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InAsien Gesundheits-Tourismus in Asien (Vorschau)

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04/13

E 4,90 / CHF 9,80

AU E 5,50 / LUX E 5,50

Heft 4/13

Juli/August

ISSN 1438-7905

Indochina • Korea • Laos • Kuala Lumpur • Trekking in Ladakh • Thailands Inseln • Kambodschas Bergvölker • Hokkaido

Thailands schönste Perlen

Inseln im Golf von Siam und der Andamanensee

Business

GROSSES SPEZIAL

Indochina aktiv

• Bei den Bergvölkern Kambodschas

• In Laos von Wipfel zu Wipfel

• Vietnam per Fahrrad

Städteportrait Kuala Lumpur

Metropole des Multikulti

Trekking in Ladakh

Unterwegs mit einer Pferdekarawane

Grenzgänge in Korea

Gänsehaut-Tourimus am 38. Breitengrad

Japans Geisterwelten

Die Dämonen sind überall!

bwaters23_flickr.com

Gesundheits-Tourismus in Asien

Chancen, Risiken und Hintergründe

Hightech

hält einzug

Wenn Asiaten zum

Arzt gehen

Nicht mehr

nur Werkbank

Bildungshungriges

Vietnam


erleben.

begegnen.

verstehen.

Ungeahntes erleben und Unbekanntes verstehen

- Ihr Länderexperte zeigt Ihnen das

Kaleidoskop der Kulturen. Genießen Sie

an der Seite Ihres Reiseleiters inspirierende

Begegnungen weltweit.

Wir empfehlen Vietnam:

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Tel. 0431/54460, in Ihrem Reisebüro

und unter www.Gebeco.de


editorial

Der deutsche Sommer sei ein grün angestrichener

Winter, hat der Dichter Heinrich Heine (1779-1856)

gesagt. Und darum entfliehen wir Zentraleuropäer

ja auch immer in den Süden, während in der Heimat

Tiefdruck-Ausläufer die Freibadwiesen wässern.

Dass es nicht unbedingt die in Touristikerdeutsch

„Warmwasser-Destinationen“ genannten Ziele rund

ums Mittelmeer sein müssen, zeigt diese Ausgabe

von inAsien besonders eindrücklich. Vietnam und

Thailand liegen zwar ein paar Flugstunden weiter

entfernt, sind aber eigentlich viel besser geeignet,

den Traum vom perfekten Strandurlaub zu erfüllen:

weißer Sand, türkisfarbenes Meer und leuchtendgrüne

Palmen prägen beispielsweise viele thailändische

Eilande, aber auch die Küsten von Vietnam

und Kambodscha. Unsere Autoren waren kreuz

und quer in Südostasien unterwegs, um spannende

Geschichten zu recherchieren.

Heinrich Heine übrigens war Ahnherr all jener, die

es sich zur Aufgabe machen, von Land und Leuten

zu erzählen. Machte doch der in Düsseldorf geborene

den Reisebericht zur anerkannten Literaturform.

Deutschland. Ein Wintermärchen lautet sein wohl

bekanntester. Doch diese Lektüre heben wir uns

lieber noch ein paar Monate auf.

Herzlichst

Ihr

Martin Brückner

martin.brueckner@asiavision.de

Asien

individuell

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Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist, sieht nur eine

Seite davon.

Augustinus

04/2013

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Reise

Bildreportage Laos

Wenn gebetet und gefeiert wird 10

Thailands Inselwelten

Kaleidoskop für Robinson 18

SPEZIAL Indochina

Kambodscha: Bei den Bergvölkern 26

Vietnam per Fahrrad 32

Laos: Über dem Dschungel 36

S. 25 – Indochina

Indien

Trekking in Ladakh 42

Korea

Reise zur inner-koreanischen Grenze 48

Reiseaccessoires

Die verrücktesten Ideen 53

Japan - Hokkaido

Der unbekannte, wilde Norden 54

Spirituell & geheimnisvoll

Zwei mystische Orte in Asien 57

Malaysia – Kuala Lumpur

Die Metropole aus Sicht von Miss Malaysia 58

Leserreise: Philippinen

Der Patenonkel aus Deutschland 62

Gesundheitstourismus in Asien

Chancen, Risiken und Hintergründe 66

Wirtschaft

Asiens Gesundheitssektor

Unterversorgung versus Hightech-Standard 72

Vietnam

Die verlängerte Werkbank Asiens 76

S. 42 – Japans Geisterwelten

S. 66 – Gesundheitstourismus

S. 48 – Koreas Grenzregion

S. 18 – Thailands Inseln

Kultur

Japans Geisterwelten

Geister und Dämonen, überall 80

Interview

Christian Schmidt 85

Wo wurde was gedreht?

Berühmte Drehorte in Thailand 87

Asien kulinarisch

China-Küche in Österreich 93

Rubrik

Asien im Bild 4

Travel-Meldungen 8

Tipps&Trends 16

Das Stichwort: Dschungel 41

Asien im www: Grüner fliegen 64

Wirtschafts-Meldungen 70

Asien Promi: Yoko Ono 75

Kultur-Meldungen 78

Medienseite 90

Preisrätsel / Impressum 97

Das sind unsere Titelthemen

Thailands Inselwelten

Rund einhundert Eilande gehören zum Königreich Thailand. Wie schillernde Perlen reihen

sie sich entlang der Küste auf. Und so bunt wie das Land selbst ist auch ihre Vielfalt.

Seite 18

SPEZIAL: Indochina

Zwar währte der kulturelle Einfluss Indiens und Chinas mehrere Jahrhunderte lang auf

Vietnam, Laos und Kambodscha, doch sind sie alles andere als eine Einheit. InAsien hat

sich ihnen auf mobile Weise genähert – zu Fuß zu den Bergvölkern Kambodschas, per

Fahrrad durch Vietnam und in windigen Höhenflügen auf laotischen Baumgiganten.

Seite 25

In Japan unter Dämonen

Dass es allen Ernstes Touristen gibt, die in einer geführten Geistertour dafür bezahlen,

Dämonen und Geistern zu begegnen, leuchtet manch einem Tokioter nur schwer ein.

Sie selbst tun alles, um genau dies zu verhindern. Seite 42

Koreanische Gradwanderung

2013 jährt sich der Waffenstillstand zwischen Nord- und Südkorea zum 60. Mal, doch

an der inner-koreanischen Grenze stehen sich die Gegner noch immer unversöhnlich

gegenüber. Und dennoch gehört die Grenzregion zu den reizvollsten der Halbinsel.

Seite 48

Gesundheitstourismus

Die Behandlungsqualität in Asiens Privatkliniken ist oftmals auf gleichem Niveau wie im

Westen – und das bei kleineren Preisen. Über Chancen und Risiken. Seite 66

Auf dem Titelbild sehen Sie die Inselgruppe Ko Phi Phi in der

Andamanensee vor der Westküste von Süd-Thailand

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04/2013


Zu Hause die Welt entdecken,

Gastfamilie werden.

Bereichern Sie Ihr Familienleben durch ein internationales Mitglied auf Zeit!

Als Gastfamilie für einen von 550 Austauschschülern aus aller Welt erleben Sie

eine neue Kultur in den eigenen vier Wänden. Vorbereitet und begleitet werden

Sie von der erfahrenen Austauschorganisation Youth For Understanding.

Ihr Gastkind freut sich schon auf Sie!

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E-Mail: gastfamilie


Asien im Bild

Sri Lanka

Einbeiner auf

Fischfang

www.inasien.de

04/2013


Asien im Bild

Diese kunstfertige Technik des Fischens gibt es nur im Indischen Ozean zu sehen,

genauer gesagt im Süden Sri Lankas. Hier, in Ahangama, balancieren etwa die

„einbeinigen“ Fischer in aller Ruhe stundenlang auf ihrem Holzstab und warten auf

anbeißende Fische. Nicht einmal 40 Prozent der vom Fischfang lebenden Bevölkerung

Sri Lankas besitzt ein eigenes Boot.

04/2013 www.inasien.de


+ News + + + Meldungen + + + Travel + + + News + + + Meldungen + + + News + + + Meldungen + + + News + + + Meldungen

Myanmar

Auf dem Weg zum Weinland

Das erste Weingut des Landes, Myanmar Vineyard, liegt im

1.300 Meter hoch gelegenen Dorf Aythaya, eine knappe Stunde

vom Inle-See entfernt. Unter Beratung europäischer Önologen

mit Südostasien-Erfahrung importierte der Deutsche Bert

Morsbach 1998 die ersten 3.000 Weinstöcke aus Europa. Der

zehn Hektar große Weinbetrieb ist in eine an die Toskana erinnernde

Landschaft eingebettet mit kalkhaltigen Feldern und

einem gemäßigten Klima. Die erste Flaschenabfüllung erfolgte

im Jahr 2004, exportiert wird seit 2009. 2012 wurden etwa

100.000 Flaschen verkauft, Trend steigend. Gäste können im

die Weine verkosten, essen und herrliche Ausblicke genießen.

Red Mountain ist das zweite Weingut Myanmars, gehört einem Burmesen und wird von einem Franzosen

betrieben. Es liegt 15 Minuten außerhalb von Nyaung Shwe auf einem Hügel mit Aussicht auf die

Stadt und den nördlichen Teil des Inle-Sees. Red Mountain produziert seit 2006 mit neuer Technologie

Rot- und Weißweine, mittlerweile rund 120.000 Flaschen jährlich. Der Erfolg der zwei Weingüter hat

eine Reihe von kleineren Betrieben ermutigt, es ihnen nachzumachen. Eine Liste mit empfehlenswerten

Reiseveranstaltern gibt es über Indochina Services (www.myanmar-tourism.com / www.icstravelgroup.

com/myanmar).

Bewertungen im Netz

Mobiler W-Lan Router

Einen portablen W-Lan Router für Reisen in 29

Urlaubsländer bietet ab sofort HolidayPhone an,

ein Unternehmen für mobiles Internet und Telefonie

für international Reisende. Es bietet nun auch Kunden

mit einem SIM-Lock gesperrten Handy die Möglichkeit,

durch ein gesichertes W-Lan-Netzwerk im

Ausland günstig im Internet zu surfen. Der portable

W-Lan Router im Taschenformat ist ein praktischer

Begleiter zum Surfen am Strand, beim Bedienen des

Navigationssystems unterwegs, beim Übersetzen der

Speisekarte und beim Entdecken des Urlaubszieles mit

Online-Reiseführern. Mehr Infos: holidayphone.de

Es ist ein offenes Geheimnis: In Online-Shops und auf Hotelportalen gibt es gefälschte

Bewertungen und Kommentare. Experten gehen von 20 bis 30 Prozent

aus. Das Risiko, auf Fälschungen zu stoßen, steigt in Online-Shops und auf Portalen,

die Bewertungen und Kommentare ohne vorherige Registrierung zulassen.

Vorsicht ist ebenfalls überall dort geboten, wo Verbraucher Produkte oder Hotels

bewerten können, ohne sie tatsächlich getestet zu haben. Erhält ein Produkt fast

ausschließlich positive Bewertungen und übertriebenes Lob, sollte das stutzig

machen. Allgemeines Lob, ohne jeglichen Bezug zu den Eigenschaften des Produkts

oder der Unterkunft, ist ein weiteres Indiz für erfundene Kommentare. Auch

Formulierungen wie „Die Hotelbar lädt zum Verweilen ein“ stammen vermutlich

eher vom Betreiber als von tatsächlichen Gästen. Echte Nutzer listen hingegen

meist lobenswerte und kritische Punkte von Produkten oder Unterkünften auf und

gehen dabei häufiger ins Detail.

Um nicht die falschen Urteile bei

der Kaufentscheidung oder Buchung

zu Rate zu ziehen, sollten

wenigstens zehn Bewertungen in

verschiedenen Portalen gelesen

werden. Auffällige Aussagen lassen

sich mithilfe einer Google-

Suche überprüfen: Taucht dieselbe

Phrase auf voneinander unabhängigen

Portalen auf, spricht

dies für eine gezielt platzierte,

nicht authentische Bewertung.

Quelle: Sparwelt.de


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04/2013


+ + + News+ + + Meldungen + + + News + + + Meldungen + + + News + + + Meldungen + + + News + + + News + + + Meldungen + + + N

Kulinarische Highlights

Indochinas

Chilischoten, Ingwer und Fischsoße – in

Asien gehören diese Zutaten in zahlreiche

Gerichte. Aber wie bereitet man so ein

Essen richtig zu? Bei der Rundreise von

der Hauptstadt Vietnams zur Hauptstadt

Kambodschas trifft vietnamesische Küche

die Khmer-Küche. Nach der Woche kann der

Asienaufenthalt mit einem Badeaufenthalt in

Vietnam oder Thailand verlängert werden.

Das Paket „Kulinarische Highlights Indochinas“

von Hanoi nach Phnom Penh (7 Tage/6

Nächte) gibt es bis zum 30.09.2013 schon ab

659 € p.P. im DZ. Kontakt: ID Reisewelt, Tel.

03491-407373, www.id-reisewelt.de

Singapore Airlines

Flugmeldung

Surabaya, Denpasar, Bali: Singapore Airlines bietet mehr Flüge

nach Indonesien an, etwa täglich mit dem A330 nach Surabaya,

der zweitgrößten Stadt Indonesiens und die Hauptstadt Ost-Javas.

Nach Jakarta bietet die Fluggesellschaft zurzeit 56 wöchentliche

Flüge an, mehr als zu jeder anderen Destination ihres Netzwerkes.

Nach Denpasar fliegt sie außerdem 21-mal pro Woche. Auch nach

Bali hat sich der Service erhöht.

www.hobomaps.com

Eine sehr interessante und hilfreiche Internetseite

für Kartenmaterial von allen

wichtigen Städten und Regionen in Nordlaos

und dem angrenzenden Thailand.

Auch Radwege sind dort eingezeichnet.

Spendables

Reiseportemonnaie

Schwule und lesbische Reisende

kurbeln die Reiseindustrie an,

denn laut einer aktuellen Studie

der ITB Berlin geben sie im Urlaub

durchschnittlich 57 Prozent

mehr Geld aus als heterosexuelle

Reisende! Dazu wurden 5.700

Personen in den USA zu ihren

Reisegewohnheiten befragt. Die

Tatsache, ob ein Reiseziel sich als

„gay-friendly“ präsentiert, zählt

laut der Umfrage für 40 Prozent

der homosexuellen Befragten zu

den wichtigsten Beweggründen

bei der Wahl der Destination.

Phuket per Harley

Die Ferieninsel hat sich zum Traumziel für Biker

gemausert. Vor Ort gibt es sogar mehrere Harley-

Verleiher, zwei in Patong Beach, einen in Phuket

Town und zwei an der Bypass Road. Die Mietpreise

liegen bei 90 bis 140 Euro am Tag (z.B. West Coast

Ride Thailand, www.ridethailand.com/rent/php).

Ein Biker-Hotel hat der deutschsprachige Nicky

eröffnet (DZ zwischen 40 und 90 Euro), der auch

begleitete Harley-Touren anbietet (ca. 225 Euro).

Kontakt: www.nickyhandlebars.com, Tel. 0066-

89-8669302.

aytour

Ayurveda

in ausgesuchten Häusern in Indien,

auf Sri Lanka und den Malediven

Gönnen Sie sich und Ihrem Körper

einmal etwas besonderes

Ayurvedakuren vom anerkannten

Spezialisten.

• Authentische Ayurvedakuren

• Regelmäßig geprüfte Ayurveda-

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Info unter (08151) 99 87 99-0 • fax-99

Postfach 1827 • 82308 Starnberg

mail: info@aytour.de

net: www.ayurveda-reisen.de

04/2013

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Bildreportage

Wenn die Laoten beten und feiern

Jedes Jahr im Oktober oder November, abhängig vom Vollmondkalender, findet in

Vientiane, der laotischen Hauptstadt, das siebentägige Boun That Luang-Fest statt.

Tausende Laoten umrunden in dieser Festwoche kontemplativ ihr wichtigstes Heiligtum

und vergnügen sich im Anschluss auf dem Jahrmarkt. Am letzten Tag des Festes bedanken

sich die Gläubigen mit der Spendenzeremonie Tak Bat bei den Mönchen für ihren geistigen

Beistand. Dieses Jahr findet das Fest vom 11. bis 17. November statt

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04/2013


Bildreportage

Früh am Morgen versammeln sich die Gläubigen im Innenhof des Heiligtums, um

die sonoren Gesänge der Mönche zu hören. Danach werden die Robenträger bei

der Spendenzeremonie Tak Bat reichlich beschenkt

Ein Novize reiht die gespendeten

Gestecke aus Bananenblättern,

Kerzen, Räucherstäbchen und Tagetes,

der türkischen Nelke, auf

Vor dem Sonnenaufgang illuminieren

Hunderte von Kerzen den That Luang.

Jetzt noch schnell ein paar persönliche

Wünsche an den Religionsstifter

Buddha senden, bevor das gemeinsame

Morgengebet beginnt!

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Bildreportage

Shopping für Buddha: Das Fest bietet nicht nur Gelegenheit, das eigene Karma aufzubesseren, sondern auch die heimischen Schränke zu

füllen. Die Erwachsenen freuen sich über neue Accessoires für den Haustempel, Kinder bekommen Zuckerwatte und Luftballons

Sobald die

Hitze nachlässt,

umrundet jeder

Laote dreimal

den That Luang.

Danach werden

die mitgebrachten

Geschenke und

Gestecke am

Sockel des sakralen

Gebäudes abgelegt

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04/2013


Bildreportage

Geldsegen: Von Luft allein können die Mönche nicht leben! Die gespendeten Geldbäume werden nach dem Fest unter den

Buddha-Jüngern aufgeteilt. Die Novizen müssen sich mit den kleinen Scheinen begnügen

Der inAsien-Buchtipp

Der Berliner Fotograf Mario Weigt

hat unzählige Male die Anrainer-

Staaten des Mekong bereist. Dabei

sind spannende Reportagen und

eindrucksvolle Fotos entstanden,

die er in Bildbänden und Kalendern

veröffentlicht (www.asia-stories.com).

Sein neuer Bildband: Reise durch Laos,

Texte von Hans

H. Krüger, 140

S., 190 Fotos,

Verlagshaus

Würzburg

Stürtz, ISBN:

978-3800340170,

16,95 Euro

Tieren ihre Freiheit zu schenken, bringt Glück. Vögel erfreuen sich besonderer

Beliebtheit, weil sie die Probleme der Menschen weit davon tragen. Nur hat der

Verkäufer vorher deren Flügel gestutzt, um sie wieder einfangen zu können

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Bildreportage

Reiseangebote Laos

Luang Prabang und Umgebung

4-tägige Trekkingtour. Höhepunkte:

Luang Prabang, Ban Thapen. Engl.-spr

RL, Ü/F/M ab 492 € p.P. im DZ, inkl.

Transfers. Antares Asien-Reisen,

Tel. +49 (0)40-999987130,

www.antares-asien-reisen.de

Im Angesicht Buddhas

16-tägige Rundreise. Höhepunkte:

Luang Prabang, Ponsavanh, Vangvieng,

Vientiane, Savannakhet, Tad Lo, Pakse,

Khong Island, Ubon, Bangkok. Dt.-spr.

RL, Ü/F ab 2.545 € p.P. im DZ, inkl. Flug

und Transfers. Auf und Davon Reisen,

Tel. +49 (0)2261-501990,

www.auf-und-davon-reisen.de

Laos komplett

10-tägige Tour. Höhepunkte: Luang

Prabang, Xieng Khuang/Phonsavanh,

Vang Vieng, Vientiane, Pakse, Don

Khong. Dt.-spr oder Engl.-spr. RL, Ü/F

ab 1.292 € p.P. im DZ, inkl. Transfers.

Suntrips, Tel. +49 (0)30-8871170,

www.suntrips.de

Gar nicht so einfach! Auf dem Festplatz versuchen diese festlich gekleideten

Mädchen zwei Vögel aus dem Bambuskäfig zu befreien. Ein Vogel kostet

umgerechnet 70 Eurocent. Für viele Familien ein unerschwingliches Vergnügen

Jeden Morgen ziehen in Laos die Mönche von Haus zu Haus und erhalten von der Bevölkerung Klebreis und Gemüse. Zum Fest wird eher

Geld gespendet, das die Geistlichen zum Erhalt ihrer Klöster nutzen

14 www.inasien.de

Ausführliche Reiseinformationen, Visabestimmungen,

Gesundheitshinweise und aktuelle Kurse asiatischer Währungen

finden Sie unter www.inasien.de

04/2013


Bildreportage

Am Horoskopstand wird ein Bambusrohr so lange geschüttelt, bis eines der 20 nummerierten Stäbchen herausfällt. Für jede Nummer liegt

ein Zettel bereit, auf dem die Zukunft geschrieben steht. Und der darf nicht getauscht werden, auch wenn die Aussichten nicht rosig sind

Diese Kinder warten mit ihren Gaben auf das Spende-Ritual. Laos ist im Verhältnis zur Einwohnerzahl eines der

kinderreichsten Länder in Asien

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+ News + + + Meldungen + + + Tipps & Trends + + + News + + + Meldungen + + + News + + + Meldungen + + + N

Aus Guy Tais wurden Tai Guys

Kleiner Dreher, große Wirkung: In die vergangene Ausgabe

von inAsien hat sich der Fehlerteufel eingeschlichen, was bei

einigen Lesern für Verwirrung gesorgt haben könnte: Anstatt

des Begriffs Guy Tai, der – in Anlehnung an Tai Tai – für

die Ehemänner von weiblichen Führungskräften steht, die

nach China entsandt wurden, war auf dem Cover von den

Tai Guys die Rede. Natürlich haben die Guy Tais in Shanghai

oder Beijing nichts mit Thailand zu tun! Wir möchten uns bei

unseren Lesern für diesen Fehler entschuldigen.

11.-13. Oktober 2013

Kongress: Qigong & Taichi

Japan

Im Schatten des Atoms

Der dritte stilübergreifende Kongress des Deutschen Dachverbands für Qigong

und Taijiquan (DDQT) stellt die Frage, wie die positive Seite von Aggressionen

gelebt und man sich gleichzeitig vor überschießenden Reaktionen schützen kann.

Im umfangreichen Programm mit Vorträgen und zahlreichen Workshops geben

anerkannte Ausbilder des DDQT und Gastdozenten ihr Wissen und hilfreiche

Übungen weiter. Für Lehrende und Praktizierende in Taijiquan und Qigong sowie

andere Fachgruppen aus Gesundheit, Sport und Pädagogik. Anmeldung:

Deutscher Dachverband für Qigong und Taijiquan e. V., Am Leinekanal 4, 37073

Göttingen, Tel. 0551-2019900, www.ddqt.de

Auch wenn es durchaus Positives über Fukushima zu

berichten gibt (siehe Ausgabe 03-2013, S. 61), so haben

seine Bewohner, vor allem Frauen und Kinder, zwei

Jahre nach der Reaktorkatastrophe unter ganz anderen

Nebenwirkungen zu leiden: Familien zerbrechen. Seit

Monaten steigt in der Region die Zahl der Scheidungen

dramatisch an. „Genpatsu rikon“, also „Atomscheidung“,

nennen das Japaner. Frauen sind mit ihren Kindern aus

gesundheitlichen Gründen oft weggezogen, die Männer

blieben wegen der Arbeit. Sind sie auch oftmals schon

wieder zurückgekehrt, so ist die Angst der Mütter vor

den gesundheitlichen Auswirkungen noch immer meist

größer als die der Männer. Wachsendes Unverständnis

zwischen Ehepartnern ist die Folge. Denn auch wenn die

radioaktive Belastung ein nicht gesundheitsgefährdendes

Niveau angenommen haben soll, die psychische Belastung

auf Grund von Unverständnis des Partners bleibt.

Ein weiterer Grund für die gestiegene Scheidungsrate ist

das japanische Sozialrecht: Um die mit den Kindern weggezogene

Frau zur Rückkehr zu bewegen, haben viele

Männer schlicht ihre Unterhaltszahlungen eingestellt.

Job, Wohnung, Kindergartenplatz ecetera bekommen

Frauen in der neuen Heimat jedoch nur dann, wenn sie

alleinerziehend sind, also geschieden.

Bildwörterbuch

Selbst wer vier Sprachen spricht,

kommt irgendwann einmal abseits

ausgetretener Pfade dorthin,

wo man ihn nicht versteht. Dann

hilft das Bildwörterbuch „point

it“ mit 1.300 abgebildeten Gegenständen

zum Deuten. Den

kleinen Helfer im Passformat benutzen

Touristen, UNO-Beobachter,

Sportler bei Olympiaden und

Ärzte in der Sprachtherapie. Die Auflagenstärke seit 1992 beläuft sich auf 2

Millionen Exemplaren! Im Übrigen auch als App erhältlich (point it –Traveller’s

language kit, ISBN: 978-3-980-8802-7-5, 6,90 € (D) / 7,10 € (A) / 11,80 SFr).

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04/2013


ews + + + Meldungen + + + News + + + Meldungen + + + News + +

Naturschutz

Schneeleopard im Grenzgebiet

Schneeleoparden, Luchse, Braunbären, Steinböcke,

Wildschafe und andere seltene Tierarten leben im

Tien Shan, dem Grenzgebiet zwischen Kasachstan

und Kirgistan. Doch noch nie war die Artenvielfalt

in dem Hochgebirge so gefährdet wie heute. Die

wirtschaftliche Not der Bevölkerung nach dem Zusammenbruch

der Sowjetunion führte zu illegalem

Holzeinschlag, Wilderei und Überweidung. Der

Schneeleopard und seine Hauptbeutetiere stehen

kurz vor der Ausrottung. Der Naturschutzbund

Deutschland e.V. (NABU) realisiert nun gemeinsam

mit Projektpartnern vor Ort und mit Unterstützung

des deutschen Bundesministeriums für wirtschaftliche

Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ein

grenzübergreifendes Naturschutzprojekt auf fast

5.000 Flächenkilometern. Die lokale Bevölkerung

soll ebenfalls von dem Projekt profitieren, unter anderem

durch Ökotourismus und nachhaltiges Weidemanagement.

Ein grenzübergreifendes Wegesystem

für Trekking wird die vier Schutzgebiete

verbinden. Infos: www.nabu.de/international

Peking

Graun, Braun, Blau

Wacht man in Peking auf, reibt man sich aus einem sehr konkreten Anlass den sogenannten

Sand aus den Augen. Die nächste Handlung ist nämlich der Blick auf die

örtliche Feinstaubskala, die jede Stunde auf der Webseite der amerikanischen Botschaft

aktualisiert wird. Dann geht es um die Frage: Ist die Luft heute nur ungesund oder

gar schon gefährlich? Bei einem Wert jenseits der 500 lautet die Empfehlung, besser

zu Hause zu bleiben und sich möglichst wenig zu bewegen. Doch auch schon unter

diesem Wert kann die Welt in Peking recht trübselig aussehen, ein Blick wie durch eine

beschlagene Brille. Doch wenn sich die Winde um die Stadt zusammentun, kann man

manchmal auch sein blaues Wunder erleben - Sicht frei!

Sicherheitstipps

Wer vor Betrügern

in Thailand sicher

sein will, sollte die

kostenlose App „Thai

Tourist Police“ nutzen.

Schuhwerk für Vielläufer

China

In Sachen Trinkgeld

Generell gilt: Wer zufrieden ist, gibt gerne etwas mehr. Es gibt

jedoch auch Konventionen im Trinkgeldgeben. Bei Taxifahrten

und in Restaurants gibt man etwa in China kein Trinkgeld. Reiseleiter,

Busfahrer und Kofferträger sind dagegen durch den internationalen

Tourismus an Trinkgeld gewöhnt – und auch darauf

angewiesen. Das bedeutet bei einer Gruppenreise in Zahlen: Pro

Reisegast und pro Reisetag sind 20 bis 30 Yuan für die örtliche

Reiseleitung angemessen. Der Busfahrer sollte mit 10 bis 15 Yuan

pro Reisetag und Reisegast rechnen dürfen. Zur Vereinfachung

führt der ständige Reiseleiter auch häufig eine gemeinsame

Trinkgeldkasse. Von sonstigen Trinkgeldforderungen sollte man

sich nicht nötigen lassen. Denn Trinkgeld bedeutet an sich Zufriedenheit

und bleibt eine Form der Leistungshonorierung.

Mercer CNX heißen Multisport- und Freizeitschuhe

der Marke Keen, die inAsien im asiatischen

Großstadtdschungel getestet hat. Mit

gerade mal 200 bis 250 Gramm pro Schuh hat

man ein leichtes Gehgefühl und viel natürliche

Bewegungsfreiheit der Zehen. Das macht sie

zu einem geeigneten Partner fürs Reisegepäck.

Bewährt hat sich bei langen Lauftagen die

leichte Erhöhung des Fußbettes im Gewölbeund

Vorderfußbereich sowie das in die Zwischensohle

eingearbeitetes EVA-Schaumpolster

zur Dämpfung. Für Touren im Hochgebirge

bleibt natürlich der richtige Wanderschuhe

die bessere Alternative (Keen.CNX-Kollektion,

UVP: 89,95 Euro, www.keenfootwear.com)

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Reise

Thailands Inselwelten

Kaleidoskop für Robinson

Rund einhundert Inseln gehören zum Königreich Thailand. Wie schillernde

Perlen reihen sie sich entlang der Küste auf. Und so bunt wie das Land selbst

ist auch die Vielfalt seiner Inselwelt

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Reise

Ko Yao Noi & Ko Yao Yai

Die einsamen Edlen

F

austgroß sind einige Muscheln,

die sich bei einem morgendlichen

Strandspaziergang entdecken

lassen, das i-Tüpfelchen einer perfekten

Inselkulisse: Buchten und

feinsandige Strände, die sanft ins

türkisblaue Meer übergehen, Kokospalmen

und in der Ferne die

imposanten Kalksteinfelsen, die

das Bild der Phang Nga-Bucht prägen.

Wie im Dornröschenschlaf

lagen hier bis vor einigen Jahren

die Schwesterinseln Ko Yao Noi

und Ko Yao Yai, die „kleine lange

Insel“ und die „große lange Insel“.

Kaum einen Urlauber verschlug es

hierher, und das, obwohl die insgesamt

140 Quadratkilometer umfassende

Inselgruppe nur 90 Bootsminuten

von Phuket entfernt liegt.

Ko Yao Noi ist inzwischen die

bekanntere der beiden muslimisch

geprägten Inseln, die zwar durchaus

touristisch erschlossen sind,

aber immer noch als ideales Ziel

für all diejenigen gelten, die Ruhe

und Abgeschiedenheit suchen. Einige

handverlesene „Hideaways“

mit halboffenen Bungalows direkt

am Strand oder Villen zwischen

tropischen Baumwipfeln liegen im

Südosten von Ko Yao Noi und

erfüllen einem zahlungskräftigen

Publikum genau diesen Wunsch.

Und dennoch lassen die Yao-Inseln

nichts an Ursprünglichkeit vermissen.

Rund 9.000 Menschen wohnen

hier in neun Dörfern, sie leben

hauptsächlich von Kautschukanbau

und der Kokosnussernte.

Ko Yao Noi selbst misst nur 50

Quadratkilometer. Das Inselinnere

ist mit saftig grünem Wald bewachsen.

Das Leben geht hier seinen

Hoteltipp: Six Senses Yao Noi Beyond Phuket, 56 Moo 5,

Tambol Ko Yao Noi, Amphur Ko Yao, Phang Nga 82160, Tel.

+66 (0)76-418500, www.sixsenses.com/SixSensesYaoNoi

gemächlichen Gang. Kinder spielen

auf den Lehmstraßen und nur ab und

an streift ein Wasserbüffel zwischen

den Banyan-Bäumen umher.

Während Reisfelder und dichte

Mangrovenwälder das Bild an der

flachen Westküste prägen, wartet

die Ostküste mit wahrhaften Bilderbuchstränden

auf, wie etwa dem

Tub Kaek Beach und dem Long

Beach, eben solche mit großen pastellfarbenen

Muscheln und bunten

Fischen – fast wie aus einem kitschigen

Disneyfilm.

Um so abwechslungsreicher, wenn

man diesem Robinson Crusoe-Idyll

auch mal entfleuchen kann, etwa

mit einem Mountainbike gen Inselhauptort

Ban Yai. Dort lässt es sich

in einem der kleinen Garküchen an

einem Plastiktisch gut sitzen, um

auf Beobachtungsposten zu gehen:

Vorbei ziehen Teenie-Mädchen mit

bunten Kopftüchern und im Garküchenfernsehen

eine kitschige Thai-

Soap mit einer Protagonistin in

bodenlangem Kleid und wehendem

Haar am Strand. Ihr Liebster hält

ihr schmachtend die Hand. Aber

das ist ja nur ein Traum – stimmt

nicht! Denn Ko Ya Noi ist nicht nur

im Film (fast) zu schön, um wahr

zu sein.

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www.inasien.de 19


Reise

S

Ko Lanta

Entspannen und genießen

ie sehen aus wie eine Mischung

aus Mofa und bunter Eisbude – die

typischen, stets präsenten und äußerst

farbenfrohen Tuk Tuks auf

Ko Lanta Yai. Sie sammeln die mit

der Fähre von Phuket oder Krabi

angereisten Urlauber in Ban Saladan

im Norden der Insel ein und tuckern

dann gemächlich die Hauptstraße an

der 25 Kilometer langen Westküste

entlang. Besucher bekommen dann

gleich einen guten Überblick über

Hoteltipp: Layana Resort

& Spa, 72 Moo 3

Phra-Ae Beach, Saladan,

Ko Lanta 81150,

www.layanaresort.com

die bunten Buden, die cremige Currys

oder scharfe Tom Yum-Suppe

anbieten. Über die Internet-Cafes,

aus deren Lautsprechern der gute

alte Reggae dröhnt, sowie über

die kleinen, oft familiengeführten

Resorts, in denen man sich für erschwingliches

Geld auch heute noch

seinen Inseltraum erfüllen kann.

Und genau das sollte man auf Ko

Lanta tun: Ein Bambusbungalow

mit Van am ruhigen Khlong Nin

Beach, eine kleine Terrasse mit

Hängematte, ein gut gekühltes Singa-Bier

und oben die Sonne, die

langsam in der von flachen Felsen

durchzogenen Bucht untergeht. Was

man mehr will? Ein Moped. Und

zwar um das bewaldete Inselinnere

und die Ostseite zu erkunden,

wo praktisch alle der rund 20.000

meist muslimischen Inselbewohner

leben. Wer Lust hat, kann hier mit

Guide die beiden Höhlenkomplexe

der Insel erforschen, sich auf ein

gemäßigtes Trekking durch den mit

Dschungel bedeckten Lanta Island

National Park begeben oder sich

mit seinen Kindern auf einen Elefantenrücken

schwingen.

Nach einem Elefantenritt ist es

einem jedoch nicht zumute, wenn

man die holprige Straße mit tiefen

Schlaglöchern nach Ban Saladan

fährt, vorbei an verschlafenen Fischerdörfern

und durch bewaldete

Landschaften, bis man mitten im

Trubel der Marktstände landet. An

einem Stand riecht es verführerisch

nach gegrillten Fischbällchenspießenden.

Daneben bietet eine Händlerin

ein einziges Gericht an: hausgemachte

Phat-Thai-Nudeln, zubereitet

mit viel Liebe zum Detail und

noch mehr eingelegten Chilis. Eine

außergewöhnlich feurige Angelegenheit,

nach der ein brennender

Gaumen noch lange mit diversen

Getränken gekühlt werden muss.

Die Strände sind gesäumt von

kleinen, gemütlichen Strandbars.

Hier lässt es sich prima im Sand auf

einem der typischen Dreieckskissen

lümmeln und bei fruchtigen Drinks

auf die bunten Lampions oder in

den Sternenhimmel schauen.

20

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T

Ko Chang

Wandern an Wasserfällen

hailands zweitgrößte Insel nach

Phuket hat die Silhouette eines Elefanten,

weswegen sie auch gerne

„Elefanteninsel“ genannt wird. Die

rund 300 Kilometer südöstlich von

Bangkok in Zentralthailand gelegene

Insel wurde zusammen mit 51

Nachbarinseln 1982 zum Ko Chang

Marine-Nationalpark erklärt und

ist bis heute eine tolle Destination

für all jene, die Strandurlaub

mit Tauchausflügen und Trekking

im Regenwald kombinieren wollen.

Denn immerhin ist der Khao Salak

Phet, der höchste Berg der Insel,

ganze 744 Meter hoch. Mit einem

ortskundigen Führer lassen sich die

großen Dschungelgebiete im Inselinneren

entdecken, etwa mit dem

netten Arun, mit dem die schweißtreibenden

Touren zu einem echten

Naturerlebnis werden. Mit etwas

Glück lassen sich auch ein paar freche

Makaken oder Weißhand-Gibbons

zwischen dem dichten Grün

erspähen. „Leise sein und immer zu

den Baumwipfeln hinaufschauen“,

ist Aruns Tipp.

Zu Ko Changs größtem Wasserfall

Than Mayom führt während der

Regenzeit ein kurzer, aber ziemlich

glitschiger Wanderpfad. Wanderpfade

können sich zu dieser Zeit in re-

gelrechte Schlammrinnen verwandeln,

bei denen der Blick wohl besser

konzentriert dem Boden als den

Baumwipfeln verhaftet bleibt. Sei‘s

drum. Begleitet von Vogelgezwit-

Reise


Reise

scher und dem freudigen Juchzen

einiger thailändischer Mitstreiterinnen

gelangt man ebenso ans rauschende

Ziel um eine lange Rast im

erfrischenden Nass einzulegen.

Wer sich mehr in den blauen Wellen

als zwischen grünen Blättern zu

Hause fühlt, findet auf Ko Chang

ebenfalls einige Anlaufpunkte. Zwar

sind viele der endlosen Strände im

Westen der Insel nicht mehr so einsam

wie noch vor fünf Jahren, doch

am Klong Prao oder am Lonely Beach

ist das Strandleben noch immer

sehr geruhsam.

Mit dem Boot lässt sich die kleinere

Nachbarinsel Ko Mak ansteuern,

deren vor den weiten Sandstränden

und Buchten gelagerten Korallenriffe

im Westen Schnorchlern

faszinierende und fischreiche Unterwasserszenarien

bieten. Die Höhlen

lassen sich am besten mit dem Kajak

erkunden. Und falls die Ebbe gerade

einmal besonders niedrig ist, kann

man sogar zu Fuß zur Nachbarinsel

Ko Kam hinüberwandern und sich

dort unter einer Kokospalme in den

warmen Sand legen.

Hoteltipp: Amari Emerald

Cove Ko Chang.

88/8 Moo 4, Tambol

Ko Chang, Amphur Ko

Chang 23170, Tel. +66

(0)3955-2000, http://

de.amari.com/emeraldcove

S

Die Similan-Inseln

Unbewohntes

Taucherparadies

elbst wer ein waschechter

Schnorchel- bzw. Taucheranfänger

ist: Auf den Similan-Inseln

braucht man nur zwei Meter in die

Tiefe zu tauchen, um eine faszinierende

Unterwasserwelt beobachten

zu können, darunter Krabben,

Riesenmuscheln und Tintenfische

sowie eine Vielzahl an Korallenfischen

in allen Farbschattierungen,

die in fast greifbarer Nähe entlang

der Riffe schwimmen. Bei dem

22

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04/2013


Six Senses Resorts & Spas

Lassen Sie sich inspirieren

Erleben Sie Asien von seiner nachhaltigsten Seite. Idyllisch, inmitten üppiger Gartenanlagen

können Sie Ihr privates uns sehr authentisches Refugium geniessen. Einzigartige Wellnessanwendungen

runden einen unvergesslichen Urlaub ab.

KOH SAMUI

Six Senses Samui |||||

Dieses Resort bietet ein Maximum an Privatsphäre, denn die

Villen liegen inmitten eines unberührten Dschungels und bieten

einen atemberaubenden Panoramablick über den Golf von Siam.

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Pro Person im DZ (Hideaway Villa) ab € 655

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KOH YAO NOI

Six Senses Yao Noi ||||||

Das Resort liegt inmitten der pittoresken Phang Nga Bay. Die

großzügigen Pool Villen verteilen sich über die gesamte

Anlage: am Strand, auf dem Hügel und im tropischen Regenwald.

Nächte inkl. Frühstück

Pro Person im DZ (Hideaway Pool Villa) ab € 810

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Flug nach Phuket Pro Person ab € 748

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Reise

Unsere Autorin

Die Reisejournalistin und Buchautorin

Susanne Wess bereist Thailand seit über

15 Jahren. Veröffentlicht hat sie bereits

in zahlreichen Print- und Onlinemedien.

Ihre aktuellen Reiseerlebnisse hält sie

u.a. in ihrem Blog fest: susannewess.de

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klaren Wasser sind selbst in der

Ferne schwimmende Mantas zu erspähen.

Die Similan-Inseln bestehen aus

insgesamt neun mit tropischem

Dschungel bedeckten Granitinseln,

die namentlich einfach durchnummeriert

werden. Die Gruppe der

Similan-Inseln in der Andamanensee

bildet zusammen mit zwei

weiteren Inseln den Nationalpark

Mu Ko Similan. Das kristallklare,

in allen Grün- und Türkistönen

schillernde Meer gilt als eines der

besten Schnorchel- und Tauchreviere

der Welt. Unterwasserfreaks

bekommen hier Mantas, Barrakudas,

Leopardenhaie und unzählige

Fischschwärme zu sehen, die in

allen Farben schillern. Als Tipp: Ko

Payu, die „Insel Nummer sechs“,

besitzt an ihrer östlichen Seite eine

der artenreichsten Tauchstellen.

Die unzähligen Korallenriffe

und bizarren Felsformationen, etwa

der bekannte Christmas Point

am nordwestlichen Ende von Ko

Bangu (Insel Nummer neun) sind

glücklicherweise vom Tsunami im

Jahr 2004 kaum zerstört worden.

Auch der Tourismus scheint hier

nachhaltig betrieben zu werden.

Besucher sind nur in naturverträglicher

Zahl erwünscht, worauf die

wenigen Übernachtungsmöglichkeiten

deuten. Nur auf Ko Miang

(Insel Nummer vier) hat die Nationalparkverwaltung

ein kleines

Informationszentrum eingerichtet.

Für Urlauber stehen insgesamt 25

von der Verwaltung betriebene und

klimatisierte Bungalows zur Verfügung.

Ansonsten gibt es nur einen

Kaufladen, ein Thai-Restaurant

und einen Bootsverleih. Und wer

Strandbars, ein reges Nachtleben

oder Ähnliches sucht, der ist hier

ohnehin fehl am Platz. Denn das

denkbar Spannendste läuft hier unter

Wasser ab.

Hoteltipp: Auf den Similan-Inseln gibt es nur die von der Inselverwaltung

zur Verfügung gestellten 25 Bungalows, die sehr

einfach ausgestattet sind. Für Taucher werden Bootsübernachtungen

angeboten, etwa über www.seadragondivecenter.com.

Hier kosten 3 Tage an Bord (2 Nächte) bei max. 8 Gästen an

Bord 315 € plus 30 € Nationalparkgebühr.

24 www.inasien.de

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finden Sie unter www.inasien.de

04/2013


SPE Z IAL

Unterwegs in Indochina

crissam 42_flickr.com

ethan crowley_flickr.com

Christian Haugen_flickr.com

„Indochine“ nannten die Franzosen ihre Kolonien Vietnam, Laos und Kambodscha, deren Souveränität

erst auf der Genfer Konferenz 1954 anerkannt wurde. Zwar währte auf sie der kulturelle Einfluss Indiens

und Chinas mehrere Jahrhunderte lang, doch sind sie alles andere als eine politische und kulturelle

Einheit. InAsien hat sich ihnen auf mobile Weise genähert – zu Fuß zu den Bergvölkern Kambodschas,

per Fahrrad in Vietnam und in windigen Höhenflügen auf laotischen Baumgiganten.

INHALT

Kambodschas Nordosten

Die Geisterstädte der Bergdörfer ..............................S. 26-31

Von Hanoi nach Saigon

Vietnam per Fahrrad ............................................................S. 32-34

Laos: Das Bokeo-Naturschutzgebiet

Höhenflüge von Wipfel zu Wipfel ...........................S. 36-40

Pigalle_flickr.com


Spezial - Indochina

Kambodschas Nordosten

Die Geisterstädte der Bergvölker

Die Gruppe ist schon am Morgen blau. Zu viel Reiswein hat sie in einen Rausch

versetzt, jetzt machen sie schräge Musik und umzingeln eine Kuh, die sie gleich

in einem blutigen Ritual opfern werden. Warum? Weil ein Mann seit Tagen an

Bauchweh leidet. In solchen Fällen vertrauen die Bergvölker in Kambodschas

Nordosten nicht dem Arzt, sondern ihren Geistern

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Spezial - Indochina

Eine Handvoll Edelsteine kostet kaum mehr als zehn

Dollar. Rund um Ratanakiris Haupstadt Banlung haben

Edelsteinsucher den roten Boden durchlöchert

Die faltige Wunderheilerin, deren

nackter Oberkörper nur

spärlich von ein paar Ketten

und Lederriemen verdeckt wird,

springt auf und ab. Sie gluckst und

jauchzt, ihre Helfer hämmern auf

große Gongs ein, der Kreis um die

Kuh wird immer kleiner. Erst ritzen

sie dem Rind die Kniegelenke auf,

bis die arme Kreatur zu Boden

sinkt. Dann rammen sie ein Bambusrohr

in den Hals, damit das Blut

in eine Schüssel fließt. Das Tier soll

stellvertretend sterben, damit der

kranke Mann nicht sterben muss.

Ratanakiri liegt zehn Busstunden

von Phnom Penh entfernt, doch

zwischen der boomenden Hauptstadt

Kambodschas und der am

wenigsten entwickelten Provinz des

Landes liegen Welten. Die Staatsreligion

Buddhismus hat es nie bis

in die dicht bewaldeten Berge geschafft,

in Ratanakiri herrscht der

Glaube an Naturgeister. Die Menschen

sind klein, haben eine dunkle

Haut und sprechen kein Khmer.

Zu den entlegenen Dörfern

Die meisten der 150.000 Einwohner

Ratanakiris – weniger als ein Prozent

der Gesamtbevölkerung Kambodschas

– gehören Minderheiten

an. Die autark lebenden Bergvölker

der Khmer Loeu leben zurückgezogen

und mit wenig Einfluss aus

der restlichen Welt. Noch. Denn

während sich bislang nur einige

Trekkingtouristen und christliche

Missionare zu den Dschungeldörfern

vorkämpften, ist die Region

seit dem Ausbau der Nationalstraße

78 auch ins Visier skrupelloser Geschäftsleute

geraten. Landnahme,

illegale Abholzung und Wilderei

bedrohen das artenreiche Naturparadies,

bevor Reisende es überhaupt

als neues Ziel für den Ökotourismus

entdecken können.

Drei Kilometer nordöstlich der

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Spezial - Indochina

In jedem Dorf der Khmer Leou leben 20 bis 60 Familien in einfachen Holzhäusern, die auf Stelzen stehen. Die Mädchen

ziehen mit 13 Jahren in winzige Hütten außerhalb der Familienbleibe, damit heiratswillige Männer sie begutachten können

kargen Provinzhauptstadt Banlung

liegt der kreisrunde Vulkansee

Yaklom. Er hat einen Durchmesser

von 720 Metern und ist 48 Meter

tief. Die Khmer Loeu betrachten ihn

als heilig, die Touristen betrachten

ihn als Badeplatz mit kristallklarem

Wasser. Denn eine Reise durch

Ratanakiri ist immer ein schmutziger

Job. In der Trockenzeit ist

alles durch den roten Staub der

schlechten Straßen bedeckt, von

Juni bis Oktober verwandelt dann

der Regen alle Wege in rotbraune

Langboote sind in vielen Gebieten Ratanakiris die bessere Alternative zu Autos und

Motorrädern. Viele Straßen sind schlecht und werden in der Regenzeit zu Schlammpisten

Schlammpisten. Oft ist es sicherer,

Motorräder und Geländewagen bei

ihren Verleihern stehenzulassen

und auf Langboote oder geführte

Trekkingtouren zu setzen, um entlegene

Dörfer zu erreichen.

Das einfache Leben der

Khmer Loeu

Meist leben 20 bis 60 Familien in

einem Dorf. Ihre Hütten aus Bambus,

Rattan und Holz stehen rund

um das zentrale Gemeindehaus.

Neben den Hütten gibt es winzige

Stelzenbauten. Darin wohnen die

Töchter der Familien ab ihrem 13.

Lebensjahr, damit pubertierende

Jungs aus Nachbardörfern um sie

buhlen können. Spätestens mit 16

Jahren heiraten sie und bringen

traditionell zehn bis zwölf Kinder

zur Welt. Jedes fünfte davon stirbt

noch vor seinem fünften Geburtstag.

Nirgendwo in Kambodscha ist

die Kindersterblichkeit so hoch wie

in Ratanakiri. Krankenhäuser sind

selten, und wo es sie gibt, vertraut

28

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Spezial - Indochina

ihnen keiner oder sie sind zu teuer.

Die traditionellen Friedhöfe der

Khmer Loeu sind für westliche

Besucher tabu. Nur wenige Dörfer

wie Ka Choan genehmigen gegen

Asien_Kambodscha2013_InAsien1111.qxd 27.05.2013 12:07 Seite 1

Geld und in Begleitung eines lokalen

Reiseführers den Zutritt. Die

kleinen Geisterstädte inmitten des

Dschungels haben immer genauso

viele Gräber wie Hütten im Dorf.

Jede Familie unterhält ihr eigenes

Grab und schmückt es – je nach

finanziellen Möglichkeiten – mit

bemaltem Metalldach und großen

Wächterfiguren aus Holz. Einige

Figuren tragen angedeutete Sonnenbrillen,

Kameras oder Handys.

Die Familien haben sich von den

Touristen inspirieren lassen.

Das Leben in den Dörfern ist hart

und einfach. Die Familien leben von

der Jagd, züchten Vieh und bauen

Bergreis an. Der wird gedünstet

und nicht gekocht. Verstärkt ernten

sie auch Mangos, Cashewnüsse

und Tabak, um etwas mehr Geld

zu verdienen und sich irgendwann

das eigene Motorrad oder einen

Fernseher kaufen zu können. In der

Hauptstadt Phnom Penh bewerben

Reiseagenturen die Region Ratanakiri

gern mit Fotos von bunten

Trachten oder barbusigen Frauen.

Doch die traditionelle Lebensweise

findet man nur noch in sehr entlegenen

Dörfern. Wickelgewänder,

Jeans und T-Shirts bestimmen auch

UNSER AUTOR

Michael Scholten (im Bild auf

einem Friedhof in Ratanakiri) bereiste

123 Länder, bevor er sich 2009 für Kambodscha

als seine neue Heimat entschied.

Der gebürtige Niederrheiner ist

Chefredakteur der Kambodschanischen

Allgemeinen Zeitung (k-a-z.info), der

ersten deutschsprachigen Zeitung des

Königreichs, und lebt mit seiner khmerdeutschen

Familie in Phnom Penh.

die Mode in Kambodschas Bergen

nahe Vietnam und Laos.

Vergessen von der Regierung

Die geographische Lage machte

die Khmer Loeu über Jahrhunderte

zu Sklaven vieler Herrscher. Die

Unvergessliche Momente in Kambodscha – mit REISE KNOW-HOW!

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Spezial - Indochina

Reiseangebote

Kambodscha

Faszination Kambodscha

16-tägige Rundreise. Höhepunkte: Phnom

Penh, Siem Reap, Kratie, Mekong Island,

Stung Treng, Koh Ker, Battambang.

Dt.-spr RL, Ü/F ab 2.695 € p.P. im DZ,

inkl. Flug und Transfers. Auf und Davon

Reisen, Tel. +49 (0)2261-501990,

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Kambodscha auf neuen Pfaden

14-tägige Rundreise. Höhepunkte: Siem

Reap, Angkor, Tuk Tuk, Phnom Penh,

Kratie, Rattanakiri. Dt.-spr. RL, Ü/F/M ab

3.599 € p.P. im DZ, inkl. Transfers. Asien

Special Tours, Tel. +49 (0)89-1270910,

www.vietnam-special-tours.de

Wer trotz der schlechten Straßen in Ratanakiri und der Nachbarprovinz

Mondulkiri auf Verkehrsmittel setzt, braucht große Reifen, gutes Sitzfleisch und

viel Geduld. Oft wird auf den Pisten illegal geschlagenes Holz abtransportiert

Verborgenes Ratanakiri

6-tägige Rundreise. Höhepunkte: Phnom

Penh, Banlung, Ratanakiri, Einblick in das

Dorfleben der Kambodschaner. Engl.-spr.

RL, Ü/F ab 614 € p.P. im DZ, inkl.

Transfers. Antares Asien-Reisen,

Tel. +49 (0)40-999987130,

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französische Kolonialmacht (1867-

1953) befreite sie von diesem

Schicksal, doch König Norodom

Sihanouk startete in den 1950er

Jahren eine wenig zimperliche

Kampagne, die alle Bergvölker zu

„richtigen“ Kambodschanern umerziehen

sollte. 1969 und 1970 verwüsteten

US-Bomber große Teile

Ratanakiris, um den Ho-Chi-Minh-

Pfad der Nordvietnamesen zu unterbrechen.

Und schließlich stürzten

die Roten Khmer, die in Ratanakiri

ein Hauptquartier errichteten, ganz

Kambodscha ins Unheil.

Bis heute hat sich das Königreich

nur langsam und Ratanakiri überhaupt

nicht von diesen historischen

Rückschlägen erholt. Von der Regierung

vergessen, war die Region

bis vor zwei Jahren besser von Vietnam

aus erreichbar als von Phnom

Penh. Erst jetzt ist die Nationalstraße

gepflastert, doch Schulen und

Krankenhäuser sind weiterhin nur

ein Anliegen der internationalen

Hilfsorganisationen im Land.

Die Provinzhauptstadt Banlung

mit ihrem stillgelegten Flugplatz

bietet kaum etwas, das einen Besuch

lohnt. Doch auf den staubigen Ort

konzentrieren sich die Reiseagenturen,

einige Läden und Restaurants,

eine Filiale der Acleda-Bank

und immer mehr Unterkünfte für

Touristen. Das Banlung Guesthouse

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Spezial - Indochina

am Marktplatz hat einfachste Zimmer

für wenige Dollar, das Sovann

Kiri an der Nationalstraße 78 bietet

bescheidenen Luxus für 15 bis 20

Dollar. Unbestrittener Platzhirsch

ist seit Jahren die Terre Rouges

Lodge. Ein französischer Auswanderer

hat eine alte Kolonialvilla am

Kanseng-See zu einer exklusiven

Anlage mit Swimmingpool umgebaut.

Die Zimmer sind mit 40

bis 120 Dollar ähnlich teuer wie

die Ausflugsprogramme der Lodge

mit hervorragenden englischsprachigen

Reiseleitern. Doch im guten

Restaurant des Haupthauses finden

auch preisbewusste Reisende empfehlenswerte

Gerichte.

Ökotourismus und Wilderei

Der Name Ratanakiri ergibt sich

aus der Kombination der Sanskrit-

Wörter ratna (Edelstein) and giri

(Berg). Entsprechend drehen sich

die meisten Tagestouren um diese

beiden Elemente. Bay Srok ist eine

der bekanntesten Edelsteinminen

und liegt 35 Kilometer östlich von

Banlung. Der Boden ist übersäht mit

bis zu ein Meter breiten und zwölf

Meter tiefen Löchern. Sie werden

mit Körben ausgehoben, wobei leider

auch immer wieder Kinder als

Arbeiter zum Einsatz kommen. Eine

Handvoll Halbedelsteine kostet

den interessierten Besucher circa

zehn Dollar.

Vorbei an Kautschukplantagen,

die vor einem halben Jahrhundert

von den Franzosen angelegt wurden,

führt die Fahrt zu vielen sehenswerten

Wasserfällen. Hauptattraktion

ist der 18 Meter hohe

Chha Ong, hinter dem sich eine

begehbare Höhle verbirgt. Der sieben

Meter hohe Kan Chang und der

zehn Meter hohe Ka Tieng locken

mit kleinen Badeseen.

Gezähmte Arbeitselefanten, die

auch bei Trekkingtouren der Touristen

zum Einsatz kommen, sind

leider oft die einzigen größeren

Tiere, die ein Besucher in Ratanakiri

zu Gesicht bekommt. Die einst

artenreichste Region Kambodschas

Jede Familie unterhält in einer dorfnahen Geisterstadt ein Grab mit großen

Wächterfiguren und einem Dach zum Schutz gegen die Regenfluten

leidet an den Folgen der Wilderei.

Während es unter der Schreckensherrschaft

der Roten Khmer ums

nackte Überleben der hungernden

Menschen ging, landen die Tiere

des Urwalds heute oft in Feinschmeckerlokalen.

Jeder Reiseleiter

weiß von teuren Restaurants

zu berichten, in denen sich reiche

Politiker, Polizeichefs und ranghohe

Militärs Eidechsen, Singvögel,

Schildkröten und Dammwild servieren

lassen.

Das sind dieselben korrupten

Machthaber, die einerseits sanften

Ökotourismus in Ratanakiri propagieren

und andererseits viel Geld

kassieren, um den illegalen Holzschlag

in ihren Urwäldern zu tolerieren.

In den letzten zehn Jahren

ist die Zahl der Touristen in Ratanakiri

von 6.000 auf weit mehr als

120.000 gestiegen. Die verbesserte

Infrastruktur Kambodschas und die

erhöhte Sicherheit durch geräumte

Blindgänger aus dem Vietnamkrieg

locken immer mehr Besucher in das

hügelige Dreiländereck zwischen

Kambodscha, Vietnam und Laos.

Doch selbst geschützte Zonen wie

der riesige Virachey-Nationalpark

blicken einer ungewissen Zukunft

entgegen. Mehrtägige Treckingtouren

durch den Urwald mit dem Besuch

von Dörfern, Geisterstädten

und Wasserfällen vermitteln aktuell

noch den Eindruck einer unberührten

Natur und Lebenskultur. Doch

die Idylle wird immer öfter durch

den Klang von Motorsägen, den

Geruch von Brandrodung und den

Anblick von Tierfallen gestört.

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Spezial - Indochina

Vietnam auf zwei Rädern

Von Hanoi nach Saigon

Der Verkäufer im Fahrradladen schaut

ungläubig: „5.000 Kilometer mit dem Fahrrad

durch Südostasien?“ Und tatsächlich braucht

es nicht viel, um diese Strecke zu bewältigen

- ausser dem Faktor Zeit

Der Verkäufer im Dresdner Fahrrad-

Discounter ging kopfschüttelnd

zu seinem besten Rad, Marke

Barrakuda, hergestellt in den ehemaligen

DDR-Mifa-Werkstätten

in Chemnitz. Für den Preis von

400 Euro pro Fahrrad gab er noch

Satteltaschen, einen stabilen Gepäckträger

und Reifen mit Keflarschicht

dazu, damit wir auf Asiens

32

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Spezial - Indochina

Huckelpisten nicht sofort mit einem

Platten schlapp machen würden.

Meine Reisepartnerin Yvonne und

ich hatten für sechs Monate Radtour

jeweils 3.000 Euro zur Verfügung,

inklusive Flug und Rad. Mit

unseren nagelneuen Barrakudas

rollten wir also stolz aus dem Laden.

Unsere Individual-Tour durch

Vietnam konnte beginnen.

Steig´ ein, steig´ aus

Das „Land der Drachensöhne“ individuell

zu bereisen, bedeutet immer,

den Annehmlichkeiten und

Verlockungen der modernen Tourismusindustrie

zu widerstehen. In

Vietnam kann es passieren, dass

die Fahrt mit einem abgewetzten

lokalen Linienbus teurer wird als

eine komplette Tour, die eine der

einschlägigen Reiseagenturen für

Backpacker zusammengestellt hat.

Das beste Beispiel für solch ein

Kuriosum ist das sogenannte Open-

Tour-Ticket. Hier ist der Reisende

mit bequemen, klimatisierten Reisebussen

unterwegs. Die Tour führt

1.800 Kilometer von Hanoi nach

Saigon oder umgekehrt. Unterwegs

kann man jederzeit seine Reise unterbrechen.

Eine tolle Sache, sollte

man meinen, zumal solch ein Ticket

umgerechnet nur etwa 25 Euro kostet.

Der Haken daran: Man kommt

kaum mit Vietnamesen in Kontakt.

Jeden Tag bricht eine Flotte

von Bussen auf und bringt die

vermeintlichen Individualtouristen

wahlweise nach Norden oder Süden.

Unterwegs halten die Busse

bei kleinen Hotels an, in denen man

gut und günstig übernachten kann.

Selbstverständlich kann man sich

auch individuell ein Hotel suchen,

aber wenn man eh schon bis vor

die Tür gefahren wird und dann

auch noch der Preis stimmt, macht

sich kaum einer diese Mühe. Im

Hotel werden dann Ausflüge in die

nähere Umgebung angeboten, deren

Preise kaum zu unterbieten sind.

Einmal mehr drückt die Masse den

Preis nach unten. Würde man einen

vergleichbaren Ausflug privat per

Mitten in Saigon: Der rund 70 Jahre alte Bus ist noch heute im Einsatz und

erinnert an die Zeit der französischen Kolonialherren

Kilometer 1.964: Kurz vor Saigon auf der Nationalstrasse Nr. 1. Die Hauptstadt

Hanoi liegt schon längst im Rücken

Moped unternehmen, wäre er dreimal

so teuer.

Vorab-Training unnötig

Tags darauf geht es also mit dem

vorgebuchten Reisebus weiter in

die nächste Stadt, wo sich das Prozedere

wiederholt. Am Ende wird

der vermeintliche Individualtourist

aus dem Touristenfleischwolf gespuckt

und ist enttäuscht von Vietnam.

Das hatte er sich alles viel

authentischer vorgestellt. Der Tipp:

Hände weg vom Open-Tour-Ticket!

Besser ist eine Kombination aus

einheimischen Bussen, Zug und

preiswerten Inlandsflügen. Und wer

es sportlich mag, kann für einzelne

Etappen auch ein Fahrrad mieten.

Denn selbst für Untrainierte ist eine

Radtour durch Vietnam problemlos

Unser Autor

Thomas Kropff, 42, bereist seit

20 Jahren Asien, arbeitet als

Fotograf und Vortragsreferent.

Der Dresdner fuhr mit dem

Fahrrad 5.000 Kilometer durch

Vietnam, Kambodscha, Thailand

und Laos. Seit 2005 konzipiert und leitet

er Aktivreisen durch Südostasien

(www.thomas-kropff.de).

04/2013

www.inasien.de 33


Spezial - Indochina

Reiseangebote

Vietnam by bike

Per Rad durch Zentralvietnam

5-tägige Rundreise. Höhepunkte:

Danang, Hoi An, Hue, UNESCO

Weltkulturerbe Städtchen Hoi.

Dt.-spr RL, Ü/F ab 422 € p.P.

im DZ, inkl. Transfers. Suntrips,

Tel. +49(0)30-8871170, www.suntrips.de

Erlebnis Mekong-Lodge

3-tägige Rundreise. Höhepunkte:

Saigon, Cai Be, 2 Übernachtungen in der

Mekong Lodge. Dt.-spr. RL, Ü/F/M/A

ab 330 € p.P. im DZ, inkl. Transfers.

Reisefieber, Tel. +49 (0)6021-306533,

www.reisefieber.net

Vor allem abseits der Hauptstrassen trifft man immer wieder auf kuriose, aber

auch effektive Transportmittel

Schulz Aktiv Reisen: Deutscher Anbieter

für interessante Touren in Kombination

mit Trekking, Radfahren, Segeln, Kajak,

Kultur, Erholung, Tel. +49 (0)351-266

255, www.schulz-aktiv-reisen.de

Zwei sehr professionelle Anbieter in

Vietnam, die auch Räder ausleihen ohne

Tourenbuchung:

Vietnam Bicycle (Hoi Anh):

Tel. +84 510-3864362,

www.vietnam-bicycle.com

Vietnam Bike Tours (Ho Chi Minh-City):

Tourenangebot in ganz Vietnam sowie

Thailand, Kambodscha, Laos,

Tel. +84-8 665 303 72,

www.vietnambiketours.com

möglich. Man sollte sich nur vorher

mit seinem Reisepartner darüber

einig werden, welchen Stellenwert

das Fahrrad einnimmt: Ist es nur

die aktive und günstige Alternative

zu anderen Fahrzeugen oder soll es

einen ganz individuellen Zugang

zum Land verschaffen?

Eines ist auf jeden Fall sicher:

Es gibt kein anderes Fortbewegungsmittel,

durch das man mit

so vielen Menschen in Kontakt

kommt und ein Land so intensiv

erlebt. Die schönsten Strecken

sind die, die weit entfernt von der

Nationalstraße 1 liegen, also der

Hauptverkehrsader von Vietnam.

Sehr schöne Bergetappen gibt es in

der Nähe von Da Lat. Zudem gibt es

Fahrradtouren im Mekong-Delta,

allerdings bei in der Regel großer

Hitze. Gästehäuser in größeren

Städten verleihen Fahrräder. Das

Problem ist nur, dass man sie auch

am selben Ort wieder abgegeben

muss. Wer immer nur vorwärts und

nie zurück fahren will, muss also

sein eigenes Fahrrad mitbringen, in

Vietnam kaufen oder eine offizielle

Tour buchen.

Übernachtet werden kann in

einfachen Unterkünften oder auch

in buddhistischen Klöstern, denn

Mönche geben jedem Wanderer oder

Radler eine Herberge für die Nacht.

Offiziell kostet das zwar nichts,

aber die Höflichkeit gebietet, dem

Kloster eine kleine Spende zu hinterlassen.

Was man dafür erwarten

darf, sind in der Regel zwei Matzratzen

in spartanisch eingerichteten

Zimmern. Und kleiner Tipp: Als

Frau sollte man darauf achten, einen

Mönchen nicht zu berühren.

Die Verständigung in Klöstern, die auch Übernachtungsmöglichkeiten bieten,

ist kein Problem. Die meisten Mönche sprechen Englisch

34 www.inasien.de

Ausführliche Reiseinformationen, Visabestimmungen,

Gesundheitshinweise und aktuelle Kurse asiatischer Währungen

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04/2013


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Datum, Unterschrift IA 04-13


Spezial - Indochina

Höhenflüge in Laos

Schwankende Baumgiganten, spektakuläre Aussichten, stille Augenblicke. Die

„Gibbon Experience“ im Bokeo-Naturschutzgebiet bietet eine einzigartige Mischung

aus Adrenalinexplosionen, während man an schwindelerregenden Seilbahnen durch

den Himmel gleitet, idyllischen Momenten in Baumhäusern mitten in den Wipfeln des

Regenwalds und dem Wissen, dass bei all dem Tier und Wald geschützt werden

36

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04/2013


Spezial - Indochina

Bei Windstößen wiegt sich der Baumriese

träge hin und her wie ein

schwankender, alter Mann. Es gibt

keine Fenster, Türen oder Wände,

nur Freiheit und das niedrige Geländer,

das die Plattform zu allen Seiten

umgibt. Höher als die goldene Viktoria

auf der Berliner Siegessäule,

die immerhin 67 Meter emporragt,

schwebt das Baumhaus im Wipfel

des Banyan-Baumes, der sich

einsam über alle anderen Bäume

erhebt. Dies ist keine statische Aussichtsplattform

aus Stein, sondern

eine knarrende, wankende Holzkonstruktion.

Durch die Lücken zwischen

den Brettern, die an Stamm

und Äste genagelt wurden, ist das

Blätterdach weiter unten zu sehen.

Vom Geländer an der Talseite

geht der Blick in die Tiefe. Der

Erdboden ist nicht auszumachen,

zu dicht ist die Vegetation. Der

Hang, auf dem der Baum steht, fällt

über Hunderte Meter rasch ab. Der

Taleinschnitt zieht sich von links

nach geradeaus, und die Sicht ist

auf viele Kilometer ungestört. Hier

und da erheben sich zwischen 500

und 1.500 Metern hohe Hügel, die,

ebenso wie die Täler dazwischen,

ununterbrochene Wälder bedecken

in jeder Richtung, soweit das Auge

reicht.

Fahrt in die Wildnis

„Gibbon Experience“ heißt die Tour

mit solchen Ausblicken, benannt

nach den Affen, die in dieser Gegend

leben. Oft ist sie auf Monate

im Voraus ausgebucht. Ins Leben gerufen

hat das Projekt im Jahr 2004

der Franzose Jeff Reumaux, der

zuvor an der Universität von Vientiane

Mathematik unterrichtet hatte.

Jahrelange Verhandlungen mit der

laotischen Regierung hat ihn seine

Reaktion auf den Kahlschlag, die

Wilderei und die traditionellen, aber

auch umweltschädlichen Landwirtschaftsmethoden

wie die Brandrodung

gekostet. Sie beeinträchtigten

die einzigartige Vegetation des

ebenfalls 2004 auf Reumaux’ Bemühungen

hin gegründeten Bokeo-

Küche, Schlaf- und Wohnzimmer in schwindelerregender Höhe. Die Baumhäuser sind

Ausgangspunkt für abenteuerliche Streifzüge durch den Bokeo-Nationalpark

Naturschutzgebiets und wurden den

Weißwangen-Gibbons gefährlich.

Die Gibbons waren in der Gegend

erst 1997 wiederentdeckt worden,

nachdem sie zuvor zu den ausgestorbenen

Arten gezählt hatten. Ziel des

Projektes ist es, Aufmerksamkeit

für die bedrohliche Situation der

Tier- und Pflanzenwelt zu wecken.

Mit den Besuchereinnahmen werden

Affen und Wälder geschützt,

ein zunehmend großer Anteil des

Borneo-Naturschutzgebiets, einem

Gebiet von 1.200 Quadratkilometern.

Das entspricht der Hälfte der

Größe Luxemburgs.

So einsam die Baumhäuser sich

im Wald verbergen, so mühsam

ist die Anreise. Die ersten zwei

Fahrtstunden vom Startpunkt Houay

Xai aus befahren die Pickups mit

den Gästen auf ihren Ladeflächen

Asphaltstraßen. Dann geht es auf

Schotterstraßen weiter, die durch

Flüsse und durch Regenwald führen

und in der Regenzeit zu ausgewaschenen

Pfaden voller Matschlöcher

und Schlammseen werden. Nach einer

weiteren Stunde gibt es auch für

die Jeeps keinen befahrbaren Pfad

mehr, nur ein letztes, abgelegenes

Dorf, von dem es zu Fuß durch den

Wald geht.

Asien à la carte

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z.B. Peking, Mongolei bis zum Baikalsee

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Vietnam, Laos und Kambodscha, 19 Tage

Abflug: 26.10.13 | 23.11.13 | 19.02.14

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04/2013

www.inasien.de 37


Spezial - Indochina

Nebel, Regen, Wind: Man hört das Wetter nicht nur, man spürt es. Jeder Lufthauch lässt den Baum erzittern.

Ein einmaliges Gefühl und eine Abendunterhaltung, mit der kein Fernsehprogramm mithalten kann

Über den Baumkronen

An einer Hütte legen die Führer

die Aufteilung der Baumhäuser fest

und verteilen Klettergurte, an denen

zwei kurze Seile befestigt sind:

eines mit einer Rolle, die aussieht,

wie ein Flaschenzug, und ein Sicherheitsseil

mit Karabiner. Dann

taucht die erste von vielen hölzernen

Plattformen auf, die immer

wieder für eine erhöhte Adrenalinausschüttung

sorgen. Sie lehnt auf

einem Baum, um den in drei oder

vier Metern Höhe das Ende eines

gespannten Stahlseils gewickelt ist,

das in Richtung Tal verläuft. Das

Seil verschwindet im Dschungel,

sein Ende ist nicht zu sehen. Nun

müssen Rolle und Karabiner in das

Drahtseil eingeklinkt werden. Noch

dreimal durchatmen, dann heißt es

abspringen – mit Nerven, die so

gespannt sind wie das Seil.

Plötzlich in der Luft! Die Rollen

heulen neben dem Ohr auf, die

Geschwindigkeit erhöht sich rasch.

Der Magen kribbelt, als seien tausend

Ameisen darin gefangen. Der

Boden verschwindet, während der

einsame Abenteurer über den steil

abfallenden Hang rauscht. Dann

umhüllen ihn die Baumkronen,

und ein paar Sekunden später verschwinden

auch sie weit unten.

Rechts erstreckt sich ein riesiges

Tal und zieht sich bis weit in die

Ferne. Ist das dort unten wirklich

der Dschungel oder nur ein Filmstreifen?

So hoch und so schnell,

das Gesicht zu einer Fratze verzogen

– viel näher kann man dem

Vogeldasein wohl nicht kommen.

Schließlich kommen die Bäume

von unten wieder näher. Schon ist

man mitten zwischen ihnen. Abgeknickte

Bambuszweige hängen im

Weg und peitschen in das Gesicht.

Auf einer Plattform, die sich aus

dem grünen Einerlei schält, steht

der Führer Kampin und wedelt mit

den Händen. „Bremsen!“, ruft er.

„Bremsen!“ Indem man ein an die

Rolle angeschraubtes Stück Reifen

auf das Drahtseil drückt, kann die

Geschwindigkeit verringert werden.

Wieder festen Boden unter den

Füßen, sinkt der Adrenalinspiegel

langsam. Nach ein paar weiteren

Seilbahnen ist eines der Baumhäuser

erreicht. Es bietet Platz für vier

Personen.

Mehr Natur geht nicht

Langsam geht die Sonne hinter den

bewaldeten Bergen unter, das Blätterdach

ist in einen goldenen Schein

getaucht. Dann blinken die ersten

Sterne am dunkelblauen Himmel.

Moskitos und Motten flattern herum,

alle paar Minuten zucken in

der Ferne schemenhafte Blitze. Von

links und rechts schieben sich gemächlich

Nebelschwaden in das

Tal. Erst hängen einzelne Fetzen

zwischen den Bäumen, dann verdichtet

sich die Masse zu einem langen,

grauweißen Band. Zur Rechten

erhebt sich plötzlich eine weiße

Wand, die vom Tal bis in den Himmel

reicht. Fünf Minuten später

hüllt der Nebel das Baumhaus ein,

dicht und undurchdringlich. Die

Luft wird kühler. Geschrei ertönt:

ein erstaunliches Lautrepertoire,

eine Mischung aus Geheule wie

von Sirenen bei einem Bombenalarm,

Gelächter, hellem Trillern

und trübsinnigem Gefiepe. Wer es

nicht besser wüsste, könnte meinen,

verschiedene Insekten gäben sich

ein Stelldichein. Aber tatsächlich

schallen Gibbongesänge durch den

Dschungel, manchmal von einem

einsamen Sänger, manchmal sich zu

ekstatischen Chören steigernd. Etwa

zehn Familien mit durchschnittlich

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04/2013


Spezial - Indochina

Frei wie ein Vogel: Erst drängt sich dichtes Grün ums Seil, dann öffnet sich ein

weites Tal

Dieses Baumhaus ist nichts für Schlafwandler. Beim

Ausstieg per Seil heißt es Nerven bewahren

je fünf Mitgliedern leben im Einzugsbereich

der Baumhäuser. Ihre

theatralischen Gesänge haben den

chinesischen Dichter Yuan Sung

im 4. Jahrhundert zu den Zeilen

veranlasst: „Traurig sind die Rufe

der Gibbons in den drei Schluchten

von Patung. Nach drei Rufen in der

Nacht netzen Tränen die Kleidung

des Reisenden.“

Erste Tropfen plätschern auf das

Dach, dann bricht das Wasser los.

Es strömt in kleinen Rinnsalen vom

Dach wie ein gläserner Vorhang.

Feines Sprühwasser wird von der

Brise ins Haus getragen und befeuchtet

den Boden, die Matratzen,

die Körper. Mitternacht liegt zwei

Stunden zurück. Es knarrt und raschelt.

Wind und Regen verstärken

sich. Der Baum wankt. Man hört

das Wetter nicht nur, man spürt es.

Nach dem Sprung ist

vor dem Sprung

Die Seilbahnen, die es am folgenden

Tag zu überwinden gilt und die sich

in einem großen Umkreis im Wald

verteilen, sind noch länger, höher

und schneller als die gestrigen. Bei

einer hinterlassen besonders viele

herabhängende Äste, die zu lange

nicht zurückgeschnitten worden

sind, einige blutige Striemen in den

Gesichtern – was jedoch nicht den

Spaß mindert. Gelegentlich sind die

Schreie der unsichtbaren Gibbons

zu hören. Durch den Regen der

letzten Nacht ist alles nass und die

Schuhe sind vollständig von Matsch

bedeckt. Die Blutegel freuen sich.

„Die nächste Seilbahn endet in

einem weiteren Baumhaus“, erklärt

Führer Kampin. „Ihr müsst vorsichtig

sein und rechtzeitig bremsen.

Es ist eine schnelle Bahn und eine

kleine Plattform.“

Und wieder der Absprung, gefolgt

von einem Tunnel aus Bäumen

und hohem Gestrüpp, durch den

man rast. Dann ist die Sicht frei,

bis zum Horizont, und man gewinnt

weiter an Höhe, bis schließlich die

Cheops-Pyramide zwischen das

Seil und den Talgrund weiter unten

passen würde. Vorne taucht ein gigantischer

Baumriese auf, der selbst

die höchsten Bäume in der Nähe

bei weitem überragt. Sein grauer,

breiter Stamm trägt im oberen Viertel

ein wunderschönes Baumhaus,

groß genug für acht oder neun

Leute. Vom Hauptraum führt eine

kleine Leiter in einen Schlafraum

für drei Leute. Kampin zufolge handelt

es sich um eines der ältesten

Baumhäuser.

Vom Wilderer zum Wächter

Dort angekommen, wird auf Klappstühlen

gerastet. Kampin zündet

sich eine Zigarette an. „Früher war

mein Bruder ein Wilderer“, sagt

er und nimmt einen Zug. Er ist

ein junger, vielleicht dreißigjähriger,

freundlicher Mann mit beschränkten

Englischkenntnissen,

aber er weiß sich auszudrücken.

„Jetzt ist er ein Wächter des Waldes,

patrouilliert mit einem Gewehr und

nimmt Wilderer fest. Das macht


Spezial - Indochina

Reiseangebote Laos

Bokeo-Nationalpark

Naturabenteuer Laos

6-tägige Rundreise. Höhepunkte:

Luang Prabang, Muang Xai, Muang

Khua, Nong Khiaw, Shangri Lao Elephant

Camp. Dt.-spr RL, Ü/F ab 1.039 €

p.P. im DZ, inkl. Transfers. Asia Select,

Tel. +49 (0)911-580510,

www.asia-select.de

Grosse Indochina Rundreise

19-tägige Rundreise. Höhepunkte:

Vientiane, Luang Prabang, Mekong,

Hanoi, Hue, Danang, Hoi An, Saigon,

Phnom Penh. Dt.-spr. RL, Ü/F/M ab

2.350 € p.P. im DZ, inkl. Transfers.

Henkalaya, Tel. +49 (0)6466-912970,

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Trekking im unentdeckten Norden

8-tägige Erlebnisreise. Höhepunkte:

Luang Prabang, Muang La, Muang

Khua, Muang Ngoi, Ban Houaisene.

Dt.-spr. RL, Ü/F ab 1.071 € p.P.

im DZ, inkl. Transfers. Reisefieber,

Tel. +49 (0)6021-3065-30,

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mich glücklich.“ 2004 hat das Projekt

ein Regierungsmandat bekommen:

Die Waldwächter sind damit

offizielle Beschützer des Bokeo-

Naturschutzgebiets und werden

von den Einnahmen der „Gibbon

Experience“ bezahlt. Sie unterstehen

jedoch der Waldbehörde der

Provinz. „Mein Bruder und andere

patrouillieren 24 Stunden am Tag.

Der Wald ist nie ungeschützt, aber

Aufgepasst, heikle Ankunft. Wer zu spät bremst, wird nicht von Ehefrau und

gedecktem Tisch begrüßt, sondern vom Baumstamm

natürlich sind sie viel zu wenige.

Sie bewachen bereits Zehntausende

von Hektar Wald – und das Gebiet

wird immer größer. Sie sammeln

auch Informationen über die Wildbestände

und nehmen verwaiste

Jungtiere auf, denn viele Jungtiere

wurden von Wilderern gefangen.

Sie haben bereits Makaken aufgezogen,

Zibetkatzen, Schwarzbären,

neuerdings Elefanten und natürlich

Gibbons. Das ist besonders kompliziert,

da sie die Baumkronen unter

normalen Umständen nie verlassen.

Soweit ich weiß, ist das der einzige

Ort in Laos, in dem es bezahlte

Wächter gibt, die ein Naturschutzgebiet

bewachen.“

Nicht nur die neu angestellten

Wächter profitieren. Die „Gibbon

Experience“ hat in der Region

Dutzende Arbeitsplätze geschaffen.

Rund fünfzig Menschen beziehen

direkte Einkünfte aus dem Projekt:

die Köchinnen, die Führer,

die Waldwächter, die Fahrer, die

Büromitarbeiter und die Besitzer

der Packpferde, die Nahrung in

den Wald schleppen. Dazu kommen

viele, die indirekt profitieren:

die Familien der Beschäftigten, die

Besitzer der Imbissbuden und kleinen

Läden entlang der Straße auf

dem Weg zu den Baumhäusern.

Naturschutz ist heute für sie alle

eine profitable Unternehmung. Sie

leben von den Gästen, die hierher

kommen, davon, dass der Wald

intakt ist, den die Gäste sehen.

Dadurch erlangen sie selbst ein

neues Bewusstsein für den Wert

der Natur, eine Natur, die ihnen seit

ihrer Kindheit so selbstverständlich

war, dass ein Schutz unnötig und

lebensfern erschienen. Männer, die

früher Affen gejagt haben, wandern

nun, nach Tieren Ausschau haltend,

durch die Wälder und freuen sich,

wenn sie sie entdecken. Nicht, um

sie abzuschießen, sondern um sie in

ihrer natürlichen Umgebung zeigen

zu können. Erik Lorenz

40 www.inasien.de

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04/2013


S t i c h w o r t A s i e n

Dschungel

Weite Flächen Süd- und Südostasiens sind bis heute noch immer von üppigem

Dschungel bedeckt. Und so ist es nicht verwunderlich, dass der Ursprung des Wortes

auch in Asien liegt

Undurchdringliche Vegetation, von

Menschen unberührter Urwald, ein

besonders dichter, tropischer Regenwald

– all das sind wohl Begriffe,

die mit dem Wort Dschungel

assoziiert werden. Ursprünglich jedoch

war die Bedeutung eine ganz

andere: Jangala heißt im Altindischen

Ödland, Wüste oder als

Adjektiv trocken, spärlich bewachsen.

Es bezeichnet eine wasserarme

und unfruchtbare, menschenleere

Gegend.

Von Urwäldern…

Mit Ödland hat das Wort in seiner

deutschen Bedeutung rein gar

nichts zu tun. Immerhin verweist es

noch immer auf seinen regionalen

Ursprung: Im engeren Sinn werden

mit Dschungel Monsunwälder Indiens

und Südostasiens bezeichnet,

die längere Trockenzeiten aufweisen

können. Bereits im Fernen Osten

hatte das Wort vermutlich schon

einen Bedeutungswandel erfahren,

bezeichnete zunächst unkultiviertes

Land und dann wild bewachsenen

Boden. In vielen Sprachen Indiens

verweist der Begriff generell auf

unbebautes, wildes Land – sowohl

Wälder als auch Wüsten. So bedeutet

jangal (Hindi), das aus dem

Altindischen entlehnt wurde, zum

einen Ödland, aber ebenfalls Wald,

Wildnis.

… und wilden Großstädten

Wie so viele Wörter hat das Wort

jangal über das Englische Eingang

ins Deutsche gefunden. Die Briten

lernten den Begriff während der

indischen Kolonialzeit kennen und

leiteten diesen in der zweiten Hälfte

des 18. Jahrhunderts zu jungle ab,

Das Wort Dschungel geht auf das Altindische Jangala zurück und bedeutete

Ödland. Der Begriff hat im Laufe der Zeit einen interessanten Bedeutungswandel

vollzogen

um damit den Monsunwald und

die Sumpfwälder Indiens zu benennen.

Der Begriff wurde immer unpräziser

für Ur- und Regenwälder

gebraucht und schließlich auch im

übertragenen Sinne verwendet.

Nicht zuletzt der Erfolg von Rudyard

Kiplings Dschungelbuch (The

Jungle Book) trug vor über 100

Jahren zur Popularität des Wortes

bei. Der Begriff erbte im Westen

die negativen Konnotationen des

alten Märchenwaldes, in dem der

böse Wolf sein Unwesen trieb, und

wurde durch die exotische Wildheit

der Ferne ergänzt.

Die oft negative Konnotation der

Städter: Ein Dschungel als unkontrollierbare

Natur, fernab jeglicher

Zivilisation. Er steht in der europäischen

Literatur nicht selten als

Metapher für Chaos und Durcheinander,

Ohnmacht und Orientierungslosigkeit

wilder Orte. Orte, in

denen das Recht des Stärkeren gilt,

das „Gesetz des Dschungels“. Dass

dieses vielmehr in der Zivilisation

als in der Wildnis herrscht, lassen

jedoch Begriffe wie Großstadtdschungel

erahnen. Und auch diese

Art des Dschungels kennt Indien

mit seinen Millionenmetropolen

wie Mumbai, Delhi und Kalkutta,

die zu den größten Agglomerationen

weltweit zählen. Dschungel

und andere Wälder hingegen bleiben

eher fragile Orte, die mit ihren

komplexen Ökosystemen das Überleben

der Menschheit sichern.


Milena Bähnisch

04/2013

www.inasien.de 41


Reise

Nord-Indien / Ladakh

Trekking auf dem Dach der Welt

Kein Handy, kein Internet – beim Trekking in Nord-Indien bleibt der Alltag am Flughafen

zurück. Ladakh ist im Segment Trekkingtouren gut erschlossen. Doch jenseits ausgetrampelter

Pfade gibt es noch immer zahlreiche Routen, die nur von einheimischen Bauern genutzt

werden. Mit einer Pferdekarawane können fitte Wanderer in unberührte Gebiete vorstoßen

42

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04/2013


Reise

Das Herz klopft bis zum Hals. Dünne

Höhenluft rinnt spärlich in die Lungen

der Wanderer. Tibetische Gebetsfahnen

flattern im Wind. Keine

20 Meter mehr bis zum Pass. Hier

oben, 5.000 Meter über dem Meeresspiegel,

ist jeder weitere Schritt

Schwerstarbeit. Zeitlupentempo,

und doch rast der Puls. Grund

ist der geringe Sauerstoffanteil in

der Luft. Leichtes Kopfweh und

Schlaflosigkeit, darunter leiden die

meisten Wanderer im Himalaja.

Wer auf der Suche nach körperlicher

Entspannung ist, der sollte

sich ein anderes Reiseziel suchen.

Von Delhi aus geht es per Bus

nach Leh. Zwei Tage dauert die 500

Kilometer lange Fahrt, und wegen

der schlechten Straßenverhältnisse

ist die Strecke nur in den Sommermonaten

passierbar. Die Schotterpisten

sind stets einen Meter vom

Abgrund entfernt und nichts für

zarte Nerven. Kurz vor der Ankunft

in Leh schraubt sich das altersschwache

Gefährt mit Schrittgeschwindigkeit

auf den zweithöchsten

befahrbaren Pass der Welt, den

Taglang La, 5.300 Meter über dem

Meeresspiegel. Wer das ohne Höhenkrankheit

übersteht, der ist bereit

für die Himalaja-Ausläufer!

Unterwegs per Karawane

Leh ist der zentrale Ausgangspunkt

für alle Treks im nordindischen

Ladakh. Hier kann man Pferde,

Campingausrüstung und Vorräte

organisieren und sich in der

„German Bakery“ noch einmal mit

Zimtschnecken und Aprikosenkuchen

stärken.

Die Konkurrenz unter den Reiseagenturen

ist groß und die Wandermöglichkeiten

sind schier unbegrenzt.

Eine Trekkingtour zu organisieren

ist dank der zahlreichen

Agenturen vor Ort nicht schwierig.

Es gibt Strecken zwischen zwei

Tagen und vier Wochen. Man kann

entweder von Teehaus zu Teehaus

ziehen, nur mit einem Rucksackträger

ausgestattet, oder man stellt

eine ganze Karawane an. Selbst in

der Hochsaison im August kann

innerhalb von drei, vier Tagen alles

organisiert werden. Mit Pferden,

Führer, Koch und Pferdemännern

unterwegs zu sein kostet zwischen

50 bis 80 Euro pro Tag und Person.

Wer nur mit einem Träger läuft und

unterwegs in einfachen Teehäusern

übernachtet und speist, zahlt ab

15 Euro pro Person und Tag. Ein

Nachteil ist, dass nur die gut erschlossenen

und viel begangenen

Routen gelaufen werden können.

Der durchtrainierte Sportler trägt

seine Ausrüstung selbst und zieht

Letzte Provianteinkäufe am Ortsausgang der Stadt Leh

alleine los. Erfahrung und optimale

Vorbereitung sind dann aber ein

Muss.

Wer die Variante „Komplette

Karawane“ wählt, ist etwa bei

zwei Trekking-Teilnehmern mit

vier Pferden, einem Pferdemann

und einem Führer unterwegs, der

auch für die Verköstigung sorgt.

Mit dabei sind dann ein Kochzelt

und zwei Schlafzelte. Der Proviant

reicht von Kerosin über Reis und

Gemüse bis hin zu Fruchtcocktail

in Dosen. Warum das alles? Eine

autarke Karawane ermöglicht eine

Trekkingroute in unberührten Regionen.

Es gibt weder Straßen noch

Dörfer, geschweige denn Einkaufmöglichkeiten.

Das größte Dorf zwischen Lingshed und Rangdum. Die

Dorfbewohner verkaufen Yak-Käse, Gerstenmost und -mehl

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Reise

Gut ausgerüstet. Die Pferde tragen von der Frühstückskonfitüre bis zu den Zelten alles,

was die Karawane für den Treck braucht

Eine derartige Route beginnt im

Ort Lamayuru, gut drei Stunden

Autofahrt von Leh entfernt. Lamayuru

ist der offizielle Startpunkt

für den beliebten Zanskar-Trek, bei

dem in 21 Tagesetappen zahlreiche

Gruppen am Zanskarfluss Richtung

Süden laufen. Manche tragen hier

ihre Rucksäcke, Zelte und Vorräte

selbst. Die meisten sind aber ebenfalls

mit Führer, Pferdemännern und

einer kleinen Herde unterwegs.

Das Leben auf dem Trek ist einfach

und schnell entwickelt sich

Routine: Um 5:30 Uhr wummert

Erlebnisreisen

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der Gaskocher im Kochzelt, bald

folgt eine Kanne Milch, Nescafé,

Kakaopulver und Schwarztee. Während

die Wanderer ihr Heißgetränk

schlürfen backt der Führer ein frisches

Brot auf der Basis von Mehl,

Wasser und einer Prise Salz. Der

Teig wird in einem Topf auf dem

Gaskocher gedämpft und schmeckt

danach herrlich mit Aprikosenmarmelade!

Nach dem Frühstück

wäscht der Führer das Geschirr und

die Wanderer machen eine kurze

Katzenwäsche im eiskalten Flusswasser.

Der Pferdemann belädt seine

Tiere, dann geht es los.

Der Weg besteht meist aus Trampelpfaden,

die die einzelnen Siedlungen

verbinden. Fünf Stunden

Fußmarsch ist eine durchschnittliche

Tagesetappe lang. Eine lockere

Wanderung in Deutschland,

aber eine sportliche Herausforderung

auf 4.000 Metern Höhe. Hier

ist jeder Anstieg ein Fitnesstest,

und immer wieder durchquert die

Karawane teils reißende Flüsse aus

Schmelzwasser.

Gesundheit geht vor

Die erste Prüfung ist der „Löwenpass“.

Übernachtet wird nach einer

schweißtreibenden Wanderetappe

auf 4.300 Metern. Puffertage sind

bei der Planung einer derartigen

Tour im Übrigen mehr als sinnvoll,

denn ein von der Höhenkrankheit

betroffener Wanderer hält viele

Trekkinggruppen auf.

Auch bei der Anreise mit dem Bus

über Manali nach Leh ist die Gefahr

einer Höhenkrankheit nicht zu unterschätzen.

Zwar ist der Anstieg

langsam, doch muss der 5.300 Meter

hohe Taglang La Pass überquert

werden. Bei der Anreise mit dem

Flugzeug wird der Körper abrupt

einer Höhe von 3.500 Metern ausgesetzt.

Bevor man einen Trek startet,

sollte man deshalb in jedem Fall

drei volle Tage in Leh verbringen.

Höhenkrankheit hat viele Symptome:

Fieber, Kopfweh, Schlaflosigkeit,

Schwindel, Übelkeit, Appetitlosigkeit

und Schwäche. Der Betroffene

kann seine eigene Situation

meist nicht einschätzen, deswegen

44

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04/2013


Reise

sollte jeder auf seine Mitreisenden

achten. Kommen mehrere Symptome

zusammen, muss der Betroffene

sofort vom Berg absteigen bis

sich sein Befinden gebessert hat.

Lingshed – Dorf ohne

Straßen

Ein dreitägiger Marsch führt vom

Löwenpass bis nach Lingshed. Es

ist das letzte Dorf, in dem noch einmal

ein paar Vorräte gekauft werden

können. Die meisten Wanderer

laufen von hier weiter nach Süden,

den bekannten Zanskar-Trek.

Das fruchtbare Tal von Lingshed

ist nur zu Fuß erreichbar. In dieser

Höhe gedeiht vor allem Gerste. Das

daraus gewonnene Mehl wird mit

Buttertee oder einem leicht alkoholischen

Gerstenmost verknetet.

In den strengen Wintern ist das fast

alles, was es hier zu essen gibt. Im

Sommer bereiten die Frauen auch

Bohnen, Kartoffeln und grünes Gemüse

zu. Die Buddhisten in Ladakh

brauchen nicht viel. Jeden Morgen

treiben sie die Schafe und Ziegen

des Dorfes auf die Weiden hinaus,

abends kommen sie zurück und

melken ihre Tiere. Nur an besonderen

Feiertagen wird geschlachtet,

dann muss ein nepalesischer

Schlächter aus dem Nachbardorf

gerufen werden. Denn gläubige

Buddhisten, deren Vorfahren aus

Tibet kamen, töten keine Tiere.

Lassen sie ein Schaf ihrer Herde

schlachten, besucht anschließend

die ganze Familie den Tempel und

bittet um Vergebung. Sogar der

Die Stupa lädt den Wanderer zur Rast ein

Dalai Lama hat das Dorf in den

Bergen schon besucht. Der Tag, an

dem er auf dem Vorplatz des Klosters

seine Lehren verkündete, wird

jedes Jahr aufs Neue gefeiert.

Zu Gast bei Ladakhis

Die Häuser in Lingshed bestehen,

wie überall in Ladakh, aus Lehmziegeln

und Holz. Alle drei bis vier

Generationen ist ein Haus durch

das harsche Klima so verwittert,

dass ein neues gebaut werden muss.

Holz ist rar. Entweder holen es die

Bauern mit Pferden aus dem mehrere

Tage entfernten Leh oder die

Familie pflanzt selbst Bäume an.

Die schmächtigen Stämme brauchen

viele Jahre, bis sie stark genug

sind, um im Hausbau von Nutzen

zu sein. In den vielen kleinen Zimmerchen

der Häuser finden sich

zahlreiche Kupfertöpfe und Schalen

– Erbstücke, die nicht benutzt werden.

Jedoch ist es für die Menschen

eine große Ehre, wenn sie Fremde

bewirten können. Es kann also passieren,

dass man als Wanderer aus

der Fremde viele soziale Verpflichtungen

hat: Frühstück beim Pferdemann,

Teezeit beim Bekannten und

Mittagessen bei der Schwiegermutter

des Karawanenführers.

Eine gebückte Frau mit sonnengegerbter

Haut empfängt auch

schon mal Karawanenmitglieder im

örtlichen Krankenhaus. Sie ist die

Krankenschwester von Lingshed

und verwaltet die einzige Bahre des

Hauses. Auf einem kleinen Gasherd

kocht sie für die Bettlägerigen.

Es gibt auch einen echten Amchi,

einen „Pulsfühler“. Jeder Amchi

muss eine zwölfjährige Ausbildung

absolvieren. Danach zieht er von

Dorf zu Dorf, immer dorthin wo

gerade ein Kranker Hilfe braucht.

Sechs Stunden Fußmarsch sind ein

Die Krankenschwester von Lingshed hat Grund zur

Freude: Im Dorf sind alle gesund!

Das Fort thront einsam über der Stadt Leh, zentraler

Ausgangspunkt für alle Trecks im nordindischen Ladakh

04/2013

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Reise

Reiseangebote Ladakh

Ladakh – Berge und Klöster

16-tägige Trekkingtour. Höhepunkte:

Leh, Hemis, Tikse, Shey, Stok, Larsi – Basislager,

Khilchaypulu, Zingchen, Spitok.

Engl.-spr RL, Ü/F/M/A ab 1.790 € p.P. im

DZ, inkl. Transfers. Henkalaya, Tel. +49

(0)6466-912970, www.henkalaya.de

Der Große Zanskar Trek

29-tägige Trekkingtour. Höhepunkte:

Teilnahme an der Erstellung eines Avalokiteshvara-Mandala,

Begegnungen mit

Menschen, Mönchen und Lamas, Besuch

des Schulprojektes Jamyang Ling (Reru)

Dt.-spr RL, Ü/F/M/A ab 3.390 € p.P. im

DZ, inkl. Flug und Transfers. Neue Wege

Reisen, Tel. +49 (0)2255-95910,

www.neuewege.com

Faszination Ladakh

12-tägige Tour. Höhepunkte: Chandigarh,

Mandi, Nagar, Manali, Jispa,

Sarchu, Leh, Nubra Valley, Leh, Delhi.

Dt.-spr RL, Ü/F ab 1.512 € p.P. im DZ,

inkl. Transfers. Asia Select, Tel. +49

(0)911-580510, www.asia-select.de

Auf dem „Dach der Welt“ liegen Ödnis und Schönheit nur einen Bergkamm

voneinander entfernt

normales Tagespensum. Der Amchi

von Lingshed spricht sogar ein paar

Brocken Englisch. Als Teenager hat

er, wie alle Jugendlichen hier, ein

paar Jahre die Mittelschule in Leh

besucht.

Abseits der Zivilisation

Von Lingshed aus führt die zweiwöchige

Trekkingtour nach Westen.

Hier, entlang des Rangdum-Flusses,

sind keine Reisegruppen unterwegs.

Auf den fünf Tagesetappen bis zum

Kloster Rangdum laufen nur vereinzelt

einheimische Ladakhis oder

nepalesische Arbeiter. Begehbar ist

die Route erst ab Mitte August,

davor führen die Flüsse zuviel

Schmelzwasser. Nomaden lassen

im Sommer ihre Yaks an den Ufern

weiden. Sie tauschen gerne Erbsenund

Thunfischkonserven gegen ihre

frische Yakmilch und Käse. Ein

Kanister Gerstenmost, Yak-Käse

und Kräcker erinnern an längst vergangene

Abende bei Rotwein und

Käse. Langsam gehen die Sterne

auf, sie werden immer zahlreicher

bis schließlich der Halbmond alles

überstrahlt.

Wer Ruhe sucht, der findet sie

spätestens hier: Handys haben schon

seit Manali keinen Empfang mehr.

Es zählt nur der nächste Pass, den

es zu überqueren gilt, und die Frage,

ob der Kakaovorrat reicht und ob es

in der Nacht regnen wird. Nicht

das Fernsehen bringt Zerstreuung,

sondern pfeifende Murmeltiere und

frische Pumaspuren im Sand.

Wenn der Rangdum-Fluss einmal

überquert ist, wird die Landschaft

saftig grün und Schmetterlinge

werden zu neuen Wandergefährten.

Lila, gelbe und rote Blumen säumen

das Ufer. Mit jedem Höhenmeter

wird die Luft kühler und die

Schneefelder auf den Bergen ringsum

kommen näher. Trotzdem rinnt

der Schweiß in die Augen und die

Atmung wird flach gen Pass. Oben

angekommen, grüßen mit Sanskrit-

Symbolen verzierte Mani-Steinen.

Der Blick in die Ferne fällt auf das

Kloster Rangdum. Bis hier schlängelt

sich die Straße. Ein Jeep bringt

müde Karawanen zurück nach

Leh in die Zivilisation, doch bei

holprigen Schotterpisten und wahrscheinlich

kaputten Stoßdämpfern

wünscht sich so mancher Wanderer

schnell auf den Pfad zurück.

Gleichzeitig fängt der Magen an zu

knurren bei dem Gedanken an ein

saftiges Stück Aprikosenkuchen in

der deutschen Bäckerei in Leh. Willkommen

zurück in der Zivilisation!

Isabelle Harbrecht

46 www.inasien.de

Ausführliche Reiseinformationen, Visabestimmungen,

Gesundheitshinweise und aktuelle Kurse asiatischer Währungen

finden Sie unter www.inasien.de

04/2013


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Reise

1890 entdeckten südkoreanische Streitkräfte den „4th Infiltration Tunnel“, der die demilitarisierte Zone von Nordkorea aus unterläuft.

Wahrscheinlich sollte er dazu dienen, im Falle eines Angriffs nordkoreanische Truppen direkt in den Süden zu schleusen.

Koreanische Gradwanderung

2013 jährt sich der Waffenstillstand zwischen

Nord- und Südkorea zum 60.Mal, doch an der

inner-koreanischen Grenze stehen sich die Gegner

noch immer unversöhnlich gegenüber, wie die

jüngsten Drohungen des Nordens eindrücklich

belegen. Trotzdem gehört die Grenzregion zwischen

Süd- und Nordkorea zu den reizvollsten der Halbinsel

Ungeduldig rüttelt der kalte Wind an

den knorrigen Büschen und lässt

die südkoreanische Fahne im Wind

knattern. Die Luft ist klar und sauber,

wie man es in Asien sonst nur

selten sieht. Auf den ersten Blick

wirkt die karge Landschaft der Region

Yanggu im Nordosten Südkoreas

kein bisschen wie ein Ort,

an dem Weltgeschichte geschrieben

48

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04/2013


wurde. Eher schon kommt einem

das Wort „Zonenrandgebiet“ in den

Sinn – zu Recht. Umgeben von

Tausender-Gipfeln ist die schroffe

Bergwelt quasi der letzte Posten

der westlichen Welt. Mittendrin

liegt die „Punchbowl“, die Caldera

eines erodierten Vulkans nahe der

Kleinstadt Haean. Ihren Namen erhielt

sie von einem amerikanischen

Soldaten, den die kreisrunde Form

des Tals an eine Bowle-Schüssel

erinnerte.

Blick nach Drüben

Nördlich des 38. Breitengrads gele-

gen, der Korea nach dem Ende des

Zweiten Weltkriegs in eine amerikanische

und sowjetische Besatzungszone

teilte, war die Punch

Bowl ein Stützpunkt der nordkoreanischen

Artillerie von großer strategischer

Bedeutung, Hier sollen die

blutigsten und härtesten Schlachten

geschlagen worden sein. Die Namen

der umliegenden Berge wie etwa

„Blood Hill“ oder „Heartbreak

Hill“ zeugen heute noch davon. Seit

dem Waffenstillstand 1951 liegt

Haean auf dem Gebiet der Republik

Südkorea – und damit direkt an

der inner-koreanischen Grenze. Bis

vor wenigen Jahren war die Region

um Yanggu nicht frei zugänglich.

Bedauerlich für die Südkoreaner,

die ein ausgesprochenes Faible für

Wandertouren zeigen, für die Natur

unübersehbar ein Segen: Zahlreiche

bedrohte Tier- und Pflanzenarten

haben im Grenzstreifen ein Refugium

gefunden, sogar sibirische

Tiger und Leoparden werden hier

vermutet. Für viele Zugvögel ist er

zudem ein wichtiger Stopp auf dem

Weg nach Süden. Auf Koreanisch

ist die Punchbowl übrigens weniger

martialisch bekannt als „Bauchnabel

Koreas“. Spätestens der Blick

aus dem Eulji-Observatorium am

Rande der Punchbowl zeigt warum:

Aus der Luft gesehen ist die Ähnlichkeit

nicht zu übersehen.

Der Name Eulji Observation

Platform täuscht ein wenig. Es geht

natürlich nicht nur um die schöne

Aussicht, sondern auch darum, aus

1.049 Metern Höhe den fünf Kilometer

breiten Grenzstreifen der

entmilitarisierten Zone zu überwachen,

die direkt hinter dem Gipfel

beginnt. Für die südkoreanischen

Besucher ist es nicht nur ein historisch

und politisch spannender Ausblick,

sondern auch ein melancholischer:

An guten Tagen lassen sich

die Gipfel des Geumgangsan-Gebirges

(„Diamantberge“) erkennen.

Sie gelten als die schönste Landschaft

der koreanischen Halbinsel,

liegen seit 1953 aber dummerweise

nahezu unerreichbar im Norden.

Vor dem ausgiebigen Blick auf

die Grenze gibt es noch eine kleine

Demonstration am naturgetreuen

Modell der Region. Mit geübten

Bewegungen zeigt ein Soldat die

Stationen der Nordkoreaner auf,

dann schiebt er einen Film ein, der

erstaunlich wenig propagandistisch

ausfällt. Sicher, es geht auch um die

Reise

Fleisch, Kohl, Chilli: In der abgelegenen Grenzregion

wird vor allem mit traditionellen Zutaten gekocht.

Das Design der Werbeplakate nahe Yanggu erscheint

fast ein wenig „ostalgisch“

04/2013

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Reise

Seoul, Startpunkt einer jeden Südkorea-Reise. Schon auf den ersten Blick wirkt

die Hauptstadt weitaus moderner als das Hinterland

Der „vierte Infiltrierungstunnel“ ist eine der größten touristischen

Sehenswürdigkeiten der Region

militärische Bedrohung, doch vor

allem zeigen historische Aufnahmen

den Verlauf des Koreakriegs

1950-1953, der am 38. nördlichen

Breitengrad begann und auch endete.

Allerdings erst, nachdem die

gegnerischen Truppen jeweils nacheinander

fast das gesamte Land erobert

hatten und schließlich am Ausgangspunkt

einen Waffenstillstand

schlossen. Er kostete rund vier Millionen

Menschen das Leben, veränderte

aber praktisch nichts auf der

politischen Landkarte Koreas.

Ästhetische Lockversuche

Ein bisschen fühlt es sich im Eulji-

Observatorium an, als stünde man

mit einem Bein in Nordkorea. Man

muss dazu sagen: Die inner-koreanische

Grenze ist von betörender

Schönheit. Wilde Berglandschaften

liegen vor dem Betrachter, ohne

Wege oder jegliche andere menschliche

Präsenz.

An den Rändern der Demilitarisierten

Zone (DMZ) wird dafür immer

wieder was geboten, schon aus

Propaganda-Gründen. Nachdem

die Südkoreaner in den 1980ern

einen Schönheitswettbewerb direkt

an der Grenze ausrichten ließen,

um die Kommunisten mit kapitalistischen

Schönheiten zu locken,

revanchierten sich die nordkoreanischen

Soldatinnen mit einem

kleinen Nacktbad am „Wasserfall

der Feen“, der sich per Fernglas

natürlich perfekt aus dem Eulji-Observatorium

verfolgen ließ. Seither

hat man sich gut im Blick. Nicht nur

aus ästhetischen Gründen. Noch

immer sind zwei Drittel aller Bewohner

der Region Yanggu Soldaten,

bereit eine Invasion aus dem

Norden abzuwehren.

Ob und wie weit die Gefahr in

dieser verschlafenen Region real ist,

weiß niemand: Der versöhnlichen

„Sunshine“-Politik des südkoreanischen

Präsidenten Kim Daejung

von 1998 bis 2008 folgte eine Phase

der erneuten Entfremdung zwischen

den beiden Staaten. Seit dem

Machtantritt des nordkoreanischen

Diktator Kim Jong Um sind Signale

der Regierung noch widersprüchlicher

geworden. Neue Hoffnungen

weckte die Neujahrsrede Kim Jong

Uns, in der er von Annäherung und

Verständigung spricht. Wenige Wochen

später, im März 2013, droht er

damit, den Waffenstillstand aufzukündigen.

Praktisch zeitgleich dürfen

westliche Reisende erstmals ihre

Mobiltelefone, die bislang an der

Grenze abzugeben waren, nicht nur

mit ins Land nehmen, sondern auch

ihre Aufnahmen ins Internet stellen

– eine geradezu revolutionäre Neuerung

für das abgeschottete Land.

Passend dazu sendet Nordkorea

leise, neue Signale in der Touris-

50

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Reise

Lesetipp

Mit der Kamera im Gepäck zieht der

Fotograf und politische Aktivist Lee Si-Woo

von der Mündung des Han-Flusses nahe

Seoul bis zum Ostmeer die innerkoreanische

Grenze entlang: Hier, im Niemandsland,

dokumentiert er die historischen Narben

und notiert in Form von kleinen Essais die

Hintergründe der meist verlassenen Gebäude

und Ortschaften, der Invasionstunnel, aber

auch der zahlreichen Menschen, die sich

gegen die Teilung Koreas einsetzen.

Die „Punchbowl“, so der Name auf Grund der kreisrunden Form des Tals, liegt

direkt an der innerkoreanischen Grenze

tik: Mehr ausländische Besucher

wünscht man sich, auch aus dem

Westen. „Ja, was denn nun?“ fragen

sich Besucher und Beobachter gleichermaßen.

In einem Punkt sind

sich Politiker und Historiker aller

Länder erstaunlich einig: Niemand

weiß so recht, wie Nordkorea einzuschätzen

ist, und jede Spekulation

ist genau das: reine Wahrsagerei.

Bewachte Wälder

Der Süden bleibt daher allzeit

bereit. Sichtbar bereit. Schon ein

kleiner Spaziergang im Wald nahe

der Grenze wirft interessante Fragen

auf: Überall ziehen sich tiefe

Furchen durchs Gelände. Haben

die Tiere in Korea so tiefe Wildwechsel?

Natürlich nicht, es sind

die Schützengräben der hier stationierten

Soldaten. Mit einem Grinsen

quittieren die allesamt blutjungen

Rekruten den Schrecken des

ausländischen Wanderers, wenn er

mal wieder überrascht vor einer

bemannten Grube mit Tarnnetz

landet.

Auch auf der nahegelegenen

Raststätte an der Straße nach Süden

macht sich der Konflikt bemerkbar:

„Achtung Spione!“, mahnt ein

Vom Eulji-Observatorium reicht der Blick weit in die Berge Nordkoreas.

Fotografieren ist hier streng verboten

Lee Si-Woo: „Im Niemandsland – Eine Reise

entlang der innerkoreanischen Grenze“,

Abera Verlag, 22,95 Euro

Plakat auf der Damentoilette. Ein

anderes rät, bei verdächtigen Beobachtungen

gleich zum Telefonhörer

zu greifen.

Schützengräben, Spionage-Hotline

– das alles klingt ein wenig

paranoid, ist es aber nicht. Nur 26

Kilometer von Yanggu liegt der

„4th Infiltration Tunnel“. Auf einer

Tiefe von 145 Metern trieben hier

nordkoreanischen Arbeiter einen

zwei Meter breiter Tunnel unter

der DMZ durch. 1990 entdeckt, ist

er seither auch für Touristen begehbar,

beziehungsweise mit einer

kleinen Grubenbahn zu erkunden.

Drei weitere Tunnel wurden bereits

zwischen 1974 und 1978 gefunden

– teils führten sie bis vor die Tore

Seouls! Dass sie überhaupt entdeckt

wurden, ist den Berichten

eines Überläufers zu verdanken, der

nach seiner Flucht nach Südkorea

allerhand delikate Details auspackte.

Rund 20 Tunnel soll es seinen

Angaben nach geben, die sich im

gebirgigen Terrain nur schwer orten

lassen. Ob es wirklich möglich gewesen

wäre, über einen schmalen

Tunnel in den Süden einzufallen,

ist zwar fraglich, sicher ist aber:

Mit Blick auf die modernen Methoden

der Kriegsführung wirkt dieses

Projekt skurril und fruchterregend

zugleich.

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Reise

Reiseangebote Korea

Land der Morgenfrische

20-tägige Rundreise. Höhepunkte: Seoul,

Paläste der Stadt, In Grenznähe, Haean,

Seoraskan Nationalpark, Andong, Fahrt

nach Gyeongju, Busan. Dt.-spr RL, Ü/F

ab 4.895 € p.P. im DZ, inkl. Flug und

Transfers. China by bike, Tel. +49 (0)30-

6225645, www.china-by-bike.de

Korea komplett

13-tägige Rundreise. Höhepunkte: Pjönjang,

Myohangsan, Wonsan, Geumgangsan,

Seoul, Gyeongju, Andong, Haeinsa

Tempel. Dt.-spr. RL, Ü/F/M/A ab 2.750

€ p.P. im DZ, inkl. Flug und Transfers.

Urlaub & Natur, Tel. +49 (0)721-9463616,

www.urlaubundnatur.de

Im Land der Hohen Schönheit

14-tägige Studienreise. Höhepunkte:

UNESCO-Welterbestätte Gyeongju,

Seoraksan- und Jirisan-Nationalpark,

UNESCO-Welterbestätte Haeinsa Tempel.

Dt.-spr. RL, Ü/F/A ab 3.395 € p.P. im DZ,

inkl. Flug und Transfers. Gebeco, Tel. +49

(0)431-5446-737, www.gebeco.de

Korea aktiv

Angesichts der politischen Brisanz

dieser Sehenswürdigkeiten wäre es

ein leichtes, die friedlichen Attraktionen

der Region zu vergessen.

Den Seoraksan zum Beispiel:

Rund 50 Kilometer südlich der

DMZ liegt der Nationalpark des

wilden „Schneebergs“, ein Teil des

Taebaek-Gebirges, und lockt mit

Der Norden Südkoreas ist Bauernland, Großstädte gibt es im Nordosten nicht

Landschaften, die allesamt einem

Fantasy-Film entstammen könnten.

Schon früh am Morgen starten hier

die Wanderer über die gestuften

Wanderwege, die dem Treppenlaufen

ungeübten deutschen Naturfreund

den Muskelkater seines

Lebens bescheren.

Relativ neu ist der Trend, Korea

per Rad zu erkunden. Wer in Nordosten

unterwegs ist, darf das Thema

Muskelkater gleich aufgreifen – und

wird unterwegs mit unvergesslichen

Aussichten belohnt. Nicht

zuletzt, weil der isolierte Nordosten

ein tief traditionelle Ecke ist. Von

den Herausforderungen des steilen

Terrains einmal abgesehen, spricht

wenig gegen eine Radtour, denn die

Region mag abgelegen sein, arm

ist sie nicht: Vor jedem Bauernhof

steht mindestens ein Jeep, die Straßen

sind breit und gut ausgebaut.

Traditionell ist der Nordosten aber

dennoch geblieben.

Spätestens bei der Suche nach

einer Unterkunft wird es richtig

koreanisch: Minbak heißt die lokale

Option, was sich quasi als

Bed&Breakfast auf Koreanisch

übersetzen lässt. Wer deshalb mit

dem britischen Pendant vor Augen

anreist, darf sich überraschen lassen.

Die traditionellen Unterkünfte

sind übersichtlich: Linoleum-Fußboden,

ein paar schwülstige Vorhänge,

fertig. Was fehlt, fällt auch

gleich auf: kein Bett. Im Wandschrank

liegt immerhin eine ganze

Rutsche Bettzeug und auch eine

dünne Matte für jeden potentiellen

Gast. Kenner legen sie alle übereinander.

Egal wie dick die Unterlage,

nachts heizen einem die Koreaner

so richtig ein – sprichwörtlich. Die

traditionelle Ondol-Bodenheizung

ist nicht jedermanns Sache, für

müde Wanderer aber eine Wohltat.

Auf alle Fälle hat die karge Gastlichkeit

auch Vorteile. Zumindest

muss man nie Angst haben, versehentlich

irgendwelche Ausrüstung

zu vergessen.

Auskünfte zu touristischen Details

und Herbergen gibt es in Südkorea

übrigens unkompliziert unter

der englischsprachige Touristenhotline

1330. Interessanterweise ist

die Spionage-Hotline unter der fast

identischen Nummer 1337 erreichbar.

Eventuelle Tippfehler auf der

Handytastatur könnten daher vielversprechend

werden.

Francoise Hauser

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Daniel Düsentrieb im Reisegepäck

Reise

Nackenkissen, Kamera und Stromadapter – viele Urlauber wollen bestimmte Reiseutensilien nicht

entbehren. Die experimentierfreudigen unter ihnen kommen bei teilweise sehr kreativen Produkten,

die das Reisen erleichtern sollen, voll auf ihre Kosten! InAsien hat sich auf die Suche nach den

verrücktesten Reiseaccessoires begeben

Ja zur Beinfreiheit!

Kaum ist das Flugzeug abgehoben,

erlöschen die Anschnallzeichen

und die ersten Passagiere

lehnen sich zu einem Nickerchen

entspannt zurück. Für den

Hintermann ist dies allerdings

weniger gemütlich. Der amerikanische

Erfinder Ira Goldman

hat die Lösung: Der Knieverteidiger

verhindert das Zurückstellen

des Vordersitzes und sorgt somit für mehr Platz für den Reisenden. Dieses

nützliche Utensil für gerade einmal zehn Euro garantiert einen entspannten

Flug – solange der Vordermann nicht protestiert (www.kneedefender.com).

Für eine trockene Sightseeing-Tour

Ein plötzlicher Regenguss im Urlaub kann die Stadttour vermiesen:

Mit einem Stadtplan in der einen und einer Kamera

in der anderen Hand bleibt keine Hand mehr für den Regenschirm.

Der Kopfschirm ermöglicht

eine trockene Sightseeing-Tour

trotz Regenwetter.

Dank seiner

großen Beliebtheit

wird dieser Schirm

übrigens auf vielen

Internetportalen günstig

angeboten

(www.amzon.de).

Schwimmmaske mit Digitalkamera

Des Reisenden unentbehrliche Begleiterin darf nirgendwo fehlen: die Fotokamera.

Nur leider lässt sich die Tauchtour per herkömmliche Digitalkamera

nicht mit den Zuhausegebliebenen

teilen. Abhilfe schafft hier die Taucherbrille

mit einer integrierten

wasserfesten Digitalkamera für Fotos

und Videos. So kann man auch nach

der Rückkehr immer wieder in die

Unterwasserwelt abtauchen

(www.amazon.de).

Gabelstäbchen:

trickreiches „Drei-in-eins“-Besteck

Selbst beim Steh-Asiaten passiert dem Durchschnittseuropäer

oft der peinliche Fauxpas: Die Reisnudel rutscht einfach

durch die Stäbchen. Steht der Urlaub in Asien bevor, können

Reisende entweder wochenlang die richtige Technik üben

oder zu den smarten Gabelstäbchen greifen. Die sehen

aus wie Essstäbchen, werden aber in umgedrehter Form zu

Messer und Gabel. Im übrigen spülmaschinenfest und aus

dem umweltfreundlichem Polystyrol (www.forkchops.com

/ www.amazon.com).

Zusätzliche Gepäckgebühren ade

Bei Billig-Fluggesellschaften fliegt man zwar zum Spottpreis,

muss aber für das Gepäck extra zahlen. Besonders raffinierte

Reisende umgehen die zusätzliche Belastung des Geldbeutels

mit der Übergepäcksjacke. In den unzähligen Taschen der Jacke

lässt sich von Klamotten bis zum Laptop fast alles bequem

verstauen – bis zu zehn Kilogramm Gepäck! Modisch ist dieses

einzigartige Kleidungsstück sicher nicht, was aber sicher ist: ein

einmaliger Gesichtsausdruck der Kontrolleure beim Check-in

Schalter (www.rufusoo.com).

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Reise

Im Shiretoko-Nationalpark gibt es eine sehr dichte Bärenpopulation. Und auf Wanderungen durch die

geheimnisvollen Wälder ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, einem Braunbären zu begegnen

Japan – Hokkaido

Der unbekannte wilde Norden

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war Hokkaido ein raues und ungezähmtes Land in der

nördlichen Peripherie und blieb sich selbst überlassen. Heute vollständig in das japanische

System integriert, hat sich diese Insel dennoch ihre Wildheit bewahrt und kann als das

„etwas andere Japan“ bezeichnet werden

no Kuni Kara“ („Vom nördlichen

Land“), eine beliebte japanische

TV-Serie hat vermutlich das

„Kita

Bild einer ganzen Generation von

der nördlichsten Hauptinsel Japans

geprägt. Es ist die Geschichte einer

Familie aus Tokio, die sich nach

ihrem Umzug an das raue Klima

Hokkaidos anpasst.

Vor der Kolonisierung durch Japan

war Hokkaido die Heimat der

Ainu, ein indigenes Volk, das den

geographischen Raum von Hokkaido

sowie die Kurilen, Sachalin

und einen Teil Kamtschatkas in

Russland bewohnten. Es herrscht in

der Wissenschaft heute große Uneinigkeit

über die genaue Herkunft,

die Entstehung und Genetik dieser

Kultur. Sicher ist, dass sich das

Volk der Ainu sehr stark von der

54

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04/2013


Reise

japanischen Kultur, Sprache und

dem Aussehen der Menschen unterschied.

Ihre eigenständige Sprache,

die heute nur mehr weniger als

100 Individuen sprechen, gilt heute

als isolierte Sprache. Ihre Kultur

basierte auf Animismus und dem

Leben im Einklang mit der Natur.

Die Ainu hatten eher kaukasische

Züge – hellere Haut, weniger

mandelförmige Augen und stärkere

Körperbehaarung. Die Männer

trugen lange Bärte und Haare. Das

ursprüngliche Aussehen der Ainu

kann heute nur noch anhand von

Fotografien studiert werden, da es

praktisch keine reinrassigen Ainu

mehr gibt. Eher ungewöhnlich für

ein indigenes Volk wurde die Vermischung

mit den von Süden kommenden

Japanern von beiden Seiten

vorangetrieben. Abgesehen davon

erging es den Ainu aber nicht besser

als anderen indigenen Völkern: Sie

wurden marginalisiert, ihre Sprache,

Religion und Bräuche in die japanische

Kultur assimiliert und ihr

Land unter den Siedlern aufgeteilt.

Für die meisten Besucher ist der

erste Kontakt mit Hokkaido zumeist

eine der großen Städte, Hakodate

oder Sapporo. Dieser erste

Eindruck ist allerdings nicht sehr

typisch für die Insel. Die nördlichste

der japanischen Hauptinseln

wurde erst in den vergangenen 150

Jahre aktiv von Japan kolonisiert

– unter tatkräftiger technologischer

Hilfe des Westens. Aus diesem

Grund trägt die moderne Entwicklung

Hokkaidos auch sehr stark ein

westliches Gesicht. Sapporo und

Hakodate sind typische japanische

Hokkaido - die große nördliche Grenze. Dahinter wilde und urtümliche Natur mit wild

lebenden Tieren und endlosen Möglichkeiten für Outdoor-Aktivitäten

Großstädte, wollen jedoch nicht so

recht ins Bild des übrigen Hokkaido

passen. Selbst in Sapporo wähnt

man sich teilweise nicht mehr in

einer japanischen Stadt. Die Architektur

erinnert eher an amerikanischen

Kolonialstil.

Die Küste Alaskas liegt nur 4.000

km von Hokkaido entfernt, und

die Ähnlichkeit dieser Regionen

scheint mehr als nur oberflächlich.

Das was Alaska für die USA ist,

ist Hokkaido für Japan. Die Insel

bildet die große nördliche Grenze,

dahinter wilde und urtümliche

Natur mit wild lebenden Tieren

und endlosen Möglichkeiten für

Outdoor-Aktivitäten. Und genau so

wird Hokkaido in Japan auch immer

beschrieben. Dort fährt man

hin, um wieder eins mit der Natur

zu werden, zu wandern, zu campen

und frische Luft zu atmen. Und

zum Großteil trifft dieses Bild auch

zu: In Hokkaido reiht sich ein Nationalpark

an den anderen. Die Insel

ist geprägt von endlosen Wäldern,

dramatischen Küsten und bis zu

2.300 Meter hohen Vulkanen.

In Gebiet von Furano, Schauplatz

der TV-Serie „Kita no Kuni Kara“,

werden am Fuße der hohen Berge

des Daisetsu-zan-Nationalparks

Unser Autor

Die Geschichten des Fotografen und

Autors Marcus Haid entführen mit ihren

ausdrucksstarken und zugleich sensiblen

Fotografien auf emotionale Reisen durch

die Naturschönheiten unserer Erde.

Mehr Informationen über seine aktuelle

Live-Foto/Filmdokumentation über

Japan finden sich auf www.mh-reisefotografie.at

auf vielen Farmen Lavendel und

andere Blumen angebaut. Gepaart

mit den vielen Wildblumen, welche

die Berghängen wie ein Teppich

überziehen, taucht man hier in den

Sommermonaten in ein unglaubliches

Blütenmeer ein.

Im Akan-Nationalpark befindet

sich der riesige, knapp 2.000 Quadratkilometer

große Caldera-See Mashu-Ko.

Mit über 200 Metern Tiefe

einer der tiefsten Seen Japans, ist

Mashu-Ko neben dem Baikal-See

auch der klarste See der Welt. Die

Sichtweite betrug einst über 40 Meter

und liegt heute immer noch bei

über 20 Metern. Noch stärker als die

statistischen Superlativen ziehen die

Mysterien dieses sagenumwobenen

Sees in den Bann. Die meiste Zeit


Neu: große 15-tägige

Hokkaido-Rundreise

Hotei Japan Reisen

Furano ist im Sommer ein einziges Blütenmeer: im Tal Lavendel und andere

angebaute Blumensorten, auf den Bergen ganze Hänge von Wildblumen

Rund- und Individualreisen vom

JNTO Japan Spezialisten mit 20 Jahren Erfahrung

www.hotei-japan-reisen.de

04/2013

www.inasien.de 55


Reise

Ein seltener Anblick vom „See des Teufels“ (See Mashu-ko). Kein Nebelfeld verdeckt das spiegelglatte,

safirblaue Wasser eines der klarsten Seen der Welt

Reiseangebote Japan

Große Hokkaido-Rundreise

15-tägige Rundreise. Höhepunkte: Sapporo,

Otaru, Sounkyo, Ginsendai, Abashiri,

Shari, Mashuko See, Akanko See, Onneto

Walk, Kushiro, Hakodate. Dt.-spr RL, Ü/F

ab 3.150 € p.P. im DZ, inkl. Flug und Transfers.

Hotei Japan Reisen, Tel. +49 (0)30-

74745394, www.hotei-japan-reisen.de

Japan – Land des Lächelns

11-tägige Rundreise. Höhepunkte: Tokio

und alte Kaiserstadt Kyoto, Kamakura,

Nikko, Nara, UNESCO-Stätte Shirakawago.

Dt.-spr. RL, Ü/F ab 2.995 € p.P. im DZ,

inkl. Flug und Transfers. Gebeco, Tel. +49

(0)431-5446-737, www.gebeco.de

Best of Japan

11-tägige Erlebnisreise. Höhepunkte: Tokyo,

Kamakura, Fuji-Hakone-Nationalpark,

Okayama, Hiroshima, Nara, Kyoto. Dt.-spr.

RL, Ü/F ab 2.799 € p.P. im DZ, inkl. Flug

und Transfers. East Asia Tours, Tel. +49

(0)30-4466890, www.eastasiatours.de

liegt der See unter dicken Nebelschleiern

verborgen, die sich wie gespenstische

Wesen an die 200 Meter

hohen Klippen festkrallen. Nur wenige

Tage im Jahr gewährt Mashu-

Ko einen fantastischen Ausblick auf

seine spiegelglatte Oberfläche aus

unwirklich erscheinendem Blau,

und man kann verstehen, warum

die Ainu ihn „See der Götter“ bzw.

„See des Teufels“ nannten.

Im Shiretoko-Nationalpark lässt

man dann die Zivilisation wirklich

weitestgehend hinter sich. Seit 2005

ist dieser Nationalpark UNESCO-

Weltkulturerbe und tatsächlich fast

vollständig unberührt von menschlichen

Eingriffen. Ein Großteil des

Parks ist ohne Straßen und kann nur

zu Fuß erwandert werden. Sowohl

im Sommer wie auch im Winter ist

die Shiretoko-Halbinsel ein Oase

für unzählige Tierarten. Ein Tier,

das man wohl zwangsläufig nicht

mit Japan in Verbindung bringen

würde, ist der Bär. In Hokkaido

gibt es generell eine relativ große

Braunbären-Population, im Shiretoko-Nationalpark

ist sie besonders

dicht. Und so sollte man bei

Wanderungen durch die geheimnisvollen

Wälder von Shiretoko auch

immer Lärm machen, singen, sprechen

oder sich eine Glocke an den

Rucksack hängen, damit man keinen

Bären überrascht. Denn hier,

in den geheimnisvollen Wäldern,

wo sich Fuchs und Bär Gute Nacht

sagen, ist es nämlich fast sicher,

dass es nicht beim geflügelten Wort

bleibt, sondern man diesen tatsächlich

auch begegnet.

Nach den harten Wintern wird der Sommer auf Hokkaido an vielen Orten

gefeiert. Im Bild: mystische Rituale beim Feuerfest in einem Tempel in Biei

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Ausführliche Reiseinformationen, Visabestimmungen,

Gesundheitshinweise und aktuelle Kurse asiatischer Währungen

finden Sie unter www.inasien.de

04/2013


Der Berg Kailash in der Hochebene Tibets

Reise

Sagenhaft, geheimnisvoll, übernatürlich

Magische Orte der Kraft

Bild: Neue Wege

Sie sind Jahrtausende alt und waren Schauplätze mystischer Ereignisse: Kultstätten und

Energiezentren. Diese inspirierenden „Kraftplätze“ faszinieren bis heute

Zentrum des Universums

Aus der schier endlosen Hochebene

Tibets, umrahmt von wüstenartigen

Gebirgszügen, ragt der Heilige Berg

Kailash. Für Buddhisten und Hindus

ist er das Zentrum des Universums,

eines ihrer wichtigsten Pilgerziele

und der spirituelle Kraftort

schlechthin. Sie glauben, dass eine

Umrundung des Bergs (tibetisch

Kora) näher zur Erleuchtung führt.

Hier spüren die Gläubigen ihre tiefste

Verbundenheit mit dem großen

Ganzen. Nach einer oftmals langen

und strapaziösen Anreise umwandern

die Pilger den Berg meist in drei

Tagen. Höhepunkt ihrer Reise ist

Spirituelles Kamalaya

Im Jahr 2000 entdeckte der Kanadier

John Stewart im wilden Süden

der thailändischen Insel Ko Samui

eine jahrhundertealte Felsenhöhle,

in der einst bedeutende buddhistische

Mönche lebten und meditierten.

Hoch oben auf einem von

der mit einem Meer bunter Gebetsfahnen

geschmückte Dolma-La-

Pass auf 5.600 Metern.

Wer besonders viel spirituelle

Kraft aufnehmen will, berührt auf

seinem Weg durch Niederwerfungen

sogar jeden Abschnitt des heiligen

Bodens. Die Gläubigen brauchen für

eine Kora zwei bis vier Wochen.

Touren durch die ursprüngliche Natur

des Himalaja, die unter anderem

auch zum und um den Kailash führen,

sind bei Neue Wege Seminare

& Reisen buchbar, dem Spezialisten

für natürliches und bewusstes Reisen.

Hierbei können spannende Ein-

tropischem Dschungel bedeckten

Küstenhang gelegen, eröffnet sich

von ihrem Eingang ein weiter Blick

über die Insel und das Meer.

Wie die Mönche spürte auch Stewart

die heilsame Aura dieses Küstenabschnitts,

eine besonders starke

Die Strandvillen des Resorts verfügen

über eine private Terrasse

Bild: Kamalaya

Vom Chiu-Kloster aus eröffnet sich ein weiter Blick über

die tibetische Hochebene und den Heiligen Kailash

blicke in die tibetische Spiritualität

gewonnen werden - und vielleicht

auch in sich selbst (www.neuewege.

com, www.kailash-reisen.com).

Verbindung zur Natur und eine Art

göttlicher Energie. Deshalb schuf

er genau hier gemeinsam mit seiner

Frau ein Spa Resort, in dem heute

Erholungssuchende aus aller Welt

neue Kraft tanken. Die Magie der

Landschaft wurde durch die naturverbundene

Architektur erhalten,

die Höhle im Herzen der Anlage

steht Gästen jederzeit zur Meditation

offen. Die Umgebung in Verbindung

mit ganzheitlichen Therapien

aus Asien und dem Westen soll

dabei unterstützen, langfristig ein

gesünderes Leben zu führen, so

die Philosophie des Resorts (www.

kamalaya.com).

Das Herz von

Kamalaya: der

Meditationsort in der

alten Felsengrotte

Bild: Kamalaya

04/2013

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Gesundheitshinweise und aktuelle Kurse asiatischer Währungen

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Reise

Malaysia – Kuala Lumpur

Kein Ort für Energiesparer

Jeden Abend leuchten die Lichter der Großstadt besonders intensiv,

denn Malaysias schier unerschöpfliche Öl- und Gasquellen sind das

Rückgrat der nationalen Wirtschaft. Mei-Ling Lüdi, Miss Malaysia

2000, führt Touristen durch die mit unzähligen Shopping Malls

ausgestattete Glitzerwelt. Dabei kennt sie auch eine andere aus

ihrer Jugend: die beschauliche Schweizer Kleinstadt Thun

58

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Im Schmelztiegel Kuala Lumpur haben Inder, Chinesen

und andere Volksgruppen jeweils ihre eigenen

Stadtviertel

04/2013


Das markante Symbol des

Reichtums von Kuala Lumpur

sind die 452 Meter hohen

Zwillingstürme des Unternehmens

Petronas (im Bild rechts)

D

ie futuristische Stahl- und

Glasarchitektur der Petronas

Twin Towers reflektiert

ab dem späten Nachmittag

das ständig wechselnde Sonnenlicht.

Ab 19 Uhr erstrahlt der Gigant

im silbern gleißenden Licht der

Scheinwerfer. Mei-Ling Lüdi und

eine kleine Gruppe Schweizer Touristen

beobachten das Farbenspiel

aus der Skybar des Traders Hotels,

direkt neben den Zwillingstürmen.

Mit einem bunten Cocktail läuten

sie den späten Teil ihrer privaten

Tour durch die Metropole ein. Mei-

Ling Lüdi ist nicht nur Reiseleiterin,

sondern genießt in Malaysia einen

gewissen Prominentenstatus. Sie

war „Miss Malaysia 2000“, moderierte

Fernsehsendungen, spielte in

einem Kinofilm und in zahlreichen

Werbespots mit. Doch als die Reisegruppe

sie darauf anspricht, lacht

die Halbasiatin nur verlegen.

Vermutlich wäre alles anders gekommen,

wenn Charles Lüdi 1960

nicht den Film „Die Welt der Suzie

Wong“ gesehen hätte. Doch so

ging der junge Schweizer für seine

Firma nach Malaysia und lernte

Nancy kennen. Ihre gemeinsame

Tochter Mei-Ling wuchs zwar in

der Schweiz auf, wurde jedoch in

Kuala Lumpur im Jahr 2000 zur

„Miss Malaysia“ gewählt.

Dass sich die ehemalige Flugbegleiterin

von Swiss Air und Singapore

Airlines vor 13 Jahren dem

Schönheitswettbewerb stellte, war

für sie eher ein Spaß. „Schon meine

Cousine war 1979 Miss Malaysia,

weshalb meine Tante scherzhaft

sagte, es sei doch schön, zwei davon

in der Familie zu haben.“ Mei-

Ling Lüdi bewarb sich, gewann die

Krone und vertrat Malaysia auch

bei den Miss Universe-Wahlen auf

Zypern, wo jedoch eine Inderin gewann.

„Verdient“, fügt die Schweizerin

hinzu.

Kuala Lumpur von oben

Weiter geht es zum KL-Tower, dem

421 Meter hohen Fernsehturm, der

inmitten der Großstadt auf einem

dicht bewaldeten Hügel steht. „Die

meisten Touristen wollen unbedingt

die Skybridge zwischen der 41. und

42. Etage der Petronas Twin Towers

besuchen“, sagt Mei-Ling Lüdi.

„Doch der 360-Grad-Blick vom

KL-Tower lohnt sich viel mehr,

weil man von dort aus ganz Kuala

Lumpur inklusive der Zwillingstürme

sehen kann.“ Der KL-Tower

ist bis 22 Uhr geöffnet und vor

allem in der Dunkelheit beeindruckend.

Dann schweift der Blick

über hell erleuchtete Straßen und

Stadtviertel mit ihren Moscheen,

Reise

Mei-Ling Lüdi, Miss Malaysia 2000, lebt mit ihrer Familie in

der 31. Etage eines Hochhauses in einem Außenbezirk KLs

Kirchen, Tempeln, vielen Parks,

Kolonialhäusern und immer mehr

Hochhäusern. Kaum zu glauben,

dass diese hochmoderne 2,5-Millionen-Einwohner-Metropole

vor

150 Jahren nur ein schlichtes Hüttenlager

chinesischer Zinnsucher

im Dschungel war. Die Pioniere,

von denen viele an Malaria starben,

gaben dem Ort auch den wenig

schmeichelhaften Namen Kuala

Lumpur, also „schlammige Flussmündung“.

Einigkeit ist Stärke

Für Mei-Ling Lüdi ist Kuala Lumpur

die Stadt, in der sie 1974 geboren

wurde und später als Teenager

ein paar Nächte in den Discos

durchmachte. Doch den überwiegenden

Teil ihrer Kindheit und Jugend

verbrachte sie in der Schweizer

Kleinstadt Thun, in der ihre

Eltern einen chinesischen Partyservice

betrieben. „Mindestens einmal

pro Jahr flogen wir nach Malaysia

und besuchten die Verwandten“,

sagt die Frau aus den beiden sehr

unterschiedlichen Kulturkreisen.

Am nächsten Morgen. Mei-Ling

Lüdi bringt ihre Reisegruppe zum

Merdeka Square. Auf dem ehemaligen

Cricket-Feld wurde 1957 die

britische Fahne eingeholt und der

unabhängige Staat Malaysia ausgerufen.

Das gepflegte Grün wird

umrahmt von denkmalgeschützten

britischen Kolonialhäusern und

dem Sultan Abdul Samad Gebäude,

04/2013

www.inasien.de 59


Reise

das mit seinen Kupferkuppeln und

seinem 41 Meter hohen Uhrenturm

aussieht, als sei es „Tausendundeiner

Nacht“ entsprungen.

Auf dem Merdeka Square wird

immer am 31. August der Unabhängigkeitstag

mit großen Paraden gefeiert.

Wenn malaysische, chinesische

und indische Gruppen Seite

an Seite marschieren, zeigt sich der

Vielvölkerstaat Malaysia von seiner

buntesten Seite. „Zwar wird auch

heute noch stark zwischen chinesischen

Malaysiern und indischen

Malaysiern unterschieden“, sagt

Mei-Ling Lüdi, „doch im großen

und ganzen leben wir alle harmonisch

miteinander.“ Das zeigt sich

auch im Staatswappen, in dem zwei

Tiger ein Spruchband mit der Aufschrift

„Bersekutu Bertambah Mutu“

(Einigkeit ist Stärke) halten.

Von dieser angestrebten Harmonie

im Schmelztiegel Kuala Lumpur

hat Mei-Ling Lüdi durchaus

profitiert. Da sie äußerlich keiner

Volksgruppe zuzuordnen ist, wurde

sie als Darstellerin für bislang mehr

als 40 Werbespots im malaysischen

Fernsehen gebucht. „Ich habe für

Telefone, Getränke, Käse und viele

andere Nahrungsmittel geworben“,

lacht die Halbschweizerin. „Fast

immer habe ich eine Mama gespielt

und hatte Kinder und Partner an der

Seite, die optisch ebenfalls keiner

klaren Gruppe zuzuordnen waren.“

Essen rund um die Uhr

Seit Juni 2012 ist Mei-Ling Lüdi

auch im wahren Leben Mutter. Sie

und ihr Mann David, ein indischchinesischer

Malaysier, bekamen

Tochter Isabelle. „Seitdem findet

mein Leben vorwiegend in der Welt

der Einkaufszentren statt“, gibt die

Halbasiatin zu. „Kuala Lumpur ist

eine Stadt für Erwachsene, es ist

heiß und die wenigen Bürgersteige

sind nicht für Kinderwagen geeignet.

Da fühle ich mich in klimatisierten

Shopping Malls mit ebenen

Böden wohler. Und einige davon

sind fast so groß wie mein Heimatort

Thun.“

Riesige Shopping Malls, wie hier in den unteren Etagen der Petronas Twin

Towers, prägen das Stadtbild. Die Kommerztempel bieten Schutz gegen die

starke Sonne, die hohe Luftfeuchtigkeit oder die gelegentlichen Regenfluten

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04/2013


Reise

Mit ihrer Schweizer Gruppe fährt

die Reiseleiterin weiter zum Pasar

Seni. Die Markthalle wurde in den

30er Jahren im Art Deco-Stil erbaut

und sollte 1986 abgerissen werden.

Als Denkmalschützer protestierten,

wurde das Bauwerk renoviert und

ist seither ein Magnet für Touristen,

die auf zwei Etagen Handwerk,

Souvenirs, Antiquitäten und Lebensmittel

kaufen.

Mei-Ling Lüdi, die im Auftrag

einer weltweit tätigen Firma auch

westliche Ausländer auf das Arbeitsleben

in Malaysia vorbereitet,

sind Orte wie Pasar Seni zu touristisch.

„Ich bringe Besucher lieber

auf lokale Märkte in Chinatown

und in kleine Garküchen, die ich

auch privat besuche.“ Sie liebt die

„Mamak Stalls“, die für umgerechnet

zwei Euro gutes und günstiges

Essen servieren. „Den kulturellen

Mix Malaysias lernt man nirgendwo

besser kennen als in den Restaurants“,

sagt Mei-Ling Lüdi. „In

Kuala Lumpur kannst Du rund um

die Uhr Essen gehen. Freunde fragen

sich zur Begrüßung nicht „Wie

geht es Dir?“, sondern immer nur

„Hast Du schon gegessen?“

Die Reisegruppe muss sich sputen,

um noch am Vormittag die

Hauptmoschee Masjid Negara mit

ihrem 73 Meter hohen Minarett

besuchen zu können. Nicht-Moslems

wird nachmittags kein Zutritt

mehr unter dem großen sternförmigen

Dach gewährt. „Der Islam

ist Staatsreligion, aber die vielen

verschiedenen Religionen im Land

respektieren sich gegenseitig“, betont

Mei-Ling Lüdi. Die strengen

Regeln des Islams hätten ihr jedoch

einen Vorteil bei der Miss-Wahl

beschert: „Es gibt eine Menge bildhübsche

Malaysierinnen, die aber

seit den 1990er-Jahren nicht mehr

bei Miss-Wahlen teilnehmen dürfen.

Ein Schaulaufen im Bikini verträgt

sich nicht mit dem Islam.“

Nichts geht über die Familie

So unterschiedlich die Traditionen

der Moslems, Hindus, Buddhisten

Das Sultan Abdul Samat-Gebäude steht gegenüber vom geschichtsträchtigen Merdeka Square,

Schauplatz des erstmaligen Hissens der malaiischen Nationalflagge am 31. August 1957

und Christen in Malaysia auch sind,

sie alle betrachten die Familie als

wichtigsten Mittelpunkt des Lebens.

Jedes religiöse Fest ist zugleich ein

Anlass, Angehörige und Freunde in

ihrem Haus zu besuchen.

Mei-Ling Lüdi wohnt eine halbe

Stunde außerhalb Kuala Lumpurs

in der 31. Etage eines Hochhauses.

Weil die Preise für Wohnungen in

den letzten Jahren enorm explodiert

sind, können sich immer weniger

Malaysier ein Leben im Zentrum

der Hauptstadt leisten. „Für eine

Dreizimmerwohnung werden schon

mal 3.000 Euro und mehr verlangt,

das Vierfache dessen, was eine

Sekretärin verdient“, sagt Mei-Ling

Lüdi.

In ihrer Wohnung bewahrt die

Halbschweizerin bis heute die Krone

und Schärpe auf, die sie als Miss

Malaysia gewann. Heimweh nach

den malerischen Schweizer Berglandschaften

kommt dennoch regelmäßig

auf. Deshalb fliegt Mei-Ling

Lüdi einmal jährlich zurück nach

Thun. Im September 2012 nahm sie

erstmals ihre Tochter Isabelle mit.

Da war sei drei Monate alt, genauso

alt wie Mei-Ling Lüdi, als sie 1975

erstmals zwischen Malaysia und

der Schweiz pendelte.

Michael Scholten

Mei-Ling Lüdi kann als

Reiseleiterin in Kuala Lumpur für

Privatleute und Gruppen gebucht

werden: www.malaysia-direkt.ch

Reiseangebote

Kuala Lumpur

Legendäre Rundreise

9-tägige Rundreise. Höhepunkte: Kuala

Lumpur, Cameron Highlands, Ipoh,

Kuala Kangsar, Pangkor, George Town,

Penang, Kota Bahru. Engl.-spr RL, Ü/F

ab 1.415 SFr p.P. im DZ, inkl. Transfers.

Malaysia Direkt, Tel. +41(0)4490712,

www.malaysia-direkt.ch

Höhepunkte Malaysias

6-tägige Rundreise. Höhepunkte: Kuala

Lumpur, Malacca, Kuala Selongor,

Cameron Highlands, Penang. Dt.-spr.

RL, Ü/F ab 1.385 € p.P. im DZ, inkl.

Transfers. Asia Select, Tel. +49 (0)911-

580510, www.asia-select.de

Stopover-Programm KL

3-tägige Erlebnisreise. Höhepunkte:

Kuala Lumpur, Chinatown, Bukit Bintang

Walk, Twin Towers. Engl.-spr. RL, Ü/F

ab 500 € p.P. im DZ, inkl. Transfers.

Dertour, Tel. +49 (0)69-95885928,

www.dertour.de

04/2013

www.inasien.de 61


Leser

berich t en

N

62 www.inasien.de

ach mehreren spannenden Japanreisen

führte mich im Frühjahr 2003

erstmals mein Weg auf die Philippinen.

Das Ziel war Boracay, die

Perle der Visayas, einer Inselgruppe

im Zentrum des philippinischen

Archipels. Unterkunft fand ich im

„Bed & Breakfast“, einem familiär

geführten Resort eines Engländers,

ziemlich in der Mitte der Insel. Auf

Grund des schwül-heißen Klimas

zog es mich trotz zahlreicher Inselerkundungen

immer wieder für ein

erfrischendes Bad an den herrlichen

White Beach.

Nur einige Schritte von meinem

Resort entfernt – und somit auf dem

Weg zum Strand – saß täglich ein

kleines Mädchen vor ihrem Haus

Philippinen

„Hello, Ninong Peter!“

Mit diesen Worten beginnen alle Emails, die ich von meinem Patenkind Honey aus

Boracay erhalte. Ninong heisst auf philippinisch Patenonkel – und es ist eine schöne Geschichte,

wie ich zu diesem Namen kam

von inAsien-Leser Peter Radig

und verkaufte Gebäck und Trinkwasser.

Und jedes Mal, wenn ich

an ihrem Haus vorbeikam, schaute

sie mich mit ihren großen Augen

an und grüßte mich mit einem

freundlichen „Hello“. Nach einigen

Tagen fragte ich sie nach ihrem

Namen. „My name

is Honey!“,

kam es etwas

zögerlich. „And

my name is Peter!“,

sagte ich zu

ihr und drückte

dem Mädchen für

eine Wasserflasche

ein paar Peso in die

Hand. Von nun an

grüßten wir uns täglich

mit „Hello Honey!“ und „Hello

Peter!“, wenn wir uns an der Straße

oder am Strand des White Beach

trafen.

Am vorletzten Urlaubstag nahm

ich mir ein paar

04/2013

Der nächste Segeltörn ruft! Peter Radig umgeben von seiner

Großcousine Claudia, Honey und ihren Schwestern


Minuten Zeit und lief zu

ihrem Haus, um mich von

Honey persönlich zu verabschieden.

Ich übergab

ihr einen kleinen Brief

mit etwas Geld und bedankte

mich mit ein paar

Zeilen für ihr beständig

freundliches Lächeln,

dass ich in Erinnerung

behalten würde.

Eine wichtige

Entscheidung

Am Morgen meiner

Abreise – ich

saß bereits im Tricycle

und wollte

zur Bootstation

fahren – kam

die kleine Honey mit Zettel

und Stift auf mich zugerannt und

bat mich um meine Adresse. Als

ich mich von dem siebenjährigen

Mädel verabschiedete, ahnte ich

noch nicht, dass ich in der nächsten

Stunde eine wichtige Entscheidung

in meinem Leben fallen würde.

Denn auf der Busfahrt zum Airport

von Kalibo auf der Nachbarinsel

Panay dachte ich sehr intensiv darüber

nach, wie ich einen bleibenden

Kontakt zu Honey pflegen könnte.

Und auf einmal war die Idee geboren:

Warum sollte ich nicht eine

Patenschaft übernehmen?

Honey und ihre sieben weiteren

Geschwister, die zwischen vier und

siebzehn Jahren alt waren, lebten

mit ihren Eltern in äußerst bescheidenen

Verhältnissen. Acht

Kinder satt zu bekommen und noch

dazu für das benötigte Schulgeld

aufzukommen, war für den Vater

ein finanzieller Kraftakt. Doch die

außerordentliche Lebensfreude der

Familie, trotz ihres sehr einfachen

und schlichten Lebens, war für

mich mehr als beeindruckend.

Der Stein, der rollt

Als ich meinen Freunden von der

Urlaubsreise und meiner Entscheidung

zu einer Patenschaft berichtete,

entschied sich eine gute Bekannte

aus Dresden

spontan für

die Patenschaft

eines Bruders

von Honey. Und

so kam ein Stein

ins Rollen, denn ihre

Mutter sowie ein

mit ihr befreundetes

Ehepaar unterstützen

inzwischen die Familie

ebenso. Somit wird

allen Geschwistern, die

noch zur Schule gehen, eine solide

Ausbildung ermöglicht.

Jedes Jahr, wenn ich auf Boracay

bin, werde ich von der Familie

meines Patenkindes warmherzig

empfangen. Die Abende verbringen

wir meist bei Gemeinschaftsspielen

wie Rommé, Schach oder Halma.

Tagsüber sind Tischtennis und gelegentlich

Fußball unsere liebsten Freizeitbeschäftigungen.

Die Besuche

der Ati-Atihan-Feste in Kalibo und

Ibahay auf der Nachbarinsel Panay,

sowie Segeltörns vor der Küste und

um die Insel Boracay herum und

das gemeinsame Weihnachten und

Silvesterfeiern gehören zu unseren

absoluten Höhepunkten.

Am 31. März 2012 war schließlich

der Graduation’s Day meines

Patenkindes und ich nahm an der

Feier ihres letzten Schultages teil.

Honey war überglücklich, dass ich

mit ihr gemeinsam der festlichen

Veranstaltung beiwohnte. Und für

mich war es eine Freude, ihr während

des Festaktes zwei Medaillen

überreichen zu können. Inzwischen

hat Honey eine Ausbildung im IT-

Bereich auf der Nachbarinsel Panay

begonnen.

Gemeinsame Segeltouren in den

Sonnenuntergang am vorletzten

Reise

Honey und ihr Bruder Tristan im Jahr 2003, dem

Jahr, als Peter Radig sich entschied, Pate zu werden

Leserreisen gesucht!

Auf dieser Doppelseite kann jeder zu

Wort kommen, der in Asien seine ganz

persönlichen Erfahrungen gemacht hat.

Einzige Voraussetzung: Die Geschichte

sollte mit eigenen Bildern illustriert

werden, von denen ein Bild den Erzähler

zeigt. Der Text sollte etwa 4.000

Zeichen ohne Leerzeichen enthalten.

Für jede abgedruckte Geschichte gibt

es ein kostenloses Jahresabonnement

von inAsien!

Zuschriften bitte an:

redaktion@inasien.de oder

Asia Vision Verlag / Leserreise

Rudolfstr. 22-24, 60327 Frankfurt

Fax: +49 (0)69-665632-22

Abend meiner Urlaube gehören

inzwischen zu unseren Ritualen.

Wir genießen dann die Stille, wenn

das Segelboot fast lautlos über die

Wellen gleitet. Wenn dann noch ein

herrlicher Sonnenuntergang zu sehen

ist, wünschen wir uns, dass die

Zeit bis zum nächsten gemeinsamen

Urlaub so schnell wie möglich vergehen

möge.

Blick auf den White

Beach, Peter Radigs

Lieblingsstrand

auf Boracay, einer

Inselgruppe im

Zentrum des

philippinischen

Archipels

04/2013

www.inasien.de 63


Asien mit Links

Home Reportagen Wirtschaft Kultur

Besuchen Sie inAsien im Internet: www.inasien.de

www.gruener-fliegen

Der Verkehr ist heute bereits für 26 Prozent des Energieverbrauchs verantwortlich,

der Flugverkehr dabei von wachsender Bedeutung. inAsien hat demnach die

Internetseiten von Fluggesellschaften nach Nachhaltigkeitsprojekten durchforstet

Das frühsommerliche Hochwasser

dieses Jahr wird dem unaufhaltsamen

Klimawandel zugeschrieben.

Und wer soll die Schuld tragen?

Der Mensch und mit ihm

vor allem der Tourismus. Denn

laut weltweiten Analysen sollen

die CO 2 -Emissionen des Flugverkehrs

erheblich zum Klimawandel

beitragen. Zahlreiche Billigflieger

fördern mit ihren Preisen diese

Tendenz und stellen eine große

Konkurrenz zu Bahn- und Busreisen

dar. Eins ist natürlich klar: Wer

nach Asien will, der hat wenige Alternativen

zum Flugzeug. Seitdem

die EU Fluggesellschaften zu einer

Klimaschutzabgabe verpflichtet

hat, wurden schon einige Projekte

im Bereich „grüner Fliegen“ in die

Welt gerufen.

Freiwilliger

Emissionsausgleich

Thai Airways International informiert

auf www.thaiairways.com

ausführlich über seinen Beitrag

www.anahd.co.jp betankt seine Flotte mit Biosprit und

engagiert sich mit diversen Umweltschutzprojekten

www.thaiairways.com macht auf das freiwillige Emissionsausgleich-Programm

aufmerksam

zum Umweltschutz – und das auch

in deutscher Sprache. Die Fluggesellschaft

möchte Passagiere auf

sein Kohlendioxid-Emissionsausgleich-Programm

aufmerksam machen.

Somit kann jeder Passagier

bei Buchung über die Internetseite

die ausgestoßene CO 2 -Menge

des jeweiligen Flugs einsehen und

darüber entscheiden, ob und wie

er den CO 2 -Ausstoß kompensieren

möchte, etwa mit Spenden für

Projekte im Bereich der erneuerbaren

Energien oder für Windund

Wasserkraftanlagen unter dem

Menüpunkt „Plan your Trip“ und

dann unter „Before you fly“. Thai

Airways ist im Übrigen die erste

Luftgesellschaft innerhalb Asiens,

die kommerzielle Passagierflugzeuge

mit Biosprit betankt.

Konzept „grüner Fliegen“

Die chinesische Airline China

Southern hat die größte Flotte, das

am besten entwickelte Streckennetz

und die größte Passagierkapazität

unter allen Fluggesellschaften der

Volksrepublik. Auf www.csair.com

wird unter „About Us – Company

profile“ und „Green Flight“ in englischer

Sprache erläutert, wie viel

durch bessere Streckennetze und

den hochmodernen 460 Flugzeugen

an Energie und CO 2 -Verbrauch

eingespart wird. Jeweils zehn Cent

64

www.inasien.de

04/2013


Service Kulinarisches Reisetipps Gesundheit

pro verkauftes Ticket gehen an Umweltschutz-

und Hilfsprojekte.

Biosprit & Leichtbau

Die japanische All Nippon Airways

(ANA) ist um den Umweltschutz

auf www.anahd.co.jp sehr bemüht.

Der erste Trans-Pazifik-Flug wurde

etwa mit einer mit Biotreibstoff betriebenen

Boeing durchgeführt. Damit

wurden 30 Prozent des üblichen

CO 2 -Ausstoßes eingespart.

ANA verfügt wie Thai Airways,

so die Info auf www.anahd.co.jp,

über ein Emissionsausgleich-Programm

und unterstützt Projekte

zum Schutz der Wälder, genannt

„ANA Fly Eco 2020“. Außerdem

finanziert die Gesellschaft mit dem

Projekt „Team Tyura Sango“ die

Rekultivierung von Korallenriffen.

Mehr dazu unter dem Menüpunkt

„Environmental Initiatives“.

Auch China Airlines bemüht sich

um leichtere Flugzeugkonstruktionen

und damit treibstoffeffizientere

Technologie. Die Suche nach

Informationen zu entsprechenden

Konzepten zum Thema „grüner

fliegen“ erweist sich auf der Internetseite

www.chinaairlines.de

jedoch als Suche nach der berüchtigten

Nadel im Heuhaufen. Die

taiwanesische Airline beschreibt

zwar unter „Infos & Services“ und

dann unter „Flotte“, dass der Airbus

A330-300 durch die besondere

Technologie eine höhere Treibstoffkapazität

aufweist, weitere Infos

lassen sich jedoch nicht finden.

terstützt ebenfalls Hilfsprojekte im

Bereich von Naturkatastrophen.

Ob und inwiefern Fluggesellschaften

mit ihren Nachhaltigkeitsprogrammen

erfolgreich sein werden,

lässt sich noch nicht sagen, geschweige

denn beweisen. Dennoch

sollten Flugsuchende Aktivitäten in

diesem Bereich damit honorieren,

dass sie entsprechende Fluggesellschaften

anderen vorziehen. Unter

den europäischen Fluggesellschaften

sind insbesondere Lufthansa,

TUIfly und KLM Royal Dutch Airlines

sehr um Nachhaltigkeit bemüht.


Simona Bianco

simona.bianco@asiavision.de

die besten WebSiteS

gruener-fliegen

Adresse Design Inhalt

www.thaiairways.com 1 1

www.csair.com 2 2

www.anahd.co.jp 2 1

www.chinaairlines.de 2 3

www.singaporeair.com 1 2

www.koreanair.com 2 2

www.tuifly.com 3 2

www.klm.com 2 1

www.lufthansa.com 2 1

www.koreanair.com

besitzt seit den

1990er-Jahren

ein Nachhaltigkeitsmanagement

und fördert unter

anderem Aufforstungsprojekte

TOP = 1, FLOP = 5

Für Umweltschutz und

Nachhaltigkeit

Einige Fluggesellschaften unterstützen

auch Umweltprojekte: Singapore

Airlines (www.singaporeair.com)

zum Beispiel engagiert

sich im Rekultivierungsprogramm

von grünen Flächen in Singapur

und investiert in den Schutz von

Regenwäldern und Technologien,

die Energie sparen sollen.

Die koreanische Luftfahrtgesellschaft

Korean Air will unter dem

Menüpunkt „Über uns“ auf www.

koreanair.com schon in den 1990er-

Jahren ihre Umweltphilosophie

offenbart haben. Seitdem fördert

sie Umweltschutzmassnahmen in

Übersee mit dem Aufforstungsprojekt

„Korean Air Forest“, durch das

nicht nur Wüstenbildung vermieden,

sondern auch der Ausstoß von

Treibhausgasen verringert werden

soll. Die geräuscharmen Flugzeuge

verfügen außerdem über eine hohe

Treibstoffeffizienz. Die Airline unwww.csair.com

versucht durch bessere Planung der Streckennetze und neuer

Technologien CO2-Emissionen zu reduzieren

04/2013

www.inasien.de 65


Service

Bild: AX / flickr.com

Einmal OP und zurück

Ob Singapur, Kuala Lumpur oder Bangkok, die Behandlungsqualität in Asiens

Privatkliniken ist oftmals auf gleichem Niveau wie im Westen. Warum also keine

Zahnbehandlung oder Laser-OP dort, wo man sonst normalerweise Urlaub macht?

inAsien erläutert Chancen, Risiken und Hintergründe

66

Mehr als die Hälfte aller befragten

Europäer gab in einer Studie an,

sich vorstellen zu können, medizinische

Hilfe künftig auch gezielt

im Ausland zu suchen. Hintergrund

dieses neuen Megatrends

sind nicht nur die Kostenexplosion

im Gesundheitswesen oder lange

Wartezeiten bei hochspezialisierten

Fachärzten. Manche ausländische

Privatklinik bietet mittlerweile

auch Behandlungsstandards, von

denen selbst Privatpatienten eines

deutschen Universitätskrankenhauses

nur träumen können. Einer

McKinsey-Studie zufolge wurden

auf dem Gebiet des Gesundheits-

www.inasien.de

und Medizintourismus 2012 weltweit

bereits rund 100 Milliarden

Dollar umgesetzt – ein Zuwachs

von 150 Prozent seit 2004! Im

nächsten Jahrzehnt wird in diesem

Segment weiterhin mit zweistelligen

Zuwachsraten gerechnet.

Gleicher Standard,

Bruchteil der Kosten

Unterschieden wird bei medizinisch

motivierten Reisen meist zwischen

den Sparten Präventionstourismus,

Operationstourismus und Rehabilitationstourismus.

Waren das typische

Reiseziel europäischer Medizintouristen

in den 1980er und

Der kostenfreie Getränkeservice gehört in

vielen modernen Krankenhäusern Asiens

zum Standard

04/2013


frühen 90er Jahren vor allem die

USA, rückten später verstärkt die

benachbarten EU- und ehemaligen

Ostblockstaaten in den Fokus. Vor

allem als Ziel für Zahnbehandlungen,

Augen- und Schönheitsoperationen.

Seit circa sechs Jahren

geht der Trend eindeutig Richtung

Fernost. Zwei Drittel des globalen

Medizintourismusmarktes werden

heute bereits innerasiatisch abgewickelt.

Die Motive für eine Behandlung

im Ausland sind vielfältig.

In ärmeren Gebieten Asiens, z.B.

Bangladesch, ist eine adäquate medizinische

Behandlung oft nicht

verfügbar und die kurze Reise zu

den Nachbarn ein Muss. Für arabischstämmige

Medizintouristen ist

oft Anonymität ein wichtiges Argument,

während viele Amerikaner

und Europäer vor allem den günstigen

Preis als Anreiz empfinden.

Oft liegt der finanzielle Aufwand

für eine ambulante oder stationäre

Behandlung inklusive Flug tatsächlich

50 Prozent und mehr unter den

Kosten für eine entsprechende Behandlung

im Heimatland. Außerdem

werden viele Operationen ohne

Wartezeiten durchgeführt – freilich

oft auf Kosten der einheimischen

Bevölkerung, die sich diesen Luxus

nicht leisten kann.

Die Behandlungsqualität, vor

allem in Thailand und Singapur, ist

der im Westen mittlerweile ebenbürtig,

wenn nicht gar manchmal sogar

überlegen. Und das nicht nur im

Hinblick auf fortschrittliche Therapien

oder Operationstechniken. Die

Krebstherapie in Singapur ist heute

mindestens mit der Versorgung in

den USA zu vergleichen. Und das

zu einem Bruchteil der Kosten.

Gut betreut

Doch es muss nicht immer um

lebensbedrohliche Erkrankungen

gehen. Nach dem schmerzhaften

Verlust einer Zahnkrone während

einer Thailandreise konnte sich die

Autorin in einer Klinik am Stadtrand

von Pattaya selbst vom hohen

Standard der thailändischer Zahnmedizin

überzeugen. „Die Asiaten

haben hier die Nase vorn“, erzählt

die europäischstämmige Geschäftsführerin

einer Airline im Wartebereich,

die sich aus Überzeugung nur

noch in ihrer Stammklinik auf Ko

Samui behandeln lässt. Ein deutscher

Hotelier schwört dagegen auf

die Künste eines Landsmannes, der

eine Praxis unweit von Manila betreibt.

„Das bedeutet deutsche Qualität

zu philippinischen Preisen“,

gibt er sich überzeugt.

Aber auch was pflegerische Betreuung

und menschliche Zuwendung

angeht – Aspekte, die hierzulande

auf Grund von Kostendruck

und Personalmangel oft unter die

Räder kommen – können die Asiaten

punkten, sofern Sprachbarrieren

nicht zum Hemmschuh werden.

Praktisch alle Ärzte und auch das

Pflegepersonal renommierter Kliniken

spricht aber normalerweise

fließend Englisch.

Wie im normalen Tourismusgeschäft

differenziert sich auch der

medizinische Reisemarkt zunehmend

in ein Luxussegment und den

Massenmarkt. Suchen auf der einen

Seite wohlhabende Patienten die

weltweit beste Behandlung, wobei

die Kosten nur eine untergeordnete

Rolle spielen, werden am anderen

Ende Operationen am Fließband

durchgeführt, bei der die Hygiene

das eine oder andere Mal zu

kurz kommt. Spektakulär etwa ein

Fall in 2010, als Medizintouristen

das gegen jede Form von Antibiotika

resistente Super-Bakterium

Service

Auch was die pflegerische Betreuung und menschliche Zuwendung angeht können die Asiaten

punkten, sofern Sprachbarrieren nicht zum Hemmschuh werden

0800 - 711 17 00

Bild: World Banc Collection / flickr.com

04/2013

www.inasien.de 67


Service

NDM-1 aus Indien nach Europa

einschleppten.

Grundlage Kostenplan

Anders als bei einer medizinisch

notwendigen Behandlung im EU-

Ausland, für die die Krankenkassen

die Kosten auf Grundlage einer

noch 2013 erwarteten Gesetzesnovelle

mit wenigen Ausnahmen auch

für stationäre Heilbehandlungen

übernehmen müssen, ist eine Kostenerstattung

bei einer Behandlung

in Asien weitaus schwieriger, wenn

nicht fast unmöglich. Zumindest

noch für gesetzlich Versicherte.

Während private Kassen schon

wegen des Einsparpotentials vergleichsweise

häufig flexibel agieren

oder sogar Verträge mit Partnerkliniken

im Ausland haben, sind die

gesetzlichen Kassen restriktiv. Sind

etwa TK, Barmer, AOK und Co.

zwar dem Thema gegenüber aufgeschlossen,

mahlen jedoch die bürokratischen

Mühlen im öffentlichen

Gesundheitssystem langsam.

Grundsätzlich gilt: Wer einen Teil

oder die gesamten Kosten erstattet

bekommen möchte, sollte vor einer

geplanten Behandlung unbedingt

mit seiner Kasse Kontakt aufnehmen

und einen plausiblen Kostenplan

vorlegen. Gegebenenfalls

gelingt es mit Unterstützung eines

behandelnden Arztes eine Einzelfallentscheidung

durchzubringen.

Brustvergrößerung, Fettabsaugen

oder Lidstraffung zum Schnäppchenpreis

müssen komplett selbst

bezahlt werden. Eine Chance auf

Beteiligung der Kasse gibt es nur

bei medizinisch notwendigen Behandlungen,

d.h. Operationen oder

Therapien, die auch zu Hause übernommen

oder bezuschusst werden

würden.

An Nachsorge gedacht?

Mussten Patienten sich früher in

mühevoller Recherchearbeit eine

geeignete Klinik im Ausland

suchen, gibt es heute zahlreiche

Agenturen und Veranstalter, die

medizintouristische Programme im

Nicht nur von den Behandlungsstandards manch asiatischer Einrichtung kann

man hierzulande nur träumen, auch gleichen einige unter ihnen eher Hotels (im

Bild: Bumrungrad Hospital, Bangkok)

Die Behandlungsqualität, vor allem in Thailand und Singapur, ist der im Westen

mittlerweile ebenbürtig, wenn nicht gar manchmal sogar überlegen. Und das zu

einem Bruchteil der Kosten

Bild: fooni / flickr.com

Bild: World Bank East Asia and Pacific / flickr.com

68

www.inasien.de

04/2013


Service

Top-Länder für Gesundheitstourismus

Thailand

gilt in Asien noch immer als das Medizin-Tourismusland Nummer

eins. Hier gibt es mittlerweile über 30 englischsprachige

Krankenhäuser, eine große Anzahl an Zahnkliniken sowie

Zentren für alternative Heilmethoden. Die Qualifikation des

Fachpersonals und der Ärzteschaft ist vor allem in Bangkok

extrem hoch, viele haben ihre Ausbildung in den USA absolviert.

Und Kliniken verfügen gerade in den größeren Stadten über

hochmoderne Technologie und bestes Equipment. Besonders

stark ist der Medizintourismus im Bereich Zahnheilkunde,

plastische Chirurgie, Kardiologie und Orthopädie.

Malaysia

hat in den letzten Jahren stark in den Gesundheitssektor

investiert. Fast 600.000 Medizintouristen kamen alleine in den

vergangenen zwei Jahren nach Malaysia. Mit einer sehr gut

ausgebauten medizinischen Infrastruktur und geringen Preisen

ist das Land in den Bereichen der kardiologischen und der

plastisch-ästhetischen Chirurgie ein starker Anziehungspunkt für

internationale Patienten.

Südkorea

hat seit einigen Jahren große Summen in den Markt des

Gesundheitstourismus gepumpt. Dank seines sehr hohen

Qualitätsstandards ist es vor allem bei japanischen Patienten

im Bereich der Schönheitschirurgie sehr beliebt. Zudem

konzentriert sich Südkorea auf medizinisch-präventive

Behandlungen. Westliche Medizintouristen erhalten hier eine

ganzheitliche Rundum-Versorgung, die allerdings nur einen

Bruchteil dessen kostet, was man im Heimatland zahlen müsste.

Indien

hat durch eine Kooperation der Regierung mit privaten Krankenhausgesellschaften

wie Apollo und Wockhardt Hospitals

einen hohen medizinischen Qualitätsstandard erlangt. Seine

Stärke liegt vor allem im Bereich der Ortopädie sowie bei

kardiologischen Eingriffen. Während Patienten aus Asien wegen

des hohen medizinischen Standards nach Indien reisen, kommen

westliche Patienten wegen der Kosteneinsparung: Operationen

kosten hier im Vergleich zum Westen oft nur ein Drittel bis ein

Zehntel.

Singapur

hat ein etabliertes Zentrum der Biotechnologie mit vielen

exzellenten Krankenhäusern. Bis zu 450.000 internationale

Patienten sind im letzten Jahr in Singapur behandelt worden.

Vor allem in den Bereichen der Stammzellen-Forschung und

regenerativen Behandlungsmethoden ist Singapur weltweit

führend. Darüber hinaus bewegt sich Singapur auch auf dem

Gebiet der Krebsforschung und -behandlung im internationalen

Vergleich mit an der Spitze.

Angebot haben. Dabei wird das

Zahnimplantat mit einem Strandurlaub

auf Phuket oder die Laserbehandlung

mit einer Shoppingtour in

Kuala Lumpur kombiniert.

Die vielleicht größte Hürde ist

die Nachsorge, gerade bei chirurgischen

Eingriffen wie Hüftoperationen,

Implantaten oder Bypass.

Denn was viele nicht wissen: Deutsche

Ärzte sind, außer in Notfällen,

nicht verpflichtet, sich um Patienten

ihrer ausländischen Kollegen zu

kümmern. Und zur Behandlung

kleiner Wundinfektionen oder zum

Fädenziehen nach Warschau fliegen

zu müssen, ist vielleicht lästig, dafür

nach Bangkok oder Manila zu

reisen aber wohl kaum realistisch.

Also immer vorher abklären, ob

ein Arzt zu Hause bereit ist, die

Nachsorge zu übernehmen.

Ebenfalls nicht unwichtig: in

Asien besitzen Ärzte und Kliniken

in den Regel keine mit europäischem

oder amerikanischem Standard

vergleichbaren Haftpflichtversicherungen

für Behandlungsfehler,

eine der Schattenseiten günstiger

Preise. Nähere Informationen über

die Vorteile und Risiken von Behandlungen

im Ausland bekommt

man unter anderem bei den lokalen

Verbraucherzentralen.

Text: Susanne Wess,

Dr. Thomas Hauer

Bei einem Eingriff in Asien unbedingt

zu beachten ist die Nachsorge.

Deutsche Ärzte sind, außer in

Notfällen, nicht dazu verpflichtet

Bild: Kyle Taylor / flickr.com

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+ News + + + Meldungen + + + Wirtschaft + + + News + + + Meldungen + + + News + + + Meldungen + + + News + + + M

ADB bleibt in

japanischer Hand

Zwar war er der einzige Kandidat, an seiner Qualifikation

für den Posten ändert das jedoch nichts.

Vorige Woche wählten die 67 Mitgliedsländer der

Asian Development Bank (ADB) Takehiko Nakao

zum neuen Präsidenten des Finanzierungsinstituts.

Zu großer internationaler Aufmerksamkeit brachte

es der 57-Jährige, als er am 31. Oktober 2011 die

umfassendste WährungsmarktIntervention leitete, die

Japan bis dato erlebt hat. An

einem einzigen Tag wertete die

Regierung den Yen um 4 US-

Dollar ab. Sein MBA-Studium absolvierte

Nakao an der University

of California in Berkeley. Danach

legte er eine Bilderbuchkarriere

im japanischen Finanzministerium

hin. Bis zum Antritt seines

neuen Postens als ADB-Chef hatte er den Posten des

Vize-Finanzministers inne. Seit Gründung der ADB im

Jahr 1966 stand immer ein Japaner der in Manila ansässigen

Entwicklungsbank vor. Vorerst wird das auch

so bleiben, denn Japan hält nicht nur, gemeinsam mit

den USA, die meisten Anteile, sondern ist auch eines

der wichtigsten Geberländer.

Indien

Wenn Patente nicht mehr gelten

Die indische Rechtssprechung hat den Patentschutz für ein Krebsmittel aufgehoben.

Und auch, wenn Kritiker der Pharmaindustrie jubeln, hat das seine

Schattenseiten. Pharmariese Novartis hat nach einem siebenjährigen Rechtsstreit

sein Patentmonopol auf ein Krebsmittel verloren. Es handelt sich dabei

um Glivec, eine Tablette, die bei täglicher Einnahme bei neun von zehn Patienten

eine bestimmte Form von Blutkrebs in Schach halten kann. 1.700 Euro

kostet das Mittel jedoch im Monat. Kopien des Mittels sind hingegen schon für

70 Euro im Monat zu haben – jedoch nicht mit Garantie auf ähnliche Wirkung.

Das mussten nun irakische Mediziner feststellen. Sie stellten in Bagdad 126

Patienten auf ein billigeres Präparat um – mit erschreckendem Resultat: Bei

einem Drittel der zuvor symptomfreien Patienten kehrte innerhalb eines Jahres

die Blutkrebszellen zurück. Ihre Schlußfolgerung: Ein geltendes Patent, so

sehr es auch unmoralisch sein mag, kann auch einen gewissen Schutz bilden,

zumindest gegen Billigpräparate, die nicht halten, was sie versprechen.

China

USA fordern Ende der Hackerattacken

Die US-Regierung hat den Ton im internationalen Cyberkrieg verschärft. Sie beschuldigte China so deutlich wie noch nie, Hackerangriffe von „beispiellosem

Ausmaß“ gegen amerikanische Konzerne zu unternehmen, und forderte ein Ende der Attacken. Der nationale Sicherheitsberater der

USA, Thomas Donilon, forderte die chinesische Regierung auf, die Dringlichkeit der Angelegenheit zur Kenntnis zu nehmen und die mutmaßlichen

Hackerangriffe zu untersuchen und zu beenden. Außerdem solle sich China

an der Schaffung neuer internationaler Rahmenregeln für das Treiben im virtuellen

Raum beteiligen. „US-Unternehmen sprechen zunehmend über ihre

ernsthaften Sorgen vor ausgeklügeltem, gezieltem Diebstahl vertraulicher

Unternehmensinformationen und geschützter Technologien durch Cyberangriffe,

die in beispiellosem Ausmaß aus China kommen“, sagte er auf einer

Veranstaltung der Asia Society in New York. „Die internationale Gemeinschaft

kann es sich nicht erlauben, solche Aktivitäten von irgendeinem Staat

zuzulassen.“ Die chinesische Regierung hat wiederholt abgestritten, etwas

mit den Hackerattacken auf Unternehmen zu tun zu haben. Ein Sprecher

der chinesischen Botschaft in der US-Hauptstadt Washington verwies auf

jüngste Äußerungen des bisherigen chinesischen Außenministers Yang Jiechi, der sich für die Zusammenarbeit in Bezug auf die Sicherheit des

sogenannten Cyberspace stark gemacht hat. Er betonte zudem, dass China selbst Ziel von Hackerangriffen ist. Vor ihren neuen scharfen Bemerkungen

hat die US-Regierung bereits eine groß angelegte Kampagne zur Cybersicherheit gestartet. Demnach sollen Computernetzwerke von

Unternehmen, die kritische Infrastruktur wie Stromnetze in den USA betreiben, besonders geschützt werden. Dow Jones

70

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04/2013


4 195047 404907 02

E 4,90 / CHF 9,80

AU E 5,50 / LUX E 5,50

Heft 2/07

ISSN 1438-7905

eldungen + + + News + + + Meldungen + + + News + + + Meldungen + + + News + + + Meldungen + + + News + + + Meldungen + + + N

Japan

Traditionsbruch bei Toyota

Beim weltweit größten Automobilhersteller

ist der Umbau des Managements in vollem

Gange. Neben einer Verschlankung der

Unternehmensspitze beschleunigen die Japaner

den Generationenwechsel. Mit Shinichi

Sasaki, Atsushi Niimi und Yukitoshi Funo

begeben sich drei Topmanager zeitgleich in

den Ruhestand. Auch ein internationaleres

Profil steht auf der Wunschliste der Toyota-

Chefriege. Rechnung trägt dem die Berufung

von Mark Hogan in den Verwaltungsrat.

Was auf den ersten Blick

nach Routine aussieht, kommt

bei Toyota fast schon einer

Sensation gleich: Zum ersten

Mal in der 76-jährigen Firmengeschichte

wird ein Ausländer

zum Direktor ernannt. Fremd

sind Hogan die Geschäfte des

japanischen Autokonzerns indes

nicht – er leitete zuvor das

Joint Venture von Toyota und

General Motors (GM). Der frische Wind im

Konzern soll auch die Absätze beflügeln, die

2012 unter der Zurückhaltung chinesischer

Konsumenten gelitten haben.

China

Wachstum und besseres Sozialsystem

Der neue chinesische Ministerpräsident Li Keqiang will stetiges Wirtschaftswachstum und ein besseres

Sozialsystem in den Mittelpunkt seiner Amtszeit stellen. Um jährlich 7,5% müsse die Wirtschaft

wachsen, um die Ziele für 2020 zu erreichen, sagte er. Gleichzeitig müsse China sein derzeit noch

unzureichendes Sozialsystem verbessern, um auch den schwächsten Mitgliedern der Gesellschaft

ausreichenden Schutz für Gesundheit, das Alter und andere Risiken zu bieten. „Wir müssen ein soziales

Netz schaffen, das die

gesamte Bevölkerung absichert“,

erklärte Li. „Die Regierung

sollte ein Garant für

soziale Gerechtigkeit sein.“Li

betonte auch, dass die

Staatsausgaben effizienter

eingesetzt werden müssten.

Während seiner Amtszeit

sollen die Ausgaben der

Zentralregierung sinken und keine neuen Regierungsgebäude gebaut werden. Die Genehmigungsprozesse

für Investitionen und Firmengründungen sollen verkürzt und die Zahl der Aktivitäten, die

eine staatliche Zustimmung erforderten, um ein Drittel vermindert werden. „Wenn ich die Städte und

Dörfer besucht habe, haben sich die Menschen oft darüber beklagt, dass sie die Genehmigung von

mehreren Dutzend Behörden bräuchten, um etwas zu machen oder eine Firma zu gründen. Die Leute

sind darüber sehr frustriert“, so Li. Der staatliche Genehmigungsprozess, fügte er hinzu, „bietet auch

Möglichkeiten für Korruption und Bestechlichkeit“. Li versprach, allmählich die Schranken abzubauen,

die die Landbevölkerung bisher noch daran hindern, gleichberechtige Stadtbewohner mit vollem

Zugang zu lokalen Dienstleistungen und Vergünstigungen zu werden. Er betonte aber auch, dass

dies ein langfristiger Reformplan sei, der auch davon abhänge, dass auch die Arbeitsmöglichkeiten

und die sozialen Dienstangebote in den Städten zunähmen. Dow Jones

Sonderaktion!


März/April













Indochina • Macau • Burma: Flusskreuzfahrt • Jade

Jade – das Gold Asiens

Faszinierend, wertvoll und oft gefälscht

Die Kirschgänger

So feiert Japan das Fest der Kirschblüten

Burma: Flusskreuzfahrt

auf dem Ayeyarwadi

BUSINESS

INDOCHINA

Gratwanderung

zwischen zwei Kulturen

Japans Fischereiflotten im

Kampf um Fanggebiete


Die Asientrends

auf der Internationalen

Tourismusbörse

MACAU Hong Kongs kleine

Schwester erlebt eine ungeahnte Blüte

DIE DIE MEERE

LEEREN

CHINAS

UMWELTSORGEN

Und wie die Deutschen

sie lösen können


Wirtschaft

Unausgeglichen versorgt

Während Privatkliniken in den Städten auf internationalem Niveau operieren,

fehlt es vor allem in ländlichen Gebieten an modernem Equipment. Das muss

überwiegend importiert werden

In Sachen Krankenversorgung ist das

Gefälle zwischen Stadt und Land

groß. Während sich die meisten Einrichtungen

im Gesundheitssektor

auf die großen Städte konzentrieren,

nimmt die Versorgungsqualität

ab, je mehr man ins asiatische Hinterland

stößt. Ein Grund dafür sind

die geringen Gesundheitsausgaben

pro Kopf im internationalen Durchschnitt:

Während der deutsche Staat

im Jahr 2010 pro Bürger 4.338 US-

Dollar in das Gesundheitssystem

investierte, betragen die Ausgaben

pro Kopf in den Philippinen lediglich

77 US-Dollar. In Indonesien

stehen dem gar nur 52 US-Dollar

gegenüber.

72

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04/2013


Wirtschaft

Der Anteil der staatlichen Gesundheitsausgaben

am Bruttoinlandsprodukt

der einzelnen Länder ist

zum Teil ebenfalls äußerst gering.

So macht er in Indonesien lediglich

1,1 Prozent aus, während die thailändische

Regierung 2,8 Prozent ihres

BIP veranschlagt. Größere Bedeutung

misst dagegen Vietnam dem

Sektor bei: Hier liegt der Anteil der

Gesundheitsausgaben am BIP bei

knapp 8 Prozent. Pro Kopf ergibt

das Ausgaben von immerhin 89

US-Dollar.

Veraltete Ausrüstung

Entsprechend veraltet sind häufig

die medizinischen Apparaturen,

entsprechend umfangreich der Ersatzbedarf.

Schätzungen zufolge

müssen allein in Malaysia von den

rund 200.000 im öffentlichen Sektor

eingesetzten Geräten 15 bis 25

Prozent erneuert werden. Hierfür

sind Investitionen in Höhe von rund

1,5 Mrd. Ringgit (umgerechnet 376

Mio. Euro) erforderlich. Um den

Missstand zu beheben, veranschlagte

die malaysische Regierung in ihrem

Staatshaushalt 2012 eine Summe

von 15 Mrd. Ringgit für laufende

Gesundheitsausgaben und 1,8 Mrd.

Ringgit für die Entwicklung der Gesundheitsinfrastruktur.

Angeschafft

wurden damit Radiologiegeräte, da

besonders in dieser Hinsicht eine

massive Unterversorgung besteht.

So lag die Verbreitung von Computertomografie

(CT)-Scannern und

Ausrüstung für Magnetresonanztomografie

(MRT) erheblich unter

dem OECD-Durchschnitt.

An Gerätschaften für Operationen

und Intensivpflege fehlt es

auch in Vietnam. Nach einer Untersuchung

des Gesundheitsministeriums

(MOH) haben 70 Prozent der

Krankenhäuser keinen Computertomographen.

Ungefähr 35 Prozent

der Ausrüstung sind älter als 20

Jahre und weitere 40 Prozent verrichten

seit über zehn Jahren ihren

Dienst. In Indonesien sind in Verbindung

mit Großprojekten zunehmend

auch nuklearmedizinische

Vorrichtungen und Anwendungen

mit Radiopharmazeutika zu Diagnose-

und Behandlungszwecken

gefragt. Aus dem Bestreben, diese

Unterversorgung zu beheben, ergibt

sich ein enormes Wachstumspotenzial

für die Medizintechnikmärkte.

Privatkliniken voran

Große Qualitätsgefälle existieren

nicht nur zwischen Land und Stadt,

sondern auch zwischen öffentlichen

und privaten Kliniken. Denn die

Nachfrage nach Medizintechnik im

staatlichen Bereich ist stark von den

jeweiligen Budgetzuteilungen der

Regierung abhängig. Private Krankenhäuser

sind beim Einsatz ihrer

Mittel dagegen flexibler. Folglich

verfügen diese oft über eine bessere

Ausrüstung. Für innovative

Medizintechnikanbieter ist der private

Gesundheitsbereich daher attraktiv

und lukrativ. Viele Regierungen

wollen dieses Privatengagement

auch für öffentliche Vorhaben

nutzen und treiben Projekte als

Public-private Partnership voran.

Am Umsatz gemessen bleiben

öffentliche Krankenhäuser dennoch

wichtig. So sind sie in Thailand mit

einem Anteil von 60 Prozent die

wichtigsten Abnehmer von medizintechnischem

Gerät. Die 40 größten

privaten Krankenhäuser gelten

aber ebenfalls als finanzkräftige

Kundschaft für neueste Technik.

In Vietnam ist ebenfalls der öffentliche

Sektor mit rund 70 Prozent

der größte Abnehmer von medizintechnischen

Anlagen und Geräten.

Insbesondere bei den staatlichen

Krankenhäusern, die das Gesundheitsministerium

(MOH) oder die

Armee betreiben, ist die Nachfrage

hoch. Renommierten Einrichtungen

wie den Krankenhäusern Bach Mai

in Hanoi oder Cho Ray in Ho-

Chi-Minh-Stadt kommt beim Einsatz

moderner Medizintechnik eine

Vorreiterrolle zu.

Die Zahl der Privatkliniken

wächst auch, weil mit steigenden Realeinkommen

die Zahl derer größer

wird, die sich eine private Versorgung

leisten können. Auch das stärkere

Gesundheitsbewusstsein belebt

die Nachfrage nach medizinischen

Leistungen. In Indonesien zeigt sich

diese Entwicklung vor allem in

Städten mit mehr als einer Millionen

Einwohnern sowie in Regionen

mit einem durchschnittlichen Pro-

Kopf-Einkommen von über 5.000

Versorgung muslimischer Frauen im thailändischen Yala im Rahmen eines

medizinischen Projekts für ländliche Provinzen

04/2013

www.inasien.de 73


Wirtschaft

US-Dollar. In Vietnam sind sowohl

Familien mit hohem als auch mit

mittlerem Einkommen bereit, für

heilbringende Behandlungen mehr

Geld zu bezahlen. Rund die Hälfte

der Gesundheitsrechnungen zahlen

Vietnamesen inzwischen aus eigener

Tasche. Auf den Philippinen

ergibt sich durch die Aufteilung in

öffentliche und private Versorgung

eine große Kluft zwischen Wohlhabenden,

die sich moderne Therapien

leisten können, und den nach

wie vor unterversorgten Armen.

Importabhängigkeit

Der Löwenanteil des Bedarfs an

medizinischer Ausrüstung wird

in Südostasien durch Importe gedeckt.

Der Anteil der inländischen

Herstellung an der Marktversorgung

liegt überall lediglich zwischen

10 und 20 Prozent. Hersteller

aus Europa, den USA und Japan

sind Hauptkonkurrenten deutscher

Firmen. Deutsche Medizintechnik,

insbesondere Hightechgeräte, ist in

der gesamten Region sehr gefragt.

Dies gilt vor allem für medizinische

Einrichtungen, die die oberen Einkommensgruppen

mit höheren Leistungsansprüchen

bedienen. Zum

Teil fertigen ausländische Markenanbieter

auch im Reich der Mitte

und exportieren ihre Produkte von

dort aus, zum Beispiel in die Philippinen.

Trotz der starken Importabhängigkeit

verfügen nahezu alle südostasiatischen

Länder auch über eine

eigene medizintechnische Produktion.

In Indonesien werden in erster

Linie Sanitätsartikel, Rollstühle,

Krankenbetten, Operationstische,

verschiedene andere Krankenhausausstattungen

sowie einige Geräte

ohne hohen technischen Anspruch

gefertigt. In Malaysia fertigen mehr

als 180 Unternehmen, darunter kleinere

lokale Firmen, aber auch ausländische

Unternehmen, Latexhandschuhe,

Katheter und einfachere

medizintechnische Produkte.

In Thailand haben sich nur wenige

Großunternehmen mit einer

Produktion angesiedelt – eine Tatsache,

die Politik und Wirtschaft

ändern möchten. Der Fachverband

Thaimed sieht einen wichtigen Beitrag

zur beschleunigten Entwicklung

der Gesundheitsindustrie zunächst

in Fusionen und Übernahmen,

während Thailands Board of

Investment ausländische Investoren

mit verschiedenen Anreizen wie

Landbesitzrechten oder Steuer- und

Zollerleichterungen lockt.

Katharina Schnurpfeil

Fehlt Ihnen was?

H e f t e z u m N a c h b e s t e l l e n

D i e T h e m e n

Ausgabe 6/99

Thailands Süden

Reiseführer im Test

Bali

Ausgabe 2/01

Wellness in Asien

Bangkok

Jüdisches China

Ausgabe 3/01

Korea

Bali

Städtetouren

Ausgabe 2/02

Der Yangzi

Ko Samet

Darjeeling-Tee

Ausgabe 5/02

Thailands Inseln

Kulturtrips China

Dubai

Ausgabe 6/02

Indochina

Städteduell

Nordthailand

Ausgabe 1/03

China aktiv

Ost-Australien

Inselduell

Ausgabe 3/03

Chinas Heilkunst

Pazifikinseln

Mount Everest

Ausgabe 4/03

Spezial: Korea

Taiko Trommler

Günstiges Australien

Ausgabe 5/03

Indochina

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Indiens Schätze

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Indien-Spezial

Mekongdelta

Religionen

Ausgabe 1/04

China: Sichuan

Burma: Inle-See

Tattoo

Ausgabe 2/04

Indien

Nordkorea

Alltag in China

Ausgabe 3/04

Taiwan

Taifun

Angkor Wat

Ausgabe 4/04

Thailand-Spezial

Bollywood

Krakatau

Ausgabe 5/04

China-Kurzreisen

Australien-Outback

Kuala Lumpur

Ausgabe 6/04

Indiens Süden

Weihnachsinsel

Kamikaze

Ausgabe 1/05

Vietnam-Halong Bay

Indien: Karnataka

Piraten

Ausgabe 2/05

Tsunami-Spezial

Indochina

Nordthailand

Ausgabe 3/05

Indien-Goa

Kokosinseln

Samurai

Ausgabe 2/06

Philippine

Laos

Indien-Orissa

Ausgabe 4/06

Shanghai

Malediven, Nepal

Borobudur

Ausgabe 5/06

Kambodscha

Hong Kong

Indonesien: Sulawesi

Ausgabe 3/07

Borneos Orang-Utans

Indien: Orissa

Vietnam: Phu Quoc

Ausgabe 4/07

China

Thailand spirituell

Teezeremonie

Ausgabe 5/07

Olympia 2008

Malediven

Zen verstehen

Ausgabe 6/07

Kasachstan: Trekking

Vietnam: Phan Tiet

Japan vs Korea

Ausgabe 2/08

Trekking in Thailand

Laos

Berühmte Pilgerwege

Ausgabe 3/08

Koh Samui

Kreuzfahrten

Japanische Gärten

Ausgabe 4/08

Annapurna- Trek

Brunei

Sri Lanka

Ausgabe 6/08

Studienreisen

Japan individuell

Fugu

Ausgabe 1/09

Kurztrips

Fahrt durch Rajasthan

Heiliges auf Java

Ausgabe 2/09

Best of China

Indien: Khajuraho

Thailand: Hua Hin

Ausgabe 3/09

Insel-Spezial

So kocht Asien

Sumo-Ringer

Ausgabe 4/09

Asiens Sommerziele

Indien: Ladakh

Maid-Cafés in Tokyo

Ausgabe 5/09

China: Nanxun

Mongolei

Asien de Luxe für alle

Ausgabe 6/09

Best of Asien

Japans Burgen

Asiens Top Ten

Ausgabe 1/10

Kulturschock China

Laos und Kambodscha

Malediven

Ausgabe 2/10

Magische Seidenstraße

Shanghai und die Expo

Frühling in Kyoto

Ausgabe 3/10

Japan unter Palmen

Himmel über Beijing

Asien kaut Lotte

Ausgabe 5/10

Geheimtipp Birma

Sherpas im Himalaya

Chinas Apotheken

Ausgabe 6/10

Gili und Lombok

China Spezial

Asiens Überflieger

Ausgabe 4/11

Thailands Norden

Unawatuna/Sri Lanka

Seidenstrasse

Ausgabe 6/11

Macau Pocket Guide

Vietnams Strände

Rund um Shanghai

Ausgabe 1/12

Malediven

Laos

Burma

Ausgabe 2/12

Myanmar

Hong Kong/Macau

Nord Vietnam

Ausgabe 3/12

China

Japan

Nord-Laos

Ausgabe 4/12

Süd-Indien

Soft Adventure

Korea

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iA 04/13


… Yoko Ono

A s i e n s P r o m i n e n t e

Die Welt spricht über …

Für viele Beatles-Fans ist sie die verhasste Ehefrau von John Lennon, für die

Kunstgeschichte eine bedeutende Künstlerin und Musikerin. Das zweigespaltene Image

Yoko Onos wird wohl für immer bleiben

Berlin war der Ort, an dem

die eigensinnige Künstlerin

dieses Jahr mit einem großen

Konzert ihren 80. Geburtstag

feierte. Wild und rebellisch wirkt

sie trotz ihres Alters, und tatsächlich

ist sie eine Tabubrecherin par

excellence. Yoko Ono setzte sich

schon vor ihrer gemeinsamen Zeit

mit John Lennon für Frieden und

Menschrechte ein und flüchtete sich

in schwierigen Zeiten in die Kunst.

Ihre wichtigen Schaffensperioden

sieht sie vor allem in den Zeiten,

in denen sie emotional verunsichert

war, etwa zur Zeit der Entführung

ihrer Tochter oder nach John Lennons

Tod.

Das Publikum gehört zur

Kunst

Gerade für ihren 80. Geburtstag

widmete die Schirn Kunsthalle

Frankfurt Yoko Ono eine umfassende

Retrospektive zu den vergangenen

60 Jahren ihres Schaffens.

Und da Yoko Ono auch mit viel

Humor unterwegs ist, war es eine

sehr unterhaltsame Ausstellung.

Bezeichnend für ihr Werk ist die

Konzept- bzw. Aktionskunst, die

unter der Kunstströmung der Fluxus-Bewegung

in den 60er Jahren

bekannt wurde und zu deren Vorreitern

Yoko Ono zählt: In dieser

Kunstströmung zählt die schöpferische

Idee und die Handlung, die

auch das Publikum miteinbeziehen

kann. In ihrer Performance „Cut

Piece“ von 1966 ließ sich Yoko

Ono etwa vom Publikum ihre Kleidungsstücke

abschneiden, worauf

die Einladung zu einer eigenen

Ausstellung in die Londoner Indica

Gallery folgte. Zur Vorbesichtigung

war im Übrigen auch John Lennon

zu Gast – eine Begegnung mit

Folgen.

Pyjama-Party für den Frieden

Die Begegnung zwischen John

Lennon und Yoko Ono wird meist

als „Liebe auf den ersten Blick“

bezeichnet. Und in der Tat ließen

sich beide umgehend von ihren

vorherigen Partnern scheiden, um

ihr neues gemeinsames Glück am

20. März 1969 per Eheschließung

kundzutun.

Seitdem wurde ihr gemeinsames

Privatleben teilweise auch zur Aktionskunst

Yoko Onos: Noch in den

Flitterwochen präsentierten sich

beide bei einer Pressekonferenz

mit Pyjamas im Bett und erklärten

die Aktion als „Bed-In“ für den

Weltfrieden. Sie waren in den Folgejahren

unzertrennlich und John

Lennon unterstützte seine Frau

wann immer er konnte, etwa in der

schwierigen Situation, als ihr Ex-

Ehemann, der Filmproduzent Anthony

Cox, 1977 ihre gemeinsame

Tochter Kyoko entführte, die sie bis

1998 nicht mehr sehen sollte, und

das trotz zugeteiltem Sorgerecht.

Lennon half ihr über den Verlust

hinweg.

1975 kam dann in New York ihr

gemeinsamer Sohn Sean Lennon

zur Welt. Als John 1980 in New

York einem Attentat erlag, zog sich

die Künstlerin aus der Öffentlichkeit

zurück und widmete sich der

Die Komponistin experimenteller Musik und Sängerin

Yoko Ono 2012 bei der Auszeichnung Paul McCartney’s

mit dem MusiCares Person of the Year Award

Pflege seiner Werke. Noch heute

lebt sie in dem Haus, vor dem John

Lennon ermordet wurde. Und auch

die Kunst spielt in ihrem Leben

noch immer eine wichtige Rolle,

für das sie diverse Auszeichnungen

erhielt.

Simona Bianco

simona.bianco@asiavision.de

04/2013

www.inasien.de 75


Wirtschaft

Die vietnamesische

Fischereiwirtschaft ist

auf dem absteigenden

Ast. Eine große Zahl

der meist ungelernten

Arbeiter wechselt in

Industrie- oder Dienstleistungssektoren

Vorwiegend in Handarbeit

Niedrige Lohnkosten zählen zu den entscheidenden Standortvorteilen Vietnams. Das

Schwellenland hat sich als verlängerte Werkbank für arbeitsintensive Fertigungen bewährt.

Doch die Produktivität der mehrheitlich ungelernten Arbeiter ist noch gering

Viele internationale Unternehmen

wählen Vietnam aufgrund der niedrigen

Lohnkosten als Investitionsstandort.

Ungefähr 7.500 ausländische

Betriebe beschäftigen vor Ort

inzwischen 2,2 Millionen Mitarbeiter.

Angesiedelt haben sich vor allem

Unternehmen aus Japan, Südkorea

und Taiwan. Weitere arbeitsintensive

Fertigungen werden in absehbarer

Zeit folgen. Denn das durchschnittliche

Lohnniveau von rund

150 US-Dollar pro Monat für einen

Arbeiter liegt deutlich unter dem der

Wirtschaftszentren in China.

Zu den negativen Seiten des

Standorts gehört das niedrige Ausbildungsniveau:

Mehr als 80 Prozent

der Erwerbspersonen verfügen über

keinen Berufsbildungsabschluss.

Handelskammern wie die European

Chamber of Commerce in Vietnam

(Eurocham) und Wirtschaftsverbände

weisen darauf hin, dass

flexiblere und besser ausgebildete

Erwerbstätige für den angestrebten

Fortschritt der Volkswirtschaft

jedoch entscheidend seien. Auch

das Arbeitsministerium und die

Internationale Arbeitsorganisation

(ILO) berichten, dass die Produktivität

je Beschäftigtem unter der in

den meisten ASEAN-Staaten liegt.

Auch im Vergleich zu China seien

die Beschäftigen nur etwa halb so

produktiv.

Bildungshungrig und fleißig

Das Ende vom Lied ist, dass Betriebe

neu eingestellte Arbeiter und

Angestellte intensiv nachschulen

müssen. Insbesondere Abgängern

von Berufsbildungszentren und

Hochschulen fehlen viele fachliche,

vor allem berufspraktische Fähigkeiten

sowie Kenntnisse der englischen

Sprache. Erst nach etwa

einem halben Jahr im Betrieb sind

sie in der Praxis einsetzbar.

Um den Berufseinstieg sowohl

für Arbeitgeber als auch für Ar-

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04/2013


Wirtschaft

beitnehmer zu vereinfachen, wollen

das Arbeits- und Erziehungsministerium

das Qualifikationsniveau

über eine Bildungsoffensive zentral

anheben. Einige ausländische Gesellschaften

nehmen ihr Schicksal

selbst in die Hand und gründen

mithilfe von Entwicklungsorganisationen

Ausbildungsinstitute, die

ihren Anforderungen entsprechen.

Zum Bildungskanon gehören überdies

Schulungen in den deutschen

Mutterhäusern. Jedoch ist ein Verbleib

der ausgebildeten Kräfte im

Betrieb nicht garantiert. Konkurrenten

werben die dringend benötigten

Kräfte vor allem in den

wirtschaftlichen Ballungszentren

mit höheren Gehältern ab. Damit

steigen die Arbeitskosten, ohne

dass der Pool an qualifizierten Arbeitnehmern

mitwächst.

Die Stärken des Standorts haben

sich zunächst bei der Erzeugung von

Textilien, Schuhen und Spielzeugen

gezeigt. Um von den geringen Lohnstückkosten

zu profitieren, lohnen

sich insbesondere einfache Massenfertigungen.

Zunehmend entstehen

aber auch anspruchsvollere

Montagewerke, in denen Produkte

der Elektro-, Informations-, Kommunikations-

oder Medizintechnik

manuell zusammengesetzt werden.

Die Arbeitnehmerschaft ist sehr

jung. Das Medianalter der knapp 88

Millionen Menschen umfassenden

Bevölkerung liegt bei 28 Jahren.

Allerdings ist die Geburtenrate

auf zwei Kinder je Frau gefallen.

Das demografische Fenster, in dem

sich der Großteil der Bevölkerung

im arbeitsfähigen Alter befindet,

wird sich daher in etwa 30 Jahren

schließen. Die jungen Erwachsenen

gelten gemeinhin als bildungshungrig

und fleißig. Jobs finden

die Arbeitsuchenden nicht nur in

Vietnam, sondern auch im Ausland.

Tatsächlich ist die vietnamesische

Diaspora nicht unwichtig für die

Wirtschaft ihres Landes: Die etwa

4,3 Millionen Vietnamesen, die im

Ausland leben und arbeiten, überwiesen

2011 etwa 9 Mrd. US-Dollar

in ihre Heimat und bessern dort die

Haushaltseinkommen ihrer Familien

wesentlich auf.

Arbeitnehmer forcieren

Jobwechsel in Servicesektor

Zwei Drittel der Erwerbstätigen arbeiteten

im Jahr 2000 in der Land-,

Forst- oder Fischereiwirtschaft. Elf

Jahre später war es noch lediglich

die Hälfte. Angestrebt wird ein

Berufswechsel in die aufstrebenden

Dienstleistungssektoren und Industriebranchen.

Vor diesem Hintergrund

erstaunt es, dass freie Stellen

oft nur schwierig und mitunter gar

nicht zu besetzen sind – zumal dies

nicht nur für Fachkräfte, sondern

auch für ungelernte Arbeiter gilt.

Allerdings trat im vergangenen Jahr

eine Entspannung am Arbeitsmarkt

ein, da sich wegen der unsicheren

Wirtschaftslage die Nachfrage nach

Arbeitskräften von Seiten der Betriebe

verringert hat. So wollten im

Herbst nur 68 Prozent der Unternehmen

ihren Personalbestand erweitern,

im Vorjahr waren es noch

75 Prozent. Etwa zwei Prozent der

Arbeitgeber planten keine Veränderungen

und drei Prozent sogar eine

Reduktion ihres Personals.

Dessen ungeachtet gibt es regionale

Unterschiede in der Nachfrage

nach Arbeitskräften. In gut laufenden

Industrieparks, vor allem im

Süden um die Metropole Ho-Chi-

Minh-Stadt, stehen die Betriebe in

einem intensiven Wettbewerb um

gute Arbeitnehmer. Positiv wirkt

sich aus, dass Firmen bei der Qualifizierung

des Arbeitskräftepools

Vorarbeit geleistet haben. Nach längerer

Suche seien geeignete Kräfte

identifizierbar, kosteten aber auch

mehr als im Rest des Landes, berichten

Unternehmer. Im Norden

um Hanoi und Haiphong entwickeln

sich ebenfalls Industriecluster,

die um Fachkräfte buhlen. Mit

der erhöhten Nachfrage steigen dort

auch die Gehälter. In Zentralvietnam

müssen Unternehmensgründer

Pionierarbeit leisten, finden dafür

aber ein günstiges Arbeitsangebot.

Internationale Unternehmen

zahlen besser

Beschäftigte fühlen sich eher gegenüber

Personen als gegenüber ihrer

Firma verpflichtet. Daher wechseln

sie oft den Job, wenn die persönliche

Beziehungen zu Vorgesetzten

oder im Team nicht stimmen. Um

das zu verhindern, ist ein „umsorgend-autoritärer“

Führungsstil gefragt.

Eine Bindung des Personals

ist über geeignete Maßnahmen wie

gemeinschaftliche Events möglich.

Bonuszahlungen an erfolgreiche

Mitarbeiter und Zusatzleistungen

runden die Personalpakete ab.

Darüber hinaus spielen die Arbeitsbedingungen

eine immer wichtigere

Rolle. Schmutzige, gefährliche

und anstrengende Tätigkeiten,

zum Beispiel in der Land- und

Bauwirtschaft oder der Schwerindustrie,

werden gern gegen eine

angenehmere Stelle getauscht - vorausgesetzt,

die Bezahlung stimmt

halbwegs.

Im Schnitt wurden die vietnamesischen

Löhne vergangenes Jahr

um 13 Prozent erhöht. Allerdings

bestehen beachtliche Unterschiede

zwischen internationalen und lokalen

Arbeitgebern. Vietnamesische

Unternehmen zahlen einfachen

Angestellten 19 Prozent und Fachkräften

25 Prozent weniger Gehalt

als ihrer ausländische Konkurrenz;

ihre Geschäftsführung erhält im

Schnitt 30 Prozent weniger, stellt

der Personaldienstleister Talentnet

fest. Allerdings zeigen sich lokale

Firmen in der Regel bei Boni

großzügiger, so dass die Lücke zwischen

den Gesamteinkommen nicht

ganz so hoch ausfällt. Wenn lokale

Arbeitgeber Spitzenkräfte von

ausländischen Betrieben abwerben

wollen, sind sie jedoch gezwungen,

Vergütungen außerhalb ihres Schemas

anzubieten.

Thomas Hundt,

Frauke Schmitz-Bauerdick, GTAI

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+ News + + + Meldungen + + + Kultur + + + News + + + Meldungen + + + News + + + Meldungen + + + News + + + Meldungen

MKG Hamburg, bis 4. August

Reisefotografie Japan

Blühende Kirschbäume, Lotosblüten,

Geishas im Kimono, stille Tempelstätten:

Das Museum für Kunst und

Gewerbe Hamburg zeigt aus seiner

Sammlung handkolorierte Fotografien

der 1880er Jahre, Lack-Alben

und Fotopostkarten, die um die Jahrhundertwende

entstanden. Die rund

100 Exponate werden ergänzt durch

Exportartikel, die für den europäischen

Markt produziert und in Japan

verkauft wurden und Einblick in ein

bis dahin weitgehend unbekanntes

Land geben. In dieser Zeit entstehen

stereotype Bildmuster, die noch heute

die Sicht der Europäer auf Japan

prägen. Neben Landschafts- und Architekturaufnahmen

sind es vor allen

Typenporträts von Geishas, Samurai,

Ringern, Lastenträgern und Straßenverkäufern

fernab der Realität, die

dem europäischen Käufer als Souvenirs angeboten werden. Bis heute faszinieren

sie durch ihre Inszenierung und ihre Kolorierung in zarten Pastelltönen, die

von japanischen Farbholzschnitten angeregt sind (www.mkg-hamburg.de).

Stuttgart, 17.-21. Juli

10. Indisches Filmfestival

Die baden-württembergische Landeshauptstadt

wird zum zehnten Mal Zentrum für

die Fans aktueller Filme aus ganz Indien.

Etwa 60 Produktionen aus den Kategorien

Spielfilm, Kurzfilm und Dokumentarfilm

werden im Metropol-Kino gezeigt. Gefeiert

wird auch das 45-jährige Bestehen der

Städtepartnerschaft zwischen Stuttgart und

der indischen Filmmetropole Mumbai. Ein

Blick zurück verneigt sich vor der nunmehr

100-jährigen indischen Filmgeschichte. Die

Schwerpunktregion dieses Mal ist Ostindien

(www.filmbuerobw.de).

Dauerausstellung Zürich

Pracht in hauchzarter Glasur

Bern, bis 17. November

Qin, der unsterbliche Kaiser

Chinesen scheint Bern gut zu gefallen. Laut Statistik sind die Übernachtungszahlen

aus China im Vergleich zum letzten Jahr um 30 Prozent

gestiegen. Dort empfangen werden sie derzeit von Landsleuten, nämlich

den über 2.000 Jahre alten, lebensgroßen Tonfiguren aus der Terrakotta-

Armee des Ersten Kaisers Qin Shi Huangdi im Bernischen Historischen

Museum. Rund 220 Originalexponate aus der chinesischen Provinz Shaanxi,

wo die Grabanlage 1974 entdeckt wurde, lassen die Welt des Ersten

Kaisers aufleben. Tipp: Mit den „Qin“-Ticket gibt es am gleichen Tag

Eintrittspreise in allen Berner Museen zum halben Tarif (www.bhm.ch).

Die Meiyintang-Sammlung chinesischer

Keramik ist ab sofort nach

Ausstellungen in London, Paris

und New York permanent in Zürich

zu sehen, darunter herausragende

Werke aus dem 5. Jahrtausend

v. Chr. bis zum 13. Jahrhundert,

die der Schweizer Sammler

Gilbert Zuellig zusammengetragen

hat. Dank der Meiyintang-

Sammlung und den Sammlungen

von der Heydt, Drenowatz und

Uldry zählt das Museum Rietberg

nun zu den international ersten

Adressen für chinesische Kunst

(www.rietberg.ch).

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+ + + News + + + Meldungen + + + News + + + Meldungen + + + News + + + Meldungen + + + Ne

Bild: Yoon JeongMee

Bild: Yoon JeongMee

Frankfurt, bis 25. August

Korea-Power

Südkorea ist heute eines der führenden

Industrieländer mit einer enormen

Produktion an Konsumgütern. Zugleich

entwickelt sich das Land zu einer Kulturregion,

in der intensiv nach Lösungen für

die Produktwelten von morgen gesucht

wird. Welche Wege Südkorea dabei geht

und warum sich das Land als einer der

dynamischsten und abwechslungsreichsten

Orte für Design im ostasiatischen

Raum etablieren könnte, thematisiert die

Ausstellung „Korea Power. Design und

Identität“. Als erste umfangreiche Ausstellung

in Deutschland zeigt sie koreanisches

Produkt- und Kommunikationsdesign

und zeichnet ein facettenreiches

Bild des im Westen noch vergleichsweise

unbekannten Landes (www.museumangewandtekunst.de).

Zwillingsphänomen

Obwohl Indien prozentual die niedrigste Zwillingsgeburtenrate

weltweit aufweist, leben in dem Dorf

Mohammadpur Umri in Nordindien mehr als 100

Zwillinge. Das bedeutet 54 Zwillingspaare auf 300

Haushalte! Für diesen außergewöhnlichen Durchschnitt

haben Experten verschiedene Erklärungsansätze,

darunter etwa Umweltgifte, Hormonbehandlungen

oder Eheschließungen in der Verwandtschaft.

Im übrigen kommt in Mohammadpur Umri auch ein

Haustier selten allein – und die Hühner erfreuen sich

häufig zweidottriger Eier.

Hamburg, bis 3. November

Der Götterhimmel Indiens

Karlsruhe, bis 4. August

Videokunst in Asien

Nachdem Video als Kunstgattung bis zur Jahrhundertwende immer der westlichen

Hemisphäre zugeordnet wurde, haben sich in den letzten beiden Jahrzehnten in

allen Ländern Asiens eigenständige Videokulturen entwickelt. Die Werkauswahl

des Zentrums für Kunst und Medientechnologie für die Ausstellung „Move on

Asia“ basiert auf dem gleichnamigen größten Festival der bewegten digitalen Bilder

in Asien, das seit 2004 von einem Netzwerk bestehend aus 20 Kuratoren und 40

Videokünstlern ausgerichtet wird (www.zkm.de).

Bild: Tzu Nyen Ho

„Der Hinduismus kennt 330.000 Götter“, sagt

eine indische Redensart. „Alle Götter sind einer“,

sagen die Priester der Brahmanenkaste. Der eine

Gott zeigt sich in unzähligen Erscheinungsformen,

Avataren und Symbolen, die in jeder

Glaubensrichtung des Hinduismus eine andere

Rolle einnehmen. Dieser religiöse Reichtum faszinierte

den deutschen Kaufmann Ferdinand K.

Heller. Zu Kriegsbeginn 1939 in Indien interniert,

befasste er sich mit der Kunst des Landes und

sammelte bald begeistert Bildnisse indischer Götter

sowie Begleitobjekte. Mit 70 Jahren schenkte

er dem Museum für Völkerkunde Hamburg fast

500 seiner Sammlungsstücke, von denen nun

viele erstmals in einer eigenen Ausstellung zu

sehen sind (www.voelkerkundemuseum.com).

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Kultur

Geister und Dämonen sind ein beliebtes

Motiv der japanischen Holzschnittkunst.

Hier lässt Katsushika Hokusai einen Geist

aus einer Quelle aufsteigen

Unter Dämonen

Bei aller Moderne: Japan ist voll von Geistern und Monstern – wenn

man weiß, wo man sie suchen muss

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Dass es allen Ernstes Touristen

gibt, die dafür bezahlen, Oiwa

zu begegnen, mag manch

einem Tokioter nur schwer einleuchten.

Sie selbst tun alles, um genau

dies zu verhindern, denn Oiwa ist

eine gefährliche Dämonin. Onryo

werden die rachsüchtigen Gestalten

genannt, deren Hass so groß ist, dass

sie aus dem Jenseits zurückkehren.

Grund genug hat Oiwa allemal:

Vom Ehemann, einem treulosen

Schürzenjäger, vergiftet, starb die

Hausfrau einen langsamen, qualvollen

Tod. All dies ist zwar schon

vierhundert Jahre her, für Oiwa

allerdings kein Grund, ihren Groll

zu begraben. Zudem kennt jedes

Kind in Japan ihre Geschichte, die

schon so oft als Theaterstück, Kabuki

oder Film aufgeführt wurde,

dass sie quasi zum kulturellen Erbe

gehört. Problematisch ist: Wer in einer

solchen Produktion spielt, geht

ein gehöriges Risiko ein. Unerklärliche

Unfälle soll es während der

Dreharbeiten immer wieder gegeben

haben, ja sogar Tote. Deshalb

ist es mittlerweile üblich, dass bei

Neuinszenierungen die Hauptakteure

vor Beginn der Dreharbeiten

im Oiwa-Inari-Schrein im Yotsuya-

Viertel ein Opfer bringen. Tagsüber

wohlgemerkt, denn abends spukt

es in der Gegend rund um den

Schrein.

Wer die Geister stört

Für Lilly Fields, die Inhaberin

von Tokyo Haunted Tours (www.

hauntedtokyotours.com) ist dies

erst recht ein Grund, mehrfach die

Woche Gruppen durch Yotsuya zu

führen. Im Dunkeln natürlich.

Von der Shinanomachi-Station,

wo sich das Dutzend Geistersucher

trifft, geht es in die Unterstadt. Der

erste Stop, ein „vertikaler Friedhof“,

ist schon einmal beeindruckend:

Beim Bau einer U-Bahn-

Station mussten die Gräber eines

Friedhofs in ein Hochhaus verlegt

werden. Doch Geister mögen es

ganz und gar nicht, wenn man sie

stört. Kein Wunder, dass es hier

spuken soll. Dann geht es kreuz und

quer durch kleine Gassen, immer

wieder zeigt Lilly unterwegs auf

Talismane neben den Haustüren,

die bösen Geistern den Weg versperren

sollen. Auch der Sendagaya-Tunnel

liegt auf dem Weg.

Taxi-Fahrer halten hier nur ungern,

sollen doch wiederholt weibliche

Dämonen eingestiegen sein. Der

Grund dafür ist einfach: Er verläuft

direkt unter einem Friedhof, und

die Verkehrsnähe ist den Geistern

verständlicherweise auch nicht genehmer

als den Lebenden.

Wasser für Oiwa

Der Höhepunkt, besagter Oiwa-

Schrein, liegt am Ende der zweistündigen

Tour. Und, ganz ehrlich,

er ist wirklich gruselig. Auch absoluten

Skeptikern läuft hier ein kleiner

Schauer über den Rücken. Vielleicht

liegt es daran, dass abends

niemand in Yotsuya unterwegs ist

und dass vor dem Eingangstor ein

Kultur

Die geführten Touren von Tokyo Haunted Tours bringen die Teilnehmer zu den schaurigsten

Ecken der Stadt

Geister lieben verlassene Gebäude. Von denen gibt es in Japan erstaunlich viele, was wiederum

Rückschlüsse auf die Zahl der Geister zulässt

Bild: Jordy Meouw, www.totorotimes.com

Bild: Jordy Meouw, www.totorotimes.com

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Kultur

kalter Hauch zu wehen scheint?

Oder ist es nur Lillys blutige Schilderung

der Oiwa-Geschichte?

Während die Gruppe noch ein

wenig nachdenklich den Eingang

des Schreins im Laternenlicht begutachtet,

hält ein Wagen vor der

Tür. Hastig steigt ein junger Mann

in Anzug und Krawatte aus, wirft

einen ungemütlichen Blick auf die

Ausländer und hastet quer durch

das Schreingelände zu einem unbeleuchteten

Haus dahinter. Doch

wer bitte würde hier sein Lager

aufschlagen? „Die Schreinwächter“

erklärt Lily Fields, wahrscheinlich

Nachfahren der Oiwa, die ihren

Zorn nicht fürchten müssen. Betreten

mag jedenfalls niemand den

Schrein. Zur Sicherheit gibt es nach

der Tour eine kleine Zeremonie, die

den Geist der Oiwa besänftigen soll:

Eine Statue der Kannon-Bodhisattwa

in Kabukicho, direkt vor einem

grell erleuchteten Supermarkt, soll

abhelfen. Wer ihr Wasser über den

Kopf gießt, besänftigt Oiwa, als

Folge der Vergiftung ständig unter

quälendem Durst litt. Für alle Fälle

nimmt Lilly Fields ihren Gästen

noch das Versprechen ab, eventuelle

Besuche von Oiwa per Email

zu melden. Sie schwört: Es soll

schon vorgekommen sein.

Die Vielfalt der Yurei

Wer in Yotsuya auf den Geschmack

gekommen ist, findet in Japan eine

Fülle von schaurigen Plätzen – und

dies nicht nur in alten Burgen. Ein

Geist zu werden ist nämlich gar

Literaturtipps

Wer es ganz genau wissen will, findet in

zwei Taschenbüchern so ziemlich alles,

was man über Yokai und Yurei wissen

muss – allerdings in englischer Sprache:

Hiroko Yoda und Matt Alt: Yokai Attack!

The Japanese Monster Survival Guide,

sowie: Yurei Attack! The Japanese Ghost

Survival Guide, Tuttle Publishing, jeweils

15,95 USD

Im Ballungsraum Tokio ist Platz rar. Friedhöfe wurden daher teils kurzerhand in

Hochhäuser umgesiedelt

nicht so schwer: Nach dem Tod

verlässt die Seele „Reikon“, den

Körper, und wartet im Fegefeuer

darauf, dass die Beerdigungsriten

vollzogen werden. Dann geht die

Seele zu den Ahnen und beschützt

fortan die Nachfahren auf Erden.

Jedes Jahr im Sommer, zum Obon-

Festival, kehren die Seelen auf die

Erde zurück und erhalten Gaben.

So der Idealfall. Stirbt ein Mensch

jedoch eines gewaltsamen Todes,

wird in den Selbstmord getrieben

oder erhält nicht die erforderlichen

rituellen Handlungen, dann kann

sich die Seele in einen Yurei verwandeln

– einen bösartigen Geist,

der die Lebenden piesackt und nach

Vergeltung sinnt. Erst nach erfolgreicher

Rache oder wenn die richtigen

Riten vollzogen wurden, kann

der Yurei Ruhe finden und sich

komplett vom Diesseits lösen.

Je nach den Todesumständen gibt

es eine ganze Reihe verschiedener

Yurei. So sind die Onryo (wie der

Geist der Oiwa) vor allem auf Rache

aus, während die Ubume meist

ein Kind zurückließen, um das sie

sich nun als Geist kümmern: Hier

ist es die Kraft der mütterlichen

Liebe, die die Seele am Leben erhält.

Funayurei wiederum sind die

Seelen von Ertrunkenen, die nach

ihrem Tod selbst darauf aus sind,

Boote zum Kentern zu bringen und

82

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04/2013


deshalb mit Geisterschiffen über

die Meere segeln. Auf hoher See

ebenfalls gefürchtet sind die Umi

Bozu, gigantische Monster mit Riesenaugen,

die die Seeleute zu Tode

erschrecken. An Land erledigen

diesen Job die Buruburu, die meist

in Gestalt eines Greises oder einer

Greisin auf Friedhöfen unterwegs

sind.

Wer durch Hunger stirbt, hat gute

Karten zu einem Gashadokuro zu

werden: Gigantische Skelette, die

bis zu 15-mal größer sind als Sterbliche

und jedem, den sie treffen,

den Kopf abbeißen. Da sie sich mit

einem Klingeln im Ohr ankündigen,

haben Menschen eine reelle

Chance, ihnen in letzter Sekunde zu

entgehen – außer natürlich all jene,

die sowieso schon an einem Tinnitus

leiden. Sollte Ihnen bei einem

abendlichen Spaziergang eine Nebenwand

begegnen, dann heißt es

ebenfalls Achtung! Dann handelt es

sich um einen Nurikabe, der seine

Opfer erschlägt, es sei denn, Sie

schlagen ihn mit einem festen Prügel

auf Knöchelhöhe kaputt. Und

dies sind nur einige wenige der

zahlreichen Geistererscheinungen,

die seit Jahrhunderten durch die

dunklen Gassen und die japanische

Kunst geistern.

Monster, überall!

Neben den Yurei-Geistern lauern

fast überall im Land auch andre

übernatürliche Wesen, die Yokai.

Der Unterschied ist fließend, denn

furchterregend sind beide. Allerdings

entstehen Yokai nicht durch

den Tod eines Menschen – sie sind

einfach da, und wer ihnen begegnet

kommt sowieso nicht mehr in die

Lage ausführlich nachzufragen.

Yokai leben an den ungewöhnlichsten

Orten. zum Beispiel in

Badezimmern und Toiletten. Verschwindet

der Dreck über Nacht,

dann war garantiert ein Akaname

am Werk: Diese Monster ernähren

sich von dem ekeligen Glibber, der

sich im Stillen Örtchen ansammelt.

Regelmäßig mit der Klobürste

Bild: Jordy Meouw, www.totorotimes.com

Bild: Jordy Meouw, www.totorotimes.com

durchgehen, ist daher nicht nur eine

Frage der Hygiene!

Tengus trifft man vor allem in den

Bergen und entlegenen Wäldern.

Diese Monster mit langer Nase

sind mächtig, aber nicht immer abgrundtief

böse. Hier und da werden

sie sogar in Shinto-Schreinen als

Kami, also quasi als Götter verehrt.

Was sie jedoch nicht davon abhält,

den Menschen an der Nase herumzuführen.

Ganz besonders peinlich

ist ihre Eigenart, Menschen zu entführen

und viele Kilometer entfernt

wieder auftauchen zu lassen. So

soll 1812 im Tokioter Distrikt Asakusa

ein nackter Mann vom Himmel

gefallen sein. Sein Fehler: Er

hatte sich bei einer Bergtour nahe

Kioto auf ein Gespräch mit einem

Unbekannten eingelassen. Da Tengus

gerne in japanischen Zedern

Kultur

Um den Geist der

Oiwa zu besänftigen,

benetzen die

Besucher des Oiwa-

Schreins diesen

Buddha mit Wasser.

Allerdings steht der

nicht am Schrein

selbst, sondern zehn

Minuten Fußmarsch

entfernt vor einem

Supermarkt

Der Schrein der

gefährlichen

Dämonin Oiwa in

Yotsuya ist am Tag

erheblich weniger

furchteinflößend

als zur dunklen

Tageszeit

Im Kampf

gegen die

Monster ist

Kreativität

gefragt.

Dieser Fischer

auf einem

Holzschnitt

des Künstlers

Yoshitoshi

versucht es mit

Flatulenzen

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Kultur

In diesem verlassenen Hotel kann man den Dämon schier vor sich sehen, wie er sich abends ein Glas Wein genehmigt

Bild: Jordy Meouw, www.totorotimes.com

wohnen, sollte man diese im Wald

eher meiden – was allerdings in

Japan nicht gerade einfach ist! Ganz

besonders oft trifft man sie am

Mount Takao, rund 60 Kilometer

westlich von Tokio.

Gefahr Unterwasser

Ebenfalls weit verbreitet sind die

Versteckt sich ein Geist in einer Laterne, so wie

Oiwa in diesem Holzschnittdruck von Hokusai, dann

wird sie zu einem Bakechochin: Sobald die Laterne

angezündet wird, springt der Geist heraus

Kappa. Mit Schnabel, Panzer und

grünen Beinen sehen sie aus wie

eine überdimensionierte Mischung

aus Frosch, Ende und Schildkröte.

Sie wohnen in Flüssen, Seen Sümpfen

und, mit ein bisschen Pech, auch

im Gartenteich. Gefährlich sind sie,

weil sie ahnungslose Schwimmer

unter Wasser ziehen – oder dem

Opfer über den Anus die Gedärme

aus dem Leib schlürfen. Japanische

Eltern drohen deshalb gerne auch

mit diesem Monster, um Kinder

von heimlichen Badegängen im

See abzuhalten. Allerdings ist der

Mensch nicht wehrlos: Oben auf

dem Kopf tragen die Kappa eine

kleine Vertiefung mit einer magischen

Flüssigkeit, die ihnen gigantische

Kräfte verleiht. Verbeugt

man sich nun höflich vor einem

Kappa, wird er es als japanisches

Wesen ebenfalls tun – und dabei

seinen magischen Saft verschütten.

Sehr viel angenehmer ist die Begegnung

mit den Zashiki-warashi.

Wer dieses Kinder-Yokai im Haus

hat, darf sich nicht nur auf viele

Streiche gefasst machen, sondern

auch auf Geldsegen. Allerdings nur,

wenn sich die Familie mit ihnen

beschäftigt und ihre Existenz anerkennt.

Auch Antiquitätensammler

sollten sich vor Geistern in

Acht nehmen – zum Beispiel vor

den Tsukumo-gami: Im hunderts-

ten Jahr ihres Daseins können sich

malträtierte Objekte in Monster

verwandeln. Laternen, Schirme,

Kommoden, sie alle rächen sich

dann für ihre schlecht Behandlung.

Gut, dass Getränkeautomaten auf

Grund hohen Verschleißes wohl

nicht ihren hundertsten Geburtstag

feiern!

So wird man sie wieder los

Was dem Christen das Kreuz zur

Abwehr zwielichtiger Gestalten,

ist dem Japaner der Ofuda: Diese

Papierstreifen mit buddhistischen

Inschriften halten das jenseitige Gesindel

für einige Zeit fern, müssen

aber regelmäßig erneuert werden

– und natürlich aus einem echten

Tempel stammen. Alternativ können

auch schintoistische Reinigungsrituale

vor unliebsamen Besuchern helfen.

Um sich zu wehren, muss man

allerdings erst sicher sein, einen

Geist vor sich zu haben. Damit sich

die zwielichtigen Gestalten nicht

einfach hinterrücks anschleichen,

gibt es in Japan den kleinen Handy-

Anhänger „Baketan“ von Strapya

Next, der den „speziellen Rhythmus

der Ultrawellen“ erkennt und

mit einem Farbcode vor jenseitigen

Besuchern warnt. Ob er allerdings

auch auf Monster reagiert, ist nicht

gesichert.

Francoise Hauser

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Wahres aus dem

Land der Hasendrachen

Lange Zeit Redakteur der Satire-Zeitschrift Titanic, heute dank chinesischer Ehefrau

überzeugter Wahl-Pekinger, berichtet Christian Y. Schmidt seit 2003 aus dem Fernen Osten.

Seine taz-Kolumnen erschienen bereits mehrfach in Buchform. Die Texte von 2011 und 2012,

den Jahren des Drachen und des Hasen, sind nun in Buchform erschienen. Auf einer Lesung

des Heidelberger Konfuzius-Instituts stellt er sich den Fragen von inAsien

Kultur

inAsien: Wieso nennen

Sie Ihre Lesereise Zaijian-Tour?

Schmidt: Zaijian bedeutet „Auf Wiedersehen“.

Was nicht heißt, dass

ich mit dem Schreiben aufhöre. Allerdings

wird es diese Kolumnen in

dieser Form erst einmal nicht mehr

geben. Ein Grund unter vielen anderen

ist auch, dass ich nach zehn

Jahren Kolumnen aus Asien einfach

keine Lust mehr habe, gegen den

Mainstream der deutschen Presse

anzuschreiben. Aus China wird meist

mit einer negativen Schlagseite berichtet.

Außerdem glaube ich, dass

das negative China-Bild vieler Deutschen

sowieso ganz ohne Berichterstattung

auskommt. Die Angst

vor China steigt aus ökonomischen

Gründen, und diese Angst färbt

auch das China-Bild der Deutschen

düster. Dagegen richtet eine kleine

taz-Kolumne gar nichts aus.

inAsien: Es gab viel negative Resonanz

auf ihre Kolumnen über Ai

Wei Wei und den Dalai Lama, die

auch in diesem Buch abgedruckt

sind. Was hat es damit auf sich?

Schmidt: Einige Dinge, die Ai Wei

Wei gemacht hat, finde ich gar nicht

so schlecht, aber er ist nicht der Heilige,

als der er in der deutschen Presse

dargestellt wird. Über ihn wird

einseitig positiv berichtet. Wenn er

jedoch öffentlich einen Kritiker körperlich

so attackiert, dass der zu Boden

geht, wird das in der deutschen

Presse nicht erwähnt. Dem Dalai Lama

nehme ich besonders übel, dass

er den Selbstverbrennungen in Tibet

keinen Riegel vorschiebt. Viele dieser

„Märtyrer“ sind 15, 16 Jahre alt, in

diesem Alter kommt man nicht von

selbst auf so eine Idee. Das könnte

der Dalai Lama stoppen, indem er

die Selbstverbrennungen öffentlich

verurteilt, was er jedoch aus verschiedenen

Gründen nicht tut.

inAsien: Was lieben Sie an China?

Schmidt: Dass man beim Essen so

richtig rumsauen darf! Nein, im

Ernst: Natürlich gibt es auch in China

Umgangsregeln, aber vieles wird lockerer

genommen. Außerdem kann

man in der Öffentlichkeit Dinge tun,

für die man sich in Europa schämen

würde: Das T-Shirt über den Bauch

krempeln, rückwärts laufen, laut

singen,…

inAsien: Wie kommen die

Chinesen mit Ihrem ironischen

Humor klar?

Schmidt: Das weiß ich auch nicht

immer, ich spreche ja nicht so gut

Chinesisch. Mein Buch Allein unter

1,3 Milliarden ist immerhin ins Chinesische

übersetzt worden und mittlerweile

ausverkauft. Da kam viel

positives Echo.

Das Buch Im Jahr des Hasendrachen

(Verbrecher

Verlag, 192 S., 13 €) von

Christian Y. Schmidt ist

nichts für Menschen, die

zum Lachen in den Keller

gehen. In 58 amüsanten Kolumnen rüttelt

Schmidt am China-Bild der Deutschen.

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Kultur

Große Filme, gedreht in Thailand

Thailand hat an großen Filmproduktionen mitgewirkt

- und zwar nicht nur in Form der James Bond-Kulisse Ko

Tapu mit ihren aus dem Wasser aufragenden Karstfelsen

und den wunderschönen, weitläufigen Buchten

Als der amerikanische Filmregisseur

Henry MacRae 1923

von keinem Geringeren als

König Vajiravudh (Rama VI) persönlich

empfangen wurde, sprühte

ihm Begeisterung entgegen. Der

Monarch stellte ihm für seine Filmproduktion

Miss Suwanna of Siam

(Fräulein Suwanna aus Siam)

seinen Autofuhrpark, eine große

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04/2013


Kultur

Anzahl an Pferden und Elefanten,

die Gründe des Großen Palastes

und sogar Schiffe der Königlichen

Thailändischen Marine zur Verfügung.

Unglücklicherweise wurde

der Film aber nur wenige Male

aufgeführt, bevor er auf mysteriöse

Weise verloren ging. Geblieben

ist Thailands Ruf als exzellenter

Drehort und eine lange Reihe wei-

terer Produktionen, die hier für eine

kräftige Prise Exotik abgedreht wurden.

Mittlerweile weist Thailand

einige der am besten ausgestatteten

Produktionsfirmen und am besten

trainierten Filmcrews der Welt auf.

Werbeeffekt,

trotz negativer Presse

Kinofilme sind jedoch nicht immer

frei von gewissen Kontroversen.

Hollywood ist bekannt dafür, negative

Aspekte oft zu akzentuieren

und reale Ereignisse durch fiktives

Geschichtenerzählen zu überschatten.

Hangover 2 zum Beispiel empfand

so mancher Thailänder als beleidigend,

da der Film sich auf die

Schattenseiten Bangkoks konzentrierte.

Andererseits stellte der Film

aber auch einige der besten Hotels

der Stadt ins Rampenlicht. Möglicherweise

ist das der Grund, weshalb

eine Mehrzahl der Mitarbeiter

des thailändischen Fremdenverkehrsamts

TAT den Film trotz

negativer Presse als Werbemittel

betrachtet.

In Bangkok Dangerous versuchten

die Produzenten Bangkok als

bandenverseuchten, gewalttätigen

Ort darzustellen, was so manchem

langjährigem Besucher der Stadt als

ziemlich absurd vorkommen muss.

Thailand und seine Hauptstadt gelten

als vergleichsweise sicheres

Urlaubsziel und sind bekannt für

Toleranz und Gastfreundschaft der

Bewohner.

Ebenfalls kritisiert wurden die

Produzenten von The Beach. Ihnen

wurde vorgeworfen, am Drehort

Maya Beach durch das Entfernen

von Vegetation und dem Neupflanzen

nicht einheimischer Palmenarten

ein natürliches und empfindliches

Ökosystem durcheinander

gebracht und einheimisches Wildleben

gestört zu haben, nur um

dadurch den visuellen Effekt des

Filmes zu erhöhen. Allerdings hatte

das Filmteam nach Abschluss

der Dreharbeiten den Anstand, die

fremden Bäume wieder zu entfernen

und den Strand wieder in

seinen ursprünglichen Zustand zu

bringen. Nicht erwähnt wurde von

örtlichen Medien in ihrer Entrüstung

freilich, dass das Produktionsteam

zur Vorbereitung des Strandes

auch buchstäblich tonnenweise von

Einheimischen abgeladenen Müll

entfernt hatte.

Mittelalterliches Europa

im Thailand

Insgesamt haben die meisten Akteure

der thailändischen Tourismusindustrie

jedoch auch anerkannt,

dass die Herausstellung des Landes

im Rahmen eines Kinofilms ein

einzigartiges Werbemittel ist. Chris

Lowenstein, Mitbegründer von „Living

Films“, einer in Chiang Mai

ansässigen Firma, welche die lokalen

Produktionsdienstleistungen

für Kinofilme wie Bangkok Dangerous,

Shanghai und Hangover

2 handhabte, meint, die natürliche

Schönheit und der Variantenreichtum

thailändischer Drehorte mache

das Land zum idealen Platz sowohl

für große als auch kleinere Filmproduktionen.

Einige unter ihnen wurden zwar

in Thailand gedreht, spielen aber

eigentlich im mittelalterlichen Europa,

dem China der 1940er-Jahre,

dem Vietnamkrieg, dem Burma der

1980er, dem modernen Indien, dem

antiken Ägypten der Pharaonen und

sogar auf einem außerirdischen Planeten.

Laut Auskunft des Thailand

Film Office, der ausländische

Filmarbeiten betreuenden Behörde,

wuchsen die aus ausländischen

Filmproduktionen erwirtschafteten

Einnahmen des Landes im Vergleich

zu 2011 im letzten Jahr um

28 Prozent an. Und dieser Trend

soll anhalten.

Wohnen am Drehort

Asiens führende Hotelbuchungsseite

Agoda.com hält überall in Thailand interessante

Hotelangebote an Drehorten bereit,

die als Kulisse für einige der größten

Filmerfolge Hollywoods dienten.

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Kultur

Good Morning, Vietnam (1987); Der Morgen

stirbt nie (1997); Bridget Jones (2004); Bangkok

Dangerous (2008); Hangover 2 (2011)

Der Mann mit dem goldenen Colt (1974)

Ko Tapu, Provinz Phang Nga

Der neunte James Bond-Film machte uns zum ersten

Mal mit Roger Moore in der Rolle des unerschrockenen

Geheimagenten mit der Lizenz zum Töten bekannt.

Wir folgten ihm rund um die Welt auf seiner Jagd nach

dem berüchtigten Killer Scaramanga (Christopher Lee)

mit Zwischenstopps in Beirut, Macau, Hong Kong,

Bangkok und letztendlich Südthailand. Die Szene, in

der Bonds Flugzeug über dem tiefblauen Meer der

Bucht von Phang Nga (die als Ersatz für Vietnams

Bucht von Halong herhielt) aus dem Wasser aufragenden

Karstklippen vorbeifliegt, brachte der Region

einen enormen Tourismusaufschwung. In der Tat ist

die winzige Insel Ko Tapu mit ihrem bizarren Felsen,

bis heute als „James Bond-Insel“ bekannt. Die meisten

Touristen kommen auf der nahegelegenen Insel Ko Yao

Noi unter, von wo aus man Bootstouren nach Ko Tapu

und anderen Inseln in der weitläufigen Bucht buchen

kann.

Bangkok

Nicht sonderlich überraschend, dass Thailands überfüllte

Hauptstadt die Kulisse für einige von Hollywoods

größten Filmproduktionen ist. Wer nämlich die

ausgetretenen Touristenpfade verlässt und die verwinkelten

Hintergassen, versteckten Tempel und Gegenden

Bangkoks erkundet, der findet schnell den Grund dafür.

Von den Sauf-Eskapaden der Freundesrunde in Hangover

2 bis zu James Bonds Motorradflucht vor einem

Kampfhubschrauber (laut Drehbuch zwar in Vietnam,

aber eben in Bangkok abgedreht) in Der Morgen stirbt

nie und den als die südvietnamesische Hauptstadt

Saigon des Jahres 1965 hergerichteten Bangkoker

Straßen in Good Morning Vietnam. Und hier genießt

man auch noch heute Lokalkultur pur: Das vorwiegend

indische Stadtviertel Chinatowns Phahurat, das Mekka

der Rucksacktouristen Banglamphu, das hedonistische

Nachtleben rund um Nana (Sukhumvit Rd. Soi 3 und

4). Am Abend am besten zu einem Drink ins Lebua-

Hotel (Hangover 2) oder mit dem Longtail-Boot den

Fluss entlang schippern, so wie Nicholas Cage in

Bangkok Dangerous.

The Impossible (2012)

Khao Lak, Provinz Phang Nga

Der verheerende Tsunami Ende 2004 verwüstete ganze

Landstriche Indonesiens, Indiens, Sri Lankas, Malaysias

und Thailands und brachte Hunderttausenden den

Tod. Die wahre Überlebensgeschichte einer spanischen

Urlauberfamilie liegt diesem Film zugrunde mit Ewan

McGregor und Naomi Watts in den Hauptrollen. Obwohl

ein Großteil des Streifens in einem Wassertank

in Spanien gefilmt wurde, kommt Khao Lak, wo die

echte spanische Familie ihren Urlaub verbracht hatte,

in vielen Außenaufnahmen vor. Heute liegen die kilometerlangen

Sandstrände, der dichte Dschungel und

die Hotels wieder so da, als ob niemals ein Tsunami

gewütet hätte.

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Kultur

Air America (1990)

Mae Hong Son, Provinz Mae Hong Son

Als Mel Gibson noch ein Kassenmagnet und Robert

Downey Jr. der böse Bube Hollywoods war – und nicht

andersherum – erzählte Air America die Geschichte

zweier Piloten, die während des Vietnamkrieges für

die amerikanische Regierung geheime Missionen über

Laos flogen. Die Dreharbeiten fanden jedoch in der

landschaftlich atemberaubenden, gebirgigen Provinz

Mae Hong Son in Nordwest-Thailand statt, wo der

tropische Dschungel bis an den Rand der spärlichen

Straßen heranreicht, das Wetter aufgrund der Höhenlage

stets kühl und angenehm ist, und zahllose Wasserfälle,

Waldtempel und kleine Bergstämme anzutreffen

sind. Am besten erkundet man die Provinz mit einem

gemieteten Motorrad.

Alexander (2004)

Straßenwerbung für „Rambo 4“ in Hanoi (Vietnam)

American Gangster (2007); Rambo 4 (2008)

Chiang Mai, Provinz Chiang Mai

Die dicht bevölkerte Stadt, eingesäumt von dschungelbedeckten

Hügeln, ist der bevorzugte Ausgangspunkt

für einen Besuch des „Goldenen Dreiecks”, wo die

Grenzen von Thailand, Myanmar und Laos aufeinandertreffen.

Das Gebiet war berüchtigt für Opiumanbau

und Drogenschmuggel und damit der perfekte Drehort

für Ridley Scotts Kriminaldrama American Gangster,

die wahre Geschichte eines ambitionierten Kriminellen,

der in den 1970er-Jahren aus Thailands gesetzlosem

Grenzgebiet Drogen zu importieren begann. Auch

Sylvester Stallone in Rambo 4 wählte Chiang Mai als

Filmkulisse aus, nachdem er bereits 1985 Rambo 2

hier abgedreht hatte. Allerdings bekam die Filmcrew

während der Dreharbeiten auch Probleme mit echtem

Myanmar-Militär, als sie der Grenze zu nahe kam.

Ubon Ratchathani

Regisseur Oliver Stone reiste für die letzte Schlacht

Alexander des Großen – die Schlacht am Hydaspes

in die abgelegene Provinz Ubon Ratchathani in

Nordostthailand. Die historische Schlacht, während der

Alexanders Kavallerie gegen die gepanzerten Kriegselefanten

von König Porus vorging, fand freilich im

heutigen Pakistan statt, doch Ubon Ratchathani war

aufgrund seiner dichten Wälder und stattlichen Anzahl

gezähmter Elefanten ein mehr als angemessener Ersatz

und eine natürliche Kulisse zur Inszenierung des

grausamen Gemetzels. In der relativ wenig besuchten,

isolierten Provinz finden sich auch einige spektakuläre

Tempelruinen des antiken Khmer-Reichs.

The Beach (2000)

Ko Phi Phi Leh, Provinz Krabi

Danny Boyles Verfilmung des Romans von Alex Garland

folgt den Abenteuern eines jungen Rucksacktouristen

(Leonardo DiCaprio), der in den Besitz einer geheimen

Landkarte kommt. Sie führt ihn schließlich auf

eine versteckte Insel, auf der sich eine Gemeinschaft

von Aussteigern etabliert hat, die sich vollkommen

von der Außenwelt abschirmt. Als Drehorte fungieren

wundervolle Strände, darunter Maya Bay auf der Insel

Ko Phi Phi Leh. Die unbewohnte Insel kann man am

besten von der mit Hotels ausgestatteten Nachbarinsel

Ko Phi Phi Don besuchen, am besten schon früh am

Morgen, um Touristenmassen zu umgehen.

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Die Salzmänner von Tibet (DVD)

Seit uralten Zeiten leben die Hirtennomaden auf dem Hochplateau des

Himalaja. Jeden Frühling machen sich vier Männer auf den langen Weg

zu den Salzseen. Nur um diese Jahreszeit können sie damit rechnen, dass

die Erde sich nicht in Schlamm verwandelt und die Hochebene begehbar

ist. Unterwegs übernimmt jeder von ihnen eine bestimmte Rolle: Einer

ist Margen, die Alte Mutter, einer Pargen, der Alte Vater, einer der Herr

der Tiere. Bopsa, der Neuling, begleitet die Karawane

zum ersten Mal. Die uralten Regeln müssen

streng beachtet werden. Eine davon ist die geheime

Salzsprache. Ulrike Koch ist es nach achtjähriger

Recherche gelungen, die Salzmänner auf ihrer Reise

zu begleiten. Der Film dokumentiert die von tiefer

Religiosität und Respekt vor der Natur geprägten

Traditionen der Salzmänner.

Arte Edition, tibetische Originalfassung, Untertitel

in Deutsch, ISBN: 978-3-89848-752-8, beziehbar

über absolut medien, 14,90 €

Kambodschanische Verblendungen

Vier schwedische Intellektuelle, darunter der bekannte Schriftsteller Jan

Myrdal, besuchen 1978 das Kambodscha Pol Pots und kehren begeistert

zurück. Fast 30 Jahre später begibt sich Idling auf die Spurensuche und

bereist dieselbe Route. Wie ist es möglich, dass die Delegation Hunger

und Massenmord völlig übersah, wieso erschien ihnen der Schlächter Pol

Pot als politisches Vorbild? Dieses überaus lesbare Buch ist gleichzeitig

eine spannende Reisereportage

mit historischen Einschlägen,

aber auch der Beweis, dass der

Mensch nur sieht, was er sehen

will. Und für alle, die nach Kambodscha

reisen, ist das Buch eine

einfühlsame Einführung in ein

Land, das auch noch heute im

Schatten der Pol Pot‘schen Schreckensherrschaft

steht.

Korea kritisch gesehen

Immer wieder kocht der Konflikt zwischen

Nord- und Südkorea hoch, ohne dass eine

Lösung möglich scheint. Doch warum stehen

sich die beiden Staaten so unversöhnlich

gegenüber? Die beiden Autoren beleuchten

nicht nur die Geschichte und die politischen

Hintergründe der beiden Länder, sie sind

auch ausnehmend kritisch: Vom Gwangju-

Massaker bis zu den staatlich organisierten

Entführungen Oppositioneller kommt auch

Südkoreas dunkle Vergangenheit zur Sprache.

Wenn es um die Diskussion des Nord-

Süd-Konflikts geht, hat die Toleranz übrigens

auch in Südkorea schnell ein Ende. Der Autor

Du-Yul Song muss es wissen. Er engagierte

sich stark für die Demokratiebewegung in

Südkorea sowie den Austausch zwischen

Süd- und Nordkorea und musste mehr als

drei Jahrzehnte im Exil verbringen.

Du-Yul Song, Rainer Werning: „Korea – Von

der Kolonie zum geteilten Land“, Promedia,

208 Seiten, 15,90 €

Peter Fröberg Idling: „Pol Pots Lächeln“,

Edition Büchergilde, 352

Seiten, 22,90 €

90

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Die Normalität des

Wahnsinns

1957 geboren, wächst die Autorin Zhao

Jie im Zeitalter Maos auf. Ihr Leben ist geprägt

von ideologischer Indoktrinierung

und politischer Agitation. Noch in der

Grundschule wird sie Rotgardistin und

lässt sich schließlich während der Landverschickungskampagne

nach Yan‘an als

Erntehelferin senden. Erst hier, in einer

der ärmsten Gegenden Chinas, kommen

ihr Zweifel: Wie kann es sein, dass die

Bauern am Geburtsort der Revolution,

mehr als 20 Jahre nach der Befreiung,

so erbärmlich von der Hand in den

Mund leben? Anders als in vielen chinesischen

Lebenserinnerungen geht es in

diesem Buch nicht nur um Verfolgung

und schwere Schicksalsschläge, sondern

auch um den Alltag während der Kulturrevolution

– und der ist auf seine ganz

eigene Weise nicht minder erschreckend,

denn er zeigt die chinesische Gesellschaft

von ihrer menschenverachtenden

Seite: Existenzen werden wie nebenbei

vernichtet, und niemand stellt das in Frage.

Vor allem nicht die Jugend, die Mao

wie einen Gott verehrt.

Zhao Jie: „Kleiner Phönix – eine Kindheit

unter Mao“, Blessing, 714 Seiten,

24,99 €

Ein Leben in Nordkorea

Eigentlich hat Pak Jun Do von Anfang

an keine Chance: Als Waise trifft er in

Nordkorea nur auf Gleichgültigkeit und

Verachtung. Als ihn ein Armee-Laster mit

14 Jahren von der Straße klaubt, scheint

sein Schicksal besiegelt. Doch Jun Do ist

zäh: Er lernt in den Tunneln unter der

innerkoreanischen Grenze zu kämpfen,

auf Bestellung Menschen in Japan zu

entführen, als Funker auf einem verrotteten

Fischerkahn die Welt zu belauschen.

Durch einen unglücklichen Zufall landet

er schließlich doch noch im Gulag - und

überlebt. Dann gelingt ihm ein unglaublicher

Coup: Er ermordet einen Minister

auf Lagerbesuch und nimmt seinen Platz

in Pjöngjang ein, direkt im Zentrum der

Macht. Hautnah lässt Johnson die Leser

an den Gedanken Jun Dos teilhaben,

wenn auch mit einigen literarischen Längen,

die zu Lasten der Spannung gehen.

Den Kritikern hat dieses Buch übrigens

gut gefallen. Zu Beginn des Jahres wurde

es mit dem Pulitzerpreis in der Kategorie

„Roman“ ausgezeichnet.

Generationen der Einsamkeit

Eines Nachts bringt Miho ihre sechsjährige Tochter

Yuki zu ihrer Großmutter nach Osaka und verschwindet

für immer. Doch warum? Zur Auflösung

dieses Rätsels greift die Autorin fünf Generationen

zurück. Geradezu schmerzvoll begleitet der Leser die

Mütter und Töchter der Familie, die vor allem eines

gemeinsam haben: Sie scheinen ihrem Schicksal nicht

entrinnen zu können, obwohl ihnen das Leben immer

wieder Chancen zuspielt. Nach und nach fügen sich

die dramatischen Puzzleteile zusammen. Mehr sei

Vietnamesische

Momentaufnahmen

von der Geschichte nicht verraten. Japanisch zurückhaltend

und einfühlsam

erzählt, schildert

Aly Chan, wie sich

jede Generation aufs

Neue in Traditionen

und Ehre verheddert

– und die Chance auf

echtes Lebensglück

verpasst.

Aly Cha: „Schnee im

April“, Piper, 432 Seiten,

9,99 €

Der Name ist Programm: In 151 Schlaglichtern zeigt

der Autor höchst unterschiedliche Facetten der vietnamesischen

Kultur und des Alltagslebens. Neben den

Klassikern wie der Symbolik des Drachens oder der

Bedeutung des Reis gibt es aber auch einige Überraschungen:

Wieso gehören Manchester United und

Schlafanzüge genauso untrennbar zu Vietnam? Wieso

gibt es in diesem kleinen Land mehr Telefonnummern

als Einwohner? Liebevoll bebildert nimmt dieses

Buch den Leser mit

auf eine kurzweilige

Reise durch eine abwechslungsreiche

Kultur voller liebenswerter

Widersprüche.

Adam Johnson: „Das geraubte Leben des

Waisen Jun Do“, Suhrkamp, 682 Seiten,

22,95 €

David Frogier de

Ponlevoy: „Vietnam

151“, Conbook, 288

Seiten, 14,95 €

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ThAilAnd

Triumph für

Thaksin

Messen & Kongresse

China präsentiert

sich auf der CeBIT

MAcher & MärKTe

Ratan Tata – Manager

mit Macht und Bedacht

chinA

31

Neue Chancen für

das Perlflussdelta

AsiA Bridge

:::

Glaubt man den Prognosen,

geht Indonesiens Stahlindustrie

goldenen Zeiten entgegen. In

wichtigen Abnehmerbranchen

Trends | Analysen | Strategien für Ihr Asiengeschäft 11:2011


Indonesien





vereinigt mit

aktuell ASIA

stehen die Zeichen auf Wachstum.

Beispielsweise erwarten

Experten, dass die größte ASE-

iMMoBilienMärKTe

steter

Aufstieg


AN-Nation in den kommenden

zwei Jahren Thailand als führenden

Automarkt überholen wird.

Produktion und Verkauf sollen

auf jährlich 1,2 Millionen Autos

und 8,1 Millionen Motorräder

anwachsen. Der dafür benötigte

Stahl wird zumeist importiert.

Um den einheimischen Markt

für ausländische Anbieter von

Ausgangsstoffen und Verarbeitungsmaschinen

zugänglicher zu

machen, kooperiert das indonesische

Industrieministerium ab

diesem Jahr mit der Deutschen

Messe AG als Gastgeber der „Indonesia International

Steel, Iron and Aluminium Expo and

Forum“ (Inasal).


Auf dieser neuen Messe werden vom 11. bis 13. Juli internationale

Aussteller die gesamte Bandbreite der Aluminium-,

Eisen- und Stahltechnologie zeigen. Die Ausstellungsfläche

wird sich im Jakarta Convention Center befinden, das

ursprünglich für eine Gipfelkonferenz der Bewegung der

Blockfreien Staaten gebaut worden war. Nun dient es als

Hauptumschlagplatz für Stahlwaren aus dem In- und Ausland.

Das Angebot der Ausstellungsplattform umfasst die ganze

Produktkette der Aluminium-, Eisen- und Stahlindustrie.

Von Rohmaterialien über Verarbeitungstechnologie bis hin

zum Endvertrieb werden Besucher der „Inasal“ alles vorfinden.

Überdies bieten Aussteller Rohre und Kabel an.

Organisiert wird die „Inasal“ von Hannover Fairs International,

einer Tochtergesellschaft der Deutschen Messe AG




Aussteller zu öffnen und Netzwerkmöglichkeiten für Produzenten

und Konsumenten zu schaffen. „Damit erschließen

wir für unsere Kunden zusätzliche Geschäftsperspektiven

auf dem wichtigen asiatischen Markt“, berichtet Dr. Andreas

Gruchow, der im Vorstand der Deutschen Messe AG fürs

Auslandsgeschäft verantwortlich zeichnet.


In Zusammenarbeit mit

:::







Mit der „Inasal“ erweitert die Deutsche Messe ihr Portfolio

in den Bereichen Gießerei und Metallurgie. Zu dem gleichen

Thema existieren bereits etablierte Messen des Hannoveraner

Messeanbieters. Die Fachmessen „Ankiros/Annofer“ und

„Aluexpo“ in der Türkei erfreuen sich beispielsweise schon

in Hannover, in Kooperation mit dem indonesischen Messeveranstalter

Wahyu Promo Citra. Das dreitägige Event zielt

issn: 1864-3752

darauf ab, den indonesischen Handelsplatz für ausländische

seit Jahren eines großen Zuspruchs. Auch die in Indien beworbenen

Fachausstellungen „Ifex“, „Metex“ und „Alu India“, die

die Deutsche Messe AG gemeinsam mit der Kölnmesse YA

Tradefair bewirbt, sind geschätzte Branchenveranstaltungen.

„Umso mehr freuen wir uns, jetzt auch auf dem indonesischen

Wachstumsmarkt vertreten zu sein“, so Gruchow. Die Wei-

Mit newsletter

des dAW









:::


Kultur

China-Küche

Wie man vom Arzt zum Koch wird

Simon Xie Hong hat das Kochen eigentlich gar nicht gelernt. Der seit zwanzig

Jahren in Österreich lebende Gastronom ist studierter Arzt. Dennoch ist

sein Ziel weniger Gesundheit, sondern Wohlgeschmack und aromatische

Experimentierfreude. Gastrokritiker Florian Holzer hat Österreichs spannendstem

China-Koch aufmerksam über die Schulter geschaut

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Kultur

Gleichgeschaltet und uniform, ein

Heer der Einheitlichkeit. So sehen

wir Europäer die Chinesen gern.

Xie Hong ist jedenfalls keiner,

der in einer Masse unterzutauchen

droht. Er kann schließlich auf eine

Biographie verweisen, die wohl mit

kaum einer anderen verwechselt

werden kann. Und da muss man

sich dann fragen: Ist Xie Hong ein

Einzelfall oder sind die Chinesen

in Wirklichkeit ein Milliardenvolk

von Individualisten, und wir haben

davon einfach noch nichts mitbekommen?

Xie Hong, der seinen Spitznamen

Simon in Wien bekam, weil das so

ähnlich klingt wie Xie Hong, arbeitete

als Chirurg, bevor er Ende der

1980er-Jahre nach Österreich kam

und hier seine Leidenschaft für das

Kochen entwickelte. Heute zählt er

zu den interessantesten Figuren der

kulinarischen Szene Österreichs.

Feine Aromen statt

Knoblauch

Zu kochen begann Simon mit 12

Jahren, nur für sich alleine, und

sorgte damit im Kreis der Familie

und Nachbarn für großes Erstaunen

ob seiner raffinierten Kreationen

inAsien-Buchtipp

Gastrokritiker Florian Holzer hat Österreichs

spannendstem China-Koch aufmerksam

zugeschaut: Ob Meeresfrüchte, Fisch,

Fleisch oder Vegetarisches mit Gemüse

und Tofu, subtil und einfühlsam findet

Simon Xie Hong zu neuen Geschmacksharmonien.

Er zeigt den perfekten Umgang

mit dem Wok, erklärt, warum und wie

etwas gemacht wird und

verblüfft mit seinem persönlichen

Koch-Stil.

Florian Holzer: „Vienna

ChinaTown - Die neue

China-Küche von Simon

Xie Hong“, Pichler Verlag,

Fotos Philipp Horak, 24,99

€, ISBN 978-3-85431-588-9

und aufwändigen Rezepturen. Bis

dahin hatten seine Schwestern für

ihn gekocht, oder er besuchte seine

Mutter in der Betriebskantine,

deren süßsauren Schweinerippchen

er sein Leben lang nicht vergessen

wird.

Zur Freizeitbeschäftigung wurde

das Kochen zur Teenagerzeit, als er

durch Wenzhou zog. Weit entfernt

von der zentralen Macht, war die

Stadt immer ein bisschen anarchistisch.

Hier herrschte schon Anfang

der 1980er eine gewisse Ausgehkultur,

kleine Händler und eine lebendige

Imbiss-Szene belebten das

Straßenbild. Hier gab es schon Garküchen,

als die in Peking noch lange

verboten waren. Die Betreiberin

einer solchen Wenzhou-Garküche

machte mit der Erfindung einer Art

Fischnockerln sogar große Karriere,

als sie mit ihrem Konzept in die

Hauptstadt Peking ging und dort

zahlreiche Lokale eröffnete.

Die traditionelle Wenzhou-Küche

zeichnet sich vor allem durch ihre

feinen Aromen aus, durch die im

Vergleich zu den Nachbarprovinzen

extrem sparsame Verwendung von

Knoblauch, dafür von umso mehr

zarten Kräutern aus der Region.

Karrierebeginn Dieselkocher

1981 hatte Simon Glück, die „revolutionäre

Universitäts-Klausel“, der

zufolge nur Kinder von Arbeitern

und Bauern studieren durften, war

ausgelaufen und er zog zum Studium

der Medizin wieder in seine Geburtsstadt

Hangzhou, im Vergleich

zu Wenzhou eine damals verschlafene

Millionenstaadt, in der es außer

ein paar Touristenlokalen nichts

gab außer wunderbare Teegärten.

Nicht umsonst war die prägende

Spezialität Hangzhous jener Tage

das Nudelgericht Guan, das bedeutet

so viel wie „Gar-Nichts-Nudeln“

mit ein bisschen Frühlingszwiebel.

Eigeninitiative war somit gefragt,

weshalb Simon mit ein paar Kommilitonen

das Taschengeld zusammenlegte

und in der Mitte ihres

zehn Quadratmeter großen und

mit vier Stockbetten strapazierten

Studentenzimmers einen winzigen

Dieselkocher aufstellten. Da es zum

Schneiden nicht genug Platz gab,

stand fast immer Eintopf auf dem

Programm. Offenes Bier, das man

seit kurzem auf Märkten bekam,

wurde in Thermoskannen kühl gehalten.

Simons Bewusstsein dafür, dass

man aus einfachsten Dingen ein

Festmahl bereiten kann, wurde zu

dieser Zeit durch seinen Großvater

Zhang Lanshen geprägt. Und dass

sein Großvater trotz widrigster Umstände

95 Jahre alt wurde, führt Simon

auf das Wissen um die „alten

Bücher“ zurück: Medizin, Kultur

und Kochkunst.

China in Österreich

Ortswechsel: Mistelbach im niederösterreichischen

Weinviertel.

Simons Schwester Liu Xie Fei

Ru betrieb in der beschaulichen

Bezirkshauptstadt seit 1987 ein

Chinarestaurant samt Kino und

Frühstückspension. Simon kam

1988 in die niederösterreichische

Kleinstadt und war „Mädchen für

alles“, startete ein Eissalon-Projekt

und bediente den Filmprojektor.

Das Kochen überließ er anderen.

Thema wurde es erst 1993, allerdings

in Mariazell, wohin ihn ein

Ausflug mit der Mariazeller Bahn

geführt hatte. Dort saß er dann

eines Abends, draußen schneite es,

die Landschaft war so malerisch.

Drinnen brannte ein offener Kamin,

und der junge Mann aus Südchina

dachte sich, dass das genau der

richtige Ort sei, um ein Chinarestaurant

zu eröffnen, das Restaurant

„Morgenröte“.

Ende der 1990er-Jahre war Simon

Xie Hong endlich in Wien

angekommen und eröffnete nach

weiteren Zwischenstopps das kleine

Restaurant „ON“: traditionelle südchinesische

Küche, verbunden mit

österreichischen Zutaten, Wiener

Schmäh und einer Portion europäischem

Bewusstsein.

94

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04/2013


Kultur

Tofu mit Sardellensauce und

weißem Pak Choi

Asienrezepte zum S ammeln

Karpfensteak „rot“ gebraten

und gedünstet

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Kultur

Tofu mit Sardellensauce

und weißem Pak Choi

Zutaten

• 1 Block frischer Tofu

• 8 eingesalzene Sardellenfilets in Öl

• Lauch

• Zwiebel

• Knoblauch

• getrocknete Chilischote

• Honig

• Reiswein

• Olivenöl

• weißer Pak Choi

Ein leichtes Gericht, perfekt für einen schwülen Sommerabend! Pak Choi (Senfkohl)

ist ein Verwandter des Chinakohls und eines der vielseitigsten Gemüse: Man

kann ihn roh in den Salat mischen, wie Spinat oder Mangold blanchieren, und

er macht aufgrund seiner saftigen Stängel auch im Wok eine gute Figur. Selbst

im Supermarkt ist er leicht zu bekommen. Asia-Läden haben natürlich größere

Auswahl. Den bei diesem Gericht vorteilhaften „weißen“ Pak Choi bekommt man

vor allem hier.

Zubereitung

Die gesalzenen Sardellenfilets fein hacken und mit etwas Olivenöl vermischen.

Lauch und Zwiebel (jeweils gleiche Menge) so fein wie möglich hacken, Knoblauch

und Ingwer ebenfalls klein hacken, alles dazumischen, mit getrockneter

Chilischote (gehackt) würzen, noch ein bisschen Honig und einen Schuss Reiswein

beigeben. Dann alles mit dem Stabmixer zu einer einheitlichen Sauce vermixen.

Salzwasser zum Kochen bringen und den Pak Choi darin nicht länger als 30 Sekunden

blanchieren. Dann herausnehmen und in eiskaltem Wasser abschrecken.

Den Kohl ausdrücken und die Stängel wegschneiden. Den Tofu in schmale Streifen

schneiden und die Sauce über Tofu und Pak Choi gießen – weitere Gewürze

sind bei diesem Gericht nicht notwendig.

A sienrezepte zum Sammeln

Karpfensteak „rot“ gebraten

und gedünstet

Geschmorter Karpfen in einer Sauce, die an Intensität nur schwer zu toppen ist.

Zutaten

• Karpfensteaks (zwei oder mehr)

• Reiswein

• Sojasauce

• Ingwer

• 1 Jungzwiebel

• Mischung aus weißem, schwarzem

und grünem Pfeffer

• Koriandersamen (grob gemörsert)

• Knoblauchzehe, angedrückt

• brauner Zucker

• koreanische Paprikapaste

(im Asia-Shop erhältlich)

• Reiswein

• Salz

Zubereitung

Die Fischsteaks in einen tiefen Teller legen und mit Reiswein und Sojasauce (je 1

EL) ein paar Minuten marinieren. Den Ingwer in feine Stifte schneiden, das Grün

der Jungzwiebel grob hacken. Etwas Öl in den Wok geben, sehr heiß werden

lassen. Die Steaks an der Haut heiß anbraten, so dass sie eine schöne Kruste

bildet, das gibt den Geschmack!

Zwiebelgrün und Ingwer dazugeben, Gewürzmischung aus schwarzem, weißem

und grünem Pfeffer sowie die grob gemörserten Koriandersamen und die angequetschte

Knoblauchzehe dazu, den Reiswein ringförmig eingießen. Etwa zwei

Drittel eines Esslöffels braunen Zucker hinzugeben und salzen. Gut vermischen

und mit Wasser aufgießen, bis Steaks und Aromen etwa zur Hälfte bedeckt sind.

Mit Sojasauce dezent würzen und zum Sieden bringen. Nun einen Kaffeelöffel

der koreanischen Paprikapaste beigeben (Achtung, die ist sehr intensiv!) und gut

durchrühren, damit sie sich in der Sauce auflöst, mit den Gewürzen verbindet

und dem Ganzen Farbe gibt. Eine halbe Stunde bei kleiner bis mittlerer Hitze

zugedeckt schmoren lassen, dabei saugen die Steaks alle reichlich vorhandenen

Aromen der Sauce auf.

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K A R L S G E L U E B D E

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Z I E L C B A L I R H O E N

S T S C H E U E B E

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L O L D O R N E I G E N

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Impressum inAsien

inAsien

erscheint zweimonatlich im:

Asia Vision Verlag

Rudolfstraße 22–24

60327 Frankfurt

Tel.: +49 (0)69-665632-0

Fax.: +49 (0)69-665632-22

Internet: www.inasien.de

E-Mail: redaktion@inasien.de

Chefredakteur: Martin Brückner

Redaktion: Ann-Karin Heyer

Layout: Muhammet Simsek

Autoren dieser Ausgabe:

Milena Bähnisch, Simona Bianco,

Marcus Haid, Isabelle Harbrecht,

Thomas Hundt, Francoise Hauser,

Thomas Kropff, Erik Lorenz,

Katharina Schnurpfeil, Michael Scholten,

Mario Weigt, Susanne Wess

Anzeigenverkauf: Dagmar Hummel

Druck: Dierichs Druck, Kassel

Vertrieb: VU Verlagsunion Walluf

Bildnachweise:

Titel: Shutterstock // Inhalt (S. 4): Shutterstock // Asien im Bild (S. 6-7): Shutterstock

// Travel-Meldungen (S. 8-9): Red Mountain Estate - ICS Travel Group, Shutterstock

// Bildreportage (S. 10-15): Mario Weigt // Tipps & Trends (S. 16-17)): KEEN 1310,

Shutterstock // Thailands Inselwelten (S. 18-24): Susanne Wess, Joachim Kraus,

Shutterstock // Kambodscha Ratanakiri (S. 26-30): Michael Scholten, Waler Keller //

Vietnam by bike (S. 32-34): Thomas Kropff // Laos Bokeo-Nationalpark (S. 36-40): Erik

Lorenz // Trekking in Ladakh (S. 42-46): Isabelle Harbrecht, Shutterstock // Stichwort (S.

47): Shutterstock // Korea (S. 48-52): Francoise Hauser // Japan Hokkaido (S. 54-56):

Marcus Haid // Mystisches Asien (S. 57): Kamalya, Neue Wege Reisen // Malaysia Kuala

Lumpur (S. 58-61): Michael Scholten // Leserreise Philippinen (S. 62-63): Peter Radig,

Shutterstock // Gesundheitstourismus (S. 66-69): flickr.com // Wirtschafts-Meldungen

(S. 70-71): Shutterstock // Asiens Gesundheitssystem (S. 72-74): Shutterstock // Asien

Promi (S. 75): Shutterstock // Handarbeit in Vietnam (S. 76-77): Shutterstock // Kultur-

Meldungen (S. 78-79): Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe, Indisches

Filmfestival Stuttgart, Museum Rietberg, Zürich, Bernisches Historisches Museum, MKG

Hamburg, Yoon JeongMee, Shutterstock // Japans Geisterwelten (S. 80-84): Francoise

Hauser, Jordy Meouw, www.totorotimes.com // Drehorte in Thailand (S. 86-89):

Shutterstock, Agoda.com, flickr.com // Asien kulinarisch (S. 93-96): Philipp Horak, Pichler

Verlag // Vorschau (S. 98): Shutterstock

Sämtliche Artikel und Informationen sind

nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt.

Eine Gewährleistung für ihre

Richtigkeit und Vollständigkeit kann jedoch

nicht übernommen werden. Zuschriften an

die Redaktion sind erwünscht, Rücksendung

erfolgt gegen beigefügtes Rückporto. Für

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Vorschau

Ausgabe 5/2013 erscheint am 28. AUGUST

Zeitreise ins Yangzi-Delta

Im Basar von Jaipur

Es riecht nach einer seltsamen Mixtur aus Tabak,

Gewürzen und Kuhfladen. Die Luft steht. Am Basar

von Jaipur ärgern herrenlose Hunde die Markttreiber

und Kühe können da sein, wo man sie nicht

vermutet.

Die Region war einst Zentrum des Reichs der Mitte. Die Wirtschaft

boomte, Literaten tauchten ihre Pinsel ins Yangzi-Wasser und

prestigebewusste Mandarine erschafften sich prunkvolle Privatgärten.

Eine Fahrt in die große Zeit der Wasserstrasse zwischen Nord- und

Südchina – und ihren vielen Seitenkanälen.

Stadt der selbsternannten Könige

Seit acht Jahren hat Myanmar eine neue Hauptstadt: Naypyidaw. In

einem geheimen Projekt innerhalb weniger Jahre erbaut, ist das Resultat

ein pompöses, merkwürdig leer wirkendes Machtzentrum.

Vergnügungsort Airport

Der Changi-Airport gilt als einer der besten

Flughäfen der Welt – und als Geheimtipp unter den

Vergnügungsstätten Singapurs. Vor allem Studenten

verbringen hier gerne ihre Tage, denn neben

gratis W-LAN zum Büffeln, gibt es (fast) so viele

Annehmlichkeiten wie in einem Vergnügungspark

oder einem guten Wellnesshotel.

Sri Lanka

Wer eine Ayurveda-Kur in der Hochburg der indischen Heilslehre bucht,

der hat vielleicht weniger Entspannung, tut dafür seiner Gesundheit

etwas Gutes. Ein Selbsterfahrungsbericht, kombiniert mit einer

Inselerkundung.

Wir bitten um Ihr Verständnis, wenn angekündigte Beiträge aus aktuellem Anlass verschoben werden.

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