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Traumfrau Lehrerin

„Sie haben mich verdorben. In allen Frauen suche ich immer nur sie.“ sagte ich zu Frau Senger, „Ich habe immer von ihnen geträumt. Mit Gedanken an sie bin ich eingeschlafen. Es war wundervoll.“ „Und warum haben sie mir nie etwas davon erzählt?“ fragte sie und verzog den Mund dabei zu einem uninterpretierbaren Lächeln. „Ich sollte ihnen sagen, dass ich sie liebe und ihnen erzählen, was ich von ihnen träume?“ ich musste bei der Vorstellung laut lachen. „Ja natürlich,“ reagierte Frau Sen­ger, „was gibt es Schöneres für eine Frau als Liebesträume, zumal wenn sie darüber hinaus noch von ihr selber handeln. Sie hätten mir in der Pause jeden Morgen ihre Träume vom Vorabend berichten sollen. Ich hätte sie dann korri­gieren und ihnen Tipps und Hilfen für weitere Träume geben können.“ Das war Frau Senger, die ich geliebt hatte, dazu noch das ganz feine Sandpapiertimbre in ihrer milden Stimme. Die Frau hatte ich geliebt und nicht das Gesicht. Ihre von mir geliebten Eigenschaften hatte ich in Frauen mit Gesichtern in ihrem Al­ter hineininterpretiert. Frau Senger hatte in mir etwas angesprochen, das ich noch immer liebte, nur mit ihrem Gesicht hatte das nichts zu tun.

„Sie haben mich verdorben. In allen Frauen suche ich immer nur sie.“
sagte ich zu Frau Senger, „Ich habe immer von ihnen geträumt. Mit
Gedanken an sie bin ich eingeschlafen. Es war wundervoll.“ „Und
warum haben sie mir nie etwas davon erzählt?“ fragte sie und verzog
den Mund dabei zu einem uninterpretierbaren Lächeln. „Ich sollte
ihnen sagen, dass ich sie liebe und ihnen erzählen, was ich von ihnen
träume?“ ich musste bei der Vorstellung laut lachen. „Ja natürlich,“
reagierte Frau Sen­ger, „was gibt es Schöneres für eine Frau als
Liebesträume, zumal wenn sie darüber hinaus noch von ihr selber
handeln. Sie hätten mir in der Pause jeden Morgen ihre Träume vom
Vorabend berichten sollen. Ich hätte sie dann korri­gieren und ihnen
Tipps und Hilfen für weitere Träume geben können.“ Das war Frau
Senger, die ich geliebt hatte, dazu noch das ganz feine
Sandpapiertimbre in ihrer milden Stimme. Die Frau hatte ich geliebt
und nicht das Gesicht. Ihre von mir geliebten Eigenschaften hatte ich
in Frauen mit Gesichtern in ihrem Al­ter hineininterpretiert.
Frau Senger hatte in mir etwas angesprochen, das ich noch immer
liebte, nur mit ihrem Gesicht hatte das nichts zu tun.

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Carmen Sevilla

Traumfrau Lehrerin

Täuschende Gesichter

Erzählung

Je n'aime pas les maisons neuves :

Leur visage est indiérent.

Sully Prudhomme

„Sie haben mich verdorben. In allen Frauen suche ich immer nur sie.“

sagte ich zu Frau Senger, „Ich habe immer von ihnen geträumt. Mit

Gedanken an sie bin ich eingeschlafen. Es war wundervoll.“ „Und

warum haben sie mir nie etwas davon erzählt?“ fragte sie und verzog

den Mund dabei zu einem uninterpretierbaren Lächeln. „Ich sollte

ihnen sagen, dass ich sie liebe und ihnen erzählen, was ich von ihnen

träume?“ ich musste bei der Vorstellung laut lachen. „Ja natürlich,“

reagierte Frau Senger, „was gibt es Schöneres für eine Frau als

Liebesträume, zumal wenn sie darüber hinaus noch von ihr selber

handeln. Sie hätten mir in der Pause jeden Morgen ihre Träume vom

Vorabend berichten sollen. Ich hätte sie dann korrigieren und ihnen

Tipps und Hilfen für weitere Träume geben können.“ Das war Frau

Senger, die ich geliebt hatte, dazu noch das ganz feine

Sandpapiertimbre in ihrer milden Stimme. Die Frau hatte ich geliebt

und nicht das Gesicht. Ihre von mir geliebten Eigenschaften hatte ich

in Frauen mit Gesichtern in ihrem Alter hineininterpretiert.

Frau Senger hatte in mir etwas angesprochen, das ich noch immer

liebte, nur mit ihrem Gesicht hatte das nichts zu tun.

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Traumfrau Lehrerin - Inhalt

Traumfrau Lehrerin........................................................................ 4

Psychotherapie............................................................................... 4

Tante Peggy....................................................................................4

Die Englischlehrerin........................................................................5

Ältere Frauen..................................................................................6

Ausdrucksstarke Gesichter............................................................. 7

Gitta............................................................................................... 8

Ödipale Phase............................................................................... 10

Zusammenleben junger Mann - ältere Frau..................................10

Bens Erfahrungen......................................................................... 11

Britta - Sex only............................................................................12

Treue Britta und Skepsis..............................................................14

Leben mit Britta............................................................................15

Trennung...................................................................................... 17

Beratung mit Peggy...................................................................... 18

Treffen auf der Einkaufsstraße.....................................................19

Hineingesehen.............................................................................. 20

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Traumfrau Lehrerin

Psychotherapie

Zum Psychotherapeuten werde ich gehen. Ich leide nicht unter Zwangshandlungen,

Phobien oder sonstigem psychisch deviantem Verhalten, habe keine

Depressionen oder seelisch belastenden Schocks erlitten und brauche mich

auch nicht mit psychosomatischen Belastungen quälen. Mir geht’s nicht

schlecht, und weshalb ich zum Therapeuten will, gefällt mir eigentlich recht

gut. Ich will mir abgewöhnen lassen, dass ich schöne Frauen mag. Schöne

Frauen, das sind für mich ausschließlich erwachsene – die Bezeichnungen reif

oder erfahren kann ich nicht leiden – erwachsene Frauen im Alter zwischen

etwa vierzig und sechzig Jahren. Anderen werden sie auch gefallen, nur ich bin

gerade zwanzig geworden, und es ist seit meiner Zeit, als mich Frauen anfingen

zu interessieren, nie anders gewesen. Schuld daran ist meine erste Liebe.

Sie konnte keine Erfüllung finden. Nur ich scheine, es nicht wahrhaben zu wollen.

Kann es nicht ertragen, dass sie unerfüllt bleiben musste. Ich suche sie,

meine Englischlehrerin, die Frau, die damals über vierzig war, als bei mir mit

fünfzehn die ersten Liebesgefühle erwachten. Wundervoll erscheinen sie mir,

die Frauen die ihr im Alter gleichen. So etwas wie Liebesempfindungen für jüngere

Frauen können bei mir nicht aufkommen. Die Sehnsucht nach meiner unerfüllten

Liebe drückt sich im Alter und den reiferen Gesichtszügen meiner

Englischlehrerin aus. Zunächst habe ich überlegt und es auch anders versucht,

habe gedacht, die soziale Basis müsse doch das Ausschlaggebende für eine Beziehung

sein und nicht das von mir als attraktiv empfundene Äußere des älteren

Gesichtes, aber es geht nicht. Im Gesicht einer gleichaltrigen Freundin

kann ich nichts sehen, was in mir Lust, Begehren, Verlangen auslöst, sie kann

allenfalls meine Schwester oder eine nette Kollegin sein.

Im Grunde gefällt es mir ja, ich liebe meine Englischlehrerin und ihre Freundinnen

noch immer, es macht mir ja Freude, heute und vielleicht auch noch morgen,

aber mittlerweile sehe ich keine Perspektive. Ich will mich von meiner unerfüllten

Sehnsucht befreien. Es stört mich, dass mich Frauen in meinem Alter

nicht interessieren. Ich will nicht warten, bis ich selber vierzig bin. Jetzt will ich

schon eine Änderung. Rational zumindest, ob ich emotional auch voll hinter

meiner Forderung stehe, da bin ich mir allerdings noch nicht ganz sicher.

Tante Peggy

Meine Tante, sie gehörte und gehört auch zum Kreis meiner Favoritinnen, ist

die einzige mit der ich darüber spreche. Ich kann sie betrachten und fühle mich

wohl. Wir mochten uns schon seit meinen Kindertagen immer sehr gut leiden,

und sicher war mein Verhältnis zu ihr nicht weniger intensiv als zu meiner Mutter.

Peggy, meine Tante, ist ein wenig mehr als ein Jahr jünger als meine Mutter,

und die beiden sind siamesischen Zwillingen ähnlich, seit ihrer Kindheit un-

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zertrennlich. Während sich bei uns ein komplettes Familienleben entwickelte,

hatte Peggy nur zwei Jahre mit einem Mann zusammengelebt. Sie hatte zwar

öfter auch mal gute Bekannte, aber war fast ständig bei uns und verbrachte

den größten Teil ihrer freien Zeit hier, mit meiner Mutter und mit mir. Für mich

hatte sie eine ambivalente Position. Natürlich war sie eine erwachsene Person,

die Schwester meiner Mutter, gleichzeitig genoss sie aber auch das Vertrauen,

als ob sie mein bester Freund, meine Schwester wäre. Mit ihr konnte ich schon

immer alles offen bereden, war sicher, dass meine Mutter es nicht erfahren

würde, dass sie mich immer ernst nahm, sich niemals über mich amüsierte

oder lustig gemacht hätte. Sie mochte mich sehr, hatte mein bedingungsloses

Vertrauen, sie war es, zu der ich eine Beziehung hatte, die mich meine

Kindheit als glücklich erfahren ließ. Ich denke, dass sie mir in ganz jungen

Jahren schon, vieles von dem vermittelt hat, worin tiefe Beziehungen

bestehen.

Die Englischlehrerin

Ich hatte ihr zunächst erzählt, dass ich mich in meine Englischlehrerin verknallt

habe, ich sie außerordentlich nett fände und sogar von ihr träume. Wir lachten

darüber. Ich war fünfzehn und die Lehrerin bestimmt über vierzig. Wir meinten,

das habe wahrscheinlich seine Ursache darin, dass ich sie für eine nette Frau

halte und sie persönlich sehr gut leiden möge. „Aber Peggy, ich bin überzeugt,

die merkt das. Ich habe sie noch nie irgendwie angestarrt oder verliebt sehnsüchtig

angeschaut, und trotzdem bekomme ich manchmal einen kurzen Blick

von ihr, der sagt: „Ich weiß alles.“ Es ist nicht böse oder ärgerlich, im Gegenteil,

freundlich schmunzelnd, aber irgendwie so tief und ihr Lächeln so ungewöhnlich.

So blickt man keine Schüler an. Woher weiß sie, was ich denke? Sie

bevorzugt mich nicht, aber sie ist ausnehmend freundlich zu mir. Wenn sie

mich drannimmt, ist das meist von einem Lächeln begleitet. Bei anderen würde

sie vielleicht kompromittierende Scherze machen, bei mir sagt sie sanft: „Ben,

du träumst.“ und kurz darauf wieder dieser Blick. Ich komme mir ertappt und

durchschaut vor. Immer hat sie ein Lächeln im Gesicht und ist ausnehmend

sanft und freundlich, wenn sie mit mir redet. Ich könnte ihr immer um den

Hals fallen und sie knutschen.“ erklärte ich meiner Tante. Die meinte launig

dazu: „Aber sagen wirst du's ihr trotzdem müssen. Große Liebe allein mit

Blickwechsel? Ich glaube eher da wird nix draus.“ „Ach das ist doch alles

Quatsch.“ erwiderte ich, „Trotzdem muss ich abends im Bett an sie denken,

träume davon, dass sie auch an mich denkt, mir ihren Mund hinhält, damit wir

uns küssen. Alle anderen sind schon in die Pause gegangen. Nur wir beide

noch im Klassenraum. „Ben,“ sagt sie. Ich reagiere mit einem fragenden „Ja.“

„Komm!“ sagt sie nur vom Pult aus. Umarmen, küssen, liebkosen, das werden

wir jetzt in jeder Pause nach dem Englischunterricht machen. Aber sie ist auch

sonst immer da. Keine Lehrerin, keine Mutter, sie liebt mich, möchte bei mir

sein, mit mir Freude haben. Natürlich sehe ich dass sie älter ist, aber das ist so

unerheblich, als ob sie schwarze oder rote Schuhe trüge. Ich liebe die kleinen

Fältchen, weil sie ihr gehören. Alles, was ich von ihr sehe, liebe ich. Alles völlig

unsinnige Träumereien, aber es ist schön, wunderschön. Alles, was ich bis jetzt

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von Liebe weiß, erlebe ich träumend mit ihr.“ „Und von Mädels aus deiner Klasse

träumst du nicht?“ fragte Peggy. Ich blies die Luft durch dicke Lippen aus.

„Was soll man da denn träumen? Die sind ja immer da. Und oft dabei schon

lästig genug.“ war meine Reaktion.

Ältere Frauen

Natürlich ergab sich mit der Englischlehrerin nichts. Es war nur kurios, und

dann meine erste Liebe, heimlich und unerfüllt, ein sonderbarer Einzelfall eben.

Als wir im nächsten Jahr andere Lehrkräfte bekamen, ebbte die Verliebtheit in

die Person, die ich jetzt kaum noch sah ab. Ich war ganz froh, denn was sich

da bei mir abgespielt hatte, war ja reine Phantasmagorie gewesen. Seit der Pubertät

hatten bei den Jungs in meinem Alter die Interpretationen, der Bilder

von Mädchen und Frauen nicht nur eine Transformation der Wertung erfahren,

auch deren Gewichtung und Beeinflussung des Alltagslebens hatten sich natürlich

völlig verschoben. Bei den Mädchen war es umgekehrt im Grunde nicht viel

anders. Tändeleinen und erotisch angehauchtes Geplänkel zwischen Jungen

und Mädchen, oder Gespräche der Jungs untereinander über Mädchen waren

beliebt und selbstverständlich. Mir fiel auf, dass mich das nicht sonderlich zu

interessieren schien. Die Mädels in der Klasse waren mir ziemlich gleichgültig,

und Lust, über sie und ihre Vorzüge zu reden, konnte ich bei mir nicht verspüren.

Ich machte mir schon Gedanken, sollte bei mir die Pubertät noch nicht

vollständig genug entwickelt sein, oder hatte ich grundsätzlich kein Interesse

an Mädchen und Frauen. Das mich andere Jungs nicht interessierten, stand

fest, und sexuelle Fantasien und Wünsche bewegten mich ja schon, nur waren

die Frauen immer im Alter meiner früheren Englischlehrerin. Sie lösten in mir

Wünsche, Träume, Begierden aus, waren im Stande, in mir erotische Fantasien

sich entwickeln zu lassen. Es war nicht mehr die Englischlehrerin selbst. Ihr

konkretes Bild war verblasst, aber im Kaufhaus, im Café, auf der Straße konnte

ich Gesichter sehen, und meine Gedanken in sie hinein interpretieren. Es erfreute

mich, ließ mich träumen und oft lächelte ich ihnen zu, obwohl ich wusste,

dass sie mich gar nicht sahen.

Ich konnte auch andere schöne Frauen oder Bilder von ihnen betrachten, fand

auch etwas an ihnen. Sie sind ja schließlich ästhetisch nicht uninteressant,

aber sie berührten mich nicht. Ließen keine Wünsche oder Bedürfnisse entstehen

und wecken keinerlei Vorstellungen, die sich auf meine Libido bezogen

hätten. Vielleicht bewunderte ich das hervorragende Foto, das interessante Arrangement,

aber die Gesichter der jungen Frauen sagten mir nichts. Sie kamen

mir meistens vor wie eine Fassade. Arrangements, die der Fotograph ausgewählt

hatte, und die das Bedürfnis des Betrachters nach oberflächlich, sentimental

dargestellten emotionalen Zuständen ansprechen sollten. Sie sprachen

nicht zu mir.

Es verwirrte mich. Ich wusste gar nicht, ob ich immer noch nach den Träumen

mit meiner Englischlehrerin suchte, oder ob ich mich in sie verliebt hatte, weil

sie meinen Wunschvorstellungen vom Bild einer schönen Frau entsprach. Aber

wie kam ich zu so einem Bild? Warum fanden andere die gleichaltrigen Mäd-

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chen attraktiv und ich eben Frauen, die über zwanzig Jahre älter waren als ich?

War das pervers? Auch wenn nicht, woher kam denn so etwas? Das man sich

mit älteren Menschen besser verständigen kann, weil sie intensiver zuhören

und über ein größeres Einfühlungsvermögen verfügen, ist ja nicht ungewöhnlich,

aber Ästhetik und Erotik verlassen das Erscheinungsbild des Körpers, nach

allgemeiner Einschätzung, mit zunehmendem Alter doch massiv. Ungewöhnliches

schien sich in meinem Unbewussten abzuspielen, von dem mein Bewusstsein

keine Mitteilungen erhielt. Eine fünfundvierzigjährige Frau konnte ich anschauen

und mich bei ihrem Anblick wohlfühlen. Junge Frauen konnten das

nicht bewirken, auch wenn sie nach allgemeinen Kriterien noch so attraktiv

aussahen.

