Zukunfts Werk Stadt_Das Buch

raum13

Theater lebt vom Experiment, Undenkbares zu denken, Nichtmachbares zu machen und Unsichtbares sichtbar zu machen.

STADT

WERK

ZUKUNFTS

Deutzer Zentralwerk der Schönen Künste


Deutzer Zentralwerk

der Schönen Künste

Auf dem Areal der ersten Gasmotorenfabrik der Welt, wo der Verbrennungsmotor

die Dampfmaschine ablöste und dieser Motor bis in die heutige Zeit

den Antrieb für Mobilität maßgeblich bestimmt, entsteht ein neues Stadtquartier.

Auf der letzten in öffentlicher Hand befindlichen Fläche in Köln Mülheim-Süd soll

auf einer fünf Hektar großen Fläche das Otto-&-Langen-Quartier entstehen.

Im Herzen von Köln steht ein aus ideeller und auch baulicher Sicht potenzielles

Weltkulturerbe, ein Zeuge der letzten mehr als 150 Jahre Moderne. An diesem

Ort der Innovation ist in den letzten acht Jahren mit dem Deutzer Zentralwerk der

Schönen Künste ein Freiraum des Denkens und ein gesellschaftlicher Spielraum

entstanden, der uns aus der Kraft der Kunst und Erinnerung für die zukünftigen

Gegenwarten inspiriert und der als Skizze für das im Prozess befindliche Quartier

verstanden werden will. Die bereits jetzt sicht- und spürbare Zukunft des gesamten

Otto-&-Langen-Quartiers wird durch akute bauliche, politische und gesellschaftliche

Ereignisse, Sichtweisen und Expertisen beeinflusst und findet in der Echtzeit-Performance

ihren Ausdruck.

Durch künstlerische Recherchearbeiten am historischen Bezugsort Klöckner-Humboldt-Deutz

(KHD) werden Spuren und Schichten gestriger Epochen allmählich

freigelegt und in Gegenwarts- und Zukunftsszenarien verwoben. Aus dieser

Kraft schöpfend, werden Möglichkeitsräume und konkrete Utopien erprobt. So ist

es folgerichtig, dass raum13 derzeit aktiv an der Neuentwicklung des entstehenden

Otto-&-Langen-Quartiers beteiligt ist, dessen Epizentrum der ehemalige KHD-Weltkonzern

als Wiege des Ottomotors ist. Das Deutzer Zentralwerk der Schönen

Künste ist keine reine Ortsbezeichnung für Räumlichkeiten im Rechtsrheinischen,

sondern vor allen Dingen ein Ort, an dem Räume erst ausgehandelt und im sozialpolitischen

Sinne produziert werden.

raum13 hat sich zum Ziel gesetzt, eine Auseinandersetzung mit den überlieferten

Ortsgeschichten sowie denkmalgeschützten und -würdigen Räumen zu

suchen, um zu der Erschaffung eines lebenswerten Stadtviertels beizutragen, in

dem Kunst den Ausgangspunkt und der Mensch den Maßstab bilden. raum13 ist

dabei Motor für zukunftsweisende Entwicklungen und initiiert Diskussionen zwischen

Kunst, Wirtschaft, Stadtentwicklung, Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft.

Ein konkretes Anliegen ist die Schaffung einer Bewusstwerdung für die Notwendigkeit

eines Umdenkens in Sachen Stadtplanung im öffentlichen Diskurs.

Das Deutzer Zentralwerk der Schönen Künste ist ein Gesamtkunstwerk

an der Schnittstelle von Stadtgeschichte und Stadtentwicklung und will

als Skizze für das im Prozess befindliche Quartier verstanden werden.


001

»gestern – heute – morgen«


ZUKUNFTS WERK STADT – RAUM 13 DEUTZER ZENTRALWERK DER SCHÖNEN KÜNSTE

Als Akteur im Schnittfeld zwischen Kunst und Stadtgesellschaft arbeitet raum13 an der Produktion von Zwischen-Räumen als Begegnungsräume

gestalten. Auf Stadt bezogen, bieten Zwischen-Räume Antworten auf die Frage, wie wir gemeinsam leben wollen. Auf dem fünf Hektar großen

Mobilität die Welt eroberte, entsteht ein neues Stadtquartier.

EINE REISE DURCH RAUM UND ZEIT

PROLOG 006 FOYER 021 HOF 039 SCHMIEDE 055 WERKSHALLE 061 SALON DEM DEUTSCHEN VOLKE 075 WASCHKAUE 085 INNERE

TRETET EIN, DENN AUCH HIER SIND GÖTTER

DAS LAND UTOPIA #2 DAS LAND UTOPIA #3

SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #3_WOHLSTAND FÜR ALLE SCHÖNHEIT DER VER

MOBILITÄT / KLIMAWANDEL ARBEIT / TECHNIK MIGRATION / BEGEGNUNG DEMOKRATIE / BETEILIGUNG


, die nicht nur Schichten der Vergangenheit zum Vorschein bringen, sondern auch eine ebenfalls vielschichtige Stadt-Utopie skizzenhaft

Areal der ersten Gasmotorenfabrik der Welt, dem Otto-&-Langen-Quartier zwischen Deutz und Mülheim, von der aus die motorenbetriebene

003

WERKSTRASSE 101 WEISSES STUDIO 125 VORSTANDSETAGE 139 BETRIEBSRAT 155 KONTEXT 163

GÄNGLICHKEIT #2_KRIEGSBLICKE SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #1_IN 80 TAGEN UM DIE WELT DAS LAND UTOPIA #1

WASCHKAUE

INNERE WERKSTRASSE

SALON DEM DEUTSCHEN VOLKE

WERKSHALLE

WEISSES STUDIO

SCHMIEDE

HOF

FOYER

VORSTANDSETAGE

BETRIEBSRAT


005


PROLOG FOYER HOF SCHMIEDE WERKSHALLE SALON DEM DEUTSCHEN VOLKE WASCHKAUE INNERE

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MOBILITÄT / KLIMAWANDEL ARBEIT / TECHNIK MIGRATION / BEGEGNUNG DEMOKRATIE / BETEILIGUNG

Prolog

In unserer Hypermoderne werden Fragestellungen wieder aufgegriffen, die

seit der Geburt der Moderne eine entscheidende Rolle spielten: Beschleunigung

und Mobilität, Industrialisierung von der Proto-Industrie über die Industrie 1.0 und

Kolonialisierung bis zur heutigen Industrie 4.0 und Globalisierung, entstehende

bzw. verfallende Produktions- und Arbeitsformen und damit einhergehende soziale

Institutionen, neue Wohn- und Arbeitsorte, Stadt als Zufluchtsort, Hoffnungs- und

Möglichkeitsraum. Heute wie vor mehr als 150 Jahren erfordern diese Fragestellungen

einen neuen Blick und den Mut, Situationen, Experimente und andere Räume

bzw. Landschaften zu erschaffen.

Köln als eine der ältesten und größten Kulturstädte in Deutschland, im

Zentrum Mitteleuropas und in direktem kulturellen und wirtschaftlichen Wettbewerb

mit anderen großen Städten im Rhein-Ruhr Gebiet, in den Benelux-Staaten und

anderswo hat die einzigartige Chance, auf dem Gelände der ersten Gasmotorenfabrik

der Welt ein Reallabor 1869 Zukunftswerk Stadt zu entwickeln, das sich aus der

innovativen Erinnerung speist, und mit dem auf uns übertragenen Mut der damaligen

Gründer überregional in Erscheinung tritt und zur kulturellen Daseinsvorsorge

erheblich beiträgt. Gleichberechtigte Akteure aus Kunst, Design, Architektur, Raumplanung,

Stadtgeschichte, Geisteswissenschaften und Zivilgesellschaft sollen eine

entscheidende Frage aus verschiedenen Blickwinkeln offen betrachten: nämlich die

Frage, wie wir in Zukunft gemeinsam leben wollen.

Auf das Bauprojekt Quartier bezogen, soll hierbei bewusst auf gängige

Methoden, Gewohnheiten oder Denk-Einheiten aus dem Bereich Stadtplanung und

Stadtentwicklung verzichtet werden. Auf einer Linie mit dem Fluchtpunkt Stadt befindet

sich der Baustein Quartier. Statt Isotopen oder monokultureller (Nicht-)Orte,

die für eindimensionale Persönlichkeiten einprägsam sind, sollen polydimensionale

Räume entstehen, die sowohl ein vielfältiges Zusammenleben als auch verschiedenartige

Antworten auf derzeit brisante stadtgesellschaftliche Fragen ermöglichen.

Die gegenwärtig wichtigsten Aufgaben: Wohnen, Arbeit, Umwelt, Mobilität,

Inklusion, Diversität, Beteiligung und Demokratie.

Allen diesen Aufgaben liegen unsere gemeinsamen Werte zugrunde,

unsere gemeinsame Kultur, auf der alle unsere gesellschaftlichen Verabredungen

basieren, unsere freiheitlich demokratische Grundordnung, über Generationen erkämpft

und ausgehandelt. So ist es nur folgerichtig, wenn wir diesen universellen

Geist in unsere gesellschaftspolitischen Überlegungen mit einbeziehen.

Wie sähe eine Stadt aus, die sich aus der Kraft der Kunst stetig neu

entwickelt und in der das menschliche Miteinander Mittelpunkt und Maßstab

bildet?


WERKSTRASSE WEISSES STUDIO VORSTANDSETAGE BETRIEBSRAT KONTEXT

007

SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #1_IN 80 TAGEN UM DIE WELT DAS LAND UTOPIA #1 DAS LAND UTOPIA #2 DAS LAND UTOPIA #3


009


011


GFD Gasmotoren-Fabrik Deutz


013

Auszug aus dem Gutachten

zum Objekt

Prof. Dr. Walter Buschmann

Geschichte

Die überragende Bedeutung der 1864 von Nikolaus

August Otto und Eugen Langen gegründeten Motorenfabrik

für die Industriegeschichte und mehr noch für die allgemeine

Entwicklung der Menschheitsgeschichte in den letzten

hundert Jahren ist vielfach gewürdigt worden und gipfelt in

Aussagen wie „... von Deutz ist die Motorisierung der Welt

ausgegangen“ oder „Deutz ist die Wiege der Weltmotorisierung“.

Die lebhafte Entwicklung des Unternehmens seit seiner

Gründung spiegelt sich auch wider in seinen zahlreichen

Namensgebungen, von denen der Name Klöckner-Humboldt-Deutz

einen Höhepunkt der Unternehmensentwicklung

darstellt und viele Werksteile auch außerhalb von Köln einschließt.

Da es in diesem Gutachten nur um das 1869 entstandene

Werk an der Grenze von Deutz und Mülheim gehen soll,

wird, hier der 1872 entstandene Werksname Gasmotoren-

Fabrik Deutz verwendet.

Bedeutung

Deutschland als „verspätete Nation“ mit einer

gegenüber England und anderen Industrienationen späten

industriellen Entwicklung hat vergleichsweise wenig an

Innovationen zur Ersten Industriellen Revolution beigetragen.

In der Periode der Zweiten Industriellen Revolution mit den

Branchen Chemie, Elektrizität und Autobau ragt die Erfindung

von Nikolaus August Otto deutlich aus den nun dichter

werdenden deutschen Beiträgen weit über die Landesgrenzen

hinaus hervor. Der Motor hat die Welt verändert, und

Köln war Ausgangspunkt dieser Veränderung. Ort der ersten

Produktionsstätte für Motoren war zwar 1864 ein industrieller

Altbau in der Kölner Servasgasse. Die einzig für diesen Zweck

erbaute und vermutlich erste Motorenfabrik der Welt aber

entstand 1869 in Deutz.

Der Kaufmann Nikolaus August Otto beschäftigte

sich, angeregt durch eine Veröffentlichung über den Gasmotor

von J. J. Etienne Lenoir, seit 1861 mit Versuchen zur Herstellung

eines verbesserten, vor allem sparsameren Motors.

Durch die Verbindung mit Eugen Langen entstand 1864 unter

dem Namen „N. A. Otto & Cie.“ die erste Motorenfabrik

der Welt in einer von der Familie Nicolini erbauten Ölmühle

an der Servasstraße hinter dem Hauptbahnhof. Nach einer

Präsentation des damals noch atmosphärischen Ottomotors

auf der Pariser Weltausstellung von 1867 und einer deutlichen

Zunahme der Aufträge wurde mit Eintritt eines weiteren Geschäftspartners

Ludwig August Roosen-Runge die Grundlage

für den Bau einer neuen Fabrik geschaffen. Für 14 000 Taler

wurde 1869 ein 3 ½ Morgen großes Grundstück links von

der alten Straße von Deutz nach Mülheim erstanden. Weit

außerhalb des Festungsbereiches, umgeben von einem Kranz

blühender Gärten und schmucker Landhäuser entstand die

neue Fabrik.


Fassade 1944


015


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MOBILITÄT / KLIMAWANDEL ARBEIT / TECHNIK MIGRATION / BEGEGNUNG DEMOKRATIE / BETEILIGUNG

Die Ruine

Gedanken nach der Erstbegehung

2011

Ich habe seit Jahren keinen Kalender geführt, ich glaube es ist Sommer

oder Herbst.

Stille ... Die Stille. Die Stille ist wie eine gegossene Form eines Flusses.

Grau, dunkel zieht ein Geruch von feinem Staub vorbei und bedeckt den Boden mit

einer hauchdünnen Schicht. Eine Decke, die alles Leben unter sich erstickt. In alle

Richtungen erstrecken sich leere Mauern. Von den geschwärzten Wänden und Decken

hängen abgerissene Kabel wie schlaffe, alte, ausgedörrte Adern und wimmern

dünn im Wind. Umrisse einer Stadt. Kein Ton, keine Regung von Leben. Weiter weg

Reklametafeln, die für Mode werben.

An einer Wand ein Werkzeugschrank aus Blech. Gute Schraubendrehereinsätze.

Ein Metallfass voller Abfall. Offene Türen zu Transformatoren, eine Energieschaltzentrale

ausgeweidet. Dichtungen von Motoren fein säuberlich sortiert und

beschriftet in Gitterboxen. Waschkauen und Spinde von Hunderten, ja Tausenden,

die hier einstmals. Ein vermoderter Kittel an einem Bügel und Schuhe, gut schwarze

Schuhe.

Öde, stumm, gottverlassen. Ehemalige an den Wänden, in den Hallen,

in den Räumen hauchen längst Vergessenes. Wie ein Lüftchen schleicht es sich ins

Gemüt, schleicht es sich in alle Knochen, in jeden Winkel des Seins. Überall Ruß

und schwarzer Staub. Ein Schreibtisch aus Holz, eine Registrierkasse. Ein paar alte

Bücher und Ordner, aufgequollen und nass wegen des undichten Dachs. Ein Telefon

mit einer Telefonnummer. Niemand erreichbar. Herausgerissene Schubladen,

Papier und Pappschachteln. Alles Brauchbare bereits vor Jahren geplündert. Auf

dem Boden liegen wie alte Dokumente abgelöste Tapeten. Kalt. Alles zu feucht, um

ein Feuerchen zu machen. Alles riecht nach Feuchtigkeit und Moder. Überreste von

verfaultem Haar. Zerschlagene Scheiben, die wie ein See aus Glas von einer vergangenen

Zeit zeugen. Ein bloßes Skelett, ein Gerippe.

Immer das gleiche Bild. Man hat zwei Augen zu viel. Nur in der Nacht

manchmal glaubt man den Weg zu kennen. Vielleicht kehren wir nächtens immer

wieder das Stück zurück, das wir so mühsam gewonnen haben? Es kann sein.

Seit 2011 erwecken Anja Kolacek und Marc Leßle mit ihren Inszenierungen

die alte Industriebrache des einstigen Weltkonzerns Klöckner-Humboldt-Deutz

zu neuem Leben und machen sie so zu einer der aufregendsten

Kulturstätten Kölns. Die Transformation dieses Stadtraums über Generationen

hinweg ist beispielhaft für die Umwälzung unserer Gesellschaft und steht im

Fokus der künstlerischen Arbeiten im Deutzer Zentralwerk der Schönen Künste.

Vom Goethe-Institut auf die Liste der zehn nennenswerten kulturell genutzten

historischen Industrieanlagen gehoben, entstehen hier prozessorientiert

Erinnerungslandschaften ebenso wie Bildungs- und Denklandschaften.


WERKSTRASSE WEISSES STUDIO VORTANDSETAGE BETRIEBSRAT KONTEXT

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SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #1_IN 80 TAGEN UM DIE WELT DAS LAND UTOPIA #1 DAS LAND UTOPIA #2 DAS LAND UTOPIA #3

Fabrikansicht 1886


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SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #1_IN 80 TAGEN UM DIE WELT DAS LAND UTOPIA #1 DAS LAND UTOPIA #2 DAS LAND UTOPIA #3


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Erstbegehung | Eingangsbereich 2010


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MOBILITÄT / KLIMAWANDEL ARBEIT / TECHNIK MIGRATION / BEGEGNUNG DEMOKRATIE / BETEILIGUNG

Die Rolle der Kunst

Die Kunst in unserer pluralistischen Wertegemeinschaft muss ihr Verhältnis

zur Gesellschaft in Zeiten von aufstrebendem Autokratismus, von Fehlinformationen

auf allen Kanälen, der Überforderung von Politik und Verwaltung und nicht zuletzt

der bürgerlichen Mitte neu überdenken.

Wir müssen an der Auflösung des „autonomen“ Territoriums der Kunst

arbeiten. Massenproduktion und -konsum sowie die Massenkommunikation machen

die Egozentrik des modernen Künstlerbildes fragwürdig. Die scheinbar wertfreie

Kunst ist zu einer Kulisse der bürgerlichen und gehobenen Gesellschaft heruntergekommen

und verliert dadurch an Glaubwürdigkeit.

Das Theater und die Museen müssen wieder zu den Menschen kommen

und nicht wie in der modernen Kleinteiligkeit und Arbeitsteilung Orte im Zentrum

der Stadt besetzen. Die Stadt als Kunstwerk und das Urbane als die Begegnung

darin zu begreifen, querzudenken, anders zu denken und die Diversität universell zu

sehen, das wird die Kunst des 21. Jahrhunderts sein.

Das Theater wird zum gesellschaftlichen Reallabor Zukunftswerk Stadt:

• als Erinnerungslandschaft/-parcours der Kölner Industriegeschichte und

-gegenwart,

• als Bildungslandschaft, um die daraus aufkommenden Diskussionen und

Debatten aufzunehmen und generationen- und schubladenübergreifend zu

bearbeiten,

• als Spiel- und Zwischenraum in allen Assoziationen,

• als Denklandschaft und Freiraum für inspirierte, mutige Unternehmungen

und Initiativen,

• als Lebensraum in einer ganzheitlichen Wohnlandschaft mit Begegnungs- und

Rückzugsmöglichkeiten.

Definition von Raum

Ausgangspunkt unserer Beschäftigung mit dem Raum ist die These,

dass Raum sich struktureller oder funktionaler Definitionen entzieht. Raum

ist nicht nur Voraussetzung und Gegenstand leiblicher oder ästhetischer Erfahrung,

sondern entsteht durch gesellschaftliches Miteinander und ist somit

zuvorderst soziales und öffentliches Produkt. Der Raum ist kein Gehäuse, sondern

wird vielmehr als Gestaltungs- und Möglichkeitsraum gesehen. Er passt

sich den Menschen und deren Begegnungen und Prozessen jederzeit an und

nicht umgekehrt.


WERKSTRASSE WEISSES STUDIO VORTANDSETAGE BETRIEBSRAT KONTEXT

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SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #1_IN 80 TAGEN UM DIE WELT DAS LAND UTOPIA #1 DAS LAND UTOPIA #2 DAS LAND UTOPIA #3


Erstbegehung | Eingangsbereich 2010


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Erweiterung | Eingangsbereich 2016


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031

SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #1_IN 80 TAGEN UM DIE WELT DAS LAND UTOPIA #1 DAS LAND UTOPIA #2 DAS LAND UTOPIA #3

OBJEKT SPIELKÜCHE | DIE KUNST DER BEGEGNUNG


Ästhetik der Ruine

im Dialog mit Christof Breidenich

O-Ton LAB 1869 Zukunftswerk

Stadt

2018

CB: Es gibt verschieden Kriterien, wie du solche Sachen einteilst. Und

hier ist halt auch ein ganz neues Kriterium, weil man eben einen ästhetischen Raum

nutzt. Man sagt zwar immer „nutzt“ – aber vielmehr steht man ja auch einfach

nur hier drin. Und wenn man dann so ein bisschen an dem Leben teilhaben kann,

dann ist das so, wie eingeladen zu werden. So zu einer kuriosen Großtante oder zu

irgendjemandem, der irgendwie so ein bisschen schrullig ist.

ML: Und was wolltest du mit der schrulligen Tante – im Garten der schrulligen

Tante?

CB: Ja, „im Garten" ist gut gesagt. Wir haben hier ja einen Garten ohne Garten,

also ohne Erde, es gibt nur Ritzen. Die Menschen sind ja überall so drauf, dass sie

ihre Finger überall reinstecken und versuchen müssen rauszufinden, was denn da ist

und was man hier so fühlen kann: Das ist ja hier nun mal besonders gelungen. Hier

muss man die Augen zuhalten und dann teilweise in Löcher reingreifen und dann

kommt da irgendwas raus oder auch nichts. Oder irgendwas stinkt oder modert vor

sich hin. Das ist ein ganz altes oder auch extremes Erlebnis, ein ästhetisches Erlebnis,

das natürlich super interessant ist, weil man ja nicht weiß, was morgen wieder

kaputt ist, obwohl über den Grad der Kaputtheit hier so gut wie nichts mehr hinausgehen

kann. Es gibt ja so viel Kaputtes, das kann man ja gar nicht mehr toppen. Ich

weiß nicht, was man jetzt noch kaputt machen könnte? Also, Ihr schützt das ja auch

ein bisschen ... haltet das ein bisschen fest – irgendwie.

ML: Wir verlangsamen den Prozess.

CB: Genau, ihr verlangsamt den Prozess, allein schon durch das Betreten

dieses Ortes. Manchmal wird ja auch geputzt! So an Ecken, habe ich das letzte Mal

gesehen, mit einem Eimer – so mit Wasser. Wie heißt das, Anti-Aging-Shampoo?

ML: Du könntest dir jenseits von Anti-Aging auch was anderes vorstellen?

Oder würdest du das tatsächlich so fortführen?

CB: Na ja, ich würde es abbilden. Ich würde es kommunizieren. Ihr macht

das ja, es ist ja auch eine Galerie, eine Bildergalerie, in der Realität in Kunst transfomiert

wird. Das resultiert aus den verschiedenen Levels von Realität und Ausstellung.

Jedesmal dasselbe, das, was da ist, und einmal das, was darübergelegt

wird. Da wird ja jährlich was darübergelegt und wieder was darübergelegt, dann

gibt’s Spuren auf dem Boden oder wo auch immer. Und dann gibt’s da auch noch

die nicht intentionalen Layer, die von alleine dazukommen. Spätestens durch diese

Guerilla-Layer hat man keine Übersicht mehr. Das widersetzt sich dann auch jeglicher

Dokumentation. In der Zeit, in der man es dokumentiert, ist ja wieder so viel

passiert, dass man das wieder dokumentieren müsste, und das geht irgendwann

nicht mehr. Was ich vorschlage, ist: Man muss es dokumentieren im Sinne dessen,

dass es den anderen bewusst werden muss, dass es so etwas gibt. Das hat man

Jahrhunderte mittels Malerei gemacht.


033


035

Jetzt kommen die neuen Medien, die das nicht mehr können,

weil die neuen Medien eben reproduzierbar und auch

duplizierbar sind. Deswegen sind sie so beliebig, wodurch der

Filter immer wichtiger wird. Wie kann ich aus dieser Beliebigkeit

etwas filtern, was Relevanz hat? Somit müsste man halt

die alten Medien wieder bemühen, so etwas zu dokumentieren.

Das kann als klassische museale Dokumentation im Sinne

der Ruinenerhaltung oder im Sinne der Ruine als Bewusstseinsschaffung

geschehen: Das, was mal war, war größer als

das, was jetzt ist.

Jeder behauptet immer in der Zeit von Umbrüchen

zu leben. Aktuell befinden wir uns im digitalen Umbruch und

damals war man eben im maschinellen oder industriellen

Umbruch. Man hat sich damals im 19. Jahrhundert auf frühere

Zeitalter berufen, weil man die Zeit unmittelbar davor überwinden

wollte – und das war das Barock. Man hatte keinen

Bock mehr auf die ganzen fürchterlichen Adeligen und Aristokraten

und Kings, Queens, Popes. Dafür brauchte man eine

neue Formensprache und damit eine eine neue Ästhetik. Zu

einem wesentlichen Teil äußerte sich diese neue Ästhetik in

der Fähigkeit der Vergegenwärtigung des Vergangenen in

Form von Ruinen. Man hat Ruinen gebaut, man hat Ruinen

gemalt, man hat Ruinen gesucht. Dabei ist ein verfallenes

Gebäude ja noch lange keine Ruine. Eine Ruine wird erst

dann eine Ruine, wenn sie als Zeugnis einer ehemaligen Vollständigkeit

gelesen und gleichsam als notwendiger Vorläufer

eines aktuellen Selbstverständnisses virulent wird. Die Schafe

und deren Hirten, die im Forum Romanum über Hunderte von

Jahren gegrast haben, haben die Ruinen nie interessiert, das

war einfach nur Stein und Schrott. Und als dann die Engländer

und Franzosen kamen, sozusagen als Ruinenexperten, und

diese Ruinen mit Bedeutung belegten, weil sie eben nicht

mehr diesen Barock haben wollten, erst dann kam die kulturelle

Kompetenz der Thematisierung des Ruinösen.

einspeist. Meine Vorstellung wäre ja ein acht Quadratmeter

großes Ölgemälde fürs Rathaus. So etwas hat immer Wirkung

gehabt. Die Adeligen oder die Aufklärer nach dem Barock,

die haben es so gemacht: Die haben ihre Domizile und ihre

Gärten mit Ruinen ausgestattet. Großartige Beispiele findet

man in Kassel und München und in anderen großen Residenzstädten.

Um sich in die Zukunft zu orientieren, muss eine

nachgewiesene Vergangenheit – inklusive ihres kulturellen

Erfolges und ausgelebter Machtpotenziale – als notwendige

Referenz gegenwärtiges Handeln und Denken legitimieren.

Ansonsten bliebe es bei banalen Versuchen. Das versuchen

die Börsen, das versuchen die Wirtschaftswissenschaftler, das

versucht die Politik – und alle fallen ständig auf die Schnauze

mit solchen Dingen.

ML: Also du meinst, wir sollten das jetzt einfach in Öl

malen lassen und das Bild dem Rathaus schenken.

CB: Genau! Aber groß! Mit einem sehr großen Rahmen.

Es muss schon in einer Dimension sein, die aufregt. Die

auch teuer ist. Man könnte vielleicht auch Teile dieser Ruine,

das habt ihr auch schon versucht, woanders aufbauen. Als

portables Arkadien, wie es ja unten in der Maschinenhalle zu

sehen ist: so als Ruine to go.

Bedeutung ist immer nur dann da, wenn wir etwas

Bedeutung beimessen. An sich gibt es keine Bedeutung,

keinen ästhetischen Fakt, der eine bedingungslose Wahrheit

bilden könnte. Bedeutung ist immer ein Kontrafakt. Auch hier

tritt die Bedeutung erst dann zutage, wenn die Mehrheit,

und das heißt dann ja die Mehrheit der Stadt Köln und ihrer

Akteure wie Politik, Gesellschaft: Spaßgesellschaft, Mediengesellschaft

und Digitalgesellschaft, auch verstehen, was

hier passiert. Und das kann man eben nur, wenn man diese

Ruine in den kulturellen und allgemeinverständlichen Fluss


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MOBILITÄT / KLIMAWANDEL ARBEIT / TECHNIK MIGRATION / BEGEGNUNG DEMOKRATIE / BETEILIGUNG


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SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #1_IN 80 TAGEN UM DIE WELT DAS LAND UTOPIA #1 DAS LAND UTOPIA #2 DAS LAND UTOPIA #3

OBJEKT POLIS | DIE KUNST DER TEILHABE


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Kunst und Grün

im Dialog mit Peter Menke

O-Ton LAB 1869 Zukunftswerk

Stadt

2018

PM: Die Kunst macht ja genauso, was sie will, wie

das Grün. Mich interessiert vor allen Dingen das Stichwort

Freiraum. Das ist das verbindende Medium. Es gibt Räume,

die sind nicht fertig gewidmet, die kann man entwickeln oder

sie entwickeln sich auch selbst, und dies gilt eben auch für

Naturräume – die natürlich der Pflege bedürfen, die angelegt

und geplant sein wollen. Aber das gilt ja auch für die Kunst.

Insofern bietet Freiraum tatsächlich die Möglichkeit, etwas

Neues zu schaffen oder auch einfach etwas entstehen zu

lassen, und das ist das Verbindende von Kunst und Grün.

Ich gehe einen Schritt zurück und erinnere an Zeiten,

in denen es hieß: „Betreten der Grünfläche verboten“. Traditionell

war es ja so, dass der öffentliche Freiraum in Städten,

der Grünraum, sehr stark reglementiert war. Die Leute durften

sich nur auf vorgegebenen Wegen bewegen, sie durften

auch alles angucken, aber sie durften nicht auf den Rasen,

sie durften bestimmte Flächen nicht betreten. Das haben

wir lange überwunden. Heutzutage muss man ja nur mal an

einem schönen Tag in den Park gehen. Die Menschen nutzen

die Räume und machen da, was immer sie wollen – in Grenzen

versteht sich – aber da wird gefeiert, da wird gearbeitet,

da trifft man sich. Das Entscheidende ist, dass man in Grünräumen

frei sein kann und sich ohne Konsumzwang aufhalten

kann.

Freiräume, wie wir sie uns vorstellen – Grünflächen

im öffentlichen Raum –, sind für jeden offen. Und das ist besonders

wichtig für die Menschen, die eben nicht die Möglichkeit

haben, im eigenen Garten zu sitzen, manche haben

nicht einmal einen Balkon, wo sie sich draußen aufhalten

können. Und so ähnlich, könnt ich mir vorstellen, kann man

das auf euer Projekt hier übertragen. Wenn diese Hallen für

Kunstentwicklung offen sind, wenn diese Räume auch für

Kunsterfahrung, insbesondere für die Bürgerschaft offen sind,

dann, glaube ich, ist das sehr vergleichbar mit dem, was wir in

Grünflächen tun. Meine feste Überzeugung ist, dass Menschen

Grün erleben wollen, dass auch jeder ein Recht darauf

hat, Grün zu erleben, und auch da glaube ich, gibt es eine

Parallele zur Kunst. Kunst bedient ein menschliches Bedürfnis,

Kunst will erlebt werden und Kunst entwickelt sich nicht festgegossen

in eine bestimmte Form. Es braucht einen Rahmen,

man könnte auch sagen, es braucht Grenzen, es braucht aber

eben vor allem Freiraum im Wortsinn, und da, glaube ich,

können wir voneinander lernen.

ML: In der Kunst waren es die 1960er und -70er

Jahre, auch hier in Köln, in denen sich weltweit ziemlich viel

bewegt hat – Köln als eine der Hauptstädte der Kunst war

mit der Fluxusbewegung weit vorn, wo sehr viele gesagt

haben, sie wollen raus aus diesen institutionellen Räumen,

Bürgerräumen – das, was du ja auch sagst, dass der Park nicht

betreten werden durfte, sondern nur die Wege, man durfte

nur schauen, so ist man früher ins Museum gegangen. Man

hat genauso einfach nur geguckt! Und dann ist man zurück

in den Stadtraum und hat dort unglaubliche, seltsame Dinge

gemacht, z. B. Autos in Beton gegossen oder irgendwelche

andere verrückte Sachen.

PM: Man kann sehen, dass es eine Befreiung gibt in

der Gesellschaft, was die Eroberung des öffentlichen Raums

angeht, da sind ganz viele Barrieren und Hürden gefallen,

die es früher gegeben hat, die in der Gesellschaft einfach

festgezurrt waren. Aber das Entscheidende ist, dass ich davon

ausgehe: Es gibt ein natürliches Bedürfnis, Natur zu erleben,

Natur zu erfahren – die Natur ist in dem Moment erst wirklich

erfahrbar, wenn sie frei ist. Und das ist die Stelle die uns

in Städte treibt, warum wir nicht zufällig Stiftung „Die grüne

Stadt“ heißen, weil wir sagen, die Menschen müssen in ihrem

direkten Lebensumfeld Natur erleben können und sie müssen

Weite erleben können. Im Unterschied zur gebauten Stadt,

die ja durch Dichte geprägt ist, ermöglicht der Freiraum auch

mal, den Blick mehrere Hundert Meter weit schweifen zu

lassen, das ist eine wichtige Erfahrung. Früher hat man Kunst

beziehungsweise Natur und Kultur tatsächlich als Gegensatz

gesehen; Natur war draußen und Natur war wild und gefährlich,

Kultur dagegen war Stadt, und Kultur war kultiviert. Das

kann man heute nicht mehr so pauschal auseinanderhalten,

ganz im Gegenteil: Natur in der Stadt, Kultur, auch draußen,

auch das passiert ja, wir sehen außerhalb von Städten Kunstprojekte,

Kunstobjekte, die in die freie Landschaft gefallen

sind und da als Fremdkörper erlebt werden, aber genau das

ist ja die interessante Erfahrung. Und umgekehrt für die Stadt.

Wenn ich jetzt auf euer Projekt hier in Mülheim schaue, hier

geht’s natürlich darum, dass man im direkten Lebensumfeld

der dichten Stadt auch einen Raum mit einer neuen Freiheit

erlebbar machen kann. Ich habe den Eindruck, dass genau

das hier passiert. Nicht erst jetzt, sondern ja schon seit Jahren.

Dass Kunst sich als mögliches Instrument von Stadtentwicklung

eignet, finde ich eine sehr interessante Idee, die hier

erlebbar ist.


gestern

im Dialog mit Hans-Gerd Ervens

ehemaliger Mitarbeiter der KHD

O-Ton

2012

HGE: Wenn ich hier jetzt den Hof sehe, hier war früher pulsierendes Leben,

wenn der Werksverkehr hier durchging. Auf der linken Seite durch die Toreinfahrt

hinter der weißen Bühne, das war die Formerei, da war ein Cousin von mir beschäftigt,

und drüben rechts war die Gießerei und rechts neben der Gießerei da war die

Gussputzerei. Auf der freien Fläche hier lagerten die Gussgestelle, damit sich der

Guss entspannte. Und hinter der Gussputzerei kam der Betrieb 5 mit den Montagestraßen,

im Eingangsbereich dahinter die Montage und das Prüffeld und dahinter

wieder der Versand. Hier war pulsierendes Leben.


