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Nottwiler Auslese 2022

Nottwiler Geschichten zum Nachlesen

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<strong>2022</strong>


<strong>Nottwiler</strong> <strong>Auslese</strong> <strong>2022</strong>


Inhalt<br />

Wussten Sie … ?<br />

Editorial . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5<br />

Walter Steffen, Gemeindepräsident<br />

Geschichten, die das Leben schrieb<br />

Chronikteam . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6<br />

Dank an Christian Lanzendörfer<br />

Initiator der <strong>Nottwiler</strong> <strong>Auslese</strong> . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7<br />

Chronikteam<br />

10 Jahre Zentrum Eymatt<br />

Ein Rück- und Ausblick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9<br />

Jacqueline Willimann<br />

Titelbild: Acht Notteler<br />

Frauen erzählen aus<br />

ihrem Erinnerungsschatz.<br />

Von links oben:<br />

Hedy Winiger, Ottilie<br />

Zimmermann, Josy<br />

Gerstenkorn, Marie-<br />

Theres Weingartner<br />

Unten: Margrit Imgrüt,<br />

Bernadette Egli, Erika<br />

Glanzmann, Heidi Egli<br />

Landfrauenküche mit Anita Estermann<br />

«SRF bi de Lüt» in Nottwil . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17<br />

Edith Schwander<br />

Corona-Pandemie in Nottwil<br />

Der Alltag fällt aus dem Konzept . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21<br />

Monika Nöbauer<br />

Den Frauen eine Stimme geben<br />

Portraits und Erzählungen von Notteler Frauen . . . . . . . 27<br />

Familienfrau und «Gemeindekanzlerin» . . . . . . . . . . . . . 38<br />

Gaby Kindler und Jacqueline Willimann<br />

Internierte in Nottwil<br />

Fremdes Militär und helfende Hände . . . . . . . . . . . . . . . 43<br />

Monika Nöbauer<br />

<strong>2022</strong><br />

2<br />

<strong>Nottwiler</strong> <strong>Auslese</strong>


Trachtenweihe Jodlerklub Nottwil<br />

Eine neue Tracht zum 75-jährigen Jubiläum . . . . . . . . . . 47<br />

Edith Schwander<br />

Erweiterungsbauten Schweizer Paraplegiker-Zentrum<br />

Der Umbau ist abgeschlossen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 51<br />

Stefanie Schlüter<br />

Bäckerei & Café Künzli Nottwil und Filiale Sursee<br />

Die Genussinsel hat Tradition . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 57<br />

Jacqueline Willimann<br />

30 Jahre Orgeljubiläum<br />

Die Geschichte der Orgel in der Pfarrkirche St. Marien . . 71<br />

Eva und Marco Brandazza<br />

Pensionierung von Anita und Stephan Troxler<br />

Herzschlag im Gleichklang der Glocken . . . . . . . . . . . . . 79<br />

Jacqueline Willimann<br />

Paralympic-Champion Marcel Hug<br />

Paralympionik mal vier . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 87<br />

Jacqueline Willimann<br />

Jahrbuch<br />

Rückblick Gemeinderat . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 91<br />

Rückblick Bildungskommission . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 95<br />

Rückblick Kirchenrat / Pfarrei . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 100<br />

Vereinsjubiläen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 105<br />

Nottwil in Zahlen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 106<br />

Autorenangaben und Bildnachweis . . . . . . . . . . . . . . . . . . 113<br />

<strong>Nottwiler</strong> <strong>Auslese</strong><br />

3 <strong>2022</strong>


Impressum <strong>Nottwiler</strong> <strong>Auslese</strong> <strong>2022</strong><br />

Herausgeberin Gemeinde Nottwil, Gemeinderat<br />

Chronikteam Jacqueline Willimann (Leitung), Beatrice Huser Winkler, Gaby Kindler,<br />

Monika Nöbauer, Edith Schwander, Stephan Troxler<br />

Grafik und Layout sgrafik.ch, Stäuble GmbH, Nottwil<br />

Druck Abächerli Media AG, Sarnen<br />

Auflage 2 200 Exemplare<br />

ISBN 978-3-033-09058-3<br />

© <strong>2022</strong> Gemeinde Nottwil, <strong>Nottwiler</strong> <strong>Auslese</strong>: Bei Verwendung von Texten,<br />

auch auszugsweise, ist die Quelle anzugeben.


Wussten Sie …?<br />

Editorial<br />

Liebe <strong>Nottwiler</strong>innen und <strong>Nottwiler</strong><br />

Sie dürfen sich auf eine spannende 4. Ausgabe der «<strong>Nottwiler</strong><br />

<strong>Auslese</strong>» freuen. Gerne nutze ich die Gelegenheit und mache<br />

Sie im Vorwort auf ein paar Themen «gluschtig».<br />

- Können Sie sich vorstellen, wie sich die Frauen in Nottwil<br />

behauptet haben, während die meisten Männer im Aktivdienst<br />

waren, und wie sie zu einem späteren Zeitpunkt<br />

dem Frauenstimmrecht gegenüber standen?<br />

- Wussten Sie, dass es auch in Nottwil Internierte gab?<br />

- Kaum zu glauben, aber im vergangenen Jahr durfte das<br />

Zentrum Eymatt bereits das zehnjährige Jubiläum feiern.<br />

- Gross war die Freude der Festgemeinde, als die Jodler*innen<br />

feierlich in der Kirche ihre neuen Trachten einweihen<br />

konnten.<br />

- Corona brachte teilweise auch das Leben in Nottwil ziemlich<br />

durcheinander. Ist Ihnen bekannt, dass auch in<br />

unserer Gemeinde ein Krisenstab wirkte?<br />

- Anita Estermann, die sympathische Landfrauenköchin, hat<br />

mit ihrem Auftritt beim Schweizer Fernsehen für Furore<br />

gesorgt und Nottwil in ein noch besseres Licht gerückt.<br />

- Anita und Stephan Troxler gehen in Pension, eine Tatsache,<br />

an die man sich zuerst gewöhnen muss.<br />

Diese und weitere Themen hat das Chronikteam unter der<br />

Leitung von Jacqueline Willimann für Sie zusammengestellt und<br />

Beiträge dazu verfasst. Das ehrenamtlich arbeitende Chronikteam,<br />

welches aus Beatrice Huser Winkler, Monika Nöbauer und<br />

Stephan Troxler besteht, konnte mit Edith Schwander und Gaby<br />

Kindler verstärkt werden. Ihnen allen und dem Grafiker Gregor<br />

Stäuble gebührt für ihr Wirken ein grosses Dankeschön.<br />

Walter Steffen, Gemeindepräsident<br />

Gemeinderat Nottwil<br />

Im März <strong>2022</strong><br />

Walter Steffen<br />

<strong>Nottwiler</strong> <strong>Auslese</strong><br />

5 <strong>2022</strong>


Geschichten,<br />

die das Leben schrieb<br />

Chronikteam<br />

Das Chronikteam von<br />

links: Monika Nöbauer,<br />

Stephan Troxler,<br />

Gaby Kindler,<br />

Jacqueline Willimann,<br />

Edith Schwander und<br />

Beatrice Huser Winkler<br />

Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser<br />

Liebe Nottelerinnen und Notteler<br />

Menschen schreiben Geschichten zum Staunen, zum Innehalten,<br />

zum Aufwühlen, zum Nachdenken, zum Liebgewinnen,<br />

zum Lachen, zum Sammeln. Für die Geschichten der <strong>Nottwiler</strong><br />

<strong>Auslese</strong> <strong>2022</strong> war das Chronikteam mehr denn je auf viele Personen<br />

aus der Bevölkerung angewiesen, die mit Offenheit über<br />

ihr Leben, über besondere Ereignisse, ihren Arbeitsalltag, Festivitäten,<br />

Freud und Leid berichteten und uns durch ihre Erzählungen<br />

viel von ihrer Persönlichkeit mitgegeben haben.<br />

Das Produkt überreichen wir Ihnen heute als kleines<br />

Geschenk. Und auch wenn Sie nicht zu den fleissigsten Leser*innen<br />

gehören, sind wir trotzdem überzeugt, dass Ihnen der eine<br />

oder andere Bericht gefallen wird.<br />

Das ganze Chronikteam wünscht Ihnen vergnügliche Lesemomente.<br />

<strong>2022</strong><br />

6<br />

<strong>Nottwiler</strong> <strong>Auslese</strong>


Dank an<br />

Christian Lanzendörfer<br />

Initiator der <strong>Nottwiler</strong> <strong>Auslese</strong><br />

Der schönen Sempachersee-Gegend sei Dank, dass Christian<br />

und Dorothée Lanzendörfer nach der Pensionierung und<br />

einer anschliessenden Weltreise ihr Wohndomizil 2012 von<br />

der Agglomeration Zürichs nach Nottwil verlegt haben.<br />

Der ehemalige Stadtschreiber und passionierte Reisefan hat<br />

besondere Qualitäten, die der Gemeinde Nottwil wesentlich<br />

zur Entstehung der «<strong>Nottwiler</strong> <strong>Auslese</strong>» (NA) verholfen<br />

haben.<br />

Am Neuzuzügerabend 2012 signalisierte Christian Lanzendörfer<br />

dem Gemeindepräsidenten Walter Steffen seine Bereitschaft,<br />

sich bei Bedarf ehrenamtlich für die Realisierung von<br />

besonderen Projekten zur Verfügung zu stellen Das Angebot<br />

nahm der Gemeinderat gerne an Beim ersten offiziellen<br />

Kontakt, verbunden mit der Benennung von anstehenden<br />

Ideen und Projekten, empfahl sich Christian Lanzendörfer für<br />

die Realisierung einer Gemeindechronik Für ihn als sicherer<br />

Schreiber und Fotograf war der Aufbau der fehlenden Notteler<br />

Chronik wie zugeschnitten, brachte er doch reiche Erfahrung<br />

Diese bisherigen vier<br />

Ausgaben der <strong>Nottwiler</strong><br />

<strong>Auslese</strong> tragen die<br />

Handschrift von<br />

Christian Lanzendörfer.<br />

<strong>Nottwiler</strong> <strong>Auslese</strong><br />

7 <strong>2022</strong>


Christian Lanzendörfer<br />

Nach der <strong>Nottwiler</strong><br />

<strong>Auslese</strong> entsteht ein<br />

eigenes Reisebuch auf<br />

seinem Computer<br />

bei der Entwicklung von Gemeindeinformations- und Vereinsorganen<br />

sowie weiteren Publikationen mit. Das in der Folge<br />

von Christian Lanzendörfer erstellte Konzept, ein Periodikum<br />

im Zweijahresrhythmus zu schaffen, überzeugte. Zusammen<br />

mit dem Chronikteam und dem Grafiker Gregor Stäuble hat er<br />

als Gründungsvater der «<strong>Nottwiler</strong> <strong>Auslese</strong>» 2014 eine Probenummer<br />

und die Ausgaben 2016 und 2018 geschaffen und bei<br />

der Nummer 2020 tüchtig mitgeholfen. Ende 2019 übergab er<br />

das solid aufgebaute Fundament der NA, um sich wieder vermehrt<br />

seiner Reiselust zuzuwenden.<br />

Christian Lanzendörfer wünscht sich, dass die <strong>Nottwiler</strong><br />

<strong>Auslese</strong> auch in Zukunft viele Leser*innen begeistern kann, und<br />

er freut sich noch heute über die interessanten Kontakte mit<br />

den vielen Personen, die er während seiner Recherchen kennengelernt<br />

hat.<br />

Der Gemeinderat und das Chronikteam danken Christian<br />

Lanzendörfer für die ehrenamtlich geleistete Pionierarbeit<br />

am geschichtlichen Zeitdokument und für die professionelle<br />

Arbeitsweise. Mögen ihm seine bevorstehenden Reisen mit<br />

seiner Frau interessante Themen und Fotosujets liefern, damit<br />

auch in Zukunft von ihm wieder anregende Geschichten zu<br />

lesen sind.<br />

<strong>2022</strong><br />

8<br />

Dank an Christian Lanzendörfer


10 Jahre Zentrum Eymatt<br />

Ein Rück- und Ausblick<br />

Das Strategieziel «Wir begleiten und unterstützen unsere<br />

Bevölkerung in allen Lebensphasen und -lagen» hat die<br />

Gemeinde Nottwil für die ältere Generation mit dem Zentrum<br />

Eymatt und den Alterswohnungen Awono vorbildlich umgesetzt.<br />

Nun kann das Alterszentrum mit zwischenzeitlich veränderter<br />

Führungsstruktur sein zehnjähriges Jubiläum feiern.<br />

Liebes Zentrum Eymatt<br />

Am 11. Februar 2021 konntest du deinen 10. Geburtstag<br />

feiern. Du hast es als modernes, gut konzipiertes Gebäude<br />

geschafft, in der Gemeinde Nottwil und in der Region einen<br />

besonderen Bekanntheitsgrad zu erlangen. Nach deinem<br />

erschwerten Werdegang von einem Standort zum anderen,<br />

den fortlaufend konzeptionellen Anpassungen, den bangen<br />

Minuten um dein Entstehen und der endlos scheinenden Planungsphase<br />

hast du schlussendlich durch den Landkauf des<br />

Grundstückes von Monika und Josef Brunner deine Heimat<br />

erhalten. Es scheint dir gut zu gehen. Du hast mit dem Bau<br />

der Alterswohnungen (AWONO) einen idealen Nachbarn<br />

erhalten, direkt vor dir steht eine Bushaltestelle, die wunderschöne,<br />

neu renovierte Kapelle Ey ziert deine Umgebung,<br />

durch die belebte Strasse erhältst du deine Beachtung, und<br />

deine offenen Türen werden von vielen Gästen genützt für<br />

Besuche, zum Verweilen in der Cafeteria oder im Gartenrestaurant<br />

bis hin zum Einkaufen der kreativ gestalteten Eigenprodukte<br />

der Bewohner*innen.<br />

Menschen, die bei dir zu Hause sind, schätzen die gemeinschaftlichen<br />

Räume, deine grosszügigen Zimmer, den sonnigen<br />

Garten mit seinen lauschigen Ruheinseln, das Gärtnern in<br />

den Hochbeeten oder die kurzen Spazierwege rund ums Haus.<br />

Menschen, die in deinen Mauern arbeiten, erfahren wir als<br />

kompetentes und eingespieltes Team.<br />

<strong>Nottwiler</strong> <strong>Auslese</strong><br />

9 <strong>2022</strong>


Viele Menschen nehmen in deinem Haus Abschied von<br />

ihrem Leben, lassen all ihr Liebgewonnenes zurück und finden<br />

in der Ewigkeit ihr Daheim. Bestimmt spürst du von allen<br />

Seiten die Würde ihnen gegenüber und ihren guten Geist, der<br />

sich für immer in alle Ecken verteilt. Trotz dieser traurigen<br />

Momente hast du Bestand.<br />

Die Konfrontation mit dem begrenzten Leben gibt den<br />

Bewohnenden das Bewusstsein, noch alles tun zu wollen, was in<br />

ihrer Möglichkeit steht. Durch die Aktivierung, die in einem speziellen<br />

Raum stattfindet, entstehen Kunstwerke, die unverkennbar<br />

dein Outfit zieren. Bestimmt liebst du es, wenn Feste wie<br />

der Rosentag, Geburtstage, Fasnacht, Weihnachten usw. gefeiert<br />

werden, denn dann geben alle alles. Die Düfte, die Gespräche, die<br />

Musik, das Lachen, das Verwöhntwerden – und die Gäste verleihen<br />

in diesen Momenten deinem Haus ein spezielles Ambiente.<br />

Im Gegensatz dazu bietest du mit dem wunderschön gestalteten<br />

«Raum der Stille» den Bewohnenden einen Rückzugsort<br />

an, den sie sehr schätzen, um Einkehr zu halten, zu beten, zu<br />

meditieren, den Glauben zu vertiefen und für sich alleine zu<br />

sein. Alles hat seine Zeit.<br />

Deine Festivitäten zum zehnjährigen Bestehen, geplant von<br />

einem Organisationskomitee, konntest du wegen der Corona-<br />

Pandemie nicht wie vorgesehen durchführen. Aber Hand aufs<br />

Herz: dein Festtag mit den feinen, clever durchdachten und einzigartigen<br />

Highlights ging unter die Haut und wurde deinen zehn<br />

Jahren, wenn auch nur intern gefeiert, mit Bestimmtheit gerecht.<br />

Und nun, liebes Zentrum Eymatt, startest du ins zweite<br />

Jahrzehnt. Unsere guten Wünsche für ein volles Haus, für<br />

Zufriedenheit, für eine gute Hausgemeinschaft, für Kontinuität,<br />

für eine ausgeglichene Rechnung und für Menschen, die für<br />

dein Inneres und Äusseres sorgen, sollen dich begleiten. Schön,<br />

dass es dich gibt! Happy Birthday!<br />

Alle, die dich schätzen<br />

In einem Gespräch standen Pius Bernet, Verwaltungsratspräsident,<br />

Renée Sigrist, Stv. Verwaltungsratspräsidentin, Karin<br />

Rubeli, Geschäftsführerin und Leiterin Pflege und Betreuung,<br />

für weitere Fragen Red’ und Antwort.<br />

Was macht Sie stolz auf die vergangenen zehn Jahre in<br />

Ihrer Arbeit für das Zentrum Eymatt?<br />

Karin Rubeli: Bei meinem Eintritt im November 2011 kam<br />

ich in ein Haus mit einer wunderbaren Hülle, dem aus meiner<br />

Sicht das Herz fehlte. Gemeinsam ist es uns gelungen, das Haus<br />

<strong>2022</strong><br />

10<br />

10 Jahre Zentrum Eymatt


lebendig, fröhlich und farbig zu gestalten. Das Zentrum kann<br />

in der Zwischenzeit einen sehr guten Ruf und einen regionalen<br />

Bekanntheitsgrad ausweisen und hat sich auf dem Markt<br />

bestens positioniert. Zudem freue ich mich, seit drei Jahren die<br />

Rechnung gewinnbringend abschliessen zu können. Eine Befragung<br />

für die Qualitätssicherung bei den Bewohner*innen und<br />

ihren Angehörigen zeigte uns auf, dass sich die Menschen im<br />

Zentrum Eymatt wohl fühlen und gerne da wohnen.<br />

Ich bin stolz auf unseren etablierten Ausbildungsstandard.<br />

Es ist unser Ziel, in Zukunft auch Fachkräfte HF (Höhere Fachschule)<br />

ausbilden zu dürfen.<br />

Renée Sigrist: Das gute Einvernehmen zwischen dem Verwaltungsrat<br />

und der Geschäftsführung, die Unterstützung des<br />

Campus durch den Gemeinderat und die Akzeptanz der Bevölkerung<br />

erachte ich als äusserst erfreulich. Wir können stolz<br />

sein, ein Alterszentrum in unserer Gemeinde im Angebot zu<br />

haben. Als ebenso gelungen und wichtig erachte ich die fortschrittliche<br />

Digitalisierung und die dauernde Qualitätssicherung,<br />

die fortwährend in Entwicklung bleiben sollen.<br />

Pius Bernet: Wir sind ein Dienstleistungsunternehmen auf<br />

hohem Niveau. Menschen finden im Zentrum Eymatt ein neues<br />

Zuhause und erhalten Unterstützung in<br />

der neuen Lebensgestaltung. Die «Software»<br />

des Hauses lebt, die gute Stimmung<br />

wurde durch die Führungscrew jahrelang<br />

aufgebaut. Dem Betriebsklima wird sehr<br />

viel Beachtung geschenkt, es hilft für das<br />

Wohlergehen aller und lässt es zu, neue<br />

Ressourcen zu entwickeln.<br />

Was schätzen die Bewohner*innen<br />

und ihre Angehörigen aus Ihrer<br />

Sicht am Zentrum Eymatt?<br />

Karin Rubeli: Bei der Umfrage haben die Pflege und die<br />

Betreuung sehr gut abgeschnitten. Besondere Zufriedenheit gibt<br />

es für die grosszügigen Einzelzimmer mit eigener Nasszelle, das<br />

Aktivierungsangebot, die Gartengestaltung, den Raum der Stille<br />

und den Bezug zum Betreuungs- und Pflegepersonal, das durch<br />

seine regelmässigen Einsätze und durch den daraus resultierenden<br />

Bekanntheitsgrad den Bewohner*innen Sicherheit gibt.<br />

Renée Sigrist: Die Grösse des Hauses ist ideal und deshalb<br />

auch übersichtlich. Die vielen Aktivitäten im Alltag sind wertvolle<br />

Momente, es läuft immer etwas, die Bewohner*innen<br />

haben Abwechslung.<br />

Das Geschäftsleitungsquartett<br />

(v.l.):<br />

Corina Steiger, Esther<br />

Zihlmann, Karin Rubeli,<br />

Hélène Hunziker<br />

10 Jahre Zentrum Eymatt<br />

11 <strong>2022</strong>


Veränderungen gehören zum Alltag<br />

Das erste Konzept mit den 34 Einzelzimmern und den<br />

sieben Wohneinheiten war vor zehn Jahren wohl überlegt und<br />

durch den ergänzenden Bau der AWONO mit den Alterswohnungen<br />

fortschrittlich und beispielhaft. Relativ kurze Zeit nach<br />

der Eröffnung erhöhte der Kanton generell die Bettenzahl für<br />

die Altersheime, was auch für das Zentrum Eymatt step by step<br />

eine Erweiterung möglich machte. Diese Ausgangslage, heute 50<br />

Bewohner*innen aufnehmen zu können, veränderte das Konzept.<br />

Um die Platzverhältnisse anzupassen, werden nun sukzessive<br />

die sieben Wohneinheiten der Zweieinhalb-Zimmer-Wohnungen<br />

in Einzelzimmer umgestaltet. Die Situation der Bewohner*innen,<br />

die ins Zentrum Eymatt eintreten, beruht nicht mehr<br />

auf genug Selbstständigkeit, um einen Haushalt, wenn auch<br />

mit leichter Unterstützung, zu meistern. Umso mehr wird ein<br />

besonderes Augenmerk auf ihre besonderen Fähigkeiten und<br />

Talente gelegt, die – manchmal noch im Schlummer-Modus vorhanden<br />

– gefördert werden. Dank dem Legat von Paula Häfliger<br />

konnte ein Raum im Untergeschoss entsprechend umgebaut<br />

und ein angrenzender Aussenbereich geschaffen werden. Dort<br />

entstehen mit Unterstützung des Kreativ-Teams der Aktivierung<br />

nun Kunstwerke, die Anlass geben für Ausstellungen, für deren<br />

Verkauf oder zur Dekoration des Hauses.<br />

Für die Leiterin Karin Rubeli wartet täglich eine Vielfalt<br />

von Arbeiten und Ereignissen, die nicht in gewohntem Mass<br />

planbar sind. «Jeder Tag fordert mich extrem heraus, aber ich<br />

kann abends mit Erfüllung und Genugtuung abschliessen, um<br />

dann am nächsten Morgen gestärkt wieder anzutreten», meint<br />

sie. Belastend wirke die Personalsituation. Verwaltungsratspräsident<br />

Pius Bernet sieht mit Besorgnis auf die von Covid 19 ausgelöste<br />

Krise. «Das Personal läuft am Limit, zurzeit ist im Pflegeberuf<br />

ein geregelter Tagesablauf kaum mehr möglich. Durch die<br />

hohe Belastung gibt es mehr Krankheitsausfälle und somit verteilen<br />

sich noch mehr Arbeitseinsätze auf die bleibenden Mitarbeiter*innen.<br />

Nicht wenige von ihnen wünschen sich eine Erholungszeit<br />

und kündigen, andere suchen sich einen neuen Job<br />

oder lassen sich durch ein höheres Lohnangebot abwerben.»<br />

Einbezug der Bevölkerung<br />

Auf die Frage, wie die Bevölkerung ins Leben des Zentrums<br />

Eymatt einbezogen wird, meinte Karin Rubeli: «Zu Beginn<br />

war die Schwelle, unbeschwert einmal das Zentrum Eymatt zu<br />

betreten, für viele Notteler*innen zu hoch. Wir öffneten das<br />

<strong>2022</strong> 12<br />

10 Jahre Zentrum Eymatt


Haus z. B. für den Elterntreff, wo die Kinder mit ihren Eltern<br />

zum Guetzlibacken oder Eierfärben kamen oder die Firmlinge<br />

mit den Bewohner*innen gemeinsam spielten. Langsam, aber<br />

stetig wuchs die Anzahl der Gäste, welche die Cafeteria, einen<br />

Anlass (Fasnacht) oder einen Gottesdienst besuchten. Heute<br />

erlebt das Haus einen regen Austausch mit Gästen aus nah und<br />

fern.» Besonders gefreut hat Karin Rubeli die Äusserung eines<br />

ehemaligen Kritikers des Zentrums, «Ich war ja ein Gegner bei<br />

der Abstimmung über das neue Altersheim. Heute muss ich<br />

sagen, dass ihr eure Arbeit sehr gut macht und es nicht mehr<br />

wegzudenken ist.»<br />

Änderung der Organisationsform<br />

2016 entlastete sich der Gemeinderat<br />

von seiner Hauptverantwortung für<br />

das Zentrum Eymatt und bildete eine AG<br />

mit dem Verwaltungsrat (VR) als kompetentes<br />

Gremium. Gemeinderätin und Stv.<br />

Verwaltungsratspräsidentin Renée Sigrist<br />

kann die beiden Führungsstile gut vergleichen.<br />

«Mit den fachspezifischen Spezialisten<br />

im VR haben wir Personen, die<br />

viel Berufserfahrung mitbringen, somit<br />

verteilt sich die grosse Verantwortung<br />

des Zentrums auf mehrere Schultern». Ihr<br />

umfassendes Netzwerk ist bei verschiedenen<br />

Themen hilfreich, nicht zuletzt<br />

bei der Personalsuche. Vorausschauend<br />

werden die Connections besonders wertvoll<br />

sein, wenn in ein paar Jahren infolge<br />

Pensionierungen in der Führungscrew<br />

Veränderungen anstehen.<br />

Für Karin Rubeli kam die Verselbstständigung<br />

zwei Jahre zu früh. «Die Etablierung<br />

der Alltagsgeschäfte im Betrieb<br />

war noch nicht abgeschlossen. Dennoch<br />

Facts and Figures<br />

zum Zentrum Eymatt<br />

Verwaltungsrat<br />

Pius Bernet, Präsident<br />

Renée Sigrist, Vize-Präsidentin<br />

Esther Peter-Spengeler, Mitglied<br />

Urs Masshardt, Mitglied<br />

Werner Steiger, Mitglied<br />

Operative Leitung<br />

Karin Rubeli, Geschäftsführung<br />

Hélène Hunziker, Leiterin Ökonomie<br />

Esther Steiger, Leiterin Gastronomie<br />

Esther Zihlmann, Leiterin Finanzen und<br />

Administration<br />

Statistische Angaben von Januar <strong>2022</strong><br />

70 Angestellte<br />

41 Vollpensen<br />

46 Betten<br />

ist die Professionalität eindeutig von Vorteil. Die schnellen<br />

Entscheidungswege, z.B. bei Mitarbeiter*innen-Anstellungen,<br />

erleichtern die Arbeit. Der VR verlangt viel, die Ansprüche<br />

an uns alle sind gestiegen, wir strengen uns mit allen Kräften<br />

an, ihnen gerecht zu werden. Wir wollen ein attraktives Haus<br />

bleiben, wo sich die Bewohner*innen wohl und zu Hause fühlen<br />

und das Personal gerne arbeitet.»<br />

10 Jahre Zentrum Eymatt<br />

13 <strong>2022</strong>


Astrid Bürkli,<br />

die dienstälteste Mitarbeiterin im Zentrum Eymatt<br />

Als Astrid Bürkli nach ihrer Familienphase am 1. Dezember 1998 in<br />

die Gruppe der freiwilligen Helfer*innen im Heim Oberey eintrat,<br />

ahnte sie noch nicht, wie sich ihr Werdegang im beruflichen und<br />

örtlichen Umfeld entwickeln würde. Schritt für Schritt stellte sie<br />

sich später zur Verfügung, die Ferienablösung in der<br />

Wäscherei, bei der Mitarbeit im Speisesaal, in der Reinigung<br />

und in der Pflege zu übernehmen. Die gelernte<br />

Verkäuferin bildete sich weiter, absolvierte 2006 die<br />

Ausbildung als SRK-Pflegerin und machte Kurse für Kinästhetik<br />

und Aromapflege. Zusammen mit ihrer reichen<br />

Erfahrung arbeitet sie seither als Mitarbeiterin Pflege<br />

auf einem Wohnbereich im Zentrum Eymatt.<br />

Als einer der eindrücklichsten Momente schildert sie<br />

das Betreten des neuen Zentrums, wo sie zusammen mit<br />

ihren zugeteilten Bewohnern über den roten Teppich,<br />

flankiert von Personen der Gemeindebehörde und der<br />

Heimleitung, in das neue Haus eintreten durfte. Das<br />

war ein Meilenstein, denn ab nun war alles viel grösser, heller,<br />

erleichternd, aber auch weitläufiger. Als grosse Qualität erachtet<br />

Astrid Bürkli die Tatsache, dass alle Zimmer über eine Nasszelle<br />

verfügen. Sie erinnert sich, wie einige Bewohner*innen sich<br />

wegen des Standortwechsels und um die Veränderung in ihrem<br />

Leben sorgten. Astrid Bürkli selber vermisst einzig die heimelige<br />

Stube, sie war das Kernstück, der Treffpunkt des Hauses, aber sie<br />

gibt auch zu bedenken, dass früher alles mit einem Treppenlift<br />

bewältigt werden musste – heute undenkbar. Drei Männer, die den<br />

Umzug mitgemacht haben, leben heute noch im Zentrum Eymatt.<br />

Astrid Bürkli schätzt das Arbeitsklima. «Wir helfen einander,<br />

haben einen sehr guten Teamgeist und werden gut geführt.»<br />

Selbst nach 23 Jahren geht sie täglich gerne zur Arbeit und<br />

schätzt den gegenseitigen Austausch mit den Bewohner*innen,<br />

auch die vertrauenswürdigen Gespräche, das Berücksichtigen der<br />

individuellen Bedürfnisse und die ganzheitliche Pflege. «Täglich<br />

müssen wir mit Veränderungen, Optimierungen und neuen Ideen<br />

umgehen können, das alles macht den Job so interessant. Ich<br />

wünsche mir weiterhin eine gute Zusammenarbeit, viele schöne<br />

Momente mit den Bewohner*innen, und dass ich ihnen die Unterstützung<br />

geben kann, damit sie zufrieden leben können». Ihre<br />

ruhige, bescheidene und pflichtbewusste Art wird sie bei diesen<br />

Vorhaben bestimmt positiv unterstützen.<br />

<strong>2022</strong> 14<br />

10 Jahre Zentrum Eymatt


Vanessa Flühler,<br />

die jüngste Mitarbeiterin im Zentrum Eymatt<br />

Ein Tipp von ihrer Grossmutter, die unmittelbar neben dem<br />

Zentrum Eymatt wohnt, führte Vanessa Flühler zum Erfolg. Die<br />

junge Frau suchte nach einem Fehlstart ihrer ersten Lehre als<br />

Medizinische Praxisassistentin eine neue Lehrstelle als Fachfrau<br />

Gesundheit und bewarb sich auf Anraten ihrer Oma im<br />

Zentrum Eymatt. Sie sagt: «Ich bin sehr dankbar, dass<br />

ich hier die Chance erhalten habe, meinen Beruf zu<br />

lernen. Es gefällt mir sehr gut, ich könnte es mir nicht<br />

besser vorstellen.» Nach einem Praktikumsjahr steht<br />

sie heute im ersten Lehrjahr, besucht wöchentlich an<br />

zwei Tagen die Schule und arbeitet während der restlichen<br />

Zeit in der Pflege. «Das Team ist sehr hilfsbereit<br />

und aufgestellt. Ich bekomme die fachliche und emotionale<br />

Unterstützung, die ich brauche. Auch die Grösse<br />

des Zentrums entspricht mir, ich kenne alle Mitarbeiter*innen<br />

und Bewohner*innen und fühle mich wohl in<br />

diesem Umfeld.»<br />

Vanessa Flühler hat schon vieles dazugelernt, der Umgang und<br />

die Kommunikation mit älteren Menschen fällt ihr, im Gegensatz<br />

zu früher, viel leichter. Die täglichen Erfahrungen stärken sie als<br />

Person, auch die Beziehung zum Tod ist für sie als junge Frau<br />

wertvoll, und sie betrachtet heute das Leben allgemein aus einem<br />

anderen Blickwinkel. Nach einem strengen Arbeitstag findet sie<br />

beim Malen und Zeichnen oder bei Treffen mit Familie, Freundinnen<br />

und Freunden ihre Erholung.<br />

Auf die Frage, wie die Zukunftspläne aussehen und ob<br />

es Wünsche, Träume, Visionen gebe, antworteten die<br />

Interviewpartner*innen:<br />

Pius Bernet: Unsere Strategie bei der Planung beruht auf der<br />

kontinuierlichen Weiterentwicklung. Wir wollen weder grosse<br />

Sprünge machen noch vorauseilen oder hintennach hinken.<br />

Wir wollen die coronabedingten Veränderungen annehmen<br />

und im Gleichschritt weitergehen. Wir streben eine rechtzeitige<br />

Planung an für die ersten anstehenden Sanierungsmassnahmen<br />

und für die Aktualisierung des IT-Bereichs. Mit Sicherheit legen<br />

wir den Fokus auf das Tagesgeschäft und setzen unsere Arbeit<br />

mit der gleichen Grundhaltung wie bisher fort. Ich wünsche mir<br />

für das Zentrum Eymatt, dass der sehr gute Hausgeist auf jeden<br />

Fall erhalten bleibt, dass die Empathie zum Wohlbefinden bei-<br />

10 Jahre Zentrum Eymatt<br />

15 <strong>2022</strong>


trägt, dass der Berufsstolz der Mitarbeiter*innen trotz grosser<br />

Herausforderungen erhalten und gestärkt bleibt, und dass Menschen<br />

für Menschen da sind.<br />

Renée Sigrist: Ich wünsche mir, dass der Eintritt in ein<br />

Pflegeheim nicht als Endstation betrachtet wird, sondern als<br />

Schritt in ein neues Zuhause, wo sich die Lebensqualität verbessert<br />

und sich im letzten Lebensabschnitt noch vieles positiv<br />

entwickeln kann.<br />

Karin Rubeli: «Ich wünsche mir weiterhin einen sorgsamen,<br />

empathischen Umgang mit den Bewohnenden. Sie sollen tagtäglich<br />

erfahren, dass sie wertvoll und wichtig sind.»<br />

1 «Weisch no»: die Jubiläumsbilderausstellung<br />

erinnert an bekannte<br />

Gesichter und prägende<br />

Erlebnisse in der Geschichte<br />

auf dem Weg<br />

vom Altersheim Oberey<br />

zum Zentrum Eymatt<br />

2 Die neue Wasserquelle<br />

am Brunnenplatz<br />

gilt als Wohlfühloase<br />

Jubiläums-Highlights<br />

Am 11. Februar 2021 am frühen Morgen waren die<br />

Mitarbeiter*innen dabei, ihr neues Jubiläums-T-Shirt<br />

aus den zur Verfügung gestellten vier Farben auszuwählen.<br />

Die bunte Crew überraschte die Bewohner*innen<br />

mit einem Verwöhn-Frühstücksbuffet umrahmt<br />

1 von feierlichen Worten der Geschäftsführerin Karin<br />

Rubeli. Vor dem Mittag enthüllte Hélène Hunziker,<br />

Leiterin Ökonomie, die Fotoausstellung «Weisch no?»,<br />

die viele Erinnerungen zur Bauzeit, der Züglete und<br />

zum neuen Leben im Zentrum Eymatt weckte. Originelle<br />

Schwarz-Weiss -Bilder erzählten Geschichten.<br />

Sie waren unter Mithilfe des Organisationskomitees<br />

aus einem Sammelsurium ausgewählt worden. Nach<br />

2 einem Festessen am Mittag und Abend kam der Glitzermoment<br />

– die Firma Bugano zündete ein Bodenfeuerwerk<br />

direkt vor dem Haus – und der Zauber spiegelte sich<br />

nicht nur in den Augen, er erfreute tief im Herzen.<br />

Karin Rubeli betont, dass jeweils am Elften jedes Monats<br />

bis Ende Februar <strong>2022</strong> ein kulinarischer Höhepunkt (Dessert,<br />

