SemesterJournal 1/08 - MBA Programme der HWR Berlin

mba.berlin.de

SemesterJournal 1/08 - MBA Programme der HWR Berlin

SemesterJournal

Hochschul fusion

1/08


02 SemesterJournal 1/08 SemesterJournal 1/08 Inhaltsverzeichnis

03

Inhalt

Editorial

Im Blickpunkt

Titelthema:

Hochschulzusammenschlüsse

Forschung

Alumni

In, An , Aus der FHW Berlin

Rund um’s Studium

Gleichstellung

Internationaler Austausch

Erfolg durch’s Studium

Neue Medien

Personalia

In Kürze

Impressum

05 Editorial

06 Hochschulpakt und Masterplan

08 Hochschulfusion – Ein Weg zu einer Hochschule Neuen Typs

10 Drei Jahre nach der Hochschulfusion in Lüneburg

12 Dauerlauf mit Hürdentraining

14 Gemeinsam sind wir stärker

16 Die vergessenen Kinder von Lichtenberg

17 Wirtschaft swissenschaft en – Vom Männerfach zum Frauenfach?

18 Herausforderungen dualer Studiengänge

20 Bezahlung ohne Zwang

21 Lobbyismus in Deutschland – Am Beispiel des Dieselpartikelfi lters

22 FHW-Absolvent mit Top-Karriere

23 Umfrageergebnis: Unbedingt empfehlenswert

24 Spannend, prägend und einfach unheimlich wertvoll …

25 Bücher für die „Generation Internet“

26 Ein Internet-Portal für FHW-Alumni

27 Promotionsabkommen besiegelt

27 Neues aus der Bibliothek

28 Internet Relaunch der FHW Berlin

30 Begleitete Startbahnphase für künft ige Gründer und Nachfolger

31 Individuelles Coaching und Bewerbungstraining

32 Mentoring-Programm als Instrument der Chancengleichheit

34 Wie Unternehmen von Studierenden lernen können

35 Krise zwischen Hörsaal und Mensa

36 Studieren mit Kind und Gender-Aspekte

37 Russisch für Anfänger

38 ISAP-Programm des DAAD

38 Doppelabschluss mit Universität in Bilbao

39 Kooperation mit der Federal Universidade de Blumenau (FURB) in Brasilien

40 Ein deutsches Dorf im Hinterland von Brasilien

41 Mit 200 000 Euro mobil in Europa

42 Deutsch-polnisches Netzwerk arbeitet an Ökologischen Leitplanken

43 Rege China-Kooperationen

44 Peak Performance – Th e Contest 2007

45 Ruby on Rails – Rasante Entwicklung von Webanwendungen

46 Grenzenlos unterrichten – mit ice

48 Neue Teams in den Dekanaten und im IMB-Direktorium

49 Das duale Angebot wächst

49 Die Ziele des Zentralinstituts an der FHW Berlin

50 Neuberufungen und neue Mitarbeiter/innen

52 In Kürze

54 Impressum


04 SemesterJournal 1/08 SemesterJournal 1/08 Editorial

05

Top-Ergebnisse für die FHW Berlin im

Studienqualitätsmonitor 2007

86 % der Studierenden studieren sehr

gern oder gern an der Fachhochschule

für Wirtschaft Berlin. Im Bundesdurchschnitt

aller evaluierten Fachhochschulen

sind es nur 69 %. Dies ist eines der

Ergebnisse des im Februar 2008 von

der Hochschulinformations System

GmbH (HIS) und der Arbeitsgruppe

Hochschulforschung vorgelegten Studienqualitätsmonitor.

Die Studie zeigt auch, dass die

Studierenden an der FHW Berlin

mit der Betreuung durch die

Lehrenden und dem Lehrangebot im

Vergleich mit Abstand überdurchschnittlich

zufrieden sind:

67 % (57 %) sind mit der

Betreuung (sehr) zufrieden

74 % (56 %) sind mit dem

Lehrangebot (sehr) zufrieden

78% (60 %) sind mit den

Teilnehmerzahlen in den

Veranstaltungen (sehr) zufrieden

81% (55 %) sind mit der

sachlich-räumlichen Ausstattung

(sehr) zufrieden.

(in Klammern: Bundesdurchschnitt

aller FHs im Bereich Wirtschaft swissenschaft

en)

Grundsätzlich weist die Unter suchung

fast durchgängig bessere Studienbedingungen

und höhere Zufriedenheitswerte

an den Fachhochschulen im

Vergleich zu den Universitäten nach.

Die auf einer umfassenden Online-

Befragung Studierender im Sommersemester

2007 beruhende Auswertung

soll in Zukunft regelmäßig wiederholt

werden.

Editorial

Text: Sylke Schumann

Liebe Leserin, lieber Leser,

Profi lbildung und der Wettbewerb um

gute Studienbewerber, die Konkurrenz

zwischen den Hochschularten

unter den äußeren Bedingungen von

Bologna-Reform und Hochschuloptimierungskonzepten

der Länder sind

zentrale Herausforderungen – heute

und in der Zukunft . Deshalb führt

kein Weg an strategischen Zusammenschlüssen

vorbei.

Die Fachhochschule für Wirtschaft

(FHW) Berlin selbst ist Beleg dafür und

liegt off ensichtlich voll im Trend, seit

sie vor vier Jahren die Berufsakademie

integrierte und nun die Fusion mit der

Fachhochschule für Verwaltung und

Rechtspfl ege (FHVR) geplant ist.

Im Titelthema dieses Heft es wollen wir

nicht nur über Stand und Perspektiven,

Masterplan und „Tragödien“ in eigener

Sache berichten, sondern auch über

den Tellerrand schauen.

Den Virus der „Fusionitis“ in der

deutschen Hochschullandschaft hat

Dr. Peter Altvater vom Hochschul-

Informations-System (HIS GmbH)

ausgemacht. Deutschlandweit kursieren

von zuständigen Wissenschaft sministerien

verordnete Zusammenschlüsse.

Daneben nimmt in letzter Zeit jedoch

die Zahl der Hochschulen zu, die aus

eigenem Antrieb miteinander kooperieren

oder gar fusionieren wollen.

Immer geht es darum, Synergien zu

nutzen. Immer wichtiger jedoch wird

die Notwendigkeit, sich im Wettbewerb

besser aufzustellen. Deshalb

verschmelzen Universitäten mit

außeruniversitären Forschungseinrichtungen,

gehen (nicht nur) räumlich

weit voneinander entfernte Fachhochschulen

zusammen, entstehen „Hochschulen

Neuen Typs“. Eine davon ist

die Leuphana Uni versität Lüneburg.

Wie aus einer Fusion von Universität

und Fachhochschule eben „mehr als

nur eine kostensparende Wohngemeinschaft

“ werden kann und was es dafür

braucht, beschreibt Marketingleiter

Felix Seyfarth.

Berlin tut sich gemeinhin etwas schwerer

und braucht länger als die Regierung

im Land Niedersachsen, die nach

nur einem Jahr der Vorbereitung diesen

Zusammenschluss besiegelte. Henriette

Scharfenberg, Referentin an der

FHW Berlin, nimmt es sportlich und

schildert, wie nach dem Startschuss

im Januar 2005 das Fusionsvorhaben

FHVR-FHW Berlin zu einer Ausdauerdisziplin

wurde, die den Akteuren

einen langen Atem abverlangt. Ihr

Bericht von einem Berlin-Marathon

der besonderen Art.

Das Rennen auf dem nationalen

Bildungsmarkt zu machen, bedeutet

für deutsche Hochschulen zunehmend

intern und extern gelebte

Internationalität. Gerade Fachhochschulen

haben hinsichtlich des Austausches

mit ausländischen Universitäten

noch erheblichen Nachholbedarf,

konstatiert der Rektor der Fachhochschule

Köln, Prof. Dr. Joachim Metzner.

Strategische Zusammenschlüsse zur

Ressourcenbündelung sieht er auch

hier als Schlüssel zum Erfolg. Deshalb

hat sich eine „Alliance for Excellence“

aus sieben deutschen Hochschulen

gegründet und in Manhattan Quartier

bezogen. Erfahren Sie mehr über die

UAS7, die deutsche und amerikanische

Hochschulpartner verknüpfen will.

Ihre Redaktion des SemesterJournals


06 Im Blickpunkt

SemesterJournal 1/08 SemesterJournal 1/08 Im Blickpunkt

07

Hochschulpakt und Masterplan

„Wissen schafft Berlins Zukunft!“ – Was das konkret für die FHW Berlin bedeutet

Text: Franz Herbert Rieger

Franz Herbert Rieger

Bildungsexperten prognostizieren für

die nächsten Jahre, dass die deutschlandweite

Nachfrage von Studierwilligen

das Angebot an Studienplätzen

übersteigen wird. Um diese Welle

aufzufangen, haben Bund und Länder

einen Hochschulpakt zur vorübergehenden

Einrichtung zusätzlicher

Studienplätze vereinbart. Nun war in

Berlin gerade der Abbau von Studienplätzen

an den Universitäten eingeleitet

worden. Deshalb hat das Land Berlin

zusätzlich eine „Ausbildungsoff ensive“

gestartet, die noch einen Schritt weiter

geht. Denn in der Wissenschaft sehen

Berlins Regierender Bürgermeister

Klaus Wowereit und Wissenschaft ssenator

Jürgen Zöllner die Zukunft der

Hauptstadt. Sie soll in den nächsten

Jahren zu einer der führenden Wissenschaft

sregionen ausgebaut werden.

Dazu wird innerhalb der nächsten vier

Jahre der Masterplan „Wissen schafft

Berlins Zukunft !“ umgesetzt. Berlin

wird seine Studienplatzkapazität noch

einmal deutlich ausbauen und eine

Off ensive für die Spitzenforschung

starten.

Im Rahmen des Hochschulpaktes 2020

plant das Land Berlin, den durch

Einsparungen bei den Universitäten

bewirkten Abbau von Studienplätzen

zurückzunehmen und zu den Studienanfängerzahlen

des Jahres 2005

zurückkehren. Das Land hat sich dazu

verpfl ichtet, im Durchschnitt der Jahre

2007 bis 2010 eine jährliche Studienanfängerzahl

von 19 500 zu halten. Von

der dafür im gleichen Zeitraum erforderlichen

Aufstockung um 2 900 Studienanfänger

werden von den Universitäten

1 200, von den Fachhochschulen

1 700 übernommen. Von den 1 700

Studienanfängern an Fachhochschulen

entfallen auf die FHW Berlin 400,

bei der für den Zusammenschluss mit

der FHW Berlin vorgesehenen FHVR

Berlin sind es 80. Durch den zwischen

Land und Hochschulen jüngst vertraglich

besiegelten Berliner „Masterplan

– Ausbildungsoff ensive“ werden an

den Fachhochschulen, und zwar nur

dort, bis zum Jahr 2010 weitere 1 000

Studienanfängerplätze zur Verfügung

gestellt. Davon entfallen auf die FHW

Berlin 330, bei der FHVR Berlin sind

es 240.

Für die FHW Berlin ist also im Zeitraum

von 2007 bis 2010 mit 730 zusätzlichen

Studienanfängern zu rechnen.

Die Erhöhung der Studienplätze mit

Hilfe des Hochschulpakts ist grundsätzlich

nur vorübergehend, die mit

Hilfe des Masterplans ist grundsätzlich

auf Dauer angelegt. Dementsprechend

sollten die Studienplätze des Hochschulpaktes

für eine vorübergehende

Erhöhung bestehender Angebote, die

Studienplätze des Masterplans für

dauerhaft e Erhöhungen und für neue

Angebote genutzt werden. Die Bewerberzahlen

sind an beiden Fachbereichen

so groß, dass Hochschulpakt und

Masterplan an der fehlenden Nachfrage

keinesfalls scheitern. Es ist eher so,

dass die Anträge auf einen Studienplatz

die gegebenen Möglichkeiten

weit überschreiten. Die Dringlichkeit

der Nachfrage nach Studienplätzen

am Fachbereich II führte z. B. dazu,

dass bereits im Jahre 2007 drei Fachrichtungen

(Handel, Bank, Industrie)

mit jeweils einer zusätzlichen Kohorte

verstärkt wurden. Dies wurde möglich

durch eine großzügige Vorfi nanzierung

der zuständigen Senatsverwaltung,

denn planmäßig wären nach

dem Hochschulpakt die zusätzlichen

Stu dienanfänger erst 2009 möglich

gewesen. Darüber hinaus gibt es von

Seiten der Betriebe für das Jahr 2008

Anmeldungen zur Verstärkung von

drei bestehenden Fachrichtungen

(Handel, Logistik, Industrie) und für

zwei neue Studienrichtungen (Dienstleistungsmanagement,

Elektrotechnik).

Es besteht aber auch am Fachbereich I

ein dringender Ausbaubedarf. Hier

geht es aus meiner Sicht vor allem um

eine dauerhaft e Erhöhung von Studienangeboten

mit jährlich nur einem

Intake (z. B. Wirtschaft srecht, Wirtschaft

sinformatik und Wirtschaft singenieurwesen),

zusätzlich sollten auch

neue Studienangebote (z. B. deutschspanischer

Studiengang, Wirtschaft sjournalismus)

in Angriff genommen

werden. Mit Hilfe des Hochschulpakts

und des Masterplans kann die FHW

Berlin allein für den Ausbau der Studienplätze

mit einem Mittelzufl uss von

rund fünf Millionen Euro rechnen.

Während der Hochschulpakt, soweit

es die Fachhochschulen betrifft , allein

auf die quantitative Erhöhung der Studienanfängerzahlen

zielt, eröff net der

Masterplan als umfassende Ausbildungsoff

ensive nicht nur den quantita-

tiven Ausbau, sondern eine qualitative

Verbesserung der Lehre. Der Masterplan

unterscheidet (über den quantitativen

Ausbau hinaus) acht weitere

Programmlinien. Davon betrifft eine

nur die Universitäten (W-Professuren

auf Zeit), so dass sieben Programmlinien

für uns relevant sind. Dazu

gehören vorgezogene Nachfolgeberufungen,

eine berufsbegleitende Lehrqualifi

kation, ein Tutorenprogramm,

Lehrauft räge zur Förderung angewandter

Forschung, die Einrichtung

eines „Berlin Institute of Professional

Teaching“, spezifi sche Maßnahmen einzelner

Hochschulen zur Verbesserung

der Lehre und die Aufstockung des

Berliner Frauenförderungsprogramms.

Vorgezogene Nachfolgeberufungen

sind für die Rekrutierung von Professorinnen

in wenig feminisierten Fächern

möglich. Bei der Pensionierungswelle,

die an der FHW Berlin zu erwarten

ist, dürft en hier gute Möglichkeiten

bestehen. Die entsprechenden Mittel

wurden auch im Rahmen des Masterplans

bereitgestellt. Ihre Ausschöpfung

ist eine Herausforderung, da Berufungsverfahren

verhältnismäßig lange

dauern und der Förderungszeitraum

von vier Jahren bereits läuft .

Eine berufsbegleitende Lehrqualifi kation

ist für Neuberufene vorgesehen.

Demnach wird für sie eine Entlastung

in der Lehre zugunsten der Teilnahme

an einer didaktischen Schulung

während der ersten beiden Semester

möglich sein. Zur Weiterbildung der

Professorinnen und Professoren wird

ein eigenes Institut im Land Berlin

gegründet, das Institute of Professional

Teaching. Das Tutorenprogramm fällt

im Verhältnis zu den anderen Programmen

etwas bescheiden aus, doch

können an der FHW Berlin immerhin

jährlich 12 zusätzliche Tutorien eingerichtet

werden. Mit dem Lehrauft rag

für angewandte Forschung werden

völlig neue Wege bestritten. Hier wird

es in Zukunft möglich sein, Professor/-

innen bis zur Hälft e ihres Lehrdeputats

zu entlasten und für die ausfallende

Lehre Lehrauft räge zu vergeben. Die

dafür notwendige Änderung der

Lehrverpfl ichtungsverordnung wurde

von der zuständigen Senatsverwaltung

bereits auf den Weg gebracht. Diese

Programmlinie steht im Zusammenhang

mit der Einrichtung eines Transferfonds,

mit dessen Hilfe in einem

erst noch von den Fachhochschulen zu

gründenden Institut der Wissenstransfer

nachhaltig gestützt werden soll.

Die Programmlinie „Förderung hochschulspezifi

scher Maßnahmen“ erlaubt

den einzelnen Hochschulen – je nach

den von ihnen erkannten Notwendigkeiten

– tätig zu werden. Das ist vor

allem deshalb so hilfreich, weil das

frühere Hochschul- und Wissenschaft sprogramm

(HWP), das eine große

Vielfalt aufwies, inzwischen ausgelaufen

ist. Die Hochschule hat in diesem

Zusammenhang bereits einen Antrag

zur Förderung von Studierenden mit

Migrationshintergrund auf den Weg

gebracht, die zur Verfügung stehenden

Mittel sind damit noch nicht voll ausgeschöpft

. Schließlich wurde das Budget

des Berliner Programms zur Förderung

der Chancengleichheit um 50 % aufgestockt.

Das Programm ermöglicht auch

Leverage-Eff ekte, wenn es z. B. mit dem

neuen „Professorinnenprogramm des

Bundes und der Länder zur Förderung

der Gleichstellung von Frauen und

Männern in Wissenschaft und Forschung“

verbunden wird.

Alles in allem fl ießen zur Verbesserung

der Lehre über den Hochschulpakt

und den Masterplan rund 57 Millionen

Euro in die Haushalte der Hochschulen

des Landes Berlin, wobei die Fachhochschulen

überproportional profi tieren.

Für die FHW Berlin ergeben sich damit

hervorragende Entwicklungschancen,

so dass hier ein quantitativer Ausbau

und Innovationsschub zu erwarten ist,

der dem mit Hilfe des Strukturfonds in

den Jahren 2002 und 2003 erreichten

nicht nachsteht.

Der Autor ist Rektor der Fachhochschule

für Wirtschaft Berlin.

Mit dem Hochschulpakt (Pakt

2020) haben sich die Wissenschaft

sminister von Bund und

Ländern darauf verständigt, im

Zeitraum von 2007 bis 2010

zusätzlich 90 000 Studienanfänger

aufzunehmen. Dazu müssen für

den Abbau vorgesehene Studienplätze

gehalten (Neue Länder und

die Stadtstaaten) und neue Studienplätze

geschaff en werden. Obwohl

der Hochschulpakt nur vier Jahre

läuft , kann davon ausgegangen

werden, dass er ab 2010 hinaus

verlängert wird, da die Zahl der

Studienberechtigten bis zum Jahr

2020 unverändert hoch sein und

erst danach sinken wird.

Zusätzlich zum Hochschulpakt hat

das Land Berlin einen Masterplan

„Ausbildungsoff ensive“ beschlossen.

Er umfasst ein weitreichendes

Maßnahmenbündel zur Verbesserung

der Lehre, darunter auch die

Erhöhung der Zahl der Studienanfänger.

Die Laufzeit des Masterplans

beträgt ebenfalls vier Jahre

(von 2008–2011).


08 Titelthema: Hochschulzusammenschlüsse

SemesterJournal 1/08 SemesterJournal 1/08 Titelthema: Hochschulzusammenschlüsse

09

Hochschulfusion – Ein Weg zu einer

Hochschule Neuen Typs

Aufmerksame Beobachter der Hochschulszene sprechen inzwischen von einem Virus, der in Deutschland grassiert:

Die Fusionitis. Neben den bekannten Hochschulfusionen in Lüneburg 1 und Duisburg-Essen, die von den zuständigen

Wissenschaftsministerien verordnet waren, lassen sich in letzter Zeit vielfältige Bemühungen beobachten, bei denen

Hochschulen aus eigenem Antrieb miteinander kooperieren oder gar fusionieren wollen, um Synergien zu nutzen und

sich im Wettbewerb besser aufzustellen.

Text: Peter Altvater

Das bekannteste Beispiel ist sicherlich

die anstehende Verschmelzung der

Universität Karlsruhe mit den außeruniversitärenForschungseinrichtungen

der Helmholtz–Gesellschaft zum

Karlsruhe Institute of Technology

(KIT). Die unübersehbaren namentlichen

Parallelen zum legendären

MIT (dem Massachusetts Institute of

Technology) sind dabei Programm.

Explizite Forschungsorientierung soll

dabei mit exzellenter Lehre enger verwoben

werden. Dieses in der Bundesrepublik

einmalige Projekt wird denn

auch durch die Exzellenz-Initiative des

Bundes gefördert.

Aber auch im Fachhochschulbereich

sind rege Aktivitäten zu beobachten.

Neben der Fusion der FHW Berlin

mit der Berufakademie Berlin vor vier

Jahren und der anstehenden Fusion mit

der Fachhochschule für Verwaltung

und Rechtspfl ege (FHVR) Berlin ist in

der Rhein-Main-Region der spannende

Prozess einer Strategischen Partnerschaft

zwischen den Fachhochschulen

Frankfurt am Main und Wiesbaden

zu beobachten. Diese beiden Hochschulen,

die räumlich gut 40 Kilometer

entfernt voneinander liegen, wollen

ihre Position in der Region neu bestim-

men. In einer ersten Phase haben sich

dort alle Organisationseinheiten der

beiden Hochschulen – Fachbereiche

wie Bibliotheken, Verwaltungen wie

Rechenzentren – gemeinsam einer

Selbstevaluation unterzogen, bei der

die Vertreter der jeweils anderen Hochschule

die Rolle von Peers – also externen

Sachverständigen – eingenommen

haben. Dabei sind Potenziale für ein

Zusammengehen der beiden Hochschulen

ausgelotet worden. Diese Phase

ist gewissermaßen eine wechselseitige

Due-Dilligence-Prüfung gewesen.

Hintergrund des Vorhabens sind die

fundamentalen Veränderungen im

bundesdeutschen Hochschulsystem,

die eine Fülle neuer Herausforderungen

für die Hochschulen mit sich bringen.

Gingen die Fachhochschulen zunächst

davon aus, dass sie zu den uneingeschränkten

Gewinnern der Strukturreform

der neuen Studienabschlüsse

(Bachelor/Master) gehören würden, so

ist diese Auff assung inzwischen einer

durchaus diff erenzierten Betrachtung

gewichen. Zwar geht mit dem Bologna-

Prozess die Vereinheit lichung der

Studienabschlüsse einher, in deren

Folge auch die Fachhoch schulen

Masterstudiengänge anbieten und sich

1 Siehe Beitrag „Drum prüfe, wer sich ewig bindet“ von Felix Seyfahrt in diesem Heft auf Seite 10

Aber mit der Erosion der Diff erenzierung

von Fachhochschulen

und Universitäten beginnen auch

die Universitäten in den Feldern

anwendungsorientierter Studiengänge

– dem klassischen Feld der

Fachhochschulen – zu „wildern“.

in der Lehre strukturell nicht mehr

von Universitäten unterscheiden; zwar

wird die normative Diff erenzierung des

bundesdeutschen Hochschulwesens in

Fachhochschulen und Universitäten

in Zukunft aufgrund der Homogenisierung

des europäischen Hochschulraumes

ihre zentrale Gestaltungskraft

einbüßen.

Dieser Trend wird an den Fachhochschulen

durchaus mit gemischten

Gefühlen betrachtet. Ebenso wie

die Anstrengungen der Berufsakademien,

die nunmehr ihre anwendungsbezogenen

Studiengänge im

Bachelorbereich akkreditieren und in

Baden- Württemberg vom dortigen

Wissenschaft sminister Frankenberg

sogar in den Hochschulrang gehoben

werden sollen. Die Fachhochschulen

werden es also in ihren angestammten

Marktsegmenten nicht nur zunehmend

mit universitären Mitbewerbern zu tun

bekommen, die in den Bereich anwendungsorientierter

Wissenschaft en

eindringen, sie werden auch Konkurrenz

von Seiten der Berufsakademien

bekommen und geraten dabei in eine

Art Sandwich-Situation, die für Hochschulen

mittlerer Größe in Zukunft

unkomfortabel werden könnte.

Wie häufi g bei schwieriger werdenden

Rahmenbedingungen, zeichnen sich

aber auch Entwicklungsmöglichkeiten

ab. Diese hat der Wissenschaft srat

eröff net. Er geht davon aus, dass „in

längerer Frist auch neue, innovative

Hochschultypen jenseits der bestehenden

Einteilung in Universitäten und

Fachhochschulen entstehen (können).“

Über eine forcierte Forschungsorientierung

die Absicherung der Masterstudiengänge

zu betreiben, denn

deren (Re-) Akkreditierung ist an den

Nachweis expliziter Forschungsaktivitäten

gekoppelt, und sich im Konzert der

Hochschulen als Qualitätsanbieter zu

profi lieren.

So könnten heutige Fachhochschulen

auch jenseits des bloßen Namens zu

Universities of Applied Science werden

und die Vision einer „Hochschule

Neuen Typs“ real werden lassen, in der

Studierende in enger Verknüpfung von

Forschung und Lehre praxisorientiert

ausgebildet, direkt an Forschungsaktivitäten

partizipieren würden und

nach dem Master an dieser Hochschule

sogar promovieren könnten.

Vor dem Hintergrund einer

weiteren Segmentierung der

Hochschullandschaft gibt es damit

für profi lierte Fachhochschulen

in der Bundesrepublik eine neue

Perspektive.

Auf diese Entwicklungen wollten sich

die beiden oben genannten Fachhochschulen

im Rhein-Main-Gebiet

im Sinne einer vorausschauenden

Zukunft ssicherung vorbereiten; sie

wollten sich aktiv den Herausforderungen

stellen und prüfen, ob und

welche Chancen in einer Strategischen

Partnerschaft und in der Neugründung

einer gemeinsamen Hochschule Rhein-

Main – Universität für Angewandte

Wissenschaft en liegen. Die Crux liegt

aber wie so häufi g im Detail. Während

der Senat der Fachhochschule Wiesbaden

einer Neugründung zugestimmt

hat, gab es im Senat der Fachhochschule

Frankfurt für dieses Modell der

Zusammenarbeit keine Mehrheit. Nun

muss man abwarten, auf welche anderen

Formen der Zusammenarbeit die

Strategische Partnerschaft hinausläuft .

Der Virus der Fusionitis ist weitergezogen;

jetzt wird in Niedersachsen

über eine Niedersächsische Technische

Hochschule (NTH) nachgedacht; unter

Beteiligung der TU Braunschweig,

der Universität Hannover und der TU

Clausthal. Wir werden vom Fortgang

der Angelegenheit hören …

Der Autor ist Sozialwissenschaft ler und

betreut als Projektleiter für die HIS

GmbH komplexe Reorganisationsprojekte

in Hochschulen. Schwerpunkte

seiner Tätigkeit in den letzten Jahren

waren die Vorbereitung und Begleitung

von Kooperationen und Fusionen.

Das Hochschul-Informations-

System (HIS GmbH), die von Bund

und Ländern getragene Serviceeinrichtung

für die Hochschulen in

der Bundesrepublik, hat die beiden

Fachhochschulen Frankfurt und

Wiesbaden in diesem hochgradig

beteiligungsorientiert angelegten

Prozess der Potenzialanalyse einer

Partnerschaft unterstützt.