047

Revitalisierung | Hof 2011

Erstbegehung | Hof 2010


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TRETET EIN, DENN AUCH HIER SIND GÖTTER SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #3_WOHLSTAND FÜR ALLE SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #2_KRIEGSBLICK

MOBILITÄT / KLIMAWANDEL ARBEIT / TECHNIK MIGRATION / BEGEGNUNG DEMOKRATIE / BETEILIGUNG


WERKSTRASSE WEISSES STUDIO VORTANDSETAGE BETRIEBSRAT KONTEXT

049

SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #1_IN 80 TAGEN UM DIE WELT DAS LAND UTOPIA #1 DAS LAND UTOPIA #2 DAS LAND UTOPIA #3

OBJEKT TECHNE | DIE KUNST DER RELUTION


Die größte kulturelle Aufgabe in einer rasant wachsenden Stadt wie

Köln ist es, Freiräume zu schaffen; nicht nur physisch, sondern auch im Geis te.

Gerade hier im rechtsrheinischen Köln, an solch einem historisch und energetisch

aufgeladenen Ort der Er findung und Entwicklung, einem Ort des Denkens

und der Arbeit, ist ein kreativer Ort entstanden, der mit rela tiv wenig

Mitteln in den letzten Jah ren außerordentliche, auch überregi onale Reputation

erlangt hat. Diese Skizze, weitergedacht und in einen kommerziellen Kontext

gestellt, ist bundesweit einzigartig.


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MOBILITÄT / KLIMAWANDEL ARBEIT / TECHNIK MIGRATION / BEGEGNUNG DEMOKRATIE / BETEILIGUNG

Zwischenraume

raum13 möchte einen Spalt für gesellschaftliche

Zwischen-Räume aufmachen,

welche als Momente und Orte unwahrscheinlicher

und besonderer Begegnungen,

die durch die Mitwirkung verschiedenster

Akteure zum Beispiel aus

Architektur, Kunst, Raumplanung, Wirtschaft

oder auch Zivilgesellschaft erst

möglich werden. Diese Zwischen-Räume

sollen Orte werden, die gemeinschaftliche

Erlebnisse zulassen und wo Unmögliches

möglich gemacht wird.

Freiräume

Denkräume

Erinnerungsräume

Spielräume


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055

SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #1_IN 80 TAGEN UM DIE WELT DAS LAND UTOPIA #1 DAS LAND UTOPIA #2 DAS LAND UTOPIA #3


057


059

Integration

im Dialog mit Linda Rennings

O-Ton LAB 1869 Zukunftswerk

Stadt

2018/19

AK: Hallo Linda, du warst jetzt auch von Anfang an

beim Lab 1869 Zukunftswerk Stadt und bei ziemlich vielen

Veranstaltungen dabei. Was hast du für ein Resümee oder

Zwischenergebnis? Wie schätzt du ein, was hier passiert ist,

was hier diskutiert wurde?

LR: Ja, zum einen war interessant, welche Leute

Ihr eingeladen habt, die Initiativen, und mit welchen Ideen

die kamen. Und wie diskutiert wurde, welche Möglichkeiten

eigentlich das Ganze hier noch bietet, was man alles dadraus

machen könnte, wie man es weiterentwickeln kann und auch

wie man es für die Menschen zugänglich machen kann. Besonders

wichtig und spannend finde ich, wie man die Vergangenheit

und die heutige Zeit miteinander verknüpfen kann.

Hier sehe ich sehr viel Potenzial in der Weiterentwicklung der

Konzepte, um auch Finanzierungen zu bekommen und so

weiter.

AK: Du bist gebürtige Mülheimerin. Wie hat sich deines

Erachtens in den letzten Jahren diese Stadt oder dieses

Rechtsrheinische entwickelt?

LR: Was nicht verkehrt war, dass das, was altbacken

war oder einherging mit altbackenen Denkstrukturen, weggemacht

wurde. Dafür wurde dann Neues inszeniert. Seien

es Bauten, neue Formen oder neue Konzepte. Was ich nicht

schön finde, ist, wenn verschiedene Gruppierungen nur für

sich sind und es kein wirkliches Miteinander mehr gibt. Heute

muss jedes Einkaufszentrum immer mehr Angebote führen,

und alles ist nur schneller. Ich finde, das Entschleunigte würde

den Menschen guttun. Und ich glaube auch, dass viele sich

das eigentlich wünschen und unter dieser Hektik, diesem

Schnellen und dem Leistungsdruck im Grunde leiden. Es ist

schade, dass dieses Miteinander, dieses Menschliche und dieses

Harmonische so in den Hintergrund getreten ist. In dem

Mülheim, in dem ich aufgewachsen bin, war das anders. Man

kannte die Nachbar*innen, mit denen man in einem Haus

wohnte. Heute kannst du in deiner Wohnung liegen und dann

finden sie dich zehn Tage später und keiner wusste, dass du

da überhaupt gewohnt hast. Früher kannte man sich, grüßte

sich, man sprach miteinander und man war mehr im Miteinander.

Und das macht Menschlichkeit aus. Wenn jeder nur für

sich sein Ding macht und die Ellenbogen gebraucht, bringt

uns das nicht wirklich weiter.

AK: Und wie kann man das, wenn man zum Beispiel

ein neues Quartier entwickelt, befördern, dass so was wieder

mehr ins Bewusstsein kommt?

LR: Die Hallen hier haben Geschichte, das Grundstück

hat Geschichte und man füllt es mit Leben. Man bringt

verschiedene Gruppen oder verschiedene Initiativen mit

rein, die alle einen anderen Fokus haben, was es dann auch

interessant macht für die Bürger*innen in Mülheim, dann da

hinzukommen und zu gucken. Es gibt hier so viele verschiedene

Gruppierungen, und wir haben in Mülheim inzwischen ja

einen kleinen Brennpunkt. Zum Beispiel am Wiener Platz, wo

sich Obdachlose, Alkoholiker*innen und Drogenleute sammeln,

weil sie aus der Stadt rausgedrängt wurden. Das sind

ja auch Menschen und Bürger*innen. Man müsste Angebote

schaffen, die für so eine Szene wäre, ohne dass die sich übergangen

fühlen und vielleicht ihre Aggressivität ausleben. Und

gleichzeitig gäbe es Angebote für den normalen Bürger. Die

Leute müssen sich in den Angeboten wiederfinden können,

sich angesprochen fühlen und sagen: „Oh, da geh ich hin,

das guck ich mir an.“

AK: Hast du dafür ein Beispiel?

LR: Ja, ein Begegnungscafé mit einem Arbeitsprojekt

für Obdachlose, um die wieder zu integrieren. Zum Beispiel

könnte man in das Café eine Nähwerkstatt für obdachlose

Frauen integrieren, die ja auch wieder ein Angebot für den

normalen Bürger wäre mit tollem Bistroangebot, wo es was

Ausgefallenes zu essen gibt. So was könnte ich mir in der

Kombi vorstellen.

AK: Was ist deine Geschichte, deine Motivation, dich

hier auch aktiv miteinzubringen?

LR: Ich habe selber ein Projekt, das HIK Heimatlos

in Köln. Als ehemalige Obdachlose habe ich einen Betroffenenverein

gegründet, eine Selbstinitiative, auf der mein Fokus

liegt. Ich möchte Betroffenen helfen und ihnen die Möglichkeiten

aufzeigen, in die Gesellschaft zurückzukehren. Meine

Motivation oder mein Wunschgedanke wäre, vielleicht hier so

ein kleines Eckchen zu haben für ein kleines Begegnungscafé

oder Platz für Workshops und Weiterbildung. Arbeitsprojekte,

wo Menschen die Möglichkeit haben, langsam selbst wieder

zurückzufinden, sich Stück für Stück wieder eine Tagesstruktur

erarbeiten zu können, wieder Sinn in ihrem Alltag zu finden


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MOBILITÄT / KLIMAWANDEL ARBEIT / TECHNIK MIGRATION / BEGEGNUNG DEMOKRATIE / BETEILIGUNG


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061

SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #1_IN 80 TAGEN UM DIE WELT DAS LAND UTOPIA #1 DAS LAND UTOPIA #2 DAS LAND UTOPIA #3


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Vorbereitungen zur Eröffnung | Werkshalle 2011


gestern

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Eine Bühne ist eine Bühne

ist eine Bühne

im Dialog mit Judith Behmer

O-Ton LAB 1869 Zukunftswerk

Stadt

2018/19

Ich finde den Ansatz, das Konzept sehr gut vom jetzigen raum13 und die

Ideen, was daraus entstehen könnte. Nämlich aus dem gesamten Ort etwas Umfassenderes

mit vielen Ebenen zu machen und nicht nur einen Ort, wo man Kunst

zeigt oder Theater spielt. Ich würde es lieber kulturell nennen, es ist ein kultureller

Ort, nicht nur ein Kunst-Ort. Weil bei der Bezeichnung Kunst schrecken viele schon

zusammen und sagen: Da kenn ich mich nicht aus, das ist was Schwieriges, da muss

man ganz viele Fremdwörter können oder studiert haben, das hat mit meinem Alltag

nichts zu tun.

Hier ist ein Gesamtkunstwerk, ein kultureller Ort, Kunst, wie sie hier gedacht

wird, kann viel mehr umfassen als das klassische Verständnis von Kunst. Es

gibt hier die Möglichkeit, die Wirklichkeit in vielfacher Wiese mal anders zu sehen.

Z. B. diese Tür hier hat auch eine historische Bedeutung, wer ist hier durchgegangen,

wie hat derjenige sich gefühlt, eine Mehrdeutigkeit zuzulassen und das ist für

mich viel breiter angelegt. Nicht ein Raum, wo Kunst gezeigt wird, sondern ein Ort,

wo viele Dimensionen spürbar werden und immer schon mitschwingen. Für was

könnte es eine Bühne sein?

Ich sehe mich da oft auch ein bisschen als Vermittlerin, weil ich ja selber

keine Künstlerin bin, und die Bühne, das ist wirklich ein interessantes Wort, weil es

die Bühne ist, die die Künstler bespielen. Das ist ja explizit eine Bühne, da steht ja

auch Bühne drunter, und es ist quasi eine Verdoppelung, also sprechen wir immer

von einer Verdoppelung der Wirklichkeit.

Die Kunst sagt ja nur: „hier Bühne“... für die Menschen kann es auch eine

Bühne sein, ohne dass „Bühne“ dransteht. Da stolzieren irgendwelche Leute lang,

„sehen und gesehen werden“ nennt man das ja. Also jeder normale Bürger begibt

sich da in einen sozialen Raum, und jeder soziale Raum ist eine Bühne, brauch

ich noch nicht mal dranzuschreiben. Da beobachtet man sich gegenseitig, sagt:

„Guck mal, der hat aber einen bekloppten Hut auf“ und so weiter. Das heißt, die

Bühne hättest du auch schon für normale Bürger. Zum Beispiel hast du in einem

Café auch eine Bühne. Wie verhält man sich hier? Oder es lächelt einer einen auf

einmal an, und dann bist du auch in einem Spiel. Aber die Kunst sagt extra nochmal:

„Achtung! Bühne!“ oder „Achtung! Kunst!“ Und das hat ja zwei Funktionen:

Man kann dadurch mehr machen oder zuspitzen, weil du ja extra sagst, das ist Kunst

oder Theater. Gleichzeitig hast du aber auch eine Entlastungsfunktion – ist ja „nur“

Kunst. Stimmt zwar nicht, aber so kannst du dir selber sagen: „Jaja, aber in Wirklichkeit

ist es ja nicht so schlimm.“


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OBJEKT ERDA | DIE KUNST DER TRANSFORMATION


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Partizipation und Demokratie –

auf gutes Gelingen!

Resümee LAB 1869

Zukunftswerk Köln

Hans-Joachim Gehrke

2018

Gerade heute nehmen wir wahr, nicht nur in unserem Land: Es herrscht

eine große Distanz zwischen den politisch Verantwortlichen und der Gesellschaft

der Bürger*innen. Was „da oben“ geschieht, erfahren viele Menschen als Fremdbestimmung.

Die Rede von der „Alternativlosigkeit“ fördert die Vorstellung, dass man

nur noch Objekt, nicht Subjekt des Geschehens ist.

Demokratie lebt aber in erster Linie davon, dass die Beteiligten von dem

Bewusstsein getragen sind, dass sie die Dinge mindestens mitgestalten und beeinflussen

können. Wollen wir verhindern, dass aus Ohnmachtsgefühlen irrationale

Ängste entstehen und populistisch-nationalistische Bewegungen diese für ihre

Zwecke ausnutzen, müssen wir die Möglichkeiten zur Mitbestimmung erweitern.

Partizipation ist das Gebot der Stunde. Solange diese nicht auf überzeugende Weise

gewährleistet ist, bleibt Demokratie nur ein leeres Wort.

Das LAB 1869 – Zukunftswerk Köln zeigt exemplarisch, wie Partizipation

erreicht und gefördert werden kann. Hier geht es um einen Raum in der Nähe,

den man zu einem Raum der Nähe umgestalten kann. Dabei sollen und können

möglichst viele mitentscheiden und mitgestalten. Und da es um Gestaltung geht,

kommt in diesem Projekt der Kunst eine besondere Rolle zu, ganz zu Recht: Kunst

setzt Partizipation voraus und fördert sie damit auf besondere Weise.

Alle partizipativen Prozesse sind bekanntlich schwierig. Vieles erscheint

unüberwindbar. In solchen Situationen ist ein Blick in die Vergangenheit besonders

hilfreich. Das zeigen große Schritte in der Entwicklung der Demokratie: in der amerikanischen

Unabhängigkeitsbewegung und in der Französischen Revolution beispielsweise.

Die Akteure schöpften damals Inspiration und Mut aus der Geschichte

selbstbestimmter Gemeinschaften, aus der Kultur und Geschichte der Griechen und

Römer, aus deren Demokratie und Republik.

Wir können also aus der Geschichte lernen. Wir werden dort keine Patentrezepte

finden. Aber wir werden sehen, dass das, was wir wollen, in ähnlicher Weise

schon einmal da war, dass es also nicht unmöglich oder utopisch ist, sondern Realität

war und auch wieder Realität werden kann. Und wir lernen auch, unter welchen

Voraussetzungen etwas möglich war.

Das zeigt sich gerade bei dem Projekt LAB 1869 mit der Fokussierung auf

Partizipation und Kunst. Als Inspiration verleihendes und Mut machendes Beispiel

kann hier die antike griechische Bürgergemeinschaft dienen, besonders die Demokratie

im alten Athen. Gerade dort war Partizipation die Leitidee: Die Betroffenen

(damals ging es nur um freie Männer, aber das können wir leicht auf alle ausdehnen)

organisierten ihr Leben selbst. Sie waren untereinander politisch gleichberechtigt

und sahen darin ihre Freiheit gewährleistet.

Die Griechen wussten, dass zur Mitbestimmung die Debatte gehört und

sie hielten deshalb in ihren Städten eigens Plätze dafür frei. Jeder Ort hatte eine

Agora, einen „Platz zum Reden“; die Römer sollten das Forum nennen. Natürlich


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waren das damals kleine Staaten mit nur einigen 10 000 Einwohner*innen

und einer direkten Demokratie. Wir mit unseren

Millionenbevölkerungen in großen Ländern sind auf eine

repräsentative Demokratie angewiesen. Das trägt zu der erwähnten

Entfremdung bei. Aber auf direkte Beteiligung müssen

wir keineswegs verzichten. Wir haben Grundeinheiten, in

denen sich diese entfalten kann: Dorfgemeinden, Städte und

Stadtteile. Und genau darum geht es in Deutz-Mülheim.

Aus historischen Erfahrungen kann man aber auch

lernen, dass es Voraussetzungen für Partizipation und Demokratie

gibt: Bestimmte Kompetenzen, Kenntnisse und Einsichten,

kurzum, ein bestimmter Grad von Bildung und Erfahrung

ist unerlässlich. Hier kommt nun die Kunst ins Spiel: In Athen

war es vor allem das Theater, für das es ebenfalls eigene

Räume gab. Es gab attraktive Schauspiele, an denen das Volk

nicht nur als Zuschauer*innen teilnahm, sondern teilweise

auch als Mitspieler*innen.

Auf der Bühne wurden immer wieder politisch relevante

Konflikte und Entscheidungen (über gerechte Urteile,

Krieg und Frieden, Vergeltung und Versöhnung usw.) künstlerisch-spielerisch,

im Gewand des Mythos (in der Tragödie) und

in tagesaktueller Radikal-Kritik (in der Komödie) durchdekliniert.

Überhaupt wurde der öffentliche Raum auch ästhetisch

ausgestaltet, er war auch ein Raum des Wohlfühlens und des

ästhetischen Reflektierens. Als Tourist*in auf der Agora und

der Akropolis in Athen kann man das heute noch spüren

Was wir also lernen können und was uns Mut macht:

Partizipation ist das Herzstück echter Demokratie. Sie wird

massiv unterstützt, ja eigentlich erst ermöglicht durch Kunst

und Bildung, die auf Handeln und Partizipieren orientiert sind.

Das hat funktioniert, in Athen über einen langen Zeitraum

hinweg, und auch sonst schon öfter. Warum nicht auch heute

und morgen im Otto-&-Langen-Quartier?


Vorbereitungen zur Eröffnung | Rolltor 2011


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Revitalisierung | Waschkaue 2015


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Rückseiten sichtbar machen oder

Kunst kann begeistern

im Dialog mit Gerd Conrads

O-Ton LAB 1869 Zukunftswerk

Stadt

2018/19

GC: Kunst habe ich am Anfang als Laie oft als schwierig erlebbar empfunden,

weil ich nicht wusste, was dahintersteckt. Mit den Jahren habe ich nicht

nur gelernt, damit umzugehen, sondern auch gelernt, wie wichtig Kunst und Kultur

für eine Stadt wie Köln ist. Für mich ist Köln eine Kulturstadt, und ich glaube, dass

Kunst und Kultur ganz wichtig sind für die Erziehung der Kinder.

AK: Du hast dir ja in deiner Zeit im Kulturdezernat viele Gedanken gemacht,

wie man Menschen ansprechen kann, die jetzt normalerweise nicht zu Kunstveranstaltungen

gehen, die zwar sagen, ich bin stolz auf die Museen, aber ich war

schon lange nicht mehr da. Also wie kriegst du die vom Sessel hochgehoben? Hast

du da eine Idee?

GC: Ja, wir haben mit dem ehemaligen Kulturdezernenten Georg Quander

damals ein Projekt entwickelt, „Kulturscouts“. Da haben prominente Kölner

Kinder und Jugendliche mit an die Hand genommen und sind zusammen in eine

Aufführung oder zu einer Ausstellungseröffnung. Das Besondere daran war, dass

die Kinder und Jugendlichen dann auch mit den Künstler*innen reden konnten,

und in dem Moment, wenn ich diese Türen öffne, wenn sie die Möglichkeiten für

zusätzliche Informationen bekommen, dann erwecke ich doch erst das Interesse. Ich

kann vor einem Vorhang sitzen, mir ein Stück im Schauspiel angucken und geh da

raus und sage, ja, das hat mich unterhalten oder nicht, aber was dahinter passiert,

das weiß ich überhaupt nicht. Die Faszination dieser verschiedenen Kunstbetriebe

ergibt sich doch erst dadurch, wenn sich die Türen nach hinten öffnen und wir auch

die Rückseiten betrachten dürfen. Wenn ich die Hintergründe erkennen kann und

das Zusammenspiel der verschiedenen Akteure. Wenn ich sie eben würdigen kann,

auch eure Arbeit, die ihr über Jahre schon geleistet habt. Genauso wie hier andere

Kulturbetriebe oder auch Kulturschaffende, die wahnsinnigen Aufwand und ein Engagement

und Liebe zu dem Projekt reingesteckt haben, wenn das der Betrachter

sehen kann, dann findet der das doppelt und dreifach so beeindruckend, als wenn

er nur eine Aufführung sieht. Es geht doch immer darum, eine Kultur näher kennenlernen

zu dürfen, um sie begreifen und vielleicht auch besser verstehen zu können.

Und dies ist doch für eine Stadt wie Köln mit den vielen verschiedenen Nationen

und Kulturen, die hier versammelt sind, eine besondere Aufgabe.

Es gibt noch ein Beispiel, das ich unglaublich toll fand, das waren die

Babykonzerte vom Gürzenich-Orchester. Wenn man das mal gesehen hat, wenn die

Mütter mit den kleinen Babys im Konzertsaal sind, und der Saal ist voller Kindergeschrei.

Und dann bauen die Musiker ihre Instrumente auf und probieren so den ein

oder anderen Ton – dann wird schon ein bisschen Aufmerksamkeit geweckt. Und

in dem Moment, wenn das Orchester spielt – sind die Kinder ruhig. Es wird nicht

mehr geschrien. Und die kriegen klassische Musik mit, ab ihrem Babyalter. Und

ich glaube, dass das ein richtig prägendes Vorbild ist dafür, wie man schon ganz

jung anfangen kann, Kinder in Richtung Kultur zu bewegen. Und wenn man das

kontinuierlich weiterentwickelt, in den Schulen, auf den weiterführenden Schulen,

im Studium, ja, dass man dieses Thema Kultur noch weiter nach vorne bringt, dann

wird die Begeisterung, das Interesse für Kultur viel breiter sein, als es heute ist.


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SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #1_IN 80 TAGEN UM DIE WELT DAS LAND UTOPIA #1 DAS LAND UTOPIA #2 DAS LAND UTOPIA #3W


Vom Konsumenten zum

Produzenten

im Dialog mit Christiane Müller

O-Ton LAB 1869 Zukunftswerk

Stadt

2018/19

Ich glaube, das Wichtigste für Kinder und Jugendliche ist, dass es Raum

gibt, den sie gestalten können, der eben noch nicht fertig ist und nicht einem vorgegebenen

Zweck folgt. Der Raum darf eben nicht zweckgebunden sein, sondern

muss frei zu gestalten sein und die Möglichkeit bieten, noch etwas entdecken zu

können. Ich glaube, gerade hier im Deutzer Zentralwerk der Schönen Künste ist das

der Fall. In diesem Gebäude gibt es wunderbare unentdeckte Ecken, die nur darauf

warten, mit neuem Leben gefüllt zu werden.

Das ganze Gebäude und seine Infrastruktur, alles, was hier seit 1869 entstanden

ist, bietet die Möglichkeit, etwas zu entdecken, das einen großen Reiz auf

Kinder und Jugendliche ausüben kann. Wenn ich die Frage des Lernens und Erlebens

betrachte, dann ist dieser Ort tatsächlich der beste Platz, um Geschichte zu

erleben, Technik zu erleben.

Nicht nur der technologische Fortschritt ist Teil dieses Ortes, sondern auch

Orte der Mitbestimmung wie der Betriebsrat zum Beispiel. Es gibt die Möglichkeit,

die Funktion eines Betriebsrates anhand seiner räumlichen Funktionalität nachzuempfinden.

Wie sieht betriebliche Mitbestimmung aus und warum ist sie wichtig?

Warum brauchte der Betriebsrat eigene Räume? Diese Fragen lassen sich an so

vielen Stellen im Gebäude entdecken und bieten Kindern und Jugendlichen die

Möglichkeit, selbst auf Entdeckungstour zu gehen, zu lernen und zu forschen.

Denn genau diese Möglichkeiten und Räume werden in Zukunft in den Städten

weniger werden, wenn nicht sogar ganz verschwinden. Daher braucht es Orte, an

denen man nachvollziehen kann, wie körperlich schwere Arbeit und Industriearbeit

tatsächlich mal aussah. Damit man die Dimensionen und die Leistung versteht, die

Menschen hier vollbracht haben, bevor es vollautomatische Maschinen gab.

Genau deswegen ist es so wichtig, solche Orte zu erhalten und diese auch

in ihren Grundstrukturen so zu erhalten, dass man nachvollziehen und sehen kann,

wie Arbeit im letzten Jahrhundert funktioniert hat. Man muss diesen Ort mit all

seinen Sinnen wahrnehmen können. Dazu gehört auch, dass man das Gebäude in

seinem ursprünglichen Zustand anfassen und auch riechen kann. Nachbauten nach

einem Modell sind nicht dasselbe und bieten nicht die gleichen Eindrücke wie diese

Räume. Das ist vergleichbar mit Nachbauten von anderen historischen Gebäuden

wie zum Beispiel ehemaligen Gefängnissen. Es ist etwas anderes, ob das Gebäude

nachgebaut wurde oder ob es tatsächlich im Originalzustand ist, aus der Zeit, in

der es erbaut wurde. Dieser Zustand von Gebäuden beeinflusst, wie wir die Räume

wahrnehmen. Deswegen finde ich es so wichtig, Teile von den KHD-Werken zu erhalten.

Teile dieser Gebäudestruktur muss man sicherlich transformieren, sie sollten

aber die Möglichkeit bieteten, sie mit neuem Leben zu füllen. Und gerade das ist

es, was Kinder und Jugendliche tun: Sie füllen Räume mit neuem Leben und neuen

Ideen. Dabei kann es dann passieren, wenn sie den ursprünglichen Zweck des Gebäudes

nicht kennen, das sie dann einfach etwas Neues machen. Gerade dafür ist

hier genügend Offenheit vorhanden. Genau dieses Erleben, was früher einmal war

mit der Möglichkeit Zukunft zu gestalten, geht hier Hand in Hand. Das ist wichtig,

beides zu haben. Geschichte und Gestaltungsmöglichkeiten für die Zukunft.


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Das Otto-&-Langen-Quartier

als Kölner Transformationsort

Uwe Schneidewind

O-Ton Vortrag im Museum für Angewandte

Kunst 11. Juli

2019

Bei den vor uns liegenden großen globalen Herausforderungen geht es

im Kern um einen kulturellen Wandel. Es bedarf einer neuen Form von Zivilisationskultur,

die vorgelebt werden muss. Und wo wäre ein solches Projekt besser aufgehoben

als in einer Stadt, die seit 2000 Jahren kultureller Akzentgeber in Deutschland

und in Zentraleuropa ist. Wenn dieses Projekt einer kulturellen Transformation

irgendwo hingehört, dann nach Köln.

Darum ist es so wichtig, in einer Stadt wie Köln Räume im Sinne von „Reallaboren"

zu schaffen, in denen eine solche neue Zivilisationskultur spürbar wird.

Hier spielen Initiativen aus der Zivilgesellschaft, oft geprägt aus den künstlerischen

und stadtplanerischen Milieus, eine wichtige Rolle. Sie können das Potenzial und

die Kraft in einer Stadt wie Köln spürbar werden lassen, in neuer Form über die

Gestaltung von Stadt nachzudenken. Es geht darum, aus dem klassischen kommunalen

Kleinklein herauszutreten, in dem es immer wieder viele Gründe gibt, warum

gerade etwas nicht geht, und zu einer Perspektive zu kommen, die den größeren

Wurf denkt und daraus dann auch seine Kraft zieht.

Dafür braucht es Orte, an denen eine solche Perspektive erfahrbar wird.

Das Otto-&-Langen-Quartier zwischen Köln-Mülheim und Deutz ist ein solcher kraftvoller

Ort an einer der letzten innenstadtnahen Entwicklungsflächen in herausragender

Lage direkt am Mülheimer Hafen.

Das Projekt raum13 hat in den letzten Jahres das Potenzial dieses Ortes

aufblitzen lassen und vermittelt ein Gefühl dafür, warum ein solcher Ort ein Experimentierraum

und ein prädestiniertes Reallabor für das Nachdenken über die Stadt

Köln sein kann.

raum13 macht dieses Potenzial an vier Dimensionen deutlich, die sich im

Otto-&-Langen-Quartier durch seine Geschichte und aktuelle Entwicklung in besonderer

Weise manifestieren: (1) Mobilität und Klimawandel, (2) Wandel von Arbeit

und Technik, (3) Migration und Begegnung, (4) Beteiligung und Demokratie.

(1) Das Quartier ist der Geburtsort des Ottomotors. Und wenn wir über die

Frage der Zukunft der Mobilität reden und wir sind an der Geburtsstätte der

Mobilitätsentwicklung des 19. Jahrhunderts, dann gibt es ganz viele kraftvolle

historische Anknüpfungspunkte und Brücken, warum die Mobilität gerade in Köln

neu erfunden werden muss.

(2) Wir bewegen uns mit einem solchen Gelände natürlich auch inmitten der Frage

vom Wandel der Arbeit und der Technik, die ja jetzt vor dem Hintergrund der Digitalisierung

eine völlig neue Relevanz bekommt. Wo sind die Orte, an denen eine

solche Frage kraftvoll verhandelt werden kann, wenn nicht an einem solchen Ort?


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(3) Wir haben diese dritte zentrale Herausforderung, das Zusammenleben

in einer multikulturell geprägten Gesellschaft,

die nicht auseinanderfallen soll. Und gerade in diesem Quartier

mit all seiner kulturellen und sozialen Vielfalt und auch mit

dem, was das Gelände im wahrsten Sinne des Wortes immer

wieder erleiden musste, sind wir mittendrin in der Frage, wie

es eigentlich gelingt, so etwas Avantgardistisches in einer

Form umzusetzen, dass wirkliche Teilhabe entsteht, die weit

in die Stadtgesellschaft hineinreicht und nicht nur eine ganz

bestimmte Bildungsbürger*innen-Elite erreicht?

(4) Dies hat dann schließlich viel mit Beteiligung und Demokratie

zu tun, das heißt, mit Entwicklungsprozessen, die nach

ganz anderen Logiken und insbesondere nach ganz anderen

Zeitrhythmen funktionieren als eine klassische Immobilienentwicklung.

Die Erprobungsräume für solche demokratischen

Entwicklungsformen werden gerade in den expandierenden

Metropolen immer kleiner. Gerade deswegen kommt dieser

letzten großen Entwicklungsfläche in Köln ein besonderes

Potenzial zu.


113

Warum wir mehr Künstler sein

müssen

im Dialog mit Eva Rusch

O-Ton LAB 1869 Zukunftswerk

Stadt

2018

Zunächst einmal find ich es toll, die Idee aus der

Kunst heraus entwickeln zu wollen, das ist ein neuer Ansatz.

Das ist kein sozialpädagogischer oder sozialwissenschaftlicher

Ansatz und kein Stadtentwickler, der dahintersteckt oder

solche Dinge, sondern es ist wirklich ein künstlerischer Ansatz.

Das ist etwas Neues und wirklich eine andere Sichtweise. Ein

Künstler kann ja gerade das bieten, dass er eben aus dem

System heraustritt und dieses so anschaut, und das, finde ich,

ist eine große Chance, hier etwas zu installieren, das wirklich

Impulse und Ideen bringt, die neuer sind als das Übliche.


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TRETET EIN, DENN AUCH HIER SIND GÖTTER SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #3_WOHLSTAND FÜR ALLE SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #2_KRIEGSBLICK

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115

SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #1_IN 80 TAGEN UM DIE WELT DAS LAND UTOPIA #1 DAS LAND UTOPIA #2 DAS LAND UTOPIA #3


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Erstbegehung | 2. Etage 2010

123


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Revitalisierung | Weißes Studio 2011


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Ein Prozess

im Dialog mit Martin Schmidt

und Sebastian Sonntag

O-Ton LAB 1869 Zukunftswerk

Stadt

2018

MS: Hallo Marc. Architektur erzählt sehr viel von der Gesellschaft, von unserem

Zusammenleben und ist immer auch ein Spiegel von Werten und Haltungen

einer Gesellschaft. Für mich ist Baukultur, Kultur des Bauens, immer ein Spiegel der

gesellschaftlichen Umstände, und das ist eigentlich mein Interesse, mein persönlichstes

Interesse.

So ist das auch hier, ich glaube, Architektur fällt nicht irgendwie vom Himmel,

ein Baustil oder eine Bauform ist nie gottgegeben oder ist nur die Idee eines

kreativen Architekten, der das jetzt erfunden hat und umsetzt. Auch die Formen von

Corbusier sind beeinflusst durch die technischen Möglichkeiten, die es gab.

Das ist das Spannende hier an dem Objekt, dass es ursprünglich ganz

der Funktion gewidmet war, und das ist jetzt das Interessante: Wie kann man das

umnutzen? Das wird die Frage sein. Und die Frage, wie eine Gesellschaft mit solchen

Gebäuden umgeht. Natürlich kann man jetzt immer sagen, man muss so was

Historisches erhalten. Aber das ist natürlich auch blöd, wenn wir immer nur Fragmente

aufbewahren, die keiner Nutzung zugeführt werden. Deswegen find ich hier

inspirierend zu sehen, was man aus so einem Bestand oder mit so einer Substanz

machen kann.

Das Großartige an eurer Arbeit ist, Ihr habt ja hier schon Stadtentwicklung

gemacht, da wusstet Ihr noch gar nicht, dass Ihr Stadtentwicklung macht. Ich fand

das so spannend zu sehen, dass Ihr da so reingewachsen seid und dann plötzlich

festgestellt habt, dass ihr mit eurer Arbeit auch einen Impuls für dieses Viertel gebt.

Und ich glaube, das dauerte dann auch einen Moment, bis ihr euch das überhaupt

angenommen habt, und am Anfang auch immer gefragt habt: „Na, ist das überhaupt

das, was wir wollen?“ Ich finde es eben auch wichtig bei allen bisherigen Planungen,

die ich so kenne, dass es die Möglichkeit gibt, hier mal aus einer anderen

Perspektive und eben auch aus der künstlerischen Sicht zu sehen, wie die Zukunft

der Stadt aussehen kann.

ML: Ja, die Frage des Investors war ja tatsächlich – als wir hier angekommen

sind hat es einfach leergestanden –, ob wir das beleben wollen. Natürlich

haben wir erst mal Kunst gemacht und was wir erst später festgestellt haben, ist ja,

dass wir hier die Einzigen sind. Hier hat ja 150 Jahre lang niemand gewohnt, hier

wurde nur gearbeitet. Im Vergleich zu anderen Orten, die weiterentwickelt werden,

gibt es hier keinen, der die Verantwortung übernimmt oder gegen oder für irgendwas

sein könnte. Da sind wir die Einzigen. Und das war tatsächlich die Frage, die wir

uns gestellt haben: Tun wir das jetzt? Gehen wir jetzt aus der Kraft der Kunst hinein

in die Quartiersentwicklung, Stadtentwicklung. So ein Ort ist auch Kunst, und dementsprechend

fühlen wir uns für diese Transformation auch als Künstler verantwortlich

und wollen uns gesellschaftlich mit reinbegeben. Meinst du das kann ein Mittel

sein?

MS: Also grundsätzlich muss ich sagen, dass Architektur, Stadt, Raum

und Orte aus eurer Arbeit nicht wegzudenken sind. Die waren ja immer Basis und


131

Grundstein und Teil eurer Arbeit. Deswegen konntet Ihr euch

dem gar nicht entziehen, wenn ihr euch so intensiv mit einem

Ort hier beschäftigt.

Ihr habt hier eine sehr intensive Bindung aufgebaut,

und die Architekten reden ja immer gern vom Geist des

Ortes. Den habt Ihr ja immer wieder versucht, herauszuarbeiten

und umzudeuten und für euch zu entwickeln, und das

ist ja das Spannende, dass man einfach sagt, es ist nicht nur

die Architektur. Das ist ja immer nur die Manifestation von

irgendwas anderem, von einer Geschichte oder von einem

Vorhaben. Und jetzt zu sagen, dass es die Möglichkeit der

Transformation bietet, finde ich, ist ja einfach der spannende

Moment, dass man das auch mal zulässt, weil das ist das Dilemma,

das hier passiert.

Die bisherigen oder sonstigen Planungsverfahren

sind ja so: Da versucht eine Stadt letztendlich wieder was zu

revitalisieren und finanziell dabei auch irgendwie gut rüberzukommen,

und dann entstehen solche Wohngebiete, die

letztendlich nicht mehr menschenwürdig sind. Und das ist ja

Teil eurer Arbeit: Raum und Mensch, das muss ja immer alles

zusammengedacht werden. Und deswegen denke ich schon,

ist das eine Form, es ist aber auch ein Prozess. Man kann jetzt

nicht sagen, wir machen hier ein Museum hin. Das ist jetzt das

Schwierige an eurer Rolle: Ihr müsst jetzt diese ganzen Menschen

zusammenbringen und schauen, wo es hingeht und

letztendlich muss man sich mit den Entscheidungsträgern, die

ja in der Verwaltung sitzen und in der Politik, dann auch auseinandersetzen.

Die müssen auch mit involviert werden, und

dann glaube ich schon, dass das eine Chance hat.

Das ist die große Herausforderung, alte Strukturen

und erst mal auch diese Prozesse der Planung und der Verwaltung

aufzubrechen beziehungsweise denen Angebote zu

machen, dass es auch anders geht. Dem können wir auch

nicht ausweichen, weil letztendlich die Kommunen und Gemeinden,

die in aller Regel Probleme mit ihren finanziellen

Mitteln haben, auf Bürgerengagement angewiesen sind. Sie

haben zwar immer noch große Angst davor, aber ich kenne es

aus meiner täglichen Arbeit, dass das die große Chance ist,

wenn man sich darauf einlässt. Allerdings hat das ganz andere

Planungsstrukturen vor sich.

Das ist aber die Chance für die Stadt, dass es hier

Menschen gibt, die sich einbringen und versuchen, hier

mal einen anderen Weg einzuschlagen. Eben nicht auf der

Ebene, wo Verwaltungen immer Angst haben, sondern das

ist tatsächlich die Chance, mal einen konstruktiven Weg zu

finden, auch mal was anderes zu machen. Ich fände es toll,

wenn die Stadt sich diese Chance nicht entgehen ließe. Weil

ich glaube, dass Ihr ja auch offen seid, Ihr gebt keine Bilder

vor, wie es ist, wo es hingeht. Das ist ja immer die Krux an der

Sache, dass viele Leute hierherkommen und direkt ein fertiges

Bild haben von dem, was man hier machen könnte. Nein, das

muss auch mal offen sein und das muss der Prozess auch aushalten.

ML: Und hättest du da eine Strategie?

MS: Ich beschäftige mich mit der Frage, was Kultur

Gutes für die Gesellschaft und die Menschen bringen kann.

Also Strategien? Da gibt’s genug Literatur, wie Bürgerbeteiligung

funktioniert. Aber das ist ja das Tolle an eurer Arbeit:

Über das Probieren und über den Prozess, was da passiert,

und allein über unsere Gespräche, die wir ja auch zu Hause im

Flur haben, entstehen plötzlich neue Ansätze. Ich finde auch,

das darf mal über das Ausprobieren gehen und es darf auch

in Sackgassen laufen. Es muss auch mal was so sein, dass man

sagt, das war jetzt völliger Dreck, das geht überhaupt nicht.

Ihr erlebt ja auch das Problem des Vandalismus. Nur

weil Ihr hier seid, heißt das ja nicht, dass alle in der Gesellschaft

das automatisch toll finden, was ihr macht. Und das ist

eben das Spannende: Wie bekomme ich unterschiedlichste

Menschen zusammen und für eine Idee begeistert? Und das

merkt man in diesen persönlichen Gesprächen hier: Es gibt

viele Menschen, die sich vorher wahrscheinlich noch nie mit

den Hallen hier auseinandergesetzt haben. Und das ist ja der

Trick – erst mal ein Bewusstsein zu schaffen, dass man hier

mitgestalten könnte oder hier auch was bewegen könnte, was

eben nicht auf dem Schreibtisch eines Planers oder Städtebauers

entsteht.

ML: Aber die Schreibtische sind ja ein bisschen das

Problem. Du hast gerade selber gesagt, die Städte haben

klamme Kassen, und das Einfachste ist natürlich, um die voll

zu machen, dieses Gelände hier wieder zurückzukaufen und

mit einem großen Investor zusammen viel Geld zu machen.

Um etwas entwickeln zu lassen und vielleicht auch gegen die

Wand fahren zu lassen. Aber glaubst du, man kriegt da wirklich

die Stadt mit an Bord, die dann sagt: „Hey, das ist okay,


133

macht mal.“ Welche Art von Besitzverhältnissen müsste es

geben, damit man das ausprobieren könnte?

MS: Ja, das hört sich natürlich alles sehr anarchisch

an. Aber diese ganzen fertig durchgeplanten Wohngebiete,

da merkt man ja auch, dass es da am Reden mangelt und

dass wir so kleine Schlafstätten bekommen. Aber es ist eben

auch ein Ausdruck unserer Zeit, und das ist die Herausforderung,

und da braucht es eben auch Menschen in der Verwaltung

und in der Politik, die mal sagen: „Nein, die Gesellschaft

ist bunter und vielfältiger, und das müssen wir auch mal

zulassen.“ Und das muss eine Großstadt wie Köln, denke ich,

auch mal aushalten, und ich glaube, es gibt da tatsächlich

Menschen, die das auch unterstützen würden.

Oft wird immer nur gegen die Stadt geschimpft. Die

Städte haben alle eigentlich ein großes Verantwortungsbewusstsein,

nicht nur gegenüber den Menschen, sondern sie

wollen auch was für ihre Stadt tun. Und das wird immer sehr

schnell weggefegt, weil es dann heißt: Die stehen unter dem

Druck der Politik. Das tun die bestimmt auch, und wir können

über unsere Gesellschaftsstrukturen hier stundenlang diskutieren,

aber es gibt in der Stadt auch Menschen in der Verwaltung

unter den Planern, die sagen: „Komm, lass uns mal was

Alternatives ausprobieren.“

ML: Das finde ich ganz spannend, weil wir die Stadt,

gerade auch in den Diskussionen, gerne als „die Stadt“ mit

der Verwaltung gesehen haben und auch ein Stück weit überlegt

wurde, wie sprechen wir hier gemeinschaftlich dann auch

eine Sprache, die die Stadt versteht. Würdest du den Weg

gar nicht gehen, alles auf ein stadtkompatibles Vokabular

runterzubrechen, sondern wir versuchen es mal mit unseren

eigenen Worten, mit unseren eigenen Ideen und Visionen?

SS: Welche Strategien man da jetzt fährt, um die

Verwaltung oder die Politik mitzunehmen, das machen die

beiden ja schon gut, indem sie eben einzelne Politiker ansprechen

und mitnehmen in ihren Gedanken. Ohne die Politik

kannst du heute nichts mehr machen, weil du dann schnell als

Künstler in eine Ecke gestellt wirst. Und das ist eben das Dilemma,

du musst erst mal dieses Bewusstsein herstellen, was

du hier eigentlich machst, welche Zielsetzung du hast. Und

es ist eine ganz große Herausforderung, dass man eben nicht

sagt, da sind hier so schöngeistige Spinner, die durchs Leben

rauchen. Und das Schlimme ist, wir müssen immer wieder

etwas gegen Vorurteile bauen oder dagegen ankämpfen.

MS: Und das ist das Ziel unserer Arbeit beim

Landschaftsverband Westfalen-Lippe, dass wir erst mal ein

Bewusstsein schaffen. Wir machen das zum Beispiel über

Stadtspaziergänge und Baukulturexkursionen und vermitteln

den Leuten erst mal, was sie da sehen. Architektur ist eine

Sprache, die spricht mit einem, und wenn man das versteht,

was da eigentlich erzählt wird, dann geht man mit dem Gebäude

auch ganz anders um. Und das ist das Tolle: Letztendlich

ist Architektur – was ich vorhin schon mal gesagt habe

– immer ein Spiegel von Haltungen und Werten. Das ist das

Spannende an Baukultur, und das ist eben die Frage auch

hier: Reißen wir's einfach weg, negieren wir die Geschichte,

finden wir eine andere Nutzung oder was ist uns zukünftig

wichtig?

ML: Ich bin glücklich.

MS: Hm, ich auch

SS: Ja, ich auch

MS: Aber nicht als Gegenmodell, um die Stadt zu

brüskieren, sondern ich würde versuchen, der Stadt Angebote

zu machen, wie Stadtentwicklung auch anders gehen könnte.

Ich glaube, die Verwaltung in Köln hat eine ganz aktive Szene,

was die Architektur und die Baukultur und die Stadtentwicklung

betrifft.

Es gibt eine große breite Bewegung in dieser Baukulturszene,

die sich bewusst dafür einsetzt, dass die Lebensqualität

in der Stadt erhalten bleibt und zum Besseren kommt.


135


137

Bildungslandschaft

im Dialog mit Thea Kuhs

O-Ton LAB 1869 Zukunftswerk

Stadt

2018/19

Ein positives Ergebnis wäre für mich, wenn man ganz

vielfältige Dinge berücksichtigen könnte. Ich glaube, das sind

die Dinge, die jetzt auch im LAB 1869 zum Ausdruck gekommen

sind. Einmal sowohl aus meinem eigenen Interesse

heraus, diese Region als eine vielfältige Region zu erleben,

die in der Zukunft etwas mit Bildung zu tun hat. Bildung in

Verknüpfung mit Kunst. Denn das, was schon da ist, kann ja

noch ausgebaut werden.

Ein positives Ergebnis wäre, wenn hier sehr viel

Selbstbestimmung passieren könnte. Das heißt, es darf kein

Einzelinvestor in diesem Quartier zum Tragen kommen, und

es muss selbst gestaltet und selbst verwaltet werden können,

wie auch immer das machbar ist. Und ich glaube, was auch

wichtig ist, dass es hier Freiräume gibt. Diese Freiräume,

wenn ich mir diese jetzt wirklich als Raum vorstelle, stelle ich

mir auch als Natur vor. Und da weiß ich nicht, ob das nicht

in Kollision steht zu dem Erhalt der Hallen. Ich kann mir im

Moment noch nicht vorstellen, wie man die Natur in den

Hallen unterbringen soll. Aber vielleicht gibt es da ja Kompromisse,

bei denen beides möglich ist. Und es sind ja Experten

am Werk, die gute Ideen eingebracht haben im Prozess. Ja,

im 19. Jahrhundert, als das hier entstanden ist, sind ja auch

ganz viele Pflanzenhäuser entstanden – stehen heute teilweise

noch. Also! Das funktioniert schon. Es gibt ja auch ganze

Labore, in denen man sich überlegt, wie man auf dem Mars

leben kann. Warum soll man dann nicht auch hier in den Hallen

leben können? Genau.

Eine wichtige Voraussetzung dafür, dass man gestalten

kann, ist, dass es nicht zu teuer wird, damit jeder sich

beteiligen kann, das geht auch nur über eine Stiftung oder

über Modelle wie zum Beispiel Erbpacht oder Ähnliches. Im

Moment wird diskutiert, dass, wenn wir Land nehmen, dieses

ja nicht mehr unbegrenzt verkauft werden kann. Wir haben in

Köln nicht mehr sehr viel Land, das der Bevölkerung zur Verfügung

stehen könnte. Und Erbpacht würde bedeuten, dass

niemand der Besitzer ist, aber jeder der Nutzer sein kann. So,

das ist aber auch abstrakt. Es gibt Modelle, das war ja auch

Thema im LAB 1869 und das fand ich sehr anschaulich, in

denen es funktioniert hat.

Ich glaube, das muss man immer wieder den Menschen

gegenüber nach außen darstellen. Es gibt die Chance,

wenn man daran glaubt und wenn Gruppen gemeinsam

etwas tun, etwas wirklich umzusetzen. Und das fand ich auch

sehr praktisch, diese gelungenen Modelle zu sehen, zu sagen,

ja, man muss es einfach anpacken.

Es muss eine Metaidee geben, unter der diejenigen

sich zusammenfinden. Und die Metaidee kann die Kunst und

die Kultur sein. Aber ist es das, was genau diese Menschen,

die hier zusammenkommen, wirklich wollen? Ich glaube,

da gibt’s noch zu tun. Und dieses Bündeln halte ich für das

Schwierigste. Das ist schwieriger als das Sammeln.

Wichtig ist für mich auch, dass hier Begegnung stattfinden

kann, hier, in diesen Räumen. Dafür muss aber vieles

öffentlich zugänglich sein. Und dieses Öffentlichzugänglichmachen

heißt, dass es nicht im Besitz von Einzelnen ist, die

die Tore abschließen und Zäune um alles herumbauen und

sagen, das ist jetzt meins, sondern das, was da ist, muss in offenen

Räumen stehen. Wie auch immer die gestaltet werden.

In Köln gibt es ja nicht so viele besonders schöne Plätze oder

Wege, in denen man aufeinander zugehen und sich begegnen

kann. Also, auch das wäre eine Möglichkeit hier. Und das

Ganze kombiniert mit erfahrbarer Kunst, Kunst, die was mit

dem Leben zu tun hat und nicht nur außerhalb oder neben

dem Leben steht. Tja, alles sehr abstrakt.


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Eröffnungskonferenz

LAB 1869 Zukunftswerk Stadt

Paul Böhm, Walter Buschmann,

Marc Leßle, Christian Schaller

Sebastian Tautkus,

Friedhelm Terfrüchte

O-Ton

2018

Walter Buschmann: Mir fällt noch ein positives Beispiel hier aus Köln ein,

und das ist das Carlswerk beziehungsweise das ganze Industriegelände an der

Schanzenstraße in Mülheim Nord. Das ist wirklich so eine schrittweise Entwicklung,

auch unter Erhaltung eines industriellen Kerns, das denkmalpflegerisch sehr positiv

zu bewerten ist. Da werden ja nicht nur die denkmalwerten Gebäude erhalten,

sondern eben auch zusätzlich andere historische Bauten. Das ist das, was wir hier

auch erreichen wollen. Das wird drüben, auf der anderen Seite der Deutz-Mülheimer-Straße,

konterkariert durch den hohen Kaufpreis. Man spricht da von 120 bis

170 Millionen. Da ist also noch eine Spanne von mehreren zehn Millionen Euro drin,

die fällig werden, wenn die Entwickler*innen von der Stadt Köln entsprechend positive

Planungsergebnisse bekommen. Das ist eine Entwicklung, die darauf hinausläuft,

dass so eine Nutzung, die wir hier in Köln dringend brauchen, wie die Kunst

zum Beispiel, dass die dort nicht mehr stattfinden kann. Das fehlt natürlich auch

im Carlswerk. Und das wäre eine wichtige Entwicklungsmöglichkeit, die ich hier für

dieses Gelände sehe. Dass man versucht, in dieses ganze Nutzungsspektrum, das

hier zur Diskussion steht, Wohnen und Büros, Schulen natürlich auch, dass man da

in vernünftiger Weise Kunst integriert.

Wir haben gerade im Nebengespräch darüber gesprochen, dass Köln mal

eine sehr wichtige Kunststadt war in den 1960er Jahren mit Fluxus. Der Beigeordnete

Hackenberg hat hier unglaublich was bewirkt. Das alles ist doch sehr stark im

Niedergang begriffen. Und man könnte eben versuchen, mit einem solchen Objekt

hier einen Neustart zu machen und diese Nutzung als Impuls in die Stadtentwicklung

einzubringen.

Paul Böhm: Ich wollte Ihnen ein klein bisschen widersprechen und doch

mal sagen: Ich glaube nicht, dass die Kunststadt Köln im Niedergang ist. Und mich

dafür bedanken, dass wir heute hier sein können und diese großartige Ausstellung

sehen können, die doch sehr wohl zeigt, dass es in Köln Kunst gibt, die durchaus

nationales oder internationales Niveau hat. Vielen Dank dafür.

(Applaus)

Christian Schaller: Auch für uns, für uns alle, gerade für uns Architekten,

kann ich sagen, ist es ja diese Komplexität an Raum und dieses Erlebnis von Raum,

das durch die Kunst sichtbar gemacht wird. Die Kunst zeigt, was daraus werden

könnte. Was uns immer so stört an vielen neuen städtebaulichen Entwicklungen, ist

eigentlich die Simplizität. Es ist einfach langweilig. Komplexität, das kann man eben

hier wunderbar sehen, entsteht ja, indem man einfach mal was sein lässt, Spielräume

lässt. Und die dann Stück für Stück bearbeitet. Wie das wahrscheinlich jeder

Künstler auch tut. Ein Bildhauer, der nimmt ja auch einen Klotz, guckt sich den erst

mal an und fragt sich, was man daraus machen kann – und dann macht er etwas

daraus. Und so sind ja auch früher unsere Städte, in gewisser Weise, gewachsen.

Das ist etwas anderes, als wenn man nach einer abstrakten Geometrie darangeht

und setzt sich an den Schreibtisch oder Computer und sagt: „Hier machen wir da

mal eine Straße und da mal eine Straße, und dann entsteht da ein Block, und dann

rechnen wir die Quadratmeter aus.“ Und dann rechnet man aus, wie sich das rech-


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Eröffnungskonferenz

LAB 1869 Zukunftswerk Stadt

Paul Böhm, Walter Buschmann,

Marc Leßle, Christian Schaller

Sebastian Tautkus,

Friedhelm Terfrüchte

O-Ton

2018

net. Es muss sich ja schließlich rechnen. Und was man dann gerade marktgängig

am besten für Nutzungen reinbringt. Ich plädiere dafür, dass man es fertigbringt,

diesem Planungsfuror einfach möglichst viel Sand ins Getriebe zu werfen.

Marc Leßle: Das Faszinierende ist ja tatsächlich, dass die Gasmotoren-

Fabrik-Deutz vor 150 Jahren entstanden ist und, wie der Walter sagt, dieses Gründungsdatum

1869 an der Architektur gar nicht mehr ablesbar ist. Es wurde ja je

nach den Erfordernissen und dem Geld, das man hatte, immer weitergebaut und

weiterentwickelt. Das war ein Prozess. Bei der Gründung 1869 war das ein Zukunftswerk

Motor, ein Zukunftswerk Bewegung, ein Zukunftswerk Individualverkehr. Für all

das waren die Visionäre Otto und Langen hier, um zu sagen: „Wir wollen das durchsetzen.

Wir wollen diese blöde, viel zu langsame, viel zu schwere Dampfmaschine,

die wollen wir weghaben – wir brauchen etwas anderes.“ Und Daimler war hier und

diese Leute. Jetzt ist man an einem Punkt, wo wir das nicht mehr wollen. Jetzt, glaube

ich, braucht eine Stadt immer noch ein Zukunftswerk. Man braucht das Zukunftswerk

Stadt. Das ist das, was wir hier tatsächlich entwickeln können, weiterentwickeln

können – und dann natürlich auch manche Architektur verändern, manche Architektur

den Anforderungen entsprechend umbauen, weiterentwickeln und so weiter.

Das ist ein Reallabor für die Stadt Köln, Zukunftsstadt, Zukunftswerk Stadt. Das ist es

für mich, und das würde ich gerne mit vielen Menschen zusammen entwickeln.

Sebastian Tautkus: Ich bin mir nicht sicher, ob ich das tun sollte, aber ich

würde gerne in diese ganze Begeisterung ein paar Fragezeichen streuen. Wenn

wir historisch argumentieren, dann müssen wir uns doch auch die Historie solcher

Orte im Strukturwandel anschauen. Wir sind alle Kinder des Strukturwandels, haben

alle Entwicklungen von Subkultur, Avantgardekultur in Industrieruinen, in Industriebrachen

miterlebt und haben da eine emotionale Bindung zu. Tolle Raves, tolle

Kunstaktionen, tolle was auch immer. Das haben wir alle an solchen Orten erlebt.

Und eigentlich ist diese Geschichte schon passiert. Also nicht umsonst stehen wir

jetzt hier und überlegen, was mit diesem Ort passiert, weil diese Orte eben rar

geworden sind. Es gibt natürlich Städte, in denen gibt es die noch, aber da werden

die nicht bespielt. Das hier ist eine der letzten Industriejuwelen, die noch rough aussehen

und unsere romantischen Träume von 1990 wiederaufleben lassen. Und da

kann man rückblickend oder rekonstruktiv noch mal über all die Chancen sprechen,

die damit verbunden sind. Aber kann es das wirklich sein? Ich warne davor zu sagen,

dass dieser Ort all diese Chancen noch mal erfüllen kann, sondern der ist jetzt

schon musealisiert, obwohl er noch so rough ist, und kaum begehbar und feuerpolizeilich

eine Katastrophe und so weiter – er jetzt schon musealisiert. Und unter

diesen Voraussetzungen muss man diesen Ort auch diskutieren und dann vielleicht

auch den neuen Strukturwandel in den Blick nehmen. Wir werden leere Kirchen

haben, die entweiht sind, wir werden leere Ladenlokale haben, weil alle über das

Internet bestellen. So viel Kunst kann es gar nicht geben, die ganzen Ladenlokale zu

bespielen. Deswegen muss man sich auch mal andere Nutzungen überlegen. Nicht

nur Kunst, sondern auch mal wieder über die Wiederansiedlung von Produktion

sprechen. Kleine Handwerksbetriebe hier reinzunehmen und so weiter – also nicht

nur ein buntes La La Land, sondern ein Land, in dem Wertgüter produziert werden.


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Erstbegehung | Vorstandsetage 2010

Revitalisierung | Vorstandsetage 2012


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Eröffnungskonferenz

LAB 1869 Zukunftswerk Stadt

Paul Böhm, Walter Buschmann,

Marc Leßle, Christian Schaller

Sebastian Tautkus,

Friedhelm Terfrüchte

O-Ton

2018

Ein Beteiligter: Aber so habe ich das auch verstanden.

(zustimmendes Gemurmel) Der Ansatz war doch von

Anfang an, hier eine bunte Mischung reinzubringen und nicht

eine neue Monostruktur Kunst.

Christian Schaller: Man sollte vielleicht auch sehen,

dass diese alten Gebäude ein ökonomischer Faktor sind, so

hohe Decken und so großzügige Räume kann man heute

nicht mehr ohne Weiteres bauen für den Zweck Wohnen. Das

kannst du nur noch für eine Luxusklasse, aber das kannst du

nicht zu normalen Preisen und für normale Leute machen.

Man kann ja einfach ausrechnen, was es kosten würde, heute

so einen Backsteinbau zu produzieren. Wenn man diesen

ganzen materiellen Wert zum heutigen Marktwert einsetzt, in

die neue Ordnung, muss man es als Vorteil realisieren, dass

die das Ding damals bauen konnten. Dass auch andere Leute

ihn nutzen können und nicht einer seinen Reibach damit

macht. Also diese Arbeit mit der Substanz heißt eben auch,

die Substanz wertzuschätzen. Und das sieht man zum Beispiel,

wenn Ihr die Decken in der Vorstandsetage, die abgehängten

Decken abreißt, da kommt ja ein Raum zum Vorschein, der

eine Zeit lang wegen des damaligen Geschmacks oder des

Lebensstils oder durch angebliche Energieeinsparungen verborgen

war und gar nicht entdeckt und genutzt wurde. Das ist

ein Prozess, der geht nur im Umwandeln und nicht auf dem

Papier. Ist auch schwierig, das über einen zentralen Investor,

in zentralen Planungen zu machen. Man müsste eine Zielplanung

haben. Man kann es ja nicht machen wie im Mittelalter,

wo man sagte, jetzt bauen wir hier mal ein Häuschen hin und

hier mal eins, sondern es muss natürlich schon irgendwo ein

Rahmenkonzept geben. Aber man muss die Parzellen in einzelne

Hände geben, an einzelne Investor*innen, in einzelne

Gruppen, für einzelne Ziele. Vielleicht bestimmten einfachen

Regeln unterlegen. Also das ist eigentlich das Verfahren, das

ist jetzt so wichtig.

Walter Buschmann: Ja, Christian, ich unterschreibe

alles, was du gesagt hast. (Publikum lacht) Aber ich möchte

gerne noch eine Ergänzung machen. Ich habe ein Berufsleben

lang, mehrere Jahrzehnte, immer versucht meinen Partnern

und meinen Gegnern klarzumachen, dass es sich bei Architektur

auch um Kultur handelt. Das ist gar nicht so leicht,

gerade auch bei Leuten, die intensiv mit Kultur zu tun haben.

Manche Museumsleute, die fallen immer auf die Knie, wenn

sie irgendwo einen Topf ausgraben oder ein Glas, aber Architektur

sehen die nicht unbedingt als ein Kulturgut an, das

ebenfalls entsprechend behandelt werden muss. Und da sage

ich immer: Es gibt Leute, die sind farbenblind, das wissen

wir. Es gibt Leute, die sind formenblind, und es gibt tatsächlich

auch Leute, die sind architekturblind. Die können eben

nicht erkennen, dass in dieser Architektur Kultur steckt, dass

in diese Architektur Geschichte eingekernt ist und dass es

darum geht, diese Geschichtsaspekte, diesen Geschichtswert

hervorzuheben, hervorzulocken und diesen Geschichtswert in

die zukünftige Nutzung und in den Umbau einzubringen. Das

wird ein wesentlicher Aspekt in der Sektion sein, in der ich

ja dann beteiligt bin, über die Kunst der Transformation. Es

geht eben darum, hier eine gute Nutzung zu finden, es geht

darum, ein gutes Konzept zu finden, wie man vorankommt in

dieser Angelegenheit, und es muss gleichzeitig auch darum

gehen, das was hier an Kulturgeschichte, an Architektur übrig

geblieben ist, angemessen zu erhalten.

Friedhelm Terfrüchte: Es gibt wunderbare Beispiele

von interessanten und erfolgreichen Transformationsprojekten,

vielerorts. Erst kürzlich wurde der Deutsche Bauherrenpreis

verliehen, unter anderem für die Nachbarschaft Samtweberei,

eine Umnutzung der ehemaligen Seidenweberfabrik

in Krefeld mit zeitgemäßem Wohnen und Arbeiten in historischen

Gebäuden. Die Stichworte, die ich hier einbringen

möchte, lauten: Stadtentwicklung vom Quartier aus denken,

Nachbarschaften anders denken, Mitmachkonzepte entwickeln

und, ganz wichtig, Eigentumsbildung anders denken.

Dazu gehört auch eine hohe Flexibilität in der Nutzungsprogrammierung

und Grundrissgestaltung. Wir reden häufig darüber,

machen's dann aber letztendlich nicht oder wir machen'

s eher konventionell. Das Konzept der lokalen Ökonomie bewusst

und anders zu denken, das sind für mich Schlüssel und

Hebel für diesen spannenden Transformationsort. Und Herr

Buschmann hat zu Recht gesagt: Wenn wir über Denkmalschutz

reden, dann müssen wir auch und ganz besonders über

die Nachnutzungskonzepte streiten. Ohne Nachnutzungskonzept

kann Denkmalschutz auf Dauer nicht funktionieren. Sie

müssen robust sein, auch längere Zeiten überdauern können,

und wir müssen sie uns leisten wollen und können. Wir können

uns Zeit dabei lassen, denn wir müssen am Ende belastbare,

das heißt auch bezahlbare Um- und Nachnutzungskonzepte

entwickeln. Wir dürfen und müssen auch Experimente

wagen. Ich fände es wichtig, wenn die Stadt Köln es schaffen

könnte, an dieser Stelle ein adress- und identitätsstiftendes

Transformationsprojekt zu starten, weiterzubefördern und Zeit

und Raum für Experimente einzuräumen. Ich oute mich hier


Eröffnungskonferenz

LAB 1869 Zukunftswerk Stadt

Paul Böhm, Walter Buschmann,

Marc Leßle, Christian Schaller

Sebastian Tautkus,

Friedhelm Terfrüchte

O-Ton

2018

als Kind der Internationalen Bauausstellung Emscher Park. Das war damals für alle

Beteiligten ein wichtiges Labor für ganz viele neue Zukunftsfragen. Wir haben vieles

konzeptionell neu gedacht, Pilotprojekte mit manchmal überraschenden Ergebnissen

gestartet – nicht alles war dann gleich erfolgreich. Man kann da sicher noch

von vielem lernen. Ihr habt jetzt hier in Deutz alle Möglichkeiten, perspektivisch

neue Wege in der Quartiersentwicklung zu beschreiten und ein robustes, vielgestaltiges

Stadtquartier mit lebendigen, alters- und sozialgemischten Nachbarschaften

zu entwickeln. Niederschwellige Eigentumsbildung kann hier ein Schlüssel sein!

Warum kann man nicht sagen, wir wollen in diesem Quartier künftig anders wohnen,

zusammenleben und arbeiten, als das in den häufig wenig funktions- und nutzungsgemischten

Neubauquartieren der Fall ist. Das muss man wollen. Das kann man

formulieren, das kann man dann auch politisch betreiben. Dass das dicke Bretter

sind, die da zu bohren sind, sollte nicht abschrecken. Und natürlich sind da andere

Player, die erfahrenen Entwickler*innen, die natürlich wissen, wie man den Markt erfolgreich

bedient. Aber das sind womöglich nicht diejenigen, die diese besonderen

Begabungen dieses Standortes zur Profilierung und Adressbildung nutzen wollen.

Ich würde sagen, es macht viel Sinn, von wirklich Gutem zu lernen, nicht alles noch

mal neu zu erfinden, was andernorts schon die Testphase durchlaufen hat. Das betrifft

auch die „Prozessarchitektur". Wir können an so vielen Stellen im Ruhrgebiet

und andernorts Best-Practise-Projekte in Denkmälern vormaliger industriell genutzter

Gebäude finden. Wichtig erscheint mir, die Diskussion über Um- und Nachnutzungspotenziale

auch abseits von konventionellen industrieromantischen Bildern zu

führen und die speziellen örtlichen Begabungen und Atmosphären zu erkennen und

zu nutzen. Das LAB 1869 ist eine wunderbare Keimzelle für das Zukunftswerk Stadt.

Man spürt förmlich diese schöpferische Kraft, die von den kulturellen und künstlerischen

Interventionen ausgeht. Kultur und Kunst als spannender Impulsgeber und

Motor für ein aufregendes Transformationsprojekt. Hier macht Köln etwas anders.

Das finde ich spannend.

(Applaus)


153


PROLOG FOYER HOF SCHMIEDE WERKSHALLE SALON DEM DEUTSCHEN VOLK E WASCHKAUE INNERE

TRETET EIN, DENN AUCH HIER SIND GÖTTER SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #3_WOHLSTAND FÜR ALLE SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #2_KRIEGSBLICKE

MOBILITÄT / KLIMAWANDEL ARBEIT / TECHNIK MIGRATION / BEGEGNUNG DEMOKRATIE / BETEILIGUNG


WERKSTRASSE WEISSES STUDIO VORSTANDSETAGE BETRIEBSRAT KONTEXT

155

SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #1_IN 80 TAGEN UM DIE WELT DAS LAND UTOPIA #1 DAS LAND UTOPIA #2 DAS LAND UTOPIA #3


157


Inklusion

im Dialog mit Jutta Pöstges

O-Ton LAb 1869 Zukunftswerk

Stadt

2018/19

AK: Hallo liebe Jutta, du bist ja seit vielen Jahren sehr aktiv in Köln unterwegs

und arbeitest unter dem Label X-SÜD mit dem raumlaborberlin zusammen.

Was treibt euch an, ganz neuartige Räume und Landschaften für Inklusion schaffen

zu wollen?

JP: Mich motiviert auch ein gesellschaftlicher Veränderungsprozess, und

ich wünsche mir für Köln eine inklusive Stadtgesellschaft. Ich komme aus der Kulturarbeit

und bin überzeugt, dass Kunst Veränderungen anstoßen kann.

Neue inklusive Räume sind das Ziel. Wie bilden wir Tandems aus Künstler*innen

mit und ohne Beeinträchtigung. Wir lernen, auf Augenhöhe zusammenzuarbeiten.

Das ist ja ein ganz neues Thema. Es gibt eigentlich keine vergleichbaren

Beispiele oder Projekte, die das praktizieren. Menschen mit Lernschwierigkeit oder

sogenannter geistiger Behinderung arbeiten in der Regel in großen Sondereinrichtungen

und sind von gesellschaftlicher Ausgrenzung betroffen. Wir suchen Alternativen

und experimentieren, damit Inklusion gelingen kann.

Das kann modellhaft sein für Köln, und dafür brauchen wir einen Platz, ein

Kunsthaus, ein X-SÜD-Kunsthaus. Vor einer Dauernutzung haben wir eine Phase

der Zwischennutzung vorgesehen. Die brauchen wir, um inklusive Arbeitsweisen

und das Projekt partizipativ zu entwickeln. Wir gehen dabei von einem erweiterten

Inklusionsbegriff aus, der alle Menschen mit ihren unterschiedlichen Fähigkeiten

und Bedürfnissen einbezieht. Wir kommen aus der klassischen Behindertenhilfe und

haben einen besonderen Fokus auf Menschen mit Lernschwierigkeiten. Sie können

ihre Interessen in der Regel nicht gut selber vertreten, und wir verstehen uns auch

als Stellvertreter*innen und Sprachrohr. Dabei sehen wir das Ganze eingebettet in

einen größeren gesellschaftlichen Kontext.

AK: Diesen Zwischenraum, den ihr da eingeplant habt, finde ich hochspanned

diesen Freiraum des Experimentierens. Schön wäre es natürlich auch, wenn

dieser dann in eine Nachhaltigkeit münden könnte. Wie kann das gelingen? Meinst

du, Häuser zu besetzen ist da ein Mittel?

JP: Wenn man sich Orte anguckt wie das KAT18, wo wir jetzt arbeiten –

das Kunsthaus Rhenania, das Bürgerhaus Stollwerck oder die Alte Feuerwache –,

dann muss man sagen, dass diese Freiräume für Kunst und Kultur in der Stadtgesellschaft

letztendlich entstanden sind, weil engagierte Menschen vor etwa 40 Jahren

Häuser okkupiert und gerettet haben.

Ja, ich würde es sehr begrüßen, wenn sich die künstlerischen Projekte, die

jetzt in der Quartiersentwicklung in Köln entstehen, zusammentun und ihre Aktivitäten

bündeln und dann ein stärkeres Auftreten haben. Es ist wichtig, über gemeinschaftliche

Aktionen mit mehr Kraft kulturelle und gesellschaftspolitische Ziele zu

verwirklichen, zusammen mit der Politik und mit den Gremien der Stadtverwaltung.


Erstbegehung | 2010

159


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TRETET EIN, DENN AUCH HIER SIND GÖTTER SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #3_WOHLSTAND FÜR ALLE SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #2_KRIEGSBLICKE

MOBILITÄT / KLIMAWANDEL ARBEIT / TECHNIK MIGRATION / BEGEGNUNG DEMOKRATIE / BETEILIGUNG


WERKSTRASSE WEISSES STUDIO VORTANDSETAGE BETRIEBSRAT KONTEXT

161

SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #1_IN 80 TAGEN UM DIE WELT DAS LAND UTOPIA #1 DAS LAND UTOPIA #2 DAS LAND UTOPIA #3


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TRETET EIN, DENN AUCH HIER SIND GÖTTER SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #3_WOHLSTAND FÜR ALLE SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #2_KRIEGSBLICKE

MOBILITÄT / KLIMAWANDEL ARBEIT / TECHNIK MIGRATION / BEGEGNUNG DEMOKRATIE / BETEILIGUNG


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163

SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #1_IN 80 TAGEN UM DIE WELT DAS LAND UTOPIA #1 DAS LAND UTOPIA #2 DAS LAND UTOPIA #3


Perspektivwechsel

im Dialog mit Henrik Schulze Neuhoff

O-Ton

2018/19

Auf dem Dach zu stehen, bedeutet für mich gerade noch mal eine neue

Perspektive ... und dabei ist das hier generell schon ein Ort, der sehr zu Perspektivwechseln

anregt. Da wünsche ich mir, dass es diesen Ort und auch das Drumherum,

das Areal in einer Form weiter gibt, die auch in fünf oder zehn Jahren zu Perspektivwechseln

anregt, wo man Dinge erleben kann, die auf den ersten Blick vielleicht

auch erst mal fordernd sind oder einen gar überfordern, aber aus denen man was

lernen kann. Dass es tatsächlich ein Ort ist, der Kunst und Kultur im Herzen tragen

darf und Leute anregt zu Neuem. Also, ich finde, dass man hier viele Nischen besetzt

findet, die es in kleineren Städten gar nicht so gibt.

Ja gut, wegen des Freiraums bin ich, glaube ich, nicht nach Köln gegangen,

den gab‘s irgendwie in der Form schon nicht mehr, als ich hier wirklich

angelangt bin, aber definitiv wegen der kulturellen Dichte und wegen des Angebots.

Und bei der kulturellen Dichte existiert gleichzeitig auch eine gewisse Bandbreite.

Man kann also von A bis Z alles mitnehmen und sich auch beteiligen, und in

der Hinsicht ist dann Köln in meiner Wahrnehmung einfach auch noch ein bisschen

alternativer als vielleicht andere Städte in der Region – es gibt eben Alternativen.


165

spiegeln antriggern provozieren

im Dialog mit Martin Schmittseifer

O-Ton

2018/19

Ihr kommt von der Kunst her und habt euch ja jetzt

hier mit eurem LAB 1869 Zukunftswerk Stadt und auch schon

in den Jahren davor sehr intensiv mit diesem Gebäude und

somit natürlich sehr viel mit dem Thema Quartiersentwicklung

auseinandergesetzt. Das ist ein Thema, mit dem wir als Jack

in the Box auch seit fünf Jahren in Ehrenfeld beschäftigt sind.

Diese Verbindung, wie Ihr letztendlich Kunst und Gebäude,

Quartier, Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft zusammenbringt,

finde ich einzigartig in Köln und auch sehr auffällig

als eine besondere komplexe künstlerische Leistung und eben

darüber hinaus.

Man schaut, welche Elemente man in einem Quartier

hat und wie diese zusammenlaufen: Wie ist die Synergie? Wo

braucht es Abgrenzungen, wo braucht man Zentren, wie ist

das an den Rändern? Und wo treffen sich die Menschen?

Wahrscheinlich ist dies so etwas wie euer Reallabor.

Und ich denke, was dahintersteckt, ist ja wirklich eine Lust auf

die Komplexität, die sich letztendlich dann im gemeinsamen

Zusammenleben irgendwie ergibt.

Und da ist die Kunst – ich bin ja eigentlich ein großer

Freund der Reden von Jonathan Meese, die Diktatur der

Kunst, die er immer proklamiert, einfach, um damit wirklich zu

unterstreichen, dass Kunst unglaublich viel bewirken kann. Um

tatsächlich zu spiegeln, Prozesse anzutriggern, zu provozieren,

zu stören. Und natürlich irgendwie auch, um Freude zu bereiten.


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TRETET EIN, DENN AUCH HIER SIND GÖTTER SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #3_WOHLSTAND FÜR ALLE SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #2_KRIEGSBLICKE

MOBILITÄT / KLIMAWANDEL ARBEIT / TECHNIK MIGRATION / BEGEGNUNG DEMOKRATIE / BETEILIGUNG


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167

SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #1_IN 80 TAGEN UM DIE WELT DAS LAND UTOPIA #1 DAS LAND UTOPIA #2 DAS LAND UTOPIA #3

1869 statt 08/15

±±

Das derzeit neu entstehende Otto-&-Langen-Quartier

im rechtsrheinischen Köln bietet alles zur gleichen Zeit.

Hier, in der ersten Gasmotorenfabrik der Welt, lässt sich nicht

nur das kulturelle Erbe Europas sichtbar machen, sondern es

können auch mit einer europäischen Stadt verbundene Werte

wie Mit- und Selbstbestimmung der Bürger*innen, Entwicklung

aus dem Bestand, Nutzungsmischung, kulturelle Vielfalt,

soziale Integration weitergedacht und erprobt werden und

nicht zuletzt in eine konkrete Umsetzung in einem gemeinwohlorientierten

Stadtteil münden. Die Eigentümerin NRW.

Urban will das Gelände verkaufen. Die Stadt Köln könnte vom

Vorkaufsrecht Gebrauch machen.


169


EINE REISE DURCH RAUM UND ZEIT

PROLOG FOYER HOF SCHMIEDE WERKSHALLE SALON DEM DEUTSCHEN VOLKE WASCHKAUE INNERE WERKSTRASSE WEISSES STU

TRETET EIN, DENN AUCH HIER SIND GÖTTER 173 SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #3_WOHLSTAND FÜR ALLE 187 SCHÖNHEIT DE

DAS LAND UTOPIA #1 243 DAS LAND UTOPIA #2 265 DAS LAND UTOPIA #3 277

MOBILITÄT / KLIMAWANDEL ARBEIT / TECHNIK MIGRATION / BEGEGNUNG DEMOKRATIE / BETEILIGUNG


171

DIO VORSTANDSETAGE BETRIEBSRAT KONTEXT

R VERGÄNGLICHKEIT #2_KRIEGSBLICKE 205 SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #1_IN 80 TAGEN UM DIE WELT 219

WASCHKAUE REVITALISIERUNG 2015

INNERE WERKSTRASSE REVITALISIERUNG 2018

SALON DEM DEUTSCHEN VOLKE REVITALISIERUNG 2015

WERKSHALLE REVITALISIERUNG 2011

WEISSES STUDIO REVITALISIERUNG 2011

SCHMIEDE REVITALISIERUNG 2011

HOF REVITALISIERUNG 2011

FOYER REVITALISIERUNG 2011

VORSTANDSETAGE REVITALISIERUNG 2012

BETRIEBSRAT REVITALISIERUNG 2015


PROLOG FOYER HOF SCHMIEDE WERKSHALLE SALON DEM DEUTSCHEN VOLKE WASCHKAUE INNERE

TRETET EIN, DENN AUCH HIER SIND GÖTTER SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #3_WOHLSTAND FÜR ALLE SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #2_KRIEGSBLICKE

MOBILITÄT / KLIMAWANDEL ARBEIT / TECHNIK MIGRATION / BEGEGNUNG DEMOKRATIE / BETEILIGUNG

2011 Fotoreihe zu Tretet ein, denn auch hier sind Götter!


WERKSTRASSE WEISSES STUDIO VORSTANDSETAGE BETRIEBSRAT KONTEXT

173

SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #1_IN 80 TAGEN UM DIE WELT DAS LAND UTOPIA #1 DAS LAND UTOPIA #2 DAS LAND UTOPIA #3

Tretet ein, denn auch hier

sind Götter

machen – machen – machen

2011/12

„Anja Kolacek und Marc Leßle halten die Kölner auf

Trab. Nach dem Tanzhaus Köln Interim sind die beiden Avantgardisten

schon wieder fündig geworden, diesmal im Stadtteil

Deutz-Mülheim." (Arnd Wesemann, Zeitschrift Tanz, 2011)

raum13 wurde 2007 von Anja Kolacek (Regisseurin

und Kulturmanagerin) und Marc Leßle (Bühnen-, Video- und

Lichtgestalter) gegründet. raum13 versteht sich als rhizomatischer

Organismus experimenteller und politischer Kunst, der

die klassischen Grenzen des Theaters sprengen will. Obwohl

der persönliche Werdegang und die beruflichen Erfahrungen

aus dem „klassischen Blackbox-Theater“ stammen, sehen sie

ihre heutige und zukünftige künstlerische Arbeit als Theater

an, wenn auch nicht im klassischen Format.

Am 18. Juni 2011 eröffnen Anja Kolacek und Marc

Leßle das Deutzer Zentralwerk der Schönen Künste mit

einer eigenen Inszenierung und Uraufführung: „Tretet ein,

denn auch hier sind Götter".

Darüber hinaus öffnen sie das Deutzer Zentralwerk

der Schönen Künste für nationale und internationale Theaterund

Kunstproduktionen:

• alles was tanzt #3, Gipfeltreffen der Tanzszene

• alles was tanzt, Residenzen

• zeit dreht sich, Gruppenausstellung

• hier und jetzt, Junge-Szene-Projekt

• es ist hier, Theaterfestival

• eichmann, raum13-Wiederaufnahme

• substanzen, raum13-Uraufführung


2011 Fotoreihe zu Tretet ein, denn auch hier sind Götter


175


2011 Fotoreihe zu Tretet ein, denn auch hier sind Götter

177


2011 Fotoreihe zu Tretet ein, denn auch hier sind Götter!


179

Auszüge Interview

Balthasar Busmann im Dialog mit

Anja Kolacek und Marc Leßle

2012

BB: Wie kann ich mir eure Arbeitsweise vorstellen?

ML: Unsere thematische Suche gilt immer sozialen

Phänomenen, die heutige Menschen gleichermaßen bewusst

wie unbewusst bewegen, und nicht der Suche nach klassischen

Interpretationen von Theatertexten. Daher schreiben

wir unsere Stücke selbst. Über umfangreiche Rechercheund

Konzeptionsprozesse mit allen Produktionsbeteiligten

nähern wir uns der jeweiligen Fragestellung an. Dabei wird

anhand einer sozial- und kulturwissenschaftlich orientierten

Materialauswahl in gemeinsamer Lektüre, über Interviews, in

Versuchs- und Improvisationsanordnungen, das Substrat des

anzustrebenden Stückes zusammen mit den Schauspieler*innen,

Performer*innen, Tänzer*innen, Musiker*innen gewonnen

und anschließend von Dramaturgie und Regie in eine

Form gebracht. Während der Stückentwicklung weiten wir

den Rechercheprozess über Interviews auf das Publikum aus;

Teile des Entstehungsprozesses finden als Performances und

Interventionen im öffentlichen Raum statt und werden filmisch

und fotografisch dokumentiert. Der dabei zustande kommende

Austausch als Prozess kann wiederum Impulse für die

weiteren sich verflechtenden Proben setzen und in die Arbeit

einfließen.

mit raum13 die Möglichkeit der Realisierung von Visionen.

Unser Anliegen ist es, durch den Dialog der Künstler*innen

aus verschiedenen ästhetischen und sozialen Bereichen etwas

Verbindendes, Neues entstehen zu lassen. Dieser Dialog bezieht

das Publikum mit ein, das in den begehbaren Räumen

von raum13 dazu eingeladen wird, zu sehen, zu reden und

sich zu neuen Aktionen inspirieren und mitreißen zu lassen.

BB: Vielen Dank für das Gespräch.

BB : Welche künstlerischen Mittel verwendet Ihr?

AK: Wir arbeiten als Theatermacher transdisziplinär

an der Schnittstelle von Schauspiel, Tanz, Musik und Bildender

Kunst und ermöglichen dadurch bei der Wahl unserer darstellerischen

Mittel systemreflexive, unabhängige und unkonventionelle

Interaktionsebenen. Dieses Crossover der Künste

ist kein Selbstzweck, sondern erzeugt erst Möglichkeiten,

die Gegenwart immer wieder neu und aus unterschiedlichen

Perspektiven historisch, politisch und sozial wirkungsmächtig

zu beleuchten. Durch den angebotenen Perspektivenwechsel

können Sichtweisen auf multiple Wirklichkeiten ermöglicht

respektive gesehen und/oder durch individuelle Rezeptionen

sowohl re- als auch dekonstruiert werden. Somit können die

Bedingungen des Theaters ausgetestet – respektive provozierend

ausgereizt – und künstlerisch weiterentwickelt werden.

ML: Über das Bühnengeschehen hinaus initiieren wir

den Austausch zwischen Künstlern und ihren Szenen und provozieren

eine Zusammenarbeit über die disziplinären Trennlinien

hinweg. Wir wirken dabei als organisatorische und künstlerische

Ideengeber oder auch als Ideenbeteiligte und bieten


PROLOG FOYER HOF SCHMIEDE WERKSHALLE SALON DEM DEUTSCHEN VOLK WASCHKAUE INNERE

TRETET EIN, DENN AUCH HIER SIND GÖTTER SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #3_WOHLSTAND FÜR ALLE SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #2_KRIEGSBLICK

MOBILITÄT / KLIMAWANDEL ARBEIT / TECHNIK MIGRATION / BEGEGNUNG DEMOKRATIE / BETEILIGUNG

2011 Juni | UA Tretet ein, denn auch hier sind Götter!


WERKSTRASSE WEISSES STUDIO VORTANDSETAGE BETRIEBSRAT KONTEXT

181

SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #1_IN 80 TAGEN UM DIE WELT DAS LAND UTOPIA #1 DAS LAND UTOPIA #2 DAS LAND UTOPIA #3W


2011 Juni | UA Tretet ein,

denn auch hier sind Götter


2011 September | Premiere alles was tanzt #3

183


185

„Der Beweis ist erbracht, hier kann man Kunst produzieren. Kolacek & Leßle verfügen

über kühnen Unternehmergeist.“ (Thomas Linden, Rundschau, 29. Juni 2011)

2012 Januar | UA Substanzen

2011 September | Premiere alles was tanzt #3

2011 November | Wiederaufnahme Eichmann


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TRETET EIN, DENN AUCH HIER SIND GÖTTER SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #3_WOHLSTAND FÜR ALLE SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #2_KRIEGSBLICKE

MOBILITÄT / KLIMAWANDEL ARBEIT / TECHNIK MIGRATION / BEGEGNUNG DEMOKRATIE / BETEILIGUNG


INNERE WERKSTRASSE WEISSES STUDIO VOSRTANDSETAGE BETRIEBSRAT KONTEXT

187

SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #1_IN 80 TAGEN UM DIE WELT DAS LAND UTOPIA #1 DAS LAND UTOPIA #2 DAS LAND UTOPIA #3


2012 Fotoreihe Schönheit der

Vergänglichkeit #3_Wohlstand für alle

Die Arbeiter


189

Schönheit der Vergänglichkeit

#3–1

2012–2015

Ein urbanes Kunstprojekt, das die Räume des einstigen

Weltkonzerns Klöckner-Humboldt-Deutz neu nutzt, seine

traditionsreiche Geschichte aufgreift und sie in Analogie zu

modernen gesellschaftlichen Umbrüchen und Strukturen setzt.

Der Stadtraum ist einem stetigen Wandel unterworfen,

was heute modern ist, ist morgen veraltet und uninteressant.

Ein besonderes Beispiel dafür ist die rechtsrheinische

Kölner Industriebrache zwischen Zoo- und Mülheimer Brücke.

In den 1860ern Wiege des Ottomotors und damit Ausgangspunkt

der Weltmotorisierung, stehen heute dort verlassene

Werkshallen und Verwaltungsgebäude und warten dornröschenartig

auf ihre weitere Verwendung oder wandeln sich zu

(Sub-)Kulturstätten aller Art. Die Umwandlung dieses Stadtraums

über Generationen hinweg ist beispielhaft für die Umwälzung

unserer Gesellschaft und steht im Fokus der künstlerischen

Arbeit von raum13 Kolacek & Leßle.

Diese beeindruckende größte Brachlandschaft in Köln mit

ihren zahlreichen Baudenkmälern erlebt nun in ihrem einstmaligen

Herzstück eine neue Blüte. Die ehemalige Hauptverwaltung

der Klöckner Humboldt-Deutz-Werke transformiert sich

bis auf Weiteres auf Initiative von raum13 Kolacek & Leßle

in das wohl größte urbane Kunstprojekt Kölns und bietet ein

Forum und Arbeitszentrum für junge, zeitgenössische Kunst.

Mit Schönheit der Vergänglichkeit #3–1 reisen

wir durch die Zeit von heute bis in das Gründungsjahr der

Motorenwerke. Hier begann im 19. Jahrhundert die Weltmotorisierung

und damit auch das uns prägende Erdölzeitalter,

heute stehen wir an dessen Ende. In unserer Arbeit lassen wir

Generationen miteinander kommunizieren. Träume, Ängste

und Weltbilder zeigen den Wandel der Zeit. Ehemalige Mitarbeiter*innen

des einstigen Weltkonzerns, die Architektur

der Gebäude, die hinterlassenen Einrichtungsgegenstände

sowie Akten, Briefumschläge, Fotos von Betriebsratswahlen

und vieles mehr sind unsere Zeugen der Zeit.

Mit Schönheit der Vergänglichkeit #3_Wohlstand für

alle, den ersten Teil unserer Reihe, setzten wir einen Schwerpunkt

auf die Jahre 1950 bis heute. Den Mittelpunkt unserer

Arbeit bilden der Ort, die Menschen und ihre Geschichte(n).

Schönheit der Vergänglichkeit #2_KriegsBlicke,

Teil 2 der Trilogie, beschäftigt sich mit dem Thema (Welt-)

Krieg, das die Moderne prägt wie kaum ein anderes. Die

riesige Industriebrache der ehemaligen KHD-Werke gilt dabei

sowohl als Zeuge der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert

wie zugleich auch als Ausgangspunkt für moderne

Formen der Kriegsführung. KriegsBlicke begibt sich auf die

Spurensuche nach den Voraussetzungen des Krieges sowie

seinen Entstehungsbedingungen und oszilliert dabei permanent

zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Schönheit der Vergänglichkeit #1_In 80 Tagen um

die Welt, die dritte thematische Setzung in unserer Arbeit,

vervollständigt die Trilogie. In 80 Tagen um die Welt ist eine

spartenübergreifende Theaterinstallation, die die Anfänge

der Industrialisierung, Mobilität und Weltmotorisierung im 19.

Jahrhundert in den Blick nimmt und nach den Ursprüngen unserer

mobilen und international vernetzten Gesellschaft fragt.

Mit dem Slogan „Höher, schneller, weiter“ wird aber nicht nur

das technikbegeisterte 19. Jahrhundert, sondern auch unsere

digitalisierte und auf Leistungs- und Produktivitätssteigerung

setzende heutige Gesellschaft künstlerisch hinterfragt und beleuchtet.

Darüber hinaus öffnen Anja Kolacek und Marc Leßle

das Deutzer Zentralwerk der Schönen Künste für nationale

und internationale Theater- und Kunstproduktionen, die sich

mit dem Thema 150 Jahre Industrialisierung und der damit

einhergehenden Wandlung von gesellschaftlichen Strukturen

beschäftigen. raum13 erstellt so ein künstlerisches Kaleidoskop

gesellschaftlicher Momentaufnahmen: gestern, heute und

morgen.

Thematische Kooperationsprojekte:

2012

FM Einheit + Irmler – Konzert

dreizehnterjanuar aus Wien – working class zero

Benjamin Schad – Träume von Günter Eich_nominiert für den Kölner Theaterpreis 2012

2013

FM Einheit + Saskia von Klitzing + Tim Isfort + Volker Kamp – Konzert KriegsBlicke

Gesine Grundmann – Ausstellung not one thing that you want is upstream

Pola Groß – Lesereihe Im Westen nichts Neues

G Kollektiv – Festivals Jung! Na und!_Europa / Zerbombt

Asasello Quartett – Spielzeiteröffnung

2014

Acht-Brücken-Festival – impuls

Kölner Gesellschaft für Neue Musik – Bad Trip Festival

Martin Kleppe – Medusas Garten

Festival Jung! Na Und!_Metropolis


2012 Fotoreihe Schönheit der

Vergänglichkeit #3_Wohlstand für alle

Die Angestellten


191

2012 Fotoreihe Schönheit der

Vergänglichkeit #3_Wohlstand für alle

Die Vorstände

2012 Fotoreihe Schönheit der

Vergänglichkeit #3_Wohlstand für alle

Die Spieler


PROLOG FOYER HOF SCHMIEDE WERKSHALLE SALON DEM DEUTSCHEN VOLKE WASCHKAUE INNER

TRETET EIN, DENN AUCH HIER SIND GÖTTER SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #3_WOHLSTAND FÜR ALLE SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #2_KRIEGSBLICKE

MOBILITÄT / KLIMAWANDEL ARBEIT / TECHNIK MIGRATION / BEGEGNUNG DEMOKRATIE / BETEILIGUNG


E WERKSTRASSE WEISSES STUDIO VORSTANDSETAGE BETRIEBSRAT KONTEXT

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SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #1_IN 80 TAGEN UM DIE WELT DAS LAND UTOPIA #1 DAS LAND UTOPIA #2 DAS LAND UTOPIA #3W


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TRETET EIN, DENN AUCH HIER SIND GÖTTER SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #3_WOHLSTAND FÜR ALLE SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #2_KRIEGSBLICKE

MOBILITÄT / KLIMAWANDEL ARBEIT / TECHNIK MIGRATION / BEGEGNUNG DEMOKRATIE / BETEILIGUNG

Mutter Deutz

Dialog mit den Zeitzeugen

Dietmar Voss, Hans-Gerd Ervens,

Hubert Mühlenbach

2012

DV: Ich bin Vertriebener und bin dann damals durch Zufall im Haus eines

technischen Vorstandes der damaligen KHD gelandet, und damit begann eigentlich

schon der erste Kontakt zu diesem Unternehmen. Wir waren in Bergisch-Gladbach

Sand in einem Lager, und meine Mutter hatte, aus welchen Gründen auch immer,

auf der Flucht eine wunderschöne bestickte Tischdecke mitgenommen. Sie hatte

diese Decke auf einem kleinen Tisch ausgebreitet, und zwei Töchter von Herrn Dr.

Flats, das war der technische Vorstand von KHD, gaben dort die Speisung aus. Die

sahen diese Decke und bewunderten die Stickereien, und über diese Decke kam

dann der Kontakt zu meiner Mutter. Und dann stellte sich heraus, dass der

Dr. Flats fünf Kinder hatte, und der jüngste Sohn war neun Jahre alt, ich war damals

acht Jahre, und man fragte, ob ich nicht als Spielgefährte zu seinem Sohn kommen

könnte. Ja, dann hat man mich also abgeholt, und dann begann für mich also eine

komplett neue Zeit, denn die Flucht war schon katastrophal, und dort wurde ich

richtig schön versorgt. 15 Tage später sind wir dann zu den Flats gezogen, wir bekamen

im Dachgeschoss ein kleines Zimmer und hatten endlich mal die Möglichkeit,

eine Türe hinter uns zuzumachen. Das Lagerleben war damit beendet.

Der weitere Weg war, dass dann meine Eltern fünf Jahre später Hausmeister

wurden in einem Mehrfamilienhaus von Herrn Dr. Flats. In diesem Haus

wohnten ausschließlich KHD-Leute, Führungsleute, und damit begann eigentlich

auch der Kontakt zu dieser mittleren Führungsebene, obwohl ich 1951 erst 13 Jahre

alt war, aber ich war handwerklich sehr begabt. Und in dem Haus wohnte auch ein

Konstrukteur, und der war von meinen handwerklichen Tätigkeiten derart begeistert,

dass er gesagt hat: Der Junge muss nach KHD. Denn dort suchte man sehr

dringend Nachwuchs, weil durch die Kriegsereignisse viele Männer auf dem Feld

geblieben sind und viele in Gefangenschaft waren, und man versuchte, die Jugend

auszubilden, um sie bei KHD tätig werden zu lassen. Da begann ich also 1953 eine

Maschinenschlosserlehre und habe dann allerdings nach anderthalb Jahren die

Maschinenschlosserlehre aufgegeben aufgrund einer Empfehlung meiner Ausbilder,

die meinten, ich wäre für den Schraubstock zu schade und ich sollte doch

kreativ arbeiten. Und man schlug mir vor, die Ausbildung als technischer Zeichner

zu beenden. Das habe ich gemacht und 1956 kam ich dann in die Konstruktion für

luftgekühlte Dieselmotoren, hier in diesem Gebäude, damals auf der zweiten Etage.

Das war mein Einstieg in das Unternehmen KHD.

HGE: Ich war in der vierten Generation hier, uns Firma war unsere Identifikation.

Mein Vater war hier, der ist mit 63 in Rente gegangen, zwei Onkel waren

hier, meine Cousins waren hier, mein Großvater ist von Deutz, damals noch bei der

Gasmotoren-Fabrik 1928, der Urgroßvater war auch hier, der war erst mal bei Van

der Zypen, spätere Westwaggon, und ist dann hierhingekommen. Wir waren also

ein Familienunternehmen, man kannte sich nicht nur, man wohnte teilweise zusammen

und dadurch hatte man den Vorteil, wenn irgendwo im Betrieb was klemmte

und man hatte Bekannte in einem anderen Betrieb oder Verwandtschaft, konnte

man dahingehen und pass mal auf, ich habe da ein Problem, kannst nicht mal helfen

oder ein bisschen schneller meinen Auftrag bearbeiten, dadurch fluppte alles,

wie man so schön sagt in Köln. Und wenn es fluppt, dann ist das positiv und geht


RE WERKSTRASSE WEISSES STUDIO VORSTANDSETAGE BETRIEBSRAT KONTEXT

195

SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #1_IN 80 TAGEN UM DIE WELT DAS LAND UTOPIA #1 DAS LAND UTOPIA #2 DAS LAND UTOPIA #3W

schnell, und das war auch kein Kölscher Klüngel, denn man

kannte sich, man war verwandt und man half sich gegenseitig,

damit der Laden lief.

Es gab viele Sozialleistungen, wenn die Kinder zur

Kommunion gingen, kriegte man ein Geschenk, wenn man

geheiratet hat, kriegte man ein Geschenk. Wir hatten eine

Krankenschwester, wenn jemand längere Zeit krank war, kam

die einen besuchen, brachte einen Korb mit Früchten, das war

alles Sozialfürsorge, die mit dem Betriebsrat vereinbart wurde.

Man hat sich getroffen, Feste gefeiert, wenn einer 25-jähriges

Jubiläum hatte. Das war natürlich eine große Sache, und dann

hat man Witze gemacht, ob wir das auch schaffen oder ob

man uns vorher schon verheizt hat.

Das ist schon eine Vergangenheit, besonders wenn

man von der ganzen Familie noch weiß, wo die gearbeitet

haben. Das sind ja auch Arbeitsplätze. Die Firma hatte ja auch

Wohnungen, Werkswohnungen, es gab sogar Erholungsheime

im Westerwald, wo man hingeschickt wurde, wenn man

eine gewisse körperliche Belastung nicht mehr aushielt durch

die Arbeit. Das findet man heute nicht mehr.

HM: Körperlich war das sehr anstrengend, wir hatten

Akkord, wir hatten alle Profile, und die mussten während

dem Anzeichnen gedreht werden, da hatte man Oberflunsch,

Unterflunsch, und was es so all gibt ... und die mussten von

drei Seiten angezeichnet werden, ich will jetzt mal nicht übertreiben,

aber bis 200 Kilo haben wir in der Klaue gehabt und

die mit der Hand gedreht. Was größere Sachen waren, die

wurden natürlich mit dem Kran gedreht. Und da war immer

viel Krach. Und ein Kollege, wenn der lange den Kran festgehalten

hat, kam der andere mit seiner Arbeit nicht weiter

im Akkord. Da flippte man schon mal ein bisschen aus, aber

wir haben uns schnell wieder vertragen. Wenn dann mal was

Schlimmeres war, wurde der Betriebsleiter eingeschaltet und

der hat das im Griff gehabt mit uns.

Weltfirma mit einer ganz großen Palette. Der Schlepperbau,

die Feuerwehr, Busse, LKWs, der Magirus war damals eine

Marke auf dem Bau, oder die ganzen Baumaschinen mit

Deutzmotoren, die werden heute zwar teilweise noch gebaut,

aber wir sind nicht mehr. Oder auf dem Rhein sind wir kaum

noch vertreten mit Deutzmotoren. Früher konnten sie auf dem

Rhein sehen, wo überall dieser rote Wimpel oben am Fahnenmast

hing, da waren Deutzmotoren drin, man stand am Rhein

und sagte: Da kommt einer, ist wieder einer von uns, nee, dat

is keiner von uns, ist aber ne Seltenheit, dass hier mal einer

kommt, der z. B. einen Sulzer drin hatte oder MTU-Motor

oder MAK, wie die Mitbewerber alle hießen.

Wenn man sagte, man ist bei Deutz, dann war das

ungefähr, als wenn man Beamter bei irgendeiner hohen Behörde

war, und wenn man keine goldenen Löffel klaute oder

einen Klüngel mit der Chefsekretärin anfing, dann war man

unkündbar, uns Firma, die Identifikation sehr groß und entsprechend

auch die Motivation. Wir waren ein Weltunternehmen,

aber die Belegschaft lebte wie in einer großen Familie.

DV: Der damalige Fertigungsvorstand, das war ein

absoluter Praktiker, der ging als Vorstand mindestens einmal

in der Woche in die Betriebe, der war bekannt und er

informierte sich über jede Investition. Wenn es also hieß, es

muss eine Maschine ersetzt werden, dann war dieser Vorstand

vor Ort, hat mit dem Arbeiter, der diese Maschinen bediente,

gesprochen und hat gefragt – warum, wieso, weshalb – und

erst wenn er der Meinung war, in Kombination mit den Gesprächen,

hat er den Investitionsauftrag unterzeichnet. Später

hat kein Vorstand mehr so reagiert. Im Gegenteil – und das ist

auch eine lustige Sache: Ein Nachfolger ging mal durch diese

berühmte Halle 100 und wurde dann von jemandem angesprochen:

„Hören sie mal, was machen sie hier?“ Die kannten

ihn überhaupt nicht in der Fertigung!

HGE: Wir haben früher in Mainz-Mombach Omnibusse

gebaut, wir haben in Ulm Feuerwehren gebaut, in Oberursel

haben wir Triebwerke gebaut für die Bundeswehr oder

für die amerikanischen Flieger, in Berlin hatten wir ein großes

Pumpenwerk, in Herschbach und Mündersbach, Herschbach

existiert noch, wie ich gehört habe, wir hatten die Westwaggon

aufgekauft, wir hatten in Förde einen großen Betrieb,

wo die Großmotoren geprüft worden sind ... wir waren eine


197


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TRETET EIN, DENN AUCH HIER SIND GÖTTER SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #3_WOHLSTAND FÜR ALLE SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #2_KRIEGSBLICKE

MOBILITÄT / KLIMAWANDEL ARBEIT / TECHNIK MIGRATION / BEGEGNUNG DEMOKRATIE / BETEILIGUNG

2012 August | UA Schönheit der

Vergänglichkeit #3_Wohlstand für alle


RE WERKSTRASSE WEISSES STUDIO VORSTANDSETAGE BETRIEBSRAT KONTEXT

199

SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #1_IN 80 TAGEN UM DIE WELT DAS LAND UTOPIA #1 DAS LAND UTOPIA #2 DAS LAND UTOPIA #3W


2012 August | UA Schönheit der

Vergänglichkeit #3_Wohlstand für alle


201

Vernissage 2012 Mai | mit weissem wasser bedeckt

2012 Mai | Vernissage

Mit weißem Wasser bedeckt


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2012 September | Schönheit der

Vergänglichkeit #3_Wohlstand für alle

Konzert FM Einheit & Irmler


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203

SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #1_IN 80 TAGEN UM DIE WELT DAS LAND UTOPIA #1 DAS LAND UTOPIA #2 DAS LAND UTOPIA #3WW

2012 Mai | Jung! Na und!

2012 Juni | Köln Premiere

working class zero

dreizehnterjanuar wien


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SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #1_IN 80 TAGEN UM DIE WELT DAS LAND UTOPIA #1 DAS LAND UTOPIA #2 DAS LAND UTOPIA #3W

Schönheit der Vergänglichkeit #2

KriegsBlicke

2013

Die riesige Industriebrache der ehemaligen

KHD-Werke gilt sowohl als Zeugin der Industriellen Revolution

im 19. Jahrhundert wie zugleich auch als Ausgangspunkt für

moderne Formen der Kriegsführung. Die Industrielle Revolution

brachte nicht nur enorme technische Errungenschaften

mit sich, sondern verursachte auch die rasante Entwicklung

der Verkehrs- und Kommunikationstechnologien. Durch die

Möglichkeit, Massenprodukte und damit auch Waffen und

andere Kriegsgüter schnell herstellen und transportieren zu

können, wurden die Voraussetzungen für die zwei Weltkriege

des 20. Jahrhunderts und ihre vernichtenden Dimensionen

geschaffen.

Aber wie kam es dazu? Sind Technologie und Ideologie

eine „Synergie“ eingegangen? Oder ist der Zusammenhang

von Rationalität und Barbarei, der beide Weltkriege

kennzeichnet, nicht eher Folge einer „Dialektik der Aufklärung",

wie sie schon Adorno und Horkheimer beschreiben?

Angelehnt an Christa Wolfs Bemerkung „Wann Krieg beginnt,

das kann man wissen, aber wann beginnt der Vorkrieg? Falls

es da Regeln gäbe, müsste man sie weitersagen". (Kassandra)

fragt auch dieses Projekt nicht nur nach den Mechanismen

und Bedingungen des Krieges, sondern auch nach seinem

„Vorkrieg“ und schlägt damit eine Brücke in die Gegenwart.

Geht Syrien uns etwas an, oder ziehen wir uns doch lieber in

unsere eigene Friedenswelt zurück? Wohin führt uns der gesellschaftliche

Umbruch des 21. Jahrhunderts?

KriegsBlicke verbindet die Außensicht auf den Krieg

durch dokumentarisches Text-, Bild- und Tonmaterial mit persönlichen

Berichten und Geschichten von Zeitzeugen, die ein

inneres Bild des Krieges entwerfen. Die Spannung zwischen

Außen- und Innensicht, Vergangenheit und Gegenwart, Industriebrache

und digitalen Effekten eröffnet neue Zusammenhänge

und Perspektiven. Bindeglied bleibt jedoch immer die

virulente Frage nach den Voraussetzungen des „Vorkrieges“

und der Möglichkeit, ihn zu erkennen. Bei unserer künstlerischen

Arbeit stehen – ähnlich wie bei einer Diskursanalyse

– weniger konkrete Fakten, sondern vielmehr die unterschiedlichen

Darstellungen und Wahrnehmungen des Krieges und

seiner Vorgeschichte im Fokus.

Konzept | Idee: raum13 Kolacek & Leßle

2013. Wie zu Zeiten der Industriellen Revolution

verändert sich unser Leben heute rasant. Wir stehen inmitten

der digitalen Revolution. Soziale, kulturelle, wirtschaftliche

und nicht zuletzt politische Umwälzungen finden im Gigahertz-Rhythmus

statt. Genau 100 Jahre nach 1913, dem Vorabend

der beginnenden Katastrophe. KriegsBlicke begibt sich

auf eine Spurensuche nach dem „Vorkrieg“ und bewegt sich

in einem permanenten Spannungsfeld zwischen Gegenwart

und Vergangenheit. War der „Vorkrieg“ 1913 schon spürbar?

Wie standen die Menschen 1913 zum Krieg? Wirkt die damalige

Annahme des Friedensaktivisten David Starr Jordan, dass

es keinen großen Krieg geben werde, da die internationale

Finanz- und Wirtschaftswelt zu eng miteinander verflochten

sei, gerade deshalb so bedrückend, weil die Situation der

heutigen so stark ähnelt? Wie gehen wir heute eigentlich mit

„Krieg“ um? Wähnt sich die „Generation des Friedens“, die

noch nie einen Krieg im eigenen Land erlebt hat, in Sicherheit

vor einem Weltkrieg,. oder vor welchen Herausforderungen

stehen wir? Welche Auswirkungen haben Bundeswehr-Einsätze

auf mentale und gesellschaftliche Strukturen, und wie

stehen wir zu internationalen Einsätzen der NATO?


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2013 Juni | UA Schönheit der

Vergänglichkeit #2_KriegsBlicke


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207

SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #1_IN 80 TAGEN UM DIE WELT DAS LAND UTOPIA #1 DAS LAND UTOPIA #2 DAS LAND UTOPIA #3W


2013 Juni | UA Schönheit der

Vergänglichkeit #2_KriegsBlicke

2013 Juni | UA Konzert Schönheit der

Vergänglichkeit #2_KriegsBlicke


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KriegsBlicke

im Dialog mit Adolf Hellmich

2013

1925 in Ostpreußen geboren.

1942 gemustert

1943 eingezogen

Vorkriegszeit

Ich hab dann 1930 mitgenommen, ganz fest, dass es den Leuten schlecht

ging. Bei uns im Dorf weiß ich, dass die alle keine Arbeit hatten, sofern sie nicht

Bauern waren. Und dass sie politisch sehr aktiv waren. Ich entsinne mich an die

Kommunisten, und mein Vater war Sozialdemokrat, `n aktiver Sozialdemokrat. Der

Kommunist von meinem Vater kam und sagte: Die, das waren die Nazis, die in

der Hauptstadt waren, wollen uns alle umbringen. Und der, der hat das nicht als

dummes Gerede genommen, sondern als echte Drohung, der hatte Angst. Und an

die Machtübernahme kann ich mich sehr gut besinnen. Da marschierten die Nazis

mit ihren Fahnen und Fackeln und sangen. Paar Tage später war bei uns Hausdurchsuchung.

SA und Polizei.

Ja, es gab Arbeit. Mein Vater bekam Arbeit dann bei der Bahn. Es muss

schon ..., ja vermutlich 34, ja 34 wurde schon der erste Mai da doll gefeiert, da war

der Vater schon beschäftigt bei der Bahn. Also auch bei uns auf dem Dorf machte

sich das bemerkbar. Ich weiß, bei uns, da mit den arbeitslosen Arbeitern wurden

die beiden Dorfteiche entschlammt. 34 da waren bei uns Feste, die hat`s im Dorf

gar nicht gegeben. Und ich weiß, dat war `n Fest, da marschierte die SA auf, aber

auch der Pfarrer hat ne Predigt gehalten. Also, es passierte was Neues. Bei den

Bauern kam auch Schwung, Reichsnährstand hieß das da und so was alles. Also,

das war toll. Breites, breites Plus. Bei uns im Dorf war ja die Bauernseite sehr stark.

Da wurde eingeführt: Bauernführer, Ortsbauernführer, Bezirksbauernführer, Reichsnährstand.

Also da war positive Entwicklung. Dann gab`s für die jungen Leute

Ehestandsdarlehen, dass se heiraten, und es wurde Kindergeld eingeführt. Ja, und

dass Arbeiterkinder zur höheren Schule gingen, das hat es bei uns nicht gegeben.

Und ich kam dann 39, ging ich dann auch zur höheren Schule. Mit 14 erst, aber da

hatten die eine Lösung. Aufbauschule, dass die Kinder vom Land mit 14 erst in die

Schule kamen. Weil sie ja zum Teil von Zuhause wegmussten, nich? Ich konnte, nach

Friedland konnte ich fahre. Mit dem Zug und auch mit´m Fahrrad. Also ich glaub

schon, dass ne positive Grundstimmung da war.

In der Schule habe ich in Erinnerung, dass in der Pause auf``m Schulhof,

die großen Jungs, so zwölf bis 14 getrennt saßen, die Arbeiter und die Nazis sozusagen.

Die Nazis waren die Bauern und die Arbeiter waren die Arbeiter. Nur mein

Onkel, der war Schuhmacher, und der wusste immer nicht, wo er hingehörte. Nach

33 waren die auf einmal alle nette Jungs. Da hat´s diese Gruppierungen nicht mehr

gegeben. Mein Onkel hatte im selben Haus, in dem wir wohnten, ne Schuhmacherei.

Und ich bin da als Junge, wenn ´n Kunde zu ihm kam immer reingegangen,

zu der Werkstatt, und habe zugehört, was die sprachen. Und das war alles positiv.

Aber! Bei der Oma kamen da so Gedanken: Wenn das so weitergeht, gibt es Krieg.

Weißt du, dieser Weg zu Österreich, Sudetenland, das wurde so alles aufgenommen,

aber wenn es so weitergeht, dann gibt es Krieg, und vor Krieg hatten

unsere Leute ja Angst. So ganz trauten sie den Nazis nicht. Aber bei uns wurden

die Jungs Soldat. Militär war ja für die Jungs vom Land die einzige Karrierechance.


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211

SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #1_IN 80 TAGEN UM DIE WELT DAS LAND UTOPIA #1 DAS LAND UTOPIA #2 DAS LAND UTOPIA #3W

Vom Nazibeginn und 35, die durften ja nur diese 100 000

Leute haben, aber das nannten sie schwarze Reichswehr. Ich

weiß nicht genau, was das war. Also, jedenfalls spielten die

Soldaten, und ich weiß, das ich in dieser Zeit, da war ich also

noch keine zehn, auch bei uns am Dorf zu ner Veranstaltung

gewesen bin, ob da richtige Soldaten, also ob die Uniformen

haben, da bin ich unsicher. Aber wir haben da, also ich glaub,

wir haben sogar an Maschinengewehren irgendwas da gezeigt

bekommen.

Ja, mein Vater. Der hat ja viel mit uns gesprochen.

Mein Vater hat mit sozialdemokratischen Funktionären gesprochen,

die abgesetzt wurden. Vermutlich waren die Beamte

irgendwo und sind rausgeschmissen worden. Die Nazis

haben ja dann das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums

nach vorne gebracht, dass sie die entlassen

konnten. Aber da hat´s Prozesse gegeben, und da kriegten

die Pension. Und da weiß ich, dass mein Vater mal nach Hause

kam und gesagt hat, er hätte den Sowieso getroffen und

der hat gesagt, das muss vor Kriegsbeginn gewesen sein: Die

würden ihn wieder einstellen, die hätten sich ja alle geläutert.

Und da hat er gesagt: Das Schlimmste, was mir passieren

kann, wenn ich wieder arbeiten muss.

Ich glaube 39, da breitete sich das Gefühl aus, das

gibt Krieg. Da gab´s dann schon die Einberufungsbefehle und

so was alles und ich wurde mit 14 Jahren verpflichtet für die

Feuerwehr, das waren ja alles so Vorbereitungen. Die Pferde

wurden gemustert, mit Autos weiß ich nicht, da gab`s zu wenig

bei uns.

Kriegsbeginn

Der erste September war ein Freitag, und der dritte

September war, wo die Engländer uns den Krieg erklärt hatten.

Ich kann mich besinnen, ich war mit meinen kleinen Geschwistern

im Wald und hab Blumen gesucht und wir kamen

nach Hause und da hat die Mutter gehört, dass die Engländer

uns den Krieg erklärt haben und da hat sie geweint und hat

gesagt und den Krieg verlieren wir und dann müssen wir hier

weg, so ungefähr. Aber dieser Marsch nach Polen, den haben

die alle sehr tief begeistert aufgenommen. Weil wir immer

skeptisch den Polen gegenüber waren. Wir kannten ja ganz

wenig Polen.

Euphorie würde ich nicht sagen. Die ist mal bei meinem

Vater ausgebrochen. Der erinnerte sich an die Kämpfe

im Westen im ersten Weltkrieg und der wollte wieder dabei

sein. „Ja, Papa, sei froh, dass du bei der Bahn bist.“ Er ist

später auch in russische Gefangenschaft gekommen. Nein,

Euphorie würde ich nicht sagen. Ja, Polen. Ja, das gönnten

wir denen ungefähr so als Ostpreußen. Und waren vielleicht

auch ein bisschen stolz, dass das alles so schnell gegangen

ist. Aber wir hatten dann auch schon die ersten Toten aus`m

Dorf als Soldaten. Also, da war keine Feindstimmung gegenüber

der Regierung. Ich meine, bei den Frauen, ich weiß von

meiner Großmutter, bei meiner Mutter, die waren im Ersten

Weltkrieg geflüchtet und waren dann wieder zurückgekommen.

Also die Frauen, die waren überzeugt, es gibt den

großen Krieg und den verlieren wir.

Ich war ein guter Soldat. Ich bin ja dann mit 14 zur

Schule gekommen, zur höheren Schule, auf Schule gegangen.

Ich hätte ja bis 20 gebraucht, um Abitur zu machen. Und da

hat ja der Russlandfeldzug begonnen, und da hatte man das

Gefühl, der Krieg dauert noch seine Zeit. Also für mich war

klar, also Abitur kannst du hier nie machen. Die ziehen dich

ein. Und ich bin ja dann mit mittlerer Reife abgegangen. Und

hab ja den Beruf noch angefangen, Baupraktikant. Aber dann

wollt ich ja dann. Jetzt weiß ich nicht. Ja, ich werde am ersten

April den Beruf angefangen haben und im Januar wurde ich

eingezogen. 43.

Verwundung und Lazarett

Das mit dem Arm fand ich ja sehr schick. Aber ich

wurde sofort wieder Kriegsverwendungsfähig. Da war ich ja

dann im Lazarett. Da musste ich, weil ich sonst in Ordnung

war, abends das Lazarett bewachen. Bin ich abends mit

diesem kaputten Arm und Gewehr auf Wache gezogen. Sonst

hätten die Sanitäter das machen müssen.

Jetzt nach dieser Verwundung. Vom Lazarett zum

Ersatzgruppental nach Holzminden verschickt. Und ich kam

dort an: Ostersamstag. Da passierte nischt. Ostersamstag,

erster, zweiter Feiertag. Also mussten wir nach Ostern zur Genesungskompanie.

Und da hatten sich so 30 Leute angemeldet,

die alle aus den Lazaretten gekommen waren. Mussten

wir schön antreten, alle nach Dienstgrad: Oberfeldwebel

links, der Letzte und auch Kleinste: der Panzerpionier, A. H.

Jetzt mussten wir zu dem Hauptmann, und dem Hauptmann


mussten wir uns dann melden. Noja, es dauerte, bis ich da rankam. Aber dann hat

mancher den Spruch, den er sagen sollte, auch quer durcheinandergebracht. „Ich,

Grad Panzerpionier Hellmich, erster Panzer P4 von Reservelazarett Tarnung, Kaltlazarett

Schatzkeschule zur Genesungskompanie, erstes Panzerpionierersatzbataillon

19 kommandiert.“

Und ich hatt den Eindruck, so `n Spruch hat er noch nicht gehabt.

„So, Sie waren bei der ersten Kompanie, Panzer P4?“

„Ja.“

„Was waren Sie dort?“

„Ich war Chefmelder, Herr Hauptmann.“

„Bei?“

„Bei Herrn Oberleutnant Tante, Herr Hauptmann.“

„Sie sind Ostpreuße?“

„Ja.“

„Dann haben sie ja weit zu fahren. Dann sagen wir mal 14 Tage Genesungsurlaub.“

Da muss ich ein derartig böses Gesicht gemacht haben, denn da stand drin in

meinem Brief, den ich abgegeben hab, den hatte ich natürlich gelesen, dass ich

14 Tage Genesungsurlaub krieg. Aber ich war ja jetzt schon über ein Jahr nicht zu

Hause gewesen. Also ich hab ein derartig blödes Gesicht gemacht, dass der Herr

Hauptmann den Pionier, der vor ihm steht, fragt:

„Sind Sie zufrieden?“

„Nein, Herr Hauptmann.“

„Dann sagen wir 14 + 14 + 2. Sind Sie zufrieden?“

„Jawoll, Herr Hauptmann.“

„Sind sie vorbestraft?“

„Nein, Herr Hauptmann.“

„Stehen Sie still. Ich befördere Sie zum Gefreiten“

Raus. Vier Wochen nach Hause. Also, war wunderschön.

Und da waren zu Hause noch Friedenszustände (Mitte 44). Da dachte noch keiner,

dass die Russen kamen oder so. Und ich bin ja dann kurz vor Weihnachten wieder

da lang, da waren alles schon Panzergräben ausgehoben und so was alles. Da war

schon Krieg, ja. Die rüsteten. Dachten auch alle schon an fliehen und so. Grausam.

Heimaturlaub

Ich hatte ja den steifen Arm. Und ich dachte, so, ich fahre nach Königsberg.

Da war ja die Stadt. Und was machst du? Du gehst ins Kino! Ich meine, ich

muss aber in Zivil gewesen sein. Denn ich war empört, die prüften im Kino, ob ich

18 Jahre alt war. Und ich hab dann immer wieder erzählt, also: „Ich war zweimal

verwundet. Das heißt zweimal nicht gestorben." Aber ins Kino, wo se da vielleicht

ma `n Kuss gewechselt haben, da durfte ich nicht. Das hab ich immer wieder erzählt

und empörend gefunden. Ja, ich glaub ich hab den Ausweis zeigen müssen oder so

was. Als Soldat konnten sie mich ja nicht kontrollieren. Ich muss ja in Zivil gewesen

sein.


Ich bin abends angekommen. War alles dunkel

schon. Ich bin durch das Dorf gegangen, ohne jemanden zu

treffen. Es muss aber so spät gewesen sein, dass ich nicht zu

meinen Großeltern gegangen bin. Und bin dann nach Hause

gegangen, auf unser Häuschen, hinterm Dorf. Und die hatten,

da war ja alles verdunkelt, nich, war alles dunkel. Und die

hatten Nachrichten gehört. Und da waren Angriffe, Luftangriffe

auf Berlin. Und meine Mutter wusste, dass ich ja auf Urlaub

kommen will. Und dass ich dann über Berlin fahren müsste.

Und hat gesagt: „Wenn man über Berlin kommt, wird denn

dort nichts passiert sein.“ Und dat erzählt se, und in dem Moment

kloppt es gegen das Fenster. Und hat jesacht: „Dat is

da Adolf.“ Und dann kamen die raus. Naja, der Vater sagt so

klein und roh, wie hat er gesagt? ... „Du kleines Krüppelchen.

So`n kleines Krüppelchen, das werden wir schon ernähren.“

Nein, also. Ja wir haben auch nicht in den vier Wochen da

diskutiert, was wirst du machen oder so was. Ich kriegte auch

keine Massage oder so was da. Nich. Ich trug den Arm, bisschen

stolz, so`n bisschen stolz auch hier. Der Adolf Hellmich,

der Adolf, hat auch was mitgekriegt, nich, sagten die im Dorf.

Und die Hand, die hat geschmerzt. Da kamen die Leute und

die gaben mir die Hand. Und ich steckte die Hand in die

Tasche.

213


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2013 März | UA Alice Dinnerarty

2013 Oktober | UA Jung! Na und!

zerbombt


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SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #1_IN 80 TAGEN UM DIE WELT DAS LAND UTOPIA #1 DAS LAND UTOPIA #2 DAS LAND UTOPIA #3W

2013 März | UA Alice Dinnerarty

2013 Oktober | UA Jung! Na und!

Europa


2014 Juni | UA Romitelli Extended | Jung! Na und!

JUNG? NA UND!


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2014 Juni | UA Romitelli Extended |

Jung! Na und!

2014 Juni | UA Romitelli


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MOBILITÄT / KLIMAWANDEL ARBEIT / TECHNIK MIGRATION / BEGEGNUNG DEMOKRATIE / BETEILIGUNG

Schönheit der Vergänglichkeit #1

In 80 Tagen um die Welt

2014/15

In 80 Tagen um die Welt ist eine spartenübergreifende Theaterinstallation,

die die Anfänge der Industrialisierung, der Mobilität und der Weltmotorisierung

im 19. Jahrhundert in den Blick nimmt und nach den Ursprüngen unserer

heutigen mobilen und international vernetzten Gesellschaft fragt. Neben der

literarischen Vorlage von Jules Vernes „Reise um die Erde in 80 Tagen“ von 1873

bildet insbesondere die außergewöhnliche Spielstätte mit den heute leer stehenden

Industriehallen des einstigen Weltkonzerns Klöckner-Humboldt-Deutz, in denen vor

gut 150 Jahren die Weltmotorisierung begann, den Ausgangspunkt unserer künstlerischen

Arbeit.

In 80 Tagen um die Welt verfolgt daher keine textgetreue Inszenierung der

Abenteuergeschichten rund um Vernes Protagonisten Phileas Fogg, sondern orientiert

sich vielmehr an dem im Roman beschriebenen Zeitgeist und dem Streben

nach Mobilität, Beschleunigung und Fortschritt. In diesem Kontext ist insbesondere

auch der Autor Jules Verne selbst interessant, der, obzwar vom literaturwissenschaftlichen

Kanon lange vernachlässigt, als einer der Begründer der Science-

Fiction-Literatur gilt. Mit seinen zukunftsweisenden Texten wie „Zwanzigtausend

Meilen unter dem Meer“ (1869/70), „Reise um den Mond“ (1870) und „Paris im

20. Jahrhundert“ (1863) hat er die technologischen Entwicklungen des letzten Jahrhunderts

literarisch vorweggenommen und bewegt sich mit seinen Konstellationen

des Möglichen gleichsam in einem Spannungsfeld zwischen Vergangenheit und

Gegenwart.

Die in Vernes Romanen beschriebene rasante Entwicklung der Verkehrsund

Kommunikationstechnologien findet ihren materialen Ausdruck in unserer

Spielstätte mit ihren industriell-technologischen Wurzeln. Auch der in den literarischen

Vorlagen geschilderte Entdecker- und Erfindergeist lässt sich in personifizierter

Weise auf Nikolaus August Otto, den Erfinder des Otto-Motors, Gründer der

Deutz-Werke und damit Begründer der Weltmotorisierung, übertragen. Die im

19. Jahrhundert einsetzende und immer weiter fortschreitende Entwicklung der

Mobilität, Motorisierung und technischen Produktivität ist jedoch heute keineswegs

abgeschlossen. „Höher, schneller, weiter“ steht als Slogan nicht nur prototypisch für

das technikbegeisterte 19. Jahrhundert, sondern kennzeichnet auch unsere digitalisierte

und auf permanente Leistungs- und Produktivitätssteigerung setzende Gesellschaft.

Sogar das Reisen, bei Verne einst noch neugieriges Entdecken und Erfahren

von fremden Ländern und Kulturen oder aber Möglichkeit des Innehaltens und

Ausruhens, wird heute durch eine regelrechte Freizeitindustrie mit ihren pauschalisierten

Urlaubsangeboten und optimierten Kosten-Nutzen-Rechnungen genormt

und konsumierbar.

In 80 Tagen um die Welt greift diese die damalige und heutige Gesellschaft

kennzeichnenden Momente von Mobilität, Beschleunigung und Fortschrittsglauben

auf und verbindet sie zu einer audiovisuellen Theaterinstallation. Angelehnt

an Vernes Beschreibung seiner Bühnenbearbeitung von „Reise um die Erde in 80

Tagen“ als „Spektakelstück“, setzen auch wir – ganz im Sinne des 19. Jahrhunderts

– auf ein traditionelle und futuristische Mittel gleichermaßen einbeziehendes Tech-


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219

SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #1_IN 80 TAGEN UM DIE WELT DAS LAND UTOPIA #1 DAS LAND UTOPIA #2 DAS LAND UTOPIA #3W

nikspektakel: Video-, Musik- und Soundeinspielungen werden

aufwendig produziert, indem etwa Geräusche eines Heißluftballons,

des Schienen- und Flugzeugverkehrs aufgenommen

und teils im Vorfeld, teils live mit passendem Bildmaterial zu

einer audiovisuellen Installation gebündelt werden.

Alte Motoren und Maschinen, Projektionen, Videound

Sound-Einspielungen werden an performativen Zwischenstationen

in der ehemaligen Werkshalle sowie großflächig im

riesigen, zur Open-Air-Bühne umfunktionierten Innenhof der

Industriebrache präsentiert. So wie die Kunst früher zu den

techne (lat.) zählte, wird hier die Technik als gleichwertiger

künstlerischer Partner der Schauspieler*innen begriffen, die

mal im Einklang mit der Technik, mal in Opposition zu ihr

agieren. Das Publikum befindet sich mitten im Geschehen

und kann so ganz eigene Antworten auf die Frage nach der

Bedeutung des Einzelnen in einer gleichermaßen spannend

wie beängstigend durchtechnologisierten Welt finden.

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SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #1_IN 80 TAGEN UM DIE WELT DAS LAND UTOPIA #1 DAS LAND UTOPIA #2 DAS LAND UTOPIA #3W


2015 Fotoreihe Schönheit der Vergänglichkeit #1

In 80 Tagen um die Welt

Küchen & Arbeit


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2015 Fotoreihe

Schönheit der Vergänglichkeit #3–1_Das Werk

Die Spieler


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2015 Fotoreihe Schönheit der

Vergänglichkeit #3–1_Das Werk

Die Angestellten


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2015 Fotoreihe Schönheit der

Vergänglichkeit #3–1_Das Werk

Die Arbeiter

2015 Fotoreihe Schönheit der

Vergänglichkeit #3–1_Das Werk

Die Vorstände


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PROLOG FOYER HOF SCHMIEDE WERKSHALLE SALON DEM DEUTSCHEN VOLK WASCHKAUE INNERE

TRETET EIN, DENN AUCH HIER SIND GÖTTER SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #3_WOHLSTAND FÜR ALLE SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #2_KRIEGSBLICKE

MOBILITÄT / KLIMAWANDEL ARBEIT / TECHNIK MIGRATION / BEGEGNUNG DEMOKRATIE / BETEILIGUNG


WERKSTRASSE WEISSES STUDIO VORTANDSETAGE BETRIEBSRAT KONTEXT

235

SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #1_IN 80 TAGEN UM DIE WELT DAS LAND UTOPIA #1 DAS LAND UTOPIA #2 DAS LAND UTOPIA #3W


PROLOG FOYER HOF SCHMIEDE WERKSHALLE SALON DEM DEUTSCHEN VOLKE WASCHKAUE

TRETET EIN, DENN AUCH HIER SIND GÖTTER SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #3_WOHLSTAND FÜR ALLE SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #2_KRIEGSBLICKE

MOBILITÄT / KLIMAWANDEL ARBEIT / TECHNIK MIGRATION / BEGEGNUNG DEMOKRATIE / BETEILIGUNG


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SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #1_IN 80 TAGEN UM DIE WELT DAS LAND UTOPIA #1 DAS LAND UTOPIA #2 DAS LAND UTOPIA #3W

2015 April | UA Schönheit der

Vergänglichkeit #3–1_Das Werk


2015 April | UA Schönheit der

Vergänglichkeit #3–1_Das Werk


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2015 April | UA Schönheit der

Vergänglichkeit #3–1_Das Werk


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JUNG? NA UND!

FOYER


PROLOG FOYER HOF SCHMIEDE WERKSHALLE SALON DEM DEUTSCHEN VOLKE WASCHKAUE

TRETET EIN, DENN AUCH HIER SIND GÖTTER SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #3_WOHLSTAND FÜR ALLE SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #2_KRIEGSBLICK E

MOBILITÄT / KLIMAWANDEL ARBEIT / TECHNIK MIGRATION / BEGEGNUNG DEMOKRATIE / BETEILIGUNG


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243

SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #1_IN 80 TAGEN UM DIE WELT DAS LAND UTOPIA #1 DAS LAND UTOPIA #2 DAS LAND UTOPIA #3


2016/17 Fotoreihe

Das Land Utopia #1–2

Strukturen

gestern – heute – morgen


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Das Land Utopia #1–3

2015–2019

Nach der inhaltlich-theatralen Bestandsaufnahme

Schönheit der Vergänglichkeit #3–1 und der daraus folgenden

künstlerischen Setzung oder vielmehr Produktion des

Raumes in Deutz-Mülheim ist raum13 jetzt an dem Punkt, aus

den immer wieder aufgeworfenen Fragen und den bisherigen

Antworten Visionen zu formulieren, deren Inhalte sich sowohl

an den heute gegebenen als auch weiterhin zu generierenden

gesellschaftlichen Fragen/Aufgaben orientieren, aber sich

auch historisch-politisch reflexiv den zukünftigen Anforderungen

zuwenden.

Kein Raum bleibt leer, entweder er zerfällt oder

er wird neu gestaltet #1 Großstadt

Man könnte auch sagen: raum13, ist ein Raum zwischen

links- und rechtsrheinisch, aus dem heraus Colonia im

mentalitätshistorischen Kampf Kölns, auf der richtigen Seite

stehen zu lernen, neu definiert werden kann. Wir residieren

in einem der fantastischsten Entwicklungsgebiete Kölns,

nirgendwo gibt es in dieser Stadt so viel Gestaltungsfreiraum

wie zwischen Deutz und Mülheim. Wie kostbar dieses

Kleinod – der zu gestaltende Raum – ist, wird noch deutlicher,

wenn wir die aktuellen Zeitungsberichte und Studien lesen,

in denen von immer höheren Mietpreisen, der Raumnot in

den Großstädten und dem Kampf um bezahlbaren Wohn-Arbeits-Kreativraum

berichtet wird.

Jetzt wird ausgemacht, wie der soziale Raum von

morgen aussehen kann. Wer gestaltet? Wer entscheidet?

Wie möchten wir leben, arbeiten, alt werden und unsere

Kinder aufwachsen sehen? Sind die gängigen Verfahren

der Bürger*innenbeteiligungen an Stadtentwicklungsfragen

adäquat? Wem gehört die Stadt? Muss die Kunst, müssen die

Künstler*innen sich einmischen oder sind sie nur immer einer

der ersten Schritte zur Gentrifizierung unseres Stadtraums?

Welche Rolle spielt raum13? Gestalten wir nicht schon mit,

indem wir in den entstehenden Raum in Deutz-Mülheim durch

künstlerische Aktionen interaktiv eingreifen? Können wir sichtbar

machen, was im Verborgenen liegt? Was bewirken unsere

reflexiven Impulse? Und was passiert, wenn wir aus diesem

Raum herausgehen? Welche Rolle spielt Theater in unserer

Gesellschaft, und was für ein(en) Ort kann Theater sein und

gestalten? Real-utopisch könnte das Theater doch ein Ort

sein, der alle Freiheit besitzt, die Gesellschaft widerzuspiegeln

und in Frage zu stellen, sofern es sich frei von ökonomischem

Legitimationsdruck artikulieren kann. Es könnte ein Ort sein,

der durchaus eine „reinigende Kraft“ besitzt.

Anforderungen an die (post-)modernen und

(post-)strukturalistischen Communitys im urbanen Raum der

zweiten Moderne: In immer enger werdenden Räumen haben

immer mehr (un-)politisch agierende Subjekte ihre Interessen

zu vereinbaren, ihr freies soziales Atmen auszuhandeln, sich

gegenüber einem explodierenden Verkehr kognitiv antizipierend

verhalten zu lernen und die Vereinbarkeit von Kindern

und Beruf zu erkämpfen. Und das alles, ohne ihre jeweilige

Individualität im (un-)politischen Kollektiv zu verlieren.

Stadt, Land, (im) Fluss: Kein Raum bleibt leer, entweder

er zerfällt oder er wird neu gestaltet #2 Europa

„In den Straßen Berlins überfällt einen nicht selten

für Augenblicke die Erkenntnis, das alles platze unversehens

eines Tages entzwei.“ (Siegfried Kracauer Anfang des

20. Jahrunderts)

Der Stadtraum hat zugleich aber auch die Chance,

aufgrund seiner sozial-dynamischen Elemente alteritäre Formen

des Zusammenlebens zu entwickeln, um dadurch unsere

freiheitlich-demokratische Grundordnung und den Wert der

Solidarität in unserem Umfeld weiterzuentwickeln: Stadtluft

macht frei. Nur, für wen gilt das? Diese Gedanken sind

natürlich auch in einem größerem Kontext sichtbar. Die innere

Struktur Europas, nach innen friedlich, nach außen Festung

(Frontex), ist ein exklusives Moment innerhalb einer Longue

durée der kosmopolitischen Lebensanforderungen an die

Globalgesellschaft.

Wie gehen wir mit den Flüchtlingsströmen heute

und in Zukunft (un-)bewusst nicht um? Dies ist auch in der

Reflexion im Hinblick auf die europäische Kolonialisierung,

der Versklavung ganzer Kontinente zu leisten. Arm und Reich

ist ein Diskurs der im „Kleinen“, in unserer Stadtgesellschaft

(un-)sichtbar vorkommt, aber der uns ebenso international zur

Verantwortung zwingt, weil die Krisen unserer und der zukünftigen

Generationen sich aus diesem Gefälle ergeben.

Stadt, Land, (im) Fluss: Kein Raum bleibt leer, entweder

er zerfällt oder er wird neu gestaltet #3 Utopia

„Eine Weltkarte, in der das Land Utopia nicht verzeichnet ist,

verdient keinen Blick, denn sie lässt die eine Küste aus, wo


die Menschheit ewig landen wird. Und wenn die Menschheit dort angelangt ist, hält

sie Umschau nach einem besseren Land und richtet ihre Segel dahin. Der Fortschritt

ist die Verwirklichung von Utopien.“ (Oscar Wilde, Ende des 19. Jahrhunderts)

Utopien sind Gedankenexperimente und kritische Spiegelbilder der historischen

Wirklichkeit. Neben der kritischen, manchmal sogar fundamentalkritischen

Analyse ihrer Gegenwart liefern Utopien aber stets auch konstruktive Gegenbilder

und Modelle einer fiktiven Gesellschaftsordnung, die noch keinen Raum hat.

Wie können wir wieder lernen, dass wir Räume produzieren? Und können uns die

Utopien von Thomas Morus, Karl Marx oder George Orwell ein Schlüssel oder eher

Hilfskonstrukte für die brennenden gesellschaftspolitischen Fragen und Anforderungen

des 21. Jahrhunderts sein? Wie wäre es, wenn die Großstadt als „Das Land

Utopia" diskutiert werden würde? Wie wäre es, wenn im rechtsrheinischen Colonia

eine postkoloniale Umkehr von Zentrum und Peripherie sozialen Miteinanders in

Form einer Sozialen Plastik produziert werden würde? Wie wäre es, wenn es dafür

bereits einen Ausgangspunkt geben würde?

Konzept | Idee: raum13 Kolacek & Leßle

2015

Das Land Utopia_Roadmovie | seit dem Frühjahr 2015 im öffentlichen Raum

Das Land Utopia_Auftakt | Theatrale Installation seit Dezember 2015 im Deutzer Zentralwerk der Schönen Künste (DZK)

Das Land Utopia_Forum Intolleranza | seit Dezember 2015 an wechselnden Orten

2016

Das Land Utopia trifft das Forum Intolleranza | seit Juni 2016 an wechselnden Orten

Das Land Utopia_Jubiläumsausgabe | seit September 2016 im DZK

Das Land Utopia 16 | seit Dezember 2016 im DZK

2017

Ich bin Ihr in Uganda und Köln | seit April 2017

Das Land Utopia_Die Bilder hinter den Bildern | Theatrale Installation seit Juni 2017 im DZK

Das Land Utopia_Timetravellers | Theatrale Installation seit Dezember 2017 im DZK

2018

LAB 1869 Zukunftswerk Stadt

Ich bin Ihr in Südostasien und Köln | seit April 2018

Zeitspiralfedern #1 | seit September 2018 im öffentlichen Raum und im DZK

2019

LAB 1869 Zukunftswerk Stadt

Ich bin Ihr in Frankreich, Dänemark und Köln

Zeitspiralfedern #2

Darüber hinaus öffnen raum13 Kolacek&Leßle das Deutzer Zentralwerk der Schönen Künste für nationale und internationale

Theater- und Kunstproduktionen, die sich mit dem Thema und dem Wandel von gesellschaftlichen Strukturen

beschäftigen. raum13 erstellt so ein künstlerisches Kaleidoskop gesellschaftlicher Momentaufnahmen: gestern, heute und

morgen.

Thematische Kooperationsprojekte:

2015

Jung! Na und!_Metropolis, Junge Szene Plattform

2016

Das Land Utopia_Zwischenräume, im Dialog mit Suleika Ulmen und Sabine Bürk

Jung! Na und!_Im Puls der Zeit, Junge Szene Plattform

2017

Das Land Utopia_Querköpfe öffnen Zwischenräume, im Dialog mit The Nightingales

Das Land Utopia_Zwischenräume, im Dialog mit african peace murel und der kassangula talent school uganda

2018

Formencolonia, im Dialog mit Hans Joachim Irmler, Carl Friedrich Österheld, Ulrike Bleier, Mia Frimmer, Martin Mandler


2016/17 Fotoreihe

Das Land Utopia #1–2

Strukturen

gestern – heute – morgen

247


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2016/17 Fotoreihe

Das Land Utopia #1- 2

Strukturen

gestern – heute – morgen


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PROLOG FOYER HOF SCHMIEDE WERKSHALLE SALON DEM DEUTSCHEN VOLKE WASCHKAUE I

TRETET EIN, DENN AUCH HIER SIND GÖTTER SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #3_WOHLSTAND FÜR ALLE SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #2_KRIEGSBLICKE

MOBILITÄT / KLIMAWANDEL ARBEIT / TECHNIK MIGRATION / BEGEGNUNG DEMOKRATIE / BETEILIGUNG

Das Forum Intolleranza

Gründung

2015

Unter Bezugnahme und in Reflexion des raum13-Themenschwerpunktes

Das Land Utopia #1–3 treffen Vertreter*innen aus Kunst und Politik, Wirtschaft und

Wissenschaft aufeinander, um – visionär und querdenkend – durch den gemeinsamen

Diskurs neue Impulse für künstlerisches Arbeiten und gesellschaftliches Engagement

zu initiieren. Das Forum Intolleranza ist prozessorientiert angelegt und wird

sich durch die Akteure immer wieder neu generieren und entwickeln.

Wer bist Du?

Woher kommst Du?

Und warum tust Du das, was Du tust?

Inwiefern hinterfragen wir Normen und deren Auswirkungen innerhalb von

Interaktionen sozialen Zusammenlebens auf als auch durch den gesellschaftlichen

Diskurs? Inwieweit berührt dieses Hinterfragen uns und unser tägliches soziales

Denken und Handeln? Inwiefern re-produzieren wir Normen der Luhmann’schen

2. Beobachtung, wenn wir die/dessen Normen der 1. Beobachtung de-konstruieren?

Wie kann, muss, soll ein Ausbrechen aus diesem Raster der Normen aussehen?

Und warum eigentlich „ausbrechen“? Welche inneren Haltungen treiben uns an,

wenn wir etwas (hinter-)fragen und (um-)gestalten wollen?

Das Forum Intolleranza kann für mich ein Ort werden, an dem ich mein(e)

Verhältnis(se) zu meiner Arbeit/meinem sozialen Denken und Handeln darstellen,

hinterfragen, diskutieren und letztlich reflektieren kann. Ich trete mit einem und

durch einen Gedanken ein und trete mit als auch in einem Gedankengeflecht

wieder heraus. Dieses Gedankengeflecht wird durch das Interagieren rezipierender,

politischer Subjekte generiert worden sein. In ihrem Interagieren konstituiert(e) sich

die Hybridität ihrer Wünsche, Sorgen und Nöte im Diskurs zu meinen und mit meinen

Gedanken. Es entsteht ein „Wir denken“. Ein „Wir denken“, welches uns über

uns selbst hinausführen kann. Hin zu einem Du und Ich. Einem Wir.

Inwiefern erleiden(?) politische Subjekte nicht überwindbare Widerstände,

wenn sie innerhalb und über ihr Tal hinaus aus Grenzen Räume generieren wollen?

Räume für den politischen Diskurs, Räume für die politische Partizipation und dadurch

für die soziale Transformation könnten entstehen. Welche Rolle spielen dabei

die Künste und in welchen soziokulturellen Räumen spielen sie diese? Entstehen sie

in uns? Mit uns? Durch uns?

Das Forum Intolleranza entführt uns an einen Ort Utopia. Ein sich aus

politischen, interagierend diskutierenden Subjekten generierender Ort, dessen

Bürger*innen eine Gesellschaft anstreben, die von Gleichheitsgrundsätzen, Arbeitsamkeit

und dem Streben nach Bildung geprägt ist. Ein Ort, der jedoch im Prozess

seines Werdens nie seine ihm zu Grunde liegenden demokratischen Grundzüge verliert;

vielmehr diese Grundzüge durch den Prozess und seine Prozessmomente erfährt.

An diesem republikanischen Ort ist aller Besitz sozialer Beziehungen und ihrer

Ver-Ortungen gemeinschaftlich. Ein Ort, an dem nicht mehr gerechnet, sondern sich

dem Besseren hingewendet wird. Utopisch?


NNERE WERKSTRASSE WEISSES STUDIO VORSTANDSETAGE BETRIEBSRAT KONTEXT

253

SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #1_IN 80 TAGEN UM DIE WELT DAS LAND UTOPIA #1 DAS LAND UTOPIA #2 DAS LAND UTOPIA #3

Es gilt Menschen zu finden oder von eben diesen

gefunden zu werden, in deren Tun eine dem geschilderten

Gedankengang sich annähernde Philosophie sichtbar wurde,

wird, werden wird und geworden sein wird. Wer sind solche

Menschen? Inwiefern sehen oder werden wir sie sehen? Inwieweit

können sie aufgrund ihres Feldes und ihrer Feldpositionen

von uns gesehen werden?

Inwiefern migrieren wir zwischen unseren Welten und

den, in ihren Räumen sich produzierenden Gesellschaften. Inwieweit

hat jede*r von uns einen Migrationshintergrund? Was

sind das für Migrationshintergründe? Politische, kulturelle,

religiöse ...?

Inwieweit wäre es eine Utopie, wenn wir in unserem

sozialen Tun unseren Moment der Migration(en) reflektieren

und diskutieren würden? Inwiefern bewegen (lat. migrare) wir

uns durch und mit diesen Migrationshintergründen zwischen

den Polen Peripherie und Zentrum von sozialer Teilhabe? Inwiefern

ließe sich ein Bewusstmachen von Migrationsprozessen

in all unserem Tun als diskursanalytische Fragestellung(en)

künstlerisch umsetzen? Inwieweit wird uns dies nur(?) bewusst

durch die Spiegelung im und durch das Andere(n) (Edward

Said: Orientalism)? Liegt der Schlüssel einer solch utopischen

Vorstellung in der Interaktion mit und Integration von Flüchtlingen?

Erfordert ein derartiges künstlerisches Vorgehen die

Schaffung eines künstlerischen Raums für Flüchtlinge mit

Flüchtlingen? Wer flüchtet sich eigentlich vor wem, zu wem im

Diskurs über die Auswirkungen von Flüchtlingsbewegungen?

raum13 Deutzer Zentralwerk der Schönen Künste

ist keine reine Ortsbezeichnung für die Räumlichkeiten im

rechtsrheinischen Köln, sondern vor allen Dingen ein Ort,

an dem neue Räume erst geschaffen werden. Inwiefern ist

es also möglich, im Diskurs von Vor-Moderne, Moderne und

Post-Moderne, aus Nichtorten der Sehnsüchte einen gewordenen,

utopischen Raum der Hoffnung zu produzieren, ohne

dabei das eigene historisch-politische Denken dem konventionellem

Diktat der historia magistra vitae (est) monoperspektivisch

zu unterwerfen?

Konzept | Idee: raum13 Kolacek & Leßle in Zusammenarbeit

mit Jan Breitenstein

Künstlerische Leitung: raum13 Kolacek & Leßle

Jetzt ist Zeit! Zeit für ein Wir anstelle eines Die und

Wir. Für ein Sich-Bewegen von einem Raum des Die und

Wir durch einen Pfad in den Räumen der Utopien in eine

gewordene Zukunft des kollektiven Du und Ich. Die Utopie

wird Realität geworden sein, um Freiheit, Brüderlichkeit und

Gleichheit zu globalisieren.

Die öffentliche Gründungsveranstaltung war der

Auftakt zu einem Reigen, der die gesellschaftlichen Verhältnisse

zum Tanzen bringen wird. Aus diesem Auftakt und den

folgenden Aktivitäten werden weitere Fragen und Themen

generiert. Entstehen können Formate unterschiedlichster Art

wie ein Symposium mit Ausstellung, ein Workshop, ein Chor –

oder gar eine Oper.


2016/17 Fotoreihe

Das Land Utopia #1–2

Strukturen

gestern – heute – morgen


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TRETET EIN, DENN AUCH HIER SIND GÖTTER SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #3_WOHLSTAND FÜR ALLE SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #2_KRIEGSBLICKE

MOBILITÄT / KLIMAWANDEL ARBEIT / TECHNIK MIGRATION / BEGEGNUNG DEMOKRATIE / BETEILIGUNG

2015/16 Das Land Utopia #1_Roadmovie

Stets auf der Suche nach Glück, sind wir auf den Kölner Brücken unterwegs um mit Kölner*innen

und Nicht-Kölner*innen einen Blick auf die jeweils andere Seite des Rheins zu

werfen. Wie wäre es, wenn im rechtsrheinischen Colonia, eine post-Colonia(le) Umkehr

von Zentrum und Peripherie sozialen Miteinanders in Form einer sozialen Plastik produziert

werden würde?


WERKSTRASSE WEISSES STUDIO VORTANDSETAGE BETRIEBSRAT KONTEXT

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SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #1_IN 80 TAGEN UM DIE WELT DAS LAND UTOPIA #1 DAS LAND UTOPIA #2 DAS LAND UTOPIA #3W


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SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #1_IN 80 TAGEN UM DIE WELT DAS LAND UTOPIA #1 DAS LAND UTOPIA #2 DAS LAND UTOPIA #3W

Das Land Utopia #1

Die Bilder hinter den Bildern

2017

Unter Bezugnahme und in Reflexion des raum13-

Themenschwerpunktes Das Land Utopia #1 dekonstruiert

sich das urbane Kunstobjekt raum13 Deutzer Zentralwerk der

Schönen Künste, welches die Räume des einstigen Weltkonzerns

Klöckner-Humboldt-Deutz neu nutzt, seine traditionsreiche

Geschichte aufgreift und sie in Analogie zu modernen

gesellschaftlichen Umbrüchen und Strukturen setzt.

raum13 kehrt das Innerste nach außen und begibt

sich auf die Spurensuche nach den Voraussetzungen und

Entstehungsprozessen des Deutzer Zentralwerks der Schönen

Künste. Der Wust an offiziellen Papieren, der dafür nötig

war, das dokumentarisch entstandene und noch nicht veröffentlichte

Foto- und Videomaterial der nicht zugänglichen

Gebäude und Räume, die produzierten Sounds und Bilder

der Kunstproduktionen, die vielen Geschichten der Mitarbeiter*innen

die das raum13 Deutzer Zentralwerk der Schönen

Künste produzieren, die Texte aus den Regiebüchern und die

vielen entstandenen Konzepte, von denen einige realisiert

und andere wiederum nicht realisiert wurden, und vieles mehr

sind unsere Zeugen der Zeit und der Transformation. Künstlerisch

aufbereitet, gewährt diese Produktion einen Blick hinter

die Kulissen, in die Büros, Werkstätten und in die Archive.

Die Grenzen zwischen Raum, Kunst, Alltäglichem,

zwischen Künstler*innen und Besucher*innen werden aufgehoben.

Zugleich wird das Geflecht von künstlerischem

Schaffen, Stadtgesellschaft, Politik und Verwaltung erfahrbar

gemacht. Die Arbeit thematisiert zentrale Fragestellungen der

Kunstproduktion, das Verhältnis von Kunstwerk und Rezipient*innen

ebenso wie Fragen nach der Autonomie des Kunstwerks

und nach Wertschöpfungsprozessen. Was bedeutet es,

wenn sich das Kunstwerk mit dem einstigen Weltkonzern KHD

verwebt und zu einer neuen Substanz verschmilzt? Welchen

Wert können die Künstler*innen für die Gesellschaft herstellen,

und welche Chancen sind damit verbunden? Kann die

Kunst als Motor für neue wegweisende Gesellschaftsmodelle

verstanden werden und sichtbar machen, was im Verborgenen

liegt? Was kann ein Kunst- und Kulturort heute für eine

Stadt sein? Wie könnte so ein Ort aussehen für eine Gesellschaft

des 21. Jahrhunderts und ihre veränderten sozialen

Rituale?

Konzept | Idee: raum13 Kolacek & Leßle


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MOBILITÄT / KLIMAWANDEL ARBEIT / TECHNIK MIGRATION / BEGEGNUNG DEMOKRATIE / BETEILIGUNG

2017 April | UA Die Bilder hinter den Bildern


WERKSTRASSE WEISSES STUDIO VORTANDSETAGE BETRIEBSRAT KONTEXT

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SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #1_IN 80 TAGEN UM DIE WELT DAS LAND UTOPIA #1 DAS LAND UTOPIA #2 DAS LAND UTOPIA #3W


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MOBILITÄT / KLIMAWANDEL ARBEIT / TECHNIK MIGRATION / BEGEGNUNG DEMOKRATIE / BETEILIGUNG

2017 April | UA Die Bilder hinter den Bildern


WERKSTRASSE WEISSES STUDIO VORTANDSETAGE BETRIEBSRAT KONTEXT

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SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #1_IN 80 TAGEN UM DIE WELT DAS LAND UTOPIA #1 DAS LAND UTOPIA #2 DAS LAND UTOPIA #3W


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TRETET EIN, DENN AUCH HIER SIND GÖTTER SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #3_WOHLSTAND FÜR ALLE SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #2_KRIEGSBLICKE

MOBILITÄT / KLIMAWANDEL ARBEIT / TECHNIK MIGRATION / BEGEGNUNG DEMOKRATIE / BETEILIGUNG


WERKSTRASSE WEISSES STUDIO VORSTANDSETAGE BETRIEBSRAT KONTEXT

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SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #1_IN 80 TAGEN UM DIE WELT DAS LAND UTOPIA #1 DAS LAND UTOPIA #2 DAS LAND UTOPIA #3

Das Land Utopia #2

ICH BIN IHR

Internationale Werkstatt und

Werkschau der Schönen Künste

2017–2019

Unter Bezugnahme und in Reflexion des raum13-

Themenschwerpunktes Das Land Utopia #2 treffen bei ICH

BIN IHR internationale und regionale Vertreter*innen aus

Kunst, Politik und Wissenschaft in Köln für sechs Wochen

aufeinander, um – visionar und querdenkend – durch den gemeinsamen

Dialog neue Impulse für künstlerisches Arbeiten

und gesellschaftliches Engagement zu initiieren.

ICH BIN IHR bringt Menschen zusammen, die

durch die Einflüsse von europäischer und außereuropäischer

Kolonialisierung/Globalisierung geprägt sind. Zum einen von

Europa, einem der Motoren der Kolonialisierung des

19. Jahrhunderts bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts, und

der nachfolgenden Neuordnung im sogenannten Kalten Krieg

bis hin zur Gegenwart, in der die Kräfteverhältnisse auf unserem

Globus überall scheinbar neu ausgehandelt werden. Zum

anderen durch die Mimikry der „Zweiten und Dritten Welt“,

die über diese Zeiten ein ambivalentes Bild zur eigenen Identität

entwickelt haben.

Kolonialisierung/Globalisierung aus einer nicht ausschließlich

eurozentrischen Sicht erlebbar wird.

Die „Werkstatt“ bietet für die Teilnehmer*nnen im

Deutzer Zentralwerk der Schönen Künste zahlreiche Räumlichkeiten

für einen inspirierenden Dialog. Arbeitsräume, Ateliers

und Werkstätten bieten die Möglichkeit, die aus diesem Austausch

entstehenden Ideen in gemeinsamen Experimenten in

die Realitat umzusetzen. Diskussionsrunden, Foren, Exkursionen,

Workshops und Symposien geben weitere Impulse für

einen Dialog des Voneinanderlernens und Verstehens.

Konzept | Idee: raum13 Kolacek & Leßle

Im Spannungsfeld der Diskussion über die aktuellen

Wanderungsbewegungen der Menschen, dem Wirtschaftsund

Bildungsgefälle auf unserer Welt und der Frage nach

Nationalität und Weltbürgertum wollen wir insbesondere auch

die sogenannten Soft Skills, die Werte, die unterschiedlichen

Selbstverständnisse untersuchen im Hinblick von Peripherie

und Zentrum unseres individuellen und sozialen Bewusstseins,

um künstlerische Wege zur Gestaltung von demokratischen

Räumen interkulturell generieren zu können.

Explizit sollen die Entwicklungen der verschiedenen

Kunst- und Wissenschaftsbereiche der letzten 200 Jahre, in

der Wechselwirkung zwischen Industrialisierung, politischen

Ereignissen und technischem Fortschritt, unter die Lupe

genommen und immer wieder in Bezug zu heutigen und

zukünftigen Entwicklungen gesetzt werden. Dabei steht im

Mittelpunkt die Frage nach den Auslösern, die epochale und

globale Umbrüche evoziert haben, und was wir aus heutiger

Perspektive daraus lernen und entwickeln können. Retroaktivität

zur Erhaltung der Zukunft!

Aus dem gemeinsamen Arbeitsprozess ist ein dreidimensionales

Raumobjekt entstanden, in der sich die bildende

Kunst, das Sprechtheater, die Musik und der Bühnentanz

nicht nur aus sich selbst heraus betrachten, sondern auch

der gesellschaftliche Wandel durch die Industrialisierung/


2019 Fotoreihe Das Land Utopia #2 _Zu Hause im Otto-&-Langen-Quartier


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MOBILITÄT / KLIMAWANDEL ARBEIT / TECHNIK MIGRATION / BEGEGNUNG DEMOKRATIE / BETEILIGUNG


WERKSTRASSE WEISSES STUDIO VORTANDSETAGE BETRIEBSRAT KONTEXT

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SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #1_IN 80 TAGEN UM DIE WELT DAS LAND UTOPIA #1 DAS LAND UTOPIA #2 DAS LAND UTOPIA #3

2017 März | ICH BIN IHR

Uganda Köln


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MOBILITÄT / KLIMAWANDEL ARBEIT / TECHNIK MIGRATION / BEGEGNUNG DEMOKRATIE / BETEILIGUNG


WERKSTRASSE WEISSES STUDIO VORTANDSETAGE BETRIEBSRAT KONTEXT

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SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #1_IN 80 TAGEN UM DIE WELT DAS LAND UTOPIA #1 DAS LAND UTOPIA #2 DAS LAND UTOPIA #3W

2017 Juli | ICH BIN IHR

Köln Uganda


2017 ICH BIN IHR Köln Uganda Berlin


2017 August | ICH BIN IHR Köln Uganda

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MOBILITÄT / KLIMAWANDEL ARBEIT / TECHNIK MIGRATION / BEGEGNUNG DEMOKRATIE / BETEILIGUNG

Das Land Utopia #3

LAB 1869 Zukunftswerk Stadt

2018/2019

Unter Bezugnahme und in Reflexion des raum13-Themenschwerpunktes

Das Land Utopia #3 treffen Vertreter*innen aus Kunst, Politik, Verwaltung, Wirtschaft,

Stadtplanung und Wissenschaft in Köln für vier Wochen aufeinander, um

– visionar und querdenkend – durch den gemeinsamen Dialog neue Impulse für

künstlerisches Arbeiten und gesellschaftliches Engagement zu initiieren.

Basierend auf den seit 2011 umgesetzten Projekten und vor dem

Hintergrund der geplanten europaweiten Ausschreibung des Geländes seitens

der Eigentümerin NRW.Urban richtet raum13 mit den künstlerischen Projekten

seit 2018 den Fokus auf einen kollaborativen Planungsprozess zur Entwicklung

eines Quartiers mit menschlichem Maßstab, in dem Kunst und Kultur wie auch

bürgerschaftliche Beteiligung nachhaltig, sprich: von Anfang an statt nachträglich

oder nur symbolisch miteinbezogen werden.

Die Frage „Wie wir in Zukunft gemeinsam leben wollen?“ führte im Rahmen

des Projekts in den Jahren 2018 und 2019 unter Beteiligung von 67 Expert*innen

und mehr als 800 Bürger*innen zu verschiedenartigen konkreten Antworten

und Beispielen mit Vorbildcharakter für die Entwicklung des zukünftigen Otto-&-

Langen-Quartiers. Zu nennen sind hier z. B. Exrotaprint in Berlin, die Samtweberei in

Krefeld, Frizz23 in Berlin, das Genossenschaftsprojekt wagnis in München oder die

Initiative Bauen-Wohnen-Arbeiten e.V., ein Wohnungslosenprojekt in Köln.

So konnten wir mit den beteiligten Architekten Christian Schaller und Bodo

Marciniak, die über umfassende und jahrzehntelange praktische Erfahrungen in der

Umgestaltung bestehender Gebäudekomplexe verfügen, wichtige Informationen für

die weitere Planung und Entwicklung des Stadtquartiers gewinnen.

Ebenfalls unter den geladenen Expert*innen war Prof. Dr. Uwe Schneidewind,

Präsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie, Barbara Förster,

Leiterin des Kulturamts der Stadt Köln, Dr. Winfried Gellner, Kulturamtsreferent der

Stadt Köln a. D. sowie Prof. Dr. h.c. Hans-Joachim Gehrke, Althistoriker der Universität

Freiburg und ehemaliger Präsident des Deutschen Archäologischen Instituts,

der als Resümee seiner Beteiligung sagt: „Das LAB 1869 Zukunftswerk Stadt zeigt

exemplarisch, wie Partizipation erreicht und gefördert werden kann. Hier geht es um

einen Raum in der Nähe, den man zu einem Raum der Nähe umgestalten kann. Und

da es um Gestaltung geht, kommt in diesem Projekt der Kunst eine besondere Rolle

zu, ganz zu Recht: Kunst setzt Partizipation voraus und fördert sie damit auf besondere

Weise.“

Einen wertvollen Beitrag leistete Ralf Leppin, der das Genossenschaftsmodell

der Indianersiedlung in Köln vorstellte – ein Finanzierungsmodell, das in der

Kunst und Kultur ein interessantes Vorbild sein könnte.

Ein vielfältiges Zusammenleben mit polydimensionalen Räumen, die verschiedenartige

Antworten auf derzeit brisante stadtgesellschaftliche Fragen ermög-


INNERE WERKSTRASSE WEISSES STUDIO VORSTANDSETAGE BETRIEBSRAT KONTEXT

277

SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #1_IN 80 TAGEN UM DIE WELT DAS LAND UTOPIA #1 DAS LAND UTOPIA #2 DAS LAND UTOPIA #3

lichen, kann unserer Ansicht nach nur erreicht werden, wenn

die unterschiedlichsten Perspektiven an der Quartiersentwicklung

beteiligt werden: aus der Kunst, u. a. vertreten durch

Prof. Dr. Christof Breidenich, Kommunikationsdesigner, Performer,

Autor und Professor an der Hochschule Macromedia,

Köln, aus der Denkmalpflege, vertreten durch Prof. Dr. Walter

Buschmann, RWTH Aachen, aus der Kreativwirtschaft, vertreten

durch die Projekte der Kölner KulturPaten e.V. und Jack

in the Box e.V., aus soziokultuerellen Projekten, u. a. vertreten

durch Jutta Pöstges, KAT18, oder Linda Rennings, Heimatlos

in Köln e.V., sowie aus der Landesinitiative StadtBauKultur

NRW, vertreten durch Dr. Hanna Hinrichs.

Aufbauend auf dieses wertvolle und erfahrene

Netzwerk aus Expert*innen und Unterstützer*innen und

die letzten acht Jahre inhaltlicher und organisatorischer

Arbeit, ist die raum13 gGmbH bestrebt, mittels Mit- und

Selbstbestimmung der Bürger*innen, Entwicklung aus

dem Bestand, Nutzungsmischung, kultureller Vielfalt und

sozialer Integration weiter an einer konkreten Umsetzung

in einen gemeinwohlorientierten Stadtteil zu arbeiten.

Aktivitäten:

Die partizipativen Konferenzen

Vertreter*innen aus den Bereichen Stadtentwicklung,

Denkmalschutz, Kunst, Kultur und Philosophie sowie Bildung

treffen unter der Beteiligung der Bürger*innen aufeinander,

um aus verschiedenen Blickwinkeln die aktuell brennenden

gesellschaftlichen Aufgaben wie Wohnen, Arbeit, Umwelt,

Mobilität, Inklusion, Diversität, Beteiligung und Demokratie zu

beleuchten. Am Anfang einer jeden Konferenz stehen jeweils

zwei Impulsreferate, die einen anregenden Gedankenaustausch

in großer Runde anstoßen sollen. Eine Moderatorin

wird durch die Konferenz geleiten.

Die performativen Stadt-Parcours

Performative Rundgänge durch die Historie zur

Erhaltung der Zukunft: Wie kann man die Vergangenheit

als ehemalige Zukunft fassen, um Aussagen über Wahrscheinlichkeiten,

Möglichkeiten und Gestaltung aktueller Zukunft

zu filtern? Warum sind die meisten von Menschen

erhofften und erdachten Zukünfte nicht eingetreten? Im Rahmen

des Zeitspiralfedern Festivals sind Expert*innen aus den

Bereichen Stadtentwicklung, Denkmalschutz, Kunst, Kultur

und Philosophie sowie Bildung aufgefordert, diese Fragen aus

ihrer jeweiligen Perspektive zu beleuchten. Die Vertreter*innen

der einzelnen Disziplinen werden in inszenierten Stadtspaziergängen

ihren persönlichen Fokus und ihren Blick auf

die Stadt von heute und den darunterliegenden Erinnerungen

und Spuren der Vergangenheit und Gegenwart offenlegen.

Durch die individuell und unabhängig voneinander eingeschlagenen

Pfade entstehen Bodenmuster, die den Stadtraum

wie Kreise und Zirkel bespielen.

Die inszenierten Führungen

Reisen durch die Zeit von heute über das Gründungsjahr

der Motorenwerke 1869 hin zu seiner sich stetig

verflüssigenden Zukunft. Hier, in der Gasmotoren-Fabrik

Deutz, begann im 19. Jahrhundert mit der Erfindung des

Ottomotors die Weltmotorisierung. In einem persönlichen

Rahmen wird sowohl die Geschichte des faszinierenden Gebäudekomplexes

der ehemaligen Klöckner-Humboldt-Deutz-

Werke, als auch die Entwicklung hin zum heutigen raum13

Deutzer Zentralwerk der Schönen Künste durch die Arbeit von

Anja Kolacek und Marc Leßle erlebbar. Schichten der Vergangenheit

werden freigelegt und in ständig neue Bezüge zur

Gegenwart gesetzt.

Die theatralen Werkstätten

Gemeinsam von der ersten Gasmotorenfabrik

der Welt zu einem zukünftigen urbanen Quartier! Hier wird

produziert: Zeichentrickfilme, Podcasts, Hörspiele, Vorträge,

Visionen, Finanzierungsmodelle, Architektur, Innenarchitektur,

Bühnenbildmodelle, Wildkräuter, Marmeladen – und was

einem sonst noch einfällt. Ein Quartier produziert sich selbst.

Die Werkstattleiter*innen verfügen über ein erstaunliches

Repertoire an Kenntnissen und Erfahrungen und weihen in die

Grundlagen ihres Faches ein.

Die akustischen Rauminstallationen

Musik als Bildhauerei begreifen und das Otto-&-Langen-Quartier

aus der Perspektive fantastischer Ausnahmemusiker*innen

genießen.


279


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283


2018/19

LAB 1869 Zukunftswerk Stadt

Zeitspiralfedern

285


PROLOG FOYER HOF SCHMIEDE WERKSHALLE SALON DEM DEUTSCHEN VOLKE WASCHKAUE

TRETET EIN, DENN AUCH HIER SIND GÖTTER SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #3_WOHLSTAND FÜR ALLE SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #2_KRIEGSBLICK

MOBILITÄT / KLIMAWANDEL ARBEIT / TECHNIK MIGRATION / BEGEGNUNG DEMOKRATIE / BETEILIGUNG

Das Land Utopia #3

Zeitspiralfedern Festival

2018/2019

Die Frage, wie wir in Zukunft gemeinsam leben wollen, wurde 2018 und

2019 im Rahmen des vierwöchigen Werkstattformates LAB 1869 Zukunftswerk Stadt

mit 67 involvierten Expert*innen aus den Bereichen Kunst, Wissenschaft, Politik,

Verwaltung, Architektur und Stadtplanung sowie mehr als 800 engagierten und interessierten

Bürger*innen diskutiert und mit künstlerischen Herangehensweisen neu

beleuchtet. Die Prozesse werden gebündelt und dokumentiert. Ziel ist es, sich durch

die Veröffentlichung der einzelnen Arbeitsschritte dieses Laboratoriums aktiv am

Stadtentwicklungsprozess zu beteiligen und exemplarisch die Kernfragen der Stadt

an diesem Quartier sichtbar zu machen.

Für das Festival Zeitspiralfedern werden die transdisziplinären Ergebnisse

künstlerisch transformiert und so zu einem sinnlich erfahrbaren Ereignis. Im Zentrum

des Festivals stehen die Uraufführungen. Um diesen Nukleus der Zeitspiralfedern

werden zahlreiche weitere Formate angeboten, unter anderem inszenierte Führungen,

performative Stadt-Parcours, akustische Rauminstallationen und theatrale

Werkstätten mit herausragenden Vertreter*innen verschiedenster Disziplinen.

Frage ist, inwiefern sich die Geschichten früherer Generationen in unserem

gegenwärtigen und zukünftigen Handeln wiederholen. Inwieweit ist dieser Prozess

als Wiederholungsschleife, als Loop zu verstehen? Oder verläuft er spiralförmig? Ist

er überhaupt als ein Verlauf zu sehen? Inwiefern spannt sich zwischen gesellschaftlich

und individuell bedeutsamen Ereignissen eine von uns allen (re-)produzierte,

retroaktive Feder auf? Wann zieht sie sich warum zusammen? Wann und wie dehnt

sie sich? Inwieweit können Zeitspiralfedern dazu beitragen, die Gleichzeitigkeit

unserer multiplen, intersubjektiven Gegenwarten ausdrücken zu können, um zu

einem demokratischen Diskurs (zurück) zu finden?

Das Bild der dreidimensionalen Zeitspiralfedern entspringt dem geschichts-soziologischen

Gedanken, dass Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

nicht ausschließlich chronologisch zu betrachten sind, sondern die Zeiten aus den

verschiedenen gesellschaftlichen Blickwinkeln in Abhängigkeiten gesetzt sind, die

sich rein linear nicht vollständig begreifen lassen. Diese Abhängigkeiten – Zwischenräume

– werden folglich nur durch den durchlässigen Körper der Spiralfeder

plastisch darstellbar. Die zum Teil irrationale Betrachtung historischer Umbrüche und

Phänomene im Rahmen der Gegenwart kann durch das Bild der Spiralfedern unmittelbar

sichtbar werden.


INNERE WERKSTRASSE WEISSES STUDIO VORSTANDSETAGE BETRIEBSRAT KONTEXT

287

SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #1_IN 80 TAGEN UM DIE WELT DAS LAND UTOPIA #1 DAS LAND UTOPIA #2 DAS LAND UTOPIA #3

Die Uraufführungen

Auf die Frage, wie dieses Quartier mit menschlichem

und künstlerisch nachhaltigem Maßstab geschaffen werden

kann, zeigen die Uraufführungen eine ästhetische Umsetzung

und eine mögliche Antwort auf. Schöpfend aus einem ausführlichen

Fundus an Recherchen in Literatur, Fotomaterial,

Stadtarchiv, Industriedokumentationen, ergänzt durch festgehaltene

Interviews mit Zeitzeug*innen und Expert*innen, wird

an der Sichtbarmachung des innewohnenden Potenzials des

Otto-&-Langen-Quartiers gearbeitet. So begegnen zukünftige

Bewohner*innen professionellen Tänzer*innen und Schauspieler*innen,

ehemalige Fabrikarbeiter*innen der KHD-Werke

Wirtschaftswissenschaftler*innen und Historiker*innen, Passant*innen,

Architekt*innen und Kulturwissenschaftler*innen.

Aus diesen Begegnungen entsteht eine produktive Überlieferung

der Kollektivgedächtnisse, aus der eine lebenswerte,

kollektive Zukunft für den Stadtteil geschrieben werden kann.


2018/19

LAB1869 Zukunftswerk Stadt

Zeitspiralfedern

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PROLOG FOYER HOF SCHMIEDE WERKSHALLE SALON DEM DEUTSCHEN VOLK WASCHKAUE IN

TRETET EIN, DENN AUCH HIER SIND GÖTTER SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #3_WOHLSTAND FÜR ALLE SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #2_KRIEGSBLICK

MOBILITÄT / KLIMAWANDEL ARBEIT / TECHNIK MIGRATION / BEGEGNUNG DEMOKRATIE / BETEILIGUNG

2019 Fotoreihe Das Land Utopia #3

Des Nachbarn neue Kleider


NERE WERKSTRASSE WEISSES STUDIO VORTANDSETAGE BETRIEBSRAT KONTEXT

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SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #1_IN 80 TAGEN UM DIE WELT DAS LAND UTOPIA #1 DAS LAND UTOPIA #2 DAS LAND UTOPIA #3


2019 Fotoreihe Das Land Utopia #3

Des Nachbarn neue Kleider

2019 Fotoreihe


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2019 Fotoreihe Das Land Utopia #3

Des Nachbarn neue Kleider


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PROLOG FOYER HOF SCHMIEDE WERKSHALLE SALON DEM DEUTSCHEN VOLKE WASCHKAUE INNERE WERKSTRASSE

WEISSES STUDIO VORSTANDSETAGE BETRIEBSRAT KONTEXT

TRETET EIN, DENN AUCH HIER SIND GÖTTER SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #3_WOHLSTAND FÜR ALLE

SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #2_KRIEGSBLICKE SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #1_IN 80 TAGEN

DAS LAND UTOPIA #1 DAS LAND UTOPIA #2 DAS LAND UTOPIA #3

MOBILITÄT / KLIMAWANDEL 299 ARBEIT / TECHNIK 307 MIGRATION / BEGEGNUNG 334 DEMOKRATIE / BETEILIGUNG 334


297

MOBILITÄT / KLIMAWAND ANDEL

ARBEIT / TECHNIK

MIGRATION

/ BEGEGNUNG G

DEMOKRATIE / B

E / BETEILIGUNG

G


PROLOG FOYER HOF SCHMIEDE WERKSHALLE SALON DEM DEUTSCHEN VOLKE WASCHKAUE INNERE

TRETET EIN, DENN AUCH HIER SIND GÖTTER SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #3_WOHLSTAND FÜR ALLE SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #2_KRIEGSBLICKE

MOBILITÄT / KLIMAWANDEL ARBEIT / TECHNIK MIGRATION / BEGEGNUNG DEMOKRATIE / BETEILIGUNG


WERKSTRASSE WEISSES STUDIO VORTANDSETAGE BETRIEBSRAT KONTEXT

299

SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #1_IN 80 TAGEN UM DIE WELT DAS LAND UTOPIA #1 DAS LAND UTOPIA #2 DAS LAND UTOPIA #3

OBJEKT ERDA | DIE KUNST DER TRANSFORMATION


PROLOG FOYER HOF SCHMIEDE WERKSHALLE SALON DEM DEUTSCHEN VOLKE WASCHKAUE

TRETET EIN, DENN AUCH HIER SIND GÖTTER SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #3_WOHLSTAND FÜR ALLE SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #2_KRIEGSBLICK

MOBILITÄT / KLIMAWANDEL ARBEIT / TECHNIK MIGRATION / BEGEGNUNG DEMOKRATIE / BETEILIGUNG

Das Theater wird ein gesellschaftliches

Reallabor

§ 1 Die Würde des historischen Ortes ist unantastbar

Auf dem fünf Hektar großen Areal der ersten Gasmotorenfabrik der Welt,

dem Otto-&-Langen-Quartier zwischen Köln-Deutz und Köln-Mülheim, wo der Verbrennungsmotor

die Dampfmaschine ablöste und dieser Motor bis in die heutige

Zeit den Antrieb für Mobilität maßgeblich bestimmt, entsteht ein neues Stadtquartier.

Im Herzen von Köln steht ein aus ideeller und auch baulicher Sicht potenzielles

Weltkulturerbe, ein Zeuge der letzten mehr als 150 Jahre Moderne. An diesem Ort

der Innovation ist mit dem Deutzer Zentralwerk der Schönen Künste ein Freiraum

des Denkens und ein gesellschaftlicher Spielraum entstanden, der uns aus der Kraft

der Kunst und der Erinnerung für die zukünftigen Gegenwarten inspiriert und als

Skizze für das im Prozess befindliche Quartier verstanden werden will. Durch die

unbewussten Hinterlassenschaften des Konzerns entsteht ein unschuldiger Charme,

durch den künstlerische Prozesse regelrecht provoziert werden. Der Gebäudekomplex

eignet sich aufgrund seiner historischen und gesellschaftlichen Bedeutung in

geradezu einzigartiger Weise als Bühne und Protagonist, um die gesellschaftlichen

Entwicklungen und deren Beziehungen zwischen Vergangenheit, Gegenwart und

Zukunft neu zu entdecken, zu inszenieren und damit auch neu zu verhandeln.

Die Kunst in unserer pluralistischen Wertegemeinschaft muss ihr Verhältnis

zur Gesellschaft in Zeiten von aufstrebendem Autokratismus, von Fehlinformationen

auf allen Kanälen, der Überforderung von Politik und Verwaltung und nicht zuletzt

der bürgerlichen Mitte neu überdenken. Wir müssen an der Auflösung des „autonomen“

Territoriums der Kunst arbeiten. Massenproduktion und -konsum sowie

die Massenkommunikation machen die Egozentrik des modernen Künstlerbildes

fragwürdig. Die scheinbar wertfreie Kunst ist zu einer Kulisse der bürgerlichen und

gehobenen Gesellschaft heruntergekommen und verliert dadurch an Glaubwürdigkeit.

Das Theater und die Museen müssen wieder zu den Menschen kommen und

nicht wie in der modernen Kleinteiligkeit und Arbeitsteilung Orte im Zentrum der

Stadt besetzen. Die Stadt als Kunstwerk und das Urbane als die Begegnung darin zu

begreifen, quer zu denken, anders zu denken und die Diversität universell zu sehen,

das wird die Kunst des 21. Jahrhunderts sein. Das Theater wird zum gesellschaftlichen

Reallabor.

§ 2 Der Inhalt bestimmt die Form

Der Gebäudekomplex eignet sich aufgrund seiner historischen und gesellschaftlichen

Bedeutung in einzigartiger Weise als Bühne und Protagonist, um vier

entscheidende Themen inhaltlich zu bearbeiten:

• Mobilität / Klimawandel

• Arbeit / Technik

• Migration / Begegnung

• Demokratie / Beteiligung


INNERE WERKSTRASSE WEISSES STUDIO VORTANDSETAGE BETRIEBSRAT KONTEXT

301

SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #1_IN 80 TAGEN UM DIE WELT DAS LAND UTOPIA #1 DAS LAND UTOPIA #2 DAS LAND UTOPIA #3W

§ 3 Alles Handeln dient dem Wohle der zukünftigen

Generationen

Das Köln des 21. Jahrhunderts wird stark von der

rechtsrheinischen Stadtentwicklung geprägt, von den Stadtteilen

Kalk, Deutz und Mülheim, vom Messestandort und von

den Konversionen altindustrieller Großstandorte, vor allem

entlang des Rheins. Die Entwicklung der Konversionsflächen

wird aktuell angetrieben von einer hochdynamischen Immobilienentwicklung

privater Investorengruppen.

Die Ergebnisse sind oftmals solche, wie sie derzeit

in allen größeren Metropolen letztlich recht uniform entstehen.

Die fünf Hektar große ehemalige KHD-Fläche an der

Deutz-Mülheimer-Straße ist eines der letzten innenstadtnahen

Quartiere, für dessen Entwicklung die Stadt Köln durch

städtebauliche und planungsrechtliche Steuerung noch entscheidende

Weichen stellen kann. Das Gelände befindet sich

im Eigentum des Landes NRW. Unsere Initiative aus angesehenen

Künstler*innen, Wissenschaftler*innen, Denkmalpfleger*innen,

Architekt*innen, Projektentwickler*innen und einer

Stiftung möchte hier eine grundlegend andere Entwicklung

anstoßen.

In einem Reallabor soll aus dem Bestand dieses

bedeutenden industriekulturellen Erbes in Schritten ein

ganz anderes Stück Köln entstehen: ein Leuchtturmprojekt

zur kreativen Urbanität des 21. Jahrhunderts. Hierfür

ist jetzt ein gutes Zeitfenster, in dem, zusammen mit

anderen Initiativen, ein neues Bild von Stadt im rechtsrheinischen

Köln entstehen könnte.

Ein Quartier

• das (Frei-)Raum lässt für einen Kunststandort, an dem

auch innovative Ideen des städtischen gemeinschaftlichen

Wohnens und Lebens für Künstler*innen, junge

Kreative und kreativwirtschaftliche Initiativen, u. a. aus

den Kölner Hochschulen, umgesetzt werden;

• für Bildungsprozesse ganz unterschiedlicher Art, die, aus

der Kunst heraus entwickelt, dem historischen Erbe dieses

Standorts und zukünftigen Entwicklungen Rechnung

tragen;

• das in einem partizipativen und gemeinwohlorientierten

Prozess eine neue Kultur des Zusammenlebens der unterschiedlichen

Kulturen im rechtsrheinischen Köln schafft.

Die Idee hierzu wurde im „LAB 1869 Zukunftswerk

Stadt“ des raum13 in zwei vierwöchigen transdisziplinären

Zukunftswerkstätten gemeinsam mit Bürger*innen der Stadt

Köln entwickelt und im Dialog zwischen Kunst und Wissenschaft,

Politik und Verwaltung, Architektur und Stadtplanung

sowie den partizipierenden Bürger*innen und Bewohner*innen

eines neu entstehenden Quartiers lebendig.

Utopie? Ja, aber eine konkrete Utopie! Wie kann

das gelingen?

Das Gelände ging Mitte der 1990er Jahre für

1,3 Mio. DM (oder 650 000 €) in den Grundstücksfond NRW

über, der von NRW.Urban verwaltet wird. Lange lag der

größte Teil der Immobilie brach. Seit 2011 nutzt die raum13

gGmbH einen Teil der Immobilie. Sie hat einen Nutzungsvertrag

mit dem Eigentümer der ehemaligen Hauptverwaltung.

Mit Unterstützung des Kölner Kulturamtes, der RheinEnergieStiftung

Kultur, des Landschaftsverbands Rheinland und

vieler anderer wird hier ein hoch produktiver und kreativer

Stadtkulturort sehr erfolgreich betrieben (als gemeinnützige

GmbH mit einem Jahresumsatz von etwa 150 000 €). Hier ist

der Nukleus gewachsen, aus dem die oben skizzierte Idee

entstand.

Jetzt steht die Frage an, welchen besonderen Beitrag

das Gelände zur Stadtentwicklung des 21. Jahrhunderts

in Köln leisten kann. In den Jahren 2013 und 2014 wurde ein

städtebauliches Werkstattverfahren („Mülheim Süd“) durchgeführt.

Daraus wurden erste städtebauliche Ideen zur grundlegenden

Neustrukturierung mit weitgehendem Abriss und Vermarktung

von Einzelgrundstücken entwickelt. Das Areal, um

das es hier geht, wurde aber noch nicht final überplant und

noch nicht abschließend und unwiderruflich planungsrechtlich

fixiert. Es gibt also weiterhin Möglichkeiten der Gestaltung.

Aktuell gibt es kommunalpolitische Bestrebungen,

dass die Stadt Köln die Grundstücksentwicklung stärker in die

eigenen Hände nehmen will (Wahrnehmung des kommunalen

Vorkaufsrechts). Eine Option ist der Ankauf und die Entwicklung

durch die kommunale Kölner Stadtentwicklungsgesellschaft

„moderne stadt GmbH“.


PROLOG FOYER HOF SCHMIEDE WERKSHALLE SALON DEM DEUTSCHEN VOLKE WASCHKAUE

TRETET EIN, DENN AUCH HIER SIND GÖTTER SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #3_WOHLSTAND FÜR FÜR ALLE ALLE SCHÖNHEIT DER DER VERGÄNGLICHKEIT #2_KRIEGSBLICKE

MOBILITÄT / KLIMAWANDEL ARBEIT / TECHNIK MIGRATION / BEGEGNUNG DEMOKRATIE / BETEILIGUNG

Daraus leitet sich folgender Vorschlag ab:

(1) Im Einvernehmen mit der Stadt Köln wird einer Projektinitiative um

raum13 gGmbH ein Moratorium gewährt zur Entwicklung des Otto-&-Langen-

Quartiers als Leuchtturmprojekt zur kreativen Urbanität des 21. Jahrhunderts, das

Gegenbilder entstehen lässt zur überall stattfindenden Produktion von neu gebauter

Investoren-Stadt. Dies geschieht in einem Spannungsbogen von industriegeschichtlichem

Erbe und perspektivischer Stadtentwicklungsinnovation.

(2) In partizipativen Prozessen wird innerhalb von zwei Jahren eine weitgehend

gemeinwohlorientierte inhaltliche Konzeption weiterentwickelt und städtebaulich-planungsrechtlich

mit allen Beteiligten und Entscheidungsträgern abgestimmt.

Diese bildet dann den Rahmen für eine Anhandgabe des Geländes an die Projektinitiative.

(3) Eine Projektentwicklungsgesellschaft aus den Projektträgern setzt in den

folgenden Jahren die Einzelprojekte um, wirbt weitere Partner aus der Zivilgesellschaft

und arbeitet mit Kreativwirtschaft, Architekt*innen und Projektentwickler*innen

zusammen. Für mögliche Teilprojekte können auch Partner*innen des Landes

NRW wie das Landesprogramm „Initiative ergreifen“ zur Mitarbeit angesprochen

werden. Im Sinne der Idee einer „urbanen Internationalen Bauausstellung des

21. Jahrhunderts“ ist es auch denkbar, die Stadt Köln und verschiedene Ministerien

des Landes (Städtebau, Wohnungsbau, Kultur, Wissenschaft/Bildung, Wirtschaft)

stärker einzubinden.

(4) Aufgabe der Projektentwicklungsgesellschaft ist es, einen großen kooperativen

Quartiersentwicklungspozess in Gang zu setzen, Umnutzungsoptionen

für Teilräume zu erarbeiten sowie Schritt für Schritt, wo immer es geht, zu testen

und räumlich, wirtschaftlich und vertraglich umzusetzen. Für diese Aufgabe wird

zunächst ein zehnjähriger Zeitraum in den Blick genommen, der als gesellschaftspolitisches

Reallabor verstanden wird.


INNERE WERKSTRASSE WEISSES STUDIO VORTANDSETAGE BETRIEBSRAT KONTEXT

303

SCHÖNHEIT SCHÖNHEIT DER DER VERGÄNGLICHKEIT #1_IN 80 #1_IN TAGEN 80 TAGEN UM DIE UM WELT DIE WELT DAS LAND DAS UTOPIA LAND UTOPIA #1 #1 DAS LAND DAS UTOPIA LAND #2 UTOPIA #2 DAS LAND DAS UTOPIA LAND #3W UTOPIA #3


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TRETET EIN, DENN AUCH HIER SIND GÖTTER SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #3_WOHLSTAND FÜR ALLE SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #2_KRIEGSBLICKE

MOBILITÄT / KLIMAWANDEL ARBEIT / TECHNIK MIGRATION / BEGEGNUNG DEMOKRATIE / BETEILIGUNG

Das Theater wird ein gesellschaftliches

Reallabor

Die vier innewohnenden Themen

Die Kunst der Transformation

Die Themen Klimawandel und Mobilität prägen unsere Welt und den

öffentlichen Diskurs derzeit wie kaum ein anderes Thema. Diesem Diskurs mit all

seinen Akteuren, Szenarien und Spannungsfeldern eine Bühne zu geben, ist das

Ziel. Die Bühne könnte angemessener nicht sein: Das fünf Hektar große Areal der

ersten Gasmotorenfabrik ist der Ort, an dem durch die industrielle Fertigung des

Viertakt-Verbrennungsmotors die Weltmotorisierung ihren Ausgang nahm; als Industriebrache

erinnert es gleichermaßen an die Möglichkeiten und die vernichtende

Dimension von Massenproduktion und Konsum. Rund um diesen symbol- und

geschichtsträchtigen Ort entsteht ein neues Stadtquartier. Die Fragen nach einem

zukunftsgerichteten Verkehrs- und Umweltkonzept, nach Mobilität und Energieversorgung

sowie nach einer klimafreundlichen Gestaltung des Quartiers stellen

sich demnach nicht rein abstrakt, vielmehr ist der Ort wesentlicher Bestandteil der

Debatte.


WERKSTRASSE WEISSES STUDIO VORTANDSETAGE BETRIEBSRAT KONTEXT

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SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #1_IN 80 TAGEN UM DIE WELT DAS LAND UTOPIA #1 DAS LAND UTOPIA #2 DAS LAND UTOPIA #3

OBJEKT ERDA | DIE KUNST DER REVOLUTION


PROLOG FOYER HOF SCHMIEDE WERKSHALLE SALON DEM DEUTSCHEN VOLKE WASCHKAUE INNERE

TRETET EIN, DENN AUCH HIER SIND GÖTTER SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #3_WOHLSTAND FÜR ALLE SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #2_KRIEGSBLICKE

MOBILITÄT / KLIMAWANDEL ARBEIT / TECHNIK MIGRATION / BEGEGNUNG DEMOKRATIE / BETEILIGUNG

Das Theater wird ein gesellschaftliches

Reallabor

Die vier innewohnenden Themen

Die Kunst der Revolution

Die rasche Veränderung der Arbeitswelt und die Vergänglichkeit von

vermeintlich unerschütterlicher Technologie wird in den Räumen und Hallen der

ehemaligen Gasmotoren-Fabrik Deutz besonders unmittelbar und eindrücklich erfahrbar.

Die Erfindung des Fließbands und die damit verbundene Möglichkeit der

Massenproduktion über Bänder, an deren Seiten sich die Arbeiter*innen reihten,

führte ab dem zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts zunächst in Amerika, schließlich

aber auch in Europa zu einer massiven Veränderung der Arbeit, der Arbeitswelt und

nicht zuletzt auch der Lebenswelten in einer bis dahin unvergleichlichen Geschwindigkeit,

in einem Sprung, einer Revolution. Mit diesem Verfahren änderten sich

nicht nur die Zeitverhältnisse, sondern auch die Wahrnehmung kausaler Zusammenhänge.

Der Fertigungsprozess war nicht mehr ein in sich geschlossener, die Zusammenhänge

der verschiedenen Tätigkeiten der Menschen am Band waren für den

Einzelnen nicht mehr nachvollziehbar. Das große Ganze musste nicht mehr verstanden

werden, um die jeweiligen Aufgaben erfüllen zu können. Diese Idee wurde mit

Einführung der elektronischen Datenverarbeitung nicht nur für den Industriebetrieb

weiterentwickelt, sondern nahm ab da auch revolutionären Einfluss auf Verwaltung

und Dienstleistungsbetriebe in den 1970ern. Mit der vollständigen Digitalisierung

unserer Lebenswelten ab dem Ende der 1980er Jahre und mit der Freigabe und

Kommerzialisierung des Internets sind dem weiteren Wandel der Arbeitswelt scheinbar

keine Grenzen mehr gesetzt. Die Entwicklungen führten und führen nicht nur zu

Umwälzungen in der Art und Weise der Arbeit, sondern ließen auch Branchen entstehen

und nicht zuletzt vergehen und damit die scheinbar so sicheren Arbeitsplätze

verschwinden. Wie ein Mahnmal stehen dafür die vom Verfall bedrohten, einst so

stolzen Industriegemäuer.

Der Algorithmus ist zum Fließband unserer Zeit geworden – von der Industrie

1.0 zur Industrie 4.0. Müssen wir davor Angst haben? Können wir den Geist

für die Entwicklung unseres humanistischen Weltbildes zähmen? Welche Chancen

können diese Entwicklungen auch bringen? Verändert sich das menschliche Sein,

die menschliche Geisteshaltung ebenso rasant wie am Anfang der Moderne? Und

wie sieht die Industrie 5.0 aus? Diese Fragen sind in den Zeitringen eines Baumes

in der ersten Gasmotorenfabrik der Welt von 1869 ablesbar. Arbeiterbewegung,

Gleichberechtigung, Sozialversicherung, Neues Wohnen, Charlie Chaplin und die

Modern Times aber auch plötzliche Erwerbslosigkeit und damit Hoffnungslosigkeit –

das sind nur einige Assoziationen, die einem dazu einfallen.


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SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #1_IN 80 TAGEN UM DIE WELT DAS LAND UTOPIA #1 DAS LAND UTOPIA #2 DAS LAND UTOPIA #3

OBJEKT TECHNE | DIE KUNST DER REVOLUTION


PROLOG FOYER HOF SCHMIEDE WERKSHALLE SALON DEM DEUTSCHEN VOLKE WASCHKAUE INNERE

TRETET EIN, DENN AUCH HIER SIND GÖTTER SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #3_WOHLSTAND FÜR ALLE SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #2_KRIEGSBLICKE

MOBILITÄT / KLIMAWANDEL ARBEIT / TECHNIK MIGRATION / BEGEGNUNG DEMOKRATIE / BETEILIGUNG

Das Theater wird ein gesellschaftliches

Reallabor

Die vier innewohnenden Themen

Die Kunst der Begegnung

Migration, die Veränderung von demografischen Strukturen und der Umgang

mit Herausforderungen und Chancen einer heterogenen Gesellschaft sind im

industrialisierten Europa nicht erst seit 2015 Teil der Geschichte und Identität von

Metropolen wie Köln. Von der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis zum Beginn

des Ersten Weltkriegs entwickelte sich Deutschland rasant zu einer modernen Industriegesellschaft,

die Landwirtschaft wurde als Erwerbszweig durch die stetig größer

werdende Rolle von Industrie, Gewerbe und Handel immer mehr in den Hintergrund

gedrängt – dies führte schließlich zu einer starken Bewegung vom Land in die

Städte. Hatte Köln zur Grundsteinlegung der ersten Gasmotorenfabrik 1869 noch

ca. 125 000 Einwohner*innen, wuchs die Einwohnerzahl bis 1914 auf über 600 000

an. Die Menschen suchten in den Städten nicht nur nach Arbeit, sie hofften auch auf

sozialen Aufstieg und auf neue Chancen. In der Zwischenkriegszeit und vor allem in

der dunkelsten Zeit bis 1945 waren Vertreibung, Umsiedelungen, der Einsatz von

Zwangsarbeiter*innen und die unfassbare Vernichtung ganzer Volksgruppen prägend.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs kam es zu weiteren Fluchtbewegungen

wie beispielsweise aus Pommern und dem ehemaligen Ostpreußen. Der mühevolle

Weg in den Westen versprach Zuflucht und Sicherheit, die Integration war aber

ebenfalls mühevoll. Der Wiederaufbau Deutschlands und das folgende „Wirtschaftswunder“

führten schließlich aus Mangel an Arbeitskräften in den Fabriken

zu gezielter Anwerbung von sogenannten Fremdarbeitern aus Südeuropa und der

Türkei, die später auch als Gastarbeiter eingeladen wurden. Die Menschen verließen

ihre Heimat, um ihren Familien in den wirtschaftlich aufstrebenden Städten Deutschlands

ein sicheres Einkommen zu bieten. Vor allem die industriell induzierten Wanderbewegungen

sind bis heute in der Bevölkerungsstruktur Kölns gut sichtbar. Das

industriell geprägte rechtsrheinische Köln hat heute einen „Ausländeranteil“ von

über 20 %, weit mehr als auf der linksrheinischen Domseite.

Die Themen Migration, Begegnung, Diversität und Inklusion sind unmittelbar

mit der Geschichte der Gasmotoren-Fabrik Deutz als Ort der Hoffnung,

der Versprechungen, aber auch des Leidens und des Krieges verbunden. Sind

Städte immer noch Hoffnungs- und Möglichkeitsorte und wenn ja, für wen? Welche

Ursachen von Flucht und Migrationsbewegungen gibt es heute, und wie beeinflusst

unser Handeln die Lebensbedingungen von Menschen in anderen Teilen der Welt?

Ist Migration und Wanderung das Anormale und die Sesshaftigkeit der Menschen

wirklich die Norm? Wie kann Integration gelingen, und wie kann Minoritäten im Allgemeinen

respektvoll begegnet werden?

Im Otto-&-Langen-Quartier ist hier auch vor allem das Zusammenbringen

von verschiedenen Erfahrungsperspektiven und Generationen zentral. Es soll ein

Ort der Begegnung geschaffen werden und nicht über sondern mit einer pluralen

Gesellschaft konzeptionell gearbeitet werden.


WERKSTRASSE WEISSES STUDIO VORSTANDSETAGE BETRIEBSRAT KONTEXT

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SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #1_IN 80 TAGEN UM DIE WELT DAS LAND UTOPIA #1 DAS LAND UTOPIA #2 DAS LAND UTOPIA #3

OBJEKT SPIELKÜCHE | DIE KUNST DER BEGEGNUNG


PROLOG FOYER HOF SCHMIEDE WERKSHALLE SALON DEM DEUTSCHEN VOLKE WASCHKAUE INNERE

TRETET EIN, DENN AUCH HIER SIND GÖTTER SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #3_WOHLSTAND FÜR ALLE SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #2_KRIEGSBLICKE

MOBILITÄT / KLIMAWANDEL ARBEIT / TECHNIK MIGRATION / BEGEGNUNG DEMOKRATIE / BETEILIGUNG

Das Theater wird ein gesellschaftliches

Reallabor

Die vier innewohnenden Themen

Die Kunst der Teilhabe

Der Austausch zwischen den Bürger*innen und den politisch Verantwortlichen

ist in der allgemeinen Wahrnehmung in den letzten Jahren zunehmend

schwieriger geworden. Es herrscht eine große Distanz zwischen dem, was „da

oben“ geschieht, und der Lebensrealität vieler Menschen. Das daraus entstehende

Ohnmachtsgefühl, verbunden mit irrationale Ängsten, haben die politische Landschaft

in den letzten Jahren in vielen Demokratien in Europa und der ganzen Welt

geradezu fundamental verändert. Die Echokammern der neuen Medien reduzieren

die Debatten nicht selten auf Bestätigung der eigenen Ansichten und Ängste und

stehen einem offenen Austausch hemmend gegenüber.

Kann hier also das Theater und ein künstlerischer (Frei-)Raum Beteiligung

im demokratischen Prozess mitgestalten? In der antiken demokratischen Stadt gab

es drei wichtige gesellschaftliche Plätze: die Agora, in römischen Städten Forum,

der Platz des freien Redens, der Verhandlung, der Debatte, des Gerichts, den

spirituell-politischen Tempel, in dem die Gesetzgebung ausgehandelt wurde, und

schließlich das Theater als Raum der gesellschaftlichen partizipativen Auseinandersetzung,

der Erprobung ohne Reue. Das Theater war also ein Versuchslabor, ein

Spielraum.

Angelehnt an das Vorbild der demokratischen antiken Stadt, in der für die

politische Debatte, für den Austausch zwischen Bürger*innen und Entscheidungsträger*innen

eigens Platz und Raum frei gehalten wurde, führen Beteiligung und

Demokratie die Idee der Kunst als aktiven Teil der Partizipation im demokratischen

Prozess fort. Auf der Bühne wurden immer wieder politisch relevante Konflikte und

Entscheidungen (über gerechte Urteile, Krieg und Frieden, Vergeltung und Versöhnung

usw.) künstlerisch-spielerisch, im Gewand des Mythos (in der Tragödie) und

in tagesaktueller Radikal-Kritik (in der Komödie) durchdekliniert. Überhaupt wurde

der öffentliche Raum auch ästhetisch ausgestaltet, er war auch ein Raum des Wohlfühlens

und des ästhetischen Reflektierens. Die Umsetzung dieses partizipativen

Modells soll auf Quartiersebene im potenziellen Weltkulturerbe der ersten Gasmotorenfabrik

erprobt und erfahrbar werden.


WERKSTRASSE WEISSES STUDIO VORTANDSETAGE BETRIEBSRAT KONTEXT

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SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #1_IN 80 TAGEN UM DIE WELT DAS LAND UTOPIA #1 DAS LAND UTOPIA #2 DAS LAND UTOPIA #3

OBJEKT POLIS | DIE KUNST DER TEILHABE


PROLOG FOYER HOF SCHMIEDE WERKSHALLE SALON DEM DEUTSCHEN VOLKE WASCHKAUE INNERE

TRETET EIN, DENN AUCH HIER SIND GÖTTER SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #3_WOHLSTAND FÜR ALLE SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #2_KRIEGSBLICKE

MOBILITÄT / KLIMAWANDEL ARBEIT / TECHNIK MIGRATION / BEGEGNUNG DEMOKRATIE / BETEILIGUNG


WERKSTRASSE WEISSES STUDIO VORSTANDSETAGE BETRIEBSRAT KONTEXT

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SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #1_IN 80 TAGEN UM DIE WELT DAS LAND UTOPIA #1 DAS LAND UTOPIA #2 DAS LAND UTOPIA #3

OBJEKT SPIELKÜCHE | DIE KUNST DER BEGEGNUNG


2011/12–2014/15

THEATER URAUFFÜHRUNGEN | KONZERTE | AUSSTELLUNGEN | FESTIVALREIHEN

BESETZUNG

TRETET EIN, DENN AUCH HIER SIND GÖTTER URAUFFÜHRUNG 18. JUNI 2011 Konzept | Idee | künstlerische Leitung: raum13 Kolacek & Leßle Inszenierung Gesamtkonzept: Anja

Kolacek Bühne | Licht | Video | Foto: Marc Leßle Assistenz: Balthasar Busmann mit: Ella Asderban, Sara Blasco, Bibiana Jimenez, Photini Meletiadis, Reut Shemesh, Kathrin Wankelmuth, Ruben

Reniers, Arthur Schopa, Antonino Stella Musik: Nico Stallmann, Frank Brempel Kostüm: Annett Lausberg ALLES WAS TANZT GIPFEL #3 PREMIERE 17. SEPTEMBER 2011 Konzept | Idee |

künstlerische Leitung: raum13 Kolacek & Leßle Inszenierung Gesamtkonzept: Anja Kolacek Bühne | Licht | Video | Foto: Marc Leßle Moderation: Anja Herden, Renato Schuch, Henning

Brandt Musikalische Leitung: Nico Stallmann Produktion: raum13 Projekte & Choreografien von: Brigitte Breternitz (Madcity / Köln) // Tim Behren & Florian Patschovsky (Kompanie

HeadFeedHands / Freiburg, Köln) // Sara Blasco Gutiérrez & Photini Melitiadis (Köln, Valenzia, Thessaloniki) // Nati Blanco (Köln, Valenzia) // Morgan de Touf & Dominik Breuer (Brachland -

Ensemble / Deutschland) // Isabelle Casel (Köln) // Esther & Bernd Chrischilles (Hop Spot / Köln) // Lamine Diangne (Köln, Bonn, Senegal) // Sarah Edgar (thepunksdelight / Köln, USA) //

Beate Fröchte & Abdel Essabri (La Danza, Köln, Essen, Marokko) // Céline Shabba Le Gal (Poledance / Köln) // Armen Hakobyan & Swetlana Schenk (Kompanie ohne Namen / Essen, Köln,

Armenien) // Rüdiger Honert & Javad (Köln, Iran) // Bibiana Jimenez & Mack Kubicki (Choreografisches Theater MB / Köln, Bonn, Polen, Kolumbien) // Anja Kolacek & Marc Leßle (raum13) //

Violetta Lindig (lindig.art / Köln) // Friederieke Maak (Musikschule Euskirchen) // Gabriela Madeira (Köln, Argentinien) // Melanie Müller & Arielle Chauvel-Levy (nous2 / Köln, Berlin, Frankreich)

// Pia Neises (Köln) // Daniel Perusin (Tangonauten / Köln, Argentinien) // Safak Saheré Pedük (Köln, Istanbul) // Friederieke Plafki (Köln, Berlin) // Roman Podeszwa (Köln) // Ruben Reniers

(Köln, Berlin, Niederlande) // Marlen Schuhmann & Jana Rath (Compagnie mintrot und schwarz / Köln, Leipzig) // Reut Shemsh (Köln, Niederlande, Israel) // Nico Stallmann (Köln, Niederlande,

Frankreich) // Antonino Stella (Köln, Düsseldorf, Italien) // Kathrin Wankelmuth (Köln, Niederlande) // Tomás Zybura (Contratiempo / Köln) // La société du spectacle // raum13 Tänzerinnen

& Tänzer: Ella Asderban, Sara Blasco, Bibiana Jimenez, Photini Meletiadis, Reut Shemesh, Kathrin Wankelmuth, Ruben Reniers, Arthur Schopa, Antonino Stella HIER UND JETZT (NACH

MARCEL PROUST „EINE LIEBE VON SWANN“) PREMIERE 1. OKTOBER 2011 Konzept | Idee | künstlerische Leitung: raum13 Kolacek & Leßle Inszenierung: Anja Kolacek Bühne | Licht |

Video | Foto: Marc Leßle Mit: Julian Cornelißen, Johannes Just, Helena Aljona Kühn, Patrick Kohn, Hanno Mühlenbach, Ise Papendor, Cecilia Spürkel, Josefine Spürkel, Kathrin Wankelmuth

und Katja Weber Produktion: raum13 KÖLNER THEATRNACHT SEIT 2011 jährlich wechselnde Besetzung MUSEUMSNACHT KÖLN SEIT 2011 ZEIT DREHT SICH AUSSTELLUNGSER-

ÖFFNUNG: 05. NOVEMBER 2011 Konzept | Idee | künstlerische Leitung: raum13 Kolacek & Leßle Realisierung: Anja Kolacek & Marc Leßle & Michael Zöllner Arbeiten von: Inna Poltorychin,

Maurice Braun und Thomas Orr, Lukas Truniger, Gerriet Kress, David Pollmann, raum13 Kolacek & Leßle EICHMANN WIEDERAUFNAHME 18. NOVEMBER 2011 Konzept und Text: raum13

Kolacek & Leßle, Mit: Florian Lenz, Inszenierung: Anja Kolacek, Bühne u. Licht: Marc Leßle ES IST HIER GASTSPIELREIHE 16. DEZEMBER 2011–4. FEBRUAR 2012 Konzept | Idee |

künstlerische Leitung: raum13 Kolacek & Leßle Projekte von: dreizehnter januar wien, Schauspielhaus Hamburg in Kooperation mit Wenzel & Zybowski, raum13 Kolacek & Leßle, breuer &

Hofmann Produktion: raum13 SUBSTANZEN URAUFFÜHRUNG 26. JANUAR 2012 Von: raum13 Kolacek & Leßle mit: Florian Lenz und Kathrin Wankelmuth Inszenierung: Anja Kolacek

Bühne / Licht: Marc Leßle Textfassung / Dramaturgie: raum13 Kolacek & Leßle, Ton: Michael Zöllner Musikauswahl: Marc Leßle Kostüm: Anja Kolacek Bühnenbildassistenz: Verena Bildhauer

MIT WEISSEM WASSER BEDECKT VERNISSAGE 19. MAI 2012 Arbeiten von Gesine Grundmann und Heiko Räpple Kuration: Dominik Mülhaupt JUNG! NA UND! VON DER

UNENDLICHKEIT DER ENDLICHKEIT URAUFFÜHRUNG UA 05. MAI 2012 Projekt von und mit: Helena Aljona Kühn und AndréFängler Fotos: Allessandro de Matteis und Evi Blink

Konzept | Idee | künstlerische Gesamtleitung: raum13 Kolacek & Leßle WORKING CLASS ZERO VORSTELLUNGEN 22. JUNI 2012 / 23. JUNI 2012 Mit: Katrin Grumeth, Johanna

Orsini-Rosenberg, Horst Heiss, Johannes Schüchner. Inszenierung: Fanny Brunner / Dramaturgie: Hans-Jürgen Hauptmann / Produktion: dreizehnterjanuar TRÄUME PREMIERE 28. JUNI

2012 Mit: Dominik Breuer, Stefanie Philipps, Anne Sauvageot, Leoni Schulz, Serkan Temel, Inszenierung Benjamin Schad, Ausstattung: Annett Lausberg, Licht: Marc Leßle, Produktionsleitung:

raum13 FM EINHEIT + IRMLER 1. SEPTEMBER 2012 SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #3 WOHLSTAND FÜR ALLE URAUFFÜHRUNG 8. SEPTEMBER 2012 Konzept u. Idee:

raum13 Kolacek & Leßle, Inszenierung: Anja Kolacek, Raum/Fotos: Marc Leßle, Soundwelten: FM Einheit, Videos: Anja Kolacek Videoschnitt: Bastian Kleppe Skulpturen: raum13 Kolacek&Leßle,

Martin Kleppe, Kostüm: Moni Wallberg Mit: Florian Lenz, Begleitet von: Anja Kolacek, Johan Kolacek, Jakob Kolacek, Maximilian Märtirer Zeitzeugen: Hans-Gerd Ervens, Helmut Müller,

Hubert Mühlenbach, Dietmar Voß Technische Leitung: Marc Leßle // Bühnenbild Assistenz: André Fängler // Presse- /Öffentlichkeitsarbeit: Christine Beckmann und Anja Kolacek Dank an:

Deutz Automobile Canli, SF Custom Parts, Tim Abramczyk, Barbara Bechtloff, Jasmin Bolten, Wolfram Burgtorf, Christoph AP Cambeis, SF Custom Parts, Volker Eulitz, Nicole Hungsberg,

Katharina Jukowski, Amanda König, Elisabeth Neuendorfer, Niklas Wandt, Katja Weber, Christopher Pott, Xaver Römer, Jan Seithe, Jeong-Il Sin, Lisa Spielmann, Georg Stein HALBZEIT 17.

DEZEMBER 2012 Ensemble: Ensemble Garage & Gäste (15 Musiker) Dirigent: Mariano Chiacchiarini Schauspieler: Thomas Hupfer (Frankfurt), Konstanze Passin (Göttingen) Sänger: Katharina

Schwarz, Fabian Hemmelmann Regisseur: Thierry Bruehl (Berlin) Technik: Benjamin Kropp Werke von: Simon Steen Andersen, Georges Aperghis, Michael Beil, Gérard Grisey, Brigitta

Muntendorf, Manos Tsangaris Künstlerische Leitung / Organisation: Brigitta Muntendorf CITYLEAKS INTERACTING DAY 2013 raum13 Kolacek & Leßle kuratieren den CityLeaks Interacting

Day Anandam Dancetheatre: Glaciology – subway stations Venloer Straße/Gürtel, Leyendecker Straße, Äussere Kanalstraße + ButohWerkstatt Köln: running bags – reisende Traglast – Barthonia

Forum / Venloer Straße 245 Kathrin Sohlbach: in other spaces – Hans-Böckler-Platz + Paula Pabel: onLine – Festival Centre / Marienstraße 73 + katze und krieg: How to be a Superherogangster

– Start: Kölner Künstler Theater / Stammstraße 8, Crystal Tits: Birds of a Feather – Südstadt, Rheinauhafen + Marguerite Apostolidis: momocity – Chlodwigplatz Deborah &Tim

Stadie: The Colorful Sound and Movement Travelflirt – Rathenauplatz, Dasselstraße, Greatlive Store / Luxemburger Straße 41–43 + Künstlerkollektiv.Innen – Neusser Straße ALICE´S

DINNERPARTY PREMIERE 15. MÄRZ 2013 Von: raum13 Kolacek & Leßle, Nach: Lewis Carroll, , Inszenierung: Anja Kolacek, Bühne / Licht: Marc Leßle, Kostüm: Moni Wallberg, Von und mit:

Lisa-Gwendolin Eichberger, Klangbearbeitung: Andreas Schmid, Ton-Aufnahmen: Faust Studios Musikalische Gäste: Hans Joachim Irmler, Led , Fm Einheit, Dj Hans Nieswandt, Dj

Marcelle, Fangkiebassbeton, Wolfgang Zamastil, Cityleaks-Festival, Vimes, Alice Rose, Turm Der Liebe KONZERT KRIEGSBLICKE URAUFFÜHRUNG 15. MAI 2013 FM Einheit, Saskia von

Klitzing, Tim Isfort, Volker Kamp, Florian Lenz ASASELLO QUARTETT 15. SEPTEMBER 2013 Rostislav Kozhevnikov, Barbara Kuster, Justyna Śliwa, Wolfgang Zamastil NOT ONE THING

THAT YOU WANT IS UPSTREAM AUSSTELLUNGSERÖFFNUNG: 08 NOVEMBER 2013 Sonderausstellung von Gesine Grundmann in Zusammenarbeit mit raum13 JUNG! NA UND!

ZERBOMBT / EUROPA 25. – 27. OKTOBER 2013 Konzept | Idee | künstlerische Leitung: raum13 Kolacek & Leßle Projektleitung: Verena Bildhauer, Pola Groß, Florian Lenz Projekte:

Zwillingskriege // Von und mit: Maëlle Giovanetti und Sindy Tscherrig – Ian und Cate // Von: Karl Wokalek und Wiebke Bachmann, von und mit: Stefanie Schwimmbeck und Nikos Konstantakis,

Choreographie/ Dramaturgie: Karl Wokalek, Bühne/ Kostüm/ Licht: Wiebke Bachmann - cate (s) krieg(t) // Von und mit: Rebecca-Madita Hundt – Die sieben Todsünden // Von: Saskia

Clemens Projekte: Europe: A place of fantasy and make-believe // Von und mit: Thomas Bartling und Henning Bekermann - Sindy und Roman: Zuhause in Europa // Von und mit: René

Kalauch und Sabrina Tannen, Musik: Bastian Essinger, Jens Kilz- Bonus Ende // Text & Produktion: Clara Sofia Fernández in Kooperation mit Victoria Tarak // Bonus: Aischa-Lina Löbbert // Video:

Eva Pisana // Musik: Sascha Hohn- Wir in Europa // Dramaturgie und Inszenierung: Ann-Kathrin Auditor und Indre Bogdan Fotos: Günter Krämmer IM WESTEN NICHTS NEUES

LESEREIHE TERMINE: 16. MAI, 5. JUNI, 14. AUGUST, 20. SEPTEMBER, 5. OKTOBER 2013 Konzept / Idee / Textfassung: raum13 Kolacek & Leßle, Pola Groß Lesende 1. Lesung:

Nikolaus Benda, Anne Düe, Florian Lenz, Maxwell Richter, Ralf Richter, Wolfgang SchefußLesende 2. Lesung: Stefan Bitterle, Anne Düe, Florian Lenz und Marc LeßleLesende 3. Lesung:

Christine Achternkamp, Mareike Blick, Monika Deth, Sofia Fink, Sabrina Glas, Sindy Goretzki, Anja Heitkamp, Ulrike Holler, Dorothea Koslowski, Murielle Mundt, Tanja Odenthal, Tatjana

Papendorf Lesende 4. Lesung: Wolfgang Schefuß Lesende 5. Lesung: Stefan Bitterle, Felix Hoyer Distel, Wolfgang Schefuß SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #2 KRIEGSBLICKE

URAUFFÜHRUNG 14. JUNI 2013 Von: raum13 Kolacek & Leßle, Inszenierung: Anja Kolacek, Bühne / Licht: Marc Leßle, Textfassung / Dramaturgie: raum13 Kolacek & Leßle und Pola Groß,

Bühnenmusik: FM Einheit, Kostüm: Moni Wallberg, von und mit: Nikolaus Benda, Anne Düe und Florian Lenz, Bühnenbildassistenz: Verena Bildhauer DIE BIBEL (AT) FAST EINE LESUNG 19.

APRIL 2014 Von und mit: Marc Günther IM PULS 30. APRIL 2014 RAUM13 MIT ON@ACHT BRÜCKEN Projekte von: raum13 Kolacek & Leßle | Niklas Seidl & Paul Hübner | e(k)lektrik

Interaktive: Ferdinand Grätz, Tobias Hartmann, Sergej Maingardt | Ensemble gamut inc: Marion Wörle & Maciej Sledziecki | Hayden Chrisholm & Fo(u)r alto WEIL WIR LIEBEN WAS WIR

TUN MODE INSZENIERT 10. MAI 2014 Von: raum13 Kolacek & Leßle und Blauer Montag Hempel & Wallberg Dj`s: Fangkiebassbeton, DJ himself, Hans Nieswandt Fotos: Thomas Schäkel

BAD TRIP FESTIVAL 27. JUNI 2014 Trip #1 Romitelli Extended – Plattform Für Nachwuchskünstler Kuratiert von raum13 Kolacek & Leßle Projekte Von Und mit: Implied - Aischa-Lina

Löbbert & Clara Sofia Fernández & Block Barley, Yasha Wang, Sindy Tscherrig & Fabian Jung, Elektronisches Teil – Florian Lenz & Jonas Siepmann Trip #2 Blood | Tra I Tempi & Claudia

Lichtblau Trip #3 | Hand Werk & Rochus Aust Trip #4 Professor Bad Trip | Ensemble Garage & Leda Eine Veranstaltung Der Kgnm In Kooperation mit Raum13 Fotos: Günter Krämmer NEW

LEVEL 13.–15. AUGUST 2014 raum13 mit der gamescom Literatur und Spiele 13. August: New Level – mit Mario Giordano (Autor), Katharina Tillmanns (Cologne Game Lab), Jörg Burbach

(Lübbe Verlag), Jan Müller-Michaelis (Spieleentwickler, Daedalic Entertainment) 14. August 2014 – 19 Uhr mit Christian Schiffer, Robert Glashüttner, Christian Huberts, Jan Boraryn u. a.15.

August 2014: Moderation: Jan Drees MEDUSAS GARTEN AUSSTELLUNGSERÖFFNUNG 13. SEPTEMBER 2014 Skulpturen: Martin Kleppe, Raum/Licht: raum13 Kolacek & Leßle TAG DES

OFFENEN DENKMALS JÄHRLICH SEIT 2014 Prof. Dr. Walter Buschmann, Anja Kolacek und Marc Leßle JUNG! NA UND! METROPOLIS 24.–26. OKTOBER 2014 Konzept | Idee |

künstlerische Gesamtleitung: raum13 Kolacek & Leßle Projekte von: Yasha Wang, Dany Handschuh, Levin Handschuh, Marion Schindler, Samuel Penderbayne und Katharina S. Müller, Graf

Hartwig zu Frei: Leonie Graf, Benj Hartwig, Nicole Frei und Nuria Höyng | Asuka Riedl Mentoren: Katja Gehrke, Bühnenbild | Jan Glisman, Video | Gesine Grundmann, Bildende Kunst | Anja

Kolacek, Regie / Choreografie SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #3–1 DAS WERK URAUFFÜHRUNG 30. APRIL 2015 Von: raum13 Kolacek & Leßle // Inszenierung: Anja Kolacek

und Marc Leßle In Zusammenarbeit mit: Jonas Anders, Verena Bildhauer, Kathrin Blume Wankelmuth, Volker Eulitz, Katja Gehrke, Karl Hilmes, Nicol Hungsberg, Martina Kock, Ellen Müller,

Josefine Patzelt, Inna Poltorychin, Oliver Schell, Andreas Schmid, Ilaa Tietz, Elsa Weiland Dank an: Marita und Michael Cramer


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2015/16–2018/19

THEATER URAUFFÜHRUNGEN | INTERVENTIONEN | PERFORMANCES | STADT-PARCOURS | INSZENIERTE FÜH-

RUNGEN | AKUSTISCHE RAUMINSTALLATIONEN | THEATRALE WERKSTÄTTEN | PARTIZIPATIVE KONFERENZEN

BETEILIGTE

DAS LAND UTOPIA ROADMOVIE START 4. MAI 2015 Konzept | Idee | künstlerische Leitung: raum13 Kolacek & Leßle von und mit Verena Bildhauer und Bürger*innen DAS LAND UTOPIA

AUFTAKT URAUFFÜHRUNG 12. & 13. DEZEMBER 2015 Konzept | Idee | künstlerische Leitung: raum13 Kolacek & Leßle DAS FORUM INTOLLERANZA AUFTAKT: 19. & 20. DEZEMBER

2015 Konzept | Idee: raum13 Kolacek & Leßle in Zusammenarbeit mit Jan Breitenstein DAS LAND UTOPIA ZWISCHENRÄUME 2016 AUSSTELLUNGSERÖFFNUNG 20. MAI 2016 Von

und mit: raum13 Kolacek&Leßle, Suleika Ulmen & Sabine Bürk DAS LAND UTOPIA TRIFFT DAS FORUM INTOLLERANZA UA 17. JUNI 2016 Konzept | Idee | künstlerische Leitung:

raum13 Kolacek & Leßle DAS LAND UTOPIA JUBILÄUMSAUSGABE AUSSTELLUNGSERÖFFNUNG 17. SEPTEMBER 2016 Konzept | Idee | künstlerische Leitung: raum13 Kolacek & Leßle

in Zusammenarbeit mit: Katja Gehrke Ausstellung Dokumentation der Kunstproduktionen und Jubuläumszeitung – Fotos Dokumentation: Heike Fischer, Günter Krämmer, Klaus Lefevre, Marc

Leßle, Wolfgang Weimar RAUM13 DEUTZER ZENTRALWERK DER SCHÖNEN KÜNSTE FÜHRUNGEN SEIT 18. SEPTEMBER 2016 Anja Kolacek, Marc Leßle, Walter Buschmann, Christof

Breidenich DAS LAND UTOPIA 16 URAUFFÜHRUNG 10. DEZEMBER 2016 Von und mit: Max Bunder, Katja Gehrke, Karl Hilmes, Martina Kock, Anja Kolacek, Marc Leßle, Andreas Pocke,

Sandra Queller DAS LAND UTOPIA QUERKÖPFE ÖFFNEN ZWISCHENRÄUME 16. MÄRZ 2017 Von und mit: Hans Joachim Irmler, Nightingales, raum13 Kolacek & Leßle DIE BILDER

HINTER DEN BILDERN URAUFFÜHRUNG 24. JUNI 2017 Konzept | Idee | künstlerische Leitung: raum13 Kolacek & Leßle mit Katja Gehrke, Brigitte Breidenich, Martina Kock, Karl Hilmes,

Jochen Kuhs, Alex El Salib ICH BIN IHR 2017 INTERNATIONALE WERKSTATT 17. JULI–20. AUGUST 2017 Konzept und Künstlerische Leitung: raum13 Kolacek & Leßle Impulsgeber und

Spezialisten im August und September: Aude Bertrand, Anne-Katrin Bicher, Georg Blokus, Brigitte Breidenich, Christof Breidenich, Jan Breitenstein, Walter Buschmann, Reigina Erl, Pia Gaul,

Winfried Gellner, Ruth Gilberger, Maria Gorius, Teresa Grünhage, Julia Hahn, Ingrid Hack, Karl Hilmes, Nicol Hungsberg, Johannes Just, Martina Kock, Jennifer-Aaliyah Koch, Andrew Kikulwe ,

Anja Kolacek, Thea Kuhs, Jochen Kuhs, Marc Leßle, Max Maehl, Christoph Meier, Maria Ntale, Anja Plemper, Benjamin Schad, Rolf Scheyer, Ruth Sembiro, Mike Sembiro, Jessy Sserwadda,

Maria Wagner, Jutta Pöstges ICH BIN IHR SPEZIAL 2. SEPTEMBER 2017 Mike Ssembiro, Ruth Sembiro, Andrew Kikulwe, Marie Ntale, Jessy Sserwadda ICH BIN IHR STILLE THEATRALE

FÜHRUNG URAUFFÜHRUNG 28. OKTOBER 2017 Konzept | Idee | künstlerische Leitung: raum13 Kolacek & Leßle DAS LAND UTOPIA TIME TRAVELLERS URAUFFÜHRUNG 2.

DEZEMBER 2017 Konzept | Idee | künstlerische Leitung: raum13 Kolacek & Leßle LAB 1869 ZUKUNFTSWERK STADT #1 5. MAI–3. JUNI 2018 Konzept: raum13 Kolacek & Leßle

Spezialist*innen: Christine Beckmann & Sebastian Sonntag – podcast // Judith Behmer - Dipl. Psychologin, Medien- und Kulturforschung, Labor Projektgalerie // Silvia Beuchert – Initiatorin

Mülheimer Nacht // Aude Bertrand – Kulturmanagerin // Claudia Bleier & Gerd Conrads – Kölner KulturPaten // Prof. Dr. Walter Buschmann – RWTH Aachen // Prof. Dr. Christof Breidenich

– Macromedia, HdK Berlin // Georg Dietzer – KünstlerKurator, Netzwerker und Berater für Kulturprojekte // Britta Eschmann – Die essbare Stadt // Barbara Förster – Kulturamtsleitung // Prof.

Dr. Dr. h.c. Hans-Joachim Gehrke – Universität Freiburg // Katja Gehrke – Bühnenbildnerin u. Innenarchitektin // Dr. Winfried Gellner – Kulturamtsreferent 2005 bis 2013, Preisträger Kölner

Ehrentheaterpreis // Anna Mareen Henke & Georg Blokus – Schule der politischen Hoffnung // Martin Herrndorf – colabor, Tag des guten Lebens // Dr. Hanna Hinrichs – Stadtbaukultur NRW

// Lisa Hugger – Stiftung Trias // Dirk Kolacek – Stadt Grün RUHR– Urbane Freiraumentwicklung // Thea Kuhs – Schulleiterin Berufskolleg Opladen // Ralf Leppin – Vorstand der Mietergenossenschaft

Kalscheurer Weg eG // Thomas Luczak – Luczak Architekten // Bodo Marciniak – Marciniak Architekten GmbH // Katharina Mrugalla & Henrik Schulze Neuhoff – Projektleitung

Museumsnacht // Peter Menke – Stiftung Die Grüne Stadt // Christiane Müller – Deutsche Kinder und Jugend Stiftung // Christian Schaller – Schaller Architekten Stadtplaner BDA // Marc

Müller –Labor am Ebertplatz // Odo Rumpf – Freistaat Odonien // Norbert Rüther – Psychiater Mitglied des Landtages NRW a.D., Mitglied des Rates der Stadt Köln a.D. // Eva Rusch – icon,

Herausgeberin der Mülheimia und des Blogs Mülheimer Hafen // Dr. Bettina Schmidt-Czaia – Leitung Historisches Stadt Archiv // Andreas Schmitz – Geschäftsführer Quartier am Hafen //

Martin Schmittseifer – Geschäftsführer Jack in the Box // Friedhelm Terfrüchte – Planungsbüro DTP Landschaftsarchitekten GmbH // Thomas Thorausch – Deutsches Tanzarchiv Fotoausstellung:

Alexander Calvelli, Martina Goyert, Max Grönert, Thea Kuhs, Christoph Kraneburg, Arton Krasniqi, Günter Krämmer, raum13 Kolacek& Leßle, Sebastian Linnerz DAS LAND UTOPIA

FORMENCOLONIA 16. JUNI 2018 Ein Projekt von und mit: Ulrike Anna Bleier, Hans Joachim Irmler, Mia Frimmer, Anja Kolacek, Marc Leßle, Martin Mandler, Marie T. Martin, Mathis Mayr,

Carl Friedrich Oesterhelt, Salewski ICH BIN IHR INTERNATIONALE WERKSTATT UND WERKSCHAU 2018 16. JULI–20 AUGUST 2018 Künstlerische Leitung & Umsetzung: raum13

Kolacek&Leßle in Kooperation mit: Prof. Dr. Christof Breidenich - Hochschule Macromedia Köln u. Universität der Künste Berlin, Mediendesign und Designmanagement, Prof. Dr. Walter

Buschmann - Rheinische Industriekultur e.V., Kunsthistoriker, Katja Gehrke - Bühnenbild Innenarchitektur Mainz, Mike Ssembiro – Ministerium Uganda / Leiter African Peace Murals – Uganda,

Ruth Ssembiro Namakula – Kasangula Talent School – Uganda, Andrew Kikulwe – Kasangula Talent School – Uganda, Mary Ntale – Leiterin Projekt Youth Creativity@Hand – Uganda, Nguyn

Ho Dũng – Rolomostudio – Vietnam, Nguyen Lan, Charles Francois, Carl Friedrich Oesterhelt, Hans Joachim Irmler, Mia Frimmer, Mathis Mayr, Salewski ZEITSPIRALFEDERN FESTIVAL #1

DIE URAUFFÜHRUNG URAUFFÜHRUNG 22. SEPTEMBER 2018 Die Initiatoren und Inszenatoren: Anja Kolacek, Marc Leßle Die Autoren: Mia Frimmer, Anja Kolacek, Marc Leßle, Carl

Friedrich Österhelt Die Musiker & Komponisten: Hans Joachim Irmler, Matthis Mayr, Karl Friedrich Österhelt, Salewski Die Modellbauer: Martina Kock Die Konstrukteure: Jochen

Kuhs Die Techniker: Karl Hilmes Die Architekten: Prof. Dr. Walter Buschmann, Bodo Marchiniak Die Innenarchitekten: Katja Gehrke Die Designer: Prof. Dr. Christof Breidenich Die Handwerker:

Manfred Adams Die Übersetzer: Thea Kuhs, Benjamin Schad Die Götterboten: Thomas Gerstenberg, Martina Kock, Sabine Hermes, Christiane Müller, Toni Kelter, Uschi Leßle Die Ideengeber

& Berater: Christine Beckmann & Sebastian Sonntag – podcast // Judith Behmer - Dipl. Psychologin, Medien- und Kulturforschung, Labor Projektgalerie // Claudia Bleier & Gerd

Conrads – Kölner KulturPaten // Prof. Dr. Walter Buschmann – RWTH Aachen // Prof. Dr. Christof Breidenich – Macromedia, HdK Berlin // Georg Dietzer –KünstlerKurator, Netzwerker und

Berater für Kulturprojekte // Barbara Förster – Kulturamtsleitung // Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Joachim Gehrke – Universität Freiburg // Katja Gehrke – Bühnenbildnerin u. Innenarchitektin // Dr.

Winfried Gellner – Kulturamtsreferent 2005 bis 2013, Preisträger Kölner Ehrentheaterpreis // Anna Mareen Henke & Georg Blokus – Schule der politischen Hoffnung // Martin Herrndorf – colabor,

Tag des guten Lebens // Dr. Hanna Hinrichs – Stadtbaukultur NRW // Lisa Hugger – Stiftung Trias // Dirk Kolacek – Stadt Grün RUHR– Urbane Freiraumentwicklung // Thea Kuhs – Schulleiterin

Berufskolleg Opladen // Ralf Leppin – Vorstand der Mietergenossenschaft Kalscheurer Weg eG // Bodo Marciniak – Marciniak Architekten GmbH // Katharina Mrugalla & Henrik

Schulze-Neuhoff – Projektleitung Museumsnacht // Peter Menke – Stiftung Die Grüne Stadt // Christiane Müller – Deutsche Kinder und Jugend Stiftung // Christian Schaller – Schaller

Architekten Stadtplaner BDA // Marc Müller –Labor am Ebertplatz // Odo Rumpf – Freistaat Odonien // Eva Rusch – icon, Herausgeberin der Mülheimia und des Blogs Mülheimer Hafen // Dr.

Bettina Schmidt-Czaia – Leitung Historisches Stadt Archiv // Andreas Schmitz – Geschäftsführer Quartier am Hafen // Martin Schmittseifer – Geschäftsführer Jack in the Box // Friedhelm

Terfrüchte – Planungsbüro DTP Landschaftsarchitekten GmbH // Thomas Thorausch – Deutsches Tanzarchiv LAB 1869 ZUKUNFTSWERK STADT #2 04.–25. MAI 2019 Idee/Konzept/

künstlerische Leitung: raum13 Anja Kolacek und Marc Leßle Expertinnen /Spezialistinnen/Künstlerinnen: Dr. Heike Baare – Ungers Archiv // Christine Beckmann & Sebastian Sonntag – podcast

// Judith Behmer – Dipl. Psychologin, Medien- und Kulturforschung, Labor Projektgalerie // Claudia Bleier & Gerd Conrads – Kölner KulturPaten // Prof. Dr. Walter Buschmann – RWTH Aachen

// Prof. Dr. Christof Breidenich – Macromedia, HdK Berlin // Drums Off Chaos // Georg Dietzler – KünstlerKurator, Netzwerker und Berater für Kulturprojekte // Barbara Förster – Kulturamtsleitung

// Mica Frangenberg – wildkräuterei // Helmut Frangenberg – Journalist // Hans Joachim Irmler // Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Joachim Gehrke – Universität Freiburg // Katja Gehrke – Bühnenbildnerin

u. Innenarchitektin // Dr. Winfried Gellner – Kulturamtsreferent 2005 bis 2013, Preisträger Kölner Ehrentheaterpreis // Rut Maria Gollan – wagnis München // Matthew Griffin &

Britta Jürgens – Frizz 23 Berlin // Anna Mareen Henke & Georg Blokus – Schule der politischen Hoffnung // Martin Herrndorf – colabor, Tag des guten Lebens // Dr. Hanna Hinrichs – Stadtbaukultur

NRW // Lisa Hugger – Stiftung Trias // Dirk Kolacek – Stadt Grün RUHR– Urbane Freiraumentwicklung // Thea Kuhs – Schulleiterin Berufskolleg Opladen a.d. // Ralf Leppin – Vorstand

der Mietergenossenschaft Kalscheurer Weg eG // Bodo Marciniak – Marciniak Architekten GmbH // Katharina Mrugalla & Henrik Schulze Neuhoff – Projektleitung Museumsnacht // Peter

Menke – Stiftung Die Grüne Stadt // Christiane Müller – Deutsche Kinder und Jugend Stiftung // Christian Schaller – Schaller Architekten Stadtplaner BDA // Marc Müller –Labor am Ebertplatz

// Odo Rumpf – Freistaat Odonien // Eva Rusch – icon, Herausgeberin der Mülheimia und des Blogs Mülheimer Hafen // Dr. Bettina Schmidt-Czaia – Leitung Historisches Stadt Archiv //

Andreas Schmitz – Geschäftsführer Quartier am Hafen // Martin Schmittseifer – Geschäftsführer Jack in the Box // Prof. Dr. Schneidewind Wuppertal Institut //Friedhelm Terfrüchte – Planungsbüro

DTP Landschaftsarchitekten GmbH // Thomas Thorausch – Deutsches Tanzarchiv


DAS KUNST- UND STADTENTWICKLUNGSPROJEKT RAUM13 DEUTZER ZENTRALWERK DER SCHÖNEN KÜNSTE

IN ZAHLEN:

Eigenmittel 25 %

Gegründet 2011 mit Eigenmitteln Kolacek & Leßle ca. 150 000 €

Eintrittsgelder seit 2011 ca. 60 000 €

Einnahmen Dienstleistungen ca. 25 000 €

Einnahmen Vermietungen ca. 200 000 €

Öffentliche Förderung 41 %

Institutionelle und Projektförderung der Stadt Köln seit 2011 ca. 535 000 €

Förderung Ensemblegründung des LVR 2011 35 000 €

Investitionsförderung 2012 des LVR für technische Anschaffungen 40 000 €

Projektgelder des Landes NRW seit 2011 ca. 80 000 €

Dauerleihgabe von tech. Equipment, Technikpool der Stadt Köln im Wert von ca. 25 000 €

Private Förderung 34 %

Erstförderer RheinenergieStiftungKultur, Gesamtförderung seit 2011 105 000 €

Fond Soziokultur 2019 20 000 €

Geldspenden seit 2011 ca. 60 000 €

Sachspenden seit 2011 ca. 120 000 €

ca. 19 000 unentgeltliche Arbeitsstunden á 15 € bürgerliches Engagement ca. 285 000 €

Gesamtumsatz ca. 1 740 000 €

Revitalisierte Fläche seit 2011

Partizipierende Bürgerschaft/Besucher*innen seit 2011

ca. 10 000 qm

ca. 53 000 Pers.

GEFÖRDERT DURCH:

Kulturamt der Stadt Köln

Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen

RheinEnergie Stiftung Kultur

Landschaftsverband Rheinland

Fonds Soziokultur

StadtBauKultur NRW

AUSWAHL AUSZEICHNUNGEN:

2011 Herausragende Leistung zur aktuellen Entwicklung des Tanzes – Deutsche Bühne

2013 Auszeichnung Kurt-Hackenberg-Preis für politisches Theater

2013 Nominierung Kölner Theaterpreis

2014 Das renommierte Goethe-Institut hebt raum13 auf die Liste der zehn wichtigsten Projekte in der BRD, die sich erfolgreich

mit der kulturellen Nutzung von historischen Industrieanlagen beschäftigen. Auf dieser Liste sind noch u. a. so bekannte

Institutionen wie das Muffatwerk München, das Radialsystem V Berlin, die Kulturbrauerei Berlin und die Zeche Carl Essen.

2015 Nominierung Kurt-Hackenberg-Preis

2018 Nominierung Kurt-Hackenberg-Preis

2018 Nominierung Kölner Kulturrat als zukunftsweisende junge Initiative


317

DANKSAGUNGEN:

Wir bedanken uns herzlich für die O-Töne von:

Judith Behmer

Kulturpsychologin/Labor am Ebertplatz

Prof. Paul Böhm

TH Köln Fakultät für Architektur

Prof. Dr. Christof Breidenich

Studio Breidenich/Hochschule Macromedia

Prof. Dr.-Ing. Walter Buschmann

RWTH Aachen Denkmalpflege

Gerd Conrads

Vorstand Kölner Kulturpaten e.V.

Hans-Gerd Ervens

Zeitzeuge ehemaliger Mitarbeiter KHD

Prof. Dr. Dr. hc. Hans Joachim Gehrke

Althistoriker der Universität Freiburg

Adolf Hellmich

Zeitzeuge KriegsBlicke

Thea Kuhs Schulleiterin Berufskolleg Opladen a. D.

Peter Menke

Vorstand Stiftung Grüne Stadt

Hubert Mühlenbach

Zeitzeuge ehemaliger Mitarbeiter KHD

Christiane Müller

Politikwissenschaftlerin

Jutta Pöstges

Kubist e.V., X-SÜD

Linda Rennings

Gründerin HIK Heimatlos in Köln

Eva Rusch

icon Kommunikation für Kultur und Wirtschaft

Christian Schaller

Dipl.-Ing. Architekt

Martin Schmidt

Architekt, Landschaftsverband Westfalen-Lippe Baukultur

Martin Schmittseifer

Vorstand Jack in the Box

Prof. Dr. Uwe Schneidewind

Präsident und wissenschaftlicher Geschäftsführer des Wuppertal Institut

Henrick Schulze Neuhoff

Projektleitung Museumsnacht

Sebastian Sonntag

Radiomoderator WDR5

Sebastian Tautkus

Hauptschullehrer

Friedhelm Terfrüchte

Dipl.-Ing. Landschaftsarchitekt

Dietmar Voss

Zeitzeuge ehemaliger Mitarbeiter KHD, Dipl.-Ing. Maschinenbau

Weiteren herzlichen Dank für die tatkräftige Unterstützung bei der Konzeption, Gestaltung und Produktion dieses Katalogs

durch:

Prof. Dr. Christof Breidenich, Dirk Behrendt, Katja Gehrke, Dr. Winfried Gellner, Mark Naujokat, Eva Rusch, Anne Winterling

Vielen lieben Dank an unsere engagierten und zahlreichen ehrenamtlichen Unterstützer*innen, allen voran Ursula Leßle

(Mutsch), Ingrid Hack, Thea und Jochen Kuhs für die langjährige Treue zum Projekt.

Unserem Vermieter ein ganz kräftiges Dankeschön für sein Vertrauen und liebevolles Auge auf unsere Unternehmung.

Für die ideelle und strategische Unterstützung bedanken wir uns bei der Stiftung Trias, Marciniak Architekten,

startklar a und b GmbH und Dr. Winfried Gellner.

Dank an Jonas Anders für das entgegenbrachte Vertrauen und die tolle langjährige Unterstützung im technischen Bereich.

Last, not least geht unser Dank an: die Kulturamtsleitung und die kulturpolitischen Sprecher*innen der einzelen Fraktionen,

die vielen Referent*innen und Verwaltungsangestellte, die Politiker*innen, Künstler*innen und Mitarbeiter*innen, die ein

solch unvergleichliches Projekt nicht in den Unmöglichkeitstopf stecken, sondern die Unmögliches möglich machen.

RAUM13 KUNST- UND WISSENSCHAFTSBEIRAT:

Judith Behmer Kulturpsychologin, Mitglied der Geschäftsleitung Rheingold Institut | Prof. Paul Böhm TH Köln Fakultät für

Architektur | Prof. Dr. Christof Breidenich Studio Breidenich, Hochschule Macromedia | Prof. Dr.-Ing. Walter Buschmann RWTH

Aachen Denkmalpflege | Prof. Dr. Dr. hc. Hans Joachim Gehrke Althistoriker der Universität Freiburg und ehemaliger Präsident

des Deutschen Archäologischen Instituts | Dr. Winfried Gellner ehemaliger Referent im Kulturamt der Stadt Köln, Kölner

Ehrentheaterpreisträger 2017 | Anke von Heyl Kunsthistorikerin, Museumspädagogin und Autorin | Prof. Dr. Uwe Schneidewind

Präsident und wissenschaftlicher Geschäftsführer des Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie | Dr. Ulrich Soénius

Historiker, Archivar und stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Industrie und Handelskammer Köln


FOTOS:

EINE REISE DURCH RAUM UND ZEIT:

Seite 006–169 raum13 Kolacek&Leßle | Ausnahmen: Seite 15, 17, 65 – Rheinisch-Westfälisches-Wirtschaftsarchiv, Seite 55,

59, 61, 73 – Thea Kuhs, Seite 85,127, 147 – Günter Krämmer

EINE REISE DURCH RAUM UND ZEIT:

Tretet ein, denn auch hier sind Götter Fotoreihe: raum13 Kolacek&Leßle und Inna Poltorychin Dokumentation: Wolfgang

Weimer | Alleswastanzt Gipfel #3 Dokumentation: Günter Krämmer | Hier und jetzt Dokumentation: Marc Leßle | Eichmann

Dokumentation: Marc Leßle | Substanzen Dokumentation: Günter Krämmer | Mit weißem Wasser bedeckt Dokumentation:

Marc Leßle | Jung! Na und! Von der Unendlichkeit der Endlichkeit Dokumentation: Marc Leßle | Working Class Zero Dokumentation:

Marc Leßle | Träume Fotoreihe: raum13 Kolacek&Leßle | FM Einheit + Irmler Dokumentation: Marc Leßle | Schönheit

der Vergänglichkeit #3 Wohlstand für Alle Fotoreihe: raum13 Kolacek&Leßle Dokumentation: Günter Krämmer | Alice´s

Dinnerparty Dokumentation: Günter Krämmer, Thomas Schäkel | Konzert Kriegsblicke Dokumentation: Marc Leßle | Schönheit

der Vergänglichkeit #2 KriegsBlicke Dokumentation: Günter Krämmer, Thomas Schäkel | Bad Trip Dokumentation: Günter

Krämmer, Marc Leßle | Medusas Garten Dokumentation: Marc Leßle | Jung! Na und! Metropolis Dokumentation: Günter

Krämmer | Schönheit der Vergänglichkeit #3 – 1 Das Werk Fotoreihe: raum13 Kolacek&Leßle Dokumentation: Heike Fischer,

Günter Krämmer | Das Land Utopia Roadmovie Dokumentation: Verena Bildhauer | Das Land Utopia Jubiläumsausgabe

Dokumentation: Marc Leßle | Das Land Utopia Querköpfe öffnen Zwischenräume Dokumentation: Marc Leßle | Die Bilder

hinter den Bildern Dokumentation: Katja Gehrke Marc Leßle | Ich bin Ihr 2017 Werkstatt Fotoreihe: raum13 Kolacek&Leßle

Dokumentation: Mike Sembiro, Marc Leßle | LAB 1869 Zukunftswerk Stadt #1 Dokumentation: Thea Kuhs | Das Land Utopia

Formencolonia Dokumentation: Thea Kuhs, Marc Leßle | Ich bin Ihr 2018 Dokumentation: Thea Kuhs, Marc Leßle | Zeitspiralfedern

Festival #1 Dokumentation: Thea Kuhs, Marc Leßle | LAB 1869 Zukunftswerk Stadt #2 Dokumentation: Thea Kuhs,

Armin August Alexander

VIER THEMEN:

raum13 Kolacek&Leßle

ILLUSTRATIONEN:

Dipl.-Des. Alexander Franke, Architek M. A. Architektur Oliver Plamper


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PROLOG FOYER HOF SCHMIEDE WERKSHALLE SALON DEM DEUTSCHEN VOLK E WASCHKAUE INNERE

TRETET EIN, DENN AUCH HIER SIND GÖTTER SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #3_WOHLSTAND FÜR ALLE SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #2_KRIEGSBLICKE

MOBILITÄT / KLIMAWANDEL ARBEIT / TECHNIK MIGRATION / BEGEGNUNG DEMOKRATIE / BETEILIGUNG


WERKSTRASSE WEISSES STUDIO VORSTANDSETAGE BETRIEBSRAT KONTEXT

321

SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #1_IN 80 TAGEN UM DIE WELT DAS LAND UTOPIA #1 DAS LAND UTOPIA #2 DAS LAND UTOPIA #3

Das Deutzer Zentralwerk der

Schönen Künste ist ein

Gesamtkunstwerk an der

Schnittstelle von Stadtgeschichte

und Stadtentwicklung und will als

Skizze für das im Prozess befindliche

Quartier verstanden werden.

Diese Skizze weitergedacht ....

Freiraum für Skizzen, Texte, Entwürfe


PROLOG FOYER HOF SCHMIEDE WERKSHALLE SALON DEM DEUTSCHEN VOLKE WASCHKAUE INNERE

TRETET EIN, DENN AUCH HIER SIND GÖTTER SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #3_WOHLSTAND FÜR ALLE SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #2_KRIEGSBLICKE

MOBILITÄT / KLIMAWANDEL ARBEIT / TECHNIK MIGRATION / BEGEGNUNG DEMOKRATIE / BETEILIGUNG


WERKSTRASSE WEISSES STUDIO VORSTANDSETAGE BETRIEBSRAT KONTEXT

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SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #1_IN 80 TAGEN UM DIE WELT DAS LAND UTOPIA #1 DAS LAND UTOPIA #2 DAS LAND UTOPIA #3

Freiraum für Skizzen, Texte, Entwürfe


PROLOG FOYER HOF SCHMIEDE WERKSHALLE SALON DEM DEUTSCHEN VOLKE WASCHKAUE INNERE

TRETET EIN, DENN AUCH HIER SIND GÖTTER SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #3_WOHLSTAND FÜR ALLE SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #2_KRIEGSBLICKE

MOBILITÄT / KLIMAWANDEL ARBEIT / TECHNIK MIGRATION / BEGEGNUNG DEMOKRATIE / BETEILIGUNG


WERKSTRASSE WEISSES STUDIO VORSTANDSETAGE BETRIEBSRAT KONTEXT

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SCHÖNHEIT DER VERGÄNGLICHKEIT #1_IN 80 TAGEN UM DIE WELT DAS LAND UTOPIA #1 DAS LAND UTOPIA #2 DAS LAND UTOPIA #3

Freiraum für Skizzen, Texte, Entwürfe


IMPRESSUM:

Erstauflage September 2019

Selbstverlag:

raum13 gGmbH, Haselbergstraße 15, 50931 Köln

Anja Kolacek, Marc Leßle

Redaktion, Konzeption, Satz und Gestaltung:

Anja Kolacek, Marc Leßle

Gedruckt von:

druckpartner

Druck- und Medienhaus GmbH

Am Luftschacht 12

45307 Essen

Auf: 120gr X-PER FEDRIGONI S.p:A

Gesetzt in: Avenir

Deutzer Zentralwerk der Schönen Künste


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Deutzer Zentralwerk der Schönen Künste

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