Technologieberatung Monitoring und Reflexion - ZIT

zitco

Technologieberatung Monitoring und Reflexion - ZIT

ZIT TECHNOLOGIEBERATUNG _

Bericht 2008-2011 _

Technologieberatung

Monitoring und

Reflexion

Markus Gruber

Stephan Kupsa

Katharina Olbrich

Wien, im November 2011


Intro 4

Hintergrund 5

Zusammenfassung 9

Die ZIT Technologieberatung 14

Modularer Aufbau 15

Akquisition von Unternehmen 17

Beratungsprozess und Ergebnisse 19

Dauer der Technologieberatungsprojekte 29

WissenspartnerInnen der ZIT Technologieberatung 30

Die Sichtweise der WissenspartnerInnen 34

Eckdaten zu den Interviews 35

Einschätzungen im Überblick 37

Voraussetzungen & Motivation der WissenspartnerInnen 39

Auswahlkriterien & kritische Faktoren 41

Vorschläge zur Optimierung 43

Erfolgsgeschichten 44

Interessante Projektverläufe 45

ZIT TECHNOLOGIEBERATUNG _

Monitoring und Reflexion _


Intro

Hintergrund

Die ZIT – Die Technologieagentur der Stadt Wien

GmbH bietet seit 2007 neben einem Portfolio an

Förderungen für Wiener Kleine und Mittlere Unternehmen

(KMU) auch Dienstleistungen für innovative

Wiener Unternehmen an. Seit Mitte 2008

wird das Portfolio ergänzt durch die Technologieberatung.

Individuell auf die konkrete Fragestellung

abgestimmt organisieren die Technologieberater-

Innen der ZIT Kontakte zu universitären und

außer universitären Forschungseinrichtungen, die

ihre technologische Expertise für die konkreten

Unternehmensprojekte zur Verfügung stellen. Da-

mit hat die ZIT einen wichtigen Schritt von der

Technologie-Förderagentur hin zur Technologieagentur

gemacht, wie in der Portfolioevaluierung

2007 empfohlen wurde (vgl. Gruber et al. 2007).

Nach einer knapp dreijährigen Aufbau- und Umset-

zungsphase der angebotenen Dienstleistung Tech-

nologieberatung stellte sich nun die Aufgabe, im

Rahmen eines extern begleiteten Monitorings die

Technologieberatung in Hinblick auf die folgenden

Punkte kritisch zu reflektieren:

¬ ¬ die Positionierung: Es existieren weitreichende

Synergien der Technologieberatung mit den

Leistungen der ZIT sowie anderen technologie-

und innovationsfördernden Institutionen.

Hier sollte das Monitoring Wege aufzeigen,

diese Synergien noch weiter zu steigern und

DIE¬TECHNOLOGIEBERATUNG

Mit der kostenlosen und unbürokratischen

Dienstleistung Technologieberatung unterstützt

die ZIT Wiener Unternehmen bei der

Umsetzung innovativer Ideen in konkrete

Projekte. Die ZIT ermittelt dabei beim

Unternehmen vor Ort den konkreten Bedarf,

wie z.B. technologisches Know-how, Förderoptionen

und weitere Kontakte. Danach

suchen die BeraterInnen im Netzwerk der

ZIT nach den optimalen PartnerInnen zur

Umsetzung. Sämtliche Informationen werden

dabei streng vertraulich behandelt.

Die ZIT unterstützt Unternehmen kostenlos

¬ ¬ bei der Suche nach ExpertInnen am

wissenschaftlichen Markt zur Lösung

von technologischen Fragestellungen.

¬ ¬ bei der Suche nach Fördermöglich keiten

zur Finanzierung des Innova tions -

projekts.

¬ ¬ bei der Vermittlung von Kontakten zur

Klärung von offenen Fragen in anderen

Bereichen wie z. B. Marktanalyse,

gewerbliche Schutzrechte, usw.

ZIT TECHNOLOGIEBERATUNG _

Monitoring und Reflexion _

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„Die positive Bilanz nach vier Jahren

ZIT Technologieberatung zeigt, wie

wichtig dieses Angebot für Wiener

KMU und insbesondere Kleinstunternehmen

ist: es werden Unternehmen

unterstützt, die am Sprung zur Innovation stehen. Der

vorliegende Bericht zeigt eindrucksvoll: wer gestern die

Technologieberatung in Anspruch genommen hat, ist

heute mit einem erfolgreichen Produkt am Markt und

plant für morgen eine Forschungskooperation mit wissenschaftlichen

PartnerInnen.“

Mag. a Renate Brauner,

Vizebürgermeisterin der Stadt Wien, Stadträtin für Finanzen,

Wirtschaftspolitik und Wiener Stadtwerke

die Dienstleistung der Technologieberatung

von anderen Angeboten zu differenzieren.

¬ ¬ die Beratungsleistungen an sich: Das

Leistungsportfolio der Technologieberatung

sollte in Hinblick auf eine noch bessere

Kundenorientierung reflektiert und optimiert

werden, um die Nachhaltigkeit der

Dienstleistung langfristig zu sichern.

¬ ¬ die dokumentierten Ergebnisse: Neben

einer statistischen Analyse der bestehenden

Projektdaten zur Feststellung der Performance

äußerten die TechnologieberaterInnen den

Wunsch, bei der Entwicklung einer sinnvollen

Dokumentationsstruktur zur Ergebnissicherung

durch einen externen Partner unterstützt zu

werden.

Das durchgeführte Monitoring sollte den Grundstein

dazu legen, einen zukünftigen Ausbau der

Technologieberatung vorzubereiten, mit dem Ziel,

einen größtmöglichen Mehrwert zu schaffen.

Der vorliegende Bericht wurde auf Basis des von

convelop begleiteten Monitoringprozesses verfasst;

der Bericht steht in voll ständiger Länge auf zit.co.at

zum Download zur Verfügung.

Der gemeinsam mit convelop durchgeführte

iterative Beratungsprozess umfasste:

¬ ¬ Eine Sichtung der bisherigen Dokumentation

¬ ¬ Reflexions-Workshop zur (Neu)-Strukturierung

der Dokumentation und Datenerhebung

¬ ¬ Auswertung der bereitgestellten

TB-Monitoringdaten

¬ ¬ Interviews mit den WissenspartnerInnen

der ZIT

¬ ¬ Reflexions-Workshop

¬ ¬ Dokumentation / Bericht

ZIT TECHNOLOGIEBERATUNG _

Monitoring und Reflexion _

7


„Die ZIT MitarbeiterInnen sind echte Matchmaker.

Sie kennen die Bedürfnisse der KMU und die Expertise

und Kompetenzen ihrer wissenschaftlichen Partner-

Innen. Dadurch ist eine hohe Erfolgschance für

Kooperationsprojekte gegeben.“

Secure Business Austria

Zusammenfassung der Ergebnisse

und Ausblick

Die ZIT hat im Rahmen ihrer „Dienstleistungen“

seit Mitte 2008 die Technologieberatung aufgebaut

und umgesetzt. Die Auswertung der Dokumentation

zeigte, dass bis Juni 2011 478 Erstgespräche

mit überwiegend Kleinst- und Kleinunternehmen

durchgeführt wurden. Die Zahl der jährlichen Erstgespräche

lag 2009 und 2010 bei 130-150. Mehr als

die Hälfte der Erstkontakte führte zu weiterführenden

Aktivitäten.

Bislang sind 230 Technologieberatungsgespräche

und 136 konkrete Innovationsprojekte mit WissenspartnerInnen

entstanden, die zu mehr als vier Fünfteln

zu positiven Ergebnissen führten. Erreicht

wurden bislang durch die ZIT Technologieberatung

174 Unternehmen mit konkreten Beratungsgesprächen.

Insgesamt bedeutet dies, dass

¬ ¬ nicht ganz ein Drittel der Erstkontakte zu einem

oder mehreren positiven Ergebnissen in Unternehmen

führt;

¬ ¬ mehr als vier Fünftel der Unternehmen, die die

Technologieberatung in Anspruch nehmen, ein

oder mehrere positive Ergebnisse erhalten.

Die auf konkrete Fragestellungen abgestimmte Vermittlung

von WissenspartnernInnen führte zum

Aufbau eines Kontaktnetzwerkes zu Forschungs-

einrichtungen. Bislang wurde mit insgesamt

80 WissenspartnerInnen (Organisationen und

Subeinheiten wie Institute) zusammengearbeitet.

Dieses Netzwerk ist also rasch gewachsen. Das

Feedback der WissenspartnerInnen an die ZIT als

vermittelnde Organisation und „Match-Maker“ ist

durchwegs positiv. Sie schätzen die Kompetenz und

die Neutralität des ZIT-Teams, wünschen sich aber

auch eine intensive Informationsarbeit über Möglichkeiten

und Grenzen des Leistbaren im Rahmen

von kleinen Innovations-Projekten.

Die Daten zeigen nach den Einschätzungen von

convelop eine gute und plausible Gesamtperformance

im Hinblick auf Zahl der Beratungen und

ihrer Ergebnisse. Insgesamt konnte damit auf der

wirtschaftsbezogenen Seite des Innovationssystems

die Reichweite der ZIT im Bereich der Wiener

KMU deutlich erhöht werden. Auch auf der wissenschaftlichen

Seite des Innovationssystems ist ein

umfangreiches und stabiles Netzwerk entstanden.

Entscheidend dabei ist, dass die Erfahrungen aus

Beratung und Zusammenarbeit ein vertieftes Verständnis

über die AkteurInnen des Innovationssystems

und deren Verfasstheit geschaffen haben sowie

Zugangskanäle für weitere Aktivitäten eröffnen.

Insgesamt unterstützt die Technologieberatung da-

ZIT TECHNOLOGIEBERATUNG _

Monitoring und Reflexion _

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Übersicht über Ergebnisse der Technologieberatung

Rund die Hälfte der Erstkontakte führen zu

Technologieberatungsprojekten

72% der Gespräche WissenspartnerIn – ZIT

Unternehmen verlaufen erfolgreich

62% weiterführende Projekte gestartet 10% Technologieauskunft bereits

im Gespräch erfolgt

84% der Projekte enden mit

positiven Ergebnissen

16% abgebrochen/negatives Ergebnis 84% erfolgreich abgeschlossen:

Quelle: ZIT TB-Datenbank, Auswertungen convelop 2011

¬ ¬ Ergebnis in Produkt oder Dienstleistung

integriert

¬ ¬ Vorbereitung Markteinführung

¬ ¬ Weiterentwicklung geplant

mit die in der Portfolioevaluierung getätigte Emp-

fehlung einer Erhöhung der Reichweite der ZIT bei

Wiener Unternehmen sowie die Entwicklung der

ZIT von einer reinen Technologie-Förderagentur

hin zu einer Technologieagentur durch die Vervollständigung

ihres Portfolios (Gruber et al. 2007).

Gleichzeitig sieht convelop Entwicklungsnotwen-

digkeiten und –optionen, die neben dieser Breite in

der Erstberatung (Modul 1) auch eine erhöhte Tiefe

und Kontinuität in der eigentlichen Technologieberatung

erfordert.

Für die ZIT geht es vordringlich darum, Unterneh-

men, die an der Schwelle zu einem „Entwicklungssprung“

stehen, zu identifizieren und zu aktivieren.

Diese Schwelle kann im Einstieg zu den ersten

Innovationsprojekten, im Übergang zu systematischeren

Innovationsaktivitäten oder auch zu komplexeren,

kooperativen Projekten liegen.

Es geht also weniger um die Förderung des einzel-

nen Projektes, sondern um die Entwicklung der

Unternehmen. Darin liegt die Herausforderung für

die nächste Phase der Technologieberatung der

ZIT. Dies sollte sich nach Ansicht von convelop im

Beratungszugang, der Zielgruppe und dem Monitoring

widerspiegeln. Es handelt sich dabei um eine

nicht-triviale, äußerst anspruchsvolle Aufgabe

sowohl im Hinblick auf die Identifikation solcher

Unternehmen als auch deren Begleitung.

Die inte ressantesten sind hier wohl jene Unterneh-

men, die Wachstumspotenziale und –tendenzen

aufweisen. Letztlich führt dies auch zu umfassende-

ren Fragen der Innovation in Unternehmen und

deren Entwicklung, die über technologische Fragen

hinaus gehen werden.

Es kann und soll daher über Entwicklungsoptionen

nachgedacht werden. Die Entwicklungsrichtungen

können dabei sein:

¬ ¬ Verstärkung des Engagements für komplexere

und anspruchsvollere Projekte und Programme,

z.B. in der Initiierung von Projektkonsortien.

Es wurden Erfahrung und Kontakte

aufgebaut, die die Basis für diesen Ent wick lungs -

schritt legen. Es bietet sich dazu eine Reihe

internationaler und nationaler Programme an.

¬ ¬ Die weitere Begleitung von Unternehmen, um

von Innovationsscheck-Projekten den Zugang in

anspruchsvollere Programme zu erreichen, insbesondere

dann, wenn sie Wachstums ten denzen

ZIT TECHNOLOGIEBERATUNG _

Monitoring und Reflexion _

10 11

zeigen.

Im Hinblick auf das Monitoring kann Folgendes

empfohlen werden:

¬ ¬ Den Wissensstand über die Unternehmen erhö-

hen. Wichtig für die ZIT erscheint, ein gutes

Verständnis über die Zielgruppen zu entwickeln

und dieses auch datenmäßig abzubilden. Dazu

bildet die Verknüpfung mit den Unternehmensdatensätzen

der ZIT und der Wiener Wirtschafts

agentur die Grundlage. Weiters sollten

jedoch auch über die Aus wertung einfacher

Ab frage indi katoren wie Förderungsvorerfahrung

und Technologie transfererfahrung sowie Erst-


„Für uns war es extrem spannend und bereichernd,

230 Projektideen zu begleiten. Wir haben dabei

gemein sam mit den Unternehmen und Wissens partner-

Innen sehr viel gelernt und können dieses Wissen in

die nächsten Projekte einbringen.“

ZIT TechnologieberaterInnen

Eva Czernohorszky, Leitung

Isabella Frey, Schwerpunkt IKT und Medien

Peter Halwachs, Schwerpunkt Medizintechnik

Katharina Olbrich, Schwerpunkt Energie und Umwelt

12

Q uelle: ZIT TB-Datenbank, Auswertungen convelop 2011

kundenstatus für die ZIT erfasst bzw. standardisiert

nutzbar sein.

¬ ¬ Es sollten Beispiele für „change of behaviour“

und damit die Wirkungsebenen erfasst werden.

Entscheidend ist letztlich nicht das Ergebnis des

Projektes, sondern die Entwicklung des Unternehmens.

Hier verfolgt die ZIT mit dem Aufbau

Und¬die¬Moral¬von¬der¬Geschichte…

… oder wie wir die Technologieberatung

weiter entwickeln wollen.

Bei der Weiterführung und Weiterentwicklung

der Technologieberatung werden wir uns auf

zwei Zielsetzungen konzentrieren.

Erstens wollen wir unseren Kontakt zu „Innovationsschwellenbetrieben“

ausbauen. Die Auswertung

hat gezeigt, dass Technologieberatungen

von kleinen Unternehmen, die erstmals eine

Kooperation mit wissenschaftlichen Einrichtungen

eingehen, besonders nachhaltig wirken. Das

bestärkt uns in unserer Überzeugung, dass in der

kleinteiligen Wiener Wirtschaft strategische

Kooperationen zu einer Dyna misierung des

Innovationssystems und zu einer wechselseitigen

Stärkung der einzelnen AkteurInnen führen. Wir

werden deshalb in Zukunft aktiv auf Unternehmen

zugehen, um sie bei den ersten Technologietransferprojekten

zu begleiten.

eines Unternehmensmonitoring einen ambitionierten

Ansatz, der langfristige Möglich keiten

des „Wirkungsmonitorings“ eröffnen wird.

Insgesamt bedeutet dies, dass der Fokus vor allem

mehr auf die Entwicklung des Unternehmens als

auf das Ergebnis eines einzelnen Projektes gelegt

werden sollte.

Zweitens werden wir die Bildung von größeren

und langfristigen Forschungskooperationen

aktiv unterstützen. Durch die Begleitung von

230 Technologieberatungsprojekten haben wir

einen sehr guten Überblick über die Wiener Forschungs-

und Innovationslandschaft bekommen.

Dieses Wissen wollen wir einbringen, um die

Bildung von Konsortien zu fördern. Mit dem

Programm KOOPERATION hat die ZIT für die

Bildung solcher Konsortien ein ergänzendes

Förderangebot. Nach dem Motto „Stärken stärken“

wollen wir einen Beitrag dazu leisten, dass

Kristallisationspunkte des Wiener Innovationssystems,

wo sich sowohl in der Wissenschaft als

auch in der Unternehmenslandschaft spannende

Entwicklungen beobachten lassen, gestärkt

werden.

Eva Czernohorszky

Claus Hofer

ZIT TECHNOLOGIEBERATUNG _

Monitoring und Reflexion _

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Die ZIT

Technologieberatung

14

ZIT Technologieberatung: Modularer Aufbau

Ziel ist die Unterstützung von Wiener KMU, wenn

diese ihre Produkte, Verfahren oder Dienstleistungen

verbessern wollen. Die ZIT ermittelt beim Unternehmen

vor Ort den konkreten Bedarf, wie z.B.

technologisches Know-how, Förderoptionen und

weitere Kontakte. Sie unterstützt KMU:

¬ ¬ bei der Suche nach ExpertInnen am wissenschaftlichen

Markt zur Lösung von technologischen

Fragestellungen

¬ ¬ bei der Suche nach Fördermöglichkeiten zur

Finanzierung des Innovationsprojekts

¬ ¬ bei der Vermittlung von Kontakten zur Klärung

von offenen Fragen in anderen Bereichen wie

z.B. Marktanalyse, gewerbliche Schutzrechte,

usw.

Die ZIT bietet dazu ein 3-stufiges Modell an:

Modul 1: Erstgespräch, Modul 2: Gespräch mit

WissenspartnerIn, Modul 3: Projekt.

Im Team der Technologieberatung sind auf Vollzeitäquivalente

gerechnet 2010 3 MitarbeiterInnen und

2011 derzeit 2,5 MitarbeiterInnen beschäftigt.

ZIT TECHNOLOGIEBERATUNG _

Monitoring und Reflexion _

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16

Modell der ZIT Technologieberatung

MODUL 1: Erstgespräch UnternehmerIn/ZIT

•¬Umfassendes¬Erstgespräch¬(Unternehmen¬&¬ZIT)

•¬Abklärung¬&¬Dokumentation¬des¬(technologiebasierten)¬Innovationsbedarfs;

Ergebnis:¬Technologieorientierte¬Fragestellung

•¬Recherche¬und¬Zusammenstellung¬der¬WissenspartnerInnen¬(durch¬die¬ZIT)

•¬Klärung¬ob¬Inanspruchnahme¬von¬externen¬Fördermöglichkeiten¬möglich¬(FFG,¬Wifi¬etc.)

