bnn-nachrichtennaturkosthandel - Bundesverband Naturkost ...

n.bnn.de

bnn-nachrichtennaturkosthandel - Bundesverband Naturkost ...

Dezember 2006

BNN-NACHRICHTEN NATURKOSTHANDEL

Protest gegen Verwässerung

des Gentechnik-Gesetzes

13.000 Luftballons am

Himmel über Berlin

Mitgliedschaftskriterien

des Verbandes in der Diskussion

Wer wird Mitglied?

Bewertungskriterien der Zeitschrift

Öko-Test in der Kritik

Öko und fair?


IMPRESSUM

BNN-Nachrichten

Mitglieder-Zeitschrift für die

Naturkost- und Naturwarenfachbranche

erscheint vierteljährlich

Auflage: 4.300

Herausgeber:

BNN Herstellung und Handel e.V.

Albrechtstraße 22

10117 Berlin

E-Mail: kontakt@n-bnn.de

Tel.: 030 / 847 12 24 44

Fax: 030 / 847 12 24 40

Internet: www.n-bnn.de

Vorstand:

Hermann Heldberg, Naturkost Elkershausen GmbH

Volker Krause, Bohlsener Mühle e.K.

Andreas Ritter-Ratjen, C.F. Grell GmbH &. Co.KG

Meinrad Schmitt, Terra Naturkost Handels KG

Ulrich Walter, Ulrich Walter GmbH

V.i.S.d.P.: Elke Röder

Redaktion: Marion Schlage (Schlage@n-bnn.de), Katja Niedzwezky

Autoren und Autorinnen dieser Ausgabe: Hans-Josef Brzukalla, Annette Mörler,

Katja Niedzwezky, Elke Röder, Marion Schlage, Cornelia Schönbrodt

Gestaltung: Jutta Henderkes, HAUSMARKE

Anzeigen- und Bildnachweis:

Titel: © Campact e.V.

Seite 02: © BNN Herstellung und Handel

Seite 03: © BNN Herstellung und Handel

Seite 05: Bild oben: © BNN Herstellung und Handel,

Bild unten: © NaturataSpielberger AG

Seite 06: © BNN Herstellung und Handel, Fotos: Annette Mörler

Seite 07: © BNN Herstellung und Handel, Fotos: Annette Mörler;

Anzeige Nürnberg Messe

Seite 08: © Bodan GmbH, © Naturkost Elkershausen GmbH

Seite 09: © Rinklin Naturkost, © U.Walter/Lebensbaum GmbH

Seite 10 – 12: © aid infodienst

Seite 13: © BLE, Bonn/Foto: Dominic Menzler

Seite 14: © BLE, Bonn/Foto: Thomas Stephan

Seite 17: © BNN Herstellung und Handel

Seite 21: © Campact e.V.

Rückseite: © BLE, Bonn / Foto: Thomas Stephan


INHALTSVERZEICHNIS

VERBAND

Verband intern: Verstärkung im Team des BNN Herstellung und Handel . . . . . . . . .02

www.bnn-intern.de: Online-Serviceleistungen werden ausgebaut . . . . . . . . . . . . . .02

Diskussion um Mitgliedschaftskriterien: Wer wird Mitglied? . . . . . . . . . . . . . . . . . .03

BioFach 2007: Die Branche trifft sich – beim Come together! . . . . . . . . . . . . . . . .05

75 Jahre Spielberger Mühle: Markenkompetenz und Fachhandelspartnerschaft:

Ein erfolgreiches Modell für die Zukunft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .05

Gelungener Auftakt: Die Eröffnung der

neuen BNN-Geschäftsstelle in Berlin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .06

Aus den Mitgliedsunternehmen: Neues in Kürze... . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .08

QUALITÄT

Kummer mit Cumarin: Maßvoller Genuss von

zimthaltigen Lebensmitteln bleibt unbedenklich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .10

Auf Spurensuche: Ein Jahr nach Änderung

der Allergenkennzeichnung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .12

EU-Kommission legt neuen Pestizidreport vor:

Jede zwölfte EU-Probe über den Grenzwert . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .14

Qualitätssicherung in der Naturkostbranche:

Der BNN-Orientierungswert ist kein Grenzwert . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .16

Öko und fair? Bewertungskriterien der

Zeitschrift Öko-Test in der Kritik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .16

MARKT

Umsatzentwicklung Januar bis September 2006:

BNN-Naturkostgroßhandel verzeichnet weiterhin

zweistellige Zuwächse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .18

AUS ALLER WELT

Jeder Verursacher muss für Schäden haften: 13.000 Luftballons

gegen Verwässerung des Gentechnik-Gesetzes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .20


VERBAND

Neu im BNN-Team ist Cornelia Schönbrodt

(Foto oben), die sich seit dem 1.

November 2006 um die Koordination der

Qualitätsarbeit (Trockensortiment) des

BNN Herstellung und Handel kümmert.

Ab sofort ist sie die Ansprechpartnerin

für Qualitäts- und Rechtsfragen der Mitgliedsunternehmen

des Verbandes und

sie bearbeitet aktuelle Qualitätsthemen,

wie in dieser Ausgabe der BNN Nachrichten

schon zu lesen ist (Artikel zur Allergenkennzeichnung

auf S. 12–14).

Cornelia Schönbrodt hat an der Fachhochschule

Münster Oecotrophologie

studiert und im Sommer 2006 ihre Diplomarbeit

bei der Davert GmbH im Bereich

Lebensmittelrecht und Produktmanagement

geschrieben. Sie kennt die

Verbandsarbeit bereits aus ihrem fünfmonatigen

Praktikum beim BNN Herstellung

und Handel e.V. im vergangenen

Jahr, bei dem sie das Qualitätsreferat sowie

die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

www.bnn-intern.de

Online-Serviceleistungen werden ausgebaut

Auf drei Internetseiten - www.n-bnn.de,

www.bnn-monitoring.de und www.bnnschaedlingsmanagement.de

- stellt der

BNN Herstellung und Handel seinen Mitgliedern

und der Öffentlichkeit ein breit

gefächertes Informationsangebot zur

Verfügung. Seit Beginn des Jahres wird

dieses Angebot durch den Online-Service

www.bnn-intern.de ergänzt, der ausschließlich

den Mitgliedsunternehmen

des Verbandes vorbehalten ist. Auf dieser

internen Homepage des BNN Herstellung

und Handel sind künftig Service-Angebote

des Verbandes zugänglich, die regelmäßig

aktualisiert werden und jederzeit

für alle Mitgliedsunternehmen abrufbar

sind. Neben den monatlichen (und quartalsweise

erfassten) Umsatzauswertungen

ist unter www.bnn-intern.de ab sofort

auch die jeweils aktuelle Version der

Lieferantenkürzelliste ein- sehbar. Mit dieser

Neuerung verkürzen und vereinfachen

wir bisherige Arbeitsab- läufe für die Nutzer

und für die Pflege der Liste durch den

Verband.

Verband intern

Verstärkung im Team des

BNN Herstellung und Handel

Überarbeitete

Lieferantenkürzelliste online

Die im Sommer überarbeitete dreistellige

BNN-Lieferantenkürzelliste ist ab sofort

für alle Mitglieder im Passwort-geschützten

Bereich unter www.bnn-intern.de

im Internet zugänglich. In Abstimmung

mit den BNN-Großhandelsunternehmen

ist die Kürzelliste in einem umfangreichen

Datenabgleich korrigiert und durch

einige neue Unternehmenskürzel ergänzt

worden. Der knapp 600 Kürzel umfassende

Datenbestand liegt als Exceltabelle

vor, in der ab sofort auch neue Kürzeländerungen

jeweils mit Datum aufgeführt

werden. Über diesen Datumseintrag

können Nutzer die aktuellen Änderungen

schnell finden und in ihren Datenbestand

übernehmen. In der Online-

Version wird künftig auch vermerkt sein,

welche Kürzel oder Unternehmen aus der

Liste gelöscht worden sind.

tatkräftig unterstützt hat. Cornelia Schönbrodt

hat während ihres Studiums auch

im Münsteraner Naturkost-Einzelhandel

Erfahrungen gesammelt.

Ebenfalls seit dem 1. November unterstützt

Florentine Henning (Foto unten) für

die kommenden 13 Monate die Monitoring-Koordinatorin

Kirsten Arp. Die frisch

diplomierte Ingenieurin für Landschaftsnutzung

und Naturschutz (Fachhochschule

Eberswalde) verstärkt als erste

Trainee das Team des BNN. Am Traineeprogramm

im Rahmen des Bundesprogramms

Ökologischer Landbau nehmen

15 Nachwuchskräfte teil. Das Ausbildungsprogramm

besteht aus zwölf Monaten

»Training on the job« und vier einwöchigen

fachübergreifenden Schulungen

und bietet daher gute berufliche Einstiegsmöglichkeiten

in die ökologische

Lebensmittelwirtschaft.

Die Vergabepraxis der Kürzel ändert sich

nicht. Wie bislang werden die von den

Großhändlern an den BNN Herstellung

und Handel gemeldeten neuen überregionalen

Lieferanten in die aktuelle Liste

mit neuem Kürzel eingepflegt. Der aktualisierte

Datensatz wird anschließend

online gestellt und ist damit sofort für jedes

BNN-Großhandelsunternehmen nutzbar.

Regionale Lieferanten, die nur einen

Großhandel beliefern, werden in die Liste

nicht eingepflegt.

Neben den Umsatzauswertungen und

der Lieferantenkürzelliste wird künftig

ebenfalls die aktuelle Version der IK-Liste

– auch in einer druckfähigen Version –

auf www.bnn-intern.de abrufbar sein.

Weitere Online-Serviceleistungen sind in

Vorbereitung.

Marion Schlage

BNN-Nachrichten Naturkosthandel Dezember 2006 02


Diskussion um Mitgliedschaftskriterien

Wer wird Mitglied?

Bio ist angesagt und auf Expansionskurs.

Der Markt für Bio-Lebensmittel

verändert sich mit rasender Geschwindigkeit

und dies sowohl innerhalb

der Naturkostbranche als

auch im übrigen Lebensmittel. In dieser

Situation eröffnet der BNN Herstellung

und Handel die Diskussion

über seine Mitgliedschaftskriterien

und diskutiert die Fachhandelsdefinition.

Als ob ein Schleier gelüftet

würde, schaut die Branche sich auf

dem Markt der Möglichkeiten um

und erschrickt über dessen fließende

Grenzen. Woran halten, wenn

alles fließt? Mit welcher Strategie

sich behaupten?

Die Situationsbeschreibung und die

Strategiebestimmung wird letztlich

03 BNN-Nachrichten Naturkosthandel Dezember 2006

jedes Unternehmen selbständig treffen.

Es handelt sich dabei um eine unternehmerische

Entscheidung, die die spezifische

Situation und die erwarteten Perspektiven

einbezieht, Risiken und Chancen

abwägt, das Selbstverständnis berührt

und letztlich die Zusammenschau

aller Fakten und die Intuition der Entscheidungsträger

fordert.

Es gibt Stimmen, die sich für eine Distributionspolitik,

die klare Abgrenzungen

vornimmt, aussprechen, und es gibt die

andere Meinung, die für eine Distributionspolitik

mit weniger starken Abgrenzungen

argumentiert. Während die ersten

den »unique selling point« des

Naturkostfachhandels durch Exklusivmarken

erhalten und ausbauen wollen,

schlagen andere vor, die Kostendegres-

Auszüge aus der Satzung des BNN Herstellung und Handel:

§ 2 Ziele und Aufgaben des Vereins sind:

sion zu nutzen und dem Naturkostfachhandel

so auch langfristig wettbewerbsfähige

Preise zu sichern.

Aus der Geschichte der Naturkostbranche

kennt man diese Zeitfenster, in denen

alles möglich war. In der kurzen Zeit

bis zum Schließen dieses Zeitfensters

wurden im Markt Positionen auf längere

Sicht festgelegt.

In dieser Situation also überarbeitet der

BNN Herstellung und Handel seine Mitgliedschaftskriterien.

Die Satzung des

Verbandes bleibt dabei unverändert,

denn sie lässt dem Vorstand viel Spielraum

bei der Entscheidung, wer in den

Verband aufgenommen werden soll.

