Erfolgsfaktoren der sozialen Quartiersentwicklung - Analyse ...

analysekonzepte

Erfolgsfaktoren der sozialen Quartiersentwicklung - Analyse ...

Erfolgsfaktoren sozialer

Quartiersentwicklung

Ergebnisse einer empirischen

Untersuchung von Projekten der

"Sozialen Stadt"


Herausgeber:

GdW Bundesverband deutscher Wohnungsund

Immobilienunternehmen e.V.

Mecklenburgische Straße 57

14197 Berlin

Telefon: +49 (0)30 82403-0

Telefax: +49 (0)30 82403-199

Brüsseler Büro des GdW

47-51, rue du Luxembourg

1050 Bruxelles

BELGIEN

Telefon: +32 2 5 50 16 11

Telefax: +32 2 5 03 56 07

mail@gdw.de

http://www.gdw.de

ANALYSE & KONZEPTE

Beratungsgesellschaft für Wohnen,

Immobilien und Tourismus mbH

Gasstraße 10, 22761 Hamburg

Gestaltung:

Büro Roman Lorenz

Gestaltung

visueller Kommunikation

design alliance

München

Druck:

GdW

© GdW 2010

Die Expertise wurde im Rahmen der

Bundesinitiative "Nationale Stadtentwicklungspolitik"

durch das

Bundesministerium für Verkehr, Bau

und Stadtentwicklung unterstützt.


Erfolgsfaktoren sozialer

Quartiersentwicklung

Ergebnisse einer empirischen

Untersuchung von Projekten der

"Sozialen Stadt"


Inhalt

Vorwort

1 Zehn Erfolgsfaktoren der sozialen Quartiersentwicklung

2 Hintergrund

2.1 Demographische und soziale Entwicklung der Gesellschaft

2.2 Probleme und Potenziale in den Quartieren

2.3 Das Programm "Soziale Stadt"

2.4 Wohnungsunternehmen als Partner der Stadtentwicklung

3 Handlungsfelder von Projekten der Sozialen

Quartiersentwicklung

3.1 Wohnen, Wohnumfeld und Ökologie

3.2 Bildung, Qualifizierung und Gesundheitsförderung

3.3 Kulturelle und soziale Infrastruktur

3.4 Sicherheit und Nachbarschaft

3.5 Lokale Wirtschaft, Arbeit und Beschäftigung

4 Schlussfolgerungen

Ansprechpartner der Beispielprojekte

Quellenverzeichnis

Seite

5

7

15

16

18

20

23

25

26

32

38

44

50

57

61

63

3


Vorwort

Unsere Gesellschaft differenziert sich sozial immer stärker. Das betrifft die

Arbeitswelt, aber auch die Wohnquartiere. Vor diesem Hintergrund geht

es darum, das Zusammenleben der Menschen in ihren Nachbarschaften

durch integrative Maßnahmen zu unterstützen und soziale Konflikte

innerhalb städtischer Quartiere zu verhindern.

Die vom GdW vertretenen Wohnungsunternehmen haben bereits frühzeitig

– u.a. durch die Studie "Überforderte Nachbarschaften" im Jahre

1998 – auf die sozialen Probleme in den Stadtquartieren hingewiesen

und als Partner der öffentlichen Hand auf die Stärkung des Zusammenhalts

in den Wohngebieten mit vielfältigen Maßnahmen hingewirkt.

Aber auch die zahlreichen zivilgesellschaftlichen Initiativen, die sich diesem

Anliegen widmen, verdienen öffentliche Aufmerksamkeit.

Deshalb haben sich der Deutsche Städtetag, der AWO Arbeiterwohlfahrt

Bundesverband, die Schader-Stiftung und der vhw Bundesverband für

Wohnen und Stadtentwicklung im Verbund mit dem GdW bereits Ende

der 1990er Jahre entschlossen, einen bundesweiten Wettbewerb für beispielhafte

soziale Projekte auszuloben.

Dem erstmals im Jahre 2000 und seither zweijährlich ausgelobten Wettbewerb

zum "Preis Soziale Stadt" ist es gelungen, das Interesse einer

breiten Öffentlichkeit für die sozialen Probleme, aber auch für die vielen

positiven Aktivitäten in den Stadtquartieren wach zu halten und die

Akteure in den Städten, Wohnungsunternehmen, Wohlfahrtsverbändem

und Bürgerinitiativen zu ermutigen, ihre eigenen Erfahrungen bei der

Unterstützung des Miteinanders der verschiedenen Gruppen von Stadtbewohnern

bekannt zu machen.

Die mehr als 90 zwischen 2000 und 2008 ausgezeichneten Projekte zeigen,

wie sozialen Konflikten innerhalb von Nachbarschaften, der sozialen

Entmischung sowie der krisenhaften Entwicklung ganzer Wohnquartiere

begegnet werden kann und wie Integrationserfolge erzielt sowie nachhaltig

gesichert werden können. Mit diesen Projekten konnten erhebliche

Verbesserungen der Wohn- und Lebensbedingungen der Menschen

in den Quartieren erreicht werden. Fast immer waren dabei Wohnungsunternehmen

beteiligt. Sie waren und sind als Projektträger oder als Mitwirkende

ein elementarer Erfolgsfaktor.

Die erfolgreichen Beispiele zeigen, was möglich ist, wenn mit großem

Engagement, Kompetenz und der notwendigen finanziellen Unterstützung

der soziale Zusammenhalt der Nachbarschaften gefördert wird.

Diese Erfahrungen stellen eine wichtige Ressource dar, denn angesichts

der künftigen Herausforderungen im Quartiersmanagement werden in

großem Umfang Projekte dieser Art notwendig werden.

Was sind die zentralen Erfolgsfaktoren, die jene Projekte aufweisen, die

zu einer wesentlichen positiven Veränderung in benachteiligten Stadtquartieren

geführt haben? Welche Bedingungen gilt es zu beachten,

wenn zukünftige Projekte aufgelegt werden? Welche sollten deshalb

auch bei der Förderung von Projekten hinreichende Beachtung finden?

Zur Klärung dieser Fragen, hat der GdW Bundesverband deutscher Wohnungs-

und Immobilienunternehmen das Forschungsinstitut

Analyse & Konzepte damit beauftragt, erfolgreiche Quartiersmaßnahmen

auf ihre maßgeblichen Erfolgsfaktoren zu untersuchen.

5


Die Projektauswertung erfolgte auf Basis der Dokumentationen der

Wettbewerbe zum "Preis Soziale Stadt". Darüber hinaus wurden weitere

Projekte der Quartiersentwicklung in die Untersuchung einbezogen, die

im Rahmen anderer Wettbewerbe oder Studien dokumentiert worden

sind. Ergänzt wurden die daraus gewonnenen Erkenntnisse durch aktuelle

Studien und Evaluationen.

Die Untersuchung hat deutlich gemacht: Die vom GdW vertretenen

Wohnungsunternehmen leisten als zuverlässige Partner der Kommunen

einen erheblichen Beitrag zum sozialen Zusammenhalt der Nachbarschaften.

Initiativen, wie die Mitwirkung an Vorhaben zur städtischen Integrationspolitik

oder ein systematisches Sozialmanagement nach dem Leitbild

"Wohnen Plus" veranschaulichen, dass die soziale Dimension in immer

mehr Wohnungsgesellschaften und -genossenschaften ein normaler

Bestandteil des unternehmerischen Handelns ist. Die Wohnungswirtschaft

wird zunehmend sowohl zum "Motor" als auch zum "Manager"

der Quartiersentwicklung 1 .

Die Ergebnisse der Untersuchung weisen auf den großen Erfolg des

Programms "Soziale Stadt" hin. Es wurden damit wesentliche Rahmenbedingungen

dafür geschaffen, um auf die Probleme in benachteiligten

Stadtquartieren mit den vor Ort speziell erforderlichen Maßnahmen

reagieren zu können.

Das Programm "Soziale Stadt" muss auch in Zukunft ein zentrales Instrument

bleiben, um das nachbarschaftliche Miteinander in den Wohn -

quartieren zu erhalten oder wiederherzustellen und sozialen Konflikten

entgegen zu wirken.

Lutz Freitag

Präsident des GdW

Bundesverband deutscher Wohnungsund

Immobilienunternehmen e. V.

1 GdW (Hrsg.): Wohntrends 2020, Berlin 2008


1 Zehn Erfolgsfaktoren der sozialen

Quartiersentwicklung

In dieser Studie wurden die Rahmenbedingungen für erfolgreiche soziale

Projekte und ihre Durchführung untersucht, um auf dieser Basis Empfehlungen

zu formulieren.

In die Auswertung wurden Projekte einbezogen, die im Quartier eine

positive Entwicklung zur Verbesserung der Lebensbedingungen anstoßen

konnten. Eine wesentliche Grundlage hierfür bildete der langjährige

Erfahrungsschatz aus dem Programm "Soziale Stadt". Im zweijährlichen

Rhythmus werden gelungene Projekte im Rahmen eines Wettbewerbs

dokumentiert und ausgezeichnet – der GdW gehört zu den Auslobern

des Preises. Im Wesentlichen wurden die Preisträger und die mit einer

Anerkennung erwähnten Projekte der "Sozialen Stadt" aus den Jahren

2000 bis 2008 untersucht. Darüber hinaus wurden weitere Projekte der

Quartiersentwicklung in die Untersuchung einbezogen, die im Rahmen

anderer Wettbewerbe oder Studien dokumentiert worden sind. Insgesamt

wurden somit mehr als 90 Projekte hinsichtlich verschiedener Kriterien

geprüft. Ergänzt werden die daraus gezogenen Erkenntnisse durch

aktuelle Studien und Evaluationen.

Insgesamt ging es bei der vorliegenden Untersuchung darum, übergeordnete

Faktoren zu identifizieren, die sich auf zukünftige Projekte übertragen

lassen. Angesichts eines weiter wachsenden Handlungsbedarfes

kann die Kenntnis der nachfolgend aufgeführten übergeordneten

Erfolgsfaktoren dazu beitragen, die Erfolgschancen insgesamt und die

Effizienz zukünftiger Projekte zu erhöhen:

Zehn Erfolgsfaktoren

1. Individuelle Konzepte für besondere Quartiere

2. Umfassende Konzepte entwickeln

3. Betroffene zu Akteuren machen

4. Multiplikatoreffekte nutzen

5. Erfolge sichtbar machen und darüber reden

6. Kompetenzen und Ressourcen bündeln

7. Projekte verstetigen

8. Projekte professionell organisieren

9. Projekte in die gesamtstädtische Planung einbinden

10. Projekterfolg prüfen und aus Erfahrungen lernen

7


8

1.

Individuelle Konzepte für

besondere Quartiere

Nur bei oberflächlicher Betrachtung ähneln sich die Problemlagen in

einzelnen Quartieren. Bei näherer Untersuchung zeigt sich, dass jedes

Quartier seine spezifischen Eigenschaften und besonderen Problemkonstellationen,

aber auch ganz unterschiedliche Ansätze für Entwicklungsmöglichkeiten

hat. Erfolgreiche Projekte gehen deshalb auf die jeweilige

Ausgangslage im Quartier mit individuellen Konzepten ein. Erfolgreiche

Projekte sind deshalb individuelle Projekte, die die konkreten Problemlagen

berücksichtigen und mit Entwicklungskonzepten auch an den spezifischen

Stärken des Quartiers ansetzen:

– Ohne eine genaue Stärken-Schwächen-Analyse ist die Erstellung

eines wirkungsvollen Konzepts nicht möglich. Eine wichtige Voraus-

setzung stellt deshalb die Problemerkennung vor Ort dar. Anhand

einer differenzierten Analyse und Bewertung der Situation im Quartier

können Handlungserfordernisse identifiziert und Anknüpfungspunkte

für Projekte gefunden werden.

– Gute Kenntnisse über die Situation vor Ort sind notwendig, um Initiativen

und Potenziale der Bewohner zu erkennen ("aufmerksam sein").

Denn oftmals sind es die Bewohner, die Initiativen anstoßen oder

zumindest in der Anfangsphase eines Projektes entscheidend mitwirken.

Die Analyse vor Ort ist die Basis, um die richtigen Ansprechpartner

zu identifizieren und die Maßnahmen darauf abzustimmen.

Im Rahmen des Programms "Soziale Stadt" hat sich in den vergangenen

Jahren das Bewusstsein entwickelt, dass nicht nur die Defizite eines

Quartiers betrachtet werden sollten 1 . Bei der Auswahl von Quartieren,

die besonders gefördert werden sollten, sind die vorhandenen Potenziale

mindestens gleichberechtigt zu berücksichtigen. Denn in der Regel sind

die Lösungsansätze für eine positive Veränderung der Gebiete in den

Quartieren selbst zu finden. Erfolgreiche Projekte bauen auf den vorhandenen

Strukturen auf und binden Potenziale aus der Bewohnerschaft in

die Projektprozesse mit ein.

Bei der Ausweisung von Projekten der Sozialen Stadt wurden in der Vergangenheit

vielfach Untersuchungen zugrunde gelegt, allerdings auch

sogenannte intuitive Entscheidungen zugelassen. Im Vorfeld solcher Projekte

können Potenziale im Rahmen von Untersuchungen, wie z. B.

Bewohnerbefragungen oder Expertengesprächen etc., bereits frühzeitig

erkannt werden. Eine weitsichtige Bedarfsanalyse im Hinblick auf die

Bedürfnisse der Bewohner, wie z. B. barrierearme Wohngebäude für

Senioren, bildet dafür die Grundlage.

Aufgrund ihrer guten Kenntnisse von Quartier und Bewohnern haben

Wohnungsunternehmen sehr gute Voraussetzungen, Probleme und Risiken

wie auch Potenziale eines Quartiers zu erkennen. Es bieten sich

verschiedene methodische Ansätze an, um die dafür notwendigen Informationen

zu erhalten. Dies können z. B. Mieter-Befragungen sein oder

die Installation von Quartierssprechern, Beratungsstellen oder Kontaktzentren.

Auch der Kontakt zum Hausmeister oder zur Mieterberatung

kann genutzt werden. Die Wohnungsunternehmen sollten in diesem

Zuge die Kooperation mit dem Quartiersmanagement pflegen.

Auch die Kommunen sind gefordert, Problemlagen in den gefährdeten

Quartieren rechtzeitig zu erkennen. Hierzu sollten ebenfalls – in Kooperation

mit den Wohnungsunternehmen – Untersuchungen und Projekt -

evaluationen durchgeführt werden, die bereits vor konkreteren vorbereitenden

Untersuchungen im Rahmen des stadtplanerischen Instrumentariums

ansetzen.

1

Vgl. Bundestransferstelle Soziale Stadt: "Dritte bundesweite Befragung Programm -

gebiete 'Soziale Stadt'", 2006.


2.

Umfassende Konzepte

entwickeln

3.

Betroffene zu Akteuren

machen

Wesentlich für eine positive Entwicklung der Lebensbedingungen in

benachteiligten Quartieren sind in der Regel konkrete Maßnahmen zur

Verbesserung der Wohnbedingungen und des Wohnumfeldes. Aus diesem

Grund sind Eigentümer bzw. die Wohnungsunternehmen für die

Quartiersentwicklung von großer Bedeutung, die ein Interesse an einer

langfristigen Bewirtschaftung der Wohnungsbestände haben. Allein die

bauliche Aufwertung vermag jedoch nicht die sozialen und ökonomischen

Defizite eines Quartiers auszugleichen, weshalb mit dem Programm

"Soziale Stadt" bereits frühzeitig ein integrierter Ansatz gewählt

worden ist. Ziel ist es, verschiedenartige Maßnahmen so miteinander zu

verbinden, dass sie sich sehr gut ergänzen.

In der Praxis zeigt sich, dass oftmals zwar einzelne konkrete Problem -

lagen der Ausgangspunkt einer Quartiersentwicklung sein können, letztlich

die Projekte der sozialen Quartiersentwicklung jedoch mehr als ein

Handlungsfeld berühren, z. B. Wohnen und Wohnumfeld, Soziales,

Gesundheit, Ökonomie etc. Eine integrierte Herangehensweise ist sinnvoll

und Erfolg versprechend, da die Problemlagen bzw. Lösungswege

ineinandergreifen oder aufeinander aufbauen. Die Kommunen spielen

hierbei eine wichtige Rolle bei der Moderation unterschiedlicher Interessen

zwischen den Fachbereichen und den Akteuren in den Quartieren.

Umfassende Konzepte verfolgen deshalb gleichzeitig mehrere, oft ganz

unterschiedliche Ziele. Allerdings ist es nicht immer möglich, in Bezug

auf alle Ziele gleichermaßen erfolgreich zu sein. Wichtig für den Projekterfolg

ist deshalb vor allem die Erreichung der zentralen Zielsetzung

(z. B. Integration, Verminderung von Konflikten usw.).

Ein zentrales Ziel der sozialen Quartiersentwicklung liegt in der Schaffung

selbsttragender Strukturen zwischen den Menschen in einem Quartier,

denn soziale Netzwerke tragen wesentlich dazu bei, stabile Nachbarschaften

zu bilden. Das Engagement der Bewohner vor Ort stellt eine

sehr wichtige Voraussetzung für erfolgreiche Projekte dar. Erfolgreiche

Projekte basieren auf den im Quartier verwurzelten Menschen und den

Initiatoren der verschiedenen Projekte. Wenn sich die Bewohner für ihr

Quartier engagieren, geben sie den Projekten eine individuelle Prägung.

Die Bewohner bekennen sich gleichzeitig für ihr Quartier und steigern

damit auch die Attraktivität für Dritte. Zusätzlich wird der Zusammenhalt

der Bewohner gestärkt und es kann die Erfahrung vermittelt werden,

welche Veränderungen man durch sein eigenes Tun bewirken kann.

Gerade aktive Bewohner oder bereits funktionierende Netzwerke bilden

eine gute Ausgangsbasis, die unbedingt genutzt werden sollte. Bisweilen

müssen aktive Menschen aber auch erst gesucht und ermuntert werden.

Die Bewohner in den Quartieren sind dabei nicht nur die Betroffenen,

denen geholfen werden muss, sondern insbesondere auch jene, die zur

Lösung vorhandener Probleme beitragen können. Denn die Bewohner

selbst sind Akteure mit exklusivem Wissen über die Situation vor Ort. Das

Engagement der Bewohner vor Ort ist zudem oftmals Grundlage für

besonders innovative Projekte.

Dabei sind unterschiedliche Stufen der Beteiligung zu berücksichtigen.

Die kleinste Stufe der Beteiligung ist hierbei die Information und Diskussion,

z. B. im Rahmen runder Tische. Stärkere Beteiligungsmöglichkeiten

sind die Mitbestimmung, die Übertragung von Entscheidungskompetenz

und die Selbstorganisation. Wichtig ist hierbei, dass die Bewohner ermutigt

werden, ihre Interessen zu vertreten und durchzusetzen. Engagement

wird entsprechend dadurch gefördert, dass Gestaltungsspielräume

eingeräumt werden.

9


10

4.

Multiplikatoreffekte

nutzen

5.

Erfolge sichtbar machen

und darüber reden

Insbesondere bei baulichen Maßnahmen an Gebäuden oder Planungen

im Wohnumfeld sind transparente Planungsprozesse wichtig für den

Erfolg eines Projektes. Die Bewohnerbetreuung und der Informationsaustausch

mit den Bewohnern können diese Prozesse unterstützen. Die

stärkste Akzeptanz ist dann zu erwarten, wenn die Bewohner frühzeitig

in die Planung eingebunden und ihnen Entscheidungskompetenzen eingeräumt

werden.

Um langfristige Strukturen und Netzwerke zu schaffen, sind in der Regel

auch langfristig stützende Strukturen notwendig. Komplett selbst tragende

Strukturen sind hingegen aufgrund der Fluktuation und des ständigen

Wechsels der beteiligten Bewohner vielfach nicht zu realisieren.

Besonders Erfolg versprechend ist es, Beteiligungsstrukturen frühzeitig,

ggf. schon vor Beginn der eigentlichen Projekte ins Leben zu rufen.

Ein aktiver Beitrag zur Integration von Bewohnern kann durch Schulungen

für materiell und kulturell benachteiligte Bewohner(gruppen) geleistet

werden, um das Know-how einer Projektorganisation weiter zu vermitteln.

Die Menschen erlernen, sich selbst so zu organisieren, dass sie

sich mithilfe der eigenen Potenziale für ihre Belange einsetzen und diese

besonders nach außen vertreten können.

Projekte sind insbesondere dann erfolgreich, wenn sie als Vorbild oder

Initiator für weitere Aktivitäten dienen. Dies bezieht sich zum einen auf

die Bewohner selbst. Das Engagement der Bewohner kann einen Multiplikatoreffekt

in der Nachbarschaft bewirken, indem sie als Vorbild für

andere Bewohner dienen und diese dadurch zur Mitarbeit motiviert werden.

Sie tragen dabei auch zur weiteren Vernetzung der Menschen im

Quartier bei. Zum anderen können erfolgreiche Projekte und Initiativen

selbst Vorbild für Folgeprojekte sein. In manchen Beispielen waren die

Projekte so erfolgreich, dass sie ihr Angebot über das Quartier hinaus

ausweiten konnten. Gerade wenn ein besonders erfolgreicher Weg

gefunden oder eine kreative Idee entwickelt wurde, können andere

davon profitieren. Sie können die Konzepte übernehmen oder sie entsprechend

ihrer Rahmenbedingungen weiterentwickeln.

Die Stadtverwaltungen bzw. Quartiersmanagements können dieses

"voneinander Lernen" unterstützen, indem sie dazu beitragen, besondere

Projekte von engagierten Bewohnern, Vereinen, Initiativen oder

Schulen bekannt zu machen und neue Ideen mit einer Öffentlichkeits -

arbeit unterstützen, damit Interessierte informiert werden und sich beteiligen

können. Dafür eignen sich u.a. Stadtteilfeste und Nachbarschaftstreffs.

Umfassende Projekte benötigen ein professionelles Projektmanagement,

mit Projektbausteinen, Zwischenzielen und eindeutigen Verantwortlichkeiten.

Bei allen Projekten, die im Quartier stattfinden und bei denen

die Bewohner einbezogen werden, ist es von großer Bedeutung, dass

Erfolge sichtbar gemacht werden, um die Motivation aufrecht zu erhalten

und Enttäuschungen zu vermeiden.

Bei größeren städtebaulichen Maßnahmen schafft ein schrittweises Vorgehen

und die Gliederung in einzelne Prozessabschnitte Akzeptanz bei

den Bewohnern. Ein modulares (Planungs- und Umsetzungs-) System

schafft einen überschaubaren Maßstab. So können Projektschritte verfolgt

und Erfolge erkennbar werden. Insbesondere bei baulichen Projekten

kann es hilfreich sein, sich zu Beginn auf ein oder mehrere Startprojekte

zu konzentrieren, um schnell Zeichen für Neuerung zu setzen.


6.

Kompetenzen und

Ressourcen bündeln

Projekte mit abgestuften Planungen sind auch erfolgreicher, weil die

Wahrscheinlichkeit steigt, dass die Projektbeteiligten, insbesondere

Anwohner, über die Dauer eines (Teil-)Projektes eingebunden bleiben

und sich am Prozess beteiligen. Dies ist insbesondere wichtig, wenn es

sich um Projekte mit Laufzeiten über mehrere Jahre handelt. Eine Gefahr

bei Projekten mit langer Laufzeit besteht zudem darin, dass sich die

Zusammensetzung der Projektbeteiligten ändert bzw. dass sich ihre

Ansprüche mit der Zeit verändern und somit der Projekterfolg gefährdet

ist.

Soziale Quartiersentwicklung ist besonders auf die Kooperation aller mit

ihren vielfältigen Fähigkeiten ausgestatteten Projektbeteiligten angewiesen.

Welche Organisationsform dabei geeignet ist, kann je nach Projekt

variieren und sich verändern.

Beteiligt werden sollten neben den Bewohnern und den Wohnungseigentümern

auch weitere private Unternehmen, die ein direktes Interesse

an der Entwicklung des Quartiers haben und gesellschaftliche Verantwortung

zeigen (Corporate Social Responsibility). Darüber hinaus zählen

dazu Schulen, Kirchen, Vereine, städtische Ämter, soziale Träger, die Polizei

u.v.m. Durch eine breite Akteursstruktur wird die Akzeptanz von

Maßnahmen, der soziale Zusammenhalt vor Ort sowie die Identifikation

mit dem Stadtteil erhöht. Ziel ist es, neue Partnerschaften zwischen den

Bewohnern, der privaten Wirtschaft und der öffentlichen Hand zu erreichen.

Dabei haben alle Akteure und Institutionen ihre eigenen Kompetenzen,

die in den unterschiedlichen Handlungsfeldern zum Tragen kommen.

Wohnungsunternehmen sind in diesem Prozess besonders wichtige

Akteure, da sie einerseits den Kontakt zur Politik herstellen und halten

können und andererseits Ansprechpartner und Betreuer für die Bewohnerschaft

stellen. In den laufenden Prozessen sind sie darüber hinaus

Vermittler zwischen den verschiedenen Akteuren und können hier den

Projektfortgang positiv beeinflussen.

Die Kommunen können zum Beispiel zur Stärkung der lokalen Ökonomie

die Zusammenarbeit zwischen sozialen Institutionen und lokalen Unternehmen

fördern, Projekte mit der Politik vernetzen und Kooperationen

zwischen der Politik und Gemeinwesenträgern vor Ort verstärken, die

gleichwertig miteinander kooperieren.

Die Mittel- und Ressourcenbündelung ist eine zentrale Voraussetzung

für erfolgreiche Projekte. Hierbei gilt es, die Koordination von Fördermitteln

unterschiedlicher Programme auf kommunaler Ebene zu gewährleisten

und die vorhandenen Ressourcen optimal zu nutzen. Die Kommunen

spielen bei der Mittelkoordination die wichtigste Rolle – 85 % der

Befragten in Soziale Stadt-Gebieten halten die kommunale Steuerung für

sehr wichtig 2 .

Bei der Einbindung eines Projekts in eine übergeordnete Planung (integrierte

Stadtentwicklung) kann eine Einbindung der Projekte in die

gesamtstädtische Entwicklung erreicht werden, wodurch zusätzliche

Synergien möglich sind. Dies ist die Basis, um investive und nicht-investive

Fördermittel zu koppeln und zielgerichtet einzusetzen.

2

Vgl. Bundestransferstelle Soziale Stadt: Dritte bundesweite Befragung

Programmgebiete "Soziale Stadt", 2005/2006.

11


12

7.

Projekte verstetigen

Auf der Ebene des Bundes und der Länder sollten die Voraussetzungen

geschaffen werden, um eine Integration der Förderprogramme aus

unterschiedlichen Ressorts zu erreichen. Dazu ist ein kontinuierlicher

Erfahrungsaustausch zwischen den unterschiedlichen Ebenen (Bund,

Land, Kommune) hilfreich, um die vorhandenen Mittel und Programme

optimal zu nutzen und investive und nicht-investive Mittel im Rahmen

einer Gesamtstrategie einzusetzen. Für die Arbeit vor Ort ist ein gutes

Wissen über die Ressourcen übergreifende Förderung notwendig. Daher

kann hier ein übergeordnetes Informationsangebot hilfreich sein.

Für die Finanzierung kleinerer Maßnahmen vor Ort können Quartierfonds

hilfreich sein. Die darin zusammengefassten Mittel speisen sich aus den

Fördermitteln des Programms "Soziale Stadt". Die Bewohner und Initiativen

in den Quartieren haben die Möglichkeit, auf unbürokratische Weise

auf den Quartiersfonds zuzugreifen und Einzelprojekte in begrenztem

Umfang zu finanzieren. Dabei sind alle Projekte förderungswürdig, die

einen Beitrag zur Stärkung der Gemeinschaft bzw. der Nachbarschaft,

der Stadtteilkultur, der Identifikation mit dem Stadtteil sowie zur Aktivierung

von Bewohnern leisten.

Die Träger sozialer Prozesse sollten auf eine Verstetigung der im Förderzeitraum

begonnenen positiven Entwicklungen im Quartier hinwirken.

Ziel ist die Sicherung eines Prozesses und des Projekterfolges durch Nutzung

der vorhandenen Strukturen. Im Mittelpunkt steht dabei das Engagement

der Bewohner und der Initiativen vor Ort, das als eine Art Rückgrat

der Prozessentwicklung fungieren kann. Darüber hinaus kann die

Weiterführung der Finanzierung, wenn auch vielleicht nicht in vollem

Umfang, helfen, zumindest die zentralen Projekte am Leben zu halten.

Erfolgreiche Projekte sind langfristig ausgerichtet. Im besten Fall drückt

sich ihr Erfolg darin aus, dass sie auf Dauer ohne öffentliche Förderungen

tragfähig sind. Hierzu können die Wohnungseigentümer vor Ort

durch Beteiligung an investiven und nicht-investiven Maßnahmen einen

wesentlichen Beitrag leisten, da diese in der Regel in hohem Maße von

der Quartiersentwicklung profitieren. In vielen Fällen ist der Fortbestand

eines Projektes jedoch nur zu gewährleisten, wenn die finanzielle Förderung

der Maßnahmen auf Dauer erfolgen kann. Vielfach übernehmen

die Projekte so wichtige Funktionen im Quartier, dass eine Verstetigung

der Förderung zu rechtfertigen ist. Eine pauschale Antwort auf die Frage,

inwieweit eine Förderung langfristig erfolgen sollte, gibt es jedoch nicht.

Dies kann nur in den jeweiligen Konstellationen vor Ort entschieden

werden, wobei möglichst alle beteiligten Akteure einbeziehen sind und

in die Pflicht genommen werden sollten.

Zu den investiven Maßnahmen zählt die Schaffung der baulichen Voraussetzungen

im Hinblick auf die Wohnungsbestände und das Wohnum -

feld sowie die soziale Infrastruktur. Die Bereitstellung entsprechender

Räumlichkeiten für Begegnungsstätten und Quartierszentren durch die

Wohnungsunternehmen kann ein wichtiger Beitrag sein, ebenso wie die

Finanzierung der laufenden Kosten von Infrastruktureinrichtungen zur

Verstetigung sozialer Maßnahmen.

Vonseiten der Politik sollten die Voraussetzungen für nachhaltige Projekte

geschaffen werden. Hierzu zählen die Nutzung der Förderprogramme,

Beratungsleistungen und Bereitstellung von Know-how. Zur

Sicherung der vorhandenen Fördermöglichkeiten sollten durch Bund und

Länder Wege gefunden werden, um die kommunale Gegenfinanzierung

auch bei kritischer Haushaltslage zu ermöglichen. Eine wichtige Rolle

spielen die Akteure der lokalen Wirtschaft. Die Kommunen sollten alle

Möglichkeiten nutzen, um diese stärker in die Quartiersentwicklung einzubinden

und in die Verantwortung zu nehmen.


8.

Projekte professionell

organisieren

9.

Projekte in die

gesamtstädtische

Planung einbinden

10.

Projekterfolg prüfen

und aus Erfahrungen

lernen

Der Erfolg sozialer Projekte hängt wesentlich von der Qualität der Steuerung

ab. Im Laufe eines Projektes ist dafür ein leistungsfähiges Stadtteilmanagement

notwendig, welches die Akteure koordiniert und als

"Scharnier" zwischen kommunaler Politik, Verwaltung, den Bewohnern

und ihren Organisationen fungiert. In einigen Projekten hat es sich

bewährt, neutrale Ansprechpartner zur Vermittlung zwischen Mietergruppen,

Wohnungsunternehmen und anderen Akteuren zu etablieren.

Ein Treffpunkt im Stadtteil als Ausgangspunkt vielfältiger Aktivitäten ist

unbedingt notwendig. Ein Wohnungsunternehmen kann dafür den baulichen

Rahmen schaffen oder Räumlichkeiten zur Verfügung stellen.

Wichtig ist eine feste, strategisch bzw. räumlich gut positionierte Anlaufstelle

für die Bürgerinnen und Bürger, die z. B. durch ein Quartiersmanagement

organisiert werden kann. Dies ist hilfreich, um die Potenziale

für Bewohnerprojekte nutzen zu können, indem interessierten Bürgerinnen

und Bürgern, die eine Projektidee haben oder einen Bedarf für ein

Projekt erkennen, eine Anlaufstelle gegeben wird. Eine starke Organisationsstruktur

kann zudem verhindern, dass einzelne Beteiligte aus dem

Verfahren herausfallen.

Wenngleich es gilt, die Quartiersentwicklung auf einzelne Quartiere mit

besonderem Handlungsbedarf zu konzentrieren, sollte sie dennoch integriert

erfolgen, d.h. die getroffenen Maßnahmen sollten räumlich, zeitlich

und von der Herangehensweise her in eine gesamtstädtische Strategie

eingebettet sein. Zu nennen sind folgende Aspekte 3 :

Die Wirkung öffentlicher Maßnahmen kann durch frühzeitige Abstimmung

und Bündelung öffentlicher und privater Finanzmittel auf Gebietsbzw.

Stadtteilebene erhöht werden. Ein solcher koordinierter Mitteleinsatz

schafft Planungs- und Investitionssicherheit und reduziert die Kosten

sowohl für die Öffentlichkeit als auch für Private. Bei der Finanzierung

von Stadtentwicklungsmaßnahmen sollte immer geprüft werden, ob eine

Einbeziehung öffentlicher und privater Banken auf nationaler und auch

europäischer Ebene sinnvoll ist.

Unterschiedliche teilräumliche, sektorale und technische Pläne sollten

miteinander verbunden bzw. in eine Gesamtplanung integriert werden.

Dadurch wird nicht nur die Vernetzung von Politikfeldern und unterschiedlichen

Akteuren in Politik und Verwaltung verbessert, sondern es

werden Planungen quasi aus einer Hand ermöglicht, was den Ressourceneinsatz

optimiert und eher zu Lösungen führen kann, die sich an der

Gesamtsituation vor Ort orientieren.

Nur der Austausch von Wissen und Erfahrungen trägt dazu bei, zukünftige

Prozesse bzw. Projekte in der sozialen Quartiersentwicklung noch

erfolgreicher zu gestalten. Hierbei geht es nicht nur um die grundsätzlichen

Erfolgsfaktoren sondern auch um viele, unterschiedliche Einzellösungen,

die Projekte vor Ort voranbringen können. Um zu verhindern,

dass Erfahrungen immer wieder neu gemacht werden müssen, ist ein

gezielter Wissenstransfer unbedingt notwendig. Dieser bezieht sich nicht

nur auf Fragen der Ressourcenbündelung, sondern auch auf die aus -

baufähige Zusammenarbeit von Bewohnern, Kommunen und der Wohnungswirtschaft.

Hier sind die institutionellen Akteure gefordert, die

Evaluation der Projekte voranzutreiben.

3 Vgl. BMVBS (2007).

13


14

Wohnungsunternehmen bzw. die wohnungswirtschaftlichen Verbände

haben mit ihren Netzwerken sehr gute Voraussetzungen für einen Wissenstransfer.

Gleiches gilt für die Stadtverwaltungen, die den Kontakt

mit der Wohnungswirtschaft, privaten Unternehmen und Institutionen

suchen sollten.

Vorhandene Instrumente, wie Stadtteiljurys oder Büros für Gemein -

wesenarbeit können hierbei genutzt werden, um Feedback von den

Bewohnern zu erhalten. Umfangreicher und treffsicherer sind allerdings

Bewohnerbefragungen.

In diesem Zusammenhang sollten die einzelnen Erfahrungen so aufbe -

reitet sein, dass sie gezielt abrufbar sind. Geeignet wäre eine überregionale

Projektdatenbank, die Informationen über die einzelnen Projekte,

Beschreibungen von Vorgehen, Ressourcen und besondere Erfahrungen,

sowie Ansprechpartner enthält.


2 Hintergrund

Die Integration aller Menschen in das gesellschaftliche Leben ist eine

zentrale politische Herausforderung für die Zukunft. In den vergangenen

Jahren ist eine sich verstärkende sozialräumliche Ungleichheit in den

Städten zu beobachten. Ein Indikator für die wachsende Zahl an Menschen,

die sich ausgegrenzt fühlen, ist die steigende Zahl an Nicht-

Wählern bei Bundestagswahlen oder anderen politischen Wahlen. Regelmäßig

ist zu beobachten, dass die Gruppe der Nicht-Wähler als eine der

größten Gruppen unter den Wahlberechtigten hervorsticht. Bei der Bundestagswahl

2009 haben sich 28 % aller Wahlberechtigten nicht an der

Wahl beteiligt – so viele wie nie zuvor.

Welche Bedeutung hat dies für die Städte und für die Wohnungswirtschaft?

Neben den Menschen, die aus Protest nicht wählen oder denen es nicht

wichtig genug ist oder die es einfach vergessen, gibt es einen großen

Teil an Wahlberechtigten, die insgesamt das Vertrauen in die Partizipation

verloren haben oder denen nicht bewusst ist, dass sie eine Stimme

haben, die Gehör findet. Hierzu zählen vor allem Menschen, die auch

aus anderen Bereichen des bürgerlichen Lebens ausgeschlossen sind, die

keinen Zugang zu Bildung, zur Arbeitswelt, zu regelmäßigem Einkommen

und zu sozialen Netzwerken haben.

Die Verteilung der Nicht-Wähler auf die Wahlbezirke deutet auf eine

sozialräumliche Ungleichheit hin. Denn die Wohnanteile der Nicht-

Wähler sind gerade in den benachteiligten Quartieren am höchsten, hier

bilden sie sogar die stärksten Fraktionen unter den Wahlberechtigten.

Deutlich zeigen die Wahlergebnisse den Zusammenhang: Je höher der

Anteil der Arbeitslosen, Alleinerziehenden und alten Menschen ist, desto

höher ist der Anteil der Nicht-Wähler und umso höher ist der Anteil derjenigen,

die sich ausgegrenzt fühlen. Ein Teil der Menschen in diesen

Quartieren hat den Bezug zu Partizipation und gesellschaftlicher Teilhabe

verloren und lebt in "partizipationsfreien Zonen" 4 .

Auf der Ebene der Städte und Quartiere kann die Verbesserung der

Lebensbedingungen einen erheblichen Beitrag zur Integration leisten.

Hier setzt das Programm "Soziale Stadt" an und hier sind insbesondere

auch die Wohnungsunternehmen als wichtige Partner der Stadtentwicklung

neben vielen anderen Akteuren gefordert.

4

Zu diesen Ergebnissen kommen Forschungsarbeiten des Max-Planck-Instituts für

Gesellschaftsforschung in Köln und eine Studie der Universität Hannover aus dem

Jahr 2001.

15


16

2.1 Demographische und soziale Entwicklung

der Gesellschaft

Die Entstehung benachteiligter Quartiere ist in wesentlichen Teilen auf

übergeordnete wirtschaftliche, gesellschaftliche und demographische

Entwicklungen zurückzuführen:

– So entwickelt sich die wirtschaftliche Situation der privaten Haushalte

in Deutschland sehr unterschiedlich und führt zu einem zunehmenden

Auseinanderdriften der Gesellschaft. Die Gruppe der einkommensschwachen

Haushalte, hierunter Langzeitarbeitslose, Niedrigeinkommensbezieher,

deren Anteil in Deutschland bei derzeit 20 % der Haushalte

liegt, oder Senioren mit geringen Altersrenten, nimmt weiter zu.

– Vieles deutet darauf hin, dass die wirtschaftliche Situation der Privathaushalte

auch zukünftig durch weiter fortschreitende Polarisierungs -

tendenzen gekennzeichnet sein wird. Die Einkommensverteilung in

Deutschland zeigt, dass die unteren Einkommensgruppen (unterhalb

70 % des Einkommensmedians) und die hohen Einkommen (über

150 % des Medians) zulasten der mittleren Einkommensgruppen

zunehmen. Dies wird sich auf den lokalen Wohnungsmärkten in einer

verstärkten Polarisierung der Nachfrage niederschlagen.

– Mit dem demographischen Wandel sind weitreichende strukturelle

Verschiebungen in der Bevölkerungsstruktur verbunden: Die Alterung

unserer Gesellschaft geht einher mit einer deutlichen Verschiebung

der Proportionen zwischen jungen, mittleren und älteren Menschen,

die regional sehr unterschiedlich ausgeprägt sein kann.

– Die gesellschaftliche Mitte, für die zahlreiche Quartiere und Wohnungsbestände

einst gebaut worden sind, gibt es heute so nicht mehr.

Vielmehr ist eine Veränderung der Haushaltsstrukturen – weg von der

klassischen Normalfamilie hin zu einer Vielzahl von Lebensformen –

als Ausdruck voranschreitender Pluralisierung und flexibler Lebensentwürfe

zu beobachten.

– Damit verbunden ist eine Veränderung der qualitativen Wohnungsnachfrage

und der Ansprüche an die Stadt und die Quartiere. Vielfach

entsprechen die Wohnungsbestände der großen Wohnsiedlungen

nicht mehr den sehr ausdifferenzierten Bedürfnissen und Ansprüchen

jüngerer Haushalte an das Wohnen.

– Der Wandel von einer weitgehend homogenen Gesellschaft zu einer

kulturell und sozial vielschichtigen Gesellschaft wird durch Zuwanderung

unterschiedlicher Nationalitäten verstärkt.


Die wirtschaftlichen und politischen Restrukturierungs- und Deregulierungsprozesse

auf nationaler und globaler Ebene fördern seit einigen

Jahren verstärkte Spaltungstendenzen der Gesellschaft in Bezug auf

Arbeitsmarktzugang und Beschäftigung, Einkommen, Bildung, Konsummuster

und Lebensstile. Diese Entwicklungen wirken sich letztlich auf die

Zusammensetzung der Wohnbevölkerung in den Quartieren aus. Einkommensschwächere

Wohnungsnachfrager bekommen zunehmend

Zugangsprobleme zum Wohnungsmarkt und konzentrieren sich in

benachteiligten Quartieren.

Haushalte in stabilen Einkommensverhältnissen nutzen ihren Handlungsspielraum

bei der Wohnortwahl und ziehen in "bessere" Stadtviertel um.

Die Folge sind Entmischungsprozesse zwischen den Quartieren – einige

werden aufgewertet, andere werden abgewertet und es kommt so zu

einer stärkeren Polarisierung zwischen "In-Stadtteilen" und benachteiligten

Vierteln. Für die in benachteiligten Quartieren Zurückgebliebenen

besteht die Gefahr, durch die Stigmatisierung ihrer Wohngebiete zusätzlich

benachteiligt zu werden.

