Kathai Magazin 09/2018

kathai

Kathai ist die mittelalterlich-europäische Bezeichnung für China. Der Name leitet sich von der Liao–Dynastie (907–1125 Kithan–Dynastie) ab. In der englischen Schreibweise lebt der Begriff als Bezeichnung für eine hongkonger Fluglinie weiter.

Marko Polo diktierte diesen Namen dem Abenteuerschriftsteller Rustichello da Pisa, während íhrer genuesischen Gefangenschaft ins Manuskript, welches Polo schließlich weltberühmt machen sollte.

Die Polos waren Händler im China-/ Kathai-Geschäft. Wer die Geschichten kennt, der weiss, dass es ihm nicht nur um Handel ging, sondern Polo auch an Kultur, Politik und vielem mehr interessiert war.

Das Kathai–Magazin will an diese Tradition anknüpfen und neben Wirtschaftsthemen ebenso über Politik, Kultur, Wissenschaft …berichten. Unsere Zielgruppe sind Menschen überall auf der Welt, die der deutschen Sprache mächtig sind und sich für chinesische Themen interessieren.

Wirtschaft & Handel werden auch in Zukunft den Inhalt dieses Magazins bestimmen, dennoch werden wir weitere Themen – bis hin zu Mode, Kochrezepte und Reisen - kolportieren. Wenn Sie dazu beitragen möchten, sind sie herzlich eingeladen – egal ob mit eigenen Artikeln oder Hinweisen auf interessante Themen.

Kathai Magazin - September 2018

Das Magazin für Deutsch-Chinesische Zusammenarbeit

KATHAI

MAGAZIN

www.kathai.de

Headhunting in China

Ökologischer Landbau in China

Interview mit MdB Klaus Ernst

Chinabücher

Essen in Changxing

2 Rezepte zum Nachkochen


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KATHAI MAGAZIN

Kathai ist die mittelalterlicheuropäische

Bezeichnung

für China. Der Name leitet

sich von der Liao–Dynastie

(907–1125 Kithan–Dynastie) ab. In

der englischen Schreibweise lebt der

Begriff als Bezeichnung für eine

hongkonger Fluglinie weiter.

Marko Polo diktierte diesen Namen

dem Abenteuerschriftsteller Rustichello

da Pisa, während íhrer

genuesischen Gefangenschaft ins

Manuskript, welches Polo schließlich

weltberühmt machen sollte.

Die Polos waren Händler im China-/

Kathai-Geschäft. Wer die Geschichten

kennt, der weiss, dass es ihm

nicht nur um Handel ging, sondern

Polo auch an Kultur, Politik und

vielem mehr interessiert war.

Das KathaiMagazin will an diese

Tradition anknüpfen und neben

Wirtschaftsthemen ebenso über

Politik, Kultur, Wissenschaft …

berichten. Unsere Zielgruppe sind

Menschen überall auf der Welt, die

der deutschen Sprache mächtig

sind und sich für chinesische Themen

interessieren.

Wirtschaft & Handel werden auch

in Zukunft den Inhalt dieses Magazins

bestimmen, dennoch werden

wir weitere Themen – bis hin zu

Mode, Kochrezepte und Reisen -

kolportieren. Wenn Sie dazu beitragen

möchten, sind sie herzlich

eingeladen – egal ob mit eigenen

Artikeln oder Hinweisen auf interessante

Themen.

Sven Tetzlaff (Asia Editor)

KATHAI MAGAZIN

3


INHALT

IMPRESSUM

6 Sechs Gründe, warum Start-ups

nach China gehen sollten

10 Ökologischer Landbau in China

Die Lösung aller Probleme?

18 Die groesste PV-Messe der Welt

SNEC 2018

22 Kochen in Changxing

26 Der VDE und die Ausbildung in

China - Interview mit Burkhard

Holder

27 Chinesiche Investitionen in

Mecklenburg-Vorpommern

38 Geelys Investitionen in

Deutschland auf dem Prüfstand

Interview mit Klaus Ernst

46 Start-ups: Interview mit Allan

Barrell

54 Interview mit Anke Domscheit-

Berg

60 Sommerzeit, Lesezeit, Hörbuchzeit

Chinabücher

66 Manz AG in China

70 Gates und Jobs hätten es nie

nach China geschafft!

Headhunting in China

80 Ausblick für europäische Studenten

Studieren in China

86 Die Zukunft der Fotovoltaik

Interview mit Eicke Weber

Herausgeber

Kathai Media & Consulting

Administrative Committee of Changxing

Economic and Technological

Development Zone

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Redaktion

Herr Sven Tetzlaff

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Übersetzung/ Lektorat

Frau Prof. Zhenhua Weng

lektorat@kathai.de

4 KATHAI MAGAZIN Ausgabe 09/ 2018


KATHAI MAGAZIN 5


SECHS GRÜNDE,

WARUM STARTUPS

NACH CHINA GEHEN

SOLLTEN

W

arum sollte ich mit

meiner Firma nach

China gehen?”

Dies ist eine der Fragen, die

wir beinahe täglich

beantworten sollen. Die

schlechte Nachricht: Darauf

gibt es leider keine generelle

Antwort und es gibt sicher

Gründe für manche Start-ups,

genau dies nicht zu versuchen.

Die gute Nachricht:

Es gibt unserer Auffassung

nach deutlich mehr Gründe,

den Sprung zu wagen. Also,

warum China?

Grund 1 – Hürden in

D.A.CH

Gerade Start-ups in D.A.CH.

bemängeln, dass in Europa

zwar vieles sehr einfach

arrangiert ist, aber man sehr

schnell auf fast unüberwindli-

6 KATHAI MAGAZIN Ausgabe 09/ 2018


che Hürden stößt, die traditionell

gewachsen sind und die

man so nicht erwartet hat.

Das fängt mit der Finanzierung

über Banken an, geht

weiter über Kammern und

„Rollen“, bis hin zu eingefahrenen

Distributionsschinen,

die sich partout nicht

umgehen lassen.

Lucas Rondez fasste das kürzlich

auf einem Entrepreneurstreffen

in Hangzhou

zusammen mit: “In Europe

everything is easy but nothing

is possible, in China it is all

difficult but everything is possible.”

Grund 2 – Markt China

Es ist müßig, hier viel über

den chinesischen Markt zu

schreiben. Jeder, der sich mit

der Materie auskennt der

weiß, welches Potential in

diesem Markt steckt. Es

macht natürlich einen Unterschied,

ob man in China produziert/designed

und dann auf

dem chinesischen Markt anbietet

oder ob man dies erst

importieren muss. Die schier

unendliche Fülle an Distributionsschinen,

stehen den

„Importeuren“ im Allgemeinen

nicht zur Verfügung.

Noch wichtiger, dieser Markt

wächst beständig und ist

enorm stabil. Für

Unternehmen aus D.A.CH.

kommt hinzu, dass diese

Länder für hervorragende

Qualität, Tradition und Vertrauen

stehen. Das ist ein

Bonus, den es zu nutzen gilt

und den wir nicht zuletzt dem

Gründer der ersten Republik

Sun Yat-sen zu verdanken

haben: „... Nach allem, was

ich bisher von der Welt

gesehen habe, erscheint mir

Deutschland fast in jeder Beziehung

als unser gegebener

Lehrmeister. Deutschland hat

im Gegensatz zu England,

Amerika und anderen Staaten

alles und jedes systematisch

und auf wissenschaftlicher

Grundlage mit außerordentlicher

Gewissenhaftigkeit

ausgebildet, während z.B. in

England jeder tun und lassen

kann, was er will, und um nur

einige Gebiete zu nennen, das

in seinem Zeitungswesen, der

Kodifizierung seiner Gesetze

seinem Städtebau z.B. Hongkong

und Singapore deutlich

hervortritt wissenschaftliches

System gebracht ist gerade

das mit aller, gebrauchen.

Gerade bei Deutschland

haben wir den Eindruck uns

wohl will, unsere augenblickliche

Schwäche nicht wie

andere Länder rücksichtslos

ausnützt. ...“ (Interview Erich

KATHAI MAGAZIN 7


von Salzmann mit Sun Wen

(Sun Yat-sen), „Aus Jung-

China“, Tientsin 1912)

Grund 3 – One Belt – One

Road

2017 ist eine chinesische Initiative

gestartet worden,

welche im im Westen z.Z. nur

von Fachleuten beachtet wird,

und die die Handelsbeziehungen

vieler Länder auf ein völlig

neues Level anheben wird.

Diese Inititiative hat historische

Ausmaße. Die „Neue Seidenstraße“

verbindet 64

Länder, ca. 62 % der Weltbevölkerung

bzw. 35 % der

Weltwirtschaft. Entrepreneure

in China partizipieren von

dieser Initiative. Sie sparen

auf diese Weise enorme Kosten

für Marktexplorationen

und allgemeines Marketing in

den neuen Zielländern. Nur

ein Beispiel: Sie entwickeln

ein Minigrid mit Photovoltaik,

Windkraft, BHKW etc. und

wollen damit auf den afrikanischen

und asiatischen

Markt. Als D.A.CH-Marke und

mit dem Schwung der neuen

Seidenstraße haben Sie im

Gegensatz zu den „heimischen“

Mitbewerbern einen

unschätzbaren Vorteil.

Grund 4 – Kosten

Dieser Grund wird häufig

missverstanden. Es geht bei

der Kosteneinsparung nicht

um geringere Lohnkosten.

Viele Regionen implementieren

Mindestlöhne, es

gibt eine hohe Nachfrage

nach Fachkräften und es gibt

innerhalb der wachsenden

Mittelschicht auch ein Bewusstsein

dafuer, was die

Arbeit wert ist. Gleichzeitig

schreitet die Automation mit

enormen Tempo in China

voran. Wer wegen geringer

Lohnkosten nach China will,

der sollte sein gesamtes

Konzept nochmals prüfen.

Aber dennoch sind die

Gesamt-Kosten deutlich

geringer als in D.A.CH.

Dahinter steht die gesamte

Palette an angebotener Infrastruktur

von Facilities, Real

Estate, Finance, Transport bis

hin zum Government. Diese

Infrastruktur ist besonders in

den Entwicklungszonen auf

8 KATHAI MAGAZIN Ausgabe 09/ 2018


die Industrieansiedlung und -

Entwicklung abgestimmt und

bestmöglich miteinander verzahnt:

Kurze Wege, konkrete

Strukturen, schnelle Entscheidungen.

Ein Beispiel: Sie

haben einige Innovationen

gestartet und möchten die

weltweit patentieren. Bekanntlich

ist China der weltweit

größte Patenanmelder. Entsprechend

sind die Anmeldeverfahren

und alle weiterführenden

Prozeduren

vereinheitlicht und automatisiert.

Anmeldungen und

letztlich Kosten betragen in

China nur einen Bruchteil dessen,

was man in D.A.CH. kalkulieren

müsste.

Welche Kosten Sie letztlich

sparen, hängt stark von ihrem

Vorhaben ab. Grundsätzlich

liegt man jedoch immer

richtig, wenn man meint, dass

man in China mit den gleichen

Kosten (wie in D.A.CH) bedeutend

mehr bekommt.

Grund 5 – Stabilität und

Sicherheit

Chinas Ökonomie wächst seit

den 80er Jahren des vorigen

Jahrhunderts - und zwar

rasant. Und dies trotz zahlreicher

weltbewegender

Ereignisse, wie z.B. Kalter

Krieg, Zerfall des Ostblocks,

Krieg gegen Terror,

Finanzkrise, Nahostkonflikt ...

Das oberste Ziel der

chinesischen Staatsführung ist

die Erhaltung dieser Stabilität

und die Steigerung des allgemeinen

Wohlstandes. Man beschreibt

das hier mit der

„Entwicklung der harmonischen

Gesellschaft.“ Dieses

Commitment ist ein Garant für

Firmen, dass ihre Anstrengung

und Investitionen auch langfristig

geschützt sind.

China gilt – gerade für Ausländer

– als eines der sichersten

Länder der Welt. Nicht nur

für weibliche Mitarbeiter ist

dies ein wichtiges Kriterium,

wenn verschiedene Standorte

miteinander verglichen werden

sollen.

Grund 6 – Herausforderungen

Man mag sich über diesen

Grund wundern. Ich habe ihn

trotzdem mit hineingenommen,

weil er mir passend

erscheint. Ja, China ist eine

Herausforderung. Das fängt

mit der Sprache an, der Kultur,

dem Essen, dem enormen

Konkurrenzdruck ... Schwierigkeiten

ohne Ende. Doch

genau die sind es, die Ihr

Unternehmen bereichern werden.

Ich hab es mehr als einmal

erlebt, wie z.B. ein Mittelständler

aus seinem

beschaulichen Ort am Untermain

den Sprung wagte und

das 100 Jahre alte Familienunternehmen

zu bis dahin

ungeahnten Möglichkeiten

verhalf. Globalisierung heißt

nicht, dass man seine Wurzeln

verrät, sondern viel eher, dass

man neuen Möglichkeiten,

Menschen und Erfahrungen

offen gegenübertritt.

Sprache, Kultur, Essen ....

können lästige Herausforderungen

darstellen – dann sollte

man am Untermain verweilen.

Es kann aber auch eine Möglichkeit

sein, sein eigenes

Leben durch neue Erfahrungen

zu bereichern – dann

auf nach China!

Prof. Zhenhua Weng

KATHAI MAGAZIN 9


ÖKOLOGISCHER

LANDBAU IN CHINA

DIE LÖSUNG ALLER PROBLEME?

Heute, acht Jahre nach dem

Milchskandal ist vieles besser

und dennoch besteht eine

noch viel zu große Lücke zu

dem deutschen Vorbild. Die

Hauptprobleme sind nicht fehlende

Gesetze oder mangelnde

Kenntnisse/Bewusstsein

bei Erzeugern und

Verbrauchern, sondern vor

allem die »Human Res-

Lebensmittelsicherheit

ist eines der meistdiskutiertesten

Themen

in den chinesischen

Familien, direkt neben Karriere

oder Ausbildung der

Kinder. Um diese Lebensmittelsicherheit

ist es - verglichen

mit Deutschland - nicht

gut bestellt im Reich der

Mitte. Dieses Thema dominiert

gelegentlich auch die

Medien, und zwar nicht erst

seit dem auch im Westen

bekannt

gewordenen

Milchskandal. Neben dieser

»Breaking News« gab es auch

vorher schon immer wieder

Berichte über verunreinigtes

Öl, in »Rindfleisch« gewandeltes

Schweinefleisch, mit

Zucker aufgespritzte Melonen

und vieles mehr.

Dabei existieren in China sehr

strenge Gesetze bezüglich

Lebensmittel und deren

Sicherheit. Der Milchskandal

stellte eine Zäsur dar. Insbesondere

in der Mittelschicht

wurde die nachdrückliche

Durchsetzung der existierenden

Gesetze gefordert

und tatsächlich wurde das

Gesetzesframework zusätzlich

erweitert. Doch Gesetze zu

erlassen ist die eine Seite, die

Durchsetzung ist eine ganz

andere.

10 KATHAI MAGAZIN Ausgabe 09/ 2018


Kinderferienlager KATHAI MAGAZIN in der Kooperative

11


sources«. Es fehlt vor allem Personal

für eine flächendeckende Lebensmittelüberwachung

bzw. Rohstoffüberwachung

vom Erzeuger bis

hin zum Verbraucher, und zwar angefangen

von den Mitarbeitern in den

Instituten bis hin zu den Kontrolleuren

auf der Straße. Die Ausbildung

der Mitarbeiter, bzw. die Etablierung

einer lückenlosen und effizienten

Lebensmittel-Überwachung hat in

Deutschland Jahrzehnte gedauert.

Bioladen, Bioecke ... Biohof

Doch diese Zeit hat man in China

nicht. Insbesondere die Mittelschicht

drängt auf eine schnelle Umsetzung.

Doch sie wartet nicht einfach nur, bis

der Staat die Lösug aller Probleme

präsentiert. Entsprechend haben sich

viele Initiativen gebildet, die zwar

nicht direkt mit der Ökobewegung in

DE vergleichbar sind, aber in ihren

Auswirkungen durchaus Parallelen

hat. So schießen in den neu erbauten

Wohngebieten ökologische Community-Shops

und Bioläden aus dem

Boden und in den besseren

Supermärkten greift die Bio-Ecke

immer mehr Raum. Die Preise sind

z.T. beachtlich und deutlich über

denen in Deutschland.

Doch die Preise sind für die o.g. Mittelschicht

nicht das eigentliche Problem.

Wesentlich schwerer wiegt das

mangelnde Vertrauen gegenüber

Lebensmittel aus chin. Produktion.

Eher kauft man Wurst aus

Deutschland, Nudeln aus Italien, Butter

aus Neuseeland oder Milch aus

Australien - inkl. dem damit verbundenen

ökologischen Fußabdruck.

Da liegt es nahe, dass, wenn man der

staatlichen Lebensmittelüberwachung

nicht traut, man dieses Problem

durch die eigene Produktion und

Überwachung löst. Dieses Konzept

unterscheidet sich eventuell von dem

üblichen Vorgehen in Deutschland:

Eine Gruppe von Leuten aus den

wohlhabenden Metropolen im Osten

gründen einen Verein, beschließen

Farmland für die eigene Versorgung

zu pachten; organisiert engagierte

hauptamtliche Angestellte, z.B. Agraringenieure

mit Ökolandbau-Ambi-

12 KATHAI MAGAZIN Ausgabe 09/ 2018


tionen und -Erfahrungen vor Ort; binden

die lokalen Farmer in das

Konzept mit ein und überzeugt sie für

den Verein von nun an ökologisch zu

produzieren. Zusammen mit den Festangestellten

überwachen vor allem

die Mitglieder kontinuierlich die

Produktion, Verarbeitung und Lieferung.

Aber das ist nicht alles. Hinter

dem Wunsch sichere Lebensmittel zu

bekommen, steht vor allem die Idee,

dies »für die Kinder« zu tun.

Und so kommt es zu dem Phänomen,

das sich jeder Ökohof in DE wünscht,

dass die Eltern mit den Kindern regelmäßig

die Quelle ihrer Lebensmittel

besuchen und so auch ein Bewusstsein

für den Umgang mit Lebensmitteln

bzw. der Natur selbst vermitteln.

Auch wenn das nicht die ursprüngliche

Idee war, so ist dies mittlerweile

ein wesentlicher Bestandteil der Idee

der chin. »Landkommunen«

geworden.

Kathai hat kürzlich die »Sun Commune«

ca. 80km von Hangzhou

besucht. Sie liegt im Lin’An County.

Diese Gegend ist auch die Sommerfrische

vieler Hangzhouer. Und so

kommt es auch nicht von ungefähr,

dass sich mittlerweile fast 20 ähnliche

Kooperativen in der Gegend

gegründet haben. Dazu noch einige

weitere in der Region um die Stadt

Anji. Die Sun Commune ist ca. 40ha

gross, doch nicht alles davon kann als

Anbaufläche genutzt werden. Vielmehr

ist die Nutzfläche in die natürliche

Vegetation eingebettet. Zur Kooperative

gehören neben den

Mitgliedern in den Städten noch die

ca. 140 Farmerhaushalte sowie 35

Angestellte vor Ort, welche die

alteingesessenen Bauern anleiten.

Die Mitglieder zahlen jährlich

25,000RMB (3,400EUR) in den Verein

ein und erhalten dafuer 2x die Woche

Reis, eine Auswahl aus 12 verschiedenen

Gemüsen, Schweinefleisch,

Eier, Hühnerfleisch, Entenfleisch

usw. entspr. der Jahreszeit.

Chen Wei ( 陈 卫 ), einer der Gründer

der Kooperative zum Konzept: »Wir

wollen das Stadt und Land in Harmonie

leben. Unsere Grundlage ist die

Landwirtschaft und die Stadtbewohner

kommen hierher, um die Bauernkultur

zu erleben, in der Nähe der

Natur. Die Bauern erhalten auf diese

We follow our clients around the world!

KATHAI MAGAZIN

13


Weise eine Existenzsicherung, und

ermöglicht es ihnen auf traditionelle

Art und Weise, dieses Land zu kultivieren,

zu lieben und letztlich qualitativ

hochwertige landwirtschaftliche

Produkte zu erzeugen.«

Stadt, Land und Harmonie

Neben hochwertigen Lebensmitteln

steht zwischen den Zeilen noch ein

viel wichtigerer Aspekt - die Landflucht.

Seit 2011 leben in China mehr

Menschen in Staedten, als in ländlichen

Gebieten. Waren es 2011 noch

50.57%, so sind es heute bereits über

56%. Oder um es deutlicher zu sagen,

jedes Jahr strömen ca. 18 Mio.

Menschen von den ländlichen Gebieten

in die Glitzermetropolen des

Ostens. Man kann es ihnen nicht

verübeln, denn sie alle möchten sich

eine Scheibe vom »Chinesischen

Traum« abschneiden. Zahllos sind die

Geschichten von ehemals armen

Dörflern, die z.B. in Shanghai »Das

große Geld« gemacht haben. Der

Hangzhouer Internetmilliardär Jack

Ma ( 马 云 ) , aus einfachen Verhältnissen

stammend, ist nur eines von

vielen Vorbildern für diese Generation.

Auf der einen Seite strömen hochmotivierte

meist junge Menschen in die

Städte und auf der anderen verschwinden

immer mehr Dörfer und

Siedlungen von der Landkarte und

mit ihnen wertvolle landwirtschaftliche

Anbaufläche. Gleichzeitig

möchten die jährlich 18 Mio Neustädter

ebenfalls Energie, Wasser,

Wohnungen und natürlich Nahrung.

Die Landwirtschaft noch weiter zu

industrialisieren und somit zu effektivieren

mag eine Lösung sein, aber

die Beispiele weltweit und auch in der

Geschichte der letzen 100 Jahre

zeigen nicht in diese Richtung. Die

naheliegendste und nachhaltigste

Methode wäre in der Tat, das Land

wieder attraktiv zu machen. Präsident

Xi Jinping rief in einer Rede 2013

dazu auf, in »attraktive Dörfer« ( 美 丽

乡 村 ) zu investieren und nicht Geld

»für unnötige und geschmacklose

Dinge zu verschwenden.«

14 KATHAI MAGAZIN Ausgabe 09/ 2018


(auf Basis des japanischen Framework

für biolog. erzeugte Lebensmittel)

hin geprueft.

Da die Kooperative etwas höher über

dem Meeresspiegel liegt, sind die

klimatischen Bedingungen im Sommer

deutlich besser als in den umliegenden

Metropolen. Die Mitglieder

aus Shanghai, Hangzhou, Wenzhou

bis hin nach Hong Kong, senden ihre

Kinder für einige Wochen in ein Sommer-Ferienlager

in die Kooperative.

Es wäre kein chinesisches

Ferienlager, wenn man es nicht auch

gleich für zusaetzliche Bildungsangebote

wie z.B. Englischunterricht

durch Muttersprachler nutzen würde.

Der - laut Kooperative -

schönste Schweinestall

der Welt.

Die 2013 gegründete Sun Commune

hat das ganz wörtlich genommen.

Chen Hao ( 陈 浩 ), in seinem Hauptberuf

Architekt und Professor an der

»China Academy of Art in Hangzhou«

hat einige Gebäude auf entworfen

und damit einen Achtungserfolg in

der Architektenszene erzeugt,

welcher bis in die Redaktionsstuben

der New York Times reichte. Vermutlich

hat er den schönsten

Schweinestall der Welt entworfen.

Basierend auf chinesischen Traditionen

orientieren sich seine Gebaeude

an der eigentlichen Idee der Sun

Commune, auch ein Begegnungsort

zu sein, wo man gut lebt und nicht

nur arbeitet.

Die nächste Generation

Die Kinder lernen in dieser Zeit, wie

z.B. man Seide erzeugt oder wie

man Reis biologisch anpflanzt und

erfahren dabei, wie schwer die

Arbeit trotz maschineller Unterstützung

sein kann. Gleichzeitig werden

tradierte Anbauformen bzw.

Kenntnisse der biolg. Erzeugung

weitergereicht, die sonst eventuell

auszusterben drohen. So werden

z.B. auf den Reisfeldern der Sun

Commune Enten gehalten - eine

uralte Methode - um so Parasiten

und Schädlinge fernzuhalten, sowie

gleichzeitig für natuerlichen Stickstoffeintrag

sorgen - und auf diese

Weise zusätzliche Duengung obsolet

machen. Derlei Wissen, wie auch die

Kultivierung alter Sorten, Mehrfelderbewirtschaftung

usw. nützt nicht

Der dritte Aspekt der Sun Commune

ist die Bildung der Kinder und deren

Erholung. Das lässt sich gut kombinieren

mit einer Forderung der Kooperation

gegenueber den Mitgliedern,

regelmäßig vorbeizuschauen um die

oekol. Produktion sicherzustellen. Sie

nennen dieses System »Vertrauen&Glauben«

und sehen diese

Methode als sinnvoller an, als sich auf

Öko-Label zu verlassen, denen die

meisten Chinesen eh nicht trauen

würden. Ungeachtet dessen werden

die Lebensmittel regelmäßig an der

Zhejianguniversität auf Belastungen

KATHAI MAGAZIN

15


viel, wenn es nur noch in Büchern zu

finden wäre. Ohne Anwendung,

wuerde es zu totem, nutzlosen

Wissen.

Bevor die Kooperative ihre

Unternehmung startete, haben sie

mittels großflächiger Umfragen insbesondere

die finanziellen Risiken

abgefragt. Allein in der Stadt Hangzhou

(10 Mio Einwohner) haben ca.

10,000 Befragte signalisiert,

Mitglied werden zu wollen. Die

Fläche gibt jedoch nur biolog.

erzeugte Lebensmittel für max.

1,000 Mitglieder her. Die Nachfrage

ist also deutlich groesser, als das

Angebot. Allein in den Delta-Provinzen

Jiangsu, Shanghai und Zhejiang

leben ca. 160 Mio Menschen auf

etwas mehr als der Haelfte der

Fläche der Bundesrepublik.

Selbst wenn sich noch weitere Kooperativen

finden wuerden, würden

evtl. die Bedürfnisse der Mittelschicht

gedeckt werden, aber eine

Lösung für alle Chinesen wäre damit

noch lange nicht erreicht. Herr Chen

Wang, der Dritte der drei Chens der

Kommune, sieht die Lösung nur in

einer Kombination aller Formen der

biolog. bzw. schadstofffreien

Erzeugung der Lebensmittel.

Dazu zählt auch das »Urban Farming«.

Jedoch nicht nur auf den

Hausdaechern, Balkonen oder Fassaden,

sondern auch in aufgelassenen

ehemaligen Fabrikarealen, neu

angelegten Reinräumen und vieles

mehr. Gerade Japan geht, auch aufgrund

des Fukushima-Desasters,

diesbezüglich neue Wege. Mithin

wird auch klar, dass die voellig

anderen Dimensionen in Asien, ganz

andere Lösungen als z.B. im dünn

besiedelten Deutschland erfordern.

Dies gilt nicht nur für die

Ernährung, sondern folgerichtig

auch für die Energieversorgung,

dem Verkehr, der Wohnflächenversorgung

und so weiter, die alle

unmittelbar miteinander und auch

mit der Versorgung gesunder

Nahrungsmittel in Verbindung

stehen.

Sven Tetzlaff

16 KATHAI MAGAZIN Ausgabe 09/ 2018


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Nanjing

180km, CRH 54min

Changxing

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172km, CRH 35min

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Changxing international Industrial Park

No. 508, Xianqian East Road, Changxing,

Huzhou City, Zhejiang, China, 313100

Ms. Zhang

Director of Foreign Projects Promotion

T +86 572 6050093

emma.lynn@kathai.de


DIE GRÖSSTE PV-MESSE

DER WELT: SNEC 2018

Jedes Jahr im Mai trifft

sich die PV-Branche

zum wohl wichtigsten

Event in diesem

Geschäft in

Shanghai. Mit über 1,800

Ausstellern und mehr als

200,000 Besuchern steht die

Messe und ihre Konferenz

unangefochten an der Spitze

vergleichbarer Veranstaltungen

weltweit. Eine Branchenmesse

ist außerdem ein

sehr guter Indikator für die

Zyklen innerhalb des

Geschäftsfeldes.

Ich besuche diese Veranstaltung

seit 2006 regelmaessig

und kann anhand der

Besucherzahlen, Aussteller,

Veranstaltungsort … einen

Graphen der Entwicklung

der – doch sehr jungen – PV

nachzeichnen. Da war

Anfangs der Boom, startend

auf einem sehr niedrigen

Niveau, dann die erste Delle

mit der Finanzkrise. Wenig

später die Protektionismusbestrebungen

in US und

EU, die unter dem Euphemismus

„Anti-Dumping“ zum

Beinahe-Tod der Industrien

in EU und US geführt haben.

Über die Zeit hat sich sowohl

die Technologieführerschaft,

Marktführerschaft als auch

der generelle Herstellungsort

weitgehend nach Asien verlagert.

Die Dellen waren

zwar in China ebenso

sichtbar, haben am

Ende der PV jedoch

nicht nachhaltig geschadet.

Anders in EU und

US, wo die vermeidbaren

politischen Fehler

zu nicht korrigierbaren

Verlusten geführt

haben.

Am Anfang stellte

Deutschland die Lokomotive

der Erneuerbaren

dar. Es gab sogar einmal

eine

„Umweltkanzlerin“, doch

die Zeiten sind vorbei.

Hoffnungsträger ist wieder

– oder immer noch –

China. Dies folgt

natürlich einer gewissen

Logik. China benötigt

Energie und alle weiteren

Optionen zu den

Erneuerbaren haben sich als

zu teuer, zu schmutzig oder

als zu abhängig herausgestellt.

Meist alles

zusammen. Es ist kein

Hans-Josef Fell

18 KATHAI MAGAZIN Ausgabe 09/ 2018


Greenwashing, wenn sich

China wie angekündigt aus

der Kohle zurückziehen

wird, sondern eine schlichte

Notwendigkeit, die die

ökonomisch-oekologische Vernunft

gebietet. Im aktuellen

13. Fünfjahrplan sind einige

konkrete Projekte benannt,

die die PV-Branche (inkl.

Speicherung) direkt betreffen.

Da die Fuenfjahrplaene

Gesetzescharakter haben,

sind sie eine gute Basis fuer

Planungen innerhalb der

Privatwirtschaft. Damit

angesichts der Erfahrungen

mit den Zyklen der Industrien

und der „Ueberproduktionskrise“

ab 2014 keine

Unklarheiten aufkommen,

hat man in den aktuellen

Plan nochmals ausdrücklich

erklärt: „We will continue to

give impetus to the development

of wind and photovoltaic

power and provide

strong support for solar thermal

energy.“

3. Renewable energy

* Begin construction on 60 gigawatts of regular hydropower

capacity, giving priority to hydropower development in the

southwest;

* Coordinate the development of end-use markets and

power transmission routes; take ordered steps to optimize

the development of wind energy and photovoltaic energy in

the northern, northeastern, and northwestern regions and

in coastal areas;

* Accelerate the development of dispersed wind power and

distributed photovoltaic power in the central, eastern, and

southern regions;

* Carry out solar thermal energy demonstration projects;

* Build the national new energy integrated demonstration

zone in Ningxia, and actively move forward with the development

of demonstration zones for renewable energy such

as those in Qinghai and Zhangjiakou.

4. Energy storage and distributed energy

* Make breakthroughs in and promote the industrial application

of key technologies such as next generation photovoltaics,

high-efficiency, high-wattage wind power generation,

biomass energy, hydrogen power and fuel cells, smart grids,

and new types of energy storage devices;

* Facilitate the comprehensive utilization of distributed new

energytechnologies;

* Promote the large-scale development of related techniques

and equipment.

Die Branche hat das in

Shanghai zur Kenntnis

genommen. Der Tenor in all

unseren Gesprächen mit den

Firmen aus D.A.CH war

durchweg positiv, was die

Aussichten der PV in China

betrifft. Etwas verhaltenpositiv

waren die persönlichen

Prognosen der

Aussteller bezüglich ihres

Heimatmarktes in EU. Hier

wünscht man sich z.B. von

der deutschen Regierung ein

KATHAI MAGAZIN 19


ähnliches Bekenntnis. Sehr

deutlich adressierte dies auf

der Konferenz Hans-Josef

Fell, der seinerzeit kassandraartig

die Deutsche

Regierung vor den

katastrophalen Folgen der

Lex Solarworld gewarnt

hatte.

„Kanzlerin Merkel wäre bei

ihrem Chinabesuch letzter

Woche gut beraten gewesen

auch die SNEC in Shanghai

zu besuchen. Dort hätte sie

erkennen können, welchen

dramatischen industriepolitischen

Fehler Deutschland

unter ihren Regierungen

begangen hat, als die industrielle

Führerschaft

Deutschlands in der

Solarwirtschaft mit ihrer

Antisolarpolitik aktiv nach

China verjagt wurde. Die

ehemals gerade in der ostdeutschen

Braunkohleregion

aufblühenden Solarfabriken

in Frankfurt/Oder, Bitterfeld

oder Freiberg wären dann

nicht Geschichte, sondern

exakt die Basis für den viel

gesuchten Strukturwandel

beim notwendigen Schließen

der Braunkohlewirtschaft.

China hat dies verstanden

und setzt genau auf diesen

Strukturwandel weg von der

Kohle und hin zu Erneuerbaren

Energien.“ H.J.Fell

Vielleicht hört man ihm

diesmal zu. Deutschland

wird sein Klimaziel deutlich

verfehlen. Häme ist jedoch

nicht angebracht. Auf

Europa und Asien liegt im

Augenblick die Hoffnung der

Welt, den Klimawandel,

wenn schon nicht zu verhindern,

so doch die Folgen zu

dämpfen. Die erratische Politik

der US hat dazu geführt,

dass man fast unisono der

Branche dort, kaum noch

Chancen einräumt. Das ist

für den amerikanischen

Maschinenbau, aber auch

für deren Heimat-Markt, der

z.B. durch die Internetkonzerne

wie FB, Google

und auch Apple getrieben

wird, umso bitterer. Auf

lange Sicht wird „America

First“ dazu führen, dass sich

die US immer weiter zum

Importland für Erneuerbare

entwickelt.

Es ist eine Binsenweisheit,

dass „Irgendwer Zuerst“

kein besonders kluger

Ansatz in einer vernetzten,

globalisierten Welt ist. Ganz

besonders dann nicht, wenn

es drängende Probleme gibt,

die man nur gemeinsam

lösen kann – und muss.

Umso erfreulicher ist es,

dass viele Menschen diesem

einfachen Rezept nicht auf

dem Leim gehen. So wurden

einige interessante globale

Initiativen verabschiedet,

wie z.B. die Asien-Afrika-PV-

Organisation, World Alliance

for Solar Solutions (by Solar

Impulse) oder eine Solar-

Life-Style-Kampagne (by

solarfuture.today). Einige

der Initiativen werden wir

demnächst im Blog kolportieren

– zusammen mit einigen

Interviews, die wir auf

der Messe geführt haben.

Lili Dai

20 KATHAI MAGAZIN Ausgabe 09/ 2018


Advertorial

Founded in March 2003 and starting production

in March 2004, Zhejiang Top Mondial Garment

Co., Ltd is a French-invested good-sized company

specilizing in manufacturing jeans and stockinets.

Located in Changxing Economy Development

Zone, Huzhou, which is the joint part of

Jiangsu Province, Zhejiang Province and Anhui

Provice, our company enjoys great convenience

of trancportation as it is on the west bank of

Taihu Lake and on the side of No. 104 & 308

National Express Way and Hangzhou-Ningbo

Highway. The joint convenience of fast transportation

and beautiful environment results in great

advantages of logistics, efficiency and human

resources.

We have a registered capital of Euro 6 million(about

RMB60million) and invested

RMB220million in initial hardware construction.

Now we have a factory area of 93,300 square

with a total of 95,000 square meters of workshops,

office buildings, canteens and dormitories,

and we have total of 1500 employees .As our

business grows, we will keep on investing and

developing.

Our company boasts of both advanced facilities

and skilled technicians, and we are dedicated to

carrying out the priciple of management, that is ,

actively research and keeping on progressing. We

perform a high stand of quality control during the

production and our products enjoy great reputation

among customers all over the world. As a

combination of manufacturer and marketer, we

are equiped with all the advanced whole sets of

facilities including sewing machines, brushing

machines and wahsing machines. A great annual

productivity of 5 million ready garments is conducive

to the successful distribution of the goods

to more than 20 countries and areas in Mideast,

South America, Western Europe, Southeast Asia,

Hongkong and Macau with an annual income of

more than 35 million US dollars. Now we have a

large capacity of exporting .

Sticking to the principle of “ Being Man-oriented

, progressive and creative, honest and satisfying

all the customers’, adopting the advanced

management model and the ISO9001-2000 Standard

Management System are our strategy to

keep pace with the world and serve all the customers

with the best products!

TEL:0572—6128555 6128226

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Economy Development Zone, Zhejiang Province

China


ESSEN IN CHANGXING

Changxing bzw. die Provinz Zhejiang

galt schon seit Alters her als sehr

wohlhabend. Fisch & Reis nennt man

diese Gegend. Durch die Lage am Tai-

See findet sich in der Cuisine vor allem

Fisch und Krabben. 51% der Gegend

sind bewaldet – mit Bambus.

Bambus wird in beinahe unendlicher

Vielfalt genutzt. Vom Gerüstbau, über

Wasserleitungen, als Bohrgestänge,

Essstäbchen ... bis hin zur Nahrung.

Irgendjemand hat mal alle

Bambusgerichte zusammengezählt und

kam auf mehr als 300 Rezepte. Ob das

stimmt, wissen wir nicht. Unbestritten

ist, dass in dieser Gegend Bambus das

ganze Jahr über gegessen wird.

Wir haben den Küchenchef Yu Yanhua

des bekannten Wei Tian Xia in

Changxing gefragt, was eigentlich die

am meisten bestellten Gerichte seien?

Heraus kamen zwei Gerichte, die ihren

Ursprung in der Küche einfacher

Leuten hatten. Das erinnerte mich an

Ausgabe 09/ 2018


meine Heimat, wo das alte

Armeleuteessen, Hering mit

Pellkartoffeln und Remoulade, heute

zur Haute Cuisine zählt – nebst den

dazugehörigen Preisen.

Beide Gerichte sind einfach

herzustellen und die Zutaten gibt es in

jedem besseren Asiamarkt in den

deutschen Grossstädten. Statt eines

Woks und der dazugehörigen Flamme

tut es eine Pfanne und ein üblicher

Herd ganz genauso.

Die Mengenangaben sind in vielen

chinesischen Kochbüchern nur in einer

Einheit, z.B. in Gramm, angegeben.

Wir haben uns dieser Tradition

angeschlossen.

In Zhejiang (und auch in den meisten

anderen Provinzen) geht man mit Salz

und Zucker sehr sparsam um. Der

deutsche Gaumen neigt beim Besuch

in der Provinz schnell zum Nachsalzen.

Unsere Mengenangaben orientieren

sich am chinesischen Geschmack.


SILBERFISCH OMELETT

Dieses Gericht hat einen mittleren Schwierigkeitsgrad. Nicht so

sehr wegen der Zutaten, sondern wegen des Handlings mit dem

Wok. Wer es sich nicht zutraut, den Wok so zu schwenken, dass ein

überall gleichdickes Omelett entsteht, kann das natürlich auch mit

einer flachen Pfanne machen – dann macht statt der Zentrifugalkraft

die Schwerkraft den Job.

Den echten „Taihu Silverfish“ (Whitebait) gibt es in jedem

besseren Asia-Markt. Gelegentlich wird auch der „New Zealand

Whitebait“ angeboten. Ist zwar nicht mehr das Original, schmeckt

aber trotzdem sehr lecker.

Zutaten

100 gr getrockneter Silberfisch

4 Eier

10 gr Reiswein

10 gr Schnittlauch

5 gr Ingwer

3 gr Salz

20 gr Öl

Zubereitung

1. Den getrockneten Silberfisch in Wasser ca. 5 Minuten ein

weichen.

2. Schnittlauch kleinschneiden und Ingwer in kleine Würfel

schneiden.

3. Eier in eine Schüssel schlagen, den klein geschnittenen

Schnittlauch und Ingwer, Salz, Reiswein und abgetropften

Fisch dazugeben und das Ganze umrühren. Die Masse

anschließend 5 Minuten abgedeckt stehen lassen.

4. Öl in den Wok geben und warten, bis es heiß genug ist.

5. Die Eier-Fisch-Masse mit den Gewürzen in den Wok geben.

Dabei den Wok so bewegen und drehen, dass sich die die

Masse gleichmäßig verteilt.

6. Wenn das Omelett von unten angebraten ist, wenden, bis es

von beiden Seiten durchgebraten ist.

7. Anrichten. Dabei das Omelett mit etwas rotem Paprika und

ein paar Koriander-Blättern verzieren.

KATHAI MAGAZIN Ausgabe 09/ 2018


SOJABOHNEN MIT GEBRATENEM

FLACHEN BAMBUS

Dieses Gericht gibt es nicht nur in der Taihu-Gegend, sondern

vermutlich in ganz China. Es ist sehr einfach nachzukochen und

geht enorm schnell.

Zutaten

500 Gramm Sojabohnen

3 Stück flache Bambussprossen

20 gr Schweinefleisch

5 gr Reiswein

3 gr Zucker

3 gr Salz

1 rote Chilischote

Zubereitung

1. Flache Bambussprossen schälen (diese flachen Bambussprossen

gibt es nur im Sommer. Sie wachsen an der Wurzel des

normalen Bambus)

2. die Sojabohnen schälen (soweit nicht schon geschält gekauft)

3. Schweinefleisch in kleine, schmale Streifen schneiden.

4. Öl in den Wok gießen und gleich das klein geschnittene Fleisch

zugeben - ca. 15 Sekunden braten.

5. Die flachen Sprossen, Sojabohnen und Chili in den Wok geben

und braten lassen.

6. Während des Bratens Reiswein, Salz und Zucker zugeben.

9. 2 Löffel Wasser in den Wok geben und den Deckel draufmachen.

Ein paar Minuten schmoren lassen.

10. Wenn das Wasser fast weg ist, ist das Gericht fertig.

KATHAI MAGAZIN


DER VDE UND DIE

AUSBILDUNG IN CHINA

Ein wichtiges Thema

ist der Fachkräftemangel

in

China. Dabei geht es

nicht um das Buzzword Fachkräftemangel,

welches in

Deutschland gerne bemüht

wird, wenn man eigentlich

niedrigere Löhne meint. Sondern

es liegt die Betonung auf

Fachkraft. China hat bekanntlich

kein duales Ausbildungssystem.

Aber selbst

wenn es dies gäbe, ist die Situation

immer noch kompliziert

genug. Viele Eltern in

China können es sich nur

schwer vorstellen, dass ihr

Zögling eine Berufsausbil-

dung, statt eines Studiums

machen soll. Der Status einer

solchen Lehr-Biographie ist

denkbar schlecht. Umgekehrt

möchten die frischen Bachelors

und Master keine

Funktionen übernehmen, die

mit einem Facharbeiter

besetzt werden könnten. Ein

Dilemma.

Die Firmen müssen also entsprechend

beigehen und ihre

Fachkräfte in möglichst

kurzer Zeit selber ausbilden.

Die Bindung zum

Unternehmen wird in aller

Regel über ein entsprechendes

Gehalt realisiert.

Sollte sich die Balance verschieben,

ist die nun ausgebildete

- oder besser

angelernte – Fachkraft wieder

weg. Fundierte und universelle

Lehrpläne, die in

Berufsschulen vermittelt werden

flankiert von praktischer

Ausbildung in Firmen, könnte

diesen Knoten auflösen.

Deutschland setzt dieses

Konzept seit vielen Jahrzehnten

erfolgreich um. Was

spricht also dagegen, dies

nach China zu exportieren

bzw. in die bestehenden Systeme

zu integrieren? In der

ChangXing-Entwicklungszone

gibt es bereits chinesische

26 KATHAI MAGAZIN Ausgabe 09/ 2018


Berufsschulen, die das duale

System adaptieren. (Kathai

wird berichten) Eigentlich

musste eine solche Vorstellung

die potenten Bildungsträger

in Deutschland

elektrisieren?

Institutionen, die mit dieser

Tradition entstanden und

gewachsen sind, sind die

deutschen Industrieverbände,

wie der VDE oder VDMA.

Burkhard Holder, ist

Geschaeftsfuehrer VDE

Renewables und stand uns für

ein Interview zur Verfügung.

Lili Dai/ Kathai: Wie ist das

Geschäft mit den Erneuerbaren?

Burkhard Holder: Das

Geschäft mit den Erneuerbaren

muss man differenziert

sehen. Hier in Asien ist es

hervorragend. Aber wir haben

ein bestimmtes Thema schon

öfter mit verschiedenen

Stakeholdern besprochen, wir

müssen dauerhaft auf die

Qualität achten. Sie wissen,

dass wir weltweit eine

Reduktion der Förderungen

haben. Es gibt immer neue

Förderbedingungen von der

politischen Seite und die Förderungen

selbst verschieben

sich immer mehr in den privaten

Investment-Sektor von

Banken, Versicherungen und

der privaten Fonds. Daher

müssen wir darauf achten,

dass die Qualität stimmt und

dass die Banken ihre Risk-Mitigation

in einer professionellen

Weise durchführen

können.

Kathai: Wir haben auf der

Messe von mehreren Firmen

das Problem des Fachkräftemangels

gehoert. Es

gibt verschiedene Initiativen,

das deutsche duale Ausbildungssystem

in China zu

implementieren. Hat der VDE

da schon Ideen?

Holder: Sie sprechen einen

heiklen Bereich an. Das ist die

globale Kompetenz im Bereich

erneuerbare Energien. Wir als

VDE haben in einigen

Bereichen, vor allem bei den

neuen Themen wie

Energiespeicher, Grid-Codes

usw. die Kompetenz,

Energieversorger bei der Integration

von erneuerbaren

Energien zu beraten und dann

die Verbindung zu Powerstations

zu organisieren. In

diesem Bereich fehlen weltweit

Fachkräfte.

Burkhard Holder

Um auf die Frage zurückzukommen:

Ja, der VDE hat in

Kuerze Gespräche auf höchster

Ebene hier, um dieses

duale Ausbildungssystem zu

forcieren und vor allen Dingen

in den Bereichen, wo wir in

einer Vorschau von 3, 5, 7, 10

Jahren sehen, dass wir hier

extreme Engpässe haben werden,

wie z.B. bei den

Speichern. Wichtig ist, dass

wir jetzt gemeinsam was tun.

Also in diesen Bereichen die

Ausbildung vorantreiben. Ein

anderes Problem, was der

KATHAI MAGAZIN 27


VDE sieht und wo wir aktiv

Maßnahmen ergreifen: Wir

haben viele junge Leute an

den Universitäten, die zur Zeit

nach ihrer beruflichen

Zukunft schauen. Diese Studenten

sind zwar von der

fachlichen Ausbildung fertig,

aber sie sind nicht bereit für

den Markt. Nicht bereit für

die Industrie, für Gespräche

mit Banken und Versicherungen,

die wir ja brauchen,

wie eben schon ausgeführt.

Wir werden dazu Maßnahmen

einleiten, neue Formate und

Konzepte für Trainee-Programme,

die global sind, zu

entwerfen. Das gilt besonders

für die global orientierten EE.

Daher werden wir uns um

dieses ganze Thema Ausbildung

und Berufsorientierung

intensiv kümmern.

Kathai: Das duale Ausbildungssystem

funktioniert ja in

Zusammenarbeit mit den

Unternehmen. Wollen Sie jetzt

ihre Mitglieder hier in China

überzeugen, an solchen Initiativen

teilzunehmen, oder

haben Sie schon chinesische

Unternehmen im Fokus? Wie

ist ihre Strategie?

Holder: Natürlich kümmern

wir uns um unsere Mitglieder,

das tun wir seit 125

Jahren in guter Art und

Weise. Aber hier geht es

nicht nur um VDE-Mitglieder,

sondern hier geht es um

grundsätzliche Anpassungen

und Änderungen, wie z.B. der

Einführung eines dualen Systems

und der Maßnahmen,

die ich eben genannt habe.

Der VDE versucht hier als

Treiber der Energiewende,

ganz gezielt im Bereich der

Ausbildung, beim Kompetenzaufbau

junger Leute

mitzuhelfen. Und da interessiert

es am Anfang nicht, ob

Sie VDE-Mitglied sind.

Natürlich freuen wir uns

über jedes neue junge

Mitglied, das an der

Energiewende

aktiv

mitwirken will. Es geht

darum, dass wir das überhaupt

schaffen. Jeder ist

willkommen mitzumachen.

Kathai: Gibt es schon Finanzierungskonzepte

oder warten

Sie erst die Gespräche mit der

chinesischen Regierung ab?

Holder: Wir haben mehrere

Gespräche - übrigens nicht

nur mit der chinesischen

Regierung, sondern auch von

anderen Ländern, die jetzt

stark auf Erneuerbare setzen,

z.B. aktuell Afrika. Hier in

China werden wir in Kuerze in

Zusammenarbeit mit der der

deutschen Regierung in den

Gesprächen erläutern, wie wir

unsere Erfahrungen im dualen

Ausbildungskonzept gut in

das chinesische System integrieren

könnten.

Kathai: Es gibt die initiative

One-Belt One-Road von

chinesischer Seite. Was viele

deutsche Unternehmen, die in

China produzieren, noch gar

nicht vollständig realisiert

haben, dass mit dieser Initiative

ihnen ein Portal in z.Z. 64

weitere Länder aufgestoßen

wird. Ist das im Sinne des

VDE und wenn ja, denken Sie,

28 KATHAI MAGAZIN Ausgabe 09/ 2018


dass der VDE daran partizipieren

kann.

Holder: Zum letzten Teil der

Frage zuerst, ja, der VDE partizipiert

heute schon davon,

dass gerade in diesen Ländern

des OneBelt - oder

anderer Initiativen - also

überall da, wo man sich wirklich

festlegt auf eine

ausreichende und gute QS

von EE-Systemen, ueberall

da, wo auf der Energieversorgerseite

umstrukturiert

wird, überall da, ist das

Wissen vom VDE gefragt und

dort sind wir auch gut im

Geschäft. Wir haben ja gerade

parallel den großen Financial

Summit in Shanghai, mit sehr

vielen Vertretern aus Regierungen,

Finanzen, Versicherungen

und der Industrie

natürlich. Dort tauschen wir

uns aus und lernen von den

anderen Märkten und versuchen

mit diesen Erfahrungen

kontinuierlich die

Qualitätskriterien und Bankability-Kriterien

zu Verbessen.

Bankability ist ja nicht nur ein

Begriff oder eine Definition,

sondern eher eine lebende

Initiative, die man immer weiter

verbessern muss, weil sich

die Technologien ändern, weil

sich die Rahmenbedingungen

ändern, z.B. bei Finanzierungen

(wie z.B. die Crowdfinanzierungen

in China) usw.

Darauf muss man

maßgeschneiderte Qualitätslösungen

anbieten. Man

kann das nicht alles mit vorhandenen

internationalen

Standards unter IEC oder UL

abfangen. Man muss das

anpassen. Ich habe gerade

ein Panel mit führenden Vertretern

der Banken und unserem

Partner dem Fraunhofer

moderiert. Wir besprachen,

dass dies ein ganz wichtiges

Kriterium ist, um unserem

langfristigen Ziel - Terawatts

PV in den weltweiten Märkten

zu haben - mit OneBelt und

anderen Initiativen, erreichen

zu können.

Kathai: Ganz aktuell ist auf

der Messe eine neue

Chinesisch-Afrikanische-PV-

Inititative gegründet worden.

Wie bewertet der VDE solche

Initiativen?

Holder: Ich komme gerade

aus Südafrika und wir hatten

dort ein sehr erfolgreiches

Utility-Forum welches von

unserem Partner der Utility-

Global-Initiative organisiert

wurde. Der VDE hat das CEO-

Forum der anwesenden afrikanischen

Utilities moderiert.

Und wir haben genau die

Punkte, die für die

Energieversorger Afrikas

wichtig sind, besprochen. Also

Qualität, saubere Einbindung

der Netze, Netze allgemein ...

Also alles, was wichtig ist, um

einen Wandel weg von Kohle

und Atomkraft, hin zu EE zu

schaffen. Und auch das

Thema, des vorhandenen

Fachkräftemangels, den auch

Afrika hat, wurde intensiv

KATHAI MAGAZIN 29


esprochen. Es gibt sehr viel

Unsicherheit bei den

Energieversorgern bezüglich

Fachkräfte. Da müssen wir

noch jede Menge Arbeit leisten.

Gerade mit einem guten

Dialog, wie sie der VDE organisiert,

wo wir die Banken und

Versicherungen mit einbinden,

weil ein Energieversorger

alleine oder eine afrikanische

Regierung einzeln,

das nicht stemmen kann. Das

geht nur zusammen. Wichtig

ist, wo wir jetzt in Afrika

einen Neuanfang mit viel

Potential sehen, dass man

darauf achtet, dass die Korruption

begrenzt wird damit

der Markt sauber

funktionieren kann und Fehler,

die wir auf anderen Märkten

schon gemacht haben,

dort nicht wiederholt werden.

Kathai: Es könnte ja durchaus

die kuriose Situation

entstehen, dass Deutschland

das duale Ausbildungssystem

erfolgreich in China implementiert

- was bislang ja nirgendwo

sonst auf der Welt

funktioniert hat - und die Chinesen

dieses Tool der Ausbildung

auch in Afrika erfolgreich

integrieren werden.

Afrika und China kann man

heute schon kaum noch

getrennt betrachten. Können

Sie sich sowas vorstellen?

Holder: Natürlich! Sowas

kann passieren. Wir versuchen,

weiterhin im Driverseat

zu sitzen, nämlich weil

wir unsere Erfahrungen

gemacht haben. Ich denke,

Deutschland hat eine sehr

hohe Qualität bei diesem Ausbildungssystem

erlangt - aber

das ist ja nicht über Nacht

gekommen. Man kommt da

nur durch ständige Verbesserungen

hin. Aber es kann

natürlich niemand verhindern,

dass dieses deutsche Erfolgsmodell

nach Afrika kopiert

wird. Wir würden gerne dabei

sein, nicht nur, weil wir ein

zusätzliches Geschäft machen

wollen, sondern weil wir

letztlich auch einen nachhaltigen

und vernünftigfunktionierenden

Beitrag zur

Energiewende leisten wollen.

Kathai: Vielen Dank für das

Gespräch!

Lili Dai

30 KATHAI MAGAZIN Ausgabe 09/ 2018


KATHAI MAGAZIN 31


WILL MAN DAS?

CHINESISCHE INVESTITIONEN IN

MECKLENBURG-VORPOMMERN

Chinesische

Unternehmen

investieren schon

seit geraumer Zeit

weltweit in Unternehmen. Oft

wird dahinter ein grosser

Masterplan vermutet, dabei

sind die Gründe z.T. viel profaner.

Auch chinesische

Unternehmen sind bemüht

vorhandene liquide Mittel zu

investieren. Ob dies nun

Staatsanleihen sind oder, im

privaten KMU-Sektor eher

verbreitet, die Firmenbeteiligung

bzw. Übernahmen.

Meist war dieses Engagement

nicht nur willkommen, sondern

dringend nötig zum

Ueberleben der bedachten

Unternehmen. Mittlerweile

hat sich herumgesprochen,

dass chinesisches Investment

deutlich zuverlässiger ist, als

beispielsweise

die

Finanzspritzen institutionalisierter

Anlegerorganisationen.

Neben dem klassischen

Investment, das auf Rendite

abzielt, geht es ebenso um die

Schaffung neuer Absatzmärkte.

Es ist keineswegs so, dass

das vielzitierte Know-How nur

in eine Richtung abfliessen

würde. China ist einer der

größten Patentanmelder weltweit.

Huawei zeigt aktuell,

wie hochtechnologisches

chinesisches Know-How in

deutsche Unternehmen diffundiert.

Betrachtet man den

gesamten F&E-Sektor in

China und die dortigen private

und staatlichen Investitionen,

wird schnell klar, dass

dies erst der Anfang ist.

Woran es auf chinesischer

Seite tatsächlich oftmals

hapert, das ist das nötige Vertriebs-Know-How

in fremden

Märkten. Und dies gilt

besonders dann, wenn dieser

Markt, wie z.B. die EU, aus

einem Flickenteppich unterschiedlichster

Sprachen, Sitten,

Kulturen und Regeln

besteht. Niemand tritt gerne

in Fettnäpfchen bzw. riskiert

Investitionen auf diese Weise.

Umgekehrt bekommen diese

KMU mit einem chinesischen

Investment einen exklusiveren

Zugang zu dem attraktiven

asiatischen Markt.

Bislang konzentrierte sich das

chinesische Investment auf

Baden-Württemberg, Bayern

und Hessen. Langsam spricht

sich in China herum, dass

auch andere Mütter schöne

Töchter haben – Mecklenburg-Vorpommern

zum

Beispiel. Ganz aktuell wurde

eine Kooperation mit einer

MedTech-Firma in Lage

gestartet und es gibt auch

einige Übernahmen bzw.

Beteiligungen im Bereich

Marinetechnik, Tourismus

und erneuerbare Energien.

Mecklenburg hat durchaus

Potential, im Bereich der

neuen Industrie, also die, die

sehr eng mit der IT vermascht

ist – gemeinhin mit Industrie

4.0 verschlagwortet - ausländisches

Kapital anzuziehen.

Das größte Problem,

wenn nicht gar das Einzige,

welches das dünnbesiedelte

Land für diese Industrie hat,

ist die unterdurchschnittliche

IT- und Kommunikations-

Infrastruktur.

Wir haben im Rahmen

unserer Reportagereise durch

die neuen Bundesländer Uwe

Flachsmeyer,

Fraktionsvorsitzender

Buendnis

90/ Grüne der Rostocker

Bürgerschaft, zum Komplex

chinesische Investitionen in

32 KATHAI MAGAZIN Ausgabe 09/ 2018


einem Kurzinterview befragt.

Uwe Flachsmeyer tritt 2019 als Kandidat

fuer das Oberbuergermeisteramt

in Rostock an

Sven Tetzlaff/ Kathai Media: Wie

stehen die Grünen grundsätzlich zu

Investitionen in Mecklenburg-

Vorpommern sowohl in klassische

Industrieunternehmen und aber auch

in Infrastrukturunternehmen wie

Wasser- oder Energieversorger.

Uwe Flachsmeyer: Ich fang mit dem

zweiten Teil an, da er am einfachsten

zu beantworten ist. Ich finde Investitionen

ausländischer Firmen in

Bereiche - wie z.B. die Wasserversorgung

- falsch. In Rostock befinden

wir uns gerade auf dem Weg der

Rekommunalisierung. Wir haben die

Wasserversorgung von einem privaten

Dienstleister wieder in die kommunale

Hand überführt. Ich finde

ganz grundsätzlich, dass Dinge wie

Wasser, aber auch Grund& Boden

usw. möglichst wenig in private Hand

gehören und erst recht nicht in die

Hände ausländischer Investoren. Das

sieht man m.E. gerade in Afrika, wo

internationale Konzerne ganze Landstriche

für sich übernommen haben

und dann die Einheimischen nichts

mehr davon haben.

KATHAI MAGAZIN

33


Ansonsten ist die Globalisierung

natürlich nicht aufzuhalten.

Investoren aus allen

Branchen werden in Europa in

Deutschland und auch in Rostock

Unternehmen finden, an

denen Sie sich beteiligen und

in die sie investieren. Das

halte ich für etwas Positives.

Es ist ein bilateraler und auch

kultureller Austausch, der da

stattfindet. Im Detail muss

man natürlich schauen, wo

sind kritische Dinge, die man

beachten muss. Ein weiterer

Punkt: Für uns Grüne ist es

wichtig, dass wirtschaftliche

Zusammenarbeit auch an

demokratische Strukturen in

den entsprechenden Ländern

gekoppelt sind oder diskutiert

werden dürfen.

Kathai: Wo würden Sie sich

denn Investitionen in MV bzw.

in der Hansestadt Rostock

wünschen?

Flachsmeyer: Natürlich in

allen innovativen Bereichen.

Elektromobilität ist gerade so

ein Thema. Aber da wünsche

ich mir vor allem Investitionen

heimischer

Unternehmen. Man hat z.Z.

eher das Gefühl, dass in

diesem Bereich ausländische

Unternehmen viel schneller

vorankommen. Dann die Digitalisierung

und Modernisierung

der Gesellschaft.

Da sind insgesamt

Investitionen nötig,

sowohl von inländischen,

als auch von

ausländischen

Unternehmen

und selbstverständlich

auch

von staatlicher

Seite.

Kathai: Ich bin

die letzten Tage

für eine Reportage

durch

Neufuenfland gefahren und

besonders in Mecklenburg ist

mir die katastrophale

Netzabdeckung aufgefallen.

Ich hab auf meinem Mobile

Symbole gesehen, die ich

längst vergessen hatte, 2G

z.B. Noch schlimmer, manchmal

habe ich überhaupt kein

34 KATHAI MAGAZIN Ausgabe 09/ 2018


Netz gehabt. Auf der anderen

Seite sehe ich ein grosses

Potential für Internetunternehmen

in Mecklenburg-

Vorpommern, wenn denn ein

ordentlicher und flächendeckender

Breitbandausbau da

wäre. Es gibt ja diverse skandinavische

Vorbilder. Alle

Parteien haben das in ihre

Agenda geschrieben, aber wie

wollen die Grünen das

machen?

Flachsmeyer: Das die Parteien

das in ihrer Agenda stehen

haben, ist ja schon der erste

Schritt. Wobei man auch

fragen muss, wer ist denn die

letzten 12 Jahre an der

Regierung gewesen?

Die Grünen haben bei

diesem Thema sogar

eine Überschneidung

mit

anderen

Parteien. Wir sagen,

wir wollen bis 2021

75% aller

Haushalte an

Glasfasernetze

angeschlossen

haben. Und das

kann man z.B.

mit dem Verkauf

der Telekom-Aktien

erreichen,

die

sich noch in Bundesbesitz

befinden. Das würde aktuell

ca. 10 Mrd. Euro bringen. Das

sieht übrigens die FDP

ebenso, die will auch noch die

Post-Aktien zur Disposition

stellt. Mit diesem zusätzlichen

Geld im Staatshaushalt

könnte man in die Digitalisierung

deutlich voranbringen.

Kathai: Man hat es in DE mit

einer klassischen Monopolsituation

zu tun. Und ich sehe im

Augenblick nicht die Chance,

dass dieser Bereich wieder in

staatliche Hand kommen

könnte - was es vielleicht

sollte. Wie wäre in diesem

Bereich chinesisches Investment

zu bewerten?

Flachsmeyer: Das ist schwierig

zu sagen. Es ist richtig,

dass wir im Moment einen

Monopolisten haben. Dass die

Telekom sich die Filet-Stücke

heraussucht wo sie gerne

KATHAI MAGAZIN 35


investiert und sich aus dem weiten

Land jedoch zurückzieht und dort

nach kommunalen Zuschüssen ruft,

weil es sich nach ihrer Ansicht nicht

lohne. Klar, wenn man den Markt

öffnet, soll er auch ausländischen

Investoren zur Verfügung stehen.

Genaugenommen gibt es dies in manchen

Gemeinden schon - wenn auch

nicht mit ausländischen

Unternehmen. Hier und da sieht man

Werbeschilder, auf denen sinngemäß

zu lesen ist, „wenn sich X% eurer Einwohner

hier anschließen, dann legen

wir bei euch die entspr. Leitungen“.

Etwas mehr Konkurrenz wäre sicher

für beide Seiten positiv.

Kathai: Haben Sie und wenn ja wie,

sind die konkreten Vorstellungen, wie

man aus dem protektionistischen Krater,

der durch die Lex Solarworld in

Deutschland gerissen wurde, wieder

herauskommt?

Flachsmeyer: Das ist schwierig. Man

muss es ehrlicherweise auch zur

Kenntnis nehmen, dass Deutschland

Vorreiter gewesen ist, was Erneuerbare

anbelangt hat - also sowohl

Solar- als auch Windkraft. Dann

haben wir allerdings gegen China

großflächig verloren. Wenn man

dieses Szenario weiterlaufen lässt,

dann kann man sich auch fragen, wie

das in einigen Jahren im Automobilbereich

aussieht. Wenn Deutschland

nicht wirklich innovativ vorangeht,

dann werden die ausländischen

Unternehmen unsere Automobilindustrie

obsolet machen. Dann haben wir

es verschlafen.

Für mich als Rostocker Kommunalpolitiker

wäre es etwas anmaßend zu

behaupten, „ich habe die Ideallösung.“

Habe ich natürlich nicht.

Klar ist allerdings, dass wirtschaftliche

Kooperation stattfinden wird und

das Protektionismus am Ende nicht

funktioniert. Insofern wird man bei

Kooperationen mit ausländischen

Unternehmen und Investoren

schauen müssen, wie man es für

beide Seiten erträglich macht. Und

wir müssen auch für uns mal festlegen,

welches sind unsere Zukunftsindustrien

und wo können wir uns

weiter positionieren im Vergleich zu

anderen Regionen, die bei anderen

Industrien Vorteile haben, die wir

eben nicht bieten können.

Kathai: Ich persönlich sehe auch ein

Problem im Informationsaustausch

zwischen China und DE bzw. MV.

Manchmal lese ich was in der Ostseezeitung

oder anderen deutschen

Medien über China und dann frage

ich mich, ob ich eigentlich in einem

Paralleluniversum lebe. Dabei wären

objektive Informationen doch der

erste Schritt für eine vernünftige

wirtschaftliche, kulturelle usw. Kooperation.

Sehen Sie auch dieses Problem?

Flachsmeyer: Ja, das seh ich auch so.

36 KATHAI MAGAZIN Ausgabe 09/ 2018


Für uns ist China sehr weit weg und

dann gibt es so Investoren wie Herrn

Pang am Flughafen Parchim der uns

hier stark verunsicherte. Also eher

kein leuchtendes Beispiel für die

anderen Investoren aus China, die

wir für ihre Erfolgsgeschichten

willkommen heißen mögen.

Kathai: Eine der wichtigsten Industrien

in MV ist der Tourismus und da

gab es ja schon ein paar chinesische

Investitionen. Aber Tourismus ist

auch ein empfindliches Pflänzchen,

was Ausländerfeindlichkeit angeht.

Wie schätzen Sie die Gefahr ein, dass

durch solch ein Klima Investitionen

im Land ausbleiben könnten? Wie ist

die Situation in MV?

Flachsmeyer: Ja, man darf die Augen

nicht verschließen. Ich hatte z.B. im

Wahlkampf öfter an Ständen in der

Innenstadt Besuche von Touristen

anderer Nationen. Und die haben

auch geäußert, dass sie tatsächlich

mehrfach überlegt haben, ob sie nach

Rostock oder in die Region kommen

oder eben nicht. Wir haben dieses

Problem nicht nur hier, sondern in

ganz Deutschland. Wir können dem

entgegenwirken, indem alle ‚normalen‘

Menschen zeigen, dass es

dafuer keinen Grund gibt - wir unsere

Gäste freundlich behandeln. Wir

würden uns freuen, wenn die

chinesischen Touristen von hier mit

einem guten Gefühl und tollen Erlebnissen

wieder nach Hause fahren.

Kathai: In Rostock und Greifswald

studieren sehr viele Chinesen. Aufgrund

der föderalen Verantwortlichkeit

der Bildung in DE erwachsen für

die Studenten in Bezug auf die

Anerkennungen sowohl der Studienvoraussetzungen

als auch

Abschlüsse einige Probleme. Wie wollen

die Grünen diese Problematik

auflösen?

Flachsmeyer: Ganz klar ist, dass wir

das Kooperationsverbot aufheben

wollen. Also dass letztendlich der

Bund viel stärker in die Bildungspolitik

der Länder hineinwirken darf.

Über diesen Weg muss auch erreicht

werden, dass Bildungsabschlüsse in

Bremen genauso viel Wert sind wie in

Bayern oder wo auch immer und das

die auch ungefähr das gleiche Level

haben müssen. Das ist im Übrigen

nicht nur für Ausländer ein Problem,

sondern auch für die Einheimischen

ganz genauso. Meiner Meinung nach

gehört auch eine Vereinheitlichung

oder wenigstens Angleichung des

Abiturs dazu. Das ist noch immer

eine Länderhoheit, wo jeder Fürst für

sich meint, das Patentrezept

gefunden zu haben. Bildung und Digitalisierung

sind schlichtweg die

Zukunftsthemen. Wenn wir unsere

Kinder nicht vernünftig ausbilden

und nicht wirklich viel Geld in die Bildung

stecken, wird uns das auf die

Füße fallen.

Sven Tetzlaff

KATHAI MAGAZIN

37


Klaus Ernst/ Foto: Katja-Julia Fischer

„EIN AUTO SIND 4 RÄDER MIT

ZWEI SOFAS.“ (LI SHUFU/ GEELY)

INTERVIEW MIT MDB KLAUS ERNST ZU

CHINESISCHEN INVESTITIONEN IN DEUTSCHLAND

Es gibt schon seit längerer

Zeit ein finanziellen

Engagement

chinesischer

Unternehmen in Deutschland.

Das waren nicht immer nur

spektakuläre Übernahmen wie

z.B. im Kuka oder Putzmeister,

sondern sehr oft auch

Beteiligungena an traditionellen

Familienunternehmen wie

deutsche Winzereien oder

auch in IT-Unternehmen wie

z.B. Smaato.

Größere Akquisitionen

chinesischer Unternehmen

werden in Deutschland z.T. mit

erheblicher medialer Aufmerksamkeit

bedacht. Dabei

liegen die chinesischen Investoren

laut PwC derzeit auf

Platz vier der Rangliste. Die

meisten Deals in Deutschland

wurden von US-Unternehmen

abgeschlossen (136/ Nov.

2017). Der US-Anteil sank

jedoch von 25 Prozent auf 18

Prozent. An zweiter Stelle kam

die Schweiz, und erst an dritter

Stelle das erste EU-Land

Frankreich.

Der Automobilkonzern Geely

ist spätestens seit der Volvo-

Übernahme oder der Lotus-

Beteiligung, deutlich bekannter,

als die meisten anderen

chinesischen Unternehmen.

Hinzu kommt, dass Li Shufu

gelegentlich mit Witzelein

deutsche Automobilmanager

auf den Teppich zurückholte:

38 KATHAI MAGAZIN Ausgabe 09/ 2018


„Ein Auto sind 4 Rädern mit

zwei Sofas.“ ( 汽 车 就 是 四 个 轮 子

加 两 个 沙 发 ) Seit Geely sich in

China zur Marktführerschaft

im Bereich selbstfahrende

Autos und Elektromobilität

aufgeschwungen hat, hat er

den Spruch modifiziert: „Ein

Auto ist ein Smartphone mit 4

Rädern.“

Als Geely schliesslich 9.7% an

Daimler-Benz erwarb und

damit größter Einzelaktionär

wurde, war dies für die Partei

Die Linke Anlass, eine kleine

Anfrage (30.05.2018) an die

Bundesregierung zu stellen.

Die ausführliche Antwort erfolgte

zum 15.06.2018 (http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/

19/027/1902771.pdf).

Wir haben uns mit MdB Klaus

Ernst (http://www.mdb-klausernst.de/)

zu diesem

umfangreichen Komplex unterhalten.

Klaus Ernst ist Vorsitzender

des Wirtschaftsausschusses

des Bundestages und

einer der Autoren der Kleinen

Anfrage.

Sven Tetzlaff/ Kathai Media:

Wie bewerten Sie

grundsätzlich Investitionen

ausländischer Unternehmen in

Deutschland. In welchen

Bereichen wünschen Sie sich

Investitionen und wo eher

nicht.

Delegation des Wirtschaftsauschuss des Bundestages in Shanghai

Klaus Ernst: Ausländische

Investitionen sind prinzipiell

nicht schlechter als deutsche

Investitionen. Die Amerikaner

etwa investieren schon seit

Jahren in Deutschland und

auch deutlich mehr als die Chinesen.

Die Frage ist nicht so

sehr, woher die Investition

kommt, sondern in was

investiert wird. Es gibt

Bereiche, da wollen wir – als

Die Linke – Investitionen privater

Unternehmen überhaupt

nicht. Das wäre z.B. die Infrastruktur,

kommunale Investitionen

in Wasser, Abwasser,

Energie usw. Dort hätten wir

viel lieber öffentliche Investitionen.

Dies ist unser Grundsatz.

Wenn wir zu den EU-Investitionen

kommen, z.B. aus Italien

oder Frankreich, dann ist

dies im Hinblick auf einen

gemeinsamen Markt kein

Problem, sofern die Investitionen

nicht in die genannten

Bereiche gehen. Aber wir

nehmen wahr, dass insbesondere

über die Handelspolitik,

über internationale Handelsverträge

wie CETA das Tor aufgemacht

wird. Diese

Abkommen öffnen und privilegieren

private Investitionen

in Bereiche, die wir lieber

öffentlich organisiert hätten.

Wenn wir jetzt konkret China

betrachten, dann muss man

die Tatsache berücksichtigen,

dass es in Europa bzw.

Deutschland deutlich weniger

investiert, als die Deutschen

bzw. Europäer in China. Zweitens

sehe ich, dass die Chinesen

eine klare Strategie

haben. Sie wissen, wohin sie

wollen und was sie wollen. Es

kann durchaus sein, dass Teile

der Strategie europäischen

oder deutschen Interessen

widersprechen. Das betrifft

z.B. Bereiche der Computerindustrie

wie KI oder kritische

Infrastruktur. Dort gibt es das

berechtigte Interesse der EU

und Deutschlands zu wissen,

welche Investitionen es in

welchen Bereichen überhaupt

gibt. Notwendig ist eine Analyse,

wie die Unternehmen

miteinander verflochten sind.

Sonst ist es kaum möglich klar

zu entscheiden, diese Investitionen

wollen wir und diese

nicht.

Daher ist es auch richtig, dass

die EU jetzt einen Vorschlag

für eine Verordnung gemacht

hat, die einen Rahmen für die

Überprüfung ausländischer

Direktinvestitionen schafft.

Auch ist es m.E. durchaus

richtig, Investitionen zu unterbinden,

wenn sie den Interessen

der EU widersprechen.

Allerdings sage ich auch, dies

kann nicht nur gegenüber

China gelten, sondern muss

gegenüber allen gelten – auch

KATHAI MAGAZIN 39


Geely Campus, Headquarter in Changxing

gegenüber den USA. Die

europäischen Institutionen

müssen selbst entscheiden,

was will man eigentlich in

Europa an ausländischen

Investitionen haben, in welche

Bereiche will man sie lenken

und in welche Bereiche eben

nicht. Und wenn man sie nicht

will, wird man sie entsprechend

stoppen. Dazu gibt

es schon jetzt rechtliche Möglichkeiten,

die meines

Erachtens jedoch nicht

ausreichen.

Es ist auch richtig, dass hierzulande

die Schwellenwerte

zur Prüfung und möglichen

Unterbindung von Investitionen

gesenkt wurden. Ich

denke nicht, dass konkrete

Investitionen im Parlament

besprochen werden sollten,

sondern dies sollte z.B. durch

eine Ministerentscheidung

möglich sein, wie das ja bei

Fusionen auch heute schon

der Fall ist. Das Entscheidende

ist, dass dies transparent

gestaltet wird und das es ganz

klar ist, nach welchen Kriterien

solche Entscheidungen

gefällt werden.

Voraussetzung dafür ist eine

wirtschaftspolitische Strategie.

Damit kommen wir zu einem

entscheidenden Punkt, China

hat eine solche Strategie und

wir haben keine. Es ist nicht

klar, wo wir eigentlich

investieren wollen – z.B. mit

staatlicher Unterstützung

bestimmte Technologien in

einzelnen Regionen vorantreiben

wollen. Zurzeit betreiben

wir eher Stückwerk und

reagieren teilweise nicht

nachvollziehbar bei ausländischen

Investitionen.

Schwierig ist auch, dass in

Europa eine ideologische

Freihandels- und Privatisierungspolitik

betrieben wird und

gleichzeitig etwa kritisiert

wird, dass die Chinesen den

Hafen in Piräus gekauft haben,

obwohl gerade diese Privatisierungen

Auflage der Troika

waren. Da widersprechen sich

die Ideologen. Meine Haltung

ist, wir brauchen natürlich

internationalen Handel, das ist

vollkommen klar, und auch

internationale Investitionen.

Aber, wir brauchen keinen

Freihandel, wenn dieser nur

westlichen Investoren Zugang

zu allen Märkten der Welt verschafft

und sie sich ihre

eigenen Vorteile sichern, ohne

das jeweils die Region und

deren

Entwicklung

berücksichtigt wird. Das führt

zu massiven Problemen, wie

man z.B. am subventionierten

Lebensmittelexport aus der EU

nach Afrika vor Ort sehen

40 KATHAI MAGAZIN Ausgabe 09/ 2018


kann. Unser Leitgedanke

lautet, dass Handel nur dann

sinnvoll ist, wenn er fair ist –

also Fair-Handel statt Freihandel.

Unter diesem Blickwinkel

sind auch Investitionen zu

bewerten. Sie sollen die eben

nicht nur dem jeweiligen

Konzern dienen, sondern auch

die Entwicklung der Region

fördern.

Was die Freihandelspolitik

generell angeht, ist die Partei

der Grünen, zumindest in

dieser Frage, unser Verbündeter

in der Opposition. Aber

auch Teile der SPD teilen

unsere Auffassungen. Und

selbst einzelne Personen in der

CDU/CSU, beispielsweise

Entwicklungsminister Mueller,

vertreten Positionen, die ich

voll unterstütze.

der wirtschaftlichen Entwicklung

und Ähnliches kümmern

muss. Daher haben wir uns ja

um den Vorsitz im

Wirtschaftsausschuss bemüht

und letztlich bekommen. Erstens,

chinesische Investitionen

in Deutschland sind nicht per

se schlecht oder gut, sondern

es kommt darauf an, wohin sie

fließen und welche Folgen sie

haben könnten. Zweitens,

chinesische Unternehmen

sichern in Deutschland einen

großen Teil Arbeitsplätze.

Mein Eindruck ist im Übrigen,

dass sie sich bei weitem fairer

verhalten, als z.B. große

Hedge- und Investmentfonds,

die systematisch Firmen

filetieren und dann die Leute

rauswerfen. Drittens, den

Technologietransfer wollen die

Amerikaner genau wie die Chinesen

oder jeder andere Investor.

Bei solchen Investitionen ist es

Tong Zhiyuan, Vice CEO Geelly Group - Changxing

Kathai Media: Wenn ich eine

Firma in Europa erwerben

möchte, dann kaufe ich mit

meinem Geld z.B. auch das

Patentfolio. Wenn dies ein ausländisches

Unternehmen

macht, dann ist dies ganz

genauso. Da kräht in aller

Regel kein Hahn nach. Es wird

aber in der öffentlichen

Wahrnehmung ganz anders,

wenn Chinesen eine Firma

kaufen wollen. Dann titeln am

nächsten Tag die Zeitungen,

“die Chinesen wollen unser

Know-how.” Natuerlich, denn

sie haben ja dafuer bezahlt.

Sie kaufen die Patente. Aber

warum ist das ausgerechnet

bei den Chinesen ein so

grosses Thema – wird da mit

zweierlei Maß gemessen?

Könnte dies eine Folge der

gefühlten oder realen

ungleichen Behandlung von

Investitionen deutscher

Unternehmen in China versus

chinesische Investitionen in

Deutschland sein?

Klaus Ernst: Es gibt bei der

Partei Die Linke durchaus die

Einsicht in die Notwendigkeit,

dass man sich um die Frage

KATHAI MAGAZIN 41


Vier neue Fabs von Geely in Changxing

wichtig, genau hinzuschauen,

was das Motiv der Chinesen

oder eben generell eines Investors

ist. Ich glaube schon, dass

es im Interesse Europas liegt,

bestimmte Entwicklungen so

voranzutreiben und zu organisieren,

dass nicht jeder Konkurrent

gleich weiß, was man

selbst vorhat und sich die

eigene Zukunft verbaut. Dann

muss man möglicherweise

bestimmte Investitionen unterbinden,

da sonst ein unerwünschter

Technologieabfluss

droht. Deshalb finden wir es

richtig, dass die

EU dieses Investment-Screening

besser und effektiver

organisieren

will und Möglichkeiten

entwickelt,

wie und wann man

ausländische

Investitionen u.U.

untersagt. Nichts

anderes machen

übrigens alle

Industrienationen,

auch die Amerikaner

und auch

China.

Zum anderen

Punkt der Frage,

die Unternehmen

klagen häufig über

Rechtsunsicherheit

in

China. Sie klagen

darüber, dass sie

nicht dieselben

Möglichkeiten

hätten, wie chinesische Investoren

in China. Wenn ich mir

die konkreten Zahlen anschaue,

dann sehe ich, dass es so

schlecht nicht um die deutsche

Wirtschaft in China bestellt

sein kann. Ich war selber

schon dabei, als ein

schwäbisches Unternehmen in

China ein neues Ausbildungszentrum

eröffnet hat. Es

gibt offensichtlich auch

funktionierende chinesischdeutsche

Handelskammern. So

schlecht sind die Bedingungen

nicht. Eine weitere Öffnung

Chinas für europäische Investoren

ist mit Sicherheit zu

erwarten. Auch weil sich

weltpolitisch oder durch

Trump viel verändert hat, bzw.

durcheinandergeraten ist.

Insofern ist es natürlich zu

erwarten, dass die Investitionen

gegenseitig zunehmen

werden. Und wenn es dann

auch unter dem Aspekt, dass

man bestimmte Dinge akzeptiert

und andere ablehnt, aber

generell zu mehr gegenseitiger

wirtschaftlicher

Zusammenarbeit kommt, dann

ist das mit Sicherheit nicht

schlecht.

Kathai Media: Entgegen dem

erbitterten Widerstand von

den Grünen und teilweise auch

der Linken, wurde die

Entwicklung der erneuerbaren

Energien durch eine

fadenscheinige Initiative eines

einzelnen, in den USA

schwächelnden Solarunternehmens,

durch die sog.

Lex Solarworld abrupt

beendet. Die EU übernahm ein

Protektionsframework aus den

USA und loeschte so eine

ganze Industrie in Deutschland

nahezu aus. Das Ergebnis war,

dass die Produktion in China

weiter zunahm und mit ihr die

technologische

und

wissenschaftliche Führerschaft

von Deutschland an China

übergeben wurde. Ganz

nebenbei verfehlt, auch auf

42 KATHAI MAGAZIN Ausgabe 09/ 2018


Grund dieser Entscheidung,

Deutschland die selbstgestellten

Klimaziele dramatisch. Das

geschah noch unter einer

anderen Administration in den

USA. Unter Trump bekommt

die EU plötzlich ihre eigene

Medizin zu schmecken,

während China sich in der

ungewohnten Situation wiederfindet,

als einer der wenigen

das Fähnlein des freien

Welthandels zu schwenken.

Wie positioniert sich Die Linke

zum Protektionismus der EU,

bzw. was will Die Linke anders

machen?

Klaus Ernst: Schutz von Industrien,

Beschäftigung, Umwelt

oder Verbraucherschutz müssen

immer dann ein Thema

sein, wenn unter anderem

ungleiche Bedingungen

herrschen. Es gibt z.B. im

Bereich der Nichteisenmetalle

in China offensichtlich verschiedene

Maßnahmen, wie

die heimische Industrie

staatlich gefördert und

geschützt wird. Das heißt,

dass der Wettbewerb nicht

mehr fair ist. Und wenn ein

Wettbewerb nicht fair ist, dann

muss man eben eingreifen.

Wenn man das nicht täte, dann

würde, z.B. was den Stahl

angeht, sich der auf dem

Markt durchsetzen, der z.B.

die schlechtesten Umweltbedingungen,

die schlechtesten

Arbeitsbedingungen hat

usw. Umwelt und Sozialdumping

kann aber nicht im Interesse

der EU sein und man

muss dann z.B. über Zölle,

über Einfuhrbeschränkungen

oder über Standards eingreifen.

Das eigentliche Problem in den

USA ist das große Ungleichgewicht

im internationalen Handel.

Die Chinesen und auch

wir Deutschen haben eine

Handelsbilanz gegenüber den

USA, die natürlich den amerikanischen

Präsidenten auf den

Plan bringen muss. Es gibt nun

verschiedene Möglichkeiten

dies zu ändern. Eine Möglichkeit

wäre - und dies ist, glaube

ich, die richtige –, dass man

versucht ausgeglichene Handelsbilanzen

dadurch zu

erreichen, dass man

tatsächlich die Importe

fördert. Und dies geht nur,

indem man die Kaufkraft und

die Investitionstätigkeit im

eigenen Land steigert. Diese

ist bei uns absolut

unterentwickelt. Insofern ist

das, was in den USA zurzeit

versucht wird, teilweise

verständlich. Nun liegt der

Ball bei uns – und nicht bei

den Amerikanern.

Dafür steht auch linke Politik.

Wir wollen Leiharbeit einschränken

bzw. abschaffen,

befristete Beschäftigungen

eindämmen, einen höheren

Mindestlohn und die Tarifbindung

erhöhen. Mit all diesen

Maßnahmen erzeugen wir im

eigenen Land mehr Nachfrage

und damit auch höhere

Importe. Gleichzeitig wollen

Bargeldfreie Stadt Hangzhou

KATHAI MAGAZIN 43


wir mehr Investitionen -- zur

Erhöhung der Importe, aber

auch vor dem Hintergrund,

dass die Investitionstätigkeit,

auch der privaten Investoren,

bei weitem hinter den Möglichkeiten

zurückliegt und wir

seit Jahren von der Substanz

leben. Am Ende führt die

höhere Nachfrage in

Deutschland zu einem Ausgleich

der internationalen

Ungleichgewichte bei den

Leistungsbilanzen. Übrigens

nicht nur mit China oder den

USA, auch in Europa selbst

sind die Deutschen schon

lange ein Problem für die

anderen europäischen Volkswirtschaften.

Das schreiben

uns alle Mitgliedsländer ständig

ins Stammbuch. Es ist ein

Problem für die anderen, wenn

wir fast 8% Überschüsse

haben und deren Industrien an

die Wand drücken.

Porsche 911 mit Elektroantrieb

Das ist die eine Seite der

Medaille. Die andere Seite ist,

Zölle können durchaus

berechtigt sein, wenn man

Bereiche der eigenen

Wirtschaft fördern will. Ich

geh mal auf das Thema Afrika

ein: Wenn wir dort Handelsverträge

mit der EU haben, die

dazu führen, dass unser

exportiertes Hühnerfleisch das

billigste auf dem dortigen

Markt ist und die dortige

Landwirtschaft ruiniert wird,

die Arbeitslosigkeit steigt und

sich die Menschen auf den

Weg nach Europa machen,

dann sind Schutzzölle in den

Entwicklungs- und Schwellenländern

durchaus richtig und

berechtigt und Freihandel der

falsche Weg.

Man muss also schauen: Ein

Schutzmechanismus – der oft

vorschnell als Protektionismus

gebrandmarkt wird - ist nicht

immer des Teufels, sondern

man muss sich über die Ziele

verständigen: Was wollen wir

schützen. Das ist durchaus

auch im Interesse derer, die

etwas dorthin verkaufen wollen.

Es geht ja nicht immer nur

um Handel. Dahinter stehen

Menschen, die ihre eigene

wirtschaftliche Entwicklung

für sich beanspruchen und ein

Recht darauf haben,

vernünftig leben zu können.

Wenn das nicht möglich ist,

verlassen sie ihr Land – das

haben die letzten Jahre sicher

klar gemacht.

Um auf Solar- oder auch auf

die Batterietechnik für Elektroautos

zurückzukommen.

Wir haben das alles nicht mehr

in ausreichendem Maß bei uns

in Deutschland – das stimmt.

Aber hinsichtlich Elektromobilität

habe ich den Eindruck,

dass dies weniger an zu hohen

Zöllen liegt, sondern eher

daran, dass die deutsche

Industrie und mit ihr die

Regierungspolitik das Thema

schlicht verpennt hat. Die

haben auf europäische Initiativen

gewartet, möglicherweise

auch auf sowas wie

einen Masterplan, wo es

hingehen soll. Die Chinesen

haben einen solchen Masterplan

formuliert. Das ist sicher

ein Grund, warum man uns

dort in vielen Feldern mittlerweile

voraus ist. Das ist aber

eine Frage der wirtschaftlichen

Strategie, der Akzeptanz

von Industriepolitik und

Umsetzung bei uns, die hier

wie bereits angesprochen

meiner Meinung nach deutlich

unterentwickelt ist.

Kathai Media: Aixtron sollte

2016 von einem chinesischen

Unternehmen übernommen

werden. Dann hat Barak

Obama gegen diese

Übernahme interveniert.

Wirtschaftsminister Gabriel

hat sein bereits gegebenes

OK wieder zurückgezogen

und die Übernahme per

Ministerentscheidung verboten.

Ein anderes Beispiel ist

der aktuelle US-Botschafter,

der die deutsche Autoindustrie

zur Besprechung

wirtschaftspolitischer Themen

eingeladen hat. An der

deutschen Politik vorbei.

Daraus ergibt sich natürlich

die Frage, wie unabhängig

sind die Entscheidungen der

Politik in Deutschland in

solchen Fragen?

Klaus Ernst: Wir sind über-

44 KATHAI MAGAZIN Ausgabe 09/ 2018


haupt nicht unabhängig. Meines Erachtens

sind wir in höchstem Maße abhängig. Sie

sehen das z.B. an dem Vorgehen der Amerikaner

gegen den Iran. Wir kritisieren hier nicht

nur den Ausstieg aus dem Atomabkommen,

sondern insbesondere dass die USA exterritoriale

Sanktionen verhängen gegen alle, die

das anderes sehen und diesen Vertrag aufrechterhalten

wollen. Das ist unerträglich und

es zeigt, dass wir alles andere als unabhängig

sind in den momentanen Wirtschaftsbeziehungen.

Wenn man dann noch betrachtet, dass es

bezüglich Russland und Iran den USA eigentlich

um den Verkauf des eigenen Fracking-

Gases geht, kann die Antwort nur lauten,

dass wir in Europa dringend unabhängiger

und eigenständiger werden müssen.

Unabhängig von den politischen, aber auch

wirtschaftlichen Entscheidungen der Amerikaner.

Das gilt in etwas anderer Beziehung

natürlich auch für die Russen und Chinesen.

Wir müssen als Europa eine eigenständige

Wirtschaftspolitik betreiben, brauchen mehr

Kooperation in Europa und einen Plan, wo es

hingehen soll. Gleichzeitig müssen wir nach

Partnern suchen, die sich an Verträge halten.

Das, was der US-Botschafter mit den Automobilherstellern

abgezogen hat geht überhaupt

nicht und ist deutlich zurückzuweisen. Das

sehen übrigens auch viele Kollegen in der

CDU/CSU ähnlich. Die sprechen mittlerweile

in der eigenen Koalition von den “transatlantischen

Illusionisten”. Die bisherige Ausrichtung

Europas ist zu überdenken.

Kathai Media: Nochmal zurück zum Aufhänger

für dieses Interview, die kleine

Anfrage bezgl. Geely. Werden Sie an dem

Thema weiter dran bleiben?

Klaus Ernst: Ja natürlich bleiben wir dran.

Wir müssen das sogar. Chinas Investoren

sind zurzeit mit viel Geld bei uns unterwegs

und auch China selbst will sich offensichtlich

weiter öffnen, z.B. hinsichtlich der Direktinvestitionen

aus dem Ausland. Ich werde im

September mit dem Wirtschaftsausschuss

nach China reisen , auch, um diese Fragen zu

diskutieren.

Kathai Media; Herr Ernst, ich danke Ihnen

sehr, dass Sie sich die Zeit genommen haben

und mit mir dieses inspirierende Interview

geführt haben.

Sven Tetzlaff/ Lili Dai


«Um China mach ich mir

keine Sorgen. Sorgen hab

ich, wenn ich nach UK

oder in die EU schaue»

Alan Barrell

46 KATHAI MAGAZIN Ausgabe 09/ 2018


Am 28./29. Juni fand in

Shanghai die China

Development Zone

Innovation And

Development Conference

(CDI) statt. Die etwas sperrige

Bezeichnung soll bedeuten,

dass die verschiedenen

Entwicklungszonen Chinas

ihre Erfahrungen miteinander

austauschen. Außerdem wird

verschiedenen Start-ups, als

auch gestandenen Firmen die

Gelegenheit gegeben, ihr

Geschäft vorzustellen, um auf

diesem Wege potentielle

Investoren zu interessieren.

Entwicklungszonen gibt es

nicht nur in

China, sondern

in verschiedener

Ausprägung

weltweit. Allerdings

sind in

China zum

einen die

Dimensionen

andere und zum

nderen haben

die chinesischen

Dev-Zones

spezifische

Eigenheiten, die

sie einzigartig

machen. Hört

man das Wort

Entwicklungszone

im

Zusammenhang mit China,

dann kommen einem sofort

Shenzhen, Shanghai und vielleicht

noch Tianjin in den

Sinn. Tatsächlich wurde die

erste

Sonderentwicklungszone

in Xiamen durch

Deng Xiaoping gegründet und

hat maßgeblich zum Aufstieg

der Stadt beigetragen.

Dev-Zones sind nicht

zwingend

staatliche

Unternehmungen, es gibt

ebenfalls einen großen Teil

privater Marktteilnehmer.

Mitunter mieten sich private

Unternehmen auf dem

Gelände der staatlichen Dev-

Zones ein und entwickeln

dieses Gebiet auf ihre Weise

weiter.

Die schiere Anzahl der

Entwicklungszonen - die alle

miteinander im Wettbewerb

stehen – und die unterschiedlichsten

Schwerpunkte, haben

zu einem wahren Schatz an

Erfahrungen geführt, welche

mittlerweile nach Afrika,

Südamerika und selbst nach

Europa exportiert werden. Die

alten Dev-Zones sind kaum

noch vergleichbar mit denen,

die aktuell ausgewiesen bzw.

entwickelt werden. Durch das

Torch-Programm des Ministerium

für Wissenschaft und

Technologie sind z.Z. 146

High-Tech-Zonen entstanden.

Ca. 40 % aller Hightech-

Firmen Chinas arbeiten in diesen

High-Tech Entwicklungszonen.

Wichtiger

Bestandteil des Torch-Programmes

ist der SME-Innovation-Fund

(Innofund), welcher

Hightech-Start-ups mit herausragenden

Innovationen den

Einstieg in den Markt erleichtern

soll. Besonders förderwürdige

Bereiche wurden im

letzten 5-Jahrplan z.T.

präzisiert und sind z.B. Bio-

Tech,

New-Materials,

Umwelttechnik, erneuerbare

Energien, kohlenstoffarme

Technologien usw.

Die Hinwendung zu High-Tech

wie AI, IoT, autonome Fahrzeuge,

Blockchain-Technologie

und vieles mehr, hat dazu

geführt, dass umgekehrt die

Erfahrungen, welche an den

altehrwürdigen Institutionen

wie Cambridge (UK), Harvard

oder dem MIT (beide Massachusetts)

mit Start-ups, Inkubatoren,

Acceleratoren ...

über die Jahre gemacht

wurden, nun dringend in

China gefragt sind. Entsprechend

waren auf der

diesjährigen

CDI einige inspirierende

Vorträge

aus UK

und US zu

hören. Einen

vielbeachteten

Vortrag hielt

Alan Barrell, der

uns anschließend

für ein

Interview zur

Verfügung

stand.

Professor Alan

Barrell

(Jahrgang 1940)

arbeitete in verschiedenen

Firmen im Bereich Health

Care und Medical Research.

Darunter waren multinationale

Konzerne, aber auch kleinere

Technologie-Start-ups.

Er unterrichtet an verschiedenen

Universitäten in UK,

Europa, US und Asien. Alan

hat einen Venture Capital

Fund aufgelegt und verwaltet

diesen. Er ist Business Angel,

Investor und Treuhänder von

Wohltätigkeitsorganisationen.

Seine derzeitige Arbeit konzentriert

sich stark auf die

Entwicklung von Handel und

Beziehungen zwischen

Großbritannien und China,

einschließlich kontinentüber-

KATHAI MAGAZIN 47


ZUST Campus Anji

greifender Investitionen. Vor

kurzem wurde er zum Chairman

eines chinesischen Technologie-Venture-Fonds

in

Höhe von 3 Mrd. RMB (ca.

390 Mio. EUR) ernannt. Alan

fördert die Vision von „Eine

Welt ohne Grenzen“.

Sven Tetzlaff/ Kathai Media:

Sie haben in Ihrer Rede

erwähnt, dass chinesische

Firmen aus China herausgehen

müssen. „Go global!“,

war das Stichwort. Sie sagten

weiterhin, wenn nicht, dann

riskieren sie auch in China,

nicht erfolgreich zu sein.

Schaut man sich Firmen wie

Alipay, Taobao, Wechat an,

dann konzentrieren die sich

überwiegend auf China - das

geht bis hin zur Übersetzung

der Apps dieser Firmen.

Alan Barrell: Wenn diese

Firmen auf lange Sicht erfolgreich

sein wollen, dann müssen

sie sich internationalisieren.

Dafuer gibt es ein sehr

gutes Beispiel, über das sogar

ein Buch geschrieben wurde.

Und diese Firma hat sich

„globalisiert“. Ich spreche

über Huawei. Huawei ist die

größte

Telekommunikationsfirma

ihrer Art auf der

Welt. Die sind in 170 Ländern

und machen ein globales Marketing.

Auch bei uns in Cambridge

haben sie eine Niederlassung.

Technik von Huawei

unterstützt das Londoner U-

Bahn-System und die UK-Railway.

Die haben es definitiv

geschafft. Alibaba und die

anderen sind etwas komplizierter.

Ich denke, dies liegt

vor allem daran, dass es sich

im Wesentlichen um Plattform-Firmen

handelt. Huawei

stellt reale Produkte her, die

anderen genannten Firmen

sind, wenn man so will, Social

Media. Und Social-Media-

Firmen in China sind eben

sehr spezifisch Chinesisch.

Die haben sich gut entwickelt,

evtl. besser als vergleichbare

Unternehmen im Westen, aber

so weit ich das bis jetzt sehe,

sind sie nicht vollständig

internationalisiert. Andererseits,

Wechat (Tencent)

scheint sich über den Globus

auszubreiten und auch Alipay/

Alibaba. Letztere haben eine

europäische Division, die gerade

daran sitzt, dieses Problem

zu lösen.

Als ich in einer amerikanischen

Firma gearbeitete

habe, hab ich erfahren, dass

sich die Amerikaner nicht

wirklich gut internationalisiert

haben. Die Chinesen

machen das etwas anders und

versuchen sich eben an die

Sprachen, Gewohnheiten usw.

in Europa anzupassen. Aber

das braucht seine Zeit. Ich bin

sicher, die werden das

schaffen. Und erinnern wir

48 KATHAI MAGAZIN Ausgabe 09/ 2018


uns, Alibaba hat den bislang

größten IPO an der New Yorker

Börse gehabt. Auch das

hat was mit Internationalisierung

zu tun.

Mal abseits von den grossen

Unternehmen wie Alibaba

oder Baidu, dies sind grosse

Unternehmen. Ich meinte in

meiner Rede vor allem die

KMU. KMU tun sich schwer,

über Kontinente hinaus zu

operieren. Es ist kompliziert

für die britischen oder

deutschen Unternehmen, den

großen Schritt auf andere

Kontinente zu machen. An

dieser Stelle denken wir, dass

Acceleratoren helfen können.

Tetzlaff: Sie erwähnten, dass

in Cambridge ca 4,700 Technologie-Unternehmen

angesiedelt sind, manche von

denen unter den 15 Mrd.-

Firmen. Dieser Prozess der

Ansiedlung begann in den

60ern.

Barrell: Ja genau, manche

dieser Firmen sind über 40

Jahre alt. Viele davon sind

außerordentlich erfolgreich.

Heute geht das eventuell

schneller, mit einer Firma

Raum zu greifen, aber der

Grund für den Erfolg ist die

Kombination

aus

außergewöhnlichen Innovation-Center

Science Parks und

gutes Wagniskapital. UK ist

wirklich gut darin, Business

Angel zu motivieren und privates

Investment zu

aktivieren. Das britische Gov.

hat ein entspr. Framework für

die potentiellen Investoren

bzw. deren Benefits

geschaffen.

Tetzlaff: In Boston an Harvard

und dem MIT hab ich

gesehen, dass viele

Unternehmen ab dem Punkt,

ab dem sie das Konzept und

das Design verlassen und sich

dem Prototyping bzw. der

Produktion zuwenden, oft

direkt den Weg nach China

gehen. Mitunter geraten sie

dann an zwielichtige und

wenig zuverlässige Firmen.

Diese Geschichten hört man

jeden Tag. Was denken Sie

darueber?

Barrell: Viele westliche

Firmen nutzen chinesische

Unternehmen für das Rapid

Prototyping und das sollte

schon durch die Business

Angel, Science Parks etc. begleitet

werden. Aber wir sagen

auch, wir werden keine Startups

nach China bringen.

Genauso, wie ich keine Startups

nach Amerika oder nach

Deutschland bringen würde.

Diese Start-ups müssen, wie

ich das nenne, „fertig für die

Internationalisierung“ sein.

Und wenn sie das sind, kann

man sie nicht mehr Start-ups

nennen. Das heißt, dass die

finanziell abgesichert sind,

mit echtem Geld auf der

Bank. So ein Unternehmen

sollte eine Homebase in UK

haben. Während des Acceleration-Prozesses

muss dieses

ehemalige Start-up china-

KATHAI MAGAZIN 49


Unternehmen china-ready ist,

ist es genaugenommen kein

Start-up mehr. Wie setzt man

diese Begriffe richtig ein?

Siemens beschreibt den Verlust der Arbeitsplaetze in den naechsten

Jahren.

ready gemacht werden. Als

ich meine eigene Firma

„chinafertig“ gemacht habe,

hat das ganze 2 Jahre gebraucht,

um allein das Management

fit zu bekommen - und

wir haben über 2 Millionen

Pfund investiert! Zu viele

Leute kommen nach China

und sind eben nicht chinaready.

Apropos, wenn früher Firmen

aus UK nach Boston gingen,

dann dachten die auch, alles

wäre einfach. Die Realität ist

aber eine andere. Und nun

China. China hat 31 Provinzen.

Die UK-Firmen müssen

verstehen, dass die teilweise

wie 31 Länder agieren. Hinzu

kommen ca. 130 ethnische

Dialekte. Dann muss man auswählen,

an welchen Platz man

geht usw. Alles das zu

verstehen, heißt, chinafertig

zu sein.

Tetzlaff: In Cambridge gibt es

sehr viele chinesische Studenten

und einige haben ein

kleines Business laufen. Aber

diese Unternehmen bleiben

meist in dieser Größe stecken

und entwickeln sich im

Westen nicht weiter. Warum

ist das so?

Barrell: Im Prinzip gilt für die

Chinesen das gleiche nur

umgekehrt. Die müssen ‚western-ready“

gemacht werden.

Aber es gibt ein paar entscheidende

Unterschiede. Ich

hatte gerade mit einer kleinen

chinesischen Firma aus Cambridge

zu tun. Zwei Leute, die

Sensoren für diverse IoT und

ähnliches bauen. Die haben

dieser Tage eine Marketingfirma

hier in China

gegründet – mit 25 Angestellten

- die deren Produkte in

China, aber auch weltweit

vermarktet. Hinzu kommt,

dass viele chinesische

Gründer in Cambridge, nachdem

sie den Abschluss

gemacht haben, wieder nach

China zurückkehren. Es ist in

China deutlich einfacher,

komplett durchfinanziert zu

werden. Die Firma, die ich

erwähnte, bekam ihr erstes

Equity-Investment in China

und nicht in UK!

Tetzlaff: In der Gründerszene

gibt es viele Buzzwords. Eins

davon ist Start-up. Uber z.B.,

wird noch heute in manchen

deutschen Medien als Startup

bezeichnet. Sind sie aber

meiner Meinung nach nicht.

Sie sagten vorhin, wenn ein

Barrell: Ja, wir sind in dieser

Terminologie wirklich

schlecht. Wir sprechen von

Spinner, Start-ups, Early

Stage ... usw. Early Stage Venture

Capitalists investieren

jedoch nicht in Early Stage

Companies. Die warten auf

deren erste Einnahmen, um

eine Entscheidung zu fällen.

Wir verwenden eine verwirrende

Nomenklatur, wenn wir

über Acceleration, Incubation,

Innovation

sprechen.

Tatsächlich sind all diese

Begriffe nicht richtig klar. So

weit es mich betrifft, ein

Start-up ist ein Start-up im

wörtlichen Sinne, also z.B.

weniger als 3 Jahre alt.

Wichtiger ist jedoch, dass

Start-ups, wenn es ihnen nicht

gelingt zu wachsen, also zu

skalieren, keinen Beitrag zur

Nationalökonomie leisten.

Daher habe ich in meinem

Vortrag den Begriff Scale-up

verwendet. Wenn diese

Unternehmen wirklich

anfangen zu skalieren und

auch ganz klar ein globales

Potential bekommen, dann

sind sie auch auf dem Weg

china-ready zu sein oder

gemacht zu werden. Und ich

würde das Gleiche zu den

chinesischen Firmen sagen,

die in den Westen expandieren

wollen.

Fertig sein für den Markt, vorbereitet

sein zu skalieren,

finanzielle Ressourcen zu

haben, sind die wesentlichen

Voraussetzungen, um nach

China oder eben in den

Westen zu gehen.

Tetzlaff: UK war niemals ein

Teil von Schengen. Visatechnisch

wird sich für die Chinesen

nach dem Brexit nicht viel

50 KATHAI MAGAZIN Ausgabe 09/ 2018


ändern. Wie groß wird der

Einfluss des Brexit auf die

sino-britischen Beziehungen

sein?

Barrell: Ich denke, der wird

gar nicht so groß sein.

Während der Kampagne zum

Referendum hat das

chinesische Gov. mit einigen

von uns gesprochen. Sie sagten

uns, wir hoffen, dass ihr in

der EU bleibt, aber das

britsche Volk wird es entscheiden.

Für die Chinesen war UK

in einer bestimmten Weise

eine Brücke nach Europa. Es

gibt nach Ansicht vieler Chinesen

eine hohe Kompatibilität

zu den Briten, angefangen

mit der Sprache. Hinzu

kommt, dass London als

Finanzzentrum nicht nur für

die Chinesen wichtig war.

Nun, das Referendum hatte

nicht das erhoffte Ergebnis.

Jetzt strengt sich das britische

Gov. sehr an - man sieht

überall in China die britischen

Konsuln herumreisen. Das

UK-Gov erwartet und möchte

eine engere Beziehung zu

China. Unsere Exporte nach

China waren nie besonders

gut. Das kleine Irland ist da

viel besser und Deutschland

erst recht. Man wird sehen.

Ich denke, dass Fin-Tech-

Unternehmen reale Chancen

haben werden, von dieser Situation

zu profitieren.

Tetzlaff: UK, Frankreich, US

und Deutschland haben eine

Geschichte in China, die nach

wie vor bei den Chinesen

nicht vergessen ist. Es gab

kürzlich wieder eine Sothebies-Auktion

in Kent, auf der

Raubkunst aus dem Sommerpalast

versteigert wurde.

Fühlen Sie diesen Schatten in

China im täglichen Geschäft?

Barrell: Nein, nicht auf dem

direkten Weg. Aber ja, ich bin

mir dieser Historie bewusst

und mein chinesischer Counterpart

natürlich erst recht.

Ich versuche Problemen mit

Transparenz zu begegnen, um

gar nicht erst Misstrauen aufkommen

zu lassen, das dann

evtl. auf einer solchen Ebene

landet. Man muss sich

bemühen, diese Hürden zu

überwinden und vielleicht einmal

mehr zu erklären, was

man denn eigentlich meint.

Hinzu kommt, nach Xi

Jinpings Besuch in UK und bei

der Königin, hat sich einiges

geändert. Es fühlt ich im

KATHAI MAGAZIN 51


Moment ganz gut an. Die Sensibilität

zu bestimmten kulturellen

Fragen ist enorm

wichtig und das muss auch

verstanden

werden.

Unabhängig von dem Fakt,

dass man diese Erinnerungen

an unsere düsteren Zeiten in

China bewahren will und auch

wird.

Ich will das aber etwas weiter

fassen. Als Lehrer in Cambridge

habe ich viele

chinesische Studenten. Für

die bin ich nicht nur ein

Lehrer für eine bestimmte

Zeit, sondern ein Freund und

eine Respektsperson für das

ganze Leben. Diese persönliche

Freundschaft und Loyalität

begeistert mich natürlich.

Tetzlaff: Seit über 30 Jahren

entwickelt sich China immer

mehr zum Positiven. 600 Millionen

Menschen wurden aus

der Armut befreit, der allgemeine

Wohlstand wächst und

es gibt viele Beispiele mehr.

Aber Bäume wachsen nicht in

den Himmel. Wie denken Sie,

wie wird sich das Wachstum in

China gestalten?

Barrell: China ist groß und es

gibt noch immer ein enormes

Potential, welches nur darauf

wartet, aktiviert zu werden.

Ich denke, das Wachstum wird

weiter vorangehen. Vor 20 und

noch vor 10 Jahren wurde etliche

Bücher geschrieben, die

den Kollaps der chinesischen

Wirtschaft zum Inhalt hatten.

Aber nichts passierte. Die

Wachstumsrate ist nicht mehr

10%, sondern nur etwas um

die 7% herum, aber das sind

7% auf einem deutliche

höheren Niveau. Z.Z. wird

sehr viel Geld in Forschung

und Entwicklung investiert,

um die Technologie- und

letztlich Marktführerschaft in

vielen Bereichen zu

übernehmen. Das ist alles sehr

innovativ.

Ein Freund von mir, Georges

Haour, schrieb darueber ein

interessantes Buch, das auch

auf Chinesisch erschienen ist:

„Created in China: How China

is Becoming a Global

Innovator“. Viele Leute

versuchten und versuchen mir

zu erklären, dass Chinesen

nicht innovativ seien. Schaut

man sich die Geschichte

Chinas an, dann hat das Land

der Menschheit die größten

Innovationen, die wir jemals

hatten, gegeben. Ich denke

eher das Gegenteil, dass

China extrem innovativ ist und

nochmehr sein wird. Sie

setzen sich ja selbst in der

Computerscience an die

Spitze.

Innovation ist der Schlüssel.

Schauen Sie sich die Kameraindustrie

der 50er, 60er

Jahre an, die vor allem in

Deutschland und der USA

stattfand. Dann entwickelten

die Japaner ein vorhandenes

Verschlusssystem (Schlitzverschluss)

weiter und liessen alle

anderen zurück. Heute gibt es

neben Leica keine nenneswerte

Kameraindustrie mehr

in DE. Und Kodak ist ein fantastisches

Beispiel für den

Effekt einer Disintermediation

in der Industrie. Die sind völlig

zerstört, weil sie nicht innovativ

genug waren. Ich hab das in

vielen anderen Firmen gesehen

und zum Teil selbst erlebt. Ein

Absturz von beinahe 100%

Marktdurchdringung zu 0% in

sehr kurzer Zeit.

Aber Japan zeigt auch, wie es

nicht gehen sollte. Man hat es

dort versäumt, seine Human

Ressources zu internationalisieren.

Wir haben mittlerweile

kaum noch japanische Studenten

in Cambridge. Schaut

man auf die Unis in Europa,

in UK oder in US, überall

sind Chinesen. Der Economist

schrieb unlängst

darueber: 80% der

chinesischen Graduierten

werden wieder nach China

gehen. Diese Jugend teilt

einen chinesischen Traum.

Umfragen in DE und UK

bestätigen, dass viele der

dortigen Jugendlichen ihre

Hoffnungen auf eine bessere

Zukunft aufgegeben haben.

Um China mach ich mir

keine Sorgen. Sorgen hab

ich, wenn ich nach UK oder

in die EU schaue.

Sven Tetzlaff

52 KATHAI MAGAZIN Ausgabe 09/ 2018


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INTERVIEW MIT ANKE DOMSCHEIT-BERG

Am Freitag, dem 8. Juni

2018 ist das „20th

China Zhejiang Investment

and Trade Symposium“

in Hangzhou zu Ende

gegangen. Kern dieser Symposien

ist das Matchmaking zwischen

potentiellen Investoren –

überwiegend aus China – und

kapitalsuchenden

Unternehmen, wie z.B. aus dem

deutschen Mittelstand bzw. des

Handwerks, dessen chinesische

Vertretung des ZDH (Zentralverband

des deutschen

Handwerks) in einer Präsentation

5 Projekte vorstellte.

Darunter ein Aviation-Projekt,

unbemannte Boden-Fahrzeuge,

E-Mobiles usw. Wir werden

später darueber berichten, wie

erfolgreich das Fundraising des

ZDH in China gewesen ist

Besondere Aufmerksamkeit

erfuhr der Vortrag von Siemens

China von Wang Weiguo. Siemens

lüftete den Vorhang über

einen Teil seiner strategischen

Ziele in China, Asien und der

Welt. Dieser Vortrag war

letztlich Anlass für diesen

Artikel. Wang zeigte, wie sich

Siemens China die Änderungen

der Arbeitswelt – und besonders

die Arbeitnehmersituation – in

China vorstellt. Asien und

besonders China wird als erstes

diese Transition erleben.

Zu diesem Thema – welches

sich in China schon in einem

fortgeschrittenen Stadium

befindet – tourt in Europa Frau

Anke Domscheit-Berg mit ihrem

Vortrag, „Wandel der Arbeitswelt

– Die dritte industrielle

Revolution.“ Ich hatte bei

meinem letzten Deutschlandaufenthalt

als Korrespondent, die

Gelegenheit, diesen Vortrag live

zu erleben und sie danach –

trotz fortgeschrittener Zeit –

noch zu interviewen.

Sven Tetzlaff/ Kathai Media: Wie

stehen Sie persönlich zu

chinesischen Investitionen in

Deutschland oder Europa, vor

allem vor dem Hintergrund

einer globalisierten Welt.

Anke Domscheit-Berg: Unsere

Welt ist eine globalisierte Welt.

Sich dem zu verschließen, halte

ich für eine schlechte Idee. Wir

(als Deutsche) sind ja immer

stolz darauf, eine Exportnation

zu sein und in andere Länder zu

investieren. Ich finde nicht, dass

man dann sagen kann, andere

Länder sollten nicht bei uns

investieren. Das muss schon in

beide Richtungen gehen. Daher

finde ich es grundsätzlich völlig

in Ordnung.

In welchen Bereichen dann wie

und wie viel investiert wird, ist

54 KATHAI MAGAZIN Ausgabe 09/ 2018


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Foto: Holger Geissler

nochmal eine andere Frage.

Diese Frage stellt sich weniger

nach Inland vs Ausland, sondern

betrifft privat vs öffentlich.

Breitband z.B., will ich von gar

keinem privaten Unternehmen -

ich wills nicht von einem

chinesischen Unternehmen, ich

will es aber auch nicht von der

Deutschen Telekom. Breitband

gehört in die öffentliche Hand.

Tetzlaff: Sie meinen Infrastruktur

generell?

Domscheit-Berg: Ja genau,

Infrastruktur allgemein. Das

betrifft Straßen, Brücken,

Energie usw.

Tetzlaff: Nun gibt es die

chinesische Seidenstraßeninitiative

One World One Road. Wie

stehen Sie persönlich zu dieser

Initiative, vielleicht auch vor

dem Hintergrund der Spannungen

zwischen EU und US?

Domscheit-Berg: Ich würde da

jetzt gar nicht anders drauf antworten

wollen. Ich finde, dass

die einseitige Ausrichtung zur

USA sowieso keine gute Idee

war. Die Kräfteverhältnisse

international haben sich definitiv

verändert und das man deshalb

Partnerschaften anpassen

und anders entwickeln muss, ist

klar. Und das sich da natürlich

Gewichte verlagern werden,

finde ich völlig in Ordnung.

Tetzlaff: Zum Thema Bildung:

Die deutsche Bildungsstruktur

ist sehr föderal. Hinsichtlich

einer globalisierten Welt ist eine

föderale Struktur schon etwas

speziell. Das geht hin bis zur

Anerkennung von Abschlüssen

auch chinesischer Studenten in

DE. Wie stehen sie generell zum

Thema Harmonisierung von

Abschlüssen, Austausch von

Ausbildungen? Welche Ideen

gibt es da und wie kann man

das Problem lösen, dass

Angesichtes der Veränderungen

in der Arbeitswelt ein einmal

erworbener Abschluss immer

unwichtiger wird, aber

gleichzeitig ein lebenslanges

Lernen gefordert wird?

Domscheit-Berg: Ja, und ehrlich

gesagt, die Halbwertzeit von

Abschlüssen ist so gesunken ...

In der Informatik beziffert man

die zum Beispiel auf ca. 2 Jahre.

Wenn also jemand einen Informatikabschluss

von vor 20

Jahren hatte, dann ist der fast

nichts mehr wert. Aber jemand,

der überhaupt keinen Informatikabschluss

hat, aber einfach

angefangen hat mit irgendeinem

Start-up - anfangs als

Hobby - sich mit IT zu befassen,

der hat vielleicht außerordentlich

relevantes Wissen.

Ich glaube, in DE neigen wir zu

extrem strukturfokussierter

Bewertung. Anders formuliert,

in DE geht es sehr formalistisch

zu. Nehmen Sie z.B. die

Selbstständigkeit, die in vielen

Berufen den Meisterbrief

56 KATHAI MAGAZIN Ausgabe 09/ 2018


erfordert; man braucht diese

oder jene konkreten Mindestvoraussetzungen;

diesen konkreten

Bildungszugang oder

diesen Abschluss ... bis hin zu

Bezahlungen nach Abschluss

(Honorartabellen) und nicht

dem, was man tut und was man

leistet. Das find ich alles nicht

in Ordnung und ich glaube,

dass es uns behindert. Das war

OK in der Vergangenheit. Es ist

aber nicht mehr OK für die

Gegenwart und nicht OK für die

Zukunft.

Ich glaube nicht, dass dies

bedeutet, dass wir uns von

einem qualitativ hochwertigen

Bildungssystem verabschieden

müssen. Das ist ja immer das

Argument, dass mit solchen

Maßnahmen die Qualität

gesichert würde. Ich denke, wir

müssen andere Wege finden,

Qualität in der Bildung und in

der Arbeit zu liefern. Auch bei

dem Meisterbriefzwang geht es

ja um die Qualität der Dienstleistung.

Ich glaube, das muss

man anders sicherstellen. Man

kann Kompetenzen auf anderem

Wege erwerben. Wir haben in

der EU sowieso schon offene

Grenzen. Jeder kann überall

hinziehen und da muss man

auch bildungsabschlüsseübergreifend

anerkennen. Dies

haben wir mit dem Bachelor

und Master angefangen zu harmonisieren.

Aber wir sehen gerade mit den

Geflüchteten, die nach DE

gekommen sind, dass dies eben

auch nicht ausreicht. Die

kommen mit teilweisen breiten

Berufserfahrungen, aber ohne

irgendwelche Abschlüsse. Deswegen

sind die doch nicht nichtqualifiziert.

Wir müssen andere

Wege finden, Qualifikationen

anzuerkennen. Also diese

festzustellen und irgendwie zu

zertifizieren. Als Ostdeutsche

erinnere ich mich, mein Vater

bekam als Arzt nach der Wende,

wie alle Ärzte im Osten, Briefe

ins Haus, in denen stand, dass

sie Sonderprüfungen abzulegen

hätten, um zu zeigen, dass sie

auch richtige Ärzte seien. Dann

hat man schnell festgestellt,

dass das ein ziemlicher Blödsinn

ist. Aber erstmal war die

Grundannahme: „Die können es

eigentlich nicht so richtig.“

Die gleiche Grundannahme

haben wir auf einmal gegenüber

allen möglichen Ländern.

Wir sagen: „Ahhh, die kommen

von woanders und wer weiß, ob

die das da richtig studiert

haben. Heißt vielleicht genauso

ist aber was ganz anderes ...“

Das ist es vielleicht auch, aber

vielleicht auch gar nicht

schlimm. Da müssen wir weltoffener

und flexibler werden.

Unser föderales Bildungssystem

halte ich für ein echtes Problem.

Ich würde es sehr viel

mehr auflockern. Es kann ja

nicht sein, dass ein schulpflichtiges

Kind, das von Brandenburg

nach Bayern zieht oder

umgekehrt, auf einmal ein dramatisches

Problem bekommt.

Das ist doch gaga!

Tetzlaff: Die nächste Frage

betrifft die Ausländerfeindlichkeit

als Wirtschaftsfaktor. Aus

China beobachtet man sehr aufmerksam

und kritisch - z.B.

hinsichtlich von Investitionen in

die Ost-Regionen - das Problem

der Ausländerfeindlichkeit. Ich

sehe diverse Initiativen in der

Öffentlichkeit auf der sozialen

und menschlichen Ebene, aber

ich erkenne kaum Initiativen

aus der Wirtschaft zu diesem

Thema. Wie stehen Sie oder sie

als Die Linke dazu?

Domscheit-Berg: Ich komme ja

ursprünglich aus der Wirtschaft

und ich kann sagen, dass dies

ein Argument ist. Ich habe

einige Jahre in großen IT-Industrieverbänden,

wie z.B. BIT-

KOM, die Wirtschaft vertreten.

Da ist das natürlich ein Thema,

da man ja gerade in der IT

einen großen Fachkräftemangel

hat. Und wenn die Fachkräfte

sagen: „Ich bin doch nicht doof,

ich geh doch nicht nach Dres-

KATHAI MAGAZIN 57


den“, dann haben wir ein Problem.

Das gibt es aber und es ist

ein aus der Wirtschaft

kommendes Argument. Es ist

aber eins, das man in der Politik

sehr selten hört. Da wird eher

der Populismus bedient und

weniger das Wirtschaftliche. Wo

man es aber indirekt hört, wenn

z.B. die FDP die Arbeitsmöglichkeiten

und Integration von

Fachkräften aus dem Ausland

erleichtern möchte. Man hört

aber selten, „Wir wollen, dass

die kommen und bleiben wollen.

Deswegen muss es für die hier

angenehm und sicher und nicht

feindlich sein“.

Ich finde dies ein wichtiges

Argument. Allerdings glaube

ich, dass wenn z.B. ein größerer

chinesischer Investor in einer

Region mit echt wenig Arbeitsplätzen

neue Arbeitsplätze

schafft, dass dann die Art und

Weise, wie man dies wahrnimmt,

eine ganz andere ist.

Und natürlich muss man sagen,

dass die Ausländerfeindlichkeit

unterschiedliche Ausprägungen

hat. Da sind Asiaten anders betroffen,

als Menschen mit einer

dunklen Hautfarbe. Die werden

deutlich härter diskriminiert.

Und für die ist es dann nochmal

10x schwerer.

Tetzlaff: Eine Frage zur

Außenkommunikation. Wir

würden Sie als Person oder mit

der Partei Die Linke in China

kommunizieren wollen. Z.B. mit

der Politik, der Wirtschaft,

NGO ... Und was wünschen Sie

sich generell für den internationalen

Austausch?

Domscheit-Berg: Da wäre

natürlich der Wunsch, nicht

immer nur über eine regierende

Partei, sei es hier oder in China,

gehen zu müssen. Als rot-rotes

Brandenburg möchten wir nicht

unbedingt über die Mittelung

von Frau Merkel in China mit

verschiedenen Gesellschaftsvertretern

in Kontakt treten. Als

Die Linke wollen wir direkt mit

Wirtschaftsunternehmen, Kulturzentren

oder irgendwas in

Kontakt treten. Aber wir wollen

auch, dass man ungestört,

unbeobachtet und ungestraft

mit chinesischen NGO reden

und sich verabreden kann. Also,

dass man nicht das Gefühl hat,

dass man immer eine offizielle

Genehmigung benötigt oder

dies für die chinesische Seite

nachteilig sein kann. Das turnt

eher ab.

Ich bin ja generell eher ein Kosmopolit.

Alles was internationalen

Austausch und Interaktion

betrifft, steh ich positiv gegenüber.

Ich bin selber sehr interessiert

an fremden Ländern und

war auch schon in China. Ich

finde den Kulturaustausch spannend.

Nämlich weil jede Kultur

nun einmal anders ist und weil

ich glaube, dass jede Kultur von

der jeweils anderen eine Menge

lernen kann. Ich würde mir da

mehr Offenheit auf allen Seiten

wünschen und weniger Misstrauen.

Schwierig ist dann

natürlich, wenn man ein

bestimmtes kulturelles Korsett

gewöhnt ist und dann ist da

plötzlich ein ganz anderes. Das

ist einerseits das, was es interessant

macht, aber das macht

es andererseits auch auch so

schwierig.

Sven Tetzlaff

58 KATHAI MAGAZIN Ausgabe 09/ 2018


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KATHAI MAGAZIN 59


SOMMERZEIT, LESEZEIT,

HÖRBUCHZEIT -

CHINABÜCHER

60 KATHAI MAGAZIN Ausgabe 09/ 2018


Für viele Menschen

gehören Sommerurlaub

und Bücher

untrennbar

zusammen. Ich kenne Leute,

die während des übrigen

Jahres, wenn überhaupt, nur

Fachbücher lesen, aber

pünktlich zum Ferienbeginn

zum lange aufgesparten

Krimi greifen. Und von da an

sind sie nur noch mühsam

von der Lektüre wegzulocken.

Mir geht es da gar

nicht so viel anders. Müsste

ich nicht berufsmäßig lesen,

sähe meine Bilanz noch

schlechter aus ...

Dann gibt es noch Hörbücher

und Hörspiele. Letztere sterben

leider langsam aus und

unterhalten meist nur über

eine relativ kurze Zeit. Und

mal ehrlich, echte Bücher mit

Hörbüchern zu kompensieren

ist ein Kompromiss – und

meist kein besonders guter.

Andererseits sind Hörbücher

auf Autofahrten mit der Familie

die universelle Medizin,

um Langeweile auf den

Vordersitzen und Quengelei

auf der Rückbank erfolgreich

zu therapieren.

Ich kenne nicht die Statistiken

des Buchhandels, aber

ich kann mir gut vorstellen,

dass gerade zum Ferienbeginn

Bestellungen und Onlinerecherchen

in die Höhe

schnellen. Entsprechend

findet man allerorten in der

Medienwelt zwei wichtige

Themen: „Welche Bücher lese

ich im Urlaub?“ Und zweitens,

„Warum trinken die

Menschen im Flugzeug

Tomatensaft?“ Eine schöne

Tradition, von der wir den

ersten Teil auf Kathai Media

gerne übernehmen. Natürlich

haben meine persönlichen

Leseempfehlungen (bzw.

Hörempfehlungen) alle etwas

mit China zu tun.

Fangen wir mit der Rückbank

an. Es gibt unzählige Kinder

und Jugendbücher über

China. Viele davon sind

richtig gut. Mitunter bemerkt

man jedoch einen „didaktischen

Ansatz.“ Kommt

dieser „Ansatz“ etwas zu penetrant

daher, kann er die

Lesefreude verderben. Abenteuer

pur und dabei trotzdem

lehrreich sind die Bücher aus

der Reihe „Young Sherlock

Holmes“ von Andrew Lane.

Seit die Namensrechte bzw.

der Urheberschutz für den

Londoner Detektiv und

seinem Sidekick ausgelaufen

sind, schwemmen beinahe

täglich neue Holmes-Romane

auf den Büchermarkt. Das

meiste davon ist reine Fanfiction

und so richtig

schlecht. Lanes Bücher

machen eine wohltuende

Ausnahme und sind nicht nur

für Jugendliche empfehlenswert.

Ich habe den

Roman

„Young Sherlock

Holmes: Der Tod kommt

leise - Sherlock Holmes

ermittelt in

Shanghai“ (Andrew

Lane)

geradezu verschlungen.

Das Hörbuch liest Jona Mues,

der eine angenehme und passende

junge Stimme hat. Da

kommt glatt Drei-

Fragezeichen-Feeling auf.

Das Hörbuch sorgt für

garantierte 4 Stunden Ruhe

und Spannung während der

Fahrt – nicht nur hinten.

Besonders wohltuend, es werden

nicht die üblichen

Klischees hervorgeholt – im

Gegenteil. Neben den Abenteuern

lässt der Autor das

China des 19. Jahrhunderts

aufleben, wie es wirklich

gewesen sein könnte. Lane

spart nicht mit Gesellschaftskritik,

jedoch ohne

gymnasiale Infodumps

abzuwerfen. Eine klare

Leseempfehlung!

Der junge Sherlock Holmes

gehört zur Kategorie „Young

Adult“ - ja, Sherlock trifft

Mädchen - aber ich bin der

Meinung, dass es auch

jüngeren Lesern zugemutet

werden kann. Empfohlenes

Alter ist 12 Jahre. Doch vielleicht

sollte das nicht ganz

unflankiert geschehen. Ein

Buch für diesen Zweck ist,

„Abenteuer im alten

China: Eine spannende

Geschichte um

Freundschaft und

Mut“ (Stewart Ross und

Richard Bonson.)

KATHAI MAGAZIN 61


Für meinen Geschmack hat

es etwas zu viele Bilder, aber

was weiss ich schon. Auf

jeden Fall ist es ein geeignetes

Buch, das 8-10 jährigen

China nahebringen kann und

etwas Hintergrund für weitere

Chinaromane liefert.

Ganz ähnlich wie das dtvjunior-Buch,

„Das Geheimnis der

stummen Krieger: Ein

Abenteuer aus dem

Alten China“ (Franjo

Terhart /Volker Fredrich)

welches zur Abwechslung mal

aus deutschen Landen

stammt, und zwar von Franjo

Terhart (Autor) und Volker

Fredrich (Illustrator).

Die dtv-junior-Bücher kennt

mancher vielleicht noch aus

eigenen Kindertagen und

erinnert sich an die sorgfältig

recherchierten und liebevoll

gestalteten Bücher.

Kommen wir zu einem

Geheimtipp, der gar nicht so

geheim ist. Manch einer

kennt vielleicht noch:

Harry Thuerk

In Ostdeutschland war er

einer der ganz wenigen

ernstzunehmenden Abenteuerautoren

und weithin

bekannt. Thuerk war eine

ausgewiesener Kenner Süd-

Ost-Asiens und mehrmals in

China. Nach der Wende hat

er zahlreiche Detektivromane

mit dem Protagonisten Lim

Tok geschrieben. Tok ist ein

ehemaliger Hongkonger

Polizist, der nach dem Ende

der Kronkolonie als Privatdetektiv

von seiner

Dschunke aus operiert und

sich mit jedem und alles in

der Metropole (sowie Tahiti

und Hawaii) anlegt.

Die Lim-Tok-Geschichten

gibt es in den beiden Sammelbaenden,

„Der maskierte

Buddha: Hongkong-Krimis“

und „Schwarze Blüte, sanfter

Tod: Hongkong-Krimis“

Die enthaltenen Episoden:

• Der maskierte Buddha,

Lim Tok klärt den Mord an

einem befreundeten Antiquitätenhändler

auf.

• Die toten Masseusen

von Kowloon, Lim Tok ermittelt,

als der Besitzer eines

Massagesalons bedroht

wird.

• Tod auf Tahiti, Lim Tok

wird beauftragt, die

Geliebte eines verschollenen

Hoteliers zu finden.

• Die tätowierte

Unschuld, Lim Tok ermittelt

im Mordfall an drei einflussreichen

Geschäftsleuten.

• Tuan Subutu läßt

schießen, Lim Tok wird bei

Mordermittlungen selbst

zum Mordverdächtigen.

62 KATHAI MAGAZIN Ausgabe 09/ 2018


Der zweite Sammelband ist,

„Schwarze Blüte, sanfter Tod:

Hongkong-Krimis“

Die Episoden:

• Das letzte Aloha, Lim Tok

sucht einen verschwundenen

Plattenproduzenten auf

Hawaii.

• Schwarze Blüte - sanfter

Tod, Lim Tok ermittelt im

Mord am Sohn eines einflussreichen

Geschäftsmannes.

• Hongkongs Leichen sind

sehr tot, Lim Tok ermittelt im

Mord an einem Redakteur

nach Rückgabe Hongkongs.

• Der Tod kam aus Shanghai,

Lim Tok klärt die Attentate

auf den berühmten

Karate-Filmstar Ai Wu auf.

• Mord mit zarter Hand,

Lim Tok sucht die Besitzerin

eines Schmuckladens, findet

aber ihre Leiche.

Vorleser der Hörbücher ist

der Weimarer Theaterschauspieler

Eckart von der Trenck.

Anfänglich hat mich sein Lausitzer

Dialekt irritiert, aber

nach 10 Minuten Einhören,

hat es mir dann doch

gefallen. Es muss nicht

immer David Nathan sein ...

Zu den Geschichten will ich

gar nicht viel sagen. Wer

klassische Detektiv-Romane

mag und wen die Kulisse

Hong Kong reizt, der ist hier

goldrichtig. Meiner Meinung

nach, die perfekten Urlaubsromane.

Kommen wir zu einem

anderen Genre – Science Fiction.

Ich weiss, das liegt nicht

jedem, aber

„Die drei Sonnen“ (Cixin

Liu)

sind aus einem ganz besonderen

Holz.

Auch wer das Genre nicht

mag, sollte dem Buch eine

Chance geben. Cixin Liu hat

2016 den Hugo-Award, den

Galaxy-Award und den Kurd

Lasswitz-Preis abgeräumt

(Original: The Three-Body

Problem). China hat sich die

Filmrechte gesichert und

will den Roman demnächst

verfilmen. Mich hat er wirklich

überrascht. Neben Her

(zum Teil in Shanghai

gefilmt) und Der Marsianer,

war das endlich wieder

etwas aus der SciFi-Ecke,

was mich begeistern konnte.

Der Roman beginnt in den

60ern in China mitten in der

Kulturrevolution und schildert

zum Teil auf drastische

Weise die damaligen

Ereignisse. Die drei Sonnen

und auch die anderen beiden

Teile der Triologie sind

definitiv nichts für Kinder

oder Young Adults. Die

deutschen Medien zum

Roman:

»Vertrauen Sie mir, ich

weiß, was ich tue, und lesen

Sie „Die drei Sonnen“ von

Cixin Liu.« (Denis Scheck,

druckfrisch (Das Erste))

»Wegweisend für die

phantastische Weltliteratur

der Gegenwart« (Frankfurter

Allgemeine Zeitung)

»Barack Obama ist Fan,

Mark Zuckerberg auch: (...)

„Die drei Sonnen“ gehört zu

den aufregendsten Büchern,

die in jüngster Zeit aus dem

KATHAI MAGAZIN 63


Chinesischen übersetzt

worden sind.« (Spiegel

Online)

»“Die Drei Sonnen“ ist

kein Buch für Nerds. „Die

Drei Sonnen“ ist ein Buch

für Fans intelligenter Literatur.«

(www.deutschlandradiokultur.de)

»Cixin Liu entwirft ein

ganz großes Szenario, in

dem er virtuos moderne

Wissenschaft und chinesische

Geschichte, menschliche

Abgründe und pure Utopie

verbindet.« (www.stuttgarter-zeitung.de)

Kommen wir zum historischen

Stoff. Damit meine ich

nicht die historischen

Romane aus heutiger Sicht,

sondern Bücher, die vor einigen

Jahren geschrieben

wurden. Solche Bücher

setzen eine gewisse Lesekompetenz

voraus. Vieles

was man in ihnen liest,

würde man heute anders formulieren

oder gänzlich

anders schreiben. Aber

genau dies macht die Bücher

selbst zu einem besonderen

Zeitdokument, ganz egal, ob

sie dokumentarisch oder

eher belletristisch angelegt

waren. So ganz klar, ist die

Grenze eh nicht zu ziehen.

„Die Abenteuer des

Fliegers von Tsingtau

(Die ferne

Zeit)“ (Gunther

Plüschow)

vom Flieger selbst, ist ein

typischer Vertreter dieses

Genremixes.

Plüschow erzählt seine Abenteuer

aus der Sicht eines

preußischen Offziers, der

zum Glück aufregend schreiben

kann. Man kann dieses

Buch ohne weiteres Jugendlichen

und Kindern zu lesen

geben. Allerdings sollten die

Geschichten bzw. die Geschichte

der Deutschen in China

nicht unkommentiert bleiben.

Eine schöne Aufgabe für

Schulen und Eltern, zumal

Plüschow auch heute noch

eine bekannte Persönlichkeit

ist und es relativ einfach ist,

an Sekundärliteratur zu

gelangen.

Ähnliches gilt für

„Löhndorff

Gesamtausgabe #1:

Yangtsekiang - Ein

China-Roman“ (Ernst F.

Löhndorff)

Es handelt sich zwar um

Belletristik, aber Löhndorff

unternahm 1938 eine

China-Reise, von der er

gesundheitlich geschwächt

zurückkehrte. Aufgrund von

Vorfällen während der

China-Reise, wie Psychosen

u.ä., wurde er 1941 in Nazideutschland

zwangssterilisiert.

Löhndorffs Verhältniss

zu den Nazis war schon

zuvor durch seine Freundschaft

mit seiner „mütterlichen

Freundin“, Gräfin

Montgelas-Lunge, die wegen

ihrer jüdischen Abstammung

in die Schweiz emigrieren

musste, mehr als nur

getrübt. Leider verschweigt

die deutsche Wikipedia diesen

Aspekt. Seine China-

Reise stellte einen Wendepunkt

in seinem Leben dar.

Das macht diese Abenteuergeschichte

umso lesenswerter.

Außerdem ist dies

der einzige Roman in dieser

Vorstellung, der auch ein

wenig Romantik enthält.

Wer wissen will, ob Hans

und Ursula zusammenkommen

und was die schöne

Ma Yue davon hält, der

muss das schon selber

nachlesen. Überhaupt bin

ich der Meinung, dass

Löhndorff wieder etwas

mehr in den in Fokus

rücken sollte.

Kommen wir zum vorletzten

Buch:

64 KATHAI MAGAZIN Ausgabe 09/ 2018


„Chinaflug. Als Pionier

der Lufthansa im Reich

der Mitte

1933-1936“ (Wulf-

Diether Graf zu Castell-

Rüdenhausen)

Er wurde mit 25 Jahren Flugzeugführer

bei der

Deutschen Lufthansa und in

diesen Jahren beauftragt, in

China mit der Tochtergesellschaft

Eurasia ein Flugverkehrsnetz

aufzubauen.

Castell-Rüdenhausen flog mit

einer Junkers W33 und später

mit der Ju 52. Er fotografierte,

z.T. auf recht abenteuerliche

Weise, mit seiner

Leica viele Gegenden Chinas

aus der Luft. Viele dieser Bilder

wurden in dem Band

veröffentlicht. Wesentlicher

Inhalt sind die Bilder in

diesem knapp 160 Seiten

starken Werk, dennoch ist der

Text ebenso lesenswert. Das

Buch taugt vielleicht nicht als

Strandlektüre, aber wer sich

gerne schöne Bilder anschaut

und dazu die Notizen von

Castell-Rüdenhausen liest,

bekommt vielleicht Lust, im

Urlaub mit seiner Kamera

etwas aktiver unterwegs zu

sein ... Denn die Geschichte

geht noch ein wenig weiter.

2015 hat der bekannte Architekturfotograf

HG Esch die

Idee des Chinaflugs nochmals

aufgegriffen und in China mit

einer Drohne und einer Leica

S eine fotografische Reminiszenz

verfasst. Diese

wurde, bevor sie in China

gezeigt wurde, im

chinesischen Kulturzentrum

in Berlin ausgestellt. Ich habe

seinerzeit einen Artikel im

Fotoespresso 2016/1 S.17-25

dazu veröffentlicht. Leider ist

dieser Bildband z.Z. vergriffen,

aber vielleicht

erbarmt sich Leica ja irgendwann

mal wieder ... also öfter

nachschauen.

Last but not least:

„Die Reise nach Westen“

(Wu Cheng’en 吳 承 恩 )

Dieser Roman gehört zu den

4 wichtigsten Romanen der

chinesischen Literatur. Es ist

ein bisschen mehr als nur die

Geschichte einer Wanderung,

doch das sollte man selber

lesen. Erstaunlicherweise gab

es bis 2016 keine deutsche

Übersetzung. Frau Eva Lüdi

Kong hat dem endlich abgeholfen.

Ärgerlich ist, dass

Amazon den Autor tunlichst

verschweigt. Ebenso wenig

fällt der Name Wu Cheng’en

in einem DF-Interview. Dabei

wär allein diese Person es

wert, einen Roman über ihn

zu schreiben ... geschenkt.

Wer des Chinesischen

mächtig ist, findet den Autor

auf dem schlichten - aber

schönen – Cover.

Naturgemß spiegeln solche

Buchempfehlungen den

persönlichen Geschmack des

Autors wieder – ich gebe das

gerne zu. Ich freue mich

natürlich, wenn in den

Kommentaren weitere

Empfehlungen auftauchen.

Schönen Urlaub!

Sven Tetzlaff

Aus rechtlichen Gründen haben wir

auf die Darstellung der Cover und

Links zu den Büchern verzichtet. Sie

finden die Links jedoch im Artikel auf

unserer Website Kathai.de:

https://bit.ly/2Or8caJ

KATHAI MAGAZIN 65


Laser Scriber with IPCS (Inline Precision Control System). Foto: Manz AG

MANZ AG IN CHINA

Die Firma Manz

(Manz AG) aus Reutlingen

gehört –

gemessen am Alter

der meisten Maschinenbauunternehmen

Deutschlands – zu

den blutjungen Protagonisten.

Erst 1987 gegründet, ist es zu

einer stattlichen Groesse

herangewachsen.

Wie bei allen Unternehmen,

gab es auch bei Manz Höhen

und Tiefen. Besonders die

Stornierungen

durch

chinesischen Firmen im Jahre

2015, die fuer den zu dem

Zeitpunkt durch die Lex Solarworld

kollabierenden EU/US

Markt fertigen wollten, sorgten

fuer einige Zeit fuer

Aufregung. 2017 hat Manz

dieses Problem durch neuerliche

Grossauftraege aus China

kompensiert. Diese Auftragnehmer

fertigen nun

überwiegend fuer den asiatischen

Markt.

Im Januar 2017 wurde mit der

China Shenhua Energy und

Shanghai Electric ein

Forschungs--Joint-Venture und

ein Equipment-JV für Vertrieb

und Wartung von CIGS-Modulen

gegründet. Es wurden/

werden eine Produktionslinie

mit 306 MW/a und eine

Forschungslinie mit 44 MW/a

errichtet.

Reinhard Dahlem ist Director

of Product Management in

Suzhou (Jiangsu)

Sven Tetzlaff/ Kathai Media:

Was sind die Gründe fuer

Manz, in China zu produzieren?

Reinhard Dahlem: Generell

sind das vor allem die Lieferzeiten

und die Nähe zum

Markt. Große Anlagen werden

verschifft. Dies bedeutet, die

kürzeste Transport-Zeit

betraegt Wochen mit dem

Schiff aus der EU bis hierher

+ Zollklärung. Das zieht sich

schon sehr hin. Am Ende hat

man zwei Monate Verzögerung,

allein durch den Versand.

In dem Moment wo man hier

fertigt, gibt es fuer den

Endkunden sehr viele Vorteile,

die sich auf die Kosten

auswirken.

Wir hatten ganz aktuell ein

großes Projekt mit einem

chinesischen Kunden, der

gleichzeitig Aktionär bei uns

ist. Wir bauen fuer ihn eine

komplette Fabrik fuer CIGS

Solarmodule. Da wir im Laufe

der Jahre die einzelnen Technologien

in diesem Bereich

bei uns entwickelt haben, sind

wir in der Lage aus unserem

eignen Portfolio bis zu ca.

80% der komplette Fab zu

bedienen. Also die eigentliche

Beschichtung der Module,

dann das Handling, die Automation

dazu, die Laserap-

66 KATHAI MAGAZIN Ausgabe 09/ 2018


WE’RE NOT BERN, GENEVA OR LOCARNO.

BUT WE’RE THE SWITZERLAND

OF CHINA!

Changxing is situated between Tai Lake and Tianmu Mountains. Many people from Hangzhou or

Shanghai using this area as their summer health resort. 51% of the county has forest coverage.

Why not work where others spend their holidays?

Centrally located in the Yangtze Delta, Changxing international Industrial Park is specialized for

SMEs from Europe, especially the ones from german-speaking countries. The Leading industries are

electric vehicles and key components, equipment manufacturing and Bio-technology. Other industries

are also welcome, as long as you are the top in your Industry.

The total area of the park is 500 hectares. Standard factory buildings, office space and service facilities

with a total floor space of 500,000 m² are being built and can be used in February 2019. Further

development will be built step by step according to your specific needs and building requirements.

We have Special service team for your project, which supports you with all important formalities,

and offer you extensive preferential policies and investment incentives.

Changxing international Industrial Park

No. 508, Xianqian East Road, Changxing,

Huzhou City, Zhejiang, China, 313100

Ms. Zhang

Director of Foreign Projects Promotion

T +86 572 6050093

emma.lynn@kathai.de

KATHAI MAGAZIN

67


plikationen die benötigt werden,

usw.

Meine wesentliche Aufgabe

ist, die Supplychain fuer diese

Produkte sicherzustellen. In

Europa kann man allein schon

aus Kapazitaetsgruenden, ein

solches Projekt wie bei so so

einer kompletten Fab fuer

China, nicht in der erforderlichen

Zeit abwickeln.

Was auch klar ist, dass, wenn

man hier produziert, auch

immer ein Transfer von Know

How stattfindet. Wie weit man

sich da aus dem Fenster

lehnen möchte, muss man

dann entscheiden. Man muss

gewisse Sachen, die man als

eigenes Know How betrachtet

und die man auch nicht herausgeben

möchte, als IP definieren.

Es gibt aber auch

genügend Dinge die hier

gefertigt werden, bei denen IP

keine Rolle spielt.

Kathai: Das bedeutet

auch, dass Sie in

China schneller und

leichter skalieren

können?

Dahlem: Ja, eindeutig.

Aber das

dauert natürlich auch

hier seine Zeit, bis

man die entsprechenden

passenden

und fähigen

Hersteller bzw.

Zulieferer gefunden

hat. Ich mach das

schon eine Weile und

weiß daher auch,

was machbar ist und

was nicht so einfach

zu bewerkstelligen

ist.

Kathai: Wie bewerten

Sie den Fachkräftemangel

in

China?

Dahlem: Das ist eine

gute Frage. Man muss sich

hier das Personal selber aufbauen,

also ausbilden. Aber

nicht so, wie wir das aus DE

kennen. Das Modell der Dualen

Ausbildung gibt es hier nicht.

Die Leute kommen von der

Schule und haben lediglich

eine gewisse Grundausbildung.

Gäbe es ein Duales System in

China, würden wir das absolut

unterstützen. Was im Moment

passiert, ist, dass man händeringend

nach Leuten sucht.

Also solche mit Berufsausbildung,

aber noch möglichst

jung usw. Die Schwierigkeit ist

vor allem, dass durch die schiere

Menge an Leuten, die sich

bewerben, schließlich die

richtigen Leute herauszufiltern.

Das ist in China ein sehr

komplizierter Prozess. Wenn

der Bewerber dann geeignet

ist, ist es meistens so, dass derjenige

nicht nur die Prozesse

beherrscht, sondern natürlich

auch seine eigene Karriere im

Blick und eigene Ambitionen

hat. Der sieht die aktuelle

Tätigkeit bei Manz als eine

Stufe an und strebt nach

Höherem z.B. im Management.

Die Fluktuation in den

Unternehmen ist sehr hoch.

Bewerber mit 4 Stellen in 6

Jahren sind nicht so ungewöhnlich.

Fuer die Komplexität

vieler Berufe bei Manz würde

dies bedeuten, sowie der sich

eingearbeitet hat, ist er auch

schon wieder weg. Dennoch,

Manz findet noch immer Personal

in China, aber es ist

schwierig.

Kathai: Was erwarten Sie in

der Branche fuer die nächsten

24 Monate?

Dahlem: In DE ist der Markt

zurückgegangen. Dagegen ist

in China noch sehr viel

möglich. CIGS ist fuer große

Anlagen gedacht und geeignet.

Auch das passt gut zu

China. Wir werden sicher von

dem aktuellen Aufwärtstrend

der PV in China bzw. der Welt

profitieren. Ob das nun an den

sogenannten Schweinezyklen

liegt oder ein nachhaltiger

Trend in China/ Asien ist, vermag

ich nicht zu sagen.

Um das Thema etwas weiter

zu fassen, ich bin Ingenieur,

und was mich erstaunt, wie

stark die Qualität und die Vielzahl

der Produkte in China

gewonnen hat. Nicht nur die

Kernkomponenten, sondern

auch das ganze Drumherum.

Der Qualitätsgewinn und das

Wachstum der Unternehmen

der letzten Jahre sind wirklich

verblüffend. Man hat das ja

auf der SNEC gesehen.

Firmen, die vor Jahren noch

kleine Stände hatten, treten

nun in beeindruckender

Groesse mit hochwertigen

Produkten auf. Das ist schon

extrem bemerkenswert.

Sven Tetzlaff

68 KATHAI MAGAZIN Ausgabe 09/ 2018


GATES UND JOBS

HÄTTEN ES NIE NACH

CHINA GESCHAFFT

HEADHUNTING IN CHINA

In einer globalisierten Welt

wird es immer selbstverständlicher,

dass Studenten

im Ausland studieren

oder dass Arbeitnehmer

im Ausland für ihr

Unternehmen arbeiten. Die

Anreize, die Firmen bieten, um

z.B. in eine völlig fremde Kultur

zu wechseln, sind vielfältig.

Allerdings sind sowohl nicht

alle Menschen geeignet, einen

solchen Sprung zu wagen und

zum anderen können die

entsendenden Firmen nur

begrenzt etwas dafuer tun,

dass sich die Leute in ihr neues

Umfeld in ihrem Sinne einrichten

können. Viele Firmen

aus Deutschland, Österreich

und der Schweiz nutzen seit

langer Zeit die sogenannten

Entwicklungszonen für sich.

Doch sowohl die Standorte, als

auch die Ansprüche der

„Expats“ haben sich in den

letzten 10 Jahren - z.T. drastisch

- geändert. Dieser

Umbruch hat neben anderen

Ursachen dazu geführt, dass

immer weniger Arbeitnehmer

aus D.A.CH nach China gehen

wollen. Die Entwicklungszonen

ihrerseits sind dabei (oder werden

zukünftig), völlig neue

Wege zu gehen.

70 KATHAI MAGAZIN Ausgabe 09/ 2018


Advertorial

LOVER HEALTH SCIENCE AND TECHNOLOGY CO., LTD

LOVER HEALTH SCIENCE AND TECHNOL-

OGY CO., LTD was established in 1994, as

the leader of sex toy industry, it is also the

first manufacturer that obtains the national

license to produce and sell sex toys. Our

company is committed to provide the world

with high quality, safe, high-tech content

and fashionable sex toys. We are specialized

in R&D, manufacturing and selling the toys/

personal care products, with a list of about

3000 items and 5 main categories to choose

from. Personal care products are made in

USA - our US company has obtained the

FDA pharmaceutical production certification,

as well as the EU’s related certification.

Our company is the vice-chairman institution

of the China Reproductive Health Industry

Association (a subsidiary of Municipal Commission

of Health and Family Planning), also

is one of the institution that drafts the reproductive

health industry standards. With over

20 years steady development, especially

under the instruction of Reproductive

Health Industry Association in recent 10

years we have set up our own manufacturing,

learning, researching -Trinity industry

chain. With more than 50 scientific research

achievements and over 100 global patents,

we have capability to develop/customize,

manufacture, and provide customer service.

The company headquarter is located in

Changxing, China, and also have sales,, manufacture,

logistic bases in both United States and

Europe.

We acquired Topco sales in 2012, which is one of

the world’s top 3 brands, with over 70 years history

in worldwide sex toy industry. We also own

the global well-known trademarks, brands and

other intellectual property rights that under

Topco sales. So far brands like“ 名 器 ”、Funzone,、

Ultrazone, Sixty Nine, Topco Sales etc have been

introduced into China, and become the wellknown

brands in this industry.

We got the ISO9001,ISO14001,OHSAS18001 system

certification in 2009 and was certified as the

China reproductive health products industry base

in September 2015.In November 2016,we were

listed on the New OTC Market.

Right now, our business model is mature and the

competitive advantage is obvious. Except our

own products, we provide OEM/ODM/OSM services

and accept customized order as well. We

sincerely welcome friends from all over the world

to visit our company and cooperate with us on

the basis of long-term mutual benefits

KATHAI MAGAZIN

71


Das neue Entwicklungsgebiet

Xiong‘an läuft nicht mehr unter

dem Begriff ‚Sonderwirtschaftszone‘,

sondern

bezeichnet sich selbst als ein

‚National New Area‘. In ihm

werden mit neuen Konzepten

der Urbanisierung und

Nachhaltigkeit experimentiert.

Aber Xiong’an steht nicht

alleine. Andere DevZones wie

z.B. ChangXing am Tai-See

gehen ebenfalls neue Wege. Es

geht zunehmend darum, den

Fabian Hiller

Arbeitnehmern

eine

erstrebenswerte Umgebung für

ihre Selbstverwirklichung zu

bieten. Auch die Firmen in

Europa ändern ihre Strategien

dahingehend, denn China hat

sich von der Werkbank der Welt

für sie zum entscheidenden

Absatzmarkt entwickelt. Dafuer

brauchen sie langfristige Strategien

und nachhaltige

Konzepte für das Personalmanagement.

Der Expat als 3-Year-

Contractor alter Tage, wird

zunehmend zum Auslaufmodell.

Fabian Hiller (Jahrgang 1994)

hat die Headhunteragentur

Skillroad (www.skillroad.de)

gegründet und schreibt

gleichzeitig eine Masterarbeit

an der Uni Tübingen mit dem

Titel „Transformation of

China‘s Economic Zones“. Er

ist entsprechend einer der

wenigen Deutschen, der diesen

Komplex aus verschiedenen

Perspektiven beobachten kann.

Sven Tetzlaff/ Kathai Media: Sie

haben eine Headhuntingfirma

gegründet, welches Talente

zwischen D.A.CH. und China

vermittelt. Wie kamen sie

darauf?

Fabian Hiller: Ich lebe z.Z. in

China und habe vor 2 Jahren

begonnen, mit Kommilitonen

von mir ein Headhunting- bzw.

Recruiting-Unternehmen zu

gründen, welches sich darauf

spezialisierte für deutsche

Firmen Personal zu suchen,

welches speziell hier in China

eingesetzt werden kann, also

eben die Sprachkenntnisse und

das kulturelle Verständnis hat

und außerdem fachlich alle

Bedürfnisse der deutschen

Unternehmen erfüllt.

Diese Idee ist 2015 entstanden

und kam vor allem dadurch auf,

dass wir mit befreundeten

Unternehmern gesprochen

haben, die hier nach China

gegangen sind und sich

darüber ausgelassen haben,

dass sie kein vernünftiges Personal

finden können und das

traditionelle Headhunter nicht

in der Lage sind, hier in China

Personallösungen anzubieten.

Wir sind tatsächlich darauf

gekommen, dass auf Jobs, die

unsere Freunde ausgeschrieben

haben, wir wiederum aus

unserem Freundeskreis vermitteln

konnten. Da lag der

Gedanke nahe, diese Idee zu

professionalisieren und ein

speziell auf China und

Deutschland ausgelegtes

72 KATHAI MAGAZIN Ausgabe 09/ 2018


“… ein modernes Modell der Work-Life-Balance zu schaffen. Das ist die Aufgabe, die auf

die DevZones in den nächsten 10, 20 und vielleicht auch 50 Jahren zukommen wird.”

Recruiting-Unternehmen

gründen.

zu

Kathai Media: Die Agentur

richtet sich an beide Seiten,

sowohl an Chinesen, die in

D.A.CH-Firmen in D.A.CH und

CN arbeiten wollen sowie an

D.A.CH-Personal, das hier in

China in einer D.A.CH Firma

arbeiten will?

Hiller: Ja genau, wir sprechen

beide Seiten an. Wir haben

auch Deutsche Muttersprachler,

die wir als Expats nach

China in DE-Unternehmen

vermitteln. Aber bis jetzt ist

es so, dass der Hauptteil

unserer Talente Chinesen

sind, die in D.A.CH-

Unternehmen arbeiten wollen.

Einfach auch, weil deutlich

mehr Chinesen Interesse

daran haben Deutsch zu lernen,

als Deutsche,

Österreicher und Schweizer,

die Chinesisch lernen wollen.

Kathai Media: Wie heben Sie

sich von Monster und ähnlichen

Plattformen ab?

Hiller: Monster und andere

sind die klassischen Plattformen,

wo die Bewerber

letztlich selber nach den Jobs

suchen müssen. Es werden

lediglich Angebote eingestellt,

die sich die Bewerber dann

anschauen können. Das wesentliche

Problem ist, dass diese

zwischen China und dem

Westen nicht vernetzt sind.

Dass jedes der Länder seinen

eigenen Job-Plattformen hat

und somit diese Pools von Jobs

und Arbeitnehmern überhaupt

nicht verknüpft sind. Darüber

hinaus gibt es viele Recruiter

und Headhunter, die z.T. neu

aufkommen, die jedoch traditionell

ausgelegt sind und vor

allem im Westen agieren.

Natürlich gibt es die großen

Unternehmen, die in allen Ländern

vertreten sind, aber die

haben meist nicht eine speziell

auf China ausgelegt Strategie,

sondern die China nur als einen

Zweig ihres Unternehmens

betrachten, sonst aber alles wie

im Westen behandeln. Was

Skillroads auszeichnet, ist, dass

wir wirklich eine auf China

spezialisierte Strategie haben.

Wir achten darauf, dass wir nur

die Kooperation zwischen

D.A.CH und China im Fokus

haben. Also nur Fachkräfte, die

ausschließlich in D.A.CH oder

in China zur Verfügung stehen

und in dieser Verbindung arbeiten

wollen, dass wir diese versuchen

zu finden und zu vermitteln.

Kathai Media: Chinesische

Firmen gehen oftmals bei Personaleinstellungen

sehr formal

vor. Das hat auch ein bisschen

mit den Förderbedingungen zu

tun. Fördermittel gibt es umso

mehr, wenn der ausländische

Arbeitnehmer höher qualifiziert

KATHAI MAGAZIN 73


ist. Aber es hat auch etwas mit

der Kultur zu tun, dass man

denkt, wenn man einen

höheren Abschluss hat, ist man

auch automatisch höher bzw.

besser qualifiziert oder passt

besser zum Unternehmen. Ich

ab das mal in einem Artikel

pointiert in der Aussage,

„Gates und Jobs hätten es nie

nach China geschafft“,

zusammengefasst. Damit

meinte ich, dass beide als Studienabbrecher

bei dieser

formalen Auswahl ganz schnell

durch das Raster gefallen

wären. Wie kann man den entspr.

Unternehmen vermitteln,

dass ein Jobs oder Gates oder

wie die Talente auch immer

heißen mögen, vielleicht doch

zum Unternehmen passen.

Hiller: Wir haben 3 verschiedene

Suchansätze. Zum einen

versuchen wir, direkt mit den

Hauptuniversitäten zu kooperieren

und dort diese Talente,

die die Qualifikation haben und

gut sind, abzugreifen. Allerdings

ist da die Konkurrenz sehr

hoch. Dann versuchen wir

Leute, die aktiv auf der Suche

sind und z.B. nach

„Deutschland“ suchen oder

irgendwie Interesse an Arbeit

in D.A.CH bzw. einer D.A.CH-

Firma bekunden, dass die

durch unsere Anzeigen in den

entspr. Medien zu uns gelenkt

werden. So können wir Leute,

die Interesse an Deutschland,

Österreich oder der Schweiz

haben und selber aktiv

geworden sind, herausfiltern.

Dann machen wir uns daran,

persönlich diese Leute zu

interviewen und zu schauen, ob

sie die Qualifikationen

mitbringen, obwohl sie vielleicht

nicht den Ausbildungsabschluss

habe.

Gleichzeitig sind wir den den

entspr. Sozialen Medien der

Länder und den Jobplattformen

aktiv und halten auch da Ausschau.

Wir sind immer noch in der

Anfangsphase. Z.Z. versuchen

wir, gewissen Qualifikationen

herauszuarbeiten, die notwendig

oder die zumindest hilfreich

sind, für diese Art von Arbeiten,

wenn es interkulturelle

Kooperationen zwischen

D.A.CH und China gibt.

Kathai Media: Dieser Formalismus

existiert auch in deutschsprachigen

Unternehmen. Ich

kenne so einige Personaler im

Mittelstand, die Multiple-

Choice-Spiele machen und am

Ende sehr formal eine Tabelle

abhaken. In China gibt es

sicher auch traditionelle

Gründe, dass in der konfuzianischen

Denkweise Bildung

selbst schon einen Wert darstellt.

Wie ist das mit Arbeitnehmern

aus D.A.CH, die man

nach China vermitteln will?

Also wenn die nicht so in das

Bild des Unternehmens, zu passen

scheinen, wenn man nur

nach den Abschlüssen fragt?

Hiller: Was uns aufgefallen ist,

dass die Bereitschaft nach

China zu gehen, eher bei

Leuten die bereits im Arbeitsleben

stehen vorhanden ist und

nicht so sehr unter Absolventen,

die gerade die Uni verlassen

haben, zu finden sind.

Man muss auch feststellen,

dass die Bereitschaft nach

China zu gehen, in D.A.CH

immer weiter abnimmt. Es wird

wirklich schwierig. Man muss

entsprechend immer mehr

Anreize bieten, um Talente

nach China zu bekommen. Die

Unternehmen, mit denen wir

hier in China zusammenarbeiten,

sind meist offen für

Anregungen, die wir bieten.

Also wenn wir ankommen und

sagen, „He, wir heben den hier

gefunden, der passt nicht 100%

ins Anforderungsprofil, aber

schaut ihn euch doch mal an.“

Vor allem mittelständische

Unternehmen, die schon lange

offenen Stellen haben, sind

hinsichtlich unserer Einschätzung

offen. Wenn man ein

74 KATHAI MAGAZIN Ausgabe 09/ 2018


isschen versucht, dieses Out-

Of-The-Box-Denken zu integrieren,

und die Möglichkeiten

aufzeigt, dass dies dann oft

gerne von den Mittelständlern

angenommen wird. Sie merken

eben, dass es notwendig ist

und nicht alle Ansprüche, die

sie an Personal haben so einfach

durchsetzen können. Es ist

nicht so, dass wir den perfekten

Kandidaten herzaubern

können. Man muss heutzutage

gewisse Kompromisse machen.

Kathai Media: Wie wichtig sind

Skills wie Sprache und Interkulturalität

bei der Bewertung

der Bewerber und für wie

wichtig erachten Sie die

selber?

Hiller: Für Chinesen, die

langfristig in deutschen

Unternehmen bleiben sollen,

was ja von den meisten Arbeitgebern

angepeilt wird, sind

Deutschkenntnisse unabdingbar.

Je besser desto besser!

Die Zufriedenheit am Arbeitsplatz

hängt auch von so

kleinen Dingen, wie in der

Lage zu sein, sich am Kaffeeautomaten

mit seinen Kollegen

unterhalten zu können

oder überhaupt zu verstehen,

warum die Deutschen in der

Pause zum Automaten laufen.

Also so ganz einfache grundlegende

Dinge. Wenn dieses

Verständnis für diese Kultur

nicht vorhanden ist, dann

helfen auch die Sprachkenntnisse

nichts mehr. Wir

haben einige Bewerber bei uns,

die teilweise Deutsch bis auf

C1-Niveau sprechen, alle Tests

bestanden haben und die sich

gut ausdruecken können, aber

die das Verständnis für die

deutsche Kultur nicht haben,

weil sie nur in China Deutsch

gelernt haben. Deshalb versuchen

wir die D.A.CH-

Unternehmen zu überzeugen,

die Chinesen für eine Probezeit

in ihr Unternehmen in Europa

zu holen. So bekommen die

Chinesen überhaupt eine

Chance zu verstehen, was

europäische Kultur bedeutet

und versuchen dieses

Verständnis aufzubauen, bevor

sie in China für das

Unternehmen arbeiten. Oder

eben Leute zu suchen, die in

D.A.CH gelebt und sich eingebunden

haben.

Es ist m.E. einfach, herauszufinden,

ob der Chinese oder

die Chinesin nur Deutsch

spricht, oder ob wirklich ein

Verständnis für die Kultur vorhanden

ist. Man kommt mit einfachen

Fragen dahinter. Eine

Anekdote kann ich vielleicht

doch erzählen. Wir hatten

einen Chinesen, der uns anrief

und meinte, dass es in seinem

Zimmer in Deutschland so kalt

ist, dass er mit einer Jacke in

der Wohnung sitzen muss. Wir

dachten natürlich sofort, dass

seine Heizung kaputt ist, und

haben jemanden vorbei

geschickt. Es stellte sich

heraus, dass die Heizung völlig

intakt war, jedoch die Thermostaten

nicht aufgedreht waren.

Hier in China sind die Heizungen

zentral gesteuert und

es gibt da nichts dran zu stellen.

In Deutschland ist das

bekanntlich anders. Das ist

eine Deutschlanderfahrung, die

man in China nicht machen

kann. Wenn sich solche Sachen

häufen, dann kommt natürlich

Frust bei den Chinesen auf.

Ganz wichtig ist auch die Kommunikation

mit den Mitarbeitern.

In D.A.CH ist das ein

wichtiger Bestandteil der

Unternehmenskultur. In

chinesischen Unternehmen und

vor allem in traditionellen

Unternehmen, herrschen meist

sehr vertikale Hierarchien vor.

Die Beziehungen zwischen den

Mitarbeitern sind meist

kompetitiv. Das Verständnis für

das Miteinander im

Unternehmen ist für deutsche

KATHAI MAGAZIN 75


Nobelift Changxing

Unternehmen wichtig. Die Chinesen

müssen verstehen, dass

man in D.A.CH-Unternehmen

eher nicht gegeneinander, sondern

miteinander arbeitet. Wir

versuchen solche Aspekte

schon vor der Anstellung,

innerhalb des Filterprozesses,

herauszuarbeiten. Also

festzustellen, welche Talente

wirklich in der Lage sind, dies

zu begreifen, und sich soweit

angepasst haben.

Kathai Media: Der Schwerpunkt

von Skillroads liegt im

Moment vor allem auf deutsche

Unternehmen in China –

richtig?

Hiller: Der Schwerpunkt sind

vor allem Unternehmen aus

D.A.CH in China, allerdings

auch Unternehmen die mit

China zusammen. Z.B.

Unternehmen, welche aus DE

viel nach China exportieren

und viele Kontakte nach China

haben. Wir haben es oft, dass

man an uns herantritt mit, „Ich

brauch einen Mitarbeiter, der

nicht nur für die Chinakontakte

zuständig ist, sondern im

Unternehmen mit den Leuten

reden kann, um diverse andere

Dinge zu regeln.“

Kathai Media: Sie selber

schreiben gerade eine

Masterarbeit über Entwicklungszonen.

Worum geht es da?

Hiller: Im Wesentlichen geht es

darum, dass ich analysieren

möchte, wie momentan die

Arbeit in den Entwicklungszonen

von den Entwicklungszonen

selber und auch

von

außenstehenden

Unternehmen evaluiert wird.

Inwieweit müssen die Konzepte

der DevZones neuen Realitäten

in der Wirtschaft, in den Investmenttheorien,

angepasst werden.

Die meisten Theorien beurteilen

den Erfolg einer

Wirtschaftszone im Wesentlichen

nach zwei Faktoren: 1)

Wie viel Investitionen können

angezogen werden? 2) Wie viel

Wachstum kann in der Zone

erzeugt werden?

Diese beiden Faktoren waren in

den letzten Jahren wahrscheinlich

ein guter Indikator, Aber

es wandelt sich schon seit einiger

Zeit der Ansatz zur Investitionen

in China. Es geht um

den Wandel von ursprünglich

„irgendwelche Investitionen“

hin zu „qualitativ hochwertigen

Investitionen“, die man in den

DevZones anziehen möchte.

Dieser Wandel ist auf oberster

Ebene in den 13.

Fünfjahrplan eingezogen.

Vielleicht hat sich das bislang

noch nicht in alle Zonen

durchgesetzt, aber dieser

Wille der obersten Leitung in

China ist vorhanden. Hinzu

kommt, dass sich auch westliche

Unternehmen im

Chinageschäft wandeln, von

reinen „Shareholder-Value

Firmen“ hin zu „Stakeholder-

Unternehmen.“ Also wo die

eigenen Profite nicht an den

Shareholdern orientiert sind,

sondern man sich zunehmend

an den Stakeholdern orientiert,

also z.B. den Arbeitnehmern,

ob die dahin gehen

und arbeiten wollen. Dies spielt

zunehmend eine wichtigere

Rolle. Das muss auch

berücksichtigt werden, denn

gerade in diesem Geschäft,

sind die Arbeitnehmer ein

wichtiger Teil des Kapitals des

Unternehmens. Ich möchte

herausfinden, ob in den

Entwicklungszonen schon ein

Trend begonnen hat, ob

Anreize für Privatpersonen

geschaffen werden, deren

Lebensqualität zu erhöhen. Das

ist tatsächlich ein wichtiger

Faktor, um in Zukunft weiter

Investitionen anziehen zu

können. Unternehmen werden

nur noch dort investieren

können, wo ihre Mitarbeiter

bereit sind zu leben. Ich hoffe,

dass meine Masterarbeit da

gewisse Anreize geben kann,

um Bewertungsrahmen

zumindest langfristig zu beeinflussen,

auch derartige Soft-

Faktoren mit einzubeziehen.

Kathai Media: Das korrespondiert

mit der Bemerkung weiter

oben, dass die Zahl der

Menschen, die nach China

kommen wollen, rückläufig ist.

Die Gründe kenn ich nicht. Es

ist sicher nicht repräsentativ,

aber mir wird gelegentlich die

76 KATHAI MAGAZIN Ausgabe 09/ 2018


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KATHAI MAGAZIN 77

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Umweltverschmutzung als

Ausschlusskriterium genannt.

Da gehts bei den DevZones

natürlich auch ums Eingemachte.

Wenn sie diese

Probleme nicht in den Griff

bekommen, werden es in

Zukunft noch weniger. Wie

sehen Sie das?

diese Faktoren im Umfeld zu

beeinflussen. Dies sollte in

deren Maßnahmepaket mit

einbezogen werden.

Kathai Media: Was müssten

denn die DevZones machen?

Man kann ja nicht von staatlicher

Seite sagen, „Ihr muesst

Kathai Media: Warum macht

man sich in DE überhaupt über

die DevZones in China Gedanken.

So naheliegend ist das ja

nicht – oder?

Hiller: Die ursprüngliche Idee,

warum ich das machen wollte,

ist, dass ich mir überlegt habe,

Ich denke, dass diese Zukunftsmodelle von Städten eigentlich nur

auf gemeinsamer internationaler Ebene entwickelt werden können.

Hiller: Dieses Problem gibt es

natürlich. Allerdings ist man

die längst angegangen. Luftverschmutzung

und Umweltverschmutzung

werden in China

immer noch als riesiges Problem

dargestellt, genau wie vor

5 Jahren, dabei muss man aber

sehen, dass sich gerade in diesen

5 Jahren besonders im

Bereich Luftqualität sehr viel

getan hat. Wenn diese Entwicklung

so weiter geht, dann muss

ich sagen, dass Luftqualität in

5-10 Jahren kein Einflussfaktor

für die Standortwahl sein wird.

Es geht zunehmend mehr um

private Verwirklichungen. Also

das es in der Maslowschen

Bedürfnispyramide weiter nach

oben geht und versucht wird,

sich an diesem Ort selbst zu

verwirklichen. Dieser Ort muss

Möglichkeiten für Freizeitbeschäftigungen,

Bildung, Entspannung,

gemeinsame

Unternehmungen usw., bieten.

Es wird für die DevZones

immer entscheidender, auch

euch jetzt einmal in der Woche

zum Stammtisch treffen“ oder

so. Was könnten die DevZones

dazu beitragen, dass Socializing

der Ausländer mit den Chinesen

möglich wird?

Hiller: Meine Forschung steht

in diesem Fall auch nur am

Anfang. Ich bin mir nicht

sicher, welche Maßnahmen

erfolgversprechend sein

könnten. Ich habe natürlich

gewisse Vorstellungen davon,

in welche Richtungen man

gehen könnte, allerdings,

welche dieser Maßnahmen am

Ende tatsächlich Erfolg haben,

wird sich zeigen müssen. Das

Wichtigste ist aber, dass die

Maßnahmen organisch passieren.

D.h. die Leute, die in

diese Gegenden ziehen, müssen

persönlich Initiative ergreifen.

Was die DevZones tun

können, ist derartige Initiativen

zu unterstützen, soweit es nur

geht. Vielleicht auch Flächen

und Räume für Freizeitangebote

zur Verfügung stellen.

Zhenbaxian Windpark Changxing

wie kann meine Masterarbeit

eine Bedeutung für unser

Unternehmen bekommen – und

ist es für unser Unternehmen

wichtig, dass die DevZones

mehr Wert auf Lebensqualität

der Mitarbeiter und das Bereitstellen

von Möglichkeiten zur

persönlichen Entfaltung liefern?

Letztlich müssen wir die

Leute überzeugen, zu diesen

Orten zu gehen. Entsprechend

sind Kooperationen mit den

Zonen und allgemein Schritte

in diese Richtung wichtig.

Allerdings war es gar nicht so

einfach, bei mir in der Universität,

einen Professor zu finden,

um ein derartiges

Masterarbeitsthema zu

ermöglichen. Letztlich ist es

fakultätsübergreifend realisiert

worden. Ich selber bin in der

Sinologie der Uni Tübingen und

habe dort einen Professor

gefunden, der zum Thema

„Confucius Entrepreneurship“

forscht, also im Wirtschaftsbereich

in China unterwegs ist.

Gleichzeitig hab ich jemanden

als Zweitkorrektor aus dem

Wirtschaftsdepartement gewinnen

können, der sich mit Investitionen

in Asien und speziell

Japan beschäftigt. Aufgrund

der fakultätsübergreifenden

Arbeit bekomme ich von

meinen Professoren ein Feedback

aus zwei völlig verschiedenen

Perspektiven. Somit

hoffe ich, dass diese Arbeit in

zwei verschiednen Kreisen

letztendlich verbreitet wird und

später Ansporn ist, in regulato-


ischen Bewertungskriterien in

den DevZones, derartige Soft-

Faktoren mit aufzunehmen.

Das Abstract und die

wahrscheinlich die ganze

Arbeit werden ins Chinesische

übersetzt und gleichzeitig wird

sie hoffentlich in einem der

Wirtschaftsjournals mit

Asienbezug unterkommen. Auf

diese Weise hoffe ich einfach,

die Erkenntnisse direkt an die

DevZones kommunizieren zu

können. Hinzu kommt, dass ich

persönlichen Kontakt zu einigen

DevZones habe, was bei

über 1,500 Zonen natürlich nur

ein Tropfen auf den heißen

Stein ist, wo man meine Arbeit

sicher zur Kenntnis nehmen

wird. Falls sich das ganze als

erfolgreich und als Schritt in

die richtige Richtung zeigen

wird, soll weitere Forschung zu

diesem Thema angeregt werden.

Es ist ja „nur“ eine

Masterarbeit, also im Umfang

schon etwas festgelegt. Weiterführende

Arbeiten und

Forschungen werden hoffentlich

folgen.

Kathai Media: Hinzu kommt,

dass sich in China immer noch

sehr vieles ändert, und auch so

eine Arbeit in wenigen Jahren

neu justiert werden müsste. Wo

wird denn die Reise Chinas

Ihrer Meinung nach denn

hingehen?

Hiller: Der Trend, dass das

Wachstum in China nachgelassen

hat, wird sich weiter

fortsetzen. Auch wenn wir

immer noch auf einem sehr

hohen Niveau sind. Der

ursprüngliche Grund Sonderwirtschaftszonen

überhaupt zu

schaffen, war ja die Anziehung

von ausländischem Kapital und

ausländischem Know-how.

Diese Grundlage wird sich bzw.

hat sich schon fundamental

geändert. Diese Sonderwirtschaftszonen,

wie man sie

z.B. in Xiong‘an schon sieht,

entwickeln sich immer mehr zu

zukunftsweisenden Städten.

Die integrieren erneuerbare

Energien, Arbeiten&Wohnen,

modernste öffentliche Transporte

usw., in ein einheitliches

Konzept und versuchen so

zukunftsweisende Lösungen für

ein modernes Modell der Work-

Life-Balance zu schaffen. Das

ist die Aufgabe, die auf die Dev-

Zones in den nächsten 10, 20

und vielleicht auch 50 Jahren

zukommen wird. Das ist ein

langsamerer Prozess, der sehr

strukturell ist und von der

Führung in China längst verstanden

und in Angriff

genommen wurde und sich nun

auch in den verschiedenen

administrativen Ebenen

ausbreiten muss. Ob das

letztendlich gelingt, liegt

meines Erachtens auch an der

Bereitschaft von Kooperationen

zwischen dem Ausland und

China. Ich denke, dass diese

Zukunftsmodelle von Städten

eigentlich nur auf gemeinsamer

internationaler

Ebene

entwickelt werden können.

Sven Tetzlaff

Datanggongchayuan/ Changxing

KATHAI MAGAZIN 79


AUSBLICK FÜR EUROPÄISCHE STUDENTEN

STUDIEREN IN CHINA

Ma Yun (Jack Ma),

der Gründer

Alibabas hat sich

entschlossen,

2019 den Chefposten im

Unternehmen weiterzureichen,

um sich in Zukunft

mehr um Bildungsthemen zu

kümmern.

Ma (Englischlehrer) stammte

aus einfachen Verhältnissen

und hatte es alles andere als

leicht. Es verwundert nicht,

dass Jack Ma in China zum

Vorbild einer ganzen Generation

avancierte – der Nerd,

der Underdog, der Clown, der

es geschafft hat. Und der ganz

nebenher das Leben vieler

Chinesen umgekrempelt hat.

Seine Heimatstadt Hangzhou

ist heute die weltweit erste

bargeldfreie Stadt. Für viele

Studenten war Jack Ma die

Hauptmotivation für die

Fächerwahl oder um überhaupt

zu studieren.

Das Ma sich nun Vollzeit der

Bildung zuwendet, ist nur folgerichtig.

Er hat mit Alibaba

bewiesen, dass Bildung der

Schlüssel zu fast allem ist. In

und um Hangzhou sind

tausende Start-ups im Universitätsumfeld

entstanden,

die diesem chinesischen

Traum folgen wollen. Manch

deutscher oder europäischer

Student mag neidisch auf

dieses neue Ökosystem

schauen. Doch eigentlich

besteht zum Neid gar kein

Anlass.

Die Zheijiang-Uni hat einen

neuen internationalen Campus

errichtet, auf dem sich

immer mehr Studenten aus

allen Ländern einfinden. Für

viele Studiengänge ist

Englisch die Lehrsprache und

es gibt zahlreiche Möglichkeiten,

ein geeignetes Stipendium

zu bekommen. Eigentlich

ideale Bedingungen, doch

umso bedauerlicher, dass man

im Westen und in DE davon

nichts weiß.

Lange Jahre war die USA für

chinesische Studenten der

bevorzugte Auslandsstudienort.

328,000 chinesische

Studenten studieren in den

USA. Die Studentenzahlen in

den USA nehmen seit 2010/11

kontinuierlich ab (um ca. 3

Mio von 2010/11 bis 2016/17).

Bis zur Präsidentschaft von

Trump nahm die Zahl der

chinesischen Studenten um

ca. 6% zu. Nun zeichnet sich

eine deutliche Wende ab.

80 KATHAI MAGAZIN Ausgabe 09/ 2018


Advertorial

With the aim of exploring new models of

higher education that combined the best practices

of the east and west, learn from world’s

most advanced educational experiences, and

cultivate talents with innovative minds and

international vision, Zhejiang University

began to build its International Campus in

February 2013,and was granted approval

from the Ministry of Education in October

2015.

Zhejiang University will cooperate with several

world’s top 20 universities(or top 5 at individual

discipline level) and respectively build joint

institutes with each of them. So far, ZJU-Imperial

Joint Lab for Applied Data Science has

opened. Institute of China Studies, ZJU-UoE

Institute and ZJU-UIUC Institute have been

formally established, and the Campus received

its first batch of freshmen in September, 2016.

International Campus is located at Haining,

covering a land area of approximately 66.67

hectares and has a total floor area of 399,300

square meters.

International Campus,Zhejiang University

http://www.intl.zju.edu.cn/en/content/xue-yuan-jian-jie

KATHAI MAGAZIN 81


Prof. Qu Haidong

Immer weniger Studenten

entschieden sich für die US

und neigen eher einem Studium

in EU, AUS, CAN zu. Als

Grund wird u.a. mangelnde

Berechenbarkeit angegeben.

Angesichts der Tatsache, dass

der Anteil der chinesischen

Studenten (1.5% aller US-Studenten)

ca. 50 Mrd. USD jährlich

in das Land spülte, hat

diese Abkehr weitere Implikationen.

Das gesamte System

der Bildungsfinanzierung in

den USA - und insbesondere

die Studentenkredite – hat

schon öfter den Ökonomen

Anlass zur Sorge gegeben.

Sollte sich das Geld der

chinesischen Eltern aus dem

US-Bildungsmarkt zurückziehen,

könnte das ernsthafte

Folgen für die gesamte Weltwirtschaft

- analog zu den faulen

Immobilienkrediten 2009

haben.

Wie Bildung erfolgt und mit

welchem Ziel, wird durch traditionelle/

kulturelle Koordinatensysteme

bestimmt.

Mithin lassen sich die drei

dominierenden Systeme: das

konfuzianische System in JP,

CN, KR, SP usw.; das humboldtsche

System der humanistischen

Bildung in EU, UK

usw. und das wirtschaftsliberale

System in US, CAN

usw., kaum miteinander vergleichen.

In den US ist Bildung ein

weiteres Produkt unter

vielen. Man kann es kaufen

(wenn man kann). Der Preis

richtet sich nach dem Inhalt

und/ oder nach dem Marketing

für dieses Produkt. Das

von Humboldt geprägte

europäische System, geht

von einem humanistischen

Ansatz aus, dass Bildung ein

Menschenrecht ist und jedem

entsprechend seinen

Fähigkeiten zugänglich

gemacht werden muss. In

China wiederum, stellt Bildung

nach Konfuzius schon

ein Wert an sich dar und ist

gleichzeitig eine Versicherung

für das Leben innerhalb der

chinesischen Gesellschaft

und verpflichtet zum Tribut

an diese.

Die Grenzen zwischen diesen

Systemen sind fließend und

es spricht nichts dagegen,

dass man die besten Eigenschaften

miteinander vereint.

Eine Möglichkeit sind

internationale Kooperationen.

Die oben schon

erwähnte Zheijiang-Universität

geht bereits diesen

Weg und sondiert mit

deutschen Universitäten,

aber auch mit der deutschen

Politik, weitere Möglichkeiten,

die Kooperation auf

eine neue Ebene zu heben.

Wir haben mit Prof. Qu

Haidong, Dekan des Liberal

Art and Science College

sowie Direktor des Institutes

of China Studies der Zhejiang

Universität (ZJU), zu

diesem Thema gesprochen.

Kathai: Die Zheijiang-Universität

ist weltbekannt und

82 KATHAI MAGAZIN Ausgabe 09/ 2018


Serverraum Alibaba

rangiert im internationalen

Vergleich weit oben. Auch die

Stadt Hangzhou ist spätestens

seit dem G20 Gipfel

oder durch Alibaba, Jack Ma

und Ant-Financial jedem ein

Begriff, der sich mit Zukunftstechnologien

befasst. Was ist

das Besondere an Ihrer Uni?

Qu Haidong: Die Zhejiang

Universität nennt sich selber

Double-Excellence-University

in China. Das ist vergleichbar

mit der Excellence-Cluster-

Initiative in DE. Innerhalb

dieser Initiative steht die

ZHU an dritter Stelle. Das

heißt, die Uni hat eine hohe

Reputation in Forschung &

Lehre. Die ZHU hat das

größte

Doktoranden-

Progamm in China.

Die Uni erhält neben der

staatlichen Zuwendungen

weitere Finanzen aus der

Industrie. Man zählt sich

selbst zur größten Entrepreneurship-Uni

in China. Die

Uni hat vor zwei Jahren eine

internationale Universität mit

Joint-Colleges (Illinois, Edinburgh)

mit Doppel-Abschlüssen

gegründet.

Wir möchten jedoch nicht,

dass der Campus

angelsächsisch dominiert ist.

Wir wollen das Ausbildungsprogramm

mehr diversifizieren.

Deutschland ist für

uns von sehr grossem Interesse.

Es hat für uns eine hohe

Reputation hinsichtlich der

Qualität der Ausbildung.

Wir haben mit Deutschland

im Rahmen der Gesamtuni,

also nicht nur bezüglich des

internationalen Campus, eine

34-jährige Geschichte mit der

TU in Berlin. Die TU ist nach

wie vor unser wichtigster

Partner unter den mittlerweile

ca. 200 Partnerschaften.

Kathai: China und DE haben

eine lange Geschichte miteinander.

Darunter war viel

Gutes und manches weniger

Gutes. Schaut man heute

nach Deutschland, studieren

dort viele chinesische Studenten

an den Hochschulen

für eine längere Zeit, die dort

ein komplettes Studium

absolvieren. Umgekehrt gibt

es auch hier viele deutsche

Studenten, aber die sind

meist nur relativ kurze Zeit

hier, eventuell nur ein paar

Wochen oder ein Semester

lang. Wollen Sie das ändern,

und wenn ja, wie?

Qu Haidong: Das betrifft nicht

nur die deutschen Studenten,

sondern z.B. auch die von UK

oder US, bzw. generell die

aus den entwickelten Ländern.

Blickt man die letzten

10 Jahre zurück, so haben

sich die Studentenzahlen

schon beachtlich entwickelt.

Während es vor 10 Jahren

noch fast ausschließlich

Austauschprogramme für

wenige Monate waren, gibt es

heute eine wachsende Anzahl

Studenten für die Bacheloroder

Master-Programme.

KATHAI MAGAZIN 83


MP Daniel Günther und Gong Jianli

“Wir laden die Politiker aller Parteien Deutschlands hierher

ein, um darüber zu diskutieren, wie man den

Bildungsaustausch und die daran hängenden wirtschaftlichen

Potentiale gemeinsam weiter ausbauen kann.”

Es ist ein wichtiger Teil

unserer Strategie, dass wir

mehr Talente aus den westlichen

Ländern für vollständige

Studien anziehen wollen.

Diese Zahl ist natürlich ein

wichtiges Kriterium im internationalen

Wettbewerb.

Aber was war oder ist die

Motivation für z.B.

chinesische Studenten im Ausland

zu studieren? Die Hauptmotivation

war und ist die

zukünftige Karriere. Ein Auslandsstudium

an einer renommierten

Uni garantierte einen

gut bezahlten Job. Für die

westlichen Studenten, die

nach China kommen, steht

eine ganz andere Motivation

im Vordergrund. Die wollen

mehr über die Kultur erfahren

und haben nicht einen so

strengen Fokus auf ihre Karriere.

Wir haben verschiedenen

Gründe, warum wir ausländische

Studenten anziehen wollen.

Erstens, und das stimmt

mit der genannten Motivation

überein, wir wollen denen die

mehr oder weniger traditionelle

chinesische Kultur

zeigen, nach der viele suchen.

Wir wollen diesen Kulturaustausch.

Der zweite

Grund ist das gegenwärtige

China zu promoten. Dieses

China existiert nicht in deren

Lehrbüchern und nach meiner

Ansicht auch nicht in den

westlichen Medien. Das ist

etwas, was die meisten potentiellen

Studenten überhaupt

nicht auf dem Schirm haben.

Drittens wollen wir selbstverständlich

ausländische Talente

anziehen, die letztlich

hier arbeiten und leben.

Für diese zusätzlichen

Ansprüche haben wir die

Lehrpläne entsprechend

gestaltet. Darueber hinaus ist

es wichtig zu wissen, dass

diese Studenten hier Möglichkeiten

bekommen, die sie nirgendwo

sonst hätten. Wir werden

da sicher noch drauf zu

sprechen kommen.

Um Uni-Standorte wie Cambridge

oder Boston haben sich

riesige Ökosysteme von

84 KATHAI MAGAZIN Ausgabe 09/ 2018


Firmen, Start-ups und Spinoffs

gebildet. Das gilt ebenso

für chinesische Firmen, Startups

und Spin-offs im Umfeld

der Zheijiang-Uni, wenn man

nur mal zu Alibaba schaut.

Inwieweit ist es für westliche

Absolventen möglich daran zu

partizipieren?

Qu Haidong: Für chinesische

Studenten bzw. Absolventen

ist dies bereits Alltag. Viele

gründen Start-ups hier oder in

Shanghai. In Hangzhou ist

letztes Jahr eine entsprechende

Regelung verabschiedet

worden, dass ausl. Studenten/

Absolventen ihr eigenes

Unternehmen in unserem Science

Park starten können. Wir

werden dies weiter unterstützen

und ich bin mir sicher,

dass in Zukunft mehr Studenten

aus dem Westen, diesen

direkten Weg nutzen werden.

Kathai: Die gewohnte Weltordnung

ist seit der Wahl Trumps

durcheinander gekommen.

Sehen Sie einen Einfluss auf

die Bildung in dieser Hinsicht

und wird dies Europa und

China näher bringen?

Qu Haidong: Natürlich wird

sich einiges ändern. Der Trend

bei den Bewerbern für Auslandsstudien

ist sehr klar. Wir

sehen eine Zunahme der

Bewerbungen in Europa und

UK und ein deutlich geringeres

Wachstum in den US. Dafuer

gibt es mehrere Gründe. Einer

ist sicher auch die Möglichkeit

an internationalen Unis hier in

China zu studieren.

Die chinesischen Familien

geben gerade den USA - im

Vergleich zur Vergangenheit –

immer weniger Chancen. Das

betrifft mich auch ganz

persönlich. Mein Sohn muss

jetzt diese Entscheidung

fällen. Er muss seine Wahl

zwischen US und UK treffen.

Und er hat sich letztlich für

UK entschieden.

Mitarbeiter bei Alibaba

Das Investment der Familie in

die Bildung der Kinder, ist in

meiner Familie das größte

Investment überhaupt. Entsprechend

sorgfältig müssen

wir uns diese Entscheidung

überlegen. Wenn ich ein

Investment vornehme, dann

brauch ich Sicherheit. China

ist eine aufsteigende Macht

und man wird uns m.E. das

Leben in den US immer

schwerer machen. Daher ist

es völlig klar, dass die Entscheidung

sich den sichereren

und berechenbaren Markteilnehmern

zuwendet.

Kathai: Wenn sie von den

Deutschen oder den deutschen

Politikern, etwas wünschen

könnten, was wäre das?

Qu Haidong: China hat

durchaus eine lange Geschichte.

Keiner der Politiker in

Deutschland hat über unsere

Geschichte irgend einen Zweifel.

Aber das reale China, hier

und jetzt, das kennen sie

nicht. Ich möchte, dass sie

sich mehr öffnen, um das

China der Gegenwart

kennenzulernen. Wir sind in

vielen Bereichen Europa

schon weit voraus. Unter den

ersten 20 Internet-

Unternehmen sind 9 aus

China – keins aus Europa.

Davon mindestens zwei von

hier aus Hangzhou. Wir bieten

den Studenten aus dem

Westen sehr vieles, was sie

anderswo nicht bekommen.

Ganz generell, Bildung ist das

Investment in die Zukunft.

Politiker, egal woher, haben

die Pflicht und die Verantwortung,

dies der jüngeren Generation

mitzugeben, dass Bildung

in jedem Fall dieses

Investment Wert ist.

Ganz praktisch würde ich mir

wünschen, dass z.B.

Deutschland und China eine

Plattform für den Austausch

aller bildungsrelevanter Informationen

gründen. Wo sich

z.B. deutsche Studenten um

Stipendien bewerben können,

wo sie sich die Studiengänge

heraussuchen können, in

denen auf Englisch unterrichtet

wird und vieles mehr

und dies natürlich vice versa.

Wir laden die Politiker aller

Parteien Deutschlands hierher

ein, um darueber zu diskutieren,

wie man den Bildungsaustausch

und die daran

hängenden wirtschaftlichen

Potentiale gemeinsam weiter

ausbauen kann.

Sven Tetzlaff

KATHAI MAGAZIN 85


Foto: Robin Krahl

DIE ZUKUNFT DER FOTOVOLTAIK

INTERVIEW MIT EICKE WEBER

Gerade ist die

INTERSOLAR in

München zu Ende

gegangen. Auch auf

ihr zeichnete sich, wie schon

auf der SNEC, ein Technologiewechsel

in der Fotovoltaik-Branche

ab, der das Zeug

hätte, Deutschland wieder in

die Pole-Position des Fotovoltaik-Wettlaufs

zu befördern.

Allerdings sind die Chancen

gering, dass die Politik in DE

sich davon beeindrucken

liesse. Wenn man sich deren

aktuelle Agenda anschaut,

scheint es kein wichtigeres

Thema, als die Flüchtlinge im

Freistaat Bayern zu geben.

Eine Posse, wenn man

bedenkt, wie hoch die Flut –

iam wahrsten Sinne des

Wortes – bereits ist. Die Technologie-

und Marktlücke zwischen

Asien und dem Rest der

Welt wird, wie auch die

diesjährige INTERSOLAR

zeigte, immer größer,

während sich die politisch

Verantwortlichen in EU/US in

immer neuen Nabelschauen

üben.

Eicke Weber ist in der

Solarszene eine feste Größe

und ein dankbarer Interviewpartner,

da er ohne falsche

Scheu und treffsicher den Finger

in die Wunde legt. Sein

Spiegelinterview, in dem er

Präsident Trump darin

bestätigte, die Mexiko-Mauer

doch mit Solarmodulen zu

bestücken – wenn dieser antimexikanische

Schutzwall

denn schon sein müsse, sorgte

für einige bizarre Kommentare.

Wohl kann man unterschiedlicher

Meinung sein,

doch in der Sache hat die

Menschheit keine Zeit, sich

länger in Smalltalk zu üben.

Wir hatten die Gelegenheit,

mit Eicke Weber ein kurzes

86 KATHAI MAGAZIN Ausgabe 09/ 2018


Interview zu führen, das auch

diesmal nichts an Deutlichkeit

zu wünschen uebrig ließ.

Sven Tetzlaff/ Kathai Media:

Wir hatten in der Vergangenheit

vermeintliche oder

tatsächliche Überkapazitäten

in der Fotovoltaik-Produktion.

Das hat sich offensichtlich

geändert. Wie ist ihre persönliche

Sicht auf die Entwicklung

der Märkte weltweit in

Beziehung zu der Produktionskapazität?

Eicke Weber: Es ist wirklich

so, dass in den Jahren 2008 -

2012 in China eine erhebliche

Überproduktion aufgebaut

wurde. Der Grund dafuer war

nicht, dass die chinesische

Regierung

keinen

vernünftigen Plan hatte, sondern

dass die föderalen

Regionen Chinas gegenseitig

im Wettbewerb standen,

möglichst viel PV-Kapazität

aufzubauen. Die Zentralregierung

hat gesagt, ‚PV ist

strategisch wichtig für die

Zukunft der Nation‘ und hat

es deswegen sehr gerne

gesehen, dass die Provinzregierungen

dies aktiv in die

Hand genommen haben. Aber

dann bekamen wir das Ergebnis,

welches dann eben unkoordiniert

war, dass wir für

2012 60 GW Kapazität hatten,

bei einem Absatz-Markt von

30 GW. Ich meine, das ist

natürlich ein Missverhältnis.

Das Ergebnis war, dass überschüssige

Module nicht verkauft

wurden zu den Herstellungskosten

+ Profit, sondern

die wurden zu den Preisen

verkauft, die der Markt hergab.

Ich war selber im

Aufsichtsrat von QCells zu der

Zeit. Wir hatten 100 MW Module

auf Lager, aus dem

Vorjahr zu Produktionskosten

von 1EUR/W. Der Markt gab

nur noch 80ct/W her. Und da

haben wir aus dem Board dem

Vertrieb gesagt, ‚Verkauft

die!‘ Ganz egal, wie die

ursprünglichen Kosten waren.

Denn selbst bei 80ct/W sind

das 80 Mio Euro. Das ist eine

Menge Geld. Dies war der

Grund, dass tatsächlich Module

unter Herstellungspreis

verkauft wurden. Das ist

natürlich ruinös und daher

gab es auch viele Firmen, die

es nicht geschafft haben.

Gleichzeitig hat diese Situation

aber auch dazu geführt,

dass der Markt unglaublich

gewachsen ist. Dadurch, dass

die Preise so stark verfielen,

konnte man in DE schon vor

3-4 Jahren PV für 1 EUR/W

fertig installiert auf dem Dach

bekommen. Das ist ein Preis,

der heute in den USA noch

immer nicht erreicht ist. Dann

hat dieses Marktwachstum

dazu geführt, dass plötzlich

der Absatz 2016 auf 50-60 GW

anstieg, bei einer vielleicht

vorhandenen Produktionskapazität

von 70-80 GW weltweit.

Das heißt, die Überkapazität

wurde in den Jahren

2015-2017 vollständig abgebaut.

Die Firmen haben weiter

Kapazität zugebaut, aber der

Markt ist ebenfalls weiter

gewachsen. Und heute, auch

zu meinem großen Erstaunen,

hatten wir 2017 schon einen

100 GW Markt, den wir eigentlich

erst für 2020 erwartet

haben.

Die Hauptaussage ist

natürlich, dass was wir heute

weltweit erst 400 GW installiert

haben. Was wir installieren

müssen, um wirklich das

Klimaproblem in den Griff zu

bekommen sind zwischen

10,000 und 30,000 GW weltweit

- und heute haben wir

400 GW! Das heißt, dies, was

wir heute als den großen

erfolgreichen PV Markt sehen,

KATHAI MAGAZIN 87


ist erst das kleine Blümchen,

welches eben durch den Erdboden

gekommen ist. Oder im

allfaelligen Autovergleich:

Das ist die Automobilindustrie

im Jahre 1910.

Kathai: Würden Sie denn eine

Prognose wagen, wann das

erste Terawatt erreicht ist?

Weber: Oh ja, das geht ganz

schnell. Denn wir gehen in

den nächsten Jahren von 100

GW auf 300 GW Jahresproduktion.

2025 wird die

Jahresproduktion 300 GW

sein. Warum sage ich das?

Weil ich gesehen und analysiert

habe, dass von 1992 bis

2017 jedes Jahr der Anstieg

der global installierten Leistung

30% betrug. Wenn man

diese 30% zugrunde legt,

dann landen Sie bei 2025 bei

1 TW - evtl. schon ein zwei

Jahre früher. Bislang wurden

alle - auch meine - Prognosen

durch die Realität überboten.

Also alles was ich sage, kann

sich in 5 Jahren als zu

vorsichtig herausstellen. Aber

schon diese Zahlen sind

eigentlich enorm. Denn das

bedeutet, dass wir in den

nächsten 5 Jahren die globale

Produktionskapazität verdoppeln

und verdreifachen werden.

Alles das was wir heute

haben, wird die alte Produktionskapazität

sein, und wir

werden das doppelte und dreifache

neuer Kapazität mit

überwiegend neuer Technologie

dazu bauen.

Da kann man natürlich

fragen, in welcher Technik

machen wir das? Sie wissen

sehr gut, dass im Moment

noch der überwiegende Teil

der PV-Produktion oder

ungefähr die Hälfte, die Feld-

Wald-Wiesen-Technik mit Al-

Rückseite und n-Type Vorderseite

ist. Seit einiger Zeit sind

wir etwas weiter und installieren

in immer mehr Fabs

PERC-Technologie. Mit dieser

Technologie konnten wir bei

gleichzeitiger Kostensenkung

die Leistung der auf 22-23%

W/qm (bei 1,000W Einstrahlung)

steigern. Meiner Meinung

nach, wird nach der

PERC-Technologie die HJ -

Technologie (Hetero-Junction-

Technologie/ HJT oder auch

HIT) kommen. Dies ist dann

eine disruptive Veränderung

des Produktionsprozesses. Die

Veränderung der Standardzur

PERC-Technologie ist inkrementell.

Das heißt, man

kann die alten Prozesslinien

nehmen, anpassen und dann

weiter produzieren. Bei der

HJT braucht man völlig neue

Produktionslinien. Doch diese

Technik hat den absoluten

Vorteil, dass es leicht ist,

88 KATHAI MAGAZIN Ausgabe 09/ 2018


daraus bifaciale Zellen zu

machen, da diese auch symmetrisch

aufgebaut sind.

Hinzu kommt der Vorteil der

höchstmöglichen Effizienz.

Der heutige Rekord liegt bei

26.2% - und der ist mit einer

solchen HJT-Zelle gemacht

worden. Diese Technologie ist

in der Zwischenzeit so weit

entwickelt worden, dass sie

wirklich marktfähig ist. Ich

erwarte in den Jahren

2018-2020, die wesentliche

Verdrängung der Standardtechnologie

durch PERC auf

den existierenden Linien, aber

komplett neue Linien werden

immer mehr mit HJT aufgebaut

werden.

Kathai: Bislang lag diese

Technologie in Japan unter

strengem Patentverschluss ...

Weber: Das stimmt. Aber das

Gute ist, dass das originale

Patent schon ausgelaufen ist.

Die Idee war nicht neu und

wurde seinerzeit von Panasonic

geschützt. Deren Patent

ist vor 2 Jahren ausgelaufen.

Die kleine (30MW) Firma Sunpreme

aus Kalifornien, die

hier in China (Jiaxing) produziert,

verkauft ihre bifacialen

Glas/Glas-Module mit 400 Wp.

Das ist praktisch unerreicht

mit PERC-Zellen. Bei denen

geht es bis 350-370W. Diese

Firme zeigt also, dass es

möglich ist, selbst mit einer

kleinen Produktionskapazität

zu überleben. Wenn dieselbe

Firma jetzt eine GW-skalige

Linie bauen würde, dann ist

das Ziel das sogenannte Premiummodul

(380W - 400W)

herzustellen – zu den Kosten

der Standardmodule. Was

nicht unbedingt heißt, dass

sie zu dem Preis auch verkauft

werden müssen. Die

heutigen Standard-Modulpreise

liegen bei ca. 30-40ct/W

und diese Premiummodule

können z.Z. für einen Preis

von ca. 50ct-1USD/W verkauft

werden. Die Firma Sunpower

(Total) macht das ja schon

eine Weile vor, allerdings ist

deren Produktion bzw.

Prozess zu teuer. Wenn es

Firmen wie Sunpreme gelingt,

zu ca. 40ct/W zu produzieren,

dann können Sie damit einen

ordentlichen Gewinn machen.

Kathai: Haben sie eine Prognose

oder eine Idee, wie sich

die aktuelle, weltweite, politisch-ökonomische

Kräfteverschiebung

auf die PV auswirken

wird?

Weber: Ich sehe z.Z. ganz klar,

dass China die Führungsposition

übernommen hat. Letztes

KATHAI MAGAZIN 89


Jahr 50 GW - also die Hälfte

des Weltmarktes war in China

angesiedelt. Da das Land so

groß ist und der Bedarf an EE

ebenso, sehe ich keinen

Grund, dass das abflachen

könnte. Eher wird es weiter

steigen.

Ein weiterer Player wird vielleicht

Indien werden, die

haben gerade ein 100 GW-

Programm angekündigt. Wie

sie das verwirklichen wollen -

ohne wesentliche eigene

Produktion - wird man sehen.

Afrika ist ein wahnsinnig

energiehungriger Kontinent

und deren dezentralen PV-

Möglichkeiten sind definitiv

interessant. Das wir in DE es

noch nicht erkannt haben,

und unsere Entwicklungshilfe

darauf umgestellt haben,

erneuerbaren Strom anzubieten,

d.h. den Zugang zu EE

zu schaffen, anstatt dieser

Projekte, wo man nach 5

Jahren nichts mehr sieht - weil

sich irgendwer profilieren

wollte - ist wirklich bitter.

Ein anderes Beispiel ist

Palästina. Wie anders wäre

die Situation, wenn in der

Westbank und im Gazastreifen

flächendeckende PV für die

Energieversorgung Palästinas

errichtet würden? Statt jedes

Jahr Milliarden an Hilfen aus

dem Ausland dort hineinzupumpen.

Milliarden, die dann

in dubiosen Infrastrukturprojekten

versickern. Der

Grund ist natürlich klar: PV

würde die Korruption zurückdrängen,

da nur einmal für

die Errichtung Geld fließen

würde. Kein Mensch der

dortigen Elite macht sich

stark für EE.

Auch in Europa gibt es einen

riesigen Bedarf. Allein in DE

sind nur 40 GW installiert.

Aber alle Modelle sagen

voraus, wenn wir etwa 80%

unseres Stromes erneuerbar

herstellen wollen, brauchen

wir etwa 150 GW. Das

erreicht man natürlich nicht,

wenn man jedes Jahr nur 1

GW dazu baut. Dann dauert

das 100 Jahre - also das geht

nicht. Das heißt, auch in DE

wird der PV-Markt wieder in

Schwung kommen. Und zwar

in dem Moment, wo man die

Widerstände der interessierten

Industrie, die möglichst

lange an der jetzigen Struktur

festhalten will, auflöst. Für

die ist jedes Kohlekraftwerk

eine Milliardendruckmaschine,

solange man für

den CO2-Ausstoß nichts

zahlen muss. Dabei wissen die

natürlich ganz genau, dass

der Übergang auf Erneuerbare

unvermeidbar ist. Auch

die deutsche Automobilindustrie

macht das ganz genau so.

Die wissen genau, wo der Zug

hinfährt. Ein sehr kompetenter

Autoinvestor bestätigte

mir persönlich „Wir machen

noch so gute Profite mit den

Verbrennungsmotoren. Die

brauchen wir, um den

Übergang auf die E-Mobilität

90 KATHAI MAGAZIN Ausgabe 09/ 2018


zu finanzieren.“ In Wirklichkeit

müsste es genau

umgekehrt sein. Heute müssten

die deutschen Autofirmen

versuchen, möglichst hohe

Stückzahlen der EVs herzustellen,

damit sie wettbewerbsfähig

werden. H.J. Fell

hat mir gerade erzählt, er hat

sich als Neuwagen einen

Renault-EV gekauft, da die der

einzige europäische Hersteller

sind, die EV in grosser Stückzahl

herstellen können. Dieses

Thema, dass wir die Industrie

davon überzeugen müssen,

dass es wirklich fantastische

Chancen in der PV, Batterietechnik,

EV usw gibt, diese

Überzeugungsarbeit ist noch

nicht befriedigend geleistet

worden. Ich kann nur sagen,

wir in DE sind sehr dumm. Wir

haben sehr viel Geld in die

Energiewende investiert - wir

werden 20 Jahre lang noch

etwa 30 Mrd pro Jahr an

Umlage einsammeln und auszahlen.

Und in dem Moment,

wo die ganze Welt die Transformation

der Energiesysteme

ernst nimmt - hat sich DE aus

der Sache verabschiedet. Das

ist total widersinnig. Ich

werde meine Bemühungen

nicht aufgeben, dafuer zu

argumentieren: Ceterum censeo

Carthaginem esse delendam

(„Im Übrigen bin ich der

Meinung, dass Karthago

zerstört werden muss“) - wir

brauchen PV-Herstellung in

DE. Nicht als Konkurrenz zu

den Chinesen, sondern mit

diesen neuesten Technologien,

die gleich einen Sprung

über das, was heute am Markt

da ist, darstellt und wirklich

auch den Investoren interessanten

Profite verspricht.

Die alten Investoren haben

nach dem Motto des Wassermelonenhandels

gearbeitet:

Ein paar Leute haben sich ein

Haus und Auto angeschafft

und kaufen bei einem Bauern

Wassermelonen für einen Dollar

und verkaufen diese auf

den Markt, ebenfalls für einen

Dollar. Als sie dann sehen,

dass nichts rumkommt, kaufen

sie ein größeres Auto, um

mehr Melonen verkaufen zu

können. Das ist das aktuelle

Geschäft der Standard-PV-

Hersteller. Die machen keine

Gewinne und sagen, dass sie

eben größere Fabriken bauen

müssen. In Wirklichkeit ist es

natürlich sehr schwer, aus

diesem Geschäftsmodell Profit

zu ziehen. Das funktioniert

evtl., wenn man Förderungen

oder günstige Kredite, wie

hier in China hat, aber

nachhaltig ist das nicht.

Meine Aussage ist: Heute ist

ein „Window of Opportunity“

offen, das uns einen Einstieg

in neue Technologien - vielleicht

sogar vor den Chinesen -

im großen Volumen ermöglicht.

Natürlich sollte diese

Technologie auch nach China,

die USA usw., kommen - aber

eben auch oder vor allem

nach Europa!

Kathai: Ich sehe aktuell eine

leichte Emanzipation Europas

gegenüber den USA - welche

unter Obama ja für sich auch

KATHAI MAGAZIN 91


die Führung in der PV beanspruchte.

Sehen Sie, dass sich

aus diesem Schwung etwas

für die PV in Europa herausholen

liesse?

Weber: Ich würde es hoffen.

Wobei ich die amerikanische

Situation nicht ganz so

hoffnungslos sehe. Die PV ist

in den USA vor allem von der

Politik der einzelnen Bundesstaaten

abhängig. Ich denke

vor allen an Kalifornien, Massachusetts

usw., die sehr

aggressiv mit der PV weitermachen.

Während die anderen

Staaten Widerstände dagegen

auffahren. Doch selbst so ein

Staat wie Texas hat bereits

gemerkt, dass dies ein interessantes

Geschäftsmodell ist.

Da fallen also auch in sehr

konservativen Staaten die

Widerstände. Ich denke, dass

die Trump-Administration

keinen großen langfristigen

Schaden anrichtet.

Jetzt kommt vielleicht eine

etwas ketzerische Bemerkung:

Die USA sind ja sehr

stolz darauf, dass sie als

Unterstuetzungprinzip diesen

Investment-Tax-Credit

erfunden haben, wo man 1/3

seiner Investitionen von

seiner Steuer abziehen kann.

Das ist natürlich ein sehr

amerikanisches Motiv - jeder

spart ja gerne Steuern. Man

kann sich also ein PV-System

kaufen, um Steuern zu sparen.

Die Konsequenz dieser

ganz direkten (Cash)Subvention

ist, dass nirgendwo auf

der Welt Solarsysteme so

teuer sind, wie in den USA.

Wir hatten das in DE ja auch

mit dem 1,000 Dächer Programm,

wo sich die Anlagen

genau um die 70%, die sie

gefördert wurden, auch gleich

verteuerten. Der Einspeisetarif

von Hermann Scheer und

H.J. Fell war und ist dagegen

viel intelligenter. Der ließ die

Profite bei den Leuten, die

sich das System auf das Dach

setzten und die gleichzeitig

nach dem günstigsten Anbieter

suchten. Dazu kann man

den Grünen nachträglich nur

gratulieren. Möglicherweise

hatten sie im Jahre 2002 noch

gar nicht erkannt, dass eigentlich

das ganze EEG ein

hervorragendes Angebot an

Investoren ist, hohe staatlich

garantierte Gewinne zu

machen. Dadurch wurden

immerhin 50 Milliarden Euro

bewegt, für die 40 GW die wir

nun installiert haben und das

waren 50 Mrd privaten Geldes

von Anlegern. Bessere Anlagemöglichkeiten

gab es gar

nicht ... Die Grünen haben mit

der SPD mittels EEG ein

zutiefst kapitalistisches

Instrument in Gang gesetzt,

indem sie Investoren eine

gute Rendite anboten. Die

haben dann das getan, was

man erwarten sollte und

haben viel viel mehr

investiert, als die Architekten

des Gesetzes sich jemals

Kleinstanlage in Bhutan

92 KATHAI MAGAZIN Ausgabe 09/ 2018


Minigrid in Bhutan

erträumten. Ich erinnere

mich, dass im Gesetz 2002

eingebaut war, 50ct/kwh Einspeisetarif

mit einer

Absenkung von 5% pro Jahr

zu vergüten. Wenn man dies

auf Heute umrechnet, wären

wir bei 20-30ct/kwh, also

oberhalb der Gestehungskosten.

Das wär natürlich fantastisch.

Der Fehler des EEG war

der feste Einspeisetarif. Man

hätte jedes Jahr über eine

Expertengruppe anhand des

PV-Marktpreises eine Anpassung

- durchaus mit Profit -

aushandeln müssen.

Kathai: Zum Thema Afrika,

bezueglich der PV in Afrika

gab es schon mehrere

Anläufe. Nun gibt es eine

chinesische Initiative ‚One

Belt One Road‘, die sich auch

- oder besonders - an Afrika

richtet. Wie schätzen sie diese

Initiative ein?

Weber: Diese Initiative ist

sehr interessant. Ganz ehrlich,

ich habe erst vor sehr

kurzer Zeit das erste Mal von

der chinesisch-afrikanischen

PV-Initiative gehört. In China

hat man sehr viel strategischer

als bei uns in Europa

erkannt, welche Möglichkeiten

Afrika bietet - auch als

Markt für PV. Ich kann nichts

dagegen sagen, dass China

das tut. Ich finde alle Unterstützung

von PV in Afrika sehr

lobenswert. Ich finde nur, wir

sind dumm in DE, dass wir

nicht schon lange Ähnliches

gemacht haben. Denn wir hatten

die Technologie noch

früher als die Chinesen. Wir

hätten sagen koennen, wenn

wir PV- Module nach China

oder Afrika verkaufen, dann

helfen wir der heimischen PV-

Industrie und damit wäre eine

Win-win-Situation entstanden.

Vielleicht hätte man sogar die

Pleiten vieler Firmen vermeiden

können. Wie gesagt, ich

freue mich über diese Dynamik,

aber wir sollten von uns

aus in Europa private Initiativen

forcieren. Ich bin ja

selber an einem dieser Startups

beteiligt. Da geht es nicht

um dicke Profite, aber solange

man Umsätze macht und im

Plus bleibt, kann man wirklich

etwas bewirken. Jedes Dorf,

das man mit einem Minigrid

versorgt wird, ermöglicht den

Kindern eine Schulbildung,

Krankenhäusern die Kühlung

von Medikamenten, Internet

usw. Es gibt weltweit immer

noch 1.1 Mrd Menschen, die

keinen Netzzugang haben. Ich

kann China für diese Initiative

nur loben.

Kathai: Haben sie noch eine

persönliche Adresse an die

Leser von Kathai?

KATHAI MAGAZIN 93


Kleinstanlagen in Bhutan


KATHAI MAGAZIN 95


Weber: Die wichtigste Botschaft ist,

dass ich gerne dafuer arbeite, dass in

der Öffentlichkeit erkannt wird,

welche positiven, wirtschaftlichen

Chancen sich aus der anstehenden

Transformation ergeben. In der

Öffentlichkeit wird immer so getan,

„Ach das ist ja eine schreckliche

Bürde, die wir dort aufnehmen müssen.

Ja gut, wir sorgen uns ums

Klima. Also sind wir bereit diese

Bürde zu schultern. Vielleicht kann

man es ja ein bisschen langsamer

angehen ...“ Mein Gott!, das ist alles

völlig falsch dargestellt. In Wirklichkeit

ist dieser Übergang auf neue

Energien die wirtschaftliche Bonanza

der nächsten 20 Jahre! Tolle Chancen

- gerade auch für deutsche und

europäische Technologie, aber wir

bräuchten auch die politische

Führung, die diese Chancen erkennt

und sich nicht von Parteispenden

oder von Zuwendungen und Posten

aus der der Industrie für abgehalfterte

Politiker abhängig macht. Es

sollte doch endlich mal eine politische

Führung geben, die das Beste für das

Land will und nicht das Beste für die

Partei oder Partikularinteressen. Ich

bin sehr optimistisch, dass dies

kommt. Ich weiß nur nicht wann.

Vorsichtig optimistisch oder gar pessimistisch

bin ich, wenn Sie mich

fragen, wird die Umstellung schnell

genug kommen, um das Weltklimaproblem

zu lösen? Es kann sein,

dass dies nicht der Fall ist. Und das

ist das Verrückteste. Da sitzen wir

seit 20 - 30 Jahren auf einer Lösung

und haben es nicht genutzt. Dann

werden wir angesichts der

katastrophalen Umstände jammern:

„Wir hatten die Technologie, wir

konnten sie uns leisten und nur, weil

ein paar einflussreiche Kreise Sand

ins Getriebe gestreut haben, haben

wir jetzt diesen Mist.“ Diese ärgerliche

Situation sollten wir wirklich vermeiden.

Sven Tetzlaff

96 KATHAI MAGAZIN Ausgabe 09/ 2018

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