STS-Zoobericht 2013 - Schweizer Tierschutz STS

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STS-Zoobericht 2013 - Schweizer Tierschutz STS

STS-ZOOBERICHT 2013

Inhaltsübersicht

Einleitung Seite 4

Zoos und Tierparks

Genferseeregion

Bois de la Bâtie, Genf Seite 6

Marmottes Paradis, Rochers de Naye 9

Murmeltierpark "Grimselblick" 11

Parc d`accueil Pierre Challandes 13

Tierpark Aletsch, Fiesch 17

Zoo la Garenne, Le Vaud 19

Zoo Les Marécottes 22

Zoo de Servion 25

Espace Mittelland

Alpenvogelpark Grindelwald 28

BärenPark Bern 30

Freilichtsmuseum Ballenberg 31

Juraparc, Vallorbe 34

Johns kleine Farm, Kallnach 35

Papiliorama / Nocturama, Kerzers 37

Parc Zoologique La Chaux-de-Fonds 40

Raubtierpark Strickler, Subingen 43

Tierpark Biel 46

Tierpark Dählhölzli Bern 48

Tierpark Gäbelbach, Bern-Bethlehem 51

Tierpark Harder, Interlaken 53

Tierpark Langenthal 55

Tier- und Erlebnispark Seeteufel, Studen 57

Zoo Rothaus, Gampelen 60

Zoo Siky Ranch, Crémines 63

Nordwestschweiz

Jürg Jennys Raubtiere, Olsberg 66

Römischer Tierpark Augusta Raurica, Augst 69

Tierpark Bad Zurzach 71


STS-ZOOBERICHT 2013

Tierpark Lange Erlen, Basel 73

Wildpark Roggenhausen, Aarau 76

Zoo Basel 79

Zoo Hasel, Remigen 84

Zürich

Wildnispark Zürich, Langenberg 86

Wildpark Bruderhaus, Winterthur 89

Zoo Zürich 91

Ostschweiz

Connyland, Lipperswil 95

Greifvogelpark Buchs 98

Knies Kinderzoo, Rapperswil 100

Plättli-Zoo, Frauenfeld 104

Schlangenzoo Eschlikon 106

Tierpark Chur 109

WalterZoo, Gossau 111

Wildpark Peter und Paul, St. Gallen 114

Zoo Bad Ragaz 116

Zentralschweiz

Tierpark Goldau 118

Toni's Zoo, Rothenburg 121

Tessin

Falconeria Locarno 125

Zoo al Maglio, Magliaso 127

Impressum 129


STS-ZOOBERICHT 2013

Einleitung

Der STS-Zoobericht 2013, ergänzt und

aktualisiert durch die Zoologin Sara Wehrli

von der Fachstelle Wildtiere des Schweizer

Tierschutz STS, stellt eine Momentaufnahme

der Situation in 47 kleinen und grossen

Schweizer Zoos und Tierparks dar. Anhand

von rund 260 begutachteten Gehegen zeigt

der Bericht exemplarisch positive und

negative Haltungsformen für verschiedenste

Zootierarten auf. In einer Kurz-Beurteilung

fasst der Bericht das Gesehene zu jedem der

besuchten Zoos zusammen. Bewertet und

beurteilt wurden die Gehege bzw.

Haltungsformen aus der Sicht eines kritischen

Zoobesuchers mit Fachkenntnis. Insbesondere

bei grösseren Zoos und Tierparks

beschränkt sich die Recherche auf einzelne

Gehege und Haltungsformen. Der Bericht

erhebt deshalb keinen Anspruch auf

Vollständigkeit. Auch konnten aus Zeitgründen

nicht sämtliche Zootierhaltungen

der Schweiz besucht werden, und es musste

eine Auswahl der vorzustellenden Institutionen

getroffen werden. Der vorliegende

Bericht wurde aber im Vergleich zu 2012 um

insgesamt sieben zumeist kleinere Tierparks

erweitert.

Es ist davon auszugehen, dass alle bewerteten

Anlagen über die notwendigen

Haltungsbewilligungen verfügen, d.h. legal

sind und den Mindestanforderungen der

aktuellen Tierschutzverordnung genügen.

Dazu ist festzuhalten, dass die Vorschriften

der eidgenössischen Tierschutzgesetzgebung

keine optimalen Tierhaltungen definieren,

sondern lediglich die Grenze zur Tierquälerei

festlegen.

Auffällig ist, dass in den letzten Jahren in

praktisch allen Zoos und Tierparks rege

gebaut und erneuert wurde. Dabei kann

erfreulicherweise eine Tendenz zu grosszügigeren

und tiergerechteren Anlagen

festgestellt werden – nicht nur in den

grossen, finanziell gut gestellten und

wissenschaftlich geführten Zoos mit

mehreren Millionen BesucherInnen jährlich,

sondern auch bei den vielen kleineren Zoos

und Tierparks in der Schweiz, die oft mit sehr

viel bescheideneren finanziellen und

personellen Mitteln, aber mit nicht weniger

Herzblut betrieben werden. Sehr viele der

neuen Gehege sind auch aus Sicht des STS

vertretbar und kommen den Vorstellungen

einer artgerechten Tierhaltung nahe. Alles in

Allem hat die Zootierhaltung in der Schweiz

also einen recht hohen Standard erreicht.

Die stetige Arbeit des Schweizer Tierschutz

STS auf dem Gebiet der artgerechten Wildtierhaltung

trägt offensichtlich Früchte. Sowohl

die eigenen Publikationen («Informationen

zur artgerechten Haltung von

Wildtieren») als auch Öffentlichkeitsarbeit

und Aktivitäten im Rahmen der Revision der

Tierschutzverordnung haben offenbar dazu

beigetragen, dass sich die Verantwortlichen

mit neuen Erkenntnissen in der Tierhaltung

und der geänderten Einstellung des

Publikums auseinandersetzen – auseinandersetzen

müssen – und folglich grössere und

bessere Gehege realisieren, welche den

vielfältigen Ansprüchen der Tiere gerechter

werden. Erfreulich ist auch, dass gerade die

BetreiberInnen kleinerer Institutionen nicht

selten von sich aus den Tierschutz

kontaktieren, wenn es gilt, grössere Umbauten

oder Neuplatzierungen von Tieren

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STS-ZOOBERICHT 2013

vorzunehmen. So konnte der Schweizer

Tierschutz STS in den letzten Jahren auch bei

der Erstellung verschiedener Gehege fachlich

mitreden oder bei der Tiervermittlung

zwischen den Zoos und Wildparks helfen. Ziel

ist es dabei immer, den betroffenen Wildtieren

die bestmögliche Haltung in einer

möglichst artgerechten Umgebung zu ermöglichen.

Basel, September 2013

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STS-ZOOBERICHT 2013

Bois de la Bâtie, Genf

Der städtische Tierpark von Genf wurde 1982 aus einer privaten Initiative zur Aufnahme und

Pflege verletzter Wildtiere gegründet und dient heute als Naherholungsgebiet, Pro Specie Rara –

Zuchtstätte und Tierpark mit Bildungsauftrag. Der Tierpark spezialisiert sich auf die

Erhaltungszucht bedrohter Haustierrassen wie des Hinterwäldler und Rhätischen Grauviehs, des

Spiegelschafes oder des Appenzeller Huhns. Zudem werden viele Vogelarten teils in Parkanlagen

und Freilauf, teils in Volieren gezeigt. Ergänzt wird der Tierpark durch Hirsch- und

Steinbockgehege. Die meisten Tiere werden gut gehalten; da und dort wären Verbesserungen

möglich. Positiv fallen die räumliche Gestaltung (naturnahe Grünanlagen, viele Rückzugsmöglichkeiten

für die Tiere) und die informative Beschilderung auf.

Positive Beispiele

Steinbock, Gämsen, Murmeltiere

Diese Tiere – zwei Böcke, ein Jungtier und eine

weibliche Gämse und mehrere Murmeltiere

(soweit ersichtlich) – teilen sich ein rund 1000 m 2

grosses Gehege mit einem Stall und Unterstand,

einer grossen Felshalde, mehreren Bäumen und

fliessendem Wasser. Das Stalldach und die Mauer

im hinteren Bereich des Geheges dienen den

Steinböcken und der Gämse als komfortable,

hochgelegene Liegeplätze. Gefüttert wird Heu in

den Heuraufen, sowie Kraftfutter. Die steinige

Landschaft mit den einzelnen Baumstämmen gibt

den Paarhufern ausreichend Platz, herum zu

klettern, einander aus dem Weg zu gehen, sich

beim Wiederkäuen zu sonnen oder in den

Schatten zurückzuziehen.

Ein gemäss Tierschutzverordnung (TSchV) für

Steinböcke vorgeschriebenes Abtrenn- bzw.

Fluchtgehege für weibliche Tiere ist nicht ersichtlich.

Zudem fehlt der für die Gämsenhaltung

vorgeschriebene weichere Aussenbelag im

Gehege. Allerdings werde die Gämse demnächst

in einen anderen Tierpark verbracht, so die Parkleitung.

Für die Murmeltiere ist offenbar genügend Platz

zum Graben vorhanden, wie die vielen Eingänge

zeigen. Zudem können sie auf den Felsen Ausschau

halten. Die Tiere machen einen guten und

ausgeglichenen Eindruck, so dass der Gesamteindruck

des Geheges positiv ausfällt.

Reh

Die Haltung von Rehen in Tierparks ist schwierig.

Die Tiere neigen zu Angst und Panik auch

gegenüber „vertrautem“ Pflegepersonal; sie

benötigen reichlich Deckung, ein vielfältiges,

saisonal wechselndes Nahrungsangebot, und sie

vermehren sich in Gefangenschaft sehr schlecht

und haben eine natürliche Inzest-Sperre. (Böcke

verpaaren sich nicht mit weiblichen Verwandten).

Das bedeutet, dass oftmals immer wieder junge

Böcke der freien Natur entnommen werden

müssen, um einen Zoobestand zu erhalten. Bei

einer guten Rehhaltung sind die Tiere zudem

kaum häufiger oder besser sichtbar, als beim

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STS-ZOOBERICHT 2013

Spaziergang im Wald. Sinn und Zweck einer

Rehhaltung sind daher kritisch zu beurteilen.

Wasserteil befindet sich ein naturnah gestalteter,

sandiger Strand mit Futterhäuschen und

Unterständen. Fliessendes Wasser und ein tiefes

Tauchbecken ergänzen das Gehege. Die darin

lebenden Vögel (Austernfischer, Zwergtaucher,

Fasane) können kurze Flüge unternehmen, sich im

Schilf unsichtbar machen, tauchen und im Sand

baden. Eine rundweg gelungene Volierenhaltung!

In Bezug auf die Haltungsansprüche des Rehs in

Gefangenschaft handelt es sich beim Bois de la

Bâtie aber um eine gute Tierhaltung. Das Gehege

verfügt über einen mehrere hundert Quadratmeter

grossen Waldbereich, der nur von einer

Seite eingesehen werden kann und den Tieren

gute Rückzugsmöglichkeiten unter den Bäumen

bietet. Allerdings wäre eine dichtere Buschvegetation

wünschenswert. Das anschliessende,

nochmals rund 1000 m 2 grosse Wiesengelände mit

altem Baumbestand dient tagsüber als Viehweide,

hat aber einen Zugang vom Rehgehege her, so

dass davon auszugehen ist, dass die Rehe

manchmal abends zum Äsen auf diese Wiese

gehen, wie es ihrem natürlichen Verhalten

entspricht. Das relativ grosse Gehege ermöglicht

den Tieren, einander bei Bedarf aus dem Weg zu

gehen. Für den Besucher sind die Rehe kaum

besser sichtbar, als in freier Wildbahn. Wald und

Wiese sorgen für ein natürliches, saisonal

wechselndes Nahrungsangebot, wie es dem

wählerischen Fressverhalten der Rehe entspricht.

Gemäss Parkleitung pflanzen sich die Tiere

regelmässig fort, und eine Bestandesaufstockung

durch Wildfänge sei nicht notwendig.

Austernfischer und Zwergtaucher

Eine hemisphärenförmige Voliere mit etwa 150 m 2

Grundfläche und einer maximalen Höhe von 4 m.

Die Voliere ist von drei Seiten einsehbar, aber sehr

dicht mit Schilf und sonstiger Ufervegetation

bestanden, wo sich die Wasservögel sehr gut

zurückziehen können. Angrenzend an den

Limikolen, Turteltaube

Zwei eindrücklich grosse Volieren in der Parkmitte

präsentieren diverse Watvögel (Säbelschnäbler,

Kiebitze, Rotschenkel) sowie Turteltauben,

Schellenten und Säger. Diese Volieren haben

jeweils eine Grundfläche von rund 100 m 2 und

eine Höhe von gegen 10 m. Der Boden ist von

feinem Sand und Kies bedeckt, es wächst

natürliche Vegetation, und in beiden Volieren gibt

es Bäume, Gebüsch und Wasserstellen. Die

Säbelschnäbler-Voliere ist relativ offen und bietet

wenige Rückzugsmöglichkeiten, während die

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STS-ZOOBERICHT 2013

Voliere der Turteltauben gut eingewachsen ist.

Aufgrund der grossen Höhe können sich die

Tauben weit über das Publikum zurückziehen und

die Umgebung im Auge behalten. Für die

Watvögel ist vor allem das Vorhandensein von

Wasserstellen und offener Sandflächen wichtig.

Sie zeigen kaum Scheu vor den Menschen.

Negative Beispiele

Hängebauchschwein

Ein unbefriedigendes Gehege, weil klein, beengt

und wenig strukturiert. Es scheint, dass dieses

Gehege vor allem als „Lückenfüller“ zwischen dem

Weg und dem grösseren Wildschweingehege

dient. Es fehlt an Vegetation, und eine richtige

Suhle ist nicht vorhanden. Das Tier lebt alleine,

was allerdings bei einem ausgewachsenen

männlichen Tier kein Problem ist, da auch

wildlebende Keiler Einzelgänger sind. Es fehlt auch

an Beschäftigungsmaterial. Eine grössere Suhle,

zusätzliche Liegeplätze neben der einzelnen

Schweinebox, Vegetation und Beschäftigungsmaterial

(z.B. Strohhaufen) wären ratsam.

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STS-ZOOBERICHT 2013

Marmottes Paradis, Rochers de Naye

www.goldenpass.ch

Marmottes Paradis ist ein auf Murmeltiere spezialisierter, kleiner Tierpark auf der Rochers de

Naye (2042 m.ü.M.). In insgesamt sieben grosszügig dimensionierten Gehegen werden zeitweilig

verschiedene Arten dieser Tiere aus der Familie der Erdhörnchen gehalten, vom äusserst seltenen

(und in einem Erhaltungszuchtprogramm integrierten), schwarzen Vancouver Island-Murmeltier

über den kasachischen Bobak, das heimische Alpenmurmeltier und das zentralasiatische Graue

(oder Baibacin-) Murmeltier bis hin zum Kamtschatka-Murmeltier, das von allen Arten mit neun

Monaten den längsten Winterschlaf hält. Derzeit werden allerdings nur drei Arten gezeigt,

nämlich das Alpenmurmeltier, das Vancouver-Murmeltier und das Baibacin-Murmeltier. Sechs

Gehege befinden sich auf einem Hang mit alpinem Rasen, dem natürlichen Lebensraum dieser

Gebirgs- und Steppentiere. Ein weiteres Gehege befindet sich bei der Bergstation und ist Teil der

Murmeltier-Ausstellung. Hier kann man durch den begehbaren Nachbau eines Murmeltier-Baus

Einblick in das Gehege und die Schlaf- und Kotkammern der Murmeltiere erhalten. Sämtliche

Fenster sind verspiegelt und schallgeschützt, so dass die Besucher zwar die Murmeltiere aus der

Nähe beobachten, diese aber nicht stören können.

Die Tierhaltung ist aus Tierschutzsicht in Ordnung. Positiv hervorzuheben ist die Haltung dieser

z.T. sehr hitzeempfindlichen Tiere (Alpen-, Kamtschatka-, Vancouver Island Murmeltier) in einer

auch klimatisch angepassten Umgebung, in der die Temperaturen nicht über 20º C steigen – eine

Belastung, welcher Murmeltiere in tiefer gelegenen Tierparks zuweilen regelmässig ausgesetzt

sind.

Positive Beispiele

Baibacin-Murmeltier

Wie alle Gehege im Park misst das Gehege der

Baibacin-Murmeltiere rund 25x25 m (> 600 m 2 ) in

der Fläche und befindet sich an einem nach

Südosten orientierten Steilhang. Das Gehege wird

von hohen Eisenzäunen mit Elektrodraht gegen

Füchse umfasst und ermöglicht den Tieren

artgemässes Graben im hochalpinen Felsschuttboden.

An der Oberfläche befinden sich einige

Holzhäuschen als Unterstand, deren Dächer –

zusammen mit einigen im Gehege verteilten

Steinhaufen – auch als erhöhter Sitzplatz für die

Wachposten der Kolonie dienen können. Die

Gehege sind gegen den Himmel nicht abgesichert,

so dass die Tiere – wie ihre wildlebenden

Verwandten in der Umgebung auch – nach Adlern

Ausschau halten können (und müssen).

Die durch die naturräumlichen Verhältnisse

gegebene Alpenvegetation ermöglicht den Tieren

artgemässe Futtersuche und eine angepasste

Kost. Einige Tiere sind allerdings sehr zahm und

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STS-ZOOBERICHT 2013

kommen ans Gitter; trotz Verbotsschildern

scheinen sie regelmässig gefüttert zu werden.

(Beobachtet wurde die Fütterung einzelner Tiere

durch Kinder, die ihnen Pflanzen reichten, welche

auch innerhalb des Geheges vorkommen).

Die Tierschutzverordnung schreibt für die Haltung

von Murmeltieren lediglich eine Mindestfläche

von 150 m 2 vor. Zudem müssen Grabgelegenheiten,

ein Aussengehege und geeignete Überwinterungsmöglichkeiten

im Bau zur Verfügung

stehen. Die Haltung auf den Rochers de Naye

dürfte sämtliche Voraussetzungen weit übertreffen.

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STS-ZOOBERICHT 2013

Murmeltierpark "Grimselblick"

www.grimselpass.ch

Das Hotel-Restaurant „Grimselblick“ kurz vor der Grimsel-Passhöhe (VS) auf rund 2200 m.ü.M.

lockte seine Gäste bis vor Kurzem mit einem kleinen Tierpark, in welchem Murmeltiere,

Waschbären, Uhus und Schneeeulen ausgestellt wurden – also teils einheimische, teils

standortfremde Arten. Die Tierhaltung war höchst problematisch: Die Tiere wurden in viel zu

kleinen Gehegen ohne Rückzugsmöglichkeiten und artgerechte Einrichtung gehalten und dienten

lediglich als Besuchermagnet. Dank des steten Drucks durch den STS und seine Sektion

Oberwalliser Tierschutz wurde die Tierhaltebewilligung Ende 2011 entzogen. Der STS und der

Oberwalliser Tierschutz konnten den Tierhalter anschliessend bei der Realisierung eines

artgerechten Murmeltierparks fachlich begleiten. Die vier Waschbären wurden durch den STS in

den Tierpark Dählhölzli vermittelt, wo sie vorbildlich gehalten werden. Auch die neue Murmeltier-

Anlage kann nun als artgerecht bezeichnet werden.

Positive Beispiele

Murmeltiere

Die Murmeltiere werden in einem etwa 700 m 2

grossen, von einer überhängenden Mauer umgebenen

Gehege gehalten.

Der alte Teil des Geheges ist der Passstrasse

zugewandt; der neue Teil befindet sich hinter

einem kleinen Hügel und ist mit dem alten

Gehegeteil über unterirdische Gänge und den

Frühjahrskäfig dauernd verbunden. Der Untergrund

ist felsig und nur vor einer dünnen

Grasschicht und einigen Brennnesselbüschen

bedeckt. An mehreren Stellen wurden mittels

Aushubmaterial Grabmöglichkeiten geschaffen,

welche die Murmeltiere bereits nutzen. Davon

zeugen die vielen neu angelegten Fluchtstollen.

Als Unterstände und gelegentliche Schlafplätze

dienen im alten Gehegeteil zudem Miniatur-

Walserhäuser, die im Gelände verteilt sind. Die

Wasserversorgung wurde bisher lediglich durch

einen kleinen Brunnen gewährleistet. Neu

befindet sich im erweiterten Gehege ein richtiger

„Bergsee“ mit einer kleinen Halbinsel.

Den Winter verbringen die Murmeltiere in und

unter einem angrenzenden Holzschuppen, in

dessen Innerem ein weitläufiges Kunstbau-System

mit verschiedenen Durchgängen und dickem

Strohpolster angelegt ist. Über dieses Gangsystem

sind zudem das neue und das alte Gehege

miteinander verbunden.

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STS-ZOOBERICHT 2013

Zwischen den beiden Freigehegen – und ebenfalls

an den Winterbau anschliessend – befindet sich

ein ständig offener Käfig, in welchem den Tieren

Heuvorräte zur Verfügung stehen. Dieser Käfig

wird im Frühjahr zudem als Auslauf benutzt,

solange die Aussen-gehege wegen des hohen

Schnees noch nicht ausbruchsicher sind. In dieser

Zeit (ca. 2 Monate) halten sich die Murmeltiere

ohnehin meistens noch im Bau auf; können aber

in dem geräumigen Käfig bereits an die frische

Luft, ehe dann Anfang Juni die Aussenanlagen

geöffnet werden.

so dem einzelnen Tier derzeit nicht möglich, die

ganze Anlage zu nutzen. Ein Bestandesmanagement,

welches mittelfristig zum Zusammenwachsen

der beiden Gruppen führt, wäre

wünschenswert. Wichtig ist, dass allen Tieren das

ganze Gehege ohne Absperrungen jederzeit zur

Verfügung steht.

Neu ist die gesamte Anlage mit zahlreichen Info-

Tafeln versehen, die u.a. über das Leben der

Murmeltiere wie auch die Haltungsbedingungen

informieren. Tagsüber sind selten alle Murmeltiere

zu sehen; sie kommen meist erst gegen Abend

zum Fressen ins Freie. Die beiden Tiere, welche bei

unserem Besuch beobachtet werden konnten (die

„alte“ Gruppe), machten einen sehr gesunden und

vitalen Eindruck.

Anmerkung

Derzeit befinden sich insgesamt sechs Tiere in

dem Gehege – drei stammen aus dem alten

Bestand, drei neue aus dem Tierpark Dählhölzli.

Diese beiden Grüppchen bilden momentan zwei

Familien, die das Gehege unter sich aufgeteilt

haben. Die alteingesessenen Tiere besetzen das

alte, vertraute Gelände, während die drei Neuen

sich im neuen Gehegeteil aufhalten. Leider ist es

Etwas weiter oben an der Passstrasse werden

privat ebenfalls Murmeltiere gehalten. Das mittelgrosse,

ziemlich offene Gehege macht einen eher

verwilderten Eindruck. Grabspuren und Bauausgänge

ausserhalb des Geheges zeigen, dass

die dort gehaltenen Murmeltiere das Futter und

den geschützten Stall bloss als Annehmlichkeit

nutzen, aber eigentlich „wild“ leben.

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STS-ZOOBERICHT 2013

Parc d'accueil Pierre Challandes

www.parc-challandes.ch

Dieser Tierpark ist vielmehr eine Auffangstation für verletzte einheimische Wildtiere und aus

anderen Zootierhaltungen „abgeschobene“, überzählige Wildtiere, als ein eigentlicher Zoo oder

Tierpark mit wissenschaftlichem Anspruch. Entstanden ist er aus einer privaten Tiersammlung und

Fasanen-Voliere. Der Park ist grundsätzlich nur auf Voranmeldung zugänglich, und die gesamte,

etwas unübersichtliche Tierhaltung ist von zumeist kleinen, veralteten Käfigen dominiert, die

meist nur die Mindestvorschriften an die Tierhaltung gemäss Tierschutzverordnung (TSchV)

erfüllen. Einerseits leben im Parc Challandes vorübergehend in Pflege genommene Wildtiere

(Eichhörnchen, Füchse, Vögel), die nach erfolgreicher Genesung in der nahen Umgebung

freigelassen werden. Andererseits finden sich hier sowohl einheimische Wildtiere, die ihren

Lebensabend in Pflege verbringen, als auch exotische Wildtiere wie Grosskatzen oder

Mähnenwölfe.

Es finden sich in diesem Tierpark sowohl gute Haltungsbeispiele, als auch eher fragwürdige

Tierhaltungen. Die meisten Tiere sind handzahm, und problematisch ist die Tatsache, dass die

Besucher durch die Gitter entlang der schmalen Besucherwege direkten Körperkontakt mit den

meisten Tieren aufnehmen können (Verletzungsgefahr, Gefahr der beidseitigen Übertragung von

Krankheiten v.a. bei Affen). Positiv zu vermerken ist die Tatsache, dass mit den Tieren i.A. nicht

„gezüchtet“ wird. Gemäss Aussage des kantonalen Veterinäramtes steht der Park unter

regelmässiger behördlicher Kontrolle und es wurden auf Anordnung des Amtes schon etliche

Verbesserungen in der Tierhaltung vorgenommen.

Positive Beispiele

Wildschwein

und regt zum Suchen und Aufsammeln an. Ein gut

eingestreuter Stall steht ebenfalls zur Verfügung.

Zwergziegen

Ein gut gestaltetes Gehege mit ausreichend

Auslauf für die robusten, verspielten Zwergziegen,

einem gut eingestreuten, trockenen Stall, Baumstämmen

zum Klettern und Ästen und Zweigen

zum Knabbern. Die Errichtung eines Kletterfelsens

ist gemäss Parkleitung vorgesehen.

Mähnenwolf

Ein grosszügiges Gehege mit Rückzugsmöglichkeit

und Bäumen, in dem die Tiere nach Lust und

Laune wühlen und suhlen, sich bewegen oder

ausruhen können. Futter ist im Gehege verteilt

Ausreichend Platz für die lauffreudigen Wildhunde

wird durch die weite Wiese gewährleistet, und

verschiedene Rückzugsmöglichkeiten unter

Bäumen entlang der rückwärtigen Gehegeseite,

sowie in mit Stroh gepolsterten Boxen stehen zur

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STS-ZOOBERICHT 2013

Verfügung. Wünschenswert wären allerdings

erhöhte Geländestellen, um Ausschau zu halten

und Verhaltensanreicherung durch entsprechend

präsentiertes Futter (z.B. an Bäumen aufgehängt,

unter Laub/Zweigen versteckt, an einer Schleppangel

oder in erst durch das Tier zu öffnender

„Verpackung“ präsentiert). Durch die Nachbarschaft

zum Serval- und Kaninchengehege werden

die Tiere vermutlich zusätzlich stimuliert. Es stellt

sich allerdings die Frage, ob die sehr hellhörigen,

scheuen Mähnenwölfe nicht durch den ständigen

Vorbeiflug tieffliegender Passagierjets (Flugschneise

des Flughafens Cointrin!) chronisch

gestresst werden. Gemäss Parkleitung seien die

Tiere den Lärm gewöhnt und reagierten nicht

mehr darauf.

Haustier-Gehege

(Kaninchen, Kleinvogel-Voliere)

Gute Gruppenhaltung von Kaninchen in einem

geräumigen, gut eingestreuten Stall mit verschiedenen

Unterschlüpfen und erhöhten Ausguckplätzen.

Frisches Futter und Beschäftigungsmaterial

zum Knabbern stehen ebenfalls zur

Verfügung. Etwas fragwürdig ist die unmittelbare

Nähe des Geheges zu den Mähnenwolf- und

Servalgehegen. Die Kaninchen können die

Raubtiere zwar nicht sehen, aber sicher riechen.

Unklar ist, inwieweit sie sich daran gewöhnen

können resp. durch die Nähe potentieller

Fressfeinde chronischen Stress erleiden.

Wünschenswert wäre zudem, wenn die Tiere

Grabmöglichkeiten und Auslauf im Freien hätten.

Gut ist die Haltung diverser Kleinvögel in einer

geräumigen Voliere im Innern des Verwaltungsgebäudes.

Unter der Dachschräge leben in dieser

gut ausgestatteten, hellen (Dachluke) und

sauberen Voliere u.a. Diamanttäubchen, Gimpel

und exotische Wachtelvögel. Offene Wasserstellen

sowie Nippeltränken stehen zur Verfügung; die

Voliere ist gut eingestreut und verfügt über

verschiedene, in diversen Höhen montierte Kästen

und Unterschlupfmöglichkeiten (am Boden), sowie

über Kletter- und Sitzmöglichkeiten (Äste, Seile,

Plattformen).

Negative Beispiele

Javaner-Affen

Eine nur gerade den Mindestanforderungen

gemäss TSchV genügende Tierhaltung, die m.E.

nicht tiergerecht ist! Ein winziges, enges

Innengehege, bestehend aus drei getrennten

Käfigen, ist mit einem kleinen, aber zumindest gut

strukturierten und in zwei Teilbereiche gegliederten

Aussengehege verbunden. Gemäss Parkleitung

können die Tiere die Luken nach draussen

jederzeit selber öffnen. Derzeit leben nur noch

zwei Männchen hier, die nicht gemeinsam

gehalten werden können, da sie sich sonst

bekämpfen würden. Daher werden sie auch in den

Innenräumen in zwei getrennten Käfigen

gehalten. Diese sind sehr eng und bieten nebst

einer erhöhten Sitzfläche keine weiteren

Strukturen. Die Einzelhaltung dieser sehr sozialen

Affen ist grundsätzlich nicht tiergerecht.

Die Innenausstattung der kleinen Käfige lässt

ebenfalls sehr zu wünschen übrig. Vorgeschrieben

sind für die Haltung von Makaken Kletter- und

Ausweichmöglichkeiten, Abtrenngehege, ein

geheiztes Innengehege (ausser für Berberbaffen),

sowie ausreichend Beschäftigung. Die Innenkäfige

verfügen letztlich „dank“ der Käfigstangen und

ein, zwei fest montierten Sitzflächen über

minimale Klettermöglichkeiten; das Gesamtvolumen

ermöglicht den Tieren aber nicht

annähernd, ihr angeborenes Bewegungs- und

Kletterbedürfnis auszuleben. Die einzige

„Beschäftigung“ in diesen Käfigen stellen ein paar

riesige, am Boden herumliegende Teddybären (!)

und etwas Stroh dar. Es fehlt nebst Fläche, Raum,

Licht, sozialem Gruppenleben und Kletter- und

Rückzugsmöglichkeiten jegliche mentale Herausforderung

wie z.B. ein „Fummelbrett“ oder anderweitig

geschickt versteckte Nahrung.

Das Aussengehege dürfte mit seinen ca. 40 m2

die Mindestanforderungen der TSchV erfüllen und

verfügt auch über einige Kletteräste und

Versteckmöglichkeiten (Bambus), ist jedoch mit

nur etwa 2.5 m Höhe eher niedrig, was die

Klettermöglichkeiten unnötig einschränkt. Wichtig

wäre, dass alle Tiere ein Aussengehege auch im

Winter ständig nutzen können.

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STS-ZOOBERICHT 2013

Rotfuchs

Die Fläche des Zwingers dürfte gerade die

gesetzlichen Mindestanforderungen erfüllen. In

dem Gehege fehlen Versteck- und Beschäftigungsmöglichkeiten

(z.B. Grabmöglichkeiten, Platz

für kurze Trabrunden oder Klettermöglichkeiten).

Eine Box an der Käfig-Rückseite ist für die

Besucher frontal einsehbar; die Schlafbox des

Tieres mit Plexiglas umschlossen und direkt an

den Besucherweg anschliessend, so dass das Tier

beim Schlafen beobachtet werden kann. In

unmittelbarer Nachbarschaft und praktisch ohne

Sichtschutz befinden sich Waschbären- und

Bengalkatzengehege. Gemäss Auskunft des

Veterinäramtes befindet sich unter dem Gehege

ein Röhrensystem, in das sich der Fuchs

zumindest unterirdisch zurückziehen kann. Eine

Haltung im kleinen Familienverband und in einem

deutlich grösseren, naturnahen Gehege wäre bei

dieser durchaus sozialen Caniden-Art angebracht,

zumal Sozialkontakte als zusätzliche Verhaltensbereicherung

dienen könnten. Gemäss Parkleitung

wird hier nur eine einzelne, schon sehr betagte

Füchsin gehalten, die nicht mehr ausgewildert

werden kann und im Park ihren Lebensabend

verbringt.

Diverse Wildkatzen (Schneeleopard,

Panther, Luchs, Serval, Bengalkatze)

Ebenfalls minimalistisch sind die „Gehege“, in

denen verschiedene Gross- und Kleinkatzen

gehalten werden, wobei die zahlreichen

asiatischen Bengalkatzen offenbar auch der Zucht

von Hauskatzen-Hybriden dienen. Ein gesundheitlich

offenbar angeschlagener Panther (kahle

Stellen im Fell, übergewichtig, Gleichgewichtsstörungen

und stereotypes Verhalten) befindet

sich in einem rudimentär ausgestatteten Gehege

mit zwei erhöhten Liegeflächen und einem

grossen Baumstamm als einziger Klettermöglichkeit.

Das Gehege ist schlichtweg zu klein, um der

Grosskatze auch nur annähernd artgerechte

Haltungsbedingungen zu bieten. Dieselbe Feststellung

trifft auch auf die Haltung des

Schneeleoparden und der Luchse zu.

In aneinander gereihten Gehegen von jeweils ca.

50 m2 Fläche, mit nacktem Erdboden und mit

einigen Kletter-Ästen versehen, werden je 1-2

Bengalkatzen (drei verschiedene Gehege, davon

ein noch kleineres im Erdgeschoss des

Wirtschaftsgebäudes!) sowie 1-2 Servale gehalten.

Die kleinen Holzschuppen, an welche die gut

einsehbaren Plexiglas-Schlafboxen (zumindest gut

eingestreut) angebaut sind, und die evtl. auch als

Ausguckmöglichkeit dienen (Dach), dürften die

vorgeschriebenen 20 m2 für den Innenraum

knapp erfüllen und können, da seitlich offen,

kaum als eigentlicher Innenraum für diese

Katzenarten aus gemässigten bis (sub-)tropischen

Breiten betrachtet werden. (Ein Innenraum ist

jedoch nur bei den nicht winterharten Unterarten

dieser Katzen erforderlich; Servale und

Bengalkatzen kommen allerdings auch in

grösseren Höhen (Serval) resp. nördlichen Breiten

(Bengalkatze) vor und dürften auf einen geheizten

Innenraum nicht angewiesen sein).

Bei einer der Bengalkatzen konnte – zumindest

während des Beobachtungszeitraumes – ein

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STS-ZOOBERICHT 2013

stereotyp anmutendes Verhalten beobachtet

werden (ständiges Auf- und Ablaufen entlang

dem hinteren Zaun). Ob dieses Verhalten

allerdings von Dauer ist, kann aufgrund eines

einzigen Besuchs nicht beurteilt werden.

Es fehlen offenbar die gesetzlich vorgeschriebenen

Abtrenngehege, Ausweich- und Versteckmöglichkeiten,

wirklich geeignete erhöhte

Liegeplätze, sowie ein Futterangebot, durch

welches das Tier „Arbeit“ verrichten muss, um an

das Futter zu gelangen. (Das Futter wurde am

Besuchstag auf dem Erdboden liegend präsentiert

und bestand aus einzelnen Hühnerschenkeln und

kleinen, mundgerecht zugeschnittenen Fleischhappen).

Diverse Volieren (Nymphensittich,

Türkentaube, Unzertrennliche)

Unter dem Dach des Wirtschaftsgebäudes werden

zahlreiche Vögel, aber auch Weissbüscheläffchen

in kleinen Volieren gehalten. Einige der Vogelkäfige

sind alles andere als tiergerecht, so finden

sich hier Käfige mit winziger Grundfläche und

knapp einem Meter Höhe, in welchen bis zu sechs

Türkentauben gehalten werden. Ebenfalls waren

veraltete (aber leider immer noch gesetzeskonforme)

Vogelkäfige anzutreffen, in denen ein

einzelner Nymphensittich resp. ein Paar

„Unzertrennliche“ ihr beengtes Leben fristen. Da

der Park dauernd Tiere aufnimmt, aber teilweise

auch weiter vermitteln kann, dürften diese

Haltungsbedingungen allerdings für die

wenigsten der Vögel permanent sein.

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STS-ZOOBERICHT 2013

Tierpark Aletsch, Fiesch (VS)

Bei diesem kleinen Tierpark handelt es sich um ein Ausflugsziel für Einheimische und Touristen

der Region Fiesch. In den Gehegen werden vor allem kleinere Nutz- und Heimtiere gehalten (u.a.

Meerschweinchen, Kaninchen, Zwergziegen, Minipigs und Hühner). Der Tierpark hat ausserdem

eine grosse und gut strukturierte Anlage für Steinböcke und ein Murmeltier-Gehege. Die

Zwergziegen und Schweine werden gut gehalten. Die Ziegen haben am steinigen Hang einige

Klettermöglichkeiten und können sich vor Besuchern des Streichelzoos in ein Abtrenngehege

zurückziehen. Die drei Minipigs können einen gut eingestreuten Stall und einen genügend

grossen Auslauf mit Suhle und Grabmöglichkeiten nutzen. Die Meerschweinchen leben in einem

grossen Stall, aber ohne Auslauf ins Freie, da das überwucherte Aussengehege wegen

Marderangriffen nicht mehr genutzt werden kann. Es müsste gesichert werden, wozu aber

momentan das Geld fehlt. Der Innenraum ist aber gut eingerichtet mit Einstreu, verschiedenen

Rückzugsmöglichkeiten und Kletterstrukturen bzw. verschiedenen Ebenen. Auch die Kaninchen

und Appenzeller Barthühner werden in Ställen gehalten. Die Kaninchen können im sandigen

Boden graben und Bauten anlegen, womit ein wichtiges Bedürfnis der Tiere erfüllt wird. Die

Voliere der Barthühner ist relativ klein, aber gut eingestreut und verfügt über Rückzugs- und

Aufbaummöglichkeiten.

Das Gehege der Murmeltiere ist etwa 150 m 2 gross und erfüllt damit die Mindestvorschriften der

Tierschutzverordnung für sechs Murmeltiere (im Gehege werden sechs bis sieben erwachsene

Tiere gehalten). Das von Mauern eingefasste Gehege ist mit relativ dichtem Gebüsch bestanden,

welches den Tieren Schutz gibt vor den Blicken der Besucher, die von einer Aussichtplattform auf

das Gehege hinunter schauen können. Ausserdem können die Tiere im Boden graben. Das

Gehege ist offenbar nicht ausbruchsicher; davon zeugen die Grabspuren, welche die Murmeltiere

im ganzen Parkgelände hinterlassen haben.

Die Gehege verfügen über keine Beschriftung / Informationen zu den gehaltenen Tieren. Dies soll

gemäss Parkleitung demnächst geändert werden.

Positive Beispiele

Steinbock

Ein Beispiel guter Tierhaltung ist in diesem

Tierpark das Steinbockgehege, welches einen

Grossteil der Parkfläche am Hang einnimmt. Das

ungefähr 2000 m 2 umfassende Gelände ist

unterteilt in drei Teilgehege, welche miteinander

verbunden sind. In zwei Teilgehegen befinden sich

Bäume, und der Hang ist mit zahlreichen natürlich

vorhandenen Felsen durchsetzt und bietet dem

Steinbockrudel somit ausgiebig Platz und

Möglichkeit zum Klettern.

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STS-ZOOBERICHT 2013

Im dritten Teilgehege machen die Felsbrocken

Platz für eine Wiese, welche die Tiere zum Weiden

nutzen können. In dem Gehege leben sechs Tiere;

wovon eines ein ausgewachsener und eines ein

halbwüchsiger Bock ist. Die Böcke werden auch

während des Sommers mit den Geissen gehalten,

was eigentlich nicht dem natürlichen Verhalten

entspricht, aber gemäss Parkleitung unproblematisch

sei. So könnten alle Tiere das gesamte

Gehege während des ganzen Jahres nutzen.

Anmerkungen

Auch das Gehege der Steinböcke ist offenbar

nicht völlig ausbruchsicher. Eine der Steingeissen

verlässt das Gehege regelmässig und

verbringt den Sommer teilweise in Freiheit,

kehrt aber gelegentlich zu der Herde zurück.

Überschüssiger Nachwuchs der Murmeltiere

und Steinböcke wird bisweilen ausgewildert. Bei

den Murmeltieren dürfte dies nicht ganz unproblematisch

sein, da die Überlebenschancen

von Einzeltieren ohne Familiengruppe und

eigene Bauten gering sind und Fremde von bestehenden

Kolonien selten geduldet, geschweige

denn integriert werden! Anders sieht

die Situation bei den Steinböcken aus. Die Tiere

gehören genetisch zur Gründerpopulation der

Alpenkolonien und dürfen – Zustimmung der

Jagdverwaltung vorausgesetzt – zur Aufstockung

und genetischen Bereicherung von

Lokal-populationen eingesetzt werden. Ihre

Überlebenschancen sind offenbar gut, wie das

Beispiel der in Halbfreiheit lebenden Steingeiss

des Parks zeigt, die auch gegenüber Menschen

natürliche Scheu zeigt.

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STS-ZOOBERICHT 2013

Zoo la Garenne, Le Vaud

www.lagarenne.ch

Von grosser Wichtigkeit und sehr erfreulich sind die Informationen, welche beim Eingang auf

die zukünftige Ausrichtung des Zoos hinweisen: Vergrösserung der Gehege; Fortpflanzung nur

mit Arten, die in Aussiedlungsprogramme integriert sind; keine Haltung von Tieren, denen

keine adäquaten Bedingungen geboten werden können. Zusätzlich befindet sich in diesem Zoo

eine Auffangstation für verletzte und verwaiste Wildtiere, die nach erfolgreicher Pflege wieder

in die Freiheit entlassen werden .

Die aktuellen Gehege sind hingegen grösstenteils mangelhaft. Man erkennt, dass die Gehege

aus einer Zeit stammen, als Tiere in Zoos noch „ausgestellt“ wurden. Auffallend ist, dass

vielerorts geeignete Rückzugsgebiete fehlen, in die sich die Tiere vor den Blicken der Menschen

und Artgenossen zurückziehen können. Oft sind sogar die Unterschlüpfe, Häuschen oder Boxen

von vorne direkt einsehbar .

Positive Beispiele

Igel

Ein grosszügiges und gut strukturiertes Gehege,

für welches zwei ehemalige Gehege zusammengelegt

wurden. Reichliche Unterschlüpfe und

Beschäftigungsmöglichkeiten sind vorhanden.

Die Igel können sich auch vor Menschen zurückziehen.

Grosse Geiervoliere

Anlage. Eine wirklich artgerechte Volierenhaltung

so grosser Greifvögel ist grundsätzlich nicht

möglich, da artgemässes Segelfliegen unmöglich

ist. Im Übrigen ermöglicht die langgestreckte

Anlage mit zwei Ebenen und mehreren Hochsitzen

(Äste, Felsen, Nischen) aber zumindest

kurze Flüge und bietet den Tieren viel Raum für

Bewegung zu Fuss und zum Herumklettern – was

vom jungen Bartgeier auch ausgiebig genutzt

wurde. Die Anlage ist zudem ausreichend tief,

um genug Distanz zum Besucher einzunehmen.

Etwas mehr versteckte Nischen wären aber

wünschenswert.

Vogelvoliere (Kleinvögel)

Während die alte Bartgeier-Voliere von der

Grösse her sehr zu wünschen übrig lässt, ist die

Gemeinschaftsvoliere für Gänsegeier, Mönchsgeier

und Bartgeier gut gelungen. 3 Gänse-, 1

Mönchs- und 1 junger Bartgeier teilen sich die

etwa 20 m lange, 8 m breite und 3-4 m hohe

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STS-ZOOBERICHT 2013

Verschiedene kleine Vögel (exotische Arten wie

Wellensittiche, andere Sittiche etc.) werden in

einer grosszügigen, unterteilten Voliere gehalten.

Es sind zahlreiche Sitzmöglichkeiten, geeignetes

Bodensubstrat, Futter- und Wasserstellen vorhanden.

Die Vögel können zudem eine grosse

Aussenvoliere nutzen.

Negative Beispiele

Steinmarder

Auch dieses Gehege von knapper Grösse ist viel

zu „offen“ gestaltet und bietet dem Fuchs zu

wenig Strukturen. Asthaufen, Steinhaufen,

Höhlen, Holzbeigen etc. würden den Lebensraum

gestalten und die Tiere durch Erkunden,

Futtersuche etc. beschäftigen. Der Fuchs hat in

dieser Anlage zudem überhaupt keine Rückzugsmöglichkeit,

sogar seine Schlafbox ist durch

eine Scheibe für die Besucher einsehbar.

Waschbär

Ungenügende, veraltete und zu kleine Anlage, die

vollständig betoniert ist. Es fehlen natürlicher

Untergrund, genügend Klettermöglichkeiten,

Ruhemöglichkeiten auf Bäumen (Waschbären

ruhen oft und gerne auf Bäumen) sowie

Rückzugsorte.

Das Gehege ist mit rund 24m 2 Fläche und nur 2m

Höhe schlichtweg zu klein für diesen sehr

bewegungsaktiven Marder. Es wirkt ausserdem

sehr öde und ist einbetoniert. Die wenigen,

dürren Kletteräste fordern den Marder überhaupt

nicht. Es fehlen Versteck- und Klettermöglichkeiten,

und die Anlage dürfte höher und mit

mehr Vegetation naturnäher ausgestattet sein.

Rotfuchs

Diverse Eulen (bei Zoo-Eingang)

Kleine Volieren mit meist guten Strukturen, alle

aber zu klein. In solchen Anlagen können die

Vögel nur ungenügend fliegen. Diese alten

Volieren müssten dringend zusammengelegt und

weniger Tiere gehalten werden.

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STS-ZOOBERICHT 2013

Luchs

Das Luchsgehege ist zwar mit Versteck- und

Klettermöglichkeiten reich strukturiert, doch es ist

für die Katze viel zu klein. Das Tier kann sich hier

nicht artgemäss über Distanz fortbewegen und

verschiedene topographische Geländeeinheiten

je nach Bedarf als Versteck, Ausguck oder Freilauf

nutzen. Sein Bewegungsradius ist eingeschränkt

auf einen schattigen Käfig und Stall von etwa

80 m 2 Grundfläche, was für einen Luchs einfach

zu wenig ist.

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STS-ZOOBERICHT 2013

Zoo Les Marécottes (VS)

www.zoo-alpin.ch

Der Alpenzoo von Les Marécottes liegt auf rund 1100 m.ü.M. in einer wilden Landschaft aus

Felsen, Wasser, Tannen- und Lärchenwäldern. Das Urteil zu diesem Zoo fällt grundsätzlich

positiv aus. Der Zoo zeigt grösstenteils einheimische Arten der Alpen. Die meisten Gehege

fallen durch ihre Grösse und naturnahe Gestaltung positiv auf. Die Bärenhaltung sucht

Ihresgleichen; auch das Wolfs- und die meisten Rotwildgehege haben Modellcharakter.

Erwähnenswert ist auch das Informationskonzept des Zoos: Zu sämtlichen Tierarten werden

ausführliche Informationen zu Lebensweise, Verbreitung und Gefährdung vermittelt.

Einzelne veraltete Gehege fallen negativ auf. So ist die Eulenhaltung in viel zu kleinen Volieren

nicht mehr zeitgemäss, und bei einzelnen Arten – Biber, Wildkatze, Rotfuchs, Waschbär – fehlt

es an Platz und/oder Rückzugsmöglichkeiten.

Positive Beispiele

Baribal (Amerikanischer Schwarzbär)

grosszügig dimensionierte und daher vorbildliche

Bärenhaltung.

Wolf

In dem riesigen Gehege leben vier Schwarzbären

in einer natürlichen Fels- und Waldlandschaft.

Über zehn Meter hohe Granitfelsen und

umgestürzte Baumstämme sowie zusätzlich

künstlich angelegte Gerüste ermöglichen den

geschickten Tieren ausgiebiges Klettern. Natürliche

und künstlich angelegte Steinhöhlen bieten

Witterungsschutz und Ruhemöglichkeiten. Ein

Weiher ermöglicht es den Bären, ausgiebig zu

baden und zu schwimmen. Die Bären können

dank der natürlichen Topographie mehrere

Ebenen, Winkel und Flächen im Gehege nutzen

und sich bei Bedarf in die Felsen oder den Wald

zurückziehen. Aufgrund der Grösse und Muldenlage

des Geheges ist für ausreichend Abstand

zum Publikum gesorgt. Eine sehr naturnahe,

In einem weitläufigen, aus mehreren Ebenen

bestehenden Waldgehege steht den Wölfen ein

natürlicher Lebensraum zur Verfügung. Hohe

Bäume, Felskuppen, Gebüsch, Bauten und Höhlen

strukturieren die Anlage, so dass die Tiere sich

sowohl verstecken wie auch beschäftigen können.

Die Felsen werden gerne als Aussichtspunkte

genutzt, und die Tiere bewegen sich offenbar

gerne (und nicht stereotyp!) in der Anlage,

klettern und springen in den Felsen oder dösen

im Wald oder hohen Gras. Das Gehege ist von

zwei Seiten einsehbar; die Tiere können sich bei

Bedarf gut zurückziehen.

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STS-ZOOBERICHT 2013

Steinbock

Ein riesiges, vorbildliches Steinbockgehege mit

hohen, steilen Naturfelsen, Steilhängen, Bäumen

und zusätzlichen Totholzstrukturen zum Klettern

und Balancieren. Es sind zwar naturgemäss – wie

in den alpinen Hochlagen – wenige Rückzugsmöglichkeiten

vorhanden, doch können sich die

Tiere aufgrund der Gehegegrösse aussuchen, ob

sie die Nähe des Publikums oder lieber die Ruhe

der Felsen bevorzugen. Da die Tiere leider mit

(zooeigenem) Futter gefüttert werden, sind sie

sehr zahm und halten sich meistens wie Ziegen in

einem Streichelzoo beim Gitter und dem Publikum

auf.

Ähnlich gut, wenn auch deutlich kleiner, sind die

Gehege der Gämsen, Bezoarziegen und Mufflons.

Luchs

Ein grosses Gehege mit steilen Felsen, Bäumen

und einem „Hochsitz“ mit Liegeplattform, auf den

die beiden grossen europäischen Luchse nur

durch einen Sprung von der Felswand gelangen.

Die erhöhte Liegeplattform wird offensichtlich

gerne genutzt und ermöglicht es den Tieren, in

die benachbarten Gehege zum Rotwild zu

spähen. Etwas mehr Rückzugsmöglichkeiten

(Asthaufen, Baumstämme) am Boden zwischen

den moosigen Felsen wären wünschenswert, und

es wäre gut, wenn die Tiere die Bäume im

zentralen Bereich des Geheges zum Klettern

nutzen könnten. Dies wird ihnen zurzeit mittels

Plastikfolien um die Stämme verwehrt – was aus

Sicherheitsgründen entlang des Gitters nachvollziehbar,

aber im Innern des Geheges kaum

notwendig ist.

Negative Beispiele

Eulen-Volieren

Die kleinen, dunklen und frontal einsehbaren

Volieren der Schneeeulen und Uhus sind

schlichtweg nicht mehr zeitgemäss. Die Volieren

sind viel zu beengt (max. 1.8 m hoch), dunkel,

und es fehlen geeignete Rückzugsmöglichkeiten.

Selbst die Schlafboxen sind von vorne direkt

einsehbar. Die Vögel können in diesen Käfigen

weder richtig fliegen, noch sich Wind und Wetter

aussetzen, was eigentlich Sinn und Zweck eines

Aussengeheges wäre. Zudem fehlen dringend

notwendige Sandbäder und Wasserstellen. Diese

Anlagen sollten unbedingt aufgehoben oder

deutlich erweitert werden. Evtl. wäre auf der

Gesamtfläche der drei Volieren (eine davon leer

stehend!) und bei Verzicht auf die Haltung der

(nicht einheimischen!) Schneeeule eine artgerechte

Uhu-Haltung möglich. Dazu müssten die

Volieren aber höher, tiefer, natürlicher strukturiert

und u.a. mit geeigneten Rückzugsmöglichkeiten

ausgestattet werden.

Diverse Rotwildgehege

Die Gehege von Sikahirsch, Rothirsch und Reh

sind grossflächig, verwinkelt, mit Felsen, Wald,

Dickicht und natürlichen Suhlen reich strukturiert

und ermöglichen es den Tieren, sich vor dem

Publikum oder widrigem Wetter in den Schutz

des Waldes oder der Felsen zurückzuziehen. Die

Anlagen bilden alle den auch natürlich vorhandenen

Lebensraum des Rotwildes ab.

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STS-ZOOBERICHT 2013

Biber

Wildkatze

Das Gehege der Wildkatzen ist von der Grösse

her eher bescheiden. Zwar können die Katzen

einen Stall sowie ein neues Klettergerüst mit

erhöhter Aussichts- und Ruheplattform nutzen,

doch ist das Gehege von allen Seiten einsehbar

und offen. Es fehlen Bäume und Büsche zum

Klettern, Ruhen und Verstecken oder auch nur

hohes Gras als Sichtschutz. Die scheuen Tiere sind

momentan viel zu ausgestellt.

Das Hochgebirge ist für Biber grundsätzlich ein

ungeeigneter Lebensraum, daher ist auch die

Präsentation der Tiere in einem Alpenzoo eher

fragwürdig. Das Gehege für die grossen Biber ist

viel zu klein; zu 2/3 nimmt ein eher seichtes

Wasserbecken die Gesamtfläche ein, der Rest ist

steiler, nackter Felsen. Als „Biberburg“ dient ein

Betonverschlag; frische Vegetation zum Nagen

und als Versteck fehlt fast vollständig, von einem

einzelnen, kümmerlichen Strauch abgesehen. Für

eine artgerechte Haltung wäre mehr Platz

vonnöten, tieferes Wasser, Gebüsch, eine

Uferlandschaft mit Totholzhaufen und Bäumen.

Auf die steilen Felsen könnte dagegen gänzlich

verzichtet werden.

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STS-ZOOBERICHT 2013

Zoo de Servion

www.zoo-servion.ch

Das Gesamturteil zu diesem Zoo fällt grundsätzlich positiv aus. Der Zoo fällt durch ein grosses

Engagement der Besitzer auf, zeigt aber auch die Grenzen, die einem relativ kleinen Zoo wie

Servion gesetzt sind (Finanzen, Platz). Die Besitzer sind bemüht, im Rahmen ihrer Möglichkeiten

die Gehege Schritt für Schritt zu erneuern und zu verbessern. Es ist Ihnen bewusst, dass in Servion

bei einigen Gehegen Handlungsbedarf besteht. Unterdessen wurden mehrere Gehege deutlich

verbessert und tiergerechter strukturiert. Die neuen Gehege sind grosszügig dimensioniert, und

zwischen den Gehegen und Besucherwegen befinden sich teilweise grössere Grünzonen, die den

Tieren zusätzliche Ruhe geben und auch Platz für die Entwicklung der einheimischen Fauna

(Vögel, Reptilien, Amphibien) und von Waldbiotopen ermöglichen. Die Schautafeln an den

meisten Gehegen geben ausführlich Auskunft über die Tierart und ökologische Zusammenhänge,

sowie zu Artenschutz-Themen. Verschiedene Tierarten (u.a. Schneeleopard, Luchs, Bär, Tiger)

werden mit verhaltensbereichernden Massnahmen gefordert.

Erfreulich ist insbesondere die Erweiterung des Bärengrabens durch eine (nochmals vergrösserte)

Aussenanlage und die Errichtung eines neuen Luchsgeheges. Weitere Gehegeneubauten sind

u.a. geplant für Rentiere, Tiger, Löwen, Waschbären, Wildschweine, Mufflons und Fasane. Die

Verhandlungen mit der Gemeinde (Nutzung von Wald) sind im Gang.

In direkter Nachbarschaft zum Zoo befindet sich das „Tropiquarium de Servion“. Dieses entstand

ursprünglich aus dem Zoo Servion heraus, wird heute aber als eigene Institution geführt. Das

Tropiquarium wird im kommenden Jahr im Zoobericht vorgestellt werden.

Positive Beispiele

Polarwolf

Bison

Eine grosszügige, einfache Haltung, wie sie für

diese sehr robusten Tiere ausreicht. An die Weide

sind befestigte Ausläufe, Unterstände und

Futterstellen angegliedert.

Diverse kleine Affen

Der Zoo hält neun verschiedene, kleine Affenarten,

alle mit strukturierten und geräumigen

Innengehegen und frei zugänglichen Aussenvolieren.

Die Aussenvolieren sind grosszügig

gestaltet und die dritte Dimension ist mit

zahlreichen Klettermöglichkeiten gut genutzt. Die

Bodensubstrate sind den Bedürfnissen der Tiere

angepasst, Versteck- und Rückzugsmöglichkeiten

gibt es zahlreiche.

Die drei Polarwölfe leben in einer 1400 m2

grossen Aussenanlage, die sich zum Teil im Wald

befindet, mit offenen Flächen und durchflossen

von einem kleinen Bach. Die von Natur aus

scheuen Tiere haben gute Möglichkeiten, zu den

25


STS-ZOOBERICHT 2013

Menschen genügend Distanz einzunehmen. Als

Rückzugsort und Schlafplatz stehen ein

Unterstand und eine Höhle zur Verfügung.

Schneeleopard

Im Oktober 2010 wurde das neue Gehege für die

Schneeleoparden eingeweiht. Die Tiere können

sich nun auf einem waldigen, von einem Bächlein

durchflossenen Gebiet von rund 1800 m2 Fläche

bewegen. Zudem steht ihnen in der Mitte des

Geheges ein grosser Kletterfelsen zur Verfügung,

wo sie sowohl erhöhte Liegeplätze nutzen als

auch sich in schattige, windgeschützte Nischen

zurückziehen können. Eine artgerechte Haltung

dieser bedrohten Katzenart.

Der alte Bärengraben wurde in zwei Etappen

deutlich erweitert, so dass die jetzige Bärenhaltung

als tiergerecht bezeichnet werden kann.

Im ältesten Gehegeteil (Bärengraben, Untergrund

Stein) befinden sich Klettergerüste und

Stallungen. Dieser Bereich wird von den Tieren

weiterhin gerne genutzt. Zusätzlich haben sie aber

nun die Möglichkeit, in einem grösseren

Wasserbecken zu baden und auf einer grosszügigen

Wiesenfläche mit Kletterfelsen zu grasen,

zu klettern oder zu ruhen.

Der neue Gehegeteil enthält zusätzlich ein kleines

Fliessgewässer und ist räumlich so vom alten

Gehege abgetrennt, dass sich die Tiere bei Bedarf

sowohl voreinander, als auch vor dem Publikum

zurückziehen können.

Luchs

Die beiden jungen Luchse können ein relativ

grossflächiges, waldiges Gehege nutzen. Zwar

können sie aus Sicherheitsgründen nicht auf die

Bäume klettern, aber dafür stehen am mitten im

Gehege gelegenen Stall ein Klettergerüst und

hochgelegene, sichtgeschützte Liegeplätze zur

Verfügung. Zusätzlich ermöglicht ein kleiner

Hügel das Ausschau-Halten und Sonnenbaden

und gibt zusätzliche Rückzugsmöglichkeiten. Der

Waldlebensraum mit ausreichend Unterwuchs

entspricht dem natürlichen Lebensraum dieser

unserer grössten einheimischen Wildkatze.

Syrischer Braunbär

Kaninchen und Meerschweinchen,

Zwergziegen

Diese Haustiere werden vorbildlich gehalten. Den

Zwergziegen steht eine grössere Weide mit

Kletterfelsen, Stall und erhöhten Liegeplätzen zur

Verfügung. Die Kaninchen und Meerschweinchen

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STS-ZOOBERICHT 2013

können grosszügige, dick eingestreute Ausläufe

mit Unterschlüpfen, Kletter- und Ausguckmöglichkeiten,

sowie verschiedenstem Beschäftigungsmaterial

(Rüben, Zweige, hartes Brot, Holz,

Stroh) nutzen. Wünschenswert wäre höchstens

noch eine Auslauf-Möglichkeit im Freien, sowie

Grabmöglichkeiten für die Kaninchen.

Negative Beispiele

Handlungsbedarf besteht in diesem Zoo in erster

Linie bei den alten, z.T. 30-jährigen Gehegen:

Fasanen-Volieren, Waschbär, Marderhund, Eisfuchs.

Dieser Zooteil ist überaltert, die Gehege

zum Teil zu klein.

kleinen Wasserbassin bei den Tigern – leer und

wenig attraktiv für das Bewegungs- und

Erkundungsbedürfnis der Tiere. Auch hier ist

mittelfristig eine Verbesserung geplant – mit der

Erweiterung des Zoogeländes sollen die Gehege

dieser Raubkatzen in der Fläche mehr als

verdoppelt werden und künftig Waldanteile und

eine interessantere Topographie aufweisen. Wann

genau diese Planung realisiert werden kann, ist

aber noch unklar.

Anmerkungen

Dies ist den Verantwortlichen des Zoos voll und

ganz bewusst und sie werden diese Gehege

verbessern, sobald sie die Möglichkeiten dazu

haben. Wichtig wäre dabei die Überlegung, ob

nicht auf die eine oder andere Tierart verzichtet

werden soll, damit mehr Platz für die anderen

Tierarten zur Verfügung steht.

Tiger und Löwen

Die Haltung der Tiger und der Löwen dürfte in

Bezug auf Grösse und Gehegestrukturierung

grösser und reicher gestaltet sein. Die derzeitigen

Aussenanlagen wirken – abgesehen von ein paar

Baumstämmen, einem kleinen Felsen und einem

Die verschiedenen, im Zoo Servion geplanten

Bauprojekte werden – sofern sie realisiert werden

können – die Fläche des Zoos um fast 30% um

weitläufige Waldflächen vergrössern und diverse

Vergrösserungen und Verbesserungen an verschiedenen

Tiergehegen (u,a, Grosskatzen, Rentiere,

Fasanen, Marderhund, Polarfuchs, Wildschwein)

ermöglichen. Die Zielsetzung dieses

ehrgeizigen Projekts ist ganz klar, die Lebensqualität

der Tiere zu verbessern, sowie auch ein

verstärktes Engagement in Umweltbildung

(Lehrpfad) und Arterhaltung. Dieser Zoo befindet

sich in Sachen artgerechter Tierhaltung auf gutem

Weg.

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STS-ZOOBERICHT 2013

Alpenvogelpark Grindelwald (BE)

www.alpenvogelpark.ch

Der Alpenvogelpark auf dem Ischboden bei Grindelwald ist in erster Linie eine Auffangstation für

kranke und verletzte einheimische Wildvögel, die nicht mehr in die Freiheit entlassen werden

können. Es stehen 15 Volieren bereit, in denen unterschiedlich viele Tiere gehalten werden. Zum

Zeitpunkt des Besuchs waren mehrere Uhus, Schneeeulen, Waldkäuze, Kolkraben, ein Habicht und

ein Rotmilan zu sehen. Gemäss Beschreibung auf der Homepage werden hin und wieder aber

auch Rauhfusshühner (Auerhuhn, Birkhuhn) gehalten, jedoch werden derzeit keine neuen Tiere

aufgenommen. Der Alpenvogelpark wird vom Ornithologischen Verein Grindelwald unterhalten,

und die Gehege und Vögel machen einen gepflegten Eindruck. Jedoch sind die meisten Volieren

sehr klein und können den Vögeln nicht annähernd das natürliche Bewegungsbedürfnis im Flug

erfüllen. Dies ist jedoch ein grundlegendes Problem jeglicher Volierenhaltung von Greifvögeln

und Eulen. Die Gehege können grundsätzlich nur die Ansprüche ruhender Vögel erfüllen. Bei

Vögeln, die aus der freien Wildbahn kommen, dürfte dies problematisch sein. So zeigte denn

auch einer der Uhus eine stereotype Verhaltensweise und setzte auf einem Ast immer wieder zum

Flug gegen das Volierendach an, ohne jedoch abheben zu können.

Positiv zu erwähnen sind die guten und informativen Informationstafeln an den Volieren und die

Tatsache, dass mit Ausnahme der Schneeeulen alles einheimische und an die natürliche

Umgebung angepasste Arten gehalten werden. Zudem verfügen sämtliche Volieren über

genügend Rückzugs- und Aufbaummöglichkeiten, sowie über Sand- und Wasserbäder.

Positive Beispiele

Uhu, Rotmilan

Für die Uhus stehen zwei grössere Volieren zur

Verfügung, in denen jeweils 3-4 Tiere gehalten

werden. Die Volieren sind mit verschiedenen

Baumstämmen, Sitzästen, Boxen und kleinen

Tannenbäumen als Sichtschutz ausgestattet und

verfügen über sandigen Boden, der ein Sandbad

ermöglicht, sowie über Wasserbecken. Die

Volieren sind relativ hoch und ermöglichen es den

Vögeln, höher gelegene Aussichtsposten

einzunehmen. Da die Volieren nur von einer Seite

einsehbar und am Dach teilweise überdeckt sind,

haben die Vögel auch genügend Rückzugsmöglichkeiten.

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STS-ZOOBERICHT 2013

Die Voliere des Rotmilans ist mit rund 6 m Höhe

und einer Grundfläche von ca. 30 m 2 die grösste

Voliere im Alpenvogelzoo. Die darin befindlichen

Baumstämme und Bäumchen reichen bis zum

Dach, so dass der Greifvogel hoch über den

Köpfen der Besucher sitzen und das Gebiet im

Auge behalten kann. Sandbäder, Boxen, Sitzbretter

und ein Wasserbad vervollständigen die

Einrichtung des Geheges, womit den Ansprüchen

des Vogels – bis auf richtige Flugmöglichkeiten –

Genüge getan wird.

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STS-ZOOBERICHT 2013

BärenPark Bern

www.baerenpark-bern.ch

Mit dem neuen Bärenpark in Bern gehört die unwürdige Haltung der Berner Bären im

Bärengraben seit 2009 der Vergangenheit an. Den Syrischen Braunbären steht eine

grosszügige Anlage am Hang der Aare zur Verfügung, die mit dem alten Bärengraben mittels

eines unterirdischen Durchgangs verbunden ist. Der kleinere Graben wurde als Tiergehege

aufgehoben und kann von den Besuchern besichtigt werden.

Erfreulich ist, dass das aktive Füttern der Bären

aufgegeben wurde. Ein wichtiger Schritt weg von

„abhängigen Bettelbären“ hin zu „wilden Bären“,

die ihr Futter selber suchen und dafür etwas

leisten müssen. Aus Sicht der artgemässen

Tierhaltung ein zentrales Anliegen, um den Tieren

genügend Beschäftigung zu bieten. Positiv zu

erwähnen ist auch der Umstand, dass das

Bärenmännchen „Finn“ sterilisiert wurde und im

Bärenpark künftig auf Nachwuchs verzichtet wird.

Denn es gibt längst viel zu viele Braunbären in

Zoos und Tierparks, so dass Jungtiere kaum mehr

vermittelt werden können.

Das Bärenmännchen „Finn“, seine Partnerin

„Björk“ und deren Tochter, „Ursina“ können die

ganze Anlage ganzjährig während 24 Stunden am

Tag nutzen. Ihnen stehen ein grosses

Schwimmbecken, Winterhöhlen, Kratzbäume,

Kletterbäume, Sträucher und verschiedenste

Bereiche und Ebenen zur Verfügung. Die Anlage

ist aktuell noch etwas leer, weitere Strukturen wie

Wurzelstöcke, Asthaufen etc. sind geplant und

werden noch eingebracht. Dank der Grösse der

Anlage können die Bären bei Bedarf genügend

Abstand zu den Besuchern einnehmen und sich

so zurückziehen.

Mit dem Bärenpark Bern wurde an diesem

schwierigen Ort, welcher als gegeben vorausgesetzt

war, das Beste erreicht. Auch die

Hauptstadt der Schweiz mit zahlreichen Gästen

aus dem In- und Ausland kann nun mit gutem

Gewissen behaupten, dass sie anstelle des

Bärengrabens über eine tiergerechte Anlage verfügt.

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STS-ZOOBERICHT 2013

Freilichtmuseum Ballenberg

www.ballenberg.ch

Im Freilichtmuseum Ballenberg bei Brienzwiler (BE) werden nebst über 100 jahrhundertealten

Gebäuden aus allen Landesteilen der Schweiz 250 verschiedene Bauernhoftiere vor allem

bedrohter einheimischer Rassen gezeigt. Dazu gehören bspw. die Pfauenziege, das

Schwarznasenschaf, Rhätisches Grauvieh und Evolène-Rinder, Diepholzer Gänse und Appenzeller

Barthühner, sowie das Schweizer Warmblut (das als Kutschpferd eingesetzt wird). Mit Ausnahme

einer Voliere, in der Sittiche und Kanarienvögel gehalten werden, handelt es sich bei allen auf

dem Ballenberg gezeigten Tieren um domestizierte Nutztiere. Die meisten Tiere werden gut bis

sehr gut gehalten: Es stehen grosszügige Weiden, zertifizierte Stallsysteme und angeschlossene

Koppeln zur Verfügung. Die Stallhaltung ist ebenfalls grösstenteils in Ordnung, wobei sie

teilweise wohl einen Kompromiss zwischen den Anforderungen der Tierschutzverordnung und

der historischen Detailtreue darstellt. Beim Freilichtmuseum handelt es sich um einen

Sömmerungsbetrieb; die Tiere verbringen den Winter bei ihren Besitzern in Ställen ausserhalb des

Ballenberg.

Positive Beispiele

Diverse Nutztiere

Die Haltung der meisten Tiere ist gut bis

vorbildlich. So verfügen die verschiedenen Hühner

über mehrere, ständig zugängliche Stallungen, die

allesamt vom Verband „Kleintiere Schweiz“

zertifiziert sind und die Mindestanforderungen

der Tierschutzverordnung übertreffen. An die

Hühnerställe schliessen Aussengehege mit Sandbädern,

Nippeltränken und erhöhten Sitzstangen

sowie Versteckmöglichkeiten an. Die Aussengehege

wiederum sind geöffnet, so dass die

Hühner freien Auslauf auf dem gesamten Gelände

des Freilichtmuseums (inkl. mancher historischer

Ställe und Scheunen als Unterschlupf) geniessen

können. Lediglich Hennen mit Küken werden zu

ihrer eigenen Sicherheit (Füchse, Hunde) offenbar

vorübergehend eingesperrt. Auch Gänse (mit

eigenem Stall und Schwimmteich), Truten und

Tauben (mit eigenem Schlag) geniessen grösstenteils

Freilauf und –flug, und ihre Stallungen und

Volieren sind ihren Bedürfnissen entsprechend

eingerichtet.

Rinder, Pferde, Maultiere, Esel, Ziegen und Schafe

geniessen Weidegang, teilweise direkt an ihre

Stallungen anschliessend, teilweise auch ohne

direkten Stallzugang.

Die Kühe und Kälber leben in Mutterkuhhaltung in

der Herde. Die Ziegen und Schafe wechseln

regelmässig die Weide.. Bei der während des

Besuchs angetroffenen Ziegen-haltung auf einer

Wiese fehlten Unterstände für sämtliche Tiere,

sowie Klettermöglichkeiten. Dafür standen

reichlich Auslauf in der Herde, eine Weide, sowie

Tränken und Salzlecken zur Verfügung. Gemäss

Parkleitung können die Ziegen an anderen Stellen

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STS-ZOOBERICHT 2013

auch klettern. Die Ziegen beim Kinderspielplatz

können zusätzlich erhöhte Liegeplätze beim Stall

sowie grosse „Holzrugel“ als Klettermöglichkeit

nutzen.

Vorbildlich ist der Innenbereich eines der

Taubenschläge. Der grosszügige, saubere und

trockene Innenraum mit Sandboden für die

Gefiederpflege verfügt über verschiedene Sitzstangen

in unterschiedlichen Höhen und über

grosszügige Zellen für mehrere Zuchtpaare. In der

anschliessenden Aussenvoliere gibt es weitere

Sitzstangen, sowie eine Badegelegenheit. Einziger

Wermutstropfen: Die Vögel sind in der Voliere

eingesperrt. Die Tauben aus einem anderen

Taubenschlag im Freilichtmuseum geniessen dagegen

Freiflug…

Die Koppeln für die Haus- und Wollschweine

verfügen allesamt über Boxen, trockene Liegeplätze

(Holzplanken) und Suhlen und haben

Zugang zu den Koben im Inneren der angrenzenden

Ställe. Die Koppel der Wollschweine

ist auch topographisch etwas strukturiert

(mehrere Terrassen, durch eingegrabene Baumstämme

als Schwellen getrennt), und es steht

Stroh als Beschäftigungsmaterial zur Verfügung.

Gemäss Parkleitung werden die Schweine

zusätzlich täglich mit frischem Gras versorgt.

Allerdings haben sie keine Möglichkeit zu

Weidegang, wo sie ihr natürliches Wühlbedürfnis

ausleben könnten.

Es macht den Anschein, als seien die meisten Tiere

während der ganzen Saison auf den Weiden oder

Koppeln. Eingestallt würden sie je nach Witterung,

so die Tierparkleitung – im Sommer hauptsächlich

bei zu grosser Hitze, im Frühjahr und Herbst

nachts, wenn es kalt wird.

Negative Beispiele

Kaninchen

An mehreren Orten werden – wohl der Geschichtstreue

wegen – Kaninchen in klassischen,

aber veralteten Käfigen gehalten, wie es auf

Bauernhöfen leider lange Tradition war. Immerhin

entsprechen die Stallungen den Vorgaben des

Züchterverbands „Kleintiere Schweiz“: Es gibt

keine (artwidrige) Einzelhaltung, jeweils zwei

Boxen sind miteinander zu einer Doppelbox

verbunden, und die Käfige sind mit minimalen

separaten Rückzugsnischen, erhöhten Liegeflächen,

Heuraufen und Tränken ausgestattet und

gut eingestreut. Jedoch stellen solche Käfighaltungen

eine massive Einschränkung der

Bewegungsfreiheit der Tiere dar: Es fehlen Grabmöglichkeiten

und der notwendige Platz zum

Hoppeln, Rennen und Hakenschlagen, womit die

Tiere ihre Muskulatur ausreichend gebrauchen

könnten. Die Käfige sind ausserdem frontal und

teilweise seitlich einsehbar, so dass die Tiere kaum

Rückzugsmöglichkeiten vor den Besuchern haben.

Die Vorgaben von „Kleintiere Schweiz“ für ihre

zertifizierten Stallsysteme sind hier eindeutig

ungenügend und entsprechen nicht einer artgerechten

Kaninchenhaltung. Die Tiere benötigten

insbesondere viel mehr Bewegungsspielraum, der

ein richtiges Gruppenleben ermöglicht, sowie

Grabmöglichkeiten, um Stollen und Bauten

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STS-ZOOBERICHT 2013

anzulegen. Die angetroffene Haltung widerspricht

auch den Informationen des Zürcher Tierschutz,

der auf im ganzen Park verteilten Informationstafeln

Auskunft zu den verschiedenen

Tierarten, ihrer Lebensweise und ihren Haltungsansprüchen

gibt. Gemäss Auskunft der Tierparkleitung

werden die Kaninchen manchmal mit so

genannten Kaninchenmobilen auf die Weide

gelassen; es ist allerdings fraglich, wie oft die

einzelnen Tiere davon profitieren, und ob dies

ausreicht, um die beengte Haltung in den Boxen

zu kompensieren!

Fraglich ist ausserdem, ob auf die eher triste,

wenig strukturierte und schattige Ziervogel-

Voliere mit Sittichen und Kanarienvögeln nicht

verzichtet werden könnte.

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STS-ZOOBERICHT 2013

Juraparc, Vallorbe

www.juraparc.ch

Der Juraparc liegt im Jura in einem engen, wasserarmen Tal auf ca. 1000 m.ü.M.. Gehalten

werden dort Braunbären, Wölfe, Bisons und Przewalskipferde. Die Gehege sind allesamt sehr

grosszügig angelegt. Die Besucher können den Park über erhöhte Stege besuchen und die

Tiere von dort aus beobachten.

Aktuell wird der Park vergrössert, neue Besucherstege werden erstellt. Negative Beispiele von

Tierhaltungen finden sich hier nicht.

Positive Beispiele

Bisons

Die grossen Tiere aus den flachen Prärien

Nordamerikas können ausgedehnte Weiden

nutzen, die mit Wasserstellen versehen sind. Sie

können bei Bedarf genügend Distanz zu den

Besuchern einnehmen.

Grösse her eher minimal (Wasserknappheit und

wasserdurchlässiger Untergrund).

Braunbären / Wölfe

Die Braunbären leben gemeinsam mit Wölfen in

mehreren Gehege. Diese können bei Bedarf für

die Wölfe oder für beide Tierarten verbunden

oder getrennt werden. Die Flächen sind gross

genug, damit die Tiere sich ausweichen, das

Gehege erforschen und herumwandern können.

Ein Teil der Gehege besteht aus Weide,

durchsetzt mit grossen Felsblöcken, der andere

Teil aus einem steilen, felsigen Waldstück. Zur

Futtersuche bietet das Gehege viele Strukturen

wie Asthaufen, Totholz, Gebüsche etc. Die

Wasserstelle wurde vergrössert, ist von der

Dank der Gemeinschaftshaltung sind die Tiere

dauernd gefordert und beschäftigt, indem sie

immer wieder mit der Artgenossen oder Tieren

der anderen Tierart zusammentreffen, sich

orientieren müssen, wer da vorbei geht. Ein gutes

Beispiel einer für Besucher interessanten und für

Tiere artgemässen Haltung.

Przewalskipferde

Auch diese Tiere leben in einer artgemässen

Gruppe in grosszügigen Gehegen, welche ihren

Bedürfnissen gerecht wird. Sie können eine

ausgedehnte Weide nutzen, die ihnen rennen,

galoppieren und weiden ermöglicht. Ein

Witterungsschutz (Regen, Sonne) ist vorhanden.

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STS-ZOOBERICHT 2013

Johns kleine Farm, Kallnach

www.johnskleinefarm.ch

Dieser kleine Tierpark hält - trotz der beschränkten Möglichkeiten - seine Tiere gut. Die

Verantwortlichen sind stets bemüht, die Gehege zu optimieren und Verbesserungen werden

laufend realisiert. Aktuell wird die Vergrösserung und Verbesserung der Luchs- und Uhuhaltung

geplant. Negative Beispiele von Tierhaltungen finden sich keine in Kallnach. Johns kleine Farm

hat sich spezialisiert auf Erfahrungen für Sehbehinderte (Blindenschrift, Touch-Boxen). Ein sehr

erfreuliches Engagement.

Positive Beispiele

Dachs / Fuchs

Waschbären, Iltisse

Eine grosszügige Gemeinschaftsanlage, mit

Verstecken, Klettermöglichkeiten und vielfältigen

Strukturen. Die Bedürfnisse der Tiere werden

berücksichtigt, sie könne Futter suchen, sich

verstecken, klettern etc. Die alte, kleine Wasserstelle

wurde durch einen sprudelnden Bach, der

in einen Teich fliesst ersetzt. Diese neue Struktur

im Gehege bietet den Waschbären und Iltissen

eine zusätzliche, artgemässe Beschäftigungsmöglichkeit.

Ein reich strukturiertes Gehege, das erweitert

wurde und manchmal ein Suchen der Dachse und

der Füchse nötig macht. Oft sind sie nicht zu

sehen, da sie sich in ihrer Box, im Stall oder in

einem Versteck aufhalten. Im gemeinsamen

Gehege von Fuchs und Dachs stehen den Tieren

Höhlen, erhöhte Liegeflächen und Rückzugsboxen

zur Verfügung. Der neue Teil kann bei

Bedarf abgetrennt werden. Die erhöhten

Rückzugsboxen sind so konstruiert, dass sie nur

von den Füchsen genutzt werden können, was

ihnen einen sicheren Rückzugsort gibt. Das

Gehege ist mit viel Astmaterial, Büschen und

Altholz sehr gut strukturiert. Die Tiere können

sich bei Bedarf gut vor Artgenossen oder der

anderen Tierart zurückziehen oder ihnen

ausweichen. Geplant ist eine zusätzliche

Erweiterung, sobald das Nachbarsgehege frei

wird (Zebu-Rinder werden abgegeben).

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STS-ZOOBERICHT 2013

Stachelschwein

Das Gehege der Stachelschweine wurde neu

gebaut und an einen sonnigeren Standort

gezügelt. Neu steht den Tieren ein ca. 80 m 2

grosses Gehege zur Verfügung mit einer Höhle

als Rückzugsort, in welcher die Tiere richtig

graben können. Die Anlage ist abwechslungsreich

gestaltet mit unterschiedlichen Ebenen und

verschiedenem Untergrundmaterial (grober

Beton zur „Krallenpflege“, Holzschnitzel, Sand,

Erde). Reichlich Astmaterial bietet Sichtschutz und

Beschäftigung.

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STS-ZOOBERICHT 2013

Papiliorama / Nocturama, Kerzers

www.papiliorama.ch

Das Zentrum dieses speziellen Zoos in der Schweiz bilden das Papiliorama und das Nocturama,

zwei riesige runde Gebäude, in denen zahlreiche Tiere gehalten werden, sowie der „Jungle Trail“,

ein auf mehreren Ebenen begehbarer Regenwald. Das Engagement für den Schutz des Tropenwald-Schutzgebiets

„Shipstern“ in Belize, sowie die Bildung (Führungen, Schulklassen etc.) werden

in Kerzers gross geschrieben.

Positive Beispiele

Papiliorama

(Schmetterlinge, Vögel, Fische)

konstruiert, dass es nur sehr wenig Licht einlässt

und eine „Vollmond-Beleuchtung“ imitiert. Die

richtige Nacht wird mittels Kunstlicht für die Tiere

zum „Tag“. Hierdurch lassen sich die vorwiegend

nachtaktiven Tiere wie Baumstachler, Brillenkaiman,

Wickelbär, Faultier und Fledermäuse bei

sehr wenig Dämmerlicht beobachten.

Im Nocturama gibt es verschiedene Gehege, die

meisten einigermassen grosszügig erbaut mit den

nötigen Strukturen (verschiedene Bodensubstrate,

Kletterstrukturen, Verstecke, etc.), welche die verschiedenen

Tierarten für ein artgemässes Leben

benötigen. Manche Gehege (z.B. der Baumstachler)

sind aber doch etwas kahl und von

Kunstbeton beherrscht. Fledermäuse fliegen frei

im ganzen Gebäude herum.

Hier leben unzählige, exotische Schmetterlinge,

einige Vogelarten (z.B. Enten und Zwergwachteln)

und verschiedene Fische, u.a. auch Süsswasser-

Rochen, in den Weihern. Die Tiere können sich

alle frei bewegen, auch den Vögeln ist ein

artgemässes Fliegen möglich. Mit seinen Teichen,

seiner Tropenwaldvegetation, den vielen Blüten

und dem schwül-warmen Klima kommt das

Papiliorama dem natürlichen Lebensraum in Belize

sehr nahe.

Nocturama

(Ozelot, Anakonda, Greifstachler,

Faultier, Gürteltier, Nachtaffen)

Das Pendant zum Papiliorama mit Tageslicht

bildet das Nocturama, bei dem der Tages- und

Nachtrhythmus künstlich umgekehrt wird. Das

Dach ist im Gegensatz zum Papiliorama so

Das Gehege des Ozelot verfügt über ein Aussengehege,

das in den Dämmerstunden geöffnet

wird. Trotzdem ist die Haltung dieser relativ

grossen Katzen eher minimal vom Platzangebot

her, da die Tiere den Grossteil des Tages ausschliesslich

im Innengehege verbringen.

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STS-ZOOBERICHT 2013

Beim Besuch zeigte ein Ozelot lange anhaltendes,

stereotypes Hin- und Hergehen an der Gehegegrenze

(Glasscheibe). Diese Verhaltensstörung

kann als Hinweis auf eine ungenügende Haltung

gedeutet werden.

Begegnungszone „Tier und Kind“

(Esel, Hängebauchschwein, Hühner, Zwergziegen,

Hauskaninchen, Pfauen, Enten)

Einheimische Schmetterlinge

Diese Aussenanlage ist sehr gut konzipiert und

erlaubt Kindern und Erwachsenen mit den Tieren

auf Tuchfühlung zu gehen. In dieser Zone sind

ausschliesslich domestizierte Tiere gehalten, die

sich in der ganzen Anlage frei bewegen können.

Für die verschiedenen Tiere stehen diverse Ställe

zur Verfügung. Die Besucher sind auf einem Weg

geleitet, welcher mit einer roten Linie begrenzt ist.

Die Regel gilt, dass sich die Menschen auf der

einen Seite der roten Linie aufhalten müssen und

somit die Tiere den Grossteil des Geheges für sich

nutzen können und den Kontakt mit Menschen

selber wählen. Es gilt zudem richtigerweise ein

Fütterungsverbot.

Wollschweine

Die robusten Schweine leben in einem grosszügigen

Aussengehege, in welchem sie nach Lust

und Laune wühlen können. Eine grosse Schlammsuhle

in der Mitte ermöglicht ihnen auch eine

artgemässe Körperpflege (Abkühlung im Sommer,

Schutz gegen Parasiten), genügend Scheuermöglichkeiten

sind vorhanden.

Eine tolle, einmalige Anlage stellt die Voliere mit

den einheimischen Schmetterlingen dar, welche

für die Besucher begehbar ist.

Das mit einem feinen Maschendraht überspannte

Areal beherbergt viele Tagfalter aus unserer

Natur, die aus nächster Nähe beobachtet werden

können und den ganzen Raum frei nutzen

können. Auch Reptilien wie Mauereidechsen sind

in diesem schön gestalteten Lebensraum zu

beobachten.

Jungle Trail

In dieser Regenwald-Halle wird ein Ausschnitt aus

dem tropischen Regenwald von Belize nachgestellt.

Verschiedenste Vogelarten, Fische und

Reptilien leben in diesem grosszügigen Freigehege.

Die Besucher können das Gelände auf

geführten Wegen begehen und von einem Baum-

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STS-ZOOBERICHT 2013

weg aus auf das Kronendach hinab blicken. In

angrenzenden, grösstenteils tiergerecht strukturierten

Gehegen leben u.a. Halsband-Pekaris

(südamerikanische Nabelschweine), Nasenbären,

sowie eine Tayra (südamerikanische Marder-Art).

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STS-ZOOBERICHT 2013

Zoo du Bois du Petit Château,

La Chaux-de-Fonds

www.mhnc.ch

Beim Zoo in La Chaux-de-Fonds handelt es sich um eine mittelgrosse Institution. Es werden

relativ viele Tierarten gehalten in unterschiedlich tierfreundlichen Gehegen. Insbesondere die

Wildgehege sind grosszügig und naturnah angelegt. Dagegen stammen etliche kleinere

Haltungseinheiten, bspw. der Steinmarder oder der Reptilien im Vivarium aus früheren

Jahrzehnten, sind für die darin lebenden Tiere eher zu klein und wirken mit viel Beton oder

Kunstpflanzen auf den Besucher wenig tierfreundlich. Die neue Leitung des Zoos ist jedoch

bestrebt die teilweise veraltete Tierhaltung gemäss dem Konzept „mehr Platz, weniger Tiere“ zu

verbessern. Das Informations-Konzept des Zoos ist gut: Neue Schilder verraten viel

Wissenswertes über die Tiere und den Artenschutz, und der Zoo arbeitet im pädagogischen

Bereich eng mit dem Naturhistorischen Museum der Stadt zusammen, das künftig auf dem

Zoogelände untergebracht werden soll. Der Tierpark betreibt ausserdem eine der grössten

Wildtier-Auffangstationen der Romandie und ist u.a. ein Kompetenzzentrum für die Pflege

kranker und verletzter Greif- und Singvögel, sowie Fledermäuse.

Positive Beispiele

Fuchs

Damhirsche

Die Hirsche leben in einem relativ grossen Gehege,

welches aus einer Wiese mit einigen

Bäumen besteht. Ein Chalet-änliches Gebäude

dient als Stall, der frei zugänglich ist.

Das Gehege ist grosszügig gebaut. Die Tiere

können herumstreifen und sich artgemäss verhalten.

Grosse Bäume liefern im Sommer den

nötigen Schatten, der Waldboden mit zahlreichen

Felsbrocken den richtigen Untergrund und genügend

Unterschlüpfe. Eine gelungene Haltungseinheit.

Streichelzoo (Zwergziegen, Esel)

Die Begegnungszone für Kinder und Tiere ist sehr

grosszügig gestaltet mit einem grossen, abgetrennten

Bereich, welcher nur den Tieren zugänglich

ist. Im Gehege leben Zwergziegen und

Esel.

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STS-ZOOBERICHT 2013

Steinbock

Dem kleinen Steinbockrudel steht ein relativ

grosses Gehege mit einem steilen, grossen

Kletterfelsen und einem grosszügigen Unterstand

mit Heuraufen und erhöhten Liegeflächen zur

Verfügung. Der steinige Untergrund ermöglicht

eine artgemässe Abnutzung der Hufschalen;

spärliche Grasflächen entsprechen den alpinen

Rasen des natürlichen Verbreitungsgebiets.

Anmerkungen

Die im Folgenden beschriebenen Tierhaltungen

sind bezüglich ihrer Tiergerechtigkeit, aber auch

bezüglich der pädagogischen Wirkung in Bezug

auf die Tierhaltung, verbesserungswürdig. Die

neue Tierparkleitung ist sich der Problematik aber

durchaus bewusst und bestrebt, Verbesserungen

herbeizuführen.

Vivarium

Im Vivarium sind verschiedenste Tierarten – u.a.

eine grosse Sammlung giftiger Schlangen –

aneinandergereiht. Die verschiedenen Terrarien

sind zum Teil für die grösseren Tierarten

(Anakonda, Netzpython) eher zu klein. Die

Haltung von Krokodilen wurde sinnvollerweise

aufgegeben; in dieser Anlage leben nun

Schmuckschildkröten. Die Terrarien an sich sind

gut, allerdings aus Hygienegründen gänzlich mit

künstlichen Materialien und Pflanzen strukturiert,

verfügen über Rückzugsbereiche, wo die Tiere vor

den Besuchern ungestört sind, und eine

„rotierende“ Heizung, welche die wandernde

Sonneneinstrahlung imitiert und die Tiere veranlasst,

sich wie in freier Natur regelmässig zu

deplatzieren. Eine Beschränkung auf weniger

Tierarten in grösseren Gehegen wäre allerdings

angebracht. Mit dem geplanten Neubau des

Naturhistorischen Museums auf dem Areal des

Zoos soll auch das Vivarium rundum erneuert

werden.

Europäischer Fischotter und Zwergotter

Die beiden Fischottergehege grenzen aneinander,

die Innengehege sind im gleichen Gebäude

untergebracht. Das Aussengehege der Zwergotter

besteht aus einem Betonteich mit einer Insel und

einem anschliessenden, ebenfalls betonlastigen

Gehegeteil. Die beiden Gehegeteile werden aber

alternierend von den Zwergottern (beschlagnahmte

Tiere aus einem Schmuggelfall) sowie

einem einzelnen, weiblichen Europäischen Fischotter,

der für das Erhaltungszuchtprogramm vorgesehen

ist, genutzt. Daher können zurzeit nicht

alle Tiere ganzzeitig das gesamte Gehege nutzen.

Auf der Insel befinden sich ein paar Steine, der

Boden ist mit Holzschnitzeln eingestreut. Das

Gehege wurde vor zwei Jahren um rund 170 m2

erweitert und enthält nun auch Büsche und einige

natürliche Versteckmöglichkeiten im Freien. Somit

wurde der Hauptkritikpunkt des alten Fischottergeheges

beseitigt und könnte die Tierhaltung

als genügend bezeichnet werden, wenn allen

Tieren das ganze Gehege zur Verfügung stünde.

Bereits geplant und teilweise in Realisierung ist

der Neubau eines eigenen Zwergotter-Geheges,

so dass die Fischotter künftig das ganze

erweiterte Gehege nutzen können (vorgesehen ist

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STS-ZOOBERICHT 2013

die Aufnahme eines Männchens und die Zucht im

Rahmen des Erhaltungszuchtprogramms EEP).

Braunbären

Die Bärenhaltung ist schlicht nicht mehr

zeitgemäss. Einer der in dem Gehege gehaltenen

Bären zeigt zeitweise ein stark stereotypes

Verhalten (Auf- und Ablaufen). Allerdings wurden

in den letzten Jahren einige Verbesserungen

vorgenommen und soll die Bärenhaltung nach

dem Ableben der jetzt noch hier lebenden, alten

Tiere gänzlich aufgegeben werden. Neu befindet

sich eine rund 3.6 m hohe hölzerne Kletterstruktur

im Gehege, welche den Tieren artgemässes

Klettern ermöglicht. Zudem können sie von dort

oben die vom Wind herbeigetragenen Gerüche

aus der Umgebung besser wahrnehmen, was

ebenfalls zur Bereicherung beiträgt.

Der Grossteil des Bodens ist betoniert, ein Teil mit

Holz-schnitzeln eingestreut, um den Bären ein

wenig Grabmöglichkeiten zu bieten. Demnächst

zu realisierende Umbauten sehen vor, dass künftig

der ganze Gehegeboden aus Holzspänen statt

Beton bestehen soll. Als Beschäftigungsobjekte

dienten bis vor Kurzem noch Autoreifen und

orange Markierungshüte im Gehege. Unterdessen

werden aber spezielle Bärenspielzeuge verwendet,

u.a. eine Hängematte, hohle Kugeln zum Verstecken

von Futter, sowie elastische Seile, um

Futter in den Kletterstrukturen aufzuhängen.

Zusätzlich werden den Tieren regelmässig „Bären-

Glacés“ aus Eis mit darin eingefrorenen Fischen

und Früchten angeboten. Zwei liegende Baumstämme

schliessen die Möblierung ab, zwei kleine

Wasserbecken ermöglichen aber leider kein

richtiges Schwimmen. Das eine Wasserbecken soll

demnächst deutlich vergrössert und vertieft

werden.

Der Zoo hat 2012 eine kanadische Bären-

Spezialistin, Else Poulsen, für eine Beratung beigezogen.

Gemäss ihren Ratschlägen sollen bis

Ende 2013 insgesamt folgende weitere Verbesserungen

im Gehege vorgenommen werden:

- Anpassung des Ernährungsplanes, um die natürlichen

Variationen im Lauf der Jahreszeiten besser

wiederzugeben (erfüllt);

- Schaffung eines natürlichen Bodenbelags mit

Rindenmull (teilweise erfüllt);

- Neue, besser geeignete Winterhöhlen (teilweise

erfüllt);

- Vergrösserung des Wasserbeckens (geplant).

Wünschenswert aus Sicht des STS wäre zudem

eine bessere Strukturierung des Geheges mittels

Büschen, Flächen mit hohem Gras oder alten

Wurzelballen. Sollten diese Anpassungen bis 2013

vorgenommen und die Bärenhaltung mittelfristig

aufgegeben werden, kann man davon ausgehen,

dass die ungenügende Bärenhaltung in La Chauxde-Fonds

bald definitiv der Vergangenheit angehört.

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STS-ZOOBERICHT 2013

Raubtierpark Strickler, Subingen (SO)

www.raubtierpark.ch

Der Raubtierpark in Subingen (SO) stellt rund 30 Grossraubtiere zur Schau – Tiger, Leoparden,

Löwen, Pumas, sowie einen Kragenbären. Der Park stellt den Anspruch, dem Besucher nahen

Kontakt zu Grossraubtieren zu ermöglichen und seine Tiere zu beschäftigen, indem sie

regelmässig in der Manege vorgeführt werden. Auf einer Fläche von 12`000 m 2 werden rund 30

Grosskatzen gehalten, was – Wege und Wirtschaftsgebäude nicht eingerechnet – eine Fläche von

etwa 300 m 2 pro Tier ergibt. Das ist zwar deutlich mehr, als die minimalistische

Tierschutzverordnung erfordert, jedoch sind die einzelnen Gehege eher klein, und es leben darin

oft ganze Raubtiergruppen. Sämtliche Tiere werden in sogenannter „hands on“-Haltung gehalten,

d.h. sie sind handzahm gegenüber ihrem Tierlehrer, Herrn René Strickler. Dies ermöglicht gemäss

Herrn Strickler eine intensive Beschäftigung, stressarmes Handling (z.B. bei Gesundheitschecks

und Routineeingriffen), emotionale Motivation und genaue gesundheitliche Überwachung. Im

Gegensatz dazu steht die „hands-off“-Haltung der grossen Zoos, wo die Grosskatzen nicht

gezähmt werden und sich weiterhin wie Wildtiere verhalten. Vorteil dieser Haltung ist, dass sie

dem Publikum eher vermittelt, dass es sich um Wildtiere handelt und man nicht Gefahr läuft, die

Tiere zu vermenschlichen. Nachzuchten aus „hands-off“-Haltung sind auch viel eher für ein

Erhaltungszuchtprogramm geeignet.

Der Schweizer Tierschutz STS vertritt die Ansicht, dass die Tierhaltung den Ansprüchen des

Wildtieres Genüge tun muss und Wildtiere wie Grosskatzen nicht gezähmt werden sollten. Denn

eine „hands-on“-Haltung läuft Gefahr, nicht

domestizierte und nicht domestizierbare Tierarten

wie Haustiere zu präsentieren und damit

weder die artspezifischen Haltungsansprüche zu

gewährleisten, noch einen realistischen Beitrag

zum öffentlichen Bewusstsein für die Lebensweise

und Bedrohung dieser Tierarten zu leisten.

Die Auftritte in der Manege mögen eine wichtige

Bereicherung des Alltags in den relativ kleinen

Gehegen sein, doch können sie weder das

natürliche Verhaltensrepertoire ersetzen, noch

ungenügende Haltungsbedingungen verbessern.

Positive Beispiele

Leoparden

Den beiden Leoparden stehen rund 400 m 2

Aussenfläche zur Verfügung. Ein Steinhaufen und

darauf montiertes Astwerk geben den Tieren

Möglichkeiten zum Klettern, wie auch zum

Rückzug vor Sonne, Witterung oder Publikum. Das

hohe Gras gibt den Tieren zusätzliche Deckung,

und bei Regenwetter füllt sich ein natürlicher

Tümpel im Gehege. Bisweilen werden die

Leoparden über ein mobiles Tunnelsystem in das

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STS-ZOOBERICHT 2013

ebenfalls rund 400 m 2 grosse Aussengehege der

Löwen gelassen, wenn diese nicht draussen sind.

So können sie neues Terrain erkundigen, die

Duftmarken der Löwen inspizieren und ihre

eigenen Markierungen hinterlassen. Grundsätzlich

wären in dem Gehege aber zusätzliche

Klettermöglichkeiten und mehrere – auch für Besucher

nicht einsehbare – Ebenen wünschenswert.

Löwen

In insgesamt drei Gehegen werden Löwen

gehalten. Jeweils zwei Löwenpaare verfügen über

Gehege mit rund 400 m 2 Grundfläche; eine weitere

Löwin lebt alleine in einem benachbarten,

kleineren Gehege. Die Einzelhaltung dieser Löwin

ist nicht artgerecht, doch versteht sich das Tier

offenbar nicht mit dem Rest des Rudels, so dass

nur indirekter Kontakt (Sicht, Geruch, Laute) durch

Gitterstäbe möglich ist. Eine Integration in eine

andere Löwengruppe ist grundsätzlich schwierig,

da Löwen i.A. keine neuen Rudelmitglieder von

aussen akzeptieren.

Auch die Löwen verfügen in ihren Gehegen über

hohes Gras, Rückzugs- und einige wenige

Klettermöglichkeiten. Gut sind die grosszügigen,

erhöhten Liegeplätze, welche den Tieren den

Ausblick über das gesamte Gelände und weit

darüber hinaus ermöglichen. Auch natürliche

Wasserstellen (die jedoch nur bei Regenwetter

vorhanden sind) und Innenräume stehen zur

Verfügung. Durch unregelmässige „Besuche“ der

zwei Leoparden in ihrem Gehege werden die

Löwen zu Territorialverhalten angeregt.

Anmerkungen

Bengal- und Sibirische Tiger

In mehrere Gehege verteilt befinden sich gemäss

Information des Raubtierparks insgesamt zehn

Bengal- und zwei Sibirische Tiger. Drei Tiger teilen

sich ein Gehege von 400 m 2 ; einzelne Bengaltiger

werden auf einer Fläche von jeweils etwa 300 m 2

gehalten Die Gehege unterscheiden sich in ihrer

Ausgestaltung – das grösste Gehege verfügt über

eine Wasserstelle, Naturboden, Wiese und

rudimentäre Kletter- und Versteckmöglichkeiten,

während das kleinste Gehege ohne Rückzugsund

Klettermöglichkeiten oder Wasserstellen ist

und deutliche Spuren von häufigem Auf- und

Ablaufen der Tiger aufweist. Eine eindeutige

Stereotypie konnte aber zum Zeitpunkt des

Besuchs nicht beobachtet werden.

Negative Beispiele

Kragenbär

Für eine gute Bärenhaltung ist dieses Gehege zu

klein und zu wenig strukturiert. Zwar handelt es

sich bereits um ein sehr altes Tier (> 30 Jahre),

jedoch sollte das Gehege künftig nicht mehr für

die Bärenhaltung verwendet werden. Dazu ist es

schlichtweg zu klein und zu wenig strukturiert. Es

wären nebst mehr Platz Kletter-, Versteck- und

Bademöglichkeiten sowie regelmässige Beschäftigung

z.B. durch die Futtersuche notwendig.

Eine sinnvolle Bereicherung des Alltags stellen für

die verschiedenen Katzen mobile Käfigtunnels dar,

die in wechselnden Kombinationen und unregel-

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STS-ZOOBERICHT 2013

mässig aufgestellt werden, so dass die Tiere

andere Gehege betreten können. Durch die

Unregelmässigkeit dieser Massnahme wird

Gewöhnung vermieden. Jedoch sind auf der

geringen Gesamtfläche des Parks zu viele

Grosskatzen untergebracht, um den einzelnen

Tieren wirklich artgerechte Bedingungen zu bieten

(vgl. eingehende Feststellung zur „hands-on“-

Haltung)!

Pumas

Die insgesamt 9 Pumas sind in fünf Teilgehegen

untergebracht, von denen eines ein Innengehege

ist. Drei Gehege sind durch Klapptüren und

Tunnels miteinander verbunden, die aber zum

Zeitpunkt der Besichtigung geschlossen waren, so

dass jeweils zwei Pumas sich ca. 150 m 2 teilen

mussten. Ein weiterer (blinder) Puma ist einzeln in

einem gesonderten Käfig untergebracht, da er

von seinen Artgenossen attackiert würde.

Sämtliche Gehege sind klein, aber zumindest gut

mit Klettermöglichkeiten und natürlichen

Verstecken (Büschen, Felsen) ausgestattet. Da acht

der neun Tiere untereinander gut verträglich sind,

können deren Gehege durch Tunnels miteinander

verbunden werden, so dass den Tieren zeitweise

alle drei Gehege zur Verfügung stehen.

Dem Auge des Parkbesuchers verborgen sind die

Schlafräume der Grosskatzen, die sich in

angebauten Schuppen oder ehemaligen

Zirkuswagen befinden. Dort gibt es erhöhte

Liegeplätze, weitere Rückzugsmöglichkeiten und

Naturboden (Holzschnipsel), sowie teilweise auch

Holzstücke zum Krallenwetzen.

gearbeitet; die Alpakas werden regelmässig

ausgeführt. Grosskatzen und Kleintiere scheinen

sich aneinander gewöhnt zu haben und beachten

sich kaum. Den Ziegen stehen Klettermöglichkeiten

und Ställe, den Schweinen (offenbar nur bei

Regenwetter) Suhlen zur Verfügung. Gerade bei

grosser Sommerhitze wäre es aber wichtig, den

Schweinen Suhlen anzubieten! Die Hunde leben in

zwei Rudeln (erwachsene und junge Tiere) in

Zwingern, haben aber Menschenkontakt, Auslauf

und Beschäftigung und sind nicht aggressiv.

Die Grosskatzenhaltung zu reinen Showzwecken

entspricht überhaupt nicht den Vorstellungen des

Schweizer Tierschutz STS von einer sinnvollen und

artgerechten Tierhaltung. Jedoch handelt es sich

bei Herrn Stricklers Tieren grösstenteils um

überzählige Zootiere, die ohne dieses „Asyl“

eingeschläfert worden wären. Der wenige,

vorhandene Platz wird mit einem durchdachten

Raumkonzept optimal genutzt. Das Herzblut für

seine Tiere und die Fachkenntnisse in der „handson“-Haltung

sind bei Herrn Strickler eindeutig

vorhanden.

Allerdings steht die Zukunft des Raubtierparks

derzeit in der Schwebe. Der Pachtvertrag in

Subingen läuft 2013 aus. Es bestehen Pläne für

einen neuen Standort mit sehr grosszügigen

Grosskatzen-Anlagen, doch ist deren Realisierung

derzeit noch offen. Der STS erwartet, dass mit

dem Standortwechsel auch eine klare Verbesserung

der Tiergehege verbunden wird

(Flächen, verhaltensgerechte Strukturen).

Im Raubtierpark werden auch Zwergziegen, Minipigs,

Alpakas, Hühner und Hunde gehalten. Auch

mit den Ziegen, Schweinen und Hunden wird

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STS-ZOOBERICHT 2013

Tierpark Biel

www.tierpark-biel.ch

Der Tierpark Biel auf dem Bözingerberg oberhalb der Stadt Biel ist frei zugänglich. Es werden fast

ausschliesslich einheimische Wildtiere gehalten. Ein kleiner Park mitten im felsigen Wald, der gute

Möglichkeiten hat, seine Tiere artgemäss zu halten und diese grösstenteils auch nutzt.

Positive Beispiele

Wildschweine

Diese einheimischen Paarhufer der Alpen werden

in vorbildlichen Gehegen mit ausreichend Rückzugs-

und Klettermöglichkeiten gehalten. Waldstücke,

offene Wiese und felsige Steilhänge

wechseln sich in beiden Gehegen ab und

ermöglichen den Tieren sowohl das arttypische

Klettern, als auch das ungestörte Äsen. Die

Steinböcke teilen sich das Gehege mit einer

Kolonie Murmeltiere.

Negative Beispiele

Luchs

Die tiergerechte, sehr abwechslungsreiche Wildschweine-Anlage

überzeugt. Sie ist grosszügig

dimensioniert, in mehreren Gelände-Ebenen gut

strukturiert und bietet den aktiven Tieren reichlich

Wühlmöglichkeiten. Eine grosse Schlammsuhle,

welche die Wildschweine ausgiebig nutzen, steht

ebenfalls zur Verfügung.

Das Luchsgehege ist deutlich zu klein und bietet

der grossen Katze zu wenig interessante Bewegungs-,

Versteck-, Beschäftigungs- und Erkundungsmöglichkeiten.

Wirklich gute Rückzugsgebiete

fehlen dem von Natur aus scheuen Tier.

Auch die Platzierung direkt neben Parkeingang,

Kinderspielplatz und Zwergziegenhaltung scheint

ungünstig.

Steinböcke, Gemsen

Es gibt kaum eine Möglichkeit, sich im

Aussengehege den Blicken der Besucher oder

dem Lärm spielender Kinder zu entziehen. Der in

dem Gehege lebende Luchs ist mit seinen etwa 14

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STS-ZOOBERICHT 2013

Jahren bereits ein „Senior“. Nach seinem Ableben

soll das Gehege gemäss Parkleitung für eine

andere Tierhaltung verwendet werden, z.B. für

Wildkatzen. Aus Tierschutzsicht empfehlenswert

wäre jedoch eher die Verwendung als Eulen- oder

Rabenvoliere.

Waschbär

Die relativ neue Waschbäranlage ist zwar gut

strukturiert und bietet den Tieren Klettermöglichkeiten,

erhöhte Ruheflächen und auch ein

paar Versteckmöglichkeiten. Die Grösse ist aber

enttäuschend klein, das Gehege haben die Tiere in

Kürze erkundet und abgeschritten. Schade, dass

der vorhandene Platz nicht besser genutzt wurde

und ein grösseres Gehege gebaut wurde.

Anmerkungen

Rot- und Sikahirsche, Reh

Die Gehege der Hirschartigen sind zwar recht

grosszügig im Wald angelegt, es fehlt ihnen aber

eine Weide. Hirsche nutzen Weiden für

stundenlanges Grasen ausgiebig, wenn sie zur

Verfügung stehen. Die Hirsche sowie auch die

sensiblen Rehe haben aber Rückzugsmöglichkeiten

und können bei Bedarf auch genügend

Distanz zu den Besuchern einnehmen.

Rotfuchs

Das Fuchsgehege befindet sich direkt neben dem

Waschbärengehege. Eine bessere Trennung

(Sichtschutz) zwischen den Gehegen wäre

wünschenswert. Auch das Fuchsgehege ist von

den Dimensionen her eher klein, aber recht gut

strukturiert. Unter dem Fussgängerweg hindurch

ist es mittels eines Kunstbaus mit dem alten,

winzigen ehemaligen Fuchsgehege direkt neben

dem Mehrzweckgebäude verbunden. Die Füchse

haben so gute Möglichkeiten, sich auch „unter

Tage“ aufzuhalten und zurückzuziehen, und

kommen meist erst in der Dämmerung an die

Oberfläche.

Positiv ist die Gehegestrukturierung mit Felsblöcken,

einem Unterstand, sowie einer grossen,

gut genutzten Suhle für die Rothirsche. Auch

Beschäftigungsmaterial (Äste zum Knabbern, Heu)

steht ausreichend zur Verfügung.

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STS-ZOOBERICHT 2013

Tierpark Dählhölzli Bern

www.tierpark-bern.ch

Der Tierpark Dählhölzli in Bern ist einer der Vorzeige-Tierparks der Schweiz. Seit Jahren wird

dem Motto «Mehr Platz für weniger Tiere» voll und ganz nachgelebt. Die neuen Anlagen

bestechen durch ihre Grosszügigkeit und durch tiergerechte Strukturierungen und

Einrichtungen. Die Zukunftsplanung des Tierparks sieht erfreulicherweise weitere Verbesserungen

von Anlagen vor, welche in die Jahre gekommen sind.

Positive Beispiele

Wisent

Papageientaucher

Die im 2009 erbaute Anlage verfügt über ein

grosses und tiefes Wasserbecken mit

Wellenfunktion, das den Papageientauchern

auch ein artgemässes Tauchen nach Futter

erlaubt. Auch Fliegen ist in der Anlage möglich –

wobei sich die Küstenseeschwalben als Langstreckenflieger

mit einem beschränkten Raum

begnügen müssen.

Die Besucher können die Tiere von einem

erhöhten Steg aus beobachten, was eine gute

Sicht für die Menschen und genügend Distanz

für die Tiere bedeutet. Die Wisente leben seit

2008in einem weitläufigen Teil des Dählhölzli-

Waldes – eine massive Verbesserung zur alten

Anlage. Sie finden in dieser Anlage nicht nur

genügend Bewegungsraum, sondern auch

vielfältige Strukturen wie Kratzbäume,

Wurzelstöcke ebenso wie Rückzugsorte, wo sie

ungestört ruhen können. Das Gehege teilen sie

sich mit einem Rudel Rothirsche.

Waschbär / Marderhund

Die Gemeinschaftsanlage ist sehr weitläufig an

einem Abhang gelegen, verfügt über einen Bach

und verschiedene Bodensubstrate. Die

Waschbären dösen oft artgemäss hoch oben auf

Bäumen, sind aber auch häufig bei der aktiven

Futtersuche im Wald oder im Bachlauf zu

beobachten. Gerade der natürliche Bach erlaubt

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STS-ZOOBERICHT 2013

den Waschbären artgemässes Futtersuchen nach

Wasserinsekten und deren Larven. Zahlreiche

Unterschlüpfe, Verstecke und Aussichtsorte

bieten den Tieren abwechslungsreiche Strukturen,

die sie ausgiebig nutzen. Vier der

insgesamt sechs Waschbären wurden durch den

Schweizer Tierschutz STS aus einer nicht

artgerechten Haltung im Grimsel-Tierpark ins

Dählhölzli vermittelt. Sämtliche Tiere sind

kastriert, denn es soll nicht gezüchtet werden.

Auch die Marderhunde können ihr natürliches

Verhalten zur Futtersuche, Revier abschreiten,

umherstreifen und so weiter ausleben.

Sozialkontakte mit Artgenossen oder Tieren der

anderen Art sind häufig zu beobachten.

Insgesamt eine vorbildliche Waschbären- und

Marderhundanlage.

Seehunde

Die Anlage ist grosszügig und stellt den Tieren

ein Bassin zur Verfügung, dass schnelles

Schwimmen und ausgiebiges Tauchen zulässt.

Dank der Verbindung verschiedener Becken

werden verschiedene, optisch getrennte

Bereiche geschaffen. Liegeplätze an Land stehen

den Tieren genügend und gut platziert zur

Verfügung.

Vivarium

Im Vivarium leben verschiedenste, exotische

Tierarten. Einige Vögel und Reptilien können

sich im ganzen Vivarium frei bewegen, die

übrigen (Klein)Affen-, Vogel- Fisch-, Reptilienund

Amphibienarten sind in grosszügigen,

artgemäss eingerichteten Terrarien und

Aquarien untergebracht. In allen Anlagen stehen

den Tieren genügend Platz, die richtigen

Strukturen (Klettermöglichkeiten, Verstecke,

Höhlen, Bassins – je nach Art) und das richtige

Klima zur Verfügung. In einem Bereich sind

Besucher und verschiedene Tierarten im selben

Raum – die Tiere können den ganzen Raum

«frei» nutzen, die Besucher stehen mitten in

deren Lebensraum. Alles in allem bietet das

Vivarium einen faszinierenden Einblick in

tropische Naturräume.

Braunbären

Die beiden Ussurischen Braunbären „Masha“

und „Misha“ (ein Staatsgeschenk aus Russland

an die Stadt Bern) wurden als Waisen im

russisch-chinesischen Grenzgebiet Primorje

aufgefunden. Ihre Mutter fiel wahrscheinlich

Wilderern zum Opfer.

Seit Kurzem ist die neue Bärenanlage im

Dählhölzli fertig gestellt. Ein modernes

Besucherzentrum im Holzhaus-Stil empfängt die

Besucher und bietet nebst vielen interaktiven

Lernmöglichkeiten die Gelegenheit, durch

grosse Glasscheiben direkt ins Bärengehege und

das recht tiefe Wasserbecken zu schauen, wo die

Bären zuweilen sogar Bachforellen jagen.

Mit rund 6000 m 2 ist das neue Bärengehege

doppelt so gross, wie früher. Das Gehege ist

unterteilt in zwei grosse Teilgehege, die beide

nur ein einzelnen Stellen einsehbar sind. Beide

Gehege sind für die Bären ständig offen. Sie

können darin einen sehr naturnahen

Waldlebensraum mit hohen Kletterbäumen,

Felsen, Unterschlüpfen, Gewässern und Asthau-

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STS-ZOOBERICHT 2013

fen nutzen und haben viel Platz, um sich auch

aus dem Weg zu gehen. Die Tiere werden zudem

regelmässig dazu animiert, ihr Futter zu

suchen bzw. zu „erarbeiten“. Im nächsten Jahr ist

angrenzend an die Bärenanlage der Bau einer

neuen Wolfsanlage geplant. Sie wird so erstellt,

dass die Wölfe auch die Bärenanlage werden

nutzen können.

Fischotter

Eine sehr naturnahe Haltungsanlage, die praktisch

Freiland-Beobachtungen der ehemals auch

in der Schweiz heimischen Marderartigen ermöglicht.

Das Gehege besteht aus einem abgesperrten

Uferbereich der Aare inkl. gestautem

Flussanteil. Das steile Ufer ist bewaldet; Schilfund

Gebüschgürtel ermöglichen den Ottern,

weiträumig herumzustreifen und selber Nahrung

zu suchen. Durch einfliegende Enten und

Graureiher sowie Fische aus dem Fluss ist

ständig für Sinnes- und Verhaltensreize im Gehege

gesorgt. Die Fischotter leben am Ufer in

selbst gegrabenen Höhlen und sind wie in freier

Natur längst nicht immer sichtbar.

Anmerkung

Pinguine

Die im STS-Zoobericht 2011 noch beanstandete

Haltung der Pinguine wurde aufgelöst und die

Anlage zu einem grosszügigen Biotop für

Europäische Sumpfschildkröten umgebaut.

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STS-ZOOBERICHT 2013

Tierpark Gäbelbach, Bern-Bethlehem

Bei diesem winzigen Tierpark im Westen Berns, unterhalb der Wohnblöcke am Gäbelbach

gelegen, handelt es sich um eine ziemlich in die Jahre gekommene Tierhaltung. Bis vor einem

Jahr wurden noch Sikahirsche und Waschbären unter erbärmlichen Umständen gehalten – diese

Haltungen wurden unterdessen aufgehoben. Nun werden im Tierpark Gäbelbach einzig noch ein

paar Zwergziegen, Kaninchen und verschiedene Vögel (Haushühner, Sittiche, Tauben) gehalten.

Einige der im letzten Jahr bemängelten Haltungen wurden etwas verbessert. Die meisten Gehege

liegen direkt am Spazierweg und sind für freilaufende Hunde von allen Seiten her zugänglich.

Den Ziegen stehen zwei unterschiedliche Gehege abwechselnd zur Verfügung. Im Hauptgehege

(Wald) fehlen erhöhte Liege- und geeignete Klettermöglichkeiten. Die Unterstände und Liegebereiche

wurden gegenüber dem Vorjahr offenbar etwas vergrössert. Zeitweise können die

Ziegen eine Weide am gegenüberliegenden Hang nutzen, wo ihnen einige wenige Unterstände,

Salzlecken und Tränken, sowie einige trockene Äste zum Schälen zur Verfügung stehen. Alles in

Allem eine akzeptable Haltung dieser Tierart; allerdings fehlen Klettermöglichkeiten und höher

gelegene Ruheplätze.

Bei den Kaninchengehegen und Volieren wurden einige zusätzliche Rückzugsmöglichkeiten

installiert; bei den Kaninchen zusätzlich zwei Teilgehege miteinander verbunden und für einige

Schattenplätze und Sichtschutzwände nach oben und zur Seite hin gesorgt. Grabgelegenheiten

fehlen, jedoch haben die Tiere einige Zweige und etwas Heu zum Knabbern. Die Fasanenvoliere

wurde aufgehoben und ist nun Teil des erweiterten Kaninchengeheges. Nebenan werden in zwei

weiteren Volieren einige Haushühner, sowie nochmals ein paar Kaninchen gesondert gehalten.

Eines der Kaninchen in der zweiten, kleineren Gruppe (ein grosser, schildpattfarbener Rammler)

hat massive Ohrenprobleme – beide Ohren sind inwendig völlig verkrustet. Das Tier gehörte in

fachgerechte Behandlung!

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STS-ZOOBERICHT 2013

Der ehemalige Waschbär-Zwinger wurde zu einer Voliere für Sittiche umfunktioniert und erfüllt

diesen Zweck durchaus. Die verschiedenen Gestaltungselemente wie Baumstämme, Sitzäste,

Klettermöglichkeiten, Sand und kleiner Brunnen ermöglichen eine tiergerechte Haltung einiger

weniger, kleiner Vögel, und ermöglichen ihnen auch kurze Flüge.

Die Informationsschilder wurden aktualisiert, enthalten aber ausser der Tierart und allgemeinen

Fütterungsverboten keine weiteren Informationen. Am Eingang des Tierparks weist ein Schild

darauf hin, dass man die Tiere wegen Tollwutgefahr nicht berühren solle – obschon die Tollwut

seit den frühen Neunzigerjahren in der Schweiz nicht mehr auftritt. Dagegen fehlt ein Hinweis an

die Hundehalter, ihre Tiere beim Passieren des Parks an die Leine zu nehmen.

Bilder: Tierpark Gäbelbach / Berner Bär

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STS-ZOOBERICHT 2013

Tierpark Harder, Interlaken (BE)

Der Tierpark Harder liegt in Interlaken-Ost an der Talstation der Seilbahn Harder-Kulm. Er besteht

aus lediglich zwei Gehegen, in denen Murmeltiere und Steinböcke gehalten werden. Die

Steinbockhaltung im Harder blickt auf eine lange Tradition zurück. Tiere aus dem Tierpark Harder

waren am Zuchtprogramm im Rahmen der Wiederansiedlung des Alpensteinbocks in der Schweiz

beteiligt. Die Tiere werden grundsätzlich gut gehalten, wobei bei den Murmeltieren eine etwas

interessantere Oberflächengestaltung des Geheges wünschenswert wäre. Sinnvoll wären zudem

übersichtliche, an den jeweiligen Gehegen angebrachte Infotafeln zu den darin gehaltenen Tieren.

Infotafeln entlang des Gehwegs von der Talstation Harder-Kulm, sowie neue Tafeln an den

Tiergehegen sind geplant.

Positive Beispiele

Steinbock

Stellen im Gehege. Das Gehege ist gross genug,

dass sich die Steinböcke bei Bedarf weit vor den

Besuchern zurückziehen und zudem ausgelassen

herumspringen und laufen können – wovon sie

auch reichlich Gebrauch machen, wie die

übermütigen Horngefechte und Verfolgungsjagden

der jungen Böcke zeigen! Die Tiere

machen einen gesunden, zutraulichen und

ausgeglichenen Eindruck.

Das Steinbockgehege ist in drei miteinander

verbundene Teilgehege unterteilt und umfasst

eine Fläche von rund 2000 m 2 . Es liegt am Hang,

und der gesamte Untergrund ist mit Steinplatten

und –stufen ausgelegt. Zudem gibt es zwei

mehrere Meter hohe Klettertürme aus Stein (wo

sich die Tiere eindeutig bevorzugt aufhalten) und

mehrere Ställe mit Heuraufen, Stroh und erhöhten

Liegemöglichkeiten. Was fehlt, sind naturnahe

Strukturen (z.B. Felswände, Felsbrocken), in und

unter denen die Tiere auch Schatten und Rückzug

finden könnten – dies ist derzeit nur in den Ställen

möglich. Auf eine Weide wurde verzichtet, da der

weiche Untergrund Klauenprobleme fördert. Die

Steinböcke erhalten Heu in den Ställen und

spezielles Steinwild-Kraftfutter an mehreren

Anmerkungen

Das Murmeltiergehege wirkt etwas leer, doch

spielt sich ein grosser Teil des Murmeltier-Lebens

unter dem Boden ab. Dort stehen den Tieren

Kunstbauten zur Verfügung, und sie haben zudem

die Möglichkeit, den Bau nach eigenem Belieben

zu erweitern.

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STS-ZOOBERICHT 2013

Auf einer von einem ca. 0.5 m tiefen Steingraben

umgebenen Grasinsel von ca. 250 m 2 Fläche

befinden sich ein kleiner Steinhaufen als Kletter-

und Ausguckmöglichkeit sowie zwei hölzerne

Unterstände von jeweils etwa 1 m 2 Fläche mit

Futternäpfen. Ansonsten fehlen in dem Gehege

aber Strukturen: weitere Kletter-, Ausguck-,

Rückzugsmöglichkeiten, verschiedene Sonnenund

Schattenplätze, Büsche, verschiedene Kräuter,

Sträucher und Gräser zum Weiden und Knabbern

wären grundsätzlich wünschenswert Allerdings

zeigen die vielen Höhleneingänge, dass die

Murmeltiere offenbar reichliche Möglichkeiten

zum Graben haben und diese auch nutzen. Der

Tierbestand soll 2013 durch Wildfänge aus dem

Berner Oberland erneuert werden.

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STS-ZOOBERICHT 2013

Tierpark Langenthal

www.vvl-langenthal.ch

Beim Tierpark Langenthal handelt es sich in erster Linie um einen städtischen Hirschpark, am

Ortsrand von Langenthal gelegen. In grosszügig angelegten Gehegen werden Sika-, Dam- und

Rothirsche gehalten, ausserdem Wildschweine, Ponys und Zwergziegen. Die Tiere sind gut

gehalten. Sie können jedoch von den BesucherInnen mit speziellem Futter von Hand gefüttert

werden, welches der Tierpark gratis zur Verfügung stellt. Aus Tierschutzsicht sind solche

Fütterungen als fragwürdig einzuschätzen: Zwar kann die angebotene Futtermenge dosiert

werden, um Überfütterung zu vermeiden, jedoch können unterlegene Tiere am Zaun regelmässig

weggedrängt werden. Obschon Schilder darauf hinweisen, dass nur mit parkeigenem Futter

gefüttert werden darf, verleitet die Zahmheit der Tiere wahrscheinlich Spaziergänger dazu, den

Hirschen auch anderes, ungeeignetes Futter – evtl. sogar in Plastiksäcken (Verschluckungsgefahr!)

– anzubieten. Die Hirsche werden durch die Fütterung ausserordentlich zahm und zudringlich

und betteln am Gitter richtiggehend um Futter. Es wird damit ein falsches und pädagogisch

fragwürdiges Bild vom Wildtier Hirsch vermittelt.

Positive Beispiele

Hirschgehege

verfügen über mehrere, ständig feuchte Suhlen,

was vor allem bei grosser Sommerhitze für

Abkühlung gerne genutzt wird. Insbesondere die

Sika- und Damhirsche sind sehr zahm, laufen den

Spaziergängern hinterher und betteln am Zaun

um Futter.

Zwergziegen

Alle drei Hirschgehege sind grosszügig dimensioniert

mit einzelnen Baumgruppen und

schatten- und futterspendenden Eichen und

Kastanien. Zahlreiche Baumstämme und Asthaufen

geben Sichtschutz und ermöglichen den

Tieren, sich mit dem Abschälen der Rinde zu

beschäftigen. Als Rückzugsort und Unterstand

dienen grosse Ställe mit Heuraufen. Weitläufige

Wiesen stehen den Tieren zum Äsen zur

Verfügung, sind aber aufgrund der eher hohen

Hirschdichte sämtlich überweidet. Die Rothirsche

Ein vorbildliches Gehege für die verspielten und

bewegungsfreudigen Ziegen: Es stehen Steinhaufen,

frische Zweige zum Knabbern und

Klettergerüste zur Verfügung, ausserdem ein

grosszügiger Stall mit höher gelegenen Liegeplattformen,

ein gedeckter Unterstand, der tief mit

Stroh eingestreut ist, Tränken, Salzlecken und

Kratzbürsten. Zum Zeitpunkt des Besuchs waren

viele Kitze vorhanden, die das ganze Areal zum

ausgiebigen Spielen nutzten und von einzelnen

„Ammen“ in eigentlichen „Kindergärten“ gehütet

wurden, wie es auch bei den wilden Verwandten

die Regel ist.

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STS-ZOOBERICHT 2013

Anmerkungen

Wildschweine / Keiler

Auch das Wildschwein-Gehege ist grosszügig

dimensioniert und interessant strukturiert

(mehrere Teilgehege mit unterschiedlichem

Untergrund, Suhlen, Beschäftigungsmaterial,

Schatten- und Sonnenplätze, grosszügiger Stall).

Der Keiler wird – naturgemäss – von der Rotte

abgesondert gehalten. Das ihm zur Verfügung

stehende Teilgehege ist allerdings sehr klein und

wenig interessant, der Boden besteht aus

Kieselsteinen; ein kleines Beton-Wasserbecken

steht leer, und die Nische im Stallgebäude ist

nicht eingestreut. Beschäftigungsmaterial wie

Zweige, Äste, Suhlen oder Stroh fehlen. Hier wäre

dringend ein grösseres Gehege notwendig, oder

das Tier muss regelmässigen Auslauf in weitere

der Teilgehege geniessen, wenn die Bachen und

Frischlinge gerade nicht dort sind.

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STS-ZOOBERICHT 2013

Tier- und Erlebnispark Seeteufel, Studen

www.seeteufel.chx

Beim Seeteufel in Studen, am Rand eines Naturschutzgebiets mitten im Grünen gelegen,

handelt es sich um eine Mischung aus kleinem Freizeitpark und mittelgrossem Zoo. Die

Kinderspielplätze und Spielzeuge sind räumlich gut von den Tierhaltungen getrennt. Der Zoo

überzeugt mit seinen vielen neuen, gut strukturierten Gehegen. Sämtliche Gehege sind

zwischen 2.5-10 Mal so gross, wie die Tierschutzverordnung vorschreiben würde. Das im letzten

STS-Zoobericht kritisierte Luchsgehege wurde erfreulicherweise aufgehoben, heute leben dort

Kapuzineraffen.

Positive Beispiele

Katta (Halbaffen)

Das gut 120`000 Liter fassende Wasserbecken ist

für die kleinen Tiere genügend gross und tief,

damit sie ausgiebig darin schwimmen und

tauchen können. Der Landteil ist gut strukturiert

mit Verstecken, Klettermöglichkeiten, Ruheplätzen

und verfügt über einen natürlichen

Untergrund.

Im Winter leben die Kattas zusammen mit

Aldrabra- und Griechischen Landschildkröten im

ehemaligen Orang-Utan-Gehege und verfügen

somit als relativ kleine Tiere über genügend Platz.

Kletterstrukturen und erhöhte Liegeplätze sind

vorhanden. Seit 2011 haben die Kattas zudem die

Möglichkeit, eine rund 600 m 2 grosse

Aussenanlage mit hohen Bäumen, Kletterseilen

und Unterstand zu benutzen.

Weissbüschelaffen

Eine gute, zweckmässige Haltung mit Nutzung

der dritten Dimension für diese kletterfreudigen,

kleinen Affen.

Indische Krallenotter

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STS-ZOOBERICHT 2013

Positiv zu bewerten ist die Erneuerung gegenüber

dem STS-Zoobericht 2008: Das Gehege war von

drei Seiten zugänglich, heute nur noch von zwei

Seiten. Mit dieser Änderung wurde nicht nur das

Gehege deutlich vergrössert, sondern den Tieren

auch mehr Rückzugsmöglichkeiten gegeben,

indem sie nicht dauernd mit Menschen

konfrontiert sind, welche nahe an den Scheiben

stehen. Seit 2011 steht den Affen nun auch ein

rund 40 m 2 grosses Aussengehege mit

Klettermöglichkeiten zur Verfügung, so dass sie

die Wahl haben, ob sie sich Sonne oder Regen

aussetzen oder lieber im Haus bleiben wollen.

Kapuzineraffen

Im ehemaligen Luchsgehege geniessen die sechs

Kapuzineraffen seit Mai 2012 eine grosse

„Sommerresidenz“, wo sie ausgiebig auf

Sträuchern. Seilen und Ästen herumklettern

können. Im Gehege gibt es ausreichend Ruheund

Sonnenplätze, Rückzugsmöglichkeiten,

erhöhte Sitzflächen und Wasserstellen (Bächlein).

Die Tiere werden zusätzlich mit Futterspielen

beschäftigt, indem sie z.B, Obst aus einem

Bambusrohr erlangen müssen. Dabei setzen die

cleveren Tiere auch Werkzeuge (Zweige) ein! Mit

rund 220 m 2 Fläche und 5 m Höhe bietet die

Anlage den Tieren viel mehr Platz, als das Gesetz

vorschreibt.

Fuchsmangusten

Unterschlüpfe, Verstecken und Ausgucke zur

Verfügung, welche sie fleissig nutzen. Nachts

ziehen sie sich in Ställe oder Höhlen zurück.

Afrikanische Zwergziegen

Auf zwei sehr grosszügigen und gut

strukturierten Anlagen werden reinrassige

Afrikanische Zwergziegen gehalten. Im

Schaugehege befinden sich rund 70 Tiere auf

einer Fläche von gut 1500 m 2 . Die ganze Anlage

bietet nebst einem grosszügigen Stall und

Unterstand verschiedenste Äste und Baumstämme

als Klettermöglichkeiten; ausserdem

haben die Tiere Zugang zu einer Weide und

einem grossen Gewässer.

Im Streichelzoo werden ebenfalls Zwergziegen

gehalten. Dieses Gehege ist unterteilt in einen mit

Klettermöglichkeiten und Unterständen strukturierten

Bereich, wo die Besucher sich den Tieren

nähern dürfen, und eine grosse Weide, zu der nur

die Tiere Zutritt haben. Die Ziegengruppe im

Streichelzoo wird regelmässig ausgetauscht. Eine

vorbildliche Haltung dieser kleinen Nutztiere!

Ein geräumiges Gehege können diese flinken

Tiere nutzen. Den Fuchsmangusten stehen viele

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STS-ZOOBERICHT 2013

Humboldt-Pinguine

Seit 2011 gibt es im „Seeteufel“ eine neue

Pinguin-Anlage. Die insgesamt neun Humboldt-

Pinguine können einen relativ grosszügigen

Landteil mit naturnahen Bruthöhlen nutzen. Ein

Sonnensegel bietet Schutz vor der Hitze oder

auch Regen. Im 1.5m tiefen, über 150`000 Liter

Wasser fassenden und 36 m langen Wasserbecken

können die Pinguine ausgiebig

schwimmen. Es ist die einzige Pinguinanlage in

der Schweiz, wo man das arttypische „Tümmeln“

der Schwimmvögel an der Wasseroberfläche

beobachten kann.

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STS-ZOOBERICHT 2013

Zoo Rothaus, Gampelen (BE)

http://zoo-rothaus.ch/Mozilo/

Beim Zoo Rothaus handelt es sich um einen kleinen, gepflegten Privatzoo nahe des Thielle-

Kanals. Es werden zahlreiche Haus- und Wildtierarten auf relativ kleiner Gesamtfläche gehalten,

jedoch sind die Gehege meist gut strukturiert, und der vorhandene Platz wird ausgenutzt und nur

Tierarten nebeneinander gehalten, die verträglich sind (keine direkten Räuber-Beute-

Nachbarschaften). Mit Ausnahme eines Ententeichs und der Gehege für Zwergziegen und

Hausschweine sind die meisten Gehege in Form von Volieren inmitten einer Garten-Landschaft

errichtet und beherbergen u.a. verschiedenes Hausgeflügel, Pfauen, Uhus und Nandus, aber auch

Waschbären, Kattas, Landschildkröten, einen Serval, einen Luchs sowie eine Kolonie Hauskatzen.

Die Durchlässigkeit der Volieren für Sperlinge oder Mäuse dürfte wohl insbesondere bei den

Katzenartigen für natürliches „Enrichment“ sorgen! Sämtliche Gehege sind mit Info-Schildern zu

den Tierarten versehen, verfügen über natürliche Vegetation und ebensolchen Untergrund,

Strukturen, Rückzugsmöglichkeiten und Wasserbecken. Insbesondere die Wildtiergehege halten

gegen die Besucherwege hin ausreichend Abstand, damit sich die Tiere zurückziehen können.

Beispiele schlechter Tierhaltung gibt es in diesem Zoo nicht, und auch offensichtliche

Verhaltensstörungen wurden bei keinem Tier beobachtet; einige Gehege könnten aber durchaus

noch verbessert werden (siehe Anmerkungen).

Positive Beispiele

Kattas

Verfügung stehenden Fläche nicht möglich. Die

Voliere ist aber sehr gut strukturiert: der Boden

mit hohem Gras bedeckt, in dem die Lemuren

Kräuter und Knospen pflücken können. Das ganze

Gehege ist gut mit Büschen, Kletterstangen, Ästen,

Schaukeln, Reifen, Hängematten und Schlafboxen

und höher gelegenen Etagen und Ausguckplätzen

ausgestattet, so dass die Kattas nebst der

Grundfläche auch die dritte Dimension gut nutzen

und sich am Morgen artgemäss sonnen können.

Hauskatzen-Kolonie

In dem Gehege leben auf einer Grundfläche von

ca. 120 m2 Aussengehege und einem angeschlossenen,

etwa nochmals ein Drittel davon

messenden Innengehege nur drei Kattas. Eine

(artgemässere) Haltung im „Clan“ (mehrere

Mutterfamilien und diesen angeschlossene

Männchen zusammen) ist auf der geringen, zur

In einem grosszügig dimensionierten und interessant

strukturierten „Raubtiergehege“ wird eine

Kolonie Hauskatzen gehalten. Das Gehege ist

rund zwei Meter hoch und von einer Voliere

überspannt, die an einen Gebäudeteil aus Holz

anschliesst. Darin befinden sich Innenräume mit

geschützten Schlafplätzen, daran anschliessend

eine Art gedeckte Veranda mit einem alten

Teppich und Sofa und verschiedenen Sitz- und

60


STS-ZOOBERICHT 2013

Rückzugsplätzen. Auch mehrere Katzenkistchen

stehen zur Verfügung. An den „Innenbereich“

grenzt ein grosses Freilaufgehege von ca. 150 m2

Fläche an, in dem sich verschiedene Baumstämme,

Klettergerüste, Treppen, Katzenbäume und

hochgelegene Rückzugs-, Schlaf- und Aussichtsplätze

befinden. Zudem verfügt das Gehege über

einen kleinen Weiher, Büsche und hohes Gras. Das

Futter wird teilweise in Schüsseln, teilweise im

Gelände verteilt angeboten und besteht offenbar

sowohl aus Fertigfutter, wie auch rohem Fleisch.

Durch die Maschen der Voliere können sich

Spatzen oder Mäuse verirren, so dass die Katzen

durchaus auch hin und wieder Gelegenheit zum

Jagen und Lauern haben dürften…

In dem Gehege befinden sich zum Zeitpunkt des

Besuchs mindestens 13 Tiere. Die Katzen und

Kater machen einen gesunden, ausgeglichenen

Eindruck. Manche schlafen, andere halten

Ausschau, einige streifen durch ihr Revier oder

suchen am Zaun den Kontakt zu den Besuchern.

Die Tiere leben hier – wie verwilderte Hauskatzen

– in einer „Kolonie“ aus Katzen und Katern verschiedenen

Alters, die untereinander eine

situations- und gebietsabhängige Rangordnung,

aber auch Freundschaften ausbilden (befreundete

Tiere liegen eng beieinander) und durchaus

friedlich zusammen leben. Manche Tiere verhalten

sich Besuchern gegenüber zurückhaltend bis

scheu; andere suchend dagegen auch den Kontakt

zum Menschen.

Anmerkungen

Waschbär

Dieses Gehege ist für die neugierigen, kletterfreudigen

Kleinbären eher zu klein und zu wenig

interessant strukturiert. Das kleine Planschbecken

steht zum Besuchszeitpunkt leer; die erhöhten

Liegeflächen sind grösstenteils frontal einsehbar,

so dass die Tiere beim Schlafen exponiert liegen.

Auch eine grössere Wasserfläche oder ein kleines

Fliessgewässer, Dickicht und hohes Gras fehlen.

Das Klettergerüst und die im Gehege stehende

Tanne sind als Klettermöglichkeit zwar begrüssenswert,

höhere und herausfordernde

Kletterstrukturen wären aber sinnvoll.

Einige der Gehege könnten nämlich mit relativ

wenig Aufwand verbessert werden. Der Serval,

eine von Natur aus äusserst athletische,

sprunggewaltige afrikanische Kleinkatze, ist in

ihrem eher kleinen Gehege wohl unterfordert,

denn auch wenn dieses gut mit hochgelegenen

Liegeplätzen und Versteckmöglichkeiten strukturiert

ist, so fehlt es doch an Platz respektive

entsprechend mehr Beschäftigung. Das Gehege ist

zu „aufgeräumt“; Dickicht, hohes Gras, eine

grössere Wasserstelle, oder Beschäftigung durch

eine spannend gestaltete Futtersuche

(Fleischangel, Futterboxen…) könnten Sinne und

Muskeln des Tieres fordern – denn der Serval ist

derzeit deutlich übergewichtig.

Ähnlich verhält es sich beim Luchsgehege: Dieses

ist zwar ruhig, etwas abseits der Besucherwege

gelegen, mit Büschen, Aussichtspunkten und

61


STS-ZOOBERICHT 2013

Klettermöglichkeiten strukturiert, von der Grösse

her aber bescheiden. Auch die Uhu-Voliere könnte

interessanter gestaltet werden, z.B. mit (künstlichen)

Felsen, niedrigen Nadelbäumen, hohem

Gras, einer naturnahen Wasserstelle und etwas

mehr Topographie (Felsen, Erdhügel). Es stellt sich

grundsätzlich die Frage, ob auf der Fläche des

Kleinzoos nicht auf die Haltung einiger Tierarten

verzichtet werden könnte, damit den übrigen

Tieren mehr Platz zur Verfügung gestellt werden

kann.

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STS-ZOOBERICHT 2013

Zoo Siky Ranch, Crémines

www.sikyranch.ch

Die Siky Ranch ist vor allem bekannt durch die aus Tierschutzsicht fragwürdige Zucht von

weissen Tigern. Der Besitzer ist ein ehemaliger Dompteur und bietet Vorstellungen mit den

Raubkatzen an. Die Gehege der Grosskatzen sind eher klein und verfügen über zu wenige

Strukturen. Die meisten übrigen Tiere sind – bis auf wenige Ausnahmen – akzeptabel bis gut

gehalten. Fragwürdig ist die regelmässige Veranstaltung von lauten Musik- und Tanz-Events auf

der Siky Ranch, durch welche empfindliche Wildtiere massiv gestresst werden können. Die noch

2010 kritisierte Wildschweinhaltung wurde aufgegeben – doch das ungenügende Gehege wird

nun von domestizierten Schweinen genutzt.

Positive Beispiele

Damhirsch, Rothirsch

Voliere mit domestiziertem Geflügel

Die Hirscharten werden im Hanggelände in

guten, grossen Anlagen gehalten. Die Gehege

sind grosszügig, die Tiere können sich

zurückziehen, Schatten spendende Bäume,

Unterstände sind vorhanden.

Wellensittiche

Sie leben in einer Grossvoliere und können sich in

der Gruppe ausleben. Gutes Beispiel einer

Wellensittichhaltung.

Eine gelungene, geräumige Haltungsanlage in

der zahlreiche verschiedene, domestizierte

Geflügelarten leben.

Affen und Zwergziegen

Die Haltung der Javaneraffen zusammen mit den

Zwergziegen ist eine gelungene Mischung zweier

Tierarten. Das Gehege ist gross und würde eine

reichhaltigere, dem Verhalten der Tiere besser

angepasste Strukturierung zulassen. So könnten

mit einfachen Mitteln die Klettermöglichkeiten

(bislang lediglich zwei Totholzbäume und ein

Seil) für die Affen und die Ziegen (z.B. mit

Felsbrocken, Baumstämmen) verbessert werden.

63


STS-ZOOBERICHT 2013

Die Anlage ist zu klein und hat keinerlei

Rückzugsgebiete und Beschäftigungsobjekte. Es

fehlen Strukturen, welche die Tiere zum Beispiel

zur Futtersuche, zum Graben oder zum Erkunden

anregen.

Mit grossen Ast- und Laubhaufen oder mit

Baumstämmen könnte das Gehege interessanter

gestaltet und Rückzugsorte realisiert werden, die

den Tieren den nötigen Schutz bieten. Aktuell

dient nur der Stall als geschützter Ort im Gehege,

und dieser ist für die Besucher leicht einsehbar.

Ausserhalb des Stalles sind die Tiere vollkommen

ungeschützt und „ausgestellt“.

Negative Beispiele

Hausschweine

Das Gehege, welches derzeit von drei

Hausschweinen verschiedener Rassen genutzt

wird, ist wegen des Fehlens einer Suhle und

seines einbetonierten Charakters mangelhaft. Die

eingebrachten Steine stellen zwar eine gewisse

Beschäftigungsmöglichkeit für die Tiere dar, die

sie auch nutzen, in dem sie darin wühlen. Die

Steine sind aber etwas gross und lassen ein

richtiges Graben und Futtersuchen mit dem

Rüssel nur bedingt zu. Auf der befestigen Fläche

wird zusätzlich etwas Wühlmaterial geboten. Für

ein gutes Gehege fehlt hingegen eine richtige

Suhle, in der die Schweine artgemäss suhlen und

wühlen könnten, ausreichend Beschäftigungsmaterial

(z.B. Stroh), sowie Büsche oder

Baumstämme als Sichtschutz.

Wölfe

Das Wolfsgehege befindet sich an einem

Steilhang. Die Tiere haben im Sommer dank dem

hohen Gras und vielen Brennnesseln Schutz und

Rückzugsmöglichkeiten. Wenn diese Pflanzen

gemäht sind oder im Winterhalbjahr nicht hoch

stehen, fehlen diese Bereiche, welche für die

scheuen Tiere aber sehr wichtig wären. Das

Integrieren eines Waldteiles oder einer

ausgedehnten Gebüschregion würden dies

ermöglichen. Wünschenswert wäre es zudem,

den Wölfen auch eine ebene Fläche zur

Verfügung zu stellen.

Schleiereule und Schneeeule

Stachelschwein

Diese beiden Gehege sind ungenügend für die

beiden Vogelarten. Eigentlich handelt es sich um

reine Innenhaltungen, da sie in ein Gebäude

integriert und vollkommen überdacht sind. Die

Tiere können sich niemals der Witterung (Sonne,

64


STS-ZOOBERICHT 2013

Regen) aussetzen, was unbedingt zu einer artgemässen

Haltung gehört.

Der Schleiereule fehlen zudem gute Rückzugsmöglichkeiten

(Höhle, Kasten). Um etwas

geschützt zu sitzen, muss sie eine Abdeckung

oberhalb der Beleuchtung nutzen, was suboptimal

ist.

Tiger

Die Tiger sind das grosse Geschäft der Siky

Ranch, sie werden überall beworben. Mit der

Zucht von weissen Tigern hat sich der Zoo einen

Namen gemacht. Sie werden aber regelmässig

von Hand aufgezogen, weil die Mutter sie

offenbar stets verstösst. Wenn eine Mutter ihre

Jungen regelmässig verstösst, dann muss die

Haltung hinterfragt werden oder mit einem

solchen Tier dürfte nicht gezüchtet werden.

Möglicherweise kommt diese Problematik aber

den Betreibern zugute, können künstlich

aufgezogene Tiger doch für Auftritte in der

Zirkus-Manege genutzt werden, was mit

artgerecht aufgewachsenen Tigerjungen nicht

geht. Die Haltung ist in verschiedene Gehege

aufgeteilt, die in keiner Weise den Bedürfnissen

von Tigern genügen. Eines der Gehege ist

praktisch vollständig betoniert (kein natürlicher

Untergrund) und alle sind zu klein. Es fehlen

zudem grosse Wasserbecken, denn Tigern nutzen

Wasser oft und gerne. Wenn alle Tigergehege zu

einem zusammengelegt und sich der Zoo auf das

Halten lediglich zweier Tiere beschränken würde,

dann wäre eine tierfreundliche Haltung möglich.

65


STS-ZOOBERICHT 2013

Jürg Jennys Raubtiere, Olsberg

www.infra.ch/jenny/

Jürg Jenny war viele Jahre als Raubtier-Dompteur u.a. mit den Zirkussen Krone, Nock und Royal

auf Tournee. Seit mehr als einem Jahrzehnt beschreitet er mit seiner Grosskatzenhaltung aber

einen neuen Weg, indem er seine Löwen, Tiger und Leoparden unter Zoo-ähnlichen Bedingungen

im Aargauer Jura hält und sie zugleich mit Dressurstunden vor Publikum beschäftigt und fordert.

Die Tierhaltung ist aus Tierschutzsicht vertretbar. Die Gehege sind zwar vergleichsweise klein,

übertreffen aber die Mindestanforderungen gemäss Tierschutzverordnung und sind gut

strukturiert. Eine (wünschenswerte) Vergrösserung der Gehege ist aus raumplanerischen Gründen

nicht möglich.

Die Vorführung der Tiere in der Manege (einem alten Stallgebäude, das über Gittertunnels direkt

mit den Gehegen verbunden ist und auch geschützte, erhöhte Ruheplätze für die Nacht bietet)

beruht auf modernen Dressurkonzepten (positive Verstärkung, keine Strafen). Sie zeigt Respekt

vor dem Tier und setzt die Katzen nicht unter Stress. Zudem werden gemeinsam mit einer

Verhaltensforscherin Beschäftigungsmöglichkeiten entwickelt, die natürliche Verhaltensweisen

auslösen und Verhaltensstörungen minimieren sollen. So werden die Tiere durch regelmässige

Veränderung der Gehegestrukturen und ein Rotationsprinzip, in dem die Tiere abwechselnd

unterschiedliche Gehege nutzen können, beschäftigt.

Tierhaltung

Löwen, Sibirische Tiger, Leoparden

Es stehen insgesamt sechs Teilgehege mit einer

Gesamtfläche von rund 1600 m 2 zur Verfügung.

Die beiden grössten Gehege weisen Grundflächen

von gut 400 m 2 aus. Zum Zeitpunkt der

Besichtigung wurde eines der grossen Gehege

vom Löwenrudel (ein Löwe und zwei Löwinnen)

genutzt, das andere grosse Gehege von den vier

halbwüchsigen Sibirischen Tigerinnen. Die

anderen Teilgehege standen den zwei alten

Sibirischen Tigern, respektive den beiden

Leoparden zur Verfügung. Alle Gehege sind relativ

dicht mit Vegetation (Bäume, Büsche, Wiese)

bestanden und bieten genug Rückzugsmöglichkeiten.

In jedem Gehege können die Tiere

einen gedeckten, wettergeschützten Ruheplatz,

Baumstämme zum Kratzen und erhöhte

Liegeplätze auf Erdhügeln nutzen. In den

grösseren Gehegen befinden sich zudem rund 50

cm tiefe, naturnah gestaltete und recht grosszügig

dimensionierte Weiher, so dass v.a. die Tiger auch

ihr natürliches Badebedürfnis ausleben können.

Die Tiere werden an zwei Tagen in der Woche

nicht gefüttert und erhalten als Spielzeug und

Beschäftigung immer wieder Rinderschädel oder

Tierhäute. Die Nacht verbringen die Katzen in den

gut eingestreuten, erhöhten Liegewagen im Stall

neben der Manege, so dass sie auch über

geschützte Innenräume verfügen. Alle paar Tage

können die Raubkatzen ein anderes Gehege

nutzen, so dass bspw. die Löwen in das Gehege

kommen, wo zuvor die Tigerinnen waren und

66


STS-ZOOBERICHT 2013

umgekehrt. Die Tiere kennen sich durch die

direkte Nachbarschaft am Gitter natürlich

persönlich, haben so aber zusätzlich die

Möglichkeit, Duftmarkierungen zu kontrollieren

und mit dem eigenen Duft zu überdecken, so dass

ein natürliches Territorialverhalten gelebt werden

kann.

Nicht ganz unproblematisch ist die

Gruppenhaltung der Tigerinnen resp. die Paarhaltung

der Leoparden. Tiger und Leoparden sind

im Erwachsenenalter grundsätzlich Einzelgänger

und verteidigen eine grosse Individualdistanz

selbst gegen nahe Verwandte. Die Gruppenhaltung

beugt aber der in einer Einzelhaltung

unweigerlichen Verarmung des Sozialverhaltens

vor und kann eine Verhaltensbereicherung

darstellen, ist aber zugleich ein Stressfaktor, wenn

die Tiere sich nicht aus dem Weg gehen können.

Die Tigerinnen sind aber Geschwister und

harmonieren gut miteinander; jedoch ist fraglich,

ob die Gehege bei länger andauernden Rivalitäten

genügend Ausweichmöglichkeiten bieten. Eine

dauernde Separation der Tiere in einzelne

Teilgehege ist kaum möglich, da sonst der

Bewegungsspielraum aller Tiere stark eingeengt

würde.

Die beiden Löwinnen sind trotz der Fastentage

stark übergewichtig, was zum einen an der

Kastration liegt aber auch daran, dass sie sich

offenbar beim gemeinsamen Fressen gegen ihren

Bruder durchsetzen, dieser aber gar nichts fressen

würde, wenn er alleine fressen müsste!

Tiervorführung

Die Grosskatzen werden mehrmals in der Woche

während 15-30 Minuten, meist vor einem kleinen

Publikum, trainiert. Das Training beruht auf

positiver Verstärkung; es werden also Verhaltensweisen,

welche die Tiere von sich aus zeigen,

zuerst mit Futter und Stimme, später nur noch mit

der Stimme belohnt. Die jungen Tigerinnen

befinden sich am Anfang ihrer Ausbildung, lernen

erste Kommandos und werden mit Fleischstücken

belohnt. Die Löwen sind im Training schon weiter

fortgeschritten, beherrschen einzelne Sprünge

und verschiedene Kommandos und werden

teilweise noch mit Futter, teilweise nur mit

Worten belohnt. Die Leoparden sind fertig

ausgebildet, beherrschen Sprünge durch den

Reifen und Rollen am Boden und werden allein

mit Worten belohnt. Die Körpersprache und

Kommandos von Herrn Jenny sind ruhig und

souverän; eine Peitsche wird nicht eingesetzt. Die

Tiere werden nur mit Worten und Gesten geleitet.

Ein kurzer Stock dient zum Überreichen von

Fleischstücken, eine kurze Reitgerte zum

Dirigieren und gelegentlich streichelnden

Touchieren der Tiere (Herstellung von Vertrauen

auch bei leichten Berührungen).

Die Löwen (Tinus, Swazi und Kenia) stammen aus

einer Nachzucht des Zoos al Maglio, die jungen

Tigerinnen (Saphira, Chiara, Shira und Rani) aus

Braunschweig, und bei der einen, alten Tigerin

(Saiga) handelt es sich um die letzte Nachzucht

des Zoos Basel. Die beiden Leoparden (Ranja,

Daya) stammen aus dem Zoo Rothenburg.

Ganz stressfrei ist eine Raubtierdressur allerdings

nie, da grundsätzlich immer die Individualdistanz

der Katzen mehr oder weniger stark – wenn auch

nur kurzfristig – eingeschränkt wird. Ein leichtes

Knurren und Drohen in der Körpersprache und

gelegentlich angelegte Ohren sind daher auch bei

67


STS-ZOOBERICHT 2013

diesen sehr sorgsam ausgebildeten Grosskatzen in

der Manege zu beobachten. Es handelt sich

allerdings eher um einen kurzfristigen Reiz, durch

den die Tiere zu Aufmerksamkeit, Kommunikation

und Behauptung ihrer Individualdistanz

aufgefordert werden. Anzeichen eines negativen

Stresses (Vermeidungsverhalten, Kopfabwenden,

Stressgähnen, Abwenden – sog. Stress relief-

Verhalten) konnte jedenfalls nicht beobachtet

werden.

Anmerkung

Die Dressur vermag die Bedingungen in freier

Natur nicht zu simulieren, jedoch kann sie sie

zumindest ein Stück weit durch die

Aufmerksamkeit und Konzentration, die sie den

Tieren abverlangt, ersetzen. Statt dass Jürg Jenny

weiterhin mit seinen Tieren dem Publikum

nachreist, kommt dieses nun zu ihm. Im Rahmen

der öffentlichen Proben erzählt der Dompteur viel

Wissenswertes über die Tierhaltung und –dressur.

Jedoch wäre es wünschenswert, wenn an den

Gehegen auch Informationen zu den Tieren, der

Tierhaltung und evtl. der Bedrohung der Arten in

freier Wildbahn angebracht wären.

Für eine private Grosskatzenhaltung und einen

Dressurbetrieb hält und trainiert Jürg Jenny seine

Tiere vorbildlich und verfügt über wissenschaftlich

fundierte Kenntnisse in der Tierhaltung. Jedoch

bestehen auch hier die grundsätzlichen Probleme,

die sich in der Haltung von Grosskatzen generell

stellen, nämlich mangelnder Platz und die grosse

Schwierigkeit, diese intelligenten und scharfsinnigen

Tiere langfristig ausreichend zu beschäftigen.

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STS-ZOOBERICHT 2013

Römischer Tierpark Augusta Raurica,

Augst

www.augustaraurica.ch

Im Tierpark der römischen Ausgrabungs- und Museumsstätte Augusta Raurica bei Augst (BL)

werden ausschliesslich Nutztiere sowie Rassen der Pro Specie Rara gehalten. Es handelt sich dabei

um relativ ursprüngliche Rassen, die in ihrem Erscheinungsbild und ihrer Vielseitigkeit den von

den alten Römern gehaltenen Nutztieren nahe kommen sollen. Deren Aussehen und Verwendung

erschliesst sich allerdings lediglich noch aus Mosaiken, Zeichnungen und schriftlichen Berichten.

Die Tiere im römischen Tierpark werden gut gehalten. Es stehen ihnen ganzjährig grosszügige

Aussengehege und eingestreute Ställe als Witterungsschutz zur Verfügung. Auf dem

umliegenden Grünland geniessen sie im Sommerhalbjahr Weidegang. Die Tiere werden als

Nutztiere gehalten und folglich auch für die Fleischproduktion genutzt (Schweine, Rinder).

Folgende Rassen werden gezeigt: Nera-Verzasca-Ziege, Walliser Alpschaf, Eringerkuh,

Wollschwein, Toulouser Gans (ohne Kehlwamme), Rebhuhnfarbiger Italiener, sowie Perlhühner

und seltene Taubenrassen.

Weil die Tiere (unerlaubterweise!) des Öfteren durch Besucher mit Brot gefüttert werden, ist die

Zufütterung durch die Parkverantwortlichen zurückhaltend, wird aber bspw. bei den Ziegen an

mehreren Stellen gleichzeitig vorgenommen, so dass alle Tiere ans Futter gelangen können. In

den Gehegen finden sich zudem Beschäftigungsstrukturen wie montierte Fellbürsten, Stroh,

Kletterfelsen (Ziegen), Suhlen (Schweine) und einzelne Äste und Zweige zum Kauen (Ziegen,

Schafe, Schweine).

Positive Beispiele

Nera-Verzasca-Ziegen

Ein vorbildliches Ziegengehege! Den kletterfreudigen

Tieren stehen ein Kletterfelsen und ein

Holzgerüst zur Verfügung; in den geräumigen

Ställen werden erhöhte Liegeplätze eingerichtet.

Die Ziegen haben reichlich Auslauf und erhalten

Raufutter an mehreren Raufen, so dass Futterkonkurrenz

vermieden wird.

Hügel sowie zusätzlich eine Wiese mit Suhle

ausserhalb des Tierparks nutzen.

Wollschweine

Das Wintergehege für die Wollschweine bietet

Platz für eine grosse Suhle und enthält einen

geräumigen, gut eingestreuten Stall als

Witterungsschutz. Im Sommer wird das Gehege

erweitert, und die Tiere können den benachbarten

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STS-ZOOBERICHT 2013

Wasservögel

Die Gänse und Enten leben an einem mit Büschen

umstandenen Teich, der ausreichend Platz zum

Schwimmen und zur natürlichen Nahrungssuche

bietet. Verschiedene Holzboxen dienen als

Rückzugsort und Wetterschutz. Im Sommer

geniessen die Gänse Auslauf auf den benachbarten

Viehweiden.

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STS-ZOOBERICHT 2013

Tierpark Bad Zurzach

www.tierpark-badzurzach.ch

Der Tierpark auf dem Zurziberg ist ein Naherholungsziel des Kurorts Bad Zurzach und liegt

idyllisch im Aargauer Tafeljura. Der Eintritt ist kostenlos, und es gibt einen Streichelzoo mit

Zwergziegen. Nebst den Wildtieren Damhirsch und Emu sowie Pfauen und diversen Sittichen und

Agaponiden werden kleinere Haus- und Nutztiere gehalten. Etliche Gehege wurden vor zwei

Jahren renoviert. Die Tierhaltung ist aus Tierschutzsicht in Ordnung; einzig bei den Volieren ist

Verbesserungsbedarf vorhanden. Die Tiersammlung erscheint etwas willkürlich – exotische Vögel

wie Emu, Pfau und Graupapagei neben Nutztieren wie Zwergziegen und Gänsen – jedoch ist

mittelfristig nur noch die Haltung einheimischer Arten geplant. Bei den Wildtieren finden sich

Informationsschilder an den Gehegen. Solche wären durchaus auch bei den Haus- und Nutztieren

(z.B. Zwergziegen, Karpfenteich, Geflügel) wünschenswert.

Positive Beispiele

Damhirsche

werden regelmässig zur Verfügung gestellt. Es

fehlen jedoch Klettermöglichkeiten und erhöhte

Liegeplätze für die Schwarzhalsziegen. Die Hirsche

sorgen alljährlich für Nachwuchs, der jedoch im

Herbst zwecks Bestandeskontrolle durch einen

Jäger entnommen werden muss – wie es in den

meisten Hirschgehegen der Fall ist.

Wasservögel

Die vier Hirschkühe mit Zuchtstier und jährlichem

Nachwuchs können zwei miteinander verbundene

Gehege mit einer Gesamtfläche von rund 5000 m 2

nutzen. Sie teilen sich den Auslauf mit einigen

Walliser Schwarzhalsziegen. Im vorderen Gehege

befindet sich ein Stall mit einem vorgelagerten

Unterstand von ca. 30 m 2 Fläche und einer

Heuraufe. Die Hirsche haben sowohl freien

Auslauf im ebenen Gelände, als auch am Hang.

Bei Bedarf können sie sich an den Waldrand

zurückziehen oder den Schatten unter dem

ausladenden Kastanienbaum nutzen. Wasser steht

zur Verfügung. Die Tiere werden mit Gemüse und

Raufutter zugefüttert. Frische Äste zum Knabbern

Den Enten und Gänsen stehen ein Teich von fast

400 m 2 Fläche und angrenzend ein Baumgarten

von über 1500 m 2 zur Verfügung. Gehalten

werden u.a. Mandarinenten, Stockenten und

Reiherenten. Im Teich (Löschweiher mit Quellwasser

und Lehmboden) schwimmen Karpfen und

Schleien. Die Wasservögel können ein

schwimmendes Entenhaus und mehrere Unterstände,

Brutplätze und Futterhäuschen an Land

nutzen. Diese Strukturen geben ihnen auch Schutz

vor dem Habicht oder vor der Sonne. Der

natürliche Weiher eignet sich gut zum natürlichen

Gründeln, und auf der Wiese können die Gänse

weiden, wobei auch hier Bäume und Büsche als

Schutz- und Ruheplätze dienen. Die meisten

Vögel leben in Halbfreiheit, d.h. sie sind flugfähig,

kehren aber in den Park zurück. Lediglich die

älteren Vögel sind noch coupiert (heute verboten),

71


STS-ZOOBERICHT 2013

und exotische Arten wie die Schwarzkopf-

Ruderente haben gestutzte Flügel und können

nicht entfliegen.

Negative Beispiele

Volieren

Anmerkungen

Ein Ausbau der Innen- und Aussenvolieren ist

geplant. Die Innengehege sollen um rund einen

Meter tiefer, die Aussenvolieren um einen Meter

erhöht werden. Mobile Trennwände sollen eine

Variation der Grösse des Flugbereichs der

einzelnen Aussenvolieren ermöglichen. Ein Teil

der Aussenvolieren soll künftig mit Holzspänen

eingestreut werden.

Wünschenswert wäre eine bessere Strukturierung

der Volieren für die intelligenten und neugierigen

Vögel mit Sitz- und Rückzugsmöglichkeiten,

Balancier- und Kletterästen und –seilen, Vegetation,

Sand- und Wasserbädern, sowie Beschäftigungsmaterialien.

In den alten Volieren werden diverse exotische

Vögel wie Alexandersittiche, Zebrafinken, Graupapagei,

Kaiserfasan und Diamanttauben

gehalten. Die Aussenvolieren sind mit einem

Flugbereich von nur 26 m 2 relativ klein; der Boden

nackter Beton und die Einrichtung spärlich (einige

wenige Sitz- und Klettermöglichkeiten; kaum

Beschäftigungs- und Rückzugsmöglichkeiten). Ein

Graupapagei wird einzeln gehalten, wenn auch in

Gesellschaft anderer Papageienarten. Eine

Vergesellschaftung mit einem Artgenossen wäre

ratsam, sofern machbar.

Die ständig zugänglichen Innenräume sind eng,

mit dem Notwendigsten ausgestattet, aber sehr

sauber und trocken.

Der ständig zugängliche Streichelzoo mit den

Zwergziegen auf rund 450 m 2 verfügt über ein

Teilgehege, welches nur für die Ziegen zugänglich

ist (Rückzugsmöglichkeit). Die Tiere dürfen nur mit

Haferflocken gefüttert werden, welche am

Eingang durch einen Automaten ausgegeben

werden. Die Futtermenge wird allerdings nicht

kontrolliert. Jedoch dürfte sich dies aufgrund des

geringen Besucheraufkommens, getrennter

Fütterung der Jungtiere und der Bewegungsmöglichkeiten

(Kletterfelsen, Baumstämme,

Auslauf) kaum negativ auf den Ernährungszustand

der einzelnen Tiere auswirken.

Positiv zu erwähnen ist die Förderung der einheimischen

Biodiversität im Tierpark. So wurden

Lebensräume u.a. für Wildbienen, Schmetterlinge,

Eidechsen, Laubfrösche, Salamander und Karpfen

geschaffen.

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STS-ZOOBERICHT 2013

Tierpark Lange Erlen, Basel

www.erlen-verein.ch

Der Tierpark Lange Erlen steht den Besuchern täglich gratis offen. Ziel dieses Wildparks ist es, den

BesucherInnen die einheimische, wilde und domestizierte Tierwelt und deren Ökosysteme näher

zu bringen. Somit positioniert sich der Wildpark als Ergänzung zum Zoo Basel mit seiner

Präsentation von Wildtieren aus aller Welt.

Der Wildpark fällt grundsätzlich durch grosszügige und naturnah gestaltete Gehege auf, die

wenigen, ausgesuchten Tierarten einen Lebensraum bieten. Die längerfristige Planung sieht eine

deutliche Erweiterung des Parkgeländes und die Präsentation weiterer, einst einheimischer

Tierarten wie des Wisents, Elchs und Fischotters vor. Beispiele schlechter Tierhaltung finden sich

in diesem Tierpark nicht.

Positive Beispiele

Rotfuchs

Das Fuchsgehege ist durch einen natürlichen

Wassergraben vom Publikum getrennt und mit

Dickicht und Steinblöcken als Rückzugsmöglichkeit

durchsetzt. Ebenfalls gibt es Büsche,

Wurzeln, Totholz-Haufen und einen Bau als

Verstecke sowie natürlichen Untergrund zum

Graben. Die Tiere sind oft nur abends zu sehen. Im

Park leben auch viele wilde Füchse - so kann es

durchaus sein, dass man auch ausserhalb des

Geheges Füchse beobachten kann.

Diverse Hirschgehege

Luchs

Das Luchsgehege fällt durch seine grosszügige

Fläche, die vielfältigen Strukturen und die

zahlreichen Versteckmöglichkeiten positiv auf. Ein

grosser Weiher trennt das nur von zwei Seiten

einsehbare Gelände vom Publikum. Felsen, dichtes

Buschwerk, Baumstämme und hohes Gras bieten

den derzeit drei Luchsen (ein Paar mit Nachwuchs)

Versteck- und Klettermöglichkeiten. Hinter einem

hohen Felsen mit künstlichem Wasserfall befindet

sich ein Rückzugsgebiet, das für die Besucher

ausser Sicht liegt.

Im Tierpark Lange Erlen werden Rothirsche,

Wapitis, Mesopotamische und Europäische

Damhirsche gehalten. Die Gehege der Wapitis und

Mesopotamischen Damhirsche sind 1500-2000

m 2 eher klein im Vergleich zu den Gehegen der

Rothirsche und Europäischen Damhirsche, sind

aber mit Unterständen, Sichtblenden, Wasserläufen

und Beschäftigungsmaterial ausgestattet.

Der Boden – ohnehin schon karg – ist leider

überweidet. Mittelfristig ist ein grösserer Umbau

im Gebiet der jetzigen Hirschgehege geplant. Neu

sollen in zwei zentralen, riesigen Waldgehegen

künftig Elche, Rehe und Wisente leben. Die

Wapitis sollen weggegeben werden, da sie nicht

der Philosophie des Tierparks, nur einheimische

73


STS-ZOOBERICHT 2013

Arten zu zeigen, entsprechen. Zudem wird man

sich künftig wahrscheinlich auf die Haltung einer

einzigen Damhirschart – wahrscheinlich des stark

bedrohten Mesopotamischen Damhirsches –

beschränken. Für diesen existiert ein Erhaltungszuchtprogramm,

und der Tierpark Lange Erlen

hätte die Möglichkeit, mit einer grösseren Herde

einen bedeutenden Genpool aufzubauen.

In zwei sehr grossen Gehegen hält der Tierpark

Rot- und Damhirsche. Das Gehege der

Europäischen Damhirsche befindet sich ausserhalb

des Tierparks auf Stadtgebiet (Schwarzpark). Diese

Gehege sind mit über 9000 (Rothirsche) resp.

deutlich über 10`000 m 2 (Damhirsche, Schwarzpark)

sehr grosszügig dimensioniert und bieten

den Hirschen einen natürlichen Lebensraum

(Wald, gestufte Waldränder, mit Büschen durchsetztes

Wiesenland, Sichtblenden aus Totholz,

natürliche Gewässer, unterschiedliche Topographie,

Unterstände). Die Bestandeskontrolle

findet hier durch normale Bejagung statt.

Uhu

Holzstämmen, Felsen und einem Wasserlauf

strukturiert, dass sie praktisch nahtlos in die

Umgebung überzugehen scheint.

Die Vögel haben hier genügend Beobachtungsund

Ruheplätze, Aufbaum- und Rückzuggelegenheiten,

und sie können ein Bad im Wasser

oder Sand nehmen. Eine sehr gut gelungene

Vogelhaltung!

Anmerkungen

Der Tierpark Lange Erlen setzt sein Konzept, die

Tierwelt und Ökosysteme der Region sowie alte

Nutztierrassen zu präsentieren, sehr überzeugend

um. Die Gehege fallen fast alle durch ihre

naturnahe Gestaltung und Grösse auf. Sehr positiv

fällt auch die Beschilderung auf: Neben

ausführlichen Informationen zu den Tieren wird

jeweils auch deren Lebensraum beschrieben, der

im Tierpark nachgestellt wird, und es werden

immer regionale Bezüge gemacht. Der Park ist

auch ein Lebensraum für viele Wildtiere, u.a.

Füchse, Marder, Reiher, Störche, aber auch die von

selbst in die Parkgewässer eingewanderten Fische

(Alet). Im Wildkatzengehege besteht so bspw. für

die Katzen die Möglichkeit, Fische, Mäuse oder

gelegentlich ein Eichhörnchen zu erlegen.

Im Herbst 2011 wurde die neue Uhu-Voliere

eröffnet. In der alten Voliere leben nun Fasane;

künftig sollen dort auch Rebhühner und

Feldhasen präsentiert werden. Die neue Uhu-

Voliere ist grosszügig dimensioniert und

ermöglicht den Vögeln kurze Flüge. Sie ist hoch,

so dass die Uhus weit über den Besuchern in den

Ästen der Bäume sitzen und Ausschau halten

können. Durch die schmalen Gitterdrähte entsteht

ein sehr offener Eindruck – die Voliere fällt optisch

kaum auf und ist so gut mit Gebüsch, Steinen,

Auch die Nutztiere (u.a. Esel, Strahlenziegen,

Hühner und Bienen) werden in grosszügigen und

neuen Anlagen präsentiert. Die Ziegen werden

mehrmals wöchentlich ausserhalb des Parks bei

Spaziergängen mit Kindern ausgeführt.

74


STS-ZOOBERICHT 2013

Mittelfristig ist die Vergrösserung des Tierparks

von derzeit 8 auf rund 11 ha geplant. Nebst dem

Umbau der alten Hirschgehege zugunsten neuer

Elch-, Wisent und Kranichanlagen sollen am

Wiese-Ufer Anlagen für Biber, Fischotter, Waldund

Feuchtbiotope sowie Aquarien für einheimische

Fischarten entstehen.

Einige wenige gehaltene Arten – nämlich die

australischen Schwarzen Schwäne und die

südamerikanischen Kapuzineraffen, passen nicht

ins neue Konzept des Tierparks. Ihre Haltung wird

aber aus Tradititonsgründen beibehalten, da diese

Tierarten zu den ersten, bei der Gründung des

Parks im 19. Jhdt. gezeigten Tieren gehörten.

gegenüber früher vergrössert, sind aber doch eher

klein. Sie bieten den darin gehaltenen, einheimischen

Wasser- und Singvögeln aber genügend

Versteckmöglichkeiten.

Verbesserungswürdig erscheint die Haltung der

Wildkaninchen in einer weiteren Voliere. Zwar

verbringen die Tiere einen beträchtlichen Teil ihres

Lebens unter der Erde (und sind so scheu, dass

man sie kaum je zu Gesicht bekommt), aber hier

wäre ein grosszügigeres Aussengehege mit

Weidemöglichkeit und Gebüsch wünschenswert.

Ein Relikt aus früheren Zeiten sind zudem die

Volieren beim Kiosk. Zwar wurden diese bereits

75


STS-ZOOBERICHT 2013

Wildpark Roggenhausen, Aarau

www.roggenhausen.ch

Der Wildpark Roggenhausen, im gleichnamigen, idyllischen Tal westlich von Aarau gelegen, zeigt

auf einer Fläche von 15 Hektaren eine ausgewählte Anzahl grösstenteils einheimischer Wild- und

Nutztiere in meist sehr weitläufigen, artgerecht strukturierten Gehegen. Die Hirschgehege dürften

zu den besten ihrer Art in der ganzen Schweiz zählen. Negative Haltungsbeispiele gibt es in

diesem Tierpark nicht.

Positive Beispiele

Rot- und Axishirsche

Die beiden Hirsch-Arten befinden sich jeweils in

weit über 10`000 m2 grossen Gehegen, die ganze

Talausschnitte an beiden Talhängen, mit

Offenflächen zum Weiden, riesigen Einzelbäumen

als Unterstand und Nahrungsquelle (Kastanien!)

sowie Wald und Dickicht als Rückzugsgebiet

umfassen. Befinden sich die Tiere auf der jeweils

dem Besucherweg gegenüber liegenden Talseite,

sind beinahe Ferngläser notwendig, um sie zu

beobachten. Angrenzend an die Hirschgehege

sind mehrere hölzerne Aussichtsplattformen

angebaut. Dort kann von einem Futterautomaten

auch Futter bezogen werden, das den Tieren

verfüttert werden darf, sollten sie sich denn in der

Nähe des Gitters aufhalten. Aufgrund der üppigen

Weiden und des vielen Totholz und herumliegender

Kastanien dürfte dies eher selten der

Fall sein! Über das Gelände verteilt sind mehrere,

grosszügige Unterstände mit Sichtschutzwänden,

sowie kleinere, gedeckte Heuraufen. Im Talgrund

werden die Gehege von einem kleinen Bach

durchflossen. Auch Suhlen sind vorhanden.

In diesen Gehegen, die v.a. beim Rothirsch einen

Ausschnitt aus dem natürlichen Lebensraum

darstellen, sind alle natürlichen Bedürfnisse der

Tiere in annähernd artgerechter Weise erfüllt. Die

Hirsche können sich zum Äsen auf die Weiden

begeben, und in der Brunftzeit können die

Hirschstiere einen Haremsplatz beanspruchen.

Genügend Stroh und Totholz steht als Raufutter

zur Verfügung und wird ergänzt durch das

saisonal unterschiedliche Futterangebot auf den

Wiesen und unter den Kastanienbäumen, sowie

im Wald. Wald und Dickichte dienen als

Rückzugsgebiete, die von Besucherwegen nicht

oder kaum einsehbar sind, und Wasserstellen und

Suhlen bereichern den Lebensraum. Eine

vorbildliche Hirschhaltung!

Steinbock und Murmeltier

Das mehrere 1000 m2 grosse, am Steilhang

gelegene Gehege der Steinböcke und

Murmeltiere bildet mit teilweise natürlich

vorhanden Strukturen (Abhang) sowie künstlich

angelegten Kletterfelsen (Kunstbeton, Blockfeld)

den Lebensraum des Hochgebirges nach. Enorme

Kletterfelsen, Felswände, Nischen und

Schutthalden fordern das Klettergeschick der

Steinböcke heraus und geben an heissen

Sommertagen Schatten. In den Gängen und

Bauten unter den Felsbrocken fühlen sich die

76


STS-ZOOBERICHT 2013

Murmeltiere wohl. Stellenweise wächst karges

Gras, ähnlich einem alpinen Rasen. herumliegendes

Totholz und Stroh dient zur Beschäftigung.

Die Unterstände sind zudem mit Kratzbürsten

und Salzlecken ausgestattet.

Sowohl die Steinböcke mit ihren wenige Tage

alten Kitzen, als auch die Murmeltiere sind im

Gehege sichtbar (trotz vieler Rückzugsmöglichkeiten

unter, hinter und auf den Felsen!),

machen einen gesunden Eindruck und verhalten

sich teilweise sehr verspielt (Kitze, Murmeltiere).

Wildschwein

und ermöglicht das Suhlen, teilweise aus Pflaster

(befestigte Uferböschung). Ein seichter Bach fliesst

durch das ganze Gehege. Die Wildschweine

beschäftigen sich offenbar sehr gerne mit der

Nahrungssuche unter den im Wasser liegenden,

groben, abgerundeten Kieselsteinen. Emsig

durchwühlen sie mit ihren Rüsseln den Bachgrund,

vermutlich auf der Suche nach Insektenlarven.

Auch die Frischlinge beteiligen sich bereits an

dieser Art der Futtersuche. Zudem wühlen sie in

Spalten und Vertiefungen im befestigten Ufer, die

sich offenbar als Futterverstecke eignen. Zur

weiteren Beschäftigung der Schweine dienen

herumliegende Äste und Strohhaufen (im Stall). Es

fehlt zwar an natürlicher Vegetation (ausser Wald

angrenzend an das Gehege), jedoch sind die

wichtigsten Bedürfnisse der Wildschweine

(vielfältige Futtersuche, Suhlen, geschützte Liegebereiche)

erfüllt. Gemäss Wildparkleitung soll das

Gehege in den kommenden Jahren erweitert

werden und auch Teile des angrenzenden Waldes

umfassen.

Steinmarder

Eine spezielle, durchaus gut gelöste Haltungsweise

dieses kleinen Raubtieres. Das Gehege des

Steinmarders befindet sich in einem alten Holzspeicher,

der als Dachboden eingerichtet ist und

diverse Leitern, Querbalken, Kletterseile, ein

Wasserbecken, Strohballen, Schlafhöhlen, erhöhte

Aussichtspunkte und Schlupflöcher in Scheiterbeigen

enthält.

Eine gut strukturierte Tierhaltung trotz relativ

beschränktem Platzangebot. Ein grosses Stallgebäude,

mit Stroh dick eingestreut, dient als

Ruhe- und Rückzugsraum. Kleine Durchschlüpfe

geben den Frischlingen zusätzlichen Bewegungsspielraum.

Frisches Schnittgras bereicherte am

Tag des Besuches das Futterangebot der Tiere.

Der Untergrund besteht teilweise aus Naturboden

An den Seiten des Holzhauses befinden sich je

zwei überdachte, nur an einer Seite offene

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STS-ZOOBERICHT 2013

„Volieren“, die mit Gittern gesichert sind, und die

im ersten Stock über eine Art Dachboden

miteinander verbunden sind, so dass die Besucher

den herumrennenden und –kletternden Marder

auch über ihren Köpfen „poltern“ hören. Das Tier

wird – artgemäss! – einzeln gehalten (es handelt

sich um einen ausgewachsenen Rüden) und ist

eine Hand-aufzucht, daher sehr zahm. Erfreulich

hervor-zuheben ist der Umstand, dass im

Besucher-bereich das Marder-Merkblatt der STS

aufliegt!

Der Marder verhält sich zum Besuchszeitpunkt

sehr aktiv, läuft und springt ständig im ganzen

Gebäude umher. Manche Bewegungsabläufe

machen einen leicht stereotypen Eindruck, werden

aber – im Unterschied zu krankhaften Verhaltensstörungen

– immer wieder von anderen Aktivitäten

unterbrochen und sind evtl. auch auf die

kurz bevorstehende Fütterungszeit zurückzuführen.

Trotz der hervorragenden Strukturierung

des Geheges wäre aus Tierschutzsicht der

Anbau eines Aussengeheges wünschenswert, in

welchem das Tier auch die Möglichkeit hätte,

Naturboden zu spüren und auf richtigen Bäumen

oder Büschen zu klettern und sich der Witterung

auszusetzen und Ausschau nach der Ursache

interessanter Geräusche oder Düfte zu halten.

Anmerkungen

Schneehase

Die Schneehasen werden zusammen mit Ziegen

und wilden Truthühnern in einem grösstenteils am

Hang gegenüber dem Haustierbereich gelegenen

Gehege gehalten. Für die Hasen sind Teilbereiche

abgesperrt, die nur sie erreichen können und wo

sie Schlafboxen und Futterstellen nutzen können.

Im Gehege verteilt befinden sich Totholzhaufen,

unter denen die scheuen Hasen Zuflucht finden

können. Zum Zeitpunkt des Besuchs waren sie

nicht zu sehen. Gemäss einem Tierpfleger ist die

Haltung dieser Tiere sehr schwierig, da insbesondere

die Nachzucht kaum gelingt (wegen

Fressfeinden wie Krähen und Greifvögeln und

wegen Parasiten, v.a. Kokzidien). Die Haltung

dieser Tierart wird daher von der Parkleitung

gerade grundsätzlich überdacht.

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STS-ZOOBERICHT 2013

Zoo Basel

www.zoobasel.ch

Im Zoo Basel wurden – und werden - zahlreiche Anlagen neu gebaut oder erweitert. 2012 wurde

die neue Menschenaffen-Anlage fertiggestellt, womit der Zoo Basel in der Primatenhaltung

wieder eine wegweisende Rolle spielt. Der Wille, den Tieren bessere Gehege zur Verfügung zu

stellen, ist ersichtlich, obwohl einige der neueren Gehege von Löwen, Wildhunden, Panzernashorn

und Geparden bei Verzicht auf einzelne Arten vom Platzangebot her noch grosszügiger hätten

dimensioniert werden können.

Die besondere Situation des Zoos Basel mit seiner Lage mitten in der Stadt und wenig

Vergrösserungspotential bewirkt, dass für die Gehege nur beschränkt Platz zur Verfügung steht.

In letzter Zeit wurden jedoch die Haltungen von einzelnen Tierarten (Thar, Brillenbären,

Kanadischer Otter, Grüne Meerkatze) aufgegeben, um den frei werdenden Raum für den Bau von

neuen, grösseren Anlagen zu nutzen. Schlechte Beispiele von Tierhaltungen findet man im Zoo

Basel kaum Zu den letzten nicht ganz tiergerechten Anlagen sind kurz- bis mittelfristig

Verbesserungen geplant (siehe Abschnitt „Anmerkungen“).

Die nächsten Grossprojekte im Zoo Basel dürften die geplante Erweiterung der Elefantenanlage

sowie die erste grosse Erweiterung in der Geschichte des „Zolli“ – das Ozeanium – sein. Aus

Tierschutzsicht steht der STS dem Projekt Ozeanium kritisch gegenüber. Zuwenig ist über die

artgerechte Haltung von marinen Grossfischen bekannt – ganz zu schweigen von der Tatsache,

dass für das Ozeanium teilweise bedrohte Tierarten wie Haie aus freier Wildbahn werden

importiert werden müssen.

Positive Beispiele

Kattas

Die Kattas leben neu in der Etoscha-Anlage auf

einer natürlich gestalteten Halbinsel neben dem

Gepardengehege. Die Anlage bietet zahlreiche

Kletter- und Versteckmöglichkeiten, Aussichtspunkte

und einen geschützten Stall. Die Affeninsel

ist umgeben von einem breiten Wassergraben,

der für ausreichend Distanz sowohl zu den

Besuchern, als auch zu den Geparden sorgt.

und abwechslungsreichen Untergrund und

zwischen all den Steinen und Totholz bietet sich

den Tieren gute Möglichkeiten, Fressbares zu

suchen und zu finden, sowie Höhlen, Gänge und

schattige Kuhlen zu graben.

Erdmännchen und Stachelschweine

Eine gelungene, für die kleinen Erdmännchen und

eher behäbigen Stachelschweine grosse Anlage

mit vielfältigen Strukturen wie Höhlen, Baumstrünken,

Felsen etc., welche die Tiere ausgiebig

nutzen – als Ausguck, Sonnen- und Schattenplätze,

Rückzugs- und Fluchtorte. Im natürlichen

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STS-ZOOBERICHT 2013

Gemeinschaftsanlage im Etoscha-Haus

entsprechend grossen Anlage. Die Vögel müssen

in den Häusern von den Besuchern manchmal

aktiv gesucht werden: Zu sehen sind aber immer

einige Tiere – zum Teil in unmittelbarer Nähe.

Brillenpinguine

Die Anlage ist ein sehr gutes Beispiel der neuen

Generation von Tierhaltungen in Zoos: Klippschliefer,

Siedelweber (Vögel) und Borstenhörnchen

nutzen gemeinsam eine lichtdurchflutete

Innenanlage. Da es sich um tropische Arten

handelt, ist kein Aussengehege vorhanden. Die

Vögel können im ganzen Raum frei fliegen – auch

im Bereich der Besucher – und die kleinen

Klippschliefer und Borstenhörnchen haben eine

genügend grosse Fläche für ihre Aktivitäten zur

Verfügung. Die Siedelweber haben ein riesiges

Gemeinschaftsnest gebaut, die Borstenhörnchen

unterirdische Gänge, und für die Klippschliefer

stehen Felsen mit vielen Nischen zur Verfügung.

Die Anlage ist dem natürlichen Lebensraum der

Tiere gut nachempfunden und bietet den Tieren

die nötigen Strukturen für Nestbau, Ruhe- und

Rückzugsorte, Ausgucke usw.

Vogelhaus (diverse Arten) und Lorihaus

Zwei sehenswerte Anlagen, in denen die Vögel im

ganzen Haus frei herum fliegen können und die

Besucher mitten im Lebensraum der Tiere stehen.

An der Längsseite beim Vogelhaus sind grosse

Volieren angebracht, die über ebenso grosse

Aussenbereiche verfügen. Auch das Lorihaus

verfügt über eine grosse, artgemäss strukturierte

Aussenvoliere. Zwei gelungene Beispiele, wie

Vögel auch gehalten werden können und ihnen

ihre natürliche Fortbewegung, das Fliegen, auch

wirklich ermöglicht wird. Bedingung hierfür ist die

Wahl von nicht zu grossen Vogelarten und einer

Die Anlage der Pinguine wurde vor einiger Zeit

deutlich vergrössert. Den Tieren steht ein

zusätzlicher Bereich mit natürlichem Untergrund

und einem kleinen Wasserbecken zur Verfügung.

Diesen Bereich nutzen sie fleissig. Zum Zeitpunkt

des Besuches befanden sich alle Tiere im neuen,

schattigeren Teil der Anlage. Mit der neuen

Gestaltung der Anlage haben die Tiere auch gute

Möglichkeiten, sich bei Bedarf vor Besuchern in

die entfernten, wenig einsehbaren Bereiche oder

auch in geschützte Nisthöhlen zurückzuziehen.

Die Grösse der Wasserbecken ist für die schnellen

Schwimmer und guten Taucher jedoch suboptimal.

Affenhaus (Menschenaffen und kleinere

Affenarten)

Das alte Affenhaus aus den Sechzigerjahren wurde

2011/12 erneuert und um grosse Aussengehege

erweitert. Die neuen Innenanlagen wurden im

Sommer 2011 eröffnet; die Aussenanlagen im

September 2012. Die Innenräume wurden auf

rund die doppelte Fläche vergrössert, mit

mehreren Etagen ausgestattet und auch in die

Höhe erweitert. Dank der grösseren Dachfenster

sind die Räume deutlich heller. Eine Vielzahl von

Seilen, Baumstämmen, Reifen, Hängematten

sowie Badewannen regen zum Klettern und

Herumtollen an, ebenso das reichlich ausgebrachte

Stroh, mit welchem die Tiere sich auch

Schlafnester bauen können. Die Tiere können nun

mehr Ausguckplätze und Rückzugsorte nutzen als

im alten Gehege, und sich dank der deutlich

tieferen Gehege auch besser vor den Besuchern

zurückziehen. An den Wänden montierte

Futterkästen fordern die intelligenten Tiere zur

Erprobung ihrer Geschicklichkeit, Geduld und zum

Werkzeuggebrauch auf.

Sämtlichen Affen stehen nun permanent

zugängliche Freigehege zur Verfügung. Zu diesem

Zweck wurden für die kleineren Affenarten (u.a.

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STS-ZOOBERICHT 2013

Klammeraffen, Löwenäffchen) auf dem Dach des

bestehenden Hauses grosszügige, sonnige

Volieren erbaut, welche sie kletternd aus den

Innenanlagen erreichen. Die Volieren sind für

Besucher einsehbar, aber nicht direkt zugänglich.

Javaneraffen

Für die Gorillas, Schimpansen und Orang-Utans

stehen insgesamt fünf, miteinander verbundene

aber einzeln abtrennbare, grosszügige Aussenanlagen

zur Verfügung. Diese sind mit künstlichen

und natürlichen Kletterbäumen, natürlicher

Vegetation, Wiesen und Felsen sehr interessant

und vielfältig ausgestattet und ermöglichen den

Tieren Nahrungssuche (bspw. im Gehege

wachsende Gräser, Kräuter), Komfortverhalten

(Hängematten, Sand, Sonne und Schatten,

Wasser), Klettermöglichkeiten (Seile, Hängematten,

Gitter, Baumstämme, Betonpfeiler)und

Ausschau-Halten von Ausguckplätzen. Die Affen

können sowohl am Gitter wie auch den

Glassscheiben die Nähe der Besucher suchen, als

auch sich bei Bedarf tief in die Gehegelandschaft

oder in die Höhe zurückziehen. Die fünf Anlagen

können den drei Arten in unterschiedlichen

Kombinationen zur Verfügung gestellt werden, so

dass die gleiche Anlage zu unterschiedlichen

Zeiten nicht immer von der gleichen Art genutzt

wird. Dadurch kann den Tieren mehr Abwechslung

geboten werden. Die Anlage wird derzeit vor

allem von den kletterfreudigen Orang Utans sehr

gerne genutzt.

Die Javaneraffen wurden vom alten „Affenfelsen“

(eigentlich einem Graben, in den man auf die

Tiere herunterschauen konnte) in ein neues

Gehege mit riesigem Kletterfelsen umgesiedelt,

wo sie sich nun vor den Besuchern in die

Felsnischen in der Höhe zurückziehen und die

Umgebung im Auge behalten können. Im neuen

Gehege bieten der Kletterfelsen (mit beheizbaren

Innenräumen) und zahlreiche Baumstämme

vielfältige Kletter-, Versteck- und Ausguckmöglichkeiten.

Ein Teich bereichert die Anlage

zusätzlich, sind Javaneraffen doch sehr

wasserliebend! Dicht bewachsene Sichtblenden

bieten rangniederen Tieren zusätzliche Ausweichmöglichkeiten

bei Auseinandersetzungen. Eine

besonders spannende Bereicherung der Haltung

ist die unmittelbare Nachbarschaft zu den

Schneeleoparden, mit welchen sich die Rhesusaffen

den Kletterfelsen - nur durch ein Gitter

getrennt - teilen. Die Affen überwachen die

Bewegungen der Grosskatzen und wissen

unterdessen genau, dass ihnen keine Gefahr

droht. Dennoch kommt es bisweilen zu

spannungsgeladenen Begegnungen, bei welchen

die Affen die Katzen „provozieren“ oder sich

letztere anzuschleichen versuchen.

Panzernashorn

Die beiden Panzernashorn-Kühe, ein Jungtier

sowie ein Bulle leben in zwei getrennten Anlagen

in einem gelungenen Nachbau des natürlichen

Herkunftsgebiets (Schwemmgebiete Nepals) mit

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STS-ZOOBERICHT 2013

üppigster Vegetation aus meterhohen Gräsern,

abgestorbenen Bäumen und sandigen Ufern.

Malaienbär

Sie teilen sich das Gehege mit Muntjak-Hirschen

und Zwergottern. Für die Muntjaks bietet die

hohe Vegetation ideale Verstecke. Die Anlage ist

nur von einzelnen Stellen gut einsehbar, die Tiere

haben ausreichend Rückzugmöglichkeiten. Wasser

lädt zum Baden, Totholz zum Scheuern der Haut

und die offene Fläche zum Traben und Spielen

(Otter, Nashornkälber) ein.

Anmerkungen

Afrikanische Elefanten

Die Haltung ist vergleichbar mit der aktuellen

Anlage in Zürich. Auch die Anlage in Basel ist zu

klein und bietet den anspruchsvollen Tieren nicht

die nötige Beschäftigung und die nötigen

Bewegungsmöglichkeiten. Der Untergrund ist

zwar abwechslungsreich gestaltet, und die Tiere

können ausgiebig sandbaden. Es steht ihnen auch

Wasser zur Verfügung, das sie durch Löcher in der

Stallwand von aussen mit dem Rüssel einsaugen

und sich damit duschen können. Eine kleine

Wasserstelle befindet sich zwar im Aussengehege,

ein grosses, stets zugängliches Bad gibt es aber

nicht. Die Innenanlage ist minimal, das Bad nur

zeitlich beschränkt und für die Tiere einzeln unter

Aufsicht zugänglich. Insgesamt eine unbefriedigende

Haltung für die riesigen Dickhäuter.

Diese nicht mehr zeitgemässe Haltungsanlage

wird gemäss Auskunft der Zooleitung in nächster

Zeit nicht mehr für die Haltung von Malaienbären

verwendet. Im Moment lebt dort noch ein sehr

betagtes Tier aus einem anderen Zoo in Pension.

Grundsätzlich soll die Anlage nicht mehr für eine

Haltung dieser Bärenart verwendet werden.

Königspinguin und Eselspinguin

Im Gegensatz zu den Brillenpinguinen leben die

Königs- und Eselspinguine in kalten Klimazonen

und müssen daher bei uns im Sommer in

gekühlten Räumen gehalten werden. Eine

Aussenhaltung ist nur im Winter bei entsprechend

tiefen Temperaturen möglich. Es ist daher fraglich,

ob es Sinn macht, solche Tierarten in unseren

Breitengraden überhaupt zu halten. Der

klimatisierte Raum, der den Tieren in der warmen

Jahreszeit zur Verfügung steht, ist grundsätzlich

für eine tiergerechte Pinguinhaltung zu klein. Im

minimalen Becken können die Pinguine nicht mit

Tempo schwimmen . Von Vorteil ist, dass sich die

Besucher in einem relativ dunklen Raum befinden

und deshalb von den Tieren im hellen Gehege

wohl kaum richtig wahrgenommen werden. Bei

einer längerfristigen Realisierung des geplanten

Ozeaniums würden die antarktischen Pinguinarten

dorthin in eine der Art eher entsprechende, neue

Haltung umgezogen.

Gemäss bereits begonnener Planung des Zoo

Basel soll die Elefanten-Anlage in den kommenden

Jahren erneuert und erweitert werden.

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STS-ZOOBERICHT 2013

Wolf

Diese Anlage ist von den Strukturen und von den

Einrichtungen her mit Sträuchern, Wasserstelle,

Liegeplätzen, Höhlen etc. gut gelöst, aber schlicht

zu klein. Den Tieren steht ein Gehege zur

Verfügung, das sie in wenigen Augenblicken

erkundet haben. Platz für Herumrennen, simuliertes

Jagen, Spiel (Jungtiere) etc. steht nicht zur

Verfügung. Ein Rückzug vor Artgenossen oder vor

den Besuchern ist den naturgemäss scheuen

Tieren beschränkt möglich, indem sie sich in Ställe

oder hinter Büsche zurückziehen – eine genügend

grosse Distanz zu Besuchern einnehmen können

die Tiere hingegen nicht.

Geplant ist ein neues, grösseres Wolfsgehege als

Teil des thematischen Gebiets „Nordamerika“.

Lobenswert sind die fachlichen Informationen

beim Wolfsgehege zu den freilebenden Wölfen

der Schweiz.

Kalifornischer Seelöwe

Obschon das Wasserbecken und der Kletterfelsen

für die Kalifornischen Seelöwen die Mindestanforderungen

gemäss Tierschutzverordnung

übertreffen, kann hier kaum von einer tiergerechten

Haltung gesprochen werden. Zuwenig

Platz zum ausgiebigen Schwimmen oder (von

Besuchern ungestörten) Sonnenbaden an Land

steht den Tieren zur Verfügung. Es stellt sich

grundsätzlich die Frage, ob eine artgerechte

Haltung von Meeressäugern möglich und in

einem Binnenland wie der Schweiz überhaupt

sinnvoll ist.

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STS-ZOOBERICHT 2013

Zoo Hasel, Remigen (AG)

www.zoo-hasel.ch

Der Zoo Hasel ist ein Kleinzoo, der eine Mischung einheimischer (Nutz-) Tiere und exotischer

Wildtiere hält. Die meisten Tiere werden gut gehalten, doch gibt es auch noch etliche veraltete

Anlagen, die nicht mehr einer zeitgemässen, artgerechten Tierhaltung entsprechen. Die

Zooleitung zeigt allerdings begrüssenswertes Engagement, die Tierhaltung zu verbessern und hat

in den letzten Jahren zwei moderne Anlagen für die Haltung von Waschbären sowie Rhesusaffen

realisiert.

Positive Beispiele

Waschbären

Den drei Waschbären steht eine rund 300m 2

grosse Anlage zur Verfügung, deren Mittelpunkt

ein grosser Naturfelsen und ein kleiner Teich

bilden. Hohe Bäume sowie Baumstämme

ermöglichen den Tieren, ihre angeborene

Kletterfähigkeit auszuleben und sich zum

Schlafen in die Höhe zurückzuziehen. Gepolsterte

Felsnischen und in den Bäumen montierte

Schlafboxen bieten reichlich Rückzugsmöglichkeiten.

Das Gehege ist nur von vorne

einsehbar, so dass die Tiere bei Bedarf auch

Distanz zum Publikum einnehmen können. Eine

kleine, frei zugängliche Holzhütte mit weiteren

Schlafboxen bietet zusätzlichen Witterungsschutz.

Eine aus Tierschutzsicht vorbildliche Waschbären-

Haltung!

Grünflügelaras

Die beiden Grosspapageien befinden sich in einer

grosszügig angelegten Voliere, die Raum für

kurze Flüge und viele Klettermöglichkeiten bietet.

Dichte Vegetation und den Besucher nicht

zugängliche Innenräume ermöglichen den Tieren,

sich bei Bedarf zurückzuziehen.

Rhesusaffen

Den vier Rhesusaffen steht ein geräumiges,

volierenartiges Gehege mit Kletterbäumen,

Seilen, Reifen und Felsen sowie einem kleinen

Wasserbecken zur Verfügung. Bei Bedarf können

sie sich zudem in einen für die Besucher

unzugänglichen Innenraum zurückziehen. Das

Gehege bietet genügend Platz, Kletter- und

erhöhte Ausguckmöglichkeiten für die Affen. Für

das Gehege ist ein Informationskonzept geplant,

welches mit Schautafeln zum Beobachten des

Sozialverhaltens der Tiere und ihrer Körpersprache

anregt.

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STS-ZOOBERICHT 2013

Negative Beispiele

Leopard (Panther)

Der alte Panther (zum Zeitpunkt der Besichtigung

2011 rund 18-jährig) verbringt sein Leben in

einem Käfig von der Grösse eines

Hundezwingers. Das Gehege ist nicht nur viel zu

klein für die sehr sprungkräftige und

bewegungsfreudige Grosskatzenart, sondern

auch absolut reizarm. Es fehlen grösstenteils

Klettermöglichkeiten, Aussichtspunkte sowie

Rückzugsmöglichkeiten. Das Tier ist ausgestellt,

und es ist ihm nicht annähernd möglich, sein

natürliches Verhalten zu zeigen. Da es sich um ein

sehr altes Tier handelt, verbringt es seine Zeit

meist schlafend. Ein jüngeres Tier würde unter

solchen Haltungsbedingungen stark stereotypes

(gestörtes) Verhalten entwickeln.

Gemäss Zooleitung soll die alte Katze einen

ruhigen Lebensabend in vertrauter Umgebung verbringen

dürfen. Man ist sich der ungenügenden

Haltungsbedingungen bewusst und will künftig

auf die Haltung von Grosskatzen verzichten. Eine

Umsiedlung des Panthers in einen Zoo mit grösserem

Gehege schlug fehl – das Tier ist nicht mehr

in der Lage, sich einer veränderten Umgebung

anzupassen.

Mantelpaviane

Die kleine Gruppe Mantelpaviane verbringt ihren

Lebensabend in einem für die Tierart viel zu

kleinen, nicht mehr zeitgemässen Käfig. Die

räumlichen Verhältnisse darin sind sehr beengt,

die Tiere sind ausgestellt und können sich vor

den Besuchern nur in den dunklen Innenraum

zurückziehen. Die Tiere haben einige wenige

Klettermöglichkeiten (Seile, Reifen) und höher

gelegene Sitzplätze, doch das Gehege ist von der

Grundfläche viel zu klein, und es fehlen natürliche

Strukturen wie Felsen und Felsnischen,

Vegetation, Baumstämme oder ein natürliches

Gewässer.

Gemäss Zooleitung handelt es sich bei den

Pavianen allesamt um sehr alte Tiere, die wohl nur

noch wenige Jahre im Zoo verbringen werden.

Nach dem Ableben der Tiere soll auf die

Pavianhaltung verzichtet werden.

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STS-ZOOBERICHT 2013

Wildnispark Zürich, Langenberg

www.wildpark.ch

Wer den Wildnispark Zürich besucht, sollte unbedingt ein Fernglas mitnehmen. Die Gehege

sind allesamt sehr grosszügig dimensioniert und die Distanzen zu den Tieren deshalb oftmals

beträchtlich. Der Besucher erhält so einen guten Einblick in das natürliche Verhalten und in den

angestammten Lebensraum der gehaltenen Tiere. In allen Gehegen können sich die Tiere dank

grossen Flächen und Strukturen (Asthaufen, Gebüsche, Waldstücke etc.) von Artgenossen und

Besuchern zurückziehen.Negativ aufgefallen ist der Wildnispark durch die erneute Euthanasie

eines „überzähligen“ Jungbären im Februar 2013.

Positive Beispiele

Braunbär

Ein Vorzeigegehege für Braunbären: mit seinen

ca. 10 000 m 2 plus nochmals ein paar 1000 m 2

(Trenngehege) bietet die Anlage den Bären

genügend Platz, um sich artgemäss zu verhalten.

Vielerlei Grab-, Fress- und Kratzspuren sind

Zeugen der Aktivitäten der Bären. Das Gehege

besteht grösstenteils aus Wald, verfügt aber auch

über einen offenen Teil mit grossem

Schwimmteich. Dieses abwechslungsreiche

Gelände durchstreifen die Bären auf der Suche

nach Nahrung, wie sie es in der Natur auch tun.

Der natürliche Untergrund erlaubt es den Tieren,

selbständig Schlafhöhlen für die Winterruhe zu

graben, was sie auch ausgiebig tun.

Anmerkung

Problematisch bei dieser Bärenhaltung ist der

Umstand, dass die artgerechte Fortpflanzung der

Tiere – und damit die Produktion von „Überschusstieren“,

die dann eingeschläfert werden

müssen – in das Bestandesmanagement beim

Braunbären (und vermutlich auch anderen

Tierarten) fest einkalkuliert ist. So musste im

Februar 2013 ein vierjähriger, gesunder Braunbär

eingeschläfert werden, weil die Bärin erneut

Nachwuchs erwartete und für den Jungbären kein

geeigneter Platz in einem anderen Zoo gefunden

werden konnte. Störend an diesem Sachverhalt

ist, dass die Kastration und damit Verzicht auf

Fortpflanzung überhaupt nicht in Betracht

gezogen wird, obschon es weltweit zu viele

Braunbären in Gefangenschaft gibt und die

Haltung kastrierter Tiere in einem artgerechten

Gehege wie Langenberg ohne Einbussen beim

Tierwohl möglich wäre. Den Jungtieren dieses

Jahres droht nun in zwei, drei Jahren ebenfalls die

Euthanasie, weil der Tierpark offenbar nur beim

„Recht auf Fortpflanzung“ absolute „Naturtreue“

verlangt – obschon auch in freier Wildbahn nie

alle Tiere einer Art zur Fortpflanzung kommen!

Aus Tierschutzsicht ist dieses Primat einer

Pseudo-Biologie über den Tierschutzgedanken

bedenklich: Die Produktion überzähliger

Jungtiere allein mit der (ohnehin nie zu 100%

erreichbaren) „Artgerechtigkeit“ der Haltung in

Gefangenschaft zu verteidigen, ist verwerflich.

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STS-ZOOBERICHT 2013

Denn so vorbildlich die Haltung auch sein mag –

es handelt sich um Wildtiere in Gefangenschaft,

für deren individuelles Wohlergehen und Lebensrecht

(tiergerechte Haltung) der Mensch Verantwortung

trägt.

Luchs

Wie das Bärengehege ebenfalls ein eingezäunter

Teil des Waldes von mehreren tausend Quadratmetern;

einsehbar via Plattformen. Die sehr

hohen Ansprüche dieser scheuen Katzen werden

mit diesem Gehege optimal erfüllt.

Wölfe

Den Wölfen steht ein grosses Stück Wald zur

Verfügung, einsehbar ist auch hier nur ein Teil

über verschiedene Plattformen. Die von Natur aus

scheuen Tiere haben damit bestens Gelegenheit,

sich vor Besuchern oder Artgenossen zurück zu

ziehen. Das Rudeltier Wolf braucht eine

grosszügige Anlage, damit es sein Gruppenleben

und sein Bewegungsbedürfnis ausleben kann. Mit

etwas Geduld sieht man bald umherstreifende

Tiere, wenn sie sich nicht gerade auf einem

sonnigen Plätzchen zur Ruhe gelegt haben.

klare Verhaltensregeln wie striktes Fütterungsund

Streichelverbot. Eine hervorragende Möglichkeit,

diesen interessanten Tieren direkt zu

begegnen.

Wildkatzen

Die Anlage der Wildkatzen stellt eine Vorzeighaltung

für diese scheuen Tiere dar. Eine

optimale Grösse und Strukturierung erlaubt den

Tieren ein artgemässes Leben und sie können gut

beobachtet werden – sei es beim sonnenbaden,

beim umherstreifen oder beim jagen, welches mit

computergesteuerten Futterboxen animiert wird.

Begehbares Wildschweinegehege

Rotfuchs

Eine Besonderheit stellt das begehbare Wildschweinegehege

dar. Ein eingezäuntes Stück

Wald kann von den Besuchern auf einem Weg

durchschritten werden und die Chancen sind

gross, Wildschweinen zu begegnen. Es gelten

Das neuste Gehege in Langenberg steht den

Rotfüchsen zur Verfügung. In dieser grosszügigen

Anlage wurde der Lebensraum des Fuchses sehr

gut nachempfunden und die Tiere finden dort

87


STS-ZOOBERICHT 2013

alles, was sie auch in der Natur draussen nutzen:

Futter, Unterschlüpfe, Schlafplätze, Höhlen,

offene Felder. Von einem Beobachtungshaus aus

hat man einen perfekten Einblick in das Leben

der Füchse. Die Informationen rund um den

Fuchs, welcher mittlerweile zum Kulturfolger

geworden ist und heute mitten in Siedlungsgebieten

lebt, runden diese neue Anlage ab.

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STS-ZOOBERICHT 2013

Wildpark Bruderhaus, Winterthur

www.bruderhaus.ch

Der Wildpark Bruderhaus in Winterthur ist in einem grösseren Wald gelegen. Er beherbergt

neun verschiedene Tierarten: Wolf, Luchs, Wisent, Sikahirsch, Damhirsch, Rothirsch, Mufflon,

Przewalskipferd und Wildschwein.

Alle Tiere sind in grosszügigen, naturnahen Anlagen gehalten. Für die Zukunft des Wildparks

sind umfassende Umbauten und Neugestaltungen geplant. Mehrere Gehege sollen zu

Gemeinschaftsanlagen von zwei Tierarten umgebaut werden. Die Wisente zum Beispiel, die

heute in einer Anlage leben, welche der Wildpark selber als zu klein deklariert, sollen in Zukunft

eine Anlage zusammen mit den Sikahirschen nutzen. Die Sikahirsche verfügen über ein grosses

Gehege, das gemäss Wildpark aber zu wenig offene Wasserflächen bietet. Das neue

Gemeinschaftsgehege soll dies alles bieten. Die zusätzlich benötigte Fläche steht dank der

Aufgabe der Damwildhaltung zur Verfügung.

Diese Erneuerungen sind sehr begrüssenswert und werden die Qualität der Tiergehege massiv

verbessern.

Positive Beispiele

Wildschweine

Die Wildschweine können eine grosse Fläche mit

vielen artgemässen Strukturen nutzen. Der

Naturboden lässt überall ausgiebiges Wühlen zu,

Rückzugsmöglichkeiten haben die Tiere mehrere,

Baumstämme erlauben Kratzen und Scheuern,

grosse Asthaufen ermöglichen eine

Beschäftigung (Futtersuche). Einzig eine

grosszügige Suhle mit genügend Wasser fehlt –

das betonierte Wasserbecken ist etwas klein

geraten.

Wolf

Die neue, 12'000 m 2 grosse Anlage ist in einem

Waldstück gebaut. Sie bietet den Wölfen einen

attraktiven Lebensraum mit wichtigen Strukturen

wie dichtes Unterholz als Rückzugsmöglichkeit,

Aussichtsplätze, Höhlen etc. Einblick ins Gehege

haben die Besucher aus einem unterirdischen

Unterstand und durch Fenster, die in die

abschirmenden Holzwände eingelassen sind.

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STS-ZOOBERICHT 2013

Somit werden die scheuen Wölfe von den

Besuchern kaum gestört und können trotzdem

beobachtet werden.

Rothirsche

Die grossen Hirsche können eine

abwechslungsreiche, grosszügige Anlage nutzen.

Ein Bachtobel liegt mitten im Gehege. Die Ufer

des Tobels erodieren relativ stark, eine Sanierung

ist geplant: Den Sika- und Rothirschen wird ein

Gehege geboten, dass sie abwechslungsweise

oder zeitweise auch gemeinsam werden nutzen

können. Ein Teil, in welchem nur Hirschkühe

eintreten können, soll auch für Besucher

begehbar gestaltet werden.

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STS-ZOOBERICHT 2013

Zoo Zürich

www.zoo.ch

Der Zoo Zürich ist der grösste Zoo der Schweiz und mit seinen rund 340 gehaltenen Tierarten

auch einer der artenreichsten. Seit einigen Jahren wandelt sich der Zoo stark. Unterdessen

entsprechen die meisten Gehege den neuesten Erkenntnissen über eine artgerechte Tierhaltung

und haben somit Vorbildcharakter. Kürzlich fertig gestellt wurde etwa die Anlage „Pantanal“.

Weitere Neu- und Umbauten sind im Bau oder geplant. So soll in den nächsten Jahren ein

neuer ca. 10'000 m 2 grosser Elefantenpark entstehen. Wegweisend ist nach wie vor die

Masoala-Halle, die ein Stück Regenwald simuliert. Der Zoo nimmt seine Aufgabe im Bereich

Naturschutz und Öffentlichkeitsarbeit sehr ernst und engagiert sich hier im In- und Ausland.

Bei besonders weitläufigen Gehegen stehen Fernrohre oder Ferngläser zur Verfügung, um die

Tiere besser beobachten zu können.

Positive Beispiele

Brillenbären und Nasenbären

Diese grosszügige und reich strukturierte Anlage

stellt eine Vorzeigehaltung von Bären und

Kleinbären dar. Den Tieren stehen unter anderem

hohe und vielfältige Klettermöglichkeiten, Rückzugsgebiete,

ein Teich, Fliessgewässer, verschiedenste

Bodensubstrate, buschreiches

Unterholz und erhöhte Stellen zur Verfügung.

Öfters braucht es einen geschulten Blick oder

Geduld, bis man die Tiere in dem sehr weitläufigen

Gehege entdeckt. Hier ist es gelungen,

ein grosszügiges Gehege sowohl für die

Brillenbären als auch für eine Grossfamilie

Nasenbären zu schaffen, welches dem natürlichen

Lebensraum der Tiere (Bergnebelwälder

der Anden) nachempfunden ist und ihnen ein

artgemässes Verhalten und annähernd natürliches

Leben ermöglicht.

Schneeleoparden

Das Gehege gibt den natürlichen Lebensraum

dieser seltenen Grosskatzen gut wieder. Eine

gebirgige Landschaft wurde an einem Hang

realisiert, welche dank grosszügiger Dimension

den Tieren einen angepassten Lebensraum

bietet. Die Tiere verfügen über Aussichtsplätze,

ungestörte Ruheorte und Möglichkeiten, sich

zurückzuziehen. Trotzdem können die eleganten

Katzen von den Besuchern gut aus Distanz

beobachtet werden – eine Distanz, die dank

Besucherlenkung jederzeit eingehalten wird:

Einblicke ins Gehege gibt es nur durch Fenster

und Gucklöcher. Ein bewusstes „Draussen lassen“

der Besucher wird hier umgesetzt.

Tiger

Auch diese Haltung darf als zeitgemäss und gut

beurteilt werden. Die Anlage mit total ca. 1’400

m 2 dürfte für diese riesigen Katzen zwar noch

grösser sein. Das Gehege ist indessen artgemäss

eingerichtet, mit einem grossen Bad, Rückzugsorten

und erhöhten Flächen, Kratzbäumen,

etc. Speziell zu erwähnen sind die vom Computer

gesteuerten Futterkisten, welche einen Teil des

Jagd- und Lauerverhaltens der Tiger simulieren

91


STS-ZOOBERICHT 2013

sollen. Damit konnte das frühere Gitterlaufen

(eine stereotype Verhaltensstörung) des Tigers

«geheilt» werden.

Löwen

Die neue Löwen-Anlage wurde 2006 eröffnet. Die

Tiere verfügen über eine Totalfläche von ca.

1'700 m 2 . Die reich strukturierte Anlage bietet

unter anderem Rückzugsorte, Aussichtspunkte,

verschiedene Bodensubstrate und eine

Innenanlage. Die Innenanlage ist relativ klein

geraten, es ist aber davon auszugehen, dass die

Löwen den Grossteil des Jahres freien Zugang

zum Aussengehege haben.

Fernglas sollte zur Grundausrüstung gehören,

wenn man die Masoala-Halle besucht. Viele der

zahlreichen Dschungeltiere können sich frei in

der ganzen Halle bewegen und es kann durchaus

sein, dass dem Besucher ein roter Vari plötzlich

knapp über den Kopf von Ast zu Ast springt.

Auch die Aufgabe eines Zoos, seine Besucher zu

bilden und für Tier- und Umweltthemen zu

sensibilisieren wird hier gross geschrieben und

sehr gut umgesetzt.

Dscheladas, Nubische Steinböcke und

Klippschliefer

Wölfe

Die Anlage der Wölfe liegt an einem Abhang,

verfügt über Wald und über offenes Gelände. Sie

ist für Besucher nur an wenigen Stellen

einsehbar, womit den von Natur aus scheuen

Tieren genügend Rückzugsmöglichkeiten vor

den Menschen gewährt werden. Alles in allem

ein gelungenes Gehege, welches dank den

vielfältigen Strukturen den Wölfen einen

artgemässen Lebensraum bietet.

Masoala-Halle

Ein Stück Regenwald mitten in Zürich in einer

riesigen Halle: Eine neue Dimension der

Zootierhaltung, in welcher die Besucher die Tiere

zum Teil suchen müssen. Zoo-Freiwillige sind oft

anwesend und zeigen den Besuchern Tiere, die

auf den ersten Blick nicht entdeckt werden. Ein

Im „Semien-Gebirge“, einer Gemeinschaftsanlage

für Dschelada-Paviane, Nubische Steinböcke und

Klippschliefer, wird das äthiopische Hochland mit

seinen steilen Wiesen, kargen Vegetation und

schroffen Felsen nachgebildet. Die Tiere können

ein Gelände von rund 2`000 m 2 nutzen und sich

bei Bedarf auch weit vom Publikum zurückziehen.

Felsnischen ermöglichen den Dscheladas, sich

nachts und bei Regen in den Schutz der Felsen

zurückzuziehen, wie sie es auch in freier Wildbahn

tun. Grosse Felsblöcke regen zum Klettern an, und

auf den von Steinschutt durchzogenen Wiesen

können Affen und Steinböcke sich der

Nahrungssuche und dem sozialen Gruppenleben

widmen. Die Klippschliefer nutzen die Felsen als

Ausgucke, Verstecke und Sonnenplätze. Eine

tiergerechte Anlage, die für die bedrohte Tierwelt

des äthiopischen Hochlandes eine wichtige

Botschafter-Funktion erfüllt.

92


STS-ZOOBERICHT 2013

Pantanal

2012 wurde das Gemeinschaftsgehege „Pantanal“

für die Tierwelt der südamerikanischen

Feuchtsavannen eröffnet. Eine weitere Tierhaltung

mit Vorbildcharakter! Auf einer Fläche von

mehreren 1000 m 2 , die einer Feuchtsavanne mit

lockerem Baumbestand, Schilfgürteln und

Schwemmholz nachempfunden ist, leben

Capybaras, Tapire, Ameisenbären, Gelbbrust-

Kapuziner, Totenkopfäffchen, Hyazintharas,

Wehrvögel (Tschajas) und Chile-Flamingos. Den

Capybaras und Tapiren stehen grossflächige

Weiden, mit Stroh eingestreute Unterstände und

Totholzhaufen zum Verstecken oder Nagen

(Capybaras) zur Verfügung. In mehreren,

miteinander verbundenen Teichen können sie

ausgiebig schwimmen. Für die Aras und Affen

stehen auf mehreren Inseln hohe Kletterbäume,

Ausguckmöglichkeiten und Kletterseile zur

Verfügung. Die Flamingos können einen

ungestörten Teich hinter Schilfgürteln als

Brutplatz nutzen. Das gesamte Gebiet grenzt

direkt an die riesige Brillenbärenanlage und die

„Auenlandschaft“ des Zoos an mit ihren

verschiedenen einheimischen Wasservögeln, So

bildet der Eingangsbereich des Zoos eine

weitläufige Wasser- und Buschlandschaft, die auch

einheimischen Vogelarten als Lebensraum dient.

Im „Pantanal“ wird auf spannende Art

Öffentlichkeitsarbeit betrieben. Die Wege und

Holzbrücken führen den Besucher zu

verschiedenen Aussichtspunkten und ermöglichen

zugleich den Tieren, sich bei Bedarf weit vor den

Besuchern zurückzuziehen. Ein nachgebauter

Posten der brasilianischen Parkaufseher, ein

echtes Polizeiauto der Umweltbehörde,

nachgebaute Fallen von Wilderern und diverse

Informationstafeln machen nicht nur auf die

Tierarten und ihren Lebensraum, sondern auch auf

ihre Bedrohung durch Rodung und Wilderei

aufmerksam.

Negative Beispiele

Königspinguine

Tiere aus extremen Klimazonen bekunden mit

unserem Klima unter Umständen Mühe, und es ist

grundsätzlich zu hinterfragen, ob es Sinn macht,

solche Tiere hier zu halten. Königspinguine leben

natürlicherweise auf antarktischen Inseln, wo ganz

andere Temperaturen herrschen, als in unseren

Sommern. Somit ist eine Aussenhaltung dieser

Tiere nur im Winter möglich, im Sommer muss

ihnen ein klimatisierter Raum zur Verfügung

gestellt werden. Aus rein finanziellen Gründen

stösst man hier schnell an Grenzen und somit

steht den Pinguinen in der warmen Jahreszeit nur

ein kleines Gehege, mit einem minimalen Becken

zur Verfügung. Richtig mit Tempo schwimmen

können diese Schnellschwimmer im max. 10

Meter langen Becken aber nicht.

Von Vorteil ist, dass die Besucher sich in einem

unterirdischen, dunklen Raum befinden und

deshalb von den Tieren im hellen Gehege wohl

kaum richtig wahrgenommen werden.

93


STS-ZOOBERICHT 2013

Anmerkungen

Menschenaffen (Gorillas, Orang Utans)

Die Haltungsanlagen dieser Tiere sind in die Jahre

gekommen und nicht mehr zeitgemäss. Die Gehegegrössen

der beiden grossen Menschenaffenarten

Orang-Utan und Gorillas sind

gemessen an den Bedürfnissen dieser Tiere und

an modernen Haltungsbeispielen im Ausland

dürftig. Bei einer Spannweite der Arme von über

3 m bei adulten Orang-Utan Männchen ist wegen

der sehr beschränkten Fläche zum Beispiel ein

ausgeprägtes Hangeln kaum möglich.

Auch die Aussengehege sind nur klein. In der

Planung des Zoo Zürich ist der Ausbau der

Menschenaffen-Anlage bis ins Jahr 2030

aufgeführt. Hier sollte der Zoo-Zürich im Interesse

der Tiere nach Meinung des STS unbedingt

rascher eine zeitgemässe Anlage realisieren.

Asiatische Elefanten

Die aktuelle Haltung der asiatischen Elefanten ist

ungenügend. Das Gehege ist zu klein, die

Strukturierung unzureichend. So fehlt zum

Beispiel ein grosses Bad, welches die Tiere nach

eigenem Belieben aufsuchen können. Auch

Rückzugsgebiete oder Flächen, auf denen die

Tiere sich ausgiebig bewegen, z.B. längere

Strecken wandern könnten, fehlen. Ein artgemässes

Gehege, welches den riesigen Tieren

mit ihrem grossen Bedürfnis nach Bewegung und

Beschäftigung (Schlammbad, Staubbad, Futtersuche,

etc.) sowie ihrem komplexen Sozialverhalten

gerecht werden will, stellt für jeden Zoo

eine extreme Herausforderung dar.

Zurzeit ist eine neue Elefantenanlage, der „Kaeng

Krachan-Park“, im Bau. Auf ca. 10'000 m 2 (und

damit rund 6x der heutigen Fläche) soll ein

Elefantenpark entstehen, der den Ansprüchen der

Tiere besser gerecht werden soll. U.a. ist ein

grosses, permanent zugängliches Elefanten-

Freibad mit Unterwasser-Perspektive für das

Publikum geplant. Die Elefantenkühe und Kälber

werden eine grosse, gedeckte Innen- und eine

weitläufige Aussenanlage nutzen können. Eine

separate, grosse Bullenanlage wird erstmals die

Haltung mehrerer Bullen ermöglichen. Die

Eröffnung ist auf das Frühjahr 2014 vorgesehen.

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STS-ZOOBERICHT 2013

Connyland, Lipperswil

www.connyland.ch

Das Connyland in Lipperswil betreibt das letzte Delfinarium in der Schweiz. Der Schweizer

Tierschutz STS ist der Meinung, dass Delfine zu denjenigen Tierarten gehören, welchen in

Gefangenschaft nie auch nur annähernd die nötigen Bedingungen für ein artgemässes Leben

geboten werden können. Da auch die neue Tierschutzverordnung völlig ungenügende

Mindestmasse festlegt, ist unter Schweizer Bedingungen keine vertretbare Delfinhaltung möglich.

Das 2012 vom Parlament erlassene Importverbot für Cetaceen in die Schweiz ist daher

grundsätzlich nur zu begrüssen. Allerdings stellt es das Connyland nun vor das Problem, was mit

den noch vorhandenen Tieren geschehen soll, da eine Haltung eines Weibchens mit ihren zwei

Söhnen auf die Dauer nicht mehr möglich sein wird. 2013 dürfte die letzte Saison sein, in welcher

die Delphin-Shows noch gezeigt werden.

Im Connyland sind Delfine und Robben die Hauptattraktionen, neben viel Rummelplatzstimmung

und einigen anderen Tierarten.

Positive Beispiele

Papageien

Die Haltungsanlagen der verschiedenen Papageien-Arten

sind geräumig und erlauben den

Tieren zumindest kurze Flüge und ausgiebiges

Klettern. Die Tiere werden in Gruppen gehalten.

fahren etc.) wenig mit einer artgemässen Beschäftigung

und einem würdevollen Umgang mit

diesen Tieren zu tun.

Negative Beispiele

Seelöwen

Eher negativ zu bewerten ist hingegen die Show,

für welche die Tiere verwendet werden. Zwar

werden hier auch die phänomenalen Denkleistungen

der Vögel demonstriert (u.a. Zählen,

Puzzles zusammensetzen), doch haben die

meisten Übungen (Fahnen hissen, Modellauto

Zwar preist das Connyland die Seelöwen-Anlage

als „riesiges Bassin“ an. Tatsächlich jedoch handelt

es sich um drei winzige, miteinander verbundene

Schwimmbecken, deren Gesamtfläche im Vergleich

zu anderen Schweizer Zoos höchstens

durchschnittlich ausfällt. Dieses Gehege kann den

Tieren niemals ein artgemässes Leben bieten,

95


STS-ZOOBERICHT 2013

denn es fehlt nicht nur die notwendige Tiefe für

richtiges Tauchen, sondern auch ein Kletterfelsen,

mit welchem die Felsküsten – der natürliche

Lebensraum dieser Tiere – imitiert würden. Die

Seelöwen können zwar schwimmen und tauchen,

aber für diese Schnellschwimmer (bis 40 km/h)

und Tieftaucher (über 100 Meter!) sind die Masse

des Beckens entschieden zu klein und das

gesamte Gehege binnen Sekunden durchquert.

Die Seelöwen-Show mit den klassischen Kunststücken

wie Handstand, Klatschen, Sprünge

vollführen etc. wird mit pädagogisch sinnvollen

Informationen vorgetragen. Die Zuschauer erfahren

viel über die Besonderheiten, die Lebensweise

und die Fähigkeiten dieser eleganten Tiere –

Auskünfte, die jedoch in eklatantem Widerspruch

zu den minimalistischen Haltungsbedingungen

stehen!

Fang und Handel mit Delfinen, da es die

Nachfrage nach Zurschaustellung dieser

Meerestiere aufrecht erhält und ein völlig falsches

Bild vom Wesen der Delfine vermittelt. Zudem

gehören Delfine zu den wenigen Tierarten, die in

Zoos nicht ihre natürliche Lebenserwartung

erreichen, sondern meist einen vorzeitigen Tod

aufgrund mangelnder Haltungsbedingungen

sterben. Auch gibt es bis dato kein sinnvolles

Erhaltungszuchtprogramm für Delfine, so dass

diese Tierhaltung auch aus Artenschutzgründen

nicht gerechtfertigt werden kann.

Auch die drei im Connyland gehaltenen Delfine

sind z.T. noch Wildfänge oder haben ein solches

Elterntier. In den letzten drei Jahren sind im

Connyland drei neugeborene Delfine kurz nach

der Geburt eingegangen und drei weitere Delfine

entweder gestorben bzw. eingeschläfert worden.

Delfine (Grosse Tümmler)

Auch die Delfinanlage rühmt das Connyland als

vorbildliche Haltungsanlage. Tatsache ist jedoch,

dass trotz Überschreitung der (absolut ungenügenden!)

Mindestvorschriften der Tierschutzverordnung

auch diese Haltung den anspruchsvollen

Meeressäugern nicht annähernd gerecht

werden kann.

Es fehlt an Platz für die derzeit noch drei Tiere

und an Wassertiefe (Delphine wie die im

Connyland gehaltenen Grossen Tümmler wandern

täglich 50-100 Kilometer und tauchen bis zu 100

m tief); zudem sind Delphine sehr empfindlich,

was die Wasser- und Futterqualität betrifft. Es

fehlen die natürlichen Strömungsbedingungen

des Meeres (Wellen!), und die Tiere müssen zum

Futtererwerb Sprünge nach toten Fischen

vollführen, was ihrem artgemässen Verhalten

überhaupt nicht entspricht. Delfine werden auch

heute noch in freier Wildbahn gefangen und ihren

Familienverbänden entrissen, was für die sensiblen

Gruppentiere ein lebenslänglich traumatisches

Erlebnis ist. Delfine können in Gefangenschaft

auch nicht in ausreichender Zahl nachgezüchtet

werden, um den weltweiten Bedarf der Delfinarien

zu decken. Daher sind Wildfänge weiterhin an der

Tagesordnung. Jedes noch existierende

Delfinarium unterstützt zumindest indirekt den

In der Delfin-Show wird versucht, die geistigen

und körperlichen Fähigkeiten der Tiere zu

demonstrieren. Die lernfähigen Delfine vollbringen

denn auch vielfältige und erstaunliche

Kunststücke, indem sie Saltos vorführen, sich aus

dem Wasser an Land begeben, Ringe auffangen,

winken etc. Wie bei allen Delfin-Shows geht es

oftmals in erster Linie darum, die Fähigkeiten der

Trainer ins Zentrum zu stellen anstatt den

Besuchern das natürliche Verhalten der Tiere

näher zu bringen. Um über das Wesen und Leben

der Delfine mehr zu erfahren, braucht es keine

Shows mit Musik und manipulierten Tieren.

Hingegen ist das Beobachten des natürlichen

Verhaltens wie schnelles Schwimmen, Tauchen

und Jagen sowie die freiwilligen Sprünge der

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STS-ZOOBERICHT 2013

Meeressäuger in der Anlage kaum möglich, da sie

als Showarena gebaut ist.

Derzeit leben im „Connyland“ noch ein erwachsenes

Delphinweibchen mit ihrem adoleszenten

Sohn und einem Kalb. Um Inzucht zu

vermeiden, muss vorrangig der junge Bulle

demnächst in eine andere Gruppe umgesiedelt

werden.

Da die Haltung von nur zwei Delphinen nicht

artgerecht ist, wird auch für das verbleibende

Mutter-Kind-Paar bald eine Lösung gefunden

werden müssen. Eine Auswilderung ins Meer ist

unrealitisch; es verbleiben als Alternativen nur

andere Delphinarien, oder eine Delphin-

Auffangstation. Eine solche wird derzeit mit

Unterstützung der Schweizer Walschutzorganisation

FIRMM an der Küste Marokkos

realisiert (Bucht von Tanger). Auf einer Fläche von

rund 30`000 m2 sollen Tiere aus Delphinarien ein

Asyl in möglichst naturnaher Umgebung und in

Gemeinschaft von Artgenossen finden. Auf

Delphinshows wird selbstverständlich verzichtet,

und die Tiere werden professionell – und mit

wissenschaftlicher Unterstützung – betreut.

Leider zieht das Connyland – angeblich aufgrund

des „schwachen Immunsystems“ seiner Tiere –

eine Aussiedlung ins Meerwasser nicht in Betracht

und sucht derzeit nach Plätzen in anderen

Delphinarien, die aber kaum bessere Bedingungen

für die Tiere bieten. Mit dieser Begründung

bestätigen die Tierhalter nur die Tatsache, dass

Delphine in Delphinarien an einem geschwächten

Immunsystems leiden.

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STS-ZOOBERICHT 2013

Greifvogelpark Buchs (SG)

www.greifvogelpark.ch

Der Greifvogelpark Buchs präsentiert auf rund 10`000 m 2 einen in der Schweiz einmaligen

Bestand von rund 60 einheimischen und exotischen Greifvogel- und Eulenarten. Die Volieren

sind gepflegt, wirken aber alle etwas „aufgeräumt“ mit wenigen Rückzugsmöglichkeiten für die

Tiere. Auch die Schlaf- und Nistkästen sind zumeist frontal einsehbar, und in den meisten

Käfigen sind nur sehr eingeschränkt Flüge möglich. Einige Tiere – hauptsächlich die grossen

Adler-, Geier- und Eulenarten – werden zwar im Rahmen von regelmässigen Flugshows trainiert

und haben so wahrscheinlich ausreichend Gelegenheit, zu fliegen. Die Gehege der meisten

Eulen und Falken sind aber für eine artgerechte Haltung zu klein. Eine Reduktion des

Tierbestandes und eine Vergrösserung der Gehege wären hier wünschenswert. In dem Zoo gibt

es keine hervorragenden Haltungsbeispiele, aber auch keine eigentlichen Missstände.

Beispiele

Weisskopf-Seeadler

Die zwei grossen Adler teilen sich eine Voliere

von ca. 60 m 2 Grundfläche (Mindestfläche gemäss

Tierschutzverordnung) und einer Höhe von 3 m.

In dieser Voliere ist es den Vögeln nicht möglich,

zu fliegen – ein grundsätzliches Problem aller

Zoos bei der Haltung grosser Greifvögel. Die

Tiere in Buchs werden aber regelmässig trainiert,

daher ist die Voliere eher als Ruhe-, denn als

Aktionsraum zu betrachten. Ein Drittel der Voliere

inklusive des erhöhten Unterstandes ist

überdacht, so dass sich die Vögel vor heisser

Witterung in den Schatten und bei Regen ins

Trockene zurückziehen können. Ein paar

Holzstrukturen bieten zusätzliche Aufbaummöglichkeiten;

eine buschige Arve gibt etwas

Sichtschutz. Das kleine Wasserbecken ist als

(vorgeschriebene) Badegelegenheit etwas dürftig.

Die Voliere ist von drei Seiten einsehbar und wirkt

sauber und gepflegt. Alles in Allem eine

akzeptable Adlerhaltung – aber nur vor dem

Hintergrund des regelmässigen Trainings

ausserhalb der Voliere.

Weitere Greifvogelvolieren

Auch die Gehege der Steppen-, Stein-, See- und

Riesenseeadler, der Gaukler, Schopfadler, des

Carancho und des Falkland-Karakara sowie der

Milane und Bussarde sind zum Fliegen eher zu

klein (vom Aufbaumen und Landen abgesehen),

aber als Ruhe-Volieren ausreichend gross.

Grundsätzlich wären bei allen Gehegen nebst

einem grösseren Gesamtvolumen mehr

Sichtblenden, Bäume und Büsche und natürliche

Strukturen (Felsen, Totholz, Sandbad) sowie

grössere Wasserbecken oder natürliche

Wasserstellen wünschenswert. Die Tiere sind

derzeit alle ziemlich ausgestellt. Davon

ausgehend, dass diese Arten aber alle auch

ausserhalb der Volieren bewegt werden, kann die

Haltung als akzeptabel bis gut beurteilt werden.

Sollten einzelne Tiere die Voliere nie verlassen

können, wäre eine Haltung auf so kleinem, wenig

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STS-ZOOBERICHT 2013

natürlich strukturiertem Raum aber fragwürdig.

Einige der Tiere tragen Lederbänder an den

Füssen, die zum Festhalten bzw. Anbinden im

Rahmen des Trainings dienen. Diese Fussbändel

scheinen die Tiere aber nicht zu stören und

beeinträchtigen ihre Beweglichkeit nicht.

Eulen-Volieren

Die meisten Eulenvolieren sind sehr klein und

verfügen über zu wenig Versteckmöglichkeiten

und Sichtschutz vor dem Publikum und den

benachbarten Vogelarten. Die störungsempfindlichen,

nachtaktiven Tiere sind während

des Tages – also bei Publikumsandrang – auf

Ruhe und Verstecke angewiesen. Leider sind aber

sogar ihre Schlafhöhlen nach vorne offen, und

auch der Witterungsschutz ist rudimentär. Die

Volieren sind zum Herumfliegen zu klein und von

der Struktur her generell wenig geeignet, das

Verhalten der Tiere zu bereichern. Mehr Felsen,

Bäume, Aufbaummöglichkeiten, Sand- und

Wasserbäder – sowie bei den Kanincheneulen die

Möglichkeit, Bodenhöhlen zu nutzen – wären

empfehlenswert. Da man davon ausgehen muss,

dass nur mit wenigen Arten (Uhu, Bartkauz)

trainiert wird, die meisten Arten (z.B.

Kanincheneule, exotische Kleineulen) aber ihr

ganzes Leben in diesen Volieren verbringen

müssen, ist eine Aufwertung der Haltungsbedingungen

(eher grössere Volieren, mehr

Strukturen) wünschenswert.

Falken-Volieren

Falken sind schnelle, gewandte Vielflieger, die

erstaunliche Manöver in der Luft vollführen

können. Die klassischen, in der jagdlichen

Falknerei verwendeten Grossfalkenarten wie

Wander- und Sakerfalke, sowie einzelne kleinere

Arten (z.B. Baumfalke) dürften auch im

Greifvogelpark Buchs regelmässig trainiert

werden. Ihre Haltung in nur mittelgrossen

Volieren ist daher vertretbar, auch wenn auch hier

eine naturnähere Strukturierung empfehlenswert

wäre. Fraglich ist aber, ob die winzigen Volieren,

in denen bspw. Rötel- oder Turmfalken gehalten

werden, den Tieren (derzeit 4-5 Individuen pro

Voliere) ausreichend Bewegung und

Beschäftigung bieten können, wenn sie darin ihr

ganzes Leben verbringen sollen.

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STS-ZOOBERICHT 2013

Knies Kinderzoo, Rapperswil

www.knieskinderzoo.ch

Knies Kinderzoo in Rapperswil hat sich auf Kinder und Familien spezialisiert. Die neu erstellten

Anlagen für Giraffen, Zebras, Watussi-Rinder und Kamele sowie die vielen laufenden oder

kürzlich durchgeführten Aufwertungen bestehender Gehege (u.a. Flamingos, Alpakas, Wallabys

und Maras, Streichelzoo, Kattas) sind Beweis für die grossen Anstrengungen, die unternommen

werden, um den Tieren tiergerechte Anlagen zur Verfügung zu stellen. Pädagogisch sehr

wertvoll sind die vorbildlichen Haltungen für Heimtiere wie Meerschweinchen, Kaninchen und

Schildkröten. Kinder und Eltern sehen konkret, wie eine tiergerechte Haltung dieser beliebten

Heimtiere aussieht.

Positive Beispiele

Erdmännchen und Fuchsmanguste

Grosszügiges Gehege, in dem die zwei Tierarten

gemeinsam leben. Die zahlreichen gegrabenen

Löcher, «Sonnenplätze» (Wärmelampen) sowie

eine Innenanlage erlauben den Tieren ein

artgemässes Leben, viel Beschäftigung und tolle

Rückzugsmöglichkeiten. Eine schöne, gute Anlage

für die kleinen, flinken Tiere.

Giraffen, Zebras, Watussi-Rinder und

Perlhühner

Steppenartige Gemeinschafts-Anlage mit unterschiedlichen

Bodensubstraten und einem Sandbad.

In grossen Teilen kein direkter Kontakt

Besucher / Tiere möglich (Rückzugsmöglichkeiten

für die Tiere). Von einer erhöhten Plattform aus

kommen die Besucher den fressenden Giraffen

aber sehr nahe, wenn diesen frische Zweige und

Laub gereicht werden. Grosse Innenanlage im

hinteren Bereich. Mit 2500 m 2 eine grosszügige

Anlage. Rückzugsmöglichkeiten, Schatten, Beschäftigungsobjekte

etc. sind vorhanden. Das

neue Giraffenhaus bietet den Tieren auf rund

300 m² mit flexiblen Boxenwänden ein grosses

Nachtquartier. Hier können die Tiere je nach

Situation wahlweise in Boxen oder Laufställen

eingestallt werden.

Totenkopfaffen und Goldaguti

Ein grosszügiges Gemeinschaftsgehege, gebaut

als riesige Voliere, mit ausgiebigen Kletter-möglichkeiten

für die kleinen Affen. Unterschiedlicher,

natürlicher Untergrund (Schnitzel, Kleewiese,

etc.) und eine vielfältige Topographie

bringen die nötige Abwechslung. Fazit: Eine

vorbildliche Gemeinschaftshaltung.

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STS-ZOOBERICHT 2013

Zum Laufstall gehört ein permanent begehbarer

Auslauf von ca. 180 m². Dieser Auslaufboden ist

frostsicher gestaltet. Das Giraffenhaus bietet

verschiedene Strukturen, wie etwa höhenverstellbare

Futterkästen. Diese werden täglich in

unterschiedlicher Höhe arretiert. An fest installierten

Baumstämmen werden abends frische

Futteräste zur nächtlichen Beschäftigung der

Tiere befestigt. Eine flexible Veterinärbox

ermöglicht Untersuchungen und Behandlungen

der Tiere ohne Sedation.

Den Watussi-Rindern und Zebras stehen Bürsten

zum Schrubbern und ein Wälzplatz (für die

Zebras) zur Verfügung. Ausserdem werden

gelegentlich die Elefanten auf die Anlage

gelassen, was für alle Beteiligten Abwechslung

und einen gewissen „Nervenkitzel“ bedeutet.

Unterdessen haben sich die Giraffen, Rinder und

Zebras an die Besuche der Dickhäuter etwas

gewöhnt, so dass sie keine Angst mehr zeigen.

Aber auch die Elefantenkühe bewahren bei

diesen Ausflügen durchaus einen gesunden

Respekt vor den anderen Grosstieren und bleiben

als Herde jeweils dicht beisammen. Ein

gelungener Fall von „Verhaltensbereicherung“ für

alle beteiligten Tierarten!

Kindbox zur Verfügung, so dass die Mutter und

ihr Neugeborenes erst einmal ein paar Tage Ruhe

haben. Das Gehege ist reich strukturiert, neben

verschiedenen Bodensubstraten wie Sand und

Gras gibt es frische Bäume zum Schälen und alte

Baumstämme zum Kratzen. Täglich findet das

Karawanenreiten mit 5-6 Kamelen statt. Die

Kinder dürfen die Kamele auch unter Anleitung

füttern, wobei es den Kamelen frei steht, sich

füttern zu lassen oder sich zurückzuziehen.

Negative Beispiele

Seelöwen

Wenig tiergerecht und dringend zu verbessern ist

aus STS- Sicht die Haltung der Seelöwen. Die

Becken sind viel zu klein, zu wenig tief und –

abgesehen von den Verbindungskanälen

zwischen den Becken – kaum strukturiert. Die

Tiere verfügen über ein kleines Becken im

Innenraum (total 106’000 Liter) das über einen

Schwimmkanal mit dem Vorführbecken von

750’000 Liter (ca. 180 m²) verbunden werden

kann. Zusätzlich können die Tiere ein winziges,

von der Seite frontal einsehbares Aussenbecken

von 50’000 Litern nutzen.

Kamele

Auf der neuen Anlage stehen den Kamelen über

4000 m² zur Verfügung. Der Kamelhengst kann

neu in einem Laufstall mit permanentem Auslauf

gehalten werden. Er bleibt dabei in ständigem

direktem Kontakt zu den weiblichen Tieren. Für

abkalbende Kamelkühe steht eine Mutter-

Für Seelöwen als Schnellschwimmer und Tieftaucher

sind solche Verhältnisse, auch wenn die

Mindestvorschriften der Tierschutzverordnung

übertroffen sind, viel zu eng.

Auch die drei Trockenplätze von 50 m² am

Vorführbecken, 15 m² und 10 m², sind klein und

grösstenteils nur im Innenraum vorhanden.

Zusätzlich zu den Trockenplätzen stehen den

101


STS-ZOOBERICHT 2013

Tieren ein Floss von 4 m² und ein Rost von 10 m²

im Innenbereich zur Verfügung. Für die Besucher

ist nur ein Teil der Anlage einsehbar. Positiv aus

Tierschutzsicht: Der Zooleitung sind diese Mängel

bewusst, und die ganze Anlage soll mittelfristig

neu konzipiert und vergrössert werden.

Eine wirklich tiergerechte Haltung von Seelöwen

als bewegungsfreudige, intelligente und soziale

Meeressäuger ist äusserst anspruchsvoll und

aufwendig. Die Tiere sollten zur Vorbeugung von

Gesundheitsproblemen in Salzwasser (statt

chloriertem Süsswasser) gehalten werden (derzeit

nur im kleinen Aussenbecken der Fall) und

benötigen Strukturen wie Licht und Schatten,

Ruheplätze auf Sand oder Kieselsteinen zum

Sonnenbaden, unterschiedlich tiefe Wasserstellen,

Vorsprünge, Überhänge unter Wasser und

Inseln oder Kletterfelsen. Auch eine künstliche

Brandung ist denkbar und Verhaltensanreicherung

in Form erschwerter Futtersuche

und/oder „Arbeit“ notwendig, um die Tiere

ausreichend zu beschäftigen. Derzeit ist aus

Tierschutzsicht keine der Seelöwenhaltungen in

der Schweiz genügend.

unter Anleitung gefüttert werden. Total erneuert

wurde der 800 m² grosse Elefantenstall. Dort

leben die sechs Elefanten nachts. Im Winter

gesellen sich auch die Elefanten des Circus Knie

hinzu. Der Stall ist mit viel Tageslicht

ausgeleuchtet und mit einem neu entwickelten

Bodenbelag versehen. Ein flexibles Boxensystem

ermöglicht eine unterschiedliche Strukturierung

des Stalles: Die ganze Stallfläche kann der Gruppe

zur Verfügung gestellt und bei Bedarf in einzelne

Teile unterteilt werden. Positiv ist auch, dass die

Tiere nie angebunden werden und sich in ihrem

Abteil auch nachts frei bewegen können.

Zu verbessern

Elefanten

Erfreulicherweise wurde die Anlage mit der frei

gewordenen Nashornanlage um 450 m 2 erweitert,

sodass den Elefanten jetzt mehr Fläche zur Verfügung

steht. Wie in allen Schweizer Zoos, die

Elefanten halten, ist jedoch die Anlage mit jetzt

2010 m 2 immer noch klein geraten. Ein Expertenbericht

des STS geht von 5'000 bis 10'000

m² für eine tiergerechte Elefantenanlage aus. Die

Anlage im Kinderzoo ist hingegen gut strukturiert

mit verschiedenen Bodensubstraten und

Scheuermöglichkeiten.

Weiter positiv ist die Unterteilung in zwei

Bereiche, die für die Tiere frei zugänglich sind;

nur während des Elefantenreitens ist ein Teil

abgetrennt.

Das Gehege verfügt über ein permanent zugängliches

Bad, das nur zur Reinigung abgetrennt

wird. Die Elefanten können von Besuchern

Die Elefantenhaltung ist die „Paradedisziplin“ des

Kinderzoos Rapperswil, und es wird ein grosser

Aufwand betrieben, um die Tiere geistig und

körperlich zu beschäftigen und tiergerecht

unterzubringen. Die Innenstallungen sind vom

Auslauf durch die Strasse getrennt. Daher werden

die Elefanten täglich von ihren Pflegern über die

Strasse und auf ihre Anlage im Zoo geführt. Auch

sonst unternehmen die Tiere (auch die während

der Zirkustournee daheim gebliebenen) regelmässig

geführte Spaziergänge oder gehen im

Sommer im See baden (die Stadt Rapperswil baut

eine eigens für die Elefanten gedachte Badestelle

mit Ein-und Ausstiegsrampe in den Zürichsee).

Die Innenstallungen sind die Besten ihrer Art in

der ganzen Schweiz. Die insgesamt neun

Elefantenkühe bewegen sich frei in einer riesigen

Halle, die durch Betonpfeiler und verschiedene

massive Trennzäune in miteinander verbundene

und ständig zugängliche Teilbereiche aufgeteilt

ist. So können sich die Tiere sowohl gemeinsam

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STS-ZOOBERICHT 2013

auf grossen, gut eingestreuten Offenflächen

aufhalten, als auch sich bei Bedarf aus dem Weg

gehen. Die weichen Kunststoffböden in den

Gängen und Pflegebereichen sind so gebaut,

dass Urin und Wasser von alleine abfliessen. Die

Ruhe- und Futterplätze sind dick mit Stroh und

Sand (mehrere, unterschiedliche Substrate bieten

Wahlfreiheit) eingestreut. In einem eigens

eingerichteten Sandbad können die Elefanten

nach Lust und Laune Sand anhäufen, darin

wühlen, sich wälzen oder im Sand ruhen – ein

Angebot, von dem offenbar rege Gebrauch

gemacht wird! An den Wänden befinden sich

zum Scheuern geeignete Materialien, und an den

Decken wie auch am Boden befinden sich diverse

Beschäftigungsmöglichkeiten (zB. mit Heu oder

Gemüse gefüllte Plastiktonnen oder eiserne

Gitterquader), welche das Erlangen von Futter

erschweren und die Elefanten zum geschickten

Einsatz ihres Rüssels animieren.

auf und konnten vor Ort auch nicht beobachtet

werden.

Die Aussenanlage ist derzeit allerdings nur

durchschnittlich und mit den anderen Schweizer

Elefantenhaltungen in Zürich und Basel vergleichbar:

Ein betonierter Graben, ein Unterstand

sowie ein Wasserbecken. Für alle neun Tiere ist

die Anlage eher klein, wird aber im Sommer nur

von sechs Tieren regelmässig genutzt (drei auf

Tournee), und im Winter nur, wenn die

Witterungs- und Schneeverhältnisse es ermöglichen.

Bei schlechten Wetterverhältnissen steht

den Tieren die Reithalle täglich für ein paar

Stunden zur Verfügung.

Dieses Jahr soll mit dem Bau des grossen

„Elefantenparks“ begonnen werden, der bis 2015

fertiggestellt sein sollte. Das alte Elefantengehege

wird abgerissen und soll später Platz bieten für

ein grosses, neues Geparden- und ein

Pinguingehege. Auf rund 7000 m 2 (und damit der

grössten Elefanten-Anlage der Schweiz) werden

den neun Elefantenkühen und ihrem künftigen

Zuchtbullen grosszügige Ausläufe mit naturnahen

Strukturen (Felsen, Asthaufen, Bäumen und

Büschen), ein zusätzlicher Bullenstall mit Kral,

sowie ein bis zu 3.5 m tiefes, rund um einen

Felsen angelegtes Bad zur Verfügung stehen. Die

Besucher erhalten über Holzbrücken Einblick in

die neue Anlage.

Verhaltensstörungen, wie das bei Elefanten in

Menschenhand häufige und typische „Weben“

auf den Vorderläufen, treten praktisch gar nicht

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STS-ZOOBERICHT 2013

Plättli-Zoo, Frauenfeld

www.plaettli-zoo.ch

Der Plättli-Zoo in Frauenfeld ist bemüht, alte Anlagen zu verbessern und neue Gehege zu

bauen. Die Möglichkeiten für einen kleinen Zoo sind jedoch beschränkt. Die Tiere sind

akzeptabel bis gut gehalten.

Positive Beispiele

Waschbären

Diese relativ neue Anlage ist sehr gut gelungen,

einzig schade, dass das Wasser nicht als Bach

durchs Gehege fliesst. Den Tieren steht ein

grosszügig strukturiertes Gehege zur Verfügung

und sie können sich hoch auf die Bäume

zurückziehen, was sie artgemäss auch tun. Die

Tiere können zudem im Gehege herumstreifen

und es ausgiebig erkunden, Futter suchen und

sich mit Artgenossen beschäftigen.

Lama und Wallaby

Diese beiden Arten leben je in einem Gehege

(Weide) mit dazugehörigem Unterstand / Stall.

Alles in allem eine gute Anlage, die den Bedürfnissen

der Tiere gerecht wird.

Berberaffen

Papageien

Die nach dem letzten STS-Zoobericht total neu

erstellte Anlage für die Papageien ermöglicht den

grossen Vögeln ein deutlich besseres Leben und

auch beschränktes Fliegen. Grosszügige Aussenvolieren

gehören zu einer artgemässen Papageienhaltung,

genau wie die Innenräume für die

kalte Jahreszeit.

Die neue Anlage für Berberaffen ist ein Beispiel

vorbildlicher Tierhaltung. Den Tieren steht in der

weitläufigen Anlage ein grosser Kletterfelsen (mit

Innenraum) zur Verfügung, ausserdem mehrere

hohe Kletterbäume, die auch bei widrigstem

Wetter gerne als Aussichtspunkt genutzt werden,

sowie ein Wasserbecken zum Planschen. Den

Tieren ist es offensichtlich wohl in der Anlage.

Dank der Grösse des Geheges und der Tatsache,

dass nur eine Seite für die Besucher direkt

zugänglich ist, können sich die Tiere bei Bedarf

auch vor dem Publikum zurückziehen.

104


STS-ZOOBERICHT 2013

Negative Beispiele

Schimpansen

Die Menschenaffen können eine rundum

vergitterte Aussenanlage sowie eine Innenanlage

nutzen. Im Gehege befinden sich einige

Kletterstrukturen, ein paar kleine Felsblöcke und

andere erhöhte Orte. Ansonsten ist das Gehege

wenig strukturiert. Es fehlt an Platz, Kletterfelsen

und einer naturnahen Umgebung, welche die

hochintelligenten Tiere im Klettern, Fortbewegen,

Futtersuchen etc. beschäftigen würde. Auch

Methoden zur Verhaltensanreicherung wären hier

wünschenswert, bspw. Futterkästen, an denen die

Tiere den Werkzeuggebrauch üben könnten.

Anmerkungen

Löwen

Diese Anlage wurde 2004 neu erstellt und zwar

für Löwen und Tiger. Kürzlich wurde die Tigerhaltung

aufgegeben und das frei werdende

Gehege zusätzlich den Löwen zur Verfügung

gestellt, denen nun eine Fläche von rund 500 m 2

zur Verfügung steht. Diese Platzvergrösserung für

die Löwen ist positiv zu vermelden. Das Gehege

ist aber vom Grundriss her immer noch beengt,

die Tiere haben kaum Rückzugsmöglichkeiten

und sind ziemlich ausgestellt. Eine Aufwertung

des Geheges durch Vegetation, Topographie,

erhöhte Liegeplätze und eine Vergrösserung

wären wünschenswert, zumal die Löwenhaltung

offenbar auch langfristig beibehalten werden soll.

Pumas

Seit Neuestem hält der Plättli-Zoo Pumas (ein

junges Geschwisterpaar). Den Tieren steht derzeit

ein Gehege von rund 120 m 2 zur Verfügung.

Dieses enthält einige wenige Kletterstrukturen

(Baumstämme, einen Felsblock) und hochgelegene

Ruheplätze sowie gedeckte

Rückzugsmöglichkeiten. Das Gehege ist für die

äusserst bewegungsaktiven, jungen Katzen aber

zu klein und reizarm. Eine Erweiterung um rund

80 m 2 ist geplant, ebenso ein Beschäftigungsprogramm

– was sehr begrüssenswert ist. Bei

einer Erweiterung der Anlage sollte insbesondere

darauf geachtet werden, den Tieren zusätzliche

Klettermöglichkeiten, Verstecke und erhöhte

Aussichtspunkte zur Verfügung zu stellen.

Wünschenswert wären insbesondere natürliche

Strukturen wie Kletterfelsen oder naturnahe

Wasserstellen.

Grundsätzlich wäre aus Tierschutzsicht ein

Verzicht auf die Haltung einer der beiden

Katzenarten empfehlenswert (z.B. nach Ableben

der Löwen), so dass auf dem zur Verfügung

stehenden Platz eine einzige, dafür wirklich gute

Haltung für die andere Art (Pumas) realisiert

werden könnte.

105


STS-ZOOBERICHT 2013

Schlangenzoo Eschlikon

www.schlangenzoo.ch

Der Schlangenzoo in Eschlikon ist die grösste (Gift-)Schlangensammlung ihrer Art in der Schweiz.

Der Zoo ist aus einer privaten Hobbyhaltung entstanden. Heute ist der Schlangenzoo an drei

Tagen die Woche öffentlich zugänglich. Zudem werden vor Ort Terrarien hergestellt und Zubehör

sowie Tiere verkauft. Tiere werden grundsätzlich nur in gute Hände und mit Kaufvertrag abgeben

und bewilligungspflichtige Arten selbstverständlich nur gegen Vorzeigen der Haltebewilligung

abgegeben. Man ist im Schlangenzoo bemüht, nur Tiere aus eigener Nachzucht zu verkaufen und

damit dem Import von Wildfängen entgegen zu wirken. Der Schlangenzoo dient zudem als

Auffangstation für an der Grenze beschlagnahmte Tiere.

Die Tierhaltung im Schlangenzoo ist aus Tierschutzsicht unproblematisch. Es gilt

vorauszuschicken, dass für die wechselwarmen, hauptsächlich instinktgesteuerten Schlangen

grundsätzlich andere Voraussetzungen in Bezug auf eine artgerechte Haltung erfüllt sein müssen,

als bei Vögeln oder Wirbeltieren. Diese Tiere verbringen einen Grossteil ihrer Zeit regungslos am

Ort. Die Grösse des Terrariums muss der jeweiligen Körpergrösse des Tieres entsprechend seinem

Alter und Entwicklungsstadium angepasst sein. Wichtig ist daher, dass potentielle Käufer immer

auf die mögliche Endgrösse des Tieres und das dafür notwendige Terrarium hingewiesen werden!

Grundbedürfnisse wie Wärme, Licht, Wasser, Rückzugsmöglichkeiten oder Häutungshilfen sowie

Kletterstrukturen bei baumlebenden Arten und tiergerechtes Futter müssen selbstverständlich

erfüllt sein. Jedoch spielen „Auslauf“ oder „Beschäftigung“ eine untergeordnete Rolle. Daher

können auch relativ kleine Terrarien durchaus als artgerecht bezeichnet werden, sofern sie der

darin lebenden Schlange die für ihr gesundes Gedeihen notwendigen Voraussetzungen bieten.

Tierschutzwidrig sind unter diesem Gesichtspunkt weniger kleine Terrarien, als vielmehr falsches

Temperaturregime, falsche Luftfeuchtigkeit oder Einrichtung, fehlende Verstecke, Häutungshilfen

oder Hygiene, nicht artgemässe Fütterung oder Haltung in überbelegten Terrarien, sowie

Vernachlässigung der Gesundheitskontrolle.

Grundsätzlich sind Schlangen Einzelgänger. Sofern sie sich aus dem Weg gehen können, ist aber

gegen die Haltung von zwei Tieren nichts einzuwenden, da Schlangen keine Reviere verteidigen

und sich nur als Fressfeinde oder Rivalen um ein Weibchen bekämpfen. Bei guten

Haltungsbedingungen, ausreichend Nahrung und Abwesenheit von konkurrierenden

Geschlechtsgenossen sind Schlangen durch die Nähe von Artgenossen nicht beeinträchtigt.

106


STS-ZOOBERICHT 2013

Positive Beispiele

Europäische Hornviper / Hornotter

Gabunviper

Die kräftig gebaute Gabunviper ist die grösste

Viper und die schwerste Giftschlange der Welt

und verfügt zudem über die grössten Giftzähne.

Diese Schlangenart verbringt die meiste Zeit

regungslos lauernd auf dem Waldboden des

tropischen Zentralafrikas. Im Terrarium wird

diesem Umstand Rechnung getragen, indem der

Boden mit einer dicken Laubschicht eingestreut ist

und dicke Äste den Tieren Versteckmöglichkeiten

bieten. Die hohe Luftfeuchtigkeit wird durch eine

Nebelanlage gewährleistet, die bei Bedarf einen

warmen Sprühnebel im Terrarium verteilt.

Diese Schlangenart kommt in trockenem,

steinigem Buschland vor und erreicht eine Länge

von 40-80 cm. Die im Schlangenzoo gehaltenen

Exemplare sind noch vergleichsweise klein (ca. 30

cm), daher genügt noch ein kleineres Terrarium.

Für diese Art wichtig ist das Vorhandensein

„sonniger“ Steinflächen sowie Ruhe- und

Rückzugsmöglichkeiten unter Steinen oder

Hölzern. Das Terrarium ist entsprechend

eingerichtet und bietet den Tieren mittels

Spotstrahlern mehrere Plätze für ein Licht- und

Wärmebad, aber auch kühlere Stellen zum

notwendigen Ausgleich der physiologischen

Temperaturfunktion.

Grüne Mamba

Die Grüne Mamba, eine der giftigsten Schlangen

der Welt, wird bis zu 2 m lang und lebt im

Gegensatz zur Schwarzen Mamba ausschliesslich

auf Bäumen und Sträuchern. Im Schlangenzoo

lebt ein Tier in einem relativ grossen, hohen

Terrarium, das mit echten Büschen, Ästen und

Ranken ausgestattet ist, wo die Schlange die

meiste Zeit regungslos verharrt. Auf das Terrarium

aufgebaut ist eine verdunkelte, abgeschirmte Box,

in welche sich die scheue Schlange zurückziehen

kann.

Gelbe Anakonda

Entscheidend für die artgerechte Haltung dieser

kleineren Anakonda-Art (sie erreicht maximal 3.5

m Länge) ist ein feuchtes Biotop mit einem

grösseren Wasseranteil. Das Terrarium im

Schlangenzoo entspricht der aktuellen Grösse der

Schlange (rund 3 m) und bietet nebst trockenen

und geschützten Liegeplätzen ein ausreichend

tiefes Wasserbecken, in dem die Schlange

schwimmen oder ruhen kann.

107


STS-ZOOBERICHT 2013

Anmerkungen

Haltung von Giftschlangen

Die Haltung von Giftschlangen (sowie der grossen Würgeschlangen) ist bewilligungspflichtig. Wer eine

Giftschlange halten will, sollte über mehrjährige Erfahrung in der Haltung ungiftiger Schlangen

verfügen und muss einen Sachkundenachweis erbringen. Dieser besteht aus einem 5-stündigen,

obligatorischen Theoriekurs. Ein praktischer Kurs im sog. „Handling“ der Schlangen kann aus

versicherungstechnischen Gründen nicht gefordert werden, doch sollte es für jeden angehenden

Giftschlangenhalter selbstverständlich sein (auch und besonders im Interesse der eigenen Sicherheit!),

sich im praktischen Umgang mit den Tieren schulen zu lassen (bspw. durch einen erfahrenen

Tierhalter).

Das kantonale Veterinäramt beurteilt im Rahmen der Haltebewilligung die geplante Haltung aufgrund

der Vorkenntnisse des Schlangenhalters, der vorgesehenen Art, den Bestimmungen zur Tierhaltung

gemäss Tierschutzverordnung (TSchV), Vorhandensein eines ausbruchsicheren Terrariums und des

Sachkundenachweises. Als Giftschlangen für Anfänger sind bspw. Zwergklapperschlangen, Hornvipern

oder der nordamerikanische Kupferkopf geeignet.

Wichtig ist, dass die Tiere aus Nachzucht stammen und nicht als Wildfänge der freien Wildbahn

entstammen. Leider werden Reptilien nämlich immer noch in beträchtlichem Ausmass zwecks

Terrarienhaltung der freien Wildbahn entnommen! Ebenfalls zu beachten ist beim Kauf einer Schlange,

dass sie futterfest, also Totfutter gewohnt ist.

Mit jeder Schlangenhaltung verbunden ist die Problematik der Futtertiere. Die Lebendfütterung von

Wirbeltieren (z.B. Ratten, Küken, Fischen, anderen Schlangen) ist in der Schweiz grundsätzlich

verboten. Die tiefgekühlten Futtertiere stammen aus Massenproduktion, oder es handelt sich um

Eintagesküken. Eine artgerechte Haltung der Futtertiere aus dem Versand- und Tierbedarfshandel ist

daher nicht gewährleistet. Schlangenhalter brauchen für die Zucht und Tötung von Futtertieren für

den Eigenbedarf jedoch eine Ausbildung und Bewilligung, so dass dies für die wenigsten

Schlangenhalter eine Alternative sein dürfte.

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STS-ZOOBERICHT 2013

Tier- und Freizeitpark Chur

www.tierpark-chur.ch

Den Tier- und Freizeitpark Chur gibt es seit erst rund zehn Jahren. Es handelt sich um eine

kleinere Parkanlage am Ortsrand der Bündner Hauptstadt. Es werden verschiedene Nutztiere (u.a.

Ziegen, Hängebauchschweine, Schafe, Ponys und Esel) und einige Vögel gezeigt. Die

Tierhaltungen sind unterschiedlich gut: Während die Weiden grosszügig und tiergerecht sind und

verschiedene Tiere zeitweise auch ausserhalb des Parks Weidegang haben, sind die Volieren

veraltet und wenig tiergerecht strukturiert. Der Park soll Stadtkindern die Natur näher bringen

und verfügt über verschiedene Spielmöglichkeiten. Die Weiden und etliche Stallgebäude

ermöglichen den Tieren, sich vor den Kindern zurückzuziehen. Nur einige wenige Gehege sind

mit Informationen zu den Tieren versehen (Pro Specie Rara-Arten). Mit den meisten Tieren wird

gemäss Information der Parkbetreiber nicht gezüchtet; einzig die Ponys und Zwergziegen

pflanzen sich regelmässig fort. Ein Rudel Shar-Pei-Hunde wird als zum Tierbestand gehörig

aufgeführt und verfügt über ein eigenes Gehege mit Stall; die Tiere sind allerdings selten

tatsächlich im Park „ausgestellt“ und dürften bei ihren Besitzern wohnen.

Positive Beispiele

Diverse Nutztiere

Auf mehreren grosszügigen Weiden werden

Alpakas, ein Lama, Shetland-Ponys, Esel und

Schafe gehalten. Die Weiden verfügen über

mehrere Stallungen, Heuraufen und Unterstände,

Tränken, Hartplätze und Wiesen. Bäume bieten

Schatten oder zusätzlichen Schutz vor der

Witterung. Die Tiere scheinen sich wohl zu fühlen;

einzelne Ponys zeigen Komfortverhalten (gegenseitiges

Kraulen, Wälzen).

Einige weitere Weiden und Ausläufe stehen leer:

Gemäss Parkleitung (Homepage) sind nicht alle

Tiere ständig im Park anzutreffen. Gerade die

Nutztiere dürften auch von Weidegang und

Auslauf ausserhalb des Park profitieren. Die Tiere

sind zahm und lassen sich am Zaun streicheln.

Eine gute Tierhaltung, die Kindern den nahen

Kontakt zum Tier ermöglicht und gleichzeitig dem

Tier Rückzugsmöglichkeiten und einen artgemässen

Sozialverband bietet.

Negative Beispiele

Negativ fällt die Tierhaltung in den alten Volieren

auf. Die Volieren sind ohne Trennwände aneinander

gereiht und gegen den Besucherweg

völlig ungeschützt und offen. Die Grundfläche ist

mit 6 m2 sehr bescheiden, die Strukturierung

ungenügend. Ein Wildtier (Pennant-Sittich) wird

einzeln gehalten; Informationen zum Tier sind

nicht vorhanden. Die Innenräume grenzen direkt

an einen Kinderspielplatz (Trampolin) an, so dass

die Tiere bei höherem Besucheraufkommen an

schönen Tagen wohl nur über ungenügende

Ruhe- und Rückzugsmöglichkeiten verfügen.

109


STS-ZOOBERICHT 2013

Kaninchen

Es fehlen Grabmöglichkeiten, sauberes Trinkwasser

und Beschäftigungsmaterialien (Rinde,

Heu, frische Zweige, Karotten, Maiskolben,

Äpfel…) sowie genügend Platz zum Hoppeln,

Rennen und Hakenschlagen, womit die Tiere ihre

Muskulatur ausreichend gebrauchen könnten.

Auch höher gelegene Etagen fehlen, wo die Tiere

bspw. andere Temperatur- oder Lichtzonen aufsuchen

könnten. Der frei einsehbare, winzige Stall

im Aussengehege ist als Rückzugs- und Ruheplatz

ungenügend; der Innenraum grenzt direkt an

einen Spielplatz an. Zumindest werden die Tiere in

der Gruppe gehalten und machen einen gesunden

Eindruck.

Diverse Enten

In einer weiteren Voliere werden ein paar

Hausenten gehalten; daneben auf einem kleinen

Stück Wiese noch zwei Vertreter einer weissen

Rasse. Die Enten in der Voliere verfügen über

keinerlei Schwimmmöglichkeit – die beiden

herumstehenden Wasserschalen mit völlig

verschmutztem Wasser erfüllen diesen Zweck

(Schwimmen, Gefiederpflege, Nahrungssuche)

nicht. Auch das Häuschen, das Unterschlupf

bieten soll, ist winzig und frontal einsehbar.

Zudem fehlt ein Zugang zu Wiesen, wo die Tiere

nach Würmern und Schnecken suchen könnten.

Geringfügig besser ist die Haltung zweier weisser

Hausenten in einem kleinen Stück umzäunter

Wiese. Das Wasser in dem kleinen Teich ist

allerdings völlig mit Algen bedeckt und scheint

kaum mehr genutzt zu werden; das Gehege ist

monoton und dürfte auch für Enten rasch

jeglichen Reiz verloren haben. Umso störender ist

diese Haltung der Wasservögel, da in dem

gesamten Parkgelände grosse Wiesen- und

Wasserflächen für die Haltung zahlreicher

Wasservögel zur Verfügung stünden; aber nur

einige wenige Schwanengänse und (wilde)

Stockenten diese auch tatsächlich nutzen können!

Pennantsittich

Dieser soziale Papageienvogel wird offenbar

einzeln gehalten, was nicht tiergerecht ist und

m.E. gegen die Tierschutzvorschriften verstösst!

(Diese Tiere müssten mindestens zu zweit

gehalten werden). Jedenfalls konnte in der

Voliere nur ein einzelnes Tier beobachtet werden,

das andauernd vergebliche Kontaktrufe ausstiess,

die unbeantwortet blieben. Zudem zeigte der

Vogel ein deutlich stereotypes Verhalten, indem

er ständig auf demselben dünnen Ast hin- und

herlief. Die Voliere an sich ist nicht schlecht

strukturiert (diverse Klettermöglichkeiten,

Häuschen), doch die Verhaltensstörung lässt auf

eine ungenügende Haltung schliessen.

[ Bilder: (c) Tier- und Freizeitpark Chur ]

110


STS-ZOOBERICHT 2013

WalterZoo, Gossau

www.walterzoo.ch

Der mittelgrosse Zoo wandelt sich stetig und schenkt der artgemässen Haltung viel Beachtung.

Seit 2007 wurde die neue Tigeranlage realisiert, die Leoparden-Anlage erweitert und eine neue

Voliere für Totenkopfäffchen erstellt.

Als nächstes ist ein neues Löwengehege geplant, die Tiere weilen zurzeit in Holland. Weiter in

Planung ist die Vergrösserung des Areals um bis zu 3 ha, ohne dabei den Tierbestand zu

vergrössern.

Positive Beispiele

Lamas und Rinderarten

Eine tiergerechte Haltung. Die Lamas und Rinder

leben auf einer Weide und haben einen

Unterstand zur Verfügung.

Waschbären

Diese Anlage ist geräumig, in der dritten

Dimension gut strukturiert und bietet den

Waschbären viele Beschäftigungsmöglichkeiten.

Ein Bach mit fliessendem Wasser würde das

Gehege anreichern und die Tiere in der

artgemässen Futtersuche beschäftigen.

Tiger

Diese Anlage wurde total neu erbaut und im 2009

eröffnet.

Schimpansen

Zweckmässige, gut strukturierte Anlage mit zwei

recht grossen Aussengehegen. Die Innenanlagen

sind mit einem relativ langen Tunnel mit den

Aussenanlagen verbunden.

Die Platzverhältnisse mitten im Zoo wurden

optimal und durchdacht ausgenützt und eine

1450 m 2 grosse Anlage gebaut. Positiv zu

111


STS-ZOOBERICHT 2013

bewerten ist die Grundstruktur der Anlage mit

vielen Nischen und Ebenen. Dies erlaubt den

Tieren sich zurückzuziehen und verlangt von

ihnen mehr „Arbeit“ wenn sie ihren Lebensraum

kontrollieren, überblicken oder durchschreiten

wollen. Den Tieren stehen zudem mehrere Ställe

als Rückzug und Wurfbox zur Verfügung. Die

Tiger können in den verschiedenen Teilen der

Anlage je nach Gruppengrösse oder Bedarf

getrennt oder zusammen gehalten werden. Ein

Teil der Anlage wird in der Nacht von den Amur-

Leoparden genutzt, was zusätzliche Reize

(Markierungen, fremde Tiere im Lebensraum)

ergibt und die Tiger beschäftigt.

Einmal pro Tag werden die Tiger in einer Art

Arena dem Publikum vorgeführt. In der Arena

werden die Eigenheiten der Grosskatzen

vorgestellt, über ihr Leben und ihre Gefährdung

in der Freiheit berichtet. Hierzu begibt sich eine

Person in der Rolle eines Dompteurs in die Arena.

Leopard und Schwarzer Panther

wie vor an der untersten Grenze für diese

grossen, bewegungsfreudigen Katzen.

Stumpfkrokodile und Quittenwarane

Im Herbst 2011 wurde der Wintergarten am

Reptilienhaus für die Stumpfkrokodile und die

Quittenwarane eröffnet. Für beide Tierarten hat

sich die Fläche um ein Vielfaches vergrössert. Die

Stumpfkrokodile verfügen neu über insgesamt

43.4 m 2 . Die Anlage ist unterteilt in ein grosses,

beheiztes Wasserbecken (ca. 30.1m 2 ) mit

Unterschlüpfen und verschiedenen Wassertiefen.

An Land (13.3m 2 ) finden die Tiere sowohl

bestrahlte Liegeflächen, um sich aufzuwärmen,

als auch erdigen Untergrund, der sich für

Nistplätze eignet. Bei warmen Aussentemperaturen

können die Dachfenster des

Wintergartens geöffnet werden, was den Tieren

echte Sonnenbäder ermöglicht. Die Quittenwarane

verfügen neu über insgesamt 25m 2 mit

einem beheizten Wasserbecken, welches auch

diesen Tieren Rückzugsmöglichkeiten bietet und

verschiedene Wassertiefen aufweist. Der gesamte

Wintergarten ist üppig begrünt und bietet somit

zusätzliche Rückzugsmöglichkeiten sowie

Schattenplätze für beide Tierarten.

Neu wird den Leoparden in der neuen

Tigeranlage ein Teil des Auslaufs zur Verfügung

gestellt. Ca. 250 m 2 können die auch nachtaktiven

Tiere während den Nachtstunden nutzen und

dort neuen Gerüchen und Markierungen (Tiger)

begegnen. Diese Bereicherung ist durchaus

positiv zu bewerten. Positiv zu bewerten ist auch

die reiche Strukturierung mit Verstecken,

erhöhten Ebenen, Wasserstellen und

unterschiedlichen Bodensubstraten. Bezüglich

ihrer Grösse bewegt sich diese Anlage aber nach

112


STS-ZOOBERICHT 2013

Negative Beispiele

Anakonda

Gemäss Auskunft der Zooleitung soll die

mangelhafte, zu kleine Anlage der Anakondas

nächstens innen vergrössert und mit einem

grossen Wasserbecken ergänzt werden. Zudem

ist für die Riesenschlangen eine Aussenanlage

geplant, damit sie direktes Sonnenlicht nutzen

können.

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STS-ZOOBERICHT 2013

Wildpark Peter und Paul, St. Gallen

www.wildpark-peterundpaul.ch

Der Wildpark Peter und Paul ist ein Vorzeigebeispiel von artgemässer Tierhaltung. In diesem

schönen Tierpark leben neun Tierarten: Rot-, Sika- und Damwild, Gämse, Steinwild,

Wildschwein, Luchs, Wildkatze und Murmeltier. Die Gehege sind alle sehr grosszügig vom

Platzangebot her und verfügen über die tierartspezifischen Strukturen, die den Bedürfnissen

der verschiedenen Tiere entsprechen. 2011 wurden die Felsanlagen für Steinböcke und Gämsen

saniert und erweitert. Die Qualität der Haltung wurde so nochmal deutlich verbessert.

Negative Beispiele der Tierhaltung sind keine vorhanden, einzig das Luchsgehege ist etwas in

die Jahre gekommen. Nach dem Ableben der noch vorhandenen, alten Tiere wird

voraussichtlich auch das Luchsgehege erneuert und erweitert.

Positive Beispiele

Wildschweine

Die Wildschweine verfügen über ein ausgedehntes

Gehege auf verschiedenen Ebenen. Reich

strukturiert mit Schlammsuhle, Wühlareal,

Wurzelstöcke als Kratzgelegenheiten, Schattenund

Sonnenplätze etc. stellt es eine vorbildliche

Wildschweinehaltung dar.

Rot-, Dam- und Sikahirsche

Allen drei Hirscharten stehen grosse Gehege zur

Verfügung, die ausgedehnte Weiden und auch

Waldpartien enthalten. Mit diversen Wechselgehegen

kann die Belastung des Bodens und der

Weide gut gesteuert werden. Die Gehege

verfügen über störungsarme Zonen, in denen die

Hirschkühe ihre Kälber setzen können.

Witterungsschutz (Schatten, Regen, Schnee) ist

genügend vorhanden – in Form von grossen

Bäumen oder Wald.

Luchs

Die scheuen Katzen können ein Gehege im Wald

nutzen, das zum Herumstreifen und Futtersuchen

114


STS-ZOOBERICHT 2013

gut geeignet ist. Durchs Gehege fliesst ein kleiner

Bach, es wächst reichlich Unterholz, Totholz und

weitere Strukturen wie umgestürzte Bäume,

Wurzelstöcke etc. vervollständigen den Lebensraum

der Luchse. Am steilen Abhang befinden

sich mehrere Höhlen unter den Wurzeln grosser

Bäume, welche die Tiere als Rückzugs- und

Schlafort nutzen.

Steinböcke

Wünschenswert wären etwas mehr sonnige,

warme Stellen – bei einer allfälligen Sanierung

sollte dies berücksichtigt werden.

Wildkatze

Auch das Gehege der zweiten Katzenart, die wild

in der Schweiz lebt, ist ein gutes Beispiel von

artgemässer Katzenhaltung: Genügend Platz –

auch in der dritten Dimension, Klettermöglichkeiten,

Aussichtsplätze, Sonnen- und Schlafplätze,

Verstecke, reichlich Unterwuchs, Kratzbäume etc.

Die kürzlich total sanierte und erweiterte Anlage

bietet dem Steinwild in zwei miteinander

verbundenen Teilgehegen grosse und sehr hohe

Felsen, welche es ausgiebig nutzt. Neben einem

Futterunterstand verfügt das Gehege über

weitere Strukturen (Terrassen, Felsblöcke), welche

die perfekt an das Leben im Fels angepassten

Tiere ebenfalls gut nutzen.

Gämsen

Der grosse Kletterfelsen wurde stabilisiert und

mit Spritzbeton neu gestaltet. Der Waldteil, den

die Gämsen schon bisher nutzen konnten, wird

durch einen grossen Felsen ergänzt. Den Gämsen

steht nun ein grosses, artgemässes Gehege zur

Verfügung. Im Sommer wird der Gämsbock in

einem grossen Teilgehege separiert, wie es auch

dem Verhalten in freier Natur entspricht.

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STS-ZOOBERICHT 2013

Zoo Bad Ragaz

www.zoobadragaz.ch

Dieser Zoo verfügt noch immer über grösstenteils wenig tierfreundliche Gehege. Kein Wunder,

gehen deshalb immer wieder Reklamationen beim Schweizer Tierschutz STS zum Zoo Bad

Ragaz ein. Es fehlen offensichtlich die finanziellen Möglichkeiten und der nötige Platz, um den

Tieren die benötigten artgemässen Gehege zur Verfügung zu stellen.

Positive Beispiele

Lamas

Die Haltung ist akzeptabel. Die robusten Lamas

steht eine kleine Weide und ein Unterstand /

Stall zur Verfügung.

Zwergziegen

Diese Tiere werden korrekt gehalten. Sie leben

in einer Gruppe. Im Gehege stehen ein Stall und

reichlich Klettermöglichkeiten zur Verfügung.

Schatten- und Sonnebereiche sind vorhanden.

Ein kleines Planschbecken dient als Bassin, eine

erhöhte Liegefläche wird fälschlicherweise als

Futterstelle verwendet, was sie als Liege- und

Ruhefläche für die Tiger unattraktiv macht.

Zusätzliche kleine Aussenräume sind an den drei

Ställen angebaut – sind aber nicht immer

zugänglich für die Tiere. In dieser Haltung

können die Tiger nicht einmal ansatzweise ein

artgemässes Leben führen.

Negative Beispiele

Tiger

Skandalös! Dunkle Innenställe (Zugang geschlossen)

und ein verbetoniertes Aussengehege.

Das Aussengehege bietet absolut keine

Rückzugsmöglichkeiten, die Tiere sind wie einer

Zirkus-Manege ständig ausgestellt.

ANMERKUNG:

Die beiden Tiger sind im März 2013 unter

dubiosen Umständen verstorben. Über die

Todesursache der Tiere hat der Zoo bisher nicht

informiert. Der STS ist der Meinung, dass das nun

leer stehende Gehege auf keinen Fall mehr für

die Haltung von Grosskatzen oder anderen,

grossen Raubtieren verwendet werden sollte.

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STS-ZOOBERICHT 2013

Berberaffen

Zu kleine Aussenanlage, ohne Rückzugsmöglichkeit

- die Tiere sind ständig ausgestellt,

Schatten gibt es nur in der Innenanlage. Fazit:

ungenügend.

Waschbären

Kleines Gehege, Wasserbecken, erhöhte Flächen,

Häuschen. Es fehlen grosse Bäume, auf welche

die Waschbären artgemäss gerne klettern und

dort schlafen.

Ein weiterer Schwachpunkt ist, dass die Besucher

fast ringsum direkt ans Gitter treten können und

die Tiere somit immer direkt mit ihnen

konfrontiert werden. Die Waschbären können so

bei Bedarf nicht genügend Distanz zu den

Besuchern einnehmen.

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STS-ZOOBERICHT 2013

Tierpark Goldau

www.tierpark.ch

Der Tierpark Goldau gehört zu den grossen Zoos der Schweiz. Er liegt in einem Felssturzgebiet.

Die Gehege des Tierparks Goldau sind grosszügig dimensioniert und reich strukturiert. Man ist

sichtlich bestrebt, den Wildtieren tiergerechte Anlagen zur Verfügung zu stellen. Speziell zu

beurteilen ist die sehr grosse, so genannte «Freilaufzone», in der sich einige Tierarten frei

bewegen können und von Besuchern gefüttert und gestreichelt werden können.

Positive Beispiele

Bär / Wolf

Die neue, zwei Hektaren grosse Gemeinschaftsanlage

von Bären und Wölfen stellt eine

wegweisende, zukunftsorientierte Tierhaltung dar,

bei der die Bedürfnisse der Tiere im Zentrum

stehen. Ein Teil der einmaligen Naturlandschaft

im Bergsturzgebiet ermöglicht den Tieren ein

artgemässes Leben. Grosse Streifgebiete, Teiche,

Bäche, Felsen, Bäume und Sträucher – ein Stück

Natur, welches als unterteilbares Gehege

eingezäunt wurde- können Bär und Wolf ausgiebig

nutzen. Für die Bären wurden Futterboxen

installiert, welche zu unterschiedlichen, wechselnden

Zeiten automatisch kleine Futterrationen

liefern. Dadurch werden das Nahrungssuchverhalten

der Tiere, ihre Aufmerksamkeit und

regelmässige Bewegung gefördert. Die Wölfe

können zudem ein Teilgehege nutzen, welches

für die Bären nicht zugänglich ist.

Wildschweine

Den Wildschweinen steht eine grosszügige

Anlage zur Verfügung. Der Untergrund besteht

aus Naturboden, der artgemässes Wühlen

ausgiebig zulässt. Das Gehege erlaubt den Tieren,

sich bei Bedarf zurückzuziehen, enthält eine

grosse Schlammsuhle, Asthaufen als Schutz; Fazit:

Eine vorbildliche, sehr tierfreundliche Anlage.

Baummarder

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STS-ZOOBERICHT 2013

Die Besucher befinden sich in einem Gebäude

und haben nur durch Guckfenster Einblick in die

artgemässe Haltungsanlage. Der Marder muss oft

gesucht werden, da es sich in den Büschen,

Bäumen, Asthaufen etc. gut verstecken kann –

oder, wie beim aktuellen Besuch, auf einer

Holzbeige döst.

Das relativ scheue Tier ist so sehr gut gegen

Besucher abgeschirmt, die Anlage gibt einen

guten Einblick in den natürlichen Lebensraum des

Marders.

Eulen

In einer grossen, zeltartigen Voliere, in welcher

die Vögel richtig fliegen können, werden

verschiedene Eulenarten gehalten. Die Eulen

können sich tagsüber ihrer Art gemäss

zurückziehen und ruhen. Eine sehr gelungene

Tierhaltung, die den Besuchern offen steht und

zum aktiven Suchen der gut getarnten Vögel

einlädt.

Anmerkungen

Freilaufanlage (Sikahirsch, Mufflon)

In diesem Bereich können sich Mufflons

(Wildschafe) und Sikahirsche frei bewegen; ein

Teil des Gebietes ist für Besucher zugänglich. Die

Freilaufzone ist mit zahlreichen Felsblöcken und

vielen Bäumen gut strukturiert und stellt einen

sehr grosszügigen Lebensraum für die Tiere dar.

Die jungen Bäume müssen vor Schälschäden

geschützt werden. Besucher können an

Automaten Futter kaufen. Ob ein „Streichelzoo“

mit Wildtieren und das Füttern von Zootieren

durch den Besucher pädagogisch sinnvoll sind, ist

in Zookreisen umstritten. Aus Tierschutzsicht sind

solche Anlagen eher problematisch, da eine

Belästigung der Tiere durch rücksichtslose

Besucher und Fehlfütterungen durch selbst

mitgebrachtes Futter nicht ausgeschlossen

werden können.

Europäische Wildkatze

Grosszügiges Gehege mit genügend Rückzug

und vielfältigen Strukturen, welche auch die dritte

Dimension gut nutzen. Klettermöglichkeiten,

Kratzbäume, Liegeplätze, Sonne und Schatten

sowie Verstecke sind reichlich vorhanden. Das

Gehege ist nicht ringsum zugänglich, was den

scheuen Tieren zusätzlich Sicherheit bietet.

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STS-ZOOBERICHT 2013

Die Futtermenge ist im Tierpark Goldau allerdings

kontingentiert. An besucherstarken Tagen

werden die Futterautomaten gesperrt, sobald die

vorgesehene Gesamtfuttermenge erreicht ist. Der

Tierpfleger füttert die Hirsche entsprechend dem

täglichen Besucheraufkommen zu. Die Futterwürfel

wurden vom Tierpark selber entwickelt

und weisen einen hohen Anteil an Rohfasern auf.

Aus Sicherheitsgründen werden den Hirsch-

Stieren die Geweihe auf die Kürze eines Spiessers

reduziert, was fragwürdig ist.

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STS-ZOOBERICHT 2013

Toni's Zoo, Rothenburg

www.toniszoo.ch

In Toni's Zoo (Zoo Röösli) in Rothenburg leben eine grosse Anzahl verschiedenster exotischer

Tierarten. Der Zoo wirkt sehr gepflegt, die Gehege sind sauber geputzt. Der allzu „aufgeräumte“ –

und im Zoobericht bisher kritisierte – Eindruck vieler Tiergehege (mangelnde Beschäftigungsund

Rückzugsmöglichkeiten) hat sich unterdessen stark gebessert; die meisten Gehege sind jetzt

durchaus interessant und verhaltensbereichernd strukturiert.

In den seit dem letzten Bericht vergangenen, gut zwei Jahren wurden umfassende Bau- und

Erneuerungsarbeiten vorgenommen, die allesamt grössere, besser gestaltete Tiergehege zum Ziel

hatten. Auch sämtliche, im letzten Zoobericht noch kritisierten Gehege wurden aufgehoben

(Serval, Waschbär) oder verbessert (Zwergotter, Nasenbär, Stumpfkrokodil). Die Tierhaltung

präsentiert sich jetzt mit einem durchgehend akzeptablen bis sehr guten Standard. Eine sehr

erfreuliche Entwicklung!

Bekannt ist der Zoo u.a. auch wegen der handzahmen Geparde, die auch im Gehege ein Halsband

tragen und für Hochzeitfotos etc. posieren. Aus Sicht des STS sind Zootiere – erst recht

Wildkatzen – nicht „zum Anfassen“ da. Es wäre besser, den BesucherInnen würde anstelle der

Fototermine vermittelt, wie gefährdet die Geparden in ihrem natürlichen Lebensraum sind, u.a.

durch Viehzucht, Trophäenjagd, Inzucht und Seuchen, und dass es sich nicht um Streicheltiere,

sondern um Wildtiere handelt, die unseren Schutz benötigen. Wenn die Tiere schon zu

Fotozwecken verwendet werden, wäre es sinnvoll, dies an eine Spende zugunsten eines

Artenschutzprojektes in Afrika zu binden!

Nicht unproblematisch ist auch der teilweise enge Kontakt, der zwischen Besuchern und Tieren

möglich ist. So sind bspw. die Kattas, Kapuzineraffen, die Papageien und die Leoparden

stellenweise nur durch ein direkt an die Besucherwege grenzendes Drahtgeflecht von diesen

abgeschirmt. Dies kann eine Gefahr der Krankheitsübertragung (Mensch-Affe) sowie

Verletzungsgefahr (Leopard, Affen!) darstellen, ganz abgesehen von der Möglichkeit, dass

gewisse Zoobesucher die Tiere verbotenerweise füttern oder drangsalieren können. Gemäss

Zooleitung sei dies allerdings noch nie ein Problem gewesen.

Positive Beispiele

Afrika-Anlage

Diese neue Anlage ist sehr gut gestaltet: Auf rund

1840 m2 tummeln sich nun Kattas, Rosapelikane,

Störche, Perlhühner, Kronenkraniche, Straussen

und Zebras. Für die Pelikane wurde ein

grosszügiger, rund 1.2m tiefer Schwimmteich mit

seichten Uferstellen eingerichtet; die Straussen

und Zebras können weite Sandflächen als Auslauf

und für Sandbäder nutzen. Den Störchen stehen

hohe Baumstämme mit Nistgelegenheiten zur

121


STS-ZOOBERICHT 2013

Verfügung; die Kattas können sich künftig auf

Bäumen tummeln und eine kleine „Insel“ als Rückzugsort

nutzen.

Die Innenanlage der Kattas ist über einen

Gittertunnel, der über den Besucherweg führt, mit

der Aussenanlage verbunden. Dank genügend

Raum, vielfältigen Kletterstrukturen, unterschiedlichen,

natürlichen Bodensubstraten, Verstecken

etc. kann diese Anlage als sehr positiv beurteilt

werden.

Nicht beurteilt werden konnte während des

Besuchs vor Ort, in wie fern alle Tierarten die

Möglichkeit haben, die gesamte Anlage zu nutzen.

Für eine Gemeinschaftsanlage mit sieben verschiedenen

Tierarten (davon fünf Vogelarten) ist

das Platzangebot in der Afrika-Anlage doch eher

knapp, so dass zwischenartliche Konflikte dazu

führen könnten, dass gewisse Tiere nur einen

Bruchteil der Anlage tatsächlich nutzen können.

Um die tatsächliche Raumnutzung festzustellen,

wäre allerdings eine längerfristige Beobachtung

der Tiere notwendig gewesen. Gemäss Zooleitung

ist die Raumnutzung der Tiere in der neuen

Anlage nicht eingeschränkt.r

Berberaffen und Stachelschweine

Die Affenanlage ist auf einem grossen Hügel

angelegt, der den Tieren Verstecke, Ausgucke und

Klettermöglichkeiten. bietet. Die sozialen Tiere

leben in einer gemischten Gruppe. Bei Bedarf

können sie auch genügend Distanz zu den

Besuchern einnehmen. Für die Stachelschweine

bestehen in ihrem neuen Gehege nun auch

ausreichend Grab- und Rückzugsmöglichkeiten.

und Laune die gesamte, für sie riesige Anlage

nutzen. Mit in der Anlage leben auch ein paar

Haushühner.

Gemeinschaftsvoliere verschiedener

Vogelarten: Kronentaube, Grauer Pfaufasan,

Schwarzschnabelturako, Glanzstarl

Zwar werden hier afrikanische und asiatische

Vogelarten gemischt gehalten, die Anlage kann

jedoch positiv beurteilt werden. Die Vögel

verfügen über relativ viel Raum und können

richtig fliegen. Die üppige Vegetation bietet

zahlreiche Verstecke, Nist- und Futterplätze. Mit in

der Anlage leben Grüne Leguane, schwarze

Tamarine und Löwenäffchen. Auch diese haben

hier genügend Raum, um sich bei Bedarf aus dem

Weg zu gehen, sowie jede Menge geeigneter

Kletter- und Versteckmöglichkeiten sowie

Ruheplätze. Auch bei dieser Gemeinschaftsanlage

mit relativ vielen, verschiedenen Tierarten (aus

unterschiedlichen biogeographischen Regionen)

kann aufgrund eines einzelnen Besuchs nicht

eruiert werden, inwiefern sämtliche Tiere

tatsächlich den ganzen, zur Verfügung stehenden,

beschränkten Raum nutzen können. Gemäss

Zooleitung ist die Raumnutzung der einzelnen

Tiere nicht eingeschränkt.

Kaninchen und Meerschweinchen

Gemeinschaftsanlage von Alpaka,

Nandu, Pampahase und Präriehunden

Diese grosszügige Anlage bietet den Tieren den

nötigen Raum, einen natürlichen Untergrund,

Scheuermöglichkeiten, Verstecke etc. Ein gelungenes

Beispiel einer Gemeinschaftshaltung.

Für die Präriehunde wurde in einer Ecke der

Anlage eine kleine Fläche Wiese abgezäunt, die so

vor den anderen Tieren und damit vor

Überweidung geschützt ist. Hier können die

Präriehunde graben und der Nahrungssuche

nachgehen. Dennoch können sie auch nach Lust

Diese beiden Tierarten können ein tolles Gehege

nutzen, das den Besuchern bestens als Vorbild für

eine tiergerechte Haltung dieser Heimtiere dienen

kann. Die Tiere haben genügend Platz, zahlreiche

Artgenossen, Versteck- und Grabmöglichkeiten,

122


STS-ZOOBERICHT 2013

ein Aussengehege, genügend Stroh und auch ein

paar Äste zum Benagen.

Bartagamen und Blauzungen-Skink

Diese beiden Reptilienarten kommen in Zentralaustralien

im selben Lebensraum vor und werden

hier in einer ausreichend grossen Anlage

gemeinsam gehalten. Das Terrarium bildet mit

seinem Sandboden, den Steinen, Sukkulenten und

trockenen Ästen den natürlichen Lebensraum ab.

Spotstrahler, Versteckmöglichkeiten, Wasser und

Häutungshilfen sind vorhanden. Ein vorbildliches

Terrarium auch für Hobbyhalter!

Das alte Gehege der Nasenbären wurde

aufgehoben und durch eine neue Anlage ersetzt.

Die Tiere verfügen nun über zwei immer noch

relativ kleine, aber im „Dachgeschoss“ mittels

eines Käfigtunnels verbundene Teilkäfige und so

insgesamt über akzeptablen Bewegungsspielraum

– erst recht, wenn man noch das Innengehege

hinzuzählt. In den Aussengehegen, deren

Boden mit Holzschnipelsen eingestreut ist,

befinden sich naturnah wirkende Klettergerüste,

hochgelegene Plattformen, ein Wasserbecken und

Schlafboxen. Zweien Tieren fehlt die Schwanzspitze,

was ein Hinweis auf eine frühere, schlechte

Haltung (Selbstverletzung) – aber auch ein Geburtsfehler

– sein kann.

Anmerkungen

Die im Folgenden beschriebenen Tierhaltungen

wurden im vorhergehenden Zoobericht noch als

ungenügend kritisiert, nun aber durch verschiedene

bauliche Massnahmen deutlich

aufgewertet oder gänzlich neu gebaut. Sie sind

etwas (Nasenbären, Zwergotter) bis bedeutend

(Leoparden) besser, als die bisherigen Haltungen,

aber noch nicht in jedem Falle tiergerecht.

Zwergotter

Das alte, völlig ungenügende Zwergotter-Gehege

wurde aufgehoben und durch eine neue Anlage

an einem neuen Standort ersetzt. Das neue

Gehege ist leider nur unwesentlich grösser als das

alte, verfügt jetzt aber zumindest über stehendes,

wie auch fliessendes Wasser (welches die Tiere

gerne nutzen), ein tieferes Becken, sowie

interessantere Topographie.

Nasenbären

Stumpfkrokodil

Das Gehege der Stumpfkrokodile wurde um etwa

einen Drittel vergrössert und umfasst nun eine

grössere, sandige Liegefläche zusätzlich zum

Bassin, sowie auch über mehr Vegetation und

Rückzugsmöglichkeiten. Der Bewegungsspielraum

der Tiere v.a. im Wasser ist aber immer noch

eingeschränkt. Die beim letzten Besuch beobachtete

Zahnfleischwunde bei dem einen Tier

konnte nicht mehr festgestellt werden.

Neue Raubkatzengehege für Leopard

und Gepard

Im Bau befindlich ist derzeit das neue

Raubkatzen-Haus mit angrenzenden Aussengehegen

für die Leoparden und Geparden. Das

bisherige Leopardengehe wird um ein weiteres,

anschliessendes Aussengehege erweitert. Im alten

Gehegeteil wird ein grosser, innen hohler

Kunstfelsen mit Kletter- und Rückzugsmöglichkeiten

gebaut, über welchen die Leoparden

das im ersten Stock des Gebäudes liegende

Innengehege erreichen können. Dort stehen den

Tieren eigentliche „Zimmer“ mit hochliegenden

Plattformen und mit Stroh gepolsterte Liegen zur

Verfügung. Der neue Gehegeteil enthält weitere

Ausguck- und Rückzugsmöglichkeiten und soll

teilweise mit Bäumen bepflanzt werden, die den

Grosskatzen voraussichtlich auch zum Klettern

dienen werden. Auch ein kleines Wasserbecken

123


STS-ZOOBERICHT 2013

steht zur Verfügung. Die Geparden-Anlage wird

ebenfalls im rückwärtigen Teil der neuen

Raubkatzen-Anlage um ein weiteres Gehege

erweitert. Der alte Gehegeteil bleibt dabei offen

mit Sonnenplätzen und Freiflächen, während der

hintere Gehegeteil ebenfalls Bäume enthalten und

eher als Rückzugsgebiet dienen soll.

Schwarzköpfiges Totenkopfäffchen

Für die Totenkopfäffchen ist ein neues, grosszügiges

Gehege demnächst bezugsbereit. Die

gesamte dritte Dimension wird von einem

grossen, verzweigten, naturnah wirkenden

Klettergerüst eingenommen. Die „Stämme“ sind

beheizt und werden den Tieren als wohlige

Liegeplätze dienen. Der Boden ist mit Sand und

Holzschnipseln bedeckt; bald werden auch diverse

Sträucher und Pflanzen für Kletter- und Rückzugsmöglichkeiten

sorgen.

Mit der im Bau befindlichen Anlage scheint

künftig eine tiergerechte, relativ naturnahe

Haltung der Leoparden und Geparden gewährleistet.

124


STS-ZOOBERICHT 2013

Falconeria Locarno

www.falconeria.ch

Die Falconeria ist ein Greifvogelpark mit rund 30 Greifvögeln aus 18 verschiedenen Arten, die zu

Schauzwecken im Freiflug vorgeführt werden. Gehalten werden u.a. Wander-, Ger- und Sakerfalke

(Arten der klassischen mittelalterlichen resp. arabischen Falknerei), Steinadler (Vertreter der

zentralasiatischen falknerischen Jagdtradition), sowie Weisskopf- und Riesenseeadler, Sekretär,

Wollkopf-, Weissrücken-, Sperber- und Gänsegeier, Kondor, Karakara, Kolkrabe, Uhu, Bartkauz,

Virginia-Uhu, Fleckenuhu und Schneeeule. Während der Saison (März-November) finden täglich

zwei Shows von rund 45 min Dauer statt; ausserdem werden die Tiere täglich trainiert. Diese Art

der Haltung ermöglicht es den Greifvögeln, Eulen und Geiern im Unterschied zu einer reinen

Volieren-Haltung, ihr natürliches Flugbedürfnis auszuleben. Die Volieren sind zudem grosszügig

dimensioniert und mit allen notwendigen Strukturen ausgestattet. Die Beschränkung auf

vergleichsweise wenige Tiere und Arten erlaubt es, den einzelnen Vögeln nicht nur grosse

Volieren zur Verfügung zu stellen, sondern ihnen auch täglichen Freiflug zu ermöglichen. Unter

diesen Gesichtspunkten kann die Tierhaltung in der Falconeria als vorbildlich bezeichnet werden.

Positive Beispiele

Greifvogel-Volieren

Die Volieren sind in einer Reihe angeordnet und

durch eine hohe Bambushecke von der

angrenzenden Strasse abgeschirmt. Bei heissem

Sommerwetter verschaffen Sprinkleranlagen

Kühlung. Die Grundfläche sämtlicher Volieren beträgt

um die 50 m 2 , die Höhe 5m (rund 250 m3).

Sämtliche Volieren werden von einem langsam

fliessenden Bächlein durchquert und verfügen

über verschieden hohe Sitzgelegenheiten wie

Bäume, Äste, Holzbretter oder Baumstrünke. Als

Rückzugsmöglichkeiten und Sichtschutz dienen

Bäume, Bambushecken, Nischen und Boxen in den

hinteren Volierenbereichen, die durch die

Besucher nicht einsehbar sind. Bei einigen

Gehegen übertragen Kameras das Geschehen in

den Brutboxen. So können die Besucher den

Jungvögeln im Nest zuschauen, ohne dass diese

gestört werden. Ausführliche und übersichtliche

Info-Schilder geben zu jeder Tierart die

wichtigsten Informationen.

Sämtliche Volieren verfügen sowohl über sonnige,

wie auch schattige Bereiche. So können bspw. die

Geier sowohl ihre typischen Sonnenbäder mit

gespreizten Flügeln nehmen, als auch sich in den

Schatten oder Witterungsschutz unter der

geschlossenen Decke zurückziehen. Der sandige

Boden erlaubt zudem auch die Gefiederpflege im

Sandbad. Gemäss Auskunft der Tierhalter sollen

die Volieren künftig noch naturnäher gestaltet

werden und dem jeweiligen Lebensraum der

Vögel besser entsprechen. So soll bspw. die

Voliere der Weisskopf-Seeadler statt mit Bambus

mit Fichtenbäumen bepflanzt werden. Da es sich

bei sämtlichen gehaltenen Arten um winterharte

Tiere aus nördlichen Breiten oder Hochgebirgen

handelt, werden keine Innenräume benötigt. Der

Futterverbrauch ist im Winter aber deutlich höher.

Sämtliche Vögel machen einen gesunden, gepflegten

und ausgeglichenen Eindruck.

125


STS-ZOOBERICHT 2013

Freiflug-Anlage und Vorführung

Gemäss Auskunft der Tierhalter sollen die Volieren

künftig noch naturnäher gestaltet werden und

dem jeweiligen Lebensraum der Vögel besser

entsprechen. So soll bspw. die Voliere der

Weisskopf-Seeadler statt mit Bambus mit

Fichtenbäumen bepflanzt werden. Die Vögel

können direkt oberhalb der Tribünen durch Luken

die Volieren verlassen und anschliessend an die

Vorführung auch direkt wieder in ihre Volieren

zurückkehren. So müssen sie während der

Vorführung anderer Vögel nicht angebunden auf

ihren Einsatz warten. Während der Flugvorführungen

tragen die Tiere Leder-bändel, die dem

Falkner zum Handling der Tiere dienen, aber nicht

miteinander verbunden sind (die Vögel tragen

also keine „Fussfesseln“).

Das Schaugelände ist eine weitläufige Parkanlage

mit zwei grossen Weihern, Wiesen und Baum- und

Buschvegetation am Rande Locarnos. Die

Vorführungen gliedern sich in drei Elemente: Die

schnellfliegenden, beweglichen Ger- und Sakerfalken

werden beim Fang des Federspiels

vorgeführt. Die Greifvögel, Geier und Eulen sowie

Kolkraben fliegen einerseits längere Strecken über

den ganzen Park zwischen den Tribünen und

hölzernen Türmen, wo sie jeweils von den

Assistentinnen empfangen werden. Andererseits

werden sie in Kurzflügen über die Köpfe des

Publikums geschickt. Die Tiere sind dabei

grundsätzlich frei, an der Show mitzumachen oder

sich auch mal auf ein nahes Hausdach oder einen

Baum zu setzen. Die Falken tragen Sender, die bei

der Ortung helfen, sollten sie einmal entfliegen. Es

kommt hin und wieder vor, dass ein Vogel einen

„Ausflug“ in die nahen Wälder oder Berge

unternimmt. Allerdings kehren die Tiere i.A.

freiwillig zurück, da sie an die Fütterung gewöhnt

sind.

Geschichte und Kunst der Falknerei vermittelt (in

Italienisch und Deutsch). Verschiedene Schaukästen

im Eingangsbereich ergänzen das

pädagogische Angebot. Der Umgang mit den

Tieren ist jederzeit ruhig und respektvoll. Die

Vögel müssen keinerlei andressierte „Übungen“

oder „Figuren“ vorführen, sondern zeigen nur ihr

natürliches Flug- und Jagdverhalten. Dabei

werden die arttypischen Verhaltensweisen in die

Show eingebunden. So holt der hauptsächlich

fischfressende Weisskopfseeadler bspw. Futterstücke

aus dem Teich oder badet darin, und die

südamerikanische Karakara führt beim

Einsammeln von am Boden unter Strohhütchen

versteckten Futterstücken ihr phänomenales

Laufvermögen und ihre Geschicklichkeit beim

Erlangen der Beute vor. Derzeit noch in

Ausbildung befinden sich der Kondor, der Sekretär

und die Steinadler. Auch diese Tiere werden

täglich trainiert; treten aber noch nicht in der

Show auf.

Sämtliche Vögel landen auch freiwillig in der Nähe

des Publikums (bei den Luken oberhalb der

Tribünen) und zeigen dabei weder Stress noch

Scheu. Die Tiervorführungen der Falconeria sind

aus Tierschutzsicht vorbildlich.

Während den Vorführungen wird viel Wissenswertes

sowohl über die Tiere, ihre Herkunft,

Lebensweise und Haltung, als auch über die

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STS-ZOOBERICHT 2013

Zoo al Maglio, Magliaso (TI)

www.zooalmaglio.ch

Der Zoo al Maglio bei Lugano ist der einzige Zoo im Tessin. Präsentiert werden hauptsächlich

exotische Tierarten in einem ebensolchen, grünen Ambiente. Der Zoo hat in den letzten Jahren

viele Gehege verbessert. Die Tiere sind akzeptabel bis gut gehalten.

Positive Beispiele

Rotgesichtmakaken

Den japanischen Affen steht eine grosszügige und

reich strukturierte Anlage von rund 400 m 2 zur

Verfügung. Diverse Felsblöcke, Baumstämme,

Seile und Reifen ermöglichen den Tieren

vielfältige Kletteraktivitäten. Den wasserliebenden

Affen steht auch ein kleiner Brunnen mit

Kletterfelsen zur Verfügung (wünschenswert wäre

eine grössere Wasserfläche). Die Tiere können

auch das Dach des (öffentlich nicht zugänglichen)

Innengeheges als zweite Ebene nutzen und sich

aufgrund der Tiefe der Anlage gut vor dem

Publikum zurückziehen. Die grosse Anlage bietet

der Gruppe genügend Platz für Nahrungssuche,

Spiel und Ruheverhalten. Eine aus Tierschutzsicht

vorbildliche Affenhaltung.

Uhu

Die Uhus (ein Paar mit Nachwuchs) bewohnen

eine grosse, naturnah strukturierte Voliere. Die

gesamte Voliere ist hoch (gut 6 m) und gegen 15

m tief, so dass die grossen Vögel sowohl Raum für

kurze Flüge haben als auch genügend Abstand zu

den Zoobesuchern einnehmen können. Die Topographie

der Anlage (Steilhang mit einzelnen

Bäumen, Büschen) kommt dem von Uhus

bevorzugten Lebensraum (waldige Felslandschaften)

nahe. Die Brutnische und Ruheplätze

befinden sich in einem gedeckten Unterstand

oben am Hang, im hinteren Bereich der Voliere.

Wünschenswert wären höchstens noch zusätzliche

Felsen und eine grössere Wasserfläche.

Bennett-Wallabies

Links vom Zooeingang befindet sich neu eine

grosszügige Anlage für die Bennett-Wallabies. Die

Tiere können sich frei auf einer Weide bewegen,

ein Sandbad nutzen oder sich in den Schatten der

Büsche zurückziehen. Auch ein kleiner Teich steht

zum Trinken zur Verfügung, und es werden

regelmässig frische Zweige zum Knabbern

geboten. Der geräumige Stall ist gut eingestreut,

verfügt über mehrere Heuraufen und ein weiteres

Sandbad. Eine gute Haltung für die vergleichsweise

einfach zu haltenden Wildtiere.

Anmerkungen

Waschbär

In einem relativ grossen, über eine Brücke

verbundenen Doppelgehege mit artgerechten

Kletter- und Versteckmöglichkeiten leben

Waschbären (die Tiere sind kastriert; man will

nicht züchten) in einer grösseren Gruppe. Das

Gehege ist zwar nicht gross, bietet aber mit seiner

dichten Vegetation gute Kletter- und Versteckmöglichkeiten

und mit der Brücke zwischen den

Teilgehegen eine zusätzliche Struktur.

Wünschenswert wären hier mittelfristig eine

Vergrösserung des Geheges mit höheren

Kletterstrukturen und ein grösseres Gewässer. Das

127


STS-ZOOBERICHT 2013

im letzten Bericht noch kritisierte Einzelgehege, in

dem sich drei weitere Waschbären aufhielten, die

starke Stereotypien zeigten, wurde in der

Zwischenzeit aufgehoben.

Löwen

Die Löwen (eine alte Löwin und ihr erwachsener

Sohn) leben in einem etwa 500 m 2 umfassenden

Gehege, in dem sie drei verschiedene Ebenen,

erhöhte Liegeplätze und einen Stall als Rückzug

nutzen können. Zusätzliche Strukturen wie Felsen

und Baumstämme wären wünschenswert, um den

Tieren noch vermehrt Abwechslung und das

Ausleben verschiedener Verhaltensweisen wie

Klettern, Erkunden, Verstecken und Lauern zu

ermöglichen. Gemäss Zooleitung sollen so bald

als möglich weitere Baumstämme im Gehege

integriert werden. Nach Ableben der alten Löwin

ist die Integration einer neuen Löwin und die

Zucht mit den Tieren geplant.

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STS-ZOOBERICHT 2013

STS-ZOOBERICHT 2013

Neu 2013: Marmottes Paradis, Rochers de Naye; Parc d`accueil Pierre Challandes;

Freilichtsmuseum Ballenberg; Tierpark Langenthal; Zoo Rothaus, Gampelen;

Wildpark Roggenhausen, Aarau; Tierpark Chur

Updated 2013: Zoo de Servion; BärenPark Bern; Papiliorama / Nocturama, Kerzers;

Parc Zoologique La Chaux-de-Fonds; Tierpark Biel; Tierpark Gäbelbach, Bern-Bethlehem; Zoo Basel;

Wildnispark Zürich, Langenberg; Connyland, Lipperswil; Knies Kinderzoo, Rapperswil; Zoo Bad Ragaz;

Toni's Zoo, Rothenburg; Falconeria Locarno

Updated 2012: Bois de la Bâtie, Genf; Murmeltierpark "Grimselblick"; Tierpark Aletsch, Fiesch;

Alpenvogelpark Grindelwald; Raubtierpark Strickler, Subingen; Tierpark Dählhölzli Bern;

Tierpark Harder, Interlaken; Tier- und Erlebnispark Seeteufel, Studen; Jürg Jennys Raubtiere, Olsberg;

Römischer Tierpark Augusta Raurica, Augst; Tierpark Bad Zurzach; Tierpark Lange Erlen, Basel;

Zoo Zürich; Schlangenzoo Eschlikon; WalterZoo, Gossau; Wildpark Peter und Paul, St. Gallen;

Tierpark Goldau; Zoo al Maglio, Magliaso

Updated 2011: Zoo la Garenne, Le Vaud; Zoo Les Marécottes; Zoo Siky Ranch, Crémines; Zoo Hasel,

Remigen; Greifvogelpark Buchs; Plättli-Zoo, Frauenfeld

Updated 2010: Juraparc, Vallorbe; Johns kleine Farm, Kallnach; Wildpark Bruderhaus, Winterthur

Autorin: Sara Wehrli

Fachstelle Wildtiere, Schweizer Tierschutz STS

Bilder: © Schweizer Tierschutz STS

(falls nicht anders vermerkt)

www.tierschutz.com/zoobericht

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