardobjektiv erstellt hat: dem

Canon EOS 50 mm f/1,8.

Machen Sie dampfende

Außenporträts

Ein effektiver Weg, ein Gefühl vom Wärme in einem

Winter-Aussenportrait zu erzeugen, ist die Erfassung eines

in Winterkleidung eingehüllten Mediums, ein dampfendes

Getränk umklammernd. Es ist der aufsteigende Dampf

aus der Flüssigkeit, dass dieser Fotografie Atmosphäre

verleiht. Sie müssen einen Weg finden, dies zu verbessern,

während sie ebenso ihr Motiv gut ausleuchten. Während

Sie möglicherweise den Dampf deutlich sehen können,

kann die Kamera Probleme haben, ihn abzubilden. Um

dabei zu helfen, positionieren Sie Ihr Motiv so, dass der

Dampf vor einem dunklen Hintergrund mit der Sonne

dahinter steht, um den Dampf zu illuminieren – vor einem

hellen Hintergrund wird der Dampf nicht angezeigt

werden.

heller Hintergrund

dunkler Hintergrund

ISO 640

ISO 1250

Ich habe zuerst ein paar Testaufnahmen im Zeitautomatik-Modus mit der

1Kameraeinstellung auf f/1,8 durchgeführt, um die maximale Menge an Licht

einzulassen. Ich fand, dass ich die ISO von 640 auf 1250 erhöhen mußte, um eine

ausreichend schnelle Verschlusszeit zur Verringerung des Risikos von

Bewegungsunschärfe zu erhalten.

In Zeitautomatik reagiert die Kamera auf das wechselnde Licht auf Megans Gesicht. Es ist

2manchmal überbelichtet. Daher habe ich, sobald ich die beste Aufnahmeneinstellung hatte

(1/60 bis 1/100 Sekunde bei f/1,8, ISO 1250), den manuellen Modus gewählt, um jedes Mal die

gleichen Ergebnisse zu erhalten.

Als nächstes habe ich versucht herauszufinden, ob eine Neupositionierung von Megan auf

3der anderen Seite des Feuers das Licht auf ihrem Gesicht verbessert. Leider bedeutete der

natürliche Fall ihres Haares, dass es ihr Gesicht bedeckte und Schatten erzeugte. Wieder

zurückkehrend zu ihrer ursprünglichen Seite bat ich sie, ihr Haar zurückzubinden, um zu sehen,

ob dies die Aufnahmen verbessert.

Zur Steigerung des Lichtes experimentierte ich mit der Weißabgleich-Einstellung, um zu

4sehen, ob ich es etwas wärmer machen kann. Nachdem ich das Bild hatte, das mir gefiel,

habe ich versucht, das Bild in Photoshop (Layer > neue Einstellungsebene > Schwarz-Weiß) in

Schwarz-Weiß zu konvertieren, aber es zerstörte völlig die Atmosphäre.


Fertiges Bild

Das zurückgebundene Haar

ermöglichte dem Feuerschein,

Megans Gesicht mit minimalen

Schatten zu illuminieren. Sie

könnten ein ähnliches Ergebnis

mit einer Porträtaufnahme bei

Kerzenschein erzielen, wenn Sie

kein Kaminfeuer haben.


48 Einsatz von Blitzgeräten: Eine Einführung Der essentielle Leitfaden für Porträts 2. Ausgabe

Lernen Sie alles über Blitzfotografie

Die Verwendung von Blitzlicht ist nicht so schwierig, wie Sie denken.

Man muss nur wissen, was, wann und wie man Blitzlicht einsetzt.

JEDER IST ENTTÄUSCHT, wenn nach einer Aufnahme mit Blitzlicht ein Foto zustande

kommt, das die Stimmung nicht korrekt wiedergibt. Dies passiert in der Regel, wenn Fotos

im Automodus aufgenommen werden und der Fotograf nicht darüber nachgedacht hat, was

er tut und wie er es tut. Das Geheimnis guter Blitzlichtaufnahmen liegt darin, alle

Belichtungsmodi der Kamera zu nutzen und zu überlegen, wie sich das Licht des Blitzes

– und auch das Licht anderer Quellen – auf das Foto auswirken.

Die Qualität eines mit Blitzlicht aufgenommenen Fotos hängt von den gewählten

Einstellungen ab. So können Sie zwischen Blendenpriorität und Programmbelichtungs-

Modus oder Automodus und Langzeitbelichtung wählen. Durch Veränderung der Modi

ändern Sie auch Einstellungen wie die der Verschlusszeit und damit wiederum das

Umgebungslicht, das der Sensor aufnimmt. Zudem wird das Blitzlicht durch

unterschiedliche Modi entweder zu Beginn oder am Ende der Belichtung ausgelöst. So

verändern Sie mit jeder Option, wie bewegte Objekte auf dem Foto wiedergegeben werden.

Diese Beschreibung klingt komplizierter als sie ist. Denn das Wunderbare an der digitalen

SLR-Fotografie ist, dass man so viel experimentieren und aus seinen Fehlern lernen kann.

Wir empfehlen Ihnen, verschiedene Möglichkeiten zu testen und unsere Tipps

auszuprobieren. Lassen Sie sich inspirieren, versuchen Sie diverse Einstellungen und nutzen

Sie die richtige Methode für Ihre Ideen. Und schon in kurzer Zeit werden Sie ständig mit

Blitzlicht arbeiten und überhaupt keine Angst mehr davor haben – egal, welches Motiv Sie

aufnehmen.

Gängige Blitzlichtmodi von DSLR-Kameras

Der Blitzlichtmodus definiert, wie DSLR-Kamera und Blitzlicht

zusammenarbeiten. Wir erläutern hier die gängigsten Blitzlichtmodi von digitalen

SLR-Kameras oder von am Blitzschuh montierbaren Blitzgeräten.

Auto Wird das Licht schwächer, aktiviert die DSLR-Kamera den integrierten Blitz.

Er wird die Blende mittels TTL-Blitzmessung messen, aber auch eine kurze

Belichtungszeit ansetzen, um das Verwacklungsrisiko zu vermindern. Praktisch,

aber nicht sehr kreativ.

Langzeitbelichtung Die längere Belichtungszeit nimmt das Umgebungslicht

korrekt auf. Dies eignet sich für Porträts, die nachts aufgenommen werden und die

Stimmung optimal wiedergeben sollen. Achten Sie darauf, dass die Kamera nicht

verwackelt.

Rear/2. Verschluss Funktioniert wie der Langzeitbelichtungs-Modus, jedoch

wird der Blitz wird am Ende der Belichtungszeit ausgelöst und nicht am Anfang.

Geeignet, wenn man bewegte, selbst leuchtende Objekte wie z. B. Autos mit

eingeschaltetem Licht effektvoll in Szene setzen möchte.

Verringerung roter Augen Der Rote-Augen-Effekt auf Blitzlichtporträts wird

durch Vorblitze vermieden oder reduziert, da die Pupillen der zu fotografierenden

Person vor der Aufnahme verengt werden.

Blitz aus Die Kamera wird daran gehindert, das integrierte Blitzlicht

automatisch auszulösen. Dies ist nützlicher als Sie denken, vor allem, wenn man

versucht, die Szene per Stativ bei schwachem Licht aufzunehmen.

Blitzbelichtungskorrektur Die DSLR-Kamera berechnet normalerwiese

automatisch, wie viel Blitzlicht nötig ist. Verwenden Sie diese Funktion, um die Menge

des austretenden Blitzlichtes manuell zu erhöhen oder verringern.

Ein wenig Fachchinesisch

BLITZBELICHTUNGSKORREKTUR Mit dieser Funktion erhöhen oder verringern Sie die

Blitzleistung durch Stopps und zwar genauso, wie Sie das Umgebungslicht anpassen

würden.

LEITZAHL Einheit zur Messung der Blitzleistung. Je höher die Zahl, desto höher die Leistung.

Im manuellen Blitzlichtmodus teilen Sie die Leitzahl durch die Entfernung zwischen Kamera

und Objekt in Metern und errechnen so die erforderliche Blende und Belichtungszeit.

AUFHELLBLITZ Mit dieser Funktion verwenden Sie den Blitz mit im Vergleich zur

Standardsynchronisierungszeit schnelleren Verschlusszeiten. Dies ist eine sehr nützliche

Funktion, wenn Sie im Freien bei Sonne und mit hohem Kontrast arbeiten.

MIT BLITZLICHT ZEICHNEN Während die Blende der Kamera über eine lange Zeit geöffnet

ist, wird aus unterschiedlichen Winkeln ein externer Blitz mehrfach auf das Motiv gerichtet.

VERSCHLUSSVORHANG SYNCHRONISIEREN Mit dieser Funktion synchronisiert das

Blitzgerät den Auslöser eher am Ende der Belichtungszeit als am Anfang. Sie wird auch

„zweiter Verschlussvorhang“ genannt und ist praktisch, wenn Sie Bewegungen mit

Langzeitbelichtungsblitz aufnehmen.

LANGZEITBELICHTUNG Der Blitz wird ausgelöst und gleichzeitig der Verschluss der Kamera

lange offen gehalten, sodass Blitz und Umgebungslicht erfasst werden.

TTL - BELICHTUNGSMESSUNG DURCH DIE LINSE Die Belichtungsmessung durch die Linse

(TTL) legt fest, wie Blitzgerät und Kamera zusammenarbeiten, um eine Szene richtig zu

belichten. Die Kamera errechnet die Leistung des Blitzgerätes, misst das einfallende Licht

und definiert die Blitzdauer.

KABELLOSES BLITZGERÄT Ein externes Blitzgerät ohne Kabel, das per Infrarotsender oder

durch ein anderes Blitzgerät ausgelöst wird.

Wie Sie die Blitzlichtmodi Ihrer DSLR-Kamera auswählen

Ihre Kamera bietet diverse Blitzlichtmodi für das eingebaute Blitzgerät. Bei einigen

Kameras können Sie sogar diese Funktionen an dem montierbaren Blitzgerät

auswählen.

CANON EOS 500D

(1) Drücken Sie MENÜ und gehen

zur ersten Registerkarte, um den

Rote-Augen-Effekt zu verringern. Sie

finden hier unter der Einstellung

Blitzlichtkontrolle eine Vielzahl von

Optionen, beispielsweise

Synchronisieren des ersten und

zweiten Verschlussvorhangs oder

Belichtungskompensation. Die

benutzerdefinierten Funktionen (die

siebte Registerkarte) bietet weitere

Optionen.

(2) Wählen Sie den Modus Blitzlicht

aus zum Deaktivieren des Blitzes.

NIKON D60

(1) Drücken und halten Sie die

Blitzlichttaste und drehen Sie den

Eingabeschalter, um den Modus des

Blitzlichtes zu verändern.

(2) Um die Belichtungskompensation n

einzustellen, drücken Sie auf die

Tasten Blitzlicht und

Belichtungskompensation und halten

diese gedrückt, während Sie den

Eingabeschalter drehen.

(3) Drücken Sie MENÜ und gehen

auf die dritte Registerkarte, um

benutzerdefinierte Funktionen und

weitere Blitzlichtoptionen

einzustellen.

(4) Wählen Sie den Modus Blitzlicht

aus zum Deaktivieren des Blitzes.

OLYMPUS E-420

(1) Drücken Sie die Blitzlichttaste,

um das Blitzlicht wider zu aktivieren

und drücken Sie noch einmal auf die

Taste, damit die Blitzlichtmodi auf

dem LCD-Monitor erscheinen.

(2) Drehen Sie den Daumenschalter

und wählen Sie einen

Blitzlichtmodus aus. Drücken Sie

OK, um die Option einzustellen.

(3) Drücken Sie MENÜ und gehen

Sie auf die vierte Registerkarte, um

benutzerdefinierte Funktionen

einzustellen, die weitere

Blitzlichtoptionen bietet.

PENTAX K200D

(1) Drücken Sie die Fn-Taste und dann

die Taste „Nach unten“ der

Vier-Wege-Steuerung, um den

Blitzlichtmodus auszuwählen.

Verwenden Sie dabei die Links- und

Rechtstasten der Vier-Wege-

Steuerung, um den Blitzlichtmodus

einzustellen oder den Daumenschalter,

um die Belichtungskompensation

auszuwählen.

(2) Drücken Sie MENÜ und gehen zu

den benutzerdefinierten Einstellungen

(vierte Registerkarte), um weitere

Blitzlichtoptionen einzustellen.

(3) Wählen Sie den Modus Blitzlicht

aus zum Deaktivieren des Blitzes.

SONY ALPHA 200

(1) Drücken Sie die Fn-Taste und

wählen die Blitzlichtmodusbox für

den Zugriff auf verschiedene

Optionen.

(2) Drücken Sie MENÜ und gehen

zur ersten Registerkarte, um weitere

Blitzlichtoptionen wie

Belichtungskompensation

einzustellen.

(3) Wählen Sie den Modus Blitzlicht

aus zum Deaktivieren des Blitzes.

3

3

2

3

1

2

1

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1

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1

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2

2


2. Ausgabe Der essentielle Leitfaden für Porträts

Einsatz von Blitzgeräten: Eine Einführung 49

BRETT HARKNESS

Die Anatomie des Blitzgerätes

6

1

4

2

5

7

3

Übernehmen Sie die Kontrolle

Erhellen Sie das Motiv durch

Blitzlicht und verwenden

gleichzeitig Farbfilter, um den

Hintergrund zu belichten.

1) BLITZKOPF lässt sich drehen und kippen, um das Licht von Wänden und Decke

zurückzuwerfen. Die meisten Blitzköpfe können zoomen, um das Licht an die Linse

anzupassen.

2) AF ASSIST projiziert einen Infrarotstrahl, um die Scharfstellung bei schwachem Licht

vornehmen zu können.

3) BLITZSCHUH verbindet Kamera und Blitzlicht. Wird verwendet, um den Blitz auszulösen

und die Daten für die Belichtungsmessung zu kommunizieren.

4) LCD-ANZEIGE zeigt den Status des Blitzgerätes. In diesem Fall sind Bemessungsmodus,

Entfernung, Zoomeinstellung und Blenden-Stopp sichtbar. Hier sehen wir, dass das Gerät im

TTL-Belichtungsmodus auf eine Blende von 10 mit 24-mm-Linse und eine Entfernung

zwischen 0,6 und 3,1 Metern eingestellt ist.

5) TASTEN UND KONTROLLRÄDCHEN dienen der Einstellung von fortgeschrittenen

Funktionen wie Blitzbelichtungskontrolle, Bemessungsmodus etc.

6) KLAPPBARER REFLEKTOR UND DIFFUSOR Der Reflektor kann mit dem Blitzgerät im

Bounce-Modus verwendet werden, um eine geringe Menge Licht auf das Objekt zu richten.

Der Diffusor wird verwendet, um das Licht über eine große Fläche zu verteilen, wenn die

Aufnahmen mit einem stark weitwinkligen Objektiv erfolgen.

7) STARTKNOPF UND WAHLSCHALTER schalten das Blitzgerät ein; hier wird dem Gerät

vorgeschrieben, wie es sich verhalten soll, wenn es außerhalb der Kamera im kabellosen

TTL-Modus eingesetzt wird.

Belichtungsmodi und Blitzlicht

Belichtungsmodi und Ihre Einstellungen beeinflussen das Blitzlicht unterschiedlicher DSLR-Kameras.

MARKE

PROGRAMMMODUS

BLENDENPRIORITÄT

VERSCHLUSSPRIORITÄT

BELICHTUNGSKORREKTUR

BLITZBELICHTUNGSKORREKTUR

CANON

Die Kamera stellt die Verschlusszeit

und Blende ein, erhöht aber

zugleich die Verschlusszeit, um das

Verwacklungsrisiko zu vermeiden.

Der Hintergrund kann dunkel sein.

Der Anwender wählt die Blende; die

Kamera berechnet die entsprechende

Blitzlichtbelichtung. Die Verschlusszeit

wird gewählt, um das Umgebungslicht

korrekt wiederzugeben. Achten Sie

darauf, die Kamera sehr ruhig zu

halten.

Der Anwender wählt die

Verschlusszeit, die Kamera sucht die

entsprechende Blende für das

Umgebungslicht aus und berechnet

dann die Blitzleistung entsprechend

der Blende.

Beeinflusst nur die

Umgebungslichtbelichtung.

Beeinflusst nur die

Blitzlichtbelichtung.

NIKON

Die Kamera stellt die Belichtungszeit ein,

erhöht aber gleichzeitig die Verschlusszeit,

um das Verwacklungsrisiko zu

vermeiden, es sei denn, der

Langzeitbelichtungs-Modus ist eingestellt.

Der Hintergrund kann dunkel sein.

Der Anwender wählt die Blende und

die Kamera die entsprechende

Blitzlichtbelichtung. Die

Verschlusszeit wird begrenzt, um ein

Verwackeln zu vermeiden, es sei

denn, der Langzeitbelichtungs-

Modus ist eingestellt.

Der Anwender wählt die

Verschlusszeit und die Kamera die

entsprechende Blende, um das

Umgebungslicht korrekt zu

belichten und berechnet dann die

Blitzlichtleistung entsprechend

dieser Blende.

Beeinflusst das Umgebungslicht

und die Blitzlichtbelichtung.

Beeinflusst nur die

Blitzlichtbelichtung.

PENTAX

Die Kamera stellt die Belichtungszeit ein,

erhöht aber gleichzeitig die Verschlusszeit,

um ein Verwackeln zu vermeiden, es sei

denn, der Langzeitbelichtungs-Modus ist

eingestellt. Der Hintergrund kann dunkel

sein.

Der Anwender wählt die Blende, die

Kamera die Verschlusszeit, um den

Hintergrund bis zur maximalen

Synchronzeit korrekt zu belichten.

Es besteht das Risiko, dass die

Kamera bei schwachem Licht

verwackelt.

Der Anwender wählt die

Verschlusszeit und die Kamera die

entsprechende Blende, um das

Umgebungslicht korrekt zu

belichten, anschließend berechnet

die Kamera die Blitzlichtleistung

entsprechend dieser Blende.

Beeinflusst das Umgebungslicht

und die Blitzlichtbelichtung.

Beeinflusst nur die

Blitzlichtbelichtung.

OLYMPUS

Die Kamera stellt die Belichtungszeit ein,

erhöht aber zugleich die Verschlusszeit,

um ein Verwackeln durch die Kamera zu

vermeiden, es sei denn, der

Langzeitbelichtungs-Modus ist eingestellt.

Der Hintergrund kann dunkel sein.

Der Anwender wählt die Blende, die

Kamera die entsprechende

Blitzlichtbelichtung. Die Verschlusszeit

ist begrenzt, um ein Verwackeln zu

verhindern, es sei denn, auch der

Langzeitbelichtungs-Modus ist

ausgewählt.

Der Anwender wählt die

Verschlusszeit, die Kamera die

entsprechende Blende, um das

Umgebungslicht korrekt zu belichten;

die Kamera berechnet anschließend

die Blitzlichtbelichtung entsprechend

dieser Blende.

Beeinflusst nur das

Umgebungslicht.

Beeinflusst nur die

Blitzlichtbelichtung.

SONY

Die Kamera stellt die Belichtungszeit ein,

erhöht aber gleichzeitig die Verschlusszeit,

um ein Verwackeln durch die Kamera zu

vermeiden, es sei denn, der

Langzeitbelichtungs-Modus ist eingestellt.

Der Hintergrund kann dunkel sein.

Der Anwender wählt die Blende und die

Kamera die entsprechende

Blitzlichtbelichtung. Die Verschlusszeit

ist begrenzt, um ein Verwackeln der

Kamera zu verhindern, es sei denn,

auch der Langzeitbelichtungs-Modus ist

ausgewählt.

Der Anwender wählt die

Verschlusszeit und die Kamera

sucht die entsprechende Blende,

um das Umgebungslicht korrekt zu

belichten; die Kamera berechnet

anschließend die Blitzlichtleistung

entsprechend dieser Blende.

Beeinflusst das Umgebungslicht

und die Blitzlichtbelichtung.

Beeinflusst nur die

Blitzlichtbelichtung.


50 Einsatz von Blitzgeräten: Swirl-Effekte erzielen Der essentielle Leitfaden für Porträts 2. Ausgabe

Blitzaufnahmen leicht gemacht!

DANIEL LEZANO: Bei praktisch jeder Aufnahmetechnik sollen die

Anwender laut Anweisung die DSLR-Kamera so ruhig wie möglich

halten. Wir erklären Ihnen, welche Effekte Sie erzielen, wenn Sie

genau das Gegenteil tun und die Kamera während der Aufnahmen

bewegen. Das Prinzip dieses sogenannten Swirl- oder Verwischeffektes ist

simpel: Während Sie mit langer Belichtungszeit und Blitzlicht Fotos machen,

drehen Sie die Kamera vorsichtig. Das Blitzlicht erhellt das Hauptobjekt auf

dem Foto, und das Umgebungslicht wird aufgrund der Kamerabewegungen

verschwommen aufgenommen. Mit diesem Effekt wird nicht sehr häufig

gearbeitet und er ist auch nicht für alle Motive geeignet – aber er ist

Gut vorbereitet!

ZEITAUFWAND:

15 MINUTEN

BENÖTIGTES EQUIPMENT:

CANON EOS 450D &

17-40-MM-OBJEKTIV

WAS WIR NOCH VERWENDETEN :

SCHÖNE LICHTER

hervorragend, wenn Sie Blitzlicht einsetzen müssen, aber eine stärkere visuelle Wirkung und mehr Energie

erzielen möchten als normales Blitzlicht ermöglicht. Versuchen Sie die Technik, wenn Sie das nächste Mal

Familie oder Freunde zu Hause fotografieren. Die Methode ist ziemlich einfach!

Wie Sie die Kamera bewegen

Wenn Sie die Swirl-Technik

verwenden, sollten Sie einige Dinge

bedenken. Zunächst entstehen die

Lichtstreifen, die Sie mit der Technik

erzeugen, nicht durch die

Blitzbelichtung, sondern durch das

Umgebungslicht, das während der

Belichtung aufgenommen wird. Je

länger die Belichtungszeit, desto

mehr Streifen entstehen, und je heller

das Umgebungslicht, desto

ausgeprägter werden diese Streifen.

Wenn Sie helle Lichtquellen wie

Lampen, Glühbirnen oder

Sonnenlicht, das durch ein Fenster

fällt, einsetzen, entstehen sehr helle

Streifen. Ist das Licht farbig,

entstehen farbige Streifen. Wenn Sie

Fotos in Innenräumen aufnehmen

und der Weißabgleich auf Blitz oder AWB gestellt ist, wird das mit Blitz erhellte Objekt korrekt belichtet und farblich

abgeglichen. Zugleich werden Umgebungslichtquellen wie Tischlampen oder Deckenleuchten in Form warmer,

orangefarbener Streifen wiedergegeben. Sie können auch ein am Blitzschuh montiertes Blitzgerät verwenden, wenn

Sie den Effekt noch steigern möchten – aber auch integrierte Blitzgeräte sind optimal dafür geeignet, wie wir in fünf

Schritten nachstehend erläutern.

1Versuchen Sie diese Technik in Innenräumen oder

im Freien. Benötigt wird lediglich ein Hintergrund

mit einer hellen Lichtquelle, um den Swirl-Effekt zu

erzeugen. Auf diesem Foto habe ich eine Innenaufnahme

von einer Person gemacht, die vor einem

Weihnachtsbaum sitzt.

2Für den Swirl-Effekt

wählen Sie eine lange

Belichtungszeit, sodass

Sie, nachdem der Blitz

ausgelöst wurde, Zeit haben,

die Kamera zu drehen und die

Strudel zu erzeugen. Stellen

Sie die Kamera auf AV oder

TV ein und wählen für den

Blitz eine Langzeitbelichtung.

Experimentieren Sie mit der

Verschlusszeit, aber beginnen

Sie bei 0,5 Sekunden.

3Öffnen Sie den Blendenverschluss, sobald der Blitz

auslöst und drehen dann die Kamera langsam im

Kreis herum. Beim ersten Versuch waren die

Lichtstreifen zu kurz, da auch die Belichtungszeit zu

kurz war und ich die Kamera zu langsam gedreht hatte.

4Daher erhöhte ich die Verschlusszeit um zwei

Sekunden und versuchte es noch einmal. Diesmal

drehte ich die Kamera zu schnell und erzeugte zu

lange und unregelmäßige Lichtstreifen. Zudem verliefen

die Streifen über Gesicht und Oberkörper des Modells.

5Ich passte die Verschlusszeit also an, indem ich sie auf

eine Sekunde halbierte und versuchte es noch einmal.

Die kürzere Belichtungszeit erzeugte einen besseren

Swirl-Effekt, die Streifen waren nicht so lang und verliefen

nun nicht zu stark über das Motiv. Mit der richtigen

Belichtungszeit kann ich mich nun auf die Optimierung des

Fotomotivs selbst konzentrieren.


Fertiges Bild

Wenn ich meine Position bei den

Aufnahmen leicht verändere,

ergibt sich ein besseres Motiv.

Ich verwendete hier dieselbe

Belichtungszeit wie zuvor und

nahm mehr Frames auf, bis ich

mit der Position und der Länge

der Streifen zufrieden war.


52 Blitzlicht-Technik: künstliche Abendsonne

Tiefstehendes Sonnenlicht simulieren

Lernen Sie, wie man das externe Blitzlicht verwendet, um attraktives

Haarlicht zu kreieren.

Wenn Blitzlicht zur Belichtung eines Portraits benutzt wird, ist

das erste, was die meisten Fotografen tun, dieses auf das Gesicht

des Motivs zu richten. Durch Positionieren des Blitzlichts hinter dem

Kopf des Modells können Sie attraktives Haarlicht kreieren – was

dem Bild eine andere Dimension hinzufügt. Es ist eine tolle, kreative

Technik, auch in den Wintermonaten auszuprobieren, wenn Sie

keine Lust haben, nach draußen zu gehen, aber das Aussehen einer

tiefstehenden Abendsonne aus dem warmen Daheim simulieren

möchten. Um die besten Ergebnisse zu erzielen, sollte das Objekt

idealerweise lockiges oder gewelltes Haar haben und vor einem

dunklen Hintergrund platziert werden, um das Licht zu

akzentuieren. Sie müssen ebenso mit Ihrer Blitzlicht-Leistung

experimentieren, um einen Ausgleich zwischen übermächtigem

Umgebungslicht und der richtigen Lichtverbreitung durch das

Haar zu finden. Wenn Sie beispielsweise ein Ganzkörper-Porträt

fotografieren, würde ein Blitzstoß mit halber Leistung am besten

funktionieren, während eine Kopfaufnahme nur ein Viertel

erfordern mag. Es lohnt sich ebenso, mit der Entfernung zwischen

Ihrem Blitzlicht und dem Kopf Ihres Motivs zu spielen. Aber

stellen Sie sicher, dass der Blitz komplett abgeblendet ist, so dass

das Licht durch das Haar streut. Berücksichtigen Sie ebenso Ihre

Blende: minimale Schärfentiefe wird die Ausbreitung des Lichts

mildern, während eine schmale Blendenöffnung einen

sternähnlichen Effekt durch das Blitzlicht produzieren wird.

Hintergrundbeleuchtung eines Porträts mit Blitzlicht

Der professionelle Lifestyle-Fotograf Brett Harkness setzt seine externen Blitzlichter oft hinter seinen Motiven

ein, entweder um einen dramatischen Lichtstoß hinter einem Ganzkörper-Porträt zu kreieren oder um ein

subtiles, attraktives Haarlicht zu einer Kopfaufnahme hinzuzufügen. Er zeigt uns wie...

ohne Reflektor

Reflektoren

Der essentielle Leitfaden für Porträts 2. Ausgabe

Sie können Ihr eingebautes Kamera-Blitzlicht

benutzen, um das Gesicht zu beleuchten,

oder Sie könnten stattdessen einen

Reflektor verwenden, um Teile des

Lichts vom Reflektor auf das Gesicht

zurückzuwerfen. Sie können den Ton

des Lichts ebenso durch die Wahl

Ihres Reflektors steuern. Möchten Sie

einen kühlen Ton, wählen Sie einen Silber-Reflektor oder

versuchen Sie für eine warme Umwandlung einen

Gold-Reflektor. Warum nicht alternativ Lastolites TriGrip

Sunfire oder Sunlite Reflektor ausprobieren, die wir in

dieser Schritt-für-Schritt-Anleitung verwendet haben,

weil sie über Silber- und Goldstreifen für eine

natürlichere Umwandlung verfügen. Wenn Sie nur einen

Silber- oder Gold-Reflektor haben, können Sie stets mit

dem Weißabgleich ihrer Bilder in der Kamera oder in

Adobe Camera RAW experimentieren, um wärmere oder

kühlere Töne zu erzeugen.

mit Reflektor

Oben: Als Start positionieren wir Emma in einem Hauseingang,

1so dass wir natürliches Licht zur Ausfüllung der Schatten in

ihrem Gesicht verwenden können. Während der Wintermonate

jedoch, wenn Lichtstärken niedrig sind, werden Sie womöglich

einen Reflektor oder ein zweites Blitzgerät zur Aufhellung ihres

Gesichts benötigen, dass Sie ungefähr einen bis 1,20 Meter von

ihrem Gesicht entfernt halten, um nicht die Hintergrundbeleuchtung

zu überstrahlen. Während Kamera und Blitz auf manuell eingestellt

sind, wähle ich f/5,6 und ISO 500 wegen des relativ schwachen

Lichts und platziere das externe Blitzgerät einen Schritt hinter

Emma.

Rechts: Ich mache eine Testaufnahme von Emma mit f/5,6 mit

2dem auf 1/8 Leistung eingestellten Blitzlicht hinter ihr und ohne

Reflektor. Wie Sie sehen können, ist die Blitzleistung nicht stark

genug, um eine Wirkung zu haben und ihr Gesicht ist unterbelichtet.

So stelle ich den Blitz auf 1/4 Leistung ein und bitte meine

Assistentin, einen Reflektor ein paar Schritte entfernt von Emmas

Gesicht zum Ausfüllen der Schatten zu halten.

Links: Weil ich die Treppe im Hintergrund der Bilder sehen

3 kann, lege ich eine Decke über die Stufen, um die weiße

Linie abzudecken und den Hintergrund zu verdunkeln.

Oben: Sie können ebenso versuchen, mit den

4 Weißabgleich-Einstellungen Ihrer Kamera zu spielen, um

zu sehen, welche Auswirkungen dies auf das Bild hat. Wenn

Sie mit Blitzlicht arbeiten, würden Sie normalerweise das

Blitzlicht oder den Weißabgleich selbst einstellen, aber warum

nicht Tageslicht oder Kunstlicht ausprobieren, um den Ton des

Bildes zu verändern? Alternativ könnten Sie in RAW

fotografieren und mit dem Weißabgleich während der

Nachbearbeitung spielen.


2. Ausgabe Der essentielle Leitfaden für Porträts

Blitzlicht-Technik: künstliche Abendsonne 53

Fertiges Bild

Mit leichter Kontrastoptimierung in

Photoshop und ein wenig

Hautweichzeichnung enden wir mit

einem wunderschönen Portrait.


54 Blitzlicht-Technik: Porträts mit Stimmung aufnehmen

Der essentielle Leitfaden für Porträts 2. Ausgabe

Wie man den Himmel für Outdoor-Porträts in Szene setzt

Eine Szene unterbelichten und Blitzlicht zur Ausleuchtung des Motivs zu benutzen, ist eine großartige Möglichkeit, die Wirkung

von Outdoor-Porträts zu verstärken.

Blitzlicht wird meistens dazu benutzt, Blitz- und

Umgebungslicht auszugleichen oder Schatten zu füllen.

Aber hin und wieder zahlt es sich aus, den Blitz zur

Verstärkgung des Umgebungslichts zu benutzen und

eine Szene vollständig zu verwandeln.

Eine großartige Technik, die man ausprobieren sollte und

die oft von Profis benutzt wird, ist, einen dramatischen

Himmel durch Unterbelichtung der Szene einzufangen,

was dazu führt, dass er viel dunkler erscheint, als er in

Wirklichkeit ist und dabei gleichzeitig mit dem Blitzlicht

das Motiv korrekt zu belichten. Es gibt zwei

Möglichkeiten, wie Sie das tun können: den

Belichtungsausgleichs auf einen negativen Werts stellen

oder im manuellen Modus arbeiten. Beides werden wir

detailliert erläutern.

Unabhängig davon, welche Möglichkeit Sie wählen: Für

die besten Ergebnisse sollten Sie auf die Benutzung des

eingebauten Blitzlichts oder die Montage eines Blitzlichts

auf dem Blitzlichtschuh verzichten und stattdessen ein

ferngesteuertes Blitzlicht verwenden. Durch simple

Umsetzung des Blitzlichts auf die Seite des Motivs

ändern Sie sofort die Funktion des Blitzes von einem

flachen Fülllicht in eines, das kontrasterhöhend wirkt. Für

diese Schritt-für-Schritt-Erläuterungen werden wir

erklären, wie diese Technik mit manuellen Einstellungen

durchgeführt wird, anstatt auf Ihr Kamera-TTL-System

angewiesen zu sein, weil sie eine bessere Kontrolle

ermöglicht und eine Chance zum Lernen und

Experimentieren bietet.

Unterschiedliche Kamera- und Blitzlichtsysteme

funktionieren auf unterschiedliche Weise, wenn Sie

deshalb die Belichtungsmethode mit TTL ausprobieren

möchten, wenden Sie sich an die Bedienungsanleitung

Ihrer Kamera.

Es ist wichtig, sich beim Arbeiten mit manuellem

Blitzlicht daran zu erinnern, dass die Verschlusszeit die

Menge des Umgebungslichts steuert, die den Sensor

erreicht, während die Blende den Blitzlicht-Output

steuert. Und für diese Technik ist Ihre Verschlusszeit

ausschlaggebend, weil Sie damit den Himmel, nicht das

Motiv belichten. Je kürzer die Verschlusszeit, desto

dunkler wird das Ambiente werden, und umgkehrt je

länger die Verschlusszeit, desto mehr fördern Sie den

Einfluss des Umgebungslichts.

Benutzung von

Funkauslösung

Sobald ein Blitz nicht mit der Kamera

verbunden ist und von einem

Funksignal ausgelöst wird, verliert

es in den meisten Fällen seine

TTL-Funktionen. Deshalbt ist es

wichtig, dass Ihr Blitzlicht über

manuelle Einstellungen verfügt.

Um TTL beizubehalten, könnten

Sie sich für ein spezielles Kabel

entscheiden, aber Sie werden durch die Länge

des Kabels eingeschränkt sein. Wenn Sie jedoch vertraut

sind mit der Benutzung von manuellem Blitzlicht, ist die

erschwinglichere Option ein Blitz-Zusatzgerät oder ein

fernbedienter Blitzauslöser, von denen es viele gibt,

variierend in Preis und Funktionen. PocketWizards sind

sehr gut sind und Marktführer , aber sie sind auch teuer.

Kamera-Hersteller offerieren ihre eigenen

Fernbedienungen. Wir empfehlen unabhängige

Versionen von Händlern wie Calumet, Kenro, Hahnel

und Seculine empfehlen, weil sie billiger sind und die

Arbeit gut genug erledigen. Der Hahnel Combi TF ist

beispielsweise mit rund 70 Euro ein Schnäppchen und

verfügt über eine Doppelfunktion als fernbedienter

Blitz- und Verschluss-Auslöser. Seculines

hocheffizientes Twin Link T2D, ein drahtloses

Blitzlicht-Funkauslösungskit, kann für rund 140 Euro

erworben werden. Unabhängig davon welche

Fernbedienung Sie kaufen, denken Sie daran, Sie

benötigen einen Sender, der auf dem Kamera-Blitzschuh

sitzt und einen Empfänger an jedem Ihrer externen

Blitzgeräte, damit es funktioniert.

Benutzung von

Belichtungsausgleich

Anstelle der Benutzung des manuellen Modus stellen Sie

Ihre Kamera auf Zeitautomatik-Modus, Ihr Blitzlicht auf

TTL und Messung für den Hintergrund. Wählen Sie die

gewünschte Blende und stellen Sie dann einen negativen

Belichtungsausgleichswert auf Ihrer Kamera ein,

reduziert um mindestens zwei Stopps zur

Unterbelichtung der Szene: Der Blitz wird sich um das

Modell kümmern. Wenn Sie mit einer Nikon

aufnehmen, müssen Sie möglicherweise Ihren

Blitz-Belichtungsausgleich ebenfalls um zwei Stopps

erhöhen, weil Blitz und Belichtungsausgleich verknüpft

sind. Spielen Sie ein wenig herum und experimentieren

Sie mit den Ergebnisssen.

Erzielen Sie einen dramatischen Himmel mit einem Outdoor-Porträt

Dies ist eine fortgeschrittene Technik, die Praxis erfordert. Profi-Fotograf Brett Harkness, der diese Technik regelmäßig benutzt,

erläutert, wie Sie das Beste aus manuellem Blitzlicht und düsterem Himmel machen. Bei dieser Aufnahme ist es bedeckt und es

gibt eine Menge Details im Himmel zu erfassen. Weil Brett seine Aufnahmen von vorne bis hinten scharf mag, verwendet er eine

kleine Blende um ca. f/13 und stellt seinen Blitz auf ein Viertel Leistungsstärke zur Kompensierung ein. Wenn Sie eine geringere

Schärfentiefe möchten, halten Sie den Blitz nah an Ihr Motiv, stellen den Blitz auf ein Achtel Leistungsstärke ein und öffnen die

Blende.

Oben: Ich bitte meinen Assistenten, das externe Blitzlichtgerät

1mehrere Schritte vom Modell Emma entfernt zu halten, weil

wir kein Streuungszubehör verwenden. Ich lasse ihn den Blitz

vertikal halten, um eine größere Ausbreitung von Licht über ihren

Körper zu bekommen. Ich füge Sonnenbrillen und goldfarbenen

Stoff hinzum wie bei Modeaufnahmen.

Rechts: Um einen düsteren Himmel einzufangen und die

2Details im Himmel zu bewahren, muss ich die Szene mit einer

kurzen Verschlusszeit dramatisch unterbelichten. Wie Sie aus

diesem Bild ersehen können, hat eine kurze Verschlusszeit die

Szene unterbelichtet. Aber ohne Blitzbenutzung bedeutet es, dass

das Modell auch sehr dunkel ist.

Links: Sobald ich mit der Benutzung von Blitzlicht beginne, ist

3meine Verschlusszeit sofort auf die Kamera-Synchron-

Geschwindigkeit beschränkt – in diesem Fall auf 1/250 Sek.. Mit

meiner Kamera in manuellem Modus stelle ich die Blende ein, die

der Szene die korrekte Belichtung für das Umgebungslicht gibt.

Ich stelle das externe Blitzgerät auf ein Viertel Leistungsstärke ein,

die Emma gut beleuchtet, aber der Szene fehlen Drama und

Düsternis.

Unten: Um den Effekt des Blitzlichts zu verbessern, hebt

4mein Assistent das Blitzgerät an und richtet es nach unten

auf Emma. Der Schlüssel zur Verdunkelung der Szene hinter ihr

ist jedoch, die Blende zu schließen (in diesem Fall um zwei

Stopps), so dass der Hintergrund unterbelichtet ist, was zu einem

weit düstereren Ergebnis führt.


2. Ausgabe Der essentielle Leitfaden für Porträts

Blitzlicht-Technik: Porträts mit Stimmung aufnehmen 55

Fertiges Bild

Mit ein paar Veränderungen

bei den Kurven und Ebenen in

Photoshop hat Brett mit einem

einzigen externen Blitzgerät ein

dramatisches Porträt

produziert.

Versuchen Sie es selbst!


56 Blitzlicht-Technik: Farbfilter

Der essentielle Leitfaden für Porträts 2. Ausgabe

Fügen Sie Farbe mit Hilfe von

Farbfiltern hinzu

Probieren Sie unsere günstige und einfache drahtlose Blitzlichttechnik aus.

Die Verwendung von nur einem Blitzlicht stellt viele vor

entmutigende Aussichten. Wie denken Sie also über die

Verwendung von zwei Blitzlichtern? Diese Technik zeigt

Ihnen, wie Sie ein Motiv mit nur einem Blitzlicht beleuchten

können, während ein zweites Blitzlicht verwendet wird, um

den Hintergrund zu beleuchten. Diese Technik ist hilfreich,

wenn Sie Details in der Szene hervorheben möchten oder

wenn Sie, wie hier gezeigt, Farbfilter verwenden, um die

Szene in einer völlig anderen Farbe zu beleuchten.

