Wandern und Genießen 2019

editionallgaeu
  • Keine Tags gefunden...

Lange mussten wir darauf warten unsere Wanderschuhe zu schnüren und den Rucksack zu packen. Doch wohin soll die nächste Tour nur gehen? Wir hätten da ein paar Vorschläge für Sie.

wandern

& genießen

W W W. E D I T I O N - A L L G A E U . C O M

MAGA Z I N Z U M ALLG Ä U E R W A N D E R S O M M E R 2 0 1 9

Schlafen in Himmelshäusern

Übernachten auf der Hütte

Schleckermäuler aufgepasst

Süße Versuchungen Allgäuer Schokokünstler

Auf den Spuren der Ritter

Burgen zum Entdecken und Hinwandern

inklusive

8TOUREN-

KARTEN

zum Nachwandern

4 , – Euro

Flott mit Stock

Nordisches Gehen für Jedermann

Gebirgskellerei ◆ Stadtverführungen ◆ Goldwaschen ◆ Bergdorf Hinterstein

Erwin-Hymer-Museum ◆ Hüttentour ◆ Raing ◆ Grenzgänger-Weg ◆ Schifffahrt


Allgäuer erzählen

Der schönste

Fleck

Sie leben und arbeiten in einer der attraktivsten

Regionen Deutschlands. Wir haben gefragt, wo man

sie an einem freien Tag antreffen kann. Wer sie da

verpasst, tri beim Blättern in diesem Magazin auf

diese Menschen und ihre Leidenschaen.

Fotos: Viola Elgaß, Manuela Fischer, Ramona Klein, Laufsport Saukel

Dr. Cornelia Wörner,

die Ärztin, der die

Schrothler vertrauen

(Oberstaufen)

Dr. Wörner ist Fachärztin im

Hotel Rosenalp. Wenn sie nicht

gerade Gäste durch die

Schrothkur begleitet oder anderweitig

medizinisch betreut,

geht sie gern golfen: »Der Ausblick

am Golfplatz in Oberstaufen-Steibis

ist fantastisch – insbesondere

im Frühjahr, wenn auf den Bergen

noch Schnee liegt, das Tal jedoch

schon grün ist.« Im Sommer wie Winter

seien auch Touren am Imberger Horn

empfehlenswert.

Joachim Saukel,

der Experte für

das Laufen (Kempten)

Der ehemalige Triathlet und jetzige Besitzer

eines Laufsportgeschäes mag es auch

in seiner Freizeit aktiv. Das zeigt sich,

wenn man ihm nach seinem Lieblingsplatz

fragt. Dieser liegt zwar strenggenommen

nicht im Allgäu, aber in direkter

Nachbarscha: »Am allerliebsten

sind meine Frau und ich

im Tannheimer Tal unterwegs.

Hier kann man sich einfach zu

jeder Jahreszeit sportlich austoben:

Ob beim Wandern, Trailrunning

oder Nordic Walken im

Sommer oder beim Langlaufen

und Skifahren im Winter.«

Michael Pruss,

der Mann, der uns nass

machte (Burgberg)

Wenn man den Inhaber von Spirits of Nature

am Ende einer Raingtour fragt, was

denn sein Lieblingsplatz im Allgäu ist,

dann rechnet man irgendwie fest damit,

dass er sagt: die Iller. Umso überraschter

ist man dann, wenn von

ihm kommt: die Siplinger Nadeln

im Naturpark Nagelfluhkette.

»Ich bin ein Kind der Berge. Deswegen

wandere ich gerne dorthin

und klettere dann rauf.«

Werner Kirchhofer,

der Allgäuer Stoi’klopfer

Wenn Werner nicht gerade im Fluss sitzt und Gold wäscht, dann

ist er als Mineraliensammler im ganzen Allgäu unterwegs. Und

weil er schon so viel von unserer schönen Region gesehen hat,

gab es für ihn nur eine Antwort auf die

Frage, was denn sein Lieblingsort im Allgäu

ist: »Es gibt für mich keinen einzelnen

schönsten Platz im Allgäu – das Allgäu

selbst ist für mich schon der schönste Ort

auf der Welt.«

Manuela Fischer,

Schokokünstlerin

allererster Sahne

(Oy-Mittelberg)

Wenn man so idyllisch wohnt wie die Zuckerbäckerin

in Mittelberg, muss man auf

die Frage nach dem schönsten Fleck nicht

lange überlegen. Von ihrem Wohnort aus

führt ein herrlicher Panoramaweg auf die Gerhalde. »Oben gibt

es einen Aussichtspunkt, von dem aus man bei gutem Wetter

einen 360-Grad-Panoramablick hat: Auf der einen Seite weit über

Kempten hinweg, auf der anderen Seite bis nach Schloss Neuschwanstein

– wenn man weiß, wohin man schauen muss«,

schmunzelt die Zuckerbäckerin.

wandern & genießen 3


Inhalt

14

26

48

36

Titelthema

14 Flott mit Stock

Nordic Walking im Allgäu

22 Schlafen in den Bergen

Hütteneinkehr mal anders

26 Die Schokoladenseite des Allgäus

Torten, Kuchen und Pralinen

62 Wo einst die Ritter hausten

Burgen im Allgäu

Buntes Allgäu

6 Die vielen Facetten der Region erleben

Sturmannshöhle, Gunzesrieder Käse-Kräuter-Sommer,

Glasmacherdorf Schmidsfelden, Outdoorfestival Oberstdorf,

Bauernhaus-Museum Wolfegg, Bogenschießen in Bolsterlang,

Erzgruben, Heimathaus Sonthofen ...

Wandern

58 Genusstour auf dem Grünten

Von Hütte zu Hütte

76 6 Etappen, 80 Kilometer, 6000 Höhenmeter

Der Grenzgänger-Weg

92 Das Tor zu den Alpen

Das Bergdorf Hinterstein

Genießen

34 Schatzkarte für Schmankerljäger

Gaumenfreuden en masse

36 Verschwitzt und zugedeckt

Schrothkur in Oberstaufen – heilsam, aber anspruchsvoll

72 Die etwas anderen Weine aus dem Allgäu

Zwischen Blüten und Beeren

Kultur

Wer sich gerne navigieren lassen

möchte, findet alle Touren

aus diesem He unter

www.komoot.de/

user/27118376051

4

42 Stadtverführungen im Allgäu

Immenstadt, Lindau, Marktoberdorf

80 Erlebnis auf dem Bodensee

Zwei Epochen – zwei Schiffe

96 Zwischen Hippie-Bulli und Piccolo

Das Erwin-Hymer-Museum

wandern & genießen


Editorial

62

Familie

90 Ein Tag am Alpsee

Ausflugstipp

100 Es glänzt nicht alles, was gold ist

Lesegeschichte

102 Wenn die Stadt zurückspult

Kinderfeste im Allgäu

Reportage

48 Wir sind mit allen Wassern gewaschen

Raing auf der Iller

84 Steinreich in vier Stunden

Goldwaschen im Allgäu

Service

96

104 Schlechtwetter-Tipps

Wenn Petrus die Schleusen öffnet

106 Buch-Tipps zum Wandern und Genießen

Das Allgäu für Entdecker

106 Impressum

Fotos: Joshua Riedisser, Ramona Klein, Oberstaufen Tourismus/Björn Hänssler, Peter Elgaß, Oberstaufen Tourismus/Marcel Hagen, Pfronten Tourismus

Liebe Leserinnen

und Leser,

endlich ist der Allgäuer Sommer da.

Lange mussten wir darauf warten unsere

Wanderschuhe zu schnüren und

den Rucksack zu packen. Und nun, wo

uns die warmen Temperaturen und die

wunderschöne Natur nach draußen locken,

steht die Frage im Raum: Wohin

soll die nächste Wanderung nur gehen?

Ich hätte da ein paar Vorschläge für Sie.

Wie wäre es mit einem Ausflug in das Bergdorf Hinterstein,

auch bekannt als Tor zu den Alpen? Rund um das kleine

Örtchen locken zahlreiche Routen. Da ist sowohl für Anfänger

als auch für Fortgeschrittene etwas dabei. Oder mit einer

Genusstour auf den Grünten? Hier locken nicht nur die herrliche

Allgäuer Landscha und fantastische Bergblicke, sondern

auch zahlreiche Hütten mit leckeren Brotzeiten und einem

kühlen Getränk. Da macht man doch gerne Pause, legt

den Rucksack ab, stellt die Stöcke beiseite und lässt es sich

gut gehen. Und ja Sie haben richtig gelesen: Stöcke. Nordic

Walking wird immer beliebter – egal in welcher Altersklasse.

Die nordische Art zu gehen erobert immer mehr Wanderwege

der Region. Wer das Allgäu allerdings nicht per pedes, sondern

lieber per Boot erkunden möchte, dem sei Raing auf

der Iller empfohlen. Wir haben es für Sie ausprobiert und

waren danach zwar etwas durchnässt, aber umso begeisterter.

Dieses Flussabenteuer ist wirklich für jeden geeignet und

geht bei Wind und Wetter (denn nass wird man sowieso).

Aber das Allgäu hat nicht nur Wanderern und Abenteurern

etwas zu bieten, sondern auch den Genussmenschen und damit

meine ich nicht nur alle Kässpatzenliebhaber. Die Restaurants

der Region warten mit vielfältigen Köstlichkeiten

auf und auch die Schleckermäuler unter Ihnen kommen auf

ihre Kosten – versprochen. Uns ist jedenfalls bei so manchem

Termin das Wasser im Mund zusammengelaufen. Wo das

Wasser oder eher der Schweiß auch gelaufen ist, war in der

Schrothkurpackung, die meine Kollegin im Selbstversuch auf

sich genommen hat. Man kann halt nur über Sachen schreiben,

die man auch erlebt hat. Ihren Feuchtigkeitshaushalt

dure sie leider nur mit Wasser und Tee ausgleichen, dabei

lockt doch in Wertach die Gebirgskellerei. »Wein aus dem

Allgäu?«, fragen Sie sich jetzt vielleicht. So ging es mir auch.

Bis ich da war und die edlen Tropfen aus Blüten und Beeren

probierte.

Aber unsere Region hat noch mehr Überraschendes zu

bieten: Hier kann man Goldwaschen, auf den Spuren der

Ritter wandeln, eine Schifffahrt in alte Zeiten unternehmen

und im wahrsten Sinne des Wortes Grenzen überschreiten.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß auf den folgenden Seiten und

in diesem Allgäuer Sommer.

Ihre Claudia Schöwe

wandern & genießen

5


Buntes Allgäu

Die vielen

acetten der egion

erleben

Alte Mauern erleben

Foto: Tourismus Hörnerdörfer GmbH/ProVisionMedia

Ein Volltreffer für die ganze Familie

Vor rund 14.000 Jahren schossen die Menschen

das erste Mal mit Pfeil und Bogen und seine Faszination

hat es bis heute nicht verloren, auch

wenn es nicht mehr wie früher um Jagderfolg

geht, sondern um Konzentration, Spaß und Naturerlebnis.

Im Hörnerdorf Bolsterlang im Allgäu

kann man sich im Sommer einmal wie

Robin Hood fühlen. Anfängern sei der Grundkurs

auf dem überdachten Übungsplatz empfohlen.

Sind die ersten Zieltreffer absolviert, geht

es los in den »Sherwood Forest« von Bolsterlang

– den Talparcours mit zehn 3D-Schaumstoffzielen,

an die es sich ran zu pirschen gilt. Wer es

noch anspruchsvoller mag, der sollte sich auf

den 1. Allgäuer Alpenparcours am Bolsterlanger

Horn begeben. Auf diesem wird eine Bergtour

mit dem Bogenschießen verbunden. Wenn man

neben Abenteuerlust auch etwas Kondition und

festes Schuhwerk mitbringt, wird der Alpenparcours

– im wahrsten Sinne des Wortes – zu

einem spannenden Erlebnis.

www.hoernerdoerfer.de

Idyllisch zwischen Wangen im Allgäu und

Lindau am Bodensee liegt das Schloss Achberg,

das ein idealer Ausgangspunkt für Radtouren

und Wanderungen durchs Argental

ist. Doch auch von innen kann sich das

Schloss sehen lassen – dafür sorgen die barocken

Innenräume mit einer der prachtvollsten

Stuckdecken Süddeutschlands im Rittersaal.

Hier kommen im Rahmen des Bodenseefestivals

und der Reihe »Klassischer

Herbst« stimmungsvolle Konzerte zur Aufführung.

Wechselnde Kunstausstellungen,

thematische Führungen und ein kreatives

Kinderprogramm beleben die alten Mauern

des Schlosses. Radler können vom Wanderparkplatz

aus auf dem oberen Wirtschasweg

direkt bis ans Schloss vor fahren.

www.schloss-achberg.de

Foto: Anja Köhler

Ein genussvoller Sommer

Foto: Christel Pickl

Das Hochtal von Gunzesried, ein stilles Seitental

des Illertals, liegt im Herzen des Naturparks

Nagelfluhkette. Einmal im Jahr präsentiert es

sich mit all seiner naturverbundenen Schönheit

und Tradition: Beim Käse-Kräuter-Sommer

vom 1. Juni bis 30. September dreht sich

alles rund um die emen Käse, Kräuter und

Natur – köstliche Gaumenfreuden inklusive!

Eine Vielzahl von Veranstaltungen, Mitmach-

Angeboten, geführten Wanderungen, Kochund

Kreativworkshops, Wellness- und Kneippangeboten,

Wein, Käse und Gesang auf der

Sennalpe sowie vieles mehr locken die Besucher

in diesen Wochen ins »Schatzkästchen

Gunzesrieder Kräutertal«.

www.blaichach.de

6

wandern & genießen


Eine Jacke für jede Gelegenheit

Anzeige

Egal ob zum Bergsteigen, Radeln, Spazierengehen

oder abends gemütlich draußen sitzen

– die Funktionsjacke SUNSET von Alptraum

lässt seine Trägerin nie im Stich. Dabei sieht

sie nicht nur gut aus, sie besticht auch durch

ihr angenehmes und schnelltrocknendes

Material, das außen glatt und innen weich

angeraut ist. So ist man bei jedem Wetter gut

angezogen. Dazu hat sie am linken Ärmel

eine praktische Zippertasche, in der sich

Kleinigkeiten wie ein Schlüssel verstauen

lassen. Zu kaufen gibt’s das Schmuckstück

bei Alptraum in Oberstdorf in der Kirchstraße

6 oder im Online-Shop.

www.alptraum.net

Im Museum ist was los

Ganz in der Nähe vom Bodensee, im Landkreis

Ravensburg, befindet sich das Bauernhaus-Museum

Wolfegg. Und wer jetzt denkt:

Okay da steht ein Bauernhaus, das zu einem

Museum umgebaut wurde, der irrt sich. Insgesamt

30 historische Gebäude, aus den verschiedensten

Ecken des Allgäus zusammengetragen,

bilden das museale Ensemble. Hier erfahren

die Besucher mehr über die ländliche

Kulturgeschichte und können nachvollziehen,

wie die Landleute früher lebten und arbeiteten.

Zudem finden auch zahlreiche Veranstal-

Foto: ALPTRAUM

tungen auf dem Gelände statt, wie das Museumsfest.

Vom 31. August bis zum 2. September

führen zahlreiche Handwerker – wie Korb -

macher, Bürstenmacher, Perlensticker, Zimmerer,

Spinnerin – ihre Gewerke und die Vielfalt

ihres Geschicks vor. Am 21. und 22. September

findet das 8. Eseltreffen auf den Museumswiesen

statt. Abgerundet wird die Veranstaltung

durch ein großes Begleitprogramm

sowie einen Bauernmarkt, der an beiden

Tagen stattfinden wird.

www.bauernhausmuseum-wolfegg.de

Foto: Tourismus Hörnerdörfer GmbH_Ofterschwang-Ort@Pro-Vision-Media Kristina Müller

Foto: Bauernhaus-Museum Wolfegg/Gottfried Brauchle

Berauschender

Wandergenuss

Im Oberallgäuer Bergdorf Oerschwang verschmelzen

Gegensätze zu einer harmonischen

Einheit. Die ursprüngliche Natur und die

Landwirtscha prägen den Landstrich. Die Gemeinde

liegt mit ihren zehn Ortsteilen in Terrassenlage

über dem Illertal, eingebettet in

Bergwiesen und kleine Bergwaldparzellen am

Fuße des Oerschwanger Horns. Mit 93 Kilometern

Wanderwegen, attraktiven Radl-Strecken

und dem Sesselli »Weltcup-Express«

sowie dem Tiefenberger Moor ist der Ort idealer

Ausgangspunkt für aktiven Bergsport, aber

auch für gemütliche Spaziergänge. In direkter

Nachbarscha befindet sich das Fünf-Sterne-

Resort Sonnenalp für einen Luxusurlaub mit

Golfzentrum vor traumhaer Bergkulisse.

Auch die Gourmets kommen nicht zu kurz:

Unter der Marke »Gutes vom Dorf« genießen

Gäste Qualitätsprodukte aus der Region, vom

Bergkäse bis zum Eis aus Oerschwanger Milch.

www.hoernerdoerfer.de/oerschwang

wandern & genießen 7


Buntes Allgäu

Foto: Kristina Müller

»Radtour« durchs

Heimathaus

Noch bis zum 3. November dreht sich im Heimathaus

Sonthofen alles ums zweirädrige Gefährt.

Die Sonderausstellung »Das Fahrrad:

Von der Laufmaschine zum E-Bike – eine Erfolgsgeschichte

über drei Jahrhunderte« nimmt

einen mit auf eine interessante Zeitreise, die

1817 mit dem Bau der Laufmaschine beginnt.

Die ausgestellten Exponate verdeutlichen die

Entwicklung von dem Fahrzeug ohne Pedale

über die Hoch- und Dreiräder bis hin zum

heutigen E-Bike. Zeitgenössische Reklame und

Fahrradzubehör lassen den Geist vergangener

Epochen lebendig werden. Zahlreiche Informationen,

etwa zu den emen »Rennsport«

und »Frau und Fahrrad«, ergänzen die umfangreiche

Ausstellung, die vom Deutschen

Fahrradmuseum Bad Brückenau zur Verfügung

gestellt wird. Begleitend wird in den Sommerferien

ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm

angeboten. Kinder von 4 bis 13 Jahren

können rund um das ema Fahrrad basteln,

malen, kochen oder schreiben.

www.heimathaus-sonthofen.de

Adler7 – Mach’s zu deinem Revier

Entdecken Sie mit den OBERSTDORF •

KLEINWALSERTAL BERGBAHNEN die

sieben schönsten Fotopunkte in der Zwei-

Länder-Wanderregion hoch oben am Berg.

Die perfekten Outdoor-Fotostudios warten

von Nebelhorn bis Ifen: Adler7 führt bei

leichten Wanderungen Sportler und Familien

zu den schönsten Naturkulissen, Weit- und

Tielicke sind dabei garantiert. Einmal in

die Bergbahn eingestiegen, geht das Abenteuer

Bergerlebnis auch schon los. Mit wenigen

Schritten liegen an Panoramawegen, inmitten

von blühenden Alpenrosen oder auf der

Grenze zwischen Deutschland und Österreich

die aussichtsreichsten Spots für das perfekte

Foto für das Wanderalbum. Ob märchenha

auf 1932 Metern, mit grenzenlosem

Panorama, ein Blumenberg mit Aussicht, als

Grenzgänger unterwegs, Höhenflüge auf dem

Höhenweg, Ausblicke aus Afrika oder ruhige

Weitblicke – einmal einem kompletten Perspektivenwechsel

durchlebt, können Naturliebhaber

von sich sagen: »Ich mach’s zu meinem

Revier!« Also Wanderschuhe an, Kamera

in den Rucksack und auf geht´s.

www.ok-bergbahnen.com/adler7

Foto: Oberstdorf/Kleinwalsertal Bergbahnen

Hier kann man was gewinnen

Wir von »Wandern & Genießen« verlosen

dieses Jahr gemeinsam mit »höfats« zwei Beer

Boxen im Wert von je 99,95 Euro. Sie ist der

perfekte Begleiter für den Sommer, denn die

multifunktionale Kiste kann mehr als nur 24

x 0,33 Liter Flaschen beherbergen. Die aus

Cortenstahl hergestellte Kiste hat nicht nur

einen integrierten Flaschenöffner, sie kann

auch im geleerten Zustand als Feuerkorb verwendet

werden. Ihr Kartoninnenleben dient

dann als Anzündhilfe und ein Standard-

Holzscheit findet darin problemlos Platz. Als

Zubehör bietet höfats einen Edelstahl-Grillrost,

der sich durch

die Griffe einfach

auflegen und abnehmen

lässt. Und wer

die Beer Box als Sitzgelegenheit

nutzen

möchte, verwandelt

sie mit einem Aufla-

Foto: Martin Erd/höfats

gebrett und nur einem Handgriff in einen

Hocker. Das Auflagebrett kann auch als Servierbrett

verwendet werden. Das begeistert

nicht nur Bierliebhaber.

Wenn Sie die Box ihr Eigen nennen wollen,

schicken Sie uns eine Postkarte mit dem

Stichwort »SOMMER« an die EDITION

ALLGÄU, Lachener Weg 2, 87509 Immenstadt-Werdenstein.

Einsendeschluss ist der 1.

Oktober 2019.

8

wandern & genießen


Vier Tage Natur-Abenteuer

»Gemeinsam draußen sein« ist das Motto des

Oberstdorfer Outdoorfestivals »Zämed duss«.

Vom 3. bis 6. Oktober haben Gäste die Möglichkeit,

sich an Outdoor-Sportarten zu versuchen

und dabei die facettenreiche Oberstdorfer

Naturlandscha zu entdecken. Besucher können

aus einem abwechslungsreichen Angebot

wie Raing, Klettern, Mountainbiken, Wandern,

Trailrunning, Nordic Walking oder Yoga

wählen. Bei allen Programmpunkten steht das

Festival-Motto im Vordergrund, das auf den

gegenseitigen Respekt vor anderen Bergliebhabern

und der Natur aufmerksam macht – ganz

gleich ob beim Wandern, Radfahren oder Wassersport.

Ein Rahmenprogramm aus Filmvorführungen,

Vorträgen und Konzerten rundet

das Festival ab. Am Donnerstag eröffnet Paul

Clayton das Outdoorfestival. Am Freitag und

Samstag folgen ein Film- sowie ein Vortragsabend.

Der Eintritt zum Festivalgelände und

zur Eventbühne ist frei.

www.zaemed-duss.de

Foto: Oberstdorf Tourismus GmbH/Alexander Fuchs

Anzeige

Über 70

verschiedene

Bergkräuter

Berg

Limo

Mit echter

Allgäuer Minze

wandern & genießen 9


Buntes Allgäu

Ein kühler Tipp

für heiße Tage

Die abenteuerliche Reise den Drachenrachen

hinab, wie die 180 Stufen in der Spalthöhle genannt

werden, liegt am Ende des Sagenweges.

Auf dem Weg durch den Wald werden auf

Schautafeln verschiedene Sagen und Mythen

rund um Obermaiselstein erzählt und dargestellt.

Ist man schließlich in der Sturmannshöhle

angelangt, erwarten einen kühle vier bis acht

Grad Celsius und verschiedene Fledermausarten,

die den Tag an den Wänden der Höhle verschlafen.

Im Rahmen einer Führung können

die Besucher die einzige begehbare Spalthöhle

des Allgäus erkunden und wer weiß: Vielleicht

finden Sie ja den sagenumwobenen Schatz der

Sturmannshöhle.

www.hoernerdoerfer.de

Sich wie ein Skiflieger fühlen

Sie ist eine der fünf größten Skiflugschanzen

der Welt und nach einer Modernisierung

2017 wieder regelmäßiger Austragungsort

von Skiflugweltcups – die Heini-Klopfer-Skiflugschanze

bei Oberstdorf. Doch sie ist nicht

nur Skifliegern vorbehalten. Außerhalb der

Wettkampage bringt ein Li Besucher auf

eine 360 -Grad-Aussichtsplattform mit atemberaubendem

Blick über den Freibergsee

und die umliegenden Berggipfel. Besucher

können mit dem Schrägaufzug neben dem

Aufsprunghang hinauffahren und sich am

Fuße des Turmes auf dem Erlebnisweg über

die Geschichte und die großen Helden der

Heini-Klopfer-Skiflugschanze informieren.

Ein Highlight ist das Virtual-Reality-Erlebnis

in der Anlaufspur: Dazu nimmt man auf dem

Balken Platz und erlebt durch eine VR-Brille

das Gefühl des Skifliegens am eigenen Körper.

Das einzigartige Erlebnis findet am Wochenende

und in den Ferien täglich statt.

Jeden Donnerstag bieten erfahrene Guides

um 14 Uhr eine offene Schanzenführung an.

Sie beginnt im Schanzenauslauf und führt

mit dem Schrägaufzug und Li ganz nach

oben. Besucher erhalten einen Einblick in die

Geschichte des Skisports in Oberstdorf, die

Entwicklung des Skispringens und Skifliegens

und sicher auch das ein oder anderen Geplauder

»aus dem Nähkästchen«, denn alle

Guides sind eng mit dem Skisport verwurzelt.

www.skiflugschanze-oberstdorf.de

Foto: Eren Karaman

Wo Märchen wahr werden

Foto: Tourismus Hörnerdörfer/F.Kjer

Schon seit 1956 begeistert der Schongauer

Märchenwald Urlauber und heimische Gäste

mit seiner familiären Atmosphäre und der

wunderbaren Abwechslung von Erleben, Entdecken

und Erfahren. Die Besucher erleben

eine enorme Vielfalt auf einem kompakten

Areal: Spielplätze wechseln sich ab mit Gehegen

für Ziegen, Hasen oder Vögel, liebevoll gestaltete

Märchenhäuser gehen über in einen Erlebniswald

und die Kinder können von den

Fahrten mit der Miniatureisenbahn oder dem

Ponyreiten gar nicht genug bekommen. Wer

dann einen kleinen oder auch größeren Hunger

verspürt, wird im Gasthaus mit Gerichten

der bayerischen Küche verwöhnt und kann

durchschnaufen. Währenddessen schließen die

Foto: Schongauer Märchenwald

Kinder in der Spielecke Freundschaen und

am Ende des Tages fährt jeder selig heim.

www.schongauer-maerchenwald.de

10

wandern & genießen


Anzeigen

Foto: Landkreis Lindau (Bodensee)/Rolf Brenner

KLETTERSPASS FÜR

DIE GANZE FAMILIE

AM GROSSEN ALPSEE

Pilger für einen Tag

»Auf diesem Weg treffe ich eigentlich immer

wieder nur auf eins: auf mich!«, sagte der bekannte

Komiker, Autor und Moderator »Hape«

Kerkeling in seinem 2006 veröffentlichten

Buch »Ich bin dann mal weg«, in dem er Erlebnisse

und Eindrücke seiner Pilgerreise auf dem

Jakobsweg beschrieb. Für wen das Pilgern neu

ist und wer es einmal in einer Gruppe ausprobieren

möchte, der ist im Westallgäu und dem

württembergischen Allgäu richtig. Denn dort

bietet bis in den Herbst hinein das »Samstagspilgern«

einen guten Einstieg. Mehr als 40 verschiedene

Pilgerangebote stehen im Rahmen

des kostenlosen Angebots (bei eigener An- und

Abreise und Verpflegung) zur Auswahl. Die

Touren, die zwischen einer und sechs Stunden

dauern, führen zu verschiedenen Pilgerorten

im Allgäu und in Oberschwaben. »Pilgern zu

den Allgäu-Heiligen« ist 2019 ebenso möglich

wie eine sagenhae, mystische und spirituelle

Pilgertour oder eine meditative Wanderung auf

dem Jakobsweg – zum Beispiel von Scheidegg

nach Bregenz in Österreich.

www.westallgaeu.de/samstagspilgern

Seestraße 10| 87509 Immenstadt

www.alpseeskytrail.de

Täglich 10 - 18 Uhr geöffnet

Nebensaison Mittwoch Ruhetag

wandern & genießen 11


Buntes Allgäu

Foto: Sabine Ziegler

Die Kuh im Landhaus

Unter dem Motto »Kunst im Gartenhaus« stellt

die Malerin Sabine Ziegler vom 18. Juli bis zum

22. August ihre Werke im Landhaus Burgschrofen

in Obermaiselstein aus. Gezeigt werden

Bilder in Aquarell und Öl zum ema Allgäuer

Braunvieh sowie Landschasimpressionen

aus dem Oberallgäu. Gemalt werden die

Landschasbilder meist vor Ort – so können

Umstände wie Regen oder Hitze, aber auch die

Besonderheiten der Umgebung einfließen. Die

Werke bekommen eine Lebendigkeit, die im

Atelier nur schwer zu erreichen ist, die Faszination

der Heimat spiegelt sich in ihnen wider.

Die Tierportraits entstehen dagegen anhand

von Skizzen im Atelier.

www.ziegler-web.eu,

www.landhaus-burgschrofen.de

Ein Baumwipfelpfad

und mehr

Reise in das Herz des Grünten

Foto: Heimplätzer Werbefotografie

Wer schwindelfrei ist, sollte sich den 540 Meter

langen skywalk allgäu auf keinen Fall entgehen

lassen. Denn die Aussicht von bis zu 40 Metern

Höhe reicht von der Allgäuer Bergwelt im

Süden bis zum Bodensee in westlicher Richtung.

Und genießen kann diese so gut wie

jeder, denn der Weg auf Höhe der Baumkronen

ist barrierefrei und damit generationenübergreifend

nutzbar. Neben dem Baumwipfelpfad

bietet das 60.000 Quadratmeter große Gelände

zahlreiche weitere Attraktionen, die auf das

ema »Wald« Bezug nehmen. Erlebnispfade

etwa laden zu einer lehrreichen Erkundung ein.

Wer Freude an spielerischer Bewegung hat, der

kann einen Geschicklichkeitsparcours meistern

oder auf einem Barfußpfad laufen. Und

für die kleinen Besucher gibt es unter anderem

einen großen Abenteuerspielplatz sowie einen

Streichelzoo.

www.skywalk-allgaeu.de

Einen Berg erforschen und von innen sehen:

Das ist in der »Erzgruben-Erlebniswelt am

Grünten« in Burgberg möglich. Doch bevor

es in den Wächter des Allgäus hineingeht,

lernen die Besucher im Museumsdorf mehr

über die Geologie des Berges, den Eisenerz-

Bergbau, die Verhüttung und die althergebrachte

Schmiedekunst, die man in der

Schauschmiede hautnah erleben kann. Dann

ist es Zeit, dem Grünten auf den Grund zu

gehen. Bei einer zweistündigen Rundwanderung

gibt es allerhand Wissenswertes über

den Andreas-Tagebau, die eresien-Grube

und die Anna-Grube. Für letztere sollten Besucher

schwindelfrei sein, denn am Ende

wartet nicht der Grubengrund, sondern ein

Podest mit einem über zehn Meter tiefen

Abgrund. Um den Rückweg, oder auch Hinweg,

zu genießen, fährt das »Erzgrubenbähnle«

vom Parkplatz Steinbruch über den

Dorfplatz zum Museumsdorf und weiter zur

Erzgruben-Erlebniswelt – natürlich auch

wieder zurück.

www.erzgruben.de

Foto: Gabriele Fischer

12

wandern & genießen


Anzeigen

Foto: Roland Rasemann

Filigrane Glaskunst

live erleben

Das historische Glasmacherdorf Schmidsfelden

ist einer der interessantesten Anziehungspunkte

im Allgäu. Bis zum Ende des

19. Jahrhunderts prägte die Glasmacherei

das Leben der Menschen in der Adelegg.

Die Glashütte und einige Nebengebäude

sind in Schmidsfelden ebenso wie viele Arbeiterhäuschen

erhalten geblieben. Diese

werden von einer bunten Dorfgemeinscha

bewohnt. In der imposanten Glashütte zeigt

Glasmacher Stefan Michaelis seine Kunst.

Auch einen Glasladen, in dem die zerbrechlichen

Kunstwerke gekau werden können,

sowie eine Naturschutzstation und ein Bistro

gibt es hier. Ein stimmungsvoller Höhepunkt

ist das Glashüttenfest, das in diesem

Jahr am Sonntag, 6. Oktober, gefeiert wird.

www.glas-schmidsfelden.de

KUNST AUS

DER DDR

WERKE DES

STAATLICHEN

MUSEUMS

SCHWERIN

13. APRIL BIS

21. JULI 2019

Figurative Kunst

aus der Sammlung der

Oberschwäbischen

Elektrizitätswerke (OEW)

von Antes bis Zürn

10. AUGUST BIS

27. OKTOBER 2019

Schloss Achberg

© 2019 www.d-werk.com | Bildausschnitt linke Seite: Wolfgang Mattheuer, Kahnfahrer, 1970 | Staatliche Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen M-V l Elke

Walford | © VG Bild-Kunst, Bonn 2019 | Bildausschnitt rechte Seite: Horst Antes, Figur auf roter Fläche (Figur auf Rot), 1965/66 | © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

FREITAG 14 BIS 18 UHR

SA SO FEIERTAGE 10 BIS 18 UHR

WWW.SCHLOSS-ACHBERG.DE

wandern & genießen 13


Titelthema

Nordic Walking im Allgäu

Flott

mit Stock

Immer mehr Deutsche »gehen am Stock«: Nordic Walking liegt

im Trend. Kein Wunder, denn das Gehen auf die nordische Art

gilt als eine der gesündesten Sportarten überhaupt. Das Allgäu

als Nordic-Walking-Region glänzt einmal mehr durch Vielfalt:

Ob gemütlich im Tal oder anspruchsvoll bergauf – hier stöckelt

sich jeder zum persönlichen Gipfelglück.

14

wandern & genießen


wandern & genießen 15


Titelthema

Karte: © OpenStreetMap contributors

Für echte »Skywalker«

Die höchstgelegene Nordic-Walking-

Strecke Deutschlands liegt am Allgäuer

Nebelhorn: Die Tour »Pfannenhölzle«

führt recht sportlich von der Station

Höfatsblick der Nebelhornbahn hinauf

zum Koblat und wieder zurück. Dabei

bewegt man sich auf einer Höhe zwischen

1925 und 2064 Metern über dem

Meeresspiegel.

Länge & Dauer: 2 Kilometer, 1 Stunde

Schwierigkeitsgrad: mittel

www.oberstdorf.de/wandern/

nordic-walking

Gipfelbahn

Koblatlift

Das Allgäu ist eine

Outdoor-Region. Für

Nordic Walker hat es

zahlreiche Strecken auf

verschiedenen Höhenlagen

zu bieten

Nebelhornbahn,

Station Höfatsblick

Klack-klack, klack-klack, klack-klack. Vor allem jetzt im

Sommer sind sie wieder in Scharen unterwegs: die

Nordic Walker. Mit schwungvollem Schritt stöckeln sie

über Berg und Tal. Lange wurden sie belächelt. »Habt’s ihr eure

Skier verloren?«, hieß es vor allem seitens der Bergsteiger, wenn

sie in ihrem Revier auf »Steckerlgeher« stießen. »Alt-Weiber-

Sport«, rümpen Jogger im Tal die Nase.

Wie viele dieser Skeptiker heute, nach rund 30 Jahren, wohl selber

heimlich zu den Stöcken greifen? Mittlerweile wundert sich jedenfalls

keiner mehr, wenn er bei schönem Wetter auf einen oder

fünf Nordic Walker tri – und das in jeder Altersgruppe. Denn

die Ausdauersportart erfreut sich stetig wachsender Beliebtheit.

16

Nicht nur Ex-Sportprofis wie Rosi Mittermaier und Christian

Neureuther walken um die Wette – fast jeder füne Deutsche

betreibt regelmäßig Nordic Walking. Das sportliche Gehen mit

zwei Stöcken gilt laut einer Umfrage der Gesellscha für Konsumforschung

deshalb als die beliebteste Sportart, vor allem für

Einsteiger.

Wer hat’s erfunden?

