Neue Highway Ausgabe 04/20 – Jetzt kostenlos lesen und downloaden!

HighwayMagazin

Das Magazin über dein liebstes Kraut – alle zwei Monate neu!

HIGHWAY-MAGAZIN.DE

AUSGABE 04/20 JULI/AUGUST 2020

420-SPEZIAL

DIE LEGENDE

HINTER DEM

WELTBERÜHMTEN

KIFFER-CODE

CANNABISPOLITIK

WIE DIE WHO

CANNABISFREUNDE

IM REGEN STEHEN

LÄSST

BEWÄSSERUNG

MANUELL, AUTOMA-

TISCH, AKTIV, PASSIV

WAS PASST ZU

MEINEM SYSTEM?

LED-TEST & GROW

WIE SCHLÄGT SICH

DIE GOLEAF X1 VON

BIOLEDEX?

SCHOCK-

VERFÜGUNG!

NOVEL-FOOD:

JETZT CBD-

VERBOT IN

NRW?

SORTENPORTRAIT

AUF DEM

Throne

of WeeD

Im Gespräch Mit

GROWSCHRAnK-BAUER

Philipp Frost


AUFFAHRT


Es ist absurd,

dass ein 16-Jähriger

in den Supermarkt

gehen kann, um sich mit

Alkohol zu versorgen,

es einem erwachsenen

Menschen aber verboten ist,

gemütlich seinen

Feierabendjoint

zu rauchen.“


Armin Rohde,

Schauspieler

über die unzeitgemäße

Cannabis-Gesetzgebung

in Deutschland


Die schnellste lichtabhängige Pure CBD-Sorte in unserem Katalog. Perfekt für alle,

die ausschließlich an CBD interessiert und auf Schnelligkeit angewiesen sind. Sie

besticht vor allem durch ihren hohen Cannabidiolgehalt und ihre schnelle Blütephase,

denn letztere fällt im Vergleich zu Dinamed CBD zwischen einer und zwei

Wochen kürzer aus.


“Die schnellste

lichtabhängige CBD-Sorte”.


EDITORIAL

Coverentwürfe Juli/August 2020

S. 56 | LED-Test & Grow

S. 64 | Reefer Madness

Paddy Schmidt

Chefredakteur

S. 14 | CBD-Verbot in NRW?

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

immer noch Corona überall. Gut also, dass wir Cannabisfreunde

immer wissen, wie wir uns die Zeit vertreiben

können... mit einer kleinen Tüte vergeht so eine Pandemie

doch wie im Flug. Oder? Nun, wir wollen lieber nichts

dem Zufall überlassen und haben uns daher entschieden,

auch vorliegende Highway-Ausgabe als kostenloses E-Paper

an unsere treue Leserschaft zu verschenken, damit sowohl

Beschaffungsschwierigkeiten als auch andauernder

Langeweile vorgebeugt wird! Doch wir haben auch viele

Mails und Anrufe erhalten denn einige von euch sind

scheinbar richtiggehend süchtig nach Papier. Wir wollen

zukünftig also diese Fraktion nicht weiter enttäuschen und

kehren aller Voraussicht nach Ende August mit einem Relaunch

an die Kioske zurück! Den genauen Termin könnt

ihr spätestens dann auf unserer Website erfahren.

Während wir also ernsthaft arbeiten, wie vertreibt

sich da die beste Bundesdrogenbeauftragte seit

Marlene Mortler die Zeit? Nun ja, sie hat ihre allercoolste

Freundin angerufen, Heidrun Thaiss von der Bundeszentrale

für gesundheitliche Aufklärung. Nach einer kleinen

Shoppingtour durch die angesagtesten Klamottenläden

der Stadt (siehe Outfits auf Seite 11) haben die beiden

entschieden, was cool ist und was nicht. Und haltet euch

fest, was die beiden Influencer dabei herausgefunden haben:

kiffen ist nicht cool! Kiffen ist sogar uncool! Ach.

Du. Scheiße. Wer hätte das gedacht? Nachdem das also

geklärt war, nutzten die beiden ihren Einfluss und starteten

eine Kiffen-ist-nicht-cool-Kampagne (siehe News auf

Seite 12). Denn jeder weiß, dass das einzige, was noch

wirksameren Jugendschutz verspricht als eine stinknormale

Legalisierung, eine Kiffen-ist-nicht-cool-Kampagne

ist! Omi Heidrun schmeißt also die Hunderttausender aus

dem Fenster, damit Berliner Werbefuzzis bei Instagram

kleine Kinder verarschen können? Wofür zahlen wir eigentlich

Steuern?

Wisst ihr, was nicht cool ist? Offizielle deutsche

Drogenpolitik. Offizielle deutsche Drogenpolitik ist Verarschung

und jeder, der nicht im Altenheim residiert, weiß

das im Grunde seines Herzens auch. Ebenso, dass Cannabisbefürworter

keine Spinner vom Schlage eines Attila

Hildmann sind. (Okay, ihr habt recht. Der Satz muss

so gehen: Ebenso, dass die meisten Cannabisbefürworter

keine Spinner vom Schlage eines Attila Hildmann sind.)

Cannabisbefürworter werden einfach bloß ignoriert. Das

Leiden ist für die meisten offenbar nicht groß genug,

um sich zusammenzutun und laut zu werden. Selbst ein

Großteil derer, die den Führerschein verloren oder eine

Strafe kassiert haben, setzt sich nicht öffentlich für Cannabis

ein. Und solange das so bleibt, werden weiterhin Drogenbeauftragte,

halb Mensch, halb Pudel, und Roboter in

den Körpern von 130 Jahre alten Frauen, die sich anziehen,

wie die Queen von England seit den 1960ern mehr,

auf die Bevölkerung gehetzt, um dieser bei Instagram zu

erklären, dass kiffen nicht cool ist...

Eure Highway-Redaktion

Lesetipps Juli/August 2020

6 HIGHWAY • Juli/August 2020


YOUR PASSION

OUR PASSION

DUTCH PASSION

www.dutch-passion.com

Juli/August 2020 • HIGHWAY 7


Inhalt

Juli/August 2020

3 Auffahrt

12 News Deutschland

16 News Österreich/Schweiz

18 News International

20 News Medizin

22 Und sonst so?/Instawatch

24 Politik

WHO-Reklassifizierung

28 420-Spezial

Der 420-Code

38 Glosse

Wat Jibbit?

40 Growing

Arten der Bewässerung

48 Sortenportrait

Cheese

50 Interview mit

Growschrank-Bauer

Philipp Frost


Pro Outdoor-Pflanze werden im Emerald County

in Kalifornien etwa zwischen neun und 22 Liter

Wasser verbraucht. Mehr zum Thema

Bewässerung von Cannabispflanzen gibt

es ab Seite 42

56 Growing

Test & Grow:

Taison Auto & GoLeaf X1

62 Goodies

64 Lounge

Kifferwahn

66 Händlerverzeichnis

68 Gewinnspiel/Impressum

70 Ausfahrt/Bildnachweise


News

• Die Grünen knicken beim Thema Cannabis (mal wieder) ein

Neue Kampagne: Drogenbeauftragte will Jugend besser erreichen

• Kilo-Bust in Wien: Handy der Verdächtigen zu schlau für Polizei

• Nationalrat will Freizeit-Cannabis in Schweizer Apotheken austesten

• Brasilien: größter Marihuana-Bust aller Zeiten

• USA: DEA darf Protestierer ab sofort wie Drogenhändler behandeln

• Cannabiskonsum mit erhöhten Testosteronspiegeln bei Männern assoziiert

10 HIGHWAY • Juli/August 2020


Sie wissen was, Juli/August cool ist. 2020 Mehr • HIGHWAY auf Seite 11 12


NEWS | DEUTSCHLAND

Die Grünen knicken

beim Thema Cannabis

(mal wieder) ein

Ach ja, man kennt sie mittlerweile zur

Genüge, die alte Leier: den Grünen

liegen die Cannabiskonsumenten in diesem

Land, seien es nun Patienten oder

Freizeit-Nutzer, ja so sehr am Herzen.

Im Parteiprogramm wird das „Recht

auf Rausch“ proklamiert, da soll endlich

„Schluss sein mit der der Kriminalisierung“

harmloser Bürger und der

„Schwarzmarkt endgültig ausgetrocknet“

werden. Da kann es auch schon

mal passieren, dass auf dem lässigen

Cem- Özdemir-Selfie, ganz nonchalant,

eine Hanfpflanze im Hintergrund drapiert

ist, betont unauffällig platziert, und

doch nicht zu übersehen. Toll, denkt

sich der geneigte Cannabisfreund, die

setzen sich wenigstens für mich ein! Das

Problem an der Sache ist, dass die Grünen,

wenn sie denn mal in Regierungsverantwortung

gelangt sind, das Thema

Wenig standfest:

Hamburger Grünen-Chefin

Anna Gallina

Legalisierung auf einmal doch nicht

mehr so interessant finden und gewillt

sind, es schneller fallen zu lassen, als

einen heißgerauchten Roach. Das hat

man 1998 beobachten können, als mit

Neue Kampagne:

Drogenbeauftragte will

Jugend besser erreichen

Kiffen ist nicht cool. Es ist cool, nicht

zu kiffen!“ Arbeitet Bundesdrogenbeauftragte

Daniela Ludwig (CSU)

etwa gerade daran, ihr eigenes Negativ-

Bonmot zu kreieren, also ganz nach

dem Vorbild ihrer mittlerweile schon

fast legendären Vorgängerin Marlene

Mortler („Cannabis ist verboten, weil

es eine illegale Droge ist.“)? Nicht ganz,

Ludwig hat der Öffentlichkeit lediglich

vor Kurzem ihre neue Cannabis-Aufklärungskampagne

in einer Pressekonferenz

vorgestellt. Die Maßnahmen

sollen der Prävention dienen und sind

ganz darauf ausgelegt, bei Jugendlichen

Neugier (aufs rauschfrei bleiben natürlich)

zu wecken und ihnen „Angebote

zur Recherche“ an die Hand zu geben,

damit sie sich selbstständig zu dem Thema

„informieren“ können. „Mach dich

schlau!“ heißt also auch der Claim der

Kampagne und dieser appelliert an die

Eigeninitiative und versucht so, den

„erhobenen Zeigefinger“ zu umschiffen,

der Jugendliche verständlicherweise

abschreckt und, wenn überhaupt,

nichts als taube Ohren zur Folge hat.

Die Zielgruppe soll auf sozialen Medien

wie Instagram und Tik Tok mit

kurzen Clips abgeholt werden, zudem

sollen für die Generation Z relevante

Testimonials eingebunden werden.

Schade und bezeichnend ist, dass der

Themenkomplex Legalisierung in der

Pressekonferenz nicht zur Sprache kam

beziehungsweise der vermeintliche Kausal-Zusammenhang

zwischen Freigabe

und Konsumprävalenz nicht angetastet

wird. Erst vor einigen Wochen stellte

selbst der Wissenschaftliche Dienst des

Bundestags fest, dass ein solcher überhaupt

gar nicht nachweisbar sei. In einer

Debatte, die von Seiten Ludwigs nur

allzu gern auf dem Rücken der Jugendlichen

ausgetragen wird, wäre eine Auseinandersetzung

mit dieser Frage aber

mehr als wünschenswert gewesen. Auch

keiner der (offenbar handverlesenen) anwesenden

Journalisten hielt es für nötig,

Daniela Ludwig mit der den Jugendschutz

fördernden Seite einer Legalisierung

zu konfrontieren. Daniela Ludwig

selbst wurde im Verlauf der Konferenz

nicht müde zu betonen, dass Prävention

im Fall von Tabak und Alkohol schon

große Erfolge bei Jugendlichen gezeigt

hätten. Dass dieser Erfolg auch etwas

mit dem legalen Status der beiden Alltagsdrogen

zu tun haben könnte, auf

diesen Gedanken möchte sie leider nicht

kommen. Natürlich kommen auch belastbare

Zahlen, die etwa Frankreich

(mit die restriktivsten Cannabisgesetze

in Europa) einen deutlich höheren Jugendkonsum

als (den etwa auf einem

Level liegenden) Deutschland und Holland

bescheinigen, nicht zur Sprache.

Also, hier soll bestimmt nicht gegen Präventionsmaßnahmen

per se gewettert

werden, aber wäre es nicht langsam angebracht,

teure Kampagnen wie „Mach

dich schlau!“, die ja immerhin mithilfe

von Steuergeldern finanziert werden,

mit einer Legalisierung im Rücken zu

unterstützen, als sie durch die Prohibition

ins Leere laufen zu lassen?

12 HIGHWAY • Juli/August 2020


dem Cannabis-Thema gezielt Bundestagswahlkampf

betrieben wurde, ohne,

dass den Versprechungen Taten gefolgt

wären. Und das kann man auch jetzt wieder

im Rahmen der gerade stattfindenden

Koalitionsgespräche mit der Hamburger

SPD sehen: in vielen wichtigen umstrittenen

Bereichen konnte man sich einigen,

nur beim Thema Cannabis, da findet

man wohl auf Teufel komm raus keinen

gemeinsamen Nenner. „Wir haben uns

darauf verständigt, dass wir uns in der

Frage nicht verständigen können. Deswegen

gibt es dazu auch keine Regelung

im Koalitionsvertrag“, so die Hamburger

Grünen-Chefin Anna Gallina. Na sowas!

Das Statement erinnert in seinem

kühnen Pragamtismus ja schon fast an

Marlene Mortlers berühmten Ausspruch

vom verbotenen, weil illegalen

Cannabis. Die flapsige Formulierung lädt

zu Spekulationen ein, welchen Stellenwert

das Thema innerhalb der Verhandlungen

hatte, auch wenn klar sein muss,

dass in Sachen BtMG ohne den Bund

sowieso nichts Handfestes läuft. Eine Sache

ändert sich dann aber doch, zumindest

für junge Drogenkonsumenten: sie

sollen zukünftig straffrei ausgehen und

umgehend eine Suchtberatung erhalten.

Das Vorhaben wurde bisher zwar nur

vage skizziert, aber immerhin kann unsere

Drogenbeauftragte so weiterhin mit ordentlich

Nachschub für ihre immer gern

zitierte „Es-gehen-immer-mehr-Men-

schen-wegen-Cannabis-in-Behandlung“-

Statistik rechnen. Die eh unwählbaren

CDU/CSU und AFD werden die neuen

Zahlen mit Sicherheit dankend aufgreifen,

um vor den vermeintlich hohen Risiken

des Cannabiskonsums zu warnen.

Klar, irgendwie ist es auch gemein, jetzt

allein den Grünen den schwarzen Peter

zuzuschieben, immerhin gehören zu Koalitionsverhandlungen

mindestens zwei.

Die SPD, ganz davon abgesehen, dass sie

für viele eh längst ebenfalls unwählbar geworden

ist, reißt beim Thema Cannabis

aber halt auch nicht immer so lautstark

die Klappe auf.

Geldstrafe für ein

Gramm: Rentner will

lieber ins Gefängnis

und dort Buch schreiben

Man kann seinen Frust nur zu gut

verstehen: ein 68-Jähriger Mann

wurde zur Zahlung einer Geldstrafe

von 1.200 Euro verurteilt, weil

er mit gut einem Gramm Marihuana

erwischt wurde. Sechs Polizisten

hatten den Rentner auf dem

letztjährigen Oktoberfest umzingelt

und ihn nach eigenen Angaben vier

Stunden lang unter Arrest gehalten,

nachdem sie das Cannabis entdeckt

hatten. Ein besonderer „Skandal“

ist in seinen Augen die bundesweit

uneinheitliche Regelung bezüglich

der sogenannten „Geringen

Menge“. Der ehemalige Pädagoge,

der mit Cannabis seine Arthrose-

Schmerzen lindert, ist empört über

die Strafe und denkt nun gar nicht

daran, zu bezahlen in vollem Bewusstsein

über die möglichen Konsequenzen.

„Da gehe ich gerne

aus Protest mal vier Wochen nach

Stadelheim in den Knast und lasse

mich mit Vollpension verwöhnen“,

so der Betroffene. Doch nicht nur

das: die Zeit hinter Gittern möchte

der Senior nutzen, um ein Buch

über die seiner Meinung nach „verfehlte

Drogenpolitik des Staats“ zu

schreiben. Einen schmissigen Titel

hat er sich auch schon überlegt:

„Ja, ich habe gekifft!“ Mal ganz

davon abgesehen, ob der Betroffene

tatsächlich plant, seinen Worten

auch Taten folgen zu lassen,

ist es rein juristisch gesehen wohl

fraglich, inwiefern eine solche Umwandlung

der Strafe auf freiwillger

Basis überhaupt möglich ist. Falls

er sich letztendlich weigern sollte,

zu bezahlen, könnte er stattdessen

zunächst einmal zu Sozialstunden

verdonnert werden.

Urteil im

Hanfnah-Prozess:

Ende gut, alles gut?

Highway-Leser und Cannabisinteressierte

aus Deutschland haben

es vermutlich mitbekommen: einer

der vielen CBD-Shops, die unter den

Drangsalierungen von Polizei und

Staatsanwaltschaft der letzten Monate

leiden mussten, war neben Hanfbar,

Cannameleon, Hempvizer und HANF!

unter anderem auch die über drei Ladengeschäfte

verfügende Hanfnah-Kette

und ihr Inhaber Tobias Pietsch. Dieser

stand nun monatelang vor Gericht:

in seinen Shops waren 3,8 Kilo CBD-

Blüten „sichergestellt“ worden und

zudem lastete man ihm den Verkauf

von 500 Gramm CBD-Blüten über

seinen Onlineshop an. Wie Pietsch

immer wieder betonte, hielt er sich an

alle geltenden Gesetze, was nun auch

vor Gericht bestätigt wurde: keine einzige

der Blüten enthielt mehr als 0,11

Prozent THC. Die Staatsanwaltschaft

hatte für die insgesamt 4,3 Kilo CBD-

Blüten die mit anderer Verpackung

unweit von den Hannah-Filialen völlig

ungestört durch Polizei und Staat

unter der Bezeichnung Hanftee auch

in den riesigen Filialen von deutschlandweit

agierenden Drogerieketten

verkauft wurden und werden eine

Strafe von einem Jahr und zwei Monaten

auf Bewährung gefordert. „Das

war eine krachende Niederlage für

die Staatsanwaltschaft“, äußerte sich

Pietsch nach dem Prozess. Denn die

Richterin verknackte ihn lediglich zu

50 Tagessätzen auf Bewährung eine

Rarität an deutschen Gerichten und

sozusagen die geringstmögliche Strafe

vor einem Freispruch. Doch warum

dann nicht direkt ein Freispruch? Genau

das denkt sich auch Tobias Pietsch

und will folgerichtig Berufung einlegen,

um vollständig freigesprochen zu

werden.

Juli/August 2020 • HIGHWAY 13


NEWS DEUTSCHLAND

Vertriebsverbot per

Allgemeinverfügung für

CBD-Lebensmittel in NRW

Als CBD-Händler hat man es

in Deutschland nicht leicht, so

viel dürfte sich mittlerweile bis

in die letzte Reihe der Cannabis-Entrepreneure

herumgesprochen

haben. Razzien, Beschlagnahmungen

und Drangsalierungen gehören

leider fast schon zur Tagesordnung. Viel

war von Händlerseite schon zu hören

über die unnötig raue Gangart von Polizei

und Staatsanwaltschaft, von konfiszierten

Chargen, die weit über das Haltbarkeitsdatum

hinaus einbehalten und

damit quasi wertlos wurden, von einem

überaus martialischen Auftritt der eingesetzten

Sondereinsatzkommandos. Man

muss sich selbst nicht einmal als Cannabisfreund

geschweige denn als Legalisierungsaktivist

bezeichnen, um zu merken,

dass hier etwas gehörig falsch läuft. Wenn

ein solcher Aufwand betrieben wird, um

den Handel mit einem Stoff zu unterbinden,

der nachgewiesenermaßen vollkommen

unberauschend wirkt und dem von

der Weltgesundheitsorganisation (WHO)

die völlige gesundheitliche Unbedenklichkeit

bescheinigt wird, dann entsteht

eine Kluft zwischen staatlicher Agenda

und der Lebenswirklichkeit vieler Menschen,

die viele verdrossen und misstrauisch

zurücklässt. Nun könnte man

entgegnen, dass man als CBD-Händler

von Anfang an über die unklare gesetzliche

Regelung und das daraus resultierende

Risiko Bescheid wußte; dass man

durch die bewusste Inkaufnahme dessen

sich gar als einer der wenigen Player eine

einträgliche Postion auf einem jungen,

boomenden Markt einnehmen konnte;

dass freilich niemand dazu gezwungen

wird, CBD-Produkte zu verkaufen. Dabei

geht es im Kern aber mal wieder um

die grundlegende Frage, in welcher Weise

sich der Staat in den Alltag seiner Bürger

einmischen sollte.

Ein Blick ins Sortiment des Berliner

CBD-Shops Hempvizer, der zuletzt immer

wieder mit Razzien zu kämpfen hatte

In das Klima der allegemeinen Unsicherheit

stößt nun eine Meldung

deren vermeintliche Sprengkraft deutsche

CBD-Händler aufhorchen ließ:

die reißerische Überschrift des WDR

ließ tatsächlich Schlimmstes erahnen:

„Hanf im Visier: Köln verbietet CBD-

Produkte“, so hieß es. Verbietet nun

etwa jede deutsche Stadt CBD auf eigene

Faust? Wieso ist so ein Alleingang

überhaupt möglich? Im städtischen

Amtsblatt wurde die Maßnahme, die

ab dem 18. Juni in Kraft tritt, öffentlich

angekündigt. Grund für das Verbot: die

(Neu-)einstufung von CBD-Produkten

als sogenanntes „Novel Food“ und

der (damit einhergehende) Mangel

an Lebensmittelzulassungen seitens

der Händler. Angesichts des Komplexes

„Novel Food“ soll an dieser Stelle

nicht dafür gestritten werden, inwieweit

die neue Kategorisierung für CBD-

Produkte gerechtfertigt oder bürokratischer

Blödsinn ist. Die EIHA (European

Industrial Hemp Association)

stellte nach mehrfacher Konsultation

mit dem Bundesamt für Lebenmittelsicherheit

(BVL) jedenfalls fest, dass die

Einordnung nur für CBD-Isolate oder

Anreicherungen gelten könne, nicht

aber für Vollspektrum-Produkte. Vor

allem aber, und das bestätigte das Kölner

Presseamt telefonisch gegenüber

Highway, habe die „Novel Food“ nur

Auswirkungen auf CBD-Produkte, die

auch ausdrücklich als Lebensmittel eingetragen

und verkauft werden. Macht

natürlich Sinn.„Aromaöle“, „Mundpflegeöle“

etc. sind von der Regelung

ausdrücklich nicht betroffen. Ebenfalls

war zu erfahren, dass es sich mitnichten

um einen alleingen Vorstoß der Stadt

Köln handele (wie der WDR in seiner

Nachricht nahelegt), sondern um ein

Vorgehen, das ganz Nordrhein-Westfalen

betreffe. Aus Juristen-Kreisen heißt

es nichtsdestotrotz, dass ein deratiges

Vertriebsverbot per Allgemeinverfügung

absolut unüblich und ungewöhnlich

sei.

14 HIGHWAY • Juli/August 2020


Mann vergisst Tasche

mit Weed in der Bahn

Kiffen macht vergesslich so lautet

eines der gängigsten Stereotype

über Cannabis(-konsum). Dass

Studien mit Demenzpatienten nahelegen,

dass es auch anders geht, soll

an dieser Stelle ausnahmsweise mal

nicht weiter interessieren. Darauf,

dass das Kurzzeitgedächtnis, gerade

bei unerfahrenen Nutzern, bei akutem

Konsum manchmal nicht ganz

das macht, was man von diesem

eigentlich erwartet, kann man sich

wohl einigen. Dass man aber seine

40 Gramm Cannabis auf der Sitzbank

in der Bahn liegen lässt und

seelenruhig aussteigt das ist schon

ein starkes Stück und eher nicht auf

eventuell stattgefundenen Cannabiskonsum

zu schieben. Einem 23-Jährigen

aus Freudenstadt passierte

genau das und bevor er merkte, was

los ist, hatte ein Bahnmitarbeiter bei

seinem Kontrollgang im leeren Abteil

schon eine herrenlose Einkaufstasche

mit merkwürdigem Inhalt

(und Geruch) gefunden. Eine heikle

Situation, die eine schnelle Entscheidung

erfordert: sollte man trotz

Symbolbild

des Risikos, erwischt zu werden,

nach dem vergessenen Objekt fragen

oder lieber den Verlust akzeptieren

und mit großer Wahrscheinlichkeit

unbehelligt bleiben? Der junge

Mann entschied sich für Option A

(wer könnte es ihm verdenken): als

er die fehlende Tasche endlich bemerkt

hatte und an das Fenster der

Lok klopfte, um nachzufragen, war

das Bahnpersonal leider schon im

Begriff, die Polizei zu informieren.

Vor Gericht wurde es dem jungen

Mann dann zusätzlich zum Verhängnis,

dass die 40 Gramm Weed

nicht am Stück vorlagen, sondern

in kleine Zwei-Gramm-Baggys abgepackt

worden waren. Zuvor hatte

der Angeklagte beteuert, dass es

sich bloß um Eigenbedarf handele

und er keinen Handel betreibe. Das

Gericht glaubte seiner Version der

Geschichte wohl nicht so ganz und

folgte bei der Urteilsfindung der Linie

der Staatsanwaltschaft. Das Resultat:

eine einjährige Freheitsstrafe

auf Bewährung sowie eine Geldstrafe

über 2.000 Euro.

Juli/August 2020 • HIGHWAY 15


NEWS | ÖSTERREICH/SCHWEIZ

Direkt neben Polizeirevier:

Wiener

baut Cannabis an

Wie sagt man so schön? Dreist gewinnt.

Nach diesem Motto handelte

wohl auch ein Mann aus Wien,

Original Polizeifoto

Beamten entschlossen sich, nicht

gleich zuzuschlagen, sondern dem

verdächtigen Fahrzeug erst einmal

weiter zu folgen. Vor den Augen

der uniformierten Beobachter holten

die Verdächtigen tatsächlich

kurze Zeit später eine größere Menge

Cannabis aus dem Kofferraum

und der Zugriff erfolgte prompt.

Trotz erdrückender Indizienlage

gaben sich die Verdächtigen

auf der Wache nicht nur äußerst

wortkarg, auch ein weiteres Detail

an dem Fall dürfte die Ermittler

zur Weißglut treiben: denn bei

den Smartphones der mutmaßlichen

Dealer handelte es sich um

speziell „getunte“ Handys, die es

jedem unregistrierten Nutzer extrem

schwer machen, auf seinen

Inhalt zuzugreifen. Handelsübliche

Telefonie soll mit diesen Geräten

gar nicht möglich gewesen sein,

ergaben Recherchen der Nachrichder

sich dazu entschloss, Cannabispflanzen

in seiner Wohnung anzubauen,

obwohl sich das Mehrfamilienhaus,

in dem er lebte, in unmittelbarer

Nachbarschaft zu einer Polizeistation

befand. Womöglich hatte er darauf

gesetzt, dass niemand auf die Idee

käme, neben einem Polizeirevier eine

Cannabis-Anlage zu vermuten. Eine

zeitlang ging auch tatsächlich alles

gut, doch irgendwann stieg Beamten

im Innenhof des betroffenen Häuserblocks

ein süßlich-würziger Geruch

entgegen, den sie nur allzu gut kannten.

Ein verdächtig aussehendes, zugeklebtes

Fenster wies den neugierig

gewordenen Polizisten dann schließlich

den Weg zur Wohnung des Growers.

32 Pflanzen hatte der 38-Jährige

in einem Zelt angebaut, nach eigenen

Angaben alles für den Eigenbedarf

bestimmt. Die Qualität des Straßen-

Weeds sei einfach zu schlecht, versuchte

sich der Verdächtige zu rechtfertigen.

Die Highway-Redaktion

kann ihn da gut verstehen, zumal er

ja, wie die meisten Grower, niemandem

Schaden zugefügt hat. Bei den

Beamten stieß er mit seiner Erklärung

leider naturgemäß auf taube Ohren

und darf sich jetzt mit einer Anzeige

auseinandersetzen.

Kilo-Bust in Wien:

Handy der Verdächtigen

zu schlau für Polizei

Zwei mutmaßliche Cannabis-

Händler müssen sich bald in

Wien vor Gericht verantworten.

Die Polizei hatte bei den Verdächtigen

eine größere Menge Cannabis

im Kilobereich sowie 15.000

Euro Bargeld gefunden. Auf deren

Spur kamen die Beamten dank eines

Zufalls und dem leichtsinnigen

Verhalten der Männer: im Zuge

einer Corona-Streife hielten die

Polizisten Anfang April in Wien

an einer roten Ampel und warfen

bei der Gelegenheit einen Blick in

das neben ihnen zum Stehen kommende

Fahrzeug, in dem gerade

der Beifahrer dem Fahrer ein gefülltes

(Marihuana-)Baggy zur Geruchsprobe

vor die Nase hielt. Die

tenseite „Heute.at“, die außerdem

als Herkunft der Geräte die Niederlande

nannte. Stattdessen war

lediglich die Kommunikation über

Chat-Nachrichten mithilfe eines

speziell angepassten Messenger-

Programms möglich. Wird aber der

Entsperr-Code dreimal falsch eingegeben,

so werden alle Daten unwiderruflich

von der Festplatte des

Smartphones gelöscht. Auch ein

nachträglicher Zugriff auf die Server

fällt dann weg, denn die befinden

sich außerhalb der Reichweite

der österreichischen Justiz. Somit

haben die Beamten in diesem Fall,

der bald vor Gericht landen wird,

wohl keine Chance an die wahrscheinlich

höchst sensiblen Daten

heranzukommen. Hätten die Verdächtigen

am Steuer ihres Wagens

doch mal genau so eine Vorsicht

walten lassen wie mit ihrer Kommunikationstechnik.

16 HIGHWAY • Juli/August 2020


Nationalrat will Freizeit-

Cannabis in Schweizer

Apotheken austesten

Der Schweizer Nationalrat hat

zu Monatsbeginn beschlossen,

ein landesweites Pilotprojekt mit

Freizeit-Cannabis ermöglichen zu

wollen. Viele Städte sind bereit und

warten auf das Startsignal, in Bern

hat man sogar schon mit den Apotheken

ausgemacht, welche von

ihnen die Cannabisabgabe dann

übernehmen werden. Gegen den

sogenannten Experimentierartikel

stellten sich vor allem die SVP und

Teile der Mitte-Fraktion und erzählten

den üblichen Quatsch. Verena

Herzog von der SVP (bekannt aus

ihrem YouTube-Hit: „Cannabis

rauchen gibt Löcher in der Lunge“)

schwadronierte etwa in bester Mortler-Manier:

„Cannabis ist nicht

einfach zum Spaß illegal.“ Auch

kämpfte die größtenteils rechtspopulistische

Anti-Cannabis-Fraktion

des Schweizer Nationalrats nicht

nur gegen das Pilotprojekt an sich,

sondern forderte auch in zahlreichen

Anträgen, für den nun eingetretenen

Fall, dass die Pilotprojekte

doch genehmigt werden, allerlei

unmenschliche und schwachsinnige

Auflagen in diese einzubauen. Die

nationalkonservative SVP-Fraktion

Corona-Krise:

Cultiva um ein

Jahr verschoben

Und eine weitere Cannabismesse

reiht sich ein in die Riege derer, die

ihre Veranstaltung um ein Jahr verschieben

auch die langjährig etablierte

Cultiva, die jährlich im Oktober in

einem Vorort unweit von Wien abgehalten

wird, hat sich nun entschieden,

vom Oktober 2020 in den Oktober

wollte unter anderem bestimmen,

dass die 5.000 geplanten Versuchsteilnehmer

des Pilotprojekts in einer

Datenbank registriert werden,

ihren Führerschein abgeben müssen

und Arbeitgeber über die Teilnahme

an dem Projekt informiert werden.

All diese Anträge wurden von den

anderen Fraktionen jedoch abgelehnt.

Die volljährigen Versuchsteilnehmer,

die bereits Cannabiskonsumenten

sein müssen, sollen in

dem Pilotprojekt legal bis zu zehn

Gramm Marihuana in Apotheken

beziehen für alle anderen Schweizer

bleibt Cannabis jedoch auch in

der vorläufig für die maximal fünf

2021 zu verlegen. Der Grund, natürlich:

Corona und die unabsehbaren

Folgen für eine Messeveranstaltung

wenn diese nicht sowieso untersagt

worden wäre. Damit haben praktisch

alle relevanten Cannabismessen in

Europa entschieden, ihre Events um

ein Jahr zu verschieben. Lediglich die

Mary Jane Berlin und die Spannabis in

Barcelona halten noch an ihren Plänen

fest, Anfang September (Berlin)

beziehungsweise Mitte September

(Barcelona) ihre bereits schon einmal

Jahre angesetzten Versuchszeit illegal.

Wenn alles glatt läuft, könnte es

bereits im kommenden Jahr so weit

sein. Nachdem der Nationalrat die

entsprechende Vorlage mit 113 zu

81 Stimmen genehmigte, muss diese

nun noch im Herbst vom Ständerat

abgesegnet werden. Jedoch hätten

die Schweizer Cannabis-Gegner

dann noch ein letztes Mittel, das

dann auch nicht unwahrscheinlich

eingeleitet werden wird, um das

Projekt zu verhindern: die Volksabstimmung.

Dann dürften alle wahlberechtigten

Bürger in der Schweiz

darüber abstimmen, ob die Pilotprojekte

genehmigt werden oder nicht.

verschobenen Messen zu veranstalten,

doch langsam baut sich großer

Unmut unter einigen Ausstellern auf,

die keine Lust haben, wieder erst Tage

vorher Bescheid zu bekommen, dass

die Messe doch nicht stattfinden kann

oder an ihre Verträge gebunden zu

werden, wenn die Aussicht auf Besucherbeschränkungen,

Mindestabstand

und Maskenpflicht eigentlich keine

Chancen auf eine auch nur annähernd

normal durchgeführte und vor allem

lohnende Messe lassen.

Juli/August 2020 • HIGHWAY 17


NEWS | INTERNATIONAL

DEA darf Protestierer

ab sofort wie Drogenhändler

behandeln

Die amerikanische Drogenbehörde

DEA (Drug Enforcement Administration)

hat weitreichende neue Befugnisse

erhalten, um „verdeckte Überwachungen

durchzuführen“ und Informationen

über Personen zu sammeln, die an Protesten

wegen der Ermordung von George

Floyd, der am 25. Mai durch eine

Gruppe US-Polizisten auf offener Straße

zu Tode gefoltert wurde, teilnehmen.

Floyds Tod „hat im ganzen Land weit

verbreitete Proteste hervorgerufen, die

in einigen Fällen Gewalt und Plünderungen

einschlossen“, heißt es in einem

DEA-Memorandum, und weiter: „Polizeibehörden

in bestimmten Gegenden

des Landes haben darum gekämpft, die

Ordnung aufrechtzuerhalten und/oder

wiederherzustellen“. Mit diesem Memo

wurden vorübergehend weitreichende

Sondervollmachten beantragt und unmittelbar

durch einen hohen Beamten

des Justizministeriums abgesegnet. Zusätzlich

zur „verdeckten Überwachung“

von Protestierern sind DEA-Agenten

nun befugt, Informationen mit örtlichen

und staatlichen Strafverfolgungsbehörden

auszutauschen, einzugreifen, um

sowohl Teilnehmer als auch Zuschauer

der Proteste zu „schützen“, Befragungen

und Durchsuchungen von Protestierern

durchzuführen und Protestierende

festzunehmen. „Drogenvollzugsbeamte

sollten keine verdeckte Überwachung

der Proteste und der durch den ersten

Brasilien: größter Marihuana-Bust

aller Zeiten

In Brasilien kam es vergangenen

Monat zum größten Cannabis-

Bust in der Geschichte des Landes.

Knapp 28 Tonnen Marihuana

fand man auf der Ladefläche ei-

Verfassungszusatz geschützten Rede

durchführen“, sagte Hugh Handeyside,

ein leitender Anwalt der Bürgerrechts-

Organisation American Civil Liberties

Union: „Diese Art der Überwachung

und des Informationsaustauschs kann

durchaus eine ungerechtfertigte Untersuchung

von Personen darstellen, die

ihr verfassungsmäßiges Recht ausüben,

Gerechtigkeit zu suchen. Die Exekutive

läuft weiterhin kopfüber in die falsche

Richtung“.

Drei DEA-Quellen sagten gegenüber

„BuzzFeedNews“, dass sie von

dem Memo beunruhigt seien und es als

Beispiel dafür ansehen, dass das Justizministerium

seine Macht missbraucht,

um die Proteste zu diskreditieren und

gegen geschützte Aktivitäten des Ersten

Verfassungszusatzes vorzugehen. Einen

Tag nach der Genehmigung sagte der

inzwischen schwer von seiner Geisteskrankheit

gezeichnete US-Präsident

Trump, dass er „alle verfügbaren Bundesressourcen

zivile und militärische

mobilisiere, um die Unruhen und Plünderungen

zu stoppen, die Zerstörungen

und Brandstiftungen zu beenden und

die Rechte gesetzestreuer Amerikaner

zu schützen, einschließlich ihrer Rechte

nach dem zweiten Verfassungszusatz.“

Es gibt eine lange Geschichte, in der

US-Bundesbehörden Protestgruppen

infiltriert und überwacht haben allein

in den letzten Jahren zuhauf. So wurden

während der Occupy-Wall-Street-

Protestbewegung deren Anhänger durch

das FBI überwacht. Während der Proteste

in Baltimore im Jahr 2015 wegen

des Todes von Freddie Gray, der in Pones

Trucks, versteckt unter einer

Schicht von Maiskörnern. Der

Truck beziehungsweise vielmehr

sein Fahrer hatte sich offenbar zuvor

verdächtig gemacht, als er in

einem Hotel in Grenznähe zu Paraguay

übernachtet hatte. Die Polizei

beobachtete das Fahrzeug auf

seiner Weiterfahrt in Richtung des

lizeigewahrsam starb, überwachte das

Heimatschutzministerium Twitter und

andere soziale Medienplattformen, um

„Informationen“ über die Protestierenden

zu erhalten. In Ferguson, Missouri,

ließ das Ministerium während der Proteste

von 2014 wegen der Ermordung

von Michael Brown durch einen weißen

Polizeibeamten Bundesbeamte die

Protestierenden infiltrieren, um sie zu

überwachen und Informationen zu sammeln.

Die Ermordung von Georg

Floyd löste anhaltende Proteste aus, die

sich teilweise auch in Plünderungen und

gewalttätigen Aufständen entluden. Im

Zuge der Plünderungen hat es auch einige

Cannabis-Shops schlimm erwischt

wenig überraschend gehören sie offenbar

zu der Art Geschäft, das man nur

allzu gern mitnimmt, wenn man sich

denn schon gerade einmal auf Plünderzug

befindet. Social-Media-Posts zeigen

verwüstete Stores, zerbrochene Scheiben

und leere Regale, so etwa im Falle einer

MedMen-Dispensary in Los Angeles.

Wie man es jedoch von Cannabisfreunden

gewohnt ist, reagieren viele Betreiber

angesichts der zerstörten Ladenlokale

gelassen und verweisen auf die generelle

Notwendigkeit der Proteste. „Wir

können unsere Stores wieder aufbauen,

aber ein Menschenleben kann man nicht

so einfach zurückbringen“, äußerte sich

etwa Berner, seines Zeichens Rapper und

Chef der beliebten Cannabis-Kette „Cookies“.

Bleibt zu hoffen, dass die vielen Kilogramm

gestohlener Cannabis-Produkte

wenigstens dazu beitragen konnten, die

Lage wieder ein wenig zu entschärfen.

südlich gelegenen Bundesstaats Rio

Grande do Sul und entschied sich

auf einem Highway bei Mato Grosso

du Sul zum Zugriff. Der Fahrer

gab gegenüber den Beamten an,

dass er den LKW bereits in komplett

beladenem Zustand übernommen

und dementsprechend von

nichts gewusst habe.

18 HIGHWAY • Juli/August 2020


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NEWS | MEDIZIN

Cannabis hilfreich

bei Behandlung von

Fibromyalgie

Laut einer neuen israelischen Studie

mit 101 Patienten, die an Fibromyalgie

erkrankten und im Krankenhaus

nachbeobachtet wurden, war Cannabiskonsum

wirksam, um Schmerzen

zu lindern und andere Schmerzmittel

zu reduzieren. Die durchschnittliche

Dauer des Cannabiskonsums betrug

dabei 15 Monate. Die durchschnittliche

monatliche Konsummenge der

Patienten betrug 29 Gramm Cannabis.

Dieses wurde pur geraucht (54 Prozent),

verdampft (18 Prozent) oder

oral konsumiert (3 Prozent), während

ein Viertel der Teilnehmer verschie-

dene Einnahmeformen versuchte.

Die durchschnittliche Verbesserung

des Schlafs und der Schmerzen betrug

etwas mehr als 77 Prozent mit einer

geringeren Verbesserung bei anderen

Parametern; 36 Prozent der Patienten

berichteten über eine Gewichtszunahme,

während 16 Prozent eine Gewichtsabnahme

ausmachten; 51 Prozent

gaben an, mehr Freizeit im Freien

zu verbringen. Fast ein Viertel der Patienten

berichtete über leichte unerwünschte

Wirkungen und ein Patient,

der monatlich 70 Gramm konsumierte,

entwickelte eine psychotische Attacke.

Ansonsten brach kein Patient die Behandlung

ab. Die Autoren der Studie

kamen zu dem Schluss, dass medizinisches

Cannabis „eine wirksame Behandlung

von Fibromyalgie darstellt“.

Cannabis hilft Patienten

mit posttraumatischer

Belastungsstörung

Nach Angaben von 404 medizinischen

Cannabiskonsumenten aus

den USA mit einer posttraumatischen

Belastungsstörung reduzierte

Cannabis deren Symptome effektiv

um mehr als fünfzig Prozent. Diese

Daten stammen aus einer medizini-

schen Cannabis-App, die die Patienten

verwenden, um Veränderungen

ihrer Symptome in Abhängigkeit von

verschiedenen Cannabissorten und

-dosen über die Zeit zu verfolgen. Die

Teilnehmer verwendeten im Zeitraum

von 31 Monaten die App 11.797 Mal,

um ihre Symptome wie etwa Flashbacks,

Reizbarkeit oder Angst unmittelbar

vor und nach der Inhalation

von Cannabis zu beurteilen. Durchschnittlich

wurden die Symptome

unmittelbar nach der Cannabisaufnahme

um mehr als die Hälfte reduziert.

Der Ausgangsschweregrad aller

Symptome blieb im Laufe der Zeit

konstant. Die Autoren der Washington-State-Universität,

die die Studie

durchführten, stellten Einschränkungen

an dieser fest, etwa Selbstauswahl

der Stichprobe, Selbstidentifizierung

als Person mit posttraumatischer Belastungsstörung

und mangelnde Placebo-Kontrollgruppe.

Cannabiskonsum mit

erhöhten Testosteronspiegeln

bei Männern

assoziiert

Eine Analyse von 5.146 Männern

ergab, dass im Vergleich zu Männern,

die noch niemals Cannabis

konsumierten, Cannabiskonsum mit

einem erhöhten Testosteronspiegel

verbunden war so das Ergebnis einer

Forschung, die an der Abteilung

für Urologie der Universität von Chicago

durchgeführt wurde. Sie verwen-

deten zur Auswertung Daten aus den

Jahren 2011 bis 2016. Von den 5.146

Männern, die in die Studie aufgenommen

wurden, hatten 3.027 mindestens

einmal in ihrem Leben Cannabis

konsumiert. Fast die Hälfte dieser

wurde als regelmäßige THC-Konsumenten

betrachtet. Die Forscher

fanden „einen kleinen, aber statistisch

signifikanten Anstieg des Testosterons

unter regelmäßigen THC-

Konsumenten bei jeder gemessenen

Konsummenge im Vergleich zu nicht

regelmäßigen THC-Konsumenten“.

Ein mittelstarker THC-Konsum war

mit dem größten Testosteronanstieg

verbunden. Cannabiskonsumenten,

die zwei- bis dreimal pro Monat Cannabis

konsumieren, zeigten den größten

Testosteronanstieg im Vergleich zu

NichtKonsumenten. Die Autoren kamen

zu dem Schluss, dass „der THC-

Konsum mit einem geringen Anstieg

des Testosterons verbunden ist. Dieser

Anstieg von Testosteron scheint mit

zunehmendem THC-Konsum zurückzugehen,

aber nichtsdestotrotz ist der

Testosteronspiegel bei regelmäßigem

Konsum in jedem Fall höher als bei

Nicht-Konsumenten.“

20 HIGHWAY • Juli/August 2020


Juli/August 2020 • HIGHWAY 21


UND SONST?

„Wenn man aber den mündigen Bürger als solchen

ernstnimmt, sollte jeder selbst entscheiden dürfen,

ob er sich schadet oder nicht. Der Fall Kanada zeigt

bislang zweierlei: Den Schwarzmarkt wird man auch

durch Legalisierung nicht los. Und: Die Kanadier

sind trotz erlaubter Verfügbarkeit nicht allesamt zu

Extremkiffern geworden.“

Fatima Abbas, Saarbrücker Zeitung

„Der Verkauf von Weed wurde in weiten

Teilen der USA buchstäblich von einem

Schwerverbrechen zu einem systemrelevanten

Geschäft, und doch sitzen viele

noch immer deswegen im Gefängnis. Das

macht keinen Sinn und ist nicht richtig.“

Elon Musk auf Twitter

„Der Fall Tobias Pietsch zeigt: Die Staatsanwaltschaft

beharrt auf Paragrafen; das Gericht scheint

schon einen Schritt weiter zu sein. Der Weg zu

einer Legalisierung an der, wenn man es unvoreingenommen

betrachtet, im 21. Jahrhundert kein

Weg vorbeiführt − wird aber noch ein weiter sein.“

„Cannabis tötet vielleicht nicht direkt, aber

es kann die seelische Gesundheit von jungen

Menschen unwiderruflich und damit ihre

Lebenswege zerstören. Da hören Sie Geschichten,

von dem einst sportlichen und lustigen

Sohn, der durch Cannabis plötzlich völlig von

der Rolle ist. Ich möchte Prävention, die wirkt

und aktiv gegen die falschen Verharmlosungsslogans

der Hanffreunde vorgeht...“

Daniela Ludwig, Bundesdrogenbeauftragte

Karl Kovacs, Badische Zeitung

„Bei uns wird es eben immer noch kriminalisiert, weil

das Schmerzmittelgeschäft eines der größten der

Pharmaunternehmen ist und Marihuana damit ein

großer Konkurrent ist. Das ist meine

bescheidene Theorie.“

Hannes Jaenicke, Schauspieler

„Als weitere mögliche Symptome des

Cannabis-Missbrauchs nennt Mediziner

Kölfen: Aggressivität, innere Leere,

erhöhte Schweißbildung, fehlende

Urin-Kontrolle, Impotenz.“

Redaktion, Stuttgarter Zeitung

„Den Cannabis-Anbau wiederum könnte

man sogar lokal organisieren: Statt

geschmuggeltem Wüsten-Haschisch aus

Marokko lieber legales Bio-Kush aus

dem Havelland! Da hätten wir sogar den

Niederländern etwas voraus.“

Sebastian Schöbel, RBB

22 HIGHWAY • Juli/August 2020


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CANNABISPOLITIK

Die Verschleppung der Cannabis-Reklassifizierung

24 HIGHWAY • Juli/August 2020


Die Weltgesundheitsorganisation

WHO empfiehlt

der UN, Cannabis nicht

mehr mit Heroin auf eine

Stufe zu stellen, sondern

endlich den medizinischen

Nutzen zu akzeptieren.

Und was machen

die Vereinten Nationen

daraufhin? Nun ja, nicht

viel: Termine vereinbaren,

um drüber zu reden,

diese dann verschieben

oder einfach doch nicht

drüber reden. Komisch?

Nein, internationale Cannabispolitik.

Wird da noch

was kommen? Wir haben

uns die ganze Chose angeschaut.

Gibt es Hoffnung?

Zumindest ist nicht alles

verloren...

Diese Pflanze hat es wirklich

nicht leicht, ebenso wie abertausende

Menschen, die für

sie kämpfen, sie konsumieren

und die auf sie angewiesen

sind dass Cannabis ein weites

Spektrum an medizinischem Nutzen

bietet und darüber hinaus als Droge

deutlich ungefährlicher ist als beinahe

alles andere, was wir konsumieren,

um einen Rausch zu erleben, dürfte

inzwischen den meisten bekannt sein.

In den letzten Jahren wurde die Welt

und vor allem auch Europa quasi von

einer kleinen Legalisierungswelle gepackt.

Nach und nach kommt man

also wieder auf einen grünen Zweig

und es mutet an, als hätte bald auch

der Letzte verstanden, dass Cannabis

nicht nur ein günstiger und nachhaltiger

Rohstoff ist, sondern auch eine

nebenwirkungsarme, günstige und

potente Alternative zu vielen chemischen

Medikamenten. Doch leider

weit gefehlt! In vielen Ländern, auch

in Deutschland, blockiert die Politik

die medizinische Nutzung und wissenschaftliche

Forschung. Als Argument

wird immer wieder der Status

von Cannabis als Droge angeführt, als

wäre dies ihr einziger Nutzen. Die Absurdität

wird umso klarer, wenn man

sich die Opiate näher anschaut, die

ein unglaublich hohes Suchtpotential

besitzen, die Verkehrstüchtigkeit stark

einschränken und die in den USA aufgrund

dieser Eigenschaften sogar eine

Krise auslösten, die nun seit zwanzig

Jahren anhält. Dennoch ist die Verschreibung,

der Konsum und sogar

das Führen eines Kraftfahrzeugs unter

dem Einfluss von Opiaten in den

meisten Ländern kein Problem. Dass

zu dieser Stoffgruppe auch Heroin und

Morphin gehören, sei zum Verständnis

des Vergleichs noch einmal kurz

angemerkt.

Im Gegensatz dazu wird in

Deutschland Cannabis oft nicht für die

Krankheiten verschrieben, für die es

eigentlich eine Indikation hat andere

Länder wie Kanada, die USA oder die

Niederlande sind da schon weiter. In

diesen Ländern wird erfolgreich mit

Cannabis sowohl als Medikament als

auch als Rauschmittel umgegangen.

Die Legalität erlaubt subventionierte

Forschung und einen einfacheren Zugang

zum Medikament für Patienten.

Dies führt im Umkehrschluss dazu,

dass man auch über die behandelten

Patienten wieder Daten und somit

Evidenz erhält. Außerdem sind so eine

kontrollierte Abgabe als Rauschmittel

und damit auch ein adäquater Jugendschutz

möglich. In einzelnen Ländern

geht es also voran, doch wie steht es

mit der allgemeinen Akzeptanz von

Cannabis als Medizin? Weltweit? Offiziell?

Nun... bald 5.000 Jahre nach

der ersten Erwähnung in einem chinesischem

Heilbuch empfahl die Weltgesundheitsorganisation

WHO Anfang

vergangenes Jahr den Mitgliedstaaten

der Vereinten Nationen (UN) die Neuklassifizierung

von Cannabis, die den

Umgang mit Cannabis grundlegend

verändern und insbesondere die medizinische

Nutzung erleichtern würde.

Passiert ist seitdem jedoch nichts

oder?

Die UN, die WHO

und deren Cannabis-

Empfehlung

Doch kurz zurück an den Anfang:

alles begann im Dezember 2017. Die

Cannabiswelt blickte gespannt auf das

61. Treffen der Suchtstoffkommission

der UN, der Commission on Narcotic

Drugs (CND), anlässlich dessen neueste

Ergebnisse des Expert Committee

of Drug Dependence vorgestellt werden

sollten, die sich für einen neuen

Umgang mit Cannabis aussprächen.

Dies unterblieb allerdings mehr oder

weniger unkommentiert und so machten

sich Aktivisten weltweit keine

großen Hoffnungen, dass sich an der

Weltcannabispolitik in den nächsten

Jahren etwas ändern würde. Im Juni

2018 traf sich dann die WHO, um

über die Gefährlichkeit von Cannabis

zu debattieren; beinahe niemand

erwartete große Fortschritte in dieser

Debatte, nachdem das Thema so lange

einfach ignoriert worden war. Doch

ein kleines Wunder geschah: im März

2019 folgte dieser Debatte tatsächlich

ein Brief der WHO an UN-Generalsekretär

António Guterres, in der die

WHO erstmals allen UN-Staaten eine

Neuklassifizierung von Cannabisblüten

empfiehlt. Und zwar schlägt die

WHO in diesem Brief die Reklassifizierung

von Cannabis von Verzeichnis

4 zu Verzeichnis 1 vor.

Was bedeutet dies konkret?

Das „Einheitsabkommen über die

Betäubungsmittel“ von 1961 listet

Drogen in vier Verzeichnissen auf, in

denen sie klassifiziert werden; diese

Klassifizierungen beziehen sich auf

die Verkehrsfähigkeit von Substanzen.

Juli/August 2020 • HIGHWAY 25


CANNABISPOLITIK

CND-Versammlung beschließt Verschiebung

Cannabis befindet sich in Verzeichnis

4, welches das restriktivste ist. Dieses

Verzeichnis verbietet jeglichen Besitz,

Handel, Gewinnung und Verwendung

der Substanz. Die Substanz wird also

als gemeingefährlich und ohne jeden

medizinischen Nutzen eingestuft.

Man sollte aber nicht davon ausgehen,

dass die Verzeichnisse 3, 2 und 1 nun

Schlüsse auf die geringere Gefährlich-

Generalsekretär António Guterres

keit der dort eingeordneten Substanzen

zulassen. Denn nach Verzeichnis 4

folgt in der Reihenfolge absteigender

Gefährlichkeit Verzeichnis 1, welches

automatisch zum Verzeichnis 4 gehört.

Die Reihenfolge, beginnend mit dem

restriktivsten Verzeichnis und endend

mit dem am wenigsten restriktiven Verzeichnis,

lautet also 4, 1, 2, 3. Der einzige

Unterschied zwischen Verzeichnis

4 und 1 ist der, dass Verzeichnis 1 zusätzlich

einen medizinischen Nutzen

einräumt und medizinische und wissenschaftliche

Zwecke zulässt. Die Verzeichnisse

2 und 3 sehen Ausnahmen

von den für Verzeichnissen 1 und 4 vorgesehenen

Kontrollen für bestimmte

psychoaktive Substanzen vor.

Die WHO äußert sich also

tatsächlich derart, dass sie zu einem

grundlegend geänderten Umgang mit

Cannabis rät, damit dessen medizinischer

Einsatz erleichtert werden kann.

Offenbar ist also auch der WHO aufgefallen,

dass es nicht sehr sinnvoll

ist, dass Länder zuhauf Cannabis

medizinisch und sogar zum Freizeitkonsum

legalisieren, es aber immer

noch in Verzeichnis 4 festhängt, wo

ihm ein medizinischer Nutzen abgesprochen,

dafür aber eine ähnliche Gefährlichkeit

wie die von Crystal Meth

bescheinigt wird. Da der Brief UN-

Generalsekretär António Guterres

im März 2019 erreichte, die nächste

Sitzung des CND aber schon im Mai

angesetzt war, wurde die Zeit knapp.

Dadurch, dass die Empfehlung der

26 HIGHWAY • Juli/August 2020


WHO erst geprüft und kommentiert

werden musste, konnte die Problematik

zur Sitzung der CND im Mai

2019 immer noch nicht aufgegriffen

werden und wurde auf die folgende

Sitzung im März dieses Jahres verlegt.

So warteten die Politik, die Patienten,

Aktivisten, Sympathisanten und die

Kiffer geduldig auf den März 2020.

Endlich eine Chance, endlich würde

sich alles zum Besseren wenden...

Pustekuchen! Als hätte man seit dem

März 2019 nicht genug Zeit gehabt,

sich mit dem Thema zu befassen (und

als wäre das Thema nicht schon viel

länger auf dem Tisch), wurde dann

kurz vor der Konferenz Anfang März

2020 (die auch dennoch mit anderen

Themen stattfand) beschlossen, dass

man die Neueinstufung von Cannabis,

die für viele Patienten sehr wichtig geworden

ist, auf den Dezember dieses

Jahres verlegen wird. Begründung?

Man wolle den Staaten noch Zeit geben,

um sich mit den Auswirkungen

zu befassen und Vorbereitungen zu

treffen. Vorbereitungen? Worauf? Auf

eine Pflanze, die man durch eine hundertjährige

Prohibition versucht hat,

in Vergessenheit geraten zu lassen?

Auf eine Pflanze, die nachweislich

seit mindestens fünf Jahrtausenden

medizinisch genutzt wird? Spätestens

an diesem Punkt sieht das Ganze stark

nach Hinhaltetaktik aus und dass

überhaupt reklassifiziert wird, steht ja

auch noch lange nicht fest.

Kommt die

Reklassifizierung nun?

Corona ist zwar bestimmt auch ein weiterer

schöner Grund, alles direkt nochmal

um ein, zwei Jahre zu verschieben,

aber sollte es im Dezember nun tatsächlich

endlich zur Abstimmung kommen

und sollte Cannabis tatsächlich reklassifiziert

werden, sei daran erinnert, dass

es dann in Verzeichnis 1 noch immer

zu den am stärksten zu bekämpfenden

Substanzen gezählt wird, ihm dann

aber wenigstens der medizinische Nutzen

zugesprochen werden würde. Auch

Deutschland wird bei der Abstimmung

vertreten sein und zwar von der Bundesdrogenbeauftragten

Daniela Ludwig.

Aber wie wird die Abstimmung

verlaufen und wie stehen die Chancen?

Die EU-Kommission rät dazu, drei der

sechs Vorschläge anzunehmen. Zum

einen die Reklassifizierung selbst, zum

anderen zwei Richtlinien zu Dronabinol.

Sie spricht sich allerdings auch im

gleichen Atemzug deutlich gegen eine

Reklassifizierung THC-haltiger, medizinischer

Pharmaprodukte in Verzeichnis

3 aus. Daniela Ludwig wird den

Empfehlungen der EU-Kommission

nach Experteneinschätzung wohl folgen

und gilt somit kurioserweise als

eher progressiv. Auch andere Länder

stehen der Erleichterung des Zugangs

zu und der Forschung an Cannabis positiv

gegenüber. Progressive Kräfte sind

beispielsweise Uruguay, Kolumbien,

natürlich Kanada und einige europäischen

Staaten. Aber auch viele repressive

Kräfte, wie zum Beispiel China, die

Türkei und Russland, sind zu nennen.

Es sieht zwar so aus, als wären

die Befürworter in der deutlichen

Mehrheit und eine Zwei-Drittel-

Mehrheit würde eigentlich für eine Reklassifizierung

von Cannabis genügen

, doch durch das von den Staaten gern

genutzte sogenannte Wiener-Konsens-

Prinzip reicht eine einzige Stimme,

um die Neueinstufung zu verhindern.

Dabei hat die Welt ein starkes Zeichen

pro Cannabis bitter nötig. Wenn es offiziell

als Medikament deklariert würde,

hätte dies Auswirkungen auf die

Drogenpolitik vieler Länder, natürlich

auch auf Deutschland. Der Forschung

wären endlich die Tore geöffnet, denn

Subventionen für Forschung an einer

Substanz zu bekommen, die offiziell

nicht einmal einen medizinischen Nutzen

hat, ist denkbar schwierig. Und

sich ein Medikament verschreiben zu

lassen, über dessen Wirksamkeit es

keine Studien gibt, und deshalb keine

Wirksamkeitsbelege, da keiner die Studien

zahlt, weil es ja keinen belegten

Nutzen gibt, ebenfalls. Und auch in

der Legalisierungsdebatte in Deutschland

wird oftmals mit Bezug auf die

UN-Konvention und die Einstufung

von Cannabis argumentiert auch

damit wäre nach einer Neueinstufung

endlich Schluss. Sollte man zumindest

meinen.

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HIGH SCHOOL

Das am häufigsten geklaute und

ersetzte Verkehrsschild der gesamten

Vereinigten Staaten war

einige Zeit lang der Meilenstein

„Mile 420“ auf der Interstate 70

bis dieser in „Mile 419,99“ umbenannt

wurde. Einige Hotels

auf dieser Erde verzichten bei

ihren Nummerierungen nicht nur

auf das Zimmer mit der Nummer

13, sondern auch auf das

mit der Nummer 420. Und so

mancher einer macht um vier

Uhr zwanzig seinen Joint an.

Doch warum? Die meisten

Leserinnen und Leser werden

es wohl wissen: wegen

420 und so... aaaber:

wieso eigentlich 420?

Und nicht 315 oder

64? Wir haben die

Antwort!

Die wiedervereinten Waldos

28 HIGHWAY • Juli/August 2020


Die

Geschichte

hinter der

Lieblingszahl

aller

Kiffer

Wer hierzulande beispielsweise

Anfang der

1990er-Jahre den Dealer

seines Vertrauens

im

Nachbarörtchen

anrief, fragte nicht selten, nachdem

der Hörer abgenommen wurde: „Ist

der Gerd da?“ oder „Ist die Maria

da?“ dieser fast schon unlösbare

Geheimcode, um die Bereitschaft,

Cannabis zu verkaufen, abzufragen,

wurde dann spätestens beim zehnten

Anruf beim gleichen Kleindealer

durch ein „Kann ich

vorbeikommen?“

abgelöst.

Inzwischen weiß man:

sollte tatsächlich Vater

Staat solcherlei Telefonate

abhören, wird es

schwierig, den Richter

zu überzeugen, dass es

nicht um Gras ging.

Deswegen gibt es sicherlich

auch deutlich

kompliziertere

Codes oder ganz andere

Übertragungsmöglichkeiten,

die

zum Übermitteln genutzt

werden. Davon

ab haben auch viele

Freundeskreise ihre eigenen

Begriffe fürs Weed,

die sie bloß unter sich nutzen

oft einfach nur mehr

oder weniger zum Spaß,

manchmal aber auch tatsächlich,

um Fremde über den wahren

Inhalt des Gesagten hinwegzutäuschen.

Und genau so begann

die Geschichte einer inzwischen

weltberühmten (und daher nicht

mehr als Geheimcode, sondern nur

noch offen und selbstbewusst einsetzbaren)

Zahl, der 420, die im

Folgenden aufbereitet werden wird.

Diese 420 steht inzwischen weltweit

für Cannabis, fürs Kiffen und alles,

was damit zusammenhängt. Nicht

zuletzt hat auch der Verlag, der hin-

Juli/August 2020 • HIGHWAY 29


HIGH SCHOOL

Die hangemalte

420-Flagge im Original

Die Louis-Pasteur-Statue, der Treffpunkt der Waldos

ter Highway Das Cannabismagazin

steht, die Four Twenty Solutions

GmbH, die 420 im Namen. Zum

Zeitpunkt der Verlagsgründung vor

einigen Jahren begann die Zahl sich

gerade auch in Deutschland auszubreiten,

inzwischen weiß auch hierzulande

sogar fast jeder Nicht-Kiffer

jüngeren Alters Bescheid. Das

heißt, ein Nummernschild mit der

Wunschzahl 420 dürfte

heutzutage nicht mehr

nur eingeweihte Vollblutkiffer

begeistern,

sondern könnte durchaus

auch inzwischen

zu erhöhten Kontrollen

durch die Polizei führen

und gilt somit sogar

zu vermeiden. Als

Geheimcode unbrauchbar,

als Statement dafür

umso mehr es muss

ja nicht unbedingt am

Auto sein!

In Amerika ist dieser Zug

bereits noch einige Jahre länger

abgefahren, dort ist die 420 inzwischen

sozusagen zum Ersatz-Sym-

30 HIGHWAY • Juli/August 2020


Zwei Waldo-Mitglieder

stöbern in alten Schülerzeitungen

und präsentieren

die 420-Flagge

bol des Hanfblatts avanciert, sodass

man dort selbst in jedem Altenheim

Bescheid weiß. Doch wie kann es

sein, dass eine mehr oder weniger

beliebige Zahl zum Synonym fürs

Kiffen wurde? Tatsächlich steckt

dahinter eine fünfköpfige Freundesgruppe

aus Kalifornien, die die Zahl

zunächst nur für die Kommunikation

untereinander nutzten die Waldos,

so wurden sie genannt, weil sie

immer an der Mauer (engl. „wall“)

außerhalb ihrer Schule, der San

Rafael High School, herumhingen.

Auf Umwegen erfuhren die Freunde

von einer angeblich in einem nahegelegenen

Wald befindlichen Cannabisaufzucht,

die sie wir befinden

uns im Jahr 1971, damals haben

die Leute vermutlich mindestens genauso

gerne gekifft wie heutzutage

gerne suchen und ernten wollten.

Sie hatten die entsprechenden Hinweise

wie auch die Genehmigung

zur Ernte vom angeblichen Grower

selbst erhalten. Als Treffpunkt für

den Start der Suche, die sie über

Wochen immer wieder aufs Neue

wiederholten, wurde die Statue des

Chemikers und Mikrobiologen Louis

Pasteur auf dem Schulgelände

vereinbart, als Uhrzeit die inzwischen

berühmt-berüchtigte 4:20 (pm

Juli/August 2020 • HIGHWAY 31


Rubrikname

Besonders in Nordamerika hat sich der

20. April über die Jahre hinweg zum waschechten,

wenn auch inoffiziellen Feiertag

aller Kiffer gemausert. Aufgrund der Corona-Pandemie

mussten die Feierlichkeiten

in diesem Jahr leider größtenteils ausfallen.

Hier ein Blick auf den 20. April 2012

in Vancouver, Kanada

32 HIGHWAY • Juli/August 2020


Juli/August 2020 • HIGHWAY 33


HIGH SCHOOL

420-Straßenschilder sind

in den USA rar geworden...

...und wurden größtenteils

ersetzt

Butch (Bruce Willis) auf Rachefeldzug im Film Pulp Fiction

Über den Tarantino-Klassiker Pulp Fiction kursiert seit Jahren

folgendes Gerücht: alle Uhren, die im Laufe des Spielfilms zu

sehen sind, stünden auf 4:20 Uhr. Dies ist allerings nicht ganz

korrekt, es gibt einige Ausnahmen. Also alles Quatsach? Nicht

ganz, denn tatsächlich zeigt eine hohe Anzahl an Uhren in dem

Gangster-Film die 4:20. Sollte das bloß ein Zufall sein?

also nachmittags) kurz nach Unterrichtsende.

„4:20 Louis“ war also fortan die Losung, um dann

schließlich alsbald auf „four-twenty“ heruntergebrochen

zu werden. Die Cannabisaufzucht wurde

nie von ihnen gefunden, doch die 420 blieb ihnen

erhalten als Synonym fürs Kiffen, fürs Weed,

für alles damit Zusammenhängende.

So weit, so gut nicht wenige Gruppen

von Jugendlichen erfinden ihre eigenen Wörter

oder Begriffe, die sie teilweise jahrelang nutzen.

Wieso aber verwenden im Jahr 2020 kiffende Jugendliche

(und kiffende Rentner) auf allen Kontinenten

dieser Erde einen Begriff, den sich fünf

Jungs vor fast fünfzig Jahren auf einem beliebigen

Fleck dieser Erde ausgedacht haben? Nun,

zunächst erweiterte sich der Kreis ein wenig und

auch die Freunde und Bekannten der fünf benutzten

den Begriff schon nach wenigen Monaten

ebenfalls dass die Waldos sich also recht viel mit

dem Thema beschäftigten, scheint naheliegend.

Doch der rasante Boost für die 420 kam dann

durch die bis heute populäre Band The Greatful

Dead, die Anfang der 1970er eine kleine Sinnkrise

durchlebte und San Francisco verließ, um sich

in der Gegend des Marin Countys anzusiedeln

mitten im Einflusskreis der Waldos und ihrer 420

also. Und so vermischten sich die Freundeskreise

und die Zahl 420 wurde mit auf die Touren

der Band genommen und verbreitete sich so quer

durch The Greatful Dead hörende Kifferkreise in

allen Bundesstaaten Amerikas. Und ein solcher

Deadhead (so nennen sich die Fans dieser Band)

drückte Ende des Jahrs 1990 dem damals beim

führenden amerikanischen Cannabismagazin

High Times angestellten Steve Bloom einen Flyer

in die Hand. Auf Englisch stand dort geschrieben:

„Wir treffen uns am 4/20 [20. April] um 4:20

Uhr in Marin County zum 420en“ die Rückseite

präzisierte: „Der Begriff 420 startete irgendwann

in den späten 1970ern in San Rafael, wo es der

Polizeicode für Marihuanakonsum war.“

Haben wir aber nicht gerade gelernt, dass

die Waldos hinter der 420 stecken? Richtig... Fake

News gab es also schon lange vor der öffentlichen

Einführung des Internets. Und diese Falschmeldung

wurde auf Basis des Flyers dann in einer

der folgenden Ausgaben von der in ganz Amerika

erscheinenden und viel gelesenen High Times

abgedruckt. Dem Cannabisaktivisten Steven Hager,

damals der Chefredakteur der High Times,

34 HIGHWAY • Juli/August 2020


gefiel die 420 gleich so gut, dass er

sie praktisch in all seine Aktivitäten

und Publikationen einbaute. Und

so kam sie zurück, die 420, zu den

Waldos, als einer der ihren einmal

gemütlich in der High Times schmökerte.

Gemeinsam wandten sich die

fünf Waldos an die Zeitschrift, um

die Entstehungsgeschichte des Begriffs

420 gerade zu rücken: „Es

gibt und gab überhaupt keinen

Polizei-Code 420 in Kalifornien.

Habt ihr das niemals überprüft?“

Und tatsächlich daran hat bei den

Kollegen damals offenbar keiner gedacht.

Die High-Times-Redakteure

trafen sich also bald 40 Jahre nach

deren „Erfindung“ mit den fünf alt

gewordenen, aber jung gebliebenen

Potheads und überprüften die Geschichte

auf ihren Wahrheitsgehalt

hin. Auf die Spitze getrieben wurde

dies ein wenig später von Reportern

der Huffington Post, die dem Braten

immer noch

nicht ganz

trauten und

die sich zur

Absicherung

von den Waldos

eine ganze

Reihe von

Beweisen aus

den frühen

Siebzigern

vorlegen ließen,

etwa eine

420-Hanfblatt-Flagge,

Briefe mit

420-Verweisen

und ein

Fake, aber lustig: das Obama-420-Meme

Jahrgangs-

Heft ihrer High School, wo die 420 es die Waldos waren, die 1971 der

als scheinbar sinnlose Frage auf Welt erstmals die 420 im Cannabiseine

Antwort gegeben wurde. Spätestens

seit dieser Recherche der steht die 420 sogar im Oxford Eng-

Kontext präsentierten. Inzwischen

Huffington Post ist unstrittig, dass lish Dictionary. Darauf eine Tüte!

FEINSTE ZUTATEN

FÜR DEINEN DREH

AKTIVKOHLE

AUS KOKOSNUSS-

SCHALEN

2 KERAMIKKAPPEN

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MIT MAGNETVERSCHLUSS


GLOSSE

WAT

JIBBIT?

Cannabis und zahlreiche Zwischenmahlzeiten.

Wir geben zu, eine Anhäufung

der dieser Zweierverbindung ist nicht

ganz selten. Auch wenn sich einige

Cannabiskonsumenten ausschließlich

von Joints und Bongs ernähren zu scheinen,

gibt es auch diejenigen, die alle

Klischees erfüllen, die sich deutsche

Urgroßmütterchen so aus den Informationsschnipseln

des ZDF-Vorabendprogramms

zusammengestellt haben. Und

das bedeutet neben sinnlosem Gekicher:

Joint = Hunger!

Von Iven Sohmann

38 HIGHWAY • Juli/August 2020


Wenn ich vom Joggen

nach Hause komme

und mich aus dem verschwitzten

graumelierten

Leibchen häute als

entspränge ich einer Coca-Light-

Werbung aus den Neunzigern, rennen

mir staffellaufmäßig drei Gedanken

durch den Kopf: 1. Cola

wäre jetzt wirklich das Letzte, was

ich trinken wollen würde. 2. Warum

sehe ich eigentlich trotzdem so

aus als hätte ich zu viel davon gehabt?

3. Wasser! Und zwar sprinto!

Nachdem mein Durst gestillt

ist, berechne ich mit Küchen- und

Personenwaage sowie Ernährungsund

Trainingsplan gewissenhaft die

Menge meiner Post-Cardio-Workout-Mahlzeit

und das perfekte Carbto-Protein-Verhältnis,

wobei ich die

Stoppuhr zur Einhaltung des optimalen

Recovery-Zeitfensters selbstverständlich

im Blick behalte. Als

ob! Seien wir ehrlich: ich reiße die

Kühlschranktür auf und saugschlabbere

alles weg wie eine Kreuzung

aus Kirby und Yoshi. Gewürzgurke

in die Marmelade, Banane in den

Senf, Finger in den Pudding alles

kann, nichts muss. Erlaubt ist, was

gefällt. Alle wie sie möchten, Körper

möchte alles! Das ist bestimmt nicht

immer die beste Wahl für den Trainingserfolg,

dafür aber im Kampf

gegen Lebensmittelverschwendung.

Schließlich kann das Auffüllen der

körpereigenen Speicher die kücheneigene

Vorratskammer von weit

über das MHD hinaus gelagerten

Geschenken und anderen Mitbringseln

entlasten. Hallo Halloren-Kugeln,

hallo After Eight, hallo Geleebananen,

plötzlich schmeckt ihr mir!

Zugegebenermaßen kann

ich aus meinem bescheidenen Kiffererfahrungsschatz

heraus nur vermuten,

dass sich der Heißhunger

nach dem Cannabiskonsum in etwa

wie oben beschrieben anfühlt. Übers

Kichern, den trockenen Mund und

das unbändige Verlangen, endlich

wieder klarzukommen, bin

ich selbst leider nie hinausgelangt.

Gleichwohl weiß das Fressflash-

Phänomen mich nüchtern betrachtet

durchaus zu faszinieren. So

wurde ich nicht nur Zeuge von epochalen

Pizza- und Chips-Orgien,

sondern war auch live dabei, als

die Lust auf Leberkassemmeln den

inneren Schweinehund eines gestandenen

Vegetariers reinkarnieren

ließ. Borussia Hiermund gegen

Bayern Munchies Endstand 4:0.

Warum genau Konsumierende die

Munchies bekommen (die auf das

lautmalerische Verb „to munch“

für mampfen zurückgehen) ist nicht

abschließend geklärt. Während eine

Theorie besagt, dass am Endocannabinoidsystem

angedocktes THC

geruchsempfindlich macht und somit

appetitanregend wirkt, legt eine

weitere Studie nahe, dass sich das

ausgeschüttete Dopamin schlicht in

belohnungsmotiviertem Verhalten

niederschlägt. Fein gekifft, komm

hol dir dein Leckerli! Außerdem

im Verdacht: die Freisetzung vom

ebenfalls appetitanregenden Ghrelin

sowie die vorübergehende Umkehr

des eigentlich appetitzügelnden

Proopiomelanocortin als Folge

der Tetrahydrocannabinol-Hypothalamusrezeptoren-Interaktion.

Supercalifragilisticexpiadelicious!

Vermutlich ist es das

Zusammenspiel all dieser Faktoren,

das das letzte Abendmahl in

Stoner-Augen wie einen Pausensnack

erscheinen lässt. Immerhin

herrscht in der Forschung weitestgehende

Einigkeit darüber, dass

der Wirkstoff THC für die Highhungerattacken

verantwortlich ist

und die Intensität des Effekts schon

alleine deswegen von Sorte zu Sorte

variiert. Von persönlichen Voraussetzungen

ganz zu schweigen.

Vor allem für die oft mit Appetitund

Gewichtsverlust einhergehenden

Therapien von Krebs, Morbus

Crohn und Multipler Sklerose

bleibt weitere Forschung natürlich

unerlässlich. Wie so häufig beim

lange gescholtenen Thema Cannabis

bleiben also viele Fragen noch

offen. Darunter auch die weniger

dringenden: was war zuerst da,

Chicken Wings oder Omelett? Ist

der Bandname „Johnny Eat World“

schon vergeben? Wenn Tomaten

Obst sind, warum steht Ketchup

dann nicht bei den Smoothies?

Führt ein mit Edibles gestillter

Fressflash in einen undurchdringlichen

Kreislauf? Und wenn ja, lässt

sich dieser als „Perpotuum mobile“

bezeichnen? Ich wünsche allen, die

sich nun ohnehin nicht vom Selbstversuch

abbringen lassen, äh, bong

appétit!

Juli/August 2020 • HIGHWAY 39


Rubrikname

Manuell, aktiv, passiv etc.: Arten der Pflanzen-Bewässerung

DER KLEINE

BEWÄSSERUNGS-GUIDE

Auch das Gießen will gelernt sein, beziehungsweise das Bewässern. Und

so schwer ist das gar nicht, auch wenn man wissen sollte, was man tut.

Mr. José hat sich für uns einige Gedanken zu diesem Thema gemacht und

sie in diesem Artikel zusammengefasst, in dem er über aktive und passive

Bewässerung sowie automatische Systeme informiert.

40 HIGHWAY • Juli/August 2020


Juli/August 2020 • HIGHWAY 41


GROWING

Beim Growen unter künstlichem

Licht nehmen die

Grower die Rolle von Mutter

Natur ein, denn für eine

erfolgreiche Ernte ist es notwendig,

die Pflanzen während des

gesamten Growzyklus mit allem zu

versorgen, was sie brauchen. Eine

der Grundvoraussetzungen für eine

erstklassige Ernte ist die richtige Bewässerung.

In diesem Artikel sollen

daher die gängigsten Bewässerungsmethoden

bewertet werden. Man

sollte beachten, dass die Bewässerung

eine der Aufgaben ist, bei denen

Grower die meisten Fehler machen.

Dies geschieht, weil die Pflanzen

in verschiedenen Growphasen unterschiedlich

häufig und in unterschiedlicher

Menge bewässert werden

müssen und dies ist manchmal

unklar. Auf der anderen Seite ändern

sich Variablen wie die Lufttemperatur,

die relative Luftfeuchtigkeit und

der Beleuchtungszyklus während

des Growzyklus nicht sehr oft. Mit

der richtigen Ausrüstung kann man

also auf einfache Weise ein optimales

Klima für die Pflanzen schaffen

und die entscheidenden Werte überwachen,

um sie auf einem idealen

Niveau zu halten. Der Feuchtigkeitsgehalt

des Growmediums ist viel

schwieriger zu messen als beispielsweise

die Lufttemperatur. Wenn den

Pflanzen Wasser fehlt, verwelken sie,

was sich leicht feststellen und beheben

lässt. Ein wiederholter Wassermangel

würde sich natürlich negativ

auf das Endprodukt auswirken.

Wenn es hingegen zu viel Wasser

gibt, würden die Pflanzen ganz andere

Signale aussenden. Meistens beginnen

sie dann, Farbe zu verlieren,

und werden gelb. Diese Symptome

können jedoch auf verschiedene Probleme

hinweisen, sodass es schwierig

ist, zu bestimmen, welches Problem

vorliegt. Außerdem neigen übermäßig

bewässerte Pflanzen auch dazu,

leicht zu verwelken. Deshalb denken

viele Grower, dass solche Pflanzen

durstig sind und beschließen,

sie noch mehr zu gießen. Leider ist

das Gießen von bereits zu sehr gewässerten

Pflanzen die schlechteste

Entscheidung, die man treffen kann.

Einige Probleme im Zusammenhang

mit der Bewässerung lassen sich jedoch

durch die geeignete Kombination

von Bewässerungsverfahren, die

passende Größe des Growbehälters

und die richtige Art von Kultursubstrat

vermeiden. Für den Fall, dass

man sich für einen professionellen

Grow entscheidet, stehen eine Reihe

von automatischen Growsystemen

zur Auswahl. Einige dieser Systeme

können das Risiko einer übermäßigen

oder unzureichenden Bewässerung

deutlich reduzieren, während

andere Systeme ein gewisses Maß

an Benutzererfahrung erfordern, um

reibungslos zu funktionieren.

Manuelle Bewässerung

Die Basic-Methode der Bewässerung

jeder Pflanze ist die

manuelle Bewässerung.

Diese kostengünstige

Art, die Pflanzen mit

ausreichend Wasser

und Nährstoffen zu

versorgen, hat einen

großen Vorteil. Jedes

Mal, wenn die Pflanzen

gegossen werden, kann

man überprüfen, wie es

ihnen geht, und falls etwas

Seltsames mit ihnen

passiert, kann man sofort

mit der Lösung des

Problems beginnen. Die

manuelle Bewässerung

lehrt einen, den Bedarf

der Pflanzen abzuschätzen

und sie ganz allgemein

besser zu verstehen.

Später kann man

dieses Wissen dann für

42 HIGHWAY • Juli/August 2020

Aquaponic


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Juli/August 2020 • HIGHWAY 43


GROWING

die Einrichtung von automatischen

Bewässerungssystemen nutzen. Bei

der manuellen Bewässerung kann

man die Pflanzen individuell nach

ihren Bedürfnissen gießen, während

viele automatische Systeme einfach

alle Pflanzen auf einmal bewässern,

egal ob sie es brauchen oder nicht.

Dies kann natürlich dann recht

leicht zu einer Überwässerung führen.

Beim Anbau in Blumentöpfen

ist es praktisch, jede Pflanze vor und

nach dem ersten Gießen in der Hand

zu wiegen. Auf diese Weise kann

man abschätzen, wie viel Gewicht

sich aus dem Wasser zusammensetzt.

Beim nächsten Mal sollte man

die Pflanzen gießen, wenn sich das

Gewicht des Blumentopfes seinem

ursprünglichen Trockengewicht nähert.

Wenn einen die Umstände daran

hindern, die Blumentöpfe in der

Hand zu wiegen, könnte man stattdessen

den Feuchtigkeitsgehalt des

Kultursubstrats testen. Man schätzt

die Feuchtigkeit ab, indem man das

Medium einfach mit der Hand oder

mit einem Bodenhygrometer abtastet.

Bei der manuellen Sondierung

braucht man nur den Finger vorsichtig

in das Kultursubstrat zu stecken.

Wenn der Blumentopf es zulässt, testet

man die Feuchtigkeit am Boden.

Wenn man das Gefühl hat, dass der

Finger nach dem Herausziehen aus

dem Medium nass ist, brauchen die

Pflanzen nicht gegossen zu werden.

Wenn das Wasser vom Finger tropft,

ist die Erde zu feucht. Wenn andererseits

die Feuchtigkeit im Inneren

des Mediums gefühlt werden kann,

sie aber nicht an den Fingern bleibt,

wenn man diese herauszieht, müssen

die Pflanzen gegossen werden. Die

manuelle Bewässerungsmethode eignet

sich am besten für Erdsubstrate

oder solche auf der Basis von Kokosfasern,

alternativ Erde gemischt

mit einem inerten Wachstumsmedium

wie beispielsweise Perlit. Die

manuelle Bewässerung ermöglicht

eine gleichmäßige Bewässerung der

Pflanzen. Besonders in der frühen

Growphase, wenn die Pflanzen noch

klein sind, ist die manuelle Bewässerung

die effizienteste Methode, um

ein schnelles und gesundes Wachstum

herbeizuführen. Der große

Vorteil der manuellen Bewässerung

besteht darin, dass immer auf die

unterschiedlichen Bedürfnisse der

einzelnen Pflanzen reagiert werden

kann. Der Nachteil der manuellen

Bewässerungsmethode ist die Tatsache,

dass man die Pflanzen nicht zu

lange allein lassen kann. Sobald sie

eine bestimmte Größe erreicht haben,

müssen sie mindestens einmal

innerhalb von drei Tagen bewässert

Hydroponischer Anbau in Oregon, USA

44 HIGHWAY • Juli/August 2020


werden. Aus diesem Grund neigen

viele Grower dazu, die Pflanzen nur

in der ersten Woche manuell zu bewässern,

bevor sie auf ein automatisches

Bewässerungssystem umstellen.

LED SYSTEME

FÜR LICHTINTENSIVE PFLANZEN

Passive Bewässerung

Die passive Bewässerung ist eine Art

der automatischen Bewässerung, die

kein aktives Element benötigt, um die

Nährlösung zu den Pflanzen zu transportieren

also etwa eine Pumpe.

Passive Bewässerungssysteme nutzen

in der Regel die Gesetze der Physik,

zum Beispiel die Schwerkraft oder die

Kapillarerhöhung. Bei dieser werden

häufig Dochte aus stark absorbierenden

Materialien verwendet sie sind

in spezialisierten Gartenfachgeschäften

erhältlich. Ein Ende des Dochts

wird in einen Behälter mit Nährlösung

getaucht und das andere Ende führt zu

einem Growmedium mit der Pflanze.

Der Quelltank ist in diesem Fall niedriger

positioniert als das Growsubstrat

mit der Pflanze. Dank der Kapillarerhöhung

(Wasserkapillarität) wird

die Flüssigkeit durch den Docht zur

Pflanze transportiert. Bei Anwendung

der Schwerkraftgesetze muss der Wassertank

hingegen höher als das Kultursubstrat

platziert werden. In diesem

Fall muss verhindert werden, dass die

Bewässerungslösung in einem Rutsch

in das Growmedium fließt, was zu

einer akuten Überwässerung der

Pflanzen führen würde. Deshalb sind

passive Bewässerungssysteme, die auf

dem Schwerkraftprinzip basieren, mit

mechanischen Ventilen ausgestattet,

die das Wasser im richtigen Moment

stoppen können und so eine Überbewässerung

der Pflanzen verhindern.

Passive Bewässerungssysteme können

mit den gleichen Kultursubstraten

verwendet werden, die für die manuelle

Bewässerung geeignet sind. Wenn

BluRail

> Grow Spectrum

> Massiges Wachstum in der vegetativen Phase

RAIL+

> Full Spectrum+

> Hoher Wirkungsgrad in der Blüte

SOLaris

> Full Spectrum

> Der Sonne nachempfunden

Mehr Informationen auf growking.de

jede Pflanze über eine eigene Bewässerungseinheit

wie zum Beispiel einen

Docht oder ein mechanisches Ventil

verfügt, funktioniert die passive Bewässerung

sehr ähnlich wie die manuelle

Bewässerung, denn jede einzelne

Pflanze würde erst dann mehr Wasser

erhalten, wenn die Feuchtigkeit des

Growmediums unter einen bestimmten

Schwellenwert fällt. In ähnlicher

Weise verhindern diese Systeme einen

Feuchtigkeitsmangel. Beide Arten

passiver Bewässerungssysteme ermöglichen

es, die Pflanzen mehr als eine

Woche lang allein zu lassen. Wie lange

genau, hängt mit der Größe des Nährlösungstanks

zusammen.

Aktive Bewässerung

Die Mehrheit der automatischen Bewässerungssysteme

sind aktiv, nicht

passiv. Solcherlei aktiven Systeme

GROWKING

R

LED LIGHTING TECHNOLOGY

verwenden entweder Luftdruck oder

Pumpen, um die Nährlösung zu den

Pflanzen zu transportieren. Ein großer

Vorteil aktiver Systeme ist ihre

Fähigkeit, sowohl Wasser als auch

Nährstoffe genau und mit hoher Variabilität

zu dosieren. Dank ihrer Vielseitigkeit

können diese Systeme zur

Bewässerung jedes beliebigen Substrats

eingesetzt werden, einschließlich

inerter und nicht absorbierender

Substrate, aber auch stark absorbierender

Substrate wie Steinwolle oder

Kokosfaser. Aktive Bewässerungssysteme

können entweder geschlossen

oder offen sein. In geschlossenen

Bewässerungssystemen zirkuliert

die Nährlösung etwa ein bis zwei

Wochen lang. Die Pumpe transportiert

die Lösung von der Quelle zu

den Pflanzen, und die überschüssige

Flüssigkeit wird dann in den Quelltank

zurückgeführt. Solch geschlossenen

Systeme sind eine ideale Wahl

Juli/August 2020 • HIGHWAY 45


GROWING

für die Bewässerung von weniger

absorbierenden Kultursubstraten,

die häufig reichlich bewässert werden

müssen. Sie eignen sich auch

für Anbausysteme mit einer geringen

Menge an Kultursubstrat, die

ebenfalls häufig bewässert werden

müssen. Der Nachteil geschlossener

Systeme ist der Einfluss der aus

den Pflanzen zurückfließenden Lösung

auf die Parameter der Lösung

im Quelltank. Aus diesem Grund

muss man oft den pH-Wert, den

EC-Wert und die Menge des gelösten

Materials in der Nährlösung

überprüfen. Geschlossene Bewässerungssysteme

umfassen mehrere

Arten von Hydrokultursystemen,

die für den häuslichen Grow bestimmt

sind. Mehr oder weniger

alle auf dem Markt erhältlichen

aeroponischen Systeme sind als geschlossene

Systeme konzipiert. Bei

der aeroponischen Methode der

Kultivierung wird eine minimale

Menge an Erde allein zum Zweck

der Fixierung der Pflanze verwendet.

Ihre Wurzeln hängen dann frei

in dem Raum, in den eine Nährlösung

gesprüht wird. Diese Methode

stellt sicher, dass die Wurzeln

Zugang zu genügend Nährstoffen

und Sauerstoff haben. Zu den geschlossenen

Systemen gehört auch

die Tiefwasserkultur (Deep Water

Culture). Bei dieser Art werden die

Wurzeln direkt in eine ständig mit

Sauerstoff angereicherte Lösung

aus Wasser und Nährstoffen eingetaucht.

Der Sauerstoff wird der

Lösung über einen Luftschlauch

oder einen Luftstein zugeführt, der

an einen Aquarienkompressor angeschlossen

ist. Diese Systeme werden

als Bubbler bezeichnet, weil die

Luft ständig durch die Nährstofflösung

perlt. Eine andere spezielle

Art von geschlossenen Systemen

wird Aquaponik genannt. Es kombiniert

die Fischzucht mit der hydroponischen

Pflanzenzucht. Diese

Methode nutzt auf geschickte

Weise die Exkremente der Fische,

die zu einer natürlichen Nährstoffquelle

für die Pflanzen werden. Das

Wasser aus dem Fischbecken wird

in das Bewässerungssystem der

Pflanzen gepumpt, und die überschüssige

Flüssigkeit wird dann

zurück ins Aquarium befördert.

Außerdem ist das System für beide

Seiten vorteilhaft, da die Pflanzen

als natürlicher Wasserfilter dienen.

Der einzige erforderliche Input in

dieses System ist das Fischfutter.

Eine abgespeckte Version dieses

Systems kann sogar zu Hause mit

einem kleinen Aquarium betrieben

werden, aber es ist besser geeignet

für große Räume, in denen Fische

für den menschlichen Verzehr gezüchtet

werden können. Im Gegensatz

zu geschlossenen Systemen

transportieren die offenen Systeme

die Nährlösung vom Quellbecken

zu den Pflanzen und im Anschluss

zu einem Abfallbecken. Diese Systeme

eignen sich für die Bewässerung

von stark absorbierenden Kultursubstraten

wie reiner Faser oder

Steinwolle. Ihr Vorteil ist die relative

Stabilität von Parametern wie

pH-Wert und EC-Wert der Nährlösung.

Der Grund dafür ist, dass

sich das Wasser im Quelltank nicht

mit dem von den Pflanzen zurückkommenden

Wasser vermischt.

Offene Bewässerungssysteme erfordern

eine präzise Dosierungsanpassung

der Nährlösung, sonst riskiert

man deren übermäßige Nutzung,

was oft zu einem höheren Einsatz

von Düngemitteln führt. Auf dem

Markt finden wir jedenfalls eine

breite Palette von aktiven Bewässerungssystemen

für den Indoorgrow.

Dazu gehören Systeme mit Druckund

Tröpfchenbewässerung. Die

Tröpfchenbewässerung eignet sich

hervorragend für die Bewässerung

von Kokos- oder Steinwollmatten,

Töpfen mit einem Durchmesser

von bis zu 30 Zentimetern und

stark absorbierenden Kultursubstraten.

Diese Methode erfordert

weniger Wasserdruck sie benötigt

keine leistungsstarke Pumpe, keine

elastischen Schläuche und keine

verstärkten Verbindungen. Größere

Töpfe und nicht absorbierende

Kultursubstrate erfordern dagegen

eine Druckbewässerung, die größere

Mengen an Nährlösung effektiv

und schnell zu den Pflanzen transportieren

kann. Dennoch kann die

Druckbewässerung auch bei kleineren

Töpfen eingesetzt werden.

Die richtige Wahl

Für welches Growsystem man sich

auch entscheidet, es ist vermutlich

ein guter Ratschlag, die manuelle

Bewässerung zumindest einmal

auszuprobieren. Das Bewässern

der Pflanzen mit den eigenen Händen

ist eine gute Möglichkeit, die

unterschiedlichen Bedürfnisse der

Pflanzen kennenzulernen und zu

sehen, wie sie auf unterschiedliche

Häufigkeit und Menge der Bewässerung

reagieren. Man sollte

zudem immer bedenken, dass es

im Allgemeinen besser ist, etwas

weniger als ein bisschen zu viel zu

gießen. Der Umgang mit einem

Mangel an Feuchtigkeit ist immer

viel einfacher als der Umgang mit

einem Überschuss an Wasser.

Mr. José

Grow-Experte

46 HIGHWAY • Juli/August 2020


Juli/August 2020 • HIGHWAY 47


SORTENPORTRAIT

CHEESE

48 HIGHWAY • Juli/August 2020


CHEESE

CHEESE

Cheese! Ja mit diesem Wort

bekommt man sowieso alle

zum Lächeln, aber Kiffer

sogar, wenn man dabei kein

Foto schießen will. Denn

die verschiedenen Cheese-Strains

sind nicht nur Garanten für eine starke

und angenehme Wirkung, sondern

auch und deswegen natürlich

auch so benannt vor allem für ihre

käseähnlichen Aromen bekannt, die

sich vor und während des Rauchens

ausbreiten. Im Grunde handelt es

sich bei Cheese um eine Skunk-#1-

Variante. Der Legende nach wuchs

die ursprüngliche Cheese-Mutter

Ende der 1980er in einem Örtchen

nicht unweit von London aus einem

Skunk-#1-Samen von Sensi Seeds.

Da diese Pflanze einzigartig war und

im Geschmack und Geruch an Käse

erinnerte, war ihr Name schnell gefunden

und die Klone schneller geschnitten,

als man Cheese sagen

kann.

Weite Verbreitung in ganz

England erfuhr dieser Strain nicht

zuletzt durch einen Zusammenschluss

von Cannabisaktivisten, die

sich Exodus nannten. Auf dieser

Basis gingen die Klone um die Welt

und inzwischen gibt es viele Samenbanken,

die eine stabile Cheese-Variante

in Samenform anbieten. Die

angegebenen THC-Gehalte divergieren

da von einstelligen Werten

bis Richtung zwanzig Prozent und

auch die genauen Angaben zum Indica-Sativa-Verhältnis

weichen bei

dieser definitiv indicalastigen Sorte

durchaus deutlich voneinander ab.

Eines ist aber allen Cheese-Spielarten

gemein: das käsige Aroma und

das angenehme und ruhige High.

Ein Grow von dieser eher buschig

wachsenden Sorte ist an und für

sich in allen Formen und Varianten

möglich und gestaltet sich samenbankübergreifend

eher einfach.

Juli/August 2020 • HIGHWAY 49


INTERVIEW

Boxenstopp bei Philipp Frost, dem kreativen Kopf

hinter dem Growschrank Hazelbox

„IN DER CORONA-

ZEIT HATTEN WIR

VIEL MEHR

BESTELLUNGEN

ALS SONST.“

Anfang Juni trifft sich die Highway-

Redaktion natürlich mit anderthalb Metern

Abstand mit Philipp Frost, der durch

die Erfindung der Hazelbox Teil der legalen

Unternehmer, die Grow-Zubehör anbieten,

geworden ist. Wie ist das so, dazu noch wenn

man sein Geschäft in Bayern unterhält? Wir

möchten mehr über ihn und sein Geschäft

in Erfahrung bringen. Dazu gehört natürlich

auch sein Produkt, das im Lauf der Zeit immer

weiter entwickelt wurde ein abschließbarer

und möglichst leicht zu bedienender

Growschrank, über dessen erstes Modell wir

in der Erstausgabe von Highway vor bald

fünf Jahren berichteten. Stilecht um 16:20

Uhr beginnt das Interview auf dem Throne

of Weed...

50 HIGHWAY • Juli/August 2020

„Throneofweed“ © Hazelbox 2020, Foto: Ruch-Photography, EFX: Tag&Nacht Media


Juli/August 2020 • HIGHWAY 51


INTERVIEW

Hallo Philipp, du bist Anfang

30, Gründer und Erfinder

der Hazelbox, einem Grow-

Schrank für Zuhause, und

damit selbstständig auch im

legalen Cannabusiness unterwegs.

Erzähl uns doch, wie kam es dazu?

Also ich fand es schon immer sehr

interessant, zuhause eigene Früchte

anzubauen, und hab das auch bei

Freunden gesehen. Und ich habe mir

gedacht, das kann doch eigentlich

nicht sein, dass es da nicht einfach

einen Kasten für gibt, mit dem man

sofort loslegen kann, ohne sich selbst

ein Set zusammenzustellen und eventuell

noch was löten zu müssen oder

so. Ich hab da mal ein bisschen in den

Shops geschaut und hab gemerkt, dass

man da auch ein gewisses Vorwissen

braucht und dachte, das muss doch

auch besser gehen.

Wann war das?

Angefangen mir Gedanken zu machen,

habe ich so im Jahr 2013.

Und zu der Zeit habe ich auch noch

in einem WG-Zimmer gewohnt.

Das heißt, ich hatte dabei auch

die Überlegung: was ist, wenn ich

mal nicht zuhause bin und Besuch

in der Wohnung ist, kann man

das auch irgendwie abschließen?

So habe ich darüber nachgedacht,

was sind denn so die Sachen, die

die Leute von der Eigenversorgung

abhalten? Thema Lautstärke, Thema

Geruch, Thema Auffälligkeit,

also dass da so ein komisches Zelt

dann steht. Normalerweise geht

ja auch kein Fremder einfach an

einen Schrank dran, aber bei einem

Zelt mitten im Raum kommen

vielleicht schon Fragen auf.

Diese ganzen Probleme haben wir

versucht wegzubekommen und

ein einfaches System für Leute zu

entwickeln, die sich gar nicht so

lang mit der technischen Thematik

auseinandersetzen wollen oder

können. Daraus ist dann die erste

Version der Hazelbox entstanden

und die ist jetzt seit 2015 am

Markt.

Welcher Aspekt war für dich der

dringlichste an einer neuen Growschrank-Lösung?

Das All-in-one-

Paket?

Ja schon, das hat sich Schritt für

Schritt entwickelt, in der ersten Hazelbox

war das noch nicht ganz so

gegeben. Es war zwar schon etwas

einfacher als bei einem Growzelt,

aber man musste schon noch beispielsweise

den Aktivkohlefilter und

den Lüfter verbinden und die Lampe

einzeln einhängen, bevor man

starten konnte, also da waren auch

schon noch ein paar Schritte nötig.

Ich habe am Anfang teilweise auch

noch mit einem kleinen Caddy selbst

ausgeliefert und gesehen, dass die

Kunden nicht nur aus 18-Jährigen

Skatern mit Baseballcaps bestehen.

Eine frühe Kundin war eine Dame

über 60, die mit der Inbetriebnahme

nicht ganz zurechtkam und da

habe ich überlegt, wie man es noch

einfacher gestalten kann, Stichwort

All-in-one. Da haben wir mit den

Kollegen von Lientec in Quickborn,

Geöffnete Hazelbox

(in virdingrün)

mit Hazelbeam

52 HIGHWAY • Juli/August 2020


die mit uns schon von Anfang an zusammenarbeiten,

die Hazelbeam 2

entwickelt, die seit zwei Jahren auch

automatisch in der neuen Hazelbox-

Variante verbaut ist.

MODELL HAZELBOX COMPACT HAZELBOX PLUS

Was darf man sich darunter

vorstellen?

Die Hazelbeam 2 ist ein komplettes

System, das es so vorher noch nie

gab und bei dem du Lüfter, Aktivkohlefilter,

Timer und LED in einem

verbaut hast.

Also in dem Fall ist kein Schrank

drumrum?

Sie ist zwar auch in unserer Hazelbox,

unserem abschließbarem

Growschrank, als Herzstück enthalten.

Aber man kann sie auch

autonom sehen und verwenden.

Man könnte sie also auch einem

Zelt oder einem alten Holzschrank

verwenden, weil die Hazelbeam 2

einfach alles für einen macht, was

man da so braucht Luftdurchsatz,

Filterung, Licht in verschiedenen

Phasen vorprogrammiert, sodass

man da keine verschiedenen Lampen

oder Zeitschaltuhren bemühen

muss und so weiter. Man muss im

Prinzip die Hazelbeam nur einhängen,

Netzstecker rein und los

geht’s.

Wo kommen eure Kunden her?

Was sind das so für welche, du

sagtest gerade schon, ganz so klassisch

(männlich, um die 20, Joint

im Mund) wäre die Klientel nicht?

Richtig, richtig, das sind weniger

Skater in ihren Zwanzigern, die

sich mal nebenbei so eine Box bestellen,

grundsätzlich sind es eher

Leute, von denen man gar nicht

erwarten würde, dass sie sich mit

dem Thema Eigenanbau daheim

Gehäuse

1 Stahlschrank 120 cm

(komplett zusammengebaut,

keine Selbstmontage)

beschäftigen. Viele Leute, die eher

im Alter meiner Eltern sind.

Und sind die eher auf Anonymität

bedacht oder gibt es persönlichen

Kontakt?

Also ausliefern tun wir seit geraumer

Zeit europaweit mit Spedition,

da kommt nicht mehr so viel

Kontakt zustande. Aber dass sich

da mal einer Sorgen macht wegen

Datenschutz oder ähnlichem,

das ist vielleicht einer von Zweihundert

Fällen. Von Kundenseite

kommen da eigentlich keine Bedenken

oder Fragen in die Richtung.

Wir haben aber auch eine

sichere Seite, es gab noch nie Probleme.

Wir achten sehr auf den

Datenschutz, alle Daten werden

nach Abschluss der Bestellung

gelöscht. Der Kunde hat nur eine

Kundennummer für Garantiezwecke.

Newsletter wird man auch

keinen bekommen.

1 Stahlschrank 195 cm

(komplett zusammengebaut,

keine Selbstmontage)

Anschlussflansch 2 x, genormt für 100-mm-Zu- und Abluft 2 x, genormt für 100-mm-Zu- und Abluft

Schlüssel 2 x 2 x

Hazelbeam 1 x Hazelbeam 2 1 x Hazelbeam 2

Einlegeböden 1 x

Einhängearme für Böden 4 x

Höhe 120 cm 195 cm

Breite 93 cm 93 cm

Tiefe 50 cm 50 cm

Pflanzenhöhe 80 cm bei vier Pflanzen 150 cm bei sechs Pflanzen

Gewicht 30 kg 45 kg

Farben Virdingrün oder anthrazit Virdingrün oder anthrazit

Preis 1.579 Euro 1.789 Euro

Hazelbox Compact und Hazelbox Plus im Direktvergleich

Wozu wird die Hazelbox eigentlich

alles so genutzt in manchen

europäischen Staaten ist die

Gesetzgebung ja auch lockerer,

wird da viel Cannabis mit angebaut?

Ja, das Thema Eigenanbau hat tatsächlich

eine riesige Bandbreite.

Urban Gardening, alles mögliche

einfach zuhause anbauen, das ist

natürlich mit der Hazelbox möglich.

Wir hatten auch schon

Universitäten als Kunden, um

Kreuzungen zu züchten. Im befreundeten

Ausland, wo die Gesetze

es schon ermöglichen, sich

seine tropischen Pflanzen mit erhöhtem

Energiebedarf in kleinerer

Stückzahl zu halten, wird die

Box natürlich auch dafür genutzt.

Und was Cannabis angeht

rauchst du es auch?

Ja, ich bin seit 2017 Cannabispatient

und fühle mich sehr gut damit.

Derzeit kämpfe ich darum,

dass die Kostenübernahme durch

Juli/August 2020 • HIGHWAY 53


INTERVIEW

Karte Europas

wo darf privat legal

Cannabis angebaut werden?

ITALIEN

Eigenanbau nicht mehr strafbar,

neue Gesetze in Arbeit

NIEDERLANDE

Eigenanbau wird toleriert

ÖSTERREICH

Anbau möglich, wenn die Pflanzen

nicht zur Blüte gebracht werden

SCHWEIZ

Anbau von CBD möglich, wenn

1 % THC nicht überschritten wird

SPANIEN

Eigenanbau entkriminalisiert,

wenn nicht öffentlich einsehbar

TSCHECHIEN

Eigenanbau wird toleriert

meine Krankenkasse gewährleistet

wird.

Fährst du Auto, wenn du geraucht

hast?

Bei mir ist es so, dass ich am Tag zuvor

geraucht haben darf, nach dem

Konsum selbst fahre ich nicht mehr

Auto.

Firmen- und Wohnsitz hast du in

München. Spürst du da Vorbehalte

der Behörden oder Institutionen gegenüber

dir persönlich oder gegenüber

der Firma? Und glaubst du, es

wäre ein Unterschied, wenn du in

einer anderen Stadt wie Hamburg

oder Frankfurt wärst?

Überhaupt nicht, muss ich sagen,

was ich anfangs auch echt anders

erwartet hätte. Man muss ja auch

mit den verschiedensten Leuten zusammenarbeiten.

Neulich sind wir

beispielsweise in ein größeres Lager

umgezogen, der Vermieter ist

auch eher ein älterer Herr. Der hat

sich aber unsere Website angeschaut

und gesagt: „Sauber, das ist eine gute

Idee, herzlich Willkommen!“ Und wir

haben sofort die Halle bekommen. Ja

irgendwie ist es fast schon so, als wäre

das Gegenteil der Fall. Als ich vor ein

paar Jahren einen Kredit für die Firma

gebraucht habe, habe ich sofort das

Geld bekommen, das Ganze sogar mit

Förderung von einer Bank, die im bayrischen

Wald ansässig ist. Der zuständige

Sachbearbeiter lobte mich sogar

noch für die innovative Idee. Auf Unfreundlichkeit

oder Ablehnung stoße

ich eigentlich nie.

Und ganz allgemein gesprochen,

auch abseits des bayrischen Raums,

siehst du Probleme für junge Unternehmen

im Cannabis-Sektor, die es

nur für solche gibt, oder ist es ein

Geschäft wie jedes andere?

Ich glaube, für einige ist das größte

Problem erst einmal die Angst, mit

ihrem Lebenslauf diese Richtung einzuschlagen.

Man muss es natürlich

auch irgendwann mal seinen Eltern

erzählen, sag ich mal. Aber es birgt

selbstverständlich auch Chancen, in

unserem Fall sieht das so aus, dass fast

der ganze Markt noch mit Zelten abgedeckt

wird, allein in Deutschland,

Österreich und Schweiz, so schätze

ich, dürften das Hundert- bis Zweihunderttausend

Zelte sein, die jährlich

verkauft werden. Solche Zahlen

machen es natürlich interessant, etwa

ein Geschäft im Growtechnik-Bereich

zu starten. Unsere Firma hat beispielsweise

auch schon Anfragen von Investoren

aus ganz anderen Branchen, die

auch ein Auge auf den Bereich geworfen

haben.

Wie sieht die Zukunft der Growboxen

aus? Was euch betrifft und

allgemein gesprochen? Gibt es

54 HIGHWAY • Juli/August 2020


Mit lustigen Clips bewirbt Cannabis-Comedian Vincent Pfäfflin die Vorzüge

der Hazelbox

setzen oder anfangen, sich dafür

zu interessieren. Wir haben jetzt

auch gesehen, dass wir aufgrund

von Corona viel mehr Bestellungen

als sonst hatten. Die Leute werden

in Zukunft vermutlich auch mehr

im Blick haben, dass eventuell mal

wieder Zeiten kommen könnten, wo

nicht immer alles gleich verfügbar

ist. Und fast kein anderes Produkt

wie unseres steht so für die Selbstversorgung

zuhause wie unseres.

Ich möchte in Zukunft alle Produkte

noch einfacher machen, noch effektiver,

noch zugänglicher. Wir sind

auf dem richtigen Weg, aber es gibt

im Detail natürlich immer etwas zu

verbessern.

vielleicht auch Trends aus Amerika,

deren Ankunft du erwartest?

Andersherum! Die Trends werden

von uns aus nach Amerika rüberschwappen.

Denn auch in Amerika

gibt es so etwas wie die Hazelbeam 2

noch nicht und wir sind dabei, das

alles auf den Weg zu bringen und

da rüberzubringen. Allgemein gesehen

wird es vermutlich so sein, dass

immer mehr Leute auf Eigenanbau

Eine Cannabis-Legalisierung in

Deutschland wäre vermutlich

auch für euer Geschäft zuträglich.

Meinst du, da wird sich in näherer

Zukunft etwas tun?

Eigentlich bin ich ja grundsätzlich

optimistisch und auch gerade hier im

bayrischen Raum hat sich total viel

getan in den letzten Jahren. Deutschlandweit

gesehen gibt es nun Rezepte

und den CBD-Boom. Das kann man

vielleicht auch etwas mit den Vorjahren

der Cannabislegalisierungen in

den USA vergleichen. Auf der anderen

Seite ist es natürlich schwierig,

da die Politik leider nicht immer so

flexibel ist. In Baden-Württemberg

haben wir jetzt die Grünen in der Regierung,

da passiert trotzdem nichts.

Zum Abschluss erkundigen wir uns

bei einem Interview immer gerne

nach der Lieblingssorte. Wie sieht

es da bei dir aus?

Das Herzstück der Hazelbox die Hazelbeam, eine Kombination

aus Anbau-LED, Abluftsystem und Aktivkohlefilter

Als ich zum ersten Mal Bedrocan geraucht

habe, war ich total fasziniert,

wie gut es mir gefällt und wie gut

und funktionstüchtig ich mich fühle.

Das ist auch nach wie vor so.

Juli/August 2020 • HIGHWAY 55


GROWING

Nach der AutoXtreme

aus der zurückliegenden

Highway-Ausgabe stand

eine weitere Sorte auf

dem Programm, die Chuck

Lore ausprobieren und

für unsere Leserinnen und

Leser durch einen Growbericht

verschriftlicht

anbauen wollte: Taison

Auto von VIP Seeds. Zudem

sollte mit dem Grow-

Vorhaben auch eine neue

LED, die Bioledex GoLeaf

X1, einmal in der Praxis

ausgetestet werden.

Grow-Report & LED-Test

TAISON

AUTO &

GOLEAF

X1

Auf der Cannafair 2019 in

Düsseldorf hatte ich das Vergnügen,

mit verschiedenen

Anbietern von LED-Spezialleuchten

ins Gespräch zu

kommen. So war der Hersteller von

modernen LED-Leuchten Del-Ko

so freundlich, mir ein Modell seiner

Pflanzlampe GoLeaf X1 der Marke

Bioledex zur Verfügung zu stellen.

Voller Neugier trat ich zusammen mit

einem Partner an, um die Effizienz

der LED-Spezialleuchte auszutesten.

Statt nüchterner Laboruntersuchungen

sollte das Augenmerk beim Test

auf dem realen Pflanzenwachstum

liegen. Für den Praxistest suchten

wir uns daher eine leicht zu ziehende,

eher klein wachsende Sorte aus.

Die Wahl fiel auf einen Samen der

Sorte Taison Auto von VIP Seeds.

Sie sollte nicht höher als rund 80

Zentimeter werden und nach recht

kurzer Zeit, der Hersteller gibt 60 bis

65 Tage nach der Einsaat an, erntereif

sein. Um die neue LED-Leuchte

besser beurteilen zu können, wollten

wir parallel zur Aufzucht unter der

150 Watt starken GoLeaf X1 einen

weiteren Taison-Auto-Samen aufziehen.

Dazu wurde eine ähnlich starke

Leuchte eingesetzt, der im Spektrum

weite Teile des Lichts des gelb-grünen

Bereichs fehlten. Die photosynthetisch

aktive Strahlung dieser Leuchte

war nach gängiger Lehrmeinung

also größer, aber die Firma Del-Ko

war davon unbeeindruckt und zeigte

sich zuversichtlich, dass beim Einsatz

ihre Leuchte mindestens ebenso hohe

Mengen geerntet werden konnten.

Die Größe der Pflanzkübel, der Ab-

56 HIGHWAY • Juli/August 2020


stand der Leuchte zur Pflanze und die

Düngung waren natürlich identisch.

So konnten wir am Ende beurteilen,

wie effizient die GoLeaf X1 wirklich

war. Die Aufzucht selbst fand

wie immer im befreundeten Ausland

statt, wo der Umgang mit Cannabispflanzen

liberaler geregelt ist. Bis zu

Do-it-yourself-Experte

Chuck Lore

Taison Auto

fünf Exemplare dürfen dort für den

Eigengebrauch angebaut werden.

Das reichte bislang stets aus, um einen

moderaten Konsum aus eigener

Zucht zu ermöglichen.

Gleich nach dem Einschalten

der GoLeaf X1 fiel das tageslichtähnliche

Spektrum auf, das die

Leuchte ausstrahlte. Wie eine ganz

normale Tageslichtleuchte erhellte sie

den ihr zugeteilten Pflanzraum. Auch

die Untersuchung mit einem Spektrometer

zeigte, dass ihr Licht dem

Sonnenlicht sehr ähnlich ist. Sie hat

zwar die für Pflanzleuchten üblichen

Spitzen im roten und blauen Bereich,

aber auch die gelb-grünen Spektren

waren gut besetzt. Erfreulich war

auch, dass die Leuchte über keine

zusätzlichen Lüfter verfügt. Trotz der

ausschließlich passiven Lüftung wurde

sie nicht wärmer als 38 Grad Celsius,

ein Großteil der in Form von elektrischem

Strom zugeführten Energie

wurde also tatsächlich in Licht gewandelt.

Voller Neugier warteten

wir also auf das kommende Wachstum

der begehrten Pflanzen. Eine

Woche nach der Keimung vermaßen

wir die jungen Triebe das erste Mal.

Zu unserer Verwunderung war einer

sechs Zentimeter hoch und spannte

fünfeinhalb Zentimeter auf, der andere

war nur vier Zentimeter hoch und

spannte lediglich drei Zentimeter auf.

Das war ein immenser Unterschied,

den wir durch die unterschiedliche Beleuchtung

nicht erklären konnten. Wir

wollten eine weitere Woche lang abwarten

und dann entscheiden, ob wir

die Leuchten tauschten. Selbst Saatgut

aus der gleichen Packung kann durchaus

verschieden gut wachsende Variationen

enthalten. Durch einen Tausch

könnten wir dann sichergehen, dass

das zurückhaltende Wachstum nicht

an der verwendeten Lampe lag und

es kam, wie wir vermutet hatten. Die

Pflanze unter der GoLeaf X1 wuchs

praktisch nicht weiter. Ganz anders die

unter der Vergleichsleuchte. Diese war

bereits sechs Zentimeter hoch, spannte

zwölf Zentimeter auf und hatte auch

schon ein weiteres Blattpaar gut ausgebildet.

Wir tauschten die Leuchten

also aus und waren gespannt, wie sich

die Keimlinge weiterhin entwickeln

würden.

Juli/August 2020 • HIGHWAY 57


GROWING

PROTOKOLL GOLEAF X1

1.9. - Tag der Aussaat.

6.9. - Keimling sichtbar.

13.9. - Vier Zentimeter hoch, drei

Zentimeter von Blattspitze zu Blattspitze.

20.9. - Immer noch vier Zentimeter

hoch, von Blattspitze zu Blattspitze

vier Zentimeter.

20.9. - Die beiden Pflanzen werden

getauscht, sodass sich die nachfolgenden

Werte also auf die Pflanze

beziehen, die bis zum 20.9. unter der

Vergleichsleuchte aufwuchs.

27.9. - 11 Zentimeter hoch und

26 Zentimeter Spannweite.

4.10. - 22 Zentimeter hoch und

40 Zentimeter Spannweite.

11.10. - 45 Zentimeter hoch, Spannweite

unverändert, Blütenbildung

deutlich erkennbar.

18.10 - Höhe und Spannweite unverändert,

Blütenbildung schreitet

deutlich voran, große Blätter werden

welk.

25.10. - Höhe und Spannweite unverändert,

Blütenbildung schreitet

deutlich voran, große Blätter sterben

ab.

1.11. - Blüten werden dicker, die

größte misst fünf Zentimeter im

Durchmesser. Erste Härchen

verfärbt, die meisten Blätter sind

abgestorben.

8.11. - Blüten bis zu sechs Zentimeter

dick, weitere Härchen verfärbt,

fast alle verbliebenen Blätter haben

rot-gelbe Farbe.

10.11. - Pflanze ist reif, fast alle

Trichomenköpfe sind milchig,

Hauptblüte wiegt nass 14,2 Gramm

und misst nach dem Beschnitt rund

5,5 Zentimeter im Durchmesser.

5.11. - Errechneter Tag der Ernte

laut Hersteller.

1.11. - Geschätzter Tag der Ernte

nach unseren Beobachtungen.

10.11. - Tatsächlicher Erntetag.

Nach dem Tausch blieb das Wachstum

nahezu unverändert. Während

der eine Keimling kaum wuchs, legte

der andere gut zu. Er war binnen

einer Woche unter dem Licht der

GoLeaf X1 auf elf Zentimeter Höhe

gewachsen und spannte bereits 26

Zentimeter auf, eine bislang sehr gute

Entwicklung. Der Vergleichskeimling

hingegen wuchs auch unter dem

Licht der Vergleichsleuchte nur zögerlich.

Er maß fünf Zentimeter in der

Höhe und spannte sechs Zentimeter

auf. Damit lag er im Wachstum etwa

zwei Wochen zurück, das war viel

Zeit für eine selbstblühende Pflanze.

Allerdings entwickelten sich die neueren

Blätter recht ansehnlich, sodass

wir uns dazu entschlossen, den Vergleichstest

weiter durchzuführen und

eine mögliche Differenz der Erntemenge

als natürliche Schwankung zu

tolerieren. Am Tag der nächsten Messung

staunten wir nicht schlecht. Zum

Taison Auto

einen hatte sich die zurückgebliebene

Pflanze gut weiterentwickelt, sie war

zehn Zentimeter hoch und spannte 22

Zentimeter auf. Wir freuten uns, dass

nun auch diese Pflanze gut wuchs,

und hofften, dass die positive Entwicklung

andauerte. Zum anderen

war die Pflanze unter der GoLeaf

X1 auf 22 Zentimeter Höhe gewachsen

und hatte eine Spannweite von

40 Zentimeter erreicht. Ein echter

Wachstumsrekord, wie wir fanden.

Vielleicht an dieser Stelle ein wenig

über die Lichtspektren, die bei modernen

Pflanzleuchten verwendet

werden: zwar kann das Thema hier

nicht bis ins letzte Detail erläutert

werden, das würde ein ganzes Buch

füllen, aber einige interessante Fakten

sollen den Leserinnen und Lesern

nicht vorenthalten bleiben. Und zwar

benötigen Pflanzen für ihr Wachstum

vorrangig rotes Licht im Bereich um

die 650 Nanometer Wellenlänge und

58 HIGHWAY • Juli/August 2020


laues Licht um die 440 Nanometer.

Darum waren die ersten LED-Pflanzleuchten

zur Hauptsache mit LEDs

ausgestattet, die in diesem Bereich

leuchteten. Erst durch die weitere Forschung

fand man heraus, dass auch

weißes Licht wichtig für das Wachstum

ist. Zudem wurden kritische

Stimmen laut, die ein Licht, das dem

Sonnenlicht ähnlich ist, grundsätzlich

bevorzugten. Je nach Pflanzenart

wogen die Argumente, die gegen ein

spezielles rot-blaues Spektrum sprachen,

unterschiedlich stark. Die hier

ausgetestete Firma Del-Ko bietet daher

etwa ihre Leuchten mit mehreren

Standardspektren an und ist auch für

davon abweichende Spektren offen.

Die genutzte GoLeaf X1 emittierte

ein sehr weißes Licht und deckte die

gesamte Bandbreite des sichtbaren

Sonnenlichts ab. Befürworter eines

tageslichtähnlichen Spektrums werden

dieser LED-Spezialleuchte daher

vermutlich viel abgewinnen können.

Doch zurück zu dem

Wachstum. Wir waren bislang kämpfende

Befürworter eines speziellen

Spektrums, das sich an der Norm,

die in der DIN 5031-10 definiert ist,

orientiert. Dennoch zeigte das gute

Wachstum der Pflanze, dass ein gänzlich

weißes Licht durchaus zu respektablen

Ergebnissen führen kann. Mit

45 Zentimetern Höhe und einer unveränderten

Spannweite präsentierte

sich die Testpflanze nach einer weiteren

Woche. Auch die Blütenbildung

war bereits deutlich erkennbar. Die

Pflanze unter der Vergleichsleuchte

konnte ebenfalls zulegen. Sie wies

zwar keine Blütenansätze auf, lag

aber mit 20 Zentimetern Höhe und

36 Zentimetern Spannweite nur noch

eine Woche zurück. Optimistisch

hofften wir, dass die Aufzucht nicht

umsonst war und beide Gewächse akzeptable

Ernten einbringen würden.

In der kommenden Woche entwickelte

sich die Pflanze unter der Vergleichslampe

gut weiter. Sie war nun

27 Zentimeter hoch, spannte 40 Zentimeter

auf und zeigte erste Anzeichen

einer bald einsetzenden Blüte. Das

Gewächs unter der GoLeaf war zwar

nicht mehr gewachsen, hatte aber

dafür ausgeprägte Blütenstände entwickelt.

Zudem wurden die größeren

Blätter welk. Das war ein Zeichen dafür,

dass die Pflanze all ihre Kraft nun

auf die Blütenbildung konzentrierte

und die dazu notwendigen Nährstoffe

PROTOKOLL VERGLEICHS-LED

1.9. - Tag der Aussaat.

6.9. - Keimling sichtbar.

13.9. - Sechs Zentimeter hoch,

5,5 Zentimeter von Blattspitze zu

Blattspitze.

20.9. - Sechs Zentimeter hoch, zwölf

Zentimeter von Blattspitze zu Blattspitze.

Weiteres Blattpaar schon gut

ausgebildet.

20.9. - Die beiden Pflanzen werden

getauscht, sodass sich die nachfolgenden

Werte also auf die Pflanze

beziehen, die bis zum 20.9. unter der

GoLeaf GX1 aufwuchs.

27.9. - Fünf Zentimeter hoch, sechs

Zentimeter Spannweite.

4.10. - Zehn Zentimeter hoch,

22 Zentimeter Spannweite.

11.10. - 20 Zentimeter hoch, 36 Zentimeter

Spannweite. Keine Blütenansätze

erkennbar.

18.10 - 27 Zentimeter hoch, 40 Zentimeter

Spannweite, erste Anzeichen

der kommenden Blüte.

25.10. - 32 Zentimeter hoch,

50 Zentimeter Spannweite, einsetzende

Blütenbildung deutlich

erkennbar.

1.11. - 58 Zentimeter hoch, Spannweite

unverändert, Blüte im vollen

Gange.

8.11. - 67 Zentimeter hoch, Spannweite

gleich, Blüten bilden sich

weiter aus.

15.11. - Höhe und Spannweite

nahezu unverändert, Blüte im vollen

Gange, erste größere Blätter verfärben

sich.

22.11. - Höhe und Spannweite nahezu

unverändert, rund ein Viertel der

Blütenhärchen verfärbt, die Hälfte

der größeren Blätter ist welk oder

verfärbt.

29.11. - Trichome sind allesamt trüb,

allerhöchste Erntezeit.

Die Testleuchte: GoLeaf X1 von Bioledex

Juli/August 2020 • HIGHWAY 59


GROWING

ERTRAG GOLEAF X1

Taison-Auto-Bud

Erntevolumen (frisch, erste Wahl):

70,5 Gramm

Erntevolumen (frisch, zweite Wahl):

10,3 Gramm

Erntevolumen (trocken, erste Wahl):

18,4 Gramm

Erntevolumen (trocken, zweite

Wahl): 3,7 Gramm

Zeit von Einsaat bis zur Ernte:

70 Tage

Zeit von sichtbarer Keimung bis zur

Ernte: 65 Tage

Kosten je Gramm (Erste Wahl):

3,90 Euro

ERTRAG VERGLEICHS-LED

Erntevolumen (frisch, erste Wahl):

95 Gramm

Erntevolumen (frisch, zweite Wahl):

48,8 Gramm

Erntevolumen (trocken, erste Wahl):

22,2 Gramm

Erntevolumen (trocken, zweite

Wahl): 12,6 Gramm

Zeit von Einsaat bis zur Ernte:

89 Tage

Zeit von sichtbarer Keimung bis zur

Ernte: 84 Tage

Kosten je Gramm (Erste Wahl):

4,28 Euro

den Blättern und den Wurzeln entzog.

Wir vermuteten, dass die Ernte

vorgezogen werden konnte, und tippten,

dass es zwei Wochen später so

weit sein würde. Eine Woche später

zeigte sich, dass sich die Blüten unter

der GoLeaf weiter verdickt hatten,

doch es fehlten alle Zeichen für eine

baldige Blütenreife. Zwar waren etliche

größere Blätter welk oder schon

abgestorben, aber die Blütenstände

entwickelten sich immer noch. Unter

der Vergleichslampe wuchs die

Parallelpflanze weiterhin gut, sie war

nun 32 Zentimeter hoch und spannte

50 Zentimeter auf. Auch hier waren

deutliche Blütenansätze zu erkennen,

allerdings hatte sie die Verzögerung

in der Entwicklung nicht mehr aufholen

können. Bemerkenswert war,

dass obwohl die Pflanzen durch chronologische

Reifung automatisch zur

Blüte kamen, die vegetative Phase bei

beiden Exemplaren doch sehr unterschiedlich

verlief. Während die eine

Pflanze bereits deutliche Anzeichen

des fortgeschrittenen Alters zeigte,

war die andere noch im vollen Saft.

Dies änderte sich auch in der folgenden

Woche nicht. Während die eine

Pflanze bereits zum Teil abgestorben

war, entwickelte sich die andere rasant

weiter. Binnen einer Woche war

diese um 26 Zentimeter gewachsen,

eine beachtliche Zunahme. Auch die

Blütenbildung hatte deutlich sichtbar

eingesetzt und wir freuten uns, dass

auch dieses Exemplar wahrscheinlich

guten Ertrag abwerfen würde. Allerdings

dauerte es bis zur Ernte nun

doch noch einige Zeit länger, aber

nach dem schlechten Start waren wir

heilfroh, überhaupt eine nennenswerte

Menge ernten zu können. Unsere

Schätzung, dass die eine Pflanze be-

60 HIGHWAY • Juli/August 2020


eits vor dem errechneten Termin so

weit sein würde, war also falsch. Sie

würde wahrscheinlich doch die gesamte

Zeitspanne und noch ein paar

Tage mehr brauchen, um komplett

auszureifen.

Tatsächlich war die Pflanze,

die unter der GoLeaf X1 aufwuchs,

auch drei Tage nach dem

vom Hersteller angegebenen Erntezeitpunkt

noch nicht ganz so weit.

Sie hatte rund ein Drittel verfärbte

Blütennarben und unter dem Mikroskop

war zu erkennen, dass etwa

die Hälfte bis zu zwei Drittel der

Trichomenköpfe milchig waren.

Eine Ernte wäre nun möglich gewesen,

aber wir entschlossen uns,

doch noch ein wenig zu warten.

Der Grund war, dass die Blüten immer

noch wuchsen und wir waren

freudig überrascht, dass diese eher

kleinwüchsige Pflanze so üppige Erträge

versprach. Doch auch die Vergleichspflanze

hatte gut zugelegt.

Sie war nun 67 Zentimeter hoch,

bei unveränderter Spannweite, und

zeigte etliche Blütenstände, die eine

reiche Ernte versprachen. Nur wenige

Tage später war die erste Pflanze

reif. Besonders erwähnenswert ist

die ungemein kompakte Blütenbildung,

die wir dem Spektrum der Go-

Leaf X1 zusprachen. Die Hauptblüte

hatte nach dem Beschnitt einen

Durchmesser von rund fünfeinhalb

Zentimetern und wog ungetrocknet

14,2 Gramm. Ähnlich dicht waren

die anderen Blüten, die sehr gleichmäßig

um den Hauptstamm herum

gewachsen waren. Der Verschnitt

hielt sich in engen Grenzen. Am

Ende hatten wir vor dem Trocknen

alles in allem rund 70,5 Gramm

potentes Marihuana erster Güte,

die nach der Trocknung noch 18,4

Gramm wogen. Die Pflanze unter

der Vergleichsleuchte ließ sich hingegen

noch einige Zeit. Sie lag fast

vier Wochen über dem vom Hersteller

angegebenen

Erntezeitpunkt,

ehe sie

reif war. Dafür

aber war auch

die geerntete

Menge etwas höher.

Nach dem

Beschnitt der

Blüten blieben

95 Gramm übrig,

die getrocknet

24,2 Gramm

wogen. Das

waren zwar

gut 30 Prozent

mehr, allerdings

machte dies in

der Berechnung

der Wirtschaftlichkeit

keinen

Unterschied.

Durch die längere

Wachstumsphase

waren ja

auch die Kosten

deutlich höher, sodass am Ende

rund vier Euro je Gramm Marihuana

anfielen. Genau gesagt waren es

3,90 Euro bei der GoLeaf X1 und

4,28 Euro bei der Vergleichsleuchte.

Fazit

Mit der Bioledex GoLeaf X1 von

Del-Ko hält man eine Leuchte mit

150 Watt Aufnahmeleistung in

Händen, die ein unauffälliges Licht

emittiert. Sie ist stark genug, um einen

halben Quadratmeter vollständig

auszuleuchten, das entspricht

einer quadratischen Fläche von 70

mal 70 Zentimetern Seitenlänge

oder einem Kreis von 80 Zentimetern

Durchmesser.

Noch ein kleiner Tipp:

werden drei Blumenkübel mit je

40 Zentimeter Radius dicht an

dicht zusammengestellt und mit

flexibler Folie ummantelt, dann

entspricht die ummantelte Fläche

fast genau diesem halben Quadratmeter

(0,455 m²). So ist es möglich,

die parallele Aufzucht von

bis zu drei kleinen Pflanzen problemlos

zu verwirklichen. Beispiel:

selbstblühende Cannabispflanzen

brauchen rund zwölf Wochen, um

von der Einsaat an gerechnet fertig

zu reifen. Wird nun alle vier Wochen

je ein Samenkorn eingesetzt,

kann ab dem dritten Monat mit einer

kontinuierlichen monatlichen

Ernte gerechnet werden. Dadurch

werden einerseits die Kosten deutlich

reduziert, das Gramm beste

Qualität kostet dann lediglich um

die 1,50 Euro. So wird der Traum

vom moderaten Konsum aus eigenem

Anbau wahr. Beste Qualität

zu wahren Schnäppchenpreisen,

das ist bei geschicktem Anbau nun

wirklich kein Problem mehr.

Juli/August 2020 • HIGHWAY 61


GOODIES

Wer sich mit offenen Augen in

der Cannabisszene bewegt, dem

kommen die Werke des niederländlischen

Künstlers Mossy Giant

möglicherweise bereits bekannt vor.

Seine Artworks zieren unter anderem

diverse Marketing-Materialien der Sa-

menbank Exotic Seeds und des Can-

nabis-Museums in Amsterdam. In der

UNDONE.420 CALI

Armbanduhr

oracleoftime.com

MOSSY GIANT

Psychedelische Art

mossygiant.com

Kifferhauptstadt der Welt hat der Illustrator passenderweise auch sein kleines Studio eingerichtet,

in dem er seine detailverliebten Fineliner-Zeichungen nach wie vor von Hand

anlegt. Seine Arbeiten erinnern an die Underground-Comics der 60er- und 70er-Jahre,

Altmeister Robert Crumb wirft auf jeden Fall seinen überlebensgroßen Schatten auf das

Zeichenpapier. Auf der Website des Illustrators finden sich zahlreiche limitierte Poster

und Drucke, die sich mit Sicherheit wunderbar über der heimischen Couch machen.

Armbanduhren

speziell für

Cannabisfreunde,

das hat fraglos

Neuigkeitswert. So

viele Gegenstände

des Alltags wurden

schon ob sinnnvoll

oder nicht für

Stoner aufbereitet, die schier endlose Liste von Beispielen reicht über Bettwäsche

bis hin zur Klobrille. Vom US-Hersteller Undone kommt nun der

Cannabis-Twist fürs Handgelenk. Das recht zurückhaltende Design wird von gedeckten Grün- und Gelbtönen bestimmt, auf dem

Ziffernblatt findet sich das obligatorische Hanfblatt, das die römische Zwölf erstezt. Passenderweise wurde auch die Ziffer Vier

grün hervorgehoben, damit man in Zukunft auch ja keine 420-Session mehr verpasst. Das Gehäuse besteht aus rostfreiem Stahl,

im Lieferumfang sind außerdem zwei Armbänder enthalten. Noch kann man die Undone.420 - Cali allerdings leider nicht kaufen,

auch der Preis steht bisher noch nicht fest. Allerdings wird man mit Blick auf das übrige Sortiment von Undone mit etwa 300 Euro

bei Erscheinen rechnen können.

REVELRY CONTINENTAL

Geruchssichere Taschene

cannamania.de

Geruchssichere Taschen können echte Lebensretter sein an

dieser

Stelle zu sparen, muss man unter Umständen später richtig

teuer bezahlen.

Sicher, knapp 230 Euro sind kein Pappenstiel für eine Reisetasche,

die keinen Aufdruck von Louis

Vuitton und Co. trägt. Aber die Continental punktet anstelle von Oberflächlichkeiten mit Substanz: dank eines integrierten Aktivkohlesystems

mit zwei synthetischen Filtern wird das Entweichen von Gerüchen verhindert. Duftstoffe werden von der Tasche

einfach absorbiert, wobei es zur olfaktorischen Auffrischung schon genügt, das Stück für einige Minuten in den Trockner zu geben.

Zusätzlich sorgt eine robuste Außenhülle aus Nylon und Gummi für Wasserbeständigkeit und Festigkeit.


LIV + GRACE

Rauchzubehöreitung

ocs.ca

DUFTKERZE

Minze-Schokolade

etsy.com

BUNTE BLÜTE NEKTAR

Liquid und Vape Pen

buntebluete.de

Also, in der Highway-

Redaktion herrscht ja die

unumstrittene Meinung

vor, dass es kaum etwas

gibt, dass so gut riecht wie

Weed. Nichtsdestotrotz kann

es natürlich auch immer mal

wieder Situationen geben,

in denen es besser wäre, das

Zimmer würde gerade nicht wie

eine ganze Plantage riechen.

Etsy-Verkäufer litcandlecoCA

hat sich auf die Herstellung von

Duftkerzen aus Soja spezialisiert,

die alle einem bestimmtem

olfaktorischen Zweck

dienen: mit ihrer Duftmischung

aus Minze und Schokolade soll

diese Kerze besonders gut dazu

geeignet sein, Cannabisgerüche

zu überdecken bzw. zu neutralisieren.

Bleibt nur die Frage wie

sich die Kerze mit dem Konsum

der Marihuna-Sorte Chocolate

Mint OG verträgt...

Es ist spannend zu beobachten, wie Cannabis-Artikel,

insbesondere dort, wo bereits

legalisiert wurde, immer mehr aus der

Schmuddelecke treten und in immer edleren

und luxuriöseren Ausführungen auf den boomenden

Markt geworfen werden. Besonders

auffällig ist diese Entwicklung bei Grindern,

die inzwischen in unzähligen Varianten um

die Gunst der fingermüden Cannabisfreunde

buhlen. Vom billigen Wegwerf-Plastikgrinder

für farbenfrohe Weed-Mikroplastik-Mischen

bis hin zum handgefertigten Design- und

Liebhaber-Objekt ist für jeden Gescshmack

und Geldbeutel etwas dabei. Der Liv aus der

F8-Linie des kanadischen Cannabisunternehmens

48North Cannabis befindet sich in

Sachen Look und Preis (etwa 135 US-Dollar)

eher am oberen Ende des Spektrums und

macht sich, gerade im Zusammenspiel mit der

minamlistischen Pfeife Grace (45 US-Dollar)

besonders gut in der stylischen Cannabis-

Hipster-Wohnung.

Was war

das für

eine Aufregung,

als

vor ein paar

Jahren die ersten

CBD-Blüten im

Sortiment der

Berliner Spätis

auftauchten! Der

CBD-Hype war

noch vergleichsweise

frisch, die

Rechtslage dementsprechend noch unklarer als ohnehin, die Verbraucher verunsichert,

die Polizei verwirrt. Inzwischen ist (trotz vielerorts immer noch unklarer

Gesetzeslage) einigermaßen Ruhe eingekehrt und die Jungs und Mädels hinter

den bunten Blüten sorgen für Nachschub zwischen Schokorieglen, Kippen und

Bier. Und zwar mit hochprozentigem CBD-Liquid für den Vape-Pen. Natürlich zu

100 Prozent frei von Vitamin-E-Acetat und sonstigen Zusatzstoffen oder Verdickungsmitteln.

Das kalifornische Tech-Unternehmen Bryber stellt die hochwertigen

Pens her, mit denen der „Nektar“ einfach und diskret genossen werden kann.

Juli/August 2020 • HIGHWAY 63


LOUNGE

KIFFERWAHN

(2,5/5)

Komödie, Spoof, Musical

USA

Erscheinungsjahr: 2005

Regie: Andy Fickman

Länge: 112 Minuten

Freigegeben ab 12 Jahren

mit

Kristen Bell,

Christian Campbell,

Neve Campbell,

John Kassir

Matthieu Lambert

Filmfan & Grafi k-Designer

Stoner-Movies

zeichnen

sich in der

Regel nicht

durch eine

besondere Originalität aus und gerade

bei den weniger hochwertigen

Vertretern der Zunft geht es doch

oft recht schematisch zu. Ein guter

Schuss Buddy-Movie, eine Prise

psychedelische Effekte, misstrauische

Cops, der Cannabis verabscheuende

Spießer, der nicht selten

am Ende bekehrt wird fertig ist

der Standard-Kifferfilm. Da mag

sich der ein oder andere Zuschauer

verständlicherweise ein wenig

mehr Abwechslung wünschen. Genau

das ist der dicke Pluspunkt von

„Reefer Madness“: er ist nicht wie

die anderen Kifferfilme. Man wird

zurückversetzt in die dunkle Zeit

der Anti-Cannabis-Propaganda in

den USA der 30er- und 40er-Jahre,

in der erzkonservative Hardliner

und besorgte Eltern das Abendland

kurz vor dem Untergang sehen.

Der gemeinsame Feind (neben

den Kommunisten natürlich): die

Marihuana-Zigarette, die Jugendliche

nach dem Konsum in debile

Sex-Zombies verwandelt. Der Film

verfolgt das Schicksal des braven

High-School-Schülers Jimmy, der

das Herz der noch braveren Mary

Lane (sic) gewinnen will. Über Umwege

verschlägt es das Milchgesicht

jedoch in eine sogenannte „Reefer

Den“, wo es nicht lange dauert,

bis aus Schwiegermutters Liebling

ein Cannabis-Junkie ersten Grades

wird...

Trailer HIER auf

YouTube ansehen!

Wiley (John Kassir) ist dem bösen Cannabis bereits völlig verfallen

DAS ORIGINAL

REEFER MADNESS (1936)

Anti-Cannabis-Propaganda der übelsten Sorte,

auch unter dem Namen „Tell Your Children“ bekannt.

Cannabisfreunde werden als Vergewaltiger,

Wahnsinnige und Mörder dargestellt. Da wünscht

man sich doch glatt eine CSU-Drogenbeauftragte

herbei! Finanziert wurde der Film von einer christlichen

Vereinigung, um die Eltern vor der vermeintlich

drohenden Gefahr zu warnen.

Diese Haupt-Handlung wird als Filmim-Film

erzählt, den ein FBI-Agent

einer besorgten Elternschaft vorführt.

Der Plot, der immer wieder von Gesangseinlagen

vorangetrieben wird,

enthält satirisch überhöhte Grundzüge

des bekannten Anti-Cannabis-Machwerks

„Tell your Children“ (aka „Reefer

Madness“, siehe Box) aus den 30er-

Jahren und wird immer wieder von

kurzen Einschüben unterbrochen, in

denen der erwähnte Beamte mahnend

64 HIGHWAY • Juli/August 2020


das Wort ergreift. Auf jeden Fall eine

ganze Menge Konzept für ein Stoner-

Movie! Solche Ambitionen muss man

würdigen und auch die liebevollaufwendige

Ausstattung im Stil der

40er-Jahre kann durchaus überzeugen.

Filmisch liegt hier alles soweit

im grünen Bereich, auch, wenn man

dem Film hin und wieder anmerkt,

dass es wohl keine Produktion im

ganz großen Stil gewesen ist. Das ist

angesichts der spärlichen Auswahl

an sehenswerten Kifferfilmen jedoch

leicht zu verschmerzen. Leider trüben

aber einige Schwächen das Gesamtbild

merklich: klar, Musicals sind

generell Geschmackssache und auch

wenn der Autor dieser Zeilen zugegebenermaßen

nicht unbedingt ein

Faible für diese Erzählform hat, fällt

auf, dass es den Songs ganz klar an

Eingängigkeit und Drive mangelt. Es

bleibt einfach keine schmissige Melodie

im Kopf. Hinzu kommt, dass das

Treiben oft dermaßen schrill und hysterisch

rüberkommt, dass selbst das

stärkste Indica dagegen machtlos ist.

Klar, man will den Prohibitionisten

den Spiegel vorhalten und ihnen ihre

realitätsfernen Ressentiments unter

die Nase reiben, doch dafür bleiben

die satirischen Elemente dann doch

oft zu harmlos bis albern und das

grenzenlose Overacting der Dartseller

fängt irgendwann an zu nerven.

Hier wird die Satire leider mit dem

Holzhammer serviert und der schlägt

leider auch noch öfter mal daneben.

Nicht auszudenken, was beispielsweise

die musicalerprobten South-Park-

Macher aus dem Stoff herausgeholt

hätten! In der Hand von Regisseur

Andy Fickman bleiben so leider nur

einige gute Ansätze und eine handvoll

guter Szenen für den Zuschauer

übrig. Zudem ist das Propaganda-

Original heutzutage eigentlich schon

Satire genug und in dieser Beziehung

einfach schwer zu toppen. Darauf

erst mal einen „Reefer Stick“!

SONG

WEB

BUCH

CLIP

Married To Marijuana

Interpret: Noreaga

Alle Old-School-Rapfans werden sich bei diesem offiziell nie

veröffentlichtem Track aus dem Jahr 1996 die Lippen lecken.

Noreaga vom Rap-Duo Capone-N-Noreaga erklärt zum Beat (bis

heute ist sich das Internet uneins, ob von Buckwild oder Charlemange

produziert) mit Al-Green-Sample seine Liebe zu Marihuana. Auf der

Rückseite der White-Label-Pressung finden sich Nas und der Large

Professor mit dem Lied One + One ein. Wer auf der Suche nach

Neunziger-Feeling mit marihuanaverherrlichenden Texten ist, wird

hier auf jeden Fall fündig.

DuMaryIchJane

https://www.podcast.de/podcast/807699/

Ein Neuzugang unter den Pot-Podcasts und ein überaus

fleißiger dazu: 25 Folgen sind bereits in den ersten zwei Monaten

erschienen findet sich bei Spotify, YouTube oder einfach bei

podcast.de: DuMaryIchJane. Betrieben wird die kurzweilige Plauderei

von den beiden Stonerladys Electra4.2.0 und Miss_High.Quality,

die der ein oder andere vielleicht bereits von ihrem gemeinschaftlichen

oder auch jeweils eigenen Instagram-Accounts kennt, wo sie

unermüdlich ihre Liebe zum grünen Kraut bekräftigen. In den Podcasts

behandeln sie ihre Erfahrungen im Leben, in der Familie und

bei Freunden im Zusammenhang mit dem Thema Weed!

Der kleine Flugbegleiter: Das Spaßbuch für Räusche aller Art

Autor: Simon Ruane | Erscheinungsjahr: 2020

Wer kennt es nicht: man isst ganz arglos ein Wurstbrot und

schwups, ist man dicht bis zum Gehtnichtmehr, denn vermutlich

wurden einem verbotene Substanzen ins Wurstbrot gemischt.

Okay, zugegeben: dieses Szenario kennen vermutlich ausschließlich

Zuschauer von Simon Ruane und seinem YouTube-Kanal Open

Mind, doch davon gibt es zahlreiche. So viele sogar, dass nun ein Buch

für seine Fans erschienen ist, das als Trip-Begleiter „für Räusche aller

Art“ dienen soll: Seiten zum Ausmalen, für Notizen während eines

Trips, kleine Rätsel und Wimmelbilder warten auf die Besitzer dieses

„Flugbegleiters“.

That ’70s Show Every Circle In Chronic-logical Order

https://www.youtube.com/watch?v=y3rkIIRUjiA

Die Wilden Siebziger (That ’70s Show), eine der Kult-Sitcoms

der etwas weniger wilden Neunziger, verfügte nicht nur über

äußerst sympathische Akteure, diese kifften auch noch heimlich im

Keller, was sie einem gleich noch mehr ans Herz wachsen ließen.

Das wurde jedoch praktisch nie zur Sprache gebracht, denn wer Bescheid

weiß, weiß Bescheid. Und so wurde in jede der 200 Episoden

eine gemeinsame Rauch-Laber-Runde im Keller eingebaut, auch

wenn man den Joint nicht zu sehen bekam. Bei YouTube finden

englischkundige Fans der Serie all diese Runden in chronologischer

Sortierung am Stück immerhin stolze zweieinhalb Stunden lang.

Juli/August 2020 • HIGHWAY 65


FACHHÄNDLER Growshop Headshop Grow- und Headshop

DEUTSCHLAND

PLZ (DE) Name Stadt Straße www.

04105 Kif-Kif Leipzig Kurt-Schumacher-Str. 39 kif-kif.de

06108 Ketama Damba Halle Ludwig-Wucherer-Str. 33 die-kraeuterhexe.de

06110 Hanf-Box Halle Böllberger Weg 6 ak-seeds.com

10178 Hanfmuseum Berlin Mühlendamm 5 hanfmuseum.de

10243 Udopea Berlin Berlin Warschauerstr. 72 udopea.de

10249 Klaus der Gärtner Berlin Strassmannstr. 1 klausdergärtner.de

10317 Buschmann-Shop Berlin Archibaldweg 26 buschmannshop.de

10437 Kaya Foundation Berlin Schliemannstr. 26 kayagrow.de

10969 Gras Grün Berlin Ritterstr. 43 grasgruen.de

12049 Pegasus Berlin Mahlowerstr. 2 pegasus-unleashed.com

12109 Greenlight-Shop Berlin Ullsteinstr. 73 greenlight-shop.de

12435 Verdampftnochmal Berlin Karl-Kunger-Str. 28 verdampftnochmal.de

13347 Sun Seed Bank Berlin Amsterdamer Str. 23 sun-seed-bank.de

18057 Pegasus Rostock Barnstorfer Weg 23 pegasus-unleashed.com

24114 Flower-Power-Kiel Kiel Sophienblatt 80 flower-power-kiel.de

26112 Fantasia Oldenburg Staulinie 16/17 fantasia-ol.de

26954 Black Sheep Nordenham Atenser Allee 20 nicht vorhanden

32052 Chalice Herford Herford Steinstr. 22 chalice-grow.de

34117 Jelly Joker Kassel Neue Fahrt 3 jelly-joker.de

37124 U-Farm Rosdorf Hambergstr. 1 u-farm.de

42103 Halloween-Store Wuppertal Neumarktstr. 35 halloween-stores.de

45127 Krazy8 Essen Viehofer Str. 28 nicht vorhanden

45127 Weedzz Recklinghausen Münsterstr. 13-15 weedzz.de

45879 Cheech Gelsenkirchen Kirchstr. 37 cheech-headshop.de

49090 Chalice Osnabrück Osnabrück Kirksweg 8 chalice-grow.de

52076 Skilled Staff Aachen Werkstr. 30 shop.skilledstaff.rocks

58135 Imagro Hagen Swolinzkystr. 3 imagro.de

58706 Green Gates Menden Neumarkt 11 www.green-gates.de

59348 GBK Gärtnereibedarf Kortmann Lüdinghausen Olfener Str. 112 gbk-shop.de

60311 Neutral Frankfurt am Main Fahrgasse 97 neutral-ffm.net

60486 Mr. Nice Shop Frankfurt am Main Große Seestr. 36 mr-nice-shop.com

60594 Bong Headshop Frankfurt am Main Elisabethenstr. 21 bong-headshop.de

61348 Nasha Head- & Growshop Bad Homburg Obergasse 5 nasha-grow.de

64283 Growshop Darmstadt Elisabethenstr. 34 growshopda.de

68159 New Asia Headshop Mannheim F1, 10 (Nähe Paradeplatz) new-asia-headshop.de

69254 Kalidad Malsch Am Bahnhof 6 kalidad.de

70178 Ivory Stuttgart Marienstr. 32 ivory-stuttgart.de

70178 Rauchbombe Stuttgart Tübinger Str. 85 rauchbombe-stuttgart.de

73037 Glasshouse Göppingen Jahnstr. 86 ghouse.de

73037 Nirwana Raucherladen Schrozberg Bahnhofstr. 13 nicht vorhanden

76133 Glasgalerie Karlsruhe Zähringerstr. 49 nicht vorhanden

76646 Planet Blunt Bruchsal Bannweideweg 4 planet-blunt.de

76646 Das Gewächshaus Bruchsal Bannweideweg 4 sgwaechshaus.de

77933 Hanfnah Lahr Werderstr. 28 hanfnah.de

79102 Hanfnah Freiburg Schützenallee 3 hanfnah.de

79540 Hanfnah Lörrach Basler Str. 86 hanfnah.de

81677 Hanf der etwas andere Bioladen München Einsteinstr. 163 hanfbioladen.de

85077 Smart City Garden Manching Weberstr. 2 smartcitygarden.de

90439 my420gadgets Nürnberg Schweinauer Str. 56 my420gadgets.de

93047 Hempy’s Shop Regensburg Wahlenstr. 23 hempy.de

93055 GrowArt Profitechnik Regensburg Auweg 42a growartprofitechnik.de

94032 Geko Passau Brunngasse 27 geko-garten.de

94113 Geko Garten Tiefenbach Unterkaining 2 geko-garten.de

94315 Hempy’s Shop Straubing Am Platzl 41 hempy.de

97506 Karma Grafenrheinfeld Marktplatz 4 nicht vorhanden

99734 Plantplanet Nordhausen Wallrothstr. 8b plantplanet.de


ÖSTERREICH

PLZ (AT) Name Stadt Straße www.

1030 SteckiT Wien Erdbergstraße 49 steckit.at

1060 Bushplanet Head- & Growshop Wien Esterhazygasse 3234 bushplanet.tv

1060 Bushplanet City Grow Wien Mariahilfer Str. 115/45 citygrow.at

1070 Blumen per Lumen Wien Neustiftgasse/Ecke Zieglergasse 88-90 blumenperlumen.at

1230 Future Grow Wien Perfektastr. 8789 future-grow.at

2345 Bushplanet Grow City Brunn am Gebirge Industriestr. D 5 growcity.com

4020 Schall & Rauch Linz / Hafen Linz Industriezeile 47/2.OG schall-rauch.at

4020 Schall & Rauch Linz / Zentrum Linz Bethlehemstr. 9 schall-rauch.at

4812 Fantasy Pinsdorf Riedweg 1 livingwithfantasy.at

5020 Cosmic5 Salzburg Schallmooser Hauptstr. 29 cosmic5.at

5020 Schall & Rauch Salzburg Bergheim Plainbachstr. 8 schall-rauch.at

6020 Sonnenallee Innsbruck Josef-Wilberger-Str. 15 sonnenallee.at

6971 Cannamigo Tea House Hard (bei Bregenz) Mockenstraße 65 cannamigo.com

9020 Mr. Smart Klagenfurt Siebenhügelstr. 28 mr-smart.at

9500 Hempcenter Villach Maria-Gailer-Str. 2 mr-smart.at

SCHWEIZ

PLZ (CH) Name Stadt Straße www.

3011 Fourtwenty Trendshop Bern Kramgasse 3 fourtwenty.ch

3053 Sow & Grow Lätti Bürenstr. 14a sowandgrow.ch

3063 Fourtwenty Growcenter Ittigen Worblentalstr. 30 fourtwenty.ch

4133 Growsystem Pratteln Pratteln Rührbergweg 3 growsystem-bl.ch

8005 Bio Top Center Zürich Konradstr. 28 biotop-zuerich.ch

ONLINESHOPS

Name Land www.

Secret Planet Deutschland secretplanet.co

HighLifeStyle Schweiz highlifestyle.ch

Kiffershop Schweiz kiffershop.ch

Lobby für Hanf

Der Deutsche Hanfverband ist im Kontakt mit Abgeordneten aller im

Bundestag vertretenen Parteien.

Auf öffentlichen Veranstaltungen, parlamentarischen Anhörungen

und mit Hintergrundgesprächen werben wir direkt an den

Schaltstellen der Macht für die Legalisierung von Cannabis.

hanfverband.de

Juli/August 2020 • HIGHWAY 67


GEWINNSPIEL

Suchbild

Fünf Fehler haben sich im unteren Bild

eingeschlichen. Wer findet sie alle?

Buchstabensalat

In diesem Buchstabensalat verstecken sich fünf Begriffe

mit Cannabis-Bezug.

Aber um welche Wörter handelt es sich?

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Finde die 5 Fehler!

Diese Wörter sind versteckt:

1 ZIEHEN 2 ZIEHARMONIKA 3 BOOSTER

Cannabis-Quiz

4 BOOBIES 5 ANLECKEN 6 ANECKEN

An 7 dieser CANNABIGEROL Stelle warten 8 GEROLD sieben knifflige 9Fragen ASCHENBECHER zum Thema

Cannabis auf die Leserschaft, mit denen das eigene

10 Fachwissen

SASCHABECHER

unter Beweis gestellt werden kann. Aus

den richtigen Antworten ergibt sich dann das gesuchte

Lösungswort

Quelle: http://suchsel.bastelmaschine.de

Welcher Schauspieler positionierte sich kürzlich pro Legalisierung?

A) Til Schweiger E) Armin Rohde O) Uschi Glas D) Florian Silbereisen

Woher kommt die Jugendgang, auf die der 420-Code zurückgehen soll?

R) San Rafael G) Venice Beach M) Malibu A) Phoenix

Die WHO empfiehlt Cannabis runterzustufen. In welches Verzeichnis?

D) 4 L) 3 N) 2 T) 1

Wie heißen die legalen Cannabis-Abgabestellen in Portugal?

W) CSC D) Coffeeshop R) Es gibt keine S) Canamoquesas

Wir möchten darauf hinweisen, dass Erwerb, Verkauf und

Besitz von Cannabis in den meisten Staaten nach wie vor

illegal ist. Ebenfalls ist der Anbau von Cannabis in den

meisten Staaten verboten und kann ohne Ausnahmegenehmigung

mit empfindlichen Strafen belegt werden. Vorliegendes

Magazin dient der Aufklärung und Information und soll

keine Anleitung oder Aufforderung zum Konsum, Erwerb,

Verkauf oder Anbau von illegalen Drogen darstellen.

Wie viele Alkoholtote gab es 2018 in Deutschland etwa?

Ö) 60.000 Ü) 15.000 Ä) 77.000 E) 300.000

Wie heißt der Inhaber der Hanfnah-Läden, der gerade vor Gericht stand?

R) Ziggi Jackson U) Karl Kanna E) Mark Emery G) Tobias Pietsch

Wieviel Prozent der Kanadier kaufen ihr Weed legal im Shop?

E) 40 % H) 5 % T) 100 % A) 20 %

Auflösung 68 HIGHWAY auf Seite • Juli/August 70 2020


Das Sortenquiz

Welche Strains werden hier gesucht?

IMPRESSUM

Verlag

Four Twenty Solutions GmbH

Obergrünewalder Str. 3,

42103 Wuppertal

Telefon: 0202/37909957

Mail: info@highway-magazin.de

Web: www.highway-magazin.de

Welche drei Cannabis-

Sorten werden hier

wohl gesucht? Wenn du

gewinnen willst, schicke deine

Antwort an: cannaquiz@highwaymagazin.de.

Sortenquiz

Das gibt es zu gewinnen

Dieses Mal verlosen wir unter

allen richtigen Einsendungen

1 x einen stoß- und wasserfesten,

modularen TOTEM-Vaporizer

im Wert von 50 Euro. Die

Highway-Redaktion wünscht

allen Teilnehmern viel Glück!

Beim Schätzspiel der letzten Ausgabe

befanden sich übrigens genau

6,9 Gramm auf der Waage, die

Gewinner wurden benachrichtigt.

Die Highway-Redaktion wünscht

viel Spaß beim raten!

Chefredakteur

Paddy Schmidt (ViSdPR)

Autoren

Mr. Haze Amaze

Jörg Auf dem Hövel

Leonardo Bardelle

Steffen Dietrich

Dr. Dope

Gregor Fröhlich

Mr. José

Chuck Lore

Lorenz Minks

Silly Sam

Iven Sohmann

Alice Wunder

Fotografen

siehe Bildnachweise auf S. 74

Illustrationen

John Ahrens

Matthieu Lambert

Paco Ramírez

Art Direction

Matthieu Lambert

Abo und Händler-Abonnement

Telefon: 0202/379099572

Mail: abo@highway-magazin.de

Anzeigen

Telefon: 0202/379099573

Mail: anzeigen@highway-magazin.de

Es gilt die jeweils aktuelle Preisliste.

AGB und Infos hierzu unter

www.highway-magazin.de

Vertrieb

IPS Pressevertrieb GmbH

Postfach 12 11

53334 Meckenheim

Telefon: 02225-88010

Mail: info@ips-pressevertrieb.de

Druck

Dierichs Druck+Media GmbH & Co. KG

Frankfurter Straße 168

34121 Kassel

Erscheinungsweise

zweimonatlich

Teilnahme ab 18 Jahren. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Einsendeschluss ist der 22. Juni 2020.

Nachdruckgenehmigungen

Nachdruckgenehigungen für Texte,

Fotos und Grafiken und Aufnahme in

elektronische Datenbanken und Mailboxen

nur mit schriftlicher Genehmigung

des Verlags. Ausgenommen sind die auf

Seite 74 aufgeführten Fotos und Grafiken

mit Creative-Commons-Lizenzen.

Für unverlangt eingesandte Manuskripte,

Bilder, Dateien und Datenträger

übernimmt der Verlag keine Haftung.

Juli/August 2020 • HIGHWAY 69


Buchstabensalat: ZIEHEN, BOOSTER, ASCHENBECHER, ANLECKEN, CANNABIGEROL Quiz-Lösungswort: ERTRÄGE

AUSFAHRT

Suchbild

Fragen & Anregeungen für

die Highway-Redaktion?

Schreibt uns fleißig an

mail@highway-magazin.de

Am

25. August 2020

kehrt Highway endlich

in gedruckter Form

an den KIOSK

zurück !

Bildnachweise nach Seiten

Titel, 50-51: „Throneofweed“ © Hazelbox 2020,

Foto: Ruch-Photography, EFX: Tag&Nacht Media

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Seite 10-11: picture alliance/Geisler-Fotopress

Seite 12: Jenny Paul

Seite 14: Hempvizer

Seite 15: Adobe Stock/Alessia, Highway

Seite 16: Polizei Wien

Seite 17: Africa Studio

Seite 20: Adobe Stock/Spectral-Design

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Seite 30-31: 420waldos.com

Seite 31: picture alliance/AP Photo

Seite 32-33: Jeremiah Vandermeer

Seite 34 unten: Miramax Films

Seite 38: Adobe Stock/pedro

Seite 40-41: Adobe Stock/#209831145

Seite 42: ryan griffis

Seite 44: Adobe Stock/rabbitholephoto

Seite 48-49: roxxyphotos

Seite 52-55: Hazelbox

Seite 64: Showtime

infach mal so in den Aldi marschieren und mit 250 Gramm

EButter, einem Liter Milch und einer CBD-Cannabispflanze wieder

rauskommen. Was für die leidgeplagten deutschen Cannabisfreunde

wie ein Traum klingt, ist für die Eidgenossen (außer sie

wohnen in den Kantonen Valais oder Tessin) inzwischen Realität.

Aldi Suisse und eine CBD-freundliche Gesetzgebung machen es

möglich. Wofür man hierzulande unter Umständen ordentlich Ärger

mit den Behörden bekäme, kann man dort einfach für einen

knappen Zehner im Supermarkt einsacken. Das entspricht in etwa

der Hälfte der Anschaffungskosten einer Pizza Margherita in der

Hauptstadt Bern. Aber regelmäßig gießen nicht vergessen!

70 HIGHWAY • Juli/August 2020


Juli/August 2020 • HIGHWAY 71

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