• Die Vertretung der Branche und der Mitgliedsfirmen im Besonderen gegenüber Gesetzgeber und Politik,

• die gezielte Öffentlichkeitsarbeit, die breite Bevölkerungsschichten auf die Attraktivität von Naturkost, Naturkosmetik

und Naturwaren und auf den entsprechenden Fachhandel hinweist,

• die Förderung mittelständischer Produktions-, Verarbeitungs- und Handelsstrukturen in der Naturkostbranche,

• die Entwicklung und Sicherung der Warenqualität aller Produkte aus kontrolliert biologischer Erzeugung,

• die Unterstützung eines konstruktiven und fairen Miteinanders aller Branchenteilnehmer.

§ 3.1.a. Ordentliches Mitglied werden und bleiben kann das Unternehmen

(juristische und natürliche Personen), das:

• schwerpunktmäßig Produkte aus kontrolliert biologischer Erzeugung herstellt und /oder handelt und

dessen Sortiments- und Kundenstruktur den Vereinszielen entspricht,

[….]

c. In Zweifelsfällen entscheidet der Vorstand.

Seit vielen Jahren wurde von den Mitgliedern,

ohne Ansehen ihrer Stellung in der

Handelskette, gefordert, dass sie mindestens

51 Prozent des Warenwertes an den

Naturkostfachhandel liefern und dass der

Umsatz mit Öko-Lebensmitteln mindestens

75 Prozent beträgt. Für alle Unternehmen,

egal ob sie Importeur, Hersteller

oder Großhändler waren, galten bei der

Aufnahme diese beiden Kriterien, die im

Mitgliedschaftsvertrag aufgeführt sind.

Mitgliederversammlung des

BNN Herstellung und Handel

im Mai 2006 in Hamburg

Fortsetzung nächste Seite >


Diese Aufnahmekriterien sollen nun verändert werden.

Für Importeure, Hersteller und Großhändler sollen künftig folgende Regelungen gelten:

1. Importeure:

Importeure können Mitglied werden, wenn sie 95 Prozent ihres Umsatzes mit Ökoprodukten erzielen.

2. Hersteller:

Verarbeitende Unternehmen und Inverkehrbringer charakterisieren sich entweder über die Führung einer oder

mehrerer Marken (Markenhersteller) oder aber ihr Schwerpunkt liegt in der Produktion von Private Labels für

Markeninhaber und/oder in der Durchführung einfacher Schritte zur Rohstoffverarbeitung (ohne eigene Marke).

• Markenhersteller können Mitglied werden, sofern sie mehr als 50 Prozent ihres Umsatzes mit Ökoprodukten

erzielen und eine Marke exklusiv für den Fachhandel bereitstellen. Dabei wird die Listungsbereitschaft des

Fachhandels vorausgesetzt.

• Private-Label-Hersteller und Rohstoffverarbeiter können Mitglied werden, wenn sie mehr als 50 Prozent

ihres Umsatzes mit Ökoprodukten erzielen.

3. Großhändler:

Großhändler können Mitglied werden, wenn mindestens 50 Prozent des Umsatzes im Naturkosthandel erzielt

werden und wenn der Bioanteil im Lebensmittelsortiment mindestens 95 Prozent beträgt (nicht gerechnet werden

die nicht biofähigen Lebensmittel wie Wasser und Salz).

Die Bio-Orientierung

wird gestärkt

Für Unternehmen des Import- und des

Großhandels werden die Sortimentsanforderungen

also erheblich höher. Statt

75 Prozent des Umsatzes müssen nun

95 Prozent des Umsatzes mit Bio-Produkten

erreicht werden. Für verarbeitende

Unternehmen sinkt diese Anforderung

hingegen auf 50 Prozent. Dies

geschieht mit dem Ziel, Unternehmen

mit Parallelproduktion, aber eindeutiger

Bio-Ausrichtung, eine Mitgliedschaft zu

ermöglichen. Gleichzeitig sollen Markenhersteller

eine Marke exklusiv für

den Fachhandel bereitstellen. Dieser

Schritt geschieht mit dem Ziel, die mittelständische

Orientierung auch künftig

zu betonen.

Erste Schritte in Richtung eines

Codes of Conduct?

Die Mitgliedschaftskriterien werden ergänzt

durch eine Leitlinie, in der die unternehmerische

Freiheit gleichgewichtig

neben der Verantwortung eines Verbandsmitglieds

für die Verbandsziele

steht. In der Leitlinie wird die Erwartung

formuliert, dass einer Belieferung außerhalb

der Naturkostbranche eine Einzelfallprüfung

vorausgeht und dass ungünstige

Wettbewerbssituationen mit

dem Naturkostfachhandel zu minimieren

sind. Grundsätzlich wird vereinbart,

dass Hersteller- und Handelsmarken

ihre Marke für den Naturkostfachhandel

reservieren können.

In der Leitlinie gibt es neben einer Beschreibung

des Naturkostfachhandels

auch die Beschreibung einer Einkaufsstätte

des allgemeinen Fachhandels.

Demnach ist ein Naturkostfachhandel

gekennzeichnet durch ein Bio-Vollsortiment,

durch Fachberatung, durch den

Kauf bei Lieferanten, die den BNN-Orientierungswert

zur Qualitätssicherung

nutzen oder am Obst- und Gemüse-

Monitoring teilnehmen sowie durch ein

Naturkosmetiksortiment und der Teilnahme

an künftigen profilierenden Maßnahmen

wie beispielsweise der Aromenempfehlung

des BNN Herstellung und

Handel.

An die Einkaufsstätten des allgemeinen

Fachhandels (Reformhäuser, Käse-, Weinoder

Obst- und Gemüsegeschäfte sowie

selbständige Lebensmitteleinzelhändler)

wird die Erwartung gerichtet, das Bio-

Sortiment deutlich abgegrenzt zu präsentieren,

eine umfassende Markenpflege zu

betreiben sowie Verkaufspersonal mit

Fachwissen einzusetzen.

Die Änderungen der Aufnahme- bzw.

Mitgliedschaftskriterien stärken also die

Bio-Orientierung der Unternehmen und

des BNN Herstellung und Handel. Hinsichtlich

der Distributionspolitik fordern

sie von den Mitgliedern eine weniger starke

Abgrenzung als in der Vergangenheit.

Die Leitlinie betont die unternehmerische

Freiheit der Mitglieder und ihre Verantwortung

für die Verbandsziele. Die Leitlinie

ist damit das erste Modul eines Verhaltenskodexes

(Code of Conduct). Die

Ernsthaftigkeit, mit der diese Leitlinie umgesetzt

wird, dürfte die künftige Wahrnehmung

und Unverwechselbarkeit der

Branche nachhaltig beeinflussen.

Elke Röder

BNN-Nachrichten Naturkosthandel Dezember 2006 04


BioFach 2007

Die Branche trifft sich – beim Come together!

Das »Come together« des BNN Herstellung

und Handel e.V. hat sich

längst zur festen Größe auf der Bio-

Fach entwickelt. Zum siebten Mal

haben geladene Gäste wieder Gelegenheit,

nach Messeschluss in angenehmer

Atmosphäre Handelspartner,

Weggefährten und Branchenprofis

zu treffen.

Donnerstag, 15. Februar 2007, 18 bis

22 Uhr, Saal Sydney im CCN Ost, Ebene 1

Die Einladungen für das »Come together«

werden in der ersten Januarwoche ver-

05 BNN-Nachrichten Naturkosthandel Dezember 2006

schickt. Anmeldungen werden erbeten

bis zum 25. Januar.

BioFach Kongress

Der BNN Herstellung und Handel ist mit

zwei Veranstaltungen im BioFach-Kongressprogramm

präsent:

Bio schmeckt anders – schmeckt

Bio auch besser? Warum Bio nicht

gleich jedem schmeckt – und was die

Sensorik für die Biobranche leisten kann.

Expertenrunde, unter anderem mit: Rudolf

Hepp, Geschäftsführer des Testzentrums

Lebensmittel der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft

e.V., Kirsten

Buchecker, Leiterin des Sensorik-Labors

des Bremerhavener Instituts für Lebensmitteltechnologie,

Kirsten Arp, Koordinatorin

des Monitorings für Obst und

Gemüse beim BNN Herstellung und Handel.

Donnerstag, 15. Februar, 16 bis 17.30

Uhr, CCN Ost, Ebene 2, Raum St. Petersburg.

Alles Bio – alles rückstandsfrei? –

Vorstellung aktueller Ergebnisse des Monitorings

für Obst und Gemüse im Natur-

75 Jahre Spielberger Mühle

Markenkompetenz und Fachhandelspartnerschaft:

Ein erfolgreiches Modell für die Zukunft

Zwei Tage lang feierten die 72 Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter der

NaturataSpielberger AG zusammen

mit Kunden, Lieferanten und sonstigen

Geschäftspartnern in der Spielberger

Mühle.

Anlass für das große Fest am 30. September

und 1. Oktober im schwäbischen

Brackenheim war das 75-jährige Unternehmens-Jubiläum

der Spielberger Mühle,

die heute bereits in der dritten Generation

von der Familie Spielberger geleitet wird.

Hans Spielberger, der Sohn der Unternehmensgründer

Hermine und Fritz Spielberger,

gehört zu den maßgeblichen Pionieren

der Biobranche. Heute leitet sein Sohn

Volkmar Spielberger das Unternehmen.

Seit 1983 werden in der Mühle ausschließ-

kosthandel. Folienvortrag von Kirsten

Arp, Koordinatorin des Monitorings beim

BNN Herstellung und Handel. Samstag,

17. Februar, 15 bis 16 Uhr, CCN Ost,

Ebene 2, Raum Kiew.

Bei der Podiumsdiskussion »Was zeichnet

die Bio-Elite der Zukunft aus?«

wird Elke Röder, Geschäftsführerin des

BNN Herstellung und Handel, als Diskussionspartnerin

vertreten sein. Weitere

Teilnehmer: Jan Plagge (Bioland Beratung);

Peter Grosch (BCS Öko-Garantie);

Dr. Franz Ehrnsperger (Neumarkter

Lammsbräu); Siegfried Stocker (Ludwig

Stocker Hofpfisterei). Samstag, 17. Februar,

10 bis 11.30 Uhr, CCN Ost,

Ebene 2, Raum Istanbul.

Zum zweiten Mal verleiht das Presse-

Forum BioBranche, in dem auch die

Pressesprecherin des BNN Herstellung

und Handel mitarbeitet, den Journalistenpreis

Bio. Die Auszeichnungen

werden vergeben am Samstag, den

17. Februar, 13 bis 14 Uhr, im CCN Ost,

Ebene 2, Raum Stockholm.

Die Belegschaft der Spielberger Mühle feiert das 75-jährige Firmenjubiläum


lich Demeter-Produkte und Rohstoffe

aus kontrolliert biologischem Anbau verarbeitet.

Das Spielberger-Sortiment umfasst

Brot- und Kuchenbackmischungen,

Flocken, Getreide, Knäckebrot, Mahlerzeugnisse,

Müsli, Nudeln, Reis, Saaten,

Suppeneinlagen, Toastbrot, Tortenböden

und Zwieback.

»Fachmarken wie Naturata und Spielberger

und der Fachhandel haben nach wie

vor einen ganz entscheidenden Vorsprung

im Wettbewerb, denn sie genießen das

Vertrauen der Kunden, bieten höchste

Qualität, Kundenorientierung und Beratungskompetenz«,

unterstrich Elke Röder,

Geschäftsführerin der BNN Herstellung

und Handel, in ihrer Fest-Ansprache.

Welche Kriterien die besondere Qualität

der Produkte aus dem Hause Naturata-

Spielberger ausmachen, davon konnten

sich die Gäste am Jubiläumswochenende

in einer kleinen Ausstellung von Partnerbetrieben

selbst ein Bild machen. Die Unternehmensmitarbeiter

gaben Einblick in

die Herstellungsprozesse und nahmen sich

viel Zeit für die Beantwortung der Fragen

von Einzelhändlerinnen und Einzelhändlern.

Vertreten waren unter anderem die

Grünsfelder Ölmühle, die Naturata Logistik

eG sowie die Produzenten von Getreidekaffee,

Schokolade, Gemüsebrühe,

Nudeln und Asia-Saucen sowie die Verarbeiter

der Trockenfrüchte. Außerdem

gab es für Partnerläden eine Getreideschulung.

