Fachwerk 2023
Das Magazin der Denkmalpflege des Kantons Bern
Das Magazin der Denkmalpflege des Kantons Bern
Verwandeln Sie Ihre PDFs in ePaper und steigern Sie Ihre Umsätze!
Nutzen Sie SEO-optimierte ePaper, starke Backlinks und multimediale Inhalte, um Ihre Produkte professionell zu präsentieren und Ihre Reichweite signifikant zu maximieren.
Magazin<br />
Revue<br />
FACHWERK<br />
<strong>2023</strong>
Inhalt | Sommaire<br />
4<br />
Aktuell | Actuel<br />
4<br />
10<br />
18<br />
24<br />
Baudenkmal und Energie / Monuments historiques<br />
et énergie<br />
Energetische Optimierung / L’amélioration énergétique<br />
Baudenkmal und Solarenergie / Monuments<br />
historiques et énergie solaire<br />
Heizzentrale und Ortsbild / Chauffage à distance et<br />
site construit<br />
28<br />
Revision Bauinventar / Révision du recensement<br />
architectural<br />
30<br />
Berichte | Rapports<br />
30<br />
32<br />
34<br />
36<br />
Pflege von Park- und Gartenanlagen<br />
Revaloriser et réhabiliter le patrimoine industriel<br />
Fassaden und Innenhöfe von Altstadthäusern<br />
im Wandel<br />
Ein bürgerlicher Bildungspalast<br />
18<br />
Editorial<br />
38<br />
49<br />
50<br />
51<br />
52<br />
52<br />
54<br />
56<br />
58<br />
59<br />
Objekte | Objets<br />
Entdeckung | Découverte<br />
Zahlen | Chiffres<br />
Gut zu wissen | Bon à savoir<br />
Einblick | Aperçu<br />
Entdeckungen des Bauforschers / Les découvertes<br />
du spécialste du bâti<br />
Bauberatung: In neuen Teams unterwegs / Conseils<br />
techniques : de nouvelles équipes pour sillonner le<br />
canton<br />
Denkmalpflegepreis <strong>2023</strong> |<br />
Prix des monuments historiques<br />
Personelles | Personnel<br />
Impressum<br />
Termine | Calendrier<br />
Ausblick | Perspectives<br />
36<br />
39<br />
Baudenkmal und Energie<br />
Der Klimawandel beschäftigt uns alle. Wir werden<br />
in den nächsten Jahrzehnten grosse Herausforderungen<br />
zu meistern haben. In der Debatte um<br />
Klimaziele, Energieeffizienz und Ressourcenschonung<br />
stehen auch unsere Baudenkmäler im Fokus. Klimaschutz<br />
und Denkmalschutz beruhen auf derselben<br />
Haltung: Beide Anliegen unterstützen eine nachhaltige<br />
Entwicklung und haben den achtsamen Umgang<br />
mit Ressourcen zum Ziel. Baudenkmäler leisten einen<br />
direkten Beitrag zum Klimaschutz – sie sind in der<br />
Regel reparierbar, langlebig und bestehen aus dauerhaften<br />
Materialien und Konstruktionen. Ihre Erhaltung<br />
und Nutzung ist ökologisch und ressourcenschonend.<br />
Das Einsparen und die Neugewinnung von Energie ist<br />
längst zu einem integralen Bestandteil der denkmalpflegerischen<br />
Arbeit geworden. Unsere Bauberaterinnen<br />
und Bauberater setzen sich dafür ein, Baudenkmäler<br />
möglichst authentisch zu erhalten und gemeinsam<br />
mit den Bauherrschaften und Bauschaffenden<br />
klimafit zu machen. Im <strong>Fachwerk</strong> <strong>2023</strong> haben wir die<br />
wichtigsten Informationen zu diesem Thema für Sie<br />
zusammengetragen.<br />
Unsere Baukultur hat viele Facetten. Baudenkmäler<br />
prägen das Erscheinungsbild unserer Dörfer und<br />
Städte, sie stiften Identität, speichern und überliefern<br />
Geschichte und Handwerkskönnen. Tragen wir ihnen<br />
Sorge.<br />
Tatiana Lori, Kantonale Denkmalpflegerin<br />
Monuments historiques et énergie<br />
Nous sommes tous préoccupés par l’évolution du<br />
climat. De grands défis nous attendent. Nos monuments<br />
historiques sont aussi au cœur des débats<br />
sur les objectifs climatiques, l’efficacité énergétique<br />
et l’exploitation des ressources. La protection du<br />
climat et la conservation des monuments historiques<br />
partent d’une même position : il s’agit d’encourager<br />
un développement durable et de viser à ménager les<br />
ressources. Les monuments historiques contribuent<br />
directement à la protection du climat : ils sont en<br />
général réparables, durables et faits de matériaux<br />
solides et bien mis en œuvre. Les conserver et les<br />
occuper, c’est une manière d’agir écologiquement et<br />
de ménager les ressources.<br />
Il y a longtemps déjà que le travail de conservation<br />
des monuments historiques a intégré les économies<br />
d’énergie et la production d’énergies nouvelles. Nos<br />
conseillers et conseillères techniques s’efforcent de<br />
conserver les monuments historiques dans un état<br />
aussi authentique que possible et, de concert avec<br />
les propriétaires, les architectes et les maîtres d’état,<br />
de les adapter aux nouvelles exigences climatiques.<br />
Le présent numéro de <strong>Fachwerk</strong> réunit les informations<br />
les plus importantes sur la question.<br />
Notre patrimoine architectural est riche et varié. Les<br />
monuments historiques donnent leur caractère à nos<br />
villages et à nos villes, ils sont créateurs d’identité, ils<br />
sont dépositaires d’histoire et de savoir-faire dont ils<br />
assurent la transmission. Ils méritent tous nos soins.<br />
Tatiana Lori, cheffe du Service cantonal des<br />
monuments historiques<br />
FACHWERK <strong>2023</strong> 3
Aktuell | Actuel<br />
Baudenkmal und Energie<br />
Die Klimaerwärmung stellt eine der grössten Herausforderungen unserer Zeit dar.<br />
Wo stehen unsere Baudenkmäler in der Debatte um Klimaziele, Energieeffizienz<br />
und Ressourcenschonung?<br />
3<br />
Monuments historiques et énergie<br />
1<br />
Le réchauffement climatique est un des plus grands défis auxquels doit faire face notre<br />
époque. Comment nos monuments historiques se situent-ils dans le débat sur les<br />
objectifs climatiques, l’efficacité énergétique et la nécessité de ménager les ressources ?<br />
Die Energiepolitik von Bund und Kantonen setzt<br />
sich zum Ziel, die Treibhausgase zu reduzieren,<br />
den Energie- und Stromverbrauch zu verringern und<br />
die erneuerbaren Energien zu fördern. Der Umgang<br />
mit bestehenden Bauten ist zum Erreichen der Klimaziele<br />
von grosser Bedeutung. Sie sollen energetisch ertüchtigt,<br />
Öl- und Gasheizungen sollen ersetzt werden.<br />
Die entsprechenden Fördermassnahmen betreffen<br />
auch unsere Baudenkmäler. Die nicht ersetzbaren<br />
materiellen Zeugnisse unserer Vergangenheit sollen in<br />
ihrer historischen Substanz und in ihrer Erscheinung<br />
möglichst unverändert erhalten bleiben. Auch dies<br />
ist von grossem öffentlichen Interesse. Grundsätzlich<br />
besteht zwischen Klimaschutz und Denkmalschutz<br />
kein Widerspruch. Beides sind öffentliche Belange,<br />
die durch Bundesrecht sowie durch kantonale Gesetze<br />
und Verordnungen geregelt sind. Beide Anliegen<br />
beruhen auf derselben Haltung: Sie unterstützen eine<br />
nachhaltige Entwicklung und schonen Ressourcen.<br />
Das <strong>Fachwerk</strong> <strong>2023</strong> beschäftigt sich mit den Herausforderungen,<br />
welche die gleichzeitige Umsetzung der<br />
beiden Bestrebungen mit sich bringt.<br />
Energiemassnahmen: Alltag bei der<br />
Denkmalpflege<br />
Die energetische Sanierung von Baudenkmälern, die<br />
Montage von Solaranlagen auf ihren Dächern und<br />
die Heizzentralen von Wärmeverbünden sind längst<br />
zum Tagesgeschäft der Bauberatenden der Denkmalpflege<br />
geworden. Diese setzen sich dafür ein,<br />
Baudenkmäler möglichst authentisch zu erhalten<br />
und gemeinsam mit den Bauherrschaften und Bauschaffenden<br />
an die Bedürfnisse der Gegenwart anzupassen.<br />
Die Verbesserung der Energiebilanz stellt<br />
besondere Anforderungen an einen historischen Bau.<br />
Baudenkmäler sind meist nicht für die Ansprüche<br />
konzipiert, die wir im Energiebereich an sie stellen.<br />
Mit respektvollen Massnahmen kann jedoch in der<br />
Regel eine deutliche Verbesserung der Energiewerte<br />
erreicht werden. Gute Lösungen fussen auf Kenntnissen<br />
aus den verschiedenen Fachbereichen und auf<br />
einem guten Austausch zwischen allen Beteiligten.<br />
Im Artikel ab Seite 10 haben wir bewährte Methoden<br />
und Massnahmen, Möglichkeiten und Grenzen zusammengestellt.<br />
Die Restaurierung von Baudenkmälern ist im Trend,<br />
die Investitionen in private Umbauprojekte bewegen<br />
sich seit Jahren auf hohem Niveau. Die Bauberatenden<br />
der Denkmalpflege bestätigen diese Entwicklung:<br />
Sie begleiten pro Jahr über 2 000 Projekte.<br />
Die Sanierung und die energetische Ertüchtigung<br />
von Wohnbauten, oft kombiniert mit der Installation<br />
einer Solaranlage, gehören dabei zu den häufigsten<br />
Bauvorhaben.<br />
2<br />
2 Die Solarzellen auf den Dächern sind von unten kaum sichtbar. /<br />
2 Depuis en bas, les panneaux solaires sur le toit se voient à peine.<br />
Dans leur politique énergétique, la Confédération<br />
et les cantons se sont fixé pour but de réduire<br />
les émissions de gaz à effet de serre, de diminuer la<br />
consommation d’énergie et de courant électrique et<br />
de favoriser les énergies renouvelables. Le traitement<br />
à réserver aux bâtiments existants est d’une grande<br />
importance pour la réalisation des objectifs climatiques.<br />
Il faut en améliorer le rendement énergétique et<br />
remplacer les chauffages au mazout et au gaz. Nos<br />
monuments historiques sont également concernés<br />
par ces mesures. Il s’agit, autant que possible, de<br />
préserver dans leur substance historique les témoins<br />
matériels non remplaçables de notre passé et de<br />
maintenir leur aspect intact. Cela aussi est d’un intérêt<br />
public majeur. Dans le fond, il n’y a pas contradiction<br />
entre la protection du climat et la protection<br />
des monuments historiques. L’une est l’autre sont<br />
de la compétence des pouvoirs publics et sont réglées<br />
par le droit fédéral et les lois et ordonnances<br />
des cantons. Elles ont pour fondement une seule et<br />
même attitude : soutenir un développement durable<br />
et ménager les ressources. Le présent numéro de<br />
<strong>Fachwerk</strong> examine les problèmes que pose la mise<br />
en œuvre simultanée des efforts engagés dans ces<br />
deux voies.<br />
Les mesures énergétiques, une tâche<br />
quotidienne pour les Monuments historiques<br />
Il y a longtemps déjà que l’assainissement énergétique<br />
des bâtiments anciens, la pose d’installations<br />
solaires sur leurs toits et les centrales de chauffage<br />
1 Baudenkmal und Energieeffizienz im Einklang: Schulanlage<br />
Stegmatt von 1954–1959 in Lyss (siehe auch Seite 44).<br />
3 Alle Gebäude wurden gedämmt, die Fenster saniert und nur<br />
wo nötig ersetzt.<br />
à distance font partie des affaires que doivent<br />
couramment traiter les conseillers et conseillères<br />
techniques du Service des monuments historiques.<br />
Leur souci est de conserver les monuments aussi<br />
authentiques que possible et, en collaboration avec<br />
les propriétaires, les maîtres d’œuvre et les maîtres<br />
d’état, de les adapter aux besoins actuels. L’amélioration<br />
du bilan énergétique représente un défi majeur<br />
pour un bâtiment ancien. Les monuments historiques<br />
en effet n’ont généralement pas été conçus en fonction<br />
des exigences que nous leur imposons sur le<br />
plan énergétique. Il est néanmoins possible, par des<br />
mesures respectueuses de la substance historique,<br />
d’améliorer sensiblement les valeurs énergétiques.<br />
Les bonnes solutions sont fondées sur des connaissances<br />
dans divers domaines et sur des échanges<br />
entre toutes les personnes impliquées. L’article des<br />
pages 11 et suivantes présente des méthodes et des<br />
mesures qui ont fait leurs preuves, avec leurs possibilités<br />
et leurs limites.<br />
La restauration de bâtiments historiques est dans<br />
l’air du temps. Depuis plusieurs années, les investissements<br />
privés dans des projets de transformation<br />
se maintiennent à un niveau élevé. Les conseillers<br />
et conseillères techniques du Service des monuments<br />
historiques confirment cette tendance, eux<br />
qui suivent plus de deux mille dossiers par année.<br />
Or dans leur grande majorité, ces projets visent à un<br />
assainissement et à une amélioration énergétique de<br />
constructions habitables, souvent associée à la pose<br />
d’une installation solaire.<br />
1 Monument historique et efficacité énergétique à l’unisson : établissement<br />
scolaire de Stegmatt à Lyss, 1954–1959 (voir aussi p. 44).<br />
3 Tous les bâtiments ont été isolés, les fenêtres rénovées, et remplacées<br />
uniquement là où c’était nécessaire.<br />
FACHWERK <strong>2023</strong> 4<br />
FACHWERK <strong>2023</strong><br />
5
Aktuell | Actuel<br />
TROIS QUESTIONS À<br />
4<br />
5<br />
Klimarelevanz: Baudenkmäler verhindern<br />
die Energiewende nicht<br />
Rund 45 % des Energieverbrauchs und rund 30 %<br />
der klimaschädlichen CO 2<br />
-Emissionen fallen auf den<br />
Gebäudebereich. Unsere Baudenkmäler machen nur<br />
einen kleinen Teil des Gesamtgebäudebestandes<br />
aus. Im Kanton Bern sind nach der Revision des<br />
Bauinventars 7 % des Gesamtbestandes, also rund<br />
29 000 Objekte, als erhaltenswerte oder schützenswerte<br />
Baudenkmäler erfasst. Ein knappes Drittel<br />
dieser Objekte wird unbeheizt genutzt, beispielsweise<br />
Scheunen und Speicher oder auch Brunnen<br />
und Brücken. Bei rund 20 000 Baudenkmälern, etwa<br />
5 % des Gebäudebestandes, kann mit energetischen<br />
Massnahmen ein Beitrag an die Erreichung der<br />
Klimaziele geleistet werden. Die von diesen Gebäuden<br />
verbrauchte Energiemenge und damit auch die<br />
Einsparmöglichkeiten, die realisiert werden können,<br />
sind vergleichsweise gering.<br />
4 Das Bauernhaus Weyergut von 1842 in Wabern/Köniz wurde umfassend<br />
saniert und umgenutzt (Halle 58 Architekten, Bern).<br />
5 Ausgezeichnete Solararchitektur: Die Sanierung der Stallscheune<br />
von 1874 wurde mit dem Schweizer Solarpreis 2020 honoriert.<br />
Verhältnismässigkeit und Augenmass:<br />
Gesamtbilanz zählt<br />
Bei Überlegungen zur Energieeffizienz lohnt es sich,<br />
nicht ein Einzelobjekt oder eine Einzelmassnahme<br />
in den Fokus zu stellen, sondern eine Gesamtbilanz<br />
anzustreben. Die energetische Verbesserung eines<br />
historisch wertvollen Wohnhauses beeinflusst die<br />
Energiebilanz eines Quartiers beispielsweise kaum,<br />
wenn gleichzeitig ein grosses Gewerbegebäude im<br />
Umfeld unsaniert bleibt. Werden an einem Baudenkmal<br />
unangemessene Massnahmen umgesetzt, vernichtet<br />
man im schlimmsten Fall seinen kulturellen<br />
Wert – ein Verlust, der wahrscheinlich den Gewinn für<br />
die Öffentlichkeit durch die eingesparte Energie überwiegt.<br />
Das gut ausgerichtete Dach eines Nebenbaus<br />
ist möglicherweise besser für die Installation einer<br />
effizienten Solaranlage geeignet als das verwinkelte<br />
Dach des benachbarten Baudenkmals (siehe auch<br />
Artikel ab Seite 18). Der Blick auf das grosse Ganze,<br />
eine umfassende Analyse und sorgfältiges Abwägen<br />
führen oft zu kreativen und sinnvollen Lösungen –<br />
verbesserte Energiewerte oder Energieproduktion<br />
sind so möglich, ohne dass Baudenkmäler oder<br />
schützenswerte Ortsbilder beeinträchtigt werden.<br />
Potenzial des Bestands<br />
Baudenkmäler speichern und überliefern Geschichte,<br />
stiften Identität und tragen zu Siedlungs- und Wohnqualität<br />
bei. In Bezug auf Ressourcenschonung oder<br />
Energieverbrauch treten zusätzliche Qualitäten in den<br />
Vordergrund. Wie man baute, hatte zu jeder Zeit mit<br />
den zur Verfügung stehenden Ressourcen zu tun.<br />
Siedlungen und Bauten wurden an einem geeigneten<br />
Ort, gut ausgerichtet, mit lokal vorhandenem, hochwertigem<br />
Baumaterial und in einer energiesparenden<br />
Konstruktionsart errichtet. Davon zeugen dichte<br />
mittelalterliche Stadtkerne und auf eine lange und<br />
energieeffiziente Nutzung ausgelegte Einzelbauten.<br />
Die Bausubstanz aus der Zeit zwischen 1870 und<br />
1925 gehört beispielsweise in ihrer Mehrheit qualitativ<br />
und energetisch zum Besten, was je gebaut wurde.<br />
Dies wirkt sich bezüglich Energiebilanz auch heute<br />
noch positiv aus.<br />
Baukultur und Nachhaltigkeit<br />
Dank ihrer Qualitäten sind Baudenkmäler in der Regel<br />
reparierbar und langlebig, ihr Anteil an grauer Energie<br />
ist meist klein und ihre Weiternutzung trägt dazu<br />
bei, Ressourcen und Umwelt zu schonen. Baukultur<br />
ist per se nachhaltig und leistet somit einen Beitrag<br />
an die Erreichung der Klimaziele. Dies reicht jedoch<br />
nicht aus: Sollen die Klimaziele und eine Netto-Null-<br />
Gesellschaft erreicht werden, müssen gleichzeitig<br />
beim Bauen, bei der Verbrauchsreduktion und bei<br />
der Energieproduktion weitere Fortschritte erzielt<br />
werden. Im <strong>Fachwerk</strong> 2024 werden wir der Frage<br />
nachgehen, inwiefern Denkmal- und Kulturpflege eine<br />
positive ökologische, ökonomische und soziale Entwicklung<br />
begünstigt.<br />
4 La ferme du Weyergut à Wabern/Köniz, de 1842, a été entièrement<br />
rénovée et réaffectée (Atelier d’architecture Halle 58, Berne).<br />
5 Une distinction pour une architecture solaire : le Prix solaire suisse<br />
2020 a été décerné pour l’assainissement de cette grange de 1874.<br />
Tatiana Lori<br />
Que faut-il pour réussir le tournant<br />
énergétique ?<br />
La consommation d’énergie et de ressources<br />
ne cesse d’augmenter. En plus<br />
de la mise en œuvre des objectifs climatiques,<br />
il faut un retournement de notre manière<br />
de penser la société et l’économie,<br />
et un développement visant à la durabilité.<br />
Des changements sont indispensables<br />
aussi dans nos comportements : de plus<br />
en plus, il sera important de faire preuve<br />
de sobriété économique et de réduire à<br />
des proportions supportables la consommation<br />
de ressources.<br />
TROIS QUESTIONS À<br />
Ulrich Nyffenegger<br />
Que faut-il pour réussir le tournant<br />
énergétique ?<br />
Nous sommes déjà sur la bonne voie.<br />
Les projets visant au développement<br />
des énergies renouvelables ne manquent<br />
pas, et le potentiel encore à exploiter est<br />
connu. La société se montre toutefois<br />
encore réticente lorsqu’il s’agit de la mise<br />
en œuvre des projets. L’attitude qui<br />
prédomine est : « N’importe où, mais pas<br />
chez moi ! ». Nous devons réorienter notre<br />
manière de penser : l’approvisionnement<br />
énergétique et la protection du climat sont<br />
de notre responsabilité à nous tous !<br />
Quel souhait voudriez-vous adresser<br />
à Tatiana Lori ?<br />
Je souhaite que notre bonne collaboration<br />
se poursuive, comme avec tous<br />
les offices externes. Pour pouvoir élaborer<br />
des solutions efficaces, il est extrêmement<br />
important que nous ayons des<br />
Quel souhait voudriez-vous adresser<br />
à Ulrich Nyffenegger ?<br />
Pour les questions concernant nos<br />
monuments historiques et l’énergie, il est<br />
très important que nous ayons une<br />
collaboration et des échanges avec l’OEE.<br />
Je souhaite donc que nous puissions<br />
continuer ainsi et développer notre collaboration.<br />
À quoi ressemblera la Suisse dans<br />
cinquante ans ?<br />
Nous nous trouvons actuellement<br />
dans une période décisive pour notre<br />
échanges très tôt. C’est ce que prévoit la<br />
procédure d’autorisation de construire.<br />
La mise en balance des intérêts est une<br />
tâche exigeante, mais avec du respect<br />
mutuel et de la bonne volonté, on peut en<br />
venir à bout.<br />
À quoi ressemblera la Suisse dans<br />
cinquante ans ?<br />
Elle ne sera pas foncièrement différente<br />
de la Suisse d’aujourd’hui. On verra<br />
davantage de panneaux solaires sur les<br />
toits, plusieurs installations solaires dans<br />
les Alpes et quelques parcs d’éoliennes<br />
assureront la production de courant électrique<br />
pour l’hiver. Et il n’y aura plus de<br />
centrales nucléaires ni d’usines électriques<br />
à combustibles fossiles.<br />
Ulrich Nyffenegger, chef de l’Office de<br />
l’environnement et de l’énergie<br />
Office de l’environnement et de l’énergie (OEE)<br />
L’Office de l’environnement et de l’énergie (OEE) conseille le<br />
gouvernement, l’administration et les communes dans le<br />
domaine du développement durable, de la politique énergétique<br />
et climatique, ainsi que de la protection de l’environnement<br />
et de la protection contre les émissions polluantes.<br />
Il se définit comme un interlocuteur interprofessionnel sur<br />
ces questions. L’OEE met en œuvre la stratégie énergétique<br />
cantonale et assure la coordination entre les offices et les<br />
directions sur les questions environnementales. Il est l’organe<br />
patrimoine bâti. J’espère que d’ici cinquante<br />
ans, nous aurons pu juguler le<br />
réchauffement de la planète. C’est aux<br />
générations qui nous suivront qu’il<br />
appartiendra de dire si nous avons réussi<br />
ou non à atteindre un niveau élevé de<br />
« culture du bâti » : les panneaux solaires<br />
ont-ils été posés avec ménagement, ou<br />
le patrimoine culturel a-t-il perdu de sa<br />
valeur ?<br />
Tatiana Lori, cheffe du Service cantonal<br />
des monuments historiques<br />
compétent pour les directives sur « les installations de production<br />
d’énergies renouvelables non soumises au régime du<br />
permis de construire ». Les collaboratrices et collaborateurs<br />
de l’OEE sont présents au Salon Maison+Énergie (BERN-<br />
EXPO) pour donner des conseils en matière d’amélioration de<br />
l’efficacité énergétique, à propos de la loi sur l’énergie et de<br />
la stratégie climatique, ainsi que sur la certification énergétique<br />
cantonale des bâtiments (CECB). L’Office organise également,<br />
pour un large public, des rencontres dans les communes du<br />
canton sur les questions énergétiques et climatiques.<br />
FACHWERK <strong>2023</strong> 6 FACHWERK <strong>2023</strong><br />
7
Aktuell | Actuel<br />
6 7<br />
DREI FRAGEN AN<br />
Tatiana Lori<br />
Was ist nötig, damit die Energiewende<br />
gelingt?<br />
Der Energie- und Ressourcenverbrauch<br />
steigt stetig an, es braucht nebst<br />
der Umsetzung der Klimaziele sicherlich<br />
ein Umdenken unserer Gesellschaft und<br />
Wirtschaft und eine Entwicklung hin zu<br />
Nachhaltigkeit. Dazu sind Verhaltensänderungen<br />
notwendig: Neben der effizienten<br />
Energienutzung und dem Ausbau<br />
erneuerbarer Energiequellen wird auch<br />
die Suffizienz – die Reduktion des Ressourcenverbrauchs<br />
auf ein verträgliches<br />
Mass – an Bedeutung gewinnen.<br />
Was ist Ihr Wunsch an Ulrich<br />
Nyffenegger?<br />
Die Zusammenarbeit und der Austausch<br />
mit dem AUE bei Fragen, die<br />
unsere Baudenkmäler und die Energie-<br />
DREI FRAGEN AN<br />
Ulrich Nyffenegger<br />
Was ist nötig, damit die Energiewende<br />
gelingt?<br />
Eigentlich sind wir gut unterwegs.<br />
Es gibt genügend umweltverträgliche<br />
Projekte für den Ausbau der erneuerbaren<br />
Energien, zusätzliches Potenzial ist erkannt.<br />
Die Akzeptanz für die Umsetzung<br />
dieser Vorhaben ist jedoch in der Gesellschaft<br />
(noch) nicht genügend vorhanden,<br />
es überwiegt die Haltung «not in my<br />
backyard – überall, nur nicht hier bei mir.»<br />
Ein Umdenken ist notwendig: Energieversorgung<br />
und Klimaschutz ist in der<br />
Verantwortung von uns allen!<br />
Thematik betreffen, ist für uns sehr wichtig.<br />
Entsprechend wünsche ich mir, dass<br />
wir die bisherige Praxis beibehalten und<br />
erfolgreich ausbauen können.<br />
Wie sieht die Schweiz in 50 Jahren<br />
aus?<br />
Wir erleben im Moment eine Phase,<br />
die für unser baukulturelles Erbe sehr<br />
einschneidend ist. Ich hoffe, dass wir die<br />
Erderwärmung bis in 50 Jahren stoppen<br />
können. Die nachfolgenden Generationen<br />
werden beurteilen, ob es gelungen ist, eine<br />
«hohe Baukultur» zu erreichen: Wurden<br />
Solaranlagen schonend angebracht oder<br />
hat das kulturelle Erbe an Wert verloren?<br />
Tatiana Lori,<br />
Kantonale Denkmalpflegerin<br />
Was ist Ihr Wunsch an Tatiana Lori?<br />
Ich wünsche mir, dass wir die bisherige<br />
gute Zusammenarbeit weiterführen, wie<br />
mit allen externen Stellen. Der frühzeitige<br />
Austausch ist enorm wichtig, um effizient<br />
zu guten Lösungen zu gelangen. So ist es<br />
im Bewilligungsprozess vorgesehen. Die<br />
Interessenabwägung ist eine anspruchsvolle<br />
Aufgabe, die aber mit gegenseitigem<br />
Respekt und gutem Willen erfolgreich<br />
gemeistert werden kann.<br />
Wie sieht die Schweiz in 50 Jahren<br />
aus?<br />
Grundsätzlich nicht wesentlich anders<br />
als heute – aber auf den Dächern werden<br />
viele Solaranlagen zu sehen sein, es wird<br />
alpine Solaranlagen und einige Windkraftwerke<br />
geben, die die Winterstromproduktion<br />
sicherstellen. Dafür werden keine<br />
Atomkraftwerke und keine fossilen Kraftwerke<br />
mehr am Netz sein.<br />
Ulrich Nyffenegger,<br />
Vorsteher Amt für Umwelt und Energie<br />
Das Amt für Umwelt und Energie<br />
Das Amt für Umwelt und Energie berät Regierung, Verwaltung<br />
und Gemeinden in den Themenfeldern nachhaltige<br />
Entwicklung, Energie- und Klimapolitik sowie Umwelt- und<br />
Immissionsschutz und versteht sich als branchenübergreifende<br />
Anlaufstelle rund um diese Themen. Das AUE setzt<br />
die kantonale Energiestrategie um und koordiniert amts- und<br />
direktionsübergreifende Umweltthemen. Das Amt ist federführend<br />
bei den Richtlinien «Baubewilligungsfreie Anlagen zur<br />
Gewinnung erneuerbarer Energien». An der Hausbau+Energie<br />
Messe (BERNEXPO) beraten Mitarbeitende des AUE zu den<br />
Themen Energieförderung, Energiegesetz und Klimastrategie<br />
sowie zum Gebäudeenergieausweis der Kantone GEAK.<br />
Ebenfalls für ein breiteres Publikum organisiert das AUE<br />
Energie- und Klimatalks in den Berner Gemeinden.<br />
6 Le Weyergut à Wabern/Köniz : L’isolation thermique du toit, du plancher<br />
et des murs a permis de réduire de presque 80% les besoins en<br />
énergie. / 6 Weyergut Wabern/Köniz: Dank der Wärmedämmung von<br />
Dach, Boden und Wänden sank der Gesamtenergiebedarf um fast<br />
80 %.<br />
L’importance pour le climat : les monuments<br />
historiques ne sont pas un obstacle au<br />
tournant énergétique<br />
Les bâtiments sont à l’origine de 45% de la consommation<br />
d’énergie et de 30% des émissions de CO 2<br />
préjudiciable au climat. Les monuments historiques<br />
ne constituent qu’une petite partie de l’ensemble<br />
des bâtiments. Depuis la révision du recensement<br />
architectural, seuls 7% des bâtiments entrent dans<br />
la catégorie des monuments historiques dignes de<br />
conservation ou dignes de protection, soit 29000<br />
objets. Et parmi ceux-ci, presque un tiers sont utilisés<br />
mais non chauffés : ce sont par exemple des granges,<br />
des greniers, des fontaines ou des ponts. Dans<br />
20 000 monuments historiques, soit 5% environ de<br />
l’ensemble des bâtiments, des mesures énergétiques<br />
permettent de contribuer à la réalisation des objectifs<br />
climatiques. La quantité d’énergie consommée par<br />
ces bâtiments et par conséquent le potentiel d’économie<br />
sont relativement faibles.<br />
Proportionnalité et circonspection :<br />
c’est le bilan global qui compte<br />
Dans toute réflexion sur l’efficacité énergétique, il<br />
convient de ne pas focaliser l’attention sur un objet<br />
ou une mesure individuelle, mais d’envisager le bilan<br />
global. L’amélioration énergétique d’une maison<br />
d’habitation historique de valeur, par exemple, n’aura<br />
guère d’effet sur le bilan énergétique d’un quartier<br />
si parallèlement aucune mesure d’assainissement<br />
n’est prise sur un grand bâtiment industriel proche.<br />
Dans le pire des cas, des dispositions inappropriées<br />
prises sur un monument historique peuvent en<br />
anéantir la valeur culturelle, et l’économie d’énergie<br />
ainsi réalisée risque de ne pas compenser cette perte<br />
pour la collectivité. Un versant de toit d’orientation<br />
favorable conviendra peut-être mieux pour la pose<br />
d’une installation solaire que la toiture complexe du<br />
monument historique voisin (voir l’article pages 19<br />
et suivantes). Souvent un regard sur l’ensemble, une<br />
analyse complète et détaillée ouvrent la voie à des<br />
solutions créatives et judicieuses : il est ainsi possible<br />
d’améliorer les valeurs énergétiques ou la production<br />
d’énergie sans porter atteinte à des bâtiments historiques<br />
ou à des objets dignes de protection.<br />
Le potentiel des bâtiments existants<br />
Les bâtiments anciens emmagasinent l’histoire et<br />
la transmettent, créent une identité et contribuent<br />
à la qualité des zones construites et de l’habitat.<br />
La parcimonie dans l’usage des ressources ou la<br />
consommation d’énergie fait intervenir d’autres<br />
7 Un espace intérieur de qualité : Cuisine installée dans l’ancienne<br />
partie d’exploitation. / 7 Wertvoller Wohn- und Lebensraum: Küche im<br />
ehemaligen Ökonomieteil.<br />
qualités. À toute époque, la manière de bâtir a été<br />
liée aux ressources à disposition. Les localités et les<br />
bâtiments ont été implantés à un endroit approprié,<br />
correctement orientés et construits avec des matériaux<br />
de qualité disponibles sur place, et de manière<br />
à économiser l’énergie. C’est ce dont témoignent les<br />
villes médiévales avec leur tissu bâti dense et leurs<br />
bâtiments conçus pour un usage de longue durée<br />
et énergétiquement efficace. La substance de la<br />
majorité des bâtiments construits entre 1870 et 1925,<br />
par exemple, est parmi ce qui s’est fait de mieux sur<br />
le plan de la qualité et du rendement énergétique.<br />
Aujourd’hui encore, cette qualité a des incidences<br />
positives sur le bilan énergétique.<br />
Culture du bâti et durabilité<br />
Les monuments historiques, grâce à leurs qualités,<br />
sont généralement réparables et durent longtemps.<br />
Ils ne consomment qu’une part réduite d’énergie grise<br />
et leur réutilisation dans la longue durée contribue<br />
à ménager les ressources et l’environnement. La<br />
culture du bâti étant durable en soi, elle concourt à<br />
la réalisation des objectifs climatiques. Mais cela ne<br />
suffit pas : même une fois atteints les objectifs climatiques<br />
dans une société « zéro net », il faudra encore<br />
réaliser des progrès dans la construction, la réduction<br />
de la consommation et la production d’énergie.<br />
L’édition 2024 de <strong>Fachwerk</strong> sera consacrée à l’apport<br />
de la protection du patrimoine à un développement<br />
écologique, économique et social de qualité.<br />
8 Solidement construits avec des matériaux locaux, les monuments<br />
historiques sont par essence durables. / 8 Durch ihre lange Lebensdauer<br />
und die Nutzung von lokalen Baumaterialien sind Baudenkmäler<br />
per se nachhaltig.<br />
8<br />
FACHWERK <strong>2023</strong><br />
8<br />
FACHWERK <strong>2023</strong> 9
Aktuell | Actuel<br />
Energetische Optimierung<br />
Die energetische Sanierung eines Baudenkmals ist erfolgreich, wenn es gelingt,<br />
die historische Substanz in gutem Zustand zu erhalten und eine auf lange Sicht<br />
angelegte Verbesserung der Energiebilanz zu erreichen.<br />
Die Nutzung eines Baudenkmals ist sein bester<br />
Schutz. Dies bedeutet, dass für Unterhalt, Pflege<br />
und Weiterentwicklung des Gebäudes gesorgt ist.<br />
Die meisten Baudenkmäler haben in ihrem bisherigen<br />
Leben bereits mehrere Modernisierungsphasen<br />
erfahren. Neben der Anpassung an die aktuellen<br />
Nutzungsbedürfnisse und Komfortverbesserungen<br />
gehört bei den meisten Sanierungsprojekten heute<br />
auch die Verbesserung der Energiebilanz dazu. Dabei<br />
sollen der Charakter und die besonderen Qualitäten<br />
des Baudenkmals erhalten bleiben. Baudenkmäler<br />
sind Unikate, für die massgeschneiderte Lösungen<br />
gefragt sind. Der Verlust historischer Bausubstanz<br />
lässt sich nicht kompensieren: Massnahmen, die<br />
ein Risiko für das Baudenkmal und seine Denkmaleigenschaften<br />
darstellen, sind daher keine Option. Es<br />
bestehen jedoch verschiedene Möglichkeiten, eine<br />
wesentliche Verbesserung der Energiebilanz zu erreichen,<br />
ohne dem Baudenkmal zu schaden.<br />
Sorgfältige Analyse und Planung lohnt sich<br />
Baudenkmäler unterscheiden sich nicht nur wesentlich<br />
von Neubauten, sie sind auch untereinander<br />
1<br />
sehr verschieden – hinsichtlich ihrer Denkmal-Eigenschaften<br />
ebenso wie hinsichtlich ihrer energetischen<br />
Situation. Deshalb gibt es kein «Sanierungsrezept»,<br />
nach dem alle Baudenkmäler auf die gleiche Art<br />
und Weise energetisch optimiert werden können.<br />
Damit die energetische Sanierung gelingt, müssen<br />
alle Beteiligten das Gebäude mit seinen Stärken und<br />
Schwächen gut kennen. Der frühzeitige und regelmässige<br />
Austausch zwischen der Bauherrschaft, den<br />
Planenden und den Fachleuten Energie, Bauphysik,<br />
Denkmalpflege und Handwerk ist daher hilfreich. Es<br />
gilt, die drei zentralen Themen sorgfältig abzuwägen:<br />
die vorgesehene künftige Nutzung des Gebäudes,<br />
seine energetische Modernisierung sowie seinen<br />
Wert und Charakter als Baudenkmal. Gemeinsam<br />
werden die schonendsten, effizientesten und kostengünstigsten<br />
Massnahmen ermittelt.<br />
Wer macht was?<br />
Aufgabe der Denkmalpflege ist es, auf die besonderen<br />
Eigenschaften und auf die bedeutsame Substanz<br />
des Baudenkmals hinzuweisen, so dass diese und<br />
damit der Charakter des Gebäudes bei seiner Weiter-<br />
2<br />
L’amélioration énergétique<br />
Pour un monument historique, un assainissement énergétique réussi<br />
signifie que la substance ancienne a pu être maintenue en bon état et le<br />
bilan énergétique amélioré à long terme.<br />
L<br />
a meilleure manière de protéger un monument<br />
historique, c’est de l’utiliser. Car un bâtiment<br />
utilisé est aussi entretenu et développé. Durant<br />
leur existence jusqu’à ce jour, la plupart des monuments<br />
historiques ont déjà connu plusieurs phases<br />
de modernisation. À l’adaptation aux nouveaux<br />
besoins des occupants et à l’élévation du niveau de<br />
confort s’ajoute aujourd’hui l’amélioration du bilan<br />
énergétique. Or dans tout cela, il s’agit de préserver<br />
le caractère et les qualités particulières du bâtiment.<br />
Chaque monument historique est unique et requiert<br />
des solutions sur mesure. Rien ne peut compenser<br />
une perte de substance historique : toute disposition<br />
entraînant un risque pour le bâtiment et ses qualités<br />
de monument historique est donc irrecevable. Pourtant,<br />
les moyens ne manquent pas pour améliorer<br />
considérablement le bilan énergétique sans nuire au<br />
monument historique.<br />
Les avantages d’une analyse et d’une<br />
planification soigneuses<br />
Il n’existe pas seulement une différence essentielle<br />
entre les monuments historiques et les constructions<br />
modernes. Les monuments historiques sont euxmêmes<br />
extrêmement divers : quant aux caractéristiques<br />
qui les qualifient, mais aussi quant à leur<br />
situation énergétique. Il n’y a donc pas de recette<br />
d’amélioration énergétique applicable indistinctement<br />
à tous les monuments historiques. Un assainissement<br />
énergétique exige de toutes les personnes impliquées<br />
une bonne connaissance du bâtiment avec<br />
ses avantages et ses points faibles. Il est souhaitable<br />
que dès le début, des échanges réguliers aient lieu<br />
entre le maître de l’ouvrage, les personnes chargées<br />
de la planification, les spécialistes des domaines de<br />
l’énergie, de la physique du bâtiment et des monuments<br />
historiques, ainsi que les différents maîtres<br />
d’état. Trois aspects primordiaux sont à prendre en<br />
considération : l’utilisation prévue du bâtiment, sa<br />
modernisation énergétique, enfin sa valeur et son<br />
caractère en tant que monument historique. C’est en<br />
commun que peuvent être trouvées les solutions les<br />
plus respectueuses de la substance historique, les<br />
plus efficaces et les plus avantageuses.<br />
Qui fait quoi ?<br />
Le Service des monuments historiques a pour mission<br />
d’attirer l’attention sur les qualités particulières<br />
du bâtiment et sur l’importance de sa substance ancienne,<br />
de manière à ce que son développement n’en<br />
altère pas le caractère. Les conseillers et conseillères<br />
techniques et les personnes de l’unité inventorisation<br />
et documentation renseignent sur le type de bâtiment<br />
et le mode de construction et sur la valeur de l’objet<br />
1 Die Dämmung der Gebäudehülle gehört zu den wichtigsten Massnahmen<br />
zur Einsparung von Heizenergie. Ehemalige Wollzwirnerei<br />
Bucher & Co. AG in Burgdorf (siehe auch Seite 33).<br />
2 Zeitgemässes Wohnen im Tätschdachhaus in Rüschegg:<br />
Innovative Ideen bei der Gestaltung und Dämmung der Giebelfassaden<br />
(siehe auch Seite 46).<br />
1 L’isolation de l’enveloppe du bâtiment est une des principales mesures<br />
qui permettent d’économiser de l’énergie de chauffage. Ancienne<br />
retorderie de laine Bucher & Co. SA à Berthoud (voir aussi p. 33).<br />
2 Habitat moderne dans une maison rurale à toit aplati à Rüschegg :<br />
Des idées novatrices pour l’aménagement et l’isolation des façades<br />
pignons (voir aussi p. 46).<br />
FACHWERK <strong>2023</strong> 10 FACHWERK <strong>2023</strong><br />
11
Aktuell | Actuel<br />
entwicklung erhalten bleiben. Die Mitarbeitenden der<br />
Bauberatung und der Bauforschung geben Auskunft<br />
zum Bau- und Konstruktionstyp, zum Erhaltungszustand<br />
sowie zum baukulturellen Wert des Objekts.<br />
Dabei ist eine differenzierte Beurteilung im Einzelfall<br />
notwendig: Nicht jedes Baudenkmal hat die gleiche<br />
Bedeutung, nicht jeder Bauteil ist für den Denkmalwert<br />
zentral.<br />
3 5 6<br />
Die Fachleute Energie beschäftigen sich mit der<br />
Energierelevanz der Bauteile sowie mit den bauphysikalischen<br />
Eigenheiten und den betrieblichen Faktoren<br />
des Gebäudes. Gemeinsam wird das Zusammenspiel<br />
von Bauweise, Lüftung und Heizung einerseits<br />
sowie Raumklima, Temperatur und Feuchtehaushalt<br />
andererseits beurteilt. Dies hilft dabei, unerwünschte<br />
Folgen wie etwa Feuchtigkeitsschäden zu verhindern<br />
und es trägt zu einem optimalen Verhältnis zwischen<br />
den Kosten der Massnahmen und der Reduktion des<br />
Energieverbrauchs bei.<br />
Energiekonzept für das Baudenkmal<br />
Auf der Grundlage dieser breit abgestützten Analyse<br />
kann in einem nächsten Schritt ein umfassendes<br />
Energiekonzept erarbeitet werden. Dieses beinhaltet<br />
die baukulturellen Qualitäten und Erhaltungsziele,<br />
die bauphysikalischen Eigenheiten sowie die ausge-<br />
3 Neuer Wohnraum im Dachgeschoss eines ehemalige Rebhauses<br />
in Ligerz (siehe auch Seite 44).<br />
4 Unbeheizter Dachraum über dem gedämmten Estrichboden,<br />
Weyergut in Köniz/Wabern.<br />
3 Un nouvel espace habitable dans le comble d’une maison<br />
vigneronne à Gléresse (voir aussi p. 44).<br />
4 Comble non chauffé au-dessus d’un plancher isolé au Weyergut<br />
à Wabern/Köniz.<br />
5 Ancienne forge à la Kupfergasse à Oberhofen : L’espace a été divisé<br />
en cellules pour des bureaux (b02 architectes, Oberhofen).<br />
6 Site Von Roll à Berne, ancienne halle de fabrication des aiguillages :<br />
transformée selon la solution de la « maison dans la maison » (Giuliani Hönger<br />
architectes, Zurich, Service des monuments historiques de la ville de Berne).<br />
5 Ehemalige Schmiedewerkstatt an der Kupfergasse in Oberhofen: Die neuen Büroräume<br />
wurden als Box in den Raum gestellt (b02 architekten, Oberhofen).<br />
6 Weichenbauhalle im Von-Roll-Areal Bern: Umnutzung mit «Haus im Haus»-Konzept<br />
(Giuliani Hönger Architekten, Zürich, Denkmalpflege der Stadt Bern).<br />
4<br />
wählten Massnahmen, welche den Energiehaushalt<br />
des Denkmals verbessern und die Erhaltungsziele<br />
respektieren. Energetische Kennzahlen, technische<br />
Vorschriften (U-Werte der Gebäudehülle, Heizwärmebedarf<br />
nach SIA 380/1, Energiekennzahl Wärme),<br />
graue Energie und Nutzungsverhalten sind ebenso<br />
Teil des Konzepts wie die Wahl des künftigen Heizsystems<br />
ohne fossile Energie (siehe auch den Beitrag<br />
zu Solaranlagen ab Seite 18). Können aus denkmalpflegerischen<br />
Gründen beim Umbau die energetischen<br />
Anforderungen an einzelne Bauteile nicht<br />
eingehalten werden, kann die Baubehörde Erleichterungen<br />
gewähren. Die gängigen Normen sind auf<br />
Neubauten ausgelegt und können nicht ohne Weiteres<br />
auf Denkmäler übertragen werden.<br />
Auch einfache Massnahmen ohne bauliche Auswirkungen<br />
wie die differenzierte Regulierung der Raumtemperatur,<br />
der Einbau eines Windfangs, die Verminderung<br />
der Abstrahlung dank Storen oder Jalousien<br />
und die Konzeption von unbeheizten Zonen, die als<br />
Puffer dienen, können eine spürbare Wirkung und<br />
energetische Einsparungen mit sich bringen.<br />
dans le patrimoine architectural. L’appréciation doit<br />
impérativement être individualisée : tous les monuments<br />
historiques n’ont pas la même importance, et<br />
toutes les parties d’un bâtiment ne sont pas forcément<br />
essentielles pour les qualités qui le distinguent<br />
comme monument historique. Les spécialistes de<br />
l’énergie examinent l’importance des différentes parties<br />
du bâtiment sous cet aspect, ses propriétés physiques<br />
et les facteurs liés à son fonctionnement. Il est<br />
procédé en commun à une appréciation, d’une part<br />
de l’interaction entre mode de construction, aération<br />
et chauffage, et d’autre part du climat ambiant, de<br />
la température et de la régulation de l’humidité. Cela<br />
contribue à éviter des conséquences indésirables,<br />
comme par exemple des dégâts dus à l’humidité, et<br />
favorise l’équilibre entre les coûts des mesures et la<br />
réduction de la consommation d’énergie.<br />
Le projet énergétique d’un monument historique<br />
Cette analyse largement étayée sert de base à l’étape<br />
suivante, qui est l’élaboration d’un projet énergétique<br />
détaillé. Ce projet inclut les qualités architecturales<br />
du bâtiment, les objectifs de conservation, les propriétés<br />
physiques et les mesures prises pour améliorer<br />
le bilan énergétique tout en respectant les<br />
objectifs de conservation. Dans le projet sont pris en<br />
compte les indices énergétiques, les prescriptions<br />
techniques (coefficient de transfert thermique de<br />
l’enveloppe du bâtiment, besoins en énergie de<br />
chauffage selon la norme SIA 380/1), l’énergie grise,<br />
le comportement d’utilisation, mais aussi le choix du<br />
système de chauffage à énergie non fossile (voir l’article<br />
sur les installations solaires, page 19 et suivantes).<br />
Si la conservation des monuments historiques<br />
empêche l’application des exigences énergétiques<br />
dans certaines parties, la police des constructions<br />
peut accorder des allégements. Les normes usuelles<br />
sont conçues pour les constructions nouvelles mais<br />
peuvent être appliquées aux monuments historiques.<br />
Même des mesures simples et sans incidences<br />
architecturales peuvent avoir des effets sensibles et<br />
permettre des économies d’énergie, ainsi par exemple<br />
le réglage de la température ambiante dans les<br />
différentes pièces, la construction d’un tambour, la<br />
pose de stores ou de volets, ou encore la création de<br />
zones non chauffées servant de tampons.<br />
Wichtigste Schritte bei der energetischen Sanierung eines Baudenkmals<br />
Was<br />
Wer<br />
Abklären Schutzwürdigkeit des Gebäudes<br />
Bauherrschaft auf Bauinventar online<br />
Erste Überlegungen zur Nutzung und zu den Anpassungswünschen Bauherrschaft und Planende<br />
Definition der historisch wichtigen Teile<br />
Bauberatung Denkmalpflege vor Ort<br />
Energetische und bauphysikalische Beurteilung<br />
Fachleute Energie und Bauphysik<br />
Festlegen der Zielsetzung<br />
gemeinsame Aufgabe, alle Beteiligten<br />
Gesamtbeurteilung und Abwägung<br />
gemeinsame Aufgabe, alle Beteiligten<br />
Festlegen der Massnahmen<br />
gemeinsame Aufgabe, alle Beteiligten<br />
Umsetzung der Massnahmen<br />
Baufachleute<br />
Les principales étapes de l’assainissement énergétique d’un monument historique<br />
Quoi<br />
Qui<br />
Prise de connaissance du statut du bâtiment (digne de protection ou non) Propriétaire, d’après l’inventaire en ligne<br />
Premières réflexions sur l’utilisation et les modifications souhaitées<br />
Propriétaire et planificateurs/planificatrices<br />
Définition des parties importantes du point de vue historique<br />
Conseillers/conseillères techniques des Monuments<br />
historiques, sur place<br />
Appréciation du point de vue de l’énergie et de la physique du bâtiment Spécialistes de l’énergie et de la physique du bâtiment<br />
Définition des objectifs<br />
Tâche commune de toutes les personnes impliquées<br />
Appréciation globale<br />
Tâche commune de toutes les personnes impliquées<br />
Définition des mesures à prendre<br />
Tâche commune de toutes les personnes impliquées<br />
Mise en œuvre<br />
Maîtres d’état<br />
FACHWERK <strong>2023</strong> 12 FACHWERK <strong>2023</strong><br />
13
Aktuell | Actuel<br />
7 Isoler au bon endroit<br />
Ce qui compte pour la protection du climat, c’est le<br />
bilan global. L’endroit où seront réalisées les réductions<br />
d’émissions nocives n’est pas d’une importance<br />
primordiale. Pour une amélioration énergétique, il faut<br />
donc plutôt choisir la partie du bâtiment où l’intervention<br />
porte le moins atteinte à la substance et de ce<br />
fait entraîne une opération architecturale moins lourde<br />
et moins coûteuse. L’enveloppe est généralement<br />
un élément essentiel d’un monument historique. Une<br />
isolation extérieure, pour judicieuse et efficace qu’elle<br />
soit, fait disparaître la surface historique du bâtiment.<br />
Dans la plupart des cas, elle n’est donc pas admissible.<br />
En revanche, l’isolation d’un plancher au-dessus<br />
d’une cave non chauffée ou d’un plafond sous un<br />
grenier ne pose généralement aucun problème, pas<br />
plus que l’isolation d’un toit.<br />
8<br />
Böden und Decken<br />
Die Dämmung von Böden<br />
zum unbeheizten Keller oder<br />
Decken zu Estrichräumen ist<br />
in Denkmälern in den meisten<br />
Fällen unproblematisch. Diese<br />
Bereiche können meist so<br />
isoliert werden, dass nicht<br />
nur erhebliche energetische<br />
Einsparungen möglich sind,<br />
sondern auch die Trittschallund<br />
die akustische Isolation<br />
verbessert werden.<br />
Dach<br />
Bei den meisten Dachformen<br />
und -konstruktionen ist eine<br />
Dämmung von innen sinnvoll,<br />
damit sich die Proportionen<br />
der Dachkanten nicht zu stark<br />
verändern. Eine aufgesetzte<br />
Isolation ist möglich, wenn die<br />
Dämmung das Erscheinungsbild<br />
des Denkmals nicht beeinträchtigt.<br />
7 Bauernstube nach Innendämmung, Fenster ertüchtigt. Gurtendörfli<br />
Köniz (Urech Architekten AG, Köniz).<br />
8 Dank eines transparenten Korridor-Abschlusses blieb die alte<br />
Aussentür erhalten. Bauernhaus von 1809 in Corgémont (Denkmalpflegepreis<br />
2013).<br />
Dämmung von Bauteilen<br />
Fenster und Türen<br />
Fenster und Tür haben einen<br />
entscheidenden Anteil an<br />
der Wirkung des Denkmals.<br />
Gleichzeitig sind sie in hohem<br />
Masse energierelevant.<br />
Handelt es sich um bauzeitliche<br />
Fenster und Türen von<br />
besonderem Wert, sind Massnahmen<br />
zur Erhaltung und<br />
Ergänzung anzustreben. Bei<br />
Fenstern reichen die Möglichkeiten<br />
von der Instandsetzung<br />
über eine Nachrüstung mit<br />
einer neuen Dichtung, dem<br />
Einbau von Vorfenstern bis hin<br />
zum Ersatz der Gläser. Nur<br />
wenn die originalen Bauteile<br />
nicht erhalten werden können<br />
oder ihr Wert von geringerer<br />
Bedeutung ist, kann ein material-<br />
und detailgerechter Ersatz<br />
ins Auge gefasst werden.<br />
Fassade<br />
Bei historischen Fassaden<br />
steht in der Regel eine Innendämmung<br />
im Vordergrund.<br />
In Ausnahmefällen ist bei<br />
verputzten Fassaden ein<br />
Dämmputz möglich. Hinter<br />
Schindelverkleidungen kann in<br />
Einzelfällen eine neue Dämmschicht<br />
eingebracht werden.<br />
9 Energetische Ertüchtigung: In die originalen Fensterrahmen wurde<br />
eine Zweifach-Isolierverglasung eingesetzt. Wohn- und Geschäftshaus<br />
von 1968 in Thun (1899 Architekten, Thun).<br />
Wärmedämmung: am richtigen Ort<br />
Beim Klimaschutz zählt die Gesamtenergiebilanz.<br />
Es ist daher zweitrangig, wo bei einem Baudenkmal<br />
die schädlichen Emissionen eingespart werden. Für<br />
die energetische Verbesserung sollte man daher den<br />
Bereich am Gebäude auswählen, der sich mit dem<br />
minimalsten Eingriff an der Substanz und somit auch<br />
mit dem geringsten baulichen und finanziellen Aufwand<br />
am besten eignet. Die Gebäudehülle ist meist<br />
ein wesentliches Element des Baudenkmals. Eine<br />
Aussendämmung ist zwar energetisch sinnvoll und<br />
effizient, sie bringt aber die historische Oberfläche<br />
zum Verschwinden und ist daher aus denkmalpflegerischer<br />
Sicht in den meisten Fällen nicht vertretbar.<br />
Böden oder Decken zum unbeheizten Keller und<br />
Estrich oder auch das Dach können hingegen meist<br />
problemlos gedämmt werden.<br />
Es empfiehlt sich daher, die Energiebilanz der Gebäudeteile<br />
nicht einzeln zu betrachten, sondern eine<br />
Gesamtbeurteilung des Gebäudes vorzunehmen.<br />
Falls die energetischen Anforderungen an einzelnen<br />
Bauteilen aus denkmalpflegerischen Gründen<br />
nicht erfüllt werden können, ist so in der Regel eine<br />
Kompensation möglich. Eine geringer dimensionierte<br />
Wärmedämmung an historisch wichtigen Bauteilen<br />
wie der Aussenwand kann durch eine stärkere<br />
Dämmung an weniger heiklen Stellen wie Dach, Estrichboden<br />
oder Kellerdecke ausgeglichen werden.<br />
Ein weiteres bewährtes Konzept ist das «Haus im<br />
Haus»: Dabei wird ein neuer Baukörper in das bestehende<br />
Gebäude eingeschoben. Dies ist etwa beim<br />
Ausbau des Ökonomieteils eines Bauernhauses oder<br />
im Dachbereich denkbar. Der neue Baukörper kann<br />
nach heutigen Anforderungen gedämmt werden, für<br />
die Belichtung und Belüftung sind individuelle Lösungen<br />
möglich.<br />
Il convient par conséquent, pour le bilan énergétique,<br />
de ne pas considérer les parties isolément, mais<br />
l’ensemble. Si des prescriptions de conservation empêchent<br />
en certains endroits de répondre aux exigences<br />
énergétiques, une compensation est généralement<br />
possible. La moindre isolation thermique dans<br />
des parties historiquement importantes comme la<br />
face extérieure des murs peut être rattrapée par des<br />
couches isolantes plus épaisses à des endroits moins<br />
sensibles comme le toit, le plancher du comble ou le<br />
plafond de la cave. La « boîte dans la boîte » est aussi<br />
une idée qui a fait ses preuves. Le principe consiste à<br />
introduire un nouveau corps de bâtiment à l’intérieur<br />
de l’existant. Il peut s’appliquer par exemple à un bâtiment<br />
rural d’exploitation ou à un comble. Le nouveau<br />
corps de bâtiment peut être isolé selon les exigences<br />
actuelles, tandis que des solutions adaptées à chaque<br />
cas sont possibles pour l’éclairage et l’aération.<br />
9<br />
7 Chambre de séjour d’une ancienne maison paysanne après<br />
isolation intérieure et rénovation des fenêtres. Gurtendörfli, Köniz<br />
(Urech architectes SA, Köniz).<br />
9 Amélioration énergétique : insertion d’un vitrage double isolant<br />
dans les cadres d’origine. Maison d’habitation et de bureaux,<br />
de 1968 à Thoune (1899 architectes, Thoune).<br />
8 L’insertion d’une porte intérieure transparente dans le corridor<br />
a permis de conserver l’ancienne porte extérieure. Ferme de 1809<br />
à Corgémont (Prix des monuments historiques 2013).<br />
L’isolation des parties du bâtiment<br />
Les planchers et les<br />
plafonds<br />
Dans des monuments historiques,<br />
l’isolation des planchers<br />
au-dessus d’une cave non<br />
chauffée ou des plafonds sous<br />
le comble ne pose pas de<br />
problèmes dans la plupart des<br />
cas. Il est généralement possible<br />
de poser des matériaux<br />
qui permettent non seulement<br />
de réaliser d’importantes économies<br />
d’énergie, mais encore<br />
d’améliorer l’isolation contre<br />
les bruits et les chocs.<br />
Le toit<br />
Une isolation intérieure est la<br />
solution la plus judicieuse pour<br />
la plupart des formes et des<br />
types de toit, car elle permet<br />
d’éviter une importante modification<br />
des proportions des<br />
bords du toit. Une isolation ajoutée<br />
à l’extérieur n’est possible<br />
que si elle n’altère pas l’aspect<br />
du monument historique.<br />
Les fenêtres et les portes<br />
Les fenêtres et les portes<br />
contribuent pour une part déterminante<br />
à l’effet esthétique<br />
du monument historique. Mais<br />
elles ont aussi une grande importance<br />
dans le bilan énergétique.<br />
S’il s’agit de fenêtres<br />
et de portes de l’époque de la<br />
construction et ayant une<br />
valeur particulière, il convient<br />
de prendre des dispositions<br />
pour les conserver et les compléter.<br />
Pour ce qui concerne<br />
les fenêtres, l’éventail des<br />
possibilités est large : remise<br />
en état, modernisation par<br />
une nouvelle isolation, pose<br />
de contre-fenêtres, remplacement<br />
des vitrages. Lorsque<br />
les éléments originaux ne<br />
peuvent pas être conservés<br />
ou lorsqu’ils sont sans valeur<br />
particulière, et uniquement si<br />
l’une de ces deux conditions<br />
au moins est remplie, un remplacement<br />
est envisageable ;<br />
le matériau et l’aspect dans<br />
le détail doivent alors être<br />
proches de l’original.<br />
La façade<br />
Sur les façades anciennes,<br />
l’isolation se pose de préférence<br />
à l’intérieur. Dans certains<br />
cas exceptionnels, il est possible<br />
d’appliquer un crépi isolant sur<br />
une façade crépie. La pose<br />
d’une nouvelle couche isolante<br />
derrière un revêtement de façade<br />
en tavillons n’est également<br />
possible que dans de rares cas.<br />
FACHWERK <strong>2023</strong> 14 FACHWERK <strong>2023</strong><br />
15
Aktuell | Actuel<br />
Das Handbuch Baudenkmal und Energie<br />
2014 veröffentlichten die Kantone Zürich und Bern<br />
gemeinsam das Handbuch «Baudenkmal und Energie».<br />
Es verfolgt das Ziel, den Erhaltungsauftrag der<br />
Denkmalpfl ege mit den Anforderungen des Klimaschutzes<br />
bestmöglich in Einklang zu bringen. Da alte<br />
Bauten anders funktionieren als Neubauten, ist es für<br />
die energe tische Sanierung wichtig, über historische<br />
Bauweisen und das bauphysikalische Verhalten von<br />
Altbauten Bescheid zu wissen. Im Handbuch wurde<br />
alles Wissenswerte dazu zusammengetragen.<br />
Empfohlen werden im Handbuch nur Massnahmen,<br />
die sich für den Einsatz am Baudenkmal bewährt<br />
haben. Es handelt sich nicht um ein allumfassendes<br />
Nachschlagewerk, zeigt aber Sanierungsfachleuten<br />
und interessierten Nichtfachleuten eine Vielzahl von<br />
Möglichkeiten auf. Das Handbuch steht im Internet<br />
zum Download parat (siehe QR-Code unten).<br />
Laufende Entwicklung<br />
Technische Innovationen und die laufende Entwicklung<br />
von energiesparenden Gebäudekonzepten<br />
bringen auch für die Optimierung bestehender<br />
Bauten neue Lösungen und Materialien hervor. Die<br />
Diskussion um Lowtech und Hightech, technischen<br />
Aufwand und Automation ist spannend und animierend.<br />
Aus denkmalpfl egerischer Sicht lohnen sich bei<br />
Baudenkmälern im Hinblick auf ihre meist einfache<br />
Konstruktion robuste und funktionale Lösungen. Die<br />
Bauberaterinnen und Bauberater der Denkmalpfl ege<br />
verfolgen die Entwicklung aufmerksam, um vor Ort<br />
bei der Erarbeitung von massgeschneiderten Lösungen<br />
mitzuwirken.<br />
Une évolution constante<br />
Grâce aux progrès techniques et à l’évolution per -<br />
manente des conceptions sur les économies d’énergie<br />
dans les bâtiments, de nouvelles solutions et de<br />
nouveaux matériaux font leur apparition qui sont<br />
également applicables pour l’amélioration des bâtiments<br />
existants. L’alternative basse technologie ou<br />
haute technologie, les coûts techniques et l’automation<br />
provoquent des discussions passionnantes<br />
et stimulantes. Du point de vue des Monuments<br />
historiques, les solutions robustes et fonctionnelles<br />
sont à préférer, eu égard à leur mode de construction<br />
généralement simple. Les conseillers et conseillères<br />
techniques suivent attentivement cette évolution afi n<br />
de pouvoir, sur place, participer utilement à la recherche<br />
de solutions adaptées.<br />
Manuel « Énergie et monument historique »<br />
En 2014, les cantons de Zurich et de Berne ont publié<br />
conjointement un manuel « Énergie et monument historique<br />
» (en allemand seulement). Ce document vise<br />
à harmoniser au mieux les exigences de la protection<br />
des monuments historiques et celles de la protection<br />
du climat. Étant donné que les bâtiments anciens<br />
fonctionnent autrement que les constructions modernes,<br />
l’assainissement énergétique demande une<br />
connaissance des anciens modes de construction<br />
et du comporte ment physique des bâtiments historiques.<br />
Le manuel décrit tout ce qu’il faut savoir à ce<br />
sujet. Il ne propose que des mesures qui ont fait leurs<br />
preuves dans des monuments historiques. Il ne<br />
constitue pas un ouvrage de référence exhaustif, mais<br />
présente aux spécialistes et aux autres personnes<br />
intéressées une variété de solutions possibles. Ce<br />
manuel peut être téléchargé sur Internet (ci-dessous).<br />
Fenstermerkblatt<br />
Ein Merkblatt der Denkmalpfl egefachstellen von Stadt<br />
und Kanton Bern gibt zur geltenden Praxis für Fensterrestaurierung<br />
und Fensterersatz in Baudenkmälern<br />
Auskunft.<br />
Handbuch Baudenkmal und<br />
Energie und Fenstermerkblatt<br />
Gut zu wissen<br />
Energieberatung Kanton Bern<br />
Bon à savoir<br />
Service public de conseil en<br />
énergie du canton de Berne<br />
Notice technique sur les fenêtres<br />
Les Services des monuments historiques de la ville et<br />
du canton de Berne ont édité une notice (en allemand<br />
seulement) sur les usages en matière de restauration<br />
et de remplacement de fenêtres dans des monuments<br />
historiques.<br />
Manuel « Énergie et monument<br />
historique » et Notice technique<br />
sur les fenêtres<br />
DREI FRAGEN AN<br />
TROIS QUESTIONS À<br />
Peter Schürch<br />
Peter Schürch<br />
Wie geht man bei der energetischen<br />
Sanierung eines Baudenkmals am<br />
besten vor?<br />
Wertschätzend und unaufgeregt dem<br />
Baudenkmal gegenüber. Eine genaue<br />
Analyse der Stärken und Schwächen des<br />
Systems Haus und seines architektonischen<br />
sowie energetischen Potenzials ist<br />
unabdingbar. Für das Energie- und Haustechnikkonzept<br />
ist eine ganzheitliche Sicht<br />
wichtig. Es soll zu Gebäude, Nutzung und<br />
Bewohnerschaft passen.<br />
Wie unterscheidet sich die energeti<br />
sche Sanierung eines Baudenkmals<br />
von einem «normalen» Altbau?<br />
Baudenkmäler weisen oft günstige<br />
Eigenschaften auf: Schönheit, Dichte,<br />
thermische Speichermasse, kreislauffähige<br />
Konstruktionen und Materialien. Dieses<br />
Potenzial gilt es für Sanierungsansätze zu<br />
nutzen. «Normale» Gebäude verdienen<br />
selbstverständlich ebenso Wertschätzung,<br />
schliesslich müssen die Herausforderungen<br />
bezüglich Energie und Architektur vor<br />
allem bei ihnen gemeistert werden.<br />
Welchen Einfluss hat die Energiethematik<br />
längerfristig auf unsere<br />
Baukultur?<br />
Wir befi nden uns an einer Umbruch-<br />
Stelle unserer Baukultur. Es gilt, das<br />
Weiterbauen dem Ersatzbauen zwingend<br />
vorzuziehen. Bei ungeschützten Bauten<br />
ist dies schlicht Pfl icht. Gefragt sind ein<br />
neues Architekturverständnis, Innovationsgeist<br />
und Kreativität und damit neue<br />
Lösungsansätze.<br />
Peter Schürch, Architekt HTL SWB SIA,<br />
ist Inhaber der Halle 58 Architekten, Bern,<br />
und Professor für Architektur und Entwurf<br />
an der Fachhochschule Nordwestschweiz.<br />
Bis Juli <strong>2023</strong> leitete er den Studiengang<br />
CAS Nachhaltiges Bauen an der Berner<br />
Fachhochschule und hatte den Vorsitz der<br />
«Norman Foster Solar Award»-Jury inne.<br />
Comment réussir l’assainissement<br />
énergétique d’un monument historique<br />
?<br />
Avec respect et sérénité. Le bâtiment<br />
est un système dont il faut analyser les<br />
avantages, les points faibles et le poten tiel<br />
architectural et énergétique. Pour la<br />
conception de l’énergie et des installations,<br />
il est important d’avoir une vision<br />
globale. Elle doit convenir au bâtiment, à<br />
son utilisation et à ses occupants.<br />
En quoi l’assainissement énergétique<br />
d’un monument historique se<br />
distingue-t-il de celui d’un bâtiment<br />
ancien « ordinaire » ?<br />
Les monuments historiques présentent<br />
souvent des qualités qui les avantagent<br />
: beauté, étanchéité, accumulation<br />
thermique, aptitude des matériaux et de<br />
la construction à s’intégrer dans une<br />
économie circulaire. C’est un potentiel à<br />
exploiter. Les bâtiments « ordinaires » ne<br />
méritent pas moins d’attention, car c’est<br />
surtout à eux que s’appliquent les défi s<br />
énergétiques et architecturaux.<br />
Quelle sera l’influence à long terme<br />
de la question énergétique sur notre<br />
patrimoine architectural ?<br />
Nous nous trouvons à un tournant.<br />
Il est devenu indispensable de développer<br />
le tissu bâti existant plutôt que de bâtir du<br />
neuf. Pour les bâtiments non protégés,<br />
c’est même un devoir. Nous devons revoir<br />
notre conception de l’architecture, faire<br />
preuve d’esprit novateur et de créativité,<br />
développer de nouvelles solutions.<br />
Peter Schürch, architecte ETS SWB SIA,<br />
est propriétaire du bureau d’architecture<br />
Halle 58 à Berne et professeur d’architecture<br />
et de projet à la Haute École de<br />
la Suisse du Nord-Ouest. Jusqu’en juillet<br />
<strong>2023</strong>, il a dirigé la fi lière CAS construction<br />
durable à la Haute École spécialisée de<br />
Berne et présidé le jury du « Norman Foster<br />
Solar Award ».<br />
FACHWERK <strong>2023</strong><br />
16<br />
FACHWERK <strong>2023</strong><br />
17
Aktuell | Actuel<br />
Baudenkmal und Solarenergie<br />
Auf den meisten Baudenkmälern ist die Installation von Solaranlagen möglich.<br />
Gestaltungshinweise sorgen dafür, dass Baudenkmal und Ortsbild dabei nicht<br />
wesentlich beeinträchtigt werden.<br />
Die intensivere Nutzung von Solarenergie ist sinnvoll<br />
und wünschenswert. Solaranlagen haben jedoch<br />
eine direkte Auswirkung auf das Erscheinungsbild<br />
von Bauten und Ortsbildern. Das Raumplanungsgesetz<br />
legt deshalb fest, dass die Erstellung einer<br />
Solaranlage bewilligungsfrei ist, wenn die Anlage «genügend<br />
angepasst» ist. Solaranlagen auf Baudenkmälern<br />
von nationaler oder kantonaler Bedeutung<br />
bedürfen allerdings stets einer Baubewilligung. Sie<br />
dürfen zudem das Baudenkmal nicht wesentlich beeinträchtigen.<br />
Mit dieser Regelung ist dafür gesorgt,<br />
dass die Vorgaben des Denkmalpflege- und des<br />
Energiegesetzes ausgewogen umgesetzt werden.<br />
Im Kanton Bern sind rund 10–15 % der Gebäude Teil<br />
eines historischen Ortsbildes oder Ensembles. Rund<br />
4 % davon sind Baudenkmäler von kantonaler oder<br />
nationaler Bedeutung. Bei den restlichen 85–90 %<br />
der Gebäude sind keine denkmalpflegerischen Einschränkungen<br />
zu erwarten. Doch je mehr neue<br />
Anlagen entstehen, desto wichtiger wird ihre gestalterische<br />
Qualität für das Gesamtbild unserer Städte,<br />
Dörfer und Landschaften generell.<br />
1<br />
Richtlinien Kanton Bern<br />
Im Kanton Bern regeln die 2015 vom Regierungsrat<br />
erlassenen Richtlinien «Baubewilligungsfreie Anlagen<br />
zur Gewinnung erneuerbarer Energien», ob eine Baubewilligung<br />
für die Installation von Solaranlagen notwendig<br />
ist oder nicht. Anlagen in der Bau- und der<br />
Landwirtschaftszone sind grundsätzlich bewilligungsfrei,<br />
wenn sie den Gestaltungshinweisen der Richtlinien<br />
entsprechen und somit «genügend angepasst»<br />
sind. Die Gestaltungshinweise zeigen Lösungen auf,<br />
mit welchen negative Auswirkungen auf das Gebäude<br />
oder das Ortsbild möglichst gering gehalten<br />
werden können.<br />
Ist ein Baudenkmal mit K-Status (schützenswertes<br />
Objekt oder erhaltenswertes Objekt in einer Baugruppe)<br />
betroffen oder soll die Anlage in einem ISOS-<br />
Perimeter eines Ortsbildes von nationaler Bedeutung<br />
mit dem höchsten Erhaltungsziel «A» erstellt werden,<br />
ist eine Baubewilligung notwendig. Die Bauberaterinnen<br />
und Bauberater der Denkmalpflege werden im<br />
Rahmen des Bewilligungsverfahrens um einen Fach-<br />
2<br />
Monuments historiques et<br />
énergie solaire<br />
La pose de panneaux solaires est possible sur la plupart des monuments<br />
historiques. Des directives ont été édictées pour éviter des atteintes trop<br />
graves aux bâtiments et à la qualité des sites construits.<br />
L<br />
’intensification du recours à l’énergie solaire est<br />
judicieuse et souhaitable. Les panneaux solaires<br />
ont cependant un effet direct sur l’aspect extérieur<br />
des bâtiments et des sites construits. Aussi est-il stipulé<br />
dans la loi fédérale sur l’aménagement du territoire<br />
que la pose de panneaux solaires ne nécessite<br />
pas un permis de construire pour autant que l’installation<br />
soit « suffisamment adaptée » au toit. Un permis<br />
de construire est cependant indispensable dans tous<br />
les cas pour les monuments historiques d’importance<br />
nationale ou cantonale. De plus, les panneaux solaires<br />
ne doivent pas porter gravement atteinte au monument.<br />
Cette disposition vise à un équilibre dans l’application<br />
des directives de la loi sur la protection du<br />
patrimoine et de celles de la loi sur l’énergie. Dans le<br />
canton de Berne, environ 10–15% des bâtiments font<br />
partie d’un site construit historique ou d’un ensemble<br />
bâti. Parmi ces bâtiments, 4% sont des monuments<br />
d’importance cantonale ou nationale. Dans les<br />
85–90% des autres cas, il ne faut pas s’attendre à<br />
des restrictions dictées par la protection du patrimoine.<br />
Toutefois, plus il y a de nouvelles installations,<br />
plus leur forme est importante pour l’aspect général<br />
de nos villes, villages et campagnes.<br />
Directives applicables dans le canton de Berne<br />
Dans le canton de Berne, les directives du Conseilexécutif,<br />
de 2015, sur « les installations de production<br />
d’énergies renouvelables non soumises au régime du<br />
permis de construire » sont déterminantes pour savoir<br />
si une installation solaire requiert ou non un permis<br />
de construire. Par principe, les installations prévues<br />
dans une zone à bâtir ou une zone agricole sont dispensées<br />
d’autorisation si elles répondent aux directives<br />
quant à leur forme et sont par conséquent<br />
« suffisamment adaptées ». Les directives indiquent<br />
deux solutions possibles pour minimiser les effets<br />
préjudiciables sur le bâtiment ou le site construit.<br />
1 Solarpreis 2016: Bauernhaus von 1765 in Affoltern im Emmental, dachintegrierte Solaranlage.<br />
2 Solarpreis <strong>2023</strong>: Die vollflächige Solaranlage auf der Fastenopferkirche von 1970 in Münsingen harmoniert mit der Architektur des Gebäudes.<br />
3 Solaranlage auf dem Dach des Kutschenhauses bei der Villa Morillon, Köniz/Wabern (siehe auch S. 52).<br />
1 Prix solaire 2016 : panneaux solaires intégrés dans le toit d’une<br />
ferme de 1765 à Affoltern im Emmental.<br />
2 Prix solaire <strong>2023</strong> : panneaux solaires couvrant toute la surface<br />
du toit de l’église de l’Action de Carême à Münsingen, de 1970,<br />
en harmonie avec l’architecture et la géométrie du bâtiment.<br />
3 Panneaux solaires sur le toit de la remise à calèches de la villa<br />
Morillon à Köniz/Wabern (voir aussi p. 53).<br />
3<br />
FACHWERK <strong>2023</strong> 18 FACHWERK <strong>2023</strong><br />
19
Aktuell | Actuel<br />
4 Standortwahl: Installation der Solaranlage auf dem Dach eines<br />
niedrigen Nebenbaus.<br />
5 Solar-Kunstwerk: Sonnensegel beim Psychiatriezentrum Münsingen.<br />
6 Vollflächige Solaranlage auf einem Nebenbau des Bauerngehöfts.<br />
4<br />
Un permis de construire est requis si l’installation prévue<br />
touche un monument historique ayant le statut<br />
d’objet C (digne de protection ou digne de conservation<br />
au sein d’un ensemble bâti) ou un périmètre de<br />
site ISOS d’importance nationale à objectif de sauvegarde<br />
A. Dans la procédure d’autorisation de construire,<br />
les conseillers et conseillères techniques des<br />
Monuments historiques doivent fournir un rapport.<br />
Si l’installation solaire est conforme aux directives et<br />
n’implique aucune atteinte grave à l’objet ou au site<br />
bâti, le permis de construire est délivré. L’examen du<br />
dossier par les Monuments historiques peut aboutir à<br />
des mesures d’amélioration de la forme ou à une demande<br />
de recherche d’emplacements de rechange.<br />
La mise en balance des intérêts et la décision sont<br />
de la compétence de l’autorité qui délivre le permis<br />
de construire.<br />
Forme et emplacement<br />
Une installation solaire a des conséquences sur la<br />
forme, la composition matérielle et l’aspect extérieur<br />
d’un bâtiment. Pour intégrer soigneusement des panneaux<br />
dans un monument classé, il faut donc en faire<br />
une étude détaillée, ainsi que de ses environs non<br />
seulement proches, mais aussi plus éloignés. Il est<br />
indispensable d’engager des réflexions sur la forme<br />
et la couleur, les détails des raccordements et l’intégration<br />
dans le toit. Les panneaux doivent respecter<br />
autant que possible l’architecture et la géométrie<br />
du bâtiment ou de la façade. L’effet visuel est plus<br />
agréable si les installations se présentent comme un<br />
ensemble compact de panneaux rectangulaires que<br />
si elles se composent de petites surfaces disséminées<br />
de différents formats. Les installations couvrant<br />
toute la surface et réalisées de préférence avec des<br />
matériaux non réfléchissants et un fond sombre produisent<br />
sur les toits en pente un effet de cohérence<br />
tranquille.<br />
Le choix du meilleur emplacement<br />
La pente du toit et son orientation sont des facteurs<br />
déterminants pour la productivité d’une installation<br />
solaire. Les toits ne présentent donc pas tous les<br />
mêmes qualités à cet égard. Il arrive parfois qu’un toit<br />
bericht gebeten. Wenn die Solaranlage den Richtlinien<br />
entspricht und wenn keine schwerwiegende<br />
Beeinträchtigung des Objekts oder des Ortsbilds<br />
resultiert, wird sie bewilligt. Aus der Prüfung durch<br />
die Denkmalpflege können gestalterische Verbesserungsmassnahmen<br />
hervorgehen oder auch der<br />
Hinweis, für die Platzierung einer Anlage nach Alternativen<br />
zu suchen. Die Interessenabwägung und<br />
der Entscheid liegen bei der Bewilligungsbehörde.<br />
Gestaltung und Platzierung<br />
Eine Solaranlage beeinflusst Gestalt, Materialität und<br />
Erscheinung eines Gebäudes. Die sorgfältige Einpassung<br />
einer Solaranlage verlangt bei einem Baudenkmal<br />
deshalb nach einer vertieften Auseinandersetzung<br />
mit dem Bestand sowie der näheren und<br />
weiteren Umgebung. Überlegungen zu Form und<br />
Farbe, zu Anschlussdetails und zur Einpassung ins<br />
Dach sind notwendig. Die Anlage soll soweit möglich<br />
auf die Architektur und Geometrie des Gebäudes<br />
oder der Fassade Rücksicht nehmen. Die Wirkung<br />
von zusammenhängenden, in rechteckigen Feldern<br />
angebrachten Anlagen ist optisch ansprechender als<br />
einzelne kleine Flächen in unterschiedlichem Format.<br />
Vollflächige Anlagen, vorzugsweise mit dunkel hinterlegten,<br />
nicht reflektierenden Materialien, verleihen<br />
Steildächern eine ruhige und geschlossene Wirkung.<br />
Optimalen Standort wählen<br />
Für den Ertrag einer Solaranlage sind die Neigung<br />
und die Ausrichtung massgebend. Nicht jedes Dach<br />
ist in dieser Hinsicht gleichermassen geeignet.<br />
Manchmal ermöglicht das Dach eines Nebengebäudes<br />
eine effizientere und besser integrierte Lösung<br />
als das verwinkelte Dach des Baudenkmals. Nebst<br />
den technischen Aspekten für die richtige Standortwahl<br />
spielen auch das Ortsbild und die Wirkung<br />
auf das gebaute Ensemble eine wichtige Rolle. Die<br />
bestmögliche Integration einer Solaranlage auf einem<br />
besonders bedeutsamen Baudenkmal oder in einem<br />
historischen Ortskern ist anspruchsvoll und aufwendig.<br />
Auf den Dächern von Industrie- und Gewerbebauten<br />
in meist wenig sensiblen Ortsteilen hingegen<br />
sind grossflächige Kollektivanlagen meist problemlos<br />
5<br />
4 Le choix de l’emplacement : les panneaux solaires ont été posés sur<br />
le toit d’une annexe basse.<br />
5 Une œuvre d’art : voile solaire près de la clinique psychiatrique de<br />
Münsingen.<br />
6<br />
6 Panneaux solaires couvrant toute la surface du toit sur une dépendance de ferme.<br />
Richtlinien «Baubewilligungsfreie<br />
Anlagen zur<br />
Gewinnung erneuerbarer<br />
Energien»<br />
Richtlinien «Baubewilligungsfreie Anlagen<br />
zur Gewinnung erneuerbarer Energien»<br />
Gestaltungshinweise<br />
Wenn auf einem Baudenkmal oder in einem schützenswerten<br />
Ortsbild von nationaler Bedeutung eine<br />
Solaranlage geplant ist, muss den Gestaltungshinweisen,<br />
die in den Richtlinien «Baubewilligungsfreie<br />
Anlagen zur Gewinnung erneuerbarer Energien»<br />
aufgeführt sind, besondere Beachtung geschenkt<br />
werden (siehe Kapitel 2.4 der Richtlinien mit vielen<br />
Beispielen).<br />
Die Gestaltungshinweise betreffen Themen wie die<br />
Form und Platzierung von Solaranlagen, Farbgebung<br />
und Materialien sowie die mögliche Blendwirkung in<br />
der Nachbarschaft.<br />
Gut zu wissen<br />
Blendtool Kanton Bern<br />
Solarenergie: Eignung Dächer<br />
Bundesamt für Kultur:<br />
Solarenergie und Baukultur<br />
Schweizer Heimatschutz:<br />
Eine neue Solarkultur<br />
Bon à savoir<br />
Blendtool : application web pour<br />
mesurer l’éblouissement<br />
Énergie solaire : aptitude<br />
des toits<br />
Office fédéral de la culture :<br />
énergie solaire et culture du bâti<br />
Patrimoine suisse : une nouvelle<br />
culture solaire<br />
Directives « Installations de production<br />
d’énergies renouvelables non soumises au<br />
régime du permis de construire »<br />
Remarques concernant l’agencement<br />
Lorsqu’un projet d’installation solaire concerne un monument<br />
historique ou un site construit digne de protection<br />
et d’importance nationale, il convient de prêter<br />
attention aux indications données dans les directives<br />
« Installations de production d’énergies renouvelables<br />
non soumises au régime du permis de construire »<br />
(chapitre 2.4 des directives, nombreux exemples).<br />
Les remarques sur l’agencement concernent par<br />
exemple la forme et l’emplacement des panneaux<br />
solaires, la couleur, les matériaux et les possibles<br />
effets d'éblouissement dans le voisinage.<br />
Directives<br />
« Installations de<br />
production d'énergies<br />
renouvelables<br />
non soumises au<br />
régime du permis<br />
de construire »<br />
FACHWERK <strong>2023</strong><br />
20<br />
FACHWERK <strong>2023</strong><br />
21
Aktuell | Actuel<br />
7 Charakteristische Dachlandschaft der Altstadt von Büren an der<br />
Aare: Installation von Solaranlagen ohne Beeinträchtigung des Ortsbilds<br />
kaum möglich.<br />
möglich und durchaus sinnvoll. Dieser ökologisch<br />
produzierte Strom kann auch über Strombörsen oder<br />
das öffentliche Netz bezogen werden. Denn: Solaranlagen<br />
sind nicht standortgebunden.<br />
Kommunale Solarstrategie<br />
Damit die Interessenabwägung nicht für jedes Objekt<br />
im Einzelfall vorgenommen werden muss, empfiehlt<br />
das Bundesamt für Kultur den Gemeinden die Erstellung<br />
einer kommunalen Solarstrategie. In diesem<br />
Zusammenhang kann die Gemeinde festlegen, wo ihr<br />
Potenzial für erneuerbare Energien am grössten ist.<br />
Es steht den Gemeinden frei, Zonen festzulegen, in<br />
denen auch Solaranlagen, die nicht den Gestaltungsrichtlinien<br />
entsprechen, bewilligungsfrei erstellt werden<br />
dürfen, oder Zonen, in denen keine Solaranlagen<br />
möglich sind.<br />
Solaranlagen in der Altstadt<br />
Der Kanton Bern weist eine Vielzahl von kompakt<br />
erhaltenen historischen Kleinstädten mit intakter<br />
Dachlandschaft auf. Meist sind dies schützenswerte<br />
Ortsbilder von nationaler Bedeutung. Die rötlich<br />
braunen Ziegeldächer sind ein wesentliches Element<br />
des charakteristischen, homogenen Erscheinungsbildes.<br />
Ein aktuelles Gutachten der Eidgenössischen<br />
Kommissionen für Natur- und Heimatschutz (ENHK)<br />
7<br />
8<br />
8 Auf den flachgeneigten Dächern jüngerer Bauten lassen sich Solaranlagen<br />
meist gut integrieren. Turnhalle von 1956 in Münsingen.<br />
9 Vorbildlich integrierte Solaranlage mit eingefärbten Panels, Villa<br />
«Sunnmatt» von 1919 in Lyss.<br />
und für Denkmalpflege (EKD) stellt am Beispiel der<br />
Altstadt von Erlach fest, dass die Montage von Solaranlagen<br />
in diesem Umfeld unweigerlich zu einer starken<br />
Veränderung der Dachlandschaft führt und ohne<br />
schwerwiegende Beeinträchtigung des Ortsbilds und<br />
der Einzelobjekte kaum möglich ist. In einem solchen<br />
Fall muss daher der Nachweis erbracht werden, dass<br />
ein alternativer Standort ausserhalb des schützenswerten<br />
Ortsbilds oder an einer weniger empfindlichen<br />
Stelle nicht möglich ist. Auch hier geht es letztlich um<br />
die Abwägung der öffentlichen Interessen: Die Regelungen<br />
des Denkmalpflegegesetzes und des Energiegesetzes<br />
müssen ausgewogen umgesetzt werden.<br />
Solarziegel und Klimafassaden<br />
Im Solarbereich werden laufend technologische<br />
Fortschritte erzielt. Architektonische Überlegungen<br />
führten beispielsweise zum Bau von thermischen<br />
Solarziegeln oder Unterdachkollektoren, die sich<br />
besser in die Dachflächen integrieren lassen. Viele<br />
Produkte sind relativ neu auf dem Markt und haben<br />
bezüglich Effizienz und Kosten-Nutzen-Verhältnis<br />
noch Potenzial.<br />
7 Les toitures caractéristiques de la vieille ville de Büren an der Aare :<br />
la pose de panneaux solaires ne peut guère se faire sans atteinte au<br />
site bâti.<br />
8 Les panneaux solaires s’intègrent généralement bien sur les toits<br />
à faible pente de bâtiments assez récents. Salle de gymnastique de<br />
1956 à Münsingen.<br />
voisin permette une solution plus efficace et mieux<br />
intégrée que la toiture d’un monument historique aux<br />
multiples retours d’angles. L’aspect technique n’est<br />
pas seul important dans le choix du bon emplacement<br />
: il faut aussi prendre en considération le site<br />
et l’effet sur l’ensemble bâti. La recherche du moyen<br />
d’intégrer au mieux une installation solaire sur le toit<br />
d’un bâtiment historique d’importance particulière<br />
ou à l’intérieur d’un centre ancien est délicate et<br />
demande beaucoup de soin. En revanche, il est<br />
généralement possible et judicieux d’installer des<br />
panneaux collectifs de grande superficie sur des toits<br />
de bâtiments industriels situés dans des zones moins<br />
sensibles. Les bourses de l’électricité ou le réseau<br />
public sont d’autres moyens encore de se fournir<br />
en courant produit de manière écologique. En effet,<br />
les installations solaires n’ont pas un emplacement<br />
imposé par leur destination.<br />
Les stratégies communales en matière<br />
d’énergie solaire<br />
L’Office fédéral de la culture recommande aux communes<br />
d’établir une stratégie communale en matière<br />
d’énergie solaire, pour éviter qu’une mise en balance<br />
des intérêts doive être effectuée pour chaque objet.<br />
La commune peut définir ainsi les zones de plus grand<br />
potentiel pour les énergies renouvelables.<br />
Chaque commune a la liberté de définir des zones<br />
dans lesquelles même des installations solaires non<br />
conformes aux directives quant à la forme ne sont<br />
pas soumises au régime du permis de construire, et<br />
des zones dans lesquelles les panneaux solaires ne<br />
sont pas admis.<br />
Les installations solaires dans les vieilles villes<br />
Le canton de Berne présente un grand nombre de<br />
petits bourgs historiques formant des paysages bâtis<br />
bien conservés avec toutes les toitures qui les composent.<br />
Pour la plupart, il s’agit de sites construits<br />
dignes de protection et d’importance nationale. La<br />
teinte brun-rouge des toits de tuiles est un des éléments<br />
essentiels qui font la caractéristique et l’homogénéité<br />
de leur apparence. Une récente expertise<br />
de la Commission fédérale pour la protection de la<br />
nature et du paysage (CFNP) et de la Commission<br />
fédérale des monuments historiques (CFMH) se sert<br />
de l’exemple de Cerlier pour montrer que dans un<br />
tel environnement, la pose de panneaux solaires<br />
transforme inévitablement l’aspect des toitures de la<br />
localité et n’est guère possible sans porter gravement<br />
atteinte au site bâti dans son ensemble et aux objets<br />
pris isolément. Dans un cas comme celui-là, il faut<br />
donc impérativement fournir la preuve qu’il n’existe<br />
d’emplacement de rechange ni à l’extérieur du site<br />
construit digne de protection, ni à un endroit moins<br />
sensible. Ici aussi, c’est d’une mise en balance des<br />
intérêts publics qu’il s’agit : il faut trouver un équilibre<br />
dans l’application des dispositions de la loi sur la protection<br />
du patrimoine et de celles de la loi sur l’énergie.<br />
Tuiles solaires et façades climatiques<br />
Le domaine de l’énergie solaire est en constante<br />
évolution. Des considérations architecturales ont<br />
amené par exemple à la fabrication de tuiles solaires<br />
thermiques ou de capteurs solaires en sous-toiture<br />
s’intégrant mieux dans les versants des toits. Beaucoup<br />
de ces produits sont apparus assez récemment<br />
sur le marché et sont susceptibles de connaître<br />
encore des améliorations quant à leur efficacité énergétique<br />
et quant au rapport coût-profit.<br />
9<br />
9 Exemple de réussite d’intégration : les panneaux de couleur à la villa Sunnmatt, de 1919, à Lyss.<br />
Glossar<br />
Thermische Solaranlage<br />
Thermische Solaranlagen<br />
gewinnen die Energie<br />
mit Sonnenkollektoren,<br />
in denen durch<br />
die Sonneneinstrahlung<br />
Wärme erzeugt wird.<br />
Zentrales Element ist der<br />
Absorber, durch den<br />
ein Gemisch aus Wasser<br />
und Frostschutz zirkuliert,<br />
das die Wärme zum<br />
Wärmespeicher transportiert.<br />
Solarstromanlage<br />
Solaranlagen zur Gewinnung<br />
von Strom wandeln<br />
die Sonnenstrahlen in<br />
Solarmodulen in elektrische<br />
Energie um. Diese<br />
Technik heisst Photovoltaik.<br />
Sie basiert auf dem<br />
physikalischen Effekt,<br />
wonach einige Halbleiter<br />
Licht direkt in elektrische<br />
Energie umwandeln.<br />
Ein Solarmodul besteht<br />
aus Solarzellen und ist<br />
durch Glas gegen Umwelteinflüsse<br />
geschützt.<br />
Die Solarzellen können<br />
aus kristallinen oder<br />
amorphen Zellen oder<br />
als Dünnschichtzellen<br />
hergestellt werden, die<br />
sich in Farbe und Erscheinungsbild<br />
unterscheiden.<br />
Aufdach-Solaranlage<br />
Die Solaranlage wird<br />
mit Dachhaken auf dem<br />
bestehenden (Ziegel-)<br />
Dach installiert. Der Aufbau<br />
kann partiell oder<br />
vollflächig erfolgen.<br />
Indach-Solaranlage<br />
Die Solaranlage wird in<br />
das Gebäudedach integriert<br />
und ersetzt – partiell<br />
oder vollflächig – die<br />
ursprüngliche Dachhaut.<br />
Aufständerung<br />
Die Solaranlage wir in<br />
einem bestimmten<br />
Winkel durch eine Stützoder<br />
Haltekonstruktion<br />
auf dem Dach befestigt.<br />
Diese Installationsvariante<br />
ist vor allem für<br />
Flachdächer geeignet.<br />
Glossaire<br />
Installation solaire<br />
thermique<br />
Les installations solaires<br />
thermiques produisent<br />
de l’énergie au moyen de<br />
capteurs solaires dans<br />
lesquels le rayonnement<br />
solaire est transformé en<br />
chaleur. L’élément essentiel<br />
est l’absorbeur, à<br />
travers lequel circule un<br />
mélange d’eau et d’antigel<br />
qui amène la chaleur<br />
produite vers le ballon de<br />
stockage.<br />
Installation<br />
photovoltaïque<br />
Les installations photovoltaïques<br />
convertissent<br />
le rayonnement solaire<br />
en énergie électrique.<br />
La technique se base<br />
sur l’effet photovoltaïque<br />
selon lequel certains<br />
semi-conducteurs transforment<br />
directement<br />
la lumière en courant<br />
électrique. Un module<br />
solaire se compose de<br />
cellules photovoltaïques.<br />
Une couche de verre<br />
le protège des agents<br />
extérieurs. Les cellules<br />
photovoltaïques peuvent<br />
être fabriquées à partir<br />
de cellules cristallines,<br />
amorphes ou à couches<br />
minces, qui se distinguent<br />
les unes des<br />
autres par leur couleur<br />
et leur aspect.<br />
Installation sur le toit<br />
Ces installations sont<br />
fixées au moyen de crochets<br />
sur les tuiles du<br />
versant de toit existant.<br />
Les panneaux peuvent<br />
couvrir l’ensemble ou<br />
une partie seulement<br />
de la surface.<br />
Installation intégrée<br />
au toit<br />
Les installations intégrées<br />
au toit remplacent tout<br />
ou partie du matériau de<br />
couverture d’origine.<br />
Panneau surélevé<br />
Un panneau surélevé<br />
est posé sur un support<br />
incliné qui lui donne un<br />
certain angle. Ce mode<br />
d’installation convient en<br />
particulier aux toits plats.<br />
FACHWERK <strong>2023</strong> 22<br />
FACHWERK <strong>2023</strong><br />
23
Aktuell | Actuel<br />
Chauffage à distance et<br />
site construit<br />
Les réseaux de chauffage à distance permettent de fournir des régions étendues<br />
en énergie renouvelable. Il convient cependant d’examiner soigneusement l’effet<br />
des cheminées des centrales à bois sur les sites construits de grande valeur.<br />
Heizzentrale und Ortsbild<br />
Wärmeverbünde mit Holzschnitzelheizung sind eine Möglichkeit,<br />
grössere Gebiete mit erneuerbarer Energie zu versorgen. In wertvollen<br />
Ortsbildern bedürfen die Hochkamine einer sorgfältigen Prüfung.<br />
Die Nutzung von Fernwärme ist im Zusammenhang<br />
mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien ein<br />
wichtiges Thema. Wärmeverbünde mit Holzschnitzelheizung<br />
sind eine Möglichkeit, grössere Gebiete mit<br />
erneuerbarer Energie zu versorgen. Viele Berner Gemeinden<br />
verfügen über Holzreserven und ziehen eine<br />
solche Anlage deshalb in Betracht. Damit die Heizzentralen<br />
die Vorgaben der Luftreinhalte-Verordnung<br />
einhalten können, benötigen sie Hochkaminanlagen.<br />
Diese haben jedoch erhebliche Auswirkungen auf<br />
die Landschaft, die Ortsbilder und unmittelbar umliegende<br />
Bauten. Es gilt daher, die verschiedenen<br />
öffentlichen Interessen sorgfältig gegeneinander abzuwägen:<br />
die Vorgaben des Energiegesetzes, des<br />
Bundesgesetzes über den Natur- und Heimatschutz,<br />
des Raumplanungsgesetzes und der Luftreinhalte-<br />
Verordnung.<br />
1 Seit September <strong>2023</strong> in Betrieb: Die Heizzentrale des Wärmeverbunds<br />
Landiswil ist im Ortsbild kaum wahrnehmbar.<br />
Wer macht was?<br />
Im Rahmen des Bewilligungsprozesses fordert die<br />
Bewilligungsbehörde alle betroffenen Ämter und<br />
Fachstellen auf, einen Fachbericht einzureichen. Sie<br />
müssen ein Bau- oder Planungsvorhaben vor dem<br />
Hintergrund der jeweiligen rechtlichen Aufträge prüfen<br />
und wo nötig Vorbehalte aus ihrer spezifischen<br />
Optik formulieren. Die Fachberichte dienen der Bewilligungsbehörde<br />
als Grundlage für die Interessenabwägung<br />
und für den Entscheid. Im Fall einer Heizzentrale<br />
sind das Amt für Gemeinden und Raumordnung<br />
oder das Regierungsstatthalteramt die Bewilligungsbehörde,<br />
wenn die Gemeinde als Planungsbehörde<br />
auftritt. Aufgabe der Bewilligungsbehörde<br />
ist es, die relevanten Interessen möglichst umfassend<br />
zu berücksichtigen, so dass gute Kompromisslösungen<br />
möglich werden.<br />
Das Ortsbild schonen<br />
In industriell oder gewerblich geprägten Zonen integrieren<br />
sich Hochkaminanlagen meist problemlos,<br />
hier stört es kaum, wenn die Dachsilhouetten der bestehenden<br />
Bauten überragt werden. Anders verhält<br />
es sich in hochwertigen Dorfkernen oder städtischen<br />
Siedlungen, von denen einige im Inventar der schützenswerten<br />
Ortsbilder der Schweiz (ISOS) erfasst<br />
sind. Aufgabe der Denkmalpflege ist es, sich in ihrem<br />
Fachbericht zur Frage zu äussern, ob die Heizzentrale<br />
mit Hochkamin das Ortsbild schwerwiegend beeinträchtigt.<br />
Ist dies der Fall, muss durch die Planungsbehörde<br />
der Nachweis erbracht werden, dass das<br />
Projekt nicht ausserhalb des ISOS-Perimeters oder<br />
an einer für das Ortsbild weniger empfindlichen Stelle<br />
realisiert werden kann. Zu diesem Schluss kamen<br />
die Eidgenössischen Kommissionen für Natur- und<br />
Heimatschutz (ENHK) und für Denkmalpflege (EKD)<br />
2 Die Heizzentrale ist in die bestehenden Gebäude der Holzbaufirma<br />
Trachsel integriert.<br />
1<br />
L<br />
e chauffage à distance joue un rôle important<br />
dans le développement des énergies renouvelables.<br />
Des centrales à bois permettent ainsi<br />
d’approvisionner des régions étendues en énergie<br />
de chauffage renouvelable. Beaucoup de communes<br />
bernoises ont des réserves de bois et envisagent<br />
donc la construction d’une centrale. Mais pour pouvoir<br />
répondre aux exigences de l’ordonnance sur la<br />
protection de l’air, les centrales de chauffage doivent<br />
être équipées de hautes cheminées. Or celles-ci ont<br />
des effets sur le paysage naturel et construit, ainsi<br />
que sur les bâtiments des proches environs. Il faut<br />
donc mettre soigneusement en balance les différents<br />
intérêts publics en présence, à savoir les directives<br />
de la loi sur l’énergie, de la loi fédérale sur la protection<br />
de la nature et du paysage, de la loi sur<br />
l’aménagement du territoire et de l’ordonnance sur<br />
la protection de l’air.<br />
Qui fait quoi ?<br />
Dans le cadre de la procédure d’autorisation de<br />
construire, l’autorité qui délivre le permis invite tous<br />
les services concernés à examiner le projet de construction<br />
en fonction de leur mission légale, à formuler<br />
leurs réserves, du point de vue de leur domaine<br />
spécifique, et à les consigner dans un rapport.<br />
L’autorité qui délivre les permis de construire utilise<br />
ces rapports comme base pour la mise en balance<br />
des intérêts et pour sa décision. Dans le cas des<br />
centrales de chauffage à distance, cette autorité est<br />
l’Office des affaires communales et de l’organisation<br />
du territoire, ou la préfecture. Sa tâche est de prendre<br />
en compte aussi largement que possible les intérêts<br />
en jeu, de manière à permettre de bonnes solutions<br />
de compromis.<br />
Le respect du site construit<br />
Les cheminées s’intègrent généralement sans difficulté<br />
dans les zones industrielles, où leur silhouette<br />
ne dérange pas dans le paysage. Il n’en va pas de<br />
même des villages ou des villes, qui pour certains<br />
figurent dans l’Inventaire des sites construits d’importance<br />
nationale à protéger en Suisse (ISOS). Le<br />
Service des monuments historiques a pour tâche de<br />
déterminer, dans le rapport qu’il fournit, si une centrale<br />
de chauffage à distance avec cheminée porte<br />
ou non gravement atteinte au site construit. Si c’est<br />
le cas, l’autorité de planification doit fournir la preuve<br />
que le projet ne peut être réalisé ni en dehors du<br />
périmètre ISOS, ni à un endroit moins sensible pour<br />
le site construit. C’est la conclusion à laquelle sont<br />
2<br />
1 La centrale de chauffage à distance de Landiswil est en activité depuis<br />
septembre <strong>2023</strong>. Au milieu du village, la cheminée se remarque à peine.<br />
2 La centrale de chauffage est intégrée dans les bâtiments de l'entreprise<br />
de charpenterie-menuiserie Trachsel.<br />
FACHWERK <strong>2023</strong> 24 FACHWERK <strong>2023</strong><br />
25
Aktuell | Actuel<br />
Aarberg<br />
Das Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder<br />
von nationaler Bedeutung (ISOS)<br />
Die Ortsbilder unserer Dörfer und Städte tragen zur Qualität<br />
und Identität unserer Umwelt bei. Das ISOS dient bei der Entwicklung<br />
unserer Dörfer und Städte als Grundlage. Es würdigt<br />
und dokumentiert Ortsbilder von nationaler Bedeutung. Die<br />
Erarbeitung des ISOS wurde 1973 durch das Bundesamt für<br />
Kultur (BAK) in Auftrag gegeben und schliesslich vom Bundesrat<br />
in Kraft gesetzt. Schwerwiegende Beeinträchtigungen<br />
der Ortsbilder von nationaler Bedeutung sind nur zulässig,<br />
wenn sie sich durch ein überwiegendes Interesse von ebenfalls<br />
nationaler Bedeutung rechtfertigen lassen. Bauvorhaben,<br />
die ein Ortsbild von nationaler Bedeutung beeinträchtigen<br />
können, müssen deshalb auf ihre Ortsbild-Verträglichkeit<br />
überprüft werden.<br />
Ortsbild-Suche<br />
Ist ein Ortsbild in Ihrer Gemeinde von nationaler,<br />
regionaler oder lokaler Bedeutung? Verschaffen<br />
Sie sich mit der Ortsbild-Suche im Internet einen<br />
Überblick.<br />
parvenues la Commission fédérale pour la protection<br />
de la nature et du paysage (CFNP) et la Commission<br />
fédérale des monuments historiques (CFMH) dans<br />
une récente expertise. Les améliorations de projets<br />
de centrale et les projets de solutions techniques de<br />
rechange peuvent aussi faire l’objet d’un examen.<br />
Associer tôt les services concernés<br />
Le contexte de l’urbanisation interne rend les processus<br />
de planification particulièrement difficiles en<br />
raison de la collision de multiples visions et intérêts.<br />
Il est donc d’autant plus important que ces processus<br />
soient menés de manière professionnelle et axés<br />
sur l’objectif à atteindre. Le recours aux services<br />
d’un bureau d’étude expérimenté peut être utile pour<br />
l’autorité de planification. Il faut associer suffisamment<br />
tôt les différents services concernés et établir<br />
quelles sont les conditions générales qui serviront de<br />
cadre à la planification. C’est une première réflexion<br />
vers l’élaboration de variantes pour le cas où il serait<br />
nécessaire d’apporter des corrections au projet.<br />
Inventaire des sites construits d’importance nationale<br />
à protéger en Suisse (ISOS)<br />
Les sites construits, dans nos villes et nos villages, sont une<br />
composante de la qualité et de l’identité de notre environnement.<br />
L’Inventaire ISOS est un outil de base pour le développement du<br />
milieu bâti. Il recense les sites construits d’importance nationale<br />
et en décrit la valeur. L’Office fédéral de la culture (OFC) a donné<br />
en 1973 le mandat d’élaboration de l’inventaire, que le Conseil<br />
fédéral a finalement fait entrer en vigueur. Les atteintes graves<br />
aux sites construits d’importance nationale ne sont tolérées que<br />
si elles se justifient par un intérêt prépondérant qui est lui aussi<br />
d’importance nationale. Par conséquent, tous les projets de<br />
construction susceptibles de porter atteinte à un site construit<br />
d’importance nationale doivent être examinés quant à leur compatibilité<br />
avec la protection des sites construits de valeur.<br />
Recherche des sites construits<br />
Existe-t-il dans votre commune un site construit<br />
d’importance nationale, régionale ou locale ?<br />
La carte publiée en ligne donne une vue d’ensemble.<br />
3<br />
in einem aktuellen Gutachten. Auch Projektoptimierungen<br />
oder technische Alternativprojekte können<br />
geprüft werden.<br />
Fachstellen frühzeitig beiziehen<br />
Planungsprozesse, insbesondere im Kontext der Innenentwicklung,<br />
sind sehr anspruchsvoll. Zahlreiche<br />
Zielvorstellungen und Interessen prallen hier aufeinander.<br />
Umso wichtiger ist die professionelle und zielorientierte<br />
Durchführung eines Planungsprozesses.<br />
Für die Planungsbehörde kann die Unterstützung<br />
durch ein erfahrenes Planungsbüro von Vorteil sein.<br />
Es lohnt sich, die verschiedenen Fachstellen frühzeitig<br />
einzubeziehen und abzuklären, mit welchen<br />
Rahmenbedingungen sich die Planung auseinandersetzen<br />
muss. So sind Varianten bereits angedacht,<br />
falls Projektanpassungen notwendig werden.<br />
Neuer Leitfaden<br />
Ein neuer Leitfaden für die Planung und Bewilligung<br />
von Holzheizwerken steht seit kurzem zum Download<br />
parat: www.raumplanung.dij.be.ch > Arbeitshilfen ><br />
Leitfaden für die Planung und Bewilligung von Holzheizwerken<br />
3 Heizzentrale des Wärmeverbunds Guggisberg,<br />
Standort ausserhalb des Dorfkerns.<br />
Un nouveau guide<br />
Un nouveau guide pour la planification et la demande<br />
d’autorisation de construire des centrales de chauffage<br />
au bois est disponible depuis peu. Il peut être<br />
téléchargé depuis le site : www.raumplanung.dij.<br />
be.ch > Arbeitshilfen > Leitfaden für die Planung und<br />
Bewilligung von Holzheizwerken<br />
3 Emplacement à l’extérieur de la localité : la centrale de chauffage<br />
à distance de Guggisberg.<br />
DREI FRAGEN AN<br />
TROIS QUESTIONS À<br />
Daniel Trüssel<br />
Daniel Trüssel<br />
Wie gelingt es, eine Heizzentrale<br />
ins Ziel zu bringen?<br />
In geschützten Ortskernen gelten<br />
erhöhte Anforderungen. Hier ist jeder Eingriff<br />
delikat. Das A und O besteht darin,<br />
die entscheidenden Leute von Anfang an<br />
ins Boot zu holen – insbesondere auch<br />
die Denkmalpflege.<br />
Was raten Sie einer Gemeinde, die<br />
eine Wärmezentrale planen will,<br />
konkret?<br />
Wenn eine Gemeinde über keine<br />
eigene Planungsabteilung verfügt, macht<br />
es Sinn, ein erfahrenes Planungsbüro<br />
beizuziehen. Dies hat sicher seinen Preis,<br />
erspart der Planungsbehörde aber kostspielige<br />
Umwege oder gar unüberwindbare<br />
Hürden.<br />
Ist in einem geschützten Ortsbild<br />
überhaupt eine Heizzentrale mit<br />
Hochkamin möglich?<br />
Auch in einem geschützten Ortskern<br />
muss eine Weiterentwicklung möglich<br />
sein. Damit dies gelingt, ist es wichtig –<br />
etwa im Rahmen einer Machbarkeitsstudie<br />
–, frühzeitig die Grenzen des<br />
Möglichen aufzuzeigen und umsetzbare<br />
Lösungen zu skizzieren. So können auch<br />
alternative Standorte oder technische<br />
Alternativprojekte von Beginn weg in die<br />
Überlegungen einbezogen werden.<br />
Daniel Trüssel ist Präsident des Verwaltungsrats<br />
der Firma Eicher+Pauli, die an<br />
acht Standorten in den Bereichen Energie<br />
und Planung tätig ist. Er war von 2014 bis<br />
2019 Mitglied des Grossen Rates.<br />
Comment faire aboutir un projet de<br />
centrale de chauffage à distance ?<br />
Dans les sites construits protégés, les<br />
exigences sont élevées. Toute intervention<br />
est délicate. Il est essentiel de réunir dès<br />
le début toutes les personnes clefs, y compris<br />
celles des Monuments historiques.<br />
Que conseillez-vous concrètement<br />
à une commune qui a un projet de<br />
centrale de chauffage ?<br />
Si la commune ne dispose pas de<br />
son propre service de l’urbanisme, il<br />
est judicieux de s’adresser à un bureau<br />
d’études. Cela n’est pas gratuit, bien sûr,<br />
mais permet aux autorités de s’épargner<br />
des détours compliqués ou même des<br />
obstacles infranchissables.<br />
Une centrale avec cheminée est-elle<br />
envisageable dans un site construit<br />
protégé ?<br />
Un développement doit rester possible<br />
même à l’intérieur d’un site construit<br />
protégé. Mais pour que cela puisse se<br />
faire, il est important – dans le cadre par<br />
exemple d’une étude de faisabilité – de<br />
montrer assez tôt les limites du possible<br />
et d’esquisser des solutions réalisables.<br />
Les réflexions intègrent ainsi dès le<br />
début des emplacements de rechange<br />
ou d’autres solutions techniques.<br />
Daniel Trüssel est président du conseil<br />
d’administration de l’entreprise Eicher+<br />
Pauli, qui, sur huit sites différents, propose<br />
des services en matière d’énergie<br />
et de planification. De 2014 à 2019, Daniel<br />
Trüssel a été député au Grand Conseil.<br />
FACHWERK <strong>2023</strong><br />
26 FACHWERK <strong>2023</strong><br />
27
Aktuell | Actuel<br />
Revision des Bauinventars<br />
Im Herbst letzten Jahres hat die öffentliche Einsichtnahme in die Inventarentwürfe stattgefunden.<br />
Im Anschluss prüfte und bearbeitete die Denkmalpflege die eingegangenen<br />
Stellungnahmen. Die revidierten Inventare werden nun mit Verfügung des Amtes für<br />
Kultur in Kraft gesetzt.<br />
Révision du recensement<br />
architectural<br />
Le projet de révision du recensement architectural a été mis à l’enquête publique en<br />
automne de l’année dernière. Au terme de l’opération, le Service des monuments historiques<br />
a examiné et traité les prises de position exprimées. Les recensements révisés<br />
sont mis en vigueur au cours de l’année <strong>2023</strong> par décision de l’Office de la culture.<br />
1<br />
Im Auftrag des Grossen Rates überarbeitet die<br />
Bildungs- und Kulturdirektion respektive die kantonale<br />
Denkmalpflege seit 2016 das Bauinventar. Die<br />
laufende Teilrevision des Bauinventars umfasst in<br />
erster Linie die Reduktion der Baugruppen und der<br />
erhaltenswerten Objekte. Im Zusammenhang mit der<br />
von der Baugesetzgebung vorgeschriebenen Nachführung<br />
des Bauinventars sind in einigen Gemeinden<br />
auch eine begrenzte Anzahl Objekte der jüngeren<br />
Architektur für eine Aufnahme ins Inventar vorgesehen.<br />
Über das Vorgehen bei der Revision hat das<br />
<strong>Fachwerk</strong> 2021 ausführlich informiert.<br />
Bearbeitung der Anträge und Inkraftsetzung<br />
Im Rahmen der öffentlichen Einsichtnahme konnten<br />
sich all jene zu den Inventarentwürfen äussern, die<br />
gemäss Baugesetzgebung von der Teilrevision des<br />
Bauinventars unmittelbar in ihren Interessen betroffen<br />
sind. Dazu gehören beispielsweise die Eigentümerinnen<br />
und Eigentümer, aber auch die Gemeinden<br />
oder Organisationen, deren statutarischer Zweck die<br />
Beschäftigung mit Anliegen der Baugesetzgebung<br />
umfasst. Die Bauinventare von den 159 Gemeinden,<br />
aus denen keine Eingaben eingegangen sind, sowie<br />
von 72 weiteren Gemeinden wurden inzwischen<br />
verfügt und in Kraft gesetzt. Ziel ist es, die revidierten<br />
Bauinventare aller 260 von der laufenden Teilrevision<br />
betroffenen Gemeinden bis Ende <strong>2023</strong> in Kraft zu<br />
setzen. In sämtlichen Gemeinden des Verwaltungskreises<br />
Berner Jura sowie einigen Gemeinden mit<br />
Vielfältige Baukultur<br />
Das revidierte Bauinventar verliert zwar an<br />
Umfang, aber keinesfalls an Qualität. Im Inventar<br />
sind die wichtigsten Objekte aus der breiten<br />
Palette des historischen Baubestandes des<br />
Kantons Bern erfasst. Die Palette widerspiegelt<br />
den enormen Reichtum an vielfältiger und lang<br />
tradierter Baukultur.<br />
1 Wohnhaus von 1914 in Interlaken.<br />
2 Mehrfamilienhaus von 1906 in Biel.<br />
älteren Inventaren wurden die überarbeiteten Bauinventare<br />
bereits 2021 in Kraft gesetzt.<br />
Revidiertes Bauinventar steht online zur<br />
Verfügung<br />
Die revidierten Bauinventare der Gemeinden stehen<br />
nach der Inkraftsetzung und nach Ablauf der 30-tägigen<br />
Beschwerdefrist im Internet zum Download parat<br />
(Listen). Auf «Bauinventar online» und im Geoportal<br />
werden die Daten der einzelnen Objekte laufend aktualisiert.<br />
Hier ist zu beachten, dass die im Rahmen<br />
der laufenden Revision vorgesehenen Änderungen<br />
(bspw. Entlassungen oder allfällige Neuaufnahmen)<br />
auf «Bauinventar online» oder im Geoportal erst nach<br />
der Inkraftsetzung abgebildet werden. Soweit mit der<br />
Verfügung des Amtes für Kultur keine Änderungen<br />
erfolgt sind, behalten die bisherigen Einstufungen ihre<br />
Gültigkeit.<br />
Newsletter Bauinventar abonnieren<br />
Interessierte können sich mit dem Newsletter<br />
Bauinventar über den Stand der Revision informieren:<br />
www.be.ch/newsletter-bauinventar<br />
Depuis 2016, sur mandat du Grand Conseil, la Direction<br />
de l’instruction publique et de la culture –<br />
et plus spécifiquement le Service des monuments<br />
historiques – est occupée à la révision du recensement<br />
architectural. La révision partielle en cours vise<br />
principalement à réduire le nombre d’ensembles bâtis<br />
et d’objets dignes de conservation. Dans quelques<br />
communes, il est aussi prévu, dans la mise à jour<br />
prescrite par la législation sur les constructions, d’inscrire<br />
un nombre limité d’objets d’architecture récente.<br />
La procédure de révision est expliquée en détail dans<br />
le numéro de 2021 de la revue <strong>Fachwerk</strong>.<br />
Traitement des propositions et entrée en<br />
vigueur<br />
La mise à l’enquête publique a donné l’occasion à<br />
toutes les personnes et collectivités intéressées au<br />
sens de la loi la possibilité de s’exprimer sur la révision<br />
partielle du recensement architectural. C’est le cas par<br />
exemple des propriétaires, mais aussi des communes<br />
ou des organisations dont les buts statutaires sont en<br />
rapport avec la législation sur les constructions.<br />
Les 159 recensements architecturaux des communes<br />
n’ayant formulé aucune demande et de 72 communes<br />
supplémentaires sont donc maintenant approuvés et<br />
entrés en vigueur. Le but est que les recensements révisés<br />
de toutes les 260 communes concernées par<br />
la révision partielle soient entrés en vigueur d’ici à la fin<br />
de l’année <strong>2023</strong>. Les recensements architecturaux de<br />
toutes les communes du Jura bernois et de quelques<br />
communes dont les recensements étaient plus anciens<br />
sont déjà entrés en vigueur en 2021.<br />
1 Maison d’habitation de 1914 à Interlaken.<br />
2 Immeuble de 1906 à Bienne.<br />
4<br />
Abonnement à la lettre d’information<br />
Les personnes intéressées peuvent s’abonner<br />
à la lettre d’information sur l’état de la révision<br />
du recensement architectural : www.be.ch/<br />
newsletter-bauinventar<br />
Le recensement architectural révisé est<br />
disponible en ligne<br />
Après l’entrée en vigueur et l’expiration du délai de<br />
recours de 30 jours, les recensements architecturaux<br />
des communes sont publiés sur le site Internet des<br />
Monuments historiques (sous forme de liste).<br />
Les données du recensement (fiches d’objets) sont<br />
régulièrement mises à jour dans le « Recensement<br />
architectural en ligne » et sur le géoportail du canton.<br />
Toutefois, il faut préciser que les modifications apportées<br />
lors de la révision en cours (p. ex. radiations<br />
ou éventuelles nouvelles inscriptions) ne figurent dans<br />
le « Recensement architectural en ligne » ou sur le<br />
géoportail qu’après l’entrée en vigueur. Si la décision<br />
arrêtée par l’Office de la culture n’apporte aucune<br />
modification, les classements actuels restent valables.<br />
2<br />
La richesse du patrimoine architectural<br />
Après sa révision, le recensement aura diminué<br />
en volume, mais nullement en qualité. Il contient<br />
les objets les plus importants, témoins du très<br />
riche patrimoine bâti historique de notre canton.<br />
FACHWERK <strong>2023</strong> 28 FACHWERK <strong>2023</strong><br />
29
Berichte | Rapports<br />
Pflege von Park- und Gartenanlagen<br />
4<br />
5<br />
6<br />
Historische Gärten und Parks benötigen ebenso Untersuchung und Pflege wie die<br />
darin inszenierten Baudenkmäler. Parkpflegewerke dienen dabei als Grundlage.<br />
Text: Jürg Hünerwadel<br />
1<br />
2<br />
Grünanlagen sind wichtige Elemente<br />
des kulturhistorischen Erbes. Schlossparks,<br />
Villen- und Bauerngärten bilden<br />
die von Menschenhand gestaltete Umgebung<br />
der Bauten. Wie diese zeugen<br />
sie von jeweiligen Modeströmungen oder<br />
technischen Errungenschaften. Um ihrer<br />
Bedeutung gerecht zu werden, müssen<br />
sie in ihrer überlieferten Substanz erhalten<br />
und gepflegt werden. Als nützliches Instrument<br />
zur Sicherung des Denkmalwertes<br />
kann ein Parkpflegewerk dienen, mit dem<br />
die Geschichte, der aktuelle Bestand, die<br />
gartendenkmalkundliche Bewertung und<br />
ein Idealplan für die künftige Entwicklung<br />
der Anlage geklärt werden.<br />
Bonstettenpark Thun: Wiederherstellen<br />
und Weiterentwickeln<br />
Die Campagne Bellerive liegt in einer<br />
prächtigen Garten- und Parkanlage mit<br />
raumgestaltenden Alleen und einem auf<br />
die Berner Alpen ausgerichteten Kanal.<br />
Zwei historische Gestaltungsentwürfe<br />
aus dem 18. und dem 20. Jahrhundert<br />
ergänzen sich hier in idealer Weise. Die<br />
starke Nutzung der seit 1960 öffentlichen<br />
Anlage bedingte aber Vorkehrungen, um<br />
das Kulturgut langfristig zu erhalten. Ein<br />
anhand der historischen Entwicklung erstelltes<br />
Parkpflegewerk mündete in einen<br />
3<br />
3<br />
1<br />
4<br />
4 Abgang vom französischen Parterre von Schloss<br />
Kehrsatz zum jüngeren Nebengarten mit neu aufgebautem<br />
Mauerwerk. Der Pietra Rasa-Verputz lässt<br />
die einzelnen Steinköpfe sichtbar.<br />
städtischen Masterplan. Das Ziel war es,<br />
die Anlage mit Hilfe eines Massnahmenbündels<br />
zu sanieren und aufzuwerten.<br />
So wurde etwa der Kanal vom Schilf befreit<br />
und auf seine ursprüngliche Tiefe<br />
ausgehoben. Inspiriert von Projekten von<br />
1930 wurde er um ein Abschlussbecken<br />
mit Treppenanlage und im Mündungsbereich<br />
um einen einfachen Steg in den See<br />
erweitert. Einen Spielplatz am Ufer und<br />
einen zentralen Parkplatz verlegte man<br />
an weniger sensible Stellen. Im Lustwäldchen<br />
wurde das diagonale Wegsystem<br />
der ursprünglichen Anlage wieder sichtbar<br />
gemacht; sein Uferbereich wird dafür der<br />
Natur überlassen. Mit dem Masterplan ist<br />
es gelungen, die zahlreichen Nutzungsansprüche<br />
an den Park zu befriedigen, ihn<br />
aber gleichzeitig zu schonen. Zudem stellt<br />
der Plan die künftige Pflege sicher.<br />
Schloss Kehrsatz: Sanierung<br />
der Umfassungsmauern<br />
Das Schloss von 1598 – seit 1889 kantonales<br />
Schulheim – wurde im 18. Jahrhundert<br />
in barocker Manier neu gestaltet und<br />
5 Die völlig verwachsene Grottenanlage der Hünegg<br />
vor der Sanierung.<br />
mit einer neuen Gartenanlage umgeben,<br />
die man später teilweise veränderte. Ein<br />
gartendenkmalpflegerisches Gutachten<br />
zeigte 2019 die Entwicklung der Anlage<br />
auf. Es diente als Grundlage für die Entwicklung<br />
eines Konzepts zur Sanierung<br />
der Gartenanlage. Im Grundsatz soll<br />
sie in ihrem überlieferten Bestand erhalten<br />
bleiben. 2022 wurde die Restaurierung<br />
sämtlicher Umfassungsmauern abgeschlossen.<br />
Wo ein zementhaltiger Verputz<br />
zu Durchnässung geführt hatte, wurde<br />
dieser entfernt und durch einen Kalkmörtel<br />
in Pietra Rasa-Technik ersetzt. Die Mauerkronen<br />
erhielten eine neue Abdeckung<br />
mit Sandsteinplatten, einzelne Postamente<br />
mussten reprofiliert werden. Ältere, freigelegte<br />
Fragmente wie ein zugemauerter<br />
Torbogen erzählen als «Fenster zur Vergangenheit»<br />
den Besuchenden die Geschichte<br />
der Gartenanlage.<br />
Schloss Hünegg: Restaurierung der<br />
Grottenanlage als Einzelmassnahme<br />
Das 1861–1863 erbaute Schloss thront<br />
in einem grosszügigen Park über dem<br />
6 Grottenanlage während laufender Sanierung.<br />
Thunersee. Der Baumbestand, darunter<br />
viele fremdländische Exemplare, sowie<br />
die Wegführung durch den Park stammt<br />
zu grossen Teilen aus der Bauzeit des<br />
Schlosses und wurde über Generationen<br />
sorgfältig gepflegt. Eine Besonderheit<br />
von Schloss Hünegg ist die künstliche<br />
Grottenanlage, die von den Vorlieben des<br />
19. Jahrhunderts zeugt. Sie ist unterhalb<br />
der Gartenterrasse dem Nagelfluhsporn<br />
vorgesetzt. Bedroht durch starken Bewuchs<br />
und Hangrutsch musste sie dringend<br />
saniert werden. Auf Grundlage von<br />
Sondagen konnte die Anlage wiederhergestellt<br />
werden. Die stützenden Kalksteinmauern<br />
mit Sintertuffverblendung wurden<br />
erneuert, beziehungsweise im oberen<br />
Teil durch eine mit Natursteinen bekrönte<br />
Betonkonstruktion ersetzt. Eine sickerfähige<br />
Mörtelmischung sorgt für eine gute<br />
Wasserableitung. Ein Verteilbecken über<br />
der Grotte sorgt dafür, dass es darin wieder<br />
tropft. Schliesslich wurde der einstige<br />
Treppenaufstieg zum Schloss und somit<br />
auch das ursprüngliche Erscheinungsbild<br />
der Schlossanlage wiederhergestellt.<br />
2<br />
1 Kanal mit neuem Abschlussbecken im Bonstettenpark.<br />
2 Plan der Campagne Bellerive mit der ursprünglichen<br />
barocken Garten- und Parkanlage entlang der<br />
550 Meter langen zentralen Achse. Geometer Emanuel<br />
Schmalz, 1780.<br />
3 Projektplan der Gebrüder Mertens von 1930 für<br />
die damalige Eigentümerin Betty von Bonstetten, mit<br />
Neuanlage des englischen Landschaftsparks am See<br />
(Bonstettenpark). Er wurde weitgehend realisiert, allerdings<br />
ohne Abschlussbecken (1), symmetrischen Mündungsbereich<br />
(2) und Zerlegung des Lustwäldchens in<br />
Feldgehölze (3). Heutiger Standort des Spielplatzes (4).<br />
Hilterfingen, Staatsstrasse 52<br />
Massnahmen: Restaurierung<br />
Grottenanlage 2014– 2020<br />
Bauherrschaft: Stiftung Schloss<br />
Hünegg, Hilterfingen<br />
Denkmalpflege: Ralph Schmidt<br />
Kehrsatz, Belpstrasse 1<br />
Massnahmen: Sanierung Umgebungsmauern<br />
Schloss Kehrsatz 2019– 2022<br />
Bauherrschaft: Amt für Grundstücke<br />
und Gebäude des Kantons Bern<br />
Archäologischer Dienst: Martin<br />
Portmann<br />
Denkmalpflege: Peter Ernst<br />
Thun, Gwattstrasse 120<br />
Massnahmen: Parkpflegewerk und<br />
Masterplan Bonstettenpark; Wiederherstellung<br />
und Nutzungsentflechtung<br />
2014– 2022<br />
Bauherrschaft: Stadt Thun<br />
Denkmalpflege: Tatiana Lori<br />
FACHWERK <strong>2023</strong><br />
30 FACHWERK <strong>2023</strong><br />
31
Berichte | Rapports<br />
3<br />
6<br />
1<br />
Revaloriser et réhabiliter<br />
le patrimoine industriel<br />
L'ancien patrimoine industriel semble être prédestiné à une<br />
réflexion liée au développement durable à travers le réemploi,<br />
la réaffectation et l'intégration des énergies renouvelables.<br />
Texte: René Koelliker<br />
Une lecture architecturale des villes<br />
ou de la campagne bernoise permet<br />
encore, de nos jours, de découvrir ce patrimoine<br />
et d’en comprendre l’importance,<br />
à travers les siècles, pour l’histoire socioéconomique.<br />
Il est lié au développement,<br />
à partir de la seconde moitié du 19 e siècle,<br />
de l’industrie horlogère, du textile, de la<br />
machine-outil ou de la machine, et reflète<br />
les innombrables innovations techniques<br />
en lien avec les nouveaux besoins d’une<br />
société en pleine mutation.<br />
Depuis quelques décennies, en raison de<br />
délocalisations, de restructurations, de<br />
faillites ou de non-conformité aux normes<br />
de production, les pouvoirs publics ou<br />
des particuliers se trouvent devoir gérer<br />
de nombreuses friches industrielles ou<br />
des bâtiments historiques ne répondant<br />
plus aux besoins de l’économie actuelle.<br />
Ces multiples constructions de types<br />
divers s'offrent comme un laboratoire<br />
d'idées et de réflexion pour intégrer la<br />
notion de développement durable dans la<br />
revalorisation et la réhabilitation d'anciens<br />
martinets, de fabriques de productions ou<br />
de centrales électriques.<br />
Revalorisation du patrimoine bâti<br />
proto-industriel<br />
Une forge du 19 e siècle, encore quasiment<br />
en état de marche, existe encore à Worblaufen.<br />
Elle est un témoin de l’évolution<br />
de l’activité des forgerons à cet endroit.<br />
Après la cessation d’activité des forges<br />
Müller en 2014, Halter SA a racheté ce<br />
site de grande superficie pour y construire<br />
des logements. Un groupe de travail s’est<br />
constitué, reposant sur une assise large,<br />
afin d’étudier les possibilités de conserver<br />
l’ancien site industriel avec ses forges.<br />
En 2018, une fondation a racheté les<br />
terrains afin de procéder à une rénovation<br />
douce, avec les locataires, et de donner<br />
un nouveau développement au site<br />
2<br />
Visite virtuelle de la centrale<br />
hydro-électrique d'Interlaken<br />
1 Péry-La-Heutte. Le cours d'eau naturel actionnant<br />
les turbines.<br />
2 Péry-La-Heutte. Au premier plan, l'ancienne usine<br />
électrique.<br />
(voir page 57). Les réaffectations d’anciennes<br />
fabriques se multiplient, de même<br />
que progresse la densification de zones<br />
industrielles, ainsi que le montrent les<br />
travaux réalisés à Berthoud.<br />
3 Ittigen. Un atelier dans lequel se côtoient des<br />
installations anciennes et récentes.<br />
4 Berthoud. La toiture en sheds a permis l'installation<br />
de panneaux solaires photovoltaïque.<br />
4<br />
Réhabilitation d’une friche<br />
industrielle<br />
La ville de Berthoud conserve de nombreuses<br />
et intéressantes friches industrielles<br />
réhabilitées au cours des dernières<br />
décennies. L’exemple le plus récent est<br />
l’ancien site de la filature de laine et de coton<br />
de l’entreprise Bucher. Le patrimoine<br />
bâti ancien a été restauré dans le respect<br />
des règles de l’art et des spécificités architecturales<br />
de chaque construction. La<br />
halle de production et de stockage, datant<br />
de 1917, abrite maintenant des bureaux<br />
et des appartements. Les sheds avec<br />
leurs larges bandeaux de fenêtres ont<br />
été restaurés de manière à intégrer une<br />
installation photovoltaïque. La production<br />
électrique a également été à l’ordre du<br />
jour dans les réflexions. L’ancienne centrale<br />
hydro-électrique, important témoin<br />
de l’histoire de la production d’énergie,<br />
a été remise en fonction. L’installation<br />
de nouvelles turbines a redonné vie à ce<br />
5 Berthoud. Les appartements dans les combles sont<br />
généreusement éclairés par des fenêtres en bandeau.<br />
5<br />
bâtiment et l’eau produit à nouveau du<br />
courant électrique, qui couvre une partie<br />
des besoins des occupants du site. De<br />
nouveaux immeubles complètent cet<br />
ensemble qui est redevenu un lieu de vie,<br />
de travail et de rencontres.<br />
Le patrimoine, fournisseur d’énergie<br />
La production d’énergie est aujourd’hui<br />
au cœur des préoccupations et des<br />
débats. À Frinvilier, dans les gorges du<br />
Taubenloch, une ancienne usine électrique<br />
de la fin du 19 e siècle, dans laquelle<br />
se trouve une installation de 1902, assure<br />
toujours la production d’électricité.<br />
Depuis 2016, une nouvelle source assure<br />
l’approvisionnement en eau. À Interlaken,<br />
au bord de l’Aar, un bâtiment de la fin du<br />
19 e siècle conserve sa fonction primitive.<br />
À l’intérieur, les turbines de 1924 ont été<br />
remplacées par une nouvelle installation<br />
qui permet à nouveau de produire de<br />
l’énergie hydro-électrique.<br />
6 Interlaken. Sous les anciennes «capuches» noires se<br />
trouvent les nouvelles turbines.<br />
Berthoud, Gotthelfstrasse 44<br />
Mesures : transformation et<br />
assainissement, 2016– 2018<br />
Maître de l’ouvrage : Stiftung<br />
Abendrot, Bâle<br />
Service des monuments historiques :<br />
Isabella Meili-Rigert<br />
Interlaken, Kanalpromenade 2<br />
Mesures : remplacement des trois turbines<br />
de 1924, 2021/22<br />
Maître d’ouvrage : Industrielle<br />
Betriebe Interlaken AG<br />
Service des monuments historiques :<br />
Fabian Schwarz<br />
Ittigen, Schmiedeweg 9<br />
Mesures : assainissement des<br />
cheminées et des tuyères de la halle<br />
des forges de devant, 2020/21<br />
Maître d’ouvrage : Stiftung Edith<br />
Maryon, Basel<br />
Service des monuments historiques :<br />
Peter Ernst<br />
Péry-La Heutte, Route de la<br />
Fabrique 247, Frinvilier<br />
Mesures : restauration des façades,<br />
2020<br />
Maître d’ouvrage : Ciments Vigier SA,<br />
Péry-La Heutte<br />
Service des monuments historiques :<br />
Olivier Burri<br />
FACHWERK <strong>2023</strong> 32 FACHWERK <strong>2023</strong><br />
33
Berichte | Rapports<br />
1 Laupen, Marktgasse 14.<br />
Durch die Untersuchungen konnte die bauzeitliche<br />
Farbigkeit der Fassade mit rotem Holzwerk und<br />
ockerfarbenen Gefachen wiedergewonnen werden.<br />
2+3 Thun, Freienhofgasse 11–13.<br />
Die sorgfältige Sanierung rückte die Qualität des<br />
grosszügigen Binnenraums wieder ins rechte Licht.<br />
Die breite, sechsachsige Fassade und das hohe<br />
Mansartdach entfalten ihre imposante Wirkung<br />
insbesondere von der Bällizgasse her.<br />
4+5 Burgdorf, Hohengasse 29.<br />
Das gemauerte Treppenhaus des 17. Jahrhunderts erhielt<br />
erst beim Einbau des vorgelagerten Lichtschachts<br />
nach innen weisende Fenster mit schräger Sohlbank.<br />
Einheitliche Fensterachsen bestimmen die Fassade<br />
zum Kronenplatz. Die Schaufensterfront hat Ernst<br />
Bechstein 1933 umgestaltet.<br />
3<br />
Fassaden und Innenhöfe von<br />
Altstadthäusern im Wandel<br />
Fassaden gelten oft als «Gesicht» eines Hauses. Doch was verraten sie<br />
über die Räume dahinter und die Ansprüche ihrer Bewohner?<br />
Text: Alexander Kobe, Markus Thome<br />
Enge Gassen und geschlossene Häuserzeilen<br />
mit schmalen Parzellen sind prägende<br />
Merkmale unserer Altstädte. Die<br />
dichte Bebauung hat mit Blick auf Platzund<br />
Materialverbrauch oder das Thema<br />
Wärmedämmung grosse Vorteile. Das<br />
Hausinnere mit genügend Licht zu versorgen<br />
ist hingegen eine Herausforderung.<br />
Fassaden- und Grundrisslösungen aus<br />
unterschiedlichen Epochen, aber auch<br />
nachträgliche bauliche Eingriffe illustrieren<br />
dies eindrücklich.<br />
Die Fassade als Spiegel der<br />
Innenraumstruktur<br />
Das Haus Marktgasse 14 in Laupen ist<br />
ein dreigeschossiges Reihenhaus in<br />
Riegkonstruktion mit geknicktem Satteldach.<br />
Etwas zurückversetzt schliesst es<br />
an die grösseren Steinbauten an, die in<br />
Richtung Läubliplatz folgen. Die Bauuntersuchung<br />
konnte die am Türsturz<br />
angegebene Jahreszahl 1710 dendrochronologisch<br />
als Baujahr bestätigen und<br />
ermöglichte eine Teilrekonstruktion der<br />
alten Fassadenstruktur inklusive der bauzeitlichen<br />
Farbigkeit. Der Grundriss weist<br />
in allen drei Geschossen zwei Räume auf.<br />
Die Aufenthaltsräume sind gassenseitig<br />
angeordnet. Treppenstiege und Küche<br />
befinden sich im rückwärtigen Bereich,<br />
zu dem der Gang im Erdgeschoss führt.<br />
Die zweiraumtiefe Organisation ermöglicht<br />
eine direkte Belichtung aller Räume von<br />
der Gassen- und Hofseite her.<br />
Die Fenster der Obergeschosse sind nicht<br />
gleichmässig über die Hauptfassade<br />
verteilt, sondern entlang der Mittelachse<br />
gebündelt. Sichtbar wird dies an dem<br />
wiederhergestellten vierteiligen Fensterband,<br />
das die Stube im ersten Obergeschoss<br />
als den zentralen beheizten Raum<br />
des Hauses auszeichnet. Für die darüber<br />
liegende Kammer reichten dagegen<br />
2<br />
1<br />
ursprünglich zwei zusammengerückte<br />
Fenster aus. In beiden Geschossen verwies<br />
also die Art der Befensterung auf die<br />
Bedeutung der dahinterliegenden Räume.<br />
Bei der Sanierung der Fassade gelang es,<br />
nachträgliche Veränderungen punktuell<br />
zurückzusetzen. Dies beruhigte die Fassade<br />
und näherte ihr Erscheinungsbild den<br />
bauzeitlichen Gestaltungsprinzipien an.<br />
Ältere Strukturen hinter neuen<br />
Fassaden<br />
Das Haus Hohengasse 29 in Burgdorf ist<br />
ein typisches Beispiel für ein sukzessiv<br />
gewachsenes Altstadthaus. Die Untersuchungen<br />
im Zuge des Umbaus zeigten,<br />
dass dort in den 1620er Jahren ein Neubau<br />
als Ersatz für einen älteren Vorgänger<br />
entstanden war. Der langgestreckte Baukörper<br />
war wie jener in Laupen in zwei<br />
Räume geteilt. Zum Kronenplatz ausgerichtet<br />
lagen im ersten Obergeschoss<br />
die Wohnstuben, dahinter die Küche, ein<br />
Gang und das Treppenhaus. Anfang des<br />
19. Jahrhunderts erhielt das Gebäude<br />
eine neue Fassade. Wie seit der italienischen<br />
Renaissance üblich, sind die Fenster<br />
gleichmässig über die Front verteilt.<br />
Die rasterartige Fenstersetzung erzeugt<br />
eine einheitlich geordnete Schaufront,<br />
welche auf die Hervorhebung einzelner<br />
Räume oder Geschosse verzichtet.<br />
Als 1882 auf der Rückseite eine dritte<br />
Raumschicht hinzukam, konnte der mittlere<br />
Hausbereich nicht mehr direkt belichtet<br />
werden. Man entschied sich daher,<br />
nordwestlich des Treppenturms einen<br />
Schacht einzubrechen, durch den das<br />
Licht vom Dach bis in das erste Obergeschoss<br />
einfällt. Mit Glas abgeschlossen<br />
übernimmt er die Funktion eines Hofes,<br />
Burgdorf, Hohengasse 29<br />
Massnahmen: Gesamtsanierung und<br />
Umbau, Baudokumentation 2020– 2022<br />
Bauherrschaft: Johanna Hugi-Sommer<br />
und Andreas Hugi, Elsau<br />
Archäologischer Dienst: Markus<br />
Leibundgut, Matthias Bolliger<br />
Denkmalpflege: Simon Haldi, Markus<br />
Thome<br />
wie er bei grösseren, aus Vorder- und Hinterhaus<br />
bestehenden Gebäuden schon<br />
im Spätmittelalter üblich war. Nach der<br />
Gesamtsanierung sorgt der Schacht für<br />
eine stimmungsvolle Belichtung – sogar in<br />
der Buchhandlung im Erdgeschoss.<br />
Eine Fassade für zwei<br />
An die Tradition des Innenhofs knüpft das<br />
klassizistische, um 1820 erstellte Doppelwohnhaus<br />
Freienhofgasse 11 in Thun an.<br />
Sein breiter, viergeschossiger Baukörper<br />
mit Mansartdach zeigt wie das Altstadthaus<br />
in Burgdorf eine gleichförmig strukturierte<br />
Fassade in der für die Neuzeit<br />
typischen Form. Nur die beiden seitlichen<br />
Fenster mit zusätzlichem Gebälk über<br />
Volutenkonsolen verraten, dass der einheitlich<br />
geplante, monumentale Block aus<br />
zwei separaten Haushälften von je drei<br />
Fensterachsen Breite besteht. Ihr symmetrisch<br />
angelegter Grundriss gliedert<br />
sich in ein Vorder- und ein Hinterhaus.<br />
Dazwischen ist ein zentraler Lichthof mit<br />
seitlichen, halbovalen Treppenhäusern<br />
eingefügt, der vom Erdgeschoss bis zum<br />
First reicht. Das grosse Oblicht im Dach<br />
versorgt die innen liegenden Wohnräume<br />
sowie die beiden Treppenhäuser mit Tageslicht.<br />
Die sorgfältige Sanierung rückte<br />
die Qualität des grosszügigen Binnenraums<br />
wieder ins rechte Licht.<br />
Der Wandel der Fassaden widerspiegelt<br />
Veränderungen in der Raumorganisation<br />
und Nutzung der Altstadthäuser. Dabei<br />
spielt neben Belichtung und Wohnkomfort<br />
immer die Gestaltung und der Repräsentationswille<br />
eine entscheidende Rolle.<br />
Für die hier beschriebenen Beispiele gilt:<br />
Das Haus erhält ein Gesicht, das sich<br />
bewusst nach aussen wendet.<br />
Laupen, Marktgasse 14<br />
Massnahmen: Fassadensanierung<br />
und Fensterersatz, Baudokumentation<br />
2018 – 2022<br />
Bauherrschaft: Marlise Ruth Kocher,<br />
Neuenegg<br />
Archäologischer Dienst: Markus<br />
Leibundgut, Matthias Bolliger<br />
Denkmalpflege: Peter Ernst, Markus<br />
Thome<br />
4<br />
5<br />
Thun, Freienhofgasse 11<br />
Massnahmen: Gesamtsanierung<br />
2018 – 2022<br />
Bauherrschaft: Aegertenhof AG, Bern<br />
Denkmalpflege: Stefan Moser<br />
FACHWERK <strong>2023</strong> 34 FACHWERK <strong>2023</strong><br />
35
Berichte | Rapports<br />
3 4<br />
1 Auf der Rückseite des ehemaligen Mädchen-Schulhauses<br />
befindet sich heute ein grosser Pausenplatz.<br />
2 Der Innenausbau der Aula erfolgte in Anlehnung an<br />
Zeichnungen von Alfred Zschokke, 1870.<br />
3 Die Aula wurde dank der Sanierung wieder<br />
zur «guten Stube» der Stadt Biel.<br />
4 Das Schulhaus Dufour Ost erhielt eine Erweiterung<br />
ins Dachgeschoss und einen Lift.<br />
5 Die Schulhäuser Dufour Ost und West werden<br />
durch einen Zwischenbau verbunden.<br />
Ein bürgerlicher Bildungspalast<br />
Das Bieler Dufour-Schulhaus hat eine lange und bewegte Geschichte hinter sich.<br />
Sein baulicher Zustand machte nun aber Sanierungsmassnahmen dringend nötig.<br />
Text: Doris Sommer<br />
inden sich im Schulhaus Ost noch<br />
F Spuren des ab 1454 erbauten Johanniterklosters?<br />
Reste der mittelalterlichen<br />
Stadtmauer, des Eckturms «Roter Turm»,<br />
des Spitals von 1745/50 – 1818? Solche<br />
Fragen stellte man sich 2019 zu Beginn<br />
der Sanierungsmassnahmen am Schulhaus.<br />
Die geplanten Arbeiten machten<br />
archäologische Untersuchungen nötig –<br />
eine einmalige Gelegenheit, mehr über<br />
das Gebäude und seine (Bau)geschichte<br />
zu erfahren. Schon in einem Gutachten<br />
von 1986 steht: «Ohne genaue archäologische<br />
Untersuchung […] kann über die<br />
Reste des spätmittelalterlichen Johanniterklosters<br />
nichts ausgesagt werden, obwohl<br />
Unregelmässigkeiten im nordöstlichen<br />
Bereich des Schulgebäudes solche Reste<br />
noch vermuten lassen.»<br />
Vom Kloster zum Schulhaus –<br />
oder doch nicht?<br />
Die Schulanlage Dufour ist ein bedeutender<br />
Ort im Bieler Stadtbild und ein<br />
wichtiger Zeitzeuge in der Bieler Stadtgeschichte.<br />
Dort, wo heute das Schulhaus<br />
Ost steht, befand sich unmittelbar<br />
an die Stadtmauer angrenzend ab 1454<br />
die Klosteranlage des Johanniterordens.<br />
Nach der Aufhebung des Klosters im Zuge<br />
der Reformation 1528 folgten mehrere<br />
Umnutzungen und Umbauten. Ab 1559<br />
diente der Bau als städtisches Armenhaus.<br />
In der Mitte des 18. Jahrhunderts<br />
entstand an seiner Stelle ein Spital. Nur<br />
dank der eingangs erwähnten archäologischen<br />
Untersuchungen, die 2021 vorgenommen<br />
werden konnten, gelangte man<br />
endlich zur Erkenntnis: Das Armenhaus<br />
war 1745/50 nicht – wie bisher vermutet –<br />
umgebaut worden, beim Spital handelte<br />
es sich um einen umfassenden Neubau.<br />
Die mittelalterliche Stadtmauer hatte man<br />
in diesem Bereich komplett abgetragen.<br />
Im heutigen Gebäude zeugen einzig ein<br />
Mauerrest und einige Spolien vom ehemaligen<br />
Kloster. 1817/18 wurde das Spital<br />
zum Gymnasium umgebaut. Nach weiteren<br />
Massnahmen folgten schliesslich aufgrund<br />
von Plänen des Architekten Alfred<br />
Zschokke 1870/71 eine Aufstockung des<br />
Schulgebäudes mit einer Aula und die 2<br />
1<br />
Erweiterung mit zwei symmetrischen<br />
Seitenflügeln und einem Mittelrisalit. Der<br />
«Rote Turm» wurde abgebrochen. Diese<br />
Eingriffe prägen das Erscheinungsbild des<br />
historischen Gebäudes bis heute. In den<br />
letzten Jahrzehnten wurde das Gebäude<br />
lediglich punktuell saniert.<br />
Ein Schulhaus für die Mädchen<br />
Das Schulhaus Dufour West wurde<br />
1862/63 vom Architekten Hans Rychner<br />
als Mädchenschulhaus errichtet. Es ist<br />
der erste Bau, den die Einwohnergemeinde<br />
Biel zu Schulzwecken erbauen liess.<br />
Ein Zwischenbau verbindet den klassizistischen<br />
Sandstein-Putzbau mit dem<br />
Schulhaus Ost. Auf der der Strasse abgewandten<br />
Seite befindet sich ein grosser<br />
5<br />
Pausenplatz mit Bäumen und Brunnen.<br />
Auch hier waren bisher nur vereinzelte<br />
Sanierungsarbeiten vorgenommen worden,<br />
die Fassade war inzwischen stark<br />
verwittert.<br />
Schulanlage für weitere Generationen<br />
gesichert<br />
Nachdem die Stadt Biel 2019 den Projektierungskredit<br />
für eine umfassende<br />
Sanierung gesprochen hatte, befürwortete<br />
auch die Bevölkerung mit einem<br />
grossen Mehr die Ausführung der nötigen<br />
Massnahmen. Die stark beschädigten<br />
Fassaden mussten instandgesetzt und<br />
sämtliche Innenräume saniert werden. Im<br />
Schulhaus Ost wurde im einen Treppenhaus<br />
ein Lift eingebaut, das andere erhielt<br />
eine Erweiterung ins Dachgeschoss. Den<br />
Dachraum baute man aus und auch die<br />
Aula hat wieder zu neuer Würde gefunden.<br />
Sie ist zur «guten Stube» der Stadt Biel<br />
geworden – ganz so, wie sich das bereits<br />
der Gutachter von 1986 gewünscht hat.<br />
Im Herbst 2022 konnte das Schulhaus Ost<br />
wieder von den Schülerinnen und Schülern<br />
bezogen werden. Die Sanierung der<br />
Fassaden am Gebäude West, in dem sich<br />
Büros befinden, wurde ebenfalls noch<br />
vor dem Jahreswechsel fertiggestellt. Mit<br />
all den erfolgten Massnahmen hat man<br />
das Bieler Dufour-Schulhaus für weitere<br />
Generationen nutzbar gemacht – ein<br />
deutliches Zeichen dafür, dass man zum<br />
Bestehenden Sorge tragen will und ein<br />
grosser Schritt in die Zukunft.<br />
Biel/Bienne,<br />
General-Dufour-Strasse 18<br />
Massnahmen: Renovierung und<br />
Sanierung 2019– 2022<br />
Bauherrschaft: Einwohnergemeinde<br />
Biel<br />
Architekten: 3B Architekten AG, Bern<br />
Restauratoren: Roland von Gunten,<br />
Renan BE<br />
Archäologischer Dienst: Marco<br />
Amstutz, Markus Leibundgut, Matthias<br />
Bolliger<br />
Denkmalpflege: Rolf Weber, Nicolas<br />
de Wurstemberger<br />
Unterschutzstellung: Kanton 2009<br />
Beiträge: Kanton (Lotteriefonds/SID)<br />
FACHWERK <strong>2023</strong><br />
36 FACHWERK <strong>2023</strong><br />
37
Objekte | Objets<br />
Aeschi b. Spiez, Heustrichstrasse N.N.<br />
Kanderbrücke, um 1908<br />
Alchenstorf, Oberhaus 40c<br />
Speicher von 1749<br />
Biel/Bienne, Juravorstadt 43<br />
Remise zur Villa Choisy, 2. Hälfte<br />
19. Jahrhundert<br />
Traditionelle Bauweise und<br />
moderne Technik<br />
Kornspeicher – mehr als<br />
ein Schmuckstück<br />
Gelungener Schlusspunkt<br />
der Gesamtrenovierung<br />
Aktuelle Objekte<br />
Die diesjährige Auswahl von kürzlich restaurierten<br />
Baudenkmälern illustriert in einem<br />
bunten Bilderbogen das breite Spektrum der<br />
Baukultur im Kanton Bern.<br />
Erst das Engagement der Besitzerinnen und<br />
Besitzer sowie der beteiligten Fachleute<br />
aus Architektur und Handwerk zusammen mit<br />
der Denkmalpflege macht es möglich, dass<br />
unsere Baudenkmäler langfristig erhalten<br />
werden. Die Zusammenstellung der Objekte<br />
zeigt auf, wie vielseitig die Tätigkeit der<br />
Bauberatung – unterstützt von Bauforschung,<br />
Baudokumentation und Bauinventar – ist.<br />
Die Denkmalpflege kommt damit ihrer gesetzlich<br />
verankerten Berichterstattungspflicht<br />
nach. Diese ist jedoch nicht nur Pflicht,<br />
sondern ein wichtiges Mittel zum Dialog mit<br />
der Öffentlichkeit und mit den Partnerinnen,<br />
Partnern und Bauherrschaften.<br />
Objets actuels<br />
Un choix de restaurations récentes réunies en<br />
un album illustre la diversité et la richesse du<br />
patrimoine architectural du canton de Berne.<br />
C’est grâce aux efforts conjoints des propriétaires<br />
et des spécialistes – architectes et<br />
maîtres d’état – en collaboration avec le Service<br />
des monuments historiques, que peut<br />
être assurée la conservation à long terme de<br />
notre patrimoine. Les pages qui suivent en<br />
donnent des exemples éloquents. Cette présentation<br />
illustre aussi la variété des tâches<br />
des conseillers techniques, qui s'appuient sur<br />
les études et la documentation concernant<br />
les bâtiments, et sur le recensement architectural.<br />
Le Service des monuments historiques<br />
remplit ainsi le devoir d'information que lui<br />
impose la loi. Ce devoir est important aussi<br />
dans le dialogue avec le public, les partenaires<br />
et les propriétaires.<br />
Die genietete Stahl-Brücke in Gitterwerkkonstruktion<br />
bei der Talstation der Niesen -<br />
bahn war dem Verfall nahe, ihr Abbruch<br />
stand zur Diskussion. Die alte Fahrbahn<br />
aus Eisen, überdeckt mit Beton und Belag,<br />
war undicht und hatte das Bauwerk<br />
durch das hohe Eigengewicht stark beansprucht.<br />
Dank moderner Ingenieurbaukunst<br />
liess sich das Bauwerk trotzdem<br />
erhalten. Mit dem Einsatz des Werkstoffs<br />
UHFB (Ultra-Hochleistungs-Faserverbund-Baustoff)<br />
gelang es, die traditionelle<br />
Bauweise geschickt mit modernster<br />
Technik zu verweben. Durch die vorfabrizierte<br />
neue Fahrbahn aus UHFB konnte<br />
das Eigengewicht stark reduziert und die<br />
Tragkapazität des Bauwerks ohne Verstärkungsmassnahmen<br />
erhöht werden.<br />
Mit erneuertem Oberflächenschutz sieht<br />
die Brücke wieder prächtig aus. FAS<br />
Massnahmen: Ertüchtigung und<br />
Restaurierung Kanderbrücke Mülenen,<br />
2020 – 2022<br />
Bauherrschaft: Gemischte Gemeinde<br />
Aeschi bei Spiez<br />
Ingenieure: Emch+Berger AG Bern,<br />
Jean-Pascal Ammann<br />
Handwerker: Marty Korrosionsschutz<br />
AG, Jona; Element AG, Tafers (UHFB-<br />
Elemente inkl. Montage); Roth Gerüste<br />
AG, Lyss; von Niederhäusern AG, Erlenbach<br />
(Stahlbau); Brügger Vermietung AG,<br />
Reichenbach (Brückenhub); Zurbrügg<br />
Holzbau AG, Reichenbach<br />
Denkmalpflege: Fabian Schwarz<br />
Unterschutzstellung: Kanton 2021<br />
Beiträge: Kanton (Lotteriefonds/SID)<br />
Wie viele seiner Vertreter wurde auch der<br />
Kornspeicher der Familie Bracher in<br />
Alchenstorf seit geraumer Zeit nicht mehr<br />
als Kornkammer genutzt. Dank baulicher<br />
Erweiterungen diente er aber weiterhin als<br />
Lagerraum. Im grossen, sandsteinernen<br />
Gewölbekeller werden bis heute Kartoffeln<br />
gelagert. Der Unterstand auf der Rückseite<br />
des Speichers und der Holzlagerplatz<br />
hatten jedoch ihren eigentlichen Zweck<br />
verloren. Der Entscheid, den Speicher von<br />
seinen Anbauten zu befreien, war deshalb<br />
rasch gefällt. Bei den Rückbau- und<br />
Restaurierungsarbeiten arbeitete der Bauherr<br />
eng mit den beteiligten Handwerkern<br />
zusammen – ein Glücksfall. Nun ist der<br />
schmucke Kleinbau wieder in ursprünglicher<br />
Form erkennbar und für die nächste<br />
Generation erhalten. NDW<br />
Massnahmen: Dach- und Laubensanierung,<br />
2015– 2021<br />
Bauherrschaft: Andreas und Ursula<br />
Bracher<br />
Handwerker: Fritz Lüthi Holzbau GmbH,<br />
Wynigen; Kräuchi Bedachungen,<br />
Rüedisbach<br />
Denkmalpflege: Nicolas de Wurstemberger<br />
Unterschutzstellung: Kanton 2018<br />
Beiträge: Kanton (Lotteriefonds/SID)<br />
Mit der sorgfältigen Restaurierung der<br />
halb offenen, im Schweizer Holzstil gehaltenen<br />
Remise wurde die mehrjährige,<br />
schrittweise Gesamtrenovierung des<br />
eindrücklichen Ensembles der Villa Choisy<br />
und ihrem Landschaftsgarten abgeschlossen.<br />
Zuletzt wurde das kunstvolle<br />
Rankgitter, die Treillage, restauriert. Dabei<br />
befreite man zunächst das aus filigranen<br />
Eichenholzleisten bestehende Gitterwerk<br />
von mehreren Malschichten. Danach<br />
wurden die defekten oder fehlenden Stellen<br />
mit handgehobelten Leisten ersetzt<br />
oder ergänzt. Dank der Entdeckung der<br />
ursprünglichen Malschicht auf der Rückseite<br />
des Gitterwerks konnte es wieder<br />
im originalen Grünton gefasst werden.<br />
Schliesslich wurde die Treillage am ursprünglichen<br />
Ort – an der Rückwand der<br />
Remise – montiert, wo sie jetzt wieder<br />
voll zur Geltung kommt. ARU<br />
Massnahmen: Renovierung Treillage in<br />
der Remise zur Villa Choisy, 2020 – 2022<br />
Bauherrschaft: Paroisse catholique<br />
romaine de Bienne<br />
Restauratoren: Hansjörg Gerber, Nidau<br />
Denkmalpflege: Rolf Weber<br />
Unterschutzstellung: Kanton 2011,<br />
Bund 2019<br />
Beiträge: Kanton (Denkmalpflege)<br />
FACHWERK <strong>2023</strong><br />
38<br />
FACHWERK <strong>2023</strong><br />
39
Objekte | Objets<br />
Biel/Bienne, Schwanengasse 34<br />
Wohn- und Verwaltungsgebäude von<br />
1955<br />
Bleienbach, Kirchgasse 19<br />
Pfarrhaus von 1704<br />
Bolligen, Kirchstrasse 6<br />
Pfrundscheune von 1771<br />
Burgistein, Oberschönegg 58j<br />
Wohnstock von 1583<br />
Cortébert, Cour d’Agibert 12<br />
Ancienne ferme de 1809<br />
Diemtigen, Dorf 11<br />
Kirche aus dem 10. Jahrhundert<br />
Von Kargheit und Sprödheit<br />
keine Rede<br />
Neue Nutzungsbedürfnisse<br />
erfüllt<br />
Ein Kindergarten in der<br />
Pfrundscheune<br />
Heidenstock mit<br />
zeitgemässem Anbau<br />
Un esprit patrimoine<br />
en famille<br />
Freigelegte Malereien in der<br />
Kirche Diemtigen<br />
Dass der Firmensitz der Firmen Bertschi<br />
und Gross mehr als nur praktischen Nutzen<br />
hat, zeigt sich an der Wertschätzung<br />
der Bauherrschaft gegenüber dem Ge -<br />
bäude im Rahmen der jüngsten Sanierung.<br />
So restaurierte man beispielsweise<br />
den mittleren Teil der bauzeitlichen Firmenanschrift<br />
sorgfältig und setzte sie an ihren<br />
ursprünglichen Platz auf dem Vordach.<br />
Die neuen Fenster wurden den historischen<br />
Vorbildern in Form und Farbe nachgebildet<br />
und für sämtliche Malerarbeiten<br />
orientierte man sich am Befund des Restaurators.<br />
Der teilweise schadhafte Putz<br />
wurde sorgsam repariert, so dass der<br />
Kontrast von glatten und strukturierten<br />
Oberflächen erhalten werden konnte. Die<br />
nach wie vor schlichte Architektursprache<br />
erhielt mit dieser Sanierung ihr ursprüngliche<br />
Kraft und ihren dezenten Schmuck<br />
zurück. NDW<br />
In unsicheren Zeiten bewahren, was in<br />
eigenen Händen ist – unter diesem Motto<br />
erwarb die kleine Kirchgemeinde Bleienbach<br />
2012 vom Kanton das 320-jährige<br />
Pfarrhaus und begann, es in Etappen zu<br />
sanieren. Zuletzt wurden neue Nutzungsbedürfnisse<br />
erfüllt: Die Gemeinderäume<br />
sollten von der Pfarrerwohnung geschossweise<br />
getrennt und separat erschlossen<br />
werden. Während die letzte Innenrenovierung<br />
der 1980er Jahre von einem eher<br />
pragmatischen Umgang mit der historischen<br />
Substanz zeugte, ging man jetzt<br />
deutlich behutsamer vor: Vorhandene<br />
Raumstrukturen und Innenausstattungen<br />
wurden weithin belassen, sämtliche<br />
Oberflächen vorgängig untersucht sowie<br />
fachgerecht, nachhaltig und schonend<br />
behandelt. Die sehr gelungene Sanierung<br />
wahrt den Charakter des altehrwürdigen<br />
Gebäudes auf vorbildliche Weise. KKS<br />
Die Pfrundscheune von 1771 bildet mit<br />
dem zeitgleich erbauten Ofenhaus, dem<br />
Pfarrhaus und der Kirche ein geschichtsträchtiges<br />
Ensemble. 1975/76 wurden<br />
im einstigen Ökonomiegebäude für Kirche<br />
und Pfarrhaus Räume für die Kirchgemeinde<br />
und das neue Ortsmuseum<br />
untergebracht. Von 2019 bis 2022 fand<br />
nun ein weiterer grösserer Umbau statt,<br />
mit dem Ziel, die Räume im Erdgeschoss<br />
zum Kindergarten umzunutzen. Durch<br />
den Rückbau der Eingriffe aus den 1970er<br />
Jahren ist es gelungen, die doppelgeschossige<br />
Raumstruktur der alten Tenne<br />
wiederherzustellen und die typologischen<br />
Eigenheiten des Baus stärker zu betonen.<br />
Eine Verglasung deutet die Toreinfahrt an<br />
und sorgt für den nötigen Lichteinfall. An<br />
der Fassade verweisen neue Staketenverkleidungen<br />
vor den Fensterfronten auf die<br />
ursprünglichen Sandsteinwände. SGA<br />
Nach über 30 Jahren erfährt der spätgotische<br />
Wohnstock eine weitere Unterhaltsetappe.<br />
Dank der Dachsanierung und<br />
einer Neueindeckung mit den typischen<br />
Biberschwanzziegeln sowie einer sanften<br />
Fassadensanierung erstrahlt der Stock in<br />
neuem Glanz. Die Fenster hatte man 1989<br />
rekonstruiert, nun wurden sie fachgerecht<br />
ertüchtigt. Die Eingangstür erneuerte man<br />
nach historischem Vorbild. Die spezielle<br />
Kleinwohnung erhielt bereits in einer frühen<br />
Bauphase einen Badanbau. Dieser<br />
wurde durch einen zurückhaltenden, für<br />
das Baudenkmal verträglichen Neubau<br />
ersetzt. Damit konnte das altehrwürdige<br />
Gebäude an die heutigen Bedürfnisse angepasst<br />
und die Wohnqualität erheblich<br />
verbessert werden. Der Heidenstock ist<br />
wieder für eine weitere Generation nutzund<br />
erlebbar. MAT<br />
En 2013, la famille Fehlmann a reçu le<br />
Prix des monuments historiques. Cette<br />
distinction lui a été décernée pour récompenser<br />
la restauration exemplaire<br />
de l’intérieur de la maison. Guidée par la<br />
même attitude positive, elle a maintenant<br />
recrépi les façades et reconstruit l’ancien<br />
four à pain en saillie. Les façades ont été<br />
crépies par les membres de la famille durant<br />
leur temps libre et conformément aux<br />
règles de l’art, avec un enduit de chaux<br />
et de chanvre. Les sondages effectués<br />
en collaboration avec le Service archéologique<br />
ont permis de localiser l’ancien<br />
four et de le reconstruire. À l’origine, la<br />
fumée s’évacuait dans la cuisine, ce qui<br />
n’est plus possible aujourd’hui. Il y a donc<br />
un conduit d’évacuation des fumées<br />
visible à l’extérieur mais caché par un<br />
appentis couvert de tuiles. RK<br />
1915 wurde der bekannte Kirchen-Künstler<br />
Paul Zehnder mit der vollflächigen Bemalung<br />
des Chorbereichs der Kirche beauftragt.<br />
Eine Himmelfahrtszene und eine<br />
Landschaftsansicht prägten das Gesamtkunstwerk<br />
an Chorwand und -gewölbe.<br />
1956 empfand man das Chorgewölbe als<br />
zu düster, die Malereien wurden vollständig<br />
überstrichen. Im Zusammenhang mit<br />
der Auffrischung der sichtbar gebliebenen<br />
Malereien an der Chorwand wurde eine<br />
Freilegung derjenigen im Gewölbe erwogen<br />
und nach sorgfältiger Sondierung als<br />
machbar erachtet. In akribischer Feinarbeit<br />
legte man die Fläche frei und ergänzte<br />
Fehlstellen. Die Chorwand erhielt eine Reinigung<br />
und zurückhaltende Retuschen.<br />
Auch die Chorfenster wurden restauriert.<br />
Für eine dezente Ausleuchtung des Gewölbes<br />
sorgt eine dimmbare Beleuchtung<br />
entlang der Kirchenbänke. SMO<br />
Massnahmen: Fassaden- und Dachsanierung,<br />
2021/22<br />
Bauherrschaft: J. Bertschi AG<br />
Restauratoren: Roland von Gunten,<br />
Renan<br />
Handwerker: Rosa Fenster GmbH,<br />
Busswil b. B.; Roman Stalder GmbH,<br />
Nidau (Malerarbeiten); BiennaDach<br />
GmbH, Biel/Bienne; Staub Storen AG,<br />
Büren a. d. A.; Muttscheller Metallbau<br />
GmbH Biel/Bienne<br />
Denkmalpflege: Nicolas de Wurstemberger<br />
Unterschutzstellung: Kanton 2022<br />
Beiträge: Kanton (Lotteriefonds/SID)<br />
Massnahmen: Innensanierung 2020/21<br />
Bauherrschaft: Kirchgemeinde Bleienbach<br />
Architekten: Blum und Grossenbacher<br />
Architekten AG, Langenthal<br />
Restauratoren: Roger Tinguely,<br />
Steffisburg<br />
Handwerker: Scheidegger AG Schreinerei-Holzbau,<br />
Rohrbachgraben; Hector<br />
Egger Holzbau AG, Langenthal; Billeter<br />
Malergeschäft, Bleienbach; Schreinerei<br />
W. Heiniger AG, Ursenbach; Schreiner<br />
Gerber, Bleienbach<br />
Denkmalpflege: Nicolas de Wurstemberger<br />
Unterschutzstellung: Kanton 2010<br />
Beiträge: Kanton (Lotteriefonds/SID)<br />
Massnahmen: Sanierung Gebäudehülle<br />
und Einbau Kindergarten, 2019– 2022<br />
Bauherrschaft: Einwohnergemeinde<br />
Bolligen<br />
Architekten: Umbra Architektur, Bern<br />
Handwerker: Iseli Naturstein GmbH,<br />
Bern; HERZOG Bau und Holzbau AG,<br />
Stettlen; Woodtli AG, Bern<br />
Denkmalpflege: Peter Ernst<br />
Unterschutzstellung: Kanton 1975<br />
Beiträge: Kanton (Denkmalpflege)<br />
Massnahmen: Sanierung, 2020 – 2022<br />
Bauherrschaft: Domänenverwaltung<br />
der Burgergemeinde Bern<br />
Architekten: GHZ-Architekten AG, Belp<br />
Restauratoren: Fischer & Partner AG<br />
Restauratoren, Bern<br />
Handwerker: Reusser Dach+ Fassaden<br />
AG, Mühlethurnen; Atelier Waldhuus Hauri<br />
GmbH, Ostermundigen (Natursteinarbeiten);<br />
Fuhrer Schreinerei AG, Kehrsatz;<br />
Malerei Hodler AG, Kehrsatz<br />
Denkmalpflege: Matthias Trachsel<br />
Unterschutzstellung: Kanton 1989<br />
Beiträge: Kanton (Lotteriefonds/SID)<br />
Mesures : restauration des façades et<br />
nouveau four à pain, 2020 – 2022<br />
Maître d’ouvrage : Ursula et René<br />
Fehlmann<br />
Artisans : Berger Pierre-Alain, Le Fuet ;<br />
Lehman-Stein GmbH, Leuzigen ;<br />
Fehlmann Ursula, René, Jodok et Sabeth<br />
Service archéologique : Christophe<br />
Gerber<br />
Service des monuments historiques :<br />
Olivier Burri<br />
Mise sous protection : Canton 2004<br />
et 2012<br />
Massnahmen: Restaurierung Malereien<br />
und Chorfenster, 2020– 2022<br />
Bauherrschaft: Evangelisch-reformierte<br />
Kirchgemeinde Diemtigen<br />
Planung: Isler Baulösungen GmbH,<br />
Diemtigen<br />
Restauratoren: Fischer und Partner AG<br />
Restauratoren, Bern; Netzwerk Bau &<br />
Forschung, Tengen, Glasmalerei Bern,<br />
Ursula Knoblauch, Gümligen<br />
Handwerker: Röthlisberger Elektro AG,<br />
Oey; Diembau GmbH, Oey-Diemtigen<br />
Denkmalpflege: Stefan Moser<br />
Unterschutzstellung: Kanton 1986;<br />
Bund 1966<br />
Beiträge: Kanton (Denkmalpflege)<br />
FACHWERK <strong>2023</strong><br />
40<br />
FACHWERK <strong>2023</strong><br />
41
Objekte | Objets<br />
Herzogenbuchsee, Bernstrasse 15<br />
Wohn- und Geschäftshaus von 1895<br />
Hilterfingen, Ringstrasse 5<br />
Ehemaliges Schloss von 1874<br />
Iseltwald, Marderbach 15c<br />
Ofenhaus, wohl 17. Jahrhundert<br />
Kirchdorf, Kirchgasse 12<br />
Pfarrhaus von 1709<br />
Köniz, Schwarzenburgstrasse 810<br />
Stöckli von 1784<br />
Laupen, Schloss 3<br />
Wohnhaus, wohl 18. Jahrhundert<br />
Ein frisches Gesicht für<br />
Herzogenbuchsee<br />
Vom Schloss zum<br />
Schulhaus<br />
Blickfang<br />
in Iseltwald<br />
Trennung von privater<br />
und öffentlicher Nutzung<br />
Instandhaltung der spätbarocken<br />
Fassadenmalerei<br />
Hand in Hand zum frischen<br />
Erscheinungsbild<br />
Der 1895 erbaute Baslerhof gehört zu<br />
einer Reihe von historischen Wohn- und<br />
Geschäftsbauten an der Bernstrasse im<br />
Zentrum von Herzogenbuchsee. In diesem<br />
spätklassizistischen Bau mit städtischem<br />
Charakter war ursprünglich die Kantonalbank<br />
untergebracht. Dank einer sorgsamen<br />
Fassaden- und Dachsanierung<br />
erhielt er nun ein zweites Leben. Das ausgeglichene<br />
Farbkonzept der Strassenfassade<br />
stützt sich auf die Erkenntnisse<br />
einer Farbuntersuchung. Sorgfältig wurden<br />
besondere Bauteile wie die feingliederige<br />
Säule beim Ladeneingang wiederverwendet<br />
und in Szene gesetzt. Das mit<br />
Lukarnen rhythmisierte Dach fügt sich<br />
harmonisch in die Dachlandschaft ein und<br />
zeugt von einem respektvollen Umgang<br />
mit dem Baudenkmal. Heute wie früher<br />
trägt der Baslerhof zur architektonischen<br />
Identität des Ortszentrums bei. AOL<br />
Die schlossartige Villa des Freiherrn<br />
Gustav Karl von Bonstetten wurde 1942<br />
von der Gemeinde erworben und diente<br />
fortan als Primarschulhaus. In Hilterfingen<br />
ist die Verbundenheit mit dem «Eichbühl»<br />
gross, ebenso das Engagement für seine<br />
Sanierung. Zuerst widmete man sich<br />
der Gebäudehülle, dazu gehören auch<br />
die aufwendigen Verzierungen: Das von<br />
Eichenlaub gerahmte Sandstein-Medaillon<br />
über der Eingangstür hatte sich teilweise<br />
zersetzt und wurde nun rekonstruiert und<br />
neu aufmodelliert. Das verspielte Dekor in<br />
den Giebelfeldern und im Obergeschoss –<br />
überraschenderweise aus Beton und nicht<br />
aus Holz gefertigt – drohte abzubrechen.<br />
Man sicherte das Bestehende und ersetzte<br />
Fehlendes in Beton. Demnächst folgt<br />
die Innensanierung des Schulhauses –<br />
die Zukunft der Schule im Schloss ist gesichert.<br />
DOS<br />
Der im 17. Jahrhundert erbaute Feldofen<br />
an der Uferstrasse in Iseltwald ist ein beliebtes<br />
Fotosujet für Touristen aus aller Welt.<br />
An unverbauter Lage steht er mitten im<br />
Dorf am Seeufer. Eingefeuert wird zwar<br />
nicht mehr, der Kleinbau mit Ofensockel<br />
und aufgesetzter Satteldachkonstruktion<br />
mit Rundhölzern befindet sich jedoch<br />
weitgehend im Originalzustand. Im Rahmen<br />
der Restaurierungsarbeiten wurden<br />
im massiven Teil das Mauerwerk, die<br />
Ofenöffnung und die Putzflächen soweit<br />
nötig geflickt. Oberhalb davon mussten<br />
einige Rundhölzer in schadhaftem Zustand<br />
ersetzt werden. Um erneute Feuchtigkeitsschäden<br />
zu vermeiden, hat man das<br />
Holzwerk leicht vom Mauerwerk abgehoben.<br />
Während der Arbeiten wurde der<br />
Holzaufbau trotz des losen Gefüges nicht<br />
demontiert, sondern lediglich aufgeständert.<br />
SMO<br />
Bei der Sanierung eines Pfarrhauses wird<br />
meist die ganze Bandbreite denkmalpflegerischer<br />
Fragestellungen angesprochen.<br />
So mussten in Kirchdorf etwa die unzeitgemässen<br />
Küchen- und Nasszellen modernisiert<br />
werden und es galt, eine Lösung<br />
für die Trennung von öffentlichen und<br />
privaten Räumen zu finden. Mit reversiblen<br />
Einbauten gelang es, den Anliegen der<br />
Kirchgemeinde Kirchdorf gerecht zu werden.<br />
Trotz dieser Eingriffe konnten die<br />
kostbaren bauzeitlichen Ausstattungen<br />
und Oberflächen, wie etwa ein Pilastertäfer<br />
aus der Bauzeit, erhalten werden.<br />
Dank einer sorgfältigen Putzsanierung<br />
an den Fassaden blieb auch das äussere<br />
Erscheinungsbild gewahrt. Durch eine<br />
professionelle Zusammenarbeit von Architekten,<br />
Kirchgemeinde und Denkmalpflege<br />
ist ein vorbildliches, nachhaltiges<br />
Resultat entstanden. MAT<br />
Das spätbarocke Stöckli von 1784 steht<br />
im historischen Kern der Ortschaft Niederscherli.<br />
Bei den opulenten Fassadenmalereien<br />
mit ornamentalen und figürlichen<br />
Darstellungen handelt es sich um<br />
ein Schlüsselwerk des Malers Christian<br />
Megert (1757– 1818) und seines Umkreises.<br />
Die Abbildungen zeigen patriotische,<br />
religiöse und allegorische Motive. Da die<br />
Ölmalerei den Umwelteinflüssen stark ausgesetzt<br />
ist, muss sie alle drei Jahre auf<br />
ihren Zustand hin geprüft und wenn nötig<br />
restauriert werden. Von 2020 bis 2022<br />
wurden die Malschichten an Süd- und<br />
Westseite gefestigt, substanzschonend<br />
gereinigt, punktuell retuschiert und wenn<br />
nötig neu gestrichen. Durch diese regelmässigen<br />
Kontrollen und Restaurierungsmassnahmen<br />
wird das reiche Repertoire<br />
der einzigartigen Malereien fortbestehen.<br />
MDA<br />
Das charaktervolle «Schlossstöckli» direkt<br />
an der Schlossmauer dürfte aus dem<br />
18. Jahrhundert stammen und erlebte<br />
im Lauf der Zeit einige Veränderungen.<br />
Ausgangspunkt der Sanierung war seine<br />
stark abgewitterte Fassade. Restauratorin,<br />
Architektin, Archäologen, Bauforscher<br />
und Bauberater analysierten den Bestand<br />
intensiv. Auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse<br />
renovierten kundige Handwerker<br />
die qualitätvolle Arbeit ihrer Vorgänger<br />
sorgfältig. Die Konstruktionshölzer und<br />
der Holzschindelmantel mussten teilweise<br />
erneuert werden. Neue Fenster und Fensterläden<br />
nach altem Vorbild, die freigelegte<br />
Riegkonstruktion und das Farbkonzept<br />
nach Befund verbinden die Elemente aus<br />
verschiedenen Bauphasen zu einer stimmigen<br />
Einheit. Renoviert und aufgefrischt<br />
wirkt das Schlossstöckli wieder würdevoll<br />
und stattlich. AZ<br />
Massnahmen: Fassaden- und Dachsanierung,<br />
2016– 2022<br />
Bauherrschaft: Fabian Niederhäuser<br />
Architekten: Wolfgang Niederhäuser<br />
Restauratoren: Roger Tinguely,<br />
Steffisburg<br />
Handwerker: A. Meyer Bedachungen/<br />
Fassaden Nachfolger Thomas Kropf,<br />
Langenthal; Realini Malerei+ Gipserei<br />
AG, Langenthal; Wyler Steinbildhauerei<br />
GmbH, Langenthal; Kläy Naturstein,<br />
Grossaffoltern<br />
Denkmalpflege: Arpad Boa<br />
Unterschutzstellung: Kanton 2005<br />
Beiträge: Kanton (Lotteriefonds/SID)<br />
Massnahmen: Gesamtsanierung<br />
Gebäudehülle, 2020– 2022<br />
Bauherrschaft: Einwohnergemeinde<br />
Hilterfingen<br />
Architekten: bühler architekten ag, Thun<br />
Restauratoren: Roger Tinguely,<br />
Steffisburg<br />
Handwerker: Iseli Natursteinarbeiten<br />
GmbH, Bern; Messerli Christian AG, Thun<br />
(Abgüsse im Giebelbereich); Boss Holzbau<br />
AG, Thun (Sanierung Holzwerk)<br />
Denkmalpflege: Ralph Schmidt<br />
Unterschutzstellung: Kanton 1976<br />
und 2019<br />
Beiträge: Kanton (Lotteriefonds/SID)<br />
Massnahmen: Restaurierung, 2022<br />
Bauherrschaft: Martin Rohmann, Baar<br />
Planung: H. Brunner Holzbau GmbH,<br />
Iseltwald<br />
Handwerker: Nufer Anderegg Bau AG,<br />
Interlaken; H. Brunner Holzbau GmbH,<br />
Iseltwald<br />
Denkmalpflege: Stefan Moser<br />
Beiträge: Kanton (Denkmalpflege)<br />
Massnahmen: Sanierung und Umbau,<br />
2020 – 2022<br />
Bauherrschaft: Kirchgemeinde<br />
Kirchdorf<br />
Architekten: Architekturbüro Peter Olf<br />
GmbH, Erlenbach im Simmental<br />
Restauratoren: Roger Tinguely,<br />
Steffisburg<br />
Handwerker: Jesùs Dapena AG, Interlaken;<br />
Bilderwerkstatt Martin Glauser,<br />
Wilderswil; Gfeller Malerei, Kirchdorf;<br />
Holzbau Krieg AG, Kirchdorf; Wohntuning<br />
GmbH, Kirchdorf; Gafner Creaktiv AG,<br />
Erlenbach i.S.<br />
Denkmalpflege: Matthias Trachsel<br />
Unterschutzstellung: Kanton 2011<br />
Beiträge: Kanton (Lotteriefonds/SID)<br />
Massnahmen: Restaurierung Fassadenmalerei,<br />
2020 – 2022<br />
Bauherrschaft: Kathrin und Werner<br />
Dietrich-Herren<br />
Restauratoren: Wirz AG, Abteilung<br />
Restauratoren, Bern<br />
Denkmalpflege: Peter Ernst<br />
Unterschutzstellung: Kanton 1989,<br />
Bund 1992/2005<br />
Beiträge: Kanton (Lotteriefonds/SID)<br />
Massnahmen: Fassadensanierung und<br />
Fensterersatz, 2020– 2022<br />
Bauherrschaft: Burgergemeinde Laupen<br />
Architekten: architektur.rüedi ag, Laupen<br />
Restauratoren: Christine Gerber Affolter,<br />
Laupen<br />
Handwerker: Holzbau Hofmann Dänzer<br />
AG, Bösingen; Kohli Bedachungen und<br />
Spenglerei AG, Mühleberg; di pietro wysser<br />
GmbH, Laupen (Malerei & Gipserei);<br />
Josef Gobet AG, Bösingen (Fenster); Jesús<br />
Dapena AG, Interlaken (Bauunternehmung)<br />
Archäologischer Dienst: Brigitte<br />
Andres, Armand Baeriswyl<br />
Denkmalpflege: Peter Ernst<br />
Unterschutzstellung: Kanton 2014<br />
Beiträge: Kanton (Lotteriefonds/SID)<br />
FACHWERK <strong>2023</strong> 42 FACHWERK <strong>2023</strong><br />
43
Objekte | Objets<br />
Ligerz, Untergasse 21<br />
Rebhaus, im Kern wohl 16. Jahrhundert<br />
Lyss, Stegmattweg 15/17<br />
Schulanlage von 1954–1959<br />
Lyssach, Dorfstrasse 41c<br />
Speicher mit Ofenhaus und<br />
Wohnung, um 1820<br />
Moutier, Rue Centrale 22<br />
Villa, vers 1900<br />
Mühleberg, Aumattweg 6 und 8<br />
Werksiedlung von 1917<br />
Neuenegg, Oberflamatt N.N.<br />
Steinbrücke von 1852 –1854<br />
Mit Liebe zum historischen<br />
Detail<br />
Stimmiges Gesamtbild<br />
Früher Getreide,<br />
heute Lockenwickler<br />
Témoin d’un riche<br />
passé<br />
Eine Siedlung, fünf Häuser,<br />
zwei Sanierungen<br />
Gemeinschaftsbrückenwerk<br />
über die Sense<br />
Das ehemalige Rebhaus in Schernelz<br />
hat einen Grossteil seiner originalen Bausubstanz<br />
bewahrt. Durch den Rückbau<br />
jüngerer Komponenten und den gezielten<br />
Einsatz weniger neuer Elemente gelang<br />
es, die räumlichen Strukturen zu erhalten.<br />
Die sorgfältig sanierten originalen Oberflächen<br />
der Böden, der Decken oder des<br />
Mauerwerks machen zusammen mit dem<br />
schmucken Sitzofen und den spätgotischen<br />
Fenstern den Charme des Hauses<br />
aus. Das Dachgeschoss funktionierte<br />
man zu einem grosszügigen Wohnraum<br />
um, durch den Einsatz von Glasziegeln<br />
und verglasten Lukarnen wirkt der Raum<br />
von Licht durchflutet. Die inspirierende<br />
Zusammenarbeit zwischen Besitzer,<br />
Architekten und Handwerkern führte zu<br />
einem wunderbaren Zusammenspiel von<br />
historischem Bestand mit zeitgemässem<br />
Wohnen an einem speziellen Ort. LIA<br />
Die Sanierung der Schulanlage Stegmatt<br />
ist beispielhaft. Sie erfolgte mit Fingerspitzengefühl<br />
und Pragmatismus und führte<br />
zu einer harmonischen Mischung aus Alt<br />
und Neu. Man achtete sehr darauf, originale<br />
Oberflächen grundsätzlich zu erhalten.<br />
Die Gebäude wurden gedämmt, die<br />
Fenster (teilweise spezielle Kippfenster)<br />
saniert und nur wo nötig ersetzt. Auf den<br />
Dächern montierte man kaum sichtbare<br />
Solarzellen. Der Verbindungstrakt erhielt<br />
nach der Aussendämmung Wandplatten<br />
aus Naturstein, die dem ursprünglichen<br />
Erscheinungsbild entsprechen. Im Primarschultrakt<br />
entstanden Gruppenräume,<br />
ein Treppenturm mit Lift und im Untergeschoss<br />
Werk- und Tagesschulräume. An<br />
der Eröffnung wurden bei vielen Ehemaligen<br />
Erinnerungen wach – man ist glücklich,<br />
dass die Schulanlage nicht einem<br />
Neubau weichen musste. DOS<br />
Im Zentrum von Lyssach befindet sich ein<br />
aussergewöhnlicher Zeuge der ländlichen<br />
Architektur: ein Getreidespeicher, der unter<br />
seinem Dach eine Melkerkammer, ein<br />
Ofenhaus und einen Schuppen für die<br />
landwirtschaftlichen Gerätschaften beherbergte.<br />
Diese Multifunktionalität besteht<br />
auch heute noch: Im Erdgeschoss hat die<br />
Besitzerin ihren Coiffeursalon und im ersten<br />
Stock ihre Wohnung eingerichtet. Die<br />
Erhaltung des Speichers war nicht von<br />
vornherein gesichert. Das Gebäude war<br />
in einem sehr schlechten Zustand, musste<br />
einer umfangreichen Restaurierung unterzogen<br />
und an die neue Funktion angepasst<br />
werden. Vorher wurde seine Bau- und<br />
Nutzungsgeschichte erforscht. Der Speicher<br />
hat sein ursprüngliches Aussehen<br />
bewahrt, mit seiner reich verzierten Blendfassade<br />
und den hohen Laubenarkaden<br />
ist er ein Blickfang. RK<br />
Au début du 20 e siècle, l’essor industriel<br />
de Moutier a donné naissance à un vaste<br />
développement architectural et urbain.<br />
Située sur la rue Centrale, la villa Giroud<br />
s’inscrit dans cette croissance. Cette<br />
maison à l’aspect extérieur historiciste fait<br />
voir à l’intérieur un décor d’inspiration Art<br />
nouveau. La restauration s’est concentrée<br />
sur la mise au jour et la sauvegarde des<br />
plafonds peints de plusieurs pièces et<br />
de ceux de l’oriel d’angle qui jouxte le<br />
séjour, et sur la mise en valeur de la cage<br />
d’escalier. Les façades extérieures ont<br />
été repeintes dans la teinte d’origine. Les<br />
avant-toits, fortement endommagés par<br />
les intempéries, ont dû être en grande<br />
partie reconstitués. Le support en bois et<br />
en plâtre et le motif peint ont été refaits à<br />
l’identique. RK<br />
Die Werksiedlung Krähenfeld gehört zum<br />
Wasserkraftwerk Mühleberg und befindet<br />
sich auf einer Hangterrasse oberhalb der<br />
Aare. Das Ensemble in einfachem Heimatstil<br />
besteht aus fünf baugleichen Doppelhäusern<br />
und dem Wohnhaus des Obermaschinisten.<br />
Hauptmerkmal der kleinen<br />
Rieghäuser sind die ausladenden Halbwalmdächer.<br />
Die Fassaden verrandete<br />
man in den 1960er Jahren mit farbigen<br />
Faserzementschindeln. 2008 wurde ein<br />
erstes Doppelhaus umfassend saniert,<br />
nun folgten zwei weitere. Dabei sollte<br />
zuerst dasselbe Projekt wie damals umgesetzt<br />
werden. Nach einer grösseren<br />
Überarbeitung der Pläne konnten gegenüber<br />
der ersten Etappe jetzt aber einige<br />
Details verbessert und die Raumstruktur<br />
erhalten werden. Bleiben die letzten beiden<br />
Häuser und die Frage, wie mit diesen<br />
umgegangen werden wird. NWI<br />
Die «Steinige Brücke» wurde 1852 – 1854<br />
in damals modernster Bauweise von<br />
den Kantonen Bern und Freiburg über den<br />
Grenzfluss Sense errichtet. Bis zum Bau<br />
der Autobahn 1973 war die klassizistische<br />
Bogenbrücke aus Sand-, Kalk- und Tuffstein<br />
Teil der Hauptverbindungachse zwischen<br />
den Städten Bern und Freiburg.<br />
Altersbedingt präsentierte sich das prestigeträchtige<br />
Ingenieurwerk bröckelnd,<br />
undicht und von Pflanzen bewachsen. Bei<br />
der Sanierung, begleitet von den Denkmalpflegestellen<br />
der Kantone Bern und<br />
Freiburg, wurde der Brückentrog erneuert,<br />
die Brückenplattform abgedichtet und die<br />
Entwässerung instandgesetzt. Die Sandsteinbrüstung<br />
ergänzte man mit einem<br />
vorgesetzten Geländer, ein minimaler Eingriff<br />
zugunsten der Sicherheitsstandards.<br />
Die heutige Fussgängerbrücke ist für die<br />
nächsten 50 Jahre gerüstet. KIH<br />
Massnahmen: Gesamtsanierung,<br />
2019 – 2021<br />
Bauherrschaft: Peter Solomon, Zürich<br />
Architekten: umbra Architektur, Bern<br />
Restauratoren: Hans-Jörg Gerber,<br />
Nidau<br />
Handwerker: Gehri Holzbau AG, Vinelz;<br />
Parkettaschi GmbH, Laupen; Ehrenzeller +<br />
Kovatsch AG, Kirchlindach (Schreinerarbeiten)<br />
Denkmalpflege: Rolf Weber, Bern<br />
Unterschutzstellung: Kanton 2021<br />
Beiträge: Kanton (Lotteriefonds/SID)<br />
Massnahmen: Gesamtsanierung,<br />
2018 – 2022<br />
Bauherrschaft: Gemeinde Lyss<br />
Architekten: H+R Architekten AG,<br />
Münsingen<br />
Restauratoren: Fischer & Partner AG<br />
Restauratoren, Bern<br />
Handwerker: Könitzer+ Hofer AG, Worb<br />
(Holzfenster); Brogini AG, Lyss (Baumeister);<br />
Kiefer Roten AG, Lyss (Malerarbeiten);<br />
Magitherm AG, Brügg (Fassade); Aeberhard<br />
AG, Münsingen (Bodenplatten);<br />
Blechdesign GmbH, Lyss (Bedachung)<br />
Denkmalpflege: Simon Haldi, Ralph<br />
Schmidt, Nils Wimmer<br />
Unterschutzstellung: Kanton 2008<br />
Beiträge: Kanton (Lotteriefonds/SID)<br />
Massnahmen: Sanierung und<br />
Umnutzung, 2020 – 2022<br />
Bauherrschaft: Manuela Bachmann<br />
Architekten: team k architekten ag,<br />
Burgdorf<br />
Handwerker: Werthmüller<br />
Schreinerei AG, Burgdorf<br />
Denkmalpflege: Simon Vögeli,<br />
Markus Thome<br />
Mesures : restauration intérieure et<br />
extérieure, 2021/22<br />
Maître d’ouvrage : Silvio Giroud,<br />
Moutier<br />
Architectes : kwsa sa – kaiser wittwer<br />
schnegg architectes, Malleray<br />
Restaurateurs : Alain Fretz, Péry<br />
Artisans : Burgunder Peinture Sàrl,<br />
Malleray ; Sandro Broch, revêtements de<br />
sols, Tavannes ; A. Hauser SA, Moutier<br />
Service des monuments historiques :<br />
Olivier Burri<br />
Subventions : Canton (Fonds de loterie/<br />
DSE)<br />
Massnahmen: Gesamtsanierung,<br />
2020 – 2022<br />
Bauherrschaft: BKW Energie AG, Bern<br />
Architekten: BKW Energie AG, Christian<br />
Lüthy, Bern<br />
Handwerker: Holzbauwerk AG, Ittigen,<br />
Kohli Bedachungen und Spenglerei AG,<br />
Mühleberg<br />
Denkmalpflege: Nils Wimmer<br />
Massnahmen: Sanierung, 2019– 2022<br />
Bauherrschaft: Gemeinde Wünnewil-<br />
Flamatt<br />
Handwerker: Hartenbach & Wenger AG,<br />
Bern; von Dach AG, Bern; Stettler AG Biel<br />
Studen<br />
Denkmalpflege: Peter Ernst; Amt für<br />
Kulturgüter KGA Freiburg, Hans Ulrich<br />
Baumgartner<br />
Unterschutzstellung: Kanton 2019<br />
Beiträge: Kanton (Lotteriefonds/SID),<br />
Kanton Freiburg (Loterie Romande),<br />
Bund (ASTRA)<br />
FACHWERK <strong>2023</strong> 44<br />
FACHWERK <strong>2023</strong><br />
45
Objekte | Objets<br />
Oberried am Brienzersee,<br />
Untergasse 9<br />
Ehemaliges Bauernhaus von 1478<br />
Rüeggisberg, Dorfstrasse 6<br />
Archivturm, wohl von 1790<br />
Rüschegg, Sangern 183<br />
Bauernhaus von 1751<br />
Sauge, Route Principale 4<br />
Ancienne ferme de 1640<br />
Schwarzenburg, Bernstrasse 1<br />
Gemeindekanzlei von 1907<br />
Schwarzenburg/Lanzenhäusern,<br />
Obereichistrasse 62a,<br />
Speicher von 1757<br />
Der Schein trügt<br />
Mauersegler im<br />
Baudenkmal<br />
Wohnen im<br />
Tätschdachhaus<br />
L’incontestable importance<br />
de la toiture<br />
Ein prachtvolles Zuhause<br />
für die Gemeindeverwaltung<br />
Traditionelles<br />
Zimmermannshandwerk<br />
Hinter der unscheinbaren, schindelverrandeten<br />
Fassade versteckt sich ein spätmitteralterliches<br />
Haus: Dendrochronologische<br />
Untersuchungen datieren die Hölzer<br />
vom Kellergeschoss bis unters Dach in die<br />
Jahre 1475 bis 1478. Im gesamten Haus<br />
konnten nahezu auf allen Wänden geritzte<br />
Abbundzeichen gefunden werden. Mit<br />
diesen Ziffern oder Symbolen markierten<br />
die Zimmerleute einzelne Bauteile. Wurde<br />
das Haus also demontiert und wiederaufgebaut?<br />
Trotz der umfangreichen bauhistorischen<br />
Untersuchung hütet es weiterhin<br />
Geheimnisse. Die neue Eigentümerin hat<br />
der wertvollen Bausubstanz in hohem<br />
Masse Rechnung getragen. Präzise wurden<br />
die neuen Nasszellen und Küchen<br />
in den bestehenden Grundriss integriert,<br />
geschickt und stimmungsvoll sind neue<br />
Oberflächen neben dem historischen<br />
Holzbau in Szene gesetzt. FAS<br />
Prominent steht der zweigeschossige<br />
Massivbau direkt an der Dorfstrasse. An<br />
die Friedhofmauer vor der Kirche gesetzt,<br />
ist er ein wichtiges Element im Dorfbild<br />
von Rüeggisberg. Die Einflüsse von Salz<br />
und Spritzwasser sowie die Wahl ungeeigneter<br />
Materialien bei früheren Farb- und<br />
Putzsanierungen hatten zu Schäden geführt,<br />
die eine Restaurierung unausweichlich<br />
machten. Dank des Engagements der<br />
Gemeinde Rüeggisberg sowie versierter<br />
Handwerker, welche sich intensiv mit dem<br />
Baudenkmal auseinandersetzten, konnte<br />
eine denkmalpflegerisch vorbildliche<br />
Restaurierung durchgeführt werden. Das<br />
Farbkonzept und die Materialbestimmung<br />
wurden nach Befunden erstellt. Auf die<br />
Mauersegler nahm man während der Bauzeit<br />
Rücksicht, deshalb bewohnen die<br />
raren Vögel das seltene Baudenkmal auch<br />
weiterhin. MAT<br />
Das traufseitig orientierte Mehrzweckhaus<br />
in robuster mehrreihiger Ständerkonstruktion<br />
diente ursprünglich als Zweifamilienhaus<br />
mit offener Rauchküche. Die Umnutzung<br />
zum Wohnhaus für eine Familie<br />
erweckte den gut erhaltenen Vertreter des<br />
«Schwarzenburger Tätschdachhauses»<br />
zu neuem Leben. Hinter den originalen<br />
Tenntoren liegt der neue Eingangsbereich,<br />
grossflächige Verglasungen sorgen für<br />
eine grosszügige Belichtung. Das riesige<br />
Engagement von Bauherrschaft und<br />
Zimmerleuten führte dazu, dass die zeitgemässe<br />
Wohnnutzung inmitten der historischen<br />
Elemente geschickt umgesetzt<br />
wurde. So blieb auch der Bretterkamin<br />
erhalten. Handwerkliches Geschick bei<br />
der sachkundigen Rekonstruktion der<br />
Reihenbefensterung sowie innovative Ideen<br />
bei der Gestaltung der Giebelfassaden<br />
zeichnen den Umbau besonders aus. MAT<br />
L’entrée ouest du village de Vauffelin,<br />
aujourd’hui commune de Sauge, est marquée<br />
par une suite de fermes aux façades<br />
principales en gouttereaux. Elles remontent<br />
au 17 e siècle et sont des témoins de l’ancienne<br />
activité rurale de la région. L’une<br />
d’entre elles, inoccupée pendant de nombreuses<br />
années, accusait le poids des<br />
ans. Sa rénovation était devenue urgente.<br />
Après l’achat de la maison, la priorité<br />
du nouveau propriétaire a été la sauvegarde<br />
de la charpente d’origine. En très<br />
mauvais état, celle-ci a dû être renforcée.<br />
Après discussion, la solution de doubler<br />
certains chevrons s’est révélée adéquate<br />
pour stabiliser la toiture sans remplacer<br />
l’ensemble de la charpente historique. La<br />
cave voûtée, qui menaçait de s’effondrer,<br />
a été stabilisée à l’aide d’un mur poids. RK<br />
Die Gemeindekanzlei von 1907 tritt als<br />
mächtiger Putzbau mit reichhaltigen Heimatstilelementen<br />
in Erscheinung. Auch<br />
im Innern waren trotz mehrerer Umbauten<br />
wertvolle Ausstattungselemente erhalten<br />
geblieben, die im Rahmen der Gesamtsanierung<br />
massvoll renoviert wurden. Ein<br />
cleveres Erschliessungskonzept machte<br />
es möglich, auch das bauzeitliche Interieur<br />
des Treppenhauses zu erhalten: Dank<br />
eines neuen Lifts dient das Treppenhaus<br />
nicht mehr primär dem Publikumsverkehr,<br />
sondern als Fluchtweg. Besonders zu<br />
erwähnen sind die beiden Loggien in den<br />
Obergeschossen, die im Zuge früherer<br />
Umbauten geschlossen und der Büronutzung<br />
zugesprochen worden waren.<br />
Mit ihrer Rekonstruktion hat das wichtige<br />
Bauvolumen im Zentrum von Schwarzenburg<br />
allseitig seinen ursprünglichen Charakter<br />
und Charme zurückerhalten. MAT<br />
Dank des Engagements von Zimmerleuten<br />
und Eigentümerschaft gelang es, den<br />
hübschen Kantholzblockbau vorbildlich zu<br />
restaurieren. Schadhafte Holzteile wurden<br />
mit Fingerspitzengefühl ersetzt und originalgetreu<br />
rekonstruiert. So auch Teile der<br />
umlaufenden Lauben mit Karniesausschnitten<br />
und Zopfpfosten im Ober- und Dachgeschoss.<br />
Westseitig konnte die fehlende<br />
Laube wiederhergestellt werden. Der<br />
Bau weist viele regionaltypische Details<br />
der Zimmermannsarchitektur um 1750 auf<br />
und gehört zu einer Reihe bedeutender<br />
Barockspeicher des Schwarzenburgerlandes.<br />
Zusammen mit dem Bauernhaus<br />
Nr. 62 und dem Speicher Nr. 64a bildet<br />
er ein Ortsbild prägendes Ensemble. Die<br />
kommende Generation auf dem Hof in<br />
Obereichi kann ein gut erhaltenes Baudenkmal<br />
übernehmen und sich weiter<br />
daran erfreuen. MAT<br />
Massnahmen: Umbau und Sanierung,<br />
2017 – 2022<br />
Bauherrschaft: Heidi Griffith-Amacher<br />
Architekten: Friedrich Graf, Oberried<br />
am Brienzersee<br />
Handwerker: KEHRLI Bauhandwerk<br />
GmbH, Schwanden bei Brienz; Zenger<br />
Holzbau, Habkern; AM Küchen GmbH,<br />
Unterseen (Fenster, Schreinerarbeiten)<br />
Archäologischer Dienst: Katharina<br />
König und Pascal Zaugg<br />
Denkmalpflege: Fabian Schwarz<br />
Unterschutzstellung: Kanton 2018<br />
Beiträge: Kanton (Lotteriefonds/SID)<br />
Massnahmen: Restaurierung Fassade,<br />
2015 – 2021<br />
Bauherrschaft: Einwohnergemeinde<br />
Rüeggisberg<br />
Restauratoren: Fischer & Partner AG<br />
Restauratoren, Bern<br />
Handwerker: Martin Hänni, Boll; Malerei<br />
Lüthi GmbH, Mühlethurnen; Burri+Partner<br />
Bau AG, Riggisberg (Sanierung Treppe);<br />
Marti Schreinerei Hinterfultigen KLG,<br />
Rüeggisberg<br />
Denkmalpflege: Matthias Trachsel<br />
Unterschutzstellung: Kanton 1985<br />
Beiträge: Kanton (Lotteriefonds/SID)<br />
Massnahmen: Gesamtsanierung,<br />
2019 – 2021<br />
Bauherrschaft: Julia und Marcel<br />
Stöckli-Gafner<br />
Architekten: Zahler GmbH, Reichenbach<br />
(Bauprojekt)<br />
Handwerker: EB Gafner Zimmerei,<br />
Erlenbach i.S.; Hanspeter Brechbühl Ofen<br />
und Cheminéebau, Heimberg; Malergeschäft<br />
Mischler GmbH, Schwarzenburg;<br />
Steimle Fenster AG, Bern<br />
Archäologischer Dienst: Detlef Wulf<br />
Denkmalpflege: Matthias Trachsel<br />
Unterschutzstellung: Kanton 2008<br />
Beiträge: Kanton (Lotteriefonds/SID)<br />
Mesures : restauration charpente,<br />
façades et toiture, 2019 – 2021<br />
Maître d’ouvrage : Alain Christinaz, Péry<br />
Artisans : Mennel Toiture Sàrl, Tramelan ;<br />
ALCOJAC Sàrl, Péry-La Heutte (rénovation-construction)<br />
Service des monuments historiques :<br />
Olivier Burri<br />
Mise sous protection : Canton 2020<br />
Subventions : Canton (Fonds de loterie/<br />
DSE)<br />
Massnahmen: Gesamtsanierung und<br />
Umbau/Ausbau, 2019– 2022<br />
Bauherrschaft: Gemeinde Schwarzenburg<br />
Architekten: wahlirüefli Architekten und<br />
Raumplaner AG, Biel/Bienne; rollimarchini<br />
AG, Bern<br />
Restauratoren: Fischer & Partner AG<br />
Restauratoren, Bern<br />
Handwerker: Remund Holzbau AG,<br />
Schwarzenburg; Malergeschäft Mischler<br />
GmbH, Schwarzenburg; Malerei Amstutz<br />
GmbH, Lanzenhäusern; Vermont Verkleidungstechnik<br />
AG, Schwarzenburg<br />
Denkmalpflege: Matthias Trachsel<br />
Unterschutzstellung: Kanton 2022<br />
Beiträge: Kanton (Lotteriefonds/SID)<br />
Massnahmen: Restaurierung, 2021/22<br />
Bauherrschaft: Andreas Roggli<br />
Handwerker: Hunziker+ Hostettler,<br />
Niederscherli (Zimmerarbeiten); Huwiler<br />
AG Bedachungen, Spenglerei, Gerüstbau,<br />
Lanzenhäusern<br />
Denkmalpflege: Matthias Trachsel<br />
Unterschutzstellung: Kanton 2022<br />
Beiträge: Kanton (Denkmalpflege)<br />
FACHWERK <strong>2023</strong><br />
46<br />
FACHWERK <strong>2023</strong><br />
47
Objekte | Objets<br />
Entdeckung | Découverte<br />
«Ein blinder Mann – ein armer Mann»<br />
Eine neuentdeckte Wandmalerei aus dem 17. Jahrhundert in Thun thematisiert<br />
häusliche Ordnung, Geschlechterrollen und den Tabakgenuss.<br />
Text: Markus Thome<br />
Tramelan, Grand-Rue 171b<br />
Chapelle de 1886<br />
La petite chapelle<br />
urbaine<br />
Unterseen, Kirchgasse 1<br />
Kirche von 1852/53<br />
Freundlicher Kirchenraum,<br />
flexible Nutzung<br />
Valbirse, La Ruai 3<br />
Immeuble d’habitation, vers 1897<br />
Signe intérieur de<br />
richesse<br />
Im Zuge der laufenden Sanierung an der Oberen<br />
Hauptgasse 13 in Thun konnten bislang unbekannte<br />
Wand- und Deckenmalereien aus dem 17. Jahrhundert<br />
freigelegt werden. Hinter jüngeren Zimmereinbauten<br />
und Täfer verborgen haben sich im dritten Obergeschoss<br />
des Hinterhauses Reste von mindestens zwei<br />
Phasen einer repräsentativen Raumausstattung erhalten.<br />
Schon die in Grautönen ausgeführte Arkadenreihe<br />
an den Längswänden und die farbenprächtige<br />
Decke mit Akanthusranken sind in ihrer Qualität<br />
herausragend. Den besonderen Clou bildet jedoch<br />
eine figürliche Darstellung auf der hofseitigen Wand.<br />
1<br />
Cette petite maison coincée entre deux<br />
immeubles était considérée dans la<br />
mémoire locale comme un ancien atelier.<br />
Après les premiers contacts avec les<br />
actuels propriétaires, il s’est avéré qu’il<br />
s’agit en réalité d’une ancienne chapelle<br />
construite en 1886. La simplicité des<br />
façades en bois peintes ne laisse pas présager<br />
le décor intérieur typique de la fin<br />
du 19 e siècle. Ce dernier a été redécouvert<br />
sous la peinture blanche qui l’avait<br />
masqué pendant des dizaines d’années.<br />
Quelques écailles de peinture ont suffi à<br />
éveiller l’attention d’un expert qui sous<br />
l’enduit récent a remarqué un motif peint<br />
plus ancien. Une restauration minutieuse<br />
a été engagée pour mettre en valeur le<br />
décor d’origine. La chapelle est à nouveau<br />
aménagée avec un mobilier liturgique très<br />
sobre pour des célébrations. RK<br />
Mesures : restauration, 2016– 2022<br />
Maître d’ouvrage : Société philanthropique<br />
de la Lignière, Berne<br />
Restaurateurs : Alain Fretz, Péry<br />
Artisans : Jean-Marc Kummer,<br />
Les Diablerets<br />
Service des monuments historiques :<br />
Olivier Burri<br />
Mise sous protection : Canton 2019<br />
Subventions : Canton (Fonds de loterie/<br />
DSE)<br />
Nach dem verheerenden Brand in Unterseen<br />
von 1470 erfolgte im Zuge des Wiederaufbaus<br />
des Städtchens die Erbauung<br />
einer neuen Kirche. Davon erhalten ist<br />
der Turm von 1491, er überragt auch den<br />
1853 neu erstellten Saal. 1933 wurde<br />
der Saal umfassend renoviert, der Haupteingang<br />
neu gestaltet und mit einem<br />
Wandbild von Hans Bandi versehen. Die<br />
Sanierung 2021 umfasste sowohl die<br />
Aussenfassade samt Wandbild wie auch<br />
die Auffrischung und Aufwertung des<br />
Innenraums. Bestehende Elemente wie<br />
Wandtäfelung, Chorgestühl und Bänke<br />
wurde sorgfältig aufgefrischt und mit neuen<br />
Elementen ergänzt. Der Ersatz der drei<br />
vordersten Bankreihen durch Stühle ermöglicht<br />
eine flexiblere Eventplanung. Im<br />
hinteren Bereich entstand eine vielseitig<br />
verwendbare Ecke als ruhiger Rückzugsort<br />
oder als Spielecke für Kinder. DOS<br />
Massnahmen: Auffrischung und Aufwertung<br />
Innenraum, Sanierung Fassade,<br />
2021<br />
Bauherrschaft: Kirchgemeinde<br />
Unterseen<br />
Architekten: L2A Architekten AG,<br />
Unterseen<br />
Restauratoren: Roger Tinguely, Steffisburg;<br />
Spielmann GmbH, Bau- und Werkstofflabor,<br />
Brunnenthal<br />
Handwerker: Jesùs Dapena AG, Interlaken;<br />
HTI Schreinerei AG, Interlaken;<br />
Jäck AG Maler und Schriften, Unterseen<br />
Denkmalpflege: Stefan Moser<br />
Unterschutzstellung: Kanton 1964<br />
und 1986, Bund 1964<br />
Beiträge: Kanton (Lotteriefonds/SID)<br />
Une cage d’escalier est un lieu de<br />
passage et sa fonction première est de<br />
mener aux divers étages d’une maison.<br />
La richesse de son décor est souvent en<br />
lien avec la fonction du bâtiment. La présence<br />
d’un faux marbre de qualité dans<br />
un immeuble qui, à l’origine, était occupé<br />
par une banque, n’a donc rien d’étonnant.<br />
Après avoir été caché pendant plusieurs<br />
décennies, ce décor, remis au jour et en<br />
valeur par un restaurateur et le père des<br />
propriétaires, a retrouvé maintenant sa<br />
splendeur d’antan. La composition du<br />
décor est relativement simple. Une bande<br />
de couleur noire forme le socle sur lequel<br />
reposent les panneaux. Les moulures<br />
et les réserves sont suggérées grâce à<br />
l’habile pinceau du peintre-décorateur.<br />
Ce qui au premier regard semble être de<br />
pierre n’est en fait qu’une illusion. RK<br />
Mesures : restauration des façades,<br />
de la toiture et de la cage d’escalier,<br />
2017 – 2021<br />
Maître d’ouvrage : Angelo, Luciano et<br />
Mario Belmonte, Bévilard<br />
Restaurateurs : Alain Fretz, Péry<br />
Artisans : Belmonte et Fils Sàrl, Bévilard ;<br />
Entreprise Générale Menuiserie Morand<br />
Sàrl, Bévilard ; Sprunger P A & Fils Sàrl,<br />
Malleray<br />
Service des monuments historiques :<br />
Olivier Burri<br />
Mise sous protection : Canton 2021<br />
Subventions : Canton (Fonds de loterie/<br />
DSE)<br />
Darstellung eines Ehepaars<br />
Von der ursprünglichen Riegkonstruktion ist nur noch<br />
ein schmaler Streifen erhalten. Auf diesem ist eine<br />
stehende Frauengestalt sichtbar. Pfeife rauchend und<br />
einen Schlüsselbund schwingend wendet sie ihren<br />
Körper leicht nach links unten. Dort sind Bein- und<br />
Armfragmente erkennbar, die auf eine ehemals vorhandene<br />
kniende Figur mit Bittgestus schliessen<br />
lassen. Eine zugehörige Inschrift lässt sich zu einem<br />
Sprichwort ergänzen, das die Szene erklärt: «Ein<br />
blinder Mann / ein armer Mann / Doch ist der vil ein<br />
ärmer Mann / Der sein weib nit zwingen kann». Die<br />
Malerei zeigt also eine Ehefrau, die sich mit Pfeife<br />
und Schlüsseln die Attribute des Hausherrn angeeignet<br />
hat.<br />
Der Zusammenhang zwischen der erstaunlichen<br />
Darstellung und der bauzeitlichen Funktion des Raumes<br />
sind noch unklar. Vergleichbare Dekorationen<br />
haben sich im Kanton Bern nur in ganz wenigen, bedeutenden<br />
barocken Privatbauten erhalten. Die<br />
Thuner Wandmalerei, welche auf sehr direkte Weise<br />
die soziale Hierarchie zwischen den Eheleuten und<br />
die Stellung des Hausherrn thematisiert, steht jedoch<br />
bisher allein. Neben dem Spiel mit den Geschlechterrollen<br />
verdient auch die Pfeife besondere Beachtung.<br />
Immerhin handelt es sich um eine frühe Darstellung<br />
der gesellschaftlichen Praxis des Rauchens. Das Bild<br />
lässt sogar an eine Nutzung des Raumes als Fumoir<br />
denken, einem damals Männern vorbehaltenen Ort<br />
für den Tabakgenuss in geselliger Runde.<br />
1 Die Frauengestalt nach teilweiser Freilegung<br />
und Reinigung durch die Restauratorin.<br />
2 An der Längswand zeichnen sich Rundbögen<br />
unter den später aufgemalten Feldern ab.<br />
2<br />
FACHWERK <strong>2023</strong><br />
48<br />
FACHWERK <strong>2023</strong><br />
49
Zahlen | Chiffres<br />
Gut zu wissen | Bon à savoir<br />
2022 – Die Denkmalpfl ege in Zahlen<br />
Le Service des monuments historiques en chiffres<br />
Wertvolle Bauten<br />
Bâtiments de grande valeur<br />
Finanzhilfen<br />
Ausbezahlte Finanzhilfen aus Mitteln<br />
des kantonalen Lotteriefonds und<br />
aus Budgetmitteln der Denkmalpfl ege<br />
13,46 Mio. CHF<br />
1,6 Mio. CHF<br />
Ausbezahlte Finanzhilfen<br />
des Bundesamts für Kultur<br />
Subventions<br />
Contributions fi nancières versées<br />
grâce à des prélèvements opérés<br />
sur le Fonds de loterie et par les<br />
fonds budgétaires du Service des<br />
monuments historiques<br />
Contributions fi nancières versées de<br />
l’Offi ce fédéral de la culture<br />
Quellen | Sources: 2*, 3*<br />
Arbeitsgebiet<br />
Bauberatung und<br />
Schutzobjekte<br />
100 %<br />
Total Bauten im<br />
Kanton Bern<br />
(ohne Stadt Bern)<br />
Total des bâtiments<br />
dans le canton de<br />
Berne (sans ville de<br />
Berne)<br />
433’393<br />
5,4 %<br />
Von der Denkmalpfl<br />
ege betreute<br />
Bauten (K-Objekte,<br />
ohne Stadt Bern)<br />
Champ d’action des<br />
conseillers techniques<br />
et objets classés<br />
Bâtiments et projets<br />
de construction<br />
accompagnés par le<br />
Service des monuments<br />
historiques<br />
(objets c, sans ville<br />
de Berne)<br />
1,5 %<br />
Bauten unter Schutz<br />
des Kantons oder<br />
des Bundes (ohne<br />
Stadt Bern)<br />
Bâtiments sous la<br />
protection du Canton<br />
ou de la Confédération<br />
(sans ville de<br />
Berne)<br />
Der Berner Heimatschutz bietet allen Interessierten<br />
einen elektronischen Newsletter an. Darin präsentiert<br />
er drei- bis viermal jährlich wertvolle Bauten – wie<br />
beispielsweise die Gauli-Hütte im Berner Oberland.<br />
Die erste Schutzhütte im hinteren Gauli gebiet an der Südfl anke<br />
des Tälligrats wurde 1895 auf Initiative von Carl Ludwig Lory –<br />
bekannt als Stifter des Loryspitals Bern – gebaut. Trotz mehrfacher<br />
Veränderungen ist die Gauli-Hütte ein Zeuge des Schutzhüttenbaus<br />
an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Es<br />
handelt sich um die einzige im Blockbau ausgeführte, am Originalstandort<br />
erhaltene Schutzhütte im Kanton Bern. 2022 wurde<br />
die Gauli-Hütte in zeitgemässer Architektursprache saniert.<br />
Entdeckungsreise durch den Kanton<br />
Mit der Reihe «Wertvolle Bauten» ermöglicht der Berner Heimatschutz<br />
Begegnungen mit der Baukultur des Kantons Bern. Es<br />
handelt sich um Kleinbauten, Häuser oder Überbauungen, die<br />
den Fachleuten während der beratenden oder ehrenamtlichen<br />
Tätigkeit aufgefallen sind. Sei dies wegen des sorgfältigen Umgangs<br />
mit der Bausubstanz, einer respektvollen Umnutzung<br />
oder der liebevollen Pfl ege über Jahrzehnte. Wir wünschen viel<br />
Vergnügen bei der Entdeckungsreise!<br />
Reihe «Wertvolle Bauten»<br />
www.bernerheimatschutz.ch<br />
À toutes les personnes intéressées, Patrimoine bernois<br />
envoie une infolettre électronique qui présente trois<br />
à quatre fois par année des bâtiments de grande valeur.<br />
Récemment, il a été question de la cabane du Gauli.<br />
C’est en 1895 qu’a été construit le premier refuge à l’arrière du<br />
Gauli, sur le versant sud du Tälligrat. Il l’a été sur l’initiative de<br />
Carl Ludwig Lory, connu pour avoir fondé le Loryspital à Berne.<br />
Malgré les diverses transformations qu’elle a connues, la cabane<br />
du Gauli reste un témoin représentatif de l’architecture des refuges<br />
de montagne à la charnière du 19 e et du 20 e siècle. Il s’agit<br />
de la seule cabane de montagne construite en madriers conservée<br />
à son emplacement d’origine dans le canton de Berne. En<br />
2022, elle a fait l’objet d’une rénovation dans un langage architectural<br />
contemporain.<br />
Un voyage à travers le canton<br />
Les « Bâtiments de grande valeur » de Patrimoine bernois permet<br />
tent de partir à la découverte du patrimoine bâti du canton<br />
de Berne. Ce sont des petites constructions, des maisons ou<br />
des sites bâtis qui ont frappé l’attention des spécialistes durant<br />
leur travail d’expert ou leurs activités bénévoles, que ce soit<br />
en raison du respect témoigné envers la substance bâtie, d’une<br />
transfor ma tion respectueuse ou du soin mis à l’entretien au<br />
cours des années.<br />
Série « Bâtiments de grande valeur »<br />
www.patrimoinebernois.ch<br />
Kosten pro Kopf<br />
Coûts par habitant<br />
Kostenaufwand für die<br />
Denkmalpflege pro Kopf<br />
der Kantonsbevölkerung<br />
Coûts pour le Service des<br />
monuments historiques<br />
par habitant de la population<br />
du canton<br />
23’500<br />
6’725<br />
7,75 CHF<br />
6,25 CHF<br />
Quellen | Sources: 1*, 2*, 3*<br />
Exklusive Beiträge an die Restaurierung<br />
von Baudenkmälern aus Budgetmitteln<br />
der Denkmalpfl ege<br />
Hors subventions à des projets de<br />
restauration de monuments historiques<br />
par les fonds budgétaires du Service<br />
des monuments historiques<br />
Inklusive Beiträge an die Restaurierung<br />
von Baudenkmälern aus<br />
Budgetmitteln der Denkmalpfl ege<br />
Y compris subventions à des projets<br />
de restau ration de monuments historiques<br />
par les fonds budgétaires du<br />
Service des monuments historiques<br />
Quellen | Sources: 3*, 4*<br />
*Quellen | Sources:<br />
1 Amt für Geoinformation, Arealstatistik, Total Gebäude 06.01.2022 / Offi ce de<br />
l'information géographique, Statistique de la superfi cie, bâtiments total 06.01.2022<br />
2 Geschäftsstatistik der Denkmalpfl ege des Kantons Bern /<br />
Statistiques du Service des monuments historiques du canton de Berne<br />
3 Datenbank Lotteriefonds / Sicherheitsdirektion des Kantons Bern /<br />
Base de données du Fonds de loterie / Direction de la sécurité du canton de Berne<br />
4 FIS 2000 und Bundesamt für Statistik / FIS 2000 et Offi ce fédéral de la statistique<br />
Who is who –<br />
Denkmalpflege und Heimatschutz<br />
Als Abteilung des Amts für Kultur der Bildungs- und Kulturdirektion<br />
gehört die Denkmalpfl ege zur öffentlichen Verwaltung<br />
des Kantons Bern. Die Fachstelle erfüllt die ihr im Rahmen der<br />
Gesetzgebung übertragenen Aufgaben im Bereich der Denkmalpfl<br />
ege. Der Heimatschutz ist im Unterschied zur Denkmalpfl<br />
ege privatrechtlich organisiert. Damit ist er berechtigt, vom<br />
Verbandsbeschwerderecht Gebrauch zu machen. Der Berner<br />
Heimatschutz ist eine Sektion des Schweizerischen Heimatschutzes.<br />
Who is who – Service des monuments historiques<br />
et Patrimoine bernois<br />
En tant que section de l’Offi ce de la culture de la Direction de<br />
l’instruction publique et de la culture, le Service des monuments<br />
historiques fait partie de l’administration du canton de Berne.<br />
Il accomplit les tâches que lui impose la loi dans le domaine de<br />
la protection du patrimoine. Contrairement au Service cantonal<br />
des monuments historiques, Patrimoine suisse est une organisation<br />
de droit privé. À ce titre, elle peut faire usage du droit de<br />
recours octroyé aux associa tions. Patrimoine bernois est une<br />
section de Patrimoine Suisse.<br />
FACHWERK <strong>2023</strong><br />
50<br />
FACHWERK <strong>2023</strong> 51
Einblick | Aperçu<br />
Entdeckungen des Bauforschers<br />
Die prachtvolle Villa mit Kutschenhaus in Köniz-Wabern wurde mit Begleitung<br />
der Denkmalpfl ege restauriert. Nun hält neues Leben Einzug.<br />
1 3<br />
2<br />
4<br />
Les découvertes d’un spécialiste du bâti<br />
Cette magnifi que villa avec remise à calèches à Köniz-Wabern vient d’être restaurée.<br />
Elle va connaître maintenant une nouvelle vie.<br />
1 Der Zentralbau besticht durch seine klare Ordnung.<br />
2 Viele Befunde ergaben sich erst im Verlauf der Bauarbeiten.<br />
«Ein Haus ist wie eine Wunderkiste», sagt der Bauforscher<br />
Alexander Kobe. Er entdeckt auf seinen Rundgängen<br />
immer wieder etwas Neues. Erst recht, wenn<br />
er im prachtvollen Morillongut unterwegs ist. Die<br />
Restaurierungs- und Umbauarbeiten – mit Begleitung<br />
der Denkmalpfl ege – an der Villa und dem Kutschenhaus<br />
wurden Ende September <strong>2023</strong> abgeschlossen.<br />
Nun hält neues Leben Einzug und das Morillon wird<br />
vielfältig genutzt. Die ehemaligen Wohnräume der<br />
Villa dienen als Veranstaltungs- und Kulturfl ächen<br />
oder werden als Büroräumlichkeiten vermietet. Ein<br />
Konzert oder eine Lesung in der Villa Morillon sollte<br />
man sich nicht entgehen lassen! Der Bauforscher<br />
beschäftigte sich bereits vor Beginn der Bauarbeiten<br />
mit der Frage, wie die ursprüngliche Farbgestaltung<br />
im Innern ausgesehen hat. Quellenrecherchen und<br />
Sondagen der Restauratoren liessen Rückschlüsse<br />
zu, viele Befunde ergaben sich jedoch erst im Verlauf<br />
der Bauarbeiten. Alexander Kobe dokumentierte<br />
die neuen Erkenntnisse, so dass sie laufend in die<br />
Sa nierung des Gebäudes einfl iessen konnten.<br />
Solaranlage auf dem Kutschenhausdach<br />
Eingebettet in einen englischen Park mit altem Baumbestand<br />
gehört zur Villa auch ein 1850 erbautes<br />
3 Doppelgeschossige zentrale Halle mit Oberlicht und umlaufender Galerie.<br />
4 Eine Seltenheit: Bohlenbogendachstuhl im Kutschenhaus, Zustand vor der<br />
Restaurierung. Der ehemalige Heuraum wird nun als Grossraumbüro genutzt.<br />
Stall- und Remisengebäude. Wo früher Pferde und<br />
Kutschen, später Automobile untergebracht waren,<br />
entstanden nun Büroräumlichkeiten. Der Bohlenbogendachstuhl,<br />
der den grosszügigen Heuboden<br />
überspannt, hat sich als Seltenheit erwiesen. Typisch<br />
für den Klassizismus markiert die Konstruktion den<br />
Beginn der Entwicklung vom traditionellen Zimmermannsholzbau<br />
hin zum modernen industriellen Bauen<br />
in Holz und Metall im 20. Jahrhundert. Das Gebäude<br />
wurde für die neue Nutzung energetisch ertüchtigt.<br />
Auf dem Dach wurde eine Solaranlage installiert.<br />
Diese integrierte man sorgfältig in die südliche Dachfl<br />
äche (siehe Abbildung Seite 19).<br />
Video:<br />
Unterwegs mit dem<br />
Bauforscher<br />
Villa Morillon<br />
1830 – 1832 erbaut vom Architekten Ludwig Friedrich Osterrieth (Sohn<br />
des bekannteren Johann Daniel Osterrieth) für Friedrich Ludwig von<br />
Wattenwyl und seine Gemahlin Alette Sophie Rosina von Frisching. Der<br />
kreuzförmige Zentralbau hat die Renaissance-Villen Andrea Palladios<br />
zum Vorbild, er zählt zu den bedeutendsten palladianischen Villen des<br />
Klassizismus in der Schweiz.<br />
« Une maison, c’est comme une malle aux trésors »,<br />
dit Alexander Kobe, spécialiste du bâti. Quand il<br />
entre dans un bâtiment, il y découvre toujours quelque<br />
chose de nouveau. Surtout lorsqu’il s’agit d’une maison<br />
comme la superbe villa Morillon, à Köniz-Wabern,<br />
et sa remise à calèches. Les travaux d’assainissement,<br />
suivis par le Service des monuments historiques, se<br />
sont achevés à la fi n septembre <strong>2023</strong>. La villa Morillon<br />
va connaître une nouvelle vie, avec des usages variés.<br />
Les anciennes pièces d’habitation servent à des<br />
activités et rencontres culturelles, ou seront louées<br />
comme bureaux. Un concert ou une lecture à la villa<br />
Morillon seront des événements à ne pas manquer !<br />
Avant même le début des travaux de restauration, le<br />
spécialiste s’est penché sur la question des couleurs<br />
d’origine à l’intérieur. Les recherches dans les documents<br />
et les sondages des restaurateurs ont apporté<br />
des informations, mais de nombreuses observations<br />
n’ont pu être faites qu’au cours des travaux.<br />
Alexander Kobe a établi une documentation détaillée<br />
qui a pu être prise en compte durant tout le travail de<br />
restauration du bâtiment.<br />
1 Un bâtiment sur plan centré qui séduit par sa claire ordonnance.<br />
2 Plusieurs observations n’ont pu être faites que pendant les travaux.<br />
3 Le hall central sur deux niveaux, avec éclairage zénithal et galerie<br />
périphérique.<br />
4 Une rareté : charpente à la Philibert Delorme dans une remise à<br />
calèches. État avant restauration. L’ancien fenil est maintenant occupé<br />
par un bureau.<br />
Des panneaux solaires sur le toit de la remise<br />
à calèches<br />
Outre la villa, le domaine, entouré d’un vaste jardin à<br />
l’anglaise planté d’arbres anciens, comprend une remise<br />
avec des écuries. Dans ce bâtiment, où étaient<br />
parqués autrefois les chevaux, les calèches et plus<br />
tard les automobiles, ont été aménagés des bureaux.<br />
La charpente à la Philibert Delorme (à arbalétriers<br />
courbes) au-dessus du grand fenil est d’un type rare.<br />
Cette forme marque le passage, dans l’architecture<br />
néo-classique, de la charpente traditionnelle en bois<br />
à la construction industrielle moderne en bois et<br />
métal. En vue de sa nouvelle utilisation, le bâtiment a<br />
été amélioré sur le plan énergétique, et des panneaux<br />
solaires ont été installés sur le toit. Ceux-ci ont été<br />
soigneusement intégrés dans le versant sud (voir<br />
aussi page 19).<br />
Vidéo :<br />
Sur les pas d’un<br />
spécialiste du bâti<br />
La villa Morillon<br />
Cette villa a été construite entre 1830 et 1832 par l’architecte Ludwig<br />
Friedrich Osterrieth (fi ls du célèbre Johann Daniel Osterrieth) à la<br />
demande de Friedrich Ludwig von Wattenwyl et de son épouse Alette<br />
Sophie Rosina von Frisching. Avec son plan centré cruciforme, ce<br />
bâtiment s’inspire des villas Renaissance d’Andrea Palladio. C’est une<br />
des plus importantes villas palladiennes du néo-classicisme en Suisse.<br />
FACHWERK <strong>2023</strong><br />
52 FACHWERK <strong>2023</strong><br />
53
Einblick | Aperçu<br />
Bauberatung: In neuen Teams unterwegs<br />
Unsere Bauberaterinnen und Bauberater sind in allen Regionen des Kantons<br />
unterwegs. Die neue Gebietsaufteilung mit durchlässigen Grenzen ermöglicht den<br />
vier Teams eine flexible Arbeitsaufteilung.<br />
Seit Anfang Juli arbeiten die Bauberaterinnen und<br />
Bauberater der Denkmalpflege in vier neuen regionalen<br />
Teams. Die Gebietsaufteilung ist dabei durchlässig.<br />
Ziel der neuen Organisation ist allem voran eine erhöhte<br />
Flexibilität – im Kontakt mit den Kundinnen und Kunden,<br />
aber auch in Bezug auf die internen Prozesse. Die<br />
Zusammenarbeit und der inhaltliche Austausch in den<br />
neuen Teams soll die einheitliche Beurteilungspraxis<br />
stärken und über die Regionen hinweg auf dem gesamten<br />
Kantonsgebiet gewährleisten. In jedem Team ist eine<br />
Koordinatorin oder ein Koordinator für die Verteilung der<br />
Arbeiten verantwortlich. Die beiden Co-Fachbereichsleiter<br />
kümmern sich vermehrt um übergeordnete Strategieund<br />
Führungsaufgaben. Nach einer Testphase von drei<br />
Monaten wurden inzwischen nur leichte Anpassungen<br />
vorgenommen – im Grossen und Ganzen bewährt sich<br />
die neue Organisation.<br />
Vielfältiger Aufgabenbereich<br />
Die Aufgaben der Bauberaterinnen und Bauberater sind<br />
vielfältig. Sie beraten alle Personen oder Institutionen,<br />
die sich mit dem Umbau oder der Restaurierung eines<br />
Baudenkmals befassen. Die frühzeitige Kontaktaufnahme<br />
mit der Denkmalpflege lohnt sich. So können mögliche<br />
Veränderungen und Entwicklungen bereits in der<br />
Planungsphase diskutiert und tragfähige Lösungsvorschläge<br />
erarbeitet werden. Im Rahmen des Baubewilligungsverfahrens<br />
wird die Denkmalpflege von der Baubewilligungsbehörde<br />
um einen Fachbericht gebeten.<br />
In diesem weisen die Bauberaterinnen und Bauberater<br />
auf die bedeutsame Substanz des Baudenkmals hin.<br />
Neben einer breiten Erfahrung im Umgang mit historischen<br />
Bauten ist für diese Arbeit unter anderem auch<br />
Know-how in den Bereichen energetische Sanierung<br />
und Solaranlagen (siehe auch Artikel ab Seite 18), Behindertengerechtigkeit<br />
oder Erdbebensicherheit notwendig.<br />
Neue Merkblätter<br />
Mit neuen Merkblättern zu aktuellen Themen erhalten<br />
alle an einem Bauvorhaben Beteiligten bei Massnahmen<br />
an einem Baudenkmal künftig zusätzliche Hilfestellungen.<br />
Die Publikation erfolgt im Internet.<br />
Conseils techniques : de nouvelles équipes<br />
pour sillonner le canton<br />
Nos conseillers et conseillères techniques sillonnent le canton. La nouvelle organisation<br />
a créé quatre équipes avec des secteurs dont les limites ne sont pas rigides et une<br />
répartition souple des tâches.<br />
Depuis le début juillet, les conseillers et conseillères<br />
techniques sont organisés en quatre équipes régionales.<br />
Entre ces équipes, les secteurs ne sont pas délimités<br />
de manière rigide. La nouvelle organisation a pour<br />
but premier une plus grande souplesse dans les contacts<br />
avec les personnes sur le terrain, mais aussi dans les<br />
processus internes. La collaboration et les échanges au<br />
sein de ces nouvelles équipes contribueront à consolider<br />
les pratiques d’évaluation et à les uniformiser dans<br />
l’ensemble du territoire cantonal. Dans chaque équipe,<br />
une personne est chargée de la coordination et de<br />
la répartition des tâches. Les deux co-responsables de<br />
l’unité des conseils techniques s’occupent plutôt des<br />
questions stratégiques et de la conduite. Au terme d’une<br />
phase d’essai de trois mois, la nouvelle organisation a<br />
globalement fait ses preuves et seules quelques petites<br />
adaptations ont été nécessaires.<br />
Des tâches variées<br />
Les tâches des conseillères et conseillers techniques<br />
sont variées. Les conseils s’adressent à des personnes<br />
ou des institutions ayant un projet de transformation ou<br />
de restauration. Il vaut la peine de prendre contact assez<br />
tôt avec les Monuments historiques : les transformations<br />
et les développements prévus peuvent ainsi se discuter<br />
dès la phase de planification, ce qui permet de concevoir<br />
des solutions praticables. Le Service des monuments<br />
historiques doit établir un rapport dans le cadre de la<br />
procédure d’autorisation de construire. Dans ce rapport,<br />
les conseillers et conseillères techniques attirent l’attention<br />
sur la substance historique du bâtiment. Ce travail<br />
exige non seulement une large expérience pratique des<br />
bâtiments historiques, mais encore des connaissances<br />
dans le domaine de l’assainissement énergétique et des<br />
installations solaires (voir aussi les articles aux pages 19<br />
et suivantes), de l’accessibilité pour les personnes handicapées<br />
ou de la sécurité sismique.<br />
De nouveaux mémentos<br />
De nouveaux mémentos sur des questions actuelles<br />
sont à la disposition de toutes les personnes associées<br />
à des travaux sur un monument historique. Ces notices<br />
sont publiées sur le site Internet.<br />
Co-Leitung: Nicolas de Wurstemberger, Fabian Schwarz<br />
Team Oberland: Daniel Carvalho de Seixas, Ralph Schmidt, Stefan Moser<br />
Team Mittelland-Emmental: Daniel Gygax, Matthias Trachsel, Peter Ernst<br />
Team Emmental-Oberaargau: Simon Haldi, Benjamin Locher, Josephine Eigner, David Spring<br />
Team Seeland-Berner Jura, Büro Bern: Nils Wimmer, Simon Spring<br />
Team Seeland-Berner Jura, Büro Tramelan: Olivier Burri, Michèle Bless<br />
Ortsbildpflege: Alberto Fabbris (Oberland, Mittelland, Berner Jura) und Adrian Stäheli (Mittelland-Emmental, Seeland)<br />
Co-direction : Nicolas de Wurstemberger, Fabian Schwarz<br />
Équipe Oberland : Daniel Carvalho de Seixas, Ralph Schmidt, Stefan Moser<br />
Équipe Mittelland-Emmental : Daniel Gygax, Matthias Trachsel, Peter Ernst<br />
Équipe Emmental-Oberaargau : Simon Haldi, Benjamin Locher, Josephine Eigner, David Spring<br />
Équipe Seeland-Jura bernois, bureau de Berne : Nils Wimmer, Simon Spring<br />
Équipe Seeland-Jura bernois, bureau de Tramelan : Olivier Burri, Michèle Bless<br />
Conservation des sites construits : Alberto Fabbris (Oberland, Mittelland, Berner Jura), Adrian Stäheli<br />
(Mittelland-Emmental, Seeland)<br />
FACHWERK <strong>2023</strong><br />
54 FACHWERK <strong>2023</strong><br />
55
Denkmalpfl egepreis | Prix des monuments historiques<br />
Denkmalpfl egepreis <strong>2023</strong><br />
1 2<br />
1 Die Preisträgerin, der Preisträger: Andrea und Peter Rikli.<br />
2 Bei perfektem Wetter: Preisverleihung in der Rotfarbgasse.<br />
Bei der Projektierung eines<br />
Wohnhaus-Neubaus im ehemaligen<br />
Färbereiareal in Wangen an der<br />
Aare liess sich die Bauherrschaft<br />
in einem Workshopverfahren von<br />
einem Team begleiten. Der Denkmalpflegepreis<br />
des Kantons Bern<br />
würdigt das leidenschaftliche Engagement<br />
von Andrea und Peter Rikli<br />
für das Ortsbild und den öffentlichen<br />
Raum. Der Spezialpreis geht<br />
an die kreative Mieterinnen- und<br />
Mietergemeinschaft der Hammerschmiede<br />
Worblaufen.<br />
Obwohl seit Ende des 19. Jahrhunderts<br />
in Wangen an der Aare keine Garne und<br />
Tücher mehr gefärbt werden, ist in der<br />
Rotfarbgasse der Geist des frühindustriellen<br />
Gewerbebetriebs spürbar. Die heutige<br />
gepfl egte Wohnlichkeit in dieser Gasse ist<br />
dem Engagement von Andrea und Peter<br />
Rikli zu verdanken. Für die Eingliederung<br />
eines Neubaus in den historischen Bestand<br />
wählte man ein qualitätssicherndes<br />
Verfahren. Die Offenheit der Bauherrschaft<br />
und die gute Zusammenarbeit im<br />
Team während der Workshops, in denen<br />
Vertreterinnen und Vertreter aller involvier -<br />
ten Bereiche mit unabhängigen Experten<br />
zusammenarbeiteten, motivierte alle<br />
Beteiligten enorm und brachte ein überdurchschnittliches<br />
Resultat hervor – bestechend<br />
einfach und in allen Details<br />
durchdacht.<br />
Spezialpreis <strong>2023</strong>:<br />
Engagement der Mietgemeinschaft<br />
der Hammerschmiede Worblaufen<br />
Der Spezialpreis <strong>2023</strong> der Fachkommission<br />
für Denkmalpfl ege geht an die Mietgemeinschaft<br />
der Hammerschmiede<br />
Worblaufen für die Weiterentwicklung und<br />
Belebung des historischen Gewerbeortes.<br />
Es ist nicht selbstverständlich, dass<br />
die industriegeschichtlich bedeutsame<br />
1 Les lauréats : Andrea et Peter Rikli<br />
2 Remise du prix par un beau temps estival dans la Rotfarbgasse.<br />
Hammerschmiede erhalten geblieben<br />
ist. Eine breit abgestützte Arbeitsgruppe<br />
setzte sich im Zusammenhang mit der<br />
Planung einer Wohnüberbauung für die<br />
Weiternutzung des Areals ein. In der Folge<br />
übernahm die equimo ag der Stiftung<br />
Edith Maryon die Werkhallen, um sie<br />
gemeinsam mit den Mieterinnen und<br />
Mietern sanft zu renovieren und weiterzuentwickeln.<br />
Die kreative Mietgemeinschaft<br />
engagiert sich mit viel Herzblut für den<br />
historischen Gewerbeort, nimmt Einfl<br />
uss und legt selber Hand an – so wird<br />
die Hammerschmiede in die Zukunft<br />
getragen.<br />
Preisverleihungen in Wangen an<br />
der Aare und in Worblaufen<br />
Die Übergabe der Urkunden fand wie<br />
in den letzten beiden Jahren direkt vor<br />
Ort statt: In Wangen an der Aare in der<br />
Rotfarbgasse und in Worblaufen auf dem<br />
Areal der Hammerschmiede.<br />
Prix des monuments historiques<br />
Pour la construction d’un nouvel<br />
immeuble d’habitation sur le site<br />
d’une ancienne teinturerie à Wangen<br />
an der Aare, les propriétaires<br />
ont décidé de faire suivre le projet<br />
par une équipe. Le Prix des monuments<br />
historiques du canton de<br />
Berne récompense l’enthousiasme<br />
d’Andrea et Peter Rikli et leur engagement<br />
personnel pour la qualité<br />
du site bâti et de l’espace public.<br />
Le Prix spécial <strong>2023</strong> est quant à lui<br />
décerné à la communauté des locataires<br />
de la forge de Worblaufen.<br />
Même si depuis la fi n du 19 e siècle, il ne<br />
se teint plus de fi ls ni de draps à Wangen<br />
an der Aare, l’atmosphère des premiers<br />
temps de l’ère industrielle reste perceptible<br />
dans le quartier. L’agrément des lieux est<br />
le résultat des efforts d’Andrea et Peter<br />
Rikli. Une procédure de garantie de qua -<br />
3 Benjamin Blaser, GAMelle und Klara Kläusler,<br />
fl ankiert von der Kantonalen Denkmalpfl egerin Tatiana<br />
Lori und dem zuständigen Bauberater Peter Ernst.<br />
lité a été choisie pour l’intégration d’un<br />
nouveau bâtiment dans son environnement<br />
construit historique. L’ouverture d’esprit<br />
des propriétaires et la bonne collaboration<br />
au sein d’une équipe composée de personnes<br />
représentant tous les domaines<br />
concernés ont été un facteur stimulant<br />
et ont mené à un résultat d’une qualité<br />
supérieure à la moyenne, qui impressionne<br />
par sa simplicité tout autant que par le<br />
soin apporté aux détails.<br />
Prix spécial <strong>2023</strong> : l’engagement<br />
des locataires de la forge de<br />
Worblaufen<br />
Le Prix spécial <strong>2023</strong> de la Commission<br />
des monuments historiques est décerné<br />
à la communauté des locataires des<br />
anciennes forges de Worblaufen pour la<br />
mise en valeur et la réaffectation de ce site<br />
industriel historique. La conservation de<br />
ces anciennes forges n’allait pas du tout<br />
3 4<br />
3 Benjamin Blaser, GAMelle et Klara Kläusler,<br />
fl anqués de la conservatrice cantonale, Tatiana Lori,<br />
et du conseiller technique responsable, Peter Ernst.<br />
de soi. Un groupe de travail, reposant sur<br />
une assise large, s’est engagé en faveur<br />
de la réaffectation du site dans le cadre de<br />
d’un projet de construction de logements.<br />
Par la suite, equimo ag, entreprise de la<br />
fondation Edith Maryon, a repris les ateliers<br />
afi n d’assainir le site en respectant les éléments<br />
existants, et de le développer en<br />
collaboration avec les locataires. La communauté<br />
des locataires s’implique avec<br />
enthousiasme et créativité dans les décisions<br />
sur l’assainissement et le développement<br />
du site, et ses membres mettent<br />
eux-mêmes la main à la pâte. Les<br />
an ciennes forges auront ainsi un avenir.<br />
La remise des prix à Wangen an<br />
der Aare et à Worblaufen<br />
Comme les deux dernières années, les<br />
prix ont été remis directement sur place :<br />
à la Rotfarbgasse à Wangen an der Aare<br />
et sur le site des forges de Worblaufen.<br />
4 Akustische Darbietung von Julian Sartorius. /<br />
4 Performance acoustique de Julian Sartorius.<br />
Die Reportage zum Denkmalpfl egepreis<br />
und zum Spezialpreis lesen:<br />
Kurzfi lm zur Rotfarbgasse:<br />
Pour lire le reportage sur le Prix des<br />
monuments historiques et le Prix<br />
spécial :<br />
Film documentaire court-métrage sur la<br />
Rotfarbgasse :<br />
Die gedruckte Ausgabe kann auch bestellt werden: denkmalpfl ege@be.ch.<br />
Il est aussi possible de commander l’édition imprimée : monuments-historiques@be.ch.<br />
FACHWERK <strong>2023</strong> 56 FACHWERK <strong>2023</strong><br />
57
Personelles | Personnel<br />
Mitarbeitende<br />
Personnes employées<br />
Termine<br />
Calendrier <strong>2023</strong>/24<br />
Stand Anfang September<br />
<strong>2023</strong> /<br />
État début septembre<br />
<strong>2023</strong><br />
55 Personen teilen sich<br />
39 Vollzeitstellen (inklusive<br />
befristete Projektstellen) |<br />
55 personnes se partagent<br />
39 postes à plein temps<br />
(postes de projet à durée<br />
déterminée inclus)<br />
Abteilungsleitung /<br />
Direction de la section<br />
Tatiana Lori<br />
Barbara Imboden<br />
Stellvertretung / Suppléance<br />
Stab / Etat major<br />
Barbara Frutiger BaF<br />
Jürg Hünerwadel<br />
Doris Sommer DOS<br />
Bauberatung und<br />
Ortsbildpflege /<br />
Conseils techniques et<br />
conservation des sites<br />
construits<br />
Fabian Schwarz FAS,<br />
Co-Leitung / Co-direction<br />
Nicolas de Wurstemberger NDW<br />
Co-Leitung / Co-direction<br />
Michèle Bless<br />
Arpad Boa<br />
Olivier Burri<br />
Daniel Carvalho<br />
Josephine Eigner<br />
Peter Ernst<br />
Alberto Fabbris<br />
Daniel Gygax<br />
Simon Haldi<br />
Fritz Hebeisen<br />
Benjamin Locher<br />
Lars Mischkulnig<br />
Stefan Moser SMO<br />
Ralph Schmidt<br />
David Spring<br />
Simon Spring<br />
Adrian Stäheli<br />
Matthias Trachsel MAT<br />
Nils Wimmer NWI<br />
Ivana Wyniger<br />
Inventarisation und<br />
Dokumentation /<br />
Inventarisation et<br />
documentation<br />
Barbara Imboden<br />
Leitung / Direction<br />
Rolf Bachmann<br />
Maria D'Alessandro MDA<br />
Jürg Frey<br />
Sabina Galeazzi SGA<br />
Nicole Habegger<br />
Alexander Kobe<br />
Katja Köhler Schneider KKS<br />
René Koelliker RK<br />
Andrea Liechti<br />
Anna Lindow LIA<br />
Pierre Mentha<br />
Tobias Pagani<br />
Andrzej Rulka ARU<br />
Elisabeth Schneeberger<br />
Markus Thome<br />
Andreas Vogt<br />
Nicole Wälti<br />
Matthias Walter<br />
Andrea Zellweger AZ<br />
Support<br />
Regina Fedele Gerber<br />
Leitung / Direction<br />
Sibel Alkoç<br />
Karin Aufenast<br />
Margrit Bigler-Eggen<br />
Sophie Burri<br />
Miriam Heimgartner<br />
Simone Lerch<br />
Mirjana Pavlic<br />
Ruth Thomet-Zwahlen<br />
IMPRESSUM<br />
Herausgeber / Éditeur<br />
Bildungs- und Kulturdirektion,<br />
Amt für Kultur, Denkmalpflege /<br />
Direction de l’instruction publique<br />
et de la culture, Office de la<br />
culture, Service des monuments<br />
historiques<br />
Redaktionsteam /<br />
Equipe de rédaction<br />
Tatiana Lori, Barbara Frutiger,<br />
Barbara Imboden, René<br />
Koelliker, Fabian Schwarz,<br />
Doris Sommer<br />
Rédaction française et traductions<br />
: Laurent Auberson<br />
Gestaltung / Graphisme<br />
Anne Sulzer Grafik, Bern<br />
Bernet & Schönenberger, Zürich<br />
(Konzept / concept 2014)<br />
Druck / Impression<br />
AST & FISCHER AG, Wabern<br />
Abbildungsnachweise /<br />
Crédits iconophiques<br />
Stadt Biel, Abteilung Hochbau;<br />
S. 36 (Abb. 2); Stadt<br />
Thun, Amt für Stadtliegenschaften:<br />
S. 30 (Abb. 1);<br />
Archibatch: S. 32 (Abb. 1 und<br />
2), S. 41 (Mitte), S. 45 (links) S. 47<br />
(links) S. 48 (links und rechts);<br />
Archiv für Schweizer Landschaftsarchitektur,<br />
Rapperswil:<br />
S. 30 (Abb. 3); Industrielle<br />
Betriebe Interlaken IBI: S. 32<br />
(Abb. 6); Markus Beyeler: S. 2<br />
(unten), S. 34 (Abb. 1), S. 39<br />
(Mitte und rechts), S. 40 (links),<br />
S. 41 (links) S. 45 (Mitte), S. 52<br />
(Abb. 1 und 3); Christine Blaser<br />
Bildaufbau – Fotografie: S. 6<br />
(Abb. 4 und 5), S. 9 (Abb. 6 und<br />
7), S. 12 (Abb. 4); Annette<br />
Boutellier: S. 3; clevergie ag<br />
Emmental-Oberaargau: S. 2<br />
(oben), S. 18 (Abb. 1); Nicolas<br />
de Wurstemberger, Denkmalpflege<br />
des Kantons Bern: S. 20<br />
(Abb. 4); Denkmalpflege des<br />
Kantons Bern: S. 31 (Abb. 5);<br />
Hans Dürig AG, Riggisberg:<br />
S. 27 (Abb. 3); Charles Ellena:<br />
S. 45 (rechts); Peter Ernst,<br />
Denkmalpflege des Kantons<br />
Bern: S. 31 (Abb. 4); Fischer &<br />
Partner AG Restauratoren:<br />
S. 41 (rechts); Alexander Gempeler:<br />
S. 12 (Abb. 3), S. 14/15<br />
(Abb. 7 und 8), S. 40 (rechts)<br />
S. 44 (links); Daniel Gygax,<br />
Denkmalpflege des Kantons<br />
Bern: S. 19 (Abb. 2), S. 21 (Abb.<br />
5), S. 22 (Abb. 8); Christian<br />
Helmle: S. 11, S. 46 (rechts),<br />
S. 13 (Abb. 5), S. 41 (links), S. 42<br />
(Mitte und rechts), S. 46 (links<br />
und Mitte), S. 47 (rechts); Bahoz<br />
Issa: S. 34/35 (Abb. 2 und 3);<br />
Roland Juker Fotografie: S. 19<br />
(Abb. 3), S. 23 (Abb. 9), S. 44<br />
(rechts), S. 51 (links und rechts),<br />
S. 56 (Abb. 2); Alexander Kobe,<br />
Denkmalpflege des Kantons<br />
Bern: S. 53 (Abb. 4); L2A<br />
Architekten AG: S. 48 (Mitte);<br />
Walter Mair: S. 13 (Abb. 6);<br />
Nicole Matschoss, Emch+Berger<br />
AG Bern: S. 39 (links); Adrian<br />
Moser: S. 59 (unten); Peter Olf<br />
GmbH, Urs Treuthardt: S. 43<br />
(links); Carolina Piasecki: S. 15<br />
(Abb. 9); Dominique Plüss: S. 8,<br />
S. 33 (Abb. 3), S. 35 (Abb. 4 und<br />
5), S. 49 (Abb. 1 und 2), S. 49<br />
(Abb. 1 und 2), S. 54/55 (Abb.<br />
1–7), S. 56/57 (Abb. 1, 3, 4),<br />
S. 59 (oben); architektur.<br />
rüedi ag: S. 43 (rechts); Mario<br />
Rüegger: S. 4 (Abb. 1 und 2);<br />
Rytz.tv: S. 52 (Abb. 2); Beat<br />
Schertenleib, Denkmalpflege<br />
des Kantons Bern: S. 28/29<br />
(Abb. 1 und 2); Matthias<br />
Schneider, P'INC. AG: S. 10<br />
(Abb. 1), S. 33 (Abb. 4 und 5),<br />
S. 40 (Mitte); Fabian Schwarz,<br />
Denkmalpflege des Kantons<br />
Bern: S. 21 (Abb. 6); Staatsarchiv<br />
des Kantons Bern:<br />
S. 30 (Abb. 2); Trachsel TH<br />
Holzbau GmbH, Landiswil:<br />
S. 24/25 (Abb. 1 und 2); Truberholz<br />
AG: S. 9 (Abb. 8); Simon<br />
von Gunten: S. 47 (Mitte);<br />
Stefan Weber: S. 22 (Abb. 7),<br />
S. 26; Dirk Weiss: S. 2 (Mitte),<br />
S. 36/37 (Abb. 1, 3–5); Phil<br />
Wenger Photography: S. 5<br />
(Abb. 3), S. 44 (Mitte); Wirz<br />
Restauratoren: S. 43 (Mitte);<br />
Xeros Landschaftsarchitektur:<br />
S. 31 (Abb. 6); Marco<br />
Zanoni: S. 7.<br />
Titelseite / Couverture<br />
Köniz, Morillonstrasse 41<br />
Roland Juker Fotografie<br />
Bestellung / Commande<br />
denkmalpflege@be.ch<br />
+41 31 633 40 30<br />
Online lesen / Lire en ligne<br />
© Denkmalpflege des Kantons<br />
Bern <strong>2023</strong> / Service des monuments<br />
historiques du canton de<br />
Berne <strong>2023</strong><br />
ISBN 978-3-9525684-1-5<br />
EUROPÄISCHE TAGE<br />
DES DENKMALS<br />
Die Europäischen Tage des Denkmals<br />
vom 9. und 10. September standen unter<br />
dem Motto «Reparieren und Wiederverwenden»:<br />
reparieren statt wegwerfen,<br />
wiederverwenden statt vernichten, umnutzen<br />
statt zerstören. Die rund 2000<br />
Besucherinnen und Besucher im Kanton<br />
Bern erhielten spannende Einblicke in<br />
die vielfältigen Möglichkeiten zum Erhalt<br />
unseres Kulturerbes – immer mit dem<br />
Fokus auf dem sorgsamen Umgang mit<br />
den vorhandenen Ressourcen.<br />
Reservieren Sie sich den 7. und 8. September<br />
2024 für die nächste Ausgabe<br />
der europäischen Tage des Denkmals!<br />
www.be.ch/denkmalpflege und<br />
www.kulturerbe-entdecken.ch<br />
Ausblick<br />
Perspectives<br />
NACHHALTIGKEIT<br />
Das Bewahren und Pflegen des gebauten<br />
Kulturerbes nutzt Ressourcen nachhaltig,<br />
die vorhandene Bausubstanz wird erhalten<br />
und repariert. Wie wir unsere (gebaute)<br />
Umwelt gestalten, ist von fundamentaler<br />
Bedeutung für unser Wohlbefinden.<br />
Denkmal- und Kulturpflege sind per se<br />
nachhaltig und ermöglichen kommenden<br />
Generationen eine positive ökologische,<br />
ökonomische und soziale Entwicklung. Im<br />
<strong>Fachwerk</strong> 2024 beleuchten wir das Thema<br />
«Nachhaltigkeit» in der Baukultur näher.<br />
JOURNÉES EUROPÉENNES<br />
DU PATRIMOINE<br />
Les Journées européennes du Patrimoine<br />
des 9 et 10 septembre <strong>2023</strong> étaient<br />
placées sous le thème « Réemploi et<br />
recyclage » : réparer plutôt que jeter, recycler<br />
plutôt que détruire, réaffecter plutôt<br />
que démolir. Faire du neuf avec du vieux<br />
n’est pas une invention de notre époque.<br />
Les quelque 2000 visiteurs dans le canton<br />
de Berne ont eu un aperçu passionnant<br />
des multiples possibilités de préserver<br />
notre patrimoine culturel – toujours en<br />
mettant l’accent sur la parcimonie dans<br />
l’utilisation des ressources.<br />
DÉVELOPPEMENT DURABLE<br />
La conservation du patrimoine bâti<br />
utilise les ressources dans le sens de la<br />
durabilité. La manière dont nous aménageons<br />
notre environnement construit<br />
est fondamentale pour notre bien-être. La<br />
préservation des monuments historiques<br />
et des biens culturels est dans son<br />
Veuillez réserver les 7 et 8 septembre 2024<br />
pour la prochaine édition des Journées<br />
européennes du patrimoine !<br />
www.be.ch/monuments-historiques et<br />
www.découvrir-le-patrimoine.ch<br />
essence même tournée vers la durabilité.<br />
Elle permet d’offrir aux générations<br />
futures un développement social et économique<br />
positif. Dans la revue <strong>Fachwerk</strong><br />
2024, nous nous pencherons sur le thème<br />
du développement durable dans le patrimoine<br />
bâti.<br />
FACHWERK <strong>2023</strong> 58<br />
FACHWERK <strong>2023</strong><br />
59
Bildungs- und Kulturdirektion<br />
Amt für Kultur<br />
Denkmalpflege<br />
Schwarztorstrasse 31<br />
Postfach<br />
3001 Bern<br />
+41 31 633 40 30<br />
denkmalpflege@be.ch<br />
www.be.ch/denkmalpflege<br />
Direction de l’instruction publique et de la culture<br />
Office de la culture<br />
Service des monuments historiques<br />
Schwarztorstrasse 31<br />
Case postale<br />
3001 Berne<br />
+41 31 633 40 30<br />
monuments-historiques@be.ch<br />
www.be.ch/monuments-historiques