Nein, ausnahmsweise nicht die Schweizer. Wie der Begriff »Nordic

Walking« schon erwarten lässt, liegt die Geburtsstätte der Sportart

im Norden, genauer in Skandinavien. Eine Gemeinsamkeit mit

wandern & genießen


Tipps vom

Laufsport-Experten

Joachim Saukel bringt anderen das Laufen

bei: Der einstige Triathlet führt seit

über 20 Jahren ein Laufsport-Geschä

in Kempten. In der Laufschule Saukel

bieten er und seine Mitstreiter Lauf- und

Nordic-Walking-Kurse mit individueller

Betreuung für Laufeinsteiger bis hin zu

Wettkampfläufern an. Spaß an der Bewegung

steht dabei im Vordergrund.

www.laufsport-saukel.de

Fotos: Fotolia, Oberstaufen Tourismus/Marcel Hagen, Joachim Saukel, Ballistol

Für wen ist Nordic Walking geeignet?

Grundsätzlich kann das jeder machen. Es

ist prinzipiell nichts anderes als schnelles

Gehen. Viele denken ja, Nordic Walking

sei etwas für Ältere, das stimmt aber nicht

ganz. Natürlich ist die gelenkschonende

Sportart für Menschen geeignet, die aufgrund

des Alters oder wegen Verletzungen

keine schnellen Läufe mehr absolvieren

können. Aber auch jüngere Sportler betreiben

Nordic Walking – zum Beispiel als

Vorbereitung für die Wintersaison oder,

um Abwechslung in ihren Sportalltag zu

bringen. Zumal es ja auch sportlichere

Varianten gibt. Wenn ich privat walken

gehe, dann bin ich recht schnell und meist

bergauf unterwegs.

Was empfehlen Sie Leuten, die sich an

Nordic Walking versuchen wollen?

Einsteigern würde ich einen Kurs empfehlen.

Ein Schnupperkurs ist in der Regel

ausreichend – Hauptsache, ich bekomme

die Technik einmal richtig gezeigt. Einige

Varianten, wie das richtige Bergauf- und

Bergabgehen mit Stöcken, sind vor allem im

Allgäu wichtig.

Welche Fehler machen viele Einsteiger

und wie lassen sie sich vermeiden?

Viele Leute benutzen die Stöcke falsch. Sie

haben sie zwar dabei, benutzen sie aber

nicht zum Vortrieb. Oder die Stöcke haben

die falsche Länge. Das macht einerseits weniger

Spaß, andererseits erziele ich damit

keinen Effekt. Wie gesagt, die richtige Technik

ist entscheidend – und die erlernt man

am besten in einem Kurs, in dem man auch

verschiedene Stocklängen ausprobieren

kann, um herauszufinden, welche passt.

Was macht gute

Nordic-Walking-Stöcke aus?

Zunächst das Material: Leichte Alu- oder

Carbonstöcke sind gut geeignet. Ganz wichtig

ist die Handschlaufe – nicht so, wie man

sie an Skistöcken findet, sondern eine ergonomische

Schlaufe, die Hand und Stock verbindet.

Sie macht die Nordic-Walking-Technik,

bei der man die Hand nach hinten öff-

net, erst möglich. Nicht zuletzt spielt natürlich

die Stocklänge eine Rolle. Da gibt

es eine Reihe von Formeln, mit denen

man die zur Körpergröße passende Länge

ermitteln kann. Meiner Meinung nach ist

auch hier das Ausprobieren entscheidend.

Im Laden schicke ich einen unentschlossenen

Kunden auch mal vor die Tür,

damit er ein paar Schritte mit den Stöcken

gehen kann. Dann sehe ich schnell,

ob der Bewegungsablauf passt.

Gut, angenommen, der Stock passt.

Kann ich dann mit meinen Joggingschuhen

zum Nordic Walking?

Grundsätzlich ja – wenn es ein guter, angepasster

Joggingschuh ist. Beim Nordic

Walking ist man in der Regel länger unterwegs,

also sollte der Schuh wirklich zu

meinem Fuß passen und ihn stabilisieren.

Umgekehrt sollte ich den reinen Walkingschuh

nicht zum Joggen anziehen, weil

der Bereich, mit dem der Fuß aufsetzt,

hier anders aufgebaut ist. Beim Joggen ist

der Aufprall stärker.

den Schweizern gibt es aber doch: Die Region ist eine Hochburg

der Wintersportarten und Heimat zahlreicher Langläufer, Biathleten

und nordischer Kombinierer. Nordic Walking entstand als

Trainingsmethode für skandinavische Wintersportler, die im

Sommer fit bleiben wollten: Dabei hielten sie sich oberhalb der

Gürtellinie an die gewohnten Bewegungsabläufe des Skilanglaufs.

»Untenrum« wurde die Fortbewegung auf Skiern durch sportliches,

schnelles Gehen ersetzt.

Von Norwegen, Schweden und auch Finnland schwappte die

Trainingsmethode bald nach Süden – und wurde in den frühen

Neunzigern schließlich weltweit bekannt als einsteigerfreundliche

Sportart für Jedermann. Denn wer gehen kann, kann auch nordisch

gehen. Heutzutage verabreden sich Kollegen zum geselligen

»Nordic-Walking-Treff« nach Feierabend, marschieren im Gleichschritt

durch zahlreiche Walking-Parcours oder wandern hoch

hinaus – auf Deutschlands höchstgelegener Nordic-Walking-Strecke

auf dem Allgäuer Nebelhorn.

In Schwung kommen

Im Laufe der Jahrhunderte hat es der Mensch durch zahlreiche

Erfindungen – vom Auto über die Rolltreppe zum Fahrstuhl –

gescha, sein tägliches Maß an Bewegung auf ein Minimum zu

beschränken. Das hat eine Reihe von Vorteilen, vor allem ➤

wandern & genießen 17


Titelthema

Nordic-Walking-Technik:

So läu’s rund

1. Kreuzschritt: Wenn das linke

Bein vorne ist, ist der rechte Arm hinter

dem Körper. Mit jeder Beinbewegung

schwingt der gegengesetzte Arm mit. Der

Oberkörper ist leicht nach vorn geneigt.

2. Fersen und Stöcke

berühren gleichzeitig den

Boden. Letztere werden

nah am Körper geführt.

Sie sollen den Boden

schräg berühren, so dass

man sich effektiv abstoßen

kann. Um die Gelenke zu entlasten,

tritt man zuerst mit der Ferse auf

und rollt den Schritt über Sohle und

Fußballen ab.

3. Arme und Hände: Bei der Vorwärtsbewegung

sollten Ober- und Unterarme

einen rechten Winkel bilden.

Die Hände sollten die Stöcke umfassen.

Bei der Rückwärtsbewegung werden die

Arme locker durchgestreckt. Die Hände

sind dabei geöffnet.

4. Augen nach vorne: Wer

auf den Boden schaut, spannt

Schultern und Nacken nur unnötig

an. Beim Nordic Walking sollten

die Bewegungen möglichst rhythmisch

und entspannt erfolgen.

für Menschen, die körperlich eingeschränkt sind, aber auch Nachteile.

Hand aufs Herz: Wer hat noch nie aus reiner Bequemlichkeit

einen Bogen um die Treppe gemacht und stattdessen den Fahrstuhl

genommen? Oder fix eine E-Mail an den Kollegen geschrieben,

statt das Büro zu wechseln? Insbesondere solche »Bürohengste«

plagt o der Rücken – aber nach einem Acht-Stunden-

Tag mag man sich nicht mehr ins Fitnessstudio quälen, um die

Muskulatur zu stärken.

»Sane« Sportarten wie Nordic Walking schaffen hier einen Ausgleich:

Wie schnell man geht, ist dem eigenen Ehrgeiz und Fitnesslevel

überlassen. Man ist in Bewegung und trainiert den Körper

– aber kommt nicht zwangsläufig schweißnass und ausgepowert

nach Hause. Die Ausdauersportart ist daher nicht nur für

18

alle geeignet, die ihre Gelenke schonen wollen oder müssen, sondern

auch für »Gelegenheitssportler«, die sich gerne zu hohe

sportliche Ziele setzen und dann, wenn es zu anstrengend wird,

frustriert das Handtuch werfen.

Ein Sport für Herz und Hüften …

Die gesundheitlichen Vorteile des Nordic Walkings sind bekannt:

Die schwungvolle Bewegung regt den Stoffwechsel an, beansprucht

Herz und Kreislauf, stärkt Muskeln und Knochen und

rückt überschüssigen Pfunden zu Leibe. Wer seine Stöcke fleißig

vor und zurück schwingt, kräigt Arme, Schultern und Rücken.

Auch das Risiko für typische »Verschleißerscheinungen« kann

wandern & genießen


Anzeigen

Körpergröße - Stocklänge

Wir eröffnen unseren Gästen

eine besondere Welt mit einem

Museum zum Anfassen und authentischer

und mittelalter licher

Verköstigung in einem Ambiente,

das seines Gleichen sucht.

Die Burg kann im Rahmen einer

Führung besichtigt werden.

Die Waldburg ist ganzjährig

für Gruppenführungen nach

vorheriger Terminabsprache

geöffnet.

Die Stockspitzen geben Sicherheit

auf weichen Böden. Sie sollten austauschbar

sein und aus gehärtetem

Stahl bestehen.

Öffnungszeiten Schloss & Café:

an Sonn- und Feiertagen

von 11.00 - 18.00 Uhr

www.schlosswaldburg.de

Gummikappen erleichtern das

Walken auf Asphalt und dämpfen

das typische Klack-Geräusch beim

Aufprall.

Die ergonomischen Handschlaufen

verbinden Hand und Stock und

machen die Nordic-Walking-Technik

überhaupt erst möglich.

durch Nordic Walking minimiert werden, beispielsweise für

Osteoporose, Rückenschmerzen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen

wie Bluthochdruck. Dazu findet Nordic Walking klassischerweise

draußen in der Natur statt: Die Bewegung an der

frischen Luft stärkt das Immunsystem.

Nicht zuletzt hilft das flotte Gehen mit Stöcken beim Abnehmen.

Was den Kalorienverbrauch angeht, so hat Nordic Walking einen

großen Vorteil gegenüber dem klassischen Joggen: Durch die

(richtige) Benutzung der Nordic-Walking-Stöcke werden rund

90 Prozent der Muskulatur in die Bewegung eingebunden. Je

mehr Muskeln man aktiv trainiert, desto mehr schraubt man

seinen täglichen kalorischen Grundumsatz in die Höhe. Natürlich

spielt die Intensität dabei eine Rolle.


wandern & genießen 19


Titelthema

Über die »Steckerl«

wundert sich das

Weidevieh schon

lange nicht mehr

Der Allgäuer kennt es schon:

Nordic Hiking

Wer lediglich »Spazierengehen mit Stöcken« praktiziert, wird

zwangsläufig weniger Kalorien verbrennen als jemand, der mit

neun Stundenkilometern einen Nordic-Walking-Marathon läu.

Wer aber mit etwa sechs Kilometern die Stunde und der richtigen

Technik geht, wird in dieser Zeit zwischen 300 und 400 Kalorien

verbrennen. Das enstpricht etwa einem Stück (Obst-)Kuchen.

Definitiv etwas mehr Kalorien verbrennt man beim Nordic Hiking,

dem Walken auf bergreichen und alpinen Strecken. Als Ableger

des Nordic Walkings ist diese etwas intensivere Variante

seit einigen Jahren auf dem Vormarsch. Die An- und Abstiege

aktivieren noch mehr und andere Muskelgruppen, der Gleichgewichtssinn

wird besonders ausgeprägt trainiert und man verbraucht

natürlich einige Extra-Kalorien. Die Übergänge zu anderen

sportlichen Aktivitäten wie Trekking und Trailrunning beziehungsweise

Bergläufen sind fließend. Damit Nordic Hiking

auch Spaß macht, ist eine gute Kondition eine wichtige Voraussetzung,

für absolute Anfänger ist daher eher ungeeignet.

Der Nordic Walker im Allgäu betreibt das Nordic Hiking im Übrigen

mehr oder weniger automatisch – hier gibt es einfach zu

viele Berge …

Nordic Walking im Allgäu

Fast jede Gemeinde im Allgäu verfügt über ein gut ausgeschildertes

Wegenetz mit ausgewiesenen Routen für Nordic Walker –

kein Wunder, denn die abwechslungsreiche Gegend hat für Outdoor-Sportler

besonders viel zu bieten. Die Gemeinde Nesselwang

20

Tipp der Redaktion:

Damit man nicht zum

»Walking Buffet« wird

Mücken und Zecken können einem die Bewegung

an der frischen Lu gründlich vermiesen.

Deshalb sollte man rechtzeitig an

einen Insektenschutz denken. BALLISTOL

Stichfrei hält Mücken, Zecken und Bremsen

bis zu acht Stunden zuverlässig fern. Mit

einer Kombination von natürlichen Abwehrstoffen

in Form von ätherischen

Ölen sowie einem synthetischen Abwehrstoff

ist Stichfrei besonders wirksam.

Es duet nach frischer Limone,

enthält einen sonnenschutzaktiven

UV-B-Filter mit Lichtschutzfaktor 6

und schützt die Haut zudem vor

dem Austrocknen.

Preis ca. 7 Euro, erhältlich im gut

sortieren Fach- und Einzelhandel.

Weitere Informationen gibt es online

unter www.ballistol.de

im Ostallgäu ist sogar so etwas wie das Mekka des Nordic Walkings

in Bayern. Hier entstand 2003 der erste Nordic-Walking-

Park des Bundelandes. Inzwischen haben sich zahlreiche Allgäuer

Gemeinden diesem Projekt angeschlossen und das Wegenetz gehört

mit 66 Routen und einer Gesamtlänge von 420 Kilometern

auf unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden zu den größten seiner

Art in Deutschland. In jeder Himmelsrichtung des Allgäus, in

die man blickt, befindet sich in der Regel auch ein Nordic-Walking-Park.

Die sanen Hügel der Voralpen im Unterallgäu und die schroffen

Alpengipfel im Oberallgäu laden zu kleinen bis großen, leichten

bis anspruchsvollen Nordic-Walking-Touren ein. Auf den eher

ebenen Runden um die Allgäuer Seen kann man nach der sportlichen

Betätigung noch einen Sprung ins kühle Nass wagen. Die

zahlreichen Nordic-Walking-Strecken im Westallgäu bescheren

ein idyllisches Naturerlebnis und führen in der Regel über sane

Hügel. Beim Walken durch Kempten genießt man ganz nebenbei

städtisches Flair und etwas Kultur. Wer sich in die bergreichen

Regionen des Allgäus wagt, darf zwischendurch auch mit anspruchsvolleren

Aufstiegen rechnen – hier kommen auch sportlich

ambitionierte Nordic Walker voll auf ihre Kosten. So geht’s

mit Stöcken auf zum Gipfelglück.

Viola Elgaß

wandern & genießen


Anzeigen

Frei sein

bei vollem Komfort!

LEICHTGEWICHT

TREKKINGZELTE

ab149,–

KLEIN VERPACKT

FALTMÖBEL

ab 26, 99

IHR ZUBEHÖR SPEZIALIST

mit über 70 Filialen und 15.000 Top-Artikeln!

www.fritz-berger.de

Preisgültigkeit bis 31.12.2019

wandern & genießen 21


Titelthema

Hütteneinkehr mal anders

Schlafen in

den Bergen

Auf einer langen Wanderung ist die Hütteneinkehr obligatorisch. Hier stärkt

man sich mit einer gescheiten Brotzeit und einem kühlen Getränk. Doch der

Genuss muss nicht von kurzer Dauer sein, denn auf zahlreichen Hütten kann

man auch übernachten. Wir stellen Ihnen drei dieser Himmelshäuser vor.

Wie heißt es doch so schön? Der Weg ist das Ziel. Das

stimmt diesmal leider nicht ganz, denn hier ist die

Hütte das Ziel und um die zu erreichen, muss man

erst einmal die Wanderschuhe schnüren. Denn das Staufner Haus

etwa ist nur zu Fuß erreichbar. Doch keine Angst: Man muss

nicht die ganzen 1634 Höhenmeter bis zur Hütte mit eigener

Muskelkra bewältigen. Ein bisschen Hilfe ist erlaubt. So kann

man etwa gemütlich mit der Hochgratbahn bis zur Bergstation

fahren und von dort aus sind es nur zehn Minuten Abstieg bis zu

der Alpenvereinshütte. Wem das zu viel Schummelei ist: Es gibt

22

zahlreiche Wanderwege, die zum Staufner Haus führen und zwischen

einer und vier Stunden dauern.

Hier wird´s heimelig

Aber egal wie man an sein Ziel gelangt, am Ende erwartet einen

eine urige und gemütliche Hütte, die zum Verweilen einlädt. Und

zwar nicht nur draußen auf den Bänken mit einem grandiosen

Blick auf die Gipfel der Nagelfluhkette oder drinnen in der Stube,

wo man sich mit leckerem Essen stärken kann. Auch die modern

wandern & genießen


Hohe Hausordnung

Nur weil man in den Bergen schlä und sich dabei o fernab

der Zivilisation befindet, heißt das nicht, dass man seine guten

Manieren vergessen sollte. Denn auch wenn man sich da oben

freier fühlt, gibt es einige Regeln, an die man sich halten sollte.

My Schlafsack is my castle

Zwar gibt es in den Hütten dünne Wolldecken zum Zudecken,

doch die werden nicht jeden Tag gewaschen. Wer also nicht

Hautkontakt mit dem Schweiß seines Vorschläfers haben

möchte, dem sei ein Hüttenschlafsack empfohlen. Die sind sowieso

in den meisten Himmelshäusern Pflicht.

Auf leisen Sohlen

Bergschuhe sind schwer und nach der Wanderung o dreckig.

Vom Geruch, den sie eventuell verströmen, fangen wir gar nicht

erst an. Deswegen müssen die robusten Treter im Regelfall in

der Stube bleiben. Wer nicht auf Socken ins Zimmer oder Matratzenlager

wandeln will, der sollte sich Hausschuhe mitnehmen.

Die verursachen beim Gehen auch weniger Lärm als

Bergschuhe.

Immer schön ruhig bleiben

Apropos Lärm: Auf der Hütte ist die Nachtruhe heilig, denn

viele Mitschläfer wollen am nächsten Tag früh los. Wer also

eine Nachteule ist und erst spät seine Schlafstätte aufsucht, sollte

sich dabei leise verhalten. Für alle die nicht auf die Rücksicht

der anderen setzen: Ohrenstöpsel wirken Wunder.

In den gemütlichen Zimmern des Staufner Hauses lässt es sich gut schlafen.

So kann man sich am nächsten Tag erholt auf den Weg machen

gestalteten Doppel- und Mehrbettzimmer sind so heimelig, dass

man gerne über Nacht bleibt. Wer es gerne uriger hätte, der kann

sich einen Lagerplatz schnappen, seinen Hüttenschlafsack ausbreiten

und dort ins Land der Träume gleiten. Nach einer erholsamen

Nacht – der guten Berglu sei Dank – heißt es wieder

rein in die Wanderschuhe, denn vom Staufner Haus aus kann

man zu zahlreichen Touren aurechen. So lockt etwa eine Gratwanderung

über den Nagelfluhhauptkamm bis zum Mittag, der

hoch über Immenstadt liegt. Allerdings braucht es dafür Ausdauer,

denn die Tour dauert locker sechs Stunden. Wer es ä

Nicht jeder will erleuchtet werden

Konnte man in Ruhe schlafen und will sich in aller Herrgottsfrühe

auf den Weg machen, sollte man es tunlichst vermeiden

das große Licht anzuknipsen. Im besten Falle wird man nur

angeraunzt und mit Ohrenstöpsel beworfen, im schlimmsten

Falle macht man sich viele Feinde. Besser ist, man sammelt

seine Habseligkeiten im gedimmten Licht der Stirnlampe zusammen.

Nur Bares ist Wahres

Wer seine Hüttennacht und seine Brotzeit mit der EC-Karte

bezahlen will, wird damit in den meisten Fällen kein Glück

haben. In den Bergen hat Plastikgeld keinen Wert – also sollte

man immer genug Bargeld in der Tasche haben.

Satte Rabatte

Eine andere Karte sollten zumindest die Mitglieder eines alpinen

Vereins immer dabei haben – ihren Mitgliedsausweis. Mit

dem bekommt man im Regelfall erhebliche Rabatte auf die

Übernachtung. Da kann man sich dann abends auch ein Bier

mehr gönnen oder eine extra Brotzeit.

wandern & genießen 23


Titelthema

Die Wannenkopfhütte bei Obermaiselstein bietet nicht nur deftige Brotzeiten

an, sondern auch andere Leckereien

Hat man sich den Bauch so richtig vollgeschlagen, geht es ab in die urigen

Zimmer, die wahren Hüttencharme versprühen

lieber kürzer mag, kann in unter einer Stunde den Hochgrat erklimmen

oder in knapp drei Stunden zum Hochhäderich wandern.

Noch Hütte oder schon Hotel?

Wer so gar nicht wandern mag, sondern direkt im Himmelshaus

richtig was erleben will, dem sei die Wannenkopütte bei Obermaiselstein

empfohlen. Aber so ganz ohne Fußmarsch geht es

auch hier nicht. Zwar kann man bis zum Parkplatz der Hütte fahren,

doch von dort aus dauert es per pedes noch 15 bis 20 Minuten

bis zum Ziel. Endlich auf 1350 Metern Höhe angekommen erwartet

einen purer Hüttencharme. Vor allem die Zimmer beeindrucken

mit ihrer urgemütlichen Einrichtung, aber auch mit dem

Blick auf die Bergwelt, den die Fenster freigeben. Hier hat der

Gast die Qual der Wahl – soll es ein Doppelzimmer sein, oder lieber

eines mit mehr Betten oder doch ein Platz im Bettenlager?

Doch bevor man sich bettet, kann man es sich auf der Hütte

noch so richtig gut gehen lassen – dafür sorgen die zahlreichen

Angebote. Sei es ein Drei-Gänge-Menü zum Abendessen, ein

24

züniger Hüttenabend mit Livemusik jeden Donnerstag oder

das Barbecue-Buffet am Lagerfeuer, das immer mittwochs lockt.

Hier muss keiner hungrig schlafen gehen. Und am nächsten Morgen

weckt nicht nur eine entspannte Dusche die Lebensgeister,

sondern auch ein reichhaltiges Frühstück. Ist der morgendliche

Hunger gestillt, lockt das Familienprogramm, bei dem kleine und

große Abenteurer auf ihre Kosten kommen – da ist Spaß garantiert.

Die Hektik muss draußen bleiben

Wer sich aber nach mehr Ruhe sehnt und eine erholsame Zeit in

den Bergen sucht, für den ist die Ostler Hütte bei Pfronten einen

Abstecher wert. Auf 1838 Metern über dem Meeresspiegel wartet

nicht nur ein herrlicher Rundblick auf das Pfrontener Tal sowie

die Allgäuer, Tiroler und Schweizer Bergwelt, sondern auch echtes

Hüttenflair. Das muss man sich allerdings erarbeiten und zwar

in Form einer Wanderung. Schnürt man seine Wanderschuhe

beispielsweise in Pfronten-Steinach, dauert der Aufstieg gute drei

Stunden. Wem das zu lange dauert, der kann die Wanderzeit

wandern & genießen


Wer der Hektik des

Tals entfliehen will,

dem sei die Ostler

Hütte bei Pfronten

empfohlen

Fotos: Ostlerhütte/Roland Hörmann, Staufner Haus, Wannenkopfhütte/Marc Vogel

In den Suiten

können es sich bis

zu vier Personen

gemütlich machen

durch eine Auffahrt mit der Breitenberg- und Hochalpbahn um

zweieinhalb Stunden verkürzen. Die letzten Meter müssen aber

zu Fuß zurückgelegt werden.

Oben angekommen locken die Sonnenterrasse und der gemütliche

Gastraum – hier verwöhnt das Hüttenteam die Gäste mit frischen

und regionalen Speisen. Ist man dann sitt und satt und

naht die Nacht, begibt man sich zu seiner Schlafstätte. Diese befindet

sich entweder ganz klassisch im Matratzenlager oder sehr

exklusiv in einer der »Ostler-Suiten«. Letztere warten nicht nur

mit einem wunderschönen Bergblick direkt aus dem Bett auf,

sondern auch mit einem eigenem Bad. Da ist eine ruhige und

erholsame Nacht in den Bergen, weit weg von der Hektik im Tal

garantiert. Hier oben versteht man, warum man die Hütten auch

Himmelshäuser nennt.

Claudia Schöwe

Anzeige

Entspannt, unkompliziert, naturnah:

Urlaub auf dem Bauernhof

Sagrüne, san gewellte Hügel, glasklare Bergseen und ein atemberaubendes Alpenpanorama

Ob Jung oder Alt, leicht oder anspruchsvoll, für Familien mit Kindern, sportlich Ambionierte

oder Genusswanderer – im Allgäu kommt jeder auf seine Kosten. Wer das verbinden möchte

mit einem ländlichen Urlaubsdomizil, der ist auf einem unserer »Mir Allgäuer«-Bauernhöfe/

Landhöfe spezialisiert auf Natur- und Akvurlauber goldrichg.

2019 2020

www.mir-a lgaeuer.de

Westalgäu Ostalgäu Oberallgäu Unterallgäu

Westalgäu Ostalgäu Oberallgäu Unteralgäu

Graskatalog

www.mir-allgaeuer.de

wandern & genießen 25


Titelthema

26

wandern & genießen


Torten, Kuchen und Pralinen

Die

Schokoladenseite

des Allgäus

Denkt man an Allgäuer Küche, hat man meist Kässpatzen vor Augen.

Unsere Region birgt jedoch auch eine verborgene, süße Seite – und die ist

äußerst verführerisch. Wir stellen drei Zuckerbäcker(innen) vor, die ihren

Weg zum schokoladigen Handwerk völlig unterschiedlich beschritten.

wandern & genießen 27


Titelthema

Pralinenschule in Memmingen

Birgit Heel darf sich die erste und einzige Schokoladen-Sommelière

des Allgäus nennen. Ihr Wissen um die herrlichen Halbkugeln aus

ihrer Pralinenmanufaktur gibt sie in Kursen weiter.

Das Schlaraffenland

liegt im Keller von

Birgit Heel. Hier

kreiert die 47-Jährige

köstliche Kakaokreationen.

Neben den

Kursen betreibt sie

eine Schokoladenmanufaktur

Sie beschreibt sich als klassische Quereinsteigerin:

Begonnen habe ihre Schoko-

Lauahn in einem Kurs über Rohschokolade.

»Das Experimentieren mit verschiedenen

Zutaten hat mich so begeistert,

dass ich danach Familie und Freunde in

großem Umfang mit selbstgerührten Schokoladentafeln

beglückt habe«, erinnert sich

die sympathische Memmingerin. Bald versuchte

sie sich an den ersten Pralinen. Weil

die so gut schmeckten und die Unterallgäuerin

darauin o erklären musste, wie

man solche Leckereien herstellt, lag der

Gedanke nahe, ihr selbst erarbeitetes Wissen

in Pralinenkursen weiterzugeben. Auf

ihrer Homepage bietet sie Kursthemen

über die Herstellung von Gewürz- und

Wildkräuterpralinen, Schokolade bedrucken,

Pralinen mit flüssigem Kern und das

Selbermachen von Roh kakao-Schokolade,

ihrer Spezialität, an. »Die ist weniger süß

und relativ unbekannt.« Normalerweise

werden Kakaobohnen für die Schokoladenherstellung

geröstet. Nicht so bei Roh-

28

wandern & genießen


kakao: Hier behält die Schokolade einen

intensiven, natürlichen Geschmack.

Wie wird man Schoko -

laden-Sommelière?

Doch Birgit Heel gibt nicht nur Kurse:

Nachdem sie sich mit ihrer Pralinenmanufaktur

selbstständig gemacht hat (dafür

musste sie eine sogenannte Teilmeisterprüfung

ablegen), darf sie sich nach einer

Fortbildung in Weinheim und Köln seit

2018 auch Allgäus erste Schokoladen-

Sommelière nennen – eine von nur 30

weltweit. Wie ein Wein-Sommelier ist sie

Profi auf ihrem Gebiet: »Statt nur um die

Schokoladenherstellung ging es bei der

Fortbildung um das Riechen, Schmecken,

Kombinieren.« Und neue Entwicklungen

im Auge zu haben: Wie die neue, pinke

Schokosorte »Ruby«, die seit vergangenem

Jahr in Deutschland erhältlich ist und welche

die Schoko-Expertin gleich zum Probieren

parat hat. »Die ist nicht gefärbt,

sondern erhält ihren Rosaton durch eine

neue Kakaobohne, die diese Pigmente mitbringt

und einen fruchtigeren, leicht säuerlichen

Geschmack.« Lecker!

Während die Pralinenexpertin weitere

Schokoladensorten hervorzaubert und erzählt,

wie man die Herkun einer Kakaobohne

»erschmecken« kann, wie man Pralinen

am besten lagert (im Weinschrank)

und welche Schokoladensorten zu herben

Rotwein passen (lieber dunkle als helle),

ahnt man schon, dass Teilnehmer aus Birgit

Heels Kursen nicht nur Pralinenrezepte

mitnehmen. »Ich möchte auf jeden Teilnehmer

eingehen, Tipps geben und Fragen

beantworten können – deshalb bestehen

meine Gruppen aus vier, höchstens sechs

Personen.«

Je kürzer die Liste…

Auch bei der Auswahl ihrer Zutaten und

deren Herkun setzt sie strenge Maßstäbe.

»Besonders wichtig ist mir, dass die Kakaobohnen

aus fairem Handel stammen.

Auf manchen Plantagen ist Kinderarbeit

immer noch gang und gäbe«, verrät Birgit

Heel, die selbst Mutter von zwei Söhnen

ist. Mittlerweile habe sie auch ein Bio-Zertifikat

und biete vegane Pralinen(kurse)

an. Moment, vegane Pralinen?

»Inzwischen schmecken mir manche der

veganen Sorten besser als herkömmliche«,

nickt die Schokokünstlerin. »Die Sojasahne

und Reismilch, die ich verwende,

hat einen schwächeren Eigengeschmack

Birgit Heel besitzt verschiedenste Schokosorten

(links oben). Ob Schokolade gut temperiert ist,

erkennt man am Drei-Minuten-Test (rechts oben).

Wenn sie nach dieser Zeit fest ist und glänzt, kann

man sie weiterverarbeiten. Zum Beispiel zu

hauchdünnen Pralinenschalen, die anschließend

gefüllt und versiegelt werden (Bildreihe)

als herkömmliche Milch. Das bedeutet,

dass die anderen Zutaten die Hauptrolle

spielen können, wie feiner Kakao oder eine

fruchtige Füllung.« Natürlich haben Bio-

Zutaten aus fairem Handel – idealerweise

noch aus der Region – ihren Preis. Die

entstehenden Mehrkosten gibt sie nur teilweise

an ihre Kunden und Kursteilnehmer

weiter. Aber das sind der 47-Jährigen ihre

Überzeugungen wert. »Zum Glück findet

ein Umdenken in der Gesellscha statt:

Bewusstes Genießen liegt im Trend.«

Zum Schluss hat die leidenschaliche

Schokoladen-Sommelière noch einen

Tipp, wie jeder gute Schokolade erkennt:

»Einfach einen Blick auf die Inhaltsstoffe

werfen: Je kürzer die Liste, desto hochwertiger

ist das Produkt. Wer richtig gute

Zutaten verwendet, braucht selten mehr

als fünf davon.«

www.birgit-heel.com

ä

wandern & genießen 29


Titelthema

Konditorei und Café Gerlach

in Oberstdorf

Ausgerechnet in der Metzgerstraße schlägt das süße Herz

Oberstdorfs. Konditormeister und Betriebswirt Peter Gerlach

setzt hier neue Maßstäbe in Sachen Genuss.

Peter Gerlach führt den geschmackvollen Betrieb

in zweiter Generation

Es ist eigentlich ein Wunder, dass die Gäste

das Café Gerlach zum Ladenschluss freiwillig

verlassen – und dabei noch durch

die Tür passen. Schon das Schaufenster

der Confiserie ist eine Venusfalle für

Naschkatzen: Nussecken, Mandelhörnchen

und feines Teegebäck lassen einem

das Wasser im Munde zusammenlaufen.

Wer der Versuchung erliegt und eintritt,

für den tut sich der Himmel in Form einer

langen, langen Kuchentheke auf. Über dem

Durchgang zur Kaffeebar behauptet ein

Holzschild: »Kuchen macht nicht dick, er

zieht nur die Falten glatt!« Wer hier noch

Anzeige

Berauschender Wandergenuss

Gegensätze verschmelzen im Oberallgäuer Bergdorf Ofterschwang zur

harmonischen Einheit. Die ursprüngliche Natur und die Landwirtschaft prägen

den Landstrich. Die Gemeinde liegt mit ihren 10 Ortsteilen in Terrassenlage über

dem Illertal, eingebettet in Bergwiesen und kleine Bergwaldparzellen am Fuße des

Ofterschwanger Horns. Mit 93 Kilometern Wanderwegen, attraktiven Radl-Strecken

und dem Sessellift „Weltcup-Express“ sowie dem Tiefenberger Moor ist der Ort idealer

Ausgangspunkt für aktiven Bergsport wie auch gemütliche Spaziergänge.

In direkter Nachbarschaft findet sich das Fünf-Sterne-Resort Sonnenalp für einen Luxusurlaub mit Golfzentrum

vor traumhafter Bergkulisse.

Auch die Gourmets kommen nicht zu kurz. Unter der Marke „Gutes vom Dorf“ genießen Gäste Qualitätsprodukte

aus der Region, vom Bergkäse bis zum Eis aus Ofterschwanger Milch.

www.hoernerdoerfer.de/ofterschwang

30

wandern & genießen


tapfer den Blick abwendet, verfällt dann

spätestens der Pralinenauswahl in der linken

Ecke.

Seit 47 Jahren

in Oberstdorf

Dort steht der Verursacher der Versuchung,

Peter Gerlach. Vor 17 Jahren hat

er das Geschä, welches seine Eltern 1972

ganz im Stil eines klassischen Wiener Kaffeehauses

errichteten, übernommen. Seither

hat er das Café und das Angebot der

Konditorei stetig ausgebaut. Heute steht

Oh, süße Versuchung:

In der Patisserie mit

angegliedertem Café

bleibt wirklich kein

Mund trocken. Zwei

Tonnen Schokolade

werden hier im Jahr

verarbeitet

ein engagiertes Team von 24 Mitarbeitern

hinter dem Konditormeister.

»Wir bieten die ganze Bandbreite einer modernen

Patisserie: Vom Frühstück über Kaffee

und Kuchen zum Eisbecher bis hin zum

Mittagessen.« Mittagessen? Der 49-Jährige

nickt. »Wir haben auch Burger und Flammkuchen

im Angebot.« Speck und Bergkäse

für letzteren bezieht Peter Gerlach von Bauern

aus der Umgebung, denn auf Regionalität

und Nachhaltigkeit legt er besonderen

Wert. Das spiegelt sich nicht nur in der geschmackvollen

Einrichtung wider, sondern

auch in den Zutaten, die der gebürtige Stuttgarter

für seine süßen Kreationen verwendet.

Wir man einen Blick in die Kuchentheke,

entdeckt man beispielsweise nur saisonales

Obst auf den Torten.

Kundschaft bis

in den fernen Osten

Sehr stolz ist Peter Gerlach auf die Eigenkreationen

seines Hauses, die es nur bei

ihm zu kaufen gibt. Die süßen Nebelhornspitzen,

eine Kreation seines Vaters, lässt

Gerlach alle zehn Jahre neu patentieren.

