Altes Land - Medien-Verlag Schubert

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Altes Land - Medien-Verlag Schubert

Stade

Altes Land

Tradition, Fachwerk, Blütenmeer

Mit Texten und Fotografien

von Uwe Dammann

M V S

Medien-Verlag Schubert

1


2

Uwe Dammann, Jahrgang 1958, wurde

in Apensen geboren, absolvierte

eine kaufmännische Lehre und machte

in Buxtehude sein Abitur. Anschließend

studierte er in Göttingen und

Berlin Germanistik und Publizistik,

schrieb für Tages- und Wochenzeitungen

in Berlin, Hamburg und Stade

und arbeitet heute als Redakteur beim

Bremer Weser-Kurier. Bisher veröffentlichte

er drei Text- und Bildbände

zu Themen der Regionalgeschichte

norddeutscher Städte und Dörfer.

ISBN 3-929229-78-1

Copyright © 2000 by Medien-Verlag Schubert, Hamburg.

Alle Rechte, auch des auszugsweisen Nachdrucks und der fotomechanischen Wiedergabe, vorbehalten.

Satz und Layout: Medien-Verlag Schubert

Druck: Grafisches Centrum Kuno

Printed in Germany


Inhaltsverzeichnis

Stade – mittelalterliche Stadt mit lebendiger Tradition 5

Das Alte Land – blühender Obstgarten an der Elbe 51

Register 88

Stade (Übersetzung englisch) 90

Old Country (Übersetzung englisch) 90

Stade (Übersetzung französisch) 92

L’Altes Land (Übersetzung französisch) 92

Quellenverzeichnis 94

Französische Übersetzung: Katia Maurizio

Englische Übersetzung: Jennifer Römer

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Stade –

mittelalterliche

Stadt mit

lebendiger

Tradition

Ein Blick aus dem heutigen Museum,

dem Schwedenspeicher, auf das bunte

Flohmarkt-Treiben beim Stader

Altstadtfest und auf die alten

Stadthäuser am Wasser West.

5


Als die Schiffe am alten Hafen noch vor Anker lagen. Im Winter 1959 gehörten zur Altstadtkulisse in Stade auch Frachtschiffe.

Die Altstadt ist malerisch, die Fassaden

sind prächtig, die Fußgängerzone

heimelig, das Industriegebiet mit dem

alten Kernkraftwerk vor den Stadttoren

eher weniger einladend.

Wir befinden uns in Stade, der Kreisstadt

mit rund 45.000 Einwohnern.

Die Stadt, die dem Alten Land verwaltungstechnisch

und auch geographisch

„übergeordnet“ ist, hat eine

anerkannt einfühlsam restaurierte

und lebendige Altstadt. Nicht zuletzt

dadurch werden mehr und mehr Touristen

aus der gesamten Bundesrepublik

und dem Ausland angezogen. Ein

Foto der Häuserzeile des „Alten Hafens“

ziert ein Werbeplakat der Bundesrepublik,

und selbst die Japaner,

so eine gern erzählte Anekdote, hatten

schon Interesse an dieser prächtigen

Häuserzeile angemeldet und woll-

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ten für ein stolzes Millionensümmchen

die Häuser kurzerhand nach Japan

versetzen lassen. Die Stadt ist

das Verwaltungs- und Dienstleistungszentrum

und durch den großen „Kulturtempel“

Stadeum auch mehr und

mehr kultureller Mittelpunkt der Region.

Diesem Glanz der Altstadt steht die

moderne „Industriestadt“ gegenüber,

die bundesweit bekannt geworden ist,

allerdings auf weniger rühmliche Art:

durch den ältesten Atomreaktor des

Landes. Der Atommeiler ist nicht zuletzt

wegen seines Alters und einiger

Pannen ins Gerede gekommen. Daneben

stehen große Betriebe eines Chemiekonzerns

und zwei Aluminiumwerke.

Dazu kommen ein Werk zur

Salzgewinnung und die Zweigstelle

eines großen Flugzeugbaukonzerns.

Diese sechs Großbetriebe geben fast

viereinhalbtausend Menschen Arbeit.

Vier Fünftel der Gewerbesteuer, die

Stade einnimmt, kommen von diesen

sechs Firmen.

Ein realistisches Bild Stades ergibt

sich erst dann, wenn man drei Aspekte

gemeinsam betrachtet. Die Wirtschaftskraft

der Industrie hat die

Mittel für die gelungene Altstadtsanierung

bereitgestellt, die Infrastruktur

gestärkt und damit das regionale

Zentrum wiedererstarken lassen. In

Stade weiß man, daß man einen Kompromiß

eingegangen ist. Bürger und

Stadtverwaltung hoffen, daß sich der

schmale Grat zwischen Geld und Gesundheit

auch langfristig als richtig

erweist.

Stade wird erstmals 994 schriftlich

erwähnt. Geschrieben wurde damals


Die Hökerstraße im Jahre 1906 – Ein Stück weiter westlich der Straße befand sich vermutlich schon im 8. Jahrhundert ein Schiffslandeplatz,

der wahrscheinlich den Ursprung der Stadt darstellt. Die Wilhadi-Kirche wurde bereits erstmals im 11. Jahrhundert gebaut und stellte den

Mittelpunkt der damaligen Handwerkersiedlung Stades dar.

nur bei besonderen Anlässen und so

wurde die damalige Hafenmarktsiedlung

„Stethu“ beim Beutezug der Askomannen

erwähnt, die „Stethu“ immerhin

als so wertvoll ansahen, daß

sie halt machten und die Stadt plünderten.

Geraubter Schmuck, abgeschnittene

Nasen, Ohren und Hände

setzen dabei den unrühmlichen Anfang

der Stader Stadtgeschichte. Von

den Greueltaten der Askomannen in

der Burg Stade berichtet der Merseburger

Bischof Thietmar in einer

Chronik zum Jahre 994.

Experten vermuten, daß diese Siedlung

an einem Schiffsanlegeplatz an

der Schwinge westlich der heutigen

Hökerstraße schon im 8. Jahrhundert

angelegt wurde.

Größere Bedeutung als beim Beutezug

der Askomannen erhält Stade

aber erst Ende des 10. Jahrhunderts,

als die regionalen Herrscher, die Udonen,

ihre Residenz von Harsefeld nach

Stade verlegen und auf dem zum ersten

Mal aufgeschütteten Spiegelberg

eine Festung errichten.

Wo die Fürsten sich niederließen,

durften auch die Bischöfe nicht lange

fehlen. In der Mitte des 11. Jahrhunderts

lassen sich die Erzbischöfe von

Bremen eine erste, dem heiligen Willehad

geweihte Kirche errichten. Das

Gotteshaus soll Zentrum einer mit

Markt-, Münz- und Zollrechten ausgestatteten

Siedlung werden. Die Fürsten

fördern dagegen weiterhin den

Ausbau des Hafens und treiben dadurch

die städtische Entwicklung voran.

Die Marktsiedlung am Hafen und

die Siedlung rund um die Kirche werden

nach 1150 vereint und mit Wall

und Graben umgeben. 1209 erhält

Stade das volle Stadtrecht. Mit den

Stadtrechten ist der Erweiterung der

Stadt Tür und Tor geöffnet. In den

Moor- und Marschgebieten wird durch

Aufschüttung Bauland geschaffen. Ein

neues, festes Hafenbecken, der heutige

Alte Hafen, wird angelegt, das Franziskanerkloster

St. Johannis gegründet.

Bereits um diese Zeit entsteht

auch die heutige Straßenführung der

Altstadt.

Hand in Hand mit der Stadterweiterung

erreicht Stade nach 1250 seine

bis dahin größte Bedeutung. Stade

nennt sich Hansestadt und wird Mitglied

der Hanse in Holland und Flandern.

Die geschäftstüchtigen Stader

treiben intensiv Handel mit Dänemark.

Wenn es dem Bürgertum gut

geht, drückt man das am besten mit

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Der alte Fischmarkt, ein zeitgenössischer Stich aus dem 18. Jahrhundert. Kaufleute siedelten sich hier an und bauten ihre großen Häuser.

rechte Seite: Die Wilhadi-Kirche wurde bereits erstmals im 11. Jahrhundert gebaut und stellte

den Mittelpunkt der damaligen Handwerkersiedlung Stades dar.

einem großen Verwaltungsgebäude

aus, das ist heute nicht anders als im

Mittelalter. Noch vor 1279 wird ein

großes Rathaus errichtet, dessen Keller

noch erhalten sind. Mit dem Bau

des Verwaltungsgebäudes, das die

Stadt „vollendet“, hat Stade bereits

zu Beginn des 14. Jahrhunderts seinen

eigentlichen Höhepunkt überschritten.