Zu dieser Entwicklung tragen der ökonomische Strukturwandel und die

damit verbundenen Arbeitsplatzverluste insbesondere im industriellen

Sektor bei. In der Folge kommt es vielerorts zu einem kollektiven sozialen

Abstieg. Begleitet wird dies durch eine Deregulierung des Wohnungsmarktes

und eine Verringerung des belegungs- und mietpreisgebundenen

Wohnungsbestandes. Hinzu kommen die Internationalisierung der

Wohnungs- und Immobilienmärkte, der damit verbundene internationale

Handel mit Wohnimmobilien und die Privatisierung kommunaler Wohnungsbestände,

aber auch städtischer Infrastruktur und Dienstleistungen.

Im Ergebnis nehmen die Einflussmöglichkeiten der öffentlichen Hand

auf die Entwicklung der Städte und Quartiere ab. Die Städte sind zunehmend

auf privatwirtschaftliches Engagement angewiesen.

Die sozialräumlichen Unterschiede treten in Großstädten besonders

deutlich zutage, sind jedoch ebenso in Mittel- und auch kleineren Städten

festzustellen. Seit einigen Jahren ist eine Beschleunigung dieser

sozial räumlichen Segregationsprozesse zu beobachten. Eine Trendwende

ist derzeit nicht absehbar.

17


18

2.2 Probleme und Potenziale in den Quartieren

Die so entstandenen benachteiligten Quartiere weisen in vielerlei Hinsicht

Defizite auf. Der wirtschaftliche Strukturwandel und die soziale Ent -

mischung führen zu einem hohen Anteil an Personen, die von staatlichen

Transferzahlungen abhängig sind. Unter dieser Situation leidet dann die

lokale Ökonomie, die stagniert oder zurück geht. Mit der sinkenden

Kaufkraft der Bewohner zieht sich auch das örtliche Gewerbe zurück.

Innerhalb benachteiligter Quartiere entstehen oftmals soziale und kulturelle

Konflikte aufgrund unterschiedlicher Lebensweisen oder auch aufgrund

sprachlicher Barrieren zwischen Zuwanderern oder Aussiedlern

und Einheimischen.

Benachteiligte Quartiere weisen vielfach bauliche Mängel auf. Zahlreiche

innerstädtische Altbauquartiere, die als "Rückzugsort" für benachteiligte

Bewohner dienen, sind in einem baulich schlechten Zustand, vielfach

aber auch Großwohnsiedlungen der 1960er bis 1980er Jahre. Oftmals

bestehen auch Mängel im Wohnumfeld sowie Nutzungsdefizite. Es fehlen

Kindertagesstätten, Schulen und medizinische Versorgung, gleichzeitig

gibt es nur eine schmale Grundausstattung an Einzelhandel und

Dienstleistungen und ein geringes Angebot an Sport-, Kultur- und Freizeiteinrichtungen.

Infrastrukturelle Mängel haben vor allem Auswirkungen

auf das tägliche Leben der Bewohner. Insbesondere Großwohn -

siedlungen sind meist nicht auf den Lebensrhythmus Erwerbsloser

ausgerichtet. Hinzu kommt eine schlechte Aufenthaltsqualität im öffentlichen

Raum. Für viele Menschen sind die Siedlungen zum Lebensmittelpunkt

geworden, worauf diese jedoch planerisch nicht ausgerichtet sind.

Zusammenfassend können die Problemfelder in benachteiligten Quartieren

durch folgende Punkte gekennzeichnet werden 5 :

– Probleme in den Bereichen Wohnen, Wohnumfeld und

Ökologie:

Modernisierungs- und Instandsetzungsstau, hohe Bebauungsdichte,

Wohnumfeldmängel, Mangel an Grün- und Freiflächen;

– Defizite in den Bereichen Bildung, Qualifizierung und

Gesundheit:

Ein Resultat sozio-ökonomischer Probleme von besonderer gesamtgesellschaftlicher

Tragweite ist die Kinderarmut, die mit reduzierten

Bildungschancen und Gefahren für die gesundheitliche Entwicklung

von Kindern und Jugendlichen einhergeht;

5

In Anlehnung an BMVBS (2008a).


– Probleme im Bereich infrastruktureller Ausstattung:

unzureichende soziale und technische Infrastruktur, ungenügende

Freizeitmöglichkeiten (speziell für Kinder und Jugendliche);

– Nachbarschaftliche Probleme:

Konzentration benachteiligter Haushalte (darunter hoher Anteil von

Menschen mit Migrationshintergrund), Fortzug einkommensstärkerer

Haushalte, Fehlen von Zusammengehörigkeitsgefühl, Spannungen

im Zusammenleben verschiedener Bevölkerungsgruppen, soziale Konflikte,

geringe Einwohnerinitiative, Perspektivlosigkeit auch unter

Jugendlichen, Drogen- und Alkoholmissbrauch, Vandalismus und

Kriminalität;

– Probleme im Bereich lokaler Ökonomie:

quantitative und qualitative Verschlechterung im Gewerbebereich

(Einzelhandel, Dienstleistungen), unzureichende Ausbildungs- und

Arbeitsplätze vor Ort, verbunden mit (Langzeit-)Arbeitslosigkeit,

Abhängigkeit von staatlichen Transferleistungen.

Die Kumulation dieser Probleme führt mit der Zeit zu einem ungünstigen

Image der belasteten Quartiere. Soziale Ungleichheit wird damit nicht

nur verfestigt, sondern sogar noch verschärft. Dabei kommt den Quartieren

für die Stabilisierung einer demokratischen Gesellschaft eine große

Bedeutung zu. Wie die Erfahrungen der sozialen Quartiersentwicklung

zeigen, stecken die Lösungsansätze für eine positive Veränderung der

Lebensbedingungen insbesondere in den endogenen Potenzialen dieser

Wohngebiete. Die Bewohner selbst sind dabei wichtige Akteure, die mit

ihrem Wissen über die Situation vor Ort einen wichtigen Beitrag leisten

können.

19


20

2.3 Das Programm "Soziale Stadt"

Die Ministerkonferenz der ARGEBAU hat 1996 in Potsdam die Bund-

Länder-Gemeinschaftsinitiative "Soziale Stadt" beschlossen, um der drohenden

sozialen Polarisierung in den Städten Einhalt zu gebieten. Das

Programm bietet den Rahmen für eine zwischen Bund, Ländern und

Kommunen abgestimmte Strategie der Quartiersentwicklung. Die Bundesregierung

hat die Gemeinschaftsinitiative zum Anlass genommen, die

Städtebauförderung seit 1999 um das eigenständige neue Bund-Länder-

Programm "Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf – die Soziale

Stadt" zu ergänzen.

Die Gemeinschaftsinitiative "Soziale Stadt" gilt Stadt- und Ortsteilen, die

infolge sozialräumlicher Segregation davon bedroht sind, ins soziale

Abseits abzurutschen. Es handelt sich dabei meist und insbesondere um

hochverdichtete, einwohnerstarke Stadtteile in städtischen Räumen, die

erhebliche Defizite aufweisen. Hinzu kommen jedoch auch Gebiete in

Gemeinden, die z. B. aufgrund ihrer peripheren Lage und – zum Teil

hierdurch bedingt – durch ihre Einwohnerstruktur ganz ähnliche Probleme

zeigen. Das können Gebiete in stark benachteiligten Regionen

oder ehemalige Wohnsiedlungen der abgezogenen Streitkräfte sein 6 .

Das Programm soll die Kommunen wirksam dabei unterstützen, Quartiersentwicklungsprozesse

in Gang zu setzen, mit deren Hilfe die sozialen

Problemgebiete zu integrierten Stadtteilen mit positiver Zukunftsperspektive

entwickelt werden und zugleich der Entstehung neuer ungünstiger

Prozesse entgegenwirken. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, ist

eine Verstärkung der Förderungen für diese Quartiere durch Bund und

Länder in Betracht zu ziehen.

Die angestrebten Quartiersentwicklungsprozesse zielen auf:

– die Verbesserung der Lebensbedingungen in den Quartieren,

– die Schaffung stabiler Sozialstrukturen und

– die Verbesserung der Lebenschancen für die Bewohnerinnen und

Bewohner.

6 Vgl. ARGEBAU (2005): Leitfaden zur Ausgestaltung der Gemeinschaftsinitiative

Soziale Stadt S. 2f.


Wohnen, Wohnumfeld

und Ökologie

Bildung, Qualifizierung

und Gesundheitsförderung

Kulturelle und soziale

Infrastruktur

Diese übergeordneten Ziele sind im Programm "Soziale Stadt" durch die

nachfolgend erläuterten Unterziele untersetzt. Zur besseren Vergleichbarkeit

mit den Ergebnissen der Projektanalyse werden die Unterziele der

einzelnen Handlungsfelder gemäß der in Kapitel 3 verwendeten Gliederung

zusammengefasst 7 :

Ziel ist die Herstellung bzw. Sicherstellung einer hinreichenden Qualität

des Wohnens einschließlich der Wohnumfeld- und ökologischen Qualität.

Damit wird eine grundsätzliche Voraussetzung für die Verbesserung

der Lebensbedingungen, für Bewohnerstabilität und ausgewogene

Bewohnerstrukturen geschaffen. Hierbei geht es zunächst um bauliche

und wohnungswirtschaftliche Maßnahmen zur Steigerung der Attraktivität

und zur Ergänzung des Wohnungsangebotes um fehlende Wohnungstypen.

Dies wird begleitet durch gebietsspezifische Aufwertungen

des Wohnumfeldes zur Steigerung der Attraktivität und der Wohnzufriedenheit.

Ein gut gestaltetes Wohnumfeld ist die Voraussetzung für die

Akzeptanz des Quartiers durch breite Bewohnerschichten. Zu den Verbesserungen

des Wohnumfelds gehören schließlich ebenso die Reduzierung

von Verkehrsgefahren oder die Beachtung der ökologischen

Belange hinsichtlich Bepflanzungen.

Die Bereiche Bildung und Gesundheitsförderung sind wichtige Handlungsfelder,

um insbesondere Kindern und Jugendlichen Möglichkeiten

für eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu geben. Die Bedeutung

der Schulen als aktive Gestalterin des Lebens im Quartier soll gestärkt

werden.

Eine immer größere Rolle spielt in den Quartiersprojekten die Gesundheitsförderung

durch Beratung. Viele Menschen in den Quartieren haben

erhebliche gesundheitliche Probleme. Dies senkt die Lebensqualität und

reduziert die Möglichkeit der Integration in den Arbeitsmarkt. Insbesondere

für Jugendliche sind Beratungsmöglichkeiten im Hinblick auf Suchtverhalten

und Drogenmissbrauch hilfreich.

Die Ergänzung der sozialen Infrastruktur hat für den sozialen Ausgleich

in problembelasteten Gebieten besondere Bedeutung. Der Bedarf an

Gemeinschaftseinrichtungen für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen

ist dort besonders hoch, weil die Bewohner der Quartiere in Bezug auf

Ausbildung, soziale Vernetzung, Arbeitsplätze, mit Beschäftigung aus -

gefüllte Zeit, Gesundheitsvorsorge, Kaufkraft und Mobilität gegenüber

anderen im Nachteil sind. Daher soll die notwendige Infrastruktur ausgebaut

und geeignete Räume mit der erforderlichen personellen Betreuung

bereitgestellt werden: für das kulturelle und gesellschaftliche Leben

verschiedener ethnischer Gruppen im Quartier, zur Kommunikation

unterschiedlicher Gruppen, zur Verbesserung der Beratungs- und Dienstleistungsangebote,

zur Bereicherung der Möglichkeiten der Freizeitgestaltung

und zur Schaffung von Gelegenheiten, soziale Beziehungen aufzubauen

und aus der Isolation herauszukommen.

7 Die Ziele und Handlungsfelder sind im Leitfaden zur Ausgestaltung der

Gemeinschaftsinitiative "Soziale Stadt" 2005 folgendermaßen benannt:

– Bürgermitwirkung, Stadtteilleben, soziale Integration

– Lokale Wirtschaft, Arbeit und Beschäftigung

– Quartierszentren, Stadtteilbüros

– Soziale, kulturelle, bildungs- und freizeitbezogene Infrastruktur, Schule im Stadtteil,

Gesundheit

– Wohnen

– Öffentlicher Raum, Wohnumfeld und Ökologie

21


22

Sicherheit und

Nachbarschaft

Lokale Wirtschaft, Arbeit

und Beschäftigung

Die Förderung einer guten Nachbarschaft und die (Wieder-)Herstellung

eines eigenständigen Stadtteillebens ist ein Schlüsselziel einer erfolgreichen

Stadtteilentwicklung und Grundvoraussetzung für ein funktionierendes

und sich nachhaltig selbst tragendes Gemeinwesen. Damit der

soziale Verbund wieder hergestellt wird, sollten alle vorhandenen örtlichen

Potenziale gestärkt und die Bewohner motiviert werden, in Initiativen

und Vereinen mitzuwirken und sich dauerhaft selbst zu organisieren.

Die Quartierszentren fördern nicht nur Kommunikation im Quartier, sondern

stellen teilweise auch die Nahversorgung sicher. Deshalb können

die Qualitäten von Nachbarschaft und der lokalen Wirtschaft oft am Verfall

der Quartierszentren erkannt werden.

Da die Arbeitslosigkeit zu den zentralen Ursachen von Armut und Ausgrenzung

gehört, kommt der Bereitstellung und Vermittlung von Arbeitsplätzen

und – übergangsweise auch – das Angebot von Beschäftigung

im zweiten Arbeitsmarkt eine grundsätzliche Bedeutung zur Verbesserung

der Lebensverhältnisse in sozial benachteiligten Gebieten zu.

Ebenso wichtig ist es, die Arbeitsuchenden besser zu qualifizieren, um

die Voraussetzungen für ihre Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess

zu schaffen. Den schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen

kann sicherlich das Programm nicht entgegen wirken, dennoch können

zumindest Impulse für eine Belebung der lokalen Wirtschaft gegeben

werden.

Allerdings wird es nicht immer sinnvoll und möglich sein, die erforderlichen

Arbeitsplätze unmittelbar im Quartier zu entwickeln, wie überhaupt

eine kleinräumige Steuerung der Arbeitsplatzentwicklung häufig eher

unrealistisch sein wird. Vor diesem Hintergrund kommt der räumlichen

und fachlichen Integration der Quartiersentwicklung in Hinblick auf diese

Zielsetzung eine hohe Bedeutung zu. So können z. B. Bewohner in Quartieren

mit hoher Arbeitslosigkeit gezielt auf Jobs verwiesen und geschult

werden, die andernorts in Stadt oder Umgebung in vertretbarer Entfernung

und hinreichender Erreichbarkeit an bestimmten Standorten angeboten

werden. Handelt es sich um neue Wohnorts-/Arbeitsortsrelationen

mit größerem Arbeitsplatzangebot, kann es ein Ziel der Beschäftigungsförderung

im Quartier sein, die ÖPNV-Anbindung speziell zu verbessern.


2.4 Wohnungsunternehmen als Partner der

Stadtentwicklung

Das privatwirtschaftliche Engagement spielt aufgrund der beschriebenen

Deregulierungs- und Privatisierungsprozesse eine immer größere Rolle bei

der Stadt- und Quartiersentwicklung. Die Städte sind mehr denn je auf

verlässliche Partner angewiesen, die sich den Bürgern und dem Eigentum

verpflichtet fühlen. Wohnungsunternehmen sind dabei wichtige Partner

der Städte bei der Entwicklung von Quartieren:

"Zum einen, weil sie durch ihre lokale Präsenz und ihren täglichen Kontakt

mit Mietern vor Ort über fundierte Kenntnisse und vielfältige Kontakte

im Stadtteil verfügen. Zum anderen, weil sie mit ihren baulichen

Maßnahmen wichtige Impulse setzen können: Werden Quartiersprozesse

mit sichtbaren Investitionen verknüpft, entstehen deutliche Zeichen, die

zum Mitgestalten und weiterem Engagement motivieren. Im günstigen

Fall lösen öffentliche Investitionen dann auch private Investitionen aus.

So können Wohnungsunternehmen gemeinsam mit anderen Akteuren

Lebensräume gestalten und an der (Re)Vitalisierung von Stadtteilen mitwirken

8 ."

Wohnungsunternehmen entwickeln und gestalten Lebensräume. Zu

den Handlungsfeldern zählen neben dem Bau und der Vermietung von

Wohnraum, auch die Entwicklung der Bestände. Die Art und Weise

der Bestandsentwicklung hängt dabei maßgeblich von dem jeweiligen

Geschäftsmodell des Unternehmens ab. Insbesondere Wohnungsunternehmen

mit einer langfristigen Perspektive und einem auf Bestands -

entwicklung ausgerichteten Geschäftsmodell haben ein großes Interesse

an einer nachhaltigen Entwicklung der Quartiere. Dies unterscheidet

Bestandshalter, die langfristig vor Ort sein werden, von Eigentümern,

bei denen kurzfristige wirtschaftliche Interessen überwiegen.

Nachhaltiges Engagement ist die Basis für eine Vielzahl von Maßnahmen

im Rahmen der sozialen Quartiersentwicklung. Viele Wohnungsunternehmen

übernehmen daher Aufgaben im Rahmen des Quartiersmana -

gements, stellen Räumlichkeiten bereit und beteiligen sich an technischen

und sozialen Infrastrukturleistungen. Durch ihre wirtschaftliche

Bedeutung sind sie wichtige Arbeitgeber und fördern somit die lokale

Wirtschaft.

8 Michael Sachs, Mitglied des Vorstandes der SAGA und Geschäftsführer der

GWG Hamburg: Wohnungsunternehmen als Partner der sozialen Stadtentwicklung

(VNW).

23


24

Nicht zuletzt ist ihre Rolle als Versorger von privaten Haushalten, die auf

preiswerten Wohnraum angewiesen sind, von herausragender Bedeutung.

Hier treten sie vielfach als Kooperationspartner der Kommunen in

Erscheinung und tragen zu der Erfüllung des Versorgungsauftrages der

öffentlichen Hand bei.

Dies alles kann nur gelingen, wenn die relevanten Akteure vor Ort miteinander

kooperieren. Dabei gilt es, die Vielzahl an Akteuren der Politik,

der Verwaltung, der örtlichen Organisationen und Vereine zur Zusammenarbeit

zu bewegen. Die Wohnungsunternehmen spielen hierbei

häufig eine vermittelnde, z. T. auch steuernde Rolle, da sie sowohl über

unmittelbaren Kontakt zur Bewohnerschaft als auch zu der politischen

Ebene, der Verwaltung und zu den Akteuren im Quartier verfügen.


3 Handlungsfelder von Projekten der

Sozialen Quartiersentwicklung

Die Analyse der Projekte erfolgte anhand von fünf zentralen Handlungsfeldern

sozialer Quartiersentwicklung, die im Rahmen der Untersuchung

identifiziert worden sind. Hierzu zählen:

– Wohnen, Wohnumfeld und Ökologie

– Bildung, Qualifizierung und Gesundheitsförderung

– Kulturelle und soziale Infrastruktur

– Sicherheit und Nachbarschaft

– Lokale Wirtschaft, Arbeit und Beschäftigung.

Die Zuordnung der Projekte zu den Handlungsfeldern ist ein Ergebnis der

Projektanalyse, in deren Rahmen die zentralen prozessualen Elemente

sozialer Projekte untersucht worden sind. Zu diesen Elementen zählen

die in den Projekten durchgeführten, problembezogenen Maßnahmen

sowie die beteiligten Akteure, die diese Maßnahmen initiieren und

durchführen. Auf dieser Basis wurden die verwendeten Instrumente

sowie die daraus resultierenden Effekte herausgearbeitet. Dabei ist

untersucht worden, welche Ausgangssituationen jeweils vorlagen, wie

mit welchen Maßnahmen reagiert wurde und welche Akteure beteiligt

waren. Der Erfolg von Projekten der sozialen Quartiersentwicklung

bemisst sich an den erreichten Zielen bzw. Effekten und der Tragfähigkeit

der Projekte:

– Allem voran steht die Problemerkennung mit einer Analyse und

Bewertung der Situation im Quartier. Daraufhin lassen sich verschiedene

Maßnahmen ergreifen, um die Situation zu verbessern. Nicht

alle im weiteren Verlauf dargestellten Maßnahmen sind auf jede

Situation anwendbar und nicht alle Maßnahmen garantieren Erfolg.

Vielmehr greifen die Handlungsfelder ineinander, sodass bestimmte,

geeignete Maßnahmen ausgewählt werden müssen.

– Die Zusammenarbeit zwischen den relevanten Akteuren spielt neben

den zu ergreifenden Maßnahmen eine zentrale Rolle. Zu den relevanten

Akteuren zählen z. B. die Stadtverwaltung und die Wohnungs -

eigentümer, die häufig als Initiatoren und Investoren auftreten sowie

gemeinnützige Vereine, Träger sozialer Dienstleistungen und die

Bewohner vor Ort.

– Für den Erfolg eines Projektes sind neben einer wirtschaftlichen Beurteilung

die Effekte wesentlich, die im Quartier erreicht werden. Einzelne

Projekte und Maßnahmen können dabei auf unterschiedlichen

Ebenen vielfältige Effekte erzielen. Daher wurde untersucht, welche

Auswirkungen die jeweiligen Maßnahmen haben.

25


26

3.1 Wohnen, Wohnumfeld und Ökologie

Maßnahmen

Benachteiligte Quartiere weisen in der Regel baulich-funktionale Defizite

auf. Dies trifft auf Großwohnsiedlungen ebenso zu wie auf innenstadtnahe

Altbauquartiere. Die Ergebnisse der bundesweiten Befragung von

Gebieten der Sozialen Stadt zeigen die wichtigsten Probleme in den

Stadtteilen. Dazu zählen 9 :

– Modernisierungs- und Instandsetzungsbedarf bei Wohnungen und

Wohngebäuden,

– Defizite im Wohnumfeld,

– Schlechtes Gebietsimage.