Ausdrucksstarke Gesichter

„Bei dir ist es nicht anders, Peggy.“ versuchte ich meiner Tante zu erklären,

„Ich halte dich für eine wunderschöne, begehrenswerte Frau.“ Die musste laut

lachen und meinte: „Monsieur, mach mir keine Avancen. Ich habe die selben

Gene wie deine Mutter, oder stehst du jetzt zusätzlich auch noch auf Inzest?“

und wir lachten beide. „Nein Peggy, du hast ein wunderschönes Gesicht. In deinem

Gesicht ist Leben. Ich weiß nicht wofür jede Kontur, jedes Fältchen steht,

wahrscheinlich lässt sich ja wohl nichts direkt zuordnen, aber das Ensemble

verdeutlicht, dass du lebst, dass du Erfahrungen gemacht hast, dass eine

Reichhaltigkeit in dir ist, die mir Lust macht, die Frau mit diesem Gesicht kennen

zu lernen, mehr von ihr zu erfahren. Ich träume davon, dass auch sie Lust

hat, sich mir mitzuteilen. Ja, ja, dass wir zusammen glücklich sein können.“

„Junge Frauen wirken oft blass und wächsern. Da ist nichts zu lesen. Alles ist

Fake und Fassade. Natürlich kann man sehen, ob sie fröhlich oder traurig sind

und vielleicht auch noch einiges mehr, aber es ist gegenüber dem Gesicht einer

erwachsenen Frau schal. Deine Gesichtszüge sind markanter. Die Möglichkeiten

deiner Augen erlauben vielfältigere Blicke und dein Mund kann unendlich mehr

verschiedene Lächeln formen. Ich glaube nicht, dass es nur an den Veränderungen

der Haut und dem Abnehmen der Fettpölsterchen liegt. Die Blicke, das

Lächeln, die ganze Mimik haben Möglichkeiten etwas auszudrücken, was mit

der Persönlichkeit und den Erfahrungen zusammenhängt. Sie vermitteln nicht

selten den Eindruck, dass die Frau ein wenig über den Dingen zu stehen

scheint, aber keineswegs in einer überheblichen Weise, sondern eher verständnisvoll

freundlich wissend, sie vermitteln, dass sie viel erlebt hat und, wie es

sie geprägt, und was es bei ihr hinterlassen hat. Ich finde es äußerst interessant,

einer erwachsenen Frau beim Sprechen oder auch beim Zuhören zuzuschauen,

bei einem aussagestarken Gesicht sehe ich Leben, sehe eine Welt

und bekomme Anwandlungen von Zuneigung und Liebe. Die Gesichter junger

Models oder ihnen ähnlicher Frauen erscheinen mir hingegen wie plumpe Allegorien

der Liebe zu kindlichen Erscheinungsformen oder oberflächlich platten

sinnlichen Wünschen. Sie sind vielleicht nett, aber haben nichts zu sagen. In

mir sprechen sie jedenfalls nichts an, bewegen mich nicht, lassen mich unberührt.“

versuchte ich Peggy mein Empfinden zu verdeutlichen.

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„Ich habe dir gut zugehört, vielleicht kann ich es nachvollziehen, aber nachdenklich

stimmt es mich trotzdem.“ antwortete meine Tante darauf, „Warum ist

das bei anderen nicht so. Fallen die alle auf die süsslichen Kindergesichter rein?

Wohl eher nicht. Natürlich siehst du in einem Gesicht etwas, teilt dir das Gesicht

deines Partners oder deiner Partnerin etwas mit, aber jeder und jede teilt

dir doch auch etwa Tieferes mit, das liegt doch an deinem Blick, der das sucht

und zu erkennen meint. Du nimmst an, in dem Gesicht etwa aus der Persönlichkeit

zu erkennen. Es ist dochnicht die pauschale äußere Escheinungsform.

Es hängt doch nicht von der Betrachtung seines Gesichtes ab, aber ob du jemanden

liebst oder nicht. So wie du Anke (meine Mutter) nicht liebst, weil dir

ihr Gesicht gefällt, wirst du doch in einer Beziehung auch primär den andern

lieben, weil er dir als Mensch, weil dir seine Persönlichkeit gefällt. Weil er in dir

etwas anspricht, was Assoziationen zu freudigen, glücklichen Emotionen weckt.

Du stellst dir vor wie schön es für dich sein müsste, mit ihm zu leben und

glücklich zu sein. Deine Lust und Sehnsucht liegt doch im sozialen Bereich und

nicht in der äußeren Erscheinungsform. Liebe ist doch nicht, die Lust an der

Betrachtung eines schönen Bildes. Darauf kann keine langfristige tiefgreifende

Beziehung basieren. Mir kommt es eher so vor, als ob du da irgendetwas fetischisierst.

Ich würde an deiner Stelle einfach mal versuchen mir vorzustellen,

dass es zwar für dich ein angenehmes Empfinden ist, aber mit der Gestaltung

einer Beziehung, mit Liebe und Verliebt sein nur peripher zu tun hat. Du solltet

nach Menschen suchen, die du magst, die du nett und freundlich findest. In

deren Gegenwart du dich wohlfühlst, die dir mit ihrem Verhalten, ihren Ansichten

und ihren Worten etwas zu sagen, und wenn du dann jemanden gefunden

hast, den du liebst, wird auch das Gesicht der jungen Frau beginnen, zu dir zu

sprechen, da bin ich absolut sicher.“

Gitta

Vielleicht hatte Peggy ja recht. Nur ich hatte mich nie um die jungen Ladies gekümmert,

nicht in der Schule, nicht in der Kneipe, nicht in der Disko. Ich hatte

keine Probleme, konnte locker und offen mit ihnen reden, wie mit den anderen

Mitschülern auch, nur dass sie mich irgendwie gereizt hätten, war auch bei

manchmal sehr animierend gedachtem Outfit nicht der Fall. Aber darauf sollte

ich ja sowieso nicht achten. Vom Verhalten, von ihren Ansichten, ja eigentlich

von ihrer ganzen Persönlichkeit aus betrachtet gefiel mir Kitty am besten. Mit

ihr konnte man sich gut unterhalten Auf meiner Wellenlänge schien sie zu liegen.

Nur war sie fest mit Olaf liiert. Bei den anderen, mit denen ich mir eventuell

nähere Kontakte hätte vorstellen können, verhielt es sich nicht anders. Na

ja, vielleicht trennte sich ja mal jemand. Bei der gezielten Partnerinnensuche

fühlte ich mich unwohl und kam mir in gewisser Weise lächerlich vor. Aber

ohne gezielte Absicht, reizte mich ja nichts.

Beim Schulfest musste ich mit einer Schülerin, die in einer Kasse über mir war,

einen Stand betreuen. Beziehungen von Mädchen zu Jungen in Klassen unter

ihnen waren undenkbar und scheinbar durch ungeschriebene Gesetze verbo-

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ten. Am Stand hatten wir ausgesprochen viel Spaß miteinander und verstanden

uns prima. Wir lachten und scherzten viel und neckten uns gegenseitig.

Beim Aufräumen nach dem Fest schaute Gitta mich ernst und auch lleicht unsicher

an und meinte: „Benni, ich mag dich.“ Es schien ihr nicht leicht zu fallen,

das zu äußern, aber wenn jemand von uns beiden das sagen konnte, war sie

es. Ich hätte damit rechnen müssen, ausgelacht zu werden. „Ich dich auch,

Gitta,“ stotterte ich fast ein wenig „Mhm, ja, du gefällst mir sehr gut.“ fügte ich

noch hinzu. Wir schauten uns ein wenig verlegen lächelnd an und lachten dann

wieder gemeinsam, jetzt wahrscheinlich befreiend, wie vorher schon so oft. Ja,

ich mochte sie tatächlich auch, hielt sie für äußerst lustig und klug und fand

schon, dass sie ein tolles Mädchen, eine äußerst nette jung Frau war. Vorher

hatte ich sie nur vom Sehen gekannt. Ein wenig unsicher lächelnd standen wir

beieinander. Ein zwiespältiges Empfinden hatte ich. Einerseits bewirkte unsere

gegenseitige Sympathiebekundung, dass ich unsere Gemeinsamkeit wie eine

schon lange beschlossene Selbstverständlichkeit empfand, andererseits aber

überhaupt nicht wusste, was ich tun, wie ich mich verhalten sollte. Ob wir nicht

mal zusammen spazieren gehen sollten, meinte Gitta. Das erste Mal im Forst

hatte uns beiden sehr gut gefallen. Dass wir uns nicht berührten, sondern uns

nur unterhielten und dabei viel zu lachen hatten, schien auch Gitta zu mögen.

Wir wollten es wiederholen, und machten es öfter. Wir trafen uns nicht in Cafés

oder sonst wo, nur ausdrücklich der Forst war die Begegnungsstätte die

unserem Glück gehörte. Mittlerweile berührten wir uns auch und küssten uns

sogar häufig. Es gefiel mir auch nahe bei Gitta zu sein, mit ihr zu schmusen

und Zärtlichkeiten auszutauschen. Sie war eine sehr liebe Freundin, die ich

sehr mochte und die mir viel bedeutete, aber bei allen Zärtlichkeiten und

Liebkosungen konnte ich nie etwas verspüren, das mich erotisch sexuell

tangierte. Es gefiel mir einfach, sie zu streicheln, eine Lust auf mehr, auf Gittas

Körper, irgendein Verlangen konnte ich nicht verspüren. Trotzdem freute ich

mich immer sehr auf unsere gemeinsamen Exkursionen, bei denen wir auch

häufig längere Zeiten im Gras lagen oder saßen, träumten, uns etwas

erzählten, gegenseitig neckten oder liebkosten. Gitta war mir wichtig und ich

liebte sie. Wir lagen im Gras, und Gitta fragte, den Kopf auf ihren linken

Ellenbogen gestützt: „Sag mal Benni, du bist doch ein Mann, mir kommt es

manchmal so vor, als ob du gar nicht wahrnimmst, gar nicht merkst, dass ich

eine Frau bin? Oder bist du so schüchtern und vielleicht ein wenig verklemmt?“

Was sollte ich antworten? Jetzt fühlte ich mich tatsächlich in der Klemme. Ihr

sagen, dass ich sie sehr gut leiden möge, sie auch lieb gewonnen, aber kein

sexuelles Interesse an ihr habe? Sollte ich ihr sagen, dass mich ältere Frauen

eher reizen würden. Es hatte keinen Zweck, das Verhältnis zwischen Gitta und

mir hatte keine Perspektive, sie könnte meine Schwester und geliebte Freundin

sein, aber Erotisches kam da nicht auf. Ich schaute sie mit großen Augen an,

betrachtete intensiv ihr Gesicht. Es war kein Kindergesicht, sie hatte schon

markante Züge. Sie gefiel mir ja auch. Gitta würde bestimmt mal eine sehr

schöne Frau werden. Es fiel mir schwer und stimmte mich traurig, dass es so

enden sollte. „Gitta, es tut mir leid, und ich finde es sehr, sehr schade, aber

aus uns beiden wird längerfristig nichts werden können.“ antwortete ich ihr.

„Ich versteh nichts. Warum nicht? Was willst du mir sagen?“ reagierte Gitta erstaunt

überrascht. „Ich kann nicht, ich möchte nicht und trau mich nicht, das

Traumfrau Lehrerin – Seite 8 von 20


zu erzählen.“ erwiderte ich. „Was ist denn los? Kannste vielleicht nicht ficken?

Machen dich Frauen gar nicht an oder so etwas? Sag's doch lieber, als dass ich

mich ständig in wilden Spekulationen ergehe. Ich versprech' dir auch tausendprozentiges

Stillschweigen darüber. Ich mag dich doch. Ich liebe dich doch,

Benni.“ Gitta darauf. „Na gut, weil ich dich so gern mag und deinem Versprechen

traue,“ sagte ich lächelnd, „Gitta, es liegt daran, dass du für mich zu jung

bist.“ Die starrte nur mit großen offenen Augen und wartete auf nähere Erläuterungen,

„Ich hatte gedacht, wenn wir uns lieb haben würden, ergäbe sich

schon alles. Ist aber nicht so. Ich habe mich damals mit fünfzehn zum ersten

Mal vergafft in eine Frau, die fünfundzwanzig Jahre älter war als ich, und so ist

es seitdem geblieben. Frauen, die ich als erotisch anziehend empfinde und die

mich sexuell anregen, befinden sich in dem Alter so zwischen 40 und 60. Das

ist einfach so, ich bin pervers und kann da nichts dran ändern.“ Gitta machte

noch immer große Augen. „Meine Mami also, die könnte dich scharf machen,

ich aber nicht. Das finde ich ja kurios.“ sagte sie erstaunt, „Ödipuskomplex ist

das, glaube ich. Du möchtest mit deiner Mama vögeln oder so etwas Ähnliches.

Auch dass wir uns lieb haben, uns küssen und streicheln, lässt dich alles völlig

kalt, regt dich kein Bisschen auf? Benni, Benni, das ist sehr schade. Ich mag

dich doch so gern, du tust mir weh, sehr weh, Benni, weißt du das?.“ Im Gras

sitzend beweinten und trösteten wir uns gegenseitig und Gitta meinte: „Das ist

schon ein sehr komisches Gefühl bei einem Freund im Arm zu liegen, von dem

du weißt, dass er als Frau gar kein Interesse an dir hat. Ich wusste nicht, dass

ich es wollte oder dass es mir wichtig war, von dir begehrt zu werden, jetzt

weiß ich es und finde es schade, dass du es nicht tust. Ich meine, im Prinzip ist

es ja gleichgültig, wie unterschiedlich alt die beiden sind, die sich lieben, aber

ich könnte das bei mir nicht ertragen, wenn ich total auf alte Männer abfahren

würde. Irgendwie ein bisschen pervers käme mir das schon vor. Willst'e damit

nicht mal zum Therapeuten gehen?“

Ödipale Phase

Das wollte ich nicht. Ich wusste, dass es keinen Therapeuten interessieren

würde, wie intensiv ich mich mit der ödipalen Phase befasst hatte. Fast ein

Jahr lang hatte ich nicht nur Freud, Fromm und Lacan durchgeackert, sondern

mich auch mit Gilles Deleuze, Félix Guattari und Aleander Mitscherlich gequält.

Dass meine sexuellen Präferenzen nicht mit einer unabgeschlossenen ödipalen

Phase zu tun haben konnten, war mir immer eindeutiger bewusst geworden,

unabhängig davon, welchen Standpunkt ich zu dem Thema insgesamt mittlerweile

entwickelt hatte. Ich legte keinen Wert darauf, in monate-, vielleicht sogar

jahrelangen Therapiesitzungen meine vermeintlichen ödipalen Probleme

kurieren zu lassen. Für welchen Psychotherapeuten stand es denn nicht fest,

dass erotisches Verlangen nach älteren Frauen hier seine Ursache haben musste?

Traumfrau Lehrerin – Seite 9 von 20


Zusammenleben junger Mann - ältere Frau

„Aber was willst du denn tun, Ben?“ suchte Peggy hilflos nach einer Lösung,

„Was du von deiner Mitschülerin erzählt hast, ist doch bitterschade. Das macht

doch traurig, tut doch weh. Ihr mögt euch, liebt euch, seid glücklich, und du

sagst: 'Ich brauch aber 'ne Ältere.' Kennst gar keine, hast gar keine, aber zerstörst

dir dein Glück. Deins und das der jungen Frau, das sind doch starke Gefühle,

intensive persönliche Bindungen, die kann man doch nicht einfach so

zerbrechen, sagen: „Ich brauch für's Sexuelle aber 'ne Ältere. Wie lange willst

du das denn noch so machen? Bis du selber vierzig-fünfzig bist, oder suchst du

dann siebzig-achtzig Jährige? Vielleicht schlägt's dann ja auch um, und du

willst auf einmal was Junges, Frisches.“ reagierte Peggy leicht zynisch wütend.

„Ich weiß es doch selber nicht, Peggy. Aber warum soll das denn nicht gehen

mit einer älteren Frau, wenn man es gegenseitig will und sich liebt. Umgekehrt

geht es doch auch. Wie viele Männer haben wesentlich jüngere Frauen. Dass

es umgekehrt nicht so häufig vorkommt, liegt sicher daran, dass Männer mehr

auf jugendlich wirkendem Äußeren stehen. Aber sieh dir doch mal Harold and

Maud an. Unabhängig von dem ganzen anderen Klamauk und dem was man

alles sonst noch thematisieren wollte, war die Beziehung zwischen den beiden

doch hinreißend und toll dargestellt. Ich für mich seh' da keine Probleme. Den

Mitschülern brauche ich es ja jetzt nicht mehr zu erzählen. Ich denke eher,

dass die Probleme bei der Frau liegen würden.“ reagierte ich auf Peggy. „Das

kann ich mir allerdings auch vorstellen. Welche vierzig-fünfzig jährige Frau

würde sich denn auf dich einlassen? Ich jedenfalls nicht. Wenn du nicht Benni

wärst, für eine Nacht vielleicht, aber sonst?“ meinte Peggy.

Bens Erfahrungen

„Hah, das wüsste ich aber.“ war meine Reaktion, „Diesen Blick, weißt du, was

ich dir damals von der Englischlehrerin erzählte, diesen Blick 'Ich weiß alles.

Habe deine Gedanken gelesen.' den haben fast alle erwachsenen Frauen drauf.

Egal wo, ob du sie kennst oder nicht, gleichgültig wie lange oder was du mit ihnen

zu tun hast. Du brauchst sie gar nicht anzuglotzen oder sonderbar anzuschauen,

wenn du denkst: 'Was für eine wunderbare, begehrenswerte Frau'

merken sie's, erkennen deine Gedanken. Das gilt genauso für die Professorin

wie für die Angestellte im Straßenverkehrsamt, und fast ausnahmslos ist er

von einer freundlichen Mimik oder einem Lächeln begleitet. Dass eine Frau den

Eindruck erweckt, sich belästigt zu fühlen, ist höchst selten. Und dass viele

gern mehr machen würden, als nur eimal durchblickend lächelnd schauen, davon

bin ich überzeugt. Ich weiß es ja sogar.“ „Was weißt du?“ wollte Peggy wissen.

Oh je warum hatte ich das nur angefügt, war doch ganz überflüssig gewesen,

einfach so rausgerutscht. Was und wie viel sollte ich denn jetzt erzählen.

Es war ja sowieso nur eine temporäre Angelegenheit, eine sonderbare allerdings.

