Allerheiligen 2017 - online

PeterKieweg

Nachgefragt: Heilige - lichte Gestalten

Am 1. November feiern wir Allerheiligen, den Gedenktag für alle Heiligen. Wie

wird man „heilig“? Warum braucht es noch „zusätzlich“ die Vollendung der Welt?

Und zuletzt: Was ist zu „Halloween“ zu sagen?

„… an die Geheiligten in Christus Jesus…“

So adressiert Paulus seinen ersten Brief an die Korinther (1,2), den zweiten

Brief schreibt er auch „an alle Heiligen in ganz Achaia“ (1,1), die Angeschriebenen

in Rom nennt er „die berufenen Heiligen“ (1,7).

An diesen Beispielen wird zunächst einmal deutlich, dass „heilig“ keine

reine Kategorie der Zukunft ist. Jetzt schon sind die Gemeindemitglieder

„Heilige“. Und ein zweites: Wenn wir diese Briefe lesen, dann tauchen

da diverse Probleme auf, Unvollkommenheiten, persönliches wie gemeinschaftliches

schuldhaftes Verhalten, Sünden. Dies sagt: Die von

Paulus zugeschriebene Heiligkeit kann nicht moralisch verengt verstanden

werden, sie bedeutet nicht „perfekt“ oder „fehlerfrei“.

„Heilig“ ist zunächst kein Ergebnis eines Strebens, sondern ein Empfangen.

Am deutlichsten wird es vielleicht in der Umschreibung „die Geheiligten“.

Heilig ist man dadurch, dass Gott, der Heilige schlechthin, einen

anrührt. Heilig wird man also durch „Ansteckung“ im positiven Sinn - dass

einen Gott mit seiner Heiligkeit „infiziert“: geheiligt in Christus durch die

Sakramente. In ihnen wird diese Berührung sinnbildlich, aber doch konkret

erfahrbar, etwa durch das Übergießen mit dem Geist-durchwirkten

Wasser (Taufe) oder durch das leibhafte Empfangen

Christi unter den Gestalten von Brot und Wein (Eucharistie).

„… berufen als Heilige…“

In den einleitenden Worten Pauli an die Korinther folgt

der Bezeichnung als „Geheiligte“ unmittelbar eine Art Aufruf: Ihr, da ihr

geheiligt seid, seid berufen, als Heilige zu leben. Analog dazu heißt es

im Epheserbrief: „Denn einst wart ihr Finsternis, jetzt aber seid ihr durch

den Herrn Licht geworden. Lebt als Kinder des Lichtes!“ (5,8)

Aber wiederum gilt: Zunächst ist auch in diesem Sinne „heilig sein“ keine

Leistung, sondern eine Bereitschaft, eben die Bereitschaft zu empfangen,

sich von Gott berühren zu lassen, konkret, und damit kommt die

„aktive Seite“ in Fahrt, die Sakramente zu empfangen, sich Zeit zu nehmen

für Gott, für das Gebet, für sein Wort… und dann ergibt sich daraus

eine „Heiligkeit im Leben“, die gar heroische Züge annehmen kann: das

Eintreten für das Wort Gottes auch gegen Widerstand, die Verausgabung

in Werken der Liebe, das Zeugnis für Jesus bis zum Blutvergießen.

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