10 Titelthema: Hochschulzusammenschlüsse

SemesterJournal 1/08 SemesterJournal 1/08 Titelthema: Hochschulzusammenschlüsse

11

Drei Jahre nach der

Hochschulfusion in Lüneburg

Drum prüfe, wer sich ewig bindet

Text: Felix Seyfarth

Felix Seyfarth

Ausnahmen gibt es ja immer, aber

in der Regel ist es keine Liebesheirat

aus innerer Sehnsucht, sondern eine

Vernunft ehe aus äußeren Umständen,

wenn sich zwei Institutionen für eine

gemeinsame Zukunft entscheiden. Es

widerstrebt romantischen Wunschbildern

für ein solches Vorhaben, dass

Fusionen deshalb Heiratsvermittler

brauchen, die beide Partner nüchtern

und sachlich beurteilen, um sie schließlich

zueinander zu bringen. Wenn diese

ihre Sache aber gut machen, wenn die

Partner passen und sich auf Augenhöhe

begegnen, dann ist das Ergebnis für

beide mehr als nur die Summe seiner

Teile, mehr als nur eine kostensparende

Wohngemeinschaft .

So eine Situation entstand ab Sommer

2003 in Niedersachsen, als unter den

äußeren Bedingungen von Bologna-

Reform und Hochschuloptimierungskonzept

zwischen Universität Lüneburg

und Fachhochschule Nordostniedersachsen

relativ schnell Einvernehmen

mit dem Ministerium für Wissenschaft

und Kultur in Hannover über ein

Fusions vorhaben erzielt wurde. Nach

einem Jahr Vorbereitungszeit – unter

Hinzuziehen eines externen Moderators

– wurde die Fusion zum 1. Januar

2005 amtlich und formell vollzogen.

Auf institutioneller Ebene kann über

so eine erwartete win-win Situation

schnell Einigkeit und manchmal auch

Begeisterung entstehen. Auf der Ebene

der beteiligten Individuen ist von dem

oft beschworenen „Verschmelzen“

zunächst nichts zu spüren, vielmehr

prallen einander fremde Kulturmuster

heft igst aufeinander. Vertraute Abläufe,

informelle Sozialzusammenhänge

und eingespielte Kommunikationsstrukturen

– kurz, all die kleinen

schwer benennbaren Nuancen des

Arbeitsalltags, die Vertrautheit, Sicherheit,

ja, Freude bringen, sind potentiell

betroff en von Veränderung. Statt Mehrwert

zu spüren, wird zunächst Mehrbelastung

wahrgenommen, schnell

können diff use Verunsicherungen

entstehen, Ängste machen sich breit.

Paare können sich „zusammenraufen“,

wenn Konfl ikte bewältigt werden müssen

– was können fusionierte Institutionen

tun? Die Analogie kann uns

vor Augen führen, dass zwei beliebte

Bewältigungsstrategien zum Scheitern

verurteilt sind.

Erstens kann der Versuch der Assimilation

einer Minderheitskultur an die

dominierende Mehrheitskultur nicht

die Antwort sein. Beide Seiten bringen

eine organisch gewachsene Identität

für die gemeinsame Zukunft mit, es gilt

die Stärken in beiden herauszustellen.

Eine Fusion von Partnern kann nicht

gelingen, wenn eine Seite ihre Vergangenheit

bis zur Selbstaufgabe verleugnen

muss. In Deutschland – und ganz

sicher in Berlin – ist dies nach der Wiedervereinigung

in einer Deutlichkeit

sichtbar geworden, die weitere Erläuterungen

wohl überfl üssig macht. Dass

sich die „Neuen“ durch die kulturelle

Kontinuität der „Etablierten“ irgendwann

anpassen und somit assimiliert

werden, ist unwahrscheinlich und auch

wenig wünschenswert.

Zweitens führt die gezielte Abschottung

in Enklaven und Kolonien, zur

nostalgischen Pfl ege von Traditionsgut,

ebenfalls in eine Sackgasse. Die

Aufgabe liebgewonnener Identitäten ist

schmerzhaft , das Abschiednehmen fällt

schwer. Die „gute alte Zeit“ heraufzubeschwören

und in kleinem Kreis nach

bewährter Weise zu verfahren, vermag

solches Verhalten vielleicht zu konservieren

– aber nur in versiegelten Dosen.

Fehlt die Interaktion mit dem Umfeld,

dann erstarrt Tradition bald im Ritual,

sie kann sich nicht weiterentwickeln

und überlebt schließlich nur als

eingefrorener Refl ex. Traditionspfl ege

hat zur Vorbereitung einer erwarteten

Rückkehr ins „Gelobte Land“ der Väter

(und Mütter) eine wichtige Funktion.

Innerhalb eines auf Dauer angelegten

Fusionsprozesses muss diese Strategie

zwangsläufi g ohne Zukunft bleiben,

denn sie bedeutet sich selbst ins museale

Abseits zu manövrieren, und nicht

irgendwann nicht mehr ernst genommen

zu werden.

Für eine tragfähige Partnerschaft

muss die fusionierte Organisation

die Aufgabe lösen, eine neue, eine

eigene Kultur zu entwickeln.

Als Alternative bliebe nur die Erstarrung

– das Provisorium des Übergangs

als Dauerzustand – oder der Weg in

Selbstaufl ösung und Trennung, also

ein Scheitern. Man kann von Trauerarbeit

oder von Kulturarbeit sprechen

– Migrationssoziologen verwenden das

Wort „Akkulturation“ – am Ende bleibt

die Tatsache: Alle müssen sich von

Bisherigem verabschieden, um miteinander

das Neue aushandeln zu können.

Bewährtes und Gutes kann aufgenommen

und eingebracht werden, es wird

sich aber zwangsläufi g ändern und

weiterentwickeln.

Ohne Frage ist Akkulturation ein

ebenso spannender wie auch mühsamer

Prozess, der Anstrengung von

jeder und jedem Einzelnen einfordern

wird. Erst dadurch wird aber die

Chance eröff net, etwas genuin Neues,

eine neue Sichtweise zu entwickeln

und gemeinsam einen großen Wurf zu

wagen. Wenn auch die eigene Identität

– das Eingeschliff ene, Selbstverständliche

und Unrefl ektierte in Frage

steht – können innovative Antworten

gefunden werden auf die äußeren Herausforderungen.

In Lüneburg ist nach einem solchen

Prozess unter aktiver Beteiligung aller

Universitätsmitglieder ein innovatives

neues Studienmodell entwickelt worden,

das Stärken der Vorgängerinstitutionen

aufgreift und weiterentwickelt,

das aber keine der beiden Fusionspartner

in dieser Form allein hätte realisieren

können. Auf einem geteilten

Wertekanon – Humanistisch, Nach-

haltig, Handlungsorientiert – hat die

fusionierte Universität dieses Modell

mit dem Start des neuen Leuphana

College zum Oktober 2007 innerhalb

von vierzehn Monaten umgesetzt.

Akkulturation, das Aushandeln einer

gemeinsamen Kultur, fi ndet in einer

fusionierten Organisation zwangsläufi

g statt – ob die beteiligten Akteure

es wollen und wissen oder nicht. Es

liegt allerdings in ihrem Einfl uss zu

bestimmen, wie langwierig und wie

anstrengend sich der Prozess gestaltet.

Symbole spielen in diesem semiotischen

Prozess naturgemäß eine

wichtige Rolle, sie sind das Trägermedium

für die neue Identität und die

Teilhabe an der gemeinsamen Kultur.

Der neue Name der Lüneburger

Universität – Ptolemäus hat auf einer

Weltkarte aus dem 2. Jahrhundert

„Leuphana“ markiert, Altphilologen

des 19. Jahrhundert haben ihn der erst

im 9. Jahrhundert gegründeten Stadt

Lüneburg zugeordnet – und ein neuer

Außenauft ritt haben die Zäsur sowohl

sichtbar gemacht, als auch dem Neuen

einen Namen und eine gemeinsame

Heimat gegeben.

Das Leuphana College ist ein

Beispiel für die selbstgewählte

Erneuerungsfähigkeit der deutschen

Universität und für das aktive

Anerkennen von Praxisbezug in

einem universitären Studium.

Eine Fusion ist weder Zweckgemeinschaft

noch Sparpolitik, wenn sie

solche Früchte trägt. Der neue Leuphana

Bachelor verbindet fachliche

und überfachliche Inhalte und legt

Wert auf Perspektivenwechsel für die

Studierenden aus der Einsicht heraus,

dass lebensweltliche Probleme

sich selten nur innerhalb fachlicher

Grenzen bewegen. Das erste Semester

absolvieren Studierende aller Semester

gemeinsam – Ingenieure, Kulturwissenschaft

ler und Wirtschaft sjuristen

erwerben gemeinsam wissenschaft -

liche Grundlagen: Methoden, Ethik,

Geschichte. Erklärtes Ziel ist es, den

Leuphana Bachelor als anerkannten

ersten akademischen Abschluss sowohl

auf dem Arbeitsmarkt als auch in der

Wissenschaft zu etablieren.

Zu Gunsten dieses gemeinsamen

neuen Modells haben die Gremien der

fusionierten Universität mit breiten

Mehrheiten zugestimmt, die Vorteile

des Erneuerungsprozesses konsequent

in allen Bereichen – von der Verwaltung

bis zu den Details des Lehr- und

Forschungsangebotes nicht nur die

bisherigen Studiengänge, sondern auch

alle bereits nach Bologna-Vorgaben

reformierten Studiengänge auslaufen

zu lassen. Und der Prozess geht weiter:

Im Wintersemester 2008, nur ein Jahr

nach dem Start des College, öff net eine

fakultätsübergreifende Graduate School

ihre Pforten für ein konsekutives Studienangebot

interdisziplinärer Master-

und PhD-Studiengänge. Für Profi l und

Konzept ist die Leuphana Universität

im Dezember 2007 ausgezeichnet

worden im Exzellenzwettbewerb für

kleine und mittlere Hochschulen des

Stift erverbandes für die deutsche

Wissenschaft . Dieser Preis ist für alle

Beteiligten Ansporn und Zeichen auf

dem gemeinsamen Weg.

Dass arrangierte Ehen langfristig

stabiler sind, belegen zahllose Studien.

Aber ob aus Vernunft oder aus Leidenschaft

– immer sind beide Partner gut

beraten, sich täglich neu mit Zuwendung

und Respekt zu begegnen.

Der Autor hat Politologie an der

FU Berlin studiert und leitet das

Hochschulmarketing der Leuphana

Universität Lüneburg.


12 Titelthema: Hochschulzusammenschlüsse

SemesterJournal 1/08 SemesterJournal 1/08 Titelthema: Hochschulzusammenschlüsse

13

Dauerlauf mit Hürdentraining

Wie das Fusionsvorhaben FHVR-FHW Berlin zu einer Ausdauerdisziplin wurde, die den Akteuren einen langen Atem abverlangt

Text: Henriette Scharfenberg

Die erste Runde

(ein Halbmarathon)

Startschuss im Januar 2005: Der

Wissenschaft srat veröff entlicht eine

Stellungnahme zum Ausbau der Fachhochschule

für Technik und Wirtschaft

(FHTW) Berlin, in der er beiläufi g

empfi ehlt, dass diese die Fachhochschule

für Verwaltung und Rechtspfl ege

(FHVR) übernimmt. Grund dafür ist

einerseits, dass der Wissenschaft srat

Vorbehalte gegen Spezialhochschulen

und das damit verbundene enge

Fächerspektrum hat. Andererseits

werden in der öff entlichen Verwaltung

immer weniger Stellen besetzt, womit

die Zahl der Studierenden der FHVR

sinkt. Das Rennen um die Zukunft der

FHVR ist eröff net, doch ihre Eigenständigkeit

ist nicht länger vorgesehen.

Zügig werden Sondierungsgespräche

geführt. Die Fachhochschule für Wirtschaft

(FHW) Berlin tritt mit an und

bereits im März 2005 veröff entlichen

die Rektoren von FHVR und FHW

Berlin eine gemeinsame Erklärung zur

gewünschten Fusion. Die Akademischen

Senate beider Hochschulen sowie

das Kuratorium der FHVR 1 bestätigen

diese Erklärung. Nun wird auch die

Politik aktiv und lädt alle beteiligten

Akteure zu Gesprächen ein. Der Hürdenlauf

beginnt. Machbarkeitsstudien

für die Integration der FHVR sowohl in

die FHTW als auch in die FHW Berlin

folgen. Bald steht fest, dass die Senatsverwaltung

dem übereinstimmenden

Wunsch der beiden Hochschulen folgt

– die erste Hürde ist genommen. Im

Zuge der Integration ist ein Umzug der

FHVR nach Schöneberg vorgesehen;

die Flächen der FHVR in Lichtenberg

sollen für das dortige Bezirksamt nutzbar

gemacht werden. Berechnungen

des Raumbedarfs und Sondierungen

für mögliche Flächen werden vorgenommen,

ein Eingliederungsgesetz

wird auf den Weg gebracht, und die

beiden Hochschulen gehen mit viel

Elan an die Vorbereitung der Inte-

gration, die für Oktober 2006 avisiert

ist. Neben Einpassungsplanungen und

daraus folgenden Kostenkalkulationen

für den Umzug der FHVR erarbeiten

beide Hochschulen gemeinschaft lich

Entwürfe für eine neue Grundordnung

und beginnen mit Überlegungen zur

Zusammenführung der Verwaltungsstrukturen.

Man befi ndet sich Anfang 2006 also

bereits auf der Zielgeraden für einen

zügigen und reibungslosen Fusionsprozess

... bis völlig unerwartet eine neue

Hürde aufgestellt wird: Alle Raumplanungen

werden in Frage gestellt.

Nachdem das Bezirksamt Lichtenberg

kein Interesse mehr an den Flächen

der FHVR hat, ist der Umzug nach

Schöneberg plötzlich off en – auch

wegen der nötigen Miet- und Umbaukosten,

die vorerst an diesem Standort

entstehen würden. Stattdessen kommt

der Vorschlag einer Streckenänderung:

Der Fachbereich II Berufsakademie der

1 Erläuterungen zu den Gremien der Hochschule sind auf der Homepage www.fh w-berlin.de unter FHW Berlin/Akademische Selbstverwaltung zu fi nden.

FHW Berlin mit seinen 14 Fachrichtungen

könnte nach Lichtenberg verlagert

werden, wo die räumlichen Kapazitäten

nicht ausgeschöpft sind. Zudem

gehören die Gebäude der öff entlichen

Hand, womit sich die hohen Mieten an

den privaten Eigentümer des Standorts

Ostkreuz einsparen ließen. Da hierzu

keine schnelle Einigung erzielt werden

kann, ist es nicht möglich, den Gesetzgebungsprozess

noch in der laufenden

Legislaturperiode abzuschließen – der

Lauf wird abgebrochen. Aufgrund der

Verzögerungen und aufgeworfenen

Raumfragen werden erste Widerstände

in einzelnen Bereichen der FHVR,

unter anderem beim AStA, lautbar. Der

von beiden Seiten auch im Verwaltungsbereich

mit großem Enthusiasmus

angegangene Integrationsprozess

verläuft zunächst im Sande; das

Engagement der Mitarbeiterinnen und

Mitarbeiter versiegt.

Ein neuer Anlauf

Das gesamte Vorhaben der Integration

wird in der nächsten Legislaturperiode

nach den Wahlen vom September

2006 wieder ganz von vorn aufgerollt.

Startschuss Nummer zwei: Die neue

Regierung möchte es noch einmal

ganz genau wissen; abermals müssen

Positionspapiere, Wirtschaft lichkeitsberechnungen

und Einpassungsplanungen

vorgelegt werden. Alles kein

Problem, man steht ja gut im Training.

Der Umzug des Fachbereiches II nach

Lichten berg ist bald beschlossene

Sache. Nicht genug damit, als Bedingung

für die Bewilligung von drei

zusätzlichen Kohorten für die dualen

Studiengänge wird vom Senat bereits

vorab die Verlagerung einer Fachrichtung

an den neuen Standort gefordert.

Die Fachrichtung Handel 2 erklärt sich

bereit, als „Pionier“ die Räumlichkeiten

der FHVR zu testen. Ein Grund mehr,

weiter um die Fusion von FHW Berlin

und FHVR zu kämpfen.

Ende Juni 2007 befürwortet der Senat

von Berlin erneut das Zusammengehen

von FHVR und FHW Berlin.

Wieder ist eine Hürde genommen,

erneut wähnt man sich auf der Zielgeraden.

Alle rechnen damit, dass der

Gesetzentwurf nun zügig auf den Weg

gebracht und verabschiedet wird, entsprechende

Zeitpläne für eine Integration

im Oktober 2008 sind aufgestellt.

Doch weiterhin ist Ausdauer gefragt:

Im April 2008 ist immer noch kein Eingliederungsgesetz

verabschiedet, eine

Integration im Herbst ist damit nahezu

unmöglich. Dies liegt, wie schon in der

ersten Runde, ausschließlich an der

Raumfrage – diesmal sind die Kosten

der räumlichen Herrichtung Stein des

Anstoßes, obwohl durch die Einsparung

der Miete die Amortisation der

Ausgaben sichergestellt wäre.

Endspurt – Das Ziel ist in Sicht

Ein gemeinsamer Akademischer Senat

(AS) beider beteiligten Hochschulen

soll entsprechende Vorarbeiten leisten,

die bis zu Integration abgeschlossen

sein müssen, was wohl ein ganzes

Semester in Anspruch nehmen wird.

Selbst wenn das Gesetz nun bis zur

Sommerpause verabschiedet wird,

reicht die Zeit kaum für die Wahl dieses

Gremiums, geschweige denn für die

Vorbereitung der Integration und die

Erarbeitung der zentralen Satzungen

der neuen Hochschule, das heißt der

neu zu formenden „Fachhochschule

für Wirtschaft und Recht“. Man kann

daher davon ausgehen, dass der vorgesehene

Eingliederungszeitpunkt zum

1. Oktober 2008 nicht gehalten werden

kann.

Neben der Erarbeitung der zentralen

Satzungen muss der gemeinsame AS

auch der neuen Grundordnung zustimmen,

die die beiden Rektoren zusammen

entwerfen. Die abschließende

Entscheidung über die Grundordnung

obliegt anschließend den Kuratorien

beider Hochschulen, die darüber in

einer gemeinsamen Sitzung (mit der

Mehrheit der Stimmen) befi nden.

Training für die Zukunft

Mit dem Integrationszeitpunkt wird

der gemeinsame AS die Funktionen der

2 mit der Fachleiterin Dorrit Peter-Ollrogge, siehe Beitrag „Die vergessenen Kinder von Lichtenberg“

bisherigen Akademischen Senate und

derjenigen Gremien, die die Aufgaben

der Konzile innehatten, übernehmen.

Die Kuratorien bleiben bis zur Wahl

der neuen Gremien im Amt und

nehmen ihre Aufgaben in gemeinsamen

Sitzungen wahr. Auch die Fachbereichsräte

führen ihre Arbeit bis zu

den Neuwahlen, die voraussichtlich im

Sommersemester durchgeführt werden,

fort.

Bezüglich der Hochschulleitung sieht

das Eingliederungsgesetz vor, dass der

Rektor der FHW Berlin zunächst die

Leitung der Fachhochschule für Wirtschaft

und Recht übernimmt; der Rektor

der FHVR scheidet mit der Integration

aus seinem Amt. Die bisherigen

Ersten Prorektoren bleiben hingegen

bis zur Neuwahl der Hochschulleitung

im Amt. In Abhängigkeit davon, wann

der gemeinsame AS mit seiner Arbeit

beginnen kann, wie lange die Abstimmung

über die Satzung dauert und vor

allem, ob dieses Gremium oder erst

ein neu gewählter Erweiterter AS die

Hochschulleitung wählt, wird also der

jetzige Rektor der FHW Berlin, zusammen

mit seinen Prorektoren aus FHW

Berlin und FHVR, noch für einige Zeit

die „neue“ Hochschule leiten.

Zusätzlich zu diesen formellen Fragen

ist natürlich auch die Zusammenlegung

der Verwaltungen der beteiligten

Hochschulen zu klären. Hierzu sind

bereits Arbeitsgruppen in den jeweiligen

zentralen Verwaltungsbereichen

eingesetzt worden, die schon erste

Konzepte zu ihrer Zusammenlegung

erarbeitet haben. Lediglich in den

Rechenzentren gibt es noch grundsätzlichen

Dissens, der unter anderem in

der Nutzung unterschiedlicher Soft -

waresysteme begründet ist.

Wieder einmal stehen also alle in den

Startlöchern – es fehlt nur noch der

Startschuss.

Die Autorin ist Persönliche Referentin

des Rektors der FHW Berlin.


14 Titelthema: Hochschulzusammenschlüsse

SemesterJournal 1/08 SemesterJournal 1/08 Titelthema: Hochschulzusammenschlüsse

15

Gemeinsam sind wir stärker

UAS7 – Eine „Alliance for Excellence“ aus sieben deutschen Hochschulen in Amerika

Text: Joachim Metzner

Seit drei Jahren tritt diese Gruppe von

deutschen Universities of Applied

Sciences (UAS) in den USA an, um

Kontakte zu und den Austausch mit

amerikanischen Universitäten zu

stärken. Denn gerade deutsche Fachhochschulen

haben diesbezüglich noch

erheblichen Nachholbedarf. Das eigene

Büro der UAS7 im German House in

Manhattan ist nur einen Steinwurf vom

Hauptquartier der Vereinten Nationen

entfernt. Dieser strategische Zusammenschluss

der UAS7 wird vom Deutschen

Akademischen Austausch Dienst

(DAAD) und dessen Niederlassung

in New York unterstützt. Die ersten

Ergebnisse sind ermutigend. In diesem

Jahr kommen schon zum zweiten Mal

amerikanische Studierende im Rahmen

eines von unserem Büro initiierten

Partnerschaft sprogramms an die Mitgliedshochschulen.

Die Auswahl der Mitglieder der

Gruppe UAS7 war nicht vom Zufall

bestimmt. Sie schlossen sich zusammen,

weil Internationalität und

Internationalisierung zu ihren herausragenden

Eigenschaft en und zentralen

strategischen Interessen zählen.

Weitere wichtige Gemeinsamkeiten

liegen im Selbstverständnis und in der

Zielsetzung. Außerdem stimmen die

sieben Partner in der Einschätzung der

gegenwärtigen Situation des deutschen

Hochschulsystems und der daraus zu

ziehenden Konsequenzen überein.

UAS7 und der Umbau des

deutschen Hochschulsystems

Seit der Gründung von Fachhochschulen

1971 herrschten zwei Dogmen vor:

das von den zwei wesensverschiedenen

und deshalb unvergleichbaren und

völlig inkompatiblen Hochschularten,

und dass innerhalb dieser Gruppen

alle Hochschulen in ihrer Struktur,

Aufgabenstellung und Qualität gleich

seien. Obwohl die Hochschulgesetze

der Länder diese Auff assung immer

noch stützen, die Globalisierung der

Bildungslandschaft en und -märkte hat

sichtbar gemacht, wie unüblich und

veränderungsfeindlich eine binäre

Auft eilung der Hochschularten ist.

Das deutsche Hochschulsystem

befi ndet sich in einem Prozess

wachsender Diff erenzierung.

Im Bologna-Prozess wurde dieser

Einsicht durch die Gleichstellung der

Abschlüsse Rechnung getragen. Die

Exzellenz-Initiative der Bundesregierung

hat mit dem Gleichheitspostulat

innerhalb der Hochschularten Schluss

gemacht. Nachdem anerkannt werden

musste, dass es in Deutschland einige

Spitzenforschungsuniversitäten gibt,

die sehr viele andere weit hinter sich

lassen, wurde sehr schnell konstatiert,

dass es am anderen Ende der Skala

nicht wenige Universitäten gibt, die

man eher als forschungsfrei einstufen

muss. Der Wissenschaft srat hat daher

empfohlen, solchen Universitäten die

Last eines nicht mit Leben erfüllbaren

Promotionsrechts zu nehmen und

ihnen die Chance zu geben, etwas

anderes zu werden. Die gleiche Möglichkeit,

eine Hochschule anderer Art

zu werden, möchte er auch bisherigen

Fachhochschulen einräumen. An die

Stelle starrer, durch Gesetze vorgegebener

und daher entwicklungsfeindlicher

Fixierung von Hochschulen wird, wenn

solche Empfehlungen greifen, eine von

fl ießenden Übergängen und veränderbaren

Zuordnungen gekennzeichnete

Situation treten.

Alle deutschen Hochschulen müssen

sich daher heute aufgefordert sehen

sich zu defi nieren, ihren jeweiligen Ort

in der deutschen Hochschullandschaft

zu bestimmen und Entwicklungsziele

in Hinblick auf ihre zukünft ige Positionierung

zu formulieren.

Vor diesem Hintergrund haben die

als UAS7 fi rmierenden Hochschulen

für Angewandte Wissenschaft en

beschlossen, sich zu einer weit über die

ursprüngliche internationale Zielsetzung

hinausgehenden Allianz zusammenzuschließen,

um ihre Potenziale

und Stärken in vielen Kompetenzfeldern

zusammenzuführen, gemeinsame

strategische Ziele zu formulieren und

sich gegenseitig bei deren Verwirklichung

zu unterstützen. Gegenwärtig

gehören diesem Netzwerk folgende

Hochschulen an:

Fachhochschule für Wirtschaft Berlin

Hochschule Bremen

Hochschule für Angewandte

Wissenschaft en Hamburg

Fachhochschule Köln

Hochschule München

Fachhochschule Münster

Fachhochschule Osnabrück.

Die Bildung strategischer Allianzen

wird bei dieser Neuorientierung

eine wichtige Hilfe sein und daher

eine große Rolle spielen.

Selbstverständnis der

UAS7-Hochschulen

Die Mitgliedshochschulen von UAS7

verstehen sich als Hochschulen im

Sinne der im angelsächsischen Raum

verbreiteten Universitätengruppe,

die ihre Mitglieder als „regional,

comprehensive universities emphasizing

professional, career-oriented

and applied programs“ defi niert. Sie

betreiben Forschung mit ausgeprägtem

Dienstleistungscharakter in allen an

ihren Hochschulen vertretenen Wissenschaft

sbereichen. Strategische zielen

sie auf die konsequente Umsetzung der

drei Stufen des Bologna-Prozesses. Die

Programme und Lehr- und Lernbedingungen

werden systematisch internationalen

Standards angepasst. Profi lbildung

in Forschung und Entwicklung

gehört zur Profi lierung desgleichen wie

Exzellenz-Zentren.

Aufgaben der UAS7 in einer

strategischen Allianz

Die sieben Partner formen nicht nur

ein loses Netzwerk, sondern bilden eine

feste strategische Allianz. Die Gruppe

versteht sich als Angebotsgemeinschaft ,

die Synergieeff ekte nutzbar macht und

in Lehre und Forschung getreu dem

Motto „Gemeinsam sind wir stärker“

handelt. So öff nen die Mitgliedshochschulen

ihre Portfolios für die Studierenden

und sorgen für eine zügige

Anrechnung von Studienleistungen

sowie den freien Zugang zu Programmen.

Sie bieten sich als gemeinsamer

Partner für den Wissenstransfer an,

insbesondere gegenüber räumlich

diversifi zierten und im Ausland tätigen

Unternehmen.

Instrumente der Qualitätssicherung

lassen sich hervorragend in Allianzen

entwickeln und in wechselseitiger

Unterstützung anwenden. Die

Mitgliedshochschulen entwickeln

gemeinsame Qualitätsstandards,

Qualitätssicherungsinstrumente und

–maßnahmen für die Evaluierung von

Lehre und Forschung, für die Programmentwicklung,

für Berufungsverfahren

und Personalentwicklung und für die

Studierendenauswahl. Sie unterstützen

sich gegenseitig durch Personalaustausch,

Schulungen und Qualifi zierungsmaßnahmen

und durch den

Aufb au eines Benchmarking-Clubs.

Besonders im Berufungsbereich trägt

der Zusammenschluss zur Qualitätsgemeinschaft

erste Früchte. Die Professorenschaft

en der sieben Hochschulen

bilden einen hervorragenden Pool von

Wissenschaft lerinnen und Wissenschaft

lern für die Erstellung von Gutachten

und die hochschulübergreifende

Mitarbeit in Berufungsausschüssen. So

ergeben sich aus der fachlichen Interak-

tion auch erste Konturen für neu sich

bildende Scientifi c Communities.

In einem sich immer mehr diversifi

zierenden und freier werdenden

Hochschulsystem wird die Qualitätssicherung

immer wichtiger,

da die bisherigen Normen und

Zwänge verloren gehen.

Das Ziel: UAS7 als Marke

Der nationale und internationale

Bildungsmarkt werden in Zukunft

durch harten Wettbewerb gekennzeichnet

sein. Ressourcenbündelung und

gemeinsamer Auft ritt von Hochschulen

wird zum Gebot der Stunde. Es ist klüger,

Bündnisse mit geeigneten Partnern

unter Markengesichtspunkten einzugehen,

als sich von der Politik in regionale

Zwangsehen pressen zu lassen.

Daher haben die Mitgliedshochschulen

beschlossen:

UAS7 als Marke für den gemeinsamen

Auft ritt als Anbieter auf internationalen

Bildungsmärkten zu etablieren,

vernetzte Masterprogramme und

International Graduate Colleges unter

dem gemeinsamen Dach anzusiedeln,

als gemeinschaft licher Antragsteller

in der nationalen und europäischen

Forschungsförderung aufzutreten,

ein Netzwerk für internationalen

Technologie-Transfer zu bilden und

gemeinsame Projekte in ausgewählten

Forschungsfeldern auszuführen.

Gegenseitige Unterstützung bei der

Arbeit am Hochschulprofi l

Solchen Verabredungen zu gemeinschaft

lichem Handeln sind durch die

räumliche Entfernung Grenzen gesetzt.

Das schließt nicht aus, dass sich die

Mitglieder gegenseitig beraten und

unterstützen bei der Verfolgung der

allen gemeinsamen Ziele. Solche Beratung

ist möglich bei der anstehenden

Erstellung eines umfangreichen Angebots

an Masterprogrammen in enger

Anbindung an das Forschungsprofi l der

jeweiligen Hochschule, bei der Schaffung

adäquater Promotionsmöglichkeiten

für die eigenen Graduierten vor

Ort oder auch bei der Entwicklung von

Personalmodellen, die die Umsetzung

der drei Zyklen des Bologna-Prozesses

unterstützen. Hierzu gehört insbesondere

die Öff nung neuer Qualifi -

kationsstufen für Wissenschaft liche

Mitarbeiter. Die Zukunft der bisherigen

Fachhochschule hängt schließlich an

der Möglichkeit, sich einen in Lehre

und Forschung aktiv und mitverantwortlich

eingebundenen wissenschaft -

lichen Mittelbau zu schaff en und ihren

Absolventinnen und Absolventen

angemessene und gesicherte Promotionsmöglichkeiten

zu bieten. Die

Lösung dieser Aufgabe setzt nicht

zuletzt politisches Handeln auf Seiten

des Staats, also der Länder, voraus. Hier

werden sich die Mitgliedshochschulen

auch politisch unterstützen.

UAS7 – eine Zukunftsperspektive

Eine solche Allianz bedarf einer klaren

Rechtsform. Deshalb wurde ein e. V.

gegründet, der seinen Sitz in Berlin

hat, weil von hier aus das strategische

Marketing, das in der nächsten Zeit

besonders wichtig sein wird, am besten

betrieben werden kann. So werden mit

New York und der deutschen Hauptstadt

gleich zwei Weltmetropolen zum

Aktionsfeld der UAS7. Auch als Verein

versteht sich UAS7 als ein Zusammenschluss

von Gleichartigen und Gleichgesinnten,

und da wäre es widersinnig,

wenn sich die Gruppe in ihrer Zahl

und Zusammensetzung als endgültig

verstünde. Das wäre altes, normatives

und ausschließendes Denken. Aber

die Allianz ist gegenwärtig in einem

Findungsprozess, und viele Verabredungen

und gute Vorsätze müssen

auf ihre praktische Realisierbarkeit

geprüft werden. Deshalb sollten sich

diejenigen, die sich bisher zusammengefunden

haben, als Testfall verstehen

und die Testbedingungen, insbesondere

die Zusammensetzung der Allianz,

zunächst nicht ändern. Kooperationen

mit anderen Hochschulen und Verbünden

sind aber auf jeden Fall erwünscht.

Der Autor ist Rektor der

Fachhochschule Köln.


16 Titelthema: Hochschulzusammenschlüsse

SemesterJournal 1/08 SemesterJournal 1/08 Forschung

17

Die vergessenen Kinder

von Lichtenberg

Der Fachbereich II Berufsakademie zieht um: Eine Tragödie in 7 Akten

Text: Dorrit Peter-Ollrogge

1. Akt: Die Vereinigung

Im Oktober 2003 wurde die Berufsakademie

Berlin per Gesetz in die

FHW Berlin integriert. Damit war

der Wunsch verbunden, die nunmehr

entstandenen beiden Fachbereiche

am Standort Schöneberg räumlich zu

vereinigen. Daneben arbeiten seit 2005

die Rektoren der FHW Berlin und

der Fachhochschule für Verwaltung

und Recht (FHVR) an einer Fusion.

Um Kosten zu sparen, ist deshalb nun

beabsichtigt, den Fachbereich Berufsakademie

in die FHVR-Gebäude nach

Lichtenberg zu verlagern. Seit Ende

2007 ist jedoch bekannt, dass die

vorhandenen freien Flächen dort dafür

nicht ausreichen.

2. Akt: Der Aufwuchs

Aufgrund der zahlreichen Anmeldungen

für das Studienjahr 2007 entschließt

sich die Leitung der Fachrichtung

Handel, beim Rektor der FHW

Berlin einen weiteren Kurs zu beantragen.

Der Rektor genehmigt diesen

im März 2007 nach Absprache mit der

Senatsverwaltung. Befl ügelt durch diese

Zusage entscheiden sich auch die Fachrichtungen

Industrie und Bankwesen

für einen Kurszuwachs. Gekoppelt ist

die Finanzierungszusage der Senatsverwaltung

jedoch an die Bedingung,

dass für die zusätzlichen Kohorten statt

der Anmietung neuer Räumlichkeiten

am bisherigen Sitz des Fachbereiches II

freistehende Büros und Vorlesungsräume

in der FHVR genutzt werden.

Zu diesem Zeitpunkt ist die Hochschulleitung

davon ausgegangen, dass

die Vereinigung mit der FHVR bis zum

Herbst 2007 per Gesetz über die Bühne

gegangen sei.

3. Akt: Der Umzug

Im April 2007 beschloss das Dekanat

des Fachbereiches II, dass die Fachrichtung

Handel mit Beginn des neuen

Studienjahres nach Lichtenberg in die

FHVR ziehen soll, um den Aufl agen

der Senatsverwaltung nachzukommen.

Gesagt, getan. Im September 2007

richtete die Fachrichtung Handel sich

am neuen Standort auf dem Campus

Lichtenberg ein. Die Begeisterung der

Studierenden der dortigen FHVR – insbesondere

des AStAs – über den Zuzug

hielt sich in Grenzen. Plakatierungen

ablehnenden Inhalts zierten die Flure

und waren ein Ausdruck dieser Haltung.

Anmerkung: Zum Zeitpunkt des

Umzugs lag immer noch keine gesetzliche

Grundlage vor.

4. Akt: Das Versprechen

Voraussetzung für den vorzeitigen

Umzug der Fachrichtung Handel war

die Zusicherung, dass im Sommer

2008 der Fachbereich II vollständig an

den Standort Lichtenberg ziehen wird.

Denn bis dahin ist keine Vertretungsmöglichkeit

für Fachleitung, Sekretariat

und Assistenz gegeben, den Studierenden

fehlt die Möglichkeiten des persönlichen

Austauschs mit Kommilitonen

anderer Fachrichtungen der Berufsakademie.

Doch bis jetzt gibt es weder

einen genauen Umzugstermin, noch

werden Umbau- oder Ausbautätigkeiten

durchgeführt, die auf den geplanten

vollständigen Umzug hinwiesen.

5. Akt: Die Gerüchte

Seit dem Dekanatsbeschluss über den

Umzug an den Campus Lichtenberg

muss sich die Fachrichtung Handel mit

zahlreichen Anfeindungen und Unter-

stellungen auseinander setzen. Behauptungen,

der Bereich sei freiwillig an die

FHVR gezogen, sind defi nitiv falsch.

Auch die Unterstellung, dass sich die

Fachrichtung „nur die schönsten Büros

sichern wollten“ ist ebenfalls falsch.

6. Akt: Das Vergessen

Bis zum jetzigen Zeitpunkt, ein Jahr

nach dem Umzugsbeschluss, gibt es

keine gesetzliche Grundlage für eine

Vereinigung der FHW Berlin und der

FHVR. Die Fachrichtung Handel sitzt

also im „rechtsfreien Raum“. Wann es

zu der Vereinigung der FHW Berlin

mit der FHVR kommt, ist jedoch noch

unbestimmt.

7. Akt: Die Verantwortung

Fachleitung, Sekretariat, Assistenz, die

derzeit 230 Studierenden und 80 Ausbildungsfi

rmen fordern die Senatsverwaltung

und die Hochschulleitung der

FHW Berlin auf, diesen unhaltbaren

Zustand endlich zu beenden und eine

Entscheidung bezüglich der Fusion

der FHW Berlin mit der FHVR zu

treff en. Sie haben eine Verantwortung

gegenüber ihren Mitarbeiter/innen und

Vertragspartnern. In der Hochschule

wird doziert über Unternehmenskultur,

Personalführung und Ethik, jedoch

wird die Fachrichtung Handel von den

Verantwortlichen behandelt „… wie die

vergessenen Kinder von Lichtenberg“!

Die Autorin ist Leiterin der Fachrichtung

Handel am Fachbereich II

Berufsakademie.

Wirtschaftswissenschaften –

Vom Männerfach zum Frauenfach?

Wir sind auf halbem Weg, fanden die Forscherinnen der FHW Berlin heraus, die die Studien- und Arbeitsmarktsituation von

Ökonominnen im Wandel der Zeit untersuchten.

Text: Andrea-Hilla Carl, Friederike Maier und Dorothea Schmidt

Greta Kuckhoff begann nach dem

Ersten Weltkrieg in Berlin Nationalökonomie

zu studieren, da frühere

rechtliche Beschränkungen, die Frauen

den Zugang zu den Universitäten

verwehrt hatten, nunmehr endgültig

aufgehoben waren. Sie musste aber

feststellen, dass darüber keineswegs

alle glücklich waren: „Professor Gustav

Roethe, Seine Magnifi zenz, Rektor der

Friedrich-Wilhelm-Universität zu Berlin,

hatte die Hände auf dem Rücken

gehalten, als wir frisch immatrikulierten

Mädchen und Frauen 1924 an

ihm vorüberdefi lierten. Die Studenten

begrüßte er mit kräft igem Handschlag.“

Seither hat sich viel geändert.

Erst 1908, also vor genau 100 Jahren,

wurden Frauen in Preußen zum Studium

zugelassen, und in den folgenden

Jahrzehnten entschieden sich die

meisten von ihnen für Fächer, die als

„weiblich“ galten. Dagegen waren die

Studierenden der Nationalökonomie

und der Betriebswirtschaft slehre in den

1920er Jahren überwiegend Männer.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde

das Studium der Ökonomie in der

DDR nach und nach zu einem Fach,

das besonders häufi g von Frauen

gewählt wurde (während die Männer

die Technikwissenschaft en bevorzugten).

In der Bundesrepublik kam es

dagegen erst seit den 1970er Jahren

zu einem Wandel – inzwischen gibt es

mehr Studentinnen der Wirtschaft swissenschaft

en als der Germanistik. In der

Studie von Andrea-Hilla Carl, Friederike

Maier und Dorothea Schmidt

wird der Frage nachgegangen, wie es

zu diesen Veränderungen gekommen

ist. Was hat Frauen in den letzten

Jahrzehnten dazu bewogen, sich mehr

und mehr früheren Männerfächern

zuzuwenden? Die geschlechtliche

Codierung von Wirtschaft sberufen war

auch früher in sich widersprüchlich,

da Frauen bereits in der ersten Hälft e

des 20. Jahrhunderts als Buchhalterinnen

und Kontoristinnen willkommen

waren, betriebliche Führungspositionen

aber Männern vorbehalten blieben.

Doch in den letzten beiden Jahrzehnten

sind die Dinge in Bewegung gekommen.

In dem Buch wird gezeigt, wie

Frauen vermehrt Wirtschaft sstudien

aufgenommen haben und hinterher in

Positionen gelangen konnten, die ihnen

früher verschlossen waren – somit die

Hälft e des Weges zurückgelegt haben.

Gleichzeitig wird untersucht, inwiefern

sie immer wieder an eine „gläserne

Decke“ stießen. Warum blieben traditionelle

Geschlechterhierarchien bis

heute so zählebig?

Andrea-Hilla

Carl, Friederike

Maier und Dorothea

Schmidt:

Auf halbem Weg

– Die Studien-

und Arbeitsmarktsituation

von Ökonominnen

im Wandel,

fh w forschung 48/49, edition sigma,

Berlin 2008, 189 Seiten, 15,90 Euro


18 Forschung

SemesterJournal 1/08 SemesterJournal 1/08 Forschung

19

Herausforderungen

dualer Studiengänge

Nach dreijähriger intensiver Forschungsarbeit des BLK-Verbundprojektes vom Fachbereich Berufsakademie der FHW Berlin,

der Frankfurt School of Finance & Management 1 und der Berufsakademie Weserbergland (BAW) e.V. in Hameln präsentierten

die Projektmitglieder ihre Untersuchungsergebnisse und Empfehlungen zur Qualitätssicherung dualer Studienangebote 2 .

Text: Hartmund Barth und Kornelia Reischl

An der bundesweiten abschließenden

Fachtagung in Berlin nahmen rund

100 Verantwortliche aus Hochschulen,

Betrieben und anderen Bildungseinrichtungen

teil. Ergänzend stellte

Susanne Müller von der Bundesvereinigung

der Deutschen Arbeitgeberverbände

(BDA) die Einordnung

dualer Studiengänge in den Nationalen

Qualifi kationsrahmen dar.

Das Verbundprojekt wurde seit 1. April

2005 im Rahmen des Modellprogramms

der Bund-Länder-Kommission

für Bildungsplanung und Forschungsförderung

(BLK) zur „Weiterentwicklung

dualer Studienangebote durchgeführt.

Untersuchungsgegenstand des Projektes

war es zu eruieren, auf welche

Weise die Zusammenarbeit zwischen

den beiden Lernorten Hochschule bzw.

Berufsakademie einerseits und den

Betrieben andererseits realisiert werden

kann und welche besonderen Verfahren

in den beteiligten Hochschulen dazu

entwickelt und erprobt werden. Die

Untersuchung sollte insbesondere auch

klein- und mittelständische Unternehmen

(KMU) umfassen, weil in der

Fachliteratur häufi g bezweifelt wird, ob

diese KMU in dualen Studiengängen

überhaupt in ausreichendem Maße

zur Kooperation mit der Hochschule

in der Lage sind. Der Fachbereich Be-

rufsakademie bezog deshalb die beiden

Fachrichtungen Bauwesen und BWL/

Tourismus, vertreten durch Fachleiter

Prof. Helmut Schmeitzner und Prof.

Jörg Soller, in das Projekt ein. Darüber

hinaus erfordert das Vorhandensein

zweier Lernorte eine spezifi sche

Betreuung der Studierenden und eine

besondere Didaktik. Diesen Komplex

untersuchte vor allem die BAW.

In dem Projekt sollte nicht einfach

vorausgesetzt werden, dass in den

Praxisphasen des dualen Studiums

fachliche Handlungskompetenzen, aber

vor allem auch Methoden- und Sozialkompetenzen

von den Studierenden

erworben werden. Daher galt es, den

Kompetenzerwerb zu untersuchen

und zu verifi zieren. Diese Aufgabe

übernahm insbesondere die Frankfurt

School of Finance & Management.

Schließlich ging es darum, Strukturvorgaben

für duale Bachelor-Studiengänge

zu entwickeln – in Ergänzung der ländergemeinsamen

Strukturvorgaben der

Kultusministerkonferenz (KMK) für

die Akkreditierung von Bachelor- und

Masterstudiengängen unter Berücksichtigung

des KMK-Beschlusses zu

den Bachelor-Ausbildungsgängen von

Berufsakademien.

Auf der Basis umfassender empirischer

Erhebungen (QSdual) und der im

1 Die Frankfurt School of Finance & Management besitzt den Status einer privaten Universität und fi rmierte

vor dem 17.01.2007 unter dem Namen Hochschule für Bankwirtschaft (HfB).

Rahmen des Projektes gesammelten

Erfahrungen gab die Verbundgruppe

– in Kürze zusammengefasst – unter

anderem folgende Empfehlungen zur

Gestaltung und Akkreditierung dualer

Bachelorstudiengänge heraus:

1

Der Praxisanteil ist integraler

Bestandteil des dualen Studiums.

Diese wie selbstverständlich klingende

Feststellung ist gar nicht so selbstverständlich,

weil immer noch etwa 25

Prozent aller akkreditierten dualen

Studiengänge die Praxisanteile als

„Black Box“ behandeln und nicht in

ihre Curricula einbeziehen.

2

Es ist ein Th eorie-Praxis-Transfer

und ein Praxis-Th eorie-Transfer

im Curriculum vorzusehen, der über

das Maß herkömmlicher Studiengänge

deutlich hinausgeht.

3

Die Integration von Th eorie und

Praxis ist in geeigneten Grundlagen

zu fi xieren. Über das Vertragsverhältnis

Studierender–Unternehmen

hinaus ist eine (vertragliche) Regelung

zwischen Hochschule/Berufsakademie

und Unternehmen zu treff en, welche

die curriculare Integration gewährleistet.

Die konkrete Gestaltung dieser

Integration sollte durch weitere geeignete

Instrumente unterstützt werden.

Für KMU als Kooperationspartner

wird empfohlen, fl exible Instrumente

2 Der Titel des Vorhabens lautet: „Länderübergreifendes Verbundprojekt zur Einbeziehung dualer Bachelor-Studiengänge in das Akkreditierungssystem der Bundesrepublik

Deutschland und zur Entwicklung von Strukturvorgaben für diese dualen Studiengänge als Elemente eines nationalen Qualifi kationsrahmens.“

3 http://www.fh w-berlin.de/index.php?id=1815.

zu schaff en, die mit der Hochschule im

Einzelfall abgestimmt werden.

Am Fachbereich Berufsakademie wurden

z. B. Rahmen-Ausbildungspläne

entworfen, die eine enge inhaltliche

Abstimmung der Praxisphasen mit den

Th eoriemodulen des jeweiligen Semesters

vorsehen.

4

Weiterhin sollte die Hochschule

für duale Studiengänge institutionalisierte

Verfahren der Kooperation

von Hochschule und Betrieben

vorsehen. Das können regelmäßige

Besuche der Studiengangsverantwortlichen

in den Betrieben sein, aber auch

gemeinsame Gremien, in denen alle

an stehenden Fragen der Zusammenarbeit

besprochen werden können.

5

Außerhalb der Präsenzzeiten an

der Hochschule ist auch für die

Ausbildungszeiten im Betrieb eine

Betreuung der Studierenden durch

die Hochschule als Voraussetzung

für die Erreichung des Bildungsziels

der dualen Studiengänge und für die

Leistungspunktvergabe vorzusehen.

Das gilt insbesondere für die Betreuung

von Leistungsnachweisen bzw. von

Prüfungsleistungen, die während der

Praxisphasen von den Studierenden

zu erbringen sind, wie Projektberichte,

Studienarbeiten oder die abschließende

Bachelor-Th esis.

6

Der Kompetenzerwerb im Lernort

Betrieb ist die Voraussetzung

dafür, dass die Praxisteile des dualen

Studiums in die Leistungspunktbewertung

einbezogen werden. Die

Hochschulen haben im Akkreditierungsverfahren

nachzuweisen, welche

Kompetenzen an den Lernorten

erworben werden sollen und welches

die notwendigen Schritte sind, um

dies zu erreichen. Dabei sind die im

Nationalen Qualifi kationsrahmen

defi nierten Kompetenzen zu beachten.

Ob die Annahmen zutreff en, könnte zu

einem späteren Zeitpunkt (z. B. bei der

Reakkreditierung) über ein Kompetenzmessverfahren

als Ergänzung zu

herkömmlichen Prüfungsinstrumenten

belegt werden.

In der Fachrichtung BWL/Tourismus

durchgeführte Kompetenzmessungen

nach dem KODE-X®-Verfahren von

Erpenbeck und Heyse haben gezeigt,

dass tatsächlich in genau defi nierten

Kompetenzfeldern innerhalb einer

Praxisphase Kompetenzgewinne der

Studierenden nachgewiesen werden

konnten.

7

Wenn die Praxisphasen integrale

Bestandteile des dualen Studiums

sind, sind auch diese Phasen zu modularisieren

und mit Leistungspunkten

auszustatten. Dabei sind die Vorgaben

des Akkreditierungsrates zur Vergabe

von ECTS-Punkten für herkömmliche

Studiengänge zu beachten, insbesondere,

dass die Praxisanteile zu betreuen

sind und dass bewertbare Prüfungsleistungen

hierfür vorliegen müssen.

8

Workload 1.–5. Semester ECTS-Punkte

600h Theoriephasen

(Präsenz- und

Selbststudium)

Betriebliche

Erfahrung

Workload 6. Semester ECTS-Punkte

600h Theoriephase

(Präsenz- und

Selbststudium)

Die praxisbasierten Ausbildungsanteile

sollen in dreijährigen

dualen Bachelorstudiengängen in der

Regel den Umfang von 30–60 ECTS-

Punkten, theoriebasierte Studieninhalte

in der Regel 120–150 ECTS-Punkte

aufweisen. Dies setzt voraus, dass

20

Thesis und 12

450h Kolloquium 3

1.050 h 35

Abb.: Einheitliche Gesamtstruktur aller Studiengänge

am Fachbereich Berufsakademie

der FHW Berlin hinsichtlich Workload und

ECTS-Punkte" gesetzt werden.

20

450h Praxisphasen 7

1.050 h je 35

8

inhaltliche Bezüge zwischen den Anteilen

vorhanden sind.

9

Die Qualitätssicherungsmaßnahmen

dualer Studiengänge umfassen

auch die praktischen Anteile. Bei

der Beurteilung sind alle Einzelaspekte

(Verzahnung, institutionelle Kooperation,

Workload) in die Betrachtung

einzubeziehen. Im Fall der FHW Berlin,

Fachbereich Berufsakademie wurde

dies wie in der Graphik abgebildet

umgesetzt, wobei sich die Verzahnung

in der so genannten „betrieblichen

Erfahrung“ widerspiegelt.

10

Die Gesamtverantwortung für

die Qualität der dualen Studiengänge,

insbesondere ihrer Wissenschaft

lichkeit, liegt bei der Hochschule.

11

Weiterhin empfi ehlt die Verbundgruppe,

Experten dualer

Studiengänge in die Gutachterteams

einzubeziehen und Unternehmensvertreter

auf Seiten der Hochschule an der

Vor-Ort-Begehung in Akkreditierungsverfahren

zu beteiligen.

12

Duale Bachelorstudiengänge

sind auf derselben Stufe wie

herkömmliche Bachelorstudiengänge

in den Europäischen und Nationalen

Qualifi kationsrahmen einzubeziehen.

Eine detaillierte Darstellung der Arbeit

der Verbundgruppe und ihrer Ergebnisse

fi ndet sich im Abschlussbericht,

der auf der FHW-Homepage abrufb ar

ist. 3 Weiterhin erscheint ein Tagungsband.

Die Autoren: Prof. Dr. Hartmund Barth

war Gründungsdirektor der ehemals

selbstständigen Berufsakademie und

ist Fachleiter BWL/Versicherung am

Fachbereich II der FHW Berlin. Frau

Dr. Kornelia Reischl ist Projektmitarbeiterin

und Verbundkoordinatorin im

BLK-Verbundprojekt zur Qualitätssicherung

dualer Studienangebote.


20 Forschung

SemesterJournal 1/08 SemesterJournal 1/08 Forschung

21

Bezahlung ohne Zwang

Studentische Forschung zu interessanten Themen: In der Weinerei im angesagten Berliner Prenzlauer Berg bestimmt jeder

Gast selbst, wie viel er für den konsumierten Wein bezahlen möchte. Vom Konzept begeistert, ergründeten die Autorinnen, wie

die allein auf Vertrauen basierende Preisgestaltung funktioniert und ob sie sich für den Betreiber rechnet.

Text: Daniela Flache und Nicola Schliephake

Das Weinerei-Konzept. Tagsüber

ein ganz normales Café, abends ein

Weinlokal mit Wohnzimmer-Flair, aber

kein gewöhnliches. Es gibt keine Karte

– und auch keine festen Preise. Jeder

Gast „mietet“ für einen Euro ein leeres

Glas. Auf der Th eke stehen Dutzende

off ener Weinfl aschen, zur Selbstbedienung.

Beim Verlassen der Weinerei

entscheidet der Gast, welchen Preis er

zahlen will. Er wirft das Geld in einen

bauchigen grünen Glaskelch – ohne

dass jemand den Betrag kontrolliert.

Homo Oeconomicus oder Homo

Reciprocans? Viele Gäste lockt bei der

ersten Einkehr vor allem das „Spar“-

Motiv. So handeln Homo Oeconomicus,

stets rational und lediglich auf

den eigenen Vorteil bedacht. In der

Weinerei würde solch ein Gast nur das

unbedingt Nötige bezahlen – also ohne

Kellner und Rechnung vermutlich gar

nichts. Doch off ensichtlich fällt die

Bezahlung oft reziprok aus. Auch die

Autorinnen honorierten das Vertrauen

und bezahlten nach eigenem Ermessen

fair. Der Homo Reciprocans gründet

sein Verhalten auf Reziprozität/Gegenseitigkeit.

Er handelt abhängig vom

Verhalten anderer und lässt sich davon

beeinfl ussen. Fairness dankt er mit

Fairness; unfaires Verhalten bestraft er,

auch wenn es ihn etwas kostet.

Verhielten sich die Gäste rational,

müsste die Weinerei bald schließen.

Doch sie besteht seit 2003. Wie funktioniert

dieses Modell, bei dem Bezahlung

freiwillig und damit Ausdruck

individueller Wertschätzung ist? Welche

Faktoren bestimmen die Zahlungshöhe?

Die Autorinnen stellten Hypothesen

auf und führten empirische

Untersuchungen mit Gästebefragungen

und Experteninterviews durch. Eine

multivariate Analyse stellte Einfl ussfak-

toren miteinander in Zusammenhang

und ließ Schlüsse auf unterschiedliches

Zahlungsverhalten zu. Auszugsweise

hier einige der Annahmen und Resultate:

Weinerei-Besucher verhalten sich

überwiegend wie Homo Reciprocans.