Die baulichen Defizite im Wohnungsbestand gehen häufig einher mit

Nutzungsdefiziten im Wohnumfeld im Hinblick auf Aufenthaltsqualitäten,

die Ausstattung mit Infrastruktureinrichtungen, Spielplätzen etc.

Eng damit verbunden sind in der Regel soziale Probleme und Verwahr -

losungs tendenzen im Wohnumfeld.

Bei den Defiziten und Maßnahmen hinsichtlich des Wohnumfeldes gibt

es Überschneidungen mit dem Handlungsfeld 'Sicherheit in der Nachbarschaft',

da Verwahrlosungen und ungenutzte Räume sowie Gestaltungsdefizite

im Hinblick auf Beleuchtung und Wegeführungen vielfach auch

Sicherheitsaspekte berühren.

Strategien zur Verbesserung der Lebensbedingungen setzen somit meist

an der baulichen Komponente an. Die Erneuerung der Wohnungsbestände

und des Wohnumfeldes ist damit der Kern der Strategien. Die

Umsetzung erfolgt in erfolgreichen Projekten oft über verschiedene

Beteiligungsformen und integrative Maßnahmen.

Analog zu den benannten Problemfeldern zählen die Handlungsfelder

– "Wohnumfeld und öffentlicher Raum" und

– "Wohnungsversorgung und Wohnungswirtschaft"

zu den Wichtigsten im Rahmen des Programms "Soziale Stadt" 10 .

In den untersuchten Beispielen stellt die Modernisierung von Wohnungsbeständen

ebenfalls häufig ein wichtiges Handlungsfeld dar. Dabei geht

es im Wesentlichen darum,

– die Wohnungsbestände zielgruppengerecht anzupassen,

9,10

Vgl. Bundestransferstelle Soziale Stadt: Dritte bundesweite Befragung

Programmgebiete "Soziale Stadt", 2005/2006.


– die Wohnbedingungen für die Bewohner zu verbessern,

– die Infrastruktur an die Wohn- und Lebensbedürfnisse der Bewohner

anzupassen und

– die Attraktivität der Siedlungen nach Außen zu erhöhen.

Die zielgruppengerechte Anpassung der Wohnungsbestände ist eine

wesentliche Voraussetzung für die Verbesserung der Lebensbedingungen.

In den untersuchten Projekten wurden z. B. Wohnungsmodernisierungen

durchgeführt, bei denen die Wohnanforderungen älterer Bewohner

besonders berücksichtigt werden. Dazu zählen Maßnahmen zur

Verringerung von Barrieren in den Wohnungen, im Gebäude und im

Wohnumfeld. Ebenso können Maßnahmen im Bereich der Gebäudeausstattung,

wie der Einbau von Haussprechanlagen oder Internetzugänge,

wesentlich zur Verbesserung der Lebensqualität beitragen.

Ein wesentlicher Aspekt bei der Entwicklung der Wohnungsbestände ist

die Sozialverträglichkeit der durchgeführten Maßnahmen. In den untersuchten

Projekten spielt die sozialverträgliche Anpassung der Mieten eine

wichtige Rolle für die Akzeptanz und für die Lebensbedingungen der

ansässigen Bevölkerung. Durch behutsame Mietpreisanpassung wird Verdrängung

verhindert.

Einen noch höheren Stellenwert als die Bestandsanpassungen haben –

zumindest im Rahmen des Programms "Soziale Stadt" – Wohnumfeldmaßnahmen.

Die Verbesserung des Wohnumfeldes als ein wichtiger

Lebensraum für die Bewohner trägt in den untersuchten Beispielen

wesentlich zu einer erhöhten Identifikation mit dem Quartier bei. Gleichzeitig

ist das Wohnumfeld eine Visitenkarte für ein Quartier und hat

somit Einfluss auf die Außenwirkung.

In den Projekten wird deutlich, dass die Wohnumfeldmaßnahmen im

Rahmen von Beteiligungsverfahren auf die Bedürfnisse der Bewohner

abgestimmt werden konnten. Zu den Maßnahmen zählen u.a. die Aufwertung

von Sport- und Spielplätzen, die Umstrukturierungen von Parkplätzen

oder das Anlegen von öffentlichen Flächen zu gern genutzten

Grünanlagen. Die Minderung von Verkehrsgefahren wird dabei ebenso

berücksichtigt werden wie die ökologischen Belange.

Verbesserung des

Wohnumfelds, Ökologie

Architektur und

Gebäudeausstattung

Städtebauliche

Maßnahmen

Maßnahmen und

Instrumente im Handlungsfeld

Wohnen, Wohnumfeld

und Ökologie

Bewohnerbeteiligung

Sozialverträgliche

Belegungs- und Mietpreispolitik

27


28

Projektbeteiligte

Positive Effekte

Die Erneuerung von Wohnungsbeständen und des Wohnumfeldes

obliegt in den Projekten im Wesentlichen den Wohnungsunternehmen.

Ein erfolgreicher Projektverlauf stellte sich bei den untersuchten

Projekten oft dann ein, wenn zu Beginn eine Bestandsanalyse und ein

Abgleich mit den Wohnbedürfnissen der Bewohner vorgenommen

wurde. Die Bewohnereinbindung und -aktivierung in einer frühen Planungsphase

und die Einbeziehung in die Konzeptentwicklung sorgen

zusammen mit einem schrittweisen Vorgehen für eine hohe Akzeptanz

bei den betroffenen Menschen. Wichtig ist ebenso, den Bewohnern bei

umfangreicheren Maßnahmen eine ständige Anlauf- und Informationsstelle

anzubieten. Des Weiteren hat sich bei baulichen Maßnahmen

bewährt, mithilfe von Starterprojekten anfänglich wirksame Zeichen

der Erneuerung zu setzen und somit die positiven Effekte des Veränderungsprozesses

sichtbar zu machen.

Bei Infrastrukturprojekten sind über die genannten Akteure hinaus vielfach

weitere Akteure, wie das örtliche Quartiersmanagement oder

Vereine und Dienstleister tätig, insbesondere wenn begleitende Maßnahmen

im Bereich der sozialen Infrastruktur durchgeführt werden. Eine

wichtige Rolle spielt zudem die jeweilige Kommunalverwaltung als

Träger zahlreicher Infrastrukturmaßnahmen. So war in einem Beispiel die

Kooperation des Wohnungsunternehmens mit einem Sportverein, mit

sozialen Vereinen, dem Bezirksamt, dem Quartiersmanagement und

einem Landschaftsplanungsbüro zielführend.

Kommune

Stadt, Bezirke,

Senatsverwaltung

Institutionen

Vereine, Dienstleister,

Sozialwerk, Stiftungen,

Arbeitsamt, Fachhochschule

Die Modernisierung von Wohnungsbeständen und Gebäuden trägt zu

einer baulichen Aufwertung des gesamten Quartiers und zur Imageverbesserung

bei. Die zielgruppengerechte Gestaltung der Lebensumwelt

steigert die Wohnzufriedenheit und erhöht die Identifikation der Bewohner

mit dem Quartier. Dies bildet die Basis, um funktionierende Nach -

barschaften und soziale Netzwerke zu entwickeln. Darüber hinaus zeigt

sich immer wieder, dass sich durch die bauliche Aufwertung die Wahrnehmung

der Quartiere für Außenstehende positiv verändert und somit

einer Stigmatisierung entgegengewirkt wird.

Die Imageverbesserungen haben nicht nur für die Bewohner, sondern

auch für die jeweiligen Wohnungsunternehmen wichtige Effekte:

– Verbesserung der Neuvermietung,

– Verringerung von Leerständen,

Wohnungsunternehmen

Akteure im Handlungsfeld

Wohnen, Wohnumfeld

und Ökologie

Bewohner

Studenten, Bürgerbeirat,

Eigentümergemeinschaften,

Nachbarschaftsbörse,

Mieterbeirat

Management

Stadtteilmanagement,

Quartiersmanagement,

Beratungsgesellschaften


– höhere Wohnzufriedenheit durch zielgruppengerechten Wohnraum,

– geringere Fluktuation,

– Verringerung von Vandalismus durch höhere Identifikation.

Da investive Maßnahmen immer auch langfristiger Natur sind, können

die Bewohner und Nutzer des Quartiers auch langfristig davon profitieren.

Um so wichtiger ist dabei aber auch eine sorgsame Planung, die die

Interessen der zukünftigen Nutzer berücksichtigt. In den untersuchten

Projekten wurde daher Wert auf eine sozialverträgliche Durchführung

gelegt, wodurch eine Aufwertung der Quartiere ermöglicht wurde, ohne

dass dies mit einer Verdrängung bestimmter Mietergruppen verbunden

war. Mithilfe einer auf den sozialen Zusammenhalt der Nachbarschaft

zielenden Belegungs- und Mietpreispolitik gelingt es den Wohnungsunternehmen

in den erfolgreichen Projekten, auch weiterhin bezahlbaren

Wohnraum anzubieten und gleichzeitig positiven Einfluss auf die Sozialstruktur

zu nehmen.

Bauliche Maßnahmen dienen in der sozialen Quartiersentwicklung darüber

hinaus dazu, die Ziele der Quartiersentwicklung voranzutreiben, die

einen baulichen Rahmen zu ihrer Verwirklichung benötigen. So benötigen

soziale und kulturelle Projekte einen baulichen Rahmen, der sowohl

hinsichtlich der Funktionalität als auch im Hinblick auf gestalterische Elemente

eine wichtige Bedeutung hat. Auch hier können bauliche Qualitäten

die Identifikation mit dem Quartier bzw. dem jeweiligen Projekt

erhöhen und die Akzeptanz der Bewohner steigern.

Sichtbare bauliche Investitionen können darüber hinaus einen Prozess

anstoßen, in dem Engagement und Teilnahme ausgelöst werden. Bestenfalls

werden durch Investitionen der öffentlichen Hand oder der Wohnungsunternehmen

vor Ort weitere Investitionen privater Akteure ausgelöst.

Nach den in vielen Jahren gesammelten Erfahrungen in der sozialen

Quartiersentwicklung hat sich gezeigt, dass allein die bauliche Erneuerung

von Quartieren nicht ausreicht, um die Lebensbedingungen in den

Quartieren zu verbessern. Aspekte der Beteiligung und Integration stehen

immer mehr im Vordergrund, wie sich anhand der nachfolgenden

Handlungsfelder zeigen wird.

29


Jugendprojekt: Schöner Wohnen

im Vorfeld, (EU-Förderprogramm:

Lokales Kapital für

soziale Zwecke), Bemalen von

Hydranten.

30

Beispiel Wohnen:

Ein Stadtteil (er)findet sich neu.

"Soziale Stadt findet NUWOG"

Preisträger Preis Soziale Stadt 2008

Bürgerbeteiligung 2002: das

Modell veranschaulicht für die

Bewohner die geplante Umgestaltung

des Stadtteils Vorfeld

(Sommerfest).

Projektbeteiligte:

NUWOG – Wohnungs -

gesellschaft der Stadt Neu-Ulm

GmbH, Stadtteilmanagement,

Kirchen, kath. Jugendsozialwerk,

Caritas, Diakonisches

Werk, Arbeiterwohlfahrt,

Schulen, verschiedene

Wohnungsgesellschaften,

Stadtverwaltung

Bei dem Stadtteil Vorfeld in Neu-Ulm handelt es sich um ein Konversionsgebiet

aus den 1950er Jahren mit einem hohen Anteil an Aussiedlern

in der Bewohnerschaft. Nachdem die NUWOG das Areal Anfang der

1990er Jahre erworben hatte, begann die kommunale Wohnungsgesellschaft

mit der schrittweisen Modernisierung der Wohnungsbestände. Bei

der Modernisierung fanden Aspekte der demographischen Entwicklung

besondere Berücksichtigung, sodass rund 40 % der Wohnungen barrierefrei

umgebaut worden sind. Gleichzeitig wurden Fahrstühle angebaut

und aus den überwiegend 3-4-Zimmer-Wohnungen durch Grundrissveränderungen

ein ausdifferenzierter Wohnungsmix entwickelt.

In die Planungen der baulichen Maßnahmen wurden frühzeitig

die Bewohner einbezogen und eine gemeinsame Umgestaltung

des Bistros "Vorfeld Inn" initiiert. Die bauliche Umgestaltung

wurde flankiert durch zahlreiche soziale Maßnahmen. Im

Zusammenhang mit dem Stadtteilbüro gibt es zahlreiche Angebote,

wie Sprach kurse, Elterntraining, Bildungsprogramme und

Beratung zu beruflichen Fragen. Gesteuert werden diese Maßnahmen

durch das eigens von der Wohnungsgesellschaft

gegründetes Stadtteilmanagement.

Die NUWOG hat mit der Entwicklung des Quartiers eine

Gemeinschaftsinitiative mit der Stadt und zahlreichen sozialen

Trägern unter Beteiligung der Bewohner ins Leben gerufen.

Über einen Zeitraum von inzwischen mehr als 15 Jahren werden

die Projekte vorangetrieben. Im Zuge der vielfältigen baulichen

Maßnahmen kam es zu einer deutlichen Imageverbesserung

und zu mehr Selbstbewusstsein in der Bevölkerung.

Demgegenüber haben Kriminalität und Vandalismus abgenommen.

Für die NUWOG hat sich die Wohnzufriedenheit der

Bewohner verbessert, es gibt kaum Leerstände und keine Probleme

bei Neuvermietung.

Dieses Projekt fußt auf verschiedenen Erfolgsfaktoren. Es

wurde ein individuelles und umfassendes Konzept zugrunde gelegt, das

sowohl bauliche als auch soziale und partizipative Elemente beinhaltet.

In der Verstetigung des Projektes zeigt sich ein ganz wesentlicher Erfolgsfaktor.

Daran sind die Stadt Neu-Ulm und die NUWOG maßgeblich beteiligt

sowie auch die Betroffenen selbst, die in das Projekt eingebunden

worden sind. Mit ca. 2000 Stunden ehrenamtlicher Tätigkeit im Jahr

konnten mehr als 1000 Bewohner in weit über 100 Projekte

einbezogen werden. Als besonders wertvoll haben sich die Förderprogramme

des Europäischen Sozialfonds (ESF) in der Umsetzung der sozialen

Komponente erwiesen.


Beispiel Wohnumfeldgestaltung:

Bürgerkompetenz im Spessartviertel

in Dietzenbach

Preisträger Preis Soziale Stadt 2002

"Gemeinsam Bauen"

Projektbeteiligte:

Nassauische Heimstätte,

Wohnungs- und Entwicklungsgesellschaft

mbH, Stadt-

und Baulandentwicklung,

Forschungsstelle für Frei-

und Spielraum planung,

Stadt Dietzenbach, Schulen,

Jugend einrichtungen,

Kirchen, Vereine, Kinder -

schutz bund, Streetworker,

Nachbarschafts-TV

Das Spessartviertel in Dietzenbach war sanierungsbedürftig, sodass von

der Nassauischen Heimstätte – Wohn- und Entwicklungsgesellschaft

investive Maßnahmen ergriffen wurden, um das verwahrloste Umfeld

der Wohnanlagen aufzuwerten und nachbarschaftliche Begegnungen

und Aktivitäten im Freien zu ermöglichen. Ziel war es, einer drohenden

Stigmatisierung des Quartiers entgegen zu wirken.

Die Bewohner, die verschiedenen ethnischen Kulturen angehö -

ren, wurden frühzeitig in die Planungen einbezogen. Dazu

wurde ein besonderes Beteiligungsverfahren mit Kindern und

Jugendlichen entwickelt, dessen erster Bestandteil eine Planerinsel

im Freien war. Diese Begegnungsstätte entstand in fachlicher

Anleitung zusammen mit den Kindern des Quartiers. Als

Zweites folgte das Kinder- und Jugendlichen-Beteiligungsmodell.

Die dabei entstandenen Planungsergebnisse des Freiraumkonzepts

wurden veröffentlicht und im Magistrat der Stadt verabschiedet.

Das konsequente Beteiligungsmodell während der Planung und

der Umsetzung schaffte eine hohe Akzeptanz bei den Bewohnern.

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor dieses Projektes war, dass

die Bewohner frühzeitig den Nutzen des Projektes durch sichtbare

Erfolge erkennen konnten. Es wurden nicht nur Wünsche

geweckt, sondern auch verbindlich umgesetzt. Dreh- und

Angelpunkt sind die muslimischen Frauen, ohne die in einer

durch Migranten geprägten Bewohnerschaft keine Prozesse in

Gang kommen. Somit wurden Betroffene zu Akteuren gemacht und

Multiplikatoreffekte genutzt. In diesem Projekt konnte ein Bewusstseinswandel

vieler Frauen beobachtet werden, die ihre Chance zur Beteiligung

nutzen wollen. Die Beteiligung dieser Personen an den Projekten

ist wichtig, um längerfristig Bewohner in den Gremien binden zu

können. Gegenüber klassischen Vergabearbeiten wurde sogar noch eine

Kosteneinsparung von 30 % erreicht. Die gesamte Planung wurde

zudem mit der Verabschiedung im Magistrat in die übergeordnete städtische

Planung eingebunden.

31


32

3.2 Bildung, Qualifizierung und

Gesundheitsförderung

Maßnahmen

In den benachteiligten Quartieren konzentrieren sich vielfach Bewohner,

die keinen oder nur begrenzten Zugang zum Arbeitsmarkt und zu Bildungsangeboten

haben. Hinzu kommt, dass viele Personen mit Migrationshintergrund

Sprachdefizite in der deutschen Sprache haben. Oft sind

Kinder dadurch benachteiligt und ihre Eltern selbst nicht in der Lage,

diese Defizite zu mindern. Dadurch entstehen vielschichtige Problemlagen,

da sich sprachliche Defizite über Bildungs- und Einkommensbarrieren

zu gesellschaftlichen Barrieren entwickeln können. Der Zugang zu

jeglicher Bildung – nicht nur der Sprachförderung – muss jedoch für

diese Kinder und Jugendliche sichergestellt werden, da nur über Qualifizierung

der Einstieg in die Arbeitswelt ermöglicht werden kann. Immer

wichtiger werden zudem Aspekte der Gesundheitsförderung, wie Aufklärung

über Gefahren durch Drogen und Alkohol oder Ernährungsberatung.

Ein zentrales Handlungsfeld der sozialen Quartiersentwicklung ist die

Integration verschiedener ethnischer Gruppen in die (Quartiers-)Gesellschaft.

Sprachförderungen leisten hierzu einen Beitrag, indem Sprachbarrieren

verringert werden und die Kommunikation in der Nachbarschaft

verbessert wird. Oftmals gehen diese Sprachkurse mit Kinderbetreuungsangeboten

einher, damit vor allem auch die Mütter eine Chance

auf Bildung haben.

Die Integration von Jugendlichen in die Gesellschaft verspricht den größten

Erfolg, wenn es möglich ist, diesen den Zugang in die Arbeitswelt

zu erleichtern. Hierzu leisten berufsvorbereitende oder ausbildungsbegleitende

Maßnahmen einen wesentlichen Beitrag. Auch die

Leistungen in der schulbegleitenden Betreuung tragen dazu bei, dass die

Schüler erfolgreicher sind und eine höhere Wahrscheinlichkeit besteht,

dass sie einen Schulabschluss erreichen.

Oftmals finden sich auch hohe Anteile an Langzeitarbeitslosen und

Sozialhilfeempfängern in den betreffenden Quartieren. Diese Bewohner

bekommen durch gezielte Maßnahmen wie Angebote zur beruflichen

Qualifizierung, Bewerbungstraining oder EDV-Kurse die Chance,

sich wieder in das Berufsleben zu integrieren.

In verschiedenen Projekten wurde erkannt, dass die Elternbildung ein

zentraler Ansatzpunkt für die Gestaltung der Zukunft der Kinder und

Jugendlichen ist. Denn Wissen und gesellschaftliche Werte werden zum

großen Teil durch die Eltern vermittelt. Wenn diese dazu nicht in der

Lage sind, können auch die Kinder nicht profitieren.


In den analysierten Projekten gibt es dazu vielfältige Ansätze. Die Einrichtung

einer Elternschule, die Wissensvermittlung zum Thema Kindererziehung

oder die Beratung zu Themen wie Medienkonsum, Gesundheitsförderung

und gewaltfreie Erziehung haben einen guten Beitrag zur

Elternbildung geleistet. Besonders zu erwähnen ist die Idee, Eltern (meist

Mütter) der Kinder aus Kindertageseinrichtungen so zu qualifizieren, dass

diese als Mentorinnen Elternkurse durchführen können. Wenn dieser

Wissenstransfer zusätzlich noch in der Muttersprache erfolgt, können die

betroffenen Eltern auch sprachlich besonders gut erreicht werden.

Zudem werden die Bewohner dazu animiert, selbst als Vermittler von

Wissen zu agieren. In den Projekten hat sich gezeigt, dass eine kontinuierliche

Wissensvermittlung, die z. B. einmal in der Woche stattfindet,

Erfolg versprechend ist.

Die Gesundheitsförderung spielt neben den Themen Bildung und Qualifizierung

eine immer wichtigere Rolle. Förderung bereits in den frühen

Kindheitsjahren ist auf unterschiedliche Art und Weise notwendig

geworden, da bei den Kindern oft ein gestörter Zugang zu Bewegung,

Ernährung und Stressbewältigung zu finden ist. Hinzu kommen bei

Jugendlichen vielfach Probleme im Umgang mit Drogen und Alkohol.

Gesundheitsförderung kann in den betroffenen Quartieren in unterschiedlichen

Organisationsformen erfolgen. Ein Gesundheitsladen ist

z. B. eine zentrale Anlaufstelle, in der Beratungs- und Qualifizierungsangebote

im Bereich Gesundheitswirtschaft und Pflege angeboten werden.

Die Spannweite von Teilprojekten kann dagegen von einem Schülercafé,

einem Mittagstisch für Schüler, Gartenprojekten bis hin zu Präventionskursen

reichen. Dabei wird verstärkt Öffentlichkeitsarbeit an Kitas und

Schulen betrieben, um Kontakte zu den Kindern, Jugendlichen und den

Betreuern zu bekommen.

Schulberatung

Berufsvorbereitung und

Ausbildungsbegleitung

Gesundheitsförderung

Maßnahmen und Instrumente

im Handlungsfeld

Bildung, Qualifizierung und

Gesundheit

Qualifizierung von

Langzeitarbeitslosen

Elterntraining und

Elternbildung

(Erwachsenen-)

Sprachförderung

Bildungs- und

Familienarbeit

33


34

Projektbeteiligte

Positive Effekte

Zielgruppen der Bildungs- und Gesundheitsförderung sind vor allem Kinder

und Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund und insbesondere

auch deren Eltern, die im Hinblick auf die Erziehung ihrer Kinder

Unterstützung erfahren.

Im Bereich Bildung zeigt sich, dass es vielfach sehr umfangreiche

Akteursstrukturen gibt. Die jeweilige Kommune nimmt insbesondere in

Bildungs- und Qualifizierungsfragen eine wichtige Rolle ein. Häufig

unterstützen das Sozial- oder Jugendamt die Arbeit vor Ort, indem sie

als Träger für Betreuungsstellen auftreten oder Hilfestellungen geben. Im

Bereich von Qualifizierungsangeboten spielt oft die Agentur für Arbeit

eine Rolle.

Im Bildungs- und Betreuungsbereich sind aber auch die Bewohner vielfach

selbst die Akteure, wenn sie z. B. als Multiplikatoren unterschiedlicher

Muttersprachen im Rahmen ehrenamtlicher Arbeit als Mittler zur

Verfügung stehen. Schließlich kommen Vereine, Kirchengemeinden,

Schulen und Kitas als Träger von Beratungs- und Bildungsangeboten

hinzu. Die Wohnungsunternehmen sind oftmals selbst Initiatoren von

Angeboten oder stellen entsprechende Räume – oftmals kostenfrei – zur

Verfügung.

Kommunen

Jugendamt, Sozialamt

Institutionen

Schulen, Kitas, Vereine,

Kirchen

Akteure im Handlungsfeld

Bildung, Qualifizierung

und Gesundheit

Kinder und

Jugendliche

Eltern

Bildungsinvestitionen stellen ein zentrales Handlungsfeld im Sinne einer

nachhaltigen Entwicklung dar, da die erzielbaren Wirkungen in der Regel

langfristig sind. Denn diejenigen Personen, die an entsprechenden Bildungsmaßnahmen

teilnehmen, profitieren im günstigsten Fall ihr Leben

lang. Hinzu kommt, dass sprachliche oder ausbildungsbedingte Benachteiligungen

nicht mehr an die nächste Generation weitergegeben werden.

Bildungsinvestitionen stärken das Selbstbewusstsein der Adressaten und

erhöhen somit die Wohn- und Lebenszufriedenheit der Menschen. Auf

diese Weise wird ein zentraler Beitrag zu sozialem Frieden und sozialer

Gerechtigkeit geleistet. Somit stehen Bildung und Integration in einer

engen Beziehung zueinander. In den Projekten konnten zum Teil bereits

direkte Lerneffekte von Schülern festgestellt werden, deren schulische

Leistungen sich durch die Angebote verbessert haben.


Die untersuchten Projektbeispiele haben zudem gezeigt, dass Bildungsund

Familienarbeit eng miteinander verzahnt sind und einen kreativen

Kreislauf in Gang bringen können. Denn die Vermittlung von Wissen

kann zu einem großen Teil auf die Bewohner selbst übertragen werden.

Dadurch erhalten die beteiligten Menschen neue Aufgaben und neues

Selbstbewusstsein. Die ehrenamtlich tätigen Bewohner haben zudem

eine Vorbildfunktion, die eine positive Wirkung auf andere Bewohner

haben kann, sodass sich ein Multiplikatoreffekt ergibt. Dabei entstehen

neue Kontakte und soziale Netzwerke.

Diese "weichen Faktoren" bewirken eine höhere Identifikation der

Bewohner mit dem Wohnort und eine Imageverbesserung des Quartiers,

die auch nach außen strahlen kann. Mit der Aktivierung der örtlichen

Potenziale, der Entwicklung von Bürgerbewusstsein für den Stadtteil und

der Schaffung selbsttragender Bewohnerorganisationen sind wichtige

Ziele der Sozialen Quartiersentwicklung erreicht.

35


36

Beispiel Bildung:

Leben und Wohnen im Jagenberggelände

in Düsseldorf

Preisträger Preis Soziale Stadt 2008

Das Jagenberggelände

"Mama lernt Deutsch" – Die

Mütter leben teilweise seit

15 Jahren hier, ohne sich auf

Deutsch verständigen zu können.

Voraussetzungen für die

muslimischen Frauen, von

denen etliche Analphabeten

sind: Kleinkinderbetreuung,

weibliche Lehrkräfte, die ihre

Muttersprache sprechen und

den kulturellen Hintergrund

kennen. Sie werden über

Mundpropaganda auf die Kurse

aufmerksam.

Projektbeteiligte:

Wohnungsgesellschaften des

Arbeitskreises Jagenberggelände:Landesentwicklungsgesellschaft

mbH – LEG,

Beamten-Wohnungs-Baugenossenschaft

eG, Rheinwohnungsbau

GmbH, SWD Städtische

Wohnungs gesellschaft AG,

Jugendamt Düsseldorf, Wohnungsamt

Düsseldorf, Aktion

Gemein wesen und Beratung

e.V.

Das Jagenberggelände ist ein ehemaliges Industriegelände, das in den

1990er Jahren als Wohnquartier neu entwickelt worden ist. Die Mehrheit

der Bewohner verfügt über einen Migrationshintergrund und befindet

sich in prekären ökonomischen Situationen, gepaart mit Bildungs- und

Sprachdefiziten.

Schon frühzeitig wurde durch die ansässigen Wohnungsunternehmen

und Vertreter verschiedener Ämter der Arbeitskreis

"Leben und Wohnen im Jagenberggelände" gegründet, der die

Situation vor Ort analysiert hat und entsprechende Maßnahmen

durchführt.

Zur Steuerung und Stabilisierung der Bewohnerstruktur wurde

eine Belegungsvereinbarung zwischen den Wohnungsunternehmen

und der Stadt Düsseldorf geschlossen. Hinzu kommen

integrative Förderangebote und -maßnahmen, wie Sprachförderung

für Mütter inkl. Kinderbetreuung, Berufsvorbereitung

und Ausbildungsbegleitung für Jugendliche sowie interkulturelle

Veranstaltungen von und mit Bewohnern.

In den ersten drei Jahren (2004 bis 2007) beliefen sich die Projektkosten

auf ca. EUR 280.000. Hiervon finanzierte 70 % die

"Aktion Mensch". Ca. 25 % wurden von den Wohnungsgesellschaften

finanziert. Seit dem Jahr 2008 werden die Personalkosten

von der Stadt Düsseldorf getragen. Kosten für Maßnahmen

werden weiterhin von den Wohnungsunternehmen sowie

durch den Landschaftsverband Rheinland getragen.

Die zahlreichen Maßnahmen haben zu einer deutlichen Verbesserung

der Lebensumstände der Bewohnerinnen und Bewohner

geführt. Der Schlüssel zum Erfolg ist die Kombination aus Bildungs-

und Familien arbeit sowie Bewohneraktivierung. Möglich wurde

dies durch die lang fristige Ausrichtung des Projektes und die intensive

Beteiligung der Wohnungsunternehmen, der Stadt und vieler weiterer

Akteure, sodass eine Verstetigung des Projektes erreicht werden konnte.

Durch die gute und erbauliche Zusammenarbeit von Wohnungsgesellschaften,

Schulen, Jugendamt, Wohnungsamt und Trägern der Jugendhilfe

konnten Kompetenzen und Ressourcen sinnvoll gebündelt und eingesetzt

werden.

Der soziale Ertrag liegt in der Integration der Menschen und Teilhabe am

gesellschaftlichen und kulturellen Leben. Das Projekt ermöglicht durch

die Vermittlung sozialer und kommunikativer Kompetenz eine zentrale

Voraussetzung für Integration. Darüber hinaus ist im Wohnquartier ein

belastbares Netzwerk von Arbeitsbeziehungen entstanden, in dem sich

kleinere und größere Probleme rasch lösen lassen.


Beispiel Bildung:

Programm KiFa – Kinder- und

Familienbildung in Ludwigsburg

Anerkennung Preis Soziale Stadt 2008

Die Qualifizierung der Fachkräfte

umfasst vielfältige die

Themenfelder.

KiFa – Besuche in der Bibliothek

mit den Elternkursen und den

Eltern-Kind-Gruppen.

Projektbeteiligte:

Stadt Ludwigsburg, Caritas,

Jugendamt, Gesundheitsamt,

Deutsches Jugend institut,

Familienwissenschaftliche

Forschungs stelle Baden-Württemberg,

Pädagogische Hochschule,

Stiftung, Kirchen,

Vereine, Beratungsstellen,

pädagogische Fachkräfte, Erzieherinnen,

Mentoren/Eltern,

Eltern aus Kitas, Akademie für

Information und Management,

Evangeli sche Fachhochschule

Eine zentrale Voraussetzung für die erfolgreiche Bildungslaufbahn von

Kindern ist die Lernförderung im Elternhaus. An sozial schwächere Familien

mit und ohne Migrationshintergrund gerichtet, reagiert das Projekt

mit einer systematischen Elternbildung auf die niedrige Bildungsbeteiligung

in "Soziale Stadt"-Gebieten.

Die Qualifizierung von Müttern aus Kindertageseinrichtungen

zu Mentorinnen ermöglicht eine kontinuierliche Wissensvermittlung

zum Thema Kindererziehung und Bildung. In wöchentlichen

Treffen in einem Zeitraum von einem Jahr leitet jede

Mentorin ihren Kurs von 6-8 Frauen und bietet zu den verschiedenen

Themen Aktivitäten und Materialien an, die zu Hause in

der Muttersprache angewendet werden können, wobei die

KiFa die Qualitätssicherung übernimmt.

Zunächst verlief die Finanzierung über Fremdmittel, inzwischen

ist sie über die Stadt Ludwigsburg gesichert. Zusätzliche Kosten

entstehen u.a. durch die Qualifizierung der Mentorinnen (ca.

EUR 2.500,00/Jahr) und deren Aufwandsentschädigungen (ca.

EUR 1.000,00/Jahr), womit sich die Kosten im Vergleich zum

Projekterfolg in einem überschaubaren Rahmen bewegen. Der

Erfolg des Projektes zeichnet sich auf verschiedenen Ebenen ab.

Viele der betreuten Kinder gehen anschließend auf die Realschule

oder das Gymnasium. Weiterhin konnten noch andere

Teilprojekte wie z. B. Integrationskurse, Angebote für Väter und der Austausch

zwischen den Mentorinnen ins Leben gerufen werden. Durch die

hohe Nachfrage konnte sich das Programm KiFa auf die gesamte Stadt

und weitere Kommunen ausdehnen.

Die Stärkung der Mütter in bildungsschwächeren Familien ist der zentrale

Erfolgsfaktor dieses Projekts, da sie diejenigen sind, die für die

Erziehung und Bildung der Kinder zuständig sind. Das Prinzip, 'Betroffene

zu Akteuren zu machen' wird hier in aller Deutlichkeit umgesetzt.

Die Grundhaltung, nicht zu belehren, sondern die Potenziale der Frauen

Wert zu schätzen und in die Bildungsarbeit mit einfließen zu lassen, steigert

die Annahmebereitschaft für die Projektangebote.

37


38

3.3 Kulturelle und soziale Infrastruktur

Maßnahmen

Die zunehmende Polarisierung von Arm und Reich birgt die Gefahr, dass

sich die sozialräumliche Spaltung in der Stadt vertieft 11 . Für benachteiligte

Quartiere bedeutet dies häufig, dass öffentliches Leben kaum stattfindet.

Die Projekte der sozialen Quartiersentwicklung zielen daher darauf

ab, die Voraussetzungen für gesellschaftliches Miteinander und

Möglichkeiten zur Begegnung und Kommunikation zu schaffen, denn

dies sind die Grundpfeiler für eine lebendige und warme Atmosphäre

eines Stadtteils.

Ziele der sozialen Quartiersentwicklung im Bereich kulturelle und soziale

Angebote können daher sein:

– Bereitstellung einer leistungsfähigen Infrastruktur mit kulturellen,

sozialen und sportlichen Angeboten und Begegnungsmöglichkeiten im

Quartier.

– Gleichberechtigter Zugang zu sozialen und kulturellen Angeboten für

alle Bewohner eines Quartiers unabhängig der sozialen, kulturellen

oder ethnischen Herkunft.

– Förderung der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben als Voraussetzung

zur Entfaltung der Potenziale der Menschen.

Eine gute Möglichkeit, kulturelle und soziale Angebote im Quartier zu

etablieren, ist die Einrichtung einer Begegnungsstätte oder eines Stadtteiltreffs.

Viele Projekte verfügen über offene Angebote und Sozialberatungen,

z. B. für Ausländer oder Spätaussiedler, und integrieren die

Bewohner so in das kulturelle Leben der Stadt und bieten gleichzeitig die

Chance, das eigene kulturelle Erbe der Bewohner mit anderen zu teilen.

In Quartieren, in denen die sozialen und kulturellen Bedürfnisse von

Jugendlichen und Erwachsenen bis dahin nicht gefördert worden sind,

entstehen Vereine, die Kulturzentren aufbauen und damit ein breites

künstlerisches und soziales Angebot schaffen. Veranstaltungen und

Ausstellungen werden organisiert, Kooperationen mit Theatern oder

Jugendklubs sowie offene Kurse für Kinder und Jugendliche angeboten.

Das Angebot der Stadtteiltreffs wird häufig ergänzt durch Dienstleistungen

– wie z. B. Sprachkurse, Sportkurse oder ein Mittagstisch für

Schüler – die ihrerseits zur Integration der Bewohnergruppen beitragen

und das Leben im Quartier erleichtern.

11 BMVBS (2009) S. 3.


Projektbeteiligte

Zu den sozialen Angeboten zählen z. B. auch Kinderbetreuungen für

(meist) alleinerziehende Mütter, damit diese in der Zeit, in der ihre Kinder

betreut werden, eine bezahlte Beschäftigung suchen oder ihr nachgehen

können. In einem Fall reagierten die Bewohnerinnen auf den bestehenden

Betreuungsmangel mit Eigeninitiative. In Kooperation mit dem Wohnungsunternehmen,

das eine leer stehende Wohnung zur Verfügung

stellte, organisierten die Bewohnerinnen in Eigeninitiative Schulungen

und Vermittlungen von Tagesmüttern. Das besondere Engagement der

Bewohnerinnen hat sich soweit ausgezahlt, dass das erprobte Kinderbetreuungsangebot

auch räumlich immer weiter ausgeweitet werden

konnte.

Kulturzentrum

Stadtteiltreff,

Begegnungsstätten

Muttersprachliche

Beratung

Offene Angebote für

Kinder und Jugendliche

Maßnahmen und Instrumente

im Handlungsfeld

kulturelle und soziale

Infrastruktur

Kinderbetreuungsangebote

Kulturelle Angebote

und Veranstaltungen

Sozialberatung

Jugendarbeit

Soziale Angebote

und Veranstaltungen

Da die kulturellen und sozialen Angebote sehr breit gefächert sein können,

sind sehr viele und unterschiedliche Akteure an den Projekten

beteiligt. Hauptsächlich sind die Bewohner aktiv oder teilhabend in

Kooperationen mit verschiedenen Institutionen involviert. Diese tragen

mit ihren künstlerischen Talenten aus Theater und Kunst oder verschiedenen

kleinen Dienstleistungen zur Entwicklung der Projekte bei. Zeitungsverlage

präsentieren die Projekte in der Öffentlichkeit und 'Netzwerker'

bieten Kontakte zur Unterstützung der Ideen an. Aus dem Bereich der

Universitäten oder Volkshochschulen kommen Anregungen zu spezifischen

Fachthemen.

Die Wohnungsunternehmen sorgen häufig für die räumliche Grundausstattung

bei dem Aufbau einer Begegnungsstätte oder eines

Stadtteiltreffs, in dem sie (leer stehende) Wohnungen den Bewohnern

– bestenfalls kostenlos – zur Verfügung stellen.

Im Hinblick auf die sozialen Angebote ist es insbesondere bei sensiblen

Themenbereichen, wie Erziehung, Bildung und Kinderbetreuung, ratsam,

offizielle Stellen zumindest beratend/unterstützend zu beteiligen. Häufig

sind dies die Jugend- und Sozialämter. Durch Bereitstellung personeller

Kapazitäten erfolgt dann auch oft die (finanzielle) Unterstützung

durch die Kommunen.

39


40

Positive Effekte

In den Bereichen, in denen der Projektschwerpunkt auf der Integration

bislang arbeitsloser Jugendlicher in die Arbeitswelt liegt, ist oft eine

Arbeitsagentur bei der Projektorganisation beteiligt.

Arbeitsagentur

und andere

Beschäftigungsgesellschaften

Institutionen

Vereine, Theater,

Künstler, Zeitungsverlage,

Gemeinde, Kleindienstleister,

Kulturzentrum, Netzwerke,

Arbeiterwohlfahrt

Kommune

Stadt, Sozialamt,

Jugendamt

Akteure im

Handlungsfeld

kulturelle und soziale

Infrastruktur

Bewohner

Kinder und Jugendliche

Wohnungsunternehmen

Universitäten

Kunststudenten,

Volkshochschule

Kulturelle und soziale Angebote leisten einen wichtigen Beitrag zur Integration

unterschiedlicher sozialer Gruppen in die (Quartiers-)Gesellschaft.

Zu diesen Gruppen zählen z. B. unterschiedliche Altersgruppen oder ethnische

Gruppen. Stadtteiltreffs fördern die Kommunikation und die Verständigung

zwischen den Bewohnern.

Kulturelle und soziale Angebote regen Kinder und Jugendliche zu einer

aktiven Freizeitgestaltung an. Wichtig ist bei diesen Projekten, eine feste

Kulturszene aufzubauen, die Bestandteil des Quartiers wird. Häufig steigt

die Nachfrage an Kursangeboten mit der Zeit an, was zeigt, wie wichtig

und wie gut diese Angebote von den Bewohnern angenommen werden,

sodass es zusätzlich zu einer kontinuierlichen Angebotserweiterung

kommt. Teilweise werden kulturelle Angebote mit Sprachkursangeboten

verknüpft, sodass gleichzeitig Integration und Wahrung des eigenen Kulturerbes

gefördert werden.

Die allgemeinen kulturellen und sozialen Angebote im Rahmen eines

Begegnungszentrums oder eines Stadtteiltreffs haben den Effekt, dass

Kinder, Jugendliche und Erwachsene aller sozialer und ethnischer Schichten

eine Aussicht auf Integration in ihrem Quartier haben, ohne dass ihre

eigene Kultur dabei verloren geht. Ein verbessertes Verständnis zwischen

einheimischer und zugewanderter Bevölkerung kann in einigen Beispielen

einer drohenden Fremdenfeindlichkeit entgegenwirken.

Die verschiedenartigen Angebote in diesem Handlungsfeld können insgesamt

zu einer Imageverbesserung beitragen. Einige von Leerstand

bedrohte Quartiere wurden durch begleitende kulturelle und soziale

Maßnahmen so stark aufgewertet, dass sich ein lebendiger Stadtteil entwickelte.

Begegnungsstätten können zu einem Markenzeichen eines

Stadtteils werden, die eine feste Anlaufstelle für die Menschen darstellen,

bei der die Bewohner nicht nur konsumieren, sondern aktiv ihre

Ideen einbringen und sich ehrenamtlich oder gegen ein geringes Honorar

engagieren können. Durch dieses aktive Engagement wird die Identifikation

der Bewohner mit ihrem Stadtteil gefördert und gestärkt und

eine langfristige Erhöhung der Lebensqualität im Quartier erreicht.


Bei einem Teil der Projekte steht eine funktionierende Kinderbetreuung

im Vordergrund. Darüber hinaus entstehen durch das besondere Engagement

der Mütter soziale Netzwerke. Dies hat einen doppelt positiven

Effekt: Einerseits entstehen Arbeitsplätze zur Betreuung der Kinder,

andererseits können die alleinerziehenden Mütter selbst Arbeit suchen,

ihr nachgehen oder sich fortbilden.

Arbeitsbeschaffungen sind auch in anderen Aufgabengebieten möglich

und können in unterschiedlichem Maße verwirklicht werden. Dabei ist es

hilfreich, wenn z. B. arbeitslose Jugendliche aus dem Quartier bevorzugt

bei der Umsetzung der Projekte berücksichtigt werden.

Bei besonders gelungenen Projekten ziehen die anfänglichen Maßnahmen

weitere Aktivierungen von kleineren Dienstleistern im Quartier mit

sich, sodass man von einem Multiplikatoreffekt sprechen kann. In einem

Fallbeispiel konnte sich ein bewährtes Konzept sogar räumlich erweitern

und auf andere Gebiete übertragen.

41


42

Beispiel Soziales Angebot:

Demenz & Migration, Yalniz

Degilsiniz! – Du bist nicht allein!

in Gelsenkirchen

Preisträger Preis Soziale Stadt 2006

Informationsmaterialien in russischer,

serbischer, polnischer und

türkischer Sprache informieren

über die Krankheit Demenz und

den Umgang mit den Patienten.

Die Broschüren richten sich in

erster Linie an die Angehörigen.

Projektbeteiligte:

AWO Arbeiterwohlfahrt

Westfalen, Alzheimer -

gesellschaft in Ankara,

Ethnologie in Schule und

Erwachsenenbildung e.V.

Aufgrund des demographischen Wandels ist in den nächsten Jahren mit

einem Anstieg an demenzkranken Migranten zu rechnen. Auf diese

Situation sind bislang weder die Forschung noch die Altenhilfe oder das

Gesundheitswesen vorbereitet. Die AWO hat deshalb die Kombination

der Themen Migration und Demenz aufgegriffen und ein innovatives

Projekt initiiert, um Aufklärungs- und Informationsarbeit zum Thema

Demenz bei türkischen, polnischen und russischen Betroffenen und

deren Familien zu leisten. Inzwischen gilt der thematische Auftrag nicht

nur regional, sondern für ganz Nordrhein-Westfalen.

Das Projekt baut auf mehreren Säulen auf: Neben der Aufklärungsarbeit

über die oft unbekannte Krankheit und (bei Bedarf) der Vermittlung der

Betroffenen an geeignete Stellen aufgrund der bislang fehlenden Versorgungsstruktur

wurden Produkte zum Thema Demenz entwickelt wie z. B.

Filme und Erinnerungskarten auf türkisch, russisch und polnisch.

Über eine Stelleneinrichtung vor Ort konnten zunächst türkische Migranten

erreicht werden. Dieser Schwerpunkt konnte auf andere ethnische,

insbesondere russischsprachige Gruppen erweitert werden, welche aktuell

von drei hauptamtlichen Mitarbeiterinnen, einem Koordinator der

AWO und Honorarkräften (nach Bedarf) mit unterschiedlichen Sprachkenntnissen

betreut werden.

Problematisch sind die bislang sprachgesteuerten Diagnoseverfahren bei

Demenz für die Zielgruppe der Migranten/innen. Demenzkranke können

nicht mehr auf die gelernte deutsche Sprache zurückgreifen, was eine

Diagnose bisher nahezu unmöglich machte. Deshalb wurde durch das

Projekt die Entwicklung eines sprachunabhängigen Diagnoseinstruments

angeregt, welches zukünftig auf den Markt kommen soll: Mit einer Einführung

ist noch im Jahr 2010 zu rechnen.

Seit dem Jahr 2007 ist das Projekt Teil der Landesinitiative Demenzservice

NRW unter dem Titel "Demenz-Servicezentrum für Menschen mit

Zuwanderungsgeschichte" und wird im Rahmen der Landesinitiative

Demenzservice NRW je zur Hälfte vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit

und Soziales des Landes NRW und den Pflegekassen gefördert.

In der Modellprojektphase 2004 bis 2007 beliefen sich die jährlichen

Kosten auf EUR 85.000 Personalkosten und EUR 15.000 Sachkosten.

In der landes- und pflegekassengeförderten Regelfinanzierung betrugen

die Kosten 2008 und 2009 EUR 88.000 für Personal und EUR 17.000

Sachkosten. Für 2010 sind Gesamtkosten in Höhe von EUR 140.000,00

konzipiert. Der Erfolg dieses Projekts basiert hauptsächlich auf einer

innovativen Idee, ausgelöst durch eine "wachsame" Beobachtung der

Situation in den Quartieren, wodurch in individuelles Konzept entwickelt

und umgesetzt wurde.


Beispiel Soziales Angebot:

Sonnenkinder in Schwabach

Preisträger Preis Soziale Stadt 2008

Unter Anleitung einer deutschen

Sozialpädagogin bereitet

sich eine junge Frau aus Aserbaidschan

im Schülerprojekt

des ZAK Vereins auf die Ausbildung

zur Kinderpflegerin vor.

Einweihung des Bücherhauses:

Der ZAK Verein lässt sich

Bücher schenken, sortiert sie

und gibt sie gegen Spenden

weiter. Mit den Spenden werden

das Haus der Bücher und

das Schülerhaus finanziert.

Projektbeteiligte:

ZAK e.V. Zentrum für Arbeit

und Kultur, Gewobau

Wohnbaugesellschaft, Stadt

Schwabach, Sonneneck-

Kindernester, verschiedene

Dienstleister

In der Altstadt von Schwabach leben viele Migranten, Menschen mit

öffentlichen Unterstützungsleistungen und alleinerziehende Frauen ohne

abgeschlossene Berufsausbildung. Das innovative Konzept dieses Projektes

reagiert auf die Situation mit Betreuungsangeboten für Kinder dieser

Mütter.

Das Betreuungsmodell sieht die Kinderbetreuung zu flexiblen

Tageszeiten – auch nachts – vor und richtet sich dabei ganz

nach den Bedürfnissen der Familien.

Die anfängliche Skepsis gegenüber der Zusammenarbeit von

einer Fachkraft als Leiterin der Gruppe und den zunächst ungelernten

Tagesmüttern konnte schnell ausgeräumt werden. Die

Tagesmütter werden ständig fortgebildet und das Betreuungsangebot

erfreut sich inzwischen einer regen Nachfrage, sodass

bereits mehrere „Kindernester“ im Stadtteil entstanden sind.

Die gute Zusammenarbeit mit Kindergärten, Schulen, der Stadt

und dem Wohnungsunternehmen ermöglichte die Etablierung

der Nester in ehemals leer stehenden Wohnungen, sodass

inzwischen auch Angebote für die jüngsten Kinder bestehen.

Das Betreuungsmodell ist bei Bewohnern aller sozialen Schichten

beliebt.

Die Finanzierung des Projekts setzt sich aus den Einnahmen für

die Betreuung (EUR 1 pro Stunde) und der Unterstützung durch

Stadt und Staat zusammen. Dies umfasst Personalkosten sowie

Honorare für 40 Tagesmütter in Höhe von 35.000 EUR/Monat

sowie Raummieten in Höhe von 5.000 EUR/Monat.

Durch dieses Projekt konnten nicht nur Leerstände in der Altstadt

in lebendige Orte verwaltet werden, sondern es zeichnet

sich außerdem durch auf die Eltern maßgeschneiderte Betreuungsangebote

aus.

Erfolgsfaktoren sind die aktive Einbeziehung der Tagesmütter, Betroffene

werden zu Akteuren und helfen sich selbst, Multiplikatoreffekte

werden genutzt. Die Kosten für die Tagesmütter sind dabei vergleichsweise

gering.

43


44

3.4 Sicherheit und Nachbarschaft

Viele Projekte der sozialen Quartiersentwicklung setzen sich mit den

Schwerpunkten Sicherheit und Nachbarschaft auseinander. Dabei geht es

um Kriminalität im Quartier, Konflikte innerhalb der Bewohnerschaften,

das Sicherheitsgefühl der Bewohner aber auch um individuelle Unterstützung

zur Verbesserung der Lebenssituation und des nachbarschaftlichen

Lebens. Die Problemlagen sind vielschichtig:

– Zwischen den unterschiedlichen Bewohnergruppen – z. B. ältere

Menschen und junge Familien – kommt es aufgrund unterschiedlicher

Lebensweisen häufig zu Konflikten.

– Angst vor Kriminalität und Verunsicherung entstehen in Quartieren

mit großer Anonymität und einem hohen Anteil an sogenannten Problemmietern.

Häufig betroffen sind Quartiere mit einem hohen Anteil

älterer Bewohner, denn das Sicherheitsbedürfnis der älteren Bewohner

oft größer als bei jüngeren Bewohnern ist. Entscheidend ist das subjektive

Sicherheitsgefühl der Bewohner.

– Ungünstige Lebensumstände, wie Arbeitslosigkeit oder physische Einschränkungen

führen oftmals zu einem Rückzug in die Privatheit und

Isolation. Das subjektive Lebensgefühl und die Lebensqualität der

Bewohner sind negativ beeinträchtigt und nachbarschaftliche Beziehungen

haben kaum eine Chance.

Zur Stärkung des Sicherheitsgefühls der Bewohner gibt es verschiedene

Ansätze: 12

– Prävention im Zuge einer übersichtlichen Gestaltung von Wohnumfeld

und Gebäuden

– Aufbau oder Wiederherstellung von sozialen Netzwerken und Aktivierung

der Bewohner

– Konfliktminderung zwischen den unterschiedlichen Bewohnergruppen

und Steigerung der Lebensqualität der Bewohner im Rahmen eines

Sozialmanagements.

12

Vgl. GdW-Information 111: Sichere Nachbarschaften, Konzepte - Praxis - Beispiele,

Ein Leitfaden für Wohnungsunternehmen, Oktober 2005.


Maßnahmen

In den untersuchten Projekten, die dem Handlungsfeld Sicherheit und

Nachbarschaft zugeordnet worden sind, werden verschiedene Maßnahmen

durchgeführt, die sich mit den Zielen und Maßnahmen der Handlungsfelder

"Wohnungen, Wohnumfeld und Ökologie" (vgl. Kap. 3.1)

und "Kulturelle und soziale Angebote" (vgl. Kap 3.3) überschneiden.

Hierzu gehört z. B. die Einrichtung von Bewohnertreffs als Ausgangspunkt

für den Aufbau sozialer Netzwerke.

Wohnungsunternehmen schaffen hierzu häufig in einem ersten Schritt

die räumliche Basis. Dabei gibt es je nach Bedarf einen Generationstreff,

eine Betreuungsstätte für Menschen mit Behinderungen oder ein Austauschangebot

an allgemeinen Informationen im Quartier. Ein Quartiersbüro

stellt einen festen und damit wichtigen Anlaufpunkt für die Bewohner

dar, welches die Projekte und Maßnahmen koordiniert.

Die Gestaltung der öffentlichen Räume sowie der Zuwegungen und

Hauseingangssituationen spielen eine wichtige Rolle im Hinblick auf das

Sicherheitsgefühl. Ungünstig gestaltete Räume können unerwünschtes

Verhalten und Kriminalität begünstigen, sie können auch Unsicherheitsgefühle

auslösen. Bei der Wohnumfeldgestaltung sollte daher darauf

geachtet werden, einerseits deutliche Abgrenzungen zwischen privaten

und (halb-)öffentlichen Räumen und andererseits Übersichtlichkeit und

Transparenz zu schaffen.

Viele Wohnungsunternehmen haben Abteilungen eingerichtet, die sich mit

dem Sozialmanagement in den Quartieren beschäftigen. Bei diesen Angeboten

ist es wichtig, dass Kooperationen mit Verbänden, Vereinen und der

lokalen Wirtschaft entstehen, um eine Ressourcenvernetzung zu bewirken.

Ältere Menschen, denen es aus psychischen oder physischen Gründen

nicht möglich ist, selbstbestimmt zu leben, benötigen Unterstützung im

Haushalt, bei Instandhaltungs- und Renovierungsarbeiten, Behördengängen

und Arztbesuchen. Zu diesem Zweck wird beispielsweise eine

Wohngebietsbetreuung eingesetzt, bei der die Betreuer tägliche Rundgänge

in den Quartieren unternehmen und somit für Bewohner kontinuierlich

präsent und ansprechbar sind. Dies steigert das subjektive Sicherheitsgefühl

der Bewohner, Problemlagen können zudem frühzeitig

erkannt und beseitigt werden. Ein neutraler Ansprechpartner dient als

Vermittler zwischen den betroffenen Beteiligten wie z. B. den Wohnungsunternehmen,

dem Verein und den Mietern.

Eine Konfliktschlichtung oder -vermeidung wurde in den Projekten auf

unterschiedliche Art betrieben: Ein Informationsbüro für Kinder- und

Jugendarbeit zum Thema Drogen und Gewalt soll ebenso präventiv wirken

wie das Bestreben, bereits abhängigen Menschen eine Chance zum

Ausstieg und damit die Möglichkeit zur Rückkehr in die Gesellschaft zu

bieten.

Informationsveranstaltungen und Beratungsangebote können sich an

Lehrer und Pädagogen richten, mit dem Ziel, sie auf diesem Gebiet weiterzubilden.

Zudem gibt es aber auch Angebote für Jugendliche, um hinsichtlich

Straftaten und den Folgen innerhalb unseres Rechtssystems aufzuklären,

da hier oft Wissenslücken herrschen.

Dort, wo sich Bewohner in ihrem Umfeld unsicher fühlen, kann der Aufbau

eines sozialen Netzwerks und eine funktionierende Nachbarschaft

das subjektive Sicherheitsgefühl der Menschen positiv beeinflussen. Zum

einen können technische Maßnahmen wie Notrufsysteme in den Häusern

o.ä. dazu beitragen. Ein weitverbreitetes Mittel, um für Sicherheit in

Gebäuden mit schwieriger Sozialstruktur zu sorgen, ist die Einrichtung

eines Pförtnerdienstes (Concierge).

45


46

Projektbeteiligte

Zum anderen sorgt die Auseinandersetzung mit schwierigen Bewohnergruppen

– wie z. B. trinkenden Männern im öffentlichen Raum –

sowohl für eine Integration in das gesellschaftliche Leben als auch für

Verständnis für ihre Problemlagen bei den anderen Bewohnern des

Quartiers.

Aufbau eines

sozialen Netzwerks

Sicherheitsmaßnahmen

Präventive Kinderund

Jugendarbeit zu

Drogen und Gewalt

Aufbau eines

Quartierbüros

Maßnahmen und

Instrumente im

Handlungsfeld

Sicherheit und Nachbarschaft

Konfliktschlichtung

Unterstützung bei

Haushalts- und

Renovierungsarbeiten

Wohnumfeldgestaltung

Bewohnerbetreuung

Concierge

Verschiedene Institutionen sowie Bürgerinitiativen, Vereine oder Haushaltsdienstleistungen

zur Betreuung und Pflege von hilfsbedürftigen

Menschen kooperieren mit den Wohnungsunternehmen und bieten

ihnen fachliche Unterstützung. Viele Wohnungsunternehmen sind aber

auch selbst Anbieter von Betreuungs- und Dienstleistungsangeboten im

Rahmen eines Sozialmanagements.

Die Bewohner nehmen sowohl an den verschiedenen Maßnahmen und

Angeboten teil, agieren jedoch auch aktiv, indem sie Nachbarschaftstreffs

organisieren oder in ehrenamtlichem Engagement soziale Auf -

gaben in Vereinen übernehmen. Polizei, Pädagogen und Lehrer

arbeiten mit den Kindern und Jugendlichen zusammen und betreiben

Aufklärungsarbeit sowie Sucht- und Kriminalitätsprävention.

Bewohner

Kommune

Fachämter der Stadt,

Stadtsanierungsbüro,

Stadtplanungsamt

Wohnungsunternehmen

Akteure im

Handlungsfeld

Sicherheit und Nachbarschaft Quartiersmanagement

Institutionen

Bürgerinitiative, Verein, Gesellschaft zur

Betreuung + Pflege, Kirchen, Diakonie,

Polizei, Schulen


Positive Effekte

Grundsätzlich wirken starke soziale Netzwerke den Konflikten im Quartier

entgegen, sie stärken die Kommunikation unter den Bewohnern und

somit soziale Selbstkontrolle. Durch Angebote wie Generationentreffen

werden Verständnis und Einfühlungsvermögen zwischen den Altersgruppen

gefördert. Jugendliche lernen dabei, wieder Verantwortung zu übernehmen.

Ältere Menschen können im Gegenzug durch verschiedene

Angebote wieder am gesellschaftlichen Leben teilhaben.

Je nach Projektart und -größe wurden bis zu zehn Arbeitsstellen geschaffen,

deren Personal sich mit den Themen Sicherheit, Nachbarschaft und

Betreuung in dem Quartier beschäftigt. Innerhalb des Quartiers stellt

besonders die Betreuung und Beratung der Bewohner eine langfristige

Hilfestellung dar. Probleme können frühzeitig erkannt, Konflikte vermieden

und das subjektive Sicherheitsgefühl der Mieter gesteigert werden,

sodass insgesamt die Wohnzufriedenheit steigt und die Fluktuation sinkt.

Eine Betreuung von älteren Menschen, die es ihnen ermöglicht, weiterhin

selbstständig wohnen zu können, verhindert eine Heimaufnahme

und erspart Kosten in der Pflege. Den älteren Bewohnern wird somit ihre

Lebensqualität trotz Mobilitätseinschränkungen gesichert.

Die Unterstützung der Wohnungsunternehmen bei Renovierungs- und

Haushaltsarbeiten stellt nicht nur für die Bewohner eine Hilfestellung

dar, sondern kann einer drohenden Verwahrlosung entgegenwirken. Die

Substanz des Bestandes kann dadurch Kosten ersparend erhalten werden.

Für die Wohnungsunternehmen kann sich dadurch Imagegewinn

ergeben.

47


48

Beispiel Sicherheit und Nachbarschaft:

Kommunales Netzwerk in Zwickau

Preisträger Preis Soziale Stadt 2004

Projekt INTEGRA – Aufbau

eines Integrationstreffs für und

von Spätaussiedlern.

Mitarbeiter des "KIB" organisieren

für die Jugendlichen Sportturniere.

Projektbeteiligte:

Stadt Zwickau, Stadtsanierungsbüro,

Gesellschaft für

Stadterneuerung, Stadtteil -

büro, Bürgerbeirat, Fachhochschule

für Sozial wesen,

Kirchengemeinde, Gebäudeund

Grund stücksgesellschaft,

Wohnungsbaugenossenschaft,

Verein für Jugend- und Sozialarbeit,

Kontakt- und Informa -

tionsbüro für präventive

Kinder- und Jugendarbeit

Im jüngsten und größten Plattenbaugebiet der Stadt Zwickau ist die Einwohnerzahl

drastisch gesunken. Die jüngeren und besser verdienenden

Menschen ziehen weg und hinterlassen die älteren und einkommensschwachen

Bürger.

Das Kontakt- und Informationsbüro für präventive Kinder- und

Jugendarbeit ist ein Teilprojekt des kommunalen Netzwerks und

widmet sich der Präventionsarbeit an Schulen zu den Themen

Drogen und Gewalt. Neben Gesprächsangeboten mit aussteigewilligen

Abhängigen und der Weiterbildung von Lehrern und

Pädagogen werden seelsorgerische, polizeiliche und juristische

Vermittlungen angeboten. Ein weiteres Teilprojekt ist der Aufbau

eines Integrationstreffs für und von Spätaussiedlern in

einer von der Gebäude- und Grundstücksgesellschaft kostenlos

zur Verfügung gestellten Erdgeschosswohnung. Das breite

Spektrum der Angebote von Beratungen, Sprachkursen,

Schülerhilfe bis zur Sucht- und Kriminalitätsprävention integriert

die Bewohner aller Altersstufen in ihrem Quartier.

Regelmäßig stattfindende Netzwerk-Treffen, bei der die Partizipation

der Betroffenen ein wesentliches Merkmal ist, ermöglichen

schnelle Problemlösungen durch Kooperationen und Vernetzungen

im Quartier. Den vielfältigen sozialen Problemen

wird mit Hilfe von Ressourcenbündelung und dem Verständnis

entgegengewirkt, eine gemeinschaftliche Aufgabe anzugehen,

bei der Bürger, Kommune und die Wohnungswirtschaft zusammenarbeiten.

Dies ist der wesentliche Erfolgsfaktor des Projektes,

mit dem auf die Situation vor Ort durch ein individuelles

Konzept reagiert worden ist.


Beispiel Sicherheit und Nachbarschaft:

Mobile-Wohn-Begleithilfe in

Mannheim

Preisträger Preis Soziale Stadt 2006

Es existieren bereits zwei Seniorengruppen,

die sich regelmäßig

zu Kaffeerunden und

anderen Aktivitäten treffen.

Langjährige Mieterinnen werden

geehrt.

Wohn-Begleithilfe im Einsatz.

Projektbeteiligte:

GBG – Mannheimer

Wohnungsbaugesellschaft

mbH, Gesellschaft zur

Betreuung und Pflege

alter Menschen gGmbH,

Evangelische Kreuzgemeinde

Mannheim, Diakonisches

Werk Mannheim

Bei einem großen Anteil an Mietern der Mannheimer Wohnungsbaugesellschaft

mbH handelt es sich um ältere Bewohnerinnen und Bewohner,

die aufgrund ihres Alters aus psychischen oder physischen Gründen

zunehmend Probleme haben, selbstständig zu wohnen. Die Gefahr

besteht hierbei, dass die Menschen sich in die Privatheit zurückziehen

und vereinsamen.

Die Wohnungsbaugesellschaft hat deshalb eine kostenlose mobile

Wohnbegleitung entwickelt und den Aufbau eines Netzwerkes initiiert.

Ziel war es, die Menschen, die sich in vergleichbaren Lebenssituationen

befinden, zu betreuen und zusammen zu führen.

Die Organisation erfolgt mit professionellen Kooperationspartnern.

Die Wohn-Begleithilfe vermittelt Dienstleistungen angeboten

im Hinblick auf Renovierungsarbeiten, Unterstützung bei

Behördengängen, Hilfestellungen im Haushalt und Vermittlung

von Nachbarschaftskontakten. Für die Durchführung der

Dienstleistungen wurde ein Beschäftigungsprojekt gegründet.

Bei der Wohn-Begleithilfe handelt es sich um ein klassisches

Handlungsfeld der Wohnungswirtschaft, das entsprechend

komplett durch das Wohnungsunternehmen finanziert wird.

Die positiven Effekte aus diesem Projekt sind vielfältig. Aus

wohnungswirtschaftlicher Sicht führt die frühzeitige Intervention

bei der Substanzerhaltung zu Kostenersparnis bei der

Instandhaltung. Es wird somit einer drohenden Verwahrlosung

der Wohnungsbestände entgegengewirkt, Konflikte in den

Hausgemeinschaften verhindert und dadurch die Zufriedenheit

der Mieterinnen und Mieter gesteigert.

Der Erfolg des Projektes liegt in der dauerhaften Bereitstellung

von Dienstleistungen. Gleichzeitig wird mit den Angeboten die Partizi -

pationsbereitschaft der Bewohner aktiviert und zur Selbsthilfe angeregt.

Speziell die längere Verweildauer von Mietern in ihren Wohnungen und

die Vermeidung von Verwahrlosung ergeben einen eindeutigen betriebswirtschaftlichen

Nutzen für das Unternehmen. Weiche betriebswirt -

schaft liche Faktoren, wie ein 'positives Image' oder die Erwirtschaftung

von 'Stadtrendite' stärken die Position des Wohnungsbauunternehmens

im Gemeinwesen. Demgegenüber stehen die Kosten in Höhe von rund

70.000 EUR/Jahr. Zentraler Erfolgsfaktor ist die Entwicklung und

Umsetzung eines individuellen Konzeptes, das sehr konkret auf die Situation

vor Ort eingeht. Die Wohnungsgesellschaft ist zudem in der Lage,

das Projekt zu verstetigen und langfristig zu finanzieren.

49


50

3.5 Lokale Wirtschaft, Arbeit und Beschäftigung

Maßnahmen

Viele Projekte im Handlungsfeld Ökonomie weisen vielschichtige Problemlagen

auf. Eine stagnierende lokale Wirtschaft geht einher mit einer

hohen Arbeitslosenrate in den Quartieren, wobei es sich sowohl um

Langzeitarbeitslose als auch um Jugendliche ohne Schul- oder Ausbildungsabschluss

handeln kann. Weiterhin unterliegen diese Quartiere oft

einem Fortzug einkommensstarker Bevölkerungsschichten, wodurch ein

hoher Anteil von älteren Menschen und Menschen mit Migrationshintergrund

in den Quartieren verbleibt. Hinzu kommt eine instabile Gewerbeund

Dienstleistungssituation, die sogar soweit ausgeprägt sein kann,

dass eine Nahversorgung für die Bewohner nicht mehr gewährleistet ist.

Zusammen mit Mängeln in den äußeren Erscheinungsbildern der

Gebäude und verwahrlosten öffentlichen Räumen bilden diese Rahmenbedingungen

die Grundlage für die Projekte in diesem Handlungsfeld.

Aufgrund des Ineinandergreifens der verschiedenen Probleme müssen

die Projektbeteiligten ebenso vielschichtig vorgehen, um die Lebensbedingungen

für die Bewohner verbessern zu können. Ziele der sozialen

Quartiersentwicklung im Bereich Ökonomie können daher sein:

– Reaktivierung der lokalen Ökonomie,

– Schaffung von Arbeitsplätzen,

– Verbesserung der Infrastruktur,

– Qualifizierung der Bewohner für den Ausbildungs- oder Arbeitsmarkt.

Der Aufbau eines Netzwerkes ist nicht nur in sozialen Bereichen effektiv,

sondern auch um lokale Unternehmen miteinander zu verbinden und

damit der Zersplitterung und Ausdünnung von Versorgungsangeboten

entgegen zu treten. Mithilfe eines Netzwerkes zwischen ortsansässigen

Gewerbetreibenden, die untereinander abgestimmte Werbekampagnen

organisieren, können die positiven Effekte genutzt werden, die sich aus

einer Kooperation und ihrem Zusammenschluss ergeben, anstatt sich in

Krisenzeiten als Konkurrenten entgegen zu treten.

So werden in einigen Projekten auf Basis von Situationsanalysen Kooperationen

ins Leben gerufen, die z. B. innerhalb eines Gewerbevereins

gemeinsame Marketingstrategien entwickeln. In anderen Projekten wurden

Arbeitsgruppen gebildet, die langfristige Handlungsperspektiven für

den jeweiligen Standort erarbeitet haben, oder Unternehmerstammtische

gegründet, die quartalsweise tagen.


Nicht nur die Kontakte der Unternehmen untereinander, sondern auch

zwischen Unternehmen und sozialen Einrichtungen sind positiv zu

erwähnen. Durch diese Kontakte können sich die Gewerbetreibenden

und die Anbieter sozialer Leistungen im eigenen Aufgabenbereich

gegenseitig unterstützen und dadurch beiderseitig von diesem Kontakt

profitieren. Kooperationen entstehen zwischen verschiedenen Akteuren

wie der Wohnungswirtschaft, der Stadt, den Bewohnern und der lokalen

Wirtschaft.

Die Wohnungsunternehmen sind ein Motor für die lokale Wirtschaft,

indem sie mit verschiedenen Firmen zusammenarbeiten und kleinere

Unternehmen durch Aufträge unterstützen. Nicht zuletzt sind die Wohnungsunternehmen

selbst die wichtigsten Arbeitgeber bzw. Auftraggeber

in den Bereichen technische und soziale Betreuung, Dienstleistungen

im Bereich der Sicherheit sowie bei der Durchführung von Baumaßnahmen.

Vom Hausmeister, Pförtner über die Mieterbetreuung bis hin zum

Handwerk werden die vielfältigsten Tätigkeiten initiiert.

Bei der Nutzung von Netzwerken kommt es in den verschiedenen Projekten

einerseits auf den Auf- und Ausbau von Kontakten an, andererseits

erleichtert es die Projektentwicklung, wenn auf bereits bestehende Kontakte

zurückgegriffen werden kann. Ressourcen können dann von verschiedenen

Investoren gebündelt und das Projekt im optimalen Fall refinanziert

werden.

Wie wichtig ein funktionierendes Netzwerk ist, zeigt sich insbesondere

bei der Integration Jugendlicher ohne Schul- oder Ausbildungsabschluss

sowie Langzeitarbeitsloser in das Berufsleben. Informationen über Fördermöglichkeiten

und die verschiedenen Instrumente des Arbeitsmarktes

müssen an Betriebe mit hohem Beschäftigungspotenzial weitergegeben

werden können, damit es zu einer Verknüpfung zwischen der lokalen

Wirtschaft und den Jugendlichen und Langzeitarbeitslosen kommen

kann.

Mit Blick auf die betroffenen, arbeitssuchenden Menschen werden in

unterschiedlichen Projekten Maßnahmen ergriffen, um mithilfe von

Gruppenschulungen oder individueller Beratung sowohl fachliche als

auch soziale Unterstützungsmaßnahmen anzubieten. In einem speziellen

Fallbeispiel konnten Rückbau- und Aufwertungsmaßnahmen im Quartier

dazu genutzt werden, Langzeitarbeitslose unter fachkundiger Anleitung

durch einen Stadtteilservice in diese Beschäftigungsfelder zu integrieren.

Die Einrichtung eines Qualifizierungsbüros für Sozialhilfeempfänger und

Langzeitarbeitslose stellt eine wichtige Anlaufstelle für Ausbildungs- und

Arbeitssuchende dar und bietet die Möglichkeit, Kontakte zu Betrieben

herzustellen und zwischen den Menschen und der lokalen Wirtschaft zu

vermitteln.

Ein wichtiges Feld für Beschäftigung bietet die Wohnumfeldverbesserung.

Darüber hinaus werden, oft initiiert von den Gewerbetreibenden

vor Ort, Verbesserungen der öffentlichen Räume und der Flächenausstattung

vorgenommen. Dabei werden sowohl die Ladenfronten, als auch

die gesamte Haupteinkaufsstraße mit den Gehwegen, der Beleuchtung

und Begrünung in ihrem Erscheinungsbild überarbeitet.

Das Management im Quartier kann unterschiedliche Organisationsformen

haben. Eine Stadtteiljury hat beispielsweise ein Förderprogramm zur

Verbesserung des Erscheinungsbilds des Quartiers initiiert, ein Stadtteilbüro

konnte mit den Unternehmen eine gemeinsame Werbeaktion starten

und wieder andere haben Beschäftigungs- und Qualifizierungsprojekte

organisiert.

51


52

Projektbeteiligte

Wichtig ist eine öffentliche Transparenz in der Projektumsetzung, die

eine gute Öffentlichkeitsarbeit voraussetzt, bestenfalls die Bürger aktiviert

und zum Aufbau von selbsttragenden Bewohnerorganisationen

anregt.

Falls bereits Bürgerinitiativen in sozial benachteiligten Quartieren tätig

sind, kann ein Büro für Gemeinwesenarbeit diese Menschen professio -

nell beraten. Andere Vermittlungsbüros initiieren Partnerschaften zwischen

Wirtschaftsunternehmen im Quartier und öffentlichen Bildungsund

Sozialeinrichtungen. Sie übernehmen dabei die Moderation der

Gesprächsverhandlungen und können gegebenenfalls auch Arbeit vermitteln.

Quartiersmanagement

Netzwerkaufbau

in der lokalen

Wirtschaft

Arbeitsgruppen

Reaktivierung der

lokalen Ökonomie

Maßnahmen und

Instrumente im Handlungsfeld

Lokale Wirtschaft, Arbeit

und Beschäftigung

Qualifizierungsmaßnahmen

für die Bewohner

Infrastrukturelle

Maßnahmen

Verbesserung des

Wohnumfeldes/des

öffentlichen Raumes

Baumaßnahmen

Soziale und technische

Dienstleistungen

Zentrale Akteure sind in diesem Handlungsfeld die lokalen Unternehmen

im Quartier, die sowohl kooperativ untereinander als auch mit

anderen mit sozialen Einrichtungen agieren können. Zu den wichtigsten

Akteuren zählen hierbei in der Regel die Wohnungsunternehmen,

die vielfältige Beschäftigungsmöglichkeiten anbieten, mit anderen Unternehmen

und Dienstleistern kooperieren und Netzwerke in der lokalen

Wirtschaft aufbauen.

Vermittlungsbüros stellen in den Projekten oft die Schnittstelle zwischen

den Unternehmen und den arbeitssuchenden Bewohnern da, die den

Überblick über die Quartiersangebote und -nachfrage haben und dabei

beide Parteien miteinander verknüpfen. Organisationen oder Quartiersmanagements

können ebenfalls eine Vermittlungsrolle übernehmen.

Wichtiger ist jedoch die Präsentation nach außen und eine wirkungsvolle

Öffentlichkeitsarbeit, von der Bewohner und die Unternehmen

gleichermaßen profitieren.


Positive Effekte

Quartiersmanagement

Kommune

Stadt

Akteure im

Handlungsfeld

lokale Wirtschaft, Arbeit

und Beschäftigung

Bewohner

Jugendliche, erwachsene

Ausbildungs- und

Arbeitssuchende

Unternehmen der

lokalen Wirtschaft

Wohnungsunternehmen

als Auftraggeber und

Arbeitgeber

Institutionen

Vereine, Arbeitsgesellschaft, Gemeinde,

Schule, Kita, Diakonie, Gesellschaft für

Stadterneuerung, Vermittlungsbüros

Die Arbeit am Aufbau und Fortbestand des sozialen Netzwerks stärkt alle

daran Beteiligten, führt zu einer Identifikation mit dem Quartier und

fördert die nachbarschaftlichen Beziehungen. Zusätzliche Öffentlichkeitsarbeit

macht die Bewohner wieder auf Unternehmen und Angebote aus

ihrem Stadtteil aufmerksam und bewirkt eine Veränderung von innen

heraus. Durch erfolgreiche Qualifizierungsmaßnahmen in Kombination

mit Vermittlungen erhöhen sich die Chancen für Jugendliche und Langzeitarbeitslose,

längerfristig in der Berufswelt Fuß zu fassen und dort

integriert zu werden.

Ein gut funktionierendes Management kann im Quartier gezielten und

positiven Einfluss auf dessen Entwicklung nehmen, sodass sozialen Projekten

aus ihrer "Bittstellerposition" herausgeholfen wird. Feste Anlaufstellen

und regelmäßige Treffen werden zu einem beständigen Teil der

Sozialarbeit im Stadtteil.

Aufwertungen im Wohn- und Arbeitsumfeld eines Quartiers werden in

den Projekten auf unterschiedliche Art und Weise erreicht und bieten

allen Beteiligten eine verbesserte Lebenssituation. Die Nahversorgung

wird gesichert, verschiedene Dienstleistungen und Serviceeinrichtungen

aufgebaut und die nachbarschaftlichen Ressourcen aktiviert.

Insgesamt können unterschiedliche Projektmaßnahmen einen Beitrag zur

Reaktivierung der lokalen Ökonomie beitragen. Projekte, die sich nicht

ausschließlich auf einzelne Handlungsbereiche konzentrieren, sondern

Befähigungen der Akteure vorantreiben, haben gute Chancen auf Verstetigung.

53


54

Beispiel Lokale Wirtschaft:

Unternehmenskooperation auf

win-win-Ebene in Berlin Moabit

Anerkennung Preis Soziale Stadt 2004

Personalleiter von Atotech

und das Lehrerkollegium der

Hedwig-Dohm-Oberschule.

Projekt – „Fit in Bewerbung“

Hedwig-Dohm-Oberschule in

Kooperation mit Atotech.

Projektbeteiligte:

csr berlin GbR, verschiedene

Einrichtungen aus den

Bereichen Soziales & Bildung,

Unternehmen

Der Beusselkiez in Moabit-West ist durch städtebauliche Defizite, hohe Verkehrsbelastungen

und einen Mangel an Grünflächen geprägt. Die Sozialstruktur

hat sich im Zuge von Abwanderungen besserverdienender Bevölkerungsschichten

und Zuzügen von sozial benachteiligten Bewohnergruppen

ungünstig entwickelt, sodass es verstärkt zu Nachbarschaftsproblemen und

Anonymität im Quartier gekommen ist.

Um diesen negativen Auswirkungen entgegen zu wirken, wurde

eine Strategie zur Verbesserung der sozialen Infrastruktur entwickelt.

Das Büro csr berlin GbR vermittelt dabei innovative Partnerschaften

zwischen Einrichtungen aus den Bereichen Soziales

und Bildung und ortsansässigen Unternehmen. Ziel ist es, Netzwerke

zu bilden und eine Atmosphäre gegenseitiger Unterstützung

zu schaffen. Ein wichtiger Baustein dieser Strategie besteht

darin, die sozialen Einrichtungen für den Markt fit zu machen und

ihnen aus ihrer Bittstellerposition herauszuhelfen. Dafür entwickelt

das Büro zusammen mit der jeweiligen sozialen Einrichtung ein

Konzept für die Außenkommunikation – hierzu gehören Visitenkarten,

eine Homepage und Präsentationsmappen. Anschließend

wird Kontakt zu einem Unternehmen im Quartier hergestellt, welches

mit seinen Bedürfnissen und Potenzialen am besten zur Einrichtung

passt. Bis es zu einer Verfestigung der Partnerschaft gekommen ist, werden

die Beteiligten moderierend begleitet.

Daraus entstehen Kooperationen, in denen z. B. die Diakoniegemeinschaft

"Bethania" vom ansässigen Siemens-Werk Büromöbel, Rechner und eine

einjährige Finanzierung einer Personalstelle erhält und im Gegenzug

Deutschkurse für Siemensmitarbeiter aus verschiedenen Nationen anbietet.

In einem anderen Beispiel bietet ein Unternehmen eigens konzipierte

Workshops zum Thema "Bewerbungstraining" den Schülern der benachbarten

Hedwig-Dohm-Oberschule an.

Ein Nutzen ergibt sich aus diesen Projekten für beide Seiten, indem Sachund

Dienstleistungen ausgetauscht werden. Unternehmen übernehmen

zudem soziale Verantwortung und verbessern ihr Image sowie ihre Verbundenheit

im Quartier. Bildungs- und Sozialeinrichtungen lernen, sich zu vermarkten

und profitieren von den Ressourcen der Unternehmen. Insgesamt

werden vorhandene Potenziale und Ressourcen im Quartier aktiviert und

genutzt. Die Finanzierung der Projekte 'Unternehmenskooperationen'

wurde durch Mittel aus städtebaulichen Maßnahmen ermöglicht. Betrachtet

man die Kosten-Nutzen-Relation, so entstand nach Angaben der Projekt -

beteiligten den Einrichtungen aus den Bereichen Soziales und Bildung, dem

Quartiersmanagementgebiet Moabit West und dem Bezirk Mitte ein

Gewinn von umgerechnet EUR 50.000,-.

Zentraler Erfolgsfaktor ist die Anregung von Kooperationen zwischen

öffentlichen und nicht-öffentlichen Akteuren mit einem individuellen Konzept,

das auf die Situation vor Ort reagiert. Die Menschen im Quartier werden

dazu angeregt, selbst zu handeln, all dies mit Unterstützung durch ein

professionelles Projektmanagement.


Beispiel Lokale Wirtschaft:

Eine Straße blüht auf in Wiesbaden

Preisträger Preis Soziale Stadt 2004

Mit einem neuen Gehwegbelag

und neuen Lampen ist schon

ein anderes Bild entstanden.

Die Bewohner aus dem West -

end wollen nicht mehr wegziehen

– die Geschäftsleute investieren.

Fassadensanierung –

Indikator für positiven Wandel.

Projektbeteiligte:

Wellritz 2000, Interessen -

gemeinschaft für Handel und

Gewerbe e.V., InWest e.V.,

Stadt Wiesbaden, lokale

Gewerbetreibende, Quartiers -

management, Ingenieur- und

Handels kammer Wiesbaden,

Bauhaus-Werkstätten Wies -

baden mit lokalem Qualifizierungsbüro

Das Quartier in Wiesbaden war durch eine instabile Gewerbesituation, leer

stehende Läden, Arbeitslosigkeit, eine hohe Kriminalitäts rate und ein negatives

Erscheinungsbild des Wohnumfelds geprägt. Um dieser Entwicklung

entgegen zu wirken, sollten sowohl Maßnahmen zur Stärkung des Gewerbes

als auch zur Aufwertung des Wohnumfelds getroffen werden.

Ausgehend von einer aktivierenden Befragung der Gewerbebetriebe

einer zentralen Geschäftsstraße gründete sich ein Gewerbeverein

u.a. zum dem Zweck, im Jahr 2000 gemeinsam eine

Weihnachtsbeleuchtung für die Straße zu beschaffen. Auf

Initiative des Vereins wurden diverse Maßnahmen zur baulichen

und städtebaulichen Aufwertung aus dem Programm Soziale

Stadt realisiert, die auf große Resonanz stoßen und – im Multiplikatoreneffekt

– eine Vervielfachung der Investitionen durch

privates Kapital, insbesondere zur Aufwertung der Geschäfte,

mit sich zogen. Unterstützt wurde der Maßnahmenmix erfolgreich

insbesondere durch ordnungspolitische Maßnahmen

(Schließung von "Schwarz-Gastronomie") sowie Beratungsangebote

zur Qualifizierung der Geschäftstreibenden.

Inzwischen hat sich der Verein (ehemals Wellritz 2000) weiterentwickelt

und in "Initiative Westend e. V." umbenannt und

den Arbeitsschwerpunkt auf beide Geschäftsstraßen im Gebiet

gelegt. Schwerpunktthemen sind immer wieder Sauberkeit in

den Straßen und ein nur schwer zu lösendes Problem stellt eine

Alkohol- und Drogenszene dar, die durch Alkoholverbot auf

einem angrenzenden Platz deutlich ins Quartier verlagert

wurde.

Erfolgsfaktoren für das Projekt sind insbesondere der Maßnahmenmix,

der sich – bei öffentlicher Finanzierung – auf

Anregungen aus dem Stadtteil/der Betroffenen stützte sowie

parallel die unterstützende Infrastruktur durch das Quartiersmanagement.

"I-Tüpfelchen" ist eine engagierte Person, die den

Verein leitet. Wichtig sind kontinuierlich sichtbare, umgesetzte

Aktionen, die zur Verbesserung der Situation im Quartier beitragen.

Eine Förderung des Projektes im Rahmen des Programmes Soziale Stadt

erfolgte letztmalig mit dem Programmjahr 2009. Die Lösung für seine

zukünftige Finanzierung bleibt dem Verein überlassen.

55


4 Schlussfolgerungen

Quartiere profitieren

von ganzheitlich

handelnder Wohnungswirtschaft

Als Ergebnis der vorliegenden Studie wurden Erfolgsfaktoren von Projekten

der sozialen Quartiersentwicklung formuliert (vgl. Kap. 1). Diese

spiegeln die Erfahrungen wider, die im Rahmen von Projekten des Programms

Soziale Stadt gemacht werden. Sie geben wichtige Hinweise auf

die zukünftige Durchführung von Quartiersprojekten.

Eine wesentliche Erkenntnis liegt darin, dass nicht nur die Probleme eines

Quartiers betrachtet werden sollten, sondern mindestens gleichberechtigt

auch die vorhandenen Potenziale zu berücksichtigen sind. Denn in

der Regel sind die Lösungsansätze für eine positive Veränderung in den

Quartieren selbst zu finden. Erfolgreiche Projekte bauen auf den vorhandenen

Strukturen auf und beziehen Potenziale aus der Bewohnerschaft

und anderer Akteure mit ein. Die Einbindung aller relevanten Akteure in

den Quartieren ist ein zentraler Erfolgsfaktor.

Die Untersuchung der Projekte hat gezeigt, dass die Wohnungswirtschaft

vielfältige Aufgaben in der sozialen Quartiersentwicklung übernimmt.

Aufgrund ihrer guten Kenntnisse von Quartier und Bewohnern haben

Wohnungsunternehmen sehr gute Voraussetzungen, Probleme und

Risiken wie auch Potenziale eines Quartiers zu erkennen und Lösungsmöglichkeiten

zu finden. Die Wohnungswirtschaft hat das Potenzial,

ganzheitlich zu handeln und ihre Rolle weit über die Vermietung und die

bauliche Instandhaltung der Bestände hinaus zu definieren:

– Eine wesentliche Voraussetzung für die Verbesserung der Lebensbedingungen

ist die Anpassung der Wohnungsbestände an die Bedürfnisse

der Bewohner. Hierzu zählen z. B. Maßnahmen zur Verringerung

von Barrieren.

– Bei der Wohnumfeldgestaltung können neben der Identifikation der

Bewohner und einem verbesserten Lebensgefühl auch Sicherheitsaspekte

befriedigt werden.

– Neben der baulichen Komponente spielt das Sozialmanagement eine

immer wichtigere Rolle. Hierbei geht es um vielfältigste Maßnahmen –

von der Mieterberatung in finanziellen Fragen über Pflege- und

Betreuungsangebote bis hin zu Bildungsangeboten.

– Wohnungsunternehmen unterstützen den Aufbau von Begegnungsstätten

oder Stadtteiltreffs, indem sie die räumliche Grundausstattung

– bestenfalls kostenlos – zur Verfügung stellen.

57


58

Kommunen als Motor

und Vermittler

– Wohnungsunternehmen sind bei der Initiierung und Durchführung

von Projekten der sozialen Quartiersentwicklung wichtige Vermittler,

da sie einerseits den Kontakt zur Politik herstellen und halten können

und andererseits unmittelbare Ansprechpartner und Betreuer für die

Bewohnerschaft sind. Als gewichtige Teilnehmer können sie den Fortgang

von Projekten positiv beeinflussen.

– Wohnungsunternehmen und ihre Verbände haben mit ihren Netzwerken

gute Voraussetzungen, die positiven Erfahrungen in der Quartiersentwicklung

in einem Wissenstransfer weiterzutransportieren und

für andere nutzbar zu machen.

– Nicht zuletzt sind Wohnungsunternehmen wichtige Arbeitgeber und

Auftraggeber für das Handwerk und andere Dienstleister in den

Quartieren und fördern somit die lokale Wirtschaft.

Eine zentrale Voraussetzung für die Beteiligung an der sozialen Quar -

tiersentwicklung ist die Interessenlage bzw. das jeweilige Geschäftsmodell

der Wohnungseigentümer. Wohnungsunternehmen, die ein Interesse

an einer langfristigen Bewirtschaftung der Wohnungsbestände haben,

sind in der Lage und auch willens, dauerhaft soziale Projekte zu begleiten

und langfristige Erfolge zu erzielen.

Die baulichen Investitionen können dabei Prozesse anstoßen, in denen

Engagement und Teilnahme ausgelöst werden. Bestenfalls werden durch

Investitionen der öffentlichen Hand oder der Wohnungsunternehmen vor

Ort weitere Investitionen privater Akteure ausgelöst. Gleichzeitig können

Wohnungsunternehmen durch Mitfinanzierung der laufenden Kosten

von Infrastruktureinrichtungen zur Verstetigung sozialer Maßnahmen

beitragen.

Bei allen Maßnahmen sollte immer die Sozialverträglichkeit im Blickfeld

bleiben. Die Mietpreis- und Belegungspolitik der Wohnungsvermieter ist

eine zentrale Stellschraube für die soziale Zusammensetzung und den

Verbleib der Bewohner in ihrer gewohnten Umgebung.

Die Kommunen sind gefordert, Problemlagen in den gefährdeten Quartieren

rechtzeitig zu erkennen. Hierzu sollten Untersuchungen und

Projektevaluationen durchgeführt werden, die bereits vor konkreteren

vorbereitenden Untersuchungen im Rahmen des stadtplanerischen

Instrumentariums ansetzen.

Die Quartiersentwicklung sollte integriert erfolgen, indem unterschiedliche

teilräumliche, sektorale und technische Pläne miteinander verbunden

bzw. in eine Gesamtplanung eingebettet werden. Dadurch wird nicht

nur die Vernetzung von Politikfeldern und unterschiedlichen Akteuren in

Politik und Verwaltung verbessert, sondern es werden Planungen quasi

aus einer Hand ermöglicht, was den Ressourceneinsatz optimiert und

eher zu Lösungen führen kann, die sich an der Gesamtsituation vor Ort

orientieren.

Integrative Planungen erfordern ressortübergreifendes Handeln auf allen

Politikebenen, um die kommunalen Ressourcen zu nutzen und Antworten

auf die vielfältigen Herausforderungen zu finden. Denn Quartiersentwicklung

berührt viele Handlungsfelder, wie z. B. Soziales, Wohnen,

Bildung, Städtebau, Verkehr und Energie. Eine integrierte Herangehensweise

ist sinnvoll und Erfolg versprechend, da die Problemlagen bzw.

Lösungswege ineinandergreifen oder aufeinander aufbauen.


Rahmenbedingungen

durch Bund und Länder

Bei größeren städtebaulichen Maßnahmen schaffen ein schrittweises

Vorgehen und die Gliederung in einzelne Prozessabschnitte Akzeptanz

bei den Bewohnern. Ein modulares (Planungs- und Umsetzungs-) System

sorgt für einen überschaubaren Maßstab, sodass Projektschritte nachvollziehbar

und Erfolge sichtbar werden.

Wichtig ist die Beteiligung der Betroffenen. Vom runden Tisch bis zur

Übertragung von Entscheidungskompetenz und Selbstorganisation gibt

es vielfältige Möglichkeiten. Hierbei besteht die Chance, dass die Bewohner

ermutigt werden, ihre Interessen zu vertreten und durchzusetzen.

Engagement wird dadurch gefördert, dass Gestaltungsspielräume eingeräumt

werden.

Kommunen stellen in der sozialen Quartiersentwicklung nicht nur Sachund

Personalleistungen zur Verfügung, sie können vor allem als Vermittler

und Motor von Entwicklungen fungieren, indem z. B. zur Stärkung

der lokalen Ökonomie die Zusammenarbeit zwischen sozialen Institutionen

und lokalen Unternehmen gefördert, Projekte mit der Politik vernetzt

und Kooperationen zwischen der Politik und Gemeinwesenträgern

vor Ort verstärkt werden.

Der Austausch von Wissen und Erfahrungen trägt dazu bei, zukünftige

Prozesse bzw. Projekte in der sozialen Quartiersentwicklung noch erfolgreicher

zu gestalten. Um zu verhindern, dass Erfahrungen immer wieder

neu gemacht werden müssen, ist ein gezielter Wissenstransfer unbedingt

notwendig. Die Stadtverwaltungen bzw. Quartiersmanagements können

dieses "voneinander Lernen" unterstützen, indem sie dazu beitragen,

besondere Projekte bekannt zu machen und neue Ideen mit ihrer Öffentlichkeitsarbeit

unterstützen.

Die Mittel- und Ressourcenbündelung ist eine zentrale Voraussetzung für

erfolgreiche Projekte. Hierbei gilt es, die Koordination von Fördermitteln

unterschiedlicher Programme auf kommunaler Ebene zu gewährleisten

und die vorhandenen Ressourcen optimal zu nutzen. Bei der Einbindung

eines Projekts in eine übergeordnete Planung (integrierte Stadtentwicklung)

kann der Bezug zur gesamtstädtischen Entwicklung erreicht werden,

wodurch zusätzliche Synergien möglich sind.

Die Erfolge in der sozialen Quartiersentwicklung sind Argumente für eine

Fortführung des Programms Soziale Stadt. Das Programm hat Prozesse in

Gang gesetzt, in denen durch eine Vielzahl von Akteuren positive Entwicklungen

in der Quartiersentwicklung angestoßen worden sind. Dazu

beigetragen haben Förderungen, durch die wiederum Investitionen insbesondere

der Kommunen und der Wohnungsunternehmen generiert

worden sind.

Hierzu zählen vielfältige investive und nicht-investive Maßnahmen, die

als Gesamtpaket ihre volle Wirkung entfalten. Vonseiten der Wohnungswirtschaft

sind hier neben den Investitionen in die Bausubstanz und in

das Wohnumfeld zahlreiche Betreuungs- und Beratungsleistungen zu

nennen. Dazu zählen Sachleistungen, wie die Bereitstellung von Räumlichkeiten,

Personalleistungen durch die Einbindung von Mitarbeitern.

Hinzu kommen zahlreiche ehrenamtliche Tätigkeiten, die durch Bewohner

entgeltlos oder durch geringe Aufwandsentschädigungen erbracht

werden. In der Regel wurden durch die Förderung weitere Leistungen

generiert.

59


60

Im besten Fall sind Projekte initiiert worden, die auf Dauer auch ohne

öffentliche Förderungen tragfähig sind. Vielfach übernehmen die Projekte

aber auch so wichtige aber unrentierliche Funktionen im Quartier,

dass eine Verstetigung der Förderung notwendig und gerechtfertigt ist.

Pauschale Lösungen im Hinblick auf eine dauerhafte öffentliche Unterstützung

von Projekten gibt es nicht. Vielmehr ist die jeweilige Situation

vor Ort dafür maßgebend, welche Projekte in welchem Umfang unverzichtbar

und dauerhaft förderwürdig sind.

Vonseiten der Politik sollten die Grundlagen für nachhaltige Projekte

weiterhin ausgebaut werden. Hierzu zählen die Fortführung der Förderprogramme,

Wissenstransfer und Erfahrungsaustausch. Zur Sicherung

der Handlungsfähigkeit der Städte sollten durch Bund und Länder Wege

gefunden werden, um die kommunale Gegenfinanzierung auch bei

kritischer Haushaltslage zu ermöglichen.

Auf der Ebene des Bundes und der Länder sollten die Voraussetzungen

geschaffen werden, um eine Integration der Förderprogramme aus

unterschiedlichen Ressorts zu erreichen. Erforderlich ist ein kontinuier -

licher Erfahrungsaustausch zwischen den unterschiedlichen Ebenen

(Bund, Land, Kommune), um die vorhandenen Mittel und Programme

optimal zu nutzen und investive und nicht-investive Mittel im Rahmen

einer Gesamtstrategie einzusetzen. Zur Erleichterung der Arbeit der

Akteure vor Ort sollte die Verringerung des Koordinationsaufwandes für

Mittelbündelung und eine stärkere Harmonisierung der Förderprogramme

angestrebt werden.


Ansprechpartner der Beispielprojekte

Beispiel Wohnen:

Ein Stadtteil (er)findet sich neu.

"Soziale Stadt findet NUWOG"

Beispiel Wohnumfeldgestaltung:

Bürgerkompetenz im Spessartviertel

in Dietzenbach

Beispiel Bildung:

Leben und Wohnen im Jagenberggelände

in Düsseldorf

Beispiel Bildung:

Programm KiFa – Kinder- und Familien -

bildung in Ludwigsburg

Beispiel Soziales Angebot:

Demenz & Migration, Yalniz Degilsiniz!

– Du bist nicht allein! in Gelsenkirchen

NUWOG-Wohnungsgesellschaft der Stadt Neu-Ulm GmbH

Schützenstraße 32

89231 Neu-Ulm

Tel.: 0731/9841-0

E-mail: info@nuwog.de

www.nuwog.de

Quartiermanagement

Frau Gabriele Schilder

Stadtteilbüro Vorfeldhaus

Steubenstraße 34

89231 Neu-Ulm

Tel.: 0731/9771857

E-mail: schilder.vorfeldhaus@web.de

Nassauische Heimstätte GmbH

Frau Marion Schmitz-Stadtfeld

Leiterin Integrierte Stadtentwicklung

Schaumainkai 47

60596 Frankfurt

Tel.: 069/6069-1142

E-mail: marion.schmitz-stadtfeld@naheimst.de

www.naheimst.de

Aktion Gemeinwesen und Beratung e.V.

Himmelgeister Str. 107

40225 Düsseldorf

Tel.: 0211/9052222

E-Mail: info@die-agb.de

www.die-agb.de

Stadt Ludwigsburg

Fachbereich Bildung, Familie, Sport

Frau Fara Peccerella

Tel.: 07141/9102025

E-Mail: f.peccerella@ludwigsburg.de

www.ludwigsburg.de

Arbeiterwohlfahrt Bezirk Westl. Westfalen e.V.

Abt. Soziales

Herr Reinhard Streibel

Kronenstraße 63-69

44139 Dortmund

Tel.: 0231/54 83-255

E-Mail: Reinhard.Streibel@awo-ww.de

www.awo-ww.de

61


62

Beispiel Soziales Angebot:

Sonnenkinder in Schwabach

Beispiel Nachbarschaft:

Kommunales Netzwerk in Zwickau

Beispiel Sicherheit und Nachbarschaft:

Mobile-Wohn-Begleithilfe

in Mannheim

Beispiel Lokale Wirtschaft:

Unternehmenskooperation auf

win-win-Ebene in Berlin

Beispiel Lokale Wirtschaft:

Eine Straße blüht auf in Wiesbaden

Frau Ele Schöfthaler

Quartiermanagerin, Soziale Stadt, Schwabach-Altstadt

und ZAK-Vorsitzende (Zentrum für Arbeit und Kultur e.V.)

Altstadt-Familienzentrum

Nürnberger Straße 32

91126 Schwabach

Sprechzeiten: Donnerstag, 10 - 18 Uhr,

Telefon 09122/790780, Tel.: Mo, Mi - Fr, 09122/82219

www.zak-schwabach.de und www.schwabach.de

Sanierungsträger

Frau Sieglinde Beck

Westsächsische Gesellschaft für Stadterneuerung

Reichenbacher Str. 18

08056 Zwickau

Tel.: 0375/37035-11

E-mail: sbeck@wgs-sachsen.de

Stadtteilbüro Eckersbach

Frau Claudia Richter

Scheffelstraße 44

08066 Zwickau

Tel.: 0375/4444-618

E-mail: post@stadtteilbuero-eckersbach.de

www.stadtteilbuero-eckersbach.de

GBG - Mannheimer Wohnungsbaugesellschaft mbH

Soziales Management

Herr Stefan Möhrke

Ulmenweg 7

68167 Mannheim

Tel.: 0621/3096-212

E-Mail: stefan.moehrke-eberhardt@gbg-mannheim.de

www.gbg-mannheim.de

csr berlin

dunja schimmel & fiona vehrs GbR

Ringbahnstraße 12

10711 Berlin - Wilmersdorf

Tel.: 030/82702591

E-Mail: mail@csr-berlin.net

Stadtteilmanagerin

Frau Jana Kabobel

Kubis e.V.

Wellritzstraße 49

65183 Wiesbaden

Tel.: 00611/7247963

E-mail: info@kubis-wiesbaden.de

Projektleiterin und Abteilungsleiterin

Frau Dagmar Landler-Krämer

Magistrat der Stadt Wiesbaden

Wohnungsamt (69)

Postfach 3920

65029 Wiesbaden

Tel.: 0611/31-4680

E-mail: dagmar.landler-kraemer@wiesbaden.de


Quellenverzeichnis

Literatur

BAG Bundesarbeitsgemeinschaft Soziale Stadtentwicklung und Gemeinwesenarbeit e.V.

(2009): Aktivierung von Zivilgesellschaft in der Sozialen Stadt, Memorandum, o.A.

Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (Hrsg.) (2007): Informationen zur Raumentwicklung:

Wohnungsgenossenschaften und Stadtentwicklung, 04/2007, Bonn.

Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung / Bundesamt für Bauwesen und

Raumordnung (Hrsg.) (2007): Integrierte Stadtentwicklung als Erfolgsbedingungen einer

nachhaltigen Stadt, BBR-Online-Publikation 08/2007.

Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung / Bundesamt für Bauwesen und

Raumordnung (Hrsg.) (2008a): Statusbericht 2008 zum Programm "Soziale Stadt", Berlin.

Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung / Bundesamt für Bauwesen

und Raumordnung (Hrsg.) (2008b): Integration vor Ort. Der nationale Integrationsplan –

Zwischenbilanz, Berlin.

Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (2009a): Stadt bauen. Stadt

leben. Nationaler Preis für integrierte Stadtentwicklung und Baukultur. Wettbewerbsauslobung,

Berlin.

Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung / Bundesinstitut für Bau-,

Stadt- und Raumforschung im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (2009b):

"Soziale Stadt – Bildung, Wirtschaft, Arbeit im Quartier (BIWAQ)", Dokumentation, Berlin.

Deutsches Institut für Urbanistik (Difu) im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr,

Bau- und Wohnungswesen / Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (Hrsg.) (2003):

Strategien für die Soziale Stadt, Berlin.

Deutsches Institut für Urbanistik (Difu) im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr,

Bau und Stadtentwicklung vertreten durch das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung

(Hrsg.) (2006): Dritte bundesweite Befragung Programmgebiete "Soziale Stadt",

Endbericht zur Auswertung, Berlin.

Ens, Carsten: Start für Großprojekte – 180 neue Wohneinheiten. Göttinger Wohnungs -

unternehmen in: Die Wohnungswirtschaft. 60. Jahrgang, Heft 3, 03/2007.

GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V. (Hrsg.)

(2005): Sichere Nachbarschaften, Konzepte – Praxis – Beispiele, Berlin.

Informationsstelle Bündelung und Vernetzung in der Bundestransferstelle Soziale Stadt /

Hessenagentur im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung,

vertreten durch das Bundesamt für Bauwesen und Raumordung (2006): Mittel- und

Ressourcenbündelung auf der kommunalen Handlungsebene. Dokumentation, Wiesbaden.

Presse- und Informationsamt der Bundesregierung / Die Beauftragte der Bundesregierung

für Migration, Flüchtlinge und Integration (Hrsg.) (2007): Der Nationale Integrationsplan,

Neue Wege – Neue Chancen, Berlin.

63


64

Schader-Stiftung / Deutscher Städtetag / GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und

Immobilienunternehmen / Deutsches Institut für Urbanistik / Institut für Wohnungswesen,

Immobilienwirtschaft, Stadt- und Regionalentwicklung / GmbH an der Ruhr-Universität

Bochum (Hrsg.) (2006), Stadträumliche Integrationspolitik – Umsetzung der Empfehlung

des Projekts „Zuwanderer in der Stadt“, Darmstadt.

vhw – Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung e.V. (Hrsg.) (2009a): Forum

Wohnen und Stadtentwicklung, 01/2009, Berlin.

vhw – Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung e.V. (Hrsg.) (2009b): Forum

Wohnen und Stadtentwicklung, 03/2009, Berlin.

Beispiele

Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (Hrsg.) (2007): ExWoSt-Informationen

„Innovationen für familien- und altengerechte Stadtquartiere“ 32/2 – 12/2007, Bonn.

GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V. (2001):

Dokumentation des Wettbewerbes Preis Soziale Stadt 2000, Berlin.

GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V. (2002):

Dokumentation des Wettbewerbes Preis Soziale Stadt 2002, Berlin.

GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V. (2004):

Dokumentation des Wettbewerbes Preis Soziale Stadt 2004, Berlin.

GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V. (2006):

Dokumentation des Wettbewerbes Preis Soziale Stadt 2006, Berlin.

GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V. (2008):

Dokumentation des Wettbewerbes Preis Soziale Stadt 2008, Berlin.

GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V. (Hrsg.)

(2005): Sichere Nachbarschaften, Konzepte – Praxis – Beispiele, Berlin.

Internet

Bundestransferstelle Soziale Stadt (2005): Veröffentlichungen: Leitfaden zur

Ausgestaltung der Gemeinschaftsinitiative "Soziale Stadt". Aufgerufen unter

. Aufgerufen am 09.09.09.

Friedrich Ebert Stiftung (2000): Digitale Bibliothek: Holger Kuhle:

Soviel Quartier wie nötig und soviel Gesamtstadt wie möglich. Aufgerufen unter

. Aufgerufen am 16.07.2009.

Friedrich Ebert Stiftung (2000): Digitale Bibliothek: Ulrich Hellweg: Wie können

Quartiere als sozialräumliche Gebiete entwickelt werden? – Thesen. Aufgerufen unter

. Aufgerufen am 16.07.2009.

Friedrich Ebert Stiftung (2000): Digitale Bibliothek: Monika Alisch: Die reale Chance:

städtische Strategien gegen soziale Ausgrenzung. Aufgerufen unter

. Aufgerufen am 16.07.2009.

Statistisches Bundesamt Deutschland (2008): Bevölkerungsstand. Aufgerufen unter:

http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Navigation/

Statistiken/Bevoelkerung/Bevoelkerungsstand/Bevoelkerungsstand.psml.

Aufgerufen am 09.09.2009.

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine