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BoxSport Huck: "Mich kann keiner mehr schlagen" (Vorschau)

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Boxsport . Februar 2014

Nr. 02 . Februar 2014 . € 4,20 . spanien € 5,30 . Österreich € 4,85 . Schweiz sfr. 8,40

www.box-sport.de

90. Jahrgang 1882

sport

DAS MAGAZIN: alles Über PROFIS UND AMATEURE

Marco Huck (l.) dominierte

seinen Gegner Firat Arslan

Nach seinem grandiosen

K.o.-Sieg über Arslan

Huck: „Mich kann

keiner mehr schlagen“

Jetzt will er das Schwergewicht aufmischen

Trainer Fritz Sdunek

Angst

um Vitali

Klitschko

Zwei Box-Legenden im Interview

Was Maske und

Rocky verbindet

AIBA-Präsident Wu

Ulrich Bittner:

Seine Visionen für die WSB

➤ Manuel Charr verliebt in Ronaldos Schwester ➤ Jürgen Brähmer:

Rückblick auf verrücktes Jahr ➤ Bundesliga: Hanau jagt jetzt Velbert


Hans Reski

Wegner droht Klitschko

mit dem Huck-Hammer

Bittner träumt vom Boxen in der Stierkampfarena von Palma

Seit fast 84 Jahren wartet die Nation darauf, dass

ein deutscher Boxer wieder Weltmeister im Schwergewicht

wird. Gesucht wird der Erbe von Max Schmeling,

der diesen Titel am 12. Juni 1930 gewann – durch

Disqualifikation nach einem Tiefschlag von seinem Gegner

Jack Sharkey in der vierten Runde.

Einige waren später nahe dran, wie Axel Schulz oder

Luan Krasniqi. Doch sie scheiterten kurz vor dem Ziel.

Axel Schulz verlor umstritten 1995 in Las Vegas gegen

George Foreman und Krasniqi 2005 unglücklich durch

einen K.o. gegen Lamon Brewster. Jetzt greift „Käpt‘n

Huck“ an. Nach seinem Sieg gegen den „Eisenmann“

Firat Arslan strotzt er vor Selbstbewusstsein und erklärt:

„Wenn ich fit bin, schlage ich alle, auch im Schwergewicht.

Ich werde dafür sorgen, dass mein Trainer seinen

ersten Schwergewichts-

Weltmeister bekommt.“

Auch Wegner selbst ist

Feuer und Flamme von

dieser Idee: „Diesen Huck-

Hammer kann auch Wladimir

Klitschko nicht verdauen.

Wir wollen diesen

Kampf noch in diesem

Jahr.“ Alles über den großen

Kampf von Huck in der

Höhle des Löwens finden

Sie auf Seite 8.

Schon im vorigen Jahr

wurde über die Knaller-

Paarung Klitschko gegen

Huck gemunkelt. Doch

nach der lauen Vorstellung von Huck beim ersten Gefecht

mit Arslan war dieses Thema schnell vom Tisch.

Der wilde Marco ist inzwischen reifer und konsequenter

geworden, jetzt könnte ein Kampf gegen Wladimir ein

echter Quoten-Hit werden. Im Wege allerdings stehen

hier noch die Pflichtaufgaben von Klitschko gegen Leapai

und Pulev. Vielleicht kriegt Huck dann eine Chance,

um den Titel von Bruder Vitali zu kämpfen. Denn Vitali,

der am 19. Juli 43 Jahre alt wird, sollte an diesem

Tag eher Präsident der Ukraine sein, als noch einmal

in den Ring zu steigen. Was der Ex-Box-Weltmeister in

den letzten Wochen bei den Unruhen in Kiew erlebte

und wie sein Trainer und Freund Fritz Sdunek um ihn

bangte, lesen Sie auf Seite 14.

Ein Box-Star, der in den 90er Jahren als Gentleman-Boxer

strahlte, wurde oft mit dem großen Max Schmeling verglichen.

Gemeint ist Henry Maske, der im Freizeitpark

Rust bei einer großen Gala seinen 50. Geburtstag feierte.

Als Gäste dabei seine größten Gegner Graciano Rocchigiani

und Virgil Hill. Lesen Sie dazu das Doppel-Interview

von Maske und Rocky, der ebenfalls gerade seinen 50.

Geburtstag gefeiert hat, auf Seite 16. Die Erzrivalen von

einst sind inzwischen gute Freunde geworden.

Am 1. März steigt die nächste Box-Gala in Magdeburg.

Der Privatsender Sat.1 überträgt den dritten Akt des

Dauerbrenners Stieglitz gegen Abraham. Nach zwei Gefechten

steht es 1:1. Wie die Akteure dieses Mal ihre

Chancen sehen – ab Seite 24.

Aber auch bei den olympischen Boxern kommt Schwung

in die Bude – durch Ulrich Bittner. Der neue Chef des

WSB-Teams Deutschland dreht ein großes Rad, ein Riesenrad,

um diese Mannschaftsweltmeisterschaft auch

in Deutschland populär

zu machen. Er investiert

viel Geld in dieses Himmelfahrts-Kommando

und

fühlt sich selbst „wie auf

der Achterbahn“. Aber

mit immer neuen Visionen

sorgt er für Überraschungen.

So träumt er

von einem Viertelfinale des

deutschen Teams gegen

Kuba, das er Ende März in

der Stierkampfarena von

Palma de Mallorca austragen

will. Als Matchmaker

hat er bereits das Box-Urgestein

Ebby Thust angeheuert.

Aber nicht nur in der WSB, sondern auch in der Bundesliga

sorgt der „Hansdampf“ für Furore. Jetzt hat er die

Staffel seines Boxring Hanau noch durch Artur Bril, den

ehemaligen Jugend-Olympiasieger, verstärkt. Kommt

jetzt die große Attacke auf Rekordmeister BC Velbert?

Alles über die WSB und die Bundesliga lesen Sie ab Seite

46.

Es scheint also, dass nach dem mageren Jahr 2013 jetzt

wieder die Post abgeht im deutschen Boxen. Also, Ring

frei!

BoxSport

3


INHALT

Namen, Nachrichten, Termine............................................. 6

Hucks Meisterstück in der Höhle des Löwens..................... 8

Arslan: Das Leben geht weiter........................................... 10

Großes Kino für Zeuge....................................................... 12

Wladimir Klitschko: Erst Leapai – dann Pulev.................... 13

Vitali Klitschko: Der Kampf in Kiew................................... 14

Warum Rocky Henry Maske als Trainer wollte.................. 16

Netzer: „Henry ist ein Gigant des deutschen Sports“ ....... 20

Hernandez träumt von Karriere als Film-Schauspieler....... 22

Sturm-Manager will jetzt Revanche gegen Murray........... 37

Weber „will Sturms erster Weltmeister werden“............. 38

Zwei Lieblinge verließen Startrainer Wegner – warum?... 40

Alekseev: Comeback als Promoter von Ceylan.................. 42

Zbik ist jetzt ein Lehrer, der Autogramme gibt................... 44

WSB: Ersatzmann Teziev wie ein Tiger.............................. 46

Deutsche Adler von den Wüstenfalken gerupft................. 48

Bittner: „Ich fühle mich wie auf einer Achterbahn“........... 50

Kuba und Ukraine weiter Spitze......................................... 52

Stieglitz hat eine neue Überraschung für Abraham........... 24

Abraham: „So zerstöre ich Roberts Taktik“........................ 26

Die Kubaner um

Roniel Iglesias

Sotolongo

(rechts im Bild)

marschieren in

der WSB von

Erfolg zu Erfolg

Seite 48

Arthur Abraham

ist sich sicher,

dass sein erster

Hammer die Taktik

von Robert Stieglitz

ruinieren wird

Seite 26

Haye ist „eine falsche Schlange“ ...................................... 28

Charr verliebt in Ronaldos Schwester................................ 29

Brähmers Rückblick auf ein verrücktes Jahr...................... 30

Logan der fünfte Trainer – wird Culcay jetzt besser?......... 32

Die BoxSport-Weltrangliste............................................... 34

Macht der „alte Fritz“ Gomez wieder flott?....................... 36

1. Bundesliga: Mit Artur Bril ist Hanau eine Macht........... 54

Riese Schulz enttäuschte Mantau..................................... 56

Eine Medaille in Rio ist Marutjans Ziel.............................. 58

2. Bundesliga: Seelze nicht zu schlagen............................ 60

Ergebnisse und Termine..................................................... 61

Die Beyers machen die Box-Kids flott................................ 62

Langes Geburtstag: Parade der Stars von gestern............. 63

Aus den Verbänden............................................................ 64

Lesen Sie nächsten Monat ................................................ 66

4 BoxSport


Ulli Wegner

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Namen Nachrichten

Boxen

Im fernsehen

Samstag, 1. März 2014: Sat.1 und ran.de, 19.00

Uhr Live aus Magdeburg – WBO-Weltmeisterschaft

im Super-Mittelgewicht: Robert

Stieglitz vs. Arthur Abraham

Solis gegen

Thompson im März

n Olympiasieger Odlanier Solis

trifft am 22. März auf den Amerikaner

Tony Thompson. „Die

Verträge sind unterzeichnet, es

ist alles unter Dach und Fach“,

bestätigte Promoter Ahmet Öner,

der den Kampf wahrscheinlich

im türkischen Kusadasi ausrichten

will. „Solis gegen Thompson

ist ein absoluter Knaller, den

ich überall auf der Welt machen

könnte. Ich bin sehr froh, dass

wir uns einig geworden sind und

freue mich auf diesen absoluten

Weltklasse-Kampf im Schwergewicht.“

Mit Thompson und Solis

treffen zwei ehemalige Klitschko-Gegner

aufeinander.

Murats Vertrag aufgelöst?

n Über eine Meldung der Bild-

Zeitung, der Sauerland-Stall

habe den Vertrag mit Karo Murat

über den 31.12.2013 hinaus

nicht verlängert, zeigte sich Murat

überrascht: „Journalistische

Freiheit ist wichtig, es ist auch

ein kreativer Beruf. Fakt ist, dass

ich mit Sauerland sehr gut zusammengearbeitet

habe und es

auch weiterhin tun werde. Ob

unter ihrer Flagge oder der eines

anderen Stalls, werden wir

sehen. Noch ist nichts entschieden.“

Sauerland-Geschäftsführer

Frederick Neß hatte dem

Boulevardblatt die Trennung

hingegen bestätigt.

Peterson will nun

Garcia boxen

nIBF-Halbweltergewichts-

Champion Lamont Peterson

(30-4-2, 22 K.o.s) hat die vorzeitige

Niederlage gegen Lucas

Matthysse verdaut und sich

mit einem Sieg gegen den kanadischen

Pflichtherausforderer

Dierry Jean (25-1, 17 K.o.s)

erfolgreich zurückgemeldet

(115:113, 116:112, 118:111). Peterson

bestimmte ab Mitte des

Kampfes den Infight mit seinen

Körpertreffern und Haken. Nun

strebt er einen Vereinigungs-

Der „Vater des Boxens“ ist tot

kampf gegen WBC- und WBA-

Champion Danny Garcia an.

Froch vs. Groves

wird wiederholt

n Der WM-Kampf zwischen

Carl Froch und George Groves

wird nach dem umstrittenen

Ringrichterurteil wiederholt.

Der Boxverband IBF ordnete einen

Rückkampf zwischen den

Im September 2013

präsentierte sich José

Sulaimán bei einer

Pressekonferenz des WBC

in Mexiko-City noch recht

munter

n Die Profiszene hat eine ihre

schillerndsten Figuren verloren:

Der Präsident des World Boxing

Council (WBC), José Sulaimán,

ist im Alter von 82 Jahren gestorben.

Der Mexikaner hatte

sich seit vergangenem Oktober

in einer Klinik in Los Angeles

von einer Bypass-Operation erholt.

„Viele nannten ihn den Vater

des Boxens. Er hat alle Boxer

wie seine Söhne und Töchter

behandelt, er litt mit ihnen und

arbeitete jeden Tag seines Lebens

daran, den Boxsport bes-

Don King (links) und Julio Cesar Chavez

zählten zu den zahlreichen Trauergästen

ser und sicherer zu machen“,

hieß es in der Stellungnahme

des WBC. „Unser lieber Vater

hat seine letzten zwölf Runden

geboxt. Jetzt hat die letzte Glocke

geschlagen. José Sulaimán

– Sieger nach einstimmiger Entscheidung.“

Sulaimán engagierte sich

während seiner Zeit als WBC-

Präsident unter anderem für einen

besseren Schutz der Boxer.

So wurden auf sein Bestreben

hin die Runden bei WM-Kämpfen

von 15 auf zwölf reduziert, er

führte verpflichtende ärztliche

Untersuchungen vor und nach

den Kämpfen ein und setzte ein

viertes Seil in den Boxringen

durch. Die Regeländerungen

aber werden anders als die diversen

Skandale im Umfeld des

umtriebigen Boxfunktionärs

kaum in Erinnerung bleiben.

Diverse Fehlurteile gehörten

ebenso zu den Markenzeichen

seiner Amtszeit wie die Einführung

obskurer Titel, um neue

Geldquellen zu erschließen. Eine

der letzten Amtshandlungen

Sulaimáns war im Dezember

2013 die erneute Ernennung

von Vitali Klitschko zum Weltmeister

im Ruhestand.

Sulaimán führte den WBC über

38 Jahre. Laut Guinness-Buch

der Rekorde war er der weltweit

dienstälteste Präsident

eines Sportverbandes. Erst im

November war er für weitere

vier Jahre im Amt bestätigt

beiden britischen Supermittelgewichtlern

an, wie Promoter

Eddie Hearn berichtete. Froch

hatte Ende November durch

technischen K.o. gewonnen. Die

Entscheidung, den Kampf nach

einer Schlagserie von Froch abzubrechen,

rief Proteste hervor,

zumal Groves zu dem Zeitpunkt

auf den Punktzetteln aller Punktrichter

vorn lag. Der Unterlegene

hatte Einspruch eingelegt. Der

worden. Zudem hatte ihm der

WBC den Ehrentitel „Präsident

auf Lebenszeit“ verliehen.

Als aussichtsreichster

Kandidat für seine Nachfolge

wird sein Sohn Mauricio gehandelt.

Zur Bestattungsfeier

waren neben der Familie und

WBC-Verbandsmitglieder viele

Wegbegleiter Sulaimáns gekommen,

wie BDB-Präsident

Thomas Pütz. „Ich kannte Jose

Sulaiman schon sehr lange,

er ist über die Jahre zu einem

väterlichen Freund geworden,

zu dem ich immer aufgeschaut

und von dem ich viel gelernt

habe. Deswegen war es trotz

der Kurzfristigkeit selbstverständlich

für mich, dass ich

unbedingt bei der Trauerfeier

anwesend sein will“, meinte

Pütz. Auch Promoter-Legende

Don King oder der mexikanische

Ex-Weltmeister Julio

Cesar Chavez zählten zu den

Trauernden.

Rückkampf muss innerhalb von

90 Tagen über die Bühne gehen,

bestimmte die IBF.

Chisora auf

Gegner-Suche

n Schwergewichts-Europameister

Dereck Chisora (19-4, 13

K.o.s) ist nach der verletzungsbedingten

Absage des Ukrainers

Andriy Rudenko auf der Suche

6 BoxSport


Termine

Mildere

Strafe

für

Kluch

n Der seit Mai 2013 in Untersuchungshaft

sitzende Boxpromoter

Waldemar Kluch, Chef des

seit November 2012 insolventen

Hamburger Profistalls Universum,

kann auf eine mildere Strafe

hoffen. In einer Zwischenbilanz

nach 15 Verhandlungstagen

Zwei Jahre Freiheitsstrafe stehen

Waldemar Kluch vermutlich bevor

erklärte der Vorsitzende Richter Bernd Steinmetz am 17. Januar,

dass der Vorwurf der räuberischen Erpressung gegen den 55-Jährigen

möglicherweise nicht aufrechterhalten werden könne. Nach

den Ausführungen der bisher gehörten Zeugen gehe die Kammer

davon aus, dass lediglich die mutmaßlich von Kluch an den früheren

Universum-Chef Klaus-Peter Kohl per SMS verschickte Morddrohung

geahndet werden könne. Diese rechtfertige den Vorwurf

der versuchten Nötigung, die mit einer Freiheitsstrafe von bis zu

drei Jahren zu Buche schlagen kann.

Auch der Vorwurf der Urkundenfälschung und des versuchten

Prozessbetrugs sei möglicherweise nicht nachzuweisen.

Kluch soll im Juli 2012 einen Vertrag mit dem russischen Schwergewichtler

Denis Boytsov mit einer gefälschten Unterschrift versehen

haben, um diesen länger an Universum zu binden. Die

widersprüchlichen Aussagen Boytsovs und von dessen Manager

Gagik Khachatryan seien jedoch kaum zu verwerten, sagte Steinmetz.

Dennoch bekräftigte das Gericht, dem vor Weihnachten

abgelehnten Antrag auf Haftverschonung, den die Verteidigung

Kluchs gestellt hatte, weiterhin nicht stattgeben zu wollen. Man

gehe von einer Freiheitsstrafe von mindestens zwei Jahren aus.

Der Prozess wird voraussichtlich noch bis Ende Februar fortgesetzt.

nach einem Ersatz für die geplante

Titelverteidigung am 15.

Februar in London. „Wir haben

einige Leute, mit denen wir Gespräche

führen, und wir werden

den Namen in Kürze verkünden“,

sagte Chisoras Promoter

Frank Warren.

Martinez vs. Cotto

noch nicht fest

n Noch ist nichts in trockenen

Tüchern, doch die Verhandlungen

zwischen WBC-Mittelgewichts-Weltmeister

Sergio

Martinez (51-2-2, 26 K.o.s) und

Miguel Cotto (38-4, 31 K.o.s) laufen

auf Hochtouren. Das Duell

zwischen dem Argentinier und

dem Puerto Ricaner ist für den

7. Juni im New Yorker Madison

Square Garden anvisiert. Platzt

der Kampf, würde Martinez in

seiner Heimat zur Pflichtverteidigung

gegen den Mexikaner

Marco Antonio Rubio (58-6-1, 50

K.o.s) in den Ring steigen.

Pacquiao: Rematch

gegen Bradley

n Am 12. April boxt Manny

Pacquiao (55-5-2, 38 K.o.s) in

Las Vegas – der Rückkampf zwischen

ihm und WBO-Weltergewichts-Weltmeister

Timothy

Bradley (31-0, 12 K.o.‘s) wurde

festgemacht. Das Urteil pro

Bradley war im ersten Kampf

höchst umstritten. Da ist es für

den Pacquiao vielleicht nicht so

schlimm, dass es Wunschkandidat

Floyd Mayweather nicht

geworden ist. Der hatte ohnehin

kürzlich erst gelästert: „Ich habe

deutsche termine

1. März 2014, Getec Arena in Magdeburg

WBO-WM im Super-Mittelgewicht: Robert Stieglitz vs. Arthur Abraham

IBF-Junioren-WM im Cruisergewicht: Dennis Ronert vs. Shefat Isufi

WBO/WBF-WM im Mittelgewicht: Christina Hammer vs. TBA

internationale termine

15. Februar 2014, Copper Box Arena, London

Schwergewichts-Europameisterschaft: Dereck Chisora vs. TBA

Schwergewichtskampf: Tyson Fury vs. TBA

22. Februar 2014, Cotai Arena at the Venetian Macau in Macau, China

IBF-WM im Leichtgewicht: Miguel Vazquez vs. Denis Shafikov

WBA/IBO-WM im Federgewicht: Simpiwe Vetyeka vs. Akifumi Shimoda

Fliegengewichtskampf: Zou Shiming vs. Yokthong Kokietgym

Super-Fliegengewichtskampf: Rex Tso vs. Mako Matsuyama

1. März 2014, Alamodome in San Antonio, Texas (USA)

WBO-WM im Federgewicht: Orlando Salido vs. Vasyl Lomachenko

Super-Mittelgewichtskampf: Julio Cesar Chavez Jr. vs. Bryan Vera

1. März 2014, SECC in Glasgow, Schottland

WBO-Weltmeisterschaft im Leichtgewicht: Ricky Burns vs. Terence Crawford

8. März 2014, Las Vegas (USA)

Super-Weltergewichtskampf: Canelo Alvarez vs. Alfredo Angulo

Manny Pacquiao freut sich auf den

Rückkampf gegen Timothy Bradley

Pacquiao den Kampf schon einmal

angeboten und wir konnten

uns nicht einigen. Jetzt, zwei

Niederlagen und eine Steueraffäre

später, sagt er plötzlich: ‚Ich

würde alles tun, um den Kampf

möglich zu machen‘.“ In Wirklichkeit

heiße das nichts Anderes

als: „Floyd, kannst du mir dabei

helfen, mein Steuerproblem

zu lösen und aus den Schulden

herauszukommen.“

Stevens in 46

Sekunden zum K.o.

n Bryant Jennings (18-0, 10

K.o.s) ist weiter auf Kurs Titelkampf.

Im Duell der ungeschlagenen

Schwergewichtler bezwang

der Amerikaner den Polen Artur

Szpilka (16-1, 12 K.o.s), während

sich sein Landsmann Curtis

Stevens (25-4, 18 K.o.s) nach der

Niederlage im WM-Kampf gegen

Gennady Golovkin mit einem

eindrucksvollen Sieg gegen den

Polen Patrick Majewski (21-2, 12

K.o.s) zurückmeldete. Mittelgewichtler

Stevens benötigte für

seinen Triumph gerade mal 46

Sekunden, dann brach der Ringrichter

nach drei Niederschlägen

den Kampf ab.

Abdusalamov in der Reha

n Der „russische Tyson“ Magomed

Abdusalamov befindet

sich mittlerweile in der Reha.

Der 32-Jährige, der nach seinem

Fight gegen Mike Perez zwei

Monate im Koma gelegen hatte,

konnte nach Weihnachten das

Krankenhaus verlassen, war

aber weder in der Lage zu sprechen,

noch zu laufen. Erst einmal

drei Monate Reha sind nun

geplant, die Kosten von 51.000

US-Dollar pro Monat dafür übernimmt

der russische Promoter

Andrey Ryabinsky.

Wach: Comeback

gegen Barrett

n Mariusz Wach (27-1, 15

K.o.s), der zuletzt bei seiner Niederlage

gegen Wladimir Klitschko

im November 2012 im Ring

gestand hat, weil er danach nach

einer positiven Dopingprobe

(Steroide) ein Jahr gesperrt wurde,

kehrt am 21. Februar in den

Ring zurück. Möglicher Gegner:

der US-Amerikaner Monte Barrett

(42).

Bösel empfiehlt sich

für höhere Aufgaben

n Der ungeschlagene Ex-Junioren-Weltmeister

im Halb-

Schwergewicht Dominic Bösel

empfahl sich auf einer Kampfveranstaltung

im slowakischen

Struova mit einem eindeutigen

und kurzen Auftritt für weitere

Aufgaben, nun im Seniorenbereich.

Gegen den Ungarn Attila

Tibor Nagy (8-12-0 (6)) setzte

sich der 24-Jährige überaus deutlich

durch. Mit diesem Sieg baute

Bösel seine Kampfbilanz auf 14

Siege in 14 Kämpfen aus.

BoxSport

7


Marco Huck nach seinem Meisterstück in de

„Wenn ich fit bin, kan

keiner auf der Welt sc

Er will der erste Schwergewichtsweltmeister von T

Maßvoll, geradezu ritterlich

in der Stunde

des großen Triumphs

– so hatte man Marco

Huck noch nicht erlebt. Ist der

einstige Haudrauf boxerisch

und menschlich gereift? Es sah

so aus und es hörte sich so an

in der Hanns-Martin-Schleyer

zu Stuttgart. Es war endlich mal

wieder ein Abend, mit dem sich

das deutsche Profiboxen sehen

lassen kann. Mit über 10.000

Zuschauern rund um den Ring,

einem verbissenen Duell zwischen

WBO-Weltmeister Huck

und seinem Herausforderer

Firat Arslan, das keinen Stillstand

kannte, mit zwei Athleten,

die Boxen im Akkord praktizierten.

Das war vor allem das

Verdienst des Wahl-Schwaben,

der sich und dem Gegner keine

Verschnaufpausen gönnte, ihn

schier erdrücken wollte, voll auf

Offensive setzte. Das ist sein ureigener

Stil, verschanzt hinter

einer Doppeldeckung.

Doch der 43-Jährige hat seinen

Meister gefunden. Und zwar

nicht erst in jener 76. Sekunde

der sechsten Runde, als Ringrichter

Mickey Vann (England)

Zwei harte Treffer von Marco Huck besiegelten in der sechsten Runde die Niederlage von Firat Arslan (am Boden)

Aus

Stuttgart

berichtet

Hans-Joachim

Leyenberg

„Der Kampf geht

in die Geschichte

ein“, meinte Marco

Huck (links) im

Überschwang der

Gefühle

Arslan vor dem dritten

Niederschlag bewahrte

und den Fight abbrach.

Der Reflex aus dem

Arslan-Lager: Eine

Sekunde der Unaufmerksamkeit

sei ihrem

Firat zum Verhängnis

geworden, habe jene

Strategie durchkreuzt,

die auf die späteren

Runden setzte, „da

sollte Druck aufgebaut

werden“, wie Arslan-

Intimus Luan Krasniqi

verriet. Wenn Arslan so

eindimensional weitergemacht

hätte wie bis

zum Zeitpunkt des Niederschlags,

konnte man

ihm keine gute Prognose stellen.

Huck setzte und variierte seine

Schläge mit einer Präzision, für

die Firat kein Gegenmittel fand.

Der Niederschlag auf den Zetteln

der Punktrichtern: Vier Runden

für Huck, eine für Arslan. So

strukturiert, so durchgängig die

Übersicht behaltend, hat man

Huck noch nicht erlebt.

„Der Kampf geht in die Geschichte

ein“, sagte der alte und

neue Cruisergewichts-Champion

nach seiner zwölften erfolgreichen

Titelverteidigung im

Überschwang der Gefühle. Das

Dutzend ist also voll. Und jetzt?

Denn ewig lockt das Schwergewicht.

Die an Huck gerichtete

Frage nach dem Einstieg in die

8 BoxSport


er Höhle des Löwens

n mich

chlagen“

Nach dem Kampf ließ

sich Huck feiern

Trainer Wegner werden

Königsklasse beantwortete Ulli

Wegner diplomatisch: „Das wird

das Management entscheiden.“

Doch dann wurde der Trainer

ansatzweise so mutig wie sein

Ziehboxer: „Na klar muss das

unser Ziel sein. Ich hab noch

keinen Weltmeister im Schwergewicht.“

Als hätte Huck nur auf

dieses Stichwort gewartet, nahm

er die Vorlage auf und versprach:

„Ich werde Ihr erster Weltmeister

im Schwergewicht.“

Jetzt wird sich zeigen, in welcher Gewichtsklasse die Erfolgsgeschichte von Ulli

Wegner (rechts) und seinem Schützling weitergeht

Mit 29 Jahren hat man halt

noch Träume. Zu recht. Dem mit

Maß und Bedacht geschliffenen

Huck ist alles zuzutrauen. Sein

Meisterstück von Stuttgart war

mehr als eine Momentaufnahme,

die das Arslan-Team gesehen

haben wollte. Promoter Kalle

Sauerland bescheinigte „dem

würdigen Weltmeister eine ganz

große Zukunft“. Ihn hatten Reaktionen

im weltweiten Netz des

Internets geradezu euphorisiert.

Wie Huck nachgesetzt hatte, den

Kampf beendete, „steigert den

Marktwert“. Seine Reifeprüfung

absolvierte Huck „in der Höhle

des Löwens“. So empfand er die

Stimmung pro Arslan, ohne sich

beeindrucken zu lassen. Im Gegenteil.

Widerstände beflügeln

Huck – das kennt Zuchtmeister

Wegner zur Genüge.

Am Ende blieb Respekt für

Arslan und Bewunderung für

Huck. Ein schmerzvoller Stimmungswandel

für jene, die sich

um ihren Firat scharten. Beim

Einzug in die Arena wirkte er

wie ein Kraftpaket, dem Niemand

etwas anhaben kann. Ausgerechnet

bei diesem Heimspiel,

in dem er der Gerechtigkeit mit

Verspätung zum Sieg verhelfen

wollte, musste er erstmals in seiner

Karriere zu Boden. „Marco

schlägt hart, er hat verdient

gewonnen“, sagte Arslan, was

Sache war, „es tut mir leid fürs

Team“. Da bekam Ulli Wegner

feuchte Augen und wollte ein

paar Worte loswerden: „So fleißig,

so solide, wie die zusammenhalten,

beispielhaft.“ Ein

Zusammenhalt, wie ihn sich der

Cheftrainer im ungleich größeren

Sauerland-Team ersehnt und

wohl nie erreichen wird. Jetzt

stehen die Planspiele an, wie es

mit dem WBO-

Champion weitergeht.

„Wenn ich

topfit bin, kann

mich keiner

auf der Welt

schlagen“, tönte

Huck, als die

Uhr bereits die

zweite Stunde

des Sonntags

anzeigte. Neben

ihm hockte ein

von der Größe

des Augenblicks

schier überwältigter,

gerührt

wirkender Wegner.

Was hat

er nicht alles

angestellt, um

diesen Huck zu

disziplinieren,

zu korrigieren,

Arslan (rechts) gönnte sich und dem Gegner keine

Verschnaufpausen, wollte Huck schier erdrücken

zu veredeln.

Eine ständige

Gratwanderung

mit der notorischen

Gefahr, die Urtugenden

des Wahl-Berliners abzuschleifen.

Es gibt talentiertere Boxer

als ihn – etwa im eigenen Betrieb

den Kubaner Yoan Pablo

Hernandez, aber keinen mit der

Urgewalt und dem Instinkt eines

Marco Huck. Er wollte es „allen

meinen Kritikern zeigen“. Seine

schlagkräftigen Argumente sprechen

bis zum nächsten Kampf

für sich. Der steigt am 3. Mai,

„nach einer kurzen, intensiven

Urlaubsphase“, so Sauerland-

Geschäftsführer Christian Meyer.

Schlagfertig, wie Huck in

seinen besten Phasen sein kann,

fragte er den Chef: „Warum erst

im Mai, so spät?“ Der Mann

kann es nicht erwarten, wieder

zuzuschlagen.

BoxSport

9


Arslan: Das Leben ge

Der 43-Jährige lässt offen, ob er seine

So entschlossen das inneren Kreis seiner Freunde zu nicht weiterzumachen“, hatte zusammensetzen, war vom Arbeitgeber

wie vom Arbeitneh-

Team von Firat Arslan hören bekam: „Verstecken müssen

wir uns nicht.“ Also mar-

Als Promoter könnte er einen mer zu hören. „Das Leben geht

Sauerland „als Mensch“ gesagt.

in den Kampf gezogen

war, so unschlüssig waren

schierte man dann in geschlossener

anderen Standpunkt vertreten: weiter“, suchte und fand Arslan

hinterher alle, die ihm das

Geleit gaben. Gehen wir nach

Hause oder auf die VIP-Party?

Dem schwer gezeichneten Herausforderer

zog es in heimatliche

Gefilde, doch dann zeigte

Formation dorthin, wo

gefeiert wurde. Vielleicht waren

die dort gehörten Komplimente

Balsam für die Wunden eines

Mannes, dem der Ratschlag

von Wilfried Sauerland mehr

„Mach ruhig weiter!“

Arlans Vertrag mit der Firma

Sauerland Event umfasst

noch drei weitere Kämpfe für

den Wahlschwaben. Aber plant

man künftig tatsächlich noch

eine Floskel, die alles offen lässt.

Er will sich das Duell als Videoaufzeichnung

ansehen, seine

Schlüsse ziehen. Sein Trainer

Dieter Wittmann legt die Zukunftsfrage

in die Fäuste seines

ein Argument Wirkung, das Arslan

zusetzte, als die Niederschläge mit dem 43-Jährigen? Man „Kriegers“: „Das muss Arslan

wieder und wieder aus dem im Ring. „Ich würde ihm raten, werde Abstand gewinnen, sich entscheiden.“ Emotional aufgezusetzte,

Rockröhre Doro sang für Marco

Brisant-Moderatorin

Mareile Höppner mit

Jürgen Brähmer und Felix

Magath (rechts)

Die deutsche Rock-Queen Nummer eins, Doro Pesch,

sang nicht nur die Einlauf-Hymne „Raise Your Fist In The

Air“ für Marco Huck, sondern fieberte auch an Ring mit. Dort

gab es ohnehin ein großes Promischaulaufen. Schlagerstar

Matthias Reim oder Sänger Hartmut Engler von Pur ließen

sich den Fight ebenso wenig entgehen, wie der ehemalige

Box-Weltmeister Sven Ottke mit Frau Monic, Fußballtrainer

Felix Magath, Manager Rainer Calmund, Stürmer Vedad Ibisevic,

IBF-Cruisergewichtsweltmeister Yoan Pablo Hernandez,

WBA-Halbschwergewichtsweltmeister Jürgen Brähmer

oder „Mamba No 5“-Sänger Lou Bega mit Freundin Jenieve.

Latin-Pop-Star Lou Bega ließ

Freundin Jenieve kaum aus

den Augen

Sven Ottke und seine Monic nahmen

zwei der VIP-Plätze ein

Yoan Pablo Hernandez hatte seinen Spaß

mit Hartmut Engler (rechts) von Pur

Doro Pesch rockte

die Halle beim

Einmarsch von

Marco Huck

10 BoxSport


eht weiter

e Karriere beendet

laden kritisierte dessen Kumpel

Luan Krasniqi, Berater in allen

Lebenslagen, Sauerland Senior:

„Solche Ratschläge gibt man

nicht öffentlich. Wenn ich als

Mensch etwas zu sagen habe,

dann unter vier Augen.“ Der

Groll des ehemaligen Hauptkämpfers

saß tief: „Erst hat man

uns anderthalb Jahre lang auf

die Revanche warten lassen und

jetzt das. Firat ist körperlich und

psychisch in der Verfassung weiterzumachen.“

Während der Pressekonferenz

hatte Wittmann den Versuch

unternommen, das Sauerland-

Management für eine weitere

Neuauflage des Hits Huck gegen

Arslan zu gewinnen: „Es steht

doch erst 1:1“, stellte der Trainer

eine ihm genehme Rechnung

auf. „Wir wollen mal die Kirche

im Dorf lassen“, konterte Huck.

Rechtsanwalt Christoph

Schickhardt (rechts)

stand Firat Arslan auch

am Ring zur Seite

Noel Gevor: Auf den

Spuren seines Vaters

Sieg in Runde eins: Price konnte sein Können nicht zeigen

Die Entdeckung des Abends

unter den Rahmenkämpfern

in der Stuttgarter Hanns-

Martin-Schleyer-Halle? Noel

Gevor, der den zuvor in zehn Kämpfen

noch ungeschlagenen Schweizer Loris

Emiliani in der siebten Runde durch

k.o. besiegte. Mit dem 22j-ährigen in

Armenien geborenen Gevor hat der

Boxstall Sauerland einen weiteren Athleten,

der im Cruisergewicht für Furore

sorgen könnte. Der Wahl-Hamburger

trat von Runde zu Runde dominanter

auf, hatte Emiliani bereits in der zweiten

Runde am Boden und lieferte den

entscheidenden Niederschlag mit links

quasi auf Bestellung aus der Ringecke.

Der Ratschlag von Trainer Karsten Röwer

war ihm Befehl. Der Name Gevor

verpflichtet. Noel ist der Adoptivsohn

des einstigen Europameisters Khoren

Gevor. Der Junior ist 20 Zentimeter

größer als der Senior. Auf die Frage,

ob er besser und erfolgreicher werde

als der Senior, antwortete er durchaus

respektvoll: „Ich will nicht vermessen

klingen, ich hoffe es.“ Die Bilanz von

zehn Siegen in zehn Kämpfen kann

sich sehen lassen.

Die größte Überraschung im Vorprogramm?

Die 1:2-Punktniederlage

von Marcos Nader gegen Emanuele

Blandamura (Italien). Damit ist er Österreicher

seinen EU-Titel im Mittelgewicht

los. Bei der Urteilsverkündung

applaudierte Nader brav. Er musste

letztlich dem Wahnsinnstempo in einem

verbissen geführten Duell Tribut

zollen. Erstaunlicherweise ging Nader

(23) die Puste gegen einen zehn Jahren

älteren Pflichtherausforderer aus. Bis

zur Hälfte der Zwölfrunden-Distanz

konterte Nader geschickt, aber dann

war es so wie schon in der Vergangenheit:

„Ich habe mich in der ersten

Hälfte ausgepowert und nach hinten

raus fehlte mir dann die Spritzigkeit.“

Viel besser machte es Enrico Kölling,

der sich mit seinem Technischen K.o

in Runde drei über Paata Aduashvili

(Georgien) den ersten Gürtel seiner

Karriere sicherte. Das Duell um die

WBO Youth Meisterschaft im Halbschwergewicht

entwickelte sich zum

Spaziergang für den Berliner, der vom

Sparring mit Jürgen Brähmer profitierte.

Aduashvilis Leber war vorab als

Schwachpunkt ausgemacht worden

und wurde zur Zielscheibe Köllings.

Ein großer Name kann nicht

zwangsläufig einen großen Kampf abliefern,

wenn es das Format des Gegners

nicht zulässt. Das galt für den englischen

Schwergewichtler David Price,

dessen erste Rechte in der ersten Runde

dem Auftritt von Istvan Ruzsinszky

ein Ende setzte. Erst 48 Stunden zuvor

als Ersatz für Konstantin Airich verpflichtet,

war der Ungar kein Prüfstein

für den Mann aus Liverpool. Dessen

Einmarschmusik indes überzeugte alle

in der Halle: You‘ll never walk alone.

Noel Gevor (links) bescherte Loris

Emiliani die erste Profiniederlage

Istvan Ruzsinszky (links) war kein Prüfstein für David Price

BoxSport

11


Jetzt ist er Junioren-Weltmeister

Mit 21 hat man noch

Träume. Der Berliner

Tyron Zeuge will

im Supermittelgewicht

Boxweltmeister werden.

„Bei welchem Weltverband ist

mir egal“, zuckt Tyron mit den

Schultern. In Stuttgart ließ er in

seinem zwölften Profikampf die

Fäuste fliegen. Für den 21-Jährigen

war es richtig großes Kino.

Er bestritt nämlich gegen den

Georgier George Beroshvili nicht

nur einen Kampf um die WBO-

Junioren-WM. Die ARD räumte

ihm zum ersten Mal in seiner

Profilaufbahn eine Live-Übertragung

seines Kampfes ein. „Das

war eine große Ehre für mich“,

gibt Zeuge zu.

Rund dreieinhalb Millionen

sahen Zeuges ersten Titelkampf.

An seinem eindeutigen Punkt-

An dem eindeutigen Sieg von Tyron Zeuge gegen George

Beroshvili (rechts) gab es keinen Zweifel

Großes Kino für Zeuge

Trainer Röwer lobte Tyron nach Schritt ins Rampenlicht

sieg mit dreimal 100:89 gab es

nicht die Spur eines Zweifels.

Bereits in der zweiten Runde

glaubten die 10.000 Zuschauer

an ein schnelles Ende des Duells,

als Beroshvili mit dem Ringbelag

Bekanntschaft machte. Doch

der Georgier fing sich, versteckte

sich hinter einer Doppeldeckung

und überstand die zehn Runden.

Trainer Röwer zeigte sich nach

dem Kampf zufrieden: „Tyron

hat seine Sache gut gemacht. Er

hat sich in seinem ersten Kampf

über zehn Runden seine Kräfte

gut eingeteilt. Wenn Tyron noch

ein bisschen fleißiger wird, können

wir noch viel Freude an ihm

haben.“

Die vergangenen eineinhalb

Jahre waren für den Jungprofi

wie eine Riesenradfahrt. Mal

ganz oben und dann wieder

ganz unten. Es waren freudige

und richtig traurige Stunden

im vorigen Jahr, die der Boxer

durchlebte. Im Mai 2012 verunglückte

Zeuges Vater tödlich mit

dem Motorrad. „Da ist plötzlich

um dich herum alles leer, zumal

ich meinem Vater die Boxkarriere

zu verdanken habe. Wenn ich

jemals Weltmeister werden sollte,

werde ich den Titel meinem

Vater widmen, auf den Friedhof

gehen und mich am Grab bedanken“,

hat er sich fest vorgenommen.

Mutter Nanette ist immer

für ihren Sohn da. Auch in Stuttgart

saß sie am Ring. Sie herzte

Tyron nach dem Sieg noch im

Ring und drückte ihn für Freundin

Darja mit, die zu Hause bleiben

mussten, um das Baby zu

betreuen.

Vater Zeuge hatte seinen

Jungen schon mit acht Jahren

zum Boxen in den Berliner Stadtbezirk

Neukölln gebracht. „Um

mir eine richtig gute Boxausbildung

angedeihen zu lassen, fuhr

mich mein Vater mit seinem Taxi

mehrmals in der Woche zu Lok

Schönweide und dann bald zu

Eintracht im Berliner Osten, weil

ihm dort die Ausbildung besser

erschien“, erinnert sich der Boxer.

Der Schritt war wohl richtig,

denn Zeuge Junior besuchte

von der siebten bis zur zehnten

Klasse die Sporteliteschule, holte

bei den Junioren-Europameisterschaften

eine Medaille und

wechselte dann zu den Profis.

Seit November ist er Vater. Er

zog deshalb zu seiner Lebensgefährtin

Darja nach Berlin-Marzahn.

„Ich bin jetzt Ossi, aber

das ist gar nicht schlecht. Ich

wohne nur einige Minuten von

unserem Gym entfernt und bin

schnell beim Training“, erzählt

der junge Vater. Er nimmt die

Pflicht ernst. So verrät er: „Ich

habe meinen Mercedes Sport

verkauft. Wir fahren jetzt einen

Mazda. Da passt hinten das Babykörbchen

gut rein.“ Auf die

unruhigen Nächte mit Babygeschrei

hat sich Tyron Zeuge

ebenfalls längst eingestellt. „Dafür

belohnt mich unsere kleine

Anna jeden Tag mit einem

freundlichen Lachen. Das hat

Marion Palatin vom

Faustkämpferverband Austria freut

sich mit dem Junioren-Weltmeister

sie von mir geerbt“, freut er sich

stolz.

In seinen alten Berliner Bezirk

Neukölln kommt er nur

noch selten. „Meine Mutter ist

wie ich auch Ossi geworden und

nach Schönwalde in die Mark

Brandenburg gezogen“, sagt Tyron

Zeuge, der nun den ersten

Meistergürtel tragen darf, aber

schon nach vorn schaut: „Mit

dem Junioren-Titel fange ich an.

Mein Ziel ist jedoch ein richtiger

Weltmeistertitel.“

12 BoxSport


Wladimir Klitschkos Fahrplan für 2014

Will 2014 erneut

erfolgreich alles

abräumen:

Wladimir Klitschko

Erst Leapai –

dann Pulev

Zum Schluss will er den WBC-

WM-Titel von Vitali zurückholen

Alex Leapai (links) ist nach seinem Sieg gegen

Denis Boytsov der nächste Pflichtherausforderer

Kubrat Pulev (links), hier gegen Tony

Thompson, bekommt endlich die

Chance, gegen Wladimir zu boxen

Wladimir Klitschko will

auch in diesem Jahr

wieder alle Gegner

auf die Bretter schicken.

Für 2014 stehen definitiv

zwei Pflichtverteidigungen an.

Zunächst muss der 37-Jährige

seinen Schwergewichtstitel nach

WBO-Version gegen Alex Leapai

verteidigen.

„Der Kampf ist für April geplant.

Wir haben zwar noch keinen

Vertrag unterschrieben, aber

bis zu unserer nächsten Pressekonferenz

wird es nicht mehr lange

dauern“, sagte Klitschko. Auch

der Kampfort ist noch offen.

Der 34-jährige Leapai hatte

Ende November 2013 überraschend

den Ausscheidungskampf

gegen den Russen Denis Boytsov

gewonnen und wird von der WBO

seitdem als Nummer 1 geführt.

Sein Kampfrekord: 37 Kämpfe,

30 Siege (24 davon durch K.o.), 4

Niederlagen. Der 1,83 Meter große,

auf Samoa geborene Australier

besitzt den asiatisch-pazifischen

und den orientalischen Gürtel der

WBO.

Nach der WBO-WM steht für

Klitschko die Verteidigung des

IBF-Titels auf dem Programm.

Es läuft auf den Bulgaren Kubrat

Pulev hinaus. Pulev ist schon ein

anderes Kaliber als Leapai. Der

32 Jahre alte Linksausleger gewann

all seine 18 Profikämpfe (9

davon durch K.o.), darunter Erfolge

gegen Alexander Dimitrenko,

Alexander Ustinow und Tony

Thompson. Im Anschluss an seinen

Punktsieg gegen Thompson

im August ernannte ihn die IBF

zu Klitschkos Pflichtherausforderer.

Und das nicht zum ersten

Mal. Pulev hat sich schon mehrmals

dafür qualifiziert. „Immer

wieder nahm Wladimir Klitschko

andere Gegner oder die Verbände

schoben Boxer dazwischen

und ich musste warten“, ärgert

sich der Schwergewichtler. Im

ganzen Jahr 2013 bekam er nur

zwei Kämpfe. „Das ist zu wenig“,

ist Kubrat sauer. In beiden

Ringvorstellungen siegte er klar.

Gegen Tony Thomson (USA) lag

er am Ende 116:112, 118:110 und

117:111 bei den Punktrichtern

vorn. Im Dezember verprügelte

er dann den Ami Joey Abell

nach allen Regeln der Boxkunst.

Nach fünf Niederschlägen hatte

der Ringrichter ein Einsehen und

nahm den 113 Kilo schweren US-

Boy aus dem Ring.

Trotz der klaren Siege fordert

Pulevs Trainer Otto Ramin mehr

Kämpfe: „Ich habe bei Kubrat

gespürt, dass ihm die Ringpraxis

fehlt. Wir müssen auf mehr

Kämpfe pochen.“ Der Bulgare

sieht das nicht anders: „Nach

fast einem ganzen Jahr Pause

habe ich mich gegen Thompson

ziemlich schwer getan, denn

Thompson ist ein guter Mann,

der nur gegen Wladimir Klitschko

verloren hat. Ich habe bei

beiden Kämpfen gemerkt, dass

selbst sehr gutes Training keinen

Kampf ersetzen kann.“ Eigentlich

hatte Pulev gehofft, im

Frühjahr Wladimir Klitschko herausfordern

zu können. Doch da

haben ihm die internationalen

Verbände mit Leapai einen Strich

durch die Rechnung gemacht.

Das Klitschko-Management

hat nichts gegen diese Reihenfolge,

denn der etwas dicklich

wirkende Lkw-Fahrer Leapai

dürfte dem WBO-Weltmeister

kaum den Gürtel abnehmen. Pulev

dagegen könnte als ein weit

härterer Gegner im Ring aufmarschieren.

Promotor Kalle Sauerland

jedenfalls ist überzeugt:

„Pulev muss sich in keinerlei

Hinsicht vor Wladimir Klitschko

verstecken. Kubrat ist schnell,

dynamisch und besitzt eine erstklassige

Führhand. In diesem

Jahr bekommt Pulev endlich die

Chance, Wladimir zu stürzen.“

Zunächst aber soll der Bulgare

im April einen Kampf erhalten.

„Wer der Gegner sein wird, können

wir noch nicht sagen. Im

Gespräch ist unter anderen der

Engländer Dereck Chisora“, erklärt

Trainer Otto Ramin.

Neben den zwei Pflichtherausforderungen

hat Wladimir

Klitschko indes noch ein weiteres

Ziel. Der Ukrainer möchte den

WBC-Gürtel, den sein Bruder Vitali

aufgrund seiner politischen

Karriere abgegeben hat, zurück

in die Familie holen. „Aktuell

wird erst mal um seinen (Vitalis)

Titel geboxt, Chris Arreola und

Bermane Stiverne machen das

unter sich aus. Und wer weiß,

vielleicht boxe ich dann gegen

den Sieger aus diesem Duell“, so

der Schwergewichts-Weltmeister

weiter. Und dann wäre sie da,

die Chance, als erster Schwergewichts-Boxer

die Titel aller Verbände

zu vereinen.

BoxSport

13


Fritz Sdunek (links) ist derzeit das

Lachen eher vergangen, er hat Angst

um Vitali Klitschko

Trainer Fritz Sdunek in Sorge u

„Es war wie

Der Box-Weltmeister zwischen Tränengas d

Seine guten Absichten

ersticken im

Feuerlöscherschaum:

Vitali Klitschko

(rechts) unter

Beschuss

Um Gewalt zu verhindern,

steht der Box-Weltmeister

meistens als Vermittler

mittendrin

Nachdem er die Ladung aus einem Feuerlöscher abbekommen hatte, waren

seine „Augen wie verätzt“, ein Demonstrant half Klitschko aus der Menge

14 BoxSport


um seinen Freund Vitali Klitschko

im Krieg“

der Polizei und Steinhagel der Demonstranten

Trotz des politischen Engagements

seines Schützlings

Vitali Klitschko hatte

Fritz Sdunek bis zuletzt

gehofft, dass der 42-Jährige doch

noch einmal in den Ring steigt,

um gegen den Kanadier Bermane

Stiverne seine Pflichtverteidigung

des WBC-Gürtels durchzuziehen.

Anfang Dezember geriet der Erfolgscoach

jedoch in Zweifeln. „So,

wie er sich in die politische Sache

reinkniet, sehe ich schwarz. Ich

kenne Vitali genau. Wenn er etwas

anfängt, bringt er es auch mit 100

Prozent zu Ende“, erklärte Sdunek.

Dass sich die „politische Sache“

mittlerweile zu einer Lebensbedrohung

für Vitali Klitschko, der

im August ankündigte, 2015 für

das Präsidentenamt kandidieren

zu wollen, ausgeweitet hat, konnte

zu dem Zeitpunkt niemand ahnen.

Seit dem 21. November laufen die

Proteste in der Ukraine, ausgelöst

durch die überraschende Ankündigung

der ukrainischen Regierung,

das Assoziierungsabkommen mit

der Europäischen Union nicht

unterzeichnen zu wollen. Vitali

Klitschko spielt dabei eine wichtige

Rolle, zusammen mit Oleh Tjahnybok

von der Swoboda-Partei sowie

der Allukrainischen Vereinigung

„Vaterland“ der ehemaligen Ministerpräsidentin

Julia Timoschenko

bildet er als Führer der Oppositionspartei

Udar ein oppositionelles

Dreierbündnis, das den Rücktritt

von Präsident Viktor Janukowitsch

erreichen will.

Die Lage in Kiew wird allerdings

immer brenzliger, zuletzt

hatten Demonstranten, darunter

Randalierer, das Justizministerium

der Hauptstadt der Ukraine

besetzt, von Verhängung des Notstands

war die Rede, was Klitschko

und die Opposition unbedingt

vermeiden wollen, um die Chancen

auf eine politische Lösung des

Machtkampfs aufrechtzuerhalten.

Bei diversen Demonstrationen ist

Verhandlungen mit Präsident Janukowitsch (2. von links) – die Mienen der Oppositionellen um Vitali Klitschko (2. von rechts)

sprechen Bände

es jedoch auch schon zu Ausschreitungen

mit hunderten Verletzten

und mittlerweile auch Toten gekommen.

Vitali Klitschko trägt eine

schusssichere Weste unter seiner

dicken Winterjacke, bekam zudem

schon eine Ladung aus einem Feuerlöscher

ab. „Es war für mich eine

Situation wie im Krieg: Die Polizei

schoss mit Tränengas, von Demonstrantenseite

flogen Steine – und als

ich zu vermitteln versuchte, sprühte

mir ein wütender Demonstrant

mit einem Feuerlöscher direkt ins

Gesicht“, so Klitschko. „Ich bekam

in dem Augenblick kaum noch Luft

und meine Augen waren wie verätzt.

Stundenlang hatte ich vorher

versucht zu vermitteln, Gewalt zu

verhindern.“

Gewalt, Scherbenhaufen,

Verletzte, Tote – deswegen traf

sich Vitali Klitschko nach dem

Feuerlöscherangriff mit Präsident

Janukowitsch, um noch einmal

neu zu verhandeln. Nach weiteren

Ausschreitungen machte Janukowitsch

der Opposition schließlich

das Angebot, führende Regierungsämter

zu

übernehmen.

Der

frühere

Außenminister

Arseni

Jazenjuk

sollte

neuer

Regierungs-

chef und Klitschko dessen Stellvertreter

werden, was Vitali Klitschko

kategorisch ablehnte. „Das war

ein vergiftetes Angebot von Janukowitsch,

um unsere Demonstrationsbewegung

zu spalten. Wir werden

weiter verhandeln und fordern

weiterhin vorzeitige Neuwahlen.

Der Protest der Ukrainer gegen den

korrupten Präsidenten darf nicht

umsonst gewesen sein.“

Da Fritz Sdunek die ganzen

Bilder im Fernsehen zu den Ausschreitungen

und die Berichterstattung

in den Zeitungen aufmerksam

mitverfolgt, versuchte

er Vitali Klitschko tagelang per

Telefon zu erreichen. Er hatte die

Angst, Klitschko könne ins Gefängnis

gesteckt oder das Opfer

körperlicher Gewalt werden. Als

er ihn schließlich erreichte, versicherte

ihm der Ukrainer, dass

sich Sdunek keine Sorgen machen

müsse. „Er sei zwar körperlich

fertig, da er derzeit unter Schlafmangel

leidet, pro Nacht nur rund

drei Stunden schläft, aber er hörte

sich sehr gefestigt und selbstsicher

In eisiger Kälte wird Vitali

Klitschko nicht müde, zu den

Demonstranten zu reden

WSB sagt

Kiew-Reise ab

Die deutsche WSB-Boxstaffel

sollte am 1. Februar in Kiew

gegen die Ukraine antreten,

doch Ulrich Bittner, der WSB-

Chef, sagte die Reise wegen der

Unruhen ab. Da am 8. März der

Rückkampf in Deutschland geplant

ist, schlug er den Ukrainern

vor, den ausgefallenen

Kampf einen Tag später durchzuführen.

Also: beide Kämpfe

in Deutschland.

an“, so Sdunek. Zusätzlich zehrt

die Kälte mit teils Minusgraden im

zweistelligen Bereich an den Kräften

des Schwergewichtlers. „Ohne

die Kondition eines Boxers würde

ich das hier wohl alles nicht aushalten“,

meinte Klitschko.

Dass er die ganze Geschichte

bis zum Ende durchzieht, daran

zweifelt Fritz Sdunek weiterhin

nicht: „Vitali hat sich in den Kopf

gesetzt, den Präsidenten zu stürzen

und vor dem Ziel wird er nicht

zurückweichen.“ Er selbst habe

bisher noch nicht darüber nachgedacht,

Vitali vor Ort zu unterstützen,

wie es derzeit Bruder Wladimir

wieder tut. Vitali Klitschko

wolle auch nicht, dass sich jemand

anderes in Gefahr bringe, so Sdunek.

Nach dem Telefonat war Sdunek

zumindest erst mal beruhigt,

dass es Vitali Klitschko – abgesehen

vom Schlafmangel – einigermaßen

gutgeht. Was sich in Kiew

allerdings noch alles ereignen

wird, werden die nächsten Tage

oder auch Wochen zeigen.

BoxSport

15


Vor 18 Jahren schrieben sie in zwei heißen Kämpfen deutsche Box

Henry Maske und Graciano Rocchigiani

schrieben 1995 in zwei Ringschlachten

um die Weltmeisterschaft im Halbschwergewicht

deutsche Boxgeschichte,

nun wurden sie 50 Jahre alt. Rocchigiani

am 29. Dezember 2013, Maske am

6. Januar 2014.

Maske ist längst Geschäftsmann und als

Franchisenehmer von zehn McDonald’s-

Restaurants wirtschaftlich überaus erfolgreich,

Graciano Rocchigiani bezog,

bis er vor wenigen Wochen beim Deutschen

Team der World Boxing Series als

Trainer angestellt wurde, Hartz IV, saß

zwischenzeitlich im Gefängnis. Ihre Wege

sind unterschiedlich verlaufen, dennoch

kreuzen sie sich immer wieder. Bei

der Party zum 50. Geburtstag von Maske

im Freizeitpark Rust weilte Rocchigiani

unter den Gästen. In einem gemeinsamen

Interview mit Gunnar Meinhardt

plauderten die beiden über die großen

Kämpfe von 1995 sowie ihr Leben nach

der Karriere. Was die wenigsten wussten:

Graciano Rocchigiani wollte Maske

einst als Trainer verpflichten.

Rocky (links) und der „Gentleman“ lieferten sich 1995 zwei heiße

Schlachten im Ring

Warum Rocky Henry M a

Welche Eigenschaften der eine gerne vom anderen hätte u

• Wer war eigentlich damals,

1995, der bessere Boxer?

Rocchigiani: Ich denke, er

war der deutlich besser ausgebildete

Boxer. Da war ich ja noch

in den Kinderschuhen und eben

nicht professionell.

Maske: Die Frage kann man

so nicht beantworten. Wir übten

ja keinen messbaren Sport aus.

Aber eines dazu: Wenn – abgesehen

von einer Ausnahme, die es

ab und zu gibt – jemand aus der

Bundesrepublik gegen jemanden

im Spitzenbereich aus der

DDR eine Chance hatte, dann

hatte der DDR-Sportler etwas

falsch gemacht.

• Freunde sind Sie ja nie

gewesen. Obwohl Sie sich im

Ring so intensiv kennengelernt

haben, wie Sie beide sagen, und

auch sehr harmonisch miteinander

umgehen.

Maske: Dabei geht es um

Extremsituationen, die man gemeinsam

durchlebt hat. Danach

weißt du, wer dir da gegenüber

steht, was er noch auspackt,

was er noch bringen

kann. Es

muss nicht

zwingend

der Boxring

sein. Fakt

ist: In zwölf

Runden kann

es auf Messers

Schneide gehen.

Und gerade wenn

man bei uns den ersten

Kampf sieht: neunte Runde. Da

war ich kaputt, er hat mich umgeschubst,

ich bin umgefallen.

Rocchigiani: Ich war aber

auch kaputt (lacht).

Maske: Weiß ich doch. Ich

war mausetot, ich hatte völlig

überpaced. Und hatte noch

drei Runden am Hacken. Aber

da ziehst du dich nackt aus,

da kannst du dich nicht mehr

verstellen wie im Bewerbungsgespräch.

Aber in Extremsituationen,

die du auch in unserem

Sport erleben kannst, da musst

du dich zwangsläufig entblättern.

Und ich werde auch nie

Das Doppel-Interview:

Gunnar Meinhardt

mit Henry Maske und

Graciano Rocchigiani

vergessen, was Du in

der zwölften Runde

zu mir gesagt

hast, Graciano.

Rocchigiani:

Was

denn?

Maske: Na

siehste, haste

vergessen.

• Was war es?

Maske: Hat doch

nicht geklappt.

• Ihnen war klar, dass Sie

doch nicht gewonnen hatten?

Rocchigiani: Ja. Nicht, weil

ich für mein Empfinden verloren

hatte. Aber du merkst ja, wie die

Leute, Sauerland und Co., da

rumlaufen. So etwas spürst du,

oder Henry?

Maske: Natürlich.

• War Ihnen das denn auch

so klar?

Maske: Nein, klar war es

mir nicht. Es war ja definitiv ein

knapper Kampf.

• War die neunte Runde die

Runde des Kampfes?

Maske: Sie war sicherlich eine

ganz entscheidende, weil ich

angezählt wurde.

Rocchigiani: Nein, wurdest

du nicht.

Maske: Ach nee, stimmt.

Aber ich bin vor Schwäche umgefallen.

Und wenn ich aus dem

Kampf etwas Positives mitnehmen

soll, dann das: Hut ab, Maske,

dass du durchgehalten hast.

Rocchigiani: Ja, genau. Ich

dachte auch: Jetzt reicht’s!

• Haben Sie nicht gemerkt,

dass der andere auch mausetot

war und gleich umfällt?

Maske: Ich konnte es ja

nicht mehr provozieren. Ich war

ja froh, überhaupt selbst stehenzubleiben.

• Könnten Sie Freunde sein?

Fühlen Sie sich verbunden?

Rocchigiani: Ich denke

schon, ja. Das ist hier zwischen

uns ja nicht gespielt. Wir sind

beide keine Menschen, die sich

verstellen. Wenn er mich für ein

Arschloch halten würde, würde

er mir nicht ‚Guten Tag‘ sagen,

16 BoxSport


xgeschichte, jetzt feierten sie gemeinsam den 50. Geburtstag

denke ich. Ich war damals eben

der Buhmann, er der Gentleman.

Für die Werbung war das ja auch

gut, wir haben daran verdient,

zwei schöne Kämpfe gehabt vor

vielen Zuschauern. Dafür kann

ich ihn ja nicht hassen.

• In den Urlaub sind Sie

aber trotzdem noch nicht zusammen

gefahren.

Maske: Ich denke, es ist

uns beiden klar, dass wir natürlich

andere Typen sind. Ich respektiere

ihn für das, was er als

Mensch im Ring gemacht hat.

Das meine ich wirklich so. Denn

ich habe auch schon Sportler

kennengelernt, die waren tricky.

Ein Tiefschlag aber wäre nicht

Gracianos Ding.

• Wie haben Sie dann Gracianos

Eskapaden über die Jahre

zur Kenntnis genommen? Hatten

Sie so etwas wie Mitleid?

Maske: Wer braucht schon

Mitleid? Ich fand es einfach schade,

dass die andere Seite der Medaille,

die ja nun mal jeder hat,

Zur Geburtstagsparty im Europa Park begrüßte Henry Maske seine beiden ehemaligen

Kontrahenten Rocchigiani (links) und Virgil Hill (rechts)

aske als Trainer wollte

und welche Gemeinsamkeiten sie an sich feststellten

bei ihm so aussieht. Dass er so

schwach war und seine Stärken

nicht optimal und dauerhaft einsetzen

konnte. Ich kann es mir

wirklich vorstellen, dass es bei

Dir Situationen gab, auf die du

einfach keine Lust mehr hattest,

lieber die leichte Alternative

Nach dem zweiten

Aufeinandertreffen

freute sich Maske

(rechts) über

seinen erneuten

Sieg

nahmst und sagtest: Ich breche

jetzt hier aus.

Rocchigiani: Ja, das

stimmt.

• Graciano, gab es bei Ihnen

auch Situationen, wo Sie

gesagt haben: Ach, der Maske,

dieser aalglatte, politisch korrekte

Langweiler. Der

soll sich mal gerade

machen.

Rocchigiani: Ja,

es gab natürlich Situationen,

wo ich ihn

in Interviews gesehen

habe und das nicht

unbedingt prickelnd

fand. Aber er ist ja

auch ein ganz anderer

Typ. Er macht es ja im

Prinzip richtig. Er hat

ja nicht umsonst so eine

Firma.

• Würden Sie

Ihr Leben gegen das

von Henry eintauschen?

Rocchigiani:

Nein, er lebt ein ganz

anderes Leben, schon von Geburt

an. Er hat nach seiner

Boxkarriere viel auf die Beine

gestellt. Er ist ein viel zielstrebigerer,

sachlicherer Typ, ein Karriererist.

Das ist okay. Fakt ist:

Er ist ein Kämpfer, ich bin ein

Kämpfer. Und ich werde immer

ein Kämpfer bleiben. Ich gebe

nicht auf. Auch wenn es Phasen

gibt, wo es so ausschaut. Das

ist ein Fehler, den ich habe. Ich

versuche immer wieder auf die

Beine zu kommen. Dass es ihm

finanziell besser geht, ist klar,

aber das ist nicht alles. Ich bin

trotzdem einigermaßen zufrieden

mit meinem Leben. Klar

kann ich sagen, dies und das

bereue ich, aber das mache ich

nicht, weil es nichts bringt. Ich

habe ein schönes Leben gehabt.

Ich bin doch ein Glücksmensch,

Wenn ich jetzt abkratzen würde,

könnte ich sagen, ich habe

turbulente 50 Jahre gelebt. Wer

kann das schon von sich sagen?

• Gibt es eine Eigenschaft,

die Sie gern von ihm hätten?

Rocchigiani: (überlegt lange):

Klar, in vielen Situationen

wäre, was das Trinken und Feiern

betrifft, mehr Disziplin sinnvoll

gewesen.

• Und andersrum?

Maske: Unsere Schnittmenge

haben wir. Und um die Dinge,

die ihm im Wege stehen, muss

man nicht buhlen. Als Boxer

musst du dich zwingenderweise

selbst kennenlernen, um zu

wissen, welche Stärken, welche

Schwächen du hast. Mit den

Stärken musst du hausieren gehen,

die Schwächen musst du

kaschieren. Du musst mit dir

ein stückweit grün sein. Da lernt

man auch seine Schwächen zu

akzeptieren. Gracianos positiven

Eigenschaften sind höchst

anspruchsvoll. Das sind Dinge,

die ich an ihm mag.

• Trotzdem sind Sie sich seit

Ihrem Kampf am 14. Oktober

1995 immer aus dem Wege gegangen.

Rocchigiani: Das stimmt so

nicht. Es gab da mal eine Situa-

BoxSport

17


Henry und Rocky: Geheimtreff am Kölner Flughafen

tion in der Max-Schmeling-Halle

in Berlin, als Du mich gefragt

hast, ob ich Hilfe brauche.

• Was?

Rocchigiani: Ja, das hat er

getan. Seitdem sehe ich ihn noch

ganz anders.

• Wann war das?

Rocchigiani: Das war kurz

bevor ich in den Knast musste

und finanziell abgebrannt war.

Das war beim WM-Kampf zwischen

Walujew und Ruiz 2005.

Da kam er zu mir und fragte

mich, ob ich Hilfe brauche. Ich

habe aber gesagt, nee, brauche

ich nicht. Ich fand das stark, das

macht nicht jeder.

• Erzählen Sie mal, Henry.

Maske: Nein, ist schon gut,

es ist unwichtig. So nah, wie wir

uns heute in diesem Gespräch

sind, waren wir uns noch nie.

Rocchigiani: Stimmt.

Maske: Es gab nie eine Situation,

die es auf die Ebene

von heute brachte. Es gab aber

eine ganz andere Situation, ich

glaube vor Deinem Kampf gegen

Thomas Ulrich. Da verabredeten

wir uns am Flughafen. Kannst

Du Dich erinnern?

Rocchigiani: Nein.

Maske: Hast Du das vergessen?

Rocchigiani: Was war denn

da?

Maske: Hast Du mich nicht

gefragt, ob ich Dich trainieren

soll?

Rocchigiani: Ja, na klar.

• Sie baten ihn, Sie zu trainieren?

Rocchigiani: Ja. Wir machten

einen Termin und trafen uns

am Kölner Flughafen. Das war

im Frühjahr 2003 vor meinem

letzten Kampf. Ich wollte ihn

bitten, mich zu trainieren.

• Wie sind Sie darauf gekommen?

Rocchigiani: Ich wusste,

es wird schwer. Ich sah damals

so aus wie jetzt, wog über 90

Kilo. Ich wusste, ich brauche

einen, bei dem Disziplin immer

an oberster Stelle stand, nicht

nur als Sportler. Vor ihm hätte

ich auch Respekt gehabt, wenn

er mir etwas gesagt hätte. Und

es ist ja schwer, wenn du mit 39

Jahren noch einen letzten Kampf

machen willst. Da brauchst du

einen, auf den du hörst.

• Und wie haben Sie reagiert,

Henry?

Maske: Ich hatte unterschiedliche

Gefühle. Klar, kannst

du sagen, der sieht dich so, wie

du dich selber sehen würdest.

Dann würde ich auch zu mir

kommen und fragen: Würdest

du mich trainieren, ich vertraue

dir. Dass Graciano so weit geht,

ist nicht selbstverständlich, hat

mich aber sehr gefreut. Gleichzeitig

fragte ich mich: Wie soll

es möglich sein? Überschätze

ich mich nicht dabei? Ich hatte

die Erfahrung noch nie gemacht,

jemandem zu sagen, wie er was

trainieren soll. Das Ganze muss

auch eine Planbarkeit, eine

Sachlichkeit haben und inhaltlich

fundiert sein. Dass ich ihn

boxerisch korrigieren, auf einen

Gegner einstellen und Sicherheit

vermitteln kann, daran

hatte ich keine Zweifel. Aber

mit jemandem acht, neun Wochen

lang einen systematischen

Leistungsaufbau zu betreiben,

ist verdammt schwer. So etwas

mit einer Hausnummer wie Graciano

durchzuziehen, ist doch

etwas anderes als würde ich das

mit einem „Turnschuhboxer“

machen. Hinzu kam die Ungewissheit:

Was geschieht in Extremsituationen,

die zwangsläufig

kommen. Wenn es eng wird

im Training, wo er die Schnauze

mal voll hat und vielleicht sagt:

„Ich will nicht mehr.“ Hat er

dann noch immer die Motivation,

die er anfangs besaß? Das

Gefühl, das Bewusstsein, die Position?

Was ist dann?

• Sie meinen Rocchigianis

Unberechenbarkeit?

Maske: Genau. Ich hatte

auch nicht die Zeit dafür. Ich besaß

ja schon ein kompaktes Unternehmen.

Insofern war meine

Entscheidung, es nicht zu machen,

von vielen Fragezeichen

begleitet, bei denen ich nicht die

Chance sah, im Vorfeld die notwendigen

Antworten zu bekommen.

Das Brett war für mich eher

dünner als dicker.

• Waren Sie enttäuscht?

Rocchigiani: Klar war ich

das. Ich dachte, wenn er einen

Termin mit mir macht und extra

nach Köln kommt, stehen die

Zwei Cowboys unter sich: Maske und Rocchigiani (rechts) bei der Westernparty zu

Maskes Geburtstag

Chancen ganz gut. Aber er hatte

eben seine Gründe. Ich habe

das überhaupt nicht persönlich

genommen.

• Henry, waren Sie enttäuscht,

dass er Ihr Hilfsangebot

2005 ausgeschlagen hat?

Maske: Er hat nicht gesagt,

dass er sich nicht helfen lassen

will, sondern, dass er es allein

schafft. Er hat es nicht abgelehnt.

• Gehen Sie eigentlich zur

Vorsorgeuntersuchung? Ein

Mann um die 50 sollte das regelmäßig

tun.

(Maske greift nach seinem

Handy und zeigt seinen elektronischen

Terminkalender mit dem

Eintrag „Darmspiegelung“)

Maske: Seit August steht

das hier drin. Aber noch habe

ich keinen Termin gemacht.

Anfang des Jahres tue ich das

definitiv. Wir werden ja nicht

knackiger.

Rocchigiani: Ich habe erst

vor kurzem Blut abnehmen lassen

und war beim Herzspezialisten.

Alles war gut, auch die

Leberwerte (lacht).

• Was verändert sich für Sie

jetzt mit 50? Für so manch einen

ist das ja eine ganz schlimme

Zahl.

Rocchigiani: Ich mache mir

darüber keinen Kopf. Wenn ich

mich wohlfühle, ist es doch alles

okay. Ich hoffe, dass ich und

die, die mir wichtig sind, gesund

bleiben und es mit meiner Arbeit

läuft.

Maske: Wer wird schon

gern älter? Ich glaube, das ist

niemandem egal. Aber es ist so.

Es hängt doch von jedem einzelnen

ab, wie er damit umgeht.

Graciano und ich nehmen es

so, wie es ist, und machen das

Beste daraus, ohne zu stöhnen

und Trübsal zu blasen. Ich habe

keine Probleme mit der 50.

• Was wünschen Sie sich für

die nächsten 50 Jahre?

Maske: Wenn’s noch mal

50 werden, möchte ich mir viel

mehr Freiräume für meine Frau

nehmen. In den letzten Jahren

habe ich viel mehr Arbeitszeit

als Freizeit verlebt. Das möchte

ich gern umdrehen.

Rocchigiani: Wer weiß, wie

alt ich werde. Gesundheit steht

an erster Stelle. Ich hoffe, dass

die World Boxing Series Zukunft

hat, für die ich jetzt als Trainer

arbeite. Das wäre für den gesamten

deutschen Boxsport gut.

• War es eine Frage der Ehre,

dass Sie dem Treffen beide

zugestimmt haben?

Maske: Es ist überhaupt

keine Frage der Ehre, sondern

der Freude, das sage ich ganz

offen.

Rocchigiani: Für mich

auch.

Maske: Ohne Frage, für viele

ist die Konstellation, so wie

wir heute zusammensitzen,

schwer vorstellbar. Und es ist

auch für uns vor Jahren schwer

vorstellbar gewesen. Wenn sich

unsere Wege aber mal kreuzten,

haben wir sehr wohl gespürt,

wie der andere fühlt. Da gibt es

eine Ebene, auf der wir uns beide

sehr wohl fühlen.

Rocchigiani: Eine gewisse

Sympathie ist vorhanden, ganz

einfach.

18 BoxSport


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Rund 300 Gäste feierten mit dem Gentlema n

Henry Maske (3. v. l.) mit seinen Gastgebern Jürgen

(r.) und Roland Mack (l.) vom Europa Park sowie deren

Ehefrauen Mautricia (2. v. l.) und Marianne (2 .v. r.)

plus Elvira und Günter Netzer

Netzer: „Henry ist ein Gig

Waldemar Hartmann (r.) interviewte

Maske und Virgil Hill (l.)

Ulli Wegner (r.), Yoan

Pablo Hernandez (l.)

und Henry Maske

fühlten sich als

Cowboys sichtlich wohl

Virgil Hill (mitte) von

„Sauerländern“ umzingelt:

Promoter Kalle Sauerland

(l.) und Patricia Sattel,

die Event-Managerin des

Sauerland-Stalls

Ein Küsschen von

Mareile Höppner

in Ehren kann ein

Geburtstagskind nicht

verwehren, da hat auch

Fritz Sdunek (rundes

Bild) großen Spaß

20 BoxSport


n-Boxer eine rauschende Geburtstagsparty

Als Gentleman in einem

eleganten Abendanzug

empfing er seine

Gäste zu einer rauschenden

Party – ein Gala-Dinner

garniert mit einem fantastischen

Showprogramm. Am nächsten

Morgen fing dann Henry Maske

mit einem Lasso seine Gäste

wieder ein – als Cowboy zu einem

zünftigen Westernbrunch,

bei dem alle Gäste im Westernlook

erschienen. Rund 300

Freunde und Weggefährten hatte

der nach Max Schmeling wohl

populärste deutsche Boxer aller

Zeiten zu seinem 50. Geburtstag

in den Ferienpark Rust gelockt.

Dabei auch die Fußballlegende

Günter Netzer mit seiner Frau

Elvira, der den Box-Champion

mit den Worten huldigte: „Er ist

ein Gigant unter den deutschen

Sportlern.“ Ulli Wegner, der Startrainer

unter den deutschen Boxern,

ergänzte: „Henry hat nach

der Wende das deutsche Boxen

Zusammen mit seiner Frau Manuela

aus der Schmuddelecke geholt.“

rockte der Gentleman die Showbühne

ant des deutschen Sports“

Drei Jahre war er Weltmeister

im Halbschwergewicht, seine

TV-Quoten waren gigantisch

und in den VIP-Räumen waren

damals mehr Gäste als heute Besucher

bei so mancher Amateurveranstaltung.

Aus Kalifornien

war Virgil Hill eingeflogen, der

Mann, der Maske 1996 die einzige

Niederlage in seiner Profikarriere

beibrachte. Dies korrigierte

allerdings „Sir Henry“ zehn Jahre

später, als ihm mit 43 Jahren

ein sensationelles Comeback

und die Revanche gegen Hill gelangen.

Dabei im Europa Parka auch

Graciano Rocchigiani, der sich

1995 mit Maske zwei unvergessliche

Ringschlachten lieferte.

Weitere Gäste aus der Box-Szene:

Neben Ulli Wegner waren

die Trainerkollegen Fritz Sdunek

und Karsten Röwer gekommen.

