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wd | Winter 2019

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Niklas Zötler und die

Niklas Zötler und die Handschrift auf die Zukunft Ein Besuch in der ältesten Familienbrauerei der Welt rum sich das so entwickelt hat, kann ich nicht genau sagen. Ich denke, man ist entweder Bier- oder Weinregion. Ich bin auf jeden Fall froh, dass wir hier in einer Bierregion leben dürfen. Wir haben viele, sehr gute Brauereien im Allgäu. Da ist für jeden Geschmack etwas dabei“, beginnt Niklas Zötler zu erzählen. YOUNG GENERATION Freitagmorgen. Rettenberg im Allgäu. 9.00 Uhr. Niklas Zötler – Geschäftsführer der Brauerei Zötler – empfängt mich in angenehmer Atmosphäre im Eingangsbereich der Brauerei. Nun wäre der Fakt, dass ich hier gerade in der ältesten Familienbrauerei der Welt stehe, schon genug Stoff für eine Story. Allerdings wollen wir in der neuen wd Reihe „young generation“ vor allem auch ein Hauptaugenmerk auf junge Unternehmer legen, welche traditionelle Familienbetriebe in nächster Generation weiterführen. Es fällt dem neutralen Betrachter ja auf, dass wir hier im Allgäu eine Konzentration an vielen regionalen Brauereien haben. „Wa- Eine dieser „sehr guten“ Brauereien – die Brauerei Zötler – hat ihre Geschichte erst nach und nach rekonstruieren können. Der Grund: die frühere Adlerbrauerei war in ihrer Historie dreimal abgebrannt und viele wichtige Dokumente wurden dabei Opfer des Feuers. Den Rettenberger Dorfpfarrer Manfred Gohl hielt diese Tatsache aber nicht davon ab, immer ältere Schriftstücke und Eine nette Anekdote am Rande: Niklas‘ bereits verstorbener Ur-Großvater sowie Großvater trugen den Namen Herbert. Sein Vater ebenfalls. Dass Niklas am Namenstag von Herbert geboren wurde, mag natürlich kompletter Zufall sein. Vielleicht war es aber auch eine kleine Vorsehung. Erwähnungen zu finden. Bis ein Foto der Gründungsurkunde auftauchte, was klar belegte: die Brauerei Zötler wurde im Jahr 1447 gegründet. Das bedeutet, dass das Traditionsunternehmen, 58

WD YOUNG GENERATION welches Niklas Zötler in 21. Generation führt, nunmehr über 570 Jahre alt ist. Die Brauerei Zötler ist unter den Top 10 der weltweit noch existierenden Familien-Unternehmen und die älteste Familienbrauerei der Welt. Hört man von 11,5 Millionen Umsatz, 75 Mitarbeitern und 95.000 Hektoliter Getränkeabsatz – davon 70.000 Hektoliter Bier -, dann kann man die Dimensionen erahnen, mit welchen Niklas Zötler seit der Übergabe der Geschäftsführung durch seinen Vater Herbert konfrontiert ist. Grundsätzlich kommt er mir aber nicht so vor, wie wenn ihn diese Tatsache aus der Ruhe bringen würde: „Die Nachfrage nach regionalen Brauereien war noch nie so gut wie aktuell. Regionale Lebensmittel sind gefragt und deshalb blicken wir auch positiv in die Zukunft“, erklärt der Allgäuer Jungunternehmer, der für die Zötler Brauerei den USP (unique selling point) darin sieht, eine herausragende Qualität über das gesamte Sortiment hinweg zu bieten. „Wir versuchen alles gut zu machen und jedem Bier einen eigenen Charakter zu geben“. Die Bodenständigkeit sei ein gutes Fundament für die Zukunft. Gepaart mit Innovationen am Markt und einer vorausblickenden Produkt- und Geschäftspolitik sieht Niklas Zötler das Unternehmen gut aufgestellt. Wie wächst man nun als „Brauerei-Kind“ zum Geschäftsführer heran? Aus den zwei Gesellschafterfamilien Müller und Zötler heraus ist Niklas der erste männliche Nachfolger. „Für meinen Vater oder mich war dies kein Grund, dass ich die Brauerei irgendwann hätte übernehmen müssen. Ich denke aber, dass mein Großvater schon eher dieses Denken verinnerlicht hatte. Als junger Mensch arbeitet man einfach automatisch im Betrieb mit und verdient ein Taschengeld. So habe ich das auch gemacht. Später in den Semesterferien habe ich die Mitarbeit weiter ausgebaut. Ich habe da aber keinerlei Druck verspürt. Im Gegenteil. Mein Vater meinte immer, ich dürfe den Weg nur einschlagen, wenn ich die Fähigkeit und die Leidenschaft mitbringe, die es braucht, um eine Brauerei zu führen. Anders funktioniert das auch aus meiner Sicht nicht“, gibt Niklas Zötler Einblicke in die Zeit vor der offiziellen Übergabe im Jahr 2018. Eine nette Anekdote am Rande: Niklas‘ bereits verstorbener Ur-Großvater sowie Großvater trugen den Namen Herbert. Sein Vater ebenfalls. Dass Niklas am Namenstag von Herbert geboren wurde, mag natürlich kompletter Zufall sein. Vielleicht war es aber auch eine kleine Vorsehung. Wie auch immer. Niklas Zötler brachte auf jeden Fall die Leidenschaft mit, die es für seine heutige Position absolut braucht. „Mein Vater hat mir vorgelebt, wie schön es ist, Unternehmer zu sein. Gepaart mit der schönsten Branche der Welt bin ich sehr glücklich über die aktuelle Situation“, so Niklas Zötler weiter. 59