Gelungener Auftakt

Die Eröffnung der neuen BNN-Geschäftsstelle in Berlin

Die feierliche Eröffnung der neuen

Geschäftsstelle des BNN Herstellung

und Handel am 4. September

2006 war ein gelungener Auftakt

für die Verbandstätigkeit in der

Hauptstadt. Die frisch bezogenen

Altbauräume waren gut gefüllt mit

über 120 Gästen, darunter prominente

Vertreter der Naturkostbranche,

von Verbänden und Institutionen

aus den Bereichen Ernährung,

Agrar und Umwelt sowie aus der

Politik.

BNN-Vorstandsmitglied Volker Krause

(siehe Foto oben links), Geschäftsführer

der Bohlsener Mühle, begrüßte die Geladenen

und erinnerte daran, dass das

erfreulich stabile Umsatzwachstum in

der Naturkostbranche auch einige Gefahren

berge, insbesondere die Verlagerung

des Ökolandbaus in andere

Länder, den ruinösen Preiskampf durch

den Bio-Einstieg der Discounter und die

Neben der geistigen Nahrung sorgten Verkostungen

für das leibliche Wohl. Besonders

beliebt war der Schokobrunnen.

Mehrmals täglich gab es Mühlenführungen

und Führungen durch die Produktionsstätten.

Ein Mühlenfest am Samstagabend und ein

Jazz-Frühstück am folgenden Morgen

rundeten das Jubiläumswochenende gelungen

ab und boten den rund 250 Besuchern

gute Unterhaltung und spannende

Information.

Annette Mörler

Verbreitung der Agro-Gentechnik. Als

zentrale Herausforderungen für die politische

Arbeit des BNN Herstellung und

Handel e.V. in den kommenden Jahren

nannte Volker Krause daher die Novellierung

der EU-Öko-Verordnung, das

geplante neue deutsche Gentechnikgesetz

und die Sicherung der hohen

Qualität von Bioprodukten.

In dem Grußwort des Regierenden Bürgermeisters

von Berlin, Klaus Wowereit,

das BNN-Geschäftsführerin Elke

Röder verlas, heißt es: »Ich bin sicher,

dass Sie den Umzug vom Rhein an die

Spree nicht bereuen. Sie teilen den

Standort Berlin mit vielen anderen Vereinen

und Interessenverbänden, Sie

sind in das Zentrum politischer Entscheidungen

gezogen. Sie finden hier

kurze Wege zu all jenen, die sich mit

dem Lebensmittelhandel, mit Naturkost

und Naturwaren befassen.«

BNN-Nachrichten Naturkosthandel Dezember 2006 06


Viele Gäste, gute Stimmung und anregende Gespräche: Gelungener Empfang des BNN in Berlin

Bei Bio-Fingerfood und Gitarrenmusik

gab es anschließend viele Gelegenheiten

zum Gespräch und zum Kennenlernen

für die Gäste.

Der erfolgreiche Empfang war eine schöne

Belohnung für das Schwitzen beim

Umzug vom Rhein an die Spree im Jahrhundertsommer.

Das Geschäftsstellen-

Team hat sich in der neuen Wirkungsstätte

bereits bestens eingelebt.


Aus den Mitgliedsunternehmen

Neues in Kürze...

Bodan-Hausmesse gut besucht: – 500

Gäste folgten der Einladung des Regionalgroßhändlers

am 5. November an den

Bodensee und sorgten für eine volle Messehalle,

gute Stimmung und zufriedene

Gesichter bei Ausstellern und Veranstaltern.

Ein Rahmenprogramm mit Vorträgen

und Exkursionen zum Neubau des

Unternehmens ergänzte das Messegeschäft.

Ein besonderer Service war die

kostenlose Bio-Verpflegung für alle Teilnehmer.

Die Bodan-Hausmesse bildete mit ihrem

späten Termin auch in diesem Jahr wieder

den Abschluss einer langen Messe-Tournee

für viele Aussteller. Die Messehalle in

Radolfzell bot Platz für 92 Naturkost- und

Naturwarenlieferanten. Dennoch konnten

nicht alle Interessenten teilnehmen,

bedauerte Organisator Andreas Schur.

Absagen wird es 2007 nicht mehr geben

müssen, denn die Messehalle erhält durch

einen Anbau 500 Quadratmeter mehr

Ausstellungsfläche. Auch der neue Termin

steht bereits fest: 4. November 2007.

Naturkostgroßhändler Kornkraft Hosüne

startete sein »Fit für Bio«-Weiterbildungsangebot

im Herbst 2006 mit einem neuen

Seminar für Bio-Einsteiger, der »Bio-

Woche«. Dieses Seminarangebot ist speziell

auf Neueinsteiger in die Naturkostbranche

(wie Auszubildende oder neue

Mitarbeiter von Naturkostunternehmen)

zugeschnitten, um diese in kurzer Zeit mit

kompaktem Bio-Grundlagenwissen fit für

ihren Einsatz im Unternehmen zu machen.

Vom 16. bis 20. Oktober fand die erste

»Bio-Woche« in Huntlosen statt. Die 17

Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhielten

einen Überblick über wichtige Themen

der Naturkostbranche, beispielsweise

die Methoden des ökologischen

Landbau, die Verarbeitung biologischer

Lebensmittel, über Richtlinien und Kontrolle

in Erzeugung und Verarbeitung,

über Gentechnik und Fair Trade. Seminarleiter

Leo Gärtner von der Bio-Akademie

vermittelte den Branchenneulingen

darüber hinaus, wie man erfolgreich Kundengespräche

führt und die Vorteile von

Bioprodukten kommuniziert. Mit Exkursionen

in Erzeuger- und Verarbeiterbetriebe

wurde die Theorie um anschauliche

Praxisbeispiele ergänzt. Den Abschluss

bildeten schriftliche Tests, die ein

Feedback über das Gelernte gaben und

das Wissen sichern halfen. Die nächste

Bio-Woche wird vom 26. bis 30. März

2007 auf dem Bauckhof in Amelinghausen

stattfinden. Anmeldung unter:

www.kornkraft.com.

Das Seminarprogramm von Kornkraft

sieht für das Frühjahr 2007 weitere Veranstaltungen

zu folgenden Themen (Referent/in

in Klammern) vor: Glutenfreie

und milchfreie Ernährung (Claudia Colantoni),

Controlling (Klaus Braun), Brot-

Profil für den Laden (Anke Kähler), Naturkosmetik

(Hedda Lösche), Käsehandling

und Präsentation (Leo Gärtner),

Durchblick im Naturkosthandel (Leo Gärtner),

Ätherische Öle - Frühjahrssortiment

(Andreas Höpting), Warenkunde Öle (Judith

Moog) sowie Herstellerbesuche bei

Davert, Söbbeke und Pinkus. Termine und

Anmeldung: Tel: 04487/921130 oder per

E-Mail: fit-fuer-bio@kornkraft.com

Wechsel in Geschäftsführung bei Ökoland

GmbH Nord: Ab dem 1.1.2007

treten die beiden Gesellschafter Torsten

Hoffmann und Patrik Müller die Nachfolge

von Joachim Grunwald in der Geschäftsführung

der niedersächsischen Vertriebsgesellschaft

für ökologische Lebensmittel

an. Torsten Hoffmann wird

den Bereich Einkauf, Patrik Müller den

Vertrieb führen und beide zusammen die

Gesamt-Organisation. Joachim Grunwald

tritt zum 31.12.2006 als Geschäftsführer

zurück.

»Tag der offenen Tür« am 23. und 24.

September 2006 bei Naturkost Elkershausen:

Zum dritten Mal lud der regionale

Großhandel seine Kunden und Lieferanten

zum »Tag der offenen Tür« auf

das Firmengelände ein. Bereits am Samstagnachmittag

begann das Programm

mit Vorträgen, Betriebsführungen und einem

Fußballspiel der Elkershäuser »Bio-

Kicker« gegen »Holland« (holländische

Lieferanten). Alles bei strahlendem Sonnenschein

- und die Fußballer von Elkershausen

gewannen 9:1. Am Abend folgte

eine Party mit Sektempfang und Bio-Dinner.

Geschäftsführer Hermann Heldberg

dankte den Kunden, Lieferanten und Mitarbeitern

für die gute Zusammenarbeit

und das gemeinsame Engagement für die

Stärkung des Naturkostfachhandels. Er

betonte, dass der Fachhandel eine gute

Chance habe, sich mit seinen Qualitäten

im Bereich der Frische, der Premium-Produkte

und mit kompetenter Beratung zu

behaupten.

Am Sonntag präsentierten sich 80 Aussteller

mit ihren Produkten und Neuheiten

in den umfunktionierten Lagerhallen

des Großhandels. Hunderte von Kunden

besuchten die Messe, um sich zu informieren

und auszutauschen.

Fuhrpark im Blick: Der regionale Naturkostgroßhandel

Elkershausen wirbt ab

Herbst 2006 auf einigen Fahrzeugen seiner

LKW-Flotte für seine Lieferanten. Die

ersten neuen LKW fahren für die nächsten

Jahre Werbung im großen Stil für

Ökoland und die Bohlsener Mühle (siehe

Foto). Weitere Werbe-Flächen für Söbbeke

und Voelkel sind in Arbeit. Die ersten

Laster sind den niedersächsischen Herstellern

vorbehalten, denn Niedersachsen

ist das Hauptliefergebiet von Naturkost

Elkershausen.

Die ÖMA Beer GmbH veranstaltete am

27./28. Oktober 2006 in Wolfegg im Allgäu

ein Diskussionsforum zu aktuellen

Fragen der Bio-Milchvermarktung. Vertreter

von mehr als 50 in- und ausländischen

Molkereien, Hofkäsereien und mittelständischen

Verarbeitungsunternehmen

BNN-Nachrichten Naturkosthandel Dezember 2006 08


trafen sich, um gemeinsam Zukunftsstrategien

für eine nachhaltige Sicherung der

ökologischen Milchwirtschaft zu erarbeiten.

»Wir wollen und müssen den Fachhandelsmarkt

gemeinsam aktiv gestalten,

wenn wir die Bedürfnisse des Marktes treffen

und unsere Marktführerschaft weiter

ausbauen wollen«, betonte ÖMA-Geschäftsführer

Michael Welte zu Beginn

der Veranstaltung. Zentrale Themen der

Diskussion waren die Milchpreisentwicklung,

die Sicherung der gentechnikfreien

Erzeugung und die Entwicklung eines

modernen Qualitätsbegriffs vor dem Hintergrund

veränderter Verbrauchererwartungen

und steigender Anforderungen

aus dem Handel.

In Workshops – unter Mitwirkung externer

Fachleute wie Prof. Dr. Halvor Jochimsen

(Finanzexperte der Landwirtschaftskammer

Schleswig-Holstein), Dr. Rainer

Oppermann (Bundesforschungsanstalt für

Landwirtschaft) und Christoph Spahn

(bioVista) – wurden Lösungsansätze und

Strategien erarbeitet, die im Anschluss

des Treffens ausgebaut und umgesetzt

werden sollen.

Nach dem gut besuchten Auftakt plant

die ÖMA eine Folgeveranstaltung im

kommenden Jahr.

Im Anschluss an die sehr gut besuchte Publikumsmesse,

dem ersten Freiburger

Bio-Marktplatz, am 13. November im

Stadthotel Freiburg, fand das erste Freiburger

Bio-Gastro-Forum statt. Die ehemalige

Bundeslandwirtschaftsministerin

Renate Künast, Fraktionsvorsitzende von

Bündnis 90/Die Grünen beglückwünschte

in ihrer Eröffnungsrede das Stadthotel

zur erfolgreichen 100-prozentigen Umstellung

auf Bio-Speisen und ermutigte

die teilnehmenden 110 Hoteliers und Gastronomen

mit einzelnen Bio-Angeboten

09 BNN-Nachrichten Naturkosthandel Dezember 2006

den Einstieg in die Bio-Gastronomie zu

beginnen. Im Rahmen der Fachtagung

wurden die Produktionsweisen im Bio-

Landbau, erfolgreiche gastronomische

Praxisbeispiele, der Weg der Bio-Zertifizierung

an Hand des Freiburger Stadthotel

und Grundlagen der gesunden Ernährung

dargestellt. Als kompetenter

Partner der Hotellerie mit über 30-jähriger

Erfahrung präsentierte der Bio-

Großhandel Rinklin Naturkost die Leistungsfähigkeit

des Bio-Marktes mit

6000 vorrätigen Produkten. Auf dem Foto

ganz rechts Wilhelm Rinklin (Rinklin

Naturkost), links daneben Hotel-Küchenchef

Christian Weber, Renate Künast u.