Dabei auch Promoter Kalle Sauerland,

der seinen Vater Wilfried

vertrat, der aus geschäftlichen

Gründen in seiner Heimatstadt

Kapstadt festgehalten wurde.

Wilfried Sauerland war es,

der Maske als Manager und

Promoter durch seine Profikarriere

begleitete. Ebenfalls in all

den Jahren an seiner Seite war

Trainer Manfred Wolke. Auch er

konnte nicht kommen, die Ärzte

hatten den Box-Professor wegen

Herzproblemen von der Reise

nach Rust abgeraten. Axel Schulz,

Maskes Mitstreiter im Wolke-Stall

in den 80er Jahren, sagte ab, weil

seine Tochter am gleichen Tag Geburtstag

hatte.

Dafür war aber eine Abordnung

aus dem Max Schmeling-

Film gekommen, in dem Henry

Maske die Hauptrolle spielte. An

der Spitze Box-Weltmeister Yoan

Pablo Hernandez, der Joe Louis

mimte, sowie Susanne Wüst alias

Anny Ondra und Arved Birnbaum,

Can-Can-Revue-

Tänzerinnen dürfen bei

einer guten Westernshow

natürlich nicht fehlen

bei dem Maske Schauspielunterricht

genommen hatte. Am Tisch

der Schauspieler wurden noch gesehen

die Star-Entertainerin des

DDR-Fernsehens, Dagmar Frederic,

sowie Radsport-Legende Rudi

Altig. Von der ARD waren u.a. gekommen

die Moderatorin Mareile

Höppner, Alexander Bommes,

Moderator des Sportschau-Clubs,

sowie sein Vorgänger Waldemar

Hartmann. RTL war u.a. mit Ex-

Chefredakteur Hans Mahr mit

Ehefrau Katja Burkard sowie dem

RTL aktuell-Moderator Andreas

von Thien vertreten.

Hans Reski

Komm hol‘ das Lasso

raus… Henry Maske ist

voll und ganz in seinem

Element

Andreas

Thien

will doch

nur spielen

– der

Revolver

hat nur

Platzpatronen

BoxSport

21


Ans Ende seiner Boxkarriere

denkt Yoan

Pablo Hernandez

nicht. Warum auch?

Schließlich ist der Kubaner mit

dem deutschen Pass erst 29 Jahre

alt. Fünf, sechs Jahre wolle er

schon noch boxen, sagt der IBF-

Weltmeister im Cruisergewicht.

Aber Hernandez hat immerhin

schon eine klare Wunschvorstellung

von einer Karriere nach

der Karriere. „Ich möchte Filmschauspieler

werden“, verriet

er auf der opulenten Party zu

Henry Maskes 50. Geburtstag im

Europa Park im südbadischen

Rust.

Irgendwie beim Cocktail-

Empfang im Hotel „Bell Rock“

kamen wir auf den Film „Max

Schmeling“ und die Dreharbeiten

im Juni 2009 in Zagreb zu

sprechen. „Das hat mir solchen

Spaß gemacht, dass ich seitdem

daran denke, einmal Schauspieler

zu werden, wenn ich nicht

Den Schlafzimmerblick

manch eines

Leinwandhelden hat

Yoan Pablo Hernandez

bereits drauf, vielleicht

schafft er es nach

seiner Box-Karriere

noch mal als Cowboy in

einen Westernstreifen

Im Max-Schmeling-Film besprechen Henry Maske alias Max Schmeling (rechts)

und Hernandez alias Joe Louis die Szene, in der Louis k.o. geht (Bild oben). Die

österreichische Schauspielerin Susanne Wüst, die Anny Ondra spielte (Bild unten),

attestierte Hernandez das meiste Schauspieltalent der Boxer. Zusammen mit Arved

Birnbaum (rechts im Bild), der den Reichssportminister Hans von Tschammer und

Osten spielte und Maske nebenher noch Schauspielunterricht gab, war sie Gast auf

Maskes Geburtstagsparty und hatte auch dort viel Spaß

Seit er im Max Schmeling-Film den legendären J

Hernandez tr

von Karriere

Film-Schausp

Am 8. März verteidigt er seinen WM-Titel gegen st

mehr Boxer bin“, sagte Hernandez

mit seinem gewinnenden Lächeln.

Henry Maske spielte Max

Schmeling, Yoan Pablo Hernandez

mimte Joe Louis. Das Kuriose

an den Kampfszenen: Die

beiden Rechtsausleger mussten

sich auf die Normalauslage der

Legenden umstellen.

Das ganze Drumherum, das

Flair bei den Aufnahmen, die

Hollywood-Atmosphäre, die

Berufsschauspieler haben den

Laiendarsteller begeistert. Der

Traum von der Filmkarriere geht

ihm seitdem nicht mehr aus dem

Kopf. Die Dreharbeiten für den

ersten der beiden Louis-Kämpfe

dauerten geschlagene zwölf

Stunden. Nach dem K.o.-Schlag

Schmelings, der als „What a

right hand!“ in die Geschichte

einging, musste Hernandez

mehrmals minutiös den genauen

Bewegungsablauf des Zubodensackens

in der zwölften Runde

vom Treffer bis zum „Out“ und

der korrekten Bauchlage am Boden

wiederholen. Erst dann war

Regisseur Uwe Boll endlich zufrieden.

Nun sind es nicht Kampfund

die beiden K.o.-Szenen

(Louis gewann die Revanche

bekanntlich in der ersten Runde),

die etwas über Hernandez‘

schauspielerisches Talent

aussagen könnten. Es ist die

kurze und einzige Begegnung

zwischen den beiden im Waschund

Toiletten-Trakt vor dem

ersten Kampf, in der Hernandez

sein natürliches Mienenspiel

zeigen kann. Cool wie Denzel

Washington ließ Hernandez

alias Louis im Dialog Maske als

Schmeling wissen, dass er ihn

schon in der ersten Runde k.o.

22 BoxSport


Joe Louis gespielt hat

räumt

als

pieler

starken Polen Kolodziej

schlagen werde. „Pablo war an

den Drehtagen von allen Boxern

der lockerste und talentierteste

Schauspieler“, hatte die Wiener

Hauptdarstellerin Susanne Wüst

alias Anny Ondra beobachtet.

Hernandez war in Zagreb

nicht nur von Laien aus der Boxszene

umgeben, sondern vor allem

von Profis aus der Film- und

Fernseh-Branche. Darunter Heino

Ferch, der mit Schiebermütze

großartig in die Rolle als Schmelings

umtriebiger Trainer Max

Machon schlüpfte. Der Zufall

wollte es, dass am Montag nach

der Maske-Party besagter Ferch

in der neuen Folge der ZDF-Serie

„Spuren des Bösen“ unter dem

Titel „Zauberberg“ als Kriminalpsychologe

die Hauptrolle spielte.

„Leider habe ich die Sendung

verpasst“, sagte Hernandez auf

Rückfrage. „Ich hätte Heino gerne

bewundert.“

Man kann sich diesen Yoan

Pablo Hernandez dereinst

durchaus als ersten schwarzen

Tatort-Kommissar vorstellen.

Der Boxer strahlt Charme, Tatkraft

und Natürlichkeit aus,

kommt mit einer stattlichen Figur

von 1,93 Metern und mit der

Hautfarbe eines Muhammad

Ali und Barack Obama daher.

„Wenn ich eines Tages nicht

mehr in die Trainingshalle gehe,

werde ich Schauspielunterricht

nehmen“, hat sich der Noch-

Boxer vorgenommen. Jetzt

schon nebenher eine Theater-

Schule besuchen, würde die

Konzentration auf das Boxen

stören. Hernandez (29 Kämpfe,

28 Siege) macht keine halben

Sachen. Zur Zeit ist er voll auf

den 8. März fokussiert, auf die

erste freiwillige Titelverteidi-

In 33 Kämpfen ungeschlagen…

… kommt der polnische Cruisergewichtler Pawel Kolodziej im März in die Berliner Max Schmeling Halle, um Hernandez den Titel

abzunehmen. 18 K.o.-Siege gelangen dem 29 Jahre alten Weltranglisten-Zweiten der IBF bisher als Profi, in Deutschland tritt

er nun zum sechsten Mal an – einen WM-Kampf bestreitet er indes zum ersten Mal in seiner Karriere

Ehefrau Sally

(links) rät ihrem

Mann, den

Kontakt zu den

Schauspielern

und ehemaligen

Kollegen aus dem

Max Schmeling-

Film zu halten

gung gegen den unbesiegten

Polen Pawel Kolodziej in der

Berliner Max-Schmeling-Halle.

So gesehen, begegnet Hernandez,

diesmal als er selbst, der

Ikone symbolisch wieder. Die

Realität im Ring: Kolodziej (33)

hat alle 33 Kämpfe gewonnen,

davon gut ein halbes Dutzend

in Deutschland, misst ebenfalls

1,93 Meter und besitzt als

Weltranglisten-Zweiter der IBF

– die Nummer eins ist unbesetzt

– eigentlich den Status eines

Pflichtherausforderers, wie zuletzt

Alexander Alekseev (K.o.

10. Runde), Troy Ross (Punktsieg)

und Steve Cunningham

(Punktsieg).

Auch wenn sich alles nur

ums Boxen dreht: „Schatz, pflege

die Kontakte zu den Schauspielern“,

rät Sally Hernandez ihrem

Mann. Die Eheleute können sich

übrigens nicht in ihrer Muttersprache

unterhalten. Sie stammt

aus dem frankofonen Kamerun

und spricht kein Spanisch, der

gebürtige Kubaner, der 2005

nach dem Chemie-Pokal in Halle

nicht mehr in seine Heimat Pinar

del Rio zurückgekehrt war, kann

kein Französisch. Das Ehepaar

verständigt sich ein bisschen auf

Englisch, aber immer mehr auf

Deutsch. Die beiden Kinder sind

zu beneiden. Sohn und Tochter

wachsen viersprachig auf.

Kontakte zu wem? Zu Heino

Ferch (50) und zu Til Schweiger

(50), der vor Maske schon Schmeling

in dem Film „Max&Joe“

spielte. Schweiger, der Hamburger

Tatort-Kommissar Nick

Tschiller, ist Boxfan und dürfte

am 8. März am Ring sitzen, hat er

doch in seiner Jugend selbst als

Amateur geboxt. Wie übrigens

auch Jean-Paul Belmondo (80),

der zwischen 1949 und 1952 in

sechs Kämpfen (fünf K.o.-Siege)

unbesiegt blieb, ehe ihm als

Schauspieler in Jean-Luc Godards

Schwarz-Weiß-Klassiker

„Außer Atem“ der Durchbruch

zum Filmstar gelang.

So mancher Boxchampion

wurde wegen seiner aktuellen

Berühmtheit schon mal für einen

Film engagiert. Für Max Schmeling

– in der Hauptrolle – wurde

sogar eigens „Liebe im Ring“ gedreht,

mit dem legendären Lied

„Das Herz eines Boxers“. Gustav

„Bubi“ Scholz mimte während

der James-Dean-Welle als amtierender

Europameister 1960

einen Lederjacken-Typen an der

Seite von Klaus Löwitsch, Chris

Howland, Renate Ewert und Vivi

Bach. Filmtitel: „Geh‘n Sie nicht

allein nach Hause“.

Aus kleinen Boxern sind große

Film- und Fernsehstars geworden,

aus berühmten Boxern indes

keine bewunderten Schauspieler.

Trendwende anno 2020? Yoan Pablo

Hernandez träumt jedenfalls

davon, als erster Boxweltmeister

auch bei Film und Fernsehen Karriere

zu machen. H. Scherzer

BoxSport

23


Stieglitz vs. Abraham,

dritter Akt

1:1 steht es nach den

beiden bisherigen Duellen, nun

steigt am 1. März in Magdeburg der dritte WM-

Kampf im Super-Mittelgewicht zwischen dem WBO-Weltmeister

Robert Stieglitz und Pflichtherausforderer Arthur

Abraham. BoxSport besuchte Stieglitz ein paar Wochen vor

dem Fight im SES-Gym.

WM-Kämpfe

von Ronert

und Hammer

Mit den WM-Duellen der Doppelweltmeisterin

Christina Hammer und von IBF-Junioren-Weltmeister

Dennis Ronert wird die große

SES-Box-Gala am 01. März in der Magdeburger

GETEC-Arena verstärkt.

Im Programm der WBO-Weltmeisterschaft

von Robert Stieglitz gegen Arthur Abraham wird

die ungeschlagene WBO-/WBF-Weltmeisterin

im Mittelgewicht Christina Hammer als die absolute

Nummer eins ihrer Gewichtsklasse ihre

WM-Gürtel gegen Jessica Balogun aus Aachen

verteidigen. „Team Deutschland“ Boxer Dennis

Ronert (19-0-0 (14)) aus Koblenz will sich in seiner

ersten Titelverteidigung beweisen. Mit dem

ungeschlagenen Albaner Shefat Isufi (12-0-2

(8)) steht ihm ein 23 Jahre alter aufstrebender

Herausforderer gegenüber, der als besonders

schlagstark gilt. Da Ronert auch als K.o.-König

gilt und sich so seinen Kampfnamen „Der Bomber

vom Rhein“ erkämpft hat, ist ein Duell mit

einem offenen Schlagabtausch zu erwarten.

Christina Hammer (16-0-0 (8)), die 23 Jahre

alte Doppelweltmeisterin im Mittelgewicht aus

Dortmund, ist nach ihrem einmaligen Ausflug

im Mai 2013 in das Super-Mittelgewicht und der

klaren Eroberung auch dieser beiden WM-Gürtel

wieder in ihrer eigentlichen Gewichtsklasse,

dem Mittelgewicht, unterwegs. Im Jahr 2013 besiegte

sie dort die Schwedin Mikaela Lauren in

Dresden und in Frankfurt/Oder die Mexikanerin

Carmen Garcia klar und deutlich.

24 BoxSport

Weltmeister Robert Stieglitz s

„Hallo Arthur, i

neue Überrasch

Trainer Dzemski legt sich w

Die Gegend um das

SES-Box-Gym in Magdeburg-Olvenstedt

ist

nicht wirklich einladend.

In vielen Plattenbauten

wirken die leeren Fensterhöhlen

bisweilen gespenstisch.

Hunderte Familien des einstigen

DDR-Neubauviertels sind

längst weggezogen. Das Gym

der SES-Profis strahlt da wie ein kleiner

Leuchtturm. Nicht, dass man in der Halle

gemütliche Runden verbringen möchte,

aber für die Boxer ist das weiträumige

Trainer Dirk Dzemski (links) und sein Schützling haben sich für die

Neuauflage gegen „King Arthur“ was Neues einfallen lassen

Klein-Arena ideal. „Jeden Tag ist hier Betrieb“,

sagt Trainer Dirk Dzemski und zeigt

auf seine Boxer. Tom Schwarz trommelt

auf einen Sandsack, Moritz Stahl schwitzt

beim Krafttraining. „Nach meinen zwei

Schulteroperationen muss ich mir

wieder Kraft antrainieren“, sagt er.

Felix Lamm übt sich wie der US-

Boxer Dario Bredicean beim Schattenboxen

und Junioren-Weltmeister

Dominic Bösel versucht sich bei

der Tatzenarbeit.

„Hier gibt es keine Ruhe. Jeden

Tag sind wir am Morgen und am

Nachmittag in der Halle. Ich arbeite

so hart wie vielleicht noch nie“,

meint WBO-Weltmeister Robert

Stieglitz. „Ich will die Trilogie mit

Arthur Abraham zu meinen Gunsten

beenden“, gibt sich der Super-

Mittelgewichtler überzeugt und mit einem

Grinsen fügt er hinzu: „Wir wissen, dass

ich nicht zweimal mit der gleichen Taktik

wie im Frühjahr 2013 gegen Arthur gewinnen

kann. Wir haben uns deshalb eine

Überraschung ausgedacht. Da werden Arthur

und dessen Trainer Ulli Wegner ganz

schön staunen.“ Auf welche Überraschung

können wir uns da freuen? „Auf solche

Trickfragen falle ich nicht herein. Wartet

bis zum 1. März, dann werdet ihr alle staunen“,

bleibt Stieglitz verschwiegen. Natürlich

lässt sich auch Trainer Dirk Dzemski

das Geheimnis nicht entlocken. Nur so viel

sagt er: „Wir machen in

der Vorbereitung auf den

wichtigen Kampf keine

Experimente. Wir gehen

nicht ins Höhentraining.

Der Kampf findet in der

Bördeland-Halle 36 m

über dem Meeresspiegel

statt, deshalb bereiten

wir uns in unserem Gym

in 36 m Höhe auf den

Kampf vor. Roberts Haus

liegt nur fünf Autominuten

entfernt. Dadurch

geht keine Zeit durch lange

Fahrten verloren. Zur

Abwechslung fahren wir

höchstens ein paar Tage

an die Ostsee. Wir sind

übrigens auf unseren

Manager Ulf Steinforth stolz, dass er den

Kampf nach Magdeburg geholt hat.“

Stieglitz, der 32 Jahre alte Champ, will

sich von Arthur, wie er sagt, „die Party

nicht versauen lassen. 2013 war wie ein

Robert Stieglitz – und auch Trainer Dzemski freuen sich, dass

Manager Ulf Steinforth (links) den Kampf nach Magdeburg

geholt hat


strotzt vor Selbstbewusstsein

ich habe eine

ung für dich“

wieder mit Ulli Wegner an

Selbstbewusst und

völlig entspannt sieht

der Weltmeister seiner

nächsten Titelverteidigung

entgegen

Entschlossen hämmerte

Stieglitz im zweiten Kampf

auf Arthur Abraham (links)

ein

Traum. Ich wurde gefeiert und bin ganz oben.

Dort will ich noch eine Weile bleiben.“ Der

Wunsch ist verständlich. Stieglitz ist Magdeburger

Botschafter und wurde zum „Sportler

des Jahres Sachsen-Anhalts“ und zum

„Boxer des Jahres“ in Deutschland gewählt.

Vor allem Letzteres kann er kaum fassen:

„Ich bin ‚Boxer des Jahres’, obwohl auf dem

Stimmzettel Boxer wie Wladimir Klitschko,

Marco Huck, Felix Sturm, Jürgen Brähmer

und Jack Culcay standen. Die Wahl ist eine

hohe Ehre. Dazu erhielt ich von der WBO neben

dem Ehrenring eine Erinnerungstafel als

Auszeichnung. Diese Ehrungen strebe ich in

diesem Jahr noch einmal an.“

Der Ruhm gefällt auch Trainer Dzemski,

wenn er zugibt: „Der zweiten Rang bei der

Trainerwahl hat mich angesichts der namhaften

Konkurrenz schon sehr überrascht.

Für mich ist das als jüngster Trainer unter

den Auswahlkandidaten wie ein Ritterschlag.

Noch lieber wäre mir allerdings der

zweite Platz hinter Fritz Sdunek. Er ist ein

richtige Großer, von dem ich viel gelernt

haben.“ Freunde werden Dirk Dzemski und

Ulli Wegner, elfmaliger „Trainer des Jahres“

wohl auch nicht mehr.

Die Last der Vorbereitung

auf den

großen Fight am

1. März vor bereits

ausverkauftem Haus

in Magdeburg muss

Dirk Dzemski nicht

allein tragen. Mit Rene

Friese, Falko Besser,

Mario Meier und

dem Sport-Psychologen

Jörg Schmittendorf

stehen ihm

weitere Trainer zur

Seite. Trotzdem gibt

Dirk Dzemski unumwunden

zu: „Ich bin

froh, dass Christina

Hammer wieder zu

ihrem alten Trainer

nach Dortmund zurückgekehrt

ist.“

Der Trainer erklärt,

warum: „Ein Frau

braucht mehr Pflege

und Aufmerksamkeit

als ein Mann.

Im Training machen Dirk

Dzemski (rechts) und

Stieglitz keine großen

Experimente, wovon sich

zahlreiche Fans beim öffentlichen

Training überzeugen können

Die Frauen sind viel wissbegieriger als Männer.

Der Zeitaufwand für eine Boxerin ist

ziemlich groß, so dass die Gefahr besteht,

die anderen Boxer zu vernachlässigen.“

Jetzt ist das SES-Gym in Magdeburg wieder

eine reine Männergesellschaft.

Um sich auf das WM-Duell mit Arthur

Abraham voll und ganz konzentrieren zu

können, lässt Robert Stieglitz im Moment

auch die Nachforschungen um seinen Adelstitel

bis zum März ruhen. „Wir haben bis

jetzt herausbekommen, dass unser Urururur-Großvater,

ein Adliger Herr von Stieglitz,

1856 von Düsseldorf an die Wolga gezogen

ist. Dessen Sohn war dann am Zarenhof in

St. Petersburg Beamter. Durch die Revolution

1917 verlieren sich die Spuren. Man muss

unheimlich viel Zeit aufbringen, um in den

Archiven fündig zu werden. Ich habe jetzt

aber einen Tipp erhalten. Vielleicht stoßen

wir in den Archiven des ehemaligen Schlosses

von Zarin Katharina in Zerbst, 50 Kilometer

von Magdeburg entfernt, auf Quellen.

Katharina die Große starb zwar 1796, aber

man weiß ja nie. Nach dem WM-Kampf fahre

ich jedenfalls dort einmal hin.“

Manfred Hönel

BoxSport

25


Stieglitz vs. Abraham,

dritter Akt

Am 1. März,

beim dritten Duell mit

Robert Stieglitz, geht es für

Arthur Abraham um Alles oder

Nichts. Bei einer Niederlage ist

wohl seine große Karriere zu

Ende. Er aber glaubt an einen

Sieg und will dann noch drei

Jahre weiter boxen. Wie er den

Kampf gewinnen will, sagt er im

BoxSport-Interview.

BoxSport: Zwischen Ihnen

und Robert Stieglitz steht es 1:1.

Nun findet am 1. März das dritte

Duell statt. Was glauben Sie, wie

diese Ring-Trilogie endet?

Arthur Abraham: Ich werde

die Trilogie zu Ende schreiben

und klar gewinnen.

BoxSport: Der Kampf findet

wieder in Magdeburg statt, empfinden

Sie diese Entscheidung

nicht als ungerecht?

Arthur Abraham: Ich habe

damit kein Problem. SES hat die

Versteigerung gewonnen, also

steht ihnen der Kampf zu. Mich

lässt das ziemlich kalt. Ich habe

in ganz Deutschland meine

Fans, auch in Magdeburg.

26 BoxSport

Das

Voll Vorfreude trainiert Abraham in Kienbaum, ein derart

langes Trainingslager hat er bisher noch nie durchgezogen

BoxSport: Im Berliner

Olympiagelände verfügt

Sauerland-Event über eine

bestens ausgestattete Trainingsstätte.

Warum zogen Sie

trotzdem ins Trainingslager

nach Kienbaum um?

Arthur Abraham:

Trainer Wegner ist ein

Fan von Kienbaum. In

Berlin gibt es viel Ablenkung.

Hier haben wir

unsere Ruhe. Trainieren,

essen, schlafen und in der

Freizeit lesen oder ein bisschen

Fernsehen. So kannst du

dich voll

auf die

Aufgabe

sport

INTERVIEW

Manfred Hönel mit Arthur Abraham

konzentrieren,

die ja

nicht einfach

ist. Außerdem

wurde meine Ernährung

mit der Küche

in Kienbaum abgestimmt.

Ich vermeide

dadurch

Gegen Robert Stieglitz

will „King Arthur“ den

Hammer rausholen –

und demonstriert das

schon mal bildlich

Gewichtsprobleme.

Wer mit mir

reden will, muss

sich halt den Weg

nach Kienbaum machen,

was sich lohnt.

Hier ist es nicht nur

ruhig, sondern auch

schön. Außerdem

„Nach me

ist Rober

Aufgepasst – Arthur Abraham ist fest entschlossen, die

Trilogie gegen Stieglitz zu seinen Gunsten zu entscheiden

WM-Vorbereitu

hat sich Kienbaum in

den vergangenen

zehn Jahren

gewaltig entwickelt.

Man

kann es hier aushalten.

BoxSport: Marco

Huck hat sich auf seinen

WM-Kampf mit

Arslan im Höhen-

Trainingszentrum

von Hertha BSC vorbereitet.

Haben Sie

diese Möglichkeit

auch genutzt?

Arthur Abraham:

Herthas

Höhentrainingszentrum

ist gleich

neben unserem Gym im Olympiagelände

im fünften Stock des

Hertha-Hauses. Trainer Wegner

hat das Höhentraining in einem

speziellen Raum mit einem Sauerstoffgehalt

in der Luft wie in

2600 m angeordnet. Unsere gesamte

Trainingsgruppe hat dieses

Training drei Wochen durchgezogen.

Ich habe schon das

Gefühl, dass ich meinen Körper

dadurch mehr belasten kann.

BoxSport: Wie sieht überhaupt

Ihre Vorbereitung auf das

große interne deutsche Duell

aus?

Arthur Abraham: Bis Silvester

haben wir in Berlin trainiert.

Seit dem 5. Januar sind wir

in Kienbaum. Ich bleibe hier bis

zum 25. Februar, ehe wir dann

nach Magdeburg fahren. Ein so

ausgedehntes Trainingslager habe

ich noch nie durchgezogen.

Aber Trainer Wegner will es so,

also wird es so gemacht. Ich bin

aber nicht allein hier. Erst trainierte

Marco Huck bis zu seinem

Kampf mit. Jetzt sind Robert Woge,

Eduard Gutknecht und Yoan

Pablo Hernandez hier. Pablo

bleibt sogar noch länger. Sein

WM-Kampf ist erst am 8. März

in Berlin.


einem ersten Hammer

rts Taktik Makulatur“

ung mit Höhentraining und Kältekammer

BoxSport: Höhenluft bei

Hertha; nutzen Sie trotzdem

noch die Kältekammer in Kienbaum?

Arthur Abraham: Natürlich

nehmen wir alle Möglichkeiten

mit, um eine maximale Fitness

zu erreichen. Die Kältekammer

hat mit der Höhe nichts zu tun,

sie dient zur schnelleren Regeneration,

die besonders in der

Sparringsphase wichtig ist.

BoxSport: SES hat den

Kampf für über drei Millionen

Euro ersteigert. Was machen Sie

mit der dicken Prämie, wenn Sie

gewinnen?

Arthur Abraham: Zunächst

einmal Steuern zahlen. Den

Kampf hat nicht SES, sondern

Sat.1 geholt. Die wollten den

Kampf unbedingt. Ich denke, es

wird eine hohe Quoten geben,

denn die Fans werden einen großen

Kampf sehen.

BoxSport: Robert Stieglitz

sagt, er habe eine Überraschungstaktik,

mit der er Sie und

Ihren Trainer verblüffen wird.

Glauben Sie ihm das?

Arthur Abraham: Robert

wird seinerseits staunen. Wenn

er sich den ersten Hammer von

mir einfängt, ist seine Taktik

nämlich Makulatur.

BoxSport: Stört es Sie, dass

Trainer Ulli Wegner nicht nur Sie

betreut?

Arthur Abraham: Im Gegenteil.

Ich finde unsere Trainingsgruppe

cool. Wir haben

viel Spaß und helfen uns gegenseitig.

Wenn Trainer Wegner mit

einem von uns zu einem Kampf

ist oder mediale Aufgaben zu

erfüllen hat, steht uns Assistent

Georg Bramowski zur Seite. Wir

lassen jetzt an die Vorbereitung

auf den 1. März keine Luft ran.

Zu ‚Huckers’ Kampf in Stuttgart

sind wir Samstag nach dem Training

nach Stuttgart geflogen.

Sonntagnachmittag waren wir

wieder hier. Um 17 Uhr haben

Im ersten Kampf gegen

Stieglitz (rechts) powerte

Abraham konsequent durch

wir bereits wieder trainiert. Wir

ziehen jetzt sieben Tage in der

Woche durch.

BoxSport: Im Berliner Gym

dreschen Sie immer auf einen

Sandsack ein, auf dem Ihr Name

steht. Warum steht da nicht der

Name Stieglitz?

Arthur Abraham: Der Sandsack

ist ganz allein mein Trainingsgerät.

Nur ich haue da drauf,

weil er für mich maßgeschneidert

ist. Der Sandsack hat genau

die von mir gewünschte Härte.

Er ist nicht zu hart und nicht zu

weich. Für Kienbaum haben wir

einen Sandsack mit ähnlichen Eigenschaften

gesucht, auch wenn

mein Name da nicht draufsteht,

kann ich gut üben.

BoxSport: Robert Stieglitz

ist als konditionsstarker Boxer

bekannt. Wie wollen Sie dem Titelverteidiger

begegnen?

Arthur Abraham: Ein Boxkampf

ist kein Marathonlauf. Es

gibt Boxer, die stehen 20 Runden

durch und bringen nichts. Kondition

allein reicht nicht. Zum

Boxen gehört Technik, Taktik

und am Ende auch ein Hammer,

und den werde ich auspacken.

BoxSport: Mitten in Ihre

Vorbereitungsphase fallen die

Olympischen Winterspiele in

Sotschi. Werden Sie die Wettkämpfe

verfolgen?

Arthur Abraham: Unbedingt.

Jeder, der sich für Sport

richtig interessiert, verfolgt

auch die Olympischen Spiele.

Für mich ist es das größte Sportfest,

deshalb werde ich Olympia

gucken, so wie es meine Zeit

erlaubt. Mit Sotschi verbindet

mich außerdem ein sportliches

Erlebnis. Dort habe ich vor 13

Jahren im Armeesportklub einen

Amateurkampf gewonnen.

BoxSport: Wissen Sie, warum

Cecilia Braekhus Ihre Trainingsgruppe

verlassen hat?

Arthur Abraham: Keinen

blassen Schimmer. Sie hat mit

mir nicht darüber gesprochen.

Vielleicht wollte sie sich einfach

mal verändern.

BoxSport: Sie bekennen sich

zu Ihren armenischen Wurzeln.

Wann fliegen Sie wieder einmal

nach Jerewan?

Arthur Abraham: Ich bin

immer nach einem WM-Kampf

nach Armenien geflogen. Diesmal

habe ich mir vorgenommen,

Singapur zu besuchen. Nach Armenien

fliege ich dann später

einmal.

BoxSport: Außer einer Singapur-Reise

– was planen Sie

noch nach dem Kampf des Jahres

gegen Stieglitz?

Arthur Abraham: Ich konzentriere

mich ganz auf den

Kampf in Magdeburg. Aber

wenn ich schon gefragt werde,

sage ich, dass ich drei Jahre den

Gürtel verteidigen will und dann

sage – Tschüss Boxen.

BoxSport: Trainiert Ulli

Wegner mit Blick auf Stieglitz

anders als bei früheren WM-

Kämpfen?

Arthur Abraham: Wir trainieren

genauso hart und gnadenlos

wie sonst. Allerdings

beschäftigen wir uns zusätzlich

intensiv mit neuen taktischen

Varianten.

Im zweiten Duell führte Abrahams

zugeschwollenes linkes Auge zum

Kampfabbruch in der vierten Runde

BoxSport

27


Fury und Charr empört über Kasperletheater von Haye

David ist „eine falsche Schlange“

Nach seiner Rücktrittansage peilt er jetzt einen Kampf gegen den Kanadier Bernard Stiverne an

Bei der Pressekonferenz mit David Haye (links) lässt sich an Tyson Furys Lachen schon

erkennen, was er von seinem Gegner hält – nicht viel

Ich habe mein Karriereende Immerhin hatte Haye zweimal

jetzt im Kopf akzeptiert. Es seinen Kampf gegen Fury abgesagt.

„Er hat sich innerhalb des

wird keinen Weg für mich

zurück gegen, es sei denn jemand

kommt mit einem medizi-

Man kann einem Kampf nicht

Boxsports lächerlich gemacht.

nischen Wunder daher, dass ich aus dem Weg gehen, weil man

meine Rechte wieder schmeißen keine Lust darauf hat. Es gibt

kann“, hatte David Haye Ende die Chance, dass man verliert,

November 2013 erklärt, nachdem

er nach seiner Schulter-OP und kämpfst nun gegen jemand

deswegen hast du abgesagt

aus dem Münchener Krankenhaus

entlassen worden war. In Was bist du überhaupt? Seine

anderen. Du bist kein Fighter.

einem fünfstündigen Eingriff

war ihm dort seine Schulter gerichtet

worden. „Ich hoffe nur,

dass ich mich wieder erhole“,

meinte der Schwergewichtler

(26-2, 24 K.o.s) gegenüber der

englischen Zeitung The Sun.

„Momentan ist es das Wichtigste,

die alltäglichen Funktionen In Anlehnung an den

wieder herzustellen.“

Fight zwischen Haye und

Das scheint mehr als gut zu Wladimir Klitschko 2011

machte sich Manuel Charr

funktionieren, und auch das

einen Spaß mit seinem

zitierte medizinische Wunder Ankündigungsplakat

muss erfolgt sein, denn zum

Jahreswechsel twitterte der

33-Jährige: „Erstes Training des

Jahres. 2014 wird mein gesündestes

Jahr werden. Lasst uns

so starten, wie wir weitermachen

wollen.“ Also doch kein

Rücktritt. Was für den Briten

positiv ist – laut der Online-Ausgabe

der englischen „Daily und

Sunday Express“ könnte Haye

direkt ein Titelkampf gegen den

Kanadier Bermane Stiverne erwarten,

bei dem es um den vakanten

WBC-Titel des emeritierten

Champions Vitali Klitschko

geht –, ruft beim Team seines

Landsmanns Tyson Fury (21-0,

15 K.o.s) Aggressionen hervor.

Glaubwürdigkeit ist dahin,

seine WM-Ambitionen und alles

andere, das er erreicht hat,

auch“, wetterte Furys Trainer

und Onkel Peter Fury bei BaylorIC

TV. „Er hätte mehr als

fünf Millionen für den Kampf

gegen Tyson bekommen, und

das ist mehr, als er für einen

WM-Kampf bekommen hätte.

Geld ist also keine Ausrede. Es

gibt nur eine Antwort, wenn

man sich die Sache genau ansieht.

Er hat den Kampf abgesagt,

weil er keine Lust hatte.

Aus irgendeinem Grund hatte

er keine Lust darauf.“

Dass Haye in seinen Entscheidungen

springt, ist nichts

Neues. 2011 beendete der ehemalige

WBA-Weltmeister nach

seiner Niederlage gegen Wladimir

Klitschko seine Karriere,

feierte aber im Juli 2012 gegen

Dereck Chisora per K.o.-Sieg

ein erfolgreiches Comeback.

Seitdem wartet man auf einen

weiteren Fight des Hayemakers.

Im Mai 2013 sagte er zunächst

einen für Juni geplanten Kampf

gegen Manuel Charr ab, weil er

sich an der Hand verletzt hatte.

Der für Ende September angesetzte

Fight gegen Fury musste

aufgrund eines beim Sparring

erlittenen Cuts verschoben werden

und dann folgte die nächste

Absage aufgrund der Schulterverletzung.

„Für mich ist David Haye kein

Boxer, er ist eine falsche Schlange“,

regte sich Manuel Charr

auf, als er von der Nachricht erfuhr,

dass Haye doch wieder in

den Ring steigen will. „Er schuldet

mir nicht nur einen Kampf,

sondern auch noch eine hohe

Börse.“ Dass Haye ungeschoren

davon kommt, will der „Koloss

von Köln“ keinesfalls zulassen.

Um den Kampf im Sommer 2013

zu bekommen, war Charr extra

nach England geflogen, um vor

Ort mit Haye zu verhandeln.

„Die Verträge waren unterschrieben“,

so der 29-Jährige,

der nun per Anwalt zu seinem

Recht kommen will. „Und dann

hat er gegen Tyson Fury auch

nur große Töne gespuckt.“ Einem

Duell Haye gegen Stiverne

sieht Charr skeptisch entgegen:

„Stiverne ist zu langsam, mit

Fury oder mir würde Haye mehr

Probleme haben.“

Wie es bei Charr 2014 weitergeht,

kann der Mittelmeerraumund

Baltische Meister der WBC

im Schwergewicht noch nicht

sagen, im Dezember wollte er

in Hamburg gegen den US-Amerikaner

James Toney antreten,

doch ein Nabelbruch machte

ihm einen Strich durch die Rechnung.

„Ich habe Mitte Januar

erst wieder langsam angefangen

zu trainieren“, so Charr. Zudem

muss er generell erst einmal

gucken, wie es in Sachen WBC-

Weltmeisterschaft bestellt ist, da

WBC-Präsident José Sulaimán

verstorben ist. „Mit dem WBC

liege ich im Streit, weil die mich

im Ranking von sechs auf sieben

gesetzt haben. Und ein Bryant

Jennings ist Vierter, obwohl der

keinen Titel hält“, findet Charr

die derzeitige Rangliste nicht

korrekt. Bleibt also abzuwarten,

wie es für Charr weitergeht – das

Duell gegen Toney nachzuholen,

ist für ihn die wahrscheinlichste

Option (siehe auch Seite 29).


Nicole Bitter

28 BoxSport


Kommt der Weltfußballer zum nächsten Kampf des „Koloss von Köln“?

Charr verliebt in

die Schwester

Katia Aveiro, „Ronalda“,

hat die Sympathie von

Charr im Sturm erobert

Weltfußballer

Ronaldo erwartet

Manuel Charr im

Mai am Ring

von Ronaldo

Sie soll die Hymne singen

Bei der Ehrung von Ronaldo

zum Weltfußballer durften

Mutter Dolores (links) und

Schwester Katia nicht fehlen

Wenn einer ein Händchen

für sensationelle

Geschichten

hat, dann ist es

Manuel Charr. Erst lernte der

„Koloss von Köln“ Cristiano

Ronaldos Schwester Katia in

Kölns Szene-Klub Diamonds

kennen – und dann auch noch

den frisch gekürten Weltfußballer

höchstpersönlich. Aber der

Reihe nach. Am 4. Januar stellte

Charrs Freund und gleichzeitig

Besitzer des Diamonds Yahya

Firat dem Schwergewichtler

die Sängerin Katia Aveiro – ihr

Künstlername lautet „Ronalda“

– vor. „Wir haben uns unterhalten

und eine gemeinsame tolle

Idee für unsere Fans – sie können

sich freuen auf meine neue

Box Hymne, gesungen von Katia“,

postete der Schwergewichtler

auf seiner Facebookseite. Die

37-jährige Portugiesin versucht

bereits seit längerem, sich als

Latino-Sängerin zu etablieren,

hat sich in Spanien und Portugal

bereits einen Namen gemacht,

zuweilen dank der Unterstützung

ihres berühmten „kleinen

Bruders“.

Da sich die Sängerin und

der Boxer laut Charr blendend

verstehen, war der 29-Jährige

prompt auch bei der Ehrung

Ronaldos in Zürich dabei – sowie

der anschließenden Party in

Madrid, wo es per Privatjet hinging.

„Wir haben in Cristianos

Haus gefeiert mit der ganzen Familie.

Seine Mutter, sein Bruder,

seine beiden Schwestern und

natürlich seine Partnerin und

sein Sohn Cristiano Junior“, erklärte

Charr.

Und weil der Boxer von seiner

neuen Bekanntschaft nicht

genug bekommen kann, weilte

er Mitte Januar wieder in Lissabon,

wo er mit seinem neuen

Trainer Petrit Dobroshi ein Trainingslager

abhielt. Laut Charr

auf Einladung Ronaldos. „Cristiano

zahlt mir das, dafür kann

ich mich nur bedanken“, so

Charr. Ein bisschen wurde auch

durch Portugal getourt, Charr

postete auf seiner Facebookseite

Bilder aus Cascais oder vom

Sushi essen mit Ronalda und

ihrem Team. Bei so viel Glück

gleich zu Jahresbeginn, kann

2014 ja nur

erfolgreich

werden. So

ist Charr nach

Zu Pamela

Anderson hält Charr

auch nach dem

Dschungel-Camp

Kontakt

seinem Nabelbruch

wieder

voller Tatendrang,

um

sich für seinen

nächsten

Kampf gegen

James Toney

fitzumachen,

der eventuell im Mai in Leverkusen

stattfinden soll. Dann

soll auch Cristiano Ronaldo,

den Charr als einen „der

liebsten Menschen der Welt“

bezeichnet, am Ring sitzen,

während Katia singt und seine

„Dschungel-Camp“-Freundin

Pamela Anderson Charr in der

Ringecke betreut, wie er auf seiner

Facebookseite verkündete.

Bei so vielen Frauen, die um ihn

rumschwirren, kommt er vielleicht

auch schneller über die

Trennung von seiner Freundin

Amira hinweg.

BoxSport

29


Jürgen

Brähmer

Euphorischer Rückblic

Großer Jubel nach dem Sieg über Marcus Oliveira: Manager Peter Hanraths, Trainer Torsten Schmitz, Jürgen Brähmer, Trainer Sebastian Sylvester,

Trainer Karsten Röwer, Promoter Kalle Sauerland und der Ringrichter (von links) – rechts im Hintergrund ärgert sich Don King

Am 14. April verteidigt er in Rostock seinen WM-Titel

Um große Worte ist Kalle

Sauerland selten verlegen,

doch die Superlative,

die der Juniorchef

des Berliner Sauerland-Teams am

14. Dezember in Neubrandenburg

fand, um die Leistung von

Jürgen Brähmer zu würdigen,

hallten noch lange nach. „Für

mich ist es das Sport-Comeback

des Jahres, weil Jürgen nicht

nur ein überragender Sportler,

sondern auch ein überragender

Mensch ist“, sagte der Promoter,

nachdem Brähmer sich durch

einen einstimmigen Punktsieg

(117:110, 117:110, 115:112) über

den von nordamerikanischen

Ureinwohnern abstammenden

Marcus Oliveira den WBA-WM-

Titel im Halbschwergewicht gesichert

hatte.

Gut einen Monat später sitzt

der 35 Jahre alte Schweriner in

einem Hamburger Steakhaus

und lässt die Geschehnisse eines

verrückten Jahres noch einmal

auf sich wirken. Im Februar 2013

hatte Brähmer in seinem ersten

Kampf unter der Sauerland-Flagge

Eduard Gutknecht besiegt und

sich den EM-Titel geholt, den er

30 BoxSport

im April gegen den Franzosen

Tony Averlant und im August

gegen den Italiener Stefano Abatangelo

verteidigte. Und dann

hatte er die WM-Chance erhalten,

die wohl letzte Möglichkeit,

im Herbst seiner Karriere noch

Jürgen

Brähmer

freut sich

über ein sehr

erfolgreiches

Jahr 2013

einmal dorthin vorzustoßen, wo

er zwischen 2009 und 2011 als

WBO-Champion schon einmal

gewesen war: in die Weltspitze.

Mit einer beeindruckenden

Leistung gegen einen allerdings

enttäuschenden Gegner nutzte

Brähmer diese Chance, und

seitdem werden die Lobeshymnen

abgespielt, die man so oft

hört, wenn Zwischentöne nicht

zählen, sondern es nur Schwarz

oder Weiß gibt. Dass Jürgen

Brähmer ein neuer Mensch geworden

sei, dass er ein neues

Leben führe und die Vergangenheit,

die mehrjährigen Gefängnisaufenthalte

wegen diverser

Delikte und die Streitereien mit

früheren Wegbegleitern und Geschäftspartnern,

hinter sich gelassen

habe.

Jürgen Brähmer muss grinsen,

wenn er diese Dinge hört

oder liest, er hat dieses ganz

spezielle Grinsen, das seinem

Gesicht etwas Spitzbübisches

verleiht. Er hat nie viel darauf

gegeben, was andere von ihm

gehalten haben, er war immer

darauf bedacht, sich niemals zu

verbiegen, um anderen zu gefallen,

sondern wollte eigentlich

nur in Ruhe sein Ding durchziehen.

Unabhängigkeit ist sein

Lebensthema, und immer, wenn

ihm jemand diese streitig machen

wollte, wurde er ungemütlich.


Und doch kann Jürgen Brähmer

nicht verbergen, dass es

ihm ein Stück weit guttut, dass

jetzt allgemein gewürdigt wird,

dass er nicht nur zurückgekommen

ist auf die große Boxbühne,

sondern wieder mittendrin ist

im Geschäft. In den Verhandlungen

zwischen Sauerland und

TV-Partner ARD um die Verlängerung

des zum Jahresende auslaufenden

Vertrags ist Brähmer

ein wichtiges Faustpfand für

seinen neuen Arbeitgeber. „Als

ich vor einem Jahr bei Sauerland

anfing, war das ein sehr ambitioniertes

Ziel, mich noch einmal

zum Weltmeister zu machen.

Dass es innerhalb von zehn Monaten

geklappt hat, ist doch eine

gigantische Nummer. Ich freue

mich einfach, dass ich das noch

einmal erleben darf“, sagt er.

Und zu einem gewissen Teil

stimmt es ja auch, dass er ein

das ist für mich eine richtig

schöne Gelegenheit, den Kopf

freizukriegen“, sagt er. Mit seiner

Partnerin Tatjana, die als Finanzcontrollerin

in einer Hausverwaltung

arbeitet, und Jasmin

lebt er in einer zum Wohnhaus

umgebauten, ehemaligen Porzellanmanufaktur

am Schweriner

See, keine 15 Minuten

Autofahrt von der Innenstadt

entfernt. Dort findet er das, was

ihm am wichtigsten ist im Leben:

seine Ruhe.

Öffentlichkeit war ihm

schon immer grundsätzlich zuwider,

was paradox erscheint,

wenn man vor Millionen seinen

Beruf ausübt und gut dafür bezahlt

wird. Schulterklopfer hat

er früher barsch abgewiesen,

wenn sie ihm nicht sympathisch

waren. „Ich war sicherlich nicht

der Netteste, aber das wollte ich

auch nie“, sagt er. Heute, mit et-

ck auf ein verrücktes Jahr

und nach sein Umfeld von ihm

schadenden Begleitern zu befreien,

baute er sich auch sein

zweites Standbein neben dem

Boxen auf.

Bis heute redet der in 44

Profikämpfen zweimal besiegte

Rechtsausleger nicht öffentlich

über die vielen Geschäfte, die

er mittlerweile betreibt. Immobilien

interessieren ihn ebenso

wie das gesamte Spektrum des

kaufmännischen Handelns, sein

neuestes Beteiligungsprojekt ist

ein Bio-Schlachthof, auf dem naturbewusste

Kunden das Rind,

das sie irgendwann einmal essen

wollen, von dessen Geburt

bis zu dessen Tod als Pate begleiten

können. Er hat viele Ideen,

aber wenig Interesse daran, sie

auszuplaudern. Das hat er von

Klaus-Peter Kohl gelernt, dem

Gründer des Universum-Stalls,

für den er bis 2012 boxte. Kohl

ben kann, und auch die Partnerschaft

mit Kalle und Wilfried

Sauerland sei sehr angenehm.

Große Pläne für die sportliche

Zukunft hat er noch nicht

geschmiedet. Die erste freiwillige

Titelverteidigung ist für den

5. April in Rostock geplant, ein

Gegner steht noch nicht fest.

„Es gibt doch eine Menge interessanter

Kämpfe“, sagt er, „ich

würde zum Beispiel gern gegen

Bernard Hopkins in den USA

kämpfen, wenn das Angebot gut

ist.“ Und wenn es nicht gut ist,

wenn es überhaupt nichts mehr

gibt, was ihn reizt, oder wenn

der Spaß am Boxen, den er seit

der Unterschrift bei Sauerland

wieder verspürt, endgültig verloren

gegangen ist, dann wird er

einfach aufhören und sich neuen

Geschäften widmen. „Ich habe

mich nie aufs Boxen reduziert“,

sagt er. Vielen Wegbegleitern,

Gegen Marcus Oliveira feierte Jürgen Brähmer einen einstimmigen Punktsieg. Oliveira taute in dem Kampf zu spät auf und kassierte in der zehnten Runde mit einem

Körpertreffer den entscheidenden Treffer

neues Leben führt. Alte Freunde,

die ihn aus Jugendzeiten

kennen, sagen zwar, er sei noch

immer der mecklenburgische

Sturkopf, maulfaul in der Regel

und aufbrausend, wenn es

nicht so laufe, wie er es sich

vorstelle. Aber als vor einem

Eindreivierteljahr seine Tochter

Jasmin geboren wurde, war das

ein Einschnitt, der den gelernten

Schweißer verändert hat, ihn

und seine Denkweise. „Die Prioritäten

verschieben sich einfach

total“, sagt er.

Das erkenne er vor allem daran,

dass er sich bei jeder Entscheidung

nicht mehr frage, ob

sie gut für ihn selbst, sondern ob

sie gut für die Tochter ist. Brähmer

genießt jede Minute, die er

mit der Kleinen verbringt. „Ich

mache sehr gern Kinderdienst,

was mehr Reife, verhalte er sich

schon höflicher. „Aber wenn

mich einer nervt, dann sage ich

es deutlich. Ich denke, ich bin

erwachsen geworden, aber in

vielen Situationen auch noch

genauso wie früher“, sagt er.

Man nimmt es ihm ab, wenn

er erzählt, dass er das Boxen

nicht gewählt hat, weil er Anerkennung

von außen gesucht hat,

sondern sich dafür entschieden

hat, weil ihm das Talent dafür

geschenkt wurde und er spürte,

dass er es im Faustkampf am

ehesten zu einem angemessenen

Verhältnis aus Arbeit und

Verdienst bringen konnte. Geschäftstüchtig,

das war Brähmer

schon früh, und als er nach der

endgültigen Haftentlassung im

Herbst 2005 anfing, seine Instinkte

zu kontrollieren und nach

hatte Brähmer stets als „Jahrhundert-Talent“

bezeichnet und

sich als Vaterersatz verantwortlich

gefühlt, doch heute herrscht

Funkstille zwischen den beiden.

Allzu viel in der Vergangenheit

wühlen möchte Jürgen

Brähmer allerdings nicht. Er will

vielmehr genießen, dass er jetzt

noch einmal durchstarten kann.

Er hat sich ein kleines Team

seines Vertrauens geschaffen,

mit seinem Hamburger Manager

Peter Hanraths, den er aus

alten Universum-Tagen kennt

und schätzt, und mit seinem

Rechtsanwalt Johannes Eisenberg,

mit dem er während der

Trainingsphasen in Berlin Tür

an Tür wohnt. Er fühlt sich wohl

in der Trainingsgruppe von Karsten

Röwer, in der er als Leitwolf

wichtige Erfahrungen weiterge-

die das getan haben, die ihn lange

unterschätzt haben, geht es

heute schlechter als ihm.

Ob er sich als zufriedenen

Menschen bezeichnen würde,

vielleicht sogar als so glücklich

wie niemals zuvor in seinem

Leben? Jürgen Brähmer hat

auch dazu eine eigene Sichtweise.

„Ich bin nie zufrieden, ich

strebe immer nach mehr, das

ist mein Antrieb. Aber ich habe

eine Super-Frau, ein tolles Kind,

den WM-Titel in meinem Sport

und die Freiheit zu tun, was mir

Spaß macht. Insofern kann ich

sagen, dass es anderen sicherlich

schlechter geht als mir.“ Für

einen maulfaulen Mecklenburger

wie ihn ist das ein fast schon

euphorischer Rückblick auf ein

ziemlich verrücktes Jahr 2013.

Björn Jensen

BoxSport

31


Nach der Trennung von Fritz Sdunek

zwar seinen offensiven

und aufreizend lässigen

Stil, der ihm 2009 den

Amateurweltmeistertitel

eingebracht hatte,

nicht komplett aufgeben,

und das soll er

auch gar nicht. „Aber

er muss akzeptieren,

wenn sein Trainer Änderungen

vornehmen

will, auch wenn sie ihm

selbst nicht so passen“,

sagt Moritz Klatten,

Culcays Manager und

Athletikcoach in Personalunion.

Änderungen im

Trainingskonzept ist

der 28-Jährige gewohnt.

Logan ist bereits der

fünfte Coach innerhalb

von vier Profijahren in

Das Team von Sauerland posiert mit Jack Culcay (3. von rechts): Kalle Sauerland, Therapeut

Florian Friedrich, Culcays Vater Roberto, Trainer Gary Logan und Manager Moritz Klatten (v.l.)

Logan der fünfte Trainer – läuf

Fritz Sdunek (links) und Culcay

trennten sich einvernehmlich

kontinentaltitel verteidigte, gehörte

nicht zu dieser Kategorie.

Der in Hamburg lebende Athlet

vom Berliner Sauerland-Team

hatte schnell gemerkt, dass ihm

die Schläge des Gegners nicht

allzu gefährlich werden konnten.

Deshalb blieb er öfter als geplant

stehen und fing sich Treffer

ein, die, von einem Gegner von

Weltklasseformat angebracht,

weitaus mehr Schaden hätten

anrichten können.

Genau da will Logan den Hebel

ansetzen, mit Gegnern, die

seinem neuen Vorzeigekämpfer

Respekt einflößen. Culcay soll

endlich lernen, seine Deckung

geschlossen zu halten und nicht

allzu viel Risiko zu wagen. Der

gebürtige Ecuadorianer will

32 BoxSport

So richtig zufrieden war

Gary Logan nicht mit

seinem neuen Schützling

Jack Culcay, nachdem

die erste gemeinsame

Schlacht geschlagen war. „Wir

haben noch viel Arbeit vor uns,

bevor wir an einen WM-Kampf

denken können“, sagte der 45

Jahre alte Brite. Mindestens drei

bis vier Kämpfe müsse Culcay

noch unter seiner Regie absolvieren,

bevor er reif sei für den

Angriff auf die Weltspitze des

Halbmittelgewichts. „Am besten

suchen wir Gegner, vor denen

Jack Angst hat“, sagte Logan.

Der Franzose Dieudonne

Belinga, den Culcay in Neubrandenburg

über zwölf Runden

einstimmig (116:111, 116:111,

118:109) nach Punkten besiegte

und damit seinen WBA-Interder

Ecke des in Darmstadt aufgewachsenen

Sportlers. Der

45-Jährige hat die deutsche Trainerlegende

Fritz Sdunek ersetzt,

von dem sich Culcay im Einvernehmen

trennte, weil man zeitlich

nicht zueinanderfand und

taktisch verschiedene Ansichten

hatte. „Jack ist ein guter Junge,

der sehr gut mitarbeitet und versucht,

vieles umzusetzen. Aber

es ist sehr schwierig, seinen Stil

zu ändern, weil er überzeugt

ist von dem, was ihn stark gemacht

hat. Ich hätte mehr Zeit

gebraucht, die ich nicht hatte“,

sagt Sdunek, der zudem Interessenskonflikte

mit seinem wichtigsten

Schützling Felix Sturm

befürchtete. Da Klatten Culcay

mittelfristig im Mittelgewicht

positionieren und dort IBF-

Champion Sturm attackieren

will, wären Probleme programmiert

gewesen.

Vor Sdunek, mit dem Culcay

im April 2013 seine einzige

Profiniederlage gegen den Argentinier

Guido Nicolas Pitto

erlitt und den Rückkampf Ende

Der neue Coach Logan (rechts) hat mit seinem Schützling noch viel vor

Oktober knapp gewann, hatte

der gebürtige Ecuadorianer mit

dem Kubaner Ismael Salas gearbeitet.

Dessen Vorgänger waren

Jimmy Montoya, der Culcay

allerdings nur für einen Kampf

aushalf, und Michael Timm, der

den Amateurweltmeister von

2009 in seiner Anfangszeit beim

Hamburger Universum-Stall für

acht Kämpfe betreute. Ihn musste

Culcay nach der Trennung

von Universum im Vorfeld der

Geschäftsübergabe von Klaus-

Peter Kohl an Waldemar Kluch

im Herbst 2010 zwangsweise

verlassen.

Die Ruhe, mit der Culcay auf

die Fluktuation in seinem Trainerteam

reagiert, beeindruckt.

„Ich kann mich innerhalb weniger

Tage auf einen neuen Coach

einstellen, und weil ich mir von

jedem Trainer das nehme, was

zu meinem Stil passt, habe ich

nichts gegen viele neue Einflüsse“,

sagt er. Klatten sieht diese

Einstellung kritisch. „Es ist

wichtig, dass Jack auch mal Dinge

annimmt, die er selbst nicht

für richtig hält, damit er den

nächsten Schritt macht“, sagt

er. Die Einstellung eines neuen

Trainers werde stets im Einvernehmen

mit dem Boxer durchgeführt.

Auch wenn Klatten hohe


Ansprüche an die Arbeit eines

Übungsleiters stellt, lässt er diesem

freie Hand. „Wenn der Erfolg

stimmt, akzeptiere ich auch

eine gegensätzliche Linie.“

Klatten hält Salas, der in

Nordamerika lebt und aus zeitlichen

Gründen die Betreuung

Culcays aufgab, angesichts der

Bilanz von fünf vorzeitigen

Siegen aus fünf gemeinsamen

Kämpfen für den Trainer, der am

besten zum Stil seines Schützlings

passte. „Fünf Trainer in

vier Jahren sind viel für einen

Profiboxer. Aber es gab für jede

Trennung Gründe, und ich denke,

dass Jack von jedem Coach

gelernt hat“, sagt er. Logan

forciere die Rückkehr zu mehr

Beweglichkeit und Explosivität;

Waffen, die Culcay zuletzt

zu selten nutzte. Am 8. März

in Berlin, wenn sein nächster

Kampf geplant ist, kann er beweisen,

dass der neue, alte Weg

der richtige ist.Björn Jensen

Vor Dieudonne Belinga (links) brauchte Culcay keine Angst zu haben

ft es jetzt besser mit Culcay?

» Biografie über Drogen, falsche Penisse und

Ohrbisse: Mike Tyson steigt mit seinem

Leben in den Ring«

BILD

» Sexorgien, Liebelei mit Campbell, Koks und

Knast: Jetzt packt Mike Tyson aus!« DIE WELT

» Bei dieser Vita lohnt sich eine Autobiografie.

Mike Tyson berichtet aus seinem Leben. Von

Sex, Drogen, dem Knast und seinen großen

Boxkämpfen.«

BLICK

» Boxer rechnet ab! Mike Tyson: Ich glaubte,

Gott sei neidisch auf mich.«

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Mike Tyson

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BoxSport

33


Die Weltrangliste des B

Durch die konkurrierenden Weltverbände

WBA, WBC, IBF und WBO gibt es im

Boxen mittlerweile vier Weltmeister pro

Gewichtsklasse, teilweise sogar fünf:

mittelgewicht

Superchamp: Sergio Martinez (Argentinien) WBC

01. Gennady Golovkin (Kasachstan) WBA

02. Felix Sturm (Deutschland) IBF

03. Peter Quillin (USA) WBO

04. Daniel Geale (Australien)

05. Darren Barker (England)

06. Julio Cesar Chavez Jr. (Mexiko)

07. Max Bursak (Ukraine)

08. Martin Murray (England)

09. Marc Antonio Rubio(Mexiko)

10. Lukas Konecny (Tschechien)

Leo Santa Cruz (rechts) hat seinen WBC-Weltmeistertitel im Super-Bantamgewicht mit einer soliden Vorstellung

gegen Cesar Seda (Puerto Rico) in San Antonio verteidigt. Somit blieb der Mexikaner in seinem 26. Profikampf

ungeschlagen. Die Punktrichter werteten den Kampf am Ende einstimmig (117:110, 116:111, 115:112) für Santa

Cruz. Den Gürtel will er nun das nächste Mal am 8. März in Las Vegas gegen seinen Landsmann Cristian Mijares

verteidigen.

halbmittelgewicht

Superchamp: Floyd Mayweather (USA) WBA-Super +WBC

01. Erislandy Lara (Kuba)

02. Austin Trout (USA)

03. Miguel Cotto (Puerto Rico)

04. Saul Alvarez (Mexiko)

05. Enislandy Lara (Kuba)

06. Carlos Molina (Mexiko) IBF

07. Demetrius Andrade (USA) WBO

08. Sergey Rabchenko (Weissrussland)

09. Tony Mundine (Australien)

10. Jack Culcay (Deutschland)

Schwergewicht

Superchamp: W. Klitschko (Ukraine) WBA-Super, IBF, WBO

01. Kubrat Pulev (Bulgarien)

02. Chris Arreola (USA)

03. Bermane Stiverne (Kanada)

04. Deontay Wilder (USA)

05. Tyson Fury (England)

06. Carlos Takam (Frankreich)

07. Alexander Povetkin (Russland)

08. Dereck Chisora (England)

9. Oldanier Solis (Kuba)

10. Alex Leapai ( Australien)

leichtSchwergewicht (Cruiser)

Superchamp: Yoan P. Hernandez (Deutschland) IBF

01. Marco Huck (Deutschland) WBO

02. Guillermo Jones (Panama) WBA

03. Krzysztof Wlodarczyk (Polen) WBC

04. Denis Lebedev (Russland)

05. Firat Arslan (Deutschland)

06. Danie Venter (Südafrika)

07. Ola Afolabi (England)

08. Grigory Drozd (Russland)

09. Pawel Kolodzij (Polen)

10. Rakhim Chakhkiev (Russland)

HalbSchwergewicht

Superchamp: Bernard Hopkins (USA) IBF

01. Adonis Stevenson (Kanada) WBC

02. Sergey Kovalev (Russland) WBO

03. Tavoris Cloud (USA)

04. Jürgen Brähmer (Deutschland) WBA

05. Beibut Shumenov (Kasachstan) WBA-Super

06. Karo Murat (Deutschland)

07. Jean Pascal (Kanada)

08. Lucian Bute (Kanada)

09. Dmitry Sukhotsky (Russland)

10. Dominic Bösel (Deutschland)

supermittelgewicht

Superchamp: Andre Ward (USA) WBA-Super

01. Carl Froch (England) IBF, WBA

02. Mikkel Kessler (Dänemark)

03. Robert Stieglitz (Deutschland) WBO

04. Arthur Abraham (Deutschland)

05. Thomas Oosthuizen (Südafrika)

06. George Groves (England)

07. Stanyslav Kashtanov (Ukraine)

08. Sakio Bika (Kamerun) WBC

09. Edwin Rodriguez (USA)

10. James de Gale (England)

weltergewicht

Superchamp: Timothy Bradley (USA) WBO

01. Adrien Broner (USA) WBA

02. Manny Pacquiao (Philippinen)

03. Devon Alexander (USA) IBF

04. Robert Guerrero (USA)

05. Paulie Malignaggi (USA)

06. Keith Thurman (USA)

07. Kelly Brook (England)

08. jan Zaveck (Slowenien)

09. Luis Carlos Abregu (Argentinien)

10. Leonard Bundu (Italien)

halbweltergewicht

Superchamp: Danny Garcia WBA-Super +WBC

01. Juan Manuel Marquez (Mexiko)

02. Ruslan Provodnikov (Russland) WBO

03. Lucas Martin Matthysse (Argentinien)

04. Lamont Peterson (USA) IBF

05. Amir Khan (England)

06. Khabib Allakhverdiev (Russland) WBA

07. Robert Ortiz (Mexiko)

08. Brandon Rios (USA)

09. Denis Shafikov (Russland)

10. Viktor Postol (Ukraine)

34 BoxSport

Die top-ten


BOXSPORT

Denn die WBA vergibt an Titelträger mit

mehr als einem Gürtel auch noch den

WBA-Super-Titel. Wer soll da noch den

Überblick behalten? Die Redaktionen von

BoxSport und der amerikanischen Box-

Bibel „The Ring" natürlich. Wir sagen

Ihnen, wer der Superchampion in jeder

Gewichtsklasse ist und wer „nur" die

Nummer 10. Stand: Januar 2014

leichtgewicht

Superchamp: Richard Abril (Kuba) WBA

01. Ricky Burns (Schottland) WBO

02. Miguel Vazquez (Mexiko) IBF

03. Yuri Gamboa (Kuba)

04. Sharif Bogere (Uganda)

05. Omar Figueroa (Mexiko)

06. Raymundo Beltran (Mexiko)

07. Emiliano Marsala (Italien)

08. Kevin Mitchell (England)

09. Javier Prieto (Mexiko)

10. Terrance Crawford (USA)

superbantamgewicht

Superchamp: Guillermo Rigondeaux (Kuba) WBO

01. Nonito Donaire (Philippinen)

02. Kiko Martinez (Spanien) IBF

03. Leo Santa Cruz (Mexiko) WBC

04. Anselmo Moreno (Panama) WBA-Super

05. Nehomar Cermeno (Panama)

06. Carl Frampton (Nordirland)

07. Scott Quigg (England) WBA

08. Tomoki Kameda (Japan)

09. Hozumi Hasegawa (Japan)

10. Daniel Rosas (Mexiko)

bantamgewicht

Superchamp: Shinsuke Yamanaka (Japan) WBC

01. Randy Caballero (USA)

02. Tomoki Kameda (Japan) WBO

03. Koki Kameda (Japan) WBA

04. Roberto Vasquez (Panama)

05. Jamie McDonnell (England) IBF

06. Lubabalo Mauthu (Südafrika)

07. Julio Ceja (Mexiko)

08. Pungluang Sor Singyu (Thailand)

09. Rysuka Iwasa (Japan)

10. Paulus Ambunda (Namibia)

Mittlerweile ist er 45, doch ans Aufhören denkt

Roy Jones Jr. (57-8, 40 K.o.s/links) nicht. In

Moskau bezwang der US-Amerikaner den Franzosen

Zine Eddine Benmakhlouf (17-4-1, 8 K.o.s) im WBU

Cruisergewichtstitelkampf deutlich nach Punkten

(120:108, 119:109, 118:111). Nachher zeigte sich Jones

weiter angriffslustig: „Ich bin für jeden bereit. Mir ist

es egal, ob es James Toney oder Denis Lebedev ist.“

superfedergewicht

Superchamp: Takashi Uchiyama (Japan) WBA

01. Takashi Miura (Japan) WBC

02. Rances Barthelemy (Kuba) IBF

03. Miguel Angel Garcia (USA) WBO

04. Fernando David Saucedo (Mexiko)

05. Diego Magdaleno (Mexiko)

06. Argenis Mendez (Dom. Rep.)

07. Bryan Vasquez (Costa Rica)

08. Juan Carlos Burgos (Mexiko)

09. Devis Boschiero (Italien)

10. Roman Martinez (Puerto Rico)

federgewicht

Superchamp: Chris John (Indonesien) WBA-Super

01. Orlando Salido (Mexiko) WBO

02. Evgeny Gradovich (Russland) IBF

03. Jhonny Gonzales (Mexiko) WBC

04. Alexander Miskirtchan (Georgien)

05. Gary Russel jr. (USA)

06. Daniel Ponce De Leon (Mexiko)

07. Abner Mares (Mexiko)

08. Ronny Rios (USA)

09. Nicholas Walters (Jamaika) WBA

10. Timur Akhundov (Ukraine)

superfliegengewicht

Superchamp: Omar Andres Narvaez (Argentinien) WBO

01. Srisaket Sor Rungvisai (Thailand) WBC

02. Liborio Solis (Venezuela) WBA

03. Daiki Kameda (Japan) IBF

04. Arthur Villanueva (Philippinen)

05. Tepparith Singwancha (Thailand)

06. Denkosan Kaovichit (Thailand)

07. Carlos Cuadras (Mexiko)

08. Edren Dapudong (Philippinen)

09. Rodel Mayol (Philippinen)

10. Felipe Oracuta (Mexiko)

fliegengewicht

Superchamp: Moruti Mthalane (Südafrika) IBF

01. Juan F. Estrada (Mexiko) WBO, WBA-Super

02. Brian Viloria (USA)

03. Akira Yaegashi (Japan) WBC

04. Giovanni Segura (Mexiko)

05. Hernan Marquez (Mexiko)

06. Roman Gonzales(Nicaragua)

07. Silvio Olteanu (Rumänien)

08. Nawaphon Por Chockchai (Thailand)

09. Juan Carlos Reveco (Argentinien) WBA

10. Yodmongkol Vor Saengthep (Thailand)

Die Gewichtsklassen:

Schwergewicht über 90,720 kg, Cruisergewicht (- 90,720 kg) auch Leichtschwergewicht. Halbschwer (- 79,378

kg), Supermittel (- 76,203 kg), Mittelgewicht (- 72,574 kg), Superwelter (- 69,853 kg) auch Junior- oder Halbmittelgewicht.

Weltergewicht (- 66,678 kg) Halbwelter (63,503 kg). die Klasse wird auch Juniorwelter- oder Superleichtgewicht

genannt. Leichtgewicht (-61,235 kg), Superfeder (- 58,967 kg), Feder (- 57,153 kg), Superbantam

(- 55,338 kg), Bantam (- 53,524 kg), Superfliegen (- 52, 163 kg), Fliegengewicht (- 50,802 kg), Halbfliegen

(- 48,988 kg) auch Juniorfliegengewicht. Strohgewicht (- 47,628 kg) auch Minifliegengewicht.

Die Abkürzungen WBA, WBC, WBO und IBF hinter den Namen bezeichnen die Weltmeistertitel der jeweiligen Verbände.

halbfliegengewicht

Superchamp: Donnie Nietes (Philippinen) WBO

01. Adrien Hernandez (Mexiko) WBC

02. Moises Fuentes (Mexiko)

03. Javier Mendoza (Mexiko)

04. Johnriel Casimero (Philippinen) IBF

05. Kazuto Ioka (Japan) WBA

06. Felix Alvarado (Nicaragua)

07. Kompayak Porpramook (Thailand)

08. Pedro Guevara (Mexiko)

09. Alberto Rossel (Peru)

10. Paipharol Por Nobnon (Thailand)

mini-fliegengewicht

Superchamp: Katsunari Takayama (Japan) IBF

01. Raul Garcia (Mexiko)

02. Merlito Sabillo (Philippinen) WBO

03. Carlos Buitrago (Nicaragua)

04. Wanheng Menayothin (Thailand)

05. Xiong Zhao Zhong (China) WBC

06. Julian Yedres (Mexiko)

07. Nkosinanthi Joyi (Japan)

08. Ryo Miyazaki (Japan) WBA

09. Hekkie Budler (Südafrika)

10. Jesus Silvestre (Mexiko)

BoxSport 35


Juan Carlos Gomez ist

dieser Tage bester Laune,

und das hat einen

einfachen Grund. Der

kubanische Cruisergewichtler

arbeitet seit Anfang Januar wieder

mit dem Mann zusammen,

dem er die größten Erfolge seiner

Karriere verdankt: Fritz Sdunek.

„Mit ihm hatte ich meine beste

Zeit, er ist der beste Trainer der

Welt“, sagt der 40-Jährige. An

diese Zeit, die 1995 im Hamburger

Universum-Stall begonnen

hatte, nachdem sich der Kubaner

beim Chemie-Pokal in Halle

(Saale) von seiner Nationalstaffel

abgesetzt hatte, will Gomez

nun noch einmal anknüpfen.

Fritz Sdunek (links), der Juan Carlos Gomez 1998 in Argentinien zum Weltmeister-

Titel führte, hat den „verlorenen Sohn“ wieder unter seinen Fittichen

Macht der alte Fritz

Gomez wieder flott?

Der „schwarze Panther“ forderte bereits Hernandez heraus

Nach zehn mehr oder weniger

erfolgreichen Jahren im Schwergewicht

war der „Schwarze Panther“

im November 2013 nach

eineinhalb Jahren Kampfpause

in seine angestammte Gewichtsklasse

zurückgekehrt. Zwei

Aufbaukämpfe gegen niveauarme

Gegner gewann er souverän,

und so reiften bei Gomez

bereits wieder Träume von der

Rückkehr auf den WM-Thron.

Gegen WBO-Champion Marco

Huck wollte er kämpfen, jüngst

forderte er IBF-Weltmeister Yoan

Pablo Hernandez heraus. Das

fehlende Puzzleteil zum großen

Triumph soll nun Sdunek sein,

der den Kubaner 1998 in Mar del

Plata (Argentinien) zum Gewinn

des WBC-WM-Titels gegen Lokalmatador

Marcelo Dominguez

geführt hatte.

Sdunek hatte nach der

Trennung von Halbmittelgewichtler

Jack Culcay, dem politisch

bedingten Ruhestand von

Schwergewichtsweltmeister

Vitali Klitschko sowie den Karriereenden

von Cruisergewichtler

Alexander Alekseev und Halbschwergewichtler

Zsolt Erdei

plötzlich verfügbare Zeit, da er

derzeit lediglich Mittelgewichts-

Champion Felix Sturm betreut.

Dennoch wollte er der Anfrage

seines ehemaligen Schützlings,

den er als „das größte Bewegungstalent,

das ich je gesehen

habe“ einstuft, nicht sofort zustimmen.

Beide vereinbarten,

dass man zunächst auf Probe

bis Anfang Februar im Gym des

Hamburger EC-Profistalls zusammenarbeiten

wolle, um danach

über einen festen Vertrag

zu entscheiden.

Nach den ersten Eindrücken

glaubt der 66-Jährige daran,

dass Gomez immerhin noch

einmal WM-Niveau erreichen

könnte. „Ich bin sehr positiv

überrascht. Juan macht einen

sehr guten Eindruck, er ist körperlich

und mental gut in Schuss

und gibt sich viel Mühe. Er will

es unbedingt noch einmal wissen“,

sagt er. Alkoholeskapaden

Bei seinem letzten Kampf in Hamburg besiegte

Gomez (links) den Tschechen Jindrich Velecky

und Frauengeschichten, die den

Lebensweg des Kubaners pflastern,

sollen tatsächlich der Vergangenheit

angehören. Gomez

hat seine Wahlheimat Kalifornien

verlassen und lebt mit seiner

neuen deutschen Lebensgefährtin

im Hamburger Stadtteil

Wandsbek.

„In den USA habe ich niemanden,

in Hamburg sind meine

Freunde und meine Familie.

Ich habe viele Fehler gemacht

in meinem Leben. Dass Fritz

sich 1999 von mir getrennt hat,

habe ich mir mit meinen Undiszipliniertheiten

nur selbst zuzuschreiben“,

sagt er. „Jetzt spüre

ich aber, dass er bereit ist, mir

noch eine Chance zu geben. Ich

weiß, dass das die letzte Chance

für mich ist, im Leben noch

einmal gutes Geld zu verdienen.

Ich kann ja nichts anderes als

Boxen“, sagt er.

Gomez und Sdunek verbindet

neben der Arbeit auch eine

familiäre Beziehung. Der Boxprofi

ist der Vater von Sduneks

Enkelin Delia, die im Mai 1997

aus einer Beziehung zwischen

dem Kubaner und Sduneks

Tochter Kati hervorging. Nachdem

einige Jahre Funkstille

herrschte, hat Gomez kürzlich

wieder Kontakt zu der 16-Jährigen

aufgenommen. „Wir waren

gemeinsam essen, verstehen uns

wieder gut. Darüber bin ich sehr

glücklich“, sagt er.

Björn Jensen

36 BoxSport


Nachdem Darren Barker seine Karriere beendete

Für seinen Schützling Felix Sturm

präferiert Manager Roland Bebak (sitzend)

als nächsten Gegner Martin Murray

Gegen Felix Sturm (rechts) hatte der

Brite nichts entgegenzusetzen

Sturm-Manager will jetzt

Revanche gegen Murray

Bebak: Mit ihm hat Felix noch eine Rechnung offen

Während Felix Sturm

nach seinem großen

Erfolg über Darren

Barker erst einmal

mit seiner Familie zum Erholungsurlaub

nach Bosnien flog,

nahm der Engländer in diversen

Wartezimmern Platz. Anfang Januar

war der 31-Jährige bereits

pessimistisch gestimmt, was

die Fortsetzung seiner Karriere

anbelangt. „Es ist nicht wirklich

optimal, es ist unangenehm“,

so Barker. „Ich hatte gerade eine

weitere Untersuchung, und

es sieht so aus, als ob wir eine

weitere OP machen müssten.

Das Wichtigste im Moment ist

aber, die Hüfte wieder hinzubekommen.

Das ist ein Alptraum,

vom Boxen mal ganz abgesehen.“

Ob er wieder in den Ring

steigen wird, beantwortete er zu

dem Zeitpunkt mehr als verhalten,

vermutlich schon vorausahnend:

„Ich bin mir noch nicht

sicher. Ich habe mein größtes

Ziel erreicht“, so der ehemalige

IBF-Champion, der dem Australier

Daniel Geale am 17. August

2013 den Titel in Atlantic City

abgenommen hatte.

Nur wenige Tage später verkündete

Barker bei einer Presskonferenz

sein Karriereende.

„Ich bin stolz und freue mich

über all die Dinge, die ich in

meiner Karriere erreicht habe.

Ich bin ein sehr, sehr glücklicher

Mann“, erklärte Barker – und

widmete seinem verstorbenen

Bruder noch einen besonderen

Gruß: „Ich habe all das für meinen

Bruder Gary getan – wir haben

es geschafft.“

Durch den Rücktritt Barkers

fällt auch der im Vorfeld des

Kampfes Sturm vs. Barker ausgehandelte

Rückkampf auf englischem

Boden flach. „Wir hatten

uns schon darauf eingestellt,

nach England zu fliegen“, meinte

Felix Sturms Manager Roland

Bebak, für den die Entscheidung

Barkers gleichwohl

nicht sonderlich

überraschend kam.

„Für mich war

irgendwie klar,

dass es keinen

Rückkampf geben

wird. Dafür ist Felix

in dem Kampf zu

dominant gewesen.“

Für Felix Sturm, der

Barker im Dezember keine

Chance gelassen und ihn in der

zweiten Runde k.o. gehauen

hatte, ergeben sich nun diverse

Möglichkeiten für seinen nächsten

Kampf im ersten Halbjahr des

Jahres 2014. „Wir könnten gegen

Matthew Macklin, Daniel Geale,

Martin Murray oder Sam Soliman

boxen“, meint Bebak. Sein

Favorit wäre der Brite Murry, der

Felix Sturm am 2. Dezember 2011

in einem temporeichen Kampf

ein Unentschieden (112:116,

114:114, 115:113) abgerungen

hatte, wodurch Sturm allerdings

Superweltmeister der

WBA im Mittelgewicht

blieb. „Er

steht hoch im

Ranking, ist ein

starker Mann, mit

dem Felix noch eine

Rechnung offen

Erhält Martin Murry die

Chance auf einen zweiten

Kampf gegen Sturm?

hat“, erläutert Bebak seine

Präferenz. Gegen Soliman könnte

es danach zu einer Pflichtverteidigung

kommen.

Eine Option wäre es sicher

auch, gegen den Gewinner des

Duells Stieglitz/Abraham zu

boxen, wenn dieses mit dem 1.

März zeitlich besser liegen würde,

so aber eine Ansetzung zu

kurzfristig ist. Felix Sturm ist es

egal, gegen wen er als nächstes

in den Ring steigt, getreu dem

zweiten Paragraphen des kölschen

Grundgesetzes: „Et kütt

wie et kütt.“ Nicole Bitter

BoxSport

37


Seit der Schulzeit ist M

„Ich will Sturms

Daumen hoch:

Die ursprünglich

kaputte rechte

Hand hält – so will

Maurice Weber

2014 richtig

durchstarten

Weber trainiert im Gym von Sturm

hart, meist zusammen mit den anderen

Sturm-Boxern, wie hier Susi Kentikian

Beste Freunde: „Mo“ und Felix

Sturm (rechts)

2008 war kein gutes

Jahr für Halbmittelgewichtler

Maurice Weber.

Damals zog sich

der gebürtige Leverkusener mit

tunesischen Wurzeln, der mit

bürgerlichem Namen Muhammed

Lassoued heißt, bei der umstrittenen

Niederlage gegen den

Franzosen Frederic Serre eine

komplizierte Sehnenverletzung

(Strecksehne gerissen plus Kapselriss)

an der rechten Hand zu,

wurde zweimal operiert. Nach

18 Monaten Pause erklärten ihn

die Ärzte für berufsunfähig – für

Weber brach in dem Moment eine

Welt zusammen. „Ich brauchte

schon eine Weile, um das runter

zu schlucken, das war nicht

so einfach“, erklärte Weber in

einer Dokumentation bei center.

tv. Doch aufgeben wollte Weber,

der ein Studium der Sozialpädagogik

startete, nicht. Er blieb

weiterhin in physiotherapeutischer

Behandlung, recherchierte

in Eigenregie nach weiteren

Behandlungsmethoden – und

bekam nach insgesamt drei Jahren

Pause von den Medizinern

wieder grünes Licht, auch dank

eines niederländischen Chiropraktikers.

Am 2. Dezember

2011 bestritt „Mo“ Weber sein –

38 BoxSport


Maurice Weber der beste Freund von Felix

s erster Weltmeister werden“

Zunächst aber heiß auf einen Kampf gegen Culcay

erfolgreiches – Comeback in der

Mannheimer SAP Arena gegen

Alexander Riegel. Siebenmal

hat Weber insgesamt seit dieser

schweren Handverletzung als

Profi der Sturm Box-Promotion

wieder im Ring gestanden. Siebenmal

feierte er deutliche und

zum Teil schnelle Siege. Zuletzt

am 7. Dezember 2013 in der

Stuttgarter Porsche Arena, als er

im Rahmenprogramm des WM-

Erfolges von Felix Sturm gegen

Darren Barker dem überforderten

Weißrussen Volodymyr Borovskyy

keine Chance ließ und

in der zweiten Runde durch

technischen K.o. gewann. „Bis

jetzt hält meine Hand sehr gut“,

verspürt „Mo“ keine Nachwirkungen.

„Mein Trainer Magumed

Schaburow macht ein spezielles

Tape für mich, damit sie

optimal stabilisiert wird.“

Die Hand hält also, in Weber

fließt das Boxblut und er brennt

darauf, einen Gürtel zu holen,

weiß aber gleichwohl, dass

manche Dinge Zeit brauchen.

„Natürlich wollte ich nach der

dreijährigen Pause direkt hoch

hinaus. Mein Traum ist es, Felix’

erster Weltmeister zu werden.

Deswegen habe ich in der Vergangenheit

auch immer große

Gegner gefordert“, so Weber.

„Jetzt wurde mir aber klar,

dass das viel zu früh gewesen

wäre. Ich brauchte diese sieben

Kämpfe gegen leichtere Gegner,

um meinen Rhythmus wieder

zu finden. Das hat mir Felix

auch immer wieder erklärt, er

hat mich gebremst, wenn ich

zu viel wollte. Jetzt verstehe ich

das.“ Nicht nur für das Bremsen

ist Weber seinem Kumpel Felix

Sturm, bei dessen Hochzeit er

als Trauzeuge fungierte, dankbar,

sondern auch dafür, dass er

einen Vertrag bei Sturms Boxstall

erhalten hat. „Dort herrschen die

besten Bedingungen, die man

sich als Boxer vorstellen kann.

Bei meinem früheren Promoter

Universum machte ich keine

Fortschritte – es waren einfach

zu viele Sportler im Gym. Das ist

jetzt anders und mit Magomed

Volodymyr Borovskyy (rechts) war

zuletzt gegen den Leverkusener

überfordert

Schaburow habe ich einen Weltklasse-Trainer

an der Seite. Zuletzt

habe ich außerdem viel mit

Felix trainiert und es bringt mich

unheimlich weiter, Tag für Tag

mit einem Sportler zu arbeiten,

der seit zehn Jahren zur absoluten

Weltspitze gehört“, erklärt

Weber, der in seiner zweiten Heimat

Tunesien als Held gefeiert

wird. „Die Anerkennung in Tunesien

ist wundervoll. Wann immer

ich dort bin, wollen die Fans

Autogramme und Fotos haben

sowie die Medien Interviews.“

Mittlerweile spürt er aber auch,

dass er in Deutschland mehr Bekanntheit

erlangt: „Dafür bin ich

meinen Fans sehr dankbar.“

Dass Weber noch einiges erreichen

kann, davon sind auch

Trainer Schaburow und Felix

Sturm überzeugt. „Maurice hat

viel Potenzial, er ist der Boxer mit

dem größten Ehrgeiz bei mir und

vom Können her hat er das Zeug,

ganz, ganz viel zu schaffen“, so

Sturm. Überstürzen will Maurice

Weber, der als gläubiger Moslem

weder trinkt noch raucht,

mehr als diszipliniert auf seine

Ernährung achtet und sich stets

im Training fit hält, zwar nichts.

Mit 32 habe er nach eigenem

Empfinden noch viele Jahre auf

hohem körperlichen Niveau vor

sich. Dennoch hat er sich für

2014 hohe Ziele gesteckt. „Ich

will unbedingt um einen Titel

boxen. Damit meine ich nicht

unbedingt direkt einen WM-

Kampf, aber einen Titel, der

mich meinem Ziel, Weltmeister

zu werden, ein Stückchen näher

bringt. Ich denke, dass ich jetzt

für stetig wachsende Aufgaben

bereit bin. Meine Karriere hat

mit meinem Comeback neu

begonnen, jetzt will ich mich

gegen bessere Leute beweisen.

2014 kann mein großes Jahr

werden.“

Die nächsten möglichen

Gegner hat Maurice Weber bereits

ins Auge gefasst. An erster

Stelle steht Ünsal Arik, den

„Mo“ mit einer K.o.-Quote von

86 Prozent als perfekte Herausforderung

ansieht. „Ünsal

Arik hat leider das Angebot abgelehnt,

am 7. Dezember in Stuttgart

gegen mich zu boxen. Die

achtwöchige Vorbereitungszeit

hat ihm nicht gereicht. Aber aufgeschoben

ist nicht aufgehoben.

Ich möchte ihn unbedingt boxen

und zeigen, wer die Nummer

eins in Deutschland ist“, erklärt

Weber, der ebenso wenig einem

Fight mit Jack Culcay aus dem

Weg gehen würde. „Jack ist

schon ein guter Boxer, den ich

sportlich sehr respektiere, er ist

nicht umsonst Amateurweltmeister

geworden. Allerdings

haben wir beispielsweise bei

seinen Kämpfen mit Guido Nicolas

Pitto gesehen, dass ihm bereits

ein halbstarker Mann äußerst

Probleme bereitet. Und ich

habe Jack Culcay schon bei den

Amateuren in der Bundesliga

geschlagen, das würde ich jetzt

auch bei den Profis schaffen.“

Dafür würde Weber auch bei

einer Sauerland-Veranstaltung

antreten und sich von der Sturm

Box-Promotion freistellen lassen,

damit es keinen Konflikt

mit den TV-Sendern – die ARD

überträgt die Sauerland-Kämpfe,

Sat.1 die Sturm-Veranstaltungen

– gibt. Bleibt abzuwarten, was

2014 für Maurice Weber bringt

und ob es tatsächlich sein Jahr

wird. Nicole Bitter

BoxSport

39


Zwei Lieblinge verließen überraschend S

Cecilia Braekhus

Sie „floh“ in den

Otto Ramin trainiert mit Braekhus nun

die erste Frau

Osten zu Ramin

Welche Rolle spielte der Tennisball von Marco Huck?

Die Norwegerin Cecilia

Braekhus (32) gehört

seit 2007 zum Berliner

Sauerland-Stall. Sie

trainierte bei Startrainer Ulli

Wegner und seinem Assistenten

Georg Bramowski. Unter

diesem Trainer-Team brachte es

die Ringschönheit zu Weltmeisterehren

der WBA, WBC und

WBO. Sie wurde „Boxerin des

Jahres“ in Deutschland, mehrmals

norwegische „Sportlerin

des Jahres“ und 2013 „Weltboxerin

des Jahres“. Nach sieben

Jahren erfolgreicher Zusammenarbeit

mit Ulli Wegner wechselte

die Weltmeisterin innerhalb

des Sauerlandstalls den Trainer.

Braekhus trainiert jetzt bei Otto

Ramin. „Kurz vor Weihnachten

stand Cecilia vor unserem

Gym und fragte, ob sie bei uns

trainieren kann“, berichtet Otto

Ramin. Der Diplom-Trainer hat

zwar noch nie Frauen trainiert,

meint aber: „Wenn du ein richtiger

Trainer bist, kommst du

auch mit Boxerinnen klar.“ Der

Grund für Braekhus‘ Flucht aus

der Wegner-Gruppe soll ein Tennisball

sein, den ihr Marco Huck

beim Reaktionstraining an den

Kopf warf. Hat dieser Vorfall sie

aus dem Olympiagelände vertrieben?

„Quatsch“, sagt Trainer Ulli

Wegner und meint: „Das war ein

Versehen.“ Dennoch wird gemunkelt,

dass in der Trainingsgruppe

um Huck nicht genügend

Rücksichtnahme auf die 32-Jährige

erfolgte. Die Gemeinte selbst

erwähnt nichts von diesem Vorkommnis.

Sie sagt aber: „Herr

Wegner und Herr Bramowski

haben mich in meinen Fähigkeiten

sehr weit gebracht. Ich war

sieben Jahre bei ihnen. Für Trainer

Wegner stehen

in den nächsten Monaten

schwere und

für unseren Boxstall

wichtige Kämpfe ins

Haus. Ich wollte einmal

aus der Mühle

heraus und bei einem

Trainer arbeiten, der

sich vorwiegend

um mich kümmern

kann. Ich habe mir

die Entscheidung

nicht einfach gemacht,

weil ich nicht

undankbar sein will.

Ich möchte einfach

einmal eine andere

Umgebung. Da Herr

Ramin ebenfalls ein

anerkannter, guter

Trainer ist, bin ich zu

ihm gegangen.“

Wegner gibt zu:

„Natürlich bin ich

traurig, wenn uns die

weltbeste Boxerin

verlässt. An unserer

Ausbildung kann es

nicht gelegen haben,

wenn man ihre

Erfolge sieht. Wir

haben uns zu zweit

um Cecilia gekümmert,

wenn ich mit

einem unserer anderen

Boxer unterwegs

war, trainierte

und betreute Georg

Bramowski die Frau.

Ich kann über sie

nichts Schlechtes sagen. Sie war

fleißig, hat begriffen, worum es

im Leistungssport geht. Im Training

war sie immer ein Vorbild.

Ich drücke ihr die Daumen, dass

sie weiter bei Otto Ramin auf

der Erfolgswelle schwimmt.“

Nach einer kurzen Pause meint

Die Norwegerin (links) will neue Wege gehen und trennte sich von Ulli Wegner und Georg

Bramowski (rechts)

Braekhus‘ letzte Gegnerin Oxandia Castillo (links) hatte nicht den Hauch einer Chance

Ulli Wegner noch: „Otto Ramin

ist auch ein guter Trainer. Aber

Ramin ist Ramin und Wegner ist

Wegner.“

Vielleicht sind Wegner und

Bramowski gar nicht der Grund

für den Trainer-Wechsel, denn

die Weltmeisterin meinte: „Wir

trainieren hier in Marzahn ebenso

hart wie bei Herrn Wegner.

Natürlich arbeitet Herr Ramin

anders. Aber auch seine Methoden

gefallen mir. Ich denke, dass

ich sportlich mein Niveau halten

und noch verbessern kann.“

Dann lächelt Braekhus und sagt:

40 BoxSport


Startrainer Ulli Wegner – warum nur?

Dominik Britsch

Trainiert er jetzt

Top: Unter Ramin will Cecilia Braekhus weitere

Erfolge feiern

„Der Bulgare Kubrat Pulve und Marco

Nader aus Österreich gehören zu meiner

Trainingsgruppe. Die Zwei sind

richtig nette Menschen. Das Training

verläuft genauso, wie ich mir das vorgestellt

habe.“ Harald Lange, Manager

im Marzahner Gym, ist überzeugt:

„Cecilia fühlt sich bei uns sichtlich

wohl. Sie wird von unseren Männern

auf Händen getragen.“

Dafür nimmt die Boxerin statt bisher

15 nun 45 Minuten Autofahrt zum

Training bis an den östlichen Stadtrand

Berlins in Kauf. Wie gut ihr das Training

in neuer Umgebung bekommt,

wird sich am 1. Februar bei ihrem WM-

Weltergewichts-Kampf im dänischen

Frederikshaven gegen die Französin

Myriam Lamores zeigen. Von der Chefetage

des Sauerland-Stalls wurden der

Norwegerin beim Trainer-Wechsel keine

Steine in den Weg gelegt. So erklärt

die ungeschlagene Boxerin: „Sauerland

interessiert in erster Linie, ob

ich gewinne. Bei welchem Trainer ich

mich in Form bringe, ist dem Management

wahrscheinlich egal.“

Warum die Weltmeisterin nicht

zum erfolgreichsten deutschen Frauentrainer

Torsten Schmitz – er führte

Regina Halmich zum WM-Titel

– gegangen ist, bleibt ihr Geheimnis.

Schmitz, der ebenfalls in Diensten des

Sauerland-Stalls steht, gibt hingegen

zu: „Ich hätte Cecilia gern genommen,

zumal ich im Moment keine Boxer

betreue, sondern nur Trainer Karsten

Röwer helfe.“

Manfred Hönel

im „Sanatorium“?

Der Ex-Coach: Er wird von allen Seiten verhätschelt

Hohe Ansprüche zur Leistungsbereitschaft

fordert Startrainer Ulli Wegner

von seinen Boxern: „Wenn du

Weltmeister werden willst, musst du

Ellenbogen haben, um dich durchzusetzen.

Als Weichei wirst du immer scheitern.“ Trainer

Wegner kann deshalb nicht nachvollziehen,

warum Mittelgewichtler Dominik Britsch

nach sieben Jahren gemeinsamer Arbeit und

36 Profikämpfen Berlin verlassen

hat und zu seinem Vater Jürgen ins

heimatliche Neckarsulm wechselte.

„Dabei verteidigte ich Dominik

immer bei unserem Management,

wenn es um eine Verlängerung der

Verträge ging. Manchmal standen

Vertragsverlängerungen nämlich

auf der Kippe. Dominik überzeugte

mich in unserer Trainingsgruppe

stets durch Fleiß und Spitzenwerten

bei den Leistungstests.“

Leider konnte der Schwabe die

Trainingsergebnisse viel zu selten

im Seilquadrat umsetzen. Zwar

brillierte er oft mit gekonnter Technik,

doch irgendwie wirkten die

Ringauftritte des 26-Jährigen – trotz

der bisher zahlreichen Siege – immer

etwas lau. In Neubrandenburg

sollte Britsch eigentlich gegen den

Spanier Jose Yebes ran. Doch der

sagte kurzfristig ab und der Tunesier

Soufiene Querghi sprang ebenso

kurzfristig ein.

Britschs Kampf bei einem 2:1-Punktsieg

über den Tunesier war leider keine Glanzvorstellung.

Gleich in der ersten Runde saß der

Neckarsulmer zweimal auf dem Ringbelag,

was schon deshalb verblüffte, weil der Tunesier

gegen Routinier Britsch erst seinen achten

Profikampf bestritt. Zudem war Querghi nur

knappe 24 Stunden vor seinem Einsatz nach

13-stündiger Autofahrt in Neubrandenburg

eingetroffen. Dominik Britsch begründete

die beiden Niederschläge mit dem kurzfristigen

Wechsel seines Gegners: „Ich kannte den

Tunesier nicht und hatte kein Video von ihm

gesehen. Dadurch erwischte er mich zweimal.

Im Laufe des Kampfes habe ich mich dann

gefangen und noch gewonnen.“ Der Tunesier

kann jedoch genau wie Britsch kaum eine

lange Vorbereitungsphase auf den Acht-Runden-Auftritt

in Mecklenburg-Vorpommern absolviert

haben. Ob er von Britsch ein Video

gesehen hat, war nicht zu erfahren. Deshalb

sollte der knappe Punkterfolg vom Neckarsulmer

Familien-Team eher kritisch gesehen

werden.

Der Wechsel von Trainer Wegner zu seinem

Vater Jürgen zahlte sich für Dominik zumindest

in Neubrandenburg nicht richtig aus.

Ulli Wegner ist skeptisch, dass sich Dominik Britsch (rechts) in

heimischer Umgebung weiterentwickelt

Promotor Wilfried Sauerland will allerdings

nicht gleich den Stab über Dominik brechen,

wie der Promotor betont: „Dominik hat jetzt

zehn Monate nicht geboxt. Neubrandenburg

war für ihn ein Neuanfang. Mal sehen, wie er

sich bei den nächsten zwei bis drei Kämpfen

schlägt, dann sehen wir weiter.“

„Wenn Dominik Weltmeister werden will,

was er vom boxerischen Können sicher drauf

hat, muss er endlich die Arschbacken zusammen

kneifen und härter werden“, findet

Wegner klare Worte. Den Wechsel in die gemütliche

Umgebung von Neckarsulm hält der

Trainer für genau den falschen Schritt: „Dort

wird Dominik von allen Seiten verhätschelt.

Ob er in dieser Sanitoriums-Umgebung lernt,

sich gegen Weltklasseboxer durchzusetzen?

Ich bin da eher skeptisch.“

BoxSport

41


Alekseev:

Neu-Promoter Alexander Alekseev

(links) mit einem seiner Schützlinge,

Cruisergewichtler Nuri Seferi

Comeback

als Promoter

von Ceylan

Russe will den EC-Stall in die Gewinnzone bringen

Viele Male schon hatte

er am Boxring gesessen

und den Kämpfen

darin zugeschaut. Und

doch wusste Alexander Alekseev,

dass alles anders sein würde

am 20. Dezember, als er in der

Messehalle im Hamburger Stadtteil

Schnelsen die zehn Duelle

beobachtete, die auf dem vorweihnachtlichen

Kampfabend

des Hamburger Profistalls EC

ausgetragen wurden. Denn zum

ersten Mal schaute der 32-Jährige

nicht als interessierter Rivale

oder mitfiebernder Kollege

zu – sondern als Promoter in

dienstlicher Mission. „Ich habe

mir tagelang vorgestellt, wie es

wohl sein würde, als Promoter

zuzuschauen. Und ich muss sagen,

dass es sehr interessant war

und gar nicht so stressig, wie ich

es befürchtet hatte, auch wenn

natürlich nicht alles so geklappt

hat wie gewünscht“, sagte er,

als die Premiere um Mitternacht

überstanden war.

Dass in beiden Hauptkämpfen

vor rund 1300 Zuschauern

die EC-Stars siegten, machte

den Abend zu einer Erfolgsgeschichte.

Der als Gastboxer

eingekaufte Cruisergewichtler

Nuri Seferi, 36, konnte sich gegen

den starken Franzosen Steve

Herelius durchsetzen, weil der

Ex-Weltmeister in Runde sieben

wegen Nachschlagens nach dem

Trennkommando von Ringrichter

Holger Wiemann disqualifiziert

wurde. Seferi hofft nun auf

einen Rückkampf gegen WBO-

Weltmeister Marco Huck vom

Berliner Sauerland-Team, dem

Statt als Boxer stand

Alekseev (rechts) nun

an der Seite von Erol

Ceylan (2. von rechts),

Christian Hammer (2.

von links) und Kevin

Johnson in anderer

Funktion im Ring

er 2006 nach Punkten unterlegen

war.

Im Schwergewicht behauptete

sich der als Cristian Ciocan in

Galati geborene Rumäne Christian

Hammer einstimmig (98:94,

98:92, 98:92) gegen den US-

Amerikaner Kevin Johnson, der

im Dezember 2009 in Bern immerhin

auch mit Vitali Klitschko

über die Runden gegangen war.

Zwar fiel der Sieg des 26-Jährigen,

der in der Vorbereitung von

einer Viruserkrankung gehandicapt

wurde und den Kampf

fast hatte absagen müssen, um

einige Runden zu deutlich aus,

dennoch darf Hammer nun von

einer WM-Chance träumen. Diese

jedoch soll nicht überstürzt

in Angriff genommen werden.

„Wir werden Christian in Ruhe

aufbauen, er macht zwar große

Schritte, aber wir werden jetzt

nicht sofort nach den Klitschkos

schreien“, sagte Alekseev.

Der Wahl-Hamburger galt

als Ausnahmetalent, als er im

Januar 2006 seine Profikarriere

im Hamburger Universum-Stall

begann. Zu mehr als dem EM-

Titel im Cruisergewicht brachte

es der Russe aber nicht, und

nachdem er Ende November

seine WM-Chance gegen IBF-

Champion Yoan Pablo Hernandez

vom Berliner Sauerland-

Team vergeben hatte, beendete

er seine Karriere. Der Entschluss

hatte schon vor dem Kampf festgestanden,

gesundheitliche Probleme

zwangen ihn zu diesem

Schritt. Dass ihm sein Promoter

Erol Ceylan, bei dem er Anfang

2011 angeheuert hatte, den optimalen

Übergang ins Berufsleben

bieten konnte, hält Alekseev für

ein großes Glück.

„Ich sehe in Alex einen

vertrauensvollen Partner und

Freund, der enormes Potenzial

auch im unternehmerischen

Denken besitzt. Deshalb freue

ich mich sehr, dass er sich als

Promoter versuchen will“, sagt

Ceylan. Der Deutschtürke, der

seinen Stall vor vier Jahren

gründete, hatte seinen Vorzeigekämpfer

seit Monaten in die Welt

der Verträge und Verhandlungen

eingeweiht, weil er sich nach den

harten Anfangszeiten, in denen

er eine hohe sechsstellige Summe

ins Boxen investierte, wieder

mehr auf sein Kerngeschäft, das

Logistikunternehmen Allcox,

konzentrieren muss. „Ich werde

im Hintergrund unterstützen

und das Projekt EC auch weiter

finanzieren. Aber ich bereite

alles vor, dass Alex auch ohne

mich funktioniert. Er ist jetzt der

Mann, der im Mittelpunkt steht“,

sagt der 41-Jährige, „und er kann

es schaffen, neue Sportler für EC

zu gewinnen, weil er ganz genau

weiß, was ein Boxer braucht, um

sich wohlzufühlen.“

42 BoxSport


Alekseev glaubt das auch, er

sieht sich ein Stück weit auf der

neuen Linie im Profiboxen, wo

sich erfolgreiche Sportler wie Oscar

de la Hoya oder Mike Tyson

nach ihren Karrieren selbst ins

Promotergeschäft wagen. Der

Unterschied zu Boxern wie den

Klitschko-Brüdern, Felix Sturm

oder auch Floyd Mayweather sei

dagegen, „dass die das Ganze

hauptsächlich machen, um sich

selbst besser zu vermarkten. Mir

geht es darum, anderen Sportlern

mit meiner Erfahrung zu helfen“,

sagt er. Alekseev will das Unternehmen

in Ceylans Sinn weiterführen,

allerdings nicht mehr so

nachgiebig wie der Firmengründer

agieren, der seine Sportler

ziehen ließ, wenn sie Angebote

von zahlungskräftigeren Promotern

erhielten.

„Erol war manchmal zu nett,

viele Sportler haben ihn ausgenutzt.

Damit muss Schluss

sein, denn es geht nicht, dass

Boxer nur nehmen und nicht

zurückzahlen“, sagt Alekseev,

der selbst mit gutem Beispiel

vorangegangen war und EC die

Treue gehalten hatte. Seine erste

Amtshandlung war deshalb, die

sechs verbliebenen Athleten –

die Schwergewichtler Hammer

und Nikola Milacic, den Halbschweren

Igor Michalkin, Weltergewichtler

Flavius Biea und

die Halbmittelgewichtler Napor

Ninsaw und Dennis Krieger –

mit Verträgen auszustatten, die

sie bislang nicht in schriftlicher

Form hatten.

Seine Vision ist klar: Alekseev,

der als Grundlage ein in Russland

abgeschlossenes Jurastudium

mitbringt, in Ceylans Firma neben

der Boxkarriere eine Logistiker-Ausbildung

absolvierte und

in diesem Beruf auch drei Tage

die Woche arbeiten wird, will EC

mittelfristig in die Gewinnzone

führen. Das Team um die Trainer

Oktay Urkal und Bülent Baser soll

zwar schlank gehalten, aber 2014

mit talentierten Amateuren verstärkt

werden. Vier hochwertige

Veranstaltungen pro Jahr, verteilt

auf Hamburg und Rumänien, wo

Hammer ein Volksheld ist, sollen

TV-Partner Eurosport, der auch

aus Hamburg-Schnelsen live

übertrug, bei Laune halten. „Wir

wollen gutklassige Kämpfe auf

Augenhöhe bieten und helfen,

dass das Profiboxen nicht stirbt“,

sagt Alekseev, der eins vehement

ausschließt: sein Comeback als

Boxer. Er hat die Seiten gewechselt

und freut sich auf das neue

Leben, das jetzt begonnen hat.

Björn Jensen

Da flog der Hammer: Christian Hammer (rechts) setzte sich gegen Johnson

deutlich durch

Steve Herelius (links) wurde gegen Nuri Seferi disqualifiziert

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Ein Mann mit Ausstrahlung: Sebastian Zbik

Das neue Leben

des Sebastian Zbik

Jetzt ist

er ein Lehrer, der

Autogramme gibt

Plötzlich ist er da, dieser

Moment, in dem der

Ruhm vergangener Tage

aufblitzt. „Sind Sie das

da auf dem Plakat“, fragt einer

der Siebtklässler, die nach Luft

ringend vor Sebastian Zbik auf

dem Ringboden sitzen. Viele

Menschen würden jetzt um einige

Zentimeter wachsen und

sich im Lichte ihrer Bedeutung

sonnen. Zbik guckt kurz nach

links, wo an der Wand der neuen

Boxhalle eins der Poster hängt,

auf denen einer seiner früheren

Kämpfe beworben wird, nickt

kurz, „ja, das bin ich“, und stellt

seinen Schülern dann die nächste

Aufgabe. 30-mal Oberkörper-

Aufrichtung bitte, so heißen am

Schweriner Sportgymnasium die

Sit-ups. Die Jugendlichen legen

sich auf den Rücken und fangen

an zu arbeiten, ohne zu murren.

Zbik lächelt.

Das hier sind jetzt seine Erfolge.

In seinem neuen Leben

geht es nicht mehr um Geld, Ti-

Bei der PK zum Kampf Sturm vs. Zbik war die Welt noch in Ordnung, später blieb Universum-Chef Waldemar Kluch

(Bild links am Mikrofon) Sebastian Zbik die Kampfbörse schuldig

44 BoxSport


tel oder beides zusammen, sondern

darum, junge Sportler auf

den richtigen Weg zu bringen.

Sebastian Zbik, 31 Jahre alt, war

acht Jahre lang Profiboxer im

Hamburger Universum-Stall, er

war WBC-Weltmeister im Mittelgewicht

von Januar bis Juni

2011, und er war der Mann, der

im November 2012 das Ende

einer langen Erfolgsgeschichte

besiegelte, weil er gegen Universum

einen Antrag auf Eröffnung

eines Insolvenzverfahrens stellte.

Ein gutes Jahr später ist Zbik

angekommen im Leben nach

dem Profisport, und wer ihn an

seiner neuen Wirkungsstätte in

Schwerin besucht, der trifft einen

Menschen, der Zufriedenheit

ausstrahlt, die nur jemand

haben kann, der mit sich im Reinen

ist.

Anfang des Jahres hatte der

gebürtige Neubrandenburger

bei einem dreimonatigen Trainingslager

in Ungarn versucht,

seine Gedanken zu ordnen. Im

April 2012 hatte er seinen letzten

Kampf bestritten, er verlor

in der neunten Runde gegen

Felix Sturm. Seine Kampfbörse,

stattliche 187.000 Euro, blieb

Universum-Chef Waldemar

Kluch schuldig, auch noch, als

Zbik ihn drei Monate später wegen

Veruntreuung verklagte. Bis

heute wartet er auf eine Entschädigung

aus der Insolvenzsumme;

schlimmer noch: Die 5000

Euro, die er als Abschlagszahlung

erhalten hatte, forderte der

Insolvenzverwalter zurück, der

Gerichtsstreit darüber dauert an.

„Ich musste einfach einen Strich

ziehen und das ganze Elend hinter

mir lassen“, sagt Zbik.

In Ungarn arbeitete er im

Gym seines früheren Trainingskollegen

Karoly Balzsay als Trainer,

er hatte schon während seiner

aktiven Zeit Managerboxen

angeboten, hatte die Trainer-

A-Lizenz erworben und an der

Europäischen Fachhochschule

für Sport und Management in

Potsdam ein Studium des Leistungs-

und Wettkampfsports

aufgenommen. Und als er im

April wieder in Deutschland

war, wusste er, dass in der Anleitung

anderer Menschen nicht

nur eine Passion, sondern seine

Zukunft liegen sollte.

Am Sportgymnasium in

Schwerin sehen sie das auch

so. Zbik war hier selbst Schüler,

2001 machte er sein Abitur,

Schulleiter Albrecht Tischendorf

war sein Sportlehrer. „Sebastian

ist ein Mann mit Ausstrahlung,

er ist bescheiden, weiß aber genau,

was er will. Das war schon

früher so, deshalb war ich mir

sicher, dass er es hier packen

kann, als ich hörte, dass er

Sportlehrer werden will“, sagt

der Direktor. Das Sportgymnasium

Schwerin, eine Eliteschule

des Sports, kooperiert mit dem

Olympiastützpunkt (OSP), an

Zbik, hier mit Christian Morales (rechts), möchte als Trainer auch dem

Leistungssport verbunden bleiben

dem Boxen ein Schwerpunktsport

ist. Michael Timm, lange

Jahre Coach bei Universum und

seit August 2012 Cheftrainer am

OSP, hatte Zbik im April in sein

Team geholt, ihm eine vom Landessportbund

finanzierte volle

Stelle als Boxtrainer ermöglicht.

Und weil Tischendorf es wichtig

findet, dass seine Schüler ihre

Lehrer als Vorbilder ansehen,

hat er Zbik zusätzlich eine halbe

Stelle angeboten.

In zwölf Wochenstunden

ist der Ex-Profi nun seit August

dafür zuständig, Sportklassen

der Jahrgänge fünf bis zehn

im athletischen Bereich auf

Zwischen- oder Abschlussprüfungen

vorzubereiten. Er ist

als Trainer angestellt, nicht als

Lehrer, dafür fehlt ihm ein abgeschlossenes

Pädagogikstudium,

aber das will er auch gar nicht.

„Ich möchte schon im Leistungssport

bleiben, und Boxen

ist mein wichtigstes Feld. Aber

Das Plakat aus alten Zeiten erinnert im Schweriner Gym noch an den Profi Zbik

natürlich halte ich die Augen

offen, man weiß ja nie, was für

Chancen sich bieten. Und in der

Schule habe ich die Möglichkeit,

mit verschiedensten Charakteren

umgehen zu lernen“, sagt

er. Im Studium in Potsdam hat

er einiges über Didaktik gelernt,

über Trainingslehre und pädagogische

Ansätze. Er kann auch

Volleyball oder Leichtathletik

unterrichten. Aber die Praxis,

die volle Dröhnung wahres Leben,

die bekommt er von seinen

Schülern.

Natürlich ist die Arbeit als

Sportlehrer an einem Sportgymnasium

dankbarer als der

Frontalunterricht, den viele Pädagogen

vor einer unmotivierten

Klasse durchziehen müssen.

„Meine Schüler wollen lernen,

sie ziehen mit. Das macht es mir

einfach“, sagt er. Lang sind seine

Arbeitstage trotzdem, von 7 bis

11 Uhr ist Boxtraining, bis auf

donnerstags hat er von 11.30 bis

14.30 Uhr Schulunterricht, ehe

von 15.30 bis 19 Uhr der zweite

Box-Block ansteht. Wenn er an

den Wochenenden mit seinen

Athleten auf Wettkämpfe fährt,

was die Regel ist, dann häufen

sich die Sieben-Tage-Wochen,

hinzu kommt der wochenweise

Blockunterricht an der Fachhochschule,

den Stoff dafür muss

er abends aufarbeiten. „Ich bin

zwar total kaputt, wenn ich ins

Bett falle, aber ich stehe jeden

Morgen mit einem Lächeln auf

und freue mich auf die Arbeit“,

sagt er. Dieses Gefühl hatte er

in seinen letzten Profijahren zu

häufig vermisst. Auch deshalb

weint er seiner aktiven Karriere

nicht hinterher. „Ich habe noch

zu ein paar Leuten von damals

Kontakt, wir waren ja ein tolles

Team. Aber ich bin unglaublich

froh, dass ich den Absprung geschafft

habe“, sagt er.

Zbik ist keiner, der exzessiv

vorturnt oder sich zum Mitmachen

unter die jungen Sportler

mischt. Er erklärt mit wenigen

Worten, klaren Anweisungen,

er spricht deutlich, aber nie lauter

als nötig. Er ist als Lehrer so

wie als Profiboxer, keiner, der

in den Vordergrund drängt, der

aber dennoch genau weiß, wo

er ankommen will. „Sebastian

belehrt die Schüler nicht nur, er

erzieht sie auch. Das ist unheimlich

wichtig und hat ihm den Respekt

des gesamten Kollegiums

eingebracht“, sagt Tischendorf.

„Man braucht eine Distanz zu

den Schülern, damit man ernst

genommen wird. Bei meinen Boxern

ist das anders, die kennen

mich alle, aber viele Schüler wissen

gar nicht, wer ich bin. Und

ich möchte, dass sie mich als

Lehrer respektieren und nicht

als ehemaligen Weltmeister“,

sagt Zbik.

Das ist wieder charmant untertrieben,

denn natürlich wissen

die meisten Schüler, wen sie

vor sich haben, die Sporthalle

hängt voll mit Postern, die sein

Konterfei zeigen. „Das ist schon

cool, einen Weltklasseathleten

als Lehrer zu haben. Für uns ist

das eine tolle Motivation“, sagen

Lukas, Tim und Yannik, drei

Siebtklässler. Sie sind Leichtathleten,

den Boxer Zbik kennen sie

trotzdem. Die Stunde ist beendet,

die jungen Leichtathleten,

Fechter und Volleyballer haben

sich verabschiedet, Sebastian

Zbik verlässt in Trainingsklamotten

die Sporthalle. Auf dem

Weg in die Pause wird er von einer

Gruppe Fünftklässlerinnen

aufgehalten. „Herr Zbik“, rufen

sie, „Sie wollten uns doch Autogramme

mitbringen!“ Sebastian

Zbik lächelt still. Er ist jetzt ein

Lehrer, der Autogramme gibt. Er

hat sein Glück gefunden.

BoxSport

45


Ersatzmann Teziev w

Die deutschen „Adler“

haben den „Argentina

Condors“ die Flügel gestutzt.

Und Igor Teziev

war der Mann des Tages. Der

Technische K.o.-Sieg des erst 20

Jahre alten Deutschen Meisters

im Halbschwergewicht brachte

das nach drei Kämpfen in Führung

liegende Team Deutschland

an diesem Abend endgültig auf

die Gewinnerstraße. Denn nur mit

mindestens vier gewonnen von

insgesamt fünf Kämpfen gibt´s

auch die volle Punktzahl. Nach

ihrem zweiten siegreichen Heimkampf

in dieser Saison landete die

Mannschaft mit dem Bundesadler

im Logo in der World Series of

Boxing (WSB) auf dem zweiten

Platz in der Gruppe A.

Dabei war der junge, schlagstarke

Esslinger Teziev überaus

kurzfristig für den am Vortag mit

einer entzündeten und stark geschwollenen

Hand aufgewachten

Serge Michel eingesprungen, ei-

Beim souveränen 5:0-Sieg ge g

Ärger um kuriose Ergebniskorrektur

nem der Legionäre

vom Bundesligaverein

Boxring

Hanau. Doch der

baden-württembergische

Ersatzmann,

Dritter

der U22-EM von

2012, wusste

seine Chance

bravourös zu

nutzen. Nachdem

er innerhalb

kürzester Zeit

fünf Kilogramm

Gewicht „abgekocht“

hatte,

wütete Teziev

wie ein Tiger im

Ring zu Großkrotzenburg.

Der

mühsam in eine

„Kampfarena“

umfunktionierte

kleine Saal im

Bürgerhaus „Limes

Forum“ die-

Igor Teziev (rechts) nutzte seine Chance gegen

Miguel Angel Larrosa Calvento, der in der

zweiten Runde angezählt wurde

Slawa Kerber (links)

hatte ein hartes Stück

Arbeit zu erledigen

ses Örtchens bei Hanau

platzte mit über

500 begeisterten

Besuchern schier

aus allen Nähten,

als der 24 Jahre alte

Uruguay-Meister

Miguel Angel Larrosa

Calvento vom

Team der Argentina

Condors in der zweiten

Runde zweimal

angezählt wurde.

Teziev konnte seinen

überforderten

Gegner immer wieder

in der Ringecke

stellen. Nach einer

weiteren Serie von

Treffern zu Beginn

der Runde drei brach

der Kampfrichter

das Gefecht ab.

Am Ende band

der zweifache WM-

Dritte Erik Pfeifer

den Sack zu: Sein

überlegener K.o.-Sieg in Runde

eins gegen den überfordert wirkenden

argentinischen Meister

Falcundo Cesar Ghiglione, immerhin

Dritter der Amerikanischen

Kontinentalmeisterschaften,

brachte das 5:0-Endergebnis.

Kurioserweise wurde es wenige

Stunden nach Kampfende korrigiert.

Das offizielle Resultat lautete

zwischenzeitlich 4:1, wurde dann

nochmals korrigiert. Ursache ist

eine irrtümliche Regelauslegung

des WSB-Supervisors Franco Falcinelli.

Und das kam so: Der für

Deutschland im Leichtgewicht

startende Ire David Oliver Joyce

blutete in der ersten Runde aus

einem Cut über dem linken Auge.

Wegen dieser Verletzung brach

der Referee nach Absprache mit

dem Ringarzt den Kampf in der

zweiten Runde ab, was vielen

übertrieben erschien, zumal die

Blutung von Physiotherapeutin

(und Cut-Woman) Eleni Coskina

gestoppt worden war.

46 BoxSport


gen die Argentina Condors

wie ein Tiger

Noch erstaunlicher jedoch:

Nach einigem Hin und Her sowie

nach Auswertung von Punktzetteln

des Kampfgerichts wurde zunächst

Joyce zum Sieger erklärt,

obwohl alle eine T.K.o.-Niederlage

erwartet hätten. Erst nach Ende

des Kampfabends ging der Punkt

doch noch an Argentinien: T.K.o.-

Sieg für Brian Nunez.

Dieser Vorgang ist natürlich

peinlich für einen Supervisor,

der immerhin Vizepräsident des

Weltverbands AIBA ist. Falcinelli

wollte nach dem Eklat beim

ersten deutschen Heimkampf in

Hanau, als die WSB-Offizielle

die Halle verlassen musste, diesmal

höchstpersönlich nach dem

Rechten schauen. Vielleicht hat

sich der Italiener vorher einfach

zu sehr geärgert über die kaum

regelkonformen Verhältnisse der

improvisierten „Kampf-Arena“ im

hessischen Provinz-Bürgerhaus.

Sichtlich genervt von der räumlichen

Enge am Ring antwortete

Falcinelli auf unsere Frage, ob er

nicht zufrieden sei, noch grimmig:

„Absolut nicht.“ Dann passierte

ihm selbst dieser Fehler. Ein paar

Tage später nahm Karim Bouzidi

diese Entscheidung (Chief Executive

Officer der WSB) nach Erhalt

des offiziellen Kampfberichts zurück

mit der Begründung, dass

man nicht Stunden später ein zum

Ende der Begegnung feststehendes

Ergebnis korrigieren könne.

Das Publikum genoss all dessen

ungeachtet einen stimmungsvollen

und sportlich überzeugenden

Kampfabend. Vor allem „ihren“

Hamza Touba aus dem Hanauer

Bundesligateam haben die

Boxring-Fans längst ins Herz geschlossen:

Angefeuert von „Hamza,

Hamza“-Sprechchören holte

die deutsche Meister-„Fliege“

gegen Argentinien-Meister Roda

ihren zweiten WSB-Sieg in dieser

Saison. Ein hartes Stück Arbeit

führte Slawa Kerber bei seinem

erst zweiten WSB-Einsatz zu einem

unterm Strich verdienten

2:1-Sieg gegen den unbequemen

argentinischen Meister Veron.

Der deutsche Vizemeister war

für den am Ellbogen verletzten

WM-Dritten Arajik Marutjan eingesprungen.

Dafür passte das Rahmenprogramm

diesmal wohl allen:

Statt Schlagern wie beim ersten

WSB-Heimkampf in der Hanauer

Schärttner-Halle gab es im Limes-

Forum Rockmusik von der versierten

Coverband „Tribute To Status

Quo“. Cheerleader der „Hanau

Hornets“ sowie die attraktiven

Nummernmädchen Nicole und

Stacey hörten viel Jubel. Organisatorische

Mängel wurden achselzuckend

hingenommen. Immerhin

war der Eintritt frei. Doch

viele mussten draußen bleiben.

Aufgrund des Andrangs drohte

seitens der Hausherren kurzfristig

sogar ein vorzeitiger Abbruch des

Abends – wegen Überfüllung und

fehlender Sicherheitsvorkehrungen.

Peter Jaschke

ERGEBNISSE

Fliegengewicht (52 Kg): Hamza Touba vs. Christian

Eduardo Roda, Punktsieg (3:0) für Touba

Leichtgewicht (60 Kg): David Oliver Joyce vs. Brian Ivan

Nunez, T.K.o.-Sieg für Nunez (Runde 2)

Weltergewicht (69 Kg): Slawa Kerber vs. Luis Alberto

Veron, Punktsieg (2:1) für Kerber

Leichtschwergewicht (81 Kg): Igor Teziev vs. Miguel

Angel Larrosa Calvento, T.K.o.-Sieg für Kerber (Runde 3)

Superschwergewicht (91+): Erik Pfeifer vs. Facundo

Cesar Ghiglione, K.o.-Sieg für Pfeifer (Runde 1)

Zweiter Saisonsieg in der WSB: Hamza Touba

Erik Pfeifer feierte einen

überlegenen K.o.-Sieg

gegen Falcundo Cesar

Ghiglione (am Boden)

Stimmen

Knoten bei

Pfeifer geplatzt

Ulrich Bittner, Präsident

WSB-Team Deutschland:

„Das war eine tolle Leistung

unserer Kämpfer. Damit erhalten

wir uns die Chance auf

den Einzug ins WSB-Viertelfinale.

Dieser Sieg war sehr

wichtig, weil wir jetzt die

schweren Auswärtskämpfe

in Algerien und der Ukraine

haben.“

DBV-Sportdirektor

Michael

Müller:

„Unsere

Mannschaft

ist eindrucksvoll

ihrer Favoritenrolle gerecht

geworden. Herausragend

waren der Kampf von Igor

Teziev sowie die große Abgeklärtheit

von Erik Pfeifer.

Nach einigen verletzungsbedingten

Ausfällen ist für

mich die Haupterkenntnis

des Abends: Auch unser

zweiter Anzug passt!”

DBV-Cheftrainer Dr. Bastian:

„Das waren überzeugende

Leistungen von Touba,

Teziev und Pfeifer. Die

Trainer haben gute Arbeit

geleistet. An Igor Teziev geht

ein großes Lob, dass er so

kurzfristig und so erfolgreich

eingesprungen ist.“

WSB-Teamchef Valentin

Silaghi: „Ich bin sehr zufrieden.

Alle unsere Jungs haben

mir gut gefallen. Nur Joyce

hatte Probleme. Hamza Touba

hat es gejuckt zu zeigen,

dass er variabel alle Stile boxen

kann und eine super Leistung

gebracht. Igor Teziev ist

eine große Hoffnung für das

deutsche Boxen.“

WSB-Coach

Zoltan Lunka:

„Unsere

Leute vom

Stützpunkt

in Heidelberg

haben sehr

gut gearbeitet. Pfeifer hat sich

getraut, das zu machen, was

er kann. Ich denke, jetzt ist

der Knoten bei ihm endgültig

geplatzt.“

BoxSport

47


Über der algerischen

Wüste sind die Adler

abgestürzt: Auch im

zweiten Auswärts-

Kampf in der World Series of

Boxing (WSB) gab es für das

Team Deutschland nichts zu

holen. Vor rund 700 Zuschauern

im algerischen Blida erlitt die

von den Bundestrainern Valentin

Silaghi und Zoltan Lunka sowie

Generalmanager Dr. Mirko

Wolf betreute Mannschaft eine

1:4-Niederlage gegen die „Algeria

Desert Hawks“. Das heißt:

Alle drei Siegpunkte gehen nach

Nordafrika.

Die Enttäuschung im deutschen

Team war groß, denn das

klare Ergebnis spiegelt nicht den

Klare 1:4-Niederlage in Algerien

Deutsche Adler von

den Wüstenfalken gerupft

Omar El Hag einziger Sieger

Sergei Neumann (rechts) eröffnete den Auftritt des deutschen Teams

mit seiner

Niederlage gegen

Mohamed Flissi

Alter hervorragend geboxt und

verspreche viel für die Zukunft“.

Trost spendete Coach Zoltan

Lunka auch den betrübten

Kämpfern und lieferte einen Erklärungsversuch

ab: „Wir können

trotzdem mit unseren Jungs

zufrieden sein. Keiner hat sich

versteckt, alle haben mit Herz

gekämpft, aber es fehlt teilweise

noch an Erfahrung. Man muss

bedenken, dass bis auf Paskali

alle deutschen Boxer ihre Premi-

Omar El Hag (links) sorgte gegen Samir Brahimi für den

einzigen Punkt in Algerien

ere in der WSB gegeben haben.“

In der Tat traf

Deutschland auf

Algeriens stärkstes

Aufgebot mit lauter

WSB-erfahrenen

Kämpfern. So bekam

es beispielsweise

der frühere EM-Dritte

und deutsche Schwergewichtsmeister

Johann Witt aus dem

Schwarzwald mit Chouaib Bouloudinats

zu tun: Der frühere

WSB-Boxer der Astana Arlans

war 2011 Afrikanischer Vizemeister

und 2012 Olympiateilnehmer.

Der Höhenflug des Teams

Germany in der WSB währte damit

nur kurz: Nach dieser Auswärtsniederlage

wurde aus dem

Johann Witt (rechts) unterlag im letzten

Kampf des Abends Chouaib Bouloudinats

dramatischen Kampfverlauf wider,

wie DBV-Sprecher Oliver

Palme mitteilt: Deutschland habe

auf Augenhöhe gegen die mit

fünf Olympia-Teilnehmern angetretenen

Gastgeber gekämpft.

Den einzigen Sieg für Deutschland

steuerte mit dem 19 Jahre

alten Berliner Bantamgewichtler

Omar El Hag das jüngste Teammitglied

bei.

Die Algerier nahmen damit

erfolgreich Revanche für

ihre klare Auswärtsschlappe in

Deutschland. Wolf meint dazu:

„Wir waren nicht die

Schwächeren. Und in der

hier ausgetragenen Gewichtsklassengruppe

C1

mit 49, 56, 64,75 und 91

Kilogramm ist Algerien

deutlich stärker besetzt

als in der von C2, in der

wir den Hin-Kampf mit

5:0 gewonnen haben.“

Wolf rechnet vor: „Wenn

der Ludwigsburger Xhek

Paskali gewonnen hätte,

und er hat meiner

Meinung nach gewonnen,

dann hätte es vor

dem letzten Kampf 2:2

gestanden und alles wäre noch

möglich gewesen für uns. Aber

das ist wohl so, wenn man auswärts

antritt.“

So bleibt auch für Valentin

Silaghi nur die bittere Erkenntnis:

„Diese Niederlage tut weh.

Sogar das algerische Publikum

hat uns mehrfach fair applaudiert“,

erklärte der deutsche

WSB-Cheftrainer und zeigt sich

„enttäuscht davon, wie vom

Kampfgericht gegen Xhek Paskali

und Johann Witt gepunktet

wurde“. Sportlich habe sein

Team gezeigt, dass es mithalten

könne. Der deutsche U21-Meister

Omar El Hag habe „für sein

ERGEBNISSE

Halbfliegengewicht (49 kg): Mohamed Flissi vs. Sergej Neumann, Punktsieg (3:0) für Flissi

Bantamgewicht (56 kg): Samir Brahimi vs. Omar El Hag, Punktsieg (3:0) für El Hag

Halbweltergewicht (64 kg): Abdelkader Chadi vs. Angelo Frank, Punktsieg (3:0) für Chadi

Mittelgewicht (75 kg): Ilyas Abbadi vs. Xhek Paskali, Punktsieg (2:1) für Abbadi

Schwergewicht (91 kg): Chouaib Bouloudinats vs. Johann Witt, Punktsieg (3:0) für Bouloudinats

vorübergehenden zweiten Rang

nach insgesamt zwei Siegen

und zwei Niederlagen der dritte

Platz in Gruppe A. Damit wahrt

Deutschland aber weiterhin seine

Chancen aufs Viertelfinale.

Peter Jaschke

48 BoxSport


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INTERVIEW

Peter Jaschke mit Ulrich Bittner

Der umtriebige Unternehmer Ulrich Bittner (55) ist seit 2013 deutscher

Franchisenehmer der World Series of Boxing (WSB). Der Präsident

des hessischen Bundesliga-Vereins Boxring Hanau 09 ist ein

Macher, der polarisiert: Man mag seine bunte Show oder man lehnt

sie ab und muss sich dann sehr auf den harten sportlichen Kern seiner

Veranstaltungen konzentrieren. Mancher meint: Entweder wird

man in wenigen Jahren sagen, dass seine gewagten Visionen das medial

darbende olympische Boxen in Deutschland den entscheidenden

Schritt weiter gebracht haben. Oder dass seine selbstverliebt

wirkenden Inszenierungen dafür doch zu unseriös herüber kamen.

Doch Bittner zeigt sich flexibel, schaltet um „von pompös auf Wohnzimmerveranstaltung“,

wie er selbst den Umzug von der Schärttner-Halle

ins Limes-Forum bezeichnet, träumt aber weiterhin vom

WSB-Viertelfinale auf Mallorca. Wir sprachen mit ihm am Abend des

Heimsiegs gegen Argentinien in Großkrotzenburg bei Hanau.

„Ich fühle mich

wie auf einer

Achterbahn“

Der WSB-Chef träumt von 14.000

Zuschauern beim Viertelfinale gegen

Kubas braune Bomber auf Mallorca

BoxSport: Herr Bittner, wie

ist die noch junge WSB-Saison

2013/14 aus Ihrer Sicht bisher

verlaufen?

Ulrich Bittner: Mancher

würde meine Erfahrungen wohl

als Fahrt in der Achterbahn vergleichen.

Meine Frau Zyta hasst

es schon fast, weil ich so viel Zeit

damit verbringe. Wenn mich das

BoxSport-Magazin den Hansdampf

von Hanau nennt, so nehme

ich das aber gerne an, weil

das Ganze eben auch vielfältige

Arbeit auf vielen Baustellen mit

sich bringt.

BoxSport: Wo sehen Sie die

größten Baustellen?

Bittner: Es gibt noch einiges

zu justieren. Bei den Fernsehgeldern

fordern wir beispielsweise

einen fairen Verteilerschlüssel,

sonst wird sich die WSB nicht

etablieren. Wir bekommen bislang

nicht einen Cent für die

Auslandsausstrahlungen. Dabei

wurden heute Livebilder in 14

Nationen übertragen. Allein die

beiden Übertragungswagen hinter

der Halle kosten uns 10.000

Euro. Alle zwölf WSB-Teams

sind sich einig, dass man die

Kosten besser in den Griff bekommen

muss. So könnte beispielsweise

auch bei der Auswahl

der Kampfrichter stärker

darauf geachtet werden, dass

deren Flüge nicht zu lang und

damit nicht so teuer sind.

BoxSport: Was haben Sie in

Sachen medialer Vermarktung

in Deutschland erreicht? Internetportale

und Regionalsender

wie Schau-TV oder München

TV, mit denen sie unter anderem

schon zusammenarbeiten, in allen

Ehren, aber ist auch endlich

ein großer TV-Sender in Sicht,

der die deutschen WSB-Kämpfe

zeigt?

Bittner: Es gibt Gespräche

mit etablierten Sendern, darunter

zwei der großen privaten

Sender, die Profiboxen zeigen,

und die öffentlich-rechtliche

ARD, die schon ein klares und

ernsthaftes Interesse erkennen

lässt.

BoxSport: Ähnliches hörten

wir schon im vergangenen Jahr.

Woran machen Sie dieses angebliche

Interesse der ARD jetzt

fest?

Bittner: Sporadisch hat

die ARD schon berichtet. Ich

verhandle mit der ARD gerade,

dass es beim kommenden

WSB-Heimkampf unseres Teams

Deutschland gegen Italien am

Freitag, 7. Februar, im markanten

„The Squaire“ am Flughafen

Frankfurt eine, sagen wir mal,

sehr ausgeweitete Berichterstattung

geben wird. Das soll uns

die Tür zu einem Vertrag öffnen.

Dafür bin ich zu einigen Zugeständnissen

bereit: Das wird eine

Veranstaltung für 500 geladene

Gäste am Vorabend zum Ball

des Sports in Wiesbaden.

BoxSport: Warum soll das

eine geschlossene Veranstaltung

werden in dem riesigen futuristischen

Bürogebäude über dem

Fernbahnhof am Frankfurter

Flughafen? Dort finden, wie Sie

selbst sagten, auch internationale

Squash-Turniere statt.

Bittner: Aus Sicherheitsgründen

sollen ausnahmsweise

nur 500 geladene Gäste kommen.

Ich möchte mir die Chance mit

der ARD nicht vertun. Schließlich

strebe ich 2015 oder 2016

auch ein vorolympisches Qualifikationsturnier

in Deutschland

an. Gleichzeitig will ich mit dem

Sauerland-Stall Kontakt aufnehmen.

Es wäre für mich denkbar,

WSB-Kämpfe auch einmal in eine

Sauerland-Veranstaltung zu

integrieren.

BoxSport: Meinen Sie, dass

einer der Profiställe, denen der

Weltverband AIBA mit WSB und

eigenem Profilager den Kampf

angesagt hat, zu einer solchen

Zusammenarbeit bereit ist?

Bittner: Warten wir es ab.

Immerhin haben wir heute

Abend bei Schaukämpfen schon

zwei Cousins von Sauerland-

Profi Arthur Abraham im Limes-

Forum boxen sehen, nämlich

den halbschweren Sascha Arsumanjan

und seinen jüngeren

Bruder, den 20 Jahre alten Mittelgewichtler

Marten (Anmerkung

der Redaktion: beide DM-Teilnehmer

2013 vom fränkischen

Boxring TSV Stein). Die beiden

hat uns Sauerland-Trainer Ulli

Wegner geschickt. Ich habe Visionen.

Ich denke immer noch

Arthur Abrahams Cousin Sascha

Arsumanjan (rechts) bestritt einen

Einlagekampf gegen Artur Mann

im Halbschwergewicht. Der zweite

Abraham-Cousin, Marten Arsumanjan,

stand in einem weiteren Schaukampf

zuvor als Mittelgewichtler gegen

den elf Kilo leichteren Thulassi

Thuramaligam im Ring

50 BoxSport


Seine Ansagen in zwar fließendem Englisch, aber mit starkem deutschen Akzent und

kleinen Fehlern durchsetzt, sind bei den Hanauer Fans schon fast Kult: Ulrich Bittner

machte seinem Ruf auch bei der Vorstellung der Teams im Limes-Forum alle Ehre

an einen WSB-Kampf auf Mallorca.

Die WSB muss touren. Es

laufen konkrete Gespräche mit

dem Europa Park Rust. Warum

nicht auch WSB-Heimkämpfe in

der Veranstaltungshalle auf dem

Autobahnrasthof Geiselwind bei

Würzburg?

BoxSport: Zurück zu Ihren

Erfahrungen und vor allem Ihren

Erwartungen für diese dritte

Saison mit einem deutschen

Box-Team in der WSB?

Bittner: Als positiv empfinde

ich, dass die WSB-Familie

sehr geschlossen ist. Die Marke

WSB erachte ich insgesamt als

hervorragend. Und unsere Veranstaltungen

werden von Mal

zu Mal besser. Wir lernen eben

alle noch dazu.

BoxSport: Was erwarten sie

für 2014?

Bittner: Das ausgegebene

Ziel ist, nicht Letzter zu werden.

Eins steht fest: Wir haben eine

tolle Mannschaft mit tollen Trainern.

Es fehlen nur noch zugkräftige

Namen. Erik Pfeifer wäre

beispielsweise einer, der das

Potenzial dazu hätte. Sein K.o.-

Sieg war toll und ist um die Welt

gegangen, das war in 14 Ländern

zu sehen. Das zeigt aller Welt:

Deutschland steht boxsportlich

auf ganz hohem Niveau.

Ulrich Bittner ist nicht mehr nur noch der Hansdampf in Hanaus Gassen,

sondern der Hansdampf an allen Wänden

BoxSport: Wagen Sie eine

Prognose?

Bittner: Wir waren Vierter,

sind momentan Zweiter. Und es

ist keine Utopie. Wir haben nach

dem klaren Sieg gegen Argentinien

eine Chance, zumindest

alle Heimkämpfe zu gewinnen

und das Viertelfinale zu erreichen.

BoxSport: Im Viertelfinale

würde dann womöglich Kuba als

Gegner warten, der momentane

Überflieger der Gruppe B.

Bittner: Dann würden wir

wohl nicht mehr weiterkommen,

aber darf ich träumen, bitte?

BoxSport: Nur zu!

Bittner: 14.000 Zuschauer,

wie beim ersten WSB-Heimkampf

der Kubaner, sehe ich

dann beim Viertelfinale Deutschland

gegen Kuba auf Mallorca.

Das würde uns schwarze Zahlen

in die Kasse spülen.

BoxSport: Muss man sich

Sorgen um die Zukunft der WSB

in Deutschland machen, wenn

die offiziellen Auflagen nicht

erfüllt werden wie zuerst in Hanau

und nun offenbar in Großkrotzenburg

wieder, wo diesmal

Supervisor Falcinelli, der AIBA-

Vizepräsident aus Italien, sehr

unzufrieden wirkte?

Bittner: Dass Franco Falcinelli

persönlich gekommen

ist, hat mich schon überrascht.

Wir stehen vielleicht unter verschärfter

Beobachtung, weil es

beim ersten Heimkampf Probleme

gab, aber atmosphärisch

ist alles okay zwischen mir und

der WSB. Falcinelli hat sich beim

Wiegen am Vortag lobend über

uns geäußert. Wir haben nicht

gegen Regeln verstoßen. Die

Liveübertragung begann diesmal

pünktlich. Man muss sich

also keine Sorgen machen.

BoxSport: Ihnen geht auch

finanziell nicht die Puste aus,

obwohl Sie jährlich allein an

WSB-Lizenzgebühren 300.000

Euro zu zahlen haben und zwei

Bundesligateams unterstützen?

Bittner: Auf keinen Fall. Wir

haben einen Sponsorenpool, der

uns sehr unterstützt.

BoxSport

51


Kuba und Ukraine w e

Die braunen Bomber siegten selbst in Kasachst

Auch wenn sich Carlos Adames (li.) gegen den Ukrainer Vyacheslav Kyslytsyn durchsetzte,

konnte das US-Team die 2:3-Niederlage gegen den Spitzenreiter nicht verhindern

Erislandy Savon aus Kuba (links) schlug WSB-Novize Denis Latypov aus

Aserbaidschan

In der Gruppe A der World

Series of Boxing (WSB), zu

der auch Team Deutschland

zählt, behaupteten sich die

„Ukraine Otamans“ nach sechs

Kampftagen ungeschlagen an

der Tabellenspitze. Dazu trugen

im Dezember und Januar jeweils

Vor dem WSB-Kampf Italien vs. Deutschland traf René Weller im Mannschaftshotel in Assisi den Schauspieler Franco

Nero, der vor allem für seine Darstellung des Django in Italo-Western Bekanntheit erlangte. Zuletzte spielte er 2012 in

Django Unchained von Quentin Tarantino die Rolle des Amerigo Veseppi. Nero war Pate einer italienischen Benefizaktion

zugunsten behinderter Kinder

klare 4:1-Siege gegen die algerischen

„Wüstenfalken“ und Italiens

„Dolce & Gabbana Thunders“

bei.

Den Italienern gelang daraufhin

gegen die „USA Knockouts“

in Miami „nur“ ein knapper

3:2-Sieg, was den Amis den ersten

Punkt in dieser Saison einbrachte.

Den zweiten holten sich

die US-Boys erneut zuhause mit

einer weiteren knappen 2:3-Niederlage

gegen den ukrainischen

Tabellenführer. Das bedeutet den

sechsten und letzten Platz hinter

den aktuell Vorletzten aus Argentinien,

die wie zuvor mit 0:5

gegen Deutschland aktuell auch

Italien mit 1:4 unterlagen.

Immer noch auf Viertelfinalrang

vier der Gruppe A liegt

Algerien, während sich Italien

auf Rang zwei vor dem Team

Deutschland behauptet. Die

deutschen Adler erwarten nach

ihrem Ende Januar bevorstehenden

Ausflug in die Ukraine Italiens

Donnervögel am Freitag, 7.

Februar, zu einem Heimkampf in

Frankfurt. Ob dort die Revanche

für die Auswärtsniederlage gelingen

kann? Am 15. Februar soll der

Heimkampf Deutschlands gegen

die USA nachgeholt werden.

In der Gruppe B sind die „Domadores“

aus Kuba nach wie

vor das Maß aller Dinge. Sie bezwangen

im Dezember die Titelverteidiger

der „Astana Arlans“,

wenn auch nur knapp mit 3:2,

allerdings in Kasachstan. Dessen

Team liegt trotz einer überraschenden

4:1-Niederlage gegen

die viertplatzierten Aserbaidschans

„Baku Fires“ immer noch

auf Rang zwei.

Den „Fires“ gelang es am

sechsten Kampftag zuhause sensationell,

den Kasachen die volle

Punktzahl abzuknöpfen. Dabei

glänzte im Kampf des Abends der

frühere aserbaidschanische Vize-

Europameister und amtierende

52 BoxSport


eiter Spitze

an und Aserbaidschan

Der Auftritt von Weltergewicht-Olympiasieger Roniel Iglesias Sotolongo (rechts)

gegen Mexikos Hector Reyes wurde als „majestätisch“ bezeichnet

EM-Dritte Elvin Mamishzada

(22) gegen Arlans-„Fliege“ Iliyas

Suliemenov.

Aktuell liegt Kasachstan mit

fünf Punkten Abstand hinter

den überragenden Kubanern,

die zuletzt die „Guerreros“ aus

Mexiko mit 5:0 deklassierten.

Dabei bestritt der Weltergewicht-

Olympiasieger Roniel Iglesias

Sotolongo, Weltmeister von 2009

aus Kuba, sein WSB-Debüt. Gegen

Hector Reyes (Mexiko), der

ebenso erstmals einen WSB-Ring

betrat, avancierte der kubanische

Rechtsausleger zum Boxer der

Begegnung: Reyes war nicht mehr

in der Lage, zur letzten Runde anzutreten.

Sotolongos Weltklasse-

Auftritt im Ring wurde dagegen

vom WSB-Berichterstatter des

Weltverbands AIBA auf dessen

Internetseite als „majestätisch“

bezeichnet.

Bereits zuvor, am fünften

Kampftag, schlugen die Kubaner

die „Baku Fires“ in Aserbaidschan.

Auch dort gab es bei einem

erneuten 3:2-Sieg wie schon am

vierten Kampftag gegen Verfolger

Kasachstan selbst für die kubanischen

Überflieger „nur“ zwei

statt drei Siegpunkte zu holen. In

Baku avancierte das Halbwelter-

Duell zwischen dem WM-Viertelfinalisten

Gaybatulla Gadzhialiyev

und Kubas Vizeweltmeister

und Olympiadritten Yasniel Toledo

zum Kampf des Abends. Der

Aserbaidschaner EM-Dritte von

2011 entschied ihn überraschend

für sich.

Es stand 2:2, als der superschwere

Erislandy Savon aus

Kuba, der Neffe des dreifachen

Olympiasiegers Felix Savon, und

WSB-Novize Denis Latypov die

Fäuste kreuzten. Nach überraschend

großen Schwierigkeiten

in Runde eins übernahm der Kubaner

das Heft des Handelns und

machte das aserbaidschanische

Publikum mit elegantem Boxen

nahezu sprachlos.

Noch härter hatten die nun

noch viertplatzierten „Baku Fires“

die 0:5-Schlappe gegen das

Russian Boxing Team getroffen,

das weiterhin Tabellenplatz drei

einnimmt. Das gleiche Schicksal,

eine empfindliche 0:5-Niederlage,

ereilte in Russland auch

die „Guerreros“ Mexiko. Diese

konnten bislang nur das Tabellenschlusslicht

Polen schlagen.

Mit den polnischen „Hussars“

hatte auch der Tabellenzweite

Kasachstan weitgehend leichtes

Spiel. Allerdings trotzten die

Polen zuletzt mit einer knappen

2:3-Heimniederlage den Russen

um Weltmeister Misha Aloian respektabel

einen Punkt ab.

Peter Jaschke

Die Tabellen

alle ERGEBNISSE

Gruppe A

1 15.11.13 Argentinien 1 - 4 Italien

16.11.13 Ukraine 4 - 1 USA

16.11.13 Deutschland 5 - 0 Algerien

2 verschoben Algerien - Italien

22.11.13 USA 3 - 2 Argentinien

08.03.14 Deutschland - Ukraine

3 06.12.13 Ukraine 5 - 0 Argentinien

07.12.13 Algerien 3 - 2 USA

07.12.13 Italien 4 - 1 Deutschland

4 13.12.13 Ukraine 4 - 1 Italien

13.12.13 Argentinien 4 - 1 Algerien

15.02.14 Deutschland - USA

5 10.01.14 Deutschland 5 - 0 Argentinien

10.01.14 USA 2 - 3 Italien

11.01.14 Algerien 1 - 4 Ukraine

6 17.01.14 USA 2 - 3 Ukraine

18.01.14 Algerien 4 - 1 Deutschland

18.01.14 Italien 4 - 1 Argentinien

Gruppe B

1 15.11.13 Kasachstan 4 - 1 Aserbaidschan

15.11.13 Mexiko 0 - 5 Kuba

16.11.13 Russland 5 - 0 Polen

2 22.11.13 Polen 0 - 5 Kuba

23.11.13 Russland 2 - 3 Kasachstan

23.11.13 Aserbaidschan 5 - 0 Mexiko

3 06.12.13 Kasachstan 4 - 1 Mexiko

06.12.13 Polen 0 - 5 Aserbaidschan

06.12.13 Kuba 5 - 0 Russland

4 13.12.13 Kasachstan 2 - 3 Kuba

13.12.13 Mexiko 5 - 0 Polen

14.12.13 Russland 5 - 0 Aserbaidschan

5 10.01.14 Polen 1 - 4 Kasachstan

11.01.14 Aserbaidschan 2 - 3 Kuba

11.01.14 Russland 5 - 0 Mexiko

6 17.01.14 Kuba 5 - 0 Mexiko

18.01.14 Aserbaidschan 4 - 1 Kasachstan

18.01.14 Polen 2 - 3 Russland

Punkte

Kampftage

Total Gew. Verl.

Gruppe A

Ukraine Otamans 15 5 5 0

Dolce & Gabbana Italia Thunder 11 5 4 1

Team Germany 6 4 2 2

Algeria Desert Hawks 5 5 2 3

Argentina Condors 4 6 1 5

USA Knockouts 2 5 1 4

Gruppe B

Cuba Domadores 18 6 6 0

Astana Arlans Kazakhstan 13 6 4 2

Russian Boxing Team 13 6 4 2

Azerbaijan Baku Fires 10 6 3 3

Mexico Guerreros 2 6 1 5

Hussars Poland 1 6 0 6

BoxSport

53


1.

BUNDESLIGA

Artur Bril

(links)

besiegte

Atdhe

Gashi

klar

Beim souveränen 11:7-Sieg gegen Babelsberg wurde deutlich

Hanaus Geschäftsstellenleiter

Angelo Fragassi

und Vizepräsident

Norbert Schmalfuss

freuten sich über einen deutlichen

11:7-Sieg über den SV Motor

Babelsberg. Und Präsident

Ulrich Bittner blickte bereits voraus:

„Jetzt fordern wir den Deutschen

Meister Velbert am 15. Februar.“

Eine starke Mannschaft

hatte der Boxring Hanau gegen

die Babelsberger aufgestellt. Mit

Xhek Paskali, Igor Teziev und

Erik Pfeifer waren drei Athleten

dabei, die zum Stamm von Team

Germany in der World Series of

Boxing (WSB) gehören. Hanaus

Mit Artur Bril ist

Hanau eine Macht

Bittner kaperte Babelsbergs neuen Stern für die WSB

Cheftrainer Witali Tarassow sekundierte

dementsprechend die

Bundestrainer Valentin Silaghi

und Zoltan Lunka, die ihre Kaderathleten

aus nächster Nähe

begutachteten.

Dazu feierte Artur Bril, 2012

Deutscher U21-Meister, sein

Debüt in der Hanauer Staffel.

Und Bril (bis 58 Kg), 2010 Jugend-Weltmeister

und Jugend-

Olympiasieger im Federgewicht,

brachte den Gastgeber mit einer

überzeugenden Leistung und

einem einstimmigen Punktsieg

gegen den Babelsberger Gashi,

immerhin Deutscher Vizemeister,

gleich in Führung.

Einen Boxer der Extraklasse

präsentierten die Babelsberger

mit dem erst 19 Jahre alten

Szymantas Stanionis (bis 70

Kg) gegen einen gewiss nicht

schlechten Hanauer Slawa Spomer.

Wie aber der gebürtige Litauer

Stanionis auftrumpfte, mit

dem Aufzeigen der gesamten

boxerischen Palette von guter

Szymantas Stanionis (rechts)

beeindruckte auch gegen Slawa Spomer

und wurde von Ulrich Bittner noch für

die WSB nachnominiert

Führhand, Kombinationen, Serien

an Kopf und Körper, großer

Beweglichkeit und einer starken

linken Schlaghand, das nötigte

sogar den ansonsten lautstark

anfeuernden Hanauer Fans Respekt

ab, die auf einmal seltsam

ruhig waren. Wenig überraschend

das Urteil: einstimmiger

Punktsieg für den Babelsberger.

Da Stanionis bereits zuvor gegen

den Velberter Arajik Marutjan

gewonnen hatte, wurde er von

Bittner kurzerhand für die WSB

nachnominiert.

Für weitere

Hanauer Siege

sorgten Kastriot

Sopa, Xhek Paskali,

Igor Teziev,

der nur zwei

Runden benötigte,

um seinen

Babelsberger

Gegner Sadula

Abdulai zu zermürben,

sowie

der WM-Dritte

Erik Pfeifer, der

gegen Vitalijus

Subacius nicht

in Gefahr geriet. Damit liegt Hanau

nur noch einen Punkt hinter

dem Tabellenführer und Deutschen

Meister Velberter BC22.

„Ich habe vor der Saison gesagt,

wenn wir als Erstliga-Aufsteiger

nicht Letzter werden, wäre das

ein Riesenerfolg. Aber jetzt fordern

wir Velbert. Wir werden die

Begegnung am 15. Februar als

Vorkampf vor der WSB-Begegnung

von Team Germany gegen

die USA austragen. Am Airportcenter

in Frankfurt. Da könnte

es eine kleine Vorentscheidung

um die Deutsche Meisterschaft

geben“, erklärte Bittner.

ERGEBNISSE

BR Hanau I - SV Motor Babelsberg

11:7

58 Kg: Artur Bril (BRH) – 3:0 PS ü. Atdhe

Gashi (SVM)

65 Kg: Kastriot Sopa (BRH) – 3:0 PS ü.

Artjom Daschjan (SVM)

70 Kg: Slawa Spomer (BRH) – 0:3 PN g.

Szymantas Stanionis (SVM)

76 Kg: Xhek Paskali (BRH) – 3:0 PS ü.

Benjamin Kremers (SVM)

82 Kg: Igor Teziev (BRH) – T.K.o. ü. Sadula

Abdulai (SVM)

+82 Kg: Erik Pfeifer (BRH) – 3:0 PS ü.

Vitalijus Subacius (SVM)

54 BoxSport


Mit 9:9 rettete Nordhausen in Straubing einen Punkt

„Jetzt sind wir heiß auf Velbert“

Seit Sandro Schaer in

Straubing das Training

der Bundesliga-Boxer

übernommen hat, geht

es aufwärts. Davon ist Straubings

Manager Hans Buchmeier überzeugt:

„Wir haben vor vollem

Haus wieder einen spannenden

Kampf gegen Nordhausen erlebt.

Wir brauchen noch ein bisschen,

aber vielleicht kämpfen wir im

nächsten Jahr mit um den Titel.“

Nach dem 9:9 gegen Nordhausen

bleiben die Bayern mit 26:26

Punkten auf dem dritten Rang.

Aber auch die Harzer sind mit der

Punkteteilung zufrieden, wie Box-

Abteilungsleiter Dieter Heinicke

betont: „Wir haben gutes Boxen

gesehen. Für unseren Kampf Anfang

März gegen Velbert ist das

eine ordentliche Motivation.“

Beschwerte sich der Schwede

Salomo N´tuve in Babelsberg noch

über ein ungerechtes Urteil, so

musste er in Straubing gegen Edgar

Walth die Überlegenheit seines

Gegners anerkennen. In der letzten

Runde war der Schwede sogar

Aber N‘Tuve unterliegt Walth

Salomon

N‘Tuve

(rechts)

unterlag

Edgar Walth

einstimmig

zweimal am Boden. Das Schicksal

teilte N’tuves Landsmann Clarence

Goyeram in der Klasse bis

65 kg gegen Eugen Dahinten. Der

Schwede wehrte sich zwar tapfer,

unterlag am Ende aber mit 1:2.

Der Erfurter Sebastian Günter entpuppt

sich als die Neuentdeckung

der Bundesliga. Schon in Babelsberg

gab er eine bemerkenswerte

Vorstellung. In Straubing ließ

er dem Holländer Max van der

Pas keine Chance. Günther war

es auch, der mit seinem Sieg die

Tabelle Verein Kämpfe S/N Punkte

1. Velberter BC 22 4 6:2 37:34

2. BR Hanau 4 5:3 37:33

3. BC Straubing 4 4:4 35:35

4. Nordhäuser SV 4 3:5 33:38

5. SV Motor Babelsberg 4 2:6 34:36

Wende aus Nordhäuser Sicht einleitete.

Nach ihm sorgten Balász

Bacskai und Leon Bunn mit ihren

Erfolgen für den ersten Punktgewinn

in den bisherigen drei Auswärtskämpfen.

„Wir haben den

angestrebten Mannschaftspunkt

erreicht“, sagte ein erleichterter

Cheftrainer Konrad Werner, der

Bacskai einen erstklassigen Kampf

gegen den Straubinger Kenan Spahiu

bescheinigte. Bacskai startete

nicht wie gewohnt im Weltergewicht,

sondern eine Gewichtsklasse

höher. „Es war der richtige

Gegner zum Einstieg“, so Werner.

ERGEBNISSE

BC Straubing – Nordhäuser SV 9:9

58 Kg: Edgar Walth (BCS) – 3:0 PS ü. Salomon

N`Tuve (NSV)

65 Kg: Eugen Dahinten (BCS) - 2:1 PS ü.

Clarence Goyeram (NSV)

70 Kg: Max van der Pas (BCS) - 1:2 PN g.

Sebastian Günter (NSV)

76 Kg: Kenan Spahiu (BCS) - 0:3 PN g.

Balász Bacskai (NSV)

82 Kg: Mateusz Tryc (BCS) - 0:3 PN g.

Leon Bunn (NSV)

82+Kg: Emir Ahmatovic (BCS) - 2:1 PS ü.

Eugen Waigel (NSV)

1.+2. Bundesliga

BOXRING HANAU I.

15.02.2014

ab 16:00 UHR

www.boxringhanau.de

VS.

BC VELBERT

BoxSport

55


1.

BUNDESLIGA

56 BoxSport

Riese Schulz enttäuschte Mantau

Bei der 8:9-Niederlage von Babelsberg gegen Velbert

19-jähriger Litauer schlug den Vize-Europameister Marutjan

Szymantas Stanionis (rechts) überraschte gegen

einen sichtlich entnervten Arajik Marutjan

Im Toyota-Autohaus von Babelsberg

ging es beim Kampf gegen

den Rekordmeister aus Velbert

besonders spannend zu. Zwischen

den japanischen Karossen

kennen sich auch die Velberter seit

Jahren gut aus. Vor dem letzten Duell

freuten sich die 450 Zuschauer

und Motor-Trainer Ralph Mantau

rieb sich heimlich schon die Hände.

Es stand 7:7. Die Schwergewichtler

Gottlieb Weiss für Velbert

und Florian Schulz für Babelsberg

kletterten zum entscheidenden

Faustgefecht in den Ring. Eigentlich

glaubte Mantau, die Punkte

sicher verbuchen zu können. Der

Babelsberger hatte sich im Sommer

intensiv umgesehen. „In Greifswald

habe ich Florian Schulz entdeckt“,

sagte der emsige Manager

und Trainer. Auf den Zweimetermann

setzte er seine ganzen Hoffnungen.

„Florian bestritt mehrere

Kämpfe, die ich sehen konnte. Er

hat immer gewonnen, war richtig

Klasse“, schwärmte der Babelsberger

Trainer. Nach dem Kampf

allerdings war Mantau ziemlich

angefressen: „Das war Arbeitsverweigerung.

Florian muss sich jetzt

als Ersatzmann bewähren.“

Der Zorn des Bosses war verständlich.

Schulz, mit knapp 113 kg

fast einen halben Zentner schwerer

als sein Gegner, tänzelte als Weichei

durch den Ring, wagte kaum

eine Aktion und ging gegen den

deutlich kleineren Weiss klar mit

0:3 unter.

Beim 9:8-Sieg von Nordhausen gegen Hanau

Michel fühlte sich verschaukelt

Sieger Bunn schwärmte von starker Zuschauerunterstützung

Mit 9:8 besiegte der Nordhäuser

SV die Gäste aus Hanau und

blieb seit nun sieben Jahren in der

heimischen Ballspielhalle weiter

unbesiegt. „Das ist ein Erfolg des

ganzen Teams. Wir gewinnen und

verlieren zusammen. Ich muss der

Mannschaft ein Riesenkompliment

machen für diesen Kampfgeist“,

ERGEBNISSE

Nordhäuser SV - BR Hanau I 9:8

58 Kg: Salomon N`Tuve (NSV) - 2:1 PS ü. Diaz Kuzembaev (BRH)

65 Kg: David Müller (NSV) - Remis g. Stioan Prtencia (BRH)

70 Kg: Balasz Baskai (NSV) - 2:1 PS ü. Slawa Kerber (BRH)

76 Kg: Sebastian Formella (NSV) - 0:3 PN g. Xhek Paskali (BRH)

82 Kg: Leon Bunn (NSV) - 2:1 PS ü. Serge Michel (BRH)

82+Kg: Artur Mann (NSV) - 1:2 PN g. Johann Witt (BRH)

bilanzierte Nordhausens Cheftrainer

Konrad Werner. Lobende Worte

für das sportlich Gebotene fand

auch Hanaus Präsident Ulrich Bittner:

„Das war hochklassiger Sport

in Nordhausen. Wirklich schade,

dass wir nicht wenigstens ein Unentschieden

erreichen konnten.“

Bittner haderte in erster Linie mit

den Unpartei-

Florian Schulz (rechts) erfüllte gegen Gottlieb Weiss nicht die ihn

gesetzten Erwartungen

ERGEBNISSE

„Nicht nur der Kampfeswille

von Weiss war für unseren Sieg

entscheidend. Artem Harutyunyan

und vor allem unser Neuzugang

Stefan Härtel haben überzeugt.

Wir sind auf gutem Weg, den Titel

zu verteidigen“, glaubt Velberts

Co-Trainer Maik Hanke.

Mit offenem Mund staunten

die Velberter allerdings beim

Weltergewichts-Kampf von Vize-

Europameister Arajik Marutjan gegen

den erst 19 Jahre alten Litauer

Szymantas Stanionis. Der Litauer

kehrte nach einer bedächtigen ersten

Runde sehr beherzt in den Ring

zurück und holte gegen den haushohen

Favoriten einen 3:0-Sieg

heraus. Marutjans Trainer Michael

Timm ärgerte sich über die Niederlage,

sah die Sache aber nicht

so dramatisch: „Arajik hat 2013

immerhin 20 Kämpfe bestritten.

Davon waren 15 Kämpfe international.

Bei der EM hat er nach einem

umstrittenen Urteil nur knapp Gold

verpasst. Bei der WM holte er mit

einer bemerkenswerten Leistung

die Bronzemedaille. Vielleicht hat

er in Babelsberg den Gegner unterschätzt.

Andererseits ist selbst bei

einem Weltklasseboxer nach einem

so anstrengenden Jahr einmal

der Zwirn alle.“

SV Motor Babelsberg - Velberter BC 8:9

58 Kg: Atdhe Gashi (SVM) - Remis g. Dennis Makarow (VBC)

65 Kg: Chladek Zdenek (SVM) - 1:2 PN g. Artem Harutyunyan (VBC)

70 Kg: Eimantas Stanionis (SVM) - 3:0 PS ü Arayk Marutyan (VBC).

76 Kg: Josef Attanjouu (SVM) - 3:0 PS ü. Cihan Calik (VBC)

82 Kg: Sadula Abdulai (SVM) - 1:2 PN g Stefan Härtel (VBC)

82+Kg: Florian Schulz (SVM) - 0:3 PN g. Gottlieb Weiss (VBC)

ischen, denn

„einige Urteile

waren aus

unserer Sicht

mehr als dubios.

Was sich

die Kampfrichter

dabei gedacht haben, unsere

Athleten Serge Michel und Neuzugang

Prtenjaca als Verlierer zu

bewerten, wird wohl auf ewig ihr

Geheimnis bleiben.“ Wobei der

Kroate Stipan Prtenjaca gegen

David Müller mit einem Unentschieden

aus dem Ring gestiegen

war. Das fühlte sich jedoch nicht

nur für Bittner wie eine Niederlage

an – Werner war ebenfalls verärgert:

„In meinen Augen lag David

vorn.“

Beim Stand von 8:7 für Nordhausen

folgte das entscheidende

Duell zwischen Leon Bunn und

Serge Michel – und der nächste

Leon Bunn

freute sich

über seinen

Erfolg über

Serge Michel

Aufreger. Hanau sah Michel als

„Herrscher“ im Ring, – doch Bunn

wurde zum Sieger erklärt. „Das

Publikum hat mich ab der zweiten

Runde ein bisschen wachgerissen“,

schwärmte Bunn, während

Michel auf seiner Internetseite

von einem „klaren Fehlurteil seitens

der Punktrichter“ schrieb.


Wurde im

Schwergewicht

verprügelt:

Kevin Künzel

Beim 11:7-Erfolg von Babelsberg gegen Nordhausen

Schachzug von Künzel

war ein großer Reinfall

Salom N`Tuve (links) fand das Urteil für Omar El

Hag nicht gerecht

Straubings Haudegen, Trainer

und Manager Hans Buchmeier

strahlte nach dem 9:9 gegen Titelverteidiger

BC Velbert: „Wir haben

einen riesigen Boxabend erlebt.

Eine volle Hütte mit 500 Zuschauern,

tolle Kämpfe mit Spannung

und richtigem Spitzenniveau.“

ERGEBNISSE

Schmeichelhafter Sieg für EL Hag – N’Tuve war stocksauer

Boxen mit Pauken und

Trompeten. Wo die

Nordhäuser auftauchen,

herrscht auch ohne

Doppelkorn große Stimmung.

Bei 400 Zuschauern hauten die

Harzer in Babelsberg wieder gewaltig

auf die Pauke. Im Ring lief

es nicht ganz so gut. Da schickte

Motor Babelsberg die Gäste mit

einer 7:11-Schlappe nach Hause.

Nordhausen konnte nur im Halbschwergewicht

durch den Hessen

Leon Bunn einen Sieg einfahren.

Bunn hatte ziemlich überraschend

Satul Abdulai einstimmig

nach Punkten besiegt. Bis auf

Bantamgewichtler Salom N‘Tuve

zauberte Nordhausen chancenlos

im Ring, allerdings musste sich

der Schwede über das umstrittene

Urteil ärgern: „Der Sieg für Omar

El Hag war nicht gerecht. Ich habe

drei der vier Runden klar gewonnen.“

Dabei kletterte der Schwede

im vorigen Jahr noch für die

Motor-Staffel in den Ring. „Ich

habe mich mit dem Trainer nicht

verstanden, deshalb habe ich den

Verein verlassen. Dabei finde ich

Vor allem das Duell Artem Harutyunyan

gegen Eugen Dahinten riss

die Zuschauer von den Sitzen. Am

Ende fuhr Dahinten einen klaren

Punktsieg ein. „Wir sind auf gutem

Weg. Unsere Boxer werden immer

besser, weil wir jetzt einen hauptamtlichen

Trainer haben“, so-

BC Straubing - Velberter BC 09:09

58 Kg: Edgar Walth (BCS) - 1:2 PN g. Enrico La Cruz (VBC)

65 Kg: Eugen Dahinten (BCS) - 3:0 PS ü. Artem Harutyunyan (VBC)

70 Kg: Max van der Pas (BCS) - 2:1 PS ü. Eugen Burhard (VBC)

76 Kg: Kenan Spahiu (BCS) - 0:3 PN g. Denis Radovan (VBC)

82 Kg: Mateusz Tryc (BCS) - 0:3 PN g. Stefan Härtel (VBC)

82+Kg: Roman Gorst (BCS) - 3:0 PS ü. Stefan Sittner (VBC)

Buchmeier,

der stolz auf

seine Talente

ist: „Wir

Motor richtig gut“, gestand der

Mann aus dem Norden.

Seine Querelen mit Babelsbergs

Manager und Trainer Ralph

Mantau erstaunen, denn der

rührige Potsdamer erfreut sich

in Boxkreisen großer Beliebtheit.

Wegen seines Engagements für

den Boxsport in West-Brandenburg

erhielt er unter Beifall des

Publikums zu Beginn der Veranstaltung

die „Goldene Ehrennadel

des DBV“.

Im Halbweltergewicht musste

Babelsbergs Lokalmatador

Adhte Gashi nur zwei Runden

ran. Gegner David Müller gab

auf. „Er hat entweder an den Rippen

oder der Leber eine Verletzung.

David bekam nicht richtig

Luft. Da nahmen wir ihn aus dem

Kampf“, sagte NSV-Manager Michael

Döring. Er verriet auch vor

haben mit

Edgar Walth,

Eugen Dahinten

und Kenan

Spahui drei Eigengewächse

eingesetzt und Schwergewichtler

Gorst stammt aus Trauenreuth,

ist also auch noch ein Bayer. Das

sollen uns die anderen erst einmal

nachmachen.“ Große Stücke hält

Buchmeier auf den erst 18-jährigen

Spahui: „Das ist ein Mann für

die Zukunft. Wenn nächstes Jahr

Serge Michel wieder zu uns zurückkommt,

boxen wir ganz vorn

mit.“

Schon gegen Velbert sah sich

der Bayer mit einem Punkt vorn:

„Im Halbschwergewicht gab es

ein klares Fehlurteil. Stefan Härtel

ERGEBNISSE

dem Schwergewichtskampf einen

Trick: „Wir haben unseren

Halbschweren Kevin Künzel in

Schwergewicht hochgenommen.

Sein Gegner Vitalijus Subacius

ist bereits 35 Jahre. Da stehen die

Chancen nicht schlecht.“ Wie

das im Sport manchmal so ist, erwies

sich der Schachzug keineswegs

als gute Idee. Der Litauer,

seit zehn Jahren für Babelsberg

im Ring, verprügelte den Mann

aus Halle an der Saale ziemlich

heftig. Am Ende rettete nur der

Ringrichter den Nationalboxer

vor einem Knockout. Sekunden

vor dem Schlussgong ging Künzel

auf die Bretter. Aus unerfindlichen

Gründen gab der Ringrichter

eine Sekunde vor dem

Gong das Duell noch einmal frei.

„Bei Lichte besehen, war es ein

T.K.o.“, sagt Ralph Mantau.

SV Motor Babelsberg - Nordhäuser SV 11:7

58 Kg: Omar El Hag (SVM) - PS ü. Salomon N`Tuve (NSV)

65 Kg: Atdhe Gashi (SVM) - PS ü. David Müller (NSV)

70 Kg: Eimantas Stanionis (SVM) - PS ü. Sebastian Günther (NSV)

76 Kg: Josef Attanjouu (SVM) - PS ü. Markus Finke (NSV)

82 Kg: Sadula Abdulai (SVM) - PN g. Leon Bunn (NSV)

82+Kg: Vitalijus Subacius (SVM) - PS ü. Kevin Künzel (NSV)

Beim 9:9-Unentschieden von Straubing gegen Velbert

Härtel-Sieg nach Fehlurteil?

Manager Hans Buchmeier tobte

Der Punktsieg von Stefan Härtel ging

für Hans Buchmeier nicht in Ordnung

bekam einen 2:1-Punktsieg zugesprochen.

Da muss ich einen anderen

Kampf gesehen haben.“ Für

Velberts Trainer Mike Hanke geht

die Wertung in Ordnung. Enttäuschend

war für ihn die Niederlage

von Harutyunyan. „Der Junge war

einfach nicht in Form. Dagegen hat

mich Enrico La Cruz überrascht“,

so Hanke.

BoxSport

57


Mit überwältigender Mehrheit

war Weltergewichtler Arajik Marutjan,

der für die deutsche Nationalmannschaft

in der World

Series of Boxing (WSB) und für

den BC Velbert in der Bundesliga

antritt, zu Deutschlands

Amateurboxer des Jahres 2013

gewählt worden. Im Interview

mit dem „BoxSport“ schildert

der 21-Jährige, der am Olympiastützpunkt

in Schwerin in der

Trainingsgruppe von Ex-Universum-Chefcoach

Michael Timm

arbeitet, wie er das Jahr 2013

erlebt hat und was er sich für

2014 vorgenommen hat.

Als Danjar Jeleussinow im WM-Halbfinale zum Sieger

erklärt wurde, war Arajik Marutjan (links) sichtlich

enttäuscht

„Eine Medaille in Rio ist m

Nach Olympia denkt Marutjan aber an ei n

Boxsport: Arajik, mit welchen

Gefühlen blicken Sie auf das Jahr

2013 zurück?

Marutjan: Ich glaube, dass

2013 das Jahr war, in dem ich endgültig

den Durchbruch in die Weltelite

geschafft habe. National hatte

ich ja schon vorher ein paar Erfolge

gehabt, aber ich merke, dass ich im

abgelaufenen Jahr noch einmal einen

richtigen Sprung gemacht habe.

Es war mit Abstand das härteste

Jahr meiner Karriere, mit sehr vielen

Kämpfen und sehr viel Training.

Aber es hat sich gelohnt.

Boxsport: Woran merken Sie,

dass Sie in der Weltelite angekommen

sind?

Marutjan: Da gibt es verschiedene

Dinge. Ich zähle zum Beispiel

jetzt als einer von drei Boxern neben

Stefan Härtel und Erik Pfeifer zum

Elitekader der Sporthilfe. Das ist für

mich nicht nur eine wichtige finanzielle

Unterstützung, sondern auch

eine große Ehre. Ich spüre auch,

dass die Gegner mich mittlerweile

nicht nur kennen, sondern ernst

nehmen. Der Respekt ist enorm gewachsen,

viele sind froh, wenn sie

den Kampf mit mir überstanden haben.

Das hat mir eine Menge Selbstbewusstsein

gegeben. Aber das

prägendste Erlebnis war, als bei der

WM in Kasachstan der Weltverband

AIBA ein Interview mit mir geführt

und dieses dann auf seine Startseite

im Internet gestellt hat. Da wusste

ich, dass ich angekommen bin in

der Weltspitze.

Boxsport: Die WM war sicherlich

das herausragende Erlebnis der

Saison, das allerdings mit einer großen

Enttäuschung endete, der Niederlage

im Halbfinale gegen Lokalmatador

Danjar Jeleussinow. Sie

fühlten sich um den Sieg betrogen.

Marutjan: Natürlich, die Niederlage

im Halbfinale war schlimm.

Ich dachte, dass ich den Kampf

klar gewonnen hätte, ich habe ihn

ja durch den Ring gejagt, er ist nur

weggelaufen. Und dann wird sein

Arm zum Zeichen des Siegs gehoben.

Ich konnte es nicht fassen.

Boxsport: Was ging Ihnen in

diesem Moment durch den Kopf?

Das

sport

Marutjan: Ich war einfach

nur wütend, ich habe innerlich die

Punktrichter verflucht und auch

meinen Gegner. Der Moment, in

dem der Arm gehoben wurde, war

schrecklich. Aber als ich dann in die

Kabine kam, mit meinem Trainer alles

besprochen und verarbeitet habe,

ging es mir schon wieder besser.

Es war ja nicht das erste Mal, dass

die Politik den Sport beeinflusst

hat, und man muss lernen, damit

zu leben.

Boxsport: Sind das Momente,

in denen man seinen Sport verflucht?

Marutjan: Nein, das sind Momente,

in denen ich mir schwöre,

noch härter zu arbeiten. Ich habe

mir gesagt: Das nächste Mal haust

du ihn eben k.o., dann gibt es keine

Diskussionen. Uns war ja eigentlich

INTERVIEW

Björn Jensen mit Arajik Marutjan

vorher klar, dass ich nach Punkten

nicht gewinnen kann. Dass es dann

so krass werden würde, hätte ich

aber auch nicht gedacht.

Boxsport: Bleibt von der WM

trotz der Bronzemedaille deshalb

überwiegend Enttäuschung im Gedächtnis?

Marutjan: Nein, gar nicht,

schließlich hatte ich in Kasachstan

auch meinen Kampf des Jahres, als

ich im Viertelfinale den Olympiazweiten

Freddie Evans klar nach

Punkten besiegt habe. Deshalb bin

ich stolz auf das, was ich erreicht

habe.

Boxsport: In welchem Bereich

haben Sie sich 2013 am meisten weiterentwickelt?

Marutjan: Ich habe mich in allen

Bereichen entwickelt, am meisten

vielleicht in der Athletik.


Manager Peter Hanraths (links)

pusht seinen Schützling

Foto: Kader-Karakus

Boxsport: Welchen Anteil hat

Ihr Trainer Michael Timm daran?

Marutjan: Einen riesigen. Timmi

ist ein Spitzentrainer. Was ich an

ihm besonders schätze ist, dass er

immer mit dem Herzen dabei ist.

Nicht nur im Training oder Wettkampf,

sondern auch außerhalb

des Sports. Er hat immer ein offenes

Ohr für uns.

Boxsport: Gibt es auch etwas,

das Sie 2013 falsch gemacht haben,

wo Sie im Nachhinein sagen: Das

war nicht gut?

Marutjan: Meine letzten beiden

Kämpfe hätte ich nicht machen

sollen, ich war da nicht mehr konzentriert.

Ich habe grundsätzlich im

vergangenen Jahr zu viele Kämpfe

gemacht, vor allem in der zweiten

Jahreshälfte. Das war falsch, ich

muss lernen, mehr Pausen zu machen.

Besonders anstrengend ist

das Gewichtmachen. Nach einem

Kampf übertreibe ich es manchmal

mit dem Essen, und dann ist am

58 BoxSport


Im ersten WSB-Kampf der aktuellen Saison gegen die Algeria

Desert Hawks gewann Marutjan gegen Fehim Chabane (links)

Marutjan: Ein richtiges

Vorbild habe ich nicht.

Aber Floyd Mayweather

gefällt mir sehr gut.

Nicht nur boxerisch ist

er eine Klasse für sich,

ich finde es auch sehr

interessant, wie er

sich vermarktet. Wie

er seine Fotos im Internet

postet oder sich in

der Öffentlichkeit gibt,

das macht er wirklich sehr

clever. Doch am meisten

imponiert mir, dass er im

Kampf kaum zu treffen ist.

So möchte ich auch boxen.

mein Ziel“

ne Profikarriere

nächsten Wochenende schon wieder ein Kampf. Die Belastung,

sich dann immer wieder ins Gewicht quälen zu müssen,

die ist hart. Das muss ich in 2014 besser dosieren.

Boxsport: Was haben Sie sich sonst noch vorgenommen

für das neue Jahr?

Marutjan: 2014 gibt es keine internationalen Höhepunkte,

der Chemiepokal und die Deutsche Meisterschaft

sind die wichtigsten Wettkämpfe, dazu kommen

natürlich meine Einsätze in der WSB. Ich will zunächst

einmal meine Grundlagen verbessern, und dann habe

ich mir vorgenommen, jeden Kampf zu gewinnen,

der kommt. Im Lauf des Jahres beginnt dann auch

die Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 2016 in

Rio de Janeiro. Darauf ist unsere gesamte Planung

ausgerichtet. Eine Medaille in Brasilien, das ist mein

großes Ziel.

Boxsport: Und dann werden Sie Profi?

Marutjan: Ich denke derzeit noch nicht weiter

als 2016. Bis dahin bleibe ich auf jeden Fall Amateur,

werde auch nicht in die Profischiene der AIBA

wechseln. Die WSB ist eine gute Vorbereitung auf

alles, was danach kommt. Aber wie es nach 2016

weitergeht, kann ich wirklich nicht sagen.

Boxsport: Wenn Sie Boxkämpfe schauen,

sind es dann vorrangig Profi- oder Amateurkämpfe?

Marutjan: Profikämpfe. Bei den Amateuren

schaue ich nur meine eigenen Kämpfe. Ich gucke

noch nicht einmal meine Gegner auf Video an,

das macht Herr Timm.

Boxsport: Das heißt, Ihr Interesse am Profiboxen

ist groß. Wie sehen Sie denn die Zukunft

des Profiboxens in Deutschland?

Marutjan: Ich denke, dass es immer noch

einige Boxer gibt, die sich für die großen TV-

Sender lohnen. Ich mag zum Beispiel Jürgen

Brähmers Stil sehr, er gefällt mir gut. Auch

Jack Culcay, mit dem ich schon Sparring gemacht

habe, ist ein guter Mann, genauso wie

mein Freund Tyron Zeuge, der ja gerade erst im

Profibereich durchstartet. Ich denke, die Zukunft

ist nicht schlecht für das Profiboxen in Deutschland.

Boxsport: Und welchen internationalen Star bewundern

Sie?

Gewicht machen ist für den

21 Jahre alten Modellathleten

besonders anstrengend


Foto: Kader-Karakus

Das neue Wappen von Rayko

Löwe. Mit diesem Namen

wird Marutjan demnächst

auftreten, spätestens dann,

wenn er Profi wird

BoxSport 59


2.

BUNDESLIGA

Seelze nicht zu schlagen

Der BSK Hannover-Seelze

setzt seine Siegesserie

in der zweiten

Box-Bundesliga auch

im neuen Jahr fort: Das Team

um die Trainer Arthur Mattheis

und Dmitri Schunk setzte sich

zuletzt auswärts gegen den BC

Chemnitz (13:11) durch. Mitte

Dezember hatten die Seelzer

ihre Chemnitzer Kontrahenten

bereits mit 13:11 nach Hause geschickt.

In Chemnitz hatte es allerdings

zunächst danach ausgesehen,

als ob die Gastgeber

den Sieg einfahren würden,

denn die ersten drei Kämpfe des

Abends gingen allesamt an die

Sachsen. Steven Maleika fand

gegen Ronny Beblik nicht richtig

in den Kampf hinein, agierte

verkrampft und zeigte zu viel

Respekt vor dem Gegner. Bedir

Koray unterlag bei seinem Ligadebüt

Raman Sharafa, Robert

Harutyunyan ließ gegen Howik

Zwei Siege gegen die Wölfe aus Chemnitz

Gegen Hertha BSC gelang Hanau II der erste Erfolg

Barsegyan im Schlussdurchgang

die Punkte liegen.

Die Wende für die Gäste kam

mit Malke Buyukaya. Gegen Ilja

Fiebig gab der Seelzer 100

Prozent, sodass am Ende keine

Zweifel an seinem Punktsieg

blieben. Damit war die Aufholjagd

eröffnet: Gracik Melkonian

ließ gegen Philipp Nsingi ebenso

nichts anbrennen, wie der BSK-

Punktegarant Jacob Deines, der

sich gegen Nuri Yesil in Topform

präsentierte.

Den Ausgleich schaffte dann

Elvis Hetemi gegen Ivan Bityakow,

die Entscheidung fiel im

Schwergewicht: Eugen Schellenberg,

zweifacher Deutscher

Meister, kehrte nach über einem

Jahr wieder in den Ring zurück

und bezwang Chemnitz‘ Phillip

Gruner. „Was für ein Abend. Ich

bin unglaublich stolz auf unsere

Mannschaft“, jubelte Mattheis.

„Sie haben bewiesen, dass wir

jetzt zurecht die Tabellenführung

übernommen haben.“ Der

Chemnitzer Manager Olaf Leib

gab zwar zu, dass er gern gewonnen

hätte, tröstete sich aber:

„Wir haben einen niveauvollen

Kampfabend vor 450 Zuschauer

mit guten Kämpfen gesehen.

Beim nächsten Mal sind wir wieder

die Glücklicheren.“

So wie Mitte Januar, als die

Wölfe unter den Augen des DBV-

Cheftrainers Dr. Michael Bastian

Hanau II mit 13:10 besiegt hatten.

Dort hatten sie gleich zu Beginn

Glück gehabt, da die ersten

Punkte kampflos auf das Konto

der Wölfe gingen, nachdem das

mit Spannung erwartete Duell

im Fliegengewicht zwischen

Ronnie Beblik und Hanaus Hamza

Touba ausfiel: Touba war für

das deutsche WSB-Team im Einsatz

war.

In Hanau strahlte dafür

Trainer Carlo Pagana, der mit

dem BR Hanau II den ersten

Saisonsieg gegen die Kampfgemeinschaft

Hertha BSC Berlin-

Cottbus bejubelte. 14:9 hieß es

für die von Touba angeführten

Hanauer. Hamza Touba zwang

seinen Gegner Tom Tran mit

zwei Leberhaken zweimal auf

den Ringboden und beendete in

der zweiten Runde den Kampf

durch T.K.o. Publikumsliebling

Max Keller bekam es am Ende

im Schwergewicht mit dem aktuellen

Deutschen U21-Meister

Mike Farselow zu tun. Ein enges

Gefecht, das letztlich mit einem

2:1-Sieg für Keller gewertet wurde

und den 14:9 Sieg vom Boxring

Hanau II perfekt machte.

„Endlich sind wir mit unserer

jungen Mannschaft in der Liga

angekommen. Die Jungs haben

alles gegeben und verdient gewonnen.

Eine schöne Revanche

für die aus unserer Sicht unglückliche

10:13-Niederlage in

Berlin“, so Pagana, dessen Team

jedoch weiterhin das Tabellenende

ziert.

Hanaus Trainer Carlo Pagana

(rechts) war stolz auf sein Team

um Schwergewichtler Max Keller

Eugen Schellenberg (rechts) kehrte nach langer

Pause zurück in den Ring und bezwang Philipp

Gruner

BR Hanau II - Hertha BSC

Berlin-Cottbus 14:9

52 Kg: Hamza Touba (BRH) – T.K.o.

ü. Tom Tran (BSC)

56 Kg: Erik Sokolov (BRH) – 3:0 PS

ü. Marco Lebeda (BSC)

60 Kg: Eduard Schmidt (BRH) – 2:1

PS ü. Hambar Zumjan (BSC)

64 Kg: Kushtrim Mahmuti (BRH) - /

69 Kg: Ansor Magomedov (BRH) –

3:0 PS ü. Zaurv Dzhakaev (BSC)

75 Kg: Andreas Hermann (BRH) –

0:3 PN g. Janny Kumbinde (BSC)

81 Kg: Daniel Lokstein (BRH) – 2:1

PS ü. Kevin Debrah (BSC)

+81 Kg: Max Keller (BRH) – 2:1 PS

ü. Mike Farselow (BSC)

BC Chemnitz – BSK Seelze

11:13

52 Kg: Ronny Beblik – 3:0 PS ü.

Steven Maleika

56 Kg: Sharafa Raman – 3:0 PS ü.

Bedir Koray

60 Kg: Howik Barsegjan – 3:0 PS ü.

Robert Harutyunyan

64 Kg: Ilja Fiberg – 0:3 PN g. Malke

Buyukkaya

69 Kg: Phillip Nsingi – 1:2 PN g.

Grachik Melkonian

75 Kg: Nuri Yesil – 0:3 PN g. Jakob

Deines

81 Kg: Ivan Bitjakow – 0:3 PN g.

Elvis Hetemi

+81 Kg: Philipp Gruner – 0:3 PN g.

Eugen Schellenberg

ERGEBNISSE

BC Chemnitz - BR Hanau

II 13:10

53 Kg: Ronny Beblik (BCC) - WO-S

ü. (BRH)

57 Kg: Raman Sharafa (BCC) -

Aufg.-S. 2.R.ü. Dieter Geier (BRH)

61 Kg: Howik Barsegjan (BCC) - PS

ü. Tobias Tatai (BRH)

65 Kg: Ilja Fiberg (BCC) - PN g. Kustrim

Mahmuti (BRH)

70 Kg: Phillip Nsingi (BCC) - PS ü.

Ansor Magomedov (BRH)

76 Kg: Nuri Yesil (BCC) - TKO-S.

3.R.ü. Kristian Markovic (BRH)

82 Kg: Ivan Bityakow (BCC) - PN g.

Melvin Perry (BRH)

+82Kg: Philipp Gruner (BCC) - PN

g. Max Keller (BRH)

Platz Verein Kämpfe S/N Punkte

1 BSK Hannover Seelze 3 6:0 40:32

2 BC Chemnitz 3 4:2 37:34

2 KG Hertha BSC/Cottbus 2 2:2 22:24

4 BR Hanau II 4 2:6 44:49

BSK Seelze - BC Chemnitz

13:11

53 Kg: Sergej Neumann (BSK) - 1:2

PN g. Ronny Beblik (BCC)

57 Kg: Nver Chilingaryan (BSK) -

0:3 PN g. Raman Sharafa (BCC)

61 Kg: Sergej Dudinski (BSK) - 3:0

PS ü. Howik Barsegjan (BCC)

65 Kg: Malke Buyukaya (BSK) - KO-

S. 3.R.ü. Chris Förster (BCC)

70 Kg: Grachik Melkonian (BSK) -

3:0 PS ü. Phillipp Nsingi (BCC)

76 Kg: Jakob. Deines (BSK) - 3:0 PS

ü. Nuri Yesil (BCC)

82 Kg: Elvis Hetemi (BSK) - 3:0 PS

ü. Ivan Bityakow (BCC)

+82Kg: Jakob Morgel (BSK) - 1:2

PN g. Phillipp Gruner (BCC)

60 BoxSport


ALLE KÄMPFE -- alle sieger

Baden-Württemberg

Baden-Württemberg Box-Cup

Schüler: Antonio Petrusa (KSC Backnang) - PS ü. Alexej

Felde (SV Spaichingen), Maxim Wolschmidt (BC Sinzheim)

- PS ü. Max Reisler (Neckarsulmer SU), Luan Karapidis

(KSC Backnang) - PS ü. Vladimir Grinenko (SV Spaichingen),

Tim Eßer (Neckarsulm) - PS ü. David Streljuhn (SV

Böblingen); Kadetten: Kusthtrim Kinoli (Spaichingen) - PS

ü. Erik Kiel (Gold Blau Stuttgart), Matthias Martaler (Neckarrsulm)

- PS ü. Ruslan Zhanabeyev (VfL Sindelfingen),

Dennis Malsam (SV Böblingen) - PS ü. Marco Cusi (BC

Heidelberg); Junioren: Yanus Maranki (Reutlingen) - PS

ü. Nikola Rados (Gold Blau Stuttgart), Ikbal Karaoglanoglu

(ASV Ebingen) - PS ü. Daniel Strohscherer (SV Böblingen),

Quentrim Bajraktari (Sindelfingen) - PS ü. Baran Akbuga

(KSC Backnang), Abdulhabi Güngör (Ludwigsburg) - PS ü.

David Omerovic (SV Böblingen); Jugend: Metehan Sahin

(Heidenheim) - PS ü. Hussain Hussaini (SSV Reutlingen),

Granit Turkaj (RW Stuttgart) - PS ü. Mustafa Ciftci (SV

Ludwigsburg), Giuseppe Masuzzo (FB Esslingen) - PS ü.

Can Ikiz (Neckarsulmer SU); Männer: Abel Amsaleteghen

(GB Stuttgart) - PS ü. Pajtim Ramadani (FB Esslingen),

Omid Salim (Reutlingen) - Disq.-S. ü. Serhan Memedov

(BC Sinsheim), David Asubonteng (KSC Backnang) - PS

ü. Ararat Yigit (FB Esslingen), Dinamuene Kisala (BC Pforzheim)

- TKO-S. 1.R. ü. Alexander Fuß (Neckarsulmer SU),

Stefan Locher (BR Klettgau) - PS ü. Ahmet Karagözlu (TG

Nürtingen), Patrick Scholl (FB Esslingen) - PS ü. Hüseyin

Tuncer (Neckarsulmer SU)

Bayern

Nachwuchsveranstaltung WVV Würzburg

Schüler: Papier 38: Nuridov (Schwabach) n.P. über

Smirnow (Kickers Würzburg), Fl: Dadaev Delil (Tommy

Würzburg) n.P. über Bindal (Ansbach); Kadetten:

F: Bachmeyer (Stein) n.P. über Dombrowsky (Tommy),

W: Hochholzer (Eichstätt) TKO 3.R. über Glodedans

(Kissingen), HS: Schmitt (Stein) n.P. über Hartrumpf

(ASC Nürnberg); Junioren/Juniorinnen: Fl (weibl.):

Hoffmann (Peißenberg) TKO A 2.R. über Windgassen

L. (Tommy), L (weibl.): Retzer (ASC) TKO A 1.R. über

Paxton (Kitzingen), L: Mangiagli (Tommy) n.P. über Meitz

(Kulmbach), W: Root (Windsheim) n.P. über Scherer

(Burglengenfeld), HM: Sajad (Hanau) n.P. über Stoppa

(Reutlingen), HM: Syska (Feuchtwangen) n.P. über

Galstian (TV Kempten), HS: Gornikov (Schonungen)

n.,P. über Bachmetow Willi (Eichstätt), SSchwer: Angles

Jörg (Marktredwitz) n.P. über Bachmetow Andreas

(Eichstätt); Jugend: F (weibl.): Seiffert (ASC) TKO 1.R.

über Windgasse J. (Tommy), S: Cevik (Eichstätt) n.P.

über Anhalt (Obernburg); Männer/Frauen: Fl (weibl.):

Hesse (Kickers) n.P. über Janocha (WVV Würzburg), L:

Karadogan (Eichstätt) n.P. über Salim (Reutlingen), W

(weibl.): Röder (WVV) n.P. über Billinger (1. FC Nürnberg),

W: Wittner (Feuchtwangen) n.P. über Krumm

Niedersachsen

Verbands-Meisterschaften -

Vorschlussrunde

n Samstag, 1.Februar 2014 – 18.00 Uhr

Ort: Naumburghalle-Braunschweig-Südstadt

(Forchheim), M: Hussain (Kempten) n.P. über Eckert

(Stein), M: Hussaini (Reutlingen) n.P. über Rohleder

(Obernburg), M: Lauk (Schonungen) n.P. über Kaiser

(Forchheim), M: Avagyan (Windsheim) TKO A 1.R. über

Kestl (1. FCN), HS: Arsumanjan (Stein) n.P. über Dadaev

Zelimhan (Kickers), S: Zehl (Obernburg) TKO A 3.R.

über Rasev (Kickers), S: Fabric (Feuchtwangen) TKO

2.R. über Mahammadpour (Ansbach), S: Müller (MBB

Augsburg) n.P. über Petersen (Eichstätt)

Mecklenburg-Vorpommern

Nordholländische Auswahl vs. Team Wismar

EL/ 81 Darryl Passial (NL), PS über Mohammed Hosseini,

EL/ 56 Bob Gewald (NL), PS über Paul Kröger, JUN/

64 Stevan Djokic (NL), PS über Hayk Ghukasyan, EL/ 91

Max Züchner, PS über Maciano Henriks (NL), JUG/ 60

Brandon Mullenberg (NL), PS über Surik Jangojan, EL/

91 Ibragim Bazuew, PS über Ricardo Snyders (NL), EL/

75 Kevin Knütter, PS über Jamal El Bouhali (NL), EL/ 69

Clemens Busse, PS über Wouter Djokic (NL), EL(W)/ 75

Nouchka Fontijn (NL), PS über Sarah Scheurich, EL/ ü 91

Hannes Terlinde (NL), PS über Dennis Lewandowski

Nordrhein-Westfalen

Kreismeisterschaft des Verbands Rhein-Ruhr-Wupper

46Kg/Kad-C: Leon Kehl, ESC Rellinghausen, PS

über Mohamed El Hamadi, BC Essen Steele, 75Kg/

Jun-C: Michael Reichling, BR Hilden, PS über Timo

Minnemann, Velberter BC, 64Kg/Jug-C: Robert Miah,

BR Hilden, TKO-A Rd. 1 über Karakan Göktug, ASV

Wuppertal, 69KG/Jug-C: Abdul Erdogmus, ESC Rellinghausen,

PS über Hendrik Rodenbröcker, TV Paderborn,

60Kg/Ma-B: Tim Pham, FK Mönchengladbach,

PS über Hassan Ücüncü, ASV Wuppertal, 69Kg/Ma-C:

Sebastian Deda, Inter Monheim, PS über Ahmed Berjawi,

BR Hilden, 75Kg Ma-C: Omar Sobeh, BC Essen

Steele, PS über Yasin Yildizlar, PSV Düsseldorf, 91Kg/

Ma-C: Michael Alert, BR Hilden, TKO-A Rd. 2 über Helge

Plum, TuS Gerresheim, 69 Kg/Ma-B: Maurice Daniel,

BR Hilden, PS über Sammy Arbaoui, BR Düsseldorf,

75 Kg/Ma-A: Artur Gerzen, FK Mönchengladbach, PS

über Shahin Mohammadi, SR Garath. Alle RRW Meister:

Kadetten: 46Kg-C: Leon Kehl, ESC Rellinghausen,

54 Kg-C: Mohamed Eid, BC Essen Steele; Jun.:

69 Kg-C: Serhard Nouzad, BR Essen, 75Kg-C: Michael

Reichling, BR Hilden; Jug.: 64Kg-C: Robert Miah,

BR Hilden, 64 Kg-A: Jamal Temur, BR Hilden, 69Kg-C:

Abdul Erdogmus, ESC Rellinghausen, 75Kg-C: Ömer

Günduz, ASV Wuppertal, 91Kg-C: Sebastian Lidzbarski,

TuS Gerresheim; Männer: 60Kg-B: Tim Pham,

FK Mönchengladbach, 64Kg-C: Eduard Kosan, ASV

Wuppertal, 69Kg-C: Sebastian Deda, Inter Monheim,

69Kg-B: Maurice Daniel, BR Hilden, 75Kg-C: Omar

Sobeh, BC Essen Steele, 75Kg-A: Artur Gerzen, FK

Mönchengladbach, 81Kg-C: Fatih Ünal, BBC Remscheid,

91Kg-C: Michael Alert, BR Hilden

TERMINKALENDER DER AMATEURE

Schlewsig-Holstein

Verbandsoffene

Vergleichskämpfe

n Samstag, 8. Februar 2014 – 18.00 Uhr

Ort: Matthias-Kahlke-Prom., Olympia-Halle, 25335

Elmshorn

Neuwahlen in den BABV-Bezirken

Bezirk Oberbayern:

Bezirkssportwart: Kolb Horst (SV 1880 München);

Bezirksjugendwart: Kern Leonhard

(TSV Erding); Delegierte: Felixberger Helmut

(TSV Haar) ; Mangel Lothar (BC Piccolo Fürstenfeldbruck);

Lippert Herbert (TSV Haar); Pauli

Günther (VFL Waldkraiburg); Schmid Josef (MTV

Schrobenhausen) - alle 5 Stimmen; Grimps Jürgen

(TSV Peißenberg) - 2 Stimmen; Ersatzdelegierte:

Cukur Ali (TSV 1860 München); Weiner

Walery (Edelweiß Geretsried)

Bezirk Niederbayern:

Bezirkssportwart: Schaer Sandro (BC Straubing);

Bezirksjugendwart: Winnerl Gerhard

(BC Deggendorf); Delegierte: Binöder Klaus

(BC Landau); Walter Christian (SV Pocking)

- beide 5 Stimmen; Buchmeier Johann (BC

Straubing) - 1 Stimme; Ersatzdelegierter: Harlander

Paul (BC Landau)

Bezirk Oberfranken:

Bezirkssportwart: Schübel Rainer (SpVgg Bayern

Hof); Bezirksjugendwart: Köstler Werner

(TS Marktredwitz-Dörflas); Delegierte: Gossler

Florian (SC Olympia Selb) - 5 Stimmen; Kraus

Alois (TS Marktredwitz-Dörflas) - 1 Stimme; Ersatzdelegierter:

Kastner Willi (ATS Kulmbach)

Bezirk Mittelfranken:

Bezirkssportwart: Angermann Alexander, BC

Eichstätt; Bezirksjugendwart: Krotter Igor, Bad

Windsheim; Delegierte: Langer Gert-Ulrich (SG

Nürnberg-Fürth); Gorodis Vitali (TSV Ansbach);

Filipowitz Günther (ASV Neumarkt) - alle 5 Stimmen;

Hörauf Alfred (BR TSV Stein) - 1 Stimme;

Ersatzdelegierte: Braico Donato (BC Feuchtwangen);

Breuker Bastian (TV Gunzenhausen)

Bezirk Oberpfalz:

Bezirkssportwart: Mühlbauer Herbert (BC

Weiding); Bezirksjugendwart: Kerscher Armin

(Boxfit Regensburg); Delegierte: Mühlbauer

Klaus (BC Weiding), Schneider Manfred (Boxfit

Regensburg) - beide 5 Stimmen, Schönfeld Ruslan

(BC Amberg) - 2 Stimmen, Ersatzdelegierter:

Klein Horst (Jahn Regensburg)

Bezirk Schwaben:

Bezirkssportwart: Bachl Gerhard (BC Start

Kempten); Bezirksjugendwart: Darbisch Alexander

(BC Kaufbeuren); Delegierte: Gruschwitz

Reinhold (TV Kempten), Kneer Armin (TSV

Königsbrunn), Prifling Helmut (TSV Königsbrunn),

Jakob Martin (PSV Augsburg) - alle 5

Stimmen; Ersatzdelegierte: Slobodjanikow

Roman (BC Kaufbeuren), Levi Alexander (TSV

Königsbrunn)

Bezirk Unterfranken:

Bezirkssportwart: Bales Hans (WVV Würzburg);

Bezirksjugendwart: Dressler Mike (KSV

Kitzingen); Delegierte: Schraut Heinz (BC Bad

Kissingen), Eckstein Uwe (TG Karlstadt) - beide

5 Stimmen; Ersatzdelegierte: Geier Jürgen,

Kurani Susanne (beide WVV Würzburg)

Redaktionsschluss für die nächste Ausgabe: 28. Februar 2014

BoxSport 61


50 Jahre Boxen in Schwarzenberg

Dort, wo früher im erzgebirgischen

Schwarzenberg

die Boxhalle

stand, lockt heute ein

Lidl-Supermarkt die Kunden an.

„Wir weinen der Halle allerdings

keine Träne nach. Die Halle war

ziemlich marode“, erinnert sich

Siegfried Beyer, der Vater von

Ex-Weltmeister Markus Beyer.

Die Schwarzenberger Boxer zogen

in den nahen Nachbarort

Breitenbrunn um. Der Ort wird

jetzt im Winter recht oft im Fernsehen

erwähnt, denn dort wohnt

der Olympiaskispringer Richard

Freitag. „In Breitenbrunn wurde

1963 unser Boxverein als BSG

Wismut gegründet. Aus diesem

Grund haben wir im Dezember

mit einer unseren Möglichkeiten

angepassten Boxgala und

mit einem Festakt 50 Jahre Boxen

in Schwarzenberg gefeiert.

Siegfried Beyer (mitte) und sein Sohn Markus (rechts) mit ihren Schützlingen

Die Beyers machen die Box-Kids flott

Ex-DDR-Star Ulli Kaden ist bei den Oldies ausgestiegen

62 BoxSport

180 Gäste und fast alle ehemaligen

Boxer waren gekommen“,

berichtet „Siggi“ Beyer. Dann

huscht ein Lächeln über das

Gesicht des 72 Jahre alten Bergingenieurs:

„Anlässlich unseres

Jubiläums haben die Breitenbrunner

Stadtverordneten beschlossen,

unsere Boxhalle für

400.000 Euro zu rekonstruieren.

Schon Ende des Jahres sollen

wir in einem modernen Gym

trainieren können.“

Eigentlich wollte der Box-Veteran

nur noch als Zuschauer am

Ring Platz nehmen, denn er hat

für Trainer-Nachwuchs gesorgt.

Für die 22 Boxer und Boxerinnen

sowie für die Hobbyboxer hat er

sechs Übungsleiter ausgebildet.

Angesichts der rosigen Aussichten

einer neuen Halle, behält er

den Trainingsanzug zunächst

noch an. Er trainiert dreimal in

der Woche mit der Kindergruppe.

„Es kommen meist 20 bis

25 Jungen und Mädchen. Sie

sind acht oder neun Jahre alt.

Die Kinder zu trainieren, ist eine

Mammutaufgabe, denn ihnen

muss die Grundschule des

Boxens gelehrt werden. Man

muss ihnen beibringen, wie sie

im Ring stehen müssen, wie

man Seil springt und wie man

sich benimmt“, verrät Siegfried

Beyer seine Aufgabe. Natürlich

hält er als Vorsitzender den Verein

zusammen. „Allein könnte

ich den Verein nicht erhalten.

Ich habe einige Helfer wie Peter

Wagner um mich geschart,

die alle dafür sorgen, dass wir

unseren Sport hier im Erzgebirge

erhalten“, erklärt Beyer, der

auch noch Abgeordneter in der

Stadtverordneten Versammlung

Schwarzenberg ist.

Natürlich schwelgten bei der

50 Jahrfeier die ehemaligen sächsischen

Faustkämpfer in Erinnerungen.

Da saßen die Schwarzenberger

Boxer Ulli Kaden und

Kai Kurzawa an einem Tisch.

Der 37 Jahre alte Kurzawa hat

gerade in Berlin erfolgreich ein

Comeback gestartet. Ulli Kaden,

der zwei Meter große Modelathlet,

arbeitet heute als Hausmeister

in Frankfurt am Main. „Wenn

die Mauer etwas früher gefallen

wäre, gehörte Ulli zu den Millionären.

Er war ein begnadeter

Boxer. Er war Europameister

und Weltcupsieger. Ich erinnere

mich noch, wie er Lennox Lewis

alt aussehen ließ und gegen

den späteren Profi-Weltmeister

haushoch gewonnen hat. Es

macht mich immer ein bisschen

traurig, wenn ich sehe, welcher

Kult um die Klitschkos gemacht

wird und unsere eigenen Weltklasseboxer

– bis auf Henry Maske

– überhaupt nicht erwähnt

werden.“

Was nicht ganz stimmt,

denn Sohn Markus war als

Profi-Weltmeister lange in den

Schlagzeilen. „Heute unterstützt

uns Markus zweimal die Woche

als Übungsleiter“, berichtet der

Vater. „Außerdem kümmere ich

mich um sozial schwache Jugendliche

bei der Arbeiterwohlfahrt“,

berichtet der Ex-Weltmeister,

der als

Experte bei

Sat.1 weiter in

der Öffentlichkeit

steht.

Siegfried

Beyer, ewiger

Ulli Kaden (mitte)

hatte bei der

Jubiläumsfeier

mit den Trainern

Chris Bartholmeß

(links) und Roby

Meyer viel Spaß

Ehrenamtlicher, arbeitete zweieinhalb

Jahrzehnte Untertage.

„Trotzdem“, so meint er, „durchlebte

ich meine schwerste Zeit

unmittelbar nach dem Mauerfall.

Von heute auf morgen zog

sich die Wismut als Geldgeber

für unseren Boxverein zurück.

Ich wusste im ersten Moment

nicht weiter. Bis mir Bierzeltboxen

und Oldieboxen einfielen.

Zusammen mit einem Buffet

wurden die Veranstaltungen

angenommen. Wir bekamen

Geld in die Kassen und konnten

weitermachen. Kritische Stimmen

ignorierte ich. Die gaben

mir sowieso kein Geld für meine

Boxer.“ Beim Oldieboxen ist Ulli

Kaden jetzt ausgestiegen. Siegfried

Beyer erklärt: „Ullis Gegner

entdeckten plötzlich ihren

Ehrgeiz. Was ihnen früher nicht

gelang, wollten sie im Alter erreichen.

Ulli sagte den Gegnern

immer vorher: ‚Wir machen einen

leichten Kampf.’ Aber wie

das so ist, einer seiner Gegner

drehte plötzlich durch, entdeckte

seinen Ehrgeiz und haute gewaltig

zu. Ulli haute zurück und

sein Gegner musste mit einem

gebrochenen Kiefer aufgeben.

Das hat uns einige Probleme bereitet.

Seither sind wir mit den

Oldies vorsichtig.“

Manfred Hönel


Bei Harald Langes 60. Geburtstag

Das Gym in Berlin-Marzahn

hatte sich am 24.

Januar in einen Party-

Salon verwandelt. 150

Gäste feierten das Jubiläum 20

Jahre „Boxen statt Gewalt“ und

gleichzeitig den 60. Geburtstag

des Boxenthusiasten Harald

Lange. Mit den Schwerinern

Jochen Bachfeld, Richard Nowakowski

und dem Frankfurter

Karl-Heinz Krüger gaben gleich

drei einstige Olympiasieger und

olympische Medaillengewinner

der Feier sportlichen Hochglanz.

In den 20 Jahren lernten bei Trainern

wie Dirk Käsebier hunderte

Boxer die Grundbegriffe des

Faustkampfes. „Nicht alle sind

Geburtstagskind

Harald Lange

(mitte) feierte

u.a. mit DBV-

Sportdirektor

Michael Müller

(links) und DBV-

Cheftrainer Dr.

Michael Bastian

Parade der Stars von gestern

Bei den Gratulanten auch DBV-Sportdirektor Michael Müller und Cheftrainer Dr. Michael Bastian

auf dem geraden Weg geblieben.

Aber die weitaus größte Zahl hat

sich zu ordentlichen Menschen

entwickelt. Einige sind bis in die

Spitze des deutschen Boxens,

wie zum Beispiel der heutige

Profi Tyron Zeuge, vorgedrungen“,

sagt nicht ohne Stolz das

Geburtstagskind Harald Lange.

Weil das so ist, gehörten zu den

Gratulanten in Berlin auch DBV-

Sportdirektor Müller und Bundescheftrainer

Dr. Michael Bastian.

Ein Dankeschön an den Initiator

des Berliner Boxzentrums überbrachte

Andreas Hahn aus Bonn

vom Bundesministerium für Verteidigung:

„Wir arbeiten gut mit

Harald Lange zusammen. Von

ihm sind schon einige Boxer bei

uns gelandet.“ Ihre Freude über

Torsten Schmitz, hier mit seiner

Frau, verdankt Harald Lange

einiges

soviel Engagement für

die Jugend ist auch im

Berliner Senat nicht

verborgen geblieben,

wie Gabi Hiller vom

Sportausschuss des

Berliner Abgeordnetenhauses

betonte:

„Wir wünschen Harald

Lange weiterhin

viel Kraft für die Gestaltung

seiner wunderbaren

Initiative.“

Natürlich gehörte

auch der bulgarische

Schwergewichtler

Kubrat Pulev zu den

Party-Gästen. Der Bulgare

wartet auf seinen

nächsten Ringauftritt am 5. April

in Rostock. Am reichlich gedeckten

Buffet wurde

auch Halbschwergewichtler

Dustin

Dircks gesehen.

Trotz seiner beiden

Niederlagen im vergangenen

Jahr denkt

der Berliner nicht im

Traum daran, seine

Karriere zu beenden:

„Ich absolviere

zwar gerade eine

Ausbildung als Bürokaufmann,

stehe

aber im Groß-Gym in

Berlin-Köpenick voll

bei Trainer Hartmut

Schröder im Training.

Ich fühle mich

bei einem solchen

Spitzentrainer gut

aufgehoben und werde wieder

angreifen.“

Mit einer gewissen Dankbarkeit

stieß auch Trainer Torsten

Schmitz mit einem Glas Sekt auf

den 60. Langes und die 20 Jahre

„Boxen statt Gewalt“ an. „Als ich

2010 ohne Job da stand, hat mich

Harald aufgefangen und mir einen

Job in seinem Gym für die

Box-Frauen in Hohenschönhausen

verschafft, ehe ich dann bei

Sauerland angestellt wurde.“

Besonders umarmt wurde

von den Gästen der Schweriner

Gustav Baumgart. Er gehört

zu den Haudegen des Boxens

in Deutschland. Der „eiserne

Gustav“ galt als einer der besten

Ringrichter und sitzt auch

heute noch mit fast 80 Jahren

als Punktrichter am Ring. Als

Höhepunkt seiner Laufbahn

Richard Nowakowski (links), Gustav Baumgart

und Richard Bachfeld (rechts) zählten ebenfalls

zu den Gratulanten

stand er als Ringrichter bei den

Olympischen Spielen 1988 im

Seilquadrat. Als Mann in Weiß

befehligte er den Schwergewichts-Finalkampf

zwischen

Lennox Lewis, damals Kanada,

und Riddick Bowe (USA). „Lewis

deutete damals schon seine

Klasse an, gewann alle Kämpfe

vorzeitig oder seine Gegner traten

gar nicht erst an“, erinnert

sich der Boxveteran.

Was wäre eine Party ohne

Spaß und Disko? Hobbyboxer

Dr. Wilhelm Pfaffenhausen war

eigens aus Düsseldorf angereist,

um dafür zu sorgen, dass die

Silberline-Band richtig auf die

Pauke hauen konnte. Katrin,

Langes Tochter aus erster Ehe,

erntete viel Beifall für Kurt Weils

Mackie-Messer Song.

Manfred Hönel

BoxSport

63


AUS DEN VERBÄNDEN

Lehrgangsleiter Lothar Heine, Rene Benirschke, Goodwill Ames, Thomas Müller,

Peggy Maelicke, Christof Woditschka, Uwe Bruschwitz, Konstantin Buga, Ralf

Bünger, Jörg Reiter, Thomas Meyer und der AIBA-Instrukteur Adolf Angrick (v.l.)

DBV

Neue A-Lizenz Anwärter

in der Ausbildung

Zehn Teilnehmer büffeln für die

A-Trainer-Lizenz, dessen schriftliche

und praktische Prüfungen

vom 15.-16.02.2014 in Hennef

stattfinden werden. Lehrgangsleiter

Lothar Heine ist zuversichtlich,

dass alle Teilnehmer

die Prüfung schaffen werden,

denn sie warteten bisher mit guten

Leistungen in Theorie und

Praxis auf. Teilnehmer sind: Rene

Benirschke, Goodwill Ames,

Thomas Müller, Peggy Maelicke,

Christof Woditschka, Uwe Bruschwitz,

Konstantin Buga, Ralf

Bünger, Jörg Reiter und Thomas

Meyer.

Baden-Württemberg

Jahresabschluss in

Böblingen war Spitze

Die Schlussveranstaltung des

Boxjahres 2013 um den Baden-

Württemberg Box-Cup hatte erneut

der SV Böblingen übernommen,

zu der 17 Vereine des Verbandes

anreisten und mit ihren

Athleten in 20 Kämpfen für ausgezeichneten

Boxsport sorgten.

Es war die sechste Veranstaltung

dieser Art des Jahres, an der insgesamt

61 Vereine teilnahmen,

die um den begehrten Pokal

boxten. Überlegener Gewinner

wurde die Staffel des ehemaligen

deutschen Mannschaftsmeisters,

die Neckarsulmer

Sport Union, die den wertvollen

Pokal, überreicht vom ehemaligen

deutschen Schwergewichtsmeister

Bernd Schwab, mit nach

Hause nehmen konnte.

An diesem Boxnachmittag wurden

zudem die Jungboxer Danny

Omerovic, Oliver Klotz, Taulent

Krasniqi und Ferit Music geehrt,

die sich während des Jahres besonders

in Szene setzten und baden-württembergische

Meisterschaften

für den SVB erboxten.

Einen Treuepokal überreicht bekam

der ehemalige Erfolgsboxer

Erich Müller für seine 40-jährige

Mitgliedschaft beim Verein.

Hessen

Gelungene

Standortbestimmung

Beim Neujahrsboxturnier in

Marburg ist der Korbacher Leon

Anselm auf den Deutschen Kadettenmeister

getroffen. Mit Stefan

Antonio aus Hamborn war

der Gegner zwei Gewichtsklassen

höher – Anselm erkämpfte

sich nach drei Runden ein faires

Unentschieden. „Es war eine

gelungene Standortbestimmung

für unser Korbacher Vorzeigetalent“,

so Trainer Reinhard

Jassmann. Anselm hat als Kindergartenkind

mit fünf Jahren

das Boxtraining begonnen, mit

zehn Jahren erstmals gekämpft

und ist seinem Sport immer treu

Ein erfolgreiches Duo: Leon Anselm und Trainer

Reinhard Jassmann

geblieben. Er verbuchte bereits

Erfolge wie Hessenmeister,

Südwestdeutscher Meister oder

Dritter der Deutschen Kadettenmeisterschaft.

Zuletzt schlug er

den hessischen Titelträger und

DM-Teilnehmer eine Gewichtsklasse

über ihm nach Punkten,

erreichte gegen den amtierenden

Deutschen Meister in seiner

Klasse zuerst ein hochverdientes

Unentschieden und kurz danach

einen knappen Punktsieg. Jassmann:

„Leon hat klare Ziele vor

Augen, wir sind auf einem guten

Weg und wären froh, wenn sich

weitere Talente für höhere Aufgaben

aufbauen lassen.“

Niedersachsen

Erfolgreicher Start in

Verbandsmeisterschaften

Der BSK Hannover-Seelze ist

sehr erfolgreich in die diesjährigen

Verbandsmeisterschaften

gestartet. Zunächst mussten die

Seelzer bei den Vorrunden in

Peine jedoch zwei Niederlagen

von Thomas Ginger gegen den

offensiv boxenden Berkan Centibas

(BP Peine) sowie Nikolas

Kranz gegen Nicolas Piekarski

(AKBC Wolfsburg) zum Auftakt

hinnehmen. Simon Spanuth

(Punktsieg gegen den erfahreneren

Erik Ivantchenko (BP

Peine)), Dennis Kleinert (T.K.o.

über Nico Nieder (BC 62 Peine))

und Dmitri Bruskow (T.K.o.

über Domenik Seidel (BP Peine))

zogen hingegen bereits ins

Finale ein. Das gilt auch für Firat

Idi, dessen Gegner krankheitsbedingt

absagen musste, sodass

der Seelzer kampflos in die letzte

Kampfrunde einzog.

Seelzer übertreffen

Erwartungen

Der BSK Hannover-Seelze hat

sich auch auf internationalem

Parkett hervorragend geschlagen.

Bei einem Vergleichskampf gegen

eine tschechische Auswahlmannschaft

aus Prag

fuhr das Team um die

Trainer Arthur Matteis

und Dmitri Schunk

einen deutlichen Gesamtsieg

ein. Für die

Siege auf Seelzer Seite

sorgten Hasan Özer

gegen Marek Dvorak,

Sergej Neumann

gegen Denis Bartov,

Chatschick Abramov

gegen den Prager Petr

Masorcic, Publikumsliebling

Jakob Deines

gegen Juracek Matus, Taron Hanesjan

gegen Foma Kozevnikov,

Tobias Eyliz gegen Rene Molik,

Chatschick Melkonian gegen Milos

Bartl und Armenak Hovanesyan

gegen Stanislav Esner. „Solche

Länder-Vergleichskämpfe

sind immer etwas Besonderes“,

erklärte Mattheis. „Aber diese

Veranstaltung hat selbst meine

Erwartungen übertroffen. Die

Jungs haben alles gegeben, es

gab großartige Kämpfe und das

Publikum ist richtig mitgegangen.“

Taron Hanesjan (links) wurde gegen Foma

Kozevnikov zum verdienten Punktsieger erklärt

Mecklenburg-Vorpommern

Team Wismar unterliegt

Holländern

Gut 400 Zuschauer waren in

Dorf Mecklenburg dabei, als

die Nordholländische Auswahl

des Cheftrainers Eduard van

Uffelen das Team Wismar mit

16:14 besiegte. Max Züchner

holte im vierten Kampf die ersten

Zähler für die Hansestädter,

als er im Schergewicht Maciano

Henriks mit 2:1 besiegte. Aber

Brandon Mullenberg stellte für

die Holländer den alten Punktabstand

wieder her. Der Bruder

des Velberter Bundesligastars

Peter Mullenberg gewann in

dem wohl spannendsten Kampf

der Veranstaltung einstimmig

gegen den nie aufsteckenden

Surik Jangojan. Dann wurde

es richtig spannend, denn Ibragim

Bazuew, Kevin Knütter und

Clemens Busse gewannen ihre

Kämpfe und glichen für Wismar

aus. Leider konnte sich Mittelgewichtlerin

Sarah Scheurich

gegen Nouchka Fontijn nicht

durchsetzen. Sie verlor gegen die

WM-Dritte von 2009 einstimmig

nach Punkten. Auch Dennis Lewandowski

konnte die Niederlage

seiner Mannschaft nicht mehr

verhindern. In seinem Gefecht

64 BoxSport


Die Boxmanager stellten sich nach der Ehrung zum Bild, in der Mitte die

Sportdezernentin der Stadt Dortmund, Birgit Zoerner, mit der DBS-Förderurkunde

gegen Hannes Terlinde unterlag

er knapp mit 1: 2.

Nordrhein-Westfalen

Boxsportzertifikate

für Manager

Beim 20. Manager-Boxlehrgang

des Dortmunder Boxsport 20/50

lernten 23 Männer und drei

Frauen das „Fechten mit den

Fäusten“. Boxtrainer Siegfried

Kucznierz und der DBS-Vorsitzende

Dieter Schumann waren

die erfahrenen Lehrgangsleiter.

Ärzte, Rechtsanwälte, Computerspezialisten,

Kaufleute, Werbe-

und Personaltrainer, Beamte

u.a. bewegten die zahlreichen

Boxsportgeräte. Gymnastik,

Boxschulung, Schattenboxen,

Partnerübungen und Gerätearbeit

wechselten einander ab.

„Uns hat es allen gefallen“ war

die einstimmige Meinung. Mit

dieser Vielseitigkeit hatte keiner

gerechnet. Am letzten Abend

überreichten der Dortmunder

Ballettdirektor Xin Peng Wang

und Manager Tobias Ehinger die

verdienten Boxsporturkunden.

Sie erhielten ebenso wie Fritz

Buro (Otris Software AG) und

Dr. Guido Dohmen zusätzlich

die DBS-Förderurkunde.

Hildens Boxer gewinnen

vier Kreismeister-Titel

Jetzt stehen sie fest, die neuen

Kreismeister des Boxverbands

Rhein-Ruhr-Wupper. Bester Boxer:

Im Leichtgewicht der Männer

kam es zu einer Neuauflage

zwischen Tim Pham und Hassan

Ücüncü vom ASV Wuppertal.

Damals gewann Pham mit

knappem Vorsprung. Diesmal

war sein Punktsieg einstimmig.

Spannendster Kampf: Am Ende

der ersten Runde führte Hildens

Weltergewichtler Ahmed Berjawi

gegen den Monheimer Sebastian

Deda. Doch mit dem Gongschlag

zur zweiten drehte der Monheimer

auf. Deda war auf das vorzeitige

Ende aus. Aber Berjawi

hielt dagegen. Es war nicht die

Technik, mit denen die beiden

das Publikum von den Sitzen

rissen, es war ihr unbedingter

Siegeswille, verbunden mit den

unzähligen Schlägen, die sie

sich um die Ohren hauten. Deda

gewann den Kampf, denn dem

Hildener ging in der letzten Runde

die Puste aus und er musste

nach einem Wirkungstreffer angezählt

werden. Bester Verein:

Nur Ahmed Berjawi holte Silber

für Hilden, denn alle anderen Boxer

gewannen den Titel. Robert

Miah beherrschte den Wuppertaler

Karakan Göktug klar. Auch

Michael Alert gewann seinen

Kampf gegen Gerresheims Helge

Plum. Michael Reichelt gewann

gegen Timo Minnemann vom

Bundesligisten Velberter BC

klar nach Punkten, genauso wie

Maurice Daniel, der im Männer-

Weltergewicht den Düsseldorfer

Sammy Arbaoui mit einer sehr

starken Leistung bezwang. Im

letzten Kampf der Veranstaltung

standen sich Shahin Mohammadi

und Lokalmatador Artur Gerzen

gegenüber. Gerzen konnte

Tim Pham (links) kam gegen Hassan Ücüncü zu einem

einstimmigen Punktsieg

mit hauchdünnem Vorsprung

den NRW Meister von 2012 besiegen

und machte damit die

Pleite der Düsseldorfer perfekt,

die diesmal keinen RRW-Meister

mit nach Hause nehmen konnten.

Ehrungen zwischen „alle

Neune“ und „Gosse“

Dass die Fitnessboxer des TV

Werne nicht nur knackig trainieren,

sondern auch kernig

feiern können, bewiesen sie bei

ihrer gelungenen Weihnachtsfeier.

In der Hornemühle wurde

zunächst auf der Kegelbahn

gezeigt, dass auch ein einzelner

Werner Fitness Boxsportler alle

„Neune“ weghauen kann. Anschließend

ging es ins gemütliche

Kaminzimmer, dort wurden

die kulinarischen Genüsse weggeputzt.

Zwischen alle „Neune“

Frank Winkler, Peter Thomas, Jens Wollenberg, Konny

Bleckmann (von links) mit den „Master-Gürteln“ der

Fitnessboxer

Box-Oberliga

startet in zweite

Saison

und einer gelegentlichen „Gosse“

wurden die Übungsleiter von

den Sportlern geehrt. Bei den Fitnessboxern

ist eben alles anders:

Hier verteilen die Sportler die

Ehrungen bei guten Leistungen.

Die Übungsleiter Frank Winkler,

Peter Thomas, Jens Wollenberg

und Konny Bleckmann

bekamen, in Anlehnung an die

Weltmeistergürtel der Profis, die

Meistergürtel für ein

erstklassiges Training.

BuS Dinslaken, das

Team Westfalen, die

Boxstaffel Rhein-

Ruhr-Wupper und

das niederländische

Windmill Team sind

die vier Mannschaften,

die in der Internationalen

Oberliga Saison 2014

boxen werden. Los geht es am

1. Februar mit dem Aufeinandertreffen

der Westfalen gegen BuS

Dinslaken. Aufgrund des vollen

Boxkalenders finden die letzten

Veranstaltungen erst im November

statt. Auch dieses Jahr wird

wieder in acht Gewichtsklassen

um den Oberligatitel geboxt.

Sachsen

Atanassow erfolgreich auf

internationaler Bühne

ATLAS-Boxerin Sandra Atanassow

folgte einer Einladung des

Schweizer Frauen-Nationaltrainers

Michael Sommer zum ersten

internationalen „Girls Only“

Boxmeeting in Frenkendorf

(Schweiz). Das Turnier war mit

Spitzenboxerinnen aus Schweden,

der Tschechei, Deutschland,

Italien

und der Schweiz

stark besetzt.

Die Leipzigerin

nutzte die

Möglichkeit,

sich zweimal im

Ring für das im

Januar bevorstehende

Golden

Girl Boxturnier

in Schweden

zu testen. Mit

zwei siegreichen

Kämpfen

zeigte Atanassow

in der 60kg-

Klasse (Leichtgewicht),

dass

sie bereits in einer beachtlichen

Form ist. In Schweden unterlag

Atanassow jedoch im Halbfinale

der Schwedin Linnea Strandell,

die auch das Finale gegen die

Russin Elena Gradinar gewann.

Sandra Atanassow (links) besiegte in

der Schweiz u.a. Rechtsauslegerin Tina

Asmussen

BoxSport

65


Lesen Sie in der nächsten Ausgabe

Nächster

Erscheinungstermin ist

für Abonnenten

der 7. März,

ab dem 10. März

im Handel

1:1 steht es derzeit

zwischen Arthur

Abraham (links) und

Robert Stieglitz. Das

dritte Duell am 1. März

2014 wird zeigen, wer

der Bessere ist

Der große Kampf

Wer hat den dritten Akt zwischen WBO-Weltmeister

Robert Stieglitz und seinem Pflichtherausforderer Arthur

Abraham zu seinen Gunsten zu Ende geschrieben?

Lesen Sie alles zum dem Mega-Event in Magdeburg

Felix Sturm im Interview

Nach dem Rücktritt von Darren Barker stehen

Mittelgewichts-Weltmeister Felix Sturm einige

Optionen ins Haus. Wie es für den 35-Jährigen

weitergeht, verrät er im BoxSport-Gespräch

George Foreman packt aus

Er war Olympiasieger und verewigte sich mit 45

Jahren und 299 Tagen als ältester Weltmeister im

Schwergewicht. Im BoxSport lässt sich George Foreman

über die Schwergewichtsszene im Weltboxen aus

Team Deutschland weiter gefordert

In der WSB geht es für das Team Deutschland Schlag

auf Schlag weiter. Erfahren Sie mehr darüber, wie

sich Erik Pfeifer und Co. gegen Italien, die USA und

Argentinien geschlagen haben

Für Erik Pfeifer (rechts),

hier gegen Tony Yoka

von Dolce&Gabbana

Italia Thunder, und seine

WSB-Kollegen stehen

im Februar und Anfang

März einige Kämpfe auf

dem Programm

Gomez –wie stark ist er noch?

Alkoholeskapaden und Frauengeschichten haben

zwischenzeitlich den Weg des ehemaligen WBC-

Weltmeisters im Cruisergewicht Juan Carlos Gomez

gepflastert, jetzt, mit 40 will er wieder voll durchstarten

– wie ist die erste Zeit mit seinem neuen, alten Trainer

Fritz Sdunek angelaufen?

Herausgeber und Chefredakteur: Hans Reski (0221-2587-260/261/334)

Redaktion: Nicole Bitter

Ständige Mitarbeiter: Tobias Drews, Manfred Hönel, Peter Jaschke, Björn

Jensen, Bertram Job, Matthias Kerber, Hans-Joachim Leyenberg, Jörg Lubrich,

Alexander Mazur, Gunnar Meinhardt, Susanne Rohlfing, Hartmut Scherzer

Fotos in dieser Ausgabe: AIBA, Arm (NSV), BR Hanau, BSK Seelze, dpa, EC

Boxing/Frevert, Getty Images, Heger, Jaschke, Kader-Karakus, Koch, Marianne

Müller, Mausolf, Sauerland Event, Scheerbarth, Thorhauer (NSV), Wende, WSB,

WBC

Layout: Katharina Büchner, Michael Rosenstein, Bernd Schulte zur Wissen

Internet: www.sportverlag.de

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Verlag: DSV Deutscher Sportverlag GmbH, Friesenplatz 16, 50672 Köln

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IMPRESSUM

Bundesliga-Kracher

Am 15. Februar empfängt der Boxring Hanau in der

1. Liga den Rekordmeister aus Velbert – Hanaus

Präsident Ulrich Bittner plant dort den Angriff und die

Vorentscheidung um die Deutsche Meisterschaft – wie

die ausfällt, lesen Sie in einem ausführlichen Bericht

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