Während sich diese Technik unglaublich kompliziert

anhört, ist sie tatsächlich sehr einfach. Sie müssen das

integrierte Blitzlicht Ihrer Kamera verwenden (oder ein

Blitzlichtgerät, das auf einem Blitzschuh montiert ist), um

das Motiv zu beleuchten. Das ist sehr einfach, da die

Belichtung automatisch von der Kamera vorgenommen

wird, dank der Wunder des TTL-Blitzlichts. Ein zweites

Blitzlicht wird automatisch von Hauptblitz ausgelöst, um

den Hintergrund zu beleuchten, Sie müssen also wenig

mehr unternehmen, als sicherzustellen, dass der

ferngesteuerte Blitz richtig eingestellt ist. Wie die Tafel auf

der rechten Seite zeigt, ist das relativ einfach. Wenn Sie

denken, dass sich das ganze teuer anhört, wird Ihnen

unsere Tafel mit drahtlosen Blitzlichtern auf Seite 50

schnell diesen Aberglauben nehmen! Bei Farbfiltern

handelt es sich grundlegend um kleine Scheiben aus

farbigem Plastik, die über dem Blitzkopf platziert werden,

um das Licht zu färben. Der Farbfilter wird per

Klettverschluss oder mit einem elastischen Band befestigt.

Es stehen zahlreiche Kits mit einer Auswahl an Farben zur

Verfügung, und Farbfilter sind ein kostengünstiger Weg, um

Ihren Bildern kreative Blitzlichteffekte zu verleihen.

Übrigens sind auch größere Farbfilter-Kits verfügbar, die mit

Studioblitzlichtern verwendet werden können, und die von

uns hier verwendete Technik, lässt sich tatsächlich leicht

auf Studioblitzlichter oder Blitzlichtgeräte übertragen.

Die Verwendung von Farbfiltern für das Beleuchten des

Hintergrunds eignet sich sowohl für die Fotografie im

Inneren, als auch im Freien. Es funktioniert mit glatten und

texturierten Oberflächen, auch wenn die letzteren für mehr

visuelles Interesse sorgen. Sie können auch mehr als ein

Blitzlicht für den Hintergrund verwenden, mischen Sie also

ruhig die Farbfilter. Der Schlüssel liegt darin, dass man viel

experimentiert, da auf diese Weise kreative Fotos

entstehen.

Einstellung des

ferngesteuerten Blitzlichts

WEGE UM EINEN FERNGESTEUERTEN BLITZ

AUSZULÖSEN: Abhängig von der Art des

Blitzlichtgeräts und dem verwendeten Zubehör, gibt es

eine Reihe an Möglichkeiten um Ihren ferngesteuerten

Blitz mit „Filter“ auszulösen. Wenn Sie ein Blitzlichtgerät

mit Slave-Funktion haben, können Sie die Master/

Slave-Funktion verwenden, um den Blitz zusammen

mit dem Auslöser zu aktivieren. Schauen Sie dazu in

das Handbuch Ihrer Kamera/Ihres Blitzlichtgeräts, da

sich dies je nach Marke und Modell unterschiedlich

gestaltet. Alternativ können Sie eine Slave-Zelle an

der Unterseite jedes Blitzlichts montieren, die dann

über das integrierte Blitzlicht Ihrer Kamera oder über

das Blitzschuh-montierte Blitzlichtgerät aktiviert wird

(abhängig davon, was Sie verwenden).

1Hier ist unser Motiv, dass wir nur mit einem

Blitzschuh-montierten Blitzlicht fotografiert haben.

Sie ist gut belichtet und der Hintergrund ist düster

und dunkel.

2Wir haben hinter ihr einen ferngesteuerten Blitz

aufgestellt, der das Licht gegen die Wand im

Hintergrund wirft, aber der Effekt ist nicht unbedingt

schön.

EINSTELLEN DER BELICHTUNG AM

FERNGESTEUERTEN BLITZ: Wenn Sie ein Master/

Slave-Blitzlichtsystem verwenden, um das sekundäre

Blitzlicht auszulösen, können Sie die Ausgabeleistung

entweder basierend auf einer TTL-Belichtung oder

dem manuellen Leistungsmodus einstellen. Während

TTL üblicherweise die beste Wahl ist, empfehlen wir,

den Blitz im manuellen Modus einzustellen, um mit

einer spezifischen Leistungseinstellung arbeiten zu

können. Wenn sich der Blitz im manuellen Modus

befindet, können Sie den ferngesteuerten Blitz in

festeingestellten Modi wie „Volle Leistung“ (1/1),

„Halbe Leistung“ (1/2), „Viertel Leistung“ (1/4) und

so weiter aktivieren. Machen Sie ein paar Testfotos

und stellen die Leistung entsprechend der Szene

ein. Passen Sie die Leistung an, wenn Sie einen

stärkeren oder schwächeren Effekt wünschen oder

wenn Sie Farbfilter tauschen, da manche mehr Licht

absorbieren, als andere.

3Wir montierten einen roten Filter von Lumiquest und

die Farbe sorgte für Interesse, aber die

TTL-Einstellung des ferngesteuerten Blitzlichts ist

nicht so stark, wie wir es gerne hätten.

4Das Einstellen des ferngesteuerten Blitzlichts auf

„manuell“ bietet ein wesentlich stärkere

Ausgabeleistung, während die Einstellung „Volle

Leistung 1/1“ viel zu stark ist.

Wir probieren unterschiedliche manuelle

Leistungseinstellungen aus, um zu sehen welche die

5besten Resultate bietet und finden heraus, dass in

diesem Szenario die Einstellung „Halbe Leistung“ am

besten funktioniert.


2. Ausgabe Der essentielle Leitfaden für Porträts

Blitzlicht-Technik: Farbfilter 57

Fertiges Bild

Der rote Filter ist zwar attraktiv,

wirkt aber zu stark. Daher

probieren wir verschiedene

Farben aus und stellen fest,

dass grün am besten

funktioniert.


58 Blitztechnik: Langzeitsynchronisation

Der essentielle Leitfaden für Porträts 2. Ausgabe

Langzeitsynchronisation beim Blitzen

Ausschalten der Standard-Blitzeinstellung und Benutzen der

Langzeitsynchronisation kann Ihre Blitzaufnahmen erheblich verbessern.

Ihre digitale Spiegelreflexkamera (DSLR) ist dafür

ausgelegt, in einer Vielzahl von Aufnahmesituationen

gute Ergebnisse zu liefern, und obwohl die

„Erfolgsquote“ dabei sehr hoch ist, sind die Ergebnisse

oft doch nicht so, wie Sie sich das vorgestellt hatten. Ein

perfektes Beispiel dafür ist ein Nachtportrait im Freien,

wenn Sie jemanden vor einem interessanten Gebäude

fotografieren wollen. Wenn Sie die Vollautomatik oder

eine Programmautomatik verwenden, stellt die Kamera

eine Verschlusszeit ein, kurz genug, dass Verwackeln

vermieden wird. Der Blitz wird ausgelöst, damit das

Motiv gut belichtet wird. Doch sehr oft werden Ihre

Erwartungen dann enttäuscht: Ihr Modell sieht

annehmbar aus, aber die Szenerie dahinter ist extrem

dunkel, nur hellere Objekte wie Straßenlaternen sind zu

sehen. Es ist ein übliches Problem, besonders bei

Urlaubsfotos, beispielsweise dem nächtlichen Portrait

des Partners mit dem Eiffelturm als Hintergrund, der

aber kaum erkennbar ist.

Es liegt einfach daran, dass der Blitz für die gewählte

Verschlusszeit nicht stark genug ist, um angesichts des

geringen Umgebungslichts die Belichtung daran

anzupassen. Die Lösung besteht darin, den Blitz mit

Langzeitsynchronisation zu verwenden, die den Blitz

normal auslöst, aber durch die längere Belichtung auch

die Details der Szenerie aufnimmt. Wie die

Langzeitsynchronisation eingestellt wird, hängt von

Hersteller und Kameramodell ab, Sie müssen also das

Handbuch Ihrer Kamera zu Rate ziehen. Generell kann

man sagen, dass man bei einer Nikon-, Pentax-,

Olympus- oder Sony-DSLR den Blitz auf

Langzeitsynchronisation einstellen kann. Wir empfehlen

Ihnen, die Programm-, Zeit- oder Blendenautomatik zu

benutzen. Canon-DSLRs haben keinen Modus zur

Langzeitsynchronisation, deswegen stellen Sie bei ihnen

die Blenden- oder Zeitautomatik ein, und der Blitz wird

entsprechend der vorgegebenen Werte gesteuert.

Wenn Sie ein sich bewegendes Objekt aufnehmen,

können Sie auch die Synchronisation mit dem zweiten

Verschlussvorhang einstellen. Dabei löst der Blitz erst am

Ende anstatt am Beginn der Belichtungszeit aus. Das

führt dazu, dass die Bewegungen im Umgebungslicht

vor dem Auslösen des Blitzes aufgenommen werden,

also bevor das sich bewegende Objekt „einfriert“. Das

Ergebnis sieht durch die hinter den Objekten

erscheinenden Streifen natürlicher aus, als es der Fall

wäre, würden die Streifen vor ihnen erscheinen.

Ein Rat zur Vorsicht: Sie arbeiten hier mit längeren

Belichtungszeiten, und deswegen brauchen Sie

unbedingt ein Stativ, um nicht alles zu verwackeln.

Auslösen, Drehen, dann Blitzen!

Generell ist es bei der Langzeitsynchronisation am

besten, die Kamera ruhig zu halten, damit die Aufnahme

nicht verwackelt. Aber wie alle Regeln der Fotografie ist

auch diese dazu da, gebrochen zu werden. Wenn Sie die

Kamera während der Belichtung drehen, können Sie ein

paar spektakuläre Effekte produzieren. Die Grundidee ist

folgende: Sie stellen eine lange Verschlusszeit ein und

drehen die Kamera während der Belichtung mit dem

oder gegen den Uhrzeigersinn. Das sorgt dafür, dass das

Umgebungslicht verwischt, während das eigentliche

Motiv durch den Blitz eingefroren wird. Unterschiedliche

Belichtungszeiten ergeben unterschiedliche Längen der

Leuchtspuren des Umgebungslichts; Hier sind also

Experimente gefragt. Wir empfehlen, mit einer

Verschlusszeit zwischen ¼ und 1 Sekunde zu beginnen.

Überprüfen Sie Ihre Bilder anhand des LCD-Monitors

und justieren Sie entsprechend.

1Diese Szene ist mit Programmautomatik bei reinem Umgebungslicht aufgenommen.

Die Belichtung ist gut, aber das Motiv ist wegen der langen Belichtung etwas

unscharf und die Farben stimmen nicht, weil die einzige Beleuchtung die

Straßenlaterne (Kunstlicht) ist. Die Verschlusszeit hier ist 1/30 Sekunde bei Blende 4 und

ISO 320.

2Hier arbeitet die Kamera immer noch mit Programmautomatik, aber der eingebaute

Blitz ist aufgeklappt, was automatisch die Verschlusszeit verkürzt, um Verwackeln zu

verhindern. Das Motiv ist jetzt wesentlich besser belichtet, aber der Hintergrund ist

sehr viel dunkler. Belichtung: 1/30 Sekunde bei Blende 4 und ISO 320.

3Die Zeitautomatik ist eingestellt, damit die Langzeitsynchronisation des Blitzes zum

Tragen kommt. Die Aufnahme wurde mit einer sehr langen Verschlusszeit von 1

Sekunde gemacht, um zu verdeutlichen, wie die Bewegung der zu fotografierenden

Person während der Belichtungszeit das Bild ruinieren kann. Belichtung: 1 Sekunde bei

Blende 7,1 und ISO 320.

4Immer noch mit Zeitautomatik wurde hier eine Verschlusszeit von 1/30 Sekunde

gewählt, die kurz genug ist, die Bewegungen des Motivs zu eliminieren, aber lang

genug für das Umgebungslicht, die Szene gut auszuleuchten. Belichtung: 1/30

Sekunde bei Blende 4 und ISO 320.


2. Ausgabe Der essentielle Leitfaden für Porträts

Blitztechnik: Langzeitsynchronisation 59

Der Langzeitsynchronisation ist eine

relative einfache Methode, wenn Sie bei

Porträts im Freien mehr Details des

Motivs einfangen wollen.

Benutzen Sie die

ISO-Einstellung!

Vergessen Sie bei der Wahl der

Belichtung nicht, dass Sie auch die

ISO-Einstellung genauso ändern

können wie Verschlusszeit und Blende.

ISTOCK PHOTO


60 Blitzlicht-Technik: Mischen Sie Blitzlicht mit Tageslicht

Wirbeln Sie Ihre Kinder durch die Luft!

LUKE MARSH:

Ah, Sommer! Als ob es nicht

schon schwer genug wäre, Ihre

Kinder zum Fotografieren für fünf

Minuten stillsitzen zu lassen. Jetzt treibt sie

auch noch die Sonne zur Raserei an der

frischen Luft. Wenn Sie nicht gerade mit

wahnwitziger Geschwindigkeit fotografieren

und dabei in ständiger Bewegung bleiben,

können Sie Ihre wunderschönen

sommerlichen Familienfotos ebenso getrost

vergessen und sich wieder dem Fotografieren

Bereiten Sie sich vor

ERFORDERLICHE ZEIT:

30 MINUTEN

BENÖTIGTE AUSSTATTUNG:

NIKON D80 MIT

18-70MM OBJEKTIV

AUCH VERWENDET:

ZWEI KAMERA-

TRAGEGURTE

von Stillleben widmen, richtig? Naja, nicht unbedingt. Ich hatte mir überlegt:

„Was, wenn ich das Shooting mit einem spaßigen Spiel verbinden könnte? Mein

kleiner Junge bettelt ja immer darum, mit mir zu spielen. Das sollte ihn für

einen längeren Zeitraum als die üblichen 30 Sekunden bei der Stange halten.“

Und genau das habe ich getan. Jeder Elternteil, der schon mal sein Kind durch

die Luft gewirbelt hat, weiß, dass man sich die nächsten 30 Minuten auf „Nur

noch ein Mal!“ gefasst machen muss. Das ist eine Menge Zeit für eine

großartige Aufnahme. Probieren Sie es nur nicht direkt nach dem Mittagessen

aus, es sei denn, Sie haben einen Eimer griffbereit!

Erstellen eines Auffanggurts

Mein selbstgebastelter Auffanggurt besteht

aus zwei Kamera-Tragegurten. Beim ersten

handelt es sich um den Halstragegurt, der

bereits an meiner DSLR befestigt ist. Der

zweite ist ein Ersatzgurt, den ich über den

Rücken lege, um das seitliche Schwingen der

Kamera zu verhindern. Der wichtigste Aspekt

dieses provisorischen Auffanggurtes ist die

Einstellung der richtigen Kamerahöhe über

dem Halstragegurt, so dass sich das Motiv

korrekt im Bild befindet. Ich fand heraus,

dass das Positionieren der Kamera in der

Bauchgegend die besten Resultate lieferte.

Ich befestigte den zweiten Gurt an der Stelle,

wo der erste die Kamera berührt, und zog ihn

so fest, um alle größeren Bewegungen zu

verhindern. Aber nicht so straff, dass es

unbequem wird oder mir das Bedienen der

Kontrollelemente verweigert. Sie können

auch einen fertigen Auffanggurt von Marken

wie OP/Tech kaufen (www.fotologisch.com).

Der essentielle Leitfaden für Porträts 2. Ausgabe

Set-up

Denken Sie bei der Ortauswahl daran, dass der Hintergrund verschwimmt. Sie

1 müssen sich also nicht zu viele Gedanken über Unordnung machen. Ein

unruhiger Hintergrund hilft oft dabei, das Gefühl von Bewegung zu vermitteln. Ein

Garten oder örtlicher Park sind ideal, solange es genug Platz zum sich Drehen gibt,

ohne Verletzungsrisiken für sich selbst und Ihr Kind oder umstehende Personen

einzugehen.

Für diese Aufnahme werde ich den Selbstauslöser der Kamera verwenden. Alle

2DSLRs verfügen über einen Selbstauslöser und bei den meisten lässt sich die

Zeit im Menü einstellen. Ich stelle den Selbstauslöser hier auf fünf Sekunden,

nachdem der Auslöser betätigt wurde. Das gibt mir ausreichend Zeit, um mich

ordentlich zu drehen, nachdem ich den Auslöser gedrückt habe.

Ich stelle meine DSLR in den Blendenprioritätsmodus (A) und wähle aus zwei

3Gründen f/10: Da sich das Motiv ständig in Relation zur Kamera bewegen wird,

sollte ich auf diese Weise ausreichend Schärfentiefe erhalten, um ein scharfes

Ergebnis zu erzielen. Zudem sorgt diese Blendenöffnung für eine etwas längere

Belichtung. Das ist ideal für das Einfangen der Bewegungen im Hintergrund.

Ich stelle die längste Brennweite des Objektivs ein, so dass ich sowohl Motiv

4und Hintergrund einfangen kann. Als sich das Motiv um eine Armlänge vor mir

befindet, drücke ich den Auslöser halb herunter, um zu fokussieren, dann wechsle

ich zum manuellen Fokus (M), so dass die Kamera nicht probiert, den Fokus

nachzujagen. Jetzt drücke ich den Auslöser komplett herunter, was den

Selbstauslöser aktiviert und mein Startsignal liefert.


2. Ausgabe Der essentielle Leitfaden für Porträts

Blitzlicht-Technik: Mischen Sie Blitzlicht mit Tageslicht 61

Passen Sie mit Schwindelgefühlen auf!

Die Drehtechnik wird für Schwindelgefühle bei Ihnen und dem

Modell sorgen. Es ist daher eine gute Idee, 30 Sekunden Pausen

zwischen den Fotos zu machen. Halten Sie zur Sicherheit ein

aufmerksames Auge auf junge Kinder, während Sie Ihre Bilder

überprüfen. Die Drehbewegung wird einen beachtlichen Effekt

auf Gleichgewicht und Bewusstsein haben. Denken Sie daran,

diese Technik soll Spaß machen!

Fertiges Bild

Um für etwas mehr Bewegung im

Hintergrund zu sorgen, senke ich den

ISO-Wert von 200 auf 100 und

verlängere die Belichtungszeit etwas,

während ich die Schärfentiefe

beibehalte. Da haben Sie das Ergebnis:

Ich habe eine neue Fototechnik

ausprobiert, die Spaß macht, und ich

hatte Spaß mit meinem Sohn. Der

perfekte Sommernachmittag!

Die ersten Ergebnisse sehen vielversprechend aus, während immer Glück mit

5im Spiel ist. Meine Positionierung mit jeder Drehung besser. Ich bemerke, dass

mein sich bewegendes Motiv während der langen Belichtung verschwimmt. Daher

verwende ich den eingebauten Blitz meiner Kamera, um die Bewegung

einzufrieren.

Ich stelle den Blitzmodus auf „Rear” (zweiter Verschlussvorhang), wodurch der

6Blitz am Ende der Belichtung aktiviert wird. Das ist ideal, da die langsame

Verschlusszeit Bewegung in der Szene einfängt, während der Blitz dabei hilft, das

Geschehen für den Bruchteil einer Sekunde einzufrieren. Das sorgt für eine deutliche

Verbesserung, und ich fotografiere weiter, bis ich auf eine Komposition stoße, die mir

gefällt, oder bis sich das Modell langweilt (oder bis ihm schlecht wird!).


62 Studioblitzlicht: Grundlagen Der essentielle Leitfaden für Porträts 2. Ausgabe

Studioblitzsysteme

Einsteiger mögen sich einschüchtern lassen von Studioblitzsystemen,

doch sie sind einfacher zu benutzen als Sie vielleicht denken.

Obgleich es verschiedene Studioblitz-Ausrüstungen von unter 200 bis einigen

tausend Euro gibt, haben die meisten Modelle sehr ähnliche Eigenschaften und

Arbeitsprinzipien.

Ein Studioblitzkopf ist konzipiert, um einen Blitzstoß mit einer vorgegebenen

Einstellung abzufeuern. Alle Extrafunktionen gewähren dem Fotografen bessere

Steuerung des Blitzlichtes. Zu lernen, wie ein Studioblitzsystem arbeitet und wie

man es kontrolliert, kann Jahre an Erfahrung beanspruchen. Der große

Unterschied zwischen Studio und Umgebungslicht ist die Möglichkeit der

Steuerung, die Sie haben. Das künstliche Blitzlicht im Studio können Sie einfach

viel mehr und einfacher dosieren als das Tageslicht und die Zimmerbeleuchtung,

die oft gar nicht regulierbar ist. In diesem Kapitel behandeln wird die

grundlegenden Funktionen eines Studioblitzsystems und besprechen den Einsatz

von Zubehör wie Softboxen.

Vorbereiten Ihrer DSLR zum Einsatz mit

einem Studioblitzsystem

Nun, da Sie für Ihre erste Aufnahme mit Studioblitz bereit sind, kommt das Wichtigste: Sie stellen

Ihre Kamera auf manuelle Betriebsart und stellen die korrekte Blitz-Synchronisationszeit ein.

CANON EOS DSLRS

(1) Stellen Sie den Haupt-Drehschalter

für die Betriebsartenwahl auf „M“ für

manuellen Betrieb.

(2) Stellen Sie mit dem Eingabe-

Drehschalter hinter dem Auslöseknopf

die Synchronisationszeit für den Blitz ein

(1/200 Sekunde bei den meisten Canon

DSLRs).

(3) Nehmen Sie nun eine

Belichtungsmessung vor, danach halten

Sie den +/- Knopf gedrückt und drehen

den Eingabedrehschalter, um die

benötigte Blende einzustellen.

2

1

3

Anatomie eines Studioblitzkopfs

Die folgende Illustration basiert auf der Rückseite eines Interfit Blitzkopfs, aber fast alle

Blitzköpfe sind ähnlich aufgebaut und verfügen über einfach zu benutzende und gut

beschriftete Bedienungselemente.

NIKON DSLRS

(1) Stellen Sie den Haupt-Drehschalter

auf „M“ für manuellen Betrieb.

(2) Stellen Sie mit dem Drehschalter

hinter dem Auslöseknopf (oder an der

rechts an der Rückseite der Kamera) die

Synchronisationszeit für den Blitz ein

(1/200 Sekunde bei den meisten

Modellen) .

(3) Nachdem Sie die

Belichtungsmessung vorgenommen

haben, drehen den Eingabedrehschalter

oben auf dem Handgriff, um die

benötigte Blende einzustellen.

1

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2

3 4

OLYMPUS E-SERIES

(1) Stellen Sie den Haupt-Drehschalter

auf „M“ für manuellen Betrieb.

(2) Stellen Sie mit dem Eingabe-

Drehschalter hinter dem Auslöseknopf

die Synchronisationszeit auf 1/200

Sekunde ein.

(3) Nachdem Sie die

Belichtungsmessung vorgenommen

haben, halten Sie den +/- Knopf

gedrückt und drehen den

Eingabedrehschalter, um die benötigte

Blende einzustellen.

1

3

2

RÜCKSEITE

Normalerweise befinden sich die

Bedienungselemente an der Rückseite, bei

manchen Modellen auch an der Seite.

1) SYNCHRONANSCHLUSS Die meisten

Studioblitzsysteme werden mit einem

Synchronkabel geliefert, das die Kamera mit

dem Blitzkopf verbindet und den Blitz

synchron mit dem Kameraverschluss auslöst.

2) SLAVE-CELL Eine Slave Cell ist ein Sensor

in einem Sklavenblitz (entfesselter Blitz), der

ausgelöste Blitze registriert. Wenn Ihre

Kamera an ein Studioblitzsystem mit

mehreren Blitzköpfen angeschlossen ist, lösen

an den anderen Blitzköpfen angebrachte Slave

Cells diese Blitzköpfe synchron mit dem

Hauptblitzkopf aus, der per Kabel mit der

Kamera verbunden ist.

3) BLITZSTÄRKENEINSTELLUNG Eine der

wichtigsten Funktionen der Studioblitzköpfe

besteht darin, die Blitzstärke regulieren zu

können. Einfache Blitzköpfe haben feste

Einstellmöglichkeiten von beispielsweise ¼, ½

etc der normalen Stärke, die anspruchsvolleren

Au.srüstungen haben stufenlose

Einstellmöglichkeiten.

4) STATUSANZEIGEN/PIEPTÖNE Die

meisten Blitzköpfe haben kleine Lampen oder

piepen, wenn die elektrische Ladung groß

genug ist zum Auslösen.

6

5

VORDERSEITE

Entfernt man das Lampengehäuse, kommen

zwei Birnen zum Vorschein, die jeweils einen

anderen Zweck haben.

5) EINSTELLLICHT Diese Wolframlampe

bleibt immer an, sie dient der Bildkomposition,

dem Scharfeinstellen auf das Motiv und dem

Einschätzen des Blitzeffekts.

6) BLITZLICHT Dieses liefert den eigentlichen

starken Blitz für das Foto. Die meisten

Hersteller verwenden spezielle Birnen, die nur

in bestimmte Köpfe oder Studioblitzsysteme

passen. Diese Birnen sind sehr empfindlich

und müssen vorsichtig behandelt werden.

PENTAX K-SERIES

(1) Stellen Sie den Haupt-Drehschalter

auf „M“ für manuellen Betrieb.

(2) Stellen Sie mit dem Eingabe-

Drehschalter hinter dem Auslöseknopf

die Synchronisationszeit für den Blitz ein

(1/180 Sekunde bei den meisten Pentax

DSLRs).

(3) Nachdem Sie die

Belichtungsmessung vorgenommen

haben, halten Sie den +/- Knopf

gedrückt und drehen den

Eingabedrehschalter, um die benötigte

Blende einzustellen.

SONY ALPHA SERIES

(1) Stellen Sie den Haupt-Drehschalter

auf Tv zum Einstellen der Zeitautomatik.

(2) Stellen Sie mit dem Eingabe-

Drehschalter vor dem Auslöseknopf die

Synchronisationszeit für den Blitz ein

(1/160 Sekunde für die meisten Sony

DSLRs).

(3) Nachdem Sie die

Belichtungsmessung vorgenommen

haben, halten Sie den +/- Knopf

gedrückt und drehen den

Eingabedrehschalter, um die benötigte

Blende einzustellen.

1

1

2

3

3

2


2. Ausgabe Der essentielle Leitfaden für Porträts

Studioblitzlicht: Grundlagen 63

Zu heiß zum Anfassen!

Blitzköpfe heizen sehr schnell auf, verbrennen

Sie sich also nicht beim Wechseln von Zubehör.

Die Metallhalterung und das Lampengehäuse

können sehr heiß werden, besonders, wenn das

Einstelllicht eingeschaltet ist.

Studioblitzsysteme

– Fragen & Antworten

Wie viel sollte ich für ein Studioblitzsystem

ausgeben?

Wir empfehlen, mit einem

Zwei-Kopf-System zu beginnen, sowie mit

einer Softbox und einem Reflektorschirm als

Zubehör. Nach ausgiebigen Tests fanden wir

das Interfit EX150 MkII für 290 Euro und

das Elinchrom D-Lite 4 IT für 650 Euro als

preiswerte Einsteigersysteme am besten

geeignet.

Welche Vorteile haben die teuren

Ausrüstungen?

Eine allgemein bessere Verarbeitung und

Zuverlässigkeit sind natürlich

wünschenswert, doch die Hauptmerkmale

sind Leistung und Einstellmöglichkeiten. Je

höher die Leistung, desto weiter können die

Lampen vom Motiv entfernt stehen und der

relative Lichtverlust durch Zubehör wie

Softboxen wird reduziert. Bei teuren

Blitzköpfen können Sie den Blitz besser

steuern, und die Ladezeiten zur

Regeneration sind kürzer.

Sind die Erweiterungen unterschiedlicher

Systeme kompatibel?

Meistens hat jeder Hersteller eigene

Systeme, sodass diese nicht miteinander

kompatibel sind. Chimera jedoch stellt

Speed-Ringe für seine Softboxen her, die auf

fast alle anderen Systeme passen.

www.chimeralighting.com

Wie muss ich meine DSLR vorbereiten, um

sie mit Studioblitzsystemen einsetzen zu

können?

Sie müssen die Kamera auf manuelle

Betriebsart schalten, weil das

Belichtungsmeßsystem nur für

Umgebungslicht ausgelegt ist. Stellen Sie

den Verschluss auf die

Blitzsynchronisationszeit ein und die Blende

auf den Wert, den der Belichtungsmesser

vorgibt.

Wie mache ich eine Belichtungsmessung

mit einem Studioblitzsystem?

Verwenden Sie ein sogenanntes Flashmeter.

Das ist ein spezieller Blitz- und

Dauerlicht-Belichtungsmesser, der per

Kabel oder Fotozelle mit einem Blitzkopf

synchronisiert ist. Wenn Sie die Lampen

eingestellt haben, halten Sie den

Belichtungsmesser vor das Gesicht der zu

fotografierenden Person, machen eine

Blitz-Messung und stellen den danach

angezeigten Blendenwert an Ihrer Kamera

ein. Achten Sie darauf, dass sowohl der

Belichtungsmesser als auch die Kamera auf

denselben ISO-Wert

eingestellt sind.

Für den Anfang

Ein paar Studiolampen

und ein wenig Übung

sind alles, was Sie für

professionelle Porträts

brauchen.

Wie schließe ich meine e

DSLR an ein

Studioblitzsystem an?

Der Stecker am Ende

des Studioblitz-

Synchronisationskabels wird in die

PC-Buchse Ihrer DSLR gesteckt. Falls Ihre

Kamera keinen PC-Anschluss hat, kaufen

Sie sich für ca. 12 Euro einen PC-Adapter,

der auf den Blitzschuh der Kamera passt

und verbinden das Kabel damit. Eine etwas

teurere Möglichkeit ist ein drahtloser

Auslöser, der auf den Blitzschuh gesteckt

wird und einen im Blitzkopf eingebauten

Empfänger anspricht.


64 Studioblitzlicht: Blitz-Zubehör Der essentielle Leitfaden für Porträts 2. Ausgabe

Blitz-Zubehör

Ihr Studioblitzsystem ist nur so gut wie das Beleuchtungszubehör,

das Sie mit Ihren Blitzgeräten verwenden.

Blitzgeräte sind darauf ausgelegt, einen blitzartigen „Lichtschuss“ zu erzeugen, doch

es ist das von Ihnen mit den Geräten verwendete Zubehör, das den Lichteffekt

bestimmt, der auf dem Foto später zu sehen sein wird. Wenn Sie je mit dem Gedanken

gespielt haben, sich ein Studioblitzsystem zuzulegen, haben Sie wahrscheinlich das

unterschiedliche Zubehör gesehen, das jedes auf seine bestimmte Art und Weise die

Intensität des Lichts, das auf das zu fotografierende Motiv und den Hintergrund trifft,

beeinflussen kann. Die meisten Grundausstattungssets werden mit einem oder zwei

einfachen Reflektorschirmen und Diffusoren geliefert, doch es gibt eine kaum

überschaubare Vielfalt an

weiterem Zubehör. Für Sie

ist es entscheidend, zu

wissen, was davon Sie für

Ihre Zwecke brauchen. In

einem umfassenden

Vergleich haben wir das

für gängige

Studioblitzsysteme

erhältlich Zubehör

aufgeführt und

erklärt.

Weiteres Zubehör

FLASHMETER Schließen Sie das Synchronkabel an,

halten Sie das Flashmeter vor das zu fotografierende

Objekt und drücken Sie den Knopf. Nun können Sie

ablesen, welche Blende Sie zur richtigen Belichtung

einstellen müssen.

HINTERGRUND Es gibt eine Vielzahl von

Hintergründen, von einfarbigen bis hin zu

Farbmustern. Zum einfachen Transport

bestehen Sie aus einem klappbaren Rahmen

und den unterschiedlichen Bespannungen.

BLITZSCHUH-PC-ADAPTER Falls Ihre

DSLR keinen PC-Anschluss hat, kann

dieser preiswerte Adapter auf den

Blitzschuh gesteckt und mit dem

Synchronkabel verbunden werden,

um den Studioblitz auszulösen.

REFLEKTOR Verwenden eines

Reflektors um Licht auf Teile des Motivs

oder den Hintergrund zu lenken, ist eine

Alternative zu einem zweiten Blitz. Silber

ist am hellsten, weiß liefert einen weicheren,

natürlicheren Effekt, und ein schwarzer(!) Reflektor

kann tatsächlich die Wangenknochen betonen.

Schirmreflektor (Brolly)

Erhältlich in weiß, silber und transparent gehört der Schirmreflektor

zu den preiswertesten verfügbaren Optionen. Silber eignet sich sehr

gut, um das Licht zurückzuwerfen, weiß ergibt einen weichen,

natürlichen Effekt und transparente Schirme erzeugen das meiste

diffuse Licht.

Softbox

Ein vielseitiges Zubehör, das für sehr diffuses Licht sorgt – ideal für

Portraits. Je größer die Softbox, umso weicher ist das produzierte

Licht. Die meisten sind quadratisch, manche auch lang und dünn. Sie

werden auch „Strip-Lights“ genannt.

Beauty Dish

Ein „Beauty Dish“ wird – wer hätte es gedacht – für

„Schönheitsportraits“ und Make-Up Fotos eingesetzt. Sie erzeugen

in der Mitte ein sehr harsches Licht, was das Make-Up betont,

leider aber auch etwaige Hautunreinheiten im Gesicht.

Spotvorsatz (Spill Kill)

Sie werden oft mit dem Blitzkopf geliefert und erzeugen einen sehr

konzentrierten Lichtstrahl. Bei Portraitaufnahmen eignen sie sich

zur Beleuchtung des Hintergrunds, werfen aber ein sehr harsches

Licht, wenn sie direkt auf das Gesicht gerichtet werden.


2. Ausgabe Der essentielle Leitfaden für Porträts

Studioblitzlicht: Blitz-Zubehör 65

Blitzmessungen

Wenn Sie einen Studioblitz benutzen, achten

Sie darauf, dass die weiße Haube des

Belichtungsmessers über dessen Sensor

gezogen ist, sodass nur wenig diffuses Licht

mit gemessen wird. Das ist die akkurateste

Methode.

Beleuchtungszubehör

Ein kleiner Blick in ein professionelles

Studio liefert einen Überblick über die

Zubehörvielfalt.

Snoot

Dieser konische Vorsatz erzeugt einen sehr abgegrenzten,

gerichteten Lichtstrahl, der sich besser zur Hintergrundbeleuchtung

oder zum Hervorheben von Haarsträhnen als zur Verwendung als

Hauptlichtquelle für Portraits eignet.

Wabenblende

Wabenblenden erzeugen einen weich abgegrenzten Lichtkreis und

sind eine gute Alternative zum Snoot. Sie ergeben einen

Spotlight-Effekt, decken aber eine größere Fläche ab. Wabenblenden

gibt es in verschiedenen Größen und Rasterweiten.


66 Studioblitzlicht: Belichtungsmessung im manuellen Modus

Der essentielle Leitfaden für Porträts 2. Ausgabe

So stellt man die Belichtung für Studioblitzlicht ein

Wenn Sie mit Studioblitzlicht arbeiten möchten, müssen Sie Ihre Kamera im manuellen Modus

einstellen. Paul Ward erklärt die drei wichtigsten Methoden zur Sicherstellung der korrekten Belichtung.

MANCHE FOTOGRAFEN stellen Ihre DSLR zum ersten Mal in

den manuellen Modus, wenn sie mit Studioblitzlicht arbeiten.

Außer der Synchronisierung, die den Blitz auslöst, wird dann

keine Information zwischen Kamera und Studioblitzlicht

ausgetauscht. Es liegt allein an Ihnen, einen ISO-Wert

einzustellen (für gewöhnlich niedrig mit 100 oder 200), die

Leistung des Studioblitzes anzupassen und die Blendenöffnung

für eine passende Belichtung einzustellen. Der traditionelle (und

beste) Weg, um die Ausgabeleistung für die Belichtung

Finden Sie (den) Anschluss!

Ihre Kamera muss irgendwie mit den Blitzköpfen verbunden

werden, bevor Kommunikation stattfinden kann und die

Blitze wissen, wann sie auslösen sollen. Es gibt einige Wege,

um das zu erreichen und eine Lösung für jedes Budget. Der

einfachste Weg besteht in der Verbindung über ein

Synchronisationskabel. Das Kabel kostet ungefähr 12 Euro

und wird an der Kamera angeschlossen. Das andere Ende

wird mit dem Blitz verbunden. So erhält man eine

zuverlässige Verbindung. Der Hauptnachteil besteht darin,

dass der Fotograf an dem Kabel gebunden ist und die

Mobilität somit eingeschränkt wird.

Ein Infrarot-System stellt eine flexiblere Lösung dar. Ein

Auslöser wird am Blitzschuh der Kamera platziert, während

ein Empfänger am Synchronisationsanschluss des

Blitzkopfes befestigt wird. Dank der fehlenden Kabel kann

sich der Fotograf frei im Studio bewegen. Aber ein

Infrarotsystem kann unzuverlässig sein, wenn Auslöser und

Empfänger keinen Sichtkontakt haben. Zudem ist diese

Lösung teurer. Modelle von Hama und Hahnel gehen bei

ungefähr 58 Euro los. Die ultimative Lösung hinsichtlich

Flexibilität und Zuverlässigkeit liefert ein drahtloser

anzupassen, besteht in der Verwendung eines

separatenBelichtungsmessers, der Blitzlicht misst. Aber viele

Fotografen sehen zunehmend von der Verwendung eines

separaten Messers ab und nutzen stattdessen den

LCD-Bildschirm, um die besten Einstellungen durch

Ausprobieren zu ermitteln. Beide Methoden verfügen über

Vor- und Nachteile und können somit beide verwendet werden.

Hier erklären wir Ihnen diese Techniken und zeigen, wie Sie diese

für großartige Fotos mit Studioblitzlicht anwenden können.

Funk-Blitzauslöser. Auch dieses System verfügt über einen

Auslöser und einen Empfänger, aber im Gegensatz zur

Infrarot-Variante leidet es nicht unter Sichtproblemen, da mit

einem Funksignal gearbeitet wird. Diese Annehmlichkeit

kostet mehr, insbesondere Topmarken wie PocketWizard, die

ein kleines Vermögen kosten. Drittanbietet wie Hahnel bieten

allerdings erschwingliche Optionen. Hahnels Combi TF

kostet ungefähr 70 Euro und sollte die Bedürfnisse der

meisten Fotografen erfüllen.

Histogramme

In vielen Bereichen der Fotografie

können Histogramme sehr hilfreiche

Werkzeuge auf der Suche nach einer

ausgeglichenen Belichtung sein.

Paul empfiehlt, bei der Fotografie mit

Studioblitz aber darauf zu verzichten:

„Wenn Sie in einem weißen Studio

fotografieren, erhalten Sie große

Spitzen auf Ihrem Histogramm,

die seltsam aussehen werden,

insbesondere wenn Sie daran

gewohnt sind, das Histogramm eines

Landschaftsfotos auszuwerten. Ich

denke, es ist wesentlich besser, die

Belichtung am LCD-Bildschirm oder

Laptop zu beurteilen.“ Passen Sie also

auf überbelichtete Spitzen auf, wenn

Sie mit einem Histogramm arbeiten.

Studioblitzlicht: Warum man den

manuellen Modus verwenden sollte

Es gibt beim Arbeiten mit Studioblitzlicht einen guten

Grund für die Verwendung des manuellen Modus. Wenn

Sie die Blitzköpfe mit der DSLR im

Verschlussprioriätsmodus (TV) verbinden, stellt die

Kamera eine (viel zu große) Blendenöffnung für Sie ein,

was für ein überbelichtetes Bild sorgt. Wenn Sie

hingegen den Blendenprioritätsmodus einstellen (Av),

werden Sie wahrscheinlich mit einem verschwommenen

Bild belohnt, da die Kamera probiert mit einer längeren

Verschlusszeit zu arbeiten, basierend auf dem Licht der

Umgebung. Nur im manuellen Modus können Sie beide

Einstellungen kontrollieren, um ein ausgeglichene

Belichtung bei der Verwendung von Blitz zu erhalten.

✘ Av -Modus

✘ Tv-Modus

Kennen Sie sich mit der

Synchronisationsgeschwindigkeit Ihres

Blitzlichts aus!

✘ 1/500 Sek.

