Ausgabe 2 / 2004 - Onkologische Schwerpunktpraxis Darmstadt

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Fatigue:Wenn Schlafennicht mehrfit macht7Praxis JournalEine Blutarmut kann man entweder durcheine Bluttransfusion ausgleichen odermit dem blutbildenden Hormon Erythropoietinbehandeln. Beide Verfahrenhaben allerdings Nachteile, die gegeneinen pauschalen Einsatz sprechen: EineBluttransfusion wirkt dem Mangel anroten Blutkörperchen nur kurzzeitig entgegenund führt relativ häufig zu Nebenwirkungen.Und für den Einsatz vonErythropoietin liegen derzeit noch keineallgemein gültigen Richtlinien vor.Drei von vier Krebspatienten sind aufGrund ihrer Erkrankung oder der Therapieandauernd müde und ausgelaugt.Was sich banal anhört, ist tatsächlicheine Qual. Selbst einfache Tätigkeitenlassen sich manchmal kaum noch bewältigen.Gegen Fatigue – so nennenÄrzte das Beschwerdebild – lässt sichaber etwas tun.„Schlaf dich doch einfach mal richtigaus!“ – Viele Krebspatienten, die unterFatigue (englisch für Ermüdung) leiden,kennen diese Kommentare. Sie spiegelndie Erfahrungswelt von Menschen, diemüde sind, wenn sie viel gearbeitethaben; die wissen, dass sie ihren Durchhängermit ein bisschen Überwindungin den Griff kriegen und nach einerdurchschlafenen Nacht wieder fit sind.Fatigue ist anders. Weder entsteht siedurch harte Arbeit, noch lässt sie sichdurch Ausruhen beseitigen. Sie kannTage, Wochen oder Monate dauern undschränkt die Lebensqualität massiv ein:Betroffene sind bereits nach kurzen Geh-Stichwortstrecken völlig erschöpft und außer Atemund können selbst einfache Tätigkeitenwie Kochen oder Bettenmachen nur mitMühe bewältigen. Auch die geistige Leistungsfähigkeitbleibt auf der Strecke. Sichauf eine Sache zu konzentrieren undEntscheidungen zu fällen, kommt manchmaleiner Höchstleistung gleich.Drei Viertel aller Krebspatienten leidenunter Fatigue. Für viele Patienten sinddie Symptome schlimmer als Übelkeit,Schmerzen und Depressionen. Die andauerndeErschöpfung erinnert sie ständigan ihre Krebserkrankung, verstärktdie Angst, „dass es mit mir nichts mehrwird“, und stößt bei Kollegen Freundenund Verwandten irgendwann auf Unverständnis.Häufigste UrsacheBlutarmutFatigue kann viele Ursachen haben. Amhäufigsten geht sie auf eine Blutarmut(Anämie) zurück, die entweder als Folgeder Krebserkrankung selbst oder der Therapiemit Medikamenten und Strahlenauftreten kann. Das Blut enthält dannzu wenig rote Blutkörperchen, die denSauerstoff aus der Atemluft aufnehmenund zu den einzelnen Körperzellen transportieren.Schließlich können auch Ernährungsdefizite,veränderte Schlaf- und Essgewohnheitensowie Angst, Depressionenund Stress eine Fatigue hervorrufen. Indiesen Fällen sind Vitamin- und Mineralpräparate,Antidepressiva, angstlösendeMedikamente oder eine psychologischeBetreuung sinnvoll. Wenn Sie beisich Symptome feststellen, die auf eineFatigue hindeuten, werden wir daher gemeinsamden möglichen Ursachen nachgehenund einen individuellen Behandlungsplanerstellen.Verhaltenstippsbei FatigueSchlaf: Ausreichend Schlaf istwichtig, zuviel Schlaf schadet;denn dann können Sie sich unter Umständenzu nichts mehr aufraffen.Aktivität: Bleiben Sie körperlichund geistig so aktiv, wie es IhnenIhre Situation ermöglicht: Spaziergänge,Unterhaltungen, Zeitschriftenlektüre,Musik hören ...Tagesplanung: Unterteilen SieIhren Tag in Pausen und aktiveZeiten, in denen Sie ein realistischesPensum erledigen.Soziales Umfeld: Klären Sie Verwandte,Bekannte und Kollegenüber Ihre Situation auf. Versuchen Sieauch mit Ihrem Arbeitgeber Absprachenzu treffen, die Ihnen eine Weiterbeschäftigungermöglichen. Und –lassen Sie sich auch mal helfen.Verhalten: Versuchen Sie, demLeben trotz Ihrer Erkrankungauch positive Seiten abzugewinnen.Gehen Sie Beschäftigungen nach,die Ihnen Spaß machen, und pflegenSie den Kontakt zu Freunden undVerwandten.

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