Frühstück …) vorgesehen war. Ein Geburtstagsgeschenk der<br />

besonderen Art ermöglichten mit ihrer Unterstützung der<br />

Rotary Club und weitere Sponsoren. Sie finanzierten einen<br />

Begegnungsplatz mit einem neuen Brunnen, der in einem ökumenischen<br />

Gottesdienst – umrahmt von Alphornklängen – eingeweiht<br />

wurde. Der feierliche Nachmittag fand mit der Musik<br />

der Luzerner Ländler Band unter der Leitung von Claudia Muff<br />

einen würdigen Abschluss. Abgerundet wurden die Feierlichkeiten<br />

mit einer besonderen Weihnachtswoche. All diese Glanzlichter<br />

im Jubiläumsjahr geben dem Zentrum Eymatt zu Recht<br />

den Beinamen «Stern im Alter».<br />

<strong>2022</strong> 16<br />

10 Jahre Zentrum Eymatt


Landfrauenküche<br />

mit Anita Estermann<br />

«SRF bi de Lüt» in Nottwil<br />

«Sie chöme us de ganze Schwiiz, sebe Landfroue us sebe<br />

Regione. Sie choche, bache ond ässe gärn ond sie schtelle<br />

sech im Wettbewerb om die beschti Regionalchuchi», so tönt<br />

es jeweils als Einstieg in die beliebte Freitagabend-Sendung<br />

SRF bi de Lüt.<br />

Was für die Zuschauer*innen wie ein gemütlicher<br />

Fernsehplausch daherkommt, bedeutet für die nehmerinnen eine recht anstrengende Woche<br />

Teil-<br />

Drehzeit vor Ort und eine intensive siebenwöchige<br />

Tour durch die Schweiz Mit dabei war im<br />

Herbst 2020 1) auch Anita Estermann aus Nottwil<br />

Auswahlprozedere<br />

Natürlich kocht Anita, wie ihre Familie einhellig sagt, Das Motiv des Edelweiss',<br />

eine der Lieblingsblumen<br />

von Anita,<br />

immer «guet und gnue» Täglich kommen saisonale Produkte<br />

aus Hof und Garten auf den Tisch – Milch, Fleisch, Gemüse, war in der Dekoration<br />

und auch im Menu<br />

Früchte, Beeren und Nüsse Dass sie aber einmal im Fernsehen<br />

ihr Können im Wettbewerb mit sechs anderen Bäuerinnen<br />

präsent.<br />

aus der ganzen Schweiz unter Beweis stellen sollte, das haben<br />

ihre Geschwister zu verantworten Sie haben Anita ohne ihr<br />

Wissen angemeldet<br />

Ganz klar war «SRF bi de Lüt – Landfrauenküche» für Anita<br />

schon immer ein wunderbarer Freitagabend-Fixpunkt in ihrer<br />

Agenda, die Sendung verpasste sie nie Kochen macht ihr Spass<br />

und Gäste zu verwöhnen ebenso Einmal selbst im Fernsehen<br />

den Kochlöffel zu schwingen, das konnte sie sich gut vorstellen<br />

und reizte sie ganz besonders Zudem waren mit dem Covid<br />

1) SRF bi de Lüt –<br />

Lockdown einige berufliche Tätigkeiten auf dem Hof (u a Hippotherapie<br />

/ Besuche) eingeschränkt, das gab Luft für Neues Folge<br />

02.10.2020/Staffel 14/<br />

2<br />

<strong>Nottwiler</strong> <strong>Auslese</strong><br />

17 <strong>2022</strong>


Anitas<br />

Landfrauenküche-Menu<br />

Gedeckte Gemüsesuppe<br />

mit Überraschung<br />

**<br />

Trutenfiletmedaillon<br />

mit Chammesauce<br />

**<br />

Marroni-Chüechli<br />

mit Baumnussparfait<br />

und Himbeersauce<br />

Steckbrief<br />

Anita Estermann-Bucheli<br />

geboren: 1969<br />

verheiratet: mit Franz Estermann<br />

3 Kinder: Julia, Cyril, Joel<br />

Berufe: Bäuerin und<br />

Mitarbeiterin Hippotherapie<br />

(Pferde führerin)<br />

Im Frühjahr 2020 erfolgte eine erste Kontaktaufnahme,<br />

ein Anruf des Schweizer Fernsehens. Frau<br />

Michelle Ehrensperger, Produzentin der beliebten<br />

Freitag-Abendsendung «Landfrauenküche», besuchte<br />

darauf die Estermanns in Nottwil, sie wollte sich einen<br />

ersten Eindruck von Haus und Hof machen. Passte<br />

der Betrieb ins Konzept, gab er etwas Besonderes her,<br />

waren die Hofprodukte speziell und doch bodenständig,<br />

ist der Einsatz der Bäuerin auf dem Hof vielseitig?<br />

Ein weiteres Kriterium für die Auswahl der Kandidatinnen<br />

war die regionale Verteilung der Mitstreiterinnen,<br />

also reine Glückssache. Anita und ihre Familie<br />

konnten vor der kritischen, aber auch motivierenden<br />

Musterung bestehen und bekamen die Zusage.<br />

Drei verschiedene Menüs mussten der Redaktion<br />

vorgelegt werden; sie sollten die verschiedenen<br />

Produkte des Betriebes beinhalten, dabei auch<br />

der Saison (Sendezeit im Herbst) Rechnung tragen,<br />

also waren eher herbstliche Genüsse gefragt. Einen<br />

Monat vor den Dreharbeiten auf dem Hof (3. bis 8.<br />

August) wurde das definitive Menü von der Redaktion<br />

festgelegt. Anita musste die Rezeptur des<br />

Menüs mit genauen Mengenangaben und Kochzeiten<br />

schriftlich einreichen. «Das war eine Heidenarbeit,<br />

sonst läuft bei mir das Kochen ganz spontan<br />

und Handgelenk mal Pi», meinte sie rückblickend.<br />

Anitas Woche (3. bis 8. August 2020)<br />

Anita ging als zweite Kandidatin ins Rennen. Das Drehbuch<br />

für die ganze Sendung erhielten die Estermanns schon vorgängig<br />

und konnten sich gut vorbereiten.<br />

In rund der Hälfte der sechzig Minuten Sendezeit wurden<br />

ein Portrait des Betriebes, der Familie und eine typische Arbeitswoche<br />

vorgestellt. So war ein Dreierteam (Produktionsleitung /<br />

Kamera / Ton) die ganze Woche dabei und schaute der Familie<br />

Estermann über die Schulter – bei der Arbeit, in der Freizeit,<br />

beim Kochen und bei der Vorbereitung für den Samstag.<br />

Samstag 8. August – Die Landfrauen kommen zu Besuch<br />

Schon am Vorabend deckte und dekorierte Anita im angrenzenden<br />

Schopf den Tisch für das Landfrauen-Essen. Überall<br />

blitzten Edelweisse hervor, das Hauptmotiv für die Dekora-<br />

<strong>2022</strong> 18<br />

Landfrauenküche mit Anita Estermann


tion überraschte auch in verschiedenen<br />

Variationen beim<br />

Anrichten des Menüs. «Ich<br />

mag diese Blume ganz besonders»,<br />

sagte Anita mit einem<br />

Lächeln.<br />

Der Samstag, sonnig und<br />

heiss, war endlich da, der<br />

Adrenalinspiegel stieg. Jetzt<br />

galt es ernst. Das Aufnahmeteam<br />

des Schweizer Fernsehens<br />

war auf acht Personen<br />

erweitert worden. Sie legten<br />

Kabel für Beleuchtung in der<br />

Küche und im angrenzenden<br />

Essraum. Auch alle Beteiligten<br />

wurden verkabelt, der<br />

Zuschauer daheim wollte ja<br />

hautnah mithören, wenn diskutiert,<br />

geseufzt und lamentiert<br />

wurde.<br />

Am Samstag, kurz nach dem Mittagessen, ertönte endlich<br />

das Postautohorn: «Düdado»! Die Landfrauen entstiegen<br />

dem Oldtimer-Fahrzeug. Es folgte eine herzliche Begrüssung,<br />

anschliessend wurden die Gäste mit einem Apéro verwöhnt.<br />

Anita und ihre Schwägerin mussten sich bald vom munteren<br />

Treiben verabschieden und die Kochschürzen umbinden.<br />

Obwohl das Menü ganz minutiös geplant und der Zeitplan klar<br />

definiert war, kam manchmal doch etwas Hektik auf. Das Vegi-<br />

Menü war fast im Trubel untergegangen, das Dessert mit dem<br />

Baumnussparfait musste einen Moment zu lange auf seinen<br />

krönenden Auftritt warten und doch – insgesamt konnten<br />

die beiden Köchinnen sehr zufrieden sein mit dem Resultat.<br />

Geschafft!<br />

Echte Vertrautheit mit<br />

den Pferden: Anita als<br />

Mitarbeiterin in der<br />

Hippotherapie<br />

Rückblick und Reaktionen<br />

«Es war eine gute Erfahrung; ich konnte mitverfolgen,<br />

welch grosser Aufwand für eine lockere Stunde Sendezeit nötig<br />

ist. Unglaublich, wie viel Filmmaterial produziert wurde, und<br />

manchmal waren wir schon etwas enttäuscht, wenn eine besonders<br />

gelungene Szene (nach unserer Einschätzung) einfach herausgeschnitten<br />

wurde», meinte Anita rückblickend. Die Reisen<br />

zu den andern sechs Landfrauen in alle Landesteile beurteilt sie<br />

Landfrauenküche mit Anita Estermann<br />

19 <strong>2022</strong>


1<br />

2<br />

1 Gekonnt posiert Anita<br />

Estermann vor der Kamera<br />

bei der Herstellung<br />

der Marroni-Küchlein<br />

2 Dekorationskünstlerin<br />

beim letzten Schliff<br />

3 Haus und Garten im<br />

Eyhof im Blumenmeer<br />

4 Franz Estermann als<br />

Hobby-Kameramann<br />

rückt seine Frau Anita<br />

ins Rampenlicht<br />

3<br />

4<br />

als spannend, aber auch kräftezehrend. Anita fühlte sich nach<br />

den intensiven Wochen ziemlich ausgelaugt, würde aber einer<br />

weiteren Beteiligung ganz bestimmt wieder zustimmen.<br />

Franz Estermann hatte einen entscheidenden Anteil am<br />

Gelingen des Abends, war er doch, wie Anita betont, bei aller<br />

Hektik ein Fels in der Brandung. Sein Einsatz als Service-Fachmann<br />

wurde von den Kontrahentinnen extra gewürdigt, er servierte<br />

die Speisen und kredenzte den Hauswein gekonnt und<br />

mit Charme.<br />

Die Bewertung des Menüs und der Dekoration gehört zum<br />

Sendekonzept, war aber nach Meinung von Anita nicht ganz so<br />

stimmig. Zu Beginn wurde eher strenger bewertet, im Verlauf<br />

der Zeit entwickelte sich der Umgang unter den Kandidatinnen<br />

als freundschaftlich und wohlwollend, und die Benotung fiel<br />

auch demzufolge auch höher aus.<br />

Familie Estermann bekam im Nachhinein von Jung und<br />

Alt viele positive Reaktionen. Gratulationen aus Nottwil und<br />

Umgebung, von Freunden und völlig Unbekannten durfte sie<br />

entgegennehmen. Eine Anfrage kam sogar aus Neuseeland –<br />

also «SRF bi de Lüt» weltweit!<br />

<strong>2022</strong> 20<br />

Landfrauenküche mit Anita Estermann


Corona-Pandemie in Nottwil<br />

Der Alltag fällt aus dem Konzept<br />

Die Corona-Pandemie versetzte die Schweiz und miteingeschlossen<br />

auch Nottwil zum ersten Mal von März bis<br />

Mai 2020 in einen Lockdown 1) . Ausgehbeschränkungen,<br />

geschlossene Geschäfte und Restaurants, die lahmgelegte<br />

Kultur, das blockierte öffentliche Leben gehören zu der<br />

Ausnahmesituation mit der Devise «zu Hause bleiben».<br />

Diese noch nie erlebte Situation bedeutet eine grosse Herausforderung<br />

für die Bevölkerung. Der Lockdown, eine durch<br />

die Pandemie verursachte, bis anhin völlig unbekannte Ausnahmesituation,<br />

ist angekommen. Menschen müssen sich vor<br />

einer Ansteckung schützen. Das können sie nur, wenn sie die<br />

behördlich verordneten Hygienemassnahmen befolgen: mindestens<br />

eineinhalb Meter Abstand halten, Hände waschen und<br />

desinfizieren, in den Ellbogen husten und ausserfamiliäre Kontakte<br />

vermeiden. Das Sars-Cov-2 Virus, bekannt unter Covid-<br />

19, ist sehr ansteckend und kann tödlich sein. Für infizierte<br />

Personen gelten die Isolations- und Quarantäneregeln.<br />

Nur Geschäfte zur lebensnotwendigen Versorgung und<br />

Gesundheitseinrichtungen bleiben offen, auch der öffentliche<br />

Verkehr wird aufrechterhalten. Die Gemeinde Nottwil rekrutiert<br />

in kürzester Zeit einen kompetenten Krisenstab, der Informationen<br />

an die Bevölkerung weitergibt, Hilfestellungen anbietet<br />

und als Ansprechstelle gilt.<br />

Nachbarschaftshilfe und «Hausarrest»<br />

Die Solidarität unter den <strong>Nottwiler</strong>*innen ist gross. Man<br />

hilft sich gegenseitig und ist füreinander da, erledigt Einkäufe<br />

und Botengänge für die Risikogruppe der über 65-Jährigen, die<br />

besonders Vorsicht halten müssen. Die Verordnung des Bundesrates,<br />

das Haus nur in dringenden Fällen zu verlassen, schränkt<br />

1) Lockdown (engl.) =<br />

Ausgangssperre<br />

<strong>Nottwiler</strong> <strong>Auslese</strong><br />

21 <strong>2022</strong>


04.03.20 16:41<br />

Massnahmen des Bundesrates<br />

am 16. März 2020<br />

- Öffentliche und private Veranstaltungen<br />

sind verboten<br />

- Alle Läden, Märkte, Restaurants, Bars<br />

sowie Unterhaltungs- und Freizeitbetriebe<br />

wie Museen, Bibliotheken,<br />

Kinos, Konzert- und Theaterhäuser,<br />

Sport zentren, Schwimmbäder und Skigebiete<br />

werden geschlossen<br />

- Betriebe, die den Abstand nicht einhalten<br />

können wie Coiffeursalons und<br />

Kosmetikstudios werden geschlossen<br />

- Die Versorgung der Bevölkerung mit<br />

Waren des täglichen Gebrauchs ist<br />

sichergestellt<br />

- Apotheken, Arztpraxen, Spitäler und<br />

Kliniken bleiben geöffnet, müssen<br />

aber nicht dringende Eingriffe und<br />

Therapien verschieben<br />

- Tankstellen, Bahnhöfe, Banken, Poststellen,<br />

öffentliche Verwaltung,<br />

soziale Einrichtungen und Hotels<br />

bleiben offen<br />

- Betriebskantinen, Lieferdienste für<br />

Mahlzeiten, Take-aways bleiben offen<br />

Neues Coronavirus<br />

SO SCHÜTZEN<br />

WIR UNS.<br />

NEU<br />

Abstand halten.<br />

Zum Beispiel:<br />

• Ältere Menschen durch genügend<br />

Abstand schützen.<br />

• Beim Anstehen Abstand halten.<br />

• Bei Sitzungen Abstand halten.<br />

www.bag-coronavirus.ch<br />

Gründlich<br />

Hände waschen.<br />

Erstes offizielles<br />

Plakat des BAG vom<br />

05.03.2020<br />

Aktualisiert am 4.3.2020<br />

Aktualisiert am 5.3.2020<br />

WEITERHIN WICHTIG:<br />

das Alltagsleben massiv ein Vor allem<br />

ältere, alleinstehende Personen treffen<br />

die Schutzmassnahmen hart Die Distanzierung<br />

von Familienangehörigen und<br />

die soziale Isolation führen zu Vereinsamung<br />

und beeinflussen das Wohlbefinden<br />

der Betroffenen Beschäftigte in systemrelevanten<br />

Berufen gehen ihren Tätigkeiten<br />

nach, alle andern, auch die Schulen,<br />

bekommen eine absolute Ausnahmesituation<br />

verordnet Primar-, Sekundar- und<br />

Kantonsschüler*innen werden per Homeschooling<br />

unterrichtet – eine Herausforderung<br />

für die Familien und für die Lehrpersonen<br />

Die Kinder müssen zu Hause<br />

bleiben, den Eltern wird Home-Office<br />

verordnet, die Arbeitsplätze, besonders<br />

in kleinen Wohnungen, sind knapp Die<br />

Situation erfordert gute Nerven, Humor,<br />

Kreativität und Einfühlungsvermögen,<br />

um alles gemeinsam und mit Gelassenheit<br />

zu meistern<br />

Neuentdeckungen dank Corona<br />

Wer kann, geht in die Natur Lange<br />

Spaziergänge mit Einhalten der Abstands<br />

regeln sind angesagt Der Frühling<br />

mit seinen milden Temperaturen spielt<br />

glücklicherweise mit Der Einfallsreichtum der Einheimischen<br />

kennt keine Grenzen Einige holen die Picknickkörbe<br />

aus dem Keller, um sich für einen Apéro oder<br />

Imbiss bei der Flüss-Kapelle zu treffen, den herrlichen<br />

Ausblick auf den Sempachersee zu geniessen im Bewusstsein,<br />

dass diese Krise definitiv auch ihre positive<br />

Seite hat Andere versammeln sich draussen am Gartentisch<br />

zu einer gemütlichen Jassrunde<br />

Am See, im Buchwäldli, im Notteler- und Eier-<br />

Wald trifft man immer wieder auf Freunde und<br />

Bekannte und unterhält sich über die neusten<br />

Nachrichten der Corona-Massnahmen und der Bundesratsentscheide<br />

Damit die Decke zu Hause nicht auf den Kopf<br />

fällt, halten sich auch Familien im Freien auf, treffen sich zum<br />

Austoben und Durchatmen mit anderen Auch Kinder sind über<br />

In Taschentuch oder<br />

Armbeuge husten und<br />

niesen.<br />

Hände schütteln<br />

vermeiden.<br />

Bei Fieber oder<br />

Husten zu Hause<br />

bleiben.<br />

Nur nach telefonischer Anmeldung<br />

in Arztpraxis oder Notfalstation.<br />

Scan for translation<br />

<strong>2022</strong> 22<br />

Corona-Pandemie in Nottwil


die Ausnahmesituation bestens informiert. «Was, du bist schon<br />

65 Jahre alt. Darfst du überhaupt noch raus?» Ein achtjähriges<br />

Mädchen trifft den Nagel auf den Kopf. Ebenso hält die Corona-<br />

Pandemie auch Jugendliche und junge Erwachsene in Bann. Ihr<br />

Bedürfnis nach Ablenkung in Jugendclubs und nach Freizeitaktivitäten<br />

wird stark eingeschränkt und führt teilweise zu körperlicher<br />

und psychischer Belastung.<br />

Das Leben spielt sich mehr denn je in den Häusern und<br />

Wohnungen ab. Es wird geputzt und umgestaltet – und dank<br />

dem Internet wird das bestellte Material nach Hause geliefert.<br />

In den Gärten herrscht Hochbetrieb: Umgraben, Pools anlegen,<br />

Wintergärten planen – vieles, was schon lange auf dem Eis<br />

lag, wird endlich angepackt. Die Restaurants sind geschlossen.<br />

Die Motivation, sich selber hinter den Herd zu stellen, hat bei<br />

vielen die Leidenschaft fürs Kochen geweckt.<br />

Wenn der Stau zum Fremdwort wird<br />

Durch Homeoffice oder durch Arbeitsausfälle hat sich der<br />

Alltagsverkehr massiv reduziert. Staumeldungen sind seltener<br />

geworden, die Ruhe ist ungewohnt und wirkt beinahe unheimlich.<br />

Vereinbarte Termine werden abgesagt, alles muss von zu<br />

Situation der Betriebe in Nottwil<br />

während des Lockdowns<br />

- Während zwei Monaten konnten die<br />

Ausfallstunden beim Bund abgerechnet<br />

werden.<br />

- Finanzielle Einbussen konnten mit<br />

Rückstellungen aufgefangen werden.<br />

- Mitarbeitende erhielten 80 % Kurzarbeitsentschädigung<br />

und waren auf<br />

Abruf bereit.<br />

- Das Arbeitsvolumen ging vorübergehend<br />

zurück, einiges konnte aufgearbeitet<br />

werden.<br />

Gastronomiebetriebe<br />

- Investitionen in Sicherheitskonzepte,<br />

Ungewissheit über Öffnung / Schliessung,<br />

Personalmangel, Unsicherheit<br />

betreffend Gästefrequenz<br />

Isolation / Quarantäne<br />

Quarantäne und Isolation sind Massnahmen,<br />

um die Infektionskette zu<br />

unterbrechen und die Weiterverbreitung<br />

des Virus einzudämmen.<br />

Eine Person, die eine bestätigte oder<br />

vermutete Infektion hat, muss mind. 10<br />

Tage zu Hause in Quarantäne bleiben<br />

und jeden Kontakt zu anderen Personen<br />

vermeiden.<br />

Eine Person, die positiv auf Corona<br />

getestet ist, muss bis 48 Stunden nach<br />

Abklingen der Symptome in Isolation<br />

– d. h. in einem geschlossenen Raum –<br />

bleiben, und jeden Kontakt zu anderen<br />

Personen vermeiden.<br />

Corona-Pandemie in Nottwil<br />

23 <strong>2022</strong>


Hause aus erledigt werden, und die Menschen sind sich einig,<br />

dass es so etwas noch nie gegeben hat.<br />

Die Auftragslage in den Betrieben ist unterschiedlich, die<br />

Verunsicherung über die Fortführung auch. Kündigungen<br />

werden ausgesprochen. Der Bundesrat sagt Wirtschaftshilfen<br />

zu, was zur Beruhigung beiträgt. Eine Verbesserung und Normalisierung<br />

der Situation ist 2020 jedoch noch nicht in Sicht.<br />

Abstand halten im<br />

Zentrum Eymatt bildlich<br />

dargestellt<br />

Überall Verzicht auf Kontakte<br />

Das Alterszentrum Eymatt treffen die Massnahmen besonders<br />

hart. Für die Bewohnenden, Mitarbeitenden und Angehörigen<br />

bedeutet diese Zeit eine grosse Herausforderung. Das<br />

oberste Ziel ist die Fernhaltung des Virus vom ganzen Haus. Von<br />

den Leitungspersonen und Mitarbeiter*innen wird ein besonderer<br />

Effort verlangt; die täglich wechselnden Beschlüsse und<br />

Weisungen der Behörden müssen, zusätzlich zu den gewohnten<br />

Arbeiten und Abläufen, umgesetzt werden.<br />

Hygiene-Massnahmen, Abstände einhalten, das Desinfizieren<br />

der Tische und der bewohnten Räume, Isolation, dauernd<br />

<strong>2022</strong> 24<br />

Corona-Pandemie in Nottwil


wechselnde Schutzkleidung sind nur ein paar Zusatzmassnahmen<br />

der vielen Vorschriften. Erfreulicherweise können alle<br />

Aufgaben zügig erledigt werden, auch dank den ehemaligen<br />

Mitarbeitenden, die rasch und bereitwillig ihre Unterstützung<br />

anbieten. Mit einer guten Portion Humor, viel Offenheit, Flexibilität<br />

und Hilfsbereitschaft werden die Aufgaben gemeinsam<br />

gemeistert, und heute kann mit Stolz gesagt werden, dass es in<br />

dieser Zeit keine einzige Corona-Erkrankung gab.<br />

Besuche sind keine möglich. Als Kompensation und zum<br />

Zeitvertreib werden vermehrt Aktivitäten angeboten, welche<br />

die Gemeinschaft im Zentrum Eymatt fördern und Abwechslung<br />

in den Alltag bringen. Es wird viel Zeit im Freien verbracht.<br />

Einige Bewohner*innen arbeiten am Hochbeet, jäten,<br />

giessen, freuen sich über die Ernte, und andere stricken mit<br />

Begeisterung. Berührend sind die Andachten im Raum der Stille,<br />

begleitet von Musik, und die stimmigen Stammtisch-Abende<br />

am Feuer. Nicht trotz, sondern wegen des «Abstand Haltens» ist<br />

die Eymatt zu einer grossen Familie zusammengerückt. Mit viel<br />

Geduld und Ruhe ertragen die Bewohner*innen die Massnahmen.<br />

«Wir haben schon schlimmere Zeiten erlebt, vor allem im<br />

Zweiten Weltkrieg. Jetzt haben wir ein Dach über dem Kopf, für<br />

uns wird sehr gut gesorgt, und all das wissen wir zu schätzen.»<br />

Angehörige können im Parterre lediglich durch eine Glasscheibe<br />

mit den Bewohner*innen in Kontakt treten, winken<br />

sich zu oder unterhalten sich mit ihnen von der Umgebung<br />

aus, wenn sie auf dem Balkon sind. Enkelkinder schreiben den<br />

Grosseltern Nachrichten mit Kreide auf den Parkplatz. Tablets<br />

werden angeschafft und Gespräche mit Sichtkontakt sind auf<br />

diese Weise möglich. Die Eymatt-Administration steht in ständigem<br />

Kontakt mit den Angehörigen, was sehr zur Beruhigung<br />

der Situation beiträgt.<br />

Kirche ohne Gottesdienste<br />

Während dieser Zeit müssen sich die Gläubigen mit Fernsehübertragungen<br />

oder Live-Streams von Messen zufriedengeben.<br />

In der Pfarrkirche St. Marien finden keine Gottesdienste<br />

mehr statt. Am Palmsonntag wird die Kirche wie jedes Jahr mit<br />

Palmenbäumen geschmückt, sie bleibt für die Besucher*innen<br />

offen und kann jederzeit aufgesucht werden. An Ostern wird<br />

die Heilige Messe ohne Gottesdienstbesucher*innen gefeiert.<br />

Stellvertretend für alle wird die Osterfeier von fünf Pfarreimitarbeitenden<br />

