Bikester Magazin Herbst / Winter 2020

BikesterMagazin

LIEBE LESERIN, LIEBER LESER,
die Zeichen stehen auf Bike-Boom. Jetzt heisst es mehr denn je: Fahr
Rad! Für dich und für andere, um zur Arbeit zu kommen oder um
gesund zu bleiben. Hauptsache, du fährst!
Selbst in unseren kühnsten Träumen hätten wir uns nicht ausmalen
können, dass unser liebstes Fortbewegungsmittel innerhalb so kurzer
Zeit einen solchen Aufschwung erleben würde. Zwar sind wir noch
lange nicht im Veloparadies unterwegs. Trotzdem ist es schön, bereits
zu spüren, dass durch viele Strassen ein frischer Wind weht.
Natürlich kommt dieser Boom nicht von ungefähr. Die positiven
Veränderungen im Verkehrsbereich sind auch eine Folge der weltweiten
Covid-19-Pandemie. Auf unsere Velos können wir uns aber gerade in
dieser Situation verlassen. Wir sind nicht nur meistens schneller und
bequemer am Ziel, sondern auch garantiert immer umweltfreundlicher.
Auch unsere Stimmung profi tiert, denn noch nie ist jemand mit
schlechter Laune von einem Rad gestiegen. Viele Menschen, die in den
letzten Monaten das Velo (wieder-)entdeckt haben, spüren das täglich
am eigenen Leib und erleben eine ganz neue Freiheit.
So werden wir alle nicht nur mit jeder Kurbelumdrehung ein bisschen
fi tter und glücklicher, sondern machen auch die Welt ein kleines
bisschen besser!
Dein Bikester

HERBST / WINTER 2020

© GORE


Topstone Carbon

Lefty

More give

More go

More Lefty

ABGEBILDETES FAHRRAD: TOP STONE CARBON LEFTY 1


LIEBE LESERIN, LIEBER LESER,

die Zeichen stehen auf Bike-Boom. Jetzt heisst es mehr denn je: Fahr

Rad! Für dich und für andere, um zur Arbeit zu kommen oder um

gesund zu bleiben. Hauptsache, du fährst!

Selbst in unseren kühnsten Träumen hätten wir uns nicht ausmalen

können, dass unser liebstes Fortbewegungsmittel innerhalb so kurzer

Zeit einen solchen Aufschwung erleben würde. Zwar sind wir noch

lange nicht im Veloparadies unterwegs. Trotzdem ist es schön, bereits

zu spüren, dass durch viele Strassen ein frischer Wind weht.

Natürlich kommt dieser Boom nicht von ungefähr. Die positiven

Veränderungen im Verkehrsbereich sind auch eine Folge der weltweiten

Covid-19-Pandemie. Auf unsere Velos können wir uns aber gerade in

dieser Situation verlassen. Wir sind nicht nur meistens schneller und

bequemer am Ziel, sondern auch garantiert immer umweltfreundlicher.

Auch unsere Stimmung profitiert, denn noch nie ist jemand mit

schlechter Laune von einem Rad gestiegen. Viele Menschen, die in den

letzten Monaten das Velo (wieder-)entdeckt haben, spüren das täglich

am eigenen Leib und erleben eine ganz neue Freiheit.

So werden wir alle nicht nur mit jeder Kurbelumdrehung ein bisschen

fitter und glücklicher, sondern machen auch die Welt ein kleines

bisschen besser!

© KALKHOFF

Dein Bikester

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INH

ALT.

DRAUFGEHALTEN

Hier gibt’s was auf die Augen

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UND ALLE WOLLEN AUFS VELO

Über den Bike-Boom 2020

10

DRAHTESEL ODER PACKESEL?

Mit dem Velo alles dabeihaben

18

ALLEINE RAD FAHREN

Me-time auf zwei Rädern

24

STAFF PICK

Johannes' Serious Bear Peak

28

SPASS AM BERGAUFFAHREN

Mit dem E-MTB im Flow

30

STAFF PICK

Tillmanns Orbea Rallon

35

AUF TOUR

DIY Gravel DK mit Ted King

36

STAFF PICK

Martins Wahoo KICKR CORE

42

ES WERDE LICHT

Sehen und gesehen werden auf dem Fahrrad

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DRAUF-

GEHALTEN

© FOCUS

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DRAUF-

GEHALTEN

© VAUDE / CHRISTOPH LAUE

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DRAUF-

GEHALTEN

© HOUDINI

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© CANNONDALE

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Text: Felix Böhlken

UND ALLE

WOLLEN

AUFS VELO

ÜBER DEN BIKE-BOOM 2020 - UND SEINE FOLGEN

Das Corona-Virus und der Lockdown im Frühjahr haben einschneidende Veränderungen

für uns alle gebracht - neben den vielen negativen Erfahrungen gibt es aber auch

positive Entwicklungen. So erlebt das Velo derzeit einen beispiellosen Boom: Viele

Läden sind gefühlt ausverkauft, Radwege so voll wie nie. Doch bringt dieser Schub

eine nachhaltige Veränderung und Verbesserung für den Radverkehr - oder wird der

Bike-Boom wieder verpuffen?

Keine Frage: Für das Velo ist 2020 ein gutes Jahr. Viel mehr Menschen steigen wieder

aufs Velo, sie kaufen mehr Velos denn je, und auch die Politik bewegt sich plötzlich.

Warum? Wegen Lockdown, Kurzarbeit und Homeoffice haben viele mehr Zeit – auch

fürs Radfahren. Wer zur Arbeit fährt, fühlt sich angesichts der Maskenpflicht in Bus und

Bahn an der frischen Luft sicherer und steigt um. Und auch durch die eingeschränkten

Urlaubsmöglichkeiten entdecken viele das Velo wieder für sich. Denn haben wir früher

nicht alle viel öfters mal eine Runde gedreht, einfach so, zum Spass? Eben.

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© MARTIN OHLIGER

DER VELO-BOOM IN

ZAHLEN

Erste Daten belegen den Bike-Boom

eindrucksvoll: «Die Menschen verbrachten

in der Shutdown-Zeit doppelt so viel Zeit

auf dem Rad wie zuvor, und der Radanteil

am Gesamtverkehr hat sich seitdem

verdreifacht», weiss Rebecka Hoch vom

Allgemeinen Deutschen Fahrradclub

(ADFC). Der Verband wertet regelmässig

Daten von Zählstationen aus, die den Trend

zum Zweirad klar belegen. Eine Studie der

ETH Zürich bescheinigt für die Schweiz eine

Zunahme des Radverkehrs um 70 Prozent.

Und Österreich meldet seit Mai mindestens

20, je nach Ort sogar bis zu 75 Prozent mehr

Radverkehr.

Durch den Lockdown passierten vor allem

in Deutschland plötzlich Dinge, die man als

Velofahrer*in davor kaum zu träumen wagte.

So eröffneten einige Grossstädte Pop-up-

Radwege, Berlin machte den Anfang, Leipzig,

Nürnberg und Wien folgten. Mehr und mehr

Städte setzen Tempo 40 auf vielen Strassen.

Auch in der Schweiz bewegt sich rechtlich

einiges fürs Velo: Das Veloweg-Gesetz,

das 2018 in einer Volksabstimmung mit

Dreiviertelmehrheit auf den Weg gebracht

worden war, ist ab Mai in der politischen

Umsetzung. Und es wurde ein Gesetz

verabschiedet, das Velofahrer*innen in der

Schweiz ab dem 1.1.2021 das Rechtsabbiegen

an roten Ampeln mit einem speziellen Schild

gestattet. Kinder bis 12 dürfen dann auf dem

Gehweg fahren.

«VIELLEICHT BEKOMMEN WIR JETZT WIEDER

ETWAS MEHR GESPÜR DAFÜR, DASS ES EHER

NORMAL IST, WENN NICHT ALLES IMMER

SOFORT ZU HABEN IST?»

- Henri Schwarz, Einkaufsleiter Bikester

Die Krönung des vor Corona schier

Undenkbaren geschah in Deutschland:

Damit Velowerkstätten auch während

des Lockdowns öffnen konnten, wurde

das Velo «systemrelevant». Das war quasi

der institutionelle Ritterschlag fürs Velo

– mehr offizielle Anerkennung haben wir

Radfahrenden selten erlebt.

BIKESTER.CH


ANGEBOT UND NACH-

FRAGE MAL ANDERS

Mehr Schub gab es für das Velo in den

letzten zehn Jahren zusammengerechnet

nicht. Doch getreu der alten Lebensweisheit:

«Hast du Plus, hast du Minus» brachte dieser

Boom den Velohandel bald in unerwartete

Schwierigkeiten. Velos, so ein geflügeltes

Wort in der Branche, wurden das neue

Klopapier: Die grosse Nachfrage überstieg

bald das Angebot. «Das hat uns erschlagen.

In der ersten Woche war es kurios, weil es

nicht aufgehört hat. Im April war der Umsatz

unserer Shops fast doppelt so hoch wie im

Vorjahr», bestätigt Christiaan Vrey, Head of

Retail bei Bikester. Er ergänzt: «Und es hört

bis jetzt einfach nicht auf. Das Kaufinteresse

ist ungebrochen.» Für Österreich bestätigt

Martina Pfluger von der Wirtschaftskammer

Wien die grosse Nachfrage nach Velos und

Zubehör: So wurden im Vergleich zum

Vorjahreszeitraum ab Mai 60 Prozent mehr

E-Bikes verkauft.

Dabei lief der Kauf-Boom in drei Phasen

ab, wie Läden allerorten berichten: Anfangs

hatten die Kund*innen einen sportlichen

Fokus, Radsportler*innen investierten in

ein neues Bike, weil sie plötzlich mehr

Zeit hatten. In der zweiten Phase rückten

Alltagsvelos in den Fokus, weil viele

Menschen das Velo als Alternative zum

ÖPNV entdeckten. Mit der Ferienzeit

wechselte die Nachfrage dann zu Rädern

und Material für die Radreise und Urlaub

mit dem Bike. So ein Kaufrausch sollte

die ganze Branche eigentlich in Jubel

ausbrechen lassen, oder? Nur bedingt. Denn

die ungebremst hohe Nachfrage bedeutete

spätestens ab Juni spürbare Lieferengpässe

bei Velos. Warum manche Modelle nicht

mehr in allen Grössen oder gar nicht mehr

erhältlich sind, erklärt Henri Schwarz,

Einkaufsleiter bei Bikester: «Während des

Lockdowns wurden viele Produktionen

stark oder ganz runtergefahren, auch in

der Radbranche. Das hat Folgen: Schon

unter normalen Bedingungen dauert es zwei

bis fünf Monate, bis die Ware im Verkauf

ankommt.» Doch normal ist nichts im Jahr

2020. Abgerissene Lieferketten erschweren

die Situation: Waren aus asiatischer

Fertigung kommen per Container nach

Europa, doch durch den Lockdown kam

auch der Schiffsverkehr fast völlig zum

Erliegen – und nimmt nur langsam wieder

Fahrt auf. Obwohl die Produktion in Asien

wieder hochgefahren ist, kommen die Waren

trotzdem nur zögerlich in Europa an.

Und wann werden wir wieder die

normale Lieferfähigkeit erreicht haben?

Einkaufsleiter Henri Schwarz wagt einen

Ausblick: «Bis Ende des Jahres sollte sich

die Sache normalisiert haben. Einige in der

Branche könnten schon noch Probleme

bekommen, aber unser gigantisches Lager

hilft uns natürlich, die Lieferfähigkeit zu

verbessern, da sind wir im Vorteil.» Wobei

er zum Thema «Normalzustand» noch

hinzufügt: «Eigentlich waren ja die letzten

Jahre verrückte Zeiten, in denen alles immer

verfügbar war. Vielleicht bekommen wir

jetzt wieder etwas mehr Gespür dafür, dass

es eher normal ist, wenn nicht alles immer

sofort zu haben ist?»

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WIE WIRD DIE NEUE

VELO-NORMALITÄT?

Die aktuelle Nachfrage ist das eine. Viel

wichtiger ist aber die Frage, wie sich der Velo-

Boom in den Städten und auf den Radwegen

weiterentwickeln wird. Bedeutet der der

Zuwachs des Radverkehrs in den Städten

überhaupt weniger Autos, oder geht er vor

allem zulasten des ÖPNV? «Jetzt kommt

dem Radverkehr aber eine aussergewöhnlich

wichtige Rolle zu, denn der ÖPNV wird

weiterhin nur verhalten genutzt. Es darf auf

keinen Fall passieren, dass viele, die früher

Bus und Bahn genutzt haben, alle ins Auto

steigen – denn dann ist der Verkehrskollaps

unausweichlich», erklärt Rebecka Hoch

den Standpunkt des ADFC. Klar ist: Eine

nachhaltige Veränderung weg vom Auto

hin zum Velo wird es nur geben, wenn die

Menschen dem Velo treu bleiben und es weiter

fleissig nutzen. Je mehr Menschen in den

Städten auf dem Rad unterwegs sind, umso

grösser wird der Druck, die Infrastruktur

auszubauen – was den Radverkehr weiter

stärken würde. Das meint auch ADFC-Frau

Rebecka Hoch: «Ob der Boom anhält, hängt

davon ab, wie schnell es den Kommunen

gelingt, die Fahrradinfrastruktur auszubauen.

Denn die Radwege waren schon vor der Krise

schlecht und dramatisch unterdimensioniert

– jetzt gibt es viele zusätzliche Neuaufsteiger.

Und die werden dem Rad nur treu bleiben,

wenn sich das Radfahren noch sicher

und komfortabel anfühlt, auch wenn der

Autoverkehr wieder zurück in die Städte

gekommen ist.» Ähnlich argumentiert die

Unfallforschung der Versicherer (UDV)

in einer Stellungnahme: Um hinreichende

Sicherheit für Velofahrer*innen zu erreichen,

müssten die Kreuzungen umgebaut und die

Ampelschaltungen geändert werden. Denn

einfach nur ein paar zusammenhanglose Popup-Radwege

bringen vielleicht kurzfristig

mehr Radverkehr, aber nicht mehr Sicherheit,

so die Forscher*innen vom Gesamtverband

der Deutschen Versicherungswirtschaft.

© DIAMANT

BIKESTER.CH


© FOCUS

«DER ÖFFENTLICHE RAUM MUSS

FAIRER AUFGETEILT WERDEN»

- Umfrage des ZIV

Der Zweirad-Industrieverband (ZIV) hat

die Radindustrie und den Fachhandel zu

Auswirkungen und Folgen von Corona

befragt. Eine klare Schlussfolgerung dieser

Umfrage lautet: «Die Corona-Krise zeigt sehr

deutlich, dass das Fahrrad ein unentbehrlicher

Bestandteil moderner Mobilität ist. Sehr

viele Menschen sind aus dem öffentlichen

Nahverkehr auf Alternativen umgestiegen,

viele von ihnen aufs Fahrrad. Gerade für

sie ist die aktuelle Fahrradinfrastruktur an

vielen Orten unzureichend.» Die befragten

Händler, Hersteller und Dienstleister fordern

vor allem eine gute Infrastruktur und ein

velofreundliches Verkehrsklima als zentrale

Voraussetzungen für ihren wirtschaftlichen

Erfolg. «Der öffentliche Raum muss fairer

aufgeteilt werden», lautet ein Fazit der

Umfrage.

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WAS KÖNNEN WIR TUN?

Das Jahr 2020 wird also vielleicht das Jahr,

in dem wir wieder zurück aufs Velo gefunden

haben, in dem die Verkehrswende endlich

Fahrt aufnimmt, in dem das Auto seine

übermächtige Stellung in den Städten wieder

ans velo abgeben muss. Vielleicht werden

wir schon bald sehen, dass wir von dieser

Entwicklung alle profitieren: Die Städte sind

weniger laut, weniger dreckig, und das Klima

kann aufatmen. Was jeder Einzelne dafür tun

kann? Einfach weiter mit dem Rad fahren -

wo immer möglich, wann immer möglich.

Damit schaffen wir Tatsachen und stecken

bestenfalls andere an. Denn: «Velofahren

macht ja Spass, das merken jetzt alle Leute,

die wieder ein neues Bike haben oder ihr altes

Rad neu für sich entdecken. Ich glaube, das

wird auch anstecken. Wer einmal losfährt,

erfährt Vertrauen und Überzeugung und

Spass», findet Henri Schwarz. Stimmt. Gute

Zeiten also fürs Velo, auch wenn unter ganz

neuen Umständen.

© DIAMANT

© DIAMANT

In Kopenhagen sind

Radwege keine

Ausnahmen, sondern die

Hauptverkehrsadern

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© THULE

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DRAHTESEL ODER

PACKESEL?

MIT DEM VELO ALLES DABEIHABEN

Denkst du darüber nach, mit dem Velo zur Arbeit zu pendeln oder längere Touren zu unternehmen? Dann

stehst du bestimmt vor der Herausforderung: Wohin mit dem ganzen Zeug, das wir im Alltag brauchen?

Geldbeutel, Papiere, Laptop, Jacken, Frühstück, Getränke … Da kommt schon einiges zusammen.

Es klingt einfach: den Rucksack auf den Rücken schnallen, Tüten auf den Gepäckträger spannen oder

Beutel vom Lenker baumeln lassen. Aber es gibt viele Dinge, die du beachten solltest, um deine Fahrt

bequemer und vor allem auch sicher zu machen. Es lohnt, sich zu überlegen, wie du deine Sachen am

besten transportieren kannst, und dazu verschiedene Methoden auszuprobieren.

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© DIAMANT

RUCKSACK ODER MESSENGER BAG

Rucksäcke und Umhängetaschen sind

einfache Möglichkeiten, Gegenstände am

Körper zu transportieren. Du kannst nach

deiner Fahrt absteigen und hast schon alles

dabei. Aber auch hier gibt es Tipps, die

dir das Leben leichter machen. Messenger

Bags eignen sich besonders, wenn du eine

überschaubare Menge Unterlagen und

einen Laptop mitnimmst. Mit einem Gurt

über die Schulter getragen, hast du alles

jederzeit griffbereit. Aber wenn du mal mehr

mitnehmen musst, wird das Gewicht schnell

unhandlich – besonders auf dem Velo. In einen

Rucksack passt in der Regel mehr hinein und

das Gewicht verteilt sich durch die beiden

Gurte gleichmässiger auf dem Rücken.

Allerdings kann das hohe Fassungsvermögen

vom Segen zum Fluch werden, wenn der

Rucksack zu vollgepackt wird. Er kann

dann beim Schulterblick die Sicht nehmen

oder unangenehm gegen den Helm stossen,

wenn der Rucksack oben zu lang ist. Denn

Rucksäcke und Messenger Bags sind meistens

gemacht, um mit aufrechtem Rücken

getragen zu werden. Wenn du etwas nach vorn

gebeugt fährst oder die Schultern zum Lenker

gerichtet sind, verlagert sich das Gewicht der

Tasche und der Druck der Träger kann zu

Verspannungen und roten Striemen führen.

Das muss aber nicht zwangsläufig so sein!

Es lohnt sich, mit unterschiedlichen Gurteinstellungen

zu experimentieren: Manchmal

ist es angenehmer, wenn du die Gurte der

Tasche etwas höher ziehst, als du es beim

normalen Tragen machen würdest. Dann

sitzt die Tasche zwar enger am Körper, als

du es gewohnt bist, aber dafür verteilt sich

das Gewicht besser. Ausserdem schwankt

die Tasche beim In-die-Pedale-Treten

nicht hin und her. Andere schwören darauf,

Rucksack oder Messenger Bag etwas

niedriger zu tragen, sodass die Tasche auf der

Lendenwirbelsäule aufliegt. Auch hier geht

es darum, dass sich das Gewicht der Tasche

beim Fahren gleichmässiger auf deinem

Rücken verteilt. Daher ist es sinnvoll, auf

dem Velo eine andere Trageposition für die

Tasche zu finden als beim Gehen.

Mit der Tasche auf dem Rücken läufst du auch

Gefahr, dass die körperliche Bewegung beim

Fahren zu unangenehmen Schweissflecken

oder Falten führt. Das ist besonders für die

Ankunft im Büro, in der Uni oder einem

Geschäft sehr unangenehm. Schweissflecken

kannst du durch gut belüftete Rucksäcke oder

speziell fürs Velofahren designte Taschen

reduzieren. Eine andere Möglichkeit ist, das

Gepäck vom Körper weg zu verlagern.

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KORB ODER GEPÄCKTRÄGER

Wenn dein Velo bereits mit einem Korb oder

Gepäckträger ausgerüstet ist, kannst du deine

Tasche auch gut hier unterbringen. Dadurch

hast du mehr Bewegungsfreiheit, wirst nicht

durch verrutschende Träger oder Schnallen

abgelenkt und kannst dich auf den Spass am

Fahren konzentrieren. Bei den meisten Velos

lassen sich Gepäckträger und/oder Korb auch

vielfältig nachrüsten, solange du die Teile

fest am Rahmen verschrauben kannst. Ein

Korb über dem Vorderrad hat den grossen

Vorteil, dass du dein Gepäck immer im

Blick hast und nichts aus Versehen verloren

geht. Allerdings sollte auf dem Vorderrad

nicht zu viel Gewicht lasten, weil das den

Schwerpunkt des Velos verlagert und die

Lenkung beeinträchtigen könnte. Wenn dein

Weg holprig ist, solltest du darauf achten,

dass alles, was im Korb ist, gut festgeschnürt

ist. Hierzu eignen sich Bungee-Seile oder

Netze, die mit praktischen Haken über das

lose Gepäck gespannt werden können. Auf

dem Gepäckträger hinten kannst du mehr

Last transportieren als über dem Vorderrad,

weil dort der Schwerpunkt liegt. Achte darauf,

dass der Gepäckträger selbst nicht zu den

Seiten wackelt und das Gewicht möglichst

gleichmässig nach rechts und links verteilt

ist. Sonst wird das Fahrverhalten deines Velos

beeinträchtigt und du kommst ins Schlingern.

Das gefährdet nicht nur dich, sondern auch

andere Verkehrsteilnehmer*innen.

Es reicht nicht, wenn du einen Rucksack

einfach mit der Spannhalterung auf

dem Gepäckträger festklemmst. Bei

Schlaglöchern oder kleinen Bodenwellen

kann sich etwas lösen, das Ganze gerät,

ohne dass du es bemerkst, in Schieflage und

landet in den Speichen oder hinter dir auf

dem Boden. Da ist es besser, einen Korb auf

dem Gepäckträger zu befestigen. Auch hier

können zusätzliche Bungee-Seile und Netze

Abhilfe schaffen.

Eine gute Faustregel ist: Dein Gepäck sollte

so befestigt sein, dass du dein Velo damit

immer noch anheben kannst.

© CANNONDALE

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PACKTASCHEN

Wenn Rucksäcke und Körbe für dich

nicht infrage kommen oder du diese schon

ausprobiert hast, ist es vielleicht an der

Zeit, dass du es mal mit Gepäcktaschen

versuchst. Hier hast du die Qual der Wahl,

was das Design, Fassungsvolumen und

Format betrifft. Manche Hersteller haben

schicke Produktlinien entwickelt, die gut

fürs Büro geeignet sind und gepolsterte

Laptoptaschen integrieren. Andere setzen

auf hohes Packvolumen, was sie auch für

den Wocheneinkauf oder mehrtägige Touren

interessant macht.

Es empfiehlt sich, das Gepäck gleichmässig

auf zwei Seitentaschen oder eine

Gepäckträgertasche zu verteilen. Zwar

reicht oft nur eine Seitentasche und das

Handling ist selbst mit etwas Schlagseite

nicht bedeutend beeinträchtigt, aber das

ungleichmässige Gewicht schadet auf Dauer

deinem Velo und Fahrgefühl. Die Aufhängung

des Gepäckträgers kann sich verbiegen und

die leichte Schieflage des Velos führt dazu,

dass die Reifen ungleichmässig abnutzen, was

zu Pannen führen kann.

Das Material guter Gepäcktaschen muss

stabil, reissfest und witterungsbeständig

sein. Besonders beliebt ist Nylon und auch

dicke Polyester- und Kunststoffgewebe

mit verschweissten Nähten und einer

festen Rückwand. Durch das Anbringen,

Abnehmen und Fahren über Stock und Stein

wird die Aufhängung stark beansprucht

und sollte daher verstärkt und verschraubt

sein. Die Tasche sollte mehrere einstellbare

Aufhängungen und ein Hakensystem haben,

damit es möglichst keinen Spielraum gibt und

nichts verrutscht. Ausserdem ist es wichtig,

die Tasche so anzubringen, dass du mit deinen

Fersen nicht daran hängen bleibst.

Die meisten Velotaschen haben integrierte

Gurte, mit denen sie leicht getragen werden

können. Hierbei ist es wichtig, darauf zu

achten, dass die Haken und Verstärkungen

möglichst abgedeckt oder versteckt werden

können, damit du dir keine blauen Flecken

oder Löcher in der Kleidung einhandelst.

Während die Taschen auf dem Velo sind,

sollten die Gurte hingegen gut verstaut sein,

damit sie nicht in die Speichen kommen oder

irgendwo hängen bleiben.

Gepäcktaschen sind inzwischen mit

zahlreichen Funktionen ausgestattet, was

sie zu echten Verwandlungskünstlern und zu

flexiblen Begleitern im Alltag macht. Damit

werden sie auch zum Style-Objekt – sowohl

auf dem Velo als auch abseits davon.

© VAUDE / CHRISTOPH LAUE

FAZIT

Es macht Spass, auf zwei Rädern zu

pendeln und alles dabeizuhaben, was du

brauchst. Du tust etwas für deine Fitness

und bist nachhaltig unterwegs. Wenn

du unterschiedliche Transportsysteme

ausprobierst, erreichst du das grosse

Pendlerziel: möglichst bequem nicht nur

dich selbst, sondern auch alles, was du

brauchst, von A nach B zu befördern.

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23


Text: Friederike Kosche

ALLEINE RAD FAHREN

ME-TIME AUF ZWEI RÄDERN

Ich bin weder schnell noch stylish. Ich

schrubbe weder Kilometer noch trainiere

ich für einen Wettkampf. Ich bin einfach

unterwegs. Eine Liebeserklärung an die

Zweisamkeit mit meinem Velo.

BIKESTER.CH


Der erste Kilometer ist schwerfällig, doch

sobald ich Fahrt aufgenommen habe,

beginnen meine Gedanken zu entschleunigen.

Mein anfängliches Grübeln über nötige

Besorgungen und anstehende Projektabgaben

ist nach spätestens einer halben Stunde vom

Fahrtwind weggeblasen. Meine Beine treten

ebenmässig in die Pedale, mein Blick streift

durch die Natur, ich höre meinem Körper zu

und der Alltag verschwindet am Horizont.

Mein Kopf bekommt den Raum, auszuatmen

und aufzuräumen. Dabei bringt er Einsichten

und Erkenntnisse hervor, die mir im

wuseligen Alltag selbst in nachdenklicher

Atmosphäre verwehrt bleiben. Ist das der

Zustand, der in Achtsamkeitsratgebern als

«Bei sich angekommen» bezeichnet wird?

Es fühlt sich auf jeden Fall gut an. Mit jeder

Abbiegung, die ich nehme, steigt mein

Freiheitsgefühl. Rechts oder links? Die

asphaltierte Strasse oder der Waldweg? Den

kleinen Regenschauer aushalten oder doch

lieber unterstellen? Ich habe die Wahl und

bestimme, wie es weitergeht.

© LIV

25


Praktische Tipps für deine erste Solofahrt:

Fang mit einem Tagesausflug oder einer kleinen Tour an. Für

Übernachtungsmöglichkeiten schau auf warmshowers.org

vorbei, einem weltweiten Netzwerk, das dir dabei hilft, dich auf

eine warme Dusche am Ende des Tages zu freuen.

Hab ein Reparatur-Kit griffbereit. Solltest du die Mutter nicht

alleine gelöst bekommen, wirst du auf helfende Hände stossen.

Wenn du ihnen dann den passenden Schraubenschlüssel

reichen kannst, werden sie dir dankbar sein.

Verabschiede dich von dem Gedanken, dass du an dem

geplanten Ort zur kalkulierten Zeit ankommen wirst. Der Weg

ist das Ziel.

Alleine auf dem Rad unterwegs zu sein,

heisst aber auch, dass ich niemanden für die

Situation verantwortlich machen kann, in die

mich mein Motto «Abseits der bekannten

Wege wartet das Abenteuer» mal wieder

gebracht hat. Ganz gleich, ob die Reifen im

Sand versinken oder die Disteln an meinen

Waden kratzen – es gibt niemanden, den

ich dafür verfluchen kann. Wo ich lande, ist

die Konsequenz meiner Entscheidung und

wird damit zu meinem eigenen Erfolg oder

Missgeschick. Beides lässt sich später am

Lagerfeuer zu einer lebhaften Geschichte

ausschmücken.

Wer nun aber glaubt, dass eine Solotour mit

absoluter Einsamkeit gleichzusetzen ist, irrt

gewaltig. Jede Ausfahrt ist eine erfrischende

Erinnerung daran, dass ich nicht alleine bin.

Unzählige Male bin ich auf hilfsbereite und

gutherzige Menschen gestossen, die sich

ohne zu zögern ihre Hände mit Kettenöl

beschmieren, mir einen Kraftsnack reichen

oder ein motivierendes Lächeln für den

letzten Anstieg schenken. Manche bleiben

mir als freudige Begegnung in Erinnerung, mit

anderen hat sich eine langjährige Freundschaft

entwickelt. Eine Solotour hat für jede*n eine

andere Bedeutung. Für mich heisst es, still zu

sitzen und trotzdem in Bewegung zu bleiben,

vorwärtszukommen, ohne weglaufen zu

können, Abstand zu gewinnen und mir selbst

und der Welt dabei näherzukommen.

Es ist manchmal unbequem, mühsam und

frustrierend. Nur eines bedeutet es auf jeden

Fall nicht: alleine sein.

© TREK

BIKESTER.CH


BACK TO

BASECAMPZ

27


Serious Bear Peak Power

Hardtail E-MTB

WORAUF WIR

ABFAHREN

JOHANNES — SERIOUS BEAR PEAK POWER

© FAMILIE SOMMER

Wer bist du und was machst du bei

Bikester?

Welches Velo fährst du und warum?

Ich bin Johannes, 35 Jahre alt und seit ein paar

Monaten Merchandise Planner. Online haben

wir eine riesige Produktpalette, aber im

Vergleich dazu nur kleine Läden vor Ort. Ich

bin die Schnittstelle zwischen Einkauf und

den Stores und definiere in Zusammenarbeit

mit den Leuten dort, was genau verkauft

wird. Das sind regional sehr unterschiedliche

Produkte. Ich fahre Velo, seit ich vier, und

MTB, seit ich sechs Jahre alt bin. Das wurde

mit der Zeit immer abfahrtslastiger – aber

nicht leistungsorientiert. Ich gehe einfach

raus und habe Spass auf dem Bike.

Ich fahre schon recht lange E-Bike, aber

das waren bis jetzt immer nur schwere

Mountainbikes zum Bergabfahren. Dadurch,

dass ich Papa geworden bin, habe ich ein

Velo gebraucht, um den Kinderanhänger zu

ziehen. Die Preislage des Serious Bear Peak

Power mit dem grossen Shimano-Antrieb,

XT-Ausstattung und Vierkolbenbremse hat

echt gepasst. Und es ist gar nicht so weit von

meinem Abfahrtsbike weg, wenn man sich

die Geometrie genauer ansieht. Ich benutze

das Serious nicht nur als Kinderanhänger-

Zugmaschine in der Stadt oder auf Touren,

sondern auch für meine Feierabendrunde. Das

war echt ein Wow-Effekt, herauszufinden, was

dieses Velo wirklich kann. Seitdem das Bear

Peak zu Hause steht, bin ich exakt ein einziges

Mal mit meinem um ein Vielfaches teureren

Downhill-E-Bike unterwegs gewesen. Wenn

du es echt krachen lassen willst, musst du noch

ein paar Teile optimieren, aber ansonsten ist

das Bear Peak ein perfektes Rad.

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Leicht und abriebfest: Alpine Fleece-Jacke

mit elastischen Einsätzen

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© CANNONDALE

Text: Frank Maier / Basti Steinecker

MIT EINEM E-MTB

BERGAUF IMMER IM

FLOW BLEIBEN

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Die Liftkarte ist gelöst, das Bike in die Gondel gepackt

und ab geht es nahezu schwere- und lautlos nach oben.

Im Bikepark wartet der Einstieg zum Trail oft oben auf uns.

Bis zum flowigen Hinabsurfen dürfen wir uns zurücklehnen.

Doch mal ehrlich – ist der müheloseste Weg hinauf wirklich

immer der schönste? Ist es nicht ein gutes Gefühl, sich seine

Tiefenmeter aus eigener Kraft zu erarbeiten? Was, wenn der

Weg nach oben nicht nur brennende Beine und zusätzliche

Fahrzeit kostet, sondern auch schon Spass macht?

Moderne Mountainbike-Fullys können nicht nur bergab auf

Passagen glänzen, die bis vor wenigen Jahren noch zum

Absteigen zwangen. Auch berghoch können aktuelle Bikes

beachtlich verblockte Trails bezwingen – oder könnten es,

wenn man es denn einmal ausprobiert.

Wenn du bergauf immer die leichteste fahrbare

Forstwegvariante wählst, verpasst du etwas. Trails. Bergauf.

Ganz gleich ob auf der Hausrunde – an der meist kein Lift

vorhanden ist – oder in einem der immer zahlreicheren

Trailcenter: Aus der lästigen Pflichtübung Uphill können alle

ein bereicherndes Tourenelement mit eigenem Fahrspass

machen.

Das Ganze macht mit E-Bikes natürlich am meisten Laune.

Deshalb konzentrieren wir uns im Folgenden vor allem auf

E-MTBs, die dem Fahrspass am Bergauffahren auf breiter

Basis zum Durchbruch verhelfen können.

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UPHILL FLOW – WAS SOLL DAS SEIN?

UND WIE KOMME ICH DA HIN?

Man könnte meinen, es ist nur ein Marketing-

Stichwort, mit dem uns die Industrie vom

klassischen Enduro- oder All-Mountain-Bike

auf ein E-MTB bringen möchte. Doch ist es

wirklich nur ein Werbe-Claim oder lassen sich

bergauf echte Glücksgefühle entdecken? Wir

sind uns aus eigener Erfahrung sicher, dass

Letzteres der Fall ist und möchten den Begriff

aufweiten.

Zunächst müssen wir aber eine kleine

Begriffsklärung vornehmen. Was genau

soll denn dieser Flow sein? Also schnell das

Psychologie-Fachbuch aufgeschlagen und

los geht’s: Ein positives emotionales Erleben

durch die volle Konzentration auf eine

Tätigkeit unter Verlieren des Zeitgefühls.

Das klingt ganz schön hochgestochen. Man

kann sagen, dass sich der berühmte Flow

am schnellsten einstellt, wenn wir genau

im richtigen Masse gefordert sind – noch

ohne Stress, aber schon ohne Gelegenheit

abzuschweifen. Das sich dann einstellende

Glücksgefühl entspricht recht genau dem, was

die Psychologie unter Flow versteht. In solchen

Momenten nehmen wir die Umgebung am

intensivsten wahr, werden völlig eins mit ihr.

Auf gut bekannten Abfahrten kennen sicher

die meisten von uns diesen Zustand. Mit

einer etwas angepassten Wegauswahl, etwas

weniger Effizienz- oder Bequemlichkeitsfokus

im Anstieg und nicht zuletzt einer kompakten

E-MTB-Antriebseinheit ist das schon auf dem

Weg nach oben möglich.

Streng genommen braucht es zwar weder

einen Motor noch markige Slogans, um

den Spass auf schmalen Wegen bergauf zu

entdecken. Trotzdem müssen wir zugeben,

dass E-MTBs die Tür zum Flowgefühl

schneller und weiter aufstossen können als

unmotorisierte Bikes.

Die Zusatzpower des E-Antriebs eröffnet

dir von einem Moment auf den nächsten

bisher ungeahnte Uphill-Möglichkeiten. Das

Unterstützungsplus kann bisherige Auffahrten

oder auch neue Aufstiege ermöglichen. Mit

vereinter Kraft von Beinen und E-Antrieb

wird ein potenzieller Leidensweg zum

Fahrtspiel um Wurzeln, Steine und enge

Kurven. Mit genügend Luft zum Atmen und

Wegelementen, die im besten Sinn unsere

Aufmerksamkeit einfordern, purzeln die

Höhenmeter unbemerkt auf dem Weg nach

oben – herzlich willkommen im Uphill Flow.

BIKESTER.CH


BRAUCHT DAS BERGAUF-

FAHREN NEUE REGELN?

Beim Biken auf Wanderwegen gibt es keine

vorgegebene Streckenrichtung. Vorgefundenes

Gefälle und eine damit einhergehende

Selektion der Fahrtrichtungf reichten bislang

als natürliches Ordnungsprinzip. Angelegte

MTB-Trails am regionalen Hausberg oder

im Bikepark kamen ebenfalls gut ohne

Richtungshinweise aus – was für maximalen

Fahrspass bergab angelegt wurde, das erwies

sich oft auch für die eisernsten Waden als

untauglich in die Gegenrichtung. Wenn

du schon einmal in Trailcentern wie in

Rabenberg, Pod Smrkem oder in Wales und

Schottland unterwegs warst, kennst du die

Richtungsvorgaben für Trails bereits und

weisst: Es sind nicht bloss Empfehlungen für

mehr Fahrspass, sondern ernst zu nehmende

Hinweise, um überraschende Begegnungen

mit anderen zu vermeiden.

Mit dem E-MTB erschliessen sich nun

auch Bergauf-Optionen, die man mit dem

normalen MTB nicht in Erwägung gezogen

hatte, und damit auch ein neuer Bedarf für

Richtungsvorgaben im Bikepark und darüber

hinaus. Keine Angst vorm Schilderwald im

Wald – auf dem existierenden Wegenetz bleibt

auch mit technisch unterstütztem Uphill Flow

das meiste sicher beim Alten: Vorausschauend

fahren (auch berghoch), auf andere achten

und freundlich grüssend Wandernden Platz

machen ist und bleibt der Königsweg für ein

gutes Miteinander. Es darf auch weiterhin

zum guten Ton gehören, Leuten auf dem Weg

nach oben den Vorrang einzuräumen. Das

sollte aber nicht pauschal als Freifahrschein

für den Uphill Flow missverstanden werden.

Bergauf powernde E-Mountainbikes können

schnell zum unliebsamen Schreckmoment für

Wandernde und andere Biker*innen werden.

Je nach Geländesituation sind sie es auch, die

leichter an der Seite Platz machen können, um

den Gegenverkehr passieren zu lassen.

© HAIBIKE

© GIANT / CHRISTOPH LAUE

33


E-MTBS WOLLEN AM BERG ANDERS GEFAHREN WERDEN

Wer nun das Experiment E-MTB wagt, wird

feststellen, dass sich diese Bikes nicht einfach

kraftvoller, sondern im Detail etwas anders

fahren. Deshalb ist es nötig, seine Fahrtechnik

– gerade berghoch – etwas anzupassen, um

das volle Potenzial der E-MTBs abzurufen.

Die folgenden Tipps sollen euch dabei helfen,

einfacher den meditativen Zustand des Uphill

Flows zu erreichen.

Wer im Gelände auf einem E-MTB unterwegs

ist, stellt schnell fest, dass die zusätzliche

Power auch gut und dosiert eingesetzt

werden möchte. Das Bike verliert auf losem

Untergrund schneller Halt und das Hinterrad

neigt zum Durchdrehen. Daher verbringt

man im Vergleich zum unmotorisierten MTB

viel mehr Zeit im Sitzen, um die Traktion

zu erhöhen. Eine höhere Trittfrequenz

in einem leichten Gang verbessert die

Bodenhaftung weiter und hilft dir, im Flow

zu bleiben. Netter Nebeneffekt: Clevere

Schaltzeitpunkte in Kombination mit einer

höheren Trittfrequenz helfen Akkuleistung

zu sparen und bringen dich weiter. Bleiben

wir beim Pedalieren. Der Motor schaltet sich

nur während des Tretens dazu und verweigert

die Unterstützung, sobald du die Füsse

still hältst. Durch das zusätzliche Gewicht

tendieren Pedelecs dazu, schneller Schwung

zu verlieren als ihre Pendants ohne Motor. Für

das Momentum ist es also wichtig zu kurbeln.

Wenn der Untergrund fürs Kurbeln kurz

keinen Raum lässt, dann solltest du vorher

durch einen kräftigen Antritt für etwas mehr

Schwung durch die Passage sorgen als beim

herkömmlichen Bike.

Oben angekommen kannst du kurz

durchatmen, um dann im Downhill aber auf

jeden Fall den Motor in Betrieb zu lassen.

E-MTBs spielen ihre Vorteile nicht nur im

Uphill aus, sondern helfen euch auch in fast

jeder Kurvenausfahrt der Abfahrt, immer

schnell wieder im Flow zu sein und das

Momentum auf deiner Seite zu behalten.

Bei der E-Bike-spezifischen Fahrtechnik

gilt wie überall «Übung macht den Meister»

und auch erfahrene Mountainbiker*innen

können noch einiges dazulernen. Wenn du

dein Bike meisterhaft beherrschen möchtest,

dann empfiehlt sich darüber hinaus ein

Fahrtechnik-Seminar. Es gibt mittlerweile

einige Technikkurse, die speziell die

Fahrweise auf E-MTBs thematisieren. Um

das volle Potenzial des Bikes zu entfalten, ist

es auf jeden Fall eine gute Idee, Zeit und Geld

zu investieren und professionell begleitet die

Uphills und Downhills unsicher zu machen.

Denk doch gerne bei deiner nächsten

Hausrunde oder dem Besuch im Trailpark

an unser Plädoyer für eigens erklommene

Höhenmeter und begib dich auf die Suche

nach dem Uphill Flow. Wir sind uns sicher, du

wirst es nicht bereuen!

© CUBE

BIKESTER.CH


Orbea Rallon

Enduro MTB

WORAUF WIR

ABFAHREN

TILLMANN — ORBEA RALLON

© PATRICK HURSTJES

Wer bist du und was machst du bei

Bikester?

Warum fährst du dieses Velo?

Ich bin Tillmann, 31 Jahre und begeisterter

Mountainbiker. Durch meine Arbeit als

Product Content Manager habe ich quasi

24/7 mit den neusten Bikes und Parts zu tun.

Meinen Job kann man sich so vorstellen,

wenn eine Produktseite in unserem Shop ein

Haus wäre: Der Einkauf kauft den Grundriss

ein, das Main-Data-Team zieht das Gerüst

und die Fassade hoch und ich als Product

Content Manager male das Haus an, stelle

ein paar Möbel rein und hänge Bilder auf. Ich

hauche dem Produkt quasi Leben ein. Dabei

komme ich natürlich nicht drumherum, mir

jeden Artikel genau anzuschauen..

Anfang des Jahres stand für mich der Kauf

eines neuen Bikes an. Nachdem ich das

Bike eines Freundes getestet hatte, stand für

mich fest, dass ich auch ein 29er brauche,

am besten noch mit dem gleichen Fahrwerk.

Noch am selben Tag habe ich unseren Shop

durchforstet und mein Blick fiel sofort

auf das Orbea Rallon. Dieser untypische

Hinterbau erinnerte mich ein wenig an eine

Lefty von Cannondale, nur halt als Hinterbau.

Glücklicherweise fuhren ein paar meiner

Kollegen schon Rallons und ich konnte mir

sofort Erfahrungsberichte einholen. Und

dann ging alles ganz schnell: Bike gesehen,

verliebt, bestellt! Bis heute bereue ich diese

Entscheidung nicht. Das Rallon fährt sich

bergab fast schon wie ein Downhillbike und

ist dennoch weitaus agiler und verspielter.

Und wer denkt, dass 170 mm Federweg vorne

wie hinten bergauf ein Problem sind, der

täuscht sich. Unterm Strich klare 10 von 10

Punkten!

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BIKESTER.CH


AUF TOUR –

DIY GRAVEL

DK MIT

TED KING

MIT DEM CANNONDALE TOPSTONE KNAPP 500

KILOMETER DURCH VERMONT

2020 war ein turbulentes Jahr und seit Mitte März wurden fast alle

Radsportveranstaltungen verschoben oder abgesagt. Zum Glück musste das

nicht bedeuten, dass es keine sportlichen Herausforderungen gab: Der ehemalige

Rennveloprofi Ted King nahm die Angelegenheit selbst in die Hand und hob «DIY

Gravel» aus der Taufe. Das ist eine Serie von Solo-Biketouren, die alle nach ihren

eigenen Bedingungen und Fähigkeiten quasi im eigenen Garten geniessen konnten.

Ted überlegte sich dafür eine eigene Challenge – er wollte einen ganzen USamerikanischen

Bundesstaat vom einen zum anderen Ende durchfahren – und zwar

an einem Stück. Hier erfährst du, wie es lief.

37


Wie ist der Plan für diese Tour

entstanden?

Eigentlich setzte sich dieses Puzzle aus drei

Teilen zusammen. Das erste Puzzleteil war

die von mir Anfang dieses Jahres ins Leben

gerufene DIY-Gravel-Initiative, bei der ich

ähnliche Strecken am ursprünglich geplanten

Tag von abgesagten Veranstaltungen fahren

wollte. Der 30. Mai war der Tag, an dem

eigentlich Dirty Kanza (DK) stattfinden

sollte und an dem ich mindestens die 200

Meilen (ca. 320 Kilometer) des Rennens

nachfahren wollte. Das zweite Teil des

Puzzles war die echt coole «200 on 100»-

Tour, die einmal quer durch den Bundesstaat

Vermont verläuft. Sie heisst so, weil es 200

Meilen auf der Route 100 sind. Und das dritte

Puzzlestück war mein Kumpel Joe Cruz,

ein Philosophieprofessor und begeisterter

Abenteuersucher aus Vermont. Ich hatte

ihn bereits vor einiger Zeit gefragt, ob er

eine ähnliche Tour wie «200 on 100» kennt,

aber eben als Graveltour. Er machte sich an

die Arbeit und plante eine Strecke mit 500

Kilometern Länge (90 Prozent davon auf

Schotter) und gut 10.000 Höhenmetern.

Du hast einen ganzen Stall voller Velos,

die alle irgendwie für Graveltouren

geeignet sind. Für welches Bike hast du

dich während der Vorbereitungen von

DIY Gravel DK entschieden?

Ehrlich gesagt war ich mir sicher, dass das

Synapse das ideale Velo für diesen Trip wäre.

In Vermont gibt es mehr Schotterstrassen

als asphaltierte Strassen und die meisten von

letzteren sind glatt gebügelte Hauptstrassen.

Dort kann ich immer mit meinen Rennvelos

fahren. Vor mir lagen fast 500 Kilometer mit

einer Menge Höhenmetern, für die das Synapse

in meinen Augen die beste Kombination aus

Komfort und Geschwindigkeit bieten würde.

Auf der von Joe geplanten Route lagen zwar

ein paar Strassen der Kategorie 4. Ich würde

diese Strassen als nicht gepflegte Strassen

mit Steinen jeder Grösse beschreiben, die es

einem so schwer wie möglich machen, das

Ziel zu erreichen. Sie sind oft ausgewaschen

und mit Schlaglöchern gespickt, die so gross

sind, dass sogar Autos Probleme bekommen.

Trotzdem erschien mir das Synapse als der

ideale Untersatz. Erst unterwegs wurde mir

klar, dass die Strecke über Dutzende und

Aberdutzende solcher ruppigen Strassen

führte.

Wie hast du vor der Tour über das

Topstone Carbon Lefty gedacht?

Ich hatte damit einige Ausfahrten gemacht

und dachte ehrlich gesagt, dass ich für

diese Tour kein Bike mit solchen Offroad-

Fähigkeiten benötige. In Vorbereitung

auf DIY Gravel DK habe ich ein paar

Runden auf meinen Hometrails gedreht.

Ich nehme für diese Schleife immer mein

Mountainbike und wäre früher niemals auf

die Idee gekommen, diese Runde mit einem

Gravelbike zu fahren. Das Topstone Carbon

mit der Lefty-Federgabel wollte ich dann

doch mal dort testen. Als ich zwei Freunde

mit ihren 130-mm-Fullys auf dem Trail sah,

war ich schon etwas stolz auf mich und

mein Velo. Ich habe auch einige Fahrten auf

Asphalt damit gemacht und wusste, dass es

auch dort immer noch ziemlich schnell ist.

Deswegen und weil es immer Spass macht,

ein neues Bike zu fahren, habe ich mich für

die grosse Tour dann doch für das Topstone

Carbon Lefty entschieden.

Wie haben sich deine Erwartungen

während der Tour verändert?

Ich muss zugeben: Mit meiner Einschätzung,

dass ein normales Rennvelo für diesen Trip

optimal wäre, lag ich meilenweit daneben.

Ziemlich am Anfang der Tour musste ich

recht lang über nasse, rutschige, schlammige

und ruppige Strassen der Kategorie 4 fahren

und dachte: «Oh Mann, wenn ich dieses

Bike nicht hätte, würde ich jetzt die Hälfte

der Strecke laufen!» Wie ein Echo hallte

dieser Satz in meinem Kopf wider, da sich

die Strecke noch viele Meilen über diese

knüppelharten Strassen hinzog. Am Zielort

angekommen war ich einfach nur am Ende.

Diese Tour war 160 Kilometer und zehn

Stunden länger als meine bisher grösste Tour.

Ich war so platt, dass ich nicht mehr richtig

geradeaus schauen konnte. Aber erst im

Nachhinein – und nach einer sehr erholsamen

Nacht – habe ich erkannt, wie sehr mich

das Bike gerettet hat. Wenn ich mit einem

Rennvelo auf dieses Abenteuer gegangen

wäre, würde ich wahrscheinlich noch heute

unterwegs sein oder hätte abbrechen müssen.

Wie hat sich das Bike nach 15 Stunden

im Sattel angefühlt?

Da lagen noch fünf Stunden vor mir! An

diesem Punkt fährst du nur noch wie ein

Roboter. Treten, treten, treten. Drei grosse

Anstiege einschliesslich des grössten und

höchsten Bergs des Tages lagen da noch vor

mir. Ich wusste also, dass ich mich nicht

entmutigen lassen darf, da ich diese Hürden

noch nehmen musste. Trotzdem fühlte ich

mich den ganzen Tag gut, nur eben erschöpft.

Eigentlich bin ich es gewohnt, mit dem

Gravelbike lange Distanzen zurückzulegen.

Die Woche vor diesem Trip war ich knapp

300 Kilometer zu meinen Eltern gefahren

und am nächsten Tag habe ich mich

verdammt gut gefühlt. Aber am Tag nach dem

DIY Gravel DK bin ich fast nicht aus dem

Bett gekommen. Ich hatte meinen Körper so

weit über den Punkt der totalen Erschöpfung

hinausgetrieben, dass ich total fertig war. Das

war schon verrückt.

Welches Feature brachte dir auf dieser

Tour den grössten Vorteil?

Ich würde sagen die Summe aller Features?

Es würde mir schwerfallen, dieses Monster

auf eine Sache zu reduzieren. Die Lefty vorne

und der Komfort des KingPin-Hinterbaus

waren sehr hilfreich. Die Möglichkeit, breite

Reifen fahren zu können, war auch ein echtes

Plus. Ich war mit profillosen 48 Millimeter

breiten Tubeless-Reifen unterwegs, was für

ausreichend Speed, aber auch für genügend

Grip auf dem Grossteil der Schotterpisten

sorgte. Zudem konnten meine Beine dank

der grossen Übersetzungsbandbreite der

SRAM Eagle AXS im steilen Gelände und

auf anspruchsvollem Untergrund Kraft

sparen. Ich war froh über jeden Zahn der

10-50-Kassette und würde nichts ändern,

sollte ich morgen nochmals die gleiche Route

in Angriff nehmen!

BIKESTER.CH


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39


Wie würdest du das Topstone Carbon

Lefty mit seinem Schwestermodell

Topstone Carbon vergleichen?

Es fährt sich einfach noch genialer.

Das Topstone Carbon ist bereits ein

hervorragendes Bike für Abenteuertouren

und ruppiges Terrain, aber in Verbindung

mit der Lefty Oliver kann man mit dem Bike

noch viel mehr anstellen. Müsste ich mich

zwischen beiden Bikes entscheiden, würde

ich wahrscheinlich immer das Topstone

Carbon Lefty wählen.

Welche falsche Vorstellung könnten

Personen haben, die noch nie mit einem

Topstone Carbon Lefty gefahren sind?

Ich vermute, dass viele Leute Bedenken

wegen des Speeds dieses Bikes haben

oder befürchten, dass es sie ausbremst.

Auch wenn es das Gewichtslimit der UCI

von federleichten 6,8 Kilogramm nicht

unterschreitet, ist es selbst mit der Lefty-

Federgabel auf der Strasse schnell genug.

Und wenn es in seinem bevorzugten Terrain,

nämlich im Gelände, unterwegs ist, dann geht

die Post erst richtig ab!

Bitte beschreibe das Topstone Carbon Lefty in einem Satz!

DEIN NÄCHSTES BIKE!

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Wahoo KICKR CORE

Smart Trainer

WORAUF WIR

ABFAHREN

MARTIN — WAHOO KICKR CORE

© MARTIN OHLIGER

Wer bist du und was machst du bei

Bikester?

Welches Velo fährst du und warum?

Ich bin Martin und arbeite hier als Redakteur.

Ich kümmere mich um praktisch jede

Form von Texten und Fotos – am liebsten

natürlich für dieses Magazin. Zweiräder in

den verschiedensten Formen sind schon seit

langer Zeit ein grosser Bestandteil meines

Lebens. Früher schlug mein Herz für BMX,

heute beinhaltet ein perfekter Tag für mich

ein rotes Rennvelo, möglichst viele Berge und

gedeckten Apfelkuchen.

Mein wichtigstes «Velo» ist zwischen Oktober

und März ein Rollentrainer. Am Wochenende

fahre ich lieber draussen, wenn es nicht

gerade schneit. Unter der Woche möchte ich

mich aber nicht bei schlechtem Wetter und

Dunkelheit im Feierabendverkehr Richtung

Stadtrand kämpfen. Für einen Produkttest

hatte ich den KICKR, den grossen Bruder

des KICKR CORE, für ein paar Wochen zu

Hause und war beeindruckt davon, wie leise

er ist. Der CORE ist ebenfalls altbautauglich

leise, aber deutlich preiswerter.

Mit ihm kann ich mich in nur einer Stunde

ohne grosse Vor- oder Nachbereitung richtig

austoben. Ich folge keinem Trainingsplan,

sondern fahre Einheiten, die auf Halbwissen

und Tagesform basieren. Für mich reicht

das: Im Frühling, kurz nachdem ich den

Rollentrainer wieder eingemottet habe, kann

ich Bäume ausreissen. Dank des KICKR

CORE muss ich dafür weder meine Nachbarschaft

gegen mich aufbringen noch viel Zeit

für Setup und Putzen verschwenden. Er ist

das perfekte Winter-«Velo»!

BIKESTER.CH


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43


Text: Martin Ohliger

ES WERDE LICHT

SEHEN UND GESEHEN WERDEN AUF DEM VELO

Alltagstaugliche Velos brauchen Licht. Um das zu verstehen, braucht es keine Gesetzestexte,

denn sobald die Sonne versinkt, musst du einfach sehen können, wo du hinfährst. Dazu kommt:

Alle anderen Menschen, die am Strassenverkehr teilnehmen, verlassen sich darauf, dass

du beleuchtet bist. Aber aus welchen Einzelteilen besteht eine Lichtanlage, die nicht nur den

Vorschriften genügt, sondern dir auch maximale Sicherheit bietet? Ist eine Lampe mit 80 Lumen

heller als eine mit 50 Lux? Darf ich meine Helmlampe auf der Strasse benutzen? Auf den nächsten

Seiten bringen wir Licht ins Dunkel.

© MARTIN OHLIGER

BIKESTER.CH


AKKUS VS.

NABENDYNAMO

Eine Grundsatzentscheidung, die oft

schon beim Kauf entschieden wird,

ist die Stromversorgung der Lampen.

Nabendynamos sind die beste Wahl für

dich, wenn du regelmässig im Alltag radelst.

Natürlich ist es möglich, ein Velo im

Nachhinein mit einem Dynamo auszustatten

und zu verkabeln. Günstiger und einfacher ist

die Nachrüstung aber mit batteriebetriebenen

Lampen. Greif auf Akkulampen zurück, wenn

du mit deiner Beleuchtung flexibel bleiben

möchtest und zum Beispiel regelmässig

zwischen verschiedenen Velos wechselst.

WIE HELL SIND LUMEN,

CANDELA UND LUX?

Die regelmässige Verwendung von direkt drei

unterschiedlichen Masseinheiten (Lumen,

Candela und Lux) trägt nicht unbedingt dazu

bei, deine Kaufentscheidung zu vereinfachen.

Die Einheit Lumen gibt die gesamte

Lichtleistung einer Leuchte an. Sie ist ein

guter Ausgangspunkt, aber für dein Auge

zählt nicht, wie viel Power deine Leuchte

hat, sondern wie viel davon in dem Bereich

ankommt, den du ausgeleuchtet haben musst.

Die Einheit Candela wird von der

österreichischen Fahrradverordnung benutzt,

die einen Frontscheinwerfer mit mindestens

100 Candela und ein Rücklicht mit

mindestens einem Candela vorschreibt. Diese

Einheit gibt ähnlich wie Lumen die «Sende»-

Leistung einer Leuchte an, berücksichtigt

aber den Abstrahlwinkel. Sie ist insofern etwas

aussagekräftiger, aber eignet sich auch nicht

als alleiniger Massstab. Denn auch in Candela

kannst du nur die Leistung der Leuchte

messen und nicht etwa die Helligkeit der

Strasse vor dir oder die Verteilung des Lichts.

Lux schliesslich ist eine Einheit, mit der

auftreffendes Licht gemessen wird. Die

deutsche StVZO schreibt für Frontleuchten

eine Mindeststärke von zehn Lux am hellsten

Punkt einer frontal angestrahlten Wand vor.

Ein Beispiel illustriert, wieso auch diese

Einheit für sich genommen wenig aussagt:

Mit einem Laserpointer erreichst du ein

Vielfaches der geforderten zehn Lux. Fürs

Velo ist er trotzdem ungeeignet, denn seine

Leuchtkraft ist auf einen winzigen Bereich

konzentriert.

Jetzt dürfte klar sein: Nur anhand von

technischen Daten einen Vergleich

verschiedener Leuchten vornehmen zu

wollen, ist zum Scheitern verurteilt. Du

würdest einen HiFi-Plattenspieler ja auch

nicht nur danach beurteilen, wie laut er Musik

abspielen kann, oder? Die für dich ideale

Lampe findest du nur, wenn du zusätzlich

zu technischen Daten wie der Leuchtkraft

(egal, in welcher Einheit) auch das Lichtbild

in deine Entscheidung einbeziehst. Aber pass

auf: Jeder Hersteller misst anders, du kannst

also Werte verschiedener Hersteller nicht

direkt miteinander vergleichen.

45


© FELIX BRÜGGEMANN

PASSIVE BELEUCHTUNG -

REFLEKTOREN & HI-VIS

Neben der aktiven Beleuchtung gehört

auch eine passive Beleuchtung an dein Velo,

die das Licht von anderen Lichtquellen

(Scheinwerfern, Strassenbeleuchtung etc.)

zurückstrahlt. Ein weisser Reflektor vorne

sowie ein roter Reflektor hinten sind Pflicht.

Dazu kommen orange Pedalreflektoren

und pro Laufrad zwei Reflektoren in

den Speichen. Wenn dein Reifen einen

umlaufenden Reflexstreifen hat, kannst du

auf sie verzichten. Achte aber darauf, dass

der Streifen auch tatsächlich sichtbar ist und

nicht nach und nach unter einer Dreckschicht

verschwindet.

Zusätzlich dazu kannst du auch auf Kleidung

setzen. Dir helfen bereits recht kleine

reflektierende Elemente, gesehen zu werden.

Insbesondere an den Füssen oder Beinen,

die auf dem Velo fast ständig in Bewegung

sind, kannst du mit geringem Aufwand (zum

Beispiel einem reflektierenden Band) einen

deutlichen Effekt erzeugen.

BIKESTER.CH


DREI BEISPIELE FÜR DIE IDEALE BELEUCHTUNGS-AUSRÜSTUNG

WAS SAGEN DIE

VORSCHRIFTEN?

In der Schweiz hält man sich mit ausufernden

Vorschriften in Bezug auf Beleuchtung am

Velo zurück: Vorne eine weisse Lampe,

hinten eine rote, die beide mindestens in 100

Metern Entfernung sichtbar sind und weder

blinken noch blenden. Auch die Beleuchtung

in Österreich benötigt keine speziellen

Prüfzeichen. Hier ist sogar ein blinkendes

Rücklicht erlaubt! Generell gilt aber: Die

Beleuchtung darf nicht blenden. Nach der

deutschen StVZO gestaltete Lampen sind

also eine sichere Bank, da sie eine sehr klare

Hell-Dunkel-Grenze aufweisen müssen.

ALLTAG IN DER STADT

Du wohnst in einer Grossstadt, in der du alle

Wege am bequemsten mit dem Rad erledigen

kannst. Schlechtes Wetter schreckt dich

nicht, deswegen hast du dich bewusst für ein

Velo mit einer Dynamoanlage entschieden.

Wieviel Power deine Lampen haben, ist für

dich zweitrangig. Du brauchst du sie vor

allem, um gesehen zu werden. Ohne gute

seitliche Sichtbarkeit und Standlicht würdest

du deshalb keinen Meter mehr fahren wollen.

Die Reflektoren an deinem Velo ergänzt du

zusätzlich durch Reflektorbänder um beide

Knöchel, die nicht nur die Hose aus den

Speichen halten. Auch dein Rucksack hat

ein Cover mit reflektierenden Elementen

verpasst bekommen. Das schützt nicht nur vor

Regen, sondern ist wegen deiner aufrechten

Sitzposition auch sehr gut sichtbar.

PENDELN AUF DEM

PLATTEN LAND

Zwischen deinem Bett und deinem

Schreibtisch liegen ca. 20 Kilometer, fast alles

davon über einen schnurgeraden Radweg

entlang einer Landstrasse. Hügel oder

Kurven? Fehlanzeige. Um schnell vorwärts

zu kommen, bist du mit einem Rennvelo

unterwegs, das du am Wochenende auch

mal etwas sportlicher ausfährst. Deshalb

benutzt du leistungsstarke Akkulampen,

die du innerhalb kürzester Zeit an- und

abbauen kannst. Der Radweg ist schmal,

deswegen ist dir eine breite Ausleuchtung

nicht so wichtig. Viel Power hingegen ist ein

Muss, denn auf dem Land steht nicht alle

50 Meter eine Laterne. Zusätzliche Akzente

setzt du mit einer Rückleuchte in deinem

Helm und Überschuhen aus reflektierendem

Material. Das Rucksackcover hast du wieder

abgeschafft, da es flattert und man es sowieso

praktisch nicht sieht, wenn du sportlich

gestreckt auf deinem Rennvelo sitzt.

Zéfal — Doowah Hosenträger

Sigma — Aura 80

XLC — BA - S90

Abus — Urban-I 3.0

Vaude — Luminum

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TOUREN IM GELÄNDE

Touren mit dem Mountainbike im Wald

sind das ganze Jahr über deine Flucht aus

dem Alltag. Wenn es dunkel wird, brauchst

du auf kurvigen Waldwegen eine Menge

Licht. Am Lenker hast du deswegen

eine starke Frontleuchte mit möglichst

breiter Ausleuchtung, die auch auf der

Strasse zum Trail gute Dienste leistet.

Im Wald schaltest du eine Helmlampe

zu. Die hat im Strassenverkehr nichts zu

suchen, weil ihre brutale Power andere

Verkehrsteilnehmer*innen blendet. Im Wald

kommt dir allerdings niemand entgegen und

du bist dort darauf angewiesen, Hindernisse

rechtzeitig zu erkennen.

© VAUDE / MARKUS GREBER

UNABHÄNGIG DANK

LICHT

Selbst mit einer hochwertigen Lichtanlage

wirst du nicht die Nacht zum Tag machen

können. Du kannst aber dafür sorgen, für

andere gut sichtbar zu sein, ohne dich mit

Leuchten und Reflektoren zu behängen wie

ein Weihnachtsbaum. Ausserdem garantiert

dir die Wahl der richtigen Lampe, dass du

auch in Herbst und Winter zu jeder Tagesund

Nachtzeit genug sehen kannst, um mit

dem Velo sicher voranzukommen. So bleibst

du auch in den Jahreszeiten unabhängig, in

denen die meisten im Auto oder im Bus sitzen.

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Redaktion:

Bastian Steinecker, Frank Maier, Martin Ohliger

Grafik:

Christian Wenglorz, Jonas Christoph

Mitarbeit an dieser Ausgabe:

Felix Böhlken, Friederike Kosche, Martina Domnick

Urheberrecht:

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Redaktioneller Stand: 30. September 2020

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