✔ 1/125 Sek.

✘ 1/320 Sek.

Es ist wichtig, sich mit der Synchronisationsgeschwindigkeit

(X-Sync) Ihres Kamerablitzes auszukennen. Wenn Sie

diesen Wert überschreiten, erhalten Sie einen schwarzen

Balken, der einen Teil des Bilds abdeckt. Dabei handelt es

sich tatsächlich um den Verschlussvorhang der Kamera, der

verhindert, dass das Licht das gesamte Bild erreicht. Sie

können eine Verschlusszeit wählen, die unter der maximalen

Verschlusszeit liegt. Paul tendiert dazu, seine Kamera auf

1/125 Sekunden einzustellen. Hier sind die typischen

Verschlusszeiten für die großen Marken-DSLRs:

Canon: 1/200 Sekunden; Nikon: 1/250 Sekunden;

Sony: 1/250 Sekunden; Pentax: 1/180 Sekunden;

Olympus: 1/250 Sekunden.


2. Ausgabe Der essentielle Leitfaden für Porträts

Studioblitzlicht: Belichtungsmessung im manuellen Modus 67

Ideal für Studioblitzlicht-Einsteiger

Technik 1: Ausprobieren

Einfaches Ausprobieren hat eine Reihe von Vorteilen. Zunächst benötigen Sie keinen

Belichtungsmesser und sparen sich dadurch schon einmal direkt etwas Geld. Da das

Bild außerdem sofort nach dem Betätigen des Auslösers auf dem LCD-Monitor

sichtbar wird, ist dies auch eine sehr schnelle Methode. Ist das Bild blass oder zu hell,

wurde es überbelichtet. In dem Fall ist es angebracht, den ISO-Wert

herunterzuschrauben und/oder eine kleinere Blende zu wählen. Bei Unterbelichtung

erscheint das Bild zu dunkel. Dann empfiehlt sich eine größere Blende und/oder ein

höherer ISO-Wert. Sobald die Belichtung richtig eingestellt ist, kann in Drittel- oder

Halbschritten die Feinabstimmung mit dem Histogramm vorgenommen werden.

Der größte Nachteil dieser Technik: Sie ist nicht so genau wie der Belichtungsmesser.

Die Präzision hängt von der Qualität des LCD-Monitors ab. Wer sich aber mit der

Interpretation von Histogrammen auskennt, sollte eine gute Einstellung finden

(beachten Sie aber bitte die links aufgeführten Hinweise). Ein Manko: Werden zwei

oder mehr Blitzaufsätze verwendet, kann nicht jedes Licht separat gemessen werden

(siehe nächste Seite).

Ich positioniere meine Lichter abhängig vom Aussehen, das ich erreichen will. Dann

1treffe ich eine auf Erfahrung basierende Einschätzung der Belichtungseinstellung. In

diesem Fall sind das 1/125 Sekunden bei f/20 (ISO 160). Jetzt mache ich eine

Testaufnahme.

Der LCD-Bildschirm meiner Kamera zeigt mir eine viel zu dunkle Testaufnahme. Das

2liegt daran, dass meine Blendenöffnung von f/20 viel zu klein ist und nicht genug Licht

in die Kamera lässt. Es ist Zeit, meine Einstellungen zu ändern.

Ich stelle ein wesentlich größere Blendenöffnung von f/5,6 ein, aber diesmal erhalte

3ich das Gegenteil und damit ein überbelichtetes Bild. Die Highlights auf der Haut sind

das, was wir als „ausgewaschen“ bezeichnen.

Ich ändere meine Einstellungen und wähle eine Blendenöffnung im mittleren Bereich

4(f/11) und erhalte jetzt eine ausgeglichene Belichtung, die weder über- noch

unterbelichtet ist.


68 Studioblitzlicht: Belichtungsmessung im manuellen Modus

Der essentielle Leitfaden für Porträts 2. Ausgabe

Manueller Modus für Studioblitzlicht:

Verwendung eines Belichtungsmessers

Es gibt einige Methoden, wie Sie einen Belichtungsmesser benutzen können, um sicherzustellen, dass Ihre Bilder richtig belichtet

werden. Einige dauern länger als andere und, wie wir auf der vorigen Seite darstellten, Sie können auf einen externen

Belichtungsmesser sogar völlig verzichten. Die Preise für Belichtungsmesser bewegen sich zwischen rund 100 bis 500 Euro von

Marken wie Sekonic, Gossen und Kenko.

Ideal für Studioblitzlicht-Einsteiger

Technik 2: Messung, bei der alle Lichter an sind

Die meisten Amateurfotografen (und auch viele Profis) verwenden diese Methode,

um die Belichtung für Studioblitzlicht zu bestimmen. Mit einer einzigen Messung, bei

der das Messgerät vom Motiv weg und zur Kamera zeigt, erhalten Sie ein Ergebnis für

die korrekte Belichtung. Diese Methode funktioniert wirklich gut, da Sie aufgrund des

Resultats die verschiedenen Leistungseinstellungen an den Blitzköpfen vornehmen

können, und dann eine weitere Belichtungsmessung durchführen können, um eine

neue Belichtungseinstellung zu verwenden.

Es handelt sich um eine einfache Methode, aber die Beurteilung des

Beleuchtungsausgleichs ist nicht so einfach. Es kann schwer sein einzuschätzen, wie

jedes einzelne Licht das Motiv beleuchtet. Paul zeigt uns wie es geht…

Ich stelle sicher, dass die Kamera sich im manuellen Modus befindet und

1stelle den Lichtmesser dann auf ISO 160 ein, so dass eine genaue Messung

möglich ist.

Dann führe ich eine einzelne Messung in Kates Gesichtsbereich durch. Der

2 Lichtmesser verrät mir, dass ich eine Blendenöffnung von f/11 verwenden

sollte, um eine korrekte Belichtung im Gesichtsbereich zu erhalten.

Nachdem der Lichtmesser sich um die korrekte Belichtung des Motivs

3 gekümmert hat muss ich nur noch die Leistungseinstellung des Blitzkopfes

einstellen, der auf das Motiv zeigt, um den Hintergrund heller oder dunkler zu

machen.

Nach dem Ausgleich der Hintergrundbelichtung durch die

4 Leistungseinstellung bin ich in der Lage, ein Bild mit der korrekten

Belichtung von meinem Modell Kate zu machen. Nach etwas Feinarbeit in der

Nachbearbeitung ist das Bild fertig.


2. Ausgabe Der essentielle Leitfaden für Porträts

Studioblitzlicht: Belichtungsmessung im manuellen Modus 69

Ideal für erfahrenere Fotografen

Technik 3: Individuelle Lichtmessungen

Diese Methode wird von den Profis verwendet, um die bestmöglichen

Lichteffekte zur erhalten. Dabei wird mit einem Lichtmesser eine individuelle

Belichtungsmessung von jedem Blitzkopf genommen, wodurch die präzise

Kontrolle jedes Lichts möglich wird, um dem Motiv den bestmöglichen

Lichteffekt zu verleihen. Es handelt sich um die komplizierteste Technik, die

etwas mehr Zeit und Mühe in Anspruch nimmt, aber wenn Sie die Kunst der

Studioblitzlicht-Fotografie meistern wollen, sollten Sie diese Technik üben. Es

ist immerhin die Methode, die von den Meistern der Beleuchtung verwendet

wird, da Sie eine sehr genaue Kontrolle ermöglicht.

Ganz rechts: Meine Lichter sind eingerichtet

1 und ich bin bereit loszulegen. Beachten Sie,

dass ich einen Diffusor platziert habe, um etwas

Licht auf Kates Gesicht zu reflektieren.

Rechts: Geben Sie den eingestellten ISO-Wert

2 Ihrer Kameran in den Belichtungsmesser ein,

bevor Sie anfangen. In meinem Fall waren es ISO

160. Stellen Sie sicher, dass sich der

Belichtungsmesser im Blitzmodus befindet. Das

wird üblicherweise durch ein kleines Blitzsymbol

angezeigt. Dadurch wartet der Belichtungsmesser,

bis die Blitzköpfe lostelöst haben, bevor er Ihnen

anzeigt, welche Blendenöffnung Sie an Ihrer DSLR

verwenden sollten.

Dann nehme ich Messungen neben dem Gesicht

3 meines Modells vor, damit ich weiß, welche

Blendenöffnung ich auswählen muss, um

sicherzustellen, dass Kates Haut korrekt belichtet ist.

In diesem Fall rät der Belichtungsmesser mir, eine

Blendenöffnung von f/11 zu verwenden.

Ich führe eine Messung neben dem Hintergrund

4 durch, die mir zu f/16 rät. Diese kleinere

Blendenöffnung zeigt mir, dass die Verwendung von

f/11 für einen hellen Hintergrund sorgen wird,

wodurch ich dort einen High-Key-Effekt erzeugen

kann.

Indem ich mehrere Messungen durchführe, kann ich sorgfältig die Belichtung im

5 Vorder- und Hintergrund kontrollieren und erhalte ein perfekt belichtetes Bild. Sie

können dies auch dazu verwenden, um zwei Lichter auszugleichen, die auf Ihr Motiv

gerichtet sind.


70 Studioblitzsysteme: Ein-Lampen-Setup Der essentielle Leitfaden für Porträts 2. Ausgabe

Studio-Setup: Eine Lampe

Das Basis-Studiosetup braucht nur eine einzige Lampe. Wir stellen Ihnen

hier fünf Aufnahmetechniken vor, mit denen Sie sofort loslegen können.

Wenn Sie beginnen zu lernen, wie Sie Ihr Aufnahmelicht steuern können, fangen Sie am besten mit

nur einer Lampe an. Das reicht schon aus, um verblüffende Ergebnisse zu bekommen und viele

große Fotografen beschränken sich bei ihrer Arbeit auf einen einzigen Blitzkopf. Immerhin haben wir

im Freien sowieso nur eine einzige Lichtquelle – die Sonne. Ein einziges Licht kann uns also schon

alles liefern, was wir brauchen. Dieses Setup ist einfach zu steuern, und schon die kleinste

Justierung des Lichts auf Ihrem Motiv hat einen eindeutig erkennbaren Effekt. Dadurch werden Sie

gezwungen, den Einfallswinkel des Lichts und die Diffusionsmethode genau zu bestimmen, und

obwohl Sie nur eine Lichtquelle haben, können Sie Reflektoren verwenden, um das Licht

zurückzuwerfen und Schatten aufzuhellen.

Die Bilder unten zeigen Ihnen, was passiert, wenn Sie Ihre Lampe und die Softbox in

unterschiedlichen Höhen und Winkeln anbringen. Wie Sie sehen, ist es entscheidend, das Sie

lernen, was geht und was nicht geht beim Setup Ihres Ein-Lampen-Studios, damit Sie die unten

gezeigten, wenig vorteilhaften Ergebnisse vermeiden.

Wie bereits erwähnt, schalten Sie Ihre DSLR in den Manuell-Modus und stellen die

Blitzsynchronisationszeit ein. Falls Sie die nicht wissen, benutzen Sie 1/125 Sekunde – damit sind

Sie immer auf der sicheren Seite. Die Blende ergibt sich aus der Belichtungsmessung vor der

Aufnahme, die bei einem Ein-Lampen-Setup schnell gemacht ist. Synchronisiert mit dem Blitzkopf,

halten Sie den Belichtungsmesser vor das Gesicht Ihres Modells und drücken auf dessen Knopf, um

den Blitz auszulösen und die Messung vorzunehmen. Mit der Einstellung der Leistung des

Lichtstoßes am Blitzkopf können Sie die einzustellende Arbeitsblende so anpassen, dass Sie die

gewünschte Schärfentiefe erhalten. Erhöhen Sie die Leistung für eine kleinere Blende, und

reduzieren Sie sie, wenn Sie mit einer größeren Blendenöffnung arbeiten wollen.

EINE LAMPE: Alles was Sie brauchen, ist Ihre DSLR und einen einzigen Blitzkopf. Mit

ein wenig Übung erreichen Sie schon bald hervorragende Ergebnisse.

1) Beleuchtung von oben

Mit der Lampe weit oben über dem

Kopf des Modells bekommen Sie

ein natürlich aussehendes Licht,

wobei allerdings harte Schatten

unter Nase und Kinn auftreten.

Bitten Sie Ihr Modell, in Richtung

des Lichts zu schauen, das mildert

die Schatten. Die Person kann

auch einen Reflektor halten, um

die Schatten aufzuhellen.

2) Beleuchtung von unten

Platziert man die Lichtquelle

unterhalb des Kopfes, treten erst

gar keine durch Nase und Kinn

erzeugte Schatten auf. Bitten Sie

Ihr Modell, nach unten in Richtung

des Blitzes zu schauen, was wie

Sie sehen können, zusätzliche

Lichteffekte in den Augen Ihres

Modells ergibt.

3) Beleuchtung von der

Seite

Platzieren Sie die Lampe rechts oder

links neben das Gesicht Ihres

Modells, das ergibt ein starkes,

gerichtetes Licht, wobei die jeweils

andere Hälfte des Gesichts im

Schatten liegt. Um die Chancen auf

einen Lichteffekt in den Augen Ihres

Modells zu verbessern, sollte der

Lichteinfallwinkel nicht zu flach sein.

4) Beleuchtung und

Reflektor

Wenn ein Reflektor nahe an das

Gesicht gehalten wird, genau

gegenüber dem Blitzkopf, können Sie

harte Schatten ausgleichen, fast wie

mit einem zweiten Blitzkopf. Je näher

der Reflektor am Gesicht ist, umso

stärker die Reflexion. Bei dieser

Aufnahmetechnik ist es sicher

hilfreich, wenn Sie einen Assistenten

haben.


2. Ausgabe Der essentielle Leitfaden für Porträts

Studioblitzsysteme: Ein-Lampen-Setup 71

Den Kopf neigen

Bei Portraitaufnahmen, besonders von

Frauen, bitten Sie darum, den Kopf

leicht zur Seite zu neigen. Es macht das

Bild freundlicher und es wirkt

wesentlich entspannter.

5) Klassisches

Ein-Lampen-Setup

Bei dieser Technik positionieren Sie

den Blitzkopf seitlich und etwas

höher als Ihr Modell in einem Winkel

von 45 Grad sowohl seitlich als auch

nach unten. Das resultierende Licht

gibt dem Gesicht einen hübschen,

natürlichen Ausdruck und ein

zusätzliches Glitzern in den Augen

macht einen sympathischen,

schmeichelhaften Eindruck.


72 Studioblitzsysteme: Zwei-Lampen-Setups Der essentielle Leitfaden für Porträts 2. Ausgabe

Studio-Setup: Zwei Lampen

Für mehr Gestaltungsfreiheit können Sie Ihrem Studio-Setup

jederzeit einen zweiten Blitzkopf hinzufügen.

Viele Grundausrüstungen kommen mit zwei Blitzköpfen. Wenn Sie die Ausleuchtung Ihrer

Motive mit einem Blitz beherrschen, sollten Sie ruhig mit dem Einsatz des zusätzlichen zweiten

Blitzkopfs experimentieren. Beim Arbeiten mit einem Blitz wird oftmals der Reflektor verwendet,

um Schatten aufzuhellen und eine gleichmäßige Ausleuchtung zu erreichen, doch ohne

jemanden, der Ihnen dabei hilft, sind Reflektoren oft schwierig zu positionieren.

Stattdessen kann ein zweiter Blitzkopf verwendet werden, mit dem Vorteil, dass der Lichtstoß

besser gesteuert werden kann, beispielsweise durch genauere Zielrichtung oder den Einsatz eines

Diffusors. Der zweite Blitz wird als „Slave“ bezeichnet, und er wird ausgelöst, wenn ein

eingebauter Sensor den Blitz des primären Blitzkopfs registriert. Zwei Köpfe geben Ihnen einen

größeren Spielraum bei unterschiedlichen Szenarien: Sie können das Motiv aus unterschiedlichen

Winkeln beleuchten oder den einen Blitz auf das Objekt, den anderen auf den Hintergrund

richten.

Wie aber berücksichtigen Sie zwei Blitze bei der Belichtungsmessung? Das einfachste ist, Sie

justieren die Beleuchtung nach Ihren Vorstellungen und machen eine Testaufnahme mit der

vorgeschlagenen Blende. Danach können Sie Lampen verschieben, die Lichtanteile zwischen

ihnen oder die Blitzleistung ändern. Was auch immer Sie tun, messen Sie noch einmal, um den

neuen Blendenwert zu ermitteln, und machen Sie eine weitere Testaufnahme. Eine exaktere

Messung wird möglich, wenn Sie die Belichtung für jeden Blitz einzeln, also nacheinander

messen und die entsprechenden Einstellungen vornehmen. So können Sie die Lichtanteile der

beiden Blitze genauer einstellen, aber der gesamte Prozess wird ein wenig komplizierter. Wir

empfehlen, zuerst die einfachere Methode auszuprobieren und erst dann die zweite Methode zu

versuchen, wenn Sie etwas Erfahrung gesammelt haben.

ZWEI LAMPEN: Dies ist ein typisches Zwei-Lampen-Setup. Die Lampen sind mit einer

Softbox und einem Reflektorschirm kombiniert, um ein schmeichelhaftes, diffuses Licht zu

erzeugen.

1) Beleuchtung von

oben und unten

Ein typisches Setup für Kopfportraits,

bei dem der Hauptblitz in einem

Winkel von 45 Grad auf das Motiv

trifft, um das Licht möglichst

schmeichelhaft erscheinen zu

lassen. Der zweite Blitz hellt den

Schatten unter dem Kinn auf. Diese

Aufnahmetechnik funktioniert fast

immer. Stellen Sie den Hauptblitz

zwei Stufen heller als der Slave ein.

2) Beleuchtung von

oben und vom Rand

Der Hauptblitz befindet sich oben

rechts vom Motiv. Der Slave ist

dahinter aufgestellt, gegenüber

dem Hauptblitz. Dadurch fällt

Licht über die Schulter und ganz

wenig auch auf die Wange. Das

macht das Foto interessanter und

das Gesicht wirkt mehr

dreidimensional.

3) Beleuchtung von

hinten und vorn

Hier steht ein Blitz vor dem Modell,

um das Gesicht auszuleuchten, der

andere hinter dem Modell um dem

Haar ein wenig Glanz zu geben.

Das wirkt sehr gut, wenn Ihr Modell

seidiges oder getöntes Haar hat,

und diese Technik wird

standardmäßig bei

„Haaraufnahmen“ in

Zeitschriftenanzeigen eingesetzt.

4) „Schmetterlingsbeleuchtung“

Dies ist eine altmodische

Aufnahmetechnik, die man in der

heutigen Fotografie kaum noch findet.

Indem beide Lampen über dem Modell

positioniert werden, sodass sie in steilem

Winkel nach unten strahlen, wodurch

Schatten auf dem Gesicht liegen,

entsteht ein interessantes

„Schmetterlingsmuster“ unter der Nase

des Modells.


Schirme & Softboxen

2. Ausgabe Der essentielle Leitfaden für Porträts

Studioblitzsysteme: Zwei-Lampen Setups 73

Reflektorschirme liegen fast allen Sets als

Billig-Diffusoren bei. Die Ergebnisse sind

annehmbar, aber es lohnt sich, in eine Softbox

zu investieren, weil dadurch ein sehr

schmeichelhaftes Licht für Portraitaufnahmen

erzeugt wird.

5) Beidseitige Beleuchtung

Beide Lampen seitlich vor das Modell gestellt

ergibt das wohl wichtigste

Zwei-Lampen-Setup, das Sie beherrschen

sollten. Es hilft, Schatten zu vermeiden und

erzeugt ein sehr gleichmäßiges Licht auf dem

Gesicht. Das ist äußerst nützlich um Falten

unsichtbar werden zu lassen, deswegen wird

diese Technik immer bei „Beauty“- und

Make-Up Aufnahmen eingesetzt. Diese

Beleuchtungstechnik funktioniert bei

praktisch jedem Objekt und man ist mit ihr bei

Studioportraits immer auf der sicheren Seite.


74 Studioblitzsysteme: Der High-Key-Effekt Der essentielle Leitfaden für Porträts 2. Ausgabe

Studio-Setup: High-

Key- Effekt

High-Key-Beleuchtung ist eine der populärsten

Techniken zeitgenössischer Porträt-Fotografen –

und sie ist überraschend einfach.

Einige Jahre lang machten kommerzielle Porträt-Studios ein

Vermögen mit ihren „modern Lifestyle“-Porträts, oftmals

aufgenommen mit Weitwinkelobjektiven und fast jedes Bild mit

weißem Hintergrund. Bei dieser Technik wird die Blitzleistung so

weit aufgedreht, dass sämtliche Hautunebenheiten praktisch

„weggebleicht“ werden. Der Ausdruck „High-Key“ – auch wenn

er für verschiedene Fotografen unterschiedliche Bedeutungen

haben mag – bezieht sich generell auf Aufnahmen mit sehr

geringem Kontrastverhältnis, sodass es nur geringe

Unterschiede gibt zwischen schattigen und gut ausgeleuchteten

Bereichen. Die Ergebnisse sehen frisch und sauber aus, und mit

ein wenig Experimentieren erreicht man schnell gute Resultate.

Die sichtbaren Schatten sind so subtil, dass die Haut oft tadellos

aussieht, ohne dass man –wenn überhaupt - noch viel

nacharbeiten müsste. Es gibt viele Model-Agenturen, die diese

Technik für die Portraitaufnahmen ihrer Models benutzen, denn

sie schmeichelt dem Gesicht und überdeckt eine Vielzahl an

Schönheitsfehlern.

Im Gegensatz zu dem, was viele Einsteiger in die

Studioaufnahmetechnik glauben, handelt es sich um eine

einfach aufzubauende Technik, die im Prinzip schon mit durch

ein Fenster fallendes Licht und einem einzigen Reflektor

angewendet werden kann. Sie funktioniert auch bereits mit

einem Reflektor und einem Studioblitz, aber für bessere

Ergebnisse braucht man schon wenigstens zwei Blitzköpfe. In

diesem Teil unseres Leitfadens zeigen wir Ihnen, wie Sie den

High-Key Beleuchtungseffekt mit einem Zwei- und einem

Vier-Lampen-Setup Ihres Blitzsystems erzielen können.

1) Das Vier-Lampen-Setup

Hierzu gehören zwei Lampen mit Diffusoren, die auf das Motiv

gerichtet sind und zwei Lampen ohne Aufsätze, für den

Hintergrund. Das Prinzip ist einfach: Ihr Motiv soll korrekt

belichtet, der Hintergrund aber so stark überbelichtet werden,

dass er vollständig weiß erscheint. Um dies zu erreichen, bauen

Sie die zwei Hauptlampen auf, sodass Sie Ihr Motiv beleuchten

und messen die erforderliche Belichtung. Dann schalten Sie die

Lampen für die Hintergrundbeleuchtung ein und regeln deren

Leistung so hoch, dass sie mindestens eine oder zwei Stufen

heller ist, als die der Hauptlampen. Achten Sie nur darauf, das

Hintergrundlicht nicht so einzustellen, dass es zu stark

zurückgeworfen wird und durch die Reflexionen das

Gesamtergebnis verdirbt.


2) Das Zwei-Lampen Setup

Hier brauchen Sie zwei Lampen und die Ecke eines Raumes mit

weißen Wänden und weißer Decke. Der erste Blitzkopf befindet

sich hinter Ihnen und ist nach oben gerichtet, um die rückwärtige

Wand und die Decke zu beleuchten, der zweite ist auf das Gesicht

des Modells gerichtet und fügt dem Vordergrund Licht hinzu.

Bei diesem Aufbau wird die rückwärtige Wand überbelichtet. Das

Licht soll von dort reflektiert werden, sodass der Effekt einer

riesigen Softbox entsteht. Der gegenüber befindliche andere

Blitzkopf leuchtet das Gesicht des Modells aus, wozu auch ein

Reflektor hätte dienen können. Für die meisten

High-Key-Aufnahmen dieser Art werden die Hintergrundlampen

zwei oder drei Stufen heller eingestellt als die

Vordergrundlampen. Bauen Sie zuerst die

Hintergrundbeleuchtung auf und machen eine Testaufnahme,

um sicher zu gehen, dass das Foto überbelichtet wird. Danach

bringen Sie Ihr Modell in Position und überprüfen anhand einer

weiteren Testaufnahme, wie gut das Gesicht ausgeleuchtet ist.

Regeln Sie nun das Vordergrundlicht so lange, bis die Belichtung

stimmt. Versuchen Sie einmal, die Lampen auf geringe Leistung

einzustellen. Das gestattet eine offenere Blende, wodurch die

Porträts insgesamt weicher werden.

Diffusor-Dilemma

Für den High-Key-Effekt muss das Licht so

weit wie möglich gestreut werden. Sie

erreichen das mit großen Softboxen oder

einfach durch Reflexion von einer weißen

Wand, was denselben Effekt hat.


76 Studioblitzlicht: Erzeugen eines High-Key-Effekts

Der essentielle Leitfaden für Porträts 2. Ausgabe

Verpassen Sie Ihren Selbstporträts ein magisches neues Aussehen

CAROLINE WILKINSON: Dieses

unkonventionell weiß-gebleichte Porträt

ist einfach zu bewerkstelligen und eignet

sich sehr gut für eine Montage mit

unterschiedlichen Gesichtsausdrücken. Diese

Technik ist sehr einfach, aber der Erfolg hängt von der

Vorbereitung ab. Die Augen, Augenbrauen und

Lippen müssen atemberaubend wirken. Lassen Sie

Ihr Modell daher sehr viel Make-up auftragen und

hellfarbiges Puder verwenden, um die Haut zu

bleichen. Wie erwartet waren meine männlichen

Kollegen im Büro nicht darauf versessen, roten

Lippenstift und Lidstrich aufzutragen, daher hielt ich

selbst als Modell her. Auch wenn Ihr Modell wie ein

Clown aussehen mag: Je mehr Make-up Sie

auftragen, desto besser der endgültige Effekt.

Set-up

Bereiten Sie sich vor

BENÖTIGTE ZEIT:

30 MINUTEN

BENUTZTE AUSRÜSTUNG:

NIKON D300, STATIV, ELINCHROM D-LITE

4IT MIT SOFTBOX

AUSSERDEM VERWENDET:

PHOTOSHOP CS4

AUFSTELLUNG: Positionieren Sie eine Softbox mit einer Neigung von 45 Grad nach unten über und vor Ihnen

oder Ihrem Model. Beginnen Sie, indem Sie das Licht auf mittlere Leistung stellen, wobei Sie die Leistung

erhöhen oder verringern, um einen Ausgleich zur Überbelichtung der Haut zu erzeugen, aber nicht zu den Lippen,

Augen oder Augenbrauen, da diese die Basis des Bilds sind.

Wenn Sie ein Selbstporträt fotografieren, können Sie

1einen ferngesteuerten Auslöser verwenden oder, falls

dieser nicht vorhanden ist, den Selbstauslöser Ihrer Kamera.

Ich entschied mich für den Intervall-Timer, da ich mit

diesem kontinuierlich eine vorgegebene Anzahl an Bildern

fotografieren kann und zudem Belichtung, Fokus und

Belichtungsmessung vor jedem Foto angepasst werden.

Schauen Sie in das Handbuch Ihrer DSLR, um

herauszufinden, ob Ihre Kamera über diese Funktion verfügt

und wie sie eingestellt wird.

Positionieren Sie Ihr Modell auf einem Stuhl und richten

2die Kamera auf das Gesicht aus. Wenn Sie ein

Selbstporträt fotografieren, machen Sie ein paar

Testaufnahmen und positionieren sich und die Kamera neu,

bis Sie korrekt im Bild sind. Dann schneiden Sie so viele

Grimassen, wie mit dem Intervall-Timer möglich sind.

Werten Sie das Bild aus, passen die Lichtstärke an, setzen

den Intervall-Timer zurück, und fotografieren erneut.

Nachdem Sie das beste Bild ausgewählt haben öffnen

3Sie Photoshop und wählen das Freistellenwerkzeug.

Die einzigen Elemente, die Sie im Bild formen müssen, sind

die Gesichtszüge. Schneiden Sie das Bild zu, um alle

Ablenkungen loszuwerden. Zur Erhöhung des Kontrast und

um die Haut noch mehr auszubleichen duplizieren Sie jetzt

die Ebene (Ebene> Ebene Duplizieren) und stellen die

Füllmethode auf Überlagerung.

Passen Sie die Gradationskurven an, um das Gesicht

4noch mehr auszubleichen und um die Gesichtszüge zu

verdunkeln (Bild> Korrekturen> Gradationskurven). Jetzt

reduzieren Sie das Bild auf Hintergrundebene (Ebene>Auf

Hintergrundebene reduzieren). Ein schlauer Weg, um den

Kontrast anzuheben, besteht im Hinzufügen einer

Schwarzweiß-Ebene (Ebene>Neue

Einstellungsebene>Schwarzweiß). Klicken Sie OK, dann

klicken Sie auf die Schwarzweiß-Ebene in der Ebene-Palette

und stellen die Füllmethode auf Hartes Licht.

Jetzt zur Einstellung der Intensität von bestimmten

5Farben: Klicken Sie auf das Ebene-Vorschaubild

(eingefügt) in der Ebene-Palette und passen die Farbregler

an, bis die Haut fast weiß ist und die Gesichtszüge am

stärksten wirken. Achten Sie darauf, die Haut nicht gelb

erscheinen zu lassen. Für dieses Bild stellte ich Zyan/Türks

und Blau auf -200, um die Augen zu verbessern, Gelb auf

-27, um die Haut weißer zu machen und Rot auf -12, um

die Lippen zu verstärken.

Um unerwünschte Haare und die Umrisslinie des

6Gesichts loszuwerden, klicken Sie auf

Ebene>Neu>Ebene und wählen die Farbe Weiß, dann

verwenden Sie das Pinsel-Werkzeug, wählen einen großen

weichen Pinsel und beseitigen die verbleibenden

Umrisslinien. Wenn Sie die Arbeitsfläche vergrößern

möchten, um mehr Platz für das Arbeiten um die

Gesichtszüge zu erhalten, verwenden Sie das

Freistellungswerkzeug, um die Arbeitsfläche zu wählen,

ziehen dann die Quadrate, um die Größe der Arbeitsfläche

zu verändern und drücken Enter.


2. Ausgabe Der essentielle Leitfaden für Porträts

Studioblitzlicht: Erzeugen eines High-Key-Effekts 77

Fertiges Bild

Meine Haut hat noch nie so makellos

ausgesehen! Dieser eigenartige

Porträtansatz sorgt dafür, dass Sie jeder

fragen wird, wie Sie es gemacht haben.


78 Ideen und Techniken für tolle Familienfotos Der essentielle Leitfaden für Porträts 2. Ausgabe

Strahlende, schöne Babys

Ein neues Familienmitglied ist einer der Hauptgründe für

den Kauf einer Digitalkamera. Mit unseren Ratschlägen

werden Sie wunderschöne Babyfotos machen!

NUR WENIGE DINGE BRINGEN DIE MENSCHEN SO SEHR DAZU, DEN

BERÜHMTEN SATZ „Oh, wie süß!“ auszusprechen wie ein Baby. Diese

prallen Bäckchen, diese großen Augen und dieses zahnlose Lächeln sind

einfach perfekte Zutaten für wunderschöne Porträtaufnahmen. So

fotogen Babys aber auch sind: Sie sind nicht gerade die einfachsten Fotomodelle.

Zum einen ist es ihnen ganz egal, was Sie sagen. Es hat also keinen Sinn, sie zu

bitten, aus dem Fenster zu sehen oder zu lächeln – sie werden Sie ignorieren.

Rechnen Sie stattdessen mit jeder Menge Speichel, Nickerchen, Weinen und

interessiertem Herumschauen – nur nicht in die Kamera. Eine weitere Hürde vor

allem bei ganz jungen Babys ist, dass diese noch gar nicht kräftig genug sind, um

sich selbstständig aufrecht halten zu können. Das heißt also, Sie müssen sie

entweder im Liegen oder mit irgendeiner Art von Stütze fotografieren.

Aus diesem Grund sind viele Eltern und Familienmitglieder frustriert darüber, dass sie

den neuesten Familienzuwachs nicht so aufnehmen können, wie sie es gerne

würden. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass viele mit einem Weitwinkelobjekt zu

nah herangehen und den integrierten Blitz auslösen. Das Ergebnis: Eine hässliche

Aufnahme von einem Baby, das nach dem x-ten Blitzlicht in seinem kurzen Leben

eine genervte Grimasse zieht.

Vor Ihnen liegt also eine schwierige Aufgabe, aber verschiedene Dinge sprechen für

Sie. Zunächst einmal ist Ihr Modell nicht sehr mobil, es wird also nicht weglaufen.

Und weil die Eltern anwesend sind, wird es sich in der Regel wohlfühlen und

glücklich sein – vor allem, wenn Sie es nach einem seiner Nickerchen oder

Mahlzeiten fotografieren möchten.

Vor dem Fotografieren ist es ratsam, einige Minuten mit dem Baby zu verbringen,

damit es sich an Sie gewöhnen kann.

Reden Sie mit dem Baby, zeigen Sie ihm Spielsachen, lassen Sie es Ihren Finger

halten, oder lassen Sie sich noch andere Dinge einfallen, die das Kind beruhigen.

Lächeln Sie viel, und kommen Sie sich nicht albern dabei vor, komische Geräusche

zu machen oder mit Quietschestimme zu sprechen – all das trägt dazu bei, eine erste

Bindung herzustellen.

Wenn die Aufnahmen in einem geschlossenen Raum gemacht werden, platzieren

Sie Ihr Modell in der Nähe einer Terrassentür; wenn die Aufnahmen im Freien

gemacht werden, suchen Sie sich einen gut ausgeleuchteten Schattenbereich aus.

Sie sollten schnell arbeiten und die Kamera in der Hand halten können. Stellen Sie

also einen hohen ISO-Wert ein (400 bis 800), und verwenden Sie eine große

Blendenöffnung. Wählen Sie einen möglichst schlichten Hintergrund, und machen

Sie die Aufnahme sowohl vor hellem als auch vor dunklem Hintergrund. Sehen Sie

sie sich dann die Ergebnisse am LCD-Bildschirm an, um zu sehen, welcher am

besten geeignet ist.

Die Augen eines Babys sind im Verhältnis zum restlichen Gesicht relativ groß. Achten

Sie also darauf, dass mindestens eines scharf eingestellt ist. Ändern Sie den

Blickwinkel, und machen Sie Aufnahmen von oben und anschließend im Liegen, um

eine Aufnahme auf Augenhöhe des Babys oder sogar niedriger zu machen.

Wenn Sie einmal mit den Aufnahmen begonnen nen haben, müssen Sie schnell

arbeiten. Eine gute Option ist es auch, die Bildfrequenz

auf kontinuierlich einzustellen und eine

Reihenaufnahme zu machen, wenn Sie

das Modell direkt ansieht. Sie werden zwar

feststellen, dass die meisten Bilder nicht gut

genug sind, aufbewahrt zu werden, aber mit

etwas Glück werden Sie eine Handvoll guter

Aufnahmen bekommen, von denen die Eltern

begeistert sein werden. Die bessere Alternative

ist es, die Einstellung auf Einzelbild zu lassen,

und sich für weniger Bilder zu entscheiden,

die jedoch mit etwas mehr Geschick und

Zweckbestimmung gemacht werden.

Hände und Füße

Sie sollten unbedingt einige

Aufnahmen von den Händen

und Füßen des Babys

machen. Versuchen Sie das,

wenn das Baby erst wenige

Tage alt ist, weil es dann die

meiste Zeit schläft und die

faltige Babyhaut die Wirkung

der Fotos noch unterstreicht.

Verwenden Sie weiches Licht

sowie blasse und neutrale

Farben. Stellen Sie eine große

Blendenöffnung für eine

flache Schärfentiefe ein, und

experimentieren Sie mit

verschiedenen Winkeln und

Blickwinkeln herum.

Machen Sie Aufnahmen in

Farbe und in Schwarz-Weiß.

GANZ OBEN: Kleine Babys sind oft noch zu schwach, um

sich selbstständig aufrecht halten zu können. Verwenden

Sie also Möbelstücke als Hilfsmittel, und sorgen Sie dafür,

dass die Eltern oder ein Assistent in der Nähe sind, damit

keine Unfälle passieren!

OBEN: Seien Sie mutig, und probieren Sie ungewöhnliche

Bildaufbauten aus. Babys haben normalerweise sehr

große Augen; mit knappen Zuschnitten und einer sehr

flachen Schärfentiefe können Sie das noch betonen.

Top-Tipps: Babyfotos

1) ERREGEN SIE IHRE AUFMERKSAMKEIT

Babys sehen Sie normalerweise an, wenn

Sie, kurz bevor Sie auf den Auslöser drücken,

vor ihnen ein Spielzeug halten, schütteln

oder drücken.

2) NICHT ÜBERTREIBEN! Eine zehnminütige

Sitzung ist lang genug. Nach einer Pause

können Sie dann wieder weitermachen.

3) IMMER MIT DER RUHE Seien Sie nicht

frustriert und ärgern Sie sich nicht, wenn der

Fototermin nicht nach Plan verläuft. Seien

Sie sich immer im Klaren darüber, dass die

Möglichkeit besteht, dass Sie überhaupt

keine guten Bilder bekommen.

4) RECHNEN SIE MIT KLEINEN „UNFÄLLEN“

Halten Sie eine Küchenrolle und

Papiertaschentücher bereit, um dem Baby

bei Bedarf den Mund oder die Nase

abwischen zu können. Babys produzieren

erstaunlich viel Spucke und Schleim!

5) SEIEN SIE KREATIV Wenn das Baby nicht

in die Kamera schaut, probieren Sie

ungewöhnliche Winkel und Kompositionen

aus, die möglicherweise eine gute Aufnahme

liefern, oder konzentrieren Sie sich auf

Hände, Füße oder andere kleine Details.

FOTOS: BRETT HARKNESS


Babyverhalten

Wenn Sie sehr geduldig sind,

finden Sie vielleicht einen

Moment, in dem das Baby

herumalbert und direkt in die

Kamera schaut!

Belichtung: 1/500 Sekunden

bei f4,5 (ISO 500)

Umwandeln in Schwarz-Weiß

Denken Sie daran, dass sich Babybilder ideal zur

Umwandlung in Schwarz-Weiß eignen. Sie sollten

also durchaus überlegen, ob Sie nicht einige Ihrer

Lieblingsaufnahmen in die sehr beliebten

Monochrom-Bilder umwandeln.


80 Ideen und Techniken für tolle Familienfotos Der essentielle Leitfaden für Porträts 2. Ausgabe

Eine Stunde mit Ivy

Wie einfach ist es wirklich, ein kleines Baby mit einer

Grundausrüstung zu fotografieren? Wie Daniel Lezano

entdeckt, bewirkt ein glückliches Modell Wunder!

ICH hatte die sechs Monate alte Ivy erst einmal zuvor getroffen

– eine Woche, bevor ich sie fotografieren sollte. Sie ist ein sehr

glückliches Baby, das fast ununterbrochen lächelt. Ich wusste

also, dass sie Potenzial für ein tolles Fotomodell hatte. Da ich

allerdings zuvor einige Babys fotografiert hatte, wusste ich auch,

dass ich nichts als selbstverständlich betrachten konnte.

Als ich bei ihr zuhause eintraf, begrüßte sie mich mit ihrem

zahnlosen Lächeln; alles sah also sehr vielversprechend aus. Bevor

ich mit den Aufnahmen begann, unterhielt ich mich mit Ivys Mama

Keely bei einer Tasse Kaffee und spielte ein wenig mit Ivy. Ich

erklärte Keely meine Vorgehensweise, damit sie im Bild war. Um

alles möglichst einfach zu halten, verwendete ich nur ein

Fixfokusobjektiv (105 mm) und einen Reflektor.

Ich sah mich kurz bei Keely um und kam zu dem Schluss, dass das

Wohnzimmer mit seinen Terrassentüren das beste

Umgebungslicht für die Aufnahmen bot. Wir setzten Ivy in ihre

Babywippe schräg in die Nähe des Fensters, um eine leichte

Seitenbeleuchtung zu erzeugen. Ich machte einige Bilder von ihr in

dieser Position und drehte dann den Stuhl so, dass ihr Gesicht

gleichmäßiger ausgeleuchtet war. Nach einigen weiteren

Aufnahmen haben wir ein weißes Laken über den Sitz gelegt, um

dessen Muster zu bedecken und einen neutralen Hintergrund zu

haben. Anschließend haben wir Ivy das Oberteil ausgezogen, um

eine natürlichere Babyaufnahme machen zu können. Während

dieser gesamten Zeit blickte Ivy um sich und zeigte verschiedene

Gesichtsausdrücke von breitem Lächeln bis zu finsterem

Stirnrunzeln. Sie sah nur selten lächelnd direkt in die Kamera, was

mich jedoch nicht daran hinderte, auch ohne direkten

Augenkontakt weiter zu fotografieren, weil die Bilder so gut

wurden.

Der große, runde Reflektor hatte es Ivy wirklich angetan und

brachte sie wieder zum Lächeln, vor allem, wenn ich die silberoder

goldglänzende Seite verwendete. Aber das bedeutete leider

auch, dass sie noch seltener in die Kamera schaute. Indem ich

jedoch ihre Position und die des Reflektors veränderte, konnte ich

von oben fotografieren und einige Aufnahmen machen, auf denen

sie in die Kamera blickte.

Da Keely dabei war, konnte sie den Reflektor in der gewünschten

Position halten, was sich als entscheidend erwies. Außerdem

konnte sie Ivy zwischendurch immer wieder mal auf den Arm

nehmen, um sich mit ihr zu beschäftigen und so die Routine

durchbrechen. Das war wichtig, damit Ivy interessiert und gut

gelaunt blieb. Auf diese Weise konnte ich einige Aufnahmen

machen, wie Ivy am Sofaarm „lehnte“, während ihr Keely von

hinten Halt gab. Diese Aufnahmen erwiesen sich als die besten

überhaupt, da Ivys Gesicht durch ihre aufrechte Haltung eine

natürlichere Form erhielt, aber auch weil der Hintergrund unscharf

war und damit weniger ablenkte. Gegen Ende der Sitzung begann

Ivy zu weinen und während Keely sie streichelte und hin und her

wiegte, machte ich einige Profilaufnahmen von Ivy, um eine andere

Perspektive zu bekommen. Eine dieser Aufnahmen wurde zu

meinem Lieblingsbild des Tages.

Ändern von Ausrüstung und Hintergrund

Überprüfen Sie mit den ersten Aufnahmen die Beleuchtung,

die Kleidung und den Hintergrund. Anfangs hatten wir zu viele e

Punkte auf dem Bild, dann probierten wir einen weißen

Hintergrund aus, bevor wir auf das Sofa wechselten. Die

besten Aufnahmen wurden die mit der sitzenden Ivy, mit dem

dunklen Raum hinter ihr als verschwommenen Hintergrund.

Mama soll

mitarbeiten!

Auch wenn Keely nicht

gerade begeistert davon war,

auch auf den Bildern zu sein,

konnte ich gegen Ende der

Sitzung einige Aufnahmen mit

beiden zusammen machen, als

Keely Ivy hin und her wiegte,

um sie wieder fröhlich zu

stimmen. Mir gefällt die

Intimität der Bilder und die

Natürlichkeit der beiden

Modelle darauf sehr.

Bei all diesen Aufnahmen

verwendete ich Zeitautomatik

und stellte eine Blende zwischen

2,8 und 4 ein. Zu diesem

Zeitpunkt war es sehr bedeckt;

um also ein Verwackeln zu

vermeiden, brauchte ich schnelle

ISO-Werte (ISO 800 bis 1000).


2. Ausgabe Der essentielle Leitfaden für Porträts

Ideen und Techniken für tolle Familienfotos 81

Die nackte Wahrheit

Machen Sie unbedingt Aufnahmen

des Babys, wenn es nur eine Windel

anhat, da sein nackter Oberkörper und

die meist rundlichen Arme und Beine

den Charme der Bilder ausmachen.

RECHTS: Ivy konnte

nicht nur lächeln, sie

kann auch viele lustige

Gesichter schneiden.

Hier sehen Sie ein paar

davon. Wenn Sie eine

schöne Auswahl haben,

überlegen Sie, wie Sie

eine Bilderserie daraus

machen können, z. B.

ein Triptychon oder eine

Vierergruppe.

LINKS: Diese

ungewöhnliche

Porträtaufnahme, die

ich ganz am Ende der

Sitzung gemacht habe,

ist eines meiner

Lieblingsbilder des

ganzen Tages.

Alle Aufnahmen

wurden mit Tageslicht

gemacht.

Baby-Fotosession:

Zusammenfassung

✔Seien Sie sehr geduldig. Nur selten

gelingen Ihnen sofort tolle Bilder.

✔Mit den Fingern schnippen oder mit

Spielzeugen quietschen, bringt Ihnen

zunächst die Aufmerksamkeit eines

Babys ein, aber die Wirkung lässt auch

schnell nach.

✔Beziehen Sie einen Elternteil in die

Fotosession mit ein, damit Sie ein

glückliches und lächelndes Baby haben!

✔Haben Sie keine Angst, Positionen,

Blickwinkel, Kleidung und Hintergrund

zu wechseln. Experimentieren Sie

herum, und hören Sie bloß nicht auf zu

fotografieren!


82 Ideen und Techniken für tolle Familienfotos Der essentielle Leitfaden für Porträts 2. Ausgabe

Fotografieren von älteren Kindernn

Sie können frühreif, ungezogen und richtig frech sein. Aber in diesem

Alter sind Kinder oft auch am fotogensten!

VIELE ELTERN SIND SICH DARÜBER EINIG, dass die

Kindheit am schönsten ist, wenn ihre Kinder zwischen fünf

und zehn Jahre alt sind. Das sind die Jahre, in denen Kinder

ihre Persönlichkeit entdecken und eine gewisse

Unabhängigkeit entwickeln, woraus sich einige ausgezeichnete

Fotogelegenheiten ergeben können.

Diese frühen Jahre haben in vielerlei Hinsicht das Potenzial für die

besten Kinderporträtaufnahmen. Da die Kinder selber laufen und

spielen können, haben Sie viele Möglichkeiten, einige tolle und

natürliche Fotos zu machen. Statten Sie Ihre digitale

Spiegelreflexkamera mit einem Telezoom aus (50 bis 200 oder 70 bis

300 Millimeter ist eine gute Wahl), und Sie können im Hintergrund

bleiben, damit sich Ihr Modell ganz natürlich verhält, weil es gar nicht

bemerkt, dass es fotografiert wird. Wenn Sie ein paar Aufnahmen

gemacht haben, suchen Sie sich einen guten Blickwinkel, stellen Sie die

Kamera auf Reihenaufnahme ein und rufen das Kind beim Namen.

Sobald es dann zu Ihnen hinschaut, drücken Sie auf den Auslöser.

Kinder in diesem Alter haben den großen Vorteil, dass sie relativ gut auf

Anweisungen reagieren. Wenn sie sich also setzen, stehen oder umdrehen

sollen, dann tun sie das wahrscheinlich auch. So können Sie in

verhältnismäßig kurzer Zeit ein gutes Repertoire an Bildern machen, von

natürlichen bis hin zu mehr inszenierten Fotos. Und weil Ihr Modell nach

einigen Minuten allmählich etwas gelangweilt wird und wieder

herumzualbern beginnt, können Sie damit rechnen, gegen Ende der Sitzung

ein paar Grimassen und lustige Posen zu erwischen.

Sie sollten mit dem Posieren Ihrer Modelle sehr entspannt umgehen. Eine gute

Methode ist es, sie zu bitten, an einem bestimmten Ort zu stehen bzw. zu

sitzen, und dann einige Aufnahmen zu machen. Wenn sie angespannt

aussehen, lassen Sie sie ihre Arme und ihren Kopf schütteln, damit sie sich

dabei entspannen und lachen – schließlich sollen sie ja Spaß haben. Machen

Sie ein paar weitere Aufnahmen, sagen Sie ihnen, dass sie das ganz toll

machen, und bitten Sie sie, ihr Kinn zu heben bzw. zu senken, ihren Kopf zu

neigen und so weiter, bis Sie die gewünschte Aufnahme haben. Probieren Sie

verschiedene Blickwinkel und Ausschnitte aus, um eine wirklich gute

Mischung an Bildern zu bekommen. Und am Ende der Sitzung sagen Sie

ihnen, dass sie jetzt so richtig herumalbern dürfen, und fotografieren sie, wenn

sie am albernsten sind!

Die Kindermode hat sich sprunghaft entwickelt. Machen Sie also neben

Kopf- und Schulteraufnahmen unbedingt auch einige Ganzkörperbilder, um

die Mode der Zeit zu erfassen. Wenn die Kinder einen ganz einzigartigen

Modegeschmack haben, nutzen und zeigen Sie ihn! Vielleicht tragen sie gerne

Mützen und kräftige Farben, oder sie verkleiden sich gern als Supermann. Ihr

Ziel sollte sein, eine gute Mischung an Bildern zu machen, die insgesamt

verschiedene Aspekte des Wesens Ihres Modells erfassen.

Und wie immer sollten Sie auch für diese Aufnahmen nach Möglichkeit einen

Assistenten haben (d. h. einen Freund oder ein Familienmitglied), der Sie

beim Halten eines Reflektors oder Weichzeichners unterstützen kann,

damit Sie die Beleuchtung besser kontrollieren können.

Türöffnungen eignen

sich für junge Kinder

ideal zum natürlichen

Posieren – lassen Sie

sie davor stehen oder

sitzen. Wählen Sie

Kleidung, die zur Farbe

der Tür passt. Wenn

das Kind mehrere

Kleidungsstücke

übereinander trägt,

bitten Sie es, die

Fleece-Jacke oder den

Pullover nach einer

Weile auszuziehen und

im T-Shirt zu posieren.

Und: Wir wiederholen

es immer wieder, aber

es geht wirklich nichts

über das bisschen extra

Licht, das ein Reflektor

bietet.

GESCHENKIDEEN

Leinwand

Es gibt sie schon seit einigen Jahren,

aber ihre Beliebtheit scheint

unvermindert anzuhalten. Ein

Kinderporträt auf einer Leinwand ist

eine ausgefallene Möglichkeit, die

besten Bilder zu präsentieren, und eine

hervorragende Fotogeschenkidee.

Ausdrucke mit

Tintenstrahldruckern

Wenn Sie gerne Ihre eigene

Fotokunstkollektion haben möchten,

sehen Sie sich einmal die große Palette

an Fotopapiersorten an, die mit

Tintenstrahldruckern verwendet

werden können. Einige gute Marken

und Typen sind Hahnemühle Photo

Rag Satin Glossy Fine Art und Permajet

Royal Fine Art.

Top-Tipps:ältereKinder

1) ARBEITEN SIE SCHNELL

Mit einem Telezoom (z. B. 50 bis 200 mm)

können Sie schnell den Bildaufbau ändern, z.

B. von Porträtaufnahmen zu

Ganzkörperaufnahmen.

2) DIE KINDER MÜSSEN SICH WOHLFÜHLEN

Bevor Sie mit den Aufnahmen beginnen,

erklären Sie ihnen, was Sie vorhaben. Bringen

Sie sie dazu, sich zu entspannen, weil die

Sitzung Spaß macht und schnell vorbei ist.

3) SEIEN SIE POSITIV! Sagen Sie den Kindern

immer wieder, dass sie als Fotomodell ein

Naturtalent sind und auf den Bildern wirklich

gut aussehen. Selbst in diesem jungen Alter tut

den Kindern diese Ermutigung gut.

4) LASSEN SIE SIE SPIELEN! Wenn sie

anfangen herumzualbern, lassen Sie sie

spielen, und fangen Sie ein paar natürliche

Situationen mit der Kamera ein, bevor Sie sie

wieder bitten, sich für die nächste Aufnahme

fertig zu machen.

5) BELOHNEN SIE SIE! Eine kleine

„Bestechung“ in Form von Spielzeug,

Süßigkeiten usw. funktioniert immer. Eine

Belohnung für ihre Anstrengung lässt sie eher

wieder zu weiteren Aufnahmen zusagen!


Den Teddy nicht vergessen!

Einige Kinder, auch wenn sie fast schon

Teenager sind, können einfach nicht ohne

ihren Lieblingsteddybär sein. Lassen Sie

die Kinder in einigen Aufnahmen ihr

Lieblingsspielzeug halten, da sie so vor

der Kamera entspannter werden.


84 Ideen und Techniken für tolle Familienfotos Der essentielle Leitfaden für Porträts 2. Ausgabe

Fotografieren von älteren Kindern: Die Brüder Caleb und Miles auf dem Bauernhof

Daniel Lezano besucht mit dem Digitale-Fotografie-Leser Sean Norris und seinen beiden Söhnen Caleb (9) und Miles (6) einen Bauernhof, um herauszufinden,

was an einem ungewöhnlichen Schauplatz innerhalb einer Stunde machbar ist – das würden die meisten Eltern als Porträtaufnahme nicht einmal in Erwägung

ziehen.

A

UF MEINEM WEG ZUR ARBEIT fahre ich jeden Tag an einem

wunderschönen Bauernhof vorbei und wollte dort immer

schon einmal Porträtaufnahmen machen. Eine Woche vor der

geplanten Sitzung bin ich also dahin gefahren, um mich mit

dem Eigentümer Harry zu treffen und seine Erlaubnis einzuholen.

Schließlich wollte ich nicht unangekündigt erscheinen.

Sean abonniert Digitale Fotografie und ist auch ein guter Freund der

Familie, sodass ich seine beiden Jungs gut kenne. Nachdem ich mit ihm

die Fotositzung besprochen hatte, kannte er meine Pläne ziemlich genau

,und als wir dann vor Ort ankamen, ließen wir die Kameraausrüstung

zunächst im Auto und machten uns zu Fuß mit der Umgebung vertraut, um

potenzielle Aufnahmeplätze zu finden. Nach kurzer Zeit hatten wir eine

Steinmauer, einige Holztüren, große Stahlcontainer, Pferdeboxen aus

Metall und Strohballen als potenzielle Orte für die Aufnahmen auserkoren.

Es war ein sonniger Tag, also nahm ich neben einem Reflektor auch einen

großen Lastolite-Skylite-Diffusor mit, für den Fall, dass ich bei direkter

Sonneneinstrahlung arbeiten musste. Wir begannen mit der Steinmauer als

Hintergrund, wobei Caleb und Miles entweder davor standen oder sich

daran anlehnten. Ich habe verschiedene Blickwinkel ausprobiert. Am

besten gefiel es mir, die Mauer diagonal zu fotografieren, sodass sie

allmählich im Hintergrund verschwand. Ich habe die Positionen von Miles

und Caleb verändert, sodass sie die Mauer manchmal berührten; dann

habe ich sie nach vorne weiter weg von der Mauer platziert, damit diese

unscharf wurde. Ich machte Aufnahmen auf der Augenhöhe der Kinder,

kniete und legte mich aber auch auf den Boden, um verschiedene

Perspektiven zu bekommen. Ich machte eine Aufnahme ohne Reflektor

und anschließend ein paar Aufnahmen mit der weißen und dann mit der

silbernen Seite des Reflektors (z. T. auch mit der goldenen Seite), um zu

sehen, wie sich dies auf das Licht auswirkte, das auf die Modelle fiel.

Anschließend machten wir Aufnahmen vor einigen Metalltanks, die vom

hellen Sonnenlicht angestrahlt wurden. Wir lehnten einen großen Diffusor

an die Tanks und ließen die beiden Jungs nacheinander darunter stehen.

Nach einigen Porträtaufnahmen der Jungs aus verschiedenen Winkeln

gingen wir zu den Holztüren und verwendeten den Diffusor auf ähnliche

Weise, um das Licht weicher zu machen. Wir machten auch Aufnahmen

vor den in dunklem Schatten gelegenen Pferdeboxen. Mit der

ISO-Einstellung 1000 und einer großen Blendenöffnung verwendeten wir

die silberne und die goldene Seite des Reflektors, damit etwas Licht auf die

Jungs zurückgeworfen wurde. Die Jungs waren spielerisch aufgelegt; ich

ließ sie gewähren und fotografierte drauf los, während sie herumalberten.

Anschließend gingen wir zu den Strohballen, um dort die letzten

Aufnahmen des Tages zu machen.

Ich machte eine Bilderserie der beiden Jungen, jeweils allein und

miteinander. Wir probierten verschiedene entspannte Posen aus – sitzend,

liegend und stehend auf den Ballen. Uns gelangen dabei einige tolle

Aufnahmen. Auch hier war aufgrund relativ niedriger Lichtwerte Vorsicht

angesagt, um ein Verwackeln zu vermeiden. Wir mussten darauf achten,

dass der Reflektor ausreichend Licht auf die Gesichter der Jungs warf. Trotz

sehr ähnlicher Fähigkeiten und Techniken an den verschiedenen

Aufnahmeorten auf dem Bauernhof hatte jeder Hintergrund einen ganz

anderen Effekt. Und vergessen Sie nicht die kreative Möglichkeit, dass jede

Aufnahme in Schwarz-Weiß umgewandelt werden kann. In einer Stunde

hatte ich etwa 200 Aufnahmen gemacht und wusste nach einer ersten

Betrachtung am LCD-Bildschirm, dass einige darunter waren, die ihren

Eltern sehr gut gefallen würden.

Goldreflektor

Eine Stunde ist mehr als ausreichend, um an einem

Aufnahmeort Bilder zu machen. Wenn es länger dauert,

beginnen junge Kinder, sich zu langweilen. Vergessen

Sie den Reflektor (und möglichst auch einen Diffusor)

nicht, aber setzen Sie die goldene und silberne Seite

zurückhaltend ein, weil deren Wirkung schnell zu stark

sein kann.

Silberreflektor

Ältere Kinder:

Zusammenfassung

✔Regelmäßige Bestätigung und Lob

helfen vor allem nervösen Kindern, sich

vor der Kamera zu entspannen.

✔Suchen Sie einen einzelnen

Aufnahmeort, der mehrere verschiedene

Hintergründe bietet.

✔Ältere Brüder neigen nicht so sehr

dazu, ihre jüngeren Geschwister

„knuddeln“ zu wollen, wie Schwestern es

tun.

✔Wenn Sie mit einem großen Diffusor

arbeiten wollen, besorgen Sie sich einen

Assistenten!

✔Setzen Sie goldene und silberne

Reflektoren bei direkter

Sonneneinstrahlung zurückhaltend ein, da

deren Wirkung schnell zu stark sein kann.


Keine Angst vor Dreck!

Tragen Sie bequeme Kleidung, die auch dreckig

werden darf, und robustes Schuhwerk.

Nachdem ich in Schlamm, Schmiere und

Pferdedung gelegen war, landete meine Jeans

direkt in der Waschmaschine!

Einstellungen

Alle Bilder wurden mit

Zeitautomatik gemacht,

wobei der Autofokus auf

Einzelpunkt-AF und

Mehrfeldmessung

eingestellt war.


86 Ideen und Techniken für tolle Familienfotos Der essentielle Leitfaden für Porträts 2. Ausgabe

Zeit für Teenager!

Bezeichnen Sie sie bloß nicht als Kinder – Teenager müssen wie

Erwachsene behandelt werden,

wenn Sie das Beste aus ihnen

herausholen möchten!

ALLE ELTERN werden bestätigen,

dass Kinder schnell wesentlich

selbstständiger werden, wenn sie in

eine weiterführende Schule

kommen. Und im Teenageralter entwickeln

sie sich sowohl geistig als auch körperlich

jedes Jahr mit rasanter Geschwindigkeit

weiter.

Für Sie als Fotograf bedeutet das im

Allgemeinen, dass Ihre Modelle eher als

Erwachsene denn als Kinder behandelt werden

müssen, wenn Sie auch nur die geringste

Chance haben möchten, dass sie vor der

Kamera das tun, was sie tun sollen. Sie können

ihnen zwar beispielweise raten, was sie anziehen

sollen, seien Sie aber dann nicht verärgert, wenn

sie zum Fototermin das genaue Gegenteil tragen.

Arbeiten Sie mit ihnen, und wenn Sie eine Reihe

guter Aufnahmen gemacht haben, bitten Sie sie,

sich umzuziehen. Und dann werden Sie sehen, en, ob

sie bereit sind, die gewünschte Kleidung zu tragen.

Sie werden wahrscheinlich auch feststellen, dass sie eine nur kurze

Aufmerksamkeitsspanne haben und sich benehmen, als hätten sie

wichtigere Dinge zu tun, als sich fotografieren zu lassen. Wenn Sie

allerdings freundlich sind, sich interessiert an dem zeigen, was sie

sagen und aufmerksam ihren Vorschlägen zuhören, wie sie

fotografiert werden möchten, können Sie sie auf Ihre Seite ziehen.

Wenn Ihre Modelle Spaß haben, werden sie es kaum erwarten

können, nach einer Aufnahme die nächste Pose einzunehmen!

Kinder sind im Teenageralter am befangensten. Während einige

wenige ausgesprochen extrovertiert sind, sorgen sich die meisten

darum, wie sie auf Bildern aussehen werden, vor allem wenn sich

ihre Hormone gerade nicht sehr vorteilhaft auf ihre Haut

auswirken. Ihr Ziel sollte sein, sie in schmeichelhaftem Licht zu

fotografieren, sodass sie mehr wie Erwachsene und weniger wie

Kinder aussehen. Sorgen Sie dafür, dass sie Spaß haben und vor

der Kamera einfach nur sie selber sind.

Die Arbeit mit Teenagern

kann wirklich Spaß

machen. Versuchen Sie,

diese Stimmung in Ihren

Bildern einzufangen.

Bringen Sie die Teenager

mit einem Assistenten

oder einem Freund zum

Lachen, und fangen Sie

diesen Moment ein.

Viele Teenager haben

ausgeprägte Interessen.

Bauen Sie diese nach

Möglichkeit im Bild ein

– entweder über ihre

Kleidung oder über

Requisiten, z. B. ein

Skateboard, ein Auto

usw.

BRETT HARKNESS

Was wollen die Teenager?

Natürlich sollen die Bilder Ihnen

und den Eltern gefallen. Fragen

Sie aber unbedingt auch Ihre

Modelle, wie sie gerne

fotografiert werden möchten. Die

Antworten werden Sie

möglicherweise überraschen! Als

wir Katie nach Vorschlägen

fragten, wie sie gerne fotografiert

werden würde, sagte sie, sie

hätte gerne ein schönes

Schwarz-Weiß-Bild, auf dem sie

nicht in die Kamera blickte, und

zeigte uns ein Bild in einer Zeitschrift. Das war nicht

die Art von Bild, das wir ursprünglich geplant hatten,

aber wir haben den entsprechenden Aufbau

vorgenommen und versucht, den Look zu erzielen,

den sich Katie vorstellte. Für dieses Bild setzten wir

Katie neben eine Terrassentür, sodass sie seitlich von

diffusem Licht beleuchtet wurde. Anschließend

bauten wir einen Studioblitz mit einer kleinen

Lichtwanne am Boden auf, um auf der

gegenüberliegenden Seite etwas Licht von ganz

unten zu erzeugen. Anschließend wurde das Bild in

Photoshop in eine Schwarz-Weiß-Aufnahme

umgewandelt.

Monobeleuchtung

Wenn Sie vorhaben, das

Bild in eine

Schwarz-Weiß-Aufnahme

umzuwandeln, brauchen

Sie sich über Farbstiche,

die durch die Beleuchtung

zustande kommen, keine

Gedanken zu machen.

Top-Tipps: Teenager

1) Sorgen Sie dafür, dass sie glücklich und

entspannt sind und Spaß haben. Dann

werden Ihnen wesentlich bessere Bilder

gelingen, als wenn sie gelangweilt und

desinteressiert sind.

2) Fragen Sie sie, ob sie Lieblingsfotos von

einem ihrer Idole haben, und versuchen Sie,

sie auf ähnliche Weise zu fotografieren.

3) Geben Sie ihnen eine grobe Vorstellung

davon, was sie anziehen sollen (z. B. ein

schlichtes T-Shirt, Jeans usw.), aber achten

Sie darauf, dass sie mit Ihrer Wahl

einverstanden sind.

4) Reden Sie nicht zu formell mit ihnen,

verwenden Sie aber auch keine Wörter wie

„cool“, wenn der Schuss nach hinten

losgehen könnte!

5) Wenn Sie eine gute Aufnahme gemacht

haben, zeigen Sie sie ihnen auf dem

LCD-Bildschirm. Wenn sie ihnen gefällt, sind

sie eher bereit weiterzumachen.

6) Machen Sie keine Bilder, wenn Eltern oder

Freunde zusehen, da sie dadurch

wahrscheinlich eingeschüchtert werden.

Bitten Sie also die Personen, die nicht auf

das Bild sollen, den Raum zu verlassen!

7) Geben Sie ihnen ein kleines Geschenk

(z. B. einen 10 Euro-iTunes-Gutschein) als

Dankeschön, und schicken Sie ihnen einige

Abzüge der besten Aufnahmen. Das ist

angemessen für ihren Zeitaufwand und

bedeutet gleichzeitig, dass sie beim nächsten

Mal eher wieder zusagen.


Sehen Sie sich die Aufnahmen

gemeinsam an

Einige Teenager sind besorgt, wie sie auf

den Bildern aussehen. Zeigen Sie ihnen

also nach einer Weile die gemachten

Aufnahmen auf dem LCD-Bildschirm, und

zeigen Sie ihnen die besten, um ihr

Selbstvertrauen zu stärken!

Teenagern gefällt normalerweise

eine Modeporträtaufnahme, da sie

hierbei in ihren Lieblingsklamotten

posieren können. Schenken Sie

ihnen also einige Abzüge ihrer

Lieblingsaufnahmen als

Dankeschön.


88 Photoshop-Technik: Schwarz-Weiß-Fotografie Der essentielle Leitfaden für Porträts 2. Ausgabe

Porträtbilder in Schwarz-Weiß

Wer Bilder macht und diese später in Schwarz-Weiß umwandeln

möchte, sollte einige wichtige Aspekte beachten.

DIE AUSDRUCKSKRAFT eines Schwarz-Weiß-Bildes wird durch folgende Aspekte

bestimmt: Form, Zusammensetzung und Tonwertumfang müssen perfekt

harmonieren. Auch bezüglich der Geometrie muss ein Gleichgewicht der Farbtöne

gegeben sein. Der Blick des Betrachters sollte nicht auf einem tiefschwarzen oder

hellweißen Bereich ruhen, sondern auf dem ganzen Bild umherwandern.

Wie faszinierend ist es doch, dass manche Farbbilder in Schwarz-Weiß überhaupt

nicht zur Geltung kommen und andere in Farbe gar nicht vorstellbar sind!

Schwarz-Weiß-Bilder unterscheiden sich hinsichtlich Konzept und Ästhetik so stark

von Farbbildern, dass Sie vor der Aufnahme zwei Bilder im Kopf visualisieren müssen,

was gar nicht so einfach ist. Wenn Sie zum Beispiel ein Modell mit einem blauen

Mantel vor grünen Bäumen fotografieren, ergibt sich in Schwarz-Weiß kein optimaler

Kontrast zwischen den Farbtönen. Folglich geht die Tiefe zwischen Vorder- und

Hintergrund verloren. Das Bild wirkt flach und zweidimensional. Bei einer

Farbaufnahme dagegen kommt der Kontrast zwischen Grün und Blau sehr gut zur

Geltung. Der Unterschied zwischen der relativen Helligkeit und Dunkelheit von

Farbtönen ist bei Schwarz-Weiß-Bildern also von sehr großer Bedeutung und sollte vor

der Aufnahme gut überlegt werden. Eine kleine Hilfe bietet ein Schwarz-Weiß-Filter,

den Sie sich vor das Auge halten. Die Farbinformationen gehen durch den Filter zwar

nicht ganz verloren, doch Sie bekommen so einen ersten Eindruck des möglichen

Schwarz-Weiß-Bildes und können entscheiden, ob sich ein Motiv in Bezug auf

Tonwertumfang und Geometrie als Schwarz-Weiß-Bild eignet.

Profis sagen: „Für perfekte Schwarz-Weiß-Bilder muss man in Schwarz-Weiß denken”

– wählen Sie also sowohl das Modell wie den Hintergrund dementsprechend. Bei

einem grünen Hintergrund eignet sich zum Beispiel ein Modell mit blonden Haaren

besser als eines mit braunen Haaren, denn aufgrund ihrer Helligkeit heben sich blonde

Haare in Schwarz-Weiß besser vom Hintergrund ab. Möchten Sie mit einem

bestimmten Modell arbeiten, sollten Sie den jeweils passenden Hintergrund wählen

oder bei der Garderobe variieren, wenn nur ein bestimmter Hintergrund zur Verfügung

steht.

Magie in

Schwarz-Weiß

Diese Aufnahme

ist in Farbe bereits

eindrucksvoll, doch

in Schwarz-Weiß

wirkt sie dank ihrer

Komposition und

des Tonwertumfangs

noch dynamischer

und schöner.

Schwarz-Weiß-Plug-ins

• SILVER EFEX PRO 200 EURO

Nik Software / www.niksoftware.com

Vollausgestattetes Plug-in für Photoshop, Elements, Lightroom und

Aperture, das qualitativ hochwertige Umwandlungen liefert. Die

Benutzeroberfläche erinnert stark an eine traditionelle Dunkelkammer. Es ist

außerdem möglich, Schwarz-Weiß-Filme zu simulieren und Bildteile

selektiv mit Kontrollpunkten zu manipulieren.

• BLACK & WHITE STUDIO 35 EURO

Power Retouche / www.powerretouche.com

Erschwinglich und mit vielen Funktionen ausgestattet, bietet Black & White

Studio eine große Anzahl verstellbarer Parameter, einschließlich

Farbempfindlichkeit. Belichtung sowie Hochlicht- und Schattendetails

können individuell verstellt werden. Die „Druckqualität“ kann eingestellt

werden, um verschiedenen Arten von Fotopapier gerecht zu werden.

• BW WORKFLOW PRO 15 EURO

Fred Miranda / www.fredmiranda.com

Bei diesem Plug-in kann man fast alles einstellen. Fast jeder Aspekt der

Schwarz-Weiß-Umwandlung ist mit BW Workflow Pro möglich, von

Farbfiltern über Duplex bis hin zu Triplex-Voreinstellungen. Selbst den

Dynamikbereich hat man mit diesem Plug-in problemlos im Griff.

Außerdem kann man auch Schwarz-Weiß-Infrarotfotografie simulieren.


2. Ausgabe Der essentielle Leitfaden für Porträts

Photoshop-Technik: Schwarz-Weiß-Fotografie 89

BJORN THOMASSEN

DIE ZEHN BESTEN

METHODEN DER

UMWANDLUNG IN

SCHWARZ-WEISS

Es gibt mehrere Möglichkeiten, ein Bild

in Schwarz-Weiß umzuwandeln. Einige

Methoden sind dabei einfacher als

andere. Bei manchen hat man

unzählige Einstellungsmöglichkeiten,

bei anderen dagegen gar keine. Hier

sind zehn Optionen, die man in

Photoshop hat – falls Sie weitere

kennen, lassen Sie uns dies bitte

wissen!

1) Graustufen-Modus Beim Wechsel von

RGB zum Graustufen-Modus

(Bild>Modus>Graustufen) werden alle

Farbinformationen verworfen.

2) Sättigung verringern Unter

Bild>Anpassungen mit einem Klick auf

Sättigung verringern alle Farben

abschwächen.

3) In Schwarz-Weiß umwandeln Beim

Befehl Schwarz-Weiß unter

Bild>Anpassungen hat man mehrere

Einstellungsmöglichkeiten. Diese

Variante gibt es auch als

Einstellungsebene.

4) Kanalmixer

Bild>Anpassungen>Kanalmixer

auswählen und bei Monochrom den

Haken setzen. Anschließend können Sie

mit den Quellkanälen Rot, Grün und Bau

spielen.

5) Nur ein Kanal Indem nur ein Kanal

ausgewählt wird, erhält man die

Schwarz-Weiß-Ansicht. Wählen Sie

denjenigen aus, bei dem Sie das beste

Ergebnis erzielen (Fenster>Kanäle).

6) Verlaufsumsetzung Die

Verlaufsumsetzung wird oft zufällig

entdeckt und steht direkt unter dem

Kanalmixer bei Bild>Anpassungen. Mit

einem Klick erhält man ein Schwarz-

Weiß-Bild.

7) Farbton/Sättigung Indem man bei der

Farbton-/Sättigungs-Einstellungsebene

den Sättigungsschieber ganz nach links

bewegt, werden die Farben des Bildes

verworfen. Diese Methode ist außerdem

zerstörungsfrei.

8) Lab-Farbe Im Lab-Farbe-Modus

(Bild>Modus>Lab-Farbe) entweder A

oder B bei den Kanälen auswählen. Das

Ergebnis beider Optionen ist ein

Schwarz-Weiß-Bild.

9) RAW-Dateien Die aktuellste Version

von Adobes Camera Raw bietet die

Funktion Schwarz-Weiß-Bilder. Über die

Registerkarte HSL kommt man zu den

Farbempfindlichkeitsschiebern. Dadurch

kann man den Effekt optischer Farbfilter

imitieren.

10) Duplex Nicht 100 Prozent

Schwarz-Weiß, aber wir wollten diese

Variante nicht unter den Tisch fallen

lassen. Bei Duplex-Bildern gibt es neben

Schwarz und Weiß noch eine dritte

Farbe. Bei einem Graustufenbild wählen

Sie Bild>Modus>Duplex und

experimentieren oder versuchen es mit

einer der integrierten Voreinstellungen.


90 Photoshop-Technik: Schwarz-Weiß-Tonung Der essentielle Leitfaden für Porträts 2. Ausgabe

Mut zu etwas Farbe

Verleihen Sie Schwarz-Weiß-Bildern durch Tonung das gewisse Etwas.

Hier ein paar Ideen in Photoshop.

SCHWARZ-WEISS-BILDER LASSEN SICH durch Tonung interessanter gestalten, und

Photoshop bietet zahlreiche Möglichkeiten dafür. Hier ist die Feinabstimmung viel

besser als mit der traditionellen chemischen Bearbeitung. Das Hinzufügen einer

monochromatischen Farbe kann ein Bild nicht nur ästhetisch wirkungsvoller, sondern

auch stimmungsvoller machen. Blau sorgt speziell bei Winterbildern für den letzten

Schliff, Sepia hingegen strahlt Wärme aus und erinnert an die „guten alten Zeiten”. Für

komplexere Tonungen und für die Kombination von mehreren Farben bietet Photoshop

außerdem Duplex-, Triplex- und Quadruplex-Effekte, mit denen der Fotograf zwei oder

mehr Farben mischen kann.

Methode 1: Farbton/Sättigung

Auf diese Weise lässt sich sehr leicht etwas Farbe hinzufügen. Gehen Sie auf

Farbton/Sättigung (Bild>Anpassungen>Farbton/Sättigung). Am schnellsten

geht es mit Strg+U. Setzen Sie zuerst bei Färben und Vorschau einen Haken.

Verändern Sie jetzt den Farbton. Sie können aus einer Vielzahl von Farben

auswählen. Die Farbintensität können Sie bei der Sättigung regulieren.

Verändern Sie nicht die Helligkeit. Sie können ein Farbbild zwar einfärben,

doch das Ergebnis ist nicht so gut, als wenn Sie das Bild zuerst in den

Graustufen-Modus umwandeln und dann wieder in RGB.

Methode 3: Duplex

Früher wurden Schwarz-Weiß-Bilder traditionell mit der Reprotechnik gedruckt

(CMYK-Farbmodell). Im Duplex-Modus werden mit zwei oder mehr Farben Kontrast

und Tonwertumfang aufgepeppt. Normalerweise würde man Schwarz für die Schatten

wählen und eine andere Farbe – für gewöhnlich Grau – für Mischtöne sowie Highlights.

Für einen eindrucksvolleren Tonungseffekt können Sie statt Grau eine andere Farbe

oder eine Farbmischung ausprobieren.

Mit diesem Tonungsprozess können Fotografen ihren Bildern zusätzliche Farben

beimischen. Triplex- (drei Farben) oder sogar Quadruplex-Bilder (vier Farben) sind

möglich. Oft gilt aber: Je einfacher, desto besser. Diese Methode ist zwar die

aufwendigste der vier vorgestellten, sie ist aber nicht allzu komplex. Probieren Sie es

einfach mal aus, dann werden Sie sehen, dass sich damit wirklich gute Ergebnisse

erzielen lassen.

Wandeln Sie das Bild zuerst in den Graustufen-Modus um (Bild>Modus>Graustufen-

Modus) und klicken dann auf Bild>Modus>Duplex. Es öffnet sich ein Fenster, in dem

Schwarz als Druckfarbe 1 voreingestellt ist. Wählen Sie bei Art im Drop-down-Menü

Duplex/Triplex/Quadruplex. Doppelklicken Sie auf die weiße Farbe bei Druckfarbe 2,

worauf das Fenster Farbbibliotheken erscheint. Wählen Sie eine allgemeine Farbe mit

dem Farbschieber aus und klicken auf eine spezifische Farbe auf der linken Seite. Bei

Druckfarbe 1 können Sie auf das Duplexkurven-Fenster doppelklicken, um Kontrast

und Helligkeit jeder Farbe einzustellen.

Diese Methode eignet sich besonders für

Tintenstrahldrucker, die mit CMYK-

Patronen arbeiten.

Mit der Funktion Farbton/

Sättigung können

auch Anfänger ein Bild

ganz leicht einfärben.

Diese Methode sieht

komplizierter aus, als sie

wirklich ist. Aber die

Ergebnisse sind wirklich

beeindruckend!

Methode 2: Fotofilter

Eine weitere einfache Methode der Farbänderung ist der Einsatz von Fotofiltern. Der

Modus Bild>Anpassungen>Fotofilter steht bei Adobe Elements und Photoshop CS zur

Verfügung. Wandeln Sie das Bild zuerst wieder in den Graustufen-Modus um und dann

zurück in RGB. Diese Farben haben eine ähnliche Wirkung wie bestimmte Kamerafilter.

Wählen Sie aus dem Drop-down-Menü eine Farbe, oder klicken Sie auf die angezeigte

Farbe. Es öffnet sich ein Fenster, in dem Sie Ihre gewünschte Farbe einstellen können.

Setzen Sie bei Luminanz erhalten einen Haken, damit das Bild nicht flach und leblos

wirkt. Mit dem Schieber bei Dichte können Sie für einen schwachen oder starken

Farbeffekt sorgen.

Methode 4: Verlaufsumsetzung

Dieser Ansatz ist eventuell etwas gewöhnungsbedürftig, aber wer auf psychedelische

Effekte aus den 1970ern steht, sollte es mal probieren! Gehen Sie zu Bild>

Anpassungen>Verlaufsumsetzung und klicken dann auf das Farbfeld (nicht auf den

Pfeil). Es öffnet sich ein Fenster. Klicken Sie auf eine Farbe und spielen einfach mit den

Schiebern. Dadurch erzielen Sie einen pseudo-solarisierten Effekt, der manchmal

vielleicht sogar nützlich ist. Mit diesem Tool können Sie Ihren eigenen Farbverlauf

erstellen und – ähnlich wie beim Duplex-Modus – einen zweifarbigen Effekt erzielen.

Mit dieser Methode können

Sie ein Bild mithilfe der

Fotofilter

von Photoshop einfärben.

Wir haben hier einen

feinen Schwarz-nach-

Braun-Farbverlauf

gewählt, lassen auch Sie

Ihrer Fantasie einfach

freien Lauf!


In RGB umwandeln!

Egal, für welche Methode Sie sich auch

entscheiden: Ihr Schwarz-Weiß-Bild muss in RGB

sein (nicht in Graustufen), damit es eingefärbt

werden kann. Diese Einstellung können Sie über

Bild>Modus>RGB-Farbe vornehmen.

Fertiges Bild

Bei diesem eingefärbten Bild

haben wir die Duplex-Methode

mit Pantone 105 als zweite

Farbe gewählt.


92 Farbaufnahmen in Schwarz-Weiß umwandeln Der essentielle Leitfaden für Porträts 2. Ausgabe

Mehr Pep mit Schwarz-Weiß

MIT DIESER SCHRITT-FÜR-SCHRITT-ANLEITUNG wandeln Sie Ihre

Porträtbilder problemlos in Schwarz-Weiß um. Bei der Schwarz-Weiß-

Porträtfotografie haben Sie zwei Möglichkeiten. Entweder Sie wählen einen

einfachen Ansatz – dieser eignet sich besonders für Fotos von Frauen und

Kindern – oder Sie legen Wert auf viel Korn und stärkere Kontraste, was sich

besonders bei Bildern von Männern anbietet. Hier wurde der zweite Ansatz

gewählt. Die Originalaufnahme wurde mit einer Canon EOS 350D und einem

50-mm-f1,8-Standardobjektiv gemacht. Die Aufnahme erfolgte bei natürlichem

Licht, wobei das Modell Andy im Schatten eines Gebäudes fotografiert wurde,

um direktes Sonnenlicht zu vermeiden. Eine große Blende sorgte dabei für die

nötige Schärfentiefe der scharf eingestellten Augen, sodass alles Unwesentliche

in den Hintergrund rückte.

Original

Schritt 1 Die Umwandlung selbst ist zerstörungsfrei, da eine Schwarz-Weiß-

Einstellungsebene gewählt wurde (Ebene>Neue Einstellungsebene>Schwarz-Weiß).

So bleibt das Original erhalten. Die Rottöne wurden ein bisschen dunkler gestellt,

wodurch Andys Hautstruktur betont wird. Um die Hautstruktur abzuschwächen,

machen Sie das Gegenteil.

Schritt 2 Aufgrund der dunkleren Rottöne muss die Helligkeit des ganzen Bildes

erhöht werden. Dies ist mithilfe einer Gradationskurve möglich, obwohl es auch

problemlos mit der Tonwertkorrektur möglich wäre. Dieser Schritt ist ebenfalls

zerstörungsfrei, sodass später noch Änderungen bei der Gradationskurve sowie der

Schwarz-Weiß-Ebene vorgenommen werden können, um die richtige Mischung zu

finden.

Schritt 3 Für eine leichte Abschwächung am Bildrand

und die Fokussierung der Augen benutzen Sie einen

Objektivkorrekturfilter (Filter>Verzerrungsfilter>Objektiv

korrektur). Bewegen Sie jetzt den Schieber nach links,

um die Ecken des Rahmens etwas dunkler zu machen.

Zur Bestätigung auf OK klicken.

Schritt 4 Als nächstes kommt ein Farbton dazu – ein

weicher, sanfter kaffeefarbener Ton, damit das Bild leicht

verwaschen aussieht. Um dies zerstörungsfrei

auszuführen, eine Volltonfarbenebene hinzufügen

(Ebene>Neue Füllebene>Volltonfarbe), dann eine Farbe

(helle Farben eignen sich am besten) wählen und den

Mischmodus zu Farbe ändern.

Schritt 5 Wir wollen noch etwas mehr Korn, aber

zuerst kommt die Schärfe, damit das Korn davon nicht

betroffen ist. Für die Schärfe auf Filter>Scharfzeichnung

sfilter>Selektiver Scharfzeichner klicken. Mehr Korn

erreichen wir durch Filter>Rauschfilter>Rauschen

hinzufügen. Einen Wert von 4 Prozent einstellen. Das

sollte genügen.


Photoshop-Optionen

Je nach Photoshop-Version kann die Art der

Bildumwandlung unterschiedlich sein. Seit CS3

gibt es eine Schwarz-Weiß-Einstellungsoption,

die Filtervoreinstellungen ermöglicht.

Fertiges Bild

Was anfangs nicht mehr

als ein Schnappschuss

war, wurde in ein

kunstvolles Porträt

umgewandelt.


94 Photoshop-Technik: Körniger Monoeffekt Der essentielle Leitfaden für Porträts 2. Ausgabe

Erstellen Sie ein Film Noir-Porträt

Wenn Sie einem monochromen Porträt Körnung hinzufügen, verleihen Sie ihm ein zeitloses

Filmgefühl. Finden Sie heraus, wie man ein grobkörniges Low-Key-Porträt fotografiert.

ES KOMMT SELTEN VOR, dass wir Ihnen vorschlagen, ein

Porträt für tiefe Schatten und hohen Kontrast zu beleuchten.

Aber es scheint sich für Low-Key-Schwarzweißbilder zu

eignen und sorgt für geheimnisvolle Dramatik.

Normalerweise würde wir Ihnen auch dazu raten, sich vom

digitalen Rauschen fernzuhalten, da die Körnung das Foto

ruinieren kann. Aber wenn man ein altes Schwarzweißbild

simulieren will, gibt es nichts besseres als etwas Körnung,

um für Authentizität zu sorgen. Im Gegensatz zu einem

High-Key-Porträt, das mit hellen Farben sehr sauber und

hell ist, findet man beim Low-Key-Porträt launische

Grobkörnigkeit und überwiegend dunkle Farbtöne. Das lässt

sich tatsächlich leicht bewerkstelligen, da Sie nur ein Licht

benötigen und sich nicht um die Schatten Gedanken

machen müssen. Sie brauchen auch kein Studioblitzlicht

und können stattdessen mit dem Fensterlicht arbeiten, aber

Sie sollten einen schwarzen Hintergrund verwenden, um

den dunklen Farbton des Bilds zu fördern. Wenn Sie Ihr

Motiv neben einem Fenster platzieren, denken Sie daran,

eine Gardine zu verwenden, um das Licht zu dämpfen und

da Sie wahrscheinlich den Blendenprioritätsmodus

verwenden werden, sollten Sie die Belichtungen

ausklammern oder ein paar Stops an negativen

Belichtungsausgleich hinzufügen. Sie werden

wahrscheinlich feststellen, dass sich die

Belichtungsmessung der Kamera einfach überlisten lässt und

dass das beste Bild unterbelichtet ist. Sie wollen am Ende ein

Foto haben, bei dem die beleuchteten Elemente belichtet

sind, während sich der Rest des Bilds im Dunklen befindet.

Für diese schrittweise Anleitung haben wir einen einzelnen

Elinchrom D-Lite 4IT-Kopf mit einer Softbox verwendet.

Sie könnten zwar einfach einen hohen ISO-Wert an der

Kamera einstellen, um für digitales Rauschen zu sorgen, aber

es ist besser, die Körnung per Photoshop hinzuzufügen, um

ein schärferes Resultat zu erhalten. Um den 1920er-

Filmeffekt zu verstärken, baten wir unser Motiv, einen Hut zu

tragen, der für zusätzliche Textur und Interesse sorgt.

Außerdem baten wir sie, dunkle Kleidung anzuziehen, so

dass die Aufmerksamkeit auf ihr Gesicht gelenkt wird und die

Beleuchtung scharf in die Schwärze abfällt. Zusätzlich zur

Körnung stehen in Photoshop außerdem Plug-in-Filter zur

Verfügung inklusive dem ausgezeichneten „Silver

Efex“-Programm von Nik Software, das Ihnen mehr kreative

Kontrolle über Ihr Film Noir-Bild bietet.

Plug-in-Filter von Drittanbietern

Nik Color Efex Pro 3.0 Complete ermöglicht das hinzufügen

eines Filmeffekts und von Filmkorn mit nur ein oder zwei

Klicks. Öffnen Sie einfach mit dieser Software Ihr Bild in

Photoshop und scrollen Sie im Filtermenü auf Nik Software

runter, um eine riesige Auswahl an Filteroptionen zu

erhalten. Dann können Sie Filmkorn auswählen und die

spezifische Größe und Sättigung der Körnung angeben, die

Sie den Highlights, Schatten und mittleren Farbtönen

hinzufügen. In „Nik Silver Efex Pro 2“ können Sie unter

Filmeffekte aus einer Liste unterschiedlicher Filmtypen

auswählen, die über unterschiedliche ISO-Werte verfügen

oder Sie können den Grad an Körnung manuell einstellen.

www.niksoftware.com/

vorher

nachher

falsch

richtig

Positionieren Sie das Motiv wenige Meter

1vom Hintergrund entfernt, so dass es

nicht vom Licht der Softbox erreicht wird.

Dadurch wirkt es grau und Falten und

Runzeln werden hervorgehoben. Wenn Sie

mit Blitz arbeiten, sollten Sie den manuellen

Modus und eine Verschlusszeit von 1/250

Sekunden (bzw. die jeweilige

Blitz-Synchronisationsgeschwindigkeit der

Kamera) verwenden und den niedrigsten

ISO-Wert einstellen. Sie werden die

Blendenöffnung anpassen müssen, um die

Belichtung des Motivs zu kontrollieren.

Positionieren Sie den Kopf des

2Studioblitzlichts ungefähr einen Meter

vor dem Motiv und ungefähr auf gleicher

Höhe. Verwenden Sie die niedrigste

Leistung. Machen Sie ein Testfoto mit f/5,6,

um zu sehen, wie gut das Gesicht belichtet

ist, und dann schließen Sie die

Blendenöffnung (d.h. unterbelichten), bis

das Foto dunkel ist und nur der

Gesichtsbereich sichtbar ist, den Sie gut

belichtet beleuchten wollen. Wir haben

festgestellt, dass ein Wert zwischen f/10 und

f/13 gut funktioniert.

Variieren Sie die Lichtdistanz zum Motiv als auch die Blendenöffnung. Dadurch wird das

3Licht, das das Gesicht erreicht, begrenzt, und man erhält somit einen besseren Effekt.

Achten Sie aber darauf, wo das Licht auf Ihr Motiv fällt: Die Augen sind in einem Porträt sehr

wichtig. Stellen Sie also sicher, dass Sie gut belichtet sind, indem Sie den Einfallwinkel oder die

Höhe des Licht ändern oder das Motiv etwas mehr in Richtung des Lichts drehen.

Öffnen Sie Ihr Lieblingsbild in Adobe Camera Raw und

4nehmen alle notwendigen Anpassungen im

Grundarbeitsbereich vor. Dann wechseln Sie zu HSL/

Graustufen und klicken auf „In Graustufen umwandeln“. Nun

können Sie die Farbregler anpassen, um die Farbtöne

einzustellen. In diesem Fall hat der Orange-Regler den

Hautfarbton verbessert.

Sobald Sie mit Ihrem Bild zufrieden sind, klicken Sie auf

5OK, um es in Photoshop zu öffnen. Wenden Sie bei

Bedarf die Freistellen-Funktion an, duplizieren die Ebene

(Eben > Ebene duplizieren) und arbeiten mit dem

Reparatur-Pinsel-Werkzeug daran, um jegliche

Schönheitsfehler loszuwerden. Jetzt können Sie die Körnung

hinzufügen.

Wählen Sie die duplizierte Ebene, klicken dann auf Filter

6>Rauschfilter>Rauschen hinzufügen, um die Dialogbox

für den Rauschfilter zu öffnen. Die Gaußsche Normalverteilung

hat einen wesentlich stärkeren Effekt als die Gleichverteilung,

aber sie verteilt das Rauschen zufällig im Bild. Das kommt

dem Filmeffekt wesentlich näher. Passen Sie den Regler an,

bis Sie mit der Menge an Rauschen zufrieden sind.


Endgültiges Bild

Wenn das Rauschen in die Schatten eingefügt

wird, werden Sie wahrscheinlich feststellen, dass

die schwarzen Stellen sich leicht grau verfärben.

Um das zu korrigieren klicken Sie auf Ebene>

Neue Einstellungsebene>Helligkeit/Kontrast und

passen den Kontrastregler leicht an.


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98 Photoshop-Technik: Porträts retuschieren Der essentielle Leitfaden für Porträts 2. Ausgabe

Gönnen Sie Ihrem Porträt eine

perfekte digitale Überarbeitung

IAN FARRELL: Das Thema der digitalen

Retusche in der Porträt-, Mode- und

Werbefotografie ruft immer

unterschiedliche Reaktionen hervor.

Einige halten sie für unnötig und übertrieben,

andere glauben, dass erst die Nachbearbeitung die

Fertigstellung einer Fotografie bedeutet. Eine

Tatsache ist allerdings unbestreitbar: Sie werden

keine kommerzielle Aufnahme in einem Magazin

oder einer Werbeanzeige finden, die nicht

retuschiert wurde. Die Editorial-Fotografie wird so

Gut vorbereitet!

ZEITAUFWAND:

60 MINUTEN

BENÖTIGTE SOFTWARE:

ADOBE PHOTOSHOP CS

ODER ELEMENTS

WAS WIR NOCH VERWENDETEN:

GRAFIKTABLETT

routinemäßig retuschiert, dass es mittlerweile zum Standard gehört. Die Augen sind

aufgehellt, die Zähne gebleicht, die Haut geglättet und Makel entfernt. Und wenn Sie

sich gerade ein Hochglanzmagazin anschauen und Sie es den Bildern nicht ansehen,

dann bedeutet das nur, dass es wirklich gut gemacht wurde. Das Geheimnis dieser Art

von Retusche liegt darin, sich Zeit zu nehmen und so präzise wie möglich zu arbeiten.

Verwenden Sie ein Grafiktablett und planen Sie eine Stunde für ein einzelnes Bild ein.

Die Photoshop-Techniken selbst sind eigentlich ganz einfach, wichtig ist die Art und

Weise ihrer Anwendung.

Werfen wir einen Blick darauf, wie es gemacht wird.

1Die Augen können aufgehellt werden, um die Wirkung zu verstärken. Verwenden Sie das

Kopierstempel-Tool mit der Einstellung Entsättigung, das Sie in der Toolbox an gleicher Stelle wie

die Werkzeuge zum Nachbelichten und Abwedeln finden. Wählen Sie einen kleinen Pinsel mit

weicher Spitze und einer Deckkraft von 20 Prozent und bewegen Sie ihn über das Weiß der Augen, um

die Farbe zu entfernen. Wir haben das linke Auge absichtlich übersättigt, um zu zeigen, wie effektiv

dieses Werkzeug sein kann.

A B

Jeder hat Falten, Flecke und Pickel, sogar Supermodels. Diese können mit den Werkzeugen

Kopierstempel oder Reparaturpinsel leicht entfernt werden, und am Besten tut man dies auf

2einer separaten Ebene, um zu vermeiden, dass das Originalbild beeinträchtigt wird. Erstellen Sie

eine neue Arbeitsebene, indem Sie auf Ebene>Neu>Ebene klicken. Egal, ob Sie den Kopierstempeloder

den Reparaturpinsel-Tool benutzen, beginnen Sie mit einer Deckkraft von ungefähr 15 Prozent

und arbeiten aufbauend.

3Wählen Sie das Kopierstempel-Werkzeug und suchen Sie einen Bereich mit klarer Haut in der

Nähe der Stelle, die Sie verbessern wollen. Dies ist wichtig, da er wahrscheinlich einen

ähnlichen Farbton aufweisen wird. Bei gedrückter Alt-Taste wird ein Fadenkreuz angezeigt.

Klicken Sie auf die klare Stelle, bevor Sie die Maus zum Pickel bewegen. Positionieren Sie dann den

Kreis Ihres Zeigers über den Pickel, halten Sie die Maustaste gedrückt und „malen“ Sie langsam über

den Bereich, bis er verblasst.

4Nachdem die offensichtlichen Makel entfernt wurden, glätten wir nun die restliche Textur der

Haut. Wir werden zunächst übertreiben und anschließend ein wenig von der Original-Textur

zurückholen, um es natürlicher aussehen zu lassen. Beginnen Sie mit der Verschmelzung der

Ebenen, indem Sie das Originalbild und die vom Kopierstempel- und Reparaturpinsel bearbeitete

Ebene auswählen und dann auf Ebene>Nach unten vereinen klicken. Anschließend duplizieren Sie die

Ebene (Ebene>Duplizieren).

5Verleihen Sie dieser duplizierten Ebene mit dem Gaußschen Weichzeichner-Filter etwas

Unschärfe. (Filter>Gaußscher Weichzeichner): 10 bis 15 Prozent sollte ausreichen. Der nächste

Schritt hängt davon ab, welche Software-Version Sie benutzen. Wenn Sie Elements verwenden,

müssen Sie Teile der unscharfen Ebene löschen, sodass Sie nur auf der Haut Ihres Models zu sehen ist.

Verwenden Sie einen weichen Pinsel und nehmen Sie sich Zeit. An dieser Stelle zahlt sich ein wenig

Geduld wirklich aus.


2. Ausgabe Der essentielle Leitfaden für Porträts

Photoshop-Technik: Porträts retuschieren 99

Original fertiges Bild

Im Originalbild wurde das Gesicht des Modells vom weichen

Tageslicht beleuchtet, auch wenn es möglich ist, gleiche Effekte mit

Aufnahmen im Freien oder Studioaufnahmen mit künstlichen

Lichtquellen wie z. B. Studioblitzen zu erzielen.

Kopierstempel-Werkzeug &

Reparaturpinsel

Wie Sie in Schritt 3 sehen können, eignet

sich das Kopierstempel-Werkzeug hervorragend end

dafür, die Pixel eines Bildteils zu kopieren und

an anderer Stelle einzufügen. Aber was macht

der Reparaturpinsel und welche Situation

eignet sich für welches Werkzeug? Mit dem

Reparaturpinsel können Sie ebenfalls Makel korrigieren,

aber in diesem Fall entnimmt das Werkzeug saubere Pixel

rund um den Bereich, den Sie korrigieren wollen, fügt

diese in die Problemstelle ein und versucht, die Textur,

Belichtung und Verschattung einem natürlicheres

Aussehen anzupassen. Wenn Sie also nur etwas von Ihrem

Bild entfernen wollen, probieren Sie es mit dem

Kopierstempel, aber wenn Sie etwas detailliert bearbeiten

möchten, ist das Reparaturpinsel-Werkzeug das Beste.

6

Wenn Sie die volle Photoshop-Version verwenden, ist das Hinzufügen einer Ebenenmaske die

sehr viel elegantere Lösung (Ebene>Ebenenmaske>Alle Ausblenden). Es blendet die

unscharfe Ebene aus. Sie können dann die Unschärfe zurück auf die Haut malen, indem Sie

auf das Maskensymbol in der Ebenen-Palette klicken und das Pinsel-Werkzeug benutzen, um weiße

Farbe anzuwenden. Zur Entfernung von Unschärfen wechseln Sie zu schwarzer Farbe.

7Egal welche Methode Sie wählen, Sie werden am Ende ein übertrieben bearbeitetes Ergebnis

erhalten. Mindern Sie dies ab, indem Sie die Deckkraft der unscharfen Ebene verringern, um

einen Teil des Originals durchscheinen zu lassen. Die Anpassung dieser Einstellung hängt von

dem Bild ab, an dem Sie arbeiten, zögern Sie also nicht, zu experimentieren. Es ist wichtig, der Haut

Ihres Modells etwas Textur zu verleihen, ansonsten wird das Ergebnis unnatürlich.


100 Verwendung von Studioblitzlicht: Außergewöhnliches Porträt

Der Leitfaden für Porträtfotografie

„I ch sehe was, was du nicht siehst…“

MATTY GRAHAM: Wenn Sie durch Ihr

Lieblingsmagazin blättern und sich dabei die

unterschiedlichen Porträts anschauen, sollte

eine Sache ziemlich deutlich werden. Im

Großen und Ganzen sind es die innovativen und

außergewöhnlichen Porträts, die Ihre Aufmerksamkeit

auf sich lenken und nicht die ernsthaften, alltäglichen

Fotos. Diese Theorie lässt sich auf Ihre eigene

Porträtarbeit anwenden, egal ob Sie eine

Werbekampagne fotografieren oder nur ein paar

abgedrehte Bilder Ihrer Kinder knipsen möchten. Wie

Eltern wissen, verfügen Kinder über die

Aufmerksamkeitsspanne von Goldfischen und je mehr

Spaß und Energie Sie in den Fotoshoot bringen, desto

länger können Sie die Aufmerksamkeit des Kindes

halten. Das liefert bessere Porträts. Um diese Theorie

auszuprobieren haben wir den siebenjährigen Alfie

eingeladen. Dabei hatten wir aber nicht das

standardmäßige „Kopf und Schultern“-Porträt im Sinn.

Das einzige Hilfsmittel dabei war eine Lupe, und unser

Ziel war ein außergewöhnliches Resultat, dass Sie

auch zu Hause ausprobieren können.

Gut vorbereitet!

ZEITAUFWAND:

30 MINUTEN

BENÖTIGTE AUSSTATTUNG:

CANON EOS 7D MIT SIGMA

18 - 55 MM F/2.8

AUSSERDEM VERWENDET:

ELINCHROM D-LITE 4IT,

FARBIGES PAPIER

Sorgen Sie für Spaß

beim Fotoshoot

Kindern machen nichts lieber als Unfug

treiben und Grimassen schneiden.

Probieren Sie diese Energie in Ihren

Portfolios zu verwenden. Bitten Sie

Kinder darum Grimassen zu schneiden

und unterschiedliche Kleider während

des Fotoshoots zu tragen.

Zuerst bereite ich mich auf Alfies

1 Ankunft vor. Je weniger Zeit ich für das

Einstellen meiner Ausrüstung benötige,

wenn das Motiv ankommt, desto mehr Zeit

habe ich, bevor ihm langweilig wird. Ich

möchte einen farbigen Hintergrund

verwenden, daher klebe ich etwas farbiges

Papier auf die Rückseite einer festen Pappe

und positioniere das Ganze an einer Wand.

Ich muss mein Motiv beleuchten, aber

2 auch etwas Licht in den Hintergrund

bringen, um eine interessante Vignette zu

erschaffen. Ich positioniere ein

Studioblitzlicht mit Rotalux Softbox rechts

neben der Kamera im 45-Grad -Winkel und

platziere dann einen zweiten Studioblitz so

nahe am Hintergrund wie möglich. Beide

Geräte sind auf halbe Leistung eingestellt.

Um sicherzustellen, dass die richtige

3Belichtung vor Alfies Ankunft

eingestellt ist, stelle ich die Kamera im

Selbstauslöser-Modus ein und mache eine

paar Testfotos von mir selbst. Ich stelle den

manuellen Modus meiner Kamera ein und

wähle eine Verschlusszeit von 1/160

Sekunden (ISO 100). Jetzt geht es nur noch

um das Ausprobieren verschiedener

Blendenöffnungen. Ich wähle am Ende eine

Einstellung von f/13.

Bei Alfies Ankunft bringe ich ihn in

4 Position und nehme mir etwas Zeit, um

die Art von Fotos, die wir machen wollen, zu

erklären. Wir gehen zudem eine Reihe

Grimassen durch, die für mehr Spaß bei den

Bildern sorgen sollen.

Mein Ziel ist es, das Bild mit der

5 Kamera einzufangen, aber nach ein

paar Testfotos ist es offensichtlich, dass es

sich dabei nicht um den besten Ansatz

handelt. Wie Sie sehen, verfälscht die Lupe

Alfies Auge.

Es wird etwas einfache Nachbearbeitung notwendig sein, um das vergrößerte Auge

6 korrekt darzustellen, aber zuerst muss ich das bestmögliche Porträt fotografieren. Ich

tausche den blauen Hintergrund gegen einen roten, um einen besseren Kontrast zu Alfies

Hemd zu haben. Ich fotografiere zwei Arten von Porträts: Eines, bei dem Alfie die Lupe hält,

und eine anderes ohne Lupe, aber mit einem ähnlichen Gesichtsausdruck. Beim zweiten Bild

ist es besonders wichtig, dass das Auge so scharf wie möglich ist, da es bald vergrößert

werden wird.

Ich verwende das Auswahlellipse-Werkzeug, um einen

7 Kreis um das klare Auge zu zeichnen und füge es im

Bild mit der Lupe ein. Ich ziehe die Hilfslinien, um einen

Rahmen um den Bereich der Lupe zu erzeugen. Dann

verwende ich wieder das Auswahlellipse-Werkzeug, um

meinen Kreis zu zeichnen, der auf die von den Hilfslinien

erstellte Größe beschränkt ist. Ich klicke auf

Auswahl>Auswahl verändern>Weiche Kante und gebe 1

Pixel ein.

Dann wähle ich Ebene>Neue Ebene und dann

8 Bearbeiten>Einfügen, wodurch Alfies Auge von

meinem vorherigen „Gesichtsausdrucksfoto“ in meine

Kreisauswahl eingefügt wird. Das Auge hat immer noch

seine Originalgröße, um es also vergrößert erscheinen zu

lassen, klicke ich auf Bearbeiten>Frei transformieren und

dann (während ich Shift gedrückt halte, um die

Abmessungen beizubehalten) ziehe ich die Ecken nach

außen, um das Auge zu vergrößern.

Um dem Auge eine wirklich vergrößertes Aussehen zu

9 verleihen, klicke ich auf Filter>Verzerrungsfilter>Disto

rsion und bewege den Regler auf -29. Sie können damit

gerne experimentieren, um herauszufinden was bei Ihrem

Bild am besten funktioniert. Sobald ich mit der Position des

Auges glücklich bin (was über das Verschieben-Werkzeug

angepasst werden kann) und es sich in der Mitte der Lupe

befindet, reduziere ich alle Ebenen und speichere meine

Bilder im TIFF-Format.


Der Leitfaden für Porträtfotografie

Verwendung von Studioblitzlicht: Abgedrehtes Porträt 101

Fertiges Bild

Ich sehe ein spaßiges Porträt,

dass nicht nur frisch und

lebendig wirkt, sondern auch

so aussieht, als wäre es direkt

in der Kamera entstanden.


102 Photoshop-Technik: Füllmethoden Der essentielle Leitfaden für Porträts 2. Ausgabe

Erhöhen Sie den Kontrast mit Füllmethoden

CAROLINE WILKINSON: Die

Bearbeitung von Kontrast und

Farbsättigung ist die große Stärke von

Adobe Photoshop, diese beiden

Eigenschaften sind jedoch häufig

miteinander verknüpft. Verstärken Sie den Kontrast

eines Bildes, werden Sie feststellen, dass auch die

Farben schnell übersättigt aussehen. Während die

Einstellung der Tonwertkorrektur oder der

Gut vorbereitet!

ZEITAUFWAND:

10 MINUTEN

BENÖTIGTE SOFTWARE:

ADOBE PHOTOSHOP

ODER ELEMENTS

Gradiationskurven der häufigste Weg ist, um den Kontrast zu ändern (genauso wie das

Farbton/Sättigungs-Werkzeug für die Anpassung der Farbe), kann das Verwenden von

Füllmethoden in einem Bild mit vielen Ebenen schneller sein und Ihnen größere kreative

Flexibilität verleihen.

Einfach ausgedrückt legt die Füllmethode fest, wie die oberste Ebene mit der

darunterliegenden Ebene interagiert oder „verschmilzt“.

Es stehen 25 Füllmethoden zur Auswahl, die jeweils eine andere Wirkung haben, aber es

gibt auch eine Gruppe, die nur für die Kontraständerung zuständig ist. Dies sind u. a. die

Füllmethoden Weiches Licht, Hartes Licht, Lineares Licht, Hart belichten sowie eine der

am meisten verwendeten Funktionen, Überlagern. Jeder davon behandelt Hell und

Dunkel unterschiedlich – es lohnt sich also, zu experimentieren. Man sollte auch

erwähnen, dass Sie sie in jede beliebige Ebene einfügen können – in eine duplizierte

Ebene, eine Einstellungsebene, eine Füllebene oder eine andere Bildebene. Wenn Sie

vorher noch nie mit mehreren Ebenen und Füllmethoden gearbeitet haben, seien Sie

nicht entmutigt, denn obwohl es fortgeschritten klingt, ist es dies nicht. Tatsächlich

könnte diese Übung Sie dazu ermutigen, in allen Photohop- und Elements-

Bearbeitungen mit Ebenen zu arbeiten. Sehen wir uns an, wie es gemacht wird.

So finden Sie die Ebenen-Füllmethoden

Sie können zwar das Drop-down-Menü der Füllmethoden unter Ebene>

Ebenenstil>Füllmethoden>Allgemeine Füllmethode finden und dies

zusammen mit vielen anderen fortgeschrittenen Optionen, die für Sie in

dieser Phase verwirrend erscheinen mögen, es gibt aber einen sehr viel

schnelleren Weg zum

Drop-down-Menü: Sie können

alle Füllmethoden in einer

Drop-down-Liste in der oberen

linken Ecke der

Ebenen-Palette finden, welche

standardmäßig auf Normale

Füllmethode eingestellt ist.

1Damit diese Technik funktioniert, benötigen Sie mindestens zwei Ebenen, da eine

Füllmethode bestimmt, wie eine obere Ebene mit der darunterliegenden Ebene

zusammenwirkt. Zu Beginn dupliziere ich also die Hintergrund-Ebene, indem ich auf die

Ebene klicke und Ebene>Ebene duplizieren oder Strg+J wähle.

2Ich möchte den Kontrast erhöhen, deshalb wähle ich aus der Liste der Füllmethoden den Befehl

Überlagern, da dieser die Schwarztöne verdunkelt und die Highlights aufhellt. Falls der Effekt zu

stark ausfällt, versuchen Sie, die Deckkraft der obersten Ebene zu verringern.

3Ich muss den Kontrast und die Farbsättigung voneinander trennen, deshalb bleibe ich im

Überlagern-Modus mit einer Deckkraft von 100 Prozent und nehme die Farbe aus der

obersten Ebene, indem ich die Befehlsfolge Bild>Korrekturen>Sättigung verringern

verwende. Damit erhalte ich die von mir gewollte Kontrasterhöhung und habe die Farben

gedämpft. Mir gefällt’s!

4Durch die Verringerung der Sättigung in der Aufnahme habe ich kaum mehr Farbe im

Auge. Ich möchte ihm sein Strahlen zurückgeben und verwende eine Schnellmaske und

einen kleinen Pinsel, um das Auge auf der Hintergrundebene auszuwählen. Ich klicke also

erneut auf die Schnellmaske, lasse die gestrichelte Linie anzeigen und verstärke dann die Farbe

unter Bild>Korrekturen>Farbton/Sättigung.


2. Ausgabe Der essentielle Leitfaden für Porträts

Photoshop-Technik: Füllmethoden 103

Schnelle Lösung

Überlagern ist eine Kombination der

Füllmethoden Multiplizieren und Negativ

Multiplizieren. Verwenden Sie sie jeweils separat,

um die Bilder zu verdunkeln oder aufzuhellen.

Sie eignet sich hervorragend zum Korrigieren von

über- oder unterbelichteten Bildern .

Fertiges Bild

Insgesamt war ich mit dem fertigen

Bild zufrieden, aber mir erschien es

ein wenig zu weich, deshalb nahm ich

einen Hochpass-Filter, um Details

hervorzuheben. Ich duplizierte also

erneut die Hintergrundebene, machte

sie zur obersten Ebene und fügte den

Hochpass-Filter mit einer Einstellung

von 5 Pixeln hinzu (Filter>Sonstige

Filter>Hochpass), bevor ich die

Füllmethode Überlagern wählte.

Experimentieren Sie mit

unterschiedlichen Filtern und

Füllmethoden, um verschiedene

kreative Effekte zu erhalten.

Original


104 Photoshop-Technik: Pop-Art Der essentielle Leitfaden für Porträts 2. Ausgabe

Verleihen Sie Ihrem Lieblingsporträt

ein neues Outfit im 1950er-Stil!

Caroline Wilkinson: Wenn jemand „Andy Warhol“ sagt, dann kommen Ihnen

wahrscheinlich als erstes die Bilder der bunten Montage von Marylin Monroe oder

einer Campbell-Suppenkonserve in den Sinn. Warhol ist einer der bekanntesten

Künstler der Pop-Art-Bewegung der 1950er Jahre, und wir replizieren seinen Stil

60 Jahre später immer noch und seit der Einführung von Photoshop mit sehr viel mehr

Leichtigkeit.

Wenn es darum geht, ein Bild für ein mit Photoshop erstelltes Pop-Art-Bild auszusuchen,

dann ist es am besten, eine kontrastreiche Aufnahme zu wählen, da Sie die Schatten als

schwarzen Umriss für Ihre Farben verwenden werden.

Ohne gute Schattendetails, die das Gesicht definieren, könnte Ihr Modell so aussehen, als besäße es keine Nase oder keinen Mund.

Wenn Sie unsicher sind, prüfen Sie das Bild, indem Sie es in Schwarz-Weiß umwandeln, dann Bild>Korrekturen>Schwellenwert

anklicken und mit dem Schieberegler spielen, um zu sehen, ob genügend Details erhalten bleiben.

Das Bild sollte auch einen Hintergrund haben, der mit dem Motiv kontrastiert, damit man ihn leicht mit dem Zauberstab-Werkzeug

entfernen kann. Einige Aufnahmen funktionieren besser als andere, aber letztendlich ist es ein Fall von Versuch und Irrtum.

Worauf warten Sie also noch, erwecken Sie Ihre Aufnahmen zu neuem Leben mit dieser grafischen Photoshop-Technik.

Öffnen Sie das Bild und

1 ziehen Sie die

Hintergrundebene auf das

Neue Ebene-Symbol, um

die Ebene zu duplizieren.

Fügen Sie nun eine neue

farbige Ebene zwischen die

zwei Ebenen ein, indem Sie

Ebene>Neue Ebene, dann

Bearbeiten>Ebene Füllen

anklicken und eine Farbe

wählen. Ziehen Sie diese

Ebene zwischen die zwei

anderen und klicken auf die

oberste Ebene.

Gut vorbereitet!

ZEITAUFWAND :

15 MINUTEN

BENÖTIGTE SOFTWARE:

ADOBE PHOTOSHOP CS4

Verwenden Sie das

2 Zauberstab-Werkzeug,

um den Hintergrund

auszuwählen und klicken

auf Löschen, um den

farbigen Hintergrund

dahinter anzuzeigen. Gehen

Sie auf Auswahl> Auswahl

aufheben, dann auf Bild>

Korrekturen>

Schwellenwert und passen

den Regler an, um die

Gesichtsdetails zu erhalten.

Seien Sie ein

Zauberstab-Magier!

Wenn Sie Probleme haben, den

gesamten Hintergrund auszuwählen,

erhöhen oder verringern Sie den

Toleranzwert Ihres Zauberstabes

leicht und halten die Umschalttaste

gedrückt, während Sie mehrere

Auswahlen erstellen.

Fügen Sie einen Hauch

3 von Unschärfe hinzu,

indem Sie Filter>

Weichzeichnungsfilter>

Gaußscher Weichzeichner

wählen und den Regler auf 1

Pixel einstellen. Ziehen Sie

die oberste Ebene auf das

Neue Ebene-Symbol, um sie

zu duplizieren. Wählen Sie

das Füllwerkzeug und

drücken X, um einen weißen

Vordergrund auszuwählen,

und klicken Sie auf das

Gesicht. (X ändert die

Vordergrundfarbe von

schwarz zu weiß).

Wählen Sie

4 Multiplizieren als

Füllmethode für die oberste

Ebene. Klicken Sie auf die

zweite Ebene und erstellen

eine Volltonfarbe-

Einstellungsebene (das

geteilte Kreis-Symbol in der

Ebenen-Palette). Wählen Sie

eine Farbe, die Sie als

Hautfarbe verwenden

wollen, dann wählen Sie das

Füllwerkzeug, drücken X

und füllen die Ebene mit

Schwarz, um die Farbe zu

maskieren.

Halten Sie die ALT-Taste gedrückt und klicken zwischen die zweite und dritte Ebene. Wählen Sie

5 nun das Pinsel-Werkzeug, drücken Sie X, um eine weiße Vordergrundfarbe zu wählen und malen

über den Hautbereich. Erstellen Sie eine neue Volltonfarbe-Einstellungsebene, wählen Sie eine zweite

Farbe, beschneiden Sie die darunterliegende Ebene und wiederholen dies für jede Farbe.

Wählen Sie das Freistellungs-Werkzeug und halten Sie die Umschalttaste gedrückt, während Sie es

6 von oben links bis nach unten rechts ziehen, um ein quadratisches Bild zu erstellen. Bewegen Sie

das Quadrat, bis Sie mit dem Ausschnitt zufrieden sind. Doppelklicken Sie zur Bestätigung. Wählen Sie

alle Ebenen außer der Hintergrundebene, indem Sie die Umschalttaste gedrückt halten und auf jede

Ebene klicken.


2. Ausgabe Der essentielle Leitfaden für Porträts

Photoshop-Technik: Pop-Art 105

Drücken Sie Strg+T, um

7 das Bild frei zu

transformieren. In den oben

angezeigten Optionen ändern

Sie die Prozentzahlen auf 50

Prozent für die Breite und

Höhe und bewegen das Bild

auf die obere linke Seite des

Bildrahmens. Wählen Sie das

Bewegen-Werkzeug, halten

Sie die ALT-Taste gedrückt

und ziehen die Aufnahme

nach oben rechts, während

Sie sie kopieren.

Wiederholen Sie dies drei Mal

und positionieren Sie die

Quadrate auf der Seite.

Um die

8 Hintergrundfarben

zu ändern, scrollen Sie in

der Ebenen-Palette nach

unten, um die richtige

Ebene zu aktivieren,

dann wählen Sie eine

Farbe und verwenden

das Füllwerkzeug auf

dem Kasten. Für andere

Merkmale, deren Farbe

Sie ändern wollen,

doppelklicken Sie auf die

entsprechende Farbbox

der Ebene, um den

Farbwähler aufzurufen.


106 Photoshop-Technik: Schatteneffekte Der essentielle Leitfaden für Porträts 2. Ausgabe

Verwandeln Sie Ihren kleinen Engel in einen Teufel

STEWART BYWATER: Ich wollte schon immer mal Aufnahmen

machen, in denen sich der Schatten von der Form des

schattenwerfenden Motivs unterscheidet. Ich habe diesen Effekt

schon oft gesehen und mich immer gefragt, wie er funktioniert. Es

gibt verschiedene Varianten, von denen die meisten ausgefeilte

Beleuchtungsmethoden und ein Verständnis von Maßstab und Perspektive

voraussetzen. Da mir dies zu kompliziert erschien, suchte ich nach einer

einfacheren Methode. Ich verwendete schließlich zwei Aufnahmen vor einem

weißen Studiohintergrund aus Papier, wobei sich eine Lichtquelle vor diesem

und eine dahinter befand.

Für den „Schatten“ platzierte ich das Modell hinter das Papier, das dünn

genug war, um den Schatten durchzulassen und dick genug, um nicht

komplett transparent zu sein. Das Modell des Porträtfotos platzierte ich vor

das Papier und fügte die beiden Fotos im Nachhinein mit Photoshop

zusammen. Man sollte noch erwähnen, dass man dasselbe Resultat mit nur

einer Aufnahme erzielen kann, wenn man zwei Personen ähnlicher Statur

(und daher ähnlicher Silhouette) zur Verfügung hat.

Gut vorbereitet!

ZEITAUFWAND:

60 MINUTEN

BENÖTIGTE AUSRÜSTUNG:

CANON EOS 10D MIT

17-40 MM OBJEKTIV, ZWEI

INTERFIT STUDIOBLITZKÖPFE

MIT POCKET WIZARD-

FERNAUSLÖSER, EINE

ROLLE WEISSER PAPIER-

HINTERGRUND VON

LASTOLITE

WAS WIR NOCH VERWENDETEN:

TEUFELSREQUISITEN

UND WINDRAD

Studioblitzgeräte

Diese Technik wäre zwar auch ohne Studioblitz

durchführbar, jedoch können Sie so die Lichtstärke

einfach verändern, um ein ausgewogenes

Verhältnis zwischen dem Motiv im Vordergrund

und dem Hintergrundlicht zu finden. Der

Studioblitz kann außerdem verschoben werden,

um das optimale Ergebnis zu erzielen, wenn

Motive wie z. B. Kinder schwer stillhalten können.

Zwei Interfit-Köpfe wurden benutzt. Am vorderen

Licht wurde eine Lichtwanne angebracht und das

hintere mit einem Lichtstreuer versehen.

Test

AUFBAU: Da sich Kleinkinder schnell langweilen, beschloss ich, die Technik zu üben, bevor mein Modell eintraf. Ich platzierte einen

Studioblitz hinter den weißen Papierhintergrund und richtete es grob auf die Stelle aus, an der der „Teufelschatten“ erscheinen sollte.

Dann stellte ich einen Hocker für das Modell zwischen Blitz und Hintergrund. Den zweiten Studioblitzkopf (versehen mit einer

Lichtwanne) platzierte ich auf der anderen Seite, auf der der „Engel“ stehen sollte. Ich bat zwei Kollegen, sich in die entsprechenden

Positionen zu begeben und machte eine Reihe von Testaufnahmen, bis ich mit der Belichtung zufrieden war. Die hintere Leuchte war voll

aufgedreht, während die vordere (mit der Lichtwanne) auf etwa ein Drittel der maximalen Helligkeit heruntergeregelt war. Dann stellte ich

meine digitale Spiegelreflexkamera auf manuelle Belichtungskorrektur und den Blendenverschluss auf eine Blitzsynchronzeit von 1/60

Sekunden und eine Blendenöffnung von 22.

1Nach seiner

Ankunft zeigte ich

meinem Modell die

Testaufnahmen, damit er

sah, was wir vorhatten.

Dann positionierte ich ihn

und bat seinen Vater die

„Teufelsposition“ hinter

der Leinwand

einzunehmen. Dies half

mir beim Bildaufbau und

erleichterte mir später das

Ausschneiden des

„Engels“ in Photoshop.

Dann machte ich ein paar

Aufnahmen vom „Engel“

aus verschiedenen Höhen

und überprüfte diese auf

meiner Kamera.

2Als ich eine gute

Aufnahme des

lächelnden Kind

hatte, bat ich es, die

Teufelshörner

aufzusetzen, den Dreizack

in die Hand zu nehmen

und sich hinter die

Papierleinwand zu stellen.

Seine Mutter passte auf,

dass er dabei nicht hinfiel

oder sich verletzte. Ich

überprüfte die erste

Aufnahme auf dem

LCD-Display meiner

Kamera, um

sicherzustellen, dass der

Winkel des Windrädchens

bzw. des Dreizacks und

die Position der Hände

übereinstimmten. Dann

machte ich die Aufnahme

vom kleinen „Teufel“ .


2. Ausgabe Der essentielle Leitfaden für Porträts

Photoshop-Technik: Schatteneffekte 107

Fertiges Bild

Diese Aufnahme ist auch

komplett kameraintern

durchführbar. Wenn Ihnen

jedoch keine zwei nahezu

identische Motive zur

Verfügung stehen, sollten Sie

besser zwei Aufnahmen

machen und sie später

zusammenfügen. Es macht

aber in jedem Fall Spaß diese

Methode auszuprobieren.

3

Als ich die nötigen Aufnahmen gemacht hatte, übertrug ich sie auf meinen Computer. Ich wählte

jeweils die geeignetsten Bilder von Schatten und Motiv aus und öffnete sie mit Photoshop. Ich

ging zu Bild>Einstellungen>Tonwertkorrektur (Strg+L) und bewegte den weißen Schieberegler

nach links, bis der Hintergrund völlig weiß war. Mit dem Zauberstab-Werkzeug stellte ich dann einen

Toleranzbereich von 10 Pixeln ein und klickte auf den weißen Hintergrund, um eine Auswahl zu treffen.

Über Auswahl>Auswahl umkehren wählte ich dann das Motiv.

4Über Bearbeiten>Kopieren (Ctrl+C) machte ich eine Kopie der Motivauswahl und schloss

anschließend die Datei. Auch bei der Schattenaufnahme ging ich zuerst zur Tonwertkorrektur und

über Bearbeiten>Einfügen (Ctrl+V) platzierte ich die kopierte Auswahl auf das Schattenbild.

Man kann nun das Motiv durch Drücken der Strg-Taste mit dem Mauszeiger bewegen. Über

Bearbeiten>Frei transformieren (Ctrl+T) kann man die Größe des Motivs leicht durch Ziehen der

Eckpunkte anpassen. Dabei sollte man aber die Umschalttaste gedrückt halten, damit die Proportionen

beibehalten werden.


108 Photoshop-Technik: Hintergründe entfernen Der essentielle Leitfaden für Porträts 2. Ausgabe

Geben Sie Ihren Porträts eine künstlerische Note

CAROLINE WILKINSON: Bei

Porträtaufnahmen können wir zentrale

Elemente wie Posen, Beleuchtung und

Bildaufbau beeinflussen. Aber es gibt viele

Dinge, die sich unserer Kontrolle entziehen.

Dieses Hochzeitsfoto zum Beispiel ist durch das Fenster

wunderbar beleuchtet, aber der Hintergrund ist

überladen und verwirrend und zerstört die Wirkung des

Fotos. Oft kann man Aufnahmen mit Photoshop

Gut vorbereitet!

ZEITAUFWAND:

30 MINUTEN

BENÖTIGTE AUSRÜSTUNG:

PHOTOSHOP CS3

nachträglich weichzeichnen, um eine geringe Schärfentiefe nachzustellen und aufdringliche

Hintergründe abzuschwächen. Doch das ist in diesem Fall nicht genug. Für eine gelungene

Aufnahme muss der Hintergrund vereinfacht werden. Die Verwendung von farbigen Ebenen, die

den Hintergrund kaschieren, stellt eine effektive Methode dar, mit der gut beleuchtete Fotos mit

unschönen Hintergründen nachgebessert werden können. Wenn Sie ein ähnliches Problem mit

ihren Fotos haben, dann probieren sie diese Methode aus!

Pinsel und Ebenen

Bei dieser Methode müssen Sie eine „schwarze“ Ebene erstellen und die Farbe mit dem

Pinsel-Werkzeug entfernen, um das Bild darunter freizulegen. Viele Versuche sind dann

notwendig, um ein gleichmäßiges Ergebnis zu erzielen. Man kann aber zum Beispiel die

Farbe langsam und gleichmäßig mit einem weichen, mittelgroßen Pinsel mit sehr geringer

Deckkraft abtragen. Wenn Sie einen Fehler machen, ändern Sie den Pinsel-Modus zu

Abdunkeln und gehen über die Stellen, an denen die Deckkraft zu gering geworden ist.

1Ich habe versucht, den Hintergrund weich zu zeichnen, indem ich die Braut abdeckte und die

Schärfentiefe des Hintergrunds maximal abmilderte (über Filter>Weichzeichnungsfilter>

Schärfentiefe abmildern, den Radius auf 100 Prozent stellen). Für das Erzeugen eines schlichten

Bildes, das sich auf die Braut und die Beleuchtung konzentriert, war diese Methode jedoch ungeeignet.

Ich erstellte eine zweite Ebene (Ebene>Neu>Ebene) und färbte diese mit dem

Farbeimer-Werkzeug schwarz. Ich reduzierte die Deckkraft auf 56 Prozent, um das Bild darunter

2sehen zu können und begann im Pinsel-Modus Löschen und mit einer Deckkraft von 62 Prozent

die Stellen auszuradieren, an denen ich das Bild freilegen wollte.

3Es lohnt sich verschiedene Pinsel-Modi, -größen und -deckkräfte auszuprobieren, um

das gewünschte Ergebnis zu erreichen. Ich musste feststellen, dass 62 Prozent für

einen weichen Feinschliff zu grob waren. Ein besseres Ergebnis erzielte ich mit einer

Ebenendeckkraft von 100 und einer Pinseldeckkraft zwischen 9 und 17 Prozent.

4Als ich mit der Detailtiefe zufrieden war, sah ich, dass der Übergang zwischen dem Profil der

Braut und der schwarzen Füllebene weicher sein sollte. Folglich spielte ich mit verschiedenen

Fülloptionen (Ebene>Ebenenstil) herum, wobei Glanz das weichste Resultat erzielte.

5Jede Fülloption bietet eine Reihe von Füllmethoden, mit denen man experimentieren kann.

Zuerst verwendete ich Weiches Licht, da diese den Schein und den Kontrast der Braut verstärkte.

Letztendlich entschied ich mich aber für die Normal-Einstellungen, da diese ein weniger grelles

Ergebnis mit natürlicherer Hautfarbe lieferte, was besser zum Bild passte.


Machen Sie‘s nicht zu kompliziert

Wählen Sie sich ein Motiv mit guter

farblicher Bandbreite und stellen Sie die

volle Deckkraft der hellsten Bildteile,

besonders des Augenweißes, wieder her,

um ein kontrastreiches Bild zu erzeugen.

Fertiges Bild

Die Verwendung von Fülloptionen kann

die Schatten verstärken. Daher sollte

man mit einem Pinsel mit geringer

Deckkraft einige Details des Motivs

wiederherstellen. Um dieses Bild sogar

noch schlichter zu machen, fügte ich

eine schwarz-weiße Einstellungsebene

(Einstellungen>Schwarz-Weiß) hinzu

und benutzte den Pinsel-Modus

Abdunkeln, um über die Stellen der

schwarzen Ebene zu gehen, an denen

die Deckkraft reduziert worden war.

Original mit abgemilderter Schärfentiefe


110 Digitale Technik: Polaroids erstellen Der essentielle Leitfaden für Porträts 2. Ausgabe

Gut vorbereitet!

ZEITAUFWAND:

20 MINUTEN

BENÖTIGTE AUSRÜSTUNG:

BILDBEARBEITUNGSPROGRAMM

POLAROID, APPLE MAC ODER PC

WAS WIR NOCH VERWENDETEN:

DIGITALFOTOS

Das Polaroid-

Bildbearbeitungsprogramm

Das einzige, was Sie brauchen, um

fantastische und täuschend echte

Polaroid-Bilder zu erstellen, ist ein

kostenloses Programm von www.

poladroid.net. Es ist kompatibel mit

Macs und PCs. Per Drag and Drop

konvertiert die Anwendung jede

Digitalaufnahme im JPEG-Format in

eine druckbereite Datei mit 400 dpi,

dem Polaroid-typischen Rahmen und

sonstigen Eigenschaften eines

Polaroid-Sofortbildes. Man kann mit

Photoshop eine ähnliche Verwandlung

durchführen. Aber um so überzeugende

Resultate zu erzielen, muss man schon

genau wissen, was man tut. Und warum

damit herumschlagen, wenn Ihnen ein

Gratisprogramm die Arbeit abnehmen

kann?

Erstellen Sie Ihre eigenen Polaroids

LEE FROST: Polaroid-Sofortbilder sind legendär. Jeder hat schon

mal von ihnen gehört und wenn man wie ich in den 1970ern

aufgewachsen ist, erinnert man sich an das typische Klicken und

Surren der Kamera und das anschließende Drängen um den

frischen Abzug, auf dem langsam, wie von Zauberhand, das Bild

zum Vorschein kam. Ich benutze heute noch eine Polaroid-Kamera – eine

alte SX-70, spottbillig ersteigert bei Ebay. Was mich an dieser Technik so

reizt, ist aber nicht, dass ich das Ergebnis sofort bewundern kann

(digitale SLR-Kameras sind da weit voraus), sondern die

unverwechselbare Optik der Polaroid-Abzüge: die leicht merkwürdigen

Farben, die Weichheit des Bildes, die verwaschenen Ecken und der

tolle schraffierte weiße Rahmen. Zum Glück braucht man heute keine

Polaroid-Kamera und keinen Polaroid-Film mehr, um diesen Look zu

erzeugen. Ein kostenloser Download von www.poladroid.net hilft

ihnen dabei, und zwar folgendermaßen …

1

Laden Sie die Poladroid-Software auf ihren PC oder Mac von www.

poladroid.net. Sie müssen nichts bezahlen, sich nicht anmelden oder

sonstige Verpflichtungen eingehen. Klicken Sie einfach auf das

Download-Symbol, warten Sie bis der Download fertig ist und installieren das

Programm. Für die folgenden Schritte wurde ein Mac verwendet.

Original bild

2Doppelklicken Sie auf das Poladroid-Symbol, um das Programm zu

starten. Eine Polaroid-Kamera wird auf ihrem Desktop erscheinen.

Platzieren Sie diese an eine geeignete Stelle. Nun müssen Sie nur noch

eine JPEG-Datei auf die Kamera ziehen und loslassen, die Software erledigt

den Rest.


2. Ausgabe Der essentielle Leitfaden für Porträts

Digitale Technik: Polaroids erstellen 111

Familienschmuckstücke

Mit der Poladroid-Software können Sie

Ihren Familienschnappschüssen eine

kreative Note verleihen. Also warum

konvertieren Sie nicht ein paar

ausgewählte Aufnahmen, drucken sie aus

und rahmen sie ein oder erstellen ein

fantastisches Fotoalbum?

Fertiges Polaroid

Ihr fertiges Foto wurde der vollen

Polaroid-Kur unterzogen, von

den weißen schraffierten

Rändern bis hin zur

originalgetreuen Färbung.

Zuerst hören Sie das Klicken und Surren einer

Polaroid-Kamera, dann wird ein kleiner Polaroid-Abzug auf

3Ihrem Desktop ausgeworfen. In echter Polaroid-Tradition

müssen Sie nun darauf warten, dass das Bild vor ihren Augen

erscheint.

4Wenn das Bild vollständig entwickelt ist, erscheint ein roter

Bis zu zehn Polaroids können so erzeugt werden, bis Sie die

Stift auf dem Abzug. Dann wird eine JPEG-Datei mit der

Software schließen und neu starten müssen. Ein

Erweiterung pola.jpg am Namensende auf dem Desktop 5Polaroid-Film enthält nämlich zehn Aufnahmen. Das

auftauchen. Doppelklicken Sie diese, um Ihr Foto zu sehen. Programm versucht also die Funktionsweise einer echten

Polaroid-Kamera wirklich nachzuahmen!


KREATIVE

MEISTERKLASSE

KÜNSTLERISCHE

AKTFOTOGRAFIE

INNENAUFNAHMEN

DIE FORMEN DES MENSCHLICHEN KÖRPERS SIND FÜR

KÜNSTLER SEIT JAHRHUNDERTEN EINE QUELLE DER

IINSPIRATION UND KONTROVERSE. IN DER ERSTEN UNSERER

ZWEITEILIGEN MEISTERKLASSE ERGRÜNDET BJORN

THOMASSEN DIE GRENZEN SOWIE DIE UNTERSCHIEDLICHE

BEHANDLUNG WEIBLICHER UND MÄNNLICHER AKTMODELLE

UND VERMITTELT SEINE MEISTERTECHNIKEN FÜR

GESCHMACKVOLLE AKTAUFNAHMEN.

TEXT: CAROLINE WILKINSON / FOTOS: BJORN THOMASSEN

112 DIGITALE SLR FOTOGRAFIE


KREATIVE

MEISTERKLASSE

KÜNSTLERISCHE AKTAUFNAHMEN

DIE DEBATTE „PORNO ODER KUNST“ wird

seit Jahrzehnten geführt, da die Parameter so

subjektiv sind. Es gibt einige überwältigende

Aktaufnahmen von weltbekannten Fotografen,

die nichts der Fantasie überlassen, aber eine

wunderbare Komposition aufweisen und ausgezeichnet

beleuchtet sind und daher zweifellos künstlerischen Wert

besitzen. Ob ein Bild alles zeigen soll, ist Ihre Entscheidung.

Aber häufig ist das Endergebnis eines Fotografen, der sich für

die Maxime „weniger ist mehr“ entscheidet, jedoch nicht über

ausreichende Beleuchtungs- und Kompositionsfertigkeiten

verfügt, eine Aktaufnahme, die eher geschmacklos als

künstlerisch ist.

Normalerweise kann eine subtile Andeutung dessen, was

nicht zu sehen ist, die Fantasie wesentlich mehr anregen –

hier kommt das Geheimnisvolle zum Tragen, die Würde des

Modells bleibt erhalten, und das Interesse des Betrachters

wird durch eine verstärkte sinnliche Spannung erhöht.

Aktaufnahmen mit der Absicht zu machen, sie später in

Schwarzweiß umzuwandeln, ist ein hervorragender Anfang:

Das Bild wird aus der Realität herausgelöst und zwingt Sie,

sich auf künstlerische Weise mit der Ausgewogenheit der

Töne, den Posen und der Komposition auseinanderzusetzen,

um zu verhindern, dass das Bild kontrastarm und leblos

erscheint.

Die meisten Modelle werden anfangs ein ungutes Gefühl

dabei haben, nackt zu posieren. Planen Sie also soviel wie

möglich, bevor sie ankommen. Einer der Vorteile,

Innenaufnahmen zu machen, besteht darin, dass Sie mit der

Anordnung herumexperimentieren und vorab

Probeaufnahmen machen können. Auch eine Beratung vor

den Aufnahmen kann sehr hilfreich sein. Auf diese Weise

kann das Modell Ihre Ideen sehen und vielleicht sogar selber

Posen vorschlagen, die es gern ausprobieren würde. Damit

bekommen Sie eine Vorstellung davon, welchen Stil es hat

und womit es sich wohlfühlt. Bei der Wahl der Tageszeit für

eine Aufnahme müssen Sie überlegen, ob das sich

verändernde Tageslicht eine Rolle spielt. Ein Fenster, das um

11 Uhr für eine wunderschöne Beleuchtung sorgt, kann zu

einer späteren Tageszeit möglicherweise eine Katastrophe

sein.

Versuchen Sie, dem Modell nach der Ankunft eine

entspannende Atmosphäre zu bieten, indem der Raum schön

warm ist, Sie vielleicht ein Glas Wein anbieten und Musik

auflegen. Fragen Sie das Modell, welche Art von Musik es

gerne hört. Auch die Unterhaltung und die Körpersprache

sind sehr wichtig. Das gesamte Umfeld muss beruhigend und

angenehm sein; eine gezwungene Still kann peinlich wirken.

Sie müssen auch besonders sorgfältig auf Ihren Blick achten:

Versuchen Sie immer, Augenkontakt zu halten, und

kontrollieren sie die Augenbewegung. Sie müssen zwar die

Geometrie der Figur analysieren, durch einen länger

anhaltenden Blick kann sich ein unsicherer Mensch jedoch

möglicherweise schnell unbehaglich fühlen.

Wenn es sich nicht um ein sehr erfahrenes Modell handelt, ist

es besser, wenn das Modell beim Ausprobieren von Posen die

Kleidung anbehält, um zu sehen, wie geschmackvoll die

Posen sind. Man sollte das Modell auch bitten, darauf zu

achten, was es vor der Aufnahme isst, und es sollte in der

Nacht davor nicht zuviel trinken. Ich bitte Frauen

normalerweise, etwa zwei Stunden vor der Aufnahme keinen

Büstenhalter mehr zu tragen, damit die von den Trägern

verursachten Druckstellen verschwinden können; das Gleiche

gilt für Socken und andere elastische Kleidungsstücke.

Die Haut hat meist einen matten Ton. Das Auftragen von Öl

oder einer Lotion auf den Körper kann also zu einer deutlichen

Verbesserung führen, vor allem, wenn das Modell dunklere

Haut ohne viele Glanzpunkte hat. Eine

Schimmerkörperlotion, wie Johnson’s Baby Oil Gel oder Light

Oil Mist reflektiert das Licht gut, hebt die Körperkonturen

hervor und verbessert die Dimensionen. Kombinieren Sie

verschiedene Arten wie eine getönte Schimmerlotion mit

einem helleren Öl, um verschiedene Bereiche des Körpers zu

unterstreichen. Selbst Wasser in einem Spray kann gute

Dienste leisten, da eine leichte Feuchtigkeitsschicht

wesentlich besser aussieht als eine vollkommen matte Haut.

Denken Sie aber daran, dass Sie Wasser häufiger auftragen

müssen, da es schnell eintrocknet, vor allem, wenn es der

Wärme des Studiolichts ausgesetzt ist.

Bei Aktaufnahmen arbeiten Sie viel mit Schatten, um die Töne

des Bildes auszugleichen und den Körper vorteilhaft

darzustellen. Sehr wenige Menschen würden von sich

behaupten, eine perfekte Figur zu haben. Fast jeder hat gewisse

Probleme mit seinem Körper, und durch einen abfallenden

Schatten können Körperbereiche, mit denen das Modell nicht

zufrieden ist, in den Hintergrund werden. Wenn Sie

beispielsweise einen zu großen Bauch stark beleuchten, ist das

Modell bestenfalls nicht erbaut und schlimmstenfalls am Boden

zerstört! Versuchen Sie also, eine Pose in einer günstigen

Beziehung zum Licht zu finden, bei der ein Schatten geworfen

wird – die Tiefe des Schattens kann während der Aufnahme und

auch noch bei der Nachbearbeitung gesteuert werden. Ein

heller Effekt, bei dem alles gleichmäßig ausgeleuchtet wird,

schmeichelt einem Aktmodell nur in den seltensten Fällen. Am

besten arbeiten Sie mit einem kontrollierbaren, gedämpften

Licht, das von einer Seite kommt, oder verwenden Sie einfach

eine Hintergrundbeleuchtung, damit die Kurven einer Silhouette

beleuchtet werden.

Es gibt Hunderte von Kombinationen für Posen. Welche

funktioniert, hängt ganz vom Menschen ab. Sie sollten jedoch

auf „C“-Formen und „D“-Formen achten; die

schmeichelhafteste Form ist angeblich eine „S“-Form. Denken

Sie daran: Es geht einzig und allein um Kurven. Bei den

Männern sind es Muskeln, und bei Frauen sind es die Kurven,

die sie ästhetisch machen. Generell sollten Sie ausgestreckte

Gliedmaßen vermeiden. Beugen Sie sie also, damit sie ein

Dreieck oder eine Kurve bilden. Wiederholung ist auch ein

ausgesprochen wirkungsvolles Werkzeug, wenn es um

Komposition geht. Suchen Sie also nach Möglichkeiten, bei der

Pose eine Wiederholung zu schaffen. Sie müssen sich auch

nicht immer auf den gesamten Körper konzentrieren. Da es bei

Aktaufnahmen und Formen geht, konzentrieren Sie sich auf die

Linien des Torsos, die Kurven einer weiblichen Taille, die Arme,

das Gesäß, die Kraft eines angespannten männlichen Rückens

oder selbst eine Hand oder einen Fuß.

„Normalerweise kann eine subtile

Andeutung dessen, was nicht zu sehen ist,

die Fantasie wesentlich mehr anregen – hier

kommt das Geheimnisvolle zum Tragen, die

Würde des Modells bleibt erhalten und das

Interesse des Betrachters wird durch eine

verstärkte sinnliche Spannung erhöht.“

1) VERWENDEN SIE DIFFUSES FENSTERLICHT

Manchmal lässt es sich nicht vermeiden, ein Fenster mit

direkter Sonneneinstrahlung zu verwenden. Wenn Sie also

keinen starken Kontrast möchten, streuen Sie das Licht,

indem Sie einen Vorhang vor das Fenster hängen. Ein großes

Fenster kann auch ein toller Hintergrund sein: Hängen Sie

vor ein großes Wohnzimmerfenster einen schweren Vorhang,

um einen strahlenden Hintergrund für eine wunderschöne

Schwarz-Weiß-Aktaufnahme zu schaffen.

Bjorn Thomassens

Ausrüstung für die

Aktfotografie

Obwohl natürliches Licht

unverzichtbar und häufig für

viele Bilder auch ausreichend

ist, versuche ich, es mit Licht

von einem tragbaren Blitzsystem

zu kombinieren – in meinem

Fall Ranger Quadra von

Elinchrom. Auf diese Weise bin

ich nicht ausschließlich von der

unzuverlässigen Mutter Natur

abhängig. Wenn Sie mit einem

Studioblitz arbeiten, brauchen Sie

unbedingt einen Blitzmesser, um

die richtige Blende für die korrekte

Belichtung zu ermitteln. Ein

Reflektor und ein Weichzeichner

sind für Porträtaufnahmen

auch ganz praktisch, aber dafür

müssen Sie nicht unbedingt Geld

ausgeben. Jede reflektierende

Oberfläche, wie beispielsweise

eine weiße Wand, kann hierfür

verwendet werden. Auch ein

Vorhang vor einem Fenster

ist ein idealer Weichzeichner.

Was die Kameraausrüstung

betrifft, brauchen Sie nichts

Ausgefallenes – Sie können jede

DSLR verwenden. Ich arbeite mit

einer Canon EOS 5D Mark II, und

als Objektive verwende ich 28

– 70 mm f/2,.8L und 70 – 200

mm f/2,8L von Canon. Wenn

Sie nur mit natürlichem Licht

arbeiten, eignet sich ein Objektiv

mit einer maximalen Blende von

mindestens f/3,5 am besten, um

das begrenzte Licht optimal zu

nutzen – ein Standardobjektiv mit

18 – 55 mm kann bei der größten

Brennweiteneinstellung eine gute

Leistung erzielen.

Aktinnenaufnahmen: Fünf Tipps zum Ausprobieren ...

2) VERSCHIEDENE STANDPUNKTE

Experimentieren Sie mit verschiedenen Standpunkten herum,

um eine andere Dynamik in das Bild zu bringen. Machen Sie

die Aufnahme von einer Stehleiter aus, um eine interessante

Vogelperspektive zu bekommen. Oder legen Sie das Modell

neben ein Fenster, damit das Licht sehr sanft auf seinen

Körper herunter fällt. Ein andersfarbiges Untergrundlaken

kann auch verschiedene Effekte erzeugen. Seien Sie mutig,

und experimentieren Sie herum.

114 DIGITALE SLR FOTOGRAFIE


KREATIVE

MEISTERKLASSE

INNEN

Der Teufel steckt im Detail!

Konzentrieren Sie sich auf kleine

Körperbereiche mit vielen verschiedenen

Tönen und auf eine Form für einige

verführerisch abstrakte Bilder anstelle einer

Ganzkörperaufnahme, das alles zeigt.

3) AM EINFACHSTEN GANZ EINFACH

Das ist eine wirklich einfache Anordnung: Zwei Lichtwannen,

die so aufgestellt werden, dass das Modell und der

Hintergrund gleichzeitig beleuchtet werden. Dabei ist das

Licht links zwei Stufen höher angeordnet, damit das Modell

kontrastreicher ist. Ein Lüfter, der die Haare von der Seite

verweht, verleiht dem Bild Dynamik und wurde in diesem

Fall dazu verwendet, einen weißen Schal in Richtung Modell

wehen zu lassen.

4) SCHWARZ-WEISS MIT EINEM HAUCH VON

FARBE

Eine weiße Wand kann ein klarer, strukturierter Hintergrund

sein. Hier habe ich eine Lichtwanne auf einer Seite

verwendet, damit ich die Schatten erzeugen kann,

die ich mit einem Reflektor ein wenig aufgefüllt habe.

Schwarzweißfotografie ist ein klassischer Ansatz für ein

Aktporträt. Aber warum nicht ein paar Farben mit Duoton in

Photoshop dazu kombinieren (Bild>Modus>Duotone)?

5) DIEKOMPOSITIONISTENTSCHEIDEND

IST ENTSCHEIDEND

Stellen Sie sich die Einrahmung der Aufnahme mit der

Komposition vor. Dieser quadratische Ausschnitt sieht gut

aus mit den Kartons, über die sich das Modell beugt, und

die Form der Pose des Modells spiegelt die Stufen wider.

Wiederholung ist ein wirkungsvolles Werkzeug, wenn es um

Komposition geht. Beachten Sie, wie der Hintergrund dunkler

gemacht wurde, um die Kurven und Schatten auf dem Modell

zu imitieren.

DIGITALE SLR FOTOGRAFIE 115


KREATIVE

MEISTERKLASSE

Gleich mit der Kamera richtig aufnehmen!

KÜNSTLERISCHE AKTAUFNAHMEN

Schritt für Schritt: Aktfotografie mit Studiobeleuchtung

Einige Modelle, die nackt fotografiert werden möchten, bevorzugen dennoch die Anonymität. Das Bild muss also so

beleuchtet und gestellt werden, dass die Identität des Modells verborgen bleibt. Diese Vorgehensweise wird bei vielen

Modellen eingesetzt, da sie für Sicherheit und Beruhigung sorgt. Hier habe ich versucht, das Gesicht des Modells im

Schatten zu lassen, während ich mit dem Licht die Figur positiv betont habe. Ein leichtes Licht akzentuiert Kurven gut,

weshalb ich Lichtwannen verwendet habe. Wenn Sie jedoch mehr Kontrast erzielen möchten, experimentieren Sie mit

verschiedenem Blitzkopfzubehör herum, um das Licht zu ändern.

Während der gesamten Sitzung habe ich versucht, die Kamera auf Augenhöhe zu lassen, um die Proportionen der Figur

genau wiederzugeben. Wenn Sie am Modell nach unten blicken würden, würde sich die Betonung von der Figur weg

zum Oberkörper hin verlagern – das sieht nicht immer gut aus. Wenn Sie jedoch die Linie von der Schulter am Rücken

nach unten zum Gesäß verfolgen, kann dies auch für einen dynamischen Winkel sorgen. Augenkontakt kann das

Interesse des Betrachters am Bild verstärken, aber abgewendete oder geschlossene Augen können dem Bild ein Gefühl

von Voyeurismus geben. Es kommt also darauf an, was Sie vermitteln möchten und wie sehr der Betrachter mit dem Foto

verbunden sein soll.

Während Sie mit Photoshop viel nachbearbeiten können, ist es

dennoch viel besser, gleich mit der Kamera die richtige Beleuchtung

einzustellen und dann mit Photoshop nur noch das gewisse Extra

hinzuzufügen. Versuchen Sie, die Beleuchtung so geschickt wie

möglich einzusetzen, und achten Sie sorgfältig darauf, wo sich der

Schatten und wo sich die Glanzpunkte auf dem Modell befinden.

Schritt 1 Für diese Aufnahme habe ich zwei

Studioblitzköpfe des Typs Ranger Quadra von Elinchrom wie

folgt verwendet: Eine Lichtwanne befindet sich 35 Grad hinter

und 45 Grad über dem Modell, und eine Neonröhre auf dem

Boden dient als Beleuchtung von unten vor dem Modell in

einem Winkel von 30 Grad. Ich habe die Lichter so positioniert,

dass ich wusste, wo die Schatten hin fallen würden, und

konnte das Gesicht des Modells entsprechend positionieren.

Schritt 2 Ich habe die Beleuchtung von unten relativ nah

am Modell mit wesentlich weniger Leistung als das Licht

über dem Kopf platziert. Das Ziel hierbei besteht darin, ein

wenig mehr Beleuchtung zu haben und ein bisschen Detail

unten am Torso zu zeigen. Das Licht muss nah sein, damit es

schnell abfällt und einen Schatten auf das Gesicht wirft. Je

weiter entfernt das Licht ist, desto mehr wird beleuchtet.

Schritt 3 Ich habe einen Körperbereich gemessen, den ich

beleuchten wollte. Anschließend habe ich den Wert 1/125 s

(meine Blitzsynchronisierungsgeschwindigkeit) und die

entsprechende Blende (mit der ISO-Empfindlichkeit 100) im

manuellen Modus ausgewählt. Da ich wollte, dass das Bild

stimmungsvoll und gedämpft ist, habe ich das Foto bewusst

um eineinhalb Schritte unterbelichtet.

Schritt 4 Zuerst habe ich das Modell mit dem Rücken

zur Kamera und den Armen über dem Kopf positioniert. Da

das stärkere Licht von oben kam, wurden die Arme zu sehr

betont, und die Komposition sah unbeholfen und kopflastig

aus. Da das Modell auch sehr gut trainiert ist, ließ das

Anspannen der Muskeln nicht die Weichheit erkennen, die ich

darstellen wollte.

Erfolgreiche Formen

Beachten Sie, wie ich versucht

habe, die Kurve im Rücken mit der

Kurve im Arm zu imitieren, um eine

starke Pyramidenform zu erhalten.

Durch den Ton wird das Bild auch

hintergründig sexy.

Photoshop: Nachbearbeitung

Schritt 5 Für diese Pose habe ich Diagonale eingebaut.

Versuchen Sie, die Augenbewegung des Betrachters mit den

Kompositionslinien zu begrenzen, die zum Schwerpunkt

zurückführen. Hier folgen die Augen des Betrachters dem

Blick des Modells den Arm hinunter zum Ellbogen, der dann

am Unterarm entlang nach oben zur Brust führt. Dies wird als

optische Schleife bezeichnet.

Schritt 6 Die Voraussetzung dieser Pose ist sehr gut, da ich

die dreieckige Basis habe, wie eine Pyramide, sich das Modell

jedoch zu weit nach unten beugt und so die Kurve im Rücken

verloren geht. Ich habe das Modell gebeten, den Rücken

gerade zu halten und die Schulterblätter zusammenzudrücken,

wodurch die Form besser akzentuiert wurde. In der nächsten

Aufnahme ist der Rücken höher, was deutlich besser aussieht.

Jetzt ist es Zeit, das Foto mit Photoshop zu bearbeiten.

Schritt 1 Öffnen Sie das Bild in Photoshop. Wählen Sie

das Pipettenwerkzeug, und klicken Sie auf einen Bereich

des Körpers mit dem Hautton, den das Modell haben

soll. Wechseln Sie zum Pinselwerkzeug, und wählen Sie

die mittlere Größe mit einer Transparenz von 20 Prozent.

Bearbeiten Sie dann die Haut des Modells, um den Ton

weicher und gleichmäßiger zu machen.

116 DIGITALE SLR FOTOGRAFIE


Schritt 2 Duplizieren Sie die Ebene (Ebene>Ebene

duplizieren), und entsättigen Sie das Bild dann leicht

(Bild>Einstellungen>Farbton/Sättigung). In diesem Fall habe

ich es auf -56 verkleinert, um einige Farben zu dämpfen. An

dieser Stelle verwende ich das Beschneidenwerkzeug, um die

Komposition der Aufnahme ein wenig zu verbessern.

Schritt 3 Um den Kontrast in ausgewählten Bereichen

des Bildes anzupassen, wählen Sie die Bereiche mit dem

Lassowerkzeug aus, und halten Sie die Umschalttaste

gedrückt, damit Sie mehrere Objekte für dieselben

Anpassungen auswählen können. Ich habe die Feder auf

150 px eingestellt und anschließend die Bereiche mit dem

Befehl Tonwertkorrektur bearbeitet.

Schritt 4 Wenn Sie mit dem Ergebnis soweit zufrieden

sind, müssen Sie den Ton anpassen. Wählen Sie hierfür

Überarbeiten>Farbe anpassen, und passen Sie die Farbe

nach Wunsch an. Es gibt viele Kombinationsmöglichkeiten,

und die Ergebnisse sind sehr subjektiv, aber für dieses

Bild habe ich sie auf +20 Rot, +20 Grün und +30 Blau

eingestellt.

DIGITALE SLR FOTOGRAFIE 117


KREATIVE

MEISTERKLASSE

KÜNSTLERISCHE AKTAUFNAHMEN

Schritt für Schritt: Aktfotografie mit natürlichem Licht

Fensterlicht eignet sich ideal für Porträts, aber Sie müssen die Aufnahme für die richtige Tageszeit planen; ein

Fensterlicht hat um 9 Uhr einen anderen Effekt als um 15 Uhr. Ein Nordfenster ist am besten, weil Sie damit direkte

Sonneneinstrahlung vermeiden. Wenn Ihnen jedoch kein Nordfenster zur Verfügung steht, können Sie direktes

Sonnenlicht auch zerstreuen, indem Sie einen Store vor das Fenster hängen oder einen Reflektor verwenden, um das

wenige Licht optimal zu nutzen. Je größer das Fenster ist, desto weicher ist das Licht. Ein großes Wohnzimmerfenster

mit einem Store kann also sowohl ein hervorragender, beeindruckender Hintergrund als auch eine weiche Lichtquelle

sein, während sich ein kleines Fenster ausgezeichnet für kontrastreiche Bilder eignet. Bei dieser Aufnahme habe ich

versucht, direktes Fensterlicht zu vermeiden, indem ich das Licht vom Hauptfenster blockiert habe, damit ich mit

einem Reflektor kontrollieren konnte, wo das Licht auf dem Modell auftraf.

Das Fotografieren eines männlichen Aktmodells unterscheidet sich kaum vom Fotografieren eines weiblichen

Aktmodells. Allerdings kann es schwieriger sein, ein muskulöses männliches Modell zu finden, das bereit ist, diese Art

von Arbeit zu machen. Da Männer nicht so viele natürliche Kurven wie Frauen haben, muss ihre Figur tonisiert und

muskulös sein, um klare Linien zu haben und eine Ausgewogenheit im Ton des Bildes zu erzeugen. Beim männlichen

Aktmodell stehen ganz klar Kraft und Stärke im Vordergrund. Deshalb sind klare Schatten und Glanzlichter wichtig, um

die Form des Modells hervorzuheben. Mit glättendem Öl auf dem Körper können zunächst einmal Glanzlichter erzeugt

werden, und die Muskelwölbungen sollten natürliche Schatten werfen, solange das Licht nicht zu stark ist. Wählen Sie

eine Pose, die auch den Körperbau betont – vielleicht lassen Sie ihn die Schultermuskeln anspannen oder die Schultern

auf einer Achse von der Hüfte weg drehen, oder lassen Sie ihn die Arme über dem Kopf ergreifen, damit seine

Rückenmuskeln gut zur Geltung kommen. Später können Sie das Bild in Photoshop mit Ebenen oder dem Werkzeug

zum Aufhellen und Nachbelichten noch weiter verfeinern, um den Kontrast in ausgewählten Bereichen zu intensivieren.

Photoshop: Nachbearbeitung

Schritt 1 Da das Bild gut aussieht, wenn es ausgewogen

ist, habe ich mich für ein quadratisches Format

entschieden. Zunächst habe ich die Form des Bildes mit

dem Beschneidenwerkzeug geändert und anschließend die

Leinwandgröße so angepasst, dass jede Seite gleich lang

war und so ein perfektes Quadrat entstand. Dann habe ich

mit dem Klonwerkzeug und dem Pinsel einen Wert von 200

px und die Transparenz auf 100 Prozent eingestellt, den

Bildhintergrund ausgewählt und die leere Leinwand gefüllt.

Schritt 2 Konvertieren Sie das Bild mit Modus>Graustufen

in Schwarzweiß, und klicken auf OK, um die Farbe zu

löschen. Intensivieren Sie anschließend den Kontrast und die

Hintergrunddichte, wählen Sie mit dem Lassowerkzeug (Feder

100 px) Bereiche um das Modell herum aus, und wählen Sie

Auswahl>Umkehren. Navigieren Sie anschließend zu Bild>

Einstellungen>Tonwertkorrektur und entfernen Sie dann mit

den Schiebereglern einige Mitteltöne.

Schritt 1 Ich wollte eine gleichmäßige Beleuchtung des

Modells, also habe ich das Seitenlicht vom Hauptfenster mit

einer Leinwand blockiert. In dem Raum gab es auch ein hoch

angebrachtes Fenster, das – wie ich hoffte – dem Bild eine

zusätzliche Dimension verleihen würde, indem die Schultern

des Modells beleuchtet wurden. Wenn Sie kein Dachfenster

und kein Oberlicht haben, könnten Sie den Effekt mit einem

Reflektor auf einer Halterung nachahmen, um das Licht vom

Hauptfenster auf das Modell herab zu lenken.

Schritt 2 Bevor das Modell die Kleidung auszog, haben

wir verschiedene Posen ausprobiert, bis es auf Grund der

Position seiner Arme klar war, dass keine „intimen“ Bereiche

zu sehen sein würden. Ich habe auch versucht, eine

Symmetrie in seiner Körperform zu erzeugen, um das Bild

ausgewogen zu gestalten. Um seine Muskeln hervorzuheben,

ließ ich ihn seine Ellbogen in die Knie drehen und so die

Muskeln anspannen. Normalerweise würde ich ihn in der

Mitte des Hintergrunds platzieren, aber dann wäre das Licht

nicht mehr auf seine Schultern gefallen.

Schritt 3 Zur Hervorhebung der Konturen des Modells

habe ich das Werkzeug zum Aufhellen und Nachbelichten

verwendet, um Glanzlichter heller und Schatten dunkler zu

machten und die Graustufen zu verringern. Ein mittelgroßer

Pinsel mit niedriger Belichtung ist einfacher zu verwenden, da

Sie die Definition allmählich aufbauen können. Ich habe die

untere Hälfte des Bildes dunkler gemacht, um die Genitalien

besser zu verbergen.

Schritt 3 Da die Leinwand das Licht am Modell vorbei

führt, habe ich einen Reflektor vor dem Modell und neben der

Kamera platziert, damit Licht auf ihn geworfen wird. Ich habe

meine Kamera auf Zeitautomatik eingestellt. Zur Minimierung

des Rauschens beließ ich den ISO-Wert bei 100 und

stellte die Blende auf f/4 für eine Belichtungszeit von 1/20

s ein. Da die Szene kontrastarm ist, hatte mein Autofokus

leichte Probleme, sodass ich auf manuelles Scharfstellen

umgeschaltet habe.

118 DIGITALE SLR FOTOGRAFIE

Schritt 4 Im Lauf der Sitzung wurde die Beleuchtung

schwächer, sodass ich die ISO-Empfindlichkeit allmählich auf

800 erhöhte. Einmal war die Verschlusszeit 0,4 Sekunden,

sodass ich das Modell gebeten habe, ganz still zu halten,

während ich die Kamera mit einem Fernauslöser auslöste,

um die Gefahr des Verwackelns zu verringern. Lassen Sie das

Modell langsam ausatmen und nicht den Atem anhalten, da

dadurch ein Zittern verhindert werden kann.

Schritt 4 Das Bild sieht in Schwarzweiß zwar ganz

gut aus, mit ein wenig Farbe wird es jedoch dynamischer.

Navigieren Sie zu Bild>Modus>Duotone, und wählen Sie die

gewünschte Palette, lassen Sie aber eine Schwarz. Der Toner

kann sich auf den Kontrast des Bildes auswirken; klicken

Sie also auf einen, um sich den Effekt vorab anzusehen.

Möglicherweise müssen Sie noch ein wenig aufhellen oder

nachbelichten, bevor das Bild ganz fertig ist.


CREATIVE

MASTERCLASS

Duplizieren und speichern

Bevor Sie eine größere Änderung an Ihrem Bild

vornehmen, erstellen Sie eine duplizierte Ebene, und

arbeiten Sie stattdessen mit dieser Ebene. Diese können

Sie dann löschen, wenn Sie einen Fehler machen. Sie

FINE-ART NUDES: INDOORS

sollten auch verschiedene Versionen Ihres Bildes

speichern, damit Sie dann später mit der besten Version

weiterarbeiten können.

Männliches Aktmodell

Ich habe dem fertigen Bild mit der

Duoton-Option in Photoshop noch einen

wärmeren Ton verliehen.

Erstellen einer künstlerischen Präsentation mit Ihrem Bild

Schritt 1 Da es sich um ein

dunkles Bild handelt, können Sie es

mit einem weißen Rand besser zur

Geltung bringen. Navigieren Sie zu

Bild>Arbeitsfläche, und markieren

Sie das Kästchen „Relativ“, damit die

Vergrößerung proportional durchgeführt

wird. Geben Sie die Zahlenwerte für die

Breite und Höhe ein, um die das Bild

vergrößert werden soll.

Schritt 2 Vergrößern Sie das

Bild mehr als notwendig, da Sie es

später wieder beschneiden können.

Klicken Sie auf OK, navigieren

Sie dann zu Ansicht>Raster

und wählen anschließend das

Beschneidenwerkzeug aus. Verwenden

Sie die Gitter als Hilfe, und lassen Sie

am unteren Rand mehr Platz übrig.

Schritt 3 Wählen Sie das Werkzeug

für die horizontale Ausführung aus,

und zeichnen im unteren Teil des

Randes ein Textfeld. Geben Sie Ihrem

Bild einen Titel, und wählen von der

Symbolleiste oben die Schriftart, die

Größe und die Farbe des Textes. Ich

habe die Transparenz angepasst, damit

es nicht zu grafisch wirkt.

Schritt 4Wieso 4 geben Sie Ihrem

Bild keine Seriennummer oder eine

Nummer für eine limitierte Auflage?

Drucken Sie es dann auf einem Papier

mit einer matten Oberfläche aus.

DIGITALE SLR FOTOGRAFIE 119


DAS EIN-STUNDEN-FOTO

DIE LESERHERAUSFORDERUNG

FAMILIEN-

PORTRÄTS

UNSER LESER DARREN BIRKETT WILL WISSEN, WIE ER VON SEINER FAMILIE

NICHT NUR SCHNAPPSCHÜSSE, SONDERN PROFESSIONELL AUSSEHENDE

BILDER MACHEN KANN.

DER LIFESTYLE-FOTOGRAF STUART COOPER HAT IHM BEI EINEM EINSTÜNDIGEN

WORKSHOP GEZEIGT, WAS ER DAFÜR BEACHTEN MUSS.

TEXT: STUART COOPER / BILDER: DARREN BIRKETT


DAS EIN-STUNDEN-FOTO

DIE LESERHERAUSFORDERUNG

Der Leser

Name: Darren Birkett Alter: 36 Beruf: Computertechniker

Kameraausrüstung: Nikon D90, Nikon 18-55 mm f/3,5-5/6 und Nikon

50 mm f/1,8

Darren: „Ich habe meine erste DSLR, eine Nikon D90, ungefähr vor

einem Jahr von meinem Bruder bekommen. Etwa zur gleichen Zeit

kam meine Tochter Chloe zur Welt. Da sich Chloe so schnell

entwickelt, will ich jeden wertvollen Moment mit ihr schön in Szene

setzen. Ich bin zwar ein begeisterter Hobbyfotograf und auch ein kleiner er

„Technikfreak”, der die Hintergründe des Fotografierens versteht, aber bisher gelingen

mir immer nur Schnappschüsse. Ich hoffe, dass mir Stuart dabei helfen kann,

eindrucksvolle Bilder von meiner Familie zu machen.

DIE FLÜCHTIGEN, ABER WERTVOLLEN Momente

ihres Neugeborenen einzufangen, ist für Eltern oft

Motivation genug, um ihre fotografischen

Fähigkeiten zu verbessern. Darren Birkett, der

Digitale Fotografie regelmäßig liest, ist ein typischer

frisch gebackener Vater, der jeden Schritt seiner Tochter

festhalten will… Er weiß zwar, was ein gutes Porträtbild

ausmacht – wie zum Beispiel die Drittelregel, Augenkontakt und

gutes Licht –, aber er sagt, dass ihm die nötige Kreativität fehlt

und er Probleme hat, zwischen gutem und schlechtem

natürlichen Licht zu unterscheiden. Folglich gehen ihm

wahrscheinlich die besten Bilder durch die Lappen, weil er nicht

weiß, wie er das Licht optimal nutzen kann.

So viel zur Ausgangssituation. Ich habe mich mit den Birketts

(Darren, seine Frau Emma und die entzückende, ein Jahr alte

Tochter Chloe) beim Rhinefield House Hotel in Hampshire

verabredet. Die Anlage ist wunderschön und es ist hier ruhiger

als in einem öffentlichen Park. Wir können also arbeiten, ohne

gestört zu werden.

Wir treffen uns um 10:30 Uhr morgens im verglasten Foyer des

Hotels (wenn man mit Babys arbeitet, sollte man dies nach der

Schlafens- oder Essenszeit machen, da sie sonst schnell

quengeln). Ich gebe Darren ein paar Minuten, um sich an die

Nikon D700 zu gewöhnen. Sie ist nämlich ein bisschen anders

als seine Nikon D90. Da er aber ein Nikon 50 mm f/1,8 Objektiv

hat, sollte er mit dem Nikon AF-S 85 mm f/1,4G keine großen

Probleme haben. Mit einer festen Brennweite zu arbeiten,

bedeutet, dass er sich bewegen muss, wenn er die

Bildzusammensetzung verändern will. Das klingt zwar einfach,

aber wenn man sonst mit einem Zoomobjektiv arbeitet, kann es

etwas dauern, bis man sich daran gewöhnt hat.

Um aus der Stunde das Maximale herauszuholen, stelle ich

Darren drei Aufgaben: Er soll gerichtetes Licht finden und

einsetzen, negativen Raum für ein zeitgenössisches Bild nutzen

und ein Herbstporträt schießen. Da er das Beste aus jeder

Situation machen soll, wird ihm einiges abverlangt. Er hat nicht

nur mit einem unberechenbaren Baby zu kämpfen, sondern

auch mit dem Wetter. Der Himmel ist bedeckt, daher wird es

nicht leicht sein, gerichtetes Licht zu finden.

Die Herbstfarben mögen vielleicht rar sein, doch kalt ist es

trotzdem. Chloe trägt folglich eine Mütze und einen Mantel,

OBEN LINKS: Durch

den Tunnel fiel sehr

schönes weiches

Licht auf Emma und

Chloe. Doch ihr

Lächeln macht das

Bild erst richtig

schön!

OBEN RECHTS: Eine

der ersten Aufnahme:

Chloe steht in der Tür

zum Foyer, die als

eine Art riesige

Softbox dient. Von

der Seite fällt Licht

auf sie.

OBEN UND LINKS:

Chloe, das

Fotomodell: Sie

schaut immer wieder

sehr süß in die

Kamera. Da sie vom

Gehen etwas müde

ist, setzen wir sie vor

eine grüne Tür. Direkt

neben ihr fällt das

Licht durch den

Tunnel.

OBEN RECHTS: Ich

zeige Darren eine

Technik, wie er

Qualität und

Richtung natürlichen

Lichts einschätzen

kann.

womit sie sehr süß aussieht. Chloe ist mit ihrem Lächeln einfach

bezaubernd. Darren muss nur zum richtigen Zeitpunkt

abdrücken – es werden sich ihm genügend gute Gelegenheiten

bieten.

Herausforderung 1: Gerichtetes Licht finden

und einsetzen

Bevor wir anfangen, habe ich Darren an der Nikon D700

Einstellungen vornehmen lassen, die ich bei Shootings wie diesem

im Freien oft verwende. Beim Fotografieren von Kleinkindern muss

man eher schnell reagieren als lange im Voraus planen. Man muss

sie in das richtige Licht setzen, da sie eben immer das tun, was sie

wollen. Es hat keinen Sinn, Kindern unter fünf Jahren Anweisungen

zu geben. Das ist nun mal so. Darren muss deswegen stets mit

seinem Auge am Bildsucher kleben und den Finger am Auslöser

haben, wenn er ein paar gute Bilder machen will. Er will sich darauf

konzentrieren, was Chloe macht, und nicht auf die Einstellungen.

Daher stellen wir auf Zeitautomatik, Mehrfeldmessung und

eine Blende von f/1,4. Dank des unglaublichen Nikon 85 mm

1:1,4G-Objektivs können wir die Blende vielleicht auf f/1,2

oder sogar f/1,4 öffnen, um eine schöne flache Schärfentiefe zu

bekommen. Darren muss jedoch beim Fokussieren aufpassen. Bei

so einer großen Blendenöffnung kann es leicht passieren, dass ein

Bild verschwommen aussieht, wenn die quickfidele Chloe

nicht stillhält. Bilder bei sehr großen Blendenöffnungen gelingen nur

selten – außer die Augen sind sehr scharf. Es kommt ganz darauf

DIGITALE SLR FOTOGRAFIE 121


Empfohlene Ausrüstung

Wenn man mit Kleinkindern arbeitet, sollte man

sich über die Einstellungen nicht zu sehr den

Kopf zerbrechen. Anstatt ständig die Belichtung

zu verändern, sollte man die Zeit eher zum

Fotografieren nutzen. Das FX-Format der Nikon

D700 eignet sich perfekt für diese Art der

Fotografie. Selbst bei hohen ISO-Werten ist das

Bildrauschen sehr gering. Selbst wenn die

Lichtverhältnisse schwanken – was im Freien

oft der Fall ist –, so ist die Verschlusszeit immer

noch kurz genug, um ein gelungenes Bild zu

schießen. Für Porträtbilder eignen sich Objektive mit

fester Brennweite besonders gut. Mit ihnen erzielt man

oft eine viel bessere Bildqualität als mit einem

Zoomobjektiv zum gleichen Preis. Ein weiterer Vorteil der

festen Brennweite ist die maximale Blendenöffnung,

wodurch man eine sehr schöne flache Schärfentiefe und

bessere Ergebnisse bei schwachem Licht erzielt. Das Nikon

AF-S 85 mm f/1,4G-Objektiv ist eines der besten

Teleobjektive für Porträtbilder. Damit sind äußerst

professionelle Ergebnisse möglich.

an, ob Chloe stillhält. Normalerweise sollte man die Belichtung nicht

höher als 600 einstellen, da sonst Bildrauschen die Folge ist. Da

die Nikon D700 jedoch eine ausgezeichnete Kamera ist, können

wir den ISO-Wert auf 1600 einstellen. Somit müssen wir uns keine

Sorgen um die Verschlusszeit machen. Außerdem können die

Lichtverhältnisse bei Bewölkung unvorhersehbar sein. Oft ist es

dunkler als man denkt.

Da kein gerichtetes Licht sichtbar ist, gebe ich Darren folgende

Anweisung: Er soll den Arm ausstrecken, wobei seine

Handinnenfläche zu ihm zeigt. Dann soll er sich langsam um sich

selbst drehen und schauen, wie das Licht auf seine Hand fällt.

Das ist ein hilfreicher Trick, um Richtung und Qualität des Lichts

einzuschätzen. Dadurch weiß man, wo das Gesicht des Modells

sein sollte.

Anschließend zeige ich Darren, wie einfach es ist, beim

Fotografieren von Chloe und Emma die vorteilhafte Belichtung des

Foyers zu nutzen. Die Tür dient dabei als große Softbox. Das Licht

fällt nun nicht von oben auf Emma und Chloe, wodurch dunkle

Schatten unter ihren Augen entstehen könnten, sondern es ist weich

und gleichmäßig auf ihren Gesichtern verteilt. Darren bemerkt

jedoch bald, dass seine Aufnahmen bei diesem Licht relativ flach

sind. Für etwas mehr Kontrast gehen wir in das Foyer hinein. Emma

und Chloe stehen neben der Tür. Das Licht fällt somit seitlich auf

ihre Gesichter.

Auf dem Weg Richtung Parkanlage des Hotels gebe ich Darren

die Aufgabe, gutes gerichtetes Licht zu finden. Nun weiß Darren,

auf was er achten muss. Er kennt jetzt den Unterschied zwischen

gutem und schlechtem Licht und sucht nicht mehr nach dem

perfekten Hintergrund. Das passende Licht ist bei einem Porträt

viel wichtiger als der Hintergrund. Man kann das Modell nämlich

später freistellen oder den Hintergrund mithilfe flacher Schärfentiefe

unscharf machen. Gutes Licht ist das A und O eines guten Porträts.

Die erste Herausforderung ist fast geschafft und eine halbe Stunde

ist bereits vorbei. Daher müssen wir uns etwas beeilen. Wir

kommen zu einem Tunnel, der Darren für ein paar Aufnahmen

geeignet scheint. Er hat recht. An der Tunnelöffnung wird das Licht

gestreut. Indem sich Emma und Chloe an die Mauer stellen, haben

wir sehr schönes weiches Licht von der Seite. Darren macht ein

paar Aufnahmen. Er positioniert Emma mal etwas näher am Tunnel

und mal etwas weiter weg, um das richtige Gespür zu bekommen.

Die erste Herausforderung ist geschafft.

OBEN LINKS: Wenn Ihr

Modell im Bild nur sehr

wenig Platz einnimmt,

verleiht dies Ihren Bildern

einen zeitgenössischen

Touch.

OBEN LINKS: Auf

Augenhöhe mit Chloe:

Die Bilder wirken

dadurch nicht von oben

herab.

OBEN IN DER MITTE:

Darrens

Bildzusammensetzung

war von Anfang an

äußerst gelungen. Hier

sind Emma und Chloe im

rechten Drittel des Bildes.

OBEN RECHTS: Die

Ziegelmauer mit dem sich

wiederholenden Muster

dient als interessanter

Hintergrund.

Herausforderung 2: Nutzung negativen

Raums

Zu unserer nächsten Herausforderung hatten wir es nicht

weit. Ganz in der Nähe des Tunnels war eine Ziegelmauer, auf

die durch die Wolken hindurch weiches Sonnenlicht schien.

Ziegelmauern eignen sich wegen des sich wiederholenden

Musters sehr gut für diese Art der Bildzusammensetzung. Bei

der Verwendung von negativem Raum ist es wichtig, dass dieser

nicht vom Modell bzw. den Modellen ablenkt.

Um dem Bild mehr Dynamik zu verleihen, haben wir Emma

gebeten, Chloe hochzuhalten. Darren macht ein paar Bilder,

bei denen er darauf achtet, dass die beiden nicht zu groß

rauskommen. Gleich beim ersten Versuch gelingt es ihm. Er

hat die Drittelregel gut eingesetzt und ohne selbst die Position

zu ändern, Emma und Chloe weit rechts im Bild platziert. An

der Bildzusammensetzung habe ich nichts auszusetzen. Ich

empfehle Darren jedoch, das Bild in Photoshop zu einem

Panoramabild zu machen, damit es besser Geltung kommt. Ich

gebe Darren die Aufgabe, das Konzept des negativen Raums

auch bei unserer letzten Herausforderung anzuwenden.

Herausforderung 3: Herbstporträt

Der Herbst lässt dieses Jahr etwas auf sich warten, aber wir

finden eine eindrucksvolle Eiche mit orangefarbigen Blättern.

Darren will Chloe unbedingt beim Laufen fotografieren, da

sie vor Kurzem ihre ersten Schritte getan hat. Der Rasen

eignet sich hierfür besonders gut, da sie weich landet, falls

sie hinfallen sollte. Während wir in Richung Baum gehen,

bietet sich eine großartige Gelegenheit für eine Foto. Chloe

stolpert neben ihrer Mutter her, während im Hintergrund

orangefarbige Blätter zu sehen sind – eine bessere

122 DIGITALE SLR FOTOGRAFIE


OBEN: Der Farn diente

als wunderschöner

Herbsthintergrund.

LINKS: Dank des

Guck-guck-Spiels schaute

Chloe stets in die Kamera.

RECHTS: Das Blatt

verleiht dem Bild etwas

Farbe.

Gelegenheit für negativen Raum könnte sich gar nicht bieten.

Ein paar Meter vom Baum entfernt macht Darren ein paar

Bilder von den Gehversuchen Chloes. Die Bilder sind in

Ordnung, sie könnten jedoch besser sein, wenn sie auf ihrer

Augenhöhe gemacht worden wären. Nach ein paar weiteren

Versuchen hat Darren einige vorzeigbare Ergebnisse erzielt.

Außerdem hat er ein paar schöne, spontane Nahaufnahmen

von Chloe gemacht. Da Chloe vom Gehen etwas müde ist,

setzen wir sie ins Gras und geben ihr ein orangefarbiges Blatt

zum Spielen. Ich mache Darren darauf aufmerksam, dass er

bei einer größeren Blendenöffnung (f/1,8) und einem weiteren

OBEN UND RECHTS:

Chloe war ein kleiner

Star mit Charme. Wir

haben diese Bilder in

den

Sekundenbruchteilen

gemacht, als sie das

Gleichgewicht verlor

und auf ihrem Hintern

landete. Darren musste

sehr schnell sein, um

diese Schnappschüsse

zu machen.

Abstand zu Chloe das Gras sowie den Hintergrund unscharf

wirken lassen kann. Noch fünf Minuten, bevor wir gerade

noch genug Zeit haben, um ein paar Bilder von Emma zu

machen, wie sie Chloe vor braunem Farn hält. Darren war

in einer Stunde sehr produktiv und hat viele wundervolle

Aufnahmen gemacht. Der Star der Fotosession war jedoch

Chloe. Sie ist fast schon ein Profi. Man muss ihr nur ein

bisschen gut zureden, schon schaut sie her und lächelt dabei

auch noch. Wenn dass mal nicht der Beginn einer großen

Karriere ist. Darren sollte keine Probleme haben, seine neu

erlernten Techniken an ihr auszuprobieren.

Bewertung der

Herausforderung

„Das war toll! Bis jetzt habe ich mich immer

zu sehr auf die Kameraeinstellungen und nicht

auf das eigentliche Fotografieren oder das Licht

konzentriert. Stuart hat mir gezeigt, welches Licht

sich für welche Situation am besten eignet und wie

ich das verfügbare Licht für ein gelungenes Foto

nutzen kann. Obwohl es ziemlich bewölkt war und

wir viel Streulicht hatten, haben wir ein paar gute

Bilder mit gerichtetem Licht unter Ausnutzung der

Gegebenheiten gemacht.”

Darrens Hotshot Chloe hatte drei

Wochen vor dem Shooting angefangen zu

gehen. Auf diesem Foto wurden ihre wackligen

Schritte perfekt eingefangen. Sie kann schon

allein gehen, hält sich aber lieber noch an der

Hand ihrer Mutter fest!

Stuarts Lieblingsbild: Darren hat sehr gute Arbeit

geleistet. Das ist ein wunderschönes Mutter-Tochter-Bild. Die

Bildzusammensetzung passt und die Farben sind sehr intensiv. Trotz

des weichen und flachen Lichts ist das Foto gelungen. Die Mütze ist

außerdem einfach entzückend.

DIGITALE SLR FOTOGRAFIE 123


JETZT IM HANDEL

Bei allen guten Zeitschriftenhändlern


ARBEITSBUCH ZUR

BELEUCHTUNG

BELEUCHTEN SIE WIE EIN PROFI MIT UNSEREM LEITFADEN FÜR IHR HEIMISCHES STUDIO

KREATIVE BELEUCHTUNG FUR PORTRÄTS

Die seitliche Beleuchtung ist einer der am wenigsten nachsichtigen Stile der Studiobeleuchtung.

Wenn sie jedoch in korrekter Weise mit der richtigen Testperson durchgeführt wird, kann sie

dynamische Bilder mit den einfachsten Aufbauten erzeugen. Das Beleuchten von der Seite

erzeugt unterschiedliche Höhepunkte sowie einen starken Rückgang des Lichtes und fügt

Tiefe hinzu, kann jedoch auch Falten und Mäkel hervorheben. Der Aufbau einer einzelnen

Lichtquelle ist insbesondere ideal für Männer, da tiefe Schatten und starke Kontraste zu stärkeren

Gesichtszügen passen. Für weibliche Testpersonen kann die Verwendung eines Lichtquellen-

Modifikators einen weicheren Effekt erzeugen und einfacher zu kontrollieren sein. Der Effekt

hängt von der sorgfältigen Platzierung sowie der Stärke von Licht und Schatten ab, die durch

eine Verfeinerung der Positionierung des Studio-Blitzes und des Models erreicht werden. Um

die Anzahl der Versuche und Fehler zu minimieren, positionieren Sie zunächst das Model,

anschließend die Lichtquellen. Der Leitfaden zur Beleuchtung wurde in diesem Monat von Paul

Ward fotografiert (www.paulwardphotography.com).

Geräteempfehlungen

STUDIO-BLITZKOPF: Bis zu drei

Studio-Blitzköpfe sind erforderlich,

idealerweise mit variablen

Leistungsstufen für eine bessere

Kontrolle über die Lichtintensität.

Zu den Marken, die Beachtung verdienen, gehören

Elinchrom, Bowens und Interfit, die allesamt

zweiköpfige Geräte anbieten.

SOFTBOXEN: Diese agieren als

Diffusoren, um die Lichtstreuung zu

dämpfen und auszudehnen. Zwei

Softboxen werden für die neueste

Technik benötigt. Zu den

beachtenswerten Marken gehören Elinchrom,

Bowens, Lastolite und Chimera.

WABENFÖRMIGES GITTER: Gitter

treten in verschiedenen Größen auf

und werden an der Vorderseite

eines Überlaufes befestigt. In

Abhängigkeit zu ihren Maßen

lenken sie das Licht auf unterschiedliche Weise. Die

meisten großen Marken, inklusive Elinchrom,

Profoto und Bowens, bieten ein Sortiment für rund

100 Euro an.

BLITZMESSER: Sie können die

Versuch-und-Fehler-Methode

anwenden, um eine gute Belichtung

zu erzeugen. Die schnellste und

akkurateste Methode ist es jedoch,

einen Blitzmesser zu verwenden. Sekonic, Gossen

und Polaris sind die bekanntesten Marken.

SCHÖNHEITSSCHÜSSEL: Sie

spendet ein weiches Licht mit mehr

Kontrast als eine Softbox.

Schönheitsschüsseln beginnen bei

rund 55 Euro und unterscheiden sich

in der Größe und im Ergebnis. Elinchrom, Bowens,

Viewfinder Photography und Interfit verdienen

Beachtung.

SYNCHRONISATIONSKABEL: Ein

Synchronisationskabel, das am

Messer und am Blitzkopf befestigt

ist, ist die grundlegendste und

erschwinglichste Methode zur

Berechnung der Belichtung. Sie können

anschließend das Kabel mit der an der Kamera

befindlichen Steckdose für den PC verbinden, um

den Blitz auszulösen.

REFLEKTOR: Verwenden Sie dieses

Zubehör, um Licht auf die Schatten

zu reflektieren, falls sie zu hart

wirken. Ein weißer Reflektor wird

einen feinen Effekt erzielen,

während ein silberner oder goldener Reflektor

wesentlich stärker ist, mit einem kühlen bzw.

warmen Auswurf.

HINTERGRÜNDE: Papierrollen

treten in vielen Farben und Größen

auf und benötigen einen Rahmen,

der diese aufrecht hält. Lastolite stellt

viele passende Produkte her. Um es

jedoch einfach und kostengünstig zu halten, reicht

auch ein schwarzes Laken oder eine schwarze Wand.

DIGITALE SLR FOTOGRAFIE 125


DER AUFBAU EINER EINZELNEN LICHTQUELLE

Der Aufbau einer einzelnen Lichtquelle ist einer der einfachsten Versuchsaufbauten und kann einige

dramatisch düstere Resultate erzeugen. Die Kunst liegt darin, die Platzierung des Lichtes und des Schattens zu

steuern. Der einfachste Weg, dies zu bewältigen, liegt darin, den Winkel und die Höhe des Studioblitzes zu

verändern, während man das Model bittet, die gleiche Position zu halten. Die geringste Änderung in der

Stromversorgung und in der Positionierung des Lichtes oder des Models kann ein Bild drastisch verändern,

indem Schatten auf verschiedene Teile des Gesichtes geworfen werden. Es ist sinnvoll, Zubehör wie einen

Aufsatz oder ein wabenförmiges Gitter auszuprobieren, das dabei helfen soll, die Richtung des Lichtes

einzudämmen und auch zu steuern. Idealerweise sollte die seitliche Beleuchtung von einem schnellen

Rückgang des Lichtes begleitet werden, damit nur eine Seite des Gesichtes und vielleicht ein Teil der Schulter

beleuchtet wird.

Setzen Sie den Studioblitz zu Beginn auf seine geringste Leistungsstufe und nehmen Maß vom Gesicht der

Testperson, um die richtige Blendeneinstellung für eine korrekte Belichtung zu erhalten. Von da an bedarf es

eine Zeit lang der Versuch-und-Fehler-Methode, um durch das Bewegen des Studio-Blitzes den Effekt und die

Platzierung der Schatten zu verfeinern. Je weiter die Lichtquelle von der Testperson entfernt ist, desto größer ist

die Streuung des Lichtes. Je näher sich das Licht hingegen am Gesicht befindet, desto schneller ist der

Rückgang. Schauen Sie nach Hotspots auf dem Gesicht des Models, die von zu starkem Licht oder der sich zu

nahe befindlichen Lichtquelle resultieren. Schließen Sie die Blende, falls sich das Licht in der richtigen Position

befindet, jedoch zu hell auf dem Model scheint. In gleicher Weise wird sich die Stärke verringern, indem Sie

die Lichtquelle weiter weg bewegen. Daher könnte es notwendig sein, die Blende zu öffnen oder die Blitzstärke

zu erhöhen. In Abstimmung des Lichtniveaus mit dem Kopf des Models sowie in einem 45-Grad-Winkel auf

der Vorderseite sollten die besten Resultate erzeugt werden.

AUFBAU DES STUDIOS

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Die verwendeten Geräte...

CANON EOS 7D

CANON EF 50MM F/1,8 II LINSE

X1 ELINCHROM D-LITE4 IT

18 CM 12-GRAD- WABENFÖRMIGES GITTER

SCHWARZER HINTERGRUND

BELICHTUNGSMESSER

51 cm

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Allgemeine Beleuchtungsfehler

✘ ZU WEIT HINTEN

Die Lichtquelle befindet sich im

90-Grad-Winkel zum Model, so

dass ihr Haar das meiste Licht

abschirmt, wodurch einige

unansehnliche Schatten auf

ihrem Gesicht erzeugt werden.

✘ ZU WEIT VORNE

Durch den Lichteinfall im

30-Grad-Winkel breitet sich

das Licht auf der linken Seite

des Gesichtes aus und wirft

von der Nase aus einen

Schatten.

✘ ZU HOCH

Da sich der Blitz gerade

außerhalb des Rahmens befindet

und im 45-Grad-Winkel nach

unten zeigt, geht das Licht schnell

zurück und erzeugt

unvorteilhafte Schatten.

✘ ZU NIEDRIG

In diesem niedrigen Winkel

erzeugt der Studio-Blitz einen

Hotspot auf ihrem Kiefer, und

das Licht geht schnell zurück,

so dass sich ihr Auge im

Schatten befindet.

✘ ÜBERBELICHTET

Die Belichtung ist bei f/5,6

zu hoch, wodurch Hotspots

auf der Wange und der

Schulter des Models an den

Stellen der Überbelichtung

erzeugt werden.

126 DIGITALE SLR FOTOGRAFIE


Seitenlicht-Porträts

>

Das endgültige Bild

In Abstimmung mit dem Lichtniveau

und in einem 45-Grad-Winkel zur

Testperson hat die Verwendung einer

mittleren Belichtung sowie die

Veränderung der Distanz zwischen der

Testperson und der Lichtquelle den

Rückgang und die Beleuchtung

gesteuert.

manueller Belichtungsmodus,

1/200 Sekunden bei f/7,1 (ISO 100)

DIGITALE SLR FOTOGRAFIE 127


DER AUFBAU VON DREI LICHTQUELLEN

Dies ist eine fortgeschrittenere Technik im Sinne der Menge der benötigten

Geräte, die jedoch in einer dynamischen und schönen Beleuchtung für ein

Model mit dem richtig geformten Gesicht resultiert. Seitliche Höhepunkte

stellen eine wunderbare Art und Weise dar, die weichen Züge des Gesichtes

einer Frau zu konturieren. Jedoch funktioniert dies nur bei Frauen mit feinen

Gesichtszügen gut, deren Haar nach hinten geworfen ist, da die Höhepunkte

reibungslos um den Kopf und die Schultern verlaufen müssen.

Die Kunst ist es, die richtige Balance zwischen den beiden seitlichen

Lichtquellen und der vorderen Lichtquelle zu erzielen. Die hinteren

Lichtquellen müssen einige Nuancen heller sein als das Gesicht, das korrekt

belichtet sein sollte. Es ist eine feine Balance: Die Höhepunkte müssen

ausreichend überbelichtet sein, um einem Mangel an Abgrenzung

vorzubeugen, jedoch nicht so sehr, dass sie den Rahmen sprengen. Ein

schwarzer Hintergrund ist dienlich, um die Höhepunkte besser

hervorzuheben, jedoch könnte eine ähnliche Technik mit einem weißen

Hintergrund verwendet werden, um einen helleren Effekt zu erzeugen.

Für die hinteren Lichtquellen sollte sich jede Softbox-Größe eignen; sie

müssen nur an beiden Seiten übereinstimmen, damit sich das Licht im Lot

befindet und um das Model herum beugt. Gleichermaßen könnten ein Schirm

oder eine Softbox anstelle einer Schönheitsschüssel für die vordere Lichtquelle

verwendet werden. Jedoch bietet die Schönheitsschüssel dem Auge ein wenig

mehr Kontrast sowie ein attraktives rundliches Catchlight.

Nehmen Sie zunächst Maß vom Gesicht des Models, um die korrekte

Belichtung zu erzielen und den besten Winkel für die vordere Lichtquelle zu

finden. Diese Blendeneinstellung ist ein guter Startpunkt, jedoch bedarf es

möglicherweise eine Zeit lang der Versuch-und-Fehler-Methode, um den

allgemeinen Effekt später zu perfektionieren. Setzen Sie die hinteren beiden

Lichtquellen auf ihre volle Leistungsstufe und positionieren diese in einem

ungefähren Winkel von 45 Grad auf den gegenüberliegenden Seiten hinter dem

Model, um die Höhepunkte an den Gesichtsrändern zu bilden. In dieser Phase

macht es nichts aus, wenn das gesamte Bild zu dunkel oder zu hell ist, da dies

durch Anpassen der Belichtung korrigiert werden kann –konzentrieren Sie sich

zunächst darauf, die perfekte Balance zu erzielen. Falls die hinteren Lichtquellen

auf die volle Leistungsstufe gesetzt, jedoch nicht ausreichend stark sind, rücken

Sie die Lichtquellen näher an das Model heran oder, falls sie zu stark sind,

schieben Sie diese entweder weiter nach hinten oder setzen die Leistungsstufe

herab. Falls das Gesicht nun zu dunkel oder zu hell ist, passen Sie die

Belichtung ein wenig an.

AUFBAU DES STUDIOS

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213 cm

122 cm 457 cm

Die verwendeten Geräte...

CANON EOS-5D MKII

2X BOWENS GEMINI 500 PRO

UND EIN GEMINI 750 PRO

x2 SOFTBOXEN (1,5M X 1M)

x1 SCHÖNHEITSSCHÜSSEL

RGRAUER/SCHWARZER HINTERGRUND

BLITZMESSER

f/18

(ISO

160

60)

213 cm

Der

Beli

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an.

Schw

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Allgemeine Beleuchtungsfehler

✘ LICHTQUELLEN ZU WEIT

VORNE Die hinteren Softboxen sind im

90-Grad-Winkel zum Model platziert und

verursachen, dass sich das Licht auf der

Vorderseite ihres Gesichtes ausbreitet.

✘ KEINE VORDERE LICHTQUELLE

So sieht die Aufnahme ohne eine vordere

Lichtquelle oder einen Reflektor aus, die das

Gesicht ausfüllen.

✘ ÜBERBELICHTET

Bei f/13 ist die Belichtung zu hoch,

wodurch die Aufnahme

überbelichtet und der Hintergrund

beleuchtet wird.

✘ UNTERBELICHTET

Bei f/22 ist die Belichtung bei Weitem

zu niedrig, wodurch ihr Gesicht und die

seitlichen Bereiche unterbelichtet sind.

128 DIGITALE SLR FOTOGRAFIE


Seitenlicht-Porträts

Das endgültige Bild

Das Finden der richtigen Balance

zwischen den vorderen und den

seitlichen Lichtquellen hat dieses sanft

beleuchtete Portrait mit den wohl

abgrenzenden Höhepunkten kreiert.

manueller Belichtungsmodus,

1/125 Sekunden bei f/18 (ISO 160)

DIGITALE SLR FOTOGRAFIE 129


ARBEITSBUCH ZUR

BELICHTUNG

BELEUCHTEN WIE EIN PROFI – MIT UNSEREM HEIMSTUDIO-LEITFADEN


Projektnotizen: High-key-Porträtaufnahmen

Ein Beleuchtungsstil, der in den Top-Studios

seit Jahren sehr beliebt ist, ist die Highkey-Fotografie.

Mit seinem Tüncheffekt, der

gebleichten Haut und den dynamischen

Glanzlichtern bietet er einen frischen,

zeitgemäßen Look, dem man nur schwer

widerstehen kann. Er kann zwar bei

jedem Model eingesetzt werden, aber vor

allem Frauen und Kinder bieten sich auf

Grund ihrer weicheren Züge für diesen

schmeichelhaften, fast schattenlosen Stil

an. Er eignet sich auch ideal für Models

mit helleren Haaren, womit die hellen

Und das lernen Sie...

✓ Eine High-key-Porträtaufnahme machen

✓ Zwei Lichtquellen ausgleichen

✓ Mit diffuser Beleuchtung arbeiten

✓ Ihre Beleuchtungsfertigkeiten verbessern

Töne der Aufnahme noch unterstrichen

werden. Gedeckte Farben und ein weißer

Hintergrund sowie die absolut wichtige

Beleuchtungstechnik sind entscheidend

dafür, ein weiches, professionell

aussehendes Endprodukt zu erhalten. Am

besten ist eine Papierrolle als Hintergrund,

aber auch ein großes weißes Laken, das

zur Vermeidung von Falten straffgezogen

werden muss, kann gute Dienste leisten.

Oder wählen Sie einen zusammenlegbaren

Hintergrund, der mit hellem, weißen Licht

ausgefüllt werden kann.

Empfehlungen zur Ausrüstung

STUDIOBLITZKÖPFE: Ein oder

zwei Studioblitzköpfe sind

notwendig, idealerweise mit

variablen Leistungseinstellungen

zur besseren Kontrolle der

Lichtintensität. Marken, die Sie sich einmal

ansehen sollten, sind Elinchrom, Bowens und

Interfit, die alle Geräte mit zwei Köpfen für unter

570 Euro anbieten.

LICHTWANNEN: Diese fungieren

als Weichzeichner, die

Porträtaufnahmen in ein weiches,

attraktives Licht tauchen.

Standardlichtwannen beginnen bei

etwa 55 Euro. Marken, die Sie sich einmal

ansehen sollten, sind Elinchrom, Bowens,

Lastolite und Chimera.

BLITZMESSER: Sie können Bilder

am LCD-Monitor ansehen und

durch Herumexperimentieren eine

gute Belichtung erreichen. Aber die

mit Abstand beste Methode ist die

Verwendung eines Blitzmessers zur präzisen

Berechnung der Belichtung. Das ist ein schnelles

System, mit dem Sie mehrere Lichtaufbauten

genau aufeinander abstimmen können. Sekonic,

Gossen und Polaris sind die bekanntesten Marken.

LASTOLITE-HI-LITE-

HINTERGRUND: Setzen Sie

Lichter an die Enden dieses

zusammenlegbaren Hintergrunds,

um den Raum mit Licht zu füllen

und einen hellen, gut beleuchteten Hintergrund zu

schaffen. Die Hi-Lite-Reihe ist in verschiedenen

Größen erhältlich und beginnt bei etwa 140 Euro.

SYNCHRONISIERUNGSKABEL/

FERNAUSLÖSER: Die Verwendung

eines Synchronisierungskabels

zwischen dem Messgerät und dem

Blitzkopf ist die grundlegendste und

günstigste Methode zur Belichtungsberechnung. Sie

können das Kabel dann mit der PC-Buchse der

Kamera (oder alternativ einem PC-

Blitzschuhadapter) verbinden, um den Blitz direkt

auszulösen. Für Letzteres kann auch ein

Fernauslöser verwendet werden.

PAPIERROLLE: Papierrollen sind

in vielen Farben und Größen

erhältlich und erfordern einen

Rahmen zum Aufspannen.

Lastolite stellt beide Artikel her,

und der Preis für eine Rolle weißes

Papier (2,75 x 11 m) beginnt bei etwa 40 Euro.


130 DIGITALE SLR FOTOGRAFIE


High-key-Porträts

Machen Sie Messungen für das Hauptlicht.

Machen Sie Messungen für das hintere Licht.

Schritt 1

Die Verwendung eines Studioblitzes

bedeutet, dass die Belichtungsart der

Kamera auf die manuelle Betriebsart

eingestellt werden muss. Die

Verschlusszeit wird auf die

Blitzsynchronisierungsgeschwindigkeit

der Kamera (oder niedriger)

eingestellt, während die

Blendenöffnung mit dem Blitzmesser

ermittelt werden muss. Verwenden

Sie ISO 100, um eine optimale

Bildqualität zu erhalten. Schalten Sie

nur das Hauptlicht ein, und passen

Sie die Leistung an, bis auf dem

Messgerät ein mittlerer Blendenwert

angezeigt wird – hier wurde f/11

verwendet.

Hinweis: Hauptlicht zur

richtigen Belichtung des

Gesichts eingestellt.

Beide Lichter aufeinander abgestimmt mit f/11.

Schritt 2:

Nach der Einstellung des

Hauptlichts für die Blende f/11

wird dieses zur Vorbereitung

des hinteren Lichts

ausgeschaltet. Wiederholen Sie

den Vorgang für den

Hintergrund, machen Sie

Messungen und passen die

Leistung des Blitzkopfs an, bis

er eine Belichtung von f/11

angibt. Machen Sie eine

weitere Probebelichtung. Der

Hintergrund sollte auch bei

einer Kameraeinstellung von

f/11 schön weiß sein.

Öffnen Sie die Blende

auf f/8.

Machen Sie Testaufnahmen,

um zu sehen, ob der

Hintergrund schön weiß ist.

Schritt 3

Schalten Sie beide Lichter ein,

die auf eine Belichtung von

f/11 für eine ausgewogene

Beleuchtung eingestellt sind.

Beachten Sie die

Leistungseinstellungen, damit

Sie einen Ausgangspunkt

haben. Später muss die

Leistung des hinteren Lichts

erhöht werden, damit Licht

auf den Rücken und die

Schultern des Models fällt.

Beide Lichter jetzt gemessen

für f/11.

Schritt 4

Bisher ist die Kamera auf f/11

eingestellt, um die „richtige“

Belichtung gemäß Messung

bereitzustellen. Wenn Sie die

Blende auf f/8 öffnen, während

die Lichter noch auf f/11

eingestellt sind, werden das

Model und der Hintergrund

effektiv um einen Anschlag

überbelichtet, sodass das Bild

allmählich die Eigenschaften

einer High-key-Beleuchtung

annimmt.

Gebleichter „High-key“-Effekt

wird allmählich sichtbar.

DIGITALE SLR FOTOGRAFIE 131


Leistung zur Erzeugung von Streulicht erhöht.

Schritt 5

Wenn der grundlegende

High-key-Effekt Form

annimmt, sorgen Sie dafür,

dass Hintergrundlicht über

den Rücken und die

Schultern des Models fällt,

indem Sie die Leistung des

hinteren Lichts um ein oder

zwei Anschläge erhöhen

(Messwert f/16 oder f/22).

Lassen Sie das Hauptlicht

unverändert.

Für eine Überbelichtung sind neue

Messwerte erforderlich.

Der Aufbau ist nahezu perfekt!

Schritt 7

Der Grundaufbau ist nahezu

perfekt. Für den letzten

Schliff richten Sie das

Hauptlicht in einem Winkel

aus, sodass es nicht auf das

Model gerichtet ist, sondern

einen Winkel von etwa 45

Grad aufweist. Das führt zu

einem besseren Glanz auf

den Wangen, aber die Mitte

des Gesichts ist dunkler. Wie

auf dem abschließenden Bild

zu sehen ist, lässt sich dies

mit einem Reflektor mühelos

beheben.

Schritt 6

Wangen haben keinen Glanz.

Passen Sie den Aufbau so an,

dass sich das Model näher am

Hintergrund und dem

Hauptlicht befindet: Führen Sie

das Model näher an den

Hintergrund heran und stellen

das Licht dann näher heran.

Eine kürzere Entfernung führt

zu einer Überbelichtung.

Passen Sie also die Leistung an

und führen eine neue Messung

für f/11 (Hauptlicht) und f/16

(bzw. f/22) für das

Hintergrundlicht durch.

Hinweis!

HINTERGRUNDOPTIONEN Wir

haben einen Lastolite-Hi-Lite-

Hintergrund verwendet, aber Sie

können eine ähnliche Wirkung

erzielen, wenn Sie einen oder zwei

Blitzköpfe (mit Diffusoraufsatz) in

einemem Winkel

auf einenn weißenen

Papierhin

hintergrund

richten.

Durch eine hellere

Hintergrundbeleuchtung fällt Licht auf die

Schultern des Models.

Eine bessere Wirkung der beweglichen Lichter

verdient eine Überbelichtung.

Hinweis: Schöner Glanz, aber das Gesicht

ist zu dunkel.

132 DIGITALE SLR FOTOGRAFIE


High-key-Porträts

ABSCHLIESSENDE

AUFNAHME

Das Model ist zwischen zwei hellen,

diffusen Lichtquellen eingebettet, wobei die

Winkel so angepasst wurden, dass die

Wangen weiß glänzen. Durch die

Verwendung eines silbernen Reflektors für

das Zurückstrahlen des Lichts zum Gesicht

hin werden alle tiefen Schatten entfernt, um

ein besseres High-key-Ergebnis zu erzielen.

Merken Sie sich für spätere Aufnahmen die

Leistungseinstellungen und den Winkel des

Hauptlichts sowie den Abstand zwischen

Model und Licht. Die Winkelanordnung des

Hauptlichts im Verhältnis zur Kamera

verringert den Kontrast und verbessert so

die Allgemeinwirkung.

DIGITALE SLR FOTOGRAFIE 133


4

Ausgaben

für

35,- €!

8

Ausgaben

für

67,50 €!


Portraits

>Jede Menge Spaß

00 DIGITAL SLR PHOTOGRAPHY XXXXX 2011


Lassen Sie Kids strahlen

>ZEIT: 30 MINUTEN >AUSRÜSTUNG: NIKON D700, NIKKOR 24-70 MM-OBJEKTIV, REFLEKTOR

Ross Hoddinott: Freunde nehmen zuweilen an, da ich Profifotograf bin, seien

unsere beiden kleinen Mädchen die am meisten fotografierten Kinder dieses Planeten.

Tatsächlich verhält es sich aber so, dass ich regelmäßig Ärger mit meiner besseren

Hälfte bekomme, weil sie nämlich der Auffassung ist, ich fotografierte die Kids nicht

oft genug. Wenn Sie wie ich normalerweise nicht sehr oft Menschen fotografieren, kann es leicht

passieren, dass man die eigene Familie vergisst, weil man immer mit irgendwelchen anderen

Motiven beschäftigt ist. Leider verpasst man so nicht nur Gelegenheiten für Fotos, die man noch

Jahre später mit Freude betrachten wird, sondern auch viele Gelegenheiten zur Kreativität und

viel Spaß am Fotografieren.

Der Sommer ist wohl die beste Jahreszeit für schöne Kinderfotos. Die Sonne scheint, es sind

Ferien. Die Tage am Strand oder auf dem Land bieten zahllose Möglichkeiten für farbenfrohe,

interessante Bilder. So kam ich neulich auf den Gedanken, ein paar neue Portraitaufnahmen

meiner älteren Tochter zu machen. Bei Fotos kleinerer Kinder braucht man oft eine helfende

Hand, entweder um einen Reflektor zu halten oder um das Kind zu beschäftigen und

abzulenken, während Sie fotografieren. Opa bot sich an, diesen Part zu übernehmen, und so

machten wir uns mit der Kameraausrüstung auf zu einer nahe gelegenen Lichtung, wo wir

hofften, die passende Umgebung vorzufinden…

XXXXX 2011 DIGITAL SLR PHOTOGRAPHY 00


Portraits

>Jede Menge Spaß

Machen Sie es farbenfroh

Helle, farbige Kleidung sorgt dafür,

dass die Personen im Bild auffallen

und ihm eine größere Wirkung

verleihen.

Es ist wichtig, eine genaue Vorstellung von dem Bild zu haben, dass Sie aufnehmen

1wollen. Ich wollte Evie fotografieren, wie sie die Pollen von einer „Pusteblume“ blies,

wobei die weg fliegenden Pollen natürlich im Bild zu sehen sein sollten. Nachdem das

Einsammeln mehrerer Blumen schon viel Spaß gemacht hatte, stellte sich Evie so, das ich sie

gegen den Himmel ablichten konnte. Ich dachte mir, dies sei ein schöner, einfacher

Hintergrund. Dann schaltete ich die Kamera auf Blendenautomatik.

Arbeiten mit Kindern

Es wird gesagt, man solle nie mit Kindern

arbeiten, aber das Fotografieren von

Kindern kann sehr viel Spaß machen. Sie

müssen allerdings viel Geduld haben. Die

Aufmerksamkeitsspanne kleinerer Kinder

ist kurz, und sie tun oft genau das

Gegenteil von dem, was ihnen gesagt

wird. Sie wollen einfach nur ihren Spaß

haben, also lassen Sie sie. Ermuntern Sie

sie, herum zu rennen und zu spielen. Auf

diese Weise können die Kinder ein wenig

Energie ablassen, bevor Sie beginnen,

und es könnten sich dabei schon ein paar

Gelegenheiten für Schnappschüsse

ergeben. Verwenden Sie eine längere

Brennweite, um ihr Spiel und Gekasper

einzufangen. Wenn sie ein wenig ruhiger

geworden sind, können Sie die Sache

organisierter angehen. Planen Sie im

Voraus, sodass Sie schnell und effizient

arbeiten können. Als erstes brauchen Sie

eine genaue Vorstellung davon, welche

Art Fotos Sie machen wollen. So haben

Sie zumindest einen Anhaltspunkt, aber

seien Sie trotzdem flexibel. Ein paar

Requisiten – ein Ball, Luftballons etc.

– sind hilfreich, denn Sie ziehen die

Aufmerksamkeit der Kinder auf sich und

machen Ihre Bilder interessanter.

Um die fliegenden Pollen einzufangen, musste ich Evie aus einem seitlichen Winkel

2heraus fotografieren. Um eine kurze Verschlusszeit und einen schmalen

Schärfentiefebereich zu erhalten, benutzen Sie eine große Blende – ich nahm Blende 4 bei

ISO 200. Mit der Sonne hinter ihr dachte ich, dies ergebe eine attraktive von hinten

einfallende Beleuchtung ihres Haares, doch leider blieb das Gesicht im Schatten und die

Details gingen verloren.

Um die Schatten loszuwerden, brauchen Sie entweder einen Aufhellblitz oder einen

3Reflektor. Ich entschied mich für einen silberfarbenen Reflektor, denn so kann man

schon vorab dessen Effekt im Sucher überprüfen. Mein Vater hielt ihn in der richtigen

Position und in einem solchen Winkel, dass das Licht auf die Seite von Evies Gesicht

reflektiert wurde. Achten Sie bei Verwendung eines Reflektors darauf, dass das Licht nicht zu

hell für die Augen der zu fotografierenden Person ist.

138 DIGITALE SLR FOTOGRAFIE


Das endgültige Bild

Nach ein paar weiteren Versuchen

kam ich schließlich genau zu der

Aufnahme, die ich haben wollte.

Evie und die Pollenkorb heben

sich gut vom dunklen Hintergrund

ab, und es sind genügend

fliegende Pollen zu sehen, die die

Aufnahme interessanter machen.

Der Reflektor löste das Problem der hässlichen Schatten auf Evies Gesicht, und anhand

4der Kontrolle der aufgenommenen Bilder auf dem LCD konnte ich sehen, dass die

Ergebnisse besser waren und dass das Licht natürlich wirkte. Leider hob sich der Korb der

„Pusteblume“ nicht gut gegen den hellen Himmel ab. Außerdem waren nicht genug Pollen

im Bildausschnitt zu sehen, sodass deren Effekt der Bewegung verloren ging.

Versuchen Sie einen dunkleren Hintergrund – ich veränderte Evies Position so, dass ein

5 paar nahe stehende Bäume einen dunkleren Hintergrund ergaben. Das half, und die

„Pusteblume“ trat nun stärker im Bild hervor. Außerdem schaltete ich die Kamera diesmal

auf Serienbildfunktion. So konnte ich eine Schnappschuss-Serie erzeugen, wodurch die

Chance, die fliegenden Pollen wie beabsichtigt ins Bild zu bekommen, wesentlich größer war.

DIGITALE SLR FOTOGRAFIE 139


Kreativprojekt

>Porträt-Serie

Schießen Sie ein paar

lustige Porträtbilder

>ZEIT: AUFBAU: 25 MINUTEN >FOTOGRAFIE:

ZEHN MINUTEN >NACHBEARBEITUNG: ZWEI STUNDEN

KAMERA: CANON EOS 600D

CANON-OBJEKTIV 50 MM F/1.8 II

MANFROTTO 055XPROB-STATIV MIT MANFROTTO 322RC-KOPF

HÄHNEL-FERNAUSLÖSER; BELEUCHTUNG: INTERFIT

SUPER COOL LITE 4 DAUERBELEUCHTUNGSSYSTEM

Daniel Lezano: Ich würde sagen, dass

ungefähr 80 Prozent meiner Bilder Porträts

sind. Aufnahmen von Freunden und Familie zu

machen, ist sehr zufriedenstellend und

erfüllend. Außerdem können wir dadurch die

verschiedenen Kapitel in unserem Leben festhalten. Ich

wollte schon länger ein Projekt realisieren, bei dem ich fast

alle Bilder von einem meiner Shootings würde verwenden

können. Was mich beim Fotografieren schon immer gestört

hat, ist, dass von dutzenden gemachten Bildern am Ende

nur ein oder zwei gedruckt werden. Oft sind fünf, zehn oder

20 Bilder fast gleichwertig, doch die meisten werden den

Computerbildschirm nie verlassen. Daher wollte ich eine

Reihe von Bildern machen, von denen die meisten am

Ende verwendet werden. Dazu wollte ich eine Reihe

Porträtbilder in rascher Abfolge schießen. Meine

Lieblingsbilder wollte ich dann in einem Photoshop-Raster

zu einem Kontaktbogen zusammenfügen.

Damit das Projekt gelingen würde, müsste das Modell stets

ein anderes Gesicht aufsetzen. So würde es keine

ähnlichen Bilder geben. Ich hatte mir vorgenommen,

entweder 16 oder 20 Bilder zu verwenden.

Um möglichst viele verschiedene Bilder zu bekommen,

habe ich mehrere Gesichtsausdrücke aufgeschrieben, die

ich dem Modell vorgeben wollte: verwirrt, schockiert,

verrückt und so weiter. Um das Shooting spontan und

lustig zu gestalten und um genug Zeit für verschiedene

Belichtungen zu haben, waren pro Gesichtsausdruck fünf

Sekunden eingeplant.

Ich hatte von Anfang an eine genaue Vorstellung, wie ich

das Projekt in die Tat umsetzen wollte, und zwar mit dem

Modell vor einem weißen Hintergrund. Wenn Sie dieses

Projekt selbst umsetzen wollen, können Sie einfach einen

weißen Hintergrund in einem Fotostudio nehmen. Ich habe

mich für eine weiße Ziegelmauer in meiner Garage

entschieden, die ich extra für das Projekt so gestrichen

habe. Ich hatte von Anfang an vor, die Bilder in ein

Quadratformat zu bringen und anschließend in

Schwarzweiß umzuwandeln. Folglich hätte ich die Porträts

problemlos bei Tageslicht, mit einem Studioblitz oder

irgendeiner anderen künstlichen Lichtquelle schießen

können, da Farbstiche hierbei kein Problem darstellen.

Dennoch habe ich mich für eine Dauerbeleuchtung von

Interfit mit zwei Köpfen entschieden, die durch die

Softboxes für ein sauberes und konstantes Licht sorgen.

Der Vorteil dieses Aufbaus ist, dass die Lichtquellen stets

an sind. Somit entstehen im Gegensatz zum Blitz keine

Verzögerungen. Die gleichmäßigen Lichtverhältnisse

erleichtern zudem bei der Nachbearbeitung die

Umwandlung in Schwarzweiß. Ich empfehle Ihnen, Ihre

Kamera auf Manuell einzustellen und eine kurze

Verschlusszeit zu wählen, damit die Bilder durch Wackler

oder Bewegungen des Modells nicht verschwimmen.

Wählen Sie außerdem eine passende Blende. In meinem

Fall lag die Belichtungszeit bei 1/200 Sek und die Blende

war f/4 (ISO 400). Ich empfehle Ihnen zudem, einen

00 DIGITAL SLR PHOTOGRAPHY JANUARY 2011


JANUARY 2011 DIGITAL SLR PHOTOGRAPHY 00


Kreativprojekt

>Porträt-Serie

Weißabgleich einzustellen, der

zur Beleuchtung

passt (der Interfit hat eine Farbtemperatur von

5500° K), oder Sie verwenden einen natürlichen

Weißabgleich. Wenn alle diese Variablen gleich

bleiben, sind Belichtung und Farbabstimmung der

Bilder ebenfalls unverändert. Dadurch sparen Sie

sich später Arbeit in Photoshop.

Bei solch einem Projekt müssen Sie sich stets

bewusst machen, dass die Gesichtsausdrücke und

nicht die Belichtung der Schlüssel zum Erfolg sind.

Ein einfacher Aufbau reicht also völlig aus. Stellen

Sie zwei Lichtquellen in einem 45-Grad-Winkel

zum Modell auf.

Nachdem ich alle Vorbereitungen abgeschlossen hatte, ließ ich mein Modell auf einem Hocker Platz

nehmen. Als ich schließlich mit der Bildzusammensetzung zufrieden war, musste ich nur noch die

Gesichtsausdrücke vorlesen. Mein Modell für das Shooting war Miles, der Sohn von guten Freunden von mir.

Ich habe ganz bewusst ein Kind ausgewählt, das ich gut kenne. Ich war mir nämlich sicher, dass er keine

Probleme damit hatte, vor der Kamera Grimassen zu schneiden.

Schnelle Umwandlung in Schwarzweiß

Nachdem ich alle Bilder unter gleich bleibenden

Bedingungen aufgenommen habe, möchte ich diese nun

in Schwarzweiß umwandeln. Es gibt mehrere

Möglichkeiten, wie sich dies relativ schnell realisieren

lässt.

1. Erstellung einer Photoshop-Aktion: Anstatt bei jedem

Bild die gleichen Anpassungen vorzunehmen, können Sie

in Photoshop eine Aktion aufzeichnen und diese auf jedes

Ihrer Bilder anwenden. Es ist ganz einfach: Gehen Sie auf

Fenster>Aktionen und klicken auf den kleinen Pfeil bei

dem Reiter oben rechts. Im Dropdown-Menü wählen Sie

anschließend Neue Aktion. Vergeben Sie einen Namen,

klicken Sie auf Aufzeichnen (roter Kreis) und nehmen Ihre

Einstellungen vor. Wenn Sie fertig sind, klicken Sie auf

Ausführen/Aufzeichnung beenden (rotes Quadrat). Bei

jedem Bild, das Sie in Schwarzweiß umwandeln wollen,

gehen Sie wie folgt vor: Öffnen Sie die Datei und klicken

auf Auswahl ausführen (grüner Pfeil).

2. Umwandeln nach Fertigstellung des Kontaktbogens:

Da alle Bilder bei gleicher Beleuchtung und Belichtung

gemacht wurden, können Sie zuerst den Kontaktbogen aus

den Farbbildern erstellen. Anschließend reduzieren Sie auf

die Hintergrundebene und wandeln das Bild in

Schwarzweiß um.

Sobald alle Bilder übertragen sind, empfiehlt es sich,

1zunächst eine Aufstellung der am besten geeigneten

Bilder zu machen. Mithilfe von Adobe Bridge wähle ich

28 Bilder aus, drucke sie aus, schneide sie aus und ordne

die besten 20 so an, wie ich sie auf dem endgültigen Bild

haben will.

Nachdem ich mich auf die Anordnung der Bilder

2festgelegt habe, öffne ich das Bild, das oben links in

meine Montage kommt. Ich passe die „Tonwertkorrektur“

an, wandle das Bild in Schwarzweiß um, passe die Farben

mit dem „Channel Mixer" (Bild>Anpassungen>Kanalmixer)

an und schneide es zu einem Quadrat zu. Außerdem stelle

ich die Bildgröße auf 7 x 7 Zentimeter bei 300 dpi ein.

Dadurch passen alle Bilder später auf einen A3-Hintergrund,

wobei zusätzlich noch Platz für einen schwarzen Rahmen

bleibt. Da die Belichtung bei allen Bildern gleich ist, zeichne

ich eine Photoshop-Aktion auf, die bei den restlichen Bildern

automatisch die gleichen Einstellungen vornimmt. Dadurch

spare ich mir viel Zeit.

Ich will die Bilder auf einem schwarzen Hintergrund

3platzieren. Folglich erstelle ich eine neue Datei, indem

ich auf Datei>Neu klicke. Ich stelle die Größe für den

späteren Druck auf A3 (420 cm x 297 cm) bei 300dpi ein.

Ich speichere die Datei unter „Schwarzer Hintergrund"

und minimiere sie, während ich die Porträtbilder

bearbeite.

Nachdem ich mein erstes Bild umgewandelt und zu einem Quadrat zugeschnitten habe,

4ist nun der Rand an der Reihe. Ich wähle das „Polygon-Lasso-Werkzeug" und klicke auf

die vier Eckpunkte, um die Ränder des Bildes zu krümmen. Wenn ich mit dem Ergebnis nicht

zufrieden bin, drücke ich einfach auf die Taste Esc und versuche es erneut. Sobald alles

passt, klicke ich auf Bearbeiten>Kopieren.

Jetzt öffne ich den schwarzen Hintergrund und gehe auf

5 Bearbeiten>Einfügen. Das Porträt mit den gekrümmten Rändern erscheint

nun als neue Ebene. Mit dem „Verschieben-Werkzeug" ziehe ich es in die obere

linke Ecke und passe die Position mit den Pfeiltasten an. Das Gleiche mache ich

mit den anderen Bildern.

142 DIGITALE SLR FOTOGRAFIE


Sobald alle Bilder an Ort und Stelle sind, passe ich die jeweiligen Positionen

6durch die Auswahl der entsprechenden Ebenen an. Bei Bedarf kann ich noch

mal zum „Polygon-Lasso-Werkzeug" greifen, um die Form der Bilder zu verändern.

Wenn ich mit dem Ergebnis zufrieden bin, speichere ich eine Kopie und führe alle

Ebenen zusammen (Ebene>Auf Hintergrundebene reduzieren).

7

Nachdem die Arbeit in Photoshop erledigt ist, muss ich das Bild nun noch in

einer guten Qualität ausdrucken. Mit einem Epson Stylus Pro 4880 erhalte ich

einen wunderschönen Ausdruck auf A3, den ich anschließend einrahme. Mein

Projekt ist abgeschlossen und Miles freut sich ebenfalls, da er jetzt ein tolles

Weihnachtsgeschenk für seine Eltern hat.

DIGITALE SLR FOTOGRAFIE 143


Porträts

>Simulierter Regen auf Fenstern

Regenan

einem sonnigen Tag

>ZEIL: 30 MINUTEN > AUSSTATTUNG: CANON EOS 550D MIT SIGMA 18-55 MM F/2.8 OBJEKTIV

> AUSSERDEM: REFLEKTOR, WASSERZERSTÄUBER, PHOTOSHOP C3 UND EIN LAPPEN

Matty Graham: Fotografen sind dem Wetter oftmals

ausgeliefert und müssen das Beste aus dem machen, was Mutter

Natur ihnen vorgibt. Doch wir müssen nicht immer vom Wetter

abhängig sein, um unserem Bild die gewünschte Stimmung zu

verleihen, wir können uns unsere eigenen Bedingungen schaffen. So können

Fotografen beispielsweise mit Hilfe eines ND-Filters den Tag zur Nacht und mit

einer langen Belichtungszeit die Nacht zum Tag machen, oder sie können ein

Portrait mit einem Blitz oder Reflektor so aussehen lassen, als ob es an einem

sonnigen Tag im Hochsommer aufgenommen worden wäre, obwohl der

Himmel kaum grauer hätte sein können.

Für dieses Foto versuchte ich ein emotional geladenes Portrait zu kreieren, das

aussehen sollte, als ob es an einem verregneten Tag aufgenommen wurde, obwohl die Sonne schien. Hierzu braucht

man kein Blitzgerät, nur ein wenig Geschick sowie ein Fenster, einen Wasserzerstäuber und einen schwarzen Reflektor.

Stimmungsvolle Bilder wie dieses gewinnen häufig noch an Wirkung, indem sie in schwarzweiß konvertiert werden, was

ihnen eine noch melancholischere Stimmung verleiht. Ich zeige Ihnen also nicht nur, wie man ein verregnet wirkendes

Portrait kreiert, sondern auch, wie man eine einfache Schwarzweiß-Konvertierung mit Hilfe des Befehls Farbton/

Sättigung erzielt. Und so funktioniert’s...

Theoretisch können Sie ein Fenster jeder Größe

1 verwenden. Ratsam wäre jedoch ein möglichst

großes Fenster, da es Ihnen genügend Platz bietet, um

Ihr Model dahinter zu platzieren. Reinigen Sie das

Fenster grob mit einem Lappen, bevor Sie den

Schmutz und Schlieren beseitigen.

Wählen Sie den Blendenprioritätsmodus und

2geben Sie f/8 (ISO 200) ein, um eine

ausreichende Schärfentiefe zu erlangen. Da das

Sonnenlicht direkt auf das Glas trifft, weist die

Testaufnahme zu viele störende Reflexionen auf.

Bitten Sie einen Bekannten, den schwarzen

3Reflektor oder ein schwarzes Stück Stoff in

Richtung Fenster zu halten, um das Licht zu

blockieren. So werden Reflexionen ausgeblendet, und

Sie erhalten gleichmäßigeres Licht.

Wenn Sie den schwarzen Reflektor vor das

4 Fenster platzieren, fällt weniger Licht auf das

Model, was zu Verwacklungen führen kann. Sollte

dies der Fall sein, wählen Sie eine Blendeneinstellung

von f/4.

Nehmen Sie verschiedene Positionen ein und

5experimentieren Sie mit denen Ihres Models.

Sobald Sie zufrieden sind, setzen Sie den Regen ein.

Nehmen Sie hierfür einen Wasserzerstäuber

(erhältlich in Bau- und Gartenmärkten) und sprühen

das Fenster damit ein. Bitten Sie das Model, nicht auf

die Scheibe zu atmen, da sie sonst anläuft.

Wenn die Scheibe anläuft, säubern Sie diese und

6sprühen Sie sie erneut ein. Wenn Sie den

Autofokus verwenden, achten Sie darauf, dass Ihre

Kamera nicht die Regentropfen fokussiert, sondern

das Model. Sollte Ihre Kamera Probleme damit haben,

das Model zu fokussieren, schalten Sie auf manuellen

Fokus um.

Wenn Sie mit Ihrer Aufnahme zufrieden sind,

7konvertieren Sie das Bild in schwarzweiß, um

ihm mehr Ausdruck zu verleihen. Öffnen Sie Ihr

favorisiertes Bild in Photoshop. Für eine einfache

Konvertierung wählen Sie Bild > Einstellen >

Farbton/Sättigung und ziehen den Sättigungsregler

nach links (-100).

144 DIGITALE SLR FOTOGRAFIE


Endergebnis

Um dem Bild mehr Wirkung zu

verleihen, wählen Sie Bild >

Einstellen > Helligkeit/Kontrast

und erhöhen den Kontrast auf

etwa +65.

DIGITALE SLR FOTOGRAFIE 145


Porträts

>Polaroid-Selbstporträt

Im Bilde!

>ZEIT: EINE STUNDE

>KAMERAAUSRÜSTUNG: CANON EOS7D, SIGMA

18-55 MM F/2,8 OBJEKTIV UND ZWEI STUDIOBLITZE

>AUSSERDEM VERWENDET: STATIV UND PHOTOSHOP CS4

Matty Graham: Selbstporträts

können Spaß machen. Daher habe

ich mich entschieden, es einfach

einmal auszuprobieren. Ich habe

mich dabei von den Polaroids aus den

1970ern inspirieren lassen. Etwas

Nachbearbeitungsaufwand in Photoshop ist

nötig, doch das ist nicht aufwändig.

Als Erstes müssen Sie ein Selbstporträt von sich machen.

1Wie Sie das machen, ist Ihnen selbst überlassen. Ich habe

meines in einem Studio gemacht. Da Sie das Bild in mehrere

Elemente aufteilen, sollte der Hintergrund so sauber wie

möglich sein. Außerdem sollten Sie eine ungewöhnliche Pose

einnehmen, bei der Ihre Hände zum Einsatz kommen!

Verwenden Sie einen passenden Hintergrund. Ich habe

2 mich für eine Nahaufnahme von einem Holzelement aus

meiner Bibliothek entschieden. Öffnen Sie beide Dateien in

Photoshop. Wählen Sie das „Verschieben-Werkzeug" und

klicken Sie auf das Porträt. Halten Sie die Maustaste gedrückt

und ziehen es auf das Hintergrundbild. Dort lassen Sie die Taste

los, worauf automatisch eine neue Ebene erstellt wird.

Gehen Sie auf Bearbeiten>Frei transformieren, um das

3Porträt passend zum Hintergrund zu skalieren. Halten Sie

die Shift-Taste gedrückt und verschieben die Eckpunkte nach

Bedarf. Anschließend öffne ich mein Polaroid-Bild (kostenlos

herunterladen unter www.digitalslrphoto.com) und ziehe es auf

das Porträt, um eine neue Ebene zu erstellen. Nennen Sie es

„Polaroid1".

Um dem Ganzen mehr Dimension zu verleihen, fügen Sie

4 beim Polaroid einen leichten Schatten hinzu. Dazu gehen

Sie auf Ebene>Ebenenstil>Schlagschatten, passen im sich

öffnenden Fenster die Schieber nach Wunsch an und klicken

auf OK. Anschließend gehen Sie auf Bearbeiten>Frei

transformieren, um das Polaroid-Foto kleiner zu machen.

Während Frei transformieren noch aktiviert ist,

5 verschieben Sie das Polaroid, indem Sie auf das Bild

klicken und es drehen, indem Sie auf einen äußeren Eckpunkt

klicken und ziehen (wenn Sie bei Füllmethoden auf

Multiplizieren klicken, wird Ihnen die Positionierung leichter

fallen). Wenn Sie mit der Position zufrieden sind, machen Sie

einen Doppelklick auf die Auswahl.

Duplizieren Sie dieses Polaroid durch

6 Ebene>Ebene duplizieren... und nennen Sie die

neue Ebene „Polaroid2". Aktivieren Sie erneut Frei

transformieren und schieben/drehen das neue

Polaroid in eine weitere passende Position auf dem

Hintergrund. Wiederholen Sie diese Schritte, bis Sie so

viele Polaroids wie gewünscht im Bild haben.

Verwenden Sie eine Ebenenmaske, um die Porträtebene

7 vorübergehend auszublenden. Zuerst klicken Sie auf die

Selbstporträtebene auf der rechten Seite bei der Ebenenauswahl und

ziehen sie durch Klicken und Halten in der Liste ganz nach oben.

Anschließend gehen Sie auf Ebene>Ebenenmaske>Alle ausblenden

und sehen, wie Sie verschwinden! Speichern Sie eine Kopie der Datei,

bevor Sie mit dem nächsten Schritt weitermachen.

8

Jetzt verbinden Sie die Polaroid-Ebenen. Wählen Sie alle

Polaroid-Ebenen aus, halten Sie die Shift-Taste gedrückt

und gehen Sie zu Ebene>Ebenen verbinden, um sie auf einer

Ebene zu verbinden. Nun aktivieren Sie das

„Zauberstab-Werkzeug", halten die Shift-Taste gedrückt und

klicken auf den grauen Bildbereiche aller Polaroids, um sie

auszuwählen.

Während das „Zauberstab-Werkzeug" noch aktiv

9 ist, klicken Sie auf das Ebenenmaske-Symbol in

der Selbstporträt-Ebene bei der Ebenenauswahl.

Gehen Sie auf Bearbeiten>Fläche füllen. Im Fenster

wählen Sie Weiß im Drop-down-Menü und klicken auf

OK. Diese Bereiche des Porträts sind jetzt wieder

sichtbar.

Bei einer Ebenenmaske wird Schwarz verwendet, um

10 Details zu verbergen, und Weiß, um das Gegenteil zu

erreichen. Verwenden Sie das „Pinsel-Werkzeug", um bei

unschönen Bereichen Korrekturen vorzunehmen. Nehmen Sie

einen kleinen, weichen Pinsel und bearbeiten Sie das ganze Bild,

wo es nötig ist, wobei Sie in unten bei den Bildbearbeitungs-

Werkzeugen zwischen Schwarz und Weiß wechseln.

Im letzten Schritt sollen die Hände aus den Polaroids

11 herausgreifen. Nehmen Sie einen größeren Pinsel (mit

der Farbe Weiß), damit beide Hände sichtbar werden.

Anschließend nehmen Sie einen kleineren Pinsel und bearbeiten

vorsichtig die Hände, um den Effekt zu verbessern. Je nach

Bedarf wechseln Sie zwischen Weiß und Schwarz hin und her.

146 DIGITALE SLR FOTOGRAFIE


Endgültiges Bild

Sie können Ihr Bild in Photoshop nach

Wunsch noch weiter bearbeiten, damit es

noch überzeugender ist. Ich habe dem Bild

einen 3D-Effekt verliehen, indem ich die

Schatten auf den zwei Polaroids, die ich

halte, vergrößert habe und mithilfe des

Pinsel-Werkzeugs unter meine Hände und

Finger auf einer separaten Ebene Schatten

gemalt habe.

DIGITALE SLR FOTOGRAFIE 147


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BESSERE

FOTOS

LEICHT

GEMACHT

AUSRÜSTUNG FÜR PORTRÄTFOTOS

EXPERTEN HELFEN IHNEN BEI AUSWAHL UND GEBRAUCH DER PASSENDEN AUSRÜSTUNG FÜR PORTRÄTAUFNAHMEN


150 Porträtausrüstung: Objektive Der essentielle Leitfaden für Porträts 2. Ausgabe

Die besten Objektive für Porträtaufnahmen

Die Standardausstattung ihrer digitalen SLR-Kamera beinhaltet wahrscheinlich ein gutes Allzweckzoom, mit dem man durchaus

Porträtaufnahmen machen kann. Für bessere Ergebnisse empfehlen wir Ihnen aber die folgenden beiden Modelle.

Das Standardobjektiv 50 mm f1,8

Zu Zeiten von Spiegelreflexkameras mit 35-mm-

Film war jeder dieser Apparate mit einem

50-mm-f1,8-Objektiv mit fester Brennweite

ausgestattet. Dieses wurde wirklich von jedem

Spiegelreflexbesitzer genutzt und blieb bis in die

späten 80er beliebt. Zu dieser Zeit tauchten die ersten

Standardzoomobjektive auf. Mit einer variablen

Brennweite von Weitwinkel bis zu kurzem Telebild

stellte das Objektiv von etwa 28 bis 70 Millimeter

einen Fortschritt in Sachen Flexibilität dar und führte

leider zum Verschwinden des 50 Millimeter als

Standardobjektiv. In letzter Zeit wird es aber wieder

zunehmend eingesetzt. Hier die Gründe dafür:

Zum einen ist es ein in der Anschaffung günstiges

Objektiv. Mit einem Neupreis von rund 120 Euro und

etwa der Hälfte davon für gebrauchte Modelle ist ein

50-mm-Objektiv von Canon, Nikon, Sony u. a. für die

meisten erschwinglich. Zum anderen sollte man bei

der Kosten-Nutzen-Rechnung noch folgendes

beachten: Das Objektiv der Wahl für

Porträtaufnahmen ist seit langem das 85-mm-

Teleobjektiv, welches in seiner f1,8-Ausführung ca.

360 Euro kostet. Wenn ihre digitale SLR-Kamera aber

wie die meisten Modelle einen APS-C-Sensor

verwendet, entspricht schon ein 50-mm-Objektiv für

120 Euro einem 75-mm-f1,8-Objektiv (bzw. einem

80-mm-f1,8-Objektiv bei Canon-Kameras). Sie

sparen also 240 Euro!

Wenn es Ihnen zudem nichts ausmacht, ein

gebrauchtes Objektiv mit manuellem Fokus zu

benutzen, dann können Sie sich eines für nur rund 30

Euro besorgen. Für den Preis einer anständigen

Speicherkarte bekommen Sie also schon so ein

hochwertiges Stück Glas, das vielleicht ein paar

Jahrzehnte alt sein mag und keinen Autofokus bietet,

jedoch von der Optik her keine Wünsche offen lässt.

Doch was hat das 50-mm-Objektiv noch zu bieten,

außer dass es günstig ist? Das größte Kaufargument

ist definitiv die maximale Blende von 1,8. Ein Objektiv

mit so schneller Blendenöffnung bietet ein großes

Leistungsvermögen. Das 50 Millimeter ist damit um

drei Blendenstufen schneller als ein normales

18-55-mm-Objektiv mit einer maximalen Blende von

3,5-5,6. Es produziert zudem hellere Sucherbilder

und erlaubt es Ihnen, ohne Stativ Aufnahmen bei

Restlicht und mit geringeren ISO-Werten zu machen.

Der größte Vorteil der großen Maximalblende ist die

äußerst flache Schärfentiefe bei großer Öffnung, die

dabei hilft, das Motiv von der Umgebung

abzugrenzen. Diese Eigenschaft allein eröffnet bereits

beträchtliche kreative Möglichkeiten, vor allem im

Bereich der Porträtfotografie. Außerdem schneidet das

50-mm-Objektiv in punkto Größe und Gewicht besser

ab als jedes andere. Es ist nur etwa um die 150

Gramm schwer und ungefähr 5 Zentimeter lang und

daher die perfekte Ausrüstung auf Reisen.

Der letzte Vorteil ist wahrscheinlich der wichtigste:

die Abbildungsqualität eines einfachen 50-mm-

Objektiv. Sie ist wahrscheinlich besser als die aller

anderen Objektive, außer der High-End-Zooms, und

ist in Sachen Schärfe den Standardzoomobjektiven

weit voraus. Sie werden wohl kaum etwas an

Schärfe, Verzeichnung, Lichtabfall und Kontrast

auszusetzen haben. Das 50 Millimeteter ist ein

kleines, leichtes und erschwingliches Objektiv mit

blitzschneller Blendenöffnung und messerscharfer

Optik. Ist es nicht an der Zeit, dass Sie sich eines

zulegen?

Gängige AF 50mm f1,8-Objektive

Sie werden feststellen, dass Marken, die digitale

Spiegelreflexkameras mit Vollformatsensoren anbieten,

weiterhin 50-mm-Objektive in ihrem Sortiment haben.

Wenn Sie knapp bei Kasse sind, lassen Sie die Finger von

den schnelleren f1,4- und f1,2-Modellen für Profis, da

diese größer und wesentlich teurer sind. Canon- und

Nikon-Objektive gibt es schon lange. Suchen Sie daher

nach gebrauchten und gut erhaltenen Modellen!

CANON EF 50 mm f/1.8II

Richtpreis: 150 Euro

Straßenpreis: 130 Euro

Abmessungen (Durchm. x Länge):

68,2 x 41 mm

Gewicht: 130 g

Das MKII-Objektiv ist quasi

identisch mit dem Original und

ebenso kaufenswert.

NIKON 50 mm f/1.8D

Richtpreis: 150 Euro

Straßenpreis: 120 Euro

Abmessungen (Durchm. x Länge):

63 x 39 mm

Gewicht: 160 g

Klein, leicht und gestochen scharf. Achten

Sie auf das D-Kennzeichen, um den Kauf

eines älteren Modells zu vermeiden.

SONY DT 50 mm f/1.8 SAM

Richtpreis: 190 Euro

Straßenpreis: 150 Euro

Abmessungen (Durchm. x Länge):

70 x 45 mm

Gewicht: 170 g

Ein großartiges Objektiv, das aber

nicht einfach zu finden ist. Zur

Erinnerung: Minolta

Dynax-Objektive passen ebenso!

Was ist so besonders an der

1,8-Blende des 50-mm-Objektivs?

Sie müssen die Schnelligkeit dieses Objektivs erleben, um

seine Vorzüge nachvollziehen zu können. Aber vertrauen Sie

uns: Sie werden es nie wieder missen wollen. Die

1,8-Blende des 50-mm-Objektivs erlaubt es ihnen, den

Hintergrund komplett unscharf zu stellen und das

Hauptmotiv von der Umgebung abzugrenzen. Diese

Bilderreihe zeigt die Veränderungen der Schärfentiefe bei

Blenden von 1,8 bis 22.

f/5.6

f/1.8

f/8

f/3.2

f/11

f/14

f/18

f/22


2. Ausgabe Der essentielle Leitfaden für Porträts

Porträtausrüstung: Objektive 151

Telezoom-Objektive

IN DEN SPÄTEN JAHREN der Filmära war das 70-300-mm-Telezoomobjektiv

aufgrund seiner vielseitigen Brennweiten das beliebteste. Bei digitalen

Spiegelreflexkameras deckt das 55-200-mm-Objektiv dank einer 1,5fachen

effektiven Steigerung der Brennweite verbunden mit einem kleineren Sensor einen

ähnlichen Brennweitenbereich ab. Das ist gut, da ein 55-200-mm-Objektiv kleiner,

leichter und zudem noch weitaus erschwinglicher als ein 70-300er ist.

Das 55-200-mm-Zoomobjektiv ist in vielen Bereichen einsetzbar. Sein Weitwinkel ist

perfekt für die Porträtfotografie, während man im Telebereich weit entfernte Motive

und ungestellte Bilder aufnehmen kann. Es gibt verschiedene 50-200-mm-

Zoomobjektive, die alle ordentliche Ergebnisse erzielen. Wir konzentrieren uns jedoch

auf die Objektive von Nikon und Tamron, da diese ein besonders gutes Preis-

Leistungs-Verhältnis aufweisen.

Die meisten 55-200-mm-Objektive sind preiswert und bieten eine ausreichende

Qualität für Alltagsfotografie. Wenn man jedoch große Drucke produzieren will, sollte

man sich für ein Objektiv mit mittlerer Brennweite, einer hohen maximalen Blende

und besserer Optik entscheiden. Wir stellen hier das 70-200-mm-1:4L USM von

Canon vor, eines der besten seiner Klasse. Manche Geschäfte verkaufen

70-300-mm-Objektive, die effektiv wie ein 105-450 mm funktionieren.

70-300-mm-Objektive sind eine gute Wahl für digitale Spiegelreflexkameras mit