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Denkmalpflegepreis 2022

Sonderdruck der Denkmalpflege des Kantons Bern und der Zeitschrift UMBAUEN+RENOVIEREN, Archithema Verlag

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SONDERDRUCK DER DENKMALPFLEGE DES KANTONS BERN UND DER ZEITSCHRIFT UMBAUEN+RENOVIEREN, ARCHITHEMA VERLAG<br />

ÉDITION SPÉCIALE DU SERVICE DES MONUMENTS HISTORIQUES DU CANTON DE BERNE ET DU MAGAZINE UMBAUEN+RENOVIEREN, ARCHITHEMA VERLAG<br />

WWW.BE.CH/DENKMALPFLEGE / WWW.BE.CH/MONUMENTS-HISTORIQUES / WWW.METERMAGAZIN.COM<br />

<strong>Denkmalpflegepreis</strong> <strong>2022</strong><br />

Prix des monuments historiques <strong>2022</strong><br />

Spezialpreis<br />

WERTSCHÄTZUNG FÜR<br />

DAS WERK<br />

VON JEANNE BUECHE<br />

Ausgezeichnet<br />

Emmentaler Original<br />

Der restaurierte Käsespeicher ist ein<br />

Highlight lokaler Handwerkskunst


Wiederentdeckte<br />

Kostbarkeit<br />

Die Eigentümer eines alten Käsespeichers in Eggiwil haben dessen Qualitäten<br />

wieder hervorgeholt und ein Stück Emmentaler Alpkultur bewahrt. Glanzstück der<br />

Restaurierung ist das Schindeldach aus dem eigenen Wald. Für ihren grossen<br />

Einsatz werden Klaus und Barbara Salzmann mit dem <strong>Denkmalpflegepreis</strong><br />

des Kantons Bern ausgezeichnet.<br />

Text: Elisabeth Schneeberger, Denkmalpflege des Kantons Bern; Fotos: Dominique Plüss<br />

Der Bauernhof «Obere<br />

Knubelhütte» liegt am Fuss<br />

des Schallenbergpasses im<br />

oberen Emmental. Hier<br />

befand sich früher eine<br />

Alpsiedlung mit Sennhütte,<br />

Stall und Speicher. Der<br />

restaurierte Käsespeicher<br />

mit neuem Schindeldach<br />

lässt die Geschichte des<br />

Ortes aufleben.<br />

2 3


1 Im Speicherraum wurden<br />

ursprünglich die Käselaibe gelagert<br />

und gepflegt. Während<br />

mehr als 100 Jahren diente der<br />

Speicher danach als Abstellkammer.<br />

Geräumt und gereinigt<br />

überrascht der Raum mit<br />

einer erstaunlichen Grösse.<br />

3<br />

2 In der archaisch wirkenden<br />

Holzkulisse hat Barbara<br />

Salzmann mit wenigen Mitteln<br />

eine einladende Atmosphäre<br />

geschaffen.<br />

3 Bei der Restaurierung wurden<br />

zunächst der Schwellenkranz<br />

und der Boden ausgewechselt,<br />

danach erfolgte die<br />

Sanierung des Dachs. Die Eigentümerschaft<br />

entschied sich,<br />

dieses nicht mit Eternit, sondern<br />

wie ursprünglich mit<br />

Holzschindeln zu decken – mit<br />

Holz aus dem eigenen Wald.<br />

1<br />

2<br />

A<br />

m Fuss des Schallenbergpasses im<br />

oberen Emmental liegt der stattliche<br />

Bauernhof der Familie Salzmann.<br />

Hier würde man kaum eine ehemalige<br />

Alp vermuten, wäre nicht neben den grossen<br />

Stallgebäuden das helle Schindeldach des<br />

frisch restaurierten Käsespeichers zu sehen.<br />

Höchstens der Ortsname «Obere Knubelhütte»<br />

gibt einen weiteren Hinweis auf die frühere<br />

Alpsiedlung mit Sennhütte, Stall und<br />

Speicher – ähnlich denjenigen, die heute noch<br />

in der Nähe der Passhöhe anzutreffen sind.<br />

Am Tag unseres Besuchs ist auf dem Hof<br />

viel los. Für die grosse Mittagsgesellschaft<br />

haben Barbara und Klaus Salzmann im Speicher<br />

Tische und Bänke aufgestellt, das Essen<br />

wird von der Küche im Wohnhaus über die<br />

Wiese hergebracht. In der archaisch wirkenden<br />

Holzkulisse hat Barbara Salzmann mit<br />

wenigen Mitteln eine einladende Atmosphäre<br />

geschaffen.<br />

Gespeicherte Geschichte<br />

Man kann sich lebhaft vorstellen, wie viele<br />

Käselaibe seit 1839 hier gelagert und gepflegt<br />

wurden. Die in die Wände eingeritzten Ini-<br />

tialen geben einen Eindruck davon, wie<br />

viele Menschen hier gearbeitet und auch in<br />

der Dachkammer übernachtet haben.<br />

Der Fussboden und die Schwellen sind<br />

neu. Das alte Holz der Schwelle lag auf der<br />

Seite der Böschung jahrelang in der feuchten<br />

Erde und hatte deshalb Schaden genommen.<br />

Beinahe wäre vor einigen Jahren der Boden<br />

in den Keller gestürzt – mit allem, was in den<br />

vergangenen hundert Jahren auf dem Bauernhof<br />

überflüssig geworden war und den<br />

Raum bis unter die Decke gefüllt hatte. «Oft<br />

gehen wertvolle Nebengebäude kaputt, weil<br />

sie nicht mehr gebraucht und nicht mehr<br />

unterhalten werden», sagt Simon Spring, Bauberater<br />

der Denkmalpflege. «Umso ausserordentlicher<br />

ist das Engagement der Bauherrschaft<br />

für den Speicher.»<br />

Die Instandsetzung eines anderen Käsespeichers<br />

am Schallenberg motivierte die<br />

Salzmanns, ihr Gebäude ebenfalls zu restaurieren.<br />

In der Umgebung nahm man ihr Vorhaben<br />

zum Teil mit Erstaunen zur Kenntnis.<br />

«Aber ich war mir sicher, der Speicher würde<br />

uns in vieler Hinsicht zugutekommen»,<br />

sagt Barbara Salzmann.<br />

Foto: Ernst Brunner, © Schweiz. Gesellschaft für Volkskunde<br />

« Ich war mir sicher, der<br />

Speicher würde uns in vieler<br />

Hinsicht zugutekommen. »<br />

Barbara Salzmann, Bauherrin<br />

Während der Reifung werden die Käselaibe<br />

regelmässig mit Salzwasser eingerieben.<br />

(Käserei in Eggiwil, Mitte 20. Jahrhundert).<br />

Im «Verzeichniß der Zehndpflichtigen Alpbergen<br />

(…) in der Gemeinde Eggiwyl» (um 1810) wird die<br />

«Knubelhütten» als «Baurenalp» aufgeführt.<br />

Die Schatztruhe der Emmentaler Alp<br />

Die Alpweidegebiete des Emmentals sind die «Wiege» des bekannten<br />

Schweizer Hartkäses. Dieser wurde im 17. Jahrhundert zu einem gefragten<br />

Exportgut, die Alpen avancierten zu einer Kapitalanlage. Ein Teil<br />

davon wurde von Stadtbürgern, hauptsächlich aus Bern, aufgekauft. Die<br />

ehemalige Alp Knubelhütte hingegen ist in den Quellen des frühen<br />

19. Jahrhunderts als sogenannte Bauernalp mit mehreren Anteilhabern<br />

verzeichnet. Bewirtschaftet wurde sie von einem Pächter. 1839 liess<br />

Niklaus Stettler von Walkringen den dortigen Käsespeicher durch<br />

einen grösseren Neubau ersetzen: den heutigen Speicher der Familie<br />

Salzmann. Hier wurde der auf der Alp produzierte Käse zum Ausreifen<br />

gelagert und gepflegt. Ein kleiner Ofen temperierte den Raum. Die Dachkammer<br />

beherbergte Utensilien und eine Schlafgelegenheit.<br />

4 5


N<br />

4<br />

5<br />

Teamarbeit und Handwerkskunst<br />

Für die Bauarbeiten mobilisierte die Bauherrschaft<br />

eine Schar Helfer. Unter der Leitung<br />

des Zimmermanns Martin Zaugg wurden<br />

Schwellenkranz und Boden ausgewechselt.<br />

«Wir haben mit Massivholz statt mit verleimtem<br />

Holz gearbeitet. Indem wir bei der Sanierung<br />

historischer Bauten wieder die gleichen<br />

Materialien und Techniken verwenden,<br />

bleibt der Charakter erhalten», sagt Zaugg.<br />

Damit die Schwelle trocken bleibt, wurde der<br />

Speicher leicht gehoben. Die Aufmauerung<br />

ist vom bestehenden Mauerwerk kaum zu<br />

unterscheiden.<br />

Oberhalb der Schwelle war der Bau noch<br />

in sehr gutem Zustand. «Wir haben gestaunt,<br />

wie schön das Holz der Wände unter dem<br />

Russ- und Staubbelag zum Vorschein kam»,<br />

berichtet die Bauherrin. Die vielen Details<br />

und die handwerkliche Qualität des Speichers<br />

begeisterten die Eigentümer. Sie suchten nach<br />

spezialisierten Handwerkern, liessen ein<br />

Fenster nachbauen, Beschläge flicken und<br />

vieles mehr, bis alles wieder funktionierte<br />

und zueinander passte.<br />

Schliesslich entschieden sie sich, das<br />

Dach nicht mit Eternit-, sondern wie ursprünglich<br />

mit Holzschindeln zu decken. Die<br />

Hälfte des dafür benötigten Holzes stammt<br />

aus dem eigenen Wald. Hergestellt wurden<br />

die Schindeln von Hans und Roland Salzmann<br />

in ihrer Werkstatt auf dem benachbarten<br />

Landwirtschaftsbetrieb. «Das Naturmaterial<br />

wird heute wieder sehr wertgeschätzt,<br />

für historische Bauten wie auch für Verkleidungen<br />

an Neubauten», sagen die Schindelmacher.<br />

Das sind gute Nachrichten für die<br />

Zukunft des Handwerks, das vergessen zu<br />

gehen droht, wenn es nicht gepflegt wird.<br />

Ideenspeicher<br />

«Die finanziellen Beiträge der Denkmalpflege<br />

haben uns die Sanierung und Restaurierung<br />

ermöglicht», sagt Klaus Salzmann. Nun<br />

ist der Käsespeicher baulich wieder für längere<br />

Zeit gesichert. Mit dem Schindeldach<br />

gehört er zu den wenigen, die ganz in den<br />

ursprünglichen Zustand zurückgeführt werden<br />

konnten, wie Bauberater Spring betont.<br />

Der Aufwand hat sich gelohnt – von der<br />

finsteren Rumpelkammer ist der Speicher zur<br />

ersten Adresse der «Oberen Knubelhütte»<br />

geworden, zu einem Ort für kleine, aber feine<br />

Aktivitäten. Sein besonderer Reiz liegt in<br />

der Einfachheit, und darin, dass er die Geschichte<br />

des Bauernhofs lesbar macht, ohne<br />

museal zu wirken. Wo einst Käselaibe reiften,<br />

nehmen nun Barbara Salzmanns Ideen<br />

Form an und setzen neue Akzente auf dem<br />

Bauernhof.<br />

4 Die überall in die<br />

Wände eingeritzten Initialen<br />

geben einen Eindruck<br />

davon, wie viele<br />

Menschen seit 1839 im<br />

Speicher gearbeitet und<br />

in der Dachkammer<br />

übernachtet haben.<br />

5 Oberhalb der Schwelle<br />

war der Speicher in sehr<br />

gutem Zustand. In der<br />

Dachkonstruktion musste<br />

nur wenig Holz ersetzt<br />

werden.<br />

6 Der grosse Aufwand<br />

hat sich gelohnt: Die stolzen<br />

Eigentümer des Käsespeichers:<br />

Barbara und<br />

Klaus Salzmann mit ihren<br />

vier Kindern.<br />

6<br />

Datum<br />

Feb. <strong>2022</strong><br />

Adresse/Objekt<br />

Gezeichnet<br />

RB<br />

Format Plan-/Abb. Nr.<br />

A4<br />

« Oft gehen wertvolle Nebengebäude<br />

BE-GID<br />

Revidiert<br />

Datum Revidiert Gezeichnet Format Plan-/Abb. Nr.<br />

Obere Knubelhütte 316, Eggiwil<br />

242 049<br />

Feb. <strong>2022</strong> RB A4<br />

Massstab<br />

Adresse/Objekt<br />

BE-GID<br />

Querschnitt kaputt, 1:150 umso ausserordentlicher ist<br />

Obere Knubelhütte 316, Eggiwil<br />

242 049<br />

Denkmalpflege des Kantons Bern<br />

das Engagement<br />

Massstab<br />

Grundriss Erdgeschoss der Bauherrschaft<br />

1:150<br />

Denkmalpflege des Kantons Bern<br />

für den Speicher. »<br />

Simon Spring, Bauberater der Denkmalpflege<br />

Kontaktadressen<br />

Bauberatung Denkmalpflege<br />

Simon Spring<br />

Denkmalpflege des Kantons Bern<br />

Schwarztorstrasse 31<br />

Postfach<br />

3001 Bern<br />

T 031 633 40 30<br />

www.be.ch/denkmalpflege<br />

Planung und Zimmerarbeiten<br />

Martin Zaugg<br />

Hirsbrunner Holzbau AG<br />

Horben<br />

3537 Eggiwil<br />

T 034 491 12 81<br />

www.hirsbrunner-holzbau.ch<br />

Fundament und Umgebung<br />

Rüegsegger Holzbau AG<br />

Rambach 348c<br />

3618 Süderen<br />

T 033 453 14 10<br />

www.ruegseggerholzbau.ch<br />

Maurerarbeiten<br />

Fritz Reber<br />

Schwitter Bau AG<br />

Dorfstrasse 1<br />

3555 Trubschachen<br />

T 034 495 61 51<br />

www.schwitter-bau.ch<br />

Dachdeckerarbeiten<br />

Manfred Stucki<br />

Dachdecker, Spengler<br />

Rüegsegg 269<br />

3538 Röthenbach<br />

T 079 620 19 13<br />

www.stucki-bedachungen-spenglerei.ch<br />

Holzschindeln<br />

Hans Salzmann<br />

Längfeldhubel 327<br />

3537 Eggiwil<br />

T 079 565 34 01<br />

simon.salzmann@gmx.ch<br />

Fenster<br />

Schreinerei Friedli AG<br />

Scheidbach 77c<br />

6197 Schangnau<br />

T 034 493 30 57<br />

www.schreinerei-friedli.ch<br />

Schnitt<br />

Erdgeschoss<br />

0<br />

2 m<br />

N<br />

0<br />

2 m<br />

0 5<br />

6 7


1 Für die Schindelherstellung<br />

eignen sich Fichten<br />

aus schattigen hohen Lagen<br />

am besten.<br />

2 Das geschlagene Holz<br />

wird entsprechend der<br />

Schindellänge in Stücke<br />

zersägt, in Viertel gespalten<br />

und dann in massgenaue<br />

Holzscheite gesägt.<br />

3 4<br />

Ein Schindeldach aus<br />

dem eigenen Wald<br />

Schindeln werden mittlerweile nicht<br />

nur bei Renovationen verwendet,<br />

sondern zunehmend auch für Neubauten.<br />

Die kunstvolle Herstellung<br />

von Schindeln beginnt bei der Wahl<br />

des optimalen Holzes.<br />

Text: Elisabeth Schneeberger; Fotos: Dominique Plüss<br />

2<br />

1<br />

A<br />

uf dem Dach des restaurierten Käsespeichers<br />

liegt das Holz von fünf grossen<br />

Fichten. Die Hälfte davon hat<br />

Klaus Salzmann aus dem eigenen<br />

Wald geholt. Zu Schindeln verarbeitet wurde<br />

das Holz in der Nähe, auf dem Hof von<br />

Hans Salzmann und dessen Sohn Roland. Die<br />

Landwirte arbeiten nebenbei als Schindelmacher.<br />

Für das Dach des Käsespeichers haben<br />

sie mehrere Tonnen Holz zu 35 000<br />

Schindeln verarbeitet.<br />

Vor zwölf Jahren haben die beiden mit der<br />

Schindelherstellung begonnen und seither ist<br />

ihnen die Arbeit nie ausgegangen, im Gegenteil.<br />

Die Schindelmacherei ist auf einen kleinen<br />

Kreis von Handwerkern beschränkt, eine<br />

institutionalisierte Ausbildung gibt es nicht.<br />

Hans Salzmann hat die Technik von seinem<br />

Bruder Fritz gelernt und an seine beiden Söhne<br />

weitervermittelt. Schindeln aus den Werkstätten<br />

Salzmann liegen auf den Dächern zahlreicher<br />

historischer Gebäude, beispielsweise<br />

auf den Kirchtürmen von Grafenried und Kandergrund.<br />

Die Zukunft der Schindelmacherei<br />

sieht Fritz Salzmann aber auch in Neubauten.<br />

Vor allem für Fassaden könnte das Naturmaterial<br />

– umweltfreundlich von der Produktion<br />

bis zur Entsorgung – zunehmend interessant<br />

werden. Unter anderem haben Salzmanns für<br />

die Fassaden von Wohnhäusern in Goldiwil<br />

und in Stäfa Schindeln produziert.<br />

Die Schindelherstellung beginnt mit der<br />

Auswahl der Bäume: Am besten eignen sich<br />

Fichten aus schattigen Lagen, die auf 1000<br />

Meter oder höher gewachsen sind. Ihr Holz<br />

5<br />

ist fester, die engeren und regelmässigeren<br />

Jahresringe erhöhen die Spaltfähigkeit des<br />

Holzes. Fritz und Simon Salzmann arbeiten<br />

hauptberuflich als Förster und erkennen die<br />

geeigneten Stämme. Nach dem winterlichen<br />

Holzschlag wird der Stamm entsprechend der<br />

gewünschten Schindellänge in Stücke zersägt,<br />

diese werden in Viertel gespalten und<br />

danach in massgenaue Holzscheite gesägt.<br />

Die Aufspaltung eines Holzscheits in einzelne<br />

Schindeln ist eine Kunst, die viel Fingerspitzengefühl<br />

erfordert.<br />

Die Spaltung mit dem Schindeleisen<br />

schont die Fasern des Holzes und gewährleistet<br />

die Dichtheit der Schindeln. Und schliesslich<br />

müssen die fertigen Schindeln möglichst<br />

gut belüftet gelagert werden.<br />

3 Die Aufspaltung eines Holzscheits<br />

in einzelne Schindeln ist<br />

eine Kunst, die viel Fingerspitzengefühl<br />

erfordert.<br />

4 Die fertigen Schindeln im<br />

Einsatz auf dem neuen Dach des<br />

Käsespeichers in Eggiwil.<br />

5 Das grosse Vordach und der<br />

Dachraum des alten Sommerstalls<br />

der Familie Salzmann sind für die<br />

Lagerung der Schindeln ideal.<br />

8 9


1 Die Einweihung der katholischen<br />

Kirche Saint-Nicolas de<br />

Flüe in Corgémont erfolgte 1959.<br />

Sie ist einer der zahlreichen<br />

Kirchenbauten, die das Wirken<br />

der Architektin Jeanne Bueche<br />

prägen.<br />

1 2<br />

2 Die Kirche steht über einem<br />

trapezförmigen, sich nach Osten<br />

verjüngenden Grundriss.<br />

Der Chor liegt zwischen<br />

Kirchenschiff und Sakristei<br />

und deutet ein Querschiff an.<br />

Ein stimmungsvoller<br />

Kirchenraum<br />

Der Spezialpreis <strong>2022</strong> der Fachkommission für Denkmalpflege geht an die Römischkatholische<br />

Kirchgemeinde des Vallon de Saint-Imier für ihre respektvolle Haltung<br />

gegenüber dem Werk von Jeanne Bueche bei der Restaurierung der Kirche<br />

Saint-Nicolas de Flüe in Corgémont und bei der Neugestaltung des Kirchenraums.<br />

Text: René Koelliker, Bernhard Furrer (Text Jeanne Bueche); Fotos: Alexander Arregui Leszcynska<br />

11


3 Die Terrakottaoberflächen<br />

wurden<br />

gereinigt und die<br />

Betonträger der<br />

Decke erhielten einen<br />

Anstrich im originalen<br />

Grünton. Der<br />

monolithische Altar<br />

aus schwarzem<br />

Marmor ist ein Entwurf<br />

von Christine<br />

Rais El Mimouni.<br />

3 4<br />

4 Das äussere Glas<br />

der Nordwand des<br />

Chors wurde durch<br />

Isolierglas ersetzt,<br />

wodurch die inneren<br />

Glasplatten erhalten<br />

werden konnten.<br />

5 Neue Dynamik im<br />

Chor dank Reorganisation<br />

des liturgischen<br />

Mobiliars – mit<br />

neuem Altar, wiederentdecktem<br />

Christuskreuz<br />

und Neupositio<br />

nierung von Ambo<br />

und Tabernakel.<br />

I<br />

n der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts<br />

entstehen im Berner Jura und im<br />

Kanton Jura diverse neue Kirchen. Eine<br />

neue, von der Nachkriegsarchitektur<br />

beeinflusste Generation von Architektinnen<br />

und Architekten ist für die Kirchgemeinden<br />

tätig. Die katholische Kirche Saint-Nicolas<br />

de Flüe in Corgémont entstand nach den<br />

Plänen der Architektin Jeanne Bueche über<br />

einem trapezförmigen, sich nach Osten verjüngenden<br />

Grundriss. Der zwischen Kirchenschiff<br />

und Sakristei gelegene Chor deutet ein<br />

Querschiff an. Am 28. Juni 1959 wurde die<br />

Kirche, ein äusserst qualitätvolles Beispiel<br />

für die religiöse Architektur der 1950er Jahre,<br />

eingeweiht. In den letzten Jahrzehnten<br />

passte man sie an neue Formen der Messe<br />

und der Nutzungen an.<br />

5<br />

Respektvolle Restaurierung<br />

2018 nahm die Kirchgemeinde die Restaurierung<br />

und Neugestaltung des Kircheninneren<br />

in Angriff. Der Innenraum ist schlicht<br />

gestaltet, rote Backsteine, eine Holzdecke<br />

und gestrichener Zement sind die prägenden<br />

Komponenten. Mit der Ausführung der Arbeiten<br />

wurde die Architektin Christine Rais<br />

El Mimouni beauftragt. Dank ihres respektvollen<br />

Vorgehens hat der Kirchenraum seine<br />

ursprüngliche Wirkung behalten.<br />

Die Terrakottaoberflächen wurden<br />

gründlich gereinigt, und die Betonträger der<br />

Decke erhielten einen neuen Anstrich im originalen<br />

sanften Grünton. Die von geome-<br />

« Durch die Neugestaltung des<br />

Chors erhielt das liturgische<br />

Mobiliar eine neue Dynamik. »<br />

Christine Rais El Mimouni, Architektin<br />

12 13


trischen Glaselementen durchbrochene<br />

Nordwand des Chors entsprach den heutigen<br />

Standards bezüglich Schall- und Energieschutz<br />

nicht mehr. Indem man das äussere<br />

Glas durch ein neues Isolierglas ersetzte,<br />

ist es gelungen, die inneren Glasplatten zu<br />

erhalten und gleichzeitig den Schall- und<br />

Energiekomfort zu erhöhen.<br />

Am deutlichsten ist das Wirken von<br />

Christine Rais El Mimouni im Chor zu erkennen.<br />

«Ich entwarf einen monolithischen Altar<br />

aus schwarzem Marmor und integrierte den<br />

Tabernakel von 1960 in die Ostwand. Dadurch<br />

erhielt das liturgische Mobiliar eine neue<br />

Dynamik. Auch den Ambo habe ich neu positioniert<br />

und ihn mit demselben Stein, der für<br />

den Altar verwendet wurde, aufgewertet. Der<br />

Christus am Kreuz war im Keller der Kirche<br />

6 7<br />

6 Christine Rais El Mimouni<br />

im Kircheninneren, das dank<br />

des respektvollen Vorgehens<br />

seine ursprüngliche Wirkung<br />

behalten hat.<br />

7 Die Kirche Saint-Nicolas<br />

de Flüe ist ein hochwertiges<br />

Beispiel für die religiöse Architektur<br />

der 1950er Jahre.<br />

Durch das<br />

respektvolle Vorgehen<br />

wurde die<br />

ursprüngliche<br />

Wirkung erhalten.<br />

deponiert, er stammt aus der alten katholischen<br />

Kirche von Courtelary. Sein heutiger Standort<br />

ergänzt die Neugestaltung des Chors sehr gut»,<br />

erläutert Christine Rais El Mimouni.<br />

Zurückhaltung und Sensibilität<br />

Die Fachkommission für Denkmalpflege ist<br />

beeindruckt von der Zurückhaltung und Sensibilität,<br />

mit der Christine Rais El Mimouni<br />

die Arbeiten in Zusammenarbeit mit Handwerkern<br />

und einem Restaurator geplant und<br />

ausgeführt hat. Bei der Restaurierung des Inneren<br />

gelang es der Architektin, die Qualitäten<br />

des Kirchenraums hervorzuheben. Dazu<br />

trägt auch die neue Anordnung des liturgischen<br />

Mobiliars im Chor entscheidend bei.<br />

Insbesondere die energetischen Eingriffe an<br />

der Nordwand sind beispielhaft.<br />

Foto: Mémoires d‘Ici, Fonds Jeanne Bueche<br />

Jeanne Bueche<br />

Die Architektur der Nachkriegszeit im damaligen Berner Jura war geprägt<br />

von der nordjurassischen Katholikin Jeanne Bueche (1912–2000)<br />

und dem südjurassischen Protestanten Charles Kleiber (1905–1978).<br />

Während dieser vor allem Profanbauten erstellte, ist ihr Wirken von<br />

zahlreichen Kirchenbauten geprägt. Mit der beeindruckenden Chapelle<br />

de Montcroix, der Kirche des Kapuzinerklosters in Delémont,<br />

die in der Nachfolge der berühmten Kirche Notre-Dame du Raincy<br />

von Auguste Perret steht, machte sie früh auf sich aufmerksam. Neben<br />

Wohnhäusern folgten zahlreiche weitere Kirchenbauten, in denen<br />

sie die Erfahrungen, die sie im Studium an der ETH Zürich gesammelt<br />

hatte, mit den örtlichen Gegebenheiten verband. Sie setzte<br />

sich denn auch energisch für die Erhaltung des bäuerlichen Baukulturerbes<br />

im Jura ein. Für ihre Neubauten nannte sie im Gespräch immer<br />

wieder die «adaptation aux lieux» und die Suche nach «espaces<br />

ouverts et facilement saisissables» als entscheidend wichtige Ziele. Sie<br />

hat diese nicht bloss in der Kirche Nicolas de Flüe in Corgémont, sondern<br />

exemplarisch auch in den Kapellen in Broc (Kanton Freiburg),<br />

Berlincourt und Vellerat erreicht.<br />

Jeanne Bueche arbeitete immer wieder mit dem Künstler Remo<br />

Rossi (1909–1992) zusammen, den sie während ihrer Anstellung bei<br />

Rino Tami kennengelernt hatte. Es gelang ihr zudem, in ihren Bauten<br />

bedeutende Arbeiten von Künstlern wie Fernand Léger, Maurice<br />

Estève, André Bréchet, Jean Lurçat oder Coghuf (Ernst Stocker)<br />

zu integrieren.<br />

Die Architektin<br />

Jeanne Bueche,<br />

1988.<br />

Jeanne Bueches<br />

Planzeichnung<br />

der Kirche von<br />

1957.<br />

Kontaktadressen<br />

Bauberatung Denkmalpflege<br />

Olivier Burri<br />

Denkmalpflege des Kantons Bern<br />

Grand’Rue 126<br />

2720 Tramelan<br />

T 031 636 16 76<br />

www.be.ch/monuments-historiques<br />

Plaung und Architektur<br />

Christine Rais El Mimouni<br />

Architecte EPFL<br />

Chemin des Alouettes 10<br />

1053 Cugy<br />

T 021 235 53 33<br />

Restaurator<br />

Roland von Gunten<br />

Rue Berthold-Vuilleumier 14<br />

2616 Renan BE<br />

T 032 963 10 30<br />

Fenster<br />

Vitrerie Miroiterie Jost SA<br />

Daniel Payot<br />

Rue des Champs 24<br />

2300 La Chaux-de-Fonds<br />

T 032 926 40 77<br />

www.jost-vitrerie.ch<br />

Kirchenbänke<br />

Ebenisterie Picci<br />

Rue des Quatre-Tilleuls 2<br />

2063 Vilars<br />

T 032 853 53 66<br />

www.picci.ch<br />

Terrazzorestaurierung<br />

José Lino Ramos<br />

Bözingenstrasse 34 A<br />

2502 Biel/Bienne<br />

T 032 322 39 47<br />

Schreinerarbeiten<br />

Alfred Stucki SA<br />

Rue du Droit 3<br />

2605 Sonceboz-Sombeval<br />

T 032 489 13 17<br />

www.jurabitat.ch/stuckisa<br />

Herstellung mundgeblasene Glasleuchten<br />

Valérie de Roquemaurel<br />

Chemin du Clon 24<br />

1405 Pomy<br />

T 078 910 45 15<br />

www.valeriederoquemaurel.com<br />

14 15


<strong>Denkmalpflegepreis</strong> und Spezialpreis<br />

Die Denkmalpflege des Kantons Bern zeichnet mit dem <strong>Denkmalpflegepreis</strong> eine Bauherrschaft<br />

aus, die ein Baudenkmal mit Alltagsnutzung in Zusammenarbeit mit der Fachstelle sorgfältig<br />

restauriert und weiterentwickelt hat. Auch weniger beachtete, auf den ersten Blick unspektakuläre<br />

Baudenkmäler rücken in den Fokus: Aus architektonischer, geschichtlicher oder<br />

technischer Sicht sind sie oftmals sehr interessant und prägen die Identität unserer Dörfer und<br />

Städte genauso stark wie Herrschaftsbauten oder Kirchen. Der <strong>Denkmalpflegepreis</strong> würdigt<br />

das Engagement der Beteiligten, den respektvollen Umgang mit dem Baudenkmal und innovative<br />

Lösungen. Im Vordergrund steht die Werterhaltung, nicht die Wertvermehrung. Mit<br />

einem angemessenen Budget soll Wohn- oder Nutzungsqualität erhalten, optimiert oder geschaffen<br />

werden. Anders als der Hauptpreis richtet der Spezialpreis das Augenmerk generell<br />

auf die beispielhafte Restaurierung eines bedeutsamen Baudenkmals oder auf spektakuläre,<br />

aufwendige Einzelmassnahmen. Zur Auswahl steht die ganze Palette möglicher Bautypen,<br />

also Kirchen, Schlösser, Gasthöfe, Bahnhöfe oder Industriebauten ebenso wie Wohnhäuser<br />

oder Villen. Die Fachkommission für Denkmalpflege ist als externe Jury für die Wahl des Spezialpreises<br />

zuständig und bringt eine wichti ge Aussensicht ein. Die beiden Anerkennungspreise<br />

zeigen auf, über welchen kulturellen Reichtum der Kanton Bern vom Jura bis ins Oberland<br />

verfügt und was im Bereich der Kulturpflege geleistet wird – insbesondere von privaten und<br />

öffentlichen Bauherrschaften, Architektinnen und Architek ten sowie Bauschaffenden.<br />

Alle Reportagen zum <strong>Denkmalpflegepreis</strong> seit 2010: www.be.ch/denkmalpflege.<br />

Prix des monuments historiques et Prix spécial<br />

Le Service des monuments historiques décerne le Prix des monuments historiques afin de<br />

récompenser des maîtres d’ouvrage qui, avec la participation de ses spécialistes, ont restauré<br />

et aménagé avec soin un monument historique d’usage quotidien. Il entend ainsi attirer<br />

l’attention sur les nombreux bâtiments présentant un intérêt par leurs caractéristiques, leur<br />

architecture, leur histoire ou leurs aspects techniques, ceux-là même qui marquent l’identité<br />

de nos villes et villages autant que les châteaux et les églises. Le Prix des monuments historiques<br />

honore l’engagement des personnes concernées, leur respect du monument historique<br />

et la recherche de solutions novatrices. La préservation de la valeur passe avant son accroissement.<br />

La qualité d’habitat ou d’utilisation doit être maintenue, optimisée ou créée avec un<br />

budget adapté. À la différence du prix principal, le Prix spécial met l’accent sur la restauration<br />

exemplaire d’un monument historique important ou sur des mesures de restauration<br />

spectaculaires ou coûteuses. Tous les types de bâtiments peuvent prétendre à cette distinction<br />

: les églises, les châteaux, les auberges, les gares ou les bâtiments industriels, ainsi que<br />

les maisons d’habitation ou les villas. La commission d’experts et d’expertes pour la protection<br />

du patrimoine est chargée de choisir le lauréat du prix spécial ; elle forme ainsi un jury<br />

externe dont l’avis est important. Ces deux récompenses montrent la richesse du patrimoine<br />

architectural du canton de Berne, du Jura à l'Oberland, et ce qui est réalisé dans le domaine<br />

de la protection du patrimoine – en particulier par des maîtres d’ouvrage privés et publics,<br />

des architectes et des professionnels du bâtiment.<br />

Tous les rapports sur le Prix des monuments historiques depuis 2010 :<br />

www.be.ch/monuments-historiques.<br />

Ausgabe <strong>2022</strong> auf Deutsch lesen: Lire l'édition <strong>2022</strong> en français :<br />

Bildungs- und Kulturdirektion des Kantons<br />

Bern, Amt für Kultur / Denkmalpflege<br />

Die Denkmalpflege des Kantons Bern bedankt sich herzlich bei<br />

Barbara und Klaus Salzmann, Hans, Fritz, Roland und Simon<br />

Salzmann sowie bei der Römisch-katholischen Kirchgemeinde<br />

des Vallon de Saint-Imier und Christine Rais El Mimouni.<br />

Direction de l’instruction publique et de la<br />

culture du canton de Berne, Office de la culture<br />

/ Service des monuments historiques<br />

Le Service des monuments historiques remercie Barbara et<br />

Klaus Salzmann, Hans, Fritz, Roland et Simon Salzmann ainsi<br />

que la Paroisse catholique romaine du Vallon de Saint-Imier et<br />

Christine Rais El Mimouni.<br />

Seit über 30 Jahren rückt das Schweizer<br />

Magazin Umbauen + Renovieren<br />

den Umbau ins Rampenlicht. Reports<br />

aus den Bereichen Umbau und Sanierung,<br />

Werterhaltung und Renovation<br />

sowie Umnutzung und Ausstattung<br />

vermitteln Leidenschaft für Architektur,<br />

Wohnen und für die baugeschichtliche<br />

Vergangenheit und Zukunft der<br />

Schweiz. Praktisches Wissen über Ausbau,<br />

Haustechnik, Baubiologie und Gestaltungsfragen<br />

vom Grundriss bis zur<br />

Farbe, von der Küche bis zum Badezimmer,<br />

runden die Ausgaben ab, die<br />

jeweils unter einem thema tischen Fokus<br />

stehen. Die Zeitschrift erscheint<br />

sechsmal pro Jahr, Auszüge daraus<br />

sowie ergänzende Beiträge werden im<br />

Onlinemagazin veröffentlicht.<br />

www.metermagazin.com<br />

IMPRESSUM<br />

Herausgeber: Archithema Verlag AG<br />

Güterstrasse 2, 8952 Schlieren<br />

T 044 204 18 18<br />

www.metermagazin.com<br />

Denkmalpflege des Kantons Bern<br />

Schwarztorstrasse 31<br />

Postfach, 3001 Bern<br />

T 031 633 40 30<br />

www.be.ch/denkmalpflege<br />

Verlegerin: Felicitas Storck<br />

felicitas.storck@archithema.ch<br />

Chefredaktion: Britta Limper<br />

britta.limper@archithema.ch<br />

Stv. Chefredaktion: Silvia Steidinger<br />

silvia.steidinger@archithema.ch<br />

Grafik: Archithema Verlag AG<br />

Bildtechnik: Thomas Ulrich<br />

thomas.ulrich@archithema.ch<br />

Druck: AVD Goldach<br />

Sulzstrasse 12, 9403 Goldach<br />

© <strong>2022</strong> Archithema Verlag AG<br />

Jeder Nachdruck, auch auszugsweise,<br />

ist nur mit Erlaubnis des Verlages,<br />

der Redaktion und der Denkmalpflege<br />

des Kantons Bern gestattet.

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