SeeMagazin 2021

storyboard.de

Die Besonderheiten des Fünfseenlandes sammeln wir einmal jährlich mit schönen Bildern und Geschichten in unserem SeeMagazin. „Genießerland Fünfseenland“ ist der Schwerpunkt der diesjährigen Ausgabe. In unserem Special lernen Sie Menschen kennen, die Köstliches herstellen, dabei der Region zutiefst verbunden sind. Außerdem zeigt TV-Moderator Willi Weitzel, was man Spannendes am Ufer des Ammersees entdeckt und ein Förster erklärt, warum der Wald unseren Respekt verdient.

Jahresausgabe 2021 | №17

€ 7,50

für

Einheimische

& Gäste

Glücksgefühle

Erstaunlich, was die Natur in

uns bewegen kann

Traumziele

Urlaub zu Hause: Entdecken Sie

neue Lieblingsplätze am See

Köstliche Ideen & Inspirationen

– ein Heft für alle, die das Leben feiern


Editorial

Bevor wir in der Redaktion mit dem neuen See -

Magazin starten, legen wir immer einen Schwerpunkt

fest. Dieses Jahr lautete das Motto: „Genießerland

Fünfseenland“. Und was soll ich sagen? Nie fiel es uns

leichter, Themen zu finden. Denn Genuss, möchte ich

behaupten, wurde hier erfunden! Keiner von uns hätte

vor einem Jahr erwartet, dass die Pandemie so lange

anhält. Wie lange wir „einfach zu Hause“ sein werden.

Das hat den Blick geschärft für die Welt, die uns umgibt

– und uns noch dankbarer gemacht gegenüber der

Natur und unserer außergewöhnlichen Heimat.

In unserem Special lernen Sie Menschen kennen,

die Köstliches herstellen, dabei der Region zutiefst verbunden

sind. „Support your local“: Es ist wichtiger denn

je, dass wir den Handel und das Gastgewerbe unterstützen.

Entdecken Sie zum Beispiel Mozzarella aus

Ziegenmilch, Sesampaste in allen nur erdenklichen

Variationen und Schoko-Hits aus dem Automaten –

wir sind begeistert, wie viel Neues hier entsteht. Aber

Achtung: gut möglich, dass Ihnen nach der Lektüre der

Magen knurrt (ab Seite 58). Apropos entdecken: TV-Moderator

Willi Weitzel zeigt, was man Spannendes am

Ufer des Ammersees entdeckt, wenn man sich einmal

mit Kindern auf Augenhöhe begibt (Seite 48). Förster

Markus Noack erklärt, warum der Wald unseren Respekt

verdient (Seite 76). Mit unserer Strecke „Gestern

Garten, morgen Paradies“ haben wir uns einen persönlichen

Wunsch erfüllt (Seite 102). Ebenso war es eine

große Freude „ease lake life“ kennenzulernen (Seite 60).

Beides so schöne Inspirationsquellen

für neu entdeckte

Garten-Anbau-Leidenschaften.

Und welche ungeahnte

Freiheit ein E-Bike mit sich

bringt, lesen Sie auf Seite 72.

Am meisten lachen musste

ich, als ich zum ersten Mal Sehnen den Sommer herbei:

Sabine Schönmann und Elke Ross

die Bilder des ELLE Kollektivs

sah: eine geniale Thea-

(re.), Leitung Marketing und Sales

tertruppe. Ihr neues Stück,

das sie im Sommer aufführen, möchte ich auf keinen

Fall verpassen (Seite 116). Wo ist der See am schönsten?

Zweifellos auf dem Wasser – das finden auch unsere

Redakteurin Alissa Selge und Fotografin Jasmin van de

Loo. Um ihren Job hat sie die ganze Redaktion beneidet,

denn sie durften testweise mit E-Boot und Picknickkorb

über den See schippern (Seite 12).

Übrigens: Wer Handtuch und Sommerlektüre stilvoll

einpacken möchte, kann das bald mit den clever

gemachten, recycelten Falt-Taschen des neuen Labels

SNIB.world aus Ammerland. Im Spätsommer ist’s

so weit: Wir freuen uns auf eine eigene SeeMagazin-

Edition. Näheres verraten wir rechtzeitig über unsere

Social-Media-Kanäle …

Wir wünschen Ihnen genussreiche Momente am

See und viel Freude beim Lesen!

Cover: Getty Images/Bernhard Lang; Fotos: Privat

Elina Gathof (li.) fotografierte

fürs SeeMagazin schon

Alpakas und Schwarznasenschafe.

Diesmal waren es

Kamele (Sie lesen richtig!),

Seite 84. Jasmin van de Loo

(Mi.) kam mit Sommerteint

von diesem Auftrag zurück.

Warum, sehen Sie ab Seite 12

Das Fünfseenland macht es einem

leicht, seinen Job zu lieben: Conny

Mirbach fotografierte Schauspieler Felix

Klare für das SeeGespräch, Seite 32


48

TV-Moderator

Willi Weitzel

erforscht gern die Welt – und

sein Zuhause, den Ammersee

58

Eine Region zum

Genießen: Menschen

aus dem Fünfseenland

inspirieren

zu kulinarischen

Entdeckungen

SeeLeben

SeeMensch

SeeHaus

12

Mit E auf dem See

Elektroboote werden immer

beliebter. Was macht ihren Reiz

aus? Wir haben es getestet!

20

Sind wir schon da?

Das Gute liegt so nah: Mit

frischem Blick ähnelt das Fünfseenland

manchem Traumziel

in der Ferne

76

Mehr Vielfalt,

bitte!

Markus Noack setzt sich

als Revierförster für

einen nachhaltigen Umgang

mit dem Wald ein

80

Segeln soll sie!

Ein historisches Segelboot

versinkt im Ammersee. Ein

Schock für den Besitzer – aber

Aufgeben ist keine Option ...

122

Viva la Riva

Italienische Riva-Boote

auf dem Starnberger See:

Das lässt die Herzen

von Skippern höherschlagen

32

„Theater vermisse ich

momentan sehr“

Schauspieler Felix Klare über

seine Arbeit, das Familienleben

und die wohltuende Weite des

Ammersees

40

Jonny gibt das

Tempo vor

Vom Starnberger See zum

Mittelmeer: Eine junge Frau

erlebt mit Esel Jonny

die Wanderung ihres Lebens

48

Die Welt steckt

voller Wunder

Fernsehmoderator Willi

Weitzel lebt in Herrsching –

und liebt es, die heimische

Natur zu erkunden

54

Küsse im All

Mitten im Fünfseenland wird

die nächste Mission zur ISS

geplant. Ein Gespräch mit

Flugdirektorin Daria Margiotta

92

Wie schön du bist,

altes Haus!

Ein ehemaliger Bauernhof

in Seeshaupt ist heute

das stylische Zuhause einer

Patchworkfamilie

96

Einfach angedockt

Das Wort „Anbau“ wird dem

Schwarzen Haus in Breitbrunn

wahrlich nicht gerecht

102

Gestern Garten,

morgen Paradies

Naturgärten sind gut für

Bienen, Vögel und Frösche –

und für die Seele

Fotos: Michela Morosini, ease lake life, Jasmin van de Loo, Jan Greune; Illustrationen: Lia-Charleen Royla

4


12

Das

ultimative See-Vergnügen: Mit dem

E-Boot weit rausfahren, dann auf dem SUP

entspannen und den Ausblick genießen

122

Rasanter Luxus:

Riva-Boote gelten

als Rolls-Royce

auf dem Wasser

SeeKultur SeeGenuss SeeStandards

84

Kommt ein Zebra

zum Kamel …

Auf der Circus Krone-Farm

nahe Weßling verbringen

ehemalige Circustiere ihren

Lebensabend

108

SeeTipps: Bücher

Neuer Lese- und Podcast-Stoff

für Sommertage

111

43 Stufen in den

Himmel

Eine künstlerische

Zwischennutzung in Starnberg

116

Lokal verehrt und

heiß begehrt

Unbedingt ansehen! Die

Theatergruppe ELLE Kollektiv

ist so schräg wie besonders

58

Genießerland

In der Region gibt es jede Menge

kulinarische Highlights.

Wir zeigen die Menschen, die

dahinterstehen

70

Automatengaudi

Diese Helfer versorgen Sie

rund um die Uhr

72

2027 Kilometer

Glücksgefühle

Hügel in Sicht? Na, wenn schon!

Wie unsere Autorin ihre Heimat

dank E-Bike neu entdeckt

112

Einer schöner als

der andere

Fünf Seen, ein Geschwisterpaar:

Julia und Steffen Greiner

aka Seehoch5 teilen fantastische

Fotografien

46

SeeTipps:

Starnberger See

Bildhauerkurse, schicke

Sneaker und

sanfte Naturkosmetik

82

SeeTipps:

Ammersee

Unikate aus Porzellan,

Wandertouren und

recycelte Taschen

100

SeeTipps:

Wörthsee, Weßlinger

See und Pilsensee

Französische Leckereien,

Letterpress-Postkarten und

Picknick-Hotspot

106

Impressum

130

Zum guten Schluss

Aufgrund der Corona-Pandemie können Termine und Veranstaltungen,

die wir im Heft nennen, kurzfristig verschoben werden. Wir

empfehlen Ihnen daher, sich auf der Website der Veranstalter oder im

Internet nochmals zu informieren. Vielen Dank für Ihr Verständnis!

5


3seelige

Momente

FOTOS

JAN GREUNE


SeeLeben

Mit allen Sinnen genießen: Am

Starnberger See stellt sich die Frage: Kann

man Stille sehen? Ja, man kann!

7


SeeLeben

Grüße aus Münsing: Die Schirmchen

der Pusteblumen können kilometerweit

fliegen. Jetzt kräftig Luft holen und dann ...

8


SeeLeben

Ein Blick über die Roseninsel, der

das Herz weitet. Wirklich, dieser See ist

von der Sonne geküsst.

11


SeeLeben

Mit E auf

dem See

TEXT

FOTOS

ALISSA SELGE

JASMIN VAN DE LOO

12


SeeLeben

Elektroboote werden immer

beliebter, auch auf dem Ammersee. Mal

abgesehen von den Vorteilen für die

Umwelt: Was macht ihren Reiz aus? Ein Test

I

ch laufe in der späten Nachmittagssonne über

den Steg, habe die Schuhe schon ausgezogen

und spüre das warme Holz unter den Füßen. Der Ammersee

liegt ruhig vor mir, blau und blendend – ich kann es kaum

erwarten, der Hitze des Ufers zu entfliehen, in gewisser Weise

auch meinem Alltag. Wie ich mich darauf freue, in der

Mitte des Sees ins Wasser zu springen, weit weg von anderen

Schwimmern und Ausflüglern!

Spätestens nach einem langen Badetag am See träumt

man davon, ein eigenes Boot zu besitzen. Aber das ist im

Fünfseenland gar nicht so einfach. Die 150 Genehmigungen

für Boote mit Verbrennungsmotor sind für den Ammersee

längst ausgeschöpft, genauso die 250 Genehmigungen für

den Starnberger See. Die Nachfrage ist deutlich höher: Um

die 1000 Bewerber stehen auf der Liste und müssen im

Schnitt sieben bis neun Jahre warten, bis es klappt. Bei Elektrobooten

ist die Anzahl der Genehmigungen dagegen nicht

begrenzt. Man muss lediglich einen Antrag auf der Website

des Landkreises Landsberg am Lech ausfüllen, die Bearbeitungszeit

von bis zu vier Wochen abwarten und kann dann

theoretisch in den neuen Lebensabschnitt als E-Boot-Besitzer

starten. Dementsprechend ist die Nachfrage in den vergangenen

Jahren deutlich gestiegen: Aktuell sind 750 Boote

mit elektrischem Antrieb auf dem Ammersee zugelassen,

auf dem Starnberger See sogar über 1400. Dieser Trend

schont die heimische Umwelt: kein Lärm – der nicht nur

Menschen, sondern auch Vögel und Fische stören kann –,

keine Emissionen, kein Austritt von Öl oder Benzin. Das ist

super, zweifellos. Aber kann ein E-Boot an den „Glamour“

eines Motorboots herankommen? Wie fühlt sich das Fahren

und Lenken an? Zeit für einen Test.

13


SeeLeben

Meine Freundin Line reicht mir die Hand, dann stehe ich neben

ihr und unserer Fotografin Jasmin auf dem Boot, das uns

die MY-Electroboat GmbH für einen Tag zur Verfügung gestellt

hat. Um die sieben Meter lang und zweieinhalb Meter

breit ist es, ein fest montiertes Dach spendet Schatten und

eine breite Sitzfläche lädt zum Sonnenbaden ein. Der Boden

schwankt noch ein paar Minuten unter den Füßen, bis wir alles

vom Steg aufs Boot gehievt haben. Wir haben viel vor und

dabei: Picknickkorb, Badesachen, Strohhut, Handtücher, sogar

zwei SUP-Boards im Gepäck. Es kann losgehen!

Ich stelle mich ans Steuer, schiebe den Geschwindigkeitsregler

nach vorn, schon hebt sich das Boot aus dem Wasser

und gleitet mit ordentlich Tempo dem Himmel entgegen. Hey,

das klappt ja geschmeidiger als gedacht. Ich hatte Respekt davor,

das Boot zu lenken, aber es reagiert auf jede meiner Bewegungen

und legt sich angenehm weich in die Kurven. Ich

genieße den Fahrtwind, reize die Höchstgeschwindigkeit von

60 Stundenkilometern aber erst mal nicht aus. Was für ein

Gefühl: Wir fliegen über die Wasseroberfläche, ich höre die

Wellen, der Wind pfeift – zugleich scheint alles ganz ruhig zu

sein. Ich bin verblüfft, wie erleichtert ich mich plötzlich fühle:

Alles fällt von mir ab. Kurz darauf tauschen wir. Line über-

Anker setzen, Seil vertäuen

und entspannen!

Das Schönste daran: ein

Stück vom See für sich

allein zu haben

Das E-Boot ist angenehm

leicht zu steuern,

legt sich weich in die

Kurven und erreicht

ohne knatternden Motorenlärm

die Höchstgeschwindigkeit

von

60 Stundenkilometern

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SeeLeben

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nimmt das Steuer und ich setze mich ans Heck, halte die Beine

in die Schleppe aus weißem Schaum und muss lachen, weil

der Sog des Wassers an den Fußsohlen kitzelt.

Vor der Kirche St. Alban in Dießen halten wir an. In der

Abendsonne packe ich unser Picknick aus. Bei Wassermelone,

Trauben und Baguette mit Camembert stoßen wir auf

unseren Ausflug an, es hat beinahe etwas Mondänes. Das

Holz des Bootes heizt sich auf und wir breiten ein zusätzliches

Sonnensegel aus, trotzdem ist uns nach einer Abkühlung

zumute. Also fahren wir noch ein paar Meter weiter zu

einem Abschnitt, an dem wir ganz für uns sind. Ich lasse den

Anker vorsichtig in den See gleiten (ich will auf keinen Fall

den Lack zerkratzen!) und belege das weiße Seil an der Klampe

(das sagt man so zum Festmachen des Taus, wie ich später

lerne). Über die Leiter, die man am Heck ausklappen kann,

steigen wir langsam in den kühlen See. Die ersten Schwimmzüge

sind herrlich erfrischend, und als wir wieder aus dem

Wasser auftauchen, fliegen ein paar Wildgänse über unsere

Köpfe in Richtung Ostufer. Meine Sinne sind geschärft, ich

bin ganz bei mir, ganz im Jetzt – ein Moment großen Glücks.

Auf den SUP-Boards, die wir mitgebracht haben, lassen wir

uns schließlich im Abendlicht treiben. Dann wird uns langsam

kalt, die Sonne geht bald unter.

„Noch eine letzte Runde?“ Genug Akku haben wir noch.

Ich fahre uns in die Mitte des Ammersees, halte an. 72 Meter

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SeeLeben

Perspektivwechsel:

Mit dem E-Boot lernt

man den See von

einer ganz neuen

Seite kennen

»72 Meter liegen unter uns, sagt die Anzeige.

Wir wagen einen Sprung bei Sonnenuntergang«

liegen unter uns, sagt mir die Anzeige (zum Vergleich: die

Kuppel der Münchner Theatinerkirche ist 70 Meter hoch!).

Wir wagen einen Sprung bei Sonnenuntergang. Das Wasser

betäubt Arme und Beine, es ist hier kälter als am Ufer. Ich

lerne den See von einer anderen Seite kennen, erlebe das

Wasser als etwas Sinnliches, Knisterndes. Unbeschreiblich,

dort zu schwimmen, wo der See am tiefsten ist und man das

Ufer nur in der Ferne erkennen kann. Der Perspektivwechsel

fasziniert mich, ich klettere aber trotzdem schneller

wieder aufs Boot als Line, denn ein wenig unheimlich ist

mir die Tiefe schon. Wenn uns nicht so kalt wäre, könnten

wir jetzt noch hier sitzen, zusehen, wie sich die Dämmerung

über den See legt, und am Himmel Sterne zählen. Aber die

Gänsehaut kriecht mir schon über die Unterarme und so

wickeln wir uns zitternd in die Handtücher und geben ein

letztes Mal Gas. Der Fahrtwind streicht mir durch die nassen

Haare und ich fühle mich so euphorisch und schwerelos

wie seit Monaten nicht.

Auf dem Nachhauseweg fange ich an zu träumen. Mit so

einem Boot morgens vorm Frühstück rausfahren, immer

wenn man möchte, ein Stück See für sich haben – das wär’s.

16


SeeLeben

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17


SeeLeben

Allerdings ist der Kauf eines E-Boots ein teures Vergnügen.

Den Preis für die Anschaffung (vergleichbar mit einem Neuwagen

gehobener Klasse) sowie jährliche Gebühren für die

Schlösser- und Seenverwaltung muss man einplanen. Und

selbst wenn das keine Rolle spielen sollte, benötigt man neben

der Genehmigung und dem amtlichen Kennzeichen des

Landratsamts noch einen Liegeplatz mit einer Lademöglichkeit.

Vielleicht also doch erst mal nur mieten. Aber das am

liebsten, sooft es geht – für ein bisschen mehr Abstand zu

allem und ein bisschen mehr Nähe zu mir selbst.

E-Boote im

Fünfseenland

Zum Glück kann man E-Boote auch

mieten. Wie bei Autos gibt es verschiedene

Preisklassen und Qualitätsunterschiede.

Bei folgenden

Stellen kann man sich erkundigen:

Starnberger See

gastl-boote.de

bootsverleih-fischerei.de

fischermichel.de

segelschule-tutzing.de

yachthafen-goetzke.de

Ammersee

ernst-st-alban.de

elgoro.de

Wörthsee

segelschule-woerthsee.de

strandbadraabe.de

18


wir sind auf der Suche nach dir

SeeLeben

www.reitberger-optik.com

19

Perchastr. 3a in Berg/ Starnberger See


SeeLeben

SIND

WIR SCHON

DA?

Mit frischem Blick sieht das Fünfseenland

tatsächlich so aus, als wäre man schnell mal zu seinen

Traumzielen gereist. Auf ins Abenteuer!

FOTOS

JANINA LASZLO

SCHACKY-PARK

20


WALDBADEN WIE

IN JAPAN

Sicher, so viele Moosarten

wie Kyotos Tempelgärten

bietet der Schacky-Park in

Dießen am Ammersee nicht.

Dafür gibt es hier uralte Bäume,

friedliche Wäldchen und

die perfekte Mischung aus

gepflegtem Park und freier

Natur. Das Teehaus im japanischen

Stil samt passender

Steinlaterne ist übrigens wie

der Park über 100 Jahre alt

und aufwendig restauriert

worden. Kleine Teiche mit

Hängebuchen, Wasserläufe

und Brücken bieten ideale

Plätze für meditative

Momente. Wer Lust auf eine

japanische Teestunde hat,

nimmt sich seinen Matcha-

Tee einfach in der Thermoskanne

mit. Und, nicht wundern:

Die Park-Gründer,

Ludwig Freiherr von Schacky

und seine Frau Julia, mischten

die Asiatika ganz entspannt

mit italienisch anmutenden

Bauten und Statuen.

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WÖRTHSEE

AUS DER LUFT: ZWEI

KROKODILE, DIE SICH

FREUNDLICH BEGRÜSSEN.

AM BODEN: KINDERSTUBE

FÜR FISCHE UND VÖGEL


SeeLeben

JADEFARBENES WASSER WIE IN FLORIDA

Nichts gegen die Everglades, aber irgendwie ist es doch ein sehr beruhigendes Gefühl, dass im

Wörthsee keine Krokodile schwimmen. Welse beachtlicher Größe werden hier zwar alle paar Jahre

geangelt, ziehen sich aber ansonsten in die Tiefen (bis 34 Meter) zurück. Das Wasser hat hier Model-

Qualität: für seine Sauberkeit ausgezeichnet, die Temperatur im Sommer nahezu perfekt, die Farbe

sagenhaft zartgrün. Apropos sagenhaft: Die Wörth oder auch Mausinsel mit Schloss und eigener Zufahrt

(in Privatbesitz) sorgt mit einer Sage für das nötige Quäntchen Grusel- und Märchenschauder.

Rund um die Insel tobt zum Glück das Leben: In den Schilfbereichen laichen Fische und brüten Vögel

– der schmale Wasserarm zwischen Festland und Insel ist deshalb, sorry, Schongebiet.

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SeeLeben

PÄHLER SCHLUCHT

SATTGRÜNE WILDNIS WIE AUF LA RÉUNION

Nun gut, die Vegetation auf der Insel im Indischen Ozean ist eher Regenwald als bayerischer Buchenwald.

Mit ihrer Wildheit kann es die Pähler Schlucht aber durchaus aufnehmen: großartiges Tuffgestein,

porös und sehr brüchig, ein Wasserfall, der 16 Meter herabsaust, umgestürzte Bäume in der

Schlucht und dazwischen jede Menge spannender Vegetation. Wilder als all dieses sind jedoch die Besucher,

die in Scharen kommen, sogar mit E-Bikes (sind hier verboten!): Naturinteressierte, die leider

doch ihren Plastikmüll liegen lassen, den Naturschutz und sämtliche Warnschilder ignorieren. To-do

für alle: achtsames Wandern lernen und lehren. Diese Beauty hat es verdient.

24


SeeLeben

ALS SEIDIGER VORHANG

FÄLLT DAS WASSER IN DIE

TIEFE. WICHTIGE NEBEN-

ROLLE: DIE HORIZONTALEN

TUFFSTEINSCHICHTEN

25


SeeLeben

BACHERNER BIRKENWIESE

26


SeeLeben

TRAUMTÄNZER MIT

SCHLAKSIGEN BEINEN –

DIE BIRKEN FÜHREN IHREN

GANZ EIGENEN REIGEN AUF

BIRKENWALD WIE IN ESTLAND

Bayerische Gemeinden werden die Birke vielleicht nicht zum Nationalheiligtum erklären, aber ihre

Schönheit, wie hier auf der Birkenwiese bei Bachern, wird garantiert gewürdigt. Dem Zauber ihrer

weiß-grauen, schillernden Rinde kann sich kaum jemand entziehen, als Gruppe bekommen sie etwas

irritierend Lebendiges. Wenn ihre zarten Blätter in Wind und Sonne flirren – und das machen

sie oft auf dieser freundlichen Wiese –, kann man ihnen beim Tuscheln lauschen, dabei beobachten,

wie viele Schmetterlingsraupen sich an ihren Blättern laben, und sinnieren, warum sie als Symbol

der Fruchtbarkeit gelten. Früher nutzte man auch bei uns ihren Saft, die Rinde und die Knospen.

Sollten Sie hier also doch mal Feen beim abendlichen Tanz treffen – nicht wundern.

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SeeLeben

EIN STEG, SO DEZENT

WIE MÖGLICH: NICHT AUF

PFÄHLEN, SONDERN

SCHWIMMEND IM MOOR

VERLEGT

ARTENREICHES MOOR WIE IN IRLAND

Doch, Irland wird bestimmt wieder besucht. Aber hier im Bacherner Moos können wir schon mal

dieses Kleinod studieren: 35 Hektar Niedermoor, offenes Hoch- und Übergangsmoor mit Feuchtgebüschen,

Großseggenried und einer Torfschicht, die bis zu sechs Meter tief ist. Der wichtige CO 2 -

Speicher ist ein Paradies für besondere Flora und Fauna – und dabei extrem empfindlich gegen

Menschenfüße und Fahrräder. Wie gut, dass dieser Holzsteg uns mitten hindurchführt. Ob die Iren

auch so gute Ideen haben?

HOLZWEG AM WÖRTHSEE

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Advertorial

BIOHOTEL SCHLOSSGUT OBERAMBACH

Viel Neues bringt

der Frühling

Fotos: Robert Kittel/Schlossgut Oberambach

Es hat sich viel getan in den vergangenen Monaten

im Schlossgut Oberambach: Die Website hat ein

neues Design und zwei multifunktionale Displays werten

die Tagungsräume auf. Die sicht- und spürbarste Veränderung

jedoch ist das eigens für das Biohotel entwickelte Farbkonzept.

Die verwendeten Materialien sind atmungsaktiv

und frei von Mikroplastik.

Interaktive Bildschirme. Seit Kurzem gibt es im

Schlossgut Oberambach auch zwei interaktive Multitouch-

Displays von weframe. Die 86 und 65 Zoll großen Monitore

lösen Beamer, Flipchart, Pinnwand und Co. ab. Stattdessen

präsentieren Seminarleiter kabellos und schreiben direkt auf

dem Bildschirm. Die Teilnehmer schalten sich entweder live

zu oder arbeiten vor Ort digital mit Laptop, Tablet oder

Smartphone interaktiv mit. Das gesamte Meeting wird digital

gesichert und kann nachbearbeitet oder an die Teilnehmer

verschickt werden. Die Displays lassen sich flexibel in

allen fünf Konferenzräumen einsetzen.

Vorbild Natur. „Die Lage ist eins unserer wichtigsten

Alleinstellungsmerkmale“, sagt Hoteldirektorin Stefanie

Moser. Die Natur soll sich auch im herrschaftlichen Landsitz

widerspiegeln. Die Entscheidung für ein beruhigendes

und öffnendes Grün im ebenerdigen „Starnberg“ fiel

schnell. Von den Fenstern des 115 Quadratmeter großen

Raums, der gleichermaßen für Tagungen, Hochzeiten und

Yogaseminare genutzt wird, blickt man auf Wald und Wiesen.

Der 52 Quadratmeter große Meetingraum „Bernried“,

der zweite von insgesamt fünf Tagungsräumen, befindet

sich im zweiten Stock und erstrahlt entsprechend seiner

„himmlischen“ Nähe im zartblauen Anstrich.

Bedürfnisse erkennen und erfüllen. Das Restaurant

soll ein Ort sein, an dem die Menschen zur Ruhe kommen

und sich gern aufhalten. „Der sandfarbene Muschelkalk korrespondiert

wunderbar mit dem terrakottafarbenen Boden“,

sagt Stefanie Moser. Die indirekte Beleuchtung im Gewölbe

und die Stühle mit dunkelrotem Wollfilzbezug ergeben ein

harmonisches Gesamtbild. „Wir wollen modern, aber zeitlos

sein“, so die Hoteldirektorin. „Die Menschen sollen sich bei

uns willkommen und so wohl wie zu Hause fühlen. Das können

Farben bewirken.“

Schlossgut Oberambach

Oberambach 1

82541 Münsing

Tel. 08177 9323

info@schlossgut.de

www.schlossgut.de


Das Panoramabild des Starnberger Sees,

auf das während der MRT-Untersuchung der Blick

fällt, sorgt für eine entspannte Atmosphäre

DIE RADIOLOGIE STARNBERG

Diagnostik und Vorsorge mit

Hightech

Eine sichere und zuverlässige Diagnostik und Vorsorge

sind wichtige Bausteine für eine optimale

und lückenlose medizinische Versorgung. Das Fünfseenland

ist in diesem Bereich mit DIE RADIOLOGIE bestens aufgestellt.

Die seit 2017 in Starnberg ansässige Praxis beweist mit

Patientennähe, individuellem Service und Wohlfühlatmosphäre,

dass Spitzenmedizin auf höchstem Niveau persönlich

und menschlich sein kann.

DIE RADIOLOGIE ist ein Praxisverbund von radiologischen,

strahlentherapeutischen und nuklearmedizinischen

Fachärzten und zählt mit über 10 Standorten in und um München

zu den größten und leistungsstärksten Radiologiepraxen

in Bayern und ganz Deutschland. Sehr viel positive Resonanz

erfährt DIE RADIOLOGIE auch in Starnberg. Das belegen

unzählige exzellente Bewertungen zufriedener Patienten. Der

Standort ist neben der fachlichen Kompetenz vor allem wegen

seines ansprechenden Ambientes und der persönlichen

Betreuung beliebt und gehört zu den am

besten bewerteten Arztpraxen Deutschlands.

„Unser Standort verbindet die Vorteile einer

etablierten Praxis vor Ort mit der Infrastruktur

einer Großpraxis. Wir arbeiten

hier in Starnberg mit einem erfahrenen

und bewährten Team aus hochqualifizierten

Ärzten und Mitarbeitern. Zudem

haben wir ein großes Experten-Netzwerk

im Rücken, das jede nur erdenkliche Facette

der Radiologie abdeckt“, erklärt Standortleiter

Prof. Dr. med. Mike Notohamiprodjo.

& Herz

Für erstklassige Bildqualität, geringstmögliche Strahlenexposition

und maximalen Komfort setzt DIE RADIOLOGIE

in Starnberg ausschließlich auf neueste Technik und innovative

Untersuchungsmethoden. So ermöglicht der Einsatz

moderner 3 Tesla-MRT-Technik das gesamte Spektrum der

MRT-Diagnostik – von der hochaufgelösten orthopädischen

Bildgebung über die dynamische Untersuchung der inneren

Organe bis zur Diagnostik von Brust und Prostata. Selbst

komplexere Untersuchungen, wie die Abklärung neurologischer

Fragestellungen und Ganzkörperuntersuchungen,

sind optimal umzusetzen. Am Computertomographen

sind zudem internistischonkologische,

neurologische und orthopädische

Bildgebung sowie kardiologische

Koronarkalkmessungen möglich. Privatdozent

Dr. med. Sven Thieme, der seit 2018

im Team ist, erläutert: „Die bestmögliche,

präzise auf die Fragestellung abgestimmte

Untersuchung mit schonenden Methoden

ist uns ebenso wichtig wie die enge, vertrauensvolle

Zusammenarbeit mit unseren Kollegen

aus Klinik und Praxis.“


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Führend beim Einsatz künstlicher Intelligenz

Eine weitere Besonderheit bietet DIE RADIOLOGIE Starnberg

mit dem Einsatz und der Entwicklung von künstlicher

Intelligenz (KI) bei der Befundung als optimale Ergänzung zu

der Erfahrung des Mediziners: „Mit Hilfe der KI können mit

dem menschlichen Auge gar nicht wahrnehmbare Veränderungen

trotzdem nachgewiesen werden“, erläutert Prof. Notohamiprodjo,

der die Erprobung neuer Methoden aus seiner

Zeit als langjährig leitender Oberarzt an der Universitätsklinik

Tübingen mit nach Starnberg gebracht hat. DIE RADIOLOGIE

ist eine der bundesweit führenden radiologischen Einrichtungen

hinsichtlich Entwicklung, Erprobung und Integration von

klinisch relevanten KI-Lösungen. „Die KI ersetzt auf absehbare

Zeit keinesfalls den Radiologen. Der Arzt trifft immer die

endgültige Diagnose und das wird auch noch lange so bleiben.

Künstliche Intelligenz kann den Arzt aber effektiv unterstützen

und ermöglicht in immer komplexeren Krankheitsbildern

noch genauere Diagnosen, zum Beispiel bei der Erkennung

von kleinsten Veränderungen des Gehirns und der Lunge."

Wertvolles gehört in gute Hände

Bei aller Technik werden Menschlichkeit und individuelle

Versorgung bei DIE RADIOLOGIE nicht vergessen. „Die

Gesundheit und das Wohlergehen unserer Patienten sind kostbar

und stehen für uns immer an erster Stelle. Wir orientieren

uns ganz an den Bedürfnissen unserer Patienten und nehmen

uns Zeit, Untersuchungen genau auf den jeweiligen Patienten

anzupassen, unseren Patienten ihren Befund zu erklären und

ihnen so auch mögliche Ängste zu nehmen.“ Auch Serviceleistungen,

wie eine zeitnahe Terminvergabe, verlängerte Öffnungszeiten

und eine angenehme Atmosphäre mit einfühlsamer

Betreuung sind bei DIE RADIOLOGIE Starnberg

selbstverständlich. „Die Patienten erleben bei ihrem gesamten

Praxisbesuch ein freundliches, kompetentes Team in einem

ansprechenden Umfeld. Wir möchten die Fragen der Patienten

vertrauensvoll beantworten und so für mehr Klarheit sorgen.

Mit der exakten Diagnose liefern wir die Grundlage für

optimal angepasste Behandlungsmöglichkeiten“, verdeutlicht

Prof. Notohamiprodjo.

»Wir sehen uns als beratende

Partner auf Augenhöhe.«

Prof. Dr. med. Mike Notohamiprodjo

DIE RADIOLOGIE bietet Ihnen in Starnberg

3T-Hightech Kernspintomographie (halboffen)

und Computertomographie für die

• Bildgebung des Bewegungsapparates

• Bildgebung der Bauchorgane

• Onkologische Diagnostik

• Neurologische Diagnostik

• MRT-Brust- und Prostatadiagnostik

• Kardiologische Koronarkalkmessungen

• Früherkennung

DIE RADIOLOGIE Starnberg

Berger Str. 8-10

82319 Starnberg

Tel. 08151 650 660

www.die-radiologie-starnberg.de


SeeMensch

„Theater

vermisse ich

momentan

sehr“

Für die deutsche TV-Landschaft ist der vielseitige

Schauspieler Felix Klare ein Glücksfall. Dabei

fand er eher spontan (und mithilfe des

Berufsbildungszentrums!) zu seiner Bestimmung.

Ein Gespräch über die Arbeit, Familie

und sein neues Zuhause am Ammersee

INTERVIEW

FOTOS

SANDRA DJAJADISASTRA

CONSTANTIN MIRBACH

32


Felix Klare liebt den Blick

über den See. Normalerweise

paddelt er mit dem

SUP-Board übers Wasser.

Das E-Boot gehört nicht

ihm – er steuert es uns

zuliebe fürs Foto


SeeMensch

Das Wetter könnte nicht besser sein.

Es ist einer dieser unerwartet schönen

Tage in der Vorsaison, an denen die Sonne den See in

ein seidiges Licht taucht. Felix Klare kommt mit einem

E-Lastenbike entspannt zum Interview geradelt. Seit

2018 lebt der 42-Jährige mit Ehefrau Zora Thiessen und

den gemeinsamen vier Kindern – zwei Mädchen und zwei

Jungs im Alter von sechs bis 18 Jahren – am Ammersee.

Es ist warm genug, dass wir das Gespräch im Freien

führen können. Nicht unerheblich, denn die Nachrichten

melden hohe Inzidenzwerte. Nach wie vor gelten strenge

Kontaktbeschränkungen. Schulen schließen oder öffnen,

Läden schließen oder öffnen. Die Gastronomie kämpft,

Theater, Kinos und Museen bleiben zu. Kurz: Viele sind

pandemiemüde, verunsichert und genervt. Auch Felix

Klare. Er findet, dass wir bessere Konzepte für die

Zukunft brauchen.

Fernsehzuschauer kennen Sie unter anderem als „Tatort“-

Kommissar im Team Stuttgart sowie aus Primetime-

Filmen wie „Unschuldig“. Vor Kurzem haben Sie eine

Miniserie abgedreht, in der Sie – salopp formuliert – die

Seiten wechseln: Sie spielen einen Frauenmörder.

Ja, und diese Rolle hat, ehrlich gesagt, total Spaß gemacht.

Weil sie so extrem war. So etwas findet man selten im

Film, eher im Theater, wo ich herkomme.

Was ist so anders am Theaterschauspielen?

Oh, die Unterschiede sind groß. Theater ist live. Man

ist physisch anwesend: in der Realität, auf der Bühne.

Aber es kann behauptet werden, man befinde sich auf

dem Mond. Ich habe die ersten zehn Jahre Theater gemacht.

Ich vermisse es momentan sehr!

Dabei sind Sie eher zufällig Schauspieler geworden.

Stimmt, dabei hat mir entscheidend das Berufsinformationszentrum

in München geholfen. Weil ich nicht

wusste, was ich machen sollte, habe ich mich dort beraten

lassen und zwei, drei Stunden in Ordnern geblättert, in

denen Berufe erklärt wurden. Als ich bei S wie Schauspiel

ankam, hatte ich den Eindruck: Alles, was du vorher gelesen

hast, steckt hier mit drin. Ich muss mich nicht für

eine Sache entscheiden, sondern kann von allem ein bisschen

machen. Das war ein großes Plus für diese Sparte.

Wie sind Sie weiter vorgegangen?

Ich habe mich bei den fünf Schauspielschulen beworben,

die im Ordner aufgelistet waren. Es gibt ja deutlich

mehr, aber das wusste ich nicht. Ich war diesbezüglich

einfach sehr naiv mit 19. Ich habe ein paar Stunden

Schauspielunterricht genommen, und dann hat es ganz

schön schnell mit der Ernst-Busch-Schule in Berlin geklappt.

Mein erster Schauspiellehrer ist übrigens viele

Jahre später mein Trauzeuge geworden.

»Ich mag den feinfühligen

Humor eines

Loriot oder Gerhard

Polt – so etwas würde

ich gerne machen«

Felix Klare

Ihre Frau Zora Thiessen ist ebenfalls Schauspielerin. In

dem ARD-Scheidungsdrama „Weil du mir gehörst“, für das

Sie 2020 den Bayerischen Fernsehpreis erhielten, spielt sie

in einer Nebenrolle. Besprechen Sie Drehbücher mit ihr?

Tatsächlich früher mehr als jetzt. Aber ja: Ich erzähle

meiner Frau von den Themen und frage sie nach ihrer Meinung.

Gerade wenn ich unsicher bin.

Wie viele Filmangebote beziehungsweise Drehbücher

haben Sie aktuell auf dem Tisch?

Derzeit sind es schönerweise, aber auch untypischerweise

viele: drei Serien, zwei Filme und ein neuer „Tatort“.

Es hat sicher mit Corona zu tun, dass sich so viel aufstaut.

Lesen Sie Drehbücher quer?

Nein, das habe ich mal probiert, das funktioniert

nicht. Ich muss jedes Drehbuch step by step lesen. Am

liebsten auch in Händen halten. Auf dem Computer oder

Tablet lese ich nur sehr ungern – ich bin kein Freund von

Technik, war ich noch nie. Das erste Lesen ist für mich fast

das entscheidendste, ich bringe dabei sofort meine ersten

Impulse zu Papier. Etwa: „Hier muss etwas anderes

passieren“ oder „Diesen Satz würde ich ganz anders

sagen“. Ich mache Fragezeichen, wenn ich etwas nicht

verstehe. Deshalb dauert das erste Lesen wirklich lange.

Konkret?

Ich sitze an einem Drehbuch zu einem 90-minütigen

Film drei bis vier Stunden. Beim zweiten Lesen gehe ich,

wenn es mich interessiert, nochmals länger rein.

In einem Interview sagten Sie mal, dass Sie sehr gerne Komödien

spielen würden.

Das stimmt. Sie waren an der Schauspielschule mein

Steckenpferd. Ich hoffe, dass das immer noch so ist. Aber

dafür wurde ich bisher fast noch nie besetzt.

Wie erklären Sie sich das?

Vielleicht liegt es daran, dass es hierzulande nicht viele

wirklich gute Komödien gibt, wie ich finde. Komödie ist

eines der schwierigsten Genres. Es gibt zwar viele kommerzielle

Schenkelklopfer mit „geschriebenen“ Gags, aber die

funktionieren für mich nicht.

34


SeeMensch

35


SeeMensch

Felix Klare lässt sich ungern auf eine Rolle festlegen.

Es ist ihm wichtig, nicht nur als „Tatort“-Kommissar

wahrgenommen zu werden. Bald ist er übrigens als

Serienkiller in einer Miniserie des MDR zu sehen

36


SeeMensch

Vor fünf Jahren kauften Felix Klare und seine

Frau Zora Thiessen einen Bungalow am

Ammersee, den sie zum Großteil selbst renovierten.

Dabei half Klare, dass er ein Berufsgrundschuljahr

als Schreiner absolviert

hat, bevor er auf die Schauspielschule ging

37


SeeMensch

Welche Komödien mögen Sie?

Die von Loriot oder Gerhard Polt, sie haben einen sehr

feinfühligen Humor. So etwas würde ich sehr gerne machen.

Komisches muss aus der Situation entstehen, aus

dem genauen Beobachten, das Timing ist sehr wichtig.

Gute komödiantische Schauspielerinnen und Schauspieler

sind übrigens oft auch richtig gute dramatische Charakterdarstellerinnen

und -darsteller.

Ihre vier Kinder sind zwischen sechs und 18 Jahre alt.

Wofür gelten Sie innerhalb der Familie als Experte?

Wenn ich zu Hause bin, muss ich ganz normal mit anpacken:

einkaufen, Essen machen, beim Homeschooling

helfen, Gespräche führen, spielen, das ganze Programm.

Unser Ältester ist fast schon ausgezogen. Er hat in München

ein Zimmer, kommt aber jedes Wochenende nach

Hause. Wenn der Älteste weg ist und Nummer zwei an die

erste Position rückt, ändert sich etwas im Gefüge. Da gibt

es übrigens eine sehr interessante Buchempfehlung:

„Brüder und Schwestern, Geburtenfolge als Schicksal“

von Karl König. Habe ich schon öfter verschenkt.

Welche Bücher verschenken Sie sonst noch gerne?

Meistens ein Buch, das ich aktuell lese, damit ich mit

dem Beschenkten darüber reden kann. Ich bin ansonsten

ein großer Fan von Haruki Murakami, ich mag die mystischen

Ebenen seiner Romane. Ich habe fast alle gelesen.

Wissen Sie auch, was Ihre Frau gerade liest?

Ja, ich habe ihr „Ungezähmt“ von Glennon Doyle geschenkt,

es war die Empfehlung einer Freundin. Kein Roman,

sondern die Lebensgeschichte einer Frau, die sich

von gesellschaftlichen Zwängen befreit.

Die Pandemie bestimmt seit mehr als einem Jahr unser

Leben. Wie haben Sie die vergangenen Monate erlebt?

Ich bin eigentlich nur froh, dass wir jetzt auf dem

Land wohnen. Das hat sehr viel ausgemacht. Da gibt es

ganz andere Schicksale. Menschen, die sich trennen. Menschen,

bei denen es zu Hause drunter und drüber geht. Das

Verhältnis von Regeln und Maßnahmen zu dieser Krankheit

ist aktuell völlig aus dem Gleichgewicht geraten. Nur

ein Beispiel: Vor einem guten Jahr hat man gesagt „Die

Schüler schwänzen freitags Schule und gehen für die Umwelt

und ihre Zukunft auf die Straße und demonstrieren.

Das geht ja gar nicht.“ Haben ein Herr Söder und Konsorten

gesagt. Und was passiert gerade? Letztlich geht diese

ganze Situation wieder auf Kosten der Ärmsten und der

Kinder. Da bin ich schon ziemlich sauer.

Was erhoffen Sie sich von der Politik?

Dass sich nach Corona etwas grundlegend ändern

muss, ist doch eigentlich logisch. Weil: Wenn ich krank bin

und mit Ach und Krach wieder gesunde, werde ich mein

Verhalten, welches zu dieser Krankheit geführt hat, sehr

genau anschauen und dann ändern, damit mir das nicht

wieder passiert. Sonst kommt doch die Krankheit entweder

genauso oder in veränderter Form wieder. Wenn man dies

auf die Weltbevölkerung, die am Coronavirus leidet,

bezieht, sollten wir dann zum Beispiel weiterhin Tiere in

Massen töten und Fleisch essen? Wie sieht es mit unserer

Umwelt aus? Wir können und dürfen nicht weitermachen

wie bisher. Es gibt übrigens keine einzige Partei, die vor der

Bundestagswahl über den aktuellen Tellerrand hinausguckt.

Die eine Prognose gibt, wie unsere Welt in zwei, drei,

fünf Jahren aussehen könnte – nach dieser Pandemie.

Was hat Sie eigentlich an den Ammersee verschlagen?

Wir haben in München schön gewohnt, mit Garten sogar,

allerdings zur Miete. Wir wollten etwas kaufen, aber in

der Stadt war das pervers teuer. Dann kam uns 2016 dieser

kernsanierungsbedürftige Bungalow am Ammersee entgegengeflattert.

Es gab einiges zu tun und ich habe sehr

viel selber gemacht. Meine Frau und ich haben uns mit

dem Umbau bewusst Zeit gelassen, damit es später nicht

heißt: Tschüss, war total stressig, ich gehe jetzt meinen

Weg und du deinen. Das gibt es ja auch, und das wollten

wir vermeiden (lacht). Ende 2018 sind wir eingezogen

und bis auf die Terrasse, die ich diesen Sommer noch

baue, ist es eigentlich fertig.

Was lieben Sie am Ammersee?

Die Natur ist einfach gigantisch. Ich wohne nur ein

paar Minuten vom Wasser weg und ich genieße diesen

weiten Blick über den See. Er ist so schön beruhigend.

Wann ist der erste Zeitpunkt im Jahr, an dem Sie ins

Wasser springen?

Eisbaden war ich dieses Jahr schon. Vielmehr: Eistunken.

Im Januar, als es richtig kalt war. Mit Daunenjacke,

Mütze und Wärmflasche am Ufer. Ich habe das noch ein-,

zweimal wiederholt, meine Kinder sogar öfter.

Sind Sie schon mal zu weit draußen gewesen?

Ja, beim Stand-up-Paddling.

Wenn Freunde zu Besuch kommen, was zeigen Sie ihnen

vom See?

Wir schnappen uns Fahrräder und radeln am Ufer

entlang – ich liebe das.

Felix Klare wurde am 12. Oktober 1978 in Heidelberg geboren und

ist in Bayern aufgewachsen. Seine Eltern (beide Ärzte) waren 1974

mit seinen drei älteren Geschwistern aus der DDR in den Westen

geflohen. Nach seiner Ausbildung an der Ernst-Busch-Schauspielschule

in Berlin arbeitete Klare u. a. am Hamburger Schauspielhaus,

Berliner Ensemble, Maxim-Gorki-Theater in Berlin, Münchner Residenztheater

und an den Kammerspielen. Seit 2008 ist er mit Schauspielkollege

Richy Müller im Stuttgarter „Tatort“ zu sehen. Als er

die Rolle im Alter von 28 Jahren übernahm, war er der jüngste „Tatort“-Kommissar

überhaupt. Dabei hatte er noch nie einen „Tatort“

gesehen, er besaß zu dieser Zeit nicht einmal einen Fernseher.

38


SeeMensch

»Zu Hause muss ich ganz

normal mit anpacken:

einkaufen, Essen

machen, Homeschooling,

spielen, zuhören«

Felix Klare

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SeeMensch

Ganz links: Iffeldorf, an Tag vier der großen Reise. Danach ist Esel Jonny ganz

schön rumgekommen: Er ist mit Frauchen Lotta über die Alpen (am Glockenturm

im Reschensee vorbei) bis nach Venedig getrottet sowie – bei einer späteren Tour

– in Andalusien über den Strand von Valdevaqueros und Punta Paloma spaziert

JONNY GIBT DAS

TEMPO VOR

Wandert man vom Starnberger See immer Richtung

Süden, landet man früher oder später am Mittelmeer.

Wie lange das dauert? Hängt vom Esel ab!

TEXT

KARIN LOCHNER

Die Julisonne brennt. Immer wieder

muss das wundersame Wanderduo

eine Pause im Schatten einlegen. Der Schotterweg schlängelt

sich durch das tiefe Tal parallel zur Loisach. In der Ferne

erhebt sich die Bergkette mit der Zugspitze, davor offene

Felder mit Scheunen und Geräteschuppen, klein wie Spielzeughäuschen.

Dort übernachten die beiden am liebsten:

Lotta, Schauspielerin von Beruf, und Jonny, ein Esel wie aus

dem Bilderbuch.

Hat Lotta einen Platz gefunden, wo sie mit dem Segen

des Bauern übernachten dürfen, nimmt sie Jonny die Packtaschen

ab – jeder von beiden trägt 20 Prozent des eigenen

Körpergewichts. Mit vier Pfosten und einem Band steckt sie

das Lager für die Nacht ab, versorgt Jonny mit einer Ladung

sonnenwarmem Heu und baut anschließend ihr Zelt auf.

Fünf, sechs Stunden Tagesmarsch haben die beiden hinter

sich, nie laufen sie länger. „Wir wollten keinen Rekord aufstellen,

sondern einfach die Zeit genießen“, erklärt Lotta

und krault Jonny. 80 Tage werden sie unterwegs sein, bis sie

von Percha aus die Adriaküste erreichen. Wie kommt man

auf die Idee, mit einem Esel auf eine solche Reise zu gehen?

Dies ist die Geschichte eines Kindheitstraums, und es

geht ihr ein Verlust voraus.

2013 macht Lotta Abitur, 2017 schließt sie die Schauspielschule

ab. Schon währenddessen nimmt sie Aufträge

für Werbevideos und kleinere Rollen beim „Tatort“ und der

BR-Serie „Dahoam is Dahoam“ an. Oft sagt sie sich: „Wenn

es passt, ziehe ich mit Esel los.“ Doch wann passt es schon?

Erst als ihr Vater an Krebs erkrankt und kurz darauf stirbt,

wird ihr klar, dass man Träume nicht auf die lange Bank

schieben darf. Eigentlich war es sein Lebenstraum gewesen,

mit einem Traktor und Zirkuswagen zu reisen.

Fotos: Lotta Lubkoll

40


SeeMensch

41


Großes Foto unten: Pause

am Caldonazzosee.

Jonny liebt Ohrenmassagen

– was man daran

erkennt, dass er seinen

Hals lang macht, die Unterlippe

schlapp hängen

lässt und die Augen

schließt. „Sein Genießerblick“,

so Lotta

Bild rechts: Kurz vorm

Ziel (das Meer bei Chioggia)

müssen sie noch

eine Hürde nehmen: Unter

einem Bahngleis ist

der Weg knöcheltief mit

Wasser gefüllt. Eine Alternative

gibt es nicht.

Die Sonnenspiegelung

und das Nass sind Jonny

unheimlich, er bockt

„Wir schleppen viel zu viel Ballast mit uns herum. Unterwegs

wurde mir klar: Je mehr ich von diesem Ballast abwerfe,

desto freier fühle ich mich“, erzählt Lotta. „Was ich im Leben

brauche? Ein Bett, ein Bad, eine warme Dusche, fließend

Wasser, eine Küche und Strom sind purer Luxus. Es ist toll,

diese Dinge wieder schätzen zu lernen.“ Um Wünsche zu verwirklichen,

muss man die Komfortzone verlassen, da ist sich

Lotta sicher. Sie hat Jonny über Ebay Kleinanzeigen bei einem

Berliner Pferdehändler gefunden und einige Monate in

einem Hof am Ostufer des Starnberger Sees untergebracht,

bevor sie im Sommer 2018 gemeinsam losziehen. Zehn bis

15 Kilometer schaffen sie pro Tag, nach 600 Kilometern erreichen

sie ihr Ziel: das Meer südlich von Chioggia. Doch statt

vor Freude herumzuhüpfen – sie hatten es tatsächlich geschafft!

–, steht Lotta an diesem Morgen still am Strand von

Sottomarina. Sie muss an ihren Vater denken: „Wenn er uns

jetzt sehen könnte.“

Natürlich hätte Lotta mit einer Freundin reisen können

oder mit ihrem Freund, aber sie wollte allein sein. Singen,

tanzen, lachen und um ihren Vater weinen, ohne sich erklären

zu müssen. Außerdem: Lotta kann selten still sitzen. Ein

Esel dagegen hat ein sanftes Gemüt, ist kaum aus der Ruhe

zu bringen. Jonny zwingt Lotta dazu, den Moment bewusst

zu erleben. Zu spüren, was ihr guttut. „Andere Menschen

meditieren oder machen Yoga“, sagt Lotta. „Ich gehe mit

Jonny im Wald spazieren.“

Über Ländergrenzen zu laufen, war jedes Mal ein

„Wahnsinnsgefühl“. Vor allem aber sind es die vielen Begegnungen,

die unvergesslich bleiben, die Hilfsbereitschaft

und Warmherzigkeit, die man ihr entgegenbringt. Etwa

am Reschenpass in Tirol: Lotta fühlt sich mit ihrer Kraft

am Ende, sie glaubt, den Pass nicht bewältigen zu können,

und will gerade einen Transporter bestellen, da zeigt ihr

Fotos: Lotta Lubkoll, Stefan Hober

42


SeeMensch

ein Einheimischer einen alten Schmugglerweg, der auch

für Esel geeignet ist. Einmal durfte Jonny bei einer Familie

im Vinschgau, die ihnen einen Schlafplatz anbot, ins Haus.

Er stolzierte in Küche und Wohnzimmer herum: „Wie bei

Pippi Langstrumpf!“ Oft kamen Menschen auf sie zu, um

ihr Kuchen, eine Wassermelone, eine Cola zu schenken.

Für Jonny gab es altes Brot und Möhren. Ein italienischer

Sender berichtete über sie, sie wurde eine lokale Berühmtheit

und kurz vor Ende ihrer Reise in etlichen Dörfern erwartet.

Einmal dankte ihr ein junger Mann: Er habe seine

Eltern schon lange nicht mehr so herzlich lachen sehen wie

mit ihr. Um die Momente festzuhalten und mit anderen zu

teilen, schreibt und filmt Lotta während der Reise. Esel Jonny

hat deshalb weit über 3000 Follower auf Instagram, sie

selbst – als Lotta Langstrumpf – knapp die Hälfte.

Was hat sie in dieser Zeit gelernt? „Gelassenheit und Geduld“,

erklärt sie. „An keinem Tag wusste ich, was hinter der

nächsten Kurve liegt, wo wir Wasser oder etwas zu essen bekommen,

wie weit wir laufen und wo wir schlafen würden.

Trotzdem hat es immer funktioniert.“

Nach ihrer Rückkehr – Lotta und Jonny wurden von ihrer

Familie mit dem Pferdeanhänger in Italien abgeholt – beginnt

sie eine Ausbildung zur Survival-Trainerin, sie leitet

heute als Erlebnispädagogin Ferienfreizeiten für machteuchschmutzig.de

in München und bei Starnberg, wo sogar

Esel Jonny dabei sein darf. „Mit Kindern draußen im Wald

ein Tipi zu bauen, die Natur besser kennenzulernen und mit

Jonny auf Entdeckungstour zu gehen, macht mir genauso viel

Freude wie den Kids“, lacht Lotta. Sie ist noch einmal mit Jonny

los, hat einen Winter in Portugal und Spanien verbracht

(„Das Klima ist für Esel angenehmer, und er liebt es, sich am

Strand im Sand zu wälzen“) – weitere Touren werden sicher

folgen. „Die Entscheidung, mit Jonny wandern zu gehen, war

absolut richtig. Es war die unglaublichste Reise meines Lebens

und ich bin dankbar für jeden Augenblick.“

Lotta Lubkoll hat ein Buch über ihre

Erlebnisse geschrieben: „Wandern, Glück

und lange Ohren“ (Malik Verlag, 17 Euro).

Kurz nach Erscheinen im März landete es

bereits auf der „Spiegel“-Bestsellerliste.

Mehr über Lottas Abenteuer und Arbeit

findet man auch auf eseljonny.de


Wir suchen uns den besten

Friseur, die beste Kosmetikerin,

den besten Zahnarzt. Sind wir

unzufrieden, wird eben gewechselt.

Bei einer ästhetisch-medizinischen

Korrektur, ganz besonders bei

einem Facelift, haben wir nur

einmal die Wahl. Umso höher ist das

Anforderungsprofil des Operateurs.

Mit Recht erwarten wir: vollendete

Kunstfertigkeit, präzise Technik,

Respekt für unsere Individualität,

einen untrüglichen Sinn für Ästhetik

und die Expertise größtmöglicher

Erfahrung. Schließlich geht es

um unser höchstes Gut – unseren

gesunden Körper.

DR. SCHRANK, SCHINDLBECK-KLINIK HERRSCHING

Verantwortungsvolle Kunst

Talent, Streben nach Perfektion, Leidenschaft, Können:

Genau dafür steht Dr. Christian Schrank seit

Jahrzehnten. Zusammen mit Dr. Yoram Levy arbeitete er

viele Jahre wissenschaftlich und praktisch kongenial

zusammen. Als Team haben sie einzigartig positive Zahlen

und Ergebnisse vorzuweisen. Dr. Yoram Levy, Facharzt für

Chirurgie und Plastische Chirurgie, hat die hoch entwickelte

Technik des Face-Neck-Lifts mit dynamischem

SMAS (Superficial Musculoaponeurotic System) nach

Deutschland gebracht und hier zur Vollendung geführt.

Dr. Christian Schrank, seit 20 Jahren in der Plastischen

und Ästhetischen Chirurgie tätig, leitet die Sektion Face-

Neck-Lift der Gesellschaft für Ästhetische Chirurgie, gibt

Operationskurse und ermöglicht die Weiterbildung für

Fachärzte in der eigenen Abteilung.

Seit seinen Assistenzarztjahren liebt er die medizinische

Fachrichtung, die er gewählt hat: „Mich begeistern das

ungeheuer breite Spektrum, das die Plastische Chirurgie

bietet, und die Möglichkeit, in der Ästhetischen Chirurgie

kreativ sein zu können. Gleichzeitig besteht die besondere

Herausforderung darin, dass unsere Ergebnisse natürlich

und unoperiert aussehen sollen und eine ästhetische Harmonie

des Erscheinungsbildes ergeben.

Dr. Schrank praktiziert in der renommierten Schindlbeck-

Klinik in Herrsching am Ammersee. In der Praxis erleben

Patienten modernste Medizin in einem stilvoll

funktionalen Ambiente. Die Behandlung verläuft nach

höchsten professionellen Maßstäben, die Atmosphäre ist

geprägt von menschlicher Wärme, fürsorglichem Service

und absoluter Diskretion. Angeboten wird das gesamte

Spektrum der gesichts- und körperformenden Maßnahmen

wie Stirn-Brauen-Lift oder Face-Neck-Lift, Augenlid-,

Nasen-, Kinn- und Ohrenkorrekturen sowie die sogenannten

nichtinvasiven Techniken mit Botulinum toxin A

(Botox), Eigenfett und Fillern. Weiter Brustvergrößerung,

-verkleinerung und -straffung, Bauch-, Oberschenkel-,

Oberarm- und Gesäßstraffung, Fettabsaugung (Liposuktion)

und Hautoberflächenkorrektur.

Dr. Schranks ausgewiesener Schwerpunkt ist das Face-

Neck-Lift mit dynamischem SMAS – eine State-of-the-Art-

Methode, die von den führenden Plastischen Chirurgen der

westlichen Welt angewandt wird. Für Dr. Schrank die beste

Operationstechnik: „Es ist ein Irrglaube, dass es bei einem

Facelift darum geht, die Haut zu straffen. Die Spannung von

der Oberfläche auf die Tiefe zu übertragen, das ist die Kunst.

Wir heben die abgesunkenen und erschlafften Areale des

Gesichts. Die Haut wird nur angepasst.“

Ein gelungenes Facelift verändert also nicht die Textur und

Spannkraft der Haut, sondern korrigiert die erschlafften

Strukturen darunter. Ziel ist das frisch, erholt, natürlich

schön – und vor allem unoperiert aussehende Gesicht. „Wir

wollen Frauen hübscher und Männer attraktiver machen,

Foto: Markus Gmeiner


Anzeige

ohne sie zu verändern. Es geht darum, die Individualität

eines Menschen zu bewahren, die Harmonie wiederherzustellen,

die Natur möglichst ideal zu imitieren“, so der Spezialist.

Daran, dass nichtinvasive Techniken ein Facelift ersetzen

können, glaubt er nicht. „Selbstverständlich arbeiten wir

auch mit Botox, Hyaluronsäure-Fillern und Eigenfett-Injektionen.

Wir setzen diese Techniken aber insbesondere für die

Verfeinerung unserer OP-Ergebnisse ein“, erklärt der Facharzt.

Die Facelift-Operation ist dank modernster Anästhesiemethoden

weitgehend schmerzfrei und wird in Dämmerschlafnarkose

ausgeführt. Ein bis zwei Tage Klinikaufenthalt

genügen, danach sollte man noch drei bis sechs Wochen auf

Sport und Sonne verzichten.

Die Gespräche vor einem Eingriff verlaufen entspannt und

sind so ausführlich, wie es dem Thema angemessen ist. „Wir

versuchen objektiv, individuell, aber auch auf der Basis unseres

Schönheitssinns zu beraten. Den muss ein Plastisch-

Ästhetischer Chirurg einfach haben“, sagt Dr. Schrank.

Wann und ob der richtige Zeitpunkt für ein Facelift oder eine

andere ästhetische Korrektur gekommen ist, sollte jeder

Mensch für sich selbst und in Einklang mit dem behandelnden

Plastischen Chirurgen entscheiden. Meist spürt der Patient

die größer werdende Diskrepanz zwischen dem gefühlten

Alter und dem äußeren Erscheinungsbild.

Die meisten Patienten fangen ab der fünften Lebensdekade

an, diese Unstimmigkeit zu spüren. Da das Gesicht durch das

Face-Neck-Lift mit dynamischem SMAS ein inneres Stützkorsett

erhält, ist die optische Verjüngung in der Regel haltbar.

Anders als bei minimal angepriesenen Eingriffen, wie

zum Beispiel Fadenliftings, Volumenunterspritzungen oder

den sogenannten Vampirlifts. „Diese sogenannten ‚neuen‘

Techniken, sollen dem Patienten eine kurze Rekonvaleszenzzeit

vermitteln“, warnt der Experte. „Da die meisten hoffen,

mit minimalem Aufwand ein maximales Ergebnis zu

erhalten, fallen sie darauf herein und sind später enttäuscht.

Es kommt öfters zu Verziehungen, gestrafftem, maskenhaftem

Aussehen und unnatürlich ‚fratzenhafter‘ Mimik“, klärt

er weiter auf.

Ein optimales Ergebnis kann nur durch einen individuell

angepassten Eingriff gewährleistet werden, der nun mal größeren

Aufwand erfordert. „Ich glaube, wir schulden den

Patienten nicht nur Aufmerksamkeit und Einfühlungsvermögen,

sondern auch die Verpflichtung, ihnen als Ratgeber

auf Augenhöhe entgegenzutreten“, schließt Dr. Schrank ab.

DR. SCHRANK

SCHINDLBECK-KLINIK HERRSCHING

Seestraße 43

82211 Herrsching

Tel. 08152 291 50

info@dr-schrank.de,

info@levy-schrank.com

www.dr-schrank.de

Dr. Yoram Levy und

Dr. Christian Schrank

verbindet die langjährige

Erfahrung in der

Plastischen und Ästhetischen

Chirurgie


SeeTipps

1b

STARNBERG

SEEZAUBER

Mit klarem Wasser und schöner

Bergkulisse begeistert der Starnberger

See Gäste wie Einheimische immer wieder.

Vielleicht tragen aber auch diese

Tipps ein kleines bisschen dazu bei?

WIELING

8

6c

3a

3c

MAISING

6b 5

PÖCKING

FELDAFING

6d

BERG

7

1 FLOTT UNTERWEGS

a Ob mit Kind, Hund oder Picknick-Equipment: Auf dem

Lastenrad geht’s schnell und kultig um den See. Hübsche

elektrische Modelle verleiht Velo Bavaria in St. Heinrich.

Auch die Bike-Lieferung an den Wunschort ist möglich!

www.velo-bavaria.de

b Einen kostenlosen Afterwork-Trailride für Anfänger

und Fortgeschrittene bietet das Radhaus Starnberg: Jeden

Mittwochabend geht es für zwei Stunden aufs Bike. Treffpunkt

ist die Filiale Stockdorf. Nach Absprache wird alle

zwei Wochen auch ein Repair Workshop veranstaltet.

Instagram: @radhausstarnberg

2 SCHICKE SCHUHE

Mit einer weißen Vespa fing es an: Nachdem

Sophia Wimmer ihr Geburtstagsgeschenk

mit bunten Motiven pimpte, „fuhr“ sie

mit Turnschuhen fort. Heute verkauft die

18-Jährige selbst dekorierte Sneaker und

zaubert ziemlich abgefahrene Designs.

www.sosostaysunique.com

TUTZING

3b

BERNRIED

6a

SEESHAUPT

4

AMMERLAND

2

SEEHEIM

AMBACH

1a

9

MÜNSING

3 SCHÖNER LERNEN

a Selbst kreativ werden und eine Skulptur gestalten

– vom Steinrohling bis zur fertigen Figur – ist das Ziel

beim Bildhauerkurs in Wieling vom 10.–17. Juli 2021.

www.scultura.eu/kursangebote/starnberger-see

b Das Kloster Bernried in idyllischer Lage direkt

am See bietet mit seinen Seminaren wie „Meditativer

Tanz “ oder „Auszeit mit Musik“ die perfekte

Umgebung, um sich künstlerisch zu entspannen.

www.bildungshaus-bernried.de

c Bei den „Walk n draw“-Sessions von Künstler

Michael Darling geht es zu Fuß durch die Maisinger

Schlucht und um den Starnberger See. Dabei verwandeln

Teilnehmer die eindrucksvolle Kulisse in kleine

Kunstwerke. Anmeldung vorab per Mail.

www.sketchclub-munich.de

4 ECHT KNACKIG

Köstlich und sagenhaft crunchy: Die Bionüsse der 2Die4-

Partner Agni Thalgott aus Berg und Filip Good aus

Ammerland werden nicht geröstet, sondern aktiviert und

dazu in Quellwasser eingelegt und schonend getrocknet.

Im Sommer zieht ihre Produktion von Niederbayern nach

Königsdorf um. Eine Auswahl der feinen Nüsse haben der

„Loth Hof Laden“ und „Mein Lieber Schwan“ in Münsing.

www.2die4livefoods.com

5 FRISCH GERÄUCHERT

Fischwirtschaftsmeister Ludwig Erhard zeigt, wie

man Renken und Forellen professionell räuchert. Beim

Workshop in der Fischerei „Zum Fischer Sepp“ in Possenhofen

erlernt man das traditionelle Handwerk und

lauscht spannenden Geschichten zur Fischerei.

www.zum-fischer-sepp.de

Text: Marlene Irausek, Line Kipp; Illustrationen: Lia-Charleen Royla

46


SeeTipps

6 GENUSSGEWINN

a Jan und Lisa sind die neuen Pächter „Unserer

Dorfwirtschaft“ in Seeshaupt. In ihrem zeitgeistigen

Wirtshaus bieten sie moderne bayerische Küche,

Soulfood und ausgewählte Craftbiere an.

www.dorfwirtschaft-seeshaupt.de

b Das Gasthaus Schauer in Possenhofen erstrahlt in

neuem Glanz und ist wieder Aushängeschild für guten

Geschmack: im hellen Gastraum wie auf dem Teller.

www.gasthaus-schauer.com

c Im Ascheringer „Fairzehrstüberl“ gibt es faire

Produkte sowie hessische Currywurst vom Waldecker

Land und frisch gebackene Kuchen für auf die Hand

oder zum Verweilen im gemütlichen Ladencafé.

www.fairzehrstueberl.jimdofree.com

d Ein (Terrassen-)Platz an der Sonne bleibt das „Hotel

Schloss Berg“ am Starnberger See: Als neue Betreiber

bewahren die Augustiner-Brauerei und die Mahavi

Group mit ihrem „Strandhotel Berg“ einen beliebten

Treffpunkt für Einheimische und Ausflugsgäste.

www.strandhotel-berg.de

7 STICH FÜR STICH

Die Bergerin Sophia Fröhlich verwandelt mit

ihrer Nähmaschine Masken, Kirschtäschchen

und mehr in personalisierte Hingucker.

www.sophias-stickwerkstatt.de

8 HIPPE KLASSIKER

Das „Starnberger Brauhaus“ bleibt der klassischen Tradition

treu und braut Helles, Keller-, Weiß- und Starkbier. Geliefert

werden die „Starnberger Biere“ der jungen Privatbrauerei

bundesweit. In Feldafing ist jetzt ein neues Brauereigebäude

entstanden, um noch mehr gutes Bier zu machen.

www.starnberger-brauhaus.de

9 VITAMIN BEE

Naturkosmetik aus Bienenprodukten für jeden Hauttyp

produziert Just Bee Nice aus Münsing. Zusätzlich

unterstützt das Unternehmen den Anbau von Blühwiesen,

damit die kleinen Brummer mehr Lebensraum

und genügend Nektar zum Sammeln finden.

www.justbeenice.de

STRAHLENDE

AUSSICHTEN

Tolle Zähne, toller Sommer – dann ist auch alles

andere nur noch halb so wild!

kfo5seen.de . Kreuzstraße 22 . 82319 Starnberg . Tel. 08151/7503407 . info@kfo5seen.de


SeeMensch

Die Welt steckt

voller Wunder

Wenn es um spannende Wissensformate

für Kinder und Jugendliche

geht, führt kein Weg an Willi Weitzel

(„Willi wills wissen“) vorbei. In den

letzten 20 Jahren hat er unzählige

Sendungen, Filme und Reportagen für

Fernsehen und Kino gedreht.

Ein Entdeckertreffen nahe seinem

Wohnort Herrsching am Ammersee

INTERVIEW

FOTOS

GORDON DETELS

MICHELA MOROSINI

Pünktlicher und besser vorbereitet kann

man nicht sein. Um exakt 14 Uhr an einem

Montag Ende April biegt Willi Weitzel mit seinem Auto

auf den Parkplatz des Naturschutz- und Jugendzentrums

Wartaweil am Ammersee ein. Hier, am Ufer und im Waldstück

der zentralen Bildungseinrichtung des BUND Naturschutz

in Bayern, soll die Fotoproduktion für das SeeMagazin

stattfinden. Willi Weitzel, passend zur Umgebung in

Gummistiefeln, hat an alles gedacht. Auf dem Dach des Autos

ist sein Kanu festgezurrt, im Kofferraum warten Utensilien,

die ein echter Naturfreund braucht, auf den Einsatz:

Fernglas, Lupe, Kescher und Petrischale. Für den 48-Jährigen,

der aktuell jeden Samstag um 19 Uhr mit seiner Wissenssendung

„Gut zu Wissen“ im Bayerischen Rundfunk zu

sehen ist, sind es Alltagsgegenstände, keine Requisiten. Der

gebürtige Hesse, der als Reporter deutschland- und weltweit

unterwegs ist, liebt es, das Fünfseenland zu erkunden,

seit 2013 seine Heimat. Wann immer es geht, ist er mit seiner

Familie oder allein am und auf dem Ammersee unterwegs.

Um privat auszuleben, was er auch beruflich macht:

neugierig die Welt entdecken und erkunden.

Gibt es nach eineinhalb Jahren, in denen aufgrund von

Corona kaum andere Aktivitäten als die in der Natur

möglich waren, noch etwas am Ammersee zu entdecken

und zu bestaunen?

O ja, ich finde es erstaunlich, wie vielfältig und abwechslungsreich

die Natur je nach Jahreszeit immer wieder

ist. Man kann hier in der Dämmerung mit Glück einen

Fuchs sehen, am südlichen Zipfel des Sees Treibholz sammeln

oder an der Mündung der Ammer seltene Vögel beobachten.

Auch unsere Haustiere kommen vom See: Wir haben

unzählige Einmachgläser mit Deckeln bei uns stehen, in denen

je nach Jahreszeit Kaulquappen, Spinnen oder andere

Insekten sind, die dann wochenlang bei uns wohnen. Im

Frühling beispielsweise hatten wir Raupen, erst kürzlich ist

der letzte Schmetterling geschlüpft.

Was ist das Besondere am Ammersee?

Ich schätze an Natur im Allgemeinen, wie sie einen

zur Ruhe bringt. Hier liebe ich speziell den weiten Horizont.

Bei gutem Wetter die Alpen im Hintergrund schimmern

zu sehen, ist schon einzigartig. Was die Men-

48


SeeMensch

Am Wochenende kommen viele Balkonbesitzer. Wie

nehmen Sie das wahr?

Wir als Familie halten uns dann am Wochenende entweder

einfach vom See fern, wir haben ihn ja täglich. Oder

wir sind mit dem Kanu auf dem See. Damit findet man auch

am Samstag und Sonntag genug ruhige Stellen – und guckt

von dort aus aufs volle Ufer. Ich gönne den Tagesausflug

jedem Münchner von Herzen und bin der Letzte, der ihnen

Vorwürfe macht. Nur ein paar Bierflaschen weniger im

Wald zwischen Herrsching und Andechs von denen, die

schon vor dem Brauereibesuch vorglühen, wären schön.

Sammeln Sie die Flaschen dann ein?

Es gibt tatsächlich einiges an Müll. Darum habe ich bei

Spaziergängen meistens eine Tüte dabei und picke ihn auf.

Meine Töchter meckern schon immer: „Papa, jetzt nimm

das nicht auch noch mit!“ Wobei sie natürlich alle drei ein

Umweltbewusstsein haben. Meine 13-Jährige zum Beispiel

ist ein großer Meeresfan und hat ein Aquarium. Fisch auf

dem Teller ist da natürlich ein No-Go. Sie war auch schon in

erster Reihe bei Fridays for Future dabei. Aber noch bin ich

nicht unter Beschuss geraten, mein ökologisches Verhalten

scheint vorbildlich genug zu sein. Noch.

Würden Sie sich als Umweltschützer bezeichnen?

Nein. Ich versuche zwar durch meine Bekanntheit und

Verbindung zu Kindern, das Interesse an der kleinen, interessanten

Welt vor der Haustür zu wecken – und zu zeigen,

wie wichtig es ist, sie zu schützen. Und wir als Familie besitzen

ein Lastenfahrrad, haben ein Elektroauto angeschafft

und versehen unser Haus gerade mit Solarzellen, um Ammerseer

Sonnenstrom zu tanken. Aber ich bin in keinem

Umweltschutzverein aktiv, schätze allerdings Menschen

sehr, die sich in dem Bereich engagieren.

Fürs Fotoshooting kam Willi Weitzel extra mit dem

Familien-Kanu angereist: vor allem an ufervollen Sommer-

Wochenenden der „place to be“, um den See zu genießen

schen hier angeht, schätze ich die Mischung aus

Tradition, auch wegen des Klosters Andechs, und die

Weltoffenheit, bedingt durch die Nähe zu München.

Was genau war der Grund hierherzuziehen?

Da ich selbst in einer Kleinstadt aufgewachsen bin,

war mein Ziel immer, vor 40 von der Stadt aufs Land zu

wechseln. Vor allem wollte ich meinen Kindern das bieten,

was auch ich als kleiner Junge hatte – wenngleich

mein Naturerlebnis damals bei Weitem nicht so exklusiv

war wie das, was sie hier bekommen. Der Unterschied

zwischen der Natur hier und dem kleinen Balkon in der

Stadt ist auf jeden Fall riesig.

Dafür engagieren Sie sich quasi als unterhaltsamer

Fernsehlehrer. Ihre Zielgruppe waren von Beginn an

Kinder, für die Sie unter anderem soziale, ökologische und

Umweltthemen einfach erklärt aufbereiten. Wie kam es

dazu? Als Sie 2001 mit „Willi wills wissen“ beim Bayerischen

Rundfunk anfingen, waren Sie ja noch weit davon

entfernt, Papa zu sein.

Ich hatte große Lust aufs Fernsehen, habe es mir aber

nicht zugetraut und sah mich, geschützt hinter dem

Mikrofon, als Radiomoderator: Willi, der Morning Show

Man, sozusagen. Ich wollte unbedingt zu Bayern 3, wurde

aber zum Kinderfunk geschickt und habe dort erst ein

Praktikum gemacht, war dann lange freier Mitarbeiter.

Später, als ich an der Uni an meiner Abschlussarbeit zum

Thema Kinderfernsehen saß, kam eines Tages ein Anruf,

dass man dort wen suchen würde. Da wusste ich: Das muss

klappen, das ist schicksalhaft. So fing es an.

Kinder schauen im wahrsten Sinne aus einer anderen

Perspektive auf die Welt. Wie lernt man den Blick?

50


»Ich habe viel von

Kindern gelernt.

Angefangen beim

simplen Auf-die-

Knie-Gehen«

Willi Weitzel

Es gibt reichlich zu entdecken –

man muss nur genau hinsehen:

Mit Willi Weitzel (Reporter, Moderator,

Abenteurer, Welterforscher,

Produzent und Vater von drei

Töchtern) wird ein Spaziergang

schnell zur Expedition ins Tierreich

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In dem Fall erreichte mich ein Hilferuf von Amphibienforschern

und Zoos in Europa. Sie machten mich auf das

Amphibiensterben aufmerksam, sagten: „Wir haben tollste

Terrarien eingerichtet, aber keiner bleibt bei Fröschen oder

Salamandern stehen. Alle rennen immer nur zu Löwe, Faultier

und Co.“ So stellte ich mir die Frage, wie man das Thema

interessant verpacken könnte. Die Antwort ist ein emotionaler

und spannender Familienfilm, für den ich in Ländern

wie Bolivien, Ägypten und Panama unterwegs war. Der Film

ist ein gutes Beispiel für das, was mich immer wieder aufs

Neue an meinem Beruf reizt: sperrige Themen so simpel

und anschaulich zu erzählen, dass sie viele Menschen, in

meinem Fall Kinder, begeistern.

Welche Berufsbezeichnung würden Sie sich denn geben?

Ich sehe mich als Fürsprecher der Kinder. Und das

wiederum ist auch untrennbar mit Umweltschutz verbunden.

Denn egal, ob es das Zigarettenkippen- oder Eislöffelchen-Aufsammeln

am Ufer des Ammersees ist oder ein

Kinofilm über Frösche und Amphibienschutz: Alles hängt

zusammen und betrifft die Zukunft unserer Kinder. Ich

möchte im Rahmen meiner bescheidenen Möglichkeiten

alles dafür tun, die Erde den Kindern so gut wie möglich

zu überlassen. Sodass sie auch noch über sie staunen, in

Frieden auf ihr leben und sich an ihr erfreuen können.

Willi Weitzel sieht sich als Fürsprecher der Kinder: Er tut

alles, um ihnen eine möglichst gute Erde zu hinterlassen – dafür

sammelt er auch regelmäßig Müll am Ufer auf

Anfangs beim Radio habe ich oft mit Grundschülern

als Kinderreportern gearbeitet und voll von ihnen profitiert.

Wenn ich am Ende die Sendung zusammengeschnitten

habe, musste ich häufig feststellen: „Mist, ich habe 20 Fragen

gestellt, die Kinder sieben. Aber alle ihre Fragen waren

besser als meine.“ So habe ich viel gelernt: angefangen beim

simplen Auf-die-Knie-Gehen und die Welt aus Kinderaugen

zu betrachten. Und dann sieht die Steckdose eben aus wie

eine Schweinsnase, um mal ein simples Beispiel zu geben.

Damit wären wir wieder am Anfang: Was bestaunen Sie mit

Ihren Kindern im Sommer, wohin geht es in den Urlaub?

Ich setze erneut auf die vielen Möglichkeiten der Region

hier. Ich glaube, aktuell ist noch nicht die Zeit für große

Urlaubsreisen. Klar gibt es bei uns in der Familie Fernweh,

aber ich sehe uns eher am und auf dem Ammersee, maximal

an der Nordsee. Ich freue mich auf den Sommer!

Wie bewahrt man sich die kindliche Neugierde?

Ich weiß es nicht, bei mir bleibt sie zum Glück. Ich gebe

zu, dass ich immer schon einen sehr naiven Ansatz hatte,

auf die Welt zuzugehen. Das ist wohl genetisch bedingt. Ich

stelle eben einfache Fragen, bin keiner, der hochtrabend redet.

Wobei ich zugeben muss, dass ich mittlerweile auch von

meinen Kindern profitiere, von ihrem staunenden Blick

auch auf Details. Manchmal ärgere ich mich sogar ein bisschen,

wenn ich mit ihnen unterwegs bin und sie etwas vor

mir sehen und hinterfragen. Das spornt mich dann an.

Und wer von Ihnen hatte die Idee zu „Willi und die Wunderkröte“,

Ihrem zweiten Kinofilm, der Ende des Jahres

rauskommt?

In seinem zweiten Kinofilm „Willi und die Wunderkröte“ macht Willi

Weitzel anhand von vom Aussterben bedrohten Amphibien die Zusammenhänge

von Naturschutz und Nachhaltigkeit erfahrbar. Verpackt

ist das Tierschutzthema kindgerecht in Form einer spannenden

Geschichte, die mit der elfjährigen Luna und ihrer Oma beginnt.

Die zwei überreden Willi zu einer Forschungsreise in Sachen Frösche,

auf der er unter anderem Exemplare entdeckt, die durchsichtig sind,

Nachwuchs im Maul aufziehen oder fliegen können. Während Willis

Abwesenheit schüttet ein Bauer im Dorf den Teich zu, in dem Luna

Frösche gefunden hat – und die nun kein Zuhause mehr haben. Willi

soll Luna mit den Bildern und Geschichten von seiner Expedition nun

helfen, die Menschen vom Wert der kleinen Tiere zu überzeugen …

Infos zum Kinostart und zu weiteren Projekten von Willi Weitzel

unter williweitzel.com

Fotos: Markus Dietrich, Filmtank/Clara Metz

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Advertorial

GLASMACHER SCHULBERATUNG

Teamwork

Felix und Paul vom Starnberger See verbrachten zwei

tolle Jahre an der Bournemouth Collegiate School

an der englischen Südküste, die mit dem britischen Schulabschluss

endeten.

House. Der Housemaster

und meine Mitbewohner

dort waren

wie meine Familie.

Warum habt ihr euch für England entschieden?

Felix: Nach England ging es, weil es meiner Meinung

nach sprachlich mehr zu bieten hat als andere englischsprachige

Länder. Außerdem ist es nicht ganz so weit weg.

Was macht den englischen Schulalltag besonders?

Paul: Es ist ein ganz anderes Miteinander von Schülern

und Lehrern. In England geht es primär darum, als Team

zusammenzuarbeiten.

Welches Erlebnis hat euch dort am meisten geprägt?

Felix: Das Leben im Internat. Ich habe sehr enge

Freundschaften mit meinen Mitbewohnern geschlossen

und viel Zeit mit Sport verbracht, der auf dem Schulgelände

angeboten wird.

Paul: Ganz klar das Zusammenleben im Boarding

Wem würdet ihr eure

Schule empfehlen?

Paul: Geselligen Typen, da Gemeinschaft

großgeschrieben wird in den Internatshäusern.

Bezogen auf den Sport, lohnt sich die Schule für ältere

SchülerInnen (15+) vor allem beim Schwimmen und Tennis.

Hand aufs Herz – konnte das Essen im Internat mit der

Küche zu Hause konkurrieren?

Felix: Das Essen in der Kantine war wirklich gut! Das

ganze Personal war motiviert, gesundes und vielfältiges

Essen anzubieten. Ohne Zweifel gab es Tage, an denen es

nicht so schmeckte, aber im Großen und Ganzen war ich

positiv überrascht.

Paul: Das Küchenpersonal konnte definitiv mit dem

Humor von Papa und der Herzlichkeit von Mama mithalten.

ERFOLGREICHE

SCHULZEIT

Glückliche Kinder sind unsere Mission.

Wir kennen über 200 Internate in England

persönlich und finden gemeinsam mit

Ihnen und Ihrem Kind die richtige Schule

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Theresa und Barbara Glasmacher

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Küsse


SeeMensch

im All

Mitten im Fünfseenland liegt das Deutsche Zentrum

für Luft- und Raumfahrt: Dort wird gerade die neue

ISS-Mission „Cosmic Kiss“ vorbereitet – unter der Leitung

der Flugdirektorin Daria Margiotta. Ein Gespräch über

Kindheitsträume und den Alltag von Astronauten

INTERVIEW

ALISSA SELGE

Fotos: iStock/Scibak

Nur wenige Autominuten vom Weßlinger

See entfernt liegt das Deutsche

Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), eines der größten

Forschungszentren Deutschlands. Rund 1800 Mitarbeiter untersuchen

in Oberpfaffenhofen Zusammenhänge zwischen

Energie und Verkehr, Sicherheit und Digitalisierung – und

dem Weltall. Das DLR ist im Auftrag der Bundesregierung

für die Planung und Umsetzung der deutschen Raumfahrt

zuständig. Für Daria Margiotta, 36, ist es Alltag, Kollegen in

400 Kilometern Entfernung zu betreuen. Die gebürtige Sizilianerin,

die in Turin Luft- und Raumfahrttechnik studiert

hat, kümmert sich als Flugdirektorin um Astronauten auf

der Internationalen Raumstation ISS (International Space

Station). Mit ihrem 13-köpfigen Team stellt Margiotta sicher,

dass alle Aktivitäten für die Crewmitglieder im Weltraum ungefährlich

sind. Sie koordiniert internationale Forschungsteams,

entwirft Zeitpläne und entwickelt Flugregeln sowie

Konzepte für Weltraummissionen. Eine dieser Missionen trägt

den poetischen Namen „Cosmic Kiss“: Im Oktober 2021 wird

ESA-Astronaut Matthias Maurer als erster Deutscher in einer

SpaceX-Raumkapsel des kommerziellen NASA-Programms

in den Weltraum starten und dort mit drei Kollegen aus den

USA ein halbes Jahr leben und arbeiten. Daria Margiotta

steckt mitten in den Vorbereitungen, als wir mit ihr sprechen.

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SeeMensch

Das DLR sitzt seit stolzen 84 Jahren in Oberpfaffenhofen. Wer dagegen ganz neu in die Materie Weltraum

einsteigen möchte, dem empfiehlt Daria Margiotta die Filme „Apollo 13“ und „Proxima – Die Astronautin“

Mit welchem Ziel fliegt die „Cosmic Kiss“-Crew zur ISS?

Auf der Raumstation können wir Experimente durchführen,

die in keinem Labor der Welt möglich sind. Die

Ergebnisse ermöglichen hoffentlich eine bessere Vorbereitung

auf zukünftige Missionen, zum Beispiel zum

Mond oder zum Mars. Wir konzentrieren uns bei den Forschungen

aber auch auf einen respektvolleren Umgang

mit unserem Heimatplaneten Erde.

Wie bereiten Sie die Mission vor?

In Zusammenarbeit mit Forschern aus der ganzen

Welt prüfen wir Experimente, außerdem verabreden wir

uns mit der ISS-Crew zum Video-Call, um ein gemeinsames

Verständnis für die Anforderungen dieser vollgepackten

Mission zu entwickeln. Und wir erarbeiten einen

genauen Stundenplan für die gesamte Dauer der Mission.

Wie sieht so ein Stundenplan für einen Astronauten aus?

Unter der Woche stehen zuerst Frühstück und etwas

Zeit für die persönliche Hygiene auf dem Programm.

Dann gibt es eine Morgenkonferenz mit den Flight Control

Teams auf der Erde: Ganz wichtig ist, dass die Astronauten

sich zuerst melden, da wir sie nicht stören wollen.

Anschließend arbeiten sie sechseinhalb Stunden und bewegen

sich. Nach einer weiteren Konferenz gibt es Abendessen

und bestenfalls acht Stunden Schlaf.

Und am Wochenende?

Auch Astronauten haben Freizeit! Samstags und

sonntags werden in der Regel keine Experimente durchgeführt,

dafür reinigen die Crew-Mitglieder ihre Zimmer,

halten sich fit und telefonieren mit ihren Familien. Man

kann sich auf der ISS auch einen Film anschauen – aber die

Erde zu beobachten, ist vermutlich spannender.

Was sind die Voraussetzungen für die Experimente, die im

Weltall durchgeführt werden sollen?

Die Astronauten sollen physikalische Versuche und Experimente

rund um Humanphysiologie, Werkstoffwissenschaften

und Technologie durchführen. Manche beschäftigen

sich mit dem Entstehungsprozess von Planeten im

Universum, andere drehen sich um Pflanzensamen im

Weltraum oder um nachhaltige Ernährung. Bei unseren

Vorbereitungen stellen wir sicher, dass die Experimente

nicht gefährlich und nicht zu zeitaufwendig sind.

Worum beneiden Sie Matthias Maurer, wenn er ab Oktober

auf der ISS sein wird?

Er wird eine atemberaubende Aussicht auf die Erde haben

… und Schwerelosigkeit spüren! Ich wollte schon als Kind

Wissenschaftlerin werden und habe fürs All gebrannt. Ich

würde sofort an einer Weltraummission teilnehmen – wenn

ich mein einjähriges Kind mitnehmen könnte.

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Für mehr Freude am Golf:

Golfunterricht unterstützt mit

Techniken der Meditation.

Denn nicht nur der Körper

braucht Training.

Welche Forschungsprojekte faszinieren Sie sonst noch?

Humanphysiologische und biologische Experimente,

mit denen wir versuchen, unser Leben und unsere Gesundheit

auf der Erde zu verstehen und zu verbessern.

Welcher Part Ihrer Arbeit macht Ihnen am meisten Spaß?

Das Treffen mit Astronauten und das Reisen um die ganze

Welt, um die Raumfahrtbehörden anderer Staaten zu besuchen,

etwa die japanische JAXA, die NASA, die russische

Raumfahrtbehörde RSA in Moskau oder die Europäische

Weltraumorganisation ESA in den Niederlanden. Ich hoffe

sehr, dass das nach der Pandemie wieder möglich ist!

Workshops

Einzeltraining

Golfreisen

Wenn die Leute hören, was Sie beruflich machen: Welche Frage

wird Ihnen immer wieder gestellt?

„Wo ist die ISS?“ Ich antworte dann: 400 Kilometer über

meinem Büro. Abends kann ich sie manchmal sogar sehen.

Viele fragen aber auch, warum so große Summen in Raumfahrtprojekte

gesteckt werden. Dabei investiert die Bundesregierung

einen Betrag, der nicht mal 0,1 Prozent unserer

Steuern ausmacht. Ist das wirklich zu viel Geld?

Ihr größter beruflicher Traum für die Zukunft?

Ich träume davon, eine Mission zum Mond zu steuern!

Und dass die Weltraumforschung weiterhin den Frieden in

der Welt und das menschliche Genie fördern kann.

Nicole Gögele

ehem. Ladies European Tour

Co-Trainerin der

DGV- Damennational-

Mannschaft

0163 5012687

www.calmgolf.de

Was denken Sie, wenn Sie in einer sternenklaren Nacht den

Blick zum Himmel richten?

Es ist unglaublich, dass jemand dort war oder sogar

gerade da ist … Und: dass wir ein kleiner, aber wichtiger

Teil eines großen, schönen Plans sind.

Daria Margiotta, 36, schrieb ihre Masterarbeit über

Weltraummüll und erkannte dabei, dass sie sich

auch beruflich mit dem All beschäftigen möchte. Seit

acht Jahren ist sie in leitender Position im DLR tätig

Fotos: DLR, Privat; Illustration: Lia-Charleen Royla

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SeeGenuss

Foto: ease lake life

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SeeGenuss

Kreativ lecker!

Hier geht’s

zum Genuss

Keine Frage, das Fünfseenland ist an landschaftlicher

Schönheit kaum zu überbieten. Aber auch

kulinarisch gibt es eine Menge zu entdecken. In unserem

Genuss-Special lernen Sie Menschen kennen, die aus

ihrer Passion eine Profession gemacht haben

TEXT

ANGELIKA DIETRICH & ALISSA SELGE

59


SeeGenuss

THORSTENS

GENUSSTIPP:

„,Yuvals Tahina‘: die

unglaublich leckere

Sesampaste, die auf

Gut Kerschlach in

Pähl hergestellt

wird“

Fotos: ease lake life

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VERENAS

GENUSSTIPP:

„Im ,Gleis 3‘ in

Utting gibt es koreanische

Snacks. Die

kriegt man hier nicht

an jeder Ecke – wir

lieben sie!“

Experimentierfreudig:

Verena Vogel und Thorsten

Rother bloggen über

kulinarische Abenteuer vor

ihrer Haustür

Angefangen hat alles mit einer Kühlbox.

Verena und Thorsten sind echte

Nordlichter, haben lange in Kiel und Hamburg gelebt, bevor

sie sich – unabhängig voneinander – im Fünfseenland

niederlassen. 2019 lernen sie sich auf einem Spielplatz in

Herrsching kennen, verlieben sich und erkunden seitdem

mit ihren beiden Kindern das Umland. Eines aber treibt

die junge Patchworkfamilie mitten am Tag immer wieder

nach Hause: der Hunger. „Wir haben ja norddeutsche Wurzeln,

wir gehen also auch ans Wasser, wenn es bewölkt ist.

Dass dann oft die Kioske zu sind, war ein Problem“, lacht

Thorsten, der seit Kindertagen leidenschaftlich gern kocht.

Eine Kühlbox mit geschmierten Broten wäre die naheliegende

Lösung. Aber sie haben eine noch bessere Idee: Sie

finden ein Lastenrad, das sie mithilfe eines Tischlers zu

einer mobilen Miniküche umfunktionieren. Spargelsalat

aus der Pfanne, Zanderfilet auf Süßkartoffelmus und Tagliatelle

mit Shiitake-Pilzen: Der Hobby-Gastronomie am

See steht nichts mehr im Weg. Als dann pandemiebedingt

die Restaurants schließen und Freunde des Pärchens immer

wieder nach Rezeptideen fragen, beschließen Verena

und Thorsten, einen Blog zu gründen. Dort schreiben sie

über ihre Liebe zum Seenland, übers Kochen und Backen.

Außerdem möchten sie Erzeuger aus der Region fördern:

Auf easelakelife.de findet man auf einen Blick Listen von

Kaffeeröstereien, Eierautomaten & Co. Vor einem Jahr

haben die Betriebswirtin und der Fotograf außerdem das

Gärtnern für sich entdeckt und pflanzen auf einem Stück

Mietacker beherzt eigenes Gemüse an. Auch diese Leidenschaft

teilen sie auf dem Blog und in ihrem neuen Podcast

„AufSEE“. Wenn die beiden über ihre Projekte sprechen,

wirkt ihr Tatendrang regelrecht ansteckend. Das nächste

Vorhaben: Dinner-Workshops im kommenden Herbst. Teilnehmer

sollen sich gegenseitig inspirieren, Rezepte austauschen

und Gerichte mit Zutaten aus der Region zaubern.

www.easelakelife.de

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Was war der Anlass, eine Manufaktur für Tahina zu

YUVALS

GENUSSTIPP:

„Ein Espresso in der

,Tagesbar‘ auf Gut

Kerschlach mit

Blick auf ein wunderschönes

Alpenpanorama“

Einzigartig: In seiner

Manufaktur stellt Yuval

Königstein, 40, ausschließlich

Sesampaste her

gründen?

Ich komme aus dem Norden Israels und die Küche des

Nahen Ostens ist geprägt von frischem Gemüse, von

Kräutern und Tahina – also Sesampaste. Ich liebe Tahina,

konnte aber in Deutschland kein Tahina in Bioqualität

finden, das annähernd so gut schmeckte wie jenes, das ich

aus Israel kannte. Also bestellte ich eine Mühle und

probierte, Tahina selbst herzustellen; anfangs in der

Garage meines Schwiegervaters. Allmählich wurde aus der

kleinen Idee ein Projekt, schließlich begannen wir mit der

Produktion. Seit Oktober 2020 sind wir auf Gut Kerschlach.

Sportlich: Mit seinem

Bruder Marc erfand

Patrick Cipic Grübener einen

Turbo-Energiesnack

Meine ersten Nuss-Frucht-Riegel habe

ich vor etwa zehn Jahren hergestellt,

als meine Frau und ich auf vegane Ernährung umstellten

und ich gesunde Snacks für unterwegs suchte. Später, als

unsere Kinder noch klein waren und wir öfters in der Nacht

nach Kroatien fuhren, die Heimat meiner Frau, hielt ich

mich mit Energydrinks wach. Aber am nächsten Tag fühlte

ich mich richtig fertig. Deshalb suchte ich nach etwas Aufputschendem,

das gleichzeitig gesund ist. Ich kam auf die

Idee, meine Riegel mit natürlichem Koffein anzureichern:

mit Guaraná und Matcha. Zufällig tüftelte mein Bruder Marc

zur gleichen Zeit an Riegeln. Er ist Maschinenbauingenieur

und fährt in seiner Freizeit Ultra-Radmarathons: Da braucht

er Premium-Verpflegung. Von herkömmlichen Riegeln be-

CHRISTIANS

GENUSSTIPP:

„Die Fischpflanzerl

vom Fischer Sebald

aus Ammerland.

Die gibt’s jeden

Donnerstag frisch im

Loth Hof Laden“

Woher beziehen Sie Ihren Sesam?

Aus Äthiopien und Ägypten, immer in Bioqualität.

Trotzdem ist jede Charge ein bisschen anders, zum

Beispiel kann die Schale ein klein wenig dicker sein. Wir

müssen die Produktion immer neu anpassen: etwa die

Röstzeiten verändern. Es gibt unglaublich viele Sorten und

nur wenige eignen sich besonders gut für die Herstellung

von Tahina. Neben der Bioqualität ist uns der Geschmack

wichtig, er hängt von der Sorte und den Anbaubedingungen

ab. Sesam aus Südamerika etwa schmeckt sehr

dominant, der aus Indien oder Uganda bitter.

Wie essen Sie Tahina am liebsten?

Als Dip: Tahina mit Wasser anrühren – im Verhältnis

3 : 5 –, etwas Zitronensaft und Salz zugeben. Wer mag,

kann den Dip noch mit Kräutern oder einem Löffel Honig

verfeinern. Passt perfekt zu Gemüse und Brot.

www. koenigsteinmuehle.de

Fotos: Dirk Tacke, Werkvoll by Lena Peter

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SeeGenuss

kam er häufig Magenprobleme. So experimentierten wir

gemeinsam: ich in unserer Küche in Dießen, er bei sich zu

Hause in Siegen in Nordrhein-Westfalen.

Nach vielen Fehlversuchen professionalisierten wir

unsere Arbeit. Wir besorgten uns den gleichen Mixer, arbeiteten

mit genauen Tabellen und stimmten unsere Entwicklungsumgebung

immer besser ab. So wurden auch die Riegel

immer besser. Weil immer mehr Freunde und Sportler

danach fragten, gründeten wir das Start-up ,Vollgas Riegel‘.

Unsere Ansprüche sind hoch: Die Riegel sollen so pur wie

möglich sein, ohne Industriezucker und Aromen. Sie sollen

leicht aus der Packung kommen – idealerweise mit einer

Hand, wenn man auf dem Rad oder im Auto unterwegs ist –,

die Zähne nicht verkleben und leicht zu kauen sein. Deshalb

verwenden wir keine großen Nussstücke. Und nur geschroteten

Leinsamen, weil ganze Körner oft in den Zähnen

hängen bleiben. Auf Wunsch unserer Sportler-Community

gibt es jetzt auch Fruchtriegel mit mehr langkettigen Kohlehydraten

und weniger Koffein. Seit wir im November die

Bayern 3 Start-up Challenge gewonnen haben, ist die Nachfrage

explodiert. Gerade bauen wir den Vertrieb aus – ,Vollgas

Riegel‘ gibt es bereits in etwa 50 Bioläden und einigen Supermärkten

– Tendenz steigend.“ www.vollgasriegel.de

Die Brüder Marc, 32, und Patrick, 39,

geben mit ihrem Energieriegel Vollgas

PATRICKS

GENUSSTIPP:

„Ich bin bin ein Fan

der vegetarischen

Pizza und der Linguine

mit Steinpilzen

vom ,Seerestaurant

St. Alban‘“

Vielseitig: Christian Kohn, 66, führt nicht nur einen

Hofladen, sondern auch Radiohörer an gutes Essen heran

Wie Christian Kohn zum Genießer

wurde? Sein Vater, Kammersänger

an der Bayerischen Staatsoper in München, ging nach

Opernaufführungen gern gut essen. „Denn Singen“, so Sohn

Christian Kohn, „ist ja ein anstrengender Beruf.“ Schon

als Bub war er oft dabei. Hinzu kam, dass seine Mutter, von

Beruf Konzertpianistin, eine hervorragende Köchin war.

Daraus entwickelte sich Kohns Vorliebe für gutes Essen und

später der Wunsch, es selbst zuzubereiten: Christian Kohn,

gelernter Schreiner, Bankkaufmann und studierter Baubiologe,

und seine Frau Bettina, Orgelbauerin, zogen eigenes

Obst und Gemüse. Sie hielten Ziegen und stellten Ziegenkäse

her. Sie kauften Hühner, mahlten Korn, backten ihr Brot.

Als sie 1990 mit vier Kindern und drei Freunden nach

Münsing zogen, lernte das Paar Klaus Mair vom Lothhof kennen,

der sich mit dem Gedanken trug, einen Hofladen zu eröffnen.

Weil Kohn Schreiner ist, einer der Freunde Architekt

und Bettina Kohn in einem Naturkostladen arbeitete, ergab

es sich fast wie von selbst, dass die Kohns in die Hofladenpläne

involviert wurden. „Bioläden“, erzählt Kohn, „sahen damals

anders aus als heute: Modell handgestrickte Haferflocke. In

einem Ikea-Regal fristeten ein paar verschrumpelte Äpfel

ihr Dasein.“ Inzwischen sind beide Inhaber des Hofladens:

Die Rindersalami, Pfefferwurzen, Eier und Nudeln stammen

vom Lothhof. Saisonales Gemüse liefert die Gärtnerei Biberkor,

den Großteil des übrigen Sortiments beziehen sie vom

Biogroßhändler Ökoring, weil der, wie Kohn sagt, „die mit

Abstand meiste Regionalität im Sortiment hat“. Vor dem Laden

Sonnenschirme und Gartenmöbel: Sein Studio für ökologisches

Wohnen und Design ist sein zweites Standbein.

Sein drittes: „Kochen mit Kohn“ auf Bayern2. Etwa acht

Sendungen gibt es pro Jahr: Kohn bereitet zu einem Thema

stets drei Rezepte vor und beantwortet live die Fragen der

Hörer. Sorge, dass er mal keine Antwort parat hat, hat er

nicht: „Ich habe keine Scheu, das auch zu sagen.“

Seine Kochkunst entwickelte sich nebenbei: Zu neunt

lebten sie auf dem Hof, oft blieben noch Handwerker oder

Freunde zum Essen, täglich zwölf bis 14 Leute. Das Kochen

übernahm fast immer Kohn. Weil er Lust dazu hatte. Als

eine BR-Redakteurin mit am Tisch saß, befand diese: „Du

gehörst mit deiner Kocherei und Stimme ins Radio!“ Kochen

und gemeinsames Essen ist für Kohn ein Kulturgut.

„Ein zutiefst sinnliches und soziales Erlebnis, das durch

nichts zu ersetzen ist.“ www.lothhofladen.de

63


SeeGenuss

Rundum frisch:

Franziska Eigner hat sich

mit ihrer Ziegenbande

auf Mozzarella, Feta und

Quark spezialisiert

Auf die Ziegen kam Franziska Eigner

durch Zufall. Auf dem Hof, auf dem sie

ein Freiwilliges Ökologisches Jahr absolvierte, zogen zwei

Ziegen ein, und Franziska Eigner verliebte sich in den Charakter

dieser Tiere. Warum also nicht selbst Ziegen halten?

Schließlich wollte sie nach ihrem Studium der ökologischen

Landwirtschaft Nutztiere halten, die Milch geben. Eine alte

Rasse sollte es sein: Eigner entschied sich für die Thüringer

Wald Ziege. Sie steht auf der Roten Liste der Gesellschaft zur

Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen, ist vom Aussterben

bedroht und die letzte deutsche Ziegenrasse.

Etwa 140 von den hellgraubraunen Ziegen mit dem kurzen

Fell tummeln sich derzeit auf den Weiden am Ammersee,

davon 32 Milchziegen. Aus deren Milch stellt Franziska

Eigner zusammen mit ihrem Vater jede Woche mehrere

Kilo Quark her, Dutzende Feta, Mozzarellakugeln und Camembert

sowie verschiedene Sorten Frischkäse. Mal mit

Bärlauchpesto verfeinert, mal mit Rote-Bete-Meerrettich.

Alles Käsesorten, die nicht lange reifen müssen, denn für den

Reifeprozess fehlt der Platz.

Das Käsen lernten Vater und Tochter auf einem Hofkäsereilehrgang,

danach richteten sie in der ehemaligen Werkstatt

des Vaters eine Käserei ein, gleich neben dem elterlichen

Wohnhaus in Holzhausen. Sonntags steht für Franzi Eigner

und ihren Vater der Camembert auf dem Wochenplan, der

dauert am längsten. Sind Schimmelkulturen und Lab in

die Milch gegeben, wird die Masse erst geschnitten, dann

eine Stunde lang alle fünf Minuten umgerührt. „Je härter

der Käse werden soll, desto kleiner muss der Bruch sein“,

erklärt die Ziegenzüchterin. Mozzarella, Topfen und Frischkäse

sind unkomplizierter, wichtig ist, dass sie über Nacht

Zeit zum Austropfen haben. Donnerstags und samstags

geht es auf die Wochenmärkte nach Inning und Utting.

Aktuelle Neuheit im Sortiment: vegetarische Burger Patties,

mit verschiedenen Marinaden.

www.ziegenbande.de

Am Westufer des Ammersees züchtet Franziska

Eigner, 32, die Thüringer Wald Ziege: eine

Rasse, die vom Aussterben bedroht ist. 140 Tiere

leben auf ihrem Hof

FRANZISKAS

GENUSSTIPP:

„Wer Eis liebt, sollte

das Bauernhof-Eis

des Seekuhhofs der

Familie Knoller in

Dießen probieren“

Fotos: Ruth Schmoldt/Klare Linie

64


65


SeeGenuss

KATRINS

GENUSSTIPP:

„Der Aprikosen-

Käse-Kuchen von

der ,Konditorei

Harter‘ in

Stockdorf“

Edel süß: Mit Frailice

macht Katrin Bauer, 27, aus

Stockdorf aus Erdbeeren

Frucht-Schätze

Wie kamen Sie auf die Idee, aus Erdbeeren,

Schokolade, Blüten und Blattgold

kleine Kunstwerke zu kreieren?

Während eines Auslandssemesters

in Istanbul wollte ich meiner Mutter zum

Muttertag etwas Besonderes schicken. Im Internet

bin ich dann auf Schokoerdbeeren gestoßen. Viel

schickere als die, die man auf Jahrmärkten findet. Allerdings

gab es diese nur in den USA und in Russland – nicht

in Deutschland. So hatte ich meine Marktlücke gefunden.

Ein Jahr später, im Mai 2019, konnte ich meiner Mutter

solche Früchte aus eigener Produktion schicken.

Worauf kommt es bei der Zubereitung an?

Man muss abwägen, welches Topping mit welcher

Schokoladensorte harmoniert. Die Schokolade muss die

richtige Temperatur haben, damit sie nicht zu fest oder zu

flüssig ist – sonst halten die Blüten oder Nüsse nicht. Besonders

tricky zu verarbeiten ist Blattgold: Da mussten wir viel

experimentieren. Ich habe mich gleich am Anfang mit einem

Designer zusammengetan, der die Verpackung entwickelt

hat. Jeder Versandkarton ist mit Isoliermaterial und

einem Kühlakku versehen.

Wer bei Ihnen bestellt, muss bei der Lieferung zu Hause

sein, oder?

Genau, wir verschicken nicht auf gut Glück. Erdbeeren

sind sehr empfindlich, wir wollen, dass sie so frisch wie

möglich bei unseren Kunden ankommen. Unsere Früchte

haben keine Lagerzeit. Sobald wir sie aus dem Großmarkt

bekommen, werden sie verarbeitet und noch am gleichen

Tag verschickt. Am nächsten Tag sind sie bis mittags

beim Kunden. Deshalb muss man bei der Bestellung sein

Wunschdatum angeben.

Was passiert mit den Früchten, die Sie nicht verarbeiten

können?

Die verkaufen wir über die App too good to go – da müssen

wir nichts wegwerfen. An guten Tagen haben wir nur

fünf bis acht Prozent Ausschuss, an schlechten ist es schon

mal ein Drittel.

Wie sieht die perfekte Erdbeere aus?

Es muss eine hartschalige Erdbeere sein, eine Sorte mit

wenig Zucker, die sind haltbarer. Sie darf keine Druckstelle

haben, muss sich fest anfühlen und saftig schmecken. In

der Erdbeersaison kommen unsere Früchte aus Deutschland,

sonst aus Holland oder Griechenland. Wir versuchen

immer, bestmöglich auf kurze Wege zu achten, gleichzeitig

hat die Qualität unserer Beeren oberste Priorität.

Wer sind Ihre Kunden?

Firmenkunden, die ein besonderes Geschenk suchen,

und viele Frauen: Zu fünfzig Prozent verschenken sie die

Schokoerdbeeren an Freunde, Verwandte, zu Geburtstagen,

Jubiläen. Die andere Hälfte kauft die Früchte für

sich. Unser Bestseller ist die Mixed Box: eine Mischung aus

allen Kollektionen.

www.frailice.de

66


Advertorial

LANDGASTHOF RITTERGÜTL

Ein Logenplatz für Genießer

Fotos: Lucian Marian IMAGE Foto-Video

Hier, direkt am Hochufer über dem Isartal, erschließt sich einem ein malerischer

Blick auf die Alpen. Am besten lässt sich die atemberaubende

Aussicht bei einem frisch gezapften Bier im idyllischen Gastgarten des Landgasthof

Rittergütl genießen. Bereits seit 1978 heißt die Wirtschaft Gäste willkommen und ist

ein beliebter Treffpunkt für Feinschmecker aus nah und fern. Küchenchef Richard

Weiß leitete den Betrieb fast 20 Jahre – mit Alexander Linde hat er einen würdigen

Nachfolger gefunden. Ruhigen Gewissens überlässt er die Führung seiner Traditionsgaststätte

2019 dem motivierten, jungen Koch und seiner Lebensgefährtin.

Erfahrungen sammelte Linde in der Sternegastronomie sowohl in der Schweiz und

in München als auch in Österreich unter anderem im Hotel Sacher in Salzburg und

in der Privatbrauerei Trumer. Bekannt war und ist das Rittergütl vor allem für seine

feine bayerische Küche. Serviert werden neben beliebten Klassikern wie Schweinsbraten

und Wiener Schnitzel auch Spezialitäten wie Südtiroler Schlutzkrapfen mit

Spinatfüllung, Salbeibutter und Parmesan oder gebratenes Saiblingsfilet mit Wurzelgemüse,

Brunnenkresse und Kartoffelgratin. Selbst gemachte Desserts und Kaffee

von der Rösterei Dinzler vervollständigen das vielseitige Angebot. Da die Wirtsleute

großen Wert auf saisonale Zutaten aus der Region legen, richtet sich die

Speisekarte vor allem auch danach, was die Jahreszeit zu bieten hat. Gerne stellen

Linde und sein Team auch individuelle Menüs für besondere Anlässe zusammen.

Egal ob auf der überdachten Terrasse oder in der gemütlichen Gaststube – im Rittergütl

lässt es sich ganz wunderbar zusammenkommen.

Landgasthof Rittergütl

Ebenhauser Straße 26

82057 Irschenhausen

Tel. 08178 3803

info@ritterguetl.de

www.ritterguetl.de

67


SeeGenuss

Einfach lecker: Birgit

Fazis liebt die bodenständige

Küche. Wie sie Foodbloggerin

und Kochbuchautorin

wurde, verrät sie hier

BIRGITS

GENUSSTIPP:

„Die selbst gemachten

Nudeln mit Tomatensugo

oder Bolognesesoße

aus dem Dahoam-

Shop des ,Staudenwirts‘

in Finning kann ich

nur empfehlen“

Man braucht nur wenig zum

Glück, findet Birgit Fazis,

44. Mit ihrem Mann und den drei

Töchtern lebt sie auf einem

kleinen Bauernhof in Inning

Hauptsache, unkompliziert:

Dinkelbaguette, Möhrentarte und

noch mehr leckere Rezepte sind

gerade in Fazis’ Buch „Brot

& Honig“ (Jan Thorbecke Verlag)

erschienen

68


WIR SIND AN IHRER SEESEITE!

Fotos: Birgit und Emma Fazis/2021 Jan Thorbecke Verlag Ostfildern, Stephanie Winkler/2021 Jan Thorbecke Verlag Ostfildern

Ein Weihnachtsurlaub in Schweden

vor vier Jahren hat unser komplettes

Leben auf den Kopf gestellt. Wir hatten nur wenig

Gepäck dabei, keine Plätzchen, kein Raclette-Geschirr,

kaum Geschenke. Den Baum, den wir im Wald schlagen

durften, schmückten wir mit Lebkuchen und Sternen

aus Bügelperlen. Wir merkten, wie wenig wir eigentlich

brauchen. Das war der Stein, der alles ins Rollen brachte.

Wir entrümpelten das ganze Haus – auch die Küche. Ich

fand ein Raclette-Gewürz, das vor zwölf Jahren abgelaufen

war. Was man alles hortet und manchmal nur kauft,

weil man es für ein einziges Gericht braucht! Ich begann,

möglichst einfach und reduziert zu leben und zu kochen.

Alles, was nicht unbedingt nötig ist, lasse ich weg.

Und ich mache möglichst viel selbst. Ob das jetzt saure

Gurken sind oder Brot mit selbst gezüchtetem Sauerteig.

Wenn man erst mal weiß, wie bekömmlich selbst gebackenes

Brot ist, kann man nicht mehr zurück. Brot ist

für mich ein sehr emotionales Lebensmittel, das ich über

alles liebe. Wenn ich eine gute Stulle Brot mit Honig esse,

bin ich sofort in meiner Kindheit, in der Küche meiner

Oma, die mir ein Brot mit eigenem Honig schmiert.

Mit dem Bloggen begann ich vor elf Jahren, nach der

Geburt meiner zweiten Tochter, weil ich Beschäftigung

für meine grauen Zellen brauchte. Ich fing mit DIY-Tipps

wie einem selbst gebauten Puppenhaus an, kam aber

relativ schnell aufs Kochen: weil ich ein genussliebender

Mensch bin, gerne koche und esse und für meine Familie

jeden Tag etwas zubereite. Mein allererstes Rezept war

eine Ofentomatensauce von Tim Mälzer, die so lecker

war, dass ich fast in Ohnmacht gefallen wäre vor Glück.

Die musste ich einfach posten. Mit der Zeit kamen immer

mehr eigene Kreationen dazu, Firmen fragten wegen Kooperationen

an und der Traum entstand, mein eigenes

Kochbuch zu schreiben, ‚Meine kleine Küche am See‘, wurde

konkret. 2015, nach der Geburt meiner dritten Tochter,

hörte ich auf, als Sozialpädagogin zu arbeiten, und konzentrierte

mich nur noch auf meine Bücher und Rezepte.

Rezepte zu entwickeln, fällt mir nicht schwer. Ich bin

wie ein Schwamm und sauge auf, wenn ich durch Zeitschriften

blättere, oder es lacht mich im Supermarkt etwas

an. Dann probiere ich rum. Das Schöne ist, dass man

sofort ein direktes Ergebnis und ein unmittelbares Feedback

hat: Es schmeckt oder es schmeckt nicht. Meine Gerichte

fotografiere ich selbst – und danach essen wir sie

auf. Ich verwende kein Haarspray, damit das Essen schön

glänzt, oder Rasierschaum für Sahne.

Mein aktuelles Buch ‚Brot & Honig‘ ist übrigens nur

entstanden, weil ich an anderen Brotbackbüchern gescheitert

bin. Die waren mir zu kompliziert. Ich habe mein

Brotrezept so runtergebrochen, dass ich bei den Mengenangaben

glatte Zahlen habe und jeder es hinkriegt.“

@breadandhoney.de

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Die Kinder sind aus dem Haus - wir sind „Eltern-alleindaheim“

in Berg. Gerne hätten wir wieder öfter nasse

Füße, möchten die Wellen frühmorgens schon plätschern

hören, mit dem SUP od. Kajak auf den See starten

und würden sogar Mücken mit Handkuss in Kauf

nehmen: für einen festen Badeplatz am Ostufer des

Starnberger Sees. Ob zur Miete oder Pacht und sehr

gerne auch nur zur gelegentlichen Mitbenutzung, ob

Wiese oder gar mit Steg und Hüttchen – ein Plätzchen

am See, das wär’s! Wir freuen uns über jede Zuschrift!

Infos gerne an staseeberg@web.de

Foto: iStock/Olivia Gail

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SeeGenuss

AUTOMATENGAUDI

Die Milch ist alle und keine Wurst zum Grillen da? Hier können Sie

rund um die Uhr einkaufen – oder Ihren Lesehunger stillen

FOTOS UND TEXT

KATRIN SANDGATHE

1 2

3

4

1. Söcking Kostenloses Lesefutter: Das Konzept „Bücherschrank“ wird immer populärer, auch im Fünfseenland. Jeder kann ein Buch

hinbringen, mitnehmen, zurückstellen. Dieser umfunktionierte Kühlschrank steht in der Andechser Straße vor der Pâtisserie „Süßer Zauber“.

Ein weiterer neben dem Kiosk am „Steg 1“ in Possenhofen. 2. St. Heinrich Hausgemachte Rouladen, Nudeln oder feiner Bio-Frischkäse:

Der Lebensmittelautomat „Beim Fischer“ in der Buchscharnstraße 10 ist reich an allem, was das Genießerherz begehrt – nicht nur für

Campinggäste. Praktisch: Leere Milchflaschen können wieder zurückgebracht werden, dafür sind Körbe vorgesehen. 3. Bernried Perfekt, wenn

man ein Mitbringsel braucht oder sich selbst beschenken möchte: Die Chocolaterie Clement Chococult hat direkt am Bahnhof in Bernried

(vor ihrem Geschäft) einen Automaten installiert, den man über ein Touchpad bedient. Etwas gefährlich für Naschkatzen: Die Auswahl an

Pralinen und Schokoladen ist verführerisch. 4. Weilheim Grillwurst oder Himbeersorbet gefällig? Beim „Dachsbräu“ (Murnauer Straße 5) stehen

direkt nebeneinander ein Grillfleischautomat (den gleichen findet man auch in Stockdorf, Gautinger Straße 6) und ein Eisautomat der

Pollinger Eismanufaktur – Sie haben die Qual der Wahl!

70


We are born

SeeKultur

to be Glusthaferl *

Wir?

Michaela + Paul Otto und

unser fantastisches Team.

* echte Genießer

Wir sind Krümel & Korn:

Seit April 2018 leben und lieben wir unsere

Bäckerei. In Münsing. Am Starnberger See.

PSST! Ab September 2021 gibt‘s uns

übrigens auch in Berg.

Was fürs Leben gilt,

gilt auch beim Backen:

Zeit ist das höchste Gut.

Paul

Was uns b'sonders macht?

Wir lieben Genuss!

Schnickschnack-frei produziert.

Mit extra viel Zeit & Liebe.

Und den wollen wir mit Dir teilen!

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71


SeeGenuss

2027 Kilometer

GLÜCKSGEFÜHLE

Dass ein E-Bike bei Steigungen hilft, ist bekannt. Dass es Auge

und Herz öffnet, weniger. Unsere Autorin hat tolle Feldwege

entdeckt, Touristentrupps klug umkurvt und das Schwimmen am

frühen Morgen genossen

TEXT

UTE PRÖTTEL

Foto: Jan Greune

73


SeeGenuss

SCHONDORF

UTTING

BREITBRUNN

DENKLINGEN

DIESSEN

HERRSCHING

TUTZING

PÖCKING

FELDAFING

BERNRIED

SEESHAUPT

STARNBERG

BERG

AMMERLAND

SEEHEIM

AMBACH

H

eute 18 Kilometer geradelt, um in der

Drogerie neue Masken zu holen. Das

wäre natürlich auch auf kürzerem Weg gegangen, doch seit

ich vor einem Jahr aufs E-Bike umgestiegen bin, sind extraweite

Wege die Sterne an meinem Sporthimmel, vor allem,

wenn sie neu, möglichst autofrei und schön sind. Glücklicherweise

ist das Fünfseenland voll davon: um die Seen, zwischen

den Seen, die Hügel drumherum hinauf und hinab.

Genau, Hügel: Was früher daran mühsam war, zaubert mir

jetzt ein Lächeln ins Gesicht.

Eigentlich muss ich mich bedanken bei diesen Heerscharen

von Spaziergängern und Radlern, die Corona im April

2020 an den Starnberger See gespült hatte. Radeln war

durch sie zum anstrengenden Slalomparcours geworden.

Also einfach ein bisschen ausweichen, abseits der Seen radeln?

Geht, ist aber hügelig. War mir auch mit Mountainbike

schnell zu anstrengend, wenn ich für fast jede Tour erst mal

bergauf radeln muss. Mit frischen 50plus und mauen Aussichten

auf Sommerurlaub war das E-Bike nun auch irgendwie

legitim, dachte ich mir. Außerdem ließe sich mit elektrischem

Rückenwind die nähere und weitere Umgebung ganz

neu erkunden.

Und so war es. Schnell fand ich heraus, dass nicht nur der

Uferweg durch das Badegebiet in Percha von Berg nach Starnberg

führt. Heute radel ich erst mal vom See weg Richtung

Annakapelle. Lasse dort die Lindenallee rechts liegen und

nehme den Feldweg geradeaus durch den Wald. Nach zwei

weiten Kurven öffnet sich die Landschaft und lässt mein Herz

höherschlagen. Ich biege nach links ab, folge dem Weg Richtung

Martinsholzen. Rechter Hand führt der Feldweg auf die

Straße zwischen Farchach und Harkirchen, linker Hand

durch das Gehöft von Martinsholzen und durch den Wald

weiter nach Kempfenhausen und Harkirchen. Beides schön,

diese Landschaft enttäuscht einen so schnell nicht. Die einseitige

Baumallee nach Harkirchen hinein ist ein Traum.

Im Ort biege ich links Richtung Kirche ab und folge dann

dem in sanften Bögen über das Feld führenden Weg Richtung

Percha. Haben Sie mitgeschrieben? Egal. Denn allein auf dieser

kurzen Strecke führen viele Wege nach Starnberg.

Wenn die beliebten Uferwege überlaufen sind, weil verständlicherweise

halb München und halb Augsburg an die

Seen strebt, bleiben dem Einheimischen nur Rücksichtnahme

– und kluge Ausweichmanöver, in räumlicher wie in

zeitlicher Dimension. Wie wäre es, fragte ich mich, die beliebten

Ausflugswege nur noch sehr früh oder sehr spät zu

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Foto: Privat; Illustrationen: Lia-Charleen Royla

nutzen? Ziemlich gut – so zieht beispielsweise der Kiosk am

„Steg 1“ schon in aller Herrgottsfrühe die Jalousien hoch

und hat immer, wirklich immer köstlichen Streuselkuchen.

Oder ich verwandle mich, wenn das Wasser angenehmere

Temperaturen erreicht hat, in eine Frühschwimmerin,

freue mich beim Abtrocknen über die Geräusche aus dem

nahen Kiosk in St. Heinrich und genieße, sobald der Laden

geöffnet ist, herrlich frischen Kaffee. Wenn dann der erste

flamingopinke Schwimmreifen auftaucht, bin ich schon

wieder auf und davon.

An manchen Wochenend- oder Ferientagen empfiehlt es

sich allerdings, die bekanntesten und auf beinahe 500 Kilometern

gut ausgeschilderten Wege einfach den Gästen zu

überlassen. Und tatsächlich: Auf den Feldwegen durch die

Wadlhauser Gräben, in denen die Windkraftwerke der Gemeinde

Berg stehen, trifft man dann den einen oder anderen

Nachbarn, der gerade den gleichen Ausweich-Gedanken hatte.

Diese Wege in zweiter Reihe sind nicht selten genauso

charmant wie die beliebten Touren um die Seen und halten

Aussichten parat, die das Herz hüpfen lassen. Da ist zum Beispiel

der Waldrand hinter Mörlbach (oder: die Strecke von

Machtlfing nach Kerschlach. Oder der Weg oberhalb von

Pähl ...) – an klaren Tagen hat man von dort einen wirklich

spektakulären Bergblick.

Was ich bei aller Begeisterung dringend empfehle: immer

den Akku im Auge behalten. Lieber gegen Ende der Tour auf

niedrigster E-Stufe zurückrollen, als komplett ohne Akku zu

sein. Meiner war bei Attenhausen auf einmal leer, das Zuhause

lag noch einige Hügel entfernt und die Beine waren nach

siebzig Kilometern schwer. Denn auch wenn es E-Kilometer

waren: Beim Radeln ohne E ist ganz schnell Schluss mit der

Ausschüttung von Glückshormonen. Wie gut, dass es unterwegs

auch Möglichkeiten zum Aufladen gibt: In Utting, am

„Pavillion am See“, oder am Buchheim-Museum beispielsweise

befindet sich eine Ladestation, und an der Museumskasse

gibt es gegen Hinterlegung eines Pfands eine Auswahl an Ladekabeln.

Besonders erfreulich lässt sich Akkuladung sparen

oder der Radius vergrößern, wenn man auf dieser Tour mal

auf Schiff oder Bahn umsteigt. Von Starnberg oder Berg nach

Seeshaupt oder Tutzing lässt es sich per Schiff wunderbar abkürzen,

ebenso von Herrsching nach Dießen oder Schondorf.

An einem der letzten Tage der Seenschifffahrt habe ich

mich deshalb noch mal von Berg mit dem Schiff nach Tutzing

begeben und bin von dort über Kerschlach und Pähl

Richtung Dießen geradelt. Ziel war der Schacky-Park. Dabei

wollte ich aber auf gar keinen Fall über die enge und viel befahrene

Birkenallee zwischen Fischen und Dießen radeln

und orientierte mich von Pähl Richtung Raisting. Belohnt

wurde ich mit einem wunderschönen autofreien Radweg etwas

südlich der Staatsstraße, vorbei an den Raistinger Wiesen,

einem vogelreichen Feuchtgebiet. Und spürte wieder:

Wenn ich nicht auf Autos achten muss, kann ich den Ausblick

in die Natur, auf die Berge und das Dießener Münster so

richtig genießen.

Mein persönlicher Triumph über dieses unfassbare,

fordernde Jahr 2020: die 2027 E-Kilometer auf der Anzeige,

als ich das Bike im November winterfest gemacht habe. Ob

das dieses Jahr zu toppen ist?

Ute Pröttel lebt seit 25 Jahren in Berg. Im

Sommer 2020 hat sie Feldwege erkundet,

die sie bis dahin noch nicht kannte. Ihre

genialste Tour abseits des Fünfseenlands

führte sie (nach Café und Kuchen an „Steg 1“!)

von Tutzing mit der Reggio bis Klais, von

dort über Wallgau und Walchensee den

Kesselberg hinunter bis Kochel und dort

wieder hinein in die Bahn.

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Foto: Anne Kaiser


SeeLeben

Mehr Vielfalt,

bitte!

Lebensraum, CO 2

-Speicher und Rohstofflieferant:

Der Wald ist ein (lebens)wichtiges

Gut für uns alle. Damit das auch so

bleibt, leisten Leute wie der Gautinger

Revierförster Markus Noack ganze Arbeit

INTERVIEW

MARLENE IRAUSEK

Foto: Bayrisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten/Stephan Thierfelder

Förster werden wollte Markus Noack

schon als Kind. Und das, obwohl er in

Karlsfeld, der waldärmsten Gemeinde im waldärmsten

Landkreis in ganz Bayern, aufgewachsen ist. Oder vielleicht

gerade deshalb? Ganz sicher aber entschied er sich

für den Beruf wegen der Kinderbücher von Erich Kloss, in

denen ein Stadtkind unvergessliche Abenteuer im Wald

erlebt. Dieses wildromantische Bild von der Natur hat

Noack von Anfang an begeistert und nicht mehr losgelassen.

Heute ist der 30-Jährige Revierförster in Gauting und

betreut insgesamt über 4000 Hektar Wald.

Was sehen Sie als Erstes, wenn Sie in den Wald gehen?

Ganz unterschiedlich. Was einem Förster leider immer

ins Auge springt, sind Schadflächen, etwa ein Sturmwurf.

Aber mir fallen auch naturbelassene Baumbestände

mit vielen Laubbäumen und Totholz auf, denn eigentlich

wäre mein Revier fast ein reiner Buchenwald. Man hat einen

Blick dafür, wenn ein Baum besondere Tierspuren

aufweist, wie eine Baumhöhle, in der vielleicht ein Specht

oder Waldkauz wohnt.

Was genau sind Ihre Aufgaben?

Ich steuere als Förster durch die gezielte Entnahme von

Bäumen, wie sich der Wald entwickelt, und berate Privatwaldbesitzer,

sodass auch die nächsten Generationen

klimastabile Wälder haben. Ich bin auch eine Art Bürgertelefon.

Mich rufen Leute an, wenn ihnen im Wald etwas

komisch vorkommt. Da muss man viel erklären. Es kann

sein, dass man einen gesunden Baum wegschneiden muss,

um einem anderen zu helfen, der mehr Wasser und Licht

braucht. Der Wald hat in der Gesellschaft als Erholungsort

und Lebensraum an Bedeutung gewonnen. Die früher

selbstverständliche Holznutzung ist vielen oft gar nicht

bewusst. Aber jeder hat seine Interessen am Wald:

Die Holzindustrie sieht den Rohstoff. Die Naturschützer

hätten oft gerne wieder einen Urwald. Wanderer

77


SeeLeben

Es gibt eine besondere Baumart hier in der Gegend.

Ja, die Elsbeere, eine seltene, einheimische Laubbaumart.

Sie steht an Waldrändern, blüht weiß und hat Beeren, die

man essen oder zu Schnaps brennen kann. Normalerweise

ist sie in den wärmeren Regionen in Nordbayern, auf der

fränkischen Platte in Unterfranken, zu finden. Es gibt hier

jedoch ein Elsbeerenvorkommen, das sich genetisch unterscheidet

und auf das Fünfseenland begrenzt ist.

Was würden Sie sich von jedem wünschen, der im Wald

unterwegs ist?

Respekt. Der Wald ist für alle da. Das Naturschutzgesetz

garantiert ein freies Betretungsrecht. Ausnahmen sind nur

Forstkulturen, die man vor Wild schützen muss. Zum Zwecke

der Erholung darf jeder Mensch jede Waldfläche zu Fuß

betreten. Ein Riesenprivileg, das man nicht ausnutzen,

sondern schätzen sollte. Vor allem im Winter und zu den

Brut- und Setzzeiten der Vögel und des Wildes sollten

Waldteile fernab von Wegen gemieden werden, um den

Lebensraum der Tiere zu achten.

Markus Noack studierte an der Fachhochschule

Weihenstephan Forstingenieurwesen:

„Die wenigsten wissen, dass der Beruf

ein vollumfassendes Studium voraussetzt“

Um die 70 Prozent seiner Arbeitszeit verbringt

Noack draußen. Im Bild mit seinem

Jagdhund Findus beim Bäumemarkieren

wollen sich entspannen – und Jäger einen Lebensraum

für das Wild. Ich versuche, alle Funktionen, die so ein Wald

erfüllt, zu vereinen.

Welche Probleme hat der Wald im Fünfseenland?

Die Wälder bestehen großteils aus Fichten, die von Natur

aus nicht hier wären. Es ist eine Baumart, die eigentlich in

der Polarzone und im Gebirge beheimatet ist. Solange sie genug

Wasser hat, wächst sie auch in der Wärme gut. Bis vor

circa fünf Jahren hatte sie bei uns beste Bedingungen. Es gab

ausreichend Regen und die Böden waren das ganze Jahr

über feucht. Aber im Frühjahr 2015 hat Sturm Niklas südlich

von München viele Fichten umgeworfen und einen idealen

Brutraum für den Borkenkäfer geschaffen, der es nur auf

Fichten abgesehen hat. Mit diesen Schadflächen kämpfen

wir immer noch.

Worauf achten Sie, um den Wald gesund zu halten?

Unser Ziel ist es, auf möglichst großer Fläche möglichst

viele verschiedene Baumarten großzuziehen. Bei angepassten

Wildbeständen schafft die Natur das selbst. Wenn in reinen

Fichtenwäldern jedoch Mutterbäume und somit Samen fehlen,

müssen wir Förster die nicht vorhandenen Baumarten

aktiv pflanzen und der Natur unter die Arme greifen. Wir können

ungefähr vorhersagen, wie sich das Klima in den nächsten

Jahren entwickelt. Aber was Schädlinge betrifft, haben

wir keine Ahnung. Wir wissen nicht, ob die Baumarten, auf

die wir jetzt setzen, in 30 Jahren von einem eingeschleppten

Schädling dahingerafft werden. Deshalb können Mischwälder

die einzige vernünftige Lösung sein.

Fotos: Bayrisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten

78


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SeeLeben

SEGELN SOLL SIE!

Wenn ein historisches Segelboot wie die „Sir Shackleton“ im

Ammersee versinkt, könnte man als Besitzer still verzweifeln und aufgeben.

Oder den Schatz mit viel Power und einer guten Idee retten

TEXT

SILKE HEUSCHMANN

Bis 2022 will Klaus Gattinger (o.)

die „Sir“ seetüchtig machen

Den 18. August 2020 wird Klaus Gattinger

garantiert nie vergessen. Den Moment,

in dem ihn die Nachricht erreichte, dass sein geliebter

Zweimaster vor St. Alban gesunken ist. „Ein Schock. Wir

hätten nie gedacht, dass dieses robuste Schiff jemals in Gefahr

geraten könnte“, erzählt der Schiffseigner. Seit mehr als

acht Jahren hatte die „Sir“ ihm und seinem Team als Seminar-

und Ausflugsschiff gedient, das man für besondere Anlässe

samt Skipper mieten konnte. Auch wir beim SeeMagazin

hatten für die Titelgeschichte der Ausgabe 2018 einen

unvergesslichen Sternschnuppen-Segeltörn mit ihr erlebt.

Und plötzlich lag die ganze Pracht in sieben Metern Tiefe,

Fische schwammen durch die Kajüte. Schuld war eine Kleinigkeit:

ein altersschwacher Schlauchstutzen am Kühlwasserfilter.

Fünf Tage nach dem Unglück wurde das zehn Tonnen

schwere Holzschiff zwar geborgen und zum Trocknen

an Land gebracht, aber damit war auch schnell klar, dass

fast alles an Bord zerstört ist: Maschine, Segel, Innenausbau,

die Ausstattung von Schwimmwesten bis Bordtechnik, ein

Teil des Mastes und des Rumpfes – sogar der Lack der über

100 Jahre alten Teakplanken ist ramponiert. Gattinger: „Das

muss alles abgeschliffen und in zehn Schichten aufwendig

neu aufgetragen werden.“ Diese Riesenreparatur ist ein

Wagnis und wird trotz Versicherungszahlung und geplanter

Eigenleistung sehr kostspielig werden.

Also doch lieber verschrotten? „Dazu ist

die ,Sir‘ zu schade“, so Gattinger. „Die

Grundkonstruktion aus Teak ist kostbar

und noch gut erhalten, das sagen auch die

Gutachter.“ Um die Arbeiten schnell anpacken

zu können, hat der Besitzer ein

Crowd funding ins Leben gerufen: Wer das

schöne Schiff bald wieder auf dem See sehen

möchte, kann die Restaurierung unterstützen

– und sich je nach Summe auf

ein besonderes Dankeschön freuen. Unbezahlbar:

das gute Gefühl, einem Schiff

mit spannender Geschichte ein neues

Leben einzu hauchen.

Mehr Infos:

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Fotos: Constantin Mirbach, Thorsten Jordan; Illustration: Lia-Charleen Royla

80


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Nur noch die Masten sah man, als das Schiff gesunken war.

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Leben in der Business-Welt.

R1 – Academy

Die Trainerschmiede für eine

professionelle Ausbildung.

Frisch gehoben (16:00 Uhr)

Mit luftgefüllten Hebesäcken schwimmt das elf Meter lange

Boot wieder knapp über Wasser und wird leer gepumpt

Jetzt anmelden

und an unserem

R1 CYBER

TRAINING

teilnehmen!

Team-Erfolg (16:30 Uhr)

Neben der Wasserwacht und der Feuerwehr aus Dießen half

ein Bergeteam aus Nussdorf am Attersee

www.r1-sportsclub.de

R1 Sportsclub Starnberg / Enzianstraße 2 / 82319 Starnberg

Tel: +49 (0) 8151 4471549 / Mail: info@r1-sportsclub.de


SeeTipps

AUF ZUM

AMMERSEE

Hochwertiges aus dem Fünfseenland:

Ob Natur pur oder fantasievolle Kreationen

aus Holz, Keramik und alten Segeln –

hier blüht Kreativität auf

1 HANDGEFERTIGT

a Becher, Butterdosen und Hausnummern

– Unikate aus Porzellan in den

verschiedensten Formen und Farben

stellt „AmSee Keramik“ in Raisting her.

Bestellungen auch über Call and

Collect sowie online.

www.ammersee-keramik.de

b Übrigens: Traditionell findet der

Dießener Töpfermarkt im Mai zu Christi

Himmelfahrt statt. Aufgrund der besonderen

Zeit ist der Termin dieses Jahr auf

22.–25. Juli 2021 verschoben.

2 TOP INFORMIERT

„Frischen digitalen Wind im Blätterwald“ bietet Herrsching

online, die Online-Zeitung für Neuigkeiten rund

um den Ammersee. Informative sowie launige Texte

und kurze Videos über alles, was die Region bewegt.

www.herrsching.online

3 NATURNAH

Weidemilch und Freilandeier verkaufen

Josef, Annett und Max Knoller direkt

vom Hof. Die Familie führt bereits

in dritter Generation den Milchkuhbetrieb

an der Vogelherdstraße in Dießen.

Sympathische Einblicke in den

abwechslungsreichen Alltag ihres Naturland-Betriebs

mit 80 Milchkühen,

100 Hühnern und Hündin Abby gibt es

auf Instagram: @seekuhhof.

www.seekuhhof.de

SCHONDORF

8

UTTING

OBERMÜHLHAUSEN

DENKLINGEN

4 GUT VERPACKT

Was wird eigentlich aus alten Segeln? Diese Frage stellte

sich Lena Ohlen beim Segeln über den Ammersee.

Ihre Idee für Maibag war geboren: hippe Taschen aus

gebrauchtem Segelstoff. Das Upcycling findet inzwischen

in der Schneiderei der Diakonie München statt.

Produziert werden Taschen mit See-Gefühl, die den

Charme des Fünfseenlands widerspiegeln.

www.maibag.de

1b 7 3

DIESSEN

1a

RAISTING

5 SCHNAPSIDEE

Achim März weiß, wie guter Obstbrand gemacht wird.

Seit 2011 betreibt er auf seinem Ignazhof in Widdersberg

eine eigene Brennerei. Ob Marille, Haselnuss oder

Birne-Honig: sehr lecker und eine schöne Geschenkidee

aus der Region. Gibt es zum Beispiel im „Seensucht“-Laden

in Herrsching.

www.seensuchtAmmersee.de

BREITBRUNN

4

2 5

HERRSCHING

9

ANDECHS

6

PÄHL

Text: Marlene Irausek, Line Kipp; Illustrationen: Lia-Charleen Royla

82


SeeTipps

6 DOLCE VITA

Die Hofmarkmühle in Pähl ist ein richtiger Hingucker.

Seit 2020 kochen und servieren hier Gabi & Riccardo mit

ihrem Team. In ihrer „Müllers Lust“ gibt es echte italienische

Küche in bayerischer Gemütlichkeit. Ob drinnen,

umgeben von schönen Antiquitäten, oder draußen im

idyllischen Garten – gegessen, getrunken und gefeiert

wird in besonderer Atmosphäre.

www.muellers-lust.com

7 SÜDSEE-BRISE

Das „Strandhotel“ an der Dießener Strandpromenade

hat neue Besitzer: Metzgermeister Johann Rieß verpasst

dem Haus mit dazugehörigem Restaurant und Strandbad

einen neuen Anstrich und Namen: Der Zusatz „Süd

See“ verweist auf die Lage am Südende des Ammersees.

www.strandhotel-diessen.de

8 IM KOLLEKTIV

Es gibt eine neue Werkstattgemeinschaft in Obermühlhausen.

In der ehemaligen Schreinerei Seemüller am

Mühlbach 1 haben Holzbildhauerin Marysola Meiler

de França, Kettensägerin Brigitte Gattinger, Zimmerer

Maximilian Koch und das Schreiner-Team Valentin

Koch und Kevin Brieger endlich einen Platz für ihr

Schaffen gefunden. Jetzt verbindet die fünf Handwerker

und Künstler nicht nur der Werkstoff Holz, sondern

auch die gemeinsam genutzten Räumlichkeiten.

Ansprechpartner: Valentin Koch, 0176 22060442

9 WEGWEISER

„Hurra draußen“ ist das Motto von Gitta, Helmut und

ihrem Cockerpoo Pelle. Eine große Auswahl herrlicher

Wandertouren zwischen München und den

Alpen zeigen sie auf ihrem Blog. Einer unserer Favoriten

ist die Route von Herrsching über das Kiental zum

Kloster Andechs. Schöne Alternative: zuerst entlang

des Ammersees über Ramsee hinspazieren.

www.hurra-draussen.de

DR. DR. NIKOLAUS BUCHHEIM & MICHAEL GAISSMAIER

www.zm-see.de | Tel.: (08157) 9 333-0

Bahnhofstr. 40 | 82340 Feldafing

DR. DR. NIKOLAUS BUCHHEIM & DR. MICHAEL GAISSMAIER

www.zm-see.de

Bahnhofstr. 40 | 82340 Feldafing

Tel.: (08157) 9333-0


SeeKultur

84


SeeKultur

Kommt ein

ZEBRA zum

KAMEL ...

Kein Witz, sondern ein Platz für alte Tiere: Auf der Circus

Krone-Farm nahe Weßling verbringen ehemalige

Showstars miteinander ihren Lebensabend. Wer will, kann

ihnen sogar einen Besuch abstatten

TEXT

FOTOS

MARLENE IRAUSEK

ELINA GATHOF

Illustrationen: Lia-Charleen Royla

Der Blick fällt als Erstes auf ein imposantes

Eisentor mit Pferdekopf-Emblem.

Rechts und links daneben prangen auf den Säulen zwei

goldene Kronen. Bis vergangenen Sommer wussten nur wenige,

was sich hinter der meterhohen Absperrung verbirgt.

Das ehemalige Haflingergestüt unweit der A 96 gehört der

Familie Krone, einer der berühmtesten Circusdynastien der

Welt. 1937 wurde das Anwesen, das zwölf Hektar umfasst,

von Carl Krone erworben, ab 1946 verpachtet und erst seit

Beginn der 90er-Jahre wieder von den Eigentümern als

Rückzugsort genutzt. Hügel, Wiesen und Wälder umrahmen

das wunderschöne Bauerngutshaus und die dazugehörigen

Stallungen. Pferde, die in der Manege noch aktiv sind, haben

mehrmals pro Tag Auslauf auf den großzügigen Weiden. Vor

allem aber ist die Farm das Zuhause ehemaliger Showstars:

Tiere, die nicht mehr in Circusnummern eingesetzt werden,

verbringen hier ihren Lebensabend.

Auch Circusdirektorin Jana Mandana Lacey-Krone und ihr

Mann Martin Lacey jr. genießen mit ihrer Familie nach

Ende jeder Sommer-Tournee ein paar Tage Auszeit in Weßling.

Normalerweise geben sie von März bis November rund

330 Vorstellungen in 25 Gastspielstätten. Zusammen mit

260 Mitarbeitern und 100 Tieren ziehen sie dann mit ihrer

kleinen Waggon-Stadt durch ganz Deutschland. Sogar eine

Schule ist in einem der Circuswagen untergebracht, damit

die Kinder keinen Lernstoff verpassen. Unterrichtet wird

nach dem bayerischen Lehrplan, die Circusschule ist staatlich

anerkannt, aber nicht staatlich subventioniert.

Aber seit mehr als einem Jahr steht Wagen Nummer 49, in

dem die Circusschule untergebracht ist, auf dem Gelände der

Krone-Farm und hat sich keinen Meter bewegt. Die gestartete

Deutschland-Tournee musste nach Ausbruch der Pandemie

am 13. März 2020 in Augsburg abgebrochen werden. Seitdem

hat nicht eine Vorstellung mehr stattgefunden. Ein Großteil

der Artisten sind in ihre Heimatländer zurückgekehrt.

Rund 100 Mitarbeiter sind derzeit

noch im Einsatz. Sie pflegen und trainieren

die Tiere, die im Krone-Bau in München

und auf der Farm in Weßling untergebracht sind.

Weil die laufenden Kosten selbst in Ruhezeiten immens

hoch sind – auf circa 3000 Euro pro Tag

belaufen sich allein Futter- und Pflegekosten –,

braucht es neue Geschäftsideen. Und so

öffnete der Circus im Juni 2020 das

erste Mal die Tore zu seiner Farm.

Jeden Samstag und Sonntag

konnten bis zu 100 Besucher an

einer Führung über das

85


SeeKultur

Gelände teilnehmen und mehr über den Alltag der Krone-Seniorenresidenz

und ihrer Bewohner erfahren.

Um die 50 Tiere werden hier in der Pandemiezeit versorgt.

Dazu zählt neben pensionierten Pferden, Eseln, Lamas

und Kamelen auch eine gerettete Ziegenherde. Zurzeit ist die

Farm auch die Heimat von zwei jungen Zebras, die von Tiertrainerin

Susan Lacey, der Schwiegermutter der Circusdirektorin,

für zukünftige Auftritte vorbereitet

werden. Auch mit den

„Senioren“ beschäftigt sie sich täglich.

„Das muss so sein, damit die Tiere

sich nicht langweilen“, erklärt

Frank J. Keller. Er ist Tierschutzbeauftragter

und sogenannter circensi-

Frank J. Keller, 57, ist

Tierschutzbeauftragter

des Circus Krone und

führt die Besucher über

die Farm. Dort zu sehen

ist unter anderem ein

Waggon, in dem Elefanten

transportiert wurden.

Der Circus ließ ihn

1925 extra anfertigen


Ungewöhnliche WG:

Auf der Farm teilen sich

Zebras und Kamele ein

Gehege. Während der

Führung darf man sie

mit Karotten füttern

Illustration: Lia-Charleen Royla

scher Berater des Familienunternehmens. Der gebürtige

Stuttgarter ist seit 1989 beim Circus Krone angestellt und

hauptsächlich in der Organisation tätig. Er kümmert sich

etwa um die Zusammenstellung von Programmen sowie um

die Kontakte zu den Veterinärbehörden. Für die Shows werden

jedes Jahr aufs Neue Artisten aus der ganzen Welt verpflichtet.

Sie begleiten das Stammpersonal über die Sommermonate

auf Tour oder zeigen ihr Können bei den

Wintervorstellungen im Circus Krone-Bau.

Seit vergangenem Sommer führt Keller auch Besucher

über die Farm – mit Headset, Humor und spannenden Hofgeschichten.

Die Tour startet auf der Wiese neben dem Parkplatz.

Ein nostalgisch anmutender roter Verkaufsstand bietet

Erfrischungen, Popcorn und Süßkram – ein bisschen

Circusfeeling mitten auf dem Land. Dazu trägt auch das

temporäre Gehege gegenüber bei, in dem die jungen und aktiven

Raubkatzen von Alexander Lacey untergebracht sind.

Auch der ältere Bruder von Circusdirektor Martin Lacey jr.

musste seine Tour aufgrund von Corona unterbrechen. Sein

Wohnwagen ist immer noch neben dem Gutshaus geparkt.

Über einen Schotterweg geht es zu den Stallungen: Hier gibt

es sogar eine „Probemanege“, denn die Tiere sind ja tägliche

Auftritte gewohnt. „Sie werden regelmäßig geistig und körperlich

gefordert, damit sie nicht in eine Krise geraten“, erklärt

Keller. Klingt plausibel – uns Menschen geht es ja nicht

anders. Ein Blickfang am Eingang sind die Ahnentafeln der

pensionierten Circuspferde, auf denen Name, Rasse und Alter

vermerkt sind: Viele Araber und Friesen sind darunter,

aber auch Lipizzaner und Palominos. Diese Rassen eignen

sich aufgrund ihres edlen Aussehens und ihres Wesens besonders

gut für die Dressur.

Über eine der Wiesen gelangt man zu den restlichen

Stellplätzen in einem großen Zelt. Hier sind neben dem ältesten

Bewohner der Farm – mit 37 Jahren ein Esel – auch

Lamas und Kamele untergebracht.

Ein Highlight ist das kleine Circusmuseum in einer alten

Holzscheune. Zu bewundern gibt es nostalgische Kutschen,

ein Klavier, auf dem Elefanten „geklimpert“ haben,

sowie alte Circusschilder und Programme – wenige Dinge,

die aber ausreichen, die Gedanken in vergangene Zeiten zu

entführen. Weil das Museum so gut ankommt, ist eine Vergrößerung

geplant. Gleich daneben verbringen in einem

alten Circuswagen mit Auslauf die pensionierten indischen

Tiger von Susan Lacey ihren Lebensabend. Ein paar

Eindrücke ihrer Karriere sind entlang des Zaunes auf Bildern

verewigt. Völlig unbeeindruckt von den Zuschauern,

halten sie ein Schläfchen in der Sonne. Tiger schlafen circa

18 bis 20 Stunden pro Tag – im Circus ebenso wie in freier

»Pferde sind fester Bestandteil

des klassischen Circusprogramms.

Daher gibt es

bei Krone keine Show, in der

sie nicht gezeigt werden«

Frank J. Keller

87


SeeKultur

Fast wie auf Tour: Am

Parkplatz des zwölf Hektar

großen Areals findet

auch der Verkaufsstand

Verwendung. Über Popcorn,

Zuckerwatte und Co.

freuen sich die kleinen

und großen Besucher

89


SeeKultur

Wildbahn. Hinter dem Gehege stehen alte Transportwagen

für die Tiere. Das klingt erst mal unspannend, ist aber sehr

lustig: Giraffe Juma zum Beispiel reiste in einem hydraulisch

verstellbaren Wagen, damit man mit ihr auch durch

Tunnel fahren konnte. Auch Nilpferddame Poppäa hatte

ihr eigenes Gefährt, mit Wasserbecken und Trockendeck.

Fun Fact am Rande: Sie lebt derzeit in München und bekommt

wegen ihrer Kreislaufprobleme jeden Tag eine

Thermoskanne Kaffee gereicht.

Apropos: Wer zwischendurch eine Erfrischung braucht,

kann sich am Eiswagen etwas holen. Es gibt auch Snacks für

die Tiere. Mit Karotten darf man die Kamele und Zebras im

angrenzenden Paddock füttern. Stunden könnte man den

Kamelen beim Kauen zuschauen. Man muss dabei einfach

lachen. Ein bisschen absurd ist das schon: Kamele neben

Zebras auf einer sattgrünen bayerischen Wiese.

Die Führungen über das Gelände sollen durch die Krise

helfen, zumindest etwas. Circusse werden in Deutschland

nämlich nicht als kulturell relevant anerkannt und somit

auch nicht subventioniert. Da noch nicht absehbar ist, wie es

sich mit öffentlichen Veranstaltungen weiterentwickelt, soll

die Krone-Farm auch diesen Sommer wieder öffnen, sofern

die Auflagen es zulassen. Denn: „The show must go on!“

Damit den ehemaligen

Circusstars nicht langweilig

wird, werden sie

regelmäßig beschäftigt:

Tiertrainerin Susan

Lacey bei der Arbeit in

der Probemanege

90


SeeKultur

Advertorial

LA VILLA AM STARNBERGER SEE

Sommerfreuden

Nach einem halben Jahr Ruhe ist die Vorfreude

groß, das Leben wieder mit allen Sinnen zu genießen.

LA VILLA, mitten im Grünen fernab aller Hektik, ist

genau der richtige Platz dafür. Das historische Anwesen am

Ufer des Starnberger Sees fasziniert seit 160 Jahren mit seinem

ganz besonderen Charme. Das Team rund um

Geschäftsführerin Katja Lindo und Direktorin Margarete

Schultes freut sich darauf, die Gäste endlich wieder vor Ort zu

begrüßen. Ob Tagungen, Hochzeitsfeiern und fröhliche

Familien- und Geschäftsfeierlichkeiten: Die eingespielte

Mannschaft kann es kaum erwarten, gemeinsam mit den

Gästen zu planen und Kurzurlaubern einen unvergesslichen

Aufenthalt zu bereiten. Ein köstliches Mittag- oder Abendessen

und ein besonders gutes Fläschchen Wein im Menürestaurant

der historischen Villa erfreuen Körper, Geist und Seele.

Küchenchef Christoph Gessner zaubert erstklassige Gerichte

mit besten Zutaten aus der Region. Sommelier Thorsten Brück

serviert dazu erlesene Gewächse aus dem wohlsortierten Keller,

unter anderem den Wein „Gemeinsam“, welchen er mitkreiert

hat, sowie die neue LA VILLA Premium Weinedition.

In den vergangenen Monaten wurde in der Villa eifrig gewerkelt.

Der historische Ort hält auch digitale Alternativen bereit.

Als Tagungslocation bietet LA VILLA Möglichkeiten und

Lösungen an, um Events stattfinden zu lassen – unkompliziert

und unabhängig von Ort, Zeit und Reisevorgaben. „Es ist

uns wichtig, unseren Gästen auch neue Perspektiven anzubieten.

Wir möchten, dass sie zusammenkommen, kreativ

und produktiv sein können – und zwar an diesem besonderen

Platz, bei uns in LA VILLA“, so Katja Lindo. Ihr Ziel: mit nachhaltigen

Veränderungen den Weg in die Zukunft bereiten und

gleichzeitig die ursprüngliche Seele von LA VILLA bewahren.

LA VILLA am Starnberger See

Tagungen – Festlichkeiten – Hotel

Ferdinand-von-Miller-Straße 39–41

82343 Niederpöcking

Tel. 08151 770 60

info@lavilla.de

www.lavilla.de


SeeHaus

Links: Die Außenwand

des Bauernhauses bekam

einen Kalkputz, die

Fassade der Scheune ist

mit gealtertem Fichtenholz

verschalt

Rechts: Durch das offene

Gebälk blickt man auf

die moderne Stahltreppe,

die das alte Wohnhaus

mit der ehemaligen

Scheune verbindet

WIE SCHÖN

DU BIST,

ALTES HAUS!

In diesem Seeshaupter Bauernhof wurden

200 Jahre Baugeschichte für die Familie

weitergeschrieben. So historisch und atmosphärisch

wie zeitgemäß und zukunftsfähig

TEXT KATHARINA MATZIG

FOTOS SORIN MORAR

LUST AUF NOCH MEHR

HÄUSER DES JAHRES?

Neben diesem Bauernhof in

der Nähe des Starnberger Sees

kann man im aktuellen Bildband

„Häuser des Jahres“ 49

weitere, ebenfalls prämierte

Einfamilienhäuser entdecken.

Dazu werden innovative Baulösungen

von der Außenwand

bis zum Badezimmer vorgestellt.

Ideal für Bauherren und

Architekten, die sich für eigene

Projekte inspirieren lassen

möchten (Callwey Verlag,

59,95 Euro)

92


SeeHaus

Links: Wertige, natürliche

Materialien wie die

Eichenvollholz-Dielen

und der Kalkverputz sorgen

für Gemütlichkeit in

den Wohnräumen. Und

bieten eine Bühne für

Hingucker aus Stahl,

etwa die Treppe ins

Dachgeschoss oder das

Regal in der Küche

Unten: Eine handwerkliche,

traditionelle

Bearbeitung belebt die

Atmosphäre und den unaufgeregten

Charme des

Bauernhauses. Zu sehen

in Details wie den Armaturen

und Waschbecken

aus Messing im Bad

»Wenn ein Haus den

Menschen mit einer

Stimmung umgibt –

nicht nur mit Wänden –,

entsteht Architektur«

Sebastian Wiedemann

Ein 200 Jahre alter Bauernhof in einem

kleinen Weiler in Oberbayern unweit des

Starnberger Sees, gebettet in ein Dorf zwischen hoch liegender

Kapelle und Wirtschaft mit Maibaum: ein Idyll. Eine Sanierung

in den späten 80er-Jahren und eine Patina, die statt

als romantisch nur als Bauschaden zu bezeichnen war: ein

Alb. Es brauchte Mut auf Bauherrenseite, hier einen Ort für

die große Patchworkfamilie zu erträumen. Und es brauchte

die Kompetenz des Münchner Architekturbüros swa.studio

von Sebastian Wiedemann, um das Baukunststück zu meistern,

trotz umfassender Sanierung ein Domizil zu schaffen,

das zwar in nahezu allen Bereichen neu entwickelt wurde

und den Ansprüchen an zeitgemäßes Wohnen entspricht,

dabei aber die Qualitäten des Altbestands herausarbeitet

und dessen Atmosphäre bewahrt. Kurz gesagt: ein Wunder.

Es ist gelungen, in dem Haus lässt sich heute prima wohnen.

Der Grundriss wurde neu organisiert und großzügig

zoniert. Gelebt und gegessen wird in der Küche, die im

alten Hühnerstall Platz findet. Eine Blickachse quer durch

das Haus reicht bis in den Musikraum im alten Kuhstall.

Die Raumaufteilung in den Obergeschossen des Haupt-

hauses wurde hingegen weitgehend beibehalten, auch

um den alten Boden erhalten zu können. Ein Multifunktionsraum

zwischen Scheune und Wohnhaus, abgetrennt

durch eine Stahl-Glas-Fassade, verbindet und erschließt

über einen Steg aus Stahl das Dachgeschoss. Neu ausgebaut,

bietet es dem Master-Bedroom mit einem offenen,

fugenlosen Bad aus Tadelakt, einem wasserfesten mineralischen

Glanzputz, Platz.

In den übrigen Bereichen beschränken sich die Materialien

auf gebrannten Kalk als Oberfläche für Wände und Böden,

unbehandelte Hölzer wie Räuchereiche, geölten Stahl, Messing

sowie Naturstein – handwerklich verarbeitet, nicht

industriell. Die meisten Elemente bis hin zu den Armaturen

wurden entworfen und angefertigt, auch das Beleuchtungskonzept

und die Lampen sowie die Lichtinstallation in der

Scheune sind eigens entwickelt. Denn, da waren sich Bauherren

und Architekten sicher, eine Sanierung des alten

Gemäuers mit herkömmlichen, „modernen“ Materialien

hätte den Charme nicht wiederbelebt. Atmosphäre entsteht

vielmehr durch den Transfer und die Übersetzung der Qualitäten

des Altbaus in einen zeitgemäßen Entwurf.

95


SeeHaus

Die Fenster der Nordund

Westfassade sind

schwenkbar und

machen die umgebende

Natur zum Teil der

Wohnfläche

EINFACH

ANGEDOCKT

Wie man mit einem Anbau nicht nur mehr

Wohnfläche, sondern etwas ganz Eigenes schafft,

beweist das Schwarze Haus in Breitbrunn

INTERVIEW

FOTOS

SABINE SCHAEFER-GAISER

FLORIAN HOLZHERR

96


SeeHaus

Familienmensch: Fabian Wagner

vom Buero Wagner Architekten hat

das Haus für seinen Bruder geplant

Was sofort ins Auge springt, ist die verkohlte Holzfassade.

Ist sie von einer traditionellen ländlichen Architektur

beeinflusst oder eher von „Shou Sugi Ban“ inspiriert, einer

speziellen japanischen Holzkonservierung?

Tatsächlich wird diese Methode heute noch in Japan

verwendet. Auch bei uns kennt man sie, zum Beispiel

beim Stegbau. Aber es gibt hierzulande eine starke Bauindustrie,

die viele dieser traditionellen Methoden, die

durchaus sinnvoll waren, verdrängt hat.

Welchen funktionalen Nutzen hat die Methode?

Durch das Verbrennen der Oberfläche wird das Holz

härter und wasserabweisend. Außerdem bilden sich

durch das Erhitzen im Holz teerartige Substanzen, die es

resistent gegen Pilzbefall und Insekten machen.

Porträt: Niko Schmid-Burgk

Man wohnt ruhig in Breitbrunn am

Ostufer des Ammersees. Die Landschaft

ist zersiedelt, aber herrlich grün, der See liegt immer

in Sichtweite. Am Ortsrand des ehemaligen Fischerdorfs,

angedockt an ein Mehrfamilienhaus, steht ein kleiner kohlschwarzer

Bau, geradezu ein Gegenentwurf zur oft nichtssagenden

Uniformität sonstiger Einfamilienhäuser: Der

Architekt Fabian Wagner hat ihn für seinen Bruder geplant

– auf dem Grundstück der Eltern.

Herr Wagner, Ihr Schwarzes Haus wurde vielfach ausgezeichnet:

unter anderem 2021 mit dem „max40“-Preis, den

der Bund Deutscher Architekten an junge Architektinnen

und Architekten verleiht. Sind Sie überrascht über das

positive Feedback?

Wir ahnten, dass das Haus Potenzial hat. Als Tiny House

trifft es den Nerv der Zeit.

Obwohl es sich bei dem Gebäude um einen Anbau handelt,

hat das Schwarze Haus eine ganz eigene Identität. Warum

haben Sie das bereits bestehende Mehrfamilienhaus Ihrer

Eltern aus den 80er-Jahren nicht einfach weitergebaut?

Das Schwarze Haus sitzt zwischen zwei Bestandsbauten,

beide von namhaften Architekten. Das Mehrfamilienhaus

wurde von Sampo Widmann geplant. Und

das neue Bürogebäude dahinter, das wie ein weißes

Raumschiff aussieht, von Atelier Brückner aus Stuttgart.

Wir wollten nicht in der Sprache eines anderen Architekten

entwerfen, sondern etwas Eigenständiges entgegensetzen.

Und natürlich sollte sich der Bauherr damit identifizieren

können. Übrigens haben meine Eltern das Haus

von Sampo Widmann über den Ziegelbungalow meiner

Großmutter aus den 60er-Jahren bauen lassen. Es gab

also bereits eine Umformung. Das Haus konnte nun in der

dritten Generation weiterwachsen.

Wie viele Quadratmeter Grundfläche standen Ihnen zur

Verfügung?

Genau 5 mal 6 Meter, also 30 Quadratmeter. Insgesamt

ist das Grundstück 2000 Quadratmeter groß.

Wie ließ sich auf dieser kleinen Fläche ein lebenswertes

und ästhetisch gelungenes Zuhause für zwei Personen

entwickeln?

Im Inneren gehen Räume und Nutzungen ineinander

über, überlagern sich und ermöglichen dadurch unter­

97


SeeHaus

Links: Natürlicher Holzschutz:

Das Verkohlen

der Fassade erzeugt

eine wasserabweisende

Schicht und verhindert

Pilzbefall

Rechts: Ineinander verschachtelte

Räume, fließende

Übergänge – das

Schwarze Haus überzeugt

auch mit einem durchdachten

Innenleben

schiedliche Raumerfahrungen. Große Fenster lassen den

Raum ins Freie fließen und so die Grenze zwischen innen

und außen verschwimmen.

Wie viele Räume hat der Bau genau?

Eine Küche mit Wohn- und Essbereich im Erdgeschoss

sowie ein Schlafzimmer mit Bad und separatem

WC im Untergeschoss. Während der Eingangsbereich mit

Küche niveaugleich zum Bestand liegt, schließt der Fußboden

des erhöhten Essbereichs ebenerdig an das Gelände

an und erweitert sich durch große, drehbare Öffnungen

zur Terrasse beziehungsweise zu einem Waldstück

mit 100-jährigen Eichen und einem kleinen Bach.

Welche Materialien haben Sie verwendet?

Der Bau ist aus Beton mit einer Holzschalung. Das Interieur

ist in Form und Material zurückhaltend gestaltet.

Alle Einbauten wie Küche, Schränke, Türen und Fenster

sowie der Treppenturm sind aus naturbelassener, geölter

Eiche gefertigt. Auch der Beton ist nicht chemisch versiegelt,

sondern nur mit Steinöl behandelt.

Wird der Einsatz von Beton auch energetisch genutzt?

Ja, der Fußboden und teilweise auch die Wände die­

nen als thermischer Energiespeicher für die eingebaute

Flächenheizung. Wir haben während der Rohbauphase

übrigens nicht nur die Heizschlangen eingegossen, sondern

auch Armaturen oder Anschlüsse in den Beton eingebracht.

Dadurch wirkt alles sehr puristisch und klar.

Ist das Schwarze Haus auch ein Beitrag zur ländlichen

Nachverdichtung?

Sicher. Es ist einfach im Laufe der letzten Jahre ein

Thema geworden, dass wir mit unseren Ressourcen und

unserem Energieverbrauch nicht mehr so weitermachen

können wie bisher. Trotzdem ist es immer noch schwierig,

Bauherren davon zu überzeugen, Bestand zu erhalten, statt

alles abzureißen. Das muss noch stärker ins Bewusstsein

kommen. Ein Konzept wie das des Schwarzen Hauses ist

auch deshalb sinnvoll, weil es in Gegenden wie dem Fünfseenland

an erschwinglichen Grundstücken mangelt.

Ist es eigentlich von Vorteil, für seine Familie zu bauen, weil

man so mehr kreative Freiheit hat?

Es kann einfach, aber auch kompliziert sein. Ich kenne

Beispiele, wo man danach nie mehr miteinander geredet

hat. Mein Bruder und ich denken in vieler Hinsicht ähnlich.

Wir verstehen uns Gott sei Dank immer noch gut.

98


SeeTipps

6 8

WESSLING

3

ALLER GUTEN

DINGE SIND DREI

Auch die kleinsten der fünf Seen haben viel

zu bieten: Rückzugsorte, Handwerkskunst

und ganz besondere Genussmomente

am Pilsen-, Wörth- und Weßlinger See

1 BOXENSTOPP

Mit der „Festemacherei“ helfen die Brüder Sebastian

und Quirin Hirling beim Organisieren von Feierlichkeiten.

Seit April kümmern sie sich auch um die

„Seehüttˇn“, das Bistro direkt am Pilsensee. Bei gutem

Wetter bekommen Flanierende hier kühle und heiße

Erfrischungen, ausgefallene Pizzakreationen, Currywurst

und Pommes de luxe.

www.festemacherei.de

2 DETAILVERLIEBT

Designklassiker neben Vintagestücken, Holzmöbel

und ausgewählte Stoffe: In „Grundlers Gästehaus“

direkt am Wörthsee übernachtet man in liebevoll eingerichteten

Quartieren. Herzstück ist die voll ausgestattete

Gemeinschaftsküche – hier darf jeder Gast kochen,

plauschen und genießen.

www.grundlers.info

3 SZENETREFF

Nicht einfach nur ein Musikgeschäft : In der Acoustic

Corner in Oberpfaffenhofen gibt es neue und gebrauchte

Instrumente, eine Fachwerkstatt, Workshops und

auch mal spontane Musik-Sessions. Dazu werden im

„Shop in Shop Café“ Kaffeespezialitäten und frische

kleine Mahlzeiten gereicht.

www.acousticcorner.de

4 SCHÖNE AUSSICHTEN

Dieser perfekte Picknick-Spot mit Blick über den benachbarten

Ammersee liegt ganz in der Nähe des

Wörthsees: von Schlagenhofen etwa 30 Minuten Richtung

Breitbrunn laufen und direkt hinter der Kuppe

auf Höhe der Wörthseestraße 39 nach links abbiegen.

4

STEINEBACH

HECHENDORF

6 FRISCH GEDRUCKT

Architekt und Künstler Felix Flesche druckt

Postkarten im Letterpress-Druckverfahren.

Dabei entstehen einzigartige Motive.

Instagram: @felixflesche

7 ALLES BIO

HOCHSTADT

Bei „Fräulein Müllers“ gibt es Gutes aus der Region:

schmackhafte Kartoffeln, Honig und ein ganz besonderes

Sonnenblumenöl aus der hauseigenen Presse. Die Produkte

stammen von den selbst bewirtschafteten Bioäckern in

Alling und Hechendorf.

www.fraeulein-muellers.de

8 OH, LÀ, LÀ

Einzigartige Kuchen-Kreationen und traditionelle Leckereien

bietet Konditorin Karin Meisenzahl im „Amselcafé“

in Weßling. In ihrem feinen Laden mit französischem Flair

verkauft sie neben ausgefallenem Gebäck auch resche Brezen,

Semmeln und Espresso aus der Siebträgermaschine.

amselcafe.business.site

7

2

1

5 AUFGESATTELT

Tatjana Götz hat ihr Hobby zum

Beruf gemacht. Ob Schnupperstunde

oder gemeinsamer Ausritt:

In Hochstadt bietet die Pferdeliebhaberin

mit Trainer-C-Lizenz

ihren Reitschülern individuell

abgestimmten Unterricht an.

www.tatjana-goetz.de

5

Text: Marlene Irausek, Line Kipp; Illustrationen: Lia-Charleen Royla

100


Advertorial

IL PLONNER

Das Leben ist ein Fest …

Fotos: flohagena.com

wenn man es feiert! Der Dorf-Gasthof Il Plonner in

Oberpfaffenhofen ist der perfekte Ort dafür. Seit

2011 kombinieren die Inhaber Carola und Domenico Petrone

bayerische Gemütlichkeit mit italienischer Gastfreundschaft

und servieren dazu fantastische Menüs. Die Gerichte

werden immer aus frischen, regionalen und hochwertigen

Bio-Zutaten und mit viel Liebe zum Detail zubereitet. Auch

diesen Sommer lädt das Ehepaar zu gemeinsam zelebriertem

Genuss ein: zu warmen Abenden im Biergarten und

geselligen Runden bei köstlichem Essen.

Zum Beispiel zum Fine Dining, bei dem jeden Samstagabend

Genießer voll auf ihre Kosten kommen. Menüs mit

Zutaten aus der Region und fein abgestimmter Weinbegleitung

von Bio-Winzern machen den Abend zu einem ganz

besonderen Erlebnis, das zu bewusstem Genuss und

Entschleunigung ermutigt. Das Kochen wird hier als Handwerk

aus Leidenschaft verstanden, davon kann man sich

immer wieder neu überzeugen. Auch an den anderen Abenden

der Woche kann man im Gasthof die Seele baumeln

und sich verwöhnen lassen. Beim Meat with friends Barbecue

werden im Juni und Juli jeden Freitag ganze Fleischstücke

von Oberpfaffenhofener Bio-Rindern gegrillt und

zusammen genossen. Und auch die Kultur kommt nicht zu

kurz: Jeden Donnerstag spielt eine andere Band aus der

Region unter dem grünen Blätterdach der Kastanien, die im

Biergarten stehen. Wer diesen Sommer nicht in den Urlaub

fährt, macht einfach Urlaub dahoam und genießt die Abende

im August unter dem Motto „La Dolce Vita“ mit exquisiter

italienischer Küche, Feriengefühl inklusive. So wird der

Gasthof ein Rückzugsort für gemeinsame, besondere

Momente voller Lebensfreude und Gemütlichkeit. Die Gastwirte

Carola und Domenico freuen sich auf die Saison –

und darauf, zusammen das Leben zu feiern!

IL PLONNER – der Dorf-Gasthof

Carola & Domenico Petrone GbR

Gautinger Straße 52

82234 Oberpfaffenhofen

Tel. 08153 91 61 27

Fax 08153 90 70 56

info@ilplonner.de

www.ilplonner.de


SeeHaus

102


SeeHaus

Gestern Garten,

morgen Paradies

Klar, den Bienen soll es besser gehen, Vogel- und

Froschkonzerte gern öfter erklingen. Aber einen richtigen

Naturgarten anlegen? Die Staudengärtner von

Spatz & Frank verraten, wie man ganz entspannt startet

TEXT

SILKE HEUSCHMANN

Fotos: Callwey/Marion Nickig

Linke Seite: Stauden in Hülle und Fülle. Gärtnerin Susanne Spatz- Behmenburg

kultiviert in ihrer Gärtnerei in Oberhausen rund 3000 Arten, darunter zahlreiche Wildstauden.

Rechte Seite: Nur für Babys: Das Gewächshaus dient bei Spatz & Frank zum

Vorziehen der Pflanzen im Winter – danach dürfen sie unter freiem Himmel abhärten

103


Dieses Gedankenspiel klingt vielleicht

kitschig, macht aber Spaß: Sie laufen in

der Abendsonne durch eine hohe Wiese, Ihre Fingerspitzen

streifen Gräser, rundherum ein Duft von Heu und Sommer, in

den Ohren das Zirpen der Grillen und überall ein Mix aus

kleinen, verspielten Blüten – herrlich, oder? Komisch, dass

dennoch fast jeder fleißig seinen Rasen mäht.

Spätestens durch Corona hat sich der Blick vieler Gärtnerinnen

und Gärtner auf das klassische Gartenideal verändert.

Erst mal hat die Pandemie gezeigt, was für ein Glück wir haben:

wie gut ein Balkon, ein Stück Acker, ein Garten tut, wie

sehr er uns erdet. Und gleichzeitig hat uns diese Zeit mit der

Nase darauf gestoßen, dass Nachhaltigkeit und Naturschutz

nicht nur ein nettes Hobby, sondern Notwendigkeiten sind.

Kein Wunder also, dass der Naturgarten angesagt und hoffentlich

viel mehr als eine Mode ist.

Naturgarten ... was ist das überhaupt? Klar, ein nachhaltiger

Lebensraum für Mensch und Tier. Aber ist das nicht ein

Widerspruch in sich? Natur ja, aber bitte exakt ausgesucht?

Und außerdem: Wie genau geht das? „Ich halte viel davon, einfach

mal anzufangen und sich nicht zu viele Gedanken zu machen“,

sagt die Staudengärtnerin und Landschaftsarchitektin

Susanne Spatz-Behmenburg mit entspanntem Lächeln. Aber

sollte man nicht gerade zu Beginn den Boden samt den bisherigen

Pflanzen herausholen und sehr viel Kies zum Boden-Abmagern

liefern lassen? „Ein Schmarrn“ sei das, sagt Susanne

Spatz-Behmenburg entschieden. „Natürlich sind die vielfältigen

Wildpflanzen eher an Magerstandorten zu Hause. Aber es

gibt auch viele, die in ganz normaler Erde gut zurechtkommen.“

Ihr Tipp: „Warum nicht beides in verschiedenen Beeten probieren?

Vielleicht ein Beet mit Sand abmagern. Und im anderen

die schönen Pfingstrosen von der Oma erhalten. Übrigens:

Wenn man nicht düngt, wird es von selbst immer magerer.“ In

ihrer Gärtnerei in Oberhausen beobachtet die zertifizierte

Staudenproduzentin, dass sich immer mehr Menschen für den

Naturgarten interessieren. „Unsere Wildarten sind gerade fast

ausverkauft. Seit dem Volksbegehren 2019 zur Artenvielfalt

und Naturschönheit in Bayern mit dem Motto ‚Rettet die Bienen‘

kommen neben den Naturgartenprofis auch viele Privatgärtner

zu uns.“ Viele der Bienenretter haben schon ein Bienenhotel

und suchen nach den passenden Pflanzen – die Insekten

sollen ja Nektar und Pollen finden. Und schon stößt man auf

hübsche Namen wie Pfirsichblättrige Glockenblume, Herzgespann

und Mazedonische Witwenblume. „Die Witwenblume

empfehlen wir sehr gern“, verrät Susanne Spatz-Behmenburg.

„Insekten lieben sie, sie blüht lange, lässt sich schön zwischen

andere Stauden pflanzen, weil ihre Blüte weit über dem Blattbüschel

schwebt. Sie verträgt sogar Trockenheit.“ Ebenfalls

großartig seien Wiesenrauten, Skabiosen, Elfenblumen, der

echte Salbei, der Berglauch, ach, so viele sind genial. Und natürlich

die Gräser – wenn Spatz-Behmenburg über ihre Lieblinge

spricht, spürt man eine Begeisterung, die ansteckt.

Das Schöne im Wildgarten ist: (fast) alles kann, nichts

muss und schon gar nicht sofort. Wer mag, räumt erst mal weniger

auf. Woher kommt überhaupt diese Idee, man müsse

Mit ihren vielfältigen

Farben und Formen bilden

Stauden wogende

Blütenfelder, die nie

künstlich oder übertrieben

wirken

104


SeeHaus

Aus Pflanzenspitzen hat

Staudenprofi Alexander

Frank (Spatz & Frank)

bewurzelte Stecklinge

gezogen. So spart man

Transportwege und

garantiert Bioqualität

»Ich plane in fast jedes

Staudenbeet auch Gräser mit ein.

Sie machen den Wind sichtbar«

Susanne Spatz-Behmenburg

Fotos: Callwey/Marion Nickig, Staudenspatz

105


SeeHaus

Impressum

KONTAKT ZUM SEEMAGAZIN

Tel. 08151 959974

kontakt@seemagazin.de

www.seemagazin.de

SeeMagazin, Jahresausgabe 2021

HERAUSGEBERIN,

VERANTW. PROJEKTLEITUNG

Sabine Schönmann (V.i.S.d.P.)

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schoenmann@seemagazin.de

LEITUNG MARKETING

& SALES

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ross@seemagazin.de

LEITUNG REDAKTION

Sandra Djajadisastra

MANAGING EDITOR

Barbara Webinger

GRAFIK

Nina Breindl (Art Direction),

Claudia Homer, Dominik Lange

REDAKTION

Marlene Irausek, Line Kipp,

Katrin Sandgathe, Alissa Selge,

Anna-Lena Wolfarth

BILDREDAKTION

Elina Gathof (Leitung),

Jasmin van de Loo

FREIE MITARBEITER

DIESER AUSGABE

AUTOREN

Gordon Detels, Angelika Dietrich,

Silke Heuschmann, Karin

Lochner, Ute Pröttel, Sabine

Schäfer-Gaiser, Katja Sebald

FOTOGRAFEN

Elina Gathof, Jan Greune,

Florian Holzherr, Janina Lazslo,

Constantin Mirbach, Michela

Morosini, Thorsten Rother,

SeeHoch5, Jasmin van de Loo

SEEMAGAZIN BESTELLEN

Das SeeMagazin 2021 ist bereits die 17. Ausgabe. Wer eine Ausgabe verpasst

hat, kann sie zum Sonderpreis von 3 Euro pro Heft bestellen. Die

gesammelte Kollektion gibt es für 38 Euro. Jeweils zzgl. Versandkosten.

Übrigens auch ein wunderbares Geschenk, ob für Einheimische oder Gäste.

Mit dem Druck unseres Magazins unterstützen wir das Gold Standard

Klimaschutzprojekt „Godawari Power und Ispat Limited (GPIL)“

der Klimaschutzagentur Fokus Zukunft. Die Aktion ermöglicht den

Betrieb einer Biomasseanlage in Siltara, Raipur, Indien, und damit

eine bessere Stromversorgung der Bevölkerung aus nicht fossilen

Brennstoffen. Als erneuerbare Energiequelle werden dort biogene

Reststoffe auf Basis von Reishülsen verwendet.

www.facebook.com/seemagazin

@seemagazin auf Instagram

ILLUSTRATORIN

Lia-Charleen Royla (frei)

SCHLUSSREDAKTION

Lektorat Süd, Gisela

Haberer-Faye/Marion Riecke,

www.lektorat-sued.de

OFFICE SEEMAGAZIN

Heidi Hacker

hacker@seemagazin.de

DRUCK

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Genehmigung der Redaktion.

Für unverlangt eingesandte

Bilder, Manuskripte, Waren keine

Haftung. Nachdruck, Aufnahmen

in Online-Dienste und Internet,

Vervielfältigung auf Datenträger

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DAS SEEMAGAZIN WIRD

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80805 München,

Tel. 089 901097610

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Geschäftsführer:

Dr. Markus Schönmann

Amtsgericht: München,

HRB 192756, Sitz der

Gesellschaft: München

PAPIER

Das Papier dieser Ausgabe

stammt aus nachhaltig,

ökologisch und sozial

verant wortungsbewusst

bewirtschafteten Wäldern.

klimaneutral

natureOffice.com | DE-248-23REKPK

gedruckt

den Garten aufklaren wie ein unordentliches Kinderzimmer?

Erlaubt man eine wilde Ecke, in der Steine, Strauchschnitt

und/oder Totholz lange lagern, ziehen bald Frösche, Eidechsen,

Wildbienen und Käfer ein. Außerdem hinterfragt der

kluge Naturgärtner gleich mehrere seiner Angewohnheiten,

zum Beispiel das Rasenmähen. Warum nicht mal die Rasenfläche

eingrenzen, die wir kurz geschoren behalten wollen,

und den Rest nur zwei- bis dreimal im Jahr kürzen? Mit etwas

Glück bildet sich eine wunderschöne, blütenreiche Wiese. Ansonsten

rät Susanne Spatz-Behmenburg zum Pflanzenpaket

„Tausende Gärten, Tausende Arten“. Unter diesem Titel will

gerade eine vom Bundesamt für Naturschutz geförderte Kampagne

mehr Artenvielfalt in die Gärten bringen. Chemischer

Dünger stört dabei, er schadet den Tieren und ist alles andere

als nachhaltig, ebenso chemische Pflanzenschutzmittel. Dafür

nutzen Naturgärtner lieber Kompost und Pflanzenjauche.

Kompost? Pflanzenjauche? Neulinge finden auf YouTube gelungene

Tutorials, die Schritt für Schritt erklären, wie man

Kompost, das „Gold des Gärtners“, selbst herstellt. „Im biologischen

Garten kann man auch mit Schafwollpellets, Hornspänen

und Vinasse düngen“, erklärt Susanne Spatz-Behmenburg.

Wer also bisher Laub und Grasschnitt zum

Wertstoffhof trug, kann sich das in Zukunft sparen. Und stattdessen

bei einer Tasse Tee planen, wie man beides mischt und

daraus beste neue Erde zaubert (Infos auf YouTube unter

„Laubkompost“). Schädlinge vermeidet man übrigens, indem

man Pflanzen an den richtigen Standort setzt. Vielleicht sind

Naturgärtner ja einfach zu faul zum Jäten? Nicht ganz. Sie

schauen nur genauer hin, versuchen zu ergründen, wer was

braucht und was wem schaden könnte. Bei Obst und Gemüse

hilft es, resistente Sorten zu wählen und Nützlinge anzulocken.

Wenn andere umgraben, rütteln ökologisch Interessierte

lieber mit der Grabegabel im Boden, um ihn zart zu lockern

– schließlich will man nicht die von Kleinstlebewesen sortierten

Erdschichten durcheinanderwirbeln. Dass man keine

Erdmischungen mit Torf kaufen sollte, hat sich auch fern des

Naturgartens schon herumgesprochen.

Bleibt noch die Hardware des Gartens, die Wege und Mauern,

da dürften sich ja klassische Gärten und Naturgärten

nicht unterscheiden, oder, Martin Schröferl? „Doch: Naturnah

zu bauen, heißt für mich, auf regionale oder gebrauchte Baustoffe

zurückzugreifen“, erklärt der Naturgartenbau-Spezialist

aus Seeshaupt. „Manchmal gibt es Restposten bei Privatleuten,

bei Abbrüchen oder am Bauhof, und oft sind die

Menschen sogar froh, Dinge loszuwerden.“ Das dürfte in Zukunft

auch für unsere selbst gezogenen Ableger, Samen aus

der wilden Wiese oder das neue Naturgarten-Know-how gelten:

einfach weitergeben. Ökologischer geht’s nicht.

Lust, noch mehr zu erfahren? Hier sind 3 Lese-Tipps!

– Reinhard Witt: „Natur für jeden Garten. Das Einsteigerbuch“

(Naturgartenverlag)

– Ulrike Aufderheide: „Tiere pflanzen. Faszinierende Partnerschaften

zwischen Pflanzen und Tieren“ (pala-verlag)

– Anja Birne: „Das große Buch der Gärtnerinnen & Gärtner“, in dem

auch Spatz & Frank porträtiert werden (Callwey Verlag)

106


Advertorial

METZGEREI LUTZ, PÖCKING UND TUTZING

Natürlich gut

Fleisch ist wertvoll. So behandelt es Metzgermeister

Oliver Lutz auch. In seinem Betrieb in Pöcking wird

noch selbst geschlachtet. Dabei achtet er bewusst darauf, mit

wem er zusammenarbeitet. Die Landwirte, von denen Lutz seine

Schlachttiere bezieht, führen ihre Höfe mit Verantwortung:

ohne Gentechnik-Fütterung, dafür mit viel Auslauf. „Bewegung

ist wichtig. Das Tier entwickelt eine bessere Muskulatur, wächst

langsamer. Die Geschmacksstoffe im Fleisch sind konzentrierter.

Das schmeckt man“, erklärt der Fachmann. Keiner seiner

Lieferanten ist weiter als 45 km entfernt, um einen stressfreien

Transport zu gewährleisten. „Bei uns wissen die Kunden genau,

worauf sie sich verlassen können: regionale und gute Produkte“,

sagt Lutz. Das Rindfleisch wird langsam und ausschließlich

am Knochen gereift. Perfekte Bedingungen für diesen traditionellen

Prozess bieten zwei moderne Reifeschränke. Verarbeitet

werden heimische Rassen wie Simmentaler Fleckvieh und

Werdenfelser Rind genauso wie Galloway oder Angus. Zu den

ganzjährigen Klassikern gibt es immer mal wieder neue Spezialitäten

wie Chianinarind, aus dem original Bistecca fiorentina

rausgeschnitten wird. Wer etwas Neues probieren möchte,

steht bei Fleischsommelier Lutz an der richtigen Theke: „Wir

beraten und empfehlen gerne!“ Es muss nicht immer nur Lende,

Filet oder T-Bone-Steak sein, auch andere schmackhafte

Zuschnitte eignen sich hervorragend für Küche oder Grill.

Metzgerei Lutz

Hauptstraße 26, 82343 Pöcking

Tel. 08157 10 90

Filiale: Hallberger Allee 1, 82327 Tutzing

Tel. 08158 907 38 88

kulinarisches@metzgerei-lutz.com

www.metzgerei-lutz.com

Öffnungszeiten:

Mo–Fr 7.30–18 Uhr und Sa 7.30–12.30 Uhr

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SeeKultur

Nach LUST

UND LAUNE

stöbern

ECHT BESONDERS

Regionaler Gaumenschmaus und

einzigartige Handwerkskunst von

Menschen aus dem Fünfseenland –

in diesem Buch werden die Macher

und Macherinnen von besonderen

Produkten mit persönlichen

Geschichten vorgestellt. Außergewöhnliche

Ausflugstipps inklusive.

J. Berg Verlag

Ob wir die Nase in ein spannendes Buch

stecken oder gebannt einem Podcast

lauschen: Diese Tipps entführen an neue

Plätze und in andere Gedankenwelten

SCHÖN SPANNEND

Lokalreporterin Petra Rosenberger

wird in die Mordermittlungen um

den jungen, frisch gewählten Landrat

Moritz Lang verwickelt, als sie

seine Leiche im Ammersee entdeckt.

Bei ihren Nachforschungen stößt sie

nicht nur auf einige höchst verdächtige

Politiker, sondern auch auf die düsteren

Geheimnisse alter Bekannter.

Genau die Sorte Krimi, die man nicht

aus der Hand legen kann!

Aufbau Verlag

TIPP

HÖRBAR GUT

Bekannte Komponisten, ihre Inspirationen,

Geheimnisse und Legenden:

Musikwissenschaftler Christian

Lehmann nimmt uns mit auf eine

historische Musikreise rund um den

Starnberger See. Die schönsten Werke

können die Leser in einer Playlist auf

Spotify hören – einfach QR-Code im

Buch scannen und genießen.

KÖSTLICH SCHRÄG

Franz-Eberhofer-Fans müssen jetzt

ganz stark sein, denn der elfte Provinzkrimi

mit dem Dorfpolizisten

kommt erst im September heraus.

Aber dann gibt es wieder die geballte

Ladung Anarcho-Humor! Eberhofers

Familie scheint verrückt geworden

und ein mysteriöser Fall unlösbar zu

sein: Der Steckenbiller Lenz wird vermisst,

doch wo ist seine Leiche?

dtv Verlag

Apelles Verlag

Fotos: PR; Illustrationen: Lia-Charleen Royla

108


FUND SUCHEN EINE/N ZAHNMEDIZINISCHE/N

SeeKultur

WIEDER VEREINT

Im Podcast „Sohn sucht Vater“ erzählt

Thorsten Otto von den berührenden

Begegnungen mit seinem biologischen

Vater Willi, von dessen Existenz er erst

als Teenager erfahren hat. Offen spricht

der BR-Moderator aus Tutzing über

hohe Erwartungen, erste Enttäuschungen

und vorsichtige Annäherungen.

www.br.de/mediathek/podcast

MITTEN IM LEBEN

Tanja Valérien unterhält sich in ihrer

Podcast-Serie mit Frauen und Männern

ab 50 Jahren aufwärts über die Herausforderungen

der zweiten Lebenshälfte.

Zu ihren spannenden Gästen aus dem

heimischen Fünfseenland zählen

u. a. Katerina Jacob, Marlene Poley und

Patricia Riekel – man erfährt von persönlichen

Meilensteinen, Niederlagen

und wichtigen Erkenntnissen.

Instagram: @tanja_valerien

_podcast

NEU

INTERPRETIERT

Monika Drasch stürmte mit ihrer

grünen Geige und niederbairischen

Mundart die Bühnen der Welt. In

ihrem Podcast stellt die Wahl-

Uttingerin jeden Monat ein Lied vor,

das sich um das Kirchenjahr dreht

– mal augenzwinkernd, mal frech,

immer schön.

www.mk-online.de/podcasts

BEI UNS

GIBT ES SAUBERE ZÄHNE.

UND GEREINIGTE LUFT.

* WIR BILDEN AUS *

ACHANGESTELLTE/N

PRAXIS

FÜR

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Tel. 08151 125 38 www.dr-walzer.com

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Die Gesundheit unserer Patienten und Mitarbeiter steht

an erster Stelle. Dazu gehört nicht nur die Mund-, sondern

auch die Praxishygiene. Darum sorgen in unserer Praxis

neue Raumluftreiniger für frische und gesunde Luft.

AUSSERDEM NEU: Professionelle Zahnreinigung mit

dem AIRFLOW-Verfahren Guided Biofilm Therapy (GBT)

– ohne Schmerzen, ohne Angst, dafür Wellness pur!

Wir beraten Sie gerne.


SeeKultur

Der Kiosk vom ehemaligen „Seehotel Leoni“

Seeburg in Münsing

HINTER DER

FASSADE

Villa Carl in Feldafing

Prächtige, historische Villen mit großzügigen

Gartenanlagen säumen die

Ufer des Starnberger Sees. Mit neugierigen Blicken wollten

wir doch alle schon mal wissen: Was hat sich hinter

den Mauern und Hecken abgespielt? Wer verkehrte in

den hochherrschaftlichen Salons? Wo schlummern die

besten Anekdoten? In „Sehnsucht Starnberger See“ lüftet

Katja Sebald das Geheimnis in 44 „Homestorys“ der etwas

anderen Art: Der Bildband erzählt in einer imaginären

Rundfahrt um den See die Geschichten der Gebäude und

ihrer Bewohner im 19. und 20. Jahrhundert. Oft waren es

Adlige, die ihre Sommerfrische am See verbrachten und

– ganz klar auf Außenwirkung bedacht – mit pompösen

Anwesen ihren Reichtum zur Schau stellten, später kamen

zahlreiche Künstler, Stars und Sternchen dazu.

Eins haben alle Refugien gemeinsam: Sie sind Schauplätze

von Familiendramen

und Liebesgeschichten, rauschenden

Festen und fragwürdigen

Geschäften. Und

nach der Lektüre? Lädt der

Bildband ein, beim nächsten

Spaziergang selbst auf Entdeckungsreise

zu gehen und

sich hinter die Fassaden zu

träumen. Wird gemacht.

Allitera Verlag

Fotos: Jörn Kachelriess, ehret+klein

110


SeeKultur

43 STUFEN

IN DEN HIMMEL

Schon von Weitem strahlt das leuchtende

Magenta der Kunstinstallation in der

Starnberger Bahnhofstraße mit dem blauen Himmel um die

Wette. Abgesehen von der Farbe, ist sie auch aufgrund ihrer

Maße nur schwer zu übersehen: 43 Meter lang, elf Meter breit,

zehn Meter hoch ragt die „Wiege von Starnberg“ ins Stadtbild.

Die Holzkonstruktion ist allerdings nicht (nur) zum

Bestaunen da. Die Stufen zu erklimmen und den Ausblick

zu genießen, ist erwünscht! Für den Künstler, Architekten

und Galeristen Andreas Sarow aus Pforzheim ist es eines

seiner größten und aufwendigsten Kunstwerke. Beauftragt

ist die künstlerische Zwischennutzung von dem Starnberger

Projekt entwickler ehret+klein. An gleicher Stelle soll ab 2022

ein Neubau mit Wohnungen und Gewerbe entstehen. Bis

dahin hofft man auf viele neugierige Besucher, die Starnberg

aus einem neuen Blickwinkel kennenlernen möchten.

111


SeeGenuss

Einer schöner

als der andere

Jeder See hat seine besonderen Vorzüge – und weckt bei seinen

Fans ein überschwängliches Gefühl der Freude: das „Seehoch",

wie die Macher der Instagram-Seite Seehoch5 es nennen.

Hier teilen die beiden Geschwister ihre Lieblingsmotive mit uns

TEXT

FOTOS

BARBARA WEBINGER

SEEHOCH5

Starnberger See „Ein unfassbar heißer Sommer-Sonntag im vergangenen

Jahr, meine Freundin und ich beschließen: Wir machen eine Dampferfahrt, hatten wir noch nie zuvor

ausprobiert. Das Touriprogramm gewährt uns unerwartet schöne, neue Perspektiven auf Altbekanntes,

wie hier auf die Seeshaupter Uferpromenade mit St. Michael im Hintergrund.“

112


SeeGenuss

Ammersee „Auf dem

Weg nach Pähl war uns dieses Bild der saftig

grünen Wiesen mit Alpenpanorama einen

kurzen Stopp wert (oben). Am „Steg 1“

(rechts) treffen wir uns gern mit Freunden

auf ein Getränk vom Kiosk.“

Weßlinger

See „Der frühe Vogel

macht das schönste Foto!

Dieses entstand beim Spaziergang

um den See an einem

Maimorgen, mitten in der

Blütezeit der Bäume.“

113


Wörthsee „Oberndorf mit

seinen drei Badestegen ist unser Lieblingsplatz.

Hier kann man den ganzen Tag verbringen,

Frisbee spielen, pick nicken, in den See

springen. Am Wörthsee liegt übrigens auch

unser altes Segelboot. Wenn man an Deck liegt

und in den weiß-blauen Himmel blickt,

fühlt man sich ganz leicht.“

114


SeeGenuss

SEEHOCH5

Richtig los ging es mit Seehoch5 im vergangenen Jahr. Steffen

Greiner, 25, war dabei, sein BWL-Studium abzuschließen, seine

Schwester Julia, 23, als Grafikdesignerin in der Jobwelt gestartet.

Gemeinsam machten sie sich daran, Steffens bestehenden

Instagram-Account professioneller aufzuziehen. Der neue

Name Seehoch5 war schnell kreiert, auch das Logo und die passende

Webseite. Seither macht sich das Geschwisterpaar, das

am Starnberger See und in Gauting seine Kindheit verbrachte,

auf die Suche nach den schönsten See-Momenten, gibt Empfehlungen

für Restaurants und

Tipps für neue Läden. Traditionell,

regional und genussvoll sollen sie

sein. Für ihre Fotos haben sie eine

besondere Ästhetik entwickelt,

mithilfe einer Systemkamera von Fujifilm, zwei guten Objektiven

und einer Bildbearbeitungssoftware für passende Filter.

Gibt’s übrigens auch für zu Hause: Einzelne Bilder sind neuerdings

in einer limitierten Edition als Prints zu haben.

Pilsensee „Hier blickt man vom Strandbad aus auf den Pilsensee.

Es lohnt sich immer, an einen der fünf Seen zu fahren, auch wenn man in München lebt,

wie ich jetzt. Am schönsten ist es abends, wenn kaum mehr etwas los ist. Nichts

geht über ein Bad zum Sonnenuntergang – herrlich!“

115


SeeKultur

Lokal verehrt

und heiß begehrt

Eine normale Bühne gibt es beim ELLE

Kollektiv so gut wie nie. Überhaupt:

Was heißt schon normal? Die Inszenierungen

brechen mit Sehgewohnheiten

Foto: Magnus Lechner


SeeKultur

Die Aktionen der Schondorfer Theatertruppe

ELLE Kollektiv sind alles, außer gewöhnlich: Das

Publikum erlebt Stücke, die so skurril wie

relevant sind – und immer an besonderen Orten

TEXT

KATJA SEEBALD

117


SeeKultur

Leistikow, Lüps, Panizza: Man könnte

meinen, die Mitglieder des ELLE Kollektivs

hätten einzig und allein wegen ihrer berühmten

Nachnamen zusammengefunden. Und tatsächlich ist Elisabeth-Marie

Leistikow mit der legendären Nackttänzerin

Gertrud Leistikow verwandt, Luis Lüps ist der Sohn des

Architekten Wolf-Eckart Lüps und Louis Panizza zählt den

Skandalautor Oskar Panizza zu seinen Vorfahren. Verbunden

sind die beiden Schauspieler und der Bühnenbildner

jedoch durch ihre aufsehenerregenden Theaterarbeiten,

für die sie leer stehende Gebäude wie auch Schauplätze

unter freiem Himmel zu Orten machen, an denen die

Grenzen zwischen Fiktion und Realität ebenso verschwimmen

wie die zwischen Bühne und Publikum.

Wie ein Lauffeuer verbreitete sich im Frühjahr 2017

die Nachricht von den geheimnisvollen nächtlichen Aktivitäten

in den Gewächshäusern einer ehemaligen Gärtnerei

an der Bahnhofstraße in Schondorf. Wer eine der wenigen

Eintrittskarten ergattert hatte, der durfte, mit einer

Stirnlampe ausgestattet, einen irritierend merkwürdigen

Theater-Parcours durchlaufen und selbst kleine Ereignisinseln

in der fast vollständigen Dunkelheit beleuchten.

„Der ErleuchtHund“ hieß das Spektakel mit Profis und

Laiendarstellern, in dem es um geheime Sehnsüchte und

das menschliche Sehnen nach Erkenntnis ging. Was so

leicht und spielerisch daherkam wie eine verrückte Party,

war der Anfang einer professionellen Zusammenarbeit,

bei der Theater immer aus einem Ort heraus entwickelt

wird. Elisabeth-Marie Leistikow und Luis Lüps hatten gemeinsam

Regie geführt und selbst einige Rollen übernommen.

Louis Panizza war für die Ausstattung verantwortlich.

Der Schondorfer Bühnenbildner und Bühnenbauer

Erwin Kloker beteiligte sich in verschiedenen Funktionen

auf und hinter der Bühne. Das ELLE Kollektiv war geboren:

Der Name der basisdemokratisch geführten Arbeitsge-

Dieses Foto lässt ahnen: Mit Louis Panizza,

Elisabeth-Marie Leistikow und Luis Lüps

wird es nie, nie, nie langweilig

meinschaft setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der Vornamen

ihrer Mitglieder zusammen.

Nicht nur wegen seiner Gründung in einer Schondorfer

Gärtnerei ist das ELLE Kollektiv ein echtes „Ammersee-

Gewächs“. Louis Panizza, Jahrgang 1991 und in Dießen am

Ammersee aufgewachsen, entdeckte als Praktikant in der

Werkstatt von Erwin Kloker seine Leidenschaft fürs Bühnenbild.

Er studierte bei Katrin Brack an der Akademie der

Bildenden Künste in München und entwickelte bereits während

des Studiums Bühnenbilder für Produktionen am

Münchner Volkstheater, an den Kammerspielen und am

Nationaltheater Mannheim. 2020 wurde er mit dem Kulturförderpreis

des Landkreises Landsberg am Lech ausgezeichnet

– im März 2021 machte er sein Diplom.

Luis Lüps, 1986 in München geboren, wuchs in Utting

auf. Die beiden kennen sich seit Jugendzeiten. Lüps absolvierte

ein Schauspielstudium an der Universität der Künste

in Berlin. Bereits während des Studiums gastierte er am

Maxim-Gorki-Theater, am Deutschen Theater Berlin und

im Konzerthaus am Gendarmenmarkt. Von 2012 bis 2014

war er für zwei Spielzeiten festes Ensemblemitglied am

Staatstheater Braunschweig, seither arbeitet er als freischaffender

Schauspieler. Er spielte unter anderem am

Altonaer Theater in Hamburg, am Vorarlberger Landestheater,

am Theater Heidelberg, an der Bayerischen

Staatsoper und am Stadttheater Fürth.

Elisabeth-Marie Leistikow, die 1988 in Frankfurt am

Main geboren wurde und heute in Köln lebt, studierte wie

Lüps an der Universität der Künste in Berlin. Sie war unter

anderem am Deutschen Theater Berlin, am Stadttheater

Konstanz, am Theater Pforzheim, am Stadttheater Gießen

und am Mousonturm Frankfurt zu sehen. Auch sie hat eine

ganz eigene Verbindung zu Utting: Der Allerwerteste von

Fotos: Elle Kollektiv, Yorck Dertinger

118


Advertorial

MARINA RESORT BERNRIED

Eine Auszeit im Süden

Fitnessraum. In kuschelige Bademäntel gehüllt, lassen sich

auf bequemen Liegen viele entspannte Stunden verbringen.

Da möchte man so schnell nicht wieder weg – es sei denn,

eine andere Oase für Genießer lockt. In der Lake Lounge

und der Cocktailbar des Marina Seerestaurants werden

Aperol-Sprizz und Co. gereicht. Nach dem Aperitif zaubert

die Küchenbrigade regionale und saisonale Spezialitäten

auf Ihren Terrassenbereich am Wasser. Der hoteleigene

Yachthafen mit großen und kleinen Segelbooten verleiht

allem ein fast schon südländisches Flair. Es ist zum

Träumen schön!

Ablenkung, einen Tapetenwechsel und Ausflüge in

die Natur wünschen sich gerade viele. Im Süden

von München in der idyllischen Gemeinde Bernried am

Westufer des Starnberger Sees werden Erholungsuchende

fündig: Direkt am See erstreckt sich auf über 50.000 m² das

Marina Resort und bietet genügend Platz, um mal wieder

richtig durchzuatmen. Schon mit der Ankunft beginnt die

Wohlfühl-Zeit: Der Blick auf die Alpenkulisse und das Farbenspiel

des Sees lassen die Sorgen des Alltags sofort vergessen.

In der weitläufigen Anlage mit mehreren einzeln

stehenden Hotelhäusern findet jeder Gast seinen persönlichen

Rückzugsort. Bodentiefe Panoramafenster lassen

viel Sonnenlicht in die wunderbar ruhigen und edel-gemütlich

eingerichteten Zimmer. Von überdachten Balkonen

kann man über den Hotelpark direkt auf den See blicken.

Einen tollen Ausblick ins Grüne bietet auch der kleine,

aber feine Wellnessbereich mit Innenpool, Sauna und

Marina Bernried

Am Yachthafen 1–15

82347 Bernried am Starnberger See

Tel. 08158 93 20

info@marina-bernried.de

www.marina-bernried.de


SeeKultur

Gertrud Leistikow hatte Bertolt Brecht in einer Tanzaufführung

einst so aus der Fassung gebracht, dass er ihr ein

Gedicht widmete. Brecht besaß und bewohnte immerhin

sieben Wochen seines Lebens ein Haus in Utting.

Für das ELLE Kollektiv aber blieb es nicht bei der schönen

Gründungslegende: Noch im selben Jahr nahmen sie

im Rahmen des „Panama Plus Festivals“ in München an

der Performance „Das Ministerium für Wahrheit“ teil.

2019 folgte wieder eine Inszenierung am Westufer des

Ammersees: Für „Die blondierte Stierin“ wurden nicht die

Schauspieler, sondern die Zuschauer kostümiert, sie

mussten sich die Spielorte selbst erlaufen und sogar eine

Station mit dem Zug von Schondorf nach Utting fahren.

Am Uttinger Bahnhof wurden dann auch zufällige Passanten

Teil des Stücks. Zum großen Finale musste man

von hinten ins Innere der „Stierin“ hineinklettern.

„Immersives Dorftheater“ nennen Leistikow, Lüps und

Irritieren, Spaß machen, zum Nachdenken

anregen: Das ELLE Kollektiv hebt smart

Grenzen auf – zwischen Kunst und Alltag,

zwischen Privatheit und Öffentlichkeit

Panizza ihre höchst ungewöhnlichen Inszenierungen: Die

Zuschauer sollen dabei ganz und gar in das Geschehen

eintauchen. Die Übergänge zwischen dem Bühnenraum

und seiner Umgebung, zwischen Darstellern und Publikum,

aber auch zwischen Kunst und Alltag, zwischen

Privatheit und Öffentlichkeit sind fließend. Momente der

Irritation werden bewusst herbeigeführt: Wenn gängige

Reaktionsmuster und Normen gestört werden, öffnen sich

völlig neue Begegnungsräume. Scharfe Grenzen gibt es

übrigens auch nicht zwischen einstudierten Texten und

Foto: Alina von Bredow

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SeeKultur

spontanen Reaktionen auf das, was das Publikum macht.

Wer nun allerdings meint, es gehe nur um Nonsens und

Provokation, der liegt weit daneben.

In diesem Sommer wird – mit einem Jahr coronabedingter

Verspätung – „Das Meditier“ zur Aufführung kommen:

eine Parabel über den Kampf um Deutungshoheiten,

in der die Wahrheit in den Tiefen des Ammersees verborgen

ist. Alternative Fakten und die vermeintliche Verhandelbarkeit

von Wahrheit und Wirklichkeitserfahrung waren

schon vor der Corona-Pandemie eine höchst

beunruhigende Zeitgeisterscheinung – jetzt droht die Zivilgesellschaft

daran zu zerbrechen. Ausgangspunkt für

die Aufführung ist ein privates Seegrundstück in Schondorf.

Wo genau am oder gar auf dem Wasser die Bühne

und der Zuschauerraum sein werden – das soll vorerst

noch ein Geheimnis bleiben. Sicher ist aber, dass mit dem

„Meditier“ eine Trilogie vollendet wird, deren Titel „Die

schlafende Vernunft“ sich auf die berühmten „Caprichos“

von Francisco de Goya bezieht. Aus diesem um 1795, also

ebenfalls in einer Zeit großer gesellschaftlicher Umbrüche,

entstandenen Zyklus von 80 Radierungen wurde der

Titel des Blattes mit der Nummer 43 geradezu sprichwörtlich:

„Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer.“

Im „immersiven Dorftheater“ werden gesellschaftlich

relevante Themen verhandelt, wenn auch mit einer Ästhetik

des Absurden und Skurrilen – und mit spielerischer

Leichtigkeit. Dennoch steckt harte Arbeit hinter dem ELLE

Kollektiv. „Manchmal fühlt es sich zwar so an, als wären

wir nur lose miteinander verbunden“, sagt Elisabeth-Marie

Leistikow, „aber wir sind mittlerweile eine GbR und die

aktuelle Produktion ist für uns alle ein Fulltime-Job.“ Im

Moment findet die Kommunikation ausschließlich digital

statt: „Zwei- bis dreimal in der Woche treffen wir uns in

Online-Meetings, und mindestens einmal am Tag läuft

unsere Chatgruppe heiß“, erzählt Luis Lüps. Für den

5. August ist die Premiere von „Das Meditier“ geplant. Spätestens

zum Probenbeginn wird sich das ELLE Kollektiv

wieder im echten Leben, am echten Ammersee treffen.

Was das Publikum erwartet? Wir zitieren mal „Das Meditier“:

„Wer sich schnell entspannt, ist besser als jemand,

der sich nicht so schnell entspannt. Aber immer noch besser

als jemand, der sich überhaupt nicht entspannt.“

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LUG, GERETSRIED UND MÜNCHEN

Sonnen erprobt

Wir werden ihn gerne hier verbringen – den

Sommer in unserem 5-Seen Land. Mit

seinen satten Farben inspiriert er uns

immer wieder aufs Neue, macht Lust auf Planungen im ganz

persönlichen Refugium. Schattenoasen geben Raum für Musestunden

im Garten und auf der Terrasse. Wo eventuell

Bäume ihren Dienst nicht anbieten können, ist innovative

Technik und hochwertiges Design in Sachen Sonnenschutz gefragt.

Seit 65 Jahren beschäftigt sich die Firma Lug mit den

vielfältigsten Themen im Bereich Terrassenbeschattung oder

Rollladen und Jalousien. Der familiengeführte Meisterbetrieb

vertreibt beispielsweise die stilvollen Sonnensegel von C4sun

exklusiv in Bayern und kann damit seinen Kunden eine ganz

besondere High End Lösung bieten. Mit gezielter Beratung als

auch Umsetzung gelingt die perfekte, individuelle Wohlfühlatmosphäre

unterm Sommerdach.

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www.lugkg.de

Lug GmbH & Co. KG

Jeschkenstraße 29

82538 Geretsried

Tel. 08171.5190

Franziskanerstraße 14

81669 München

Tel. 089.4177 63 53


SeeLeben

VIVA LA RIVA!

Dolce Vita auf dem Starnberger See: Kaum ein Motorboot

versprüht so viel Grandezza wie das legendäre italienische Riva.

Das zeigten auch die „Riva Classics“ am Yachthafen Marina

TEXT

FOTOS

ANNA-LENA WOLFARTH

JAN GREUNE

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SeeLeben

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SeeLeben

Blickfang

Ein seltener Anblick: Sind die Boote an

den Stegen vertäut, ziehen sie Schaulustige

an. Kaum verwunderlich, denn

das schmale Heck, glänzendes Chrom,

weißes Leder und poliertes Mahagoni

sind alles andere als unauffällig.

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SeeLeben

Oldtimertreffen

Bei den „Riva Classics“ treffen sich Bootsbesitzer aus ganz

Deutschland und genießen die Ausfahrt mit ihren

Schmuckstücken. 2020 schipperten 20 der Schönheiten vor

der Alpenkulisse auf dem Starnberger See.

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SeeLeben

Ein Riva-Familientreffen auf dem Starnberger

See. Dass dies etwas Besonderes

ist, zeigte sich schon bei der Anmeldung. Nach weniger als

zwei Stunden war das Event des Riva Club Deutschland ausgebucht.

„Der Starnberger See ist wie gemacht für unsere

Rivas, schließlich wurden die Boote genau für solche Seen

gebaut“, erklärt Konrad Börries, ehemaliger Vorsitzender des

Riva Clubs Deutschland. Da aber auf dem Starnberger See die

Lizenzen für Motorboote stark limitiert sind, ist es gar nicht

so einfach, darauf fahren zu dürfen. Aus dem Fünfseenland

und ganz Deutschland sind daher die Mitglieder mit ihren

Booten angereist – einige haben ihre Oldtimer-Boote sogar

extra aus Italien geholt, nur um einmal mit ihnen den See

mit seinem Alpenpanorama genießen zu können.

Der Legende nach wurde die berühmte Riva-Werft 1842

in Sarnico am Lago d’Iseo in Norditalien gegründet. Der

junge Bootsbauer Pietro Riva reparierte dort nach einem

Sturm die massiv zerstörten Fischerboote, bald sprach sich

sein Können über die Ortsgrenzen hinaus herum, seine

Werft wuchs. Zum Kultobjekt entwickelten sich die Boote

aber erst unter seinem Enkel Carlo Riva. Wer zwischen den

1950ern und 1970ern etwas auf sich hielt, leistete sich ein

Sportboot von Carlo Riva. Der Jetset um Gunter Sachs, Sophia

Loren, Sean Connery und Brigitte Bardot, all die Schönen

und Reichen zeigten sich auf einer Riva und verliehen

dem Boot Glamour und Sex-Appeal – bis heute umweht es

ein gewisser Status. „Wir haben schon ein spezielles Faible.

Vielleicht muss man für unsere Begeisterung ein bisschen

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SeeLeben

Hafenglück

Die schönsten Orte und die

Geschichte des Sees wurden

zu Wasser erkundet.

Ausgangspunkt war die

Marina Bernried am Westufer

des Starnberger Sees.

verrückt sein“, erklärt Konrad Börries lachend. Doch auch

als Außenstehender versteht man spätestens dann die Faszination,

wenn man auf dem mahagonigetäfelten Boot einmal

Platz genommen hat und der Steuerhebel nach vorne

gedrückt wird. Dann donnern die Boote wie amerikanische

Straßenkreuzer los, man rutscht tiefer in den weißen Ledersessel

hinein und glaubt, über den See zu fliegen. Der

Eindruck, in einem Cadillac-Oldtimer zu sitzen, kommt

übrigens nicht von ungefähr, denn genau von diesen sind die

Riva-Boote inspiriert.

4352 Boote aus Holz entstanden in der Ära Carlo Riva.

Das letzte verließ 1996 das Werk. Heute soll nur noch rund die

Hälfte erhalten sein, denn viele der zwischen 1950 und 1970

gebauten Modelle wurden nach Einführung der italienischen

Luxussteuer – jetzt stark sein! – von den Besitzern zu Feuerholz

zersägt. Die noch existierenden Boote gelten als Sammlerstücke

und erzielen hohe sechsstellige Preise. Kein Wunder,

dass viele Besitzer sie nur zu besonderen Anlässen oder

gar nicht ins Wasser lassen. „Die Boote sind für das Wasser

gemacht worden und da sollen sie auch hin“, findet allerdings

Konrad Börries. Doch sicherheitshalber checken die Teilnehmer

des Riva-Treffens nach den Ausfahrten gründlich den

Motor und befreien das empfindliche Holz und Chrom von

Wasser. Sie möchten schließlich möglichst lange genießen,

wofür die Boote gebaut wurden: um Spaß zu haben. Und den

hat man nun mal dann, wenn der Fahrtwind durch die Haare

weht, die Gischt spritzt und man bei Föhn sogar eine tolle Sicht

auf die Berge genießt – so wie auf dem Starnberger See.

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Fünfseenland, wunderbare Fotos und Tipps, Geschichten über beeindruckende und ungewöhnliche Menschen und herrlich

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