Hotelier Christian Schmidt.

Dank sehr guter Auftragslage und guter

Geschäftsprognosen hat die Ulrich Walter

GmbH/Lebensbaum aus Diepholz

die Produktionskapazitäten im Bereich

Teeabfüllung ausgebaut. Im Oktober

2006 wurden zwei neue Teebeutelmaschinen

in Betrieb genommen, die zusammen

100.000 Teebeutel pro Tag fertigen

können (Foto: Produktionsleiter

Jörg Neuke (ganz rechts) drückt den

Startknopf der neuen Teemaschinen).

Für die Betreuung und Arbeit an den Maschinen

sind vier neue Mitarbeiter eingestellt

worden. Damit erhöhte sich die Zahl

der Angestellten beim Diepholzer Naturkosthersteller

auf über 80.

Auszeichnung: Am 21. November erhielt

die Ulrich Walter GmbH im Rahmen

des Bremer Umweltpreises Nordwest

2006 den Partnerschaftspreis. Gründer

und Geschäftsführer Ulrich Walter nahm

den Preis aus den Händen des Bremer

Umweltsenators Ronald-Mike Neumeyer

entgegen. - Die Jury lobte vor allem das

innovative Gesamtkonzept des unternehmerischen

Umweltschutzes. »Das Natur-

kostunternehmen zeigt, dass es möglich

ist, entlang der gesamten Wertschöpfungskette

Verantwortung für Mensch

und Natur zu übernehmen«, erklärt Laudator

Prof. Dr. Uwe Schneidewind, Präsident

der Universität Oldenburg, die Entscheidung

der Juroren.

Ausgezeichnet: Die Jury des diesjährigen

»Best of Bio Award« vergab am 8. November

2006 gleich drei Auszeichnungen

an den niedersächsischen Naturkostsaft-

Hersteller Voelkel. Der bio-dynamische

Demeter Orangensaft, der Bio Apfel-

Mango-Saft und der Bio Sirup Himbeere

aus dem Hause Voelkel überzeugten die

Jury als »Best of Bio – Juice 2006« in den

Kategorien Orangensaft, Mischsaft und

Fruchtsirup.

»Wir verleihen den ‚Best of Bio Award’ an

ökologische Spitzenprodukte«, erklärt

Ludwig Gruber, Projektleiter der Bio-Hotels.

Im Jahr 2004 galt das Augenmerk

dem Wein, 2005 der Schokolade und in

diesem Jahr dem Bio-Saft. 14 Bewerber

hatten für den Saftpreis der Bio-Hotels

99 verschiedene Frucht- und Gemüsesäfte

zur Beurteilung eingereicht. In 13 Kategorien

von Apfelsaft über Gemüsesaft

bis Fruchtsirup wurde jeweils die Auszeichnung

»Best of Bio – Juice 2006« verliehen.

Bewertet wurden Aroma, Geschmack

und Gesamteindruck. Zur Jury

gehörten neun Food & Beverage Experten,

Sensoriker und Fachjournalisten.

Weitere Informationen unter: www.be

stofbio.info oder www.voelkeljuice.de

Wechsel in der Geschäftsführung: Nach

sechjähriger Geschäftsführungstätigkeit

in der Allos Walter Lang GmbH verlässt

Gernot Friemel das Unternehmen

zum Jahreswechsel. Bereits Mitte Oktober

hatte er den Vorsitz der Geschäftsführung

der beiden Firmen Allos Walter

Lang GmbH und Tartex + Dr. Ritter GmbH

an seinen Nachfolger Frank von Glan

übergeben und seine Tätigkeit auf die Beratung

der Geschäftsführung beschränkt.

Frank von Glan war bislang in führender

Position eines internatonalen Unternehmens

der Lebensmittelbranche (Kraft Foods)

tätig.

Marion Schlage


QUALITÄT

Kummer mit Cumarin

Maßvoller Genuss von zimthaltigen Lebensmitteln

bleibt unbedenklich

Noch wenige Tage bis Weihnachten

– und niemand muss auf Zimtgebäck

und Glühwein verzichten! Auch

wenn der natürliche Zimt-Inhaltsstoff

Cumarin seit Wochen durch die

Medien geistert: Cumarin kommt

natürlicherweise in vielen Pflanzen

vor - und das nicht erst seit diesem

Jahr. Wer Zimtgebäck nicht täglich

und tütenweise verzehrt, kann beruhigt

weiter naschen.

In Deutschland haben in diesem Jahr

Kontrollen der amtlichen Lebensmittelüberwachung

gezeigt, dass in einigen

Zimtprodukten die in der EU-Aromenverordnung

festgelegte Höchstmenge von

2 Milligramm Cumarin pro Kilogramm Lebensmittel

überschritten wird. Seitdem

berichten die Medien regelmäßig über

Zimt, der seit Jahrtausenden in kleinen

Mengen als Gewürz verwendet wird, ohne

dass je Nebenwirkungen bekannt geworden

sind.

In China war Zimt schon vor über 4.500

Jahren beliebt und zählt damit zu den ältesten

Gewürzen der Welt. Die Griechen

und Römer kannten Zimt unter anderem

als Weingewürz. In Europa wurde das Gewürz

allerdings erst im 14. Jahrhundert

bekannt, bald auch in der beliebten Kombination

als »Zimt und Zucker« für Kompott

und Milchspeisen. Größere Zimtmengen

finden sich heute nur in einzelnen

Lebensmitteln wie Zimtgebäck,

das bis zu ein Prozent Zimt enthalten

kann. Auch Kaugummis, Cola-Getränke,

Liköre, Teemischungen und Glühwein

werden zum Teil mit Zimt aromatisiert.

Der Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland

Zimtsorten im Handel: links Ceylon-, rechts Cassia-Zimt

liegt nach Angaben des Fachverbandes der

Gewürzindustrie derzeit bei 34 Gramm

Zimt jährlich - also im Durchschnitt bei weniger

als 0,1 Gramm am Tag.

Aus der medizinischen Forschung ist seit

längerem bekannt, dass Cumarin in isolierter

Form zu einer Erhöhung der Leberenzyme

im Blut führen kann, in Einzelfällen

auch zu einer Leberentzündung. Im

Alltag sind Beeinträchtigungen aber nur

zu erwarten, wenn empfindliche Personen

über einen langen Zeitraum in großen

Mengen Zimtprodukte verzehren. Die

möglichen Symptome klingen beim Verzicht

auf cumarinhaltige Produkte zudem

vollständig wieder ab. Experten schätzen,

dass nur fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung

empfindlich reagieren. Es gibt keine

Beweise, dass Cumarin beim Menschen

krebserregend wirkt. Auch der

Verdacht, der Stoff könnte das Erbgut

schädigen, ist mittlerweile entkräftet.

Verzehrsempfehlungen

orientieren sich an

empfindlichen Personen

Wegen der Gesundheitsrisiken hat die

Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit

(EFSA) die tolerierbare tägliche

Aufnahmemenge (TDI-Wert) für Cumarin

berechnet und einen Richtwert von

0,1 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht

festgelegt. Diese Menge kann

auch ein empfindlicher Mensch theoretisch

täglich und ein Leben lang ohne gesundheitsschädliche

Wirkung verzehren.

Bei einem 15 Kilogramm schweren Kleinkind

beträgt die unbedenkliche Menge

demnach 1,5 Milligramm Cumarin täg-

lich, bei einem 60 Kilogramm schweren

Erwachsenen 6 Milligramm. Nach Einschätzung

des Bundesinstituts für Risikobewertung

(BfR) wird dieser TDI-Wert

normalerweise nicht erreicht, kann aber

schnell überschritten werden, wenn ausnahmsweise

viel Zimtgebäck oder

Milchreis mit reichlich Zimt und Zucker

auf dem Speiseplan stehen. Das BfR sieht

darin zwar keinen Grund zur Besorgnis,

empfiehlt aber einige zimtfreie Tage im

Anschluss.

Als Reaktion auf die von der Lebensmittelüberwachung

entdeckten überhöhten

Cumarinwerte haben die deutschen Verbraucherschutzbehörden

im Oktober

2006 auf Grundlage des TDI-Werts vorläufige

Verzehrsempfehlungen berechnet,

nach denen Kleinkinder zum Beispiel

nicht mehr als vier Zimtsterne am Tag

essen sollten (siehe Kasten auf S. 12). Dabei

wird davon ausgegangen, dass diese

Zimtsterne die höchste bisher gefundene

Menge an Cumarin enthalten.

Lebensmittelkontrolleure entnehmen derzeit

verstärkt Proben von zimthaltigen Lebensmitteln.

Stellen sie dabei eine Überschreitung

der auf Grundlage des TDI-

Wertes berechneten Eingriffswerte fest

(zum Beispiel 67 mg/kg für Zimtsterne),

sollen die betroffenen Lebensmittel vom

Markt genommen werden.

Cassia-Zimt nicht

einfach zu ersetzen

Einige Naturkost-Hersteller haben für ihre

zimthaltigen Produkte berechnet, in

welchen Mengen diese täglich und ein

BNN-Nachrichten Naturkosthandel Dezember 2006 10


Leben lang aufgenommen werden könnten,

ohne dass ein gesundheitliches Risiko

zu befürchten wäre. Dabei zeigte sich,

dass erst ein wenig realitätsnaher Konsum

(z. B. eine halbe Packung Allos-Mini-

Spekulatius für ein 15 Kilogramm schweres

Kind) kritisch werden könnte. Auch

für diese Berechnungen wurde der TDI-

Wert für Cumarin zugrunde gelegt.

Viele Hersteller von zimthaltigen Produkten

bemühen sich inzwischen, hohe Cumarin-Gehalte

zu senken. Dabei gibt es

jedoch einige Hindernisse zu überwinden:

So wird sich der üblicherweise verwendete

Cassia-Zimt nicht vollständig

durch den fast cumarinfreien Ceylon-

Zimt ersetzen lassen. Grund dafür ist jedoch

nicht – wie von foodwatch behauptet

- der höhere Preis von Ceylon-Zimt.

Vielmehr schmeckt Ceylon-Zimt etwas

herber und weniger aromatisch und vor

allem ungewohnt für die meisten Verbraucher.

Zudem lässt seine Backstabilität

zu wünschen übrig. Bei einem Austausch

der Zimtsorte wäre das Ergebnis eindeutig:

Der Zimtstern schmeckte nicht mehr

nach Zimtstern. Außerdem steht auch

nicht genügend Ceylon-Zimt auf dem

Weltmarkt zur Verfügung, denn Cassia-

Zimt macht rund 90 Prozent der Zimtproduktion

aus.

Für neue Rezepte, die beim Verbraucher

Anklang finden, müssen die Hersteller

noch kräftig experimentieren - mit weniger

Zimt, mit anderen Gewürzen wie Nelke

oder Anis und mit neuen Zimtmischungen.

Einigen ist das auch bereits

gelungen. Beispielsweise hat die Moin-

Biologische Backwaren GmbH bei ihren

»Franzbrötchen« den Cassia- durch Ceylonzimt

ersetzen können.

11 BNN-Nachrichten Naturkosthandel Dezember 2006

Für Cumarin in purem Zimt – also in Zimtpulver

oder Zimtstangen – gibt es übrigens

derzeit keine gesetzlichen Einschränkungen.

Bei der Weihnachtsbäckerei

in der eigenen Küche sollte jedoch

nicht zu großzügig mit dem Weihnachtsgewürz

umgegangen werden.

Der Bundesverband der Deutschen

Süßwarenindustrie (BDSI) sieht bei konventionellem

Ceylon-Zimt noch ein weiteres

Problem: Ein Teil sei geschwefelt

und damit in der EU nicht zugelassen.

Die Rückstände von Schwefeldioxid gehen

vermutlich auf den Einsatz von

Schwefelräucherstäbchen gegen Käferbefall

zurück – deren Einsatz im Bio-Bereich

jedoch verboten ist.

Forschungslücken: Ergebnisse

nur für isoliertes Cumarin

Heinz-Dieter Gasper und Ursula Stübner

vom Bio-Gewürzspezialisten Heuschrecke

geben in der Diskussion um Zimt zu bedenken,

dass für natürlich eingebundenes

Cumarin in Kräutern und Gewürzen

bisher Forschungsergebnisse fehlen. Untersuchungen

werden in der Regel nur

mit synthetischen oder isolierten chemischen

Stoffen an Tieren durchgeführt.

Dass Einzelsubstanzen oft ganz anders

wirken als Stoffe im natürlichen Verbund,

bestätigen auch Experten: »Toxische Wirkungen,

die in Tierexperimenten mit isoliert

verabreichten Lebensmittel-Inhaltsstoffen

beobachtet werden, müssen

nicht unbedingt in Art und Umfang bei

Aufnahme im Lebensmittel in gleicher

Weise auftreten«, heißt es in einem aktuellen

Bericht der Deutschen Forschungsgesellschaft

(DFG).

Isoliertes Cumarin darf Lebensmitteln in

der EU und in den USA übrigens nicht zugesetzt

werden. Anfang des 20. Jahrhunderts

galt der Aromastoff aufgrund

seines Vanille-ähnlichen Geschmacks

noch als billiger Ersatz für Vanille. Ausgangsstoff

war damals die Tonkabohne,

die größere Mengen Cumarin enthält.

Zimtkapseln gesundheitlich

bedenklich

In der Diskussion um Cumarin kamen lange

Zeit die Zimtkapseln zu kurz, die als

Nahrungsergänzungsmittel bisher noch

frei im Handel erhältlich sind und dazu

beitragen sollen, den Blutzuckergehalt

bei Diabetes zu senken. Mitte November

warnten dann BfR und Bundesinstitut für

Arzneimittel und Medizinprodukte

(BfArM) gemeinsam vor der Einnahme

dieser Kapseln – wegen des hohen Gehalts

an Cumarin im Gramm-Bereich,

aber auch wegen der nicht belegten Wirkung

sowie möglicher Nebenwirkungen.

Auch die Deutsche Diabetesgesellschaft

(DDG) rät von der Einnahme von Zimtpräparaten

ab.

Nach Auskunft des BfArM sind zimthaltige

diätetische Lebensmittel zur Senkung

des Blutzuckers inzwischen auch vor Gericht

als Arzneimittel eingestuft worden.

Sie seien damit als Lebensmittel nicht verkehrsfähig.

Vor einer Zulassung als Arzneimittel

müssten die Anbieter zunächst

Wirksamkeitsnachweise erbringen und

die Nebenwirkungen erfassen.

Auch in Kosmetik-Produkten darf Cumarin

als Duftstoff eingesetzt werden, muss

jedoch ab einer bestimmten Menge deklariert

sein. Für empfindliche Personen

ist es daher wichtig zu wissen, dass Cumarin

auch über die Haut aufgenommen

wird.


All Ding sind Gift und nichts

ohn Gift; allein die Dosis macht,

dass ein Ding kein Gift ist.

(Paracelsus)

Grundsätzlich gilt: Kein Lebensmittel

kann von jedem Menschen gefahrlos gegessen

werden – ein gewisses Maß an

Selbstverantwortung ist immer erforderlich.

Ansonsten dürften nur noch salzar-

Vorläufige Verzehrsempfehlung für Zimtprodukte von Bund und Ländern

Kinder (15 kg) pro Tag:

• 4 Zimtsterne oder • 1 Lebkuchen à 30 g oder • 2 Müsliriegel à 35 g oder

• Fertigmüsli oder Getreidechips mit Zimt 75g

Erwachsene (60 kg) pro Tag:

• 8 Zimtsterne oder • 2 Lebkuchen à 30 g oder • 2 Müsliriegel à 35 g oder

• Fertigmüsli oder Getreidechips mit Zimt 100 g

Wichtiger Hinweis:

Da durch den Verzehr weiterer zimthaltiger Lebensmittel (Joghurt, Tee, Glühwein etc.)

versehentlich doch zu viel Cumarin aufgenommen werden kann, sollten die Verzehrsempfehlungen

sicherheitshalber nicht täglich ausgeschöpft werden.

Ceylon-Zimt und Cassia-Zimt

Das Pulver beider Zimtarten sieht sehr ähnlich aus. In der Regel wird einfach »Zimt«

deklariert. Im Naturkosthandel gibt es jedoch auch Produkte, auf denen die jeweils

eingesetzte Zimtsorte genannt ist. Für Zimtstangen wird bei Cassia-Zimt eine relativ

dicke Rindenschicht eingerollt (auf dem Foto rechts). Eine Ceylon-Zimt-Stange ähnelt

dagegen im Querschnitt einer angeschnittenen Zigarre, da mehrere feine Rindenlagen

zu einer Zimtstange gerollt werden (auf dem Foto links).

me, zuckerfreie, laktose- und glutenfreie

Produkte verkauft werden – und letztlich

auch diese nicht, denn bekanntlich wird

jedes Ding zum Gift, wenn man zu viel

davon zu sich nimmt.

Auf Spurensuche

Ein Jahr nach Änderung der Allergenkennzeichnung

Seit einem Jahr ist die neue EU-

Kennzeichnungsregelung für allergieauslösende

Zutaten in Lebensmitteln

verbindlich und muss in die

Praxis umgesetzt werden. Zeit für

eine Zwischenbilanz aus Sicht der

Naturkostbranche: Gab es Hindernisse

bei der Umsetzung der EU-

Richtlinie im Naturkostbereich? Wie

handhaben Bio-Betriebe die Kennzeichnung

von Allergenspuren? Gibt

es neue gesetzliche Anforderungen

an die Allergenkennzeichnung? Und

schließlich: Profitieren Allergiker von

den neuen Kennzeichnungsregeln?

Ein immer größerer Prozentsatz der europäischen

Bevölkerung leidet unter All-

ergien, die mitunter schwerwiegende gesundheitliche

Probleme verursachen.

Aber noch längst sind die Wirkmechanismen

allergener Substanzen nicht endgültig

geklärt und für viele Stoffe müssen

erst noch optimale Nachweisverfahren

gefunden werden. Aus diesen Gründen

enthält die EU-Richtlinie 2003/89/EG zur

Allergenkennzeichnung den ausdrücklichen

Hinweis, dass die Listen der kennzeichnungspflichtigen

und von der Kennzeichnung

ausgenommenen Substanzen

regelmäßig überprüft und aktualisiert

werden sollen. Ein Jahr nach Inkrafttreten

ist die Allergenkennzeichnungs-Richtlinie

(http://eurlex.europa.eu/LexUriServ/si

te/de/oj/2003/l_308/l_30820031125de

00150018.pdf) jedoch noch unverändert.

Katja Niedzwezky

Biobranche gut vorbereitet

Die Umsetzung der EU-Richtlinie zur Allergenkennzeichnung

hat innerhalb der

Naturkostbranche nur geringe Probleme

verursacht, denn ein Großteil der Hersteller

deklariert die Zutaten seiner Produkte

schon seit einigen Jahren vollständig. Diese

Volldeklaration geht weit über die gesetzlichen

Anforderungen hinaus, da jede

Zutat, egal in welcher Menge sie zum

Produkt hinzu gegeben wird, im Zutatenverzeichnis

aufgelistet wird. Für die meisten

Naturkostunternehmen hat sich

folglich mit Inkrafttreten der Richtlinie

nichts an der Zutatenkennzeichnung geändert.

Der Volldeklarationsbeschluss des

BNN Herstellung und Handel gibt den Na-

BNN-Nachrichten Naturkosthandel Dezember 2006 12


turkostherstellern eine klare Orientierung

bei der Zutatendeklaration und ist im Internet

abrufbar unter www.n-bnn.de/

seiten/herstellung_gh/download/downloads_fs.htm.

Kennzeichnung

von Allergenspuren

Eine besondere Herausforderung ist die

Kennzeichnung von Allergenspuren, die

während der Herstellung unbeabsichtigt

in ein Lebensmittel gelangen können. Einerseits

existieren aktuell keine gesetzlichen

Vorgaben zur Kennzeichnung solcher

Beimischungen, andererseits muss

der Lebensmittelhersteller unter Umständen

dafür haften, wenn ein Konsument

durch sein Produkt Schaden erleidet. Ab

welchem Schwellenwert ein bestimmtes

Allergen als unbedenklich gilt, ist zurzeit

ebenfalls nicht geklärt. Verschiedene Allergologen

fordern eine Kennzeichnungsgrenze

ab zehn Milligramm pro Kilogramm

Lebensmittel. Allergene lassen

sich in zusammengesetzten und verarbeiteten

Lebensmitteln nur sehr schwer und

mittels hoch empfindlicher und spezifischer

Analytik (ELISA- und PCR-Tests,

siehe Kasten) nachweisen. Dabei entstehen

pro Analyse Kosten von 90 bis

250 Euro.

Im ELISA-Test (Enzyme Linked Immunosorbent

Assay) werden mit Hilfe von

hochspezifischen Antikörpern und Enzymen

Eiweißbestandteile beispielsweise in

einem Lebensmittel nachgewiesen. Es handelt

sich um einen immunologischen Test.

Mit Hilfe des PCR-Tests (Polymerase-

Kettenreaktion) lässt sich die DNA einer

Substanz selbst in hoch verarbeiteten und

erhitzten Lebensmitteln nachweisen.

13 BNN-Nachrichten Naturkosthandel Dezember 2006

Hohes Allergie-Potential: Viele Menschen reagieren mittlerweile allergisch auf Nüsse und Saaten

Beide Tests haben verschiedene Vorzüge

und stimmen in ihren Ergebnissen relativ

gut überein.

Die Spurenproblematik

Da Allergenspuren für Allergiker ein unkalkulierbares

Risiko darstellen, verwenden

viele Hersteller auf ihren Produkten

pauschal den Hinweis »Kann Spuren von

… enthalten.« Ein so gekennzeichnetes

Lebensmittel kann Spuren des Allergens

enthalten, muss es aber nicht. Andererseits

kann sich der Verbraucher nicht darauf

verlassen, dass ein Lebensmittel ohne

Warnhinweis frei von unbeabsichtigten

Verunreinigungen ist. Um den Betroffenen

eine größtmögliche Sicherheit zu bieten

und dennoch die Auswahl »erlaubter«,

das heißt allergenfreier Lebensmittel

nicht unnötig durch allgemeine Warnhinweise

einzuschränken, ist für lebensmittelverarbeitende

Unternehmen ein Allergen-Management

sehr zu empfehlen.

Ziel dabei ist zum einen die Vermeidung

zufälliger Verunreinigungen im Herstellungsprozess,

zum anderen die Überprüfung

der Maßnahmen durch regelmäßige

Spuren-Analysen.

Beispiele aus der Naturkostbranche zeigen

deutlich, dass die Unternehmen großen

Aufwand betreiben, um Allergenspuren

nur im Bedarfsfall deklarieren zu

müssen. Naturkosthersteller Allos beispielsweise

hat seit einigen Jahren ein

Allergen-Management eingeführt. »Wir

führen unter Einschluss unserer Rohwaren,

Rezepturen und Produktion eine Risikobewertung

durch. Der gesamte Prozess

wird schriftlich dokumentiert und

unter Einbezug des HACCP Konzepts bewertet.

Nach dieser Prüfung steht fest,

welche Allergene deklariert werden müssen.

»Dazu ist es notwendig, eine gute Kommunikation

mit den Rohwarenlieferanten

zu pflegen und deren Prozesse zu kennen«,

erläutert Kirsten Herzog, Leiterin

der Qualitätssicherung bei Allos.

In einigen Produktionsbereichen bei Allos

werden weder Erdnüsse noch Soja verarbeitet.

Somit werden Kreuzkontaminationen

mit Stoffen, die ein sehr hohes Allergiepotential

besitzen, vermieden. Das

Unternehmen kann für die so verarbeiteten

Produkte garantieren, dass diese soja-

und erdnussfrei sind.

Um von vornherein Kreuzkontaminationen

zu vermeiden, werden die Produktionsanlagen

der Bohlsener Mühle bei einem

Produktwechsel besonders gründlich

gereinigt. Außerdem lässt das Unternehmen

seine Produkte zurzeit verstärkt

auf Allergenspuren analysieren, damit

schon bald eine einheitliche und aussagekräftige

Spurenkennzeichnung möglich

wird. Bisher finden Verbraucher auf

den Produkten mit der lachenden Sonne

aus Bohlsen keine Hinweise auf Allergenspuren.

Britta Zänkert, Leiterin Qualitätssicherung

bei der Bohlsener Mühle, sieht

zusätzlich die Gesetzgebung gefordert,

exakte Grenzwerte für die Deklaration

von Allergenspuren vorzugeben. Nur so könne

Allergikern wirklich geholfen werden.

Die Davert GmbH, die hauptsächlich

Getreide, Hülsenfrüchte, Ölsaaten und

Nüsse reinigt beziehungsweise abfüllt,

lässt seit mehreren Jahren stichprobenartig

und seit letztem Jahr verstärkt Analysen

auf Allergenspuren durchführen. Dabei

holt sich das Unternehmen Unterstützung

von erfahrenen Laboren und


Allergie-Experten. Sind im Mittel Spuren

eines Allergens nachweisbar, werden diese

als »kann Spuren von…enthalten« deklariert.

Sigrid Ahrens, Leiterin des Qualitätsmanagements,

betont: »Wir führen

risikoorientierte Analysen durch, um

nicht alle theoretisch möglichen Spuren

auf einem Produkt de- klarieren zu müssen.

Finden sich beispielsweise in einem

Kilogramm Reis, das den gleichen Weg

durch unsere Reinigungs- und Abfüllanlage

wie kurz zuvor Weizen genommen

hat, keine Spuren von Gluten, verzichten

wir auf einen Warnhinweis.« Dabei wird

das erste Produkt analysiert, das nach einem

Produktwechsel produziert wird. Um

Kreuzkontaminationen zu vermeiden,

zählen auch bei Davert verschiedene

Maßnahmen wie eine gründliche Reinigung

der Anlagen zum Standard.

Für kleinere Unternehmen mit vielen Zulieferbetrieben

ist es komplizierter, Informationen

zu Allergenspuren zu erhalten

und den Allergen-Eintrag zu kontrollieren.

Bei der Arche Naturprodukte GmbH,

einem Anbieter verschiedener internationaler

Würzmittel und Spezialitäten, klärt

beispielsweise die Qualitätssicherung potenziell

enthaltene Allergene mit den Lieferanten

ab. Außerdem werden gezielt

Analysen auf Allergenspuren veranlasst.

Auf der Basis dieser Vereinbarungen und

Kontrollen werden nicht auszuschließende

Allergene, die nicht in dem vollständigen

Zutatenverzeichnis zu finden sind,

deklariert. »Wir vermeiden pauschale

Warnhinweise, da diese dem Allergiker

keine echte Hilfe sind und häufig nur der

rechtlichen Absicherung eines Unternehmens

dienen«, so Ute Schulze von Arche

Naturprodukte.

ECARF-Siegel

Die Beispiele spiegeln das große Engagement

innerhalb der Naturkostbranche zur

eindeutigen Deklaration von Allergenspuren

wider. Unternehmen, die sich um

eine allergikerfreundliche Kennzeichnung

bemühen, haben die Möglichkeit,

dies mit einem Siegel der Europäischen

Stiftung für Allergieforschung (ECARF) zu

belegen. Dafür müssen Lebensmittelund

Kosmetikhersteller verschiedene Anforderungen

erfüllen, zu denen ein spezielles

Allergenmanagement, die erweiterte

Deklaration der Zutaten und regelmäßige

Kontrollen der Endprodukte auf

versteckte Allergene zählen. Seitens der

ECARF wird erwartet, dass im Endprodukt

weniger als 10 mg/kg versteckte

EU-Kommission legt neuen Pestizidreport vor

Jede zwölfte EU-Probe über dem Grenzwert

Im November hat die EU-Kommission

ihren Pestizidreport (Monitoring

of Pesticide Residues in Products of

Plant Origin in the European Union,

Norway Iceland and Liechtenstein

2004) für das Jahr 2004 herausgebracht.

Unerfreuliches Ergebnis des neuen Reports:

61 Prozent des in Deutschland ver-

kauften Obst und Gemüses enthielten

Pestizide, acht Prozent sogar über der gesetzlichen

Höchstmenge. Über ein Drittel

der Proben war mit drei und mehr Pflanzenschutzmitteln

belastet, immerhin zwei

Prozent sogar mit acht und mehr Wirkstoffen.

Dabei sind bis heute die gesundheitlichen

Folgen von Wechselwirkungen

verschiedener Chemikalien im Körper

nur unzureichend bekannt. Europaweit

Allergene enthalten sind. Hersteller erhalten

das ECARF-Siegel kostenlos für

Produkte, die die festgelegten Qualitätsanforderungen

in Bezug auf die Deklaration

von Nahrungsmittel-Inhaltsstoffen

erfüllen. Die Bedingungen für den Erhalt

des Siegels sind im Einzelnen auf der Homepage

der ECARF (http://allergy-foun

dation.info/Informationen.882+M520

87573ab0.0.html) nachzulesen. Der Verbreitungsgrad

des Siegels ist momentan

gering. Auch in der Naturkostbranche ist

das relativ junge Zeichen noch nicht populär.

Seehofers Allergieplan

Die Bundesregierung unternimmt ebenfalls

Anstrengungen, Allergikern den Einkauf

von Lebensmitteln zu erleichtern.

Bundesverbraucherminister Horst Seehofer

bereitet einen nationalen Allergieplan

vor, der durch Zusammenarbeit von Wissenschaftlern,

Gesetzgebung und Wirtschaft

Allergiker besser schützen und

informieren soll. Zum einen soll die Information

der Verbraucher durch Sammlung

und Veröffentlichung von Daten zu Allergenen

verbessert werden. Zum anderen

will das Bundesverbraucherministerium

prüfen, ob ein nationales Gesetz notwenig

ist, das die Kennzeichnungspflicht

oder das Verbot allergieauslösender

Stoffe vorsieht. Als dritten Punkt

will Seehofer die Wirtschaft stärker in

die Pflicht nehmen, allergene Stoffe in

Lebensmitteln zu vermeiden oder zu

kennzeichnen. Bislang gibt es neben der

Ankündigung vom Juli 2006 allerdings

noch keine Veröffentlichung, die etwas

über das Engagement zu den einzelnen

Punkten aussagt.

Cornelia Schönbrodt

wurden in rund 50 Prozent der Proben

Rückstände nachgewiesen, fünf Prozent

überschritten die gesetzlichen Höchstmengen.

Damit liegt Deutschland bei Pestizidfunden

in Obst und Gemüse über

dem euro-päischen Durchschnitt.

Bioprodukte sind dagegen in aller Regel

frei von Rückständen. Die im BNN-Monitoring

für Obst und Gemüse im Naturkost-

BNN-Nachrichten Naturkosthandel Dezember 2006 14


handel 2004 getesteten Produkte enthielten

in 87 Prozent der Fälle überhaupt

keine Pestizide. Im laufenden Jahr

waren dies sogar 89 Prozent. Noch erfreulicher:

2006 gab es noch keine Überschreitung

der gesetzlichen Höchstmengen.

Mehrfachrückstände sind bei Bioprodukten

die Ausnahme. Werden doch einmal

mehrere Pflanzenschutzmittel in

Bioobst oder -gemüse gefunden, ist dies

ein deutlicher Hinweis, dass möglicherweise

gegen die EU-Öko-Verordnung

verstoßen wurde.

Mit Bio auf der sicheren Seite

Insgesamt liegen die Rückstandswerte

bei Bio-Obst und Bio-Gemüse deutlich

niedriger als bei konventionellen Produkten.

So handelt es sich bei mehr als

der Hälfte der Proben mit einem nachgewiesenen

Wirkstoff lediglich um Spuren

im Bereich der Nachweisgrenze oder

im Ökolandbau zugelassene Mittel. Das

bedeutet, dass 95 Prozent der untersuchten

Muster nach den strengen Maßstäben

des BNN Herstellung und Handel

e. V. nicht zu beanstanden sind und das,

obwohl bei der Probennahme risikoorientiert

vorgegangen wird. Das bedeutet,

dass die »Sorgenkinder« des konventionellen

Anbaus wie Trauben, Salate,

Paprika und Zitrusfrüchte besonders

häufig für die Probennahme ausgewählt

werden.

Sorgenkind Weintraube –

nicht im Bioladen

Anschauliches Beispiel: Im Sommer und

Herbst wurden insgesamt 25 Mal Trauben

untersucht, dabei konnten nur in einer

einzigen Probe Spuren unterhalb

des BNN-Orientierungswertes nachgewiesen

werden. Zum Vergleich: Ökotest

untersuchte für die Septemberausgabe

18 Proben konventioneller Trauben: nur

vier waren völlig frei von Rückständen.

Drei Mal wurden sogar Höchstmengenüberschreitungen

festgestellt.

Kirsten Arp

15 BNN-Nachrichten Naturkosthandel Dezember 2006

Mehrfachrückstände im Vergleich

100%

50%

0%

9,3%

14,2%

13,7%

23,7%

39,1%

EU-Pestizidmonitoring

2004

BNN-Monitoring

2004

0,2%

2,6%

10,3%

86,8%

> = 5 Wirkstoffe

3 – 4 Wirkstoffe

2 Wirkstoffe

1 Wirkstoff

nicht nachweisbar

Pestizidrückstände bei Obst und Gemüse aus ökologischem Anbau 2006

Spuren unter oder gleich 0,01 mg/kg

5,4% (11 Proben)

Rückstände oberhalb des

des BNN-Orientierungswertes

4,9% (14 Proben)

Rückstände oberhalb der Rückstands-

Höchstmengenverordnung

0% (keine Probe)

Im Ökolandbau zugelassene

Pflanzenschutzmittel in zulässiger

Menge 0,5% (1 Probe)

Keine Pestizide nachweisbar

89,2% (182 Proben)

Untersuchungszeitraum: Januar bis September 2006

Anzahl der untersuchten Proben: 204 Produkte


Qualitätssicherung in der Naturkostbranche

Der BNN-Orientierungswert ist kein Grenzwert

Vor fünf Jahren hat der BNN Herstellung

und Handel ein Konzept zur

Qualitätssicherung entwickelt, mit

dessen Hilfe sich Verunreinigungen

aus der Umwelt abgrenzen lassen

von Rückständen, die auf Fehler im

Prozess oder sogar auf Betrug zurückzuführen

sein könnten. Teil dieses

Konzepts ist der BNN-Orientierungswert

für chemisch-synthetische

Pestizide. Wird dieser Wert überschritten,

ist das ein Hinweis auf

mögliche Fehler und erfordert gründliche

Recherchen, damit die Qualität

Schritt für Schritt weiter verbessert

werden kann.

Spätestens als Blei aus der Industrie und

aus Autoabgasen im Polareis nachgewiesen

war, wurde es zur Tatsache, dass

Rückstandsfreiheit auch bei pflanzlichen

Rohstoffen und Lebensmitteln

grundsätzlich nicht garantiert werden

kann. Die Bio-Landwirtschaft beispielsweise

muss sich in einer Umgebung

durchsetzen, in der Pestizide und andere

unerwünschte Stoffe zum Alltag

gehören – kein Bio-Produkt wird unter

einer Glasglocke produziert.

Das erkennt auch die EU-Öko-Verordnung

an, indem sie für Bio-Produkte

zwar eine ausgeklügelte Prozesskontrolle

festlegt, nicht jedoch eine »End-

kontrolle«. Bei der Produktion eines Bio-

Lebensmittels müssen die Erzeugungsund

Kontrollvorschriften der EU-Öko-

Verordnung eingehalten werden. Ein

Grenzwert für Kontaminationen jedweder

Art wird jedoch nicht genannt, denn

aufgrund der allgemeinen Umweltbelastung

kann man durch den analytischen

Nachweis einer Kontamination in einem

Bio-Produkt nicht zwingend auf eine

verbotene Anwendung des Stoffes

schließen. Genauso wenig dürfte aus

dem Nachweis von Blei im Polareis auf

einen regen Autoverkehr in der Arktis

geschlossen werden.

Andererseits wäre es kurzsichtig, die

Möglichkeiten, die die moderne Analytik

bietet, nicht zu nutzen. In diesem

Spannungsfeld hat sich der BNN Herstellung

und Handel bereits vor fünf

Jahren zur Formulierung eines Orientierungswerts

für chemisch-synthetische

Pflanzenschutz-, Schädlingsbekämpfungs-

und Vorratsschutzmittel entschieden.

Auslöser waren Betrugsfälle,

bei denen Ware mit deutlichen Pestizid-

Befunden als »Bio« gekennzeichnet

und vermarktet worden waren.

Das Überschreiten des BNN-Orientierungswerts

von 0,01 Milligramm Pestizid

pro Kilogramm Lebensmittel gibt

den Unternehmen auch einen Hinweis

Öko und fair?

Bewertungskriterien der Zeitschrift Öko-Test

in der Kritik

In der Oktober-Ausgabe der Zeitschrift

Öko-Test war in den klein gedruckten

Fußnoten eine Kröte für

die Biobranche versteckt: Erstmals

wurden in ein und demselben Test

verschiedene Maßstäbe an die Produkte

angelegt – und für Bio-Erzeugnisse

galten plötzlich strengere

als für den Rest der Welt. Das

absurde Ergebnis: Bio-Ware schneidet

mit deutlich geringeren Verunreinigungen

schlechter ab als konventionelle.

Kaum jemand wird dieses Messen mit

zweierlei Maß erkannt haben, denn die

Leserinnen und Leser von Test-Zeitschriften

nehmen vor allem die Gesamtnoten

wahr, seltener den gesamten Artikel,

noch viel seltener die Fußnoten. Der

Schaden für die ökologische Lebensmittelwirtschaft

wäre enorm, wenn bei Öko-

Test künftig alle Bioprodukte schlechter

abschnitten als die konventionellen, ohne

tatsächlich schlechter zu sein. Schlimmer

noch: Sogar Bio-Produkte, die faktisch

geringer mit Pestiziden belastet sind als

die konventionellen im selben Test, könn-

auf mögliche Fehler oder Schwachstellen

im Produktionsprozess, die im Rahmen

der vorgeschriebenen Prozesskontrolle

übersehen wurden. Eine Recherche

der Ursachen ist im Einzelfall unbedingt

angeraten, um Fehler zu erkennen

und vor allem auszuräumen, damit eine

kontinuierliche Qualitätsverbesserung

gewährleistet ist. Auch Erzeugnisse, die

den Orientierungswert nur unter Anrechnung

des analytischen Streubereichs

von 50 Prozent einhalten können, bedürfen

einer erhöhten Aufmerksamkeit.

Inzwischen hat sich der BNN-Orientierungswert

als Hilfsmittel bei der Einordnung

von Pestizid-Kontaminationen in

Bio-Produkten durchgesetzt. Er ist Bestandteil

der Produktspezifikationen vieler

Naturkost-Unternehmen und ein wesentlicher

Baustein der Einzelfallrecherchen

im Monitoring für Obst und Gemüse

des BNN Herstellung und Handel. Es

hat sich gezeigt, dass seine Anwendung

zusammen mit kompetenten Ursachenrecherchen

zur Qualitätsverbesserung

durch Fehlerbeseitigung führt.

Elke Röder / Katja Niedzwezky

Detaillierte Informationen zum BNN-

Orientierungswert: www.n-bnn.de/

seiten/service/orientierung_fs.htm

ten in der Bewertung schlechter dastehen.

Um eine für die Biobranche akzeptable

Lösung zu erreichen, hat der BNN

Herstellung und Handel e.V. nach Erscheinen

des der Oktober-Ausgabe Kontakt

zur Öko-Test-Chefredaktion aufgenommen.

Kurz zur Vorgeschichte: Auf der Suche

nach strengeren Beurteilungsmaßstäben

für Bio-Produkte hatte die Öko-Test-Redaktion

den BNN-Orientierungswert als

Grenzwert umgedeutet und sich entschlossen,

ihn für Bio-Produkte anzusetzen.

BNN-Nachrichten Naturkosthandel Dezember 2006 16


Ökotest-Chefredakteur Jürgen Stellpflug (2.v.re.; Elke Röder (Mitte) und Dr. Günter Lach, Mitglied des wiss. Beirates des BNN, rechts)

auf einer Veranstaltung des BNN zum Thema ‚Angemessene (Test-)Bewertung von Ökoprodukten’ im Mai 2005

In der Ausgabe 10/2006 wurden daher

für den Test »Erdbeerkonfitüre« Bewertungskriterien

formuliert, die dazu führten,

dass konventionelle Konfitüren mit einem

Rückstand von 10 bis 20 Prozent der gesetzlich

erlaubten Höchstmenge nur um

eine Stufe abgewertet wurden. Bio-Konfitüren

wurden dagegen bereits bei Erreichen

von 0,32 Prozent der gesetzlichen

Höchstmenge um zwei Stufen abgewertet.

Da Öko-Test nicht einmal die absoluten

Messwerte genannt hat, hätten selbst

besonders aufmerksame Verbraucher die

völlig unterschiedliche Dimension der

Rückstandshöhe nicht erkennen können.

Aus Sicht des BNN Herstellung und Handel

hat die Öko-Test-Redaktion gleich

mehrere Gebote der fairen Bewertung

missachtet:

1. Innerhalb ein und desselben Tests darf

man nicht mit zweierlei Maß messen.

2. Während die Höchstmengen-Verordnung

Grenzwerte definiert, bei deren

Überschreitung gesundheitliche Konsequenzen

denkbar sind, ist der BNN-Orientierungswert

im Spurenbereich angesiedelt.

Die beiden Werte sind also nicht

vergleichbar.

3. Der BNN-Orientierungswert ist Bestandteil

eines dynamischen Konzepts der Qualitätsverbesserung

und entfaltet dann

Wirkung, wenn eine Einzelfallrecherche

durchgeführt wird (siehe Artikel auf der

linken Seite). Er taugt aber nicht für eine

simple Gut-Schlecht-Bewertung.

4. Bei der Anwendung des BNN-Orientierungswert

hat Öko-Test zudem einen

Fehler gemacht: Der notwendige analytische

Streubereich, der die Varianzen zwischen

verschiedenen Laboren berücksichtigt,

wurde nicht beachtet.

17 BNN-Nachrichten Naturkosthandel Dezember 2006

Ein bisschen fair ist nicht genug

Erste Verbesserungen hat Öko-Test bereits

vorgenommen: In der folgenden

Ausgabe vom November 2006 führte das

Überschreiten des BNN-Orientierungswerts

im Test »Jetzt geh’n wir bei’n Aldi -

Rotwein vom Discounter« bei den Bioweinen

zwar weiterhin zur Abwertung,

allerdings in abgeschwächter Form: Weil

alle Weine Zwischennoten für »Inhaltsstoffe«,

»Sensorik« und »Weitere Mängel«

erhielten und Öko-Test erst daraus

die Gesamtnote errechnete, führte das

Überschreiten des BNN-Orientierungswerts

»nur« zur Abwertung um zwei Stufen

bei der Zwischennote für »Weitere

Mängel« – was wiederum zum Abzug

von »nur« einer Stufe bei der Gesamtnote

führte. Die Benachteiligung ist also

nicht mehr so gravierend wie beim

Fruchtaufstrich-Test, aus Sicht des BNN

Herstellung und Handel aber dennoch

nicht hinnehmbar. Der Verband wird sich

weiter für ein faires Bewertungsschema

einsetzen.

Erfreulich ist, dass Öko-Test im Discounterwein-Artikel

deutlich auf den Unterschied

zwischen amtlichen Höchstmengen

und BNN-Orientierungswert hinweist:

»Mit 0,01 Milligramm Rückstand pro Kilogramm

liegt er (der Orientierungswert)

sehr niedrig. (…) Die gesetzlichen Grenzwerte

der gefundenen Pestizidwirkstoffe

liegen zwischen ein und zehn Milligramm

pro Kilogramm, also hundert- bis tausendfach

höher als der Bio-Orientierungswert.

Rechtsverbindlich ist dieser Wert nicht.

Von einer Gesundheitsgefährdung braucht

man bei Mengen um die 0,01 mg/kg nicht

auszugehen.«

Dennoch bleiben Fragen: Wozu soll der

Versuch dienen, Bio-Produkte stark eingeschränkt

auf ein Qualitätsparameter –

nämlich Freiheit von Pestizid-Kontaminationen

– zu bewerten? Warum ausgerechnet

die Pestizidfreiheit als prominentes

Bewertungskriterium wählen, obwohl

auch der Biolandbau diese niemals versprechen

kann? Und warum dann ausgerechnet

bei diesem Parameter auch noch

strengere Maßstäbe an Bio-Produkte als

an konventionelle Produkte anlegen?

Bio hat viele Pluspunkte –

aber nicht für Öko-Test

Grundsätzlich verzichtet Öko-Test darauf,

die zahlreichen Pluspunkte von Bio zu bewerten:

Die Kunden kaufen zum Beispiel

mit einem Bio-Lebensmittel Zusatzleistungen

wie Klimaschutz, Gewässerschutz

und Artenschutz, sie erwerben ein

Produkt, bei dem auf schonende Weiterverarbeitung

der Rohstoffe geachtet und

auf die meisten Zusatzstoffe verzichtet

wird. Alle Untersuchungen – die der amtlichen

Lebensmittelwachung ebenso wie

das BNN-Monitoring - zeigen zudem,

dass Bio-Produkte signifikant geringer

mit Pestiziden belastet sind und Mehrfachbelastungen

die absolute Ausnahme

darstellen. All diese Leistungen begründen

den guten Ruf von Bio-Produkten

und verschaffen ihnen einen berechtigten

Wettbewerbsvorteil. Aber alle diese

Pluspunkte waren noch nie Bestandteil

der Bewertungen von Öko-Test, sondern

sie werden schlicht vorausgesetzt – aber

eben nicht bei konventionellen Produkten.

Elke Röder / Katja Niedzwezky


MARKT

Klassischer

Großhandelsumsatz

getrennt nach

Frisch und Trocken

1. – 3. Quartal 2006

2005

2006

Diagramm 1

Umsatzentwicklung Januar bis September 2006

BNN-Naturkostgroßhandel verzeichnet

weiterhin zweistellige Zuwächse

Die Umsatzentwicklung der Großhandelsmitglieder des BNN Herstellung

und Handel im ersten Dreivierteljahr 2006 bestätigt den Wachstumstrend

der vorangegangenen Quartale. Mit einem Wachstum von über 14 Prozent

entwickelt sich die Naturkostbranche zum wiederholten Male zweistellig -

sowohl im Trocken- als auch im Frischbereich.

Im Vergleich der Dreivierteljahresergebnisse 2005/2006 wurde in 2006 ein Gesamtumsatz

von 484,5 Millionen Euro erreicht. Im Entsprechungszeitraum 2005 waren es

423,4 Millionen Euro. Damit stieg der Gesamtumsatz um 14,4 Prozent (Diagramm 1).

Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es für den Vergleichszeitraum der ersten neun Monate

14,6 Prozent.

Erfreulicherweise stützt sich diese Entwicklung auf zweistellige Zuwächse in beiden

Sortimentsbereichen. Die Frische bleibt mit einem Umsatzzuwachs von 16,6 Prozent

in den ersten drei Quartalen (Vorjahreszeitraum: 17,4 Prozent) allerdings weiterhin die

verlässliche Basis. Das Wachstum des Gesamt-Frischumsatzes von 258,9 Millionen Euro

in den ersten drei Quartalen 2005 auf 301,5 Millionen Euro im ersten Dreivierteljahr

2006 ist ein hervorragendes Ergebnis. Der Frisch-Anteil am Gesamtumsatz im Naturkostgroßhandel

liegt aktuell bei gut 62 Prozent.

600.000.000

400.000.000

200.000.000

0

484.454.080

423.381.440

Aber auch im Bereich »Trocken« hat sich die positive Entwicklung weiter fortgesetzt.

Hier ist für den untersuchten Zeitraum ein Umsatzwachstum von 11,2 Prozent (Vorjahr:

10,7 Prozent) zu verzeichnen - von 164,5 auf respektable 182,9 Millionen Euro.

Vergleich der einzelnen Monate

+ 14,4%

301.508.450

258.893.950

+ 16,6%

Gesamt Frisch

164.487.490 182.945.630

Trocken

+ 11,2%

Das Geschäftsjahr 2006 entwickelt sich bisher über alle Monate hinweg positiv. Für alle

Monate sind Gesamtumsatzzuwächse zu verzeichnen - mit einstelligen Zuwächsen

im April, Juni und September und zweistelligen in den anderen Monaten. Die Monatsergebnisse

schwanken zwischen 6,51 Prozent im September und 23,1 Prozent im

Mai. Weist die Branchenentwicklung insgesamt eine gewisse Konstanz auf (Diagramm

2), so unterliegt die Umsatzentwicklung der einzelnen Monate erheblichen Schwankungen.

BNN-Nachrichten Naturkosthandel Dezember 2006 18


70.000.000

60.000.000

50.000.000

40.000.000

30.000.000

20.000.000

10.000.000

0

21,21%

16,34%

19,19%

7,57%

Die Sortimentsbereiche Frisch und Trocken entwickelten sich in allen Monaten positiv

und mehr oder weniger parallel (s. Diagramm 3). Im Frischbereich wurden in den ersten

neun Monaten Umsatzzuwächse zwischen 6,77 Prozent (September) und 25,56

Prozent (Mai) realisiert.

Mit 3,03 Prozent Zuwachs im April und 18,99 Prozent im Mai ist die Spannbreite der

Umsatzzuwächse im Bereich Trocken ebenfalls groß. Alle Umsatzzuwächse im Bereich

Trocken fallen allerdings geringer aus als im Bereich Frisch, - wenn auch teilweise nur

sehr knapp.

in Prozent

30

25

20

15

10

5

0

24,34%

19,09%

19,80%

Quartalsvergleiche

10,33%

25,56%

9,57%

19,34%

13,32%

Betrachten wir abschließend die ersten drei Quartale des Jahres 2006 im Vergleich (Diagramm

4): Die Zunahme des Gesamtumsatzes in den drei Quartalen im Vergleich zum

Vorjahreszeitraum schwankt zwischen 11,59 Prozent im dritten Quartal 2006 (Vorjahr:

13,4 Prozent im dritten Quartal) und 18,92 Prozent im ersten Quartal 2006 (Vorjahr:

15,8 Prozent im zweiten Quartal).

Im Frischbereich reduzieren sich die Umsatzzuwächse im Lauf der bisherigen drei

Quartale von 21 Prozent im ersten Vierteljahr (Vorjahr 18,9) auf 12,99 Prozent im dritten

(Vorjahr 15,3 Prozent). Im Trockenbereich setzt sich der positive Quartalstrend weiter

fort. Alle Quartale verzeichnen deutlich positive Entwicklungen zwischen 8,56 Prozent

(Vorjahr 8,6 Prozent) und 15,59 Prozent (Vorjahr13,2 Prozent).

19 BNN-Nachrichten Naturkosthandel Dezember 2006

6,77%

23,10%

16,18%

7,49%

12,00%

18,20%

16,61%

3,03%

18,99%

Frisch Trocken

12,26%

4,12%

12,36%

6,51%

10,71%

6,14%

Umsatzentwicklung

2005/2006 Gesamt

Januar Februar

März April

Mai Juni

Juli August

September Oktober

November Dezember

Umsatz 2005

Umsatz 2006

Diagramm 2

Relative Entwicklung der

Frisch- und Trockenumsatzzuwächse

im Monatsvergleich

der Jahre 2005 und 2006

Januar Februar

März April

Mai Juni

Juli August

September Oktober

November Dezember

Diagramm 3


Entwicklung von

Gesamt-, Frisch- und

Trockenumsatz in den

einzelnen Quartalen des

Jahres 2006 im Vergleich

zum Vorjahr

1. Quartal

2. Quartal

3. Quartal

Diagramm 4

Jeder Verursacher muss für Schäden haften

13.000 Luftballons gegen Verwässerung

des Gentechnik-Gesetzes

Jede fünfte Reisprobe in der EU enthält

Verunreinigungen von genmanipuliertem

Reis. Dieses beunruhigende

Ergebnis veröffentlichte die

EU-Kommission im September 2006.

Der Vorfall zeigte erneut, dass sich

gentechnisch veränderte Organismen

unkontrolliert verbreiten – und

dass Widerstand gegen die Agrogentechnik

und gegen eine Aufweichung

des Gentechnikgesetzes notwendig

ist.

25

20

15

10

5

0

Fazit

18,92%

12,63%

11,59%

Gesamt Frisch

Trocken

Die Umsätze in der Naturkostbranche haben sich in den ersten neun Monate des Jahres

2006 positiv entwickelt. Beide Sortimentsbereiche sind stabil und auf hohem Niveau

entwickelt. Ein zweistelliges Ergebnis für die Frische-Sortimente war zu erwarten

– und auch das bisherige Ergebnis im Trockenbereich kommt nicht überraschend,

wenn auch mit der Höhe nicht unbedingt zu rechnen war. Der bisherige Verlauf deutet

daraufhin, dass der Handel auch auf das gesamte Jahr bezogen mit einem zweistelligen

Gesamtergebnis abschließen wird.

Der Markt für Naturkost und Naturwaren verändert sich ständig. Die »heile« Welt der

Branche erhält zunehmend ernst zu nehmende Konkurrenz. Auf dem Weg zum visionären

»Naturkost für alle« der Branchenpioniere leisten sich inzwischen nahezu alle

Vermarktungsformen der Lebensmittelwirtschaft einen Biobereich und tragen so zur

Zielerreichung bei. Die Naturkostbranche behauptet sich dabei auffallend gut.

Gesamtwirtschaftlich wird für die aktuelle Konjunkturbelebung auch die Mehrwertsteuererhöhung

von 16 auf 19 Prozent ab Januar 2007 verantwortlich gemacht. Lebensmittel

sind davon zwar nicht betroffen, da für sie weiterhin der ermäßigte Satz

von sieben Prozent gelten wird. Ob die Verbraucher wegen der Mehrwertsteuer-Erhöhung

nicht nur einige größere Investitionen vorziehen, sondern auch der Umsatz

schnell drehender Konsumgüter wie Lebensmittel beeinflusst wird, werden die nächsten

Monate zeigen.

H.J. Brzukalla, Dipl.-Kfm., E-Mail: brzukalla@n-bnn.de

Dieser Widerstand wurde am 2. November

am Himmel über Berlin beeindruckend

sichtbar: Mehr als 13.000 gelbe Luftballons

bildeten den 60 Meter breiten

Schriftzug »Genfood - Nein Danke« (siehe

Fotos auf der rechten Seite). Für die Finder

hing an jedem Ballon eine Postkarte mit

der Aufforderung, sich gegen die geplante

Gesetzesänderung zu wehren. Die

Aktion war möglich geworden, weil zuvor

Tausende von Bürgern im Internet für

»ihren« Luftballon gespendet hatten. Die

21,00%

15,10%

12,99%

15,59%

8,56%

9,55%

aufsteigenden Ballons symbolisierten den

Pollen von gentechnisch veränderten

Pflanzen, der - einmal in die Umwelt entlassen

- nicht mehr rückholbar ist. Die

vom Online-Netzwerk Campact organisierte

Aktion wendete sich besonders gegen

Pläne der Großen Koalition, die Haftungsregeln

im Gentechnik-Gesetz zu

verwässern. Mehr als 30 Bio-, Verbraucher-,

Bauern- und Umweltverbände,

darunter der BNN Herstellung und Handel

e.V., unterstützten die Kampagne.

BNN-Nachrichten Naturkosthandel Dezember 2006 20


Bis zu einem Drittel aller

Sojaprodukte verunreinigt

Geringfügige Anteile von Gentech-Soja

oder -Mais weist die amtliche Lebensmittelüberwachung

heute bereits in vielen

Lebensmitteln nach. Die Werte liegen

zwar in der Regel deutlich unter dem

Schwellenwert für die Kennzeichnung

von 0,9 Prozent, aber dennoch ist es erschreckend,

dass zum Beispiel 15 bis 30

Prozent der untersuchten sojahaltigen

Lebensmittel Anteile von gentechnisch

veränderten Organismen (GVO) enthalten.

Der Anteil ist in den Bundesländern

sehr unterschiedlich, was auch auf Probleme

in der Analytik zurückzuführen ist.

Bei den Ergebnissen von verschiedenen

Laboren sind Unter- oder Überschreitungen

des tatsächlichen Werts von jeweils

bis zu 40 Prozent möglich.

Herr, die Not ist groß!

Die ich rief, die Geister,

werd ich nun nicht los ...

Gentechnisch veränderte Pflanzen überraschen

ihre »Erfinder« immer wieder mit

nicht gewollten Eigenschaften. So platzten

die Stängel einer gv-Sojasorte bei

Dürre und Hitze auf. Die kurze Erfahrung

mit dem Anbau von gentechnisch veränderten

Pflanzen zeigt, dass resistente

»Super-Unkräuter« entstehen können

und dass das von den gv-Pflanzen produzierte

Gift sich im Boden anreichert. In

Nordamerika und Argentinien werden im

gv-Anbau zum Teil mehr Pestizide als zuvor

verbraucht, Nützlinge werden geschädigt

und traditionelle Pflanzenarten

verdrängt. Welche Auswirkungen der

Verzehr von gentechnisch veränderten

Lebensmitteln langfristig auf unsere

21 BNN-Nachrichten Naturkosthandel Dezember 2006

Gesundheit hat, kann dagegen niemand

beantworten. Sämtliche Konsumenten

sind dabei unfreiwillig Versuchskaninchen.

Sollte eines Tages offiziell feststehen,

dass die Agrogentechnik ein Irrweg

war, ist es zu spät: Gentechnisch veränderte

Organismen lassen sich kaum wieder

aus der Umwelt herausholen.

Wer Schuld hat, der haftet

Dass die Gentechnik in der Landwirtschaft

in Deutschland heute noch ein

Schattendasein fristet, ist nicht auf verantwortungsvollen

Umgang mit einer unausgereiften

Technik zurückzuführen.

Vielmehr machen die bisher im Gentechnikgesetz

verankerten Haftungsregeln

den Anbau zum wirtschaftlichen Risiko.

Wie in allen anderen Bereichen des öffentlichen

Lebens haftet für einen Schaden

derjenige, der ihn verursacht hat.

Künftig sollen Gentechnik-Landwirte

aber nur noch dann haften, wenn die Pollen

ihrer genmanipulierten Pflanzen

Nachbarfelder um mehr als 0,9 Prozent

verunreinigen. Die Mehrheit der Landwirte

bliebe damit im Fall einer gentechnischen

Verunreinigung ihrer Ernte ohne

Entschädigung.

Nach Redaktionsschluss wurde ein Eckpunktepapier

zum Gentechnikgesetz bekannt,

das jedoch noch nicht mit dem

SPD-geführten Bundesumweltministerium

abgestimmt war. Der Wissenschaft

soll danach der Anbau von GVO erleichtert

und der Öffentlichkeit den Zugang zu

Informationen über betroffene Felder erschwert

werden. Aus Sicht der Lebensmittelwirtschaft

enthält dieser Entwurf

zahlreiche nicht praktikable Regelungen

und könnte keine Lebensmittelproduktion

ohne Gentechnik garantieren.

Katja Niedzwezky

AUS ALLER WELT

Die Forderungen der

Campact-Aktion

• Gentechnik-Produzenten müssen

auch für Schäden unter 0,9 Prozent

haften.

• Es muss das Verursacherprinzip

gelten: Gentech-Produzenten haben

für alle durch sie verursachten

Kosten, wie zum Beispiel Analysen

gentechnischer Verunreinigung

oder zusätzliche Kosten bei der

Maschinenreinigung, aufzukommen.

• Gentechnik-Produzenten müssen

auch für Schäden an der Natur

haftbar gemacht werden können.

Zudem muss der ökologische Sachverstand

des Bundesamtes für Naturschutz

bereits in das Zulassungsverfahren

gleichberechtigt einfließen.

Weitere Informationen zur Kampagne:

www.campact.de/gentec/info/home


Wir wünschen allen Lesern

eine besinnlich-frohe Weihnachtszeit und

einen guten Start ins neue Jahr 2007!

Come together

E I N L A D U N G

Und vielleicht sehen wir uns schon bald auf der BioFach 2007...

BioFach 2007

BNN Herstellung und Handel lädt ein

zum Branchentreff am ersten Messeabend:

Come together – PART 7 –

Donnerstag, den 15.02.2007

Einlass: 18.00 Uhr – Beginn: 18.30 Uhr

Saal Sydney

CCN OST – Messe Nürnberg

Einladungen werden Anfang Januar verschickt.

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine