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wd | Sommer 2019

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„Die drei beruflichen

„Die drei beruflichen Abschnitte passen auch irgendwie gut zusammen. Ich sitze immer vorne, leite eine Sitzung und sorge für Ordnung. Ob bei der Justiz, im TV oder im Landtag“. 20

wd PORTRAIT „Vielleicht ist das dann auch genau das, was ich kann“ Alexander Hold. Jurist. TV-Star. Politiker. Er kennt die Gerichtssäle im Allgäu bis ins letzte Detail, hat jahrelang als TV-Richter Urteile nach Drehbuch gesprochen und ist heute im bayerischen Landtag als Abgeordneter und Vize-Landtagspräsident an der Spitze der Landespolitik tätig. Der Kemptener Alexander Hold hat eine berufliche Laufbahn hinter sich, die sich – aufgeteilt in 3 Phasen – für gleich mehrere Drehbücher eignen würde. Wir belassen es bei einem Drehbuch und freuen uns, dass wir das Privileg hatten, in persönlichem, ruhigem Rahmen mit Alexander Hold zu sprechen. Wie kam es zu den verschiedenen Positionen? Wie wird man TV- Richter? Wie findet man von dort den Weg in die Landespolitik? Das sind nur einige der Fragen, die auch mich vor und während des Gesprächs umtrieben. Aber der Reihe nach. Alexander Hold kommt aus Kempten. Ein „Allgäuer durch und durch“ sei er. Studienfächer: Jura, Politik und etwas Philosophie. Die „erste Karriere“ – wenn man dies zumindest hier in der Story so aufteilen darf – von Alexander Hold beginnt als Organ der Rechtspflege. Der Staatsanwalt Hold war erfolgreich als Vertreter der Anklage. Als Richter am Land- und Amtsgericht –in Kempten, Füssen und Sonthofen – absolvierte er danach weitere Jahre bei der Justiz, ehe plötzlich die Anfrage des Fernsehens kam. „Ich konnte mir das mit der TV-Sendung natürlich zunächst nicht vorstellen. Aber nach reiflicher Überlegung hat mich dann vor allem gereizt, etwas Neues zu machen“, erzählt Hold von den Beweggründen, weshalb er die Anfrage dann doch annahm. Er habe in dieser Zeit teils auch mit der Berichtserstattung zu Justiz und Rechtsprechung im Land gehadert. „Es heißt ja bis heute: Recht haben und Recht bekommen sind zwei paar Schuhe. Wer sich mit den Fällen allerdings intensiver auseinandersetzt, bekommt ein anderes Bild über die gesprochenen Urteile. Ich kann nur jedem empfehlen, sich mal ins Amtsgericht zu setzen und den Weg zur Urteilsfindung hautnah mit zu verfolgen“, rät der ehemalige Richter und Staatsanwalt. Die Möglichkeit über TV-Urteile das Streben nach Wahrheit und Gerechtigkeit einem größeren Kreis von Menschen nahezubringen, das habe am Ende vermutlich den Hauptausschlag gegeben, dass man ihn bis heute im Fernsehen bestaunen könne, so Hold. Die „zweite Karriere“ beginnt. Die Produktion von „Richter Alexander Hold“ lief 12 Jahre. Bis heute sind die Folgen auf „SAT 1 Gold“ fast täglich zu sehen. Über 2000 Folgen wurden gedreht. „Ein Knochenjob“ – wie Alexander Hold sagt. Was er damit meint, wird bei genauerer Betrachtung klar: die 14-stündigen Drehtage waren physisch wie psychisch sehr anstrengend. Weil Hold in der Zeit teils auch noch in der Abendsendung „Schuldig? – Schicksale vor Gericht“ zu sehen war, reihte sich an fünf Drehtage unter der Woche nach dem Ausschlafen am Samstagmorgen noch ein weiterer Drehtermin durch die Nacht zum Sonntag in Holds Wochenplan. Im Anschluss folgte mit „Im Namen der Gerechtigkeit“ nicht nur etwas weniger Drehstress, sondern auch ein etwas anderes Format. „Streitschlichten am Gartenzaun“ nennt es Alexander Hold heute. Was bleibt von der TV-Karriere – bis auf die Wiederholungen, die wahrscheinlich noch Jahre ausgestrahlt werden? „Die Zeit war anstrengend, aber auch unglaublich spannend und erfüllend“, fasst der Kemptener es zusammen. Und – das darf man getrost dazu sagen – sehr erfolgreich. Die Quoten (teils über 30%) erreicht heutzutage nicht mal mehr der beste „Tatort“. Kommen wir zu „Karriere drei“. Oder sagen wir vielmehr: kommen wir zu der Frage, warum ein ehemaliger Staatsanwalt und TV-Richter den Weg in die Politik geht? „Das Ehrenamt hat mich schon früh begleitet. Vom Ministranten über die Pfarrjugend, vom Sportverein über den Richterbund. Und auch in der Politik habe ich mich schon lange ehrenamtlich engagiert“, erzählt Hold. Vor 13 Jahren stieg er in die Kommunalpolitik ein, ist bis heute Fraktionsvorsitzender im Stadtrat der Stadt Kempten und Bezirksrat. „Das ist ein Stück Lebensinhalt geworden“, fasst er zusammen. Dass das Fernsehen ihn nicht mehr so stark in Anspruch genommen habe wie zuvor, das sei für den Einstieg in die „professionelle Politik“ – wie Hold es nennt – natürlich förderlich gewesen. Nach einigen Jahren in der Kommunalpolitik kam der Anruf des heutigen stellvertretenden Ministerpräsidenten von Bayern sowie Staatsminister für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie 21