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E_1938_Zeitung_Nr.034

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darum, ob S. das

darum, ob S. das Vortrittsrecht verletzt habe. Im Verhältnis zur Seestrasse ist die Hornhaldenstrasse die Nebenstrasse, also nicht vortrittsberechtigt. Von dem Augenblick an, wo S. den Wagen B. kommen sah, brauchte er noch 2—3 Sekunden, B. noch 3—4 Sekunden, um an der Kreuzungsstelle anzulangen; ein Zusammentreffen an der Für die von der AIAOR organisierte Weltrundfahrt im Automobil, wovon an dieser Kreuzung war also nicht ausgeschlossen und angesichts des Vortrittsrechtes der Seestrasse wäre S. um so mehr verpflichtet ge- Stelle bereits die Rede war, liegt nun die Ausschreibung in Form eines illustrierten, 40 wesen, zu verlangsamen oder nötigenfalls Seiten starken Heftes vor. Gegenüber dem anzuhalten, als er in der Nacht die Geschwindigkeit des entgegenkommenden Wa- früheren Projekt hat die Route insofern eine Abänderung erfahren, als mit Rücksicht auf gens und die Entfernungen nicht genau einschätzen konnte. Daher liegt in der Tat ein die politische Lage in China der Besuch von Nanking aus dem Programm gestrichen wird. Im übrigen hebt das Reglement die Tatsache hervor, dass die Veranstaltung Verstoss gegen die Vortrittsregel des Art. 27 MFQ vor. Wp. Schweizerische Rundschau Der arbeitsschaffende Ausbau des Juliers. Jahrelang, ja sogar heute noch widersetzen sich verschiedene Amtsstellen dem Strassenneu- oder Ausbau mit der Begründung, dass Strassenbauarbeiten, insbesondere im Gebirge, nur ungenügende Arbeitsbeschaffungsmöglichkeiten bieten. Am Beispiel des Ausbaus der Julierstrasse zeigt es sich aber deutlich, dass diese Argumentation keineswegs zutrifft, konnten doch im Jahre 1937 durch 34 Firmen während 6 Monaten rund 500 Arbeiter und in der übrigen Zeit im Durchschnitt rund 200 Arbeiter täglich beschäftigt werden. Für Korrektion und Beläge an dieser bedeutsamen Nordsüd-Verbindung hatte der Kanton Graubünden pro 1937 die Summe von 2,9 Mill. Fr. aufzubringen. Die CIA trat am vergangenen Donnerstag in Bern zu einer Sitzung zusammen, deren Hauptgeschäft das Studium des neuen Tätigkeitprogramms bildete, das nach ihrem Austritt aus der Cosuma erforderlich geworden ist. Dabei wurde beschlossen, der TJeber- •wachung des Benzinmarkte« ein noch erhöhtes Augenmerk zu schenken, sowohl was den Faktor Handel als auch was die Interventionen des Volkswirtscbaftsdepartements anbetrifft. Im weiteren sollen verschiedene Punkte der gegenwärtigen Struktur des Benzinmarktes, deren Regelung nicht befriedigt, einem Sfudium unterworfen werden. Es handelt sich dabei um die Spezialitätenpreis«, die Preise der Zisternenwagen, die Unkosten usw. Verkehrspolitisches Referendum im Kanton Zug. Gegen das Gesetz über den Verkehr mit landwirtschaftlichen Traktoren, sowie gegen den Kantonsratsbeschluss über den Ausbau der Strassen nach Aege.ri und Menzingen ist das Referendum ergriffen worden. Blatt Im Wind. Von Joe Lederer. 31. Fortsetzung. Sie wartete keine Antwort ab, sondern nahm Cary den Hörer aus der Hand. Sehr viel Parfumdunst strömte von ihr aus. Unter der Emailschicht von Puder und Schminke lag eine alte verwelkte Haut. Hennafarbenes Haar, lockige Fransen in die Stirn, wie ein Zirkuspferd. « Hubert ? » rief das Pferd. «Ich bin es. Ja, ich. » Sie nahm mit grossem Schwung den Hut ab. «Of course, it's me. Victoria, yes, Victoria Meyer. Natürlich. Grade zu deiner Frau gekommen. < Sie lächelte Cary an und hielt den Hörer ans Ohr gedrückt. An ihren Fingern glänzten grosse Brillanten. « Well, froh, dass du wieder hier bist. Was ? Ich habe gesagt: froh, dass du hier bist. Dass du zurück bist. So Iong, Darling. » « Now», sagte das Zirkuspferd und hing den Hörer ein. « Hoffe, ich stör Sie nicht, Mrs. Maquardt. Ich wollte Ihnen nur ein paar Blumen, ein paar...» « Dash it! » sagte sie. « Hab sie daheim liegen lassen, nevermind, schick sie Ihnen mit dem Boy. Wie war die Reise ? Oh, Seereisen sind schön. Seeluft ist the best thing in the world. Macht frisch. Sie sehen wunderbar frisch aus. Wie alt sind Sie, darling ? » Sie gingen in den Salon hinüber, Mrs. Meyer sprach, sie machte keine Pause, Golf, Ponys, tanzen Sie gern, lieben Sie Bridge ? < Nein ? Oh, ich liebe Bridge, I'm just crazy about it. > Alle Sätze glatt, alle lackiert, Mrs. Meyer lächelte, sie liess ihre Zähne und Brillanten blitzen. Sie war in vollendetem Mass das, was sie sjch selbst unter einer Dame vorstellte. « Shanghai ist eine wunderbare Stadt. Wir leben so angenehm hier. Eine Art Paris. Kennen Sie Paris ? Ja ? London ? Oh, auch London ?» Sie lächelte und blinkte, nur ihre Augen waren scharf wie Pinzetten. Ihre Augen führten ein separates Leben, eisgekühlt, glanzlos, sie starrten Cary an und legten sie auf die Wage. AUTOMOBIL-REVUE Weltrundfahri im Automobil Einzelheiten aus der Ausschreibung der AIACR. — Ein Trip von Europa oder Afrika aus durch Asien und Amerika. rein touristisches Gepräge an sich trage, wobei Geschwindigkeitsvorschriften, Kontrollen usw. unbekannte Be- renddem die ron Casablanca aus am 24. Oktober startende Gruppe bis zum Sammelplatz Beyruth eine Distanz von 6223 km an bewältigen und mit 16 Tagen zu rechnen hat. Natürlich besteht auch die Möglichkeit, die Tour an irgendeinem Punkte dieser beiden Itineraires zu beginnen, also unterwege zur Kolonne zu stossen. Wahlwelse Möglichkeit, am bis Kalkutta oder Saigon mitzutun. Von Beyruth aus verläuft die Fahrt über Bagdad - Teheran - Quetta - Delhi - Benares nach Kalkutta (7738 km), wo die Kolonne am 8. Dezember eintrifft und wo .sieb, jene Teilnehmer von ihr verabschieden, die ihr Ziel nur bis hieher gesteckt und per Schiff wieder nach Europa zurückkehren. Nach 73- resp. 75tägiger Fahrt, ab Paris oder Casablanca gemessen, betreten sie gegen Jahres- griffe bleiben. Jeder Tourehwagen in gu-endtem Zustand kann sich auf diese Reise wa- Boden des alten Kontinents. Kostenpunkt für diese in Marseille, Genua oder Triest wieder den gen, die selbstredend auch Damen die Teilnahme erlaubt. Wie vorsichtig die AIACR für Mitfahrer, 240 Pfd. St. durchschnittlich für Kategorie: 290 Pfd. St. für den Fahrer, 189 Pfd. St. zwei Personen auf demselben Wagen, wobei die je bei der Festlegung der Route zu Werke gegangen ist, erhellt daraus, dass sie dabei die net sind. 5 Ruhetage in Kalkutta und Bombay miteingerech- Automobil-Clubs oder die Behörden der zu In Kalkutta -verfrachten sich die beiden noch durchquerenden Länder zu Rate gezogen hat. verbleibenden Gruppen aufs Schiff bis nach Singapore, benützen von dort abwechslungsweise Strasse Anmeldungen sind bis 15. Juli 1938 an die und Bahn, um nach weiteren acht Tagen über nationalen Automobil-Clubs zu richten, die Bangkok und Angkor in Saigon einzuziehen. Wiederum last sich hier eine Gruppe von der sie an die AIACR weiterleiten. Reise- «Ich bin sehr neugierig, how you shall like the people hier ! > « Die Chinesen ? » « Mein Gott! » sagte Mrs. Meyer. « Nein ! Die Kolonie. Die Europäer. Die Weissen. Sie werden sehn, was ich meine. Sie sind meistens, wie nennt man das ? Erledigt. China hat sie erledigt. Und wissen Sie, was das Komische ist ? » Cary wusste es nicht. «Sie haben alle keine Ahnung davon», sagte Mrs. Meyer. « Jeder glaubt, er ist lebendig, er funktioniert, — is n't it funny ? > Sie schüttelte das langgestreckte Pferdehaupt. Die ondulierten Stirnfransen glänzten kupferrot. Dann holte sie Atem : «Ich bin so froh, dass Hubert endlich geheiratet hat. Wie haben Sie das fertig gebracht, Liebe ? Oh, ich bin glücklich. Just happy. Endlich eine junge vernünftige Frau hier. Eine gut angezogene. Nein, kein Wort! Gut und diskret. Sie werden sehn, wie unmöglich diese ganzen Taitais hier sind. Sie werden sie ja kennen lernen. Da ist Frau Knotz. Knotz & Company, Sie wissen nicht, nein ? Export und Import, die grösste Firma hier, hat Ihnen Hubert nicht erzählt ? Als Knotz sie kennen gelernt hat, war sie Nurse; ein junges Dienstmädchen, mein Wort drauf. Was ist sie jetzt ? Ein altes Dienstmädchen. Sie spricht von nichts als von Krankheiten. Und die dritte Frau vom Architekten Santos kommt aus einem iBordell. Ich erzähle es Ihnen nur, weil es Ihnen ja irgend jemand sagen muss. Man empfängt sie. Santos zuliebe. Aber selten. Sehr selten. Sie wird sicher noch heute zu Ihnen kommen, nicht nur, weil hier die Ansässigen zuerst Besuch machen, sie läuft jedem Neuen die Türen ein. Sie will Anschluss, das ist es. Just imagine it! Sie benimmt sich wie ein Narr.» « Trinken Sie etwas ? » fragte Cary. « Einen Aperitif ? Eine Limonade ? > Aber Mrs. Meyer schüttelte nur den Kopf. «Nein, danke. Trinken macht fett. I'm on a diät. Ja, da sind also noch Mrs. Denby und Miss Dinah White. Sehr reizend, sehr angenehm. Sie haben den grossen Schneidersalon in Nankingroad. Seit fünf Jahren sind sie hier. Glauben Sie, dass es je einen Skandal gegeben hat ? Nie. Sie kümmern sich um niemanden, leben ganz zurückgezogen. Sie flirten nicht. Sie sind immer zusammen. Dann werden Sie noch Frau Dr. Start am 12. November in Beyruth. Der eigentliche Start erfolgt am 12. November in Beyrouth, das die Teilnehmer entweder von Paris aus über Strassburg ,- Wien - Sofia - Istanbul-Ankara oder von Casablanca aus über Algier- Tunis - Tripolis - Alexandrien - Jerusalem erreichen. Die Anfahrtsroute von Paris aus, das die Teilnehmer am 26. Oktober verlassen, misst 4558' Kilometer und nimmt 14 Tage in Anspruch, wähgemeinschaft: jene nämlich, die in Saigon kehrtmachen wollen, um entweder direkt oder kombiniert mit einem Abstecher nach Niederländischindien ihren heimatlichen Penaten zuzustreben. Landen die «Direkten» nach 111 resp. 113 Tagen Gesamtdauer der Fahrt Mitte Februar in Marseille, so müssen jene, die auf dem. Rückweg noch Batavia berühren, ungefähr 14 Tage zugeben. Für 6ie stellen sich die Kosten auf 560 Pfd. St. für den Bach kennen lernen, und Frau Harden, und Lady Keith, — aber was wollte ich eigentlich sagen ? » Sie strich mit dem Zeigefinger über die schmal gemalte Braue. < Vergessen », sagte sie. « Nein, es war nichts von Lady Keith, obwohl sich da viel... Ist Ihnen Hubert in Wien vorgestellt worden ? » «Nein», sagte Cary. < Ich hab ihn in Palma kennen gelernt Auf einer Veranda.» Schweigen. < Oh ! > sagte Mrs. « Wirklich ? That's lovely.» Grosse sechseckige Hotelveranda, und Huberts Gesicht, « Gefällt Ihnen Palma ? » Wie lang ist das her, das war im März, jetzt ist Juni. Erinnerst du dich ? Vormittag, ein schöner Vormittag, lau, hell, durch die Verandafenster kommt die Sonne, fremdes Gesicht, fremder Mund, eine Sekunde lang den Wunsch gehabt, diesen Mund zu spüren, aber, — Mrs. Meyer sprach weiter, Monte Carlo, Radio, meine kleine Tochter Florence. Und zwischendurch schnelle Fragen : « Sie haben keinen Beruf gehabt, nicht wahr ? Wie hübsch, eine Frau soll auch keinen Beruf haben, absolut nicht.» Kino, Hausboot, Paramount-Ballsaal, ist es wahr, Liebe, dass ihr Onkel Minister ist ? Oh, ich muss jetzt heim, ich muss mich beeilen. Sie stand endlich auf, zog ihr enges Kleid glatt und sah schnell in den Spiegel. Sass alles richtig, Lippenschminke, Puder, Lächeln? Sie schüttelte mit brillantbehängten Fingern Carys Hand. Finger lassen sich nicht schminken. Sie waren knochig, mit faltiger Haut und weit über fünfzig Jahre alt. « So Iong, my dear ! Auf Wiedersehn !» Aber plötzlich, während sie schon in der Tür stand, fielen ihr noch lauter neue Dinge ein, Rennplatz, Moskitos, Montag, Dienstag, Dysenterie, wir müssen uns bald wiedersehn, Donnerstag oder Mittwoch, — wenn ich irgend etwas für Sie tun kann ? t Und der Boy wird Ihnen die Blumen bringen », sagte sie. « Es war so hübsch bei Ihnen, thank you ever so much! > Blank emailliert, hartmäulig, mit strahlendem Lächeln zog sie endlich ab. FahTer, S49 Pfd. St. für Mitfahrer und je 450 Pfd. St. für zwei Personen im gleichen Fahrzeug, währenddem die Reise Paris-Saigon und direkt zurück nach Marseille auf 460 Pfd. St für den Fahrer, 304 Pfd. St. für Passagiere und je 382 Pfd. St. für zwei Personen im nämlichen Wagen zu stehen kommt. China, Japan und USA die weiteren Etappen der Weltreise. Nur noch die eigentlichen «Weltreisenden» setzen von Saigon aus die Fahrt fort, wobei sie «ich, Hongkong und Schanghai anlaufend, zunächst bis Kobe dem Schiff anvertrauen, die Strasse nach Tokio unter die Räder nehmen, um von dort via Honolulu den Stillen Ozean zu überspringen. In 14 Tagen werden die 5969 km von San Franzisko über San Diego - Hot Springs - Nashville - Washington - New York absolviert, wo der Dampfer die Gesellschaft in Empfang nimmt, um sie über den grossen Teich zurück nach Le Havre zu bringen. Offiziell jedoch geht die Fahrt mit der Zurücklegung der Etappe Le Havre - Paris am 29. März nach 155 resp. 157 Tagen zu Ende. Es ist ein respektables Pensum, das dabei erledigt wird, bringen doch die von Paris aus gestarteten Teilnehmer eine Distanz von 21,567 km, jene, die sich Casablanca als Ausgangspunkt erkoren, gar 23,232 km hinter sich. Zwei Worte noch über die «Preisfrage» für die ganze Reise rund um die Welt: Routenführunjf der von der AIACSR veranstalteten Rundfahrt um die Welt. Ausgangspunkte: Paris und Casablanca; Endpunkt: Paris. der Fahrer zahlt 616 Pfd. St., Mitfahrer 398 Pfd. St. und für zwei Personen im selben Wagen erreichen die Gesamtausgaben je 507 Pfd. St Wozu schliesslich beizufügen wäre, daas da« beim ACS erhältliche Reglement über alle weitem Einzelheiten Aufschiusa erteilt — und dass sich die AIACR das Recht vorbehält, die Veranstaltung abzusagen, sofern nicht mehr wie 40 Anmeldungen dafür eingehen. HHNHEAG, 26. APRIL 1938 — N° 34 Der Salon schien noch stiller geworden zu sein. Cary blieb noch eine Weile sitzen. Das grosse Haus schwieg. Die Wände waren stumm. Der Vormittag in Palma war ein Vierteljahr her. Cary blieb mit halbgeschlossenen Augen sitzen Sie rauchte eine Zigarette an und zerbrach das Streichholz in Meine Stücke. In der Halle schlug es halbeins. Wie lang ist ein Tag? Als sie später unter der Dusche stand, schlug es zwei. Die Amah zog ihr die Schuhe an, das Hemd, sie liess altes mit sich geschehn, sie war nicht müde, aber von einer fiebrigen Erschöpftheit, von einer zitternden Ungeduld, einer Spannung, die kein Ziel, keinen Grund und keine Erlösung hatte. Später, als sie vor dem Toilettetisch sass und die Amah ihr vorsichtig das Haar bürstete, hörte sie unten das Auto. Sie schob die Hand mit der Bürste fort, den Sessel, sie lief hinunter, ohne die Tür hinter sich zu schliessen. Hubert kam gerade in die Halle. Er sah erhitzt und müd und zerstreut aus. « Cary, ist es spät geworden ? Langweiliger Vormittag gewesen ? » « Nein >, sagte sie. « Es war sehr schön. Ich hab mir ausgedacht, wir könnten in die Stadt fahren. In die Chinesenstadt. » « Ja », sagte er, ohne zuzuhören. < Natürlich. » Er sah sich um und rief: « Cheng ! » Er war ein ganz anderer Mann, als der, der nachts bei ihr im Bett gelegen. c Müd ? » « Scheusslich », sagte er. « Müd, verdurstet, und nachmittag kommt sicher eine Menge Besuch. » Cheng kam an, ein Tablett mit Whisky in der Hand, um es in den Salon zu tragen. c Gib her », sagte Hubert. « Du auch, Cary ? Kleinen Schluck ? » « Nein, nicht jetzt.» Er trank das Glas gierig aus. Braune Bernhardineraugen, abwesend, erfüllt von Leere. Als sie in den Salon gingen, zog er sie plötzlich an sich. Er sagte nichts, er hielt sie an sich gepresst, das Gesicht in ihr Haar gedrückt. Nebenan rückte Chene die Sessel zurecht. (Fortsetzung folgt.)

N» 34 — DIENSTAG. 26. APRIL 1938 AUTOMOBIL-RCVUC Die 2. Nationale Gelände- und Orientierungsfahrt Santschi-Bernath (La Chaux-de-Fonds) auf Peugeot in Front. Die Mannschaft Niklaus-Hohl (Riley) schwingt bei den Amateuren obenauf. Oberleutnant Jacques Sieger in der Militärprüfung. Die 2. Auflage der nationalen Geländeund Orientierungsfahrt, die am letzten Sonntag, von der Sektion Neuenburg des ACS untadelig organisiert, von Stapel ging, bleibt ihrer Vorgängerin vom letzten Jahr, für welche die Sektion Zürich verantwortlich gezeichnet hatte, in keiner Beziehung etwas schuldig. Ja, man könnte das Fazit der Neuenburger Konkurrenz vielleicht sogar dahin zusammenfassen, dass sie sportlich und technisch gesehen ihrer Vorläuferin überlegen war. Vergleicht man nämlich die Resultate, so stösst man auf die Feststellung, dass 1937 zwei Teilnehmer die Prüfung strafpunktfrei absolvierten, währenddem der Sieger vom vergangenen Sonntag immerhin zwei Strafpunkte in Kauf nehmen musste und schon der Zweite sein Konto bereits mit deren 16 «geschmückt» sah. Im Vorjahr dagegen rangierten nicht weniger als 19 Mannschaften zwischen 3 und 16 Strafpunkten. Woraus erhellt, wie hart die Aufgabe war, welche die Teilnehmer an der « Neuenburger Prüfung » zu bewältigen hatten. Verhielt sich das Wetter im grossen und ganzen noch recht gnädig, so bedachte es die Teilnehmer ausgerechnet in dem Moment mit Regen, da sie die Hänge des Chaumonts erklommen. Mit List und Tücke hatte der Präsident der Neuenburger Sportskommission, Herr Chätelanat, die Route ausgeheckt. Von der Idee ausgehend, dass der moderne Wagen von heute überall durchkommt, wählte er eine Strecke, die überreich gespickt war mit schmalen Wegen, engen Kurven und beängstigenden Steigungen. Dass bei diesem Charakter des Parcours, der « normale» Strassen sozusagen grundsätzlich mied, auch allerhand Anforderungen an das Orientierungsvermögen und die Karteniesekunst gestellt wurden, darüber ist weiter kein Wort zu verlieren. Die Sieger durchwegs < Junge ». Gegen jede Erwartung fiel der Sieg an Fahrer, die sich automobilsportlich bisher kaum hervorgetan hatten, er fiel — und das ist vielleicht eines der überraschendsten Ergebnisse des Tages — auf der ganzen Linie an Junge. Bei den Experten sohoss die Mannschaft Santschy-Bernath — b«im letztern handelt es sich um den schweizerischen Skimeister — den Vogel ab und erzielte gleichzeitig die beste Tageszeit; in der Klasse Amateure sicherten sich die jungen Berner Niklaus-Hohl den ersten Platz und in der geschlossenen Militärveranstaltung kam Oblt Jacques zu Siegerehren. Gleichzeitig klassierte er sich als zweiter in der für die Sektion Neuenburg des ACS und die angrenzenden Sektionen reservierten Konkurrenz, an deren Spitze als Sieger wiederum Santschy marschiert, der Mann mit der besten Tageszeit 43 am Start — 33 am Ziel. Von den 45 Angemeldeten erschienen 43 am Start. 33 davon gingen durchs Ziel, was einem Ausfall von rund 24 % entspricht, eine Bilanz, welche die Vermutung aufkommen lassen könnte, als sei die ganze Sache ein Kinderspiel gewesen. Ein Blick auf die Resultatliste lehrt indessen das Gegenteil. Nicht nur, dass unter den Erstklassierten die ex aequos durch völlige Abwesenheit glänzen, die 33 «Ueberlebenden» folgen sich in Abständen, die deutlich genug erkennen lassen, welche Sorgfalt die Organisatoren auf die Ausarbeitung des Reglements verwendet hatten. Am Start. Von 9.80 Uhr an wurden die Konkurrenten beim College de la Promenade in Neuenburg in Intervallen von 5 Minuten auf die Reise geschickt. Fahrer und Mitfahrer fassten Posten beim Chronometertisch, wobei der Motor abgestellt sein musste. Im Augenblick des Startsignales erhielten sie eine gelbe Karte in die Hand gedrückt und stürzten sich auf den Wagen, um die Serie ihrer Aufgaben mit einer Startprüfung zu eröffnen, darin bestehend, dass sie binnen 10 Sekunden den Motor in Gang ca bringen und den Chronometrierschlauch zu überfahren hatten. Gelang die Uebung vorbei, so wurden dafür 20 Strafpunkte zudiktiert, die jedoch bloss im Falle eines ex aequos im Gesamtklassement Berücksichtigung fanden. A propos gelbe Karte: Sie gab Aufschluss über die Kilometerzahlen und die Maximalzeiten einer jeden der sechs Etappen, welche die Veranstaltung umfasste. Auf den 5 Coupons welche an den Kontrollposten abgetrennt wurden, vermerkten die Chronometreure die auf der Karte eingetragenen Zeiten. ...und was sich unterwegs begab. Der erste Abschnitt führte die Meute der Konkurrenten von Neuenburg nach Ruchenacker, südwestlich dea Bielersees, wobei sie 500 m nordöstlich von Tschugg an einer Kreuzung die erste Kontrolle zu passieren hatten. Um die Angelegenheit etwas «reizvoller» zu gestalten, hatten die Organisatoren die guten Strassen mit konstanter Boshaftigkeit gesperrt, was nichts anderes hiess, als dass man sich eben anders zu helfen suchen musste. Schien es auf den ersten Blick, als ob sich die Nuss mit Leichtigkeit knacken lassen würde, so erlebten di^ Teilnehmer unterwegs allerhand Ueberraschungen von der weniger sympathischen Sorte. Mit der Benützung der Hauptstrasse von Neuenburg nach St-Blaise ist es nämlich nichts. Bleibt also keine andere Wahl, als den Weg nach St-Blaise «obenherum» zu suchen. Aber da erwartet die Konkurrenten abermals ein Hindernis: Der Niveauübergang darf nicht geguert werden. Was also tun? Man hält sich «mehrheitlich« an die Hauptstrasse bis Cornaux, um dann über Champion nach Tschugg und Erlach abzuzweigen und dem ersten Ziel in Ruchenacker zuzustreben. Für eine Distanz von 23 km stand auf dieser Etappe eine Maximalzeit von 28 Minuten zur Verfügung, deren Uebersohreitung mit Strafpunkten geahndet wurde. Was denn auch einem ganzen Schock der Teilnehmer blühte. Bereits erlebte man hier auch schon die erste Aufgabe: Die Mannschaft Borle schied aus, weil es ihr nicht gelang, den Kontrollposten zu finden. Am Ende einer jeden Etappe erst erfuhren die Teilnehmer Näheres über das, was ihnen während der folgenden harrte. Für den zweiten Sektor befand sich die Zeitkontrolle in La Praye. nordöstlich von Ligerz, das im Hinblick auf die Sperrung der Hauptstrassen abermals auf Nebenwegen erreicht werden musste. 2ö Minuten Maximalzeit waren für die Distanz von 21 km eingeräumt worden. Dass es auch hier ohne allerhand programmwidrige Intermezzi nicht abging, lag sozusagen in der Natur der Sache. Schluss 4. Spalte unten. AMATEURE 1. Nikiaus P. 2. Haller F. 3. Trümpy A. 4. Dold 0. 5. Dietrich H. 6. v. Tscharner H. K. 7. Haldimann E. 8. Antiglio A. 9. Ex-aequo Locher W. Schäfer E. W. 11. Scherer A. 12. Zupp 13. Schaerer W. Stumm EL EXPERTEN 1. Santschy W. 2. Weber H. 3. Scheibler A. 4. Trösch M. A. C. 5. Vasicek F. 6. Dattner A. 7. Stich H. 8. Campolongo E. 9. Delmarco F. 10. Möbus Ed. Portmann H. Rampinelli B. Pe"riat H. MILITÄR 1. Oblt. Jaques Ed. 2. Lt. Vogel B. 3. Lt. Stuber B. 4. Oblt. Scherer A. Oblt. Tschannen F. RES. KATEGORIE 1. Santschy W. 2. Jaques Ed. 3. Rondin H. 4. v. Tscharner H. K. 5. Baumgartner M. 6. Patthey H. 7. Stich H. 8. Cohn F. 9. Segessemann L. 10. Moebus Ed. 11. Heilbrunn O. Borle A. Bloch R. Baer-Stark R. Blattner M.-N. Paquin Ch. Tarchini A. Röthlisberger R. Anmeldefrist bis 31. Mai Wabern Burgdorf Glarus Zürich Zürich Bern Bern Fribourg Zürich Bern Basel Zürich Zürich Basel Resultate Beifahrer Hohl W., Bern Haller H., Zürich Heer F., Zürich Maag M., Zürich Müller H., Bern Mathys W., Bern Hämiker, Bern Riva J., Fribourg Sauter W., Zürich Schäfer K., Bern Spichtin M., Muttenz Luisoni A., Zürich Froelich G., Zürioh Eis Dr. H., Riehen Chaux-de-Fond8 Bernath W., Chaux-de-Fonds Suhr Suter A., Muttenz Laupen Hurni E., Gurbrü Zürich Sprüngli R., Kilchberg Zürich Bodmer R., Zürich Zürich Hug H., Zürich Chaux-de-Fonds Zimmermann A, Chaux-de-Fonds Zürich Eberhardt G., Zürich Yverdon Pahud J., Yverdon Lausanne Möbus Mme., Lausanne Basel Rodemeyer Th., Binningen Basel Mösch G., Arlesheim Fahy Germod M., Neuenburg Zürich Schmid P., Zürich Beifahrer Chaux-de-Fonds Jacot T., Chaux-de-Fonds Aesch v. Bidder H., Basel Ölten Lt. Studer H., Solothum Basel Plt. Spichtin H., Muttenz Oensingen Hirt A., Biel Chaux-de-Fonds Bernath W., Chanx-de-Fonds Chaux-de-Fonds Jacot T., Chaux-de-Fonds Ciarens Lang G., Montreux Bern Mathya W., Bern Lausanne Oulevey R., Lausanne Neuenburg Röthlisberger F., Thielle Chaux-de-Fonds Zimmermann A., Chaux-de-Fonds Chaux-de-Fonds Schoepf M., Morteau Neuenburg Zaugg J., Bern Lausanne Moebus Mme., Lausanne Neuenburg Trüb W., Neuenburg Chaux-de-Fonds Borle Mme., Chaux-de-Fonds Chaux-de-Fonds Bloch J. G., Chaux-de-Fonds Chaux-de-Fonds Pretre A., Chaux-de-Fonds Neuenburg Blattner Meile., Neuenburg Lausanne Strebel R., Lausanne Fribourg Henn W., Fribourg Thielle Röthlisberger Mme., Thielle KLASSEMENT VON NEUENBURG (Sektion Neuenbnrg) 1. Patthey H. 2. Segessemann L. Blattner M.-N. (eliminiert) •) Nichtklassiert infolge Zeitüberschreitung. **) Aufgegeben. ***) Nicht gestartet. Strtf punkte Kfley 1496 16 B.M.W. 1971 21 M. G. 1292 25 B. M.W. 1490 27 Alfa Romeo 1757 28 M. G. 1292 29 Lancia 1196 30 Terraplane 2724 37 Plymouth 3298 37 Dodge 3569 37 Fiat 995 45 Fiat 1090 48 Fiat 1500 56 Opel 1100 •) Peugeot 1991 2 Hansa 1088 21 Bugatti 2995 27 Fiat 1090 29 Fiat 1500 29 Fiat 1093 32 Fiat 1090 33 Hanomag 1494 46 Lancia 1335 49 Aero 998 54 Ford 3600 *) Opel 1500 •) Peugeot 1991 •*) Vauxhall 1203 **) Strafpunkte Renault 3600 19 Wanderer 1720 22 De Sotto 2766 33 Fiat 995 45 *••) Peugeot 1991 2 Renault 3600 19 Ford 3625 25 M. G.1292 29 SS 2660 30 Lancia 1352 32 Fiat 1090 33 Fiat 1100 34 Peugeot 1133 35 Aero 998 64 Austin 750 60 Peugeot 1990 *•) Lancia 1350 **) Talbot 1990 *) Alfa-Romeo 2309 •) D. K. W. 680 •) Ford 2212 *) Fiat *•*: Ein neues Croquis, das ihnen bei der Kontrolle in La Praye überreicht wurde, informierte die Teilnehmer über ihr drittes Pensum. Rendez-vous bei der M6tairie Lordel lautete die Parole. Abermals hob ein fieberhaftes Suchen nach der richtigen Route an, denn sogar die drittklassige Strasse La Praye—Lignieres war mit einem Fahrverbot belegt worden. Hatte man die Kontrolle in Le Moulin endlich aufgestöbert, dann hiess es über Lignieres den Ghronometerposten bei der Metairie Lordel ansteuern. Mit einer der schwierigsten Aufgaben wartete der vierte Sektor, in dessen Verlauf die Höhen des Chasserals und des Chaumonts traversiert werden mussten. Und als ob es damit nicht schon genug gewesen wäre, setzte ausgerechnet hier Regen- und Schneetreiben ein. Ueber Villiers, nordöstlich der Val de Ruz, verlief die vorgeschriebene Strecke zum Punkt 1179, wo sich eine Kontrolle eingenistet hatte. Der Chronometerposten dagegen hauste einen Kilometer von Villlers entfernt auf der Strasse nach Le Päquier. Und dieses Teilstück hatte es ganz besonders in sich, nicht zuletzt auch deshalb, weil es unter einer 20 cm tiefen Schneedecke begraben lag. Hier ereignete sioh denn auch der glücklicherweise einzige Zwischenfall des Tages. P6riat geriet ins Schleudern, etiess mit dem Wagen Scherers zusammen, der dabei etwelchen Schaden nahm und landete nach einem Sturzflug im Graben. Mit blossem Sachschaden lief die Episode aber noch glimpflich ab. Für die vorletzte Etappe galt als Startpunkt der in Villiers gelegene Chronometerposten des vorhergehenden Abschnittes. Nach dem Anfahren der Kontrolle bei der Tramhaltestelle von Chezard galt es, den Chronometerposten aufzusuchen, der sich an der Strassenkreuzung nordöstlich Les Grattes installiert hatte. Aufzusuchen: Leichter gesagt als getan; denn wiederum machten perfide Strassensperrungen den Konkurrenten schwer zu schaffen und wiesen sie auf Seitenwege, deren Befahrung durchaus nicht zu den Annehmlichkeiten des Lebens gehörte. Bei einer Distanz von 27 km war den Teilnehmern für die Bewältigung dieses Sektors eine Maximalzeit von 34 Min. eingeräumt. Der eine und andere der Teilnehmer mag hörbar aufgeatmet haben, als er in Les Grattes erfuhr, dass ihn das Ziel neben einem Flugzeugschuppen in Planeyse erwarte. Immerhin, es gab auch jetzt noch der «Schwerarbeit» genug. Vom Bahnhof Boudry aus, der die Kontrolle beherbergte, führte der Parcours über das Flugplatzgelände zum Ziel, wobei es sich die Veranstalter angelegen sein Hessen, den Konkurrenten vor Torschluss noch schnell eine Falle zu stellen, aus der sich nur gerissene Kartenleser strafpunktfrei herauszuwinden vermochten. Die Sache war nämlich die. dass es nur eine einzige Möglichkeit gab, das Ziel Planeyse direkt zu gewinnen, ohne auf Irrwege zu geraten. Soviel in kurzen Worten über die Streckenanlage, wozu noch bemerkt sei, dass neben den regulären und bekannten auch noch geheime Kontrollen ihres Amtes walteten, auf den für die Teilr nehmer als verboten erklärten Strassenstücken nämlich. Ziehen wir die Bilanz, so lässt sie sich in die Worte zusammenfassen, dass die Veranstaltung ihrem Namen als Gelände- und Orientierungsfahrt in jeder, aber auch wirklich jeder Hinsicht gerecht geworden ist und die Fähigkeiten der Fahrer wie der Mitfahrer auf eine ausserordentlich harte Probe gestellt hat.