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Taxi Times München - März 2015

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MINDESTLOHN MINDESTLOHN

MINDESTLOHN MINDESTLOHN PREISENTWICKLUNG MVV Die Tariferhöhungen der letzten Jahre betrugen im Durchschnitt zum Fahrplanwechsel Ende + 3,8 % + 3,1 % + 3,9 % (ab April 2006) + 3,5 % (ab April 2005) (ab Juli 2008) (ab April 2007) + 3,6 % + 2,9 % + 3,7 % + 2,3 % + 4,5 % + 2,8 % 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 Es stellt sich die Frage nach einer Tarif erhöhung, um mögliche Probleme durch den Mindest lohn auszuräumen. In diesem Punkt sind sich die Mehrwagenunternehmer Robert Weber und Manfred Seeger einig. Sie schließen sich der Forderung des Taxi verbandes München nach einer maßvollen Tariferhöhung an. „Die Erhöhung der Tarife ist dringend notwendig und in anderen deutschen Städten schon längst über die Bühne“, sagt Manfred Seeger. Verwirrend ist: Der selbstfahrende Unternehmer darf sich ausbeuten, ohne gegen das Gesetz zu verstoßen. Ein Konflikt thema in München: Die Mehrwagenunternehmer sind überwiegend für, die Einzel unternehmer überwiegend gegen eine Tarif erhöhung und hoffen, dass Unternehmer mit vielen Fahrzeugen einige davon aus Kostengründen still legen müssen. „Ich denke, unsere Verbände haben viel zu spät reagiert“, sagt Gerhard Willhalm. Der Taxiverband München verlangt eine Tarif erhöhung um zwölf Prozent. Die von Einzelunternehmern dominierte Taxi eG hält eine Tariferhöhung für unnötig. „Ich hätte die Erhöhung gerne zum 1. Januar gehabt. Das wäre plakativ gewesen. In anderen Branchen werden die Preise auch erhöht, die begründen das ganz klar mit dem Mindest lohn“, sagt Robert Weber. „Wenn man den Mindest lohn will, dann muss man als Kunde auch so fair sein und dafür zahlen. Unser Budget ist beschränkt“, sagt er. Von beteiligten Stellen hat Robert Weber erfahren, dass es vor August nichts mehr mit einer Tarif erhöhung wird. „Zukünftige Tarif erhöhungen könnten von unseren Kunden sicher besser akzeptiert werden, wenn diese zeitgleich mit denen des ÖPNV und in der Höhe von jährlich zwei bis drei Prozent stattfinden würden“, sagt Manfred Seeger. Aufgrund der Sonderstellung, der behördlichen Tarif gebundenheit der Taxiunternehmer als Teil des ÖPNV, hätte man für das Taxi gewerbe auch eine Übergangsfrist vereinbaren können. Das wurde abgelehnt. In anderen deutschen Städten wurden die Tarife mit Einführung des Mindest lohns um bis zu 25 Prozent erhöht. In München liegt der Startpreis für eine Taxifahrt aktuell bei insgesamt 3,50 Euro und setzt sich aus 3,30 Euro Grundfahr preis plus 20 Cent für die erste Schalt einheit zusammen. Für die ersten sechs Kilometer Taxifahren zahlt man in München 1,80 Euro pro Kilometer, ab dem sechsten 1,60 Euro und ab dem elften Kilometer 1,50 Euro. Deutschlandweit liegt man mit diesen Preisen eher im hinteren Mittelfeld. Seit dem Jahr 2006 ist der Grundfahrpreis in München von damals 2,70 Euro zweimal um insgesamt 60 Cent erhöht worden. Zum Vergleich: Der Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) hat seine Preise im selben Zeitraum durchgehend jedes Jahr um 2,3 bis 4,5 Prozent zum Vorjahr angehoben. Anders »Die Erhöhung der Tarife ist dringend notwendig.« Manfred Seeger, SynTAXA ausgedrückt hat der MVV seine Preise in den letzten acht Jahren acht Mal erhöht. Der Preis für einen Liter Diesel hat sich nach Angaben des Statistik-Portals Statista bundesweit zwischen 2006 und 2014 von 1,118 Euro auf 1,351 Euro verteuert. Die Nettokaltmiete pro Quadratmeter für Erstvermietungen ist in München, der teuersten Stadt Deutschlands, im selben Zeitraum laut Referat für Stadtplanung und Bauordnung im Schnitt von knapp zwölf Euro auf über 18,65 Euro und für Wieder vermietungen von etwas über elf Euro auf 15 Euro gestiegen. Gerhard Willhalm von Gerotax sieht eine Tarif erhöhung etwas kritischer und bevorzugt ein anderes Vorgehen. „Mein Traumweg wären weniger Konzessionen, damit wir unsere Standzeiten reduzieren“, sagt er. Aber auch Gerhard Willhalm weiß, dass die Anzahl FOTOS: Pixelio/Andreas Hermsdorf, Manfred Seeger der Konzessionen in München nicht ohne Weiteres und erst recht nicht kurzfristig reduziert werden kann. Bei Taxi Pasing geht man davon aus, dass 300 bis 400 Fahrzeuge weniger ausreichen würden. Dass es in München über das Jahr gesehen zu viele Autos in Hell elfenbein gibt, fällt besonders nachts rund um den Stachus auf. München verfügt mit 3 400 ausgegebenen Konzessionen über die höchste Taxi dichte in ganz Deutschland, was auf die Olympiade 1972 zurückzuführen ist. Nicht in allen deutschen Städten wird die Anzahl der Taxis reglementiert. Es gibt einige Ausnahmen. „In Hamburg oder Berlin kann man zum Amt gehen und sich eine Konzession holen, um ein Taxi zu betreiben. Wir können andererseits froh um die Kontingentierung sein, sonst gäbe es hier noch mehr Taxis“, sagt Robert Weber. In München muss man sich in eine Warteliste eintragen, und mit ein wenig Glück bekommt man nach 20 bis 30 Jahren eine Konzession zugeteilt. Die Alternative: Man kauft einem anderen Unternehmer eine ab. Der Preis für eine Taxikonzession liegt in München momentan bei rund 25 000 bis 30 000 Euro. TAXIFAHRER VERDIENEN WENIG „Der Mindestlohn ist in Ordnung und war überfällig. Da wir die Preise aber nicht selber festlegen können und Beförderungs pflicht haben, müssen wir erklären, warum er unter diesen Umständen in München für uns nicht gut ist. Man erlegt uns einseitig mehr Kosten auf, obwohl wir ein spezielles Gewerbe sind“, sagt Gerhard Willhalm. Das der Mindestlohn an sich und in der Höhe von brutto 8,50 Euro in der Stunde gerechtfertigt ist und längst fällig war, • Verkehrsunfallabwicklung • Verkehrsrecht • Bußgeldsachen • Zivilrecht • Strafrecht ist für die drei Münchner Taxi unternehmer keine Frage. Robert Weber würde das Thema etwas differenzierter angehen und mehr Ausnahmen vom Mindestlohn – im Taxi zugunsten der Flexibilität der Fahrer – zulassen. Zum Mindestlohn sagt er: „Jemand, der körperlich hart arbeitet, kein Trinkgeld oder andere steuerfreie Zuschläge erhält, sollte eigentlich mehr bekommen.“ Er erzählt, dass man in Schweden darauf hingewiesen wird, dass das Trinkgeld im Fahrpreis enthalten ist. Das Geld nimmt den offiziellen Weg über den Preis in den Lohn. „Taxifahrer verdienen eigentlich zu schlecht. Verglichen mit anderen Leistungen ist das Taxifahren zu billig, und bei niedrigem Umsatz kann man keine guten Löhne zahlen. Wir müssen jetzt versuchen, die Qualität der Dienstleistung Taxi zu steigern, und uns so von unseren Mitbewerbern abheben“, sagt Manfred Seeger. Mit dem Mindestlohn sollen Ausbeutung und der in den letzten Jahren deutlich angestiegene Billiglohnsektor in Deutschland bekämpft werden. Jeder vierte Deutsche musste 2010 nach einer Studie der Bundes agentur für Arbeit für einen Niedriglohn arbeiten. Nur in Litauen waren es zu dieser Zeit europaweit mehr. Deutschland liegt laut dem Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung im europäischen Vergleich nationaler Mindestlöhne pro Stunde auf dem sechsten von 22 Plätzen. Auf den ersten beiden Plätzen liegen Luxemburg mit 11,10 Euro und Frankreich mit 9,53 Euro. Schlusslichter sind Rumänien mit 1,14 Euro und Bulgarien mit 1,04 Euro Stundenlohn. Zu welchen Ergebnissen der Mindestlohn in Münchens Taxi branche führt, wird sich erst in den nächsten Monaten zeigen. • fo Leopoldstr. 30 D-80802 München Tel. 089 - 55 06 67-0 Fax. 089 55 06 67-129 www.artz-partner.de artz@artz-partner.de 14 TAXI MÄRZ / 2015 15

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