Das Konzept kann nur durch Respekt

bzw. faire Bezahlung dauerhaft aufgehen,

so die Annahme. Gäste wurden

also z. B. gefragt, inwiefern der „Spar“-

Gedanke als Grund für den Weinerei-

Besuch dominierte. Dies gaben nur

acht von 60 Befragten als Hauptmotiv

an. Zudem zahlen Stammkunden

durchschnittlich 44 Cent mehr pro Glas

und bewerteten das Konzept positiver

als Neukunden. Die Reziprozitäts-

Neigung erhöht sich bei wiederholtem

Besuch.

Je größer die Gruppe, desto höher

die Zahlung. Nach dem Prinzip der

bedingten Kooperation steuert ein

Individuum zu einem öff entlichen Gut

umso mehr bei, je mehr andere, beobachtete

Personen beisteuern. So war

mit steigender Gruppengröße durch

erhöhte Beobachtung eine positivere

Zahlungsbereitschaft zu erwarten. Dieser

statistisch signifi kante Zusammenhang

konnte nicht ermittelt werden.

Dennoch, bei Gruppen bis zu vier

Personen bestätigte sich die Hypothese,

die freiwillig bezahlte Zeche lag über

dem fairen Preis. Ein oder zwei Personen

mehr und entgegen der Vermutung

sank die Zahlungsbereitschaft . Ab sechs

Gästen stieg sie hingegen wieder, möglicherweise

durch gegenseitige Beobachtung

innerhalb von Subgruppen

und eine bedingte Kooperation.

Alter und Bildungsgrad wirken positiv

auf die Zahlungshöhe. Tatsächlich

bestätigte sich, dass Akademiker im

Durchschnitt mehr pro Weinglas

zahlten, der höhere Abschluss also die

Zahlungsbereitschaft durchaus positiv

beeinfl usste. Hinsichtlich des Alters

zeigte sich entgegen aller Erwartungen

ein negativer Trend. Jedes zusätzliche

Lebensjahr drückte den bezahlten Preis

pro Glas.

Multivariate Analyse. Mit den untersuchten

Einfl ussfaktoren konnten 65

Prozent der Variationen zur Zahlungsbereitschaft

der Weinerei-Besucher

erklärt werden. Ein interessantes Ergebnis

war z. B., dass Frauen durchschnittlich

0,33 Euro pro Glas mehr zahlen als

Männer. Stichproben ergaben jedoch,

dass männliche Besucher mehr zu

trinken beabsichtigen als weibliche. Da

die Zahlungsbereitschaft mit zunehmendem

Konsum abnimmt, nivelliert

sich der Geschlechteraspekt in der

multivariaten Analyse. Und Gäste, die

oft im Lebensmitteldiscounter einkaufen,

zahlen durchschnittlich 0,36 Euro

weniger pro Glas Wein.

Fazit. Es wurde deutlich, Weinerei-

Besucher sind überwiegend den Homo

Reciprocans zuzuordnen. So geht das

Konzept der Bezahlung ohne Zwang

auf. Wissen um die Einfl ussfaktoren

der Zahlungshöhe könnte für eine

gezielte Ansprache der Mehrzahler

genutzt werden. Doch die Betreiber

scheinen mit der Weinerei und der

freien Preisgestaltung eine ganz andere

Angebotsstrategie zu verfolgen: Weinproben

im erweiterten Freundes- und

Bekanntenkreis, bei denen der eine

oder andere Euro übrig bleibt.

Die Autorinnen studieren am Fachbereich

Wirtschaft swissenschaft en. Der

Artikel entstand begleitend zu einer

Projektarbeit im Th emenfeld.

Lobbyismus in Deutschland –

Am Beispiel des Dieselpartikelfi lters

An der FHW Berlin werden jedes Semester zahlreiche Abschlussarbeiten zu unterschiedlichsten Themen verfasst. Die

Ergebnisse stossen auch über die Hochschule hinaus auf Interesse. Die Diplomarbeit des FHW-Absolventen David Krahlisch

wurde als Buch veröffentlicht.

Text: Sylke Schumann

Die Automobilindustrie und die Politik

standen geraume Zeit vor der Aufgabe,

eine europäische Richtlinie und

entsprechende Vorgaben zu Ruß- bzw.

Staubpartikeln zu erfüllen. Wie ist also

die hitzig geführte Diskussion in den

Medien über die Einführung des so

genannten Dieselrußfi lters in Deutschland

zu erklären? Dieser Frage ging

David Krahlisch in seiner Diplomarbeit

nach.

Die Interaktion der politischen und

wirtschaft lichen Institutionen wurde

genauso beleuchtet, wie ein Blick in

die Vergangenheit und in die Zukunft

gewagt. Es ist nicht „en vogue“, den

Begriff Lobbyismus zu verwenden – gilt

er doch durch politische Aff ären als

negativ behaft et. Andererseits stellt er

nach wie vor ein mächtiges Managementinstrument

innerhalb verschiedenster

Organisationen und Firmen

dar. Dennoch weckt „Lobbyismus“

oft mals zwiespältige Assoziationen

und wird nicht selten mit Seilschaft en,

Vetternwirtschaft sowie Druckausübung

verbunden. Manche setzen diese

Art der Interessenvertretung gar gleich

mit illegaler Korruption und Intransparenz.

Das Buch liefert einen Überblich über

Machtverhältnisse in der politischen

Willensbildung und beleuchtet einzelne

Elemente und Akteure genauer – damit

auch für den Laien erkennbar wird, wie

viele Personen, wie viel Zeit und Kapi-

David Krahlisch

tal für die Planung und Umsetzung

zur Einführung des Dieselrußfi lters in

Deutschland nötig waren.

Sein Blick auf das Lobbying rund

um den Dieselpartikelfi lter und die

Umsetzung einer EU-Richtlinie

weicht ab von den üblichen Studien,

ist stärker betriebswirtschaft -

lich ausgerichtet.

Das Magazin Public Aff airs Manager –

vom Deutschen Institut für Public

Aff airs herausgegeben – wundert sich

nicht, dass auch dieses Umweltpolitik-

Th ema in das Interesse von Marketingexperten

gerückt ist. So gibt der

Autor eine kompakte Einführung in die

Grundbedingungen des Umweltlobby-

ing und erklärt, was Umweltpolitik für

Unternehmen bedeutet – als Kostenfaktor,

als Risikofaktor, als Wettbewerbs-

und Verantwortungsfaktor.

Diese Perspektive ist daher eine gute

Ergänzung zur Diskussion, was sich

aus der Rußfi lter-Debatte für andere

Bereiche ableiten lässt. Im Sinne einer

Policy-Analyse ergeben sich hilfreiche

Erkenntnisse mit einem interdisziplinären

Ansatz. Bei einem Rückblick auf

die Einführung des Katalysators 1985

fi elen dem Autor einige bemerkenswerte

Parallelitäten auf, insbesondere

hinsichtlich der Verzögerungsstrategien

deutscher Autokonzerne. Der Vorreiterrolle

der PSA-Gruppe (Peugeot,

Citroen) gegenüber den deutschen

Automobilherstellern wird ebenfalls

analysiert. Das Buch von David

Krahlisch richtet sich nicht nur an

Verbände, Wirtschaft swissenschaft ler

und Manager der Automobilindustrie.

Entscheidungsträger und mit der

Th ematik bisher wenig vertraute Leser

erhalten durch die Verbindung von

Th eorie und ausgewählten Praxisbeispielen

gleichermaßen einen Eindruck

vom angespannten Verhältnis zwischen

Wirtschaft s- und Umweltpolitik.

David Krahlisch ist Alumnus der FHW

Berlin im Fachbereich Wirtschaft swissenschaft

en und arbeitet derzeit als

Referent Marketing & PR eines Verbundes

von Stadtwerken in Mecklenburg-

Vorpommern und Brandenburg.


22 Alumni

SemesterJournal 1/08 SemesterJournal 1/08 Alumni

23

FHW-Absolvent mit Top-Karriere

Jedes Semester schließen FHW Studierende erfolgreich ihr Studium ab und starten durch ins Berufsleben. Felix Rimbach ist

einer von ihnen. Er wird als erfolgreicher Nachwuchsmanager ausgezeichnet.

Text: Dorle Linz

Jedes Jahr verleiht die Wirtschaft szeitung

„Das Handelsblatt“ Auszeichnungen

an herausragende Nachwuchsmanager.

Die Jury sucht auf allen

Führungsebenen und in Unternehmen

jeder Größe nach den Entscheidern

von morgen. Felix Rimbach gehört zu

den Top 25 und war einer der sieben

nominierten Kandidaten für die „Junge

Karriere des Jahres 2007“ (bis 30 Jahre)

und zugleich der jüngste Qualifi kant

überhaupt.

„Karriere ist für mich der

Freiheitsgrad der Möglichkeiten.“

Für diesen renommierten Wettbewerb

können Kandidatinnen und Kandidaten

sich nicht bewerben, sie müssen

vorgeschlagen werden. Die Mentoren

– Geschäft sführer, Vorstände, Professoren

– bürgen für die Eignung der

Wettbewerber. Die Jury aus Handelsblatt-Redaktion

und dem Vorstand der

Deutschen Gesellschaft für Karriereberatung

bewertete die mehr als 100

Nominierten, die es in die Endauswahl

geschafft hatten. Beurteilt wurden Kriterien

wie Aufstieg, berufl icher Erfolg,

vorbildliches Führungsverhalten und

verantwortliches Handeln. Die Top-25-

Karrieren sind kein Ranking. Wer in

den Kreis aufgenommen wird, gilt als

einer der herausragenden Nachwuchsmanager

Deutschlands und erhält

Zugang zum „Karriere des Jahres“-

Alumni-Netzwerk.

Vor kurzem wurde Felix Rimbach,

Absolvent der Fachrichtung Wirtschaft

sinformatik am Fachbereich

Berufsakademie der FHW Berlin,

aufgenommen. Er selbst sagt, dass die

Verzahnung von Th eorie und Praxis

im dualen Studium prägend für seinen

berufl ichen Werdegang war, eine notwendige

und inspirierende Symbiose.

Dies zeichnet auch sein Master- und

Promotionsstudium aus. 2005 absolvierte

er erfolgreich einen Master

of Business and Engineering nach

Studienaufenthalten in Dresden, Japan

und den USA. Seitdem widmet er sich

berufsbegleitend einem Promotionsvorhaben

(PhD) in Großbritannien

und Darmstadt.

Internationalität und Globalisierung

bestimmen die deutsche Wirtschaft .

Felix Rimbach hat die Chancen

genutzt, in vier Ländern studiert und

bereits in fünf Ländern gearbeitet. Er

spricht inzwischen fl ießend Englisch,

Französisch, Spanisch, Japanisch und

Chinesisch. Konzeptionelle, strukturierende

Kompetenz und Kreativität sind

die Eckpfeiler eines bemerkenswerten

berufl ichen Aufstiegs. „Karriere ist für

mich der Freiheitsgrad der Möglichkeiten“,

sagt der jüngste Senior Manager

der Daimler South East Asia. Sein

Verantwortungsbereich erstreckt sich

auf die strategischen Kernaufgaben in

den Wachstumsregionen Afrika, Asien,

Pazifi k und Mittlerer Osten.

In diesem Jahr beginnt ein Student des

Fachbereichs Berufsakademie seine

Praxisphase in Singapur – unter der

Anleitung von Felix Rimbach. So funktionieren

Alumni-Netzwerke.

Die Autorin ist Prodekanin am

Fachbereich Berufsakademie.

Fragen der Jury an Felix Rimbach

Was verstehen Sie unter „Karriere“?

Gestaltungsmöglichkeit und Freiheitsgrad

– sowie diese zu nutzen

um etwas Weltbewegendes zu

leisten.

Haben Sie Ihre Karriere geplant?

Im gewissen Rahmen, ja. Die

Details sind jedoch an meine Kreativität

und Intuition delegiert.

Was verstehen Sie unter

guter Führung?

Gute Führung heißt bei der Übersetzung

von gesamtorganisatorischen

Zielen in Einzelaktivitäten

die Persönlichkeitsmuster der

Teammitglieder zu berücksichtigen

und deren Begeisterung für ihre

Verantwortung zu fördern.

Was war Ihr größter Erfolg?

Das Lächeln meiner Patentocher

Caroline in Januária.

Investment: 31 EUR pro Monat.

Return: Vertrauen in eine gute Welt

eines 3-jährigen Engels.

Ihr größter Misserfolg?

Mein größter Misserfolg ist, Misserfolge

als solche zu verstehen – es ist

sehr schwierig, aber für die meisten

müsste ich mich bedanken.

Was ist Ihnen über die Arbeit hinaus

noch wichtig?

Freiheit zum Träumen und einen

Nährboden um zu prüfen ob es

wirklich nur ein Traum war.

Umfrageergebnis:

Unbedingt empfehlenswert

An der FHW Berlin werden regelmäßig Studierenden- und Absolventenbefragungen durchgeführt. Der Fachbereich II

Berufsakademie hat Ehemalige der Jahrgänge 1995–2005 angeschrieben. Heraus kam: Fast 90% der Graduierenden würden

das duale Studium am Fachbereich II weiterempfehlen.

Text: Dorrit Peter-Ollrogge, Reingard Hopf

Die Erhebung umfasste rund 3 500

Alumni, die im Zeitraum von Gründung

der Berufsakademie bis 2005 den

Abschluss Diplom-Betriebswirt (BA)

erwarben. 41 Prozent der Befragten

beteiligten sich an der Studie, das ist

ein Drittel aller Ehemaligen.

Die Studie belegt die guten Übergangschancen

nach einem dualen Studium in

den Beruf. 78% der Befragten erhielten

ein Übernahmeangebot ihres Ausbildungsbetriebes,

mehr als die Hälft e

(58%) nahm an. So konnten im ersten

halben Jahr nach Graduierung 98% der

Absolvent/innen eine feste Anstellung

vorweisen. Berufsakadamie-Alumni

bleiben ihren Ausbildungsunternehmen

oft langfristig treu, 48% hatten

zum Befragungszeitpunkt noch

nie ihren Arbeitgeber gewechselt.

Die meisten der Ehemaligen (72%)

begann nach dem Studium in der

Position einer/s qualifi zierten Angestellten.

Inzwischen bekleideten 31%

Würden Sie ... Gesamt

... jemanden ein Studium an der

Berufsakademie der FHW Berlin

empfehlen?

... wieder ein duales Studium

wählen?

... die selbe Berufsakademie noch

einmal wählen?

... die selbe Fachrichtung noch

einmal wählen?

... ein höreres Abschlussniveu

wählen?

... ein anderes Hochschulstudium

wählen?

... sich entscheiden, nicht zu

studieren?

89,83 %

88,53 %

80,39 %

72,21 %

52,72 %

28,72 %

1,06 %

der Teilnehmer/innen eine leitende

Position. Dabei arbeitete die Hälft e

der Befragten in Firmen mit mehr

als 1 000 Mitarbeiter/innen. Für die

Mehrzahl der Teilnehmer/innen (58%)

lag das Einstiegsgehalt zwischen 2 000

und 3 000 Euro, steigerte sich jedoch

schnell. 54% der Befragten empfi nden

ihren bisherigen berufl ichen Werdegang

grundsätzlich als erfolgreich, 36%

sogar als sehr erfolgreich. Allerdings

sind deutliche Unterschiede zwischen

den Geschlechtern festzustellen. So

gaben die männlichen Absolventen an,

öft er ein Übernahmeangebot erhalten

zu haben, häufi ger in einer leitenden

Position zu arbeiten, und sowohl das

Einstiegsgehalt als auch der spätere

Verdienst rangierte deutlich über dem

der Frauen.

Grundsätzlich können über 90% der

Befragten die im Studium erworbenen

Kenntnisse im Beruf auch anwenden

– fachspezifi sches Grundlagenwissen

gleichermaßen wie spezialisiertes Fachwissen.

Potential läge jedoch noch im

Trainieren von Schlüsselqualifi kationen

wie Verhandlungstechniken.

Die Arbeitslosenquote unter den

Befragten lag bei 7%. Davon befi nden

sich über 40% in einer Ausbildung

oder einem weiteren Studium, weitere

20% sind in der Familienphase (hauptsächlich

Frauen) oder widmen sich

außerberufl ichen Aktivitäten. Für die

Zukunft wünschen sich die meisten an

erster Stelle, nach ihrer Qualifi kation

arbeiten zu können oder unternehmensintern

aufzusteigen. Über die

Hälft e (59%) bekunden Interesse an

einem dualen Masterstudiengang am

Der Fachbreich Berufsakademie

der FHW Berlin besteht aus den

Studienbereichen Technik mit

drei Fachrichtungen (Bauwesen,

Maschinenbau, Informatik) und

Wirtschaft mit elf Fachrichtungen.

Die großen Fachrichtungen Bank,

Industrie und Handel zählen z. T.

über 90 Graduierenden pro Jahrgang,

die anderen Fachrichtungen

20–30 Absolvent/innen. Die Studiengänge

mit den meisten Graduierenden

und die jüngeren Jahrgänge

dominieren die Ergebnisse.

Fachbreich Berufsakademie der FHW

Berlin, im Fernstudium oder berufsbegleitenden

Teilzeitstudium.

Die Erkenntnisse des Forschungsprojektes

und der Studie fl ossen in eine

Machbarkeitsstudie zu dualen Masterstudiengängen

und in das ständige

Qualitätsmanagement der neuen Studiengänge

ein und können zur Profi lstärkung

des Fachbereiches herangezogen

werden. Aktualisierte Adressdaten

dienten zudem zum Aufb au eines

Alumni-Netzwerkes am Fachbereich II.

Prof. Dr. Peter-Ollrogge ist Leiterin der

Fachrichtung Handel am Fachbereich

II Berufsakademie der FHW Berlin.

Reingard Hopf ist Absolventin des Studiengangs

Handel und war eingebunden in

dieses Projekt zur Ehemaligenbefragung.

Zur Zeit ist sie als Lehrbeauft ragte am

Fachbereich II tätig.


24 Alumni

SemesterJournal 1/08 SemesterJournal 1/08 Alumni

25

Spannend, prägend und einfach

unheimlich wertvoll …

Yasmin Sohab zog aus, um ein Traineeprogramm zu absolvieren, und führt inzwischen die Filiale eines Consulting

Unternehmens auf Madagaskar.

Text: Yasmin Sohaib

Beißende Sonne, peitschender Regen,

einsame Palmenstrände, Zebukarren,

die genügsam den Reis über die

grünen Hügel schaukeln ... Ich arbeite

in einer Stadt, deren Namen niemand

aussprechen kann, in einem Land, dass

größer ist als Frankreich und doch über

keinen Kilometer Autobahn verfügt:

Antananarivo in Madagaskar.

Obwohl die Lemuren bestimmt auch

einen guten Grund liefern, um hierher

zu ziehen, gibt es noch eine andere

Attraktion, für die es sich lohnt, die

Koff er zu packen: Accès Banque

Madagascar. Seit Oktober 2007 bin

ich einem Traineeprogramm bei LFS,

einem Consulting Unternehmen, das

sich auf Microfi nance spezialisiert

hat. Microfi nance, das sind Finanzdienstleistungen

für all diejenigen, die

herkömmliche Banken bisher nicht als

Kunden haben wollten. Die Kunden,

die zu uns kommen, sind zum Beispiel

Gemüsehändler auf einem der chaotischen

Märkte oder verdienen als

Schuhnäher oder Korbfl echter ihren

Lebensunterhalt. Die Bank in Madagaskar

ist noch jung – gerade wurde

der erste Geburtstag gefeiert. Bisher

bieten wir unseren Kunden kostenlose

Giro- und Sparkonten oder eben den

berühmten Kleinstkredit zur Erweiterung

ihrer wirtschaft lichen Aktivitäten.

In Zukunft werden weitere Services wie

internationaler Geldtransfer dazukommen.

Wie man eine Bilanz und einen Cash

Flow aufstellt, das hatte ich ja während

meines Studiums an der FHW Berlin

gelernt. Zu einem richtigen Abenteuer

kann diese Aufgabe allerdings werden,

wenn man mit einem Stall voller

Hühner konfrontiert wird, die alle

gezählt werden müssen, um sie dann

als Umlaufvermögen anzusetzen. So

werden Kartoff eln gewogen, Stoffb ahnen

gemessen und der Wert von wackligen

Holzständen geschätzt, um am

Ende der Analyse einen neuen Kunden

gewonnen zu haben. Zu meinem

Traineeprogramm gehört aber auch die

Förderung der Managament Skills. So

wurde mir nach ein paar Monaten die

Verantwortung für eine Filiale übertragen.

Meine Aufgaben reichen vom

Öff nen der Kasse am Morgen über Kreditentscheidungen

und Team-Meetings

bis hin zum Anwerfen des Generators,

wenn der Strom mal wieder ausgefallen

ist.

Und es muss ja auch nicht immer

gleich Afrika sein: Die FHW Berlin hat

ein fantastisches Angebot an Partnerhochschulen

in Europa und weltweit,

die es zu entdecken gilt ...

LFS Financial Systems sucht immer

wieder Hochschulabgänger/innen mit

wirtschaft lichem Hintergrund, guten

Sprachkenntnissen, internationaler

Erfahrung und ausgeprägtem Interesse

für Entwicklungsthemen. Mehr Infos

unter www.lfs-consulting.de

Die Autorin hat 2007 den Masterstudiengang

International Economics an

der FHW Berlin abgeschlossen.

Yasmin Sohaib sammelte in Madagaskar

zahlreiche Eindrücke

Ich spreche wahrscheinlich fast

jedem, der eine Zeit im Ausland

gelebt hat, aus dem Herzen, wenn

ich sage, dass die Zeit in einer fremden

Kultur und mit einer fremden

Sprache spannend, prägend und

einfach unheimlich wertvoll ist.

Bücher für die „Generation Internet“

Nach dem Studienabschluss stehen den Absolvent/innen viele Wege ins Berufsleben offen. Wie die beiden BWLer Felix

Hofmann und Martin Fröhlich entwickeln einige FHWler schon während des Studiums Gründungsideen. PaperC – der erste

virtuelle Copyshop.

Text: Felix Hofmann, Martin Fröhlich

FHW-Student Felix Hofmann machte

sich im Sommer 2007 während

seiner Diplomarbeitsphase auf in die

Schweiz. Vier Wochen vor Abgabe

seiner Abschlussarbeit packte er all die

Bücher, die er noch lesen wollte, ins

Gepäck und merkte, wie schwer und

unhandlich die Bände waren. Weshalb

muss man eigentlich im virtuellen

Zeitalter überhaupt noch Bücher mit

sich herumtragen? So entstand die Idee,

eine Internet-Plattform zu entwickeln,

auf der digitalisierte Fachbücher seitenweise

betrachtet werden können.

Und der Firmenname PaperC steht in

einem Wort für die Geschäft sidee: payper-see.

Die Gründer wandten sich also

an Lehr- und Fachbuchverlage, die als

Content-Partner fungieren, die Inhalte

bereit stellen. Über die Internet-Plattform

von PaperC kann die digitalisierte

Fachliteratur nicht nur online betrachtet,

sondern auch Volltext durchsucht

werden. Die Exemplare sind vollständig

abrufb ar. Finanziell trägt sich das

Ganze über den zum Teil kostenpfl ichtig

angebotenen Service. Die Gebühr

pro abgerufener Seite orientiert sich an

den derzeitigen Kopierkosten von ca.

fünf Cent pro Seite. Manche Bücher

sind jedoch auch frei einsehbar. So

bietet das junge Unternehmen der

Zielgruppe, zu der die Macher in erster

Linie Studierende, aber auch Praktiker

und Lehrende zählen, einen im

doppelten Sinne schnellen und leichten

Zugriff auf vertrauenswürdige und

zitierbare Quellen zum Lernen und

Arbeiten.

Generation Internet

So wird PaperC ab Juni 2008 auf der

E-Learning Plattform der FHW Berlin

und der Universität St. Gallen mit der

Testphase (Betaphase) beginnen. Ziel

ist es, erste Rückmeldungen von Nutzern

zu bekommen, um diese bei der

Weiterentwicklung und Ausformulierung

des Geschäft smodells zu berücksichtigen

und umzusetzen.

Auch hier zahlt sich der Kontakt

zur ehemaligen Hochschule für

Alumni also aus – und die Studierenden

profi tieren schon jetzt von

diesem Netzwerk.

Felix Hofmann und Martin Fröhlich,

die Gründer von PaperC, schlossen ihr

BWL-Studium an der FHW Berlin mit

Auszeichnung ab. Unterstützt werden

sie von Programmierer Lukas Rieder.

Martin Fröhlich studierte mit Schwerpunkt

Marketing. Er profi tiert zudem

von seinen zahlreichen Auslandsaufenthalten

und konnte sich so gut

vorbereiten auf seine Rolle als Öff entlichkeitsarbeiter.

Felix Hofmann ist

aus der FHW Berlin als Finanzexperte

und Stratege hervorgegangen. Sein

Schwerpunkt liegt im Rechnungswesen

und Controlling. Er absolviert derzeit

ein Masterstudium in Informations-,

Medien- und Technologiemanagement

an der Universität St. Gallen. Und mit

Lukas Rieder als Web-Entwickler von

PaperC ist das Team komplett. Auch er

arbeitet weiter an seinem Managementwissen

und studiert in einem MBA-

Programm Betriebsorganisation und

Management.


26 Alumni

SemesterJournal 1/08 SemesterJournal 1/08 In, An , Aus der FHW Berlin

27

Ein Internet-Portal für FHW-Alumni

Die FHW Berlin ist in der Spitzengruppe der Ausbildungsstätten für den Managementnachwuchs in Deutschland.

Text: Michael Tolksdorf

Über 1 000 Absolventinnen und Absolventen

aus den mehr als 30 Studiengängen

in Schöneberg, Ostkreuz und

Lichtenberg gehen jedes Jahr zu ihren

unterschiedlichen Arbeitsplätzen –

buchstäblich weltweit. Das allein kann

es aber nicht gewesen sein – sich nach

Jahren der Arbeit und gemeinsamen

Erlebens einfach aus den Augen zu verlieren.

Daher hat sich eine Vereinigung

von Ehemaligen, der „Kontakte e. V.“,

zum Ziel gesetzt, Anlauf- und Verbindungsstelle

zwischen der Hochschule

und ihren Alumni und Förderern zu

sein. Und dieser „eingetragene Verein“

als Rechtsperson will jetzt auf vielfache

Anregung seine Arbeit – und Reichweite

– verbessern.

Dazu dient das neue „Alumni-Portal“.

Über das Internet sollen die Beziehungen

zwischen den Menschen mit

vielfältigem FHW-Bezug interaktiv

ermöglicht und intensiviert werden.

Wir antworten damit auf die Herausforderung,

dass sich unsere Hochschule

in den letzten Jahren dramatisch

verändert, und ich meine verbessert,

hat. Mehr als 5 000 Studierende und

Hunderte von Beschäft igten zählt die

FHW Berlin inzwischen – und entsprechend

unübersichtlich ist sie daher für

viele geworden. Das wird noch ärger

werden, wenn – wie der Senat von

Berlin Ende April beschlossen hat – die

FHVR in den nächsten Monaten in die

FHW Berlin integriert wird. Dann hat

die neu entstandene „Fachhochschule

für Wirtschaft und Recht“ (FHWR)

knapp 7 000 Studierende, über 200

Professorinnen und Professoren und

drei weitere Fachbereiche.

Wir werden unseren Ehemaligen den

Kontakt zu ihren jeweiligen Studienbereichen

ermöglichen, Studierende

einbeziehen. Unter der Trägerschaft

des Kontakte e. V. bildet das Alumni-

Portal die verschiedenen „Netzwerke“

ab, innerhalb derer sich die Bindungen

zur FHW Berlin gebildet haben. Das

betrifft den Fachbereich Berufsakademie,

die Alumni des Career Service,

MBA- und Masterstudierende des IMB,

internationale Studierende mit Bindungen

zum Netzwerk INA und selbstverständlich

die größte Teilmenge, die

Ehemaligen des Fachbereiches Wirtschaft

swissenschaft en, der „alten“ FHW

Berlin sozusagen.

Für manche sind das noch zu große

Einheiten. Daher werden die „Netzwerke“

in „Communities“ unterteilt.

Nur ein Beispiel: Der „Siemens-

Bachelor-Studiengang“ am Fachbereich

Wirtschaft swissenschaft en hat Alumni,

die sich gern in ihre eigene Community

innerhalb des gemeinsamen Portals

einrichten können. Und die Health

Care Management MBA’ler bilden

schon jetzt ihre spezifi sche Gemeinschaft

, die gleichfalls ihren Platz im

Portal fi nden kann.

Welche Dienste soll das Portal leisten?

Es soll für alle Mitglieder die verbindende

Alumni-Plattform darstellen, wo

man sich (wieder)fi nden, miteinander

beraten, sich informieren kann. Dort

sind auch die Termine für die verschiedenen

Angebote der Hochschule zu fi nden.

Dann bilden wir die „Netzwerke

im Netzwerk“ ab, also die zahlreichen

„Communities“ innerhalb unserer

Gemeinschaft . Hier werden sehr spezifi

sche, fast individuelle Dinge behandelt,

die für Außenstehende belanglos

sein dürft en. Nur ein Beispiel: Wenn

die rührige Fachrichtung Handel des

Fachbereich Berufsakademie Lehrkräft

e, Studierende und Ehemalige zu

einer Party einladen möchte, dann sind

gerade diese Gäste besonders anzusprechen.

Eine weitere wichtige Schnittstelle soll

bedient werden – die zum Beschäft igungssystem.

Daher hat das Portal eine

Funktion „Career Service“, die es endlich

ermöglichen soll, Stellenangebote

und -nachfragen schnell zu kommunizieren.

Im Wettbewerb der Hochschulen

wird die Kompetenz des Karriere-

Dienstes immer wichtiger werden.

Bei allem soll ein bewährter Grundsatz

gewahrt bleiben – die Ehemaligenarbeit

wird von der Hochschule gefördert,

bleibt aber in den Händen der Absolventinnen

und Absolventen, die durch

den gewählten Vorstand des Trägervereins

Kontakte e. V. handeln. Der

geringe Mitgliedsbeitrag gewährleistet

in der Summe fi nanzielle Unabhängigkeit

und macht die Mitglieder zu

Mit-Förderern.

Bleiben Sie in Kontakt!

Der Autor ist Erster Prorektor der Fachhochschule

für Wirtschaft Berlin und

Vorsitzender des FHW Kontakte e. V.

FHW-Alumni-Portal:

Netzwerke knüpfen,

Freunde treff en, Neues erfahren

http://portal.implements.com/fh wb

Promotionsabkommen besiegelt

MBA-Partnerhochschulen bieten gemeinsam Promotionsstudium an.

Text: Michael Tolksdorf

Promotionsabkommen besiegelt

Master-Absolvent/innen der FHW

Berlin sind künft ig unmittelbar zum

Promotionsstudium an der London

South Bank University (LSBU) zugelassen.

Mit der Vertragsunterzeichnung

zwischen FHW Berlin und LSBU

wurde die Kooperation zur Durchführung

von Doktoratsstudien besiegelt.

Professor/innen der FHW Berlin gelten

danach als gleichberechtigte Betreuer/

innen. Die promovierende Hochschule

ist die LSBU, die den angelsächsischen

Grad eines „PhD“ („Philosophiae

Doctor“) gewährt, der nach geltendem

Recht in Deutschland als „Dr.“ geführt

werden kann. Beide Hochschulen

bieten bereits seit 1992 gemeinsam

MBA-Studienprogramme an. Die jetzt

vereinbarte Promotionskooperation

Neues aus der Bibliothek

Die Bibliothek des Fachbereiches I und des IMB bald am neuen Standort.

Text: Cornelia Rupp

Umzug der Bibliothek

Um bessere Arbeitsbedingungen für

die Nutzer/innen der Bibliothek von

Fachbereich I und IMB zu schaff en, soll

diese in das Gebäude gleich neben dem

bisherigen Standort, in die Badenschen

Straße 52 umziehen. Die Planungen

dazu laufen auf Hochtouren und

Anregungen und Ideen werden gern

entgegengenommen unter crupp@fh wberlin.de

Online-Verlängerung

Seit Dezember 2007 steht allen Nutzer/

innen die Online-Verlängerung für

entliehene Medien zur Verfügung. Auf

MBA-Absolventinnen Ladan Dabir, Wei Wei und Raquel Feliu Ruano (v. l. n. r.).

soll forschungsstarken Masterabsolvent/innen

ermöglichen, sich wissenschaft

lich weiter zu entwickeln. Die

FHW Berlin erhofft sich die Ausweitung

ihrer Forschungsaktivitäten, wenn

den Seiten des OPAC (elektronischer

Bibliothekskatalog) können zudem

durch Anklicken des Buttons „Konto-

Einsicht“ persönliche Kontodaten der

Bibliotheksnutzung abgerufen und die

Option zur Verlängerung der Medien

genutzt werden.

Kostenloser Zugang

Dank der Finanzierung durch die

Deutsche Forschungsgemeinschaft

haben Studierende und Wissenschaft -

ler/innen der FHW Berlin kostenlosen

Zugang zu Datenbanken, digitalen

Textsammlungen und elektronischen

Zeitschrift en. Die digitalen Medien

künft ig betreute Dissertationen an der

Hochschule verfasst werden.

Der Autor ist Erster Prorektor der

Fachhochschule für Wirtschaft Berlin.

der angeschlossenen Datenbanken,

die laufend erweitert werden, können

überall auf dem Campus der FHW

Berlin direkt abgerufen werden.

Zugriff erhalten die Nutzer/innen über

die Website der Bibliothek unter der

Rubrik „Datenbankübersicht“. Für die

Nutzung außerhalb des Campus-Netzes

ist eine vorherige Anmeldung in der

Bibliothek nötig.

Die Autorin ist Koordinatorin der

Bibliothek des Fachbereichs Wirtschaft swissenschaft

en und des IMB..


28 In, An , Aus der FHW Berlin

SemesterJournal 1/08 SemesterJournal 1/08 In, An , Aus der FHW Berlin

29

Internet Relaunch der FHW Berlin

Marktplatz der Informationen mit neuer Struktur und Gestaltung.

Text: Sylvia Katenkamp

So ähnlich wie ein überfüllter und

unaufgeräumter Kleiderschrank, so

stellte sich der Internetauft ritt der

FHW Berlin bis vor kurzem dar. „Vieles

war drin, aber nur weniges zu fi nden“,

das ergab eine Analyse der Marketing-

Abteilung im vergangenen Jahr. Mittlerweile

ist viel passiert: Das Internet

wurde einem Relaunch unterzogen,

und heute fi ndet man relevante und

aktuelle Informationen über die FHW

Berlin im Netz.

Quantitative und qualitative

Untersuchung

Eine Analyse des kompletten bisherigen

Auft rittes bestätigte diese Einschätzung:

Der deutsche Auft ritt umfasste

mehr als 1 000 Seiten, der englische

Auft ritt immerhin mehr als 300 Seiten.

Was einerseits positiv im Hinblick auf

die Akzeptanz gewertet werden kann,

erwies sich beim näheren Hinsehen

jedoch als schwierig: Viele der Seiten

waren leider veraltet und schlummerten

vor sich hin. Die Fülle der Informationen

war zu groß: Die wichtigen

und relevanten Inhalte waren teilweise

überlagert und nur begrenzt aktuell.

Ziele und Konzeption des

Relaunches

Im Juni 2007 stellte das Marketing-

Team seine Analyse einem Projekt-

Lenkungsausschuss vor, der aus

Mitgliedern der Hochschulleitung

bestand und mit dem die wesentlichen

Entscheidungen getroff en wurden.

Unter der Projektleitung von Sylvia

Katenkamp, Hochschulmarketing,

wurde ein Kernteam gebildet, das aus

Mitarbeiter/innen der entsprechenden

Organisationseinheiten der Hochschule

bestand. Das Kernteam defi nierte die

Ziele des Internet Relaunches:

Nutzerfreundliche Navigation

Veröff entlichung der relevanten und

aktuellen Inhalte

Bereitstellung von Servicefunktionen

Ansprechende Gestaltung

Lebendige Redaktion

Der Auft ritt der FHW Berlin wurde

komplett neu konzipiert: Ausgehend

von den Zielgruppen wurden die

inhaltlichen Anforderungen an den

Internetauft ritt defi niert. Diese Inhalte

wurden strukturiert und daraus eine

nachvollziehbare und intuitive Navigation

erstellt. Damit der Content – das

Willkommen auf der neuen Homepage der FHW-Berlin

Wichtigste eines Auft rittes – mehr

Raum gewinnt, wurde der Auft ritt graphisch

überarbeitet und den Nutzergewohnheiten

angepasst. Darüber hinaus

wurde der Service erhöht: Durch neue

Elemente wie der Kontaktbox kommt

man den Nutzerwünschen nach einem

schnellen Finden der Ansprechpartner

entgegen. Besonders interessant ist das

„Best-Off “: Die wichtigsten Inhalte

wurden für eine Zielgruppe auf einer

Seite zusammengestellt. Damit hat

man mit einem Klick das Wichtigste

auf einen Blick. Die Werbebox auf der

Startseite weist die Nutzer auf aktuelle

Veranstaltungen hin oder Th emen an

und zeigt Ihnen, dass die Internetseite

lebt und sich weiterentwickelt.

Feste Ansprechpartner und

Prozesse

Um die umfassende und internetgerechte

Überarbeitung der Inhalte zu

gewährleisten, aber auch in Zukunft die

Seiten aktuell zu halten, hat das Team

ein neues Redaktionsmodell gewählt.

Aus jeder Abteilung der Hochschulverwaltung

wurden zuständige Redakteure

ausgewählt, deren Aufgabe es ist, die

Inhalte ihres Bereiches auf Richtigkeit

zu prüfen und Aktualisierungen an die

Redaktionsleitung zu übermitteln. Es

wurden mehr als 1 300 Seiten geprüft ,

aktualisiert und überarbeitet und

schließlich ins neue System eingestellt.

Der letzte Check und die technische

Einstellung übernimmt die Redaktionsleitung,

der Marketing- und IT-Mitarbeiter

angehören.

Weiterentwicklung des

FHW-Auftrittes

Der alte Auft ritt verschwand am

20. Februar, und der neue Auft ritt

erstrahlte: Mit dem neuen Internetauftritt

wurde eine moderne und nutzerorientierte

Kommunikations- und

Informationsplattform geschaff en, auf

der sich die relevanten Informationen

befi nden, angereichert um eine ganze

Reihe von Servicefunktionen.

Der Internetauft ritt der FHW Berlin

wird sich auch in Zukunft weiterentwickeln.

Täglich gehen bei der

Redaktion aktuelle Meldungen,

Veranstaltungstermine und ähnliche

Änderungswünsche ein. So kann sie

den Internetauft ritt auch weiterhin

aktuell und relevant halten. Wenn Sie

als Studierender, Mitarbeiter/innen,

Professor/innen oder Lehrbeauft ragte

Informationen haben, die wir einer

breiten Öff entlichkeit zukommen

lassen sollten, dann schicken Sie den

Redakteuren oder der Internetredaktion

eine Mail. Dann füllt sich der

Marktplatz der Informationen schnell

weiter mit Leben!

Die Autorin ist Koordinatorin des Hochschulmarketing

und der Presse- und

Öff entlichkeitsarbeit der FHW Berlin.

Kontakt: internetredaktion@fh w-berlin.de

Übersichtlich und informativ – die Neugestaltung der FHW Homepage

Das Redaktionsmodell im Überblick


30 In, An , Aus der FHW Berlin

SemesterJournal 1/08 SemesterJournal 1/08 Rund um’s Studium

31

Begleitete Startbahnphase für

künftige Gründer und Nachfolger

Vorstandsmitglieder, Geschäftsführer und Berater renommierter Unternehmen und Institute sind im Rat des

Bachelorstudiengangs „Unternehmensgründung und Unternehmensnachfolge“ vertreten

Text: Birgit Felden

Vor allem um eine enge Verknüpfung

zwischen Wissenschaft und Praxis geht

es den Mitgliedern des hochkarätig

besetzten neuen Studiengangsrates

im Bachelorstudiengang „Unternehmensgründung

und Unternehmensnachfolge“.

Vertreter aus Unternehmen

und Hochschulen sowie andere

Multiplikatoren wollen ihren Teil dazu

beitragen, dass dieser besondere Anspruch,

wonach die wissenschaft liche

Ausbildung der Studierenden mit deren

konkreten Gründungs- bzw. Nachfolgevorhaben

verbunden werden soll,

umgesetzt wird.

Bundesweit konnten zahlreiche

Vorstandsmitglieder, Geschäft sführer

und Berater renommierter Unternehmen

und Institute als Ratsmitglieder

gewonnen werden, so z. B. Hans-Jürgen

Kulartz, Vorstand der Landesbank Berlin,

Hans Wall, Aufsichtsratsvorsitzender

der Wall AG, Dr. Mercedes Hillen,

Geschäft sführerin des Behandlungszentrums

für Folteropfer Berlin, Dr. Jens

Junge, Vorstand der TIC-CON AG und

Prof. Dr. Klaus Nathusius, Geschäft sführer

der GENES Venture Services

GmbH. Der Studiengangsrat hat das

Ziel, den innovativen Studiengang

sowie die Lehr- und Forschungsaktivitäten

fördernd zu begleiten und an der

Weiterentwicklung mitzuarbeiten.

Auf der ersten Sitzung des neu einberufenen

Studiengangsrates wurde

besonders intensiv die Frage nach den

Zielgruppen des Studiengangs dis-

kutiert und darüber, wie diese besser

erreicht werden können. Einer engen

Verzahnung mit regionalen Wirtschaft

sstrukturen etwa in Form eines

Unternehmensnetzwerks kommt in

vielerlei Hinsicht eine Schlüsselfunktion

zu. Die Mitglieder des Studiengangsrates

selbst fungieren dabei als

Brücke zur Praxis und tragen Sorge für

eine bessere Zielausrichtung.

Im von der FIBAA akkreditierten

Studiengang „Unternehmensgründung

und Unternehmensnachfolge“

arbeiten Studierende gezielt auf

eine Gründung oder Unternehmensnachfolge

hin.

Denn wer eine zukunft strächtige

Geschäft sidee umsetzen oder eines der

rund 70 000 Unternehmen, die jedes

Jahr in Deutschland einen qualifi -

zierten Nachfolger suchen (allein in

Berlin rund 2 500 Unternehmen und

im Land Brandenburg weitere rund

1 500), übernehmen möchte, wird in

diesem Bachelorstudiengang durch

einen praxisnahen Mix gezielt auf eine

selbstständige Tätigkeit und die Umsetzung

zukunft strächtiger Geschäft sideen

professionell und systematisch vorbereitet.

Das Studium ist deshalb als

Abendstudium (Teilzeit) konzipiert,

wodurch den Teilnehmerinnen und

Teilnehmern die zeitliche Flexibilität

gegeben wird, das Lernen in der Praxis

mit der wissenschaft lichen Ausbildung

an der Hochschule zu verbinden.

Neben einer generalistischen wissenschaft

lichen Grundlagenausbildung in

allgemeiner Betriebs- und Volkswirtschaft

, den Sozialwissenschaft en und

Wirtschaft srecht sowie Mathematik,

Statistik und betrieblichem Rechnungswesen

werden die Studierenden an die

konkreten Herausforderungen einer

(Eigentümer-) Unternehmerposition

herangeführt. Die Praxisorientierung

fi ndet sowohl in den Lehrformen, in

denen Situationen des Geschäft salltags

simuliert werden, als auch in der

Geschäft splanung für reale Unternehmen

ihren Ausdruck. Das Studium

endet mit einem durch die verschiedenen

Kursangebote unterstützten konkreten

Business Plan, einem konkreten

Geschäft smodell für das persönliche

Gründungs- oder Übernahmeprojekt.

Diese „begleitete Startbahnphase“ dient

der Vorbereitung und einem fl ießenden

Übergang von der Hochschule in die

berufl iche Selbstständigkeit.

Die Autorin hat eine Professur für

Mittelstand und Unternehmensnachfolge

an der FHW Berlin inne und ist

Studiengangsleiterin des Bachelorstudiengangs

„Unternehmensgründung und

Unternehmensnachfolge“.

Individuelles Coaching und

Bewerbungstraining

Der Career Service der FHW Berlin bietet Studierenden und Absolvent/innen als weiterführende Bewerbungsberatung ein

individuelles Coaching an

Text: Anne Quilisch

Beim Career Service der FHW Berlin

können Studierende in der Vorbereitung

auf das Praxissemester und

Absolvent/innen ihre individuellen

Bewerbungsunterlagen prüfen und

sich hinsichtlich ihrer persönlichen

Situation und der dazu passenden

Bewerbungsstrategie beraten lassen.

Daneben bietet der Career Service

Bewerbungsseminare wie Bewerbungstraining,

Vorbereitung auf Assessment

Center und Vorstellungsgespräche

sowie andere Veranstaltungen rund um

den Bewerbungsprozess.

Ein zusätzliches individuelles

Coaching kann bei der Integration

in den Arbeitsmarkt sehr hilfreich

sein. Die Absolvent/innen erhalten

Unterstützung beim Erkennen eigener

Stärken und Schwächen, Anregungen

für die Planung ihres weiteren Lebens-

und Berufsweges und professionelle

Begleitung bei der Realisierung vieler

kleiner Schritte auf dem Weg zu ihrem

persönlichen Ziel.

Die Bewerbungsphase ist ein arbeitsintensiver

und spannender Prozess, der

den Absolvent/innen noch einmal die

Chance bietet, sich über ihre eigenen

Fähigkeiten und Wünsche klar zu

werden. Allerdings wird der Arbeitsaufwand

für die Suche nach dem

passenden Job von vielen Bewerber/

innen stark unterschätzt. Daher können

sich Bewerber/innen in besonderen

Lebenssituationen in diesem Fall

zusätzlich von externen Trainer/innen

begleiten und intensiv beraten lassen.

Die Hochschule übernimmt die Kosten

für die ersten fünf Beratungsstunden,

weitere Stunden werden bei Bedarf zu

fest vereinbarten Honorarsätzen von

den Studierenden selber getragen.

Das Angebot kann während des Bewerbungsprozesses

oder berufsbegleitend

wahrgenommen werden und wird

individuell mit der/dem jeweiligen

Trainer/in vereinbart. Es steht grundsätzlich

allen Studierenden und Absol-

vent/innen off en. Insgesamt können

20 Personen pro Jahr diese Zusatzleistung

in Anspruch nehmen.

Vielfach positive Rückmeldungen

zeigen, dass mit individueller Beratung

und Begleitung auch schwierige Situationen

und manche Unsicherheiten nach

dem Studienabschluss gut zu bewältigen

sind.

Die Autorin ist Mitarbeiterin im Career

Service der FHW Berlin.


32 Rund um’s Studium

SemesterJournal 1/08 SemesterJournal 1/08 Rund um’s Studium

33

Mentoring-Programm als

Instrument der Chancengleichheit

Seit Beginn dieses Jahres bietet die FHW Berlin ein Mentoring-Programm für Studierende mit Migrationshintergrund

Text: Isolde Drosch

Studierende mit Migrationshintergrund

sind für die Wirtschaft von besonderem

Interesse. An Hochschulen erworbene

Qualifi kationen in Kombination mit

kulturellen Kompetenzen und Erfahrungen

sind für international agierende

Unternehmen unentbehrlich. Diversity

Management gewinnt zunehmend an

Bedeutung.

Das interkulturelle Mentoring-Programm

der FHW Berlin hat zum Ziel,

Studierende mit Migrationshintergrund

(auch mit deutscher Staatsangehörigkeit)

bei ihrer berufl ichen und

persönlichen Entwicklung zu fördern

und ihnen einen praxisnahen Einblick

in die Strukturen der Berufswelt zu

ermöglichen. Das Programm wird

unterstützt von erfahrenen Mentoren/innen

aus Wirtschaft , Wissenschaft

und Gesellschaft . Im Unterschied zum

Coaching nimmt die Mentor/in keine

neutrale Position gegenüber der zu

beratenden Person ein, sondern zeichnet

sich durch besonderes Engagement

aus.

Ein „Mentor“ übernimmt die

Rolle eines Ratgebers oder eines

erfahrenen Beraters, der mit seiner

Erfahrung die Entwicklung der

„Mentee“ fördert.

Das Programm bietet Studierenden

mit Migrationshintergrund ab dem

1.Semester:

Unterstützung bei fachlichen und

persönlichen Fragestellungen

Hilfe beim Ausloten der eigenen

Fähigkeiten und bei der Selbsteinschätzung

Begleitung bei der Entfaltung vorhandener

(interkultureller) Kompetenzen

sowie bei der Aneignung von Schlüsselkompetenzen

Entwicklung von Ideen für die Berufsfi

ndung

Einblicke in die Strukturen der

Berufswelt und Vermittlung von Kontakten

Mut zur eigenen Karriere zu entwickeln

und diese zielstrebig anzugehen

Einbindung in ein Netzwerk, das neue

Impulse ebenso wie konkrete Hilfe

bieten kann

Abbau von Kommunikationsbarrieren

Seminare zu Schlüsselqualifi kationen

und „Vorbilder“-Tagungen

Erwartungen der Teilnehmer/-

innen an das Programm

Berna Ceylan, 30 Jahre alt

Studiengang Wirtschaft (Diplom),

6. Semester

Als ich von dem Mentoringprogramm

für Studierende mit Migrationshintergrund

erfuhr, habe ich mich sofort

beworben. Ich glaube, dass dies eine

einmalige Chance ist, von sehr berufserfahrenen

Personen aus der Wirtschaft

zu lernen, auf was es ankommt beim

berufl ichen Ein- und Aufstieg. Eine

Chance, von der man sein Leben lang

profi tieren kann. Denn Ausbildung und

Kompetenz reichen für das berufl iche

Vorankommen nicht aus. Mentoring

und die Einbindung in Netzwerke

verbessern ganz klar meine Karrierechancen.

Aufgrund meiner nichtdeutschen Herkunft

gab es einfach zu viele Situationen,

in denen ich ganz auf mich allein

gestellt war. Ich musste Entscheidungen

treff en, ohne auf Unterstützung oder

gar Förderung durch meine Eltern,

Verwandte oder Bekannte zählen zu

können. Niemand zeigte mir die Möglichkeiten,

meinen späteren berufl ichen

Werdegang bereits im Schulalter vorzubereiten.

Oft fehlte es meinen Eltern

schlichtweg an ausreichenden Sprachkenntnissen

und damit am Wissen, wie

„das System“ funktioniert. Kontakte,

positive Leitbilder und die direkte

Förderung durch Mentor/innen sind

für mich deshalb Gold wert. Ich freue

mich auf dieses spannende Programm

und bin sehr froh, daran teilnehmen

zu können. Ich bin überzeugt, dass es

mich persönlich und berufl ich voranbringen

wird.

Wei Pan, 25 Jahre

Studiengang Wirtschaft (Diplom),

8. Semester

Da ich genau der Zielgruppendefi nition

entsprach, war ich natürlich neugierig

und wollte mehr über dieses Programm

für Studierende mit Migrationshinter-

grund erfahren. Frau Drosch erklärte

mir im ersten Gespräch, dass man

als Mentee einen Mentor oder eine

Mentorin vermittelt bekommt. Man

entscheidet selbst, in welche Richtung

dieser beidseitige Austauschprozess

gehen soll, was man verbessern bzw.

fördern will.

Für mich ist das Mentoring-Programm

in erster Linie eine gute Gelegenheit,

meine praktischen und kommunikativen

Fähigkeiten weiter zu entwickeln.

Ansprechpartner/innen direkt aus der

Wirtschaft , Wissenschaft oder Politik

unterstützen mich dabei und geben

mir hilfreiche Anregungen und Tipps.

Außerdem will ich als Wirtschaft sstudentin

mit Migrationshintergrund auch

genauer erfahren, wo meine Schwächen

und Stärken liegen und wie ich am

besten mit ihnen umgehen kann. Ein

weiterer interessanter Aspekt ist die

interkulturelle Kommunikation. Durch

intensive Gespräche lassen sich vielleicht

manche Missverständnisse und

Unsicherheiten zwischen den verschiedenen

Kulturen aus dem Weg räumen.

Ich bin überzeugt, dass es für die persönliche

und berufl iche Weiterentwicklung

grundlegend ist, seine Grenzen

und Potentiale zu erkennen. Denn nur

so lässt sich eine realistische Einschätzung

von sich selbst und seinen

Fähigkeiten bilden. Ich bin schon sehr

gespannt, welche neuen Erfahrungen

auf mich zukommen werden.

Phuong Nguyen Th i Hong, 24 Jahre

Studiengang Business Administration

(Bachelor), 5. Semester

„Was werde ich nach dem Studium

machen?“ Ich denke, diese Frage

beschäft igt wahrscheinlich nicht nur

mich, sondern auch andere Studierende,

die kurz vor dem Abschluss

stehen. Bereits in einem Jahr werde ich

mein BWL-Studium beendet haben

und muss mich dann neu orientieren.

Den Übergang vom Studium ins

Berufsleben stelle ich mir noch recht

unsicher und unklar vor. Ich habe noch

keine konkrete Karriereplanung, so

dass ich in diesem Punkt noch Beratung

benötige. Daher interessiert mich

Wei Pan und Berna Ceylan nutzten das neue Mentoring-Programm

das Mentoring-Programm des Career

Service.

Ursprünglich komme ich aus Vietnam,

lebe seit 14 Jahren in Deutschland. In

zwei derart unterschiedlichen Kulturen

aufzuwachsen, fällt nicht immer leicht.

Positiv dabei ist, dass ich aufgrund dieser

Erfahrung lernte, mit Menschen aus

verschiedenen Kulturen angemessen

umzugehen. Dabei helfen mir meine

Sprachkenntnisse, das Wissen um die

anderen Normen und Werte. So wird

Individualität und Selbstständigkeit in

Deutschland eher gefördert und gefordert.

In Vietnam hingegen gilt es als

sehr wichtig, gemeinschaft lich zu denken

und die Familie gut zu repräsentieren.

Ich bin noch unschlüssig, inwieweit

meine bi-kulturellen Erfahrungen

ins Berufsleben einfl ießen können.

Mich interessieren die eigenen Erfahrungen

der Mentor/innen nach ihrem

Studium und auf welche Probleme

man als Berufsanfänger stößt, wie

man vielleicht vorbeugen kann. Das

Mentoring-Programm bietet vielfältige

Seminare bzw. Workshops an, in denen

ich lerne, meine sozialen und interkul-

turellen Kompetenzen auszubauen und

sie zielgerichtet einzusetzen. Besonders

gefällt mir, dass auf meine individuellen

Bedürfnisse eingegangen wird und mir

Entwicklungsmöglichkeiten aufgezeigt

werden.

Insgesamt werde ich sowohl vom

Career Service als auch vom Mentor

oder von der Mentorin umfassend

betreut und praxisnah und bestmöglich

auf den Berufseinstieg vorbereitet.

Die am Anfang gestellte Frage kann

ich dann im Laufe bzw. am Ende des

Programms sicherlich schon konkreter

beantworten. Doch zunächst einmal

freue ich mich darauf, meine Mentorin

bald kennen zu lernen und an den

Workshops teilzunehmen.

Die Autorin ist Mitarbeiterin im Career

Service der FHW Berlin.

Ansprechpartnerin für das

Programm:

Isolde Drosch, Raum 51

+49 (0)30 85789-266

isolde.drosch@fh w-berlin.de


34 Rund um’s Studium

SemesterJournal 1/08 SemesterJournal 1/08 Rund um’s Studium

35

Wie Unternehmen von

Studierenden lernen können

Die OSCAR GmbH mit Sitz in Köln ist seit ihrer Gründung 1992 zu einer der erfolgreichsten studentischen

Unternehmensberatungen in Europa aufgestiegen und bietet gute Jobs mit Erfahrungs- und Netzwerkpotential.

Praktikum als Junior Consultant.

Text: René Baron

Die meisten Studierenden wissen, wie

wichtig Praktika schon während des

Studiums sind. Es geht darum, potentielle

Jobs auszutesten, Erfahrungen zu

sammeln, Kontakte zu knüpfen – und

nebenbei macht sich das Ganze auch

noch gut im Lebenslauf. Bei OSCAR

übernehmen Praktikant/innen wirklich

Verantwortung und können richtig

etwas bewegen. Die Abkürzung steht

übrigens für „OFW Student Consulting

and Research“. Hier werden

Studierende zu Junior Consultants und

arbeiten an Projekten mit den Großen

der deutschen Wirtschaft .

In internen Schulungen eignen sich die

studentischen Berater/innen das nötige

Basiswissen an. Direkter Ansprechpartner

sind oft die Firmenchefs selbst.

Konventionelle Methoden fi nden bei

der Lösung von Problemstellungen

genauso Anwendung wie völlig neuartige

Konzepte. Nach Auft ragserfüllung

und einer gelungenen Abschlusspräsentation

winken „Ruhm und Ehre“,

ein zufriedener Auft raggeber, der

jedem beteiligten OSCAR-Consultant

ein Zertifi kat ausstellt. Zusätzlich gibt

es ein Zeugnis von OSCAR, das jede

Leistung dokumentiert und bewertet.

Denn natürlich sind die studentischen

Berater/innen keine Branchenspezialisten,

aber dafür an der Wirtschaft

interessierte junge Leute mit frischen

und vielleicht etwas anderen Ideen. Für

die Junior-Consultants ist OSCAR oft

der Sprung ins kalte Wasser, ein Fakt

mit viel Potential.

In den letzten 16 Jahren haben

OSCARianer über 420 Beratungsprojekte

u. a. für Auft raggeber wie

die Allianz, Bayer, E.ON, Deutsche

Post und BMW erfolgreich abgeschlossen.

Das belegt, dass renommierte

Unternehmen eine ganze

Menge von Studierenden lernen

können und wollen – und ihnen

vor allem auch etwas zutrauen.

OSCAR bietet die gesamte Palette

einer kaufmännischen Unternehmensberatung,

von der Organisations- &

Prozessanalyse – beispielsweise zur

Optimierung von Geschäft sprozessen

oder Erstellung von Businessplänen –

über Marketing & Vertrieb bis hin zum

Controlling. Darüber hinaus wird Beratung

in Personalfragen angeboten und

die Durchführung von Marktanalysen.

Dafür bringen die Studierenden aktuelles

Wissen direkt aus dem Hörsaal

mit. Die Projektteams werden interdisziplinär

zusammengestellt. Neben

Betriebswirt/innen und Wirtschaft swissenschaft

ler/innen sitzen z. B. auch

Psycholog/innen und Geisteswissenschaft

ler/innen am Tisch. Im Gegensatz

zu den meisten anderen studentischen

Unternehmensberatungen ist diese eine

GmbH. Das Qualitätsmanagementsystem

ist TÜV-zertifi ziert.

Die Mitarbeit bei OSCAR ist de facto in

allen Unternehmensbereichen möglich.

Das Kerngeschäft ist die Projektarbeit,

die je nach Auft rag zwischen ein

bis sechs Monaten dauert. Die Beraterteams

bestehen aus zwei bis vier

Mitgliedern und einem betreuenden

Geschäft sführer. Jedes Team arbeitet

an einem bestimmten Projekt von

Anfang bis Ende. Das bedeutet für die

Berater/innen vier bis sechs Monate

Einsatz – in Vollzeit. Wer sich durch

überdurchschnittliches Engagement bei

OSCAR besonders profi liert hat, kann

zu einem der drei Geschäft sführer/innen

aufsteigen und für ein Jahr die

Geschicke der GmbH lenken.

Die Vergütung von 400 Euro pro Monat

ist keine Traumgage, aber OSCARianer

wissen, dass der Mehrwert ihres

Praktikums unbezahlbar ist. So viel

Möglichkeitsspielraum gibt es selten,

und schon oft hat sich die Mitarbeit

als Karrierebeschleuniger erwiesen.

Wer mindestens ein halbes Jahr bleibt,

bekommt zudem die Studiengebühren

erstattet; pro Semester werden dann bis

zu 600 Euro zusätzlich ausbezahlt. Weitere

Infos im Netz unter www.oscar.de.

Der Autor ist derzeit im Bereich Public

Relations für die OSCAR GmbH tätig.

Krise zwischen Hörsaal und Mensa

Lockeres Studentenleben? Von wegen! Wer einen guten Job will, muss heute schnell durchs Studium kommen, mindestens ein

Jahr ins Ausland, super Noten und mehrere Praktika vorweisen können. Folgen des Leistungsdrucks: Selbstzweifel, Stress und

Zukunftsängste. Depressi-onen sind mittlerweile genauso häufi g wie fades Mensaessen.

Text: Andrea Kossinna

Laut Sozialerhebung des Deutschen

Studentenwerks 1 hat nahezu jeder

sechste Studierende psychische Probleme.

Professionelle Hilfe holen sich

vor allem Frauen: Jede Fünft e nahm

laut Studie eine Beratung in Anspruch.

Auch eine Befragung der Westfälischen

Wilhelms-Universität Münster belegt

diese Tendenz. Von 3 800 befragten

Studierenden gaben 22 Prozent an,

dass psychische Probleme ihr Studium

beeinträchtigen.

Viel Stress für Geld und Kontakte

Durch die neuen Bachelor- und Masterstudiengänge

können Studierende

zwar schneller in den Beruf starten,

müssen aber mehr Prüfungen in

kürzerer Zeit bewältigen. In Kombination

mit einem Nebenjob ist der Stress

häufi g vorprogrammiert. „Studierende

verfügen im Gegensatz zu jungen

Berufstätigen in der Regel nicht über

ein geregeltes Einkommen“, erklärt

Diplom-Psychologe Frank Meiners von

der DAK. „Der zunehmende Druck

und die ungeklärte Situation erhöhen

die Gefahr psychischer Probleme.“

Tipps für ein

entspannteres Studium

Raus aus dem Hamsterrad! „Arbeiten

Sie nicht einfach immer weiter –

auch wenn das Pensum noch so groß

erscheint“, warnt Meiners. „Achten

Sie auf Signale Ihres Körpers. Nehmen

Sie sich regelmäßig eine Auszeit und

analysieren Sie Ihre Stressfallen. Habe

ich mich rechtzeitig auf die Prüfung

vorbereitet? Stimmt die Balance von

Anspannung und Entspannung? Ist

mein Zeitmanagement eff ektiv? Umso

weniger fühlen Sie sich den Umständen

hilfl os ausgeliefert.“ Wichtig sei

Abwechslung und eine positive Grundstimmung

beim Lernen. Hilfreicher,

als mit dem sprichwörtlichen „P“ in

den Augen an die nächste Prüfung

zu denken, gelte es, zwischendurch

bewusst zu entspannen und auf schöne

Erlebnisse zu konzentrieren. So werde

die Situation entschärft und der Stress

könne ausgeglichen werden .

Futter fürs Gehirn

Brainfood – der Begriff ist neuerdings

in aller Munde. Blaubeeren z. B. sollen

die Informationsübertragung zwischen

den Neuronen anregen und Fettsäuren

aus Hering, Lachs und Th unfi sch die

Bildung von wichtigen Botenstoff en im

Gehirn fördern. Tatsache ist: Obst und

frisches Gemüse sind in Stresssituationen

besser als fettreiche Mahlzeiten,

weil sie wichtige Vitamine und Mineralstoff

e enthalten. Ganz wichtig: Ausreichend

trinken – am besten Wasser,

Fruchtschorlen oder Kräutertee. Zwei

1 Quelle: Deutsches Studentenwerk: Die wirtschaft liche und soziale Lage der Studierenden in der Bundesrepublik Deutschland 2003.

Liter am Tag halten das Oberstübchen

im Fluss.

Wecke den Yogi-Meister in dir!

Wer unter Druck steht, hält oft unbewusst

den Atem an. Eine einfache

Yoga-Übung sorgt für innere Ruhe und

beruhigt den Atem: im Schneidersitz

auf den Boden setzen, Rücken gerade

aufrichten, das Kinn leicht zur Brust

und die Schultern auseinander ziehen.

Die Unterarme liegen locker auf den

Oberschenkeln, die Handfl ächen zeigen

nach oben. Atmen! Daumen-, Mittel-

und Ringfi ngerspitzen unter ganz leichtem

Druck zusammenlegen. Der kleine

und der Zeigefi nger bleiben gestreckt.

Goodbye Schweinehund!

– Tipps zur Motivation

Wer viel sitzt – an der Uni und vor dem

PC, braucht körperlichen Ausgleich.

Regelmäßiges Ausdauertraining hilft

beim Stressabbau. Was tun aber, wenn

die abendliche Joggingrunde trotz aller

guten Vorsätze immer wieder auf dem

Sofa endet? Keine Sorge, den inneren

Schweinehund kann jeder überwinden

– mit der geeigneten Motivationstechnik.

Dazu gibt es inzwischen überall

verschiedene Kursprogramme.

Die Autorin arbeitet für „Mann beißt

Hund – Agentur für Kommunikation“


36 Gleichstellung

SemesterJournal 1/08 SemesterJournal 1/08 Internationaler Austausch

37

Studieren mit Kind und

Gender-Aspekte

Die FHW Berlin wurde zum dritten Mal mit dem Total E-Quality-Prädikat ausgezeichnet. Seit Jahren wird eine an

Chancengleichheit orientierte allumfassende Hochschul- und Personalpolitik praktiziert.

Text: Viola Philipp

Erweiterung der Studien-

und Prüfungsordnungen für

Studierende mit Kind

Die Studien- und Prüfungsordnungen

sowie die entsprechenden Rahmenordnungen

der FHW Berlin enthalten

besondere Bestimmungen für Studierende

mit Kind. Diese sind auch in die

neu geschaff enen Rahmenprüfungsordnungen

für Bachelor- und Masterstudiengänge

aufgenommen worden.

Für einige (große) Studiengänge am

Fachbereich I ist in den Studienordnungen

geregelt, dass ...

für Studierende, denen die Personensorge

für Kinder bis 12 Jahren obliegt,

in jeder Lehrveranstaltung fünf Plätze

freigehalten werden. Werden mehr

Plätze für diese Personengruppe

benötigt, entscheidet das Los.

In den meisten Prüfungsordnungen der

FHW Berlin ist festgelegt, dass ...

Schwangere Prüfungen in anderer

Form und/oder zu einem anderen

Termin ablegen dürfen, wenn ihnen

die vorgeschriebene Form oder der

festgesetzte Termin unmöglich

geworden ist.

Geburt oder Krankheit eines Kindes

als trift ige Gründe für Versäumnis

oder Rücktritt anerkannt werden.

die Bearbeitungszeit der Abschlussarbeit

für Studierende mit Kind verlängert

werden kann.

Wegen der Abweichungen und genauen

Angaben in den einzelnen Studiengängen

wird empfohlen, die entsprechenden

Ordnungen der Hochschule

einzusehen oder sich an die Studienbüros

bzw. an das Frauenbüro zu wenden.

Beurlaubungsregelungen

Alle Studierenden können während

des Studiums zwei Urlaubssemester in

Anspruch nehmen. Darüber hinaus

können Schwangere oder Eltern

zusätzlich bis zu vier Semester als

Urlaubssemester beanspruchen. Die

Urlaubssemester müssen nicht zeitlich

aufeinander folgen.

Still- und Wickelraum/Kleiner

Familienraum

Außerdem steht für schwangere Studentinnen

und Studierende mit Kind

ein kleiner Familienraum mit Still- und

Wickelmöglichkeiten am Standort

Badensche Str. 50-51 (Raum 343) zur

Verfügung. Der Schlüssel für diesen

Raum ist in der Pförtnerei und im

Frauenbüro erhältlich.

Präsenzbibliothek von Abschlussarbeiten

mit Gender-Aspekt

Im FHW-Frauenbüro können inzwischen

über 50 Abschlussarbeiten

von FHW-Studierenden eingesehen

werden, die alle einen geschlechtsspezifi

schen Aspekt beleuchten oder, wie

es heute eher heißen würde, Gender-

Aspekte berücksichtigen. Sie sind übersichtlich

nach inhaltlichen Th emenstellungen

katalogisiert. Die Arbeiten

stammen aus den Jahren 1997 bis 2008

und dokumentieren damit das Interesse

der Studierenden an solche Fragestellungen

über einen langen Zeitraum.

Auch die Th emenvielfalt ist beeindruckend.

Stets wird die Rolle von Mann

und Frau im Rahmen wirtschaft licher

Fragen beleuchtet, ohne dabei die politischen

Zusammenhänge zu übersehen.

Im Jahr 2007 wurden dem Frauenbüro

acht Diplomarbeiten und eine Th emenfeldarbeit

übergeben. Pro Jahr werden

aber in der Regel noch mehr Arbeiten

mit einer Genderthematik geschrieben.

Auf der Internetseite der zentralen

Frauenbeauft ragten sind die Arbeiten

in der Rubrik „Präsenzbibliothek“ nach

Jahren gelistet angegeben, inklusive

Titel und Verfasser/in.

Die Autorin ist zentrale

Frauenbeauft ragte der FHW Berlin.

Russisch für Anfänger

Und wie aus einem Semester ein ganzes Hauptstudium werden kann

Text: Jeannette Bottlang

Da sich sicher vielen die Frage stellt,

wie man auf die Idee kommt, für so

eine lange Zeit ins frostige Russland

überzusiedeln, möchte ich meine

Geschichte ganz von vorn erzählen –

und vielleicht wird sich danach der/

die eine oder andere für den Gedanken

erwärmen können, zumindest für ein

Semester hierher zu kommen …

Ausgerechnet im Monat Februar sollte

das Abenteuer beginnen. Als ich in St.

Petersburg ankam, herrschten gerade

eisige -28 Grad und ich muss zugeben,

dass ich erst einmal kalte Füße bekam –

im doppelten Sinne. Zum Glück wurde

ich am Flughafen abgeholt. Die Partneruniversität

schickte einen „Buddy“,

der mir bei meinen ersten Schritten zur

Seite stand. Das war eine große Hilfe.

Ich wurde im Studentenwohnheim

untergebracht, das sich direkt auf dem

Campus der Universität befi ndet. Für

russische Verhältnisse ist der Standard

sehr gut! Man teilt sich das Zimmer mit

einer Kommilitonin und Bad, Toilette

und Küche mit den ca. 15 anderen Mitbewohner/innen

der Etage; es ist sauber.

Im Wohnheim sind viele Deutsche

und Finnen untergebracht – so wird

leider nicht viel Russisch gesprochen,

sondern eher Englisch oder Deutsch.

Ein weiterer Nachteil, im Gebäude gibt

es keinen Zugang zum Internet. Selbst

in der Universität stehen nicht genügend

Computer und Internetverbindungen

zur Verfügung.

Als Anfängerin hatte ich täglich drei

Stunden Russisch. Die Lehrerin war toll

– jung, engagiert, kompetent und sehr

nett. Zu unserer Gruppe gehörten nur

noch ein weiterer deutscher Student

und einer aus Afrika. Natürlich machten

wir alle bei solch einem intensiven

Unterricht schnell große Fortschritte.

Außerdem belegte ich noch einen Marketingkurs

für Tourismus, auf Englisch.

Das Nachtleben und das kulturelle

Angebot in St. Petersburg sind sensationell

und quasi direkt vor der Haustür.

Die Universität befi ndet sich mitten

im Zentrum der Metropole. Diskotheken,

Bars und Restaurants sind vom

Preisniveau vergleichbar mit denen

in Deutschland. „Richtige“ Kultur

ist jedoch wesentlich günstiger zu

genießen, Karten für Oper und Ballett

kosten nur etwa 10 Euro.

Alles fi ng mit dem Grundkurs

Russisch an. Angeblich die zweitschwerste

Sprache der Welt, aber

trotzdem fand ich es von Anfang

an spannend, Russisch und auch

die Geschichte und das Leben

Russlands zu studieren. So fasste

ich mir recht schnell ein Herz und

den Entschluss, ein Semester an die

FHW-Partnerhochschule nach St.

Petersburg zu gehen.

Studium und Stadt gefi elen mir so

gut, dass ich mich nach nur wenigen

Monaten entschloss, mein komplettes

Hauptstudium hier in St. Petersburg

zu durchlaufen. Meine Russischkenntnisse

sind inzwischen so gut, dass ich

russische Vorlesungen besuchen kann.

Neben dem Russischunterricht dreimal

pro Woche, habe ich mich für Strategisches

Management, Internationales

Marketing und drei weitere Kurse eingeschrieben

– auf Russisch. Ich muss

natürlich zu Hause viel nacharbeiten

und Texte übersetzen, aber mit der

Hilfe russischer Studierender bekommt

man das alles hin. Aus meiner Sicht ist

der Unterricht an der hiesigen Universität

mindestens genauso gut wie

in Deutschland. Es wird großer Wert

auf Präsentationen gelegt, eine intensive

Mitarbeit der Studierenden wird

gefordert. Die behandelten Th emen

sind aktuell und die Bibliothek sehr

gut ausgestattet. Im August werde ich

in Moskau ein Praktikum bei Mercedes

absolvieren! Meine Diplomarbeit

schreibe ich dann in Deutschland.

Aber mein Entschluss steht fest, ich

möchte danach in Russland leben und

arbeiten. Wer Abenteuer und Chaos

liebt, ist in Russland genau richtig. Man

lernt sehr interessante Leute kennen.

Der russische Markt wächst kontinuierlich.

Ich bin überzeugt, im späteren

„Arbeitsleben“ (ob in Deutschland oder

Russland) wird sich die Mühe auszahlen,

Russisch gelernt zu haben. Apropos,

das Austauschstudium wird durch

den DAAD mit einem Stipendium von

ca. 2 000 Euro pro Semester gefördert.

Die Miete im Wohnheim beträgt

monatlich etwa 60 Euro. Ich bin mit

dem Stipendium gut ausgekommen.

Per E-Mail gebe ich gern weitere

Tipps zu Studium und Leben in

St. Petersburg: jeanne88.23@web.de

Die Autorin studiert Wirtschaft (Diplom)

an der FHW Berlin. Seit dem

fünft en Semester (2007) absolviert sie

im Rahmen eines Austauschprogramms

ihr Hauptstudium an der Partneruniversität

„Санкт-Петербургский

государственный университет

экономики и финансов“ (Staatliche

Universität für Ökonomie und Finanzen)

in St. Petersburg/Russland.


38 Internationaler Austausch

SemesterJournal 1/08 SemesterJournal 1/08 Internationaler Austausch

39

ISAP-Programm des DAAD

Stipendien für Austauschsemester in St. Petersburg

Text: Susanne Fürstenberg und Martin Kronauer

Im Rahmen der Internationalen Studien-

und Ausbildungspartnerschaft en

werden Teil- bzw. Aufstockungsstipendien

(betrifft z. B. Bafög-Empfänger/

innen) für einen Studienaufenthalt im

Ausland vergeben.

Das Auslandsstudium ist Bestandteil

des Fachstudiums an der Heimathochschule

und muss im Rahmen einer

fachbezogenen Vereinbarung zwischen

der deutschen und der ausländischen

Hochschule stattfi nden.

Der DAAD (Deutscher Akademische

Austauschdienst) stellt für Studierende

der FHW Berlin im zweiten Studienabschnitt

jeweils drei Stipendien für

maximal ein akademisches Jahr an der

Staatlichen Universität für Ökonomie

und Finanzen in St. Petersburg zur

Verfügung. Die Bewerbung erfolgt

gemeinsam mit der Bewerbung um den

Studienplatz direkt beim International

Offi ce der FHW Berlin.

Die Förderung durch den DAAD

beinhaltet für deutsche Studierende

Pauschalen für Reisekosten, Auslandskrankenversicherung

und Lebensunterhalt.

Russische Studierende erhalten

ebenfalls ein Stipendium während ihres

Doppelabschluss mit

Universität in Bilbao

Aufenthaltes in Berlin, und es stehen

Mittel für Sprachkurse und Tutoren zur

Verfügung.

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Martin Kronauer (Programmbeauft

ragter) und Susanne Fürstenberg

(International Offi ce)

Die FHW Berlin unterzeichnet Abkommen über Doppelabschlussprogramm mit der Fakultät für Economics und Business in

Bilbao/Spanien.

Text: Susanne Fürstenberg

Studierende des Studiengangs Business

Administration können ab sofort ihr

drittes Studienjahr in Spanien absolvieren

und danach auch den dortigen

Abschluss Licenciado en Administración

y Dirección de Empresas erhalten.

Die Fachhochschule für Wirtschaft

(FHW) Berlin und die Universidad

del Pais Vasco (UVP/EHU) in Bilbao

(Universität des Baskenlandes) haben

ein entsprechendes Kooperationsabkommen

unterzeichnet. Mit dem

Abschluss der UVP/EHU erwerben die

Studiererenden gleichzeitig den Bachelor

of Arts der FHW Berlin. Um den

Doppelabschluss zu erlangen, folgen

die Studierenden nach vier Studiensemestern

in Berlin einem festgelegten

Studienplan im Umfang von 60 ECTS

in Bilbao und beenden dann ihr Studium

nach weiteren zwei Semestern in

Berlin.

Der Doppelabschlusspartner, die Facultad

de Ciencias Económicas y Empresariales

(Fakultät für Economics und

Business), ist eines von vielen eigenständigen

centros innerhalb der großen

Universität des Baskenlandes (60 000

Studierende), die an drei Standorten im

Baskenland Campusse unterhält (Bilbao,

Vitoria-Gasteiz, San Sebastian).

Seit 2000 fanden insgesamt 45 Austauschsemester

(21 Outgoing / 24 Incoming)

zwischen den drei Partnercentros

und der FHW Berlin statt.

Das Abkommen mit der Universidad

del Pais Vasco ergänzt die an der FHW

Berlin existierenden internationalen,

u. a. thematisch auf Europa ausgerichteten

Studiengänge International Business

(deutsch-britisch), Internationales

Management (deutsch-französisch)

und die fünf bestehenden Doppelabschlussprogramme

mit Hochschulen in

den Niederlanden, England und in der

Türkei.

Kooperation mit der Federal

Universidade de Blumenau (FURB)

in Brasilien

Text: Anja Grothe

Die Grundlage für die Kooperation

zwischen der Fachhochschule für

Wirtschaft (FHW) Berlin und der

Federal Universidade de Blumenau

(FURB) wurde bereits vor nahezu

zehn Jahren gelegt. Ziel war es zum

damaligen Zeitpunkt, den Erfahrungsaustausch

im Umweltmanagement an

Hochschulen zu beginnen. Durch das

Post-Doc.-Praktikum einer FURB-

Professorin an der FHW Berlin stellte

sich heraus, dass eine Kooperation zum

Austausch von Studierenden im Fach

Wirtschaft singenieur Schwerpunkt

Blumenau – eine deutsche Stadt in Brasilien

Umwelt und Nachhaltigkeit sinnvoll

sein könnte. Zum einen, da es einige

kompatible Lehrveranstaltungen im

jeweiligen Hauptstudium gibt, die eine

Anerkennung der Studienleistung

ermöglichen. Zum anderen aber auch,

weil z. B. die Fächer Umweltpolitik und

Umweltökonomie einen ganz anderen

Betrachtungshorizont erfahren, wenn

sie unter dem Blickwinkel der brasilianischen

Herausforderungen gelehrt

und erfahren werden. Neben einen

Reihe von gemeinsamen deutsch-brasilianischen

Veranstaltungen und einem

gemeinsamen Forschungsprojekt, das

die Einfl ussfaktoren der unterschiedlichen

Kulturen auf die Ergebnisse im

Umweltmanagement untersucht hat,

ist es gelungen, den Studierenden- und

Dozentenaustausch im Rahmen des

UNIBRAL Programms vom DAAD

unterstützen zu lassen.

Die erfolgreiche Kooperation erfuhr im

Rahmen der Deutsch-Brasilianischen

Wirtschaft stage, die im November

2007 in Blumenau stattfanden und

zu denen der Rektor der FHW Berlin

und ich von unserer Partnerhochschule

eingeladen worden waren, ihren

vorläufi gen Höhepunkt. Noch während

der Konferenz und im Blitzlichtgewitter

der Presse unterzeichneten FHW-

Rektor Prof. Dr. Franz Herbert Rieger,

FURB-Präsident Prof. Dr. Eduardo

Deschamps und Bürgermeister der

Stadt Blumenau, Joao Poula Kleinübin,

das erweiterte Supplement für die

Kooperation für den Studiengang

Wirtschaft singenieur Schwerpunkt

Umwelt und Nachhaltigkeit sowie ein

General Agreement zur Erweiterung

der Kooperation auf den Studiengang

Business Administration. Neben der

Gastfreundlichkeit und der Herzlichkeit

unserer Partner war auch deren

Bemühen und Engagement überzeugend

und dass sie die FHW Berlin als

eine Partnerhochschule erachten, bei

der Kooperation nicht nur auf dem

Papier steht, sondern von allen Beteiligten

gelebt wird.

Die Autorin ist Professorin für Umweltmanagement

an der FHW Berlin.


40 Internationaler Austausch SemesterJournal 1/08 SemesterJournal 1/08 Internationaler Austausch

41

Ein deutsches Dorf im

Hinterland von Brasilien

Warum sich ein Auslandssemester dort trotzdem lohnt

Text: Kerstin Oebels

Ende Juli, Ankunft in São Paulo. Regen,

Nebel und wirklich warm ist es auch

nicht. Nach weiteren acht Stunden

Busfahrt kommen wir vier Berliner

Studierenden schließlich in Blumenau

an. Das Wetter hier ist nicht besser

und die 10–15 Grad Celsius kommen

uns aufgrund der hohen Luft feuchtigkeit

unglaublich kalt vor. Die Stadt

könnte auch im Bayerischen Wald

liegen – ihre Bewohner ähneln uns

vom Äußeren sehr. So hatten wir uns

das eigentlich nicht vorgestellt, nach

eineinhalb Tagesreisen und über 10 000

km von Deutschland entfernt, können

wir außer der Sprache erst einmal

keinen großen Unterschied zu unserer

Heimat feststellen. Viele der älteren

Bewohner sprechen noch deutsch, die

jüngeren allerdings kaum noch. Fährt

man jedoch in den noch viel germanischeren

Nachbarort Pomerode, fi ndet

man auch noch viele junge Leute, die

deutsch sprechen, selbst im Alltag. Wo

sind wir hier bloß gelandet?

Während unseres 5-monatigen Aufenthaltes

bekommen wir des Öft eren zu

hören, dass Blumenau nicht Brasilien

sei. Blumenau ist im Vergleich zu den

meisten anderen Städten Brasiliens

reich, sicher und sauber ist. Es gibt viel

Industrie, relativ wenig Arbeitslosigkeit,

keine Straßenhändler, die einem

alles Mögliche andrehen wollen, keine

Bettler oder Menschen, die auf der

Straße leben müssen. Die meisten der

Einwohner haben sogar ein zweites

Haus an der ca. 100 Kilometer entfernten

Küste. Aber auch wenn diese

Stadt einer deutschen sehr ähnelt,

so sind es doch Brasilianer, die dort

wohnen – und dies verleiht ihr den

brasilianischen Charme. Gleich bei

unserer Ankunft lernten wir deren

off ene, freundliche und hilfsbereite

Art kennen.

So wurden wir beispielsweise morgens

früh um 5.00 Uhr ganz unerwartet von

einem unserer zukünft igen Professoren

am Busbahnhof empfangen und in ein

Hotel gebracht. Der Professor konnte

nicht einmal gewusst haben, wann

genau wir dort ankommen würden,

denn es verkehren täglich mehrere

Busse zwischen São Paulo und Blumenau.

Er hatte also dort auf uns gewartet.

Auch von den anderen Professor/innen

und Mitarbeiter/innen der Universität

wurden wir äußerst freundlich begrüßt

und beim Einleben unterstützt. Da es

kaum andere Austauschstudierende

gab, die “Uniklassen” überschaubar

sind und die Brasilianer im Allgemeinen

sehr kommunikativ und kontaktfreudig,

lernten wir sehr schnell unsere

brasilianischen Kommilitonen und

Mitmenschen kennen.

Unser von Deutschland gewöhntes

Studentenleben mussten wir allerdings

erst einmal ein wenig umstellen. Das

brasilianische Universitätssystem ist

sehr verschult. Während des Semesters

gibt es Hausaufgaben, Präsentationen

und Klausuren. Das Gute daran war,

dass das Bestehen des Faches nicht

von einer einzigen Prüfung abhing. So

kamen wir alle durch unsere Kurse. Die

Wochen waren jedoch ausgefüllt mit

Hausaufgaben, Vor- und Nachbereitungen

und der Erstellung von Präsentationen.

Anfangs war dies wegen der

Sprachbarriere ziemlich mühsam, doch

mit der Zeit fi el es uns leichter, dem

Unterricht zu folgen.

Wir stellten schnell fest, dass das Leben

der Brasilianer keineswegs nur aus

Sonne, Strand, Cachaça, Caipirinha

und Carneval besteht, wie es einem in

Deutschland häufi g suggeriert wird. So

gut wie alle Studierenden haben neben

ihrem Vollzeitstudium auch einen

Vollzeitjob. Entweder wird morgens

studiert und nachmittags geht man

zur Arbeit, oder man arbeitet tagsüber

und studiert abends. Grund dafür

sind die hohen Studiengebühren der

privaten Universitäten, wenn man nicht

das Glück hat und einen der wenigen

staatlichen Studienplätze bekommt.

Das viele Studieren und Arbeiten hält

die Brasilianer aber trotzdem nicht

davon ab, regelmäßig zu feiern – es

wird einfach der Schlaf gekürzt. Zum

Glück studieren wir normalerweise in

Deutschland ...

Alles in allem hatten wir eine tolle Zeit,

haben wahnsinnig viele Eindrücke und

Erfahrungen gesammelt. Das Semester

verging wie im Flug. Auch die Sprache

lernt man nach einigen (normalen)

Anfangsschwierigkeiten aufgrund

des täglichen Umgangs recht schnell.

Würden wir diesen Schritt noch einmal

machen? Keiner von uns müsste lange

überlegen!

Die Autorin war Austauschstudierende

an einer der beiden FHW Partnerhochschulen

in Brasilien

Mit 200 000 Euro mobil in Europa

Das neue Erasmus-Programm fördert Praktika für Studierende, Mitarbeiter/innen und Lehrende der FHW Berlin.

Text: Susanne Fürstenberg

Im neuen Erasmus-Programm der

Europäischen Union, dem Programm

für lebenslanges Lernen (LLP), hat

die FHW Berlin erfolgreich einen

Projektantrag für die Jahre 2007

bis 2013 gestellt. Insgesamt rund

200 000 Euro stehen der Hochschule

2007/2008 als Programmetat zur Verfügung.

Erweiterungen des Programms ermöglichen

nun auch die Förderung von

Erasmus-Praktika und die Mobilität

von Verwaltungspersonal. Vor allem

Studierende, aber auch Lehrende und

Verwaltungsmitarbeiter/innen sind

aufgerufen, von den umfangreichen

Mobilitätsmöglichkeiten Gebrauch

zu machen. Studienaufenthalte oder

Praktika im Ausland, Dozentenaustausche

und einwöchige Aufenthalte

zum Erfahrungsaustausch für Verwaltungsmitarbeiter/innen

an einer

unserer ca. 40 Partnerhochschulen in

Europa bieten gute Möglichkeiten zur

Kompetenz- und Horizonterweiterung.

Jede Mobilität leistet gleichzeitig einen

Beitrag zur weiteren Internationalisierung

der FHW Berlin.

Informationen:

Susanne Fürstenberg,

International Offi ce


42 Internationaler Austausch

SemesterJournal 1/08 SemesterJournal 1/08 Internationaler Austausch

43

Deutsch-polnisches Netzwerk

arbeitet an Ökologischen Leitplanken

Das „Deutsch-Polnische Netzwerk Wissenschaftler für nachhaltige Entwicklung“ verabschiedete während seines letzten

Workshops an der FHW Berlin neue Ziele für die kommenden zwei Jahre

Text: Holger Rogall

Das Netzwerk aus deutschen und

polnischen Wissenschaft lern auf dem

Gebiet der nachhaltigen Entwicklung

hat seine Zusammenarbeit intensiviert.

Während des jüngsten Workshops an

der FHW Berlin, nun schon das dritte

mehrtägige Arbeitstreff en der Kooperationspartner,

wurden die Ziele für die

kommenden zwei Jahre festgelegt:

In Deutschland und Polen sollen

Geschäft sstellen eingerichtet werden.

Gemeinsam wollen die Wissenschaft -

ler/innen einen Antrag auf Förderung

zweier Projekte der Ökoeffi zienz und

der nachhaltigen Energiepolitik bei

der Europäischen Union stellen.

Deutsch-polnische Lehrbücher

zur Nachhaltigen Ökonomie sowie

Beiträge in Fachzeitschrift en und

Büchern zu Handlungsfeldern sind

geplant.

Das Netzwerk bereitet den Austausch

von Unterrichtsmaterialien sowie

einen langfristig angestrebten Studierenden-

und Doktorandenaustausch

vor.

Am Ende des dreitägigen Berliner

Workshops verabschiedeten die

Teilnehmer die Erklärung „Für die

Verstärkung einer nachhaltigen Entwicklung“.

Zentrale Ziele sind Beiträge

für die Entwicklung einer Nachhaltigen

Ökonomie in Forschung und Lehre

sowie ein Beitrag zur Verbesserung

der wissenschaft lichen Zusammenarbeit

zwischen Deutschland und Polen.

Hierzu arbeitet das Netzwerk mit

verschiedenen deutschen und polnischen

Hochschullehrern aus Poznań,

Wroclaw, Katowice, Bialystok, Heidelberg

und Berlin sowie Instituten wie

dem Institut für Zukunft sstudien und

Technologiebewertung (IZT) und der

Forschungsstätte der Evangelischen

Studiengemeinschaft e. V. (FEST) in

Heidelberg zusammen. Förderung

kamen vom Bundesministerium für

Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit

(BMU) und Umweltbundesamt

(UBA).

Aufgrund der erfolgreichen bisherigen

Arbeit hat die Towae-Stift ung die

Finanzierung einer Geschäft sstelle des

Netzwerkes in Deutschland für zwei

Jahre übernommen. Zum ehrenamtlichen

Geschäft sführer wurde Prof.

Dr. Holger Rogall, Hochschullehrer

für Umweltökonomie an der FHW

Berlin und Vorstandsvorsitzender der

Gesellschaft für Nachhaltigkeit e. V.

(GfN), berufen. Koordiniert wird die

Arbeit des Netzwerkes künft ig vom

evangelischen Forschungsinstitut FEST

in Heidelberg.

Die etwa 25 Wissenschaft ler/innen

trafen sich erstmals 2005 in Berlin.

Ein Jahr später wurde in Słubice das

„Deutsch-Polnische Netzwerk Wissenschaft

ler für nachhaltige Entwicklung“

gegründet. Die Initiative zur

Einrichtung dieser hauptsächlich aus

Ökonom/ innen bestehenden Forschungsgruppe

ging von FHW Professor

Dr. Holger Rogall und Professor

Dr. Eugeniusz Kośmicki (Poznań,

Polen) aus.

Mit der Verabschiedung derBerliner

Th esen zur Nachhaltigkeit“ wurde

2005 die inhaltliche Grundlage für die

weitere Arbeit des Netzwerkes gelegt.

Im Mittelpunkt steht die Nachhaltige

Entwicklung, die hohe ökologische,

ökonomische und sozial-kulturelle

Standards im Rahmen der Grenzen der

natürlichen Tragfähigkeit anstrebt und

das inter- und intragenerative Gerechtigkeitsprinzip

verwirklichen will.

Die globale Staatengemeinschaft hat

schon 1992 in Rio de Janeiro eine

Nachhaltige Entwicklung zum neuen

Leitbild der Menschheit erklärt. Die

EU schrieb dieses Leitbild im Gründungsvertrag

und Deutschland im

Grundgesetz als Staatsziel fest. Dennoch

lässt die Ökonomie diese Zäsur

bis heute weitestgehend unbeachtet, hat

Nachhaltigkeit in ihrem Denken nicht

aufgenommen.

Beweggrund für die Forschung ist, dass

das Netzwerk davon ausgeht, dass sich

die Wirtschaft sakteure aufgrund sozialökonomischer

Faktoren ohne eine

Änderung der Rahmenbedingungen

nicht nachhaltig verhalten. So werden

auch künft ig die meisten Haushalte

eine Öl-Heizung statt einer Solaranlage

anschaff en wenn die Öl-Heizung

betriebswirtschaft lich preiswerter ist

(volkswirtschaft lich ist sie immer teurer).

Deshalb halten die Mitglieder eine

grundlegende Veränderung der politisch-rechtlichen

Rahmenbedingungen

(sog. „ökologische Leitplanken“) für

notwendig, für die sie gemeinsam Vorschläge

erarbeiten.

Der Autor ist Professor für Umweltökonomie

an der FHW Berlin.

Rege China-Kooperationen

FHW Berlin startete neuen Masterstudiengang mit Schwerpunkt China und Europa und fungierte als Gastgeber

deutsch-chinesischer Konferenzen

Text: Gerd Kulke, Annette Fleck

Deutsch-chinesische Kooperationen

haben an der FHW Berlin eine lange

Tradition. Die erfolgreiche Zusammenarbeit

mit Institutionen und Partnerhochschulen

in der VR China hat

zahlreiche Projekte, einen regen Studierenden-

und Dozentenaustausch sowie

speziell ausgerichtete Studiengänge und

nun auch einen gemeinsamen Masterstudiengang

mit Doppelabschluss hervorgebracht.

Darüber hinaus war die

FHW Berlin jüngst Gastgeber zweier

deutsch-chinesischer Konferenzen.

Neuer gemeinsamer Masterstudiengang

mit AsiaLink

Die feierliche Unterzeichnung des

Vertrages über den gemeinsamen Masterstudiengang

Chinese-European Economics

and Business Studies (CEEBS)

der FHW Berlin und der Southwestern

University of Finance and Economics

(SWUFE) in Chengdu fand im Beisein

des Präsidenten der SWUFE, Prof. Dr.

FENG Xide, in Berlin statt. Mit diesem

offi ziellen Startschuss trat das von der

Europäischen Kommission geförderte

AsiaLink-Projekt in die Pilotphase

ein. Die ersten europäischen, chinesischen

und weitere internationale

Teilnehmer/innen nahmen im Wintersemester

2007/2008 ihr Studium auf.

Sowohl in den beiden ersten Semestern

in Berlin als auch im dritten Semester

in Chengdu werden die Lehrveranstaltungen

auf englisch angeboten. Hinzu

kommen Deutsch bzw. Chinesisch

sowie Interkulturelles Training. Das

Examen kann wahlweise in Deutschland

oder in China abgelegt werden.

Schwerpunkt des Studiengangs sind die

wirtschaft lichen und interkulturellen

Beziehungen zwischen Europa und

China. Integrierte Auslandssemester

runden das Profi l ab. Die Absolvent/

innen erhalten nach vier erfolgreichen

Semestern den akademischen Grad

„Master of Arts“ der FHW Berlin sowie

den “Master of Management – Major

International Business” der SWUFE

Chengdu, sofern sie die beiden letzten

Semester in Chengdu studieren und die

chinesischen Mastervoraussetzungen

erfüllen. Dieses Weiterbildungsstudium

ist entgeltpfl ichtig und wird am Institute

of Management Berlin der FHW

Berlin durchgeführt.

FHW Berlin lud zu förderlichen

deusch-chinesischen Konferenzen

Die FHW Berlin war Gastgeber zweier

gemeinsam mit der SWUFE Chengdu

in jährlichem Wechsel veranstalten

Konferenzen. So begrüßten der Rektor

der FHW Berlin und der Präsident

der SWUFE Chengdu gemeinsam

die deutschen und chinesischen

Teilnehmer der 3rd German-Sino

Conference on Public Administration.

Im Vordergrund dieses Treff ens von

Wissenschaft ler/innen und anderen

Hochschulvertreter/innen standen u. a.

Th emen wie „Transparenz und Korruption

in der öff entlichen Verwaltung“,

„Private Public Partnership“ und das

„Problem der Sozialen Sicherheit von

Wanderarbeitern“. Diese Komplexe fanden

breites Interesse und wurden sehr

spannend und intensiv diskutiert.

Ebenfalls in Berlin fand die German-

Sino Conference on Monetary Policy

and Economic Development statt,

bereits zum achten Mal in Folge.

Ausrichter waren die FHW Berlin, die

Deutsche Bundesbank, Hauptverwal-

tung Berlin, und die SWUFE Chengdu.

Der Rektor der FHW Berlin, Prof. Dr.

Franz Herbert Rieger, der Präsident

der Deutschen Bundesbank, Hauptverwaltung

Berlin, Norbert Matysik, und

der Präsident der SWUFE, Professor

Dr. Feng Xide, begrüßten die Konferenzteilnehmer/innen

aus aller Welt.

Im Zentrum des zweitägigen Treff ens

standen die Th emenbereiche „Th e

Diff erence of Economic Growth and

its Adjustment Mechanism in the

European Monetary Union”, “Wage

Development in the European Monetary

Union and the Future of Europe”

und “Finance Driven Capitalism and

International Capital Flows in the

US”. Hierzu wurden unterschiedliche

Standpunkte zum Teil heft ig diskutiert,

wobei natürlich die chinesische Sicht

der europäischen Entwicklung und die

mögliche chinesische Wechselkurspolitik

der nächsten Zukunft interessante

und keinesfalls immer übereinstimmende

Einschätzungen fanden.

Dank

Ohne die großzügige Unterstützung

der Deutschen Bundesbank, Hauptverwaltung

Berlin, für die Zusammenarbeit

zwischen der FHW Berlin und

der SWUFE in Chengdu/China hätten

die beiden Konferenzen nicht an der

Berliner Wirtschaft sfachhochschule

stattfi nden können.

Autoren: Prof. Dr. Gerd Kulke ist

Beauft ragter des Rektors für deutschchinesische

Beziehungen. Annette Fleck

ist Referentin an der FHW Berlin und

arbeitet im Projekt AsiaLink mit.


44 Erfolg durch’s Studium

SemesterJournal 1/08 SemesterJournal 1/08 Neue Medien

45

Peak Performance – The Contest 2007

Erstmals gewann ein gemischtes Quartett aus FH-Studierenden einen der renommiertesten deutschen Hochschulwettbewerbe.

FHW-Studentin Hannah Page gehörte zum Siegerteam des von der Managementberatung A.T. Kearney und der

WirtschaftsWoche ausgerichteten Contest 2007.

Text: Hannah Page

Einst hatten Bewerberinnen und

Bewerber von Fachhochschulen bei

den großen Beratungsunternehmen

keine Chance. Das könnte sich in

Zukunft ändern. Ohne genau zu wissen

was mich erwarteten würde, sprang ich

an Bord und wurde die vierte Mitstreiterin

im Team aus zwei Leipziger

Studenten von der Handelshochschule

Leipzig (HHL) und einer Studentin von

der Fachhochschule für Technik und

Wirtschaft (FHTW) Berlin. Es musste

schnell gehen und so erstellten wir per

Telefonkonferenz ein Konzept und

bewarben uns. 58 Teams aus Deutschland,

Österreich und der Schweiz

rangen in Qualifi kations- und regionalen

Wettkampfrunden um den Einzug

ins Finale.

Es sollte ein zukunft strächtiges

Geschäft smodell entwickelt werden.

Nach einer Geschäft sumfeldanalyse galt

es, Handlungsempfehlungen abzuleiten.

Gesagt – getan! Alles per E-Mail

eingeschickt, und nach ein paar Tagen

war das Ganze schon fast vergessen. Bis

nach zwei Wochen die Nachricht über

unseren Einzug in die Regionalrunde

Berlin kam.

Wir stürzten uns in die Arbeit – die

Männer in Leipzig, wir Frauen in

Berlin. Die Nacht vor der Präsentation

feilten wir an letzten Details und machten

das Konzept „rund“. So gingen wir

ins Assessment Center. Wir mussten

Interviewtechniken unter Beweis

stellen und präsentieren und immer

wieder präsentieren. Am Ende entschied

sich die strenge Jury für unser

Konzept. Nun packte uns der Ehrgeiz.

Zwei Vorrunden hatten wir erfolgreich

überstanden, wir waren auf dem richti-

Ausgezeichnet durch die Wirtschaftswoche

gen Kurs. Nur vier Teams hatten es ins

Finale geschafft .

In der Finalrunde zählten vor allem

Spontaneität und Kreativität. Zum

Glück hatten wir vorab verschiedene

Szenarien durchgespielt. Es lief gut.

Trotzdem überraschte uns der Sieg. Wir

haben gewonnen! Ein Wochenende in

Ljubliana und ein Praktikum bei der

Unternehmensberatung. Für mich war

aber die Teilnahme an diesem Contest

der größte Gewinn: Erfahrungen und

Erkenntnisse, die mir keiner mehr nehmen

kann. Ich habe in diesen wenigen

Wochen sehr viel gelernt – natürlich

Fachliches, aber auch einiges über mich

selbst.

Keiner sollte sich solch eine Gelegenheit

entgehen lassen. Wettkämpfe

und Assessment Center sind harte

Arbeit, aber eine einmalige Chance, die

Mosaikteile theoretischen Wissens aus

dem Studium zu einem großen Ganzen

zusammenzufügen. Mit Spaß und als

tolle Vorbereitung auf den Beruf. Das

Arbeiten unter Druck, die Anspannung,

das Präsentieren vor gestandenen

Beratern und Managern, sich

unvorbereitet kritischen Fragen stellen

zu müssen – all das macht souverän,

für Vorstellungsgespräche oder andere

„Prüfungssituationen“. Und dabei geht

es weniger um den „perfekten“ CV –

sondern vielmehr um die Entwicklung

der eigenen Persönlichkeit. Dafür lohnt

es sich, ein bisschen mehr zu geben

und zu trainieren.

Die Autorin studiert im 8. Semester

im deutsch-französischen Studiengang

Management International am Fachbereich

Wirtschaft swissenschaft en. Derzeit

schreibt sie ihre Diplomarbeit bei der

Deutschen Bahn AG.

Ruby on Rails – Rasante Entwicklung

von Webanwendungen

Technologien rund um Webanwendungen können klangvolle Namen tragen, wie Ajax und Ruby on Rails (RoR) Dahinter

verbergen sich Konzepte oder Programme, die die Datenübertragung im Internet effektiver und schneller machen sollen.

Text: Tobias Miesel, Sebastian Kriese

Technologien rund um Webanwendungen

können klangvolle Namen

tragen, wie Ajax (darüber wurde im

SemesterJournal 1/2007 berichtet) und

Ruby on Rails (RoR) Dahinter verbergen

sich Konzepte oder Programme,

die die Datenübertragung im Internet

eff ektiver und schneller machen sollen.

Studierende der Wirtschaft sinformatik

am Fachbereich Berufsakademie

„erlebten“ bei der Programmierung

von Web-Anwendungen den Vorteil

verschiedener Frameworks.

Ruby on Rails (kurz: Rails oder RoR),

ist ein Web-Framework. Es basiert auf

dem Prinzip „Don‘t Repeat Yourself “

(DRY) und ermöglicht durch viele Programmierkonventionen

eine beachtlich

schnelle Neuentwicklung von

Anwendungen des World Wide Web.

So wird der in bisherigen Frameworks

vorhandene hohe Konfi gurationsaufwand

vermieden. Durch seinen Aufb au

ermöglicht es die rasche Umsetzung

von Anforderungen und unterstützt

damit agile Soft wareentwicklung.

Der Full-Stack-Ansatz

Ruby on Rails stellt alle Komponenten

für eine moderne Webanwendung in

einem Framework bereit. Das beginnt

bei der Trennung von Oberfl äche und

Verarbeitung (MVC-Prinzip), Integration

von E-Mail und zeitgemäßen

Web2.0-Features (WebServices, Ajax)

und geht bis hin zu integrierten Test-,

Auslieferungs- und Wartungslösungen.

Jede Komponente kann weitgehend

autonom erstellt werden. Zur automatischen

Erzeugung stehen verschiedene

Scripte bereit. Ein WebServer zur

Entwicklung ist vorhanden und ohne

Konfi gurationsaufwand mit einem

Befehl gestartet.

Konvention statt Konfi guration

Anders als bei anderen Frameworks

wie Jakarta Struts oder Spring wird bei

RoR hinsichtlich der Konfi guration

ein anderer Weg eingeschlagen. Die

Entwickler von RoR sehen Konfi guration

als erheblichen Aufwand und

legen stattdessen strikte Konventionen

fest. Diese reichen von strengen

Namenskonventionen für Datenbanktabellen

und Komponenten (Singular-

und Mehrzahlbezeichner) bis hin

zur Ordnerstruktur des Projekts. Was

sich zuerst anhört wie eine Einschränkung

der Flexibilität off enbart sich in

der voranschreitenden Entwicklung

als großer Segen. Im Idealfall muss

lediglich die Datenbankverbindung

eingerichtet werden. Für die Integration

bestehender Systeme können die

Konventionen problemlos übergangen

werden. Eine weitere Besonderheit ist

das „schnelle Feedback“. Sobald eine

Komponente nach Konvention im

Dateisystem implementiert wurde, sind

die Auswirkungen bereits im Browser

erkennbar.

Rapid Prototyping (Scaffolding)

Ruby on Rails liefert mit “Scaff olding”

(Gerüstbau) ein mächtiges Werkzeug

zum “Prototyping”. Sobald die Datenbanktabellen

mit den entsprechenden

Attributen erzeugt wurden, generiert

RoR auf Wunsch die entsprechende

Logik und das Oberfl ächengerüst. Hier

werden CRUD-Funktionalitäten (Anlegen,

Anzeigen, Ändern und Löschen)

für jede Tabelle der Datenbank in Form

von HTML-Formularen bereitgestellt.

Diese Besonderheit ist außerordentlich

wertvoll bei der schnellen Umsetzung

der ersten Kundenanforderungen.

DRY

Das DRY-Prinzip („Don’t repeat yourself

“) besagt, dass jede Funktionalität

nur ein einziges Mal programmiert

wird. Wiederholen sich Teile einer

Anwendung an anderer Stelle, stellt

Ruby on Rails je nach Ausmaß Teil-

Views (Partials), Helper, Komponenten,

Plugins oder Engines bereit, um die

Wiederverwendbarkeit zu gewährleisten.

Diese Module helfen an mehreren

Stellen benötigte Funktionen wie zum

Beispiel die Anzeige der Kategorien

einer Online-Bibliothek nur einmal zu

implementieren statt auf jeder einzelnen

Seite.

Fazit

Schwergewichtige Frameworks (Struts/

J2EE) fordern viel Einarbeitungsaufwand

und leichtgewichtige (PHP) bieten

nicht in jedem Fall die Funktionsvielfalt

moderner Web-Applikationen.

Dazu zählen beispielweise Transaktionssicherheit,

Skalierungsmöglichkeit

und OR-Mapping. RoR bildet den

idealen Kompromiss zwischen Entwicklungs-,

Einarbeitungszeit und

Funktionalität. Es ist darüber hinaus

sehr schnell zu erlernen und sticht

gerade durch den geringen Umfang

(Quellcodezeilen) und der Wartbarkeit

der Anwendungen heraus und sollte

daher jedem Webentwickler ein Begriff

sein.

Die Autoren haben am Fachbereich

Berufsakademie der FHW Berlin studiert.

Der Artikel entstand im Rahmen

des Kurses „Web-Programmierung“.


46 Neue Medien

SemesterJournal 1/08 SemesterJournal 1/08 Neue Medien

47

Grenzenlos unterrichten – mit ice

Immer neue Informationstechnologien fi nden Einzug in Hörsäle und Studierzimmer. Vorbei die Zeiten der rein konventionellen

Formen des Vortrags, der Tafelbilder mit Kreide oder Boardmarker, des vertiefenden Literaturstudiums in Bibliotheken, des

Übens mit – in einem Seminarraum präsenten – Lerngruppen ... Die Realität sieht heute anders aus.

Text: Burkhart Holznagel, Paul Schalow

Lehrkräft e erzeugen Grafi ken, Texte

und Bilder für ihre Vorlesungen und

Seminare mittels Computer, präsentieren

sie über Beamer und stellen sie

schon vor der Unterrichtseinheit im

Internet zur Verfügung. Viele Studierende

bringen diese gespeichert auf

ihrem Laptop oder als Ausdruck mit

und ergänzen sie während der Vorlesung.

Sie fotografi eren Tafelbilder,

erweitern elektronische Mitschrift en

oder recherchieren parallel zusätzliche

Informationen im Internet. Um

zu ergründen, wie Studierende und

Dozenten gleichermaßen von neuen

technischen Möglichkeiten profi tieren

können, wurde das Projekt „Interactive

Computeraided Education“ (kurz: ice)

ins Leben gerufen. Seit mehr als vier

Semestern entwickeln Lehrkräft e und

Studierende der Fachrichtung Informatik

am Fachbereich Berufsakademie

Einsatz-Szenarien, erarbeiten und

testen Soft warelösungen. „ice“ ist ein

Projekt zur interaktiven computergestützen

Ausbildung. Es verwaltet ein

Unterrichts-WLAN-Netz mit netzwerkfähigen

Clients für Studierende

und Dozent.

Grenzenlose Laptop-Klassen

Computertechnik und Internet haben

in den letzten Jahren in vielen Lebensbereichen

einschneidende Veränderungen

hervorgerufen. Für die aktuelle

Phase der Umwälzung steht das

„WEB2.0“. Der Browser im eigenen

PC, im Handy oder in der Spielkonsole

wandelt sich in ein WEB-Kommunikationsinstrument

mit „Desktop-Feeling“.

Es lässt sich nicht mehr zwischen

lokalen und im Netz liegenden Applikationen

und Dokumenten unterschei-

den. Man agiert in einer weltweiten

Community.

Immer mehr Studierende verwenden

im Unterricht eigene Laptops.

Gegenwärtig verfügen im Studiengang

Informatik ca. zwei Drittel der Teilnehmer/innen

über internetfähige Geräte,

vor zwei Jahren waren es weniger als

ein Drittel. Daraus entstand die Idee,

Laptops in die Unterrichtsgestaltung

aktiv einzubeziehen. Positiver Nebeneff

ekt, das Spielen über Netzwerk wird

unterdrückt. So können wissbegierige

Informatikstudierende Vorlesungsprogrammbeispiele

gleich während des

Unterrichts selbst austesten.

„ice“ stützt sich auf ein drahtloses

(wireless) Rechnernetzwerk, auf das

Studierende und Dozent/innen in

der Vorlesung Zugriff haben. Über

Standard-Browser sind verschiedene

Interaktionen möglich. Bei der Entwicklung

wurde darauf geachtet, dass

die traditionelle, bewährte Vorlesungsführung

weiterhin erhalten bleibt.

Zwischenfragen ohne Störung

Wichtig für die Wissensvermittlung ist

die Diskussion zu Vorlesungsinhalten.

Unerwünschter Nebeneff ekt, Dozent/innen

werden in ihrem Gedankengang

unterbrochen, Zwischenfragen und

Diskussionen zum Lehrstoff unter

den Seminarteilnehmern lassen den

Geräuschpegel steigen und die allgemeine

Konzentration sinkt. „ice“

schafft Abhilfe. Das Programm bietet

ein integriertes Kommunikationsmodul,

über welches Studierende Fragen

in ein Fenster ihres Laptops eingeben.

Diese Fragen sind für alle sichtbar und

können durch Dozent/innen zu einem

geeigneten Zeitpunkt gesammelt beantwortet

werden. In der Erprobung hat

sich überraschend gezeigt, dass auch

Studierende dieses Modul nutzen und

auf Fragen der Kommilitonen nonverbal

antworten („Studierendenchat“).

Die Vorteile dieser Methode liegen auf

der Hand, Dozent/innen werden in

ihren Ausführungen nicht durch Zwischenfragen

aus dem Konzept gebracht.

Und trotzdem muss nicht auf klärende

Diskussionen oder Wiederholungen

schwieriger Inhalte verzichtet werden.

Diskussionen werden in Lehrabschnitte

zusammengefasst und besser vom Lehrenden

gesteuert.

Alles klar? Selbstkontrolle für

Studierende und Dozent/innen

Dozent/innen haben jederzeit die

Möglichkeit, via Laptop Fragen zu

Vorlesungsinhalten zu stellen. Diese

erscheinen auf den Laptops der Kursteilnehmer/innen

und müssen innerhalb

eines vorgegebenen Zeitfensters

beantwortet werden. Alle Antworten

sind für die Dozent/innen sichtbar.

Und die Auswertung erfolgt prompt

und bietet verschiedene Anwendungsmöglichkeiten:

a) Die Ergebnisse werden wie bei einem

Wahlcomputer anonym mit einem

Beamer präsentiert. Studierende und

Dozent/innen erhalten eine Rückmeldung,

ob der soeben vermittelte

Stoff verstanden wurde.

b) Die Antworten werden personenbezogen

in einer Datenbank gespeichert

und können in die Semesterbewertung

einbezogen werden.

c) Die Antworten werden personenbezogen

gespeichert. Dozent/innen

können im Seminar bzw. während

einer Übung gezielt Studierende mit

Wissenslücken ansprechen.

d) Die Antworten werden nicht personen

bezogen gespeichert und

dienen den Dozent/innen zur Vorlesungsnachbearbeitung.

Im Gegenzug ermöglicht „ice“

Dozent/ innen eine unmittelbare

und statistische Rückmeldungen zur

Vorlesung. Fragen der Studierenden

und Antworten auf Dozentenfragen

können zur Nachbereitung genutzt

werden. So geben sie den Lehrenden

unmittelbar Aufschluss über den Erfolg

seines Unterrichtsstils. Möglich wäre

auch eine abschließende anonyme

Bewertung der Vorlesung, welche den

Dozent/innen zur Vorlesungsnachbearbeitung

dient.

Hürden für „ice“

Die meisten Chats auf Internetseiten

basieren auf Flash oder Java Applets.

Aber diese Plug-Ins müssen beim

Client installiert und aktiviert sein. Es

konnte eine Soft ware entwickelt werden,

welche auf solche Clienterweiterungen

verzichtet und die gewünschte

Funktionalität erreicht. Das erforderte

erhebliche konzeptionelle Arbeiten,

aber auch umfangreiche Tests realisierter

Soft warelösungen mit unterschiedlichen

Clients (Quality Management).

Schließlich sollte ja jeder Studierende

ein netzwerkfähiges Gerät problemlos

verwenden können. Deshalb wird

auf Serverseite PHP zur Erstellung

der Webseiten mit eingebettetem Java

Script verwendet. Auch hier mussten

Probleme der unterschiedlichen

Interpretation und Darstellung von

JavaScript auf verschiedenen Browsern

gelöst werden.

„ice“ wird weiter entwickelt

Auf der Grundlage des entwickelten

Frameworks wird die Arbeit an „ice“

weitergeführt. Das System soll um

Funktionen erweitert werden, die

es ermöglichen, Präsentationsfolien

benutzerspezifi sch und zeitlich versetzt

(asynchron) weiter zu senden, genau

wie Bilder, Texte, Audios oder Videos,

Hausaufgaben oder auch Termine.

Es wäre auch denkbar, das System

für Teamarbeit zu erweitern, bei dem

die Teilnehmer gleichzeitig interaktiv

arbeiten, z. B. an einer Skizze. Es

ist vorgesehen, dass Fragen aus einer

Präsentation (über Makros) heraus einfach

per Mausklick gesendet werden.

Ein „ice“-Netzwerk lässt sich an das

Internet anschließen. Somit könnten

auch Studierende an einer Vorlesung

partizipieren, die nicht im Raum

sitzen. Jeder PDA oder Tablett PC, fast

schon jedes Handy bieten heute einen

integrierten WLAN-Anschluss nebst

Browser. Somit erfüllen sie die wenigen

Voraussetzungen und sollen künft ig

einbezogen werden. Die Soft ware „ice“

konnte also ohne größere Probleme

in Betrieb genommen werden. Sie ist

nahezu selbsterklärend, bedarf keiner

Einarbeitung und wurde in Vorlesungen

getestet.

Nutzt man die Möglichkeiten von „ice“

bedeutet der Einsatz eine Intensivierung

des Unterrichts und damit auf der

einen Seite eine Mehrbelastung von

Dozent/innen, sowohl in der Unterrichtseinheit

selbst als auch in der

Vor- und Nachbearbeitung. Positiv ist

jedoch die aktive Einbeziehung aller

Studierenden sowie der Vorteil einer

besseren und unmittelbaren Rückmeldung

zwischen Studierenden und

Dozent/innen – in beide Richtungen.

Die Soft ware ist weiter im Erprobungs-

und Entwicklungsstadium, Studierende

werden weiter an „ice“ arbeiten.

Autoren: Prof. Dr.-Ing. Burkhart

Holznagel ist Dozent im Studiengang

Informatik am Fachbereich Berufsakademie.

Paul Schalow studiert bei ihm im

6. Semester.

Weiterführende Informationen zum

Projekt und detaillierte technische Ausführungen

fi nden Sie im Internet auf der

Seite http://cs.ba-berlin.de


48 Personalia

SemesterJournal 1/08 SemesterJournal 1/08 Personalia

49

Neue Teams in den Dekanaten und

im IMB-Direktorium

Nach den Wahlen in den Fachbereichen I und II sowie im IMB-Institutsrat haben die neuen Leitungsteams ihre Arbeit

aufgenommen. Erklärtes Ziel ist die kontinuierliche Qualitätssteigerung der Studienangebote und die Profi lstärkung der

einzelnen Hochschulbereiche.

Fachbereich I

Wirtschaftswissenschaften

Prof. Dr. Matthias Tomenendal

wurde vom Fachbereichsrat, dem

Professor/- innen, akademische und

Verwaltungsmitarbeiter/innen sowie

Studierende angehören, zum neuen

Dekan des Fachbereiches Wirtschaft swissenschaft

en gewählt. Seit 2005

ist er als Professor für Management

& Consulting an der FHW Berlin

tätig. Als Dekan will er vor allem die

kontinuierliche Qualitätssteigerung

des sich wandelnden Fachbereiches I

weiter forcieren. Neue Prodekanin ist

Prof. Dr. Susanne Meyer, ebenfalls seit

2005 an der FHW Berlin, als Professorin

für Wirtschaft srecht. Sie möchte

bei der Erstellung einer handhabbaren

Rahmenprüfungsordnung helfen und

für die Etablierung nachvollziehbarer

Prozesse eintreten. Wichtig ist ihr

außerdem ein off enes Kommunikationsklima

im großen Fachbereich

Wirtschaft swissenschaft en. Auch Prof.

Dr. Otto von Campenhausen gehört

zum neuen Dekanat. Er kam 2004

an die FHW Berlin als Professor für

Steuer- und Bilanzrecht. Im Mittelpunkt

seines Wirkens als Studiendekan

steht die begleitende Einführung neuer

Masterstudiengänge und die Weiterentwicklung

des Bachelorstudiengangs

Business Administration.

Fachbereich II Berufsakademie

Der Fachbereichsrat Berufsakademie

hat Prof. Dr.-Ing. Th orsten Kurzawa

als Dekan und Prof. Dr. Dorle Linz

als Prodekanin wiedergewählt.

Dr.-Ing. Kurzawa ist Professor für

Maschinenbau und Frau Dr. Linz

Professorin für Wirtschaft sinformatik

und Fachleiterin der Fachrichtung

Wirtschaft sinformatik.

Neues Direktorium am Institute of

Management Berlin

Der Rat des Institute of Management

Berlin (IMB) wählte ebenfalls ein neues

Direktorium. Prof. Dr. Sven Ripsas

freut sich, dass er gemeinsam mit den

Kolleg/innen des IMB das Zentralinstitut

der FHW Berlin als Direktor auf

weitere zwei Jahre mit gestalten kann.

Zum stellvertretenden Direktor wurde

Prof. Dr. Jochen Breinlinger-O´Reilly

gewählt.

Das duale Angebot wächst

Erweiterte Kapazität und neue Studiengänge am Fachbereich Berufsakademie

Text: Thorsten Kurzawa

Das duale Studium ist gefragt. Der

Bedarf der Wirtschaft sunternehmen

an Nachwuchskräft en, die praxistauglich

sind, ist groß und wächst stetig.

Ebenso steigt die Nachfrage nach

entsprechenden Studienangeboten.

Die FHW Berlin hat darauf reagiert

und die Studienkapazität im Fachbereich

Berufsakademie entsprechend

erhöht. So konnten im Wintersemester

2007/2008 mehr als 650 Bewerberinnen

und Bewerber ein duales Studium

aufnehmen, rund ein Fünft el mehr als

noch zwei Jahre zuvor.

Die Ziele des Zentralinstituts an

der FHW Berlin

Innovativer Qualitätsanbieter mit Fokus auf MBA-Studienprogramme

Text: Sven Ripsas

Ein wesentliches Augenmerk möchte

ich darauf legen, den Charakter des

Zentralinstituts deutlicher herauszuarbeiten.

Das IMB soll stärker als

bisher als gemeinsame Einrichtung der

Fachbereiche wahrgenommen werden.

Hierfür ist es zum Beispiel wichtig,

mehr Kolleg/innen aus dem Fachbereich

Berufsakademie in die Arbeit des

IMB zu integrieren, aktiv auch innerhalb

der FHW Berlin die Heraus-forderungen

und Ziele des IMB deutlicher

zu kommunizieren.

Der Markt für Masterstudiengänge –

und in diesem Falle der für nicht konsekutive

Master – ist hart umkämpft .

So hat sich die FHW Berlin bundesweit

als Fachhochschule mit dem umfangreichsten

dualen Studienangebot

etabliert. Berlin hat einen Masterplan

aufgelegt, mit dem bis 2011 den Hochschulen

und Forschungsinstitutionen

mehr als 300 Millionen Euro zusätzlich

zur Verfügung gestellt werden.

Damit sollen nicht nur die Kapazitäten

gesteigert, sondern auch qualitative

Fortschritte erreicht werden. Für uns

bedeutet es, dass wir dieses Instrumentarium

auch dazu nutzen wollen, neue

Fachrichtungen einzurichten.

Hier muss das IMB fi nan ziell erfolgreich

agieren. Unsere Aufgaben

werden angesichts des steigenden

Wettbewerbsdrucks durch immer neue

postgraduale Weiterbildungsangebote

an deutschen Hochschulen, speziell

MBA-Programme, nicht einfacher. Wir

sind froh und ein wenig stolz, dass wir

an der FHW Berlin schon auf über

15 Jahre erfolgreicher Arbeit auf dem

MBA-Markt zurück blicken können

und möchten diese Tradition in der

Zukunft fortsetzen.

Das Profi l des IMB als qualitätsorientierter,

innovativer Anbieter mit

fokussierten MBA-Studienangeboten

Jüngstes Beispiel, dass die Entwicklung

in diese Richtung geht, ist der neu etablierte

Studiengang „Dienstleistungsmanagement“.

Etwa 30 Studienanfänger/innen

werden noch 2008 beginnen

können. Und im nächsten Jahr wird der

neue duale Studiengang „Elektrotechnik“

geschaff en, der ebenfalls zunächst

mit einer Kapazität von 30 Studienplätzen

ausgestattet ist. Eine positive

Entwicklung.

Der Autor ist Dekan des Fachbereich II

Berufsakademie.

und hochwertigen, weiterbildenden

Masterprogrammen möchte ich

gemeinsam mit dem Rat des IMB

stärken. Als wichtigster Meilenstein für

diese Qualitätsorientierung unterstützen

wir den Prozess zur Erreichung

einer AACSB Akkreditierung durch die

Gesamt-FHW.

Ich freue mich auf die kommenden

Jahre und lade Sie herzlich ein, aktiv an

der Gestaltung des IMB mitzuwirken.

Der Autor ist Direktor des IMB Institute

of Management Berlin.


50 Personalia

SemesterJournal 1/08 SemesterJournal 1/08 Personalia

51

Neuberufungen und

neue Mitarbeiter/innen

Fachbereich I

Wirtschaftswissenschaften

José M.

Magone

José M. Magone studierte Politikwissenschaft

en und Geschichte an der

Universität Wien. Dort promovierte er

1992 im Bereich Politikwissenschaft en.

Anschließend war er 14 Jahre lang als

Dozent an Universitäten in Portugal

und Großbritannien tätig. Darüber

hinaus übernahm er Gastprofessuren

am Wissenschaft szentrum Berlin und

an Universitäten in Spanien und Italien.

Schwerpunkt seiner Lehrtätigkeit war

und ist die Europäische Politik. Im

Februar 2008 folgte er dem Ruf als

Professor für Regionale und Globale

Governance an die Fachhochschule für

Wirtschaft Berlin.

Professur für Regionale und Globale Governance

In Praxis und Forschung konzentriert

sich José M. Magone auf Regionale

und Globale Governance, Governance

in der Europäischen Union, Vergleichende

Europäische Politik, Regionen

in Europa sowie Politik und Politische

Ökonomie Südeuropas. Dazu hat der

erfahrene Dozent und Forscher zahlreiche

Bücher und Artikel veröff entlicht.

José M. Magone ist u. a. Mitglied der

Gesellschaft en für Politikwissenschaften

in Großbritannien, Spanien und

Portugal. Er arbeitet im Forschungsnetzwerk

Subnationale Demokratie in

der EU sowie im Forschungsnetzwerk

Öff entliche Verwaltung und Staatsreform

in Südeuropa Öff entliche Verwaltung

und Staatsreform in Südeuropa

mit.

Fachbereich I

Wirtschaftswissenschaften

Susan

Leung

Susan Leung unterstützt seit März

2008 das Team des Studienbüros III

für internationale Studiengänge am

Fachbereich Wirtschaft swissenschaft en.

Sie wurde im schottischen Edinburgh

geboren, ihre Eltern stammen aus

Hongkong. Der Ausbildungsweg führte

Frau Leung durch Schulen und Hochschulen

in England, Frankreich und

Deutschland. Nach dem Erststudium

mit Bachelorabschluss „Angewandete

Sprachen“ (English, Französisch und

Russisch) absolvierte sie ein European

Masters in „International Business

Management“. Frau Leung kann auf

eine 15-jährige Karriere im Bereich der

internationalen Wirtschaft sförderung

sowie im Non-Profi t Sector verweisen.

Fachbereich II

Berufsakademie

Ewa

Tränkner

Ewa Tränkner arbeitet seit Januar 2008

als Assistentin in der Fachrichtung

Bank im Fachbereich Berufsakademie.

Sie ist verantwortlich für die Planung

und Koordination der Vorlesungszeiten

und Dozent/innen. Des Weiteren fällt

in Frau Tränkners Aufgabenbereich

die Organisation und Terminierung

der sonstigen Prüfungsleistungen wie

Projektberichte, Studienarbeit und

Bachelor Th esis sowie die Unterstützung

des Fachleiters Prof. Dr. Schütt.

Im Sommer 2003 hat Frau Tränkner an

der Berufsakademie Berlin in der Fachrichtung

Bank ihr Diplom erworben.

Nach dem Studium war sie als Senior-

Finanzberaterin in der Dresdner Bank

AG tätig. Frau Tränkner bildete sich

im Fernstudium der Europäischen

Fernhochschule Hamburg sowie mit

zwei mehrmonatigen Praktika in dem

Bereich Controlling fort.

Fachbereich II

Berufsakademie

Gaëlle

Fer-Arslan

Seit Dezember 2007 ist Gaëlle

Fer-Arslan als Mitarbeiterin im Fachrichtungsbüro

International Business

Administration des Fachbereiches

Berufsakademie tätig. Sie ist gebürtige

Französin und ausgebildete Fremdsprachenassistentin.

Gaëlle Fer-Arslan

hat Germanistik an der Universität von

Paris X-Nanterre studiert. 1997 schloss

sie eine Ausbildung zur staatlich

geprüft en Fremdsprachenkorrespondentin

für Französisch und Englisch

mit Schwerpunkt Wirtschaft sübersetzungen

in Berlin ab. Anschließend

arbeitete sie bei verschiedenen Unternehmen

als Fremdsprachensekretärin

und als kaufmännische Assistentin.

Dabei lag der Aufgabenschwerpunkt in

der Mitarbeit an Ausschreibungsverfahren

und der weltweiten Akquisition

von Lieferanten.

IMB

Institute of Managment Berlin

Katrin

Passow

Katrin Passow ist seit März 2008

Sekretärin des Direktors des Institute

of Management Berlin der FHW

Berlin, Prof. Dr. Sven Ripsas. Zu ihren

Aufgaben gehört auch die Prüfungsverwaltung.

Zuvor war sie fünf Jahre

an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität

Greifswald als Sekretärin in einem

der Institute tätig. Die Ausbildung zur

Kauff rau für Bürokommunikation

ergänzte Katrin Passow durch eine

Zusatzausbildung als Fremdsprachenkorrespondentin

in Englisch sowie

eine Aufstiegsfortbildung zur geprüft en

Fachkauff rau für Büromanagement.


52 In Kürze

SemesterJournal 1/08 SemesterJournal 1/08 In Kürze

53

In Kürze

Erfolgreiche Reakkreditierung des

MBA Health Care Management

Der MBA Health Care Management ist

laut Beschluss der Ständigen Akkreditierungskommission

ohne Aufl agen

für fünf weitere Jahre reakkreditiert

worden. Der postgraduale berufsbegleitende

Weiterbildungsstudiengang

wird seit 2001 am Institute of Management

Berlin (IMB) der FHW Berlin

durchgeführt. Die Gutachtergruppe

der ZEvA (Zentrale Evaluations- und

Akkreditierungsagentur Hannover)

bewertete das Studienangebot als gut

bis sehr gut und hob seine besondere

Vielfalt hervor. Positiv wurde ebenfalls

die Kooperation der Lehrenden und die

Arbeit des Studiengangsteams des IMB

eingeschätzt.

Training für

Krankenhausmanager aus Asien

Text: Gerd Bruche

Zum zweiten Mal hat die FHW Berlin

in einem Wettbewerbsverfahren erfolgreich

ein Projekt des internationalen

Weiterbildungsanbieters InWEnt eingeworben.

Innerhalb der nächsten beiden

Jahre soll ein Trainingsprogramm für

Krankenhausmanager/innen aus Asien

entwickelt und umgesetzt werden.

Verantwortlich für dieses Projekt sind

Prof. Dr. Jochen Breinlinger-O’Reilly

und Prof. Dr. Axel Hellmann.

Vor dem Hintergrund, dass öff entliche

Krankenhäuser in Entwicklungsländern

eine entscheidende Rolle im staatlichen

Gesundheitssystem spielen und

einen hohen Anteil des Gesundheitsbudgets

verbrauchen, sind Fragen nach

der Qualität und Verfügbarkeit ihrer

Leistungen, nach der Effi zienz und

Eff ektivität des Managements, nach

dem Standard von Gebäuden und Ausstattung

sowie dem Zugang zur Krankenhausversorgung

in den Mittelpunkt

gerückt. Das von der FHW Berlin angebotene

Fachstudium wird sich deshalb

insbesondere diesen Fragen widmen.

Den Startschuss für das Programm

gab zur Auft aktveranstaltung im April

2008 der Staatssekretär für Gesundheit,

Umwelt und Verbraucherschutz, Berlin,

Dr. Benjamin-Immanuel Hoff .

Bauwesen-Studenten auf dem

Siegerpodest

Text: Helmut Schmeitzner

Das Team aus Th omas Eichholz, Steff en

Klatte und Christopher Gräfe vom

Fachbereich Berufsakademie errang

den 2. Platz im baubetrieblichen Studierendenwettbewerb

des Schalungs-

Die Zweitplatzierten Bauwesen-Studierenden mit ihren Urkunden: Thomas Eichholz (2. v. l.), Steffen Klatte (3. v. l.), Christopher Gräfe (3. v. r.)

herstellers DOKA und setzte damit die

Erfolgsserie der FHW Berlin fort. 31

internationale Gruppen von Universitäten

und Hochschulen waren bei diesem

5. Ausscheid angetreten. Die Verbindung

von Praxis und Th eorie im dualen

Studium hat sich einmal mehr schon

früh bewährt. Das dreiköpfi ge Siegerteam

studiert erst im 3. und 4. Semester

Bauwirtschaft singenieurwesen.

Kooperationsvertrag unterzeichnet

Text: Birgit Felden

Mit der Kooperation zwischen der

FHW Berlin und der Landesbank Berlin

AG (LBB)/Berliner Sparkasse soll

der Sektor der Unternehmensgründungen

und Unternehmensnachfolge in

der Region Berlin/Brandenburg gefördert

und öff entlichkeitswirksam besetzt

werden. Die Zusammenarbeit der beiden

Institutionen trägt zu einer engen

Verknüpfung zwischen regionaler

Wirtschaft und Wissenschaft bei. Dabei

bringt die FHW Berlin wissenschaft liche

Expertise ein, die LBB unterstützt

durch praktisches Know-how. Beide

Partner forcieren die Weiterentwicklung

des FHW-Bachelorstudiengangs

„Unternehmensgründung und Unternehmensnachfolge“.

Im Rahmen der

Partnerschaft sind darüber hinaus

auch gemeinsame Veranstaltungen für

Unternehmen auf Nachfolgersuche und

Existenzgründer geplant

Erstes Homecoming der Fachrichtung

BWL/Handel

Text: Silke Knoll

Zum ersten offi ziellen Treff en der

Ehemaligen, Ausbildungsleiter/innen

und Dozent/innen des Studiengangs

BWL/Handel am Fachbereich Berufsakademie

kamen mehr als 100 Alumni

für zwei Tage nach Berlin. Alte Kon-

Franz Herbert Rieger und Hans Jürgen Kulartz besiegeln den neuen Kooperationsvertrag

takte wurden erneuert, neue Kontakte

geknüpft . Das Alumni-Netzwerk am

Fachbereich II – Teil des FHW Kontakte

e. V. – hatte eingeladen zum

Networking, zu Vorträgen und einer

Podiumsdiskussion über aktuelle Entwicklungen

der Hochschullandschaft .

Aufgrund der sehr positiven Resonanz

auf dieses „Homecoming-Wochenende“

mit unterhaltsamen Rück- und

Ausblicken sind Ehemaligentreff en

auch für andere Studiengänge am Fachbereich

Berufsakademie geplant.

Personalentwicklung an

der FHW Berlin

Text: Viola Philipp

Die FHW Berlin stellt sich den Anforderungen

eines modernen Personalmanagements

und beschließt ein

Personalentwicklungskonzept für alle

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in

Verwaltung und Technik. Der Aspekt

der Personalentwicklung ist mittlerweile

in den Zielvereinbarungen der

einzelnen Fachbereiche verankert. Darüber

hinaus wurde eine Dienstvereinbarungen

zu Weiterbildung und zu den

Mitarbeiter-Vorgesetzten-Gesprächen

aktualisiert. Dies und Aktuelles zur

Lage der Frauen an der Hoch-schule ist

nachzulesen im Bericht der Frauenbeauft

ragten, der im Jahr 2008 erschienen

ist und der auch dem Kuratorium

vorgelegt wird.


54 Impressum

SemesterJournal 1/08 SemesterJournal 1/08 55

Impressum

Das Semesterjournal ist die Hochschulzeitschrift

der FHW Berlin. Es

erscheint zweimal jährlich. Namentlich

ge kennzeichnete Beiträge stellen die

Meinung der jeweiligen Autorin bzw.

des jeweiligen Autors dar. Die Redaktion

behält sich sinnvolle Kürzungen vor.

Herausgeber

Der Rektor der FHW Berlin

Badensche Straße 50–51

10825 Berlin

Redaktion

Sylke Schumann

Telefon: +49 (0)30 85789-220

E-Mail: sylke.schumann@fh w-berlin.de

Gestaltung

Marc Wingenfeld

Telefon: +49 (0)30 85789-412

E-Mail: marc.wingenfeld@fh w-berlin.de

Druck

DMP Digital- & Off setdruck GmbH

chlorfrei gebleichtes Papier

Aufl age

2 000 Stück

Redaktionschluss

April 2008

ISSN 0945-7933

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine