16.10.2012 Aufrufe

Das Sniper-Monster

Das Sniper-Monster

Das Sniper-Monster

MEHR ANZEIGEN
WENIGER ANZEIGEN

Sie wollen auch ein ePaper? Erhöhen Sie die Reichweite Ihrer Titel.

YUMPU macht aus Druck-PDFs automatisch weboptimierte ePaper, die Google liebt.

7<br />

Erster Test:<br />

Scorpion von CSA<br />

MPi als Halbautomat<br />

Doppel-Test:<br />

Pressluft-Premiere<br />

2 x LG Diana P 1000<br />

Praxistest im Revier:<br />

<strong>Das</strong> kann der<br />

Sauer-Selbstlader 303<br />

Für Sie im Überblick:<br />

Polizeipistole P 6<br />

Einsatz & Varianten<br />

Marktübersicht<br />

Tactical Pens:<br />

Die cleveren Notwehr-Kulis<br />

7/2012<br />

www.visier.de<br />

€ 5,50<br />

Österreich: € 6,50<br />

Italien: € 6,90<br />

Luxemburg: € 6,50<br />

Niederlande: € 6,50<br />

Belgien: € 6,50<br />

Slowenien: € 7,10<br />

Schweden: SEK 78,00<br />

Dänemark: DKK 59,00<br />

Ungarn: HUF 2.195,00<br />

Exklusiv: GPR-Prototyp mit drei Läufen<br />

<strong>Das</strong> <strong>Sniper</strong>-<strong>Monster</strong><br />

Drei Mega-Kaliber:<br />

■ 10,2 x 94 Jaguar<br />

■ .700 Subsonic<br />

■ .50 BMG<br />

Waffenrecht:<br />

4 191314 205505 07<br />

G13142<br />

Schlappe für<br />

die Grünen<br />

Mythos<br />

Bianchi-Cup:<br />

<strong>Das</strong> müssen Sie über<br />

die Action-WM wissen


Juli 2012<br />

42<br />

Sticht der Scorpion?<br />

Der Test der Halbautomaten-Version der<br />

berühmten MPi aus Tschechien, gebaut von<br />

der Firma CSA in drei Kalibern.<br />

68<br />

Schwerter zu Pflugscharen,<br />

und Gewehrläufe zu Alltagswerkzeugen:<br />

Wie die Indianer erbeutete Waffen einer<br />

friedlichen Weiterverwendung zuführten.<br />

4<br />

INHALT<br />

Langzeittest: Selbstladebüchse Sauer 303<br />

30<br />

Eine Jagdwaffe zeigt ihr wahres Gesicht oft erst im harten Alltagseinsatz. VISIER-Autor Andreas Rockstroh wollte die<br />

Sauer 303 genauer kennenlernen und führte sie eine Saison lang im Revier. Seinen Test-Bericht lesen Sie ab Seite<br />

60 Vom Zufalls-Produkt zur Marktlücke<br />

Reportage: Die Custom.Scale.Division im hessischen Rodgau verwandelt<br />

serienmäßige Messer in individuelle Einzelstücke. Mit neuen Griffschalen und<br />

auf die Kunden zugeschnittenem Design entstehen „persönliche“ Exemplare.<br />

122<br />

Berge versetzen<br />

Auch wenn der „Monte Kali“ heute weit<br />

entfernt ist: ein Mammut-Wettkampf für<br />

über 1300 Starter mit dienstlichem Anstrich.<br />

In diesem Heft:<br />

KURZWAFFEN:<br />

SIG Sauer X 5 Open S. 12<br />

SIG Sauer X 5 Modified S. 16<br />

SIG Sauer X 6 Metallic S. 18<br />

CSA SA vz. 61 Scorpion S. 42<br />

SIG Sauer P 6 S. 80<br />

LANGWAFFEN:<br />

GPR SSG Prototyp S. 22<br />

Sauer S 303 S. 30<br />

Diana 1000 S F S. 36<br />

Diana 1000 TH WBK S. 36<br />

VISIER | 7-2012


TEST & TECHNIK<br />

Immer an der Wand lang 12<br />

Bianchi-Cup: Alles über<br />

das legendäre Turnier,<br />

seine Waffen und seine Stars.<br />

Huf-Eisen 22<br />

Exklusivtest: Scharfschützengewehr<br />

von German Precision Rifles in drei<br />

<strong>Monster</strong>-Kalibern.<br />

Bringt’s die Sauer<br />

auch auf Dauer? 30<br />

Eine Jagdsaison mit dem<br />

Sauer-Selbstlader S 303 im Revier.<br />

Dianas Atem 36<br />

Die Diana P 1000, das erste<br />

Pressluftgewehr aus dem Rastatter<br />

Dianawerk – und doppelt im Test.<br />

Hard Rock 42<br />

Ostalgie aus Tschechien: Scorpion-<br />

Pistole von CSA im MPi-Look und<br />

in drei Kalibern.<br />

Jetzt mach aber<br />

mal ‘nen Punkt! 48<br />

Marktübersicht Tactical Pens und<br />

Tipps zum praktischen Einsatz.<br />

FASZINATION WAFFEN<br />

Schick in Schale 60<br />

Bei Cuscadi in Rodgau bekommen<br />

Serienmesser ein neues Aussehen.<br />

Für alle Felle 68<br />

Recycling auf indianisch:<br />

Wie alte Gewehrläufe als Werkzeug<br />

weiterverwendet wurden.<br />

NEWS<br />

Juli 2012 6<br />

Frisch eingetroffen in der Redaktion:<br />

Der Streifzug durch die Branche.<br />

RECHT & ORDNUNG<br />

Wie bitte? 76<br />

Die Anhörung zur Waffengesetz-<br />

Verschärfung im Innenausschuss.<br />

GESCHICHTE &<br />

GESCHICHTEN<br />

Keine kleine Nummer 80<br />

Die Erfolgsstory der SIG Sauer P 6:<br />

Drei Jahrzehnte im Behördendienst.<br />

VISIER VOR ORT<br />

Die Schmiede im Wald 116<br />

Zu Besuch beim Diabolo-Hersteller<br />

JSB in Bohumin/Tschechien.<br />

Mobil-Machung 122<br />

Über 1300 Starter und mehr als<br />

300 Teams beim Monte-Kali-Cup.<br />

Diesseits von Afrika 128<br />

Die erste Heym-Jumbo-Challenge:<br />

Großwild-Flair in Schweinfurt.<br />

NAMEN &<br />

NACHRICHTEN<br />

DJV-Bundesjägertag 2012 104<br />

VISIER jetzt auch als „App“ 106<br />

TV-Zeitplan Olympia 107<br />

VISIER-Lesertipps 108<br />

IM FADENKREUZ<br />

Wirtschaftskrise geht anders 105<br />

INHALT<br />

STÄNDIGE RUBRIKEN<br />

Startschuss 3<br />

Leserbriefe 10<br />

VISIER-Service 10<br />

Die Anzeige des Monats 91<br />

Anzeigen-Coupon 92<br />

Termine 111<br />

VISIER-Shop-Bestellcoupon 113<br />

Impressum 115<br />

Vorschau 130<br />

Außerhalb der Schweiz gibt es das in VISIER<br />

beigefügte Supplement des Schweizer Waffen-<br />

Magazins nicht am Kiosk, sondern nur im XXL-<br />

Abo vom Verlag. Näheres auf Seite 114.<br />

VISIER | 7-2012 5


Juli 2012<br />

12<br />

TEST & TECHNIK<br />

VISIER | 7-2012


Immer an der<br />

Wand lang<br />

„Nur die Harten dürfen in den Garten“<br />

– selbst mit schmerzverzerrtem<br />

Gesicht hat „Betze“ noch einen Kalauer<br />

auf Lager: Zwei Tage vor dem<br />

VISIER-Schießstandtermin musste Heribert<br />

Bettermann beim Geschossgießen<br />

und Wiederladen eine unfreiwillige Blei-<br />

Dusche ertragen. Ein Schwall des geschmolzenen,<br />

glühend-heißen Metalls<br />

traf den 56-jährigen Westfalen am linken<br />

Handrücken. Verband drum, Kamillenbäder<br />

am Abend, aber kein Flug in<br />

die USA, um Mitte Mai mit den anderen<br />

BDMP-Startern beim „originalen“<br />

Bianchi Cup anzutreten. Der sollte die<br />

Immer an der Wand lang | Bianchi Cup 2012<br />

Heribert Bettermann, deutsches Urgestein im Action-Schießen, bereitet sich auf den Start bei<br />

der Bianchi-Cup-Weltmeisterschaft vor, die Mitte September in Philippsburg stattfinden wird.<br />

Text und Fotos: Ulrich Eichstädt<br />

Studio-Aufnahmen: Michael Schippers<br />

Generalprobe sein. Denn vom 12. bis<br />

19. September findet die Weltmeisterschaft<br />

in diesem renommiertesten Match<br />

der Action-Schützen im badischen Philippsburg<br />

statt. <strong>Das</strong> heißt, seitdem es der<br />

US-Schützenverband, die National Rifle<br />

Association, nun zum achten Mal ausrichtet,<br />

formell „NRA World Action Pistol<br />

Championships“ oder im Bianchi-Slang<br />

VISIER | 7-2012 13


Juli 2012<br />

Fast mannsgroß und 20 Kilogramm<br />

schwer – das klingt eher<br />

nach einem neuen Super-MG für<br />

die Bundeswehr als nach einem<br />

Repetierer. <strong>Das</strong> neue Scharfschützengewehr<br />

von German Precision Rifles (GPR)<br />

ist zum Beispiel 280 Millimeter länger<br />

und etwa sechs Kilogramm schwerer als<br />

das wuchtige Steyr HS 50 im Kaliber .50<br />

BMG. Damit nicht genug: Beim GPR SSG<br />

kommen noch zwei Wechselläufe dazu,<br />

zusammen knapp neun Kilogramm<br />

schwer. Damit kann die Waffe auch<br />

die Kaliber 10,2 x 94 mm Jaguar und<br />

22<br />

TEST & TECHNIK<br />

Huf-Eisen<br />

Die neue Büchse aus der Werkstatt von Albrecht Huf ist ein Präzisionsgewehr der Superlative.<br />

VISIER testete exklusiv den Prototypen 0001 im Kaliber .50 BMG.<br />

Text: Christopher Hocke<br />

und Andreas Skrobanek<br />

Fotos: Michael Schippers<br />

und Christopher Hocke<br />

.700 Subsonic verschießen. Bei der 10,2<br />

Jaguar handelt es sich um eine Hochleistungs-Langstreckenpatrone,<br />

die .700<br />

Subsonic ist eine Patrone für den Unterschallbereich.<br />

Doch wozu das Ganze?<br />

Klug kombiniert: In erster Linie soll<br />

das Präzisionsgewehr als Anti-Material-<br />

Waffe beim Militär dienen. Der Chef von<br />

German Precision Rifles, Albrecht Huf,<br />

wollte allerdings nicht nur ein weiteres<br />

schwarzes Gewehr auf den Markt werfen.<br />

Ihm ging es auch um größere Reichweiten<br />

sowie um eine höhere Geschossenergie<br />

– und das nicht nur bei herkömmlicher,<br />

sondern auch bei Subsonic-<br />

Munition. <strong>Das</strong> Konzept besteht also in erster<br />

Linie aus einer geschickten Kaliber-<br />

kombination. Die Waffe bietet die Möglichkeit,<br />

aus dem im militärischen Bereich<br />

vielfältigen Angebot an .50 BMG-Patronen<br />

zu wählen – Sondermunition und die<br />

leistungsgesteigerte Variante .50 GPA inklusive.<br />

Dem Schützen wird kein exotisches<br />

Kaliber aufgezwungen, wie etwa<br />

die 10,2 x 94 Jaguar oder die .700 Subsonic.<br />

Doch wenn es das Einsatzszenario<br />

verlangt, kann man wechseln. Die Leistung<br />

dieser beiden Laborierungen beeindruckt<br />

ebenso wie die der .50 GPA –<br />

mehr dazu im Kasten auf Seite 27.<br />

Praxistauglich kann so ein Kalibermix<br />

nur sein, wenn der Laufwechsel keinen<br />

ausgebildeten Büchsenmacher erfordert<br />

und nicht viel Zeit in Anspruch nimmt. Al-<br />

VISIER | 7-2012


echt Huf konstruierte das SSG als Take-<br />

Down-Waffe: Der Schütze muss nur ein<br />

sogenanntes Multirohr abschrauben und<br />

kann anschließend den Lauf nach vorn<br />

herausziehen. Werkzeug benötigt er dazu<br />

nicht. Nach dem Zerlegen kann der<br />

Scharfschütze seinem Spotter einen Teil<br />

des schweren Geräts aufbürden. Ein<br />

Laufwechsel dauert mit etwas Übung<br />

nicht länger als 60 Sekunden, der Verschluss<br />

muss dafür lediglich entriegelt<br />

werden, kann aber in der Waffe bleiben.<br />

Nach dem Wechsel ist das Gewehr sofort<br />

wieder einsatzbereit. Denn alle drei Kaliber<br />

passen in dasselbe Magazin. Außerdem<br />

muss der Schütze keinen anderen<br />

Verschluss einsetzen, weil alle drei Kaliber<br />

auf der .50-BMG-Hülse basieren.<br />

Baugruppen: Die Läufe kommen von<br />

Lothar Walther. Der für das Kaliber 10,2<br />

Jaguar besitzt einen progressiven Drall.<br />

Die Geschossrotation startet bei einer<br />

großen Dralllänge, die in Richtung Mündung<br />

abnimmt. Die Rotationsgeschwindigkeit<br />

erhöht sich deshalb langsam, das<br />

bringt eine bessere Präzision. Die innen<br />

gehärteten Läufe sind nach Auskunft von<br />

GPR für 5000 Schuss (.50 BMG und .700<br />

Subsonic) respektive für 3500 Schuss<br />

(10,2 Jaguar) ausgelegt. Die Zahlen beziehen<br />

sich aber nicht auf die Präzision,<br />

sondern die Mündungsgeschwindigkeit.<br />

Beim 1044 Millimeter langen .50 BMG-<br />

Lauf entfallen zirka 96 Millimeter auf die<br />

Mündungsbremse, welche mit einem<br />

metrischen Feingewinde mit dem Rohr<br />

verbunden wird. Die Bremse verwirbelt<br />

über sechs Kammern die hochgespannten<br />

Gase und soll den Rückstoß und den<br />

Hochschlag mindern. Die Durchgangsbohrung<br />

misst 14 Millimeter. Für etwas<br />

Gewichtsersparnis und zwecks besserer<br />

Huf-Eisen | Huf-Gewehr GPR SSG .50 BMG<br />

Wärmeabstrahlung flutet der Hersteller<br />

den Lauf. Die Laufwurzel misst im Durchmesser<br />

41 Millimeter. Ein Zweikant am<br />

hinteren Ende sorgt für eine feste<br />

Verbindung mit einer Verschlusshülse. An<br />

beiden Stirnseiten dieser gut 180 Millimeter<br />

langen Hülse befinden sich Zentrierkonen.<br />

Die Gegenstücke dazu finden<br />

sich im Systemkasten und am sogenannten<br />

Multirohr, das das Rohr über zwei<br />

Fügeflächen zentriert und gegen ein<br />

Verschieben sichert. Im vorderen Teil der<br />

Hülse ist eine Nut, die eine federnd gelagerte<br />

Passfeder an der Systemunterseite<br />

aufnimmt. So sichert der Hersteller den<br />

Lauf zusätzlich gegen Verdrehen. Sechs<br />

flache Ausfräsungen können über die<br />

gesamte Länge der Verschlusshülse<br />

Schmutz aufnehmen. Sie sind nötig, weil<br />

Dreck ein wiederholgenaues Einpassen<br />

des Laufs sonst verhindern könnte. Der<br />

Lauf für die 10,2-Patrone unterscheidet<br />

VISIER | 7-2012 23


Juli 2012<br />

30<br />

Zugegeben, ich war kein Freund<br />

von Halbautomaten. Ich fand die<br />

meisten hässlich, oft entsprach die<br />

Schussleistung nicht meinen Vor-<br />

TEST & TECHNIK<br />

Bringt’s die Sauer<br />

auch auf Dauer?<br />

Halbautomatische Büchsen, früher verpönt, gehören mittlerweile zum gewohnten Bild auf<br />

Drückjagden. Andreas Rockstroh hat die S 303 für VISIER eine Saison lang geführt und<br />

auf Herz und Nieren geprüft. Hier sein Erfahrungsbericht.<br />

Text: Andreas Rockstroh,<br />

Fotos: Michael Schippers,<br />

Jochen Friesner, Andreas Wilhelmus<br />

stellungen, und die Abzüge waren mir fast<br />

immer zu hart. Dazu kommt, dass einige<br />

Schützen, die die „Dinger“ führen, mangelnde<br />

Schießfertigkeit durch erhöhte<br />

Feuerkraft ersetzen. <strong>Das</strong> kann zugegebenermaßen<br />

nicht dem Waffentyp angelastet<br />

werden. Es hat aber das Ansehen von<br />

Selbstladebüchsen in deutschen Revieren<br />

nicht gerade gefördert. Bei wachsenden<br />

Sauenbeständen sind Halbautomaten<br />

aber nun fast überall „salonfähig“.<br />

Als ich die S303 das erste Mal in der<br />

Hand hatte, gefiel sie mir auf Anhieb. Sie<br />

VISIER | 7-2012


sah nicht wie ein „Maschinengewehr“<br />

aus, lag gut im Anschlag, war praxisgerecht<br />

zu handhaben, und den Abzug<br />

fand ich damals schon super. Ich warf<br />

meine Vorurteile über Bord, die 303<br />

wollte ich haben. Doch dann hörte man<br />

von Zuführproblemen. Ich beschloss, daher<br />

abzuwarten. Unterdessen sind die<br />

Probleme behoben, und ich bestellte eine<br />

Waffe für diesen Langzeittest.<br />

Bei reinen Gebrauchswaffen habe ich es<br />

eigentlich gern robust: Kunststoffschaft,<br />

rostträge oder rostfreie Metallteile, keine<br />

Gravuren. Bei der S 303 wählte ich jedoch<br />

das „Kontrastprogramm“, das Modell<br />

„Elegance“ mit edlem Schaftholz, im<br />

Kaliber .300 WinMag. Und tatsächlich,<br />

der Halbautomat sieht wirklich gut aus.<br />

Nach recht langer Lieferzeit kam sie am<br />

3. November 2011 an, gerade pünktlich<br />

Bringt’s die Sauer auch auf Dauer? | Selbstladebüchse Sauer 303<br />

zum Beginn der Drückjagdsaison. Die<br />

Montage der drei Hauptteile – Hinterschaft,<br />

System mit Lauf und Vorderschaft<br />

sowie Zielfernrohr – ist simpel. Da ich<br />

seit über zehn Jahren eine Sauer 202 in<br />

.375 Holland & Holland führe, wusste<br />

ich, wie der Hinterschaft montiert wird:<br />

Schaft ansetzen und mit einem langen<br />

Steckschlüssel geradewegs durch die<br />

Gummischaftkappe die Fixierschraube<br />

festziehen. Auch die Zielfernrohrmontage<br />

(Sauer nennt sie „isi-Mount“) auf der<br />

Laufschiene ging einfach von statten und<br />

klappte auf Anhieb. <strong>Das</strong> Zielfernrohr sitzt<br />

extrem niedrig, ideal für den flüchtigen<br />

Schuss über das Glas; in meinem Fall ein<br />

Swarovski Z6i 1,7-10 x 42. Ein Kompromiss,<br />

wenn die Büchse auch bei Pirsch<br />

und Ansitz geführt werden soll. Bei gutem<br />

Mondlicht taugt das Zielfernrohr auch<br />

bei Nacht. Der Stellhebel für den Leucht-<br />

punkt (Tag- und Nachtmodus) verstellte<br />

sich aber immer noch zu leicht.<br />

Da unsere Drückjagd im eigenen Revier<br />

schon am übernächsten Tag stattfand,<br />

blieb keine Zeit für ausführliche Schießstandtests.<br />

Ich schnappte mir also eine<br />

Packung Patronen (Hornady, 180<br />

Grains, SP Interlock). Nach einer kleinen<br />

Zielfernrohr-Korrektur schoss die Büchse,<br />

so wie ich es haben wollte. Der<br />

Test auf „Herz und Nieren“ wurde auf<br />

später verschoben.<br />

Für die Drückjagd hätte ich mir allerdings<br />

gewünscht, dass die Waffe mit zwei Magazinen<br />

geliefert würde. Für Halbautomaten<br />

erlaubt hierzulande der Gesetzgeber<br />

dem Jäger bekanntlich nur Magazine,<br />

die zwei Patronen fassen. Mit einer<br />

Patrone im Lauf ist die Büchse dreischüs-<br />

VISIER | 7-2012 31


Juli 2012<br />

36<br />

TEST & TECHNIK<br />

VISIER | 7-2012


Diana, die Göttin der Jagd, war<br />

von Anfang an dabei: Beim<br />

allersten deutschen Field-Target-<br />

Wettkampf während des VISIER-<br />

Schießsport-Festivals im Juni 1999 in<br />

Leipzig brachten die Service-Techniker<br />

des Dianawerks (offiziell Mayer & Grammelspacher)<br />

ein völlig neuartiges Luftgewehr<br />

mit – das erste Diana-Pressluftgewehr.<br />

Damals umringt von zahlreichen<br />

interessierten Zuschauern und auch<br />

Schützen, die auf Wunsch ein paar<br />

Diabolos daraus verschießen durften.<br />

Es blieb bei diesem ersten und einzigen<br />

Auftritt – bis zur IWA 2011, als der Prototyp<br />

des Diana P 1000 gezeigt wurde. Im<br />

Frühjahr 2012 trafen die beiden Testgewehre<br />

in Bad Ems ein, eins in freier Aus-<br />

führung mit 7,5 Joule und deshalb erlaubtem<br />

Schalldämpfer (Diana P 1000 S)<br />

und eins mit schickem Lochschaft und<br />

mit 16 Joule Mündungsenergie nur auf<br />

WBK zu erwerben. Dies vorweg: Mit dem<br />

1999er Diana-Einzelstück haben beide<br />

nichts gemein. Auch die Konstrukteure<br />

haben seither gewechselt. Nun baut man<br />

bei Diana im badischen Rastatt zwar seit<br />

1890 Druckluftwaffen (siehe Firmengeschichte<br />

in VISIER 3/2002), aber bislang<br />

nur mit Federdrucksystem, wenige Kompressionsmodelle<br />

mal ausgenommen.<br />

Die Kunst, Druckluft aus einem Tank sozusagen<br />

häppchenweise für den nächsten<br />

Schuss abzuzapfen, mussten Hersteller<br />

wie Anschütz, Feinwerkbau, Steyr<br />

oder Walther (um nur wenige zu nennen<br />

und dies alphabetisch) erst mühsam lernen.<br />

Nun haben diese allerdings einen<br />

Wissensvorsprung, was etwa die Arbeitsweise<br />

des Druckminderers und des<br />

Dianas Atem | Pressluftgewehr Diana P1000<br />

Dianas Atem<br />

13 Jahre nach dem ersten Pressluft-Prototyp und 122 Jahre nach dem ersten Federdruck-<br />

Luftgewehr: <strong>Das</strong> Rastatter Dianawerk nahm sich Zeit für das neue Pressluftgewehr P 1000.<br />

Text: Ulrich Eichstädt, Wolfgang Müller<br />

Studiofotos: Michael Schippers<br />

Die Trommel, der Ein-Schuss-Schieber sowie die getesteten Diabolo-Sorten (Maße<br />

und Gewichte siehe Tabelle). Die beiden „Hausmarken“ von Diana stammen ebenfalls<br />

von H & N (Magnum = Field Target Trophy, Match = H & N Matchqualität).<br />

Schlagventils angeht, das beim Auslösen<br />

die Pressluft freigibt. Im Freizeitbereich, in<br />

dem sich Diana-Chef Martin Zedler mit<br />

dem neuen P1000 bewegt, hat die<br />

Firma Weihrauch mit dem HW 100 ein<br />

starkes Eisen im Feuer. Ebenfalls in freier<br />

wie WBK-Version und auch mit einem<br />

Trommelmechanismus (siehe 1/2005) –<br />

das ist die Konkurrenz, an der sich das<br />

P 1000 messen lassen muss.<br />

Die Basics: <strong>Das</strong> P 1000 besteht aus<br />

einem Systemgehäuse (weitgehend) aus<br />

gegossenem Aluminium, an das die beiden<br />

Teile des Vorder- und Hinterschafts<br />

angeschraubt werden. <strong>Das</strong> macht die<br />

Produktion günstiger, weil auch entsprechend<br />

große einteilige Buchenstücke teurer<br />

wären als zwei Hälften. Die Lagerhaltung<br />

der Jagdvariante mit Lochhinterschaft<br />

(„thumbhole“, Kürzel TH) für<br />

1149 Euro Grundpreis wird durch die<br />

einfachere Kombination erleichtert. Die<br />

Verarbeitung der wohl aus Italien stammenden<br />

Holzstücke ist sauber, die gelaserten<br />

Fischhautflächen makellos. Mit<br />

365 mm fällt die Distanz zwischen der<br />

Gummischaftkappe und dem Züngel etwas<br />

länger aus als üblich (um 350 mm),<br />

aber auch Schützen mit kürzeren Armen<br />

kommen zurecht. Den Hinterschaft hält<br />

eine Spezialschraube, die sich nur mit<br />

einem Sonderwerkzeug entfernen lässt<br />

– gut so, da muss auch niemand nur<br />

aus Neugierde dran. Die symmetrische<br />

Backe im (entfernten) Monte-Carlo-Stil<br />

passt für Rechts- wie Linksschützen. Letztere<br />

hätten nur mit dem nach rechts<br />

ausschwenkenden Repetierhebel etwas<br />

mehr Probleme. Aber die zum Entnehmen<br />

der Trommel (nach links) zurückzuziehende<br />

Trommelachse sitzt links am<br />

Gehäuse, die Schiebesicherung gut er-<br />

VISIER | 7-2012 37


Juli 2012<br />

42<br />

TEST & TECHNIK<br />

VISIER | 7-2012


In der Dezemberausgabe 2010<br />

stellte VISIER schon einmal einen<br />

Halbautomaten von Czech Small<br />

Arms (CSA) vor: den vz. 58 E Sporter.<br />

Bei einem zivilen Nachbau von tschechischen<br />

Militärwaffen aus der Nachkriegszeit<br />

wollten es die Tschechen aber<br />

nicht belassen und überraschen diesmal<br />

mit einer halbautomatischen Variante<br />

der Maschinenpistole “Scorpion”. In den<br />

USA kann man dergleichen schon länger<br />

kaufen, doch die von der Firma U.S.<br />

Kempf Waffentechnik nach Deutschland<br />

importierten Nachbauten von CSA haben<br />

einen hierzulande wichtigen Vorteil:<br />

In den Zivilversionen befindet sich kein<br />

originaler Verschluss und kein originaler<br />

Lauf, alle Teile stammen aus ziviler Produktion.<br />

Laut Hersteller sind die neuen<br />

Modelle zuverlässig gegen den verbotenen<br />

Einbau einer Serienfeuereinrichtung<br />

gesichert. So gibt es beste Aussichten,<br />

dass das Bundeskriminalamt die CSA-<br />

Scorpions nicht als verbotene Gegenstände<br />

einstuft. Oswald Kempf hat nach<br />

eigenen Aussagen beim BKA bereits<br />

einen Feststellungsbescheid beantragt.<br />

Selbstverständlich unterscheidet sich der<br />

Aufbau der SA vz. 61 von den Originalen.<br />

So fehlt natürlich die bei der MPi<br />

vorhandene Kadenzverzögerung. Aber<br />

auch wenn ein Unterbrecher das vollautomatische<br />

Schießen verhindert – die<br />

CSA-Modelle folgen den historischen<br />

Vorbildern in den meisten technischen<br />

Details. <strong>Das</strong> beginnt mit den Kalibern der<br />

Scorpion-Pistolen: 7,65 Browning, 9 mm<br />

kurz und 9 mm Makarow. In 9 mm Para<br />

bietet der Hersteller keine Version an,<br />

aber dieses Kaliber konnte sich in der<br />

Maschinenpistole ja auch nicht durchsetzen<br />

(Seite 45). Wie bei anderen Modellen,<br />

die Ende der 1950er oder Anfang<br />

der 1960er Jahre konstruiert wurden,<br />

entsprach auch die originale Scorpion<br />

der zweiten MPi-Generation: Kein Kolben,<br />

sondern ein einklappbarer Bügelschaft<br />

und ein blechgeprägtes Oberteil.<br />

Der Lauf im abklappbaren Oberteil lässt<br />

sich bei den CSA-Modellen nicht demontieren.<br />

Ein fünf Millimeter dicker Bolzen<br />

verbindet es mit dem Unterteil. Ein<br />

Spannstift sichert diesen massiven Bolzen.<br />

Deshalb lässt sich die Waffe ohne<br />

Werkzeug zwar öffnen, für das Zerlegen<br />

benötigt man aber Hilfsmittel.<br />

Einen sehr soliden Eindruck macht die<br />

Abzugsgruppe: gefräste Teile und eine<br />

Schlagfeder aus verdrillten Drähten. Am<br />

Unterteil sitzt links in der Mitte die Magazinsperre,<br />

direkt darunter ragt ein gewaffelter,<br />

quadratischer Drücker hervor. Eingedrückt<br />

arretiert er den Verschluss in<br />

geöffneter Position. Der Masseverschluss<br />

der Scorpion wiegt bei allen drei Testwaffen<br />

260 Gramm. Die Stoßböden unterscheiden<br />

sich bei den drei CSA-Varianten<br />

natürlich kaliberabhängig voneinander,<br />

ebenso die Auszieher. Wie bei der originalen<br />

Scorpion-MPi und wie bei der Uzi<br />

greift der Verschluss über den Lauf. Bei<br />

fertig geladener Waffe ist befindet er sich<br />

in vorderster Position, die SA vz. 61 ist eine<br />

aufschießende Waffe. Die beiden 9mm-Waffen<br />

arbeiten mit der gleichen<br />

Schließfeder. Sie ist deutlich länger als<br />

bei der SA vz. 61 im Kaliber 7,65 mm.<br />

Da es bei den CSA-Scorpions nicht um<br />

Feuerstöße, sondern um den gezielten<br />

Hard Rock | SA vz. 61 Scorpion<br />

Hard Rock<br />

Drei halbautomatische Scorpion-Versionen versprühen den Charme der 1970er<br />

Jahre und sind ein technischer Leckerbissen. Und das Schießen damit macht Spaß.<br />

Text: Hartmut Mrosek und<br />

Andreas Skrobanek<br />

Fotos: Michael Schippers<br />

Einzelschuss geht, spielt die Visierung natürlich<br />

eine wichtigere Rolle als bei der<br />

Scorpion-MPi. Die Klappkimme besitzt<br />

ein 7,2 Millimeter hohes Blatt für 75 Meter.<br />

<strong>Das</strong> zweite für eine Distanz von 150<br />

Metern ist zirka 0,9 Millimeter höher.<br />

<strong>Das</strong> bedeutet bei einer Visierlinie von<br />

165 Millimetern auf eine Entfernung von<br />

25 Metern einen etwa 136 Millimeter höheren<br />

Treffpunkt. Die Feinjustierung für<br />

die Höhe erfolgt am Korn mit Hilfe eines<br />

Schlüssels. Eine Umdrehung ändert die<br />

Kornhöhe um 0,5 Millimeter. <strong>Das</strong> entspricht<br />

auf 25 Meter einer Treffpunktverlagerung<br />

von 76 Millimetern – der Schütze<br />

kann also die Visierung ausreichend<br />

fein einstellen. Einen Wermutstropfen<br />

gibt es trotzdem: <strong>Das</strong> zylindrische Korn<br />

ist 1,8 Millimeter dick, der Kimmenausschnitt<br />

1,5 Millimeter breit. <strong>Das</strong> sorgt für<br />

genügend Licht um das Korn, solange<br />

der Schütze die Schulterstütze benutzt.<br />

Beim ein- oder beidhändigen Schießen<br />

mit ausgestreckten Armen findet man<br />

aber selbst bei gutem Licht das Korn nur<br />

schwer in der engen Kimme. Bei allen<br />

drei Testwaffen stand das Korn ab Werk<br />

mittig zwischen den Schutzbacken und<br />

schloss in der Höhe bündig mit diesen<br />

ab. Mit dieser Einstellung trafen alle Testwaffen<br />

auf 25 Meter etwa 350 Millimeter<br />

unter den Haltepunkt – als eingeschossen<br />

kann das nicht gelten.<br />

Mit Schulterstütze findet der Schütze<br />

schnell ins Ziel. Die Hände können den<br />

Griff gut fassen. Beim einhändigen Feuern<br />

macht sich allerdings der sehr hoch<br />

liegende Schwerpunkt der Scorpion<br />

durch eine starke Tendenz zum Kippen<br />

bemerkbar – stärker noch als bei der<br />

Mauser C96. Die etwas labile Schulter-<br />

VISIER | 7-2012 43


Juli 2012<br />

48<br />

TEST& TECHNIK<br />

VISIER | 7-2012


Der Mensch neigt dazu, in allen<br />

Dingen einen Mehrfachnutzen zu<br />

suchen. <strong>Das</strong> könnte die Geburtsstunde<br />

der Tactical Pens gewesen<br />

sein, jener metallisch-martialisch umhüllten<br />

Kugelschreiberminen, die seit<br />

einigen Jahren gleichberechtigt in den<br />

Ausrüsterkatalogen neben Klappmessern<br />

und Pfefferspray aufgelistet werden.<br />

Denn es mag für Kampfsportler wie auch<br />

für „Wannabees“ zwar cool aussehen,<br />

wenn sie einen Kubotan am Schlüsselbund<br />

schwenken. Wird man aber gerade<br />

nicht überfallen, ist das Ding mangels<br />

anderer Verwendungszwecke sinnbefreit.<br />

Kubo-was? Ein Kubotan ist eine<br />

stabförmige Verteidigungswaffe, die in<br />

verschiedenen Kampfkünsten eingesetzt<br />

wird (und das unter vielen anderen Namen<br />

schon seit Jahrhunderten). Man<br />

kann mit dem Kubotan Druck-, Quetsch-,<br />

Stoß- oder Hebeltechniken anwenden<br />

(siehe Seite 53). Der Name wurde 1978<br />

als Marke von dem heute 78-jährigen japanischen<br />

Karatelehrer Takayuki Kubota<br />

eingetragen. Entwickelt hatte der seit<br />

1964 in den USA lebende Trainer den<br />

Kubotan für weibliche Polizistinnen, die<br />

den im Original 14 cm langen Stab unauffällig<br />

am Schlüsselbund mitführen<br />

konnten. Statt des meist aus Hartholz gefertigten<br />

Originals kann man natürlich<br />

Jetzt mach aber mal ‘nen Punkt! | Marktübersicht Tactical Pens<br />

Manchmal ist die Feder stärker als das Schwert. Besonders dann, wenn man letzteres nicht<br />

dabei hat. Die aktuellen „Tactical Pens“ sollen das belegen — eine Marktübersicht.<br />

Text: Ulrich Eichstädt<br />

Studiofotos: Michael Schippers<br />

andere feste Stäbe aus Metall oder stabilem<br />

Kunststoff zur Selbstverteidigung<br />

zweckentfremden – und schon leuchtet<br />

ein, dass ein robuster Kugelschreiber<br />

diese Funktion ebenso erfüllen kann.<br />

Die von diversen Anbietern zur Verfügung<br />

gestellten drei Dutzend Pens für<br />

diese Marktübersicht liegen preislich zwischen<br />

knapp 20 und 150 Euro, ebenso<br />

breit ist die Spanne an Ausstattungen<br />

oder Zusatzfunktionen. VISIER legte bei<br />

der Vorstellung der Pens zunächst Wert<br />

auf den Gebrauch als Schreibutensil,<br />

also das „Handling“ der meist zwischen<br />

30 und 50 Gramm schweren Pens.<br />

Martialisches Design ist cool,<br />

aber ziviles Aussehen hilft<br />

manchmal eher weiter<br />

Mit nur wenigen Ausnahmen (Nr. 23 und<br />

24) verwenden die Pen-Hersteller hochfestes<br />

Aluminium für den Stift-Korpus. Oft<br />

wird die Legierung 6061 angegeben, die<br />

in der Luft- und Raumfahrt eingesetzt<br />

wird – hohe Festigkeit, gute Bearbeitungsmöglichkeiten<br />

(Schweißen, Hartlöten,<br />

Eloxieren). <strong>Das</strong> erlaubt auch mehr<br />

oder weniger populäre Farben, neben<br />

Schwarz sind dezente Grautöne („gungrey“)<br />

im Programm, aber auch Pink,<br />

Navyblau oder Metallic-braun. Geht<br />

man vom Zweit-Verwendungszweck als<br />

Kubotan aus, sollte der Korpus möglichst<br />

rutschfest sein, damit er einem nicht<br />

durch die vor Aufregung vielleicht feuchten<br />

Finger flutscht. Die Clips sind durchweg<br />

aus Stainless-Steel und erfreulich<br />

stabil befestigt, oft durch Schrauben. Innovativ:<br />

Der von Böker vertriebene CID<br />

cal. .45 (Nr. 27), den Messermacher Thomas<br />

Braunagel und Designer Rainer<br />

Wenning entwickelt haben. Der „mittig“<br />

angebrachte Bajonettschieber lässt sich<br />

nach kurzer Übung mit der Haltehand<br />

bedienen. Dafür kann man beim „Hammer-Griff“<br />

(siehe S. 55) den Daumen auf<br />

der breiten Endkappe abstützen, auch<br />

der integrierte Clip kann nirgends hängenbleiben.<br />

Und der Spieltrieb im Manne<br />

wird mit dem Schieber auch befriedigt,<br />

selbst wenn konstruktionsbedingt<br />

nur eine Kurzmine hineinpasst.<br />

Minen-Spiel: Die meisten Stifte werden<br />

mit Großraum-Minen geliefert, man hat<br />

ja Platz. Empfehlenswert hier, auch zum<br />

nachrüsten, die „Space Pen“-Mine von<br />

Fisher, die auch über Kopf und unter<br />

Wasser schreibt. Aber auch die „Easy<br />

Flow“ von Schmidt fand sich in einigen<br />

Stiften. Wie man in den Schreibgenuss<br />

kommt, das ist je nach Pen unterschiedlich<br />

– was sich auch auf eine eventuelle<br />

Verteidigungsstrategie auswirkt. Bei den<br />

vorgestellten Stiften fanden wir drei<br />

Funktionsprinzipien, um den Pen schreibbereit<br />

zu machen:<br />

VISIER | 7-2012 49


Juli 2012<br />

Im Jahr 2008 hatten alle Polizisten<br />

in Nordrhein-Westfalen ihre P6<br />

gegen Walthers P99 ausgetauscht.<br />

Damit ging im größten Bundesland<br />

eine Ära zu Ende: Drei Jahrzehnte<br />

hatte das ab 1978 eingeführte Modell als<br />

Dienstwaffe Polizeigeschichte geschrieben.<br />

<strong>Das</strong> ist länger, als die meisten<br />

80<br />

GESCHICHTE & GESCHICHTEN<br />

Keine kleine<br />

Nummer<br />

SIG Sauers Pistole P6 ist in den meisten Bundesländern Polizeigeschichte – und<br />

eine spannende dazu. Doch für Sammler bleiben nur wenige Exemplare übrig.<br />

Text: Egon Thiel, Wolfgang Dicke,<br />

Andreas Skrobanek<br />

Fotos: Egon Thiel, Wolfgang Dicke<br />

Ehen halten. In dieser Zeit war sie die<br />

am weitesten verbreitete Polizeipistole<br />

Deutschlands. Denn nicht nur Polizisten<br />

in Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen,<br />

Nordrhein-Westfalen und Hessen führten<br />

sie, sondern auch ihre Kollegen in Westberlin<br />

und im Saarland (obwohl hier die<br />

P9s dominierte). Und im Bund avancierte<br />

die P6 zur bis dahin erfolgreichsten<br />

Behördenpistole der Nachkriegszeit: Der<br />

Bundesgrenzschutz, die Bundeszollverwaltung,<br />

das Bundeskriminalamt, die<br />

Bundesbahnpolizei und auch Mitarbeiter<br />

der Bundes- und Landeszentralbanken<br />

schützten sich mit der Kurzwaffe aus<br />

Eckernförde. Nach der Wiedervereinigung<br />

trat sie sogar ihren Dienst in einigen<br />

neuen Bundesländern an und löste<br />

in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-<br />

Anhalt, Ost-Berlin und Brandenburg<br />

(hier überwiegend als P228) die Makarow-Pistole<br />

ab. Für Sammler ist die P6 also<br />

ein wahrer Leckerbissen – allerdings<br />

nicht nur deshalb, weil Stempelfeti-<br />

VISIER | 7-2012


Keine kleine Nummer | SIG Sauer P6<br />

schisten voll auf ihre Kosten kommen.<br />

Die SIG Sauer-Pistole war als erste aufgrund<br />

von Polizeiforderungen entwickelt<br />

worden. Bis dahin hatten die Ordnungshüter<br />

einfach auf das Marktangebot zurückgegriffen.<br />

Doch diesmal lief es anders:<br />

Die Hersteller mussten die in einem<br />

sogenannten „Pflichtenheft Faustfeuerwaffen“<br />

vom 19. 6. 1975 niedergelegten<br />

Standards erfüllen. Die wohl wichtigste<br />

Forderung war die nach einem größeren<br />

Kaliber, nämlich 9 mm Para. <strong>Das</strong> bisherige<br />

Standardkaliber 7,65 mm hatte sich in<br />

der Praxis mit einer zu geringen „Mannstoppwirkung“<br />

weitgehend disqualifiziert.<br />

Große Koalition: Wirklich überraschend<br />

kam diese Entwicklung für die Hersteller<br />

nicht. Schon im Jahr vor dem Erscheinen<br />

des Pflichtenheftes hatte sich die<br />

Firma J. P. Sauer & Sohn mit der Schweizerischen<br />

Industriegesellschaft (SIG) zusammengeschlossen.<br />

<strong>Das</strong> Ziel: eine moderne<br />

Polizeipistole. Die Entwicklungsbüros<br />

der SIG konzipierten, Sauer in Eckernförde<br />

sollte produzieren. Die Konstrukteure<br />

passten die bewährte Armeepistole<br />

SIG220 den Forderungen aus dem<br />

Pflichtenheft an und schufen so die P225.<br />

Die neue Pistole trat gegen ernstzuneh-<br />

Wie die Zeit vergeht: Auf der Uniformjacke aus Nordrhein-<br />

Westfalen im klassischen Polizeigrün liegt eine im April<br />

1991 hergestellte und inzwischen ausrangierte P 6.<br />

VISIER | 7-2012 81


Juli 2012<br />

120<br />

Leicht für Match: 0,475 und<br />

0,5 g, Kopf 4,48-4,52 mm<br />

Exact, die Rundkopf-Sorten:<br />

div. Gewichte und Kopfmaße<br />

„Jumbo“-Sorten stehen für<br />

das Kaliber 5,5 mm<br />

Die schweren Straton-Sorten<br />

in Spitzkopf-Form<br />

VOR ORT<br />

Mittelschwer 0,52 g, Kopfmaße<br />

von 4,48 bis 4,52 mm<br />

wie vor, aber 0,535 g: für<br />

LGs, aber auch Pressluft-LPs<br />

Leichte Sorte für Field Target Leichteste Field Target-Sorte<br />

(RS = Rapid Speed)<br />

links Match-Flachkopf, hier<br />

Rundkopf für Field Target<br />

... und wieder in Zylinder-<br />

Form, nur 200 pro Dose<br />

wie Match in Gewicht und<br />

Kopf, weniger Endkontrolle<br />

Allround-Sorte für FT<br />

Leichtere Rapid-Speed-Form Leichtes Geschoss, beliebt<br />

für starke und präzise LGs<br />

Polymag-Spitze im alten<br />

US-Kaliber .20 (5,05 mm)<br />

... und auch in 5,5 mm für<br />

starke Jagd-Luftgewehre<br />

VISIER | 7-2012


Einfache Trainingsqualität<br />

zum günstigen Preis<br />

Schwere Exact-Sorte für<br />

starke Modelle über 16 Joule<br />

Im größten Serien-Kaliber .25<br />

(6,35 mm) mit Polymerspitze<br />

VISIER | 7-2012<br />

Die Schmiede im Wald | JSB-Diabolos<br />

Schweres Spitzkopf-Diabolo<br />

für Jagd und Outdoor<br />

Jagdsorte mit aufgesetzter<br />

Polymer-Spitze<br />

Schwere Exact-Sorte Schwerstes Geschoss in<br />

5,5 mm, daher Zylinderform<br />

Allround-Diabolo mit Rundkopf<br />

für das 20er Kaliber<br />

Evergreens<br />

Die VISIER-Prämien-Dauerbrenner<br />

unserer Leser<br />

G E W E H R F U T T E R A L * m i t Z a h l e n s c h l o s s<br />

Längst ein Klassiker – das blaue, 123 cm lange Polsteretui mit dem<br />

markanten VISIER-Schriftzug fasst alle gängigen Gewehre mit Zielfernrohr.<br />

Die großen Außentaschen verwahren Zubehör.<br />

Dank Doppelreißverschluss abschließbar. Wahlweise mit Trageriemen<br />

oder Rucksackgurt. Einfach einen neuen Abonnenten finden,<br />

und Sie erhalten dieses Futteral inkl. Schloss kostenlos.<br />

D O P P E L - G E W E H R T A S C H E * m i t Z a h l e n s c h l o s s<br />

Eine für zwei – hier passt ein Langwaffen-Duo hinein, natürlich<br />

auch mit Zielfernrohr. Ausstattung: Länge 130 cm, schwarzes<br />

Nylon mit Polsterung, Doppelreissverschluss oben, ein Schultertragegurt<br />

und eine Außentasche für Munition oder Papiere.<br />

Kostenlos – bei Vermittlung eines neuen Abonnenten.<br />

A l u m i n i u m - D o p p e l k o f f e r * , z z l g . 2 9 , - €<br />

... für Kurzwaffen und Zubehör.<br />

Details:<br />

• Innenmaße: 37 x 49,5 x 8 cm<br />

• stabile Bauweise mit Alu-Rahmen<br />

und Kugelschutz-Ecken aus Metall<br />

• dickes Schaumstoffpolster<br />

• zwei Zahlenkombi-Schlösser<br />

• zwei abschließbare Schnappbügel.<br />

Für nur 29,- € Zuzahlung<br />

bei Vermittlung eines<br />

neuen Abonnenten.<br />

Noch mehr Prämien:<br />

+49 (0)2603 / 50 60-101<br />

oder / 50 60-102<br />

+49 (0)2603 / 50 60-103<br />

So bestellen Sie:<br />

Sofort Coupon auf Seite 108 ausfüllen,<br />

abschicken und Prämie kassieren!<br />

vertrieb@vsmedien.de<br />

www.visier.de<br />

VISIER-Leserservice Schweiz Tel: +41 (0) 44 586 97 94 · Fax: +49 (0) 2603-50 60-103<br />

*Lieferung ohne Inhalt und Deko – Ein Angebot der VS Medien GmbH, Wipsch 1, 56130 Bad Ems,<br />

Deutschland, vertreten durch Dirk Schönfeld und Dr. Ch. Müller, Amtsgericht Koblenz HRB 7007


Juli 2012<br />

122<br />

Neben dem Pokalschießen<br />

konnten<br />

die MKP-Teilnehmer<br />

Militär-Schießabzeichen<br />

erwerben;<br />

dies etwa mit der<br />

Pistole M 9 oder<br />

dem SAW M 249.<br />

Text: Andreas Wilhelmus<br />

Fotos: Andreas Wilhelmus<br />

Bereits auf dem Weg von der Hauptstraße<br />

zur „Regionalen Gemeinschaftsschießanlage“<br />

der US-Streitkräfte<br />

in Wackernheim bei Bingen<br />

VOR ORT<br />

Mobil-Machung<br />

Seit mehr als einem viertel Jahrhundert melden sie sich zum „Monte-Kali“: Reservisten wie aktive<br />

Soldaten sind unter den inzwischen weit über 300 startenden Mannschaften des internationalen<br />

Vergleichschießens zu finden. VISIER schaute den Startern beim Schießen über die Schulter.<br />

wird klar: Hier findet keins der üblichen<br />

Schulschießen der GIs statt. Unzählige<br />

zivile Fahrzeuge mit deutschen Nummernschildern<br />

aus ganz Deutschland sowie<br />

einigen Nachbarländern stehen entlang<br />

des Weges. Auf den angrenzenden<br />

Wiesen verraten Zelte, dass diese Veran-<br />

staltung über mehrere Tage geht. Am<br />

Eingang zum Range Complex erwarten<br />

Soldaten des United States Army 7th Civil<br />

Support Command Kaiserlautern und<br />

Vertreter der Reservistenkameradschaft<br />

(RK) Giesel die Gäste – über 1300 Teilnehmer<br />

kommen zum „Monte-Kali-Pokal“.<br />

VISIER | 7-2012


Zum Organisationspersonal gehören<br />

neben den 25 Gieslern noch Reservisten<br />

aus etlichen anderen RKs sowie „Aktive“<br />

aus Koblenz, aus Holland, Großbritannien<br />

und natürlich der US-Streitkräfte.<br />

Insgesamt rund 200 Helfer sorgen für<br />

einen reibungslosen Ablauf und Nachschub<br />

an Munition und – wie man an<br />

dem markant-würzigen Geruch von<br />

Holzkohlefeuer und darauf bratenden<br />

Steaks riechen kann – für Verpflegung.<br />

Der Berg ruft: Den mysteriösen „Monte<br />

Kali“ sucht man bei Wackernheim vergebens.<br />

Ihren Namen verdankt die in-<br />

zwischen wohl größte Schießveranstaltung<br />

mit Militärgewehren in Europa der<br />

Abraumhalde eines Kaliberwerks im hessischen<br />

Neuhof bei Fulda. Giesel ist ein<br />

Ortsteil von Neuhof, die dortige Reservistenkameradschaft<br />

liegt in Sichtweite des<br />

im Volksmund „Monte Kali“ genannten<br />

künstlichen Erdhügels. Zu dem Namen<br />

kam es, weil die Idee zum inzwischen international<br />

etablierten Pokalschießen<br />

hier entstand: 1984 lud die RK Giesel zur<br />

Premiere rund 200 Mannschaften auf die<br />

heimische Standortschießanlage ein. Im<br />

Laufe der Jahre führten Standortschließungen<br />

dazu, dass die bei Fulda gelege-<br />

Mobil-Machung | Monte Kali Cup<br />

Die Wappen<br />

der Veranstalter: US 7th Civil<br />

Support Command Kaiserslautern<br />

(l.) und RK Giesel. Foto daneben: Nicht<br />

nur vor dem niederländischen Stand<br />

warteten die Schützen geduldig.<br />

ne Standortschießanlage des Bundesgrenzschutzes<br />

als Austragungsort wegfiel.<br />

Schließlich kam der Monte-Kali-<br />

Pokal (MPK) nach einer kleinen Odyssee<br />

– unter anderem über die US-Schießanlage<br />

Messel bei Darmstadt – schließlich<br />

nach Wackernheim.<br />

Von Beginn an nahmen auch Teams befreundeter<br />

Nationen teil. Um die riesige<br />

Teilnehmerzahl zu bewältigen, musste<br />

das bei der Bundeswehr übliche Auswerte-Verfahren<br />

modifiziert werden. Gemäß<br />

der Mannschaftsstärke kamen in den Anfangsjahren<br />

auf einen Scheibenträger<br />

VISIER | 7-2012 123


Juli 2012 VORSCHAU – Ausgabe 8-2012: ab Mittwoch 25. Juli im Handel<br />

Auf eine alte Mauser 98 lassen deutsche Jäger nichts kommen ...<br />

... aber wie sieht das bei den neueren Mauser-Modellen aus? VISIER-Autor Andreas Rockstroh griff sich das Modell M 03 Extrem<br />

heraus und prüfte die Repetierbüchse eine Jagdsaison lang im Revier daraufhin, ob sie hält, was der Name verspricht.<br />

Schön, gut, aus Italien<br />

Frankonia und der Firmenchef Paolo Zoli (Foto) luden ein, und<br />

viele Jagdparcoursschützen kamen zur Produktvorstellung von<br />

Zolis neuer Z-Gun auf den Dornsberg – VISIER war dabei.<br />

Zwei kleine Stiere aus USA<br />

Taurus liefert nicht nur Riesenrevolver<br />

wie den „Raging Bull“, sondern auch<br />

höchst handliche „Snubbies“: Die zwei<br />

fünfschüssigen Modelle 380 in .380<br />

ACP und 405 in .40 S & W verschießen<br />

ihre ungewöhnlichen, eigentlich für<br />

Pistolen entwickelten Kaliber mit Hilfe<br />

von Moon-Clips: Test im August-Heft.<br />

Erhältlich bei Ihrem Zeitschriften-, Bahnhofs- oder Waffenfachhändler. Oder beim Presse-<br />

Fachhandel mit diesem Zeichen und – noch schneller – im Abo: Telefon (02603) 5060-102.<br />

Leser der VISIER-XXL-Ausgabe mit<br />

dem 24-seitigen SWM wissen mehr:<br />

Die Munitionsherstellung hatte zu Beginn<br />

der Industrialisierung noch viel mit Handwerk<br />

zu tun. SWM-Autor Bertram Kropac<br />

ging dieser Geschichte nach.<br />

Aus aktuellem Anlass können sich die Themen ändern.<br />

Moderne Zeiten bei Anschütz<br />

„Modern Sporting Rifle“, kurz MSR 22, so heißt der neue<br />

sportliche KK-Halbautomat des Ulmer Waffenherstellers.<br />

VISIER prüft, was hinter dem futuristischen Design steckt.<br />

VISIER SERVICE<br />

Hier erreichen Sie uns:<br />

Postanschrift:<br />

VISIER, Postfach 13 51,<br />

D-56120 Bad Ems<br />

Redaktion:<br />

Telefon: +49 (0)2603/5060-201<br />

Hotline: Dienstag & Donnerstag<br />

von 14 bis 15 Uhr<br />

Fax: +49 (0)2603/5060-202<br />

E-Mail: visier@vsmedien.de<br />

Anzeigen:<br />

Telefon: +49 (0)2603/5060-106<br />

Fax: +49 (0)2603/5060-107<br />

E-Mail: anzeigen@vsmedien.de<br />

Leserservice:<br />

Nachbestellung alter Ausgaben<br />

und Abo-Betreuung:<br />

Tel.: +49 (0)2603/5060-101 oder -102<br />

Fax: +49 (0)2603/5060-103<br />

E-Mail: vertrieb@vsmedien.de<br />

VISIER | 7-2012

Hurra! Ihre Datei wurde hochgeladen und ist bereit für die Veröffentlichung.

Erfolgreich gespeichert!

Leider ist etwas schief gelaufen!