durchgeführt. So konnten auch die österlichen<br />

Rituale der Osterwasser- und Osterkerzenweihe stattfinden.<br />

Corona-Pandemie in Nottwil<br />

25 <strong>2022</strong>


Wegen der Ansteckungsgefahr werden die Weihwassergefässe<br />

in der Kirche geleert, das Weihwasser in kleine Fläschchen<br />

abgefüllt und zum Mitnehmen bereitgestellt. Die Erstkommunion<br />

der Drittklässler*innen wird auf später verschoben.<br />

Im Kirchenchor finden keine Proben mehr statt, Projekte<br />

mit befreundeten Chören werden von einem Tag auf den andern<br />

abgesagt und die Frage, wie es weiter gehen soll, steht im Raum.<br />

Es wird improvisiert. Die Sänger*innen erhalten Whats-App-<br />

Sprachnachrichten mit Liedern und Klavierbegleitung und so<br />

kann nach Bedarf individuell zu Hause geprobt werden. Ältere<br />

Chormitglieder lassen sich überzeugen, beschaffen sich ein<br />

Smartphone, nehmen die Hilfe der Enkel in Anspruch und sind<br />

bald schon begeistert, was dieses Gerät alles hergibt.<br />

Meisterschaftsabbruch<br />

Der Abbruch der Saison und der Hallentrainings kommt<br />

für den Fussballclub Nottwil und auch für die Handballerinnen<br />

der Spono Eagles unerwartet. Beim FC können Juniorentrainings<br />

noch durchgeführt werden unter der Bedingung,<br />

dass alle Spieler*innen im Sportdress auf dem Platz erscheinen<br />

und nachher auf direktem Weg wieder nach Hause gehen. Alle<br />

haben ihr eigenes Desinfektionsmittel dabei, trinken ist nur aus<br />

der eigenen Flasche erlaubt und Mundschutz ist obligatorisch.<br />

Die Kabinen und das Clubhaus bleiben geschlossen. Man hält<br />

sich strikt an die Vorgaben des Verbandes, schliesslich müssen<br />

nicht nur die Spieler*innen, sondern auch die Trainer*innen<br />

geschützt werden. Die Spielerinnen des Spono Eagles-Teams<br />

entscheiden sich für ein individuelles Training draussen in<br />

der freien Natur und erstellen sich einen eigenen, fixen Trainingsplan.<br />

Aussichten und Chancen<br />

Die Corona-Pandemie hat grossmehrheitlich die Welt<br />

stillgelegt, vieles hat sich verändert und hat zu einem neuen<br />

Bewusstsein beigetragen. Der Umgang mit dem unbekannten<br />

Virus hat sich mittlerweile eingespielt. Die Vorgaben des Bundesrates<br />

und der Kantone werden nach wie vor immer wieder<br />

aktualisiert in der Hoffnung, dass ein Leben ohne Einschränkungen<br />

wieder möglich wird.<br />

<strong>2022</strong> 26<br />

Corona-Pandemie in Nottwil


Den Frauen eine Stimme geben<br />

Portraits und Erzählungen von Notteler Frauen<br />

Das lange Leben einiger Notteler Frauen gibt Anlass zur<br />

Rückblende – nicht nur, weil sich die Einführung des<br />

Frauenstimmrechts 2021 zum fünfzigsten Mal jährt, sondern<br />

der Geschichten wegen, deren Ursprung bis in die Zeit<br />

des Zweiten Weltkrieges zurückgeht.<br />

Die zwischen 82- und 92-Jährigen haben aus ihrer Fülle<br />

von Erinnerungen geschöpft und ihren Lebensläufen Stimme<br />

verliehen: Sie waren teilweise gezeichnet von harter Arbeit,<br />

Ängsten und Geringschätzung, aber auch beschwingt von<br />

Glücksmomenten und der Teilhabe an grossen Entwicklungsprozessen<br />

in der Menschheitsgeschichte.<br />

Dem Ereignis vom 7. Februar 1971, der Abstimmung<br />

über das Frauenstimmrecht in der Schweiz, das die Männer<br />

mit knapp zwei Dritteln Ja-Anteil angenommen haben, ging<br />

ein Jahrhunderte andauernder langer Prozess voraus – initiiert<br />

durch überzeugte Frauenrechtlerinnen. Sie bahnten den<br />

Weg zur Gleichberechtigung, die heute noch nicht vollständig<br />

ist, aber im Wesentlichen zu mehr Rechten der Frauen<br />

beigetragen hat.<br />

Das Interview mit den acht Notteler Frauen ergab wider<br />

Erwarten über diese Zeit ein anderes Bild. Restlos alle haben<br />

bestätigt, dass sie damals das Frauenstimmrecht nicht interessiert<br />

habe und keine hatte sich dafür eingesetzt. Das Thema sei<br />

in den Familien nicht diskutiert worden, und vereinzelt hätten<br />

es die Frauen auch abgelehnt. Offensichtlich waren sie mit dem<br />

Politisieren ihrer Männer und dem politischen System einverstanden.<br />

Unsicherheiten kamen erst nach der Abstimmung auf,<br />

frau war sich nicht gewohnt, sich mit Politik auseinanderzusetzen,<br />

sich eine eigene Meinung zu bilden. In den Anfängen<br />

mussten die Ehemänner die Stimmzettel ausfüllen. Diese politi-<br />

<strong>Nottwiler</strong> <strong>Auslese</strong><br />

27 <strong>2022</strong>


Name<br />

Bernadette Egli-<br />

Helfenstein<br />

Heidi Egli-Müller<br />

Josy Gerstenkorn-<br />

Zimmermann<br />

Adresse Neu Figlisberg 2 Figlisberg 2 Höflimatte 3<br />

Geburtsjahr 1936 1934 1935<br />

Zivilstand<br />

Kinder<br />

verheiratet<br />

mit Alois Egli<br />

5 Mädchen<br />

1 Knabe<br />

verwitwet<br />

war verheiratet mit<br />

Josef Egli<br />

4 Mädchen<br />

3 Knaben<br />

verwitwet<br />

war verheiratet mit<br />

Fritz Gerstenkorn<br />

1 Mädchen<br />

1 Knabe<br />

Aufgewachsen Buttisholz Ruswil Unterehrendingen<br />

Ausbildung, Arbeit<br />

machte die Bäuerinne<br />

nschule,<br />

Pfarrköchin,<br />

in verschiedenen<br />

Haushalten gearbeitet<br />

machte die Bäuerinne<br />

nschule,<br />

in verschiedenen<br />

Haushalten gearbeitet<br />

Geschäftsfrau,<br />

hatte mit Fritz zusammen<br />

eine grosse Gärtnerei<br />

in Kriens<br />

Berufswunsch Krankenschwester Getraute sich früher<br />

nicht, einen Berufswunsch<br />

zu äussern.<br />

Besonderes<br />

war in jungen Jahren<br />

in der Jungfrauenkongregation<br />

(ähnlich<br />

Blauring) als Fahnenträgerin<br />

bei Prozessionen<br />

im Einsatz.<br />

durfte in der 4. Klasse<br />

Handharmonikaunterricht<br />

nehmen<br />

und musizierte als<br />

Sonntagsvergnügen<br />

zusammen mit ihren<br />

Geschwistern.<br />

Floristin<br />

kam nach der Pensionierung<br />

nach Nottwil.<br />

sche Zurückhaltung entsprach keineswegs dem enormen Engagement,<br />

das die Frauen für ihre Familien, für Haus, Hof oder<br />

Geschäft aufbrachten.<br />

Harte Kriegsjahre<br />

Im Zweiten Weltkrieg wurden alle diensttauglichen<br />

Männer für die Mobilmachung einberufen. Sie verliessen<br />

Familie und Betrieb für ungewisse Zeit, und alle Arbeit blieb<br />

in der Verantwortung der Frauen zurück. «Mein Vater war in<br />

der Kavallerie eingeteilt und musste dazu das eigene Pferd<br />

<strong>2022</strong> 28<br />

Den Frauen eine Stimme geben


Erika Glanzmann-<br />

Winzenried<br />

Margrit Imgrüt-Wicki<br />

Marie Theres Weingartner-Portmann<br />

Hedy Winiger-<br />

Lustenberger<br />

Seefeld 9 Sonnenrain 1A Sonnenrain 1A Bernern 3<br />

1935 1935 1940 1938<br />

verheiratet<br />

mit Hans Glanzmann<br />

2 Mädchen<br />

1 Knabe<br />

verwitwet,<br />

war verheiratet mit<br />

Franz Imgrüt<br />

4 Mädchen<br />

3 Knaben<br />

verwitwet,<br />

war verheiratet mit<br />

Franz Weingartner<br />

2 Mädchen<br />

2 Knaben<br />

verwitwet,<br />

war verheiratet mit<br />

Edy Winiger<br />

1 Mädchen<br />

2 Knaben<br />

Belp bei Bern Schüpfheim Buttisholz Nottwil<br />

Zahntechnikerin,<br />

Spezialistin für<br />

Goldkronen und<br />

Spangen<br />

machte die Bäuerinnenschule,<br />

Haushälterin und<br />

Verkäuferin<br />

machte die Bäuerinnenschule,<br />

Stelle in Haushalt<br />

machte die Bäuerinnenschule,<br />

Haushälterin im<br />

Elternbetrieb<br />

Kindergärtnerin<br />

Coiffeuse, Verkäuferin<br />

lebte mit ihrer Familie<br />

acht Jahre in den<br />

USA, in New Hampshire,<br />

Pennsylvania<br />

und Californien. Hans<br />

arbeitete als Konstruktionsingenieur.<br />

musste als Schwiegertochter<br />

viel einstecken,<br />

hatte aber<br />

später mit Franz ein<br />

zufriedenes Leben.<br />

lebte mit ihrer Familie<br />

dreissig Jahre in<br />

Frankreich auf einem<br />

Landwirtschaftsbetrieb<br />

und kam nach<br />

dem Tod ihres Mannes<br />

2015 nach Nottwil<br />

zurück.<br />

ist ununterbrochen<br />

seit 1955 im Kirchenchor<br />

aktiv. Dort hat<br />

sie auch ihren Mann<br />

kennengelernt.<br />

mitnehmen», erzählt Marie-Theres Weingartner. Hin und<br />

wieder waren Knechte da, die im Stall und auf dem Feld<br />

mitwirkten. Die Kinder mussten zum Überleben tüchtig mit<br />

anpacken, ohne ihre Mithilfe wäre der Betrieb eingegangen<br />

und eine Hungersnot eingetroffen. «Wir Familienmitglieder<br />

waren alle vor dem Radio versammelt und mussten<br />

mitanhören, dass der Krieg ausgebrochen sei. Hitlers dröhnende<br />

Worte erschreckten. Wir Kinder bekamen vieles mit<br />

und hatten oft Angst», erzählt Erika Glanzmann. Und die<br />

Aussage von Hitler ‹Die Schweiz, das kleine Stachelschwein,<br />

nehmen wir im Rückweg ein›, fuhr derart ein, dass Berna-<br />

Den Frauen eine Stimme geben<br />

29 <strong>2022</strong>


dette Egli es heute noch rezitieren kann. «Wir hörten weit<br />

weg die Bomben fallen. Um die Hoffnung nicht zu verlieren,<br />

haben wir oft den Rosenkranz gebetet.»<br />

Margrit Imgrüt erinnert sich gut an diese Zeit: «Wir waren<br />

neun Kinder. Unsere Mutter musste alles selber machen. Wir<br />

wohnten in einem alten Haus ohne Heizung, das WC war ausserhalb<br />

und der Stall weiter entfernt. Das Essen war sehr karg. Wir<br />

suchten bei anderen Bauern nach der offiziellen Ernte das ganze<br />

Feld nach unentdeckten Kartoffeln ab, um eine Mahlzeit sicherzustellen.»<br />

Andere wiederum suchten nach abgebrochenen Ähren,<br />

um daraus etwas Mehl zum Backen mahlen zu können. Das<br />

Metzgen in den Kriegsjahren war verboten, um die Grundversorgung<br />

des Landes sicherzustellen. Heidi Egli erzählt: «Das Schlachten<br />

war nicht erlaubt. Trotzdem hat mein Vater einmal einem<br />

Schwein das Leben beendet. Es war Winter und der weisse Schnee<br />

verfärbte sich vom Blut des Tieres in einen roten Teppich. Ehe<br />

die Spuren verwischt werden konnten, kam der Landjäger in die<br />

Gegend und entdeckte die verbotene Tat. Wir Kinder hatten grosse<br />

Angst, dass Vater verhaftet werde. Der Polizist drückte dann beide<br />

Augen zu und mit den Worten «Wo kein Kläger, ist kein Henker»<br />

gönnte er der Familie die Koteletts und die Würste.<br />

Normalerweise gab es früher für die Kinder kein Fleisch.<br />

Den Freitag hielt man gemäss katholischem Glauben für alle<br />

fleischlos. Das Brot buk man wöchentlich einmal, das war verbrauchsmässig<br />

besser, denn die knusprigen Brotlaibe fanden zu<br />

grossen Absatz, und dafür reichten die Mehlvorräte nicht aus.<br />

Altbackenes Brot war weniger beliebt. «Bei uns hatte jedes Kind<br />

ein Brotsäckli, das die Mutter jeweils mit der Tagesration füllte»,<br />

gesteht Erika Glanzmann.<br />

In bester Erinnerung aus den Kriegsjahren sind den Frauen<br />

die Lebensmittelmarken, genannt «Märkli». Sie regelten die Verteilung<br />

der rationierten Lebensmittel zum Beispiel 500 Gramm<br />

Mehl oder 250 Gramm Fleisch. Ohne sie war kein Einkauf<br />

möglich, und die Familie musste dann natürlich noch über<br />

das nötige Geld verfügen, um die Ware bezahlen zu können.<br />

Oft wurden die Kinder beauftragt, die monatlich zugeteilten<br />

Marken auf der Gemeindekanzlei abzuholen, die dann von<br />

einigen zu Hause in Wochencouverts verteilt wurden, um die<br />

Sicherheit für Nahrung bis Monatsende zu gewährleisten.<br />

Die Schreckminuten, wenn die Sirenen die Kriegsflugzeuge<br />

ankündigten und die Fenster mit dunklen Vorhängen verhüllt<br />

werden mussten, lösten nicht nur bei den Kindern grosse Angst<br />

aus. Hedy Winiger erzählt: «Ich war als Kind am Reinigen der<br />

Aussentreppe und habe den Knall einer Bombe aus weiter Ferne<br />

<strong>2022</strong> 30<br />

Den Frauen eine Stimme geben


gehört.» Niemand konnte die Dauer des Krieges abschätzen.<br />

Furcht, Unsicherheit, Nahrungsmittelknappheit, harte Arbeit,<br />

Sehnsucht nach den Vätern prägten den Alltag.<br />

Die Männer hatten während der Mobilmachung selten<br />

Urlaub. Margrit Imgrüt weiss noch ganz genau, wie ihr Vater im<br />

Dezember 1943 wieder einmal zuhause war. Er musste vor dem<br />

Weihnachtstag wieder zurück an die Front, deshalb haben sie<br />

die Familienweihnachtsfeier ein paar Tage vorgezogen. «Mutter<br />

mahnte uns, wir sollten das ja niemandem erzählen.»<br />

Bernadette Egli vergisst den Moment nie, als sie im September<br />

1945 zusammen mit ihren Geschwistern von der Schule<br />

nach Hause kam und eine Hausiererin, die ihrer Mutter die<br />

Ware anpries, sagte: «Hört Kinder! Alle Kirchenglocken läuten<br />

heute in der ganzen Schweiz den Frieden ein.»<br />

Heidi Egli gibt eindrücklich einen Moment nach dem<br />

Kriegsende wieder: «Ein unbekannter Mann stand vor dem<br />

Haus. Wir Kinder erkannten unseren Vater nicht.»<br />

Schule und Ausbildung<br />

Alle Frauen haben ihre Schulzeit<br />

vollständig absolviert, doch den meisten<br />

wurde der Berufswunsch verhindert. Im<br />

Bauerntum war es üblich, dass die Töchter<br />

zu Hause im Haushalt gebraucht wurden.<br />

Die Knaben hingegen durften eine Berufsschule<br />

in Angriff nehmen. In der Familie<br />

von Bernadette Egli mussten sich die<br />

beiden Schwestern jeweils abwechseln –<br />

die eine arbeitete zu Hause, die andere in<br />

einem fremden Haushalt. Die Bäuerinnenschule<br />

war die gefragteste Ausbildung für<br />

junge Frauen, nur zwei der Befragten konnten ihren Traumberuf<br />

ausüben. Erika Glanzmann lernte Zahntechnikerin und bildete<br />

sich als Spezialistin für Goldkronen und Zahnspangen weiter,<br />

und Josy Gerstenkorn machte eine Floristinnen-Anlehre bei<br />

Blumen Gähwiler in Luzern. Die anderen fünf Frauen waren<br />

Fachfrauen im Führen eines Haushaltes und konnten teilweise<br />

auch an anderen Stellen arbeiten. Marie-Theres Weingartner<br />

durfte ihren Wunschberuf, die Ausbildung zur Kindergärtnerin,<br />

nicht erlernen. Es dauerte lange, bis sie Vaters Entscheid<br />

akzeptieren konnte, sie absolvierte die Bäuerinnenschule im<br />

Kloster Frauenthal und arbeitete an einer Stelle im Zugerbiet.<br />

Margrit Imgrüt nahm ihre erste Stelle mit sechzehn Jahren an:<br />

Bei verheirateten<br />

Lehrerehepaaren durfte<br />

normalerweise zu diesen<br />

Zeiten die Frau nach<br />

der Vermählung nicht<br />

mehr unterrichten. Eine<br />

Ausnahme war Agatha<br />

Stutz-Willi, die Frau<br />

von Lehrer Leopold<br />

Stutz sen., die in der<br />

Zeit, während ihr Mann<br />

in der Mobilmachung<br />

war, im Schulzimmer<br />

gebraucht wurde.<br />

Den Frauen eine Stimme geben<br />

31 <strong>2022</strong>


Kirchenchorausflug<br />

Fasnachtstreiben zu den<br />

Nachbarshöfen<br />

«Ich war Haushälterin bei einer Familie in<br />

Sursee, die noch ein Neugeborenes hatte,<br />

verdiente 60 Franken pro Monat und<br />

musste dann wieder gehen, weil der Frau<br />

das Geld für meinen Lohn fehlte. Später<br />

bei einer Bauernfamilie in Littau war es<br />

unter anderen meine Aufgabe, jeweils vor<br />

dem Frühstück den Boden zu bohnern.»<br />

Stellengesuche fanden sie in der Zeitung.<br />

Oft waren es auch Mund-zu-Mund-Informationen,<br />

die zur Stellenvermittlung verhalfen.<br />

Bernadette Egli war begeisterte<br />

Pfarrköchin in Emmen und Meggen. Ihrer<br />

Kochkünste wegen verstand sie es, auch<br />

aus Resten leckere Menüs zuzubereiten<br />

und brauchte daher wenig Haushaltungsgeld. Für die Einkäufe<br />

wurden die Männer eingespannt, welche die Ware mit der Hutte<br />

transportierten.<br />

Freizeitbeschäftigungen und Hobbys waren für die meisten<br />

Frauen kein Thema. Einige sangen mit im Kirchenchor oder<br />

tanzten in der Trachtengruppe mit. Den freien Sonntagnachmittag<br />

nutzte Hedy Winiger zum Beispiel, um mit ihrer Kollegin<br />

zusammen zur Flüsskapelle zu spazieren. Auf dem Weg<br />

hätten sie zweistimmig ihre Lieblingslieder gesungen. «Mit<br />

der Familie machten wir aber jährlich einen Tagesausflug mit<br />

dem Auto, verbunden mit einer Passfahrt und einem<br />

Picknick.» Erika Glanzmann war schon als Kind vom<br />

Turnen angetan, und sie wäre mit grosser Leidenschaft<br />

gerne trainieren gegangen. Ihr Vater war sehr<br />

streng und verbot ihr das Hobby. Mehr Verständnis<br />

brachte ihre Mutter auf und bot ihr eine mögliche<br />

Variante an. «Schau, du gehst nun jeweils am<br />

Mittwoch die Milch holen und hast dann für diesen<br />

Botengang einfach etwas länger. Unterdessen kannst<br />

du unbemerkt ins Turnen gehen.» So überlisteten<br />

sie den Entscheid des Vaters. Erika war zeitlebens<br />

eine gute Turnerin und allgemein eine begeisterte<br />

Sportlerin.<br />

Natürlich tobten sich die Kinder viel im Freien<br />

aus, Krieg hin oder her. Dazu gehörte auch im Winter<br />

das Schlitteln, der Weg führte zum Beispiel von der<br />

Bernern bis hinunter zur Kantonsstrasse. «Um an<br />

Tempo zu gewinnen, zog ich die Schlittschuhe an<br />

und übernahm die Funktion der Vorleiterin», erin-<br />

<strong>2022</strong> 32<br />

Den Frauen eine Stimme geben


nert sich Hedy Winiger 1959 wurde die Strasse asphaltiert, die<br />

starke Staubentwicklung im Sommer, die jeweils mit Wassersprühen<br />

eingedämmt wurde, hatte damit ein Ende<br />

Beim Thema Fasnacht oder Kilbi begannen die Augen der<br />

Frauen zu strahlen Diese Jahreshöhepunkte boten vielen auch<br />

die Möglichkeit, ihre Männer kennen zu lernen «Ab achtzehn<br />

Jahren hatten wir die Erlaubnis, am Fastnachtsball teilzunehmen<br />

Meine Mutter hatte für uns junge Frauen Zigeunerkostüme<br />

genäht Manch einer wurde da auf die Schippe genommen,<br />

auch bei den Besuchen der Nachbarhäuser», weiss Hedy Winiger<br />

zu berichten Auch das Tanzen hatte damals einen grossen Vergnügungscharakter,<br />

und viele Paare sind sich dabei zum ersten<br />

Mal begegnet Heidi Egli ärgerte sich an jedem Güdisdienstag<br />

über die Polizeistunde: «Ich konnte es nicht begreifen, dass der<br />

Fastnachtsumzug und das Festen und Tanzen am Güdisdienstag<br />

stattfinden mussten Wir genossen es in vollen Zügen, aber um<br />

Mitternacht wurde alles still, der Aschermittwoch und die Fastenzeit<br />

begannen An einem anderen Fastnachtstag hätten wir<br />

noch bis in die Morgenstunden weiterfeiern können »<br />

… und danach<br />

Mit den Bekanntschaften und Liebesbeziehungen kamen<br />

neue Perspektiven in das Leben der jungen Frauen Die meisten<br />

heirateten relativ früh, einige waren froh, sich vom Elternhaus<br />

trennen zu können und selbständig zu werden Zusammen mit<br />

ihrem Mann bauten sie eine eigene<br />

Existenz auf Alle gründeten eine<br />

Familie Einige von ihnen erlebten<br />

es noch in Nottwil, wie sie<br />

vor der Geburt zum Pfarrer gehen<br />

mussten, um sich den Muttersegen<br />

einzuholen Der Pfarrer<br />

betete mit der schwangeren Frau<br />

für eine gute Geburt und gab<br />

ihr den Segen Nach der Entbindung<br />

war es für die junge Mutter<br />

Pflicht, sich aussegnen zu lassen,<br />

damit sie wieder rein in den Gottesdienst<br />

gehen konnte Dieses<br />

Ritual wurde entweder in der<br />

Spital kapelle oder beim Pfarrer in Nottwil eingeholt, wurde<br />

bis in die Sechzigerjahre gepflegt und war für die jungen<br />

Frauen damals eine Selbstverständlichkeit<br />

Moritz Müller (der Vater<br />

von Heidi Egli) erhielt<br />

ein Telegramm an die<br />

Front mit der Ankündigung<br />

der Geburt einer<br />

seiner Töchter<br />

Den Frauen eine Stimme geben<br />

33 <strong>2022</strong>


Getauft wurden die Kinder meistens zwei, drei Tage nach<br />

der Geburt im Spital. Vater, Grosseltern, Götti, Gotte gingen<br />

anschliessend essen und feiern, der jungen Mutter war das<br />

nicht vergönnt, sie war im Wochenbett. In den Kriegsjahren<br />

brauchten der abwesende Vater und der Pate an der Taufe Vertretungspersonen.<br />

Über die Schwangerschaften freuten sich die Frauen meistens.<br />

Es gab auch Reaktionen, die zu Tränen führten, sie waren<br />

vielleicht Ausdruck von Erschöpfung, von Arbeitslast, von<br />

Existenznot. Verhütungsmittel gab es generell keine, nur ganz<br />

selten, wenn die Mutter eine Schwangerschaft wegen lebensbedrohlicher<br />

Folgen vermeiden musste (zum Beispiel bei Gelbsucht),<br />

gab es Tabletten. Diese Medikamente lösten unerträgliche<br />

Nebenerscheinungen aus, weiss eine betroffene Frau. «Es<br />

war weder für den Mann noch für die Frau einfach, auf die<br />

Sexuali tät verzichten zu müssen. Aber als Empfängnisverhütung<br />

blieb uns keine andere Wahl».<br />

Frau und Kirche<br />

Der Sonntagsgottesdienst war Pflicht. Die Mütter der<br />

Frauen besuchten täglich die Messe, auch die Kinder mussten<br />

pro Woche mehrmals in die Frühmesse. Josy Gerstenkorn klagt:<br />

«Am Morgen vor der Schule mussten wir zweimal pro Woche in<br />

die Frühmesse, im Winter war es bitter kalt, wir froren, und zu<br />

Hause angekommen, hatten wir kaum Zeit für ein Frühstück».<br />

In Nottwil wurde man während des Unterrichts an einem Nachmittag<br />

in der Christenlehre unterrichtet. Nach der Schulzeit<br />

bis zur Volljährigkeit fand diese am Sonntag nach dem Gottesdienst<br />

statt. Wer anwesend war, konnte in einem Karton<br />

unter seinem Namen ein Schnürchen einziehen. Abwesende<br />

der Sonntagsmesse oder der Christenlehre mussten eine Beichte<br />

und Busse ablegen.<br />

Der Pfarrer hatte alles im Griff. Er predigte über Erziehungsmassnahmen,<br />

verkündete Parolen für die Abstimmungen<br />

von der Kanzel, entschied, ob die Bauern nach einer andauernd<br />

schlechten Wetterphase ausnahmsweise am Sonntag heuen<br />

durften oder nicht.<br />

Die Frauen waren meistens dem Mütterverein beigetreten.<br />

Die Aktivitäten waren ganz anders als heute, sie trafen<br />

sich allmonatlich zum gemeinsamen Gebet. Margrit Imgrüt<br />

hatte nicht das Verlangen nach einem Beitritt. «Meine Schwiegermutter<br />

veranlasste es gegen meinen Willen, mich durch<br />

meine Schwägerin anzumelden. Über mich wurde verfügt, ich<br />

<strong>2022</strong> 34<br />

Den Frauen eine Stimme geben


hatte als eingeheiratete Schwiegertochter kein Mitspracherecht.<br />

Dreizehn Jahre lang habe ich gelitten an der Geringschätzung,<br />

den Konflikten, den Ungerechtigkeiten. Erst nach dem Tod der<br />

Schwiegereltern begann ein schönes Leben mit Franz und den<br />

Kindern.»<br />

Arbeitsentlastung durch Entwicklungen<br />

Es ist in der heutigen Zeit kaum nachvollziehbar, wieviel<br />

Zeit der Haushalt früher beansprucht hat. Jahraus, jahrein<br />

sassen mindestens zehn Personen am Tisch, bei Feldarbeit<br />

brachten die Frauen den Männern eine Zwischenverpflegung<br />

am Morgen um zehn Uhr, nachmittags ein Zvieri und ein «Zfüfi»,<br />

bevor dann nach dem Melken das Nachtessen<br />

auf dem Tisch stehen musste. Die<br />

meisten kochten mit Feuer, hatten versenkte<br />

Pfannen, kochten auf diese Weise<br />

auch Vorräte ein, sterilisierten, dörrten<br />

und füllten Gläser mit Fleisch, Früchten,<br />

Konfitüre, Gemüse ein – eine unglaubliche<br />

Arbeit. Heidi Egli erinnert sich an<br />

ihren ersten elektrischen Herd, er war<br />

eine Sensation, und an den 1969 eingelegten<br />

Plattenboden in der Küche. Er<br />

ersetzte den alten Holzboden.<br />

Als absolut grösste Erfindung in<br />

dieser Zeit galt die Waschmaschine, die<br />

ab in den Sechzigerjahren in den Haushaltungen<br />

Einzug hielt. Alle Frauen blickten zurück in die Zeit<br />

davor, wo sie im Rhythmus von drei oder vier Monaten die<br />

Wäsche gewaschen haben. Obwohl die Kleider wöchentlich<br />

nur einmal gewechselt wurden, gab es von einer Grossfamilie<br />

Unmengen von Schmutzwäsche. Diese wartete im Estrich auf<br />

den Waschtag, wurde am Vortag in Lauge eingelegt und mit<br />

dem Stöpsel vom gröbsten Schmutz befreit, bevor dann die<br />

Frauen mit der Hilfe einer Stör-Waschfrau die weiteren Vorgänge<br />

mit Waschbrett und Kernseife vollzogen. Der Vater heizte<br />

am Morgen tüchtig ein, damit das Wasser im Waschhafen zum<br />

Kochen kam. Darin wurde vor allem die Weisswäsche gekocht,<br />

dann gespült und mit einer offenen Winde geschleudert. Die<br />

Kinder halfen beim Ausdrehen der Leintücher mit, bevor diese<br />

an dem von Baum zu Baum gespannten Seil zum Trocknen aufgehängt<br />

wurden. Keine Frau trauert diesem Waschprozedere<br />

nach, die Waschmaschine war eine grosse Entlastung.<br />

Handbetrieb beim Auswinden<br />

der Wäsche<br />

Den Frauen eine Stimme geben<br />

35 <strong>2022</strong>


Die vorgespannte Kuh<br />

ersetzt in Kriegszeiten<br />

das Zugpferd<br />

1 Ein «Bundessack»<br />

gefüllt mit Korn bestimmt<br />

für die Landesversorgung<br />

2 Kartoffelernte während<br />

des Krieges<br />

3 Getreideernte: alle<br />

Hände wurden gebraucht<br />

4 Die Frauen binden<br />

Garben<br />

«Auch die Küchenmaschine mit ihren verschiedenen Funktionen<br />

war in der Küche begehrt, zeit- und kräftesparend»,<br />

meint Bernadette Egli Die wenigsten Haushalte verfügten<br />

früher über ein Telefon Es war gang und gäbe, dass für die<br />

Nachbarn Telefonate entgegengenommen und die Nachrichten<br />

durch die Kinder in die Nachbarhäuser überbracht wurden So<br />

auch Hedy Winiger: «Ich bekam dafür als Belohnung zwanzig,<br />

wenn es gut ging fünfzig Rappen Einmal musste ich einem<br />

Nachbarn eine Botschaft über den Unfalltod eines Verwandten<br />

überbringen »<br />

Das Radio, das in vielen Haushalten in den Kriegsjahren<br />

Einzug fand, brachte Neuigkeiten aus dem Weltgeschehen ins<br />

Haus Für lokale Nachrichten trafen sich die Nachbarsfrauen<br />

hin und wieder zu einem Schwatz, vernahmen beim Kirchgang<br />

die «Neusten» oder tauschten sich bei Treffen des Müttervereins<br />

oder später im Turnen aus<br />

Summa summarum<br />

Sieben Frauen haben erzählt Die Aufzeichnungen sind<br />

Mosaiksteine aus den Erinnerungen ihres Lebens und sind nicht<br />

vollständig Sie beziehen sich im Wesentlichen auf die Rolle der<br />

Frau, ihre Stellung, ihre Wünsche, ihre Rechte und Pflichten<br />

Auch wenn heute gewisse Sachen unvorstellbar sind, federn die<br />

Frauen die Erinnerungen an das harte Leben ab «Wir waren<br />

glücklich und viele wunderschöne Erinnerungen bereichern<br />

unser Leben»<br />

<strong>2022</strong> 36<br />

Den Frauen eine Stimme geben


1<br />

2<br />

3<br />

4<br />

Das Chronikteam dankt den Beteiligten für ihre Offenheit<br />

und für den Einblick in ihr bewegtes Leben Sie bereichern uns<br />

und unsere Nachwelt mit wertvollen Eindrücken, die nur aus<br />

solchen direkten Erzählungen gewonnen werden können Uns<br />

sassen sieben zufriedene, gesprächige, gepflegte und weltoffene<br />

Menschen gegenüber, deren Leistung wir alle grossen Respekt<br />

zollen, und die ein wertvolles Erzählbuch in ihrem Herzen<br />

tragen, von dem wir einen Teil davon weitergeben dürfen<br />

Den Frauen eine Stimme geben<br />

37 <strong>2022</strong>


Den Frauen eine Stimme geben<br />

Familienfrau und «Gemeindekanzlerin»<br />

«Ich habe die Arbeit in der Gemeindekanzlei über alles<br />

geliebt ... !»<br />

Ottilie Zimmermann-Röösli war eine der wenigen öffentlich<br />

berufstätigen Frauen in der Nachkriegszeit<br />

Die 91-jährige <strong>Nottwiler</strong>in erinnert sich gerne an ihre rund<br />

30jährige «Berufszeit» (von 1953 bis 1983) an der Seite ihres<br />

Mannes, dem Gemeindeschreiber Anton Zimmermann. Obwohl<br />

sie in den Kriegsjahren als Mädchen keine eigentliche Lehre<br />

machen konnte, erkannte ihr Vater ihr Flair für alles, was<br />

seine eigenen Kanzleiarbeiten (in Nottwil) anbelangte – und<br />

«erlöste» sie vorzeitig von einem nachschulischen Welschlandaufenthalt.<br />

Mit der in Nottwil gesammelten Erfahrung erhielt<br />

sie 1951 eine Stelle in Entlebuch – und später in Schüpfheim.<br />

Nach ihrer Heirat unterstützte sie neben ihren Aufgaben<br />

als Familienfrau drei Jahrzehnte lang ihren Mann auf der<br />

Gemeindekanzlei, der die Nachfolge ihres Vaters in Nottwil<br />

antrat. Nicht umsonst wurde sie scherzhaft ab und zu als<br />

«Frau Kanzlerin» bezeichnet.<br />

Kaum zu glauben, dass Ottilie Zimmermann-Röösli über<br />

90 Jahre alt ist. Wenn man ihr gegenübersitzt, spürt man ihre<br />

lebendige Energie, ihre sprühende Lebensfreude und ihr ungebrochenes<br />

Interesse an allem, was lokal und international vor<br />

sich geht. Ihre Augen sind hellwach, blitzen zwischendurch<br />

auch mal schelmisch auf – und immer wieder spürt man: Da<br />

sitzt eine Frau, die mit sich und ihrem Leben im Reinen ist –<br />

dankbar für die Chancen, die ihr geboten – und von ihr genutzt<br />

wurden.<br />

Als (Vor-)Kriegskind an Widerständen gewachsen<br />

Bereits als Neunjährige verlor Ottilie Röösli ihre Mutter –<br />

im Jahr der Mobilmachung vor dem Zweiten Weltkrieg 1939.<br />

Ihr erstes Frauenvorbild war in der Folge ihre Tante Martha<br />

<strong>2022</strong><br />

38<br />

Den Frauen eine Stimme geben


(eine Schwester ihrer Mutter), welche ein Jahr lang den Familienhaushalt<br />

ad interim führte, bevor sich der Vater ein zweites<br />

Mal vermählte: mit Emma Käch.<br />

In der Buttisholzer Primarschule unterrichteten neben<br />

Männern auch einige Frauen. «Ich liebte es, in die Schule zu<br />

gehen und Neues zu lernen … », erinnert sich die 91-Jährige.<br />

Die Sekundarschule, welche sie – kurz zuvor nach Nottwil<br />

gezogen – wiederum in Buttisholz absolvierte, «erfuhr» sie sich<br />

im buchstäblichen Sinne täglich mit dem Velo – bei Wind und<br />

Wetter. Manchmal hatte es so viel Schnee, dass sie zu Fuss<br />

gehen musste.<br />

Weibliche Vorbilder mit speziellen Frauenbiografien,<br />

welche sie für ihr Leben inspiriert hätten, hatte sie damals noch<br />

keine. «Ich weiss aber noch, dass ich immer gerne mit alten<br />

Kanzleibüchern des Vaters ‹gespielt› habe, auch als ich noch<br />

nicht gut lesen konnte. Sie faszinierten mich als eine Welt, die<br />

zu erforschen ich mir spannend vorstellte.»<br />

Willkommene Rettung aus dem Welschlandjahr<br />

Was für Knaben nach der obligatorischen Schulzeit selbstverständlich<br />

war, war damals für die Mädchen noch Zukunftsmusik:<br />

eine reguläre Berufslehre zu absolvieren. Die meisten<br />

Mädchen, die nicht in der eigenen Familie anpacken mussten,<br />

machten deswegen ein auswärtiges Haushaltlehrjahr – oder<br />

einen Welschlandaufenthalt.<br />

Ottilie Röösli, geboren am 29. Mai 1930, wuchs mit drei Geschwistern<br />

in Buttisholz auf, wo sie auch die Primarschule besuchte.<br />

1942 zog die Familie nach Nottwil (Berufung des Vaters zum<br />

Gemeindeschreiber). Die Sekundarschule absolvierte sie in Buttisholz.<br />

Das Welschlandjahr, welches sie 1945 in einem Ursulinenkloster<br />

in Pruntrut begann, nahm ein vorzeitiges Ende, da ihr<br />

Vater sie für Kanzleiarbeiten nach Hause zurückrief. Es folgten<br />

Praxisjahre in der väterlichen Kanzlei – und ein weiteres Welschlandjahr<br />

in Pully. Von 1951 bis 1953 arbeitete sie auf den Gemeindekanzleien<br />

Entlebuch und Schüpfheim. 1953 heiratete sie Anton<br />

Zimmermann, der die Nachfolge in der Kanzlei ihres Vaters antrat.<br />

Das Paar zog in das Mehrfamilienhaus «Flora» – vis-à-vis des<br />

alten Schulhauses, in welchem die Kanzlei damals beheimatet<br />

war. Vier Kinder vervollständigten die Familie: drei Töchter und<br />

ein Sohn. Die mittlerweile verwitwete Ottilie Zimmermann-Röösli<br />

wohnt heute noch im oberen Geschoss der «Flora».<br />

Den Frauen eine Stimme geben<br />

39 <strong>2022</strong>


So kam Ottilie Röösli 1945 in ein gestrenges Ursulinenkloster<br />

in Pruntrut und hatte fürchterliches Heimweh («Unsere Briefe<br />

wurden gelesen – und zensiert»). Ihr Vater, der dies wohl gespürt<br />

haben mochte, «erlöste» sie dann nach vier Monaten vorzeitig<br />

und rief sie nach Hause zurück. Er erinnerte sich an ihr Interesse<br />

für seine Kanzleiarbeiten und führte sie nach und nach in seine<br />

Aufgaben ein. So kam sie quasi in den Genuss einer «Anlehre»<br />

und konnte während vier Jahren wertvolle Berufserfahrungen<br />

sammeln. Heute würde man sagen: «Learning by doing».<br />

Berufstätig mit – und ohne Lohn<br />

Ihr <strong>Nottwiler</strong> «Praxisausweis» verhalf ihr 1951 – auch ohne<br />

Lehre – zu einer regulären Stelle auf der Gemeindekanzlei Entlebuch.<br />

Dort ging Ottilie Röösli in ihrem geliebten Arbeitsfeld<br />

so richtig auf. «Es machte mir auch nichts aus, am Samstag<br />

etwas länger zu arbeiten, wenn ich mit einem Auftrag noch<br />

nicht ganz fertig geworden war. Ich hätte dies nie als Überstunden<br />

angesehen. Ich wollte einfach meine Arbeit gut und richtig<br />

machen.» Als Lohn erhielt sie damals 200 Franken pro Monat –<br />

plus Kost und Logis vor Ort.<br />

In diesen Jahren lernte sie zu Hause in Nottwil ihren späteren<br />

Ehemann, Toni Zimmermann, kennen. Da er als Nachfolger<br />

ihres Vaters vorgesehen war, konnte sie mit ihm an den freien<br />

Wochenenden über schwierige oder noch unbekannte Arbeitsfelder<br />

«fachsimpeln», was sie sehr schätzte. Vor ihrer Heirat 1953,<br />

die wegen des plötzlichen Todes ihres Vaters verschoben werden<br />

musste, trat sie noch eine halbjährige Stelle auf der Schüpfheimer<br />

Gemeinde an. Für ihre spätere Arbeit in Nottwil habe sie nie<br />

Lohn erhalten, stellt Ottilie Zimmermann klar. «Es war damals<br />

einfach üblich, dass die Frauen ihre Männer bei ihrer Arbeit so<br />

gut als möglich unterstützten – auf ganz verschiedene Weise.»<br />

Statt Mutterschaftsurlaub «Homeoffice»<br />

Nach ihrem Einzug ins «Flora», 1953, lief es im Leben von<br />

Ottilie Zimmermann rund: Sie unterstützte ihren Mann von<br />

Anfang an auf der Gemeindekanzlei im Büro, im Archiv und am<br />

Schalter, welche sich damals noch im alten Schulhaus befand.<br />

Nach und nach kamen ihre vier Kinder auf die Welt. Wie hat<br />

sie denn dies alles unter einen Hut gebracht? «Ich bezog natürlich<br />

jedes Mal 14 Wochen Mutterschaftsurlaub», erklärt sie mit<br />

Schalk in den Augen.<br />

«Nein, im Ernst: ich konnte pensummässig schon vor- und<br />

nachgeben, und vieles habe ich in dieser Zeit in Heimarbeit<br />

erledigt – heute nennt man das wohl ‹Homeoffice› …»<br />

<strong>2022</strong><br />

40<br />

Den Frauen eine Stimme geben


Eine grosse Entlastung in der Zeit als «Familienfrau» bot<br />

auch ihre Schwägerin, Rös Zimmermann, welche viele Jahre<br />

für alle kochte.<br />

Neben den Einträgen (und deren Nachkontrolle) ins Steuerregister<br />

führte sie viele Jahre lang praktisch selbständig<br />

das Zivilstandsregister der Gemeinde Nottwil. «Für die Permission<br />

musste ich beim Kanton zuerst eine Schriftprobe<br />

einreichen», schmunzelt sie. «Anscheinend waren sie damit<br />

zufrieden …»<br />

Als «Frau Kanzlerin» geschätzt und respektiert<br />

Mit viel Herzblut und Engagement – weit übers Pflichtmass<br />

hinaus – erfüllte Ottilie Zimmermann ihren Dienst in<br />

der Gemeindekanzlei bis zur Pension ihres Mannes, 1983.<br />

Während dieser Zeit erhielt sie gemäss eigenen Aussagen<br />

kaum Reaktionen von anderen Frauen zu ihrer besonderen<br />

Rolle. Offenbar wurde ihre «Arbeitsteilung» still akzeptiert<br />

und respektiert. In vielen anderen Berufsfeldern war dies ja<br />

ebenfalls üblich.<br />

«Von den Männern wurde ich eigentlich immer freundlich<br />

behandelt», erinnert sie sich. «In der Metzgerei wurde ich vom<br />

ehemaligen Grossrat Franz Bannwart senior manchmal spasseshalber<br />

als ‹Frau Kanzlerin› angesprochen …einmal sogar als<br />

‹Frau Adenauer› …»<br />

Nach ihrer aktiven Zeit und der Umstrukturierung der<br />

Gemeindekanzlei (mit Steuer- und Sozialamt) erhielt sie<br />

dennoch indirekte positive Feedbacks: «Ihr habt euren Job<br />

gut gemacht – und viel gekrampft». Vielen wurde erst damals<br />

bewusst, was das Ehepaar an den vielen Fronten geleistet hatte.<br />

Zum 90. Geburtstag sei eine Gruppe ehemaliger Gemeinderäte<br />

zu Besuch gekommen – mit Blumen und anerkennenden<br />

Worten. Das habe sie sehr gerührt.<br />

«Ausbildungen für Mädchen – und die Waschmaschine»<br />

Wohl weil sie ihre Selbstwirksamkeit in ihrem geliebten<br />

Berufsfeld bereits täglich erfahren durfte, bedeutete die<br />

Einführung des Frauenstimmrechts (Kanton Luzern: 1970)<br />

für Ottilie Zimmermanns Leben keine neue «Errungenschaft».<br />

«An unserem Familientisch wurden aktuelle Themen<br />

seit jeher immer ausgiebig besprochen und diskutiert», erinnert<br />

sie sich. Über die Frage, welche Innovation / Technologie<br />

zu Gunsten der Frauen im Verlauf ihres Lebens am bedeutsamsten<br />

gewesen sei, muss sie nicht lange nachdenken. Die<br />

Antwort kommt beinahe wie aus der Pistole geschossen: «Die<br />

Den Frauen eine Stimme geben<br />

41 <strong>2022</strong>


Waschmaschine!». Wer noch weiss, wie mühsam und kräftezehrend<br />

die Waschtage für eine Familie mit Kindern davor<br />

waren, kann dies gut nachvollziehen.<br />

Als immaterielle Errungenschaft nennt sie jedoch im gleichen<br />

Atemzug die Berufsausbildung für Mädchen. «Ich hätte in<br />

meiner Zeit so gerne eine richtige Lehre machen wollen, doch<br />

es war damals einfach nicht möglich.»<br />

«Gleitende Arbeitszeiten» – und indirekte Komplimente<br />

Wie haben denn ihr Mann und ihre Kinder ihre damals<br />

ausser gewöhnliche Berufstätigkeit wahrgenommen? Gab es<br />

diesbezüglich Äusserungen – Reaktionen? Der jüngste Sohn<br />

Toni habe nach der Schule ganz unkompliziert in der Kanzlei<br />

bei seinen Eltern vorbeigeschaut, wenn er das Bedürfnis danach<br />

gehabt habe, erzählt Ottilie Zimmermann. Doch ihre Tochter<br />

Käthy (damals schon etwas älter) habe sich einmal beklagt:<br />

«Nie bist du da, wenn wir von der Schule heimkommen …».<br />

Sie hätte damals wohl eine «Anlaufstation» zum Erzählen und<br />

Verarbeiten gebraucht. Das habe ihr zu denken gegeben. Fortan<br />

habe sie darauf geachtet, ihre Arbeit anders einzuteilen. Bei<br />

Schulende kam sie jeweils rechtzeitig nach Hause – dafür habe<br />

sie über den Mittag etwas länger gearbeitet.<br />

Von ihrem Mann habe sie eigentlich keine direkten Komplimente<br />

bekommen. «Toni war kein Mann der grossen Worte»,<br />

schmunzelt sie. «Aber ich spürte stets seine stille Wertschätzung.<br />

Oft erfuhr ich im Nachhinein über Dritte, dass er bei<br />

einem Lob über unsere Arbeit meist gesagt hat: Das war nur<br />

möglich, weil Ottilie mir dabei geholfen hat.»<br />

Wenn sie nochmals neu anfangen könnte, würde sie in<br />

ihrem Leben alles genau so machen, wie sie es getan hat, resümiert<br />

Ottilie Zimmermann in einem zufriedenen Rückblick auf<br />

ihr Leben. «Wissen Sie – ich habe meine Arbeit in all den<br />

Jahren so sehr geliebt! Das war mein eigentlicher ‹Lohn›, für<br />

den ich noch heute dankbar bin.»<br />

<strong>2022</strong> 42<br />

Den Frauen eine Stimme geben


Internierte in Nottwil<br />

Fremdes Militär und helfende Hände<br />

Während des Zweiten Weltkrieges nahm die Schweiz von<br />

1940 bis 1945 ausländische Soldaten als Internierte auf. Sie<br />

wurden im ganzen Land verteilt und in Lagern unter gebracht.<br />

In Nottwil wurde die Turnhalle des alten Schulhauses zu<br />

einer als Lager definierten Unterbringungsstätte für ausländische<br />

Armeeangehörige umfunktioniert. Die Männer wurden<br />

zu Arbeitseinsätzen ausserhalb der Lager eingeteilt, da<br />

viele Schweizer Aktivdienst leisten mussten und deshalb<br />

ihren Beschäftigungen nicht nachgehen konnten.<br />

Fremdes Militär und helfende Hände<br />

In Nottwil waren vor allem Franzosen, Deutsche und Italiener<br />

interniert Sie wurden zu Arbeitseinsätzen in den heimischen<br />

Betrieben und auf den Bauernhöfen eingeteilt Die<br />

Männer fehlten überall und daher schätzten die Leute die sätze der fremden Soldaten sehr<br />

Ein-<br />

Die Regierung hatte den Bauern die Aufgabe erteilt, den<br />

Grad der Selbstversorgung so weit wie möglich zu erfüllen Die<br />

Armee sammelte für ihre Dienste alle Pferde von den Höfen ein,<br />

obwohl sie dringend für schwere Arbeiten gebraucht worden<br />

wären Die Rationierung der Nahrungsmittel brachte viele in<br />

eine Notsituation, deshalb bedeutete die Hilfe der Internierten<br />

eine grosse Erleichterung für die Bevölkerung<br />

Auf der Gemeindekanzlei in Nottwil konnten ab 1940<br />

vor allem die landwirtschaftlichen Betriebe Arbeitskräfte<br />

anfordern, die tageweise für die Mithilfe zugeteilt wurden<br />

Die Internierten hatten jedoch weder Freiheiten noch<br />

Selbstbestimmung, am Abend mussten sie jeweils in<br />

die Turnhalle zurückkehren, um dort die Nacht zu bringen<br />

ver-<br />

Geschnitzter Holzstab<br />

eines Internierten<br />

<strong>Nottwiler</strong> <strong>Auslese</strong><br />

43 <strong>2022</strong>


Bewegung der Militärund<br />

Zivil bevölkerung<br />

Ein naher Kontakt zur Zivilbevölkerung sollte unter allen<br />

Umständen vermieden werden Liebesbeziehungen und Eheschliessungen<br />

mit einheimischen Frauen waren verboten Aus<br />

diesem Grund wurden die Männer auf den Bauernhöfen regelmässig<br />

ausgewechselt und auch in den Lagern ständig verschoben<br />

Der Unterschied zwischen Internierten und Einheimischen<br />

musste durch deren Kleidung klar erkennbar sein Die Soldaten<br />

trugen ihre Uniform oder – wenn sie die Grenze in Zivilkleidung<br />

überschritten hatten – eine blaue oder gelbe Armbinde<br />

am linken Arm Die Bewilligung für private Einladungen, das<br />

Annehmen von Kleidung oder Besuche im Wirtshaus mussten<br />

von der Eidgenössischen Kommission für Internierung und<br />

Hospitalisierung (EKIH), die für die Organisation und Überwachung<br />

der Internierten zuständig war, erteilt werden<br />

1) eine kleine Hacke<br />

Kindheitserinnerungen<br />

Anton Huber, 1932*, in Ober Huprächtigen, erinnert sich<br />

sehr gut an diese Zeit: «Im Juli 1940, ich war damals in der<br />

zweiten Klasse, haben wir Kinder zugeschaut, wie sich die neuangekommenen<br />

Männer am ersten Morgen auf dem Schulhausplatz<br />

sammelten und unter Aufsicht eines Offiziers Achtungsstellung<br />

einnahmen Unserem Hof wurden zwei Franzosen<br />

zugeteilt, ich erinnere mich auch gut an ihre Namen, Pierret<br />

und Clement »<br />

Ein Glücksfall war der Soldat Pierret, ein Bauer aus Frankreich<br />

Gemäss seinen Anweisungen fertigte er zusammen mit<br />

dem heimischen Schmied ein Hackeli 1) mit sehr kurzem Schaft<br />

<strong>2022</strong> 44<br />

Internierte in Nottwil


an Dieses Werkzeug war damals ein Novum und eine Arbeitserleichterung<br />

und tatsächlich, die Kartoffel- und Rübenernte<br />

auf Huprächtigen ging plötzlich viel leichter von der Hand<br />

Auch die Zeit, als zwei sympathische Italiener einen Winter<br />

lang im Einzeleinsatz 2) auf dem Hof stationiert waren, geht<br />

nicht vergessen Sie haben mit den Kindern abends Hausaufgaben<br />

gemacht und schon bald haben diese auch Italienisch<br />

gesprochen und gerechnet<br />

Jahre später – in bereits fortgeschrittenem Alter – gab es<br />

von einigen ehemaligen Internierten Überraschungsbesuche auf<br />

Huprächtigen – das waren berührende Momente für alle Beteiligten,<br />

an die sich Anton Huber sehr gerne erinnert<br />

Das Kreuz im Grundacher<br />

Viktor Jost vom Grundacher berichtet,<br />

dass eines Tages der Sohn von Jean<br />

Sicard auf dem Hof erschien Er suchte<br />

das Kreuz mit geschnitzter Inschrift,<br />

welches sein Vater während der Internierung<br />

in der Schweiz gezimmert hatte<br />

Von seinem Vater hatte er lediglich die<br />

Information erhalten, dass das Kreuz<br />

an einem See stehen solle Am Bodensee<br />

hatte er mit der Suche begonnen und<br />

nach langem Erkunden um zahlreiche<br />

Seen, fand er das Kreuz schliesslich in<br />

Nottwil Die Freude war auf beiden Seiten<br />

sehr gross Verbundenheit und freundschaftliche<br />

Kontakte zwischen den zwei<br />

Familien blieben von da an über viele<br />

Jahre bestehen<br />

Jean Sicard posiert<br />

1941 vor seinem Kreuz<br />

im Grundacher, das<br />

noch heute am selben<br />

Standort zu finden ist.<br />

2) beim Einzeleinsatz<br />

mussten die Internierten<br />

nicht ins Lager zurück,<br />

sie durften auf dem<br />

Bauernhof übernachten<br />

Internierte in Nottwil<br />

45 <strong>2022</strong>


In der Jahreschronik der<br />

Schule hat Lehrer Leopold<br />

Stutz am 20. Juli<br />

1940 einen Eintrag über<br />

den Einzug und am<br />

25. Januar 1941 über<br />

den Abzug der Internierten<br />

gemacht.<br />

Juristischer Sinn von Internierung<br />

Staatlich organisierter Freiheitsentzug mit dem Ziel der Isolierung<br />

der Gruppen von der übrigen Bevölkerung. Die schweizerische<br />

Behörde teilte die Flüchtlinge aufgrund völkerrechtlicher Vereinbarungen<br />

in verschiedene rechtliche Kategorien ein. Grundlegend<br />

war die Unterscheidung zwischen Militär- und Zivilflüchtlingen.<br />

Heimkehr<br />

Nachdem die Deutsche Armee Frankreich besetzt hatte,<br />

wurde zwischen Deutschland und Frankreich ein Waffenstillstand<br />

geschlossen, und die französischen Armeeangehörigen<br />

konnten 1941 die Schweiz bereits wieder verlassen.<br />

Die meisten der übrigen Internierten wurden nach Kriegsende<br />

1945 repatriiert 3) . Die Heimreise in ihre stark verwüstete<br />

Heimat mussten sie gegen ihren Willen antreten. Alle kehrten<br />

jedoch nicht zurück. Trotz Kontaktverbot mit der Bevölkerung<br />

während der Internierung wurden Ehen mit Schweizerinnen<br />

geschlossen und Familien gegründet.<br />

Wie viele Internierte in Nottwil stationiert waren, ist nicht<br />

dokumentiert. Im Schultagebuch wird am 20. Juli 1940 die<br />

Ankunft von 500 französischen Armeeangehörigen erwähnt.<br />

Viele wurden in andere Lager nach Willisau und Sursee verteilt.<br />

Am 25. Januar 1941 verliessen 227 französische Soldaten<br />

Nottwil mit dem Zug um 05.25 Uhr in Richtung Genf.<br />

3) repatriieren =<br />

in das Heimatland<br />

zurückführen<br />

Herzlichen Dank an Christian Stachon aus Neuenkirch,<br />

der uns freundlicherweise Unterlagen über die Internierung in<br />

der Schweiz während des Zweiten Weltkrieges zur Verfügung<br />

gestellt hat. <br />

<strong>2022</strong> 46<br />

Internierte in Nottwil


Trachtenweihe Jodlerklub Nottwil<br />

Eine neue Tracht zum 75-jährigen Jubiläum<br />

Am 11. Oktober 2020 konnte der Jodlerklub Nottwil jubilieren<br />

und auf 75 Jahre Singen und Jodeln zurückschauen.<br />

Der Verein wollte sich zu diesem Jubiläum mit einer neuen<br />

Tracht ein ganz besonderes Geschenk machen. Diese wurde<br />

in der Pfarrkirche Sankt Marien der Bevölkerung präsentiert<br />

und im Festgottesdienst feierlich gesegnet.<br />

Erntedankgottesdienst mit Trachtenweihe<br />

am 11. Oktober 2020<br />

Das Jubiläum «75 Jahre Jodlerklub Nottwil» sollte gemäss<br />

Planung im Jahr 2020 mit verschiedenen Anlässen gebührend<br />

gefeiert werden. Als fulminante Höhepunkte standen die<br />

Weihe der neuen Tracht und das Fest mit der Bevölkerung auf<br />

dem Programm. Corona wirbelte alles tüchtig durcheinander,<br />

und ein Event nach dem andern musste schweren Herzens<br />

abgesagt werden. Das Jubiläumskonzert im Frühjahr fiel ins<br />

Wasser und das grosse Fest mit allen Sponsoren sowie der<br />

Apéro für die ganze Bevölkerung mussten auf unbestimmte<br />

Zeit verschoben werden.<br />

Der Verein liess es sich trotz erschwerter Verhältnisse nicht<br />

nehmen, die neue Tracht feierlich einzuweihen und der Öffentlichkeit<br />

mit Stolz und Freude zu präsentieren. Unter Berücksichtigung<br />

der strengen Corona-Vorschriften fand der lang<br />

ersehnte Festakt am Erntedanksonntag, am 11. Oktober 2020, in<br />

der wunderbar passend geschmückten Kirche statt. Es ging der<br />

versammelten Festgemeinde unter die Haut, als die Jodler*innen<br />

mit dem «Geburtstagsjuitz» von Fredy Wallimann feierlich<br />

im neuen Gewand in die Kirche einzogen. Dieser eindrückliche<br />

Moment berührte jedes Herz, und die ausgestrahlte Freude<br />

übertrug sich auf alle Gottesdienstbesucher*innen.<br />

Ein weiterer Höhepunkt des Tages war das Lied «S’muess<br />

vo innä cho». Dieses wunderbare Werk schenkten die Part-<br />

<strong>Nottwiler</strong> <strong>Auslese</strong><br />

47 <strong>2022</strong>


S’muess vo innä cho<br />

Melodie Emil Wallimann<br />

Text Robi Kuster<br />

Wenn müed scho tuesch zum Bett us cho<br />

i Tag voll Leid und Sorgä,<br />

de macht es Liäd dich wieder froh.<br />

S’erhellt dier s’Gmüet am Morgä.<br />

Ja mir Jodler wüssids scho,<br />

ä Jutz muess teuf vo innä cho!<br />

Mit Härzbluet singä im ne Chor,<br />

i’r Chilä und bim Probä.<br />

Das öffnet üs mängs Freudetor.<br />

Chönntsch all die Zyt nur lobä.<br />

Jodlerfründschaft macht üs froh,<br />

denn s’Jutze tued vo innä cho.<br />

S’isch üsri Heimat und Kultur,<br />

diä nur im Chor chasch gspüüre.<br />

Für mänge Jodlerfründ isch’s Kur,<br />

wenn Sympathie chund füüre.<br />

Hoffid drumm bim Zämestoh,<br />

dass d’Botschaft tued vo innä cho.<br />

ner*innen der Jodler*innen dem Verein<br />

zum Jubiläum. Die gelungene Uraufführung<br />

wurde mit anhaltendem Applaus<br />

vom Publikum gewürdigt.<br />

Im Gleichzug wie Pfarrer Heinz Hofstetter<br />

der reichen Gaben aus Feld und<br />

Flur im Erntedank- Gottesdienst gedachte,<br />

dankte Stefan Marti, Präsident des Jodlerklubs,<br />

allen Sponsoren, die diese Trachtenweihe<br />

mit finanzieller, materieller oder<br />

anderer Unterstützung möglich gemacht<br />

hatten. Mit dem Lied «Mit dym Säge»<br />

von Jost Marty gab der Jodlerklub gute<br />

Wünsche und Dankbarkeit mit auf den<br />

Weg. Zum Schluss des Festgottesdienstes<br />

schritten die Jodler*innen, den «Geburtstagsjutz»<br />

singend, durch den Mittelgang.<br />

Langsam verklangen die Töne des<br />

Gesangs, aber die Bilder, die Eindrücke<br />

dieses feierlichen Gottesdienstes bleiben<br />

als wertvolle Erinnerung zurück.<br />

Kleider machen Leute<br />

Die neue Tracht wurde dem Atelier<br />

Büttiker AG, Pfaffnau, in Auftrag gegeben.<br />

Neben den Farben petrol, schwarz und rot<br />

sticht vor allem die Mohnblumen-Stickerei am Gilet-Revers ins<br />

Auge. «Die gewählten Farben der Tracht senden eine Botschaft<br />

aus», so erklärte Markus Büttiker in seinem Grusswort anlässlich<br />

der Trachtenweihe. «Petrol wirkt elegant, romantisch, aber<br />

auch träumerisch und widerspiegelt zudem einen Hauch Freiheit.<br />

Mit Rot assoziiert man Leidenschaft, Treue und Liebe,<br />

und nicht zuletzt ist es die Wappenfarbe der Gemeinde Nottwil.<br />

Schwarz hingegen wirkt edel und feierlich.»<br />

Die Krönung der Tracht liegt in der Mohnblumenstickerei<br />

am Gilet-Revers und am Latz der Frauentracht. Dem griechischen<br />

Gott Morpheus wird zugeschrieben, dass er den Mohn als<br />

Blume der Träume und Fantasie bezeichnet habe. «Die Mohnblume»,<br />

so meinte Herr Büttiker, «verbindet eine starke, leuchtend<br />

rote Färbung mit einer äusserst filigranen Gestalt. Ihre<br />

seidigen, leicht zerknitterten Blütenblätter werden gar schnell<br />

vom Winde verweht und übrig bleibt nur die Samenkapsel. Die<br />

Mohnblüte symbolisiert die Lebensfreude und ist ein klares<br />

<strong>2022</strong> 48<br />

Trachtenweihe Jodlerklub Nottwil


Zeichen des Moments, des Augenblicks. Ihre Vergänglichkeit<br />

soll uns bewusst machen, wie schnell einzigartige Momente<br />

verfliegen, und umso mehr sollen wir sie geniessen.» Die Mohnblüten<br />

passen also perfekt zum Jubiläums-Motto «75 Johr jutze,<br />

singe, fröhlech si!»<br />

Die Jodlerinnen-Tracht<br />

Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte präsentieren<br />

sich die Jodlerinnen in einer einheitlichen Tracht. Sie ist eine<br />

Anlehnung an die Luzerner Frauentracht.<br />

Was meinen die Jodlerinnen Erika Estermann-Disler, Priska<br />

Meier-Kunz und Karin Schmid-Müller dazu? «Zu der modernen,<br />

pfiffigen Männertracht wünschten wir uns eine passende,<br />

harmonische Frauentracht. Die kreative, begeisternde Art und<br />

Beratung von Markus Büttiker inspirierte uns, und überzeugt<br />

konnten wir diesen Schritt machen. Wir haben viele Stunden<br />

diskutiert, getüftelt, ausprobiert, geändert … und sind so zum<br />

Ergebnis der schönen Frauentracht gekommen. Sie besteht<br />

aus einer weissen Stehkragenbluse mit Klöppelspitzen, einem<br />

schwarzen Rock und Oberteil, einer Seidenschürze in gebrochenem<br />

Bordeaux, die Handtasche und der Latz sind mit der<br />

bekannten Mohnblumenstickerei versehen. Der filigrane Halsund<br />

Ohrschmuck wurde speziell für uns angefertigt, wunderschön<br />

und edel! Unsere Tracht gefällt uns sehr gut und wir<br />

bekommen viele Komplimente dafür.»<br />

Aus den Geschichtsbüchern des Vereins<br />

Der 2. Weltkrieg hielt die ganze Welt noch fest im Griff.<br />

Trotzdem trafen sich am 5. März 1945 acht sangesfreudige<br />

Männer zur Gründungsversammlung des Jodlerklubs Seerose<br />

Nottwil. Schon bald gesellten sich weitere Jodler hinzu, so<br />

dass bereits am 1. August der erste Auftritt stattfinden konnte.<br />

Mit der ab 19. August angegliederten Trachtengruppe fand am<br />

6. Januar 1946 das erste Konzert zusätzlich mit einem Theater<br />

statt. Der Erfolg gab dem jungen Verein Auftrieb. Jährlich,<br />

anfänglich sogar zweimal pro Jahr, konzertierte der Klub und<br />

bot dem Publikum ein anspruchsvolles und abwechslungsreiches<br />

Programm – so auch noch heute. An der ersten Generalversammlung<br />

wurde der Name auf Jodlerklub Nottwil geändert.<br />

Unter diesem Namen trat der Verein noch im gleichen Jahr in<br />

den Zentralschweizerischen Jodlerverband ZSJV ein. So konnte<br />

der junge Verein bereits das Jodlerfest in Luzern 1946 besu-<br />

1<br />

2<br />

1 Unvergängliche<br />

Mohnblumen am Gilet<br />

der Jodler<br />

2 Erika Estermann<br />

präsentiert als Novum<br />

die einheitliche Frauentracht<br />

Trachtenweihe Jodlerklub Nottwil<br />

49 <strong>2022</strong>


chen. Fast ohne Unterbruch war der Jodlerklub Nottwil an den<br />

Jodlerfesten des eigenen Verbandes oder anderer Verbände mit<br />

dabei und genoss als besonderer Höhepunkt natürlich immer<br />

wieder das Eidgenössische Jodlerfest, das alle drei Jahre stattfindet.<br />

Fast immer wurde der Einsatz der Jodler*innen mit der<br />

Bewertung «sehr gut» belohnt.<br />

Heute umfasst der Verein 26 Jodler*innen aus Nottwil<br />

und Umgebung, das jüngste Mitglied ist 40 Jahre, das älteste<br />

doppelt so alt. Für sie ist der Klub ein wichtiges Stück Heimat,<br />

der mit seinem Gesang und den kirchlichen Anlässen das kulturelle<br />

Dorfleben mitgestaltet.<br />

Der jubilierende<br />

Jodlerklub<br />

Schlussbouquet<br />

Traditionsgemäss wird am ersten Freitag nach Jahresbeginn<br />

am Neujahrsapéro der <strong>Nottwiler</strong> Stern verliehen. Diese<br />

Auszeichnung der Gemeinde und der Kirchgemeinde geht an<br />

<strong>Nottwiler</strong> Persönlichkeiten, Vereine oder Gruppierungen, die<br />

sich in besonderem Masse für die Gemeinde in kultureller oder<br />

sozialer Hinsicht verdient gemacht haben.<br />

Am 7. Januar <strong>2022</strong> fand diese Ehrung Corona-bedingt im<br />

kleinen Rahmen in der Kirche St. Marien statt. «Was bedeutet<br />

Ihnen Heimat?», fragte Raffaela Roth, Mitglied der Kulturpreisjury,<br />

die versammelten Gäste in der Einleitung. Heimat, so<br />

führte sie aus, sei ein Gefühl der Zufriedenheit und Dankbarkeit,<br />

der Zusammengehörigkeit und Tradition.<br />

Passender könnten die Werte für den nominierten Preisträger<br />

nicht sein, denn voller Freude<br />

durfte der Jodlerklub den <strong>Nottwiler</strong><br />

Stern 2020/2021 entgegennehmen<br />

und damit seinem Festjahr das Sahnehäubchen<br />

aufsetzen. «Danke für<br />

eure Präsenz während den 75 Jahren<br />

und für das aktive Mittragen der<br />

Vereinskultur und danke, dass ihr in<br />

Nottwil das wunderbare Brauchtum<br />

bewahrt, lebt und weitergebt», so<br />

schloss Raffaela Roth die Laudatio.<br />

Der Applaus und die herzlichen Gratulationsworte<br />

waren der krönende<br />

und auch versöhnliche Abschluss<br />

der langen, durch Verschiebungen<br />

und Absagen geprägten Jubiläumsaktivitäten.<br />

<strong>2022</strong> 50<br />

Trachtenweihe Jodlerklub Nottwil


Erweiterungsbauten<br />

Schweizer Paraplegiker-Zentrum<br />

Der Umbau ist abgeschlossen<br />

Nach fünf Jahren Planung und fünf Jahren Bauzeit<br />

wurden im Herbst 2020 die neuen Bereiche im Schweizer<br />

Paraplegiker-Zentrum in Betrieb genommen.<br />

Die Aufgabe war knifflig. Sobald man neben ein bestehendes<br />

Gebäude einen Neubau stellt, wird das Bestehende<br />

zum «Alten». Die Bewohnerinnen und Bewohner möchten ins<br />

moderne Haus umziehen, das besser zu ihren Bedürfnissen<br />

passt. Das alte Haus war bisher eine Selbstverständlichkeit,<br />

es prägte ihr Leben und funktionierte. Doch jetzt entstehen<br />

Grenzen zwischen den Gebäuden. Und Fragen tauchen auf: Wer<br />

kommt in den Neubau? Was bleibt im alten Teil?<br />

Neu gestalteter Eingangsbereich<br />

vor der<br />

Schwimmhalle<br />

<strong>Nottwiler</strong> <strong>Auslese</strong><br />

51 <strong>2022</strong>


Blick in eines der<br />

neuen Multispace-<br />

Grossraumbüros<br />

Dieser Herausforderung stellten sich die Architekten von<br />

Hemmi Fayet. Ihnen war wichtig, dass genau dieses Gefühl<br />

und Bedürfnis nicht entsteht. So haben sie den bestehenden<br />

Teil sanft und sorgfältig verändert, damit er mit den Neubauten<br />

eine Einheit bildet – eine hochmoderne Klinik, die viel grösser<br />

ist und neue räumliche Qualitäten bietet, die aber ihren angestammten<br />

Charakter beibehalten hat.<br />

Dieser architektonische Kerngedanke hängt eng mit der<br />

Bedeutung des Schweizer Paraplegiker-Zentrums für Menschen<br />

mit einer Querschnittlähmung zusammen. Das SPZ ist für viele<br />

ein Zuhause, in das sie immer wieder gerne zurückkommen.<br />

Deshalb wollten die Architekten es im Sinne der ursprünglichen<br />

Vision weiterbauen. Das Gebäude wurde optimiert, erweitert<br />

und so angepasst, dass es rundum erneuert in die Zukunft<br />

gehen kann. Beim klaren Statement für das Bestehende fallen<br />

immer wieder der Respekt für die Ideen von SPZ-Gründer<br />

Guido A. Zäch und deren ursprüngliche Umsetzung durch die<br />

Basler Architekten Wilfrid und Katharina Steib auf. Ihr eleganter<br />

Gebäudekomplex von 1990 ist modern geblieben. Dem<br />

wollten Hemmi Fayet nicht einfach ihre Ästhetik überstülpen.<br />

Diese Haltung zieht sich wie ein roter Faden durch alle Erweiterungen<br />

auf dem Campus.<br />

Sinnvolle Klinikerweiterung<br />

Trotzdem hat sich sehr viel verändert auf dem Campus. Mit<br />

dem neuen Nordtrakt schliesst ein markanter Riegel den Klinikkomplex<br />

Richtung Sempachersee ab. Darin befinden sich die<br />

<strong>2022</strong> 52<br />

Erweiterungsbauten Schweizer Paraplegiker-Zentrum


Akutmedizin und die Intensivstation. Auf der Südseite schiebt<br />

sich das neugebaute Besucherzentrum ParaForum mit seiner<br />

runden Glasfront wie ein Kuchenstück zwischen die bestehenden<br />

Gebäude. Zudem wurde ein ganzer Büroneubau in den<br />

Innenhof des SPZ eingepasst. Die Bettenhäuser und der Reha-<br />

Trakt wurden renoviert, Passerellen gebaut, eine Tiefgarage<br />

entstand, eine Sporthalle, ein Therapiegarten und vieles mehr –<br />

während der Klinikbetrieb normal weitergeführt wurde. Insgesamt<br />

vergingen gut zehn Jahre, seit das Zürcher Büro Hemmi<br />

Fayet Architekten die Ausschreibung gewonnen hatte.<br />

Vor dem Umbau musste die Grundsatzentscheidung gefällt<br />

werden: «Wollen wir nur die behördlichen Auflagen erfüllen<br />

und anstehende Renovationen ausführen? Oder möchten wir<br />

den Patientinnen und Patienten auch zukünftig eine optimale<br />

Versorgung anbieten können?» Eine wichtige Rolle spielte auch<br />

die betriebswirtschaftliche Analyse, wie die angestrebte Qualität<br />

erbracht werden kann. Das Resultat: Statt für eine provisorische<br />

Bettenstation, die man nach der Renovation wieder<br />

abgerissen hätte, entschieden sich die Verantwortlichen für<br />

eine sinnvolle Klinikerweiterung. Dies umso mehr, als die Auslastung<br />

oft über hundert Prozent lag und die Betreuung der<br />

Betroffenen an Kapazitätsgrenzen stiess.<br />

Aussenansicht des<br />

neuen Nordtrakts mit<br />

der Fensterfront der<br />

Intensivstation<br />

Erweiterungsbauten Schweizer Paraplegiker-Zentrum<br />

53 <strong>2022</strong>


Freundliche Begrüssung:<br />

Der Eingang zum Para-<br />

Forum<br />

Hell, freundlich, geräumig<br />

Im neuen Nordtrakt geben Fenster vom Boden bis zur Decke<br />

den Blick auf den Sempachersee und die umgebende Natur frei.<br />

Die schönsten Zimmer bekam die Intensivpflegestation (IPS),<br />

denn in Nottwil können IPS-Aufenthalte bei Frischverletzten<br />

bis zu zehn Wochen dauern. Die Atmosphäre ist hell und ruhig,<br />

am Bett stehen nur jene Apparate, die für die Behandlung nötig<br />

sind. Das Sonnenschutzglas dunkelt automatisch ab und senkt<br />

die Wärmeaufnahme. Besonders schätzen die Patientinnen und<br />

Patienten, dass sich die Fenster öffnen lassen und so eine Verbindung<br />

zur Aussenwelt ermöglicht wird.<br />

Auf der neuen Intensivstation müssen die Mitarbeitenden<br />

weiterhin hohe Anforderungen erfüllen. Aber der Alltag gestaltet<br />

sich heute viel angenehmer. Die sechzehn Einzelzimmer sind<br />

hochmodern ausgerüstet. Den betroffenen Menschen bieten sie<br />

den Blick auf den Sempachersee und eine Orientierungshilfe. Es<br />

sind einladende Räume, geflutet von Tageslicht. Die Deckenlampe<br />

kann Licht in verschiedenen Farben abgeben und so die<br />

Stimmung beeinflussen. Die teils sperrigen Geräte blockieren<br />

nicht den Bodenraum, sondern hängen an der Decke, an der sie<br />

sich auch verschieben lassen. Das steigert die Flexibilität. Es<br />

gibt mehr Platz, und alles wirkt aufgeräumter. Eine Erleichterung<br />

ist zudem der Deckenlift, mit welchem sich die Patientinnen<br />

und Patienten aus dem Bett heben lassen.<br />

<strong>2022</strong> 54<br />

Erweiterungsbauten Schweizer Paraplegiker-Zentrum


Auffallend ist die Ruhe. Die neue Intensivstation bietet<br />

viel mehr Intimsphäre als vorher, und der geringere Lärmpegel<br />

reduziert die akute Verwirrtheit. Die Mitarbeitenden loben<br />

die aufgeräumte Technik und dass sie von einem Vorraum<br />

aus immer zwei Zimmer gleichzeitig im Auge haben, ohne sie<br />

betreten zu müssen. So werden Ruhestörungen vermieden.<br />

Im Anschluss an die IPS und in den zwei Stockwerken<br />

darüber befindet sich die akutmedizinische Abteilung. Hier<br />

bleiben Patientinnen und Patienten nach einem akuten Ereignis<br />

oder einer Operation für eine kurze Zeit. Es sind ebenfalls<br />

Einzelzimmer, da Akutpatienten oft Ruhe benötigen. Ein<br />

typisches Kennzeichen von Nottwil findet man auch im Nordtrakt:<br />

Die Balkone vor den Patientenzimmern. Sie bieten einen<br />

zusätzlichen Aussenraum – und der Einbezug der Natur unterstützt<br />

die Rehabilitation.<br />

Offen für Besucher*innen<br />

Eine einladende, halbrunde Glasfront begrüsst Gäste bei<br />

ihrem Besuch in Nottwil. Im Besucherzentrum ParaForum erhalten<br />

Interessierte spannende Einblicke in die Welt von Menschen<br />

mit einer Querschnittlähmung.<br />

Das ParaForum wurde im September 2019 eröffnet und<br />

bietet auf 400 Quadratmetern eine multimediale, interaktive<br />

Ausstellung in Form einer fiktiven Wohngemeinschaft mit vier<br />

Betroffenen unterschiedlichen Alters. Die Besucherinnen und<br />

Besucher lernen Eigenheiten einer Wohnung kennen, die auf<br />

die Bedürfnisse von Querschnittgelähmten zugeschnitten ist.<br />

Man wird sich bewusst, dass im Alltag vieles nicht mehr im<br />

gewohnten Tempo geht, etwa bei der Körperpflege. Das Para-<br />

Forum bietet die Möglichkeit, sich ans Handbike oder in den<br />

Rollstuhl zu setzen und zu spüren, wie sich das anfühlt. Eine<br />

3D-Animation bringt näher, welche Auswirkungen Rückenmarkverletzungen<br />

haben, Kurzfilme zeigen, wie ein Eingriff<br />

im Operationssaal abläuft, wie ein Tetraplegiker mit gelähmten<br />

Fingern einen Computer bedient oder wie ein Paraplegiker sich<br />

aus dem Bett in den Rollstuhl transferiert.<br />

Agile Planung als Erfolgsrezept<br />

Im Nachhinein kann die agile Planung, dank dem die strengen<br />

Kosten- und Zeitvorgaben eingehalten wurden, als «Erfolgsrezept»<br />

bezeichnet werden. Durch die aktive Einbindung der<br />

SPZ-Fachleute konnte die jeweils bestmögliche Umsetzung ent-<br />

Erweiterungsbauten Schweizer Paraplegiker-Zentrum<br />

55 <strong>2022</strong>


Auf dem Campus ist<br />

eine kleine Stadt entstanden.<br />

wickelt werden. Zudem gab es Testzimmer, in denen Lösungsvarianten<br />

in der Praxis erprobt wurden, bevor man sie definitiv<br />

einbaute. Und in einem «Sounding-Board» brachten die Patientinnen<br />

und Patienten ihre Sichtweise ein. Ein Ort zum Wohlfühlen<br />

– das Ergebnis kann sich sehen lassen. Auf dem Campus ist<br />

eine kleine Stadt entstanden, in der frischverletzte Menschen<br />

mit Querschnittlähmung sechs bis neun Monate zur Rehabilitation<br />

wohnen und sich entsprechend wohlfühlen sollen. Wer<br />

hier lebt, benötigt kein originelles Hotelzimmer, sondern optimale<br />

Funktionalität. Dazu eine warme Ambiance und individuelle<br />

Freiräume, zum Beispiel für persönliche Bilder.<br />

Beim ersten Bau des Schweizer Paraplegiker-Zentrums von<br />

1990 gingen die Verantwortlichen sehr sorgfältig mit den Spendengeldern<br />

um, indem sie eine möglichst langlebige Lösung<br />

angestrebt haben. Die gleiche Haltung prägt auch das Konzept<br />

des «Weiterbauens» der heutigen Campusarchitekten.<br />

Die grosse Baustelle ist definitiv weg. Kleinere Baustellen<br />

wird es weiterhin geben, beispielsweise für die neue Kinderkrippe.<br />

Aber eines ist sicher. Das SPZ ist «à jour» und für die<br />

Zukunft gut aufgestellt.<br />

<strong>2022</strong> 56<br />

Erweiterungsbauten Schweizer Paraplegiker-Zentrum


Bäckerei & Café Künzli Nottwil<br />

und Filiale Sursee<br />

Die Genussinsel hat Tradition<br />

Mitten in der Nacht herrscht in der Backstube Hochbetrieb.<br />

Frühmorgens sind die Regale im Laden gefüllt mit mancherlei<br />

Brotsorten. Tag für Tag ist es ein Genuss, die hochwertigen<br />

Produkte essen zu dürfen. Meisterbäcker Urs Künzli<br />

setzt auf traditionelles Handwerk und gewinnt mit seinem<br />

Angebot Kundschaft weit über die Region hinaus.<br />

Wenn die Strassen noch leer sind, Finsternis und Nachtruhe<br />

herrschen, geht es in der Backstube der Bäckerei Künzli richtig<br />

zur Sache. Um zwei Uhr beginnt die Verarbeitung der Teige, die<br />

bereits am Vorabend geknetet wurden, um sie bis dahin aufgehen<br />

und ruhen zu lassen. Bestimmte Brotsorten, so das Sauerteigbrot,<br />

entstehen aus einem Teil Anstellgut 1) , Mehl, Salz und<br />

Wasser und werden durch den Gärprozess von 48 Stunden zu<br />

einem bekömmlichen Brotweggen, der geschmacklich und in<br />

der Frischhaltung unübertreffbar ist. Die Gemächlichkeit der<br />

Teige ist das Einzige, dem man in der Backstube Zeit lassen<br />

muss. In unglaublicher Geschwindigkeit hingegen bringt Urs<br />

Künzli den Teig in die entsprechende Brotform, den sein Mitarbeiter<br />

Armin zuvor im Eiltempo geteilt, gewägt und auf die<br />

Arbeitsfläche geworfen hat, als sei das ein Spitzensport. So entstehen<br />

in Windeseile die Pfünderli, die auf bemehlten, rundum<br />

mit einer Stoffbahn belegten Tablaren zum Backen bereitgestellt<br />

werden. Urs und Armin erhalten im Stundentakt Verstärkung<br />

durch Mitarbeiter*innen, bis das Backteam sechs und die<br />

Konditoreiabteilung drei Personen zählt.<br />

Für das Kleingebäck ist eine Person ab zwei Uhr zuständig.<br />

Sie bäckt die diversen Gipfeli, Mutschli, Weggli und alle<br />

süssen Kleingebäcke wie Nussgipfel, Schoggibrötli, Meitschibei,<br />

und vieles andere mehr, das bereits am Vortag hergestellt und<br />

im Kühlraum gelagert worden ist. Nebenbei frittiert sie gekonnt<br />

die Berliner und Zigerkrapfen, bis sie herrlich duftend zum<br />

1) Sauerteigsatz =<br />

beiseite gestellter ungebackener<br />

Teig für den<br />

Gärprozess<br />

<strong>Nottwiler</strong> <strong>Auslese</strong><br />

57 <strong>2022</strong>


Auskühlen auf die Tablare gelegt werden. In einem fahrbaren<br />

Rechen haben viele Bleche Platz, die mit Teiglingen bestückt<br />

sind. Dieser Rechen wird in einen hohen Backschrank (Umluftofen)<br />

geführt, wo er sich automatisch dreht, um dabei einen<br />

gleichmässigen Backerfolg zu erzielen.<br />

Alle Brote werden mit gekonnter Technik in den 1974 eingebauten,<br />

vier Etagen zählenden Backofen geschossen (Bäckerausdruck<br />

für hineinschieben). Nach der Backzeit und einem<br />

fachmännischen Prüfblick werden sie mit dem Schüssel (Brotschaufel)<br />

herausgenommen.<br />

Der Ofen wird herausgehudelt. Dabei werden mit einem<br />

Sack die Brosamen entfernt, damit keine verbrannten Rückstände<br />

zurückbleiben.<br />

Die grosse Erfahrung und die Leistungsbereitschaft des<br />

Teams machen es möglich, täglich hunderte von Kundinnen<br />

und Kunden mit den begehrten Produkten zufriedenzustellen.<br />

Als Beobachterin spürt man, dass es in der Backstube ein<br />

festes Zeitfenster gibt, denn um halb sechs Uhr müssen alle<br />

Tagesprodukte bereitgestellt sein; der eine Teil für die Filiale<br />

Sursee, der andere für den Laden in Nottwil und der dritte für<br />

Wiederverkäufer und Gastronomie-Kunden. Urs Künzli junior<br />

macht sich mit beladenem Auto auf den Weg zum Ausliefern. Er,<br />

der Weltmeister-Seilzieher 2) , der die Ausbildung als Backstubenchef<br />

abgeschlossen hat und zurzeit in der Ausbildung zum Meisterbäcker<br />

steht, hat die besten Voraussetzungen für eine in Aussicht<br />

gestellte Betriebsübernahme. Täglich packt er an, vertritt<br />

seinen Vater bei dessen Abwesenheit und bringt sich mit guten<br />

Ideen und Vorschlägen ein. Dass ihn nichts so schnell aus der<br />

Fassung bringt, zeigt seine ruhige, aber speditive Arbeitsweise.<br />

Er hat das Bäckergen in sich, er vertritt die Familie Künzli in<br />

dritter Generation, denn sein Grossvater hatte die Bäckerei an<br />

der Kantonsstrasse einst übernommen und ausgebaut.<br />

2) Urs Künzli ist Mitglied<br />

des Seilziehclubs<br />

Nottwil und wurde mit<br />

der Schweizer Nationalmannschaft<br />

dreimal<br />

Weltmeister: 2010 mit<br />

der U19 (bis 560 kg)<br />

in Südafrika, 2013 mit<br />

der U23 (bis 600 kg) in<br />

Assen (NL) und 2014 in<br />

Wisconsin (USA).<br />

Geschichte<br />

Bäckereiinhaber Urs Künzli ist wie seine Vorfahren ein Ur-<br />

Notteler. Sein Urgrossvater hatte mit seiner Frau sieben Kinder<br />

und war in der Landwirtschaft im Hübeli erfolgreich tätig.<br />

Er war begütert, ihm gehörte, etwas übertrieben gesagt, halb<br />

Nottwil: die Käserei, die Metzgerei, das Restaurant Bahnhof. Er<br />

gründete zusammen mit Robert Schürch sen. eine Genossenschaft,<br />

besass eine Käserei in Gunzwil und eine in Buttisholz<br />

sowie weitere Grundstücke in Nottwil. Weil einige seiner Kinder<br />

den Umgang mit Geld nicht beherrschten, von ihrem Vater<br />

<strong>2022</strong> 58<br />

Bäckerei & Café Künzli Nottwil und Filiale Sursee


aber trotzdem immer unterstützt wurden, musste der Urgrossvater<br />

seine Grundstücke nach und nach verkaufen. Die Liegenschaft<br />

Hübeli kam damals in den Besitz der Familie Bannwart.<br />

Seine Söhne Alois und Hans Künzli waren die Tüchtigsten unter<br />

den Nachkommen. Alois war Bäckermeister und hatte seinen<br />

Laden im Haus des Restaurants Krone in Nottwil gepachtet.<br />

Hans Künzli bekam das Restaurant Bahnhof, wo er erfolgreich<br />

wirtete und nebenbei noch eine kleine Landwirtschaft betrieb.<br />

Dadurch legten Hans und Berta Künzli-Stalder zusammen den<br />

Grundstein für die Kochleidenschaft in der Familie. Selbst sein<br />

Sohn Werner musste nach der Bäckerlehre noch die Ausbildung<br />

zum Koch machen. Er lernte dann wunschgemäss den Kochberuf<br />

während dreier Jahre im ‹Wilden Mann› in Luzern, arbeitete<br />

anschliessend in der Sommersaison in Stansstad im Restaurant<br />

Winkelried und dann mit derselben Küchenbrigade im<br />

Winter im ‹Davoserhof› in Davos.<br />

Eine eigene Bäckerei<br />

Vater Hans legte das Fundament für die Zukunft seines<br />

Sohnes Werner. Es war ihm bekannt, dass die Bäckerei im Dorf<br />

verkauft werden sollte und zum damaligen Besitzer, Bäcker<br />

Zwimpfer, pflegte er gute Kontakte. Zwimpfer war kinderlos<br />

und beschäftigte sich gedanklich mit einer Veräusserung<br />

1 Die von Keilriemen<br />

angetriebenen<br />

Teig maschinen waren<br />

damals eine Arbeitserleichterung.<br />

Gebacken<br />

wurde im Holzofen. Es<br />

war bestimmt nicht<br />

immer einfach, die richtige<br />

Temperatur für die<br />

Backware zu erreichen.<br />

2 Handgeschriebene<br />

Rezepte von Werner<br />

Künzli<br />

1 2<br />

Bäckerei & Café Künzli Nottwil und Filiale Sursee<br />

59 <strong>2022</strong>


Früh übt sich … Urs<br />

Künzli hilft seinem<br />

Vater beim Formen der<br />

Nussgipfel<br />

der Bäckerei. Hans kündete Zwimpfer deshalb sein Interesse<br />

an, falls es zu einem Verkauf kommen sollte. 1953 kam der<br />

Handel zustande, Grossvater Hans Künzli erwarb für seinen<br />

Sohn Werner und seine Frau Marie-Theres Künzli-Egli das Haus<br />

an der Kantonsstrasse.<br />

Ab 1954 betrieb Werner Künzli zusammen mit seiner Frau<br />

Marie-Theres die kleine Bäckerei. Ihre vier Buben (Stephan *1955,<br />

Daniel 1957 – 2019, die Zwillinge Benno und Urs *1958) belebten<br />

den strengen Alltag im Bäckereibetrieb. Urs Künzli<br />

erzählt, dass sie alle tüchtig mitarbeiten mussten.<br />

Während andere Kinder im Freien spielen konnten,<br />

bürsteten sie Backbleche, reinigten in der Osterzeit<br />

die Osterhasenformen und verpackten Nussstengel in<br />

Tüten. Aus jenen Zeiten blieben den Buben bestimmt<br />

einige Backkniffs und -tricks hängen.<br />

Seine kreative Ader zeigte sich natürlich später in<br />

seinem Beruf. Urs führt sie zurück auf seine Kindheit.<br />

«Wir mussten uns oft selber helfen. Unsere Mutter<br />

hatte zum Beispiel wenig Zeit, um mit uns Hausaufgaben<br />

zu machen. Wir wurden zur Selbständigkeit<br />

erzogen, haben oft eine Lösung selber ausgetüftelt –<br />

manchmal mit Erfolg, manchmal ohne. Der Spielraum<br />

hat uns Freiheit gegeben, Neues zu entdecken und Erfahrungen<br />

zu sammeln. Ich glaube, das hat uns Kindern eine solide Grundlage<br />

und eine gewisse Kreativität mit auf den Weg gegeben».<br />

«Kehri»<br />

Urs Künzli erinnert sich, wie er mit ihrem Mitarbeiter<br />

Othmar Nauer auf die «Kehri» (= Einkehren in den Häusern<br />

und Betrieben) gehen durfte. Sie brachten das Brot in die abgelegenen<br />

Höfe, betrieben dabei Ortsgeografie, kannten dadurch<br />

alle Leute, alle Hauseinrichtungen (oft war der Küchenboden<br />

noch ein Erdboden) und lernten dabei die Hierarchien in den<br />

Familien kennen. «Die Bäuerin hatte meistens keine Rechte,<br />

das Sagen hatte die Grossmutter, sie gab die Bestellungen auf»,<br />

erinnert sich Urs. Für die Bäckerei war die Kehri eine gute Einnahmequelle.<br />

Lebensgeschichten aus der Bäckerei<br />

Früher war im Bäckereiladen noch eine kleine Lebensmittelabteilung<br />

integriert. 1963 vergrösserte Werner Künzli diesen<br />

zum ersten Mal. 1974 gab es im Zusammenhang mit der Erwei-<br />

<strong>2022</strong><br />

60<br />

Bäckerei & Café Künzli Nottwil und Filiale Sursee


terung der Backstube noch einen Anbau für ein USEGO-Lebensmittelgeschäft.<br />

Mutter Künzli war zeitlebens im Laden berufstätig.<br />

Sie, die Freundlichkeit in Person, wuchs in der Zimmerrüti<br />

in Nottwil auf und kannte Werner seit ihrer Kindheit. Sie verliebte<br />

sich in Werner im Dorf Mariastein, wo sie als Verkäuferin<br />

arbeitete, und Werner in der Dorf-Bäckerei angestellt war.<br />

Später, in der Bäckerei in Nottwil, schmiss sie den Verkauf und<br />

unterstützte ihren Mann, wo sie nur konnte. Werner Künzli war<br />

interessiert an Politik und Sport und auch nebenamtlich sehr<br />

aktiv. Er war Schulpflegepräsident, wurde später Kirchenratspräsident,<br />

und in seiner Amtszeit wurde die Innenrenovation<br />

der Pfarrkirche durchgeführt.<br />

Der plötzliche Tod seiner Frau Marie-Theres am 11. September<br />

1985 traf ihn und die ganze Familie sehr hart. Sie verstarb<br />

mit 57 Jahren in den Ferien im Berner Oberland an einer Lungenembolie.<br />

In Elisabeth Oertig fand Werner später dann seine<br />

zweite Frau, mit der er noch glückliche Jahre verbringen durfte.<br />

Werner bezog im Zentrum Eymatt eine Wohnung, während dem<br />

seine Frau in einem Pflegezimmer war, und von dort aus ging er<br />

bis ins 88. Lebensjahr zum Mithelfen noch täglich in die Bäckerei.<br />

Obwohl ihm seine Söhne einen geruhsameren Lebensabend<br />

gegönnt hätten, erachtete er es als seine Pflicht, beim Brotbacken<br />

unterstützend mitzuwirken. Werner Künzli starb 2015.<br />

Entwicklung der Bäckerei<br />

1984 eröffnete sich der Familie Künzli die Gelegenheit, eine<br />

Filiale im Oberstädtli in Sursee zu übernehmen. Die Lokalitäten<br />

und die Verhältnisse waren der Familie bestens bekannt,<br />

weil sie den Vorgänger, Bäcker Robert Weber, schon seit 17<br />

Jahren mit Brot beliefert hatte. Das Eckhaus zur Hirschengasse<br />

hatte eine ganz kleine Backstube und bescheidene Raumverhältnisse.<br />

Mit grossem Engagement, besonders auch von Mutter<br />

Marie-Theres Künzli, entstand dort nach einem kleinen Umbau<br />

die von der Kundschaft sehr geschätzte «Bäckerei / Konditorei<br />

Künzli Sursee». Im Jahr 2002 konnte Urs Künzli die Bäckerei<br />

Oberstadt 12 käuflich erwerben. 2004 wurde das Eckhaus total<br />

renoviert mit Verkaufsladen im Erdgeschoss und zwei darüber<br />

liegenden Wohnungen. Der Bäckerladen belebt zusammen mit<br />

den anderen Geschäften das Städtli Sursee. An der Gansabhauet<br />

im November ist der Laden mit dem Stand auf dem Vorplatz<br />

und seinen klassischen Produkten Martinibrot, Gansbiber<br />

und Sonnen-Butterguetzli, sowie an den Markttagen mit den<br />

saisonalen Hausspezialitäten ein beliebter Anziehungspunkt.<br />

Bäckerei & Café Künzli Nottwil und Filiale Sursee<br />

61 <strong>2022</strong>


Das Pensionsalter von Vater Werner Künzli nahte. Urs<br />

Künzli bestand 1986 im Alter von 28 Jahren die Meisterprüfung,<br />

um für die Übernahme des Geschäftes gewappnet zu sein. Der<br />

Tod seiner Mutter war jedoch derart einschneidend – sie fehlte<br />

überall und die Mehrarbeit, die anfiel, war kaum zu bewältigen,<br />

so dass Urs mit den Gedanken spielte, die Meisterprüfung aufzugeben.<br />

Vater Werner motivierte seinen Sohn aber zur Weiterführung<br />

der Schule. Zum Glück … 1989 fand die Übergabe der<br />

Bäckerei an Urs statt. Seine Pläne und Ziele, den Lebensmittelbereich<br />

zu verkleinern oder gar wegzulassen sowie die Bäckerei<br />

zu vergrössern und durch ein Café zu erweitern, gelangen nicht<br />

alle auf Anhieb. 1989 war der Lebensmittelladen der Einzige im<br />

Dorf, daher war er nicht wegzudenken. Als dann Denner und<br />

SPAR die Einkaufsmöglichkeiten in Nottwil erweiterten, wagte<br />

sich Urs an die Planung einer Erweiterung der Bäckerei mit<br />

einem Café. Aber die Raumhöhe im Erdgeschoss, es fehlten fünf<br />

Zentimeter, liess die Baubewilligung platzen und der Wunsch<br />

nach einem Café war vorerst ausgeträumt.<br />

Dennoch wurde 1993 ein grösseres Bauvorhaben mit<br />

dem Neubau der Backstube realisiert. Als Ersatz-Backstube<br />

diente während eines Dreivierteljahres ein Raum bei Otto’s in<br />

Sursee. Die entstandene ebenerdige Backstube mit Tageslicht<br />

erleichtert seither die Arbeitsabläufe und ermöglicht speditives<br />

Schaffen.<br />

Hausschwamm als «Retter»<br />

Die Ferienplanung von Hanny und Urs Künzli mit ihren<br />

vier Kindern wurde kurz vor dem Packen durch eine Hiobsbotschaft<br />

jäh unterbrochen. Als sie im Keller die Koffern holen<br />

wollten, entdeckten sie im Mauerwerk einen Hausschwamm,<br />

der sich wegen Feuchtigkeit im Holz und in der ganzen Mauer<br />

verbreitet hatte. Eine Riesen-Renovation der ganzen Mauer,<br />

die Stück für Stück abgebrochen und neu aufgebaut werden<br />

musste, stabilisierte das Haus wieder. Der Bauführer riet dabei<br />

Urs Künzli, die Bauarbeiten gleichzeitig für die Absenkung des<br />

Bodens zu nutzen, um das gewünschte Café zu realisieren. Die<br />

Belohnung für das mühsame Bauprozedere war dann die Bewilligung<br />

für das Café Künzli, das für die Eröffnung aber noch<br />

eines Wirtes bedurfte. Urs absolvierte die erforderliche Ausbildung<br />

erfolgreich und erlangte das Wirtepatent. So bereichert<br />

seit 1998 das Café mit seinen 30 Sitzplätzen nun das gastronomische<br />

Angebot in Nottwil und gilt als gemütliche und kulinarische<br />

Genussinsel.<br />

<strong>2022</strong><br />

62<br />

Bäckerei & Café Künzli Nottwil und Filiale Sursee


Die Kochkünste, die Vater Werner Künzli beherrschte und<br />

die er schon früh mit ersten Catering-Einsätzen (zum Beispiel<br />

beim Abschlussessen der Lehrer*innen Ende Schuljahr) unter<br />

Beweis stellte, inspirierte auch Urs zum Kochen. Täglich gibt<br />

es im Café Tagesmenüs, und im Laden sind diese ebenfalls zum<br />

Mitnehmen bereitgestellt. «Das Essverhalten hat sich seit der<br />

Einführung der gleitenden Arbeitszeiten verändert», weiss Silvia<br />

Künzli. «Es muss heute schnell gehen.» Und da ist die Kundschaft<br />

bei Künzlis bestens aufgehoben, denn die Menüs werden<br />

alle selber gekocht, Fertigprodukte kennt man im Hause Künzli<br />

nicht. «Auch die Saucen werden von uns selber zubereitet, und<br />

wir legen grossen Wert auf ausgewogene Kost», versichert Urs<br />

Künzli. Er ist verantwortlich für die Wochen-Menüplanung und<br />

kocht zusammen mit einem Mitarbeiter täglich die Mittagessen.<br />

Für Catering ist Künzli eine beliebte Adresse – und das ist nicht<br />

verwunderlich, denn Backen und Kochen in Kombination sind<br />

beste Voraussetzungen für ein vielseitiges Angebot.<br />

Qualität steht an erster Stelle<br />

Künzli und Qualität sind Partner. Auf die Frage, was den<br />

Erfolg ausmache, meint Urs Künzli: «Neben Tradition ist auch<br />

Innovation sehr wichtig, man darf den ‹Gwunder› an neuen<br />

Produkten und Ideen am Beruf nicht verlieren, sonst droht die<br />

Betriebsblindheit. Schon oft hätten wir an verschiedenen Orten<br />

weitere Filialen eröffnen und den Betrieb erweitern können.<br />

Mein Job wäre dann der eines Managers geworden, der die<br />

etwa fünfzig Mitarbeitenden führen, die<br />

Aufträge entgegennehmen und delegieren<br />

müsste. Das will ich aber nicht. Mir<br />

erscheint es wichtig, die Qualität auf dem<br />

erreichten hohen Niveau zu gewährleisten.<br />

Ich stehe täglich in der Backstube, habe<br />

damit die Übersicht über das Geschehen,<br />

plane die Einsätze und kann Einfluss<br />

nehmen bei den Arbeitsabläufen, auch<br />

wenn mal etwas schiefläuft. Ich will nicht<br />

mit dem Strom schwimmen und mich mit<br />

Fertigprodukten und möglichst günstigem<br />

Brot zufriedengeben. Es ist mir wichtig,<br />

das alte Bäcker-Handwerk zu pflegen.»<br />

Silvia und Urs Künzli setzen auf Tradition,<br />

das bringt ihnen den verdienten<br />

Erfolg. Bei vielem können sie auf die<br />

Silvia und Urs Künzli<br />

Bäckerei & Café Künzli Nottwil und Filiale Sursee<br />

63 <strong>2022</strong>


1<br />

1 Das ganze Team<br />

der Bäcker*innen und<br />

Konditorinnen der Bäckerei<br />

Künzli: Hinten v.l.<br />

stehend: Urs Künzli, Justyna<br />

Rogowska, Nana<br />

Huber, Regula Kissling,<br />

Beat Bossert, Karin<br />

Jost, Urs Künzli jun.;<br />

vorne v.l. kniend: Zufer<br />

Zendeli, Armin Bühler<br />

(Chöngu), Zena Zendeli<br />

(stehend), Ramona<br />

Scherrer, Gabi Amrein,<br />

Angela Bischof<br />

2 Brote in hochwertiger<br />

Qualität in Handarbeit<br />

gemacht<br />

3 Jedem Brotlaib sein<br />

eigenes, charakteristisches<br />

Schnitt-Muster<br />

2<br />

3<br />

<strong>2022</strong><br />

64<br />

Bäckerei & Café Künzli Nottwil und Filiale Sursee


4 5 6<br />

Rezepte des Vaters zurückgreifen, zu dessen Zeiten das Nottelerbrot<br />

entstand, aber auch die Künzli-Schwarzwälder- und<br />

Haselnussrahmtorte sowie der Spezialbirnenweggen mit seiner<br />

selber hergestellten Füllung, dem «Chrosi». In einem mit Holzfeuerung<br />

betriebenen alten Wäschehafen mit rauchendem Ofenrohr<br />

werden noch heute die Dörrbirnen und die getrockneten<br />

Apfelschnitze gekocht. «Vielleicht wirkt es etwas altmodisch,<br />

wenn ich solche alten Rezepte noch heute genauso anwende.<br />

Wir machen aber die Erfahrung, dass Bewährtes viele Liebhaber*innen<br />

findet, und Kontinuität der Garant für gute Ware ist.<br />

Natürlich haben wir Mehraufwand mit den Eigenprodukten<br />

und -kreationen. Aber wir scheuen die Arbeit nicht und geben<br />

alles, um unsere Kundschaft gut bedienen zu können», meint<br />

Urs Künzli, nimmt ein grosses Becken mit eingelegten Mandeln,<br />

Zucker und Zitrone in die Hand und macht sich daran, die Mandelfüllung<br />

selber herzustellen.<br />

4 Die Füllung der<br />

Crèmeschnitten wird<br />

gekonnt aufgetragen<br />

5 Brote in der letzten<br />

Ruhephase auf den Tablaren,<br />

bevor sie im Ofen<br />

gebacken werden<br />

6 Eine Vielfalt von<br />

Broten beim Auskühlen<br />

Gegen Food waste<br />

Urs Künzli geht nicht den einfachsten Weg. Er kennt den<br />

Umgang mit Resten und deren Verwertung. So werden altbackene<br />

Süssgebäcke als Schraps für die köstliche Füllung<br />

der Nussgebäcke eingesetzt, hartes Brot für die Tiere kostengünstig<br />

verkauft oder das hochwertige Mehl, das am Boden<br />

landet, zusammengekehrt und den Kühen verabreicht. Selbst<br />

Bäckerei & Café Künzli Nottwil und Filiale Sursee<br />

65 <strong>2022</strong>


Urs Künzli, *1992<br />

Er liebt das seit Jahrhunderten bestehende Handwerk des Bäckers.<br />

«Das Brot als Grundnahrungsmittel hat im Vergleich zu früher<br />

an Exklusivität gewonnen. Durch das Aufleben der alten Getreidesorten,<br />

der vielfältigen Zutaten, der Verarbeitungsweise mit<br />

Vorteig und langer Ruhezeit haben wir mehr Möglichkeiten, den<br />

16 Brotsorten einen eigenen Charakter zu geben.» Auf<br />

die Frage, was er in seinem Beruf vermisse, meint Urs:<br />

«Das Ausschlafen. Aber ich bin mich gewohnt, in zwei<br />

Etappen zu schlafen, mal mehr, mal weniger. Das Vereinsleben<br />

bei den Seilziehern in Nottwil kann ich trotzdem<br />

ausüben.»<br />

Auch Bäcker haben ihre bevorzugten und weniger beliebten<br />

Arbeiten. «Ich zöpfle für’s Leben gerne und bediene<br />

gerne den Ofen mit dem Backgut. Das Putzen hingegen<br />

– ich weiss, es gehört eben auch zu unserer Arbeit – ist<br />

nicht meine Lieblingsbeschäftigung.» Urs Künzli Junior<br />

antwortet auf die Frage über seine Zukunft: «Ich werde<br />

diesen Betrieb einmal übernehmen. Natürlich habe ich<br />

einige Ideen im Kopf, das ist eine Frage der Entwicklung und der<br />

Anpassung an die Zeit. Mein Grossvater hat auch anders gebacken<br />

als mein Vater heute. Aber eines ist sicher, die klassischen Künzli-<br />

Traditionsprodukte werde ich natürlich weiterhin produzieren, das<br />

ist Ehrensache. Ich kann mir vorstellen, das Angebot vermehrt auf<br />

saisonale Spezialitäten zu richten.»<br />

Noch ist es aber nicht so weit. Urs wird erst mal im Frühjahr 2023<br />

seine Meisterprüfung abschliessen können.<br />

beim Projekt «Too good to go», wo Kundinnen und Kunden<br />

für einen Sympathiebeitrag zufällig zusammengestellte Restprodukte<br />

vom laufenden Tag kurz vor Ladenschluss erwerben<br />

können, ist die Bäckerei Künzli mit zwei bis drei Rationen pro<br />

Tag dabei.<br />

Konditorei<br />

In der Konditorei, durch eine Türe von der Bäckerei abgetrennt,<br />

arbeiten drei Frauen etwas filigraner und mit anderen<br />

Zutaten. Hier entstehen die legendären Cremeschnitten, die<br />

Torten, die beliebten Birchermüesli, die jahrzeitengerechten<br />

Kindergebäcke wie Bärchen, Clowns und Sonnenguetzli,<br />

die mit viel Liebe und Sorgfalt jedes Detail gestaltet bekom-<br />

<strong>2022</strong><br />

66<br />

Bäckerei & Café Künzli Nottwil und Filiale Sursee


Armin Bühler, *1968<br />

genannt «Chöngu» (er will so angesprochen werden)<br />

Seit 2019 als Bäcker bei Künzli.<br />

Chöngu wohnt in Zermatt und lebt von Dienstag bis Samstag als<br />

Wochenaufenthalter in einem Zimmer im Haus der Bäckerei. Den<br />

kühlen Temperaturen wegen ist die in Hohenrain aufgewachsene<br />

Frohnatur in die Berge gezogen. In Zermatt hatte er in<br />

einer Bäckerei gearbeitet, suchte dann eine neue Stelle<br />

und war mit sich im Reinen, dass er in den beiden bleibenden<br />

Bäckereien in Zermatt nicht seinen zukünftigen<br />

Arbeitsplatz finden wird. Chöngu wusste von der pendenten<br />

Stelle bei Urs Künzli, bewarb sich und arbeitet<br />

seit Mai 2019 in der Backstube in Nottwil, wo er bereits<br />

vor 30 Jahren einmal tätig war. Auf die Frage, ob es ihm<br />

gefalle sagt er: «Ja, sehr! Künzli ist ein Familien betrieb,<br />

hier ist es ganz speziell, wir machen fast alles selber,<br />

die Füllungen, das Birechrosi, die Gipfeli, die Saucen,<br />

das alles macht die Arbeit interessant. Mir gefallen<br />

die Abwechslung und die Vielfalt an Spezial produkten.<br />

«Urs ist ein sehr innovativer Bäcker. Ich habe noch niemanden<br />

getroffen, der so viel arbeitet wie er», gesteht Chöngu. «Auch wir<br />

zählen die Minuten nicht, ich bräuchte keine Stempeluhr.» Ob er<br />

den Bäckerberuf den Jungen empfehlen würde? «Ja, aber es will<br />

ihn niemand mehr lernen. Es ist Tatsache, dass man wegen den<br />

Arbeitszeiten etwas neben der Gesellschaft vorbeilebt. In jungen<br />

Jahren war ich im Ausgang immer der erste, der nach Hause ging.<br />

Heute ist mir das alles zu viel.» Chöngu liebt es im Team zu schaffen.<br />

«Manchmal vermisse ich einen Witz oder ein Gespräch als Auflockerung<br />

während der Arbeit», schildert er. Als Erfolgsrezept der<br />

Bäckerei Künzli nennt er die Tradition und Qualität. «Ich gestehe,<br />

dass ich keine Bäckerei kenne, die so grosszügig mit Füllungen<br />

umgeht. Da ist was drin, ob Nussgipfel, Mandelgipfel, Apfelkrapfen,<br />

Torten, Sandwiches und anderes mehr, die Schicht mittendrin<br />

ist reichhaltig und sehr lecker.»<br />

men – eines wie das andere … Präzision pur! Da werden alle<br />

Schokoladenspezialitäten, Pralinen, Osterhasen, Notteler-<br />

Grüessli, Schoggi-Kastanien, Igeli und vieles mehr saisongerecht<br />

mit feinsten Zutaten hergestellt. Auf die Frage, wann<br />

es am strengsten ist, meint eine Mitarbeiterin: «Die Osterzeit<br />

ist sehr arbeitsintensiv und auch vor Weihnachten wird<br />

es hektisch.»<br />

Bäckerei & Café Künzli Nottwil und Filiale Sursee<br />

67 <strong>2022</strong>


Täglich frisch und mit<br />

Sorgfalt hergestellte<br />

Birchermüesli, Salate<br />

und Tagesmenus<br />

Adriana Stalder, *1994<br />

Sie arbeitet seit 2014 im Laden und Café der Bäckerei Künzli in<br />

Nottwil. Nach der Lehre als Detailhandelsfachfrau inklusive der<br />

Erfahrung im Service trat sie die Stelle bei Künzli an. Die vielfältigen<br />

Arbeiten im Laden, im Café und im administrativen Bereich<br />

gefallen ihr besonders. Es gibt keinen Tag mit Langeweile oder<br />

Däumchen drehen. «Die immer neuen Kreationen aus der<br />

Backstube machen die Arbeit interessant. Wir können<br />

beim Verpacken, Dekorieren und beim Präsentieren<br />

unsere Fähigkeiten einbringen. Das macht mir besonders<br />

Freude.» Wo hebt sich die Bäckerei Künzli von den<br />

anderen ab? Adriana meint: «Wir führen eine grosse<br />

Auswahl an Produkten, und die Topqualität wird von der<br />

Kundschaft sehr geschätzt, deshalb kommt sie nicht<br />

nur aus Nottwil, sondern aus der ganzen Region. Das<br />

Erfolgsrezept der Bäckerei beruht auf der guten Bedienung,<br />

dem vielfältigen Angebot, der guten Qualität und<br />

nicht zuletzt der idealen Verkehrslage. Auch die Mittagsmenüs<br />

sind vor allem bei den Arbeitern sehr beliebt.»<br />

Und wenn die Ladentüre am Abend geschlossen wird, dann ist<br />

das Putzen angesagt. «Wir investieren den ganzen Tag viel Zeit<br />

in die Reinigung. Täglich werden im Café die Tische und Stühle<br />

von oben bis unten geputzt, der Boden überall gereinigt,<br />

alle Gerätschaften im Laden auf Vordermann und<br />

die Toilettenanlagen zum Glänzen gebracht.» Bricht<br />

der Feierabend an, lässt Adriana den Tag Revue passieren<br />

und denkt an schöne Momente mit der Kundschaft<br />

– besonders, wenn diese zufrieden den Laden verlassen<br />

– und versucht, den Ärger wegzustecken, wenn sie<br />

zum Beispiel beschimpft wurde, weil sie die Wünsche<br />

der Leute nicht entsprechend ihren Vorstellungen erfüllen<br />

konnte. «Manchmal sind halt Produkte, besonders<br />

gegen Abend, ausverkauft.» Wann reisst der Geduldsfaden?<br />

«Der darf eigentlich nie reissen. Auch wenn uns<br />

eine Situation nervt, müssen wir die Fassung behalten.<br />

Erst danach kann es Tränen geben und die Enttäuschung<br />

muss verdaut werden. Aber das kommt zum Glück nicht<br />

täglich vor.» Die schönsten Momente für Adriana sind<br />

am Morgen, wenn die Brotgestelle und die Vitrine vollgefüllt<br />

sind und die erste Kundschaft zufrieden einen<br />

guten Tag wünscht, das lässt ihr Herz für die Bäckerei<br />

höher schlagen.<br />

<strong>2022</strong><br />

68<br />

Bäckerei & Café Künzli Nottwil und Filiale Sursee


In der Konditorei ist auch Silvia Künzli hin und wieder<br />

anzutreffen. Sie, die Tortenkünstlerin, versucht, auch ausgefallene<br />

Sujets und Wünsche der Kundinnen und Kunden umzusetzen.<br />

«Sie ist eine Meisterin, wenn ich ihr meine Ideen offenbare»,<br />

lobt sie ihr Mann Urs. «Silvia nimmt die Gedanken auf,<br />

macht daraus Kreationen, und denkt alles, von der Verarbeitung<br />

bis hin zur Verpackung, durch. Sie hat ein grosses praktisches<br />

Talent.»<br />

Als Bäckersfrau in verschiedenen Positionen<br />

Silvia trat 2007 als Filialleiterin in Sursee in die<br />

Dienste der Bäckerei Künzli, zuvor war die gelernte<br />

Bäckerin-Konditorin als Verkäuferin bei der Confiserie<br />

Bachmann in Luzern tätig. Urs Künzli war<br />

von seiner ersten Frau getrennt, wünschte sich<br />

wieder jemanden an seiner Seite und fand dann in<br />

Silvia seine zukünftige Weggefährtin. 2013 heirateten<br />

Silvia und Urs, und 2014 kam ihr Sohn Leo zur<br />

Welt. Um als Mutter und Geschäftsfrau zu bestehen,<br />

macht sie persönlich viele Abstriche. «Freizeit ist ein<br />

Fremdwort für mich. Hin und wieder machen wir<br />

eine Velotour, und das Engagement mit dem Holzofen<br />

betrachten wir beide auch als «Hobby». Es ist<br />

sehr streng, oft dauert die Arbeitszeit weit über Mitternacht<br />

hinaus.»<br />

Silvia ist verantwortlich für alles, was den<br />

Laden und das Café betrifft: Personalwesen (insgesamt<br />

23 Angestellte), Buchhaltung, Homepage,<br />

Bestellungen, Verkauf. Besondere Sorge bereitet ihr die Personalsituation.<br />

«Der Markt an ausgebildeten Fachkräften ist trockener<br />

als die Wüste», meint sie. Bei Ausfällen jeder Art ist sie<br />

die erste Ersatzperson.<br />

«Die Kompetenz und die Freundlichkeit der bedienenden<br />

Angestellten muss im Einklang stehen mit den guten Produkten.<br />

Beides muss stimmen, damit die Kundschaft zufrieden ist.»<br />

Tortenkünstlerin Silvia<br />

Künzli beim Finish<br />

einer Tauf-Torte, die<br />

eine Mitarbeiterin mit<br />

viel Liebe zum Detail<br />

hergestellt hat<br />

(Schlaf-) Künstler<br />

Besonders gewöhnungsbedürftig ist das Etappen-Schlafen<br />

eines Bäckers. Urs Künzli steht während fünfzig Wochen<br />

im Jahr täglich von zwei bis 14.00 Uhr in der Backstube. Wenn<br />

dann keine Kundengespräche mehr anstehen, gelingt es ihm,<br />

bis 19.00 Uhr zu schlafen. Danach trifft er in der Backstube<br />

Bäckerei & Café Künzli Nottwil und Filiale Sursee<br />

69 <strong>2022</strong>


Steckbriefe<br />

Urs Künzli *1958 Silvia Künzli *1978<br />

Kind aus 2. Ehe Leo *2014<br />

Kinder aus 1. Ehe<br />

mit Hanny Künzli<br />

Beruf / Lehre<br />

Aufgabe<br />

Hobbys<br />

- Barbara und Christina<br />

*1990 (Zwillinge)<br />

- Urs *1992<br />

- Stefanie *1996<br />

Bäcker / Konditor<br />

Eidg. dipl. Bäckermeister<br />

Inhaber und<br />

Geschäftsführer der<br />

Bäckerei Konditorei<br />

Künzli<br />

Musik (Klarinette),<br />

Jodeln<br />

Natur, Velofahren<br />

Bäckerin / Konditorin<br />

Mitarbeit im Betrieb<br />

(Laden und Café),<br />

Verantwortlich für<br />

Buchhaltung, Personalwesen,<br />

Verkauf<br />

Malen und Gestalten<br />

(z. B. Geburtstafeln),<br />

Natur, Velofahren<br />

persönliche Stärke die Ruhe selbst Ideen umsetzen<br />

Wünsche<br />

Gesundheit, Kunden<br />

glücklich machen,<br />

angemessenes Wachstum<br />

des Geschäfts<br />

Gesundheit<br />

Genügend qualifiziertes<br />

Personal<br />

1 2<br />

1 Zigerkrapfen im Öl<br />

schwimmend werden<br />

knusprig gebacken<br />

2 Frühmorgens sind<br />

die Brotgestelle eine<br />

Augenweide<br />

die Vorbereitungen für den nächsten Tag, um sich dann gegen<br />

23:00 Uhr nochmals ins Bett zu legen. «Meine Vereinstätigkeit<br />

im Jodelklub Buttisholz musste ich aus zeitlichen Gründen<br />

aufgeben», bedauert Urs. Er, der früher auch als begabter und<br />

begnadeter Klarinettist der Ländlergruppe «Gsund und zwäg»<br />

und den «Gigalifax» angehörte.<br />

Es bleibt zu hoffen, dass die Superlative von Tradition,<br />

Einzigartigkeit, Mut zur Eigenständigkeit, Innovation, Sorgfalt,<br />

Ausdauer und Liebe zum Beruf «unsere» Bäckerei Künzli<br />

in Nottwil auf Dauer erhalten können.<br />

<strong>2022</strong> 70<br />

Bäckerei & Café Künzli Nottwil und Filiale Sursee


30 Jahre Orgeljubiläum<br />

Die Geschichte der Orgel in der Pfarrkirche St. Marien<br />

Eva und Marco Brandazza haben in einem Buch die<br />

Geschichte von 220 Orgeln im Kanton Luzern veröffentlicht.<br />

Darunter befindet sich auch die <strong>Nottwiler</strong> Orgel in der Kirche<br />

St. Marien, die im Jahr 2020 ihr 30-jähriges Jubiläum feiern<br />

konnte. Zu diesem Anlass hat das Autorenehepaar deren<br />

Vergangenheit recherchiert und der <strong>Nottwiler</strong> <strong>Auslese</strong> einen<br />

interessanten Bericht darüber zur Verfügung gestellt.<br />

Wer die Pfarrkirche St. Marien von Nottwil betritt und nach<br />

einem ersten Blick in den Chorraum und das Schiff in Richtung<br />

Sängerempore schaut, nimmt sofort eine Eigenart wahr,<br />

die früher im Kanton Luzern verbreitet war, heute hingegen<br />

sehr selten zu finden ist: Zwei übereinanderliegende Emporen,<br />

wo auf der oberen die Orgel platziert ist. Die Orgel der Pfarrkirche<br />

Nottwil mit ihren neugotischen Formen hat eine lange<br />

und wechselvolle Geschichte hinter sich, und es ist kaum<br />

bekannt, dass sich ihr für mehrere Jahrzehnte eine «kleinere<br />

Schwester» auf der Chorempore hinzugesellte.<br />

Die Notizen, die während einer genauen, im Zusammenhang<br />

mit dem Luzerner Kantonalen Orgelinventar durchgeführten<br />

Durchsicht des Pfarrarchivs zum Vorschein kamen, bestätigten<br />

Bekanntes und brachten auch Unbekanntes ans Licht.<br />

Die früheren Orgeln<br />

Wann die erste Orgel in die alte Kirche kam, ist bis heute<br />

nicht bekannt, weil darüber keine Dokumente vorhanden<br />

sind. In den Rechnungsbüchern wird hingegen berichtet, dass<br />

sich im Jahre 1811 ein kleines Instrument, ein sogenanntes<br />

«Positiv», auf der Chorempore über der Sakristei befand und<br />

<strong>Nottwiler</strong> <strong>Auslese</strong><br />

71 <strong>2022</strong>


1 2<br />

1 Orgelbaumeister Goll<br />

beschreibt die neue<br />

Orgel von 1898<br />

2 Vertrag zwischen<br />

der «Kirchenverwaltung<br />

Nottwyl und dem Orgelbauer<br />

Goll» für den Bau<br />

der neuen Orgel<br />

dass dieses ab 1822 regelmässig durch den Ruswiler Organisten<br />

Johann Eulogius Banz gestimmt und repariert sowie an Festtagen<br />

gespielt wurde. Dank der Vermittlung des Emmer Pfarrers<br />

Michael Achermann, vorher in Nottwil in demselben Amt tätig,<br />

konnte die in der Pfarrkirche St. Mauritius in Emmen durch<br />

ein neues Instrument ersetzte Orgel für 550 Franken erworben<br />

und auf der Empore über dem Haupteingang der Pfarrkirche<br />

Nottwil aufgestellt werden. Die Zerlegung und den Wiederaufbau<br />

besorgten die damals in Horw ansässigen Orgelbauer Lütolf<br />

und Kaufmann für weitere 450 Franken. Die Orgel-Weihe und<br />

-Prüfung führte der Luzerner Hoforganist Pater Leopold Nägeli<br />

am 22. Januar 1863 durch.<br />

Die Pfarrkirche von Nottwil besass nun zwei Orgeln, die<br />

kleine für Werktaggottesdienste sowie Gedächtnisse, die grosse<br />

für das Musizieren an den Sonn- und Festtagen.<br />

Dieser für uns heute etwas «luxuriös» anmutende Zustand<br />

war von kurzer Dauer. Nur drei Jahre später, am 5. Juni 1866,<br />

wurde die Kirche durch einen Brand, der sich in der Sakris-<br />

<strong>2022</strong> 72<br />

30 Jahre Orgeljubiläum


tei entwickelt hatte, stark beschädigt. Zwar konnte man die<br />

beiden Instrumente retten, sie waren aber nicht unversehrt<br />

geblieben. Die kleine Orgel wurde dennoch als irreparabel entsorgt,<br />

die grosse hingegen durch Conrad Lütolf mit der Absicht<br />

eingelagert, sie dann in der wiederaufgebauten Pfarrkirche<br />

aufzustellen. Dank der fast unglaublichen Bemühungserfolge<br />

des damaligen Pfarrers Balthasar Helfenstein (1815 – 1893, ab<br />

1846 in Nottwil) konnte die neue, von einschneidenden Purifizierungs-Eingriffen<br />

verschonte und bis heute grundsätzlich<br />

im originalen Zustand erhaltene Pfarrkirche von Nottwil am<br />

26. Mai 1872 durch den Bischof von Basel und Lugano, Eugenius<br />

Lachat (1819 – 1886), eingeweiht werden. Sie war vom<br />

Architekten Wilhelm Keller (1823 – 1888) im neugotischen Stil<br />

geplant worden. In der Zwischenzeit konnte Pfarrer Helfenstein<br />

für die provisorisch im Schulhaus abgehaltenen Gottesdienste<br />

im Dezember 1866 ein gebrauchtes Positiv bekommen,<br />

das dem Chorherrenstift Luzern gehörte, aber damals seit drei<br />

Jahren in Grosswangen aufgestellt worden war. Diese kleine<br />

Orgel kam auf die Chorempore der neuerbauten Kirche und<br />

blieb dort bis ins Jahr 1897. Die gerettete grosse Orgel wurde<br />

durch den in Luzern ansässigen Orgelbauer Johann Andreas<br />

Otto (1838 – 1914) revidiert und umgebaut und im April des<br />

Jahres 1871 auf der oberen Empore aufgestellt.<br />

Die neue Friedrich-Goll-Orgel aus dem Jahr 1898<br />

Die Orgel-Situation in der Pfarrkirche Nottwil, wie sie im<br />

Jahre 1871 anzutreffen war, konnte der kirchenmusikalischen<br />

Entwicklung (dem sogenannten «Cäcilianismus») des letzten<br />

Viertels des 19. Jahrhunderts nicht Stand halten. Dazu brauchte<br />

auch die neue, grössere Kirche ein grösseres Instrument. Dies<br />

war Pfarrer Helfenstein mehr als bewusst, als er am 18. April<br />

1883 ein Testament unterschrieb, damit nach seinem Tod die<br />

geschenkten Wertschriften als Grundfonds zur Erstellung einer<br />

neuen Orgel genützt werden konnten. Die Gelegenheit ergab<br />

sich bereits im Juli 1896 unter Pfarrer Joseph Lang (1860 – 1935,<br />

seit 1894 in Nottwil), als der Kirchenrat beschloss, Kostenvoranschläge<br />

von verschiedenen Firmen anzufordern. Parallel<br />

dazu entflammte angesichts der stark gewachsenen Bevölkerung<br />

und des florierenden Kirchenchors die Diskussion, ob es<br />

besser wäre, die obere Empore abzureissen, um mehr Platz für<br />

die Orgel zu erhalten. Der Hitzkircher Organist und Musiklehrer<br />

Joseph Coelestin Othmar Schildknecht (1861 – 1899) wurde<br />

um Rat gefragt. Er empfahl, in Anbetracht der grossen Kosten<br />

30 Jahre Orgeljubiläum<br />

73 <strong>2022</strong>


die bauliche Situation so zu belassen und die neue Orgel auf<br />

der unveränderten oberen Empore aufzustellen. Für den Entscheid,<br />

welcher Orgelbauer zu beauftragen sei, war die Qual<br />

der Wahl nicht gering. Der Vorschlag des Kirchenrats, Bewerber<br />

durch eine öffentliche Ausschreibung zu gewinnen, wurde<br />

von Schildknecht als zu aufwändig und kostspielig verworfen.<br />

Er stellte hingegen eine Liste von vier Firmen auf, welche<br />

man direkt anfragen sollte: Goll (Luzern), Klingler (Rorschach),<br />

Kuhn (Männedorf) und Spaich (Rapperswil). Zwischen Dezember<br />

1896 und dem 11. Dezember 1897, dem Datum der Vertragsunterzeichnung,<br />

fand eine regelrechte «Schlacht» zwischen den<br />

vielen Experten statt, welche vom Pfarramt angefragt worden<br />

waren, die vier eingereichten Kostenvoranschläge zu beurteilen.<br />

Neben dem bereits genannten Schildknecht lieferten auch<br />

Johann Gustav Eduard Stehle aus St. Gallen (1839 – 1915), Karl<br />

Arnold Walther aus Solothurn (1846 – 1924), Josef Xaver Buss-<br />

Der Organist mit besonderem Talent ...<br />

In Zusammenhang mit dem Neubau der Orgel (1898) sei eine kleine<br />

Dorfgeschichte erzählt, die den damaligen Schulmeister und Organisten<br />

Alois Zimmermann betraf, und die in den Akten des Pfarrarchivs<br />

(A 1 / 276) aufgetaucht ist. Kurz vor dem Bau der neuen<br />

Orgel wurde Alois Zimmermann von Pfarrer Lang nach Luzern zum<br />

Stiftsorganisten Franz Joseph Breitenbach (1853 – 1934) gesandt<br />

mit dem Zweck, einen Orgel- und Dirigier-Kurs zu besuchen. Leider<br />

musste der Kurs mangels Anmeldungen gestrichen werden. Offenbar<br />

war Zimmermann nicht vom Kuss der Muse Euterpe begnadet<br />

worden, denn Breitenbach schickte ihn zurück mit folgender<br />

Bemerkung: «Herr Zimmermann ist einerseits zu vorgerükt an<br />

Jahren und anderseits zu wenig talentiert ... ». So ging Lehrer<br />

Zimmermann nach Ruswil zu Josef Xaver Bussmann, dem späteren<br />

Experten bei der Prüfung der <strong>Nottwiler</strong> Orgel, in den Unterricht.<br />

Einige wenige Sätze, die Bussmann am 26. Juni 1896 Pfarrer Lang<br />

zusandte, erleuchten die Sachlage: «Er hat während der Zeit, da<br />

er bei mir Stunden im Orgelunterricht genommen hat, etwelchen<br />

Fortschritt gemacht, allein er würde es nie auf einen grünen Zweig<br />

bringen … anderseits ist seine Vorbildung als Organist wenig über<br />

Null; er wäre nicht im stande, das denkbar leichteste Orgelstück<br />

korrekt zu spielen u. könnte er Wochen dran üben. Mit einer neuen<br />

(mit zweioktavigem Pedal versehenen) Orgel würde er nichts anzufangen<br />

wissen; ja es wäre schade um ein rechtes Jnstrument,<br />

müsste der drauf spielen.»<br />

<strong>2022</strong> 74<br />

30 Jahre Orgeljubiläum


mann von Ruswil (1863 – 1951) sowie Josef Frei aus Sursee<br />

(1872 – 1945) und Jakob Wüst aus Luzern (1847 – 1930) Vorschläge<br />

und Ratschläge. Diese letzten beiden konnten am 12.<br />

Juni 1898 die neue Orgel einweihen, die der am Schluss bevorzugte<br />

Orgelbauer Friedrich Goll aus Luzern (1839 – 1911) als<br />

Opus 178 gebaut hatte. Um die Auftragserteilung schmackhaft<br />

zu machen, hatte Goll den Prospekt aus Nussbaum, der an der<br />

Landesausstellung in Genf (1896) prämierten Orgel, zum Preis<br />

des vorgesehenen Gehäuses aus Tannenholz angeboten. Der<br />

klingende Teil der Genfer Landi-Orgel kam hingegen in die<br />

Pfarrkirche Emmen, versehen mit einem neuen Prospekt.<br />

Die beiden Experten schlossen ihren Bericht, datiert auf<br />

den 28. Juli 1898, mit den Worten «Summa summarum: das<br />

Werk lobt den Meister, und der Pfarrgemeinde Nottwÿl kann zu<br />

diesem schönen, äusserst gelungenen Orgelwerke nur gratuliert<br />

werden!» Die Abschlussrechnung des Orgelneubaus, alles inbegriffen,<br />

kam auf 11 045 Franken, darin enthalten die vereinbarte<br />

und dann auch ausbezahlte Summe von 10 300 Franken<br />

für Friedrich Goll.<br />

Unterhalt der Orgel<br />

Die Innenrenovationen der Kirche<br />

von 1907 und 1939 wurden mit Reparaturen<br />

und der Reinigung der Orgel abgeschlossen,<br />

das erste Mal durch die Firma<br />

Goll (Luzern), das zweite Mal durch die<br />

Firma Späth (Rapperswil). Bei dieser<br />

letzten Gelegenheit fügte die Rapperswiler<br />

Firma einige neue Register ein und<br />

führte klangliche Änderungen aus. Dafür<br />

bekam das Goll-Gehäuse zwei zusätzliche<br />

seitliche Anbauten. Im Jahre 1927<br />

wurde durch die Firma Goll ein elektrisches<br />

Gebläse eingebaut.<br />

Anlässlich der archäologischen<br />

Studien im Rahmen der Gesamtrenovierung<br />

und Wiederherstellung der<br />

ursprünglichen, neugotischen Ausstattung<br />

der Pfarrkirche St. Marien in Nottwil<br />

in den Jahren 1987 – 1989 war auch die<br />

Orgel ein Thema. Das Goll-Instrument,<br />

zuletzt zehn Jahre zuvor im August 1977<br />

durch die Firma Orgelbau Walter Graf<br />

Ein stattlicher Holzbau<br />

bildet das Gehäuse der<br />

2008 Orgelpfeifen auf<br />

der zweiten Empore<br />

30 Jahre Orgeljubiläum<br />

75 <strong>2022</strong>


Disposition der Orgel 1990<br />

Manual I, Hauptwerk<br />

Manual II, Schwellwerk<br />

Pedal<br />

C-g''' 56 Tasten C-g''' 56 Tasten C-f' 30 Tasten<br />

Bourdon 16' (alt) Montre 8' (alt) Violon 16' (alt)<br />

Montre 8' (im Prospekt,<br />

alt)<br />

Viole da Gambe 8'<br />

(alt)<br />

Salicional 8' (alt) Subbass 16' + 8'<br />

(teilw. alt)<br />

Bourdon 8' (alt) Basse ouverte 8'<br />

Bourdon 8' (alt) Jeu céleste 2-fach 8' Flûte 4'<br />

Flûte 8' (alt) Prestant 4' Bombarde 16' (alt)<br />

Prestant 4' (alt) Flûte 4'<br />

Flûte 4' (alt)<br />

Salicet 4' (alt)<br />

Nazard 2 2/3' Flageolet 2'<br />

Doublette 2' Plein-jeu 6-fach 2'<br />

Cornett 5-fach 8'<br />

(ab c')<br />

Fourniture 5-fach 1<br />

1/3'<br />

Trompette 8'<br />

Cromorne 8' (alt)<br />

Eigenschaften und Spielhilfen<br />

System: mechanische Schleifladen<br />

Gebläse mit Elektroventilator und 3 Magazinbälgen<br />

Koppeln II-I, I-P, II-P<br />

10 mechanische Setzerkombinationen<br />

Tremulant für die beiden Manualwerke<br />

Tritt für das Schwellwerk<br />

1) Jakob Kobelt bekannt<br />

als ehemaliger Präsident<br />

der Arbeitsgemeinschaft<br />

für Schweizerische<br />

Orgeldenkmalpflege<br />

(AGSO) und Konsulent<br />

der Eidgenössischen<br />

Kommission für Denkmalpflege<br />

(EKD)<br />

2) Firmen, die eine<br />

Offerte eingaben:<br />

Cäcilia in Kriens, Goll<br />

in Luzern, Graf in Oberkirch,<br />

Pürro in Willisau,<br />

Späth in Rapperswil<br />

(Oberkirch) revidiert und gereinigt, befand sich in keinem guten<br />

Zustand, besonders was die röhrenpneumatische Traktur betraf.<br />

Neubau der heutigen 30-jährigen Orgel<br />

Unter der fachkundigen Begleitung von Jakob Kobelt 1)<br />

(1916 – 1987) einigte man sich relativ schnell auf den Bau<br />

einer neuen Orgel unter Verwendung des soliden romantischen<br />

Klangkernes, welcher den Umbau vom Jahre 1939 überstanden<br />

hatte. Wie im Jahr 1897 wurden mehrere Firmen nach Kostenvoranschlägen<br />

gefragt 2) . Der Gesundheitszustand von Jakob<br />

Kobelt verschlechterte sich im Juni 1987 so stark, dass zuerst<br />

<strong>2022</strong> 76<br />

30 Jahre Orgeljubiläum


der damalige Organist der Reformierten Kirche Horgen, Jakob<br />

Wittwer (1943 – 2020) für die am 20. Juni geplante Besichtigungsfahrt<br />

der «Arbeitsgruppe Orgel» einspringen musste.<br />

Als sich Kobelt im August 1987 aus der Kommission zurückzog<br />

(er verstarb am 8. Oktober 1987), empfahl das Architekturbüro<br />

Paul Arnold (Sempach), den damaligen Organisten<br />

und Chorleiter der Franziskanerkirche Luzern, Werner Endner<br />

(1936 – 2005) hinzuzuziehen. Die Empfehlung, die Firma Graf<br />

mit dem Neubau der Orgel zu beauftragen, wurde der Baukommissions-Sitzung<br />

vom 22. September 1987 als Antrag vorgelegt<br />

und nach der entsprechenden Genehmigung in einen Bauvertrag<br />

umgearbeitet, welcher am 17. Mai 1988 unterschrieben<br />

wurde.<br />

Das Goll-Gehäuse aus dem Jahre 1896 wurde restauriert<br />

und wiederverwendet. Daran arbeiteten Julius Roos (Aesch) für<br />

die Holzbehandlung, Franz Emmenegger (Luzern) für die Vergoldungen<br />

und Toni Meier (Kriens) für die Schnitzereien. Auch<br />

etliche originale Goll-Pfeifenreihen fanden in der neuen Disposition<br />

Platz, entworfen von Werner Endner aufgrund der<br />

Handwerkliche und<br />

musikalische Meisterleistung,<br />

die <strong>Nottwiler</strong><br />

Kirchenorgel<br />

30 Jahre Orgeljubiläum<br />

77 <strong>2022</strong>


Vorarbeiten von Jakob Kobelt und in Zusammenarbeit mit<br />

der Firma Graf, damit die spätromantische Klangrichtung der<br />

Orgel erhalten und unterstrichen werden konnte. Die technische<br />

Gesamtplanung lag in den Händen von Rudolf Wyss und die<br />

Intonation besorgte Hans Spielmann (beide Firma Graf). Eine<br />

Besonderheit der Orgel war die zehnfache mechanische Setzerkombination,<br />

die von der Firma Graf selbst entwickelt und hier<br />

als Prototyp angewendet und kostenlos eingebaut worden war.<br />

Das Autorenehepaar ist seit 1987 als Kirchenmusiker*in<br />

tätig und konzertiert<br />

regelmässig.<br />

Eva Brandazza-Lüthy ist Organistin der<br />

reformierten Kirchgemeinde Emmen-<br />

Rothenburg (LU), unterrichtet und wirkt<br />

an der Hochschule Luzern als Wissenschaftliche<br />

Mitarbeiterin des Orgeldokumentationszentrums.<br />

Marco Brandazza-Lüthy wurde in Milano<br />

geboren und doktorierte an der dortigen<br />

Universität in Geologie, schloss an<br />

der Akademie für Kirchenmusik in Luzern<br />

das Studium in Chorleitung und mit der<br />

Orgel-Konzertreifeprüfung ab. Er leitet<br />

an der Hochschule Luzern als Senior Wissenschaftlicher<br />

Mitarbeiter das Orgeldokumentationszentrum,<br />

das er gegründet<br />

hat, und ist Chorleiter und Organist<br />

in Vaz/Obervaz(GR).<br />

Orgelweihe<br />

Am 1. Juli 1990 fand die Orgelweihe durch den Experten<br />

Werner Endner zusammen mit der Altistin Clara Wirz und dem<br />

Violinisten Roger Pyne statt. Im öffentlichen Konzert am Abend<br />

musizierten sie Werke von Georg Dietrich<br />

Leyding, Georg Philipp Telemann,<br />

Johann Sebastian Bach, Felix Mendelssohn,<br />

César Franck, Jehan Alain, Paul<br />

Huber und Max Reger.<br />

In den Jahren 2006 und 2021 wurdedas<br />

Instrument durch die Erbauerfirma<br />

gereinigt und revidiert. Die mechanische<br />

Setzerkombination wurde 2006 in<br />

Absprache mit dem beratenden Organisten<br />

Franz Pfister ausgebaut, da sie selten<br />

oder nie verwendet worden war.<br />

Zum Schluss<br />

Orgeln waren und sind wichtige<br />

Kulturträger örtlicher Gemeinschaften.<br />

Aus dieser kurzen Zusammenfassung<br />

der Ereignisse um die Instrumente,<br />

welche in der Kirche von Nottwil geklungen<br />

haben, wird einmal mehr ersichtlich,<br />

welche Vielfalt von «Menschengeschichten»<br />

dieses für den christlichen Kult<br />

bestimmte Musikinstrument prägt.<br />

Die vorliegende Zusammenfassung ist anhand der erhaltenen<br />

Dokumente und Akten verfasst worden. Wie würde sie wohl<br />

lauten, wenn die Instrumente selbst hätten schreiben können?<br />

Eine solche Forschungsarbeit wäre nicht möglich gewesen<br />

ohne die Offenheit und tatkräftige Mithilfe der Kirchgemeinde<br />

Nottwil und der Orgelbaufirma Graf.<br />

<strong>2022</strong> 78<br />

30 Jahre Orgeljubiläum


Pensionierung<br />

von Anita und Stephan Troxler<br />

Herzschlag im Gleichklang der Glocken<br />

Nach über zwanzig Jahren verlässt das Ehepaar Anita Troxler-<br />

Zurkirch und Stephan Troxler seinen Arbeitsplatz infolge<br />

Pensionierung. Präzision, christliche Nächstenliebe und<br />

Kreativität gehören zu den Qualitäten der beiden. Ihre Wirkungszeit<br />

war geprägt von vielen einzigartigen Besonderheiten<br />

und von Herzblut, mit dem sie ihre Aufgaben anpackten.<br />

Als Floristin und Florist lernten sich die beiden 1980 im<br />

Blumenladen Leutwyler in Luzern kennen. Anita Zurkirch<br />

stand dem neuen Mitarbeiter zuerst etwas skeptisch gegenüber,<br />

weshalb ihr Erstaunen gross war, als ihr Chef damals den richtigen<br />

Instinkt hatte und meinte, der wäre doch noch was für sie.<br />

Anita konnte in der Folgezeit dem Charme, dem Humor und der<br />

Grosszügigkeit von Stephan nicht widerstehen, und die beiden<br />

gehen seither beruflich und privat gemeinsame Wege.<br />

Anita Troxler als selbstbewusste Frau der Kirche<br />

Anita Troxler ist in Kriens aufgewachsen. Dort absolvierte<br />

sie ihre Lehre in der Gärtnerei Gerstenkorn. Nach den Zwischenstationen<br />

bei Blumen Leutwyler Luzern und Blumen<br />

Hüsler in Kriens nahm sie im Neubau der Gärtnerei Bernet in<br />

Nottwil ihre neue Arbeitsstelle an. Nebenbei hat sie sich Jahre<br />

zuvor in der Pfarrei Bruder Klaus in Kriens im Blauring, bei<br />

den Kinderfeiern der Voreucharistie, im Lektorinnendienst und<br />

als Kommunionhelferin engagiert und war begnadete Sängerin<br />

im Kirchenchor. Der damalige Pfarrer hatte ihr Talent früh<br />

entdeckt und riet ihr, eine Ausbildung als Katechetin anzugehen,<br />

was dann aber nicht zustande kam.<br />

Ihre Erfahrungen kamen später der Pfarrei Nottwil zugute,<br />

als sie einige Jahre zuerst ehrenamtlich, dann ab 1997 im Stundenlohn<br />

angestellt, mitarbeitete. Bis zum Ende ihrer offiziellen<br />

<strong>Nottwiler</strong> <strong>Auslese</strong><br />

79 <strong>2022</strong>


Arbeitsphase war sie unter anderem von der Pfarrei beauftragt,<br />

den Kranken wöchentlich die Kommunion in ihrem Zuhause<br />

zu überbringen. Sie hatte die Herzen schnell erobert, wurde in<br />

dieser Zeit eine Art Abladestation für viele Sorgen und Nöte,<br />

half früher mal da beim Wäschehängen aus oder verrichtete<br />

dort eine Handreiche – sie war wie ein Schutzengel.<br />

Anita Troxler spürte im Pfarreileben den Puls der Zeit. Sie<br />

war 1992 Mitgründerin des Pfarreirates, in den ersten Jahren<br />

dessen Präsidentin und während 15 Jahren aktives Mitglied.<br />

Nebst der Voreucharistie, verschiedenen Aufgaben im<br />

Gottes dienst und als erfolgreiche Lektorin erweiterte sich<br />

durch den Unfall von Pfarrer Alois Elmiger 1995 ihr Pflichtenheft.<br />

In der Vakanz halfen damals als Priester Ike Ani, Pater<br />

Henri und Pater Pablo. Letzteren anerkennt Anita Troxler<br />

als ihren Förderer und fühlte sich mit ihm bis zu seinem Tod<br />

treu verbunden. Umsichtig, wie sie ist, gründete und leitete<br />

sie zur Entlastung der personellen Notsituation die Liturgiegruppe.<br />

Diese Gruppe übernahm die Gestaltung der Werktags-<br />

und Sonntagsgottesdienste und die Sterbegebete. Für die<br />

älteren Menschen im früheren Altersheim Oberey und heute<br />

im Zentrum Eymatt war und ist sie ein bekanntes Gesicht,<br />

weil sie ihnen durch die vielen Gottesdienste vor Ort Halt und<br />

Zuversicht gab. Ihr grosses Engagement liess bei ihr nie das<br />

Gefühl aufkommen, als Frau in der Kirche zweitrangig zu sein.<br />

Ihre Chancen zur Mitarbeit hat sie genutzt, sich weitergebildet<br />

und vieles dem Alltagsleben entnommen und eingebracht.<br />

Auf die Frage nach der Quelle der vielen Texte, den Gedanken<br />

zur Besinnung und Ideen meinte Anita, sie schöpfe einerseits<br />

aus ihrem Sammelwerk und andererseits fliesse zusammen<br />

mit den vorgegebenen Bibeltexten und der intensiven<br />

Auseinandersetzung damit auch viel Persönliches in die Themengestaltung<br />

mit ein.<br />

Den pastoralen Mitarbeiterinnen steht ein liturgisches<br />

Gewand zur Verfügung. Anita Troxler machte davon nie<br />

Gebrauch. Sie wollte sich nicht abheben von der Gemeinschaft,<br />

wollte eine von allen sein und kleidete sich für die Einsätze<br />

in der Kirche jeweils dezent und unauffällig. So fühlte<br />

sie sich wohl.<br />

Als stille Schafferin, oft auch im Hintergrund arbeitend,<br />

übernahm Anita Troxler während 24 Jahren zusammen mit<br />

ihrem Mann Stephan die Gestaltung der Weihnachtskrippe<br />

sozusagen als meditative Vorbereitung auf das heilige Fest<br />

und zur Freude aller Kirchenbesuchenden. Ihre kreative Ader<br />

<strong>2022</strong> 80<br />

Pensionierung von Anita und Stephan Troxler


ermöglichte es ihr in den letzten Jahren, den Entwurf für das<br />

Sujet der Osterkerze zu kreieren mit der Sinngebung der Dreifaltigkeit<br />

und der Auferstehung. Sie verzierte mit Hingabe die<br />

grossen Osterkerzen für die Kirche, die Flüsskapelle und das<br />

Zentrum Eymatt, und in der Runde mit zehn freiwilligen Helferinnen<br />

entstanden die vielen kleineren Kerzen für das Osterlicht<br />

zuhause.<br />

Ein besonderes Augenmerk und Feingefühl legte Anita<br />

Troxler auf das gemeinschaftliche Leben in der Pfarrei. Es<br />

gelang ihr als Vorreiterin, durch Anlässe wie den «Tag der<br />

Völker», den Mittagstisch für die Angehörigen der Verstorbenen,<br />

die Pfarreifasnacht und mit dem «Chelekafi» Menschen wertvolle<br />

Begegnungen zu ermöglichen.<br />

Was nimmst du aus der Zeit als pastorale Mitarbeiterin<br />

mit in dein Leben?<br />

Anita: Das Gespräch suchen und Zeit zum Zuhören mitbringen<br />

ist in dieser Arbeit sehr wertvoll. Belastende Dinge,<br />

die drohen als schwerer Rucksack mitgetragen zu werden,<br />

muss ich mit Distanz, aber auch mit Ernsthaftigkeit betrachten.<br />

Gelingt es mir nicht nach Wunsch, habe ich bei Stephan<br />

eine Anlaufstelle, um meine Sorgen zu teilen und mich aufzubauen.<br />

Wie war die Zusammenarbeit mit anderen Mitarbeitenden?<br />

Die vielen personellen Veränderungen und die Anstellungen<br />

im Teilzeitpensum erforderten viel Anpassungsvermögen.<br />

Alle Teams waren gewillt, das Beste zu geben. Es gelang nicht<br />

allen gleich gut.<br />

In besonderer Erinnerung bleibt mir die Zeit mit Pater<br />

Pablo Meier. Ihm gelang es, ein offenes Pfarrhaus anzubieten<br />

und ein anderes Glaubensbild zu vermitteln. Er sprach nicht,<br />

wie es früher der Fall war, von einem strafenden Gott, sondern<br />

von einem liebenden Gott. Dieser Gedanke hat mich prägend<br />

begleitet.<br />

Hat der Pastoralraum die pfarreiliche regionale Situation<br />

verändert?<br />

Ja, ich erachte diesen Schritt der professionellen Führung<br />

als positiv. Nach der Gründung des Pastoralraumes wurden einzelne<br />

Veränderungen vor- und wahrgenommen. Die Corona-<br />

Einschränkungen haben den Prozess ziemlich lahmgelegt. Alle<br />

müssen mit Umstellungen und Neuerungen rechnen und sie<br />

annehmen können.<br />

Pensionierung von Anita und Stephan Troxler<br />

81 <strong>2022</strong>


Was sind deine Gedanken zum Thema «Frau und Kirche»?<br />

Zweifelsohne haben die Frauen einen schweren Stand und<br />

aus meiner Sicht wenig Courage, diesen Kampf aufzunehmen.<br />

Statt die Faust im Sack zu machen, lohnt es sich, an der<br />

Betrachtungsweise zu arbeiten. Ich freue mich über das persönlich<br />

erreichte Image, denn ich baute auf dem Positiven auf<br />

und betrachtete das Ganze von der Frage aus «Was können wir<br />

Frauen bewirken?».<br />

Auf was freust du dich in der Pension?<br />

Zum heutigen Zeitpunkt wünsche ich mir, mehr gemeinsame<br />

Zeit mit Stephan verbringen zu können. Der oft prall<br />

gefüllte, vorprogrammierte und manchmal durch plötzliche<br />

Ereignisse durcheinandergeratene Tagesablauf wird durch ein<br />

selbst zu bestimmendes, freies Leben abgelöst. Darauf freue<br />

ich mich.<br />

Zum Abschied haben<br />

Anita und Stephan<br />

Troxler der Pfarrei<br />

das Schild mit der<br />

Aufschrift «Sigristenhaus-Mättali»<br />

für das<br />

Bänkli geschenkt, damit<br />

der Standort des alten<br />

Sigristenhauses nicht in<br />

Vergessenheit gerät<br />

Sakristan Stephan Troxler –<br />

ein Mensch mit besonderer Note<br />

Was ist das Geheimnis, das den Motor dieses Mannes laufen<br />

lässt? Es ist die Liebe zum Beruf und die Verbundenheit zu<br />

den Menschen, das Heimatgefühl, der Humor, das Pflichtbewusstsein,<br />

das vertiefte Glaubensleben – eine Kombination,<br />

die zum Erfolgsrezept wird und zur Beliebtheit von Stephan<br />

Troxler beiträgt. Er gilt als Ur-Notteler. Im Schürli<br />

in Nottwil als Nesthäkchen aufgewachsen, wurde er<br />

von Eltern und sechs Geschwistern begleitet, die ihm<br />

Gutes mit auf den Weg gaben. Die Türen im Elternhaus<br />

standen stets für regen Besuch offen, sein kontaktfreudiger<br />

Vater, dem er besonders ähnelt, gab<br />

ihm durch sein fröhliches Wesen den Humor und die<br />

Diplomatie mit, seine Mutter die Liebe zur Pflanzenwelt<br />

und die Sorgfalt und Achtung vor dem Leben.<br />

Unmittelbar nach der Lehre als Gärtner nahm<br />

Stephan Troxler 1975 die Ausbildung zum Floristen<br />

in Angriff und arbeitete ab 1980 sechs Jahre im Blumenladen<br />

Leutwyler in Luzern. Im Neubau des Blumenladens<br />

Bernet an der Kantonsstrasse in Nottwil<br />

fand er 1986 in der Funktion als erster Florist seinen<br />

neuen Wirkungskreis. Stephan Troxler fühlte sich sehr wohl in<br />

seinem Metier, hatte Kundschaft weit über die Region hinaus<br />

und beglückte viele Menschen mit seinen Blumenkreationen,<br />

seiner Freundlichkeit und Begeisterung.<br />

<strong>2022</strong> 82<br />

Pensionierung von Anita und Stephan Troxler


Bis dass der Tod euch scheidet …<br />

Seine Affinität zur Kirche zeigte sich bereits in jungen<br />

Jahren. Mit Schalk in den Augen erzählt Stephan Troxler die<br />

lustige Geschichte, wie es als Primarschüler sein Hobby war, an<br />

freien Nachmittagen in der kleinen Kapelle auf Huprächtigen<br />

«Hochzeiten» zu organisieren. Er habe den Raum mit Blumen<br />

ausgeschmückt, die Mädchen und Knaben aus der Nachbarschaft<br />

«vermählt» mit allen Ritualen, die dazugehören, und<br />

selbst die inszenierte Kommunion mit Toggenburger-Guetzli<br />

wurde nicht ausgelassen. Und tatsächlich blieb da etwas zurück.<br />

Ein längerer Prozess führte ihn dann Schritt für Schritt zu<br />

seinem neuen Beruf. Seiner erkrankten Vorgängerin, Sakristanin<br />

Maria Meier-Peter, bot Stephan Troxler zu ihrer Entlastung<br />

während einiger Jahre seine Mithilfe an und wurde später auch<br />

offiziell als ihr Stellvertreter ernannt. In dieser Zeit fühlte er<br />

– einer Berufung gleich – die Freude an der Tätigkeit des Sakristans<br />

wachsen.<br />

Die bevorstehende Pensionierung von Maria Meier im Jahre<br />

2000 gab Stephan Troxler genügend Zeit, seine persönliche<br />

Berufssituation zu überdenken, Vor- und Nachteile abzuwägen<br />

und einen Neuanfang zu wagen. Die Wahl des Kirchenrates<br />

bestätigte ihn als neuen Sakristan der Pfarrei St. Marien. Ein<br />

neues Kapitel seiner Lebensgeschichte begann.<br />

Fast rund um die Uhr im Einsatz –<br />

geplant oder unvorhergesehen<br />

Sein neuer Wirkungsort, präziser: seine neuen Wirkungsorte,<br />

sind sehr vielfältig und unterschiedlich, sie reichen vom<br />

Kirchenraum, der Sakristei, dem Kirchenschatz und den Requisiten,<br />

der Orgel, dem Kirchturm mit Glocken und Turmuhr, dem<br />

Estrich, dem Archiv, der Totenkapelle über den Friedhof bis zum<br />

Vikariatshaus. Der vierwöchige Einführungskurs des Verbandes<br />

an der Sakristanenschule in Einsiedeln und später die Weiterbildungen<br />

halfen Stephan Troxler, sein eigenes Management<br />

zu entwickeln. Er wusste, dass er in seinem Beruf trotz einiger<br />

Teilzeitangestellten ein Einzelkämpfer war, der auch Disziplin<br />

aufbringen und die Zeitplanung im Griff haben musste. Und wir<br />

alle, die ihn kennen, wissen, dass ihm die Umsetzung hervorragend<br />

gelungen ist. Es fehlte an nichts, alles war so präzis überlegt<br />

und einstudiert und jeder Wunsch, ging es noch so hektisch<br />

zu und her, wurde erfüllt. Über das Geschehen während der<br />

Gottesdienste und Feiern hatte er die Gesamtübersicht, sprang<br />

dezent ein, um einen Fauxpas zu verhindern und sorgte für<br />

Pensionierung von Anita und Stephan Troxler<br />

83 <strong>2022</strong>


das Wohl der Gläubigen. Als besondere<br />

technische und logistische Herausforderung,<br />

auch als besondere Freude,<br />

galten die Konzerte mit herausragenden<br />

Solistinnen, Solisten und Musizierenden,<br />

wo ein Turbo-Effort des Personals<br />

gefordert war.<br />

Die vielen berufsbedingten und<br />

privaten Kontakte sowie die lokale und<br />

regionale Vernetzung brachten Stephan<br />

Troxler einen Bekanntheitsgrad von<br />

besonderer Grösse. Diese Qualitäten<br />

halfen oft auch bei der Personalsuche<br />

zur Besetzung verschiedener Aufgaben<br />

in der Pfarrei. Er selbst wurde<br />

von der Gemeinde Nottwil beauftragt,<br />

sich der Schwaigerner Rebzeile oberhalb<br />

der Kirche als Hobbywinzer anzunehmen.<br />

Die Weinstöcke haben es ihm<br />

angetan und die fachkundige Pflege<br />

verspricht, wenn das Wetter es will,<br />

eine gute Ernte.<br />

Zu seinen treusten Fans gehörten<br />

die siebzig Kinder der Ministrant* innengruppe,<br />

genannt Minos, die Stephan<br />

Troxler dank seines väterlich besorgten Charakters in ihre<br />

Herzen geschlossen hatten. Nach einem Besuch im Religionsunterricht,<br />

bei dem er die Aufgaben des Ministrierens aufzeigte,<br />

ein Znüni mitbrachte und ein Quiz über die Kirche<br />

durchführte und einem nachfolgenden Schnuppertag konnte<br />

er sich jeweils über viele Neuaufnahmen freuen. Stephan<br />

Troxler verstand es, die Kinder und Jugendlichen ernst zu<br />

nehmen, sich für ihr Leben zu interessieren, ihnen so etwas<br />

wie eine Heimat zu geben und sie hin und wieder etwas zu<br />

verwöhnen.<br />

Der Beruf des Sakristans ist oft wie eine Achterbahn<br />

der Gefühle. Es treffen Freud und Leid innerhalb kurzer Zeit<br />

unmittel bar aufeinander. So kann der Fall eintreffen, dass<br />

eine Beerdigung am Morgen vor einer Hochzeit am Nachmittag<br />

stattfindet, gefolgt von einem feierlichen Gottesdienst am<br />

Abend. Stephan Troxler meint, dass er sich jedem Ereignis<br />

mit voller Aufmerksamkeit widme, sich aber trotz Mitgefühl<br />

und Verständnis mit einer gewissen Distanz zum Geschehen<br />

bewegen müsse. Sonst werde die Belastung zu gross.<br />

Steckbrief Anita Troxler<br />

Geboren am: 17. November 1957<br />

Berufe: Floristin, Pastorale Mitarbeiterin<br />

Aufgewachsen: in Kriens<br />

Hobbys: Singen, wandern, schwimmen,<br />

unsere Katze Milva<br />

Was freut dich besonders? Es gefällt mir,<br />

wenn ich mich bei einem Glas Wein zusammen<br />

mit lieben Menschen über Gott und<br />

die Welt unterhalten darf. Ich freue mich,<br />

gesund meine Pension antreten zu dürfen.<br />

Steckbrief Stephan Troxler<br />

Geboren am: 30. Dezember 1956<br />

Berufe: Gärtner, Florist, Sakristan<br />

Aufgewachsen: in Nottwil<br />

Hobbys: Garten, Blumen, kochen, wandern,<br />

Kontakte zu lieben Menschen pflegen<br />

Was freut dich besonders? Es freut mich,<br />

dass ich in den berufstätigen Jahren eine<br />

Arbeit ausführen konnte, die mich sehr<br />

beglückte und erfüllte.<br />

<strong>2022</strong> 84<br />

Pensionierung von Anita und Stephan Troxler


1 2<br />

Einige Fragen an Stephan Troxler lassen noch tiefer blicken<br />

Woher nimmst du die Energie für die anspruchsvollen<br />

Herausforderungen im Alltag?<br />

Stephan Troxler: Um die Balance zu halten, reichen mir<br />

bescheidene, aber wirkungsvolle Erholungsmomente, zum Beispiel<br />

ein schönes, heimeliges Ambiente zu Hause, blühende<br />

Pflanzen im gepflegten Blumenbeet im Garten, ein gutes Essen,<br />

ein Geschwistertreffen, Kontakte mit den Befreundeten in<br />

unserer Partnerstadt Schwaigern, ein Treffen im Freundeskreis<br />

oder ein Besuch in meiner zweiten Heimat Zermatt.<br />

Atmet ein Sakristan auf, wenn grosse Feste wie zum Beispiel<br />

Weihnachten, Ostern, Erstkommunion oder Firmung<br />

vorbei sind?<br />

Ja, ganz bestimmt! Die Anspannung und die Vorbereitungen<br />

liegen in einer besonderen Sphäre. Es muss unter den<br />

Beteiligten so viel zusammenpassen, eine Art Drehbuch ist<br />

für alle von Vorteil. Ich habe versucht, immer mein Bestes zu<br />

geben.<br />

Welches waren deine Lieblingsbeschäftigungen?<br />

Einerseits legte ich den Schwerpunkt auf das Erscheinungsbild<br />

des Kirchenraumes, denn alle Gotteshausbesuchenden<br />

sollen sich darin angesprochen und wohl fühlen. Ich wollte<br />

mit meinen Pflanzen- und Blumenkreationen, der themenbezogenen<br />

Gestaltung, der Sauberkeit und Ordnung eine ansprechende<br />

Atmosphäre schaffen.<br />

1 Mit viel Liebe und<br />

Leidenschaft stellen<br />

die/der Dekorationskünstler*in<br />

die Weihnachtskrippe<br />

auf<br />

2 Anita und Stephan<br />

Troxler-Zurkirch<br />

Pensionierung von Anita und Stephan Troxler<br />

85 <strong>2022</strong>


Andererseits war es der Kontakt und die Arbeit mit den<br />

Minos. Das Heranwachsen dieser tollen Gruppe beglückt mich<br />

bis heute, und ich bin schon ein wenig stolz, dass das älteste<br />

Mitglied mit 24 Jahren sporadisch seine Dienste noch immer<br />

zur Verfügung stellt.<br />

Was beschäftigt dich bezüglich der heutigen Situation der Kirche?<br />

Auffallend ist der Rückgang der Anzahl Gottesdienstbesuchende.<br />

Obwohl sich alle involvierten Personen Mühe geben,<br />

treffen sich immer weniger Gläubige zum Gebet. Das macht<br />

mich betroffen, auch wenn heute vieles mit dem wandelnden<br />

Zeitgeist begründet wird. Seit ich mich bewusst mit den<br />

Bibeltexten und dem Kirchenjahr in der Tiefe beschäftige, bin<br />

ich innerlich gewachsen und versuche, vieles im Alltag davon<br />

umzusetzen. All das gibt Lebenskraft.<br />

Das Berufsumfeld und die Bezugspersonen von Anita und<br />

dir waren dieselben. Barg das die Gefahr in sich, dass<br />

sich vieles um das gleiche Thema drehte? Welche Vorteile<br />

und Nachteile gab es bei dieser Konstellation?<br />

Das war tatsächlich nicht immer einfach. Unser Alltag<br />

war erfüllt mit dem Pfarreileben, daher waren oft auch die<br />

Gesprächsthemen eher einseitig gelagert. Das gegenseitige Verständnis<br />

und die gemeinsam entwickelten Ideen waren dagegen<br />

umso wertvoller.<br />

Was sind eure Zukunftsaussichten?<br />

Für konkret Geplantes ist es noch zu früh. Aber ganz<br />

bestimmt wollen wir mehr Zeit investieren für die individuelle<br />

Freizeitgestaltung mit weniger Belastung und gebundenen<br />

Terminen.<br />

Dank<br />

Ende 2021 beendete das Ehepaar Troxler den Arbeitsprozess,<br />

eine intensive, bereichernde und facettenreiche Zeit<br />

weicht der Pension.<br />

Im Namen der ganzen Bevölkerung überbringen wir Anita<br />

und Stephan Troxler unseren herzlichsten Dank für all die<br />

guten Taten, für die aufmunternden Gespräche, die Würde<br />

gegenüber den Menschen, das Kreative und Einzigartige, die<br />

Hingabe für die pfarreilichen Aufgaben und für die investierte<br />

Kraft und Energie. Mögen ihnen in Zukunft die vielen gesetzten<br />

Zeichen Gutes zurückgeben.<br />

<strong>2022</strong> 86<br />

Pensionierung von Anita und Stephan Troxler


Paralympic-Champion Marcel Hug<br />

Paralympionik mal vier<br />

Sitzt man Marcel Hug gegenüber, so strahlen zwei freundliche,<br />

wache Augen um die Wette mit dem Glanz des<br />

erreichten Erfolges an den Paralympics 2020 1) in Tokio. Der<br />

35-Jährige hat mit den Siegen in allen seinen Disziplinen<br />

über 800m, 1500m, 5000m und dem Marathon vier<br />

Goldmedaillen gewonnen.<br />

In den Medaillen steckt nicht nur Ehre und Anerkennung,<br />

sondern der Verdienst für tausende Trainings auf der Rennbahn,<br />

im Kraftraum und im multisportlichen Bereich.<br />

Es ist nicht zu übersehen, wie die Mitbewohner*innen der<br />

Überbauung Sonnenrain und die Schweizer Paraplegiker Stiftung<br />

mit zwei originell gestalteten Transparenten «ihren» Paralympicstar<br />

willkommen geheissen haben, und die Gemeinde<br />

Nottwil ihm zu Ehren die festliche Beflaggung der Kantonsstrasse<br />

veranlasst und einen Empfang mit der ganzen Bevölkerung<br />

beim Zentrum Sagi organisiert hat. «Natürlich freuen<br />

mich diese Aufmerksamkeiten, so ist das nach Hause kommen<br />

überraschungsvoll und berührend.» Und trotzdem ist es für<br />

den erfolgsverwöhnten Rollstuhlsportler immer noch unfassbar,<br />

was er in Japan vollbracht hat. «Der Erfolg in Tokio war<br />

einmalig für mich, es ist unglaublich, was mir gelungen ist.<br />

Ich denke, diese Leistung ist nicht mehr zu toppen.» Auf die<br />

Frage, ob er sich nicht an die Sprints 100m, 200m, 400m<br />

wagen möchte, meinte Marcel Hug, dass er die sportliche<br />

Altersgrenze als Kurzstreckenfahrer bereits überschritten habe<br />

und vorne nicht mehr ganz mithalten könne. Die Spritzigkeit<br />

und die Schnellkraft lägen den jüngeren Sportlern mehr,<br />

deshalb trete er über diese Distanzen an ganz grossen Anlässen<br />

nicht mehr an. Es könne aber durchaus sein, dass er zwischendurch<br />

mal an einer Schweizermeisterschaft als Abwechslung<br />

die kurzen Strecken fahre.<br />

Marcel Hug<br />

1) Die Paralympics 2020<br />

wurden wegen Corona<br />

auf 2021 verschoben.<br />

<strong>Nottwiler</strong> <strong>Auslese</strong><br />

87 <strong>2022</strong>


1 2<br />

1 Im Regen auf der Jagd<br />

nach der Goldmedaille<br />

an den Paralympics in<br />

Japan<br />

2 Das Schweizer<br />

Aushängeschild im<br />

Rollstuhlsport: Marcel<br />

Hug freut sich über<br />

seinen Erfolg<br />

Der Kräftehaushalt von Marcel Hug ist bewundernswert,<br />

selbst beim Marathon fühlt er sich nach eineinhalb Stunden<br />

nicht ausgepumpt, er nutze zwischendurch die Abfahrten im<br />

Windschatten, um sich kurz zu entspannen. Es könne aber<br />

durchaus vorkommen, dass bei vollem Angriff von Anfang<br />

an seine Batterien etwas mehr geleert werden. Um diese Ausdauerleistung<br />

zu bewältigen, trainiert der Profisportler täglich<br />

zwei-, hin und wieder dreimal und erhält grossen und kompetenten<br />

Rückhalt durch seinen Trainer Paul Odermatt, durch den<br />

Krafttrainer Peter De Regt und durch eine Sportpsychologin. In<br />

seiner Ernährung ist er kein Kalorienzähler, achtet aber, um das<br />

Gewicht zu halten, auf gesundes Essen.<br />

Eindrücke von Japan<br />

Die Paralympics boten den Athleten keine Möglichkeiten,<br />

das Land kennenzulernen. Einerseits lag der Fokus voll auf den<br />

sportlichen Höhepunkten, andererseits spielte Corona arg als<br />

Spielverderber. Marcel Hug ist jährlich zweimal für einen Marathon<br />

in Japan und hat das Land und seine spezielle Kultur dabei<br />

etwas vertiefter erleben dürfen. Was ihm an den Paralympics<br />

und während des einwöchigen Vorbereitungs-Camps aufgefallen<br />

ist, betrifft die ausgezeichnete Gastfreundschaft der Japaner.<br />

«Jeder Wunsch ging in Erfüllung, sie waren uns Sportler*innen<br />

gegenüber verständnisvoll, sehr aufmerksam und zuvorkommend»,<br />

erinnert sich Marcel Hug. «Die klimatischen Bedingungen<br />

sind ausgesprochen variantenreich. Von einem Taifun<br />

wurden wir verschont, aber die Hitze, die hohe Luftfeuchtig-<br />

<strong>2022</strong> 88<br />

Olympiasieger Marcel Hug


keit und auch der plötzlich einsetzende Regen machten einigen<br />

zu schaffen. Ich bin da eher ausgeglichen». Apropos Regen: um<br />

das Abrutschen am Treibring bei der Beschleunigung zu vermindern,<br />

befestigen die Rollstuhlsportler*innen an der Innenfläche<br />

der Handschuhe Schmirgelpapier, andere nehmen Harz,<br />

um Widerstand geben zu können.<br />

Erfolg, soweit das Auge reicht<br />

Die grossen Erfolge und seinen Bekanntheitsgrad geniesst<br />

Marcel Hug, auch wenn die zahlreichen Ehrungen manchmal<br />

anstrengend und kräfteraubend sein können. Er ist sich<br />

bewusst, dass seine gegenwärtige Erfolgsphase kein lebenslänglicher<br />

Zustand sein wird und ihn jede entgegengebrachte Anerkennung<br />

sehr freut. «Viele Mails und Gratulationsbriefe haben<br />

die Kontakte zu Freunden und Bekannten wieder verstärkt.»<br />

Selber ist er eher ein ruhiger Pol, der die Erfolge lieber auf der<br />

Gefühlsebene feiert als mit vielen Worten.<br />

Erfolge spornen meistens zu noch höheren Zielen an. Ob<br />

Marcel Hug an den Paralympics 2024 in Paris nochmals als Titelverteidiger<br />

antreten will, weiss er noch nicht. Er ist momentan<br />

in der Entscheidungsfindung, ob er diesen enormen Aufwand<br />

nochmals auf sich nehmen will. Obwohl er die meisten seiner<br />

Träume im Rollstuhlsport schon erfüllt hatte, schlummerte nach<br />

den Paralympics 2020 noch ein ganz bedeutender Wunsch in<br />

ihm – er wollte so bald als möglich den Weltrekord im Marathon,<br />

den Heinz Frei 1999 in Oita mit 1:20.14 aufgestellt hatte, unterbieten.<br />

Es sei endlich Zeit dazu, meinte Marcel Hug.<br />

Gesagt – getan! Bei besten klimatischen und meteorologischen<br />

Verhältnissen – es war beinahe windstill, warm, aber<br />

nicht heiss und trocken – und der optimierten Streckenführung<br />

nutzte der Rollstuhlsportler im Einklang mit seiner körperlichen<br />

Höchstform die Gunst der Stunde. Marcel Hug fuhr<br />

beim Marathon in Oita (Japan) der Konkurrenz davon und<br />

brach mit seiner Traumzeit von 1:17.47 den Weltrekord gleich<br />

um 2 Minuten 27 Sekunden. Selber verblüfft über seine Leistung,<br />

meinte das Ausnahmetalent nach dem Rennen: «Ich hatte<br />

gehofft, es könnte klappen. Dass die Rechnung nun aber derart<br />

famos aufgeht, ist traumhaft.»<br />

Die hervorragenden Leistungen brachten Marcel Hug 2021<br />

zum siebten Mal die Auszeichnung «Paralympischer Sportler<br />

des Jahres», wo er an den Sports Awards die Trophäe mit<br />

besonderer Würde und Hochachtung gegenüber seinen Erfolgen<br />

entgegennehmen durfte.<br />

Olympiasieger Marcel Hug<br />

89 <strong>2022</strong>


Mit Silberhelm immer<br />

eine Nasenlänge voraus<br />

Hightech-Rollstuhl – einer der vielen Schlüssel<br />

zum Erfolg<br />

An der Rollstuhltechnik wird fortan getüftelt und geforscht<br />

– und das nicht nur in der Schweiz. Doch was in Zusammenarbeit<br />

mit der ETH Zürich und den Ingenieuren der Sauber-<br />

Werke, Swiss Side und dem Initianten und Geschäftsführer<br />

der Orthotec, Stefan Dürger, zusammen mit der Beratung von<br />

Marcel Hug gelungen ist, hat sich ausgezahlt. Das aus Karbon<br />

hergestellte Chassis und viele technische Details geben heute<br />

dem Rennrollstuhl «OT Foxx» die Bezeichnung «der<br />

schnellste Rollstuhl der Welt». Und wenn noch der<br />

Hauptakteur und der schnellste Mann darin sitzt,<br />

verspricht das vieles. Dieses hochentwickelte Rollstuhl-Modell<br />

werde produziert und selbstverständlich<br />

allen interessie rten Sportler*innen zum Kauf<br />

angeboten, meint Marcel Hug.<br />

Viele Mosaiksteine führen zum Sieg. Ob er<br />

sich vor einem Rennen von einem Ritual-Rhythmus<br />

lenken lasse? Dazu Marcel Hug: «Ich will keine<br />

Rituale, die zwanghaft werden, pflege aber trotzdem<br />

in etwa den gleichen Vorbereitungsablauf, zum<br />

Essen gibt es am Vortag Pasta und am Renntag zum<br />

Frühstück Porridge.» Und selbstverständlich darf<br />

sein treuer Begleiter, den er nur an den Rennen trägt,<br />

nicht fehlen – sein unverkennbarer Silberhelm. Er ist einzigartig,<br />

weltbekannt und glitzert hoffentlich noch lange im Sonnenlicht<br />

des Rollstuhlsports.<br />

Nottwil ist sympathisch<br />

Seit mehreren Jahren lebt Marcel Hug in Nottwil. Die Verbindung<br />

und die Nähe zum Schweizer Paraplegiker-Zentrum<br />

(SPZ) mit den idealsten Infrastrukturen für die Ausübung des<br />

Rollstuhlsports erleichtern ihm den Weg ins Training. Er schätzt<br />

die Lage am Sempachersee und die Bekanntschaften im Dorf.<br />

«Es ist mir wohl und besonders freut es mich, dass zwei meiner<br />

drei Brüder auch hier wohnen.»<br />

Gratulation<br />

Die Gemeinde Nottwil gratuliert Marcel Hug mit grosser<br />

Verneigung zu seinem Triumph. Mögen ihm noch diejenigen<br />

Sporterfolge in Erfüllung gehen, die er sich wünscht.<br />

Wir sind dabei!<br />

<strong>2022</strong> 90<br />

Olympiasieger Marcel Hug


Jahrbuch<br />

Rückblick Gemeinderat<br />

8. Januar 2020<br />

Februar 2020<br />

11. März 2020<br />

29. März 2020<br />

24. April 2020<br />

2020<br />

<strong>Nottwiler</strong> <strong>Auslese</strong><br />

Neujahrsapéro und <strong>Nottwiler</strong> Stern<br />

Das gesellschaftliche Wirken von Jungwacht und Blauring<br />

Nottwil (Jublano) wurde durch die Vergabe des <strong>Nottwiler</strong><br />

Sterns 2019 gewürdigt.<br />

Elektromobilität im Technischen Dienst<br />

Mit dem Renault Kangoo wurde das erste gemeindeeigene<br />

Elektroauto angeschafft. Das Aufladen des Fahrzeuges erfolgt<br />

durch den Strom der Photovoltaikanlage und der gespeicherten<br />

Energie des Salzspeichers im Zentrum Sagi.<br />

Gemeindeführungsstab zur Bekämpfung der Pandemie<br />

Aufgrund der Ausbreitung von Covid-19 in der Schweiz<br />

wurde der Gemeindeführungsstab aus Vertretern von Gemeinderat,<br />

Gemeindeverwaltung, Bevölkerungsschutz, Spitex, Zentrum<br />

Eymatt, Schule und Samariterverein einberufen. Dieses sogenannte<br />

«Pandemieteam» beriet sich regelmässig und setzte die<br />

Vorgaben zum Schutz der Bevölkerung bestmöglich um. Die<br />

Gruppe der freiwilligen Helfer unterstützte unter der Leitung des<br />

Samaritervereins die Bevölkerung in verschiedensten Bereichen.<br />

Ersatzwahl Mitglied in den Gemeinderat Ressort Bau<br />

Marcel Morf war während 14 Jahren als Gemeinderat für<br />

das Ressort Bau zuständig. Bei den Ersatzwahlen erhielt Meinrad<br />

Müller, CVP Nottwil, die meisten Stimmen und wurde als neuer<br />

Gemeinderat gewählt.<br />

Nottwil wächst auf 4 000 Einwohner<br />

Andrin Bucheli, Panoramaweg 3, erblickte am 24. April<br />

2020 als 4 000. Einwohner das Licht der Welt.<br />

Reduktion öffentliches Leben<br />

Viele Anlässe mussten aufgrund der Covid-19 Pandemie<br />

abgesagt werden. Es wurden unter anderem die Schalter der<br />

91 <strong>2022</strong>


Gemeinde vorübergehend geschlossen, die Maskenpflicht am<br />

Arbeitsplatz eingeführt und die Personenanzahlbeschränkungen<br />

erlassen.<br />

Januar 2021<br />

Umbau Entsorgungsstelle<br />

Die rund um die Uhr offene Entsorgungsstelle führte immer<br />

wieder zu unsachgemässen Entsorgungen. Besonders hervorzuheben<br />

war der Brand der Kartonmulde am 9. Februar 2020.<br />

Mit dem Umbau wurde das Areal modernisiert und eingezäunt.<br />

Die Entsorgung ist nur noch während der Öffnungszeiten am<br />

Tag möglich.<br />

24. März 2021<br />

März 2021<br />

Gemeindestrategie<br />

An der Klausursitzung wurde die Gemeindestrategie für die<br />

Jahre <strong>2022</strong> – 2032 erarbeitet. Nach der entsprechenden Überarbeitung<br />

und Besprechung mit der Controlling-Kommission<br />

wurde das Dokument der Bevölkerung im Mitwirkungsverfahren<br />

zur Stellungnahme unterbreitet und soll im Jahr <strong>2022</strong> verabschiedet<br />

werden.<br />

Waldunterstand<br />

In Zusammenarbeit mit der Jublano und weiteren freiwilligen<br />

Helfern wurde der Waldunterstand erstellt und die Grillstelle<br />

im <strong>Nottwiler</strong> Wald erneuert.<br />

<strong>2022</strong><br />

92<br />

Rückblick Gemeinderat


23. April 2021<br />

1. Juni 2021<br />

28. Juni 2021<br />

16. November 2021<br />

25. November 2021<br />

25. November 2021<br />

25. November 2021<br />

Rückblick Gemeinderat<br />

Siedlungsleitbild und dessen Plan<br />

Am 20.10.2020 wurde das Siedlungsleitbild und dessen Plan<br />

der Bevölkerung vorgestellt. Während des Mitwirkungsverfahrens<br />

gingen zahlreiche Inputs aus der Bevölkerung ein. Die aufgrund<br />

der Eingaben überarbeitete Version wurde am 23. April<br />

2021 zur kantonalen Vorprüfung eingereicht.<br />

Nextbike<br />

Das Veloverleihsystem von Nextbike wird an drei Standorten<br />

in der Gemeinde und zusätzlich an drei Standorten auf<br />

dem Areal der Schweizer Paraplegiker-Gruppe angeboten. Die<br />

Bewohner von Nottwil können den Verleihdienst kostenlos<br />

nutzen.<br />

Hagelschaden<br />

Ein starkes Gewitter mit grossen Hagelkörnern beschädigte<br />

viele Dächer, Autos, Photovoltaikanlagen und Fassaden.<br />

Energiestadt-Label<br />

Die Überprüfung durch die Labelkommission ergab, dass<br />

das Energiestadt-Label wiederum für die nächsten vier Jahre<br />

ausgestellt werden kann. Der sehr hohe Wert von 71.8 % liegt<br />

nur noch knapp unter dem Goldlabelstatus, welcher gemäss<br />

Legislaturziel künftig angestrebt wird.<br />

Grünabfuhr<br />

Die Revision des Abfallentsorgungsreglements wurde an<br />

der Gemeindeversammlung vom 25. November 2021 genehmigt.<br />

Ab dem Jahr <strong>2022</strong> wird, zusätzlich zur Sammelstelle in Gattwil,<br />

eine Grüngutabfuhr eingeführt.<br />

Musikschule Oberer Sempachersee<br />

Aufgrund einer Anpassung bei der Mindestgrösse der<br />

Musikschule war eine Weiterführung der eigenständigen<br />

Musikschule Nottwil nicht mehr möglich. Im Evaluationsprozess<br />

zeichnete sich ein Anschluss an die Musikschule Oberer<br />

Sempachersee als sinnvollste Variante ab. Der für die Fusion<br />

notwendige Gemeindevertrag wurde an der Gemeindeversammlung<br />

vom 25. November 2021 genehmigt.<br />

Teilrevision Ortsplanung: Gewässerraum ausserhalb Bauzone<br />

Nach der Festlegung des Gewässerraumes innerhalb des<br />

Siedlungsgebietes im Jahr 2017 erfolgte nun noch die Definition<br />

des Gewässerraumes ausserhalb der Bauzone.<br />

93 <strong>2022</strong>


28. November 2021<br />

15. Dezember 2021<br />

2020 und 2021<br />

2020 und 2021<br />

Sanierung Oberdorfstrasse<br />

An der Urnenabstimmung vom 28. November 2021 befürworteten<br />

die Stimmberechtigten das geplante Sanierungsprojekt.<br />

Ziel der Sanierung ist die Erneuerung der Werkleitungen,<br />

die Verbesserung der Schulwegsicherheit sowie die Sanierung<br />

der Strasse und der Vor- und Parkplätze.<br />

Gesamtrevision Ortsplanung<br />

Am 7. Juli 2021 fand die Informationsveranstaltung zur<br />

Gesamtrevision der Ortsplanung statt. Während des Mitwirkungsverfahrens<br />

vom 28. Juni bis 28. August 2021 wurden verschiedene<br />

Anträge eingereicht. Die Überarbeitung aufgrund des<br />

Mitwirkungsverfahrens wurde von der Ortsplanungskommission<br />

vorgenommen und durch den Gemeinderat verabschiedet.<br />

Die Unterlagen wurden am 15. Dezember 2021 zur kantonalen<br />

Vorprüfung eingereicht.<br />

Der Gemeinderat bi de Lüt<br />

Trotz der Covid-19 Einschränkungen versuchte der Gemeinderat,<br />

die Besuche der Quartiere im gewohnten Rahmen vorzunehmen.<br />

In den Jahren 2020 und 2021 konnten die Gebiete<br />

Bühl (ehemalige Käsereigenossenschaft) und das Gebiet Oberdorf<br />

/ Burgacher besucht werden. Bei den Besuchen konnten die<br />

Anliegen der Anwesenden besprochen und über die aktuellen<br />

Themen der Gemeinde informiert werden.<br />

<strong>Nottwiler</strong> Stern<br />

Der jährliche Neujahrs-Apéro fand im Jahr 2020 aufgrund<br />

der Restriktionen für Veranstaltungen wegen Covid-19 nicht<br />

statt. Aus diesem Grund wurde der Preis für den <strong>Nottwiler</strong> Stern<br />

2020 nicht vergeben. Der Preisträger des Jahres 2021 trägt<br />

deshalb den Titel für zwei Jahre. Am 7. Januar <strong>2022</strong> wurde<br />

dem Jodlerklub Nottwil der Stern für die Jahre 2020 und 2021<br />

in einem reduzierten Rahmen in der Kirche überreicht.<br />

<strong>2022</strong><br />

94<br />

Rückblick Gemeinderat


Jahrbuch<br />

Rückblick Bildungskommission<br />

Januar 2020<br />

14. Februar 2020<br />

März 2020<br />

Praktikantinnen und Praktikanten der PH Luzern<br />

Jeweils anfangs Jahr betreuen wir acht bis zwölf Studentinnen<br />

und Studenten der Pädagogischen Hochschule Luzern in<br />

Nottwil und leisten so einen wichtigen Beitrag für die Ausbildung<br />

neuer Lehrpersonen. Je nach Stufe sammeln diese Praktikantinnen<br />

und Praktikanten während vier oder fünf Wochen<br />

wertvolle Erfahrungen in der praktischen Ausbildung.<br />

Schulfasnacht<br />

Verschiedene Fasnachtsanlässe sind aus der Dorfkultur verschwunden.<br />

Die Schule Nottwil will dem entgegenwirken und<br />

organisiert für die Kindergartenkinder und die Primarschüler*innen<br />

einen Fasnachtsmorgen, der künftig zur Tradition<br />

werden soll. Alle erschienen verkleidet in ihrem Schulzimmer,<br />

absolvierten danach verschiedene Spiele in den Klassenzimmern,<br />

besuchten die Sirup-Bar oder andere spezielle Attraktionen.<br />

Medien & Informatik<br />

Mit der Einführung des Lehrplans 21 erfuhr dieser Bereich<br />

in der Schule eine rasante Entwicklung. Die Lehrpersonen<br />

besuchten je nach Stufe bereits ab 2018 verschiedene Weiter-<br />

Kostümshow an der<br />

Schulfasnacht<br />

<strong>Nottwiler</strong> <strong>Auslese</strong><br />

95 <strong>2022</strong>


ildungen, um sich digital fit zu halten. Dieser Umstand half,<br />

einen hochstehenden digitalen Unterricht während des Fernunterrichts<br />

zu Beginn der Corona-Pandemie anbieten zu können.<br />

16. März 2020<br />

April 2020<br />

April 2020<br />

April 2020<br />

April 2020<br />

Mai / Juni 2020<br />

Juni 2020<br />

Juni 2020<br />

Fernunterricht wegen des Coronavirus<br />

Was nie jemand für möglich gehalten hätte, wurde zur<br />

Tatsache: alle Volksschulen in der Schweiz wurden für sechs<br />

Wochen geschlossen. Der Entscheid wurde von Bundesrat<br />

am Freitag, 13. März 2021 getroffen und kommuniziert. Die<br />

Schulen wechselten vom Präsenz- in den Fernunterricht. Lehrpersonen,<br />

Lernende sowie die Eltern waren sehr gefordert mit<br />

diesen grossen Einschränkungen, die sehr kurzfristig verfügt<br />

wurden. Die Schüler*innen arbeiteten nun zuhause vorwiegend<br />

am Laptop, die Jüngsten (Kindergarten) erhielten ihre Aufgaben<br />

per Briefpost zugestellt.<br />

Stellwerktests 8. Klasse<br />

Diese wurden wegen Corona abgesagt.<br />

Instrumentenparcours der Musikschule<br />

Dieser durfte wegen Corona leider nicht durchgeführt<br />

werden.<br />

Weiterbildung mit den Lehrpersonen<br />

Die Weiterbildung mit allen Lehrpersonen musste auf den<br />

Herbst verschoben werden.<br />

Berufswahlwoche der 7. / 8. Klassen<br />

Leider konnten auch diese für die Jugendlichen so wichtigen<br />

Schnuppertage in der Berufswelt coronabedingt nicht<br />

stattfinden.<br />

Klassenlager der 6. / 7. / 8. Klasse<br />

Alle Lager bis zu den Sommerferien mussten storniert<br />

werden.<br />

Verkehrsgarten der 3. / 4. Klasse –<br />

Radfahrertest der 5. / 6. Klasse<br />

Auch die Anlässe der Verkehrspolizei wurden ersatzlos<br />

gestrichen.<br />

Abschlussarbeiten<br />

Die 9. Klässler konnten mit ein paar Einschränkungen ihre<br />

Abschlussarbeiten erstellen. Eine öffentliche Ausstellung war<br />

<strong>2022</strong><br />

96<br />

Rückblick Bildungskommission


Kräftemessen am<br />

Sommersporttag der<br />

Sekstufe I in der SPZ<br />

Sportanlage<br />

leider nicht möglich. Die Lehrpersonen erarbeiteten mit ihren<br />

Schüler*innen eine alternative Form, die Arbeiten zu präsentieren.<br />

Alle Lernenden erstellten eine eigene Webseite, so dass<br />

die Arbeiten des Projektunterrichts virtuell besichtigt werden<br />

konnten.<br />

August 2020<br />

September 2020<br />

September 2020<br />

Schulinsel<br />

Im August startete das neue Förderangebot «Schulinsel».<br />

An drei Vormittagen ist dieses spezielle Schulzimmer für alle<br />

Schülerinnen und Schüler offen. Lernenden, die z. B. emotional<br />

sehr aufgewühlt sind oder den Unterricht stören, soll die Gelegenheit<br />

geboten werden, sich in einem kleineren Setting wieder<br />

auf das ruhige Lernen zu besinnen und ihr Verhalten zu überdenken.<br />

Die Insellehrperson unterstützt diese Lernenden durch<br />

begleitete Reflexion, um die Motivation und Energie zurückzugewinnen<br />

mit dem Ziel, rasch wieder in die Klasse zurückkehren<br />

zu können.<br />

Sommersporttag<br />

Die Sommersporttage der verschiedenen Stufen konnten<br />

unter erschwerten Bedingungen (mit Schutzkonzept) durchgeführt<br />

werden. Es durften u. a. keine Klassen gemischt<br />

werden.<br />

Externe Evaluation<br />

Auszug aus dem Bericht des Expertenteams:<br />

«Die Schule Nottwil verfügt über eine grosszügige Schulanlage,<br />

welche von Lernenden der Primar- und Sekundarschule<br />

besucht wird. Die Schulgemeinschaft wird mit vielfältigen<br />

Aktivitäten gefördert. Ein freundliches und respektvolles<br />

Miteinander zwischen Lernenden und Lehrpersonen zeichnet<br />

die Schule aus. Die Lehrpersonen gestalten einen klar strukturierten<br />

und zielorientierten Unterricht und setzen die techni-<br />

Rückblick Bildungskommission<br />

97 <strong>2022</strong>


sche Infrastruktur bedacht ein. Sie pflegen einen offenen Austausch,<br />

unterstützen sich gegenseitig und arbeiten motiviert<br />

zusammen. Die langjährige Schulleitung ist stets präsent und<br />

nimmt ihre Aufgaben mit hohem Engagement und Pflichtbewusstsein<br />

wahr. Vorgaben im Bereich der Schul- und Unterrichtsentwicklung<br />

adaptiert sie rasch. Eine gemeinsame Vorstellung<br />

der künftigen Schul- und Unterrichtsentwicklung ist<br />

noch weniger erkennbar. In der Schulgemeinschaft fühlen sich<br />

die Lernenden ausgesprochen wohl und sie schätzen die verschiedenen<br />

stufenübergreifenden Anlässe. Die Erziehungsberechtigten<br />

sind mit der Schule insgesamt sehr zufrieden und<br />

fühlen sich von den Mitarbeitenden ernst genommen. Die Lehrpersonen<br />

erachten die Unterstützung im Team als zentral für<br />

ihre Arbeitszufriedenheit.»<br />

Februar 2021<br />

April 2021<br />

Mai 2021<br />

Mai / Juni<br />

Juni 2021<br />

Juli 2021<br />

Wintersportlager Fiesch VS<br />

Das Skilager 2021 wurde ebenfalls ein Opfer des Coronavirus<br />

und musste leider abgesagt werden.<br />

Berufswahlwoche 7. / 8. Klasse<br />

In diesem Jahr konnten die Jugendlichen wieder Betriebe<br />

besuchen, um zu schnuppern. Einige brauchten dazu einen<br />

PCR-Test, andere einen Schnelltest, welcher am Morgen um<br />

06.30 Uhr in der Schule angeboten wurde.<br />

Projektwoche KG<br />

Diese Woche standen Hexen, Geister und Gespenster im<br />

Fokus. Es wurden Geschichten erzählt, und die Kinder konnten<br />

ihre Kreativität so richtig ausleben.<br />

Klassenlager 6. / 8. / 9. Klasse<br />

Da nach wie vor keine Klassendurchmischungen erlaubt<br />

waren (kantonales Corona-Schutzkonzept), mussten auch 2021<br />

die Klassenlager abgesagt werden.<br />

Abschlussarbeiten 9. Klasse<br />

Stolz durften die Jugendlichen der 9. Klasse ihre Abschlussarbeiten<br />

präsentieren. Tröpfchenweise durften sie mit den Familienangehörigen<br />

die Ausstellung auf dem Schulareal besichtigen.<br />

Schulabschlussfeier 9. Klasse<br />

Erfreulicherweise konnte die Schule Nottwil in diesem<br />

Jahre diesen feierlichen Anlass im Zentrum Sagi durchführen<br />

und die Jugendlichen der 9. Klasse gebührend verabschieden.<br />

<strong>2022</strong> 98<br />

Rückblick Bildungskommission


1<br />

2<br />

1 Klassenlager der<br />

8. Klassen in Engelberg:<br />

Erholung beim Kneippen<br />

2 Tutti quanti: ein<br />

Erinnerungsfoto<br />

August 2021<br />

September 2021<br />

November 2021<br />

Jahresmotto «Aloha, nice to see you»<br />

Die verschiedenen Begrüssungsformen kamen in den<br />

letzten Monaten viel zu kurz. Dies bewog uns, im Schuljahr<br />

2021 / 22 das Thema «Begrüssen» zum Jahresmotto zu küren.<br />

So lernten alle Schülerinnen und Schüler das Begrüssen in den<br />

Sprachen unserer fremdsprachigen Schüler*innen.<br />

Klassenlager 8. Klassen<br />

Juhui, wir durften tatsächlich ins Klassenlager fahren. Alle<br />

liessen sich kurz vor dem Lager testen, und so konnte es losgehen.<br />

Die beiden 8. Klassen erlebten eine tolle Woche im Engelberger<br />

Talkessel.<br />

Die fünfte Welle<br />

Die Coronapandemie hielt uns alle weiterhin auf Trab. Auch<br />

bei uns mussten vereinzelt Klassen wegen zu vieler Ansteckungen<br />

(Isolation) oder Quarantäneanordnungen in den Modus<br />

«Fernunterricht» wechseln. So waren anfangs Dezember in der<br />

fünften Welle dieser Pandemie 20 Personen in Isolation und 31<br />

in Quarantäne.<br />

Rückblick Bildungskommission<br />

99 <strong>2022</strong>


Jahrbuch<br />

Rückblick Kirchenrat / Pfarrei<br />

1. Januar 2020<br />

3. Januar 2020<br />

13. Februar 2020<br />

März / April / Mai<br />

2020<br />

1) Jungwacht / Blauring<br />

Nottwil, Gründungsjahr<br />

1985<br />

Start Kirchgemeindeverband und Pastoralraum Region Sursee<br />

Der Kirchgemeindeverband und der Pastoralraum Region<br />

Sursee beginnen mit der Arbeit im neuen Organisationssystem.<br />

Als Zeichen der Verbundenheit und der Zugehörigkeit leuchtet<br />

die geweihte Pastoralraumkerze in der Pfarrkirche St. Marien<br />

während eines Jahres, bevor sie dann in die nächste Pfarrei<br />

weitergegeben wird.<br />

<strong>Nottwiler</strong> Stern geht an die JuBlaNo<br />

Am Neujahrsapéro darf die JuBlaNo 1) zusammen mit Präses<br />

Roland Grütter mit freudiger Überraschung den «<strong>Nottwiler</strong><br />

Stern» entgegennehmen. Mit der ehrenamtlich organisierten<br />

Freizeitgestaltung ermöglichen die Leiter*innen den Jugendlichen<br />

unvergessene Erlebnisse.<br />

1. Regionale Kirchenratsversammlung<br />

Kirchgemeindeverband Region Sursee<br />

An der 1. Regionalen Kirchenratsversammlung hat sich der<br />

Kirchgemeindeverband Region Sursee konstituiert. Die Pfarrei<br />

Nottwil ist im Vorstand des Kirchgemeindeverbandes durch<br />

Judith Dobler und Monika Burri vertreten. Im Weiteren wurden<br />

das Jahresprogramm 2020, der Investitions- und Aufgabenplan<br />

2020 – 2024 sowie der Finanzplan zur Kenntnis genommen. Der<br />

Voranschlag 2020 und die Finanzierung gemäss Verteilschlüssel<br />

wurden genehmigt.<br />

Corona-Pandemie und die Auswirkungen auf das Pfarreileben<br />

Nachdem der Bundesrat die Vorschriften zur Eindämmung<br />

des Coronavirus verschärft hatte, hat auch das Bistum Basel<br />

diverse Massnahmen beschlossen. Sämtliche Gottesdienste<br />

in der Pfarrei fallen aus. Dies betrifft auch die Feierlichkeiten<br />

in der Karwoche und über Ostern. Die Erstkommunionfeier,<br />

Taufen, Hochzeiten und die Firmung können nicht stattfinden<br />

und werden auf später verschoben. Beisetzungsfeiern<br />

<strong>2022</strong> 100<br />

<strong>Nottwiler</strong> <strong>Auslese</strong>


können nur unter strengen Auflagen und im engsten Familienkreis<br />

stattfinden. Als Alternative zu den Gottesdiensten wird in<br />

Nottwil das Sonntagsevangelium mit Orgelmusik aufgezeichnet<br />

und via Homepage übertragen. Auch die feierliche Messe zum<br />

Muttertag und der anschliessende Apéro fielen aus.<br />

März / April / Mai<br />

2020<br />

31. Mai 2020<br />

Juli 2020<br />

15. August 2020<br />

6. September 2020<br />

18. Oktober 2020<br />

November 2020<br />

Sanierung der Kirchenfenster<br />

Die notwendige Sanierung der Kirchenfenster (Erneuerung<br />

der Kittfugen) wird ausgeführt.<br />

Pfingstsonntag<br />

Am Pfingstsonntag kann unter Einhaltung der vorgeschriebenen<br />

Massnahmen endlich wieder ein öffentlicher Gottesdienst<br />

stattfinden.<br />

20 Jahre Sakristan<br />

Am 1. Juli 2020 feiert Stephan Troxler sein 20-jähriges<br />

Jubiläum als Sakristan und Hauswart in der Pfarrei Nottwil.<br />

Erstkommunionfeier<br />

Die im April verschobene Erstkommunionfeier kann unter<br />

Einhaltung der coronabedingten Massnahmen durchgeführt<br />

werden. Die Erstkommunionkinder dürfen im Beisein der<br />

engsten Familienmitglieder das Heilige Brot entgegennehmen.<br />

Firmung<br />

Mit Firmspender Heinz Hofstetter findet die seit Pfingsten<br />

verschobene Firmung statt.<br />

Jubiläum zum 30-jährigen Bestehen der Orgel in der Pfarrkirche<br />

Das Jubiläum hätte ein ganz spezieller Anlass für Gross und<br />

Klein werden sollen. Leider wurde die Aufführung mit dem Duo<br />

Bubu & Baba, welches speziell die kleinen Gäste erfreuen sollte,<br />

wegen Corona kurzfristig abgesagt. Zur Freude der Musikbegeisterten<br />

konnte das Orgelkonzert um 18.00 Uhr stattfinden.<br />

Kirchgemeindeversammlung in der Pfarrkirche / Mutation in<br />

der Rechnungskommission<br />

Die Kirchgemeindeversammlung vom 18. November wird<br />

unter Einhaltung des Abstandes und mit Maskenpflicht in der<br />

Pfarrkirche abgehalten. Adrian Rutz, der für den Rest der Amtsperiode<br />

2018 – <strong>2022</strong> in stiller Wahl als Mitglied in die Rechnungskommission<br />

gewählt wurde, konnte durch die Versammlung<br />

speziell begrüsst werden.<br />

Rückblick Kirchenrat / Pfarrei<br />

101 <strong>2022</strong>


Dezember 2020<br />

Januar 2021<br />

März 2021<br />

April 2021<br />

Weihnachten<br />

Weil die Platzzahl in der Pfarrkirche pandemiebedingt<br />

beschränkt ist, wird am 24. Dezember um 15.30 Uhr und um<br />

17.00 Uhr eine festliche Krippenfeier angeboten, damit möglichst<br />

viele Familien mitfeiern können. Um 22.30 Uhr findet die<br />

Mitternachtsmesse statt, welcher nur 50 Anwesende beiwohnen<br />

dürfen. Ein ganz spezielles Weihnachten!<br />

Übergabe der Pastoralraumkerze<br />

Am 1. Januar wird die Pastoralraumkerze feierlich der<br />

Pfarrei Knutwil übergeben. Mit dem Jahresmotto Glaube –<br />

Honig – Lebenskraft startet die Pfarrei Nottwil ins neue Jahr.<br />

Sanierung der Orgel / Erneuerung der Steuerung der<br />

Taufglocke<br />

Die jeweils nach 15 Jahren nötige Sanierung der Orgel<br />

wird vorgenommen. Ebenfalls wird die Steuerung der Glocken<br />

5 und 6, welche seit Jahren ausser Betrieb ist, erneuert.<br />

Ostern / Weisser Sonntag<br />

Mit Freude können die Feierlichkeiten in der Karwoche<br />

und über Ostern durchgeführt werden. Die Erstkommunionfeier<br />

wird verschoben.<br />

1 Kirchenratspräsident<br />

Franz Vogel und<br />

Kirchen rätin Monika<br />

Burri verabschieden den<br />

pastoralen Mitarbeiter<br />

Thomas Glur<br />

3 Sakristan Stephan<br />

Troxler übergibt in<br />

einem Gottesdienst sein<br />

Amt offiziell an seinen<br />

Nachfolger Andreas<br />

Bossart weiter<br />

4 Der Samichlaus und<br />

sein Gefolge heissen<br />

Christoph Beeler, neuer<br />

Seelsorger und Bezugsperson<br />

im Pastoralraum<br />

Sursee, willkommen<br />

und überbringt in der<br />

Corona-Zeit den Gottesdienstbesuchenden<br />

gute<br />

Wünsche<br />

1<br />

3 4<br />

<strong>2022</strong><br />

102<br />

Rückblick Kirchenrat / Pfarrei


1. Mai 2021<br />

22. Mai 2021<br />

Juni 2021<br />

Juli 2021<br />

August 2021<br />

15. August 2021<br />

18. August 2021<br />

Neubesetzung Pfarreisekretariat<br />

Das Pensum der langjährigen Pfarreisekretärin Theres<br />

Büchler wird gemäss ihrem eigenen Wunsch reduziert.<br />

Susanne Kaufmann wird sie per 1. Mai im Sekretariat unterstützen.<br />

Renate Künzli, seit 2007 die Ferienvertretung für<br />

Theres Büchler, wird per Ende Juni ihre Tätigkeit im Sekretariat<br />

beenden.<br />

Firmung<br />

Domherr Roland Häfliger spendet 23 jungen Menschen das<br />

Sakrament der Firmung.<br />

Erstkommunionfeier<br />

Am 5. / 6. Juni nehmen 35 Erstkommunionkinder aufgeteilt<br />

auf vier Gottesdienste zum Thema «Schatzsuche» ihre erste<br />

Kommunion in Empfang.<br />

Aussenbeleuchtung Pfarrkirche<br />

Die teils defekten Leuchtmittel bei der Aussenbeleuchtung<br />

der Pfarrkirche werden alle durch LED-Lampen ersetzt.<br />

Neuanstellung Heidi Jetzer<br />

Per 1. August nimmt Heidi Jetzer als Religionspädagogin<br />

und Leiterin Katechese die Arbeit in unserer Pfarrei auf. Sie<br />

übernimmt zudem das Amt als Präses bei der JuBlaNo und der<br />

Frauengemeinschaft Nottwil.<br />

Verabschiedung von Ruth Hodel und Thomas Glur<br />

Am 15. August, Patrozinium der Pfarrei Nottwil, wurden<br />

Ruth Hodel nach 17 Jahren als Kirchenchorleiterin und<br />

Thomas Glur, Pfarreiseelsorger seit September 2019 verabschiedet.<br />

Thomas Glur wird per 1. September das Amt als<br />

Pasto ralraumleiter im Pastoralraum Solothurn-Unterer Leberberg<br />

übernehmen.<br />

Pater Pablo Meier, sel.<br />

Am 18. August stirbt Pater Pablo<br />

Meier im Alter von 87 Jahren in Immensee.<br />

Pablo Meier war von 1997 – 2004<br />

als Pfarreiadministrator, Seelsorger und<br />

Priester in unserer Pfarrei tätig.<br />

Nebst seiner seelsorgerischen Tätigkeit<br />

war er auch ein begnadeter Maler<br />

und Künstler.<br />

Rückblick Kirchenrat / Pfarrei<br />

103 <strong>2022</strong>


September 2021<br />

September 2021<br />

November 2021<br />

November 2021<br />

November 2021<br />

Dezember 2021<br />

Dezember 2021<br />

Neubesetzung Kirchenchorleitung<br />

Hannes Roesti übernimmt per 1. September die Leitung des<br />

Kirchenchors Nottwil.<br />

Erweiterung Parkplätze<br />

Die Erweiterung der Parkplätze beim Vikariatshaus und die<br />

dadurch bedingte Verlängerung der Stützmauer werden abgeschlossen.<br />

Pensionierung Anita Troxler<br />

Nach über 30-jähriger Tätigkeit in der Pfarrei Nottwil<br />

beginnt für Anita Troxler mit der Pensionierung ein neuer<br />

Lebensabschnitt. Sie wird in Zukunft kleinere Aufgaben weiterhin<br />

ausüben und bei Bedarf Einsätze übernehmen.<br />

Neuanstellung Andreas Bossart, Sakristan und Hauswart<br />

Am 1. November nimmt Andreas Bossart als Sakristan und<br />

Hauswart die Arbeit in unserer Pfarrei auf. Mit seiner Anstellung<br />

wird die Nachfolge von Stephan Troxler, der Ende Jahr in<br />

Pension geht, sichergestellt.<br />

Red Weekend – Zeichen gegen Hass und Gewalt<br />

Um Menschen zu gedenken, welche wegen ihrer Religionszugehörigkeit<br />

verfolgt und diskriminiert werden, wird, dem<br />

Aufruf des internationalen katholischen Hilfswerks «Kirche in<br />

Not (ACN)» folgend, in der Nacht von Samstag auf Sonntag,<br />

20. / 21. November, die Pfarrkirche rot beleuchtet.<br />

Neubesetzung der Stelle als Pfarreiseelsorger<br />

Am 1. Dezember nimmt Seelsorger Christoph Beeler-Longobardi<br />

mit einem Pensum von 90 % seine Arbeit im Pastoralraum<br />

Region Sursee auf. Er wird schwerpunktmässig als Bezugsperson<br />

in Nottwil tätig sein. Speziell begrüsst wird Christoph<br />

Beeler am 4. und 5. Dezember in unserer Pfarrkirche von Heinz<br />

Hofstetter.<br />

Pensionierung Stephan Troxler<br />

Nach über 21 Arbeitsjahren als Sakristan und Hauswart wird<br />

Stephan Troxler Ende Jahr pensioniert. Er wird für die Pfarrei<br />

weiterhin als Stellvertreter des Sakristans im Einsatz stehen.<br />

<strong>2022</strong><br />

104<br />

Rückblick Kirchenrat / Pfarrei


Vereinsjubiläen<br />

Vereinsjubiläen in den Jahren 2020 und 2021<br />

130 Jahre<br />

Sportschützen 1890<br />

80 Jahre<br />

FDP 1940<br />

Samariterverein 1941<br />

75 Jahre<br />

Jodlerklub 1945<br />

50 Jahre<br />

Spono Eagles 1971<br />

TV-SPONO Nottwil 1971<br />

40 Jahre<br />

Seilziehclub 1981<br />

Surfsegelclub Sempachersee 1980<br />

30 Jahre<br />

Aktives Alter 1991<br />

25 Jahre<br />

SVP 1995<br />

20 Jahre<br />

Schwimmverein Sempachersee 2000<br />

10 Jahre<br />

glp oberer Sempachersee 2011<br />

<strong>Nottwiler</strong> <strong>Auslese</strong><br />

105 <strong>2022</strong>


Nottwil in Zahlen<br />

Bevölkerungsentwicklung<br />

50<br />

40<br />

30<br />

20<br />

10<br />

50<br />

100<br />

150<br />

200<br />

250<br />

300<br />

350<br />

Gesamtbevölkerung<br />

182<br />

2 068<br />

Legende 1990 2009<br />

34<br />

11<br />

149<br />

55<br />

3 342<br />

313 300<br />

12<br />

49<br />

3 466<br />

Schweizer<br />

3 983<br />

24<br />

47<br />

3 525<br />

Schweizer<br />

4 059<br />

23<br />

61<br />

3 574<br />

Schweizer<br />

4 104<br />

20<br />

376<br />

517<br />

Ausländer<br />

245 530 241<br />

Ausländer<br />

291 291 534<br />

Ausländer<br />

239<br />

2019<br />

2020<br />

2021<br />

Bevölkerungsveränderung 2019 2020 2021<br />

Geburtenüberschuss (10 Jahres-Zyklus) 261 117 248<br />

Wanderungsgewinn (10 Jahres-Zyklus) 478 442 439<br />

Bevölkerungswachstum (10 Jahres-Zyklus) + 19,0 % + 18,0 % + 18,6 %<br />

Bevölkerungsdichte (Einwohner / km 2 ) 268 273 276<br />

Stimmberechtigte (Personen) 2 703 2745 2774<br />

<strong>2022</strong><br />

106<br />

<strong>Nottwiler</strong> <strong>Auslese</strong>


Konfessionszugehörigkeit<br />

2020 2021<br />

katholisch<br />

63,8%<br />

2589 418<br />

10,3%<br />

ref.<br />

1052<br />

konfessionslos<br />

und andere<br />

25,9%<br />

2572<br />

katholisch<br />

62,7%<br />

411<br />

10,0%<br />

ref.<br />

1121<br />

konfessionslos<br />

und andere<br />

27,3%<br />

Altersstruktur<br />

bis 9 Jahre<br />

10 bis 19<br />

20 bis 29<br />

30 bis 39<br />

40 bis 49<br />

50 bis 59<br />

60 bis 69<br />

70 bis 79<br />

80 bis 89<br />

90 und älter<br />

529<br />

559<br />

463<br />

462<br />

484<br />

463<br />

601<br />

599<br />

624<br />

611<br />

639<br />

645<br />

365<br />

393<br />

251<br />

266<br />

96<br />

98<br />

7<br />

8<br />

0<br />

100 200 300 400 500 600<br />

2020<br />

2021<br />

Zahlen Schülerinnen und Schüler<br />

Kindergarten<br />

Primarstufe<br />

Sekundarstufe<br />

I 1)<br />

Total<br />

Schüler/innen<br />

90<br />

81<br />

265<br />

275<br />

143<br />

149<br />

498<br />

505<br />

2020<br />

2021<br />

0 100 200 300 400 500<br />

1)<br />

inkl. Untergymnasium<br />

sowie Sportschulen<br />

Kriens und Schüpfheim<br />

Nottwil in Zahlen<br />

107 <strong>2022</strong>


Steuern 2020 2021<br />

Steuerpflichtige (natürliche Personen) 2350 2392<br />

Steuerpflichtige (juristische Personen) 171 180<br />

Steuerfuss 2020 2021<br />

Gemeinde Nottwil 1.85 1.85<br />

Kanton Luzern 1.70 1.70<br />

Christ-katholische Kirche 0.31 0.31<br />

Evangelisch-reformierte Kirche 0.25 0.25<br />

Römisch-katholische Kirche 0.275 0.275<br />

Gemeindefinanzen in CHF 2020 2021<br />

Gemeindesteuern Einnahmen 11541339 11771431<br />

Gemeindesteuern Ausgaben830 899 830899 824696<br />

Andere Steuern Einnahmen 1172291 259864<br />

Andere Steuern Ausgaben 42942 33616<br />

Total aller Einnahmen 28148530 28738330<br />

Total aller Ausgaben 27323491 28134485<br />

Ertragsüberschuss 825039 603845<br />

Wohnungsbau<br />

1–2 ZWG<br />

14,5%<br />

3–4 ZWG<br />

49,1%<br />

5+ ZWG<br />

36,4%<br />

Wohnungsgrösse<br />

Wohnungsbau 2020<br />

Wohnungsbestand 1697<br />

Wohnungsgrösse<br />

1 – 2 Zimmer 14,5 %<br />

3 – 4 Zimmer 49,1 %<br />

5+ Zimmer 36,4 %<br />

Einfamilienhäuser 24,8 %<br />

Gebäude mit Wohnnutzung 752<br />

EFH<br />

24,8%<br />

Gebäude<br />

mit Wohnnutzung<br />

Grundbuchamt 2020 2021<br />

Handänderungssteuern<br />

Veranlagte Handänderungen 58 56<br />

Einnahmen Handänderungssteuer CHF 320926 119156<br />

Grundstückgewinnsteuer<br />

Einnahmen CHF 791626 110861<br />

öffentliche Dienste 2020 2021<br />

Wasser in Rechnung gestellt m 3 236059 251582<br />

<strong>2022</strong><br />

108<br />

Nottwil in Zahlen


Wahlen<br />

29. März 2020 Neuwahl der Gemeinderäte<br />

für die Amtsdauer 2020 – 2024 Stimmbeteiligung: 39.90 %<br />

Ressort Präsidiales Bildung und Kultur Soziales<br />

Kandidat / in Steffen Walter Huser Winkler Beatrice Sigrist Disler Renée<br />

erhaltene Stimmen 822 – gewählt 776 – gewählt 796 – gewählt<br />

Ressort Finanzen Bau Bau<br />

Kandidat / in Käslin Kaspar Müller Meinrad Fries Hans<br />

erhaltene Stimmen 734 – gewählt 592 – gewählt 445 – nicht gewählt<br />

Der Gemeinderat v.l.:<br />

Meinrad Müller,<br />

Beatrice Huser Winkler,<br />

Walter Steffen,<br />

Renée Sigrist Disler,<br />

Kaspar Käslin<br />

29. März 2020 Neuwahl der Bürgerrechtskommission<br />

für die Amtsdauer 2020 – 2024 Stimmbeteiligung: 39.92 %<br />

Mitglieder:<br />

Kandidat / in Huber Esther Lingg Esther Weingartner Pius<br />

erhaltene Stimmen 724 – gewählt 670 – gewählt 670 – gewählt<br />

Kandidat / in Steffen Dominique Wandeler Melanie<br />

erhaltene Stimmen 561 – gewählt 579 – gewählt<br />

Kandidat / in D'Araia Luigi Räber Pascal Vereinzelte<br />

erhaltene Stimmen 228 – nicht gewählt 393 – nicht gewählt 31 – nicht gewählt<br />

Präsidium:<br />

Kandidat / in Weingartner Pius Steffen Dominique Räber Pascal<br />

erhaltene Stimmen 518 – gewählt 260 – nicht gewählt 170 – nicht gewählt<br />

Nottwil in Zahlen<br />

109 <strong>2022</strong>


Abstimmungen kantonal<br />

27. September 2020 Volksinitiative<br />

«Fair von Anfang an, dank transparenter Vormiete!»<br />

angenommen 50.11 %<br />

SN: 61.13 %<br />

706 922 – 56.63 % L: 21 U: 24<br />

29. November 2020 Verfassungsinitiative<br />

«Luzerner Kulturlandschaft»<br />

abgelehnt 67.74 %<br />

SN: 41.86 %<br />

302 782 – 72.14 % L: 44 U: 18<br />

Gesetzesinitiative<br />

«Luzerner Kulturlandschaft»<br />

abgelehnt 67.60 %<br />

SN: 41.96 %<br />

305 787 – 69.58 % L: 0 U: 18<br />

Gegenvorschlag<br />

«Luzerner Kulturlandschaft»<br />

angenommen 50.41 %<br />

SN: 41.96 %<br />

51.81 % – 586 468 L: 0 U: 18<br />

Stichfrage<br />

«Luzerner Kulturlandschaft»<br />

abgelehnt 62.33 %<br />

SN: 41.96 %<br />

267 705 – 62.33 % L: 0 U: 18<br />

7. März 2021 Gründung Aktiengesellschaft Campus Horw angenommen 64.82 %<br />

SN: 48.21 %<br />

67.03 % – 856 421 L: 0 U: 18<br />

Ausbau der K 36 durch die Lammschlucht<br />

im Entlebuch<br />

angenommen 82.71 %<br />

SN: 48.97 %<br />

82.23 % – 1092 220 L: 23 U: 16<br />

26. September 2021 Ausbau der Kantonsstrasse K4 durch das Ränggloch in<br />

Kriens und Littau (Luzern)<br />

angenommen 81.74 %<br />

SN: 52.30 %<br />

79.96 % – 1125 282 L: 24 U: 24<br />

28. November 2021 Neubau eines Verwaltungsgebäudes am Seetalplatz<br />

in Luzern Nord (Emmen)<br />

angenommen 64.91 %<br />

SN: 64.71 %<br />

67.74 % – 1180 562 L: 35 U: 29<br />

Legende:<br />

SN = Stimmbeteiligung<br />

Nottwil<br />

L = Leer<br />

U = Ungültig<br />

Ja<br />

Nein<br />

Abstimmungen national<br />

9. Februar 2020 Volksinitiative<br />

«Mehr bezahlbare Wohnungen»<br />

abgelehnt 57.10 %<br />

SN: 39.18 %<br />

330 699 – 67.93 % L: 16 U: 10<br />

Änderung des Strafgesetzbuches und<br />

des Militärstrafgesetzes<br />

angenommen 63.10 %<br />

SN: 39.18 %<br />

56.60 % – 583 447 L: 15 U: 10<br />

<strong>2022</strong> 110<br />

Nottwil in Zahlen


27. September 2020 Volksinitiative «Für eine massvolle Zuwanderung<br />

(Begrenzungsinitiative)»<br />

abgelehnt 61.70 %<br />

SN: 63.72 %<br />

717 987 – 57.92 % L: 13 U: 27<br />

Änderung des Bundesgesetzes über die Jagd und den<br />

Schutz wildlebender Säugetiere und Vögel (Jagdgesetzes)<br />

abgelehnt 51.90 %<br />

SN: 63.72 %<br />

62.08 % – 1041 636 L: 40 U: 27<br />

Änderung Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer abgelehnt 63.20 %<br />

SN: 63.72 %<br />

579 1113 – 65.78 % L: 25 U: 27<br />

Änderung des Bundesgesetzes über den Erwerbs ersatz<br />

für Dienstleistende und bei Mutterschaft (Erwerbsersatzgesetz)<br />

angenommen 60.30 %<br />

SN: 63.72 %<br />

845 860 – 50.44 % L: 27 U: 27<br />

Bundesbeschluss über die Beschaffung neuer Kampfflugzeuge<br />

angenommen 50.10 %<br />

SN: 63.72 %<br />

55.44 % – 942 757 L: 18 U: 27<br />

29. November 2020 Volksinitiative «Für verantwortungsvolle Unternehmen<br />

– zum Schutz von Mensch und Umwelt<br />

(Konzernverantwortungs-Initiative)»<br />

Ja-Stimmen 50.70 %<br />

Am Ständemehr gescheitert<br />

SN: 46.24 %<br />

535 712 – 57.10 % L: 1 U: 18<br />

Volksinitiative «Für ein Verbot der Finanzierung von<br />

Kriegsmaterialproduzenten»<br />

abgelehnt 57.50 %<br />

SN: 46.20 %<br />

429 808 – 65.32 % L: 10 U: 18<br />

7. März 2021 Volksinitiative «Ja zum Verhüllungsverbot» angenommen 51.20 %<br />

SN: 51.90 %<br />

51.07 % – 719 689 L: 9 U: 12<br />

Bundesgesetz über elektronische Identifizierungsdienste<br />

(E-ID-Gesetz)<br />

abgelehnt 64.40 %<br />

SN: 51.90 %<br />

610 781 – 56.15 % L: 15 U: 15<br />

Bundesbeschluss über die Genehmigung des umfassenden<br />

Wirtschaftspartnerschaftsabkommens zwischen den<br />

EFTA-Staaten und Indonesien<br />

angenommen 51.60 %<br />

SN: 51.14 %<br />

59.32 % – 815 559 L: 22 U: 15<br />

Legende:<br />

SN = Stimmbeteiligung<br />

Nottwil<br />

L = Leer<br />

U = Ungültig<br />

Ja<br />

Nein<br />

Nottwil in Zahlen<br />

111 <strong>2022</strong>


13. Juni 2021 Volksinitiative «Für sauberes Trinkwasser und gesunde<br />

Nahrung – keine Subventionen für den Pestizid- und<br />

den prophylaktischen Antibiotika-Einsatz»<br />

abgelehnt 60.70 %<br />

SN: 69.46 %<br />

586 1304 – 68.99 % L: 3 U: 22<br />

Volksinitiative «Schweiz ohne synthetische Pestizide» abgelehnt 60.60 %<br />

SN: 69.46 %<br />

579 1307 – 69.30 % L: 7 U: 22<br />

Bundesgesetz über die gesetzlichen Grundlagen für<br />

Verordnungen des Bundesrates zur Bewältigung der<br />

Covid-19-Epidemie (Covid-19-Gesetz)<br />

angenommen 60.20 %<br />

SN: 69.46 %<br />

57.86 % – 1079 786 L: 28 U: 22<br />

Bundesgesetz über die Verminderung von Treibhausgasemissionen<br />

(CO2-Gesetz)<br />

abgelehnt 51.60 %<br />

SN: 69.46 %<br />

841 1036 – 55.19 % L: 16 U: 22<br />

Bundesgesetz über polizeiliche Massnahmen zur<br />

Bekämpfung von Terrorismus<br />

angenommen 56.60 %<br />

SN: 69.46 %<br />

60.10 % – 1056 701 L: 136 U: 22<br />

26. September 2021 Volksinitiative «Löhne entlasten, Kapital gerecht<br />

besteuern»<br />

abgelehnt 64.90 %<br />

SN: 55.18 %<br />

459 1023 – 69.03 % L: 29 U: 24<br />

Änderung des Schweizer Zivilgesetzbuches<br />

(Ehe für Alle)<br />

angenommen 64.10 %<br />

SN: 55.82 %<br />

64.71 % – 981 535 L: 13 U: 24<br />

28. November 2021 Volksinitiative «Für eine starke Pflege<br />

(Pflegeinitiative)»<br />

angenommen 60.98 %<br />

SN: 73.24 %<br />

56.34 % – 1120 868 L: 27 U: 29<br />

Volksinitiative «Bestimmung der Bundesrichter/innen<br />

im Losverfahren (Justiz-Initiative)»<br />

abgelehnt 68.07 %<br />

SN: 72.63 %<br />

615 1316 – 68.15 % L: 67 U: 29<br />

Änderung des Covid-19-Gesetz angenommen 62.01 %<br />

SN: 73.70 %<br />

61.57 % – 1237 772 L: 19 U: 29<br />

Legende:<br />

SN = Stimmbeteiligung<br />

Nottwil<br />

L = Leer<br />

U = Ungültig<br />

Ja<br />

Nein<br />

<strong>2022</strong> 112<br />

Nottwil in Zahlen


Autorenangaben und<br />

Bildnachweis<br />

Autoren / Autorinnen<br />

Eva und Marco Brandazza, Luzern<br />

Silvan Hodel, Gemeinde Nottwil, Nottwil<br />

Gaby Kindler, Wauwil<br />

Monika Nöbauer, Nottwil<br />

Erwin Peter, Schule Nottwil, Nottwil<br />

Stefanie Schlüter, Schweizer Paraplegiker-Zentrum, Nottwil<br />

Edith Schwander, Nottwil<br />

Walter Steffen, Nottwil<br />

Claudia Steiner, Pfarrei Nottwil, Nottwil<br />

Stephan Troxler, Nottwil<br />

Jacqueline Willimann, Nottwil<br />

Bildnachweis<br />

BAG: S. 22<br />

Gemeinde Nottwil: S. 92, Archiv<br />

Familie Anton Huber: S. 36, 37 (1-4)<br />

Viktor Jost: S. 45<br />

Gaby Kindler: S. 38, 49 (1,2), 50, 77, 82<br />

Madeleine Kost: S. 31, 32 (1,2), 35<br />

Urs Künzli: S. 59 (1,2), 60<br />

Christian Lanzendörfer: S. 64 (1), 69, 75, 85 (1)<br />

Dorothée Lanzendörfer: S. 8<br />

Pfarrei Nottwil: S. 72 (1,2), 102 (1-3)<br />

Schule Nottwil: S.95 Christoph Basler, 97 René Baumeler, 99 Michael Blum (1), Andrea Lingg (2)<br />

Schweizer Fernsehen SRF, Ueli Christoffel: S. 17, 19, 20<br />

Schweizer Paraplegiker Stiftung: S. 51, 52, 53, 54, 56<br />

Christian Stachon: S. 44 (1,2), 45<br />

Gregor Stäuble: UG, S. 2, 5, 6, 11, 16 (1,2), 24, 43, 109<br />

Swiss Paralympic, Gabriel Monnet: S. 88 (1,2), 90<br />

Stephan Troxler: S. 103<br />

Beat Wicki: S. 85 (2)<br />

Jacqueline Willimann: S. 14, 15, 28 (1-3), 29 (1-4), 33, 46 (1,2), 63, 64 (2,3), 65 (4-6), 66, 67, 68 (1-3), 70 (1,2), 87<br />

Nottwil in Zahlen<br />

113 <strong>2022</strong>


<strong>2022</strong> 114<br />

<strong>Nottwiler</strong> <strong>Auslese</strong>


ISBN 978-3-033-09058-3

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