Einerseits ist der Stader Hafen

durch die Anlandung der Elbe bereits

zu weit von dem großen Fluß entfernt,

andererseits hat Hamburg, der

Konkurrent Stades im Elbhandel, seit

dem Ende des 12. Jahrhunderts einen

enormen Aufschwung genommen

und Stade bereits überflügelt. Im 14.

Jahrhundert gehört Stade zu den Hansestädten

von mittlerer Bedeutung

mit ausgeprägten, aber geographisch

begrenzten Fernhandelsinteressen in

Jütland und Flandern. Die Stader handeln

hauptsächlich mit agrarischen

Produkten, die aus dem Umland stam-

8

men und nach Flandern und Holland

gebracht werden. Für Getreide und

Gemüse bekommen Stader Edelwaren:

Tuche, Farbstoffe, Gewürze und

andere Luxuswaren werden eingetauscht.

Stade ist im 14. und 15. Jahrhundert

eine voll ausgebildete Stadt

mit allen Rechten. Von seinem Landesherrn

ist es unabhängig und führt

eine eigenständige Außenpolitik. Die

Stadt schließt Bündnisse mit den Städten

Bremen und Buxtehude und den

Adligen des Bezirks und betreibt daneben

eine eigenständige Sicherungspolitik

durch eine Erweiterung des

Stadtgebiets. Am besten ist der Status

der Stadt an seinen Häusern erkennbar.

Der vollausgebildete Hafen

hat sich in seiner Grundform bis heute

erhalten. An der Süd- und Westseite

des Hafens – Fischmarkt und Wasser

West – werden die großen Häuser

der führenden Kaufmannsfamilien

gebaut. Das markanteste Haus am

Wasser West, das Bürgermeister Hint-

ze-Haus, wurde sicher schon im 16.

Jahrhundert erbaut, erhielt obendrein

1621 eine prächtige Renaissancefassade,

die deutlich auch die Macht des

damaligen regierenden Bürgermeisters

Heino Hintze widerspiegelt.

Zum Hafen führen nicht nur die Hökerstraße,

sondern auch die mit der

Siedlungserweiterung im 12. Jahrhundert

angelegten, charakteristisch gekrümmten

Straßenzüge der Bungen-,

Kehdinger- und Salzstraße. Sie spiegeln

in ihren Häusern zu einem Teil

noch den Baucharakter des 16. Jahrhunderts

wieder.

Ebenfalls aus dem Mittelalter

stammt der Wallring, der bereits auf

einem Stich aus dem Jahre 1550 zu

sehen ist. Der Wall umschließt eindrucksvoll

eine Anzahl Kirchen. Die

älteste davon ist die Kirche St. Cosmae

et Damiani, die bis ins 15. Jahrhundert

hinein noch eine einfache

Kapelle ist. Die eigentlich erzbischöfliche

Kirche St. Wilhadi wird in der


Seite 10: Hier lässt es sich leben: Umgeben

von historischen Bauten kann man in der

Stadtmitte im Freien sitzen, Bier oder Wein

trinken und klönen. Im Hintergrund das

Schwedenspeicher-Museum. Das ehemalige

Provianthaus der schwedischen Garnison

wurde zwischen 1692 und 1705 erbaut.

S.11, unten:Heute befindet sich im Schwedenspeicher

ein sehenswertes Museum zur Stadtund

Regionalgeschichte sowie Vor- und Frühgeschichte

im Landkreis Stade. Außerdem

finden wechselnde Kunst-Ausstellungen statt.

Seite 12: Am Wasser West fällt vor allem die

massive Sandsteinfassade des Bürgermeister-

Hintze-Hauses von 1621 auf. Die Werkstücke

an der Fassade sind aus grauweißem Sandstein

gearbeitet, die Flächen aus verputztem

Backstein.

Seite 13: Beim Altstadtfest „brummt“ das Leben.

Die Flohmarktbeschicker vor der Kulisse

vom Wasser-West mit dem Kunsthaus

machen gute Geschäfte.

11


oben: Das restaurierte Johanniskloster und die

St.-Cosmae-Kirche. Im Kloster, das 1673 als

schlichter Fachwerkbau nach dem großen Stadtbrand

wiederaufgebaut wurde, befinden sich

heute Büroräume kultureller Einrichtungen.

unten: Auch für kulinarische Genüsse ist gesorgt.

Gemütliche Restaurants erwarten die

Besucher am Spiegelberg.

rechte Seite oben u. unten: Große und kleine

Schiffe finden sich im Neuen Hafen in Stade.

Der Hafen hat seine frühere Bedeutung verloren,

heute steuern ihn fast nur noch Segler

und Paddler an.

Seite 36: Dieser Backsteinbau mit den Fensterläden

diente als Speicher. Die Schiffsladungen

konnten hier per Seilwinde hoch

gezogen und zwischen gelagert werden. Jetzt

dient das Gebäude als reines Wohnhaus.

Seite 37: Schmiedeeisernes Tor beim Johanniskloster.

Das ehemalige Franziskanerkloster

wurde 1672/73 neu errichtet und

beherbergt heute das Stadtarchiv.

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Stade hat heute 45 000 Einwohner. Die Stadt ist das Dienstleistungszentrum der Region. Auf unserem Luftbild kann man deutlich im

Vordergrund die Museumsinsel erkennen, rechts die Gebäude der Kreisverwaltung und im Hintergrund den Altstadtkern mit der St. Cosmae-

Kirche.


Das Alte Land

blühender

Obstgarten

an der Elbe

Das eigentliche Wahrzeichen

Twielenfleths, das sogar die Kirche

überragt, ist die Windmühle „venti

amica“ (Freundin des Windes).

Der Galerie-Holländer ist der älteste

Vertreter dieses Windmühlentyps in

Niedersachsen.

51


Ohne anderen Gebieten in der Bundesrepublik

zu nahe zu treten, das

Alte Land ist wohl das bekannteste

Obstanbaugebiet in Deutschland. Im

Mai, wenn die Kirschbäume ihr weißes

Blütenkleid angelegt haben, pilgern

Tausende von Touristen aus der

ganzen Republik und vorzugsweise

aus dem nahen Hamburg in die Region

an der Elbe. Die Kombination zwischen

prachtvollen, gut erhaltenen

Bauernhäusern im Fachwerkstil, blühenden

Bäumen, grünen Elbdeichen

mit grasenden Schafherden, Leuchttürmen,

Brauchtum, regem Schiffsverkehr

auf der Elbe macht die Region

vor den Toren Buxtehudes und

Stades zu einem der beliebtesten Ausflugsziele.

Die Kirschbäume und der Apfel, seit

Jahrtausenden bekannt als Symbol für

Liebe, Fruchtbarkeit und Jugend

(schließlich gab selbst Eva ihrem

Adam einen Apfel) stehen im Mittelpunkt

im Alten Land. Der Apfel nimmt

den größten Ernteanteil ein und ist

für Altländer so wichtig, daß sie ihn

als Wahrzeichen für ihre Heimat wählten.

Die Äpfel, wie auch die süßen

Kirschen, werden zur Erntezeit am

Straßenrand verkauft und bieten den

Touristen einen weiteren Grund für

den Ausflug in die Region an der Elbe.

Eigentlich ist das Alte Land nur ein

ebener, mit Obstbäumen bewachsener

grüner Marschstreifen, der sich

von der Süderelbe bei Moorburg bis

an die Schwinge bei Stade erstreckt.

Zwischen breiten Entwässerungsgräben

(Moorwettern) und der Elbe ist

der sogenannte Landstrich Altes Land

zwei bis acht Kilometer breit und von

den Elbnebenflüssen Lühe und Este

in drei Meilen eingeteilt, die von der

alten Hansestadt Stade aus gezählt

werden.

Die Erste Meile geht von der

Schwinge bis zur Lühe, die Zweite

Meile von der Lühe bis an die Este,

52

Das größte Obstanbaugebiet in Deutschland hat den Apfel zum Symbol erkoren. Die Frucht

steht dabei auch als Symbol der Liebe, Fruchtbarkeit und der Jugend.

die Dritte Meile von der Este bis zur

Alten Süderelbe auf Hamburger Gebiet.

Das rund 170 Quadratkilometer große

Gebiet ist ein „Ableger“ der Elbe.

Ebbe und Flut spülten das Land in

Jahrtausenden auf. Der Strom ließ

die Fracht an Sand und Schlick fallen.

So entstanden Ufer, die schon früh

von den Sachsen besiedelt wurden.

Der Name Altes Land deutet daraufhin,

daß hier schon zu Urzeiten

Menschen siedelten. Da ist auch was

dran. Nach Erkenntnissen der Archäologen

hielten sich bereits vor 4 000

Jahren Menschen in der Region auf.

Durchgängig besiedelt ist das Gebiet

an der Elbe seit 800 vor Christi. Doch

trotz dieser frühen Besiedlung bekam

die Region den heutigen Namen erst

sehr spät. Eigentlich müßte das “Alte

Land“ Neues Land heißen, schließ-

lich trägt es diesen Namen erst seit

dem 14. Jahrhundert, als man die Erste

und Zweite Meile im Unterschied

zu dem später wohnbar gemachten

neuen Land beiderseits der Este bis

an die Süderelbe „terra vetera“ (lateinisch:

altes Land) nannte. Trotz dieser

späten Namensgebung war das

Land als Siedlungsgebiet auch schon

bei den Römern bekannt.

Wie der römische Schriftsteller Plinius

im 1. Jahrhundert berichtet, siedelten

am Ufer der Unterelbe die

Chauken. Sie verdienten mühsam ihr

täglich Brot mit Fischfang, Ackerbau

und Viehzucht, und standen im ständigen

Kampf mit dem morastigen Boden

und den Naturgewalten. Die Sachsen

mischten sich später mit dem

Fischervolk. Ihr Einfluß ist heute noch

an der ungewöhnlichen Form der Dörfer

zu erkennen, die als Deichhufen-


Das Alte Land wird immer mehr zum beliebten Urlaubsgebiet für Gäste aus nah und fern. Auch in historischen Fachwerkhäusern sind dabei

„Gästezimmer frei“.

dörfer bekannt sind. Beispiele für diese

am Elbdeich langgestreckte Besiedlungsform

sind die Orte Twielenfleth,

Grünendeich und Borstel. Die erste

urkundliche Erwähnung fand auch der

Ort Twielenfleth im Jahre 1059.

Die Bezeichnung Deichhufendorf

weist schon daraufhin, daß sich das

Leben im Alten Land hinter den Deichen

abspielt, die das Gebiet vor

Sturmfluten schützen. Mit Hilfe von

Menschenhand wurde in den vergangen

Jahrhunderten dem sumpfigen

Boden Stück für Stück kultiviertes

Marschenland abgerungen. Technik

und Wissen moderner Deichbauer

sorgten in den letzten Jahrhunderten

für die Sicherheit von Mensch, Tier

und Natur. Doch mindestens ein dutzendmal

reichte die Sicherheit der

Deiche dem Ansturm der Sturmwogen

nicht mehr aus. Spuren dieser

Deichbrüche sind die sogenannten

Bracks, kleine und größere Teiche

binnendeichs, die nach Deichbrüchen

von hereinstürzenden Wassermassen

tief ausgehöhlt sind und nicht wieder

aufgefüllt werden konnten. Der Deich

mußte dann außen herum neu gebaut

werden.

Gleichzeitig haben die Deichbauer

aber auch Spazierwege für Einheimische

und besonders für Touristen gebaut.

Die Besucher flanieren bei schönem

Wetter zu Hunderten auf dem

Elbdeich, schauen von den zahlreichen

Bänken aus den vorbeiziehenden

Schiffen nach, naschen nebenbei

vielleicht Süßkirschen und hinterlassen

wahre Kirschkernberge dabei.

Holländische Siedler waren es, die

im 12. Jahrhundert die Sümpfe entwässerten

und kolonisierten. Noch

heute erinnert vieles im Ortsbild der

Gemeinde Jork und der Samtgemeinde

Lühe an die Niederländer. Windmühlen,

kleine Brücken und die typische

Bauweise der langgezogenen

Reihendörfern, wie Hollern, Steinkirchen

und Jork weisen auf die holländischen

Vorfahren hin.

Am besten läßt sich die Landschaft

mit dem Rad oder zu Fuß erleben.

Wanderwege auf den Deichen und

durch Obstplantagen gibt es überall.

Bei den Rundtouren gibt es einiges

zu sehen.

Schöne, alte Kirchen gibt es in fast

jedem Dorf des Alten Landes. Jork ist

stolz darauf, die größte zu haben. Wie

im Borsteler Gotteshaus sind auch

hier die Namen der „Bankbesitzer“ in

die Stuhlwangen eingeschnitzt. Hier

wie in Neuenfelde und Steinkirchen

erklingen regelmäßig die Klänge der

berühmten Arp-Schnitger-Orgel.

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Das ganze Alte Land ein Blütenmeer. Im Wonnemonat Mai lohnt der Abstecher in die Obstbaumregion an der Elbe besonders. Die blühenden

Kirschbäume und anschließend die Apfelbäume verzaubern die Landschaft - hier bei Steinkirchen.

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