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E_1939_Zeitung_Nr.002

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II Automobil-Revue —

II Automobil-Revue — N° 2 Autofahren in New York Film und Wirklichkeit - Der Autostrom ein kompaktes Fluidum Was ist ein «Ticket»? «Habt ihr jenen Film auch gesehen? Den Titel habe ich vergessen, aber ihr wisst schon, welchen ich meine. Er handelt von New York..., herrliche Autos, elegante Frauen, reiche Amerikaner», sagte der junge Mann. «•.. und Broadway at night. Ach, wie gerne möchte ich einmal in New York sein und selbst Auto fahren.,., am Broadway bei Nacht, — in der 5th Avenue, zum Einkaufen. Alle die schönen und reichen Leute sehen, das muss ein Erlebnis sein, — traumhaft wie in jenem Film», meinte die junge Dame. Auto fahren in New York ist ein Erlebnis, aber nicht traumhaft wie im Film. Traumhaft ist vielleicht die Ziffer der im Verkehr stehenden Wagen im Vergleich mit der Summe der Unglücksfälle, — denn diese ist gering. Und traumhaft sind die Bremsen der Wagen, sie sind so stark, dass es vorzuziehen ist, vorne im Auto Platz zu nehmen neben dem Chauffierenden, denn der im Fond Sitzende wird doch ewig nach dem Vordersitz geworfen. Dann sind der Traum und der Film zu Ende und das andere muss man erleben. Richtungswinker, wie sie bei uns heute an jedem Wagen angebracht sein müssen, gibt es hier keine. Man benutzt den Arm und winkt damit seine Fahrtrichtung dem andern zu. Aber auch das wird nicht immer getan, besonders nicht bei Regentagen, wenn der Arm nass wird, oder an kalten Tagen, wenn durch die offenen Fenster zuviel Winterstimmung hereinweht. In diesem Falle gibt es nur ein Mittel: dem Fährer bleibt nichts anderes übrig, als zu denken! Und er denkt sehr angestrengt, er treibt Psychologie/ — Man fährt in einer doppelten, dreifachen oder noch breiteren Reihe gleichlaufender Autos. Nun gilt es zu erraten, was die Fahrer vorne und die auf der Seite im Sinn haben, und seinen eigenen Weg den hinten Nachfolgenden bewusst zu machen. Man ist nicht allein, man hat Kontakt mit all den umliegenden Fahrzeugen. Man fährt in einer Art «kompakten Fluidums» und versteht sich, — Augen links, rechts, vorne, im Spiegel nach hinten und wieder nach vorne, hinauf nach den Signalen. Denken, und wieder denken, immer konzentriert weiter denken, — sonst sitzt man doch einmal im Blech des andern. — Gas..., Bremse..., Gas..., Stop! Fühlen... I dort will ein Wagen wahrscheinlich nach links ab, also langsamer fahren. Stop —? Ja, man «fühlte» richtig. Er ist links um die Ecke, ab. Weiter ..., überholen? Ja, es geht. Der links hinten Folgende «fühlte» es zur richtigen Zeit und, etwas zurückbleibend, hat er Raum gelassen, dass man vorfahren kann. — Es ist ein Erlebnis zu fahren, aber ein anstrengendes. Es verlangt viel Denken! Weiter geht's..., Gas. — Dann Strassen ohne Signal — und doch stoppt die ganze Kette: zwei Strassen weiter vorne ist ein rotes Licht, d. h. an jeder Querstrasse ohne Signal, so weit das Signal sichtbar ist, muss bei rot angehalten werden. Oh, Menschenkind, wenn du kurzsichtig bist! Der Polizist ist nicht kurzsichtig, auch wenn er viele Querstrassen weiter weg steht. Er kommt. Du erhältst ein »ticket» wegen Ueberfahren des roten Signals und du musst vor Gericht zu einer möglichst unangenehmen Alles klingt noch lels Alle» htintt noch leis in mir, las* es weiter klingen, einmal wird's von mir zu dir urgewaltig schwingen. Stunde, Du gibst dir Mühe und bist pünktlich dort. Schon hundert andere stehen Schlange und warten. Du wartest geduldig mit ihnen und ersinnst eine Ausrede. Die vor dir Stehenden tun dies alle auch. Sie sind alle «kurzsichtig» oder «bekamen die schreckliche Nachricht, dass sie dringend ins Spital zu einem Sterbenden eilen sollten.» Nun sind sie hier, und wie du müssen sie 2 Dollars oder 5 bezahlen (9 Fr. oder 23) oder sogar 24 (105 Fr.) und bekommen einen Vermerk auf dem Führerschein. Wenn man nach diesem «Ticket» glaubt, durch Erfahrung klug geworden zu sein und furchtbar angestrengt aufpasst, ja nie mehr bei rotem Licht zu fahren, so passiert etwas anderes. — Entweder man muss plötzlich beim Ausschalten des grünen Lichtes, — was besagt, dass in 2 Sekunden das rote leuchtet, — stark bremsen. Man verspürt dann von hinten einen unsanften Stoss, Der nachfolgende Fahrer machte einen psychologischen Fehler ! Er «dachte», indem er sich nach deiner Geschwindigkeit richtete, du fahrest noch schnell hinüber. Falsch! Du stopptest. 1, 2, 3... auf dem Fleck, er musste auch, — aber deine Nummer hinten sitzt nun etwas loser, wie du beim Weiterfahren an einem bestimmten ratternden Geräusch erkennst! Wieder eine neue Erfahrung, und man versucht, diesem körperlichen Kontakt mit dem andern Wagen auszuweichen, indem man noch schnell fest Gas gibt, um beim Wechsel des grünen Lichtes vor dem roten durchzukommen. Da wird man sich erst bewusst, wie schön es ist, einmal schnell zu fahren auf diesen schönen Betonstrassen. Man überhört das Rattern eines Motorrades ... Und wird von diesem Motorrad überholt und angehalten. Die Polizei, schon wieder!;: Der Polizist beweist einem, dass man die 35- Meilen - Geschwindigkeitsgrenze überschritten hat und überreicht einem ein «Ticket». — Die Frage des Parkierens in der Stadt stellt weitere Denkaufgaben: Nie ist Platz zu finden, wenn man gerne seinen Wagen entlassen möchte. Man sucht verzweifelt und sucht immer weiter im Umkreis, und endlich winkt eine günstige Lücke. Einen Moment lang wundert man sich, warum hier nicht schon längst ein anderer Wagen steht. Dann «knorzt» man sich hinein und parkiert auf den Zentimeter brav. Ein Polizist kommt vorbei und klopft ans Fenster: «Bitte, wie heissen Sie? Wo wohnen Sie? etc.» Schreck! Man steht vor einem Hydrantenanschluss, der für die Feuerwehr freigelassen werden muss. — Aber endlich, zum Schluss ist der Wagen richtig parkiert und « safe» an einer stillen Strasse. Man ist froh ihn los zu sein, besteigt ein Taxi und macht seine Einkäufe; dabei kommt es vor, dass man ganz vergisst, in welcher Strasse man parkiert hat! Später kommt man zurück zu seinem Wagen und freut sich, nach Hause fahren zu können, Da, zwei Neger jungen schütteln über die Stromlinienkotflügel und quietschen laut vor Freude. Ein dritter Junge versucht die Kapsel einer Orangen-Limonadenflasche an der Nummernkante zu öffnen und gleitet immer aus. Es kratzt an der Nummer ... Wirklich — es ist ein Erlebnis, in New York selbst zu fahren! mll. Einmal wird, was letzt noch Klang, fordernd sich erheben, Lust durchglüht and selig bang fällen Stund und Leben. Heinrich LSmmlia. Kürzlich war im «Prager Tagblatt» folgende Schilderung. Da der 1, April schon längst vorüber ist, müssen wir dem genannten Blatt die Mär einfach glauben. Es schreibt: Gestern fuhr ein winzig kleines Auto über den Wenzelsplatz: ein geschlossenes Wägelchen, in der Form der Aero-Wagen und 98 als Garage und das Kellerfenster als Einfahrt benützen. Die Polizei von Kairo hat einen Achtzigjährigen festgenommen, weil er sich nicht weniger als dreissigmal verehelichte und nun neuerdings den Ehebund mit einer Sechzehnjährigen eingehen wollte. Die dreissig Frauen haben ihm ebensoviele Söhne geschenkt, und diese waren es, die sich gegen den Willen des Vaters auflehnten und die Behörde von seinem eigenartigen Vorhaben in Kenntnis setzten. Dem Kommissar erzählte er, dass nur nach seinem Beispiel die Heiratskrise behoben werden könne. Ausserdem habe nur der Staat einen Nutzen durch sein grosses Herz, denn kein Ehebund bleibt ohne Kinder, und nachdem diese meist Knaben sind, so hat er allein dem Staate fast hundert Soldaten garantiert. Die Behörde hat sich nicht von diesen gemeinnützigen Handlungen betören lassen und den achtzigjährigen Bräutigam den Psychiatern zur Beobachtung übergeben. Nach einer Meldung aus London hat die Wissenschaft wieder einmal eine neue, verblüffende Erfindung gemacht: es ist gelungen, feuchteres Wasser herzustellen. Das Geheimnis des «nasseren» besteht im Zusatz eines neuen synthetischen Alkohols, seine Vorteile liegen auf verschiedenen Gebieten. Für die Textilindustrie vor allem ist es sehr wichtig, dass Garne, die sonst mindestens einige Minuten lang im Wasser liegen müssen, um die notwendige Feuchtigkeit anzunehmen, mit Hilfe des «nassen» Wassers bereits nach wenigen Sekunden getränkt sind, ein Umstand, der In der Weberei wesentliche Zeitersparnisse mit sich bringt. Ein anderer Vorteil der Erfindung liegt in ihrer Fähigkeit, die Luft rasch und gründlich zu reinigen. Wird gewöhnliches Wasser in einem Raum oder auf der Strasse gesprengt, so fällt es nebelartig und mit Staub gesättigt abwärts. «Nasses» Wasser dagegen reinigt die Luft augenblicklich vollkommen von Staub. femt und wurde seither vermisst. In einer der letzten Nächte hatte nun die Schwiegertochter des Vermissten einen Traum, in dem ihr der alte Mann erschien und sie bat, ihn zu einem in der Nähe befindlichen Brunnen zu führen. Als man auf Verlangen der Frau bei dem Brunnen nachsuchte, fand man tatsächlich am Brunnenrand die Mütze des Vermissten und später im Brunnen selbst die Leiche des Greises. Der alte Mann war offenbar Zentimeter hoch. Schliesslich blieb das Mi-währenniaturauto stehen, und der Erbauer dieses schacht gestürzt und ertrunken. eines Schwächeanfalls in den Brunnen- sonderbaren Fahrzeuges erklärte Passanten, bei denen es Aufsehen erregt hatte, es enthalte einen BSA-Motor von 175 cem Inhalt und erreiche fast 65 km/St. Geschwindigkeit. Wie Den Tod des eigenen Kindes vorausgetraumt grosse Wagen, sei auch sein Liliput-Auto mit In Böhmen « hat sich folgendes zugetragen: Bei Schwingachsen und Vierradbremse ausgestattet. Es wiege nicht ganz 100 Kilo und könne strengem Verbot des Lehrers im Betschwa-Fluss. einem Schulausflug badeten mehrere Schüler trotz ohne weiteres in die Wohnung getragen werden. Als Garage dient das Vorzimmer oder eine tiefe Stelle "und ertrank. Besonders tragisch Dabei geriet der zwölfjährige Ljubomir Koller in der Balkon. Wenn nur wenig Platz vorhanden ist der Vorfall deshalb, weil sein Vater in der vorhergegangenen Nacht geträumt hatte, er sehe ist, kann man das Auto mit einer Oese, die sich am Heck befindet, wie einen Mantel aufhängen. Uebrigens könne man auch den Keller Knaben noch ausdrücklich gebeten, nicht ins seinen Sohn im Wasser verschwinden. Er hatte den Wasser zu gehen. Aus dem Film «Die gute Erde» Phänomene dieser Zeit Ein tragbares Auto Achtzigjähriger Aegypter hat dreissig Frauen Hasseres Wasser! Ein Traumphänomen Hellseherische Traume Jimmy Tansey, ein in Amerika sehr bekannter Rundfunksprecher, besitzt eine merkwürdige Eigenschaft (deren Vorhandensein er bereits des Ottern unter Beweis gestellt hat): er träumt niemals von irgendeiner Person, die er nicht innerhalb der nächsten 48. Stunden persönlich trifft. Alte Bekannte aus früheren Jahren, von deren Anwesenheit in New York er überhaupt keine Ahnung hat, tauchen plötzlich in seinen Träumen auf und — laufen ihm an einem der nächsten beiden Tage über den Weg. Augenscheinlich handelt es sich hier um eine eigentümliche Art des Hellsehens. Die Eisenfresser Die französische Fachzeitschrift «Sfrasbourg- Medical» erzählt eine nette Geschichte, die sich vor etwa 25 Jahren in einem französischen Gefängnis abspielte. Hatte da ein Sträfling — sei es in selbstmörderischer Absicht oder nur, um ins Spital zu kommen — aus dem hölzernen Fussboden einen grossen Nagel herausgezogen und verschluckt. Der Gefängnisarzt verordnete an Stelle jeder anderen Kur einen Extra-Brotlaib und eine Riesenschüssel Kartoffelsalat — und am nächsten Tag war der Nagel schon wieder sozusagen ans Licht gekommen, ohne die geringste innere Verletzung verursacht zu haben. Acht Tage später bat der Gefängnisverwalter den Arzt zu sich: «Sie haben mir da einen schlechten Dienst erwiesen, Doktor!» schimpfte er. «Wenn's so weitergeht, hab" ich bald keinen einzigen Nagel mehr in meinen Fussböden — alles wegen dem verdammten Extrabrot und Kartoffelsalat, die meine Herren «Gäste» sich verdienen wollen...» Da macht das Thermometer nicht mehr mit Ein seltenes Traumphänomen wird aus Term gemeldet. Der 81jährige Domenico Trustulle hatte sich vor einigen Tagen aus seiner Wohnung entin den letzten Jahren schien es, als ob der kälteste Punkt, der sog. Kältepol der Erde, die ostsibirische Stadt Werchojansk an der Lena, im nördlichsten Amerika Konkurrenten um seinen Ruhm erhalten sollte. Eine Temperatur von —76° C, wie sie in Werchojansk im Jahr 1885 beobachtet worden war, ist zwar inzwischen nirgends festgestellt worden, aber wiederholt hat Nordamerika niedrigere Temparaturen gezeigt als Sibirien. Soeben aber kommt aus Werchojansk eine Meldung, die für diese Jahreszeit die Rekordkälte von —49° berichtet, eine Temperatur, die um diese Zeit auch an der Lena noch niemals gemessen wurde.

N°2 Die Zeit der Hochblüte bürgerlichen Wohlstandes, das zweite Drittel des XIX. Jahrhunderts, Hess eine Form der Unterhaltung entstehen, die in glücklichem und schlauem Erfassen des Zeitgeistes einen bedingungslosen Erfolg auf der ganzen Welt haben sollte: das Variete. Während der Zirkus schon längst seine Anziehungskraft bewiesen hatte, musste das aus ihm hervorgegangene Varieie' mit seinem abwechslungsreichen, theatermässig abrollenden Programm erst seine Daseinsberechtigung beweisen; es gelang ihm sozusagen über Nacht. Allerdings verstand man es von allem An» fange an, die wohlhabenden, mondänen Kreise, die vielleicht den Besuch eines Zirkus als eine Entwürdigung ihrer durch Geld und rasch nachgeholte vornehme Erziehung erworbenen Stellung betrachteten, dadurch für das Variete zu gewinnen, dass man das bunte Programm, das ja zum grössten Teil auch in einem Zirkus hätte vor sich gehen können, in einem prächtigen Rahmen sich abspielen Hess. In geschickter Verbindung mischte man also Zirkus mit Theater, wobei das Theater den äusseren »ornehmen Rahmen und der Zirkus das Programm gaben. In kürzester Zeit hatte sich das Variete die ausgesprochene Gunst des reichen, eleganten Publikums erworben; und bald kamen auch die anderen Kreise, denen früher der Zirkus Unterhaltung bot. Grosse Variete-Unternehmungen _ errangen Weltruhm, wie der Wintergarten in Berlin, der Ronacher in Wien, der Krystallpalast in Leipzig, das Liebichtheater in Breslau, das Royal Orfeum in Budapest Die Zeiten wurden härter, leicht erworbener Wohlstand schwand ebenso leicht dahin, Stürme erschütterten die Welt, neue Kunstgattungen, besonders der Film, der Rundfunk, traten als schärfste Konkurrenten des Varietes auf: das Varield aber blieb, ja, es gewann immer neue Freunde. Die Häuptanziehungskraft des Varietes liegt eben in der Güte der Vorführungen, in den Leistungen der Artisten. Der Direktor, der seine Kunst, oder sagen wir besser: sein Handwerk, versteht, sorgt durch richtige, schlagende Zusammenstellung des Programms dafür, dass das Publikum nicht ermüdet, nicht zur Ruhe kommt. Wenn auch zum Beispiel die atemberaubenden, tollkühnen Leistungen der Luftteufel, die durch den Raum schwingen, wieder aufgefangen und wieder Pfeilen gleich über die Köpfe der Zuschauer hinweggeschleudert werden, von den mehr sanften Dressurakten reizender Hunde oder Katzen abgelöst werden: kaum dass man aufgeatmet hat, folgt schon .^Lieder eine aufregende Nummer, Kunststücke eines Fakirs oder einer Fakirin, die unglaublichen Kunststücke eines Jongleurs oder die Gruppenarbeit starker Parterreakrobaten. Auch der Humor kommt immer wieder zu seinem Rechte; zwar fehlen die vom Zirkus her bekannten Clowns, dafür aber erscheint der weltberühmte Musikhumorist oder der Zauberer, der seine unheimlichen, unfassbaren Künste mit Scherzen verziert, so dass man über Kopfschütteln und Lachen kaum zu dem Gedanken gelangt: das Variete, das seinem Namen nach Abwechslung ist, ist eigentlich doch alles andere eher als Abwechslung; denn die meisten Programme gleichen einander. Die Namen ändern sich, eine grosse Hauptnummer vielleicht erinnert nicht allzu sehr an schon Gesehenes, das andere aber, die Tänzer, die Girls, die Dresseure, die fliegenden Trapezkünstler, die Illusionisten, die Kraftmenschen bringen immer wieder bereits Gesehenes, längst Bekanntes. Aber darin liegt eben auch die unglaubliche Zaubermacht des Varietes. So schwer es auch sein mag, etwas wirklich Neues zu zeigen, im Grunde genommen, ist das gar nicht so wichtig, wie es wichtig ist, dass die Vorführungen exakt und musterhaft sind. Der Zuschauer applaudiert gerne dem Jongleur, auch wenn er ähnliche Künste schon hundertmal besehen hat; er applaudiert, weil er immer eder die Schwierigkeit erkennt und immer eder dankbar ist, wenn einer sein Metier mustergültig und leicht vorführt. Das wissen auch die Leute vom Fach: nicht das Neue allein ist es, das dem Publikum Freude macht, sondern vielmehr noch die klaglose, die minutiöse Vorführung. Darin liegt auch einer der Gründe, dasi das Leben der so sehr beneideten Artisten nicht beneidenswert ist. Immer müssen sie im Training stehen, immer muss geprobt werden, damit das Alte und längst Bekannte seine Wirkung tut; was an Originalität fehlt, muss "Von Joseph R. Harrer. durch äussere Form und Genauigkeit ersetzt werden. So altern die Artisten rasch, bald ist ihre Blütezeit vorüber; und sie genügen nicht mehr den Ansprüchen des modernen Variites. Meist allerdings reicht die «Kunst» noch, um in einem kleineren Zirkus Erfolg zu haben. Viele Artisten kehren also am Ende ihrer Tätigkeit wieder dorthin zurück, von wo sie einst ausgegangen sind: zum Zirkus. Artistenlos! Je schwerer und gefährlicher die Nummer, desto grösser auch der Einsatz) Und oft sind die Jahre des grossen Erfolges nur wenige; die Hand beginnt leicht zu zittern: Abschied vom Variete! Das Leben aber geht weiter, neue Kräfte drängen nach, die Jugend will ihr Recht; und sie hat es auch. Die Jugend bringt die Kunst der Alten... Und im Hintergrunde stehen schon die noch Jüngeren, die auf den Abgang der jetzt noch Jungen warten. Ein trauriges Schicksall Aber wer denkt daran, wenn abends die Lichter aufflammen, wenn die Musik ertönt, wenn das Publikum gespannt versammelt ist? Artistenlos! Viel Licht, viel Glanz — aber auch viel Gefahr, viel Dunkel und Schatten! Auto und Skisport Auch zur Ausübung des Skisportes benützt heute der Automobilist seinen Wagen, indem er damit bis tief hinein ins Skigebiet fährt. Dort aber trifft er oft hundert andere ebenso praktisch denkende Fahrer. Man vergesse deshalb nicht, auf jeder Fahrt den neuen Automobil-Kalender 1939 mitzunehmen, dessen Nummernverzeichnis Name, Stand und Adresse des Besitzers jeden Personenwagens angibt und dessen technischer Teil unter vielen andern nützlichen Angaben auch die Vorbereitungsmassnahmen für grosse Winterfahrten beschreibt. Ein dänischer Zirkusartist bediente sich dieser Tage — beinahe erfolgreich — um der Polizei zu entgehen, eines Tricks, mit dem er seit Jahren im Zirkus arbeitet. Seine beste Nummer ist nämlich, sich, in einen Sack eingebunden, ins Wasser werfen zu lassen, aus dem er nach kurzer Zeit wohlbehalten wieder ans Tageslicht gelangt. Als ihm nun wegen eines Diebstahls die Polizei auf den Fersen war, sprang der Artist kurz entschlossen ins Wasser, um bis auf weiteres nicht wieder aufzutauchen. Man suchte ihn fieberhaft — vergebens I Gerade als die Polizei nach einer halben Stunde die Suche aufgeben wollte, tauchte grinsend der Artist an der Oberfläche des Wassers auf. Er wurde prompt festgenommen; dabei kam auch das Geheimnis seines langen Tauchens ans Licht; er hatte im Mund eine ganz dünne, lange Röhre, die bis an die Oberfläche des Wassers reichte und ihm die Möglichkeit gab, beliebig lange auf dem Grund auszuharren. Aller Voraussicht nach wird er allerdings jetzt eine Zeitlang mit dem Training aussetzen müssen. Vor wenigen Tagen suchten zwei Einbrecher die Polizeistation der schwedischen Stadt Gotenburg heim und waren eben im Begriff, den Geldschrank aufzubrechen, als eine Polizeistreife vom Dienst zurückkehrte. Es gelang den Dieben jedoch, unerkannt zu entkommen. Diese auf den Gipfel getriebene Frechheit erinnerte an zwei ähnliche Geschehnisse, die einige Jahre zurückliegen und zu beweisen scheinen, dass die schwedischen Gauner ihre Kunst mit besonderer Vorliebe an der heiligen Hermandad zu erproben versuchen. Kamen da in einer anderen schwedischen Stadt zwei Männer zum Polizeipräsidenten, sie sollten den grossen Perserteppich aus seinem Privatbureau abholen. «Ob das denn gerade während der Dienststunden sein müsse», fragte der Beamte, «das komme ihm höchst ungelegene — «Ja, wenn sie ihn jetzt nicht holen könnten, so würde das eine erhebliche Verzögerung verursachen.» — «Also dann sollten sie ihn denn in Gottes Namen gleich mitnehmen I» Der Polizeipräsident half, um die Sache zu beschleunigen, noch persönlich beim Zusammenrollen des Teppichs, und die beiden Männer verschwanden mit dem guten Stück — für immer. Wieder in einer anderen Stadt Schwedens kam während einer Gerichtsverhandlung ein Mann in den Sitzungssaal und begann, die höchst solid befestigte Wanduhr abzunehmen. Nachdem auch hier der Vorsitzende zuerst wegen der ungehörigen Zeit protestiert hatte, wies er schliesslich einen Polizisten an, dem Mann bei seiner Arbeit behilflich 1 zu sein. Der Effekt war der gleiche: Mann und Uhr entschwanden auf Nimmerwiedersehen. Noch mehr Freude und Genuss am Skisport vermittelt jedem Fahrer sodann die rassige Wintersportzeitung mit ihren wertvollen Beiträgen prominenter Autoren, den vielen praktischen Ratschlägen und dem amüsanten Unterhaltungsteil. Jeder Abonnent des „Ski Heil" ist ohne weiteres gegen Skibruch versichert. Automobil-Kalender 1939 Fr; 7.50, in jeder Buchhandlung erhältlich. Angewandte Zvtkuskunst QauaeiftechheU „Ski Heil" „Ski Heil' Schweizer. Wintersport- Zeitung. Jahresabonnement inkl. Skibruchversicherung Fr. 9.^-. Bestellungen durch den untenstehenden Verlag. VERLAG HALLWAG BERN „Komm wie du bist" In den Vereinigten Staaten hat eine Dame namens Elsa Maxwell, die den Titel einer «internationalen Gastgeberin» führte, begonnen, ihre Gesellschaftsabende nach neuen Ideen zu gestalten. «Komm wie du bist», heisst eine dieser Ideen, mit denen sie am meisten Erfolg hatte. Elsa Maxwell ging von der verblüffend einfachen Idee aus, dass Geld und Vergnügen nicht notwendigerweise zusammen auftreten müssen. In einem Interview berichtet sie von dem «englischen Fest» eines bekannten Multimillionärs, der in seinem Palast ein englisches Landhaus aufgebaut, mit original englischen Bildern tapeziert und mit englischen Blumen dekoriert hatte. Es gab nur englische Speisen und Getränke, und es war noch steifer als in England, obwohl das Fest genau 50 000 Dollar verschlungen hatte. Elsa Maxwell fand das für Europa Selbstverständliche heraus, dass jede Gesellschaft von einer leitenden Idee getragen werden müsste, dass diese Idee aber nicht langweilig sein dürfte. Besondere Erfolge hatte sie auf dem Gebiet der Kostümfeste davongetragen und populär wurde sie mit ihrer «Komm-wie-du-bist-Gesellschaft». Alle Gäste wurden mit Autobussen abgeholt; jeder musste genau in dem Aufzug erscheinen, in dem er angetroffen wurde, als der Chauffeur ihn herunterholte, — sofern nur die Grenzen der Sachlichkeit gewahrt waren. Es sassen dann hemdärmelige Herren neben Damen im Morgenrock, und die Stimmung war so gut wie noch nie in einer New-Yorker Gesellschaft. Der Löwe als Wellenreiter Der amerikanische Tierbändiger Paul Lowman hat seinen Berberlöwen Leo zum Wellenreiten hinter einem Motorboot abgerichtet. Da Leo das Nasswerden gar nicht leiden kann, gibt er sich die grösste Mühe, auf dem Brett, auf dem er mit seinem Herrn steht, die Balance zu halten. Lowman hält das Tiere an einem Halfter, mit dessen Hilfe er ihm Zeichen gibt, ob es sich — je nachdem ob das Boot startet oder stoppt — erheben oder niederlegen soll. Wie man einen Bandwurm fängt Ene durchaus seriöse amerikanische Zeitschrift meldet, dass ein Dr. Alpheus eine Bandwurmfalle erfunden hätte, die sogar einwandfrei funktioniert. Die Falle besteht aus einer Kapsel aus Gold oder Platin, die auf einer Seite mit einem Fensterchen versehen ist. Die Kapsel wird mit einem für Bandwürmer reizvollen Köder ausgestattet, an einem langen Seidenfaden befestigt und von dem Patienten verschluckt. Der Bandwurm hat nichts Eiligeres zu tun, als durch das Fensterchen nach dem Köder zu schnuppern und ihn zu verschlukken. Sobald er angebissen hat, wird die Kapsel an dem Seidenfaden wieder hochgezogen, und der Bandwurm ist gefangen! Kommende Ereignisse I (Aenderungen vorbehalten.) Adelbodeni 10. Jan.: Curling-Match (Carül Worsley Cup). 13. Jan.: Abfahrtsrennen des Sillem Ski-Clubs (Kurverein Cup). 12./13. Jan.: Eishockeymatch: Adelboden Trophy (H. C. Adelboden/Serie A). Anderznatt: 7. Jan.: Andermatter Skitag. 0. Jan.: Curlingmatch (Monroe Cup). 11. Jan.: Slalomrennen um den Becher des S. C. Gotthaxd. Arosa: 6.-8. Jan.: Internat. Eishockeytumier um den Sonnengold pokal von AroBa. Baselt 8. Jan. bis 8. Febr.: Kunsthalle: Ausstellung: Aeltere Basler Künstler (Basler Malerei um 1900). 10. Jan.: Symphoniekonzert der A. G. M. im Musiksaal. Leitung O. Schoeck und Hans Münch. Solisten: Felix Löffel, Bariton, Egon Petri, Klavier. Bern: 12. Jan.: Franz. Gastspiel der Gala» Karsenty (Stadttheater). 13.Jan.: Liederabend Heinrich Schlusnus (Grosser Kasinosaal). Ch&teau d'Oex: 10. Jan.: Curlingtumier. Hockey: Star-Lausanne/ Chateau d'Oex. Davos: 8. Jan.: Strela-Abfahrtsrennen und Langlauf. Eishockey- Meisterschaftsspiel Nauonal-Liga. 14. Jan.: Kunstturnen: UL Runde der Schweiz. Geratemeisterschaft 1938/33. lies Diablexets: 8. Jan.: Meisterschaft von Les Diablerets: Langlauf, Abfahrt, Slalom, Sprung. Engelberg: 12. Jan.: Slalomrennen auf der FIS-Slalomstrecke. Genf: 7. Jan.: Konzert des Philharmonischen Orchesters von Paris. Leitung: Bruno Walter. Victoria Hall. Gxindelwald: 6.-8. Jan.: Akademische Skiwettkampfe aller Länder. 8. Jan.: Abfahrtsrennen um den Duke of Kent's Cup (für Stadtealdfahrer, Einzel- und Gruppenwettkampf). Gstaad: 7./8. Jan.: Hockeytumier: Kosey-Becher. Kandertteg: 8./9. Jan.: Curlingwettspiel (Rohrbach-Becher;. Klosters: 10. Jan.: Slalomrennen (Grisons Bowl) des Marden-Club. Inraaerheide 17. Jan.: Abfahrt und Slalom von Alp Stütz (Seehof Cup) 8. Jan.: Eisschaulaufen. 12. Jan.: S. C. L. Abfahrtsrennen von Fopps (Blu-Geiser Cup). Loeche-les-Bains: 8. Jan.: Curling- und Hockeymatch. 9. Jan.: Sprungkonkurrenz auf der Schanze «zum Thunn». Iinzern: 12. Jan.: HL Populäres Symphoniekonzert (Stadttheater). Montana-Vermala: 8. Jan.: Skirennen für Gäste. Morafau: 8. Jan.: Eislaufkonkurrenz (Coupe Lescher). 12. Jan.: Eislaufkonkurrenz (Coupe Whitley). Nesslau: 8. Jan.: Skitag Nesslau. Fontresina; 7. Jan.: Gäste-Slalomrennen. la. Jan.: Curling-Match für den «Interhotel Cup». Ri«i: 8. Jan.: ErSffnungs-Sldrennen und XXX. Rigi-Rennen. Sprungkonkurrenz an der Bigi-Schanze. Sau-Fee: 8. Jan.: Skirennen für Gäste. 9. Jan.: Hockeymatch. St-Cergne: 8. Jan.: Skisprungkonkurrenz. St. Gallen: 8. Jan.: Volkskonzert des Kammerorchesten. Leitung E. Klug. Solist Beruh. Wyss, Saxophon. 12. Jan.: Konzert des St. Galler Streichquartetts. St. Moritz: S. Jan.: Curling-Gossage Cup. 13./14. Jan.: St Moritzer Skirennen mit internationaler Beteiligung (Langlauf, Abfahrt, Slalom). Jqhuls-Tarajjp: 8. Jan.: Kennen des Ski-Klubs Schul«. Sils i. E.i 8. Jan.: Muot' Ota Ski-Abfahrtsrennen. Silvaplana-Surleji l.ß. Jan.: 1. Wlntersportfesi des Kurveieins. Villars; 10. Jan.: Eishockeymatch (Coupe de Villa»). 12. Jaiv: Skirennen (Kombination Abfahr, Slalom). (Campbell Trophy). 13.-16. Jan.: Skirennen: Abfahrt, Slalom, Langlauf, Sprung. Wengen: 7. Jan.: Abfahrtsrennen um den Goldenen Ski v. Wengen. 12./13. Jan.: Britische Skimeisterschaften. Winterthux: 8. Jan.: Konzert unter Leitung von Bruno Walter. Zürich: 13. Jan.: Konservatorium: Klavierabend Egon Petri.