Die Fellhorngeister mit Himbeertrüffelfüllung

verschickt er über seinen Onlineshop

bis nach Japan. Das Versandgeschä

brummt besonders vor Weihnachten: »Im

letzten November haben wir über 300 Pakete

verschickt – darunter unsere patentierten

Oberstdorfer Schneeballen mit

Grand Marnier, Baumkuchen und natürlich

sehr viel Gebäck.«

Bei so einer Bandbreite an Naschwerk liegt

einem doch unwillkürlich die Frage auf

der Zunge, ob sich Peter Gerlach denn

mittlerweile an Süßspeisen stattgesehen

hat? »Nein, gar nicht. Ich esse fast jeden

Tag süß. Einem Stück Käsekuchen mit

Sahne kann ich eigentlich nie widerstehen«,

gibt der hochgewachsene, schlanke

Konditormeister zu. Vielleicht hat das

Schild über der Kuchentheke ja doch nicht

gelogen.

www.cafe-gerlach.de

ä

Anzeige

NEU

Öffentliche Führung

jeden Donnerstag

14 Uhr

Faszination Skifliegen

Exklusive Einblicke & atemberaubende Ausblicke

Barrierefreier Schrägaufzug|Turmaufzug|Kampfrichterturm

VirtualReality-Erlebnis|Erlebnisweg|Gruppenangebote

Schanzen-Bistro & Terrasse|Picknick-Bereiche

Öffnungszeiten täglich

09:30 bis 17:30 Uhr (April bis Oktober)

09:30 bis 16:30 Uhr (November bis März)

Ein spannendes Erlebnis bei jeder Witterung!

Skiflugschanze Oberstdorf

Zimmeroy 1 | D - 87561 Oberstdorf

Tel. +49 (0) 8322 / 700 - 5201

info@skiflugschanze-oberstdorf.de

www.skiflugschanze-oberstdorf.de

Betreiber: Sportstätten Oberstdorf|Roßbichlstraße 2 - 6|87561 Oberstdorf

Heini-Klopfer-Skiflugschanze

wandern & genießen 31


Titelthema

Der Zuckerzwerg in Mittelberg

Familiär und heimelig ist es im Kauaus Schall –

in dem liebevoll bestückten Dorfladen

verkau Manuela Fischer ihre süßen Kreationen.

Die drei guten Seelen im Kaufhaus Schall freuen

sich stets über Besuch. Vor ihnen tut sich der

Himmel in Form einer Pralinenschublade auf

Manchmal kommt es anders, als man

denkt: »Es hat ziemlich lange gedauert, bis

ich zu meiner Passion gefunden habe«, berichtet

Konditorin Manuela Fischer. Zuerst

schlug die gebürtige Oberallgäuerin beruflich

einen anderen Weg ein. Sie absolvierte

eine Ausbildung zur Mediengestalterin

und zur Veranstaltungskauffrau.

Doch beide Berufe erfüllten sie nicht so

recht. »Schließlich machte ich eine Lehre

zur Köchin.« In der Küche fühlte sich die

heute 36-Jährige endlich angekommen. Sie

sammelte Erfahrung in verschiedenen Restaurants

im Tannheimer Tal, München,

sogar nach Portugal zog es die junge Frau.

»In die Patisserie bin ich irgendwie reingerutscht«,

erinnert sie sich. »Sobald es

um Süßspeisen ging, kamen die Kollegen

auf mich zu: ‚Manuela, du kannst doch

gut backen‘, hieß es dann. Und irgendwann

musste ich unfreiwillig

feststellen, dass

mir das

32

richtig Spaß macht.« Probeweise arbeitete

sie in der Pralinenmanufaktur einer Bekannten.

»Da zeichnete sich allmählich ab,

in welche Richtung ich gehen möchte.«

Die Wiege

des Zuckerzwergs

Nachdem sie jahrelang ihr Wissen rund

um herzhae und süße Speisen ausgebaut

hatte, zog es Manuela Fischer zurück in

ihre Heimat, den sonnigen Lukurort Mittelberg

im Oberallgäu. Im Zentrum des

Ferienortes steht seit 1903 das traditionelle

Dorauaus Schall, das bereits seit vier

Generationen in Familienhand ist. Vor einigen

Jahren hat Manuela Fischers Familie

in den oberen Stockwerken vier Ferienwohnungen

ausgebaut. »Als es noch keinen

Penny um die Ecke gab, wurde im

Kauaus Schall alles vom Schuhbändel

bis zur Brotzeit angeboten«, erzählt die

Zuckerbäckerin. Heute bekommt man hier

zwar immer noch alles, was man für ein

gutes Frühstück braucht – dazu saisonale

Artikel, Zeitungen und liebevoll gefertigte

Erinnerungsstücke – doch mit der Auswahl

eines Discounters konnten die Fischers

nicht länger konkurrieren. »Deshalb überlegten

wir, womit wir uns hervorheben

und das Sortiment erweitern könnten.«

Gasthäuser gab es in dem kleinen Ort genug.

Also besann sich Manuela Fischer auf

ihre zweite Spezialität: die Confiserie.

Von der Praline

bis zur 3D-Torte

Der Verkauf von Feingebäck und Pralinen

ist allerdings meisterpflichtig und muss

von der Handwerkskammer anerkannt

werden. »Ich hatte Glück, dass ich meine

Arbeitserfahrung in diesem Bereich durch

Zeugnisse nachweisen konnte. Sonst wäre

es ein steiniger Weg zur Meisterprüfung

geworden.«

Im Jahr 2016 war es so weit: Als frisch -

gebackene Konditormeisterin konnte sie

offiziell ihre Konditorei »Zuckerzwerg« im

Untergeschoss des Dorfladens eröffnen.

Heute bäckt sie den ganzen Sommer über

Motivtorten für Hochzeiten und Kuchen

für Läden und Kioske in der Umgebung.

Im Winter boomt vor allem das Geschä

mit ihren Pralinen und Schokoladenfiguren.

Besonders stolz ist Manuela Fischer

darauf, wie schnell sich ihr junges Geschä

im Allgäu etabliert hat. Für ihre Pralinenkurse

hatte sie noch gar nicht richtig die

Werbetrommel gerührt, als die ersten An-

wandern & genießen


Fotos: Manuela Fischer, Viola Elgaß, Peter Gerlach, Ramona Klein

fragen eintrudelten. »Vor allem für Junggesellenabschiede

sind die Kurse gefragt.«

Für einen Männerabend bekam sie auch

schon die Anfrage, ob es denn möglich

sei, Bierpralinen zu machen – kein Problem,

so die Mittelbergerin. »Im Schokoladenhandwerk

ist fast alles möglich.«

Erleichterung ist die

Torte auf dem Tisch

Fragt man die 36-Jährige, was ihr bei der

Arbeit am besten gefällt, kommt die Antwort

schnell: »Die Freiheit, geschmacklich

und gestalterisch kreativ zu sein. Das war

es, was mich überhaupt in die Küche getrieben

hat und weshalb ich auch heute

noch gerne am Herd stehe.« Was die kreative

Freiheit angeht, hat sie sich auch schon

ordentlich ausgetobt: 80 Sorten Pralinen

hat sie in petto, davon sind meist zehn bis

zwanzig im Dorfladen vorrätig.

Und das Herausforderndste am Beruf?

Manuela Fischer muss schmunzeln: »Der

Transport der Hochzeitstorten. Ich habe

zwar immer ein ‚Erste-Hilfe-Kit‘ dabei –

aber trotzdem ist es jedes Mal eine Erleichterung,

wenn die Torte endlich auf dem

Tisch steht.«

www.zucker-zwerg.de Viola Elgaß

Köstliche Kuchen und

traumhafte Torten

bäckt Manuela Fischer

für Geschäfte in der

Region, aber auch für

Geburtstagsfeiern und

Hochzeiten

Landhaus

BURGSCHROFEN

=

In Obermaiselstein

WOHNAMBIENTE.WEIN.WOHNEN

Mathilde Thoma

Burgschrofenweg 26

87538 Obermaiselstein

Te. 08326.7286

www.landhaus-burgschrofen.de

Öffnungszeiten: Mi - Fr 15 - 19

Uhr

Sa 17 - 18 Uhr

Kunst im Gartenhaus

Alpsommer

18. Juli - 22. August 2019

Sabine Ziegler

Aquarell - Öl

www.zielger-art.de

Am 18. + 19. Juli ist die Künstlerin zu

den Öffnungszeiten anwesend

wandern & genießen 33


Geniessen

1

5

Gaumenfreuden en masse

Schatzkarte für

Schmankerljäger

8

Das Allgäu hat mit seiner Landscha nicht nur den Augen

etwas zu bieten, sondern auch dem Gaumen mit zahlreichen

Köstlichkeiten. Die Köche der Region tischen in ihren Restaurants

groß auf und bieten mehr als nur die bekannten Kässpatzn.

Wir haben ein paar Lokale für Sie zusammengestellt,

bei denen garantiert jeder sitt, satt und glücklich wird.

9

2

6

3

7

1

Memmingen

3

Oberstaufen

5

Mindelheim

Weber am Bach

Erlesene Weine, internationale Kreationen

aber auch regionale Küche – das macht den

Weber am Bach aus. So vielfältig wie das

kulinarische Angebot des Restaurants, ist

auch die Lokalität an sich: Jeder der fünf

Räume bietet ein anderes Ambiente, aber

alle laden zu einem gemütlichen Essen ein.

Untere Bachgasse 2, 87700 Memmingen

www.weber-am-bach.de

2

Maierhöfen

Naturlandhaus Krone

Frisch, regional und saisonal – so genießt

man in der Krone. Dazu werden weitestgehend

Produkte aus der Umgebung und dem

eigenen Gemüse- und Kräutergarten verwendet.

Auch Öle, Gewürze und Fonds

werden hier noch selbst hergestellt. Ein Produkt

aus der Tüte kommt dem Koch nicht

in die Tüte. Genießen lassen sich die Kreationen

in heimeliger Atmosphäse, die pure

Gemütlichkeit ausstrahlt.

Kirchweg 2, 88167 Maierhöfen

www.naturlandhaus-krone.de

Dorfhaus Thalkirchdorf

Das Doraus ist wahrlich der Mittelpunkt

des Lebens in alkirchdorf. Es ist nämlich

nicht nur ein Hotel und Restaurant, sondern

es umfasst auch einen Tante-Emma-

Laden und eine Käserei. Letztere liefert vieles,

was im Restaurant auf den Tisch

kommt. Und dort kann man nicht nur zwischen

vielen Speisen wählen, sondern auch

in welchem Ambiente man essen möchte –

hier gibt es die Wahl zwischen urig und gemütlich

sowie modern und elegant.

Kirchdorfer Straße 5, 87534 Oberstaufen

www.doraus.de

4

Pfronten

Braugasthof Falkenstein

Tradition und Gemütlichkeit, der Du von

Hopfen und Malz, glänzende Kupfersudkessel

und dazu leckeres Essen: Hier ist Wohlfühlen

garantiert. Die Küche bietet heimische

Spezialitäten, die mit Frische und Qualität

überzeugen. Dazu ein selbstgebrautes

Bier – was will man mehr?

Allgäuer Straße 28, 87459 Pfronten

www.braugasthof-falkenstein.de

Kunstmühle

In dem Hotel und Gasthaus lässt es sich

prima wohnen, essen und genießen. Das

geschmackvoll eingerichtete Restaurant

überzeugt mit kulinarischen Highlights der

mediterranen Küche und südamerikanischen

Steaks. Aber natürlich kommen auch

Liebhaber deutscher »Schmakerl« auf ihre

Kosten.

Hermelestraße 19, 87719 Mindelheim

www.kunstmuehle-mn.de

6

Stiefenhofen

Landgasthof Rössle

Hier kann man eine natürliche Küche genießen

und das ist im wahrsten Sinne des

Wortes, denn vieles was in der Küche verarbeitet

wird, wächst im hauseigenen Kräutergarten.

Alles was sonst benötigt wird,

wird vorzugsweise regional bezogen. So entstehen

leckere schwäbsiche und Allgäuer

Gerichte sowie Variationen von heimischen

Wild und Fisch.

Hauptstraße 14, 88167 Stiefenhofen

www.roessle.net

34

wandern & genießen


Anzeigen

7

Oerschwang

4

freistil.

Regionale Klasse statt internationaler

Masse – das ist das

Motto des À-la-carte-

Restaurants im Alpenhotel

Dora. So

unterschiedlich die

Geschmäcker der Gäste

sind, so abwechslungsreich ist

auch die Karte, denn die ändert

sich alle paar Wochen und präsentiert

immer wieder neue bodenständige, modern

interpretierte Gerichte.

Schweineberg 20, 87527 Oerschwang

www.kiehnes-freistil.de

INTERNATIONALE KÜCHE

Unmittelbar neben der Kartause finden Sie bei uns

jugoslawische, italienische und deutsche Spezialitäten.

Busse sind herzlich Willkommen!

Parkmöglichkeiten stehen vor dem Haus zur Verfügung.

Wir bitten freundlich um vorherige Anmeldung.

Unsere Öffnungszeiten:

täglich von 11.30-14.00 Uhr und 17.00-22.00 Uhr

Mittwoch Ruhetag

8

Kempten

Brauereigaststätte zum Stift

Es ist die Traditionsgaststätte des Allgäuer

Brauhauses und seit über 100 Jahre eine feste

Institution. Hinter der neubarocken Fassade

warten allgäuerisch-bayrische Schmankerl

auf die Gäste, sowie wechselnde Mittagsgerichte

und Bier vom Fass oder aus der Flasche.

Im Sommer lädt vor allem der Biergarten

zum Verweilen und Genießen ein.

Stisplatz 1, 87439 Kempten

www.zum-sti.de

9

Lindau

Valentin

Wenn regionale Produkte auf internationale

Gerichte treffen, dann ist man in einem

der besten Restaurants in Lindau. Hier finden

Fleisch- und Fischliebhaber allerhand,

aber auch Vegetarier kommen in den Genuss

des überregionalen, gehobenen Küchenstils.

Weine von kleinen Winzern vom

Bodensee und Bier aus der Nähe runden

das Geschmackserlebnis ab.

In der Grub 28A,

88131 Lindau (Bodensee)

www.valentin-lindau.de

Fotos: Pixabay

An der Kartause 2 | 87740 Buxheim | Tel. 0 83 31 / 72 69 0

www.gasthaus-sonne.net

Besterhaltenes ehemaliges Kartäuserkloster

Deutschlands, drei barocke Kirchen der Gebrüder

Zimmermann, weltberühmtes hochbarockes

Chorgestühl, neu gestaltetes Kartausenmuseum

und Sakralmuseum

Öffnungszeiten:

1. April - 1. November:

täglich 10 - 17 Uhr,

Jeden Sonntag 14 Uhr

Gästeführung

2. November - 31. März

geschlossen

Führungen nach Vereinbarung

immer möglich

KARTAUSE BUXHEIM und

DEUTSCHES KARTAUSEN-

MUSEUM

87740 BUXHEIM BEI MEMMINGEN

Kontakt:

Heimatdienst Buxheim e.V.

87740 Buxheim

Tel: 08331/ 61804

Fax: 08331/963429

E-Mail: info@

heimatdienst-buxheim.de

www.kartausebuxheim.de

wandern & genießen 35


Genießen

Schrothkur in Oberstaufen – heilsam, aber anspruchsvoll

Verschwitzt

und zugedeckt

Für Oberstaufen ist sie ein Wahrzeichen wie Neuschwanstein für Schwangau:

die Schrothkur. Das nicht ganz unumstrittene Naturheilverfahren entgiet den

Körper – und nebenbei nimmt man ab. Mitunter ist es auch eine ganz schöne

Qual. In der Rosenalp dure ich einen Tag lang »Schrothkurlu« schnuppern.

36

wandern & genießen


Die Frau, die mich ins Schwitzen bringen wird, schleicht

um 4.18 Uhr ins Zimmer. Immerhin bringt sie eine

angenehm duende Tasse Tee mit – eine Art Friedensangebot,

vermute ich, durchaus sinnvoll, wenn man Menschen

zu dieser Stunde aus dem wohlig warmen Bett scheucht.

Aber Helga Richter, so der Name der frühen Besucherin, macht

das – entgegen vieler gegenteiliger Vermutungen, die ich in Kürze

treffen werde – nicht aus Bosheit. Die 33-Jährige ist Packerin.

Noch nie gehört? Das kommt wahrscheinlich davon, dass es den

Beruf in dieser Form fast nur im Allgäu gibt – genauer gesagt, in

Oberstaufen, dem weltweit einzigen Schroth-Heilbad. Das Bett,

das ich gerade schlarunken verlassen habe, steht in einem

behaglich eingerichteten Zimmer in der Rosenalp – einem Hotel

und Gesundheitsressort in Oberstaufen, in dem die Schrothkur

seit fast 50 Jahren angeboten wird.

Am Anfang stand ein Pferdetritt

Schrothkur, das lässt zunächst viele Leute misstrauisch an eine

Körnerdiät denken. Sie geht aber namentlich auf den schlesischen

Fuhrmann und Naturheilkundigen Johann Schroth zurück. 1817

wurde dessen Kniegelenk verletzt, als eines seiner Fuhrpferde

ausschlug. In Niederlindewiese, einem kleinen Ort im ehemaligen

Sudetenland, behandelte er die versteie Verletzung erfolgreich

mit nasskalten Umschlägen, die sich nach einiger Zeit erwärmten.

Zugleich beobachtete er bei seinen Tieren, dass diese ihr Fressen

verweigerten und das Trinken einschränkten, wenn sie krank

waren. In diesem »Fasten« vermutete Schroth eine Beschleunigung

der Selbstheilungsprozesse, da durch die Verwertung von

Nahrung immer Energie im Körper gebunden wird. Auf diesen

Erfahrungen beruhend entwickelte er die Schrothkur als Naturheilverfahren,

das den Körper dazu antreibt, sich selbst zu heilen

und die Abwehrkräe zu steigern.

Durch den Zweiten Weltkrieg und dem damit verbundenen

Flüchtlingsstrom in den Westen verlor die Schrothkur ihre angestammte

Heimat in Niederlindewiese. Dr. med. Hermann Brosig

brachte 1947 sein Wissen und den tiefen Glauben an die Heilkra

der Kur nach Oberstaufen, wo ihn die reizvolle Landscha und

das wohltuende Klima begeisterten. Der hohe Freizeit- und Erholungswert

des Ortes vor den Alpengipfeln erschien ihm ideal

als neue Heimat der Schrothkur. Am 11. Januar 1949 stand der

erste Schrothkurgast am Bahnhof. Tausende folgten ihm. Ihr

Wohlergehen garantiert der hiesige Schrothverband. Er bildet

die Packerinnen aus, verleiht die Schrothplakette, kontrolliert die

Hotelküchen. Durch die strengen Richtlinien des Verbands fühlt

sich Oberstaufen den Säulen der Schrothkur, dem Fasten, dem

Wechsel von Trink- und Trockentagen, Ruhe und Bewegung und

den berühmt-berüchtigten Schwitzpackungen verpflichtet.

Ohne Schweiß kein Preis

Letztere steht mir nun bevor. Etwas misstrauisch beäuge ich

Helga, wie sie mein Bett für die Packung vorbereitet. Wie Frau

Holle schüttelt sie ein Laken nach dem anderen aus, verteilt

Wärmflaschen und erzählt von ihrem Alltag als Schroth- ä

wandern & genießen 37


Genießen

38

kur-Packerin. In der Rosenalp arbeiten sie zu dritt, und das fast

jede Nacht. Helga packt heute 13 Gäste ein und wieder aus,

kocht Tee, macht Tücher nass. Einige hartgesottene »Schrothler«,

die seit 30 Jahren wiederkommen, wollen, dass sie das feuchte

Tuch vorher nach draußen legt, damit es »richtig schön kalt

ist«. Manche möchten noch eine Weile weiterschwitzen, wenn

sie zum Auswickeln erscheint – dann kommt Helga später wieder.

Das gehört zum Beruf.

Wegen der nächtlichen Arbeitszeiten ist der vor allem für Teilzeitarbeiter

und Mütter attraktiv. So war es auch bei Helga.

Eigentlich ist sie gelernte Hauswirtschaftshelferin und Einzelhandelskauffrau.

»Aber als die Kinder kamen, klappte das zeitlich

nicht mehr.« Also machte die Allgäuerin eine Umschulung

zur Packerin. Das heißt, nachts arbeiten, tagsüber für die Kinder

da sein. »Wenn die Jüngste in ein paar Jahren in die Schule

geht, darf ich ab und zu auch wieder schlafen«, lacht die 33-

Jährige. Eines muss man ihr lassen – den Knochenjob, den sie

seit mittlerweile fünf Jahren macht, sieht man ihr nicht an.

Selbst um halb fünf Uhr morgens und als zerknitterter Langschläfer

ist es nahezu unmöglich, sich nicht von ihrer herzlichen

Art vereinnahmen zu lassen. Ich schöpfe neuen Mut – was soll

mir so eine sympathische Person schon antun – und lasse mich

auf das nasskalte Laken auf dem Bett sinken, welches Helga sogleich

flink um mich schlägt. Brrr! Meine zertifizierte Menscheneinwicklerin

nickt verständnisvoll, dann packt sie mir eine

Wärmeflasche auf den Bauch – »für die Leber«, wie sie sagt –

und eine trockene Decke darüber. Und noch eine. Und noch

eine. Schließlich kann ich kaum noch über den Berg aus Decken

über meine Brust hinübergucken. Aber immerhin – das klamme

Gefühl verfliegt bereits. Wie lange ich mir die Packung zutraue,

fragt Helga. »Och, ich richte mich ganz nach Ihrem Zeitplan«,

erwidere ich selbstsicher. Insgeheim frage ich mich bereits, was

an dieser gemütlichen Packung so kräftezehrend sein soll. Die

Packerin lächelt wissend. »Ich komme in einer Stunde wieder«,

verkündet sie und ist auch schon verschwunden.

900 Gäste pro Jahr

Allmählich macht sich Wärme in meinem Körper breit. Da

meine Gliedmaßen bewegungsunfähig sind, bleibt mir nicht

viel, als nachzudenken. Über das Abendessen zum Beispiel –

Gemüsestrudel mit Walnüssen und Brokkoli mit Lauchsoße

gab es. Was die Kost betrifft, geht es den Schrothlern heutzutage

besser als früher – da gab es häufig nur gedünstetes Gemüse

oder Rohkost. Inzwischen haben die Oberstaufener Köche eine

ganze Reihe von veganen Gerichten kreiert, denen man das

wandern & genießen


In der herrlich gelegenen

Rosenalp wird der

Fokus auf Gesundheit

und Wellness gelegt.

Jährlich kommen rund

900 Schrothkurgäste

Fotos: Allgäuer Rosenalp GmbH & Co.KG **** Superior, Oberstaufen Tourismus Marketing GmbH, Claudia Schöwe, Viola Elgaß

Gesundheitsresort & Spa Rosenalp

Die Rosenalp ist ein Familienbetrieb, in dem sich gleich drei

Generationen um das Wohl ihrer Gäste bemühen. Senior-Chefin

Rita Schädler legte mit ihrem Mann Walter den Grundstein

für die Rosenalp-Erfolgsgeschichte. Sie gilt als Schroth-Pionierin

und bot bereits in den frühen Sechzigerjahren die Kur an.

Über 50 Jahre später bietet die Rosenalp als 4 Sterne superior

Hotel ihren Gästen zeitgemäßen Komfort. Zwar haben mittlerweile

die nächsten Generationen den Betrieb übernommen,

den inhaltlichen Schwerpunkt hat das Haus jedoch beibehalten

und ausgebaut: Das 150 Betten-Gesundheitsresort bietet neben

der Schroth’schen Kur auch Heil- und Basenfasten an. Mit einer

hoteleigenen Arztpraxis, einem Physiotherapie-Team, einer

Naturheilpraxis und Reha-Konzepten ist das Gesundheitsangebot

in der Rosenalp breit gefächert. Dabei ist der familiäre

Charme des wachsenden Hauses nie verloren gegangen. Rita

Schädler begrüßt die Gäste an der Rezeption bis heute persönlich

– falls ihr Familienhund Max nicht zuvorkommt.

www.rosenalp.de

Die Schrothkur darf

nur unter ärtzlicher

Aufsicht durchgeführt

werden. Praktisch:

Dr. Cornelia Wörners

Praxis befindet sich

direkt im Hotel

fehlende Salz kaum anmerkt. Auch, wenn die Portionsgröße

insbesondere bei männlichen Gästen regelmäßig Anflüge von

Galgenhumor auslöst. Daher hat ein Großteil der Schrothkurbetriebe

– so auch die Rosenalp – einen extra Servierraum nur

für fastende Kurgäste. So muss keiner über den Tellerrand seiner

Pflaumensuppe auf das Schnitzel vom Tischnachbarn blicken.

Das Einzige, was mir bei der Schroth’schen Diät fehlt, ist der

Kaffee. Der ist als »Genussgift« verboten. Dabei könnte ich gerade

jetzt einen brauchen. Ich werde schläfrig, soll laut Helga

aber wach bleiben, um ordentlich zu schwitzen.

Zum Glück ist meine Kollegin Claudia anwesend. Sie hat mich

in die Rosenalp begleitet, um mich in der Packung abzulichten

(keine »Selfies« ohne Arme) und musste daher genauso früh

aufstehen wie ich – nachdem wir jedoch am Vorabend ausgiebig

den luxuriösen Spabereich erkunden durften, findet sie, dass

das ein kleines Opfer ist. Neben einem Schwimmbad mit beheiztem

Außenbecken wartet die Rosenalp unter anderem mit

zwei Saunen und einem Dampfbad auf – da kann man kaum

glauben, dass die meisten Gäste kommen, um kalorienreduzierte

Kost zu futtern und sich nachts in nasse Tücher einwickeln zu

lassen – zumindest, was die Schrothkurgäste betrifft. Doch rund

900 Gäste kommen genau dafür jährlich in die Rosenalp. Neben

dieser bieten über 50 weitere Oberstaufener Häuser, vom Kurheim

bis zum Wellnesshotel, die Kur an – viele haben Stammgäste.

Im idyllischen Schroth-Heilbad können sie fasten, entgiften

und relaxen – zu sich selbst finden. In der Schroth’schen

Packung haben sie ja reichlich Zeit dafür.

Keine Kur ohne Kurarzt

»In der Regel bleiben die Patienten eineinhalb bis zwei Stunden in

der Packung«, hat mir die Kurärztin Cornelia Wörner bei unserem

Gespräch verraten. »In dieser Zeit kommt es zu einem Temperaturanstieg

und der Stoffwechsel wird angeregt. Das schwemmt

unerwünschte Gistoffe aus – und Sie verbrennen Kalorien.« Die

Fach- und Badeärztin betreibt ihre Praxis direkt in der Rosenalp.

Gäste, die eine Schrothkur machen wollen, lassen sich zunächst

von ihr untersuchen, um Risikofaktoren wie schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen

oder akute Infektionen auszuschließen. Durch

die Lage ihrer Praxis im hoteleigenen Gesundheitszentrum hat

Dr. Wörner die Möglichkeit, ihre Patienten medizinisch durch die

Kur zu begleiten. Sie erstellt die individuellen Kurpläne für jeden

Gast, schließt Allergien beim Speiseplan aus und bestimmt die

Dauer, die die Gäste »im Schwitzkasten« verbringen.

Ihre Schrothkur-Patienten unterscheidet sie in zwei Gruppen. Die

einen kommen, um ihre Beschwerden zu lindern: »Insbe- ä

wandern & genießen 39


Genießen

Vor der Schrothkur fürchten viele das

Hungergefühl. Die Portionen sind

zwar klein, doch zur Kur gehört auch

das Maßnehmen und Erkennen, dass

der Körper mit weniger auskommt

Die vier Säulen der

original Oberstaufener Schrothkur

1. Die Schroth'sche Diät

Die Schroth'sche Kost basiert auf den ur -

alten Prinzipen des Heilfastens: Das Essen

ist salzfrei, reizarm und basisch, ohne tierisches

Eiweiß und Fett. Täglich werden

dem Körper weniger als 1000 Kalorien zugeführt.

Damit gilt die Schrothkur als unterkalorische

Diät, die von einem Kurarzt

begleitet werden muss.

2. Die Schroth'schen Schwitzpackungen

Feuchtkalte Ganzkörperwickel in den frühen

Morgenstunden, auf die der Körper

mit Temperaturanstieg und Ausschwitzen

von Stoffwechselrückständen reagiert. Den

Packungen wird eine schmerzlindernde,

entzündungshemmende Wirkung nachgesagt.

Das Hautbild verbessert sich und das

Bindegewebe wird gestärkt.

3. Trink- und Trockentage

Der tägliche Wechsel der kurärztlich verordneten

Trinkmenge führt zu einer »Gewebsdrainage«

– wie bei einem Schwamm, der

durch mehrmaliges Tunken ins Wasser und

anschließendes Ausdrücken gereinigt wird.

Erlaubt ist neben Mineralwasser, Tee und

Säen auch trockener Kurwein in moderaten

Mengen. Er ist jedoch keine Pflicht.

4. Ruhe und Bewegung

Dieser Wechsel im Zusammenhang mit der

täglichen Trinkmenge unterstützt den Entgiungsprozess.

Trockentag bedeutet Ruhephase:

Massage und Spaziergänge bauen

Stress ab. Die moderate Bewegung an den

Trinktagen, wie beim Nordic Walking, Golfen

oder Wandern regt den Stoffwechsel an

und sorgt für zusätzlichen Fettabbau.

sondere bei Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Rheuma,

Arthrose und Diabetes kann eine Schrothkur Wunder wirken.«

Die zweite Gruppe wird stetig jünger: »Immer mehr Menschen

machen die Schrothkur, um einem Burn Out vorzubeugen oder

präventiv etwas für ihre Gesundheit zu tun«, erklärt die Kurärztin.

Eine gezielte Auszeit, um wieder auf den Pfad der Gesundheit zurückzufinden.

Dass die Schrothkur einige Pfunde purzeln lässt,

sei natürlich ein angenehmer Nebeneffekt.

Schweben und Schwitzen

Ein neues Körper- und Gesundheitsgefühl, Gewichtsreduktion,

ein gestärktes Immunsystem, ein verbessertes Hautbild. All das

sind medizinisch überzeugende Argumente für eine Schrothkur

– doch nach gerade einmal einer halben Stunde in der »Schwitzpackung«

bin ich alles andere als überzeugt, dass dieser Selbsttest

eine gute Idee ist. Nachdem mein Repertoire an Posen stark eingeschränkt

war, hat Claudia mehr als genug Fotos im Kasten. Nun

sitzt sie die Zeit mit mir ab. Und die dehnt sich ganz schön aus in

der Packung. Genau wie meine Poren. Die Wärmekissen und der

Tee haben meine innere Saune aktiviert – und die bollert nun unaualtsam

vor sich hin.

Mir ist heiß. Ich schwitze. Eine Haarsträhne kitzelt mich, doch ich

kann mich nicht rühren. Mein Kreislauf meldet sich. Ich versuche,

dem mit Entspannung gegenzuwirken. Versuche, der Packung

geistig zu entschweben. Ich schwebe nicht, ich schwitze. Und ich

fühle mich wie ein mumifiziertes Weichei. Meine Kollegin Claudia

ernenne ich zur Zeitansagerin (o!), Cheerleaderin und zum Kummerkasten.

Sie erträgt es mit Fassung und entfernt sogar die Haarsträhne

aus meinem Gesicht. Dann beginnt sie, neben mir in

einem Magazin zu blättern. Ich erwische mich dabei, dass ich

jedem Luhauch, den das Umblättern der Seiten verursacht, entgegenfiebere.

»Wie lange braucht sie denn für diese Seite?«, ärgere

wandern & genießen


ich mich, als sie bei einem Artikel länger verharrt. Helga, wo bleibt

nur Helga? Als die Tür aufgeht, entfährt mir ein »Gott sei Dank«.

Der beste Schlaf des Lebens

»Sie haben aber gut geschwitzt«, lobt sie, als sie mich aus meinem

Käfig aus Laken befreit. Ich lächle kläglich. Tiefen Respekt habe

ich vor den Schrothlern gewonnen, die zwei Stunden und länger

in der Packung ausharren. »Das erste Mal ist immer das unangenehmste«,

beschwichtigt mich die Packerin. »Und jetzt kommt

der schöne Teil: das Nachruhen.« Der Schlaf nach der Packung

wird von vielen Schrothkurgästen als der erholsamste ihres Lebens

beschrieben. Nachdem Helga sich verabschiedet hat, lasse ich

mich auf die Matratze sinken.

Schon in ein paar Stunden werde ich erstaunt im Badezimmer

feststellen, wie gut diese einzige Schroth’sche Packung meiner

Haut getan hat. Zum Mittagessen erneut überrascht sein, wie

schmackha salzlose Kost sein kann. Und in Erwägung ziehen,

ob mir und meinem Körper eine zweiwöchige Schrothkur – mindestens

so lange sollte man sich Zeit nehmen, um Effekte zu er-

Auf Schroth-Tour

Von April bis Mitte Oktober bietet das Tourismusbüro in Oberstaufen

eine Stadtwanderung mit »Johann Schroth« (gespielt

von Wanderführer eo Palecek) an. Der berichtet auf amüsante

Weise, wie die vier Säulen seines Naturheilverfahrens

entstanden und sich die Kur später in Oberstaufen etablierte.

Die Tour findet jeden Donnerstag um 14 Uhr statt. Anmeldung

am Vortag bis 16 Uhr unter Tel. 08386 93000 oder per E-Mail:

info@oberstaufen.de. Treffpunkt ist die Tourist-Info im Haus

des Gastes, Hugo-von-Königsegg-Str. 8, 87534 Oberstaufen.

zielen, behauptet die Kurärztin – nicht doch ganz gut tun würde.

Doch jetzt noch nicht. Jetzt schließe ich die Augen. Und erwarte

den erholsamsten Schlaf meines Lebens.

Viola Elgaß

Anzeige

WWW. AQUARIA.DE

wandern & genießen 41


Kultur

Immenstadt, Lindau, Marktoberdorf

Stadtverführungen

im Allgäu

So umwerfend und »wanderbar« die Landschaen und Berge des Allgäus

auch sind, manchmal muss man den Bergschuhen eine Pause gönnen:

Dann wird es Zeit, die kulturreichen Städte des Allgäus zu erkunden.

Drei besonders reizvolle Orte stellen wir Ihnen auf diesen Seiten vor.

42

wandern & genießen


Bummeln im »Städtle«: Immenstadt

14.000 Einwohner

Fotos: Peter Elgaß, Viola Elgaß, Ramona Klein, Frederique Uhring, Christoph Jorda, Hari Pulko/Lindau Tourismus

Stadt, Land, See – das »Städtle« hat viel zu bieten:

Es ist Ausgangspunkt des historischen Salzzuges

vor dem Immenstädter Schloss (links) und bietet

vielfätige Möglichkeiten für Outdoor-Sportler

Die älteste Stadt im Oberallgäu verführt

mit Vielfalt: Die Lage am Alpsee, der historische

Ortskern mit Stadtschloss, künstlerisch

gestaltete Brunnen und Plätze sowie

zahlreiche Freizeitangebote machen

Immenstadt – von den Einheimischen liebevoll

»Städtle« genannt – zu einem beliebten

Urlaubsziel. Erstmals im Jahre 1275

urkundlich als Ymmendorff erwähnt,

wurde der Ort im Jahre 1360 mit dem

Stadtrecht ausgestattet.

Das mittelalterliche Herz Immenstadts ist

der Marienplatz: Er wird durch das restaurierte

Schloss geprägt und lädt mit kleinen

Geschäen, Cafés und Eisdielen zum

Verweilen ein. An schönen Tagen pulsiert

hier das Leben bis in den späten Abend.

Samstagmorgen ist hier Markttag, mit frischem

Obst, Brot und Käse aus der Region.

Von der namensgebenden Mariensäule am

Brunnen aus erreicht man rundherum

eine Vielzahl an historischen Gebäuden,

Brunnen und Skulpturen. Diese lassen sich

sehr gut mit Hilfe des Immenstädter Altstadtführers

entdecken, der unter anderem

im Bürgerbüro – nur einen Steinwurf vom

Marienplatz entfernt – erhältlich ist.