„Ich weiß nicht, was eine Frau denkt, wenn sie dich so anblickt,“ versuchte

ich drum herum zu reden, „aber dass sie dabei nicht ans Kaffeekochen

denkt, ist doch wohl klar. Dass sie auch an etwas denkt, was sich eher in eroti-

Traumfrau Lehrerin – Seite 10 von 20


schen oder ähnlichen Regionen bewegt, ist doch wohl sicher. Dass meine Englischlehrerin

damals immer freundlich gelächelt hat, lag bestimmt nicht daran,

dass sie sich darauf freute, mit mir ins Bett zu gehen, aber ich glaube schon,

dass es ihr gefiel, begehrenswert zu wirken, auch für einen so jungen Fiffi wie

mich. Ich glaube, dass es für die meisten ein Gefühl ist, das sehr angenehme

emotionale Assoziationen wach ruft. Was genau, weiß ich auch nicht. Ist ja

vielleicht auch von Frau zu Frau verschieden und von vielen anderen Faktoren

abhängig, aber dass bei mehr als einer auch die Vorstellung von Kontaktwünschen

mit dem jungen Mann durch den Kopf geht, dessen bin ich mir sicher.“

„Ja, das denkst du dir, und so siehst du das, aber was weißt du du denn, oder

handelt es sich bei deinen Mutmaßungen um dein Wissen?“ insistierte Peggy.

„Nein, ich treffe mich manchmal ganz konkret mit einer Frau, bei der es so angefangen

hat.“ erklärte ich kompakt. „Was hat so angefangen? Warum bist du

so zögerlich? Ist es so pervers oder sonst etwas, dass du dich nicht traust, und

meinst es selbst mir nicht erzählen zu können?“ fragte Peggy. Was sollte es,

warum konnte ich es Peggy eigentlich nicht erzählen. Es würde mir gewiss

selbst gut tun. „Es fing ganz simpel an. Ich saß im Cafè, wollte kurz einen Espresso

trinken und sah eine Frau, die ein wunderbares Profil hatte, vom Gesicht

her meine ich natürlich. Leider trug sie eine Sonnenbrille, die ihre Augen

verdeckten. Obwohl sie ja eigentlich in eine ganz andere Richtung blickte,

schaute sie plötzlich zu mir. Ich hatte mich sofort abgewandt, aber ihr war natürlich

nicht entgangen, dass ich sie angeschaut hatte. Sie drehte sich wieder

zurück, schob nach kurzer Zeit ihre Sonnenbrille in die Haare und schaute mich

wieder an. Ich lächelte ein wenig verlegen freundlich, und sie lächelte auch.

Ich widmete mich jetzt ausschließlich meiner leeren Espressotasse, stand aber

nicht auf. Einmal wollte ich noch rüber schauen, aber die Frau hatte mich wohl

die ganze Zeit beobachtet, und als ich rüber sah, kam wieder dieser Blick: „Du

bist scharf auf mich. Mir kannst du's nicht verbergen. Aber mir gefällt's.“

Warum ich noch nicht aufgestanden und gegangen war, weiß ich gar nicht,

plötzlich kam sie an meinen Tisch und sagte nur: „Komm!“ Ich wusste gar

nicht, was es genau bedeuten sollte, aber ich sagte nichts, fragte nichts, sondern

stand wie selbstverständlich auf und ging mit ihr.

Britta - Sex only

Wir fuhren zu ihr nach Hause. Sie erklärte mir, sie möge mich und wie sie es

einschätze, ich sie doch wohl auch. Wir wollten's uns schön machen, ihr Mann

sei Diplom Ingenieur und den weitaus überwiegenden Teil des Jahres in Dubai.

Alle Bedürfnisse könnten Freundinnen und Bekannte eben auch nicht abdecken,

und als sie mich gesehen habe, sei ihr zum ersten Mal der Gedanke gekommen,

dass es vielleicht ein netter junger Mann wäre, der ihr fehle. Aber sie

wolle nur Sex, sie liebe ihren Mann und das solle auch so bleiben. Wenn ich mit

Amore oder dergleichen anfinge, sei sofort Schluss. Für sie war es nicht nur

selbstverständlich, dass wir heute zusammen ficken würden, sondern auch in

Zukunft wohl noch öfter. Ich war unbeholfen ratlos. Hatte das Gefühl nichts

überblicken zu könne. Einfach nur ficken mir einer mir fremden Frau, wollte ich

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denn so etwas, aber sie gefiel mir ja. Sie erweckte nicht den Eindruck einer flehentlich

nach Befriedigung suchenden Frau. Sie hatte für sich entschieden und

war damit im Reinen. Souveränität und vielleicht ein wenig freundliche Dominanz

vermittelte sie. Immer wieder blickte sie mich leicht durchdringend mit

einem Lächeln an. Ich war auch lockerer geworden, hatte mich entschieden,

sie gefällt mir und reizvoll empfand ich sie allemal. Wenn's hinterher nicht richtig

gewesen sein sollte, konnte man es ja in Zukunft bleiben lassen, ich konnte

lachen und war gespannt auf unser Experiment. Sie selbst kannte mich ja auch

überhaupt nicht, vermittelte aber den Eindruck zu wissen, dass es mit mir o. k.

sei. Britta, das war ihr Name, wirkte auf mich faszinierend und verführerisch.

Wir kannten uns gar nicht, lagen gemeinsam nackt auf dem Bett und nach

kurzem Streicheln fickten wir miteinander, ich dazu noch zum ersten Mal. Britta

schien meine Unerfahrenheit wohl nicht verborgen geblieben zu sein. „Ein

Süßer bist du, Ben, aber beim nächsten Mal machen wir's noch ein bisschen

anders, damit's noch schöner wird.“ teilte sie mir erfüllt lächelnd mit. Sie fuhr

noch einige Male mit ihre Hand über meine Brust, wir küssten uns, ich ging ins

Bad und fuhr nach Hause.

Ja, und seitdem fahre ich jede Woche Dienstagsnachmittags zu Britta. Aber mit

dem nur Sex, wie soll das denn gehen? Du bist doch immer mit einem anderen

Menschen, mit einer anderen Persönlichkeit ganz intim, ganz nahe zusammen.

Du erlebst dich doch gegenseitig immer sehr intensiv, wie soll es denn da ausbleiben,

das man sich persönlich näher kommt, sich vertrauter wird. Wenn du

nur den physiologischen Körper des andern siehst, geht so etwas doch gar

nicht. Du kannst doch deine emotionalen Empfindungen für die bestimmte Zeit

beim Sex nicht ausschalten. Du musst dich doch mögen, und das Sich-mögen

und Gegenseitige-kennen der anderen Person verstärkst du doch automatisch.

Dass das Wort Liebe zwischen uns nicht fallen darf, ist eine Farce und absurd,

wir praktizieren es doch schon permanent. Wir ficken doch nicht mehr nur kurz

miteinander, wie beim ersten Mal. Wir haben doch Lust daran, stundenlang

miteinander zu schmusen, uns zu streicheln und zu spielen, erzählen uns etwas

dabei und lachen viel. Wir haben Lust aneinander, an der Person des anderen.

Wir wollen den anderen erleben, freuen uns darauf und es macht und

glücklich und zufrieden. Wir wollen uns nicht nur vom andern sexuell befriedigen

lassen. Völliger Unfug wäre das, und es hat sich beim beziehungsweise

über den Sex entwickelt. Nur Sex das heißt nichts. Gibt es vielleicht im Bordell,

aber nicht bei Menschen, die es gemeinsam öfter praktizieren. Neulich bin ich

auch schon über Nacht geblieben. Kürzlich hat Britta gesagt es gefiele ihr so

gut mit mir, aber wenn wir zusammenleben würden, verließe ich sie bestimmt

eines Tages. Sie liebt ihren Mann, wir dürfen uns nicht lieben, aber sie macht

sich Gedanken über's Zusammenleben mit mir? Beim letzten Mal hat sie erzählt,

dass ihr Mann im nächsten Monat käme. Dabei hat sie ein Gesicht gemacht,

als ob sie sich übergeben müsse, und gesagt: „Was soll ich denn machen?

Verweigern kann ich mich ihm doch nicht.“ Natürlich würde sie gern mit

mir zusammenleben, nur sie würde dann ihren Wohlstand verlieren, müsste

wieder arbeiten und hätte die Angst, dass ich mir eines Tages eine Jüngere suchen

würde. So ist das mit dem was ich weiß, und du weißt es jetzt fast besser

als ich selber.“ schloss ich meine Geschichte für Peggy, die aufmerksam ge-

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lauscht hatte. Nach einer kurzen Pause, in der niemand etwas gesagt hatte,

stöhnte Peggy auf: „Oh, Benni, und, bist du glücklich damit? Liebst du Britta?“

„Ja natürlich, nur wie's weiter gehen soll, welche Perspektive es haben könnte,

weiß ich überhaupt nicht. Ich möchte schon mehr. Wenn ich an den nächsten

Monat denke, dass ich sie nicht sehen kann, und sie mit ihrem Mann in unserem

Bett fickt, wird’s mir sehr unangenehm.“ antwortete ich. „Es mag zwar

schön sein für dich, Ben,“ meinte Peggy, „aber so bedenkenlos rosig kann ich

es nicht sehen. Lass uns im Gespräch bleiben. Ich weiß es ja jetzt, und wenn

dich irgendetwas bedrücken sollte, melde dich, bitte, sofort.“

Treue Britta und Skepsis

„Benni, Benni, ich muss dir etwas erzählen.“ rief Britta Mitte nächsten Monats

an. „Lass uns uns im Café treffen, in dem wir uns kennengelernt haben.“

„Alexander fliegt Übermorgen wieder, und dass er sobald zurückkommen wird,

glaube ich auch nicht. Ich bin dir übrigens treu geblieben, kein einziges Mal

habe ich mit ihm geschlafen. Er hat noch nicht mal unser Bett entehrt, sondern

in seinem Zimmer übernachtet.“ berichtete Britta stolz, nachdem wir uns begrüßt

hatten. „Und das alles, obwohl du ihn liebst und nicht mich?“ konnte ich

mir nicht verkneifen. Britta schaute mich durchdringend an. „Soll ich dir jetzt

eine runter hauen?“ fragte sie, „oder was willst du damit bewirken.“ „Dass wir

endlich mit der Farce aufhören 'Ich lieb' dich nicht, du liebst mich nicht'. Wir

mögen uns sehr, sehr gern, und ich weiß nicht, wie Liebe gehen soll, wenn wir

beide nicht total ineinander verliebt sind.“ gab ich ihr zur Antwort. Wir küssten

uns und Britta fragte, ob ich denn gar nicht hören wolle, wie sie das geschafft

habe. Sie hatte ihren Mann, nachdem er richtig angekommen war gefragt, wie

viele Damen er denn in der Zwischenzeit in Dubai beglückt, oder ob man eine

feste Begleitung für die Zeit dort habe. Seine Zurückweisung sei ihr auch nicht

ganz ehrlich erschienen, und sie habe gesagt, er könne ihr doch nichts vormachen,

das hielte ein Mann doch gar nicht aus. Sie habe ja für vieles Verständnis,

aber dass er, wo er sie so selten besuche, auch noch versuche sie zu belügen,

sei der Gipfel. Sie habe den Streit bewusst eskaliert, ihre Beziehung in

Frage gestellt und ihn gefragt, weshalb er überhaupt gekommen sei, und was

er von ihr wolle. Wahrscheinlich nur mal 'ne Frau mit der er zur Abwechselung

von den Damen in Dubai ficken könne. Alle Beschwichtigungs- und Klärungsversuche

habe sie zunichte gemacht, bis es ihm schließlich nach anderthalb

Wochen gereicht, und er sich einen früheren Rückflug nach Dubai gebucht

habe.

„Benni, ich sehe ja ein, dass ich dich liebe, natürlich. Ich wünsche mir ja auch,

dass du öfter bei mir wärst, immer bei mir wärst, wir ein gemeinsames Leben

hätten, aber du bist ein sehr junger Mann, vom Alter her könnte ich zumindest

theoretisch deine Mutter sein. Du magst mich und liebst mich, das ist sehr

schön und lässt mich außerordentlich glücklich sein, aber du hast das Leben

noch vor dir. Auch wenn du mir schwören würdest, mich immer lieben zu wollen,

ich glaubte dir, dass du im Moment so empfindest, aber du weißt auch

nicht, was auf dich zukommen wird, und wie es dich beeinflussen wird, deine

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Sichtweise, dein Denken, dein Empfinden. Dass es immer so bleiben wird? Ich

bin da sehr skeptisch. Du wirst neue Welten erobern und andere Erfahrungen

machen. Unsere Beziehung ist nicht etwas, was losgelöst davon existiert, sie

wird davon beeinflusst werden. Den derzeitigen Zustand konservieren können

wir nicht, auch wenn er uns noch so glücklich sein lässt. Diese Unsicherheit,

diese Skepsis ist es, die mich davon abhält, auf unserer Liebe meine Zukunft

zu bauen, mich jetzt von Alexander zu trennen und für unsere Liebe erhebliche

unwiderrufliche Nachteile in Kauf zu nehmen. Wie es konkret weiter gehen soll,

weiß ich allerdings auch nicht. Wenn du mich verlassen solltest, einfach wieder

mit Alexander zusammenzuleben, als sei nichts geschehen, das könnte ich natürlich

nicht. Warum musst du auch so lüsterne Blicke auf alte Damen in Cafés

werfen?“ schloss Britta scherzend. „Welche lüsternen Blicke soll ich denn geworfen

haben?“ wollte ich wissen. „Das sieht man, oder zumindest frau sieht

das doch, ob einer denkt: 'Was will die denn hier, die sollte lieber die Enkelkinder

hüten.' oder 'Oh, mit der könnt ich's mir schön im Bett vorstellen.'. Die Gesichter

sind doch nicht alle gleich und undechiffrierbar. Meinst du sonst hätte

ich so einen jungen Schnösel aufgefordert mitzukommen. Du hast mich überhaupt

erst auf den Gedanken gebracht, du kleiner Ladykiller.“ erläuterte mir

Britta.

Leben mit Britta

Ich war jetzt sehr häufig und oft für mehrere Tage bei Britta, verbrachte mit ihr

die Wochenenden und unternahm häufig etwas mit ihr. Der Gedanke, dass sie

über zwanzig Jahre älter war als ich, kam mir nie. Als ich sie im Café gesehen

hatte, war sie mir mehr wie eine arrivierte Lady erschienen, und diese Rolle

hatte sie auch noch zu Anfang unserer regelmässigen Treffs eingenommen. So

ein wenig darüber stehend, von außen betrachtend war sie mir erschienen.

Dieser Eindruck und das Verhalten hatten sich aber, je näher wir uns kamen,

schnell verflüchtigt. Sie lachte viel, schmuste gern und liebte es, kindliche Späße

zu machen. Sie benahm sich lustig und ausgelassen, als ob nicht ich, sondern

sie der jüngere Part unserer Beziehung wäre. Nicht ich schien in ihr einen

Mutterersatz zu suchen oder finden zu können, sondern mir kam es oft eher

vor, als ob sie mit mir Teile ihrer Jugend neu beleben wollte. Britta fühlt sich

glücklich und frei, und hatte oft Lust mich zu necken und mit mir zu scherzen,

als ob wir beide gerade erst die pubertären Stürme hinter uns gebracht hätten.

Natürlich schliefen wir auch noch miteinander, aber es hatte einen geringen

Stellenwert gegenüber den anderen vielfältigen Erfahrungen unseres gemeinsamen

Lebens.

Ich konnte ihr stets zusehen. Für mich war sie die schönste Frau der Welt. Die

leichten Querstreifen auf ihrer Stirn, mit denen sie spielen konnte und ihnen

bei unterschiedlicher Mimik andere Gewichtung verlieh. Von sanften Vertiefungen,

die nicht ständig sichtbar waren, zwischen ihren Augenbrauen beginnend,

konnten sie V-förmig tangiert werden. Bei ernstem Blick, und wenn sie mich fixierend

anschaute, traten sie deutlich hervor. Von den äußeren Winkeln ihrer

Augen beugten sich sichelförmig dünne Zeichnungen herab. Sie lagen überein-

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ander wie die Farben eines Regenbogens und schienen besonders geübt und

erfahren im Zusammenspiel mit den Faltungen ihrer Wangenhaut, die sich

beim Lächeln und Lachen bildeten. Britta schien über eine endlose Vielzahl von

Varianten beim Lächeln zu verfügen. Immer hatte es einen leicht anderen

Touch, der durch die Formung ihrer Lippen, die Haut an Wangen und Kinn sowie

die Beteiligung ihrer Augen zu unterschiedlichen Aussagen komponiert

wurde. Meistens sah ich ein zärtliches Lächeln, bei dem sie ihre Lippen kaum

spreizte, ihren Mund leicht geöffnet hatte und ihre offenen Augen mit zu lächeln

schienen. Als ein wenig erwartungsvoll, vertrauend und von zartem Glück

beseelt erschien sie mir dann. Mich beglückte es sie so zu sehen. Sie konnte

dadurch, wie sie mich anschaute, meine Stimmung verändern und ich liebte es

die Veränderungen ihres Ausdrucks betrachtend zu verfolgen. Ich schaute Britta

sicher nicht erotisch begehrlich an, doch das war wohl unerheblich geworden.

Britta mochte es und belohnte mich oft mit einem freundlichen oder auch

schelmischem Lächeln, kleinen Streichelzärtlichkeiten oder Küssen. Wir hatten

Freude aneinander, und es ließ uns glücklich sein.

Ich bewunderte nicht nur Brittas Anblick, ich hielt sie auch für eine kluge, weise

Frau. Dass ich ihre älter werdende Haut und ihre Fältchen mochte, war ja

klar, nur die meisten Frauen selbst stört es immens, wenn sie erste Falten im

Gesicht entdecken und diese nicht wieder verschwinden, sondern sich langsam

stetig vermehren. Sie sehen ihre Attraktivität schwinden, was bis zu Zweifeln

am Selbstwertempfinden und Beeinträchtigung der Lebensfreude führen kann.

Alle Zeichen des Alterungsprozesses werden als bittere Einbußen höherwertiger

jugendlicher Strahlkraft und Potenz erfahren. Britta sah so ein Verhalten als

Zeichen einer schwachen Persönlichkeit. „Die Mädels haben ihre pubertäre Tennyphase

ins hohe Alter gerettet. Dass du gut aussehen möchtest, ist ja korrekt,

schön und selbstverständlich. Möchte ich doch genauso, war immer so

und ist heute nicht anders. Nur wenn du mit fünfundvierzig aussehen willst wie

mit fünfundzwanzig, weil du nur das für schön hälst, dann bist du meschugge.

Ich möchte gut aussehen, aber nicht so wirken, als ob ich viel jünger wäre. Zu

mir gehört auch mein Alter. Warum soll ich das denn leugnen wollen. Mir gefällt

meine Bio, und ich brauche mich doch nicht zu schämen, dass ich es so weit

gebracht habe. Schönsein mit fünfundvierzig ist Schönsein mit Fältchen. Was

soll denn daran unästhetisch oder unattraktiv sein. Du verstehst mich Benni,

nicht wahr?“ fragte sie. Ich verstand Brittta immer, besonders wenn ihre Beiträge

mit einem liebevollen Lächeln beschlossen wurden.

Jetzt wurde ich auch nicht mehr verborgen gehalten. Zu Anfang hatte sie mich

Bekannten noch manchmal als Hilfskraft vorzustellen versucht, aber jetzt schien

sie eher ein wenig stolz auf mich zu sein, und prieß Freunden gegenüber die

Vorzüge meiner Persönlichkeit. Nach einiger Zeit meldete sich ihr Mann aus

Dubai. Er sei nicht bereit sich von Britta aus seinem eigenen Haus werfen zu

lassen, und ihr ein angenehmes Leben mit ihrem Romeo zu finanzieren. Er wolle

sich von ihr trennen und die Scheidung beantragen. Da es unter all ihren Bekannten

wie selbstverständlich behandelt wurde, dass sie mit mir zusammen

lebte, war es eigentlich nur noch eine Frage der Zeit, bis Alexander davon erfahren

würde. Ob Britta es nicht bedacht oder trotzdem sich so hatte entwi-

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ckeln lassen, haben wir nie besprochen, jedenfalls war sie höchst verwundert

und verzweifelt, als die Nachricht kam. „Benni, was soll ich denn nur tun. Wer

stellt denn heute eine Diplom Volkswirtin mit sechsundvierzig Jahren, die fünfzehn

Jahre raus gewesen ist, ein. Ich werde von Hartz IV leben müssen, das

wird mich umbringen, und wo soll ich denn wohnen, wie soll ich denn die Miete

bezahlen?“ jammerte Britta verzweifelt. Ich riet ihr, bevor sie sich solche Gedanken

mache, doch erst mal einen Anwalt zu konsultieren. Natürlich war

letztendlich alles halb so schlimm, aber stark einschränken würde sie sich

schon müssen. Der Betrag, mit dem Alexander sie unterstützen musste, war

bei Weitem nicht so hoch, wie das, was sie vorher zu Verfügung gehabt hatte.

Trennung

Uns störte das nicht besonders, wir waren glücklicher als je zuvor. Manchmal

schaute Britta allerdings ernster, Momente, in denen von ihrem fröhlichen Unbelastetsein

und ihrer überbordenden Lebhaftigkeit nichts zu spüren war. Ich

wollte sie schon mal fragen, ob ihr etwas fehle, aber eigentlich war es ja kein

ungewöhnliches Verhalten. Zu beschäftigen schien sie aber wohl doch etwas,

etwas das ihr keine freudigen Eindrücke vermittelte und die Lippen in ihrem

Gesicht kein glückliches Lächeln formen ließ. „Benni,“ sprach sie mich eines

Abends an, „wir müssen mal etwas Ernsthaftes, sehr Ernsthaftes besprechen.

Mir geht es schon länger durch den Kopf und beschäftigt mich. Ich möchte

mich niemals so von dir, wie von Alexander trennen müssen. Ich liebe dich

sehr und du bedeutest mir ungeheuer viel. Du hast mir vieles gegeben und geschenkt

und vor allem hast du mich unsere wunderschöne Liebe erleben lassen.

Ich fühle mich absolut glücklich mit dir und möchte es auch nicht anders

erleben, aber ich kann es nicht verdrängen, ständig daran denken zu müssen

und ich bin mir sicher, dass es anders werden wird. Das will ich nicht mitmachen,

und das möchte ich auch nicht erfahren müssen. Ich weiß nicht wann es

sein wird, ob in einigen Monaten, in einem Jahr oder vielleicht erst in zehn Jahren.

Ich möchte, dass wir unsere Liebe so wie sie jetzt ist und wie sie schöner

nicht sein kann, in Erinnerung behalten. Ich bin jetzt sechsundvierzig, und ich

möchte nicht mit vierundsechzig nach qualvoller Zerrüttung als verlassene

Großmutter abgewrackt allein irgendwo stehen. Mir tut es weh und es fällt mir

schwer, aber ich denke es ist für unsere Erinnerung, für das, was wir von unserer

Liebe behalten können, am besten, wenn wir jetzt irgendwann unser gemeinsames

Leben auslaufen lassen.“ „Britta, Britta, Britta! Was sagst du, wie

denkst du“ begehrte ich auf, „Wie kannst du mich denn lieben, wenn du mir so

etwas zutraust? Du bist meine Liebe, mein Vertrauen, mein Glück. Das werde

ich doch nicht verkommen oder zerrütten lassen. Oder meinst du, ich sei noch

zu jung und unerfahren? Ich werde keine andere Frau sehen als dich und

schon längst keine jüngere, das kann ich gar nicht. Ich komme mir auf einmal

klein und dumm vor. Der junge Bubi, der keine Ahnung hat, und die erfahrene

Britta will ihn rauswerfen.“ Dem war natürlich überhaupt nicht so. Endlose Diskussionen

wurden geführt, aber welche Aspekte und Perspektiven wir auch immer

diskutierten, letztendlich hielt Britta an ihrer Vorstellung fest. Panische

Angst befiel sie wohl bei der Vorstellung, als alte Frau plötzlich allein zu stehen,

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wohingegen sie sich jetzt noch in der Lage fühlte, eine neue Dauerbeziehung

mit jemand Gleichaltrigem aufzubauen. Sie empfand sich zwar jetzt in der Beziehung

mit mir äußerst glücklich, aber dass es auch noch so sein könnte,

wenn sie sechzig-siebzig und ich vierzig wäre, hielt sie für nicht mehr als eine

illusionäre Wunschvorstellung. All meine Argumentationen und gegenteiligen

Beschwörungen, all meine Erläuterungen, warum und wie es nicht dazu kommen

werde, konnten daran nichts ändern.

Eine absurde Situation, wir liebten uns beide innig, und versicherten es uns gegenseitig,

jeden Tag erlebten wir als ein glücksverbrämtes Ereignis. Wir fühlten

uns frei, beschwingt und selig, und schrieben es unserer fantastischen Liebe

zu. Jetzt wollten wir uns trennen, alles sollte plötzlich vorbei sein. Ich konnte

es trotz allen Verständnisses für Brittas Argumentation und ihrer Ängste nicht

fassen. Wir hatten Sehnsucht nacheinander sollten uns aber nicht sehen, wir

würden uns gern küssen und lieben, hatten es uns aber selbstkasteiend versagt.

Nichts hätte der Erfüllung unserer Wünsche im Wege gestanden, trotzdem

durfte es nicht geschehen. Mich hätte dieser perverse Zustand fast in den

Wahnsinn getrieben. Es gab nichts anderes mehr, woran ich denken konnte,

und diese Gedanken lösten in mir immer wieder auf's Neue Stimmungen von

Wut, Verzweiflung und entsetzlicher Traurigkeit aus. Es kam immer und

überall. Gleichgültig was ich machte, plötzlich kamen die Gedanken daran auf,

okkupierten und blockierten mich. Meine Tage waren davon durchsetzt und ich

war dem ohnmächtig ausgeliefert.

Mal hielt ich mich für fast verrückt, mal versuchte ich Brittas Persönlichkeit zu

analysieren. Ich liebte immer noch das Bild von ihr, dass ich in mir trug, nur

jetzt fügte sich auch einiges hinzu, was sich als unangenehmere Charaktereigenschaften

identifizieren ließ. Sie war mir ja als great erschienen, wie sie damals

ihren Mann abgebügelt hatte. Im Nachhinein erschien es mir aber auch

als harte Kälte. Sie hatte diesen Mann doch geliebt, hatte es mir noch ausdrücklich

erklärt, als wir uns kennenlernten, und plötzlich kann sie ihn, dem

kein Vorwurf zu machen ist, frech und dreist abservieren, weil ich ihr im Moment

mehr bedeute. Sympathie erweckend ist so eine Eigenschaft wohl eher

nicht. Aber ich wollte ihr Bild nicht zerstören, auch nicht wenn es mich sehr

quälte, dass ich letztendlich alle ihre Auffassungen hatte teilen müssen, die

überhaupt die meinen waren, und die mir persönlich in keinem Punkt zusagten.

Beratung mit Peggy

Obwohl ich glaubte, mit Wut, Trauer und Verzweiflung letztlich doch allein

schon irgendwann fertig werden zu können, hielt ich es für angebracht, mit

meiner Tante darüber zu sprechen. „Jetzt ist es vorbei, Peggy. Ihr Gesicht hat

mich belogen. Sie ist keine weise, sanfte, durchblickende Frau, sie ist eine

Hexe. Nein das stimmt auch nicht. Ich liebe sie ja immer noch, trotz allem.

Aber wie kann man denn, wenn man ineinander verliebt ist, glücklich mit einander

ist, wie nach einer Volksweisheit verfahren, 'Schluss machen, wenn's am

schönsten ist.' Das kommt einem ja vor, als man mit Liebe und tiefer persönli-

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cher Beziehung verfahren könnte, wie bei einem Besäufnis am Stammtisch. Ich

hör doch auch nicht mitten beim Vögeln auf, weil's jetzt am schönsten ist.“

Peggy schmunzelte und ich fuhr fort, „das ist doch hirnverbrannt, das sind

doch Gefühle, tiefe emotionale persönliche Bindungen, da kann ich doch nicht

mit umgehen, als ob ich einen Zug am Schachbrett mache. Das löst doch

Schmerzen, Verlustempfinden und Traurigkeit aus, für sie selber genauso. Britta

weiß das und besteht trotzdem darauf. Wie kann diese Frau, die so zärtlich,

warm und einfühlsam sein kann, mit solcher Härte reagieren. Alles was sie so

begehrenswert, so wundervoll erscheinen lässt, alles nur Fassade? Das will ich

nicht wahrhaben, kann es nicht glauben und ich bin sicher, dass es nicht so

ist.“ „Aber du hast doch auch schon mal erzählt, dass sie bei euch beiden nicht

von einer langfristigen Beziehung ausginge.“ meinte Peggy. „Ja ich denke auch,

dass das ihr Hauptmotiv war.“ bestätigte ich, „Mit Ben das ist mir zu unsicher,

und wo stehe ich dann. Jetzt mit sechsundvierzig ließe sich noch etwas Sichereres

für mich arrangieren. Ich, wie könnte die Zukunft für mich aussehen?

Das ist der einzige zentrale dominierende Gesichtspunkt. Dafür kann man alle

Emotionen und persönlich tiefen Verbindungen kaltschnäuzig kassieren. Tun als

ob alles unbedeutend, von heute auf morgen einfach nur ein Stück Erinnerung

wäre, wenn's um Bedenken für die eigene Zukunft geht. Dann zählen Liebe,

Emotionen, Vertrauen und persönliche Bindungen nicht mehr. Dann mus das

Liebste in den Hintergrund treten und ist plötzlich unbedeutend. War alles nur

wie ein schönes Spiel. Das ist auch Britta, und das habe ich in ihrem Gesicht

nie lesen können.“

Treffen auf der Einkaufsstraße

„Hallo, Frau Senger!“ rief ich der Frau, die mit der Werbetasche eines Geschäftes

über die Einkaufsstraße eilte. Ja, das musste sie sein, meine Englischlehrerin

von vor fünf Jahren. Sie drehte sich um und schaute mich fragend an. Als

ich ihr erklärte wie ich hieße und zufügte, dass ich vor fünf Jahren Unterricht

bei ihr gehabt hatte, sagte ihre Mimik: „Tut mir leid. Ich kann mich nicht erinnern.“

„Dabei habe ich sie so geliebt, Frau Senger.“ bedauerte ich. „Ah!“ mit

ganz langem A fuhr sie auf und lachte, „Natürlich, Ben, das vergesse ich doch

nicht. Süß, sehr süß war das.“ „Sie haben es also gemerkt?“ erkundigte ich

mich. „Natürlich, Ben, so etwas ist doch nicht zu übersehen.“ antwortete sie.

„Sie waren meine erste ganz große Liebe, und die ist ständig unerfüllt geblieben.“

fügte ich hinzu. „Und jetzt hast du das Objekt deiner Sehnsucht gefunden?

Aber ich bin verheiratet und habe Kinder. Da wird es mit uns wohl nicht

so ganz viel werden können.“ erklärte sie. Ja das war sie, genau so. Die leicht

scherzhaften Worte mit dem ironischen Unterton, die immer sanft und freundlich

und nie scharf wirken. Wenn sie jemanden korrigierte, wirkte das nie maßregelnd

und zurechtweisend. Es klang immer, als ob sie dem zugefügt hätte:

„Woll'n wir's in Zukunft so machen, ja?“. „Sie haben mich verdorben. In allen

Frauen suche ich immer nur sie.“ sagte ich zu Frau Senger, „Ich habe immer

von ihnen geträumt. Mit Gedanken an sie bin ich immer eingeschlafen. Es war

wundervoll.“ „Und warum haben sie mir nie etwas davon erzählt?“ fragte sie

und verzog den Mund dabei zu einem uninterpretierbaren Lächeln. „Ich sollte

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ihnen sagen, dass ich sie liebe und ihnen erzählen, was ich von ihnen träume?“

ich musste bei der Vorstellung laut lachen. „Ja natürlich,“ reagierte Frau Senger,

„was gibt es Schöneres für eine Frau als Liebesträume, zumal wenn sie

darüber hinaus noch von ihr selber handeln. Sie hätten mir in der Pause jeden

Morgen ihre Träume vom Vorabend berichten sollen. Ich hätte sie dann korrigieren

und ihnen Tipps und Hilfen für weitere Träume geben können.“ Das war

Frau Senger, die ich geliebt hatte, dazu noch das ganz feine Sandpapiertimbre

in ihrer milden Stimme. Die Frau hatte ich geliebt und nicht das Gesicht. Ihre

von mir geliebten Eigenschaften hatte ich in Frauen mit Gesichtern in ihrem Alter

hineininterpretiert. Frau Senger hatte in mir etwas angesprochen, das ich

noch immer liebte, nur mit ihrem Gesicht hatte das nichts zu tun. Wir hatten

uns auf einen Brunnenrand gesetzt und weiter über die Probleme in meinem

Liebesleben gesprochen. Sie meinte, das ja nicht sie es sei, sondern Bilder und

Wünsche in mir, deren Erfüllung ich in sie hinein interpretiert habe. „Aber süß

sind sie immer noch geblieben, Ben. Das Bild werden sie bei mir auch nicht retuschieren

können. Wenn ich zwanzig Jahre jünger wäre, ich weiß nicht, ob ich

mir dann nicht Gedanken über einen Liebhaber machte.“ meinte sie. Warum,

weiß ich nicht, aber es machte einfach ein wohliges Gefühl, mich mit ihr zu unterhalten.

Als wir uns verabschiedeten, küssten wir uns tatsächlich auf den

Mund.

Hineingesehen

Die Gesichter erwachsener Frauen können schön und aussagekräftig sein, sie

können aber auch lügen, dir etwas vorgaukeln und Unangenehmes verbergen.

Es gibt vieles, was du in ihnen nicht lesen wirst oder entschlüsseln kannst.

Über den Charakter und die Eigenschaften der Frau sagen sie nicht mehr aus,

als bei jungen Frauen auch. Eigentlich selbstverständlich, nur habe ich es nie

so gesehen. Ich habe mich immer von der Ausdruckskraft, ihrer fantastischen

Mimik, den vielfältigen Formen ihres Lächelns und ihren eindrucksvollen Blicken

hinreißen lassen. Habe nicht bedacht, dass diese faszinierenden Gesichter

Menschen gehören, die sich von anderen prinzipiell durch nichts unterscheiden.

Ich habe den Eindruck der bewundernswerten Gesichter immer auf die Person

übertragen, habe hinter den Gesichtszügen, die mich faszinierten auch Frauen

gesehen, die dadurch ihre faszinierenden Persönlichkeiten und Charaktereigenschaften

symbolisierten. Im Grunde habe ich in alle meine Englischlehrerin hineiniterpretiert,

und sah in ihnen das Versprechen, die Sehnsucht meiner unerfüllten

Liebe stillen zu können. Ich weiß nicht nur, dass es ein Trugschluss war,

ich will es auch anders sehen und empfinden können. Meine kurzfristige Freundin

in der Schule damals, hätte sich in einer ähnlich gearteten Situation bestimmt

nicht so verhalten wie Britta jetzt. Da bin ich mir absolut sicher, auch

wenn's ihr nicht im Gesicht geschrieben stand.“

FIN

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Je n'aime pas les maisons neuves :

Leur visage est indiérent.

Sully Prudhomme

„Sie haben mich verdorben. In allen Frauen suche ich immer nur sie.“

sagte ich zu Frau Senger, „Ich habe immer von ihnen geträumt. Mit

Gedanken an sie bin ich eingeschlafen. Es war wundervoll.“ „Und warum

haben sie mir nie etwas davon erzählt?“ fragte sie und verzog den Mund

dabei zu einem uninterpretierbaren Lächeln. „Ich sollte ihnen sagen,

dass ich sie liebe und ihnen erzählen, was ich von ihnen träume?“ ich

musste bei der Vorstellung laut lachen. „Ja natürlich,“ reagierte Frau

Senger, „was gibt es Schöneres für eine Frau als Liebesträume, zumal

wenn sie darüber hinaus noch von ihr selber handeln. Sie hätten mir in

der Pause jeden Morgen ihre Träume vom Vorabend berichten sollen. Ich

hätte sie dann korrigieren und ihnen Tipps und Hilfen für weitere Träume

geben können.“ Das war Frau Senger, die ich geliebt hatte, dazu noch

das ganz feine Sandpapiertimbre in ihrer milden Stimme. Die Frau hatte

ich geliebt und nicht das Gesicht. Ihre von mir geliebten Eigenschaften

hatte ich in Frauen mit Gesichtern in ihrem Alter hineininterpretiert. Frau

Senger hatte in mir etwas angesprochen, das ich noch immer liebte, nur

mit ihrem Gesicht hatte das nichts zu tun.

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