MODUL 2: Gespräch UnternehmerIn/WissenspartnerInnen/ZIT

•¬Meeting:¬Vertiefung¬der¬identifizierten¬Problem-Lösungen¬&¬gemeinsame¬Entwicklungen¬von¬Lösungsstrategien

•¬WissenspartnerInnen¬formulieren¬ein¬Angebot¬an¬das¬Unternehmen

MODUL 3: Projekt

Quelle: ZIT GmbH

Unternehmen mit Innovationsbedarf kommt mit der ZIT in Kontakt

•¬Inhalte¬des¬Moduls¬3¬können¬(exemplarisch)¬sein:¬Recherchen¬zum¬aktuellen¬Stand¬der¬Technik,¬Machbarkeitsstudien¬¬

¬¬¬inkl.¬Aufträge¬zum¬Messen,¬Testen¬oder¬Prüfen,¬technische,¬prozessuale¬und¬konzeptuelle¬Studien¬oder¬Prototypenent-¬

¬¬¬wicklung,¬Innovationspotentialanalyse,¬Ideenstudie,¬etc.

•¬Die¬Finanzierung¬erfolgt¬entweder¬durch¬das¬Unternehmen¬selbst,¬mittels¬Innovationsscheck¬der¬FFG¬oder¬mit¬anderen¬¬

¬¬¬Förderungsangeboten¬der¬ZIT¬und¬anderen¬Förderinstitutionen

Dokumentation als Basis für Case-Management & Monitoring

Akquisition von Unternehmen

Zugang¬zur¬Technologieberatung¬über¬¬

verschiedene¬Wege

Wie entstehen Technologieberatungsprojekte? Es

gibt unterschiedliche Unterstützungsphilosophien.

Jene, die strikt auf Eigenaktivitäten der Unternehmen

setzt, ist mit dem Nachteil verbunden, dass vor

allem kleinere Unternehmen mit zeitlichen Ressourcenengpässen

nicht ausreichend erreicht werden

können. Demgegenüber steht ein pro-aktiver

Zugang zu Unternehmen, der wiederum auch die

Frage nach Selektivität und Treffsicherheit aufwirft.

Technologieberatungsprojekte können über beide

Wege entstehen:

¬ ¬ Unternehmen werden von sich aus aktiv

und nehmen mit der ZIT Kontakt auf. Dies

kann auch im Zusammenhang mit einer allgemeinen

Anfrage an die ZIT stehen. Neue

Dienstleistungsangebote sind dabei kaum

ein Selbstläufer. Eine eigene Dynamik der

Nachfrage kann erst über längere Zeit durch

Bekanntwerden des Angebotes und positive

Erfahrungen der Unternehmen entstehen.

¬ ¬ Die ZIT nimmt auf Basis von Vorrecherchen

Neben einer Kontaktaufnahme durch Unternehmen

wird die ZIT in der Unternehmensakquisition

selbst aktiv.

aktiv Kontakt mit Unternehmen auf. Die These

dabei ist, dass Klein- und Kleinstunternehmen

häufig über gute Ideen verfügen, vielfach

jedoch im unternehmerischen Alltag in deren

Verwirklichung nicht vorankommen und/

oder keinen ausreichenden Überblick über

(technologische) Unterstützung haben.

Dabei werden durch die ZIT Vorrecherchen vorgenommen,

um eine grundsätzliche technologische

Anschlussfähigkeit an die Technologieberatung

– soweit dies möglich ist – abzuklären. Im Technologieberatungs-Team

wird dazu auch eine thematische

Spezialisierung verfolgt. Weitere Informations-

und Kontaktquellen sind ZIT Veranstaltungen

und die dort teilnehmenden Unternehmen oder

„MultiplikatorInnen“, die Unternehmen an die ZIT

verweisen.

ZIT TECHNOLOGIEBERATUNG _

Monitoring und Reflexion _

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„Die Herangehensweise der ZIT in Form eines

Dreier-Gesprächs – ZIT, KMU und wir – führt zu

einem schnellen Vertrauensaufbau. Es wird hier nicht

Forschung verkauft, sondern etwas gemeinsam entwickelt.

Das schätzen wir und auch die KMU sehr.“

VRVis Zentrum für Virtual Reality und Visualisierung Forschungs-GmbH

18

Beratungsprozess und dessen Ergebnisse

ZIT¬Technologieberatung¬Modul¬1

In den drei Jahren – zwischen Mitte 2008 und

Mitte 2011 – wurden 478 Modul 1­Gespräche dokumentiert.

Bei insgesamt 33% dieser Erstgespräche

ist die Initiative von der ZIT ausgegangen.

Die Auswertung der Dokumentation zeigte, dass die

größten Erfolgschancen bei Kleinunternehmen, also

Unternehmen zwischen 11 und 50 Beschäftigten, bestehen

(73% Erfolgsrate), während sie bei anderen

Größenklassen bei rund 50% liegt.

Was ist Gegenstand der Modul 1-Gespräche? Im

Rahmen der Erstberatungs-Gespräche informieren

ZIT¬Technologieberatung¬Modul¬2

Auf Basis der Modul 1-Gespräche und einer ersten

Definition des (technologischen) Unterstützungsbedarfes

wird eine/r potentielle/r „ProblemlösungspartnerIn“

durch die ZIT identifiziert und

es kommt zu einem gemeinsamen Gespräch. Im

positiven Fall erfolgt eine „Problemklärung“ unmittelbar

vor Ort („Technologieauskunft“) bzw. es wird

ein konkretes Projekt in Zusammenarbeit mit dem/

der WissenspartnerIn gestartet. In etwas mehr als

einem Viertel der Gespräche kommt keine weitere

Aktivität zustande.

44% der 478 Erstgespräche mit Unternehmen

führten zu Technologieberatungsprojekten.

die TechnologieberaterInnen über Programme und

Initiativen der ZIT, der Wiener Förderungslandschaft

sowie Organisationen des Bundes. Neben der

Technologieberatung wird vor allem auf das Förderprogramm

„Innovation“ der ZIT sowie auf die Angebote

der FFG – nach Aussagen des Technologieberatungs-Teams

in erster Linie Innovationsscheck,

Feasibility und Basisprogramme – verwiesen.

Mit 230 Beratungsprojekten wurden 174 Unternehmen

erreicht. 72% der Beratungsprojekte

führen zu positiven Ergebnissen durch

Technologieauskunft oder der Entwicklung

konkreter Projekte der Zusammenarbeit der

Unternehmen mit WissenspartnerInnen.

ZIT TECHNOLOGIEBERATUNG _

Monitoring und Reflexion _

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„Für KMU ist der erste Kontakt mit Wissenschaft und

Forschung erfahrungsgemäß eher zurückhaltend. Die

Bemühungen der ZIT sind hier ungemein wichtig, um

diese Barriere zu überwinden.“

Research Studio Smart Agent Technologies

Aus den Modul 1-Gesprächen sind insgesamt 2301 konkrete Beratungsgespräche im Rahmen des Moduls

2 der ZIT Technologieberatung in insgesamt

174 Unternehmen entstanden. In 38 Unternehmen

gibt es zwei oder mehr Beratungsprojekte. Im

Höchstfall erreicht ein Unternehmen 6 Beratungsprojekte.

Demnach führen 62% (136 Projekte)

weiter zu Modul 3 der Technologieberatung, 10%

(23 Projekte) wurden mit dem Gesprächstermin

Technologieberatungsprojekte Modul 2

Ergebnisse Beratungsprojekte In %

Kein Angebot des

Wissenspartners/der Wissenspartnerin

1 209 plus 21, welche nicht in den Daten der Erstkontakte erfasst sind.

9 4%

kein „Go“ des Unternehmens 41 19%

keine Finanzierung 11 5%

Modul 3 starten 136 62%

Technologieauskunft im Gespräch erfolgt 23 10%

Gesamt 220 100%

Noch keine Ergebnisse vorliegend 10

Gesamtergebnis 230

Quelle: ZIT TB-Datenbank; Auswertung convelop N = 230 Modul 2-Gespräche

erfolgreich bearbeitet. Dies bedeutet, dass insgesamt

72% der Fälle zu einem positiven Ergebnis führen.

In 28% der Fälle (61 Beratungen) gibt es keine

weiterführenden Ergebnisse. Es gibt kein „Go“ des

Unternehmens, keine Finanzierung bzw. es kommt

kein Angebot des Wissenspartners oder der Wissenspartnerin

zustande. Für 10 Beratungsprojekte

liegen noch keine Ergebnisse vor.

ZIT TECHNOLOGIEBERATUNG _

Monitoring und Reflexion _

20 21


ZIT¬Technologieberatung¬Modul¬3¬

Welche Projekte werden im Rahmen des Technologieberatungs-Moduls

3 umgesetzt? Rund 36% der

Modul 3 Projekte sind „Konzeptentwicklungen“

(48 Projekte), Machbarkeitsstudien sind 17% der

Projekte (22), auf Analysen (messen, testen, prüfen)

entfallen 18% aller Projekte (24). 15% (20 Projekte)

entfallen auf die Entwicklung von Prototypen und

in weiteren 10% der Projekte (13) sind tatsächliche

F&E-Kooperationen zustande gekommen. Da allerdings

die Zuordnung zu den Projekttypen vom ZIT-

Team als nicht einfach und nicht immer eindeutig

wahrgenommen wird, wird in Hinkunft eine Vereinfachung

der Klassifikation angestrebt.

Modul 3-Projekttypen

allg. Innovationsberatung

Analyse (Messen, Testen, Prüfen)

Entwicklung Prototyp

Konzeptentwicklung

koop. F&E Projekt

Machbarkeitsstudie / Prüfung

sonstiges

Anteil an Modul 3-Projekten

2

1

2

2

2

1

0

5

4

5

12

Die größten Erfolgschancen im Übergang vom Erstgespräch

auf die Technologieberatung (Modul 1 auf

2) liegen bei Kleinunternehmen. Bei der Erfolgswahrscheinlichkeit

sowohl im Übergang von Modul

2 auf 3 als auch bei den Ergebnissen für Modul 3

gibt es kaum Unterschiede nach Unternehmensgrößen.

Lediglich Projekte mit Einpersonenunternehmen

sind hier der Tendenz nach leicht unterdurchschnittlich

erfolgreich.

0% 10% 20% 30% 40% 50%

■ Anzahl an positiven Modul 3-Projekten

■ Anzahl an negativen Modul 3-Projekten

15

16

Konzeptentwicklungen und konkrete

Analysen (Tests, Prüfungen) sind die

häufigsten Projekttypen.

36

Einfluss Unternehmensgröße auf Erfolgschance bei Erstgesprächen

groß (≥ 250 MA)

mittel (< 250 MA)

klein (< 50 MA)

kleinst (< 10 MA)

Quelle: ZIT TB-Datenbank; Auswertung convelop; N = 133 Modul 3 Projekte mit bekanntem Ergebnis. Balkengröße entspricht Prozentanteilen.

Überdurchschnittlich hohe Erfolgsraten für die

Überleitung von Modul 2 auf 3 gibt es bei Unternehmen

in den Bereichen Energie- und Umwelttechnologien,

Medizintechnik, Produktdesign und

-gestaltung sowie Fertigungsverfahren; unterdurchschnittlich

ist die Erfolgsrate innovativer Dienstleistungen

(Anwendungen auf Basis Geistes- und

Sozialwissenschaften).

ZIT TECHNOLOGIEBERATUNG _

Monitoring und Reflexion _

Anteil an Erstgesprächen in Prozent 0% 10% 20% 30% 40% 50%

■ Anzahl der gestarteten TB an Erstgesprächen

■ Anzahl an Erstgesprächen ohne dass eine TB folgt

22 23

keine Angabe

in Gründung

EPU

3 95

0 8

4 3

8 8

74 27

45 48

75 76


„In einem Projekt mit einem KMU-Kontakt der ZIT

konnten wir einerseits dem Unternehmen helfen sein

Problem zu lösen und gleichzeitig auch unsere Anlagen

mit dem neu gewonnenen Know-How optimieren.“

TU Wien, Institut für Fertigungstechnik und Hochleistungslasertechnik

12 Frauenbericht 2010. Situation von Frauen in Österreich im Zeitraum 1998 bis 2008.

http://www.bka.gv.at/studien/frauenbericht2010/Frauenbericht_Teil1_3Erwerbstaetigkeit.pdf (aufgerufen am 13.01.2011)

Von den 136 gestarteten Projekten liegen Ergebnisse

für 103 Projekte vor. Für 33 Projekte ist das Ergebnis

noch unbekannt oder es ist kein Eintrag vorhanden.

Von den 103 Modul 3-Projekten werden 84% positiv

für das Unternehmen abgeschlossen2 . 11% der Modul

3-Projekte werden vorzeitig abgebrochen und

5% kommen zu einem negativen Ergebnis (z.B. im

Bereich Messen und Testen). Insgesamt zeigte die

„Fördererfahrenheit“ eines Unternehmens – nicht

jedoch dessen Erfahrung mit „Technologietransfer“

– einen positiven Einfluss auf die Erreichung einer

Modul 3-Beratungsprojekte

durchgängigen Projektkette von Modul 1 bis

Modul 3 und bis zu einem positiven Projektabschluss.

Ergebnisse Beratungsprojekte In %

erfolgreich abgeschlossen und integriert 58 56%

Vorbereitung Markteinführung 6 6%

Weiterentwicklung 23 22%

Projekt mit negativem Ergebnis abgeschlossen * 5 5%

Vorzeitiger Projektabbruch 11 11%

Zwischenergebnis 103 100%

Ergebnis unbekannt 5

Mehr als 4/5 der Projekte führen zu positiven

Ergebnissen für die Unternehmen. Aber auch

„Negative Projektergebnisse“, z.B. bei Testverfahren,

können für Unternehmen einen

großen Nutzen bieten.

keine Angabe 28

Gesamtergebnis 136

Quelle: ZIT TB-Datenbank; Auswertung convelop N = 136 Modul 3 Starts; * beinhaltet auch erfolgreich abgeschlossene Projekte, aber mit z.B. negativen Testergebnissen.

2 Umfasst folgende Kategorien: erfolgreich abgeschlossen/integriert, Vorbereitung der Markteinführung bzw. Weiterentwicklung

ZIT TECHNOLOGIEBERATUNG _

Monitoring und Reflexion _

24 25


Die negativen Ergebnisse bzw. vorzeitigen Projektabbrüche

in Modul 3 kommen überproportional

stark durch die Projektkategorie „Messen, Testen

und Prüfen“ zustande. 19% der Modul 3-Projekte

beschäftigen sich mit Analysen, bei den als „negativ“

klassifizierten Projekten liegt der Anteil bei 31% 3 .

Hier kann auch nur bedingt von einem „negativen“

Ergebnis gesprochen werden, erspart das negative

Ergebnis Unternehmen vielfach doch Investitionen

in weitere aber fruchtlose Entwicklungsleistungen.

Technologieunterklassen

Informatik (Technologieentwicklung)

Sozial-, Geistes- und Wirtschaftswissenschaften

Elektrotechnik, Elektronik und Licht

Produktion, Fertigung und Herstellung

Produktgestaltung und Design

Maschinenbau und Mechatronik

Chemie, Werkstoffe, Kunststoffe und Verfahrenstechnik

Medien (Apps und Contentprojekte)

IKT als Anwendungsträger

Medien (Technologieentwicklung)

Telekommunikation und Internettechnologien

Bautechnik, Architektur und Raumplanung

Energie

Medizintechnik

Transport, Verkehrswesen, Verkehrsplanung und Mobilität

Umwelttechnologien

Ernährung und Landwirtschaft

(Rote) Biotechnologie / Medizin / Pharma

Quelle: ZIT TB-Datenbank, Auswertung convelop; N = 214 entwickelt (6 keine Angaben) bzw. 213 verwendet (7 keine Angaben).

Welche¬Technologien¬für¬welche¬KundInnen?¬

Von der ZIT werden sowohl die KundInnen als auch

die vermittelten Problemlösungen Technologieklassen

zugeordnet. Bei den Kunden und Kundinnen

(entwickelte Technologien) dominieren Elektrotechnik

und Elektronik sowie IKT und innovative

Dienstleistungen. Verwendet werden hingegen Chemie,

Werk- und Kunststoffe, Verfahrenstechnik, Medien

(Content) und IKT-Lösungen. Weitreichendere

Auswertungen werden erst bei größeren Fallzahlen

möglich werden.

� TK entwickelt

� TK verwendet

0% 2% 4% 6% 8% 10% 12% 14%

Finanzierung¬der¬Technologieberatung¬

Modul¬3-Projekte

Die Finanzierung der Technologieberatungsprojekte

erfolgt – soweit Förderungen beantragt werden –

demnach auch vorwiegend über den FFG-Innovations

scheck und der Förderung von „Feasibilities“.

Es wurden in einzelnen Fällen und für größere

Projekte auch weitere Programme in Anspruch

genommen.

Durch den Innovationsscheck werden laut Evaluierung

vor allem innovative Unternehmen erreicht

(„EntwicklerInnen“). Drei Viertel der Unternehmen

haben Erfahrung mit Forschungseinrichtungen,

16 von 20 kannten die Einrichtung bereits vor dem

Projekt4 .

Der Innovationsscheck ist für die Technologieberatung

ein wichtiges Förderungsinstrument.

Die Auswertung und gemeinsame Reflexion

zeigte, dass:

¬ ¬ aus der Sicht der WissenspartnerInnen die von

der ZIT vermittelten Projekte durchwegs additional

sind - d.h. auch Unternehmen, mit denen

die Einrichtungen neu in Kontakt kommen.

¬ ¬ nur die Hälfte der ZIT-Unternehmen bereits

Technologietransfer-Erfahrung haben.

¬ ¬ von den TechnologieberaterInnen nicht der

Eindruck geteilt wird, dass die von der ZIT

erreichten Unternehmen weitgehend ohne

Schwierigkeiten einen Überblick über die

Forschungseinrichtungen haben.

3

Umgekehrt: 36% der Modul 3 Projekte beschäftigen sich mit Konzeptentwicklungen; der Anteil der negativen Ergebnisse bei Konzeptentwicklungen

liegt hingegen nur bei 25%.

4

Die Zwischenevaluierung des Innovationsschecks basiert auf den Auswertungen der FFG-Daten sowie auf einem Sample von 20 Interviews

mit Unternehmen und Fokusgruppen mit Forschungseinrichtungen (siehe Good u. Tiefenthaler 2011).

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Monitoring und Reflexion _

26 27


„Durch die Bemühungen der ZIT ist es uns möglich,

noch mehr Projekte in Kooperation mit KMU zu verwirklichen.

Die innovativen Ideen und die flexible

Arbeitsweise der KMU ermöglichen uns auch intern

einen enormen Wissenszuwachs.“

CURE - Center for Usability Research and Engineering

Dauer der Technologieberatungsprojekte

Typischerweise dauert ein Technologieberatungs-

projekt vom Modul 1-Gespräch bis zum Projektab-

schluss zwischen einem Monat und einem Jahr. Die

folgende Grafik zeigt jedoch, dass – möglicherweise

Dauer Erstgespräch bis Projektabschluss Modul 3-Projekt

Projektanzahl

15

12

9

6

3

0

bedingt durch den Startzeitpunkt der Projekte im

Jahresverlauf – die meisten Technologieberatungsprojekte

nach drei Monaten oder nach neun Monaten

abgeschlossen werden.

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 18 19 20 21 22 23

Dauer in Monaten

Quelle: ZIT TB-Datenbank, Auswertung convelop; N = 95 Projekte mit bekanntem Erstgesprächs- und Projektabschlussdatum.

ZIT TECHNOLOGIEBERATUNG _

Monitoring und Reflexion _

29


WissenspartnerInnen der

ZIT Technologieberatung

Im Rahmen der Technologieberatung liegt eine

Herausforderung in der Identifikation der richtigen

ProblemlösungspartnerInnen durch die ZIT. Hier

war es notwendig, entsprechende Kontakte aufzubauen.

Insgesamt wurde bisher mit 80 WissenspartnerInnen

(Organisationen oder Teilorganisationen

wie Institute) zusammengearbeitet. Die drei

zentralen „Player“ sind: Verschiedene Institute der

TU Wien, das Center for Usability Research and

Engineering (CURE) und das Österreichische Forschungsinstitut

für Chemie und Technik (ofi).

Mit den 11 wichtigsten WissenspartnerInnen wer-

den rund 70% der Beratungsfälle abgedeckt. Die TU

Wien und das OFI sind auch jene Institutionen, die

die meisten Innovationsscheck-Projekte bearbeiten.

Insgesamt 19 der 80 WissenspartnerInnen sind

außerhalb Wiens angesiedelt.

WissenspartnerInnen

Institution Projekte

TU Wien 53

davon TU Wien - Institut für Fertigungstechnik und Hochleistungslasertechnik 11

davon TU Wien - Institut für Computertechnik 6

davon TU Wien - Institut für Mechanik und Mechatronik 6

davon TU Wien - Institut für Energiesysteme und Elektrische Antriebe 4

davon TU Wien - Institute of Electrodynamics, Microwave and Circuit Engineering 3

CURE Center for Usability Research and Engineering 28

ofi - Österreichisches Forschungsinstitut für Chemie und Technik 27

davon ofi - Technologie & Innovation GmbH 7

SBA Secure Business Austria - Research GmbH 17

VRVis Zentrum für Virtual Reality und Visualisierung 11

Austrian Institute of Technology 10

Health & Environment 4

Mobility 3

Energy 2

Laboratorien 1

evolaris next level GmbH 9

FH Technikum Wien 8

davon Institut für Telekommuniation & Internet Technologies 5

Institut für Kulturpsychologie und qualitative Sozialforschung 4

Fraunhofer - Produktions- und Logistikmanagement 3

Holzforschung Austria (HFA) 3

Quelle: ZIT TB-Datenbank, Auswertung convelop

ZIT TECHNOLOGIEBERATUNG _

Monitoring und Reflexion _

30 31


„Die ZIT hat einen guten Überblick über die

Expertise unserer Forschungseinrichtung und

das notwendige ‚Kompetenzgespür‘.“

evolaris next level GmbH

Verteilung¬bei¬Modul¬3-Projekten¬

nach¬Art¬der¬Institution¬

Rund die Hälfte der Modul 3-Projekte werden von

außeruniversitären Einrichtungen bearbeitet, Universitäten

bearbeiten 40% der Projekte. Einen auffallend

geringen Anteil an Modul 3-Projekten nehmen

mit 7% die Fachhochschulen in Wien ein, was

Verteilung der Forschungseinrichtungen bei gestarteten Modul 3-Projekten

Quelle: ZIT TB-Datenbank, Auswertung convelop; N = 136 gestartete Modul 3-Projekte.

sich zum Teil aus dem Angebotsportfolio und der

Positionierung der Wiener Fachhochschulen sowie

dem insgesamt dichten Angebot an Forschungseinrichtungen

erklären mag. Vergleichsweise erreicht

der Anteil der Fachhochschulen bei der Umsetzung

des FFG-Innovationsschecks 20%.

Absolut In %

Universitäten 21 39%

Fachhochschulen 4 7%

Außeruniversitäre Forschungseinrichtungen 28 52%

keine Angabe 1 2%

Gesamt 54 100%

ZIT TECHNOLOGIEBERATUNG _

Monitoring und Reflexion _

32 33


Die Sichtweise der

Wissenspartner­

Innen

34

Eckdaten zu den Interviews

Um die Erfahrungen und ein Feedback von Seiten

der WissenspartnerInnen einzuholen, wurden leitfadenorientierte

Interviews mit 13 Wissenspartner-

Innen telefonisch oder persönlich im Zeitraum von

Juli - September 2011 durchgeführt. Die Dauer der

Interviews rangierte zwischen 30 und 90 Minuten.

Der Schwerpunkt lag dabei auf Institutionen mit

einer intensiven Zusammenarbeit im Rahmen der

Technologieberatung. Mehr als die Hälfte (57%) der

220 Projekte wurden von den interviewten WissenspartnerInnen

bearbeitet.

ZIT TECHNOLOGIEBERATUNG _

Monitoring und Reflexion _

35


„Die breite Basis an Unternehmenskontakten der ZIT

ist äußerst hilfreich. Dadurch konnten viele Kontakte

zu KMU hergestellt werden, die uns bisher unbekannt

waren und die wir sonst nicht kennengelernt hätten.“

Holzforschung Austria

36

Einschätzungen im Überblick

Die Technologieberatung der ZIT wird von den

WissenschaftspartnerInnen sehr positiv wahrgenommen.

Das gilt sowohl für die außeruniversitären,

anwendungsorientierten Forschungsein richtungen

als auch für den universitären Sektor.

¬ ¬ Es entstehen zusätzliche Kontakte zu Unternehmen

bzw. zusätzliche Projekte, die aus der

Sicht der Forschungseinrichtungen sonst nicht

zustande gekommen wären.

¬ ¬ Es werden gute Chancen auf kontinuierlichen

Kontakt und Folgeprojekte gesehen. Tatsächlich

gibt es gute Beispiele – vgl. Tabelle 4.

¬ ¬ Vor allem IKT-Zentren sehen die Projekte als

zusätzliche Form der Marktbeobachtung.

Es bleibt jedoch eine gewisse Ambivalenz auf universitärer

Ebene, da die Projekte nicht unmittelbar

Beiträge zu den primären universitären Zielsetzungen

(insbesondere Publikationen) leisten können5

. Erfahrungen der Technologieberatung zeigen

demnach auch, dass nicht alle Universitätsinstitute

für KMU-Projekte zu gewinnen sind. Auch diese

Ergebnisse decken sich mit den Erkenntnissen der

Innovationsscheckevaluierung, wenngleich dort die

Einschätzung der Universitäten noch etwas kritischer

ausfällt (vgl. Good u. Tiefenthaler 2011, S. 31).

Im Kern geht es aber auch den Forschungseinrichtungen

um größere, längerfristige Kooperationsprojekte,

die ausreichend Spielraum für substanzielle

Entwicklungen ermöglichen. Eine Besonderheit für

Wien ist sicherlich auch die starke Ausrichtung auf

den IKT-Sektor. Hier werden aufgrund der dynamischen

Marktentwicklung kleinere Projekte vermutlich

eher bevorzugt. Wobei die Forschungseinrichtungen

diese durchaus als positiv sehen – im Sinne

einer neuen Möglichkeit der Marktbeobachtung.

Diese Ergebnisse spiegeln sich auch in der Zwi-

schen evaluierung der Innovationsschecks wider.

Sowohl die Hoffnung auf Folgeprojekte als auch

die neuen Kontakte wurden dort ebenso als wichtige

Faktoren bei der Befragung der Forschungseinrichtungen

erhoben (vgl. Good u. Tiefenthaler

2011, S. 20).

5

Wissenstransfer wird beispielsweise in den Leistungsvereinbarungen 2010 – 2012 der TU Wien als Teilziel zu den gesellschaftlichen Zielsetzungen

genannt – jedoch eher in Form von Zentrenaufbau und Kooperation mit anwendungsorientierteren Zentren (vgl. TU Wien 2009, S. 19).

ZIT TECHNOLOGIEBERATUNG _

Monitoring und Reflexion _

37


38

4 Erfolgreiche Beispiele aus Sicht der WissenspartnerInnen

Mit allen WissenspartnerInnen wurden im Rahmen der Evaluierung Interviews geführt.

Beispielhaft werden hier vier Projektverläufe dargestellt.

Das¬neue¬

Kompetenzzentrum

Langfristige¬

Partnerschaft

Vom¬Auftrag¬

zur¬Entwicklung

Bis¬zur¬Serienreife

Quelle: Interviews mit WissenspartnerInnen

Eine¬positive¬Entwicklung¬eines¬Projekts¬im¬Themenfeld¬User¬Generated¬Content¬

(UGC)¬wurde¬wie¬folgt¬beschrieben:¬die¬ZIT¬vermittelte¬ein¬KMU¬mit¬einer¬Projektidee¬

zum¬Thema¬UGC¬zu¬einem/einer¬WissenspartnerIn.¬Die¬Erwartung¬der¬beiden¬Projekt-

beteiligten¬waren¬primär¬in¬Richtung¬Innovationsscheck¬gerichtet.¬Im¬Rahmen¬des¬Be-

ratungsgesprächs¬wurde¬jedoch¬von¬dem/der¬ZIT-BeraterIn¬ein¬erhöhtes¬Potenzial¬des¬

Themas¬erkannt.¬Dieser¬entscheidende¬Hinweis¬führt¬dazu,¬dass¬aus¬der¬ersten¬Idee¬

zur¬Einreichung¬eines¬Innovationsschecks¬gleich¬ein¬COMET¬Projekt¬entstanden¬ist.

Der¬Erstkontakt¬vermittelt¬durch¬die¬ZIT,¬führte¬zu¬einem¬ersten¬Kleinprojekt¬im¬Rahmen¬

des¬Innovationsschecks.¬Daran¬anschließend¬wurde¬eine¬Feasibility-Study¬erfolgreich¬

durchgeführt.¬In¬weiterer¬Folge¬wird¬das¬Unternehmen¬nun¬im¬Jahr¬2012¬voraussicht-

lich¬auch¬COMET¬Partner.

Im¬Rahmen¬eines¬durch¬die¬ZIT¬vermittelten¬Kontakts¬an¬eine/n¬Wissenspartner/in¬wur-

den¬im¬Rahmen¬eines¬Projekts¬innovative¬tongebundene¬Faserplatten¬entwickelt.¬Das¬

beteiligte¬Unternehmen¬ist¬nun¬in¬weiterer¬Folge¬mit¬dieser¬Entwicklung¬Drittleister¬in¬

einem¬weiteren¬Projekt¬der¬Forschungseinrichtung.

Die¬Vermittlung¬eines¬KMU¬Kontakts¬von¬der¬ZIT¬an¬eine/n¬WissenspartnerIn¬resultierte¬

in¬einem¬ersten¬kleinen¬Innovationsscheck-Projekt.¬Das¬Thema¬hier¬war¬ein¬innovativer¬

Motorradhelm¬mit¬neuartigem¬Schließmechanismus.¬Im¬Rahmen¬von¬weiteren¬Koope-

rationen¬(u.a.¬im¬Rahmen¬der¬Förderung¬der¬Wiener¬Wirtschaftsagentur)¬steht¬das¬

Produkt¬nun¬vor¬der¬Serienproduktion¬und¬wir¬voraussichtlich¬im¬Jahr¬2012¬im¬Handel¬

sein.

Voraussetzungen & Motivation der

WissenspartnerInnen

Erfahrungen ähnlicher Transfer-Modelle zeigen Erfolgsfaktoren

und Stolpersteine für einen aktiven

Wissenstransfer (vgl. Adametz et al. 2004):

Im Rahmen der Interviews wurden folgende Erfolgs-

faktoren für eine gute Vermittlungsleistung der ZIT

weitgehend konsistent von den Gesprächspartner-

Innen genannt:

¬ ¬ Die neutrale Position der ZIT bei den Aushandlungs

prozessen. Diese ist entscheidend für

eine schnelle und nachhaltige Vertrauensbasis.

¬ ¬ Engagement und Kompetenz der ZIT und ihrer

BeraterInnen.

¬ ¬ Gutes „Matching“ der ZIT. Die BeraterInnen

kennen die Bedürfnisse der Unternehmen und

die vorhandene Expertise der WissenschaftspartnerInnen.

(Dieser Punkt wurde nur von

einem Interviewpartner als verbesserungswürdig

angesehen).

¬ ¬ Signale setzen: Wenn die ZIT Wichtigkeit signalisiert,

wird dies von den Wissenschafts partner-

Innen als Symbol für eine erhöhte Priorität eines

Projekts wahrgenommen.

Erfolgsfaktoren bei aktiven Wissenstransfers

Aktiver¬Unternehmenszugang

Schnelle¬und¬unbürokratische¬Vermittlung¬von¬ExpertInnen

Verständnis¬für¬beide¬Welten:¬¬

jene¬der¬Wirtschaft¬und¬jene¬der¬Wissenschaft

Kontakte¬zu¬den¬wissenschaftlichen¬PartnerInnen

Quelle: Adametz et al. (2004)

Neutralität¬der¬Beratung

Gute¬und¬individuelle¬Beratung¬¬

über¬Förderungsmöglichkeiten

Die Beteiligung der wissenschaftlichen PartnerInnen

wird auch von einigen motivierenden Faktoren

beeinflusst.

¬ ¬ Folgeprojekte: Den ersten Kleinprojekten wird

eine „Schuhlöffelfunktion“ zugeschrieben.

In diesem geschützten Rahmen sind ein erstes

Kennenlernen und der Aufbau einer Vertrauensbasis

möglich, welche für Folgeprojekte unerläss

lich ist.

¬ ¬ Neue Impulse: Die kreativen Ideen der Unternehmen

geben auch den Wissenschafts-

ZIT TECHNOLOGIEBERATUNG _

Monitoring und Reflexion _

39


partnerInnen neue Impulse für die eigene

Forschung und Entwicklung. Dies gilt insbesondere

für den dynamischen IKT-Sektor.

¬ ¬ Agilität der KMU: Im Gegensatz zu trägeren

Großunternehmen reagieren KMU schneller auf

Marktentwicklungen (insbesondere im IKT-

Bereich). Außerdem sind die Kommunika tionswege

kürzer und damit die Projektabwicklung

flexibler, da man oftmals direkt mit der

Geschäftsführung zusammenarbeitet.

Vielfach wird auch wahrgenommen, dass Förderungen

für den KMU-Sektor sehr gut sind. Dies

lenkt auch den Fokus der Forschungseinrichtungen

immer mehr auf KMU-Kooperationsprojekte zur

Akquisition von zusätzlichen Finanzmitteln.

„Die BeraterInnen der ZIT sind äußerst kompetent

und kennen die Kompetenzen unserer Forschungseinrichtung

und die Bedürfnisse der Unternehmen.

Dadurch ist eine hohe Erfolgschance für weitere

Projekte gegeben.“

evolaris next level GmbH

Auswahlkriterien der WissenspartnerInnen

& kritische Faktoren

Neben der Motivation und dem Engagement der

ZIT sowie den oben genannten erfüllten Voraussetzungen

sind jedoch auch verschiedene Kriterien für

die Entscheidung eines „Go“ für Kooperationsprojekte

wichtig:

¬ ¬ Passgenauigkeit der Forschungsinteressen: Eine

wichtige Erfüllungsbedingung ist die Kongruenz

der potenziellen Forschungsthemen der Unternehmen

mit den Forschungsinteressen der

Wissens partnerInnen.

¬ ¬ Bedarfsdefinition der Unternehmen: Je genauer

Unternehmen spezifizieren können, welche

Leistungen sie von der Forschungseinrichtung

benötigen, desto höher ist die Wahrschein lichkeit

für ein „Go“.

¬ ¬ Marktpotenzial: Für die Idee bzw. das Produkt

muss ein gewisses Potenzial (potenzielle

KundInnen nachfrage) erkennbar sein.

¬ ¬ Wahrnehmung des Verhaltens (ZIT und Unternehmen):

Projekte werden nicht „des Projekts

wegen“ durchgeführt. Es muss auch das

Interesse und die Motivation des Unternehmens

erkennbar sein. Zusätzliche Signale der ZIT

werden auch positiv gesehen.

Stolpersteine bei aktiven Wissenstransfers

Passives¬Zuwarten¬auf¬Anfragen¬der¬Unternehmen

Kapazitätsengpässe¬auf¬Seiten¬der¬Wissenschaft

Anreize¬der¬wissenschaftlichen¬PartnerInnen¬¬

sind¬anders¬gelagert

Mangelndes¬Vertrauen¬in¬Lösungsfähigkeiten

Unterschiedliche¬Zeitvorstellungen¬von¬KMU¬¬

und¬LösungspartnerInnen

Teilweise¬ad¬hoc¬Änderung¬der¬Themen¬durch¬KMU,¬¬

Tagesgeschäft

Quelle: Adametz et al. (2004)

Wie in Abbildung 6 ersichtlich, gibt es neben förderlichen

Faktoren auch Stolpersteine bei Projekten im

Feld des aktiven Wissenstransfers. Folgende hemmende

Faktoren wurden von den Interviewpartner-

Innen im Rahmen der Gespräche reflektiert:

¬ ¬ Startfinanzierung: Eine lange Wartezeit auf eine

Finanzierung wirkt sich sehr negativ auf die

anfängliche Motivation und „Euphorie“ der

Unternehmen aus und ist sehr hemmend für die

Startphase.

¬ ¬ Auftragsklärung: Nicht immer gelingt es, eine

ausreichende Auftragsklärung zu erreichen - ein

ZIT TECHNOLOGIEBERATUNG _

Monitoring und Reflexion _

40 41


42

Umstand, auf den mehrmals hingewiesen wurde.

Es entsteht zwischen Unternehmen und

Forschungs einrichtung eine „LieferantInnenbeziehung“.

Die Leistungs möglichkeiten der

Forschungseinrichtungen sind für Unternehmen

nicht immer klar und es kommt zu falschen

Er wartungen. Dies führt zu Missstimmung und

beeinträchtigt mögliche Follow-up Kooperationen.

¬ ¬ MitarbeiterInnenfluktuation: Je konsistenter die

Projektteams im Laufe des Projekts bleiben, desto

besser sind die Aussichten auf erfolgreiche

Projektergebnisse. Vor allem eine hohe Fluktuation

von Personen mit verantwortungsvollen

Aufgaben im Projekt (bspw. ProjektleiterInnen

bei Unternehmen) wirkt sich eher hemmend auf

das Projekt aus.

¬ ¬ Unregelmäßiger Austausch: Die gemeinsame

Reflexion von Zwischenergebnissen von

Forschungseinrichtungen mit den Unternehmen

ist wichtig für das gemeinsame Verständnis der

möglichen Ergebnisse. Damit werden unrealistische

Erwartungshaltungen schon im Vorfeld

sichtbar und können angepasst werden. Nicht

immer findet dieser Austausch in der gewünschten

Regelmäßigkeit statt.

¬ ¬ Offenheit und Vertrauen: Diese beiden Attribute

sind als äußerst wichtige Basis für erfolgreiche

Projekte genannt worden, welche nicht immer

im gewünschten Maße vorhanden sind.

¬ ¬ Höhe der Kofinanzierung: Je kleiner die

UnternehmenspartnerInnen sind, desto schwieriger

ist es für sie, eine Kofinanzierung bei den

derzeitigen Förderbedingungen zu gewährleisten

– bspw. förderbare Stundensätze. Denn oftmals

ist es der/die GeschäftsführerIn selbst, der/

die im Projekt mitarbeitet. Dies wirkt sich vor

allem auf mögliche größere Follow-up Projekte

aus, die eine höhere Investitionsleistung der

KMU voraussetzt.

Vorschläge zur Optimierung der

ZIT Aktivitäten

Von¬den¬WissenspartnerInnen¬wurden¬u.a.¬¬

angeführt:

¬ ¬ Eigendarstellung und Netzwerken: Von einigen

Forschungseinrichtungen wurde hier ein noch

größeres Bedürfnis vor allem an themenspezifisch

gestalteten Vernetzungsmöglichkeiten

geäußert. Hier wurde als mögliches Um -

setzungs beispiel eine regelmäßige (halbjährliche/jährliche)

„Meet & Greet Veranstaltung“

vorgeschlagen. Andere InterviewpartnerInnen

erwähnten hingegen, dass sie die derzeitigen

Veranstaltungen schon als ausreichend empfinden

und dass eine neue parallele Veranstaltungsreihe

nicht sinnvoll erscheint.

¬ ¬ Öffentliche AuftraggeberInnen als zusätzliche

ProjektpartnerInnen: KMU werden als sehr

wertvolle KooperationspartnerInnen gesehen.

In verschiedenen Branchen (hier vor allem IKT)

wird von den WissenspartnerInnen aber auch

noch sehr viel Potenzial bei öffentlichen Einrichtungen

als ProjektpartnerInnen identifiziert.

Von einigen InterviewpartnerInnen wurde

explizit der Wunsch nach einer stärkeren

Kooperation mit der Stadt Wien geäußert.

¬ ¬ Großprojekte: Es wurde auch der Wunsch nach

größeren Projekten geäußert. Hier wurde vorgeschlagen,

dass die ZIT auch größere

Kooperationen von mehreren

Forschungseinrichtungen und mehreren Unternehmen

vermittelt, welche in einer größeren

Projekteinreichung resultieren.

¬ ¬ Aufklärung der Unternehmen: Die meisten

Unter nehmen kommen mit der Erwartung einer

vollständigen Produktentwicklung zu den

Wissen schaftspartnerInnen. Diese vollständige

Produktentwicklung kann jedoch von den

Forschungseinrichtungen im Rahmen der Kleinprojekte

nicht durchgeführt werden, sondern ist

erst in größeren Folgeprojekten möglich. Hier

könnte die ZIT im Vorfeld schon Bewusst seinsbildung

bei den KMU leisten.

Gender MonitoringBericht 2011

ZIT TECHNOLOGIEBERATUNG _

Monitoring und Reflexion _

43


Erfolgsgeschichten

44

Interessante Projektverläufe

Auf den folgenden Seiten erwarten Sie nun mit

creartiv, Mediamid und Valorous drei besonders

erfolgreiche Beispiele aus der Praxis der Technologieberatung.

Machen Sie sich auf zit.co.at mit den Erfolgsgeschichten

aus den Bereichen Informations- und

Kommunikationstechnologie, Life Sciences & Medizintechnik,

Sachgüter, Energie und Medien ein Bild

über die Technologieberatung.

ZIT TECHNOLOGIEBERATUNG _

Monitoring und Reflexion _

45


Gut lackiert ist

Goldes wert

Projekttitel:¬¬

Schutzlack für veredelte Oberflächen

Unternehmen:¬

goldcreArtiv

1180 Wien, Schopenhauerstrasse 8/4

www.goldcreartiv.at

Wissenspartner:

ofi - Österreichisches Forschungsinstitut

für Chemie und Technik

(Abteilung Lacke und Beschichtungen)

2700 Wr. Neustadt

Viktor-Kaplan-Straße 2/ Bauteil C

www.ofi.at

Kontakt:

Ing. in Barbara Oberlerchner (im Bild)

Meisterin für Vergoldungen, Restaurationen,

Malerei und Design

goldcreArtiv

Die wertvollsten Edelmetalle der Welt: Gold, Silber,

Palladium und Platin, um nur einige zu nennen

– zu hauchdünnen Blättern gewalzt – zählen zu

den Werkstoffen der in Wien lebenden Kärntner

Vergoldermeisterin Barbara Oberlerchner. Ihr

Unternehmen „goldcreArtiv“ bietet moderne und

hochwertige Oberflächengestaltungen an, vom Alltagsgebrauch

bis zum Luxusgegenstand, von der

Küchenfront bis zur Yachteinrichtung.

Die Edelmetalle sind jedoch sehr anfällig für äußere

Einflüsse: Stöße, Sauerstoff aus der Luft, selbst gewöhnliche

Fingerabdrücke können die edlen Metalle

angreifen oder verunreinigen. Das unschöne Ergebnis

sind Druckstellen, Kratzer, Flecken oder Verfärbungen

an den edlen Designs. Um diese Veränderungen

an den bearbeiteten Flächen zu vermeiden,

benötigt die Künstlerin einen speziellen Schutzlack,

der ganz bestimmte Eigenschaften erfüllen muss:

Spritzwasserfest, schnelltrocknend und hitzebeständig.

Zudem darf er die veredelten Oberflächen

optisch nicht verändern oder beeinträchtigen. Trotz

umfangreicher Versuche konnte die ideale Schutzlackierung

nicht gefunden werden.

Die verschiedenen Initiativen zur Förderung von

Forschung & Entwicklung der Stadt Wien waren

der Vergoldermeisterin bereits bekannt, aber erst

der Anruf von Isabella Frey von der Technologieberatung

brachte den ausschlaggebenden Impuls. Die

Serviceeinrichtung der ZIT – Die Technologieagentur

der Stadt Wien GmbH verhalf dem Unternehmen

„goldcreArtiv“ nicht nur zur finanziellen Unterstützung

in Form des „Innovationsschecks“ der

„Das Service der Technologie-

beratung hat mir die Chance

eröffnet, auch als Einzelunter-

nehmerin innovativ zu sein.“

österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft

(FFG), sondern vermittelte ihr auch die passende

Forschungseinrichtung.

Innerhalb kürzester Zeit konnten der Künstlerin

dank der Technologieberatung ein Scheck in der

Höhe von 5.000 Euro überreicht und das ofi, das Österreichische

Forschungsinstitut (Abteilung Lacke

und Beschichtungen), als Partner namhaft gemacht

werden.

In weiterer Folge wurden in enger Zusammenarbeit

mit dem ofi und dem Unternehmen „goldcreArtiv“

anhand von Testoberflächen in Gold, Silber und

Schlagmetall, in experimenteller Form, die geeigneten

Lacke ermittelt.

„Mit dem auf meine Bedürfnisse abgestimmten

Schutzlack ist es mir nun möglich meine Werkstücke

und Oberflächen zu optimieren“, zeigt sich die

Künstlerin zufrieden.

„Das Service der Technologieberatung hat mir die

Chance eröffnet, auch als Einzelunternehmerin innovativ

zu sein.“

ZIT berät: goldcreArtiv

ZIT vermittelt: ofi - Österreichisches Forschungsinstitut für

Chemie und Technik (Abteilung Lacke und Beschichtungen)

ZIT TECHNOLOGIEBERATUNG _

Monitoring und Reflexion _


Optimierte

Medien-Verwaltung

Projekttitel:¬¬

Usability für Medienverwaltungssystem M@RS

Unternehmen:¬

mediamid digital services GmbH

1090 Wien, Alserstraße 44/6-7

www.mediamid.com

Wissenspartner:

CURE - Center for Usability

Research & Engineering

Businesspark Marximum

1110 Wien, Modecenterstraße 17 / Objekt 2

www.cure.at

Kontakt:

DI Peter Hofer (im Bild),

Geschäftsführer mediamid GmbH

Daten über Daten: Im Büroalltag vieler Unternehmen

sammelt sich im Laufe der Zeit eine Flut an unstrukturierten,

dezentral gespeicherten Dokumenten,

Präsentationen, Foldern, Bild- und Videodateien

an. Ordnung ins Chaos der multimedialen Inhalte

(media assets) bringen IT-Unternehmen wie die

Wiener Software-Firma mediamid digital services

GmbH mit so genannten Media Asset Management

(MAM)-Systemen. Die Daten werden zentral und

medienneutral gespeichert, verwaltet und je nach

Zugangsberechtigung an die einzelnen Mitarbeiter-

Innen verteilt. mediamid ging noch einen Schritt

weiter: Für ein Projekt des deutschen Autoherstellers

Daimler AG entwickelte die Software-Firma

mit M@RS 6 ein webbasiertes MAM-System, das

abteilungsübergreifend – vom Marketing über die

Presseabteilung bis zum Archiv – verwendet werden

kann: „Mit unserer Softwarelösung können alle Mediendateien

eines Unternehmens verwaltet werden.

Die KundIn kann genau festlegen, wer in welche

Dokumente Einsicht hat beziehungsweise Daten herunterladen

darf“, erklärt Geschäftsführer Peter M.

Hofer. „M@RS 6 unterstützt alle gängigen Browser

und ist betriebssystemunabhängig, läuft also sowohl

auf PC, Mac oder Linux.“ Unternehmen wie die

Deutsche Bahn, das Schweizer Pharmaunternehmen

Roche oder der steirische Hörgerätehersteller Neuroth

und der Ziegelproduzent Wienerberger setzen

auf das Knowhow und die Produkte von mediamid.

„Ein regelmäßiger externer Usability- und Qualitätscheck

unserer Produkte ist allerdings unerlässlich“,

so Hofer. „Vor allem eine professionelle

„Mit unserer Softwarelösung

können alle Mediendateien eines

Unternehmens verwaltet werden.“

Bewertung der Benutzeroberfläche sowie der Benutzerfreundlichkeit

der Systeme ist notwendig, um

diese stetig optimieren zu können.“ Gefragt war also

ein Usability Check durch ein Unternehmen, das

sich auf die Analyse und Evaluierung derartiger Software-Produkte

spezialisiert hat. Ein Gespräch mit

Isabella Frey, Technologieberaterin der ZIT – die

Technologieagentur der Stadt Wien GmbH, brachte

den entscheidenden Hinweis auf das Wiener „Center

for Usability Research and Engineering“ (CU-

RE). Als eine der führenden Organisationen Europas

nimmt CURE eine Vorreiterrolle bei der Definition

und Entwicklung von Usability Engineering ein.

CURE war also der perfekte Projektpartner für

mediamid.

„Das Team von CURE analysierte und bewertete

unser MAM-System und lieferte Optimierungsvor-

schläge. Mit diesem ´Finetuning` konnten wir die

Benutzerfreundlichkeit unseres Produkts weiter

verbessern.“ Peter M. Hofer empfiehlt das Service

der Technologieberatung gerne weiter. „Die Kooperation

mit CURE hat bei uns den Impuls gesetzt,

derartige Usability-Checks regelmäßiger zu machen“,

resümiert der Informatiker. „Davon profitiert

nicht nur unser Unternehmen, sondern vor allem

auch unsere KundInnen.“

ZIT berät: mediamid digital services GmbH

ZIT vermittelt: CURE - Center for Usability

Research & Engineering

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Die inneren Qualitäten

von Altreifen

Projekttitel:¬¬

REPARE Ölbindemittel

Unternehmen:¬

Valorous GmbH

1010 Wien, Schulhof 4

www.valorous.at

Wissenspartner:

TU Wien - Institut für Verfahrenstechnik, Umwelttechnik

und Technische Biowissenschaften

1060 Wien, Getreidemarkt 9

www.vt.tuwien.ac.at

Kontakt:

DIin Birgit Hofbauer (im Bild)

Alte Reifen haben es in sich: Richtig recycelt finden

sich in den runden Dingern wertvolle Rohstoffe, die

zu neuen, innovativen Produkten weiterverarbeitet

werden können. Birgit Hofbauer und Walter Grimm

wissen, welche Potenziale in Altreifen stecken.

Die beiden Recycling-Experten beschäftigen sich

seit Jahren mit der Forschung und Entwicklung

innovativer und nachhaltiger Technologien zur sauberen

Trennung und Wiederverwertung von Rohstoffen

beziehungsweise mit der Generierung von

intelligenten Produkten. Gemeinsam mit Michael

Skala betreiben Hofbauer und Grimm das Wiener

Umwelttechnik-Unternehmen Valorous. Das Team

sucht nach Systemlösungen im Bereich des Recycling,

der Ernährungssicherheit und der Trinkwasseraufbereitung

– von der kreativen Idee über das

konkrete Konzept bis zur Umsetzung im industriellen

Prozess.

Die inneren Qualitäten der Altreifen sind enorm:

Gummi- und Stahlteile werden häufig wiederverwertet,

die Fasern bisher kaum. „Dabei fallen die

Fasern häufig in großen Mengen an und stellen

somit eine ausgiebige Rohstoffquelle dar“, erläutert

Birgit Hofbauer. Und Walter Grimm ergänzt: „Ihre

Fasern sind Stoffe mit wertvollen Eigenschaften:

Beispielsweise sind sie wasserabweisend und haben

ein hohes Ölbindeverhalten“, so der Experte. „Die

Idee, ein Ölbindemittel zu kreieren, lag also nahe.“

Allerdings hatten die Unternehmer keine wissenschaftliche

Expertise mit dem Material „Faser“.

„Dafür habe ich genau die richtigen Leute“, meinte

Isabella Frey von der Technologieberatung der

„Nach dem ersten Meeting war

klar: Hier sind wir richtig!“

ZIT und brachte Valorous mit Andreas Bartl und

Ingo Marini vom Institut für Verfahrenstechnik der

Technischen Universität Wien zusammen. Die Forscher

gelten als Experten auf dem Gebiet der Fasertechnik.

„Nach dem ersten Meeting war klar: Hier

sind wir richtig“, bestätigt Hofbauer die erfolgreiche

Zusammenführung von Valorous mit der TU Wien.

Die Teamarbeit trug reiche Früchte: Den TU-For-

schern und den UnternehmerInnen ist es gelungen,

innerhalb eines halben Jahres ein mechanisches

Verfahren zu entwickeln, mit dem die optimale

Faserlänge für ein ölbindendes Vlies hergestellt

werden kann. Das Ergebnis hat bereits einen Namen:

„REPARE“ nennt sich die Matte, die ihren

Eigenschaften nach den hohen Qualitätsstandards

für Ölabsorber entspricht. Zudem ist das Produkt

effizienter und kostengünstiger als die meisten vergleichbaren

Mitbewerber am Markt. Ein Kilogramm

REPARE ist in der Lage, aus Wasser oder auch vom

Boden bis zu zehn Liter Öl zu binden. Die Palette

der potenziellen Abnehmer ist groß: Von Feuerwehr

und Bundesheer über Tankstellen bis zu großen Industrien

oder Ölunternehmen reicht die Liste. „Mit

dieser Innovation haben wir einen weiteren wertvollen

Schritt in der Erweiterung der Wertschöpfungskette

getan“, resümiert Grimm. Und Hofbauer

ergänzt: „Ohne die tatkräftige Unterstützung der

ZIT hätten wir diesen Meilenstein nicht so schnell

geschafft“.

ZIT berät: Valorous GmbH

ZIT vermittelt: TU Wien -

Institut für Verfahrenstechnik, Umwelttechnik

und Technische Biowissenschaften

ZIT TECHNOLOGIEBERATUNG _

Monitoring und Reflexion _


Literaturverzeichnis

Adametz, C. et al. (2004): Vorgehensmodell zur

Unterstützung von steirischen KMU in Innovationsprozessen

durch wissenschaftliche Einrichtungen

auf Basis von Erfahrungen in TECHNOFIT Maßnahmen

I (TECHNOFIT PRO). ARGE TECHNO-

FIT, Graz

Good, B. u. Tiefenthaler, B. (2011): Zwischenevaluierung

des Programms Innovationsscheck. Technopolis

group, Wien

Gruber, M., Pech St., Resch A., Sadowski B. (2007):

Portfolioevaluierung des ZIT, convelop, RCi in

Kooperation mit UNO-MERIT, Wien

TU Wien (2009) Leistungsvereinbarung 2010 – 2012

ZIT (2011): Dokumentation und TB-Datenbank zu

Erstberatungen und Technologieberatungen. Datenstand

Juni 2011, Wien

ZIT Website: zit.co.at

Gender MonitoringBericht 2011

ZIT TECHNOLOGIEBERATUNG _

Monitoring und Reflexion _

53


Impressum

Herausgegeben von:

ZIT – Die Technologieagentur der Stadt Wien GmbH

1010 Wien, Ebendorferstraße 4

T +43 1 4000 86 165

F +43 1 4000 86 587

office@zit.co.at

www.zit.co.at

Konzept und Grafik:

Hochstrasser Communication Design

Alle Rechte vorbehalten.

ZIT TECHNOLOGIEBERATUNG _

Bericht 2008-2011 _

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