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Flachs und Leinen - Heimatpflege im Uslarer Land

Flachs und Leinen - Heimatpflege im Uslarer Land

des mechanischen

des mechanischen Webstuhls. Sie konnten mit derindustriellen Weberei nicht konkurrieren. lhre Notund die ihrer Familien waren groß. Das führte dort, wodie Leinenweberei bedeutend war, zu sozialen Spannungen,Unruhen und Aufständen. Trotz unermüdlicherArbeit verhungerten viele, und so hieß esdamals in einem bitteren Spottlied: ,,Die Leinewebernehmen keinen Lehrling an, der nicht sechs Monatehungern kann."Diese Entwicklung ging auch am Adelebser, Uslarerund Lippoldsberger Raum nicht spurlos vorüber:Zwar erlebten die Herstellung und der Vertrieb vonLeinwand von 1815 bis zur Mitte der 1820er Jahre eineBlüte, wozu auch der Export von Leinen nach Nordamerika,Westindien und England wesentlich beitrug,jedoch verschlechterte sich die Lage wegen derAbsatzkrise in den 1830er Jahren zunehmend. DiePreise sanken für bestimmte Sorten um die Hälfte.Andererseits stiegen in dieser Zeit die Brotgetreidepreise.Das führte im Dorf Lödingsen, das sehr starkdurch die Leinenweberei geprägt war, bereits um 1830erstmals zu einer Auswanderungswelle. 1836 wandertendann auch Tagelöhnerfamilien aus der Regionnach Jamaika aus. Zu großen Aus- und Abwanderungswellenkam es aber erst seit den 1850erJahren. Auch hier ist ein Zusammenhang zu sehenmit einem weiteren erheblichen Rückgang der LeinenundBaumwollproduktion im Hausgewerbe (atprrei tsso,s.116fl.Da der Absatz von Leinenprodukten seit 1830 immerweiter zurückging, hatten sich in der Folge vieleehemalige Leineweber in ihrer Not in die Verarbeitungvon Baumwolle geflüchtet. Doch dieser Schritt führtenach kurzer Blüte in eine Sackgasse, denn dieBaumwollverarbeitung wurde als erste von allenGewebearten umfangreich industrialisiert. Dasbedeutete für die betroffenen Leineweber wiederumErwerbslosigkeit und Armut.Die Baumwollproduktion hatte schon 1837 inAdelebsen durch Betriebsgründungen der Fabrikan-6ten Meyenberg und Müller Einzug gehalten. EhemaligeLeineweber stellten nun im Verlagssystem oderals Lohnarbeiter in den Adelebser ManufakturenBaumwollstoffe für Hosen her. Von den vier Baumwollwebereienin Adelebsen war die Weberei Oppermannder größte Betrieb, der sogar über eine Dampfmaschineverfügte. 1854 mußten drei Webereienschließen. Dabei spielte auch der Beitritt Hannoverszum deutschen Zollverein eine Rolle. Die WebereiOppermann, die 1856 noch 28 Arbeiter beschäftigtestellte einige Jahre später den Betrieb ein tntpnei t990,S.110 u.117).Der Flachsanbau blieb seit Ende des 19. Jahrhundertsin Deutschland unbedeutend. Nur während derbeiden Weltkriege nahm er wieder zu, um anschließenderneut zur Bedeutungslosigkeit abzusinkenNach dem l. Weltkrieg führte die wirtschaftliche Depressionzu Stillegungen in der leinenverarbeitendeIndustrie, nach dem ll. Weltkrieg ging das wichtigeAnbaugebiet Schlesien mit seinen guten Flachsqualitätenverloren; und es verblieben nur Gebiete mitminderer Flachsqualität. Als schließlich durch diewirtschaftlichen Einigungsbestrebungen (EWG) unddie Aufhebung der Zollgrenzen 1956 besserer Flachsaus Frankreich, Belgien und Holland auf den deutschenMarkt kam, ging der Flachsanbau ganz zurück.Flachsraufen in Wibbecke um 1935

Flachsanbau und Leinenherstellung heute Diese Entwicklung ist auf dem Hintergrund zu sehen,Erst ab 1983 wurde der Anbau von Flachs aus daß die Bundesrepublik Deutschland Flachsrohwaragrarökonomischen und ökologischen Gründen für und Leinenprodukte importiert. Seit 1988 besteht nurLandwirte wieder interessanter, er wurde seitdem noch eine einzige Leinenspinnerei in Füssen, dieauch öffentlich gefördert.Langfasern, Schwung- und Hechelwerg verarbeitet. InDie Anbau-, Ernte- und Verarbeitungsverfahren müssenauf einen besseren technischen Stand gebracht einem Leinenanteil von 5 - 50% hergestellt. Auf 7.000ca. 90 weiteren Spinnereien werden Mischgarne mitwerden, wobei z. B. die aufwendige traditionelle TauoderWasserrotte durch Dampfdruck- oder Tensid-duktion (Lang- und Kurzfasern) im Jahre 1990bis 8.000 t wird die bundesdeutsche Leinengarnproaufschlußtechniken abgelöst werden soll. Bei der geschätzt. Das entspricht einer Anbaufläche von ca.Lösung dieser Aufgaben muß die deutsche FlachsundLeinenforschun ganz von vorn anfangen, denn Zeit das Hauptziel des Flachsanbaus weltweit die6.000 ha (Laue,1990,5.2st. Zu bedenken ist auch, daß zurdie Erfahrungen mit den historischen, sehr arbeitsaufwendigenVerarbeitungstechniken - wie sie auch in Weltanbaufläche für Flachs wird mit Faserlein bestelltLeinölgewwinnung ist. Nur etwas mehr als 1/8 derdieser Broschüre vorgestellt werden - können so nicht Die größten Anbauflächen für Faserlein liegen in derüberpommen werden. Auch ist unklar, ob der ehemaligen UdSSR, in China und Frankreich. Von derSchwerpunkt der neuen Entwicklung mehr in Richtungtextiler .oder nichttextiler Anwendung (2. B. erstreckt sich das größte westeuropäische Anbau-Normandie über Flandern bis nach NordhollandAsbestersatz, Ole, Futter) gehen soll.gebiet. Etwa 40% der in Westeuropa erzeugtenDie ausschließliche Verwendung des Flachses im Leinenfasern werden in ltalien versponnen undtechnischen Bereich stößt z.Zt. noch - wie auch bei anderennachwachsenden Rohstoffen - an Rentabili-bundesdeutschen Leinengewebe-lmporte für Beklei-verwebt; von dort kommen dann auch 65 o/o dertätsgrenzen. Denn mit den erzielbaren Preisen können dungs- und Heimtextilien.kaum Erlöse erwirtschaftet werden, die die Verfahrenskostenund Deckungsbeiträge kompensieren anbaus und der Leinenverarbeitung sehr differenzierInsgesamt muß wohl die Revitalisierung des Flachs-würden (Däschner 1990, 5.26). Unter den gegenwärtigen betrachtet und bewertet werden. Dabei sind z.B.konventionellen Bedingungen könnte nach Laue (rggo, notwendige weltwirtschaftliche Veränderungen, dieS.zgfl höchstens eine Ausweitung der Flachsanbauflächenauf 4.000 ha als realistisch angesehen werden. Entwicklungsländern und die günstige Produktioninternationale Arbeitsteilung zwischen Industrie- undEine Aufstockung auf 100.000 bis 150.000 ha wird erst von Kurzfasern in den osteuropäischen Ländern zugelingen, wenn rentabler produziert und auch Oualitätund Preise konkurrenzfähig werden.französischen und belgischen Flachsanbauer, denenberücksichtigen. Gesehen werden sollte auch, daß diees dank hoher EG-Subventionen recht gut geht, dieDie Dorfbewohner von Wibbeke waren mit dem Ausweitung des Flachsanbaus in der BundesrepubliFlachsanbau besonders intensiv beschäftigt. Deshalb ist Deutschland als wachsende Konkurrenz betrachtenauch im Ortswappen von Wibbeke das Haspelrad alsTrotz Zunahme des bundesdeutschen FlachsanbauSymbol der Flachsverarbeitung eingebracht. Hinzukommt noch, daß man den Wibbekern denkann daher von einer Renaissance der Leinfaser nochTerneidsnamen ,,Häjentötte" zugedacht hat. Dieser nicht gesprochen werden. Pflanzenzüchtung, Technologie-und Verwertungsforschung, Schulung und Be-Spitzname wird aber auch in Zusammenhang mit denvorwiegend hellblonden Kindern des Dorfes gebracht. ratung der Landwirte, Verbesserung der Vermarktun gsstru ktu ren m üssen noch weiterentwickelt werden.W. Quentin

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