26.02.2014 Aufrufe

Digitale Fotografie - Themen Makrofotografie (Vorschau)

Sie wollen auch ein ePaper? Erhöhen Sie die Reichweite Ihrer Titel.

YUMPU macht aus Druck-PDFs automatisch weboptimierte ePaper, die Google liebt.

www.digitale-fotografi e-magazin.de<br />

<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong><br />

<strong>Makrofotografie</strong><br />

WAS SIE FÜR PERFEKTE NAHAUFNAHMEN WISSEN MÜSSEN<br />

MAKRO-<br />

MAGIE!<br />

LERNEN SIE DIE<br />

AUFNAHMETECHNIKEN<br />

DER MAKRO-<br />

FOTOGRAFIE<br />

Nr. 16/2013 Jul-Sept 2013<br />

FANTASTISCHE MAKRO-MOTIVE<br />

Deutschland:<br />

EUR 9,90<br />

Österreich:<br />

EUR 11,-<br />

Schweiz:<br />

CHF 15,-<br />

LU/BE<br />

EUR 11,50<br />

FLORA & FAUNA<br />

INNEN-<br />

AUFNAHMEN<br />

MAKRO-<br />

EQUIPMENT<br />

INSEKTEN


IMPRESSUM<br />

HERAUSGEBER: Ultimate Guide Media<br />

REDAKTION INTERNATIONAL: Mark Bauer,<br />

Sarah Plater, Pete Davis, Terry Hope,<br />

Damien Lovegrove, Philip Nash, Pip, Ian<br />

Wood<br />

ART DIRECTOR: Dean Mullock<br />

FINANZDIREKTOR: Richard Layton<br />

DATENSCHUTZERKLÄRUNG<br />

Dieses MAGBOOK wird unter der Lizenz und<br />

mit der Erlaubnis von © Bright Publishing<br />

Limited herausgegeben. Alle Rechte an<br />

Material, Titel und Marke dieses Magazins<br />

sind Eigentum von Bright Publishing Limited<br />

und dürfen weder im Ganzen noch teilweise<br />

ohne vorherige schriftliche Genehmigung<br />

reproduziert werden.<br />

Willkommen...<br />

Die Welt der kleinen Dinge ist eine Welt, deren Vorhandensein wir zwar erkennen<br />

können, deren Einzelheiten dem bloßen Auge jedoch verborgen bleiben. Obwohl<br />

inzwischen etliche Jahre vergangen sind, kann ich mich noch sehr gut daran<br />

erinnern, wie begeistert ich war, als ich das erste Mal die Gelegenheit hatte,<br />

Aufnahmen mit einem Makroobjektiv zu machen. Ich versuchte, die Blüten der<br />

Blumen im Garten zu fotografieren, und ich war fasziniert davon, wie groß und<br />

genau noch die winzigsten Details eines Motivs im Sucher zu erkennen waren.<br />

Doch die anfängliche Begeisterung wandelte sich schnell in Frustration, als ich entdeckte, wie viele<br />

Herausforderungen die <strong>Makrofotografie</strong> stellt, von der geringen Schärfentiefe über Probleme der<br />

Bildkomposition bis hin zum richtigen Licht. Doch Hartnäckigkeit und Experimentierfreude ließen<br />

mich im Lauf der Zeit die notwendige Erfahrung sammeln, und eines Tages war ich in der Lage, die<br />

überall zu findenden Motive aus der Welt der kleinen Dinge in beeindruckende Bilder umzusetzen.<br />

Wenn auch Sie an der <strong>Makrofotografie</strong> interessiert sind, finden Sie in diesem Magazin Ratschläge<br />

und Tipps professioneller Fotografen, inspirierende Ideen und grundlegende Arbeitstechniken, die<br />

Ihnen helfen werden, einen leichteren Einstieg zu finden, als ich ihn damals mit „learning by doing“<br />

hatte. Alle wesentlichen <strong>Themen</strong> werden behandelt, von Insekten über Blumen bis hin zu den<br />

kleinen Objekten des Alltags, die Sie in jedem Haushalt finden können. Die Motive werden Ihnen<br />

mit Sicherheit nicht ausgehen.<br />

Und nun alles Gute bei der Erforschung der Welt der kleinen Dinge.<br />

DANIEL LEZANO, EDITOR<br />

Unsere Makro-Experten<br />

Alle Experten schreiben regelmäßig für unser <strong>Digitale</strong>-<strong>Fotografie</strong>-Magazin. Für Tipps und Inspirationen zur<br />

Verbesserung Ihrer fotografischen Fähigkeiten holen Sie sich am zweiten Dienstag jedes Monats die neueste<br />

Ausgabe. Weitere Infos finden Sie auch auf: www.digitalslrphoto.com<br />

Haftung<br />

Das Heft wurde mit großer Sorgfalt<br />

produziert. Der Verlag kann jedoch keine<br />

Haftung, Gewährleistung, Garantie oder<br />

Versicherung für Meinungen, Waren oder<br />

Dienstleistungen übernehmen, die in<br />

dieser Ausgabe veröffentlicht wurden.<br />

Der Herausgeber übernimmt keine<br />

Verantwortung für Inhalte von externen<br />

Webseiten, deren Adressen veröffentlicht<br />

werden.<br />

VERTRIEB<br />

VU VERLAGSUNION KG<br />

Am Klingenweg 10<br />

65396 Walluf<br />

Telefon: 0612/3620 0<br />

BÜRO DEUTSCHLAND<br />

Ultimate Guide Media<br />

Landsberger Straße 302<br />

80687 München<br />

Telefon: +49 (0) 89 90 40 5 805<br />

Fax: +49 (0) 89 90 40 5 066<br />

BÜRO UNITED KINGDOM<br />

Ultimate Guide Media Ltd<br />

Argyle House, 1 Dee Road<br />

Richmond, Surrey<br />

TW9 2JN<br />

Company No. 06965305<br />

HOMEPAGE<br />

www.digitale-fotografie-magazin.de<br />

ABONNEMENTS UND PRESSEVERTRIEB<br />

IPS Pressevertrieb GmbH<br />

Ultimate Guide Abo-Service<br />

Postfach 1331<br />

53340 Meckenheim<br />

E-Mail: abo-ugm@ips-d.de<br />

Telefon: 022 25/70 85-362<br />

Homepage: www.ips-d.de<br />

LESERFRAGEN<br />

Bitte schicken Sie Leseranfragen an<br />

info@digitale-fotografie-magazin.de<br />

ROSS HODDINOTT<br />

Er verfügt über viele Jahre<br />

Erfahrung als Fotograf und hat<br />

etliche Preise gewonnen. Er ist<br />

Autor mehrerer Bücher über die<br />

<strong>Makrofotografie</strong>.<br />

DANIEL LEZANO<br />

Fotograf seit über 25 Jahren und<br />

ausgewiesener Makro-Spezialist.<br />

Seine bevorzugten Motive sind<br />

Blumen und andere natürliche<br />

Objekte.<br />

CAROLINE WILKINSON<br />

Auch Caroline fotografiert seit<br />

etlichen Jahren. Sie kombiniert Ihren<br />

Ideenreichtum mit der Kamera mit<br />

der kreativen Nachbearbeitung ihrer<br />

Bilder in Photoshop.<br />

LEE FROST<br />

In über zwei Jahrzehnten hat er 20<br />

Bücher über <strong>Fotografie</strong><br />

geschrieben. Seine Bilder<br />

verkaufen sich weltweit.<br />

DRUCK UND BINDUNG<br />

Quad/Graphics Europe Sp. z o. o.<br />

Drukarnia Wyszków<br />

ul. Pułtuska 120<br />

07-200 Wyszków, Polska<br />

www.quadgraphics.pl<br />

Das Papier, auf dem dieses<br />

Magazin gedruckt ist, besteht<br />

aus umweltverträglichen Fasern.


INHALT<br />

<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong><br />

6 Einführung<br />

Alles für den sofortigen Einstieg – einschließlich<br />

Ausrüstung, Arbeitstechniken zum Scharfstellen<br />

und zur richtigen Beleuchtung<br />

27 Grundlagen<br />

Blende und Beleuchtung, Belichtungsmessung<br />

und Bildkomposition – hier lernen Sie die<br />

Technik der <strong>Makrofotografie</strong><br />

44 Makro-Equipment<br />

Die richtige Ausrüstung ist wesentlich für gute<br />

Makroaufnahmen – ein Überblick aller Optionen:<br />

Makroobjektive, Nahfilter, Zwischenringe und<br />

Umkehrringe<br />

54 Wildblumen<br />

Für Nahaufnahmen der schönsten Naturmotive<br />

müssen Sie wissen, wie man Makro-Zubehör<br />

richtig einsetzt, vorab etwas „gärtnert“ und kurze<br />

Schärfentiefen erzeugt<br />

TUTORIALS<br />

60 WASSERTROPFEN<br />

62 LICHTBRECHUNG IM WASSER<br />

66 UNKRAUT VERGEHT NICHT<br />

68 MAGISCHE PILZE<br />

70 Insekten<br />

Fotos von Insekten sind immer eine<br />

Herausforderung – Beleuchtung und Bewegung<br />

schaffen knifflige Aufnahmesituationen. Dank<br />

unserer Tipps gelingen hervorragende Fotos<br />

TUTORIALS<br />

76 FARBENFROHE KRABBELTIERE<br />

78 NETZWERKE DER NATUR<br />

82 SCHMETTERLINGSJAGD<br />

87 Innenaufnahmen<br />

Inspirierende Fotoprojekte für Zuhause<br />

TUTORIALS<br />

88 SPRITZIGE FRÜCHTE<br />

90 CROSS-POLARISATION<br />

94 DAS BILD DER ROSE<br />

98 OBSTSALAT MAL ANDERS<br />

100 BUCHSTABENSUPPE<br />

103 HIGHSPEED-SPRITZER<br />

106 FARBIGER RAUCH<br />

108 SÜSSES IM WASSER<br />

110 MAKROWUNDER<br />

114 SCHARFER STAPEL…<br />

116 ROMANTISCHES STILLLEBEN<br />

118 KREATIVES BOKEH<br />

122 BUNTSTIFTE<br />

124 BLÜHENDER MINIMALISMUS…<br />

128 LASSEN SIE ES PLATSCHEN…<br />

131 Makro-Equipment<br />

Sie wissen, wie und mit welchem<br />

Zubehör man Makroaufnahmen macht<br />

– für geplante Anschaffungen kann unser<br />

Überblick die Entscheidung erleichtern<br />

FÜR SIE AUSPROBIERT<br />

132 SENSATIONELL PREISWERT:<br />

NAHFILTER<br />

UND ZWISCHENRINGE<br />

136 ZWISCHENRINGE GETESTET<br />

140 LED MAKRO-RINGLICHT<br />

144 MAKROOBJEKTIVE<br />

146 KARTEN FÜR<br />

BELICHTUNGSMESSUNG<br />

UND DEN WEISSABGLEICH


6<br />

<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - Makro-<strong>Fotografie</strong><br />

Verändern Sie Ihren Blick auf die Welt…<br />

Schauen Sie sich einmal um. Sie werden überall potenzielle Nahaufnahmen entdecken. Objekte, die man<br />

normalerweise nicht als besonders fotogen einstufen würde, sehen im Nahbereich ganz anders aus. Manchmal sind<br />

die Möglichkeiten erst richtig zu erkennen, wenn man durch den Sucher schaut. Also verwerfen Sie nichts, solange Sie<br />

es noch nicht ganz genau unter die Lupe genommen haben<br />

ES GIBT KEINEN BESSEREN Ort zum Anfangen als Zuhause – besonders<br />

wenn das deutsche Wetter mal wieder Ihre Pläne, draußen zu fotografieren,<br />

durchkreuzt. Ihre Küche steckt voller Möglichkeiten: Töpfe, Pfannen und<br />

Küchenutensilien sind für Nahaufnahmen geeignet. Die Löcher in einem<br />

Abtropfsieb sehen als Nahaufnahme abstrakt aus; oder probieren Sie mal<br />

eine formatfüllende Aufnahme eines Schneebesens. Mit einer großen<br />

Blende von f/2.8 oder f/4 erzeugen Sie kurze Tiefenschärfen für<br />

künstlerische Ergebnisse. Auch Bestecke sind gut für Nahaufnahmen<br />

geeignet, etwa die Kurven und Zinken einer Gabel. Eine +4 Nahlinse oder<br />

ein Zwischenring erlauben es, nah genug heranzukommen.<br />

Ein Blatt weißer Karton bietet einen angenehm schlichten Hintergrund für<br />

Objekte dieser Art und Größe. Legen Sie den Karton auf eine Tischplatte,<br />

ausgeleuchtet von einem Fenster – die Lichtverhältnisse sollten für diese<br />

Aufnahmen ausreichen. Um das Licht zu streuen (weicher zu machen),<br />

können Sie einen Netzvorhang oder etwas weißen Baumwollstoff vor das<br />

Fenster hängen.<br />

Und wenn Sie schon mal in der Küche sind, sollten Sie nicht das<br />

Bildpotenzial von Lebensmitteln übersehen. Obst und Gemüse kann als<br />

Nahaufnahme eindrucksvoll aussehen. Schneiden Sie eine Kiwi oder<br />

Orange in Scheiben und leuchten Sie die Segmente von hinten mit einem<br />

Leuchtkasten aus. Halbieren Sie einen Rotkohl und lassen Sie sich von dem<br />

Muster im Inneren überraschen. Da es sich um ein vergleichsweise großes<br />

Motiv handelt, sollte es möglich sein, daraus mit dem langen Ende eines<br />

Standardzooms ein Format füllendes Bild zu machen. Denken Sie jedoch<br />

daran, die Kamera parallel zum Motiv zu positionieren, um die mögliche<br />

Tiefenschärfe zu maximieren. Süßigkeiten sind auch tolle Motive für<br />

Schnappschüsse, denn sie produzieren bunte, lustige Bilder.<br />

In anderen Zimmern werden Sie ähnlich fotogene Motive finden. Schauen<br />

Sie sich mal die elektrischen Geräte in Ihrem Wohnzimmer genauer an. Das<br />

Styling und Design von Fernsehen, Lautsprechergittern und Computern<br />

schreien ja geradezu danach, fotografiert zu werden. Wenn Sie ein kaputtes<br />

elektrisches Gerät haben, das Sie demnächst auf den Schrott werfen<br />

möchten, schauen Sie sich das Innere noch mal genauer an, bevor Sie es<br />

weggeben. Die innere Elektronik und Schalttechnik sieht als Nahaufnahme<br />

bestimmt interessant aus. Achten Sie auf Miniaturdetails, die isoliert<br />

werden können. Eventuell brauchen Sie eine relativ hohe<br />

Vergrößerungsstufe dafür, daher wird die Tiefenschärfe stark eingeschränkt<br />

sein. Ein Stativ bietet Stabilität und hilft außerdem, den Bildaufbau zu<br />

verfeinern.<br />

Gehen wir nun nach oben und schauen in die Kinderzimmer. Bunte<br />

Bausteine, Puzzle, Buntstifte und Bleistifte gehören zu den Motiven, die<br />

abstrakt und eindrucksvoll aussehen können. Der entscheidende Faktor für<br />

gute Fotos von derartigen Objekten ist es, kreativ beim Arrangement zu sein<br />

– legen Sie zum Beispiele Filzstifte in eine symmetrische Formation. Um die<br />

Farben jedoch detailgetreu aufzunehmen, müssen Sie darauf achten, die<br />

Weißabgleich-Einstellungen der digitalen Spiegelreflexkamera an die<br />

Lichtquelle anzupassen. Die Farbtemperatur einer haushaltsüblichen<br />

Glühbirne liegt üblicherweise bei 2.800 bis 3.400 K (Kelvin). Das<br />

bedeutet, dass das Licht wärmer als natürliches Licht ist, das durch ein<br />

Fenster fällt. Wenn Sie daher derartige künstliche Lichtquellen verwenden,<br />

um Ihr Motiv auszuleuchten, werden dadurch warme, orange aussehende<br />

Farbstiche erzeugt, wenn dies nicht korrigiert wird. Um dies zu<br />

kompensieren, wählen Sie eine Weißabgleich-Voreinstellung Ihrer Kamera,<br />

z. B. Wolfram oder fluoreszierend oder wählen Sie manuell eine passende<br />

Einstellung aus.<br />

Auch Stoffe und Textilien sollten Sie nicht übersehen: Strickpullover,<br />

Wollknäuel oder gewebte Stoffe können auf Nahaufnahmen faszinierend<br />

wirken, da Strukturen und Formen betont werden.<br />

Diese Ideen können hoffentlich Ihren Appetit anregen. Schon bald werden<br />

Sie selbst weitere Ideen haben und potenzielle Motive finden. Auch mit<br />

einer Standardausrüstung sind tolle Ergebnisse möglich. Und wenn Sie<br />

drinnen fertig sind, fangen Sie an, die endlosen Möglichkeiten draußen zu<br />

entdecken...<br />

ALE BILDER: PETER ADAMS<br />

Sie brauchen gar nicht weit zu schauen, um für kreative Nahaufnahmen<br />

geeignete Objekte zu finden. Unsere Auswahl von fünf Bildern zeigt nur Dinge,<br />

die in den meisten Haushalten zu finden sind. Können Sie alle erkennen? Mal<br />

sehen, wie viele Sie schaffen...


PETER ADAMS<br />

Maximale Vergrößerung<br />

Um mit der maximal möglichen Vergrößerung Ihres<br />

Objektivs aufzunehmen, zoomen Sie auf die längste<br />

Brennweite und stellen die minimale Fokusdistanz<br />

ein. Das stellt sicher, dass Ihr Motiv so groß wie<br />

möglich wird.


8<br />

Einführung in die <strong>Makrofotografie</strong><br />

Blumen<br />

Die Schönheit und Symmetrie von Blumen bietet Ihnen den perfekten Einstieg in<br />

die <strong>Makrofotografie</strong>. Hier unsere Top-Tipps und Ratschläge, wie Sie am besten<br />

anfangen<br />

BLUMEN SIND EIN LIEBLINGSMOTIV für<br />

Nahaufnahmen. Sie erzeugen nicht nur farbenfrohe<br />

und interessante Bilder, aber sie sind auch für<br />

jedermann leicht zugänglich. Egal ob Sie<br />

Wildblumen wie Fingerhut, Schneeglöckchen und<br />

Mohnblumen fotografieren oder gezüchtete Arten<br />

wie Lilien, Orchideen und Tulpen. Die<br />

Herangehensweise und erforderliche Technik sind<br />

im Allgemeinen identisch.<br />

Einer der Schlüsselfaktoren ist das Wetter.<br />

Windstille Tage sind am besten, da Blumen bei<br />

windigem Wetter hin- und her schwanken, wodurch<br />

es praktisch unmöglich ist, zu fokussieren und die<br />

Bilder präzise zu gestalten. Wenn es gar nicht<br />

anders geht und Sie bei windigen Verhältnissen<br />

fotografieren müssen, probieren Sie die Blumen mit<br />

einer Klemme oder einem Windschutz zu<br />

stabilisieren. Bedeckte Lichtverhältnisse sind für die<br />

Blumenfotografie gut geeignet, denn der geringere<br />

Kontrast ermöglicht es, die Farben und feinen<br />

Details naturgetreu einzufangen. Ein Polfilter kann<br />

Blendenflecke von reflektierenden Blütenblättern<br />

oder Laub entfernen und unterstützt so den Erhalt<br />

der natürlichen Farbsättigung. Früh morgens und<br />

spät am Abend ist das Licht warm und attraktiv und<br />

besonders vorteilhaft für Blumen. Wenn Sie das<br />

Motiv von hinten ausleuchten, erzielen Sie<br />

atmosphärische Ergebnisse, da die<br />

Lichtdurchlässigkeit von Blüten und Blättern<br />

verstärkt wird und um das Motiv attraktive<br />

Randlichter entstehen. Wenn Sie nur tagsüber<br />

fotografieren können, also mit dem kontrastreichen<br />

Licht der hoch stehenden Sonne, sollten Sie einen<br />

Reflektor zur Hand haben. Damit können Sie dunkle<br />

Schattenbereiche füllen, indem Sie Licht auf das<br />

Motiv reflektieren.<br />

Bei der Blumenfotografie erzeugt kurze<br />

Tiefenschärfe oft die künstlerischsten Ergebnisse.<br />

Wählen Sie die maximale Blende Ihres Objektivs<br />

– normalerweise f/2.8 oder f/4 – und fokussieren Sie<br />

auf ein Schlüsselelement oder Detail, zum Beispiel<br />

das Staubgefäß der Blume oder die Spitze eines<br />

Blütenblatts. Da die Tiefenschärfe flach ist, erhält<br />

alles außer dem Fokuspunkt eine attraktive<br />

Unschärfe und das Auge wird direkt zum<br />

gewünschten „Blickfang“ geführt.<br />

Achten Sie genau auf den Hintergrund des Motivs.<br />

Weniger ist hier mehr. Normalerweise funktioniert<br />

eine angenehm indirekte, verschwommene Kulisse<br />

– frei von unruhigen und ablenkenden Elementen –<br />

am besten. Um einen schmeichelnden Hintergrund<br />

zu erzeugen, sollten Sie nur Blumen fotografieren,<br />

die Sie einfach von der Umgebung isolieren können.<br />

Achten Sie auf Blumen, die höher als die anderen in<br />

der Umgebung sind. Oder solche, die ziemlich weit<br />

entfernt vom Hintergrund sind. Entfernen Sie<br />

störendes Gras oder Zweige mit einer Schere oder<br />

drücken Sie sie mit der Hand nach unten. Wenn<br />

möglich, positionieren Sie sich so, dass andere,<br />

unscharfe Blumen den Hintergrund bilden. Dadurch<br />

wird eine angenehme Farbrichtung erzielt.<br />

Natürlich müssen Sie Blumen nicht unbedingt<br />

draußen fotografieren. Sie können auch Blumen aus<br />

dem Garten ins Haus bringen, oder beim<br />

Blumengeschäft im Ort ein paar Blüten erstehen.<br />

Wenn Sie drinnen fotografieren, haben Sie mehr<br />

Kontrolle über die Lichtverhältnisse und die Farbe<br />

des Hintergrundes. Sie können farbigen Karton oder<br />

Stoffe hinter ihren Bildaufbau positionieren, um<br />

einen einfachen kontrastreichen Hintergrund zu<br />

bilden. Fensterlicht ist eine gute Form von<br />

Beleuchtung, also stellen Sie Ihre Blume auf einen<br />

Tisch, auf der sie mit natürlichem Licht angestrahlt<br />

wird. Falls notwendig kann das Licht durch über<br />

das Fenster gehängte Baumwollstoffe gestreut<br />

werden. Wenn Sie drinnen fotografieren, können Sie<br />

bei jedem Wetter tolle Nahaufnahmen von Blumen<br />

machen.<br />

Eines sollten Sie immer bedenken: Makellose<br />

Motive sind selten, denn die Makroaufnahme<br />

macht auch die kleinste Unvollkommenheit<br />

sichtbar!<br />

Blumen:<br />

kreative Ideen<br />

Winzige Wassertropfen machen Fotos von Blumen<br />

und Pflanzen interessanter, glitzernder und sorgen<br />

für Maßstäbe, also gehen Sie nach einem heftigen<br />

Regenschauer oder an einem taufrischem Morgen nach<br />

draußen. Oder noch besser, erzeugen Sie Ihre eigenen<br />

Wassertropfen mit einer Sprühflasche. Positionieren Sie<br />

Ihre Kamera parallel zum Motiv und wählen Sie eine<br />

kleine Blende, um eine ausreichende Tiefenschärfe zu<br />

generieren. Tropfen, die von Blütenblättern, Stängeln<br />

und Blättern herunterhängen fungieren wie winzige<br />

Fisheye-Objektive und projizieren ein umgedrehtes<br />

Bild – verwenden Sie eine starke Vergrößerung,<br />

von nahezu 1:1 Lebensgröße, um den<br />

Effekt gut herauszuarbeiten.<br />

Ihr eigenes Gartenprojekt<br />

Mit Nahaufnahmen können selbst die<br />

gewöhnlichsten Alltagsobjekte zu visuellen<br />

Kunstwerken werden. Der Trick ist, die Welt<br />

um sich herum mit anderen Augen zu sehen.<br />

Mit einem Makro-Objektiv oder einer<br />

Vorsatzlinse können Sie z. B. interessante<br />

Details isolieren. Betrachten Sie die Objekte<br />

nicht nur als Ganzes, sondern achten Sie auf<br />

Miniaturdetails und Strukturen. Stellen Sie<br />

sich einmal selbst die Aufgabe, in den eigenen<br />

Garten zu gehen und innerhalb von einer<br />

Stunde drei großartige Nahaufnahmen zu<br />

machen. Das ist eine gute Übung, um<br />

vertraute Motive einmal ganz neu und anders<br />

zu sehen.<br />

Was können Sie in Ihrem Garten finden?<br />

Rostige Ketten, alte Türen und Armaturen,<br />

Bolzen, Maschinen, abblätternde Farbe,<br />

Flechten, moosige Steine, Frösche und<br />

Schnecken und Spinnweben sind nur ein paar<br />

Beispiele , von den Dingen, die Sie vielleicht<br />

finden und die sich für die <strong>Makrofotografie</strong><br />

eignen. Je nachdem, wie Sie Ihr Motiv<br />

ausleuchten und arrangieren, kann das<br />

dramatische Effekte auf das Endergebnis<br />

haben. Experimentieren Sie auch mit<br />

Blickwinkeln und Vergrößerungsstufen. Wenn<br />

Sie erst mal alles ganz nah sehen, werden Sie<br />

von den Ergebnissen überrascht sein.


ISTOCK PHOTO<br />

Kreieren Sie ein Triptychon aus<br />

Blumen<br />

Wenn Sie eine Reihe von Nahaufnahmen mit<br />

Blumenthemen haben, was fangen Sie damit<br />

an? Es macht wenig Sinn, sie auf der<br />

Festplatte des Computers zu verstecken.<br />

Warum schicken Sie sie nicht an die<br />

Schaukasten-Seiten des Digital SLR<br />

<strong>Fotografie</strong> Magazins, um sie zu<br />

veröffentlichen? Oder Sie drucken sie auf<br />

Papier oder Leinwand aus und hellen damit<br />

Ihre Wände auf. Noch besser: Sie erzeugen<br />

ein stylisches Triptychon, das Sie zuhause<br />

oder im Büro aufhängen können. Ein<br />

HELEN DIXON<br />

Triptychon ist eine Ansammlung von drei<br />

ähnlichen Bildern, die effektiv<br />

zusammenwirken, um ein „komplettes“ Bild<br />

zu ergeben, so wie oben. Blumen passen zu<br />

dieser Art von Bildern perfekt. Mit Photoshop<br />

oder anderer Bildbearbeitungssoftware sind<br />

sie ganz leicht herzustellen.


10<br />

Einführung in die <strong>Makrofotografie</strong><br />

<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong><br />

Holen Sie das Meiste aus Ihren Makro-Stillleben<br />

Ihr Zuhause ist der beste Ort, um Motive für Stillleben zu finden – auch die banalsten Dinge können schön aussehen,<br />

wenn man kleine Details isoliert. Trainieren Sie Ihr Auge, um diese zu finden…<br />

UM TOLLE STILLLEBEN aufzunehmen, müssen<br />

Sie nicht weit fahren. Ein durchschnittlicher<br />

Haushalt ist voll von Objekten mit exzellentem<br />

Bildpotenzial. Bei der Stillleben-<strong>Fotografie</strong> hat<br />

der Fotograf komplette Kontrolle über jeden<br />

Aspekt der Aufnahme – also eine großartige<br />

Gelegenheit, um Ihre Fähigkeiten der<br />

Bildkomposition, Ausleuchtung und Belichtung<br />

zu verfeinern.<br />

Bei Stilllebenaufnahmen müssen Sie zuerst das<br />

Motiv gestalten, bevor Sie es fotografieren.<br />

Phantasie spielt eine entscheidende Rolle –<br />

vermeiden Sie die Klischees wie „Schüssel mit<br />

Obst“ oder „Vase mit Blumen“; es sei denn, Sie<br />

finden eine neue Herangehensweise für solche<br />

Motive. Die banalsten, alltäglichsten Objekte<br />

können zu eindrucksvollen Bildern werden.<br />

Spazieren Sie durch Ihr Zuhause: Besteck,<br />

Schreibwaren, Werkzeuge, Flaschen und Gläser,<br />

Süßigkeiten und Spielzeuge – all das hat<br />

Potenzial, wenn es isoliert oder mit anderen<br />

Objekten kombiniert aufgenommen wird. Sie<br />

brauchen keinen komplizierten Studioaufbau –<br />

meist genügt schon eine einfache Tischplatte<br />

mit ein paar Lampen oder einem Blitzgerät. Bei<br />

der Verwendung von künstlichem Licht kann ein<br />

Fotograf die Richtung und Menge des Lichts<br />

sorgfältig kontrollieren, um punktgenau den<br />

gewünschten Effekt zu erzielen. Wenn Sie<br />

jedoch neu in der <strong>Fotografie</strong> von Stillleben sind,<br />

mag es einfacher für Sie sein, für den Einstieg<br />

einfach das Umgebungslicht zu verwenden.<br />

Wenn Sie ein Haushaltslicht verwenden,<br />

denken Sie daran, dass Glühbirnen eine<br />

wärmere Farbtemperatur als Tageslicht haben.<br />

Stellen Sie Ihren Weißabgleich auf die<br />

Wolfram-Voreinstellung ein, damit Ihre Bilder<br />

nicht unter einem trüben, warmen Farbstich<br />

leiden.<br />

Kontrast, Farbe, Konturen, Linien und Formen<br />

sind alles wichtige Zutaten bei der <strong>Fotografie</strong><br />

von Stillleben. Auch wenn Farbe meistens am<br />

besten funktioniert, sollten Sie die<br />

Möglichkeiten bei der Konvertierung zu<br />

monochromen Bildern nicht übersehen.<br />

Schwarzweiß kann nostalgische Gefühle<br />

wecken und passt zu manchen<br />

Stillleben-Motiven einfach besser.<br />

Der Hintergrund ist ebenfalls wichtig: Vor der<br />

richtigen Kulisse heben sich die Objekte besser<br />

ab, während die falsche das Gegenteil bewirken<br />

kann. Halten Sie es im Zweifelsfall eher einfach.<br />

Probieren Sie mal, Wassertropfen zu fotografieren<br />

Haben Sie schon mal versucht, eine abstrakte Wasseraufnahme zu machen?<br />

So fotografieren Sie einen Tropfen, der auf eine Wasseroberfläche trifft: Sie hängen einen mit<br />

Wasser gefüllten Plastikbeutel etwa 15 bis 30 Zentimeter über eine schwarze Schale oder<br />

eine Glasschale auf einer Tischplatte und positionieren Ihre Kamera auf einem Stativ davor.<br />

Ein Makroobjektiv mit über 90 mm ist am besten, denn damit können Sie weiter entfernt<br />

arbeiten und reduzieren das Risiko, dass Ihre Ausrüstung nass gespritzt wird.<br />

Für beste Ergebnisse positionieren Sie Ihren Blitz außerhalb der Kamera. Bauen Sie ihn rechts<br />

von der Stelle auf, wo der Tropfen fällt, und richten Sie ihn auf den Hintergrund. Der Blitz wird<br />

vom Hintergrund reflektiert und erzeugt schöne Farbreflexe. Mit einer kleinen Blende von ca.<br />

5/16 erhalten Sie viel Tiefenschärfe. Stellen Sie die Verschlussgeschwindigkeit Ihrer Kamera<br />

auf die Geschwindigkeit der Blitzsynchronisation ein. Stellen Sie den Blitz auf eine 1/64 oder<br />

1/32 Leistung ein –dadurch verkürzen Sie den Blitz und die Verschlussgeschwindigkeit ist<br />

schnell genug, um die Bewegung des Wassers perfekt einzufrieren. Nun machen Sie ein<br />

winziges Loch in den Beutel mit einer Stecknadel. Zum Fokussieren halten Sie kurz einen<br />

Kugelschreiber oder Bleistift ins Wasser, genau dort wo der Tropfen hineinfällt, und<br />

fokussieren Sie manuell auf diesen Punkt. Jetzt sind Sie fertig und können mit den<br />

Aufnahmen starten. Normalerweise ist es am besten, das Licht im Zimmer auszuschalten.<br />

Rechnen Sie damit, viele Aufnahmen zu machen, um ein Ergebnis mit perfektem Timing zu<br />

bekommen. Experimentieren Sie mit unterschiedlichen Hintergrundfarben und Flüssigkeiten<br />

– sowohl Milch als auch Wasser kann zu interessanten Ergebnissen führen.<br />

Für eine komplette Anleitung zur <strong>Fotografie</strong> von Wassertropfen lesen Sie weiter auf Seite 128.<br />

Machen Sie ein Stillleben-Projekt<br />

Nahaufnahmen bieten einen abstrakten Blick auf das<br />

Motiv. Man kann damit Details, Farben, Symmetrien,<br />

Struktur und sich wiederholende Konturen hervorheben,<br />

die ansonsten leicht übersehen werden, und diese so<br />

isolieren, dass sie zu einem Bild mit Blickfang werden. Das<br />

eigentliche Motiv braucht dabei nicht mal erkennbar sein<br />

– es geht hier einfach um Kunst. Alle Sorten von<br />

Haushaltsgegenständen können so fotografiert werden –<br />

Büroklammern und Stecknadeln, Stoffe, Küchenutensilien<br />

und farbenfrohe Süßigkeiten. Um Ihr kreatives Auge zu<br />

schulen, stellen Sie sich selbst die Aufgabe, mindestens<br />

eine verblüffende Nahaufnahme in jedem Zimmer Ihres<br />

Hauses aufzunehmen. Zuerst mag es schwierig<br />

erscheinen, geeignete Motive zu identifizieren, aber wenn<br />

Sie Ihr Auge erst mal trainiert haben, werden Sie<br />

überrascht sein, wie atemberaubend viele Dinge in der<br />

Nahaufnahme erscheinen. Wenn Sie aus der Zeit der<br />

Analogfotografie noch eine Leuchtbox haben, nutzen Sie<br />

diese als Lichtquelle – sie ist ideal, um kleine oder<br />

transparente Objekte von hinten zu durchleuchten.<br />

ISTOCK PHOTO


Auf Messers Schneide!<br />

Die einfachsten Haushaltsgegenstände<br />

bieten hervorragende Motive für<br />

künstlerisch abstrakte Aufnahmen, z. B.<br />

„Messer und Gabel“.<br />

Mehr über solche Aufnahmen finden Sie<br />

auf Seite 90.


12<br />

Einführung in die <strong>Makrofotografie</strong><br />

<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong><br />

Insekten<br />

Käfer sind bei Makrofotografen sehr beliebt. Hier erklären wir, wie Sie diese<br />

merkwürdig-wundervollen Wesen von ihrer besten Seite zeigen<br />

INSEKTEN SIND ZWEIFELSOHNE tolle Motive<br />

für Nahaufnahmen. Mit Makroobjektiv oder<br />

Vorsatzlinse bewaffnet, können Sie verblüffende,<br />

formatfüllende Aufnahmen von Käfern machen,<br />

die mit ihren überproportionalen Augen, riesigen<br />

Unterkiefern und langen Fühlern wie<br />

Außerirdische aussehen.<br />

Insekten kann man fast überall finden: im<br />

eigenen Garten, öffentlichen Parks, Wäldern,<br />

Auen und Heidelandschaften. Besuchen Sie<br />

geeignete Orte und begeben Sie sich auf die<br />

Suche. Schauen Sie in die Vegetation, ins hohe<br />

Gras, auf Gartenblumen und entlang von<br />

Gewässerbegrenzungen oder Hecken und<br />

suchen Sie dort kleine, fotogene Motive wie<br />

Marienkäfer, Florfliegen, Maikäfer, Grashüpfer,<br />

Motten, Schmetterlinge und Libellen. Der frühe<br />

Morgen und der späte Abend sind am besten,<br />

um Insekten zu fotografieren, da die Motive dann<br />

allgemein weniger aktiv sind. Die Lichtqualität<br />

ist obendrein besser und durch die niedrige<br />

Position der Sonne können Sie bei der<br />

Ausleuchtung kreativer sein – Sie könnten<br />

versuchen, das Motiv von hinten auszuleuchten,<br />

so dass sich die Silhouette abhebt.<br />

Wenn Sie ein geeignetes Motiv gefunden haben,<br />

kümmern Sie sich danach um die<br />

Belichtungseinstellungen. Tiefenschärfe steht an<br />

oberster Stelle, also wählen Sie die<br />

Zeitautomatik mit Blendenvorwahl oder den<br />

manuellen Belichtungsmodus. Normalerweise<br />

ist es am besten, eine kleine Blende zu wählen,<br />

um das Motiv scharf zu halten, aber dennoch<br />

groß genug, um die Vegetation der Umgebung<br />

aus dem Fokus zu bekommen.<br />

Eine Blende im Bereich von f/8 oder f/11 ist<br />

normalerweise ein guter Ausgangspunkt, aber<br />

die Menge der erforderlichen Tiefenschärfe hängt<br />

stark vom Motiv, von dem Vergrößerungsgrad<br />

und dem gewünschten Ergebnis ab. Oft müssen<br />

Sie schnell arbeiten, da Insekten sich<br />

möglicherweise jederzeit bewegen oder<br />

fortfliegen können. Daher ist die Verwendung<br />

eines Stativs selten zweckmäßig, also müssen<br />

Sie in der Regel aus der Hand fotografieren. Um<br />

die Verschlussgeschwindigkeit praktikabel<br />

schnell zu halten – idealerweise größer als 1/250<br />

Sekunden – erhöhen Sie den ISO-Wert auf 400<br />

oder 800, falls erforderlich.<br />

Wie alle wilden Kreaturen können Insekten eine<br />

ziemliche Herausforderung darstellen, wenn<br />

man ihnen nahe kommen will. Maximieren Sie<br />

Ihre Erfolgschancen, indem Sie sich langsam in<br />

die Position begeben, es vermeiden einen<br />

Schatten über das Motiv zu werfen und achten<br />

Sie darauf, keine Grashalme oder Blätter in der<br />

Nähe abzuknicken, um die Käfer nicht zu<br />

erschrecken. Fokussieren Sie manuell – das ist<br />

nicht nur eine präzisere Methode, um bei<br />

Nahaufnahmen zu fokussieren, aber durch das<br />

Geräusch einiger AF-Systeme kann sich das<br />

Motiv ebenfalls gestört fühlen. Achten Sie darauf,<br />

dass der Fokuspunkt auf dem Augen der Kreatur<br />

liegt und schießen Sie schnell ein ganzes Bündel<br />

von Bildern, um die Chancen zu maximieren,<br />

dass wenigstens ein messerscharfes Ergebnis<br />

darunter ist.<br />

ISTOCK PHOTO ISTOCK PHOTO<br />

Kreative Ideen: Insekten<br />

Um wirklich ins Auge springende<br />

Nahaufnahmen von Insekten zu fotografieren,<br />

seien Sie kreativ beim Bildaufbau. Oft sind<br />

Insekten gut geeignet, um Sie aus einem<br />

seitlichen Winkel oder direkt von oben zu<br />

fotografieren – insbesondere Schmetterlinge und<br />

Motten mit ausgebreiteten Flügeln. In der Folge<br />

gerät man leicht in Versuchung, Insekten aus<br />

Gewohnheit stets auf die gleiche Art und Weise<br />

zu fotografieren. Sie sollten sich jedoch nicht<br />

scheuen, bei dem Bildaufbau gewagter zu sein.<br />

Nehmen Sie stattdessen doch mal den<br />

Blickwinkel eines niedrigen Wurmes ein oder<br />

fotografieren Sie vielleicht frontal, um den<br />

Schwerpunkt auf die Augen und den Kopf zu<br />

legen und wirklich schrullige Insekten-Porträts<br />

zu fotografieren. Durch einen ungewöhnlichen<br />

Winkel können Ihre Insektenaufnahmen zu<br />

etwas ganz Besonderem werden.<br />

Auch wenn formatfüllende Aufnahmen sehr<br />

eindrucksvoll sind, sollten Sie auch in Betracht<br />

ziehen, Ihr Motiv verkleinert abzubilden. Wenn<br />

Sie auch etwas von der Umgebung aufnehmen,<br />

vermitteln Sie mehr über das Motiv und seine<br />

Lebensumstände und erzeugen eine<br />

anregendere, visuell interessantere<br />

Bildkomposition. Ein gewisser Grad an<br />

negativem Raum erzeugt ein verstärktes Gefühl<br />

des Maßstabs und betont die Winzigkeit der<br />

Kreatur.<br />

Eine detaillierte Beschreibung der<br />

Insektenfotografie finden Sie auch auf Seite 70.


Flotter Käfer<br />

Aufnahmen von Insekten<br />

funktionieren besser mit<br />

einfachem Hintergrund<br />

als vor unruhiger Kulisse.<br />

BILD: ROSS HODDINOTT<br />

ROSS HODDINOTT


14<br />

Einführung in die <strong>Makrofotografie</strong><br />

<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong><br />

Zum besseren Verständnis von Nah- und Makroaufnahmen<br />

Einsteiger trauen sich oft nicht an Makroaufnahmen heran, weil sie als ein Gebiet für Spezialisten gelten. Nahaufnahmen sind<br />

jedoch nicht so schwierig, wie viele Leute glauben – und Sie werden erfreut sein zu erfahren, dass Sie Ihre vorhandene Ausrüstung<br />

verwenden können. Unser Leitfaden möchte Sie mit dem notwendigen Know-how ausrüsten, damit auch Sie sofort tolle Nah- und<br />

Makroaufnahmen schießen können.<br />

Abbildungsmaßstab<br />

Der Abbildungsmaßstab beschreibt die tatsächliche Größe des Objekts im Verhältnis zu der Größe, in der es auf<br />

dem Sensor erscheint – also nicht die spätere Vergrößerung auf dem Monitor oder dem Druck/Abzug! Wenn zum<br />

Beispiel ein Objekt von 40 Millimetern Größe auf dem Sensor mit einer Größe von zehn Millimetern erscheint, so<br />

hat es einen Abbildungsmaßstab von 1:4, oder einem Viertel der Lebensgröße. Erscheint das Objekt mit 20 mm<br />

Größe, so ist der Abbildungsmaßstab 1:2 oder halbe Lebensgröße. Wird es dagegen auf dem Sensor in derselben<br />

Größe abgebildet, die es tatsächlich hat, spricht man vom Abbildungsmaßstab 1:1, also „Lebensgröße“.<br />

In der Spezifikation jedes Objektivs wird auch der Abbildungsmaßstab genannt. Bei manchen Standard- oder<br />

Teleobjektiven taucht das Wort „Makro“ in der Produktbezeichnung auf. Man sollte jedoch wissen, dass dies<br />

nur als Hinweis zu verstehen ist, dass dieses Objektiv über eine geringere minimale Nahdistanz verfügt, als<br />

dies standardmäßig der Fall ist. Tatsächlich jedoch können diese Objektive nicht als wirkliche Makroobjektive<br />

betrachtet werden, obwohl sie häufig einen sehr nützlichen Abbildungsmaßstab von 1:3 oder 1:4 aufweisen.<br />

Ein Achtel Lebensgröße<br />

Ein Viertel Lebensgröße<br />

Nah- oder <strong>Makrofotografie</strong>:<br />

Wo liegt der Unterschied?<br />

Die Begriffe „Nahaufnahme“ und „Makroaufnahme“<br />

werden oft synonym für ähnliche Aufnahmetechniken<br />

benutzt. Es gibt jedoch einen deutlichen Unterschied:<br />

Eine „Nahaufnahme“ ist, genau genommen, ein Bild<br />

mit einem Abbildungsmaßstab zwischen 1:10 bis zu<br />

einem Wert knapp unterhalb von 1:1 („Lebensgröße“);<br />

der Abbildungsmaßstab einer „Makroaufnahme“<br />

dagegen liegt im Bereich zwischen Lebensgröße und<br />

10:1.<br />

Was mit einer stärkeren Vergrößerung als zehnfacher<br />

Lebensgröße aufgenommen wird, gehört in das<br />

Spezialgebiet der Mikrofotografie. Bei Fotografen sowie<br />

in Büchern und Magazinen wird die Verwendung<br />

des Wortes „Makro“ recht locker gehandhabt, um<br />

praktisch jede Art von Nahaufnahmen zu bezeichnen.<br />

Das mag technisch inkorrekt sein, tatsächlich ist diese<br />

Unterscheidung aber nur akademischer Natur. Letztlich<br />

ist es die Qualität des Bildes, die zählt.<br />

Halbe Lebensgröße<br />

Lebensgröße<br />

Tiefenschärfe<br />

ROSS HODDINOTT<br />

Kleinerer Sensor<br />

Vollformatsensor<br />

Verkleinerter Sensor<br />

Wahrscheinlich ist Ihnen<br />

bekannt, dass die große<br />

Mehrheit der digitalen<br />

Spiegelreflexkameras über<br />

einen kleineren Bildsensor<br />

verfügt, der im Allgemeinen<br />

als APS-C-Sensor bezeichnet<br />

wird. Das heißt, dass diese<br />

Sensoren, die kleiner sind als<br />

das gewohnte Kleinbildformat<br />

von 35 Millimetern, ein engeres<br />

Blickfeld haben, womit die<br />

Brennweite des Objektivs<br />

effektiv multipliziert wird, auch<br />

wenn sich die tatsächliche<br />

Brennweite nicht verändert.<br />

Der Grad der Multiplikation<br />

hängt von der Größe des<br />

Sensors ab, und bei einem Formatfaktor von 1,5 x, wird ein 100 mm Objektiv beispielsweise effektiv zu<br />

einem 150 mm Objektiv. Dies kann in einigen Bereichen der <strong>Fotografie</strong> von Nachteil sein, beispielsweise<br />

in der Landschaftsfotografie, da Weitwinkelobjektive ihren charakteristischen Effekt verlieren. Für<br />

Nahaufnahmen jedoch ist dieses Phänomen auf zweierlei Arten von enormem Vorteil. Zum einen<br />

kann der engere Blickwinkel dazu verwendet werden, eine größere Arbeitsdistanz von dem Objekt zu<br />

schaffen, da Sie aus einer weiteren Entfernung fotografieren und dabei denselben Grad der Vergrößerung<br />

beibehalten können, der mit einem Vollformatsensor erreicht würde. Alternativ kann mit einer digitalen<br />

Spiegelreflexkamera mit einem APS-C-Sensor das Objekt innerhalb des Bildausschnitts größer dargestellt<br />

werden. Dies liegt daran, dass der verkleinerte Sensor die minimale Fokusdistanz nicht verändert, sodass<br />

sein Abbildungsmaßstab effektiv vergrößert wird.<br />

ROSS HODDINOTT<br />

Eine Schwierigkeit beim <strong>Fotografie</strong>ren von<br />

Nahaufnahmen ist die Arbeit mit der eingeschränkten<br />

Tiefenschärfe. Der scharfe Bereich vor und hinter<br />

dem Fokuspunkt wird– auf allen Blendenstufen –<br />

zunehmend flacher, je stärker die Vergrößerung ist.<br />

<strong>Fotografie</strong>rt man etwa eine Blume, kann es passieren,<br />

dass die Blütenstempel rasiermesserscharf<br />

abgebildet werden, aber die Blütenblätter<br />

davor und dahinter nicht mehr im Fokus sind.<br />

Mehr Entfernung zum Objekt würde zwar mehr<br />

Tiefenschärfe erzeugen, aber das liefe dem Prinzip<br />

der Nahaufnahme zuwider.<br />

Die Lösung liegt in einer kleineren Blende (höherer<br />

f-Wert), da so die Tiefenschärfe vergrößert wird. Dies<br />

bewirkt natürlich, dass weniger Licht auf den Sensor<br />

fällt; also muss zum Ausgleich die Verschlusszeit<br />

verlängert werden, um eine korrekte Belichtung zu<br />

erhalten.<br />

Leider erhöhen längere Verschlusszeiten auch das<br />

Verwacklungsrisiko. Bei statischen Objekten ist das<br />

Problem leicht zu umgehen, indem man die Kamera<br />

auf dem Stativ fixiert. Bei bewegten Objekten oder bei<br />

Wind kann die resultierende Verschlusszeit jedoch zu<br />

lang sein, um die Bewegung einzufrieren. In solchen<br />

Situationen sollten Sie einen höheren ISO-Wert<br />

einstellen oder einen Aufhellblitz verwenden.<br />

Ein gutes Verständnis der Tiefenschärfe ist für das<br />

<strong>Fotografie</strong>ren von Nahaufnahmen unverzichtbar. Der<br />

Grad der Schärfe vom Bildvordergrund bis in zum<br />

Hintergrund kann den Eindruck einer Aufnahme<br />

komplett verändern. Entgegen der vorherrschenden<br />

Meinung, ist mehr Tiefenschärfe nicht grundsätzlich<br />

bei allen Nahaufnahmen wünschenswert, da sie auch<br />

ablenkende Elemente im Vorder- oder Hintergrund in<br />

den Fokus bringt. Viele Fotografen entscheiden sich<br />

bewusst für eine kurze Tiefenschärfe, um Objekte<br />

zu isolieren und das Auge des Betrachters auf den<br />

gewünschten Fokuspunkt zu lenken.


Ausleuchtung von Nahaufnahmen<br />

Das natürliche Licht kann bei der <strong>Fotografie</strong> von Nahaufnahmen eingeschränkt sein. Dies liegt meist an der kurzen Entfernung<br />

zwischen Kamera und Objekt, bei der die Kamera und/oder der Fotograf einen Schatten auf kleine Objekte werfen.<br />

Dies kann schwierig zu vermeiden sein, insbesondere wenn man eine Vorsatzlinse verwendet, weil das Objektiv sich unter<br />

Umständen nur ein paar Zentimeter vom Objekt entfernt befindet. Manchmal kann das Problem einfach gelöst werden, indem<br />

man die Aufnahmeposition ändert oder eine größere Brennweite wählt und damit die Entfernung Kamera/Objekt vergrößert.<br />

Falls dies nicht möglich ist, muss man jedoch das vorhandene Licht ergänzen.<br />

Für ein möglichst natürliches Ergebnis können Sie das Licht mithilfe eines Reflektors zurück auf das Objekt werfen. Die<br />

Intensität des Lichts kann durch eine Veränderung des Standortes des Reflektors näher oder weiter zum Objekt sowie durch<br />

Anpassen des Winkels gesteuert werden. Kompakte, faltbare Modelle sind günstig und ein idealer Ausrüstungsgegenstand, der<br />

problemlos in Ihre Kameratasche passt. Alternativ können Sie auch ein Stück weißer Pappe oder Alufolie verwenden. Wenn ein<br />

Reflektor nicht ausreicht, versuchen Sie es mit einem an der Kamera angebrachten Blitzgerät.<br />

Falls dieses Ihr Objekt unzureichend ausleuchtet oder vom Objektiv verdeckt wird, positionieren Sie Ihr Blitzgerät extern und<br />

lösen Sie es per Fernsteuerung aus.<br />

Für Ihre ersten Schritte im Bereich der <strong>Makrofotografie</strong> empfehlen wir Ihnen,<br />

zunächst mit dem vorhandenen Tageslicht zu experimentieren, mit dem man<br />

verhältnismäßig leicht arbeiten kann.<br />

Tiefenschärfe-<strong>Vorschau</strong><br />

Wenn Ihre Kamera über eine Taste zur Tiefenschärfe-<br />

<strong>Vorschau</strong> verfügt, sollten Sie diese nutzen. Sie<br />

blendet das Objektiv auf den eingestellten<br />

Blendenwert ab, sodass Sie vor der Aufnahme durch<br />

den Sucher sehen können, was im Fokus liegt und<br />

was nicht (funktioniert auch gut mit LiveView).<br />

PETER ADAMS


16<br />

Einführung in die <strong>Makrofotografie</strong><br />

<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong><br />

Grundausstattung für Nahaufnahmen<br />

Ganz egal, ob Sie gerade erst eingestiegen sind, oder ob Sie Ihre Makroarbeiten auf<br />

ein höheres Niveau bringen möchten: Es gibt ein paar Ausrüstungsgegenstände,<br />

die perfekt für die anstehende Aufgabe geeignet sind…<br />

WER GUTE Makroaufnahmen erzielen möchte,<br />

benötigt ein hohes Maß an Vergrößerung, welche die<br />

Fähigkeiten der meisten Standardobjektive<br />

übersteigt.<br />

Um nah an kleine Objekte herangehen zu können,<br />

brauchen Sie entweder eine spezielles Makroobjektiv,<br />

das für Fokussieren auf kurze Distanz optimiert ist,<br />

oder einen Vorsatz, der Ihre Standardoptik für die<br />

Nahdistanz-Fokussierung aufrüstet. Spezielle<br />

Makroobjektive sind in jedem Fall die beste Lösung,<br />

sie bieten hohe Qualität und bequeme Handhabung.<br />

Als Spezialobjektive können sie zwar teuer werden,<br />

aber wenn Sie oft Nahaufnahmen machen, lohnt sich<br />

die Investition, denn das Objektiv stellt eine sinnvolle<br />

Erweiterung Ihrer Ausrüstung dar.<br />

Makroobjektiv<br />

Ein echtes Makroobjektiv erreicht<br />

einen Abbildungsmaßstab von<br />

1:1 (Lebensgröße). Üblicherweise<br />

handelt es sich dabei um Objektive<br />

mit fester Brennweite und einer<br />

kleineren Anfangsöffnung im Bereich<br />

von 50 bis 200 mm. Auch wenn fast<br />

alle denselben Vergrößerungsgrad<br />

erreichen, bleibt ihre tatsächliche<br />

Brennweite doch relevant für<br />

die Arbeitsdistanz sowie für das<br />

Gewicht, die Größe und den Preis des<br />

Objektivs.<br />

Kürzere Makroobjektive von 50<br />

bis zu 90 mm sind leichter, kleiner<br />

und in der Regel auch günstiger.<br />

Sie bieten keine so große Distanz<br />

zwischen Kamera und Motiv. Wenn<br />

Sie also den Bildausschnitt füllen<br />

möchten, müssen Sie näher an<br />

Ihr Motiv herangehen. Das ist für<br />

unbelebte Objekte auch gar kein<br />

Problem, kann aber schwierig<br />

werden, wenn Sie etwa wilde Tiere<br />

fotografieren möchten. Ein Tele-<br />

Makroobjektiv mit einer Brennweite<br />

über 90 mm bietet einen größeren<br />

Arbeitsabstand und reduziert das<br />

Risiko, Tiere zu erschrecken. Ein<br />

solches Objektiv ist allerdings auch<br />

schwerer, sodass Sie wahrscheinlich<br />

ein Stativ benötigen. Aufgrund des<br />

engeren Blickwinkels produziert<br />

es darüber hinaus eine geringere<br />

Tiefenschärfe, sodass Sie äußert<br />

präzise scharf stellen müssen.<br />

Automatische<br />

Zwischenringe<br />

Eine günstige Alternative bieten<br />

automatische Zwischenringe. Dabei<br />

handelt es sich um einen hohlen<br />

Tubus, der zwischen Kamera und<br />

Objektiv angebracht wird, um die<br />

Nahdistanz zu verringern und somit<br />

den Vergrößerungsgrad zu erhöhen.<br />

Da sie keinerlei Optik enthalten,<br />

vermindern Zwischenringe nicht<br />

die optische Qualität; allerdings<br />

reduzieren sie die einfallende<br />

Lichtmenge – je stärker die<br />

Vergrößerung, desto mehr Licht geht<br />

verloren. Zwischenringe sind leicht,<br />

kompakt und erzielen in Verbindung<br />

mit einem guten Objektiv tolle<br />

Ergebnisse.<br />

Die gängigsten Größen betragen 12,<br />

25 und 36 Millimeter. Dabei gilt:<br />

Je weiter der Ring, desto größer die<br />

Verlängerung. Am besten kombiniert<br />

man sie mit einem Objektiv mit<br />

kurzer Festbrennweite im Bereich<br />

von 35 bis 100 mm. Kenko ist einer<br />

der wenigen Hersteller, der diese<br />

Ringe produziert. Nichtautomatische<br />

Versionen sind schon sehr günstig zu<br />

haben, um die 14 Euro. Allerdings hat<br />

die Tatsache, dass sie keine Elektronik<br />

beinhalten, eine Deaktivierung vieler<br />

wichtiger Automatikfunktionen Ihrer<br />

Kamera zur Folge, etwa bestimmter<br />

Belichtungsmodi und dem Autofokus,<br />

Sie müssen diese Einstellungen also<br />

manuell vornehmen.<br />

Wenn Sie noch in einem Stadium sind, wo Sie nur<br />

etwas im Makrobereich experimentieren möchten<br />

oder nur ein eingeschränktes Budget zur Verfügung<br />

haben, sind Nahlinsen oder Zwischenringe die<br />

bessere und günstigere Alternative.<br />

Darüber hinaus gibt es noch ein paar grundlegende<br />

Ausrüstungsgegenstände, von denen sich einige sehr<br />

wahrscheinlich bereits in Ihrem Besitz befinden:<br />

Das Wichtigste von ihnen ist ein gutes Stativ. Die<br />

kleinste Bewegung hat auf Nahaufnahmen extreme<br />

Auswirkungen. Aus diesem Grund sollten Sie Ihre<br />

Kamera abstützen, wann immer es möglich ist.<br />

Außerdem erweist sich ein Fernauslöser als nützlich,<br />

ebenso wie ein kleiner Reflektor – letzteren können<br />

Sie entweder kaufen oder auch selbst herstellen.<br />

Drei Möglichkeiten, näher heranzugehen…<br />

350 Euro 50 Euro 10 Euro<br />

Nahlinsen<br />

Wer sich weder ein Makroobjektiv<br />

noch automatische Zwischenringe<br />

leisten mag, braucht Sie sich nicht<br />

zu sorgen, dank dieser günstigen<br />

Lösung. Es handelt sich um<br />

runde Filter zum Aufschrauben,<br />

die – vereinfacht dargestellt – wie<br />

ein Vergrößerungsglas wirken. Sie<br />

sind hervorragend für den Einstieg in<br />

die <strong>Makrofotografie</strong> geeignet, leicht<br />

zu handhaben und ohne Einfluss<br />

auf die Automatikfunktionen des<br />

Objektivs. Ihre Vergrößerung wird in<br />

Dioptrien gemessen.<br />

Hoya, Kood, Micro Tech Labs, Nikon<br />

und Raynox sind nur einige der<br />

Hersteller für Nahlinsen. Erhältlich<br />

sind sie in vielen Durchmessern und<br />

Stärken, üblicherweise +1, +2, +3<br />

und +4. Auch hier gilt: Je höher der<br />

Wert, desto stärker die Vergrößerung.<br />

Versionen in Stärken von +10 sind<br />

ebenfalls erhältlich, bieten aber<br />

kaum gute Qualität. Am besten<br />

kombiniert man sie mit kurzen<br />

Objektiven mit fester Brennweite im<br />

Bereich von 50 bis zu 135 mm.<br />

Nahlinsen erlauben keine große<br />

Arbeitsentfernung; Sie müssen also<br />

sehr nah an Ihr Motiv herangehen,<br />

um bildfüllende Fotos zu schießen.<br />

Leider neigen sie auch zu<br />

sphärischen und chromatischen<br />

Abweichungen. Die Bildqualität<br />

kann aber verbessert werden, wenn<br />

man keine kleinere Blende als f/8<br />

wählt.<br />

Grundlegende<br />

Ausrüstungsgegenstände<br />

Reflektor: Ein Reflektor ist ein<br />

absolutes Muss für das <strong>Fotografie</strong>ren von<br />

Nahaufnahmen. Wenn Sie viele solcher Fotos<br />

machen möchten, sollten Sie diese Investition<br />

unbedingt tätigen. Für die meisten Situationen<br />

ist ein Reflektor mit einer Größe von 30 oder<br />

35 Zentimetern mehr als ausreichend. Die<br />

Farbe ist wichtig: Weiß bietet ein sanftes,<br />

diffuses Licht, silbern ist effizienter, kann aber<br />

hart wirken, während golden oder „sunfire“<br />

Ihren Nahaufnahmen mehr Wärme verleiht.<br />

Eine günstige Alternative ist ein Stück Pappe,<br />

das mit Folie umwickelt ist.<br />

Fernauslöser: Selbst<br />

wenn eine Kamera auf einem<br />

Stativ steht, kann das Drücken<br />

des Auslösers eine leichte<br />

Bewegung hervorrufen. Bei langen<br />

Verschlusszeiten kann dies die Bildqualität<br />

vermindern und ein potenziell fantastisches<br />

Bild ruinieren. Deshalb sollten Sie – wann<br />

immer es möglich ist – den Verschluss<br />

entweder mit einem kabelgebundenen oder<br />

mit einem Infrarot-Fernauslöser betätigen.<br />

Dies maximiert die Bildschärfe, insbesondere<br />

im Fall einer Spiegelvorauslösung Ihrer<br />

Kamera.<br />

Stativ: Für<br />

rasiermesserscharfe<br />

Nahaufnahmen sollten Sie,<br />

wann immer es notwendig<br />

wird, ein Stativ verwenden.<br />

Wählen Sie eines, das Sie möglichst tief<br />

einstellen können. Bei dem Manfrotto XPROB<br />

Design kann die Mittelsäule horizontal<br />

positioniert werden, das Gitzo Systematics<br />

hat erst gar keine Mittelsäule und die Modelle<br />

von Giotto mit einer 3D-Säule sind ebenfalls<br />

sehr gut für Makroaufnahmen geeignet.<br />

Plamp: Die Wimberley<br />

Plamp ist ein Gelenkarm mit<br />

Kugelgelenken und Klammern<br />

an beiden Enden. Eine<br />

Klammer kann an einem der<br />

Beine Ihres Stativs befestigt werden, während<br />

die andere ein Objekt festhalten kann. Der<br />

Arm ist besonders nützlich, um einen<br />

Reflektor zuhalten, er kann aber auch dazu<br />

eingesetzt werden, Ihr Objekt still oder in einer<br />

bestimmten Position zu halten, zum Beispiel<br />

eine Blüte oder einen Ast, die vom Wind hin<br />

und her geweht werden. Ein sehr nützlicher,<br />

kleiner Helfer, der gut in Ihre Kameratasche<br />

passt.<br />

Winkelsucher: Die<br />

Einführung von LiveView und<br />

stufenlos schwenk- und<br />

neigbaren LCD-Displays hat<br />

zur Folge, dass Winkelsucher<br />

ein wenig aus der Mode gekommen sind.<br />

Dabei handelt es sich um L-förmige Aufsätze,<br />

die auf die Augenmuschel der Kamera passen<br />

und es Ihnen ermöglichen, ein Bild<br />

anzuschauen oder aufzubauen, indem Sie<br />

nach unten und nicht horizontal in den<br />

Sucher schauen. Wenn Sie auf niedriger Höhe<br />

oder auf dem Boden fotografieren, was bei der<br />

Makroarbeit oftmals der Fall sein kann,<br />

können Sie Ihren Bildaufbau mit einem<br />

Winkelsucher viel bequemer gestalten.


<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong> Einführung in die <strong>Makrofotografie</strong> 17<br />

Makro-Zubehörteile für jeden Geldbeutel…<br />

2<br />

2<br />

2<br />

3<br />

1<br />

50 Euro 300 Euro 700 Euro<br />

Für den Einstieg<br />

Sie haben bislang noch keine Nahaufnahmen gemacht,<br />

möchten dies aber einmal ausprobieren. Aus diesem<br />

Grunde steht Ihnen auch nur ein eingeschränktes<br />

Budget zur Verfügung. Schließlich hat es wenig Sinn,<br />

in diesem Stadium viel Geld auszugeben. Die Ausgabe<br />

für ein spezielles Makroobjektiv ist sicherlich nicht zu<br />

rechtfertigen, aber mit einer günstigen Vorsatzlinse<br />

kommen Sie immer noch nah genug an die meisten<br />

Motive heran. Nahlinsen bieten jedoch keinen großen<br />

Arbeitsabstand. Sie sollten sich also im Wesentlichen<br />

auf leblose Objekte wie Stillleben, Strukturen, Muster,<br />

Blumen und Pflanzen konzentrieren, und kleine<br />

Wildtiere eher außen vor lassen.<br />

1) Nahlinsen (ab 15 Euro, je nach Filtergröße): Eine<br />

Nahlinse mit +3 oder +4 bietet einen guten Einstieg<br />

in die <strong>Fotografie</strong> von Nahaufnahmen, indem sie Ihr<br />

Standardobjektiv in ein provisorisches Makroobjektiv<br />

verwandelt. Wenn Sie die Linsen miteinander<br />

kombinieren, erhalten Sie einen höheren Grad an<br />

Vergrößerung, allerdings müssen Sie dabei in Kauf<br />

nehmen, dass die Bildqualität leidet. Hoya produziert<br />

eine große Auswahl an Filtern von guter Qualität.<br />

2) Reflektor (ab 15 Euro): Sie können zwar einen<br />

eigenen Reflektor basteln, indem Sie ein Stück Pappe<br />

mit Alufolie umwickeln, aber trotzdem empfehlen wir<br />

Ihnen, einen richtigen Reflektor zu kaufen, insbesondere,<br />

wenn Sie diesen häufig verwenden möchten. Er ist<br />

faltbar und passt gut in Ihre Kameratasche. Eine Version<br />

in „sunlite“ / silbern bietet eine schöne, natürliche<br />

Lichtquelle. Ein Reflektor mit einer Größe von 30<br />

Zentimetern ist für kleine Objekte völlig ausreichend.<br />

3) LED Ringblitz (ab 36 Euro): Bietet eine sanfte,<br />

schattenfreie Ausleuchtung für Nahaufnahmen und<br />

kostet dabei nur einen Bruchteil dessen, was Sie für<br />

einen normalen Ringblitz ausgeben müssten. Der<br />

Output der LEDs kann gesteuert werden und man kann<br />

sie entweder aufblitzen oder permanent leuchten lassen.<br />

Ein Power Pack wird an den Blitzschuh der Kamera<br />

angeschlossen. Hersteller solcher Ringblitze sind unter<br />

anderem Hama, Polaroid und Seagull.<br />

Wenn Sie es sich leisten können…<br />

3<br />

4<br />

Mit wachsender Erfahrung<br />

Sie hängen am Haken und möchten bessere<br />

Nahaufnahmen machen. Jetzt ist es an der Zeit, ein<br />

wenig mehr Geld zu investieren, und eine Ausrüstung<br />

anzuschaffen, die es Ihnen ermöglicht, Bilder von<br />

höherer Qualität einzufangen. Ein Makroobjektiv<br />

liegt immer noch außerhalb Ihres gegenwärtigen<br />

Budgets, aber ein automatischer Zwischenring bietet<br />

im Vergleich zu dem, was Sie mit Dioptrien erreichen<br />

können, schärfere, knackigere Ergebnisse. Die Distanz<br />

zwischen Kamera und Objekt wird immer noch recht<br />

kurz sein, aber wenn Sie Ihrer Ausrüstung ein gutes<br />

Stativ hinzufügen, wird sich die Liste der Motive, die<br />

Sie erfolgreich fotografieren können, erweitern.<br />

1) Automatische Zwischenringe (60 bis 85 Euro):<br />

Anders als Nahlinsen beeinträchtigen automatische<br />

Zwischenringe nicht die Bildqualität. Ein Objektiv mit<br />

50 Millimetern und f/1.8 ist eine gute Wahl für die<br />

Kombination mit Zwischenringen. Polaroid und Zeikos<br />

stellen automatische Zwischenringe zum kleinen Preis<br />

her.<br />

2) Stativ (100 bis 175 Euro): Ein Stativ wird Ihnen<br />

helfen, Ihren Bildaufbau zu vervollkommnen und<br />

ermöglicht es Ihnen, Ihren Fokuspunkt exakter zu<br />

platzieren. Das Manfrotto 190XRPOB ist eine gute<br />

Wahl, weil seine Mittelsäule horizontal positioniert und<br />

seine Beine komplett gespreizt werden können.<br />

3) Ringblitzadapter (ab 95 Euro): Diese Adapter<br />

verwandeln ein auf den Blitzschuh aufgestecktes<br />

Blitzgerät in einen Ringblitz. Sie verfügen nicht<br />

über die speziellen Funktionen eines Ringblitzes,<br />

stellen aber eine gute und günstige Alternative dar.<br />

Probieren Sie es einmal mit Rayflash oder Orbis. Im<br />

Makrobereich bieten diese Geräte allerdings nur wenig<br />

Vorteile gegenüber den günstigeren LED-Ringblitzen.<br />

4) Plamp (36 Euro): Nicht besonders teuer, aber ein<br />

nützlicher kleiner Helfer, den Sie beim Schießen von<br />

Nahaufnahmen immer in Ihrer Kameratasche haben<br />

sollten. Er ist ideal, um einen Reflektor in Position<br />

zu halten, um einen Ast oder einen Blütenstängel zu<br />

bändigen oder grundsätzlich als zusätzliche Hand.<br />

1<br />

3<br />

4<br />

Wenn es ernst wird<br />

Sie sind zu dem Entschluss gekommen, dass<br />

Nahaufnahmen Ihr Ding sind. Sie haben angefangen,<br />

sich auf die <strong>Makrofotografie</strong> zu spezialisieren und sind<br />

bereit, so viel Geld auszugeben, wie für die richtige<br />

Ausrüstung für diese Art von <strong>Fotografie</strong> erforderlich<br />

ist. Ein spezielles Makroobjektiv hat oberste Priorität.<br />

Es erlaubt es Ihnen, Nahaufnahmen aus einer<br />

weiteren Distanz zu fotografieren und ermöglicht<br />

somit Nahaufnahmen von jedem Objekt, inklusive<br />

scheuer Insekten. Des Weiteren steht ein spezieller<br />

Makro-Blitz auf Ihrer Liste, und zwar zusammen mit<br />

einem Stativkopf, der Ihnen die komplette Kontrolle<br />

und Präzision bei der Bildkomposition und beim<br />

Fokussieren bietet.<br />

1) 100 mm Makroobjektiv (ab 600 Euro):<br />

Eine vernünftige Wahl, die Ihnen eine praktische<br />

Arbeitsdistanz erlaubt, aber immer noch kurz und<br />

leicht genug ist, um aus der Hand zu fotografieren,<br />

wenn es notwendig ist. Ein Objektiv mit Bildstabilisator<br />

ist nützlich, wenn Sie aus der Hand fotografieren<br />

möchten.<br />

2) Stativ und Kopf (ab 100 Euro): Sie möchten in<br />

der Lage sein, schnell kleine, präzise Anpassungen<br />

vorzunehmen, ohne irgendwelche Bewegungen<br />

auszulösen, wenn Sie die Arretierungen benutzen. Das<br />

Manfrotto 410 ist eine beliebte Wahl.<br />

3) Makroblitz (ab 500 Euro): LED Ringblitze und<br />

Adapter sind gute Übergangslösungen, aber ein<br />

spezieller Makroblitz einfach besser. Er bietet Ihnen<br />

die beste Funktionalität und ermöglicht es Ihnen, unter<br />

allen Bedingungen gut ausgeleuchtete Nahaufnahmen<br />

zu fotografieren. Schauen Sie sich die Geräte von<br />

Sigma, Canon, Nikon und Metz einmal an.<br />

4) Winkelsucher (40 Euro): Wenn Ihre Kamera nicht<br />

über ein stufenlos neig- und schwenkbares LCD-<br />

Display verfügt, ist ein Winkelsucher eine großartige<br />

Hilfe, zum Beispiel, wenn Sie Blumen oder Amphibien<br />

aus der Froschperspektive aufnehmen wollen, Sowohl<br />

Nikon, als auch Canon stellen Winkelsucher her, aber<br />

es sind auch günstigere Marken wie Seagull erhältlich.<br />

1<br />

Ring / Makroblitz<br />

200 Euro<br />

Wenn das natürliche Licht nicht ausreicht, ist<br />

ein spezieller Makro-Ringblitz das Optimum<br />

an Funktionalität und Leistung. Es wird<br />

mithilfe eines Adapters vorne am Objektiv<br />

angebracht und produziert einen Ring aus<br />

Licht, was es dem Blitz ermöglicht, Objekte in<br />

allen Richtungen auszuleuchten. Damit diese<br />

Art von Licht nicht vollkommen flach und<br />

schattenlos erscheint, verfügen die meisten Geräte über eine Steuerung, mit der das<br />

Licht von einer Seite des Rings stärker eingestellt werden kann als das von der anderen<br />

Seite. Sie sind unter Umständen jedoch nicht ganz einfach zu diffundieren und neigen<br />

dazu, kreisförmige Lichtreflexe auf glänzenden Oberflächen zu produzieren.<br />

Automatischer Retroadapter<br />

250 Euro<br />

Umkehrringe ermöglichen es, ein Objektiv<br />

mit der Vorderseite nach hinten an der<br />

Kamera anzubringen. Dies schafft eine große<br />

Verlängerung, die dem Objektiv eine viel<br />

nähere Fokussierung ermöglicht. Der Grad an<br />

Vergrößerung, der durch die Umkehrung des<br />

Objektivs erreicht werden kann, wird von der<br />

Brennweite und dem Grad der Verschiebung<br />

bestimmt, kann jedoch die zweifache Lebensgröße übersteigen. Elektronische<br />

Objektivfassungen haben zur Folge, dass manuelle Adapter weit weniger populär sind,<br />

aber es gibt auch für Besitzer von Canon-Kameras eines Lösung: Der Novoflex EOS-<br />

Retro Adapter (www.amazon.de) behält alle Automatikfunktionen der Kamera bei.


18<br />

Einführung in die <strong>Makrofotografie</strong><br />

<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong><br />

Die Grundlagen von Nahaufnahmen<br />

Wer im Makroformat fotografiert, sollte eine Reihe von Faktoren bedenken, um in<br />

jeder Situation bestmögliche Ergebnisse zu erzielen…<br />

DAS FOTOGRAFIEREN von Nahaufnahmen gilt als<br />

knifflig und herausfordernd – was leider manche<br />

Fotografen von eigenen Versuchen abhält. Es mag<br />

zwar richtig sein, dass die Arbeit so nah am Motiv<br />

ein paar technische Herausforderungen mit sich<br />

bringt, aber solange Sie über das notwendige<br />

Wissen und die Technik verfügen, gibt es keinen<br />

Grund, warum Sie nicht von Beginn an großartige<br />

Nahaufnahmen einfangen sollten.<br />

Das größte Problem, mit dem sich Fotografen bei<br />

Nahaufnahmen konfrontiert sehen, ist genug<br />

Tiefenschärfe zu erzielen, um das Motiv<br />

ausreichend scharf abzubilden. Die Tiefenschärfe<br />

wird bei starken Vergrößerungen zunehmend<br />

flacher, sodass die scharfe Zone in der Tat sehr flach<br />

werden kann. Aus diesem Grunde ist die Wahl der<br />

Blende von größter Wichtigkeit, was wiederum die<br />

Zeitautomatik mit Blendenvorwahl und die<br />

manuelle Einstellung zu den Modi macht, die für<br />

die <strong>Makrofotografie</strong> am besten geeignet sind.<br />

Es mag logisch erscheinen, für Nahaufnahmen<br />

grundsätzlich hohe f-Werte zu wählen, etwa f/16<br />

oder f/22. Allerdings unterscheiden sich alle<br />

Situationen voneinander. Zu manchen Motiven<br />

passt eine große Tiefenschärfe, zu anderen<br />

wiederum eher eine flache Schärfezone. Die<br />

Entscheidung liegt bei Ihnen. Wenn Ihr Motiv von<br />

vorne bis hinten scharf abgebildet werden soll, ist<br />

eine hohe f/Zahl die beste Wahl. Außerdem können<br />

Sie einmal versuchen, Ihre Kamera parallel zu dem<br />

Objekt aufzubauen, um so die Tiefenschärfe zu<br />

maximieren. Der größte Nachteil bei der<br />

Verwendung einer hohen f/Zahl ist, dass die<br />

entsprechende Verschlusszeit länger ist, was das<br />

Risiko für Verwacklungsunschärfe oder Bewegung<br />

des Motivs erhöht, und dass Details im Vorder- und<br />

Hintergrund ebenfalls im Fokus liegen und somit<br />

ablenkend wirken können. Eine niedrigere f/Zahl<br />

schafft eine flachere Tiefenschärfe. Dies bedeutet<br />

zwar, dass Sie präziser fokussieren müssen, aber<br />

eine flache Fokuszone lässt die Umgebung des<br />

Objekts auf attraktive Weise verschwimmen und<br />

legt so eine stärkere Betonung auf das Objekt<br />

selbst. Die daraus resultierende Verschlusszeit wird<br />

kürzer sein, was es Ihnen erlaubt, wenn nötig auch<br />

aus der Hand zu fotografieren. Die richtige<br />

Kombination aus einer akzeptablen Tiefenschärfe<br />

und einem verschwommenen Hintergrund zu<br />

erreichen, ist nicht einfach. Wenn Ihre Kamera über<br />

eine Tiefenschärfe-<strong>Vorschau</strong> verfügt, sollten Sie<br />

diese auch benutzen. So können Sie sehen, wie das<br />

Bild mit den vorgenommenen Einstellungen<br />

aussehen wird. Bei manchen Kameramodellen<br />

kann dies mit LiveView kombiniert werden. Eine<br />

weitere Möglichkeit ist das <strong>Fotografie</strong>ren einer<br />

ganzen Bilderserie mit unterschiedlichen f/<br />

Einstellungen, um diese später miteinander zu<br />

vergleichen.<br />

Die Fokussierung ist ein weiterer, wichtiger Faktor,<br />

den es zu berücksichtigen gilt. Die Kameras haben<br />

auf solch kurze Distanzen Probleme zu fokussieren<br />

und dies in Kombination mit einer flachen<br />

Tiefenschärfe bedeutet ein hohes Risiko für<br />

unscharfe Bilder. Die manuelle Fokussierung ist<br />

zumeist die beste Wahl, weil sie Ihnen eine exakte<br />

Auswahl und Positionierung des Fokuspunkts<br />

erlaubt, zum Beispiel die Augen eines Insekts oder<br />

die Blütenstempel einer Blume. Bei der<br />

Verwendung eines Stativs ist auch LiveView eine<br />

große Hilfe: Mithilfe des Zoom-Schalters können<br />

Sie kleine, spezifische Teile des Bildes vergrößern,<br />

um diese auf ihre Schärfe zu kontrollieren und<br />

Feineinstellungen am Fokus vorzunehmen.<br />

Bei stärkeren Vergrößerungen haben die kleinsten<br />

Bewegungen eine starke Auswirkung, sodass das<br />

Risiko der Verwacklungsunschärfe steigt. Achten<br />

Sie also sorgfältig auf die Verschlusszeiten. Ein<br />

Stativ ist die beste Lösung, aber wenn Sie aus der<br />

Hand fotografieren, sollten Sie eine Verschlusszeit<br />

wählen, die oberhalb von 1/200 Sekunde liegt und<br />

die Bildstabilisierung einschalten. Eine weitere gute<br />

Möglichkeit ist es, den ISO-Wert heraufzusetzen.<br />

“Der manuelle Fokus ermöglicht es Ihnen, den Fokuspunkt exakt<br />

auszuwählen und zu platzieren – zum Beispiel das Auge eines<br />

Insekts oder die Blütenstempel einer Blume“<br />

Nahaufnahmen und Licht<br />

Natürliches Licht<br />

Licht ist eine der wichtigsten Zutaten jedes Fotos,<br />

und Nahaufnahmen bilden keine Ausnahme.<br />

Qualität, Farbe, Einfallwinkel und Kontrast des<br />

Lichts sind entscheidende Faktoren. Licht kann<br />

helfen, ein winziges Details optisch zu betonen,<br />

zu verstärken oder zu verbergen. Jede Richtung<br />

des Lichts, ob von vorne, von der Seite oder von<br />

hinten, hat ihre eigenen, individuellen<br />

Eigenschaften.<br />

Die Beleuchtung von vorn – wenn ein Objekt<br />

gegenüber der Kamera direkt ausgeleuchtet wird<br />

– neigt dazu, ein recht gleichmäßiges,<br />

schattenloses Licht zu produzieren. Es ist gut<br />

dazu geeignet, um Farben zu betonen, satter und<br />

lebendiger erscheinen zu lassen. Es kann aber<br />

auch recht flache Resultate hervorbringen,<br />

denen es an Kontrast fehlt. Darüber hinaus wird<br />

es schwierig zu vermeiden, dass der eigene<br />

Schatten auf das von vorn beleuchtete Objekt<br />

fällt, wenn man so nah am Motiv arbeitet.<br />

Die Beleuchtung von der Seite ist normalerweise<br />

besser, sie betont die Form und definiert Umrisse<br />

und Kanten. Die genaue Wirkung hängt<br />

natürlich vom Objekt sowie vom Winkel und der<br />

Intensität des Lichts ab. Eine starke<br />

Ausleuchtung von der Seite kann sogar zu viel<br />

Kontrast verursachen. Falls der Kontrast zu groß<br />

wird, hellen Sie die Schatten je nach Bedarf mit<br />

einem Reflektor oder Aufhellblitz auf.<br />

Die Beleuchtung von hinten ist am<br />

schwierigsten herzustellen, kann aber besonders<br />

interessante Ergebnisse erzielen. Wenn sich die<br />

Lichtquelle hinter dem Objekt befindet, strahlt<br />

sie den Umriss, die Form und die feinen Details<br />

an, wie zum Beispiel die winzigen Haare auf<br />

einem Blütenstängel. Der frühe Morgen und der<br />

späte Abend sind die besten Tageszeiten, um<br />

von hinten ausgeleuchtete Objekte zu<br />

fotografieren, da die Sonne dann tief am Himmel<br />

steht. Bringen Sie eine Gegenlichtblende an<br />

Ihrem Objektiv an, um Blendenflecke zu<br />

vermeiden, und kontrollieren Sie das<br />

Histogramm Ihres Bildes in regelmäßigen<br />

Abständen. Eine Ausleuchtung von hinten kann<br />

Machen Sie sich bereit für die Nahaufnahme!<br />

Qualität<br />

Wählen Sie den Raw-Modus . Beim<br />

<strong>Fotografie</strong>ren von Nahaufnahmen möchten Sie<br />

die bestmögliche Dateiqualität einfangen, um<br />

feinste Details bei maximaler Bandbreite von<br />

Farbwerten zu erhalten.<br />

Dies ermöglicht Ihnen das Raw-Format. Im<br />

Vergleich zu JPEG sind die Bilder auch weniger<br />

anfällig für Änderungen, die Sie während der<br />

Nachbearbeitung vornehmen.<br />

Belichtungsmodus<br />

Ihre Priorität ist die Kontrolle und Veränderung<br />

der Tiefenschärfe. Verwenden Sie also die<br />

Zeitautomatik mit Blendenvorwahl (A / Av) oder<br />

den manuellen Modus. In der Zeitautomatik mit<br />

Blendenvorwahl können Sie am effektivsten<br />

arbeiten. Wählen Sie die f/Stufe, die Ihnen die<br />

Tiefenschärfe gibt, die Sie benötigen, und die<br />

Kamera wird automatisch die entsprechende<br />

Verschlusszeit einstellen.<br />

ISO-Wert<br />

Meistens sollten Sie den niedrigsten ISO-Wert für<br />

die Empfindlichkeit Ihrer Kamera einstellen, um<br />

die maximale Bildqualität und feine Details zu<br />

erhalten. Niedrige ISO-Werte sind besonders<br />

geeignet, wenn die Kamera oder Ihr Motiv<br />

unbeweglich sind. Sie sollten die ISO nur erhöhen,<br />

um kürzere Verschlusszeiten aus der Hand zu<br />

ermöglichen, z. B. wenn Sie Wildtiere oder vom<br />

Wind bewegte Pflanzen fotografieren.


HELEN DIXON<br />

die TTL-Messung in die Irre leiten und zu<br />

falscher Belichtung führen. Wenn Ihr Foto<br />

über- oder unterbelichtet ist, wenden Sie die<br />

Belichtungskorrektur an. Die Ausleuchtung von<br />

hinten ist besonders gut für lichtdurchlässige<br />

Objekte wie Blätter oder Insektenflügel<br />

geeignet. In Innenräumen kann man einen<br />

Leuchtkasten verwenden, um einen ähnlichen<br />

Effekt hervorzurufen. Sie können sogar noch<br />

einen Schritt weiter gehen und Ihr Objekt als<br />

Silhouette abbilden. Gegenlichtaufnahmen<br />

leben von dem Prinzip der Einfachheit. Wählen<br />

Sie Objekte mit hohem Wiedererkennungswert<br />

aus und fotografieren Sie Ihr Motiv vor dem<br />

Kontrast eines warmen, farbintensiven<br />

Himmels. Um eine Silhouette zu fotografieren,<br />

messen Sie die Belichtung exakt für den<br />

helleren Hintergrund.<br />

Unterschätzen Sie aber auch das Licht an<br />

einem bewölkten Tag nicht. Wolken wirken wie<br />

ein großer Diffusor. Sie zeichnen das intensive<br />

Licht der Sonne weich und produzieren ein<br />

schmeichelhaftes Licht mit wenig Kontrast Ein<br />

solches Licht ist besonders gut geeignet für<br />

Nahaufnahmen von Pflanzen, weil sie es dem<br />

Fotografen ermöglichen, feine Details und<br />

reichhaltige, gesättigte Farben einzufangen.<br />

Künstliches Licht<br />

Auch wenn Fotografen eine natürliche<br />

Beleuchtung bevorzugen, ist das<br />

Umgebungslicht oftmals nicht ausreichend,<br />

wenn man so nah am Objekt arbeitet. Es ist<br />

aufgrund der kurzen Distanz kaum zu<br />

vermeiden, dass der eigene Körper oder die<br />

Kamera den Lichteinfall blockieren. Darüber<br />

hinaus wird bei stärkeren Vergrößerungen eine<br />

gewisse Menge Licht absorbiert und geht so auf<br />

natürliche Weise verloren. Eine Lösung hierfür<br />

ist die Verwendung von reflektiertem Licht.<br />

Dazu benutzt man einen Reflektor, der<br />

zusätzliches Licht auf das Objekt zurückwirft.<br />

Wenn das natürliche oder reflektierte Licht<br />

jedoch nicht ausreicht, um die Bewegung eines<br />

Objektes einzufrieren oder um feine Details und<br />

Farben einzufangen, sollten Sie es mit einem<br />

Blitz versuchen. Der ausklappbare Blitz der<br />

Kamera oder das auf den Blitzschuh<br />

aufgesteckte Blitzgerät können jedoch unter<br />

Umständen aufgrund ihrer relativ hohen<br />

Position nahegelegene Objekte nur teilweise<br />

oder gar nicht ausleuchten, sodass ein<br />

spezieller Makro / Ringblitz die beste Option<br />

darstellt. Auch wenn Sie künstliches Licht<br />

verwenden, bleibt es trotzdem Ihr Ziel, Bilder<br />

aufzunehmen, die möglichst natürlich<br />

erscheinen. Dies kann sich als schwierig<br />

erweisen, wenn sich das Blitzgerät so nah am<br />

Objekt befindet. Aus diesem Grunde ist eine<br />

Diffusion von größter Wichtigkeit, um zu<br />

vermeiden, dass Blitzlicht hart und künstlich<br />

aussieht. Es gibt nur wenige Diffusoren für<br />

Ringblitzadapter, aber Sie können versuchen,<br />

eine solche Vorrichtung selber zu basteln,<br />

indem Sie Ringe aus Küchenkrepp oder Papier<br />

ausschneiden und diese mit Klebestreifen an<br />

dem Blitzring befestigen. Das zeichnet das<br />

Licht weich und schafft natürlicher wirkende<br />

Ergebnisse.<br />

Fokussierung<br />

Im Allgemeinen bietet die manuelle<br />

Fokussierung die höchste Präzision und<br />

Kontrolle für nahegelegene Objekte. Wenn Sie<br />

ein Stativ verwenden, sollten Sie auch<br />

LiveView aktivieren. Zoomen Sie in den<br />

Bereich oder den Punkt hinein, auf den Sie<br />

fokussieren möchten. Nun können Sie manuell<br />

Ihren Fokuspunkt haargenau platzieren.<br />

Weißabgleich<br />

Der automatische Weißabgleich (AWB) arbeitet<br />

in der Mehrzahl der Fälle zuverlässig. Er kann<br />

jedoch in die Irre geleitet werden, wenn ein<br />

bestimmter Farbton vorherrscht. In solchen<br />

Fällen ist es besser, die passende Voreinstellung<br />

für den Weißabgleich zu wählen.<br />

Wenn Sie im Raw-Format fotografieren, können<br />

Sie die Farbtemperatur bei Bedarf noch in der<br />

Nachbearbeitungen genau einstellen.<br />

Spiegelvorauslösung<br />

Bei längeren Belichtungszeiten sollten Sie die<br />

Spiegelvorauslösung Ihrer Kamera nutzen (sofern<br />

vorhanden). Dadurch wird vor dem Öffnen des<br />

Verschlusses der Reflexspiegel angehoben, um<br />

interne Vibrationen zu eliminieren, die feine Details<br />

zerstören könnten.<br />

Bei dieser Funktion müssen Sie den Auslöser<br />

zweimal drücken: Beim ersten Drücken wird der<br />

Spiegel angehoben und arretiert, erst beim zweiten<br />

wird das Bild aufgenommen.


20<br />

Einführung in die <strong>Makrofotografie</strong><br />

<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong><br />

Grundlegende Kenntnisse, die Sie für Nahaufnahmen benötigen<br />

Wirkungsvolle Makroaufnahmen erfordern eine gute Ausrüstung sowie überzeugende Bildkomposition. Wer die<br />

Bildeinstellungen, Tiefenschärfe und Beleuchtung im Griff hat, wird dafür mit wunderschönen Ergebnissen belohnt<br />

Bildeinstellung<br />

Bei Nahaufnahmen erscheint der zentrale<br />

Fokuspunkt im Sucher besonders ausgeprägt.<br />

Leider ist er deswegen nicht unbedingt leichter<br />

zu positionieren. Eine gute<br />

Bildeinstellungstechnik ist für Nahaufnahmen<br />

unerlässlich – der kleinste Fehler kann sich<br />

katastrophal auf Ihr Bild auswirken.<br />

Da bei starken Vergrößerungen die<br />

Tiefenschärfe von Natur aus sehr kurz ist,<br />

müssen Sie Ihren Fokuspunkt genau festlegen.<br />

Vermutlich denken Sie, dass der Autofokus (AF)<br />

hier die beste Wahl ist. In der Praxis ist das<br />

jedoch selten der Fall, weil der AF sich an<br />

nahen Objekten zu orientieren versucht.<br />

Besonders bei Motiven mit wenig Licht oder<br />

Kontrasten neigt der AF dazu, den Fokus<br />

geradezu zu „jagen”. Normalerweise ist es<br />

einfacher und auch genauer, manuell zu<br />

fokussieren. Schalten Sie Ihre Kamera also auf<br />

manuellen Fokus (MF) um. Das erlaubt es<br />

Ihnen, den Fokus auf den von Ihnen gewählten<br />

Punkt zu setzen – zum Beispiel das Auge eines<br />

Insekts oder das Staubgefäß einer Blume.<br />

Wenn Sie ohne Stativ fotografieren, kann es<br />

hilfreich sein, wenn Sie mit dem Objektiv<br />

vorfokussieren und sich dann langsam mit der<br />

Kamera am Auge auf das Motiv zu bewegen,<br />

bis es im Sucher scharf erscheint. Wenn nötig,<br />

bewegen Sie sich ganz leicht vorwärts und<br />

rückwärts, und betätigen Sie den Auslöser,<br />

wenn das Motiv am schärfsten ist. Wenn der<br />

scharfe Bildbereich so klein ist – zum Teil nur<br />

eine Sache von Millimetern – ist es ratsam,<br />

gleich ein paar Aufnahmen zu machen, damit<br />

am Ende wenigstens ein gestochen scharfes<br />

Bild dabei ist.<br />

Ein Stativ ist eine große Hilfe beim Fokussieren<br />

– wenn die Kamera fixiert ist, ist es deutlich<br />

einfacher, eine scharfe Bildeinstellung zu<br />

erreichen. Noch besser geht das, wenn Sie die<br />

LiveView-Funktion Ihrer Kamera mit einem<br />

Stativ kombinieren. Dies ist zweifellos die beste<br />

Technik für Nahaufnahmen, keine andere<br />

ermöglicht Ihnen den Fokuspunkt annähernd<br />

so genau einzustellen. Wie gesagt, der<br />

manuelle Fokus ist generell die beste Methode.<br />

ISTOCK PHOTO<br />

Reflektoren<br />

Reflektoren sind runde Scheiben, die auf<br />

einer Seite weiß, silbern oder goldfarben<br />

beschichtet sind. Diese Seite kann in der<br />

Nähe des Motivs platziert werden, um das<br />

Licht in Richtung des Motiv zu reflektieren.<br />

Kleine faltbare Versionen werden u. a. von<br />

Interfit und Lastolite hergestellt; ein in Alufolie<br />

gewickelter Karton oder ein Spiegel tun es<br />

aber auch.<br />

Sie ermöglichen die Steuerung des Lichts und<br />

seiner Richtung und sorgen dafür, dass ihr<br />

Motiv nicht im Schatten liegt. Sie können die<br />

Lichtintensität verändern, indem Sie einfach<br />

den Reflektor näher an das Motiv oder weiter<br />

weg bewegen. Anders als beim Blitz können<br />

Sie den Effekt Ihrer Einstellung sofort sehen<br />

und die Position des Reflektors entsprechend<br />

anpassen. Reflektoren sind perfekt geeignet,<br />

um dunkle, harte Schatten abzuschwächen<br />

und kleine Motiven bei schattigen oder<br />

bewölkten Bedingungen zusätzlich zu<br />

beleuchten. Für Nahaufnahmen im Freien<br />

sind sie ein absolutes Muss.<br />

Ohne Reflektor<br />

Mit Reflektor<br />

ROSS HODDINOTT


<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong> Einführung in die <strong>Makrofotografie</strong> 21<br />

Der Blick fürs Detail<br />

Fokussieren Sie sorgfältig und<br />

verwenden Sie eine große Blende,<br />

damit nur ein bestimmter Ausschnitt<br />

der Szene scharf ist.<br />

BILD: ISTOCK PHOTO<br />

Machen Sie das Beste aus dem Umgebungslicht<br />

Das Licht ist ein Schlüsselbestandteil aller <strong>Fotografie</strong>n, und bei Nahaufnahmen ist das nicht anders. Die<br />

Lichtfarbe, der Kontrast und die Lichtrichtung spielen eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, das<br />

Erscheinungsbild von minimalen Details zu verbessern oder zu kaschieren. Allerdings kann das Licht<br />

knapp sein, wenn Sie in geringer Entfernung zu Ihrem Motiv arbeiten. Bei Nahaufnahmen ist aufgrund der<br />

kurzen Entfernung oft nicht zu verhindern, dass Ihr eigener Körper oder die Kamera das Licht blockieren<br />

und Ihr Motiv in den Schatten stellen. Außerdem geht bei stärkeren Vergrößerungen auf natürliche Weise<br />

viel Licht verloren, bei 1:1 etwa zwei Stufen. Wenn Sie mit natürlichem Licht arbeiten, wählen Sie am<br />

besten Motive, die von der Seite oder von hinten beleuchtet sind. Licht von der Seite passt gut zu<br />

Nahaufnahmen, denn es verstärkt Oberflächenstrukturen und Details und verleiht Ihren Bildern einen<br />

dreidimensionalen Touch. Vermeiden Sie jedoch starkes Licht von der Seite; dies könnte die Tiefen zu<br />

sehr betonen und zu starke Kontraste erzeugen.<br />

Hintergrundbeleuchtung, also eine Lichtquelle hinter dem Motiv, kann zu fantastischen Bildern führen,<br />

indem sie Umrisse, Form und komplexe Details betont – besonders rezvoll bei durchscheinenden Motiven<br />

wie Schmetterlingsflügeln und Blättern. Leider kann sie aber auch TTL-Messsysteme durcheinander<br />

bringen und zu unterbelichteten Bildern führen. Behalten Sie also das Histogramm im Auge und nutzen<br />

Sie bei Bedarf die positive Belichtungskorrektur. Verwenden Sie außerdem eine Gegenlichtblende, um<br />

Streulicht zu reduzieren.<br />

Natürlich sind Seitenlicht und Gegenlicht nicht immer möglich oder erwünscht. Bei frontal beleuchteten<br />

Motiven ist es jedoch oft schwierig, nicht selbst im Licht zu stehen. In solchen Momenten müssen Sie<br />

dann das natürliche Licht mit Hilfe eines Blitzgeräts oder eines Reflektors unterstützen. Einer der größten<br />

Vorteile bei der Arbeit an Nahaufnahmen ist, dass man als Fotograf deutlich mehr Kontrolle über das<br />

Motiv, die Umgebung und – ganz entscheidend – die Beleuchtung hat. Wenn das natürliche Licht ergänzt<br />

werden muss, ist das ganz einfach zu bewerkstelligen. Die Lichtqualität für <strong>Fotografie</strong> ist eigentlich<br />

während der Dämmerung am besten, aber Nahaufnahmen können Sie als Fotograf zu jeder Tageszeit<br />

machen, weil Sie viel mehr Möglichkeiten haben, das Licht zu manipulieren. Am einfachsten geht das mit<br />

einem kleinen Reflektor.<br />

Die Schönheit einer Wolkendecke<br />

Wie bei den meisten künstlerischen Dingen<br />

gibt es keine allgemeine Regel, was die beste<br />

Lichtquelle angeht – das hängt sehr von Ihrem<br />

Motiv und Ihrer künstlerischen Intention<br />

ab. Fotografen verfolgen oft das Licht, aber<br />

manchmal findet man die besten Bedingungen,<br />

wenn es trüb ist. Man braucht nicht immer<br />

kräftiges oder dramatisch gerichtetes Licht,<br />

um tolle Aufnahmen zu schießen. Eine<br />

Wolkendecke funktioniert wie ein riesiger<br />

Diffusor und erzeugt eine wunderbare,<br />

kontrastarme Lichtstimmung, in der Fotografen<br />

feine, komplexe Details einfangen und Farben<br />

mit größerer Genauigkeit aufnehmen können.<br />

Tatsächlich kommt es vor, dass Sie Ihr Motiv<br />

am besten in den Schatten verbannen, da<br />

dies unerwünschte Tiefen eliminiert und<br />

den Bildkontrast verringert. Wenn Sie bei<br />

diffusem Licht fotografieren, sollten Sie jedoch<br />

bedenken, dass die Verschlusszeiten länger<br />

sind, das heißt Bewegungen des Motivs oder<br />

der Kamera haben größere Auswirkungen.<br />

Deshalb sollten Sie in solchen Fällen entweder<br />

die ISO-Empfindlichkeit Ihrer Kamera erhöhen,<br />

um eine kürzere Verschlusszeit zu erzeugen,<br />

oder nur statische Motive aufnehmen und<br />

dabei ein Stativ verwenden.


22<br />

Einführung in die <strong>Makrofotografie</strong><br />

Auswahl des Stativs<br />

Im Nahaufnahmebereich wird die Tiefenschärfe<br />

zunehmend kürzer. Außerdem erscheinen kleinste<br />

Bewegungen in der Vergrößerung stark<br />

übertrieben. Aus diesem Grund kann es sehr<br />

schwierig werden, aus der Hand gut arrangierte<br />

und fokussierte Nahaufnahmen zu fotografieren.<br />

Auch wenn es nicht immer praktisch ist, eine<br />

Stütze zu nutzen, sollten Sie möglichst immer ein<br />

Stativ verwenden. Obwohl auch Einbein- oder<br />

Bohnensack-Stative in manchen Situationen<br />

geeignet sind, bieten Dreibein-Stative ein<br />

unübertroffenes Maß an Stabilität. Sie garantieren<br />

praktisch scharfe, nicht verwackelte Ergebnisse<br />

und ermöglichen es Ihnen, Ihre Komposition<br />

genau abzustimmen und Ihren Fokus mit größerer<br />

Präzision zu platzieren - entweder durch den<br />

Sucher oder über LiveView. Entscheiden Sie sich<br />

nicht für ein billiges, instabil gebautes Modell,<br />

sondern achten Sie auf robuste Beine.<br />

Nahaufnahmen erfordern besondere Funktionen<br />

vom Stativ, zum Beispiel die Fähigkeit, aus<br />

niedrigem Stand zu fotografieren. Wählen Sie ein<br />

Modell, dessen Beine bis nah an den Boden<br />

gespreizt werden können und dessen Mittelsäule<br />

in der Mitte geteilt oder nach unten geneigt<br />

werden kann, um die Kamera noch tiefer<br />

auszurichten. Giottos bietet eine gute Auswahl,<br />

oder die beliebten Manfrotto-Modelle 190 und<br />

055 mit der Option einer horizontalen Mittelsäule. Benbos ungewöhnliches, innovatives<br />

Stativ-Design ist ebenfalls perfekt für Nahaufnahmen geeignet. Planen Sie mindestens 120 Euro für<br />

gute Beine ein.<br />

Danach sollten Sie über den Kopf nachdenken. Ein Drei-Wege-Kopf mit Schwenk- und Neige-Option<br />

ist eine gute Wahl, während manche Fotografen Kugelköpfe bevorzugen, da diese schnelle, leichte<br />

Bewegungen ermöglichen. Kaufen Sie ein Modell mit einer angemessenen Belastungskapazität für<br />

ihre Ausrüstung. Für statische Modelle ist ein Getriebeneiger, wie der 410-Getriebeneiger Junior von<br />

Manfrotto die perfekte Wahl, denn er erlaubt sehr feine, präzise Bewegungen. Planen Sie zwischen<br />

60 und 160 Euro für einen guten Kopf ein. Die Bein-/Kopf-Kombination, die Sie bevorzugen, kann<br />

eine sehr subjektive Sache sein, und die Kombination, für die Sie sich entscheiden, hängt von Ihrer<br />

Arbeitsweise und Ihrem persönlichen Geschmack ab. Deshalb sollten Sie, wenn möglich, die<br />

Ausrüstung testen, bevor Sie sie kaufen.<br />

ROSS HODDINOTT<br />

Kreative<br />

Nahaufnahmen<br />

Ein abstraktes Motiv und<br />

extrem flache Tiefenschärfe<br />

sind alles, was für dieses<br />

wunderbar leichte Bild nötig<br />

war.<br />

F&A: Nahaufnahmen<br />

F: Meine Kamera hat einen ‘Makro’-<br />

Belichtungsmodus. Sollte ich ihn<br />

verwenden?<br />

A: Die meisten digitalen Spiegelreflex- und<br />

Kompaktsystemkameras haben eine Reihe<br />

von Einstellungsmodi, die für bestimmte<br />

Szenen und Motivtypen entwickelt wurden,<br />

zumeist als Variationen der vollautomatischen<br />

Programmeinstellung (P). Wenn Sie für eine<br />

Nahaufnahme den Makro-Modus der Kamera<br />

einstellen, versucht er, je nach Motiv die beste<br />

Kombination aus Blendenstufe und Verschlusszeit<br />

einzustellen. Die Kamera bevorzugt allgemein<br />

große f-Werte, um mehr Tiefenschärfe zu<br />

erzeugen und zugleich einen schnellen<br />

Blendenverschluss zu ermöglichen, um ein<br />

Verwackeln der Kamera zu verhindern. Während<br />

automatische Bildeinstellungen mühelos zu sein<br />

scheinen, bieten sie in Wirklichkeit nur begrenzte<br />

kreative Kontrolle und Ihre Kamera kann nicht<br />

vorhersagen, auf welche Art von Ergebnis Sie aus<br />

sind. Am besten wählen Sie den Blendenvorwahl-<br />

Modus aus, denn dieser ermöglicht Ihnen völlige<br />

Kontrolle über die Tiefenschärfe und bietet Ihnen<br />

eine bessere Chance, das gewünschte Ergebnis<br />

zu erzielen.


ISTOCK PHOTO<br />

F: Kann ich bei windigem Wetter<br />

Nahaufnahmen machen?<br />

A: Die kleinste Bewegung kann in einer<br />

Nahaufnahme extrem übertrieben wirken, deswegen<br />

kann Wind sich als ein bedeutendes Hindernis<br />

erweisen. Prüfen Sie die Wettervorhersage und<br />

schießen Sie nur dann Nahaufnahmen, wenn<br />

die Windgeschwindigkeit 16 bis 22 km/h nicht<br />

überschreitet. Allerdings kann man sich hier in<br />

Deutschland nicht auf das Wetter verlassen! Wählen<br />

Sie an windigen Tagen Motive in geschützteren<br />

Gebieten oder positionieren Sie sich - oder einen<br />

Freund - so, dass Sie die Brise mit Ihrem Körper<br />

aufhalten. Alternativ können Sie auch aus klarer<br />

Plastikfolie und Gartenstangen einen provisorischen<br />

Windschutz errichten. Eine andere Option ist es,<br />

eine Schraubzwinge zu verwenden. Ein Wimberly<br />

Plamp ist ideal. Das ist ein flexibler, gegliederter Arm<br />

mit einer Klemme an jedem Ende. Befestigen Sie<br />

ein Ende am Fuß des Stativs und verwenden Sie das<br />

andere, um Ihr Motiv zu stabilisieren.<br />

F: Lohnt es sich einen Winkelsucher zu<br />

kaufen?<br />

A: Ein Winkelsucher ist ein L-förmiger Aufsatz,<br />

der auf das Okular der Kamera passt. Er<br />

ermöglicht Ihnen, Bilder zu betrachten und<br />

zusammenzustellen, indem Sie nach unten statt<br />

horizontal in den Sucher schauen. Wenn Sie<br />

regelmäßig auf niedriger Ebene aufnehmen<br />

oder unter Rückenschmerzen leiden, dann sind<br />

Winkelsucher eine gute Investition. LiveView<br />

macht es jedoch heutzutage einfach, Bilder aus<br />

ungünstigen Blickwinkeln zusammenzustellen,<br />

und wenn sie über ein Modell verfügen, das einen<br />

schwenkbaren LCD-Monitor hat, brauchen Sie<br />

keinen.<br />

F: Sollte ich bei Nahaufnahmen<br />

ferngesteuert auslösen?<br />

A: Es hängt sehr von der Situation ab, aber<br />

wenn Sie ein statisches Motiv ansehen und die<br />

Kamera auf einem Stativ steht, dann ja - auf diese<br />

Weise wird die Schärfe des Bildes maximiert. Die<br />

Verwendung eines Stativs garantiert nicht, dass<br />

das Bild scharf wird - wenn Sie selbst auf den<br />

Auslöser drücken, kann das eine kleine Bewegung<br />

auslösen, die die Bildqualität abschwächen kann,<br />

besonders bei kleinen Verschlusszeiten. Auch<br />

wenn der Effekt ziemlich minimal ist, kann selbst<br />

die winzigste Vibration in Nahaufnahmen extrem<br />

vergrößert erscheinen, deshalb ist dies für die<br />

Fotografen von Nahaufnahmen besonders relevant.<br />

Es hat sich bewährt immer eine Fernbedienung<br />

oder den Selbstauslöser der Kamera zu verwenden,<br />

wenn es praktikabel ist. Dies erlaubt es Ihnen, den<br />

Blendenverschluss von ferne auszulösen, ohne die<br />

Kamera zu berühren.<br />

F: Wie reduziere ich Reflektionen<br />

und Hotspots, wenn ich glänzende<br />

Objekte fotografiere?<br />

A: Während Blitz-Diffusoren und Reflektoren<br />

helfen können, müssen Sie, um Lichtreflexe<br />

völlig zu eliminieren, das Licht diffundieren.<br />

Probieren Sie ein Lichtzelt von Lastolite oder<br />

Kaiser aus, oder bauen Sie ein eigenes, indem<br />

Sie transparentes Acryl, Transparentpapier oder<br />

ein weißes Tuch über einen Rahmen hängen.<br />

Platzieren Sie Ihr Objekt im Zelt und positionieren<br />

Sie die Kamera so, dass die Linse durch die<br />

offene Front hineinkommt. Positionieren Sie<br />

mindestens zwei Lampen, oder von der Kamera<br />

unabhängige Blitzgeräte außerhalb des Zelts, an<br />

jeder Seite. Wenn es immer noch Hotspots gibt,<br />

korrigieren Sie die Positionen der Lampen. Sie<br />

können auch versuchen, an einem bedeckten Tag<br />

draußen zu fotografieren - eine Wolkendecke ist<br />

eine perfekt diffundierte natürliche Lichtquelle.<br />

Polarisationsfilter reduzieren Reflektionen<br />

ebenfalls.


24<br />

Einführung in die <strong>Makrofotografie</strong><br />

<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong><br />

Blitzlicht<br />

Wenn das Umgebungslicht für Nahaufnahmen<br />

nicht ausreicht, ist ein Blitzgerät die Lösung. Die<br />

Verwendung von künstlichem Licht bietet viele<br />

Vorteile. Ein Blitz liefert Ausleuchtung, wenn die<br />

Lichtverhältnisse schlecht sind und verhindert so<br />

Unschärfen, die durch Bewegungen des Motivs<br />

oder der Kamera hervorgerufen werden. Er<br />

ermöglicht die Verwendung eine kleinere Blende<br />

und erzeugt mehr Tiefenschärfe als sonst möglich<br />

gewesen wäre. Bei richtiger Anwendung wird das<br />

Blitzlicht feine Details betonen und für schärfere<br />

Endresultate sorgen. Es kann verwendet werden,<br />

um dunkle Tiefen auszugleichen, Umriss und<br />

Form des Motivs hervorzuheben oder intensivere<br />

Farben hervorzubringen. Einfach ausgedrückt<br />

bieten sich durch Blitzlicht fotografische<br />

Möglichkeiten, die es sonst nicht geben würde.<br />

Die Ausleuchtung kleiner Motive mit künstlichem<br />

Licht kann wegen der kurzen Arbeitsabstände<br />

durchaus eine Herausforderung darstellen. Der<br />

eingebaute Pop-up-Blitz der Kamera ist zur<br />

Ausleuchtung von Motiven in einer Entfernung<br />

von 1,5 bis ca. 5 Meter gedacht, und da Sie Ihren<br />

Motive viel näher sein werden, wird der<br />

Kamerablitz dafür nicht hilfreich sein. Und durch<br />

die hohe Befestigungsposition eines auf den<br />

Blitzschuh montierten Blitzgeräts kann es sein,<br />

dass der Blitz nahe liegende Motive gar nicht<br />

oder nur teilweise ausleuchtet. Externe<br />

Blitzgeräte jedoch bieten eine deutlich höhere<br />

Flexibilität, weil sie auch von der Kamera<br />

entfesselt verwendet werden können, was eine<br />

bessere Kontrolle der Lichtrichtung ermöglicht.<br />

Axiales Licht erzeugt Kontraste, da kleine<br />

Schatten auf der Oberfläche des Motivs<br />

entstehen, was die Struktur verbessert und für<br />

mehr Schärfe sorgt. Wenn Sie ein Stativ<br />

verwenden, können Sie das Blitzgerät in einer<br />

Hand halten und den Auslöser mit der<br />

anderen betätigen. Auf diese Weise können<br />

Sie den Blitzwinkel nach Belieben bestimmen<br />

und dann anhand der Ergebnisse<br />

entscheiden, ob Sie ihn näher oder<br />

weiter weg positionieren müssen.<br />

Möglicherweise werden Sie auch<br />

feststellen, dass Sie mehr (oder<br />

weniger) Streuung brauchen.<br />

Dieses Art der entfesselten<br />

Verwendung eines Blitzgeräts ist gut<br />

geeignet bei statischen Motiven, wo<br />

die Kamera auch auf ein Stativ<br />

montiert werden kann. Für Aufnahmen<br />

aus der Hand ist sie jedoch nicht so<br />

praktisch – wenn Sie zum Beispiel Insekten<br />

fotografieren möchten. Für solche Momente ist<br />

ein Ring- oder Makroblitz die beste Wahl, weil<br />

diese Zubehöre speziell für die Ausleuchtung von<br />

Makroaufnahmen entwickelt wurden. Im<br />

Gegensatz zum konventionellen Blitzgerät ist ein<br />

Ring- / Makroblitz ringförmig und wird mit einem<br />

Adapter direkt an der Vorderseite des Objektivs<br />

befestigt. Diese Ausführung ermöglicht eine<br />

effektive, schattenfreie weiche Rundum-<br />

Ausleuchtung des Motivs aus kurzer Distanz. Für<br />

Nahaufnahmen scheint dies ideal geeignet, in<br />

der Praxis kann die Belichtung jedoch<br />

unnatürlich flach erscheinen. Um diesen Effekt<br />

zu umgehen, haben die meisten modernen<br />

Ring- / Makroblitzgeräte mehr als eine Blitzröhre,<br />

und diese können unabhängig voneinander<br />

gesteuert werden. So können Fotografen das<br />

Leistungsverhältnis zwischen den Blitzröhren<br />

Sie sind teuer, aber die besten der<br />

Makroblitzgeräte haben zwei (oder<br />

mehr) Blitzaufsätze, die in jede<br />

Richtung gedreht und abgewinkelt<br />

werden können, um eine natürliche<br />

Ausleuchtung zu erzielen.<br />

variieren, um Tiefen zu erzeugen und natürlichere<br />

und dreidimensional erscheinende Ergebnisse zu<br />

erzielen. Außerdem sind Ringblitz-Adapter<br />

erhältlich, die normale Blitzgeräte in einen<br />

provisorischen Ringblitz verwandeln, indem sie<br />

das Blitzlicht zu einer runden Einheit<br />

zurückleiten, die um das Objektiv herum liegt.<br />

Eine andere Möglichkeit sind LED Ringleuchten,<br />

die bereits für unter 35,00 erhältlich sind –<br />

sehen Sie hierzu unseren Test auf Seite 140.<br />

Welches Motiv Sie auch immer fotografieren,<br />

scheuen Sie sich nicht, künstliches Licht zu<br />

verwenden, wenn es für Ihre Aufnahmen sinnvoll<br />

erscheint. Ihr Ziel sollte jedoch sein, Bilder zu<br />

machen, die so natürlich und authentisch wie<br />

möglich aussehen.<br />

THOMAS SHAHAN


Tiefenschärfe<br />

Während bei normalen Bildern die Tiefenschärfe – also die Zone mit akzeptabler Schärfe – zu einem Drittel vor dem Fokuspunkt<br />

und zu zwei Dritteln dahinter liegt, ändert sich dieses Verhältnis bei Nahaufnahmen. Bei stärkeren Vergrößerungen fällt es<br />

gleichmäßiger aus, die Tiefenschärfe verteilt sich hier nahezu gleich auf beide Seiten des Fokusbereichs. Sie ist jedoch<br />

naturgemäß klein, weil die Tiefenschärfe proportional langsamer ansteigt als der Vergrößerungsfaktor. Die Arbeit mit solch<br />

geringer Tiefenschärfe kann eine Herausforderung sein, und Ihre Bilder können davon profitieren. Details im Vorder- und<br />

Hintergrund fallen schnell aus dem Fokusbereich, sodass Ihr Motiv sich gut von der Umgebung abhebt. Um dies zu erreichen,<br />

wählen sie eine starke Vergrößerung mit einer großen Blende von ca. f/2.8 bis f/5.6. Das ist auch sehr gut geeignet für Aufnahmen<br />

aus der Hand, da die Verschlusszeit kürzer ist und Bewegungen kompensiert werden.<br />

Bei geringer Tiefenschärfe werden einzelne Bereiche Ihres Motivs unweigerlich unscharf. Das ist bis zu einem gewissen Punkt<br />

akzeptabel, aber um das Beste aus der verfügbaren Tiefenschärfe zu machen, sollten Sie den Kamerasensor in einer Ebene<br />

parallel zu Ihrem Motiv halten, weil es nur eine geometrische Ebene von vollständiger Schärfe gibt, und Sie sollten möglichst viele<br />

Anteile Ihres Motivs innerhalb dieses Bereich haben (Hauptbild). Wenn Sie ein abstrakteres Bild haben möchten, machen Sie<br />

genau das Gegenteil und halten Sie die Ebene des schärfsten Fokus senkrecht zu Ihrem Motiv, um ganz bestimmte Bereiche oder<br />

Details hervorzuheben (siehe unten rechts). Wenn Ihr Motiv scharf abgebildet werden soll, müssen Sie die Tiefenschärfe mit einer<br />

kleineren Blendenöffnung verstärken – zum Beispiel f/11 oder f/16 (siehe unten links). Bei starken Vergrößerungen wird dies aber<br />

dennoch keine besonders große Tiefenschärfe bewirken, Sie müssen also trotzdem sorgfältig fokussieren.<br />

Ein großer Schärfenbereich ist nützlich für Stillleben oder dokumentarische Aufnahmen der Pflanzenwelt. Sie sollten jedoch nicht<br />

die kleinste Blende Ihres Objektivs wählen, denn aufgrund der Lichtbeugung nimmt die Bildqualität ab. Auch die Verschlusszeit<br />

wird länger, sodass Sie auf jeden Fall ein Stativ benötigen, um Verwacklungen zu vermeiden. Generell sind für statische Motive,<br />

bei Studioaufnahmen sowie bei Blitzlicht große Blendenöffnungen am besten geeignet.<br />

f/22 f/2.8<br />

BILDER: ROSS HODDINOTT


26<br />

Einführung in die <strong>Makrofotografie</strong><br />

<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong><br />

Welcher Belichtungsmodus ist für <strong>Makrofotografie</strong> geeignet?<br />

Es gibt viele Funktionen, die Sie beherrschen müssen – doch keine ist so wichtig wie der Belichtungsmodus<br />

NAHAUFNAHMEN stellen Sie vor einige<br />

Herausforderungen, daher ist es wichtig, die<br />

Kamera korrekt einzustellen. Denn wenn Sie<br />

das ideale Szenario für tolle Bilder entdecken,<br />

sind Sie schon bereit und können sofort<br />

loslegen, perfekte Bilder einzufangen. <strong>Digitale</strong><br />

Kameras haben heutzutage eine unglaubliche<br />

Bandbreite an Funktionen, daher kann man<br />

leicht den Überblick über einige Einstellungen<br />

verlieren. Umso wichtiger ist es, dass Sie bevor<br />

Sie mit dem <strong>Fotografie</strong>ren beginnen,<br />

sicherstellen, dass die wichtigsten Funktionen<br />

der Kamera wie AF, Belichtungsmessung und<br />

Weißabgleich korrekt eingestellt sind. Denn nur<br />

dann ist Ihre Kamera bereit atemberaubende<br />

Bilder einzufangen, sobald Sie es ebenfalls<br />

sind.<br />

Ganz oben an der Liste der Funktionen, die Sie<br />

korrekt einstellen müssen, stehen die<br />

Belichtungsmodi. Die grundlegende Aufgabe<br />

eines Belichtungsmodus ist es, sicherzustellen,<br />

dass genau die richtige Menge Licht den<br />

Bildsensor erreicht, um ein korrekt belichtetes<br />

Bild aufzunehmen – bei geeigneter<br />

Kombination aus Blende und Verschlusszeit.<br />

Die meisten Kameras bieten vier<br />

Grundprogramme für den Belichtungsmodus<br />

– Programmautomatik, Zeitautomatik mit<br />

Blendenvorwahl, Blendenautomatik und<br />

Manuell – plus eine Reihe von speziellen<br />

Programmmodi, die auf speziellen Motiven<br />

basieren, wie Sport, Landschaft, Porträt und<br />

Nahaufnahme.<br />

Alle Modi sind so gestaltet, dass sie die<br />

korrekte Belichtung ermöglichen. Sie<br />

unterscheiden sich nur darin, wie sie das<br />

endgültige Ergebnis beeinflussen, die<br />

Kontrollmöglichkeiten über die gewählte<br />

Blende und Verschlusszeit und wie schnell und<br />

einfach sie genutzt werden können. Da in der<br />

<strong>Makrofotografie</strong> die Beziehung zwischen<br />

Blende und Tiefenschärfe so wichtig ist,<br />

müssen Sie einen Modus wählen, mit dem Sie<br />

die Blende selbst bestimmen können. In den<br />

meisten Fällen funktioniert die Zeitautomatik<br />

mit Blendenvorwahl am besten, denn hier<br />

wählen Sie die Blendeneinstellung und lassen<br />

die Kamera die passende<br />

Verschlussgeschwindigkeit auswählen.<br />

Erfahrenere Fotografen können sich im<br />

manuellen Modus versuchen, bei der sie die<br />

volle Kontrolle über Blende und Verschlusszeit<br />

haben. Dies ist besonders bei komplizierten<br />

Lichtverhältnissen nützlich, etwa bei<br />

Hintergrundbeleuchtung, da hier die<br />

Belichtung schnell verändert werden kann. In<br />

den meisten Situationen jedoch ist die<br />

Zeitautomatik mit Blendenvorwahl am besten.


<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong><br />

FOLGEN SIE<br />

UNS AUF<br />

FACEBOOK<br />

<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong>-Magazine


28<br />

Die Grundlagen verstehen<br />

<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong><br />

Eine Einführung in Blenden<br />

Sie sind ein wichtiger Teil beim <strong>Fotografie</strong>ren und es ist entscheidend sie zu verstehen, wenn man<br />

gute Aufnahmen machen möchte. Also wollen wir die Blenden nun in den Griff bekommen<br />

DAS WICHTIGSTE in der <strong>Fotografie</strong> ist es, gut<br />

belichtete Bilder zu erzielen. Natürlich ist Schärfe<br />

ebenfalls wichtig, denn selbst perfekt belichtete<br />

Bilder verfehlen ihren Zweck, wenn sie unscharf<br />

sind – allerdings hat man dafür das<br />

Autofokussystem.<br />

Zu einem gewissen Grad kann man über die<br />

Belichtung dasselbe sagen: Sie können Ihre digitale<br />

Spiegelreflexkamera auf Programmmodus oder<br />

Vollautomatik einstellen und erhalten in den<br />

allermeisten Fällen korrekte Belichtungen, ohne<br />

über die benötigten Einstellungen weiter<br />

nachdenken zu müssen. Die beiden Einstellungen<br />

für diese Belichtung – also Objektivblende und<br />

Verschlusszeit – haben jedoch auch noch andere<br />

wichtige Aufgaben, die sich auf den Erfolg Ihrer<br />

Fotos auswirken. Daher ist es entscheidend zu<br />

verstehen, wie diese Funktionen arbeiten.<br />

Die Aufgabe der Objektivblende ist es, den<br />

Lichtfluss durch das Objektiv zu steuern. Dies tut sie<br />

über eine Reihe von f-Werten (siehe unten). Aber da<br />

gibt es noch mehr, denn diese f-Werte steuern<br />

außerdem, wie viel von der Szene oder dem Motiv,<br />

das Sie fotografieren, scharf im Fokus sein wird.<br />

Diese „Zone“ des scharfen Fokus wird allgemein als<br />

Tiefenschärfe bezeichnet. Je größer eine Blende ist<br />

(je niedriger der f-Wert), desto weniger Tiefenschärfe<br />

erhält man. Und je kleiner die Blende ist (je höher<br />

der f-Wert), desto mehr Tiefenschärfe erhält man.<br />

Bei Porträtaufnahmen zum Beispiel fotografiert man<br />

meist mit einer großen Blende, um die Tiefenschärfe<br />

zu reduzieren und den Hintergrund unscharf zu<br />

machen. Bei der Landschaftsfotografie hingegen ist<br />

es gebräuchlicher, eine kleine Blende zu verwenden,<br />

um eine höhere Tiefenschärfe zu erreichen, sodass<br />

alles scharf ist.<br />

Wir beschäftigen uns später mit diesen Bereichen<br />

noch im Detail, aber im Moment reicht es zu sagen,<br />

dass es wegen der großen Bandbreite der<br />

Tiefenschärfe bei den unterschiedlichen Blenden<br />

ganz entscheidend ist, zu wissen welche Blende<br />

eingestellt ist und welchen Effekt diese auf das Bild<br />

haben wird. Und das ist Ihre Aufgabe.<br />

<strong>Fotografie</strong>ren Sie gerne mit elektronischem Blitz?<br />

Dann ist ebenfalls die Wahl der Blende<br />

entscheidend, denn diese steuert außerdem die<br />

Blitzbelichtung. Der Grund dafür ist, dass die Dauer<br />

eines Blitzausbruchs so kurz ist, dass die<br />

Verschlussgeschwindigkeit der Kamera<br />

bedeutungslos wird – solange sie nicht schneller ist<br />

als die Blitzsynchrongeschwindigkeit der Kamera.<br />

Eine akkurate Belichtung zu erreichen basiert<br />

alleine darauf, wie viel von dem Blitzausbruch in<br />

das Objektiv fallen darf. Und dies wiederum wird<br />

durch die Größe der Objektivblende bestimmt.<br />

Wenn die Blende zu groß ist, wird das Bild<br />

überbelichtet. Ist sie zu klein, wird das Bild<br />

unterbelichtet.<br />

Fachausdrücke erklärt: Blenden<br />

Fotoblende: Die Lamellen, die sich<br />

schließen, um Blenden in unterschiedlicher<br />

Größe zu formen, abhängig vom eingestellten<br />

f-Wert. Dies ist auch als Iris bekannt, ähnlich<br />

dem Auge.<br />

F/Stufe: Die Werte, mit denen die<br />

Blendengröße notiert wird. Man erkennt sie zum<br />

Beispiel als f/2.8, f/4, f/5.6 oder f/8.<br />

Öffnen: Eine größere Blende (niedrigerer f-Wert)<br />

wählen, zum Beispiel von f/11 auf f/8 oder<br />

f/5.6.<br />

Kleine Blende: Eine Blende mit hohem<br />

f-Wert wie f/16 oder f/22.<br />

Große Blende: Eine Blende mit niedrigem<br />

f-Wert wie f/2.8 oder f/4.<br />

Weit offen: Das Objektiv auf die größte<br />

(maximale) Blende einstellen, also diejenige mit<br />

dem niedrigsten f-Wert.<br />

Optimale Blende: Die Blende, bei der<br />

ein Objektiv die beste optische Leistung bietet.<br />

Diese liegt oft bei etwa f/8.<br />

Herunterstufen: Eine kleinere Blende<br />

(größerer f-Wert) wählen – zum Beispiel von f/8<br />

auf f/11 oder f/16. Dieser Ausdruck wird auch<br />

benutzt, um das Objektiv auf die kleinste Blende<br />

(größter f-Wert) einzustellen.<br />

Flache / eingeschränkte<br />

Tiefenschärfe: Wenn nur ein kleiner Teil<br />

der Szene oder des Motivs scharf aufgezeichnet<br />

wird. Dies wird durch die Einstellung einer<br />

großen Blende (niedriger f-Wert) erreicht.<br />

Je größer die Blende, desto flacher die<br />

Tiefenschärfe.<br />

Grundlagen der Blenden<br />

Die Blende, die eine Iris ist und von einer Reihe von<br />

Flügeln auf dem Objektiv geformt wird, schließt<br />

sich und bildet ein Loch, durch welches das Licht<br />

fällt. Die Lochgröße wird durch eine Reihe von<br />

f-Werten bestimmt, die wie folgt aussehen: f/1.4,<br />

f/2, f/2.8, f/4, f/5.6, f/8, f/11, f/16, f/22, f/32 (siehe<br />

unten).<br />

Je höher der f-Wert, desto kleiner die<br />

Blendenöffnung, und umgekehrt. Präzise<br />

ausgedrückt lässt jede Blende in dieser Folge halb<br />

so viel Licht hinein wie die vorige Blende Zahl in<br />

dieser Skala von links nach rechts, und zwei Mal so<br />

viel wie die vorige, wenn man von rechts nach links<br />

liest. Der Bereich der f-Werte, die ein Objektiv<br />

anbietet, variiert – ein 50 mm Objektiv mit<br />

Festbrennweite kann von f/1.4 bis f/16 eingestellt<br />

werden, während ein 70-200 mm Telezoom einen<br />

Bereich von f/4 bis f/32 haben kann. Die<br />

maximalen und minimalen f-Werte variieren von<br />

Objektiv zu Objektiv, aber der Kernbereich ist in<br />

allen modernen Objektiven zu finden.<br />

Da die Blende bei digitalen Spiegelreflexkameras<br />

elektronisch eingestellt wird, gibt es auch<br />

Zwischenwerte der f-Stufen, normalerweise im<br />

Abstand von Drittelstufen. Zum Beispiel kann man<br />

zwischen f/4 und f/5.6 auch f/4.5 und f/5<br />

einstellen, zwischen f/5.6 und f/8 gibt es f/6.3 und<br />

f/7.1, und so weiter. Damit hat man eine noch<br />

präzisere Kontrolle über die Belichtung.<br />

Wie man die Blende einstellt, hängt vom<br />

Belichtungsmodus ab, auf den die digitale<br />

Spiegelreflexkamera eingestellt ist. Von allen<br />

angebotenen Belichtungsmodi ist die<br />

Zeitautomatik mit Blendenvorwahl allgemein am<br />

nützlichsten. Darüber reguliert man die Belichtung,<br />

wenn die Lichtverhältnisse schwanken – und<br />

demnach die Belichtung angepasst werden muss<br />

– die Kamera tut dies über eine Änderung der<br />

Verschlusszeit. Gleiches gilt, wenn man eine<br />

Belichtungskompensation wählt. Bei der<br />

Blendenautomatik passiert das Gegenteil. Die<br />

Verschlussgeschwindigkeit bleibt fest und die<br />

Kamera ändert die Blende. Dies möchte man aber<br />

für die Steuerung der Tiefenschärfe eher<br />

vermeiden. Der manuelle Modus funktioniert<br />

f/2.8 f/16<br />

Oben: Große Blende<br />

Eine größere Blende (kleinerer f-Wert) führt zu einer<br />

Aufnahme mit einer flachen Tiefenschärfe. Dadurch<br />

wird der Bereich der Umgebung leicht unscharf.<br />

Rechts oben: Kleine Blende<br />

Eine kleinere Blende (höherer f-Wert) führt zu einer<br />

Aufnahme mit schärferen Details. Je kleiner die<br />

Blende, desto mehr Schärfe von Vordergrund bis<br />

Hintergrund kann man erzielen.<br />

f/2.8<br />

f/8<br />

f/4<br />

f/11<br />

f/5.6<br />

f/16<br />

ebenfalls gut, denn sowohl die Blende als auch die<br />

Verschlussgeschwindigkeit bleiben fest, bis sie<br />

konkret verändert werden. Allerdings dauert die<br />

Anwendung dieses Modus etwas länger und kann<br />

bei sich ändernden Lichtverhältnissen leicht<br />

durcheinander gebracht werden.<br />

Belichtungsmodi<br />

Av Zeitautomatik mit<br />

Blendenvorwahl (A oder Av):<br />

Wie der Name andeutet, gibt diese volle<br />

Kontrolle über die eingestellte Blende: Man ändert<br />

den f-Wert am Einstellring, bis die gewünschte<br />

Zahl angezeigt wird. Die Verschlusszeit ändert sich<br />

automatisch und passt sich der Blende an, sodass<br />

die korrekte Belichtung beibehalten wird.<br />

Tv Blendenautomatik (S oder<br />

Tv): Wenn man im Modus<br />

Blendenautomatik fotografiert, wählt<br />

man selbst die gewünschte<br />

Verschlussgeschwindigkeit und die Kamera wählt<br />

die dazu passende Blende, um eine korrekte<br />

Belichtung zu erzielen. Alles was man daher tut,<br />

ist die Verschlussgeschwindigkeit so anzupassen,<br />

bis die Kamera die gewünschte Blende einstellt.<br />

Programmautomatik (P): Die<br />

P Kamera stellt die Blende und<br />

Verschlussgeschwindigkeit automatisch<br />

ein, aber Sie können die Kombination verändern,<br />

indem Sie die Eingaberegelung drehen, bis die<br />

gewünschte Blende angezeigt wird.<br />

Manueller Modus (M): Sie stellen<br />

M sowohl die Verschlussgeschwindigkeit<br />

als auch die Blende ein. Also wählen Sie<br />

zunächst die gewünschte Blende und passen Sie<br />

dann die Verschlussgeschwindigkeit an, bis eine<br />

korrekte Belichtung angezeigt wird.<br />

ROSS HODDINOTT


<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong> Die Grundlagen verstehen 29<br />

Vorsicht bei<br />

f-Einstellungen<br />

Probieren Sie bei statischen<br />

Motiven wie Pilzen<br />

verschiedene Blenden aus,<br />

um Ihre bevorzugte<br />

Einstellung zu finden.<br />

<strong>Vorschau</strong> der Tiefenschärfe<br />

Die Tiefenschärfe einzuschätzen – wie viel einer<br />

Szene scharf aufgezeichnet wird – ist bei digitalen<br />

Spiegelreflexkameras kompliziert. Das liegt daran,<br />

dass die Blende bei Objektiven auf den niedrigsten<br />

f-Wert (größte Blende) eingestellt ist, bis man den<br />

Auslöser drückt. Die Tiefenschärfe, die man also<br />

im Sucher sieht, ist das, was man bekommen<br />

würde, wenn die Aufnahme mit weit geöffneter<br />

Blende gemacht würde. Um eine Vorstellung<br />

der Tiefenschärfe zu erhalten, die man bei der<br />

entsprechenden Blende erzielt, die man bei der<br />

Aufnahme verwendet, kann man die Tiefenschärfen-<br />

<strong>Vorschau</strong> der digitalen Spiegelreflexkamera<br />

verwenden. Normalerweise ist diese über eine Taste<br />

vorne an der Kamera zu erreichen. Drücken Sie<br />

darauf, um die Blende manuell beim eingestellten<br />

f-Wert zu stoppen. Wenn Sie eine kleine Blende<br />

wählen, wird der Sucher dunkel, wenn Sie die<br />

<strong>Vorschau</strong>taste wieder loslassen, denn Sie lassen<br />

viel weniger Licht durch ein kleineres Loch hinein.<br />

Am Anfang ist es schwierig, überhaupt etwas zu<br />

erkennen, aber wenn man das Auge auf dem Sucher<br />

lässt, passt es sich an die dunkleren Lichtverhältnisse<br />

an und Sie werden das Bild deutlicher erkennen<br />

können – gut genug, um festzustellen, was im Fokus<br />

ist. Wenn Sie mit einer Canon fotografieren, haben Sie<br />

den Vorteil, dass Sie die Tiefenschärfe über LiveView<br />

auf dem hellen LCD-Monitor einschätzen können.<br />

Canon<br />

Nikon<br />

Blenden: Häufig gestellte Fragen<br />

F Was ist die Verbindung zwischen<br />

Blende und Objektivgeschwindigkeit?<br />

A Objektivgeschwindigkeit bezieht sich auf die<br />

maximale (größte) Blende, die ein Objektiv besitzt.<br />

Zum Beispiel haben 70-200 mm Telezooms eine<br />

maximale Blende von f/2.8, während andere nur bis<br />

f/4 groß werden. Wenn ein Objektiv in einer Kategorie<br />

eine größere maximale Blende als die meisten<br />

anderen hat, nennt man es auch ein „schnelles“<br />

Objektiv. Ein 70-200 mm f/2.8 würde also als schnell<br />

bezeichnet, genau wie ein 16-35 mm f/2.8 oder<br />

ein 85 mm f/1.4, während ein 75-300 mm f/4-5.6<br />

Zoom als „langsam“ bezeichnet würde. Schnelle<br />

Objektive sind teurer und normalerweise größer/<br />

schwerer als ihre langsamen Geschwister, denn ihr<br />

optisches Design ist komplizierter und besteht aus<br />

mehr Glas.<br />

F Was ist der Vorteil eines schnelleren<br />

Objektivs gegenüber einem<br />

langsameren?<br />

A Der unmittelbare Vorzug ist, dass dadurch,<br />

dass man in der Lage ist, eine größere maximale<br />

Blende einzustellen, man auch eine schnellere<br />

Verschlussgeschwindigkeit wählen kann – daher<br />

sind sie bei Sport- und Naturfotografen sehr beliebt.<br />

Mit einem Objektiv, das bei f/4 weit offen ist, mag<br />

man auf 1/125 Sekunden begrenzt sein, aber in<br />

der gleichen Situation mit einem Objektiv, das eine<br />

maximale Blende von f/2.8 hat, könnte man bei<br />

1/250 Sekunden fotografieren. Denn durch die<br />

weitere Stufe wird doppelt so viel Licht durchgelassen<br />

und der Verschluss muss nur halb so lange offen<br />

bleiben. Ein weiterer Vorzug, insbesondere bei Teleund<br />

Telezoom-Objektiven, ist, dass man eine flachere<br />

Tiefenschärfe mit einer größeren maximalen Blende<br />

erreichen kann, um das Motiv zu isolieren und den<br />

Hintergrund verschwommen darzustellen. Man erhält<br />

außerdem ein helleres Bild im Sucher, was beim<br />

Bildaufbau und Fokussieren hilft, insbesondere bei<br />

dunkleren Lichtverhältnissen.<br />

F Bedeuten die f-Werte dasselbe auf<br />

jedem Objektiv – ist also zum Beispiel<br />

f/8 auf einem 70-200 mm Zoom<br />

identisch zu f/8 auf einem 17-40 mm<br />

Zoom?<br />

A Ja, alle f-Werte lassen die gleiche Menge licht<br />

herein, unabhängig von der fokalen Brennweite.<br />

Wenn Sie also in einer Situation von einem<br />

Objektiv auf ein anderes wechseln, ist die<br />

Verschlussgeschwindigkeit, mit der Sie eine korrekte<br />

Belichtung erzielen die gleiche, wenn die Blende an<br />

jedem Objektiv die gleiche bleibt.<br />

F Warum variiert die maximale Blende<br />

bei einigen Zooms, wie bei einem<br />

75-300 mm f/4-5.6?<br />

A Zoom-Objektive verwenden eine Reihe von<br />

Glaselementen in verschiedenen Gruppen oder<br />

Anhäufungen, um eine variable, fokale Brennweite<br />

zu erzielen. Während man durch den Bereich der<br />

fokalen Brennweite vom breiteren Ende zum längeren<br />

Ende zoomt, bewegen sich diese Elemente, um das<br />

Motiv zu vergrößern.<br />

Bei günstigeren Zooms ist das optische Design so,<br />

dass die effektive maximale Blende kleiner wird,<br />

wenn sich die fokale Brennweite erhöht, um die<br />

Kosten des Objektivs niedrig zu halten. Zooms, die<br />

eine konstante maximale Blende über den gesamten<br />

Bereich der fokalen Brennweite haben, sind teurer,<br />

denn sie beherbergen ein kompliziertes, optisches<br />

Design.<br />

F Wie kommt es, dass wenn auf<br />

meinem Foto Blendenflecke sind,<br />

diese oft eine ähnliche Form wie die<br />

Objektivblende aufweisen?<br />

A Weil Blendenflecke durch Licht erzeugt werden,<br />

die nicht das Bild formen, sondern im Objektiv<br />

herum prallen, wird manchmal einiges davon von der<br />

Fotoblende reflektiert, die die Blende bildet, daher<br />

erscheinen die Blendenflecke in Blendenform! Bei<br />

einigen Aufnahmen kann das effektiv aussehen, aber<br />

allgemein sollte man das besser vermeiden, indem<br />

man eine Objektivkappe oder Abtönung vor dem<br />

Objektiv montiert, sodass es vor herum irrendem<br />

Licht geschützt ist.


30<br />

Grundlagen der <strong>Makrofotografie</strong><br />

<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong><br />

Blenden und Nahaufnahmen<br />

Ihr Fokuspunkt kann aus einer guten Nahaufnahme eine fantastische Nahaufnahme<br />

machen. Lesen Sie hier mehr über die Geheimnisse der Profis, mit denen auch Sie<br />

erstaunliche Ergebnisse in der <strong>Makrofotografie</strong> erzielen können<br />

WIE SIE BEREITS festgestellt haben dürften gilt: Je<br />

größer die Blende (niedriger f-Wert), desto flacher wird<br />

die Tiefenschärfe. Dieser Effekt wird jedoch beim<br />

<strong>Fotografie</strong>ren von Nahaufnahmen noch weiter<br />

gesteigert, weil die Tiefenschärfe auch bei stärkeren<br />

Vergrößerungen zunehmend flacher wird. Die<br />

Schärfezone kann bei Wiedergabeverhältnissen im<br />

Bereich von 1:1 (Lebensgröße) hauchdünn werden.<br />

Um also mit großen Blenden gestochen scharfe<br />

Nahaufnahmen zu erhalten, müssen Ihr Fokus und<br />

Ihre Technik wirklich gut sein.<br />

Mit einer so flachen Tiefenschärfe bei größeren<br />

Blenden könnte man nun schlussfolgern, dass ein<br />

kleinerer f-Wert besser geeignet wäre, um eine größere<br />

Schärfezone zu schaffen. Dies allerdings kann<br />

bisweilen störende Details im Vorder- und Hintergrund<br />

mit in den Fokus bringen und so unruhige<br />

Hintergründe schaffen, die das Auge vom Hauptmotiv<br />

ablenken. Wenn Sie einen höheren f-Wert wählen,<br />

erhalten Sie außerdem in der Folge eine wesentlich<br />

längere Belichtungszeit, was beim <strong>Fotografie</strong>ren aus<br />

der Hand oder beim <strong>Fotografie</strong>ren von bewegten<br />

Objekten wie Insekten oder vom Wind bewegten<br />

Blumen Probleme aufwerfen kann<br />

Ganz abgesehen von praktischen Erwägungen gibt es<br />

auch viele ästhetische Vorteile, die für die Verwendung<br />

einer großen Blende beim <strong>Fotografie</strong>ren von<br />

Nahaufnahmen sprechen. Die Umgebung des Objekts<br />

verschwimmt hierdurch auf attraktive Weise, und es<br />

entsteht ein diffuser Hintergrund aus verwaschenen<br />

Farben, aus dem Ihr Motiv plakativ hervortritt; eine<br />

Technik, die wir bereits erwähnt haben, und die unter<br />

der Bezeichnung „Differenzialfokus“ bekannt ist.<br />

Wenn Sie zum Beispiel Insekten oder Wildblumen<br />

fotografieren, stellt eine Blende im Bereich von f/4 oder<br />

f/5.6 sicher, dass nur das Objekt selbst scharf<br />

abgebildet wird und der Hintergrund aufgeräumt<br />

wirkt, ohne dass Sie selbst Hand anlegen oder Ihren<br />

Aufnahmewinkel ändern müssen. Um die verfügbare<br />

Tiefenschärfe bei allen Blendenwerten zu maximieren,<br />

achten Sie stets darauf, dass sich die Sensorebene<br />

Ihrer Kamera parallel zum Objekt befindet. Es gibt nur<br />

eine Ebene kompletter Schärfe, und Sie möchten<br />

schließlich so viel von Ihrem Objekt auf dieser Ebene<br />

platzieren wie irgend möglich.<br />

Egal, ob Sie Wildtiere, Pflanzen oder Stillleben<br />

fotografieren, eine große Blende kann sich bei der<br />

Verwendung eines Makroobjektivs oder einer Nahlinse<br />

als sehr nützliches Kreativwerkzeug erweisen, das<br />

Ihren Fokuspunkt betont. Fast alles vor und hinter<br />

diesem Fokuspunkt wird zunehmend unschärfer<br />

abgebildet, sodass Ihnen viel kreativer Spielraum<br />

bleibt. Sie können zum Beispiel Ihren Fokuspunkt nur<br />

auf die Blütenblätter oder die Blütenstempel einer<br />

Blume legen und den Rest der Blüte attraktiv<br />

verschwimmen lassen. Der Trick ist, nur so viel<br />

Tiefenschärfe zu erzeugen, dass Ihr Hintergrund<br />

verschwimmt, aber trotzdem noch erkennbar bleibt.<br />

Wenn Ihre Kamera über eine <strong>Vorschau</strong>taste verfügt,<br />

verwenden Sie sie, um den Effekt zu kontrollieren.<br />

Wenn Sie mehr oder weniger Tiefenschärfe benötigen,<br />

passen Sie die Blendenzahl an. Diese Art von<br />

selektiver Fokussierung kann eindrucksvolle,<br />

künstlerische Ergebnisse erzielen und wesentlich<br />

mehr über die Größe, Schönheit und Gestalt eines<br />

Objekts verraten, als, wenn das Ergebnis in allen<br />

Bereichen scharf wäre.<br />

Eine große Blende ermöglicht dem Fotografen einen<br />

wesentlich kreativeren Umgang mit dem Fokus, aber<br />

das ist nicht ganz einfach. Die flache Tiefenschärfe,<br />

die durch eine niedrige Blendenzahl verursacht wird,<br />

bedeutet, dass der Fokus absolut akkurat sein muss.<br />

Da die Schärfezone potenziell nur ein paar Millimeter<br />

betragen wird, ist es nicht einfach, aus der Hand<br />

scharfe Ergebnisse zu erzielen. Sie sollten also, wann<br />

immer es möglich ist, ein Stativ verwenden. Das<br />

ermöglicht es Ihnen, Ihren Fokuspunkt akkurater zu<br />

platzieren. In Situationen, in denen es unpraktisch<br />

wäre, die Kamera auf ein Stativ zu stellen,<br />

fotografieren Sie eine größere Bildsequenz. So können<br />

Sie sicher sein, dass wenigstens eines darunter korrekt<br />

fokussiert ist. Manueller Fokus ist die beste Wahl, da<br />

der Autofokus Probleme beim Fokussieren nahe<br />

gelegener Objekte haben kann.<br />

Noch besser ist es, die LiveView-Funktion Ihrer<br />

Kamera zu nutzen, um in den ausgewählten Bereich<br />

hinein zu zoomen und anschließend die<br />

Feineinstellungen am Fokus vorzunehmen.<br />

Profi-Tipp: Ross Hoddinott<br />

„Bei Nahaufnahmen ist die Tiefenschärfe<br />

aufgrund der starken Vergrößerung oft sehr<br />

kurz. Daher ist die Meinung verbreitet, man<br />

sollte eine hohe Blendenzahl verwenden.<br />

Ich sehe das anders. Ich verwende beim<br />

<strong>Fotografie</strong>ren von Wildblumen und Insekten<br />

nur sehr selten hohe f-Werte. Zunächst würde<br />

dies längere Verschlusszeiten bedeuten, was<br />

beim <strong>Fotografie</strong>ren von Tieren bei Tageslicht<br />

kaum wünschenswert ist. Abgesehen davon<br />

würde es zu viele ablenkende Details im<br />

Hintergrund in den Fokus bringen und so<br />

unruhige Hintergründe schaffen.<br />

Ich verwende häufig größere Blenden im<br />

Bereich von f/2.8 bis f/8. Eine solch flache<br />

Tiefenschärfe hilft, mein Motiv plakativ vom<br />

Hintergrund hervorzuheben. Die Ergebnisse<br />

können toll aussehen, aber dafür muss<br />

die Fokussierung absolut exakt sein. Um<br />

sicherzustellen, dass das Objekt in allen<br />

Bereichen ausreichend scharf ist, sollten Sie<br />

Ihre Kamera parallel dazu aufstellen, um<br />

die Tiefenschärfe zu maximieren. Außerdem<br />

sollten Sie, wenn möglich, manuell fokussieren<br />

und LiveView verwenden, um hinein zu<br />

zoomen und um Ihren Fokuspunkt präzise<br />

zu positionieren. Flache Tiefenschärfe kann<br />

sich als kraftvolles, ästhetisches Werkzeug für<br />

Nahaufnahmen erweisen.“<br />

Verändern der Tiefenschärfe<br />

Jeder kann ein scharfes Foto aufnehmen. Wo Sie<br />

das Bild verschwimmen lassen ist das, was<br />

wirklich zählt! Alle Fotos dieser Bildsequenz einer<br />

Prachtlibelle wurden aus demselben Blickwinkel<br />

und mit demselben Fokuspunkt aufgenommen<br />

– lediglich die Tiefenschärfe wurde geändert.<br />

Diese Sequenz zeigt, wie bei den Bildern, die mit<br />

kleinerer Blende aufgenommen wurden, die Details<br />

im Hintergrund immer deutlicher hervortreten und<br />

das Auge zunehmend ablenken. Eine größere<br />

Blende hilft Ihnen, Ihr Objekt zu isolieren und<br />

seinen Umriss und seine Gestalt zu betonen.<br />

Achten Sie dabei aber auf eine sorgfältige<br />

Positionierung Ihres Fokuspunkts.<br />

f/11<br />

f/2.8<br />

f/16<br />

f/5.6<br />

f/22


Annäherung<br />

Die Positionierung des Fokuspunkts<br />

kann die Wirkung Ihres Bildes<br />

dramatisch beeinflussen.<br />

ALE BILDER: ROSS HODDINOTT


32<br />

Grundlagen der <strong>Makrofotografie</strong><br />

<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong><br />

Grundlagen der Ausleuchtung<br />

Verwandeln Sie die alltäglichen Fotos Ihrer Gartenblumen in wunderschöne Stillleben,<br />

indem Sie das Tageslicht zu beherrschen und manipulieren lernen<br />

GENAU WIE BEI JEDEM anderen Motiv ist auch beim<br />

<strong>Fotografie</strong>ren der Pflanzen in Ihrem eigenen Garten die<br />

richtige Beleuchtung ein Schlüssel zum Erfolg.<br />

Gute Beleuchtung hebt Ihre Bilder aus der Masse hervor;<br />

schlechte Beleuchtung dagegen kann all Ihre Bemühungen<br />

zunichte machen. Am frühen Morgen und späten Abend ist<br />

das Licht am besten zum <strong>Fotografie</strong>ren, weil die Sonne tief<br />

am Himmel steht und dem Licht eine warme und sanfte<br />

Qualität verleiht. Benachbarte Gebäude, Hecken und<br />

Zäune haben jedoch zur Folge, dass viele Gärten bereits<br />

frühzeitig im Schatten liegen. Folglich kann man als<br />

Fotograf gezwungen sein, seine Aufnahmen stattdessen<br />

tagsüber zu machen. Das Tageslicht kann sich als hart und<br />

kontrastreich erweisen. Beim <strong>Fotografie</strong>ren von<br />

Nahaufnahmen besitzt der Fotograf jedoch eine viel<br />

stärkere Kontrolle über die Ausleuchtung. Man kann das<br />

Licht manipulieren, indem man Schatten nutzt, den<br />

Aufnahmewinkel verändert oder indem man einen Blitz<br />

oder einen Reflektor verwendet.<br />

Helles Licht an einem bewölkten Himmel ist eine Form der<br />

Ausleuchtung, die oftmals nicht genügend gewürdigt wird,<br />

die aber zum <strong>Fotografie</strong>ren von Pflanzen sehr gut geeignet<br />

ist. Subtiles, diffuses Licht reduziert das Blendlicht auf<br />

Blättern und gibt dem Laub seine natürliche Farbsättigung<br />

zurück. Darüber hinaus reduziert es Kontraste und<br />

ermöglicht es dem Fotografen somit, feine Details<br />

aufzunehmen, die in direktem Licht eventuell<br />

ausgewaschen erscheinen könnten. Tatsächlich ist es bei<br />

besonders hartem Licht ein nützlicher Trick, seinem Objekt<br />

mithilfe des eigenen Körpers oder eines Sonnen- oder<br />

Regenschirmes Schatten zu spenden, um auf diese Weise<br />

Kontraste zu reduzieren und so ein besseres Ergebnis zu<br />

erzielen. Aber auch das <strong>Fotografie</strong>ren bei bewölktem<br />

Himmel ist nicht ohne Hindernisse. Sie sollten sich der<br />

Tatsache bewusst sein, dass die Verschlusszeiten länger<br />

sind. Wenn es also auch noch windig ist, kann es häufiger<br />

zu unbeabsichtigter Bewegungsunschärfe kommen.<br />

Darüber hinaus ist es bei windigem Wetter schwieriger, zu<br />

fokussieren und Ihr Bild akkurat aufzubauen. Zum Glück ist<br />

es in einem Garten zumeist möglich, eine geschützte Ecke<br />

zu finden, wo der Wind Sie nicht bei Ihrer Arbeit stören<br />

kann.<br />

Der eingebaute Blitz Ihrer Kamera und eine Ausleuchtung<br />

von vorne können ein flaches, schattenloses Licht schaffen,<br />

das man besser vermeiden sollte. Licht von oben, wie es<br />

von der Mittagssonne erstrahlt, kann dunkle, hässliche<br />

Schatten auf den Bereich unterhalb des Motivs werfen, was<br />

bei einem niedrigen oder parallelen Kamerastandort zu<br />

Problemen führen kann. In dieser Art von Licht ist ein<br />

kleiner silbern / weißer Reflektor, der in der Hand gehalten<br />

werden kann, absolut unabdingbar. Durch eine<br />

Positionierung des Reflektors neben dem Objekt in einem<br />

Winkel, in dem das Licht zurück auf das Motiv gelenkt wird,<br />

um so dunkle Schatten aufzuhellen, ist es möglich das Licht<br />

auszugleichen und attraktivere Nahaufnahmen zu<br />

schaffen. Verändern Sie die Intensität des Lichts, indem Sie<br />

den Reflektor näher an das Objekt heran oder weiter davon<br />

entfernt halten.<br />

Eine Ausleuchtung von der Seite ist für Gartenmotive sehr<br />

gut geeignet, weil sie Strukturen verstärkt und einen<br />

Eindruck von Tiefe in einem Foto vermittelt. Für<br />

dramatischere Ergebnisse sollten Sie jedoch eine<br />

Ausleuchtung von hinten wählen. Diese unterstreicht feine<br />

Details wie haarige Blätter, Blütenstempel und Äderungen.<br />

Diese Art von Licht funktioniert besonders gut bei<br />

lichtdurchlässigen Objekten wie Blättern.<br />

Von hinten ausgeleuchtete<br />

Pflanzen fotografieren<br />

Beim <strong>Fotografie</strong>ren von Gartenpflanzen bietet die<br />

Ausleuchtung von hinten kreative Möglichkeiten.<br />

Sie betont Formen, Umrisse und winzige Details,<br />

die ansonsten leicht übersehen werden. Sie<br />

ist besonders gut für lichtdurchlässige Objekte<br />

geeignet, denn die Ausleuchtung von hinten macht<br />

jede Ader sichtbar, die durch ein Blatt verläuft.<br />

Diese Form der Ausleuchtung stellt den Fotografen<br />

jedoch auch vor technische Herausforderungen.<br />

Wenn Sie im Gegenlicht fotografieren, besteht<br />

erhöhtes Risiko für Reflexlichter. Setzen Sie<br />

deshalb eine Gegenlichtblende auf Ihr Objektiv<br />

oder schützen Sie es mit Ihrer Hand oder einem<br />

Stück Pappe vor der Sonne. Darüber hinaus<br />

können von hinten ausgeleuchtete Motive<br />

oftmals die Multizonenmessung einer digitalen<br />

Spiegelreflexkamera in die Irre leiten. Die<br />

Messungen können fehlerhaft sein. Es ist also<br />

wichtig, dass Sie beim <strong>Fotografie</strong>ren von hinten<br />

ausgeleuchteter Objekte die Belichtung regelmäßig<br />

kontrollieren. Schauen Sie sich das Histogramm<br />

an und passen Sie die Belichtungskorrektur<br />

entsprechend an.<br />

ALLE BILDER: ROSS HODDINOTT<br />

Tutorial zur Ausleuchtung bei der<br />

Gartenfotografie<br />

Um uns die Grundlagen der Nutzung von Licht<br />

bei der Gartenfotografie zu erklären, hat der<br />

Naturfotograf Ross Hoddinott, lediglich mit seiner<br />

Kamera bewaffnet, eine Expedition in den Garten<br />

hinter seinem Haus unternommen. Seine Mission<br />

ist es, eine Blume zu fotografieren und dabei nur<br />

mithilfe eines Stativs und eines Reflektors gegen das<br />

grelle Sonnenlicht zu kämpfen. Ein faltbarer silbern /<br />

weißer Reflektor ist schon für 15 bis 20 erhältlich,<br />

während ein vernünftiges Stativ (unabdingbar für<br />

die Gartenfotografie) mit ungefähr 100 bis 175 zu<br />

Buche schlägt.<br />

Set-up<br />

Eine große Blende ausprobieren Ich<br />

1 möchte ein paar Nahaufnahmen schießen und habe<br />

mich für einen parallelen Blickwinkel entschieden. Ich<br />

wähle eine große Blende von f/2.8, um so eine flache<br />

Tiefenschärfe zu schaffen. Die grelle Mittagssonne wirft<br />

jedoch einen dunklen, hässlichen Schatten unterhalb der<br />

Blüte und an deren Stängel entlang.<br />

Einen Reflektor verwenden Bei der<br />

2 Arbeit in unmittelbarer Nähe des Objekts kann ein<br />

Kamerablitz künstlich aussehen, wenn er nicht<br />

sorgfältig reguliert wird. Ein Reflektor ist somit oftmals<br />

die bessere Wahl. Ich halte meinen einfach neben die<br />

Blume und lenke das reflektierte Licht auf diese, um die<br />

Schattenbereiche aufzuhellen.<br />

Im Schatten fotografieren Sie können<br />

3 Kontraste reduzieren, indem Sie im Schatten<br />

fotografieren. Wenn es gerade keine Wolken am Himmel<br />

gibt, die Ihnen zu Diensten sein können, verwenden Sie<br />

einfach Ihren eigenen Schatten, um kleinere Objekte im<br />

Garen abzuschirmen. Das <strong>Fotografie</strong>ren im Schatten<br />

kann zu längeren Belichtungszeiten führen, achten Sie<br />

also auf Unschärfe in Ihren Fotos.<br />

Den ISO-Wert erhöhen Ich setze die<br />

4 ISO-Empfindlichkeit meiner Kamera von 100 auf<br />

200 herauf, um eine schnellere Verschlusszeit zu<br />

erhalten. Dann warte ich, bis die sanfte Brise sich legt,<br />

bevor ich den Auslöser drücke. Diesmal ist das Foto<br />

gestochen scharf. Da ich das Licht unter Kontrolle hatte,<br />

sieht dieses Bild deutlich besser aus, als das Original.


Von hinten<br />

ausgeleuchtete Objekte<br />

Durch die Ausleuchtung von hinten kann<br />

man bei Objekten wie Blättern feine Details<br />

betonen, die sonst unsichtbar bleiben.


34<br />

Grundlagen der <strong>Makrofotografie</strong><br />

Belichtung von Nahaufnahmen<br />

Der Einsatz Ihres Körpers und eines Reflektors kann bei der korrekten Belichtung helfen, wenn Sie<br />

Nahaufnahmen im Freien machen. Dieses kurze Tutorial hilft Ihnen dabei<br />

Vorsicht vor Verwacklungsunschärfe!<br />

Wenn Sie Ihr Objekt beschatten, um die Belichtung<br />

auszugleichen, verlängert dies die Belichtungszeit. Das<br />

erhöht das Risiko von Verwacklungsunschärfe. Achten<br />

Sie also darauf, den Bildstabilisator einzuschalten, oder<br />

benutzen Sie ein robustes Stativ.<br />

Ross Hoddinott: Strukturen,<br />

abstrakte Details, Stillleben, Fauna und<br />

Flora bieten gute Motive für<br />

Nahaufnahmen. Denken Sie jedoch stets<br />

daran, dass das <strong>Fotografie</strong>ren mit einer starken<br />

Vergrößerung eine Herausforderung darstellen kann,<br />

weil die Tiefenschärfe zunehmend flacher und jede<br />

Kamerabewegung verstärkt wird. Aber nicht alles ist<br />

schwierig. Aufgrund der kleinen Ausmaße des<br />

Motivs und der kurzen Entfernung, aus der sie<br />

arbeiten, haben Fotografen von Nahaufnahmen eine<br />

deutlich bessere Kontrolle über die Ausleuchtung<br />

und die Belichtung ihrer Fotos.<br />

Viele Nahaufnahmen fallen einfach aufgrund der<br />

Lichtqualität durch. Fotos, die draußen im grellen,<br />

direkten Licht der Mittagssonne aufgenommen<br />

wurden, wirken aufgrund zu heller Spitzlichter und<br />

zu dunkler Schattenbereiche meist unausgewogen<br />

und enttäuschend. Das harte Licht verursacht<br />

zudem Belichtungsprobleme, da das Messsystem<br />

der Kamera leicht irritiert wird, wenn die Szene eine<br />

kontrastreiche Mischung aus hellen und dunklen<br />

Bereichen aufweist.<br />

Für gleichmäßigere Belichtungen sollten zumindest<br />

die Schatten aufgehellt werden. Ein Blitzgerät ist<br />

eine Möglichkeit – doch auch Blitzlicht kann<br />

unnatürlich grell wirken. Außerdem können auf die<br />

Kamera aufgesteckte oder integrierte Blitzeinheiten<br />

nahe gelegene Objekte aufgrund der kurzen<br />

Arbeitsdistanz zwischen Kamera und Motiv leicht<br />

komplett oder teilweise verfehlen.<br />

Die meisten Fotografen bevorzugen für<br />

Nahaufnahmen ein möglichst natürliches Licht. Die<br />

beste Lösung ist hier ein Reflektor, der in der Hand<br />

gehalten werden kann und das Sonnenlicht in die<br />

dunklen Bereiche zurückwirft. Wenn das Licht<br />

wirklich stark und intensiv ist, sollte der Fotograf<br />

erwägen, sein Objekt für eine Nahaufnahme zu<br />

beschatten. Das mag seltsam klingen, aber<br />

gedämpftes Licht lässt besonders natürliche Objekte<br />

vorteilhafter wirken, etwa Blumen und Blätter. Die<br />

Verminderung des Kontrasts ermöglicht es dem<br />

Fotografen, feine, komplizierte Details und eine<br />

bessere Farbsättigung einzufangen. Die<br />

Abschirmung eines Objekts mithilfe Ihres eigenen<br />

Körpers oder Ihrer Kameratasche, die Sie zwischen<br />

das Objekt und die Sonnenstrahlen stellen, kann<br />

zusammen mit ein wenig zurückgeworfenem Licht<br />

vom Reflektor sehr gut funktionieren.<br />

Diese Kombination kann Ihnen dabei helfen, subtil<br />

ausgeleuchtete und perfekt belichtete<br />

Nahaufnahmen zu fotografieren. Unsere folgende<br />

Schritt-für-Schritt-Anleitung zeigt Ihnen, wie es<br />

geht.<br />

Reflektoren<br />

Reflektoren sind für gewöhnlich faltbare Scheiben aus Stoff. Sie<br />

sind in einer ganzen Reihe unterschiedlicher Größen erhältlich.<br />

Je größer sie sind, desto größer ist auch der Bereich, in dem<br />

das Licht reflektiert wird. Ein Reflektor mit einer Größe von 30<br />

oder 60 Zentimetern ist normalerweise absolut ausreichend,<br />

um winzige Objekte auszuleuchten. Reflektoren sind im<br />

Allgemeinen auf einer Seite weiß für neutrale Ergebnisse und auf<br />

der anderen Seite entweder silbern oder golden. Das ermöglicht<br />

es dem Fotografen, die Qualität oder Wärme des reflektierten<br />

Lichtes zu verändern. Der Reflektor sollte so positioniert werden,<br />

dass er das Licht auf den Bereich lenkt, den Sie aufhellen<br />

möchten. So wirft er zusätzliches Licht auf Ihr Objekt und hellt<br />

dunkle Schatten auf. Wenn Sie den Reflektor näher an Ihr Objekt<br />

heran bewegen oder weiter davon entfernen, verändert sich<br />

die Intensität des Lichts, was es dem Fotografen ermöglicht,<br />

das natürliche Licht bei Nahaufnahmen ganz einfach zu<br />

manipulieren und den Effekt zu regulieren. Reflektoren sind<br />

nicht teuer, aber Sie können sie auch selber herstellen, indem<br />

Sie ein Stück Pappe mit Folie bekleben.<br />

Das Bild aufbauen Bei dem Besuch einer lokalen, öffentlichen Gartenanlage<br />

1 fällt mein Blick auf ein paar hübsche, gelbe Blumen. Ich möchte eine<br />

Nahaufnahme machen, die den Bildausschnitt füllt, also setze ich mein Makroobjektiv<br />

auf meine Nikon D700. Ich halte die Blüte still, indem ich sie mit einem Plamp fixiere,<br />

den ich an einem Bein meines Stativs angebracht habe. Ich baue mein Bild auf und<br />

verlasse mich auf die Matrixmessung meiner D700. Da sich die Blüte aber zum Teil im<br />

Schatten befindet, ist das Ergebnis sehr kontrastreich und die Spitzlichter auf den<br />

Blütenblättern wirken grell und störend.<br />

Verwenden Sie einen Reflektor Um die Bereiche im Schatten<br />

2 aufzuhellen werfe ich mithilfe eines kleinen Reflektors Licht auf die Blüte. Dies<br />

gleicht das Licht aus und reduziert den Kontrast. Ich halte den Reflektor der Blüte<br />

gegenüber und lenke das Licht sorgfältig, bis ich das Maß an Ausleuchtung erreicht<br />

habe, das ich benötige. Das Ergebnis ist besser und die dunklen Schatten sind<br />

weitestgehend gemildert, aber das Licht ist immer noch unausgewogen und die<br />

Schatten, die von den umgebenden Bäumen fallen, wirken störend. Ich beschließe,<br />

meine Kameraposition zu verändern.


Fertiges Bild<br />

Ich entferne den Reflektor ein Stück von der Blume und richte das reflektierte Licht sorgfältiger aus,<br />

damit das Ergebnis natürlicher wirkt. Diese Herangehensweise würde für scheue Wildtiere wie<br />

Insekten oder Reptilien nicht funktionieren, aber in diesem Fall hat sie das Pflanzenporträt wirklich zum<br />

Leben erweckt. Eine Kombination aus Schatten und reflektiertem Licht hat mir eine deutlich bessere<br />

Kontrolle über die Ausleuchtung ermöglicht, um eine perfekte Belichtung zu erreichen.<br />

Mit diesem Foto bin ich sehr zufrieden.<br />

Im Schatten fotografieren Wenn Sie Nahaufnahmen von kleinen<br />

3 Objekten fotografieren, können Sie das Licht sehr leicht manipulieren. Um eine<br />

ausgewogenere Belichtung zu schaffen und die störenden Spitzlichter zu eliminieren,<br />

die von dem Sonnenlicht verursacht werden, das von den Blütenblättern reflektiert<br />

wird, werfe ich meinen Schatten auf die Blüte und löse die Kamera mithilfe einer<br />

Fernbedienung aus. Dies führt zwar zu einer längeren Belichtungszeit, aber das<br />

gedämpfte Licht ist ideal für viele Motive bei Nahaufnahmen, insbesondere Blumen.<br />

Trotzdem wirkt das Resultat ein wenig langweilig und leblos.<br />

4<br />

Das Licht reflektieren Es hat gut funktioniert, die Blume zu beschatten,<br />

aber ich möchte meinem Foto mehr Leben einhauchen, indem ich ein wenig<br />

reflektiertes Licht hinzufügen. Wieder positioniere ich meinen Reflektor in der Nähe,<br />

um etwas Licht auf die Pflanze zu werfen. Dabei halte ich den Reflektor zu nah an<br />

die Blume und das Licht ist zu intensiv. Es wirkt flach und künstlich, als ob ich einen<br />

Blitz verwendet hätte. Das beweist, dass man auch reflektiertes Licht sorgfältig<br />

anwenden muss. Ich bin noch immer nicht zufrieden mit meinem Blickwinkel und<br />

ändere ihn noch ein wenig.


36<br />

Grundlagen der <strong>Makrofotografie</strong><br />

<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong><br />

Punktmessung für kleine Objekte<br />

Ross Hoddinott erklärt, wie die Punktmessung das Einfangen kleiner Objekte vereinfacht<br />

KEIN TTL-MESSSYSTEM ist idiotensicher, und es wird wohl nie eines geben. Selbst die<br />

raffiniertesten Multizonen-Messmuster sind nicht unfehlbar. Objekte vor sehr hellem<br />

oder dunklem Hintergrund verursachen immer Probleme – insbesondere kleine Objekte<br />

wie meine Spezialität, die Insekten. Das liegt daran, dass die Multizonen-Messung<br />

darauf ausgelegt ist, die Szene in viele unterschiedliche Zonen aufzuteilen. Die Kamera<br />

nimmt individuelle Messungen für jede Zone vor, untersucht die unterschiedlichen<br />

Messungen und berechnet dann den Durchschnitt. Für gewöhnlich ist dies eine<br />

effektive Möglichkeit, eine korrekte Belichtung zu erlangen, aber sehr dunkle oder sehr<br />

helle Hintergründe können sich als irreführend erweisen. Ein dunkler Hintergrund lässt<br />

die Kamera glauben, das Objekt sei dunkler als es tatsächlich ist. Deshalb wählt sie eine<br />

längere Belichtungszeit als nötig, sodass das Objekt zu stark belichtet wird. Im<br />

Gegensatz dazu kann ein sehr heller Hintergrund der Kamera vorgaukeln, das Objekt sei<br />

heller, folglich wird eine kürzere Belichtungszeit gewählt und das Objekt unterbelichtet.<br />

Dies kann zwar mit etwas Belichtungskorrektur ausgeglichen werden; der bessere Weg<br />

ist aber, von der Multizonenmessung auf Punktmessung umzuschalten.<br />

Die Punktmessung ist die präziseste Form der TTL-Messung. Sie berechnet die<br />

Belichtung aus einem kleinen Prozentsatz des Bildausschnitts, ohne sich von der<br />

Helligkeit andere Bereiche beeinflussen zu lassen. In der Regel verwendet die<br />

Punktmessung Messdaten aus einem zentralen Kreis von ungefähr 3 Prozent des<br />

Bildausschnitts. Während die Punktmessung dem Fotografen mehr Kontrolle über die<br />

Belichtung bietet, ist sie zugleich am meisten auf die Eingaben des Anwenders<br />

angewiesen. Richten Sie den Sensor des Messsystems unmittelbar auf den Bereich, für<br />

den Sie messen möchten. Die Kamera berechnet die Belichtung allein auf dieser<br />

Grundlage. Die Verwendung der Punktmessung ermöglicht eine präzise Messung für<br />

kleine Objekte innerhalb des Bildausschnitts. Sie wird zumeist am besten in<br />

Kombination mit dem manuellen Belichtungsmodus angewendet. Richten Sie den<br />

Bereich für die Punktmessung auf das Objekt, für das Sie die Belichtung messen<br />

möchten, wie zum Beispiel einen Mittelton oder eine Graukarte und bringen Sie<br />

anschließend die Anzeige mithilfe des Einstellrades auf eine Linie mit der (0) auf der + /<br />

- Skala im Sucher. Nun haben Sie die Belichtung eingestellt, die Ihre Kamera für den<br />

manuell gemessenen Bereich empfiehlt. Wenn Sie in M fotografieren, wird diese<br />

Belichtungszeit so lange aufrechterhalten, bis Sie die Einstellungen ändern. Im<br />

Gegensatz dazu müssen Sie bei der Verwendung eines automatischen oder<br />

halbautomatischen Belichtungsmodus die Funktion Autoexposure Lock (AE-L)<br />

aktivieren, um Ihre neuen Einstellungen beizubehalten. Wenn Sie dies nicht tun, wird<br />

Ihre Punktmessung sich verändern, sobald Sie Ihre Bildkomposition anpassen.<br />

Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für die Punktmessung<br />

für kleine Objekte<br />

Insekten und Pflanzen sehen vor dem Kontrast eines hellen oder dunklen Hintergrundes<br />

fantastisch aus. Diese Art von Situationen kann jedoch Kopfschmerzen bereiten, was die<br />

Belichtung anbelangt. Zwar verlasse ich mich normalerweise auf die Multizonenmessung<br />

meiner Kamera, aber ich weiß, dass diese leicht von einem hauptsächlich dunklen oder<br />

hellen Hintergrund in die Irre geleitet werden kann. Also schalte ich oft auf die Punktmessung<br />

um, die es mir ermöglicht, genauere Messungen vorzunehmen. Anstatt herumzufummeln<br />

und die Belichtung mithilfe des AE-L-Knopfes einzufrieren, stelle ich die Kamera lieber auf<br />

manuellen Modus ein und nehme eine Punktmessung an einem Bereich des Objekts vor, den<br />

ich für einen Mittelton halte. Sobald ich dann die von der Kamera empfohlenen Einstellungen<br />

vorgenommen habe, weiß ich, dass diese bestehen bleiben, solange ich sie nicht selber<br />

verändere. Sie sind fest eingestellt, was es mir erlaubt, mich auf die Bildkomposition und den<br />

Fokus zu konzentrieren.<br />

Dunkle Hintergründe<br />

Auch dunkle Hintergründe können das Multizonen-<br />

Messsystem in die Irre leiten. Sie messen die<br />

gesamte Szene und lassen sich dazu verleiten, das<br />

Objekt für dunkler zu erachten, als es tatsächlich<br />

ist. Die Kamera wird wahrscheinlich eine längere<br />

Belichtungszeit wählen, als notwendig ist. Das<br />

Licht wird zu lange auf den Sensor fallen und ein<br />

überbelichtetes Ergebnis mit ausgewaschenen<br />

Farben produzieren. Auch hier ist die beste<br />

Möglichkeit, dem Problem zu begegnen, auf<br />

Punktmessung umzuschalten und eine akkuratere<br />

Messung für einen Teil des Objekts vorzunehmen,<br />

den Sie für einen Mittelton erachten. Dies ist eine<br />

schnelle, präzise Möglichkeit, um die richtige<br />

Belichtungszeit zu ermitteln. Auch für das<br />

<strong>Fotografie</strong>ren von hinten ausgeleuchteter Objekte<br />

ist diese Methode gut geeignet.<br />

Die Einstellungen vornehmen Ich habe eine Libelle bemerkt, die auf<br />

1 einem Schilfrohr am Ufer sitzt. Sie sieht vor dem strahlend hellen Wasser fantastisch<br />

aus. Ich stelle meine Kamera auf manuellen Modus ein, wähle Blende f/8 und begebe<br />

mich langsam in Position. Ich benutze die Multizonenmessung und die Belichtungsskala<br />

im Sucher. Meine Kamera empfiehlt eine Verschlusszeit von 1/500 Sekunde. Das<br />

Ergebnis ist jedoch unterbelichtet.<br />

Auf Punktmessung umschalten Der strahlend helle Hintergrund hat das<br />

2 Messsystem meiner Kamera ganz offensichtlich in die Irre geleitet, also schalte ich<br />

um auf Punktmessung. Auf diese Weise kann ich eine Messung von einem kleinen<br />

Bereich des Objektes vornehmen und eine akkuratere und zuverlässigere Einstellung<br />

bekommen. An meiner Kamera befindet sich der Hebel auf dem Kameragehäuse und<br />

lässt sich ganz leicht anwählen. Schlagen Sie in der Bedienungsanleitung Ihrer Kamera<br />

nach, wie Sie auf Punktmessung umschalten können.


<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong> Grundlagen der <strong>Makrofotografie</strong> 37<br />

Fertiges Bild<br />

Die Punktmessung in Verbindung mit<br />

dem manuellen Modus hat das<br />

Einfangen dieser kleinen Kreatur ganz<br />

leicht gemacht. Einfach schön!<br />

Die Verschlusszeit anpassen Ich richte den Kreis für die Punktmessung<br />

3 auf den dunklen, haarigen Rücken der Libelle. Die Blende bleibt bei f/8 und ich<br />

ändere die Belichtungszeit auf 1/125 Sekunde, die vorgeschlagene Zeit für meine<br />

Punktmessung. Allerdings habe ich einen Fehler gemacht. Da ich für einen so dunklen<br />

Teil des Insektenkörpers gemessen habe, wird die Kamera zur Überbelichtung<br />

verleitet und das Ergebnisbild ist zu hell.<br />

Das Histogramm kontrollieren Ein kurzer Blick auf das Histogramm<br />

4 zeigt mir auf der rechten Seite des Graphen sofort meinen Fehler. Ich löse das<br />

Problem, indem ich den Sensor für die Punktmessung auf den blauen Bauch der<br />

Libelle richte – ein guter Mittelton, der eine präzisere Messung ermöglichen sollte. Ich<br />

passe die Verschlusszeit entsprechend auf 1/250 Sekunde an. Das Ergebnis ist eine<br />

gute und ausgewogene Belichtung.


38<br />

Grundlagen der <strong>Makrofotografie</strong><br />

<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong><br />

Hintergründe und Tiefenschärfe<br />

Verleihen Sie Ihren Bildern eine stärkere Wirkung, indem Sie lernen, wie Sie das<br />

Zusammenspiel von Blende und Tiefenschärfe beherrschen und Ihr Objekt so aus<br />

dem Hintergrund heraus isolieren können<br />

EIN UNRUHIGER, ÜBERVOLLER Hintergrund kann<br />

ein ansonsten gutes Bild zunichte machen. Selbst<br />

wenn die Bildkomposition, die Ausleuchtung und die<br />

Belichtung stimmen, können störende Details im<br />

Vorder- oder Hintergrund das gesamte Bild<br />

schwächen. Halten Sie einen Augenblick inne und<br />

lassen Sie Ihr Auge in dem Bildausschnitt<br />

umherwandern. Alles, was Ihr Objekt nicht ergänzt,<br />

sollte ausgeschlossen werden, Gräser, abgestorbene<br />

Blätter, Zweige oder grelle Spitzlichter. Das können Sie<br />

erreichen, indem Sie die Szene „jäten“ und mit einer<br />

Schere (vorsichtig und vernünftig, versteht sich!)<br />

bestimmte Aspekte aus dem Bildausschnitt entfernen,<br />

oder indem Sie Ihre Kameraposition und damit die<br />

Tiefenschärfe verändern.<br />

Die Tiefenschärfe ist eines der wichtigsten, kreativen<br />

Elemente der <strong>Fotografie</strong> von Nahaufnahmen. Die<br />

verhältnismäßig kurze Distanz zwischen dem Objekt<br />

und dem Sensor der Kamera hat zur Folge, dass der<br />

Bereich, der scharf erscheint, nur sehr begrenzt ist – je<br />

nach Ihrem Bildaufbau kann er nur ein paar Millimeter<br />

betragen – selbst, wenn Sie eine kleine Blende<br />

Verwacklungsunschärfe<br />

Je kleiner die Blende (höherer f-Wert), umso größer die<br />

Tiefenschärfe – was bedeutet, dass weniger Licht auf<br />

den Sensor fällt. Wenn Sie die Schärfe von vorne bis<br />

hinten maximieren, sind auch längere Verschlusszeiten<br />

möglich. Denken Sie also an Ihr Stativ!<br />

benutzen! Aus diesem Grunde erfordert die<br />

<strong>Makrofotografie</strong> eine haargenaue Fokussierung. Ein<br />

fundiertes Wissen über Blenden ist der wichtigste<br />

Einzelfaktor, da die Blendenzahl, die Sie auswählen<br />

den größten Einfluss auf die Größe des Bereichs der<br />

Tiefenschärfe in Ihrem Bild ausübt.<br />

Ein deutlicher Unterschied zwischen der<br />

<strong>Makrofotografie</strong> und anderen Teilbereichen ist, dass<br />

die Tiefenschärfe sich gleichmäßig auf die Bereiche vor<br />

und hinter dem Fokuspunkt verteilt. Mit anderen<br />

Worten: die Menge der Szene, die scharf erscheint, ist<br />

vor dem Fokuspunkt genauso groß, wie hinter dem<br />

Fokuspunkt. Die Verteilung ist also 50:50. Bei der<br />

<strong>Fotografie</strong> in einer normalen Größenordnung liegt sie<br />

eher bei 30:70 und je größer die Distanz zum Objekt<br />

ist, desto größer ist der scharfe Bereich hinter dem<br />

Fokuspunkt.<br />

Es ist wichtig, dass Sie eine Vorstellung davon haben,<br />

wie viel Tiefenschärfe zu Ihrem Objekt passt. Für<br />

abstrakte Nahaufnahmen, wie die einer Blüte, ist eine<br />

flache Tiefenschärfe am besten geeignet, weil so nur<br />

ein kleiner Teil im Fokus liegt. In der Tabelle unten<br />

sehen Sie, wie es gemacht wird.<br />

Auch die Position des Sensors Ihrer Kamera ist<br />

wichtig. Um Ihr Objekt scharf zu halten, muss es sich<br />

parallel zur Kamera befinden. Wenn Sie die Kamera<br />

drehen oder neigen, können Sie die Tiefenschärfe noch<br />

weiter reduzieren, da das Objekt sich aus dem<br />

scharfen Bereich bewegt und in der Entfernung<br />

unschärfer wird.<br />

Die Einschätzung der<br />

Tiefenschärfe<br />

Es gibt zwei Möglichkeiten, die Tiefenschärfe<br />

in der Kamera vor dem Auslösen zu<br />

kontrollieren:<br />

Der traditionelle <strong>Vorschau</strong>-Schalter für<br />

die Tiefenschärfe – an den meisten DSLRs<br />

(ab mittlerer Preisklasse sowie manchen<br />

Einsteigermodellen) in der Nähe des<br />

Objektivgewindes oder des Auslösers zu<br />

finden – kann verwendet werden, um die<br />

Blendenöffnung bis auf die eingestelte Blende<br />

zu schließen. Das dunkle Sucherbild zeigt nun<br />

die Tiefenschärfe im Bild.<br />

Wenn Sie eine Canon EOS verwenden (alle<br />

neueren Modelle haben diese Funktion) oder<br />

Ihre Kamera über eine LiveView-Funktion<br />

verfügt, können Sie die Tiefenschärfe statt<br />

durch den Sucher auf dem LCD-Display<br />

kontrollieren.<br />

Fokussieren Sie!<br />

Die Tiefenschärfe wird über die Blende kontrolliert.<br />

Große Einstellungen (zum Beispiel f/2..8 oder f/4)<br />

produzieren eine flache Tiefenschärfe, während kleine<br />

Blenden (f/16 oder f/22) dazu beitragen, ein Bild von<br />

vorne bis hinten scharf zu zeichnen.<br />

Der f-Wert, den Sie auswählen, trägt dazu bei, das<br />

Aussehen, das Gefühl und die Stimmung vorzugeben,<br />

die das Ergebnisbild transportiert. Experimentieren Sie<br />

also ruhig ein wenig.<br />

Auch wenn die Fokussierung absolut korrekt sein muss,<br />

kann eine flache Tiefenschärfe doch ein nützliches,<br />

kreatives Werkzeug darstellen. Sie ermöglicht es Ihnen,<br />

Ihr Objekt aus einem attraktiven Hintergrund volle<br />

verwaschener Farben heraus zu isolieren und das Auge<br />

des Betrachters zu einem ausgewählten Fokuspunkt<br />

hin zu lenken, wie zum Beispiel den Blütenstempel<br />

einer Blume oder einem einzelnen Blütenblatt.<br />

Dies kann sehr künstlerische, abstrakte Ergebnisse<br />

hervorrufen, wie Sie hier sehen können.<br />

f/2.8<br />

f/8<br />

f/4<br />

f/11<br />

f/16<br />

f/22


Räumen Sie Ihr Objekt auf<br />

Um einen schmeichelhaften, sauberen und<br />

diffusen Hintergrund zu schaffen wurde hier<br />

eine kleine Blende von f/4 gewählt.<br />

Aus dem Hintergrund der Blume wurden<br />

einige Grashalme entfernt, um Ablenkungen<br />

zu vermeiden. Das Ergebnis ist das attraktive<br />

Porträt einer Blume: Ein Beweis, dass es sich<br />

lohnt, etwas mehr Zeit zu investieren und den<br />

Hintergrund zu beachten, bevor Sie den<br />

Auslöser drücken.


40<br />

Grundlagen der <strong>Makrofotografie</strong><br />

<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong><br />

Bildkomposition von Nahaufnahmen<br />

Bildkomposition ist bei Makroaufnahmen ebenso wichtig<br />

wie bei Landschaften oder Stillleben. Erfahren Sie mehr über<br />

die Geheimnisse des Bildaufbaus<br />

Ross Hoddinott: Bildkomposition ist die Fähigkeit, die wichtigsten<br />

Bildelemente so im Sucher zu arrangieren, dass sie optisch attraktiv<br />

wirken. In der Tat ist der Unterschied zwischen einer guten und einer<br />

schlechten Bildkomposition oftmals nur sehr subtil, aber wenn der<br />

Bildaufbau nicht gelungen ist, kann die Wirkung des Bildes stark reduziert werden.<br />

Mit zunehmender Erfahrung sollten auch Ihre Fähigkeiten in der Bildkomposition<br />

natürlicher und intuitiver werden. Aber Einsteiger müssen oftmals bewusste<br />

Anstrengungen unternehmen, um alles richtig zu machen.<br />

Ganz egal, um welches Thema es geht: Ein guter Bildaufbau ist unabdingbar, aber<br />

nach Meinung vieler Fotografen ist er kaum jemals wichtiger, als bei dem<br />

<strong>Fotografie</strong>ren von Nahaufnahmen. Der Grad der Vergrößerung hebt jeden Mangel<br />

hervor, auch die im Bildaufbau. Demzufolge ist eine präzise Auswahl des<br />

Bildausschnitts essenziell. Alle Grundregeln der Bildkomposition können auch auf<br />

die <strong>Fotografie</strong> von Nahaufnahmen angewendet werden, aber die Drittelregel ist und<br />

bleibt die wichtigste. Stellen Sie sich einfach vor, der Bildausschnitt würde durch<br />

zwei horizontale und zwei vertikale Linien in neun gleich große Stücke geteilt und<br />

versuchen Sie nun, die Hauptelemente entlang dieser Linien oder dort, wo sie<br />

einander kreuzen, zu platzieren, und Sie werden sehen, welchen Unterschied das<br />

ausmacht.<br />

Die Tiefenschärfe mag sich nicht über mehr als ein paar Millimeter erstrecken, wenn<br />

Sie mit einem hohen Wiedergabeverhältnis fotografieren, was die Verwendung von<br />

Führungslinien bei Nahaufnahmen weniger gebräuchlich macht. Die eingeschränkte<br />

Tiefenschärfe, die mit der <strong>Makrofotografie</strong> einhergeht, ist jedoch nicht immer von<br />

Nachteil – im Gegenteil kann sie sogar als nützliches, kompositionelles und kreatives<br />

Werkzeug genutzt werden. Wenn Sie Nahaufnahmen machen, können Sie praktisch<br />

alles außer Ihrem Hauptmotiv verschwimmen lassen. Dies kann das Auge des<br />

Betrachters zu einem bewusst gewählten Fokuspunkt dirigieren. Sie können Ihr<br />

Objekt aus seiner Umgebung heraus isolieren und so kraftvolle Bildkompositionen<br />

schaffen. Der beste Effekt wird oftmals mit einer relativ großen Blende von f/4 oder<br />

gar f/2.8 erzielt. Wenn Sie jedoch eine so flache Tiefenschärfe anwenden, muss die<br />

Fokussierung akkurat sein, sodass die Verwendung eines Stativs anzuraten ist.<br />

A u fb a u Manche digitalen<br />

Spiegelreflexkameras verfügen<br />

über eine Funktion, die den<br />

Sucher mit einem Gitter<br />

überlagert, das dem Benutzer bei<br />

der Bildkomposition helfen soll.<br />

Diese Standardeinstellung kann<br />

normalerweise über eines der<br />

Einstellungsmenüs der Kamera<br />

aktiviert werden. Schlagen Sie in<br />

der Bedienungsanleitung Ihrer<br />

Kamera nach, wie Sie auf diese<br />

Funktion zugreifen können.<br />

Den Bildausschnitt füllen Was auch immer Ihr Motiv ist, eine sorgfältige<br />

1 Bildkomposition ist essenziell. Als ich diese Libelle bemerke, setze ich ein 105 mm<br />

Makroobjektiv auf meine Kamera und entscheide mich für die Vogelperspektive. Ich<br />

fülle den Sucher mit dem Insekt aus, aber dieser Bildaufbau mit dem Insekt in der<br />

Mitte des Bildausschnitts sieht ziemlich langweilig und statisch aus.<br />

Die Drittelregel anwenden Ich verändere meine Bildkomposition so,<br />

2 dass sich die Libelle nun etwas links von der Mitte befindet. Ich entferne mich ein<br />

wenig von dem Objekt, um etwas mehr Platz um es herum zu schaffen. Das Ergebnis<br />

sieht besser aus, aber das Bild ist immer noch statisch, weil der Körper der Libelle sich<br />

parallel zur Kante des Bildausschnitts befindet.<br />

Winkel verwenden Ich halte die Libelle weiterhin auf Ihrer Position links von<br />

3 der Mitte, aber neige die Kamera nun so, dass ihr Körper nicht länger eine Parallele<br />

zur Bildkante bildet. Aber die Bildkomposition stellt mich immer noch nicht zufrieden.<br />

Der leere Raum gibt dem Bild nur wenig, weil die Libelle davon weg geneigt ist.<br />

Stattdessen sieht es so aus, als blicke sie direkt aus dem Bildausschnitt hinaus und das<br />

Auge des Betrachters folgt Ihr natürlich und wird ebenfalls aus dem Bild hinaus gelenkt.<br />

Auf negativen Raum zielen Nachdem ich die Bildkomposition ein wenig<br />

4 verändert habe, erscheint das Bild vollkommen verändert. Da ich die Libelle<br />

weiter rechts – auf einer Drittellinie – so platziert habe, dass sie in den leeren Raum<br />

zeigt, wirkt die Bildkomposition wesentlich kraftvoller. Das Bild ist ausgewogener und<br />

der leere Raum, den ich absichtlich um das Insekt herum gelassen habe, trägt zum<br />

ästhetischen Reiz des Bildes bei.


Zu nahe getreten<br />

Fotografen von Nahaufnahmen neigen<br />

instinktiv dazu, den Bildausschnitt mit<br />

Ihrem Objekt zu füllen. Wenn Sie aber<br />

etwas Abstand halten, schafft dies oft eine<br />

ausgewogenere Komposition.<br />

Fertiges Bild<br />

Wenn Sie unsere Tipps beherzigen,<br />

werden Sie feststellen, dass etwas mehr<br />

Zeitaufwand für Ihre Bildkomposition<br />

einen großen Unterschied für Ihre<br />

Ergebnisse bedeuten kann.


42<br />

Grundlagen der <strong>Makrofotografie</strong><br />

Beschneiden von Nahaufnahmen<br />

Dynamische Bilder entstehen oft dann, wenn man etwas ganz anders macht als gewohnt. Natürlich<br />

können Sie einen Bildausschnitt mit Ihrem Objekt füllen – auch Beschneiden kann aber großartige Bilder<br />

hervorbringen<br />

Ross Hoddinott: Wenn Sie die Regeln der Bildkomposition auf Ihre<br />

Nahaufnahmen anwenden, werden Ihre Bilder in den meisten Fällen davon<br />

profitieren. Nichtsdestotrotz sind Regeln dazu da, um gebrochen zu werden. Sie<br />

sollten als Richtlinien betrachtet werden: Wenn man sie zu engstirnig befolgt,<br />

riskiert man, seine eigene Kreativität zu ersticken.<br />

Bildkomposition ist eine subjektive Angelegenheit und jede Fotosituation sollte individuell<br />

betrachtet und behandelt werden. Wenn Sie Ihr Objekt zum Beispiel außerhalb der Mitte auf<br />

einer Drittellinie platzieren, bedeutet dies keine Garantie dafür, dass Sie das bestmögliche<br />

Ergebnis erzielen. In der richtigen Situation kann auch eine Platzierung in der Mitte, dreist<br />

und kühn im Bildausschnitt, ein kraftvolles, dynamisches Ergebnis hervorrufen. Vielleicht<br />

möchten Sie auch die Regeln brechen, um die Symmetrie eines Objekts zu betonen. Große<br />

Blumen wie Margeriten und Dahlien sind ausgesprochen fotogene, symmetrische Objekte.<br />

Wenn Sie diese Blumen mittig im Sucher platzieren, wird das dazu beitragen, diese<br />

Symmetrie zu betonen. Sie können aber auch in Erwägung ziehen, das Bild in der<br />

Nachbearbeitung auf ein quadratisches Format zu beschneiden, um die symmetrischen<br />

Eigenschaften noch weiter zu verdeutlichen. Die Beschneidung eines Bildes kann den Bildaufbau drastisch verändern und verbessern.<br />

Vergessen Sie also nicht das Freistellen-Werkzeug in Photoshop.<br />

Beim <strong>Fotografie</strong>ren von Nahaufnahmen von wild lebenden Tieren, wie zum Beispiel Insekten, Reptilien oder Amphibien, wird<br />

normalerweise geraten, das Bild so aufzubauen, dass vor dem Objekt mehr Platz bleibt, als dahinter. Dies schafft einen leeren Raum,<br />

um den „Blick“ des Tieres aufzunehmen. Diese Art der Bildkomposition funktioniert zwar oftmals sehr gut, aber wenn Sie Ihr Objekt<br />

näher an der Kante des Bildausschnitts oder in einer Ecke platzieren, kann dies noch auffälliger wirken, selbst, wenn das Objekt direkt<br />

aus der Aufnahme hinaus blickt. Ein unkonventioneller Bildaufbau kann die Aufmerksamkeit des Betrachters wirklich fesseln – haben<br />

Sie also keine Angst vor Experimenten. Fotografen von Nahaufnahmen sind in der Lage, eine flache Tiefenschärfe zu manipulieren, um<br />

die Bildkomposition zu verbessern.<br />

Ebenso wird meist empfohlen, das Hauptmotiv im Vordergrund zu platzieren und die Details im Hintergrund verschwimmen zu lassen.<br />

Das ist in den meisten Fällen sinnvoll, Sie erzielen aber auch reizvolle Ergebnisse, wenn Sie Ihr Objekt oder den Fokuspunkt weiter<br />

hinten platzieren. Eine große Blende um f/4 sorgt dafür, dass der Vordergrund unscharf bleibt und der Blick zum gewählten Fokuspunkt<br />

im Hintergrund geführt wird. Wenn Sie Ihr Objekt in einen Zusammenhang mit seiner Umgebung bringen möchten, sollten Sie eine<br />

höhere Blendenzahl wählen, damit Vordergrunddetails erkennbar bleiben.<br />

Aufbau<br />

Ändern Sie das Format<br />

Sie können das Aussehen und die Stimmung eines<br />

Bildes stark verändern, indem Sie einfach die<br />

Ausrichtung der Kamera verändern. Eine vertikale<br />

Bildkomposition betont Höhe, während ein horizontales<br />

Bild Weite unterstreicht.<br />

1 A u fb a u Ich möchte eine optisch reizvolle<br />

Nahaufnahme von einer Blume machen. Ein Foto, das<br />

alle Regeln der Bildkomposition bricht. Ich habe im<br />

Blumenladen eine orangefarbene Gerbera gekauft, die ich in<br />

einer Vase auf den Tisch stelle. Um dem ganzen mehr<br />

Ausdruck zu verleihen, habe ich eine blaue Tischdecke auf<br />

den Tisch gelegt und so einen lebhaften, kontrastierenden<br />

Hintergrund geschaffen. Ich möchte aus der<br />

Vogelperspektive fotografieren und das Bild so komponieren,<br />

dass die Blume sich mittig im Bildausschnitt befindet.<br />

Einzoomen und Beschneiden Das vorherige Foto sieht wenig<br />

2 inspirierend aus, also beschließe ich, näher an die Blume heranzugehen und die<br />

Vergrößerung meines 105mm Makroobjektivs dazu zu verwenden, um nur einen<br />

Bereich der Blüte zu isolieren. Ich platziere die Gerbera im unteren Bereich des<br />

Bildausschnittes und nehme ungefähr die Hälfte der Blüte in das Foto auf.<br />

Normalerweise wird dazu geraten, Objekte nicht zu heftig zu beschneiden, aber die<br />

Bildkomposition wirkt immer noch beabsichtigt.<br />

Aufteilung des Bildes Als nächstes versuche ich, die Blume ganz außen<br />

3 im Bildausschnitt zu platzieren, sodass in einer Hälfte des Bildes die Blume<br />

erscheint, während die andere Hälfte leer bleibt. Ich teile also das Bild entgegen allen<br />

Regeln der Bildkomposition in zwei Hälften. Nichtsdestotrotz verfügt das Ergebnis<br />

über eine große Ausdruckskraft. In diesem Fall erziele ich das aussagekräftigste Bild,<br />

indem ich die Blume ganz links im Bild platziere, sodass sie mit dem blauen<br />

Hintergrund kontrastiert.


Fertiges Bild<br />

Ich verwende noch einmal meine Idee, die Blume<br />

in einer Bildecke zu platzieren, entscheide mich<br />

aber für einen niedrigeren Blickwinkel. Diesmal<br />

nehme ich den Blütenstängel bewusst mit ins<br />

Bild und wähle eine große Blende von f/4, um ihn<br />

verschwimmen zu lassen.<br />

Obwohl Blüte und Stängel so geneigt sind, dass<br />

sie den Blick über die linke obere Ecke aus dem<br />

Bild lenken, ist das Bild doch sehr aussagekräftig<br />

– ganz entgegen der Regel.<br />

<strong>Fotografie</strong>ren von<br />

4 Vierteln Als Nächstes<br />

versuche ich, lediglich ein Viertel der<br />

Blume zu fotografieren, das ich in der<br />

Ecke des Bildausschnitts platziere. Ich<br />

nehme eine Sequenz von vier Bildern<br />

auf: Eins mit der Blume in der oberen,<br />

linken Ecke, eins mit der Blume unten<br />

links, das Dritte mit der Blume oben<br />

rechts und das letzte mit der Gerbera in<br />

der unteren, rechten Ecke. Auch diese<br />

Bilder werden durch die<br />

unkonventionelle Beschneidung<br />

aussagekräftiger und nicht schwächer.<br />

Änderung der<br />

5 Ausrichtung Trotz des großen,<br />

leeren Bereichs sehen die Bilder, auf<br />

denen die Blume nur in einer Ecke<br />

positioniert ist, dynamisch und frisch<br />

aus. Ich ändere die Ausrichtung, da ich<br />

das Gefühl habe, dass ein vertikaler<br />

Bildaufbau das Foto in diesem Fall<br />

noch verbessern kann. Obwohl ich die<br />

Regeln gebrochen habe, funktioniert<br />

die Bildkomposition sehr gut.


44<br />

Die Ausrüstung für Makroaufnahmen<br />

<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong><br />

DIE AUSRÜSTUNG FÜR<br />

Die <strong>Makrofotografie</strong> eröffnet Ihnen eine Welt, die mit bloßem Auge nicht mehr sichtbar ist. Sie benötigen zwar einiges<br />

Spezialzubehör; zum Makroobjektiv gibt es jedoch kostengünstige Alternativen. Ross Hoddinott stellt sie vor.<br />

SCHAUEN SIE SICH EINMAL UM: Geeignete<br />

Objekte für Nahaufnahmen finden Sie überall.<br />

Blumen, Laub, Käfer, Strukturen,<br />

Maschinenteile: Die Liste potenzieller Motive ist<br />

schier endlos. Wenn Sie näher herangehen,<br />

bemerken Sie auf einmal Dinge, die Sie<br />

ansonsten ignoriert oder übersehen hätten.<br />

Durch ein Makroobjektiv oder einen Vorsatz für<br />

Nahaufnahmen werden Farben, Strukturen und<br />

feinste Details erst enthüllt oder richtig betont.<br />

Wenn Sie sich erst einmal mit dem „Makrovirus“<br />

angesteckt haben, werden Sie beginnen, banale<br />

Alltagsobjekte in einem völlig anderen Licht zu<br />

betrachten. Plötzlich bieten eine rostige, alte<br />

Kette oder abblätternder Lack eine Möglichkeit,<br />

ein zeitloses Stillleben oder ein kunstvolles,<br />

abstraktes Bild einzufangen.<br />

Da ist es nicht weiter erstaunlich, dass die<br />

<strong>Makrofotografie</strong> sich immer größerer Beliebtheit<br />

erfreut – und noch nie war sie so leicht<br />

zugänglich und erschwinglich! Eines der<br />

attraktivsten Merkmale der <strong>Makrofotografie</strong> ist<br />

die Tatsache, dass Sie kein Vermögen für eine<br />

spezielle Ausrüstung hinblättern müssen. Wer<br />

bei eBay einen Satz gebrauchter Nahlinsen für<br />

10 Euro findet, kann sofort loslegen. Genauso<br />

hat auch meine Liebesaffäre mit dem<br />

<strong>Fotografie</strong>ren winziger Objekte angefangen.<br />

Durch einfaches Aufschrauben einer Nahlinse<br />

war ich plötzlich in der Lage, die Miniaturwelt<br />

Praktische Tipps für bessere Nahaufnahmen<br />

Verwacklungsunschärfe:<br />

Verwacklungsunschärfe ist ein wichtiger Faktor.<br />

Sie tritt auf, wenn Sie aus der Hand fotografieren<br />

und die Verschlusszeit zu langsam ist, um die<br />

Bewegung der Kamera zu eliminieren. Bei<br />

Nahaufnahmen ist das häufig der Fall, da die<br />

Auswirkungen der kleinsten Erschütterung<br />

bei dieser Vergrößerung verstärkt werden. Der<br />

einfachste Weg, dies zu umgehen, ist ,die Kamera<br />

mithilfe eines Bohnensacks oder eines Stativs<br />

abzustützen. Wenn dies jedoch nicht praktikabel<br />

ist, sollten Sie eine kurze Verschlusszeit einstellen.<br />

Normalerweise wird Ihnen eine Verschlusszeit<br />

im Bereich von 1/125 Sekunde oder kürzer<br />

scharfe Bilder garantieren. Wenn es notwendig<br />

werden sollte, können Sie auch einen höheren<br />

ISO-Wert einstellen, um die Verschlusszeit zu<br />

verkürzen. Einige Makroobjektive verfügen<br />

heute bereits über eine Bildstabilisation. Diese<br />

ermöglicht die Aufnahme scharfer Fotos selbst<br />

mit Belichtungszeiten, die zwei oder drei Stufen<br />

über dem liegen, was ein Makroobjektiv ohne<br />

Bildstabilisation schafft..<br />

Tiefenschärfe: Dabei handelt es sich<br />

um die Zone vor und hinter dem Fokuspunkt,<br />

die zufriedenstellend scharf abgebildet wird. Sie<br />

wird im Wesentlichen von der Blendenöffnung<br />

vorgegeben, wird aber auch von der Brennweite<br />

des Objektivs sowie der Entfernung zwischen<br />

Kamera und Motiv beeinflusst. <strong>Fotografie</strong>n<br />

im Nahbereich gehen Hand in Hand mit einer<br />

sehr flachen Tiefenschärfe. Bei einer sehr<br />

starken Vergrößerung kann diese sogar noch<br />

um mich herum zu betreten, und es eröffneten<br />

sich zahllose neue Motive.<br />

Viele Fotografen halten die <strong>Makrofotografie</strong> für<br />

einen Bereich für Spezialisten und betrachten sie<br />

als technische Herausforderung, Das<br />

<strong>Fotografie</strong>ren mit starker Vergrößerung geht mit<br />

einem geringen Lichteinfall und einer flachen<br />

Tiefenschärfe einher, aber lassen Sie sich davon<br />

nicht abschrecken. Das Umgebungslicht kann<br />

ganz einfach mithilfe eines Reflektors oder mit<br />

einem Blitz ergänzt werden, und, wenn man sich<br />

die flache Tiefenschärfe richtig zunutze macht,<br />

kann man einen sehr schönen kreativen Effekt<br />

erzielen.<br />

Sie sind noch immer nicht überzeugt? Dann<br />

sollten Sie es einfach selber einmal<br />

ausprobieren. Kaufen Sie einfach ein paar<br />

günstige Filter zu einem Preis, den sie auch für<br />

eine neue DVD oder CD bezahlen würden, und<br />

los geht’s – wirklich keine große Investition.<br />

Wenn Sie feststellen, dass das <strong>Fotografie</strong>ren von<br />

Nahaufnahmen doch nicht Ihr Ding ist, haben<br />

Sie schlimmstenfalls ein paar Euro<br />

verschwendet. Ich bin aber überzeugt, dass Sie<br />

die neue Herausforderung, großartige,<br />

interessante Fotos zu schießen, die sich Ihnen<br />

damit bietet, lieben werden. In diesem Leitfaden<br />

geben wir Ihnen das Wissen an die Hand, dass<br />

Sie benötigen, um sofort damit anzufangen. Was<br />

hält Sie also noch auf?<br />

mehr abflachen. In der allgemeinen <strong>Fotografie</strong><br />

sorgt eine kleine Blende, wie f/16 oder f/22 für<br />

eine durchgehende Bildschärfe, aber bei der<br />

<strong>Makrofotografie</strong> kann es schwierig werden, eine<br />

ausreichende Tiefenschärfe zu erreichen.<br />

Sie müssen messerscharf fokussieren. Die<br />

Arbeit mit einer so flachen Tiefenschärfe stellt<br />

zwar eine Herausforderung dar, man kann sich<br />

diese aber auch kreativ zunutze machen, weil<br />

sie es ermöglicht, ein Objekt aus einem auf<br />

attraktive Weise verschwommenen Hintergrund<br />

zu isolieren, oder die Betonung auf dessen<br />

Fokuspunkt zu legen. Bei Nahaufnahmen sind die<br />

Bereiche der Tiefenschärfe, die sich vor und hinter<br />

dem Fokuspunkt verteilen, ungefähr gleich groß.<br />

Arbeitsdistanz: Diese bezeichnet die<br />

Entfernung zwischen dem Motiv und dem<br />

Objektiv. Makrofotografen müssen sehr nah an Ihr<br />

Objekt herangehen, um bildfüllende Ergebnisse<br />

zu erzielen, insbesondere, wenn sie Nahlinsen<br />

oder einen Umkehrring verwenden. Dies ist<br />

ein wichtiger Faktor, den es beim <strong>Fotografie</strong>ren<br />

wildlebender Tiere zu beachten gilt, da diese<br />

leicht aufgescheucht werden, wenn man ihnen<br />

zu nahe kommt. Darüber hinaus kann es leicht<br />

passieren, dass man das natürliche Licht von<br />

seinem Objekt abschirmt, wenn man heran geht.<br />

Aus diesem Grunde sind weitere Arbeitsdistanzen<br />

normalerweise zu bevorzugen und man sollte sich<br />

folglich für ein Makroobjektiv mit einer längeren<br />

Brennweite von 100 Millimetern oder mehr<br />

entscheiden.<br />

Die wichtigsten Teile der<br />

Makroausrüstung<br />

Makroobjektiv (S. 46):<br />

Ein spezielles Objektiv, das für<br />

eine nahe Fokussierung<br />

optimiert wurde. Die meisten<br />

Objektive bieten ein<br />

Wiedergabeverhältnis von 1:1 (Lebensgröße).<br />

Nahfilter (S. 48): Diese<br />

werden wie ein Filter auf das<br />

Objektiv aufgeschraubt, arbeiten<br />

aber wie ein Vergrößerungsglas<br />

und reduzieren so die minimale<br />

Fokusdistanz des Objektivs. Sie sind in<br />

unterschiedlichen Stärken erhältlich.<br />

Zwischenringe (S. 50):<br />

Hierbei handelt es sich um leere<br />

Röhren ohne jegliche optische<br />

Elemente, die zwischen Kamera<br />

und Objektiv eingesetzt werden.<br />

Sie ermöglichen einen näheren Fokus und<br />

verstärken somit die maximale Vergrößerung<br />

des Objektivs. Eine kurze Brennweite erzielt<br />

die stärkste Vergrößerung.<br />

Umkehrringe (S. 52):<br />

Ein Adapterring für den<br />

Nahbereich, der es ermöglicht,<br />

ein Objektiv verkehrt herum an<br />

der Kamera anzubringen. Wenn<br />

man eine Optik auf diese Weise umkehrt,<br />

schafft man damit ein nah fokussierendes<br />

Objektiv, das auch bei potenziell sehr starker<br />

Vergrößerung noch Ergebnisse von hoher<br />

Qualität erzielen kann.<br />

Accessoires für<br />

Nahaufnahmen<br />

Wimberley Plamp:<br />

Die Plamp funktioniert wie eine<br />

dritte Hand. Es handelt sich um<br />

einen Gelenkarm mit<br />

Kugelgelenken und Klammern<br />

an beiden Enden. Ein Ende kann man an ein<br />

Bein seines Stativs klemmen, das andere<br />

kann den Reflektor oder das Objekt<br />

festhalten.<br />

Reflektor: Wenn man in<br />

unmittelbarer Nähe zum Objekt<br />

arbeitet, wird der Lichteinfall<br />

oftmals eingeschränkt. Die<br />

Verwendung eines kleinen,<br />

faltbaren Reflektors ermöglicht es, Licht auf<br />

das Objekt zurück zu werfen. Die Intensität<br />

des Lichts kann verändert werden, indem<br />

man den Reflektor näher an das Objekt heran<br />

oder weiter davon entfernt hält.<br />

Ringblitz: Ein Blitzgerät<br />

speziell für das <strong>Fotografie</strong>ren<br />

von Nahaufnahmen. Es umringt<br />

das Objektiv und ermöglicht es<br />

so, auch nahe Objekte<br />

auszuleuchten.


<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong> Die Ausrüstung für Makroaufnahmen 45<br />

MAKROAUFNAHMEN


46<br />

Die Ausrüstung für Makroaufnahmen<br />

<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong><br />

Das Makroobjektiv<br />

Ein Spezialobjektiv ist die einfachste, aber auch teuerste Option für Makrofotografen. Lesen Sie hier, wie es<br />

verwendet wird und was Sie bei der Auswahl beachten müssen<br />

EIN MAKROOBJEKTIV IST EIN SPEZIELLES<br />

Objektiv, das eigens optimiert wurde, um im<br />

Nahbereich deutlich besser zu fokussieren als<br />

ein Standardobjektiv. Dank seiner korrigierten<br />

Optik bietet es eine hohe Bildqualität und liefert<br />

bei starken Vergrößerungen die beste Leistung.<br />

Makroobjektive erzielen ohne weitere Vorsätze<br />

ein echtes Makro-Wiedergabeverhältnis von 1:1<br />

(„Lebensgröße“). Dies ist der Fall, wenn das<br />

Objekt in seiner tatsächlichen Größe<br />

unverändert auf den Bildsensor projiziert wird.<br />

Die große Mehrheit der Makroobjektive werden<br />

mit festen Brennweiten von 40 bis zu 20<br />

Millimetern angeboten. Dabei sind solche mit<br />

kürzeren Brennweiten in der Regel kompakt und<br />

leicht, was sie sehr gut transportabel macht und<br />

das <strong>Fotografie</strong>ren aus der Hand erleichtert. Ein<br />

„Tele-Makro“ hingegen bietet eine längere<br />

Entfernung zwischen Kamera und Objekt.<br />

Außerdem ist es groß: normalerweise verfügt es<br />

über eine maximale Blende von f/2.8 oder<br />

größer.<br />

Eine so große Blende trägt nicht nur zu einem<br />

schönen, hellen Bild im Sucher bei – was beim<br />

genauen Fokussieren und dem Bildaufbau bei<br />

schlechten Lichtverhältnissen sehr hilfreich ist<br />

– sondern die flache Tiefenschärfe, die bei der<br />

maximalen Blendenöffnung des Objektivs erzielt<br />

wird, ist ideal geeignet, um Nahaufnahmen mit<br />

wunderschön verschwommenen Hintergründen<br />

einzufangen.<br />

Ein Makroobjektiv eignet sich für alle Objekte im<br />

Nahbereich, ist aber besonders beliebt bei<br />

Naturfotografen, weil es im Vergleich zu<br />

anderen Vorsätzen für den Nahbereich eine<br />

praktischere Arbeitsdistanz zum Objekt bietet.<br />

Dadurch vergrößert es die Erfolgschancen beim<br />

<strong>Fotografie</strong>ren wildlebender Tiere, die sich leicht<br />

aufscheuchen lassen.<br />

Da es sich um Spezialobjektive handelt, sind<br />

Makroobjektive nicht gerade billig. Je nach<br />

Marke, Funktionalität und Brennweite kosten<br />

sie zwischen 350 und 1.200 Euro. Trotzdem ist<br />

ein Makroobjektiv für Liebhaber von<br />

Nahaufnahmen eine lohnenswerte Investition.<br />

Es sollte erwähnt werden, dass Makroobjektive<br />

auch für die allgemeine <strong>Fotografie</strong> einsetzbar<br />

sind. Besonders beliebt sind sie für<br />

schmeichelhafte Porträtaufnahmen sowie für<br />

Stillleben.<br />

Die Vor- und Nachteile<br />

Rasiermesserscharfe Bildqualität<br />

Einfach in der Anwendung<br />

Vergrößerung von 1:1 (Lebensgröße)<br />

Praktische Arbeitsdistanz bei der Verwendung<br />

längerer Brennweiten<br />

Leicht und kompakt bei der Verwendung<br />

kürzerer Makroobjektive<br />

Teuer, wenn nicht regelmäßig verwendet<br />

Längere Brennweiten haben Gewicht und<br />

müssen vorsichtig behandelt werden, um beste<br />

Ergebnisse zu erzielen<br />

Die Verwendung eines Makroobjektivs<br />

Die Fehlerspielräume sind bei der <strong>Makrofotografie</strong> klein.<br />

Das bedeutet, dass man sich mehr auf die Fokussierung,<br />

die Bildstabilität und die Tiefenschärfe konzentrieren<br />

muss. Die Fokussierung ist dabei besonders wichtig. Die<br />

Tiefenschärfe ist oftmals eingeschränkt, selbst bei kleinen<br />

f/Stufen. Makroobjektive sind für Ihre Schärfe bekannt,<br />

aber bei starken Vergrößerungen wird Ihr Objekt sofort<br />

verschwommen abgebildet, wenn Ihre Fokussierung<br />

auch nur um einen oder zwei Millimeter daneben liegt.<br />

Es kann wirklich so kritisch sein. Aus diesem Grunde<br />

ist es gewöhnlich am besten, Ihr Makroobjektiv auf<br />

manuellen Fokus umzuschalten, anstatt sich auf den<br />

Autofokus zu verlassen. Auf diese Weise können sie den<br />

Fokuspunkt mit noch größerer Genauigkeit platzieren<br />

und vermeiden, dass Ihre Kamera den Fokuspunkt nicht<br />

findet. Das passiert durchaus, wenn der AF versucht auf<br />

feine, kleine Details im Nahbereich zu fokussieren. Wo<br />

es praktikabel ist, kann die LiveView-Fokussierung dazu<br />

beitragen, gestochen scharfe Ergebnisse zu erzielen, da<br />

Sie damit Ihren gewünschten Fokuspunkt vergrößern<br />

und so präzise Einstellungen vornehmen können. Die<br />

kleinste Kamerabewegung wird bei Nahaufnahmen<br />

verstärkt und man überschätzt leicht, wie still man<br />

seine Kamera halten kann. Die Verwendung längerer,<br />

schwererer Makroobjektive ist zwar gut für eine größere<br />

Arbeitsdistanz, aber logischerweise ist ein solches<br />

Objektiv auch schwieriger stillzuhalten. Ein Stativ löst<br />

dieses Problem, aber wenn es nicht praktikabel ist, eines<br />

zu verwenden, wählen Sie eine kurze Verschlusszeit, die<br />

Verwacklungsunschärfe ausmerzt. Wenn Sie ein kurzes<br />

Makroobjektiv verwenden (zum Beispiel eines mit 50<br />

Millimetern oder 70 Millimetern), werden Sie zumeist<br />

nah an Ihr Objekt herangehen müssen. Dies wiederum<br />

bedeutet, dass Sie kaum vermeiden können, mit Ihrem<br />

Körper oder der Kamera einen Schatten auf das Objekt<br />

zu werfen. Reflektoren oder ein Ringblitz können diesen<br />

Effekt mildern. Die Tiefenschärfe ist bei der Verwendung<br />

von Makroobjektiven eingeschränkt, aber das sollten<br />

Sie sich zunutze machen. Ei n flacher Fokus kann dazu<br />

beitragen, das Auge des Betrachters auf den gewünschten<br />

Fokuspunkt zu lenken. Denken Sie daran: Sie brauchen<br />

nicht das gesamte Objekt scharf abzubilden. Die<br />

Verwendung der kleinsten Blende eines Makroobjektivs<br />

kann zu einer extrem flachen Tiefenschärfe führen. Das ist<br />

perfekt für Aufnahmen, bei denen das Objekt, oder ein Teil<br />

davon, aus seiner Umgebung herausgelöst wird.<br />

LiveView<br />

Die Wahl des richtigen Makroobjektivs<br />

Makroobjektive können in zwei Kategorien unterschieden werden: in<br />

Objektive mit kurzer Brennweite und in Teleobjektive. Der wesentliche<br />

Vorteil eines Objektivs mit kurzer Brennweite im Bereich von 50<br />

Millimetern bis 70 Millimetern besteht neben dem günstigeren Preis in<br />

der Tatsache, dass sie kompakt und leicht sind, was sie zu dem perfekten<br />

Makroobjektiv zum <strong>Fotografie</strong>ren aus der Hand macht. Sie sind sehr gut<br />

geeignet, um statische Objekte wie Blumen und Stillleben zu fotografieren.<br />

Ihr wesentlicher Nachteil liegt in der kürzeren Arbeitsdistanz. Makros mit<br />

einer Brennweite von 70 Millimetern oder mehr werden als Teleobjektive<br />

betrachtet. Brennweiten von 100 Millimetern, 150 Millimetern oder<br />

180 Millimetern sind aufgrund des größeren Arbeitsabstandes, den sie<br />

bieten, beliebt. Der Nachteil dieser leistungsstarken Makroobjektive ist,<br />

dass sie länger und schwerer sind, was das Einfangen korrekt fokussierter,<br />

verwacklungsfreier Bilder ohne Abstützung der Kamera erschwert.<br />

Nichtsdestotrotz ist ein Tele-Makroobjektiv die beste Wahl, wenn Sie<br />

hauptsächlich naturwissenschaftliche Fotos aufnehmen möchten. Eine<br />

weitere Überlegung ist eine Bildstabilisierung. Auch wenn diese einen<br />

zusätzlichen Kostenfaktor bedeutet, sollten Sie sich, sofern Ihr Budget<br />

es zulässt, für ein Makro mit dieser Funktion entscheiden, da er Ihnen<br />

einen Vorteil von mehreren Stufen bietet. Ein Makroobjektiv, das über<br />

eine interne Fokussierung verfügt, ist ebenfalls zu bevorzugen, da seine<br />

physikalische Größe nicht zunimmt, wenn der Fokus angepasst wird.<br />

Die wichtigsten Funktionen, auf<br />

die Sie achten sollten<br />

1) Fokusbegrenzer: Er ermöglicht es<br />

Ihnen, die Menge des vollen Fokusspektrums<br />

einzugrenzen, die das Autofokussystem<br />

verwendet. Dies dient dazu, den Autofokus<br />

zu beschleunigen und das Objektiv davon<br />

abzuhalten, nach dem richtigen Fokus zu suchen.<br />

2) Manueller Fokussierring: Sie<br />

müssen sich darauf einstellen, dass Sie immer<br />

wieder manuell fokussieren müssen, um einen<br />

kritischen Fokus richtig einzustellen. Aus diesem<br />

Grunde ist ein breiter, manueller Fokussierring<br />

mit einem leichtgängigen, soliden Mechanismus<br />

sehr wichtig.<br />

3) Stativhalterung: Längere Brennweiten<br />

verfügen über eine abnehmbare Stativhalterung<br />

für mehr Stabilität.<br />

3<br />

1<br />

2


Ganz nah dran<br />

Für wissenschaftliche Aufnahmen<br />

wie diese ist die große Arbeitsdistanz<br />

eines Tele-Makrobjektivs hilfreich,<br />

weil das Tier nicht erschreckt wird.<br />

Die Bestseller unter den Makroobjektiven: Eine Auswahl der besten Makroobjektive, die auf dem Markt erhältlich sind.<br />

695 €<br />

410 €<br />

269 €<br />

750 €<br />

360 €<br />

350 €<br />

Canon EF 100mm<br />

f/2.8L Macro IS<br />

USM<br />

Verfügt über eine<br />

Bildstabilisierung und<br />

liefert unglaublich<br />

scharfe Ergebnisse.<br />

Nikon AF-S<br />

60mm f/2.8G ED<br />

Micro<br />

Kompakt und leicht.<br />

Leiser und schneller AF<br />

sowie hervorragende<br />

Optik.<br />

Sigma 50mm<br />

f/2.8 EX DG<br />

Ideal für <strong>Digitale</strong><br />

Spiegelreflexkameras mit<br />

APS-C-Sensor. Verfügt<br />

über eine minimale<br />

Blende von f/45.<br />

Sigma 150mm f/2.8<br />

EX DG OS HSM APO<br />

Ein beliebtes Objektiv bei<br />

Hobbyfotografen wie bei<br />

Profis. Verfügt über eine<br />

Bildstabilisierungsfunktion.<br />

Tamron 60mm<br />

f/2 Di II Die große f/2<br />

Blende liefert qualitativ<br />

hochwertige Ergebnisse<br />

für Kameras mit APS-C-<br />

Sensor.<br />

Tamron 90mm<br />

f/2.8<br />

Ein klassisches Objektiv.<br />

Diese Version bietet eine<br />

exzellente Optik und<br />

einfache Handhabung.


48<br />

Die Makroausrüstung<br />

Nahlinsen<br />

Für Einsteiger sind sie die einfachste<br />

und erschwinglichste Möglichkeit,<br />

die <strong>Fotografie</strong> von Nahaufnahmen<br />

auszuprobieren<br />

DEN EINFACHSTEN EINSTIEG in die <strong>Fotografie</strong> kleinster<br />

Objekte, den man sich gut leisten kann, bieten<br />

Nahbereichsfilter, im Fachjargon Nahlinsen genannt<br />

(weil Sie nichts filtern). Es handelt sich um runde Filter<br />

zum Aufschrauben, die wie eine Lesebrille für Ihre<br />

Kamera funktionieren, indem Sie die minimale<br />

Fokusdistanz Ihrer Kamera reduzieren. Dadurch können<br />

Sie ein normales Objektiv in eines mit einer besseren<br />

Nahdistanz verwandelt. Diese Aufsätze sind sehr leicht<br />

und beeinträchtigen weder die automatischen<br />

Funktionen (wie Belichtungsmessung und Autofokus) der<br />

Kamera, noch reduzieren Sie die Lichtmenge, die auf die<br />

Linse fällt. Darüber hinaus sind sie absolut unkompliziert<br />

in der Anwendung. Sie brauchen eine solche Linse<br />

einfach nur auf die Vorderseite Ihres Objektivs zu<br />

schrauben, und schon können Sie mit dem <strong>Fotografie</strong>ren<br />

von Nahaufnahmen loslegen. Ein Satz mit drei<br />

verschiedenen Vergrößerungsstärken kostet nur um die<br />

15 Euro. Die Stärke wird in Dioptrien gemessen, einem<br />

Wert, den Sie vielleicht von Ihren Besuchen beim Optiker<br />

her kennen. Sie sind hervorragend geeignet für Einsteiger<br />

und für Fotografen mit einem eingeschränkten Budget.<br />

Die meisten, großen Filterhersteller haben Nahfilter in<br />

ihrem Angebot, es steht also eine große Auswahl zur<br />

Verfügung.<br />

Sie funktionieren, indem sie die Fokusebene der Kamera<br />

von unendlich zu der Distanz verschieben, die der<br />

Brennweite der aufgesetzten Nahlinse entspricht. Es<br />

handelt sich dabei um eine konvexe Meniskuslinse – in<br />

der Mitte dicker als am Rand – und die meisten Modelle<br />

bestehen aus nur einem Element. Sie sind in einer<br />

ganzen Reihe von Stärken erhältlich, typischerweise in<br />

+1, +2 +3 und +4. Dabei gilt: je höher die Zahl, desto<br />

stärker die Vergrößerung. Im Fachhandel sind auch<br />

Linsen der Stärke +10 erhältlich. Diese kann man<br />

entweder einzeln oder im Set kaufen und werden im<br />

Allgemeinen am besten in Verbindung mit einem kurzen<br />

Teleobjektiv in der Region von 50 Millimetern bis 135<br />

Millimetern verwendet, funktionieren aber auch sehr gut<br />

mit Zoomobjektiven. Sie sind für alle möglichen Arten<br />

von Motiven geeignet, von Stillleben bis hin zu<br />

Naturaufnahmen. Allerdings bieten sie keine große<br />

Arbeitsdistanz. Sie müssen also damit rechnen, dass Sie<br />

sehr nah an Ihr Objekt herangehen müssen, wenn Sie<br />

bildfüllende Aufnahmen machen möchten.<br />

Die Vor-und Nachteile<br />

Einfach in der Anwendung<br />

Günstig<br />

Keine Reduktion des Lichts<br />

Beeinträchtigt die Automatikfunktionen<br />

der Kamera nicht<br />

Leicht und gut zu transportieren<br />

Nicht die beste Bildqualität<br />

Ergebnisse können sphärische und<br />

chromatische Aberrationen aufweisen<br />

Kurzer Arbeitsabstand<br />

Nützliche Hinweise<br />

1) Nahlinsen sind mit unterschiedlichen<br />

Filtergewinden erhältlich. Die meistgekauften<br />

Größen betragen 49 Millimeter, 58<br />

Millimeter und 67 Millimeter. Denken Sie<br />

daran, vor dem Kauf nachzuschauen, welche<br />

Größe Sie benötigen.<br />

2) Anstatt für jedes Objektiv in Ihrer<br />

Ausrüstung jeweils einen Satz Nahlinsen<br />

mit unterschiedlichen Durchmessern<br />

anzuschaffen, sollten Sie klug investieren<br />

und Adapterringe kaufen, sodass eine<br />

Filtergröße ausreicht. Adapterringe passen<br />

den Durchmesser eines Filters an Objektive<br />

mit anderen Gewindegrößen an. Das spart<br />

nicht nur Geld sondern auch Platz in Ihrer<br />

Kameratasche.<br />

3) Für die bestmögliche Bildqualität<br />

sollten Sie eine Blendenöffnung von f/5.6<br />

oder größer verwenden. Das reduziert die<br />

Abweichungen, die mit einer solch simplen<br />

Optik einhergehen und vergrößert darüber<br />

hinaus praktischerweise den Bereich der<br />

Tiefenschärfe. Allerdings benötigen Sie damit<br />

auch längere Verschlusszeiten. Nehmen Sie<br />

sich also vor Verwacklungsunschärfe in Acht.<br />

Die Verwendung von Nahlinsen<br />

Nahlinsen könnten nicht einfacher in der<br />

Anwendung sein. Schrauben Sie einfach eine auf<br />

das Filtergewinde Ihres Objektivs und es reduziert<br />

die minimale Fokusdistanz. Nichtsdestotrotz ist es<br />

jedoch hilfreich, den Grad der Vergrößerung, die<br />

durch ein bestimmtes Objektiv in Kombination<br />

mit einer Nahlinse erreicht wird, vorab zu<br />

berechnen. Dazu benötigen Sie ein wenig<br />

Mathematik. Wenn das also in der Schule nicht<br />

gerade Ihr Lieblingsfach war, sollten Sie jetzt Ihren<br />

Taschenrechner herausholen.<br />

Finden Sie zunächst heraus, welchem Wert die<br />

Dioptrienzahl in Millimetern entspricht. Dazu<br />

müssen Sie den Zahlenwert 1.000 durch die<br />

Dioptrienzahl teilen. Der Wert einer +4 Dioptrie<br />

beträgt also 1.000 / 4 = 250 mm. Als nächstes<br />

teilen Sie die Brennweite des Objektivs in<br />

Millimetern durch die entsprechende Brennweite<br />

der Nahlinse. Wenn Sie also zum Beispiel eine +4<br />

Dioptrie auf ein Objektiv mit einer festen<br />

Brennweite von 50 Millimetern aufschrauben<br />

würden, würde dies eine Vergrößerung von 50 /<br />

250 = 0,2x, also 1:5 erreichen. Die Formel, die<br />

Sie sich merken müssen lautet also: Vergrößerung<br />

= Brennweite des Objektivs / Brennweite der<br />

Nahlinse. Diese Berechnung bezieht sich<br />

allerdings nur dann auf die Vergrößerung des<br />

Objektivs, wenn dieses auf unendlich fokussiert<br />

ist. Ist das Objektiv auf eine kürzere Fokusdistanz<br />

eingestellt, sind noch stärkere Vergrößerungen<br />

möglich.<br />

Darüber hinaus kann man Nahlinsen auch<br />

miteinander kombinieren, um einen noch<br />

stärkeren Grad der Vergrößerung zu erreichen,<br />

wenn Sie beispielsweise eine +1 mit einer +2<br />

Linse kombinieren, erreichen Sie einen<br />

Vergrößerungsgrad von +3 Dioptrien. Wenn Sie<br />

das tun, sollten Sie jedoch darauf achten, dass Sie<br />

stets zuerst die stärkere und dann die schwächere<br />

Linse aufschrauben, da dies die Bildqualität<br />

maximiert. Drei oder mehr Linsen sollten Sie<br />

allerdings nicht miteinander kombinieren, weil<br />

dies die Bildqualität signifikant verschlechtert und<br />

jegliche optischen Mängel verstärkt.<br />

Obwohl die Verwendung von Nahlinsen viele<br />

Vorteile hat, halten diese trotzdem im Vergleich<br />

nicht mit der Bildqualität stand, wie Sie sie mit<br />

anderen Aufsätzen für den Nahbereich erreichen.<br />

Wenn man ihre niedrigen Preis und ihren simplen<br />

Aufbau in Betracht zieht, ist dies auch kaum<br />

erstaunlich. Die Schärfe an den Kanten kann<br />

besonders leiden und die Linsen sind auch sehr<br />

anfällig für Geisterbilder sowie sphärische und<br />

chromatische Aberrationen. Sie können die<br />

Bildqualität jedoch maximieren, indem Sie eine<br />

Blende von f/5.6 oder größer wählen und indem<br />

Sie diese Linsen ausschließlich mit qualitativ<br />

hochwertigeren Optiken, wie zum Beispiel<br />

Objektiven mit fester Brennweite, kombinieren.<br />

Die Wahl eines Filters von höherer Qualität, der<br />

aus zwei Elementen besteht (Doppelkonstruktion)<br />

ist eine weitere Möglichkeit, für die Sie allerdings<br />

bereit sein müssen, mehr als 95 Euro<br />

auszugeben.


Probieren Sie es aus!<br />

Nahlinsen können in der Schärfe nicht mit<br />

Makroobjektiven konkurrieren, was sich<br />

besonders an den Kanten bemerkbar<br />

macht. Sie bieten aber einen guten und<br />

günstigen Einstieg in die <strong>Makrofotografie</strong>.<br />

Ohne Filter +2 +4 +10


50<br />

Die Makroausrüstung<br />

Automatische Zwischenringe<br />

Kommen Sie dem Objekt Ihrer Begierde näher: mit einem automatischen<br />

Zwischenring. Eine hervorragende Makro-Option für das schmalere Budget,<br />

das ausgezeichnete Ergebnisse liefert…<br />

WENN SIE DEN KAUF eines speziellen Makroobjektivs<br />

nicht rechtfertigen können, bei der Qualität Ihrer Bilder<br />

aber keine Kompromisse eingehen möchten, indem Sie<br />

Nahlinsen verwenden, sollten Sie überlegen, in einen<br />

Satz automatischer Zwischenringe zu investieren. Diese<br />

leeren Röhren werden zwischen Kameragehäuse und<br />

Objektiv angebracht und entfernen das Objektiv weiter<br />

von der Sensorebene. Damit reduzieren sie die<br />

minimale Fokusdistanz des Objektivs und ermöglichen<br />

es Ihnen somit, auf kürzere Distanz zu fokussieren und<br />

eine stärkere Vergrößerung des Objekts zu erreichen.<br />

Zwischenringe sind in unterschiedlichen<br />

Kameragewindegrößen erhältlich, und, da sie ohne<br />

irgendwelche optischen Elemente konstruiert sind, ist<br />

die Bildqualität gut. Allerdings reduzieren sie die Menge<br />

des Lichts, die in die Kamera einfällt: Je stärker die<br />

Vergrößerung, umso mehr Licht geht verloren. Das<br />

TTL-Messsystem Ihrer Kamera wird diesen Verlust<br />

automatisch ausgleichen, aber dafür werden sich bei<br />

der Verwendung eines solchen Ringes die<br />

Verschlusszeiten verlängern. Es ist wichtig, dies im<br />

Hinterkopf zu behalten, wenn Sie aus der Hand<br />

fotografieren.<br />

Automatische Zwischenringe sind kompakt und leicht,<br />

und in Kombination mit einem hochwertigen Objektiv<br />

sind sie in der Lage, exzellente Ergebnisse zu erzielen,<br />

die dem Vergleich mit denen eines Makroobjektivs<br />

durchaus standhalten. Sie sind einzeln oder im Set<br />

erhältlich. Diese Sets enthalten Längen von 12 / 20 / 36<br />

Millimetern. Das ist auch bei den Modellen von Kenko<br />

(siehe Abbildung) der Fall. Dabei gilt: je länger die<br />

Röhre, umso stärker die Vergrößerung und das<br />

Wiedergabeverhältnis. Man kann die Ringe auch<br />

miteinander kombinieren, um eine stärkere<br />

Vergrößerung bis hin zu 1:1 (Lebensgröße) oder größer<br />

zu erzielen. Insgesamt stellen sie einen sehr vielseitigen<br />

und nützlichen Aufsatz für die <strong>Fotografie</strong> von<br />

Nahaufnahmen dar.<br />

Es gibt auch nicht-automatische Versionen. Diese sind<br />

zumeist recht günstig in der Anschaffung. Allerdings<br />

deaktivieren sie viele der wichtigsten<br />

Automatikfunktionen der Kamera, wie die<br />

Belichtungsmessung und den Autofokus, sodass Sie<br />

sorgfältiger arbeiten müssen, wenn Sie eine solche,<br />

nicht-automatische Version verwenden. Automatische<br />

Zwischenringe sind ab einem Preis von 60 Euro<br />

erhältlich und erhalten alle Mess- und Fokusanschlüsse,<br />

Die Vor- und Nachteile<br />

Da keine optischen Elemente enthalten sind, ist<br />

gute Bildqualität gewährleistet<br />

Leicht und einfach zu transportieren<br />

Kostengünstig<br />

Einfach in der Anwendung<br />

Nützlich, um die minimale Fokusdistanz auch langer<br />

Objektive zu reduzieren<br />

Reduziert das Licht, das in die Kamera einfällt:<br />

Je stärker die Vergrößerung, umso mehr Licht geht<br />

verloren<br />

Kurze Arbeitsdistanz<br />

Nicht-automatische Versionen deaktivieren<br />

Kamerafunktionen wie Belichtungsmessung und<br />

Autofokus<br />

Umständlicher zu wechseln als Makroobjektive<br />

was sie sehr praktisch und einfach in der Anwendung<br />

macht. Ihr größter Nachteil ist, dass, wie bei Nahlinsen<br />

auch, die Arbeitsdistanzen sehr kurz sein können, was<br />

es schwierig macht, zusätzliche Lichtquellen zu<br />

positionieren. Darüber hinaus laufen Sie auf eine solch<br />

kurze Entfernung eher Gefahr, lebendige Motive<br />

aufzuscheuchen und zur Flucht zu verleiten. Für die<br />

meisten Objekte für die <strong>Makrofotografie</strong> sind<br />

Zwischenringe jedoch gut geeignet und stellen ein<br />

nützliches Accessoire dar, das man immer in seiner<br />

Kameratasche bereithalten kann, zumal sie darüber<br />

hinaus auch hilfreich sind, um die minimale<br />

Fokusdistanz längere Objektive zu reduzieren.<br />

Automatische Zwischenringe: Häufig gestellte Fragen<br />

F Welche Objektive verwendet man<br />

am besten in Verbindung mit<br />

automatischen Zwischenringen?<br />

A Wenn Sie Bilder mit einer starken Vergrößerung<br />

wünschen, sollten Sie die Ringe am besten mit<br />

einer kurzen Brennweite kombinieren. Ein Objektiv<br />

in dem Bereich von 35 Millimetern bis zu 100<br />

Millimetern ist ideal. Kleine Verlängerungen wie<br />

12 Millimeter arbeiten am effektivsten in<br />

Verbindung mit einer kurzen Brennweite, wie 35<br />

Millimeter oder 50 Millimeter. Wie viel<br />

Verlängerung Sie benötigen hängt in der<br />

Hauptsache davon ab, wie groß Ihr Objekt ist und<br />

wie stark Sie es vergrößern möchten.<br />

Zwischenringe können zwar für alle Brennweiten<br />

nützlich sein, um deren minimale Fokusdistanz zu<br />

reduzieren, aber für gewöhnlich ist es nicht<br />

praktikabel, hohe Wiedergabeverhältnisse mit<br />

einer Brennweite von mehr als 100 Millimetern<br />

erreichen zu wollen: Die erforderliche<br />

Verlängerung wäre zu groß, was zu einem zu<br />

hohen Verlust von Licht führen würde.<br />

F Wie setze ich automatische<br />

Zwischenringe in meine Kamera<br />

ein?<br />

A Einsatz und Verwendung automatischer<br />

Zwischenringe könnte nicht einfacher sein.<br />

Schalten Sie die Kamera aus und entfernen Sie<br />

die Gehäuseabdeckung. Als nächstes bringen<br />

Sie den Zwischenring an, wie Sie es mit einem<br />

Objektiv tun würden: Richten Sie die<br />

Markierung auf dem Ring an der an dem<br />

Kameragewinde aus und drehen Sie dann den<br />

Ring (in die richtige Richtung), bis er einrastet.<br />

Als nächstes richten Sie die Markierung auf<br />

dem Objektiv an der des Rings aus und drehen<br />

das Objektiv, bis es einrastet. Automatische<br />

Zwischenringe verfügen über Kontakte, die die<br />

automatische Belichtungsmessung und<br />

Fokussierung aufrechterhalten. Wenn Sie also<br />

die Kamera wieder einschalten, werden sowohl<br />

diese, als auch das Objektiv, ganz normal<br />

funktionieren und Sie sind bereit, mit Ihren<br />

Nahaufnahmen zu beginnen.<br />

Vergrößerung<br />

Die mit Zwischenringen erreichte Vergrößerung<br />

variiert je nach der Länge des Rings und der<br />

Brennweite des Objektivs. Das Verhältnis einer<br />

beliebigen Kombination aus Ring und Objektiv ist<br />

relativ leicht zu errechnen: Teilen Sie einfach das<br />

Maß der Verlängerung durch die Brennweite des<br />

Objektivs.<br />

Wenn Sie zum Beispiel einen Zwischenring von<br />

25 Millimetern Länge mit einem Objektiv mit<br />

einer Brennweite von 50 Millimetern<br />

kombinieren, ist die Vergrößerung 25 / 50 = 0,5x<br />

oder 1:2 (halbe Lebensgröße). Das gleiche Maß<br />

an Verlängerung in Kombination mit einem<br />

Objektiv mit einer Brennweite von 100<br />

Millimetern würde eine Vergrößerung von 1:4<br />

(einem Viertel Lebensgröße) erzielen. Wenn Sie<br />

eine Vergrößerung im Verhältnis 1:1<br />

(Lebensgröße) erreichen möchten, müssen Sie<br />

eine Verlängerung verwenden, die der Brennweite<br />

des Objektivs gleicht, zum Beispiel eine<br />

Verlängerung um 50 Millimeter in Verbindung mit<br />

einem 50 mm Objektiv. Rechts finden Sie eine


Ein Auge für Details<br />

Wenn Sie einen automatischen<br />

Zwischenring mit einer kurzen Brennweite<br />

kombinieren, können Sie atemberaubende<br />

Nahaufnahmen wie diese fotografieren.<br />

Verläng. 35mm 50mm 100mm<br />

Ohne Zwischenring<br />

12mm<br />

12mm 0.34x<br />

(1:2.9)<br />

25mm 0.71x<br />

(1:1.4)<br />

36mm 1.03x<br />

(1:0.97)<br />

0.24x<br />

(1:4.1)<br />

0.5x<br />

(1:2)<br />

0.72x<br />

(1:1.3)<br />

0.12x<br />

(1:8.3)<br />

0.25x<br />

(1:4)<br />

0.36x<br />

(1:2.7)<br />

Tabelle mit den Vergrößerungen, die Sie mit<br />

automatischen Zwischenringen in Verbindung mit<br />

drei häufig verwendeten Brennweiten erzielen. Wie<br />

Sie sehen können, gilt: Je kürzer die Brennweite,<br />

desto stärker die Vergrößerung.<br />

Vergleichsserie (rechts): Diese Bilderserie<br />

zeigt die wesentlichen Unterschiede in der<br />

Vergrößerung bei der Verwendung eines<br />

automatischen Zwischenringes mit 12 Millimetern,<br />

25 Millimetern und 36 Millimetern in Kombination<br />

mit einem 50 mm Standardobjektiv.<br />

25mm<br />

36mm


52<br />

Die Ausrüstung für Makroaufnahmen<br />

<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong><br />

Umkehren des Objektivs<br />

Diese Option bietet die stärkste Vergrößerung von allen Makro-Accessoires, erfordert aber etwas mehr Aufwand, um perfekte<br />

Ergebnisse zu erzielen. Hier erfahren Sie alles über die sogenannten „Umkehrringe“<br />

UMKEHRRINGE SIND nützliche Aufsätze für den<br />

Nahbereich. Sie können sehr stark vergrößern, mehr als alle<br />

anderen Aufsätze, die wir auf den vorangegangenen Seiten<br />

vorgestellt haben. Umkehrringe funktionieren, indem sie es<br />

ermöglichen, dass ein Objektiv verkehrt herum an der<br />

Kamera angebracht wird. Dieser Adapter ist auf einer Seite<br />

mit einem hinteren Objektivverschluss und auf der anderen<br />

Seite mit einem Außengewinde für Filter versehen, mit denen<br />

Das Objektiv am Kameragehäuse befestigt wird. Durch diese<br />

Umkehrung des Objektivs wird dessen optisches Zentrum<br />

von der Sensorebene verschoben, was ein gewisses Maß an<br />

Verlängerung mit sich bringt und es dem Objektiv ermöglicht,<br />

viel näher zu fokussieren.<br />

Der genaue Grad der Vergrößerung hängt von der Brennweite<br />

des Objektivs und dem Grad der Verschiebung ab. Je kürzer<br />

das Objektiv, desto stärker die Vergrößerung. Ein Objektiv mit<br />

fester Brennweite gilt als am besten geeignet, und<br />

Brennweiten im Bereich von 28 Millimetern bis zu 50<br />

Millimetern sind eine beliebte Wahl.<br />

Unter Verwendung eines Umkehrrings sind Vergrößerungen,<br />

die die doppelte Lebensgröße übersteigen, möglich, allerdings<br />

müssen Sie damit rechnen, dass die Entfernung vom Objekt<br />

bis zur Kamera bei hohen Wiedergabeverhältnissen nicht<br />

mehr als ein paar Millimeter beträgt.<br />

Nun werden Sie sich fragen, warum die optische Qualität<br />

durch die Umkehrung nicht stark beeinträchtigt wird. Um<br />

die höchstmögliche Bildqualität zu erhalten, sollte das<br />

größte Element eines Objektivs auf die weiteste Entfernung<br />

gerichtet sein. Normalerweise ist die Distanz zwischen<br />

Kamera und Objekt viel größer, als die zwischen Objektiv<br />

und Sensor. Wenn Sie jedoch so nahe am Objekt arbeiten,<br />

kann das Gegenteil der Fall sein. Folglich trägt eine<br />

Umkehrung des Objektivs sogar dazu bei, eine hohe<br />

Bildqualität sicherzustellen.<br />

Bei extrem hohen Wiedergabeverhältnissen ist es das<br />

Beste, in Innenräumen oder in der kontrollierten<br />

Umgebung eines Studios zu bleiben, bis Sie genügend<br />

Erfahrung gesammelt haben. Die Tiefenschärfe wird<br />

außergewöhnlich flach und die Ausleuchtung ist stark<br />

eingeschränkt. Bei weniger extremen Vergrößerungen ist<br />

ein solcher Ring für eine ganze Reihe von Motiven für<br />

Nahaufnahmen geeignet – ganz gleich, ob drinnen oder<br />

draußen. Aufgrund der kurzen Arbeitsdistanz sollten Sie<br />

sich jedoch auf statische Objekte beschränken und ein<br />

Stativ verwenden, um die Stabilität zu fördern und die<br />

Fokussierung zu unterstützen.<br />

Vor- und Nachteile<br />

Exzellente Bildqualität<br />

Starke Vergrößerungen von 1:1 und<br />

größer sind möglich<br />

Sehr kurze Arbeitsdistanz<br />

Automatische Versionen sind teuer<br />

Manuelle oder automatische Ringe? Sie haben die Wahl!<br />

Im Fachhandel sind sowohl manuelle als auch<br />

automatische Zwischenringe erhältlich. Tatsächlich<br />

gehören die manuellen Ringe zu den günstigsten<br />

Aufsätzen für Nahaufnahmen. Sie sind schon für<br />

ca. 10 Euro zu haben. Bevor Sie jetzt aber<br />

loslaufen, um einen zu kaufen, sollten Sie sich<br />

darüber im Klaren sein, dass die automatische<br />

Belichtungsmessung sowie der Autofokus verloren<br />

gehen. Manche Objektive benötigen darüber<br />

hinaus einen weiteren Adapter, um die Blende so<br />

zu kontrollieren, dass Sie diese wechseln können.<br />

Am besten für die Verwendung mit manuellen<br />

Ringen geeignet sind Objektive, die über einen<br />

Blendenring verfügen: Pentax und ältere<br />

Nikon-Objektive zum Beispiel, ebenso wie<br />

Olympus OM mit manuellem Fokus und Canon<br />

FD-Objektiven. Schauen Sie einmal auf dem<br />

Gebrauchtwarenregal Ihres örtlichen Fotohändlers,<br />

dort können Sie sie zu erschwinglichen Preisen<br />

finden. Wenn Sie Benutzerfreundlichkeit und hohe<br />

Geschwindigkeit wünschen, ist ein spezieller,<br />

automatischer Umkehrring klar die bessere Wahl,<br />

z. B. der Novoflex EOS-RETRO (www.amazon.<br />

de). Hierbei wird eine Seite am Objektivverschluss<br />

der Kamera angebracht, die andere am<br />

Rückdeckel. Ein flexibles Kabel verbindet die<br />

beiden Seiten und ermöglicht die elektronische<br />

Kommunikation. Ein auf das vordere<br />

Filtergewinde des Objektivs aufgeschraubter<br />

Filterring sorgt für den Anschluss ans<br />

Kameragehäuse. Adapterringe (s. unten links)<br />

können auch genutzt werden, um Objektive mit<br />

einem weiteren Filtergewinde am<br />

Objektivgewinde anzubringen.<br />

Automatischer Fokus und Belichtungsmessung<br />

sind möglich – denken Sie aber daran, dass auf<br />

kurze Distanzen der manuelle Fokus ohnehin<br />

besser ist. Diese speziellen, automatischen<br />

Umkehrringe sind nicht gerade billig (um 300<br />

Euro), aber sie ermöglichen unglaublich stark<br />

vergrößerte und erstaunliche Nahaufnahmen.<br />

Adapterringe<br />

Adapterringe sollen einen Filter<br />

auf ein Objektiv anpassen,<br />

wenn die Filtergewinde der<br />

beiden unterschiedliche<br />

Durchmesser aufweisen. Wenn<br />

Sie zum Beispiel einen Filter mit<br />

einem Durchmesser von 72 Millimetern<br />

besitzen, diesen aber auf ein Objektiv mit einem Filtergewinde mit 67<br />

Millimetern Durchmesser aufschrauben möchten, können Sie dies mit<br />

einem passenden Adapterring tun. Diese Ringe werden entweder aus<br />

Metall oder aus Kunststoff gefertigt. Sie sind verhältnismäßig günstig<br />

und in einer ganzen Reihe von Größen erhältlich. Es gibt zwei Arten von<br />

Adapterringen: StepUp und StepDown. StepUp-Ringe sind eine<br />

nützliche und kostengünstige Möglichkeit, um die Kompatibilität und<br />

die Nützlichkeit größerer Filter zu erweitern. StepDown-Ringe sind im<br />

Allgemeinen weniger praktisch, da Sie aufgrund Ihrer Natur das Risiko<br />

der Vignettierung verstärken. Sie sind jedoch nützlich, um ein<br />

umgekehrtes Objektiv mit einem größeren Filtergewinde an einen<br />

automatischen Adapterring anzubringen. Wir haben einen Kood 77-58<br />

Millimeter Ring verwendet, um das Canon EF 17 40 Millimeter f/4 mit<br />

dem Novoflex Adapterring zu verbinden.<br />

Verwendung von automatischen Adapterringen<br />

Daniel Lezano hat das Novoflex<br />

EOS-RETRO System getestet:<br />

„Ich bin schon lange ein Fan von<br />

Nahaufnahmen, und das 100 mm<br />

Makro ist eins meiner<br />

Lieblingsobjektive. Ich habe noch nie<br />

versucht, ein Objektiv umzukehren und<br />

bin froh, dass ich nun das Novoflex<br />

ausprobieren konnte. Es behält die<br />

elektronische Kommunikation<br />

zwischen Kameragehäuse und Objektiv<br />

bei, was den Aufnahmeprozess stark<br />

vereinfacht, da die Belichtungsmessund<br />

Autofokusfunktion weiter arbeiten.<br />

Somit konnte ich die Zeitautomatik mit<br />

Blendenvorwahl zusammen mit der<br />

Multizonenmessung verwenden und<br />

die Herausforderungen, denen ich mich<br />

zu stellen hatte, demzufolge etwas<br />

dezimieren. Ich habe den Novoflex<br />

zusammen mit einer Canon EOS 550D<br />

und einem Canon 17-40 mm f/4L<br />

Objektiv benutzt. Wie ich feststellen<br />

musste, hatte der Autofokus aufgrund<br />

der starken Vergrößerung Probleme, das<br />

Objekt scharfzustellen, sodass ich die<br />

meiste Zeit manuell fokussiert habe.<br />

Das war nicht weiter tragisch, da ich<br />

auch sonst mit dem 100 Millimeter<br />

meistens manuell fokussiere.<br />

Der Novoflex ermöglicht Aufnahmen<br />

mit sehr starker Vergrößerung und Sie<br />

müssen somit darauf vorbereitet sein,<br />

viel Geduld aufbringen zu müssen,<br />

wenn Sie gute Bilder einfangen<br />

möchten. Die kurze Arbeitsdistanz hat<br />

zur Folge, dass man sehr nah an sein<br />

Objekt herangehen muss. Wenn man,


<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong> Die Ausrüstung für Makroaufnahmen 53<br />

THOMAS SHAHAN<br />

Überlebensgroß<br />

Mit viel Erfahrung und Praxis können<br />

auch Sie mit einem Aufbau mit<br />

umgekehrtem Objektiv erstaunliche<br />

Nahaufnahmen wie diese schießen.<br />

so wie ich, Käfer fotografieren möchte,<br />

muss man damit rechnen, dass viele schon<br />

weggekrabbelt oder -geflogen sind, bis man<br />

aufnahmebereit ist.<br />

Bei einer so starken Vergrößerung muss<br />

man sich physisch nach vorne und hinten<br />

bewegen, bis das Objekt im Fokus ist.<br />

Ich hatte meinen Aufbau auf ein Manfrotto<br />

190XPROB gestellt (aufgrund des<br />

ernsthaften Risikos der Verwacklung raten<br />

wir Ihnen, Ihren Aufbau mit einem Stativ<br />

abzustützen), was zur Folge hatte, dass ich<br />

alles nach vorne und wieder nach hinten<br />

schieben musste. Ich fand, es sei das<br />

Schnellste, mit dem Zoomobjektiv in der<br />

Tele-Einstellung zu beginnen (d.h. 40<br />

Millimeter) und den manuellen Fokus auf<br />

eine mittlere Distanz einzustellen. Dann<br />

bewegte ich den gesamten Aufbau so lange<br />

hin und her, bis das Objekt akzeptabel<br />

scharf erschien und nahm anschließend die<br />

Feineinstellungen am Fokus vor. Wenn ich<br />

das Objekt noch stärker vergrößern wollte,<br />

zoomte ich das Objektiv bis in seinen<br />

Weitwinkelbereich hinein (das klingt<br />

merkwürdig, ist aber richtig!) und passte<br />

wiederum den Fokus an.<br />

Das ist ein langsamer Prozess, aber es hat<br />

funktioniert. Zum Schluss habe ich noch<br />

zwei Tipps für Sie: Versuchen Sie, die<br />

Sensorebene parallel zum Objekt<br />

auszurichten, da die Tiefenschärfe<br />

unglaublich flach ist. Und wenn Sie die<br />

Möglichkeit haben, LiveView zu<br />

verwenden, sollten Sie dies auch tun, da<br />

dies es Fokussierung sowie die<br />

Bildkomposition um so vieles einfacher und<br />

schneller macht.“<br />

Aufbau<br />

Sie müssen sehr nah an<br />

Ihr Objekt heran, um die<br />

beste Vergrößerung zu<br />

erzielen. Diese Spinne war<br />

lediglich fünf Millimeter<br />

lang. Beachten Sie die kurze<br />

resultierende Tiefenschärfe.


54<br />

Meisterkurs Natur<br />

<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong><br />

blumen<br />

Die Natur gehört zweifelsohne zu den beliebtesten Fotomotiven – und dennoch stellt sie uns vor die größten<br />

technischen Herausforderungen. Der preisgekrönte Naturfotograf Ross Hoddinott teilt exklusiv sein Wissen, wie man<br />

tolle Bilder von wilden Pflanzen macht, die entlang unserer Hecken und Wälder blühen


<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong> Meisterkurs Natur 55


56<br />

Meisterkurs Natur<br />

<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong><br />

UNSER WEIDELAND, Hecken und Wälder sind im<br />

Sommer voller leuchtender Farben. Wildblumen<br />

haben Hochsaison und bieten Fotografen zahllose<br />

Gelegenheiten für atemberaubende Blumenbilder.<br />

Sie können buchstäblich überall auftauchen: an<br />

Seitenstreifen von Straßen und sogar aus den Rissen<br />

im Bürgersteig. Es ist also ganz gleich, wo Sie leben,<br />

Sie werden nicht weit fahren müssen, um blühende<br />

Pflanzen für Ihre Schnappschüsse zu finden. Sie<br />

können praktisch mit jeder Brennweite fotografiert<br />

werden. Mit einem Weitwinkelobjektiv können sie im<br />

Kontext mit ihrer Umgebung abgebildet werden. Ein<br />

Zoom oder Teleobjektiv ist gut für kleine Gruppen und<br />

ein Makroobjektiv oder ein Aufsatz für Nahaufnahmen<br />

wird verwendet, um einzelne Blumen zu isolieren. Im<br />

Ergebnis bedeutet dies, dass tolle Aufnahmen ganz in<br />

Ihrer Reichweite liegen, egal über welche Ausrüstung<br />

und welches Budget Sie verfügen.<br />

Die Größe, Kontur, Farbe und Form unserer<br />

heimischen Wildpflanzen variiert enorm. Daher ist es<br />

etwas schwierig, spezifische Ratschläge zu erteilen,<br />

wie man sie am besten fotografiert. Größtenteils<br />

bestimmen das Motiv, seine Umgebung und die<br />

Lichtverhältnisse die Herangehensweise. Ich<br />

garantiere Ihnen jedoch, dass Ihre Wildblumen-Bilder<br />

von meinen bewährten Tipps und Ratschlägen<br />

profitieren werden.<br />

Aufrüsten!<br />

Um Wildblumen zu fotografieren, braucht man<br />

idealerweise ein Makroobjektiv oder einen Aufsatz<br />

für Nahaufnahmen. Wenn Sie die Kosten für<br />

ein spezielles Makroobjektiv nicht rechtfertigen<br />

können, ziehen Sie die Verwendung eines<br />

Zwischenrings oder einer Nahlinse, die mit einer<br />

Standardbrennweite kombiniert wird, in Betracht.<br />

Ein Teleobjektiv – in der Region von 200 mm oder<br />

300 mm – ist nützlich, um größere Blumen zu<br />

fotografieren, wie z.B. Orchideen. Außerdem kann<br />

ein Weitwinkelobjektiv nützlich sein, wenn Sie<br />

große Blumenbeete fotografieren möchten oder<br />

Bilder, bei denen die Umgebung des Motivs mit<br />

eingeschlossen wird. Sie sollten immer ein stabiles<br />

Stativ dabei haben, um ein Verwackeln der Kamera<br />

zu vermeiden und den Bildaufbau zu unterstützen.<br />

Wenn Sie jedoch auf Bodenhöhe fotografieren,<br />

ist ein Bohnensack praktischer – zusammen mit<br />

einem Stück Plane, auf das Sie sich legen können.<br />

Ein Reflektor ist weiteres unverzichtbares Zubehör.<br />

Ein Zerstäuber (Sprühflasche) kann eingesetzt<br />

werden, um feine Wassertröpfchen, ähnlich wie<br />

Tautropfen, zuzufügen. Ein Polfilter ist nützlich,<br />

um reflexive Blendenflecke aus dem Laub zu<br />

reduzieren und ein Weichzeichnungs-Filter kann<br />

gut in Kombination mit Motiven, die von hinten<br />

ausgeleuchtet werden, eingesetzt werden. Ein<br />

Winkelsucher ist ideal geeignet, um Wildblumen<br />

auf Bodenhöhe zu fotografieren. Aus Gründen der<br />

Präzision sollten Sie immer manuell fokussieren, es<br />

sei denn, Ihre Sehkraft macht das nicht mit. Wenn<br />

Ihre Kamera über eine <strong>Vorschau</strong> der Tiefenschärfe<br />

verfügt, verwenden Sie diese, um zu überprüfen,<br />

ob die gewählte Blende ausreichend Tiefenschärfe<br />

erzeugt. Betätigen Sie den Auslöser über den<br />

Selbstauslöser der Kamera, um die Bewegung der<br />

Kamera zu minimieren.<br />

Ohne Reflektor<br />

Mit Reflektor<br />

Einen Reflektor verwenden Wenn ich<br />

1Wildblumen fotografiere, verwende ich nur dann einen<br />

Blitz, wenn die kürzest mögliche Verschlusszeit noch zu<br />

langsam ist, um Bewegungen einzufrieren. Persönlich finde<br />

ich, dass ein Blitz das natürliche Empfinden eines Bildes<br />

ruiniert – er zerstört die raffinierte Farbgebung und die feinen<br />

Details. Wenn die Lichtverhältnisse schwach sind, bevorzuge<br />

ich es, das auf natürliche Weise erhältliche Licht zu<br />

manipulieren. Das geht zum Beispiel mit einem Reflektor,<br />

wie die klappbaren, leichtgewichtigen Modelle von Lastolite.<br />

Alternativ kann man auch einen selber basteln, indem man<br />

Alufolie über ein Stück Pappe spannt. Ein Reflektor könnte nicht<br />

leichter in der Anwendung sein. Positionieren Sie ihn einfach in der Nähe Ihres Motivs in einem solchen<br />

Winkel, dass er natürliches Licht auf den notwendigen Bereich richtet. Die Intensität des „abgeprallten“<br />

Lichts kann verstärkt oder vermindert werden, indem der Reflektor näher oder weiter vom Motiv positioniert<br />

wird. Bei Bewölkung oder beim <strong>Fotografie</strong>ren im Wald unter einem dichten Blätterdach ist ein Reflektor<br />

unersetzlich, aber er kann auch bei hellen, sonnigen Lichtverhältnissen zum Einsatz kommen. Zum Beispiel<br />

erzeugt ein Sonnenlicht direkt von oben hässliche, grelle Schatten, die angehoben werden können, wenn<br />

Licht auf die Schattenbereiche geworfen wird. Es kann etwas knifflig und heikel sein, ihn beim <strong>Fotografie</strong>ren<br />

akkurat zu positionieren. Ich persönlich verwende einen Wimberley Plamp, um ihn in Position zu bringen.<br />

Dies ist ein Kugel-Gelenkarm mit je einer Klemme an beiden Enden. Ein Ende kann an ein Stativbein<br />

angebracht werden, während das andere den Reflektor hält.<br />

Jäten Jäten ist ein wesentlicher Teil der <strong>Fotografie</strong> von<br />

Vorher<br />

2Wildblumen. Aber keine Sorge, Sie brauchen dafür keinen grünen<br />

Daumen. Jäten ist ein Begriff, der für die selektive Entfernung von<br />

Gräsern und anderen störenden Elementen aus dem Vorder- und<br />

Hintergrund eines Bildes verwendet wird. Nach meiner Erfahrung<br />

kommt es nur selten vor, dass man eine wild wachsende Pflanze<br />

fotografieren kann, ohne zunächst etwas aufzuräumen – es sei denn<br />

das Motiv füllt den Sucher komplett aus. Das Ausmaß des Jätens<br />

hängt von der Umgebung und der gewählten f/Zahl ab. Bei einer<br />

weiten Blende ist die Tiefenschärfe flach, daher ist weniger Aufräumen<br />

erforderlich, da der Hintergrund des Motivs rasch unscharf wird. Im<br />

Gegensatz dazu erzeugt die erweiterte Tiefenschärfe bei kleinen<br />

Blenden mehr Details und Abgrenzung in der Umgebung des Motivs<br />

– was aus dem Jäten einen kniffligen, zeitraubenden Prozess macht.<br />

Kleinere Störungen im Hintergrund können auch später mit dem<br />

Kopierstempel-Werkzeug in Photoshop entfernt werden, aber bei<br />

anderen funktioniert das nicht, ohne dass dies im fertigen Bild noch<br />

deutlich zu sehen ist. Es ist auf jeden Fall besser, das Bild direkt in der<br />

Kamera richtig hinzubekommen. Meine Herangehensweise sieht so<br />

aus, dass ich zuerst das Bild aufbaue und die Belichtung einstelle.<br />

Dann schaue ich mir die <strong>Vorschau</strong> der Tiefenschärfe an und<br />

untersuche das Bild sorgfältig, ob sich darin irgendetwas findet, was<br />

störend sein könnte. Wenn Ihre Spiegelreflexkamera keine<br />

<strong>Vorschau</strong>funktion hat, machen Sie eine Aufnahme und überprüfen Sie<br />

diese auf dem LCD Monitor. Anschließend drücke ich alles Störende<br />

sorgfältig mit meiner Hand nach unten oder entferne es mit einer<br />

Schere. Dabei ist große Sorgfalt und Rücksicht notwendig. Entfernen<br />

Sie nur Gras und ähnliches und schneiden oder zerstören Sie nie andere<br />

Wildblumen. Letztendlich geht es um einen sauberen und diffusen<br />

Hintergrund.<br />

Nach ästhetischen Gesichtspunkten kann der Unterschied zwischen<br />

einem gejäteten und einem nicht gejäteten Bild beachtlich sein. Auch<br />

wenn ein selektives Aufräumen dazu führt, dass es mit dem<br />

<strong>Fotografie</strong>ren etwas länger dauert, können Wildblumen im Gegensatz<br />

zu anderen Motiven in der Natur nicht weglaufen oder wegfliegen.<br />

Somit besteht kein Grund zur Eile. Denken Sie immer daran, dass das,<br />

was Sie aus dem Bild entfernen oft genauso wichtig sein kann wie das,<br />

was tatsächlich darauf zu sehen ist.


„Nach meiner<br />

Erfahrung<br />

kommt es nur<br />

selten vor, dass<br />

man eine wild<br />

wachsende<br />

Pflanze<br />

fotografieren<br />

kann, ohne<br />

zunächst etwas<br />

aufzuräumen“<br />

Nach dem Jäten<br />

Wenn Sie sich einen Augenblick Zeit nehmen,<br />

Ihren Bildaufbau aufzuräumen, bevor Sie auf<br />

den Auslöser drücken, kann dies den<br />

Unterschied zwischen einem<br />

durchschnittlichen und einem wirklich<br />

außergewöhnlichen Bild ausmachen. Ihr Motiv<br />

läuft nicht weg, also nehmen Sie sich die Zeit<br />

und machen Sie es richtig.


58<br />

Meisterkurs Natur<br />

<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong><br />

Lichtverhältnisse Wie bei jedem Motiv sind<br />

3die Lichtverhältnisse ein wichtiger Aspekt. Je<br />

nachdem, wie Sie das Umgebungslicht einsetzen,<br />

entscheidet dies zu einem Großteil das Aussehen der<br />

endgültigen Bildes. Am liebsten arbeite ich an hellen,<br />

aber bewölkten Tagen. Das Laub blendet nicht so stark,<br />

die Farben sind gesättigter und der niedrigere Kontrast<br />

ermöglicht es mir, feine Details einzufangen, die<br />

anderenfalls ausgewaschen worden wären. Allerdings<br />

sind die Verschlusszeiten bei bewölkten Bedingungen<br />

länger, daher sollte es ein windstiller Tag sein und ein<br />

Abstützen der Kamera ist wichtig. Licht von der Seite<br />

oder von vorne ist in Ordnung, aber vermeiden Sie das<br />

<strong>Fotografie</strong>ren um die Mittagszeit, wenn die Sonne grell<br />

am Himmel steht. Falls dies unvermeidbar ist, werfen<br />

Sie Ihren Schatten über das Motiv, um den Kontrast zu<br />

senken und verwenden Sie ein Stativ und einen<br />

Selbstauslöser, um das Bild aufzunehmen.<br />

Um Fotos von Wildblumen zu machen, die mehr<br />

Drama und Wirkung haben, sollten Sie diese von hinten<br />

beleuchten. Abend- oder Morgenlicht ist am besten<br />

geeignet, wenn die Sonne niedrig am Himmel steht.<br />

Dann ist sie perfekt, um Konturen und Formen<br />

hervorzuheben. Das kann zu wundervollen Ergebnissen<br />

führen – winzige Härchen und Details auf den Stängeln<br />

werden angeleuchtet und die Blütenblätter sehen fast<br />

transparent aus. Um ein Motiv von hinten zu<br />

beleuchten, müssen Sie in die Richtung des Lichtes<br />

fotografieren, daher besteht das Risiko von<br />

Blendenflecken. Um dieses Problem zu vermeiden,<br />

verwenden Sie eine Objektivkappe oder schirmen es mit<br />

der Hand oder einem Stück Karton ab. Die<br />

komplizierten Lichtverhältnisse können leicht das<br />

Messsystem in die Irre führen, also überprüfen Sie die<br />

Bilder anhand des LCD-Monitors und grenzen Sie so die<br />

Belichtungseinstellungen ein.<br />

Tiefenschärfe Die gewählte Blende und die<br />

4daraus resultierende Tiefenschärfe bestimmen<br />

größtenteils das Aussehen und die Anmutung des<br />

endgültigen Bildes. Es gibt keine endgültige Regel, wie<br />

viel oder wie wenig Tiefenschärfe erforderlich ist.<br />

Diese Entscheidung treffen Sie, wenn Sie das Bild<br />

aufnehmen, je nachdem welchen Effekt Sie erzielen<br />

möchten. Wenn Sie das Auge des Betrachters auf<br />

einen bestimmten Fokuspunkt lenken möchten,<br />

verwenden Sie eine große Blende wie f/2.8 oder f/4.<br />

Wenn Sie die Schärfe von Vordergrund bis<br />

Hintergrund maximieren möchten, entscheiden Sie<br />

sich für eine hohe f/Zahl wie f/16 oder f/22. Ihre<br />

Kamera kann nicht vorhersehen, welchen Effekt Sie<br />

wünschen, daher ist es wichtig, die Blende manuell<br />

einzustellen und sich nicht auf die automatischen<br />

Belichtungsmodi der Kamera zu verlassen. Wenn Sie<br />

sich nicht sicher sind, welche Blende den besten<br />

Effekt erzeugt, nehmen Sie einfach eine Sequenz von<br />

Bilder mit unterschiedlichen f/Zahlen auf und<br />

entscheiden später, was Sie bevorzugen. Das habe ich<br />

so gemacht, als ich diese Nahaufnahme einer<br />

Schöllkraut-Blume fotografiert habe. In diesem Fall<br />

bevorzuge ich klar die Bilder mit flacher Tiefenschärfe.<br />

f/22<br />

f/5.6<br />

f/2.8


<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong> Meisterkurs Natur 59<br />

Weit verbreitete Wildblumen<br />

Hier sind fünf der beliebtesten Wildblumen, die Sie<br />

in Deutschland fotografieren können.<br />

Geflecktes Knabenkrauf Eine der am<br />

weitesten verbreiteten wilden Orchideenarten, die<br />

in Wäldern, in Gestrüpp und auf Wiesen wachsen.<br />

Die glänzenden, dunkelgrünen Blätter sind<br />

scheckig und die Blütenähre ist rosa-lilafarben.<br />

Wilde Primel Bekannte mehrjährige Blume in<br />

Wäldern, Hecken und auf schattigem Weideland.<br />

Auch im Garten beliebt. Die Blüten sind 20 bis 30<br />

Millimeter groß und werden von langen, haarigen<br />

Stängeln getragen.<br />

Glockenblume Auch wenn sie auch in<br />

Deutschland zu finden ist, so ist ihr Hauptstandort<br />

in Großbritannien. Dort befindet sich mehr als 50<br />

Prozent der gesamten Population der Welt. Oft<br />

findet man sie als eindrucksvolle, dichte und sehr<br />

fotogene Teppiche.<br />

5<br />

Originalität Frische Bilder von weit verbreiteten, oft<br />

fotografierten Blumen zu machen, ist alles andere als<br />

einfach. Und allzu oft nehmen wir ein Motiv einfach aus<br />

Gewohnheit immer wieder auf die gleiche Art auf. Mit anderen<br />

Worten können vorgefasste Ideen unsere Kreativität<br />

beschneiden. Durch die Digitalfotografie ist das<br />

Experimentieren heute leichter als je zuvor, also lassen Sie Ihrer<br />

Fantasie freien Lauf. Jede Gattung hat das Potenzial, auf<br />

unendliche Art und Weisen fotografiert zu werden. Es ist<br />

möglich, einen ganz unterschiedlichen Satz von Bildern von<br />

dem gleichen Motiv zu machen, indem man einfach<br />

Blickwinkel, Brennweite, Lichtverhältnisse und Belichtung<br />

sowie Hintergrund oder Entfernung der Kamera zum Motiv<br />

verändert. Jeder Parameter kann einen dramatischen Effekt für<br />

das Aussehen und die Anmutung des fertigen Bildes haben.<br />

Aus meiner Erfahrung heraus ist es am besten, zunächst das<br />

Bild aufzunehmen, das am naheliegendsten ist und sich<br />

anschließend um das Motiv herum zu bewegen und andere<br />

Herangehensweisen auszuprobieren. <strong>Fotografie</strong>ren Sie aus<br />

niedrigen und hohen Blickwinkeln und variieren Sie dann die<br />

Brennweiten und die Tiefenschärfe. Füllen Sie das Bild mit der<br />

Blume, aber machen Sie auch eine Aufnahme, auf der sie klein<br />

in ihrer Umgebung zu sehen ist. Wenn ein leichter Wind weht,<br />

verwenden Sie eine lange Verschlusszeit, um die Blume<br />

absichtlich verschwimmen zu lassen. Ihrer Fantasie sind keine<br />

Grenzen gesetzt. Hier habe ich einen Wald in der Nähe<br />

besucht, in dem in großer Zahl Buschwindröschen wachsen.<br />

Diese sehr unterschiedlichen Ergebnisse habe ich in wenigen<br />

Minuten eingefangen.<br />

Original<br />

Buschwindröschen Allgemein in Wäldern<br />

weit verbreitete mehrjährige Pflanze. Die langen<br />

Blätter am Stamm sind in drei Zipfel geteilt.<br />

<strong>Fotografie</strong>ren Sie sie einzeln oder als große<br />

Blütenteppiche.<br />

Fingerhut Große leicht erkennbare<br />

Blume – oft zu finden entlang von Küstenpfaden,<br />

Waldlichtungen und im Gestrüpp. Seine<br />

Blütenähre birgt eine Reihe von rosa-lilafarbenen<br />

rohrförmigen Blüten, die zudem giftig sind.


60<br />

Meisterkurs Natur<br />

<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong><br />

Wassertropfen<br />

Mit Wassertropfen können<br />

Blumenbilder visuell interessanter<br />

aussehen – das ist ganz einfach, wenn<br />

man weiß, wie es geht<br />

Spiegelung in Tropfen<br />

Lust auf diese alternative Methode? Blättern Sie<br />

weiter, um herauszufinden wie!<br />

Daniel Lezano Bei so viel Regen in<br />

Deutschland, insbesondere in den letzten<br />

Jahren, könnte man es als merkwürdig<br />

bezeichnen, eine Anleitung zu schreiben,<br />

wie man Regentropfen nachahmt. Leider fällt der<br />

meiste Regen in den kälteren Monaten, wenn die Zahl<br />

der Gartenblumen eher spärlich ist. Da nun mal im<br />

Sommer weniger Regen fällt, ist die einzige Methode,<br />

Regentropfen zu fotografieren, diese selbst zu<br />

erstellen.<br />

Das geht ganz einfach mit einer Sprühflasche, einer<br />

Gießkanne oder einem Gartenschlauch. Wenn Sie<br />

eine der letzten beiden Optionen verwenden, achten<br />

Sie darauf, dass die Düse einen Sprühaufsatz für das<br />

Wasser hat, sodass dieses nicht aus einem dicken<br />

Strahl kommt und womöglich die filigranen Pflanzen<br />

beschädigt.<br />

Es gibt eine Reihe von unterschiedlichen<br />

Möglichkeiten, wie Tropfen sich auf Gartenlaub<br />

absetzen können und alle bieten die Gelegenheit für<br />

eine andere Art von Bild. Eine der beliebtesten Arten<br />

sind Tropfen, die an einem Stängel hängen,<br />

normalerweise in Gruppen von zwei oder drei. Diese<br />

effektive Technik wird um eine Dimension erweitert,<br />

wenn Blumen in der Nähe sind, die sich in den<br />

Tropfen spiegeln, wie beim Bild oben. Wenn Sie diese<br />

Technik ausprobieren möchten, sollten Sie einen<br />

Blickwinkel wählen, der den Hintergrund mit<br />

einbezieht. Das andere beliebte Bild ist weitaus<br />

leichter, aber ebenso ansprechend. Dabei müssen<br />

Sie die Oberfläche eines Blattes oder Blütenblätter<br />

mit Dutzenden von kleinen Tropfen bedecken, indem<br />

Sie sie mit Wasser besprühen.<br />

Für diese Schritt-für-Schritt-Anleitung wollte ich eine<br />

Technik ausprobieren, die ich zuvor noch nicht<br />

gesehen hatte. Dabei wollte ich einen einzelnen<br />

Tropfen, der auf einer Blume liegt anstatt von ihr<br />

herunterhängt, fotografieren. Die Blume meiner<br />

Wahl war lilafarbener Zierlauch, eine meiner<br />

Lieblings-Fotomotive aufgrund der komplexen<br />

Struktur der vielschichtigen Blüte. Da ich mich viel<br />

bewegen werde, um verschiedene Blickwinkel<br />

auszuprobieren, fotografiere ich aus der Hand. Ein<br />

100 mm Makro-Objektiv hilft mir dabei, nah<br />

heranzukommen. Durch das strahlende Sonnenlicht<br />

brauche ich mir um ein Verwackeln der Kamera keine<br />

Sorgen zu machen, aber wegen der gelegentlichen<br />

Windstöße muss ich die Verschlussgeschwindigkeit<br />

relativ kurz halten, um eine Unschärfe durch die<br />

Bewegung des Modells während der Aufnahme zu<br />

vermeiden. Ich verwende die Zeitautomatik mit<br />

Blendenvorwahl, da ich unbedingt die Kontrolle über<br />

die Tiefenschärfe behalten möchte.<br />

Und noch ein letzter Punkt: Tropfen formen sich<br />

besser und behalten ihre Form eher an feuchten<br />

Tagen, wenn die Luft einen höheren<br />

Feuchtigkeitsgehalt hat. Daher lässt sich diese<br />

Technik im Sommer einfacher durchführen, wenn ein<br />

Sturm aufzieht als an heißen, trockenen Tagen.<br />

HELEN DIXON<br />

Set-up<br />

Das Wasser aufsprühen Sprühen Sie<br />

1 zunächst nur einen Hauch von Wasser auf die<br />

Blume, um zu sehen, welchen Effekt dies hat. Leider<br />

finde ich, dass bei dieser Blumenart der Sprühbereich<br />

des Wassers gut ist, aber die Tropfen sind zu klein und<br />

nicht groß genug für das Bild. Ich muss mir noch etwas<br />

anderes überlegen!<br />

Experimentieren Ich versuche es mit einem<br />

2 Schlauch, aber das Ergebnis ist das gleiche. Ich<br />

entscheide mich, einen größeren Tropfen mit mehr<br />

Kontrolle aufzusetzen und probiere dies mit einem<br />

Strohhalm, den ich in ein Glas Wasser tauche. Indem<br />

ich meinen Finger auf das Ende des Strohhalms setze,<br />

kontrolliere ich das Lösen des Wassers auf den<br />

Zierlauch.<br />

Immer weiter probieren Ich brauche ein<br />

3 paar Versuche, aber schließlich schaffe ich es,<br />

einen großen Tropfen Wasser auf eine Blume zu setzen.<br />

Das ist der Beweis, dass die Strohhalm-Methode mit<br />

etwas Geduld und Glück funktionieren kann. Dieser<br />

spezielle Tropfen ist zu groß, daher schüttle ich die<br />

Pflanze und versuche es weiter, bis es besser klappt.<br />

Den richtigen Blickwinkel finden Es<br />

4 sind noch einige weitere Versuche nötig, aber<br />

schließlich habe ich einen Tropfen, der eine geeignetere<br />

Größe hat. Jetzt muss ich versuchen, einen guten<br />

Blickwinkel zu finden und die beste Blende einstellen.<br />

Ich beginne damit, von oben zu fotografieren, aber das<br />

Ergebnis ist zu flach, also ändere ich meine Position und<br />

suche nach Alternativen.<br />

Auf Augenhöhe mit dem Motiv Ein<br />

5 niedriger Blickwinkel gibt dem Bild eine stärkere<br />

Dreidimensionalität und der Tropfen ist aufgrund der<br />

flachen Tiefenschärfe deutlich sichtbar. Aber der<br />

unscharfe Vordergrund stört und der dunkle Hintergrund<br />

ist nicht besonders attraktiv.


Fertiges Bild<br />

Nachdem ich meine Position etwas höher<br />

verlagert habe, hat sich der Bildaufbau<br />

dramatisch verbessert. Das Motiv<br />

dominiert jetzt nicht nur das Bild, auch<br />

der Vordergrund ist ruhiger und die grüne<br />

Vegetation im Hintergrund wirkt<br />

angenehmer. Blende f/8 liefert dazu die<br />

perfekte Tiefenschärfe.


62<br />

Meisterkurs Natur<br />

<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong>


<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong> Meisterkurs Natur 63<br />

<strong>Fotografie</strong>ren Sie eine<br />

bunte, in Wassertropfen<br />

gebrochene Blume<br />

Fotografen lieben diese Technik – und nicht ohne Grund, denn sie<br />

macht Riesenspaß und bringt interessante Ergebnisse<br />

Ross Hoddinott: Sie könnten argumentieren, dass es ein bisschen wie ein<br />

Klischee ist, wenn Sie das gebrochene Bild einer bunten Blume durch einen oder<br />

mehrere Wassertröpfchen fotografieren, die auf einem Stängel oder einem Ast<br />

hängen, und Sie hätten wohl ein wenig recht damit. Aber obwohl es nicht die<br />

originellste Idee sein mag, ist nicht zu verleugnen, dass die Ergebnisse ins Auge springen<br />

können. Weil es schon so oft gemacht wurde, ist es leicht, über diese Art von Aufnahme<br />

hinwegzusehen. Das ist jedoch ein Fehler. Es spricht nichts dagegen, eine Idee<br />

nachzumachen – solange Sie es gut machen und die Herausforderung genießen, ein gutes<br />

Endergebnis zu erhalten.


64<br />

Meisterkurs Natur<br />

<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong><br />

Empfohlene Ausrüstung<br />

A u fb a u :Diese Art von Bild ist einfach zu fotografieren, und es sollte nicht<br />

länger als eine Stunde dauern. Sie können Ihre Ausrüstung im Garten oder drinnen<br />

aufbauen und einen kleinen Tisch als Basis verwenden. Ein Makroobjektiv wäre die<br />

ideale Wahl, da dies in der Regel einen Wiedergabemaßstab von 1:1 hat, aber ein<br />

Umkehrring, eine Nahlinse oder ein Zwischenring tun es auch. Ein Fernauslöser ist<br />

ebenfalls von Nutzen (oder, wenn Sie keinen haben, der Selbstauslöser der Kamera),<br />

ebenso wie ein kleiner Reflektor. Außerdem benötigen Sie eine bunte Blume, die Sie<br />

fotografieren können, wie zum Beispiel eine Gerbera oder eine Sonnenblume.<br />

Die Blume und das Objekt, an dem die Tropfen hängen, müssen in der richtigen<br />

Position eingespannt werden, und die Tropfen sollten zwischen 10 und 30 cm<br />

vor der Blume an einem dünnen Schilfrohr, Gras oder Zweig hängen. Wimberley<br />

Plamps sind dafür sehr nützlich, aber Aktenklammern oder Klebeband funktionieren<br />

auch. Verwenden Sie, um Ihre Tropfen zu erzeugen, eine Sprühflasche oder einen<br />

Zerstäuber. Sprühen Sie so lange, bis sich große Tropfen bilden und vom Schilfrohr<br />

oder Ast herunter hängen. Es kann ein frustrierender Prozess sein und einiger<br />

Versuche bedürfen, bis die Tropfen genau richtig werden.<br />

Wimberley Plamp:<br />

Ich verwende einen einfachen<br />

Aufbau mit einer Tischplatte und<br />

habe vom örtlichen Blumenhändler<br />

eine große, rote Gerbera gekauft.<br />

Je größer die Blume, desto besser,<br />

da Sie auch als Hintergrund für die<br />

Aufnahme dient. Die Tropfen hängen<br />

von einem frischen grünen Schilfrohr<br />

aus meinem Teich. Ich befestige zwei<br />

Wimberley Plamps am Tisch; einen<br />

um das Schilfrohr an der richtigen<br />

Stelle zu halten und den anderen, um<br />

die Blume etwa 20 cm dahinter zu<br />

positionieren. Das Schilfrohr muss<br />

waagerecht gehalten werden, sonst<br />

läuft das Wasser daran herunter,<br />

aber der Vorteil der Verwendung<br />

von „Plamps“ ist, dass ihre flexiblen<br />

Arme einfach anzupassen und zu<br />

positionieren sind. Ich richte Blume<br />

und Schilf so aus, dass der Blütenkopf<br />

einen bildfüllenden Hintergrund bildet.<br />

Danach besprühe ich das Schilfrohr<br />

mit einem Zerstäuber, bis sich eine<br />

Reihe von Tropfen formt. Nachdem ich<br />

das getan habe, bringe ich mein Stativ<br />

in die richtige Position – parallel zu<br />

den Tropfen und der Blume dahinter.<br />

Eine Probeaufnahme machen Wenn ich die Reihe der Tropfen nur<br />

1 ansehe, kann ich schon sehen, wie sich das perfekte Miniaturbild der Blume in<br />

jedem Tropfen bricht. Ich entscheide mich dazu, mich auf ein paar Tropfen zu<br />

konzentrieren, die nebeneinander angeordnet sind. Danach bevorzuge ich eine große<br />

Blende von f/4, damit die Blume dahinter völlig unscharf wird. Ich fokussiere dann die<br />

Tropfen und betätige den Auslöser. Wenn man jedoch den Tropfen selbst und nicht die<br />

Lichtbrechung scharf stellt, werden die Blumenbilder unscharf.<br />

Die Bildschärfe einstellen Bei Nahaufnahmen ist die Tiefenschärfe oft<br />

2 eine Sache von Millimetern. Deshalb ist eine präzise Scharfeinstellung<br />

entscheidend. Aus diesem Grund sollten Sie sich, soweit Ihr Sehvermögen es zulässt,<br />

immer für die erhöhte Präzision der manuellen Fokussierung entscheiden. Ich<br />

verändere vorsichtig meinen Fokuspunkt, sodass er auf dem gebrochenen Bild der<br />

Blume liegt. Die Tiefenschärfe ist bei f/4 jedoch so eng, dass nichts anderes als mein<br />

Fokuspunkt als angemessen scharf aufgenommen wird.


<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong> Meisterkurs Natur 65<br />

Fertiges Bild<br />

Experimentieren Sie mit vertikalen oder horizontalen<br />

Kompositionen und verändern Sie den Aufnahmewinkel.<br />

Ich probierte verschiedene Ansätze aus, auch diesen mit<br />

allen Tropfen im Fokus. Mein Lieblingsbild ist das auf der<br />

vorherigen Seite, eine Komposition im leichten Winkel zum<br />

Schilfrohr, mit nur einem Tropfen im Fokus. Die Blume ist<br />

scharf, während alles andere hübsch verschwimmt.<br />

Eine kleinere Blende verwenden Im Modus Zeitautomatik mit<br />

3 Blendenvorwahl wähle ich eine kleinere f/Zahl von f/14. Ich hoffe dies wird genug<br />

Tiefenschärfe erzeugen, um Tropfen, Reflexe und Schilfrohr angemessen scharf zu<br />

halten. Die sich ergebende lange Verschlusszeit erhöht das Risiko des Verwackelns,<br />

deshalb wird selbst die winzigste Vibration, die durch das Betätigen des Auslösers<br />

entsteht, das Bild abschwächen. Daher ist die Verwendung eines Fernauslösers<br />

unverzichtbar, um ein scharfes Ergebnis zu gewährleisten.<br />

Mehr Tropfen erstellen Das vorherige Bild ist in Ordnung, aber die<br />

4 Komposition ist nicht besonders aufregend. Ich entscheide, dass kein hinreichend<br />

starker visueller Eindruck entsteht, wenn man nur zwei der Tröpfchen isoliert, deshalb<br />

besprühe ich das Schilfrohr erneut, um mehr Tropfen zu erhalten und dann eine<br />

größere Gruppe in den Fokus zu nehmen. Ich behalte die Einstellungen des letzten<br />

Bildes bei und verwende f/14 mit einer entsprechenden Verschlusszeit von 1/4<br />

Sekunde. Das Ergebnis ist interessanter, aber ich bin mir sicher, dass ich das noch<br />

besser kann.


66<br />

Meisterkurs Natur<br />

<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong><br />

Unkraut vergeht nicht…<br />

Unerwünschte grüne Bewohner des Gartens sehen durch<br />

die Kamera viel besser aus als auf der Wiese...<br />

Daniel Lezano: Wenn Sie niemanden in der Familie haben, der<br />

sich für den Garten engagiert, wird in einigen Ecken etwas Unkraut<br />

sprießen. Normalerweise rückt man dem mit Pflanzkelle und<br />

Unkrautvernichtungsmittel zuleibe. Allerdings ist der Löwenzahn ein<br />

Unkraut für Fotografen, denn er kann äußerst fotogen sein. Dabei geht es weniger<br />

um die eigentliche Blume als um den mit Samen besetzten Kopf der<br />

„Pusteblume“, die unsere Aufmerksamkeit verdient. Dieser filigrane Kopf besteht<br />

aus kleinen, federleichten Samen, die sich vom Blütenstand lösen und mit dem<br />

Wind fortgeweht werden. Dadurch sind sie wunderschön, aber schwierig zu<br />

handhaben. Es ist zwar möglich, eine abzupflücken und an einen geeigneten Ort<br />

zu bewegen, aber oft ist es am besten, sie dort zu fotografieren, wo sie gewachsen<br />

ist.<br />

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, eine Pusteblume zu fotografieren, also probieren<br />

Sie so viele wie möglich, bevor sie sich auflöst. Eine der beliebtesten Methoden ist<br />

es, einen niedrigen Blickwinkel einzunehmen und sie gegen einen dunklen<br />

Hintergrund oder blauen Himmel zu fotografieren. Am besten polarisiert, um den<br />

Kontrast zu verstärken. Eine weitere Methode ist es, eine Sequenz von Bildern zu<br />

schießen, während einige der Samen weggepustet werden, sodass sie in der Luft<br />

gefangen werden. Anschließend kann man noch den Stängel mit den restlichen<br />

Saaten fotografieren.<br />

Alle diese Ideen lohnen sich, ausprobiert zu werden, aber bei dieser<br />

Schritt-für-Schritt-Anleitung habe ich mich für etwas entschieden, das ein wenig<br />

anders ist als die anderen Gartenbilder in diesem Leitfaden. Anstatt ein<br />

farbenfrohes Bild des Blütenstängels im Sinn zu haben, möchte ich ein mit<br />

vielen Details versehenes, monotones und abstraktes Ergebnis erzielen. Ich<br />

habe meiner Kamera mit einem 100 mm Makro-Objektiv auf einem<br />

Manfrotto 190XPROB ausgestattet, das einen nützlichen Kragen hat, mit<br />

dem die Mittelstange schnell heruntergefahren kann, sodass man auf einer<br />

niedrigen Ebene fotografieren kann. Es ist strahlendes Wetter, also wähle ich<br />

einen niedrigen ISO-Wert von 100. Ich stelle die Zeitautomatik mit<br />

Blendenvorwahl ein und nehme jedes Bild mit f/5.6, f/8 und f/11 auf, um die<br />

Tiefenschärfe zu variieren – erst später entscheide ich, was mir am besten<br />

gefällt. Da das Fokussieren entscheidend ist, stelle ich den Einzel-Autofokus<br />

ein, um sicherzugehen, dass der Fokus auf der Mitte des Blütenstängels liegt.<br />

ISTOCK PHOTO<br />

An Ort und Stelle<br />

Reflektor Abdeckung<br />

Diffusor<br />

Aufbau 1<br />

Aufbau 2<br />

Aufbau 3<br />

Das richtige Motiv finden Löwenzahn ist<br />

1 eine der häufigsten Unkrautarten in den heimischen<br />

Gärten, daher sollte es nicht allzu schwierig sein, ein<br />

geeignetes Exemplar zu finden. Ich habe einen entdeckt,<br />

der durch den Kies neben meiner Hütte hervor wuchs<br />

(meine Frau wird nicht gerade begeistert sein!). Hier ist<br />

zunächst eine direkte Aufnahme der Pusteblume, um<br />

sie in ihrer natürlichen Umgebung zu zeigen. Der grüne<br />

und braune Hintergrund sieht nicht besonders<br />

einladend aus, also sind wohl einige Maßnahmen<br />

erforderlich, um das Ergebnis zu verbessern.<br />

Belichtungskompensation hinzufügen<br />

2 Ich stelle die schwarze Abdeckung meines Reflektors<br />

hinter die Pusteblume und sofort gibt es eine Verbesserung<br />

mit dem weißen Kopf, der sich deutlich von der Kulisse<br />

abhebt. Ich muss noch eine Stufe -1 EV an<br />

Belichtungskompensation hinzu wählen, um zu verhindern,<br />

dass Details der Pusteblume verloren gehen – überprüfen<br />

Sie die Belichtung anhand Ihres LCD Monitors. Das ist zwar<br />

schon besser, aber das Ergebnis ist immer noch zu<br />

langweilig. Um die Feingliedrigkeit der Pusteblume<br />

deutlicher zu machen, muss ich mir etwas einfallen lassen,<br />

um das Motiv von hinten ausgeleuchtet zu fotografieren.<br />

Diffusor einbringen Die Lösung ist einfach<br />

3 – ich stelle den Diffusor meines 5-in-1-Reflektors<br />

hinter die Pusteblume (man kann auch ein Blatt weißes<br />

Papier oder eine Gardine benutzen, wenn man keinen<br />

speziellen Diffusor hat). Wegen des niedrigen<br />

Blickwinkels fotografiere ich aus der Hand und<br />

verwende das Stativ um den Diffusor zu halten. Das Bild<br />

ist sofort viel besser als die vorherigen Versuche. Das<br />

helle Sonnenlicht führt zu einem Hintergrund, der fast<br />

weiß ist und die Pusteblume wird fast als Silhouette<br />

aufgezeichnet.


<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong> Meisterkurs Natur 67<br />

Wunderschönes Unkraut<br />

Eine kurze Anpassung in der Tonwertkorrektur<br />

(„Bild > Anpassungen > Tonwertkorrektur“), um<br />

den Kontrast des Silhouetten-Effekts zu<br />

verstärken, anschließend einen leichten Farbstich<br />

über „Bild > Anpassungen > Farbton /<br />

Sättigung“zufügen ... schon fertig!


68<br />

Meisterkurs Natur<br />

<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong><br />

Magische Pilze!<br />

Im Herbst haben Sie die Chance, wunderschöne Aufnahmen von Pilzen zu<br />

machen. Folgen Sie diesen Tipps, um ihre Schönheit zu offenbaren<br />

Ross Hoddinott: Bei dieser Schritt-für-Schritt-Anleitung brauchen<br />

Sie zunächst die richtigen Bedingungen, bevor Sie mit der Kamera nach<br />

Draußen gehen: kürzere Tage, ein mit Blättern bedeckter Waldboden<br />

und spürbare Herbstkälte! Der Herbst ist eine wunderbare Jahreszeit<br />

für die Naturfotografie. Wenn das Wetter abkühlt, legt sich fotogener Nebel über<br />

Täler und Bäume und die Wälder nehmen eine goldbraune Farbe an.<br />

Dies ist die Jahreszeit, um Pilze zu fotografieren. Sie mögen zwar weniger<br />

aufregende Motive sein, und doch sind alle Pilzsorten extrem fotogen. Es gibt<br />

Tausende von Arten, die sich deutlich in Farbe, Größe, Form und Design<br />

unterscheiden. Pilze können praktisch überall wachsen, von Parks bis zu<br />

Rasenflächen. Viele Gattungen bevorzugen jedoch feuchte, reife Wälder, wo es<br />

gefällte Baumstämme, moosbedeckte Baumstümpfe und tiefe Blätterhaufen gibt.<br />

Oktober und November sind die besten Monate, um im heimischen Wald auf die<br />

Suche nach Pilzen zu gehen. Dieses Motiv ist für alle Fotografen geeignet, denn es<br />

erfordert nur einen sehr grundlegenden Aufbau. Natürlich brauchen Sie eine<br />

digitale Spiegelreflexkamera – am Besten mit LiveView – und ein Makro-Objektiv<br />

oder ein Zubehör für Nahaufnahmen wie ein Zwischenring oder eine Nahlinse.<br />

Pilze wachsen gerne in dunkler Umgebung, daher ist die Stabilität eines Stativs<br />

wichtig. Außerdem helfen ein Reflektor oder ein Blitzlichtgerät dabei, das Motiv<br />

auszuleuchten.<br />

Das Motiv finden Ich besuche einen heimischen Wald, bei dem ich weiß,<br />

1 dass es hier im Herbst viele Pilze gibt. Nachdem ich zehn Minuten gesucht habe,<br />

finde ich einen Baumstumpf, auf der eine attraktive Gruppe von Pilzen wächst. Sie<br />

sind in makelloser Verfassung und in einer guten Position, um fotografiert zu werden.<br />

Ich schraube meine digitale Spiegelreflexkamera auf das Stativ und mache ein erstes<br />

Bild. Allerdings stört die unruhige Umgebung und das überhängende Efeu.<br />

Fürs „Jäten“ im Bild gerüstet sein Die unmittelbare Umgebung des<br />

2 Motivs muss bei Nahaufnahmen unbedingt berücksichtigt werden. Ich habe in<br />

meinem Rucksack immer eine Schere, um das Bild etwas aufzuräumen – eine Technik,<br />

die bei Fotografen als „Jäten“ bekannt ist. Ich entferne den umliegenden Efeu, aber achte<br />

sorgfältig darauf, die Pilze nicht zu zerstören.<br />

Eine Testaufnahme machen Um das Problem des störenden<br />

3 Hintergrunds zu lösen, stelle ich mein Stativ etwas näher heran, um einen<br />

engeren Bildaufbau zu probieren. Das Ergebnis ist besser, aber der parallele<br />

Blickwinkel ist ziemlich langweilig und es fehlt der Aufnahme einfach an dem<br />

gewissen Etwas. Der parallele Blickwinkel kann bei einigen Motiven funktionieren,<br />

aber in diesem Fall ist das überhaupt nicht so.<br />

Seien Sie vorbereitet!<br />

Damit Ihre Kleidung nicht feucht und<br />

schmutzig wird, tragen Sie eine<br />

wasserdichte Hose oder haben Sie ein<br />

Stück Plane oder einen Müllbeutel<br />

dabei, auf den Sie sich knien können<br />

Den Blickwinkel<br />

4 verändern Die<br />

Feingliedrigkeit und das<br />

Muster der Lamellen sind<br />

die fotogensten und<br />

interessantesten Aspekte<br />

bei Pilzen. Daher ergeben<br />

niedrige, nach oben<br />

gerichtete Blickwinkel oft<br />

die besten Bilder. Also<br />

verändere ich die Position<br />

meines Stativs wieder, aber<br />

wegen dem niedrigen,<br />

ungewöhnlichen Winkel<br />

habe ich Schwierigkeiten,<br />

das Bild akkurat und<br />

bequem durch den Sucher<br />

der digitalen<br />

Spiegelreflexkamera<br />

aufzubauen.<br />

LiveView verwenden Wenn man aus niedrigen, ungewöhnlichen<br />

5 Winkeln fotografiert, ist LiveView wirklich eine hilfreiche Funktion. Ich schalte<br />

LiveView an und über den Bildschirm kann ich den Bildaufbau gestalten, ohne<br />

meinen Körper verdrehen zu müssen. Der niedrige Blickpunkt betont die Lamellen der<br />

Pilze und erzeugt eine interessantere Aufnahme. <strong>Digitale</strong> Spiegelreflexkameras mit<br />

einem ausklappbaren und verstellbaren LCD-Monitor sind für diese Art von <strong>Fotografie</strong><br />

noch besser geeignet.


<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong> Meisterkurs Natur 69<br />

Fertiges Bild<br />

Ein wirklich zauberhaftes<br />

Pilzfoto. Wann gehen Sie in<br />

den Wald und probieren diese<br />

Technik aus?<br />

Grundlegende Ausrüstung<br />

Wenn man Pilze im dunklen Wald fotografiert, ist das Licht oft eingeschränkt. Dies,<br />

kombiniert mit der Tatsache, dass man oft eine hohe f/Zahl im Bereich von f/16 oder<br />

f/22 wählen möchte (um eine ausreichende Tiefenschärfe zu erzeugen), bedeutet,<br />

dass Verschlusszeiten typischerweise langsam sind. Für gestochen scharfe Bilder<br />

sind ein Stativ und ein Fernauslöser unverzichtbar. Wenn der Waldboden feucht<br />

und weich ist, drücken Sie die Füße des Stativs zur Sicherheit tief in den Boden.<br />

Selbst wenn Sie ein Stativ verwenden, kann das Drücken auf den Auslöseknopf<br />

leichte Vibrationen erzeugen, die das Bild verwackeln.<br />

Also verwenden Sie immer einen Fernauslöser oder die<br />

Selbstauslöser-Funktion der Kamera. Wenn Ihre Kamera<br />

eine Spiegel-Verschluss-Funktion hat, verwenden Sie<br />

diese. Dadurch wird der Reflexspiegel verschlossen,<br />

bevor der Auslöser gedrückt wird, und somit interne<br />

Vibrationen eliminiert.<br />

Den Füllblitz ausprobieren Der Nachteil der Verwendung eines niedrigen<br />

6 Blickwinkels ist es, dass die Unterseite der Pilze im dunklen Schatten liegt, Details<br />

verdunkelt und ziemlich hässlich aussieht – insbesondere da die Lichtverhältnisse im<br />

dichten Wald sowieso ziemlich mäßig sind. Ein Füllblitz kann verwendet werden, um<br />

dies zu lindern, aber in einer solchen Nähe zum Motiv wirkt er oft zu grell und<br />

unnatürlich.<br />

Einen Reflektor einsetzen Ich bevorzuge hier einen Reflektor. Man kann<br />

7 den Effekt auf das Motiv sofort sehen und die Lichtintensität verändern, indem<br />

man ihn näher heran bringt, oder den Winkel kippt. Es ist die natürlichste Methode,<br />

kleinste Motive auszuleuchten, und außerdem die einfachste. Indem ich den Reflektor<br />

nah halte, werfe ich das Licht auf den Pilz zurück und drücke erneut den Auslöser.<br />

Endlich, ein Pilzfoto, auf das ich stolz sein kann.


70<br />

Meisterkurs Natur<br />

<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong><br />

INSEKTEN<br />

Die Natur ist eines der beliebtesten Motive in der <strong>Fotografie</strong>, stellt aber auch vor die größten Herausforderungen. Unser<br />

Experte und Naturkundefotograf Ross Hoddinott, der bereits einige Preise gewonnen hat, teilt sein Wissen mit uns. Unser<br />

Exkurs beginnt mit dem Aufspüren der Motive, mit dem Ziel, fantastische Aufnahmen mitzubringen…<br />

KÄFER UND ANDERE KRABBELTIERE haben nicht den besten Ruf, stimmt‘s? Trotz Ihrer winzigen<br />

Größe scheinen Sie bei vielen Menschen eher Panik auszulösen. Wenn Sie jedoch mutig genug sind<br />

und sich näher heran wagen, werden Sie feststellen, dass die meisten sehr farbenfroh, faszinierend<br />

geformt und sehr fotogen sind. Nur wenige der in Nord- und Mitteleuropa beheimateten Insekten<br />

beißen oder stechen, Angst ist also selten begründet. Anstatt wegzulaufen, sollten Sie als Fotograf<br />

lieber nach Ihrer Kamera greifen.<br />

Einige der Techniken und Prinzipien, die wir in dem Meisterkurs Wildblumen auf den Seiten 54 bis<br />

59 vorgestellt haben, können auch auf das <strong>Fotografie</strong>ren von Insekten angewandt werden – zum<br />

Beispiel die Wichtigkeit der Beleuchtung, Originalität der Komposition – und die Notwendigkeit des<br />

Jätens. Nichtsdestotrotz stellen die Beweglichkeit, die Größe und das scheue Wesen dieser kleinen<br />

Tierchen uns Fotografen vor einige praktische und technische Herausforderungen. Zunächst sollten<br />

Sie ihren natürlichen Lebensraum aufsuchen. Fotografen wildlebender Tiere müssen oftmals einige<br />

Nachforschungen über ihre Motive anstellen, bevor sie mit dem <strong>Fotografie</strong>ren beginnen können.<br />

Suchen Sie also Ihre örtliche Bücherei auf oder surfen Sie im Internet und sammeln Sie<br />

Informationen.


<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong> Meisterkurs Natur 71


72<br />

Meisterkurs Natur<br />

<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong><br />

Die richtige Ausrüstung für<br />

Krabbeltiere<br />

Um Insekten zu fotografieren, benötigen Sie ein<br />

Makroobjektiv oder einen Aufsatz für Nahaufnahmen.<br />

Wenn Sie es sich leisten können, ist ein spezielles<br />

Makroobjektiv eine großartige Investition, die Ihnen<br />

eine praktische Arbeitsdistanz erlaubt, aus der Sie<br />

fotografieren können. Ein Objektiv im Bereich von<br />

100 bis 180 Millimetern ist für das <strong>Fotografie</strong>ren<br />

von Insekten am besten geeignet. Wenn Sie jedoch<br />

noch ein Einsteiger oder Student sind oder nur über<br />

eingeschränkte finanzielle Mittel verfügen, versuchen<br />

Sie es einmal mit Zwischenringen oder mit einer<br />

Nahlinse in Kombination mit einem Standardobjektiv<br />

mit fester Brennweite. Beide Ausrüstungsgegenstände<br />

sind verhältnismäßig günstig und bieten einen guten<br />

Einstieg in die Welt der Nahaufnahmen. Ein 70-300<br />

mm Zoomobjektiv mit nahem Fokus kann ebenfalls<br />

manchmal verwendet werden, um größere Insekten,<br />

wie Libellen, zu fotografieren. Wenn sich das Insekt<br />

gerade ausruht, ist eventuell ein Reflektor vonnöten,<br />

um Licht auf das Modell zu werfen. Sie sollten also<br />

immer eins in Ihrer Kameratasche haben. Aufgrund der<br />

Natur der <strong>Fotografie</strong> von Insekten ist ein herkömmliches<br />

Stativ oftmals unpraktisch. Ein Einbeinstativ kann<br />

eine praktischere Art der Unterstützung darstellen,<br />

aber wenn Sie keines besitzen, klappen Sie einfach<br />

die Beine Ihres Dreibeinstativs eng zusammen und<br />

verwenden Sie es als provisorisches Einbeinstativ.<br />

Mancher Enthusiast möchte vielleicht in einen Ringblitz<br />

oder ein Doppelblitzgerät investieren. Diese speziellen<br />

Accessoires für Makroaufnahmen bieten eine künstliche<br />

Ausleuchtung für Nahaufnahmen, wenn das natürliche<br />

Licht nicht ausreicht.<br />

Verwacklungsunschärfe Das ist ein häufiges Problem, das auftritt, wenn die<br />

2 ausgewählte Belichtungszeit nicht kurz genug ist, um Ihre eigenen, natürlichen Bewegungen<br />

zu eliminieren. Das führt zu einem verschwommenen, ruinierten Foto. Bei langen Brennweiten<br />

oder starken Vergrößerungen wird dieser Effekt noch gesteigert. Aus diesem Grunde kann<br />

Verwacklungsunschärfe für Fotografen von Insekten zum Problem werden. Die Lösung? Ganz<br />

einfach: Stellen Sie Ihre Kamera einfach auf ein Stativ. Natürlich ist das oftmals nicht ganz so<br />

leicht, wenn man scheue Wildtiere fotografieren möchte. Das Abstützen der Kamera mag für viele<br />

andere Bereiche der <strong>Fotografie</strong> völlig in Ordnung sein, aber beim <strong>Fotografie</strong>ren von Insekten erweist<br />

sich ein Stativ oftmals als unpraktisch. So wird ein flatternder Schmetterling kaum für Sie posieren<br />

und so lange warten, bis Sie Ihr Stativ aufgebaut haben. Insekten sind extrem empfindlich, was<br />

Bewegungen und Erschütterungen anbelangt. Wenn also das Bein Ihres Stativs irgendein Gras<br />

oder eine Pflanze in der Nähe Ihres Objekts berührt, wird dieses sofort forthuschen oder -fliegen.<br />

Nach meiner Erfahrung ist ein Stativ wirklich nur am frühen Morgen oder am späten Abend<br />

nützlich, wenn Insekten wie Schmetterlinge oder Libellen entweder noch schlafen, oder sich für die<br />

Nacht zurückgezogen haben. Zu jeder anderen Zeit sollten Sie darauf eingerichtet sein, dass Sie<br />

aus der Hand fotografieren müssen.<br />

Dabei überschätzt man sehr leicht, wie lange man eine Kamera still halten kann. Eine gute,<br />

allgemeingültige Regel für die Makroarbeit ist, eine Verschlusszeit zu verwenden, die mindestens<br />

doppelt so lang ist, wie die Brennweite des verwendeten Objektivs. Wenn Sie also ein 90mm<br />

Makroobjektiv verwenden, sollte Ihre Verschlusszeit mindestens 1/180 Sekunde betragen. Wenn<br />

Ihre Kamera oder Ihr Objektiv über eine Bildstabilisierung verfügen, sollten Sie diese auf jeden Fall<br />

einschalten. Mit dieser Technologie können Sie mit zwei oder drei Stufen längeren Verschlusszeiten<br />

noch scharfe Bilder erzielen, als ohne. Alternativ können Sie auch eine größere Blende benutzen<br />

um eine kürzere Verschlusszeit zu erreichen (was jedoch die Tiefenschärfe reduziert) oder einen<br />

höheren ISO-Wert einstellen. Des Weiteren können Sie mit der Art und Weise, wie Sie die Kamera<br />

halten, den Effekt der Verwacklungsunschärfe einschränken. Knien ist beispielsweise stabiler als<br />

Stehen. Halten Sie Ihre Ellenbogen an Ihre Brust gedrückt und die Kamera fest an Ihrem Gesicht.<br />

Stützen Sie das Gewicht mit Ihrer linken Hand ab und drücken Sie den Auslöser sanft durch. Ihr<br />

Objekt wird sich oftmals tief unten auf dem Boden befinden, sodass Sie sich, wenn Sie natürlich<br />

Ergebnisse erzielen wollen, auf den Bauch legen müssen, um die Kamera parallel zu Ihrem Objekt<br />

zu halten. Dies ermöglicht es Ihnen, entweder einen Bohnensack zu verwenden, oder Ihre<br />

Ellenbogen aufzustützen, um die Kamera still zu halten. Das Liegen auf dem Boden schränkt die<br />

Bewegung des Körpers stark ein und reduziert damit das Risiko von Verwacklungsunschärfe<br />

erheblich.<br />

Früh aufstehen Ich werde nicht versuchen, Ihnen irgendetwas vorzugaukeln: Das <strong>Fotografie</strong>ren<br />

1 von Insekten ist eine große Herausforderung und kann auch sehr frustrierend sein. Aus diesem<br />

Grunde ist es nur logisch, sich das Leben einfacher zu machen, wann immer es geht. Insekten sind in der<br />

Wärme vom Vormittag bis hin zum späten Nachmittag am aktivsten, also sollten Sie diese Zeiten, wenn<br />

möglich, meiden. Es ist besser, während der niedrigeren Temperaturen am frühen Morgen und am<br />

späteren Abend zu fotografieren, wenn ihre Körper kalt sind und sie relativ inaktiv bleiben. Wenn Sie also<br />

ernsthaft daran interessiert sind, großartige Insektenporträts zu schießen, müssen Sie Ihren Wecker auf<br />

eine frühe Zeit einstellen…<br />

Im Sommer werden Sie sich um 4:30 Uhr aus Ihrem warmen, kuscheligen Bett quälen müssen, um bei<br />

Sonnenaufgang an Ihrem Schauplatz zu sein. Ich weiß, das ist nicht lustig, aber die Ergebnisse werden es<br />

wert sein. Durchsuchen Sie sorgfältig die Vegetation wie hohe Gräser und Blätter, um schlafende<br />

Schmetterlinge und Käfer zu finden. Dazu benötigen Sie ein gutes Auge, aber mit ein wenig Erfahrung<br />

werden Sie schnell lernen, wo Sie suchen müssen. Achten Sie allerdings darauf, wo Sie hintreten – ein<br />

nachlässiger Schritt kann für diese zerbrechlichen, schlafenden Insekten tödlich sein. Einer der Vorteile<br />

beim <strong>Fotografie</strong>ren schlafender Insekten ist, dass sie weiter schlafen, während Sie den Bereich um sie<br />

herum „jäten“ – sehen Sie dazu auch den Meisterkurs Wildblumen auf den Seiten 54 bis 59. Außerdem<br />

können sich nach ein paar klaren Nächten mit viel Tau winzige Wassertröpfchen auf den Flügeln und dem<br />

Körper des Insekts bilden, die dem Bild einen Maßstab geben und ein zusätzliches, interessantes Detail<br />

darstellen.<br />

Gute Unterstützung<br />

Schlechte Unterstützung


Wer sich für großartige<br />

Insektenporträts<br />

ernsthaft interessiert,<br />

muss seinen Wecker<br />

auf eine frühe Zeit<br />

einstellen…<br />

Käfer auf dem Weg ins Bett…<br />

Wenn Sie kein Frühaufsteher sind, können Sie auch<br />

vor Sonnenuntergang Insekten finden, die sich für die<br />

Nacht zurückgezogen haben. Das niedrige, warme<br />

Licht zu dieser Zeit ist sehr gut für das <strong>Fotografie</strong>ren<br />

von Insekten geeignet, besonders für Schmetterlinge.


74<br />

Meisterkurs Natur<br />

<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong><br />

Bloß keinen Piepser!<br />

Beim <strong>Fotografie</strong>ren von Insekten ist es am besten,<br />

manuell zu fokussieren. Wenn Sie dennoch den<br />

Autofokus verwenden, sollten Sie sicherstellen, dass<br />

sie jegliches Piepsen oder andere Geräusche der<br />

Kamera gleich zu Beginn ausschalten.<br />

Anschleichen Passende Lebensräume, in denen viele Insekten beheimatet sind, können mit ein<br />

3 wenig Internet-Recherche oder durch Anfrage bei einer lokalen Naturschutz-Organisation gefunden<br />

werden. Aber das Aufspüren potenzieller Motive ist der einfachere Teil. Nahe genug an sie<br />

heranzukommen, um sie zu fotografieren, kann sich als viel schwieriger erweisen. Käfer sind sehr<br />

empfindlich, was Bewegung anbelangt, weil sie ständig vermeiden müssen, totgetreten zu werden.<br />

Folglich werden sie sehr schnell fortkrabbeln oder -fliegen, sofern Sie sich ihnen nicht mit größter Vorsicht<br />

nähern. Naturfotografen bezeichnen diesen Prozess der Annäherung an wildlebende Tiere bis auf eine<br />

Distanz, aus der man sie fotografieren kann, als Anschleichen – und zwar heimlich. Wenn Sie ein<br />

passendes Objekt gefunden haben, überlegen Sie, wie Sie sich heranschleichen. Achten Sie auf die<br />

Position der Sonne und bewegen Sie sich langsam näher. Vermeiden Sie dabei schnelle oder abrupte<br />

Bewegungen und achten Sie darauf, wo Ihr Schatten hinfällt. Wenn Ihr Objekt sich auf dem Boden<br />

befindet, gehen Sie vorher auf die Knie und kriechen Sie auf allen Vieren voran. Zugegebenermaßen<br />

werden Sie auf eventuelle Beobachter leicht befremdlich wirken, aber das ist nur ein geringer Preis für ein<br />

großartiges Foto. Wenn Sie nahe genug an Ihrem Objekt sind, bringen Sie die Kamera langsam vor Ihr Auge<br />

und bewegen Sie sich gleichzeitig in die richtige Position um zu fotografieren. Machen Sie jetzt eine<br />

Aufnahme aus einer etwas weiteren Entfernung. So können Sie sicher sein, dass Sie auf jeden Fall ein Foto<br />

in der Tasche haben und geben dem Tierchen Zeit, sich an das Geräusch Ihres Auslösers zu gewöhnen.<br />

Gehen Sie jetzt näher heran, aber schauen Sie weiterhin durch den Sucher und fokussieren Sie dabei neu.<br />

Bauen Sie Ihr Bild auf und schießen Sie. Wenn sich das Insekt bewegt, versuchen Sie, es im Blick zu<br />

behalten. Manche Insekten, zum Beispiel Libellen und manche Schmetterlinge, sind standorttreu und<br />

wenn sie fortfliegen kann es sein, dass sie etwas später wieder an den gleichen Platz zurückkehren. Wenn<br />

Sie also auf Ihrer Position ausharren, kann es gut sein, dass Sie eine zweite Chance erhalten.<br />

Die Kamera parallel<br />

PARALLEL<br />

4 ausrichten Bei dem hohen Maß der<br />

Vergrößerung, das für das <strong>Fotografie</strong>ren von<br />

Insekten erforderlich ist, wird die Tiefenschärfe<br />

zunehmend flacher. Oftmals ist es nicht<br />

ratsam, auf eine kleine Blende wie f/16 oder<br />

f/22 abzublenden, weil die Verschlusszeit zu<br />

lange sein wird. Außerdem werden Details im<br />

Hintergrund so stärker definiert und können<br />

sich als ablenkend erweisen. Selbst in<br />

Situationen, in denen Sie in der Lage sind, eine<br />

höhere f/Zahl zu verwenden, kann die<br />

Tiefenschärfe sich nur auf ein paar Millimeter<br />

NICHT PARALLEL<br />

erstrecken, was eine gute Technik und<br />

Fokussierung enorm wichtig macht.<br />

Meistens werden Sie Ihr Objekt vom Kopf bis<br />

zur Bauchspitze komplett scharf abbilden<br />

wollen. Aus diesem Grunde sollten Sie für die<br />

maximale Tiefenschärfe für jede beliebige f/<br />

Zahl Ihre Kamera sorgfältig so ausrichten, dass<br />

sich Ihre Sensorebene parallel zu dem Objekt<br />

befindet. Wenn Sie dies nicht beachten, laufen<br />

Sie Gefahr, dass der Körper oder die Flügel des<br />

Insekts sich nicht mehr im Fokus befinden.<br />

Fluginsekten sind<br />

sehr empfindlich für<br />

Bewegungen, weil<br />

sie ständig „in<br />

Lebensgefahr<br />

schweben“.


<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong> Meisterkurs Natur 75<br />

Ohne Blitz<br />

Gewöhnliche Insekten<br />

Im Folgenden nennen wir Ihnen fünf der häufigsten<br />

Insektenarten, die Sie in Nord- und Mitteleuropa<br />

finden und fotografieren können.<br />

Frühe Adonislibelle: Es gibt viele<br />

Libellenarten, aber eine der am weitest<br />

verbreiteten ist die Adonislibelle. Sie ist von Mai<br />

bis August unterwegs und bevorzugt Teiche, Seen,<br />

Flüsse und Sümpfe.<br />

Mit Blitz<br />

Gartenkreuzspinne: Diese Spinnenart<br />

ist von Juli bis zur Herbstmitte in großer Anzahl<br />

in Gärten, Hecken, auf Waldlichtungen und<br />

auf Wiesen zu finden. Ihr Netz besteht aus<br />

sternförmigen und spiralförmigen Fäden.<br />

Gedämpftes Blitzlicht<br />

Admiral: Eine unserer am weitesten<br />

verbreiteten Schmetterlingsarten. Man<br />

kann sie sehr leicht in seinen Garten locken,<br />

indem man nektarreiche Pflanzen wie den<br />

Schmetterlingsstrauch anpflanzt. Am häufigsten<br />

ist er im Juli und im August zu sehen.<br />

Die Benutzung von Blitzlicht Ich bin kein großer Fan von Blitzlicht und verlasse mich<br />

5 lieber auf das natürliche Licht. Nichtsdestotrotz gibt es natürlich Zeiten, zu denen das<br />

Umgebungslicht oder reflektiertes Licht nicht ausreichen, und man nicht umhinkommt einen<br />

zusätzlichen Blitz zu verwenden. Für manche Makro-Motive können normale Blitzgeräte verwendet<br />

werden, aber ein Ringblitz oder ein Doppelblitzgerät, das speziell für die Makroarbeit ausgelegt ist, sind<br />

eher geeignet. Ein Ringblitz ist rund und wird vorne auf das Objektiv aufgesetzt. Da er das Objekt aber<br />

gleichmäßig ausleuchtet, kann das Licht flach und langweilig wirken. Ein Doppelblitzgerät ist flexibler. Es<br />

arbeitet nach einem ähnlichen Prinzip, besteht aber aus zwei einzelnen Köpfen, die unabhängig<br />

voneinander verstellt werden können und deren Blitzausstoß für mehr kreative Möglichkeiten variiert<br />

werden kann. Diese Geräte sind jedoch teuer und nur wirkliche Enthusiasten werden die zusätzlichen<br />

Kosten rechtfertigen können und wollen. Eine günstigere Alternative ist die Verwendung des in die<br />

Kamera eingebauten Blitzes. Integrierten Blitzgeräten mangelt es zwar an Flexibilität, aber dafür sind sie<br />

überaus praktisch in der Anwendung. Ihre Position ist zwar vorgegeben und sie können nicht<br />

kameraunabhängig verwendet werden, aber man kann sie ausfahren, wann immer man sie benötigt.<br />

Das ist besonders in Situationen praktisch, in denen man schnell arbeiten muss – wie zum Beispiel beim<br />

<strong>Fotografie</strong>ren von Insekten. Diese Blitzgeräte sind am nützlichsten, um die Schatten ein wenig<br />

aufzuhellen. Achten Sie allerdings darauf, nicht zu nah an Ihr Objekt heranzugehen, weil der Blitz sonst<br />

über Ihr Objekt hinweggeht. Am besten benutzen Sie Ihn bei Wiedergabeverhältnissen unterhalb von 1:2<br />

(halber Lebensgröße). Da der Blitz sich so nah am Objekt befindet, besteht außerdem das Risiko, dass<br />

feine Details und Farben ausgewaschen werden. Versuchen Sie also, das Blitzlicht zu dämpfen. Das<br />

erreichen Sie entweder mit einem Blitzdiffusor oder indem Sie ein Papiertaschentuch oder<br />

Pergamentpapier über den Blitzkopf kleben.<br />

Vierfleck: Diese Libelle weist<br />

unverwechselbare Flecken an der Führungskante<br />

eines jeden Flügelpaares auf. Sie fliegt von Mai bis<br />

August und jagt in Hecken und in der Nähe von<br />

Feuchtgebieten.<br />

Achateule: Eine der weiter verbreiteten<br />

Nachtfalterarten. Sie ist von Mai bis Oktober<br />

unterwegs. Man kann sie an einer rosafarben,<br />

dreieckigen Zeichnung auf den Flügeln sowie<br />

deren gezacktem Innenrand erkennen.


76<br />

Außenaufnahmen<br />

<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong><br />

Farbenfrohe Krabbeltiere<br />

Untersuchen Sie Ihren Garten einmal auf Motive, die Blumen und Insekten<br />

kombinieren. Sie werden überrascht sein, was mit ein wenig Einfallsreichtum<br />

alles möglich ist.<br />

Daniel Lezano: Wenn Sie zu den<br />

Glücklichen gehören, die Zugang zu einem<br />

Garten haben, werden Sie sehr<br />

wahrscheinlich schon ein paar Naturfotos<br />

geschossen haben. Blumen in voller Blüte bieten<br />

eine wunderbare Gelegenheit, faszinierende, farbige<br />

Nahaufnahmen zu machen. Doch haben Sie einmal<br />

daran gedacht Pflanzen und Tiere zusammen ins<br />

Bild zu setzen?<br />

Als ich eines Nachmittags im Garten saß, setzte sich<br />

genau vor mir ein Marienkäfer auf eine Blüte; es war<br />

das perfekte Motiv für ein florales Stillleben.<br />

Nahaufnahmen zu machen ist faszinierend, denn<br />

dabei entdecken und erforschen Sie eine ansonsten<br />

unbeachtete Welt en miniature, die Sie auch noch im<br />

Bild festhalten. Dazu brauchen Sie allerdings eine<br />

Ausrüstung, die Ihnen die Möglichkeit gibt, stark<br />

vergrößerte Bilder kleiner Objekte in geringer<br />

Entfernung von ihrer Kamera aufzunehmen. Ideal zu<br />

diesem Zweck ist ein spezielles Makroobjektiv, dass<br />

eine Reproduktion im Verhältnis von 1:1 – also in<br />

Originalgröße – erlaubt. Ein Makroobjektiv hat eine<br />

sehr kurze Arbeitsdistanz. Verwenden Sie ein Stativ,<br />

damit Sie Ihre Bildkomposition feintunen können<br />

und damit die Kamera in einer einmal festgelegten<br />

Position bleibt. Außerdem ermöglicht erst ein Stativ<br />

die langen Verschlusszeiten, die bei schlechten<br />

Lichtverhältnissen nötig werden. Ein kleiner silberner<br />

oder weißer Reflektor ist zum Aufhellen von Schatten<br />

hilfreich, jedoch nicht unbedingt notwendig.<br />

Mit viel Glück finden Sie einen Marienkäfer in<br />

perfekter Position auf einer Blüte vor einem idealen<br />

Hintergrund. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass Sie<br />

eine passende Blume vor einem annehmbaren<br />

Hintergrund finden und sie den Marienkäfer selbst<br />

auf die Blüte setzen müssen. Marienkäfer halten sich<br />

nicht lange an einem Ort auf. Sie müssen deswegen<br />

ihre Ausrüstung schussbereit haben, bevor Sie ihn<br />

auf die Blüte setzen. Spätestens jetzt wird Ihnen klar<br />

werden, warum ein Stativ so wichtig ist: Sie können<br />

vorab die Kamera beliebig positionieren, alle nötigen<br />

Einstellungen vornehmen und nachdem Sie den<br />

Käfer auf die Blüte gesetzt haben, so schnell und so<br />

oft wie möglich auslösen. Sollte der Marienkäfer aus<br />

dem für Ihr Bild idealen Bereich heraus krabbeln,<br />

setzen Sie ihn wieder auf die gewünschte Position<br />

zurück. Das ist sehr viel einfacher, als die Kamera<br />

neu auszurichten. Bei Nahaufnahmen ist die<br />

Schärfentiefe sehr begrenzt, selbst bei hohen<br />

Blendenwerten. Achten Sie also darauf, dass Sie<br />

akkurat scharfstellen. Benutzen Sie den<br />

Einzelpunkt-Autofokus, denn damit können Sie<br />

präzise steuern, worauf das Objektiv scharfstellt. Bei<br />

den meisten Kameras ist der zentrale<br />

Scharfstellpunkt der empfindlichste, doch Sie<br />

können jeden beliebigen Scharfstellpunkt<br />

auswählen, der den Bereich der Pflanze abdeckt, der<br />

die größte Bildschärfe aufweisen soll. Wenn ihre<br />

Kamera die Möglichkeit bietet, eine kleine Gruppe<br />

von Scharfstellpunkten auszuwählen, sollten Sie dies<br />

tun, um die Genauigkeit zu erhöhen. Beginnen Sie<br />

mit einer Blende zwischen f/5.6 und f/8 und stellen<br />

Sie anschließend verschiedene kleinere und größere<br />

Blendenwerte ein, um Bilder mit etwas schärferem<br />

und unschärferem Hintergrund zu erzeugen.<br />

Variieren Sie auch den Winkel der Kamera etwas und<br />

beobachten Sie, wie sich das auf die Darstellung<br />

Ihres Motivs auswirkt. Vielleicht finden Sie einen<br />

Schusswinkel, der eine bessere Perspektive oder<br />

einen besseren Hintergrund bietet.<br />

Genaustens scharfstellen<br />

Autofokussysteme sind für Alltagssituationen<br />

hervorragend geeignet. Im Makrobereich sieht das<br />

leider etwas anders aus, deswegen müssen Sie unter<br />

Umständen von Hand scharfstellen. Die AF-Funktion<br />

lässt sich optimieren, wenn Sie nur einen einzigen<br />

Scharfstellpunkt verwenden, der genau auf dem<br />

gewünschten Teil des Motivs liegt. Ändern Sie den<br />

Scharfstellpunkt, wenn sich Ihr Motiv bewegt.<br />

Wenn ihre Kamera die Auswahl mehrerer<br />

benachbarter Scharfstellpunkte erlaubt, nutzen Sie<br />

diese Funktion, denn sie ist für diese Motive ideal.<br />

Im Übrigen sollten Sie mit der Serienbildfunktion<br />

arbeiten, denn eine Bildsequenz erhöht die Chance<br />

auf mindestens ein gelungenes Foto erheblich.<br />

Vorbereitung Positionieren Sie die auf dem<br />

1 Stativ montierte Kamera so, dass die Blume an der<br />

gewünschten Position im Sucherbild zu sehen ist. Sorgen<br />

Sie für ausreichende Beleuchtung. Machen Sie eine<br />

Testaufnahme, um sicherzustellen, dass die Schärfe<br />

richtig eingestellt ist.<br />

Der Hauptdarsteller Setzen Sie nun den<br />

2 Marienkäfer auf die Blume und lösen Sie sofort eine<br />

Bildsequenz aus, ganz gleich ob er nun sitzen bleibt oder<br />

zu krabbeln beginnt. Auf diese Weise haben Sie ihn<br />

wenigstens auf einigen Fotos scharf im Bild, bevor er aus<br />

dem Schärfebereich auswandern kann.<br />

Kleine Korrekturen Überprüfen Sie die ersten<br />

3 Aufnahmen, und nehmen Sie eventuell erforderliche<br />

kleine Änderungen ihres Setups vor. Ich habe in diesem<br />

Beispiel die Kamera etwas zu Seite geneigt, damit der<br />

Stängel der Pflanze angewinkelt war; das verbesserte in<br />

diesem Fall die Bildkomposition.<br />

Finetuning Scheuen Sie nicht vor weiteren<br />

4 Veränderungen zurück. Mir gefiel beispielsweise der<br />

Kamerastandpunkt, doch ich nahm die Kamera trotzdem<br />

etwas zurück, damit der Hintergrund mehr Kontrast erhielt.<br />

Außerdem experimentierte ich mit der Blendeneinstellung.<br />

Diese Aufnahme wurde mit Blende f/10 gemacht, wodurch<br />

die Details des Hintergrunds etwas klarer hervortreten.


Das fertige Bild<br />

Weitere kleine Korrekturen<br />

führten zu diesem Ergebnis, mit<br />

der Blume und dem Marienkäfer<br />

vor einem freundlich wirkenden,<br />

äußerst weich gezeichneten<br />

Hintergrund. Nicht schlecht für 5<br />

Minuten „Gartenarbeit“…


78<br />

Außenaufnahmen<br />

<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong>


<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong> Außenaufnahmen 79<br />

Netzwerke der Natur<br />

Entdecken Sie die Ästhetik der Konstruktionen ganz besonderer Baumeister der Natur.<br />

Erst Nahaufnahmen machen die filigranen Details von Spinnennetzen sichtbar.<br />

Ross Hoddinott: Zweifellos eignet sich das Internet sehr gut zur Ideenfindung. Doch hier wollen wir dieses<br />

Netz einmal beiseite lassen, und uns mit physisch greifbaren Netzen befassen: Spinnennetze – die haben<br />

nämlich den Vorteil, dass man Sie fotografieren kann; das „greifbar“ sollten Sie dabei allerdings nicht zu wörtlich<br />

nehmen, denn Sie sind empfindlich. Spinnen produzieren sehr wirkungsvolle Netze, um ihre Beute zu fangen.<br />

Darüber hinaus haben die filigranen, oft symmetrischen Konstruktionen eine ganz eigene Ästhetik, die jedoch erst durch die<br />

Vergrößerung eines Makrofotos wahrnehmbar wird.<br />

Wenn Sie also ein geeignetes Zoomobjektiv, einen Nahfilter, Zwischenringe oder – am besten natürlich – ein spezielles<br />

Makroobjektiv benutzen, werden Sie verblüffende, großformatige Fotos nach Hause bringen.<br />

Spinnen leben praktisch überall, es dürfte also nicht allzu schwer fallen, ein Spinnennetz zu finden, das die zum<br />

<strong>Fotografie</strong>ren notwendige Voraussetzung erfüllt: es muss einigermaßen frei zugänglich sein. Sie sind am einfachsten zu<br />

finden, wenn Sie vom Morgentau bedeckt sind, denn die kondensierten Wassertropfen machen sie dann oft mehrere Meter<br />

weit sichtbar. Außerdem sind sie dann am fotogensten. Der frühe Morgen ist also die beste Zeit, sie aufzuspüren. Im Herbst<br />

und im Winter finden sich vereinzelt nach einer frostigen Nacht sogar gefrorene Spinnennetze, die besonders schön<br />

aussehen und bei geringer Schärfentiefe präzise scharfgestellt, abstrakte, künstlerische Bilder ergeben.


80<br />

Außenaufnahmen<br />

<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong><br />

Nicht berühren!<br />

Achten Sie darauf, das Netz nicht zu<br />

zerstören. Das passiert schneller als man<br />

denkt, beispielsweise durch unvorsichtiges<br />

Hantieren mit dem Stativ.<br />

Das fertige Bild<br />

Ein schwarzer Hintergrund<br />

bringt das Glitzern der<br />

Wassertropfen deutlich hervor.<br />

Testfoto Ich musste nicht lange suchen, bevor ich ein vom Morgentau bedecktes<br />

1 Spinnennetz fand. Schnell machte ich meine Bildkomposition, die das gesamte Netz<br />

einschloss. Ich stellte Blende f/8 ein, hoffend, ausreichend Schärfentiefe zu erhalten, um<br />

das gesamte Netz scharf zu bekommen, ohne zu viele störende Hintergrunddetails<br />

aufzunehmen. Doch beim ersten Versuch hob sich das Netz nicht ausreichend gegen den<br />

hellen Hintergrund ab.<br />

Notwendiges<br />

Zubehör<br />

Reflektor:<br />

Ein kompakter,<br />

faltbarer Reflektor<br />

gehört zur<br />

Grundausstattung<br />

in der <strong>Makrofotografie</strong>. Er<br />

wirft natürliches Licht auf unsere<br />

Mini-Motive und befreit die Fotos<br />

von hässlichen Schatten. Darüber<br />

hinaus erzeugt ein Reflektor eine<br />

natürlichere Beleuchtung als jeder<br />

noch so weich eingestellte Blitz.<br />

Die Rückseite eines Reflektors<br />

können Sie als Hintergrund<br />

zweckentfremden, wenn der<br />

natürliche Hintergrund zu<br />

chaotisch wirkt. In manchen<br />

Situationen können Sie sogar die<br />

reflektierende Seite des Reflektors<br />

benutzen, zum Beispiel dann,<br />

wenn Sie eine High-Key-Aufnahme<br />

erzeugen wollen.<br />

Blickwinkel ändern Erfolg und Misserfolg einer Aufnahme stehen und<br />

2 fallen oft mit dem Hintergrund des Motivs. Durch einfaches Ändern des<br />

Kamerastandpunkts, des Blickwinkels, der Brennweite oder der Blende können Sie<br />

sowohl Farbe als auch Erscheinung des Hintergrunds variieren. Ich habe in diesem<br />

Beispiel den Kamerastandpunkt durch vollständiges Ausziehen der Stativbeine<br />

erhöht, um den weißen Himmel aus dem Bildausschnitt heraus zu halten. Ein<br />

Grasstreifen sorgt nun für einen attraktiven, grünen Hintergrund.<br />

Weit offene Blende Ich wollte ein künstlerisch anmutendes Aussehen<br />

3 erzielen, deswegen stellte ich eine große Blende von f/4 ein und richtete das<br />

Objektiv in einem flachen Winkel auf das Netz. Dadurch wird nur ein bestimmter<br />

Bereich scharf abgebildet. Das Scharfstellen muss äußerst präzise erfolgen, wenn Sie<br />

mit einer derart geringen Schärfentiefe arbeiten. Deswegen überprüfte ich das Bild auf<br />

dem LCD Monitor auf punktgenaue Schärfe – und siehe da, die Schärfe ließ sich noch<br />

verbessern.


<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong> Außenaufnahmen 81<br />

Exakt Scharfstellen Ich versuchte es noch einmal. Ein so geringer<br />

4 Schärfentiefebereich, wie er bei dieser starken Vergrößerung entsteht, erlaubt<br />

dem Fotografen, das Auge des Betrachters exakt auf einen ganz bestimmten<br />

Schärfepunkt zu lenken. Falls Ihre Kamera eine <strong>Vorschau</strong>funktion hat, können Sie<br />

damit die Verteilung der Schärfentiefe auf dem Foto überprüfen. Diesmal ließ ich mir<br />

noch mehr Zeit zum Scharfstellen und benutzte einen Fernauslöser, um jede<br />

Bewegung der Kamera auszuschließen.<br />

Hintergrund ändern Obwohl die vorherige Aufnahme gelungen war,<br />

5 schien mir ein schwarzen Hintergrund für dieses Motiv geeigneter. Der Kontrast zu<br />

den glitzernden Wassertropfen würde sich erhöhen. So hielt ich die Rückseite eines<br />

Reflektors etwa 40 cm hinter das Spinnennetz und löste die Aufnahme mit dem<br />

Selbstauslöser der Kamera aus. Wenn Sie ein farbenfroheres Bild bevorzugen – ihrer<br />

Experimentierfreude sind keine Grenzen gesetzt – probieren Sie es mit farbigem<br />

Karton.


82<br />

Meisterkurs Natur<br />

<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong><br />

Schmetterlingsjagd<br />

Gelungene Fotos von Schmetterlingen bekommen Sie nicht durch<br />

Draufhalten und Abdrücken. Hier erfahren Sie Tipps und Tricks, die Sie<br />

zum erfolgreichen Schmetterlingssammler machen<br />

Ross Hoddinott: Die schon längeren und wärmeren Tage des Frühlings kündigen<br />

das baldige Auftauchen der wohl schönsten Insektenarten an. Die Luft ist bereits erfüllt<br />

vom Summen der Bienen und Hummeln, und es zeigen sich Marienkäfer.<br />

Von allen Insekten sind Schmetterlinge wohl fraglos die Schönsten. Dank ihrer<br />

farbenfrohen Erscheinung und ihres tanzenden Fluges werden sie als sicheres Zeichen bewertet,<br />

dass nun der Sommer vor der Tür steht. Wenn Sie schon einmal versucht haben, einen<br />

Schmetterling zu fotografieren, dann wissen Sie, dass dies eine komplizierte Angelegenheit sein<br />

kann, die viel Geduld erfordert. Die Tiere haben einen ausgeprägten Fluchtreflex, der in neun von<br />

zehn Fällen dazu führt, dass sie ungefähr eine Zehntelsekunde, bevor Sie abdrücken wollen, das<br />

Weite suchen. Selbst die größten bei uns heimischen Arten haben eine Flügelspannweite von<br />

maximal etwa 70 mm, was deutlich macht, dass für eine formatfüllende Abbildung der Tiere eine<br />

starke Vergrößerung notwendig ist. Natürlich ist ein Makroobjektiv hier die beste Wahl, insbesondere<br />

dann, wenn es eine Brennweite von mehr als 90 mm hat, denn die liefert nicht nur die erforderliche<br />

Vergrößerung, sondern auch eine komfortable Arbeitsdistanz.


<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong> Meisterkurs Natur 83


84<br />

Meisterkurs Natur<br />

Doch Makroobjektive sind eine kostspielige Angelegenheit.<br />

Für Einsteiger in die <strong>Makrofotografie</strong> sind deswegen Nahfilter<br />

oder Zwischenringe als preiswertere Lösungen anzuraten.<br />

Deren großer Nachteil besteht leider darin, dass Sie viel<br />

näher an Ihr Objekt herangehen müssen, als mit einem<br />

Makroobjektiv, wodurch das Risiko, die Tiere zu<br />

verscheuchen, stark ansteigt. Diesen Nachteil können Sie<br />

aber durch eigene Transpiration ausgleichen, was nicht nur<br />

Ihrer umfangreicher werdenden Erfahrung, sondern auch<br />

Ihrer Gesundheit zugute kommt.<br />

Bevor Sie aber die Kamera überhaupt auspacken, wollen<br />

Schmetterlinge erst einmal gefunden werden und das ist<br />

angesichts der Tatsache, dass ihre Zahl seit Jahren<br />

dramatisch zurückgeht, oft einfacher gesagt als getan. Wenn<br />

Sie in der Großstadt leben, werden Sie wohl etliche<br />

Kilometer fahren müssen, bevor Sie eine passende<br />

Umgebung finden. Die einzelnen Schmetterlingsarten<br />

bevorzugen ganz unterschiedliche Habitate und<br />

Futterpflanzen – von Acker- und Weideland über Heide- und<br />

Moorgebiete bis zu durch Lichtungen aufgelockerte Wälder.<br />

Je nachdem, wo Sie wohnen, sollten Sie deshalb ein wenig<br />

recherchieren. Finden Sie soviel wie möglich über die<br />

heimischen Arten heraus, wo sie zu finden sind und vor<br />

allem wann. Suchen Sie im Internet nach lokalen<br />

Naturschutzgebieten.<br />

Am ehesten spüren Sie Schmetterlinge in den wärmeren<br />

Stunden des Tages auf, wenn sie am aktivsten sind. Doch Sie<br />

werden schnell feststellen, dass sie sich nur sehr kurz<br />

niederlassen und Ihnen kaum gestatten, sich auf Fotodistanz<br />

zu nähern. Immerhin haben sie nun ein Gebiet gefunden, in<br />

die Tiere leben. Kommen Sie an einem anderen Tag<br />

frühmorgens wieder, wenn die sie noch nicht aktiv sind,<br />

sondern noch im hohen Gras, auf Büschen oder im<br />

Unterholz ruhen. Stille Tage sind am besten geeignet, da<br />

schon der leiseste Windhauch die Flügel eines<br />

Schmetterlings bewegt und das <strong>Fotografie</strong>ren erschwert.<br />

Nähern Sie sich vorsichtig und passen Sie dabei auf, wo Sie<br />

hintreten.<br />

Haben Sie ein Exemplar gefunden, bewegen Sie sich<br />

vorsichtig in Position. Vermeiden Sie es, die umgebende<br />

Vegetation zu berühren, oder gar einen Schatten auf das<br />

Insekt zu werfen, denn das löst zuverlässig seinen<br />

Fluchtreflex aus. An einem kühlen Morgen, wenn es für<br />

Schmetterlinge zum Fliegen noch zu kühl ist, können Sie<br />

vielleicht sogar ein Stativ verwenden. Dann haben Sie den<br />

großen Vorteil, punktgenau scharfstellen und eine vorab<br />

geplante Bildkomposition machen zu können. Falls Sie aus<br />

der Hand schießen, schalten Sie den Bildstabilisator ein oder<br />

benutzen Sie eine Verschlusszeit jenseits von 1/200<br />

Sekunde, um Kamerabewegungen auszugleichen. Bevor Sie<br />

auf den Auslöser drücken, überprüfen Sie den Hintergrund<br />

auf ablenkende Elemente. Falls nötig, passen Sie den<br />

Kamerastandpunkt entsprechend an, damit nichts das Auge<br />

des Betrachters vom eigentlichen Motiv ablenkt. Ist das nicht<br />

möglich, benutzen Sie eine größere Blende, um<br />

Makrozubehör<br />

Sie können Ihr Standardobjektiv schnell und<br />

preiswert um Makro-Fähigkeiten erweitern,<br />

indem Sie entweder auf Zwischenringe oder<br />

Nahfilter zurückgreifen.<br />

Automatische<br />

Zwischenringe<br />

Zwischenringe werden<br />

zwischen Kameragehäuse<br />

und Objektiv montiert, um die<br />

minimale Arbeitsentfernung zu<br />

verkürzen, ohne dass dadurch<br />

die Bildqualität leiden würde.<br />

Allerdings tritt ein geringer<br />

Verlust der auf den Kamerasensor treffenden<br />

Lichtmenge auf. Automatische Zwischenringe sind<br />

leicht und kompakt, und Sie unterstützen sämtliche<br />

automatischen Kamerafunktionen. Die üblichen<br />

Längen von Zwischenringen betragen 12 mm, 20<br />

mm und 36 mm – je länger der Zwischenring, umso<br />

stärker ist der Vergrößerungsfaktor. Detailliertere<br />

Informationen zu automatischen Zwischenringen<br />

finden Sie auf Seite 50.<br />

Nahfilter<br />

Ein Nahfilter wird in das<br />

Filtergewinde des Objektivs<br />

geschraubt und wirkt wie eine<br />

Lupe. Nahfilter sind preiswert,<br />

leicht und es gibt sie für alle<br />

gängigen Filtergewinde. Sie sind in unterschiedlichen<br />

Stärken erhältlich, üblicherweise in den Stärken<br />

+1, +2, +3 und +4 Dioptrien – je größer die<br />

Ziffer, umso größer der Vergrößerungsfaktor. Sie<br />

beeinträchtigen die Kamerafunktionen nicht,<br />

doch die Randschärfe der Abbildung kann leiden,<br />

außerdem sind Nahfilter anfällig für sphärische und<br />

chromatische Verzerrungen. Um die Bildqualität zu<br />

maximieren, sollten Sie keine kleinere Blende als f/8<br />

verwenden. Detaillierte Informationen zu Nahfiltern<br />

finden Sie auf Seite 48.<br />

unerwünschte Hintergrunddetails unscharf werden zu<br />

lassen. Denken Sie daran, dass der Schärfentiefebereich bei<br />

starker Vergrößerung nur sehr klein ist. Um ihn am besten zu<br />

nutzen, halten Sie die Bildebene – sprich: das<br />

Kameragehäuse – möglichst parallel zur den Flügelflächen<br />

der Tiere.<br />

Schmetterlinge zu fotografieren, kann ein diffiziles und<br />

frustrierendes Geschäft sein. Rechnen Sie auf jeden Fall<br />

damit, auf allen Vieren durch nasses Unterholz oder Gras<br />

kriechen zu müssen, und Sie sollten auch darauf vorbereitet<br />

sein, jede Menge Chancen zu verpassen. Doch bei guter<br />

Vorbereitung und genügend Hartnäckigkeit kommen auch<br />

Sie zwangsläufig zum ersten Erfolgserlebnis und mit<br />

zunehmender Erfahrung zu perfekten Fotos dieser<br />

wunderbaren Tiere.<br />

Das fertige Bild<br />

Große Blende + Stativ + Reflektor =<br />

wunderschön scharfes Foto eines<br />

Schmetterlings bei kurzer<br />

Schärfentiefe.<br />

Schmetterlinge finden Wenn Sie Schmetterlinge finden wollen,<br />

1 müssen Sie zuerst einmal wissen, wo, wann und wonach sie suchen müssen. In<br />

meiner unmittelbaren Nachbarschaft beispielsweise befinden sich große Flächen<br />

voller Wiesenschaumkraut – die Futterpflanze einer ganz bestimmten<br />

Schmetterlingsart. Ich stellte meinen Wecker auf Tagesanbruch, und nach kurzem<br />

Suchen fand ich einen Schmetterling, der an einer der Blüten hing.<br />

In Position gehen Ich schlich mich langsam an, wobei ich darauf<br />

2 achtete, die umgebende Vegetation möglichst nicht zu berühren. Ein niedriger<br />

Kamerastandpunkt liefert meistens die am natürlichsten aussehenden Naturfotos,<br />

deswegen kroch ich auf dem Bauch und stützte mich mit den Ellbogen ab. Ich<br />

wählte Blende f/16, um möglichst viel Schärfentiefe zu bekommen. Das gelang<br />

auch, doch leider ist nun zu viel ablenkender Hintergrund zu sehen.


Hintergrund verwischen Damit sich der Schmetterling besser vom<br />

3 Rest der Szene abhob, stellte ich Blende f/5.6 ein, wodurch auch der<br />

Hintergrund stark verwischt werden würde. Doch den Nachteil bekam sogleich zu<br />

spüren, denn ich musste sehr präzise scharfstellen, weil der Schärfentiefebereich<br />

nun extrem klein geworden war. Damit das Scharfstellen leichter fiel, baute ich<br />

vorsichtig mein Stativ auf und benutzte den LiveView der Kamera.<br />

4<br />

Beleuchtung Jetzt war das Ergebnis schon viel besser, doch die Flügel wurden<br />

teilweise durch Schatten überdeckt. Um die Schatten loszuwerden, benutzte ich<br />

einen kleinen Reflektor, der zusätzliches Licht auf den Schmetterling warf, wodurch die<br />

schönen Details an der Unterseite des Flügels sichtbar wurden. In einer Situation wie<br />

dieser, wenn Sie ein bewegungsloses Objekt fotografieren, ist ein Reflektor besser zum<br />

Aufhellen geeignet als ein Blitz, und das Foto sieht natürlicher aus.


<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong><br />

Abonnement<br />

4 Ausgaben für<br />

25,-€!<br />

8 Ausgaben für<br />

45,-€!<br />

Alle Ausgaben sind auch zu<br />

bestellen unter<br />

www.digitale-fotografie-magazin.de/shop<br />

<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong>-Magazine


<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong> Innenaufnahmen 87<br />

INNEN-<br />

AUFNAHMEN<br />

REGENWETTER? MACHT NICHTS! ES GIBT GENUG KREATIVE TECHNIKEN FÜR<br />

INNENAUFNAHMEN, UM SICH ZU BESCHÄFTIGEN<br />

LICHT-<br />

BRECHUNGEN<br />

DIE<br />

PERFEKTE ROSE<br />

CROSS-<br />

POLARISATION


88<br />

Innenaufnahmen<br />

<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong><br />

Spritzige Früchte<br />

Beschwören Sie den Sommer mit diesem kleinen Action-Projekt…<br />

Jordan Butters: Idealerweise<br />

schießen Sie das hier beschriebene<br />

Projekt draußen bei sommerlicher<br />

Sonne. Doch auch wenn das Wetter<br />

nicht mitspielt, können Sie es mithilfe eines<br />

Blitzgeräts und einem farbigen Hintergrund in<br />

der heimischen Küche bewerkstelligen.<br />

Variationen des Motivs<br />

Probieren Sie verschiedenfarbige Hintergründe aus<br />

und experimentieren Sie mit anderen, unterschiedlich<br />

großen Früchten.<br />

Sahneguß<br />

Setup<br />

Sie brauchen einen Platz, frei von Objekten,<br />

die nicht mit Flüssigkeit in Berührung<br />

kommen dürfen. Legen Sie genügend<br />

Papierhandtücher aus, und verwenden Sie<br />

ein Tablett oder einen großen Teller, um die<br />

Milch unter dem Löffel aufzufangen.<br />

Der Löffel muss sicher fixiert sein, damit er<br />

nicht aus dem Schärfebereich gerät, wenn<br />

die Erdbeere darauf fällt. Meine Konstruktion,<br />

dies zu erreichen, bestand aus zwei<br />

Küchenstühlen und einer Auswahl von<br />

Kochbüchern mit einer Brottrommel<br />

obendrauf, um den Löffel zu beschweren und<br />

in Position zu halten. Montieren Sie die<br />

Kamera auf ein Stativ, legen Sie die Erdbeere<br />

in den Löffel und benutzen den LiveView der<br />

Kamera zum manuellen Scharfstellen auf die<br />

Erdbeere. Als Hintergrund ist jede<br />

farbenfrohe Oberfläche geeignet, die Sie etwa<br />

1 m von Löffel und Blitzgerät entfernt<br />

anbringen.<br />

Belichtung<br />

Schalten Sie die Kamera in die manuelle<br />

Betriebsart und wählen Sie die kürzeste<br />

Blitzsynchronisationszeit, je nach Kamera<br />

üblicherweise 1/160 oder 1/200 Sekunde.<br />

Stellen Sie ISO 100 ein und schließen Sie das<br />

Blitzgerät an die Kamera an, entweder per<br />

Kabel oder drahtlosem Auslöser. Schalten Sie<br />

auch das Blitzgerät auf manuelle Betriebsart,<br />

wählen Sie die halbe Leistung und<br />

positionieren Sie es etwas oberhalb und<br />

seitlich der Kamera, so dass es auf den Löffel<br />

gerichtet ist. Wählen Sie eine mittlere Blende,<br />

damit einerseits genug Spritzer scharf zu<br />

erkennen sein werden, andererseits der<br />

Hintergrund aber weichgezeichnet wird. In<br />

meinem Fall erwies sich eine Blende von f/7.1<br />

als geeignet. Machen Sie ein Testfoto mit der<br />

sich auf dem Löffel befindlichen Erdbeere. Ist<br />

das Foto unterbelichtet, öffnen Sie die Blende<br />

ein wenig oder stellen das Blitzgerät etwas<br />

näher an den Löffel heran. Ist es überbelichtet,<br />

blenden Sie ein wenig ab oder ziehen das<br />

Blitzgerät etwas zurück. Um einen<br />

Helligkeitsverlauf auf dem Hintergrund zu<br />

erzeugen, positionierte ich einen Reflektor<br />

entsprechend, der das Blitzlicht zurückwerfen<br />

würde.<br />

Anderer Hintergrund<br />

Bildkomposition: Um den Löffel herum sollte<br />

genug Platz vorhanden sein, damit möglichst viele<br />

Spritzer zu sehen sind. Je größer die Fallhöhe der<br />

Frucht, umso mehr wird es spritzen. Es kommt nicht<br />

darauf an, ob sich ein paar Tropfen außerhalb des<br />

Bildausschnitts befinden, wenn Sie genau im richtigen<br />

Moment auslösen.<br />

Flüssigkeit: Flüssigkeiten mit unterschiedlichen<br />

Viskositäten ergeben unterschiedliche Spritzeffekte.<br />

Süße Sahne beispielsweise war zu dick und bildete<br />

keine Tropfen, während H-Milch zu transparent war. Ich<br />

fand heraus, dass Vollmilch genau die richtige<br />

Konsistenz hatte, für den Effekt, der mir vorschwebte.<br />

Objektivschutz: Je nachdem, welche<br />

Brennweite Sie benutzen, kann sich das Objektiv der<br />

Kamera im „Gefahrenbereich“ befinden. Schrauben Sie<br />

z. B. einen UV-Filter auf, um die Frontlinse zu schützen.<br />

Ich musste nach fast jeder Aufnahme den Filter von<br />

Milchspritzern reinigen, die sonst meine nächste<br />

Aufnahme verdorben hätten.


Das fertige Bild<br />

Das Bild bedurfte nur einer<br />

geringen Verstärkung des<br />

Kontrasts in Photoshop, um die<br />

gewünschte Ausdruckskraft zu<br />

erreichen.


90<br />

Innenaufnahmen<br />

<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong>


<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong> Innenaufnahmen 91<br />

Cross-Polarisierung<br />

Mit zweckentfremdeten Polfiltern lassen sich<br />

verblüffende Motive erzeugen.<br />

Daniel Lezano: Cross-Polarisierung ist eine großartige<br />

Aufnahmetechnik, und dazu kinderleicht. Die Grundidee besteht<br />

darin, Objekte aus Plastik zwischen zwei Polfiltern zu platzieren,<br />

wodurch strukturelle Druckunterschiede des Materials als<br />

Kaleidoskop bunter Farben sichtbar werden. So entstehen außergewöhnliche<br />

Bilder alltäglicher Objekte – in diesem Fall transparente Plastikbestecke, die<br />

für ein paar Cent im Supermarkt erhältlich sind. Sie müssen in einem<br />

dunklen Raum fotografieren. Ein Studio ist nicht notwendig, Ihr eigenes<br />

Wohnzimmer nach Feierabend tut es auch.


92<br />

Innenaufnahmen<br />

<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong><br />

Benötigte Ausrüstung<br />

Damit ich nah an meine Objekte herangehen<br />

konnte, habe ich ein Makroobjektiv benutzt.<br />

Ein Standard-Zoomobjektiv ist aber auch<br />

möglich. Dazu brauchen Sie ein Stativ,<br />

da die Belichtungszeit einige Sekunden<br />

betragen wird. Auch ein Fernauslöser ist<br />

nützlich; ich habe hier den Selbstauslöser<br />

der Kamera benutzt, in Verbindung<br />

mit der Spiegelverriegelung, um das<br />

Verwacklungsrisiko zu minimieren. Ein<br />

Leuchtkasten liefert das benötigte Licht –<br />

und natürlich brauchen Sie die erwähnten<br />

2 Polfilter.<br />

Auch ein Reinigungstuch oder Luftpinsel<br />

sollte zur Hand sein, denn wir reden hier von<br />

sehr starken Vergrößerungen, bei denen auch<br />

das kleinste Staubkorn auf einer Oberfläche<br />

sichtbar wird. Nutzen Sie die Zeitautomatik<br />

mit Blende f/8 als Ausgangspunkt. Wenn<br />

Sie die Schärfentiefe variieren wollen,<br />

können Sie diesen Wert natürlich verändern.<br />

Als Belichtungsmessmethode sollte<br />

Mehrfeldmessung eingestellt sein. Bei Bedarf<br />

schalten Sie etwas Belichtungskorrektur zu.<br />

LiveView ist sehr hilfreich<br />

Benutzen Sie LiveView, um die Objekte auf<br />

dem Leuchtkasten auszurichten. So ist die<br />

Änderung der Bildkomposition viel einfacher<br />

als wenn Sie durch den Sucher schauen<br />

müssten.<br />

Aufnahmetechnik<br />

Wahl des Objekts Die Cross-Polarisierung zeigt existierende Zug- und<br />

1Druckkräfte im Plastikmaterial als Farbunterschiede, Farben spielen also die<br />

entscheidende Rolle bei dieser Art Fotos. Doch auch die Form der Objekte ist wichtig,<br />

denn sie kann die Attraktivität der Farbenspiele verstärken. Objekte mit<br />

charakteristischem Umriss sind sehr gut geeignet. Ich hatte für dieses kleine Projekt ein<br />

transparentes Plastikbesteck ausgesucht.<br />

Cross-Polarisierung<br />

Bei dieser Aufnahmetechnik platzieren Sie<br />

ein Plastikobjekt zwischen zwei Polfiltern.<br />

Das geht am einfachsten, wenn Sie einen<br />

der Filter auf das Objektiv schrauben und<br />

den anderen auf den Leuchtkasten legen.<br />

Die Plastikobjekte werden unter den Filter<br />

auf dem Leuchtkasten gelegt.<br />

Bei diesem kann es sich ebenfalls um<br />

einen Schraubfilter handeln – eine bessere<br />

Alternative besteht jedoch darin, einen<br />

Bogen Polarisationsfolie zu verwenden,<br />

denn damit lässt sich die gesamte<br />

Oberfläche des Leuchtkastens nutzen.<br />

Unter www.3dlens.com können Sie eine<br />

Polarisationsfolie der Größe DIN A4 für ca.<br />

10,- USD plus Versandkosten bestellen.<br />

Mit etwas Glück können Sie auch beim<br />

örtlichen Wertstoffhof einen defekten<br />

Flachbildschirm finden. Diese Bildschirme<br />

enthalten eine Polarisationsfolie, die Sie<br />

verwenden können.<br />

Änderungen des Setups Es hat sich bewährt, eine Liste von<br />

2unterschiedlichen Setups zu notieren bevor Sie beginnen. Wenn Sie einmal<br />

angefangen haben, werden Sie die Positionen der Objekte ständig ändern, mit dem<br />

Objektiv ein- und auszoomen und die Höhe der Kameraposition variieren. Dabei ist<br />

eine Liste mit den wichtigsten Punkten unterschiedlicher Bildkompositionen hilfreich.<br />

Drehen des Polfilters Wenn Sie mit dem grundsätzlichen Setup zufrieden<br />

3sind, sehen Sie sich den Bildausschnitt an und drehen den Ring des Polfilters an<br />

der Kamera. Wie von magischer Hand wird sich die Farbe des Hintergrunds von Weiß<br />

zu Schwarz ändern, und die Plastikobjekte nehmen unterschiedliche Verfärbungen an.<br />

Hören Sie auf zu drehen, wenn der Hintergrund pechschwarz ist und die intensivsten<br />

Farben erscheinen, und beginnen Sie zu fotografieren.


<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong> Innenaufnahmen 93<br />

Das fertige Bild<br />

Das Bild auf der vorherigen Doppelseite gefiel<br />

mir am besten, doch dieses kommt ihm sehr<br />

nahe. Die gesamte Session, einschließlich<br />

Setup, dauerte nur 30 Minuten. In dieser Zeit<br />

gelangen mehrere Bilder, die mir gut gefallen.<br />

Versuchen Sie es selbst; ich bin sicher, Sie<br />

haben ebenso viel Erfolg.<br />

Unterschiedliche Bildkompositionen Als ich meine Liste<br />

4unterschiedlicher Bildkompositionen durchging, konzentrierte ich mich mehr<br />

und mehr auf Messer und Gabel als Motiv, denn deren Formen sind sehr<br />

charakteristisch und fotogener als die des Würfels. Ich fotografierte aus einer<br />

Kameraposition senkrecht über dem Leuchtkasten sowie aus verschiedenen Winkeln,<br />

für die ich die Mittelsäule des Stativs herunterfuhr. Ich experimentierte auch mit<br />

Blendenöffnungen, um die Tiefenschärfe zu ändern und die Effekte zu variieren.<br />

Reinigen „im laufenden Betrieb Trotzdem ich das Besteck gründlich<br />

5gesäubert hatte, war es unmöglich zu verhindern, dass sich Staub aus der Luft<br />

darauf absetzte. Deswegen lohnt es sich, das Besteck alle 2 oder 3 Minuten erneut<br />

abzuwischen – das ist immer noch einfacher, als störende Partikel später in Photoshop<br />

entfernen zu müssen.


94<br />

Innenaufnahmen<br />

<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong>


<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong> Innenaufnahmen 95<br />

Das Bild der Rose<br />

Nahaufnahmen von Blumen erfordern ein Auge fürs Detail, um deren<br />

ganze Schönheit einzufangen. Folgen Sie den hier beschriebenen<br />

Schritten zu einem prächtigen floralen Stillleben.<br />

Daniel Lezano: Falls Sie sich fotografisch bis jetzt noch nicht an Blumen<br />

versucht haben, kann ich Ihnen nur empfehlen, es einmal zu tun. Es sind einfache<br />

und doch anspruchsvolle Motive, und ich erinnere mich noch sehr gut, wie begeistert<br />

ich war, als mir mein erstes, eindrucksvolles Blütenstillleben gelang. Es ist auf jeden<br />

Fall eine lohnende Form der <strong>Fotografie</strong>, mit der sie Ihre Fähigkeiten der Bildkomposition<br />

verbessern, versierter werden im Umgang mit Beleuchtung und außerdem Ihre Kreativität<br />

fördern. Allein schon die Artenvielfalt schöner Blüten gibt Ihnen eine Fülle von Möglichkeiten,<br />

Ihren eigenen <strong>Fotografie</strong>stil zu entwickeln. Ich selbst mag die Gerbera am liebsten, doch die<br />

elegante Schönheit der Rose kommt für mich gleich danach. Die Gerbera ist allerdings<br />

wesentlich leichter zu fotografieren, denn ihre Form gestattet es, sie aus allen möglichen<br />

Perspektiven zu fotografieren. Bei der Rose ist das anders, denn sie ist viel fragiler.<br />

Je nach Form der Blüten sind manche Exemplare sehr fotogen, andere wieder nicht. Suchen Sie<br />

einen guten Floristen mit großer Auswahl auf, wenn Sie Wert auf Perfektion legen. Für den<br />

ersten Einstieg ist jedoch eine Blume aus dem eigenen oder aus Nachbars Garten ausreichend<br />

– sofern Ihr erster Versuch an keinem Wettbewerb teilnimmt.


96<br />

Innenaufnahmen<br />

<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong><br />

Setup: Das<br />

Schöne bei<br />

Nahaufnahmen<br />

von Blumen ist,<br />

dass Sie kein<br />

aufwändiges<br />

Setup brauchen.<br />

Eine Balkon- oder<br />

Terrassentür<br />

liefert genügend<br />

Tageslicht. Stellen<br />

Sie die Rose in<br />

eine halb gefüllte<br />

Wasserflasche,<br />

das verleiht ihr<br />

ausreichende<br />

Stabilität.<br />

Montieren Sie die<br />

Kamera auf das<br />

Stativ.<br />

Blumen in der<br />

Wohnung zu<br />

fotografieren, hat<br />

zwei Vorteile:<br />

Erstens macht<br />

der Wind keine<br />

Probleme, und<br />

zweitens gibt es<br />

im schattigen<br />

Zimmer viel<br />

weicheres Licht<br />

als draußen im<br />

Freien. Dennoch<br />

zahlt es sich aus,<br />

einen silbernen<br />

Reflektor zur Hand<br />

zu haben, um das<br />

Motiv zusätzlich<br />

beleuchten zu<br />

können.<br />

Benötigte Ausrüstung<br />

Makroobjektiv und Stativ<br />

Da wir den Bildausschnitt mit einem sehr kleinen Objekt ausfüllen wollen, ist<br />

ein Makroobjektiv ratsam. Damit können Sie aus wenigen Zentimetern auf Ihr<br />

Objekt scharfstellen und den Hintergrund aus dem Bild ausschließen, sodass Ihr<br />

Foto ausschließlich die Blüte zeigt. Sie können durchaus aus der Hand schießen<br />

– insbesondere, wenn Ihre Kamera oder Objektiv über eine Bildstabilisation<br />

verfügen. Ein Stativ ist trotzdem zu empfehlen, denn es erlaubt Ihnen die<br />

Bildkomposition zu verändern, das Ergebnis zu prüfen sowie mit äußerster<br />

Präzision scharfstellen zu können – und damit steht und fällt jedes Makrofoto!<br />

Andernfalls können Sie mehrere identische Aufnahmen mit jeweils verschiedenen<br />

Blendenwerten schließen und später das Bild auswählen, das Ihnen am meisten<br />

zusagt.<br />

Akkurat scharfstellen Ich benutzte die Zeitautomatik und die niedrigste<br />

1 an meiner Kamera einstellbare ISO Empfindlichkeit von 100, um eine technisch<br />

optimale Bildqualität zu erreichen. Den Autofokus ließ ich zunächst in der Einstellung<br />

„Mehrfeldmessung“, jedoch nur um hier demonstrieren zu können, was dadurch<br />

geschieht. Da sämtliche Scharfstellpunkte aktiv waren, fokussierte die Kamera auf<br />

den Teil des Objekts, der dem Objektiv am nächsten war. Dieser Bereich befand sich<br />

ganz rechts im Bildausschnitt. Umschalten auf Einzelpunkt-AF und positionieren des<br />

Schärfepunktes über dem Bereich, den ich scharfgestellt haben wollte, lösten das<br />

Problem. Natürlich können Sie auch manuell scharfstellen.<br />

Feineinstellung der Bildkomposition Mit nunmehr korrekter<br />

2 Scharfeinstellung machen Sie ein Testfoto und überprüfen das Histogramm. Falls<br />

die Blüte nicht zu hell oder zu dunkel abgebildet ist, sollte die Belichtung in Ordnung<br />

sein. Konzentrieren Sie sich nun auf die Bildkomposition. Falls erforderlich, nehmen<br />

Sie kleine Korrekturen am Stativkopf vor, erhöhen oder senken den Kamerastandpunkt<br />

und bewegen die Blume so lange, bis ihnen die Position, die sie im Bildausschnitt<br />

einnimmt, gefällt. Dabei erweist sich der LiveView wieder einmal als sehr hilfreich,<br />

denn mit ihm können Sie Änderungen im Bildausschnitt wesentlich einfacher<br />

verfolgen, als würden Sie durch den Sucher schauen.


<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong> Innenaufnahmen 97<br />

Das fertige Bild<br />

Wenn Sie bei einem Floristen kaufen, können Sie mit<br />

etwas Glück ein absolut perfektes Exemplar finden.<br />

Diese Gartenrose hatte ein paar unterschiedlich<br />

gefärbte Stellen, doch die waren leicht mit dem<br />

Korrekturpinselwerkzeug in Photoshop zu beseitigen.<br />

Nach nur 15 Minuten <strong>Fotografie</strong>ren und 5 Minuten<br />

Photoshop konnte ich dieses wunderschöne<br />

Blütenstillleben meiner Sammlung hinzufügen.<br />

f/32<br />

f/2.8<br />

Reflektor Die Bildkomposition gefiel mir nun, weniger jedoch gefiel mir, dass<br />

3 die dem Fenster zugewandte Seite der Rose viel heller war, als die abgewandte<br />

Seite. Um diesen Helligkeitsunterschied auszugleichen, lehnte ich einen Reflektor an<br />

das sich der Rose am nächsten befindliche Stativbein. Die dadurch auf den dunkleren<br />

Bereich reflektierte Lichtmenge war nicht sehr groß, reichte aber zum Aufhellen völlig<br />

aus.<br />

Blende Wenn Ihnen Bildkomposition und Beleuchtung zusagen, machen Sie<br />

4 eine Serie von Aufnahmen mit jeweils einer Blendenstufe Unterschied über den<br />

gesamten verfügbaren Blendenbereich. Dadurch erhalten Sie Fotos von der<br />

minimalen bis zu maximal möglichen Schärfentiefe dieses Motivs. Bei den längeren<br />

Belichtungszeiten sollten Sie den Selbstauslöser oder einen Fernauslöser benutzen,<br />

um Verwackeln zu vermeiden.


98<br />

Innenaufnahmen<br />

<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong><br />

Obstsalat mal anders<br />

Obstscheiben im Gegenlicht zu fotografieren, ist eine klassische Aufnahmetechnik. Die Kunst besteht jedoch in der<br />

richtigen Bildkomposition. Wir zeigen, wie es geht<br />

Ross Hoddinott: Ihr Zuhause ist voller potentieller Motive; Sie<br />

müssen sich alltägliche Objekte einfach nur unbefangen anschauen<br />

und versuchen, die vor Ihrem geistigen Auge aufsteigenden,<br />

bekannten Bilder und Assoziationen auszublenden. Kleine Motive<br />

sind am einfachsten kreativ zu beleuchten, denn die Art des Lichts und dessen<br />

Richtung sind bei ihnen am leichtesten zu steuern. Unter den Möglichkeiten<br />

der Beleuchtung zählt die Hintergrundbeleuchtung zu meinen Favoriten.<br />

Transparente Objekte sehen darin besonders attraktiv aus. Die<br />

Hintergrundbeleuchtung erzeugen Sie Zuhause am einfachsten mit einem<br />

Leuchtkasten. Wenn Sie schon länger fotografieren, haben Sie vielleicht noch<br />

einen aus den Tagen der <strong>Fotografie</strong> mit Kleinbildfilm, als er zum Sortieren von<br />

Dias verwendet wurde. Falls nicht, Leuchtkästen gibt es heute preiswert zu<br />

kaufen. Was Sie brauchen, ist ein passendes Objekt, das Sie darauf<br />

fotografieren können. Früchte sind wegen ihrer intensiven Farben und<br />

unterschiedlichen Oberflächen besonders gut geeignete. Ich war eines Abends<br />

gerade dabei, einen Obstsalat zu machen, als mir die Idee kam.<br />

1 Vorbereitung<br />

Vom Wochenmarkt<br />

war ich mit Tüten voller<br />

Äpfel, Birnen, Orangen,<br />

ein paar Zitronen und<br />

Kiwis, einer Limone, einer<br />

Grapefruit, Weintrauben<br />

und einem Granatapfel<br />

zurückgekommen. Ich<br />

wollte deren Umriss und<br />

Form im Gegenlicht<br />

herausarbeiten, deshalb<br />

schnitt ich sie in der Mitte<br />

durch und von jeweils<br />

einer der Hälften eine<br />

dünne Scheibe ab, um<br />

einen transparenten<br />

Querschnitt der Früchte zu<br />

erhalten.<br />

Aufnahmetechnik<br />

Schärfentiefe optimieren:<br />

Wenn Sie Nahaufnahmen in einem<br />

Winkel von 90° machen, optimieren<br />

Sie die Schärfentiefe dadurch, dass Sie<br />

die Bildebene möglichst parallel am zu<br />

fotografierenden Objekt ausrichten. Auf<br />

diese Weise werden alle nebeneinander<br />

liegenden Objekte von einigermaßen<br />

gleicher Stärke scharf abgebildet. Ist die<br />

Kamera jedoch in einem Winkel darauf<br />

gerichtet, ist ein Teil des Motivs nicht mehr<br />

im Schärfentiefebereich und verdirbt das<br />

frische, knackige Aussehen der Früchte<br />

und damit den Eindruck des Fotos.<br />

Benötigte Ausrüstung<br />

Leuchtkasten: Die<br />

Hintergrundbeleuchtung für<br />

kleine durchscheinende Objekte<br />

erzeugen Sie am einfachsten<br />

mithilfe eines Leuchtkastens.<br />

Eine Größe von DIN A4 ist völlig<br />

ausreichend. Stellen Sie den<br />

Leuchtkasten auf den Boden oder<br />

auf einen Tisch und positionieren<br />

Sie die auf dem Stativ montierte<br />

Kamera darüber.<br />

Arrangement Ich platzierte Apfel- Birnen- und Traubenscheiben auf dem<br />

2 Leuchtkasten, wobei ich mir viel Zeit nahm, um eine freundliche, angenehm<br />

wirkende Bildkomposition zu erreichen. Größere, leere Flächen sollten dabei<br />

vermieden werden, denn die würden das Auge des Betrachters ablenken. Das erste<br />

Testfoto ergab, dass das helle Gegenlicht das Belichtungssystem der Kamera zum<br />

Unterbelichten verleitet hatte, weswegen das Foto zu dunkel geworden war.<br />

Belichtung Ich überprüfte das Histogramm, das die Unterbelichtung<br />

3 bestätigte. Also stellte ich eine positive Belichtungskorrektur von 2/3EV ein. Nun<br />

war die Belichtung zwar in Ordnung, doch was fehlte, waren Farbe und Kontrast.<br />

Diese Art Motiv entwickelt sich während der Arbeit daran oft in eine andere als die<br />

geplante Richtung. Probieren geht über studieren, dachte ich mir und fing mit anderen<br />

Früchten wieder von vorn an.<br />

Unterschiedliche Objekte Damit das Ganze farbiger wurde, benutzte ich<br />

4 nun Zitrusfrüchte und zwar jeweils eine Orangen-, Limonen- und<br />

Zitronenscheibe. Die kontrastierenden Farben und Größen sahen gut aus. Ich<br />

arrangierte sie so, dass ihre Kanten sich berührten und die Hintergrundbeleuchtung<br />

ihre Form und Transparenz gut sichtbar machte. Doch die weißen Lücken zwischen<br />

den Fruchtscheiben wirkten störend, also wollte ich Farbe dort hinein bringen.<br />

Fixpunkt Ich kratzte das Fruchtfleisch aus einer Kiwifrucht und verteilte es<br />

5 vorsichtig zwischen den Fruchtscheiben auf dem Leuchtkasten. Eine Apfelscheibe<br />

sollte der Fixpunkt des Motivs werden, weil diese den interessantesten Umriss hatte.<br />

Die Zitrus-Scheiben vervollständigten die Bildkomposition. Es fehlte jedoch immer<br />

noch etwas: ein Farbkontrast zu den vielen Grün- und Gelbtönen, die das Bild<br />

dominierten.


Das fertige Bild<br />

Ich löste vorsichtig die grellroten Samen aus<br />

einem Granatapfel heraus und ersetzte<br />

damit das Fruchtfleisch der Kiwi. Nun hatte<br />

ich den gewünschten Farbkontrast und<br />

Leuchtkraft, den die ersten Aufnahmen<br />

vermissen ließen. Die Bildkomposition im<br />

Hochformat erwies sich als am besten.<br />

Das Ergebnis: ein einfaches aber<br />

eindrucksvolles Stillleben, bequem Zuhause<br />

aufgenommen. Bleibt nur zu erwähnen,<br />

dass die Reste dieser Fruchtkollektion zu<br />

leckerem Obstsalat verarbeitet wurden.


100<br />

Innenaufnahmen<br />

<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong><br />

Buchstabensuppe<br />

Motive aus dem Küchenschrank – Spaß<br />

mit Nudeln und Kamera…<br />

Ross Hoddinott: Meine Fähigkeiten in der<br />

Küche sind gleich null – fragen Sie meine Frau.<br />

Deswegen ist es sicherer für alle Beteiligten,<br />

wenn ich Lebensmittel fotografiere, anstatt<br />

etwas Essbares zubereiten zu wollen. Wenn ich eine<br />

Suppendose geöffnet habe, sind meine Ambitionen als<br />

Koch schon erschöpft.<br />

Unsere beiden Mädchen aber sind jedes Mal begeistert<br />

von dieser Nudelsuppe, bei der die Nudeln die Form<br />

kleiner Buchstaben haben. Eines Tages beobachtete ich<br />

also meine ältere Tochter dabei, wie sie mit den Nudeln in<br />

der Suppe Worte bildete. Ich begann, darüber<br />

nachzudenken, wie daraus ein Fotomotiv werden könnte<br />

und sah mir diese Buchstabennudeln genauer an. Daraus<br />

musste sich doch irgendetwas Lustiges machen lassen!<br />

Gedacht – getan. Ich besorgte mir aus dem Supermarkt<br />

ein paar weitere kleine Dosen und machte mich ans Werk.<br />

Ein Beistelltisch genügte für mein Setup. Da ich keinen<br />

Blitz verwenden, sondern mit natürlichem Licht arbeiten<br />

wollte, stellte ich ihn nah an ein Fenster. Nun konnte das<br />

Buchstabieren losgehen<br />

Vorbereitung:<br />

Eine Küchenrolle sollte griffbereit sein,<br />

denn die Basis der Buchstabensuppe<br />

ist Tomatensuppe – eine klebrige<br />

Angelegenheit, denn manchmal kann es<br />

schön spritzen, wenn Sie die Buchstaben<br />

mit der Pinzette herauspicken und<br />

anordnen. Stellen Sie also die Kamera in<br />

sicherer Entfernung auf.<br />

Buchstaben aussuchen Ich öffnete die Dose und goss den Inhalt in einen<br />

1 flachen, weißen Teller. Mit einer Pinzette fischte ich die Buchstaben heraus, die ich<br />

benutzen wollte. „PHOTO DIY“ sollte es werden (DIY für „Do It Yourself“). Ich merkte<br />

schnell, dass man mit der Pinzette sehr vorsichtig sein muss, denn die Nudeln sind<br />

weich und gehen leicht entzwei. Nach ein paar Minuten hatte ich meinen<br />

vielsagenden Slogan zusammen<br />

Testfoto Ich hielt es für eine gute Idee, meine Worte auf einem Löffel zu<br />

2 präsentieren, denn der würde helfen, die Buchstaben hervortreten zu lassen und<br />

das Motiv insgesamt attraktiver machen. Also arrangierte ich die Buchstaben in einem<br />

Suppenlöffel. Doch aufgrund de sehr weichen Konsistenz der Nudeln rutschten sie in<br />

dem Löffel zusammen und die Formen der Buchstaben verzerrten sich, so dass die<br />

Worte nur noch schwer zu lesen waren.<br />

Nächster Versuch Die Buchstaben wurden vom Löffel wieder in den Teller<br />

3 transferiert. Damit sich die Worte „PHOTO DIY“ aus der Menge der anderen<br />

Buchstaben heraushoben, ließ ich einen ringförmigen Streifen um Sie herum frei.<br />

Dann fixierte ich den Löffel dicht über dem Teller und stellte die Kamera auf ihn scharf.<br />

Damit auch die darunter liegenden Buchstaben scharf abgebildet wurden wählte ich<br />

Blende f/11, die genug Schärfentiefe erzeugte.<br />

Bildausschnitt Irgendwie gefiel mir das Ganze immer noch nicht, und ich<br />

4 kam zu dem Schluss, dass es der Löffel war, der nicht in das Motiv gehörte. Statt<br />

es interessanter zu machen, lenkte er nur ab. Dieses Mal wählte ich einen engeren<br />

Bildausschnitt, sodass die Buchstabensuppe ihn komplett ausfüllte. Das durch das<br />

Fenster einfallende Licht war genau richtig; ich benutzte dennoch ein Stativ, um bei<br />

1/4 Sekunde Verschlusszeit nicht zu verwackeln.


Das fertige Bild<br />

In der vertikalen Bildkomposition<br />

wirkte das Motiv noch besser. Diese<br />

Änderung erforderte ein erneutes<br />

Arrangement der Buchstaben, mit<br />

größerem Abstand um die Worte<br />

„PHOTO DIY“.


Alle Ausgaben sind auch zu<br />

bestellen unter<br />

www.digitale-fotografie-magazin.de/shop


<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong> Innenaufnahmen 103<br />

Highspeed-Spritzer<br />

Mit der hier vorgestellten Aufnahmetechnik gelingen Ihnen bizarre, symmetrische 3D-Formen, die nur<br />

Sekundenbruchteile andauern – aus Milch. Der Trick besteht darin, sie einzufangen<br />

Andreas Stridsberg: Das <strong>Fotografie</strong>ren<br />

spritzender Wassertropfen ist nichts Neues. Wenn Sie<br />

solche Motive mögen, haben wir für Sie eine neue<br />

Variante der Highspeed-<strong>Fotografie</strong>. Mit derselben<br />

Ausrüstung und Aufnahmetechnik wie für Wassertropfen,<br />

können Sie auch abstrakte Formen kreieren: „Kronen“aus Milch.<br />

Um Wassertropfen fotografisch abzubilden, genügt bekanntlich<br />

normales Wasser; für die hier gezeigten Formen braucht die<br />

verwendete Flüssigkeit jedoch eine höhere Dichte bzw.<br />

„Viskosität“. Fetthaltige Flüssigkeiten wie Vollmilch sind<br />

geeignet, da ihre höhere Dichte beim Aufprall des Tropfens<br />

verblüffende Effekte erzeugt. Noch eindrucksvoller werden die<br />

kronenförmigen Gebilde, wenn Sie mit unterschiedlichen<br />

Lebensmittelfarben und Hintergründen etwas Farbe ins Spiel<br />

bringen.<br />

Die Technik ist nicht schwer auszuführen, doch Sie brauchen ein<br />

gutes Maß an Geduld, weil Ihr Timing – das Auslösen der<br />

Kamera genau in dem Moment, wenn der Milchtropfen auf die<br />

Oberfläche aufschlägt – auf den Sekundenbruchteil genau<br />

stimmen muss. Sie müssen also ein wenig üben, bevor Sie die<br />

„Krone Ihrer Schöpfung“ erreichen.


104<br />

Innenaufnahmen<br />

<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong><br />

Makromagie<br />

Makroobjektive eignen sich perfekt für diese Art Fotos,<br />

denn sie haben einen Vergrößerungsfaktor von 1:1,<br />

d. h. Lebensgröße für formatfüllende Aufnahmen.<br />

Falls Sie kein Makroobjektiv besitzen, verwenden<br />

Sie einen preiswerten Nahfilter oder die längste<br />

Brennweite ihres Standard-Zoomobjektivs. Gehen<br />

Sie so nah wie möglich an das Motiv, aber ohne die<br />

minimale Arbeitsdistanz zu unterschreiten.<br />

Setup Mit der Kamera auf dem Stativ in Position<br />

1 platzierte ich einen Laborständer mit in seiner<br />

Halterung nach unten weisender Spritze auf einem<br />

Tisch, auf dem ein durch eine Glasplatte geschütztes<br />

schwarzes Tuch als Hintergrund lag. Als nächstes goss<br />

ich etwas Vollmilch in ein Glas, aus dem ich später die<br />

Spritze aufziehen würde.<br />

Blitzgerät einstellen Ich positionierte das<br />

2 Blitzgerät seitlich etwa 20 cm von der<br />

Aufschlagszone entfernt, stellte es auf manuelle<br />

Betriebsart und 1/64 seiner vollen Leistung ein. Da das<br />

Blitzgerät nicht auf der Kamera montiert ist, müssen Sie<br />

es per Kabel oder Fernauslöser synchronisieren.<br />

Pfütze erzeugen Mit der Spritze erzeugte ich<br />

3 eine kleine Milchpfütze auf der Glasplatte. So hatte<br />

ich ein definiertes Objekt, auf das ich scharfstellen<br />

konnte, außerdem würde es den Effekt des Aufschlags<br />

verstärken. Falls Ihr Autofokus nicht zur Ruhe kommt,<br />

halten Sie einen Bleistift mit der Spitze in die<br />

Milchpfütze, stellen scharf und schalten anschließend<br />

den Autofokus aus.<br />

Kamera einstellen Stellen Sie die Kamera<br />

4 entsprechend den vorhandenen Lichtverhältnissen<br />

ein; eine 1/125 Sekunde und Blende f/8 sind ein guter<br />

Ausgangspunkt. Meine Kamera war auf eine<br />

ISO-Empfindlichkeit von 200 eingestellt, doch auch<br />

das hängt von den Lichtverhältnissen ab.<br />

Testfoto Jetzt kommt der komplizierte Teil. Mit<br />

5 dem Fernauslöser in der einen Hand erzeugen Sie<br />

mit der in der Halterung des Laborständers befindlichen<br />

Spritze einen einzelnen Milchtropfen und lösen den<br />

Kameraverschluss exakt in dem Moment aus, in dem er<br />

auf die auf die Milchpfütze auftrifft. Dieses Foto wurde<br />

erkennbar zu früh ausgelöst.<br />

Timing Mit etwas Übung werden Sie bald herausgefunden haben, wann Sie<br />

6 abdrücken müssen. Es erhöht Ihre Chancen, den richtigen Moment zu treffen,<br />

wenn Sie ihr Ziel vergrößern, indem Sie mehr Milch auf den Tisch geben. Bei mir hat<br />

es nach vier Versuchen zum ersten Mal geklappt.<br />

Farbe Um das Ganze nun etwas interessanter zu gestalten, trocknete ich den<br />

7 Tisch ab und legte ein Stück farbigen Kartons unter die Glasplatte. Dann brachte<br />

ich eine neue Milchpfütze auf, diesmal mit Lebensmittelfarbe versetzt. Die Ergebnisse<br />

wirkten sehr dynamisch.


Das fertige Bild<br />

Das Faszinierende an dieser<br />

Aufnahmetechnik ist, dass kein Foto dem<br />

anderen gleicht. Experimentieren Sie mit<br />

verschiedenen Farben – sowohl des<br />

Hintergrunds als auch der Flüssigkeit.


106<br />

Innenaufnahmen<br />

<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong><br />

Farbiger Rauch<br />

Rauchfahnen einmal anders – mit<br />

Farben, die erst in Photoshop<br />

entstehen...<br />

Sailesh Patel: Eine einfache<br />

Methode, abstrakte Bilder mit einem<br />

mystischen Touch zu kreieren, ist das<br />

<strong>Fotografie</strong>ren von Rauchfahnen. Ich<br />

habe Räucherstäbchen benutzt, denn sie sind<br />

in geschlossenen Räumen relativ sicher<br />

anzuwenden und geben genau die richtige<br />

Rauchdichte auf den Fotos. Da der Rauch<br />

immer in etwas anderer Weise aufsteigt, gibt es<br />

eine unendliche Vielfalt von Formen und<br />

Mustern die man fotografieren kann. Nachdem<br />

Sie einige Rauchfahnen eingefangen haben,<br />

gibt es mehrere Möglichkeiten, sie so zu<br />

manipulieren, dass wahrhaft magische Fotos<br />

dabei herauskommen. Jede einzelne<br />

Rauchfahne kann bei der Nachbearbeitung<br />

eingefärbt, gespiegelt und gedreht, abgewedelt<br />

und verzerrt werden, um andere, neue Muster<br />

zu erzeugen. Der möglichen Vielfalt dieser<br />

Technik sind keine Grenzen gesetzt. Achten Sie<br />

jedoch darauf, dass die Räucherstäbchen<br />

niemals unbeaufsichtigt bleiben, denn<br />

immerhin handelt es sich um offenes Feuer.<br />

Setup Ich bedeckte einen Studiotisch mit einem schwarzen Tuch, auf das ich eine Glasplatte legte. Dann<br />

1 fixierte ich ein Räucherstäbchen mit etwas Wachs in einem Kerzenhalter. Ich baute das Blitzgerät, an dessen<br />

dem Hintergrund zugewandter Seite ein Stück schwarzer Karton angebracht war, seitlich hinter dem<br />

Räucherstäbchen auf. Der Karton sollte verhindern, dass Blitzlicht auf den Hintergrund fiel. Dann schraubte ich die<br />

Kamera mit bereits montiertem, drahtlosen Auslöser für das Blitzgerät auf ein Stativ und öffnete ein Fenster, um für<br />

Frischluft und etwas Luftbewegung zu sorgen.<br />

Original Invertiert<br />

Einstellungen vornehmen Ich schaltete die<br />

2 Kamera in die manuelle Betriebsart, einschließlich<br />

manueller Scharfeinstellung, und fokussierte den Bereich<br />

über dem Räucherstäbchen. Ich wählte eine Verschlusszeit<br />

von 1/200 Sekunde – die kürzeste Blitzsynchronzeit meiner<br />

Kamera – und eine Blende von f/14, um ausreichend<br />

Schärfentiefe zu haben. Zum Speichern wählte ich das<br />

RAW-Format, da es die beste Bildqualität bringt. So konnte<br />

ich später beim Konvertierungsprozess in Photoshop auch<br />

die Tiefen anreichern.<br />

<strong>Fotografie</strong>ren Ich zündete das<br />

3 Räucherstäbchen an, wobei ich noch einmal<br />

überprüfte, dass es sicher im Kerzenhalter fixiert war.<br />

Zum Auslösen benutzte ich einen Fernauslöser. Nach<br />

35-40 Aufnahmen überprüfte ich, ob das<br />

Räucherstäbchen vollständig heruntergebrannt war und<br />

sah mir die Bilder auf dem LCD-Monitor der Kamera an.<br />

Dabei ging es nur darum, sicherzustellen, das kein<br />

Blitzlicht auf den Hintergrund gefallen war.<br />

Nachbearbeitung Als das geschehen war,<br />

4 kopierte ich die Bilder auf den Computer. Im Adobe<br />

Camera Raw Converter dunkelte ich mit dem<br />

Tiefenregler den Hintergrund ab, bevor ich bevor ich das<br />

erste Bild in Photoshop öffnete. Mit dem<br />

Löschwerkzeug beseitigte ich unerwünschte<br />

Rauchspuren. Dann invertierte ich das Bild. Dies<br />

bewirkte, dass die Rauchfahnen sich in ein nebliges<br />

Schwarz verwandelten und der Hintergrund rein weiß<br />

erschien. Nun war das Bild bereits viel auffälliger.<br />

Farbe hinzufügen Damit das Foto noch attraktiver wurde, wollte ich nun<br />

5 Farbe hinzufügen. In der Farbton/Farbsättigung-Palette setzte ich jeweils ein<br />

Häkchen in die Kästchen vor „Färben“ und „<strong>Vorschau</strong>“. Dann experimentierte ich mit<br />

den Reglern, bis mir das Ergebnis gefiel. Ich wählte ein intensives Rot mit einer<br />

Sättigung von 75 %. Dann speicherte ich das Bild unter einem neuen Dateinamen ab.<br />

Als Nächstes öffnete ich ein anderes Foto, mit dem ich die Schritte vier und fünf<br />

wiederholte, doch diesmal wählte ich ein helles Blau als Farbe für die Rauchspur.<br />

Bilder zusammenführen Nun kopierte ich das Bild mit der blauen<br />

6 Rauchspur in das Bild mit der roten Rauchspur und bewegte es solange umher,<br />

bis ich eine ansprechende Darstellung beider Rauchspuren gefunden hatte. Zum<br />

Ausrichten der Bilder benutzte ich das Werkzeug „Frei transformieren“. Dann setzte ich<br />

die Deckkraft der blauen Ebene auf 100 % und änderte die Füllmethode der Ebene von<br />

„Normal“ auf „Multiplizieren“. Dann benutzte ich die Funktion „Auf Hintergrundebene<br />

reduzieren“, um beide Bilder zu einem zusammenzuführen, das ich wieder unter<br />

neuem Dateinamen speicherte.


Das fertige Bild<br />

Nach ein paar letzten<br />

Korrekturen an<br />

Gradationskurven,<br />

Farbsättigung und<br />

Kontrasten gefiel mir mein<br />

Werk sehr gut. Ein<br />

farbenfrohes, abstraktes<br />

Foto, das als großer<br />

Leinendruck jede Wand<br />

schmücken kann.


108<br />

Innenaufnahmen<br />

<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong><br />

Süßes im Wasser<br />

Eine Kombination aus Wassertropfen und Süßigkeiten<br />

schafft dynamische, farbenfrohe Aufnahmen<br />

Ross Hoddinott: Lichtbrechung oder „Refraktion“ bedeutet<br />

die Richtungsänderung von Lichtstrahlen beim Übergang von<br />

einem Medium in ein anderes mit geringerer oder höherer Dichte.<br />

Sie ist auch der Grund, warum Ihre Beine kürzer aussehen, wenn<br />

Sie im Wasser stehen und sie von außerhalb des Wassers betrachten.<br />

Dieser Effekt der Lichtbrechung und Spiegelung umgebender Objekte im<br />

Wasser bietet Fotografen eine Vielzahl kreativer Möglichkeiten.<br />

Wassertropfen wirken wie optische Linsen, in denen ihre Umgebung<br />

spiegelverkehrt verkleinert abgebildet wird. Aus nächster Nähe können Sie<br />

diesen verblüffenden Effekt auch mit der Kamera einfangen. Bunte Blumen<br />

sehen besonders schön aus, wenn Sie durch Wassertropfen fotografiert<br />

werden – als „Bild im Bild“sozusagen. Sie können diese Aufnahmetechnik<br />

nach einem Regenschauer oder an einem kühlen Morgen ausprobieren,<br />

wenn die Tautropfen der Nacht noch nicht verdunstet sind. Leider gibt es<br />

Draußen kaum Möglichkeiten, das im Tropfen reflektierte Bild zu<br />

beeinflussen, weil die Lichtverhältnisse nicht veränderbar sind. Auch der<br />

Wind könnte Ihnen einen Strich durch die Rechnung machen.<br />

Wenn Sie Ihr Vorhaben aber ins Haus verlegen, sieht die Sache anders aus.<br />

Sie können alles Nötige auf einem Tisch aufbauen, es gibt keinen Wind,<br />

und Sie haben großen Einfluss auf das Licht. Wassertropfen können Sie auf<br />

nahezu jedes Objekt aufbringen, sei es der Tisch selbst, eine Blume, ein<br />

Buch oder ein Apfel. Mit Ihrer Kamera sowie ein paar Hilfsmitteln, die in<br />

jedem Haushalt zu finden sind, rücken Sie dem Spiegelphänomen zu Leibe.<br />

Notwendige Ausrüstung<br />

Motivwahl Ich wollte ein lustiges, farbenfrohes Bild. Nach kurzem Nachdenken<br />

1 entschied ich mich für bunte Kaugummikugeln, die von Wassertropfen reflektiert<br />

werden. Dazu brauchte ich eine Glas- oder Plastikscheibe, um darauf die Tropfen zu<br />

platzieren. Der transparente Deckel einer CD-Box erwies sich als geeignet. Zum Erzeugen<br />

der Tropfen verwendete ich eine Spritze, man kann aber auch eine Pipette oder<br />

Sprühflasche verwenden.<br />

Stativ und Fernauslöser<br />

Um genug Schärfentiefe zu erreichen<br />

und sowohl Tropfen als auch<br />

Lichtbrechungen in akzeptabler<br />

Schärfe abzubilden, werden Sie eine<br />

kleine Blende wählen müssen. Dies<br />

bedingt eine lange Verschlusszeit,<br />

was wiederum den Einsatz des<br />

Stativs notwendig macht, damit Sie<br />

präzise scharfstellen können und die<br />

Aufnahme nicht verwackelt.<br />

Die formatfüllende Abbildung kleiner<br />

Wassertropfen erfordert zudem starke<br />

Vergrößerung. Dies führt dazu, dass<br />

auch die geringste Bewegung während<br />

der Aufnahme ebenso stark vergrößert<br />

wird. Also ist auch ein Fernauslöser<br />

erforderlich, denn er vermeidet die<br />

kleinen Vibrationen, die entstehen,<br />

wenn Sie den Auslöser direkt von<br />

Hand betätigen.<br />

Tropfen aufbringen Ich arrangierte die Kaugummikugeln auf einer schwarzen<br />

2 Oberfläche. Dann formte ich aus einem weißen Blatt DIN A4 Papier einen Zylinder,<br />

der mit Tesafilm in Form gehalten wurde. Den stülpte ich über die auf dem schwarzen<br />

Hintergrund liegenden bunten Kugeln, so dass diese nun innerhalb des Papierzylinders<br />

lagen. Der Zylinder diente einerseits dazu, das Licht gleichmäßig zu verteilen und<br />

andererseits als Plattform für den transparenten Deckel der CD-Box. Mit der Spritze setzte<br />

ich nun vorsichtig eine Reihe kleiner Wassertropfen auf die Plastikoberfläche. Jeder<br />

einzelne Tropfen erzeugte ein gebrochenes Bild der darunter befindlichen bunten Kugeln.<br />

Bildkomposition Ich positionierte die auf das Stativ montierte Kamera direkt<br />

3 über meiner Konstruktion, wobei ich darauf achtete, dass die Bildebene parallel zu<br />

dem Plastikdeckel verlief, um die Schärfentiefe zu optimieren. Ich machte meine<br />

Bildkomposition und stellte auf die Lichtbrechung in den Tropfen scharf, anstatt auf die<br />

Oberfläche. Ich begann mit Blende f/4, doch die Schärfentiefe erwies sich als zu<br />

gering, was dazu führte, dass ausschließlich die Reflexionen der Kugeln in den Tropfen<br />

scharf abgebildet wurden, alles andere war unscharf.


<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong> Innenaufnahmen 109<br />

Das fertige Bild<br />

Bei dieser Art Foto ist es wichtig, dass Sie<br />

manuell auf das gebrochene Bild innerhalb<br />

des Wassertropfens scharfstellen, nicht auf<br />

seine Oberfläche!<br />

Der Autofokus ist hier nutzlos, da er die<br />

Refraktion als Hintergrund interpretiert.<br />

Testaufnahme Schließlich endete ich bei Blende f/22. Die sich daraus<br />

4 ergebende Verschlusszeit war 2 Sekunden; Stativ und Fernauslöser waren also<br />

unentbehrlich. Nun sah das Ergebnis schon recht gut aus: Die Tropfen sind scharf und<br />

die bunten Kugeln darunter verschwimmen zu einem schönen, bunten Hintergrund.<br />

Leider hat die kleine Blendeneinstellung jetzt auch Staub und Kratzer auf dem<br />

Plastikdeckel sichtbar gemacht.<br />

Aufräumen Diesen unerwünschten Objekten rückte ich in Photoshop mit<br />

5 Kopierwerkzeug und Reparaturpinsel zu Leibe. Dann justierte ich die Tonwerte,<br />

um den Kontrast zu erhöhen, und verstärkte abschließend noch etwas die<br />

Farbsättigung.


110<br />

Innenaufnahmen<br />

<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong><br />

Makrowunder<br />

Wassertropfen lassen sich besonders schön auf Blumen<br />

fotografieren. Unsere Schritt-für-Schritt Anleitung zeigt es Ihnen<br />

Luoana Negut: In der <strong>Makrofotografie</strong> sind Bildkomposition und<br />

Bildschärfe entscheidend. Ein winziges Detail kann den Unterschied zwischen<br />

einem exzellenten und einem schlechten Foto ausmachen. Wenn Sie sich also<br />

an diesem kleinen Projekt versuchen wollen, sollten Sie ein Auge fürs Detail und<br />

viel Geduld mitbringen. Wassertropfen in einem Foto mit Blumen steigern den Eindruck<br />

eines solchen Stilllebens erheblich. Dabei ist Wasser für diese Aufnahmetechnik gar nicht<br />

das beste Medium, denn sein Verhalten ist schwer zu kontrollieren, und schon die kleinste<br />

Bewegung kann dazu führen, dass ein Tropfen verläuft. Die Tropfen einer Salzlösung –<br />

beim Optiker erhältlich – und jeder klaren Flüssigkeit mit höherer Viskosität als Wasser<br />

sind viel stabiler. Für ihre Versuche können Sie praktisch jede beliebige Blume verwenden,<br />

doch mit einer Gerbera haben Sie es am einfachsten, da die Tropfen auf ihren flachen,<br />

leicht konkaven Blütenblättern besser haften.<br />

Wenn Sie es geschafft haben, einen Tropfen auf ein Blütenblatt aufzubringen, müssen Sie<br />

ermitteln, wie das Licht vom ihm reflektiert und gebrochen wird. Dann positionieren Sie<br />

die Kamera entsprechend. Ein Makroobjektiv mit einem Vergrößerungsfaktor von<br />

wenigstens 1:2, besser noch 1:1, genügt, um die Blüte mit dem Tropfen formatfüllend ins<br />

Bild zu setzen. Ich habe eine 60 mm Brennweite verwendet, doch mit 100 mm hätte ich<br />

in größerer, komfortablerer Arbeitsentfernung hantieren können. Ein schwarzer<br />

Hintergrund ist ideal, dann lenkt nichts vom Motiv ab. Sie können es auch mit<br />

komplementärfarbenem Hintergrund veruchen, um das Motiv zu variieren. Diese<br />

Aufnahmetechnik verlangt Experimentierfreude, und wenn Sie es richtig machen, können<br />

Sie sich über wunderschöne Stillleben freuen.


<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong> Innenaufnahmen 111


112<br />

Innenaufnahmen<br />

H2O allein reicht nicht<br />

Wasser ist dünnflüssig, die Tropfen<br />

ändern schnell ihre Form, und es ist sehr<br />

schwer, einen schönen, runden Tropfen zu<br />

platzieren. Sie brauchen eine Flüssigkeit<br />

mit höherer Dichte („Viskosität“) und<br />

stabilerer Tropfenform. Es funktioniert<br />

auch mit Zuckerwasser; ideal ist jedoch<br />

eine Salzlösung, wie Sie zur Reinigung von<br />

Kontaktlinsen verwendet wird.<br />

Das fertige Bild<br />

Der Tropfen ist in der Mitte<br />

des Fotos scharf abgebildet,<br />

und die geringe<br />

Schärfentiefe lässt ihn<br />

besonders stark<br />

hervortreten.<br />

Setup: Durch ein Fenster einfallendes<br />

Tageslicht bietet für unsere Zwecke<br />

eine einfache, völlig ausreichende<br />

Beleuchtung. Direktes Sonnenlicht sollte<br />

es jedoch nicht sein, da wir diffuses Licht<br />

benötigen. Halten Sie einen Reflektor<br />

bereit, um gegebenenfalls starke<br />

Helligkeitsunterschiede auf dem Motiv<br />

auszugleichen. Als Hintergrund benutzen<br />

Sie schwarzen Karton. Achten Sie darauf,<br />

die Blume so zu positionieren, dass Sie gut<br />

beleuchtet ist. In diesem Beispiel ist sie<br />

etwa 15 cm vom Hintergrund entfernt.<br />

Auf den Tropfen scharfstellen Benutzen Sie eine Spritze oder eine<br />

1 Pipette und setzen Sie damit vorsichtig einen Tropfen auf die Spitze eines<br />

Blütenblatts. Wenn Sie ihn in die Mitte setzen, kann er hinab zum Blütenstempel<br />

laufen und sich dort verlieren. Nutzen Sie die Zeitautomatik mit Einzelpunkt-AF und<br />

gehen Sie so nah wie möglich heran, damit Ihr Motiv das Sucherbild vollständig<br />

ausfüllt. Da die Schärfentiefe sehr gering ist, wählen Sie eine mittlere Blende<br />

zwischen f/5.6 und f/11, um den gesamten Tropfen fokussieren zu können.<br />

Korrekte Belichtung Auf<br />

2 schwarzem Hintergrund kann es<br />

passieren, dass das Belichtungssystem<br />

der Kamera die dunklen Töne zu stark<br />

kompensiert und die Aufnahme<br />

überbelichtet. Ist das der Fall, stellen Sie<br />

1 bis 2 Blendenstufen negative<br />

Belichtungskorrektur ein.<br />

Präzise scharfstellen Stellen Sie sicher, dass der aktive Schärfepunkt der<br />

3 Kamera exakt auf dem Wassertropfen liegt, damit dieser gestochen scharf<br />

abgebildet wird. Falls das Objektiv nicht fokussieren kann, sind Sie zu nah, oder das<br />

Motiv bietet zu wenig Kontrastunterschiede für den Autofokus. In diesem Fall stellen<br />

Sie von Hand scharf.<br />

Wenn die Verschlusszeit unter 1/30 Sekunde sinkt, besteht Verwacklungsgefahr.<br />

Vermeiden Sie das Risiko, indem Sie die Spiegelverriegelung der Kamera in<br />

Verbindung mit Selbstauslöser oder besser moch mit Fernauslöser nutzen.<br />

Spitzlicht einbeziehen Wasser bricht und reflektiert Licht, was dazu<br />

4 führen kann, dass auf dem Tropfen ablenkende Spitzlichter zu sehen sind.<br />

Idealerweise verläuft ein Spitzlicht mit minimalen Reflexionen entlang der<br />

Tropfenkante. Wenn Sie den Tropfen so fotografieren, dass Teile der Blüte hinter ihm<br />

im Bild sind, sollten Sie ein gebrochenes Bild der Blume oder wenigstens deren Farbe<br />

innerhalb des Tropfens erkennen können. Experimentieren Sie dazu mit der Position<br />

der Blume und dem Blickwinkel der Kamera.


5<br />

Bildkomposition variieren Die geringste Veränderung von Blickwinkel<br />

oder Bildausschnitt kann den Eindruck einer Makroaufnahme sehr stark<br />

verändern. Versuchen Sie verschiedene Kamerastandpunkte, Blütenblätter und<br />

Schusswinkel, um die beste Bildkomposition zu finden. Sie können zum Beispiel mit<br />

einer extrem geringen Schärfentiefe die Blütenblätter verschwimmen lassen.<br />

Attraktivität steigern Versuchen Sie, mehr als einen einzigen Tropfen<br />

6 auf ein Blütenblatt zu bringen, um die Szene interessanter zu machen. Am<br />

besten wirkt es, wenn die Tropfen in etwa dieselbe Größe haben. Versuchen Sie es<br />

auch mal mit weiter geöffneter Blende, sodass nur einer der Tropfen gestochen<br />

scharf erscheint, oder mit kleinerer Blende, um alle Blütenblätter scharf zu<br />

bekommen. Je direkter der Lichteinfall, umso stärker werden die Schatten; in diesem<br />

Fall setzen Sie einen Reflektor ein.


114<br />

Innenaufnahmen<br />

<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong><br />

Scharfer Stapel …<br />

Bei bestimmten Makromotiven besteht das größte Problem darin, genügend<br />

Schärfentiefe zu erzeugen. Die Lösung des Problems heißt<br />

Schärfentiefenerweiterung. Hier zeigen wir Ihnen, was damit gemeint ist.<br />

Caroline Wilkinson: Je länger das<br />

Objektiv, desto geringer die Entfernung<br />

vom Motiv zur Kamera, und je weiter die<br />

Blendenöffnung, desto geringer die<br />

Schärfentiefe. In der <strong>Makrofotografie</strong> spielen all<br />

diese Faktoren zusammen, deswegen ist es oft<br />

unmöglich, ein Foto vom Vordergrund bis in den<br />

Hintergrund scharf zu bekommen. Auch die<br />

Einstellung der kleinsten Blende kann dies nicht<br />

immer leisten. Auf jeden Fall geht es zu Lasten der<br />

Verschlusszeit, die dann bis zu mehreren Sekunden<br />

betragen kann. Die Lösung des Problems heißt<br />

„Schärfentiefe-Erweiterung“, die Kombination einer<br />

speziellen Serienaufnahme und einer besonderen<br />

Nachbearbeitungstechnik.<br />

Zunächst wird eine Bildserie geschossen und für<br />

jedes Einzelbild eine andere Schärfeebene<br />

eingestellt. Die Einzelbilder werden in Photoshop<br />

zusammengefügt („gestapelt“), wobei nur die<br />

unterschiedlichen Schärfeebenen berücksichtigt<br />

werden. Im fertigen Bild entsteht dadurch eine<br />

wesentlich größere Schärfentiefe als es mit nur<br />

einem Foto möglich wäre. Die Nachbearbeitung ist<br />

etwas kompliziert, lässt sich aber vereinfachen,<br />

wenn mit der Kamera präzise gearbeitet wurde. Es<br />

gibt Programme, die den Prozess komplett<br />

automatisch erledigen; wir haben jedoch<br />

festgestellt, dass die Ergebnisse nicht so akkurat<br />

sind. Übernehmen Sie lieber selbst die Kontrolle<br />

und verarbeiten den Stapel in Lightroom oder<br />

Photoshop von Hand.<br />

Entscheidend für diese Technik ist, dass Motiv und<br />

Kamera bei der Aufnahme absolut bewegungslos<br />

sind. Insofern eignen sich statische Motive am<br />

besten. Für optimale Schärfe empfehlen wir, je<br />

nach herrschenden Lichtverhältnissen, eine Blende<br />

Kameraeinstellungen<br />

Belichtung und Schärfe:<br />

Av Schalten Sie die Kamera auf<br />

Zeitautomatik, stellen Sie eine Blende<br />

zwischen f/11 und f/16 ein und schalten Sie den<br />

Autofokus aus. Sie können auch den<br />

Einzelpunkt-AF verwenden und den<br />

Schärfepunkt für jede Einzelaufnahme<br />

verlagern; für uns erwies sich das manuelle<br />

Fokussieren als einfacher.<br />

zwischen f/8 und f/11. Wenn Sie eine kürzere<br />

Verschlusszeit benötigen, können Sie ein Blitzgerät<br />

einsetzen oder aufblenden, doch dann benötigen<br />

Sie mehr Einzelbilder, um die Schärfentiefe zu<br />

maximieren, was wiederum die spätere<br />

Verarbeitung des Stapels erschwert. Für unser<br />

Beispiel nutzten wir Blende f/11, wie unten Schritt<br />

für Schritt erklärt.<br />

Machen Sie die Aufnahmen in logischer<br />

Reihenfolge, indem Sie z. B. den Schärfepunkt<br />

schrittweise von unten nach oben verschieben. Das<br />

erleichtert später das Sortieren der Dateien in<br />

Photoshop.<br />

Schärfentiefe: Vier Aufnahmen mit Blende f/11, auf unterschiedliche Bereiche scharfgestellt, ergeben das fertige Bild.<br />

Unten Mitte Oberes Drittel Hintere Blütenblätter<br />

Finish in Photoshop<br />

Bilddateien öffnen<br />

1 Wenn die Dateien geöffnet<br />

sind, wählen Sie ein Foto als<br />

Basisbild – in unserem Fall<br />

war es das Bild, in dem der<br />

untere Teil scharfgestellt war.<br />

Ziehen Sie mit dem<br />

Verschieben-Werkzeug die<br />

anderen Ebenen über Ihr<br />

Basisbild, vorzugsweise in der<br />

Reihenfolge der Aufnahmen<br />

angeordnet.<br />

Hierbei ist es hilfreich, den<br />

Ebenen jeweils eindeutige<br />

Namen zu geben.<br />

2 Dateien<br />

aussortieren Je<br />

weniger Dateien Sie haben,<br />

mit denen Sie arbeiten<br />

müssen, umso einfacher wird<br />

der gesamte Prozess. Sehen<br />

Sie sich also die einzelnen<br />

Ebenen genau an, und<br />

entscheiden Sie, welche<br />

davon einen Bildteil scharf<br />

abbilden, der unbedingt<br />

scharf sein muss. Gehen Sie<br />

dabei sehr sorgfältig vor.<br />

Einzelbilder, die Sie nicht<br />

unbedingt brauchen, sortieren<br />

Sie aus.<br />

Bilder ausrichten<br />

3 Wenn Sie für die<br />

Einzelbilder unterschiedliche<br />

Bildbereiche fokussieren,<br />

ändert sich bei jedem Bild<br />

minimal die Perspektive. Das<br />

bedeutet, dass die<br />

Bildausschnitte leicht<br />

voneinander abweichen und<br />

die einzelnen Ebenen nicht<br />

exakt aufeinander liegen.<br />

Dieses Phänomen korrigieren<br />

Sie, indem Sie alle Ebenen in<br />

der Palette auswählen und<br />

anschließend auf<br />

„Bearbeiten > Ebenen<br />

automatisch ausrichten“<br />

klicken – den Rest erledigt<br />

Photoshop.<br />

4 Ebenenmaske<br />

verwenden Dieser<br />

Schritt erfordert<br />

Aufmerksamkeit fürs Detail<br />

und Übung. Erstellen Sie eine<br />

neue Ebenenmaske für alle<br />

bisherigen Ebenen. Dann<br />

benutzen Sie das<br />

Pinsel-Werkzeug mit<br />

schwarzer Farbe und<br />

verbergen damit die<br />

unscharfen Bereiche der<br />

Ebenenmasken. Falls Ihnen<br />

dabei ein Fehler unterläuft,<br />

schalten Sie auf weiße Farbe<br />

um und holen den<br />

versehentlich betroffenen<br />

Bereich wieder hervor.<br />

5 Letzte<br />

Korrekturen Wenn<br />

Sie den gesamten Stapel auf<br />

diese Weise bearbeitet haben,<br />

wollen Sie gegebenenfalls<br />

noch die Tonwerte und die<br />

Schärfe korrigieren. Wählen<br />

Sie dazu erneut alle Ebenen<br />

aus, und erzeugen Sie eine<br />

kombinierte Ebene. Um den<br />

Kontrast zu verstärken,<br />

duplizieren Sie diese Ebene,<br />

wählen „Weiches Licht“ als<br />

Füllmethode und reduzieren<br />

die Deckkraft, bis Ihnen das<br />

Ergebnis gefällt.


Das fertige Bild:<br />

Falls ihr Bild mehr Schärfe benötigt,<br />

duplizieren Sie die kombinierte Ebene<br />

erneut und wählen „Filter > Scharfzeichnungsfilter<br />

> Unscharf maskieren“ und<br />

passen die Schärfe mit dem Regler an.<br />

Nun sollten Sie ein Stillleben vor sich<br />

sehen, das von vorn bis hinten<br />

ausreichend scharf ist.


116<br />

Innenaufnahmen<br />

Romantisches Stillleben<br />

Ringe und Bücher sind schöne Objekte, um einfache, emotionale Stillleben zu gestalten.<br />

Für unser kleines Projekt sollte es ein klassisch gebundenes Buch mit Fadenheftung sein<br />

Caroline Wilkinson:<br />

Das hier beschriebene<br />

Motiv ist unter<br />

Hochzeitsfotografen sehr<br />

populär – kein Wunder, ist es doch im<br />

Handumdrehen im Kasten! Sie<br />

benötigen dafür lediglich eine<br />

Lichtquelle, die hinter dem Ring<br />

platziert wird. Das kann eine<br />

Nachttischlampe sein, eine<br />

Tachenlampe oder auch ein<br />

Blitzlicht, Hauptsache, es wird ein<br />

harter Schatten erzeugt, der die Form<br />

eines Herzens annimmt, wenn der<br />

Ring senkrecht in die aufgeklappte<br />

Buchfalte gesetzt wird. Für dieses<br />

Foto habe ich meinen eigenen<br />

Trauring benutzt. Sie können aber<br />

auch einen runden Filter verwenden,<br />

um ein größeres Herz zu erzeugen<br />

– oder einen Nahfilter, um ein<br />

bestimmtes Wort auf der Buchseite<br />

zu vergrößern. Ich habe die<br />

Aufnahme sowohl mit einem<br />

Standardobjektiv als auch mit einem<br />

Makroobjektiv probiert. Das beste<br />

Ergebnis erzielte ich mit einem<br />

Vergrößerungsfaktor von 1:5 in<br />

Verbindung mit einem kurzen<br />

Schärfentiefebereich, der den<br />

Schärfepunkt isolierte. Auch ein<br />

Standard-Zoomobjektiv ist geeignet,<br />

nur kommen Sie damit nicht so nah<br />

an den Ring wie mit dem<br />

Makroobjektiv, und der<br />

Schärfentiefebereich wird größer.<br />

Es ist ein perfektes Motiv für einen<br />

bevorstehenden Jahrestag oder eine<br />

frisch gefeierte Verlobung – eigentlich<br />

braucht es aber keinen besonderen<br />

Anlass, dieses sentimentale Stillleben<br />

einmal auszuprobieren.<br />

Weißabgleich<br />

Falls Sie im JPEG- oder TIFF- Format aufnehmen, müssen Sie Ihrer<br />

Beleuchtung entsprechend den Weißabgleich einstellen. Ich habe<br />

beispielsweise eine Schreibtischlampe mit einer Glühbirne benutzt und<br />

konnte deshalb die Voreinstellung „Kunstlicht“ verwenden. Wenn Sie im<br />

RAW-Format arbeiten, ist der Weißabgleich weniger kritisch, denn Sie können<br />

ihn nachher in Adobe Camera Raw anpassen.<br />

Setup Ein gebundenes Buch mit Fadenheftung ist am<br />

1 besten geeignet, denn das Buch muss flach liegen bleiben,<br />

wenn es aufgeschlagen ist, damit der hineingestellte Ring<br />

genügend Halt bekommt. Falls notwendig, beschweren Sie die<br />

Buchseiten. Ich stellte die Schreibtischlampe hinter das Buch und<br />

richtete den Lampenschirm in einem Winkel von 45 Grad darauf,<br />

da dieser Winkel den stärksten Schatten warf.<br />

Bildkomposition Sie müssen einen Ring benutzen, der<br />

2 weit genug ist, dass er ohne Unterstützung senkrecht in der<br />

Buchfalte stehen kann. Doch selbst wenn er nicht aufrecht stehen<br />

bleibt, können Sie vielleicht doch einen herzförmigen Schatten<br />

erzeugen, wenn Sie das Licht der Lampe in einem anderen<br />

Winkel auf den Ring fallen lassen.<br />

Beleuchtungskorrektur Stärke, Form und Länge des Schattens hängen<br />

3 vom Winkel und von der Entfernung zwischen Lampe und Buch ab. Je näher und<br />

niedriger sich die Lichtquelle am Ring befindet, umso kürzer und stärker wird der<br />

Schatten. Schalten Sie alle anderen Lampen im Zimmer aus. Ich fotografierte mit<br />

Zeitautomatik und Blende f/11.<br />

Schärfentiefe Nach ein paar Versuchen wurde klar, dass die besten<br />

4 Aufnahmen bei weiter Blendenöffnung und kurzem Abstand zum Ring<br />

entstanden. Experimentieren Sie für die richtige Blende, die genügend Schärfentiefe<br />

für den Ring liefert und den Hintergrundtext unscharf werden lässt. Ich habe auch<br />

verschiedene Schärfepunkte zwischen Lexikonwort und Ring getestet, um<br />

festzustellen, wann das Motiv den besten Eindruck macht.


Das fertige Bild<br />

Um den etwas antiquierten Look zu<br />

erzeugen, habe ich die Farbbalance in<br />

Photoshop geändert und mit dem<br />

Nachbelichten-Werkzeug und einem<br />

weichen Pinsel die Kanten abgedunkelt.<br />

Schärfe Mit nur einer Lichtquelle und dem Objektiv sehr nah am Buch waren<br />

5 die Lichtverhältnisse nicht besonders gut, was zu langen Verschlusszeiten führte.<br />

Die große Blende sorgt außerdem für eine flache Schärfeebene, deshalb war es trotz<br />

Stativ nicht einfach, korrekt scharfzustellen. Um Verwacklungen beim Auslösen zu<br />

vermeiden, empfiehlt es sich, einen Fernauslöser zu benutzen.<br />

6<br />

Kamerastandpunkt Probieren Sie mehrere Bildkompositionen und<br />

Kamerastandpunkte, beispielsweise aus der Froschperspektive oder mit der<br />

Kamera genau auf Höhe des Rings. Experimentieren Sie außerdem mit der Drittelregel,<br />

um Buchfalte und Ring aus der Bildmitte zu lösen. Diagonale Linien beispielsweise<br />

verleihen dem Bild sofort mehr Ausdruck.


118<br />

Innenaufnahmen<br />

<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong>


<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong> Innenaufnahmen 119<br />

Kreatives Bokeh<br />

Fotos bei gedämpftem Licht eröffnen ungeahnte Möglichkeiten für<br />

brillante Bokeh-Aufnahmen. Eigentlich eine ganz simple Technik…<br />

Caroline Wilkinson: Kurze Schärfentiefe ist einer der beliebtesten Effekte in der<br />

digitalen Spiegelreflex-<strong>Fotografie</strong> und kann auch dem einfachsten Schnappschuss<br />

besonderes Appeal verleihen. Meistens wird ein kurzer Schärfentiefebereich genutzt, um<br />

ein Objekt im Vordergrund von einem störenden Hintergrund zu isolieren. Mit einem<br />

schnellen Objektiv ist es auch möglich, die Art der Unschärfe zu manipulieren, um zusätzliche<br />

Kreativeffekte zu erzeugen.<br />

Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass Aufnahmen mit geringer Schärfentiefe in ihrem<br />

Unschärfebereich einige kleine Kreise aufweisen? Dieser Effekt wird „Bokeh“ genannt und entsteht<br />

durch Lichtpunkte, die sich außerhalb des Schärfebereichs befinden. Mit einem Teppichmesser<br />

und etwas Fantasie können Sie die runde Form dieser Bokehs ändern und sich beliebige eigene<br />

Filter herstellen. Nachdem Sie die Wunschform Ihres Bokehs gefunden haben, z. B. Herzen,<br />

Schneeflocken, Sterne oder Halbmonde, suchen Sie sich einen Hintergrund mit vielen einzelnen<br />

Lichtquellen, beispielsweise eine nächtliche Straße. Dunkelheit lässt die einzelnen Lichter<br />

besonders gut hervortreten, daher sollten Sie mit Stativ arbeiten.


120<br />

Innenaufnahmen<br />

<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong><br />

Tipps für schöne Bokehs<br />

Bokeh-Filter selbst<br />

1 gemacht Zeichnen Sie mit dem<br />

Zirkel einen Kreis auf ein Stück<br />

schwarzen Kartons. Der Kreis muss dem<br />

Gewindedurchmesser Ihres Objektivs<br />

entsprechen. Dann zeichnen Sie die<br />

gewünschte Form des Bokeh in die Mitte<br />

des Kreises.<br />

Form ausschneiden<br />

2 Schneiden Sie das Bokeh mit einem<br />

scharfen Teppichmesser aus, dann<br />

schneiden Sie mit einer Schere den Kreis<br />

aus. Kleben Sie einen Tesafilmstreifen<br />

beidseitig an die Kante des Filters. Der<br />

Streifen dient Ihnen als Griff, an dem Sie<br />

den Filter wieder vom Objektivgewinde<br />

abziehen können.<br />

Je weiter offen die Blende ist, desto<br />

stärker das Bokeh. Also stellen Sie<br />

als erstes die größte Blende an Ihrem<br />

Objektiv ein. Spielen Sie außerdem mit<br />

der Distanz zwischen Kamera und Motiv<br />

und der Entfernung zwischen Motiv<br />

und Hintergrund, denn so lässt sich<br />

der Effekt verstärken oder verringern.<br />

Einen der schönsten Effekte erreichen<br />

Sie, wenn Sie so nah wie möglich<br />

heran gehen und selektiv scharfstellen,<br />

um den Rest des Bildes aus dem<br />

Schärfebereich herauszunehmen. Sie<br />

sollten auch mit der Größe der Form<br />

experimentieren, je nachdem welchen<br />

Effekt Sie erzielen wollen. Je kleiner die<br />

Form, desto kleiner auch das Bokeh.<br />

Wenn Sie ein Lensbaby besitzen,<br />

können Sie das dazu erhältliche<br />

„Creative Aperture Kit“ verwenden, um<br />

die handwerkliche Arbeit zu sparen.<br />

Einzelheiten finden Sie auf www.<br />

lensbaby.com.<br />

Gefällt Ihnen die Form? Um zu vermeiden, dass das Objektiv beschädigt<br />

3 wird, können Sie den Bokeh-Filter in das Gewinde eines UV-Filters drehen. Die<br />

stabilere Lösung ist allerdings ein quadratischer Bokeh-Filter, den Sie in einen<br />

Verlaufsfilter-Halter einschieben; so kann er auch jederzeit wieder verwendet werden.<br />

4<br />

Makro-Licht verwenden Stabilität ist entscheidend, um Verwackeln zu<br />

vermeiden, deswegen setzte ich die Kamera auf den Boden. Ich schloss ein<br />

Makro-Licht an um die Süßigkeiten anzuleuchten, die auf einem Stück schwarzen<br />

Kartons mit den elektrischen Weihnachtskerzen im Hintergrund positioniert waren.<br />

Filter abnehmen Ich machte eine Aufnahme ohne Filter mit Blende f/2.8,<br />

5 um mir anzusehen, wie die Szene ohne den Filtereffekt aussah. Dabei bemerkte<br />

ich, dass der unter den Süßigkeiten befindliche schwarze Karton zwischen dem<br />

unteren Bereich des Bildes und dem Hintergrund keinen Übergang erkennen ließ,<br />

deswegen tauschte ich den schwarzen Kartons gegen einen roten Karton aus.<br />

Setup justieren Dann brachte ich den herzförmigen Filter am Objektiv an<br />

6 und experimentierte mit Blende und unterschiedlichen Entfernungen zwischen<br />

Kamera und Motiv, um herauszufinden, welche Effekte das Bokeh kreieren würde. Bei<br />

Blende f/5.6 und in einiger Entfernung von den Süßigkeiten nahmen die Lichter des<br />

Hintergrunds ihre Form an, doch bei weitem nicht in der Größe, wie bei dem mit<br />

Blende f/2.8 aufgenommenen Bild.


Das fertige Bild<br />

Der rote Karton hatte am unteren Bildrand<br />

Reflexionen erzeugt, die den Bokeh-Effekt am<br />

oberen Bildrand optisch gut ausbalancierten.<br />

Weitere Versuche mit Blende f/2.8, kürzerer<br />

Entfernung zum Motiv sowie verändertem<br />

Winkel, Schärfe und Bildkomposition schufen<br />

ein dynamischeres Bild.<br />

Zum Schluss noch kleine Korrekturen der<br />

Gradationskurven und Tonwerten in Photoshop,<br />

und alles war perfekt.


122<br />

Innenaufnahmen<br />

<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong><br />

Buntstifte<br />

Keine Ideen für Motive? Diese Aufnahmetechnik für Stillleben wird Sie zu eigenen Variationen inspirieren …<br />

Ross Hoddinott: Es gibt diese Tage, an denen man<br />

keine Einfälle hat. Was man braucht, ist nur ein wenig<br />

Inspiration, um alltägliche Objekte für faszinierende<br />

Stilllebenfotos zu modifizieren. So ging es mir eines<br />

verregneten Nachmittags, als ich Zuhause saß und versuchte,<br />

neue Motivideen zu entwickeln. Um die eigene kreative Blockade<br />

zu überwinden, suchte ich im Internet nach einem Denkanstoß<br />

– eine Idee, die ich adaptieren, modifizieren und verbessern<br />

konnte. Nach wenigen Minuten fand ich ein Foto von ins Wasser<br />

getauchten Strohhalmen, umgeben von kleinen Luftblasen. Eine<br />

ganz simple Aufnahme, doch mit großer Wirkung: Ich hatte<br />

meinen Denkanstoß gefunden. Ein paar Minuten später war ich<br />

schon dabei, meine unverwechselbar eigene Version dieses Motivs<br />

zu realisieren.<br />

Vorsicht!<br />

Setup: Ich baute alles<br />

Notwendige für mein Foto in der<br />

Waschküche auf, doch jeder<br />

Raum mit ausreichend Platz und<br />

einem Stromanschluss ist genauso<br />

geeignet.<br />

Seien Sie vorsichtig, wenn Sie in der<br />

Nähe elektrischer Geräte wie<br />

Leuchtkästen mit Flüssigkeiten hantieren.<br />

Es besteht Gefahr für Sie selbst und die<br />

Geräte.<br />

Limonade ist klebrig, halten Sie deshalb<br />

ein feuchtes Tuch griffbereit, um Spritzer<br />

sofort aufwischen zu können.<br />

Vorbereitung Ich wollte Buntstifte fotografieren, die sich unter Wasser<br />

1 befinden. Dabei stellte ich mir kleine Luftblasen vor, die sich um die Spitzen<br />

herum bilden würden, wodurch das Bild seine Attraktivität gewinnen würde.<br />

Zunächst schärfte ich fünf verschiedenfarbige Buntstifte mit einem Bleistiftspitzer, bis<br />

sie alle in etwa eine gleich scharfe Spitze hatten, dann fixierte ich sie mit Klebeband in<br />

einer Reihe.<br />

Hintergrund Bei Stilllebenaufnahmen ist der Hintergrund besonders wichtig.<br />

2 In diesem Fall sollte er einfach weiß sein. Um den Hintergrund zu erzeugen,<br />

benutzte ich einen Leuchtkasten. Ich stellte ihn einfach auf den Boden, sodass ich das<br />

Stativ mit der Kamera direkt darüber positionieren konnte.<br />

Fixierung Hölzerne Buntstifte würden im Wasser voneinander weg treiben,<br />

3 doch da meine schon mit Klebeband verbunden waren, musste ich sie nur unter<br />

Wasser drücken. Ich legte die Stifte in eine Pyrex-Schale und stellte einen mit Wasser<br />

gefüllten Kunststoff-Container als Gewicht darauf. Dann füllte ich die Schale mit<br />

Wasser, bis die Stifte bedeckt waren.<br />

Testfoto Ich benutzte ein Makroobjektiv, um die Spitzen formatfüllend ins Bild<br />

4 zu setzen; ein Nahfilter genügt aber ebenso. Ich wählte Blende f/11 bei ISO 100<br />

und stellte die Kamera direkt über das Setup. Ich richtete die Bildebene parallel zu<br />

den Stiften aus, um den vorhandenen Schärfebereich voll auszunutzen. Ohne<br />

Luftblasen wirkte das Ganze noch etwas langweilig.<br />

Korrektur des Setups Leitungswasser erzielte offensichtlich nicht den<br />

5 gewünschten Effekt, also probierte ich es mit Limonade. Jetzt funktionierte es.<br />

Hunderte winziger Blasen bildeten sich und blieben an den Stiften haften. Ich drehte<br />

die Stifte so, dass sie diagonal im Bild liegen würden, doch das erzeugte zu viel<br />

störenden Leerraum.


Das fertige Bild<br />

Ich änderte die Bildkomposition so, dass die Stifte<br />

deutlich mehr Raum bekamen, und das Bild wurde<br />

sofort ausdrucksstärker. Der integrierte Kamerablitz<br />

lieferte ein Aufhelllicht, das die leuchtenden Farben noch<br />

besser zur Geltung brachte.


124<br />

Innenaufnahmen<br />

<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong>


<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong> Innenaufnahmen 125<br />

Blühender Minimalismus …<br />

Wer hätte gedacht, dass ein so einfaches Setup zu solch großartigen Bildern führen kann? Mithilfe einer<br />

Taschenlampe sind mir verblüffende Aufnahmen gelungen<br />

Helen Sotiriadis: Makroaufnahmen bei<br />

gedämpftem Licht lassen sich wetterunabhängig in den<br />

eigenen vier Wänden machen. Alles, was Sie brauchen,<br />

ist eine dunkle Ecke in einem Zimmer, ein Makroobjektiv<br />

– oder jedes andere Objektiv mit kurzer Arbeitsentfernung – und<br />

genug Fantasie, um alltägliche Objekte zu einem Kunstwerk zu<br />

kombinieren. Es ist gar keine aufwändige Beleuchtung erforderlich,<br />

eine Taschenlampe genügt.<br />

Natürlich gibt es auch bei dieser Aufnahmetechnik einige Dinge,<br />

die Sie dennoch beachten müssen. Aufgrund der langen<br />

Verschlusszeiten und der kurzen Entfernung zum Motiv muss die<br />

Kamera absolut ruhig gehalten werden. Ein Stativ ist unerlässlich,<br />

ebenso ein Fernauslöser oder der eingebaute Selbstauslöser, damit<br />

die Kamera beim Auslösen nicht in Schwingung gerät.<br />

Starke Kontraste in der Bildkomposition machen es erforderlich,<br />

die automatischen Einstellungen der Kamera zu korrigieren oder<br />

alle Kameraeinstellungen manuell vorzunehmen. Nehmen Sie sich<br />

nach der Aufnahme genügend Zeit für die Nachbearbeitung, dann<br />

wird aus einem annehmbaren Foto ein beeindruckendes<br />

Kunstwerk.


126<br />

Innenaufnahmen<br />

<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong><br />

Muss es eine LED-Leuchte sein?<br />

Vielleicht fragen Sie sich, warum wir<br />

eine LED-Leuchte empfehlen, anstatt<br />

einer normalen Taschenlampe?<br />

Nun, LED-Leuchten sind<br />

viel lichtstärker als jede mit<br />

Glühbirnen ausgestattete<br />

Lampe. Außerdem verfügen<br />

sie oft über schwenkbare<br />

Köpfe, mit denen man das<br />

Licht auf einen einzigen Punkt richten oder über<br />

größere Bereiche verteilen kann. Sie werden auch<br />

bemerken, dass LED-Licht weißer ist als das Licht<br />

einer Glühlampe. Das erleichtert die Korrektur des<br />

Weißabgleichs bei der Nachbearbeitung.<br />

Setup Mein Hintergrund bestand aus einem<br />

1 großen Stück schwarzen Kartons. Eine<br />

Rauchglasplatte diente als reflektierender Untergrund<br />

für das Motiv, außerdem hielt sie den Hintergrund in<br />

Position.<br />

Beleuchtung Ich positionierte die LED-Taschenlampe so gegenüber einer<br />

2weißen Tulpenblüte, dass das Licht direkt in die Blüte schien, was den Eindruck<br />

hervorrief, die Blüte selbst leuchte von innen heraus. Das LED-Licht lässt außerdem<br />

die Oberfläche und Beschaffenheit der Blütenblätter deutlicher erkennen.<br />

Kameraeinstellungen Die Kamera ist auf dem Stativ montiert,<br />

3deswegen können Sie beliebig lange Verschlusszeiten wählen und mit ISO 100<br />

fotografieren, um jedes Bildrauschen zu vermeiden. Das Foto soll in einem dunklen<br />

Raum aufgenommen werden, mit der LED-Taschenlampe als einziger Lichtquelle.<br />

Schalten Sie jedoch für die Bildkomposition und zum manuellen Scharfstellen die<br />

Zimmerbeleuchtung ein, dann haben Sie es viel einfacher mit der Scharfeinstellung.<br />

Beleuchtung anpassen Experimentieren Sie bei ausgeschalteter<br />

4Zimmerbeleuchtung mit der Position der LED-Leuchte, wobei jedoch der<br />

Lichtkegel immer in die Blüte hinein gerichtet sein muss. Die Mehrfeldmessung der<br />

Kamera ist hier keine große Hilfe, verwenden Sie deshalb, wenn überhaupt, die<br />

Spotmessung. In diesem Beispiel habe ich die Zeitautomatik und Blende f/2.8<br />

benutzt, was eine Verschlusszeit von 1/10 Sekunde ergab.<br />

Finetuning Ich schaltete die Kamera auf manuelle Betriebsart um,<br />

5ISO-Empfindlichkeit und Blende ließ ich unverändert. Ich begann wieder mit<br />

einer Verschlusszeit von 1/10 Sekunde und verlängerte diese schrittweise, bis ich bei<br />

1/30 Sekunde das beste Ergebnis erhielt. Experimentieren Sie auch mit dem<br />

Weißabgleich. Bei mir erwies sich die Einstellung „Tageslicht“ als am besten geeignet.


Das fertige Bild<br />

Das LED-Licht der<br />

Taschenlampe erweckt den<br />

Eindruck, als leuchte die<br />

Tulpenblüte von innen.<br />

Nachbearbeitung Ein paar Handgriffe sind nötig, um die Oberflächen der<br />

6 Blütenblätter zu akzentuieren. Benutzen Sie das polygonale Lasso-Werkzeug in<br />

Photoshop, um den der Kamera zugewandten Bereich der Blüte auszuwählen.<br />

Bringen Sie eine großzügig bemessene weiche Kante an, um dem ausgewählten<br />

Bereich einen sanften Übergang zu geben. Dann kopieren Sie die Auswahl in eine<br />

neue Ebene und wählen die Füllmethode „Überlagern“, um den Kontrast zu<br />

verstärken.<br />

7<br />

Bild zuschneiden Das Ganze sah jetzt schon recht gut aus, doch für mein<br />

Empfinden war die Bildkomposition nicht ausbalanciert. Ich versuchte deshalb<br />

einen quadratischen Zuschnitt; das war schon besser. Dann beseitigte ich mit dem<br />

Reparaturpinsel-Werkzeug ein paar Staubkörner, die sich unvermeidlich auf der<br />

Rauchglasplatte sammeln.<br />

Abschließend führte ich mit „Ebene > Auf Hintergrundebene reduzieren“ die<br />

Ebenen für das fertige Bild zusammen und speicherte das Ergebnis ab.


128<br />

Innenaufnahmen<br />

<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong><br />

Lassen Sie es platschen …<br />

Wassertropfen sind ein beliebtes Motiv –<br />

vielleicht, weil wir ihre Flüchtigkeit mit unseren<br />

naturgegebenen Sinnen kaum wahrnehmen.<br />

Die Wahrnehmung, wenn Sie von einem<br />

Regenschauer bis auf die Haut durchnässt<br />

werden, ist hier nicht gemeint...<br />

Nicht nass werden!<br />

Halten Sie Ihre Ausrüstung trocken, damit<br />

keine Schäden an der Elektronik entstehen.<br />

Es sollte ständig ein Handtuch bereit liegen,<br />

um Kamera, Objektiv und Blitzgerät sofort<br />

abwischen zu können.<br />

Ross Hoddinott: Wasser ist praktisch<br />

immer fotogen; in gigantischen Massen oder als<br />

winzige Tropfen, für Fotografen scheint es<br />

unwiderstehlich. Kurze Verschlusszeiten machen<br />

einzelne Tropfen sichtbar, lange Zeiten lassen es als<br />

verschwommenen Nebel erscheinen. Wir können<br />

Reflexionen an seiner Oberfläche einfangen oder den<br />

Eindruck von Bewegung erzeugen.<br />

Es gibt zahllose Möglichkeiten, Wasser zu fotografieren –<br />

kein Wunder also, dass es in so vielen Fotos auftaucht. Zu<br />

den bekannteren Wassermotiven gehört die Nahaufnahme<br />

eines Tropfens, der auf eine Wasseroberfläche aufschlägt.<br />

Das Motiv ist fast ein Klischee und nach Meinung vieler<br />

schon längst totgeritten. Und dennoch, richtig in Szene<br />

gesetzt, liefert es immer wieder umwerfende Bilder!<br />

Sie brauchen nicht viel Platz; das Setup passt auf einen<br />

kleinen Tisch in der Küche und ist denkbar einfach. Was Sie<br />

brauchen ist eine digitale Kamera, einen Nahfilter oder ein<br />

Makroobjektiv, ein Blitzgerät und eine handvoll<br />

Kleinigkeiten, die in jedem Haushalt ohnehin vorhanden<br />

sind. In weniger als einer halben Stunde kann alles bereit<br />

sein, und Sie können beginnen, wunderschöne,<br />

skulpturähnliche Wassertropfen zu fotografieren. Also<br />

fangen wir an…<br />

Vorbereitung Sie benötigen einen Container, den sie halb oder zu drei Vierteln<br />

1 mit Wasser füllen. Dort hinein wird der Tropfen fallen. Den Container stellen Sie auf<br />

eine wasserfeste Oberfläche und fixieren einen teilweise mit Wasser gefüllten<br />

Gefrierbeutel etwa einen halben Meter über der Wasseroberfläche.<br />

Benötigte Ausrüstung<br />

Blitzgerät:<br />

Sie benötigen für diese<br />

Aufnahmetechnik<br />

ein von der Kamera<br />

entkoppeltes<br />

Blitzgerät, das<br />

per Kabel oder<br />

drahtlos ausgelöst<br />

werden kann. Das<br />

Blitzlicht muss so<br />

gerichtet werden,<br />

dass es die<br />

Aufschlagszone<br />

des fallenden<br />

Wassertropfens<br />

beleuchtet – also<br />

seinen Hintergrund.<br />

Variieren Sie die<br />

Leistung und den Einfallwinkel<br />

des Blitzlichts, um mehrere<br />

Variationen des Motivs zu<br />

erhalten.<br />

Setup Die auf das Stativ montierte Kamera wird auf die Wasseroberfläche<br />

2 gerichtet. Der Blitz muss so eingerichtet werden, dass das Spiegelbild der fallenden<br />

Wassertropfen in der Wasseroberfläche sichtbar ist. Um das zu erreichen, positionierte<br />

ich ein Stück weißen Kartons an der Containerseite gegenüber der Kamera, um einen<br />

einfachen Hintergrund zu erzeugen, auf den ich das Blitzgerät richtete.<br />

Blitz Technisch betrachtet, entspricht die extrem kurze Blitzzeit der Verschlusszeit<br />

3 der Kamera; je weniger Blitzleistung, desto kürzer wird diese Zeit. Der Blitz sollte<br />

kurz genug sein, um die Tropfen „einzufrieren“. Ich schaltete das Blitzgerät auf manuellen<br />

Betrieb und 1/16 der vollen Blitzleistung; ein guter Ausgangswert, deswegen empfehle<br />

ich Ihnen, es genauso zu machen. Nach Prüfung der ersten Ergebnisse können Sie<br />

eventuell notwendige Änderungen vornehmen.


<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong> Innenaufnahmen 129<br />

Das fertige Bild<br />

Nach 30 Minuten waren einige hübsche<br />

Fotos gelungen.Es fehlte aber noch<br />

Farbe, also schaltete ich den<br />

Weißabgleich von „automatisch“ auf<br />

„Kunstlicht“. Durch diese bewusst<br />

falsche Einstellung entstand ein<br />

Blaustich, der gut zum Motiv passt.<br />

Scharfstellen Nun stach ich ein kleines Loch in den mit Wasser gefüllten<br />

4 Gefrierbeutel, um ein konstantes Tröpfeln zu erzeugen. Dann hielt ich einen<br />

Bleistiftspitze an die Aufschlagstelle der Tropfen und stellte darauf manuell scharf. Eine<br />

Blende von f/8 sollte für genug Schärfentiefe sorgen, die Tropfen scharf abzubilden, doch<br />

die ringförmigen kleinen Wellen unscharf zu halten. Die Blitzsynchronisationszeit stellte<br />

ich auf 1/200 Sekunde ein und die ISO Empfindlichkeit auf 200, um möglichst wenig<br />

Bildrauschen zu erhalten.<br />

Achtung Aufnahme! Nun kann es losgehen. Anfangs brauchen Sie neben<br />

5 einem guten Timing auch eine Portion Glück, um den richtigen Moment zum<br />

Auslösen abzupassen. Machen Sie also ruhig ein paar hundert Aufnahmen, so kommen<br />

Sie in Übung. Das Ergebnis ist bei dieser Aufnahmetechnik nicht bis zum Letzten<br />

vorhersehbar, deswegen wird jedes Foto anders aussehen. Ein Fernauslöser erleichtert<br />

übrigens das Timing. Versuchen Sie, exakt in dem Moment auszulösen, in dem ein<br />

Tropfen aufs Wasser fällt.


<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong><br />

FOLGEN SIE<br />

UNS AUF<br />

FACEBOOK<br />

<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong>-Magazine


<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong> Makro-Equipment 131<br />

MIT DIESEM MAKROZUBEHÖR GELINGEN IHNEN<br />

FANTASTISCHE NAHAUFNAHMEN<br />

NAHFILTER &<br />

ZWISCHENRINGE<br />

LED MAKRO-<br />

RINGLICHT<br />

MAKRO-<br />

EQUIPMENT<br />

MAKRO-<br />

OBJEKTIVE


132<br />

Makro-Equipment<br />

<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong><br />

Nahfilter und Zwischenringe für 15 €<br />

Falls Sie eigentlich immer schon einmal in die <strong>Makrofotografie</strong> einsteigen wollten, aber von den hohen Kosten für<br />

Makro-Spezialobjektive abgeschreckt wurden, gibt es gute Nachrichten für Sie: Anstatt ein paar 100 Euro für ein<br />

Makroobjektiv auszugeben, können Sie die Welt der <strong>Makrofotografie</strong> mit Zubehör für Ihre vorhandenen Objektive<br />

schon ab unter 20 Euro entdecken<br />

Natürlich ist es richtig, dass Makroobjektive<br />

bei höchsten Anforderungen an Bildqualität<br />

und Komfort nicht zu schlagen sind. Sie<br />

sind für extrem kurze Entfernungen<br />

optimiert, und es gibt sie mit Brennweiten<br />

von 50mm bis zu 200mm. Doch Sie sind<br />

teuer. Makroobjektive von Sigma oder<br />

Tamron kosten ab 300 Euro aufwärts;<br />

Originale von Canon oder Nikon noch weit<br />

mehr. Diese Hürde ist für viele zu hoch.<br />

Doch Sie können sich den kleinen Motiven<br />

auch auf andere Weise nähern: mithilfe von<br />

Nahfiltern und Zwischenringen.<br />

Nahfilter<br />

Nahfilter sind eigentlich keine Filter, doch<br />

Sie werden wie ein Filter vor die Frontlinse<br />

des Objektivs geschraubt, daher die<br />

Bezeichnung. Ein Nahfilter ist im Prinzip<br />

nichts anderes als eine Lupe. Er reduziert<br />

die minimale Arbeitsentfernung eines<br />

Objektivs, weswegen der Fotograf näher an<br />

sein Motiv herangehen kann. Nahfilter gibt<br />

es in allen gängigen Filtergewinde-<br />

Durchmessern. – 49mm, 52mm, 58mm<br />

und 67mm – und in verschiedenen<br />

Stärken. Je höher die Dioptrienzahl, desto<br />

stärker die Vergrößerung. Manche<br />

Hersteller produzieren sogar Modelle mit<br />

+10 Dioptrien. Wie man sich denken kann,<br />

bieten Nahfilter den einfachsten Einstieg in<br />

die <strong>Makrofotografie</strong>. Angeboten werden sie<br />

entweder einzeln oder in Sets von<br />

üblicherweise drei Filtern der Stärken +1,<br />

+2 und +4 Dioptrien. Qualitativ gute<br />

Nahfilter-Sets bekommen Sie schon für<br />

unter 20 Euro. Die Preise hängen vom<br />

Durchmesser ab, wobei die Kleineren<br />

logischerweise preisgünstiger sind, weil der<br />

Materialeinsatz geringer ist. Bei eBay<br />

erscheint beispielsweise nach der Eingabe<br />

von „Nahfilter“ im Suchfeld schon auf der<br />

ersten Seite ein Angebot für ein 52mm Set,<br />

bestehend aus vier Nahfiltern inklusive<br />

eines mit +10 Dioptrien. Das Set eignet<br />

sich für Objektive von Sigma, Canon und<br />

Nikon. Es kostet 11,99 Euro inklusive<br />

Versand. Angesichts dieses Preises<br />

bestellte ich es, ohne weiter darüber<br />

nachzudenken.<br />

Nahfilter sind einfach zu benutzen und<br />

beeinträchtigen nicht die<br />

Kamerafunktionen. Sie können also mit<br />

aufgesetztem Nahfilter problemlos aus der<br />

Hand fotografieren.<br />

Doch wo Licht ist, ist bekanntlich auch<br />

Schatten; in diesem Fall das Risiko mehr<br />

oder weniger ausgeprägter chromatischer<br />

und sphärischer Verzerrungen an den<br />

Bildrändern. Von billigerem Zubehör sind<br />

nun mal keine Wunder zu erwarten, und<br />

der höhere Preis eines Makroobjektivs hat<br />

gute Gründe. Trotzdem können Sie auch<br />

mit Nahfiltern sehr gute Resultate erzielen.<br />

Ich selbst habe mit einem Foto, das mit<br />

einem Nahfilter der Stärke +3<br />

aufgenommen war, sogar einen<br />

überregionalen Fotowettbewerb gewonnen.<br />

Wenn Sie Stillleben, Details in der Natur<br />

oder Oberflächenstrukturen aufnehmen<br />

wollen, ist der Nahfilter das Instrument der<br />

Wahl, um die Welt der <strong>Makrofotografie</strong> zu<br />

erschließen.<br />

Nahfilter +4 Dioptrien<br />

36mm Zwischenring<br />

105mm Makroobjektiv


<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong> Makro-Equipment 133<br />

Nahfilter für 12 € – und die Qualität?<br />

Was können Sie nun von einem Nahfilter-Set<br />

für 12 Euro realistischerweise erwarten? Meine<br />

Erwartungen waren jedenfalls nicht besonders<br />

hoch, als das bei eBay georderte Päckchen eintraf.<br />

Rein äußerlich machten die in einem Soft-Case<br />

verpackten Filter jedoch einen guten Eindruck. Wie<br />

würden Sie sich in der Praxis bewähren? Würde<br />

die Bildqualität angesichts des extrem niedrigen<br />

Preises nicht bestenfalls durchschnittlich sein?<br />

Ich benutzte die Filter in Verbindung mit einem<br />

Nikon 18-70 mm Kit-Objektiv, das in meinem<br />

Büro schon lange Staub angesetzt hatte. Das<br />

Schöne an Nahfiltern ist, dass man Sie einfach<br />

nur aufschrauben muss – fertig. Ich begann mit<br />

einigen Aufnahmen, die zu Vergleichszwecken<br />

dienen und die Vergrößerung der unterschiedlichen<br />

Filterstärken demonstrieren sollten. Ich konnte<br />

definitiv wesentlich näher an das Motiv<br />

herangehen, als ich es mit dem „nackten“ Objektiv<br />

gekonnt hätte. Ich habe die Filter nicht miteinander<br />

kombiniert, weil dadurch die Bildqualität zu stark<br />

gelitten hätte. Doch der Nahfilter mit einer Stärke<br />

von +4 Dioptrien erwies sich als stark genug,<br />

um mit meiner Nikon D300 eine Vergrößerung<br />

von etwa 1:2 – also halbe Originalgröße – zu<br />

erreichen; und siehe da, mein Pessimismus war<br />

nicht gerechtfertigt gewesen, denn die Bildqualität<br />

war beeindruckend gut. Natürlich ließ sie an den<br />

Rändern nach, ein paar Farbsäume waren auch<br />

zu sehen, doch dieser Effekt lässt sich durch<br />

+1 Dioptrie +2 Dioptrien<br />

eine möglichst kleine Blende minimieren. Ich<br />

benutzte Blende f/8. Erwartungsgemäß wurde<br />

die Bildqualität umso schlechter, je stärker der<br />

Vergrößerungsfaktor des Nahfilters war. Doch sie<br />

blieb akzeptabel, selbst mit +4 Dioptrien. Der Filter<br />

mit +10 Dioptrien jedoch lieferte Ergebnisse, die<br />

kaum noch hinnehmbar waren. Nur in der Mitte<br />

des Fotos war die Abbildungsleistung angemessen,<br />

alles andere war verschwommen. Gute Nahfilter<br />

der Stärke +10 Dioptrien sind denn auch<br />

üblicherweise viel teurer und bestehen aus zwei<br />

Linsen. Insofern war ich von der schlechten Qualität<br />

nicht überrascht. Doch der Preis von 12 Euro für<br />

drei Nahfilter der Stärken +1, +2 und +4, die<br />

annehmbare Ergebnisse liefern, ist immer noch ein<br />

Schnäppchen.<br />

Populäre Hersteller von Nahfiltern<br />

Es gibt eine große Auswahl an Nahfiltern, und<br />

die Preise liegen weit auseinander. Die meisten<br />

Nahfilter bestehen aus nur einer einzigen Linse.<br />

Teurere Modelle haben zwei Linsen, wodurch<br />

das Problem der chromatischen Verzerrung –<br />

Farbsäume – reduziert wird. Im Folgenden finden<br />

Sie eine Liste gängiger Nahfiltermodelle mehrerer<br />

Hersteller.<br />

B+W<br />

B+W ist ein renommierter<br />

Filterhersteller, der auch<br />

Nahfilter anbietet. Es gibt<br />

Versionen mit den Stärken<br />

+1, +2, +3, +4, +5<br />

und +10, jedoch sind<br />

nicht alle Stärken für alle<br />

Gewindedurchmesser<br />

verfügbar. Die Preise liegen zwischen 20 Euro und<br />

50 Euro pro Stück.<br />

Canon<br />

Die Nahfilter von Canon<br />

verfügen über zwei Linsen<br />

und sind von sehr guter<br />

Qualität. Doch die hat<br />

ihren Preis: die größeren<br />

Durchmesser kosten bis zu<br />

150 Euro.<br />

Hoya<br />

Hoya bietet Stärken<br />

von +1, +2, +3 und<br />

+4 Dioptrien in Größen<br />

zwischen 46mm bis<br />

77mm. Sie liegen im<br />

preislichen Mittelfeld,<br />

wobei die kleineren<br />

Durchmesser schon bei<br />

unter 20 Euro beginnen.<br />

+4 Dioptrien +10 Dioptrien<br />

Kood<br />

Kood verkauft seine<br />

Nahfilter ausschließlich<br />

im Set und zwar in den<br />

Stärken von +1, +2 und<br />

+4 Dioptrien. Sie werden in<br />

einem schützenden Kasten<br />

geliefert und kosten je nach<br />

Durchmesser zwischen 20<br />

Euro und 50 Euro.<br />

Tipps zur Benutzung von<br />

Nahfiltern<br />

1) Nahfilter lassen sich kombinieren,<br />

um eine noch stärkere Vergrößerung zu<br />

erreichen. Schrauben Sie den stärksten Filter<br />

zuerst auf und den Schwächsten zuletzt.<br />

Erfahrungsgemäß sollte man nicht mehr<br />

als drei Filter kombinieren, denn auch jeder<br />

optische Fehler wird gnadenlos verstärkt.<br />

2) Nahfilter sind anfällig für sphärische<br />

Verzerrungen, die das gesamte Bild<br />

„weichzeichnen“. Dieser Effekt kann durch<br />

eine möglichst kleine Blende – f/8 oder kleiner<br />

– minimiert werden.<br />

3) Nahfilter können mit jedem Objektiv<br />

kombiniert werden, doch die besten<br />

Ergebnisse liefern sie mit einem Festobjektiv.<br />

Das 50mm f/1.8 Standardobjektiv ist ideal.<br />

Adapterring<br />

Falls Sie Objektive mit unterschiedlichen<br />

Filtergewinde-Durchmessern besitzen,<br />

kaufen Sie einen Adapterring. Ein solcher<br />

Ring ermöglicht den Einsatz von Filtern<br />

an Objektivgewinden, die sonst zu klein<br />

wären. Wenn Sie z. B. einen 58mm-<br />

Nahfilter haben, den Sie auf ein 52mm-<br />

Gewinde schrauben wollen, wird nur der<br />

passende Adapterring benötigt; zudem spart er Geld<br />

und Platz in der Kameratasche. Es gibt Adapterringe für<br />

zu große und für zu kleine Objektivgewinde.<br />

Solche für zu kleine Gewinde sind die bessere Wahl,<br />

weil sie große Filter an kleine Objektive anpassen.<br />

Wenn Sie umgekehrt einen Filter verwenden, der<br />

eigentlich für das Objektiv zu klein ist, können<br />

Vignettierungen entstehen – das bedeutet, das Foto<br />

wird an den Rändern dunkler.<br />

Nikon<br />

Nikon bietet eine Reihe sehr<br />

hochwertiger, aber sehr<br />

teurer Filter – die Modelle<br />

3T, 4T, 5T und 6T, wobei<br />

die Ziffern der Dioptrienzahl<br />

entsprechen.<br />

Zeikos<br />

Dieser Hersteller<br />

ist bei uns noch<br />

weniger bekannt,<br />

jedoch in den USA<br />

bereits etabliert.<br />

Seine Filter gibt es<br />

in den Stärken von<br />

+3, +4 und +5<br />

Dioptrien, die Durchmesser reichen von 52mm bis<br />

77mm. Die Preise sind eher im unteren Segment<br />

angesiedelt.


134<br />

Makro-Equipment<br />

<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong><br />

Zwischenringe<br />

Einen anderen kostengünstigen Weg in die<br />

<strong>Makrofotografie</strong> bieten Zwischenringe. Sie<br />

werden einfach zwischen Kameragehäuse und<br />

Objektiv geschraubt, sodass sich der Abstand<br />

des Objektivs zum Sensor erhöht. Das führt zu<br />

einer Verringerung der minimalen<br />

Arbeitsdistanz, was bedeutet: Sie können<br />

näher an Ihr Motiv. Ein Zwischenring enthält<br />

keinerlei optische Teile, also keine<br />

Beeinträchtigung der Abbildungsqualität.<br />

Er reduziert jedoch die auf den Sensor fallende<br />

Lichtmenge: Je stärker die Vergrößerung, desto<br />

mehr Licht geht verloren. Natürlich<br />

berücksichtigt das Belichtungsmesssystem der<br />

Kamera diesen Effekt; dennoch sollten Sie<br />

beim Einsatz von Zwischenringen<br />

berücksichtigen, dass die Verschlusszeiten sich<br />

etwas verlängern. Zwischenringe sind<br />

kompakt, leicht und liefern hervorragende<br />

Ergebnisse. Sie sind einzeln oder in Sets von<br />

drei unterschiedlich langen Ringen erhältlich,<br />

übliche Längen sind 12mm, 20mm und<br />

36mm. Je länger der Zwischenring, desto<br />

kleiner die kürzeste Arbeitsentfernung und<br />

umso stärker die Vergrößerung. Zwischenringe<br />

können auch kombiniert werden, um sehr<br />

starke Vergrößerungen zu erreichen, sogar<br />

stärker als 1:1, also die Originalgröße des<br />

fotografierten Objekts.<br />

Nachteil: die Distanz der Kamera zum Objekt<br />

ist sehr kurz, was zumindest bei beweglichen<br />

Objekten Probleme verursacht. Leider haben<br />

Zwischenringe heute gegenüber früheren<br />

Tagen an Popularität verloren, obwohl sie eine<br />

nahezu gleichwertige Alternative zu<br />

Makroobjektiven sind. Die Auswahl ist groß,<br />

und die Preise reichen von 20 Euro bis weit<br />

über 100 Euro. Manuelle Zwischenringe aus<br />

dem unteren Preissegment liefern keine<br />

schlechteren Bildergebnisse als teure Modelle,<br />

unterstützen aber nicht die<br />

Automatikfunktionen der Kamera, sodass alle<br />

Einstellungen manuell vorgenommen werden<br />

müssen. Außerdem kann die Blende nicht<br />

verstellt werden; Ausnahme sind ältere<br />

Objektive, die noch einen Blendeneinstellring<br />

Auf den Punkt!<br />

Diese formatfüllende<br />

Aufnahme entstand mit<br />

einem 20mm<br />

Zwischenring von Kenko in<br />

Verbindung mit einem<br />

18-70mm Kit-Objektiv.<br />

besitzen.<br />

Für komfortables Arbeiten müssen Sie tiefer in<br />

die Tasche greifen, doch dann bekommen Sie<br />

einen Satz automatische Zwischenringe, für<br />

die auch bewegliche Objekte kein Problem<br />

darstellen. Automatische Zwischenringe<br />

unterstützen sämtliche Kamerafunktionen,<br />

sodass Sie Ihre Belichtungs- bzw.<br />

Blendenautomatik und Autofokus wie gewohnt<br />

benutzen können.<br />

Solche Ringe sind ab ca. 80 Euro bis knapp<br />

unter 200 Euro zu haben – angesichts des<br />

Preises für ein Makroobjektiv aber immer noch<br />

ein preiswerter Kompromiss.<br />

„Für komfortables Arbeiten müssen Sie tiefer in die<br />

Tasche greifen, doch dann bekommen Sie einen Satz<br />

automatische Zwischenringe, bei dem auch bewegliche<br />

Objekte kein Problem darstellen.“<br />

Zwischenringe<br />

Dieses kostengünstige Makro-Zubehör ist nicht<br />

mehr so populär wie es einmal war, bietet<br />

aber nach wie vor einen guten Kompromiss im<br />

Preis-Leistungsverhältnis. Für den Einstieg in die<br />

<strong>Makrofotografie</strong> sind Zwischenringe in jedem Fall<br />

geeignet. Canon, Kenko und Nikon gehören zu den<br />

bekannteren Herstellern. Preiswertere Modelle<br />

finden Sie bei eBay und Amazon. Sie können auch<br />

nach gebrauchten Zwischenringen oder nach<br />

Modellreihen suchen, die nicht mehr hergestellt<br />

werden (beispielsweise passen Teleplus und<br />

Minolta für Kameras von Sony).<br />

Canon<br />

Canon stellt einen 12 mm<br />

(EF12) und einen 25mm<br />

(EF25) Zwischenring her.<br />

Beide sind kompatibel<br />

mit den EF-Objektiven,<br />

wobei sämtliche<br />

Kamerafunktionen<br />

unterstützt werden.<br />

Kenko<br />

Kenko-Zwischenringe sind<br />

qualitativ hochwertige<br />

Produkte, die ebenfalls<br />

alle Kamerafunktionen<br />

unterstützen. Es gibt sie<br />

in Längen von 12mm,<br />

20mm und 36mm für alle<br />

gängigen Kameramodelle.<br />

Nikon<br />

Nikon stellt vier<br />

automatische<br />

Zwischenringe mit AI<br />

Diaphragma-Kupplung<br />

her, in Längen zu 8mm<br />

(PK-11A), 14mm (PK-<br />

12), 27,5mm (PK-13)<br />

und 52,5mm (PN-11).<br />

Olympus<br />

Olympus bietet den<br />

Zuiko Digital EX-25<br />

Zwischenring an. Er ist<br />

25 mm lang und kostet<br />

über 160 Euro, womit<br />

er eindeutig im oberen<br />

Preissegment liegt.<br />

Makro-Ideen: Was fotografieren Sie mit Makro-Zubehör?<br />

1) Blumen<br />

Schon mit einem preiswerten Nahfilter<br />

oder Zwischenring können Sie großartige,<br />

formatfüllende Fotos von Blumen<br />

schießen, ganz gleich ob im Garten, wild<br />

wachsend oder in der Vase.<br />

2) Insekten<br />

Sie brauchen kein teures Makroobjektiv,<br />

um Insekten zu fotografieren. Mit<br />

preiswertem Makrozubehör haben Sie<br />

alles, was Sie brauchen.<br />

3) Stillleben<br />

Ein weiteres beliebtes Motiv der<br />

<strong>Makrofotografie</strong>, sind Stillleben. Aus<br />

kurzer Entfernung aufgenommene<br />

Alltagsobjekte können ganz anders<br />

aussehen als wir sie gewöhnt sind.<br />

4) Oberflächen<br />

Enthüllen Sie fotogene Oberflächen<br />

von Objekten. Sie werden erstaunliche<br />

Muster und winzige Details entdecken.<br />

Versuchen Sie es zu Beginn mal mit der<br />

Spitze eines Bleistifts.


<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong> Makro-Equipment 135<br />

Alles im grünen Bereich…<br />

Die <strong>Makrofotografie</strong> ermöglicht es, interessante<br />

Details aus ihrem Zusammenhang zu isolieren.<br />

Ein Makroobjektiv brauchen Sie nicht unbedingt,<br />

preiswertes Makrozubehör reicht völlig aus.<br />

Vergrößerungsfaktor von<br />

Zwischenringen<br />

Der Vergrößerungsfaktor eines Zwischenrings ergibt<br />

sich, wenn Sie die Länge des Zwischenrings durch die<br />

Brennweite des Objektivs teilen.<br />

Wenn Sie z. B. einen 25mm Zwischenring mit<br />

einem 50mm Objektiv kombinieren, erhalten Sie<br />

einen Vergrößerungsfaktor von 1:2, was der halben<br />

Originalgröße des fotografierten Objekts entspricht.<br />

Derselbe Zwischenring, kombiniert mit einer<br />

Brennweite von 100mm, ergibt einen Faktor von 1:4,<br />

also ein Viertel der Originalgröße des Objekts.<br />

Diese Werte gelten für die minimale Arbeitsdistanz,<br />

wenn die Entfernung auf „unendlich“ eingestellt ist.<br />

Wenn Sie auf einen näheren Bereich scharf stellen,<br />

erhöht sich die Vergrößerung.<br />

Wenn Sie optimale Vergrößerungen erreichen wollen,<br />

kombinieren Sie Zwischenringe mit Brennweiten<br />

im Bereich von 35 bis 70mm. Unter 35mm wird<br />

die Arbeitsdistanz zu gering; über 70mm hingegen<br />

wird die Gesamtlänge aus Kameragehäuse,<br />

Zwischenring und Objektiv so groß, dass man nur<br />

noch schwer praktisch arbeiten kann, weil sich der<br />

Kameraschwerpunkt sehr weit nach vorn verlagert.<br />

Weiteres Makrozubehör<br />

Balgengerät<br />

Ein Balgengerät<br />

funktioniert prinzipiell<br />

genauso wie ein<br />

Zwischenring, doch<br />

dank des flexiblen<br />

Lichtschachts<br />

ist dessen Länge<br />

stufenlos einstellbar. Mit einem Balgengerät<br />

können Sie sehr hohe Vergrößerungen erreichen.<br />

Analog zu den Zwischenringen gibt es manuelle<br />

und automatische Balgengeräte, mit denselben<br />

Vor- und Nachteilen. Automatische Balgengeräte<br />

ermöglichen also sämtliche Kamerafunktionen,<br />

sind jedoch teuer. Das Novoflex Balgengerät kostet<br />

beispielsweise um die 400 . Im Internet finden Sie<br />

jedoch manuelle Versionen aus China für unter 30<br />

. Sie unterstützen keinerlei Automatik, und auch<br />

hier benötigen Sie ein älteres Objektiv mit eigenem<br />

Blendeneinstellring, andernfalls können Sie nur<br />

mit der größten Blende arbeiten und entsprechend<br />

gering ist die Schärfentiefe.<br />

Umkehrring<br />

Ein unkonventioneller,<br />

gleichwohl praktikabler<br />

Einstieg in die <strong>Makrofotografie</strong><br />

besteht auch in der Benutzung<br />

eines Umkehrrings. Der<br />

ermöglicht es Ihnen, das<br />

Objektiv „verkehrt herum“<br />

an der Kamera zu montieren.<br />

Auf diese Weise erhalten Sie ein Makroobjektiv,<br />

das bei einer hohen Vergrößerung ausgezeichnete<br />

Bildqualität liefert. Das beste Ergebnis erhalten<br />

Sie, wenn Sie den Umkehrring in Verbindung mit<br />

einem Festbrennweitenobjektiv verwenden. Auch<br />

hier verhält es sich so, dass preiswerte Umkehrringe<br />

die Automatikfunktionen der Kamera außer Kraft<br />

setzen. Gegebenenfalls brauchen Sie auch noch<br />

einen weiteren Adapter, um die Blende offen zu<br />

halten. Es gibt jedoch auch Umkehrringe, die alle<br />

Kamerafunktionen unterstützen. Sie sind jedoch<br />

dermaßen teuer, dass Sie sich für das Geld schon<br />

ein reguläres Makroobjektiv leisten könnten.


136<br />

Makro-Equipment<br />

Manuelle Zwischenringe<br />

Automatische Zwischenringe Kosten bis zu 150 Euro, doch es gibt eine<br />

Alternative, mit der Sie beste Ergebnisse für unter 20 Euro bekommen.<br />

Produkt: Makro-Zwischenringe<br />

Preis: 10-20 Euro<br />

Lee Frost: Wie die meisten jungen<br />

Fotografen verbrachte ich viel Zeit<br />

damit, unterschiedliche Genres<br />

auszuprobieren, um herauszufinden,<br />

welche Bereiche der <strong>Fotografie</strong> mir am besten<br />

liegen. Die Nah- und Makro-<strong>Fotografie</strong> schien<br />

mir interessant zu sein, doch mein klammes<br />

Budget ließ damals keine größere Investition zu<br />

als einen Umkehrring, den ich an meinem<br />

Zenith SLR Gehäuse in Verbindung mit meinem<br />

50 mm Standard Objektiv verwenden konnte,<br />

so dass ich einen größeren Naheinstellbereich<br />

erhielt.<br />

Ich erinnere mich noch gut, wie ich mit der<br />

Kamera im Garten herumgerannt bin und<br />

versucht habe, Insekten und Schmetterlinge zu<br />

fotografieren. Ganz schön frustrierend! Die<br />

einzige Möglichkeit zum Schärfe einstellen war,<br />

die Kamera vor oder zurück zu bewegen; doch<br />

mit einem Schärfentiefebereich von nur<br />

wenigen Millimetern war es praktisch<br />

unmöglich, den gewünschten Teil des Insekts<br />

scharf zu bekommen. Ganz zu schweigen<br />

davon, dass ich ohne Stativ fotografierte und<br />

das Wetter sehr windig war. Ich weiß bis heute<br />

nicht, wie ich mich beherrscht habe, die<br />

Kamera nicht in die Hecke zu werfen; jedenfalls<br />

gelangte ich damals zu der Überzeugung, die<br />

ganze <strong>Makrofotografie</strong> sei nichts für mich, und<br />

konzentrierte mich fortan mehr auf<br />

Landschaften.<br />

Heute, 30 Jahre später, habe ich die Aufgabe<br />

herauszufinden, inwieweit Zwischenringe<br />

wirklich eine Alternative zum Makroobjektiv<br />

sein können. Zunächst standen mir bei dem<br />

Gedanken schon die Haare zu Berge; doch 30<br />

Jahre sind eine lange Zeit, die Technik hat sich<br />

weiter entwickelt, und vielleicht hatte ich<br />

damals einfach etwas falsch gemacht…<br />

Zwischenringe sind schon seit Jahrzehnten im<br />

Gebrauch. Im Wesentlichen handelt es sich<br />

dabei um nichts anderes als um Röhren, die<br />

zwischen Kameragehäuse und Objektiv<br />

montiert werden. Dadurch bekommt das<br />

Objektiv eine wesentlich geringere<br />

Naheinstellentfernung. Je länger der<br />

Zwischenring, desto stärker wird die<br />

Vergrößerung und umso geringer wird die<br />

kürzestmögliche Entfernung des Motivs zum<br />

Objektiv. Eine Faustregel besagt, dass die Länge<br />

des Zwischenrings in Millimetern der effektiven<br />

Brennweite des Objektivs entsprechen sollte,<br />

wenn Objekte im Verhältnis von 1:1 abgebildet<br />

werden sollen. Wenn Sie also beispielsweise ein<br />

Objektiv mit 50 mm Brennweite in Verbindung<br />

mit einem 50mm-Zwischenring benutzen,<br />

bekommen Sie eine Abbildung des Objekts in<br />

Originalgröße. In der Praxis bedeutet das, dass<br />

Sie den Bildausschnitt mit einem Bereich füllen<br />

können, der dieselbe Größe hat wie der Sensor<br />

der Kamera, also beispielsweise 24x36mm<br />

beim Vollformat.<br />

Die Kamerahersteller bieten Zwischenringe<br />

einzeln in unterschiedlichen Längen an.<br />

Unabhängige Hersteller verkaufen<br />

Zwischenringe üblicherweise in Sets von jeweils<br />

drei Stück, wobei jeder Ring eine andere Länge<br />

hat, so dass Sie mit einem einzelnen oder<br />

mehreren aufeinander geschraubten<br />

Zwischenringen die gewünschte Vergrößerung<br />

erreichen können.<br />

Verglichen mit den Kosten für ein Balgengerät,<br />

das heute etwas aus der Mode ist, oder den<br />

Kosten für ein Makroobjektiv, bieten<br />

Zwischenringe einen extrem kostengünstigen<br />

Einstieg in die <strong>Makrofotografie</strong>: Ein Canon<br />

EF25II Zwischenring kostet um die 150 , ein<br />

Set von drei Kenko-Zwischenringen etwa<br />

dasselbe.<br />

Zum Vergleich: Für ein Canon EF 100mm f/2.8<br />

Macro IS USM Objektiv müssen Sie ca. 600<br />

hinblättern. Doch dieser große Preisunterschied<br />

ist gar nichts, verglichen mit den maximal 20<br />

für einen Satz einfacher Zwischenringe. Im<br />

Internet können Sie solche Ringe sogar ab 12<br />

bestellen.<br />

Diese preiswerten Zwischenringe erledigen ihre<br />

Aufgabe nicht besser oder schlechter als solche,<br />

die wesentlich teurer sind. Der Unterschied<br />

– und der Grund, warum die Preise so weit<br />

auseinandergehen –, bestehen darin, dass<br />

teurere Modelle die elektronische<br />

Kommunikation zwischen Kamera und Objektiv<br />

aufrecht erhalten, um die Funktionen von<br />

Belichtungsprogrammen und Autofokus zu<br />

gewährleisten. Das können die Billigmodelle<br />

nicht, die Kommunikation zwischen Kamera<br />

und Objektiv ist unterbrochen – Sie müssen also<br />

alle Kameraeinstellungen manuell vornehmen.<br />

Wer sich bisher ausschließlich auf den<br />

Autofokus verlassen hat, mag dies als<br />

inakzeptable Einschränkung empfinden –<br />

andererseits stellen erfahrene Makrofotografen<br />

die Schärfe sowieso lieber manuell ein, selbst<br />

wenn ihre Ausrüstung Autofokusfunktionen<br />

bietet. Warum ist das so? Weil der<br />

Schärfentiefenbereich bei kurzen Distanzen<br />

extrem klein ist, kommt es auf extreme<br />

Präzision bei der Scharfeinstellung an. In<br />

solchen Situationen ist das menschliche Auge<br />

jedem Autofokus überlegen.<br />

Unser getesteter Zwischenring-Satz bestand<br />

aus fünf Einzelteilen: den Ringen selbst mit den<br />

Längen 9mm, 16mm und 30mm sowie zwei<br />

Canon EF Bajonett-Anschlüssen je einer für den<br />

Anschluss des Zwischenrings an die Kamera<br />

und für den Anschluss des Objektivs an den<br />

Zwischenring. Dieses Ensemble ist auch für<br />

Kameras anderer, gängiger Marken erhältlich.<br />

Sie können jeden Zwischenring einzeln oder in<br />

einer beliebigen Kombination der Ringe<br />

verwenden. Ich benutzte sie an meinem Canon<br />

EF 50mm f/1.8 Objektiv, für das ich weniger als<br />

75 bezahlt hatte. So hatte ich ein<br />

fantastisches Makro-Setup, mit dem ich 1:1<br />

abbilden konnte, das Ganze für unter 100 .<br />

Preiswerter geht es wohl kaum.<br />

Ich begann mit Nahaufnahmen der Blüten einer<br />

farbenfrohen Gerbera. Idealerweise wäre ich<br />

nach draußen gegangen, wo die<br />

Lichtverhältnisse etwas besser waren, doch es


Makro-Equipment 137<br />

Manuelle Zwischenringe<br />

Preis: deutlich unter 20<br />

Passend für alle gängigen Modelle der großen<br />

Kamerahersteller<br />

Betrieb: Manuelles Scharfstellen, manuelles<br />

Einstellen von Blende und Verschlusszeit<br />

Konstruktion: Metall<br />

Gewicht: zwischen 100g und 130g<br />

Sets enthalten 9mm-, 16mm- und 30mm-<br />

Zwischenringe mit Anschlüssen für Kamera und<br />

Objektiv<br />

Bei Amazon und anderen Lieferanten finden Sie<br />

Marken wie BV und Jo, Fotodix, Neewer und<br />

Power Planet. Die Produkte funktionieren alle<br />

gleich und stammen in manchen Fällen sogar von<br />

demselben Hersteller. Unser Set passte für Canon<br />

EOS Kameras, es gibt sie aber auch für Nikon und<br />

alle anderen gängigen Kameramodelle.<br />

Oben: Mit Geduld und etwas Zeitaufwand gelingen<br />

auch Ihnen mit einfachen, manuellen Zwischenringen<br />

verblüffende Nahaufnahmen.<br />

Oben links: Idealerweise montieren Sie Ihre<br />

Kamera auf ein Stativ, wenn Sie die Zwischenringe<br />

verwenden, um ein Verwackeln der Kamera zu<br />

vermeiden.<br />

Vergleich: An dieser Dollarnote wird sichtbar, wie<br />

wirkungsvoll Zwischenringe sind und wie nah Sie<br />

herangehen können, um den Bildausschnitt mit einem<br />

sehr kleinen Bereich auszufüllen.<br />

9mm Zwischenring<br />

30mm Zwischenring<br />

50mm Objektiv<br />

16mm Zwischenring<br />

Alle drei Zwischenringe aufeinander<br />

Automatische oder manuelle<br />

Zwischenringe?<br />

Automatische und manuelle Zwischenringe sehen<br />

praktisch identisch aus, erfüllen denselben Zweck<br />

und liefern vergleichbare Bildqualität – trotzdem<br />

gibt es signifikante Unterschiede.<br />

Manuelle Zwischenringe<br />

Der Hinweis steckt schon in der Bezeichnung:<br />

ihnen fehlt jede automatische Funktion. Die<br />

Kamera muss auf manuelle Belichtung eingestellt<br />

sein und obwohl das TTL-Messsystem einen<br />

recht genauen Wert liefern wird, müssen Sie unter<br />

Umständen davon abweichen. Das Scharfstellen<br />

geschieht komplett von Hand – seien Sie dabei<br />

so akkurat wie möglich. Die Verwendung einer<br />

kleinen Blendenöffnung ist möglich, doch deren<br />

Einstellung ist kompliziert.<br />

Fantastischer Gegenwert fürs Geld<br />

Hohe Bildqualität<br />

Leicht und kompakt<br />

Umständlich zu benutzen<br />

Sucherbild ist sehr dunkel<br />

Ungeeignet für bewegte Objekte<br />

Automatische Zwischenringe<br />

Falls Sie bereit sind, das ca. 20-fache auszugeben,<br />

genießen Sie den Komfort der vollen Funktionalität<br />

Ihrer Kameraelektronik. Das TTL-Messsystem<br />

liefert wie gewohnt exakte Ergebnisse, das<br />

Autofokussystem funktioniert und Sie können<br />

jede beliebige Blende wählen. Gleichwohl ist das<br />

manuelle Scharfstellen in den meisten Fällen<br />

vorzuziehen.<br />

Schneller und einfacher zu benutzen<br />

Hohe Bildqualität<br />

Bessere Verarbeitung<br />

Sucherbild ist trotzdem sehr dunkel<br />

Wesentlich teurer<br />

Manuelles Scharfstellen ist dem Autofokus<br />

überlegen


138<br />

Makro-Equipment<br />

<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong><br />

Tipps für Zwischenringe<br />

Ein paar einfache Hinweise, wie Sie manuelle<br />

Zwischenringe am besten nutzen:<br />

1) Lassen Sie sich Zeit: Manuelle Zwischenringe<br />

verlangsamen den Aufnahmeprozess deutlich,<br />

da wir uns inzwischen an die Schnelligkeit und<br />

die Effizienz der Digitaltechnik gewöhnt haben.<br />

2) Stellen Sie die Kamera auf „Manuell“: Sie<br />

müssen manuell belichten und das Objektiv<br />

manuell scharfstellen.<br />

3) Augen anpassen: Ist das Sucherbild zu<br />

dunkel, blicken sie trotzdem konsequent<br />

darauf, dann werden ihre Augen sich an die<br />

schlechteren Lichtverhältnisse gewöhnen, und<br />

Sie können mehr erkennen.<br />

4) Viele Aufnahmen: Schießen sie sehr viele<br />

Aufnahmen, das erhöht die Chancen, dass<br />

wenigstens eine davon gelingen wird. Regeln Sie<br />

die Schärfe nach, bis der gewünschte Teil des<br />

Objekts scharf abgebildet wird.<br />

5) Abblenden: Wenn Sie maximale<br />

Schärfentiefe erreichen wollen, blenden Sie mit<br />

der weiter oben beschriebene Technik bis auf die<br />

kleinste Blendenstufe ab – ich fotografierte mit<br />

Blende f/22 und die Schärfentiefe war trotzdem<br />

sehr gering.<br />

6) Motivauswahl: Bleiben Sie bei statischen<br />

Motiven in einer kontrollierten Beleuchtung<br />

Umgebung – mit manuellen Zwischenringen<br />

arbeiten Sie schlicht zu langsam für<br />

lebende Motive und sich schnell ändernde<br />

Lichtverhältnisse.<br />

7) Benutzen Sie eine Taschenlampe: Leuchten<br />

Sie Ihr Objekt mit einer Taschenlampe an,<br />

um das Scharfstellen zu vereinfachen – das<br />

gilt besonders dann, wenn Sie alle drei<br />

Zwischenringe gleichzeitig verwenden.<br />

8) Nicht Verwackeln: Montieren Sie die<br />

Kamera auf ein Stativ und fotografieren Sie per<br />

Fernauslöser.<br />

9) Vibrationen vermeiden: Benutzen Sie die<br />

Spiegel-Verriegelung der Kamera, um die Gefahr<br />

von Vibrationen zu verringern, die zu unscharfen<br />

Bildern führen würden.<br />

10) Denken Sie unkonventionell:<br />

Experimentieren Sie, seien Sie kreativ, versuchen<br />

Sie etwas Neues und vor allem – Haben sie ihren<br />

Spaß dabei!<br />

Näher ran: Zwischenringe helfen<br />

Ihnen, interessante Bilder natürlicher und<br />

menschengemachter Objekte zu fotografieren,<br />

von Blumen und Pilzen bis zu Essbesteck und<br />

Süßigkeiten. Diese Bilder kratzen nur an der<br />

Oberfläche dessen, was mit diesem Makrozubehör<br />

alles möglich ist.<br />

war sehr windig, und es wäre praktisch<br />

unmöglich gewesen, die sich bewegende Blüte<br />

genau in dem Moment einzufangen, in dem sie<br />

durch den extrem geringen<br />

Schärfentiefenbereich schwingen würde.<br />

Also blieb ich im Haus, wo es naturgemäß keine<br />

Brise gibt, doch die schlechteren<br />

Lichtverhältnisse führten zu einem anderen<br />

Problem: je länger die durch die Zwischenringe<br />

gebildete Verlängerung, desto dunkler wird das<br />

Sucherbild. Doch nicht nur das, auch die<br />

Schärfentiefe verringert sich weiter, was äußerst<br />

präzises Scharfstellen erforderlich macht. Dafür<br />

aber war der Sucher bereits zu dunkel. Ich<br />

versuchte es mit dem LiveView der Kamera,<br />

doch auch damit konnte ich mein Objekt nicht<br />

klar genug erkennen. Also nahm ich eine<br />

Taschenlampe, mit der ich die Blume<br />

anleuchtete, und nun reichte die Helligkeit des<br />

Sucherbildes zum Scharfstellen aus. Ich machte<br />

eine Testaufnahme und vergrößerte sie auf dem<br />

Kameramonitor, um die Schärfentiefe zu<br />

überprüfen. Sie passte nicht ganz, also<br />

vergrößerte ich die Entfernung zwischen Blume<br />

und Kamera minimal und machte ein neues<br />

Testfoto. Diesen Vorgang musste ich mehrere<br />

Male wiederholen, doch am Ende bekam ich<br />

hervorragende Bilder, und der Aufwand hat sich<br />

gelohnt.<br />

Als weiterer Faktor ist bei manuellen<br />

Zwischenringen zu berücksichtigen, dass sie die<br />

Blende nicht wie gewohnt einstellen können. Es<br />

passiert einfach nichts – sie bleibt in der<br />

maximal geöffneten Stellung, in meinem Fall<br />

f/1.8. Schon bei normaler Nutzung des<br />

Objektivs ist der Schärfentiefebereich mit dieser<br />

Blende recht gering; durch die Zwischenringe<br />

wird er hauchdünn.<br />

Wenn Sie eine Canon DSLR benutzen, gibt es<br />

eine wenngleich etwas aufwendige Lösung<br />

dieses Problems (siehe Kasten gegenüber). Ich<br />

machte einige Aufnahmen mit Blende f/22, um<br />

die Schärfentiefe zu „maximieren“ (hier ein<br />

relativer Begriff, denn die Schärfentiefe betrug<br />

auch bei dieser Blende nur wenige Millimeter).<br />

Gravierender war, dass das Sucherbild durch<br />

das Abblenden noch dunkler wurde. So kam ich<br />

denn auch auf Belichtungszeiten von bis zu 25<br />

Sekunden. Das ist kein Problem, solange die<br />

Kamera auf einem stabilen Stativ sitzt und man<br />

einen Fernauslöser benutzt, doch es darf nicht<br />

die geringste Bewegung des Objekts oder der<br />

Kamera erfolgen, sonst war die Mühe umsonst.<br />

Um die richtige Belichtung festzustellen,<br />

werden Sie etwas experimentieren müssen. Sie<br />

können die Kamera nicht einfach auf<br />

Zeitautomatik schalten und loslegen, sondern<br />

Sie müssen alles von Hand einstellen. Machen<br />

Sie ein Testfoto mit einer Verschlusszeit, von der<br />

Sie glauben, sie sei angemessen. Nun<br />

überprüfen Sie das Bild und dessen<br />

Histogramm, passen die Verschlusszeit an, falls<br />

erforderlich und schießen erneut. Nach zwei<br />

oder drei Versuchen sollte die Belichtung<br />

passen, alles andere ist dann nur noch<br />

„Finetuning“.<br />

Im Verlauf eines Nachmittags machte ich<br />

Dutzende Aufnahmen, wobei sich mehr und<br />

mehr Routine bei mir einstellte. Schließlich<br />

wagte ich mich trotz der fragwürdigen<br />

Windverhältnisse nach draußen, wobei die<br />

Kamera allerdings nur mit dem kürzesten


<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong> Makro-Equipment 139<br />

Zwischenring ausgestattet war. Ich machte ein<br />

paar Aufnahmen aus der Hand, wobei die<br />

Blende auf f/8 und die ISO-Empfindlichkeit auf<br />

400 eingestellt waren. Zwischenringe bewirken<br />

Lichtverlust, deswegen musste ich die<br />

Belichtung nachregeln, wie es auch bei den<br />

meisten Filtern erforderlich ist. Mit ISO 100<br />

erreichte ich annehmbare Verschlusszeiten von<br />

1/100 Sekunde und kürzer. Bei den<br />

Aufnahmen, die auf diese Weise gelangen, war<br />

die Schärfe überraschend gut.<br />

Ich erreichte die beste Scharfeinstellung<br />

dadurch, dass ich die Kamera näher an das<br />

Objekt heran oder weiter von ihm weg bewegte<br />

und blitzschnell abdrückte, wenn der scharf<br />

abzubildende Teil des Motivs in den<br />

Tiefenschärfebereich gelangte. Diesen Prozess<br />

wiederholte ich mehrere Male, um sicher zu<br />

gehen, dass ich wenigstens eine Aufnahme<br />

richtig im Kasten hatte. Die aufgetretenen,<br />

wenn auch geringen Veränderungen des<br />

Schärfebereichs sorgten für ganz<br />

unterschiedliche Fotos. Schließlich machte mir<br />

das Herumspielen mit dem unzureichenden<br />

Schärfentiefebereich sogar Spaß und ich<br />

beendete den Nachmittag mit einer Unmenge<br />

von Fotos mit weit offener Blende, so dass<br />

immer nur ein winziger Streifen des Objekts<br />

scharf zu erkennen war, während alles Andere<br />

sich in Unschärfe verlor.<br />

Eingefleischte Makrofotografen werden sich mit<br />

solchen minimalistischen Zwischenringen<br />

bestimmt nicht anfreunden und falls Sie selbst<br />

die Absicht haben sollten, beispielsweise Käfer<br />

und Spinnen lebensgroß oder stärker vergrößert<br />

abzubilden, werden auch Sie damit nicht<br />

glücklich werden. Manuelle Zwischenringe sind<br />

nicht besonders gut für das <strong>Fotografie</strong>ren aus<br />

der Hand geeignet und schon gar nicht zur<br />

Aufnahme von sich bewegenden Motiven. Doch<br />

wenn Sie sich in einer Umgebung, die Sie gut<br />

kontrollieren können, auf statische Objekte<br />

beschränken, sich Zeit lassen und aus ihren<br />

Fehlern lernen – so wie ich es gemacht habe –<br />

lassen sich damit fantastische Ergebnisse<br />

erzielen.<br />

Schärfentiefe-<strong>Vorschau</strong><br />

Ein großer Nachteil manueller Zwischenringe<br />

ist die Tatsache, dass Sie die Blende nicht wie<br />

gewohnt einstellen können, da die Kamera<br />

nicht mit dem Objektiv kommunizieren kann.<br />

Aus diesem Grund könnten sie eigentlich nur<br />

mit größter Blendenöffnung fotografieren,<br />

doch bei den EOS-Kameras von Canon gibt<br />

es einen Trick, mit dem sie trotzdem kleinere<br />

Blendenwerte einstellen können. So geht´s:<br />

1) Stellen Sie die gewünschte Blende ein,<br />

bevor Sie die Zwischenringe montieren.<br />

2) Drücken Sie den Knopf für die<br />

Schärfentiefe-<strong>Vorschau</strong> (DOF) an der Kamera,<br />

so dass die Blende auf den eingestellten Wert<br />

abblendet.<br />

3) Nun nehmen Sie das Objektiv bei<br />

gedrückter DOF-Taste vom Kameragehäuse<br />

ab. Sie werden feststellen, dass die Blende<br />

auf dem eingestellten Wert stehen bleibt.<br />

4) Montieren Sie das Objektiv mit den<br />

Zwischenringen an die Kamera.<br />

Tatürlich ist das eine erhebliche Bastelei, die<br />

Sie jedes Mal wiederholen müssen, wenn<br />

Sie die Blende ändern wollen. Wenn Sie mit<br />

Blendenwerten über f/8 arbeiten, wird das<br />

Sucherbild sehr dunkel, und ab Blende f/16<br />

muss das Umgebungslicht sehr hell sein,<br />

um die Schärfe korrekt einstellen zu können.<br />

Nehmen Sie zur Not eine Taschenlampe zu<br />

Hilfe.<br />

Falls Sie eine Nikon oder Pentax besitzen<br />

und noch ältere Objektive haben, auf deren<br />

Tubus Blendenringe graviert sind, können<br />

Sie mit weit offener Blende scharfstellen und<br />

anschließend die gewünschte Arbeitsblende<br />

einstellen, bevor Sie auslösen.


140<br />

Makro-Equipment<br />

<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong><br />

LED Makro-Ringlicht<br />

Für etwa 40 können Sie sich ein LED Makro-Ringlicht zulegen, dessen Funktionalität beachtlich ist.<br />

Sehen wir es uns einmal genauer an…<br />

Produkt: Ring 48 Macro LED<br />

Preis: ab etwa 40 Euro<br />

Das Ringlicht ist eine relativ neue<br />

Lichtquelle in der <strong>Fotografie</strong>. Es ähnelt<br />

dem Ringblitz sehr stark, und es wird<br />

auch genauso an der Kamera<br />

angebracht, nämlich am Filtergewinde des<br />

Objektivs. Auch der Zweck ist ähnlich: es soll nah<br />

am Objektiv befindliche Objekte beleuchten.<br />

Es gibt jedoch auch einige Unterschiede zum<br />

Ringblitz. Der wichtigste ist, dass ein Ringlicht<br />

ständig eingeschaltet ist und nicht, wie der<br />

Ringblitz, nur im Moment des Auslösens. Das ist<br />

deswegen so, weil ein Ringlicht keine Blitzlampe<br />

enthält, sondern mit mehreren kleinen weißen<br />

LED ausgerüstet ist, wie man sie auch bei<br />

Taschenlampen findet. Sie erzeugen ein sauberes,<br />

helleres Licht als die traditionelle Glühbirne, wobei<br />

Sie weniger Energie verbrauchen und trotzdem<br />

wesentlich haltbarer sind. Darüber hinaus sind sie<br />

billig herzustellen, und das ist der Grund, warum<br />

sie eine LED-Taschenlampe im Baumarkt schon<br />

ab 2 bekommen und warum ein mit 48 LED<br />

ausgerüstetes Ringlicht schon ab etwa 40 zu<br />

haben ist. Ob Sie sich allerdings eins zulegen<br />

sollten, mit dieser Frage wollen wir uns hier<br />

befassen.<br />

Für ein Ringblitzgerät müssten Sie jedenfalls einen<br />

dreistelligen Betrag hinblättern, insofern ist es eine<br />

interessante Frage, ob unser Ring 48 Gerät nicht<br />

nur viel Geld spart, sondern einen Ringblitz<br />

tatsächlich ersetzen kann. Wir haben unser<br />

Ringlicht im Internet bestellt. Als es eintraf, waren<br />

wir zunächst von der Ausstattung angenehm<br />

überrascht: das Päckchen enthielt das eigentliche<br />

Blitzgerät, eine Steuereinheit, die auf den<br />

Zubehörschuh der Kamera geschoben wird, ein<br />

Netzkabel und sechs Adapterringe für die Montage<br />

des Geräts an Objektive mit Filtergewinden von 49<br />

bis 67mm. Für die Stromversorgung stehen zwei<br />

Optionen zur Auswahl: Sie können für<br />

Außeneinsätze zwei AA Batterien oder<br />

wiederaufladbare Akkus benutzen, für<br />

Innenaufnahmen steht Ihnen über das<br />

mitgelieferte 3 Volt Netzteil auch Netzstrom zur<br />

Verfügung. Das ist recht komfortabel, verglichen<br />

mit anderen Geräten, die zur Stromversorgung<br />

ausschließlich auf Batterien angewiesen sind.<br />

Das eigentliche Ringlicht besteht aus 48<br />

kleinen weißen LED, die ständig<br />

eingeschaltet sind. Eine Blitzfunktion<br />

gibt es nicht, die einzige vorhandene<br />

Kontrollmöglichkeit besteht darin,<br />

wahlweise alle 48 LEDs oder jeweils<br />

24 an der rechten oder linken Seite<br />

einzuschalten.<br />

An einer Seite der Steuereinheit<br />

befinden sich zwei Buchsen: ein<br />

Ausgang, der per Kabel mit dem Ringlicht<br />

verbunden wird und ein Eingang für die externe<br />

Stromversorgung. An der gegenüberliegenden<br />

Seite des Gehäuses befinden sich der Ein/Aus-<br />

Schalter, mit dem außerdem zwischen<br />

Batteriestrom und Netzstrom gewählt wird und<br />

ein kleines rotes Licht, das leuchtet, wenn das<br />

Gerät in Betrieb ist.<br />

Verglichen mit einem der bekannten<br />

Marken-Ringblitzgeräte wirkt unser Ring 48<br />

geradezu spartanisch. Der Canon MR-14EX<br />

Ringblitz beispielsweise kommt mit zwei<br />

Einstell-Leuchten, dem eigentlichen Blitzring,<br />

einer viel höheren Ausgangsleistung, drahtloser<br />

E-TTL Autoblitzfunktion sowie einem beleuchteten<br />

LCD zur Erleichterung der Bedienung. Natürlich<br />

würden wir alle ein solches Gerät bevorzugen,<br />

WUSSTEN<br />

SIE SCHON?<br />

Ringblitzgeräte kosten<br />

dreistellige Eurobeträge.<br />

Ein LED-Ringlicht ist<br />

für Makrofotos eine fast<br />

gleichwertige, aber viel<br />

preiswertere<br />

Alternative.<br />

Oben: Meine Kameraausrüstung bestand aus<br />

einer Canon EOS 550D mit dem Tamron 60mm<br />

f/2 Makroobjektiv. Das Ring 48 wurde auf das<br />

Filtergewinde des Objektivs geschraubt.<br />

Rechts: Die Nahaufnahme einer Gerbera wurde<br />

durch das LED-Ringlicht sehr gut ausgeleuchtet.<br />

doch keineswegs die Tatsache, dass<br />

man sich dafür von weit über 500<br />

trennen muss.<br />

Beschäftigen wir uns weiter mit<br />

dem Ring 48. Was ist mit diesem<br />

Gerät möglich und was nicht?<br />

Sinn und Zweck der Ringform der<br />

Lichtquelle ist die Ausleuchtung<br />

von Makromotiven, deswegen legen<br />

wir darauf auch den Schwerpunkt<br />

unserer Betrachtungen. Laut<br />

Werbebroschüre und Bedienungsanleitung ist<br />

das Ring 48 jedoch gleichermaßen für Porträts<br />

geeignet. Dieses Versprechen weckte starke<br />

Zweifel in mir, denn ich nahm an, die geringe<br />

Leistung der Stromversorgung würde bedeuten,<br />

dass man seinem Motiv sehr nah sein muss,<br />

damit die 48 LED überhaupt einen<br />

nennenswerten Einfluss auf die Lichtverhältnisse<br />

haben können. Deswegen wollte ich die<br />

Behauptung über die Eignung als Lichtquelle für<br />

Porträts als erstes überprüfen.<br />

Ich stellte die Kamera auf Zeitautomatik, Blende<br />

f/4 und ISO 400. Korrekturen zur Anpassung der<br />

Verschlusszeit und der Schärfentiefe würden<br />

später kommen. Eine Bekannte erklärte sich<br />

bereit, als Model zu fungieren und sah sich bald<br />

Ring 48 Macro LED<br />

Einzelhandel: etwa 40 Euro<br />

Zahl der LED: 48<br />

Steuerung:<br />

Alle LED an, 24 LED rechtsoder<br />

linksseitig an<br />

Gewicht:165g<br />

mitgeliefertes Zubehör: Batterien,<br />

Steuereinheit, Netzadapter, Ringblitz, sechs<br />

Adapterringe (49mm, 52mm, 55mm, 58mm,<br />

62mm, 67mm)<br />

Dieses Ringlicht ist unter unterschiedlichen<br />

Bezeichnungen im Handel – Ring 48 und<br />

Neewer sind nur zwei davon, und beide werden<br />

für ca. 40 verkauft. Gegen diesen Preis ist<br />

angesichts der adäquaten Verarbeitungsqualität<br />

und der variablen Einsatzfähigkeit nichts<br />

einzuwenden. Wenn Sie mit den vorhandenen<br />

Einschränkungen leben können, insbesondere<br />

mit der gegenüber dem Ringblitz deutlich<br />

reduzierten Reichweite, haben Sie damit<br />

eine äußerst vielseitige Lichtquelle für die<br />

<strong>Makrofotografie</strong>.<br />

den 48 LED auf kurze Entfernung gegenüber.<br />

Doch wie sich herausstellte, war deren Leuchtkraft<br />

besser als erwartet. Konkret hieß das: ich konnte<br />

aus annehmbarer Entfernung aus der Hand<br />

schießen, wobei Kopf und Schultern des Models<br />

im Bildausschnitt waren und zufriedenstellend<br />

ausgeleuchtet wurden. Ich machte also ein paar<br />

Aufnahmen, doch die Dauerbeleuchtung wurde


142<br />

Makro-Equipment<br />

<strong>Digitale</strong> <strong>Fotografie</strong> <strong>Themen</strong> - <strong>Makrofotografie</strong><br />

Makro: Ringlicht oder Ringblitz?<br />

Makro-Ringlicht und Makro-Ringblitz sind<br />

sich sehr ähnlich, weisen aber auch große<br />

Unterschiede auf:<br />

Makro-Ringlicht<br />

Es kommen helle LED zum Einsatz, die in einem<br />

dem Ringblitz ähnlichen<br />

Gehäuse untergebracht<br />

sind. Der Hauptunterschied<br />

zum Blitz besteht aber<br />

darin, dass die LED<br />

permanent eingeschaltet<br />

sind. Das Makro-Ringlicht<br />

bietet nur grundlegende<br />

Funktionen der Lichtsteuerung. Die meisten<br />

Geräte sind für Tageslicht ausgelegt.<br />

Sehr