Ebenfalls in Spaziernähe der Stadt liegt

der Ortsteil Bühl am Großen Alpsee. Der

heißt nicht nur so, sondern ist tatsächlich

ziemlich groß: Mit zweieinhalb Quadratkilometern

ist er der größte Natursee im

Allgäu und gehört somit zweifellos zu den

wichtigsten Sehenswürdigkeiten (und beliebtesten

Fotomotiven) der Region.

Durch den direkten Anschluss an den Naturpark

Nagelfluhkette befindet man sich

hier in perfekter Ausgangslage für zahlreiche

Outdoor-Aktivitäten wie Wandern,

Radfahren oder Wassersport aller Art

(mehr zur familienfreundlichen »Naturerlebnisstation

Alpsee« finden Sie auf den

Seiten 90 bis 91).

Ein weiterer sehenswerter, etwas entfernterer

Ortsteil von Immenstadt ist Diepolz.

Ein Ausflug in das dortige Allgäuer Bergbauernmuseum

ist in jeder Hinsicht ein

Höhepunkt. Das auf über 1000 Metern gelegene

Freilichtmuseum entführt den Besucher

vor einer traumhaen Bergkulisse

in das entbehrungsreiche Leben der Bergbauern

vor 200 Jahren. emen »rund um

die Kuh« und die Milchwirtscha im Allgäu

werden veranschaulicht: Der Weg vom

Gras zur Milch wird im begehbaren Kuhmagen

»begreiar«, die Situation auf einem

real bewirtschaeten Bauernhof erlebbar.

ä

Nicht verpassen:

- Am Samstag, 13. Juli von 14 bis 24 Uhr

und am Sonntag, 14. Juli von 11 bis 18

Uhr findet in Immenstadt das Gauklerfestival

»Jahrmarkt der Träume« statt.

Straßenkünstler, Musikanten, Akrobaten

und Zauberer verwandeln die städtischen

Gassen in ein magisches Freilutheater.

- Der Große Alpsee unweit vom »Städtle«

ist eigentlich immer einen Ausflug wert.

Ganz besonders aber am 27. Juli: Ab 18

Uhr findet das Bühler Seenachtsfest mit

musikalischem Klangfeuerwerk am

Ostufer statt. Bei Schlechtwetter wird

das Fest auf den 3. August verschoben.

- Im Sommer, immer dienstags ab 15

Uhr, ist der Marienplatz Ausgangspunkt

für Stadtführungen. Anmelden

kann man sich für fünf Euro bei der

Tourist-Info oder vor Ort.

wandern & genießen 43


Kultur

Reif für die Insel: Lindau

25.000 Einwohner

Ein glasklarer See, im Hintergrund noch

schneebedeckte Berge, grünes, hügeliges

Umland und mittendrin eine historische

Insel – Lindau ist bekannt für sein malerisches

Ambiente. Gleichzeitig bietet die mediterrane

Insel- und Gartenstadt die idealen

Zutaten für eine Auszeit vom Alltag.

Am östlichen Bodenseeufer im Dreiländereck

Deutschland, Österreich, Schweiz

befindet sich das knapp 70 Hektar große

Eiland: Lindau im Bodensee. Während die

Altstadt mit etwa 3000 Einwohnern

rundum von Wasser umgeben ist, erstreckt

sich das Lindauer Festland, auf dem etwa

weitere 22.000 Menschen leben, zwölf

Kilometer entlang des Ufers.

Mit ihren belebten Plätzen und verwinkelten

Gassen versprüht die Altstadt auf

der Insel einen besonderen Charme – von

der Maximilianstraße mit ihren Patrizierhäusern

über das Alte Rathaus mit der

bemalten Fassade bis hin zur weitbekannten

Lindauer Hafeneinfahrt, hinter der

Lindau im Bodensee

bietet Erlebnisse zu

Land und zu Wasser.

Insbesondere die Parkanlagen

auf der Insel

und die weitbekannte

Hafeneinfahrt sind

äußerst sehenswert

Fotos: Hari Pulko/Lindau Tourismus, Wolfgang Scham/Bodenseegärten

Nicht verpassen:

- Als Lindaus Kulturhighlight 2019 ist

bis zum 29. September im Kunstmuseum

Ehemalige Hauptpost eine

Ausstellung mit Werken von Friedensreich

Hundertwasser zu sehen.

- Vom 20. bis 23. Juni finden in Lindau

die Seglertage statt, in deren Rahmen

auch die Langstrecken-Nacht-Regatta

»Rund Um« ausgetragen wird. Für die

Zuschauer an Land wird ein Festprogramm

geboten: ein maritimer Flohmarkt,

Musik und Schmackhaes.

- Am 5. und 6. Juli laden zwölf Winzer

der Bodenseeregion zum Festival

»Komm & See« ein: Mit dem Shuttle -

bus können Liebhaber des feinen

Traubensas in geselliger Atmosphäre

von einem Weingut zum nächsten

fahren.

sich ein beeindruckendes Alpen- und

Bodenseepanorama eröffnet. Doch auch

abseits der klassischen Sehenswürdigkeiten

gibt es viel zu entdecken: urige Bauten

und entzückende Läden – Orte, an denen

sich Altes mit Neuem authentisch vermischt.

Im Sommer laden die Strandbäder

der Umgebung zum Abkühlen ein: Ein

Geheimtipp ist das Lindenhoad im

Ortsteil Bad Schachen. Das Leben am

Wasser lässt sich jedoch auf viele Arten

genießen: Warum nicht einmal die Ruhe

und Weite des Bodensees bei einer Kanuoder

Stand-Up-Paddling-Tour auf sich

wirken lassen, auf einem Segelboot dem

Alltag entfliehen oder bei einer Panoramaschifffahrt

das Dreiländereck vom

Wasser aus erkunden?

Ergänzend dazu wartet die Inselstadt mit

einem facettenreichen Kulturangebot auf.

Einzigartig ist die Lindauer Marionettenoper:

Dort tanzen aufwändig handgearbeitete

Puppen anmutig zur Musik. Konzerte,

eater, Kleinkunst- und Kabarettveranstaltungen

findet man in zahlreichen

Spielstätten Lindaus. Nicht zuletzt wartet

in nächster Nähe der Kulturklassiker

schlechthin – die Bregenzer Festspiele, die

jährlich fünf Wochen im Juli und August

auf der größten Seebühne der Welt unzählige

Besucher in Staunen versetzen.

Anzeige

Wir sind dann mal draußen!

Das Lesepaket exklusiv für alle Outdoor-Begeisterten

7 Outdoor-Zeitschriften im Paket für nur € 16,50 / Monat.

Sie sparen 45% gegenüber dem Einzelkauf am Kiosk.

GRATIS-PRÄMIE: Fitness-Armband

von POLLIX mit integrierter Pulsuhr

Im Engelfeld 16 – 87509 Immenstadt

Direkt online bestellen auf www.stafette-lesezirkel.de/aktiv oder telefonisch: +49 (0)8323 6068

44

wandern & genießen


Stadtgeschichten mit »Fokus Lokus«: Marktoberdorf

18.300 Einwohner

Die meisten Allgäuer Städte kann man

hervorragend in Eigenregie erkunden – in

Marktoberdorf im Ostallgäu (der Einheimische

sagt nur: Obrdoarf) weisen wir

gleich zu Beginn auf die überaus charmanten

Stadtführungen hin. Das Touristikbüro

in Deutschlands höchstgelegener Kreisstadt

– 758 Meter über dem Meeresspiegel

– hat ein Paket mit fast 20 kulturellen, kulinarischen

und familienfreundlichen emenführungen

geschnürt, die Jung und

Alt ganz tief in die Stadtgeschichte eintauchen

lassen.

Als Wahrzeichen

Marktoberdorfs gilt

die weithin sichtbare

Pfarrkirche St. Martin.

Aber auch die idyllische

Lindenallee lohnt

einen Spaziergang

Fotos: Christoph Jorda

Nicht verpassen:

- Ende Juni wird vor dem Rathaus das

Marktoberdorfer Straßenfest gefeiert.

In aller Früh werden die Stände aufgebaut

und bald schon kommen die

ersten Interessenten auf der Suche

nach Raritäten.

- Ende Juli lädt die Bayerische Musikakademie

zur Romantischen Nacht

ins Schloss Marktoberdorf ein. Dort

bieten Kurzkonzerte im Atrium, im

Schlosshof, manchmal auch in der benachbarten

Kirche St. Martin feinsten

Musikgenuss – der Eintritt ist frei.

So kann man im Sommer das Waschweib

Zenzi auf einer Zeitreise durchs Mittelalter

begleiten. Jüngere Gäste begeistert wahrscheinlich

der »tierische Spaziergang« mit

Schäfer Roland und seinen vierbeinigen

Begleitern. Eher düster wird es auf dem

»Rundgang durch die Geschichte eines

Justiz-Skandals«: Die schwarze Witwe Maximiliana

schildert dabei sehr emotional

die ehelichen Verfehlungen ihres Gatten.

Zum Ausgleich (Tipp der Redaktion!) darf

man auf der Führung »Das stille Örtchen:

Stadtgeschichte mit Niveau und Klo ... und

dem Fokus Lokus« mit viel Humor rechnen.

Das vielfältige Angebot der Stadtführungen

in und um Marktoberdorf kann

man sich also ruhig genauer ansehen.

Wer den Ort wirklich lieber auf eigene

Faust erkundet, der sollte die Kurfürstenallee

nicht auslassen: Die fast zwei Kilometer

lange Lindenallee verfügt über einen

gut 200 Jahre alten Baumbestand. Durch

ihren einmaligen Blick auf das Alpenpanorama

lädt sie zu entspannten Spaziergängen

ein. Zwischen 1774 und 1780

wurde sie auf Initiative von Kurfürst Clemens

Wenzeslaus nach französischem

Vorbild angelegt. Heute ist die Allee mit

fast 620 Linden ein Naturdenkmal.

Ebenfalls sehenswert ist die nahegelegene

Stadtpfarrkirche St. Martin, ein Wahrzeichen

Marktoberdorfs. Beeindruckend ist

schon ihre weithin sichtbare Lage auf dem

Schlossberg neben dem ehemaligen Fürstbischöflichen

Schloss. Im Inneren kommen

Freunde des Rokokos auf ihre Kosten.

Wer dann noch Zeit hat, hat die Qual der

Wahl: Man kann den Tag an den Ufern

der »Oberdorfer Lebensader«, der Wertach,

ausklingen lassen. Gleichzeitig verlocken

Museen, das neue Künstlerhaus, die

Filmburg, der Klettergarten am Ettwieser

Weiher oder das Römerbad Kohlhunden

dazu, den Besuch noch zu verlängern.

Anzeige

wandern & genießen 45


Advertorial

Alpvielfalt im

Gunzesrieder Tal

Foto: Benjamin Zapf

Die erlebnisreiche Wanderung durch eines

der schönsten Hochtäler im Alpenraum, das

Gunzesrieder Tal, beginnt im urigen Bergdorf

Gunzesried. Mit seinen alten Bauernhöfen

und einer eigenen Sennerei liegt der Ort

idyllisch im Herzen des Naturpark Nagelfluhkette

auf rund 900 Metern Höhe. Vorbei an

rauschenden Bächen, blühenden Wiesen und

Alpvielfalt im

Gunzesrieder Tal

- 9 km

- 650 Höhenmeter

- 2-4 Stunden

rauem Nagelfluhfels zeigt der Rundweg die

natürliche Vielfalt der Alpen. Im Kontrast

dazu wird auch die Vielfalt der Landnutzung

durch den Menschen deutlich und wie das

eine das andere beeinflusst. Entlang des

Weges befinden sich 14 Infobänke mit Wissenswertem

aus dem Gunzesrieder Tal und

dem Naturpark: Von der Steinvielfalt im

wildromantischen Haldertobel über die

Familientradition der Sennalpe Oberberg bis

hin zum Kräuterreichtum des Allgäuer Kräutertals

und der Käsevielfalt der Sennerei

Gunzesried.

Rauschende Wasserfälle &

sprudelnde Gumpen

Ein Ort voller Magie! Bereits am Eingang zum

Tobelweg ist das plätschernde Wasser des

naheliegenden Haldertobels zu hören. Rauschende

Wasserfälle, sprudelnde Gumpen

und aufgetürmte Steinmännchen geleiten

entlang des verträumten Wanderweges. Ein

Blick zum Wegesrand lohnt sich garantiert,

denn hier gibt es Blumen und wertvolle

Kräuter zu entdecken, die nur in schattigen

Lebensräumen zu finden sind. Über eine helle

Fotos: Wolfgang B. Kleiner


Foto: Edward Gröger

Lichtung führt der Weg auf eine sanfte Viehweide,

die von den Einheimischen liebevoll

„Paradies“ genannt wird. Picknickbänke laden

geradezu ein, den Moment des Naturschauspiels

zu genießen.

Herzhafter Alpgenuss &

leidenschaftliche Familientradition

Nach dem erholsamen Tobelwanderweg geht

es, teilweise steil, bergauf Richtung Sennalpe

Oberberg. Die Alpe wurde 1875 erbaut und

befindet sich bereits seit über fünf Generationen

in Familienbesitz. Hier werden täglich

verschiedene Milchprodukte frisch hergestellt

und zum Kauf angeboten. Mit einem

Blick über die Schultern, des jungen Senn

Sebastian Beck, kann im hauseigenen Käsekeller

noch mehr zur Familientradition und

der Senn-Kunst erfahren werden.

Tipp von

Frau Bergschön:

Der Bärenkopf ist

hauptsächlich mit Gras

bedeckt, lediglich der

Gipfel selbst steht auf

einem Felsen. Hier bietet

sich eine gute Gelegenheit für

ein schönes Gipfelfoto.

Über den Bärenkopf (1.476 m) geht es bergab

zur Vorderen Krumbach Alpe. Eine weitere

Partneralpe des Allgäuer Alpgenuss e. V., die

sich für die Erhaltung der traditionellen Alpwirtschaft

und Stärkung des Bewusstseins

für regionale Produkte einsetzt. Die gemütliche

Einkehr empfiehlt sich daher von selbst.

Wildromantische Bergwiesen &

heimische Bergkräuter

Das Gunzesrieder Kräutertal gilt als „Schatzkästchen“

der Natur. Die zahlreichen Blumen

und verschiedenen Kräuter bieten Heimat für

hunderte von Lebewesen. Diese Artenvielfalt

gilt es ab der Dürrehorn-Alpe zu bewundern.

Bei einem schattigen Plätzchen unter dem

alten Kastanienbaum, kann dem Summen

und Surren der umliegenden Bergwiesen gelauscht

werden. Ein Duft aus heimischen

Bergkräutern und blühenden Alpenblumen

locken mit einem gemütlichen

Spaziergang am

Hasenacker. Beim Weitermarsch

darf ein Halt im

Kräutergarten Gunzesried

nicht fehlen. Mit etwas

Glück ist das Kräuterweible

Anita Waibel dort anzutreffen,

Foto: bergschoen.media GbR

die eine wahre Expertin auf ihrem Gebiet ist

und bei Fragen gerne aushilft.

Das Besondere bei diesem Wanderweg liegt

laut Frau Waibel in seiner Vielfalt und Abwechslung.

Vom schattigen Tobel über

Feuchtwiesen und Alpweiden bis hin zu halbtrockenen

Sonnenhängen in luftiger Höhe

bietet sich für den aufmerksamen Wanderer

eine Artenvielfalt an Blumen und Kräutern,

die ihresgleichen sucht. Nicht umsonst lautet

das Motto des Themenwegs zur Alpvielfalt

„Zur Ruhe kommen, betrachten, verstehen“.

Die letzte Station führt nun zur Sennerei

Gunzesried, dem Herzstück des kleinen Bergdorfs.

Wer hier mit einem Stück Allgäuer

Bergkäse die Wanderung abschließt, nimmt

einen Teil des „Schatzkästchens“ im viel -

fältigen Kräutertal mit nach Hause.

Alpsee-Grünten

Tourismus GmbH

Hindelanger Straße 35

87527 Sonthofen

Tel.: +49 8321 609200

info@alpsee-gruenten.de

www.alpsee-gruenten.de


Reportage

Rafting auf der Iller

Wir sind mit allen

assern gewasen

Eine Seefahrt, die ist lustig; eine Seefahrt, die ist schön. So weit, so gut. Aber noch viel

mehr Spaß macht es in einem Canadier die Iller runterzufahren. Da sprechen meine

Kollegen und ich aus Erfahrung, denn wir haben das Abenteuer gewagt und würden

es jederzeit wieder tun – egal ob bei Sonne oder Regen, denn nass wird man eh.

48

wandern & genießen


wandern & genießen 49


Reportage

Fertig ausgerüstet

machten wir uns

auf den Weg ins

Abenteuer Rafting

Bevor es allerdings

ins Wasser ging,

hieß es erstmal:

Boote aufpumpen

Unter den wachsamen Augen von Michael Pruss pumpten wir,

was das Zeug hielt beziehunsgweise bis die Boote faltenfrei waren

Wer ist hier der Trockenpaddler? An Land mussten wir erst lernen,

wie man das Paddel richtig hält und ins Wasser führt

Das Wetter am Morgen sah wenig vielversprechend aus

und genauso wolkenverhangen wie der Himmel war

auch meine Stimmung. Ich sollte bei dem Wetter auf

die Iller? Was hatte ich mir und meinen Kollegen da nur wieder

eingebrockt. Aber es half ja nichts – in Burgberg wartete schon

Michael Pruss von Spirits of Nature auf uns. Also packten wir

unsere Siebensachen und machten uns auf den Weg. Bei Michael

angekommen, äußerte ich sofort meine Bedenken ob des Wetters,

doch er meinte nur: »Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur

schlechte Kleidung.« Ich fühlte mich sofort an meine Mutter erinnert

und musste ihm zähneknirschender Weise Recht geben.

Da wir alle – und damit meine ich mich, meine Kollegen Viola,

Bianca und Christian sowie die tapferen Freiwilligen Matthias

und Marius – allerdings noch nicht über die richtige Bekleidung

für ein Wasserabenteuer verfügten, gingen wir zunächst in die

heiligen Hallen des Neoprens: das Lager.

Das richtige Outfit ist ein Muss

Mit gekonntem Blick scannte Michael unsere Körper von oben

bis unten und hatte in Nullkommanichts den passenden Neoprenanzug

sowie -jacke für uns. Kann der Mann zaubern?, fragte

50

ich mich. Nein konnte er nicht, denn bei den Socken war er auf

unsere Auskun über die passende Größe angewiesen. Als wir

alle mit Neopren versorgt waren, verteilten wir uns und zogen

uns um – es muss ja nicht jeder alles sehen. Ein Dank an dieser

Stelle an unsere Fotografen Josh und Ramona, die mit der Kamera

nicht draufgehalten haben.

Nachdem wir uns in die nicht gerade figurschmeichelnde Uniform

für den heutigen Tag gehüllt hatten, verteilte Michael Helm und

Schwimmweste an jeden – Sicherheit geht schließlich vor. Gut

ausgerüstet verließen wir die Halle und in unseren »Anzügen«

und mit den Helmen in der Hand, kamen wir uns fast vor wie

Tom Cruise in Top Gun. Doch wir bestiegen kein Flugzeug, sondern

einen Jeep samt Hänger. Den hatte Michael mit den Booten

und Paddeln beladen, während wir uns umgezogen hatten. Voll

bepackt mit tollen Sachen machten wir uns nun auf den Weg

nach Blaichach – hier startete unser Flussabenteuer auf der Iller.

Trockenübung für Landratten

Dort angekommen wollten alle endlich loslegen, doch erst kam

die Pflicht, dann das Vergnügen. Und das hieß in diesem Falle,

dass die Boote zunächst aufgepumpt werden mussten, von Hand

wandern & genießen


Das sah doch schon

mal gar nicht schlecht

aus – dann konnte es

ja losgehen

Nach der Theorie kam endlich das Vergnügen – mit vereinten Kräften trugen

wir die Schlauchcanadier zur Iller, um sie endlich zu Wasser zu lassen

Der erste wird der letzte sein: Bevor die Vorderfrau einsteigen konnte,

durften es sich erst einmal die beiden Herren im Boot gemütlich machen

versteht sich. Da wurde es einem doch gleich ganz warm ums

Herz und zwar im wahrsten Sinne des Wortes, denn das Pumpen

war nicht ohne und der Neoprenanzug tat sein Übriges. Aber

ohne Schweiß kein Preis und nach ein paar Minuten war es gescha

– vor uns standen zwei knallrote Gummiboote, beziehungsweise

Schlauchcanadier. Diese mussten wir jetzt nur noch

Richtung Iller bewegen, aber nicht so weit, denn jetzt standen

Trockenübungen auf dem Programm. Also legten wir die Canadier

am Rande des Illerradweges ins Gras und setzten uns hinein.

In meinem Boot war die Frauenquote eher unterirdisch, denn

hinter mir hockten Christian und Marius. Im anderen hatten mit

Viola, Bianca und Matze allerdings die Frauen die Mehrheit.

Als wir alle saßen, erklärte uns Michael unsere jeweilige Aufgabe

im Boot. »Wie, welche Aufgabe? Ich dachte, ich muss nur paddeln«,

schoss es mir durch den Kopf. Damit lag ich ein Glück

auch richtig, denn die beiden Vorderen im Boot sind der Motor.

Sie sind dafür verantwortlich, dass es voran geht. Der hintere

Mann ist der Steuermann – seine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen,

dass wir auch dort ankommen, wo wir hinwollen. Nachdem das

geklärt war, zeigte uns Michael noch, wie wir das Paddel zu halten

und zu benutzen haben. Danach folgte eine Einweisung, wie wir

uns im Falle von »Mann über Bord« zu verhalten haben – kleine

Info vorweg: Dieses Wissen brauchten wir beziehungsweise einer

von uns später noch.

Augen auf im Flussverkehr

Aber dazu später mehr, denn nun konnten wir die Boote endlich

zu Wasser lassen und in See stechen oder zumindest in die Iller.

Ziemlich schnell merkten wir die Strömung des Flusses. Sich gemütlich

treiben lassen? Hätte man machen können, aber dann

wäre man schnell irgendwo gestrandet, wo man nicht hinwollte.

Es war voller (Ober-)Körpereinsatz gefragt, auch wenn ich an

dieser Stelle zugeben muss: Ich habe mich doch sehr auf meine

beiden männlichen Mitpaddler verlassen und öers nur die Aussicht

genossen. Aber selbst wenn ich gepaddelt habe, war es den

Herren nicht recht, weil sie meinten, ich tauche das Paddel nicht

tief genug ein. Und so kam ich schnell zu meinem neuen Spitznamen:

wasserstreichelnder Trockenpaddler. Ich fühlte mich allerdings

eher wie Pocahontas, die geschmeidig übers Wasser gleitet.

Sei es drum: Die Stimmung auf dem Wasser wurde immer

besser, daran änderten auch die Wolken am Himmel nichts – die

hatten wir alle mittlerweile eh vergessen. Denn unsere Augen

(meine nicht ganz so o) waren fest auf den Fluss gerichtet, ➤

wandern & genießen 51


Reportage

Na wo soll es denn nun hingehen? Anfangs herrschte

Uneinigkeit, doch dann folgten wir der Strömung

Nein wir halten hier keine geheime Besprechung ab, sondern

bereiteten uns auf einer Kiesbank auf das Spiel Hip Hop vor

Auch wenn es so aussieht – Viola ist nicht über Bord gegangen,

sondern sie stellte sich mutig dem Strömungsschwimmen

denn wir mussten ja sehen, wo wir langfahren. O lauerten Steine

unter der Wasseroberfläche – über die kann man rüberfahren,

muss man aber nicht. Will man nicht hängen bleiben, sollte man

also ausweichen. Ein Hoch auf die Steuermänner Marius und

Matthias, die jede Gefahr souverän umschi haben. Und auch

an Michael, der mit seinem Kajak neben uns herfuhr und uns o

sagte, welcher Weg vorbei am Felsen oder durch eine Strömung

der beste sei.

Kleine Pause am Rande

Nachdem wir mehr oder weniger talentiert – aber bei bester

Laune – ein paar Kilometer auf der Iller unterwegs waren, steuerten

wir auf der Höhe des Inselsees eine Kiesbank an. Hier erwartete

uns laut Michael nun Hip Hop. Da ich in Sachen Tanzen

mit noch weniger Talent als in Sachen Paddeln gesegnet bin, hielt

sich meine Freude in Grenzen. Doch das war unbegründet, denn

bei Hip Hop handelte es sich um ein Spiel, bei dem Menschen

mit einer Links-Rechts-Schwäche nichts zu lachen haben. Dafür

alle anderen. Und während wir uns im Kreis drehten und nach

52

fremden Paddeln griffen, hatte Michael den Blick schon wieder

auf dem Wasser und meinte, dass hier eine gute Stelle zum Strömungsschwimmen

sei.

Da die Iller an dem Tag zugegebenermaßen nicht erfrischend,

sondern eiskalt war, war die Resonanz darauf verhalten. Lediglich

Matthias, Viola und ich wagten sich in die Fluten. Als wir im

Fluss standen, merkten wir die Strömung, die uns sofort mit sich

riss, als wir die Bodenhaung verloren. Doch was beängstigend

klingt, war eine Mordsgaudi – man musste nur beachten, dass

man auf dem Rücken mit dem Gesicht nach vorne und angewinkelten

Beinen im Wasser liegen musste. Auf das Wasser, das

an meinem Halskragen in meinen Neoprenanzug floss, hätte ich

allerdings verzichten können. Aber selbst schuld – warum hatte

ich auch den Reißverschluss nicht ganz geschlossen.

Im Boot den Abhang hinab

Als wir wackeren Drei wieder bei den anderen angekommen waren,

ging es gleich wieder ab in die Boote, denn wir hatten noch

ein Stück vor uns und das größte Erlebnis wartete auch noch.

wandern & genießen


Anzeigen

Michael fuhr als erster das Gefälle

hinab und wartete unten auf uns

Bolgenstr. 9 & 16 | 87538 Bolsterlang

Tel. +49 (0) 83 26 / 76 77 | Fax +49 (0) 83 26 / 13 77

info@landhaus-exquisit.de | www.landhaus-exquisit.de

HERZLICH WILLKOMMEN BEI UNS

Während Matthias, Bianca und Viola sichtlich Spaß dabei hatten,

die drei Meter Höhenunterschied zu überwinden ...

Kurz hinter dem Ort Stein wartete ein Gefälle von drei Metern

auf uns, das überwunden oder eher hinab gefahren werden muss.

Bei der Ankündigung hätte ich am liebsten mein Paddel weggeschmissen

und wäre aus dem Boot gesprungen, denn Wasser

mach ich ja mit und Strömungen auch, aber bei Höhe bin ich

raus. Doch Michael beruhigte mich – es geht dort schließlich

nicht senkrecht bergab, sondern eher wie auf einer Treppe. Na

gut, das lass ich mir noch gefallen. Und so machten wir uns in

voller Mannschasstärke auf Richtung Gefälle und genossen auf

dem Weg dorthin die ruhige Strömung – hier konnte man sich

richtig gut treiben lassen. Da legte nicht nur ich das Paddel auf

den Schoß.

Kurz vor dem Gefälle war es mit der Ruhe allerdings vorbei, man

hörte schon das Rauschen des Wassers und das war für uns das

Zeichen, dass es Zeit war wieder konzentriert zu sein. Während

wir Freizeitpaddler am Rand und in sicherer Entfernung warteten,

schnellte Michael in seinem Kajak den Abhang hinunter und

kurze Zeit später sahen wir ihn wohlbehalten ein paar Meter

unter uns im Wasser. Ihm folgten Viola, Bianca und Matthias

und knapp eine Minute danach waren auch Christian, Ma- ➤

Wir bieten klassifizierte, komfortable Ferienhäuser

und Ferienwohnungen von 3 bis 5 Sternen an.

• Persönliche Betreuung und ein -liches Willkommen

• Grenzenlos Bergbahnfahren so oft Sie möchten… KOSTENLOS

am Anreisetag zubuchbar vom 11. Mai bis 03. November 2019

• Nebenkosten, Bettwäsche und Handtücher sind bei uns inklusive

• Brötchenservice über Semmeldienst Allgäu

• Alle Wohnungen mit Balkon oder Terrasse

100% Entspannung und Erholungsurlaub für das ganze Jahr

Wir freuen uns auf Ihr Kommen!

Bergwelt FeWo | Pfarrstraße 4 | 87561 Oberstdorf

Tel. 08322 7172 | info@bergwelt-ferienwohnungen.de

www.oberstdorfer-bergwelt.de

Für die schönsten Wochen des Jahres –

Überall in Oberstdorf und Tiefenbach.

Zentrumsnah oder am grünen Ortsrand

können Sie aus einer Vielzahl von

Ferienwohnungen wählen. 1 – 3 Zimmer

Ferien wohnungen oder Ferienhäuser von

€ 35,00 - € 206,00. Auch klassifizierte

Wohnungen mit 3 – 5 Sternen,

oder Bergbahnen Inklusive.

Bachstr. 3 87561 Oberstdorf Tel. 08322-8448 Fax 08322-8434

E-Mail: info@oberstdorf-buchen.de www.oberstdorf-buchen.de

wandern & genießen 53


Reportage

... sah das bei mir, Christian und Marius

anders aus. Spaß gemacht hat es trotzdem

Fotos: Ramona Klein, Joshua Riedisser, Michael Pruss

Am Ende unserer Raftingtour hatten wir alle ein breites Grinsen

im Gesicht und die Wolken am Himmel komplett vergessen

Wir haben die Iller bezwungen –

da darf man schon mal kurz jubeln

rius und ich dran. Wovor ich zunächst solche Angst hatte, war

ein riesen Spaß. »Nochmal, nochmal«, haben wir uns alle gedacht.

Eine Wasserschlacht mit Folgen

Nur leider ging das nicht, denn wir näherten uns mit großen

Paddelschlägen dem Ende unseres Illerabenteuers. Enttäuschung

machte sich in den Gesichtern breit. Doch die verschwand, als

Michael meinte, wir könnten ja noch eine Wasserschlacht machen

und mir mit seinen letzten Worten auch schon eine Ladung Iller

ins Gesicht beförderte. Und so begann es: wir gegen Michael, die

anderen gegen uns, Michael gegen die anderen. Gefühlt von überall

her kam das Wasser und das meiste landete in meinem und

Violas Gesicht – das ist halt das Blöde, wenn man vorne sitzt.

Nach einer großen Wasserladung von uns auf die anderen, sannen

Viola, Bianca und Matthias auf Rache. Seitlich näherten sie sich,

54

doch Christian konnte sie mit einem geschickten und vielleicht

nicht ganz fairen Paddelstoßer wegschieben. Dabei war er so

energisch, dass die anderen links abdrieten und in den Bäumen

beziehungsweise deren Ästen landeten. Und während die Mädels

dem Gestrüpp auswichen, dachte Matthias es sei eine gute Idee

sich an einem Ast festzuhalten – mit dem Resultat, dass das Boot

ohne ihn weiterfuhr. »Mann über Bord« schallte es über die Iller,

doch man hörte es kaum vor lauter Gelächter unserseits und

auch Bianca und Viola waren eher belustigt als besorgt. Dazu

gab es aber auch keinen Anlass, denn Matthias hatte bei der Einweisung

gut aufgepasst und konnte sich wieder alleine ins Boot

zurückbefördern – elegant war es zwar nicht, aber es gab ja auch

keine Haltungsnoten. Und so kamen wir vollzählig und mit einem

dicken Grinsen im Gesicht an unserem Zielpunkt in Seifen an

und waren uns alle einig: Das müssen wir nochmal machen –

egal bei welchem Wetter.

Claudia Schöwe

wandern & genießen


Suppen,

Soßen,

Würzen

und mehr …

– seit 1924 –

Das Beste aus 95 Jahren

Neu

Das große

Jubiläums-Set

2019

Sie sparen

im Set

€ 9,95

GEFRO wird 95. Was liegt näher als das Beste aus 95 Jahren in ein Jubi-Set zu packen und Ihnen mit einem sensationellen

Jubiläumsrabatt von mehr als 30% anzubieten? Darum freuen Sie sich jetzt auf Ihr großes GEFRO-Jubiläums-Set.

In der GEFRO-Suppenteria abholen oder versandkostenfrei schicken lassen.

*) Reduzierte Set-Angebote sind nicht zusätzlich rabattfähig.

● 250 g GEFRO Suppe

● 130 g Soße zu Braten

● 240 g Sauce Bolognese

● 90 g Gewürz-Pfeffer

● 100 g BIO Würzmischung

»Bella Italia«

● Suppen-Pause PILZ-CHAMPION

● Suppen-Pause EL GAZPACHO

● Suppen-Pause GRÜNE WELLE

● Salat-Dressing GARTENKRÄUTER

● Salat-Dressing AMORE POMODORE

● Gemüsemesser, Glattschliff

statt € 29,19 zum Jubiläumspreis von nur € 19, 24*

GEFRO feiert Jubiläum

Mit tollen Jubiläums-Angeboten

möchten wir 2019 DANKE sagen.

Nehmen Sie unsere Einladung an

und feiern Sie mit uns.

Suppenteria & Laden | GEFRO KG | Rudolf-Diesel-Straße 21 | 87700 Memmingen

Mo. – Fr. 8.30 –18 Uhr, Sa. 8.30 –14 Uhr | Gratis-Tel. 0 800 / 95 95 100 | www.gefro.de


Wandern auf den Glückswegen

Tolle Aussichten, flach wandern und

dabei Ihre Gesundheit im Blick, das ist

Wandern im Kneippland® Unterallgäu.

Dort, wo die Wiesengängerroute der

»Allgäuer Wandertrilogie« vom Wandern

auf ebenen bis hügeligen Pfaden

lockt.

Nicht nur der reine Landschaftsund

Naturgenuss steht bei der Wandertrilogie

im Vordergrund. Sie erzählt auch

Geschichten, die für das Allgäu von Bedeutung

sind und macht diese mit Helden

und Wahrzeichen für den Wanderer

sichtbar. Hier im Kneippland® Unterallgäu

und dem Erlebnisraum Glückswege

heißt der Held Sebastian Kneipp. Es sind

die Wege, die einst von ihm geprägt wurden

und mit seinem Glauben und Wissen

um die Kraft der Natur vielen Menschen

half.

Das Thema Wasser mit seiner heilenden

Kraft oder die vielen Pflanzen und

Kräuter, die man hier entdecken kann,

bestimmen aber nicht allein die Glückswege.

Vielmehr findet sich auf ihnen

auch eine Ruhe und Kraft, die in der

Weite des Kneipplands® Unterallgäu liegen

– wenn die Gedanken den Alltag loslassen,

sich der Geist öffnet für Neues

und die Seele frei wird. Und plötzlich ist

er wieder da, der Glaube an die Urkraft,

der Respekt vor der Natur und die Ehrfurcht

vor dem Wunder der Schöpfung.

Lange Spaziergänge durch das Grün der

Glückswege führen zurück zum Wesentlichen.

Wie wenig ist doch nötig, um glücklich

zu sein. Kein Geld ermöglicht dieses

Gefühl, allein das bloße Ruhen in sich

Aktiv Park Kneippland ® Unterallgäu –

Wo Gesundheit zum Erlebnis wird…

Sieben Erlebnisstationen und zahlreiche Kneippanlagen machen die

Themen »Kneipp« und »Gesundheit« im Kneippland® Unterallgäu zur

ganz besonderen Erfahrung. So werden die fünf Säulen des

Kneipp‘schen Naturheilverfahrens spannend erlebbar.

AKTIV

PARK

Kneippland ®

Unterallgäu

Die Kneipp-Erlebnisstationen

Wassererlebnis Bedernau

»Wasser« in unterschiedlichster Form erleben, spüren und nutzen

- diese Erlebnisstation macht es möglich: Heilendes Thermalwasser

in der Natur-Therme, kühles Nass zur Stärkung der Vitalität in der

Wassertretanlage und vielfältige Informationen zur Lebensgemeinschaft

Wasser-Pflanze-Mensch und Tier.

Naturerlebnis Benninger Ried

In dieser unter Naturschutz stehenden Moorlandschaft vereinen

sich Himmel und Erde und geben den Blick frei auf eine reichhaltige

und seltene Flora und Fauna sowie sakrale Kostbarkeiten.

Das Riedmuseum im alten Mesnerhaus neben der Riedkapelle

beherbergt das Informationszentrum Benninger Ried.


Advertorial

Foto: Agentur Fouad-Vollmer

selbst ist seine Grundlage. Auch das hat

Pfarrer Kneipp schon vor langer Zeit gewusst

und lehrte es seinen Patienten. Folgen

Sie der Anleitung zum Glücklichsein

und Sie werden vieles neu entdecken. Die

Glückswege führen durch Bad Wörishofen,

in einem Abstecher nach Mindelheim,

anschließend nach Ottobeuren und

Bad Grönenbach.

Mit unseren vielfältigen Wander -

strecken, vom Walderlebnispfad bis hin

zum Pilgerweg, ist Ihre Gesundheit auf

dem besten Weg. Ein besonderer Tipp für

Wanderfreunde ist der Unterallgäuer

Wanderherbst, der dieses Jahr zum achten

Mal stattfindet. Vom 28. September

bis zum 6. Oktober wartet ein buntes

Wanderprogramm auf Sie. Erfahren Sie

Erstaunliches über die Geschichte, Natur

und Kultur im Kneippland® Unterallgäu.

Während des Unterallgäuer Wanderherbsts

wird auch erneut die Unterallgäuer

Pilgerwanderung stattfinden.

Auskunft und Anmeldungen zur Unterallgäuer

Pilgerwanderung werden von Tobias

Klöck (E-Mail: tobias.kloeck@lra.unterallgaeu.de,

Telefon: 08261/995-643) entgegengenommen.

Weitere Informationen zum Unterallgäuer

Wanderherbst oder zur Unterallgäuer

Pilgerwanderung finden Sie auch unter

www.freizeit-unterallgaeu.de

Einen ganz besonderen Service zum

Thema Wandern und Tourenplanung finden

Sie im Wanderportal vom Kneippland®

Unterallgäu unter

www.wanderportal-unterallgaeu.de

Mit Hilfe einer interaktiven Karte lassen

sich ganz einfach die schönsten Touren

und Wanderungen im Kneippland®

Unterallgäu planen. Es werden nach Eingabe

der gewünschten Route dann nicht

nur die Tourdaten wie Dauer, Streckenlänge

und ein Höhenprofil angezeigt, sondern

auch Einkehrmöglichkeiten entlang

der Strecke, besondere Naturerlebnisse am

Weg oder kulturelle Sehenswürdigkeiten.

Die geplante Tour samt aller Daten inklusive

übersichtlicher Karte lässt sich bequem

für unterwegs ausdrucken oder als

.gpx-Datei für das GPS Gerät abspeichern.

Gesunder Dreiklang Bad Wörishofen

Stressfreie Erholung in einem harmonischen Umfeld mit einer

Kneippanlage für alle Generationen, dem Osteo-Walk-Fitnessgerät

für die zweite Lebensphase und dem Gradierwerk zum Atem holen,

Entspannen und Meditieren.

Schloss-Aktiv-Park Bad Grönenbach

Fitness und Vitalität werden auf dem weitläufigen Parcours mit

17 Outdoor-Geräten durch spezielle Bewegungsabläufe, Gleichgewichtsübungen

und gezielte Übungseinheiten für die Muskulatur

gefördert. Ein tolles Erlebnis für die ganze Familie.

Sinnen-Park auf dem »Alten Friedhof« Kirchheim

Ein besonderer Ort mitten im Grünen, der Lebenskräfte weckt und

das innere Gleichgewicht finden lässt. Der Sinnen-Park ist Natur

und Kultur sowie Begegnungsstätte verschiedener Generationen.

Kneipp-Aktiv-Park Ottobeuren

Im modern gestalteten Kurpark unweit der Basilika findet sich die

ganzheitliche Kneipp-Philosophie in all ihren Facetten samt einer

Erlebnistreppe, die im Ruhe- und Meditationsgarten mündet. Hier

können Sie getrost den Alltag hinter sich lassen.

Walderlebnis und innere Einkehr Buxheim

Die Sinne spielerisch schärfen und dabei die Umgebung neu entdecken

lässt es sich auf dem Walderlebnispfad, der durch eine abwechslungsreiche

Landschaft führt. Hier sowie in der ehemaligen

Reichskartause des Ortes finden Sie innere Ruhe und Besinnung.


Wandern

Von Hütte zu Hütte

Genusstour

auf dem Grünten

Unter den wachsamen Augen des Wächters des Allgäus – des Grüntens –

laden zahlreiche Hütten zu einer Einkehr ein. Doch warum sich für eine

entscheiden, wenn man mehreren einen Besuch abstatten kann? Also auf

geht´s zur Einkehrtour, die mit gleich fünf Hütten und Gipfelglück punktet.

Bevor es hoch hinausgeht, startet man ganz bodenständig

unten im Tal – genauer gesagt am Parkplatz der Grüntenlie

in Kranzegg. Von hier aus gelangt man über den

Liweg oberhalb des Restaurants Jagdhütte direkt auf den »Lustigen

Wanderweg«. Ab hier folgt man immer der Beschilderung

des schönen Wanderweges. Dabei sollte man nicht nur Augen

für die Witze und lustigen Sprüche am Wegesrand haben, sondern

auch für den abwechslungsreichen Pfad. Dieser führt durch

Wald und Wiesen, vorbei an einem kleinen und verträumten

Wasserfall zum Berggasthof Kranzegg – der ersten Einkehrstation

der Genusswanderung.

Eine Tour für Leib und Seele

58

Die sonnige Terrasse lädt zum Verweilen ein und während man

seinen Augen mit dem herrlichen Zwei-Seen-Blick auf den Alpsee

und den Rottachspeicher etwas Gutes tut, kann man den

Magen mit schwäbischen Schmankerln, deigen Brotzeiten oder

einem Stück selbstgemachten Kuchen verwöhnen. Nach der Stärkung

geht es weiter bergauf zur Höfle Alp. In der urigen Hütte

auf 1200 Metern Höhe bäckt die Konditorin Vreni was das Zeug

hält und kredenzt ihren Gästen köstliche Kuchen und Torten.

Aber auch Brotzeiten und ein Stamperl Haselnusschnaps zum

Verdauen und Genießen stehen auf der Karte.

Aber alles hat ein Ende, so auch diese Rast. Das nächste Etappenziel

wartet schon – die Grüntenhütte. Und dass es weiter

bergauf geht, versteht sich ja von selbst. Von der Höfle Alp aus

folgt man der Beschilderung »Grünten/Grüntenhütte« und ist

man an der dritten Einkehrstation angekommen, sollte man sich

unbedingt Zeit nehmen, um den herrlichen Blick in die Ostallgäuer

Berge zu genießen. Dafür eignet sich die Aussichtsterrasse

besonders gut und die müden Beine werden es einem danken,

wandern & genießen


Anzeigen

Urlaubsziel

Bogenschießen in Bolsterlang

• Bogenkurse für Anfänger und Fortgeschrittene

• Bogenübungsplatz im Dorf mit Zielscheiben und

überdachtem Abschuss

• 3-D-Parcours im Tal mit 10 Stationen

• 3-D-Parcours am Berg mit 32 Stationen

Gästeinformation Bolsterlang

Rathausweg 4 I 87538 Bolsterlang I Tel. 08326 8314

bolsterlang@hoernerdoerfer.de I www.bolsterlang.de

Fotos: Pixabay, Ramona Klein, Wolfgang B. Kleiner

© Büro Janner 2019

Sennalpe

Sennalpe

Sonnhalde

Sonnhalde

DEMETER-Alpe seit 1989

Die zahlreichen Hütten auf der Tour locken nicht nur mit deftigen Brotzeiten,

sondern auch mit grandiosen Aussichten – so macht Einkehren Spaß

wenn man sie in einem der Liegestühle hochlegt. Wer mag und

noch oder schon wieder Hunger hat, kann eine Kleinigkeit essen

und dabei das nächste Ziel in Augenschein nehmen: den Grüntengipfel

mit dem Jägerdenkmal.

Gipfelglück mit Ausblick

Und auch wenn der Weg dahin nicht weit ist, so hat er es doch

in sich. Auf den letzten Metern führt ein schmaler Pfad ä

... ein

guter Platz

für fröhliche

Einkehr ...

Telefon Alpe: 08386 962 418 | Info-Telefon: 0151 513 68515

www.alpe-sonnhalde.de | E-Mail: buero@alpenbogen.eu

© Büro Janner 2018

wandern & genießen 59


Wandern

Genusstour auf dem Grünten

Länge: 13,6 Kilometer

Gehzeit: etwa 7 Stunden

Höhenmeter: 1006 Meter

Tourenvariante: Wer möchte, kann die Wanderung um eine weitere

dreiviertel Stunde ausbauen und eine weitere Hütte besuchen.

Hierzu geht man nach der Höfle Alp nicht direkt zur Grüntenhütte,

sondern nimmt nach der Alpe links den Wald- und

Wiesenweg zur Neumayr Hütte. Dort gibt es Allgäuer Hüttenschmankerl

aus der Pfanne und hausgemachte Kuchen. Danach

folgt man der Beschilderung Richtung Grüntenhütte und gelangt

zurück auf die ursprüngliche Route.

Kranzegg

Berggasthof

Kranzegg

Höfle Alp

Das Jägerdenkmal auf dem Grünten ist einer der spektakulärsten

Aussichtspunkte im ganzen Allgäu und ein Höhepunkt der Genusstour

Alpe

Kammeregg

Alpe

Kalkhöf

Grünten

Grüntenhütte

Karte: © OpenStreetMap contributors

serpentinenartig und auf gerölligem Untergrund knackig bergauf.

Um den unbeschadet zu meistern, sollte man auf feste Bergschuhe

setzen, denn auch wenn der Grünten nicht der Mount

Everest ist: Man befindet sich dennoch im hochalpinen Bereich.

Doch die Mühen lohnen sich, denn das Jägerdenkmal ist ein

magischer Ort, gebaut in Form einer Tschorte, einer Gedenkstätte,

die traditionell von Buddhisten im Himalaya-Gebirge errichtet

wird. Und der Panoramaausblick von dort oben ist sensationell

– man hat das Gefühl das Allgäu liegt einem zu Füßen.

Da kann man verstehen, warum der Grünten »Wächter des Allgäus«

genannt wird.

Nach diesem einzigartigen Gipfelerlebnis macht man sich in

Ruhe auf den Weg zurück ins Tal. Der Abstieg führt über einen

schönen, urigen Weg zur Alpe Kalkhöf – hier kann man endlich

wieder einkehren. Bei einem fantastischen Ausblick auf das Illertal

und die Hörnerkette schmeckt die wohlverdiente Brotzeit

aus regionalen Produkten gleich besonders gut. Wem das an

Gaumenfreuden nicht reicht oder wer sich noch nicht genug

60

gestärkt fühlt, dem sei ein Stück Kuchen oder ein Schlückchen

selbstgemachter Likör empfohlen. Letzteres sollte man sich allerdings

nicht zu sehr schmecken lassen, denn die Wanderung

ist noch nicht zu Ende.

Ein genussvoller Abschluss

Die letzte Hütte der Einkehrtour wartet nun – die Alpe Kammeregg.

Um diese zu erreichen folgt man der Beschilderung

»Parkplatz Alpe Kammeregg/Wagneritz«. Auf der idyllischen

Sonnenterrasse der schönen Alpe kann man die Genüsse der

Alpküche erleben. Selbstgemachte Kuchen, Brotzeiten und auch

warmes Essen werden serviert. Im Sommer gibt es zudem frische

Milch und selbstgestampe Butter. Und wer will, kann sich Spezialitäten

aus Wildgeräuchertem mit nach Hause nehmen.

Gestärkt und begleitet von den Klängen der Kuhschellen, geht

es nun zurück zum Ausgangspunkt der Wanderung. Dazu folgt

man zunächst der Beschilderung »Kranzegg/Berggasthof Kran-

wandern & genießen


Dieser Panoramablick vom Grüntengipfel entschädigt die Wanderer

für den Aufstieg. Da muss man einfach kurz verweilen und genießen

zegg«, die durch ein lauschiges Waldstück führt. Nach etwa 20

Minuten gelangt man an eine Abzweigung, an der man der man

den Schildern mit dem Hinweis »Lustiger Wanderweg« bergab

bis zum Parkplatz folgt. Falls man immer noch oder schon wieder

Hunger hat, kann man in der Kranzegger Jagdhütte einkehren,

welche sich direkt unterhalb des Parkplatzes befindet. Im idyllischen

Biergarten kann man bei einer frischen Forelle aus dem

eigenen Teich der Jagdhütte den Tag ausklingen lassen.

Diese und weitere tolle Touren finden

sich auch in dem neu erschienenen

Wanderbüchle der Alpsee-Grünten Tourismus GmbH. Dieses

ist gratis und kann online unter alpsee-gruenten.de/buechle

durchgeblättert oder unter alpsee-gruenten.de/prospekte bestellt

werden. Direkt vor Orte sind die Büchle ebenfalls in allen fünf

Alpsee-Grünten-Tourist-Informationen in Sonthofen, Immenstadt,

Rettenberg, Blaichach und Burgberg zu erhalten.

Anzeige

WANDERN

AUF DEM HOCHGRAT

■ S O NNENAUF- UND -UNTERGANGSFAHRTEN

MIT BERGGOTTESDIENST

■ VOLLMONDFAHRTEN

Termine unter www.hochgrat.de

■ GIPFELWEG

■ PANORAMA-RUNDWANDERWEG

■ PREMIUM-WANDERWEG

■ NAGELFLUH-GRATWANDERUNG

HOCHGRATBAHN GMBH U. CO

Lanzenbach 5 | D-87534 Oberstaufen-Steibis


Bahnbetrieb von 8.45 bis 16.30 Uhr

+49 8386 8222

✉ info@hochgrat.de

www.hochgrat.de

wandern & genießen 61


Titelthema

Burgen im Allgäu

Wo einst

die Ritter

hausten

Burgen sind faszinierende Orte, an denen man sich unweigerlich die

Vergangenheit ausmalt: Recken und Burgfräulein, Gelage im Rittersaal,

Turniere! Und im finsteren Verlies, natürlich, die Folterkammer. Viele der

steinernen Festungen sind heute zu Ruinen verfallen. Dennoch hat die

Burgenregion Allgäu noch so einige Perlen des Mittelalters zu bieten.

62

wandern & genießen


Fotos: Pfronten Tourismus, Allgäu GmbH/Dominik Berchtold, Markt Weitnau, Max Haller, Pixabay, Ramona Klein; Karten: © OpenStreetMap contributors

Erleben statt »gucken«:

Die Waldburg

Die Waldburg, auf halber Strecke zwischen Wangen im Allgäu

und Ravensburg gelegen, gilt als eine der besterhaltenen Höhenburgen

Süddeutschlands. Reichhaltig ist ihre Geschichte: Kaiser,

Könige, Herzöge, Fürsten und Truchsessen gingen ein und aus.

Vor 800 Jahren war hier der Kronschatz der deutschen Kaiser

untergebracht. Heute lebt der Adel woanders, die 800 Meter über

dem Meeresspiegel thronende Waldburg ist zum vierstöckigen

Museum und Aussichtspunkt geworden.

Pächter Max Haller tut jedoch alles dafür, dass ein Ausflug dorthin

kein fader Museumsbesuch wird. Die Burg erkundet man stets

in Begleitung eines »echten« Ritters, der so manche Anekdote

auf Lager hat. emen- und eaterführungen, Kunstausstellungen,

Ritteressen im Burgkeller, Kinderprogramme und ein eigens

eingerichteter Raum für Fotoshootings in mittelalterlichen Gewändern

erhöhen den Erlebnischarakter der Waldburg. In der

Burgkapelle können sich Paare sogar das Jawort geben.

Für die, die es jetzt eilig haben: Ein Parkplatz befindet sich am

Fuß des Berges. Gut 200 Meter geht es steil bergauf. Doch der

Ausblick von der Burg ist die Mühe wert.

Weitere Informationen unter www.schlosswaldburg.de

Vom Bauerntum

ins Mittelalter

Das Bauernhof-Museum Wolfegg ermöglicht eine Reise in die

Vergangenheit des ländlichen Lebens der letzten 300 Jahre. Von

dort geht es noch weiter zurück, denn Wolfegg und die mittelalterliche

Waldburg sind durch den Hauptwanderweg 4 des Schwäbischen

Albvereins miteinander verbunden. Tipp: Für die Burg

und das Freilichtmuseum gibt es ein Kombiticket – einfach bei

den Gästeinfos nachfragen. Die Buslinie 7535 verbindet Start

und Ziel.

Start: Bauernhof-Museum Wolfegg

Länge & Dauer: 12 Kilometer, ca. 5 Stunden

Schwierigkeitsgrad: mittel (300 Meter Höhendifferenz)

Vogt

Wolfegg

wandern & genießen Waldburg

63


Titelthema

Ludwigs letzter Traum:

Die Burg Falkenstein

Nahe Pfronten thront an einer schroff abfallenden Felswand die

hochmittelalterliche Burg Falkenstein über dem Vilstal. Sie ist

mit ihrer Lage auf 1277 Metern die höchstgelegene Burganlage

Deutschlands. Graf Meinhard II. von Tirol ließ sie im Jahre 1270

als Drohgebärde gegenüber den aufmüpfigen Bayern ausbauen.

Leider war der Unterhalt der protzigen Burg derart kostspielig,

dass sie im Laufe der Jahrhunderte immer weiter verfiel. Im Jahr

1884 fand König Ludwig II. Gefallen an der Ruine und wollte

dort ein weiteres »Märchenschloss« errichten lassen. Mit dem

Ertrinken des Königs zwei Jahre später fanden diese Pläne jedoch

ein jähes Ende.

Heute lohnt sich ein Ausflug zur Burg Falkenstein vor allem

wegen der grandiosen Rundumsicht über das Ostallgäu. Im Burgenmuseum

Falkenstein gleich unterhalb der Ruine kann man

sich ansehen, wie das letzte Prachtschloss Ludwigs II. hätte aussehen

sollen. Vom Burghotel, das bereits 1897 errichtet wurde,

ist die Ruine sogar in wenigen Minuten zu Fuß erreichbar – die

Auffahrt kostet allerdings eine Gebühr.

Weitere Informationen unter www.pfronten.de

Pfronten

Burg

Falkenstein

Auf den Spuren des »Königstraums«

Eine anspruchsvolle, aber mit herrlichen Ausblicken verbundene

Ganztagestour führt von Pfronten-Ried zur Burg Falkenstein.

Der Weg folgt dem langen Bergkamm »Drachenrücken« zum

Aussichtspunkt Vier-Seen-Blick am Saloberberg. Danach führt

der Weg an der Ruine Vilsegg vorbei in die Stadt Vils. Von hier

nimmt man den ebenen Weg an der Vils entlang oder fährt mit

der Außerfernbahn zurück nach Pfronten.

Start: Haus des Gastes in Pfronten-Ried

Länge & Dauer: 18 Kilometer, Tagestour

Schwierigkeitsgrad: schwer (760 Meter Höhendifferenz)

64

Vils

wandern & genießen


wirtschaet und definitiv eine Einkehr wert. Ein weiterer Tipp ist

das am 18. August ab 10 Uhr stattfindende Burgfest – dann wird

der Alt-Trauchburg mit Gauklern, Wahrsagern und historischer

Musik wieder Leben eingehaucht. Ebenfalls musikalisch wird es

bereits am 3. August ab 20 Uhr – dann findet (bei guter Witterung)

wieder das beliebte und eintrittsfreie »Rock & Blues Fest« statt.

Weitere Informationen unter www.burggaststätte-alttrauchburg.de

Von Kleinweiler zur Ruine

Die Burgruine Alt-Trauchburg liegt idyllisch auf einem bewaldeten

Nagelfluhrücken des westlichen Sonneck und ist auf gut

ausgeschilderten Wander- und Forstwegen von Kleinweiler aus

zu erreichen – wer die Tour etwas verlängern möchte, findet

auch von Weitnau aus gut dorthin. Aus beiden Richtungen ist

ein kleiner Anstieg zu bewältigen.

Start: Kleinweiler, Ortsteil Nellenbruck

Länge & Dauer: 5 Kilometer, ca. 2 Stunden

Schwierigkeitsgrad: mittel (230 Meter Höhendifferenz)

Versteckt im Walde:

Die Alt-Trauchburg

Die Trauchburg nahe Weitnau zählte zu den prächtigsten Burgen

des Allgäus. Dass sie nur noch eine Ruine ist, macht sie nicht weniger

interessant. Ihre Lage auf einem langgezogenen Bergsporn

ließ eine dreigeteilte Burganlage entstehen. Kurz nach 1300 soll sie

umfangreich ausgebaut worden sein. Die 1772 in Besitz gekommene

Linie Waldburg-Zeil demolierte 1784–88 das mächtige Bauwerk

zur Baumaterialgewinnung für den Neubau des Schlosses Neu-

Trauchburg bei Isny. Die Trauchburg wurde fortan als Alt-Trauchburg

bezeichnet.

Vor rund 14 Jahren wurde die Burg umfangreich instandgesetzt.

Man kann sie jederzeit kostenlos besichtigen, die Vorburg ist be-

Kleinweiler

Burgruine

Alt-Trauchburg

Weitnau

WIR MACHEN KÄSE.

Und zwar guten!

Anzeige

Ofterschwang

Käsereiführung:

Jeden Dienstag, 10.30 Uhr

oder nach Vereinbarung.

Öffnungszeiten:

Mo–Do von 8 bis 11.30 Uhr

und von 17.30 bis 19 Uhr

Fr/Sa von 8 bis 11.30 Uhr

und von 16 bis 19 Uhr

So/Feiertag: 16 bis 19 Uhr

So erreichen Sie uns:

An der B 19 von Sonthofen Richtung Oberstdorf

biegen Sie am „Alten Berg“ rechts ab nach Tiefenberg

und erreichen nach ca. 2 km Schweineberg.

SENNEREI SCHWEINEBERG

Schweineberg 18

D-87527 Ofterschwang

Tel. (08321) 3363

Fax 676165

www.allgaeuer-bergkaese.de

wandern & genießen 65


Titelthema

Rund um die Mindelburg

Fast ein Schloss:

Die Mindelburg

Der Übergang von der Burg zum Schloss ist mancherorts fließend.

Die Mindelburg im Unterallgäu beispielsweise ist schon fast zu

prunkvoll, um noch als wehrhaer Rittersitz zu gelten, doch zu

früh erbaut, um ein Schloss zu sein – deren Epoche begann etwa

ab dem 15. Jahrhundert und läutete das Ende der Burgen ein.

Teilweise wurden Burgen zu Schlössern umgebaut. Das macht

die prachtvollen Herrensitze jedoch nicht weniger sehenswert.

Die Errichtung der Mindelburg ist urkundlich schwer zu fassen,

weil ihre Erbauer, die Herren von Mindelberg, eine gleichnamige

Stammburg bei Egelhofen besaßen. Die Burg wird erst 1363 direkt

erwähnt, als die Mindelberger die Herrscha veräußerten.

Hoch über der Stadt Mindelheim erhebt sich ihre weitläufige Anlage.

Mit wehrhaen Rundbastionen, Toren und Gräben, Vorburg

und Hauptburg entspricht sie den Vorstellungen einer mittelalterlichen

Burg. Ehemals war sie Sitz der Herzöge von Teck und

der Familie Frundsberg, deren bekanntestes Mitglied Georg I.

von Frundsberg, der »Vater der Landsknechte« war. Die Innenräume

sind zwar nicht zu besichtigen, doch ein Spaziergang in

der Burganlage mit dem tiefen Brunnen und dem Burgfried ist

zu jeder Jahreszeit ein lohnendes Erlebnis. Die Stadt bietet auch

Führungen auf dem Burggelände an – zum Beispiel am 24. August

um 14 Uhr. Für Kinder gibt es am 22. August um 14 Uhr ebenfalls

eine Burgführunge. Treffunkt ist immer der Parkplatz unterhalb

der Burg.

Weitere Informationen unter www.mindelheim.de

66

Der familienfreundliche Rundweg führt zuerst in den Tiergarten,

einem Waldgebiet am Ostabhang der Burganlage. Vorbei am

Freibad geht es an der Mindel entlang bis fast zur Altstadt. Für

einen Rundgang durch den historischen Stadtteil oder den Besuch

eines der fünf Museen sollte auf jeden Fall Zeit eingeplant werden.

Über den Höhenweg am westlichen Waldrand mit Blick ins Auerbachtal

geht es zurück zur Burg.

Start: Mindelburg

Länge & Dauer: 5 Kilometer, ca. 2 Stunden

Schwierigkeitsgrad: leicht (70 Meter Höhendifferenz)

Mindelburg

Mindelheim

wandern & genießen


Burgenregion Allgäu

In der Burgenregion Allgäu warten insgesamt 38 Burgen, Ruinen,

Schlösser und Stadtbefestigungen darauf, erkundet zu werden.

Dazu gibt es eine Reihe von Veranstaltungen – voller Erlebnisse

für die ganze Familie! Fast alle Burgen können ganzjährig

und kostenlos besichtigt werden. Eine Auflistung von Angeboten

(insbesondere für Kinder), Hintergrundwissen, Führungen

und Geheimtipps zu allen Festungen gibt es unter

www.burgenregion.de

Anzeige

wandern & genießen 67


Titelthema

Für kleine Ritter und Burgfräulein

Mittelalter-Spielplätze im Allgäu

Burgen, Ruinen und Schlösser sind für Kinder besonders aufregend.

Wo gibt es schon so viel Spannendes zu entdecken und zu erfahren

über das Leben der Ritter und das Mittelalter? In der Allgäuer Burgenregion

kommen auch die jüngsten Mittelalterfans auf ihre Kosten.

»Burg Greifenstein« in Pfronten

Die »Burg Greifenstein« ist ein verkleinerter Nachbau einer Turmburg

des 13. Jahrhunderts mit plankenumzäunter Vorburg. Mittelalterliche

Spiele adeliger Kinder, die dem Üben der Geschicklichkeit,

Konzentration, Ausdauer und Tapferkeit dienten, können

hier nachgespielt werden: Auf der Stechbahn, dessen Pferdchen

allerdings pedalbetrieben sind, müssen zwei Drehschilder getroffen

werden, es gibt eine Kästchenhüpahn, Kletter- und Schaukelelemente

und für Kleinkinder eine Sandspielecke.

Adresse: Wiesenweg, 87459 Pfronten-Ried

Märchenspielplatz Steinach

Der emenspielplatz ist vielleicht nicht historisch korrekt, aber

den meisten seiner fantasievollen Besucher ist das nicht so wichtig:

Sie können spielend die Märchen der Gebrüder Grimm erkunden,

hinauf auf den Rapunzelturm oder mit dem Froschkönig rutschen.

Es gibt eine Schaukel von Frau Holle und der Sandkasten ist in einem

»Brunnen« untergebracht. Tipp: Im Märchenstadel werden

in den Sommermonaten einmal wöchentlich Märchen vorgelesen.

Weitere Informationen gibt es bei Pfronten Tourismus.

Adresse: Panoramaweg, 87459 Pfronten-Steinach

Spielplatz auf der Burghalde

Die Burghalde ist eine im Stadtzentrum von Kempten gelegene

Erhebung, auf der sich die Ruinenreste der gleichnamigen Veste

befinden. Vom Wehrturm rutschen, auf einer Kanone wippen

und auf einem Rammbock schaukeln: All das ist auf dem neuen

Mittelalter-Spielplatz auf der Burghalde möglich. Der Spielplatz

ist umgeben von hohen Bäumen, außerdem ist er vom daneben

liegenden Biergarten praktischerweise gut einsehbar. Im Anschluss

lohnt sich ein Besuch im Allgäuer Burgenmuseum.

Adresse: Burghalde, 87437 Kempten

68

Der Bärengarten in Eisenberg

Nur fünf Gehminuten vom Eisenberger Burgenmuseum entfernt

liegt das Burghotel Bären mit seinem Bärengarten, in dem über

700 Kräuter sowie Gemüse angebaut werden und der in kostenlosen

Führungen als auch auf eigene Faust besichtigt werden kann. Mitten

in diesem Gartenparadies steht als Attraktion für Kinder eine Spielburg.

Kleine Gäste dürfen hier nach Herzenslust klettern, rutschen

und natürlich Ritter oder Burgfräulein sein. Der Spielplatz liegt in

Sichtweite der Sonnenterrasse des Burghotels.

Adresse: Dorfstraße 4, 87637 Eisenberg-Zell

wandern & genießen


Anzeige

Bauernhaus-Museum in Wolfegg bietet Veranstaltungsprogramm zum Mitmachen

Zirben hobeln oder Esel bewundern?

Während der Sommerferien bietet das Bauernhaus-Museum Wolfegg beim Ferienprogramm jeweils

dienstags und donnerstags spannende Thementage für die kleinen Gäste an. Gleich zwei der größten

Veranstaltungen gibt es im September: Am 31. August und 1. September feiern die Wolfegger mit ihren

Gästen das Museumsfest und am 21. und 22. September findet das 8. Eseltreffen auf den Museums -

wiesen statt, gleichzeitig ein großer Bauernmarkt mit regionalen Produkten.

Selbst mit anpacken: Kinder-Ferienprogramm

Wie immer haben sich die Wolfegger Pädagogen einiges einfallen

lassen, was einen Besuch im Bauernhaus-Museum zum eindrücklichen

Erlebnis macht: Vom 30. Juli bis zum 10. September gibt es jeweils

dienstags, mittwochs und donnerstags ein ganz besonderes Ferienprogramm

zum Mitmachen: An spannenden Thementagen wie dem

„Erntetag“, „Märchentag“ oder dem beliebten „Wildtiertag“ dürfen die

Kinder mit Kopf, Hand und Herz in verschiedene Welten eintauchen –

stets mit guter Anleitung und viel Platz für die eigene Fantasie.

Traditionen erleben und spüren: Museumsfest

Der Wagner, die Perlenstickerin und der Harfenbauer sind mit vielen

weiteren Kollegen dabei: Teilweise fast ausgestorbene Handwerkskünste

sind am 31. August und 1. September beim traditionellen

Museumsfest zu sehen. Verteilt über das sorgsam gepflegte Museumsgelände,

werden die historischen Häuser belebt und schaffen einen

schönen Rahmen für das bunte Treiben. Im großen Veranstaltungs -

kalender des Museums ist das Museumsfest das älteste Fest, bei dem

sowohl die Wolfegger als auch viele auswärtige Gäste zusammen feiern.

Gesellige Gefährten: 8. Eseltreffen

Wer schon einmal beim Eseltreffen im Bauernhaus-Museum Wolfegg

war, weiß um das vielfältige Programm rund um die lustigen Gesellen:

über 100 Esel und Mulis präsentieren sie sich auf den Wiesen, zeigen

ihr Können beim Gespannfahren und beim Hindernislauf. Der Liebling

unter den Fohlen wird vom Publikum prämiert. Auf dem Gelände gibt

es großes Begleitprogramm und an beiden Tagen findet ein Bauernmarkt

im Museumsdorf statt. Am 21. und 22. September (jeweils von

10 – 17 Uhr) gibt es wieder die Gelegenheit, bei der fröhlichen Veranstaltung

mit dabei zu sein.

Museumssaison: 07.04.2019 – 03.11.2019

Öffnungszeiten: Mai-September täglich 10-18 Uhr,

im März, April, Oktober, November:

täglich (außer montags) 10-17 Uhr


Advertorial

Ein Hochtal für Wanderer,

Sportler und Genießer

Das Tannheimer Tal glänzt mit vielseitigen Freizeitangeboten


Advertorial

Fotos: TVB Tannheimer Tal/Wolfgang Ehn, Achim Meurer

Das Tannheimer Tal bietet eine Traumkulisse,

die zum Entspannen und Entdecken einlädt.

Ein wirkliches Paradies für Outdoor-

Begeisterte und Wanderer. Die Umgebung

ist durch eine beeindruckende Abwechslung

gekennzeichnet: von kristallblauen Seen im

Tal bis hin zu wunderschönen Wanderwegen

in den Bergen.

Ein besonderes Merkmal der Region ist das

Wandern auf drei Ebenen. Während in der

ersten Ebene entspannte Spaziergänge von

Ort zu Ort im Fokus stehen, begeistert die

Zweite mit eindrucksvollen Aussichten und

unberührter alpiner Natur. Anspruchsvolle

Routen und spannende Klettersteige ziehen

die Besucher der dritten Ebene in ihren

Bann.

Vier Bergbahnen –

Vier spannende Wandererlebnisse

Herrliche Touren direkt vor der Haustür, in

einem bezaubernden Tal, das an Vielfalt

kaum zu überbieten ist. Die Partnerschaft

zwischen Gastgebern im Tal und den Bergbahnen

des Tannheimer Tals ermöglicht das

praktische Ticket „Sommerbergbahnen inklusive“.

Besucher haben die Möglichkeit,

jede der vier Bergbahnen im Tannheimer Tal

einmal pro Übernachtung (Berg- und Talfahrt)

zu den jeweiligen Liftbetriebszeiten zu

nutzen. Zusätzlich erhalten die Gäste jeden

Tag Zugang zum Freibad in Haldensee. Die

phänomenale Natur und die herzliche Gastfreundlichkeit

der Bewohner sorgen für einzigartige

Urlaubstage im Tannheimer Tal.

Die vier Bergbahnen nehmen die Gäste mit

auf eine Reise zu verschiedensten Wanderund

Themenwegen. Dabei immer im Gepäck:

spektakuläre Aussichten und spannende

Attraktionen. Eine beliebte Tour für Familien

ist der 9erlebnisweg mit elf interaktiven

Stationen. Eintauchen in die einzigartige

Bergwelt und spannende Aufgaben an verschiedensten

Stationen – ein echtes Erlebnis

für Jung und Alt. Auf dem Neunerköpfle tragen

sich Wanderer in das höchste Gipfelbuch

der Alpen ein. Der Sonnenpanoramahut am

Gamskopf – ein drehbarer Rastplatz aus Eichenholz

im Stil eines Tiroler Huts – mit einem

perfekten 360-Grad-Blick über das gesamte

Tal ist ein Highlight für die ganze Familie.

Wer jetzt noch Lust auf einen gemütlichen

Hüttenaufenthalt hat, ist im Tannheimer

Tal genau richtig: Insgesamt stehen 31

Hütten und Almen mit einheimischen Spezialitäten

und kühlen Getränken zur Verfügung.

Preisgekrönte Premiumwanderwege

Die Drei-Seen-Tour ist ein echter Klassiker

im Tannheimer Tal. 2017 wurde sie als Premiumwanderweg

mit dem prestigeträchtigen

Tiroler Bergwege-Gütesiegel ausgezeichnet.

Das Siegel spricht für höchsten

Wandergenuss und sorgt durch einheitliche

Beschilderung im gesamten Tal für noch

mehr Sicherheit. Von Tannheim aus macht

eine Bergbahnfahrt auf das Neunerköpfle

den Anfang. Die Wanderung umfasst auf

dem Weg ins Tal rund 420 Höhenmeter Aufstieg

und 1.100 Höhenmeter im Abstieg und

führt an den malerischen Bergseen Lache,

Traualpsee und Vils alpsee vorbei.

Der Gräner Höhenweg ist ebenfalls ein Premiumwanderweg

mit Tiroler Bergwege-Gütesiegel.

Mit Startpunkt in Grän geht es zunächst

über Lumberg in Richtung Bad Kissinger

Hütte auf 1.788 Meter, die zum Einkehren

einlädt. Gut gestärkt führt die Genusswanderung

über die Sebenalm und das

Füssener Jöchle weiter, bevor es entlang der

Skiabfahrt zurück zum Ausgangspunkt

Grän geht.

Der Startpunkt zur Schattwald-Zöblen-

Runde liegt in Schattwald. Auf dem Rundwanderweg

zu den Gipfeln des Bscheißers

und des Ponten erwartet Bergliebhaber eine

traumhafte Alpenkulisse. Bis zum eigentlichen

Aufstieg führt sie zunächst durch

Waldstücke und auf Talpfaden. Fast sechseinhalb

Stunden dauert der Ausflug zu den

Gipfeln und zurück. Die beeindruckende

Szenerie bietet zahlreiche Möglichkeiten,

um Pausen einzulegen und die Ausblicke in

vollen Zügen zu genießen.

Tourismusverband Tannheimer Tal

Vilsalpseestr.1

6675 Tannheim

Tel. +43 5675/6220-0

info@tannheimertal.com

www.tannheimertal.com


Genießen

Zwischen Blüten und Beeren

Die etwas anderen

Weine aus dem Allgäu

Schon die alten Griechen waren ihm verfallen, ebenso die Römer und auch heute

hat er vermutlich mehr Liebhaber als Hasser: Wein. Er ist weiß, rose oder rot,

lieblich, halbtrocken oder trocken und immer ist er aus Trauben gemacht. Immer?

Nein! Ein Wertacher Winzer zeigt, dass man den leckeren Tropfen auch aus anderen

Zutaten herstellen kann und überzeugt mit besonderen Geschmackserlebnissen.

Das Allgäu ist für vieles bekannt:

Berge, Braunvieh und Bier gehören

dazu, Wein eher nicht.

Doch das könnte sich bald ändern – dank

der Gebirgskellerei Wertach. In dem kleinen

Oberallgäuer Ort ist Carsten Hell zuhause

und genauso wie es der Nachname

vermuten lässt, strahlt der Winzer über

das ganze Gesicht, wenn er von seinen

Weinen erzählt, die nicht wie üblich aus

Trauben gemacht werden, sondern aus

Beeren und Blüten.

Carsten Hell ist Blüten-Winzer aus Leidenschaft

und verkauft seine flüssigen Schätze an Kunden

in ganz Deutschland

Was für eine Weinidee

Der Einfall zu diesen ungewöhnlichen

Kreationen wurde nicht aus der Not heraus

geboren, sondern eher aus Jux und Tollerei,

wie es der 50-Jährige selbst beschreibt.

Der gebürtige Heilbronner ist mit Wein

groß geworden, hat auch mal bei einem

Winzer gearbeitet. Doch so richtig viel zu

tun hatte er damit nie – bis zu seinem Studium

des Bauingenieurswesens in Konstanz

am Bodensee. Dort hat er zusammen

mit einem Freund an fruchtigen Weinen

experimentiert. »Einfach weil wir kein

Geld hatten und dann macht man den Alkohol

halt selber. Traubenwein herzustellen

war fast zu langweilig, Beerenwein war

72

wandern & genießen


Fotos: Carsten Hell, Thomas Niehörster, Claudia Schöwe

links: Die heilige Halle der Gebirgskellerei.

Bevor hier allerdings die köstlichen

Tropfen entstehen, sammelt er die Zutaten

von Hand (oben)

da viel spannender und so haben wir ein

paar Jahre daran rumexperimentiert«, erklärt

er den ungewöhnlichen, aber für ehemalige

Studenten komplett nachvollziehbaren

Grund für die Entstehung. Ihre Zutaten

– Erdbeeren, Himbeeren, Sauerkirschen

– bezogen sie damals direkt vor Ort

von regionalen Obstbauern.

Aus Jux wurde Ernst

Nach Abschluss seines Studiums arbeitete

Carsten Hell in seinem studierten Beruf,

doch so ganz konnte er die Finger nicht

vom Wein beziehungsweise der Herstellung

der leckeren Tropfen lassen und betrieb

es als Hobby weiter. Er hatte einfach

das Gefühl, dass er etwas produziert, was

die Leute anspricht, sagt er heute rückblickend.

»Und dann gab es eine Phase, in

der ich mich beruflich entscheiden musste

und da hab ich zu mir gesagt: ‚Ich will

mich nicht nur mit der Weinkellerei beschäigen,

sondern das Hobby zum Beruf

machen.‘« Das Handwerk dafür musste er

sich allerdings selber beibringen. Zwar gibt

es eine Ausbildung zum Winzer – dort

wird aber nur die Weinherstellung mit

Trauben gelehrt. Doch die Mühe hat sich

für den Autodidakten gelohnt. Nachdem

er ins Allgäu kam, stellte er seine Weine

zunächst in einem Keller in einem Ortsteil

Oy-Mittelbergs her. Doch die unterirdischen

vier Wände wurden irgendwann zu

klein und so folgte vor über zehn Jahren

der Umzug nach Wertach, wo sich die Gebirgskellerei

nun mitten im Ort befindet.

Das Gute liegt so nah

Seit den Anfängen zu Studienzeiten des

heute 50-Jährigen hat sich viel getan, doch

eines ist gleich geblieben: die Art der Zutatenbeschaffung.

Wie schon damals setzt

er auf Regionalität. Die Beeren holt er

beim Bauern »um die Ecke«, die Blüten

wie etwa Löwenzahn erntet er wild auf

Wiesen, Rosen und Holunder werden auf

zwei Feldern bei Oy-Mittelberg angebaut

und gepflückt. Nur für eine ganz besondere

Zutat muss der Winzer das Allgäu

verlassen – denn Zirbe wächst in unserer

Region leider nicht. Also fährt er einmal

im Jahr für ein paar Tage mit fleißigen

Helfern ins Ötztal oder in die Dolomiten

und erntet dort per Hand 30 bis 35 Kilogramm

Zirbenzapfen, aus welchen in der

Kellerei bis zu 300 Liter Zirbenzapfenwein

entstehen.

ä

Die Blüten und Beeren für die Weine stammen

alle aus dem Allgäu. Nur für die Zirbenzapfen

muss er in die Dolomiten fahren und pflückt sie

dort hoch oben in den Bäumen

wandern & genießen 73


Genießen

Wie heißt es doch so

schön: in vino veritas.

Und die Wahrheit ist,

dass die Kreationen

des ungewöhnlichen

Winzers optisch und

geschmacklich was

hermachen

Die Idee zu diesem – auch für Carsten Hell

– speziellen Wein, kam ihm quasi beim

Bergsteigen und nein, es lag nicht an der

Höhenlu. Eher an einem Bauern, den er

getroffen hat. Der stellte aus den Zapfen

einen Likör her, der auf große Begeisterung

beim gebürtigen Heilbronner stieß.

»Der war super, sehr eigenwillig – holzig,

harzig, ätherisch, bissle brandig. Und dann

kam mir die Idee: Wenn die Hefen es

schaffen würden so was zu vergären, dann

könnte ich vielleicht das Aroma gewinnen,

74

ohne das brandige, alkoholische«, so der

50-Jährige. Nach etwa zwei, drei Jahren

hatte sich die Idee verflüssigt und war zu

einem ungewöhnlichen, aber leckeren

Wein geworden.

Was lange gärt, …

Was zunächst nach einer

reecht langen Entwicklungszeit

klingt, ist gar

nicht viel – man muss

Mitten in Wertach im Oberallgäu befindet sich

das Paradies für Liebhaber ungewöhnlicher

Weine. Besucher können diese hier nicht nur

kaufen, sondern sie auch zusammen mit Käse

und Pralinen probieren und genießen

beachten, dass nur einmal im Jahr geerntet

werden kann, man also nur einen Versuch

pro Jahr hat. »Der Holunder war die viel

größere Herausforderung. Der hat mehrere

Jahre gebraucht, bis der mal so wurde,

dass man sagen konnte: ‚Okay, der ist

verkehrs fähig‘«, gesteht der Winzer. Und

bis heute ist dieser Wein in der Herstellung

einer der schwierigsten, denn

die Blüten sind mikrobiologisch

besiedelt und wenn man sie

vergären will, hat man die Mikroorganismen

alle an der

Backe, wie es der Weinmacher

so schön sagt.

Zudem liefert die Blüte –

im Vergleich zu Trauben

oder Beeren – keine Flüssigkeit,

keinen Fruchtzucker

und keine Säure. Das

muss alles Carsten Hell dazugeben.

»Und dann bin ich

in der Ähnlichkeit bei der Bierbereitung,

wo eben in Wasser eingemaischt

wird.« Während allerdings

beim Bier der Zucker vom Malz kommt,

der ein Zusatzaroma bringt, verwendet der

Wertacher Winzer Rübenzucker. Der hat

keinen Eigengeschmack und so schmeckt

das Endprodukt, der Wein, nach dem Rohstoff

und nichts anderem. Außerdem klärt

er seine leckeren Tropfen ohne Schönungsmittel

und benutzt auch keine Konservierungsstoffe

– dennoch sind seine Weine

drei bis vier Jahre haltbar, ähnlich lange

wandern & genießen


Anzeigen

wie ein Weißwein. »Aber in einem gescheiten

Haushalt ist ein Wein nie so lange offen«,

sagt er lachend.

Im Verkaufsraum

der Gebirgskellerei

zeigt sich die Vielfalt

der Weinsorten

Nur Wein muss nicht sein

Damit möchte der 50-jährige Winzer aus

Leidenscha natürlich niemanden animieren,

die ganze Flasche alleine oder gar auf

einmal zu trinken. Viel eher sind seine

Weine für den Aperitif- und Dessertbereich

gedacht, ebenso als Digestive. »Oder

aber wenn man die gezielten Kombinationen

mit Käse, Schinken und Schokolade

schätzt«, ergänzt der Winzer. Wer sich allerdings

unsicher ist, welches Milchprodukt

zu welchem Beerensa passt, der

kann auf eine Käse- oder Pralinenprobe

in der Gebirgskellerei vorbeischauen. Bei

diesen kommen die Besucher in den Genuss

besonderer Geschmacks erlebnisse:

Hier tri geräucherter Schinken auf Zirbenzapfenwein,

Grauschimmelkäse auf

Rosenwein oder Vollmilchschokolade auf

Holunderblütenwein.

Schon beim Gedanken daran läu experimentierfreudigen

Gourmets das Wasser

im Mund zusammen. Und wer weiß auf

welche Kreationen sich Weinliebhaber zukünig

noch freuen können, denn Carsten

Hell will weiter versuchen der Natur den

besten Geschmack abzugewinnen und immer

wieder neue flüssige Köstlichkeiten

entwickeln. Darauf ein Glas leckerer Beerenwein.

Claudia Schöwe

wandern & genießen 75


Wandern

Der Grenzgänger-Weg

6 Etappen

80 Kilometer

6000 Höhenmeter

Eine Mehrtagestour inmitten der Allgäuer Alpen, bei der ständig die deutsche

und österreichische Grenze zwischen Tannheimer Tal, Hintersteiner Tal und

dem Lechtal überschritten wird – das ist der »Grenzgänger«. Die Umrundung

des markanten Hochvogels und ein Besuch des bekannten Schrecksees sind

nur zwei Highlights der alpinen Wanderung.

76

Insgesamt sechs Etappen umfasst die Mehrtagestour und

allesamt sind als anspruchsvoll einzuordnen. Der Weg führt

den enthusiastischen Grenzgänger immer wieder über ausgedehnte

Geröllfelder, entlang ausgesetzter Grate und durch

steile Flanken. So werden in sechs Tagen über 80 Kilometer

und gut 6000 Höhenmeter zurückgelegt. Dort, wo der Weg

nicht direkt an der Grenze verläuft, wird sie immer wieder überschritten

– mindestens einmal täglich überschreitet man die

unsichtbare Linie zwischen Deutschland und Österreich. Häufig

deutlich öfter.

Übernachtet wird in Hütten oberhalb der Waldgrenze inmitten

des Naturschutzgebietes der Allgäuer Alpen oder in Talorten –

hier raubt einem nicht die Wanderung, sondern die Aussicht den

Atem. Aber nicht nur die landschalichen Highlights beeindrucken,

sondern auch die Flora und Fauna entlang des »Grenzgängers«.

So leben seit einigen Jahren wieder Steinadler in den Allgäuer

Alpen und auch Bartgeier, die hier lange als ausgerottet

galten, werden wieder vermehrt gesichtet. Zudem können Wanderer

hoffen Steinböcke zu Gesicht zu bekommen, die sich seit

ihrer Wiederansiedlung stark vermehrt haben und wenn man

ganz viel Glück hat und die Augen offen hält, kann man am Wegesrand

vielleicht ein Edelweiß entdecken. Das alles klingt verlockend?

Na dann nichts wie los und auf zur ersten Etappe.

Etappe 1: Schattwald – Willersalpe

Länge: 8,5 Kilometer; Höhe: 1062 Höhenmeter,

699 Höhenmeter; Dauer: ca. 5 Stunden

Das erste Teilstück des Grenzgänger-Weges führt den ambitionierten

Wanderer zu den Paradegipfeln des österreichischen

Tannheimer Tals. Auf einer abwechslungsreichen Tour geht es

durch sämtliche Vegetationsstufen, bis man sich beim ersten Gipfel

– dem Bschießer – inmitten einer alpinen Landscha wiederfindet.

Über einen wilden, kaum ausgesetzten Grat führt der Weg

weiter zum zweiten Gipfel, dem Ponten – dessen Kreuz erreicht

man nur über eine anspruchsvolle letzte Passage, aber die Mühen

lohnen sich. Von hier aus geht es auf der deutschen Seite hinab

zur urigen Willersalpe, die bis heute nur mit Lasttieren versorgt

wird. Hier hat man nun die Qual der Wahl: Auf der Hütte bleiben

und übernachten oder nach Hinterstein absteigen und dort nächtigen.

Empfehlenswert ist die erste Variante, denn von der Willersalpe

aus startet am nächsten Morgen die zweite Etappe.

wandern & genießen


Fotos: Bad Hindelang Tourismus

Etappe 2: Willersalpe –

Landsberger Hütte

Länge: 11,5 Kilometer; Höhe: 1007 Höhenmeter,

672 Höhenmeter; Dauer: ca. 6 Stunden

Der frühe Vogel fängt den Wurm, ist das Motto auf den Alpen

und gleiches gilt für die Wanderer auf dem »Grenzgänger«. Doch

das zeitige Aufstehen wird belohnt, denn auf der zweiten Etappe

wartet einer der Höhepunkte der Mehrtagestour: der Schrecksee.

Den Anblick muss man sich allerdings mit mehreren Auf- und

Abstiegen verdienen – im Leben ist halt nichts umsonst. Zunächst

geht es steil und teilweise anspruchsvoll hinauf zum Gaiseck, von

wo aus man nicht nur den herrlichen Vilsalpsee im Tannheimer

Tal von oben bestaunen kann, sondern auch in weiter Ferne das

Etappenziel, die Landberger Hütte, erspähen kann. »So weit

noch?«, mag manch einer nun denken. Aber keine Sorge: Der Tag

ist noch lang und der Weg dahin wunderschön. Man muss ihn

Die Willersalpe ist das

Ziel der ersten Etappe.

Hier können die

»Grenzgänger« die

Nacht verbringen,

bevor es am nächsten

Morgen weiter geht

Der Schrecksee ist einer der bekanntesten Seen

des Allgäus und ein Höhepunkt der Wanderung

über den Grenzgänger-Weg

nur gehen. Als nächstes führt er unterhalb des Rauhecks in das

nächste Joch, von dem aus man das erste Mal den Schrecksee

sehen kann. Doch einige Kilometer später, am nächsten Sattel,

muss man sich erst einmal von dem Anblick verabschieden. Durch

eine sane Graslandscha führt der Weg den Wanderer zum letzten

Übergang der zweiten Etappe, das westliche Lachenjoch, das

endlich den Blick freigibt auf das Etappenziel – die Landberger

Füße. Hier angekommen, kann man den Füßen die wohlverdiente

Pause gönnen und dabei von der Sonnenterrasse aus die imposante

Nordwand der Lachenspitze bestaunen. Doch schon bald ru das

Bett, denn ein weiterer beeindruckender Tag wartet.

Etappe 3: Landsberger-Hütte –

Prinz-Luitpold-Haus

Länge: 12,3 Kilometer; Höhe: 724 Höhenmeter,

681 Höhenmeter; Dauer: ca. 6-7 Stunden

Nach einer erholsamen Nacht geht es auf bekannten Wegen zunächst

zurück in Richtung Schrecksee. Doch keine Angst, man

muss nicht wieder komplett von vorne anfangen. Schon bald

biegt man links in Richtung Prinz-Luitpold-Haus ab. Die dritte

Etappe steht ganz im Zeichen des Hochvogels, denn der mächtige,

unübersehbare Felsriese dominiert den Ausblick beim Wandern

es geht wahrlich schlechter. Scheint er anfangs noch unend- ä

wandern & genießen 77


Wandern

Am Ende der dritten Etappe erreicht man das

Prinz-Luitpold-Haus auf 1846 Metern und kann

den Blick auf die Allgäuer Alpen genießen

lich weit weg zu sein, schleicht man sich auf herrlichen Wiesenpfaden

an ihn heran. So schön das auch klingt: Immer wieder

müssen dabei anspruchsvolle Passagen bewältigt werden, die jedoch

mit Drahtseilen entschär sind. Gerade als man sich nach

ein paar Stunden am Hochvogel satt gesehen hat, biegt man ab

und steht vor der größten Herausforderung der heutigen Etappe:

Das Geröllfeld zur Bockkarscharte ist lang und steil. Doch umso

größer ist der Wandererstolz, wenn man den Übergang erreicht

hat und voller Freude auf einige der markantesten Allgäuer Gipfel

und das überraschend nahe Prinz-Luitpold-Haus blickt. Wenn

man hier steht, weiß man, dass man es gescha hat – zumindest

für heute.

Etappe 4: Prinz-Luitpold-Haus –

Hinterhornbach

Länge: 15,4 Kilometer, Höhe: 928 Höhenmeter,

1670 Höhenmeter; Dauer: 7-8 Stunden

Während der Begeher des »Grenzgängers« am Vortag die bekannten

Berge Höfats, Trettach und Schneck nur aus der Ferne

bestaunen konnte, kommt er ihnen auf der vierten Etappe richtig

nahe. Den Anfang macht der Schneck, dessen Vorgipfel selbst

trainierte Wanderer durchaus zum Schnaufen bringt. Doch der

sagenhae Blick auf die Höfats entschädigt einen dafür. 70 Grad

steil ragen ihre Flanken auf, gekrönt von gleich vier spitzen Gipfeln

– mehr ist halt einfach mehr. Bald darauf geht es durch herrlich

duende Blumenwiesen und ausgedehnte Geröllfelder, um am

Hornbachjoch wieder eine völlig neue Perspektive zu erleben:

Denn wieder rückt der Hochvogel ins Blickfeld, diesmal allerdings

78

Ein Gemeinschaftsprojekt

Der »Grenzgänger« ist ein Gemeinschasprojekt der Tourismusverantwortlichen

des Tannheimer Tals, des Lechtals, Bad Hindelang

sowie des Deutschen Alpenvereins (Sektion Allgäu-

Immenstadt). Die Idee wird durch die EU im Rahmen des Interreg-Programms

gefördert.

In den Jahren 2017 bis 2021 wurden und werden umfassende

Sicherungsmaßnahmen entlang der Grenzgänger-Route vorgenommen,

stets unter der Prämisse, sich harmonisch in die Landscha

einzufügen und das natürliche Bild nicht zu stören. Es

geht darum, die bestehenden Wege zu sichern und in Wert zu

setzen – damit auch zukünige Wanderer den Weg gehen können.

Weitere Infos und die einzelnen Etappen inklusive Karte:

www.grenzgaenger-wandern.com

seine südliche, nicht minder spektakuläre Seite. Aber auch die

Hornbachkette mit ihren Dolomit-Gipfeln zieht den Blick auf

sich. Zeit zum Staunen und Schauen hat der Wanderer auf dem

langgezogenen Rücken des Kanzberges auf jeden Fall, bevor es

durch den Wald hinab nach Hinterhornbach geht, wo man in einem

Gasthof schlafen und die Eindrücke der letzten Tage verarbeiten

kann.

Etappe 5: Hinterhornbach – Hinterstein

Länge: 13,8 Kilometer; Höhe: 1275 Höhenmeter,

1317 Höhenmeter; Dauer: 7-8 Stunden

Nach der Nacht im Tal ru wieder der Berg und zwar ein mittlerweile

bekannter der Wanderung: Der Hochvogel spielt am

fünen Tag der Mehrtagestour wieder eine zentrale Rolle. Von

Hinterhornbach aus steigt der Wanderer auf jener Seite hinauf,

auf der früher noch ein anspruchsvoller Steig direkt auf den

Gipfel zog. Da der Berg aber eine gespaltene Persönlichkeit ist

und ein Bergsturz droht, kommt diese Begehungsvariante nicht

in Frage. Also führt der Weg zunächst etwas weniger anspruchsvoll

über den Fuchsensattel auf die Nordseite des imposanten

Felsriesen, in Richtung des Prinz-Luitpold-Hauses. Doch schon

bald ist volle Konzentration gefordert – der Aufstieg zur Balkenscharte

steht bevor und hat der Wanderer diesen gescha, blickt

wandern & genießen


Anzeige

Düfte erleben

im PRIMAVERA Duft- &

Naturkosmetikshop

Entdecken Sie unser ErlebnisProgramm

mit Workshops, duftenden Veranstaltungen,

Firmen- & Gartenführungen.

Infos unter www.primaveralife.com

Wanderer auf dem Grenzgänger-Weg müssen

keine Angst haben, dass sie ihr Tagesziel verfehlen

oder sich verlaufen – zahlreiche Schilder leiten sie

ROSENFEST 29. & 30. Juni

er auf die bereit bekannte Hütte. Leider ist sie nicht das Ziel der

heutigen Etappe – das erreicht man erst gut zwei Stunden später

im Tal am Giebelhaus. Und von dort aus geht es ganz gemütlich

mit dem Bus hinab nach Hinterstein, wo man guten Gewissens

mal die Füße hochlegen kann. Bevor am sechsten Tag die sechste

Etappe wartet.

Etappe 6: Hinterstein – Schattwald

Länge: 13,6 Kilometer; Höhe: 1153 Höhenmeter,

926 Höhenmeter; Dauer: 7 Stunden

Die sechste und letzte Etappe führt den Grenzgänger ein letztes

Mal über die Grenze. Doch bevor es soweit ist, erwartet einen

gleich zu Beginn der Wanderung der imposante Zipfelbachfall.

Von dort aus geht es weiter durch Wald und Wiesen hinauf zur

Zipfelsalpe, auf deren Terrasse die Brotzeit besonders gut schmeckt

– der Aussicht sei Dank. Von hier aus kann man auch schon einen

Blick auf die Gipfelhänge des Iseler, des ersten Etappenziels, werfen.

Auf dem weiteren Weg durch blumenreiche Wiesen gewinnt man

immer mehr an Höhe, bis man am Gipfelgrat zum ersten Mal die

Ortschaen Ober- und Unterjoch erkennen kann. Folgt der Wanderer

dem Gratverlauf – teilweise etwas ausgesetzt, teilweise steil,

meist jedoch auf schönen Bergpfaden – gelangt er zum Kühgundkopf.

Beim Abstieg Richtung Schattwald warten nun die letzten

Drahtseile auf den Wanderer, bevor er sich an der Wannenjochbahn

entscheiden muss, wie er den »Grenzgänger« beendet: mit einer

gemütlichen Bahnfahrt ins Tal oder per pedes. Egal wie man sich

entscheidet – nun kann man mit Stolz sagen, dass man ein Grenzgänger

ist.

Claudia Schöwe

Do It Yourself

wir zeigen wie

einfach es ist

jeden Dienstag

16 & 17 Uhr

PRIMAVERA Duft- & Naturkosmetikshop

Naturparadies 1 • 87466 Oy-Mittelberg

Öffnungszeiten

Mo – Fr 9 – 18 Uhr & Sa 10 – 18 Uhr

wandern & genießen 79


Kultur

Zwei Epochen – zwei Schiffe

Erlebnis auf dem

Bodensee

Eine Seefahrt im Allgäu? »Das gibt es doch nicht«, werden Sie sagen. Aber es ist

möglich. Und sogar mit dem Komfort des vergangenen Jahrhunderts. Wer noch

nicht mit dem historischen Raddampfer Hohentwiel auf dem Bodensee unterwegs

war, sollte das schnell nachholen. Zudem gibt es seit diesem Jahr eine reizvolle

Alternative: Eine Fahrt auf dem klassischen Motorschiff Oestereich.

Auch wenn Bayern nur einen kleinen Anteil am Bodensee

besitzt und somit das Allgäu offiziell Anlieger am

drittgrößten Binnensee Europas ist – auch aus unserer

Region lässt sich prächtig »in See stechen«. Und das nun sogar

doppelt erlebnisreich. Denn mit dem Motorschiff Oesterreich

wurde kürzlich eine neue Attraktion auf dem Bodensee in Betrieb

genommen. Die alte MS Oesterreich wurde 1928 in Dienst

gestellt und leitete damals die Ära der Motorschiffe am Bodensee

ein. Die luxuriöse Erscheinung der Oesterreich begeisterte seinerzeit

das erlebnishungrige Publikum.

Ein Ende mit Schrecken?

Wie so viele alte historische Schiffe, sollte die Oesterreich 2012

verschrottet werden. Dazu kam es Gott sei Dank nicht. Mit viel

Einsatz wurde das wunderschöne Motorschiff in den vergangenen

Jahren wieder instandgesetzt und wird nun gemeinsam mit

dem Dampfschiff Hohentwiel betrieben.

80

1928 – es war die Zeit des großen Aufatmens. Nach dem Ersten

Weltkrieg sehnten sich die Menschen nach Luft, Leben und

Schönheit. Der Acht-Stunden-Tag und tarifliche Urlaubsregelungen

wurden eingeführt. Die Freizeit wurde demokratisiert.

Dazu passte das neue Schiff. Die Oesterreich war aufgebaut im

Stile des Art déco. Auf dem Schiff herrschte das Flair der früheren

großen Überseedampfer.

Ein wechselvolles Schiffsleben

Nach 80 Jahren im Betrieb als Passagierschiff, als Eisbrecher,

als Kriegsschiff und einer geplanten Versenkung sowie mehrfachem

Umbau, hätte die Oesterreich eigentlich verschrottet

werden sollen. 2009 war die letzte Fahrt des alten Schiffes. Doch

bald kam Widerstand gegen das Verschrotten auf. Eine wachsame

Gruppe von Schiffsfreunden war entschlossen, die Oesterreich

zu retten. 2014 wurde der Verein »Freundeskreis MS

Oesterreich« ins Leben gerufen. 2015 begann ein Team von ins-

wandern & genießen


Der historische Raddampfer Hohentwiel

ist ebenfalls auf dem großen See im Süden

Deutschlands unterwegs

Sie wurde vor der Verschrottung gerettet und

und sorgt nun für ganze besondere Schifffahrten

auf dem Bodensee: die Oesterreich

Fotos: Peter Elgaß, Michael Haefner, Hohentwiel Schifffartsgesellschaft

In den restaurierten

Schiffen treffen sich

historischer Charme

und moderne Technik

gesamt 25 Freiwilligen mit dem »Ausbeinen« des Schiffes. In

über 1100 Stunden wurden bis zum Frühjahr 2016 etwa 75 Tonnen

Material ausgebaut.

Während des Ausbaus der Inneneinrichtung zeigte sich, dass

auch der gesamte Aufbau des Schiffes ersetzt werden musste.

Was zunächst eine Katastrophe zu werden schien, barg aber

auch eine Chance: Das Schiff wieder in seinem ursprünglichen

Zustand neu aufzubauen. Der Verein war jedoch finanziell mit

diesem Projekt hoffnungslos überfordert. In kürzester Zeit fand

sich aber glücklicherweise ein weiterer Freundeskreis.

Zusammenarbeit für eine gute Idee

Eine GmbH wurde gegründet, die die finanzielle Basis für die

grundlegende Renovierung auf die Beine stellte. Weitere wichtige

Unterstützungen kamen durch das Land Vorarlberg und die

europäische INTERREG-Förderung hinzu. Im April dieses Jahres

konnte die Oesterreich nun wieder offiziell in Betrieb genommen

werden. Ein Freudentag nicht nur für die vielen Initiatoren

und unermüdlichen Helfer, sondern auch ein Symbol

dafür, was alles möglich ist, wenn Menschen sich zusammentun

und ein wichtiges Kulturgut für die Nachwelt retten.

Kaum lösbare Aufgaben

Die Restaurateure beider Schiffe standen am Anfang vor einer

kaum zu vereinbarenden Aufgabe. Sie sollten die Schiffe in ihrem

Urzustand zeigen und betreiben, mussten aber gleichzeitig

alle heutigen Standards einhalten, die auch von einem Neubau

verlangt werden. Modernste Technik und historische Substanz

wurden vereint, jedes Detail perfekt restauriert.

Bei der Oesterreich waren drei Jahre Planung und Suche nach

Finanzmitteln notwendig, bevor es an die eigentliche Arbeit gehen

konnte – die dann drei weitere Jahre dauerte. Ähnlich verlief

vor vielen Jahren die Restaurierung der Hohentwiel, dem

»Schwesterschiff« der Oesterreich. Nach sechs Jahren un- ä

wandern & genießen 81


Kultur

Info:

Das Art déco-Motorschiff Oesterreich und

der Jugendstil-Schaufelraddampfer Hohentwiel

werden gemeinsam betrieben.

Beide starten jeweils vom Steg in Hard bei

Bregenz. Die »Historische Schifffahrt Bodensee«

– die bisherige Crew der Hohentwiel

– mit Sitz in Hard, organisiert die

Fahrten-Highlights beider Schiffe.

Adresse: Hofsteigstraße 8, A-6971 Hard,

Telefon +43 (0) 5574 / 635 60. Alle Fahrten

sind auch auf den gemeinsamen Websiten

buchbar: www.hohentwiel.eu oder

www.ms-oesterreich.eu oder per E-Mail

unter welcome@hohentwiel.eu

Auch im Unterdeck der Oesterreich geht die Zeitreise weiter –

die Einrichtung versprüht den Flair vergangener Jahre

Viele Jahre war die Schiffsglocke der Hohentwiel verschwunden –

jetzt wurde sie wiedergefunden

ermüdlicher Recherche- und Restaurierungsarbeit, konnte die

Hohentwiel am 17. Mai 1990 zu ihrer Jungfernfahrt auslaufen.

Dieser Raddampfer wurde 1913 gebaut und zeigt bis heute alle

Elemente des Jugendstils.

Nur 15 Jahre liegen zwischen den ursprünglichen Jungfernfahrten

der Hohentwiel und der Oesterreich. Dazwischen gab es einen

fürchterlichen Weltkrieg, aber auch einen gewaltigen Techniksprung

von der Dampftechnik zum Dieselmotor und den

Wechsel der Stilepochen. Ein wahrer Glücksfall für die heutigen

Betreiber beider Schiffe. Denn die Unterschiede können nun

gezeigt werden. Beispielsweise können Fahrten mit der Hohentwiel

von Bregenz über Lindau nach Friedrichshafen angeboten

werden. Nach einem Aufenthalt dort kann die Rückfahrt mit

der Oesterreich erfolgen. Eine Seefahrt, aber zwei Stilepochen,

mit entsprechendem Ambiente und kulinarischen Angeboten

aus der Zeit. Und wenn man will, erfolgt der Transport zu den

öffentlichen Verkehrsmitteln auch noch in einem historischen

Omnibus.

Genussvoll in die Vergangenheit

Apropos Speis und Trank: Die Schiffe haben jeweils eine moderne

Küche – aber mit der Gründung der GmbH entschied

82

man sich, aus Platzgründen auch eine Küche an Land einzurichten.

Dort werden regionale Gerichte vorbereitet, die dann

auf die Schiffe gebracht werden. Auf dem Fahrplan der beiden

Schiffe gibt es Festspielfahrten, ein Weinfestival, Fahrten in den

Sonnenuntergang und Besichtigungstouren.

Jedes der Schiffe kann für Hochzeiten, Firmenfeiern und Jubiläen

gebucht werden. Es sind insgesamt 30 Themenfahrten im

Angebot, etwa ein Böhmischer Abend, eine Kaiserfahrt, die

Konstanzer Seenacht, die Gatsby Gala, die Rheindelta Tour und

die Mainau Insel Cruise.

Gemeinsam ein Stück Geschichte

Das Art déco-Motorschiff Oesterreich und der Jugendstil-Schaufelraddampfer

Hohentwiel verkörpern die historische Schifffahrt

auf dem Bodensee – von der Belle Époque bis in die Goldenen

Zwanziger. Gemeinsam werden die zwei Traumschiffe unter

dem Dach »Historische Schifffahrt Bodensee« vermarktet.

Beide Schiffe haben denselben Komfort, bieten in etwa gleich

vielen Personen Platz (circa 250). Die Oesterreich ist auf dem

Hauptdeck zudem barrierefrei. Da das Motorschiff auch wintersicher

rekonstruiert wurde, kann sie das ganze Jahr über betrieben

werden.

wandern & genießen


Westallgäuer

Vom 27. September

bis 12. Oktober 2019

Wanderwochen

Geführte und kulinarische Wanderungen in die alpine Bergwelt,

auf den Spuren der Wandertrilogie Allgäu sowie rund um die Tourismusorte

Lindenberg, Scheidegg, Oberreute und Weiler im Allgäu.

Mit den Westallgäuer Wanderwochen laden

die Orte Lindenberg, Scheidegg, Oberreute

und Weiler dazu ein, ihren Trilogieraum

„Wasserreiche“ zu entdecken. Hier haben

Gletscher ein wahres Wunderland hinterlassen:

Tiefe Schluchten, schroffe Klammen,

faszinierende Wasserfälle und dunkle Moorseen.

Besuchen Sie diese betörende Naturund

Kulturlandschaft und genießen Sie die

Blicke auf das Bergmassiv der Alpen sowie

den Bodensee – das schwäbische Meer.

Im Rahmen der Westallgäuer Wander -

wochen können Gäste bei vielfältigen geführten

und kulinarischen Wanderungen die

Landschaft der Wassereiche kennenlernen.

Und dabei in die spannenden Geschichten

der Wandertrilogieorte eintauchen: da wandert

man auf den Spuren von Hutmachern

sowie auf Grenzerpfaden und sogar einem

Eisbär kann man der Legende nach in Scheidegg

begegnen. Von Strecken wanderungen

bis hin zu klassischen Bergwanderungen ist

für jeden Geschmack etwas dabei.

Jeder Ort wird wieder seine „Lokalen Klassiker“

anbieten. So erwartet den Wanderer

z.B. in Oberreute eine Wanderung zum zum

Kräutergarten Artemisia und zu den Eibelewasserfällen.

In Scheidegg gibt es eine

Schmugglerwanderung mit gemütlicher

Einkehr und in Weiler wartet die wild -

romantische Hausbachklamm mit einer

kulinarischen und musikalischen Überraschung

auf einen Besuch. In Lindenberg

dürfen natürlich Wanderungen rund um den

Waldsee, den höchstgelegenen Moorbadesee

Deutschlands, nicht fehlen. Bei einer kulinarischen

Stadtführung wird die

Geschichte des Ortes zu einem sinnlichen

Erlebnis.

Die Teilnahme ist für Urlaubsgäste mit der

Allgäu-Walser-Card kostenlos (ausgenommen

evtl. Transferkosten und andere Extras).

Ohne Gästekarte kosten die Wanderungen 5

€, sofern nicht anders im Programm gekennzeichnet.

Eine Anmeldung ist bis 12

Uhr am Vortag bei allen Tourist-Infos der

Gemeinden möglich.

Das ausführliche Programm gibt es unter

www.westallgaeu.de und kann in den beteiligten

Gemeinden angefordert werden.

SCHEIDEGG-TOURISMUS

Rathausplatz 8

88175 Scheidegg im Allgäu

Tel. +49 8381 89555

Fax +49 8381 89550

info@scheidegg.de

GÄSTEAMT OBERREUTE

Hauptstraße 34

88179 Oberreute

Tel. +49 8387 1233

Fax +49 8387 8707

gaesteamt@oberreute.de

TOURIST-INFORMATION

LINDENBERG

Museumsplatz 1

88161 Lindenberg im Allgäu

Tel. +49 8381 9284310

Fax +49 8381 80388

touristinformation@lindenberg.de

TOURIST-INFORMATION

WEILER-SIMMERBERG

Hauptstraße 14

88171 Weiler im Allgäu

Tel. +49 8387 39150

Fax +49 8387 39153

info@weiler-tourismus.de


Reportage

Goldwaschen im Allgäu

Steinreich

in vier Stunden

Die Pfanne gleichmäßig und langsam schwenken, damit sich das Gold vom

roten Sand trennt. Wertloser Flitter, der ebenso glitzert wie das begehrte Metall,

ist leichter und wird weggeschwemmt. Dann kommt es zum Vorschein, starr bleibt

es liegen. Mit einem Zahnstocher fischen wir es aus der Waschpfanne und legen

es in ein Kunststoffdöschen. Das erste Gold ist gewaschen – weiter geht’s!

84

wandern & genießen


wandern & genießen 85


Reportage

Tipp: Wer schon immer wissen wollte,

wie Glas entsteht, sollte dem Glasmacherdorf

in Schmidsfelden einen Besuch abstatten.

Das lässt sich ideal mit einer

Rundwanderung verknüpfen: Unser Weg

führt durch die Adelegg auf dem »Glasmacherweg«,

der normalerweise in mehreren

Tagestouren erkundet werden kann. Bei

unserer Tour beschränken wir uns auf

einen kleinen Ausschnitt des emenpfads

– dem schönsten natürlich!

Start: Schmidsfelden

Länge &Dauer: 6 Kilometer, 2 Stunden

Schwierigkeitsgrad: leicht

Werner Kirchhofer ist Mitglied im Verein »D’Allgaier Stoi’klopfer«. Heute

unterstützt er uns bei der Suche nach Gold – denn er kennt die besten Stellen

Morgens um neun stehen meine Kollegin Viola und ich

– mit Gummistiefeln und Dreibein-Hockern bewaffnet

– auf dem Parkplatz nahe des Glasmacherdorfs

Schmidsfelden. Hier treffen wir uns mit Klaus Vogt, Werner

Kirchhofer und Matthias Hanke vom Verein »D’Allgaier Stoi’klopfer

e.V.«. Zusammen werden wir heute nach Gold suchen. Die

Schatzjagd wollen sich auch andere nicht entgehen lassen und so

bekommen wir kurz darauf Gesellscha von dem sechsjährigen

Benjamin, der ebenfalls sein Glück versuchen möchte, und seiner

Mutter Annika Krause.

Noch etwas schüchtern und verschlafen, horcht der kleine Mann

sofort auf, als er das Wort »Gold« hört. »Wenn man einen Quarz

findet, ist das ein Anzeichen dafür, dass dort Gold zu finden ist«,

erklärt uns Matthias. Die nun aufgeregten Kinderaugen wandern

zum Boden und schnell hat Benni die ersten Milchquarze entdeckt

und bringt sie voller Stolz zu unserer Gruppe. Simon Kocher

vom Naturhistorischen Museum London, der als Mitglied des

Vereins auch gerne mit den Allgäuer Stoiklopfern loszieht, sobald

er seine Heimat besucht, ist unser letztes Gruppenmitglied. Nachdem

auch er eingetroffen ist, kann es losgehen. So langsam steigen

Vorfreude und Spannung – immerhin kann ich mir nicht vorstellen,

ob und wie viel Gold wir finden werden. Doch zuerst

fahren wir ein paar hundert Meter weiter und laufen dann in

Gummistiefeln und mit voller Ausrüstung zur bayerisch-badenwürttembergischen

Grenze – dorthin, wo sich Eschach und Kürnach

zu einem Bach vereinen.

86

Auf der Suche nach Besonderem

Die Sonne scheint durch das Blätterdach auf das Bachbett. Werner

läu ein paar Schritte die Eschach hinauf und baut im Wasser

seine Waschrinne auf – die hat er sich vom Schrottplatz geholt.

Er klappt das Gestell auseinander und legt es hin, sofort fließt

das Wasser durch die anderthalb Meter lange Rinne. Seitlich ist

das Blech nach oben gebogen und bildet einen sechs Zentimeter

hohen Rand. An den Seiten fixiert er sie noch mit großen Steinen,

damit sie nicht fortgespült wird. Dann legt er in den unteren Teil

zurechtgeschnittene Autofußmatten, oben hängt er ein Rüttelsieb

ein – das hat er sich extra schweißen lassen. Das Sieb erinnert an

ein grobes, rechteckiges Nudelsieb und fängt nur die etwas größeren

Steine auf. »Mit dem Rüttelsieb hab‘ ich die Chance, dass

ich eventuell was Besonderes finde«, erklärt der Gesteinssammler

und fängt damit nur wenig später einen Andalusit auf. Dessen

Farbe variiert zwischen grau, rosa, braun und violett und eigentlich

ist er ungewöhnlich für das Allgäu, wie Werner erklärt. In

den vergangenen Jahren hat er bereits mehrere seltene und hübsche

Steine, wie den Andalusit, gesammelt, die er für seine Freundin

mitgenommen hat. Er ließ sie schleifen und ein Loch hindurchbohren,

sodass sie sie als Schmuck tragen kann.

Doch genug mit Steinen – wir sind schließlich auf der Suche

nach glänzendem Edelmetall. Nachdem alles aufgebaut ist, deutet

Werner auf den Rand des Baches. Das Gold liegt nicht im

fließenden Wasser, sondern sammelt sich an den Stellen, an

wandern & genießen

Fotos: Viola Elgaß, Franziska Rothermel


Schmidsfelden

Exenried

Fallehen

Karte: © OpenStreetMap contributors

Erster Fund ist eine geschliffene

Glasscherbe – die hat sich Benni gesichert

Im Schwermineralsand versteckt sich Gold. Hier sind gesammelte Funde der

Stoi’klopfer zu sehen. So »reich« sind wir leider nicht geworden

Auch Benni möchte Gold finden –

schöne Steine gehen aber auch!

denen die Strömung abreißt, erklärt er und stapft sogleich los.

Er hebt mit der Schaufel den Sand auf, um ihn in den Eimer zu

werfen. Schaufel um Schaufel – bis er voll ist. Anschließend

geht es zurück zur Waschrinne. In mehreren Portionen landet

der Inhalt in dem Sieb und Werner schaut sich den Fund an

Steinen an, während alles Feinere mit der Strömung des Bachlaufes

durch die Rinne getragen wird. Kleine Steinchen und der

schwere Sand, in dem sich das Gold befindet, sinken in die

Fußmatten. »Drei Eimer: Wenn da nix drin ist, kannst es vergessen,

dann musst du dir einen anderen Platz suchen«, lacht

er, während er den Rest aus dem Kübel kippt.

Ran an die Schaufel

Nach den Geschichten der Goldwäscher juckt es mich nun auch

in den Fingern. Ich will endlich loslegen. Ich greife mir Eimer

und Schaufel und suche eine geeignete Stelle. Ich grabe in der

Nähe von Werners Loch und hoffe dort unermesslichen Reichtum

zu finden. Zum Glück muss es nicht tiefer als 25 Zentimeter sein,

denn mehr wäre vergebene Liebesmühe, so die Profis.

Das Graben ist auch gar nicht so einfach – den ganzen großen

Steinen sei Dank. Es könnte aber auch daran liegen, dass mir die

entsprechende Armmuskulatur fehlt. Dann wäre das hier das

perfekte Training, diese weiter auszubauen. Kaum ist der Eimer

voll, trage ich ihn zu der Waschrinne des Stoiklopfers und kippe

den Inhalt portionsweise in das Sieb. Aufregende Steine sind erst

nicht zu sehen, dann kommt aber ein grünlich durchscheinender

zum Vorschein. Wir brauchen ein paar Sekunden, bis wir unseren

Fund als Glasscherbe identifizieren können. Die schneidenden

Kanten wurden durch Wasser und Sand geschliffen und abgerundet.

Nur kurz können Viola und ich das Fundstück bejubeln,

denn unser Nachwuchsgeologe entwickelt sich zur Spürnase.

Benni nimmt uns die Scherbe ab und trägt zu unserer Verwunderung

plötzlich andere Kleider. Den ersten Satz seiner Sachen

hat er wohl im Bach gewaschen. Zudem muss er schon über

zwanzig Steine sein Eigen nennen können, so fleißig wie er auf

der Suche ist. Das Goldwaschen übt er anscheinend nur noch als

Nebenbeschäigung aus – sein Hauptaugenmerk liegt auf den

prachtvollen Steinen, die der Bach mit sich trägt. Ich bekomme

derweil Unterstützung von Matthias und habe statt drei Eimern

Sand und Gestein plötzlich fünf in den Fußmatten – von mehreren

Stellen. Vielleicht erhöht das meine Chancen etwas zu finden.

Goldgierig fange ich an zu waschen.

Ab in die Pfanne

Vorsichtig hebe ich die Fußmatten aus der Waschrinne und

drehe sie über der Waschpfanne, die mit etwas Wasser gefüllt

ist, um. Einzeln werden sie durch das bis dahin saubere Nass

gezogen, bis auch das letzte Sandkorn draußen ist und das mit

allen Matten. Dann darf ich auf dem Hocker neben dem Goldwäscher

Platz nehmen und bekomme ausführlich erklärt, ä

wandern & genießen 87


Reportage

2

1

3 4

wie ich die Pfanne zu halten habe. Ich höre genau zu, immerhin

kann Werner auf 20 Jahren Erfahrung in diesem Gebiet zurückgreifen.

Während wir nebeneinander unsere Pfanne schwenken,

erzählt er von seinem schönsten Tag als Goldwäscher: Er saß –

genau wie jetzt – am Ufer, die Goldwaschpfanne in der Hand.

Die Sonne schien durch die Blätter der Bäume und ließ das Wasser

glitzern. Um ihn herum Stille. »Und plötzlich setzte sich ein

Eisvogel auf einen nahegelegenen Ast und leistete mir Gesellscha.

Ich dachte, ich bin im Paradies«, seufzt der Gesteins -

experte. Auch heute ist das Wetter wunderbar, lediglich ein Eisvogel

ist nirgendwo zu sehen. Doch so o wie Benni sich umzieht,

ist er eine bunte Alternative.

Aber zurück zur Pfanne: Ich will Gold finden! Mein Ehrgeiz ist

geweckt. Die anderen haben bereits erste Goldkrümel gefunden

und Werner hat diese dann aus den Pfannen gepickt – mit dem

Zahnstocher in ein Plastikdöschen. Ich möchte mich ihnen nun

Ein Fund, den wir

gern gemacht hätten

88

Goldwaschen

für Einsteiger:

Jeder der Goldwaschen selbst einmal

ausprobieren möchte und vielleicht

DEN Goldschatz finden will, kann sich

beim Verein melden.

D’Allgaier Stoi’klopfer e.V.

Kleiner Kornhausplatz 1

87439 Kempten

www.allgaier-stoiklopfer.de

info@allgaier-stoiklopfer.de

anschließen. Doch zunächst müssen die groben Steinchen raus,

also heißt es schütteln und das nicht so zagha. Der Clou an der

Pfanne ist, dass die schweren Bestandteile des Sandes, das Gold

mit eingeschlossen, in den Rillen hängen bleiben und nicht rausgeschwemmt

werden. Nur die leichten Bestandteile werden zurück

in den Bachlauf gewaschen. Wir schöpfen Wasser auf und

lassen es hinauslaufen, immer wieder. Meine Angst das Gold aus

der Pfanne zu verlieren schwindet. Ich werde mutiger und beobachte,

wie sich der Inhalt färbt. Der beige und braune Sand geht

zurück in den Bach, was zurück bleibt wird immer rötlicher.

Wertvoller Sand

Bereits am Parkplatz hat Matthias uns den roten Sand gezeigt.

Würden wir diesen weiter waschen und trennen, würden die

schwarzen Schwermineralien zurückbleiben. Diese sind das heutige

Ziel von Matthias, denn darin können sich Meteoritenteilchen

befinden, die er sammelt und untersucht. Wir waschen allerdings

nur bis zu dem roten Sand. Meiner sei vielversprechend

– das hab ich zumindest aus mehreren Richtungen gehört. Mal

schauen, ob sie Recht behalten sollen.

Ich sammle den Sand an der einen Seite der Pfanne. Nach und

nach soll er, laut Werner, auf die andere Seite geschwemmt werden.

Schicht für Schicht, um nichts zu übersehen. Wie zwei Elstern

versuchen Viola und ich, etwas Glitzerndes zu entdecken. Gar

nicht einfach – es glitzert so viel. Allerdings ist das meiste wertloser

Flitter. Dieser bewegt sich beim Waschen mit, das Edelmetall

aber ist schwer genug, dass das Wasser darüber hinwegspült. Und

tatsächlich entdecken wir dann ein kleines Körnchen: Gold – wir

haben tatsächlich Gold entdeckt! Meine Freude ist riesig, auch

wenn alle anderen bereits fünf, sechs, zehn Goldpünktchen haben.

wandern & genießen


5

6

1. Die geschaufelte

Erde kommt zuerst

in das grobe Sieb

der Waschrinne

2. In dem Sieb kann

man bereits Funde

machen – in Form

von besonders schönen

Flusskieseln

3. Vorsichtig die Fußmatten

rausnehmen

und ab in die Pfanne

damit

4. Zunächst müssen

die Kiesel aus der

Pfanne ausgewaschen

werden

5. Hochkonzentriert

suche ich nach dem

Edelmetall

6. Die Fundstücke pult

Werner für alle

Goldsucher mit dem

Zahnstocher heraus

www.holzmann-druck.de

Anzeige

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Gewerbestraße 2 Postfach 1361

D-86825 Bad Wörishofen

Telefon + 49 (0) 82 47 /993 -0

Telefax + 49 (0) 82 47 /993 - 208

Email contact@holzmann-druck.de

ETIKETTEN UND BANDEROLEN

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

FACH- UND PR-ZEITSCHRIFTEN

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

GESCHÄFTS- UND WERBEDRUCK

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

BÜCHER UND BROSCHÜREN

Aber jetzt hab ich endlich was gefunden und kann mich mit den

anderen freuen. Ich wasche konzentriert in meiner Pfanne weiter.

Wirklich schwer, manches zu unterscheiden. »Jeder hat beim

Waschen seine eigene Technik«, erklärt Matthias.

Reichtum neu definiert

Das zeigt Viola an diesem Tag am besten, denn auch sie hat das

Goldfieber gepackt. Ich habe meine Pfanne von oben nach unten

und unten nach oben durchgeschaut, aber nichts mehr gefunden.

Ich trete beiseite und sie schnappt sich den gefüllten Eimer, der

bereits neben der Waschrinne steht und siebt ihn einmal durch.

Soweit so gut. Doch bei der Pfanne zeigt sie ihre ganz eigene

Spezialtechnik. Nachdem die Kiesel raus waren, schwenkt sie den

Sand hin und her und durchsucht ihn. Ihre Vorgehensweise ist

zwar eigenwillig, aber von Erfolg gekrönt: Auch sie findet einen

winzigen Goldflitter. Für den gewünschten Reichtum und das

neue Haus auf den Bahamas reicht es aber leider nicht.

Sei es drum – unsere goldglänzenden Träume haben wir vor zwei

Stunden aufgegeben und hatten trotzdem jede Menge Spaß. Etwas

reicher geworden sind wir auch: Zum einen an Erfahrung und

zum anderen an einer guten Geschichte. Denn wer kann schon

behaupten, dass er im Allgäu Gold gewaschen hat? Den größten

Reichtum hat an diesem Tag aber Benni erlangt. Seine Steinsammlung

ist um einiges gewachsen, am meisten um Milchquarze

in verschiedenen Größen. Seine Mutter »freute« sich schon darauf,

diese nach Hause zu transportieren. Damit nicht alles an ihr hängen

bleibt, hat der angehende Steinexperte uns viele seiner Fundstücke

geschenkt. Und so bleibt nur zu sagen: Auch wenn das

Gold im Allgäu nicht ausreicht, um einen Goldrausch auszulösen

– zumindest sind wir jetzt steinreich. Franziska Rothermel

IN TOPFORM

GEHT´S

SCHNELLER

NACH OBEN.

wandern & genießen 89


Familie

Ausflugstipp

Ein Tag

am Alpsee

Ein Besuch in Bühl bei Immenstadt lohnt sich immer, denn

rund um den größten Natursee des Allgäus kann jeder etwas

erleben: Badelustige, Naturliebhaber, Spaziergänger, Klettermaxe

und sogar Nachwuchspiraten.

Der Große Alpsee heißt nicht nur

so: Mit zweieinhalb Quadratkilometern

Fläche und einer Maximaltiefe

von 22 Metern ist er der größte

Natursee im Allgäu und gehört somit zu

den Sehenswürdigkeiten der Region. Der

Alpsee und seine direkte Umgebung sind

jedoch nicht nur sehens-, sondern bringen

auch großen Erlebniswert. Schon bevor

man das Ufer erreicht, sticht ein großes

Klettergerüst ins Auge. Auf dem »Alpsee

Skytrail« kommen Klettermaxe so richtig

auf ihre Kosten: Auf drei Ebenen in einer

Höhe von bis zu elf Metern lassen sich die

eigene Trittsicherheit, Schwindelfreiheit

und Körperbeherrschung auf die Probe

stellen. Dabei sind die Besucher durchweg

über Gurte in einem modernen Schienensystem

gesichert – welches der insgesamt

42 Kletterelemente man in Angriff nehmen

oder lieber auslassen möchte, bleibt

einem selbst überlassen. Die ganz kurzen

Kletterkünstler können sich derweil am

Kinderparcours daneben versuchen.

Natur mit fremden

Augen sehen

Nun ist die Höhenlu nicht jedermanns

Sache – wer lieber auf dem Boden bleibt,

nutzt die Gelegenheit vielleicht für einen

Besuch im Alpseehaus gleich neben dem

Kletterparcours. Es beherbergt nicht nur

das Immenstädter Tourismuszentrum und

ein Café im Foyer, sondern auch eine interaktive

Ausstellung rund um den Naturpark

Nagelfluhkette, der seine Geschässtelle

im Haus hat. Besucher können

hier in die Rolle von Außerirdischen

Anzeige

Ob Kurzurlaub, eine längere Auszeit, Familienferien oder ein Gruppenaufenthalt –

bei uns sind Sie bestens aufgehoben und finden alles für Ihren perfekten Urlaub. Genießen Sie

aktive Erholung in der Natur genauso wie das vielfältige kulturelle Angebot der Region.

Seestraße 3 · 87509 Bühl am Alpsee · Tel: +49 (0) 8323 / 987189 · info@hierlhof.de · www.hierlhof.de

90

wandern & genießen


Fotos: Stadt Immenstadt, Archiv

Freizeittipps

rund um den Alpsee:

- Für Klettermaxe: Alpsee Syktrail

- Für Shoppingsüchtige: Alpsee Outlet

- Für Wasserratten: Freibad am Kleinen

und Badeufer am Großen Alpsee

- Für Naturforscher: Naturerlebniszentrum

und Ausstellung im AlpSeeHaus

- Für Spaziergänger: Alpseerundweg (elf

Kilometer)

- Für Piraten und solche, die es werden

wollen: Fahrten auf dem Segelschiff

»Santa Maria Loreto«

Noch mehr Highlights rund um den

Großen Alpsee gibt es online unter

www.alpsee-gruenten.de/urlaub-imallgaeu/alpsee

schlüpfen, die die Region entdecken und

Natur mit ganz anderen Augen sehen als

wir »Erdlinge«.

Ebenfalls im Alpseehaus angesiedelt ist das

»Naturerlebniszentrum Allgäu« des Bund

Naturschutzes, das o Aktionstage für

junge Naturforscher veranstaltet: von der

nächtlichen Fledermaus exkursion bis zu

Bastelstunden mit natürlichen Materialien.

Interessierte finden das aktuelle Programm

unter www.nez-allgaeu.de.

Abenteuer auf dem

Alpseesegler

Hat man sich mit den pflanzlichen und

tierischen Bewohnern des Naturparks vertraut

gemacht, kann man endlich den Alpsee

selbst erkunden.

Hier hat der Erholungssuchende die Qual

der Wahl – wer die Badehose dabei hat,

kann natürlich einfach an einer der ausgewiesenen

Badestellen in den See hüpfen.

Wer den direkten Kontakt mit dem kühlen

Nass scheut, kann bei der Wassersportschule

Oberallgäu ein Wasserfahrzeug ausleihen:

Die Auswahl reicht vom klassischen

Tret- und Ruderboot bis zu Stand-

Up-Paddling-Brettern.

Richtig stilvoll bereist man den Großen

Alpsee aber mit der »Santa Maria Loreto«:

Höhepunkte rund um und auf dem Alpsee sind

(von links nach rechts) das Alpseehaus, der Skytrail,

der Alpseesegler und die Seebühne

Zwei- bis dreimal täglich sticht das Segelschiff

vom Hafen in Bühl aus in See. Bis

zu 25 Personen können pro Rundfahrt dabei

sein. Hin und wieder wird der Segler

auch »gekapert«. Denn im Sommer finden

öer Piratenfahrten statt. Dann entern

Kinder in Seeräuber-Kostümen das Schiff,

gehen auf Schatzsuche und fahren im Anschluss

meist mit recht viel Getöse an der

Seebühne entlang in den Hafen ein.

Zum Schluss lässt sich die Landscha rund

um den Großen Alpsee natürlich auch

ganz klassisch erkunden: Spaziergänger,

Jogger und Nordic Walker schätzen den

gepflegten Rundweg um den Großen Alpsee,

der auf elf Kilometern vorbei an der

lebhaen Seepromenade, idyllisch gelegen

Ortschaen und teilweise durch die Allgäuer

Bergwelt führt. Viola Elgaß

Anzeige

CAMPING VON SEINER

LUXURIÖSEN SEITE.

Egal ob Winter oder Sommer, hier am Großen

Alpsee ist der beste Ort, um abzuschalten. Unser

Campingplatz liegt in traumhaft schöner Lage, in

unmittelbarer Nähe der Allgäuer Alpen und mit

direktem Zugang zum Großen Alpsee. Im Sommer gibt

es Badespaß, Vergnügung im nah gelegenen Klettergarten

oder beim Wandern, Tennis, Radfahren, Angeln,

Minigolf... Da ist für jeden etwas dabei. Im Winter

kann man sich an den Skiliften und Langlaufloipen

oder auf der längsten Rodelbahn Deutschlands

austoben. Zudem haben wir ein neues, modernes

Sanitärgebäude und eine großzügige Wellnessoase

mit herrlichem Blick auf den Großen Alpsee.

ALPSEE CAMPING

Seestraße 25, 87509 Immenstadt/Bühl

T +49 (0)8323 7726

F +49 (0)8323 2956

e mail@alpsee-camping.de

w alpsee-camping.de

wandern & genießen 91


Wandern

Das Bergdorf Hinterstein

Das Tor

zu den Alpen

Nicht hinter den sieben Bergen, bei den sieben Zwergen – sondern »hinterstui«, hinter

dem Stein, liegt das Dorf. Hier auf 866 Meter Höhe endet zwar tatsächlich die Straße,

zugleich ist es aber auch das »Tor zu den Alpen«. Von dem kleinen Ort aus lassen sich

herrliche Wanderungen unternehmen und zahlreiche Bergtouren beginnen.

92

Von Hinterstein aus sind die hochalpinen

Sehnsuchtsziele der Alpinisten

gut erreichbar. Bergwanderungen

von leicht bis anspruchsvoll führen

in die Welt von Murmeltieren, Gämsen

und Adlern. Kein Durchgangsverkehr,

kein Libetrieb, keine Disco stören die

Ruhe. Allein eine Mautstraße, die nur ein

Bus befahren darf, führt zum oberen Tal

der Ostrach zum Giebelhaus. Das urgemütliche

Gasthaus mit einer natürlichen

Sonnenterrasse ist Ausgangspunkt von

verschiedenen Wanderungen und Bergtouren

in das größte Naturschutzgebiet

Deutschlands, das Naturschutzgebiet »Allgäuer

Hochalpen«. Mit ein wenig Glück

lassen sich hier auch Steinadler sehen.

Dazu hat der Landesbund für Vogelschutz

(LBV) neben dem Giebelhaus eine Beobachtungshütte

aufgebaut.

Wer zu einer Hochtour mit Übernachtung

starten will, lässt sein Auto in Hinterstein

am Parkplatz »An der Säge« stehen (der

Parkplatz »Auf der Höh« ist über Nacht

geschlossen) und fährt mit dem Bus zum

Giebelhaus, vorbei an der »Eisenbreche«,

Das Giebelhaus ist Startpunkt vieler Wanderungen.

In der Hütte daneben kann man Adler beobachten

wandern & genießen


Fotos:Bad Hindelang Toruismus, Ramona Klein, Dominik Ultes, Volker Wille, Pixabay

bewirtschaftete Alpen/Hütten

Alpe Engeratsgund: geöffnet von Juni bis Oktober

Alpe Bärgündele: geöffnet ab Mitte Mai bis Anfang Oktober

Lauichl Alpe: geöffnet von Juni bis Anfang Oktober

Willersalpe: geöffnet vom 1. Mai bis zum 1. November

Zipfelsalpe: geöffnet von Anfang Juni bis Ende Oktober

(im Oktober nur bei guter Witterung)

Schwarzenberghütte: geöffnet bis Ende Oktober

Giebelhaus: ganzjährig geöffnet

Bitte informieren Sie sich vorab beim Fremdenverkehrsverein

Hinterstein unter Tel. 082324/8920, da sich je nach Schneelage,

auch im Herbst, die Öffnungszeiten ändern können.

einer 85 Meter tiefen Schlucht. Das Gasthaus

ist ein idealer Startpunkt zu Hochwanderungen

wie zum Hochvogel (2592

Meter) oder der Fuchskarspitze (2314 Meter).

Von den beiden Tälern, die von hier

abzweigen, sei das linke empfohlen. Das

»Bärgündeletal« – der letzte Bär wurde

1881 erlegt – führt durch prachtvolle Wiesen

mit Alpenblumen und pfeifenden

Murmeltieren zur Unteren Bärgündelealpe.

Kurz zuvor zweigt linker Hand der

Weg zum Hochvogel über das Prinz-Luitpold-Haus

(1846 Meter) ab, in dem man

übernachten kann. Je nach Jahreszeit sind

Grödel oder leichte Steigeisen empfohlen,

da unter Umständen Altschneefelder zu

überqueren sind. Die Tour zum »Matterhorn

des Allgäus«, wie der Hochvogel auch

genannt wird, ist es eine der schönsten auf

dem Allgäuer Hauptkamm, darf aber nicht

unterschätzt werden. Wer sich seines Könnens

nicht so ganz sicher ist, der sollte einen

Bergführer engagieren. Der ist preiswerter

als ein Rückflug im Rettungshubschrauber.

Per pedes zur Pause

Entlang der Ostrach:

Den langen Weg bis

zum Giebelhaus legt

man am besten mit

dem Fahrrad oder

dem Bus zurück

Nimmt man vom Giebelhaus das Tal rechter

Hand, das »Obertal«, gelangt der Alpinist

zu den anspruchsvollen Touren auf

das Lauacher Eck (2178 Meter), Schneck

(2268 Meter), Großer Wilder (2379 Meter)

und der weiter östlich gelegenen Höfats

(2258 Meter). Es ist eigentlich unentbehrlich,

sich für Wanderungen auf die Hochziele

entsprechendes Kartenmaterial und

Führer zu besorgen. Und niemals sollte

der Zeitfaktor für den Hin- und Rückweg

von mehreren Stunden bei ungeeigneter

Wetterlage unterschätzt werden. Doch es

muss ja nicht gleich immer eine Gewalt-

tour sein. Auch die Täler, die man vom

Giebelhaus aus erreichen kann, locken.

Und zwar Radfahrer, Fußgänger und Kinderwagen-Schieber

gleichermaßen, wobei

alle im Bärgündeletal schon zu Beginn die

Krareserven anzapfen müssen. Aber

dann ist es auf den geteerten Wegen ein

gutes Vorankommen und man kann die

Natur genießen.

Die Alpenblumen blühen, die Murmel

pfeifen und in der Höhe segelt der Steinadler.

Sehr selten schauen auch einmal ein

Gänsegeier und der mit noch größerer

Spannweite – bis knapp 3 Meter – versehene

Bartgeier vorbei. Im Bärgündeletal

wartet am Ende des Tals eine Alpe zur Einkehr,

im Obertal sind es die Alpen Laufbichl

und Plättele-Alpe. Wer mit dem Bus

Richtung Giebelhaus fährt, kann sich kurz

zuvor bei der Haltestelle am Sommerweg

absetzen lassen, um in etwa zwei Stunden

über freie Alphänge und anschließend im

Wald die Schwarzenberghütte auf 1380

Meter zu erreichen. Der Schwarzenberg

wird übrigens »im Paradies« genannt und

das vollkommen zu Recht: Hier wächst,

wie ganz selten, prächtiger Bergahorn in

größeren Beständen. Die Hütte und ihre

Umgebung eignen sich zu jeder Jah- ➤

wandern & genießen 93


Ostrach

R auhho rn-Überschreitung

Wandern

Aussicht Köpfle

(1100)

Auf der H öh

Willersbach

Hölle rundweg

Vogelbac h

Gehrenkopf

(1897)

Jub

iläumsweg

Gernbach

Rauhhorn

(2240)

Taufersbach

reszeit hervorragend für einen Familienaufenthalt,

da sie eine der wenigen Alpenvereinshütten

in den Allgäuer Alpen ist,

die auch im Winter geöffnet hat.

Von Hinterstein zum

Schrecksee

Er ist einer der bekanntesten Seen des

Allgäus, liegt auf über 1800 Metern

Höhe und hat eine Insel – der Schrecksee

ist eines der Sehnsuchtsziele des Allgäus.

Erreichen kann man ihn in ein

paar Stunden von Hinterstein aus. Die

Wanderung ist anspruchsvoll, doch der

Blick auf den See belohnt einen.

Karte: © OpenStreetMap contributors

Auf dem Falken

(1905)

Älpelekopf

(2023)

Jubiläum sw e g

Kugelhorn

(2126)

Knappenkopf

(2066)

Kirchendach

(1991)

Kastenkopf

(2129)

S aalfelder Weg

ein paar Stunden zum Ziel

Augen und Ohren auf beim Wandern – mit

etwas Glück sieht und hört man ein Murmel

94

Hinterstein ist bis auf den Norden, wo sich

das Ostrachtal gen Hindelang öffnet, von

Bergen fast rundum umgeben. Um die

Berge im Westen zu besteigen, über denen

der Iseler (1876 Meter) thront, ist die Willersalpe

(1456 Meter) zu empfehlen, die

auch mit wanderwilligen Kindern, jedoch

nicht mit dem Kinderwagen, gut erreichbar

ist. Das ist auch im Frühjahr eine

schöne Bergtour, da dank der Südlage die

Bergblumen eher blühen als anderswo.

Hier kommen auch zuerst die Murmel

wieder an den Tag, während sie an den

Nordhängen noch Winterschlaf halten.

Und wo die Hänge zuerst schneefrei sind,

sind auch die Gämsen zur Stelle. Für den

Auf- und Abstieg braucht man etwa fünf

bis sechs Stunden. Das Auto kann am

Parkplatz »Auf der Höh« abgestellt werden,

wo auch der Aufstieg beginnt.

Zu einer weiteren Tour, die zum Schrecksee

auf 1813 Meter führt, nimmt man den

Giebelhausbus bis zur Haltstelle Auele E-

Krawerk. Die Strecke ist ab hier bereits

markiert. Der Aufstieg, der einige Kondition

verlangt, dauert circa zweieinhalb

Stunden. Man kann aber auch schon im

Ort mit der Wanderung beginnen – dann

ist man aber dementsprechend länger unterwegs.

Wie man es hält: Am Ende wird

der Kletterer mit einem wunderbaren Blick

auf den blaugrünen See mit einer kleinen

Insel in der Mitte belohnt.

Wer ist brgtauglich?

Wer nicht einfach nur wandern, sondern

auch seinen inneren Klettermax befreien

will, der ist hier ebenfalls richtig. Rund

um Hinterstein beziehungsweise Oberdorf

gibt es drei Klettersteige mit unterschiedlichen

Ansprüchen. Der bekannteste für

die Alpinisten ist der »Hindelanger Klettersteig«,

der bereits vor 70 Jahren erschlossen

wurde. Diese anspruchsvolle

Tour verbindet das Nebelhorn (2224 Meter)

mit dem Großen Daumen (2280 Meter).

Die beiden Hindelanger Bergführer

Patrick Jost und omas Heckelmiller

planten und erschlossen 2013 den »SA-

LEWA-Klettersteig«. Neu hinzugekommen

ist der »Ostrachtaler Klettersteig«, der ideal

für Einsteiger und Familien ist. Wer sich

seiner Kletterkünste nicht ganz sicher ist,

sollte sich einem Bergführer anvertrauen.

Wichtig: Niemals ohne entsprechende

Ausrüstung an die Klettersteige gehen. Zu

dieser gehören ein Klettersteigset, Sicherheitshelm,

feste Bergschuhe und der Witterung

entsprechende Bekleidung.

Zur Hölle und zurück

Da aber verständlicherweise nicht jeder

den Gämsen Konkurrenz machen möchte,

bleiben viele lieber auf dem Boden und

wandern gemütlich in Tallage. Rund um

Hinterstein führen viele Wanderwege, die

zu jeder Jahreszeit durch fantastische Bergwiesen

oder den bunten Herbstwald eine

Augenweide sind. Ein beliebter, besonders

auch für Familien mit Kindern, die selber

laufen können, geeigneter Wanderweg ist

der Höllrundweg. Vom Parkplatz »Auf der

Höh« geht es abwärts Richtung Ostrach.

Hier tri man auf das Sträßchen »Im

Schlauchen«. Weiter führt der Weg vorbei

an einem Kiosk links über eine Wiese bis

zu einer Brücke, die über die Ostrach führt.

Ab hier ist der Weg ausgeschildert. Im späten

Frühjahr blüht hier der Frauenschuh,

eine streng geschützte Orchidee. Der Weg

führt weiter am wildromantischen Bach

mit einem Teufelskopf an der Felswand.

Nach etwa sieben Kilometern und zwei

Stunden Gehzeit ist man der Hölle wieder

entkommen und zurück am Ausgangspunkt.

Wie zum Höllrundweg, jedoch nach dem

Kiosk nach rechts führt ein 15-minütiger

Weg zum Kutschenmuseum (ausgeschilwandern

& genießen


der sonne

ganz nah!

GENUSSREICHE HÖHENFLÜGE

MIT TRAUMHAFTEN AUSSICHTEN

dert). Dieses ist nach seiner Schließung

2016 und darauf folgenden Renovierungsarbeiten

wieder geöffnet. Weitere Rundwege

führen durch den Ort und entlang der

Ostrach. Sehenswert ist die Kirche St. Antonius

in Hinterstein und auch ein Blick in

die vier Kapellen des Orts lohnt sich. Zu

den vielen Spielmöglichkeiten in der freien

Natur gibt es auch einen Kinderspielplatz

unterhalb der Ortskirche. Und wer gar nicht

laufen mag, der kann sich mit einer Pferdekutsche

zum Giebelhaus oder durch das

Ostrachtal kutschieren lassen.

Baden, essen, schlafen

Ist man nach einem aktivitätsreichen Tag

in und um Hinterstein erschöp, macht

man es den Adligen nach und springt ins

kühle Nass beziehungsweise in die Gumpe.

Die ist im Allgäuer Sprachgebrauch ein

»Wasserloch« und, wenn in ein solches

Wasserloch ein Prinz hineinspringt, ist es

eben eine »Prinze-Gumpe«. Und über eine

solche verfügt Hinterstein, seitdem der

Bayerische Prinzregent Luitpold (1821-

1912) sich nach der Jagd im Hintersteiner

Tal dort abkühlte. Ehemals als reines

Schwimmbad betrieben, wurde die Prinze-

Gumpe durch die Einwohner in Hinterstein

1998 komplett neu angelegt und zu

einem der schönsten Bergbäder im Allgäu

umgebaut. Hier lässt es sich nicht nur gut

schwimmen, sondern auch gut speisen.

Genauso wie im Gasthaus Bergblick, im

Kiosk auf der Höh und den Hintersteiner

Stuben. Das Bergsteigerhotel »Grüner

Hut« bietet neben einer Vesperkarte viel

vom heimischen Rind, vom Landschwein

auch Bergler-Burger und Flammkuchen.

An einem heißen Tag lädt die »Prinze-

Gumpe« zu einem erfrischenden Bad ein

Und wer dann sitt und satt ist, kehrt in

sein Hotelzimmer oder die Ferienwohnung

zurück. Hier lässt es sich gut schlafen,

da selbst im Sommer die Lu wohltuend

frisch ist, wofür die sogenannte Bad

Hindelanger Klimaschaukel sorgt, die

nachts die frische Berglu ins Tal transportiert.

Die Wilden Fräulein

Und wer weiß: Vielleicht hat man von der

guten Lu sagenhae Träume, etwa von

den Wilden Fräulein. Die lebten einst – so

erzählt man es – oberhalb von Hinterstein

in einer Höhle. Sie hießen Rezabell, Stuttzemutz,

Hurlahutsch, Ahudlamuzz und

Gertrudle und halfen den Bauern bei der

Ernte und den Frauen bei der Geburt. Woher

sie kamen und wohin sie gingen, weiß

niemand mehr. Aber ihre Höhle, die aus

mehreren Kammern besteht, kann man

noch besuchen. In Hinterstein folgt man

vom Gasthaus Grüner Hut aus einem

Bergweg, der in vielen Kehren bergan

führt. Bei einer Gabelung geht man in

Richtung »Wildfräuleinstein« und gelangt

an einen Aussichtspunkt, das sogenannte

Köpfle. Hier kann man pausieren und den

schönen Talblick genießen. Ab dem Köpfle

verläu der Pfad am Hang entlang fast

eben bis zum Wildfräuleinstein. Hier kann

man seiner Fantasie freien Lauf lassen und

die Natur genießen – wie überall in und

um Hinterstein. omas Niehörster

Unser familiengeführtes Berghotel Sonnenklause

auf 1.100 m Höhe besticht durch eine

herrlich ruhige Atmosphäre. Entspannen Sie in

unserer Wohlfühloase und genießen Sie Ihren

Urlaub inmitten traumhafter Naturidylle.

WILDE KRÄUTERKÜCHE

Unzählige Kräuter aus unserem Kräutergarten

und Wildkräuter aus der Natur rund ums

Haus finden auf feinste Art den Weg auf Ihren

Teller. Regionale Produkte bilden die Basis

für all unsere kulinarischen Köstlichkeiten.

ÖFFNUNGSZEITEN

Täglich von 10:00 bis 22:00 Uhr

Mittwoch – Ruhetag

Küche von 11:30 bis 14:00 Uhr

und 17:30 bis 19:15 Uhr

nachmittags Kaffee, hausgemachte

Kuchen und herzhafte Brotzeiten

natur

pur.

Hinang 48 | 87527 Sonthofen | GERMANY

T. +49 (0) 83 21–36 14 | M. info@sonnenklause.de

SONNENKLAUSE.DE

wandern & genießen 95


Kultur

Eine S-Kurve führt vom

Erdgeschoss des Museums

in die erste Etage

Das Erwin-Hymer-Museum

Zwischen

Hippie-Bulli

und Piccolo

Es ist eine gelungene Symbiose aus der reisemobilen Geschichte und einer

fantasievollen Präsentation, die das Erwin-Hymer-Museum in Bad Waldsee

bietet. Auf über 6000 Quadratmetern und zwei Etagen können Groß

und Klein rund 80 historische Fahrzeuge bestaunen. Wem das nicht reicht:

Es gibt auch einen Shop, ein Restaurant und Sonderschauen.

96

wandern & genießen


Das elegante Goggo -

mobil Coupé zieht im

Hymer-Museum den

schwimmfähigen Schlaf-

Anhänger Piccolo

Fotos: Peter Elgaß, Erwin-Hymer-Museum

Die alten Wohnwagen

begeistern auch die

jungen Besucher

Viele ältere Besucher kennen noch

das legendäre Goggomobil

Coupé der Hans Glas GmbH aus

den 50er-Jahren des letzten Jahrhunderts.

Aber nur wenige wissen, dass es für das

Coupé und vergleichbare Kleinst-Autos

einen futuristischen Camping-Anhänger

gab. Im Hymer-Museum ist dieser Stahlbau-Piccolo

ausgestellt. Der Schlaf- und

Gepäckanhänger mit einem Leergewicht

von nur 130 Kilo bot zwei Personen Platz,

die zusammen spielend leicht mehr wogen

als der Anhänger. Doch der Piccolo, 1956

in München gebaut, war mehr als nur ein

Camping-Anhänger: Er konnte schwimmen

und als Boot mit Muskelkra oder

Außenbordmotor betrieben auch zu Wasser

gelassen werden. Wer keinen Kleinwagen

als Zugfahrzeug zur Verfügung hatte,

konnte einen Motorvorsatz erwerben –

ähnlich einem Motorroller.

Kuschelmobil

mit 15 PS

Dies ist nur eines der Gespanne, die es im

Bad Waldseer Museum zu sehen gibt. Ein

anderes ist der Eccles Motor Caravan – eines

der ersten Wohnmobile – mit einer

originalgetreuen Inneneinrichtung. Dieses

Fahrzeug mit 15 PS stammt aus dem Jahr

1930 und hört auf den Namen Gertrude.

Es wurde 1972 von einem Engländer vor

der Schrottpresse gerettet und liebevoll

wieder hergerichtet. Gertrude hat einen

Viertakt-Motor mit 1150 Kubik Hubraum

und soll nach Angaben des Museums noch

fahrbereit sein. Gewöhnungsbedürig

düre allerdings das unsynchronisierte

Schaltgetriebe sein. Dafür hatten die früheren

Besitzer genug Zeit, um die Landscha

zu genießen, denn bei 50 Stundenkilometern

hatte Gertrude ihre Höchstgeschwindigkeit

erreicht.

Der wachsende

Wohnwagen

Aber Gertrude ist nicht das einzige Fahrzeug

im Museum, das einen ungewöhnlichen

Namen hat. So heißt beispielsweise

ein Klein-Wohnwagen »Knospe« und jeder

fragt sich: Warum eigentlich? Ganz

einfach. Der Konstrukteur Hans Austermann

warb 1961 mit dem Slogan »Breit

beim Wohnen – schmal beim Fahren«.

Durch einen Kurbelmechanismus ä

wandern & genießen 97


Kultur

Das Erwin-Hymer-Museum:

Das Museum befindet sich nördlich

von Bad Waldsee an der B 30 gegenüber

den Werken des Reisemobilherstellers

Hymer. Es beinhaltet eine Dauerausstellung

auf 6000 Quadratmetern

und wechselnde Sonderausstellungen

auf 1000 Quadratmetern. Die zweigeschossige

Museumshalle ist 19 Meter

hoch und sowohl 60 Meter lang als

auch 60 Meter tief. Eine weitere dazugehörige

eingeschossige Halle ist elf

Meter hoch, 75 Meter lang und 50

Meter tief.

Öffnungszeiten: täglich von 10 bis 18

Uhr, donnerstags bis 21 Uhr

www.erwin-hymer-museum.de

Im Erdgeschoss des Museums

können Groß und Klein ihr Wissen

prüfen und selbst aktiv werden

Ober-Hippie Jürgen

Schulz bereiste mit diesem

Bulli TTI die halbe Welt

konnte der Anhänger von knapp anderthalb

Metern Breite auf über zwei Meter

verbreitet werden. Der Anhänger entfaltete

sich quasi wie eine Blütenknospe. Wer mit

diesem Wohnwagen in den Urlaub fahren

wollte, musste aber tief in die Tasche greifen:

5200 D-Mark kostete der Hänger damals.

Ein stolzer Preis!

Mit dem Bulli

in den fernen Osten

Die Ausstellung im Museumsbau gegenüber

den Hymer-Werken erzählt auf über

6000 Quadratmetern die Geschichte des

mobilen Reisens vor allem aus dem Blickwinkel

der Reisenden. Und deswegen finden

sich unter den rund 80 Oldtimern und

historischen Freizeitfahrzeugen aus aller

Welt reihenweise mobile Kuriositäten. Beispielsweise

der Bulli TT1 aus dem Jahr

1956. Der blaue Kult-Bus war zunächst ein

98

Behördenfahrzeug. In seinem zweiten Leben

wurde der Bulli von Jürgen Schulz zu

einem Camping-Mobil umgebaut. Und

Schulz wurde bekannt als »Ober-Hippie«

– auch weil er ungewöhnliche Reisen nach

Indien, Sri-Lanka und Nepal mit dem Bus

unternahm. Entsprechend wuchs die Ausrüstung

und Ausstattung des Bulli immer

mehr – sie fand Platz im Fahrzeug, aber

auch daran und darauf. Die letzte Fahrt

von Leihgeber Schulz mit diesem Fahrzeug

fand im Jahr 2000 statt – eine Kurzstrecke

nach Afghanistan.

Mobil unterwegs

in der ganzen Welt

Die meisten Fahrzeuge im Museum sind

liebevoll restauriert oder im Originalzustand,

sie sind weitgereist, authentisch und

erzählen ganz viel von ihren Abenteuern

und den Menschen und ihren Urlaubsfreuden,

die mit ihnen gereist sind. Sie wecken

Erinnerungen oder laden zum Staunen

ein. Die Traumrouten der Welt leiten

den Besucher durch die Ausstellung: von

den Alpen, über Bella Italia, auf dem Hippie-Trail

nach Indien, zum baltischen

Meer, in die Wüste, in die Weite Nordamerikas,

zu den Nordlichter, an den stürmischen

Atlantik bis in die Zukun.

So wirbt das Museum selbst für seine Ausstellung:

»Erleben Sie mehr als hundert

Jahre Reisegeschichte(n), lernen Sie die

Kulturgeschichte der wohl schönsten Urlaubsform

mit unseren interaktiven Inszenierungen

kennen, spüren Sie die Sehnsucht

nach Auruch und Abenteuer, erfahren

Sie in unseren Entwicklerstationen

spannende Details aus Produktion, Technik

und Design – von der Vergangenheit,

bis in die Gegenwart und werfen Sie einen

Blick in die Zukun – auf die Visionen

der Mobilität von morgen.«

wandern & genießen


www.tannheimertal.com

wandern & genießen 99


Familie

Lesegeschichte

s glänzt nit alles,

was Gold ist

Während Neles Freunde an spannende Orte im Ausland reisen,

muss sie in einem Jugendlager in den Allgäuer Bergen versauern.

Doch dann begegnet sie einem geheimnisvollen Bergmann …

100

War ja klar: kein Netz!« Frustriert

stop Nele ihr Smart -

phone zurück in die Hosentasche.

Jugendleiter Ben lächelt nur.

»Macht nichts. Auf der Hütte gibt es eh

keinen Strom.« Nele verdreht die Augen.

Was für eine Überraschung. Ihre Eltern

haben sie hinter den Mond geschickt!

Während ihre Freundinnen Reisen nach

Mallorca oder Disneyland unternehmen,

muss sie ihr Dasein in dieser instagramlosen

Einöde fristen. Noch schlimmer, sie

muss sogar dorthin wandern!

»Da vorne ist unsere Alphütte!«, verkündet

Ben nach zwei Stunden. Nele rümp die

Nase. Das kleine Holzhaus, das auf einer

grünen, weiten Bergweide vor einem Hügel

steht, sieht aus wie ein Ziegenstall, nur

ein bisschen größer.

Während die anderen Kinder ihre Rucksäcke

im Matratzenlager (nicht mal richtige

Betten!) auspacken, mit Ben Kennenlernspiele

spielen und um die Hütte tollen, verbringt

Nele den Nachmittag mit Schmollen.

Sie findet es unfair, dass sie die nächsten

Tage mit blöden Naturspielen und Bergwandern

verbringen muss, statt wie alle anderen

coolen Mädchen in ihrer Schule Fotos

vom Strandurlaub zu posten.

Okay, die Aussicht aus dem Fenster im

Matratzenlager ist gar nicht so übel – über

endlos weite Wiesen kann man fast bis ins

Tal gucken. Nele hat davon sogar ein paar

wandern & genießen


Illustrationen: Ramona Klein

Fotos gemacht. Aber ohne Netz kann sie

die ja nicht mal mit ihren Freunden teilen.

»Irgendwo hier muss man doch Empfang

kriegen«, murrt sie und hält ihr Telefon

mal nach links, mal nach rechts, während

sie zu einem Wäldchen unweit der Hütte

stap. Wenn sie nur ihre Eltern erreichen

und lange genug jammern könnte, würden

die sich ja vielleicht doch erbarmen und

sie aus der Steinzeit befreien …

»Bei den sieben Edelsteinen, kommst du

wohl da herunter!«, schimp jemand. Nele

schaut sich irritiert um. Klingt, als würde

die Stimme aus dem Wäldchen kommen.

Neugierig tritt sie näher, während die

Stimme munter weiter schimp. Als sie

den Verursacher der Schimpirade erblickt,

bleibt sie wie angewurzelt stehen.

Da steht ein kleiner Mann, nein, eher ein

Männlein, kaum so groß wie Nele. Es hat

einen langen, stahlgrauen Bart und trägt

feine, aber irgendwie altmodische Kleidung.

Sogar Nele erkennt, dass dieses

Wams aus Samt und vor allem die kleinen

Stiefelchen mit der gebogenen Spitze nicht

sehr bergtauglich sein können. Gerade will

sie sich umdrehen und den seltsamen

Mann hinter sich lassen, als er sie entdeckt.

»He, Mädchen! Kannst du klettern?« Nele

schluckt. »Äh, ja?«, antwortet sie. Da hellt

sich die Miene des Zwergs abrupt auf.

»Trefflich! Wärst du so gut und würdest

mir mein Werkzeug von diesem Felsen herunterholen?

Ich bin abgerutscht und da

ist es mir entglitten.« Nele sieht zu der

Stelle, auf die er deutet. Der »Fels« ist eher

ein großer Stein und keine große Herausforderung

für das sportliche Mädchen. Mit

zwei, drei beherzten Griffen ist sie oben.

Doch als sie das »Werkzeug« des Männleins

findet ... »Da liegt nur ein Spiegel!«,

ru sie hinunter. »Genau den brauche ich!

Bring ihn mir, aber achte gut auf ihn!«,

antwortet der Zwerg aufgeregt. Nele zuckt

die Schultern und grei nach dem gläsernen

Schmuckstück. Schön ist es, mit einem

verschnörkelten, goldenen Rahmen, der

sich zu einem Handgriff verjüngt. Als sie

unten angekommen ist, schließt das

Männlein den Spiegel erleichtert in seine

Arme. »Vorzüglich, hübsches Fräulein! Ich

bin dir zu tiefem Dank verpflichtet. Gerne

möchte ich dir dafür einen Wunsch erfüllen.«

Da muss Nele lachen. Das ist ja wie

in einem dieser uralten Märchen. »Schon

gut, falls du mich nicht nach Disneyland

zaubern kannst, brauche ich nichts.« Das

Männlein runzelt die Stirn. »Ich fürchte,

dieses geheimnisvolle Disneyland entzieht

sich meiner sonst vortrefflichen Ortskenntnis.

Wie wäre es stattdessen mit dem

… Gold der Berge?« Nele kriegt große Augen.

»Gold?« Hat sie sich verhört? Oder

ist der Alte verrückt? Aber sein komischer

Spiegel ist schließlich auch golden und verdächtig

schwer. Das Männlein nickt. »Steig

morgen früh, wenn es noch dunkel ist, auf

den großen Hügel da, gleich hinter der

Hütte. Dort wird dir der Berg seinen größten

Schatz offenbaren.« Damit dreht der

geheimnisvolle Zwerg sich um und lässt

eine verwirrte Nele zurück …

Am nächsten Morgen zieht sie fröstelnd

den Reißverschluss ihrer Jacke höher. Zum

Glück hat ihre Wecker-App funktioniert,

sonst hätte sie verschlafen. Nun muss sie

auch noch feststellen, dass der komische

kleine Kerl sie offenbar veräppelt hat. Die

Sonne geht gleich auf und hier ist rein gar

nichts. Kein Schatz, kein Gold. Sie hat sich

völlig umsonst aus der Hütte geschlichen.

Seufzend hockt Nele sich ins Gras. »Wäre

ja zu schön gewesen«, murmelt sie. Da

wird ihr plötzlich ein ganz klein wenig

warm am Rücken. Nele dreht sich um und

blinzelt. »Wow«, flüstert sie.

Die Sonne schiebt sich langsam, ganz langsam,

hinter einem Bergrücken hervor. Ein

Lichtstrahl nach dem anderen erscheint,

wir helle Streifen in den Himmel und

macht die Welt um Nele etwas farbiger. Das

ist wunderschön. Nele zückt ihr Smart -

phone, doch als sie das Bild auf dem Display

mit dem Original vergleicht, lässt sie es wieder

sinken. Nichts kann diesen Sonnenaufgang

so einfangen, wie er wirklich ist. Um

die Sonne leuchten der Himmel und die

Berggipfel … in hellem Gold. Das war es,

was der Zwerg gemeint hat! Nele atmet die

klare, kühle Berglu tief ein. Die anderen

werden wohl erst in ein paar Stunden aufstehen.

Vielleicht sollte sie Ben fragen, ob

sie morgen Früh alle gemeinsam hierher

kommen können, damit die anderen das

»Gold der Berge« auch sehen können. Aber

heute, jetzt in diesem Augenblick, gehört

der Schatz nur ihr allein. Viola Elgaß

Die Sage der Venedigermännle:

Sogenannte Venedigermännle kommen in vielen Legenden

im Alpenraum vor. Tatsächlich durchstreien in früheren

Zeiten viele Mineraliensucher aus Venedig die Berge, um

wertvolle Mineralien und Steine zu finden. Ihre Fund stücke

untersuchten sie mit Lupen. Das gemeine Bergvolk wusste

jedoch nicht, welchen Zweck diese Lupen hatten und hielt sie

für magische Spiegel, mit denen die geheimnisvollen kleinen

Männer in den Berg hineinsehen und Schätze entdecken konnten.

So rankten sich immer mehr Sagen um die Venedigermännle,

die noch bis heute erzählt werden.

wandern & genießen 101


Familie

Kinderfeste im Allgäu

Wenn die Stadt

zurückspult

Höhepunkte bei allen

Kinder- und Heimatfesten

im Allgäu sind

die Festumzüge

Der Sommer ist die Zeit der Kinder- und Heimatfeste.

Zahlreiche Städte im Allgäu reisen dann zurück in die Vergangenheit.

Beim Lagerleben und Festumzügen spielen tausende Stadtbewohner,

junge und alte, die Geschichte ihrer Heimat nach.

Über die Jahrhunderte hinweg haben

sich nicht nur im Allgäu

zahlreiche Bräuche entwickelt,

die einheimischen Kindern einen Anlass

geben, sich auf fröhliche und gemeinschaliche

Weise mit ihrer Heimat -

geschichte zu beschäigen. Der Sommer

ist deshalb in vielen Allgäuer Orten – von

Lindau über Isny und Wangen bis Füssen

und Kaueuren – die Zeit der Heimat-,

aber auch der Kinderfeste.

Die Ursprünge

der Feste

Viele dieser Festlichkeiten basieren auf

historischen Begebenheiten und ortstypischen

Bräuchen: Das Kinderfest in Memmingen

soll auf den Schulspaziergängen

beruhen, bei dem die fleißigsten Schüler

»gekrönt« wurden. Das nur alle vier Jahre

stattfindende Ruethenfest in Landsberg am

Lech und das Ravensburger Rutenfest

gehen auf die Tradition des »Steckerlschneidens«

zurück, bei dem die Schüler

mit ihren Lehrern in den Wald wanderten

und dort die Ruten, mit denen manch un-

102

gehorsamer Hosenboden versohlt wurde,

selber schnitzen mussten. Zumindest

führte dieser eher unerfreuliche Anlass im

Anschluss meist zu Feierlichkeiten mit

Spielen und feinen Leckereien. Letztere

sind geblieben, doch Ruten muss zum

Glück keiner mehr schnitzen.

Andererorts erinnern die Feste an historische

Persönlichkeiten: Beim Füssener Renaissancefest

dreht sich alles um »den letzten

Ritter«, Kaiser Maximilian I.. Bei anderen

Bräuchen wie dem Kinderfest in

Isny und dem Tänzelfest in Kaueuren,

liegen die Ursprünge dagegen weitgehend

im Dunklen.

Lagerleben

und Gaukeleien

Auf mittelalterlichen Märkten, bei Gaukeleien

und eaterstücken erzählen Bürger

ihre Stadtgeschichte. In überwiegend historischen

Kostümen ziehen Kinder und

Erwachsene durch die Straßen und stellen

die Geschichte ihrer Heimatstädte nach.

Das ist nicht nur schön anzuschauen – die

farbenfrohen Festumzüge schaffen auch

Verbundenheit zwischen der jüngsten Generation

und »ihrer« Stadt. Die Herkun

der Darsteller ist dabei egal: Der Realschüler

wird zum Hütebub, der Bankkaufmann

wird Kanonier, Beutelschneider oder

Gaukler.

Doch die Umzüge sind nicht das einzige,

was die Heimatfeste so interessant macht:

Vielerorts flanieren historisch gewandete

Stadtbewohner durch die Gassen der Altstadt

und zeigen alte Tänze. Echte Handwerker

führen althergebrachte Arbeitsweisen

vor, zum Beispiel Hufschmiede, Holzschnitzer,

Schneider oder Buchbinder. In

Wangen werden traditionellerweise alle

Gassen mit den alten Wappen des Stadtadels

geschmückt.

Sehr sehenswert sind auch die Lager, wie

sie zum Beispiel in Füssen und in Kaueuren

aufgeschlagen werden. Hier stellen

Landsknechte, Ritter und Kelten ihre Zelte

auf und gewähren den Besuchern Einblicke

in das Leben der Vergangenheit.

Manchmal werden sogar Schlachten und

Turniere nachgestellt, in der die tapferen

Recken ihre Fähigkeiten mit dem Schwerte

zur Schau stellen.

Viola Elgaß

wandern & genießen


www.edition-a lgaeu.com

A lgäuer Lebensart,

Tradition und Freizeit

4,– EURO

4,– EURO

Anzeigen

Termine auf einen Blick

ALPSOMMER

ALPSOMMER

www.edition-a lgaeu.com

& Viehscheid 2019

& Viehscheid 2019

A lgäuer Lebensart,

Tradition und Freizeit

Füssen in der Renaissance

29. – 30.06.2019

www.mittelalterfeste.net

Montfortfest Tettnang

05. – 07.07.2019

www.montfortfest.de

Welfenfest Weingarten

05. – 09.07.2019

www.welfenfest.de

Seehasenfest Friedrichshafen

11. – 15.07.2019

www.seehasenfest.de

Tänzelfest Kaufbeuren

11. – 22.07.2019

www.taenzelfest.de

Ab sofort haben Sie das aktuelle Magazin

zum Allgäuer Alpsommer immer dabei!

Hier geht’s zum E-Paper!

Kuhle Geschichten

Kuhle Geschichten

Menschen,

Menschen,

Tiere, Traditionen

Tiere, Traditionen

Ruethenfest Landsberg am Lech

12. – 21.07.2019

www.ruethenfest.de

Das Freilichtmuseum

für Schwaben und das Allgäu

Kinder- und Heimatfest Isny

12. – 15.07.2019

www.isny-kinderfest.de

Schützenfest Biberach

12. – 21.07.2019

www.biberacher-schuetzenfest.com

www.bauernhofmuseum.de

Museumstraße 8 | 87758 Kronburg-Illerbeuren | Tel. (0 83 94) 14 55

Fotos: Ruethenfestverein e.V., Tänzelfestverein Kaufbeuren e.V./Harald Langer

Kinderfest Memmingen

18.07.2019

www.memmingen.de

Kinder- und Heimatfest Wangen

18. – 21.07.2019

www.kinderfest-wangen.de

Rutenfest Ravensburg

19. – 23.07.2019

www.das-rutenfest.de

Kinder- und Heimatfest Leutkirch

20. – 23.07.2019

www.kinderfest-leutkirch.de

Lindauer Kinderfest

24.07.2019

www.kinderfest-lindau.de

Dießener Straße 6 . 86956 Schongau . Tel. 0 8861/7527

www.schongauer-maerchenwald.de

www.prillwitz.eu

wandern & genießen 103


Service

Wenn Petrus die Schleusen öffnet

chletwette-Tipps

Wer Urlaub im Allgäu macht, der will die Natur genießen und die Landscha

erkunden. Doch manchmal macht einem das Wetter einen Strich durch die

Rechnung. Damit der Tag aber nicht ins Wasser fällt, haben wir für Sie Ausflugsziele

zusammengestellt, die bei Regen und Sonne Spaß machen.

Foto: miniMax Sport- und Kinderpark

Foto: DAV Allgäu-Kempten

Spiel und Spaß

Einmal Klettermaxe sein

Wenn die Kleinen bei schlechtem Wetter

gerne mal die Wände hochgehen, dann

sind sie in der Kletterhalle Kempten genau

richtig. Auf einer Fläche von über 1000

Quadratmetern ist Spaß garantiert und

dank der verschiedenen Schwierigkeitsgrade

kann sich jeder so richtig schön auspowern.

Beim Bouldern, dem Klettern

ohne Sicherung, aber immer in verletzungsfreier

Absprunghöhe, ist die Fläche

noch einmal genauso groß. Pausen können

im Gastronomiebereich eingelegt werden

und zum Ausklang ist das Schwimmbad

gleich gegenüber.

www.dav-kempten.de/swoboda-alpin

Foto: Daniel Stauch

Ein Hut tut gut

Er sieht schick aus, ist modisches Accessoire und schützt einen

vor der Sonne. Aber was genau haben nochmal Pferdehändler

mit Strohhüten zu tun? Diese Frage wird im Deutschen Hutmuseum

beantwortet, entweder auf eigene Faust oder in einer etwa

70-minütigen Führung. Im Museum werden 300 Jahre Hutmode

erzählt, darunter die Geschichte der Hutstadt Lindenbergs und

die Entstehung von Filzhüten. An Mitmach-Stationen und der

Anprobierstelle warten der aktive Spaß für Groß und Klein.

www.deutsches-hutmuseum.de

Die Welt im Kleinformat

Die Kinder spielen lassen und sich selbst ein wenig entspannen?

Im Sport- und Kinderpark des miniMax in Mindelheim haben die

Kleinen über 3000 Quadratmeter Fläche mit Hüpurgen, Bällebad,

Trampolin, Klettermöglichkeiten und vielem mehr, um sich so

richtig auszutoben. Doch auch bei Erwachsenen kommt hier gerne

mal das innere Kind zum Vorschein, spätestens wenn sie die Wellenrutsche

hinunter sausen. Sind Groß und Klein nach so viel Spiel

und Spaß hungrig, können sie sich im nahen Gastronomiebereich

wieder stärken. Und dann kann´s gleich wieder weitergehen.

www.minimax-mindelheim.de

104

Nahe Oberstaufen schlagen regelmäßig Kinder- aber auch Erwachsenenherzen

höher: Auf etwas über 300 Quadratmetern erstreckt

sich eine Modelleisenbahnlandscha. Ihr Erbauer, Heribert

Stadtfeld, liebt die Flusslandschaen von Rhein und Mosel

und hat sie im Kleinstformat liebevoll nachgebaut. Über 200

Züge sind fast sechs Stunden unterwegs, um die zweieinhalb Kilometer

lange Strecke zurückzulegen. Über 5000 Menschen bevölkern

die Landscha, große Besucher nicht eingerechnet. An

einer Spielstation können sich junge Lokführer beweisen.

www.miniwelt-oberstaufen.de

wandern & genießen


Foto: Pixabay

Anzeige

Holen Sie sich das Allgäu nach Hause

Foto: Aquaria Erlebnisbad

Das Paradies für Wasserratten

Selbst wenn man das feuchte Nass mag, so ist niemand bei Regen

gerne draußen. Wer trotzdem nicht auf Wasserspaß verzichten

mag, der ist im Aquaria in Oberstaufen genau richtig. Das Erlebnisbad

ist eines der schönsten Bäder im süddeutschen Raum und

hat für kleine und große Wasserratten etwas zu bieten. Auf 1200

Quadratmetern gibt es ein 25 Meter langes Sportbecken, ein Außenbecken,

eine Rutsche sowie Sprungtürme, einen Wildwasserkreisel

und ein Solebecken. Wer es lieber entspannt angehen will,

der ist in den acht verschiedenen Saunen bestens aufgehoben.

Täglich wechselnde Fitnessangebote runden das Programm ab.

www.aquaria.de

Unsere Kalender-Highlights:

Allgäu Kalender 2020 15,80€

Bestell-Nr. 014, ISBN 978-3-95805-054-9

Kuh Kalender 2020 15,80€

Bestell-Nr. 015, ISBN 978-3-95805-055-6

Panorama Kalender 2020 29,80€

Bestell-Nr. 018, ISBN 978-3-95805-053-2

Allgäuer Stiche Kalender 14,80€

Bestell-Nr. 094, ISBN 978-3-95805-042-6

Bier Kalender 14,80€

Bestell-Nr. 070, ISBN 978-3-95805-016-7

Der unbekannte Herrschaftssitz

Schloss Neuschwanstein ist DAS Schloss im Allgäu und bis nach

China bekannt. Daneben geht das wesentlich ältere Schloss Hohenschwangau

etwas unter, trotz seiner prägnanten Farbe. Sehenswert

ist es trotzdem, nicht nur bei Regenwetter. Im Rahmen einer

halbstündigen Führung müssen zwar 90 Treppenstufen überwunden

werden, doch man erfährt auch viel über die Geschichte des

Bauwerks. Und wer danach noch nicht genug von Schlössern hat,

der kann Neuschwanstein ebenfalls einen Besuch abstatten.

www.hohenschwangau.de

Das komplette Angebot der EDITION ALLGÄU

finden Sie in unserem Online-Shop unter

www.edition-allgaeu.com

wandern & genießen 105


Service

Das Allgäu für Entdecker

Buch-Tipps

zum Wandern und Genießen

Mit der Kamera

auf Wanderschaft

Wenn man unterwegs

ist, macht

man Fotos – das

ist ein ungeschriebenes

Gesetz.

Doch o enttäuschen

uns unsere Schnappschüsse. Damit

das nicht mehr passiert, braucht es einige

Tricks. Dieses Buch verbindet Tourenbeschreibungen

und hilfreiche Infos sowie

praktische Tipps zum ema Fotografie.

Im Anschluss an die zwölf Touren, die

etwa zum Bergbauerndorf Gerstruben

oder auf das Oerschwanger Horn führen,

gibt es ein Glossar, das die verschiedenen

Tipps noch einmal detailliert erläutert.

Ahrndt/Lange/Pehnke: »Fototouren

im Allgäu & Tannheimer Tal«,

56 Seiten, 9,95 Euro

Sagenhafte Wanderungen

Geheimnisse haben

Menschen schon immer

interessiert – es

liegt scheinbar in unserer

Natur, ihnen auf

den Grund gehen zu

wollen. So geht es auch

Peter Würl, der seine

Leser mit diesem Buch mitnimmt auf

Wanderungen zu Burgen und Burgstellen,

Kapellen mit einer ganz eigenen Geschichte

oder zu geologischen Höhepunkten.

Zu allen Orten weiß Würl zumeist

eine Sage zu erzählen, die sich mit der Lokalität

befasst. Dass am Ende einer Wanderung

omals ein Gasthaus oder ein Lokal

mit einer besonderen Brotzeit steht,

macht diesen ungewöhnlichen Führer

umso sympathischer.

Peter Würl, »Geheimnisvolles Allgäu«,

86 Seiten, 9,80 Euro, EDITION ALLGÄU

Atemberaubende Hütten

mit Charme

Bei Immobilien zählt

einzig und allein die

Lage – das ist auch

bei diesen Himmelshäusern

nicht anders.

In seinem

neuen Buch zeigt der

Extrembergsteiger und Fotograf Bernd

Ritschel 33 atemberaubende Refugien an

magischen Plätzen der Alpen in Deutschland,

Österreich, der Schweiz und Italien.

Neben ausführlichen Hüttenporträts gibt

es auch Wander- und Tourentipps, stimmungsvolle

Fotografien wilder Bergwelten

sowie unterhaltsame Interviews mit manch

Urgestein unter den Hüttenwirten.

Bernd Ritschel, Frank Eberhard,

Sandra Freudenberg: »Hütten² –

Neue Sehnsuchtsorte in den Alpen«,

240 Seiten, 49,99 Euro,

NATIONAL GEOGRAPHIC Verlag

Wohin mit dem Wohnmobil?

Wer o mit seinem

Wohnzimmer auf

vier Rädern unterwegs

ist, kennt das

Problem: Wohin mit

dem langen Ding?

Abhilfe scha da seit

25 Jahren der Stellplatz-Atlas

Deutschland.

Im Jubiläumsband sind die 3860 besten

Reisemobil-Stellplätze in allen 16 Bundesländern

aufgelistet. Dazu gibt es über

74.000 User-Bewertungen und viele Fotos.

»promobil Stellplatz-Atlas Deutschland

2019/2020«, 980 Seiten, 29,95 Euro,

Hallwag

Impressum

Verlag und Herstellung:

Verlag HEPHAISTOS

EDITION ALLGÄU

Lachener Weg 2

87509 Immenstadt-Werdenstein

Tel. +49(0)8379/728016

Fax +49(0)8379/728018

E-Mail: info@heimat-allgaeu.info

www.edition-allgaeu.com

Redaktion: Claudia Schöwe (v.i.S.d.P.),

Viola Elgaß, Thomas Niehörster,

Franziska Rothermel

Tel. +49(0)8379/728016

E-Mail: info@heimat-allgaeu.info

Gekennzeichnete Beiträge

stellen die Meinung des Verfassers,

nicht aber des Verlages dar.

Layout:

Bianca Elgaß, Ramona Klein,

Joshua Riedisser

Titelbild: Fotolia

Anzeigen: Tel. +49(0)8379/728616

Carolin Mathes:

carolin.mathes@heimat-allgaeu.info,

Christian Vu:

christian.vu@heimat-allgaeu.info

gültige Anzeigenpreisliste: 1/2019

Bankverbindung Verlag:

Deutschland:

Raiffeisenbank

Oberallgäu-Süd eG,

IBAN: DE97733699200007126999,

BIC: GENODEF1SFO

Österreich:

Raiffeisenbank

Oberallgäu-Süd eG,

IBAN: AT223600000000643361,

BIC: RZTIAT22

Druckerei:

HOLZMANN DRUCK

Gewerbestraße 2

86825 Bad Wörishofen

Folgen Sie uns auf Facebook:

www.facebook.com/

Edition.Allgaeu

106

wandern & genießen


BEKLEIDUNG • BRILLEN

HELME • BIKEWEAR

KINDERSCHUHE u.v.m.

SONTHOFEN • FÜSSEN • OBERSTDORF • OBERSTAUFEN • MO. - SA. 9.00 - 19.00 UHR

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine