Firmung - Bonifatiuswerk

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Firmung - Bonifatiuswerk

Firmung

Suchen und Finden.

2007

Gemeinsam auf dem Wegdes Glaubens.

� Projekte

� Anregungen

� Geschichten

� Tipps


Vorwort

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Firmung 2007

Lieber Herr Pfarrer,

liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Pastoral,

liebe Eltern,

das Symbol des Labyrinthes beschäftigt mich seit meiner Jugend. Es ist ein uraltes Menschheitszeichen

und christliches Symbol, das sich in vielen Kathedralen findet. Auf verschlungenen Pfaden

werden wir im Labyrinth zur geheimnisvollen Mitte geführt. Im Zentrum erwartet den Glaubenden

Christus.

Jungen Menschen zu helfen, ihre ureigenste Glaubens- und Lebensmitte zu finden, das ist seit

über 120 Jahren das Anliegen der Diaspora-Kinder- und Jugendhilfe im Bonifatiuswerk der deutschen

Katholiken.

In diesem Jahr hat das Bonifatiuswerk daher seine große Firmaktion unter das Motto „Suchen

und Finden. Gemeinsam auf dem Weg des Glaubens“ gestellt.

Viele junge Christen leben heute in einer säkularen Diaspora, die kein

Verständnis mehr zeigt für den christlichen Glauben. Gerade junge Menschen,

die aus der areligiösen Umgebung der neuen Bundesländer kommen,

brauchen daher dringend unsere Unterstützung.

Die Diaspora-Kinder- und Jugendhilfe fördert in der ost- und norddeutschen

Diaspora sowie in Nordeuropa und im Baltikum. Sie unterstützt

Projekte, die zur Bildung christlicher Gemeinschaft und zur Vermittlung

der christlichen Botschaft an die neue Generation in extremer Diaspora

notwendig sind und setzt dabei gerade auch auf die Solidarität der Firmbewerberinnen

und Firmbewerber.

Im Sinne einer subsidiären Hilfe unterstützen wir richtungweisende Aktionen, von denen wir

Ihnen einige in diesem Heft besonders erläutern dürfen.

Als Dank für Ihre Mitarbeit enthält das Heft eine Reihe von Anregungen bekannter Autorinnen

und Autoren rund um das Thema Diaspora, Firmung und „Suchen und Finden“.

Allen Autorinnen und Autoren des Heftes darf ich an dieser Stelle sehr herzlich danken. Sie

unterstützen das Anliegen der Diaspora-Kinderhilfe auf innovative und lebendige Weise.

Besonders Herrn Pfarrer Sieger Köder danken wir für die freundliche Überlassung des Bildmotivs

„Labyrinth“!

In froher Verbundenheit, Ihr

Clemens A. Kathke

(Generalsekretär)

„Labyrinth“,

© Sieger Köder


„Gott wirkt im

Innersten von allem.“

(Thomas von Aquin)

Suchen und Finden –

Erkenne dich selbst.

Zum diesjährigen Firmmotiv

Jeder Mensch besitzt tief in seinem Innersten ein großes, anderen

nicht vollständig mitteilbares Geheimnis: seine tiefste Sehnsucht,

den letzten Lebenssinn, sein „Lebensfeuer“. Nur Gott selbst kennt

unser Inneres ganz. Im Zentrum unserer Seele wohnt der „göttliche

Funken“, wie Meister Eckehart sagt. Diese Realität soll zur Firmaktion

2007 durch das Motiv des Labyrinths symbolisiert und in den

Blick gebracht werden. Das Symbol „Labyrinth“ scheint uns nämlich

besonders geeignet, um darüber mit jugendlichen Firmbewerberinnen

und Firmbewerbern ins Gespräch zu kommen. Denn junge Menschen

dieser Altersstufe sind auf dem Weg zur eigenen Identität, also damit

auch zum je eigenen Glauben, und ihnen sind die alltäglichen Umwege

und Lernwege zur eigenen Mitte nur allzu vertraut. Man könnte

auch sagen: Gerade dieses Alter ist ausgesprochen „philosophisch“,

weil die Jugendlichen noch unvoreingenommen, „unbestechlich“ und

„kompromisslos“ die großen Fragen nach dem Sinn, nach Gott, nach

dem Glück und nach gelingendem Leben stellen.

Probiert es aus!

Lassen Sie die Jugendlichen das „Labyrinth-Thema“

sinnenhaft erfahren:

� Firmbewerber konstruieren ein eigenes

Labyrinth,

� malen Mandalas oder gestalten

„Labyrinth-Fühlbilder“ z.B. aus Kork

oder Samt,

� können Labyrinthe selber aus Steinen

legen oder auf Asphalt zeichnen,

� Pflanzenlabyrinthe mit verschiedenen

Umgängen gestalten oder auch ein

Weidenlabyrinth, Steinlabyrinth oder

einfach mit Stoffbändern legen,

� Kirchvorplatz als Labyrinth gestalten

(malen, belegen),

� Lichter- und Feuerlabyrinthe gestalten.

� Katecheten können Labyrinthe einbauen

in Geschichten, Spiele und Tänze ,

die das Leben und seine verschlungenen

Pfade spiegeln (das Labyrinth weckt

Lust, die kosmischen, menschlichen und

theologischen Wahrheiten zu spüren, die

sich in diesen scheinbar so einfachen

Linien verbergen).

� Mit (älteren) Jugendlichen kann man

entsprechende philosophische Texte

lesen: („Erkenne dich selbst!“) und

anhand der „Labyrintherfahrungen“ konkretisieren.

Gute Möglichkeiten der kritischen

Auseinandersetzung bieten nach

wie vor die Texte von Jostein Gaarder.

Eines der ältesten Menschheitssymbole ist das Labyrinth. Seine verschlungenen

Pfade symbolisieren den schwierigen und komplizierten

Lebensweg des Menschen. Weltweit verbreitet, ist das Labyrinth

vermutlich vor etwa 5000 Jahren entstanden, wahrscheinlich im Mittelmeerraum. Das ursprüngliche

Labyrinth hat im Wesentlichen immer die gleiche Form, und das Ziel ist immer die Suche nach der

geheimnisvollen Mitte. Vielleicht überrascht es, dass Labyrinthe ursprünglich stets nur einen Weg zur

Mitte hatten, ohne Abzweigung und Sackgasse. Ein Labyrinth ist niemals ein Irrgarten! Trotzdem war

und ist der Weg zur Mitte (und dann wieder heraus) kompliziert genug. Er führt hin und her, biegt

immer wieder nach innen und nach außen ab und lenkt schließlich doch immer in Richtung Zentrum.

Der historische Ursprung des Labyrinths wird gerne nach Kreta verlegt, weil dort die sicher berühmteste

„Labyrinthgeschichte“ spielt:

Im Labyrinth des kretischen Königs Minos wurde der Minotaurus, ein Ungeheuer, halb Mensch, halb

Stier, gefangen gehalten. Keiner, der sich hineinwagte, kam lebend wieder heraus. Alle neun Jahre

opferte man diesem Untier sieben Jünglinge und sieben Jungfrauen, Athener von edlem Blut und untadeliger

Schönheit. Da meldete sich Theseus, der Sohn des Königs von Athen, freiwillig, obwohl das

Los ihn nicht dazu bestimmt hatte. Er beabsichtigte, den Minotaurus zu töten, um so seine Gefährten

zu retten und künftige Opfer zu verhindern. Auf Kreta lernt Theseus Ariadne, die Königstochter und

Halbschwester des Minotaurus, kennen, in die er sich verliebt und die ihm schließlich einen Faden mit

in das Labyrinth gibt. Theseus tötet den Minotaurus und kehrt mit Hilfe des Fadens aus dem Labyrinth

Autor

Matthias Micheel. Theologe

und Sozialarbeiter, Leiter der

Diaspora-Kinder- und Jugendhilfe im

Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken


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Einführung

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Einführung

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in die Freiheit zurück. Die Völker Kretas und Athens atmen auf,

Theseus wird König von Athen.

Das Christentum hat das Labyrinth schon früh in seinen Symbolschatz

aufgenommen. In alten Handschriften gibt es immer wie-

„Gott finden wir

am sichersten

in unserem Innern“

(Meister Eckehart)

der Labyrinthdarstellungen. Zuerst wurde noch der klassisch-griechische Typus verwendet, aber mit

der Zeit wurde das Labyrinth verändert. In der Gotik erlebte dieses „getaufte Labyrinth“ seine wahre

Blütezeit. Man findet es in vielen mittelalterlichen Kathedralen. Das berühmteste Kirchenlabyrinth

kennt jeder. Es ist in der Kathedrale zu Chartres zu bewundern, misst stattliche 12 Meter Durchmesser

und hat 28 Kehren, die den Gläubigen dazu bewegen, 28-mal die Richtung zu wechseln. Erst dann

gelangt er zum Mittelpunkt: Erinnerung an unsere eigenen Umwege und Irrwege. Am Eingang vieler

solcher Kathedralen musste man also zuerst das Labyrinth durchschreiten, bevor man in den eigentlichen

Bereich des Heiligtums kam. Und im Zentrum der Kirche fand man nicht – wie Theseus – ein

Ungeheuer, sondern den Retter, Heiler und Befreier: Christus, der von sich gesagt hat: „Ich bin der

Weg, die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14, 6). Anders gesagt: Christus selbst führt uns durch unser

Lebens-Labyrinth hindurch zum wahren Leben. So wurde für die Christen das Labyrinth zum Symbol

des Glaubens an Gott. Gott ist die Mitte des Lebens, und im Labyrinth wurde und wird das Leben

gefeiert. Zu Ostern und Pfingsten tanzte früher die ganze Gemeinde den Weg bis hin zur Mitte.

Labyrinthe sind Meditationswege. In ihrer Mitte begegnen wir zumeist dem Kreuz und der Möglichkeit

zur Umkehr und Hinwendung zum Glauben und damit zum Guten. Christliche Labyrinthe laden ein

zur Wiederentdeckung der Langsamkeit, zum meditativen Bedenken des eigenen Lebensweges und

der eigenen Tiefe.

Am Ende des Weges wartet in der Labyrinth-Darstellung des Künstlerpfarrers Sieger Köder der Schatz

unseres Lebens: Gott und der Glaube an ihn. Sieger Köder gestaltete dieses Labyrinth für die Jakobuskirche

in Hohenberg bei Ellwangen. In das Zentrum hat der Künstler eine Muschel mit Perle gemalt.

Wer diese größte Kostbarkeit des eigenen Lebens sucht, der muss schon in die Tiefe seines Inneren,

seiner Seele, gehen. Jesus spricht von der einzigartigen Perle: Mit Gott und seinem Reich ist es wie

mit einem Kaufmann, der wertvolle Perlen suchte. Als er eine besonders wertvolle fand, verkaufte er

alles, was er besaß, und kaufte sie (Mt 13,45). Das Ziel, der „Wert an sich“, ist die Freude an der Perle

meines Lebens. Der Weg aus dem Labyrinth heraus ist einer des Gefunden-Habens und Verwandelt-

Seins: Wer die Perle entdeckt, seine eigene Mitte erreicht, kann nur gewandelt in den Alltag zurückkehren:

als „neuer“, d.h. liebender, gütiger und dankbarer Mensch.

Medientipps zum Thema

Marion und Werner Tiki Küstenmacher:

Labyrinthe. Neue

Wege finden. Das Buch zum

Nachdenken, Entdecken und

Ausmalen. Mit Motiven aus

drei Jahrtausenden. München:

Bassermann in der Verlagsgruppe

Random House, 2006,

7,96 €

Gernot Candolini: Die Faszination

der Labyrinthe.

Das Praxisbuch. Mit Kopiervorlagen.

München:

Kösel in der

Verlagsgruppe

Random

House, 2004, 16,95 € . Labyrinth.

Wege der Erkenntnis und Liebe.

München: Claudius, 2004, 12,80 € .

Vgl. auch www.labyrinthe.at.

Uwe Wolff / Jürgen

Hohmuth: Alles über

Labyrinthe und Irrgärten.

Unterwegs mit

Zeppelin und Kamera .

Mit vielen vierfarbigen

Fotografien und Illustrationen.

Stuttgart:

Gabriel-Verlag, 2006, 19,90 €

Jostein Gaarder: Schachmatt. Das große Jostein

Gaarder Lesebuch. Hanser: München, 2006, 17,90 €

Streifzug durch das Werk Gaarders

und damit Einladung zur jugendlichoffenen

Beschäftigung mit grundlegenden

Fragen der menschlichen

Existenz: Wer sind wir? Woher

kommen wir? Wohin gehen wir?

Eine Anstiftung zum Denken, gerade

auch, wenn man zu ganz anderen

Antworten als der Autor gelangt.


Die Perle. Was für ein Schatz!

Anregungen und Materialien für die Katechese,

zusammengestellt von Markus C. Leitschuh

Wie Wie entsteht entsteht eine eine Perle? Perle? Perlen findet man in

Muscheln. So leblos sie uns vorkommen, es sind

Meereslebewesen. Die Muschel reagiert, wenn

ein Fremdkörper (z.B. ein Sandkorn) in die Schale hineingeraten

ist. Es wird eine milchige Flüssigkeit gebildet,

die den Eindringling umschließt. Mit der Zeit wird

diese Umhüllung fester, es entsteht eine Perle. Diese

lange Zeit der Entwicklung ist ein Grund, warum echte

Perlen so teuer sind. „La Regente“ ist eine der größten

Perlen der Welt und die teuerste. Napoleon I. schenkte

sie seiner zweiten Frau zur Geburt seines Sohnes, des

späteren Königs von Rom. Die Perle gehörte danach zum

französischen Kronschatz und wurde 1887 vom Juwelier

Faberge im Zuge der Kronschatzveräußerung ersteigert.

2005 erbrachte sie einen Verkaufswert von 2,1 Mio. Euro!

Weitere Infos unter www.wikipedia.org/wiki/Perle

Symbolische Bedeutung: In vielen Kulturen hat

die Perle eine tiefe symbolische Bedeutung.

In China steht sie für Reichtum, Weisheit und

Würde. In Japan bedeuten sie Glück. Im Mittelalter

galten Perlen als Zeichen der Liebe zu Gott. Auch die

Bibel erwähnt die Perlen. König Salomo verehrte sie

als Sinnbilder der Reinheit und Weisheit. Man glaubte,

die Perle entstehe aus dem reinen, vom Himmel gefallenen

Tau, den die Muschel, aus der Tiefe des Meeres

emporsteigend und über der Oberfläche des Wassers

sich öffnend, im Mondschein empfange. Die Araber des

Mittelalters erklären sich das Entstehen dieses kostbaren

Naturgebildes nicht durch den Mond, sondern

auch durch das Licht der Planeten. Noch heute gilt die

Perle im Islam als Sinnbild belohnter Demut.

Autor

Markus C. Leitschuh.

Religionslehrer und innovativer

Buchautor und Moderator,

Mitglied im Zentralkomitee der

deutschen Katholiken, Kassel

Wie ein Schatz liegt die Perle in der Mitte von Sieger Köders

Labyrinth. Nicht Gold und Edelsteine, sondern eine kleine Perle.

Fast unscheinbar, auf den ersten Blick im mächtigen Labyrinth

gar nicht zu erkennen. Von verschiedenen

Seiten wollen wir uns dieser wertvollen

Kugel und ihren Geheimnissen nähern. Die

kleinen Infokästen und Anregungen können

Hilfen für die Gestaltung von Gruppenstunden,

Katechesen und Gottesdiensten sein.

Das Gleichnis vom Schatz im Acker und der kostbaren

Perle. Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem

Schatz, der in einem Acker vergraben war. Ein Mann

entdeckte ihn, grub ihn aber wieder ein. Und in seiner Freude

verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte den Acker.

Auch ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Kaufmann,

der schöne Perlen suchte. Als er eine besonders wertvolle

Perle fand, verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte sie

(Mt 13, 44-46).

Gedanken zum Gleichnis (von Marcus C. Leitschuh): „Als er

eine besonders wertvolle Perle fand …“ Mit dem Gleichnis von

der Perle und vom Schatz im Acker wollte Jesus den Menschen

das Geheimnis vom Reich Gottes, vom Himmelreich nahe bringen. Das

Himmelreich wird dargestellt als etwas, das so wunderbar, so wertvoll

und ansprechend ist, dass wir es auf jeden Fall haben wollen. Der Kaufmann

erkennt den Wert und gibt alles, nur um diesen Schatz, diese

Perle zu bekommen. Er ist am Ziel seiner Träume. Das Gleichnis stellt

zwei harte Fragen an jeden von uns: Was ist unser Ziel, wohin sollen

unsere Wege führen? Wäre es für uns wirklich das Größte, wenn wir

den Schatz, die Perle „Himmelreich“ finden? Wenn Gottes Liebe vor

uns liegt, greifen wir zu oder suchen wir doch lieber weiter, so als könnte

es vielleicht doch noch etwas Besseres geben? Und wenn, was sind

wir bereit zu investieren, um an diesen Schatz zu kommen? Hätte der

Kaufmann auf „Geiz ist geil“ gehört, hätte er nach einem Schnäppchen

Ausschau gehalten. Gottes Liebe gibt es aber nicht als Sonderangebot

und auf den Wühltischen oder mal eben bei Ebay ersteigert. 1-2-meins,

das kann aber auch für Gott gelten, wenn wir „ja“ zu ihm sagen. Die Firmung

ist so ein Tag, wo Gott uns „ja“ sagen lässt. Niemand zwingt uns

dazu, wir können ganz selbstbewusst unsere Taufe erneuern. – Gott will

von uns nicht, dass wir alles verkaufen, um an seinen Schatz zu gelangen,

aber er will, dass wir ihm einen angemessenen Platz in unserem

Leben schenken. Beten nicht nur dann, wenn eben mal Zeit ist. Kirchgang

nicht nur, wenn man halt ausgeschlafen hat. Nicht nur in der Bibel

lesen, wenn’s in der Schule unbedingt sein muss. Wer Gottes Gegenwart

und Liebe, sein Himmelreich mitten in unserem Leben erkennt,

der wird stolz und glücklich auf diese Perle, auf diesen Schatz blicken.

Und dann wird er in dieser Perle sein Gesicht erblicken. Denn jeder von

uns, auch du mit deinen Schwächen und Macken, mit deiner persönlichen

Lebensgeschichte, auch mit den Zweifeln und Fragen, bist in den

Augen Gottes eine kostbare Perle. So wie wir uns an Gott erfreuen können,

erfreut sich Gott an uns. Für uns gibt er alles, weil er uns gefunden

hat. Jeden Einzelnen.

eine besonders wertvolle Perle fand …“ Mit dem Gleichnis von

Anregungen

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Anregungen

Aus einem Hymnus zu Ehren des Heiligen Geistes

Feuergeist! Preis dir!

Du wirkest auf Pauken und Harfen.

...

Darum preist dich jegliche Kreatur, die von dir lebt, weil

du die köstlichste Salbe bist für alle Brüche und eiternden

Wunden, die du in die kostbarsten Perlen verwandelst.

Und nun würdige dich, uns alle bei dir zu versammeln und

auf den rechten Weg zu führen.

Amen. Hildegard von Bingen (1098-1179)

Eine Fabel: Der Hahn und der Diamant

Ein hungriger Hahn scharrte auf einem

Misthaufen nach Fruchtkörnern und fand

einen Diamanten. Unmutig stieß er ihn beiseite

und rief aus: „Was nützt einem Hungrigen ein

kostbarer Stein; sein Besitz macht wohl reich,

aber nicht satt. Wie gerne würde ich diesen

Schatz um nur einige Gerstenkörner geben.“ Das

Stücklein Brot, das dich ernährt, ist mehr als

Gold und Perlen wert. Aesop

Eine Geschichte: Die Perle

Der Gelbe Kaiser reiste nordwärts

vom Roten See, bestieg den Berg

Kun-Iun und schaute gegen Süden. Auf der

Heimfahrt verlor er eine Zauberperle. Er sandte

Wissen aus, sie zu suchen, aber es fand sie

nicht. Er sandte Klarsicht aus, sie zu suchen,

aber sie fand sie nicht. Er sandte Redegewalt

aus, sie zu suchen, aber sie fand sie nicht.

Endlich sandte er Absichtslos aus und fand

sie. „Seltsam“, sprach der Kaiser, „dass

Absichtslos sie zu finden vermocht hat.“

Quelle unbekannt

Die kostbare Perle

Tief im Meer lag eine Muschel. Sie hatte ihre Schalen

geöffnet und ließ das Wasser genießerisch

über ihre Zunge fließen. Plötzlich spürte sie etwas Hartes,

Spitzes. Ein kleiner Stein hatte sich in ihr festgesetzt. Sie

streckte ihren Muskel, um den Eindringling loszuwerden.

Umsonst! Der lästige Stein blieb liegen. – Langsam bildete

sich um ihn herum eine Perlmutterschicht. Nach vielen Jahren

war aus dem Stein eine Perle geworden. Als ein Fischer

eines Tages die Muschel fand, freute er sich sehr. Was

einmal lästig und schmerzlich war, das war zu einer Perle

geworden. Quelle unbekannt

geworden.

Perlen des Glaubens

Eigentlich wollte der (evangelische) schwedische Bischof Martin

Lönnebo ein Buch über den christlichen Glauben schreiben. Doch als er

griechische Fischer mit ihren Perlenketten beobachtete, kam er auf die Idee

mit dem Perlenband. Die Idee ist einfach und hat es doch in sich: Achtzehn

Perlen in der Hand. Jede einzelne Perle hat ihre eigene Bedeutung. Sie steht

für eine Lebensfrage, einen Gedanken, ein Gebet. 18 Perlen in meiner Hand.

Zwölf Perlen für die wichtigsten Themen meines Lebens und meines Glaubens,

dazu sechs „Perlen der Stille“. Zu einem Perlenband zusammengefügt,

können die Perlen ein Sinnbild des Lebensweges sein. Sie machen den Glauben

„be-greif-bar“. Die Resonanz darauf war überraschend groß. Für viele

Christinnen und Christen in Skandinavien gehören die Perlen des Glaubens

Ich-Perle

Perle der

Gelassenheit

Tauf-Perle

Gottesperle

Wüsten-Perle

6 www.bonifatiuswerk.de

erste Perle

der Stille

Perlen der Liebe

Perle der

Auferstehung

Perle

der Nacht

Geheimnis-

Perlen

inzwischen zum täglichen

Leben. Die Perlenkette regt

dazu an, christliche Tradition

neu zu entdecken und zu

verstehen. Die Perlen sind

ein Katechismus (Glaubensunterricht)

für die Hände,

ein einfaches Hilfsmittel,

den eigenen spirituellen

Weg zu finden und einzuüben.

Sie helfen, den Alltag

für einen Moment zu unterbrechen

und zu sich selbst

zu kommen, zu anderen

Menschen, zu Gott.

Die kostbare Perle

Tief im Meer lag eine Muschel. Sie hatte ihre Scha-

Tipp

Carolina Welin u. a.:

Perlen des Lebens.

Ein Weg zur Mitte.

Gütersloh: Gütersloher

Verlagshaus,

2006. 14,95 €

Tipp

Von unseren Autoren Bruder Paulus Terwitte

und Markus C. Leitschuh sind u.a.

folgende Bücher zum Thema „Jugend und

Beten“ lieferbar:

Konnte Jesus übers Wasser gehen? Am

Anfang des Glaubens steht das Fragen. Das

Buch gibt persönlich gehaltene Antworten.

Paderborn/Moers: Bonifatius/Brendow,

2004. 9,90 € . Trau dich, anders zu beten. Ein Gebetbuch für Neugierige. Greift

biblische Motive gekonnt auf und erklärt verständlich die großen Gebetstraditionen

der Kirche. Freiburg: Herder, 2006. 6,90 € .


Letzte Hoffnung: „Gut Glüsig“

Mit den Spenden der Firmbewerberinnen und Firmbewerber unterstützt das

Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken / Diaspora-Kinder- und Jugendhilfe

Projekte der katholischen Kirche in der Diaspora. „Diaspora“ ist ein griechisches

Wort und bedeutet: Zerstreuung. In der Diaspora Nord- und Ostdeutschlands,

Nordeuropas und des Baltikums sind die Katholiken – und zumeist auch

überhaupt die Christen – in der Minderheit. In Sachsen-Anhalt z.B. werden über

80 % der Einwohner nicht getauft. Die Diaspora-Kinder- und Jugendhilfe fördert

innovative Projekte der Jugendpastoral. Einige möchten wir hier vorstellen.

Projekte, die Lichtspuren der Menschenfreundlichkeit Gottes in einer Welt sein

können, die oft von Einsamkeit, Leid, Trauer und Resignation geprägt ist.

Diaspora-Hilfe: damit Jugendliche

ihren Weg finden können…

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„Gut Glüsig“: eine idyllisch gelegene Hofanlage am Rand der Magdeburger Börde. Sie geht auf ein

ehemaliges Zisterzienserinnen-Kloster zurück. Die jahrhundertelange Tradition der bäuerlichen Arbeit

wird auch heute von der katholischen Kirche fortgesetzt, doch ist „Glüsig“ zugleich ein karitatives

Beschäftigungsprojekt für junge Menschen in Sachsen-Anhalt geworden. Das „Arbeits- und Wohnprojekt

St. Franziskus“ ermöglicht es benachteiligten Jugendlichen, Langzeitarbeitslosen, Behinderten

und Menschen ohne ausreichende berufliche Qualifikation, auf dem Gelände des ehemaligen

Klostervorwerks einer sinnvollen Beschäftigung in der Landwirtschaft nachzugehen. Durch die Errichtung

einer eigenen Fleischerei werden die hier erzeugten Produkte nach Bioland-Richtlinien direkt

verarbeitet und vermarktet. „Leben lernen statt Knast“, unter dieser Devise finden auf „Gut Glüsig“

zudem soziale Trainingskurse für straffällig gewordene Jugendliche statt, die bereits in den vergangenen

Jahren vom Bonifatiuswerk mit gefördert wurden. Eine sinnvolle

Alternative zur geschlossenen Unterbringung, die sich bewusst auf die

christliche Botschaft bezieht! Die Wallfahrt zur heiligen Anna gehört auf

„Gut Glüsig“ zu den Höhepunkten des Jahres. Auf dem Kapellenberg findet

ein gemeinsamer Gottesdienst statt. Bis zur Schlussandacht finden die

Wallfahrer Zeit für Gespräche und Begegnungen und können sich über die

Neuig keiten des Arbeits- und Wohnprojektes St. Franziskus informieren.

Seelisch behinderte Menschen aus dem Wohnheim St. Klara werden ebenfalls

auf „Glüsig“ beschäftigt. Sie übernehmen Arbeiten auf dem Gelände,

sammeln Äste, harken Laub auf dem Kapellenberg und halten den Gutshof

sauber. Bei ihrem vormittäglichen Einsatz werden die Behinderten von

einem kirchlichen Mitarbeiter betreut. Für viele junge Menschen ist „Glüsig“

buchstäblich die letzte Hoffnung, etwas Sinnvolles aus ihrem Leben

zu machen!

Mit ihrer Spende tragen die Firmbewerberinnen und Firmbewerber dazu

bei, dass dieses engagierte Projekt weiter wachsen und fortgeführt werden

kann! Ohne diese Hilfen kann die Arbeit nicht fortgeführt werden!

Tipp

Zum Einsatz in der Firmkatechese:

Die Jugendbibel. Gesamtausgabe mit

Kommentar und Lexikon. Einheitsübersetzung

mit 96 zusätzlichen Seiten biblischer

Texte, in deren Zentrum jugendrelevante

Themen stehen. Kommentare, Begriffslexikon,

Who is who usw. Stuttgart: Katholisches

Bibelwerk, 2006. 19,90 € . Mengenpreise: ab

25 Stck. 17,50 € , ab 50 Stck. 16,90 € , ab 100 Stck. 15,90 €

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Diaspora-Projekte

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Diaspora-Projekte

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Neue Hoffnung: „Haus Debora“

Es gibt junge Frauen, die unsicher sind,

ob sie ihrem Kind Liebe und Zuneigung

geben können – wegen ihrer Schwangerschaft

allein gelassen und unter Druck

gesetzt. Seit Jahren wird eine Zunahme

der Kindestötungen in Deutschland

registriert. Oft ist dann in den Zeitungen

zu lesen: „16-jährige Schülerin erschlug

neugeborenes Baby“ oder „33-jährige

Frau vergrub ihr Kind im Wald“. Im „Kinderhaus

Sonnenblume“ im brandenburgischen

Bernau wird solchen Müttern

und ihren Säuglingen geholfen. Ins

Leben gerufen hat diesen geschützten

Ort die Franziskanerin Monika Hesse. Die Frauen werden ermutigt, zu kommen, bevor sie das Kind

aussetzen oder ihm Gewalt antun. Ohne Bedrängnis entscheiden sie sich im Kinderhaus nach der Entbindung,

ob sie ihr Kind zur Adoption in eine Familie freigeben oder mit ihm gemeinsam leben wollen.

Mitten in Berlin ist ganz neu das „Haus Debora“ entstanden. Ein ansprechendes Haus mit vielen

schönen Räumen, in dem sich in Zukunft Frauen und ihre Babys wohlfühlen können. Schwester Monikas

Mitarbeiterin, die Franziskanerschwester Barbara Höptner, hat dieses Projekt initiiert, weil es

die Arbeit des Kinderhauses in der Millionenstadt ergänzen soll. „Debora“ ist dringend auf Spenden

angewiesen, denn nur so kann die Anonymität derjenigen gewahrt werden, die sich den Schwestern

anvertrauen. Noch fehlen 200000 EUR! „Debora“ ist benannt nach einer Frau aus dem Alten Testament,

die für Gerechtigkeit gekämpft hat und sich für ihre Mitmenschen einsetzte. Der Name steht für

eine starke Frau und Mutter. Mit ihrer Kraft kann sie beispielhaft für die Frauen hier werden. Auch sie

müssen Kraft aufbringen, mit Schwierigkeiten kämpfen und sich für ihr Kind einsetzen.

Andere Hoffnung: „Das Nest“

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„Das Nest“ ist ein Wohnprojekt für obdachlose junge Männer in Leipzig. Ziel ist es, diese Jugendlichen

von der Straße zu holen und ihnen den Weg zu einem selbstbestimmten Leben zu ermöglichen.

Gegründet hat „Das Nest“ der Dominikanerpater Franz Voith OP. Gemeinsam mit anderen hat er eine

Wohnetage mit zehn Zimmern, Küche und Gemeinschaftsraum angemietet und eingerichtet. Der tägliche

Lebensunterhalt und die Betriebsführung muss mit Sachspenden von Restaurants oder Geldspenden

bewältigt werden. Im Zusammenhang mit der Betreuung durch die Dominikanerpatres hinterfragen

die jungen Leute zunehmend den Sinn ihres Lebens – so wie es bisher verlaufen ist – und suchen

nach Neuansätzen, nach glaubwürdigen Lebenskonzepten, in denen auch ihre verfahrene Lebenssituation

nicht verleugnet werden muss.

Neben der pädagogischen Arbeit soll vor allem die Begegnung mit Christus, den Christen und der Kirche

ermöglicht werden. So fanden bereits einige zur Annahme des christlichen Glaubens und ließen

sich taufen. Die Chancen dazu wären noch größer, wenn entsprechende katechetische Anregungen

verfügbar wären. Zum Beispiel fehlen Bibeln, religiöse Literatur

und anspruchsvoller Lesestoff, der Fragen christlichen

Glaubens aufgreift. Es besteht reges Interesse, an Einführungen

in das Christentum und Kursen zur Hinführung zur Taufe

teilzunehmen. Gerade für diese Dinge gibt es keinen finanziellen

Spielraum. Ziel des Projektes ist eine enge Verknüpfung

von pädagogischer Arbeit und christlichem Lebenszeugnis.

Die Einrichtung lebt rein auf der Basis von Spenden!


Hoffnung „danach“:

Jugendseelsorge in der JVA Raßnitz

Schwester Magdalena Schulting OP ist Seelsorgerin in der

Jugendanstalt Raßnitz. Sie sieht in jedem der 14- bis 21-jährigen

jugendlichen Straftäter zuerst den von Gott geliebten

Menschen, eine Person mit ihren Gaben und Möglichkeiten,

Schwächen und Fehlern. Sie möchte den jungen Männern helfen,

die Zeit in Raßnitz nicht als verloren anzusehen. Sie versucht,

gemeinsam mit den Jugendlichen Perspektiven für ein

Leben nach der Haft zu entwickeln. Sie hilft dem Gefangenen,

sein bisheriges Leben zu begreifen, die eigene Schuld zu reflektieren

und Mut zu entwickeln, das Leben neu zu beginnen. Für

fast alle Jugendlichen ist dies der erste wirkliche Kontakt zur

Botschaft des Evangeliums, zur Kirche und zu Jesus Christus.

Damit die jungen Menschen ihre von Gott gegebene Würde

erkennen und auch die Würde anderer achten lernen, braucht

es viel Zuspruch, aber auch finanzielle Hilfen. Die gemeinsa-

men seelsorglichen Projekte mit den Jugendlichen sollen dazu führen, den Lebensraum im Gefängnis

kreativ zu gestalten. Auf diese Weise erfahren die Jugendlichen zum ersten Mal, dass sie etwas zum

Positiven verändern können, Zuwendung erhalten und den Wert der eigenen Arbeit erleben können.

Zusammen mit den Häftlingen bringt die Dominikanerschwester monatlich eine Gefängniszeitschrift

mit spirituellen Impulsen heraus, die den Titel „Gefangene Gedanken“ trägt. Wichtig für Schwester

Magdalena ist gerade auch die Betreuung der jungen Männer nach der Entlassung!

Grund der Hoffnung feiern:

Wechselburger Jugendvespern

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Bei den Jugendvespern im Benediktinerkloster Wechselburg (Sachsen) erleben Jugendliche eine

wirklich junge Kirche. Immer größer wird die Zahl der Diaspora-Jugendlichen, die an der eigens auf

sie abgestimmten Liturgie teilnehmen. Im ganzen Bistum Dresden-Meißen sind die Jugendvespern im

Kloster berühmt. Ziel ist es, Jugendliche mit dem Glauben, dem Gebet und dem klösterlichen Leben

vertraut zu machen, gerade in einer total entchristlichten Gegend. Und es funktioniert! Um junge

Menschen in der ehemals kommunistischen, „gottlosen“ Region auf Kirche und Liturgie neugierig zu

machen, braucht es nicht nur Gebet und Mönchskutte. Die Benediktinerpatres spielen mit den Jugendlichen

auch schon mal Tischtennis oder kicken auf dem Bolzplatz. Aber immer mehr kommen, weil sie

fühlen, dass es im Leben mehr geben muss als Spaß und Konsum. Hier erleben sie eine Liturgie, die

ihnen zunächst fremd ist, die aber einen stetig wachsenden Kreis anspricht. Ohne Spenden sind die

Jugendvespern zukünftig nicht mehr durchführbar!

Tipp

Der Klassiker als Neuausgabe!

Nachdem das „alte“ Schwerter Liederbuch eine Ge samtauflage

von über 100000 verkauften Exemplaren erreicht

hatte und längst vergriffen war, wurde es Zeit für eine

Neuausgabe des „Klassikers“ – mit Unterstützung

durch das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken/Diaspora-Kinderhilfe!

„Lobt den Herrn – Neues

Schwerter Liederbuch“ (stark erweitert, 384 S., Querformat, enthält 452 Lieder!). Einzelpreis

(Ladenverkaufspreis): 12,90 € ; 26-50 Expl. (– 5 % = 12,26 € ); 51-100 Expl. (– 10 % =

11,61 € ); ab 101 Expl. (– 15 % = 10,96 € ). Bestellen Sie direkt in Ihrer Buchhandlung per Mail

psm@schwerterkirchen.de, telefonisch unter 0 23 04/1 64 18, per Fax 0 23 04/1 27 11 oder

beim PSM Pastoralverbund Schwerte Medien GmbH, Neumarkt 4, 58239 Schwerte.

Taufe eines Gefangenen durch Altbischof

L. Nowak, Taufpate: W. Runge,

Magdeburger Jugendpfarrer (links)

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Diaspora-Projekte

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Gottesdienstbausteine

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„Dein Wort, Herr, ist meinem Fuß

eine Leuchte, ein Licht für meinen Weg“

Bausteine für eine Versöhnungsfeier vor der Firmung

von Claudia Hofrichter

Benötigt werden: Für das Labyrinth: Bauplan und Ma terialien

über Internet: http://labyrinthe.chagui4me.de/

labyrinthbau4.php; bzw. kostenfreie E-mail-Anforderung

für den Bau eines Lichterlabyrinths: candolini@tele2.at

oder: Literatur, s. S. 3. Den „Dekalog der Gelassenheit“

für alle Jugendlichen auf kartoniertes, farbiges Papier

kopieren. Impulsfragen für die Besinnung kopieren.

Jeweils einen Textabschnitt des „Dekalogs“ ohne Nummerierung

handschriftlich auf kartonierte DIN-A3-

Bögen schreiben, ebenso die Seligpreisungen (Mt 5,3-

12). Wählen Sie zwei unterschiedliche Farben für die

Texte. Meditative Musik und entsprechende Technik.

Bibel. Liederbuch, z. B. „Schwerter Liederbuch: Lobt

und singt“ (S) oder kopiertes Liedblatt. Gegebenenfalls

Mikrofon für draußen.

Zur Vorbereitung: Ideal ist, wenn Kirche und Gemeindehaus

in räumlicher Nähe zueinander liegen und

genügend Platz für ein Labyrinth im Freien ist. Das

Labyrinth muss rechtzeitig vor Eintreffen der Jugendlichen

vorbereitet werden. Zunächst ohne Kerzen. Die

einzelnen Textabschnitte des „Dekalogs der Gelassenheit“

an verschiedene Stellen des Labyrinthweges setzen.

Für die Zeit der Besinnung in Kleingruppen werden

genügend erwachsene Mitarbeiter/-innen benötigt,

die moderieren und zugleich Gesprächpartner/-innen

für die Jugendlichen sind. Geeignete Gruppenräume

bzw. Gesprächsecken auswählen. Zum Versöhnungsgottesdienst

muss es bereits so dunkel sein, dass sich

die Wirkung des Lichterlabyrinths entfalten kann. Während

der Besinnung der Jugendlichen werden von Mitarbeiter/-innen

die Seligpreisungen an verschiedenen

Stellen in den Labyrinthweg gelegt, die Lichter werden

aufgestellt und rechtzeitig vor dem Versöhnungsgottesdienst

entzündet. Im Rahmen der Versöhnungsfeier

haben die Jugendlichen die Möglichkeit, sich die Versöhnung

Gottes „auf den Kopf“ zusagen zu lassen.

Zu dieser Lossprechung werden im Vorfeld der Feier

mehrere Priester eingeladen, die diesen Dienst an der

Tipp

Weitere Gottesdienste für Firmjugendliche

und viele Anregungen zur Firmkatechese

von Claudia Hofrichter finden Sie in:

Claudia Hofrichter/Elisabeth Färber: Ich

glaube. Arbeitshilfe zur Firmvorbereitung,

München: Kösel 2005 (9,95 € ); dazu das

gleichnamige Jugendbuch „Ich glaube“

(8,95 € ) und die Handreichung (16,95 € ).

(Ps 119, 105)

Die Jugendlichen werden vor der Firmfeier zu einem

Versöhnungsgottesdienst eingeladen. Dieser ist Teil

eines Abends der Versöhnung. Die Jugendlichen werden

ermutigt, den Erfahrungen von Gelingen und Misslingen,

von Gutsein und Schuldigwerden nachzugehen, sie Gott

anzuvertrauen und ihn um Vergebung zu bitten. Der

„Dekalog der Gelassenheit“ von Johannes XXIII. ist dabei

Impulsgeber. Die Bußfeier greift Erkennen und Bekennen

von Schuld auf und stellt sie hinein in die Barmherzigkeit

und Versöhnung Gottes. Sind Jugendliche dabei, die in

der Feier der Firmung getauft werden, so empfangen sie

nicht das Sakrament der Versöhnung, sondern werden

gesegnet. Für sie ist die Taufe das Sakrament der Versöhnung.

Vorgeschlagen wird hier ein Versöhnungsgottesdienst,

in den das Bekenntnis der Einzelnen sowie die

sakramentale Form der Versöhnung integriert sind.

Versöhnung tun. Im Kirchenraum werden verschiedene

Orte markiert, an denen sich zu gegebener Zeit die

Priester aufhalten.

Besinnung

Gang durchs Labyrinth: Alle stehen um das Labyrinth.

Leiter/-in der Liturgie (L): Wir stehen beim Labyrinth.

Es ist ein Zeichen für unseren Lebensweg. Unser

Lebensweg geht manchmal geradeaus, und wir sehen

ein Ziel deutlich vor Augen. Manchmal ist er verschlungen,

manchmal laufen wir hin und her, verlaufen uns

sogar ein wenig und kennen die Richtung nicht genau.

Manchmal sind wir der Mitte recht nah und dann wieder

weiter weg – weit weg auch vom Glauben an Gott,

von der Hoffnung auf ein Leben, das uns glückt, und

von der Liebe zueinander. Dieses Labyrinth hier zeigt:

Wir erreichen die Mitte, den Ort, der Geborgenheit

schenkt, den Ort, der wandelt, was verwandelt werden

soll. Hier und jetzt sind wir eingeladen, auf unser

Leben zu schauen: auf das, was uns gelungen ist, und

auf das, was nicht in Ordnung war. Gott ruft uns zu: Du

kannst umkehren. Ich gebe dir Kraft und stärke dich

mit Heiligem Geist.

Gebet

Wir beten: Gott, du bist treu, geh mit uns auf unserm

Weg. Geh mit uns, wenn wir über unser Leben nachdenken.

Geh mit uns, wenn wir spüren, was falsch war und

nicht gut gelaufen ist. Geh mit uns, wenn wir erkennen,

wo es nötig ist, anders als bisher zu handeln. Gib du

uns Kraft, uns selbst zu erkennen und Schritte nach

vorn zu entdecken und zu gehen.

Einladung an die Jugendlichen, durch das Labyrinth zu

gehen und bei den Stationsblättern kurz innezuhalten.

Währenddessen kann Musik eingespielt werden.

Einzelbesinnung und Gruppengespräch

Wenn alle Jugendlichen durch das Labyrinth gegangen

sind, ordnen sich die Jugendlichen den Gesprächsleiter/-innen

zu. Die Gruppen sollten nicht größer als

fünf bis sieben Personen sein. In den Gruppen wird


zunächst der „Dekalog der Gelassenheit“ vorgetragen.

Anschließend wählt sich jede/r für eine persönliche Zeit

der Besinnung von etwa 10 Minuten den Abschnitt aus,

bei dem sie/er auf dem Labyrinthweg innerlich hängen

geblieben ist. Geben Sie dazu den Jugendlichen die

Impulse (s.u.). Während der Einzelbesinnung: meditative

Musik. Im Gruppengespräch (ca. 30 Minuten)

darauf achten, dass eine vertrauensvolle Atmosphäre

gewährleistet ist. Abschließend wird der „Dekalog der

Gelassenheit“ reihum abschnittweise gelesen. Danach

versammeln sich alle wieder beim Labyrinth.

Versöhnungsfeier

Sich versammeln

Alle versammeln sich um das Lichterlabyrinth.

L: Wir beginnen im Namen des barmherzigen Gottes.

Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen

Geistes. A: Amen. Lied: Wo Menschen sich vergessen

(S, 389)

Einführung

L: Das Labyrinth hat sich verändert. Wir stehen hier, um

zu bekennen, dass in unserem Leben nicht immer alles

in Ordnung war. Wir stehen hier, um zu bekennen, dass

wir schuldig geworden sind. Wir stehen hier, um Gott

zu bitten um seine Kraft, um seine Vergebung. Wir bitten

ihn, dass er selbst Licht sei für unseren weiteren

Lebensweg. (Gebet: Psalm 119 [Gotteslob 751,2]).

Verkündigung: Matthäus 5,3-12 – Die Seligpreisungen

L: Die Seligpreisungen sind wie ein Kommentar zu den

Gedanken von Johannes XXIII. Der Schrifttext wird vorgetragen.

Sie fordern uns heraus. Was Jesus hier sagt,

erscheint uns vielleicht als Zumutung. Barmherzigkeit

ist nicht überall selbstverständlich. Jesus kennt die

Bedingungen des gesellschaftlichen Lebens in seiner

Zeit sehr gut. Gerade deshalb fordert er mit seinen

Seligpreisungen die Menschen damals und jeden und

jede von uns heute heraus. Und er ermutigt uns zum

„Versuch’s mal – nur für heute!“. Wir können uns neu

Autorinnen

Dr. Claudia Hofrichter (l.), Referentin

am Institut für Fort- und

Weiterbildung der Diözese Rottenburg-Stuttgart,

Buchautorin.

Zum Thema „Feuerlabyrinth“ hat Marion Küsten macher

(Pädagogin, Buchautorin, Gröbenzell) (r.) eine Medita

tion geschrieben, die unter www.bonifatiuswerk.de

abrufbar ist oder die wir gerne per Post versenden!

Johannes XXIII.: Dekalog der Gelassenheit

Nur für heute werde ich mich bemühen, den Tag zu erleben, /

ohne das Problem meines Lebens auf einmal lösen zu wollen. /

Nur für heute werde ich die größte Sorge für mein Auftreten

pflegen: / vornehm in meinem Verhalten; / ich werde niemand

kritisieren, ja ich werde nicht danach streben, / die

anderen zu korrigieren oder zu verbessern, nur mich selbst.

/ Nur für heute werde ich in der Gewissheit glücklich sein,

/ dass ich für das Glück geschaffen bin, / nicht nur für die

andere, sondern auch für diese Welt. / Nur für heute werde

ich mich an die Umstände anpassen ohne zu verlangen, /

dass die Umstände sich an meine Wünsche anpassen. / Nur

für heute werde ich zehn Minuten meiner Zeit einer guten

Lektüre widmen; wie die Nahrung für das Leben des Leibes

notwendig ist, / ist die gute Lektüre notwendig für das Leben

der Seele. / Nur für heute werde ich eine gute Tat vollbringen,

/ und ich werde es niemand erzählen. / Nur für heute werde

ich etwas tun, das ich keine Lust habe, zu tun; / sollte ich

mich in meinen Gedanken beleidigt fühlen, / werde ich dafür

sorgen, dass niemand es merkt. / Nur für heute werde ich

ein genaues Programm aufstellen. / Vielleicht halte ich mich

nicht genau daran, aber ich werde es aufsetzen. / Und ich

werde mich vor zwei Übeln hüten: Hetze und Unentschlossenheit.

/ Nur für heute werde ich fest glauben / – selbst

wenn die Umstände das Gegenteil zeigen sollten –, / dass die

gütige Vorsehung Gottes sich um mich kümmert, / als gäbe

es sonst niemand in der Welt. / Nur für heute werde ich keine

Angst haben. / Ganz besonders werde ich keine Angst haben,

mich an allem zu freuen, / was schön ist, und an die Güte zu

glauben.

orientieren und einen besseren Weg gehen. Christen

sagen dazu: umkehren.

Den Versöhnungsweg gehen –

Persönliche Vergebungszusage

Vor Gott Schuld bekennen

L: Gott hilft umzukehren. Er ist barmherzig. Gemeinsam

bekennen wir, dass wir schuldig geworden sind

und singen: (Lied Meine engen Grenzen [S, 30]).

Persönliches Bekenntnis und Lossprechung

Es folgen das Schuldbekenntnis der Einzelnen und

sakramentale Lossprechung. Dabei kommt es darauf

an, etwas, was mich belastet, zusammen mit dem

Priester vor Gott zu tragen. Alle gehen dazu in die Kirche

und verteilen sich in die Bankreihen. Begleitende

Orgelmusik unterstützt Ruhe und Stille. Wenn Jugendliche

dabei sind, die sich auf die Taufe vorbereiten: Sie

beichten nicht, sondern werden gesegnet.

Priester: Gott segne dich. Er stärke dich, Gutes zu tun

und Böses zu unterlassen. Im Namen des Vater, des

Sohnes und des Heiligen Geistes. – Amen.

Den Weg durch das Lichterlabyrinth gehen

Mitarbeiter/-innen erwarten die Jugendlichen am Labyrinth.

Wem Gottes Vergebung bzw. Segen zugesprochen

wurde, macht sich auf den Weg durch das Lichterlabyrinth.

Wer aus dem Labyrinth herauskommt, stellt

sich in den Kreis um das Labyrinth. Währenddessen

singen, z.B. Geh mit uns auf unserm Weg (S, 100).

Es folgt der Segen.

Impulse zum „Dekalog der Gelassenheit“

Ich erinnere mich: Was hat mich berührt, als ich beim

Weg durch das Labyrinth an einem Textabschnitt

besonders hängen geblieben bin? Ich überlege: In welchen

Situationen gelingt mir, was der Text ausspricht?

Wann fällt es mir schwer? Ich überlege, ob ich etwas

verändern kann. Ich denke an Gott: Was möchte ich

ihm anvertrauen? Worum möchte ich ihn bitten? Im

Gruppengespräch entscheidest du selbst, was du von

deinen Gedanken erzählen möchtest.

www.bonifatiuswerk.de

Gottesdienstbausteine

11


Interview

12 www.bonifatiuswerk.de

„Werdet konkret!

Probiert mehr aus!“

Bruder Paulus, Hand aufs Herz: Wenn ein

Jugendlicher Sie fragt: Warum bist du überhaupt

Christ? – Was sagen Sie?

Bruder Paulus: Weil ich mit dem Original verbunden

bin. Mich hat als Jugendlicher begeistert,

in Jesus dem ursprünglichen Menschen zu

begegnen. In dem einen Sohn Gottes sind wir

alle Söhne und Töchter Gottes. Wer Christ ist,

bejaht diese Tatsache und orientiert sich daran,

wie Jesus gelebt, geliebt und im Kampf um

Frieden und Gerechtigkeit auch gelitten hat.

Als Jugendlicher kommt man durch Jesus auf

selbstständige Ideen, wie man das Böse besiegen

kann und in aller Freiheit einer wird, auf

den andere sich verlassen können.

Nach der sog. Sinusstudie ist die katholische

Kirche in Wahrnehmung und Leben der Jüngeren

weniger präsent. Über Liturgie und Verbände

werden nur etwa 5 % der 12- bis 24-Jährigen

mit Verbindlichkeit erreicht …

Bruder Paulus: Jugendliche sind prophetisch

begabter, als wir uns das als Erwachsene eingestehen

wollen! Ich finde, dass 5 % eine

gute Zahl ist, die wir nicht kleinreden sollten.

Die 95 %, die Sie anführen, müssen von uns

erkannt werden als unsere Lehrer, die uns

anfragen. Wenn wir sie ernst nehmen, nehmen

auch sie uns ernst.

Jugendliche Lebenswelten verändern sich

rasch und sind heute stark geprägt von „Wertemix“,

„Selbstperformance“ und medialen

Zugangsweisen, auch zur Religion. Wie muss

die Firmkatechese beschaffen sein, wenn sie

Er ist zu Gast in der Harald-Schmidt-Show gewesen, schrieb einen

biblischen Kommentar zur Schlagzeile der BILD-Zeitung auf seiner

Homepage und talkt auf N24 und Sat1. Unterhaltsam, innovativ

und tiefgründig versucht Bruder Paulus Terwitte, die christliche

Botschaft „gelegen oder ungelegen“ zu verbreiten. Seit 2006 leitet

Bruder Paulus das Kapuzinerkloster Dieburg bei Darmstadt als neues

Zentrum für Berufungspastoral der Kapuziner. Im Gespräch mit

dem Bonifatiuswerk erläutert er seine besondere Leidenschaft für

die Seelsorge an jungen Menschen und die Firmpastoral.

Bruder Paulus Terwitte über die Kritikkraft des Geistes,

jugendliche Leitkultur und das Firmsakrament

Tipps

Zur Person

ein attraktives religiöses Deutungsangebot

für Jugendliche darstellen will?

Bruder Paulus: Firmung meint zuallererst die

Inspiration, die Jesus in die Welt gebracht hat

und die ganz und gar nicht zur Stabilisierung

der Verhältnisse geeignet war. Der Heilige

Geist befragt das Bestehende, ob es mit Gott

verbunden ist. Er ist die Kritikkraft Gottes.

Jugendliche wollen eine solche Kraft empfangen,

die sie kämpferisch und fürsorgend macht

gegen alle Gründe, zu resignieren und nichts

zu machen. Freilich haben junge Menschen es

nicht so gern, sich selber in Frage gestellt zu

sehen. Sie stellen lieber alles andere in Frage.

Und doch leiden sie darunter, dass sie keine

gültigen Antworten geben können darauf, ob

sie selber in Ordnung sind, ob ihr Leben in der

richtigen Bahn ist und ob diese Welt es lohnt,

dass man sich für sie einsetzt. Deshalb ist

das erste Angebot an junge Menschen, dass

man ihnen ehrlich begegnet und erzählt, wie

man rückblickend diese Zeit erlebt hat. Dabei

könnte zutage treten, dass Christus in seiner

Auferstehung am Werk bleibt im Leben eines

DETLEV D! SOOST: Heimkind – Neger –

Pionier. Mein Leben. Reinbek b. Hamburg:

Wunderlich, 2005. 14,90 € . Detlev D!

Soost, seit „Popstars“ Deutschlands

berühmtester Tanzcoach, zeigt seinen Weg

vom Heimkind zum Tanzstar. Eine Erfolgs-

geschichte, die auch viel über seinen

Glauben an Gott

verrät.

Sebastian Deißen: Das Leben träumen.

Geschenk- und Mitmachbuch zur Firmung.

Mit vielen meditativen Gedanken,

Geschichten, Gebeten und Bildern

für jugendliche Firmbewerber. Kevelaer:

Butzon und Bercker, 2006. 12,90 € .


Menschen. Es lohnt sich, jungen Menschen zu

sagen, wie man selber die Auferstehung erfährt

im Leben.

Liegt es nicht in der Natur der christlichen

Religion, dass sie gängigen Moden und Trends

zuwiderlaufen muss?

Bruder Paulus: Die Besiegelung mit Heiligem

Geist in der Firmung erfolgt meistens mit dem

Kreuzzeichen. Das Kreuz wird nie attraktiv

werden. Die Jugendlichen sollten jedoch darin

lesen lernen. Es geht ihnen da nicht anders als

vielen Erwachsenen. Das Kreuz spricht von der

Macht des ohnmächtigen Gottes. Das Kreuz

verkündet, dass der Vater im Himmel den Sohn

als Anwalt des Menschen in dessen Nöte und

Sünden schickt und beide trotz dieser Distanz

in einem liebesgespannten Verhältnis bleiben,

für das der Heilige Geist Träger und Mittler ist.

Immer fragen Christen in Krisen, warum Gott

das zulassen könne. Das Kreuz spricht von

der Schicksalsgemeinschaft Gottes in unseren

Fragen, in unserer Sünde und in der Erfahrung

der harten Todesgrenze. Wie Gott da mit

uns Gemeinschaft haben kann? Darauf gibt es

keine andere Antwort als jene, dass er sie im

Heiligen Geist mit uns hält, der ihn gleichzeitig

ganz Gott im Himmel und Gott für unsere Erde

sein lässt.

Müssen wir uns radikaler abkehren von den

gewohnten Pfaden des Gruppen- und Rekrutierungsdenkens?

Bruder Paulus: Firmkatechese ist Berufungspastoral

an der Wurzel. Die Katecheten müssen

von dem Ruf wegkommen, sie sollten die

Jugendlichen jetzt passgenau für die kirchlichen

Bedürfnisse einstielen. Wenn Gott ruft, meinen

selbst die Erwachsenen, sie müssten sich

schützen. Ähnlich tun das auch die Jugendlichen:

Sie denken, Gott sei der Konkurrent ihrer

Freiheit. Dabei ist es gerade andersherum: Der

Heilige Geist reißt unsere beschränkten Horizonte

auf. Hier liegt der Sinn des Gehorsams:

Gott hat neue Angebote für dich. Er macht dich

stark, dich darauf einzulassen. Hier liegt auch

der Sinn der freiwillig gewählten Ehe wie der

freiwillig gewählten Ehelosigkeit: Gott hat eine

andere Lust für dich geschaffen, die du nur in

Treue, Disziplin und Hingabe genießen kannst.

Und hier liegt schließlich auch der Sinn eines

Lebens ohne Eigentum oder eines Lebens,

christlich mit Eigentum zu leben: Gott ist der

Reichtum deines Lebens; mit ihm kannst du

unbesorgt sein und brüderlich teilen.

„Religion muss tanzbar sein“ – Sie haben zum

Beispiel Leute wie Detlev D! Soost interviewt,

der den Boygroups und Popstars das Tanzen

beibringt. Welche Erfahrungen hat er Ihnen

mitgeteilt – und: Was hat das mit Religion zu

tun?

Bruder Paulus: D! hat mit seiner schwierigen

Biografie zu seiner Freiheit gefunden, nicht

mehr abhängig zu leben vom Mangel an Liebe

und Anerkennung. Seine Botschaft an die

Jugend ist durch und durch christlich: Erlösung

zu der Gestalt hin, die Gott im Menschen aufstehen

lassen will. Nach jahrelanger Suche

hat sich D! für Christus entschieden, der ihm

das Bild für Freiheit und Liebe ist. Tanzen versteht

er – und da bin ich ganz bei ihm – als den

stärksten Ausdruck dafür, dass wir Menschen

uns danach sehnen, unsere Körper- und Erdgebundenheit

zu überschreiten. Seine Tanzschulen

sind übrigens auch offen für solche,

die es sich nicht leisten können, einen Kurs

zu bezahlen. Diese soziale Einstellung hängt

mit seiner Erfahrung zusammen, dass manche

Talente heute weiter in den Menschen schlummern,

weil sie keinen Zugang zu rechter Bildung

haben. Die Kirche wird in dieser Hinsicht

ebenfalls zu neuen Aufgaben kommen: Statt

nur mitzumachen, was der Staat letztlich finanziert,

sind Gemeinden aufgefordert, dort tätig

zu werden, wo Menschen aus Geldnot immer

mehr ausgegrenzt werden. Uns sollte weniger

bewegen – um beim Tanzthema zu bleiben –

schöne Tanzsäle zu haben; wir sollten lieber

den Figuren nacheifern, die Christus selbst

uns vortanzt, und das tut er bevorzugt bei den

Armen und Benachteiligten.

Was möchten Sie sonst noch den Firmbewerbern,

Paten, Eltern und Katecheten mit auf

den Weg geben …

Bruder Paulus: Werdet konkret: Probiert aus:

Eine Woche beten wir konsequent jeden Abend

das Vaterunser miteinander. Wir beginnen den

Tag mit einem gemeinsamen Kreuzzeichen.

Sonntags liest der Vater aus der Kirchenzeitung

das Sonntagsevangelium vor beim Frühstück

oder zu einer anderen Zeit. Wir hängen das

Kreuz und ein Marienbild in unserer Wohnung

wieder zentraler auf. Wir begehen die Tauftage

neu und laden die Paten dazu ein. Einmal im

Monat fragen wir uns: Was würde Jesus heute

tun, hier bei uns und in unserer Stadt.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

Autor

Das Gespräch führte

Matthias Micheel,

Diaspora-Kinder- und Jugendhilfe

www.bonifatiuswerk.de

Interview

13


Quizvorlage

Suchen und Finden.

Kleines Quiz zur Firmung

Prüfe dein Wissen über den Heiligen Geist und sein Sakrament, die Firmung. Die Buchstaben der

richtigen Antworten ergeben (in die richtige Reihenfolge gebracht) das Lösungswort. Es besagt, als

was uns Jesus den Heiligen Geist versprochen hat.

Viel Spaß wünscht Georg Schwikart !

1. Wo erwähnt die Bibel das erste Mal

den Geist Gottes?

a) auf der ersten Seite der Bibel (T)

b) beim Propheten Jesaja (B)

c) im Neuen Testament (S)

3. Durch welches Tier wird

der Heilige Geist symbolisiert?

a) Schmetterling (L)

b) Taube (I)

c) Adler (A)

2. Die Apostelgeschichte erzählt, wie

der Heilige Geist auf die Jünger und

auf Maria herabkam. Er zeigte sich

in

a) Feuerflammen (D)

b) Nebelschwaden (K)

c) Regenschauern (I)

4. Das Wort „Firmung“ stammt aus

dem lateinischen „confirmatio“.

Das bedeutet übersetzt etwa:

a) Bestätigung (A)

b) Bereicherung (O)

c) Begnadigung (U)

5. Wie nennt sich das heilige Öl, mit

dem die Firmung gespendet wird?

a) Aloe vera (E)

b) Tigerbalsam (V)

c) Chrisam (B)

14 www.bonifatiuswerk.de

6. In der Regel spendet die Firmung

der

a) Diakon (M)

b) Priester (W)

c) Bischof (N)

Autor

Dr. Georg Schwikart,

Religionswissenschaftler;

freier Schriftsteller,

einer der bekanntesten Autoren

religiöser Kinderbücher,

St. Augustin

8. Der Glaube kennt „Gaben des Heiligen

Geistes“. Wie viele sind es?

a) 3 (C)

b) 7 (E)

c) 12 (J)

7. In welcher Konfession wird die Firmung

bereits Säuglingen nach der

Taufe gespendet?

a) Orthodoxe Christen (S)

b) Heilsarmee (G)

c) Baptisten (R)

Die Lösung findest du

auf der Seite gegenüber!

Tipp

Jugend und Gott. Gedanken

und Gebete. Das Standardwerk

begleitet Jugendliche

schon viele Jahre. Georg

Schwikart und Stefan Jürgens

haben das bekannte

Gebetbuch von Alfonso

Pereira vollständig überarbeitet. Diese Neuausgabe

bietet eine umfangreiche Textsammlung mit

Anregungen zu Gebet und Meditation. Kevelaer:

Butzon und Bercker, 2005. 9,90 €


Wie Firmbewerber die Perle

im eigenen Leben finden

Erfahrungen von Altabt Odilo Lechner

Wenn ich jungen Menschen das Sakrament der Firmung spenden darf, spüre ich oft: Da nimmt eine

Gemeinde junge Menschen ernst, dass sie sich zu ihrem Glauben frei bekennen und für verantwortliches

Handeln gerüstet werden. Dass junge Menschen selber diese Entscheidung ernst

nehmen, ist mir zweimal besonders eindrücklich begegnet: Ein Vierzehnjähriger

hatte viele Mühen unternommen, um sich zu mir als dem vorgesehenen

Firmspender durchzufragen. Er offenbarte seine innere Not: Er wolle die

Firmung nicht empfangen, aber der Druck seiner Familie mit Androhung

von Prügeln sei so groß, dass er sich dem kaum entziehen konnte. Er versprach

mir, weiter nach Gott zu suchen, und ich half ihm, dass er ohne

Schaden zu diesem Zeitpunkt nicht gefirmt wurde. Ein andermal stand

nach einer Firmung ein Mädchen mit Tränen in der Sakristei. In der Vorbereitungsgruppe

hatte sie sich entschieden, sich nicht firmen zu lassen,

weil sie nicht glauben könne. Nun aber hatte sie aus Freundschaft zu

den Mitgliedern ihrer Firmgruppe an dem Gottesdienst teilgenommen.

Er habe sie aber so sehr bewegt, dass sie nun freudig glauben könne. Sie

hat die Firmung dann bei einem Firmgottesdienst in der Nachbarschaft

empfangen.

Wenn ich Jugendlichen die Hände auflege und die Stirn salbe, habe

ich oft den Eindruck: Da ist ein Mensch ganz offen für das, was

Gott ihm schenken will. Er sagt Ja dazu, dass Gott ihm eine

besondere Aufgabe in seinem Leben gibt. Ich

finde es immer wieder wunderbar, wie verschieden

die einzelnen Firmlinge sind, große

und kleine, noch sehr kindliche und schon

sehr gereifte, manche betont cool und lässig,

manche sehr ernsthaft und bewusst – aber

der eine Gottesgeist will in allen wirken, je

auf eine ganz eigene Weise.

Lösung des Quiz von Seite 14:

1. a: Das erste Buch der Bibel beginnt mit folgenden zwei Versen: „Im Anfang

schuf Gott Himmel und Erde; die Erde aber war wüst und wirr, Finsternis lag über

der Urflut und Gottes Geist schwebte über dem Wasser.“ (Gen 1, 1+2); 2. a: In der

Pfingsterzählung lesen wir: „Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die

sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder.“ (Apg 2,3); 3. b: Über die

Taufe Jesu heißt es: „Zusammen mit dem ganzen Volk ließ auch Jesus sich taufen.

Und während er betete, öffnete sich der Himmel, und der Heilige Geist kam sichtbar

in Gestalt einer Taube auf ihn herab, und eine Stimme aus dem Himmel sprach:

Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.“ (Lk 3,22); 4. a:

Das lateinische Wort kann auch mit Befestigung, Bekräftigung oder Beglaubigung

übersetzt werden; 5. c: Chrisam. In der Kirche wird Chrisam als Salböl für die Taufe,

die Firmung und die Weihen benutzt. Es besteht aus Olivenöl, dem wohlriechender

Balsam zugesetzt wird. Am Gründonnerstag weiht der Bischof in der Domkirche die

Salböle für sein Bistum; 6. c: Der Bischof ist der ordentliche Spender der Firmung.

In Ausnahmefällen kann auch ein Abt oder jeder Priester firmen; 7. a: Bei den

orthodoxen Christen (etwa in Griechenland oder Russland) empfängt der Säugling

unmittelbar nach der Taufe das Sakrament der Firmung und – durch einen Tropfen

Wein – die Eucharistie; 8. b: Zu den Gaben des Heiligen Geistes zählen der Geist der

Erkenntnis, der Weisheit, der Einsicht, des Rates, der Stärke, der Frömmigkeit und

der Gottesfurcht; Die Buchstaben der richtigen Antworten ergeben das Lösungswort:

BEISTAND: Im Johannesevangelium sagt Jesus in seinen Abschiedsworten:

„Und ich werde den Vater bitten und er wird euch einen anderen Beistand geben,

der für immer bei euch bleiben soll. (…) Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der

Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles

erinnern, was ich euch gesagt habe (Joh 14, 16 + 26).

Autor

Dr. Odilo Lechner OSB. War

fast vier Jahrzehnte Abt des

Klosters Andechs. Er ist

Bestsellerautor zahlreicher

Publikationen zu Themen

der Seelsorge und Spiritualität.

Tipp

Damit der Glaube

weitergeht. Ein

Buch für Großeltern.

Ermutigung für Großeltern,

Jugendliche

im Firmalter auf

ihrem Glaubensweg

zu begleiten.

Mit Meditationen und Gebeten.

Münsterschwarzach: Vier-Türme-Verlag,

2005, 16,00 € .

www.bonifatiuswerk.de

Zu guter Letzt

15


120 Jahre Diaspora-Kinder- und Jugendhilfe

Damit Kinder und Jugendliche

ihren Weg finden können …

Das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken / Diaspora-Kinder- und Jugendhilfe fördert mit jährlich

über 3 Mio. EUR, was zur Bildung christlicher Gemeinschaft und zur Vermittlung der christlichen Botschaft

an die neue Generation in extremer Diaspora notwendig ist.

Undenkbar ohne die bundesweite Solidarität der Firmbewerberinnen und Firmbewerber!!!

Einige Beispiele dazu werden in diesem Heft genannt.

Unterstützt werden aber u. a. in der Diaspora auch:

✔ katholische Kinder- und Jugendheime bzw. familienanaloge

Wohngruppen,

✔ katholische Jugendbegegnungsstätten,

✔ die Sakramentenkatechese sowie andere religiöse

Bildungsmaßnahmen der Kinder- und Jugendpastoral,

✔ das Kinderhaus Sonnenblume und das Haus Debora in

Schönow und Berlin (Hilfen für ausgesetzte Babys bzw.

junge Mütter in Konfliktsituationen),

✔ die Fazenda Gut Neuhof in Brandenburg zur Begleitung

ehemals drogenabhängiger Jugendlicher,

✔ Religiöse Kinderwochen (RKW),

✔ internationale religiöse Jugendbegegnungen,

✔ kirchliche Initiativen gegen Jugendarbeitslosigkeit,

Gewalt und Missbrauch,

✔ Straßenkinderprojekte der katholischen Kirche in Nord-

und Ostdeutschland, Lettland und Nordeuropa,

✔ der ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst in Halle

(Saale),

✔ die Seelsorge an schwerstkranken Kindern und Jugendlichen

in Leipzig,

✔ Jugendseelsorge in der JVA Raßnitz,

✔ katholische Jugendbands.

16 www.bonifatiuswerk.de

Haus Debora JVA Raßnitz

„Lebt nicht an den Aufgaben vorbei, die eure

Zeit stellt … Ergreift die Gelegenheit, euren

Glauben weiterzugeben. Der Geist, den ihr

empfangen habt, ist ein Feuer. Lasst es brennen!“

Paulus (nach Römer 12,11-12)

Infos

Weitere Informationen zu Projekten

der Diaspora- Kinder- und Jugendhilfe:

Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken

Diaspora-Kinder- und Jugendhilfe

Kamp 22, 33098 Paderborn

E-mail: kinderhilfe@bonifatiuswerk.de

Telefon: (0 52 51) 29 96-50/51

(Herr Micheel/Frau Backhaus)

Telefax: (0 52 51) 29 96-88

Herausgegeben vom Bonifatiuswerk/

Diaspora-Kinderhilfe, Kamp 22,

33098 Paderborn, Tel. (0 52 51) 29 96 - 50 / 51;

E-mail: kinderhilfe@bonifatiuswerk.de

Internet www.bonifatiuswerk.de

Konto: Bank für Kirche und Caritas Paderborn.

Kontonr. 50 000 500 (BLZ 472 603 07),

Verantwortlich: Christoph Schommer

(Öffentlichkeitsarbeit und Werbung)

Idee, Konzeption und Redaktion: Matthias Micheel (Diaspora-Kinder-

und -Jugendhilfe);

Redaktionsschluss: 7. September 2006.

Bildnachweis: Labyrinth © by Sieger Köder, Titelbild, 2; Bonifatiuswerk

(3; 5; 12); privat (5; 13; 14); Gut Glüsig (7); Haus Debora (8);

Das Nest (8); JA Raßnitz (9); Candolini (10f.); Kösel-Verlag in der

Randomhouse-Gruppe (11); Wonge Bergmann (12); G. Pfeiffer (15).

Herstellung: Bonifatius GmbH, Druck · Buch · Verlag, Paderborn

Grafische Gestaltung: Elke Brosch

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