was wir im stura wollen Wahlprogramm - Grüne Hochschulgruppe ...

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was wir im stura wollen Wahlprogramm - Grüne Hochschulgruppe ...

was wir im stura wollen

Wahlprogramm

der Grünen Hochschulgruppe Halle

zur Hochschulwahl

an der Martin-Luther-Universität Halle Wittenberg

am 12. Mai 2004

Grüne Hochschulgruppe Halle

Große Klausstraße 11

06108 Halle (Saale)

Web: www.ghg-halle.de

Mail: info@ghg-halle.de


Inhaltsverzeichnis

Einleitung 3

Was wollen wir im StuRa? 5

Andere Gremien 10

ein paar Worte zur Grünen Hochschulgruppe 3

Die ghg und wie sie die Welt sieht... 3

Erstens: StuRa-Angebote für Studierende 5

Beratungsleistungen 5

Initiativen Kultur/ Angebote für Studierende 5

Umwelt & Verkehr 6

Bildung 6

Ausländische Studierende 6

Zweitens: Reformen im Studierendenrat 7

Strukturen professionalisieren 7

Finanzverwaltung 8

Satzung & Arbeitskreisktivitäten 8

Drittens: Hochschulpolitik (HoPo) 9

Hochschulfinanzierung und Studiengebührenfrage 9

Demokratisierung der Hochschulen 10

BA/MA & Studienreform 10

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Einleitung

Es ist wieder soweit, in wenigen Wochen wird die studentische Vertretung an unserer

Universität für ein Jahr neu gewählt werden. Ein in steter Regelmäßigkeit wiederkehrendes

Wahlspektakel nimmt seinen Lauf. Doch dieses Jahr gibt es eine wichtige Neuerung:

Wir – die Grüne Hochschulgruppe (ghg) – treten zur Wahl an.

Durch die Wahl bekommt jeder Studierende die Chance das universitäre Leben an der

Martin-Luther-Universität (MLU) mitzugestalten. Dies betrifft insbesondere die Hochschulpolitik,

aber auch soziale, kulturelle und ökologische Belange.

Leider wurden diese Gestaltungsspielräume von den studentischen Vertretern in der Ver

gangenheit nur sehr unzureichend genutzt. Bei den diesjährigen Wahlen geht es deshalb vor

allem auch darum, die studentische Vertretung wieder handlungsfähig zu machen.

In der Vergangenheit traten meist nur einzelne Bewerber an – falls es überhaupt Kandidaten

gab. Funktioniert hat dieses System nicht – auch der letzte Zweifler sollte dies nach den

zurückliegenden Legislaturperioden eingesehen haben: Die inhaltliche Arbeit ist vollständig

zum Erliegen gekommen, der StuRa ist in Verfahrensfragen und Bürokratie erstarrt und

blockiert sich selbst. So kann und darf es nicht weitergehen, will die Studierendenschaft

nicht völlig obsolet werden. Und es gäbe so vieles zu tun.

Wir wollen als Gruppe Gleichgesinnter – aus unterschiedlichen Fachbereichen kommend

– versuchen, etwas für die Studierenden der MLU zu bewegen.

ein paar Worte zur Grünen Hochschulgruppe

Bereits in der vergangenen Legislatur (2003/04) konnte die Grüne Hochschulgruppe – obwohl

erst im Mai 2003 formal gegründet – aktiv im StuRa mitmischen – und einige Akzente

setzen. So ist es nicht zuletzt uns zu verdanken, dass ein paar wirklich abgedrehte Projekte

(z.B.: Stichwort “SpringBreak”), die viel Geld gekostet hätten, nicht umgesetzt wurden. Bei

der Beilegung der Finanzkrise konnten wir uns zwar nicht mit allen Vorschlägen durchsetzen,

aber wir haben uns für eine – eigentlich selbstverständliche – Transparenz in der Krise eingesetzt.

Unsere erfolgreiche Arbeit hat gezeigt: Bereits mit nur 2 Vertretern im StuRa kann

man mit struktureller Arbeit und einem arbeitsfähigen Team im Hintergrund einiges erreichen.

Mit (Wo)manpower und Know-how waren wir arbeitsfähig – selbst in der unübersichtlichen

Finanzkrise. Damit wollen wir nun den gesamten StuRa wieder auf Kurs bringen.

die ghg und wie sie die Welt sieht...

Betrachtet man die Geschichte der verfassten Studierendenschaft, so wird deutlich, dass sie

als Selbstvertretungs- und Selbstverwaltungsorgan für Studierende gegründet wurde, um die

sozialen, kulturellen und auch (hochschul-) politischen Belange von Studierenden effektiv

wahrnehmen zu können.

Die wechselvolle Geschichte brachte die (wenn auch in Sachsen-Anhalt eingeschränkte)

Zwangsverfasstheit und die Verfügungsgewalt über relativ große Finanzmittel. Was inzwischen

leider oft vergessen wird: Das alles hat einen Grund, für den es sich immer wieder

zu legitimieren gilt. Die Studierendenschaft ist kein Selbstzweck, sie hat einen Auftrag: Die

Wahrnehmung der Interessenvertretung der Studierenden.

Sie soll eben nicht der Tummelplatz für die Vorlieben von einigen wenigen sein, sondern

muss sich daran messen lassen, inwiefern es ihr gelungen ist, positive Veränderungen für

viele Studierende zu erreichen bzw. wenigstens negative Veränderungen zu verhindern. Das

klingt banal, ist aber angesichts der aktuellen hochschulpolitischen Debatte in diesem Bundesland

ein nicht zu unterschätzender Auftrag.

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Und dieser hat in Sachsen- Anhalt eine besondere Bedeutung, da es nur eine Studierendenschaft

mit einer begrenzten Zeit der Zwangsmitgliedschaft gibt. Jeder Student kann nach

einer bestimmten Frist austreten. Viele tun dies nicht. Dennoch bleibt es hier die besondere

Pflicht der Studierendengremien ihre Existenzberechtigung immer wieder aufs Neue durch

ihre Aktivitäten zu legitimieren. Es kann kein Anspruch sein, Mitglieder nur durch deren

Unwissenheit zu behalten.

Erst eine angemessene Wahrnehmung ihrer der Arbeitsbereiche wie zum Beispiel soziale

Beratungsdienste, kulturelle Angebote, politische Bildung und hochschulpolitisches Engagement

legitimiert die verfasste Studierendenschaft. Mit diesem “ganzheitlichen” Anspruch

definieren wir uns weniger durch vergangene Debatten über symbolische Streitfragen, wie

etwa das allgemeinpolitische Mandat. Wir wollen keine endlosen Debatten über weitgehend

irrelevante Positionen führen oder uns im alternativlosem Protest ergehen. Wir wollen Dinge

bewegen, im Kleinen und im Großen. Dabei werden auch Grundsatzdebatten geführt werden

müssen. Aber dieses Debattieren ist uns eben kein Selbstzweck, sondern Mittel auf dem

Weg zum Ziel.

Unsere Kandidaten treten für den StuRa an um – frei von Fachbereichspatriotismus – verallgemeinerungsfähige

Ziele durchzusetzen. Diese sollen im Folgenden kurz skizziert werden.

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Was wollen wir im StuRa?

Wir wollen uns nach der Wahl mit unseren Kandidaten auf drei Zielrichtungen konzentrieren:

Verstetigung der Angebote für Studierende, funktionale Reformen im StuRa und eine Reaktivierung

der hochschulpolitischen Arbeit.

Erstens: StuRa-Angebote für Studierende

Beratungsleistungen

Die Rechtsberatung – oder ein funktionales Äquivalent – sollte schnellstmöglich wieder

eingeführt werden.

Die Beratungsleistungen sollen reaktiviert, kontinuierlich durchgeführt und deren Existenz

(u.a. der Sozialkredit) kommuniziert werden – zum Beispiel durch entsprechende

Aushänge.

Erstsemesterinformationsheft (ESI): Dies ist die wichtigste StuRa-Maßnahme, die potentiell

so gut wie allen Studierenden zu Gute kommen kann. Deswegen legen wir hierauf

besonderen Wert – ein gutes ESI ist für uns Anspruch, nicht lästige Pflicht. Mit dem ESI

kann der StuRa allen Studienanfängern eine Broschüre in die Hand geben, die über das

Leben an der Universität, die Hochschulpolitik und die Studierendenschaft informiert.

Vielleicht werden viele Studienanfänger danach nie wieder etwas mit der Studierendenschaft

zu tun haben, aber mindestens sollten sie mit dieser Broschüre das Wissen vermittelt

bekommen, dass es da eine Einrichtung gibt, an die sie sich mit Problemen wenden

können. Wir wollen auch erreichen, dass das ESI rechtzeitig fertig gestellt wird und mit

den Immatrikulationsunterlagen an die Studienanfänger verschickt werden kann.

Initiativen Kultur/ Angebote für Studierende

Wir befürworten eine unabhängige Studierendenzeitung – diese sollte unabhängig,

objektiv und kritisch über Belange der Studierenden dieser Stadt berichten können. Aus

diesem Grund unterstützen wir nachdrücklich die Bestrebungen, deren Finanzierung von

den Unwägbarkeiten des StuRa-Haushalts unabhängig zu machen. Dazu sollte auch der

Gedanke einer direkten Mitfinanzierung aus den Studierendenschafts-Mitgliedsbeiträgen

geprüft werden. Dabei muss allerdings die Verantwortlichkeit und Kontrolle der Studierendenschaft

über die ordnungsgemäße Verwendung der Mitgliedsbeiträge gewährleistet

bleiben, ohne eine wie auch immer geartete inhaltliche Einflussnahme zuzulassen. Dies

könnte in letzter Konsequenz bedeuten, den Mitgliedsbeitrag leicht zu erhöhen. Für diesen

Zweck – eine unabhängige Studierendenzeitung – stünden wir dem nicht ablehnend

gegenüber.

Es sollte geprüft werden, inwieweit die großzügigen Räumlichkeiten und die technische

Infrastruktur des StuRa nicht nur den dort Aktiven zu Gute kommen, sondern auch

von “normalen” Studierenden in Anspruch genommen werden kann.

Auch wenn es momentan finanziell sehr schwierig ist, sollte das Instrument der Förderung

von studentischen Eigeninitiativen und -projekten nicht aufgegeben werden, sondern

so bald wie möglich Mittel hierfür bereitgestellt werden.

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Das Schlagwort „Kultur“ war in der Vergangenheit vor allem ein Feigenblatt für

die Durchführung von Partys. Nicht missverstehen – Feiern und Spaß haben sind

sehr wichtige Bestandteile studentischen Lebens (denn wann denn sonst, wenn nicht

jetzt?). Nur sollte man vielleicht Ros und Reiter auch beim Namen nennen. Wir stehen

zu den Semesterparties – vor allem, solange sie einen eigenständigen Charakter

haben. Sie müssen keine völlig durchkommerzialisierten Mega-Events werden.

Umwelt & Verkehr

Wir befürworten die Umfrage zum Semesterticket und setzen uns für ein vollsolidarisch

finanziertes Ticket ein, welches die Strecken nach Merseburg und Leipzig einschließt.

Wir befürworten die neu gefundene TeilAuto-Regelung für Umzugswagen. Sie ist eine

ökologisch sinnvolle und für Studierende ökonomisch günstige Unterstützung durch den

StuRa.

Wir wollen dem Umweltausschuss neues Leben einhauchen. Dabei präferieren wir

eine eindeutig lokale Schwerpunktsetzung seiner Arbeit. Konkrete Maßnahmen an der

MLU müssen angepackt werden.

Bildung

Wir wollen erreichen, dass der StuRa eine eigene Vortragsreihe zu hochschulpolitischen

Themen ins Leben ruft.

Die – zwar kleine, aber dennoch existente – Bibliothek des StuRa soll einem größeren

Nutzerkreis zugänglich gemacht werden.

Ausländische Studierende

Wir möchten uns als Querschnittsaufgabe für eine Verbesserung der Situation ausländischer

Studierender in den Hochschulgremien und bei landespolitischen Akteuren

einsetzen.

Ausländische Studierende sin in unserem Land mit spezifischen Problemen konfrontiert.

Diesen muss von Seiten der Universität und ihren Studierenden mit wesentlich

verbesserten Beratungs- und Betreuungsangeboten, sowie Hilfestellungen bei Behördenbesuchen

begegnet werden. Ausländische Gäste sollten im 21. Jahrhundert – über 275

Jahre nach Anton Wilhelm Amo, dem ersten farbigen Studenten in Europa - an dieser

Hochschule endlich auch als solche behandelt werden.

Und auch wenn es ein kompliziertes Feld ist, man sollte ebenso versuchen, die Kontakte

zwischen aus- und inländischen Studierenden zu verbessern.

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Zweitens: Reformen im Studierendenrat

Um all diese studierendenbezogenen Ziele zu erreichen, muss im StuRa einiges geschehen.

Die Selbstblockade muss aufgehoben und die Arbeitsfähigkeit wieder hergestellt werden.

Auch wenn die Gefahr groß ist, wir wollen dies nicht als Selbstbeschäftigung oder Ego-Pflege

betreiben, sondern um Dinge zu bewegen.

In der jetzt zu Ende gehenden Legislaturperiode wurde die Krise des StuRa unübersehbar.

Die bereits bestehende Inhaltslosigkeit, eine überbordende Bürokratie und „Debattier-

Spielchen” ohne Realitätsbezug hatten bereits ihre Spuren hinterlassen, als durch die alle

Vorstellungskraft übertreffende Finanzkrise auch die letzten Ansätze konstruktiver Arbeit

zunichte gemacht wurden. Diese Finanzkrise war das Resultat der bisherigen unsauberen

und unübersichtlichen Buchführung, die Verbindlichkeiten nicht in der notwendigen Klarheit

dargestellt hatte und lange Zeit den tatsächlichen Zustand der StuRa-Finanzen verschleierte.

Diese führte zu einer lange unbemerkten Verschuldung – und nun, da die bisherigen Schuldner

und Verbindlichkeiten ausbezahlt wurden, ist der StuRa mehr oder weniger Pleite und

wird sich erst mittelfristig erholen können.

Das schränkt die Handlungsmöglichkeiten und -fähigkeiten stark ein. Aber die Krise liegt

nicht nur darin, sondern auch in strukturellen Problemen und dem konkreten Handeln von

Personen. Denn nicht jede Einzelperson trägt notwendigerweise mit ihrem Handeln zum

allgemeinen Wohl bei. Solche Bestrebungen müssen dann nicht unbedingt in einer besseren

Arbeit des StuRa münden.

Erschwerend hinzu kommt das spezifische Kontinuitätsproblem, hervorgerufen durch die

starke Personalfluktuation. Da Studierende naturgemäß nur eine begrenzte Zeit an der Universität

verbringen, wird das Rad leider viel zu oft „neu erfunden”.

Besonders gravierend jedoch war die bisherige Struktur von gutmütigen Einzelkandidaten,

die fröhlich vor sich hin dilettierten, sich lieber in allgemeinen und ideologischen Debatten

ergingen, statt sich konkreten Verbesserungen für die Studierenden zu widmen. Das Ergebnis:

endlose Sitzungen, die eine unsägliche Verschwendung von Lebenszeit für alle waren.

All dies führte zu einer Handlungsunfähigkeit, die es endlich aufzuheben gilt.

Deswegen will die ghg:

Strukturen professionalisieren

Um gegenseitige Behinderungen zu vermeiden wollen wir das besondere Ämtergefüge

innerhalb des StuRa effektivieren. Anträge sollen gründlich vorbereitet und recherchiert

sein, bevor diese dem Plenum zur Abstimmung vorgelegt werden. Es muss eine bessere

Kommunikation zwischen den Amtsinhabern untereinander und dem Plenum stattfinden.

Es ist nicht hinnehmbar, dass so viel durch banale Kommunikationsverluste versackt.

Die ghg will als ein Resultat dieser ersten Forderung erreichen, dass die StuRa-Plenar-Sitzungen

höchstens drei Stunden dauern. Die bisherigen Marathon-Sitzungen sind

absolut inakzeptabel und ineffektiv. Außerdem wollen wir durch die bessere Vorbereitung

erreichen, dass auf diesen Sitzungen nicht über unwichtige Details gestritten wird, sondern

vor allem über Grundsatzfragen und Inhalte diskutiert werden kann. Dies setzt allerdings

voraus, dass die StuRa-Mitglieder bereit sind, sich auf die Sitzungen vorzubereiten.

Außerdem ist die Gesprächsleitung auf den Sitzungen konsequenter durchzuführen.

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Die Arbeit der angestellten und bezahlten Mitarbeiter im StuRa ist konkreter zu planen

und zu kontrollieren. Es sind kontinuierliche Leistungsüberprüfungen durchzuführen um

für eine effektive Bearbeitung der StuRa- Aufgaben zu sorgen. Wertvolle Ressourcen dürfen

nicht durch unwidersprochene Eigenwilligkeiten sinnlos verbraten werden.

Finanzverwaltung

Diese ist ohne Zweifel der größte Problemkreis. Unser erklärtes Ziel ist es, alles zu tun

um zu verhindern, dass sich eine solche Katastrophe, wie sie sich in den letzten Jahren zusammengebraut

hat, jemals wiederholen kann. Es muss also insbesondere bei der Finanzverwaltung

auf eine Professionalisierung gedrängt werden, damit diese kontinuierlich auf

personell hohem Niveau funktioniert. Hierzu wird – trotz knappster Kassen – über besondere

Anreizstrukturen nachzudenken sein. Kurzfristig wollen wir als eine erste Kontrollmaßnahme

erreichen, dass die in der Satzung geforderten Zwischen-Rechenschaftsberichte auch

regelmäßig erfolgen. Die Finanz-Referenten gehören zu den wichtigsten Amtsinhabern im

StuRa, aber sie haben nun mal keine eigenständige inhaltliche Entscheidungskompetenz.

Falls notwendig werden wir auch vor einem Nachtragshaushalt für 2004 nicht zurückschrecken.

Bezüglich notwendiger Infrastrukturinvestitionen für die StuRa-Arbeit setzen wir uns

für eine langfristige Planung und gegebenenfalls auch Rücklagenbildung ein, um hier

möglichst Finanzen einsparen zu können. Auch andere Ressourcen-Verbräuche, wie zum

Beispiel Kopierpapier und Toner oder Heizenergie und Strom, sind besser zu planen, zu

kontingentieren und der Verbrauch zu überwachen (im Sinne der Vorbeugung vor teurer

Verschwendung.)

Satzung & Arbeitskreisktivitäten

Sollte sich im Zuge unserer Bemühungen Änderungsbedarf an der Satzung der Studierendenschaft

ergeben, so werden wir dies angehen. Sicher sind auch ein paar Details

überdenkenswert – aber wir sind skeptisch ob in der kommenden Legislaturperiode

grundsätzlicher Reformbedarf besteht – es gibt wichtigeres.

Arbeitskreise (AK) und Ausschüsse (AS): Bei allen AKs und AS wird eine Überprüfung

ihrer Relevanz für die Aufgaben der Studierendenschaft im Sinne von verall-

gemeinerungsfähigen Zielen notwendig sein. Knappe Ressourcen dürfen nicht für

Partikularinteressen vergeudet werden. Es darf nicht sein, dass AKs oder AS nur des-

wegen existieren oder Ressourcen bekommen, weil „sie schon immer da gewesen sind.”

Generell gilt: weniger ist mehr. Dem StuRa nützen einige wenige, dafür aber aktive und

thematisch relevante AKs und AS, mehr als viele Kleinstgrüppchen.

Reaktivierung der Fachschaftskoordination mit dem perspektivischen Ziel der Gründung

einer eigenständigen Fachschaftsrätekonferenz. Die Gremien StuRa und Fachschaftsräte

sind aufeinander angewiesen. Wir wollen, dass der StuRa den ersten Schritt

zu einer qualitativ verbesserten Zusammenarbeit geht.

Besondere Anstrengungen wollen wir auf die Reanimation des Hochschulpolitischen

Ausschusses verwenden. Dieser ist im Sinne einer langfristigen, inhaltlichen und nicht

kurzfristig populistischen Arbeit leider seit längerer Zeit nicht mehr aktiv. Dies ist sehr

bedauerlich – sehen wir doch hier (neben den Dienstleistungen für Studierende) das

wichtigste Standbein der StuRa-Arbeit. Wir wollen den Ausschuss erneuern, um endlich

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wieder einen überpersonellen Kompetenzpool zu hochschulpolitischen Fragen im StuRa

zu etablieren.

Öffentlichkeitsarbeit: Trotz leerer Kassen soll endlich wieder eine breite und intensive

Kommunikation der StuRa-Arbeit in die Studierendenschaft hinein erfolgen. Der StuRa

darf sich nicht in der “Mäuseburg” verstecken, sondern muss aktiv auf die Studierenden

zugehen.

Um öffentlich zu machen, was aus all unseren hier aufgestellten Forderungen geworden

ist, werden wir uns dafür einsetzen, dass gegen Ende der Vorlesungszeit des

Wintersemesters 2004/05 eine Art öffentlicher Prüfbericht über die Reform-Fortschritte

vorgelegt wird.

Drittens: Hochschulpolitik (HoPo)

Wir erleben in Bundesland und Bundesrepublik eine ständige Aufwertung einer Diskussion

über die Zukunft der Hochschulen in diesem Land. An der MLU stehen in den

nächsten Jahren gravierenden Änderungen an. Doch läuft diese Debatte aus unserer

Sicht in sehr merkwürdigen und bedenklichen Bahnen: Die Bedürfnisse von Studierenden

oder langfristige Perspektiven einer ganzen Generation werden kaum berücksichtigt.

Es regiert Aktionismus und ideologisches Wunschdenken auf Seiten der Regierenden.

Auch wenn es so unendlich schwer ist, hier müssen Studierende handeln und

sich einbringen. Doch bleibt zu fragen, wie dies erreicht werden kann. Durch kurzfristigen

Aktionismus oder durch mittel- und langfristig ausgerichtete Arbeit?

Wir plädieren für letzteres und würden uns wünschen, dass der StuRa eben als die studentische

Interessenvertretung in dieser Richtung agiert. Als Basis dessen soll der HoPo-AS als

Know-how-Lieferant reanimiert werden. Mit der Basis dieses Wissens soll sich dann der

StuRa in die universitäre und in die allgemeine Debatte einbringen und planvoll mit guten

Konzepten um Verbesserungen für die Studierenden kämpfen.

Hochschulfinanzierung und Studiengebührenfrage

Niemand wird bestreiten, dass die Hochschulen – zumal in diesem Bundesland – chronisch

und absichtsvoll gefährlich unterfinanziert sind. Für eine nachhaltige Verbesserung der Bildungssituation

ist neben einer qualitativen Studien- und Strukturreform auch eine deutlich

bessere Ausstattung (zum Beispiel der Bibliotheken oder der Betreuungsrelation) erforderlich.

Dies wird viel Geld kosten. Doch woher nehmen? In diesem Land wird viel Geld verschwendet:

für sinn- und zukunftslose Infrastrukturmaßnahmen, für Prestigebauten, immer

wieder, immer noch. Hier muss endlich umgesteuert werden. Bildung ist die soziale Frage

der Zukunft! Jeder verfügbare Cent muss in Bildung investiert werden: In Kindergärten, an

den Schulen und Hochschulen. Hier müssen zusätzliche finanzielle Ressourcen vor allem

effektiv für die Lehre verwendet werden. Eine kostenfreie Ausbildung ist jedoch kein unendlich

verfügbares Gut. Neben einer Verbesserung der Strukturen, die häufig für Verzögerungen

verantwortlich sind, und einer Regelung der Unterhaltsfinanzierung für Studierende (die aber

eher Bundes- denn Landespolitik ist), wird hier wohl leider auch eine gewisse Kontingentierung

von Bildungsangeboten in der Form von Bildungsgutscheinen oder -konten (die leider

noch eine ganze Reihe von Nebenwirkungen haben werden…) auf uns zukommen. Generelle

Studiengebühren oder auch “nur” Langzeitstudiengebühren lehnen wir ab.

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Demokratisierung der Hochschulen

Ja, es gibt sie noch, jene unerschütterlichen Idealisten, die auch im 21. Jahrhundert noch

daran glauben, dass eine Binnendemokratisierung der Hochschule notwendig ist. Auch wenn

der Wind derzeit in eine andere Richtung weht: Das neue Landeshochschulgesetz bringt

einen erschreckenden Abbau an interner Hochschuldemokratie welcher für Hochschule

und Land absolut inakzeptabel ist. Wir werden trotz allem weiter dafür streiten: Studierende

müssen für ihre ureigenen Angelegenheiten reale Mitspracherechte erhalten – und zwar als

gleichberechtigte Mitglieder der Hochschule, nicht als Kunden der “Ware Bildung.”

BA/MA & Studienreform

Der Bologna-Prozess (der Umbau des europäischen Hochschulsystems) ist im vollen Gange.

Diese Veränderungen sehen viele mit Skepsis – und in der Tat kann hier auch, bei falscher

Umsetzung, einiges schief gehen. Andererseits lässt sich der Veränderungsbedarf an den

heutigen Strukturen der Hochschulausbildung kaum leugnen. Nur weil man sich in langen

Jahren an bestimmte Strukturen gewöhnt hat und gedanklich nicht zu Veränderungen bereit

ist, muss dies nicht bedeuten, dass diese Strukturen “ideal” sind. Die Verteidigung von Besitzständen

hilft in dieser Frage niemandem weiter. Auch an der MLU stehen diese Reformen

in den nächsten Jahren an. Fast alle Studiengänge werden verändert werden. Hier bedarf

es einer Studierendenschaft, die sich mit Know-how und Engagement dafür einsetzt, dass

es zu einer qualitativen Studienreform kommt. Am Ende eines solchen Prozesses müssen

studierbare Fächer stehen, die ihre Absolventen zu eigenständigem Denken befähigen. Muss

man extra erwähnen, dass regelmäßige Evaluationen mit zu veröffentlichenden Ergebnissen

ebenso dazugehören?

Andere Gremien

Der StuRa ist nicht das einzige Universitätsgremium, in dem studentische Mitglieder sitzen.

Auch in diesen anderen Gremien – Fachschaftsräte, Senat, Konzil, Fachbereichs- bzw. Fakultätsräte

wollen wir uns aktiv einbringen. Darum kandidieren einige von uns auch für

diese Gremien.

Deswegen:

Gebt den Kandidaten der Grünen Hochschulgruppe bei den Hochschulwahlen

am 12. Mai eure Stimmen!

Danke.

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