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wd | Sommer 2019

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Hubert Aiwanger, welcher

Hubert Aiwanger, welcher Hold in Folge zum ersten Mal auch bundesweit in die Schlagzeilen als Politiker brachte. Hold sollte – so der Vorschlag Aiwangers – sich zur Wahl des Bundespräsidenten aufstellen lassen. „Auch das konnte ich mir anfangs nicht vorstellen“, so Hold zu seiner ersten Reaktion. Nachdem er sich das Ganze aber durch den Kopf habe gehen lassen, sei er zum Entschluss gekommen, dass die Kandidatur zu etwas passt, das ihn in jener Zeit bewegt habe. „Die Menschen verlieren das Vertrauen in die professionelle Politik. In die ehrenamtliche Politik besteht dieses Vertrauensverhältnis weiterhin. Aber meine Ansicht war, dass dem Land vielleicht ein Präsident gut tun würde, der nicht aus dem Berliner Politikbetrieb kommt, sondern einer, der von der Basis kommt, die Sprache der normalen Leute spricht und Dinge knapp und verständlich rüberbringen kann“, erzählt Hold seine Beweggründe, weshalb er dann trotz nicht allzu hoher Erfolgsaussichten gegen Frank Walter Steinmeier antrat. Es sei eine spannende Zeit gewesen und eine insgesamt erfolgreiche Kampagne, denn sein Ziel, für eine Direktwahl des Präsidenten zu werben, habe er erreicht. Die Folge war dann die Kandidatur für den Landtag. Mit satten 21,4 % landete Alexander Hold hier nach dem CSU-Urgestein und Fraktionsvorsitzenden Thomas Kreuzer (34,2%) auf Rang zwei und zog mit dem zweitbesten Ergebnis aller Freier Wähler nach dem Vorsitzenden Aiwanger in den Landtag ein. Landtagsabgeordneter zu sein, bedeutet: Verantwortung zu übernehmen. Das macht Hold ja von Haus aus gerne und da verwundert es nicht, dass er mit dem Posten als Vize-Präsident des Bayerischen Landtags, seiner Funktion im Fraktionsvorstand der Freien Wähler im Landtag und im Ältestenrat, im Koalitionsausschuss und im Rundfunkrat ein ordentliches Programm zu absolvieren hat. Sein Aufgabenfeld? Breit gefächert. Montagmittag – spätestens Dienstagmorgen – geht es für Hold nach München. Bis Donnerstag steht dort die Arbeit des Landesparlaments an. Fraktionssitzungen, Arbeitskreis und Ausschuss sowie Plenarsitzungen. Und: jede Menge Gesprächstermine am Rande des Plenums. „Übrigens begegnet man oft dem Vorwurf von Besuchern, wir Abgeordneten wären nie da, wenn man wieder leere Plätze während der Plenarsitzung sieht“, erzählt Hold. Das läge aber keineswegs daran, dass die Politiker ihre Arbeit nicht ernst nehmen. Vielmehr wird die wirkliche Politik in den Ausschüssen gemacht. „Im Plenum werden die Sonntagsreden gehalten. Was dort öffentlich diskutiert wird, wurde intern schon mehrmals verhandelt“, stellt er klar. Grundsätzlich stellt sich die Frage, weshalb Hold einst die Freien Wähler als seine politische Heimat auswählte? „Für mich war schnell klar, dass ich in keiner typischen Partei sein wollte. Eine Partei wird von oben nach unten geführt. Bei uns Freien Wählern funktioniert die Meinungsbildung von unten nach oben. Bedeutet: Wir sind historisch aus unabhängigen Vereinen in den Gemeinden entstanden und sind nach wie vor eine ‚Graswurzelbewegung‘. Daraus resultiert, dass wir extrem sachbezogen und pragmatisch arbeiten und keine Ideologie verfolgen“, erklärt der Kemptener. Das sei auch von Anfang an sein Ansatz Politik zu machen gewesen. Natürlich müsse man dies jetzt in Regierungsverantwortung teils etwas relativieren und das Übergeordnete im Blick haben, aber grundsätzlich gelte, dass man seine freie Meinung zu jedem Thema vertreten könne. Diese ‚Graswurzelbewegung‘ in Hold spürt man auch in seiner täglichen Arbeit sehr stark. Er kümmere sich um alles, er sei als Abgeordneter nun mal gewählt, und für die Bürger Ansprechpartner. Einerseits bedeutet dies Bürgeranliegen nachzugehen. Von einfach bis komplex. Als Allgäuer Abgeordneter versucht Hold aber vor allem auch, die Herausforderungen der Region in München vorzutragen und anzugehen. „Das sind vor allem aktuell drei wichtige Bereiche. Verkehrspolitisch müssen wir den Öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV) massiv verbessern. Der ländliche Raum hat hier immensen Nachholbedarf im Verhältnis zu den Ballungsräumen. Da sind dicke Bretter zu bohren und nur ein besseres Angebot kann auch die Nachfrage ankurbeln. Und in Sachen Bahn laufen wir Gefahr, abgehängt zu werden. Die Elektrifizierung der Bahnstrecke Ulm - Oberstdorf ist auf viele Jahre nicht in Sicht, in diesem ‚Dieselloch‘ werden wir vor allem mit den Fernzügen Probleme bekommen“, so Hold. 22

wd PORTRAIT Der zweite Bereich, für welchen er kämpfe, sei jener, gleichwertige Lebensverhältnisse in Stadt und Land auch für die Zukunft zu sichern. Da gehe es um Schulpolitik, Wirtschaftsförderung und nicht zuletzt um lebendige Ortskerne. Bereich drei: Viele Unternehmen im Allgäu ermöglichen Flüchtlingen eine Ausbildung oder wollen ihnen zumindest die Möglichkeit dazu geben, in der Arbeitswelt Fuß zu fassen. „Praktisch scheitert hier vieles an der Bürokratie und es werden oft Menschen abgeschoben, die eigentlich Paradebeispiele für eine gelingende Integration sind, während wir Straftäter oft nicht loswerden. Das ist schade und hier haben wir beharrliche Arbeit im Hintergrund zu leisten. Mit der neuen Richtlinie des Innenministeriums seit März hat sich einiges verbessert, aber wir müssen hier weiter dranbleiben“, so Hold. „Ich konnte mir das mit der TV-Sendung natürlich zunächst nicht vorstellen. Aber nach reiflicher Überlegung hat mich dann vor allem gereizt, etwas Neues zu machen“ Wenn man den Kemptener, der in München durch seine Positionen nun ein gehöriges Wörtchen in der Landespolitik mitzureden hat, hört, spürt man die Leidenschaft für Politik und merkt, dass Hold für die Menschen vor Ort wirklich etwas erreichen möchte. Ob der Übergang vom „Trash-TV“ zur Politik auch von außen mit Vorurteilen behaftet gewesen sei, frage ich ihn. „Wenn ich mich plötzlich in die Politik orientiert hätte, wäre dies sicher so gesehen worden. Durch meine langjährigen Aktivitäten in der Kommunalpolitik kam das aber nie auf“, erzählt Hold. Eine kleine Anekdote hat er dazu noch parat. In der Zeit der Kandidatur zum Bundespräsidenten sei er am selben Tag wie Frank Walter Steinmeier im Bayerischen Landtag vorgestellt worden. Zeitgleich liefen beide Kandidaten über den Flur, als Steinmeier eine Journalistin fragte: „Weshalb macht denn der Hold das alles?“. Die Journalistin entgegnete dem heutigen Bundespräsidenten, dass sie nicht genau wisse, warum, aber es sei ganz sicher keine PR-Aktion. „Ab diesem Moment war Herr Steinmeier wie ausgewechselt und wir hatten ein angenehmes Verhältnis“, erinnert sich Hold und die Genugtuung ist ihm dabei auch zurecht etwas anzumerken. Mit seinem heutigen Standing verzeiht man ihm im Landtag auch mal einen kleinen Fauxpas, als er wie zuletzt bei seiner Sitzungsleitung plötzlich vom „Angeklagten“, der das Wort habe, gesprochen hat. Sie ist halt doch nicht wegzuleugnen, die lange Zeit als TV-Richter. „Für mich sind das drei Lebensabschnitte. Es ging und geht aber immer darum, für die Menschen etwas zu erreichen“, resümiert Hold. „Deshalb passen die drei Abschnitte auch irgendwie gut zusammen. Ich sitze immer vorne, leite eine Sitzung und sorge für Ordnung. Ob bei der Justiz, im TV oder im Landtag. Vielleicht ist das dann auch genau das, was ich kann“. Ein irgendwie ungeplanter und doch so perfekter Abschlusssatz eines Gespräches, das mir zeigt, dass speziell auch die Politikverdrossenheit in der Bevölkerung sicher Gründe hat, man aber den Eindruck, ein Politiker denke nur von Wahltag zu Wahltag und tauche verstärkt dann nur in den Wahlkampftagen auf, nicht verallgemeinern sollte. Wenn man die Möglichkeit hat, sich mit Alexander Hold zu unterhalten, gewinnt man nicht nur Vertrauen in die politischen Personen zurück, sondern spürt vor allem diese spezielle, angenehme Aura eines Mannes, der bei allem Erfolg auf dem Boden geblieben ist. Wir sind gespannt, ob dem Ganzen noch eine „vierte Karriere“ folgt oder ob der Vorzeige-Allgäuer Alexander Hold es beim Sprichwort „aller guten Dinge sind drei“ belässt. Mehr zu Alexander Hold: www.alexander-hold.de Text: Marcel Reiser Bilder: Abgeordnetenbüro Alexander Hold 23