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sporting RADius Sommer 2021

sporting hamburg Sonderheft

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BMX<br />

Stadträder<br />

Radsport<br />

Stadtradeln<br />

Lastenräder<br />

Mountainbike<br />

100% Öko<br />

e-Bike


Editorial<br />

stadtradeln.de/hamburg<br />

IMPRESSUM<br />

<strong>sporting</strong> hamburg<br />

Stadtsportmagazin<br />

Hamburg fährt vor!<br />

01.09.– 21.09.<strong>2021</strong><br />

c/o steuermann sport GmbH<br />

Am Sandtorkai 1<br />

20457 Hamburg<br />

Telefon 040-432 08 45 20<br />

info@<strong>sporting</strong>-magazin.de<br />

www.<strong>sporting</strong>-magazin.de<br />

Herausgeber<br />

Martin Blüthmann (V.i.S.d.P.)<br />

martin@<strong>sporting</strong>-magazin.de<br />

Redaktion<br />

Martin Blüthmann, Alexander<br />

Böker, Andreas Hardt, Marco<br />

Santoro, Lisa Staisch, Manuela<br />

Tanzen, Lars Wichert<br />

Lektorat, Schlussredaktion<br />

Manuela Tanzen<br />

manuela@<strong>sporting</strong>-magazin.de<br />

Art Direction und Layout<br />

Arndt Grutke<br />

arndt@<strong>sporting</strong>-magazin.de<br />

Druck<br />

Eversfrank Preetz<br />

Frank Druck GmbH & Co. KG<br />

Industriestraße 20<br />

24211 Preetz<br />

Auflage: 70.000 Exemplare<br />

Anzeigen, Mediadaten<br />

Telefon 040-432 08 45 20<br />

anzeigen@<strong>sporting</strong>-magazin.de<br />

Leserbriefe, Termine<br />

und Kommentare<br />

info@<strong>sporting</strong>-magazin.de<br />

Irrtümer und alle Rechte<br />

vorbehalten. Nachdruck sowie<br />

sonstige Vervielfältigungen nur<br />

mit ausdrücklicher Genehmigung<br />

des Verlags. Für unverlangt<br />

eingesandtes Text- und<br />

Bildmaterial wird keine Haftung<br />

übernommen; der Verlag setzt<br />

bei Eingang voraus, dass alle<br />

Rechte und Honorarfragen<br />

geklärt sind. Erscheinungsort<br />

und Gerichtsstand ist Hamburg.<br />

© Foto: <strong>sporting</strong> hamburg<br />

Liebe Leser*innen!<br />

Nicht, dass wir uns von<br />

Haus aus langweilen,<br />

aber nach dem Special<br />

„K!DS RAUS!“ im Juni<br />

haben wir Euch mit<br />

<strong>RADius</strong> hoffentlich<br />

wieder eine runde<br />

Sache vorbereitet.<br />

Wir hatten einfach Bock drauf, und das Rad an sich<br />

gibt ja auch vieles her, an Styles, an Facetten, an<br />

Perspektiven: vielfältiges Sportgerät, Fortbewegungsmittel/Mobilitätswende, Umweltmaßnahme<br />

usw. Einem Teil davon haben wir uns, zusammen mit dem Radsport<br />

Verband Hamburg und auf unsere Art und Weise, genähert, um Euch zu unterhalten,<br />

zu motivieren und zu informieren, was alles geht und sich dreht.<br />

Sehr erfreulich und supernett war in diesem Zusammenhang eine Rennrad-Ausfahrt<br />

mit unserem Verkehrssenator Anjes Tjarks. Wir haben uns extra eine Rennziege<br />

ausgeliehen, um mitzukommen, haben uns dann aber auf der Fahrt nach Wedel den<br />

Schneid nicht abkaufen lassen. Sowieso nicht.<br />

Sehr am Herzen liegt uns unsere RADGEBER-Aktion, denn derweil wir hier entspannt<br />

und wie selbstverständlich von unterschiedlichsten Rädern und ihren Fahrer*innen<br />

schreiben, gibt es zu viele Hamburger*innen, die sich ein Rad nicht leisten können.<br />

Und deswegen bitten wir Euch inständig: Schaut im Keller nach und überlegt, ob da<br />

nicht das eine oder andere Rad ungebraucht rumsteht, weil Ihr vor der Tür längst<br />

ein schickes E-City-Bike geparkt habt. Alle nötigen Infos zu RADGEBER findet Ihr auf<br />

den Seiten 8/9.<br />

Viel Spaß beim Lesen – und beim Radfahren natürlich.<br />

Martin Blüthmann<br />

(martin@<strong>sporting</strong>-magazin.de)<br />

gefördert durch<br />

Eine Kampagne des<br />

<strong>sporting</strong> hamburg erscheint<br />

monatlich. Anzeigen- und<br />

Redaktionsschluss jeweils am<br />

15. des Vormonats.<br />

© Titelfoto: www.vecteezy.com/<br />

© Foto: Mediaserver Hamburg/<br />

Doublevision/Konstantin Beck<br />

3


<strong>sporting</strong>-Lars: Bahnrad<br />

Rennhärte für<br />

Tokio<br />

Sieht schon mal cool aus: Leon bei der Einkleidung für Tokio.<br />

© Fotos: Leon Rohde<br />

Wenn <strong>sporting</strong> hamburg ein<br />

Fahrrad-Sonderheft rausbringt,<br />

dann darf da natürlich Leon Rohde<br />

nicht fehlen. Leon (26) ist Hamburgs<br />

Olympia-Teilnehmer im Radsport,<br />

auf der Bahn, in der Vierer Mannschaftsverfolgung.<br />

Unser Treffen war für eine gemeinsame lockere Radausfahrt geplant,<br />

doch auf gut deutsch gesagt ist Leon noch richtig „im Arsch“, weshalb<br />

er lieber noch frei machen möchte. Er ist gerade von einer Rundfahrt<br />

aus Polen zurück, wo er mit dem Bahnvierer und den beiden Ersatzmännern<br />

im Profifeld als Team Deutschland gestartet ist. „Ich bin die<br />

ganze Zeit am Anschlag gefahren, das Profil der Strecke war sehr bergig,<br />

da sind kleine, leichte Fahrer im Vorteil. Aber um richtig Rennhärte zu<br />

sammeln, war die Tour genau richtig“, sagt Leon. Rennhärte ist das<br />

richtige Stichwort, normalerweise kämpfen die Bahnradsportler wie jede<br />

andere Sportart vor den Zielwettkämpfen auf Worldcups gegeneinander,<br />

jeder Sportler kann seine Leistungsfähigkeit einschätzen und diese<br />

mit den anderen Nationen vergleichen. Dieser Vergleich fehlt Leon<br />

so gut wie komplett, denn seit März 2020 gab es lediglich ein Rennen<br />

auf dem Oval in der Halle, alle anderen internationalen Wettkämpfe<br />

sind ausgefallen, und für das letzte Kräftemessen bei der EM in Minsk<br />

Ende Juni hat der Bund Deutscher Radfahrer (BRD) seine Mannschaft<br />

zu Recht aufgrund der politischen Situation zurückgezogen.<br />

So war das letzte und einzige Bahnevent mit dem Vierer im Mai in<br />

Hongkong. „Es war sehr bizarr, wir sind von der Ankunft bis zum Abflug<br />

eigentlich nur in Quarantäne gewesen. Vom Flughafen wurden wir abgeholt,<br />

es ging direkt ins Hotel. Das Essen bekamen wir auf die Zimmer,<br />

die konnten wir nur verlassen, wenn der Fahrstuhl für uns angestellt<br />

wurde, und dann führte der Weg mit einem Extra-Shuttle direkt zur<br />

Halle“, beschreibt Leon. „Der Vergleich dort im echten Wettkampf tat<br />

gut, es waren nur nicht alle Nationen am Start, deshalb wird es bei<br />

den Olympischen Spielen schon spannend werden, wie wir als Vierer<br />

leistungsmäßig liegen.“ Das Ziel für seine ersten Olympischen Spiele<br />

ist gesteckt, das kleine Finale erreichen und dort um Bronze mitfahren<br />

wäre sein Traum. Insgesamt sind acht Mannschaften qualifiziert, Dänemark,<br />

Großbritannien und Australien sind die großen Favoriten. Um<br />

das kleine Finale oder auch eine Bronze-Medaille zu erreichen, muss<br />

wahrscheinlich der deutsche Rekord 3:50 min auf 4.000 m geknackt<br />

werden, alles andere ist zu langsam im internationalen Vergleich. Wie<br />

das geht, den deutschen Rekord zu knacken, das hat Leon schon<br />

einmal mit dem Vierer bewiesen, deshalb ist er sehr zuversichtlich.<br />

Die nächsten Wochen bis zum Start verbringt Leon größtenteils im<br />

Mannschaftstraining auf der Bahn in Frankfurt an der Oder, Finetuning.<br />

Spezifische Intervalle, Wechsel und Tempohärte stehen auf dem Programm.<br />

Der Vierer ist ein Mannschaftswettbewerb durch und durch,<br />

da muss man sich bis auf den Millimeter auf den anderen verlassen<br />

können, sonst liegt der Vierer auf der Bahn – daran muss neben der<br />

Fitness gefeilt werden. „Ich freue mich auf die Olympischen Spiele, für<br />

einen Sportler ist es das Größte, auch wenn die Spiele dieses Jahr etwas<br />

anders sein werden, die Abreise nach unserem Wettkampf muss zum<br />

Beispiel schon 48 Stunden danach erfolgen“, bedauert Leon ein wenig.<br />

Dennoch, die Vorfreude merkt man ihm an. Und das Gefühl, das er mit<br />

der Einkleidung und allem, was jetzt kommt, verspürt, kann ich nur<br />

zu gut nachempfinden, eine mega Zeit, das weiß ich aus Erfahrung.<br />

Als Letztes kann ich Leon noch seine Lieblings-Trainingstour in Hamburg<br />

entlocken: Beim Anleger Teufelsbrück geht’s los, über die Dörfer Richtung<br />

Elmshorn bis nach Brunsbüttel, dort einmal ums Kraftwerk und dann<br />

am Deich mit Blick auf die grasenden Schafe komplett zurück. „Ist zwar<br />

etwas länger, aber den Wechsel von den Dörfern auf dem Hinweg zum<br />

Deich auf dem Rückweg, den finde ich sehr schön, bei der Tour kann ich<br />

entspannen“, lacht er.<br />

Für die Fahrradstadt<br />

Hamburg wünscht er<br />

sich noch mehr große<br />

Fahrstraßen und<br />

ein entspannteres<br />

Miteinander auf den<br />

Straßen, gegenseitige<br />

Rücksichtnahme.<br />

Dem kann ich mich<br />

nur anschließen. Also,<br />

Leon, hau rein und<br />

viel Erfolg für Tokio.<br />

4<br />

Leons Lieblings-Trainingsstrecke in Hamburg: von Teufelsbrück nach Brunsbüttel und auf anderem Weg zurück.


Leidenschaft Radfahren<br />

© Fotos: Doris Lucas<br />

LoveBikeLena, Langstreckenfahrerin und Bloggerin.<br />

Der Kuchen-<br />

Weg<br />

Wenn’s eine packt, packt’s eine – das trifft es eigentlich<br />

ganz gut bei Lena, Lena Zwanzleitner (35). Der<br />

Name klingt eher nach österreichischem Berggasthof<br />

in 10. Generation, aber nein, sie ist waschechte<br />

Hamburgerin, um das mal klarzustellen. Und sie<br />

kam über den Betriebssport zum Radfahren.<br />

25 Jahre war das Rad zuvor ausschließlich ein Fortbewegungsmittel<br />

gewesen, aber die Berichterstattung über die Tour de France hat sie wohl<br />

immer beeindruckt und im Geheimen ... ob frau das auch kann/könnte,<br />

also sie jetzt? Und so entwickelte sich eigentlich ihre Rad-Karriere, die<br />

sie nicht mal als Karriere versteht – Hobby trifft es ganz gut, naja: ein<br />

intensives. In ihrer Radsportgruppe war sie die einzige Frau, abgesehen<br />

von den Gattinnen, die ihre Helden bei Events anfeuerten und die Versorgung<br />

übernahmen. Sie war auch die Unerfahrenste, Jüngste, aber<br />

mit dieser Radgruppe entwickelte sich ihr Ego auf zwei Rädern, Step<br />

by Step. „Die Gruppe war toll“, sagt sie, „jeder hat jedem geholfen, es<br />

wurde gemeinsam trainiert, Ausfahrten, Trainingslager, die ersten kleinen<br />

Events“, nach ähnlichem Schema wie auch die erste Teilnahme bei den<br />

Cyclassics. „Erst: Kannst Du nicht, nach dem 2. Bier: Kannst Du doch.“ Die<br />

Herausforderungen wuchsen wie ihre Leidenschaft, die Vätternrundan<br />

in Schweden, ihr erster dickerer Brocken: 300 km um den zweitgrößten<br />

See Europas (wusstet Ihr natürlich, wir nicht). „Das Ganze ist in Schweden<br />

ein Volksfest, alle sind auf den Beinen, den Rädern, es gibt dauernd was<br />

zu essen, Zeit war nicht wichtig, durchkommen schon.“ Und sie stellte<br />

fest: „Ich kann auch 300 km“, bitte sehr. Und dann näherte sie sich als<br />

Support für zwei Kameraden dem Klassiker schlechthin, der Wiege<br />

der Tour de France: dem Radrennen Paris–Brest–Paris, erstmals 1891<br />

veranstaltet, rund 1.200 km, einmal von der Hauptstadt an den äußersten,<br />

westlichen Zipfel Frankreichs am Atlantik und zurück, natürlich. Die Krux<br />

dabei: in max. 90 Stunden. „Schlafen kann man, wenn man schnell genug<br />

unterwegs ist“, grinst sie. Wobei ihre Eindrücke nur so halb-sexy waren,<br />

„die lösen sich auf, zum Schluss“, die Radfahrer, „und viele leiden sehr,<br />

übermäßig …“, etwas übertrieben, entnehmen wir ihren Schilderungen.<br />

Wahrscheinlich wollte sie nach der üblichen Überlegerei bis zu „ich<br />

möchte das auch machen“ zumindest auch beweisen, dass Frauen<br />

nicht so schnell aufzulösen sind. Jedenfalls<br />

bewältigte sie das Piece in 2019 (findet<br />

nur alle vier Jahre statt) in 83 Stunden, und<br />

sie saß bei unserem Gespräch leibhaftig<br />

vor uns. Seitdem ist sie kein Maniac, bei<br />

weitem nicht, aber eine, der man zuhört,<br />

sowieso. Und sie sagt: „Mir geht es nicht<br />

um Wattzahlen und Zeiten, mir geht es ums<br />

Ankommen“, der Spaß, das Erlebnis steht<br />

im Vordergrund. Und wenn viele Männer<br />

ihre Leiden zelebrieren, ist sie zwar nicht minder platt,<br />

„möchte aber lächelnd durchs Ziel fahren.“<br />

Lena, beruflich Projektmanagerin bei der TK, ist Mitglied<br />

beim MC Pirate (der Kiez-Ausgabe eines Radsportvereins)<br />

und coacht nebenbei Radgruppen für Frauen und<br />

Männer. Die Monsterstrecke Paris–Brest–Paris ist sie<br />

auf einem klassischen Rennrad unterwegs gewesen,<br />

die Straßen sind asphaltiert, „und wer schnell Strecke<br />

machen muss, fährt Rennrad“, sagt sie und trägt auch<br />

für uns zur Aufklärung bei: „Früher waren die Reifen<br />

sehr schmal, heute sind die Rennräder durchaus etwas bequemer, der<br />

Lenker aber bekanntermaßen geschwungen.“ Aus den Staaten kommt<br />

hingegen der Gravel-Trend, das sind Rennräder mit etwas breiteren Reifen,<br />

einen Ticken entspannter, der Rahmen etwas bequemer, deswegen<br />

auch für die laaaaangen Schotterpisten in Iowa. „Die fahren von alleine<br />

geradeaus“, sagt sie. „Riss und Lenker orientieren sich aber am Rennrad,<br />

mit denen kannst Du auch richtig schnell fahren“, erklärt sie weiter. Und<br />

dann gibt es die Cyclocross-Variante. Man nannte das damals auch<br />

Querfeldein. Sie gilt als die Winter-Variante, so von wegen Matsch und<br />

nass, wenn’s raufgeht, wird das Rad geschultert, die Mountainbiker (nur<br />

so für die Abgrenzung) würden rauf fahren. „Beim Cyclocross haben<br />

wir immer noch den Rennlenker, aber noch etwas breitere Reifen. Für<br />

kleinere Radien, engere Kurven ist der Rahmen etwas kompakter, sehr<br />

komplett“, Wendekreis ist das Stichwort. Mit dem Gravel Bike fährt<br />

man an sich schönere Strecken, sagt sie, auch abseits des Verkehrs.<br />

„Auf den an Asphalt gebundenen Rennrädern teilt man sich eben die<br />

Fahrbahn mit Autos.“ Das macht es hier und da spannend, so von wegen<br />

Abstand etc. ... Lena fährt alle drei Varianten, gleichverteilt, Hauptsache<br />

zwei Räder, Hauptsache entspannt. Das ist auch ihre Haltung, die sie<br />

in ihrem eigenen Blog pflegt. Auf Love Bike Lena, dem Fahrradblog für<br />

Frauen, dem tatsächlich monatlich 5.000–6.000 Menschen folgen, und<br />

bei weitem nicht nur Frauen, geht es um alle Themen rund ums Rad,<br />

genährt von Lenas Erfahrungen, angereichert mit ihren Erlebnissen und<br />

ihrer Haltung, was offensichtlich vielen gefällt und hilft. „Es geht doch<br />

darum, das zu tun, was einem guttut. Und mir gefällt es besser, auf einer<br />

Ausfahrt irgendwo anzuhalten und ein Stück hausgemachten Kuchen<br />

zu essen, als irgendein Powergel.“ Und wahrscheinlich tut der Kuchen<br />

ebenso gut und streichelt on top die Seele.<br />

Mehr davon auf Love Bike Lena: www.lovebikelena.de<br />

© Foto: privat<br />

6<br />

Paris–Brest–Paris: 1.223,9 km Strecke, 11.781 m Höhenmeter, Lenas Zeit 83 h 7 min. Unser Respekt: groß.


BEMER RADGEBER<br />

Diese Aktion wird unterstützt von<br />

© Fotos: <strong>sporting</strong> hambuurg<br />

Große Aktion!<br />

Wir sammeln Eure gebrauchten Räder. Bitte!<br />

Nun haben wir in diesem Heft so viel über<br />

Fahrräder und begeisterte Radfahrer*innen<br />

berichtet, um Euch zu informieren, zu unterhalten<br />

UND zu begeistern, denn Euch zu<br />

bewegen, ist ein Teil unserer Idee. Aber jetzt<br />

wollen wir Euch gleich doppelt bewegen.<br />

Wir bitten Euch nämlich, einmal im Keller oder in der Garage nachzuschauen,<br />

ob da nicht noch ein Fahrrad steht, das eigentlich gar nicht<br />

mehr gebraucht wird. Wir sammeln ab sofort mit der Aktion RADGEBER<br />

gebrauchte, also von Euch nicht mehr gebrauchte Fahrräder, für die<br />

Familien und Menschen in Hamburg, die gern mobil und unabhängig<br />

wären, sich aber kein eigenes Rad leisten können. Davon gibt es in<br />

Hamburg leider viel zu viele, und wir wollen einfach Abhilfe schaffen.<br />

Kann ja nicht sein, dass viele Fahrradhändler nahezu ausverkauft sind,<br />

die Menschen sich neue Räder kaufen, und genau diese glücklichen<br />

Menschen nicht vorher schon ein Rad hatten?! Also müsste das eine oder<br />

andere Fahrrad übrig sein und ungenutzt da rumstehen, womöglich sogar<br />

den Keller verstopfen. An anderer Stelle freut sich jemand, wenn sie oder<br />

er erstmalig ein eigenes Rad bekommt, fahren darf. Oder Ihr habt noch<br />

Kinderräder, die für Eure Kids nunmehr zu klein sind. Her damit. Ihr könnt<br />

sie natürlich für 20 Euro auf dem Flohmarkt verkaufen,<br />

aber ehrlich gesagt, dann könnt Ihr sie auch uns geben,<br />

finden wir dann mal. Wir geben die Räder nämlich an<br />

die Hamburger Organisationen Hanseatic Help e. V. und<br />

Westwind Hamburg e. V., die sich genau das zur Aufgabe<br />

gemacht haben: bedürftige Familien und Menschen<br />

mit und ohne Migrationshintergrund mit gebrauchten<br />

Fahrrädern glücklich zu machen. Hier werden die Räder<br />

sogar zunächst auf ihre Verkehrssicherheit geprüft,<br />

ggf. repariert. Aber bitte: Bringt uns keinen Schrott,<br />

wenn wir ehrlich sein dürfen. Wir sind sehr glücklich,<br />

dass der neue Hauptsponsor der BEMER Cyclassics,<br />

nämlich genau die BEMER Group, uns bei diesem Projekt unterstützt.<br />

Marketingchef Bernhard Bock ist ganz begeistert: „More Health. More<br />

Life. More Sports. BEMER steht für Wohlbefinden auf vielen Ebenen. Unter<br />

anderem auch für Wohlbefinden auf der sozialen Ebene. Fahrräder für<br />

Kinder bedeuten Gesundheit, Wohlbefinden und Lebensqualität. Darum<br />

unterstützt BEMER diese Aktion von ganzem Herzen.“<br />

Auch sehr dankbar sind wir über den Support von My-<br />

Place – SelfStorage, denn genau bei den Freunden von<br />

MyPlace – SelfStorage könnt Ihr ab sofort Eure Räder<br />

abgeben (Mo–Fr 08:30–17:30 Uhr, Sa 09:00–13:00 Uhr).<br />

Folgende Standorte bieten sich an: ALTONA, Stresemannstraße<br />

290; GROSS BORSTEL, Papenreye 47–49;<br />

CITY SÜD, Nordkanalstraße 23; STELLINGEN, Kieler<br />

Straße 302 und WANDSBEK, Friedrich-Ebert-Damm 103.<br />

Großes Finale ist dann bei den BEMER Cyclassics selbst,<br />

denn natürlich könnt Ihr uns auch am 22. August Eure<br />

Räder auf der Eventfläche am Jungfernstieg übergeben.<br />

Vielen Dank für Eure Unterstützung.<br />

Bei Fragen wendet Euch gern auch an uns unter<br />

info@<strong>sporting</strong>-magazin.de, Betreff: Mein Rad für Euch!<br />

Wir brauchen Eure<br />

gebrauchten Räder …<br />

… für alle Hamburger*innen, die gar kein Rad haben. Denn davon gibt es leider reichlich. Das ist<br />

unser <strong>Sommer</strong>wunsch, ganz einfach, ganz sinnvoll: Ihr kauft neu, die alten bitte zu uns, vielmehr ab<br />

sofort zu unseren Freunden von MyPlace – SelfStorage, denn die können richtig lagern:<br />

ALTONA, Stresemannstraße 290; GROSS BORSTEL, Papenreye 47–49;<br />

CITY SÜD, Nordkanalstraße 23; STELLINGEN, Kieler Straße 302 und<br />

WANDSBEK, Friedrich-Ebert-Damm 103.<br />

Oder am 22. August direkt bei den BEMER Cyclassics auf<br />

der Eventfläche.<br />

Wir freuen uns auf Euch und Eure Räder.<br />

© Foto:PR<br />

8<br />

Westwind und Hanseatic Help geben die gespendeten Räder dann dahin, wo sie gebraucht werden.


<strong>sporting</strong>-Lars: Mountainbike<br />

© Fotos: Lars Wichert<br />

<strong>sporting</strong>-Lars hat Spaß in den Harburger Bergen.<br />

© Fotos: HaBeMTB<br />

Trail-Spaß in den<br />

Harburger<br />

Bergen<br />

Als ich vor einigen Jahren nach Hamburg<br />

kam und meine Wohnung Harburg<br />

hatte, fing ich mit dem Mountainbikefahren<br />

an. Ihr wundert Euch, man kann<br />

in Hamburg richtig gut mountainbiken?<br />

Nur mal als Eckdaten, in den Harburger Bergen kann man sehr leicht<br />

mal in einer 60–70 km-Runde auch auf seine 1.000 hm kommen, also<br />

profiliert ist das Gelände auf jeden Fall. Auch 2017 als Vorbereitung<br />

für das härteste Mehrtages-Mountainbike-Rennen der Welt, den Cape<br />

Epic in Südafrika, habe ich den Wald vor meiner Haustür genutzt. Die<br />

Bedingungen dort waren teilweise sehr gut mit denen in Südafrika<br />

zu vergleichen, Zickzack-Profil und tiefer, lockerer Sand, lassen wir<br />

die Temperaturen während meiner Vorbereitung, es war Winter, mal<br />

außen vor. Etwas fehlte mir aber: so richtig schön gebaute Trails, mal<br />

was Flowiges, gerne auch anspruchsvolle Wege, etwas Beschilderung.<br />

Als Local kennt man viele Wege in den Harburger Bergen, nicht alle<br />

sind genehmigt bzw. abgesprochen, aber so ein richtig ausgebautes<br />

Streckennetz, das fehlte. Da ging der Blick schon fast neidisch nach<br />

Dänemark, wo es sehr viele gebaute Trails gibt, obwohl noch weniger<br />

Berge als in Hamburg. Das mit dem Fehlen der Trails und dem ausgebauten,<br />

beschilderten Routennetz ist aber nun passé, dank HaBe<br />

MTB (Harburger Berge Mountainbike e. V.). Der Verein wurde 2020<br />

gegründet und hat seit Kurzem einen Vertrag mit dem Forstamt, dass<br />

man im Einvernehmen Trails errichten darf. „Ein Mountainbike-Verein<br />

mit Wohlwollen des Forstes“, wie sie selber sagen. Häufig sind Mountainbiker<br />

dem Forstamt und anderen Nutzern im Wald ein Dorn im Auge,<br />

der Boden wird zu sehr verdichtet, die Landschaft kaputtgemacht und<br />

generell wird keine Rücksicht genommen ... Genau das sind Punkte, die<br />

mit dem Forstamt gemeinsam offen bearbeitet werden. Der Verein<br />

hat die „Trail Toleranz“ aufgestellt: 7 Punkte beschreiben knackig, wie<br />

man sich im Wald, auf den Trails und mit anderen Nutzern zu verhalten<br />

hat, für ein rücksichtsvolles Miteinander. Jonas Höhne, 1. Vorsitzender<br />

des Vereins, sagt auch: „Mit dem Verein wollen wir eine Community<br />

schaffen und das Mindset vom Mountainbiken schärfen. Es ist ein<br />

individueller Sport, das Spielen in und mit der Natur, deshalb ist es<br />

wichtig, dass wir diese nicht zerstören.“ Dazu gehört zum Beispiel,<br />

dass man auf den Trails bleibt und diese nicht verlässt. „Gerade mit<br />

dem Angebot der genehmigten Trails vom Verein versuchen wir, den<br />

Reiz an illegalen Abfahrten zu mindern“, meint Jonas. In den Harburger<br />

Bergen wird das „Schweizer Modell“ verfolgt, heißt: Wandernde und<br />

Fahrradfahrer*innen können/dürfen/sollen die gleichen Wege benutzen,<br />

so entsteht ein Verständnis für die jeweils anderen. Aktuell klappt es<br />

noch nicht immer, so gibt es einige, die glauben, „Privat-Polizei“ spielen<br />

zu müssen, da sind dann die Trails beschädigt, Markierungsschilder<br />

entfernt oder die Trails mit Baumstämmen blockiert. „Das ist schon<br />

echt ärgerlich, denn alles, was hier entsteht, ist genehmigt und<br />

abgestimmt“, sagt Jonas.<br />

Der Verein wurde mit 8 Leuten gegründet, mittlerweile sind 110<br />

Mitglieder dabei, Ziel von Jonas ist es, auf circa 400–500 begeisterte<br />

Mitglieder zu kommen. Alles auch unter dem Motto „Support Your<br />

Local Trailbuilder“, denn nur durch die enorme ehrenamtliche Arbeit<br />

können die Trails Bestand haben. „Gerade die Pflege bedeutet extrem<br />

viel Arbeit, da der Boden sehr sandig ist und die Kurven teilweise<br />

schnell ausgefahren sind. Wir versuchen einen nachhaltigen Trailbau<br />

zu verwirklichen“, so Jonas. Für den Verein ist Mountainbiken kein<br />

Rennsport, sondern ein Erholungssport im Einklang mit der Natur.<br />

Wer auch mal schauen will, was in den Harburger Bergen so abgeht,<br />

kann sich auf www.habemtb.de informieren, da gibt’s auch ein<br />

Streckennetz mit unterschiedlichen Farben, je nach Schwierigkeitsgrad.<br />

Wer richtig sportlich unterwegs sein möchte, kann auch eine der beiden<br />

vorgeschlagenen Routen abfahren, da sind dann schon viele der 22<br />

Trails enthalten. Zukünftig werden an der Kärntner Hütte und bei der<br />

Majestätischen Aussicht Tafeln stehen, die zeigen, wo die Routen bzw.<br />

Trails langführen. Demnächst sollen auch Touren angeboten werden,<br />

für Interessent*innen, die alleine eventuell noch etwas Respekt haben.<br />

Also, entweder abwarten, bis die Touren angeboten werden, oder Ihr<br />

schnappt Euch Euer Rad, geht raus und dann mal den Feuerlöscher oder<br />

den Autobahntrail testen, den Regenwurm langschlängeln oder (für<br />

die Mutigen) einen Sprung auf dem Bacardi-Rumble wagen. Wer sich<br />

fragt, was für ein Rad das Beste ist, dem sei auf jeden Fall ein Hardtail<br />

mit Frontfederung empfohlen, die Sprünge und anspruchsvollen Trails<br />

sind mit vollgefederten Rädern besser zu fahren. Egal wie, geht raus,<br />

habt Spaß und unterstützt HaBe MTB.<br />

© Fotos: HaBeMTB<br />

10<br />

HaBe MTB zeigt: Mountainbiken geht auch im Einvernehmen mit dem Forstamt.


BEMER Cyclassics<br />

Zum Geburtstag ein neuer<br />

Partner<br />

© Fotos: Joosep Martinson/<br />

Getty Images for Cyclassics<br />

© Foto: IRONMAN<br />

Die Freude ist groß, auf beiden Seiten, aber von Seiten wollen<br />

wir gar nicht schreiben, denn es sind ja jetzt die gemeinsamen<br />

BEMER Cyclassics. Und das zum 25. Jubiläum, das ja<br />

wegen C. aufgeschoben werden musste.<br />

Harte Zeiten liegen hinter allen Beteiligten,<br />

weswegen Oliver Schiek, Managing Director<br />

IRONMAN Germany, nach mehr als einem<br />

Jahr Krisenmanagement ziemlich emotional<br />

sagt: „Der Sport lebt und den besten Beweis<br />

dafür liefern wir Euch. Wir<br />

Oliver Schiek (IRONMAN)<br />

sind überglücklich und stolz,<br />

mit dem Unternehmen BE-<br />

MER einen neuen und starken Titelpartner<br />

an unserer Seite zu haben. Inmitten einer<br />

Krise wie dieser ist die Schließung einer solchen strategischen<br />

Partnerschaft über mehrere Jahre ein enormer Vertrauensbeweis, für<br />

den wir BEMER extrem dankbar sind.“ Und wir erst. Denn was wäre<br />

Hamburg ohne den Radklassiker? Also sind tolle, enthusiastische<br />

Partner gefragt. Wir schnacken mit Marketingchef Bernhard Bock,<br />

weil wir mehr über BEMER erfahren wollen, wissen möchten, was<br />

sie so zur Party nach Hamburg mitbringen. Die Zentrale von BEMER<br />

ist nämlich in Liechtenstein, diesem kleinen, netten und hübschen<br />

Land, das ungefähr so viele Einwohner hat wie Ottensen (Naaa, die<br />

Hauptstadt heißt ...? Nur so für Stadt-Land-Fluss.) und wo alles so<br />

bezaubernd ist wie im Miniatur Wunderland. Von da strahlt Bernhard<br />

Bock in unserem Gespräch und er erzählt uns erstmal, was BEMER<br />

so macht, was BEMER umtreibt. Overall steht BEMER, seit knapp<br />

25 Jahren am Markt und in Familienbesitz, nämlich für netto/netto<br />

mehr Lebensqualität. Ein großes Wort, aber die Gesundheit steht<br />

im Vordergrund. Nun reden wir nicht von Wundermitteln, weiteren<br />

wahnwitzigen Nahrungsergänzungsmitteln, sondern BEMER kommt<br />

aus der Medizintechnik, Technik ist das Stichwort: Wir reden von<br />

Geräten, als Gürtel, als Matte zum Drauflegen und Applikationen,<br />

die über ein Steuergerät die Blutzirkulation in den kleinsten Gefäßen<br />

im Körper fördern. Über ein erzeugtes Magnetfeld wird ein<br />

physikalisches Signal in den Körper transportiert, es reichen nur 2<br />

x 8 Minuten am Tag, wird die Mikrozirkulation vorangetrieben, was<br />

unterschiedlichste positive Auswirkungen hat, zum Beispiel die<br />

Sauerstoffaufnahme, die Aufnahme von wichtigen Nährstoffen etc.<br />

Andererseits wird alles, was raus muss, schneller und nachhaltiger<br />

abtransportiert. Und das hat eben deutliche Effekte auf den Schlaf,<br />

auf Heilungsprozesse, bis hin zur Prävention.<br />

Viele Felder, die für alle Menschen mehr als relevant sind, die aber<br />

gerade auch für Sportler*innen und aktive Menschen wichtig<br />

sind, wenn wir zum Beispiel von Sportverletzungen sprechen,<br />

oder eben einfach nur von Regenerationsprozessen bis hin zu<br />

weg-mit-dem-Muskelkater oder raus-mit-der-Milchsäure, dem<br />

Lactat. Und deswegen eben auch die BEMER Cyclassics: „Weil<br />

neben Spitzensportler*innen,, die von uns sehr profitieren können,<br />

gerade auch viele Freizeitsportler*innen, Jedermänner und -frauen<br />

am Start sind und wir alle diese Menschen erreichen wollen, denn<br />

wir können einen Beitrag zur Steigerung der Leistungsfähigkeit, zur<br />

Erhöhung der Lebensqualität leisten“, erklärt Bernhard Bock, selbst<br />

ehemaliger Eishockeyprofi, und die wissen, was Leistungsfähigkeit<br />

heißt. „Wir wollen unsere Therapie bekannt machen, haben den<br />

Radsport ausgewählt, weil letztlich jeder Mensch auch Rad fährt und<br />

Radfahren ja gerade durch Corona noch wieder einen weiteren Schub<br />

bekommen hat.“ Er weiter: „Alle interessierten Hamburger*innen<br />

können anlässlich der BEMER Cyclassics auf dem Rathausmarkt<br />

bei uns vorbeischauen und sich informieren.“ Bernhard Bock wird<br />

aber zwischendurch nicht am Stand sein. Denn er fährt seit fünf<br />

Jahren Rad, zwar noch nie bei einem Rennen, aber er wird selbst<br />

und selbstverständlich mit einem BEMER-Team am Start sein. „Zu<br />

Hause fahre ich, um den Kopf auszulüften, als Ausgleich, hier in<br />

Hamburg muss ich ja dabei sein. Diese wunderschöne Stadt ist so<br />

facettenreich, das gucke ich mir von der Radstrecke an, ich freue<br />

mich wahnsinnig drauf.“ Er hat so recht.<br />

© Foto: BEMER<br />

© Foto: BEMER<br />

12<br />

Bernhard Bock (BEMER)


Interview<br />

© Foto: Hamburger Senat<br />

Anjes Tjarks (Bündnis 90/Die Grünen) ist seit Juni 2020 Senator für Verkehr und Mobilitätswende.<br />

© Foto: <strong>sporting</strong> hamburg<br />

Strecke machen<br />

© Foto: Henning Angerer<br />

mit Anjes Tjarks!<br />

Wenn man ein Fahrrad-Special auflegt, ist es mal gar nicht (Achtung:)<br />

verkehrt, wenn man sich dazu mit dem Verkehrssenator<br />

auseinandersetzt. Und zwar mit Anjes Tjarks, dem Senator für<br />

Verkehr und Mobilitätswende, und warum setzt man sich dann<br />

nicht auch gleich noch gemeinsam aufs Rad?<br />

Wir treffen uns am Ortseingang Blankenese, <strong>sporting</strong> mit geliehenem<br />

Rad und Helm, er, durchaus im Radsportbereich unterwegs, will im Herbst<br />

noch mit Kumpels in Frankreich die Seealpen bis Nizza durchfahren, im<br />

Schnitt 1.000 Höhenmeter. OK, er fährt vor. Während der ersten Kilometer<br />

klärt er auf – und wir sind mitten im Thema, er gefühlt mitten auf der<br />

Fahrbahn. „Zu eng am Rand schummeln sich die Autos auf der gleichen<br />

Fahrbahn sehr an einem vorbei, das ist gefährlich. Bedenkt man die 1,5<br />

Meter Abstand, die eingehalten werden müssen, müssen Autos also<br />

schlichtweg warten, um an uns vorbeizufahren, und auf die andere Spur<br />

rüber“, macht Sinn, wieder was dazugelernt, und wir machen Strecke<br />

nach Wedel, kurze Abendrunde. In Wedel, in der Kehre an der Elbe,<br />

finden wir Platz, Zeit und Atem für die Kernfrage. Seine drei größten<br />

Herausforderungen in Sachen Radfahren in Hamburg, wollen wir wissen:<br />

„Infrastruktur, Abstellmöglichkeiten, Waseberg“, seine Antwort.<br />

Waseberg ist schnell abgehandelt, überraschend steile Auffahrt in<br />

Hamburg, bekannt von den Cyclassics oder wenn man mal am Elbstrand<br />

war – immer zu lang. Findet Ihr albern? Runterfahren ist easy, aber fahrt<br />

den mal rauf, schafft es wenigstens bis zur Holzbrücke, und dann könnt<br />

Ihr mitreden ;-). Infrastruktur ist nicht so schnell erledigt: „Strecke<br />

machen ist das Ding, wir haben im letzten Jahr 62 Kilometer Radwege<br />

gebaut, das ist sensationell viel“, erklärt Anjes Tjarks „Mit der Zahl 62<br />

sind wir in Deutschland spitze“, und das soll so weitergehen. Warum<br />

es dann in der HafenCity kaum Fahrradwege gibt, wollen wir wissen.<br />

Er so: „Kommt, ändern wir, zunächst mal mit Pop-up Lanes, Beispiel<br />

Sandtorkai.“ Er erklärt weiter: „Das Wie der Radwege, wenn man sich<br />

mehr Radverkehr wünscht, ist hierbei ein wichtiger Punkt: Früher waren<br />

Radwege teils 50 cm breit, jetzt am liebsten 2,25 m, optimal wären für<br />

mich 2,50 m plus 50 cm Protektion mittels Kantstein. Macht 3 Meter, das<br />

ist fast eine ganze Fahrbahn – natürlich nicht überall umzusetzen, aber<br />

´ne Messlatte brauchen wir.“ Dazu kommt die Frage des Belags, Asphalt ist<br />

wünschenswert. Und: „Bei der Einrichtung unseres Radschnellwegenetzes<br />

müssen ja überall da, wo sie langgeführt werden sollen, entsprechend<br />

Maßnahmenblätter für jeden Straßenzug erstellt werden, das sind über<br />

300 für das gesamte Projekt, ist so“, auf dem Weg zu einem Radwege-Netz.<br />

Wie Schnell- bzw. Einfallstraßen sollen die Radwege nämlich Hamburg<br />

sternförmig ansteuern, um auch ein Pendeln aus Rissen oder Bergedorf<br />

in die City per Rad zu ermöglichen.<br />

An Bahnstationen wird es<br />

sichere Abstellmöglichkeiten<br />

geben, damit man<br />

ggf. in die Öffis wechseln<br />

kann, bei gutem Wetter<br />

wie heute fährt man dann einfach weiter. Zumal das Schnellwegenetz<br />

innerstädtisch dann ins Veloroutennetz mündet, klingt auch nett, und in<br />

den Bezirken dann an die gleichermaßen auszubauenden Schulradwege<br />

angeschlossen werden soll. „Ein großer Teil der Fahrradfahrer, so rein<br />

statistisch, sind Schüler*innen, das unterschätzt man immer“, führt er<br />

weiter aus, als wir nach Fakten fragen. Mittlerweile beantwortet HaRa-<br />

ZäN, das Hamburger Radverkehrszählnetz, diese Fragen. Das sind über<br />

100 Wärmebildkameras an neuralgischen Punkten, die den Radverkehr<br />

messen. „Die Radnutzung hat sich in den letzten 10 Jahren verdoppelt“,<br />

erklärt Anjes Tjarks, was ja einer Bestätigung bzw. einer Verpflichtung<br />

gleichkommt, Stichwort: Henne/Ei. Und dann wird es auch noch grüner,<br />

was bei ihm ja nicht überrascht, Beispiel Königstraße in Altona: Bei der<br />

Errichtung der Bikelane dort, da werden nämlich auch gerade drei Schulen<br />

gleichzeitig gebaut, pflanzt er für die dafür zu fällenden drei Bäume 50<br />

neue Bäume, macht netto 47 plus – Deal. BlueGreenStreet ist da die<br />

Idee, denn recht aufwendig wird sogar Regenwasser zur Bewässerung<br />

dieser Bäume gesammelt. „Straßenplanung ist eben mehr“, erklärt er.<br />

„Lärmbelastung ist ein Thema, auch Genderfragen, warum fahren Männer<br />

in Hamburg doppelt so viel Auto wie Frauen?“, er weiter: „Fragt man die<br />

Frauen, fühlen sie sich im öffentlichen Raum, im Verkehr der Großstadt oft<br />

nicht gleichermaßen sicher.“ Viele Aufgaben bei der Infrastrukturplanung,<br />

sicherlich auch hinsichtlich der Nutzung des Fahrrads, viele Themen …<br />

und dabei müssen wir noch zurück nach Hamburg ...<br />

Abschließend, beim Aufsteigen, noch 10 Sprint-Fragen: Mit einem<br />

Polorad kann Anjes Tjarks nicht so viel anfangen, OK, er ist auch erst 40,<br />

die Cyclassics ist er mit 16 schon gefahren, aktuell ist da nichts geplant,<br />

E-Bikes findet er cool, haben für ihn Suchtpotenzial, „deswegen hab ich<br />

noch keins.“ Aber: „Toll, gerade für ältere Herrschaften, erst recht, wenn<br />

sie dafür das Auto stehen lassen“, grinst er. Radtour oder Wanderung?<br />

„Definitiv Radtour, da haben sogar unsere Kids Spaß.“ Reifen flicken, macht<br />

er, sonst kann er da nicht so viel, gibt er ehrlich zu. Wann er sich das<br />

letzte Mal über einen Autofahrer aufgeregt hat, können wir uns selber<br />

beantworten, wir waren nämlich dabei, also vor 15 Minuten. Anjes Tjarks:<br />

„Abstand ist das häufigste Thema, deswegen Protected Bike Lanes.<br />

Aber so grundsätzlich bin ich zum Glück niemand, der sich gern aufregt.“<br />

Oben: Ausfahrt mit <strong>sporting</strong>-Herausgeber Martin Blüthmann. Unten: Anjes Tjarks kommt zu fast allen Terminen mit dem Fahrrad.<br />

15


Nachwuchs auf Rädern<br />

© Foto: Leo Diekmann<br />

© Foto: Selma Lantzsch<br />

© Foto: Mario Vonhof<br />

Marla sieht man eher selten stehend und ohne Fahrradhelm - für Euch ausnahmsweise einmal (rechts).<br />

© Foto: Marcus Kaben<br />

„Komplett<br />

leerfahren.“<br />

© Foto: Fabienne Jährig<br />

© Foto: Wolfgang Stärke<br />

Wer im Radsport mitreden will, und es gibt ja von<br />

Sattelhöhen über Socken bis Trainingsstrecken<br />

ex trem viel zu besprechen, wird dann in den nächsten<br />

Jahren Marla kennenlernen.<br />

Marla Sigmund ist der Lichtblick des Hamburger Radsport-Verbands,<br />

so in Sachen Leistungssport. Derweil Leon Rohde Tokio rocken<br />

will, rockt Marla denn vielleicht Paris, denn sie ist gerade erst<br />

18 geworden. Wir sprechen mit ihr zwei Tage später als geplant,<br />

sie war im Trainingslager in Nieder-Österreich gestürzt, fast Gehirnerschütterung,<br />

Marla grinst die irgendwie weg: „Geht schon<br />

wieder.“ Marla ist tough, heißt das. Sie ist im U19-Kader Bahn UND<br />

Straße des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR), noch nicht mal<br />

TEAM HAMBURG-Mitglied, obwohl sie wohl könnte. Alex Harms,<br />

aufgepasst, Marla kommt :-).<br />

Marla ist die Tochter von Kathi Sigmund, und die ist Vizepräsidentin<br />

im Verband und Trainerin beim FC St. Pauli. Und wer jetzt denkt,<br />

Marla ist auf dem Rad zur Welt gekommen, ein vergleichbares<br />

Schicksal erleiden ja z. B.<br />

viele Segler*innen, der<br />

fährt auf dem Holzweg,<br />

denn Familie Sigmund<br />

ist gemeinsam beim Radsport<br />

gelandet. „Ich habe<br />

erst mit 14 angefangen“,<br />

sagt sie, „fahre erst seit<br />

vier Jahren.“ Ihre größten<br />

Erfolge in ihren jungen<br />

Radler-Jahren sind aber beachtlich:<br />

EM-Dritte U19 im<br />

Bahnrad-Vierer, Deutsche<br />

Meisterin U17 und 7. Platz<br />

bei einer sehr angesagten<br />

niederländischen Radrundfahrt,<br />

der Watersly<br />

Ladies Challenge, als<br />

Nesthaken sozusagen. Wer<br />

also in Mathe nicht immer<br />

krank war, stellt fest, dass sie nach<br />

nicht mal zwei Jahren Radsport Deutsche<br />

Meisterin wurde. Talent geht/<br />

fährt so. Sie ist zurückhaltend und<br />

relativiert im wahrsten Wortsinne:<br />

„Ich war relativ schnell relativ gut“,<br />

meint sie ernst. „Meine Lehrer*innen<br />

und Schulkamerad*innen haben das,<br />

was ich mache, lange gar nicht als Sport verstanden“, erzählt sie,<br />

„aber ich habe mein Ding durchgezogen.“ „Harte Arbeit“, sagt sie<br />

selbst. Beeindruckend. Dennoch sieht sie entspannt aus. Verbissen<br />

geht anders. „Ich mache keine halben Sachen“, ihr Kiez, ihre Party<br />

am Wochenende: auf dem Rad, ihre Freundinnen und Freunde sind<br />

ihre Trainingsparter*innen. Auf die Schule nimmt sie Rücksicht, die<br />

Schule offensichtlich auch auf sie: „Mein Abi war trotzdem ganz gut,<br />

obwohl ich selten da war.“ Gruß an das Helene-Lange-Gymnasium,<br />

well done. 1,7 der Notendurchschnitt, ein beeindrucktes well done<br />

auch für Marla. Sie startet für die Radsport-Gemeinschaft Hamburg<br />

(RG-Hamburg), ihr Trainer in Hamburg ist Leo Diekmann. „Mich reizt<br />

die Geschwindigkeit“, sagt sie, von Beginn an, was im Grunde ja<br />

die Fähigkeit, sich quälen zu können, impliziert. „Ich kann mich<br />

komplett leerfahren“, sagt sie dann auch. Mit 18.<br />

Was ihr mehr liegt, wollen wir wissen, Straße oder Bahn, denn<br />

man könnte ja denken das schließt sich aus. Tut es aber nicht.<br />

„Beides“, sagt Marla natürlich, weil so unterschiedlich: „Die kurzen<br />

Strecken auf der Bahn tun von Anfang an weh“, sagt sie, „da musst<br />

Du durchballern.“ Sie weiter: „Auf der Straße ist vielmehr Taktik im<br />

Spiel: Windschatten, Sprintstrecken, flach, bergauf, wo überhol ich,<br />

wo nehme ich raus, da wird immer wieder neu gedacht.“ Das ist<br />

alles ihrs, man spürt es mit jeder ihrer Schilderungen. Die Frage<br />

nach Vision erübrigt sich fast, denn sie fährt ja beides, auf der<br />

Bahn könnte es mal olympisch werden, auf der Straße entwickelt<br />

sich sogar gerade eine World Tour für Frauen, „denn die sind im<br />

Radsport im Kommen.“ Da will sie mit einem/ihrem Team dann in<br />

die Weltspitze. Selbstverständlich. In diesem Jahr hat sie in jeder<br />

Disziplin noch Deutsche Meisterschaften vor der Nase (Zeitfahren,<br />

Straße, Bahn, also drei), je nach Abschneiden dann Europameisterschaften<br />

(macht sechs) und ggf. Weltmeisterschaften (wären dann<br />

neun). Schluck. Musst Du „durchballern“, Marla.<br />

16 17


Cyclocross<br />

Dann eben tragen!<br />

© Fotos: Silke Heaney<br />

Wir treffen uns mit Ilka Kunz, der Geschäftsstellenleiterin<br />

des Hamburger Radsport-<br />

Verbands, in Volksdorf.<br />

Derweil die Mountainbiker (das sind die mit den dicken Reifen und<br />

dem geraden Lenker, die, die gern steil rauf- und runterfahren, nicht<br />

-tragen) sich ja vorzugsweise an den Elbhängen oder den Harburger<br />

Bergen austoben, fahren die Cyclocrosser mit ihren robusteren<br />

Rennrädern durchaus auch Hänge, überwinden Hindernisse aber,<br />

indem sie ihre Bikes schultern und einfach weiter ... laufen.<br />

Früher nannte man das Querfeldein. Da ist Dynamik gefragt, vor<br />

allen Dingen aber Geschicklichkeit, und deswegen ist tatsächlich<br />

ein wesentliches Motiv des Vereins Cycloscross Hamburg e. V. auch:<br />

das Fitmachen von Kindern für den Hamburger Straßenverkehr. Und<br />

deswegen dürfen sogar jeden Samstag ab 13 Uhr (nach Voranmeldung:<br />

kidskross@cyclocross-hamburg.de) die Kids ab 6 Jahren aus<br />

ganz Hamburg da ran, Mitglied oder nicht, egal. Hauptsache rauf<br />

und runter. „Kids on Bikes“, sagt Ilka, ist das Motto von „Kids Kross“,<br />

die Idee dabei: „Gleichgewicht, Radbeherrschung, Umgang mit dem<br />

Rad an sich, Angst nehmen, Sicherheit fühlen.“<br />

Das Cyclocross-Land wird vom Verein selbst betrieben, das Gelände<br />

in Volksdorf wird ihnen vom Förster überlassen, Gegenleistung:<br />

Geländepflege. Nett. Der Verein hat ca. 100 Mitglieder, 30 sind<br />

davon Kids, die regelmäßig kommen und sich dann aber auch auf<br />

Wettkämpfe (ab 10/11 Jahren) vorbereiten. Vorneweg: Jugendtrainerin<br />

Valerie oder 1. Vorsitzender, Trainer und Bau-mal-eben-eine-neue-<br />

Strecke Joerg Steffens (54).<br />

Weil die Cyclocrosser*innen, wenn ein<br />

Hindernis oder eine Treppe kommt, ihr<br />

Rad tragen, muss das Auf- und Abspringen<br />

geübt sein. Dafür braucht’s<br />

aber auch am Rad keine Federung wie<br />

bei den Mountainbikern (da sind sie<br />

hart im Nehmen), „ ... wie ein Rennrad<br />

fürs Gelände“, sagt Ilka. Und Gelände<br />

ist ja ein dehnbarer Begriff: Matsch –<br />

Schmutz auf jeden Fall – ist Programm,<br />

wahrscheinlich sogar ein bisschen<br />

gewollt, unterstellen wir mal.<br />

Deswegen ist Cyclocross ein Ganzjahressport, immer in der Natur,<br />

so richtig, nicht mal eben nur draußen. Fahrradwege sind für<br />

Cyclocrosser*innen wahrscheinlich die Pest. Für enthusiastische<br />

Radsportler*innen gilt Cyclocross im Winter auch als die Alternative<br />

zum Rennradfahren im <strong>Sommer</strong>, denn wer will auf Eis und<br />

Schneematsch mit seinem Rennrad auf die Nase fallen. Dann lieber<br />

breitere Reifen, und: „Keiner fährt um Pfützen und Matschhänge<br />

herum – einfach immer durch!“ Die meisten fahren offensichtlich<br />

wohl sowieso beides, denn auch Bahnradtraining und Training für<br />

das Fahren auf der Straße bietet der Verein. Auf dem Crossgelände<br />

in Volksdorf wird im Grunde die ganze Woche trainiert, zweimal gibt<br />

es hierfür feste Zeiten und Trainings, die Mitglieder und auch die<br />

Kids, die samstags das Gelände entern, kommen aus ganz Hamburg<br />

nach Volksdorf. Und wenn vom Verein niemand da ist, das Gelände<br />

ist offen und darf auch so genutzt werden. Das ist großzügig und<br />

sicher ein Geheimtipp, nicht nur für die Nachbarschaft.<br />

Weitere Infos unter: www.cyclocross-hamburg.de<br />

18<br />

Neugierig geworden? Am Samstag, 07. August startet ab 15 Uhr der SOMMERCROSS für alle<br />

Alters-und Rennklassen im Cross-Land.<br />

Immer mitten durch's Gelände, Radweg ist ein Fremdwort, und bei Hindernissen wird das Bike geschultert.


Klimaschutz<br />

Kursangebot<br />

© Fotos: Klima-Bündnis<br />

© Fotos: ParkSportInsel<br />

Mehr STADTRADELN<br />

ist das Ziel!<br />

Radfahrkurse für<br />

Wiederaufsteiger*innen<br />

(60+)<br />

Egal, warum und auf welchem Rad Du unterwegs<br />

bist: BMX, Gravel, Lasten, Renn,<br />

Cyclocross, Mountainbike – Du bist klima.<br />

Das ist eins-plus, um nicht prima zu sagen.<br />

Mit dem Rad schlägt man im Grunde diverse große Fliegen gleichzeitig,<br />

aber vor allen Dingen tut man auch derGesundheitdemKlima gut. Wer<br />

mehr Rad fährt, fährt weniger Auto, und weniger Autos machen weniger<br />

Stau, weniger Dreck, weniger Lärm – und man bewegt sich, auch sehr gut,<br />

und das ultimativ klimaneutral. Allerbest. Um uns das noch bewusster<br />

zu machen, für ein kollektives Erlebnis, wird im September stadtgeradelt.<br />

Vom 01. bis zum 21.09. sollen, wollen die Hamburger*innen Teil einer<br />

europaweiten Bewegung von vielen Städten und Kommunen sein. Die<br />

Idee ist, dass in allen teilnehmenden Kommunen und Städten innerhalb<br />

von drei Wochen möglichst viele Kilometer zusammen geradelt werden.<br />

Hamburg performte in den letzten Jahren immer besser, konnte die<br />

Kilometerzahl seit der ersten Teilnahme in 2018 mehr als verdoppeln,<br />

auf zuletzt 2020 fast 1,8 Mio. km bei knapp 600 mitradelnden Hamburger<br />

Teams. Wir wollen natürlich weiter nach vorn und noch mehr für das<br />

Klima tun, und außerdem sind wir Active City und wollen zeigen, wo<br />

der Hammer hängt. Aktuell machen schon mehr als 2.000 Kommunen<br />

und Städte mit, Hamburg will die 2 Mio.-Marke knacken, und das lassen<br />

wir uns doch wohl nicht zweimal sagen. Geradelt wird in Teams, zwei<br />

Personen reichen schon, anmelden, sonst gibt’s nichts zu zählen, müsst<br />

Ihr Euch auf www.stadtradeln.de/hamburg. Ihr könnt Euch auch<br />

anderen Teams anschließen.<br />

Veranstaltet wird STADTRADELN, eine Kampagne des Klima-Bündnis, in<br />

Hamburg vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club (ADFC) Hamburg,<br />

im Auftrag der Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft<br />

(BUKEA). Schirmherr ist Umweltsenator Jens Kerstan. Er findet: „Auto<br />

stehenlassen, Bus und Bahn sausen lassen und rauf aufs Rad! [...] Wer in<br />

den drei Wochen möglichst viel Fahrrad fährt, trägt aktiv zum Klimaschutz<br />

bei.“ Motiviert Eure Kollegen, Euren Verein, die Nachbarn und pfeffert<br />

zusammen einen raus. Schnell muss nicht, Spaß muss. Jeder Kilometer<br />

zählt. Und wir zählen auf Euch.<br />

Aufsteiger sind super, sowieso,<br />

Wieder-Aufsteiger erst recht,<br />

und die erzählen sogar ein bisschen<br />

mehr Geschichte, denn es<br />

gab ja auch mal ein Absteigen.<br />

Das hat sich auch der rührige Verein ParkSportInsel e. V. zusammen mit<br />

der Radfahrschule Elbinsel so gedacht und Fahrradkurse 60+ initiiert.<br />

Was für eine schöne Idee. Es gibt viele Gründe, warum Hamburger*innen<br />

dann irgendwann meinen, nicht mehr Rad fahren zu können. Körperliche<br />

Fitness oder Beweglichkeit lassen das gefühlt nicht mehr zu, anderer<br />

möglicher Grund: Es ist gar kein Fahrrad mehr da, wie also soll man? Oder<br />

man traut sich nicht mehr, fühlt sich im Straßenverkehr unsicher – und<br />

dann kommt eins zum andern und es wird gefährlich.<br />

Andererseits ist man und frau auf dem Rad doch herrlich mobil, erweitert<br />

seinen Radius um das Zuhause um einige Kilometer, das können Dimensionen<br />

sein, und vielleicht braucht es nur einen Anstoß. Unter Umständen<br />

hilft es auch, wenn man Menschen trifft, denen es genauso geht, und man<br />

mit ihnen gemeinsam<br />

Mut fassen kann. Rauf<br />

aufs Rad und ab die<br />

Post. Und wir schwören:<br />

Der Spaß steigt<br />

mit auf.<br />

Unterstützt von der SECURVITA Krankenkasse bietet die ParkSportInsel<br />

im Lohmühlenpark in St. Georg neben den „Fit im Park!“-Kursen für<br />

Ältere jetzt auch Wiederaufsteigerkurse für Wieder-Radfahrer*innen von<br />

60 bis 90 mit der Radfahrlehrerin und Ergotherapeutin Felicitas Gierse.<br />

Sie gehen über 2 × 2,5 Stunden und kosten 10 EUR. Darin enthalten ist<br />

sogar eine Ergonomie-Beratung, hier geht es unter anderem um die<br />

Frage, welches Rad für Dich geeignet ist. Am Ende des Kurses gibt es<br />

dann eine gemeinsame Ausfahrt. Wir finden, das klingt tipptopp. Wichtig<br />

ist den Veranstaltern, dass Ihr Euch vorab einmal telefonisch bei Frau<br />

Gierse meldet. Hier könnt Ihr natürlich auch Eure Wünsche äußern,<br />

und vielleicht nimmt Frau Gierse Euch die letzten Hemmungen und Ihr<br />

radelt bald lauthals singend durch Euren Stadtteil. Das würden wir uns<br />

wünschen, und Euch richtig schöne Erlebnisse. Ein Wiederaufstieg darf<br />

gefeiert werden.<br />

Weitere Infos und Kurstermine unter<br />

www.parksportinsel.de/news/wiederaufsteigerkurse,<br />

Anmeldungen und<br />

Vorgespräch bei Frau Gierse: 040-18 14 33 32.<br />

20<br />

Die geradelten Kilometer können online eingetragen werden. Oder Ihr nutzt die STADTRADELN-App(kürzung).<br />

Daumen hoch vom teilnehmenden Wiederaufsteiger! Rechts: Radfahrlehrerin Felicitas Gierse.


© Foto: privat<br />

Lastenräder<br />

© Foto: <strong>sporting</strong> hamburg<br />

© Foto: <strong>sporting</strong> hamburg<br />

© Foto: <strong>sporting</strong> hamburg<br />

groß. Am besten ist immer: Ausprobieren. „Unsere Kunden schicken<br />

wir auf Probefahrt durch den Schanzenpark. Man muss sich mit dem<br />

Modell wohl fühlen.“ Ca. alle sechs Monate gehört das Rad dann<br />

zur Inspektion, Ahoi Velo bieten für einen kleinen Taler auch einen<br />

Abholservice an. Bei frostigen Temperaturen gehört der Akku nach<br />

dem Fahren ins Haus, so ist er auch vor Langfingern geschützt.<br />

I want to ride<br />

my bicycle…<br />

Wohin geht die Reise noch? „Begeistert bin ich z. B. vom Konzept der<br />

Rikschas in Altenheimen! Allgemein spüre ich ein stetig wachsendes<br />

Interesse. Vermehrt erreichen mich tatsächlich Anfragen für Automessen<br />

– Blickwinkel öffnen sich, das Lastenrad ist der SUV von morgen.“<br />

Und dass der Lenker so weit entfernt sein kann vom Vorderrad, war uns auch neu. Hier ein Eigenbau.<br />

Anzeige<br />

© Foto: <strong>sporting</strong> hamburg<br />

22<br />

Was vor einigen Jahren noch exotisch, ist heute nicht<br />

mehr aus dem hiesigen Straßenbild wegzudenken.<br />

Ob mit Kindern, Paketen, Einkäufen oder Hunden<br />

beladen, Lastenfahrräder sind inzwischen mehr als<br />

ein Trend auf Hamburgs Straßen.<br />

René Reckschwardt, Gründer und CEO von Ahoi Velo Cargobikes, begrüßt<br />

diesen Sinneswandel: „Es ist ein neuer grüner Zeitgeist eingezogen.<br />

Die Leute legen Wert auf Nachhaltigkeit und schätzen Produkte made<br />

in Germany. Immer mehr Kunden kommen zu uns mit dem Wunsch,<br />

ihr Auto abzuschaffen und aufs Rad umzusteigen. Das wird langfristig<br />

auch das Straßenbild und die Infrastruktur beeinflussen. Als ehemaliger<br />

Stadtplaner sehe ich hier großes Potenzial für die angespannte<br />

Verkehrssituation in der Hansestadt.“<br />

Den größten Teil der Kundschaft machen Familien aus.<br />

Die Fahrradanhänger und Sitze auf dem Gepäckträger<br />

haben ausgedient, Kinder müssen nicht länger nur<br />

mit den Rucksäcken der Eltern schnacken … Ab jetzt<br />

sitzen sie in der ersten Reihe, im Blickfeld ihrer Eltern.<br />

Das Fahrrad erweitert den Bewegungsradius für Eltern<br />

mit Kindern, die noch nicht allein fahren oder weite<br />

Strecken zurücklegen können. Mit einem starken Motor<br />

(heute bis zu 100 Nm) sind selbst Waseberg und Harburger Berge zu<br />

erklimmen, auch wenn die Räder je nach Typ bis zu 50 kg auf die Waage<br />

bringen. „Technisch hat sich sehr viel getan. Um den Belastungen<br />

durch den Antrieb gerecht zu werden, sind die meisten Räder heute<br />

mit einem Riemenantrieb aus Carbon ausgestattet. Darüber hinaus<br />

sind die Räder heute gut gefedert und teils GPS-getrackt, das Material<br />

der Ladeboxen verspricht besonders viel Sicherheit.“<br />

Das hat natürlich seinen Preis. Die günstigsten Lastenräder wie das<br />

Bakfiets (made in Holland) liegen bei ca. 2.000 Euro (ohne Motor), für<br />

den teuersten Lastenesel des deutschen Herstellers Riese & Müller<br />

kann man bis zu 10.000 Tacken auf den Tisch legen. „Leasing ist ein<br />

großes Thema und lohnt sich gerade für Angestellte – bis zu 40 %<br />

des Kaufpreises an Ersparnis sind möglich. Wünschenswert wäre<br />

natürlich auch ein Förderprogramm, wie schon in anderen Städten<br />

bekannt.“ Generell beobachtet René aber eine große Bereitschaft, für<br />

die Sicherheit der Kinder lieber etwas mehr auszugeben.<br />

Bis man sich stolzer Besitzer eines Carogobikes nennen kann, können<br />

zuweilen einige Monate verstreichen. Unser Tipp: Schon im Winter an<br />

den <strong>Sommer</strong> denken und frühzeitig bestellen!<br />

Aber welches Modell denn nun? 3-Rad, 2-Rad, Longtail – die Range ist<br />

Kinder oder Hunde als Passagiere, Einkäufe, … – in so ein Lastenrad passt erstaunlich viel rein.<br />

Sonderaktion:<br />

Bringe diesen Artikel mit in unseren<br />

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und spare 99 Euro auf jedes Rad!


© Foto: Mirja Hatje<br />

© Foto: Timo Behnke<br />

BMX<br />

JumpJumpJump<br />

Schon wieder ’ne Parallelwelt: BMX. Manche Sport-, in diesem<br />

Fall Rad-Szenen, sind so für sich, man nimmt sie kaum wahr.<br />

Sollte man aber, wie uns die RG-Hamburg beweist.<br />

Wir treffen Mirja Hatje (47), BMX-Fahrerin aus Leidenschaft, und Insa<br />

Sumann (53), ambitionierte BMX-Mutter, beide leiten gemeinsam<br />

die BMX-Sparte in der Radsport-Gemeinschaft Hamburg. Stichwort<br />

Gemeinschaft: „BMX ist zwar ein Einzelsport, kann aber nur in der<br />

Gemeinschaft gelebt werden, und das zeigt die RG-Hamburg in all<br />

ihren Sparten (Rennsport, RTF und BMX)“, sind sie sich einig. Der<br />

Verein hat eine wunderbare, fast-noch-nagelneue (2014 fertiggestellte)<br />

BMX-Bahn in Farmsen, was nicht gerade um die Ecke ist, aber<br />

das tut der Begeisterung keinen Abbruch: „Zu uns kommen auch<br />

BMX-Fahrer aus Kiel, Schwerin und sonstwo“, was für die Güte der<br />

Bahn spricht. Bundesliga-Events finden hier statt, 2017 sogar die Dt.<br />

Meisterschaft. Das Gelände gehört der Stadt, Active City lässt grüßen,<br />

„das Material hat der Verein gestellt, gebaut haben die Mitglieder<br />

selbst“, erklärt Mirja. 130 Mitglieder sind es, 80 Aktive von 5 bis 55<br />

Jahren, 60 Kids, 20 Erwachsene, davon 3 Frauen, eine davon Mirja. Wir<br />

reden von der Disziplin BMX Race, die ist sogar olympisch. Derweil<br />

wir schnacken, kommt Till (13), eine der Hoffnungen des Vereins,<br />

er fährt schon Euroläufe, ist 3. auf den Dt. Meisterschaften. „Einer<br />

unserer 8 Trainer ist Kristaps Vekša, Ex-Elitefahrer aus Lettland, er<br />

betreut die zwei Leistungsgruppen“, erklärt Insa, sie haben sich primär<br />

dem Leistungssport verschrieben. Christiane Wiesner, WM-Fünfte<br />

2019 bei den Frauen, kommt auch aus Hamburg.<br />

Mirja: „Kids dürfen hier auf dem Rad verrückte Sachen machen, das<br />

ist eine kleine Freiheit.“ „Das Springen ist das Unfassbare“, sagt Till.<br />

Insa wird ernst: „Körperbeherrschung ist das eine, man lernt seinen<br />

Körper natürlich kennen, der ist komplett angespannt“, erklärt sie<br />

einen Sport, der sehr anstrengend ist, dem man das aber auf den<br />

ersten Blick nicht ansieht. „Und die Kids lernen, das Fahrrad absolut<br />

zu beherrschen“, wichtig. „Dann kommt Mut dazu, und letztlich<br />

bedienen wir auch die Idee, sich zu messen, es geht ja darum, wer<br />

der Schnellste ist. So kann jeder immer an sich arbeiten, eine gute<br />

Schule“, sagt Insa.<br />

Wer sich also mal challengen will, meldet sich beim Schnuppertraining<br />

(Anmeldung unter www.rg-hamburg.de), kostet ´nen<br />

10er. Dafür gibt es das komplette Equipment, Rad, Helm usw., und<br />

´ne Menge Spaß. Den Mut müsst Ihr mitbringen, da machen wir uns<br />

aber keine Gedanken.<br />

© Foto: Timo Behnke<br />

© Foto: Mirja Hatje © Foto: Edgar Galindo<br />

© Foto: Edgar Galindo<br />

24<br />

Die Bahn besteht aus Wellen, hohen, flachen, Kurven, steil, weniger<br />

steil, und die wird ganz oder in Teilstücken abgefahren, es gibt immer<br />

was zu verbessern. Mal ist Bodenhaftung – Druck auf dem Rad –<br />

schneller, mal machen Sprünge mehr Sinn. „Die Leidenschaft der<br />

Kids ist unbändig“, sagt Insa. „Wer einmal hier war, kommt wieder.“<br />

Till Behnke (13), BMX-Nachwuchstalent.


Gastbeitrag: Styleguide ;-)<br />

© Fotos: privat<br />

Das Auge rollt mit<br />

Rennradfahrer*innen sind mehrheitlich extrem eitel<br />

modebewusst. Damit bei der nächsten Modenschau,<br />

äh, Trainingsrunde optisch alles stimmt, kommt hier<br />

ein kleiner Styleguide für Beginner.<br />

Jemand sollte Heidi Klum mal vorschlagen, die kommende Staffel<br />

GNTM ausschließlich mit Rennradfahrer*innen auszutragen. Mit<br />

ihrer angeborenen Lycra-Liebe und einem ausgeprägten Hang<br />

zum Posing würden sich jedenfalls einige Kandidat*innen auf dem<br />

Catwalk genauso gut verkaufen wie auf dem Sperrwerk Entenwerder.<br />

Der Style-Faktor beim Rennradfahren ist extrem, und eine rasant<br />

wachsende Industrie hat das dankbar erkannt.<br />

Das Angebot an Rad-Klamotten ist daher riesig – womit auch die<br />

Gefahr wächst, sich mit dem falschen Zeug richtig zu blamieren. Das<br />

fängt schon beim Helm an. Man könnte denken: Da kann man nicht<br />

viel verkehrt machen, außer irgendeinen wild gemusterten Helm<br />

aus dem Baumarkt zu kaufen. Das stimmt nicht. Erstens: Den Helm<br />

nicht in den Nacken schieben – sieht bekloppt aus und schützt auch<br />

nicht besonders. Zweitens: Falls der Helm vorne so einen Schirm<br />

aus Plastik hat – unbedingt abmachen! Und: Die Bügel der Radbrille<br />

(obligatorisch, gerne mit supergroßem, bunt verspiegeltem Mono-<br />

Glas) müssen ÜBER den Kinnriemen des Helms. Also erst den Helm<br />

aufsetzen, dann die Brille. Das ist Style-technisch wirklich wichtig<br />

und trennt Wissende von Unwissenden, Profis von Hobby-Gurken.<br />

Die Auswahl an Trikots ist erschlagend. Ein echtes Race-Trikot<br />

erkennt man an breiten, elastischen und extrem enganliegenden<br />

Ärmelabschlüssen, die bei Kurzarmtrikots bis kurz vor den Ellenbogen<br />

reichen. Trikots von Profi-Teams sind so „na ja“ und ziemlich<br />

amateurhaft. Beim Fußball mögen diese Fan-Trikots funktionieren,<br />

im Radsport sind sie eher peinlich. Finisher-Trikots aus dem letzten<br />

Jahrzehnt („Ötztaler“, „Velothon“, „Rund um den Kirchturm in Oer-<br />

Erkenschwick“) – kann man machen. Ist aber eher was für Männer<br />

ab 50, die der Welt zeigen wollen, dass sie früher mal fitter waren.<br />

Aktuell sind (neben Vereins- oder Teamtrikots, mit denen man nichts<br />

falsch machen kann und die meist sogar vom Verein subventioniert<br />

werden) einfarbige Trikots von Luxusherstellern angesagt. In schwarz,<br />

blau, dunkelviolett oder schlammfarben; Hauptsache: dunkel. Als<br />

Mann trägt man dazu vorzugsweise einen Vollbart. Tätowierungen<br />

gehen natürlich immer, aber bitte kein Deppen-Tattoo (das ist der<br />

halbkreisförmige Kettenschmiere-Abdruck, der entsteht, wenn<br />

Ungeschickte sich das vordere Kettenblatt an der Ampel in die rechte<br />

Wade rammen). Radhosen sollten bis kurz übers Knie reichen und<br />

ebenfalls einen breiten, eng anliegenden Abschluss haben. Trägervarianten<br />

schlagen trägerlose Hosen um Längen. Das passende<br />

Polster muss man sich „erfahren“ – aber bitte ohne Unterhose! In<br />

die Radhose steigt man blank, ehrlich!<br />

Socken – ein Riesenthema. Stylemäßig verboten sind Sneakersocken,<br />

also ultrakurze Füßlinge. Ein No-Go. Eine Radsocke soll zwei Fingerbreit<br />

über dem Knöchel enden und muss weiß sein – das war früher die<br />

Maxime. Daher sieht man solche Socken meist an broilerbraunen,<br />

sehnigen Beinen, die mehr Lebenskilometer erstrampelt haben als<br />

die meisten von uns mit dem Auto gefahren sind. Vorsicht also:<br />

Fahrer*innen, die so kurze Socken tragen, haben meist was drauf.<br />

Sind aber modisch von vorgestern. Radsocken von heute sind bunt,<br />

reichen bis zur Wadenmitte und kosten ein kleines Vermögen. Also:<br />

die von den gehypten Marken. Manche haben hinten Sprüche drauf<br />

(etwa „Hell“ links, „Yeah“ rechts), zeigen hoppelnde Hasen oder<br />

haben verrückte Muster. Andere sind aus extrem enganliegendem,<br />

innen gummiertem Aeromaterial, das nach einer versehentlichen<br />

Maschinenwäsche labberig wird, dann können die Dinger in den Müll.<br />

Wer seine Aerosocken liebt, der wäscht sie per Hand. Entscheidend<br />

für Styler ist natürlich, dass die Socken farblich zum Lenkerband<br />

passen. Notfalls wechseln (das Lenkerband, das ist billiger).<br />

Radschuhe müssen Schuhplatten haben, damit man mit Klickpedalen<br />

fahren kann, das ist wirklich wichtig. BOA-Verschlüsse, das<br />

sind so Drehknöpfe, schlagen Klettverschlüsse, auch optisch. Radhandschuhe<br />

sind übrigens nicht mehr so angesagt, aber natürlich<br />

total in Ordnung, wenn man die entstehende Bräunungskante am<br />

Handgelenk verkraften kann. Eine Oberseite aus Lycra ist cooler als<br />

eine aus Frottee, das versteht sich von selbst.<br />

Wer sich an diese Basics hält, sollte somit auf der sicheren Seite<br />

sein. Und wer braucht schon ein Foto von Heidi? Fotos machen wir<br />

ja selber – vor, während und nach jeder Ausfahrt, für Insta. Damit<br />

die Welt auch sieht, wie schön wir sind!<br />

Alexander Böker ist im<br />

Radsport-Verband Hamburg<br />

für das Thema Leistungssport<br />

verantwortlich,<br />

fährt selber am liebsten im<br />

Vereinstrikot – und besitzt<br />

noch diverse Paare kurzer<br />

Radsocken.<br />

26 27


E-Bike<br />

Das E-Bike spaltet –<br />

immer weniger.<br />

Dieses Modell hört auf den schönen Namen Riese&Müller Supercharger2.<br />

© Fotos: eBikecompany<br />

Du, auf Deinem schicken Designer-Citybike, alles Ton<br />

in Ton, wenn möglich in mattgrau, hast, bei allem<br />

angesagten Purismus, nicht mal auf die Gangschaltung<br />

verzichtet, strampelst tapfer lächelnd gegen<br />

den Wind, die Airpods mit Podcast und Böhmermann am Start<br />

nerven langsam, aber man merkt Dir besser nichts an, und Dich<br />

überholt eine grauhaarige Dame mit einem entwaffnenden, vor<br />

allen Dingen entspannten Lächeln.<br />

Sie, nicht in ihrem Mitteklasse-SUV, sondern nebst ihrem Gatten auf<br />

dem Fahrrad, bringt Dich wieder dazu, mit Deinem Gewissen in den<br />

Clinch zu gehen, um zu entscheiden, ob E-Bikes cool oder uncool sind.<br />

E-Bikes spalten die Nation, wobei sich die Kerbe offensichtlich verschiebt,<br />

zugunsten der Bikes mit den mehr oder weniger auffälligen Motoren.<br />

Derweil bei E-Mobility in Sachen KFZ lange über Ökobilanzen und die<br />

Halbwertzeit der Akkus diskutiert wurde, scheint das bei E-Bikes irgendwie<br />

gar nicht das Thema zu sein. „Das ist von daher nachvollziehbar …“, sagt<br />

Sven Krüger, Geschäftsführer bei der eBike Company in St. Georg, „...<br />

als dass die Bilanzen tatsächlich gar nicht zu vergleichen sind.“ Und die<br />

Tatsache, dass die Industrie es verstanden hat, die Akkus, die Motoren<br />

nahezu komplett verschwinden zu lassen, oder auf Klingelgröße runterzudampfen,<br />

lässt bei vielen Zweiflern und Ablehnern offensichtlich<br />

die Hemmschwelle sinken. Das ist wohl so. Dazu kommt, dass es so<br />

viele mutige, schicke E-Bike-Startups gibt, die designtechnisch echte<br />

Höchstleistungen vollbringen, dass auch Opti-verwöhnte Metropolen-<br />

Hipster Spaß an E-Bikes bekommen. „Der Markt ist inzwischen riesig“,<br />

sagt Sven, von ca. 4,5 Mio. verkauften Rädern in Deutschland im Jahr<br />

2020 sind 2 Mio. E-Bikes, Tendenz steigend, absolut und prozentual. Es<br />

gibt inzwischen alle als E-Bike-Variante: Cityräder, Crossräder, Rennräder<br />

mit Motor, damit schafft dann jeder den Waseberg, Trekking-E-Bikes,<br />

E-Bikes XXL für über 100 kg, es gibt alles E-. So divers das Thema Radfahren<br />

ist, so vielfältig ist auch das E-Spektrum bei Rädern, bis hin zu den<br />

Modellen, mit denen man offiziell 45 km/h fahren kann und darf und die<br />

man im Stadtverkehr fast als Porschekiller bezeichnen muss. Derweil<br />

in Süddeutschland „E-Mountainbikes total durch die Decke gehen“, so<br />

Sven, sind es, den Gesamtmarkt betrachtet, Lastenräder als E-Bikes. „Die<br />

Käufer werden jünger. Waren es zu Beginn des Booms die Silver Ager,<br />

sind es bei den Lastenbikes z. B. junge Familien, die ein komplett neues<br />

Mobilitätskonzept leben.“ Leben in der Stadt, ohne Auto, aber ein E-Bike,<br />

das gefühlt fast wie ein Kleinwagen daherkommt,<br />

mit dem man die Wochenendeinkäufe erledigt<br />

oder die Kids in die Kita fährt. Sven, er berät<br />

auch die Industrie, vermittelt das Gefühl, dass<br />

wir kaum noch von Faaaaahrräääädern sprechen.<br />

Wir reden von Mobilitäts-Something à la Apple.<br />

Stylisch, systemisch, gern auch mit App, Markenwelten<br />

als Dokument für, wir denken neu, für eine<br />

Haltung zur neuen Mobilität. „Auffällig ist“, sagt<br />

er, „dass die Kunden super informiert sind, sich<br />

offensichtlich lange mit der Anschaffung eines<br />

E-Bikes beschäftigt haben.“ Dauerte früher ein<br />

Verkaufsgespräch 3–4 Stunden, sind es heute 30<br />

Minuten. Und er hat echte Geschosse in seinem<br />

Store stehen, die kauft man eigentlich nicht mal<br />

eben im Vorbeilaufen. Unser Blick fällt auf ein Stromer-Bike für bummelige<br />

12k, „dabei sind E-Bikes schon sehr komplex , deswegen ist Service<br />

ein wichtiger Punkt.“ Sollte man bedenken, bei einem Kauf im Netz.<br />

„Mittelfristig werden Fahrradgeschäfte deswegen eher wie Autohäuser,<br />

Servicestationen daherkommen“, sagt Sven. Auch interessant in diesem<br />

Zusammenhang: Knattert ein Dampfer im Suezkanal ans Ufer, zerschießt<br />

es über Monate die Lieferketten in ganz Europa. Blöd, wenn man auf<br />

sein Fahrrad wartet. Deswegen orientieren sich diverse Hersteller um<br />

und montieren inzwischen wieder in Deutschland bzw. Europa. Das hat<br />

sicher seinen Preis. Aber zurück zum Überblick: „Preislich gibt es so ab<br />

2.000 Euro ganz vernünftige Einsteigermodelle“, sagt Sven, die sind völlig<br />

okay, jetzt nicht superstylisch, aber worum geht es, wenn man einfach<br />

nur von A nach B will und dabei obiges Ehepaar zurück-überholen will ...<br />

Sven selbst verkauft on top Emotionen, besser E-Motionen.<br />

28<br />

E-Bikes gibt es auch zum Beispiel als E-Klapprad (großes Bild links) und als E-Pedelec. Krasser Style.


© Foto: HSB/BikeBridge<br />

Integration durch Sport<br />

© Foto: Harburger Turnerbund<br />

Family Business<br />

© Fotos: privat<br />

…<br />

Radfahrkurse<br />

für Frauen<br />

wohl wissend, dass viele der Frauen so viel Geld für<br />

ein schönes Thema und ein großes, selbstverständlich.<br />

Auch der Hamburger Sportbund,<br />

abgesehen von uns allen, ist damit in Hamburg betraut, denn<br />

Menschen mit Einwanderungsgeschichte sind im organisierten<br />

Sport deutlich unterrepräsentiert.<br />

Hierzu haben die Sportbünde diverse Ansätze entwickelt, vielfach geht<br />

es zunächst auch um Beratung, Isabell Faßhauer ist hier beim HSB im<br />

Programm „Integration durch Sport“ in Sachen Strategie und Koordination<br />

in Charge. Bis hin zu einzelnen konkreten Projekten, denn wir machen<br />

jetzt einen Sprung und schnacken, weil sich <strong>RADius</strong> ja ums Radfahren<br />

dreht, mit Carla Rook (29), beim Harburger Turnerbund zuständig für<br />

Sportentwicklung und Marketing. Und weil dieses Thema sie schon als<br />

Studentin gepackt hatte, bietet sie seit 2019 beim HTB Fahrradkurse für<br />

Frauen mit Migrationshintergrund an – ausschließlich für Frauen. „Wir<br />

sind tatsächlich manches Mal gleichzeitig auch ein Schutzraum“, erklärt<br />

sie ernst. „Die Frauen, die zu uns kommen, sollen sich gut fühlen“, sollen<br />

Scham und Schüchternheit am liebsten zu Hause lassen, gerne auch<br />

mal für ´ne Weile den Kopf abschalten und ihr eigenes Ding machen.<br />

„Oft werden die Frauen in ihren Einrichtungen auf uns aufmerksam,<br />

inzwischen bringen viele ihre Freundinnen mit.“ Und sie sind glücklich,<br />

erst recht, wenn sie dann am Ende des Tages tatsächlich ihre ersten<br />

Meter fahren können. „Dann gibt es lauten Jubel, das ist immer so rührend“,<br />

beschreibt Carla die Situation, im Grunde auch ihren persönlichen<br />

Enthusiasmus. „Wir fangen teilweise mit Schiebeübungen an, oder wir<br />

gehen den Umweg über den Roller und das Laufrad, für die Balance.“ In<br />

Harburg muss der Kunstrasenplatz herhalten. Die Frauen kommen aus<br />

unterschiedlichsten Kulturkreisen: Afrika, Südamerika, Indien, Syrien,<br />

Russland. Mobilität ist vordergründig das wesentliche Motiv. „Vielfach<br />

sind es auch die Kinder, die ihre Mütter auffordern“, sagt Carla. „Aber<br />

sind sie dann erfolgreich, ist der Stolz-Moment unbeschreiblich“, und wir<br />

spüren, wie viel das den Frauen bedeutet. Es gibt Kompaktkurse oder<br />

Kurse über ein halbes Jahr. Die kosten dann allerdings 60 EUR, das ist<br />

für viele schon viel Geld, „Wir sind da aber nicht so streng“, sagt Carla,<br />

sich sonst nicht ausgeben. Wer also jemanden kennt,<br />

der jemanden kennt …<br />

Interessierte Frauen<br />

wenden sich an:<br />

Koordinatorin des Projektes beim HSB:<br />

Margarita Martinez (Mail: m.martinez@<br />

hamburger-sportbund.de)<br />

Harburger Turnerbund: Carla Rook (Tel.:<br />

040 79143323 oder 0151-50853174, Mail: rook@harburgerturnerbund.de<br />

oder info@htb65.de)<br />

HSV: Bahiya Abulatifoso (Mail: osoleyla93@gmail.com)<br />

SC Urania: Sylke Weise (Tel.: 040/691 50 69,<br />

Mail: frauensport@scurania.de)<br />

SPVGG Billstedt-Horn: Petra Pietsch (Tel.: 0175-1521592,<br />

Mail: radfahren@billstedt-horn.de)<br />

© Foto: Harburger Turnerbund<br />

© Foto: Harburger Turnerbund<br />

Nachwuchs ist<br />

ihre Leidenschaft<br />

Die<br />

natürlich ausgebremst, aber jeder konnte ja für sich trainieren“, erklärt<br />

Familie von Hacht ist im Hamburger<br />

er. „Wir treffen uns zu Ausfahrten, Straßentraining, Grundlagen, Gruppen<br />

Radsport ja omnipräsent. Das muss fahren, Straßenverkehr – oder es geht ins Gelände“, bei den Kids steht<br />

Cyclocross hoch im Kurs. „Da sind schon jetzt Talente dabei, denen ich<br />

man einfach mal so sagen.<br />

irgendwann ´ne Medaille auf Deutschen Meisterschaften absolut zutraue.“<br />

Noch basischer und auch nicht ohne Hintergedanken kooperieren sie<br />

Zum einen sind sie seit Jahren der Harvestehuder Radsport Verein, in mit der Stadtteilschule Stellingen. Dort ist Ralf Hincke Verantwortlicher<br />

unterschiedlichsten Funktionen, Gerhard von Hacht ist 1. Vorsitzender. und Radfahren klassen- und jahrgangsübergreifendes Schulfach, es gibt<br />

Zum anderen sind sie etablierter, bestsortierter Fahrradhändler in Eppendorf,<br />

und dann sind sie die Gründer der Marke Stevens, eine inzwischen Equipment, wird von Stevens gestellt, wir machen mehr Cross, das ist<br />

auch eine Werkstatt. „Für die Kids ist das klasse“, sagt er. „Die Räder, das<br />

europaweite lifestylige Marke für schnelle, schicke Fahrräder. Darüber cooler: üben Vielseitigkeit, Körperbeherrschung, Aufspringen, Abspringen,<br />

hinaus tummeln sie sich mit dem Stevens Racing Team um ambitionierte Kantstein springen und einen Wheelie, oder fahren auf dem Vorderrad“,<br />

Amateure, bringen sie möglichst groß raus, und dann – wir hören gleich Wheelie andersrum – klar? „Abgesehen davon, dass die Kids mal was<br />

auf – tragen sie seit über 40 Jahren dafür Sorge, dass sich die Hamburger anderes machen als üblichen Schulsport, werden sie sicherer für den<br />

Jugend auf die Räder macht.<br />

Straßenverkehr, und finden wir ein Talent, wissen wir, was wir ihm oder<br />

ihr vorschlagen.“ Lass uns raten.<br />

Wir sprechen mit Jens Schwedler, Ex-Rad-Profi Cyclocross, damals<br />

noch Querfeldein, ehemaliger Weltmeister im Cyclocross, Deutscher<br />

Meister und so – ein Pro. Er ist bei Stevens im Vertrieb unterwegs, aber<br />

auch, „das ist eher so Freizeit“, seit 3 Jahren zuständig für die Nachwuchsförderung<br />

beim HRV. Er soll eine Nachwuchsgruppe (12–16 Jahre)<br />

aufbauen, mit denen Hamburg in Zukunft breiter im Radsport aufgestellt<br />

sein soll; zzt. muss Leon Rohde allein die Fahne in Tokio hochhalten.<br />

7 junge Menschen hat er da aktuell am Start, davon nur ein Mädchen,<br />

die aus ganz Hamburg zu ihm gekommen sind. Wer will nicht gern bei<br />

einem Pro trainieren? „Wichtig ist, dass sie nicht aus unserem Verein<br />

kommen müssen, sie sollen Spaß haben, Freude daran haben, etwas<br />

dazuzulernen, und dann schauen wir mal“, sagt Jens, „im Verein ist Sport<br />

am schönsten“, wir erinnern uns. „In der größeren Gruppe waren wir<br />

© Fotos: www.ego-promotion.de<br />

© Fotos: privat<br />

Trainingszeiten: Donnerstag 10 Uhr (in den<br />

Ferien, sonst: 17 Uhr) und Sonntag 10 Uhr,<br />

gefahren werden 2–3 h Rennrad oder Cross<br />

(ab Herbst).<br />

Treffpunkt: Radrennbahn Stellingen, Hagenbeckstraße<br />

124, 22527 Hamburg<br />

Eltern, die gerne mit ihren Kindern Rennrad<br />

oder Cyclocross fahren, sind genauso gerne<br />

gesehen wie Rennradbegeisterte, die gerne in<br />

der Gruppe fahren oder einen Verein suchen.<br />

30<br />

Carla mit ihrer Frauen-Fahrradgruppe.<br />

Jens Schwedler (links), zweifacher Masters-Weltmeister, trainiert die Nachwuchsgruppe des HRV.


Gravelbike<br />

© Foto: Nadine Pohl<br />

Anders<br />

Radfahren<br />

Mal eben von Hamburg nach Berlin und zurück. Unten: Nächtliche Runde um den Bodensee, pünktlich zum Frühstuck zurück.<br />

© Fotos: privat<br />

schneller.“ Denn: „Eine Fahrradgeometrie schreit nach Modifizierungen“,<br />

sagt er, und wir wundern uns. Gebraucht macht sie<br />

günstig, „kein Rad kostet mehr als 1.000 Euro“ sagt er, aber da<br />

steckt auch eine andere Haltung dahinter: „Für mich muss nichts<br />

neu produziert werden“, und er sieht nicht aus wie ein Asket.<br />

Corona hat ihn aber sehr kreativ gemacht, er baut sich im Kopf<br />

seine eigenen Challenges, die entwickeln sich ´ne Zeitlang, und<br />

dann brettert er los.<br />

und Verpflegungsstationen alle 5 km. „Ich habe alle Verschleißteile<br />

dabei, Pausen – am besten nicht.“ Als nächstes will er durch<br />

Deutschland radeln, von Norden nach Süden, 1.000 km. In diversen<br />

Städten, auch ein paar von denen, in denen er schon gelebt hat,<br />

stoppen, wenn´s geht überflüssig – für die Tour nach Berlin und<br />

zurück hat er sich auch nur 4 Min. Schlaf gegönnt, das muss reichen.<br />

Ob jemand ein Freak ist, liegt ja immer im Auge des Betrachters.<br />

Aber was Thorsten Graf so auf seinem Fahrrad<br />

zu Wege/Straße bringt, ist schon sehr speziell.<br />

Er ist Arbeitspädagoge, hat eine tolle<br />

Tochter und eine tolle Frau, mit wahrscheinlich<br />

dickem Fell, die sich entspannt,<br />

weil sie ihn machen lässt, noch mal<br />

umdreht, wenn er um 1 Uhr nachts aufsteht,<br />

um mit dem Rad nach Berlin oder<br />

so zu fahren. Wie fast jede*r fährt er<br />

schon immer Rad, aber vor 10 Jahren<br />

hat er festgestellt, dass er zu viel sitzt.<br />

Er entschied, sich dann nunmehr nur<br />

noch mit dem Fahrrad fortzubewegen,<br />

in Hamburg, denn er ist an diversen<br />

Standorten in unserer schönen Stadt im<br />

Einsatz. Und er liebt es sowieso, in Großstädten<br />

Rad zu fahren. „Auch Hamburg ist eine tolle Fahrradstadt“,<br />

sagt er, und Anjes Tjarks wird es freuen.<br />

Dabei meint Thorsten gar nicht so sehr das wachsende<br />

Radwegenetz, sondern die Urbanität, das<br />

Fließen des Verkehrs, die Gerüche, die Atmo, und<br />

er mittendrin. „Und man ist genauso schnell wie<br />

mit dem Auto.“ Dabei fotografiert er auch noch<br />

– sehr gern und sogar gut, vom Rad aus, auch in<br />

Wien, Barcelona, und das so klasse, dass er Wettbewerbe<br />

gewinnt. Zur Preisverleihung nach Bremen<br />

fährt er mit dem Rad, ist klar. Die Strecke ist er jetzt mit dem<br />

Gravelbike gefahren, für ihn „ein Rennrad mit breiteren Reifen,<br />

ideal bei buckeligen Pisten in hohem Tempo. Ich entscheide,<br />

welches Rad ich nehme, immer entsprechend des Untergrunds“,<br />

erklärt er. Längere Touren fährt er aber mit dem Rennrad, und<br />

länger meint länger. In Summe hat er 8 Räder zuhause: 2 Falträder,<br />

„ich liebe Falträder, die sind nicht zu verachten, sehr praktisch,“<br />

natürlich, 1 Rennrad, 4 Gravelbikes und 1 Tandem. Die Räder haben<br />

einiges gemein. Zum einen sind alle Teile hierfür gebraucht, eBay<br />

lässt grüßen, wirklich alle. Und er baut sie selbstverständlich alle<br />

selbst zusammen. „So kenne ich jedes Detail und weiß, woran es<br />

liegen kann“, wenn´s klappert, sagen wir jetzt mal banal. „In der<br />

Regel modifiziere ich bei meinen Rädern den Antrieb, mache sie<br />

Grenzerfahrungen macht Thorsten öfter. Zum Beispiel: Als Ministerpräsident<br />

Günther die Einreise nach Schleswig-Holstein verboten<br />

hatte, hat Thorsten genau an der Landesgrenze, Innenkante<br />

natürlich korrekterweise, die Stadt umrundet (278,62 km). Oder<br />

er legt sich ein Rechteck auf die Karte von SH und fährt (als man<br />

wieder durfte) innerhalb von 24 Stunden 500 km. Hamburg,<br />

Ostsee, Nordsee, und zurück nach HH. Oder der Super Berlin<br />

Express, in die Hauptstadt und zurück, Nebenstrecken, 747 km<br />

in 33 Stunden. Über die zweieinhalb Stunden Pausen ärgert er<br />

sich fast. Da macht er dann Power Naps, für ein paar Sekunden<br />

(echt), an Haltestellen. Randbemerkung: Nach 350 km ist der<br />

Schaltzug gerissen, 400 km ist er also ohne Gangschaltung gefahren.<br />

„Manchmal kann ich über mich selber lachen“, sagt er<br />

zum Glück. „Ich will wohl testen, wozu ich imstande bin“, erklärt<br />

er, „will mich dabei aber auch um alles selber kümmern.“ Er braucht<br />

keine High-Fly-Events mit Schlafstatt für viel Euro, Finisher-Shirt<br />

Anzeige<br />

32<br />

Unterwegs an der Ostseeküste.


Radsport-Verband Hamburg<br />

© Foto: privat<br />

»<br />

IMMER FÜR<br />

EUCH DA!<br />

«<br />

Flugs<br />

(r-)eingetreten<br />

Warum nicht vereint? Radfahren boomt, das<br />

ist unübersehbar, was ja wunderbar ist.<br />

Über viele Facetten können wir in dieser<br />

Ausgabe berichten, und es gibt noch mehr:<br />

Kunstradfahren, Rad-Polo, Hand-Bikes, …<br />

… aber so oder so gibt es viele Gründe, in einen der<br />

30 Hamburger Radsportvereine einzutreten. Man<br />

muss eben nicht gleich wie Leon olympiareif<br />

ums Rund brettern, Radfahren in Gemeinschaft<br />

ist ja schon Grund genug, und das draußen,<br />

am besten in der Natur. Alles richtig. „Der<br />

Radsport-Verband Hamburg ist so divers wie<br />

das Radfahren selbst“, sagt Alexander Böker, einer<br />

der Vize-Präsidenten. „Natürlich geht Radfahren<br />

auch ohne Verein, aber im Verein ist’s halt schöner.“<br />

Alex weiter: „Wenn Gleichgesinnte gemeinsam ein<br />

Hobby ausüben, macht’s mehr Spaß“, und wir reden nicht<br />

zwingend von Vereinsabenden und Kuchenbuffet. Das gibt es auch,<br />

weil es auch seinen Reiz hat, zum Beispiel bei der RG-Hamburg oder<br />

der Harburger RG. Die Radsportgemeinschaft RG Uni hingegen feiert nur<br />

einmal im Jahr, ist dennoch sportlich schwer aktiv, das läuft alles über<br />

unterschiedlichste WhatsApp-Gruppen. Je nach Leistungsvermögen und<br />

Anspruch trifft man sich zu gemeinsamen Ausfahrten. Kunstradfahrer<br />

findet Ihr beim Sportclub Schule Tieloh und bei Bikepolo Hamburg<br />

e. V. Bei einem Radsportverein in Hamburg reicht es nur zu einem<br />

Rad, das sind nämlich die Einradkids vom SiB-Club, dem „Stadtteil in<br />

Bewegung“. Wesentliches Argument für Viele ist ein sehr rationelles:<br />

der Versicherungsschutz, denn der ist über die Mitgliedschaft beim<br />

Hamburger Sportbund gegeben. Lustig auch die<br />

Vorstellung, dass selbst ein cooles Trikot Grund<br />

genug ist, einem Verein beizutreten. Der MC Pirate<br />

ist da gut unterwegs, und natürlich der FC St. Pauli,<br />

mit der größten Radsportsparte in Hamburg. 640<br />

Kiez-Radler fahren im kultigen Camouflage-Trikot.<br />

„Einen guten Überblick bekommt man ab 17 Uhr an<br />

den neuralgischen Punkten im Hamburger Radsport,<br />

zum Beispiel auf Entenwerder“, schildert Alex Böker,<br />

wo man und frau sich trifft, um dann im Piraten-Camou-<br />

Regenbogen-Trikot auf Carbon-Geschossen Richtung<br />

Zollenspieker Fährhaus an der Elbe entlang zu<br />

fahren. Schöne Strecke, ganz schön was los.<br />

Deutlich entspannter sind da die Radwanderer,<br />

das wird in gleich fünf Vereinen angeboten, die<br />

treffen sich zu gemütlichen Ausfahrten, genießen<br />

die Natur und das Miteinander. Grund genug,<br />

finden wir. „Ein sehr schönes Radfahr-Revier im<br />

Umland ist die Haseldorfer Marsch, da ist es nur<br />

immer windig“, sagt Alex, „ganz fies: der Waseberg,<br />

den schafft nicht jeder, der ist furchtbar steil“, lacht er.<br />

Er weiter: „Radsport allgemein ist so niedrigschwellig, denn<br />

im Grunde kann ja jeder Mensch Rad fahren.“ Und wenn nicht: „Viele<br />

Vereine engagieren sich extrem in der Nachwuchs-Entwicklung, bei der<br />

Ausbildung von Kids, die so ja auch fit für den Straßenverkehr gemacht<br />

werden.“ Allen voran z. B. der Cyclocross e. V. oder die BMX-Sparte der<br />

RG-Hamburg. „Aber auch in der Ausbildung von Späteinsteiger*innen<br />

sind die Vereine unterwegs. Da wird viel Zeit und Mühe investiert, toll<br />

gearbeitet“, sagt er, „und das stemmen die Vereine alles mit Bordmitteln,<br />

besonders gefördert wird der Radsport in Hamburg nämlich nicht“, sagt<br />

er und gibt uns noch mal eben einen mit. Mehr Info über die vielfältigen<br />

Möglichkeiten, in Hamburg Rad zu fahren, und zwar organisiert, unter<br />

www.radsport-hh.de<br />

Wir sind da, wenn ihr uns braucht. Ganz gleich, wann oder warum.<br />

Unser Versprechen – mehr Service, mehr Leistung und mehr Wert – gilt<br />

in jeder Lebenslage. Mehr dazu gibt’s hier: mobil-krankenkasse.de<br />

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DAS STEVENS PRESTIGE<br />

Schnelles und leichtes Gravel-Bike Bikepacking-Aufnahmen an Gabel und Hauptrahmen<br />

Shimano GRX-Antrieb und Disc-Bremsen Schwalbe G-One Bite-Faltreifen Farben: Petrol Blue und Phantom Black<br />

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STEVENSBIKES.DE

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