Entwicklungsperspektive: Die Bandengesellschaft - Christian Reder

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Entwicklungsperspektive: Die Bandengesellschaft - Christian Reder

Wolfgang Müller-Funk (Hg.):

Die berechnende Vernunft.

Über das Ökonomische in allen Lebenslagen.

Picus Verlag, Wien 1993

Weitere Beiträge von Peter Rosner, Jean David Roulet, Georg Kohler, Willem van Reijen,

Lorenz Schulz, Boris Groys, Wolfgang Müller-Funk, Horst Gerhard Haberl, Rolf Schwendter,

Edith Saurer, Peter Strasser, Norbert Bolz, Jochen Hörisch, Peter Pörtner, Frithjof Hager

Christian Reder

Entwicklungsperspektive: Die Bandengesellschaft

Atavistische Strukturen für Ökonomisches und Emotionelles

Something is always happening

John Cage 1

Jede Vorstellung von einem normalen

Funktionieren ist verlorengegangen

Jean Baudrillard 2

Von den Erfolgsgeheimnissen einer weltweit agierenden, bewußt

undurchsichtig verschachtelten Unternehmensgruppe, ist in letzter Zeit immer

mehr bekannt geworden, weil sie in den Blickpunkt öffentlichen Interesses

gerückt ist und sich diverse Insider, bedrängt von hartnäckigen Analytikern, nicht

mehr an gewohnte Loyalitäten halten. Vieles, was da offen gelegt wird,

entspricht durchaus einer geläufigen, eher antiquiert wirkenden Logik der Macht;

die innere Ordnung ist relativ simpel, wird aber sehr wichtig genommen. Alles

konzentriert sich auf einige wenige, allerdings streng einzuhaltende Regeln und

auf konsequente Sanktionsmechanismen. Kompetenzen und

Entscheidungsebenen sind präzise festgelegt. Anfallende Arbeiten werden von

überschaubaren, ziemlich selbständig handelnden Gruppen übernommen. Ihr

Wettbewerb untereinander bildet die dynamische Komponente, manchmal führt

er zu Machtverschiebungen, wirklich destruktiv wird er angesichts der Stärke der

Gesamtorganisation eigentlich nie. Es werden grundsätzlich nur freie Mitarbeiter

mit anderen Hauptberufen beschäftigt, damit breite Erfahrungen aus

unterschiedlichsten Arbeitsfeldern und ein verzweigtes Informationssystem

verfügbar sind. Ein hochentwickeltes firmeninternes Sozialnetz sichert jedem

eine lebenslange Versorgung. Geschenke haben, als Zeichen von Respekt und

gegenseitiger Verpflichtung, einen hohen Stellenwert. Von einem

Personalmangel ist nie etwas bekannt geworden. Gefordert wird unbedingte

Verläßlichkeit. Auffallendes Verhalten, sei es bezüglich Bekleidung, Sexualität

1


oder politischer Einstellung, wird nicht gern gesehen, weil es einen

Unsicherheitsfaktor darstellen könnte. Gefühle zu zeigen gilt als Schwäche. Um

die Angelegenheiten anderer braucht sich keiner zu kümmern; schon gar nicht

um jene des geringgeschätzten Staates. Was zählt, ist die eigene, gemeinsame

Sache. Der Zusammenhalt basiert also auf einem nach innen gerichteten

Konservativismus; Familie, Frau, Kinder, Kirche und Einsatzbereitschaft sind

zugehörige dominante Begriffe. Das schließt eine Anpassungsfähigkeit

keineswegs aus, im Gegenteil. Auf gesellschaftliche Entwicklungen wird trotz

solcher Traditionen sehr flexibel reagiert. Die Methoden sind immer extrem

pragmatisch, in geschäftlichen Dingen ist die Wahl des kürzesten und billigsten

Weges oberste Handlungsmaxime. Erfolge zählen um so eher, wenn sie, sobald

der geeignete Augenblick da ist, auf möglichst einfache, unmittelbare Weise

erreicht werden. Insgesamt könnten also in diesen, auch anderswo

fragmentarisch anzutreffenden Organisationsprinzipien, bloße Übersteigerungen

üblicher Werte und Verhaltensweisen gesehen werden, mit starker ästhetischer

Komponente; denn jedem Akteur sollte etwas selbstverständlich sein: „Alles ist

eine Frage des Stils."

Radikalisierung des Normalfalls

Der Stil, von dem die Rede ist, ist jener der sizilianischen Mafia, der Cosa

Nostra, wie ihn Giovanni Falcone, der am 23. Mai 1992 mit seiner Frau und drei

Leibwächtern ermordete Richter, in dessen unverfänglicheren

Zusammenhängen beschrieben hat. 3 Er ist inzwischen zur Symbolfigur der

breiten, landläufige Formen einer Staatskrise radikalisierenden Anti-Mafia-

Bewegung geworden. Ihm zufolge beantwortet die provozierte Gegenmacht

öffentlichen Druck mit Strategien, sich noch unangreifbarer zu machen. Das

ehemals Charakteristische, wie die latente Mordbereitschaft, das Eintreiben von

Schutzgeldern oder brutale Erpressungen, habe mit zunehmendem Vordringen

in legale Wirtschaftsbereiche an Bedeutung verloren. Kriminelle Energien

bleiben - wie anderswo auch - als Potential gespeichert, als Drohung und

Absicherung von Macht; ihre Anwendung wird zunehmend zum bloßen Zeichen,

das solche Erinnerungen wachhalten soll. In bezug auf Codes ist die Mafia-

Kultur übrigens besonders hochentwickelt; „man muß wissen, daß alles

Botschaft ist," berichtet Falcone; „die Deutung der Zeichen, Gesten, Botschaften

gehört zu den Hauptbeschäftigungen der Ehrenmänner". Angesichts der

enormen verfügbaren Kapitalien ist zwangsläufig das Interesse gewachsen, sich

auf scheinbar saubere Geschäfte zu konzentrieren. Exzessiv zugenommen habe

die „Verpestung der legalen Wirtschaft". Um diesen Kurs abzusichern, sind

ertragreiche aber neuralgische Sparten vielfach in den Privatbereich von Mafia-

2


Mitgliedern ausgelagert worden (insbesonders der Drogen- und Waffenhandel).

Auch ein solcher Staat im Staat folgt also den üblichen

Privatisierungsbemühungen, vor allem, um die obere Hierarchie noch besser

von einer Strafverfolgung abzuschirmen. Neu hinzugekommen ist der Betrug mit

EU-Fördermitteln. Ähnlichkeiten mit der „normalen" Gesellschaft nehmen also

eher zu. Analoge, bloß diffus unterscheidbare Interessen gibt es, vielfach

verwoben, vice versa. Denn die Mafia existiert weiterhin „in vollkommener

Symbiose auf dem Nährboden der Massen von Protektoren, Komplizen,

Informanten, Schuldnern aller Art, großen und kleinen Erpressern, von

Eingeschüchterten oder Geprellten, die in allen Schichten der Gesellschaft zu

finden sind". Mit ihrem Gesetz des Schweigens (omertá ), des Gehorsams, mit

der Unerbittlichkeit gegen jeden Denunzianten (den pentito ), der gegenseitigen

Unterstützung und der geheimen Zugehörigkeit kann sie Überlegenheiten

ausspielen, von denen in anderen Organisationen offenbar viele träumen. Selbst

Giovanni Falcone findet zu durchaus respektvollen Formulierungen: „Manchmal

scheint es mir, als wären diese Mafiosi die einzigen rational denkenden Wesen

dieser Welt voll Verrückter." „Warum müssen sich Menschen, die ganz

offensichtlich über enorme intellektuelle Fähigkeiten verfügen, eine kriminelle

Welt aufbauen, um in Würde leben zu können?" Andererseits betont er

insistierend, daß es in einer Gesellschaft nicht zwei Rechtsordnungen geben

dürfe, als den ihm einzig möglichen, letztlich auf das Gewaltmonopol des

Staates pochenden Standpunkt, dem die „ironische Abgeklärtheit (...), mit der

die Mafia die Dinge betrachtet," gegenübersteht.

Ähnlich abgeklärt werden Informationen über andere vorkommende Arten von

Bandenbildung öffentlich behandelt. Die dabei angewandte Diskretion bekräftigt

permanent, wie sehr solche informellen Formationen als Voraussetzung jedes

Funktionierens angesehen werden. Saubere Zustände sind eben nur als

doppelsinniges Negativbild vorstellbar. Als Ziel haben sie etwas

Selbstverständliches an sich. Es zu erreichen, ergäbe, als steriler Endzustand,

abstrakt mechanische Situationen. Angestrebt werden die sauberen Zustände in

diversen Subsystemen deswegen bloß fiktiv und mit permanenter

Risikoabwägung. Auch die mediale Öffentlichkeit, inklusive der ihr

zuarbeitenden Polizei und Justiz, reagiert fortwährend im Sinn von Mafia-

Taktiken, weil es im eigenen und allgemeinen Interesse praktikabler ist,

staatliche Energien mit der Verfolgung von Kleinkriminalität zu beschäftigen und

auszulasten. 4 Die Wiener „Presse" etwa begnügte sich mit neun lakonischen

Zeilen, um mitzuteilen, daß bislang offenbar weitgehend unbekannte Täter aus

dem Bereich Wirtschaft „während der deutschen Wiedervereinigung einen

Schaden von rund 18 Milliarden Mark (126 Milliarden Schilling) angerichtet"

hätten. Einer plausiblen Automatik folgend, ist wesentlich ausführlicher

3


dargestellt worden, daß beim Kreditkartenbetrug Nigerianer und Hongkong-

Chinesen weltweit führend sind, „mit Banden bis zu 40.000 Mitgliedern". 5 Sogar

die weit über den eben genannten Beträgen liegenden Mega-Summen, die sich

in Japan für die Politikbeeinflussung eingebürgert haben, tauchen meist bloß als

Randbemerkungen eifersüchtiger Erfolgsberichte auf. Die japanische

Korruptionswirtschaft funktioniert bisher offenbar effizienter als die italienische

und das drückt sich auch in unterschiedlichen Vorbildfunktionen aus. Nur in

zurückgebliebenen Gebieten, wo der übliche Standard von Marktwirtschaft und

Demokratie noch nicht erreicht ist, so der durchgehende Tenor, seien

konventionelle, also unterentwickelte „Mafia"-Strukturen ein unvermeidliches

Zwischenstadium, in den kaputten Teilen der ehemaligen zweiten und dritten

Welt also. Von dort aus erfolgende Einmischungen in die ausbalancierte innere

Sicherheit des eigenen Bandenwesens erzeugen heftige Irritationen. Selbst daß

eine staatliche, als wenigstens halbwegs geordnet empfundene Kriegsführung -

die immer teurer und damit unrentabel wurde - zugunsten exzessiver

Bandenkriege deutlich an Terrain verloren hat, muß letztlich in solche

zivilisationsorientierte Erklärungsmuster passen. Wenn allerdings auch die

halblegalen Wirtschaftskämpfe von Konzernen in das Szenario einer

internationalen, durch alle möglichen Umstände begünstigten

Bandengesellschaft einbezogen werden, wie es in der Managersprache oft

genug selbst anklingt, bekommt auch die erste Welt wieder das sonst von ihr

beanspruchte Gewicht.

Die Bande, effiziente Form der Gruppe

Mit einem Bandenbegriff, der sich von den einseitigen, ihm für gewöhnlich

zugeschriebenen Negativ-Aspekten löst, könnten sozial-ökonomische

Mechanismen, Verhaltensweisen und Codierungen besser beobachtbar werden.

Rechtsverletzungen wären dabei a priori nicht zu unterstellen, zählen sie doch

schlicht zu den generellen Verhaltensmöglichkeiten des Menschen. Statistisch

werden in Österreich übrigens dem „organisierten Verbrechen" ein Viertel der

entsprechenden Straftatbestände zugeschrieben. Banden sind Sonderformen

der Gruppe und unterscheiden sich durch ihre Aktivitätsorientierung, die sich

primär in informellen Bereichen, außerhalb offizieller Strukturen, unter deren

Infiltration oder Umgehung abspielt. Spontanes, kurzfristiges Kooperieren würde

genauso dazu zählen, wie ein organisiertes Vorgehen. Durch bandenähnliche

Formationen sind die Abgrenzungen fließend. Zusammenhalt und Diskretion

bilden verbindende Elemente. Oft braucht die Kommunikation nur aktiviert zu

werden, wenn es für die Einflußnahme auf Transaktionen notwendig wird.

Vielfach regelt ein Patronagesystem, mit einem hohen Maß an informeller

4


Steuerung und diffusen Verpflichtungen (wie in Familien), die materiellen und

emotionellen Austauschbeziehungen. In Machtstrukturen integrierte und davon

isolierte Banden wären zu unterscheiden. Daß Banden primär eine maskuline

Angelegenheit sind, verdient spezielle Aufmerksamkeit. Vom eigentlichen

Geschehen könnte unter dem Bandenaspekt also vieles sichtbarer werden, und

sei es als exemplarische Übersteigerung des Normalen.

Die Tautologie, überall hätten mafiose „Banden" das Sagen, wie es

umgangssprachlich gegenüber Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kunst, Sport,

gegenüber einzelnen Firmen oder Institutionen üblich ist, erfordert

Unterscheidungen nach bestimmten Strukturmustern, an denen Gemeinsames

und Stereotypes am anscheinend Unvergleichlichen deutlich wird, gerade wenn

diverse abgeschwächte, vielleicht aber bloß weniger spektakuläre, jedenfalls

aber nicht zwingend kriminelle Formen in ihrer Bandenähnlichkeit einbezogen

werden. Daß an solchen Gruppierungen generell Antidemokratisches,

Undurchsichtiges, sich Argumenten und jeder öffentlichen Kontrolle

Entziehendes, das Prägnante ist, wäre ein romantisch simplifizierter Ansatz. Es

werden sich vielfach auch spielerische und zahllose unvernünftige

Komponenten feststellen lassen oder schlicht die Notwendigkeit, daß nur über

Bandenbildungen überhaupt ein Problem aufgegriffen oder etwas entschieden

und durchgesetzt werden kann. Die Funktionsweisen auf höheren sozialen

Ebenen haben, abgesehen von den äußeren Formen, durchaus Ähnlichkeiten

mit jenen in Slumgebieten, wo für Jugendliche ohne Mitgliedschaft in einer

Bande die Überlebensmöglichkeiten stark eingeschränkt sind. Auch das einzige

verbliebene intellektuelle Risiko, durch abweichende Meinungen, abweichendes

Verhalten, Verwendung falscher Codes bei tonangebenden Banden in Ungnade

zu fallen, gehört in diesen Kontext. Die grassierende Aufwertung atavistischer -

die Gruppe gegen „die Masse", andere Gruppen und das Individuum

ausspielender - Strukturmuster dürfte einiges mit dem der modernen

Gesellschaft verlorengegangenen „Vertrauen in die Richtigkeit der eigenen

Selbstbeschreibung" zu tun haben; nur sei eben die ständig geforderte

Transparenz in Wirklichkeit „unproduktiv" und deswegen wäre es naheliegend,

„Intransparenz" produktiv werden zu lassen, wie Niklas Luhmann es ausdrückt.

Als analytische Position ist dies genauso wichtig, wie sein insistierendes Fragen

„nach der Art des organisierten Umgangs mit Nichtwissen". 6

Banden sind in diesem Zusammenhang als Form der Reduktion von

Komplexität zu sehen. Ihre Ablehnung, als Furcht vor dem Unbekannten,

korrespondiert mit einem Bedürfnis nach Zugehörigkeit und Mittäterschaft. Dabei

zu sein, als die fortwährend kolportierte gesellschaftliche Herausforderung, trifft

so auf Steigerungsformen. Erst mit Aufnahmeritualen und Ausschlußdrohungen

erhalten sie Gewicht. Es kommt jedoch genauso vor, daß einem irgendwelche

5


Mitgliedschaften gar nicht bewußt werden; solange andere bestimmte Signale

als Zeichen der Bereitschaft anerkennen, entstehen auch ungewollt latente

Kooperationspotentiale. Erstaunlicherweise führen solche Wege nicht

zwangsläufig nach oben, sondern einfach in die Nähe. In

Mehrfachzugehörigkeiten, mit diversen offiziellen, halboffiziellen, privaten

Schattierungen, einschließlich sich daraus ergebender Widersprüche, drücken

sich Differenzierungen aus. Die zu beobachtende Aufwertung von

Gruppenbildungen, die ihrerseits oft das Geschehen in Bezugsgruppen

simulieren - von Karriereclubs und informellen „Seilschaften", über spontane

Politgruppen und Fraktionen, die sich eines Themas annehmen, bis zu

Skinheads in allen ihren Variationen, zu Korruptionsnetzwerken oder verdeckten

Staatsaktionen (Muster: Watergate, Irangate) - könnte zum Teil als Reaktion auf

diese diffusen Überlagerungen verstanden werden, zum Teil als deutlich

reduzierte Akzeptanz vorgesehener aber verwahrloster Strukturen und

defensiver rechtsstaatlicher Institutionen. Sie sind also auch

Kommunikationsformen für Eigeninitiative. Greenpeace oder amnesty

international ist ein Bandencharakter nicht abzusprechen. Die Viererbande,

Piratensender oder Bazon Brocks „Gottsucherbanden" („die Strategen der

Erzwingung des Ernstfalls, die Apokalyptiker und Erlösungspathetiker") 7 sind

sprachliche Bekräftigungen der Thematik. Ob „Gruppe" oder „Bande", unter

Ausklammerung rechtlicher Aspekte verschwimmen die Unterschiede. Irgendein

Stammlokal, ein Sportverein kann die Basis für Cliquenwirtschaft, für

Lobbyismus, für Pressuregroups in ganz anderen Sphären werden. Daß der

„White collar"-Bereich wegen seiner Einbezogenheit in inoffizielle

Machtmechanismen durchwegs diskreter und als etwas substantiell anderes

gesehen wird, als vergleichbare Erscheinungen anderswo, hat sich als

Verhaltensmuster fest etabliert. Fragen dazu tauchen höchstens routinemäßig

auf. Wirtschaftlich und politisch starke Gruppen schaffen „ein dem Gesetzbuch

widersprechendes Recht", haben die Sicherheit, „bestimmte Rechtsnormen

brechen zu können", durch Erwartungshaltungen und positive Sanktionen ist es

„überraschend", wenn korruptes Handeln überhaupt aufgedeckt wird, noch dazu,

wenn die Beteiligten es gar nicht als „illegal" ansehen (Roland Girtler). 8 In

weiten Bereichen ist eine Kriminalisierung somit ohnedies nur als ferne Drohung

und mögliches Unglück präsent, subjektiv spielt sie kaum eine Rolle. Reduziert

wird damit sogar die Chance, daß der Einzelne sich vor allem dann als

Individuum begreift und bestärkt, wenn er irgendwelche Vorschriften verletzt.

Verbreitung und Konstitution bandenähnlicher Formationen, unabhängig

davon, wie ostentativ sie eigene Regeln befolgen, geben somit Auskunft, wie im

Schutz von Gruppen individuelle Möglichkeiten wahrgenommen werden. Zur

Bestätigung emotionaler, sozialer, ökonomischer Defizite ließe sich vieles davon

6


heranziehen. Mit dem Schema, „schlechte Ereignisse mit schlechten Ursachen"

zu erklären, oder gute mit guten, bleibt der Rahmen aber ein recht enger; selbst

auf soziale Protestbewegungen oder den Terrorismus (mit den zugehörigen

Bandenaspekten) bezogen, wird konstatiert, daß „die Entwicklung eines

verallgemeinerungsfähigen Verlaufsmodells bisher nicht gelungen ist". 9 Von den

sich zur Bestärkung des alleingelassenen Individuums anbietenden Gruppen

sind jedenfalls Banden oft die leistungsfähigere Form. Idealisiert kommen sie -

um die Argumentation an einen Ausgangspunkt zurückzuführen - in allen

Jugendträumen vor, als Multiplikator für Vitalität und Heldentum, einschließlich

dafür notwendiger Strategien des Verschwindens. Ohne Erzeugung von

Geheimnissen hätten sie nicht die bereits durch solche Mythen bestätigte

Attraktivität. Das kritische, reflektierende, persönlich verantwortliche Subjekt hat,

als moderneres Vorbild, dabei eher geringe Bedeutung; wegen sich auf

verschiedenste Weise aktualiserender Tendenzen zu kollektiver Introvertiertheit,

gerät es zwangsläufig immer wieder unter starken Druck. Die „Moral der Klans,

die sich gegen das schützt, was über sie hinausgeht" und im „geheimen Leben

heutiger Mikrogruppen" Entsprechungen hat, baut aufs Geheime - so Michel

Maffesoli in seinem Text „Die Gesetze des Geheimen" - als „Form der

volkstümlichen Selbstbezogenheit". Widerstand verschiedenster Ausprägung ist

ein zugehöriger Faktor. „Sobald man eine Ordnung der Dinge, eine

Gemeinschaft errichten, wiederherstellen oder korrigieren will, kommt man auf

das Geheime zurück, das die grundlegende Solidarität bestärkt und annehmbar

macht". Es als sozialen Tatbestand zu negieren, gleicht der Unterlassung, daß

man bisher die schon Kindern geläufige „vereinigende Funktion des Schweigens

nicht hinreichend unterstrichen" hat. 10

Angeblich abweichendes Verhalten

Eher grob sind auch die Unterscheidungen, die sich in diesem

Zusammenhang eingebürgert haben. In Meyers Enzyklopädischem Lexikon

etwa, wird mit einer gewissen Verbindlichkeit dargelegt, daß unter „Banden"

Gruppen mit nicht allzu vielen Mitgliedern und einem besonderen

Gruppenverhalten zu verstehen sind, „das von den allgemeinen

gesellschaftlichen Normen abweicht". Hervorgehoben werden ausdrücklich

Jugendbanden, als relativ häufige, nicht prinzipiell kriminelle, auf Betonung des

Andersseins zielende Form. Sie werden, soferne eine gesellschaftliche

Benachteiligung erkennbar ist, mit pädagogischer Sympathie und Nachsicht

behandelt, bilde doch meist ein Aufwachsen in „sozialer Desorganisation" den

Hintergrund, aus dem ein Fehlen der Fähigkeit resultiert, „das für die Mitarbeit in

einer konstruktiven Gruppe notwendige Verantwortungsgefühl aufzubringen".

7


Als Positiva vermerkt sind die von Banden gebotenen Möglichkeiten, sich zu

orientieren und trotz „begrenzten sozialen Leistungsvermögens Beziehungen

einzugehen und Funktionen auszuüben". Bei Erwachsenenbanden hingegen

werden grundsätzlich einschlägige Motive vorausgesetzt: „Aus gesetzwidrigem

und gewalttätigem Verhalten erwachsen den einzelnen Bandenmitgliedern

Prestige und Status innerhalb der Bande". Auch ohne noch weiter auf diese

sonderbar ausgrenzenden Begriffsbildungen und Denkmuster einzugehen - die

eine Suche nach „konstruktiven Gruppen", gesellschaftlichen Normen,

unbegrenztem sozialem Leistungsvermögen oder radikaler Gesetzestreue

miteinschließen müßte - wird klar, daß bei Halbwüchsigen als Notlösung toleriert

wird, was später einfach andere Namen bekommt.

Gegen „künstliche" Familien gibt es latente Aversionen, obwohl das

gegenüber größeren Einheiten skeptische Zellendenken Rousseaus – „Die

älteste und die einzige natürliche unter allen gesellschaftlichen Vereinigungen

ist die Familie" - auch in abgewandelten, flüchtigeren Formen immer wieder eine

Bekräftigung erfährt. Praxisnäher werden Interpretationen, wenn unter „Familie"

genauso Sippen, Banden oder Clans verstanden werden. 11 Jugendliche, die

über Freundschaften, Gleichaltrigengruppen oder Banden das Gewicht der

Familie zu relativieren beginnen, haben offenbar früher und heftiger ein

wissenschaftliches Interesse erweckt, als die Auswirkungen analoger

Erscheinungen unter Erwachsenen. 12 Für derartige Untersuchungen sind

strafbare Handlungen immer besonders anziehend gewesen, vielleicht, weil

deren Quantifizierbarkeit den Einfluß von Gruppen und Bezugsgruppen

deutlicher machen konnte. Angesichts der fortwährend aktualisierten Thematik

von Bandenbildungen wirkt es etwas voreilig, wenn - unter dem Titel „Die

Psychologie des 20. Jahrhunderts" - zugehörigen Ansätzen, insbesonders den

Subkulturtheorien, resümierend bescheinigt wird, keiner hätte sich „empirisch

belegen lassen" und auf ihnen beruhende Vorbeugungsexperimente seien

gescheitert. 13 Daß übrigens im Englischen das Wort gang im Unterschied zur

tendenziell negativ gesehenen Bande eine eher neutrale Bedeutung hat, läßt

fließenden Übergängen den ihnen gebührenden Raum. Nach dem, Ende der

zwanziger Jahre, erstmals in Chicago entwickelten kriminologischen

Bandenbegriff, ist unter Bande eine Gruppe zu verstehen, „die sich ursprünglich

spontan gebildet und durch das gemeinsame Bestehen von Konflikten sozial

zusammengeschlossen hat". 13 Dieses weite Feld für verschiedenartige

gemeinsame Handlungen auf der Basis informeller Beziehungen erfährt offenbar

durch neuere Forschungen wieder eine markante Einschränkung, indem das

Typische krimineller Jugendbanden als „kollektive Verantwortungslosigkeit"

bezeichnet wird, weil normalerweise folgende Kriterien erfüllt werden: „die

mangelnde Ökonomie ihres Verhaltens und ihre psychischen Erwerbsziele, die

8


anti-sozialen Zwecksetzungen ihrer Handlungen, ein Wir-Gefühl und eine

Bandenseele und die stereotype Behauptung der Bandenmitglieder, sie hätten

allein die Straftaten der Bande niemals begangen." 13 Wird den damit

angesprochenen Taten die Eigenschaft als strafwürdig genommen, klingt das

meiste davon nach Realitätstherapie. Verfügen solche Gruppen über keine

ausgeprägtere Strukturierung, wie es beim Bandencharakter vorausgesetzt wird,

nähert sich alles noch mehr der Realität. Denn die formlose Horde - oder Clique

- wird in diesem Zusammenhang sehr allgemein als „eine Vergesellschaftung

ohne Führung und ohne Dauerziel" gesehen. 13 Vom despektierlichen Beiklang

befreit, ist damit die Nähe zum ánarchos (gr. führerlos, ohne Oberhaupt)

wiederhergestellt, nur haben sich zugehörige Vorstellungen von einer Politik der

Tat und von Revolutionen ohne Programm in zusammenhanglose

Spontaneitäten verwandelt. Anarchische Energien suchen sich völlig

unabhängig von früheren Bewußtseinslagen passende Eingriffsmöglichkeiten.

Mit seiner professionellen Aggression gegen abweichendes Verhalten und

gegen einen amerikanisiert dargestellten „Hooliganismus," hat gerade der

Realsozialismus allen nichtetablierten Gruppierungen außerhalb der

Nomenklatura beweisen wollen, wie ein demokratischer Zentralismus zu

funktionieren hat. Daß in seinen ehemaligen Territorien inzwischen mehr oder

minder gut organisierte Banden über weite Strecken das Geschehen bestimmen,

könnte als zwangsläufige Ökonomisierung unterdrückter anarchischer Kräfte

interpretiert werden. Zu erinnern ist vielleicht auch daran, daß für Karl Popper

der „neue Mythos von der Horde", in dem das Individuum nichts zähle,

Ansatzpunkt und Kapitelüberschrift seiner gegen Hegel gerichteten

Argumentation gewesen ist. Im reaktivierten „Stammesideal des heroischen

Menschen" sieht er, mit allen Folgeerscheinungen, die Überhöhung der

Kontroversen und Kämpfe von Nationen, Klassen, Rassen betreffend, einen

„Angriff auf die Idee des zivilen Lebens selbst". Weil es um die Sache gehe, für

die sich einer einsetzt, sei vom heroischen Element im Gangstertum genauso

wenig zu halten, wie von jeder Lebt-gefährlich-Ideologie. Geschichte als

„Klassenstreitigkeiten" - oder als Summe der Geschichten über

Bandenkonflikte? - zu begreifen, hat er, als abgemilderte Form, jedoch für

plausibel gehalten. 14

Facetten einer wirtschaftlichen Pragmatik

Im Zuge der einschneidenden, durch Elektronik geprägten Veränderungen des

Industriesystems in Richtung vernetzter Software- und Symbol-Wirtschaft, ist

viel von neuen Strukturen und freieren Arbeitsweisen die Rede. Wie dabei

jugendliche Phantasien über Räuberbanden und Piraten in

9


Managervorstellungen nachwirken, wird zum Beispiel am öfter auftauchenden

Wunsch nach einer exterritorialen Insel als idealem Hauptquartier deutlich. Was

darin mitschwingt, ist die fixe Idee, daß trotz aller Verflechtungen von anderswo,

von einem imaginären Ort aus, ungestörter und daher noch wirkungsvoller agiert

werden könnte. Selbst auf einer Konferenz über die Zukunft der industrialisierten

Welt im Weißen Haus in Washington ist, von Carl A. Gerstacker, immerhin

Vorstandsvorsitzender eines großen Multis, der Dow Chemical Company,

eingestanden worden: „Ich habe lange davon geträumt, eine Insel zu kaufen, die

keinem Staat gehört, und auf dem wirklich neutralen Boden einer solchen Insel,

wo ich keinem Staat und keiner Gesellschaft verpflichtet bin, die Weltzentrale

von Dow zu gründen." 15 Da der konkrete Ort längst keine Bedeutung mehr für

solche Intentionen hat und die Grenzen für großräumiges Agieren zunehmend

fallen, sind daran vor allem die Outlaw-Aspekte signifikant. Ihre verschiedensten

Facetten kehren in Managerbüchern immer wieder. Das reicht von der neuen

Wertschätzung für „die chaotische Seite der Innovation" über das forcierte

Akzeptieren von „Kreativen und Unangepaßten" (selbst „wenn ihre Arbeitsweise

unorthodox, ja manchmal schlampig auf uns wirkt"), bis zur Forderung nach

radikaler Dezentralisierung und nach weitgehend autonomen, „am Rande der

Unternehmenswelt" angesiedelten Werkstätten für Querdenker. 16

Projektgruppen, als das eigentliche dynamische Element innerhalb von

Organisationen, sollen außerhalb der Hierarchien am Neuen arbeiten und

dessen Durchsetzung beschleunigen. In Bandenaspekte werden also

Hoffnungen gesetzt, weil die normalen Strukturen und Abläufe zu viele Barrieren

und Unverläßlichkeiten eingebaut haben. Auch deswegen ist betriebliche,

institutionelle Macht stets auf informelle Lobbybildungen und auf eine

Mißachtung der Dienstwege angewiesen. Von einem normalen Funktionieren

geht kaum noch jemand aus, denn im üblichen Fall, „ohne solide Faktenbasis -

ohne eine gute quantitative Vorstellung von seinen Kunden, Märkten und

Konkurrenten - kann man sicher sein, daß die Prioritäten im Zuge

verschlungener politischer Manöver gesetzt werden". 17

Mit „Krisen ihrer grundlegendsten Systeme - der Städtesysteme, der

Gesundheitssysteme, der Wohlfahrtssysteme, der Transportsysteme, der

ökologischen Systeme," sehen sich alle Industriegesellschaften konfrontiert, so

Alvin Toffler, als weitere Stimme aus dem Managementbereich, deshalb plädiert

er für „eine neue, wissensbasierte Wirtschaft", mit der neugestaltete politische

Institutionen „in Einklang" zu bringen sind. Nach diversen „Machtbeben", weil es

sich eben nicht um eine „unpersönliche Angebots- und Nachfragemaschine" (im

Sinne Milton Friedmans) handle, würde so eine „sich beschleunigende,

kaleidoskopartige Wirtschaft" auf elektronischer Basis entstehen, „die sich

unablässig zu neuen Mustern zusammensetzen kann, ohne zu zerfallen". Für

10


eine Bandengesellschaft lassen sich in Tofflers aktuellstem Zukunftsszenario

trotzdem noch genügend Hinweise finden. Wegen der Wertschöpfung im

Wissensbereich werde es zum Beispiel demnächst „zu einer so hochgradigen

Verschmelzung der Spionage von Regierung und Privatwirtschaft kommen, daß

davor alles verblaßt, was es in der kapitalistischen Wirtschaft je gab," mit

entsprechenden Verbindungen zur Computerkriminalität und allen möglichen

Formen von Datenmanipulation. Machtausübung wird noch enger mit informeller

Mitwisserschaft und der Ausschaltung der Apparate verbunden sein müssen; je

wichtiger ein Problem, desto weniger befaßte Leute und höchstens rudimentäre

schriftliche Unterlagen. Vom FBI stammt die Prognose, daß „in den USA

Haßgruppen nur so aus dem Boden schießen" werden. Mit Kriegen zwischen

rivalisierenden Minderheitengruppen ist in Permanenz zu rechnen. Eine

„hochbeladene, schnell zickzackende Mosaik-Demokratie" wird nach ganz

eigenen Regeln funktionieren. Dafür nehme in der Arbeitswelt die

Organisationsvielfalt zu, steht doch einer zu erwartenden Springflut

zwangsläufiger Restrukturierungen ein breites Repertoire erprobter Formen zur

Verfügung, „von der Jazz-Combo bis zum Spionagenetz, vom Stamm und Clan

und Ältestenrat bis hin zu Klöstern und Fußballmannschaften". 18

In solchen - offenbar pragmatisch-handlungsorientiert angelegten -

Gedankenspielen über eine weiter zunehmende Ungleichzeitigkeit

gesellschaftlicher Strukturen, spiegelt sich die demokratische Grundproblematik

nichteinmal mehr wider, nach der schon die Frage nach herrschenden Gruppen

und nach Gruppen von Beherrschten streng genommen ein Widerspruch zur

grundlegenden Absicht ist. Denn ihr zufolge habe, was als essentielles

Selbstverständnis angesichts der Tatsachen so utopisch wie eh und je klingt,

„unparteiisch und von allen Bürgern gleichermaßen legitimiert," die Verfassung

zu herrschen, nicht ein Konglomerat privilegierter Machtgruppen. 19 In der

Gewöhnung an die Existenz dessen, was überwunden werden sollte und an ein

pluralistisches Ausbalancieren dieses Zwischenstadiums, werden strukturell

tiefgreifendere Weiterentwicklungen seit langem nichteinmal mehr zum Thema.

Sie können es offensichtlich nicht werden, „seit sich gesellschaftliche Macht in

technischen Standards, Frequenzen, Reichweiten und Schaltplänen organisiert.

Die virtuelle Medienwirklichkeit der telematischen Netzwerke läßt sich nicht

mehr im Sinne bürgerlicher Öffentlichkeit als Forum oder politischer Schauplatz

begreifen" (Norbert Bolz). 20 Was, um nochmals die eigentliche Mafia, inklusive

„niedrigerer" Aktionsebenen, ins Spiel zu bringen, ein weiterer ihrer Analytiker

auf diese gemünzt hat, läßt sich de facto generalisieren: „Ökonomie und Politik

sind derart unauflöslich ineinander verflochten, daß man nie weiß, wo das

private Interesse aufhört und das öffentliche anfängt, und umgekehrt." Selbst

„die (immer noch stark moralisch konnotierte) Kategorie der Korruption" greife

11


nicht, denn wo die Trennung von Politik und Ökonomie nicht stattgefunden hat

und im Gegenteil ihre Verbindung systematisch betrieben wird, „ist Korruption

ein so verbreitetes Phänomen, daß die Berufung auf sie keinerlei Erklärungswert

mehr beanspruchen kann." Gerade in peripheren gesellschaftlichen

Konstellationen, wie in Sizilien, würden „die heimlichen Tendenzen der Zentren

zuerst offen und rein zutage treten." „Wie immer verrät die Abweichung von der

Norm das, was diese verborgen halten will"; „der Extremfall ist nichts als eine

Radikalisierung des Normalfalls". 21

Strukturmuster und Fluchtmechanismen

Auf mikroökonomischer Ebene, und zwar gerade in Überlappungsbereichen

von öffentlichem und privatem Sektor, von staatlicher Verwaltung und

wirtschaftlich geprägter Normalität, wird vieles davon auch in unmittelbar

erfahrbaren Arbeitsbereichen bemerkbar. Das überall grassierende, aber eher

geduldig hingenommene Unbehagen mit „den Strukturen", ist die

bezeichnendste Gemeinsamkeit. Für den Umgang mit ihm würden bereits

lakonische Vorstellungen einen halbwegs brauchbaren Entwicklungsraster

hergeben: Ein Staat, der, ohne sonstige Allüren, funktioniert, und eine auch in

Teilbereichen demokratisch orientierte Gesellschaft, mit einer Ausstattung, die

ein Aufgreifen und Weitergeben des jeweils Besseren wenigstens nicht

unwahrscheinlich macht. Daß das Geschehen komplizierter ist, und

unberechenbar, erklärt weiterhin nicht wirklich, daß selbst in überschaubaren

Feldern kaum Gestaltungsfreiheiten genutzt und ausgeweitet werden.

An Universitäten und Hochschulen etwa ist jede Modellhaftigkeit für „freies"

Arbeiten sogar als Perspektive verlorengegangen. Die Arbeitsstrukturen als

solche sind kein Thema. Praktisch nie stellt sich die Frage, investieren wir

gezielt in Theorie, in diese oder jene Sparten, bauen wir technische Bereiche

aus, den Computersektor, das überall geforderte Interdisziplinäre, bestimmte

Studienrichtungen. Nichteinmal wer das „wir" repräsentiert, ist angesichts

verzahnter Gremien und Verwaltungsstellen hinreichend klargestellt. Keiner

kennt das Budget, Finanzen werden anderswo ausgehandelt. Keiner hat eine

Übersicht über die internen Geldflüsse, über Budgetentwicklungen. Keiner ist für

Entscheidungen wirklich verantwortlich, man stimmt - mangels

Entscheidungsunterlagen - irgendwie mit oder nicht. Luxus und Armut existieren,

meist unbegründbar, unmittelbar nebeneinander, als Abbild bürokratischer

Wertschätzungen. Durchsetzungsmanöver sind auf spontane oder dauerhaftere

Bandenbildungen angewiesen. Auch das, was sich jeder allein irgendwie richten

muß, braucht diesen informellen, unobjektiven Aspekt (im strafrechtlichen Sinn

genügen für die Anerkennung als Bande ja auch zwei Personen). Vorschriften

12


werden primär dazu benützt, um anderen Fallen zu stellen. Die Dinge entwickeln

sich halt. Was bleibt, ist das Verbeißen in Personalfragen und administrative

Details. Auch die lapidarsten Verfahren müssen irgendwie geheimnisvoll

ablaufen, damit Intrigen ihre entlastenden Funktionen erfüllen können. Vom

System belohnt wird, wer das System nicht irritiert und dessen Codes halbwegs

begreift. Antworten darauf, wie Universitäten anders funktionieren könnten (auf

Basis der für Österreich gerade aktuellen Reformpapiere oder nicht) würden hier

zu weit führen. Neue Strukturen, mit denen sie besser in der Lage wären, sich

ihrer internen und externen Ökonomie - und daraus resultierenden „Inhalten" -

zu stellen, sind offenbar zur Zeit kaum denk- und durchsetzbar. Daß

wissenschaftliches Arbeiten Reflexion und Überprüfbarkeit der Arbeitsweisen

voraussetzt, dürfte als individuelle Grundregel akzeptiert sein. Bezeichnend ist

nur, wie sich Universitäten - als Institutionen - diesem Anspruch widersetzen,

ansonsten hätten sie längst alle institutionalisierte Entwicklungsinstanzen, die

von sich aus die Evaluierung der eigenen Strukturen thematisieren. Für zu

vergebende Leitungsfunktionen halten die Bewerbungen sich jetzt schon in

Grenzen. Auch das ist ein Hinweis auf den Phantomcharakter der „Autonomie",

zu deren Präzisierung kaum noch jemand Energie aufbringt. Daß

Gestaltungsmöglichkeiten mit Budgethoheit und eigenem Dienstrecht radikale

Veränderungen von Strukturen, Arbeitsweisen und Berufsbildern erfordern

würden, überlastet offenbar die Konsensfähigkeit. Die überall angelaufene

Propagierung tüchtiger Wissenschaftsmanager bekräftigt nur neuerlich, daß

Hilfe von anderswo her erwartet wird. Im Rahmen jetziger Verhältnisse könnten

sie auch nichts anderes sein, als eine Ergänzung der gewohnten Bewilligungs-

Bürokratie. Inwieweit sich „ökonomieferne" Arbeitsfelder auf Dauer in

universitärer Forschung und Lehre behaupten lassen, kann sowieso nicht latent

von wohlwollenden Beamten abhängig bleiben. Ängste konzentrieren sich eher

auf hausintern drohende Gruppenkämpfe, für die der Schiedsrichter abhanden

kommen könnte. Der hohe Auslagerungs- und Privatisierungsgrad der

Forschung wird ohnehin bloß durch allgemeines Schweigen gewürdigt. Was

bleibt, entspricht offenbar Perspektiven einer mittelständischen Trostlosigkeit,

belebt durch mafiose Zustände: „Die Massenuniversität ist längst Fernuniversität

geworden," „geistige Umschlagplätze" vermutet niemand mehr dort, „die

Arbeitsbedingungen sind skandalös", die vormalige Lernfreiheit habe sich „in

eine institutionalisierte Desorganisation von Lehrfächern" verwandelt,

größtenteils zerstört hätte man „die Kooperation, den freien Gedankenaustausch

und den Wettbewerb der Ideen", „vor allem auf drängende Fragen erfolgen

keine Antworten" (Reinhold Knoll). 22

Eine Parallele dazu: Das Gesundheitswesen, die Spitäler. Trotz allen

Wohlstandes ein Dauerthema für Unreformierbarkeit; eine Megastruktur für

13


verheimlichte Pannen und ständig in Abrede gestellte ökonomische Interessen,

vom Geschäft mit der Verweildauer, mit den Privatpatienten, mit der angeblichen

Ärzteschwemme, über das Nichtfunktionieren ärztlicher und pflegerischer

Teambetreuung und Rehabilitation, bis zu den Marketingprozeduren der

Medizintechnik- und Pharmaindustrie und den Korruptionsspielen mit

Spitalsneubauten. Die vielen insularen Positivansätze werden - wie anderswo

auch - wie störende Zellen behandelt. Wenigstens klimatisch ist, als

freundlicherer Umgangston, manches „liberaler" geworden. Gegen eine sensible

„Gesamtökonomie" der optimalen Rehabilitation und sozialen Gleichbehandlung

haben sich dicht verfilzte Barrieren und Gruppeninteressen etabliert. Selbst der

Fall „Lainz" mit seinen monströsen Dimensionen hat nicht genügt,

umfangreichere Veränderungsintentionen in Gang zu halten. Wenn etwas

anläuft, dann eher diskret, um Gegenkräfte nicht zu alarmieren. Aus der

Einbildung, daß jeder Beteiligte und jeder (potentielle) Patient, letztlich doch

irgendwie profitiert, schon des technischen Fortschritts wegen, ergibt sich eine

perspektivelose Akzeptanz teilweise inferiorer Zustände. „Gesundheitspolitik"

kann, angesichts dieser Strukturen, kaum stattfinden. Ersatzweise werden - so

das aktuellste, schon wieder verblaßte Beispiel - Rauchverbote zu

Republikthemen.

Zur Abrundung ein anderes Gebiet, die sogenannte „Kultur". Ihre

ökonomischen Funktionsweisen sind in markanter Weise tabuisiert und dem

keineswegs freien Spiel von Gruppeninteressen überlassen, weil allein die

staatlichen Normalaufwendungen dafür in Österreich jährlich etwa 20 Milliarden

Schilling betragen. Die Geldströme insgesamt, einschließlich wirtschaftlicher

Nutzungen (Copyright-Industrie, Produktionssparten, Kunstvermittlung, Medien,

Export, Import) sind schlicht unbekannt; offensichtlich kann sich kein Interesse

entwickeln, entsprechende Analysen zur Grundlage für eine strukturbezogene

Kulturpolitik zu machen. Verdienstvolle Ansätze, wie gewisse

Budgetumschichtungen oder die Kulturberichte auf Bundes- und Länderebene,

betreffen nur finanziell marginale Sektoren. Mit der Sponsoringdebatte

(geschätztes Volumen unter diesem Titel fließender Gelder: maximal 3 % der

Staatsausgaben) wird bloß von latenten Fixierungen und Strukturschwächen des

privaten Sektors abgelenkt. Die künstlerische Produktion - also die von

Komponisten, Autoren, bildenden Künstlern, Architekten etc. - um die es im Kern

gehen müßte, trifft längst nicht auf Produktions- und Vermittlungsbedingungen,

die sonstigen professionellen Standards entsprechen würden. Eine denkbare

Normalausstattung damit, auf Grund derer aktivierende, ökonomisch bestärkte

Prozesse in Gang kommen können, von einer hinreichend differenzierten

Mediensituation bis zu halbwegs potenten Buchverlagen, Galerien,

Veranstaltern, Kulturinstituten etc., wird erst zögernd zu einem ökonomischen

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und kulturpolitischen Thema, und sei es in beobachtender, analysierender

Weise. An einem selbst erforschten Beispiel aus dem Museumsbereich läßt sich

eine Form strukturell begünstigten Gruppenverhaltens, das völlig konform zu

Medienmechanismen funktioniert, fast bizarr deutlich machen. Die

Österreichischen Bundesmuseen geben jährlich etwa 30 Millionen Schilling für

Sammlungsankäufe aus. Ein systematisches Interesse dafür, was da eigentlich

angekauft wird, entsteht weder kulturpolitisch, noch in der Öffentlichkeit,

nichteinmal buchhalterisch. Verbucht werden solche Eingänge auf dem selben

Konto wie Schreibmaschinen und Büromöbel. Der Stellenwert von Kunst zeigt

sich auch darin, daß im konkreten Fall 80 % der Ankäufe unterhalb des

ministeriellen Genehmigungslimits von 30.000.- (jetzt 50.000.-) Schilling

erfolgten; also sogar die Mühe des Antragschreibens gescheut wird, um

eventuell wertvollere Objekte zu erwerben. Eine andere Form von

Ökonomieflucht hat zu jahrzehntelang geduldeten Devastierungen geführt, weil

nicht thematisiert wurde, daß Museumsbestände ein Milliardenvermögen

darstellen, für dessen Pflege, Erhaltung, wissenschaftliche Bearbeitung,

Präsentation adäquate Betriebsmittel und adäquate Arbeitssituationen

erforderlich wären. Mit „unschätzbaren Werten", noch dazu, wenn sie dem

Warenkreislauf entzogen sind, wird also oft besonders sorglos umgegangen;

vielleicht, weil so etwas jenseits begreifbarer ökonomischer Dimensionen

angesiedelt ist. Unschätzbares, Überfluß, Überflüssiges geraten in eine

sonderbare Nähe zueinander. Nur: Die dauernd geforderte Transparenz bei den

Kulturausgaben widerspricht, wie anderswo auch, kategorisch gewohnten

Funktionsweisen; nicht nur, weil, wie oft behauptet wird, damit dem sowieso

Gefährdeten, dem Schwierigen, dem vorerst Resonanzlosen weiter geschadet

würde. Künstlerische „Produktivität" bleibt in vielen Bereichen ein völlig

marginaler Faktor. Es ergeben sich Pendelbewegungen; Durchsetzungskünste

binden Energien. Auch wenn die Umstände pro Sparte ihre Eigenheiten haben,

ist der Kunstbetrieb als solcher ein exemplarischer Schauplatz für

Bandenbildungen.

Zwischenresümee: Bei etwas grellerer Beleuchtung sieht es so aus, als ob

sich Arbeit, trotz aller Prosperität, auf einem überwucherten Trümmerfeld

ziemlich kaputter Organisationen abspielen würde. Kaum wer - selbst fast jeder

Privilegierte - hält es in seinen Strukturen halbwegs aus. Fluchtbewegungen

erzeugen permanent neue Skurrilitäten. Mafiose Entwicklungen sind die

logische Parallelaktion dazu. Reformkonzepte kursieren als bloße

Demonstration, daß manches anders möglich sein müßte. Gerade in staatlichen,

halbstaatlichen Sektoren wird laufend sichtbar, wie oft unabänderbare

Strukturschwächen die Neugründung irgendwelcher Einrichtungen provozieren;

thematisiert wird aber auch nicht, warum gerade für wichtige öffentliche

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Funktionen Organisationssysteme aufrechterhalten werden, die, im Sinne der

generellen Privatisierungsbestrebungen, sogar für normale wirtschaftliche

Tätigkeitsfelder längst als ungeeignet erkannt worden sind. Die zugehörigen

Aufgeregtheiten und ihr Verschwinden unterliegen Konjunkturen. In welchem

Rhythmus sie auftauchen, wäre zum Beispiel anhand der periodischen

Medienpräsenz zu beweisen. „Spiegel"- und „Krone"-Serien aus den 70er

Jahren über die Probleme des Gesundheitswesens ließen sich jetzt 1:1, mit ein

paar Namens- und Zahlenänderungen, wieder abdrucken. Die intellektuelle

Produktion zu derartigen Themen unterliegt analogen Intensitätsschwankungen.

Bei der, zu jedem Regierungsprogramm gehörenden, Verwaltungsreform ist eher

die Statik auffällig. Sie manifestiert sich auch in der offensichtlichen

Unreformierbarkeit des Schulwesens, der Sozialversicherung, des

Justizbereiches, der ÖBB, der Universitäten, der Bundestheater, der Ministerien,

des Parlaments. Jede dieser „pseudo-theologischen Welten", wie Milan Kundera

sie nennt, simuliert auf ihre Weise Rationalität. Die anstehenden „wirklichen"

Probleme bleiben entscheidungslos präsent; selbst auf die kleineren färbt das

ab.

Durch die Anforderungen an jahrelange Kontinuität, die kaum durchzuhalten

sind, zeigen sich bei Reformvorhaben ständig Fragwürdigkeiten der

gegenwärtigen Demokratieausstattung. Die Dauerreform in Detailbereichen ist

hilfloser Ausdruck davon. Verfilzte, in ihrer Komplexheit unabsehbare

Zusammenhänge sind kaum kommunizierbar, dadurch entsteht kein Rückhalt in

den Medien und kein Rückhalt für die Politik. Letztlich werden

Strukturveränderungen aufgezwungen, mit oder ohne EU. Sie ergeben sich, im

Doppelsinn des Wortes. Für den privaten Sektor sagt ohnehin der Markt, was

unumgänglich wird. Deswegen entledigt sich auch der öffentliche Sektor

angestammter Kompetenzen. Es sind also diverse Fluchtvorgänge zu

beobachten, die viel mit einem Ignorieren gegebener Strukturen zu tun haben.

Der informelle Sektor wächst, gleicht aus, als „Schwarzmarkt" für Transfers und

Transaktionen. Die Bandengesellschaft, als ein Agieren außerhalb „normaler"

Strukturen, ist eine der mehr oder minder ausgeprägten Perspektiven, die sich

daraus ergeben - inklusive damit verbundener Freiheitsgrade. Motivationen und

Antriebskräfte bündeln sich um solche Vorstellungen. Die Gegenmetapher dafür:

Beim Dienst nach Vorschrift steht alles still.

Niklas Luhmann betont im Rahmen solcher Zusammenhänge allerdings

unbarmherzig, daß „lange Enttäuschungslisten" vielfach grundlos geführt

werden, weil sich wegen der unzulänglichen Beschreibungs- und

Analysemethoden, die den Forderungen der modernen Gesellschaft (nach mehr

Demokratie, Emanzipation, Technik etc.), „nach mehr von all dem, was als

Zukunft versprochen war," zugrunde liegen, diese teilweise eben als nicht

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einlösbar herausgestellt hätten. Für eine entschieden informationsvermittelte

Steuerung sind überall erst Ansätze von Theorieangeboten und Instrumentarien

greifbar. „Jede Kritik läuft leer", hält er dem eingeübten Klagepathos entgegen,

„wenn sie ohne weitere Prüfung mit der Unterstellung arbeitet, daß man könnte,

wenn man nur wollte". Ein wichtiges Aktionsfeld ergebe sich aus der

Notwendigkeit, wegen der unübersehbaren Abhängigkeiten die „Kommunikation

von Nichtwissen" als eine entscheidende Ebene zu begreifen. Als „Politik der

Verständigung" führt sie zu ausgehandelten Provisorien. „Sie besagen weder

Konsens, noch bilden sie vernünftige oder auch nur richtige Problemlösungen.

Sie fixieren nur dem Streit entzogene Bezugspunkte für weitere

Kontroversen." 23

Anders und dadurch modellhaft funktioniert hat der österreichische

Weinskandal, die friedliche „Revolution" einer ganzen Branche. Die

Bandenherrschaft eines ancien régime ist in ziviler Weise durch andere

Banden, mit präziseren Vorstellungen von Qualität und „political correctness"

abgelöst worden. Nichtwissen ist ein Angelpunkt dabei gewesen. Nach solchen

Mustern könnten auf vielen Gebieten die Dinge in ungewöhnlicher Weise in

Gang kommen (als abrupter Übergang zu anderen Formen der Stabilität, wie

Luhmann Katastrophen systemtheoretisch nennt), sobald in Subsystemen durch

Überschreitung kritischer Kipp-Punkte etwas ausgelöst wird. Sichtbar werden

auch dabei Anzeichen für eine „Erschöpfung des Individuierungsprinzips" durch

„die Vervielfachung der Mikrogruppen" und eine Verlagerung „in Richtung auf

den Stamm". „Das einzig ernstliche Problem," so steht es in einem kürzlich

erschienen Buch über das Schweigen, „besteht in der Schwelle, von der

ausgehend die Enthaltung, die Tatsache des Sich-Absonderns, die Implosion

einer bestehenden Gesellschaft hervorruft." 24

17


Quellen:

1 John Cage-Zitat aus der Erinnerung

2 Jean Baudrillard: Transparenz des Bösen. Ein Essay über extreme Phänomene (1990), Berlin

1992, Seite 118 (bezogen auf New York)

3 Giovanni Falcone / Marcelle Padovani: Inside Mafia. München 1992; Zitate: Seite 45, 47, 68,

72, 88, 159

4 vgl. Giovanni Falcone, a.a.O., Seite 119

5 Die Presse, Wien, 2./3. 1. 1993 (unter Berufung auf die “Süddeutsche Zeitung" und einen

internen Bericht des Bonner Innenministeriums) und vom 18. 12. 1992

6 Niklas Luhmann: Beobachtungen der Moderne. Opladen 1992; Seite 7, 205, 212, 220

7 Bazon Brock: Die Re-Dekade. Kunst und Kultur der 80er Jahre. München 1990; Seite 127,

129

8 Roland Girtler, in: Korruption. Kriminalsoziologische Bibliographie, Wien, Heft 34/ 1982; Seite

90 f.

9 Susanne Karstedt-Henke: Soziale Bewegung und Terrorismus. Alltagstheorien und

sozialwissenschaftliche Ansätze zur Erklärung des Terrorismus. In: Politik der inneren

Sicherheit. Herausgegeben von Erhard Blankenburg. Frankfurt/M 1980; Seite 159, 167

10 Michel Maffesoli: Die Gesetze des Geheimen. In: Schweigen. Unterbrechung und Grenze der

menschlichen Wirklichkeit. Herausgegeben von Dietmar Kamper und Christoph Wulf. Berlin

1992; Seite 300 ff.

11 Raymond Battegay: Der Mensch in der Gruppe. Band I, 3. Auflage, Bern-Stuttgart-Wien

1970, Seite 16

12 Frühe Beispiele zum Thema Jugendbanden: S. Breckinridge / E. Abbott: The delinquent child

and the home. New York 1917; C. R. Shaw / H. D. McKay: Social factors in juvenile

delinquency: A Study of the community, the family, and the gang in relation to delinquent

behavior in report on the causes of crime. Washington D. C. 1929; W. F. White: Street

Corner Society. Chicago 1943; A. K. Cohen: Delinquent boys: The culture of the gang.

Glencoe/Ill. 1955 - Analoges über Erwachsenenbanden: F. M. Trasher: The gang: A study of

1313 gangs in Chicago, Chicago 1927; E. H. Sutherland: White-collar crime. New York 1949

13 Hans Joachim Schneider: Kinder- und Jugendkriminaltität. In: Die Psychologie des 20.

Jahrhunderts. Herausgegeben von Hans Joachim Schneider. Zürich 1981, Band XIV, Seite

457, 458, 459

14 Karl R. Popper: Die offene Gesellschaft und ihre Feinde. Band II (1958), München 1977,

Seite 36 ff., 95, 144 f.

15 Richard J. Barnet / Ronald E. Müller: Die Krisenmacher. Die Multinationalen und die

Verwandlung des Kapitalismus. Reinbek bei Hamburg 1975; Seite 15

16 Thomas J. Peters / Nancy Austin: Leistung aus Leidenschaft. Über Management und

Führung. Hamburg 1986; Seite 11,17,152,155

17 Thomas J. Peters / Robert H. Waterman jun.: Auf der Suche nach Spitzenleistungen. Was

man von den bestgeführten US-Unternehmen lernen kann. Landsberg am Lech, 1984, Seite

55

18 Alvin Toffler: Machtbeben. Powershift. Wissen, Wohlstand und Macht im 21. Jahrhundert.

Düsseldorf-Wien-New York 1990; Seite 53, 162, 231, 298, 309, 377

19 Claus Offe, in: Politikwissenschaft. Eine Einführung in ihre Probleme. Herausgegeben von

Gisela Kress und Dieter Senghaas, Frankfurt/M. 1973, Seite135

20 Norbert Bolz: Philosophie nach ihrem Ende. München 1992; Seite 165

21 Giuseppe Balistreri: Die mafiose Gesellschaft. Sizilien als Zerrspiegel der demokratischen

Gesellschaft. Lettre International, Berlin, Nr. 6/1992

22 Reinhold Knoll: Uni im Out. Der Niedergang einer Institution. Wien 1992; Seite 9, 10, 17, 18,

73, 95

23 Niklas Luhmann, a.a.O., Seite 13, 133, 139, 211

24 Michel Maffesoli, a.a.O., Seite 305 f.

© Christian Reder 1993

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