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InAsien Thailand kulinarisch (Vorschau)

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01/13

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Heft 1/13

Januar/Februar

ISSN 1438-7905

Wo der wilde Mekong rauscht

Chinas Südwestprovinz Yunnan

Geheimtipps

Die besten Strände

Hier gehen inAsien-Autoren gerne baden

Im Regenwald von Yakushima

Alte, kalte Heimat

Vietnamesen erzählen über Deutschland

Weinselig in Hong Kong

Erlesene Tropfen vom Perflussdelta

Schrille Töne aus China

Endlich die Kanton-Oper verstehen

Business

Thailand kulinarisch

Wenn in Sukhothai der Spinat fliegen lernt

Viel zu tun

in Indonesien

Yunnan • Japan: Yakushima • Strandtipps • Wein in Hong Kong • Kanton-Oper

Japans grüne Feen-Insel

Korruption soll

ausgemerzt werden

Gelernt ist

gelernt!

Vietnams Ausbildungssystem

wird reformiert


erleben.

begegnen.

verstehen.

Ungeahntes erleben und Unbekanntes verstehen

- Ihr Länderexperte zeigt Ihnen das

Kaleidoskop der Kulturen. Genießen Sie

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editorial

Das Spannende am Reisen ist ja, dass der Besucher

die Gelegenheit hat, neue Welten zu entdecken.

Mindestens genauso aufregend kann es sein,

wenn wir unsere eigene, vertraute Welt plötzlich

ganz anders erleben. Dieses Gefühl können Sie

erleben, wenn Sie die Geschichten „deutscher“

Vietnamesen lesen, die wir Ihnen in dieser Ausgabe

von inAsien präsentieren.

Schwer verdaulich wird kulturelles Crossover allerdings

dann, wenn der Import fremder Gebräuche

zur reinen Verkaufsveranstaltung verkommt. Künstliche

Weihnachtsbäume auf Singapurs Orchard

Road braucht die Welt ungefähr so, wie Buddhafiguren

als Berliner Schaufenster-Dekorationen.

Und dennoch finden Sie bei uns im Heft einen

Nikolaus im tiefsten Südostasien. Damit hat es seine

besondere Bewandtnis: inAsien-Autor Michael

Scholten hat sich in seiner Wahlheimat Kambodscha

bei 30 Grad den roten Mantel und weißen

Rauschebart angelegt, um den Kleinen die Traditionen

des christlichen Festes nahe zu bringen.

Zwar sind auch ihm aufblasbare Nikoläuse und

eine Pizza mit Rentiergeweih in Phnom Penh nicht

ganz geheuer, aber mal ganz ehrlich: Sind die kambodschanischen

Kinder in Weihnachts-Outfit nicht

einfach zuckersüß?

Herzlichst

Ihr

Martin Brückner

martin.brueckner@asiavision.de

Asien

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01/2013

Allen unseren inAsien-Lesern wünschen

wir einen guten Einstieg ins neue Jahr!

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Reise

Bildreportage: Thailand

Affenausbildung auf buddhistische Art 10

Japan – Natur

Urwaldinsel Yakushima 18

Indien – Majuli

Auf Bambusbrücken zu Krishna 22

Lieblingsstrände

inAsien-Autoren liegen in der Sonne 30

Leserreise: Sri Lanka

Wildes Paradieserlebnis 36

Philippinen

Einheimische auf Schnäppchenjagd 38

Hong Kong

Weine genießen in Süd-China 44

Reise-Kalender

Wegweiser für die ideale Reisezeit 48

Kambodscha

Weihnachten in Phnom Penh 50

Thailand

Bhumibol jazzt in Bangkok! 54

Zentral-Thailand

Ökologisch genießen 56

China – Oberlauf Mekong

Von Christen und Lamas 62

Zurück in Vietnam

Heimkehrer berichten von Deutschland 68

S. 68 – Zurück in Vietnam

S. 30 – Die schönsten Strände

Bild: das farbamt / flickr.com

S. 84 – Kanton-Oper

Bild: Keith Bacongco / flickr.com

Wirtschaft

Vietnam

Nähe zur Praxis fehlt 76

Indonesien

Der Präsident muss liefern 78

Kultur

Chinas Kanton-Oper

Klang- und Farbspektakel in Reinform 84

Asien kulinarisch: Indien

Leckere Rezepte & wie man sie isst 93

Rubrik

Asien im Bild 6

Travel-Meldungen 8

Tipps & Trends 16

Das Stichwort: Kummerbund 83

Asien im www: Kunst aus Asien 60

Wirtschafts-Meldungen 74

Kultur-Meldungen 80

Asien Promi: Mo Yan 89

Medienseite 90

Preisrätsel / Impressum 97

Das sind unsere Titelthemen

S. 62 – China, Mekong S. 38 – Philippinen

Acht Töne, die die Welt bedeuten

Seit der Rückgabe Hong Kongs an die Volksrepublik China ist das fulminante Klangund

Farbspektakel der chinesischen Kanton-Oper zu einem Stück wiedergewonnene

Identität geworden. Seite 84

Zurück in Vietnam

Vertragsarbeiter in der DDR, Boat People auf der Flucht vor Krieg und Armut und vietnamesische

Kinder, die in der DDR zu einer sozialistischen Elite erzogen werden sollten.

Einige von ihnen sind nach Vietnam zurückgekehrt – und erzählen von ihren Erlebnissen

in Deutschland. Seite 68

Lust auf Meer!

Auf der Beliebtheitsskala liegen Strände in Thailand und auf den Malediven weit vorne.

Eine gute Frage ist nur, welche davon nicht überlaufen sind und trotzdem zu den

schönsten gehören. inAsien-Autoren haben sich dafür in die Sonne gelegt. Seite 30

Von Christen und Lamas

Fast die Hälfte seiner Länge fließt der Mekong durch China – durch enge Schluchten,

umgeben von schneebedeckten Bergen. Dort wagten sich auch vor rund 200 Jahren

französische Missionare hin. Welches Erbe haben sie hinterlassen? Seite 62

Schnäppchenjagd auf philippinisch

Hier bekommt man mit etwas Glück das, was cool, modisch und angesagt ist – aus

zweiter Hand: Blusen, Hosen, Jacken und Taschen zu einem erschwinglichen Preis. Eben

ukay-ukay – importiert und doch so billig! Um eine ukay-Einkaufstour jedoch glücklich

und erfolgreich abzuschließen, muss man einige Regeln beachten. Seite 38

Auf dem Titelbild sehen Sie Reisterrassen bei Yuanyang

in der chinesischen Provinz Yunnan.

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Indien & Sri Lanka

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Arabien

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Thailand

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so individuell wie Sie selbst.

Faszinierende Städte

Bangkok

5 Tage Reise inkl. Flug mit Qatar Airways,

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Hong Kong

7 Tage Reise inkl. Flug mit Qatar Airways,

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Zauberhaftes Arabien

Abu Dhabi

6 Tage Reise inkl. Flug mit Etihad,

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Oman - Muscat

7 Tage Reise inkl. Flug mit Oman Air,

5 Al Bustan Palace, ÜF ab

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Strand & Meer

Thailand - Krabi

11 Tage Reise inkl. Flug mit Thai Airways,

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Malaysia - Langkawi

14 Tage Reise inkl. Flug, 4 Four Points

by Sheraton Resort, ÜF, Tranfers

Erlebnisreisen

Indien - Kerala Backwaters

8 Tage Reise inkl. Flug mit Gulf Air, Privatrundreise,

Hotel-ÜF, Besichtigungen

China zum Kennenlernen

12 Tage Reise inkl. Flug, deutschsprachige

Privatrundreise, HP und Inlandsflüge

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Asien im Bild

Nach dem Paddel kommt das Bad

Wer eines der beliebtesten Onsen-Kurorte Japans besucht,

der hat in Kusatsu die Wahl der Qual zwischen

100 heißen Quellen. Dem schwefelhaltigen und sauren

Wasser wird heilende Wirkung bei Gelenkschmerzen,

chronischen Verdauungsstörungen, Arterienverkalkung

und anderen Gebrechen nachgesagt. Auf jeden

Fall ist es äußerst wohltuend – wenn die Bademeisterinnen

es erst einmal mit ihren langen Paddeln auf eine

verträgliche Temperatur runtergekühlt haben.

Bei einem Gesamtwasserausstoß von etwa 34.000 Litern

pro Minute bleibt im Übrigen noch soviel Thermalwasser

übrig, dass zu Winterzeiten selbst die Straßen

des 1.200 Meter hohen Kurortes schneefrei gehalten

werden können. Und das ist gut, denn bei kalten Temperaturen

lassen sich die heißen Thermalbäder (jap.

Onsen) besonders genießen.

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Asien im Bild

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+ + + News + + + Meldungen + + + Travel + + + News + + + Meldungen + + + News + + + Meldungen + + + News + + + Meldunge

Flugmeldungen

1.-3. Februar 2013, Chiang Mai

Blumenfestival

-- Air China -- Seit dem 22.

November setzt Air China auf

der Strecke zwischen Peking

und Frankfurt Langstrecken-

Großraumflugzeuge vom Typ

B777-300ER ein. Das bedeutet

u.a. in der Economy-Klasse

ergonomische Sitze mit mehr

Fußfreiheit. Weil die Route Peking-Frankfurt

als ausgesprochen

wichtig erachtet wird,

bietet Air China nun zweimal

täglich Verbindungen zwischen

den beiden Städten an.

-- Condor -- Der deutsche

Ferienflieger feierte am 6. November

seinen Erstflug nach

Rangun. Condor fliegt ab sofort

jeden Dienstag nonstop in

die größte Stadt Myanmars.

Das Blumenfestival in Chiang Mai

zählt jedes Jahr zu den Höhepunkten

im thailändischen Veranstaltungskalender.

Dann macht die nordthailändische

Stadt ihrem Namen als „Rose

des Nordens“ mit über 200 Pflanzenarten

im Nong Buak Hat Park wieder

alle Ehre: Höhepunkt des Festivals ist

die festliche Parade durch die Innenstadt,

an der alle Aussteller in traditioneller

Tracht mit geschmückten

Umzugswagen teilnehmen. Während

der kühlen Jahreszeit (November bis

Februar) ist in der nordthailändische

Provinz Chiang Mai Blütezeit für Orchideen

und weitere Schönheiten der

tropischen Flora, eingebettet in den

Bergen und Tälern der nordthailändischen

Dschungellandschaft.

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Ayurveda

in ausgesuchten Häusern in Indien,

auf Sri Lanka und den Malediven

Gönnen Sie sich und Ihrem Körper

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Postfach 1827 • 82308 Starnberg

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Goa: Bloß weg vom Spaß-Tourismus!

Ein hochkarätiges Beratergremium des Goa Golden Jubilee Development Council (GGJDC)

legte der Regierung des indischen Bundesstaates Goa ein neues Tourismuskonzept vor: „Goa

2035 – Vision and Road Map“. Darin werden die Tourismusverantwortlichen dafür kritisiert,

dass sie für Goa nur als Spaßdestination werben. Denn neben Sonne und Strand besitzt Goa

eine vielfältige Kultur und ist bekannt für das harmonische Zusammenleben verschiedener

Religionen. Der Rückzug vom „Sonne, Meer und Sand“-Image soll die sehr gut besuchte Küste

entlasten und sich auf kleine, aber feine Konzepte konzentrieren, von denen vor allem lokale

Gemeinschaften profitieren. Verschiedene Tourismusprodukte wie Abenteuerurlaub, Öko-Tourismus,

Tourismus auf dem Land und Homestay-Programme könnten bei der Diversifizierung

helfen. Zu dem im Internet veröffentlichten Entwurf kann die Bevölkerung zwei Monate lang

Vorschläge einreichen.


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Karawane Reisen

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Asien

Reise-Abenteuer für Zugfans

Im Mai 1891 setzte der Zarensohn Nikolaus in einer kleinen Hafenstadt am

Japanischen Meer den Spatenstich für ein großes Unternehmen. Sibirien sollte

mit dem fernen Moskau verbunden werden. Es begann der Bau der Transsibirischen

Eisenbahn. Mit einer Länge von über 9.000 Kilometern und mehr als

80 Stationen ist sie heute immer noch die längste durchgehende Zugstrecke

der Welt. Wer sie kennenlernen möchte, kann 2013 einen Sonderzug besteigen,

dessen Fahrt von der Hauptstadt Russlands über die einstige Metropole

der Tartaren, über Ostsibirien und die Wüste Gobi bis nach China führt. Darunter

die Haltestellen Moskau, Kasan, Jekaterinenburg, Nowosibirsk, Irkutsk,

der Baikal-See und Peking.

Der große Asien-Katalog für Ihre Kleingruppenoder

Individualreise 2013 nach Südostasien:

nach Laos, Vietnam, Kambodscha, Thailand, Indonesien,

Malaysia, Myanmar, Indien, Bhutan, Nepal, Sri Lanka,

China, Singapur und Hongkong.

Karawane Reisen

Asien

Individual- und Gruppenreisen 2013

Die 16-tägige Reise wird zwischen Mai und September an mehreren Terminen

zu Preisen ab 3.890 Euro vom Rundreisen-Spezialist e-kolumbus angeboten

(www.e-kolumbus.de).

Laos · Vietnam · Kambodscha · Thailand · Indonesien

Myanmar · Malaysia · Indien · Bhutan · Nepal · Sri Lanka

China · Singapur · Hongkong

Die Experten im Hause Karawane beraten Sie persönlich

und kompetent und stellen Ihre Wunschreise zum

Wunschtermin individuell zusammen.

Sri Lanka: bester Ayurveda-Anbieter

Bereits zum vierten Mal wurden die Barberyn Ayurveda Resorts auf Sri Lanka

bei den nationalen „Travel & Tourism Awards“ als bester Ayurveda-Anbieter

des Landes ausgezeichnet. Der Preis würdigt vor allem die Authentizität des

Angebots und die langjährige Erfahrung der traditionsreichen Resorts (www.

barberyn.de). Der Resort-Gründer Sudana Rodrigo ist einer der Vorreiter des

Gesundheitstourismus auf Sri Lanka. Er gründete 1984 mit dem Barberyn

Reef Ayurveda Resort das erste Ayurveda-Hotel des Landes. Direkt am Strand

von Beruwela an der Südwestküste gelegen, kann man hier eine authentische

Ayurvedakur in tropischer Atmosphäre erleben.

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Reisebeispiele

Alle Angebote mit Durchführungsgarantie ab 2 Personen!

Laos und Kambodscha hautnah

14 Tage Privatreise ab/bis Frankfurt ab € 3.230

Abenteuerreise: Indochina erleben

26 Tage ab Bangkok bis Hanoi ab € 1.030

Bali – Insel der Götter und Dämonen

7 Tage Privatreise ab/bis Denpasar ab € 873

Höhepunkte Nordindiens

11 Tage Privatreise ab/bis Dehli ab € 1.625

Karawane Reisen

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Gruppenreisen 2013

Erlebnisreisen · Städtereisen · Yangtze-Kreuzfahrten

Tibet · Baden in Hainan

China 2013: 50 Seiten mit

Gruppenreisen. Verschiedene

Rundreisen durch ganz China,

Städtereisen nach Peking und

Shanghai, Yangtze-Kreuzfahrten.

Die Kataloge für das Folgejahr

erscheinen jeweils im

Oktober. Gerne senden wir

Ihnen die Kataloge 2013/14

kostenfrei zu.

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Tel.: (0 71 41) 28 48 - 20 · asien@karawane.de

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Bildreportage

Affenausbildung

nach buddhistischer Art

Die Kokosnuss gehört zur thailändischen Küche wie der Fisch zum Wasser.

Doch wie gelangt man bloß an die begehrten Nüsse in schwindelerregender

Höhe? In der Affenschule in der südthailändischen Provinz Surat-Thani setzt Trainerin

Somjai Saekhow auf die natürliche Neugier und die Liebe zur Kokosnuss von Makaken

und bildet sie als Erntehelfer aus. Gerade für ältere Farmer ist dies oft die einzige

Möglichkeit, für den Lebensunterhalt der Familie zu sorgen. Das gewaltfreie

Konzept mit viel Geduld und Fingerspitzengefühl ist äußert effektiv und weltweit

einzigartig

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Bildreportage

Sogar in Tümpel trauen sich die eher wasserscheuen Makaken

am Ende der Ausbildung, um die Kokosnuss nach dem Fall

gegebenenfalls aus dem Wasser zu fischen

Mit fachmännischen Handgriffen entfernt ein Kokosnussschäler

die zähe Schale traditionell über einer Pfeilspitze. Dafür benötigt

er in der Regel 20 Sekunden, Ungeübte hingegen fünf bis zehn

Minuten - und das unter großem Kraftaufwand

Trainingsparcour auf dem Gelände der Affenschule: Dazu werden Kokosnüsse an Nägeln befestigt, von denen sie die

kleinen Erntehelfer entfernen sollen, bevor es in luftigen Höhen auf die „echten“ Bäume geht

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Bildreportage

Die bereits 1957 von Herrn Somporn Saekhow gegründete Affenschule wird heute von seiner Tochter Somjai Saekhow

weitergeführt. Ihn störte der teilweise harte und gewaltsame Umgang vieler Kokosnuss-Farmer mit den kleinen

Erntehelfern. Durch Saekhows spielerische Ausbildungsmethoden werden Tier und Mensch zu einem guten Team

Fast alles an der Kokosnuss kann sinnvoll verwertet werden. Schließlich gehören die enthaltene Milch, das Fruchtfleisch

sowie Kokosraspeln zu den großen Exportartikeln Thailands. Übrig bleibt die Schale, die verbrannt wird

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Bildreportage

Wichtiger Bestandteil der Ausbildung ist der Aufbau von Vertrauen.

Nach ein paar Tagen der Eingewöhnung in die neue Umgebung, wird die

Aufmerksamkeit der Affen nach und nach auf die Kokosnuss gelenkt

In der behutsamen Ausbildung von Somjai Saekhow lernen die

Makaken in wenigen Monaten das Pflücken und Sammeln von

Kokosnüssen

Besonders geschickte Kletterer erhalten

eine weiterführende Schulung und

entwickeln sich innerhalb von zwei

Jahren zu echten Experten, die täglich

bis zu 1.000 Kokosnüsse ernten und

aufsammeln. Im Vergleich: Ein Mensch

würde unter großer Anstrengung gerade

mal 200 bis 300 Nüss schaffen

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Bildreportage

Ist das Interesse der kleinen Pflücker erst einmal angeregt, erlernen die flinken Kletterer recht schnell das richtige Drehen

der Nuss, das Abbeißen des Strunks, das Entwirren des Führungsseils, das Öffnen von Verknotungen und das Befüllen des

Erntewagens

Ihren Makaken-Nachwuchs in die sechsmonatige Obhut von Somjai Saekhow zu geben ist gerade für ältere Farmer oft die

einzige Möglichkeit, um für den Lebensunterhalt der Familie sorgen zu können

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Bildreportage

Reiseangebote

Süd-Thailand

Waldriesen & Bounty-Inseln

14-tägige Rundreise. Höhepunkte: Bangkok,

Khao Sok Nationalpark, Phuket-Town,

Ko Yao Yai Phang Nga Bucht, Railay Bay,

Ko Samui. Dt.-spr oder Engl.-spr. RL, Ü/F ab

1.075 € p.P. im DZ, inkl. Transfers. Tel. +49

2837-6638100, www.erlebe-thailand.de

Safari im Khao Sok Nationalpark

2-tägige Rundreise mit Elefantenerlebnis,

Kanutour. Engl.spr. RL, Ü/F ab 278 €

p.P. im DZ, inkl. Transfers. Tel. +49 89-

61458790, www.thailand-tours.net

Elephant Hills Dschungelsafari

3-tägige Erlebnisreise. Höhepunkte:

Phuket, Krabi Surat Thani, Khao Sok.

Engl.-spr. RL, Ü/F ab 348 € p.P. im DZ,

inkl. Transfers. Tel. +49 40-999987130,

www.antares-asien-reisen.de

Unser Fotograf

Mann und Tier - ein gutes Team. Bis sich dieser Erfolg einstellte,

zog Somjais Vater regelmässig Mönche zu Rate. Der Erfolg der

Trainingsmethode basiert nämlich auf buddhistischen Regeln und soll die

Affen straffrei und spielerisch erziehen. Noch heute, nach dem Tod des

Vaters, konsultiert Somjai ab und an die weisen Männer

Bjoern Gantert, 1980

bei Zürich geboren, lebt

seit 2007 in Hamburg,

wo er sich als freier

Fotograf internationalen

Reportagen und freien

Fotoprojekten widmet.

Seine Fotoserien und

künstlerischen Projekte publiziert er

regelmäßig in Magazinen und Ausstellungen

(www.bjoerngantert.com).

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+ News + + + Meldungen + + + Tipps & Trends + + + News + + + Meldungen + + + News + + + Meldungen + + + N

Auf Tuchfühlung gehen

Sung-Joo Kim bei der DLD Frauenkonferenz der Hubert

Burda Medien

„Bling Bling“ aus Europa

Trifft in Europa eine größere Zahl Asiaten auf Designershops,

so wird das gerne mit dem Einfall eines Heuschreckenschwarms

verglichen. Edelmarken setzen heute auf Asien, das zeigen

die Zahlen: So stieg der Umsatz bei LVMH (Louis Vuitton) im

Jahre 2011 um 16 Prozent auf rund 24 Milliarden Euro, und das

dank asiatischer Nachfrage. Ganz ähnlich sieht es bei Labeln

wie Burberry, Hermès und der deutschen Taschenmarke MCM

aus. 65 Prozent seiner Kunden in Deutschland sind Chinesen.

Für sie fällt in Europa keine Luxussteuer an (siehe dazu auch

unser Beitrag „Teure Exklusivität“, Ausgabe 6-2012). Das weiß

die Chefin des Unternehmens Sung Joo Kim – im übrigen

Koreanerin – zu nutzen und schneidert eifrig an einem Image,

welches sich auch dem asiatischen Kunden anpasst.

Bild: Hubert Burda Medien

In einem Vorort von Hoi An kann man ab sofort bei einer Familie wohnen

und vietnamesischen Alltag miterleben. Die kleine Anlage besteht

aus fünf Bungalows, wobei einer der Bungalows von der Besitzerfamilie

bewohnt wird, umgeben von einem schönen Garten inkl. Swimmingpool.

Bei den gelegentlichen Abendessen bei der Gastfamilie kann man bei den

gemeinsamen Vorbereitungen zu einem typisch vietnamesischen Mahl

Tipps zu Ausflugsmöglichkeiten einholen. Fahrräder werden kostenfrei zur

Verfügung gestellt. In die

Stadt Hoi An sowie zum

wunderschönen Cua Dai

Strand sind es im Übrigen

nur zwei Kilometer (Botanic

Garden Homestay, ab

22 Euro p. P. / Nacht, inkl.

Frühstück, zu buchen über

www.suntrips.de).

Mit 73 Jahren auf 8.800 Meter

Bereits vor zehn Jahren hatte die Japanerin Tamae Watanabe als älteste

Frau weltweit den höchsten Gipfel erklommen. Nun hat die 73-Jährige zum

zweiten Mal den Mount Everest bezwungen! Ihre Begründung: Sie wollte

schlicht und einfach ihren Rekord verbessern. Seit Edmund Hillary und Tenzing

Norgay haben bisher 3.000 Menschen den Aufstieg gewagt. Nicht zu

vergessen bleibt jedoch: Mehrere hundert weitere schafften es nicht – sie

starben bei dem Versuch durch Sturz oder an Höhenkrankheit.

PHOENIX, 28.12.2012, 20.15 Uhr

Mopeds & Milliardäre

Die Zukunft riecht in Vietnam nach Zweitaktergemisch – die vielen Mopeds lassen kaum Platz und

Sauerstoff. Doch das Land hat noch viel vor. Zwischen Hanoi und Mekong-Delta prägen Bentleys und

Maybachs das Straßenbild. Mobile Zeichen des neuen Wohlstandes, den man auch zeigen will. Auf

seiner Reise von Norden nach Süden hat Peter Kunz erlebt, dass der Siegergeist aus der Kriegszeit doch

auch bei der jüngeren Generation psychologisch Spuren hinterlassen hat. Die modernen Drachensöhne

lassen sich ungern etwas sagen und haben keinen Zweifel am Aufstieg ihres Landes. Sie werden auch

die „Preußen Asiens“ genannt. Den Spitznamen tragen die Vietnamesen nicht von ungefähr.

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ews + + + Meldungen + + + News + + + Meldungen + + + News + + + Meldungen + + + News + + + Meldungen + + + News + + + Meldun

Flüssiger Tipp für kalte Zeiten

Kinostart: 28.02.2013

Drachenmädchen

Rund 1.000 Kilometer von ihren Eltern entfernt, kämpfen sich Xin Chenxi (9) und

Chen Xi (15) in der Masse der anderen Kinder durch den disziplinierten Alltag der

mit 26.000 Schülern größten Kung-Fu-Schule Chinas in der Provinz Henan. Sie wollen

eines Tages zu Chinas Kung-Fu-Elite gehören, um

aus ihrer ärmlichen Herkunft ein lebenswertes Leben

zu machen. Nicht alle halten den Drill stand, haben sie

doch die gleichen Träume wie alle Kinder überall auf

der Welt. Inigo Westmeier gelingt mit diesem Dokumentarfilm

nicht nur eine treffende Darstellung der Faszination

Kung Fu, sondern auch berührende Einblicke in

das Seelenleben der Schülerinnen. Ein beeindruckendes

Portrait mit Interviews der Trainer und des Leiters der

Schule, welche sich direkt neben dem Shaolin Tempel,

befindet, dem Ursprungstempel des Kung Fu.

Arte, 25.-27.12.2012, jeweils 17.05 Uhr

An den Ufern des Amurs

Ungemütlich ist es draußen, ein Schnupfen jagt den

anderen und das Immunsystem will nicht mehr so

richtig. Jetzt kann Ginseng seine wohltuenden Eigenschaften

entfalten. Die Heilpflanze aus Fernost hat

sich in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM)

seit Jahrtausenden

bewährt und wird vor

allem gegen Müdigkeit

und als Stoffwechselanreger

eingesetzt. Ein

Produkttipp: Korean

One, 60 Gramm/Pck.

(30 Btl.), Zutaten: Ginseng

und Traubenzucker,

Preis: 6,99 €. Zu

bestellen im Internet:

www.insiderasia.de

Bild: www.parkroyalhotels.com

Der 4.400 Kilometer lange Amur entspringt in der Mongolei, überquert die russisch-chinesische

Grenze und mündet in das Ochotskische Meer zwischen der

Halbinsel Kamtschatka und

den Kurilen-Inseln. Der Fluss

ist das ökologische Rückgrat

Nordostasiens. Die dreiteilige

Reihe zeigt den naturnahen

und ursprünglichen Lebensraum

dieser Flusslandschaft,

die endlos weiten Prärien und

Taiga-Wäldern sowie das Leben

der lokalen Bevölkerung.

Singapur

Grünste Hotels der Welt

Das im November eröffnete „Parkroyal on Pickering“

nahe des Geschäftsviertels von Singapur ist eins der

grünsten Hotels der Welt. Mit 15.000 Quadratmetern

bietet das Hotel luftige Dachgärten, Pools und

Wasserfälle, begrünte Terrassen und riesige grüne

Wände! Der Wellness-Bereich besteht aus einem

offenen Terrassenpool, einem Spa und einer Joggingstrecke

hoch über den Straßen. Von der „Orchid

Club Lounge“ auf dem Dach des Hotels kann man die

spektakulären Panorama-Aussicht auf die Skyline der

Stadt genießen (www.parkroyalhotels.com).

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Reise

Japan – Yakushima

Die Magie des Waldes

Mit „Chihiros Reise ins Zauberland“ gewann der japanische Regisseur

und Manga-Künstler Hayao Miyazaki im Jahr 2002 den Oscar für den besten

animierten Spielfilm. Fans japanischer Anime-Filme kennen aber auch seinen

Film „Prinzessin Mononoke“, eine der erfolgreichsten Produktionen japanischer

Filmgeschichte. Schauplatz ist ein uralter Regenwald, bevölkert von Göttern,

Dämonen, Menschen und Tieren. Inspiration soll Miyazaki im Regenwald der

japanischen Insel Yakushima gefunden haben. Und wenn man erst inmitten des

undurchdringlichen Dickichts steht, weiß man auch warum

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Reise

Die Fantasie malt fabelhafte Wesen in den

undurchdringlichen Regenwald

Bild: Marcus Haid

Sattes Grün, umsäumt von einem Band goldgelber

Sandstrände

Bild: Marcus Haid

Bild: Marcus Haid

Yakushima, eine fast kreisrunde Insel

von 28 Kilometern Durchmesser,

liegt ca. 80 Kilometer vor der Südküste

von Kyushu. Der Großteil der

Insel ist ein Nationalpark und seit

1993 auch UNESCO-Weltnaturerbe.

Aus der Sicht eines westlichen

Besuchers könnte man auch genauso

gut eine Reise ans Ende der Welt

planen. Denn hier ist die Kommunikation

in Englisch endgültig zu Ende,

und Beschilderungen sind größtenteils

nur mehr in japanischen

Schriftzeichen vorhanden. Und das

ist an sich auch ausreichend, denn

hier sind auch fast keine westlichen

Touristen mehr unterwegs.

In der Mitte der Insel erhebt sich

ein gewaltiges Gebirgsmassiv, das

von den goldenen Sandstränden bis

auf 1.936 Meter emporschießt und

Yakushima zum südlichsten Ort Japans

macht, wo im Winter Schnee

auf den Bergen liegt. Diese hohen

Berge sind auch der Grund dafür,

dass Yakushima einer der nasses-

„35 Tage Regen im Monat“, scherzen die

Inselbewohner. Tatsächlich handelt es sich bei

Yakushima um einen der nassesten Orte unserer Erde

Bild: Marcus Haid

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Reise

Reiseangebote

Yakushima

MS Caledonian Sky:

Japans verborgene Schätze

13-tägige Rundreise. Höhepunkte: Tokio,

Niigata, Kanazawa, Matsue, Hagi, Kyongju,

Nagasaki, Yakushima, Uwajima, Hiroshima,

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Rundreise Japan

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Die Yakuzaru sind die neugierigen Bewohner des Waldes

ten Orte dieser Erde ist. An ihren

Flanken fällt eine gewaltige Menge

von bis zu 10.000 mm Niederschlag

pro Jahr. Nicht umsonst scherzen

die Inselbewohner, dass es hier 35

Tage im Monat regnet.

Erlebnis Märchenwald

Neben Hokkaido ist der Besuch von

Yakushima für viele Japaner ein

Abenteuer in der Wildnis. Dementsprechend

viele kommen auch auf

die Insel. Wer jedoch die kurzen

und sehr gut ausgeschilderten Rundwanderwege

meidet und den etwas

längeren und anstrengenderen Wanderungen

den Vorzug gibt, der hat

den Urwald praktisch für sich allein

– aus menschlicher Sicht. Rufe von

Affen und Vögeln sowie das stetige

Plätschern und Tropfen von Wasser

aller Ortens sind die ständigen Begleiter

durch das grüne Dickicht.

Und wenn sich dann noch einer

der kleinen einheimischen Sika-

Hirsche an die Seite des Wanderers

gesellt und ihn neugierig ein Stück

des Weges begleitet, verschwimmen

Schein und Wirklichkeit, und

man hat das Gefühl, in einen uralten,

verwunschenen Märchenwald

eingetaucht zu sein.

2.500 Jahre alte Riesen

Endlos erstreckt sich ein gemäßigter

Regenwald vor dem Besucher.

Riesige Wurzeln schlingen

sich wie gespenstische Lebewesen

über Bäume und Felsen, und die

menschliche Phantasie malt Gesichter

und seltsame Fabelwesen

in die Landschaft. Die stummen

Ausführliche Reiseinformationen,

Visabestimmungen,

Gesundheitshinweise und aktuelle

Kurse asiatischer Währungen

finden Sie unter www.inasien.de

80 Kilometer vor der Südküste von Kyushu gibt es Naturdramatik pur. Hier

erheben sich 2.000 Meter hohe Berge inmittes des Ozeans

Bild: Marcus Haid

20

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01/2013


4 195047 404907 02

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AU E 5,50 / LUX E 5,50

Heft 2/07

ISSN 1438-7905

Wächter der Wälder sind die gewaltigen

Baumriesen der Yaku Sugi, uralte

japanischen Zedern, die schon

zur Entstehungszeit des Römischen

Reiches in Europa zu wachsen begann.

Die alt-ehrwürdigsten Zedern

tragen sogar Name, und Jomonsugi,

die älteste unter ihnen, ist

über 2.500 Jahre alt. Während der

Bild: Marcus Haid

Edo-Periode Japans (1603-1868)

waren Dachschindeln aus dem Holz

der Yakushima-Zeder so wertvoll,

dass sie anstelle von Reis als Zahlungsmittel

für anfallende Steuern

verwendet wurden.

Am Wegesrand sind einige Makaken,

sogenannte Yakuzaru, genüsslich

mit der gegenseitigen Fellpflege

beschäftigt. Der Tag neigt

sich dem Ende zu, und es wird Zeit,

den Urwald wieder zu verlassen.

Dem harmonischen Bild der Affen

entspringt der Gedanke, sich nun an

einen goldenen Sandstrand zu setzen,

die Füße in den noch warmen

Sand zu stecken und zuzusehen,

wie die Sonne am Horizont in den

Ozean taucht.

Wissenswertes

Viele der längeren Wanderwege

sind nur für geübte Wanderer mit

guter Kondition und Ausrüstung

geeignet und müssen vorab geplant

werden. Sie beinhalten häufig

Übernachtungen im Regenwald unter

sehr einfachen Verhältnissen.

Beim Buchen der Fähre von Kyushu

Unser Autor

Die Geschichten des Fotografen und Autors

Marcus Haid entführen auf emotionale

Reisen durch die Naturschönheiten

unserer Erde, begleitet von ausdrucksstarken

und zugleich sensiblen Fotografien

(www.mh-reisefotografie.at).

In seinem aktuellen Projekt, einer Fotound

Filmdokumentation über Japan,

nimmt er den Zuschauer

auf eine

fantastische Reise

durch ein Land

mit, das für westliche

Besucher

nach wie vor ein

Abenteuer ist.

sowie für Buchungen von Unterkünften

kann es hilfreich sein, wenn

einem eine Person mit Japanisch-

Kenntnissen aushilft (mehr Infos:

www.yakumonkey.com). Für eine

unabhängige Inselerkundung ist ein

Mietwagen sehr zu empfehlen.

Reise

Sonderaktion!


März/April













Indochina • Macau • Burma: Flusskreuzfahrt • Jade

Jade – das Gold Asiens

Faszinierend, wertvoll und oft gefälscht

Die Kirschgänger

So feiert Japan das Fest der Kirschblüten

Burma: Flusskreuzfahrt

auf dem Ayeyarwadi

BUSINESS

INDOCHINA

Gratwanderung

zwischen zwei Kulturen

Japans Fischereiflotten im

Kampf um Fanggebiete


Die Asientrends

auf der Internationalen

Tourismusbörse

MACAU Hong Kongs kleine

Schwester erlebt eine ungeahnte Blüte

DIE DIE MEERE

LEEREN

CHINAS

UMWELTSORGEN

Und wie die Deutschen

sie lösen können


Reise

Auf Bambusbrücken zu Krishnas Klöstern

Mitten im Brahmaputra, einem der mächtigsten Flüsse Indiens, liegt das bezaubernde Eiland

Majuli. Doch Klimawandel und alljährliche Fluten bedrohen die ehemals größte Flussinsel der

Welt, die als Wiege der assamesischen Kultur gilt

22

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01/2013


Reise

Wer hätte gedacht, dass ein so

kleines Boot so große Lasten

tragen kann. Bei 200 Menschen,

50 Mopeds und drei Autos

wird das Zählen langsam unmöglich.

Aus allen Nähten scheint die

Flussfähre zu platzen, chaotisches

Treiben herrscht an Deck. Nur bei

den Fahrpreisen regiert strenge Ordnung.

Auf der blauen Tafel neben der

Anlegestelle sind sie fein säuberlich

aufgelistet. Sogar für Löwen und

Tiger gibt es im Bedarfsfall Tickets,

je nach Boot zum Preis zwischen 82

und 91 Rupien. Da ist die Überfahrt

für ganz normale Passagiere mit 15

Rupien vergleichsweise günstig.

Eine lebhafte Hochzeitsgesellschaft,

die Gäste geschmückt mit

rot-weißen Schals, die Hände der

Frauen mit Henna bemalt, wartet ungeduldig

auf die Abfahrt. Die Männer

haben sich ihre Mützen tief ins

Gesicht gezogen, denn an diesem

Morgen weht ein kühler Dezemberwind.

Dies ist die 8.30-Fähre

von Nimati Ghat nach Kamalabari

Ghat, die wichtigste Fährverbindung

vom Festland nach Majuli.

Die Morgennebel haben sich bereits

gelüftet und geben den Blick frei

auf den breiten Fluss.

Bambusrohr, ein Segen

Nicht immer zeigt er sich so friedlich

wie jetzt. Während des Monsuns im

Sommer überflutet der Brahmaputra

regelmäßig weite Regionen Assams.

Und er greift unaufhörlich nach

Majuli. Das 80 Kilometer lange und

zehn bis15 Kilometer breite Eiland

ist in den letzten 60 Jahren um

ein Drittel geschrumpft und misst

heute nur noch 875 Quadratkilometer.

Stück um Stück frisst sich der

Brahmaputra in die längliche Insel.

Eine Stunde dauert die Fahrt

stromabwärts bis Kamalabari Ghat.

Von hier ist es nicht weit bis Garamur

im Zentrum von Majuli. Noch

haben nicht viele Ausländer den

Weg in das kleine Städtchen gefunden.

Die wenigen versammeln sich

zum Beispiel im „Happy Home“

von Haren Narah und seiner Familie.

Wie die Hälfte der Inselbewohner

gehören die Narahs zur Ethnie der

Mishing. Sie sind Bauern und bringen

bis zu drei Reisernten pro Jahr

auf dem fruchtbaren Schwemmland

ein – der Hauptgrund für die Insulaner,

den Brahmaputra nicht nur

als Bedrohung, sondern auch als

Segen zu sehen. Stelzen schützen

ihre Bambushäuser vor den regelmäßigen

Fluten.

Aus Bambus werden hier nicht

nur Hütten, Brücken, Zäune und

Im Bambusrohr gegart schmecken Reis und Hähnchen

besonders lecker

Vogelparadies Majuli: Die Feuchtgebiete der Insel sind ein

idealer Überwinterungsplatz für viele Zugvögel

Möbel gebaut sowie Matten und

Körbe gewebt. Die Bambusstangen

dienen auch als Kochtopf. Haren

Narah demonstriert das am heimischen

Herd: Mit Ingwer, Zwiebeln,

Knoblauch und grünem Chili

eingelegte Hähnchenstücke stopft er

in das hohle Rohr und verschließt

das Ganze mit einem festen grünen

Blatt. Dann legt er den Bambus

auf die Feuerstelle. Dort garen die

Fleischstücke im eigenen Saft und

verbreiten einen köstlichen Duft.

Sogar Reis kocht man hier auf diese

Art. Dazu wird Lao Pani getrunken,

goldgelbes Reisbier.

Vom Kloster adoptiert

Der Tourismus ist eine relativ neue

Erscheinung auf Majuli. Auch Monjit,

der das „Maison de Ananda“

betreibt, hat regelmäßig Gäste aus

dem Ausland, die die Abgeschiedenheit

des Insellebens schätzen

und mit dem Fahrrad die kaum

befahrenen Straßen erkunden. Während

des Monsuns sind die Fremden

jedoch weit weg. „Wir sind die Flut

gewohnt“, erzählt Monjit. „Bambus

ist schnell geschnitten und wir

bauen im Notfall einfach eine Etage

01/2013

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Reise

Reiseangebot Indien

22 Tage Natur & Kultur

(Assam, Meghalaya, Arunachal Pradesh)

Höhepunkte: mehrtägiger Aufenthalt auf

der Flussinsel Majuli mit Besuch von Klöstern,

Tanzaufführung der Mönche, Kochkurs

zum Kochen im Bambusrohr, Radtour

auf Majuli und Vogelbeobachtung / Bootsfahrt

zu den seltenen Brahmaputra-Flussdelfinen

/ Elefantenritt und Panzernashorn-

Beobachtung im berühmten Kaziranga-

Nationalpark (Assam) / mehrtägige Fahrt

durch unberührte Natur und abgelegene

Dörfer in Arunachal Pradesh, dem nordöstlichsten

der indischen Bundesstaaten mit

Blick auf schneebedeckte Himalajagipfel

/ Trekking zu den „living root bridges“ im

Dschungel von Meghalaya / Besuch von

Teeplantagen mit Übernachtung in Teebungalows

aus britischer Kolonialzeit

Reisedaten 02.-23.03. / 02.-23.11 /

Veranstalter ONE WORLD Reisen mit

Sinnen / Reiseleitung Indien-Spezialistin

und Autorin Karen Schreitmüller /

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höher.“

Holprige Sandpisten verbinden die

einzelnen Dörfer. Dazwischen gedeihen

hundert verschiedene Reisarten,

Senf, Kartoffeln, Hülsenfrüchte und

Zuckerrohr. Auch für viele Tiere ist

die Insel ein Rückzugsgebiet. Allein

achtzig Zugvögelarten überwintern

hier. Doch Majuli ist nicht nur ein

einzigartiger Schutzraum für Flora

und Fauna. Der Ort gilt als die

Wiege der assamesischen Kultur.

Freudenfest für Krishna: Täglich musizieren und tanzen die Mönche von Majuli zu

Ehren der populären Gottheit

Gefördert von den hinduistischen

Herrschern der Ahom entwickelte

sich im 15./16. Jahrhundert ein

religiöses Zentrum mit einer ganz

besonderen Klosterkultur. Der populäre

Hirtengott Krishna steht im

Zentrum der Verehrung. Von den

ehemals 65 Klöstern oder Satras

sind heute nur noch 22 übrig. Rund

tausend Mönche leben hier.

Auf schaukelnden Bambusbrücken

geht es über sumpfiges Gelände

zum nahe gelegenen Uttar

Kamalabari Satra. Hier wird gerade

für eine Tanzdarbietung geprobt.

Die Tänzer haben eine lange Ausbildung

hinter sich, bevor sie auf

der Bühne stehen. Bereits im Alter

von fünf bis sechs Jahren werden

Jungen von den Klöstern adoptiert.

Oftmals stammen sie aus armen Familien

wie der kleine Niranjan. Er

zeigt seine Fertigkeiten: Kopfstand,

Handstand, Vierfüßlerstand. Lächelnd

schüttelt Padma Kalita, der

27-Jährige Sekretär des Klosters,

sein langes schwarzes Haar: „Ich

bin Mutter und Vater für diesen Jungen,

wir sind eine Familie“, erklärt

er stolz. In den Satras hat sich eine

zölibatäre Männerkultur herausgebildet,

mit einzelnen Kleinfamilien,

in denen sich die älteren Mitglieder

der Jüngeren annehmen.

Bevor die Flut kommt

Doch den Klöstern droht Gefahr.

Studien zum Klimawandel prophezeien

der Brahmaputra-Ebene ein

ähnliches Schicksal wie anderen

Flusstälern Südasiens. Die Gletscherschmelze

im Himalaja sowie

extreme Regenfälle während der

Monsunzeit machen die stark bevölkerten

Flussebenen von Indus,

Ganges und Brahmaputra anfällig

für immer heftigere Naturkatastrophen.

Majuli soll demnach nur noch

eine Lebensdauer von bis zu 30 Jahren

haben, bevor seine einzigartige

Kultur- und Naturlandschaft in den

Fluten versinkt. Derzeit bemüht sich

die indische Regierung um die Aufnahme

des bedrohten Eilands in die

Liste der UNESCO-Weltnaturerbestätten.

Haren Narah, Monjit, und

die Mönche von Majuli hoffen schon

lange auf Unterstützung für dringend

benötigte Schutzmaßnahmen.


Karen Schreitmüller

24 www.inasien.de

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01/2013


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Reise

Bild: Ranjith Shenoy

Momentaufnahme Indien

Wie soll man ein Land und eine Gesellschaft dokumentieren, in der gläserne Hochbauten

wie Pilze aus dem Boden schießen und das Gesellschaftsleben gleichzeitig von Jahrhunderte

alten Traditionen dominiert wird? Die Autorin und Fotografin Andrea Glaubacker hat den

indischen Subkontinent vielfach bereist und in etlichen Momentaufnahmen festgehalten,

die sich zu einem ganzen Bild zusammenfügen

26

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01/2013


Reise

A

vinash

Brahmanen An der Spitze der Gesellschaft

Sharma sitzt hinter einem

Schreibtisch und versucht, Ordnung

in die Ablage seines Import-Export-

Geschäfts zu bringen. Er ist

Brahmane, das ist aus seinem Nachnamen

ersichtlich. Doch anders als

alle seine Vorfahren ist er der erste,

der den traditionellen Priesterberuf

der Brahmanen aufgegeben hat.

Zu wenig Geld bringe der Priesterjob

ein und außerdem gäbe es

neuerdings sogar Priester aus niedrigeren

Kasten, was vor nicht allzu

langer Zeit noch undenkbar gewesen

wäre. Ganz oben im indischen Kastensystem

stehen die Brahmanen,

die traditionell Priester und Gelehrte

waren und so die Gesellschaftsordnung

fest im Griff hatten. Lange

Zeit blieben Brahmanen unter sich.

Sie waren die Priester der um 1.500

v. Chr. eindringenden Arier und

verstanden es ausgezeichnet, ihren

sozialen und religiösen Status zu

zementieren. Nur sie konnten wichtige

Rituale ausüben, hatten religiöses

Geheimwissen, Gelehrsamkeit

und Machtpositionen inne.

Reinheit war und ist teilweise

noch heute ein wichtiger Aspekt,

um die gesellschaftliche Hierarchie

zu begründen. Fiel früher auch

nur der Schatten eines Unberührbaren

(Dalit) auf einen Brahmanen,

musste er sich umfangreichen Reinigungsritualen

unterziehen. Noch

vor wenigen Jahrzehnten war es undenkbar,

mit einem Unberührbaren

Dabbawallahs Mumbais Henkelmänner

ereits im Morgengrauen machen

B sie sich auf den Weg. In ihren

weißen Hosen, Jacken und Schiffchenmützen

fallen sie auf, die 5.000

Dabbawallahs, die täglich 200.000

Mahlzeiten ausliefern.

Currys, Chutneys, Chapatis –

von den Gattinnen jeden Morgen

zubereitet, in mehrteilige Henkelmänner,

die Dabbas, gefüllt, werden

sie mit dem traditionellen Lieferservice

zu den Arbeitsplätzen

ihrer Männer transportiert. Jeder

Dabbawallah sammelt Dutzende

silberner Metallbüchsen ein und

eilt zu einem Treffpunkt, wo schon

die Kollegen warten. Die Büchsen

werden getauscht, in Kästen

geschichtet und mit Karren, Fahrrädern,

der Bahn oder per pedes

durch Mumbai transportiert. Drei

oder vier Stationen durchläuft eine

Essensration mit einem jeweils

anderen Lieferanten. Bis zu 70 Kilometer

legt so manches Mittagessen

dabei zurück. Ein logistisches

Wunder, besonders, weil die meisten

Dabbawallahs Analphabeten

sind. Doch da die Essensbehälter

Bild: Andrea Glaubacker

zu speisen, etwas von ihm anzunehmen,

aus dem gleichen Brunnen zu

trinken. Weil manche Höherkastige

auch heute noch keine von Niederkastigen

zubereitete Speisen essen

würden, sind Brahmanen oft Köche

in besseren Restaurants. Heutzutage

sind zumindest in den Städten

die Strukturen aufgeweicht, auch

wenn die Brahmanen noch immer

in der Mehrheit wichtige Positionen

in Politik und Wirtschaft besetzen.

Und wenn davon berichtet wird,

dass ein Minister aus der Brahmanenkaste

das Büro seines Vorgängers,

eines Dalit, ausräuchern ließ,

erntet er dafür von vielen Indern

Kopfschütteln – von mindestens

ebenso vielen aber Verständnis.

mit Codes aus Zahlen, Buchstaben

und Farben versehen sind, die die

Transportwege beschreiben, funktioniert

der Service. Noch wundersamer

ist in einer brodelnden,

überfüllten Metropole wie Mumbai

eine derartige Zuverlässigkeit

der Lieferungen. Trotz alltäglichem

Chaos, diverser Sammelstellen und

Lieferantenhände erreicht das Essen

mittags pünktlich auf die Minute

den Empfänger – und der leere

Behälter nachmittags wieder den

Herd der Köchin.

1998 hat das renommierte Wirtschaftsmagazin

Forbes Global Magazine

den Dabbawallahs eine Six

Sigma-Bewertung verliehen, da die

Fehlerquote der flinken Logistiker

unter 0,0000001 Prozent liegt.

Das bedeutet, dass nur einer von

16 Millionen Henkelmännern entweder

verloren geht oder falsch

ausgeliefert wird. Somit dürften

die in Kooperativen organisierten

Dabbawallahs in Mumbai mit ihrem

einzigartigen System die weltweit

besten Logistiker sein.

01/2013

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Reise

Bidis

Die Zigarette des kleinen Mannes

as Rauchverbot greift auch in Indien

um sich. Vor ein paar Jahren Jahrhunderts die ersten Tabakpflan-

Kurz nachdem Anfang des 17.

D

wurde nahezu überall geraucht, zen ins Land kamen, begann Indien

mittlerweile ist es in Bahnhöfen mit der Tabakproduktion. Als Arbeiter

auf den Plantagen Tabak in

und öffentlichen Einrichtungen verboten,

zumindest offiziell. Blätter rollten und diese rauchten,

Bild: Andrea Glaubacker

war die Bidi geboren. Heute gibt

es die in Blätter gerollten, kleinen

Zigaretten überall in Indien. Gesünder

ist das Bidirauchen nicht,

im Gegenteil. Da das Blatt porös

ist, muss der Raucher wesentlich

stärker daran ziehen, um sie am

Glimmen zu halten. Im Vergleich

zu einer normalen Zigarette atmet

man auf diese Weise beim Rauchen

der Bidi etwa dreimal so viele

Schadstoffe ein. Amerikanische

Marken zu rauchen ist bei der Mittel-

und Oberschicht angesagt. Eine

indische Gold Flake sollte es mindestens

sein. Die Bidi dagegen ist

die Kippe der Armen. 50 Paisa,

weniger als ein Cent, kostet eine

Bidizigarette am Kiosk.

S

The condom friend, ever useful to you

chon seit Jahren wird „familiy planning“

von der indischen Regierung

propagiert. Mit 1,2 Milliarden

Einwohnern ist Indien nach China

das bevölkerungsreichste Land

der Erde. Die Überbevölkerung ist

eines der dringlichsten Probleme

des Landes.

Die Kleinfamilie ist das staatlich

gewünschte Familienmodell der Zukunft

und deshalb finden vor allem

auf dem Land Infoveranstaltungen

über Verhütung statt, da gerade

hier Empfängnisschutz meist kein

Thema ist. Auch wenn der Absatz

Der inAsien-Buchtipp

Wer von den Portraits Andrea Glaubackers

zur indischen Kultur und Gesellschaft

nicht genug bekommen kann, sollte zu

ihrer Länderdokumentation greifen: 151

Portraits zu Menschen, Religion, Gebräuchen

und Orten liefern spannende

Einblicke in den indischen

Subkontinent.

Andrea Glaubacker: Indien

151, CONBOOK Verlag, ISBN

978-3-943176-02-5, 14,95 € /

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Bild: Andrea Glaubacker

von Kondomen gestiegen ist, liegt

das nicht an der Akzeptanz von

Verhütung. Etwa drei Viertel der

Kondome werden zweckentfremdet.

Dabei wäre die Benutzung gerade

heute, wo 2,4 Millionen Inder

mit dem HI-Virus infiziert sind,

wichtiger denn je.

Verwendet werden die Kondome

gerne in Webereien bei der Herstellung

von Saris, da die Holzschiffchen

durch das Gleitmittel der Kondome

wesentlich schneller durch

die Webstühle gleiten. Außerdem

dienen sie als Wasserbehälter, im

Straßenbau, wo sie dem Teer beigemengt

werden, um die Straßenoberfläche

zu glätten, oder bei der Dachdeckung

als Schutz gegen heftige

Monsunfälle. Doch man bleibt nicht

einfallslos, um die Verwendung von

Kondomen für die eigentliche Bestimmung

schmackhaft zu machen.

So gibt es beispielsweise welche

in der Geschmacksrichtung Paan,

einem Kautabak aus Betelnussblatt,

Kalk und Gewürzen, der auch bei

Prostituierten sehr beliebt ist. Eine

Anti-Aids-Organisation baute auf

die akustische Werbung und brachte

den kostenfreien Handy-Klingelton

„Condom a capella“ auf den Markt,

in dem Sänger in allen Höhen und

Tiefen „con, con, condom ...“ singen.

Aufsehen im prüden Indien

erregte das Kondommusical der

Firma Nirodh, in dem Männer in

bunten Kondomverkleidungen über

das Land tanzen und singend für

die Verwendung der kleinen Gummitüten

werben: „I am the condom

friend, ever useful to you“.

28 www.inasien.de

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01/2013


Reise

Bild: Andrea Glaubacker

Kolams Vom Winde verweht

J

eden Tag bei Sonnenaufgang

malen Millionen Frauen in

Südindien mit Reispulver sogenannte

Kolams auf den mit Kuhdung

und Wasser gereinigten Boden

vor ihren Eingangstüren. Über

ein Punktraster werden teils komplizierte

Muster gestreut. Manche

sind farbig, andere in schlichtem

Weiß gehalten, wobei eine ununterbrochene

Linie kennzeichnend

für die Kolams ist. Sie sind ein hinduistisches

Symbol und sollen den

Bewohnern Glück bringen. Kolams

verheißen Segen und schützen vor

ungebetenen Gästen und Geistern.

Diese traditionsreiche, von der

Mutter zur Tochter weitergegebene

Fertigkeit wird in verschiedenen

Regionen Indiens zelebriert. Im

Norden heißt die kunstvolle Gestaltung

des Eingangsbereichs Rangoli.

Jeden Morgen entstehen so unzählige

Unikate, mit unterschiedlichen

Bedeutungen und Symbolen. Die

Haltbarkeit ist befristet, nur bis der

Wind das feine Reispulver verweht,

bleiben die kleinen Kunstwerke

bestehen.

V

Schlangenbeschwörer Entzauberte Hypnotiseure

orsichtig stellt Amar seine beiden

Bastkörbe ab und setzt sich auf die

Pflastersteine. Aus einem Stoffbeutel

holt er eine Flöte und beginnt,

einhändig eine eindringliche, grelle

Melodie zu spielen, während er mit

der anderen Hand die Deckel der

Körbe abnimmt. Er ruckelt ein wenig

an den Bastbehältern, langsam

schlängeln sich zwei majestätische

Kobras empor und richten sich stolz

auf.

Man sieht sie nicht mehr so oft,

die Schlangenbeschwörer Indiens,

seit in den 90er-Jahren ein Gesetz

erlassen wurde, das die Schlangenbeschwörung

unter Strafe stellt.

Harte Zeiten für eine Jahrhunderte

alte Zunft, die daraufhin in untouristische

Gegenden auswich oder

die Gefahr hoher Bußgelder in Kauf

nimmt. Amar ist einer von etwa

800.000 Schlangenbeschwörern in

Indien. Wie in diesem Beruf üblich,

hat er die Kunst von seinem Vater

erlernt, doch mit Amar geht seine

Familientradition zu Ende. Durch

die Gesetzesänderung wird nun

die einst gern gesehene Fertigkeit

von modernen Indern in den Städten

mit Bettelei gleichgesetzt. Sein

Sohn soll es einfacher haben, mit

dem wenigen Einkommen versucht

er, ihm eine Ausbildung zu ermöglichen.

Dabei wurde vor nicht

allzu langer Zeit noch fest an die

magischen Fähigkeiten der Schlangenbändiger

geglaubt. Kabel-TV

und Modernisierung haben die Beschwörer

entzaubert. Nur auf dem

Land mobilisiert der Schlangentanz

nach wie vor ein großes Publikum,

das von den übersinnlichen,

hypnotisierenden Fähigkeiten der

Beschwörer überzeugt ist und sich

dankbar kalte Schauer über den

Rücken jagen lässt.

Schlangen sind übrigens taub,

das blendende Sonnenlicht verwirrt

sie und die sich bewegende Flöte

wird als Angreifer eingestuft. Der

schwankende Tanz ist ein Verteidigungsverhalten.

Die Giftzähne sind

meist nach dem Fang entfernt worden.

Eine grausame Prozedur, wie

Tierschützer beklagen.

Bild: Andrea Glaubacker

01/2013

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Reise

Lust auf Meer!

Auf der Beliebtheitsskala liegen Strände in Thailand

und auf den Malediven weit vorne. Eine gute Frage ist

nur, welche davon nicht überlaufen sind und trotzdem

zu den schönsten gehören. Unsere inAsien-Autoren

haben sich dazu für Sie in die Sonne gelegt

Krabi, Thailand

30 www.inasien.de 01/2013


Reise

D

THAILAND – KRABI (Rai Leh Beach West, Ton Sai Beach, Rai Leh Beach East)

ie schönsten Strände der Provinz

Krabi im Süden Thailands schmiegen

sich auf einer südöstlich des

Badeorts Ao Nang gelegenen Halbinsel

an steil aufragenden Karstmassiven

und sind nur mit Longtail-Booten

zu erreichen.

Der traumhafte Rai Leh Beach

West etwa bietet unter hohen Kalksteinwänden

800 Meter Strand vom

Allerfeinsten. Baden und Schwimmen

sind hier im türkisgrünen Wasser

des flach abfallenden Strandes

das reinste Vergnügen. Obwohl Rai

Leh West während der Saison einen

starken Besucheransturm verzeichnet,

ist die Atmosphäre immer noch

sehr entspannt. Wenn sich das Meer

bei Ebbe ausreichend zurückgezogen

hat, flaniert man am Strand,

lässt sich massieren oder trifft sich

zum Beach-Volleyball. Und nach

dem farbigen Spektakel des Sonnenuntergangs

folgt ein Dinner in

romantischen Freiluft-Restaurants.

Bei Ebbe kann man vom Rai Leh

Beach West zum 400 Meter langen,

goldgelben Ton Sai Beach laufen,

der sich nordwestlich jenseits

einer schroffen Klippe erstreckt.

Hier trifft sich vor allem die jüngere

Traveller-Szene. Zwar sind einige

der besten Strandareale mittlerweile

schon von Resorts gehobenen

Standards belegt, doch am dicht

bewachsenen Berghang dahinter

gibt es noch die bei Backpackern

beliebten Stelzenhütten. Nach dem

abendlichen Sonnenuntergang-Beobachten

lässt man sich in einer der

urigen Bambusbars am Strand von

Chill-out-Musik berieseln.

Von Rai Leh West schlängelt sich

ein kurzer Fußweg zwischen zwei

teuren Resorts hindurch zum Rai

Leh Beach East, der zum Baden

ungeeignet ist und im Schatten der

Traumstrände steht. Dorthin zieht

es vor allem Sportive, denn die bizarren

Kalksteinklippen, die hinter

dem Strand aufragen, machen die

Gegend zu einem wahren Kletterdorado.

Vom westlichen Teil East Rai

Lehs ist es ein kurzer Spaziergang

um das exklusive Rayavadee Resort

herum zur traumhaften Ao

Phra Nang an der Spitze der Rai-

Leh-Halbinsel. Die von schroffen

Felswänden gesäumte Bucht ist mit

einem 300 Meter langen weißen

Sandstrand, türkisfarbenem Wasser,

den vorgelagerten Inseln und geheimnisvollen

Höhlen ein Paradies

für Badegäste und Naturfreunde.

Roland Dusik

K

THAILAND – PHUKET (Kata Beach, Kata Noi Beach, Karon Beach)

ata Beach ist ideal für Phuket-Reisende,

die dem Massentourismus

entfliehen wollen, wie er im 20

Minuten entfernten Patong vorherrscht.

Der Strand liegt in einer

kleinen Bucht und beherbergt direkt

vor der Küste einen imposanten

Felsen. Hier fühlte ich mich gleich

bei meinem ersten Phuket-Besuch

zu Hause und konnte mit Touristen

aus aller Welt, aber auch mit vielen

Einheimischen richtig entspannen.

Ganz in der Nähe liegt Karon

Beach, der mich am meisten überzeugte:

doppelt so lang wie Kata

Beach, mit einem großen Beachvolleyball-Feld

und unbeschreiblich

weißem Sand, der zwischen den

Füßen quietscht. Wenn die Sonne

untergeht, schimmert das Meer

perlmuttfarben. Karon Beach bietet

dem Strandliebhaber sowohl Idylle

als auch Tourismus, je nach Abschnitt.

Westlich vom Kata Beach liegt in

einer Sackgasse Kata Noi Beach,

quasi ein Privatstrand, der komplett

vom Resort Katathani eingesäumt

wird. Hier empfehle ich, zum Sonnenuntergang

einen Tisch in Mom

Tri’s Kitchen zu reservieren, dem

besten Restaurant der Gegend. Bei

traumhaftem Essen kann man den

schönsten Sonnenuntergang über

Kata Noi beobachten und dazu

über WLAN der deutschen Heimat

berichten.


Jovan Evermann

01/2013

www.inasien.de 31


Reise

PHILIPPINEN – MARSHALL INSELN

Z

ugegeben, ich bin verwöhnt „in extremis“:

Menschenmassen an den

Stränden, Motorfahrzeuge gar, Plastikmüll,

Sonnenpilze – das alles ist

für mich der blanke Horror. Und

die See? Wenn nicht der Meeresboden

in 30 Meter Tiefe sichtbar

ist, bin ich am falschen Fleck. Auch

darf das Wasser nicht zu kalt sein.

Selbst mit 30 Grad ist es immer

noch kühler als der menschliche

Körper und entzieht diesem ständig

Wärme, auch wenn es sich anfangs

uneinladend lau anfühlt.

Ideale Kriterien erfüllen für mich

nur tropische Gestade. In Südostasien,

namentlich auf den Philippinen

mit ihren 7.000 Inseln, gibt

es viele von ihnen. Manche unter

ihnen die schönsten der Welt, doch

wirklich einsame sind selten geworden.

Um die zu finden, muss

man sich in die blaue Weite des

Pazifischen Ozeans hinausbegeben,

dessen winddurchzogene Lagunen

mitunter kaum erkennen lassen, wo

das Land endet und das Meer beginnt.

Erreichbar sind sie heutzutage

alle, doch je schwieriger sich die

Anreise gestaltet, desto schöner ist

es dort zumeist. Die Erde ist keineswegs

kleiner geworden; man mache

die Probe aufs Exempel. Das Foto

entstand übrigens auf den Marshall-

Inseln, deren Bewohner einst aus

Asien kamen. Roland Hanewald

E

PHILIPPINEN – EL NIDO

l Nido heißt auf spanisch „das

Nest“. Und so ist es auch: In diesem

Fischerdorf auf der philippinischen

Insel Palawan gibt es keine Geldautomaten,

keinen durchgehenden

Strom, kein vernünftiges Krankenhaus

– aber einen Ausblick aufs

Meer, der einem den Atem verschlägt.

Nicht nur eine ebene Wasserfläche

und ein ferner Horizont ist

zu sichten, sondern auch zahllose,

wunderschöne Kalksteininseln:

bergig, bewaldet und mit dutzenden

kleinen, weißen Traumstränden, die

in der Ferne funkeln wie feines Porzellan.

Direkt vor El Nido liegt Cadlao

Island, klein in der Fläche, aber

gewaltig in der Form. Mit Bergen,

die sich bis in 640 Meter Höhe erheben

– ein wahrlich dramatischer

Anblick in dieser Mischung aus

Grau, Grün und Weiß, umrandet

von hellem Blau. Zusammen bilden

die Inseln das Bacuit Archipel,

das mindestens so faszinierend ist

wie die Halong-Bucht in Vietnam,

aber weniger bekannt und weniger

überfüllt. Dem Archipel ist es zu

verdanken, dass der Nachrichtensender

CNN die Gegend um El

Nido im Mai 2012 als „schönstes

Strand- und Inselziel der Philippinen“

bezeichnete. Erik Lorenz

32 www.inasien.de

01/2013


Reise

MALAYSIA – PULAU SAPI

(Tunku Abdul Rahman-Meerespark)

G

lasklares Wasser, feiner Sandstrand,

Mangrovenhaine und tropische

Temperaturen: Der Abdul-Rahman-Meerespark

vor der Küste von

Sabah auf Borneo ist Realität gewordene

Postkarten-Idylle, von der

man rund ums Jahr im Büro träumt.

Auf der unbewohnten Insel Pulau

Sapi lassen flache Strände und wenig

Strömung auch Anfänger zur

Taucherbrille greifen. Rotfeuerfische

und Clownfische schwimmen

dem Touristen hier genauso

vor die Brille wie Barrakudas.

All jene, die nur ungern den

ganzen Tag am Strand liegen, durchforsten

die Insel auf den diversen

Wanderpfaden und begegnen mit

ein wenig Glück sogar Nashornvögeln

– oder warten am kleinen

Restaurant auf die tierischen Gäste:

Bis zu zwei Meter großen Warane

kriechen hier jeden Mittag aus dem

dichten Gestrüpp zum Grill, wohl

wissend, dass dann die Fleischreste

verfüttert werden. Anreise: Per

Schnellboot ab Kota Kinabalu in

ca. 15 Minuten.


Francoise Hauser

W

KAMBODSCHA – KOH RONG ISLAND

as immer man sich unter einem

tropischen Paradies vorstellt: Koh

Rong bietet es. Kilometer lange,

weiße und leere Sandstrände, türkisblaues,

klares Wasser, Bambushütten

und Hängematten zwischen

malerischen Palmen. Um zu dieser

Strandidylle zu gelangen, empfiehlt

es sich, die Tickets für die Fähre

einen Tag vorher in Sihanoukville

zu kaufen (hin und zurück ca. zehn

Dollar). Von der Touristenhochburg

aus starten die Boote zweimal

täglich und brauchen drei Stunden

bis zu einer anderen Welt: Keine

Motorengeräusche trüben die Ruhe,

da es auf der Insel (bislang) keine

Straßen für Autos und Motorräder

gibt. Überall duftet es nach frisch

gegrilltem Fisch. Den besten gibt es

bei Cocos, in der Nähe des Bootsanlegestegs.

Fünf Dollar kostet ein

gemischter Seafood-Teller.

Nach dem Essen zieht man sich

in eine einzigartige Unterkunft

zurück, das etwas versteckt liegende

Tree House am Ende des

Hauptstrands. Für 30 Dollar pro

Nacht werden hier Träume wahr:

ein eigenes Baumhaus mit Blick auf

den Golf von Thailand! Schnorchelund

Tauchtouren lassen sich über

Monkey Island Republic buchen,

ebenfalls am Hauptstrand gelegen.

Koh Rong bietet alles,um einmal

richtig abzuschalten – und somit

auch kein Internet. Ina Spogahn

01/2013

www.inasien.de 33


Reise

H

ier

INDONESIEN – PADANG BAI (Bali)

findet sich wahrlich das letzte

Backpacker-Refugium auf der

Ferieninsel: Umrahmt von dicht

bewachsenen Hügeln liegt im Osten

von Bali das Hafenstädtchen

Padang Bai an einer Bucht, die

vielen als die schönste der Insel

gilt: feinsandig der Strand, türkisblau

das Meer. Eine Bucht wie im

trubeligen Badeort Kuta vor gut 30

Jahren, welche ohne große Hotels

und turbulentes Strandleben vor

sich hin träumt. Es gibt nur ein paar

einfache Pensionen und Strandlokale,

die durch Freundlichkeit und

Individualität bestechen und damit

an die touristischen Pioniertage von

Kuta erinnern.

Obwohl einige hundert Meter

westlich der Hauptbucht am ehemaligen

Traumstrand White Sand

Beach gerade von südkoreanischen

Investoren ein mehrsterniges Resorthotel

für solvente Badeurlauber

errichtet wird, floriert in Padang

Bai immer noch Balis letztes Low-

Budget-Paradies, eine Domäne

der Traveller mit wenig Geld, aber

viel Zeit, die ohne den Komfort

mehrsterniger Hotels auskommen.

Am hellen Sandstrand im Ort, wo

sich ein Großteil des dörflichen

Lebens abspielt, herrscht noch entspannte

Atmosphäre. Dort sorgen

jukung genannte Auslegerboote für

bunte Farbtupfer. Die traditionellen

Fischerboote schmückt am holzgeschnitzten

Bug ein aufgerissenes

Fabeltiermaul – so wollen die Fischer

im Meer hausende Dämonen

abwehren.

Die Idylle wäre perfekt, gäbe es

nicht am westlichen Ende der Bucht

jenes moderne Terminal, von dem

im Stundenrhythmus die Fähren

zur Nachbarinsel Lombok ablegen.

Aber für eine Handvoll Rupiah

kann man eines der bunt bemalten

Auslegerboote mieten und zu

einer der idyllischen Badebuchten

östlich des Orts entfliehen, etwa

zur Blue Lagoon mit farbenprächtigen

Korallengärten und schönem

Sandstrand, an dem hin und wie-

der Gitarrenklänge am Lagerfeuer

für romantische Stimmung sorgen.

Ortsansässige Tauchschulen wie

das von den beiden Deutschen David

und Wolfgang geleitete Water

Worx Dive Centre (Tel. 0062-363-

41220, www.waterworxbali.com)

bieten organisierte Trips zu den arten-

und erlebnisreichen Tauch- und

Schnorchelrevieren der Labuhan-

Amuk-Bucht, etwa zur „Ziegeninsel“

Nusa Kambing. Nicht zuletzt

eignet sich Padang Bai bestens als

Stützpunkt für Streifzüge im nicht

nur landschaftlich, sondern auch

kulturell überaus reizvollen Osten

von Bali. So gerät der Ausflug

in das von Nachkommen der Ureinwohner

Balis bewohnte Dorf

Tenganan im hügeligen Hinterland

zu einer Zeitreise in eine längst

vergangene Epoche. Roland Dusik

N

KAMBODSCHA – INDEPENDENCE BEACH (Sihanoukville)

atürlich gibt es exotischere und

einsamere Strände in Kambodscha,

aber am wohlsten fühle ich mich

am Independence Beach. Warum

soll ich mit dem Holzboot zu vorgelagerten

Inseln fahren, um dann am

schneeweißen Strand in schlichten

Holzhütten zu schlafen, die mir

kein Internet, aber Ungeziefer bieten?

Da lobe ich mir die Nächte

und das erstklassige Frühstücksbuffet

im weißgetünchten Independence

Hotel. Das Innendesign

des erschwinglichen Luxushotels

stammte in den 1960er Jahren vom

kürzlich verstorbenen König Norodom

Sihanouk, der hier auch

Jackie Kennedy unterbrachte. Während

der Schreckensherrschaft der

Roten Khmer und im Bürgerkrieg

verfielen die sieben Stockwerke.

Erst im neuen Jahrtausend erstrahlt

das Hotel am Golf von Thailand

wieder in seinem bewährten Glanz.

Ich bevorzuge den relativ jungen

Ergänzungsbau, weil dessen Zimmer

moderner sind und einen Balkon

haben. Mit kurzem Umweg

durch das alte Hotelgebäude oder

über einen Pfad entlang der Felsenküste

erreicht man den Strand.

Für Hotelgäste liegen große Badetücher

bereit, die Strandliegen sind

ebenfalls kostenlos. Einheimische

oder andere Touristen könnten den

sehr gepflegten Privatstrand und

zugleich den Hotelpool für nur fünf

Dollar nutzen. Aber sie tun es nicht,

weshalb ich den Independence Beach

noch nie voll oder gar überfüllt

gesehen habe.

Nach Sonnenuntergang gehe ich

stets bis ans Ende des Privatstrands,

um auf den ersten Metern des öffentlichen

Abschnitts The Small Beach

Bar zu besuchen. Das kambodschanisch-schwedische

Restaurant

überrascht mit seiner Küche: Fischfilet

mit kleinen Kartoffeln und

einer Remoulade zum Niederknien,

während das Meer rauscht und am

klaren Nachthimmel die Sterne funkeln.

Besser geht’s nicht.

Michael Scholten

34 www.inasien.de

Ausführliche Reiseinformationen, Visabestimmungen,

Gesundheitshinweise und aktuelle Kurse asiatischer Währungen

finden Sie unter www.inasien.de

01/2013


Reise











V

ietnam

VIETNAM – BAI ONG LANG (Phu Quoc)

01/2013

im Jahre 2012 nach Christus.

Die gesamte Insel Phu Quoc ist

von Badeurlaubern aus aller Herren

Ländern besetzt. Ganz Phu Quoc?

Nein, an der Nordwestküste trotzt

der abgelegene Traumstrand Bai

Ong Lang der Invasion, das letzte

„Hideaway“ für naturverbundene

Ruhesuchende. Vor wenigen Jahren

noch ein weißer Fleck auf der

touristischen Landkarte und unter

Weltenbummlern als „Geheimtipp“

gehandelt, hat sich Vietnams

größte Insel Phu Quoc (gesprochen

„Fu Wok“), die sonnenverwöhnt

im Golf von Thailand nahe der

kambodschanischen Küste liegt, in

den letzten Jahren zu einem internationalen

Urlaubsziel gemausert.

Längst schon wurden am fast 25

Kilometer langen Bilderbuchstrand

Bai Truong oder auch Long Beach

die klassischen, palmblattgedeckten

Bambusbungalows von teils exklusiven

Beach Resorts verdrängt.

Denn die auf Devisen aus dem

lukrativen Fremdenverkehr angewiesene

Staatsführung in Hanoi

plant, Phu Quoc im Stil von thailändischen

Badezielen wie Koh Samui

und Phuket zu entwickeln.

Doch noch gibt es einen Rückzugsort

für Individualisten: Romantiker,

die Ruhe statt Rummel suchen,

sind am urwüchsigen Strand

Bai Ong Lang, sieben bis acht Kilometer

nördlich der Inselhauptstadt

Duong Dong, bestens aufgehoben.

Die entspannte Atmosphäre in den

dortigen Resorts – bislang gibt es

nur drei kleine Ferienanlagen – lassen

Stress und Hektik rasch vergessen.

Der geschwungene Strand

mit hellem, feinkörnigem Sand und

wogenden Palmen eignet sich hervorragend

zum Entspannen. Die

ausgedehnten felsigen Abschnitte

stören kaum. Da ein Korallenriff

die Bucht schützt, eignet sich das

nicht allzu tiefe Wasser super zum

Baden und Schnorcheln. Am Bai

Ong Lang stören weder knatternde

Motorboote noch dröhnende Musikboxen

die Idylle. Hier trifft zu,

was als „Bonmot“ unter Inselurlaubern

kursiert: „Phu Quoc lieben,

heißt die aufregende Ereignislosigkeit

lieben.“ Roland Dusik






www.inasien.de 35


Leser

berich t en

V

Wildes Paradies Sri Lanka

Wie ein Wüstenwanderer stapft mein Mann von einer Düne hinab. Um ihn nur Sand.

Nur zum Baden ist das Meer im Yala-Nationalpark zu wild. Im See neben unserer Lodge

sonnen sich Krokodile. Hoffentlich verirren die sich nicht in unseren Swimming Pool...

om Indischen Ozean weht ein salziger

Duft, mächtige Wellen klatschen

gegen Felsen, ihre abgeschliffenen

Formen erinnern an moderne

Skulpturen. In der Abendstimmung

leuchten sie terrakottafarben. Unsere

„Chaaya Wild Lodge” liegt nur

rund 500 Meter vom Yala-Nationalpark

entfernt, dem größten Nationalpark

im Süden der Insel. „Langsam

sollten wir zur Lodge zurückgehen“,

meint Thomas. Ranger hatten vor

abendlichen Strandaufenthalten gewarnt,

oft kämen Elefanten, manchmal

sogar ein Leopard.

Per Jeep geht es nächsten Morgen

mit unserem Fahrer-Guide auf

Erkundungstour durch flache Savanne

mit dichtem Buschwerk. In

den letzten Wochen hat es viel

geregnet. Die Natur ist saftig grün,

überall haben sich Wasserstellen

gebildet. Schon bald zeigt sich am

Straßenrand eine Affenherde, Sambar-Hirsche

überqueren die Gras-

Steppen, ein Elefant tritt aus dem

Gebüsch. Beeindruckend auch die

großen Pfaue. Der „Indische Nimmersatt“,

ein mannshoher Verwandter

unseres Storches, stakt über eine

von inAsien-Leserin Irmgard Eisele-Unger

überschwemmte Wiese. Plötzlich

deutet unser Fahrer aufgeregt in

eine Richtung: Und da liegt er auf

einem Ast, ein Leopard, und blickt

seelenruhig in unsere Richtung.

Eindrucksvoller Abschluss unserer

Safari ist eine Elefantenfamilie, die

bei Sonnenuntergang am Strand

spazieren geht. Wieder zurück dürfen

wir uns auf Besuch freuen:

Hinter unserem Bungalow hat ein

Wildschwein eine Blechmülltonne

umgeworden und labt sich an den

Abfällen. Bevor wir uns für die

Nacht betten, erblicke ich zwei Bun-

36 www.inasien.de

01/2013


Reise

Eine mehrere Meter hohe, aus dem

Stein herausgearbeitete Buddhastatue

in Polonnaruwa

galows weiter einen freudig

erregten Elefanten, der

sich an den Blättern eines

Baumes satt frisst.

Naturerlebnis im

Kultur-Dreieck

Ortswechsel. Wir befinden

uns nun an einem

Stausee im Hochland,

aus dem umgebenden

Dschungel fliegen Vogelschwärme

auf. In

dieser Gegend befinden sich bis

zu 1.000 Jahre alte Stauseen, die

bis heute als Wasserreservoire und

zur Bewässerung der Reisfelder genutzt

werden. Vom Schwimmen sei

jedoch abgeraten, es sei denn, man

möchte das Bad mit Krokodilen teilen.

Weil sich hier auch die Städte

und Tempelanlagen der einstigen

singhalesischen Königreiche befinden,

wird diese Gegend auch das

„Kultur-Dreieck“ genannt. Besonders

beeindruckend: die riesigen,

aus einem Felsen herausgearbeiteten

Buddha-Statuen in Polonnaruwa,

der Felsentempel von Dambulla

und die alte Königstadt Anuradhapura.

Nicht weit von Polonnaruwa

beobachten wir im Minneriya-Nationalpark

eine Elefantenherde beim

Trinken. Rund 6.000 bis 8.000 wilde

Elefanten leben noch

heute auf Sri Lanka. Doch

Siedlungen und landwirtschaftliche

Flächen dehnen

sich aus, und es kommt immer

wieder zu Konflikten

zwischen Mensch und Tier.

Der Zahn Buddhas

Weiter geht es mit unserem

Fahrer-Guide nach Kandy,

der einstmaligen Hauptstadt

des singhalesischen Königsreichs.

Dort steht der

„Zahntempel“, der einen

Zahn Buddhas beherbergt.

Der Legende nach wurde

er im Haarknoten einer

indischen Prinzessin nach

Sri Lanka geschmuggelt.

Zweimal täglich wird der

goldene Schrein der Reliquie geöffnet.

Dann ziehen Gläubige ehrfurchtsvoll

daran vorbei und bringen

Opfer dar.

Bei einem Spaziergang um den

See bei Kandy begegnen wir fast

zwei Meter lange Echsen, die sich

auf Baumstämmen sonnen und uns

träge mit halb geschlossenen Augen

anschielen.

Zum Ende der Welt

In vielen Kurven geht es weiter

hinauf ins Tee-Hochland, wo einige

der weltbesten Teesorten hergestellt

werden. Wir wohnen in 1.900 Meter

Höhe in Nuwara Eliya, einem

ehemaligen Erholungsort während

der britischen Kolonialzeit. Heute

ist der Ort eine Mischung aus

hübschen Häusern im britischen

Stil, gepflegten Parks, Golfclub und

einigen modernen Gebäuden. Gediegen

wohnt es sich im „Grand

Hotel“ mit Originalmobiliar aus

der Kolonialzeit, in der Bar könnte

auch Hemingway seinen Arrak getrunken

haben.

Unsere Wanderung zum

„World’s End“ beginnt in der Frühe.

Wir fahren durch Teeplantagen

zur Hochebene Horton’s Plain,

wo wilde Rhododendren blühen.

An der östlichen

Leserreisen gesucht!

Auf dieser Doppelseite kann jeder zu

Wort kommen, der in Asien seine ganz

persönlichen Erfahrungen gemacht hat.

Einzige Voraussetzung: Die Geschichte

sollte mit selbst geschossenen Bildern

illustriert werden, von denen ein Bild

den Erzähler zeigt. Der Text sollte etwa

4.000 Zeichen ohne Leerzeichen enthalten.

Für jede abgedruckte Geschichte

gibt es ein kostenloses Jahresabonnement

von inAsien!

Zuschriften bitte an:

redaktion@inasien.de oder

Asia Vision Verlag / Leserreise

Rudolfstr. 22-24, 60327 Frankfurt

Fax: +49 (0)69-665632-22

Flanke wachsen hohe Nadelbäume,

die sogenannten Nebelwälder, die

ihren Durst an den vom Tal aufziehenden

Nebelschwaden stillen.

Nach 1,5 Stunden Wanderung auf

schattigen Wegen haben wir das

„World’s End erreicht. Eingetaucht

in Nebelschwaden stürzt der Abhang

1.600 Meter senkrecht ins

Tal. Nur ganz kurz hat man einen

nebelfreien Blick – und der ist

schwindelerregend! Man versteht,

dass die Bewohner Sri Lankas früher

glaubten, hier am Ende der Welt

angekommen zu sein.

Oben: Irmgard Unger-Eisele und

ihr Mann Thomas am „World´s

End“. Links: Der Strand beim Yala-

Nationalpark

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Reise

Schnäppchenjagd auf Philippinisch

Hier bekommen Sie das, was cool, modisch und angesagt ist – aus zweiter Hand oder

nagelneu. Blusen, Hosen, Jacken und Taschen zu einem erschwinglichen Preis. Keiner wird

erfahren, dass es nur vom Flohmarkt ist. Eben ukay-ukay – importiert und doch so billig!

Wir sind in einer sechsköpfigen Familie

aufgewachsen, die meistens

mit einem knappen Budget auskommen

musste, neue Anziehsachen

gab es da nur selten. Nur zu

Weihnachten oder zu Beginn eines

neuen Schuljahres im Juni wurde

eine Ausnahme gemacht. Fast die

Hälfte unserer Sachen war von der

älteren Schwester oder von Kusinen

geerbt. Und wenn unsere Eltern

wirklich knapp bei Kasse waren,

stammten selbst die Schuhe für

die Schule aus zweiter Hand, auch

wenn sie eine Nummer zu groß

oder ein wenig zu klein waren.

Zum Glück waren wir drei Mädchen

mit ungefähr derselben Größe.

Ansonsten haben wir versucht, die

Kleidung würdevoll zu tragen, die

unsere Mama sorgfältig auf den

Märkten in Divisoria oder Baclaran

in Manila ausgewählt hatte

Natürlich haben wir uns zuweilen

beklagt. Aber unser Papa sagte

dann immer, man müsse praktisch

bleiben, um harte Zeiten zu bewältigen.

Gebrauchte, aber immer noch

tragbare Kleidung weiterzugeben,

war für ihn „praktisch“. Unsere

Eltern haben ihr Bestes gegeben,

um für uns zu sorgen. Anziehsachen,

die braucht man, aber dass

sie auch noch schön sein sollen, das

hielten sie für (unnötigen) Luxus.

Auch neue Kleider galten bei uns

als Luxus, und wenn man welche

kaufen wollte, musste die Kaufentscheidung

als „praktisch“ eingestuft

werden.

Nun da wir erwachsen sind,

kaufen wir Kleidung nach zwei

Gesichtspunkten. Ihr Preis muss

„praktisch“ sein, aber wir haben

im Blick auf die Mode auch hier

ein Nachholbedürfnis. Kleider sollen

billig sein, aber aussehen, als

hätten sie ein Vermögen gekostet.

Zum Glück hat das Aufkommen

von ukay-ukay, der philippinischen

Version des Flohmarkts, es möglich

gemacht, modisch zu sein und dabei

die Haushaltskasse nicht übermäßig

zu strapazieren.

Mode aus zweiter Hand

Wir wissen nicht mehr genau, wann

wir das erste Mal ukay entdeckt

haben, aber es war in den 1980er

Jahren, dass ukay-ukay begann, den

38

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01/2013


Reise

lokalen Markt in den Philippinen

aufzumischen. Ukay-ukay bedeutet

„graben“, „wühlen“ oder „durchsieben“.

Es wird so genannt, weil

man sich durch einen Stapel von

gebrauchter Kleidung graben und

diesen sichten muss. In Baguio, wo

das ukay-Phänomen seinen Anfang

nahm, nennt man es wagwag („abstauben“

bzw. „abschütteln“), da

man von der erworbenen Kleidung

erst einmal den Staub abschütteln

muss. In anderen Regionen ist es

als segunda mano (span. „aus zweiter

Hand“ bekannt, als „pre-loved“

(vor-geliebt) oder als rilip (vom

englischen „relief“, wobei es sich

möglicherweise um einstige Kleiderspenden

handelte, die eigentlich

Katastrophenopfern zugute kommen

sollten). Wenn es jemandem

peinlich ist, dass er ukay-ukay trägt,

kann man vorwitzig sein und sagen,

die Kleider seien „aus UK“.

UK, das sind die ersten beiden

Buchstaben von ukay, ist aber eben

auch die Abkürzung für United

Kingdom. Um das Gesicht zu wahren,

kann man also den Eindruck

erwecken, es handele sich hier um

ein Mitbringsel (pasalubong) eines

Verwandten, der im Vereinigten

Königreich (Großbritannien) lebt.

Tatsächlich stammen die ersten

ukay-ukay-Artikel aus der Katastrophenhilfe.

Damals sammelte

die Heilsarmee Anziehsachen und

andere Dinge in Hongkong, den

Vereinigten Staaten und in anderen

Ländern und schickte sie in die

Philippinen, wo sie an Opfer von

Naturkatastrophen verteilt wurden.

Der Strom an Spendengütern hielt

an und das brachte unternehmensfreudige

Filipinos, die wissen, wie

man sich durchschlägt, auf die Idee,

daraus ein Geschäftsmodell zu entwickeln.

Zuerst verkauften sie bloß

rilip, das nicht verteilt worden war.

Schließlich aber machte die Idee

Schule und nun wurden Anziehsachen,

aber auch Taschen, Schuhe,

Küchenutensilien und was man

sich nur denken kann, günstig aus

Hongkong, den USA, Japan, Süd-

korea und von anderswo ins Land

gebracht und an Groß- und Einzelhändler

(weiter-)verkauft.

Ob diese Waren nun in einer

Balikbayan-Box (Pakete, die Arbeitsmigranten

an ihre Lieben in die

Philippinen schicken) ins Land kamen

oder als ausländische Hilfe oder

Kleiderspenden deklariert waren

– bald fand sich die gebrauchte Ware

auf den Wühltischen der Märkte.

Und das zu Preisen, die oft nur ein

Zehntel dessen betragen, was man

in der Konfektionsabteilung des

Kaufhauses dafür berappen müsste,

ohne dass es sich dort notwendigerweise

um eine bessere Qualität

oder um modischeres Zeug handeln

würde. Die ersten ukay-ukay-Läden

in Baguio breiteten sich so schnell

aus, dass Baguio bald zur „Ukay-

Ukay-Hauptstadt der Philippinen“

erklärt wurde. Mittlerweile sind die

ukay-Stände und Läden überall im

ganzen Land anzutreffen und finden

sich wie die Jeepneys und Tricycles

in jedem Stadtzentrum, auf jedem

Markt und selbst in jedem kleinen

barrio während der Fiesta.

Vom Tellerwäscher zum

Millionär

Streng genommen ist das ukayukay-Geschäft

verboten. Schon 1966

wurde ein Gesetz verabschiedet,

das „die Gesundheit des Menschen

gewährleisten“ und „die Würde der

Nation bewahren“ sollte, indem es

„die Einfuhr von gebrauchten Textilien

und Lumpen aus gewerblichen

Gründen“ untersagte, wie es im Titel

dieses Gesetzes hieß. Erlaubt ist ihre

Einfuhr allein, wenn die gebrauchte

Kleidung zu Lumpen verarbeitet

werden soll, die dann wieder exportiert

werden. Andernfalls kann die

Ware beschlagnahmt und verbrannt

werden, da sie als Schmuggelware

gilt. Dem Geschäft tut das aber

keinen Abbruch, und es gibt sogar

parlamentarische Bemühungen, das

Verbot aufzuheben. Somit könnten

auch ukay-Waren besteuert werden

– immerhin geschätzte 700

Millionen Peso pro Jahr bei zirka

eintausend Kleidungscontainern,

die jährlich ins Land kommen. So

könnte auch der Korruption ein

Riegel vorgeschoben werden, die im

Spiel ist, wo das gesetzliche Verbot

umgangen wird.

Für diejenigen, die das ukayukay-Geschäft

unterstützen, sind

dies aber nicht die wichtigsten Argumente.

Sie führen vor allem ins

Feld, dass ukay-ukay den kleinen

Leuten ermögliche, billige Kleidung

zu erwerben, die dennoch von guter

Qualität ist, modisch und sogar zuweilen

Markenware. Neue Kleidung

dieser Art im Kaufhaus oder einer

Boutique zu kaufen, ist für sie unerschwinglich.

Kurzum: ukay hat die

Mode demokratisiert und schicke

Sachen und guten Geschmack auch

für Leute mit geringem Einkommen

erschwinglich gemacht. Dabei

stammen ukay-ukay-Fanatiker

Ukay-ukay wird nicht nur von Familien mit geringem Einkommen betrieben, auch

die meisten Mittelschicht-„Fashionistas“ mit Stil sind geradezu ukay-ukay-süchtig

01/2013

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Reise

Der inAsien-Buchtipp

Das gesellschaftspolitische Handbuch

in nunmehr vierter, vollständig überarbeiteter

Auflage liefert einen

kompakten Einblick in Geschichte

und Gegenwart, Land und Leute der

Philippinen. Ob zur Landwirtschaft

und Landreform, zu Arbeitsmigration

und sozialer Sicherung, zu Bildung,

Gesundheit und Gender, Wirtschaft,

Politik, Zivilgesellschaft und vielem mehr.

Geschrieben von langjährigen Philippinenkennern

werden die Lebenswelten und

politischen Kämpfe in einem Land des

globalen Südens skizziert.

Rainer Werning,

Niklas Reese (Hg.):

Handbuch Philippinen,

4. überarbeitete Auflage,

500 S., Horlemann Verlag,

19,90 € (D)

Laut Verband der philippinischen Textilindustrie ist das Tragen von ukay-Kleidung

gesundheitsschädlich. Tatsache ist, die Stücke sollten zügig in die Wäsche...

nicht ausschließlich aus Familien

mit geringem Einkommen. Auch

die meisten Mittelschicht-Fashionistas

mit Stil (zählen Sie uns beide

dazu) sind ukay-ukay-süchtig. Nicht

nur die Unterschicht würde daher

Sturm laufen, wenn die ukay-ukays

geschlossen oder besteuert würden

(was die Ware teurer machen würde).

Es wäre dann eine wahrlich

klassenübergreifende Revolte!

Die Gegner einer Legalisierung

wenden dagegen ein, dass dieses

Geschäft sogar schon jetzt, wo es

noch illegal ist, die lokale Textilindustrie

untergrabe und Arbeitsplätze

vernichte. Denn neue Kleidungsstücke

dürften mindestens 30 Prozent

teurer sein als die Altkleider. Der

Verband der philippinischen Textilindustrie

behauptet sogar, dass das

Tragen von ukay-Kleidung gesundheitsschädlich

sein könnte. Zudem,

so wird argumentiert, sei es für die

Philippinen entwürdigend, wenn

die Menschen hier gebrauchte Kleidung

tragen und so den Eindruck

erwecken, sie könnten es sich nicht

leisten, Originalkleidung zu kaufen.

Patriotische Filipinos sollten nie im

Leben importierte Kleidung tragen.

Tipps für Uneingeweihte

Wie auch immer sie argumentieren,

wir bleiben „ukay-ukay-Königinnen“

mit Zertifikat. Ukay-ukay

sei Dank, weist doch unsere Garderobe

einige Stücke auf, die eines

königlichen Kleiderschranks würdig

wären. Wie die meisten ukay-

Liebhaber gehen auch wir weniger

in die ukay-ukayans, um uns mit

dem Nötigsten einzudecken, sondern

eher, um unseren gewaltigen

Appetit nach modischer Kleidung

zu stillen und so dem ständigen

Druck standhalten zu können, sich

schick zu machen. Wir rennen zum

40

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01/2013


Reise

ukay-ukay, wenn wir besondere

Kleidung für besondere Ereignisse

brauchen, sei es für eine Hochzeit

oder für einen öffentlichen Auftritt,

wenn wir beispielsweise einen Vortrag

halten. Und sogar für eine Auslandsreise

ins kalte Europa können

wir dort fündig werden und uns eine

Wintergarderobe, Wildlederstiefel,

Ledertaschen und eine Regenjacke

zulegen, ohne dass wir danach mit

leeren Geldbörsen dastehen. Um

eine ukay-Einkaufstour glücklich,

erfolgreich und stolz abzuschließen,

müssen allerdings einige feste Regeln

beachtet werden:

Schützen Sie Ihre Gesundheit:

Genau wie die Waren, die sie verkaufen,

gibt es auch ukay-ukay-Geschäfte

in vielen Formen und Größen.

Gehen Sie in Läden, in denen

die Waren erst gesäubert und behandelt

werden, bevor sie verkauft werden.

Der Geruch des Sprays kann

einen zwar umhauen, aber er ist ein

Hinweis darauf, dass die Kleidung

desinfiziert wurde. Auf der anderen

Seite: Wer gegen Staub allergisch

ist, sei gewarnt; Altkleider, die einige

Zeit auf einem Haufen lagen,

können staubig sein. Hände weg

vom Gesicht, wenn Sie in ukayukay

wühlen, manches Kleidungsstück

könnte ein Infektionsherd

sein. Und nach dem Stöbern Hände

waschen! Am Besten Sie bringen

das Händedesinfektionsmittel als

„Erste Hilfe“ gleich mit.

Für den Einkauf nicht in Schale

schmeißen: Ukay-ukay-Käufer

suchen zwar nach schicken Sachen,

für den Einkauf machen sie sich

aber nicht schick. Denn sie wühlen

sich durch Stapel von Kleidung, die

nicht unbedingt sauber ist. Zudem

tragen sie eng anliegende Sachen,

so dass sie ihre Beute zum Anprobieren

drüberziehen können und

nicht auf Umkleidekabinen angewiesen

sind. Die gibt es nicht in

jedem Laden – und dann sind da

noch diese Voyeure, die es auf hinreißende

Körper abgesehen haben.

Und natürlich auch aus gesundheitlichen

Gründen; Sie wollen doch

nicht unbedingt, dass muffig riechende

Kleidung in direkten Kontakt

mit Ihren sensiblen Körperzonen

kommt, oder?

Keine Wertsachen mitbringen

und aufs Budget achten: Wie

beim Einkaufen generell, vermeiden

Sie es, auf Wertsachen und

persönliche Dinge achten zu müssen,

wenn sie mit dem Wühlen beschäftigt

sind. Und weil ukay-ukay

zugegebenermaßen Suchtcharakter

hat, nehmen Sie nur so viel Bargeld

mit, wie Sie brauchen und sich leisten

können. Nein, ukay-ukay-Läden

akzeptieren keine Kreditkarten!

Da anfangen, wo es am billigsten

ist: Die ukay-Märkte unter

freiem Himmel sind natürlich die

billigsten; hier müssen keine hohen

Mieten und keine durch Klimaanlagen

in die Höhe getriebene Stromrechnungen

beglichen werden. Billig

ist aber nicht gleich schlechte

Qualität, also legen Sie hier los.

Sparen Sie sich die ukay-Boutiquen

für den Schluss auf, wenn Sie den

letzten, verzweifelten Versuch unternehmen,

das zu finden, was Sie

suchen.

Achte auf andere wie auf Dich

selbst: Es versteht sich von selbst,

dass die besten Plätze auch die sind,

in denen in der Regel am meisten

los ist, also acht geben, was die

anderen ukay-Anhänger so treiben.

Wir haben mindestens drei Arten

von ukayistas ausgemacht und Sie

könnten zu jedem dieser drei Typen

gehören: die „Schwimmer“,

die „Abgreifer“ und die „Lumpensammler“.

Die Schwimmer sind die

typischen ukayistas; sie arbeiten

sich akribisch durch die Kleiderstapel,

was wie eine Schwimmbewegung

aussieht, und springen jedes

Mal in die Luft, wenn sie etwas

Schönes entdecken, was sie dann

sofort zu den anderen Schnäppchen

auf ihrem persönlichen Stapel legen.

Die Abgreifer dagegen beobachten

dieses Schauspiel und greifen dann

und wann gierig in den Stapel, den

die Schwimmer mühsam aufgehäuft

haben. (Über die Streitereien über

einige „billige“ Artikel, zu denen es

zwischen Schwimmern und Abgreifern

immer wieder kommt, redet niemand

mit stolz geschwellter Brust.)

Schließlich die Lumpensammler:

Das sind die passiven ukayistas, die

darauf warten, dass Sie Dinge beiseite

legen, in der Hoffnung, dass

Sie übersehen haben, wie schön die

doch eigentlich sind.

Unterziehen Sie die Artikel

einem Qualitätscheck: Stimmt,

Sie zahlen weniger für ukay-ukay,

weil es sich um Gebrauchtware

handelt. Aber egal wie billig es auch

ist, für kaputtes Zeug sollten Sie

nichts ausgeben. Daher überprüfen

Sie folgende Dinge, bevor Sie sich

zum Kauf entschließen: Die Farbe

ist nicht verblasst, keine Flecken.

Werfen Sie vor allem einen Blick in

den Bereich der Achselhöhlen und

des Dekolletés, keine losen Fäden

an den Nähten, keine Laufmaschen,

keine sichtbaren Risse oder Löcher,

01/2013

www.inasien.de 41


Reise

dass sie nach Ihrer Telefonnummer

fragen, um Sie anzurufen oder zu

texten, wenn neue Artikel verfügbar

sind. Wenn Sie charmant genug

sind (wir sind es!), wird ein neues

Bündel sogar an Ort und Stelle für

Sie aufgemacht.

Hinten wartet schon die „neue“ ukay-Ware aus der ersten Welt. Findige ukay-Gänger sind

zugegen, wenn sich die ausgehängte Ware dem Ende neigt und neue Pakete geöffnet werden

Reiseangebote

Phillippinen

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es fehlt kein Knopf, der Reißverschluss

funktioniert, es passt wie

angegossen.

Schamlos um Nachlass (tawad)

bitten: Schnäppchen heißt nicht

nur gute Qualität, sondern auch

so billig wie möglich. (Daher wird

meist auch der Preis genannt, zu

dem man das gute Stück erwerben

konnte. Je billiger, desto mehr

Bewunderung können Sie einheimsen.)

Haben Sie sich entschlossen,

etwas zu kaufen, bezahlen Sie nicht

gleich, sondern loten Sie aus, ob

die Verkäufer noch mit dem Preis

runtergehen. Bieten Sie die Hälfte

des angegebenen Preises und haben

Sie ein paar Gründe parat, warum

das gute Stück weniger kosten

sollte – etwa den kleinen Riss dort

oder das Fleckchen dort. Je mehr

Sie kaufen, desto größer ist die

Aussicht auf einen Preisnachlass.

Und natürlich auch dann, wenn sie

freundlich fragen.

Bringen Sie in Erfahrung, wann

wieder ein Kleiderbündel geöffnet

wird: Altkleider kommen

in zahllosen Bündeln an, die nicht

alle auf einmal geöffnet werden.

Neue Bündel werden meist erst

aufgeschnürt, wenn die ausgelegte

Ware sich dem Ende neigt. Freunden

Sie sich mit den Händlern

oder deren Mitarbeiterinnen an und

fragen Sie, wann üblicherweise ein

neues Bündel geöffnet wird. Einige

sind sogar so entgegenkommend,

Waschen und Pflege: Ein erfolgreicher

ukay-ukay-Bummel ist noch

nicht beendet, wenn Sie den Markt

beziehungsweise das Geschäft verlassen.

Die erworbenen Schätze

sollten dann noch sorgfältig gewaschen

und gereinigt werden, ohne

dass sie dabei Schaden nehmen. Für

Kleidungsstücke empfehlen wir, sie

mindestens eine Stunde in farbensicherer

Bleiche einzuweichen, um

Flecken, die unbemerkt geblieben

sind, zu entfernen und um die Kleidung

zu desinfizieren. Kochen oder

weichen Sie die Kleidung nicht in

heißem Wasser ein. Lassen Sie die

Wäsche in der Sonne trocknen, das

trägt zusätzlich zur Desinfektion

bei. Und nach dem ersten Mal,

einmal bügeln, bevor sie getragen

werden.

Zu guter Letzt: Ein erfolgreicher

ukay-ukay-Bummel macht nur

halb so viel Spaß, wenn Sie nicht

Ihren besten Kumpel mitnehmen,

die ebenfalls auf ukay-ukay stehen.

Es gibt ein Gefühl von Sicherheit,

wenn Sie in Begleitung von Leuten

sind, deren Modegeschmack Sie

vertrauen und die Ihren Geschmack

kennen. Ein Kumpel ist auch unverzichtbar;

Sie brauchen doch jemanden,

der Ihnen ehrlich sagt, ob

etwas steht oder nicht. Schließlich

macht es auch viel mehr Spaß,

ein Schnäppchen zu finden, wenn

man die Freude teilen kann. Nun

sind Sie gut vorbereitet. Sorgen Sie

dafür, dass Sie Ihre Erwerbungen

mit Stolz tragen. Eine typische Antwort,

wenn Sie ein Kompliment

bekommen: „Ukay-ukay. Singkuwenta

lang!“ Das ist ukay-ukay. Für

nur fünfzig Peso!

Pilgrim Bliss Gayo &

Julie Gayo-Iso

42

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01/2013


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Reise

Weinprobe mit Farmer-Mädchen

Statussymbol, Wirtschaftsgut und Genussmittel – Wein ist in Hong Kong vieles. Seit

ausländische Tropfen zollfrei importiert werden können, entdecken immer mehr Genießer das

Kulturgetränk für sich. Ein Streifzug durch die vielseitige Weinlandschaft des Stadtstaats

Unauffällig wirkt die Tür von außen.

Und doch liegt hinter der massiven

Holzpforte in Hong Kongs Stadtteil

Soho ein Erlebnis der besonderen

Art. In der Portrait Winery können

Liebhaber und Interessierte lokal

hergestellte Weine kosten und kaufen.

Und das in einer Atmosphäre,

die eher ans Bordelais als an das

Perflussdelta erinnert.

Die mächtigen Holzfässer sind

beileibe nicht nur zur Dekoration

da. Denn Inhaber Steven Jaray stellt

seine Weine selbst her. Die Produktion

in Hong Kong hat vor allem

wirtschaftliche Gründe. Denn von

den günstigen Zöllen beim Transport

in den Wachstumsmarkt China

profitiert ein Hersteller nur, wenn

mindestens ein Drittel des Endprodukts

im Stadtstaat produziert

wurde. Reines Abfüllen eines in

Frankreich oder Australien hergestellten

Weins in Flaschen reicht

hierfür nicht.

Jarays Produktionsanlagen liegen

im Industrieviertel Tsuen

Wan, nordwestlich von Kowloon.

Auf einer Fläche von 3.716 Quadratmetern

presst, gärt und lagert

er die Weine. Die Trauben lässt

der gebürtige Kanadier aus seinen

Weinbergen in South Oregon einfliegen,

andere stammen aus der

australischen McLaren Vale-Region

und aus dem Waipara Valley in

Neuseeland. Acht bis zwölf Stunden

liegen zwischen Lese und Weiterverarbeitung.

Länger dürfe das auch

nicht dauern, warnt der Weinexperte,

sonst verlöre die Ernte wichtige

Geschmackskomponenten.

Bei der Weinprobe ist Jaray in seinem

Element. Zu jedem der verkosteten

Weine hat er eine Geschichte

zu erzählen. Sein Angebot reicht

von Pinot Noir bis zu Eiswein.

Erstere Sorte verkauft sich jedoch

deutlich besser. „Die chinesische

Regierung erzählt bereits seit Jahren,

dass Rotwein gesund ist“, lacht

Jaray. Die Bevölkerung glaubt das

gerne – und kauft Wein en masse.

Im Jahr 2010 hat jeder Hong

Konger Bürger im Durchschnitt 6,3

Flaschen Wein getrunken! Mehr als

jeder andere Asiat.

„Labels, die Spaß machen“

Ein Tummelplatz für Weinliebhaber

ist Hong Kong erst seit wenigen

Jahren. Seit die Regierung im Jahr

2008 die Importzölle abgeschafft

hat, erreicht ein beachtlicher Teil

des in Asien konsumierten Weins

den Kontinent via Hong Kong. Im-

Bild: Hong Kong Tourism Board

44

www.inasien.de

01/2013


mer mehr Konsumenten lernen dadurch

gute Tropfen kennen und schätzen.

Eine richtige Weinkultur hat sich

trotzdem noch nicht entwickelt. Die

Etablierung seines Geschäfts vor Ort

war daher nicht einfach, erzählt Jaray.

Unter anderem stieß er auf ein banales

Problem: „Chinesen scheint es schwer

zu fallen, sich Weinnamen zu merken.“

Um dennoch von seinen Kunden erkannt

zu werden, gestaltete der Winzer

seine Flaschen in einer sehr auffälligen

Art und Weise – mit Bildchen von Pinup

girls. Auch in den Namen der Weine

tauchen diese Motive auf. So schmückt

eine Flasche Meritage das Konterfei

einer knapp bekleideten Pilotin: Marke

„Aviator“. Und auf dem Etikett für Rosé

tanzt eine junge Bäuerin mit kurzer

Latzhose: Marke „Farmgirl“.

Mit dieser Art der Präsentation

spricht Steven Jaray das asiatische

Mainstream-Publikum an. Sein Bestreben

ist es nicht, edelsten Wein für

einen erlauchten Kreis zu produzieren,

sondern gute Qualität der wachsenden

Mittelschicht nahe zu bringen. Die bunten

Labels mit den fröhlichen jungen

Damen sollen positive Assoziationen

wecken und Wein als etwas darstellen,

das Spaß macht, erklärt der Winzer.

Dafür sei Hong Kong der perfekte

Nährboden. „Die Leute in dieser Stadt

arbeiten, um zu essen. Sie haben eine

leidenschaftliche Gastronomie-Kultur,

deren Erlebnis durch den richtigen

Wein zum Essen perfektioniert wird.“

Hongkong – Metropole

der Gegensätze

Eine atemberaubende Skyline, weihrauchdurchwehte chinesische

Tempel, brutzelnde Garküchen am Straßenrand und riesige Einkaufszentren

mit High Fashion Labels aus aller Welt – lassen

auch Sie sich von der Megacity in ihren Bann ziehen.

Hongkong

Harbour Plaza Metropolis ||||

Im östlichen Kowloon nahe einer Metro-Station befi ndet sich

das beliebte Hotel der gehobenen Mittelklasse. Es bietet insgesamt

4 Restaurants mit asiatischer und internationaler Küche,

einen Swimmingpool mit bequemen Liegen, einen Spa-Bereich

sowie ein Fitness-Center.

4 Nächte

Pro Person im DZ (Harbour View) ab º 165

Kombinieren Sie dazu z. B.:

Flug ab/bis Deutschland Pro Person ab º 690

DERTOUR GmbH & Co. KG, Emil-von-Behring-Str. 6, 60424 Frankfurt

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Auf den Flaschen des Weinherstellers Portrait Winery tanzen sich

leicht bekleidete Mädchen in die Herzen der lokalen Genießer

01/2013

www.dertour.de


Reise

Steven Jaray ist das freundliche Gesicht der Portrait

Winery (31 Staunton Street, Central). Er brennt aber

nebenbei auch gerne Himbeerwodka

Deutsche Weiße im

Nischenmarkt

Wie beliebt Wein bei der lokalen

Bevölkerung ist, zeigt auch die

Weinmesse, die das Hong Kong

Trade Development Council (HKT-

DC) Anfang November im Convention

and Exhibition Centre zum

fünften Mal veranstaltet hat. Über

950 Aussteller aus 36 Ländern präsentierten

ihre Weine, Weingüter

und zugehörige Angebote an den

vier Tagen der Messe mit insgesamt

20.000 Besuchern!

Auch Dominik Glas, Winzer aus

der Pfalz, war vertreten. Erstmalig

ist er nach Hong Kong gereist, zuvor

war er bereits auf der Vinexpo

in Beijing. Mithilfe eines lokalen

Geschäftspartners verkauft er nun

seit zwei Jahren die Erzeugnisse

seines Familienguts in China. Der

freundliche Pfälzer gewinnt der

Dominanz von Rotweinen in China

einen positiven Aspekt ab, denn

sie lässt viel Raum für ihn und

seine deutschen Winzerkollegen:

„Bei den Roten sind französische

und spanische Herstellungsgebiete

sehr etabliert. Weißweine sind noch

ein Nischenmarkt – mit viel Platz

für deutsche Anbieter.“ Besonders

die fruchtig-süß schmeckende

Riesling-Spätlese mögen Einkäufer

und Besucher gerne, die an seinen

Stand kommen. Auch er sieht die

Weinkultur in Asien noch in den

Kinderschuhen. „Die Konsumenten

hier wollen leicht trinkbaren Wein,

Feinschmecker findet man noch

selten.“ Auch Steven Jaray hat diese

Erfahrung gemacht: „Chinesen

mögen süßen Wein, der leicht bekömmlich

ist. Intellektuelle Weine

finden kaum Abnehmer.“

Millionenschwere Auktionen

Und dennoch ist Wein in Hong

Kong mehr als ein Getränk. Denn

auch als Wertanlage entdecken Asiaten

die roten und weißen Tropfen

aus dem Ausland. Einige Weine

erzielen stolze Preise bei den Auktionen

vor Ort. Versteigerungen von

Sotheby´s und Acker Merrall &

Condit´s setzen mehrere Millionen

US-Dollar um. Ein Wert, der weiter

steigt und wie kein anderer beweist,

dass wohlhabende Chinesen für guten

Wein viel Geld ausgeben.

Um die Anlage in Form von roten

und weißen Edeltropfen möglichst

wertsteigernd zu lagern, bedarf es

gewisser Voraussetzungen. Zum

Beispiel darf Qualitätswein, sogenannter

„Fine Wine“, nur bei Temperaturen

zwischen 11 und 17 Grad

und einer Luftfeuchtigkeit zwischen

55 und 80 Prozent aufbewahrt werden.

Anforderungen, denen die

Crown Wine Cellars entsprechen.

Die unterirdische Bunkeranlage

diente während des zweiten Weltkriegs

als Versteck für die lokale

Bevölkerung. In den späten 1930er

Jahren von den Briten erbaut, war

sie Zentrum des Widerstands im

Battle of Hong Kong. Nach der formalen

Kapitulation Hong Kongs an

die Japaner im Dezember 1941 fiel

auch sie in die Hände der Besatzer.

Heute dienen die in den Berg

gehauenen Bunker der Weinkultur

statt des Krieghandwerks. Seit

2007 führt die Unesco sie als Teil

des Weltkulturerbes. Reichlich unromantisch

lagern die Weine in

Holzregalen, eine Kiste über der

anderen, beschriftet mit den Namen

ihrer Besitzer. Eine Druckschleuse

schützt sie vor Witterungseinflüssen.

Betreten können Besucher die

Gewölbe nur in kleinen Gruppen.

Zu sehr verändert die Anwesenheit

von vielen Menschen Luftfeuchtigkeit

und Temperatur.

„Von den insgesamt 24 Bunkern

nutzen wir acht für die Lagerung“,

erzählt Gregory De’Eb, Geschäftsführer

der Lagerstätte. Weitere

können ausgebaut werden, wenn

Bedarf besteht. Fast 2.000 Kunden

nutzen sie für die Aufbewahrung

ihrer Qualitätsweine. Nicht alle von

ihnen leben auch in Hong Kong. Etwa

ein Viertel von ihnen hat seinen

Wohnsitz im Ausland. Und wieder

einmal sind es die fehlenden Zölle,

die Hong Kong als Lagerstätte für

sie interessant macht. Ohne viel

bürokratischen Aufwand können

die Liebhaber die Kisten mit ihren

Investitionsweinen aus Europa oder

den USA in den Stadtstaat schicken

und dort in De’Ebs vertrauensvolle

Hände geben.

Die Nachfrage nach dieser

Dienstleistung ist groß. „Jeden

Monat erreicht uns ein Container

aus Großbritannien“, berichtet der

Weinfachmann. Mittlerweile lagern

in den unterirdischen Verliesen

200.000 Kisten Wein, insgesamt

1,4 Millionen Flaschen. Für

die Aufbewahrung zahlen De’Ebs

Kunden einen Hong Kong Dollar

pro Flasche pro Monat, etwa zehn

Eurocent. Über ein dem Online-

Banking ähnliches Tool können sie

den Vorrat ihrer Flaschen zu jeder

Zeit einsehen und gegebenenfalls

den Versand veranlassen. „Falls

einmal ein schickes Fest ansteht“,

so De’Eb. Oft kommt das aber nicht

vor. Für einen netten Weinabend

laden die Genießer dann doch lieber

Steven Jarays „Farmgirl“ oder das

„Aviator“-Mädchen zu sich ein.

Katharina Schnurpfeil

46

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01/2013


Augenblicke,

die faszinieren

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das multikulturelle Erbe

und erleben Sie

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China:

Shanghai *

China:

Hong Kong

Japan /

Korea

Burma

Thailand:

Bangkok

Thailand:

Chiang Mai

Kambodscha Laos Malaysia /

Singapur

Vietnam:

Nha Trang

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(1)

(1)

(1)

(1)

Ihr Reisekalender 2013

Dezember November Oktober September August Juli Juni Mai April

März Februar Januar

(2)

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Indien:

Kerala

Indien:

Rajasthan

Indien:

Varanasi

Malediven

Sri Lanka: Sri Lanka:

Westküste Ostküste

Nepal Mongolei Philippinen Indonesien:

Java

Taiwan

(1) (1) (1)

(2) (2) (2) (2)

Extra-Service

Eine Asienreise zur hiesigen Winterzeit ist durchaus

verlockend angesichts der Temperaturunterschiede.

Vor einer Buchung sollte man sich

jedoch unbedingt über unerträgliche Hitzeperioden,

mögliche Taifune, Hauptreisezeiten

und die verschiedenen Feiertage informieren.

Es wäre sicherlich ärgerlich, während des chinesischen

Neujahrs nach China oder während

des Ramadans nach Indonesien zu reisen, wenn

alle Einheimischen unterwegs und viele Hotels

überfüllt bzw. die Geschäfte geschlossen sind.

Mit Hilfe der unten stehenden Legende gibt Ihnen

der inAsien-Reisekalender einen schnellen

und guten Überblick zu Wetterlagen, Feiertagen

und idealen Reisezeiten. Einen schönen Urlaub

wünscht Ihnen inAsien!

(3) (3)

* Wenn nicht anders vermerkt, beziehen sich die

Klimaangaben auf die Hauptstadt.

(5) (5) (5) (5)

L e g e n d e

Regenzeit

> 100 mm

Niederschlag/Monat

Trockenzeit

< 20 mm

Niederschlag/Monat

Taifun-Saison

Kalte Jahreszeit

< 15°C

Monatsschnitt

Heiße Jahreszeit

> 28°C

Monatsschnitt

Hauptsaison

Ideale

Reisezeit

Vorsicht!

Lokale Feste

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(7) (7) (7) (7) (7)

(7) (7) (7) (7) (7)

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(1) Neujahr: 01.01.2013

(2) Chinesisches Neujahrsfest: 11.-13.02.2013

(3) Ostern: 29.03.-01.04.2013

(4) Golden Week (Japan): 29.04.-05.05.2013

(5) Tag der Arbeit: 01.05.2013

(6) Drachenbootfest (China): 13.06.2013

(7) Ramadan: 09.07.-07.08.2013

(8) Obon Week (Japan): 13.-15.08.2013*

(9) Mondfest (China): 19.09.2013

(10) Nationalfeiertage (China): 01.-03.10.2013

(11) Weihnachten: 25.-26.12.2013

* Obwohl die Obon-Tage in Japan keine offiziellen Feiertage

sind, schließen viele Unternehmen für eine ganze Woche,

viele Angestellte nehmen in dieser Zeit Urlaub.

(11) (11) (11) (11) (11)

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Reise

Dank der Werbeaktion eines Mobiltelefon-Anbieters in Phnom Penh treffen an der Riverside vor

dem Königspalast der Weihnachtsmann und buddhistische Mönche aufeinander

Kunstschnee in Kambodscha

Es gibt Momente, da traue ich meinen eigenen Augen nicht: Weihnachtsmänner! Riesige,

aufblasbare Weihnachtsmänner! Dazu Tannenbäume aus Ballonseide. Und vor der Zentrale

eines Telefonanbieters hängen die Straßen voller Lametta und Silbersterne. In den USA

oder Europa würde mich die Glitzerwelt nicht überraschen. Aber in Phnom Penh? In der

Hauptstadt eines Landes, in dem der Bevölkerungsanteil der Buddhisten so hoch ist wie die

Luftfeuchtigkeit, nämlich über 90 Prozent

V

or zwei Jahren erlebte ich mein

erstes Weihnachtsfest in Kambodscha.

Damals beschränkte sich

der Adventsschmuck auf ein paar

Luxushotels, die ihre westlichen

Gäste in „Oh du fröhliche“-Festtagsstimmung

bringen wollten. Ein

Hotelmanager erzählte mir, dass

er den Schmuck extra aus Touristenzentren

in Thailand heranschaffen

musste, weil Kunstschnee,

Weihnachtsmänner und blinkende

Tannenbäume nirgendwo in Kambodscha

erhältlich waren.

Inzwischen ist diese Marktlücke

augenscheinlich erkannt und geschlossen

worden. Jetzt funkelt es

in Phnom Penh, Siem Reap und

Sihanoukville an den unpassendsten

Orten. Allein in der Hauptstadt

eröffneten findige Geschäftsleute

Anfang Dezember mindestens ein

Dutzend Christmas Shops und hoffen

auf ein geschäftliches Weih-

50

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01/2013


Reise

Raffles oder La Residence in der

Nähe von Angkor sind komplett

ausgebucht”, sagt mein Bekannter

Sven Zika, Geschäftsführer der

Schweizer Agentur Lolei Travel in

Siem Reap.

Weil die Nachfrage zu Weihnachten

viel größer ist als das Angebot,

setzen Fünf-Sterne-Hotels wie das

La Residence ihre regulären Preise

außer Kraft. Gäste müssen drei

Nächte sowie das obligatorische

Weihnachtsbuffet am 24. Dezemnachtswunder.

Süßer die Kassen

nie klingeln. Kellnerinnen in den

Touristenrestaurants tragen plötzlich

rot-weiße Santa-Claus-Mützen,

und auch die Kassiererinnen in den

Supermarktketten Lucky und Smile

wurden zu diesem Kopfschmuck

verdonnert. Im Schnellrestaurant

Pizza Company stülpen sich die

Angestellten Rentiergeweihe aus

Plüsch auf.

Im meinem selbsternannten „Königreich

der Wunder” wundert

mich gar nichts mehr. Innerhalb

weniger Jahre hat sich Kambodscha

vom „Bürgerkriegsland“, vom „Armenhaus

Südostasiens”, vom „gefährlichsten

Reiseziel der Welt” zu

einer boomenden Tourismus- und

Wirtschaftsnation entwickelt, in die

Chinesen, Koreaner und Japaner

investieren und in der die Medien

einen westlichen Lebensstil aus Luxus

und Popkultur vorbeten.

Nach 30 Jahren Diktatur, Hunger,

Leid und Bürgerkrieg und in einem

Staatssystem, in dem sich die korrupte

Riege um Ministerpräsident

Hun Sen auch jenseits von Weihnachten

beschenken lässt, will die

junge Generation wieder Spaß erleben

– sofern ihre Eltern der reichen

Oberschicht oder der wachsenden

Mittelschicht angehören und sich

das leisten können.

Mein guter Freund Sarin, einst

Metallarbeiter in der DDR, jetzt

Polizist mit Nebenjob als Tuktuk-

Fahrer in Phnom Penh, sieht die

Weihnachtsflut in Kambodscha

skeptisch: „Die jungen Leute hinterfragen

nicht die christliche Tradition

des Festes, sondern nehmen

es zum Anlass für Partys, Essen

und Geschenke.”

Weihnachtsbuffet

obligatorisch

Meiner eigenen, durch und durch

buddhistischen Wahlverwandtschaft

muss ich an Heiligabend

auch nicht mit Bibel und Gottesdienst

kommen. Doch in diesem

Jahr setze ich in Kambodscha auf

herrlich altmodische Weihnachten,

Die 2 Millionen Einwohner zählende Stadt Phnom Penh im Dezember 2012, fotografiert vom

Dach des im Bau befindlichen Vatannac Capitol Towers

wie ich sie aus meiner eigenen

Kindheit am Niederrhein kenne.

Gilt es doch, das erste Wiegenfest

mit unserem Sohn Tim Sovann

zu feiern, der am 2. Juli in Phnom

Penh zur Welt kam. Eine kleine

Tanne habe ich extra aus Deutschland

importieren lassen, weil ich

in unserer Wohnung, die direkt an

das buddhistische Kloster Wat Ounalom

grenzt, keinen aufblasbaren

Baum dulde. Eine digitale Kopie

der verkratzten Peter-Alexander-

Weihnachts-Schallplatte meiner

Eltern fehlt aber noch.

Weihnachts-Chic für 2 Dollar

Tim Sovanns Halbschwester

Amuy, aus erster Ehe meiner

Freundin May, freut sich indes auf

deutschen Lebkuchen und trägt seit

Anfang Dezember am liebsten rotweiße

Kleider. Nicht aus religiöskultureller

Überzeugung, sondern

weil das fast alle Kinder in Phnom

Penh so tun. Auf den vielen lokalen

Märkten kostet der Weihnachts-

Chic, genäht in China, nur zwei

Dollar.

Deutlich teurer sind die Zimmer

und edlen Buffets in den Luxushotels.

Im Dezember ist Hochsaison,

Touristen nutzen ihre Ferien und das

angenehme Klima der Trockenzeit

für einen Urlaub in Kambodscha.

„Luxushotels wie das Amansara,

Weihnachtskostüme erfreuen sich auch bei den

Kindern in Phnom Penh großer Beliebtheit

01/2013

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Reise

Reiseangebote

Kambodscha

Kambodscha –

Phnom Penh & Angkor

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Ein Buchhändler am Monivong Boulevard in Phnom Penh lässt seine

Mitarbeiterinnen fleißig für das Weihnachtsgeschäft dekorieren

ber buchen und dafür mindestens

880 Dollar pro Person zahlen.

Das Victoria Angkor Resort, unter

Leitung des deutschen Direktors

Hanno Stamm, erhöht die Zimmerpreise

pauschal um 30 Dollar

und verlangt circa 90 Dollar für ein

obligatorisches Weihnachtsbuffet

am Pool.

Das ehrwürdige Raffles Grand

Hotel d’Angkor aus dem Jahr 1932

setzt ebenfalls auf ein 90 Dollar

teures Weihnachtsbuffet am Pool,

während das drei Jahre ältere Raffles

Le Royal in Phnom Penh für 105

Dollar ein Fünf-Gänge-Menu inmitten

eines “typisch europäischen

Weihnachtsmarktes” bietet.

Von den Roten Khmer

verschont

Die Gemeinde der westlichen Ausländer

in Phnom Penh bringt sich in

der Adventszeit traditionell selbst

in Festtagsstimmung. Das Expat-

Kino The Flicks setzt auf bewährte

Weihnachtsklassiker wie „Das

Wunder von Manhattan” und „Stirb

langsam”. Die internationale Frauengruppe

lud am 9. Dezember zu

einem Weihnachtsmarkt ein. Dafür

wurden im Hotel Intercontinental

70 Verkaufsstände aufgebaut, auch

Santa Claus saß für die Kinder

bereit.

Mit der Harley Davidson fährt

der dicke Mann in Rot-Weiß in

der Riverhouse Lounge vor, die im

Umfeld von Phnom Penhs Hostessen-Bars

liegt. Die Werbezettel

für die dortigen Partynächte locken

mit „Sexy Santa Dancers” und versprechen

den Besuchern 100 Dollar

Preisgeld für das aufregendste und

knappste Kostüm. Die Bar Pontoon

verspricht derweil weiße Weihnachten

und will am 24. Dezember ihre

eigene Schneemaschine in Gang

setzen.

In allen Clubs, Bars und Restaurants

entlang der vielbesuchten

Riverside in Phnom Penh läuft der

Betrieb über Weihnachten ganz

normal weiter. Die Speisekarten

sind um Truthahngerichte aller Art

ergänzt, die dann von buddhistischen

Angestellten serviert werden.

Angesichts der kleinen Gruppe von

Christen im Land ist die Auswahl

der Kirchen und Gottesdienste sehr

gering.

An Heiligabend treffen sich westliche

Ausländer sowie einige Vietnamesen,

Koreaner und Philipinos

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Ausführliche Reiseinformationen, Visabestimmungen,

Gesundheitshinweise und aktuelle Kurse asiatischer Währungen

finden Sie unter www.inasien.de

01/2013


Reise

zu englischsprachigen Gottesdiensten

in Gemeindezentren oder in der

Sankt Joseph-Kirche, die in den

1970er-Jahren als eine der wenigen

die Säuberungsaktionen der Roten

Khmer überstanden hat. Die 60 Meter

hohe katholische Kathedrale aus

den 1950er-Jahren wurde während

der Gewaltherrschaft des Diktators

Pol Pot durch Zwangsarbeiter abgerissen,

so wie auch buddhistische

Klöster zerstört wurden.

Per Moped zu den Schäfchen

Heute sind nur circa 22.000 Kambodschaner

Christen, zwei Drittel

davon vietnamesischer Herkunft.

Der deutsche Maristenbruder Bernhard

Tremmel will im Auftrag der

katholischen Kirche dafür sorgen,

dass es wieder mehr werden. Aktuell

baut der gebürtige Reinpfälzer,

der als Sozialpädagoge in Bayern,

Irland und Simbabwe arbeitete, in

Kambodschas nordöstlicher Hochlandprovinz

Mondulkiri eine Pfarrgemeinde

auf.

Der 64-Jährige mit dem weißgrauen

Bart besucht die Bergvölker

der Phnong, allesamt Anhänger des

Animismus und Geisterglaubens,

InAsien_Kamboscha2012_InAsien - Indien 29.11.2012 15:27 Seite 1

nicht mit dem Rentierschlitten, sondern

mit einer Motocross-Maschine.

„Mein Ziel ist es aber nicht, die

Leute zu bekehren”, sagt Bernhard

Tremmel und distanziert sich von

evangelikalen Sekten, die ihre Mitglieder

durch einen Sack Reis erkaufen.

„Wo immer die katholische

Kirche eine Niederlassung hat,

leistet sie soziale Arbeit und wird

deshalb von den Kambodschanern

hoch angesehen.”

Zuvor hat Tremmel drei Jahre

lang in Pailin gearbeitet, wohin

viele ehemalige Rote-Khmer-Soldaten

geflohen sind. In der Provinz,

die an Thailand grenzt und deren

Gouverneur ein Ex-Leibwächter

von Pol Pot ist, entstand ein Pfarrzentrum

mit Kirche, Sportplätzen,

Gemüsebeeten und Obstgärten.

Das Pfarrhaus wurde mit Spenden

aus Spanien finanziert, die Kirche

entstand mit Spenden südkoreanischer

Katholiken und sieht aus

wie ein buddhistischer Tempel. Die

Architektur und Baumaterialien

wurden kambodschanischen Traditionen

angepasst.

„Unsere Gemeinde führt in diesem

Jahr ein Krippenspiel auf und

Unser Autor

Michael Scholten (41) bereist Kambodscha

seit 2003 und lebt in Phnom Penh

seit 2010 (www.michaelscholten.com). Ab

Januar 2013 leitet der gebürtige Niederrheiner

die Redaktion der KAZ, Kambodschas

erster deutschsprachiger Zeitung.

Die Wohnung seiner Patchwork-Familie

ist nur zwei Gehminuten

vom Königspalast, vom

Nationalmuseum und

von der Riverside entfernt.

feiert sehr laute, bunte und fröhliche

Weihnachten”, sagt Bernhard

Tremmel. Über mangelnden Zuspruch

kann sich die Kirche seit

ihrer Eröffnung im Jahr 2010 nicht

beklagen. „Obwohl es in Pailin

kaum Christen gibt, ist das Haus

bei jedem Gottesdienst voll”, sagt

Bernhard Tremmel. „Dann kommen

bis zu 300 Besucher mit einem

Durchschnittsalter von unter 20

Jahren. Davon können die Kirchen

in Deutschland nur träumen!“

REISE KNOW-HOW

Entdecken und erleben Sie die Vielfalt Kambodschas

Komplett

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Kambodscha

9. Auflage 2013

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5. Auflage 2012

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Reise

König Bhumibol und der Jazz in Bangkok

Hupende Autos, knatternde Tuk-Tuks und brüllende Händler – Bangkok ist vor allem

eins: laut. Wenn sich jedoch der Tag neigt, erklingen in den angesagten Jazzclubs der

Millionenmetropole eher leise Töne, zu denen schon König Bhumibol wippte

Vor dem Eingang des „Brown Sugar“

sitzen Pärchen und löffeln Hühnersuppe,

daneben chillen Jungs bei

Jägermeister und Singha-Bier. An

der Bar wippt eine ältere Frau im

Takt, sie klatscht mit den Händen

auf die Schenkel, als wolle sie

gleich auf die Bühne springen. Und

tatsächlich: Die alte Dame schickt

sich an, das nächste Lied zu singen.

Federnden Schrittes schreitet

sie zur Bühne, hinter der ein Bild

von Louis Armstrong prangt. Der

Schriftzug „Brown Sugar“ leuchtet

in roten Lettern, an der Decke sorgt

ein Ventilator für Frischluftzufuhr.

Die grazile Thai rückt ihren weiß

gescheckten Schal zurecht, tuschelt

mit dem Piano-Mann und hebt bedeutungsvoll

den Zeigefinger. Es

kann losgehen. Der Bass brummt,

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01/2013


Reise

das Saxophon ertönt, die Sängerin

haucht ins Mikrofon – Jazz in

Bangkok.

Was nur wenige wissen

Es war König Bhumibol, der den

amerikanischen Musikstil in Thailand

etablierte. Während seiner

Schulzeit in der Schweiz lernte

der Monarch das Saxophonspielen.

Und als er 1946 den Thron bestieg,

gründete er eine Jazz-Band, mit der

er jeden Freitag live im Rundfunk

auftrat. Irgendwann gefiel ihm die

Musik im Radio nicht mehr, und

Bhumibol schrieb selbst Stücke.

Seine Kompositionen fanden international

Beachtung. Selbst Jazz-

Legende David Goodman jammte

einst im Königspalast mit seiner

Majestät. Der „King of Swing“,

wie die Washington Post Bhumibol

nannte, verschaffte dem Jazz in

Thailand den Durchbruch.

Die erste Einrichtung, die „Bamboo-Bar“,

entstand im altehrwürdigen

Oriental Hotel, in dem

schon David Bowie und andere

Stars nächtigten. 1985 wurde dann

das „Brown Sugar“ eröffnet, was

die Besitzer mit dem Label „since

1985“ heute stolz betonen. Auch

hier gab sich die Prominenz die Ehre:

Rolling Stones-Boss Mick Jagger

soll die Bar besucht und sogar

gesungen haben. Ob das wirklich

stimmt? „Weiß ich nicht, das kann

schon sein“, sagt die Bardame mit

einer gewissen Gleichgültigkeit, die

ausdrücken soll: Auch ohne den alten

Magier verströmt die Bar einen

unvergleichlichen Zauber. Die Frau

mit der goldenen Armbanduhr und

dem legeren T-Shirt lächelt, ehe sie

weiter emsig Cocktails mixt. Die

Gäste haben Durst, und die Bar

füllt sich. Das Publikum ist bunt

gemischt. Vom Geschäftsmann bis

zum Backpacker trifft man hier jeden.

„Brown Sugar“ ist Kult.

Das US-amerikanische Magazin

Newsweek adelte das Etablissement

zu „einer der besten Bars der Welt.“

Auch der renommierte Reiseführer

Lonely Planet berichtete schon

über das „Brown Sugar“. Trotz der

Medienpräsenz und dem kommerziellen

Erfolg sind die Betreiber ihrem

Konzept treu geblieben. Nicht

das Mondäne oder Edle macht den

Charme der Einrichtung aus, sondern

ihre Originalität. Verschiedene

Stilrichtungen verschwimmen zu

einem einzigartigen Ambiente. An

den sandig verschlemmten Wänden

hängen expressionistische Bilder,

in der Vitrine stehen antike Vasen,

und die einfachen Holztische

werden von Fragmenten einer Ziegelsteinmauer

umschlossen. „The

voice of contemporary place“, so

lautet das Motto der Bar. Hier atmet

der Zeitgeist. Und der Jazz verleiht

ihm seine Stimme.

Kurz vor Mitternacht

Eine attraktive Thai singt Swing

und Bebop. Die junge Frau mit dem

kurzen Jeansrock jammt lässig vor

den Bongo-Trommeln, schwingt

lasziv die Hüfte und bewegt wellenförmig

ihren Oberkörper. Die Erotik

steckt offenbar an. Eine rothaarige

junge Frau bandelt an der Bar

mit einem Thai mit Bubi-Gesicht

an. Immer wieder legt sie ihre Hand

auf sein Bein und flüstert ihm etwas

ins Ohr. Der junge Mann wirkt etwas

schüchtern, die Frau macht ihm

Avancen. Die Stimmung steigt. Der

Kontrabass ist einem E-Bass gewichen,

sonore Töne wummern aus

den Boxen. Der rundliche Bassist,

gekleidet in kariertem Hemd und

gelben Schuhen, transportiert das

Instrument nach draußen und verstaut

es in einem Nebenraum. „Jazz

ist eine Lebensart“, sagt der Mann

namens Phet, und fügt lakonisch

hinzu: „I just love it!“

Den Gästen geht es genauso. Angeregt

unterhalten sie sich an ihren

Tischen und schäkern mit den

Nachbarn. Auch das Pärchen an der

Bar kommt sich näher. Inzwischen

sind die beiden eng verschlungen.

Für sie wird die Nacht noch weitergehen.


Die Bar „Brown Sugar“

liegt zentral an der Sarasin Road. Am

besten an der Skytrain-Haltestelle Ratchadamri

Road aussteigen (www.brownsugarbangkok.com).

Für thailändische Verhältnisse

sind die Getränkepreise teuer:

Ein Bier (0,25 l) kostet umgerechnet vier,

ein Cocktail fünf Euro. Im Vergleich: Auf

dem Nachtmarkt Patpong ist ein Glas Bier

für umgerechnet 1,50 Euro zu haben.

Unser Tipp: Das jährlich im Oktober

stattfindende „Bangkok City of Jazz”-Festival

im Art and Culture Centre mit einem

umfangreichen Jazz-Programm.

Text und Bilder:

Adrian Lobe

Die Bar „Brown Sugar“ ist Kult. Hier schlürfen Backpacker neben

Geschäftsmännern ihre Cocktails. Und mit jeder Stunde steigt die Stimmung

01/2013

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Gesundheitshinweise und aktuelle Kurse asiatischer Währungen

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Reise

Frisch aus dem Teich auf den Tisch: Wasserlilien sind eine

vielseitig verwendbare kulinarische Spezialität (im Bild:

Ernte beim „Organic Agriculture Project“ in Sukhothai)

Zentral-Thailand

Lotusnüsse, Reisgras-Tee und

fliegender Spinat

Nachtmarkt in Thailand – für viele gleichbedeutend mit gefälschten Rolex-Uhren, Gucci-

Handtaschen und nachgemachten Edelparfüms. Dazu Horden von Flip Flop beschuhten

Touristen, die über den Preis von bedruckten T-Shirts feilschen. Wo aber kaufen Einheimische

ihre kulinarische Leckereien ein, mit denen alle Sinnesorgane „Thailand“ schmecken können?

Ein kulinarischer Streifzug von Phitsanulok nach Sukhothai

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01/2013


E

Ein Thailänder verlangt vom Nachtmarkt

seiner Stadt vor allem zwei

Dinge: gute und günstige Textilien

für die ganze Familie und gutes und

günstiges Essen. Einen Nachtmarkt

dieser Art hat die Provinzstadt

Phitsanulok in Zentral-Thailand zu

bieten. Dort wird Letzteres gleich

in verschiedenen Variationen und

an verschiedenen Örtlichkeiten geboten,

insbesondere auf dem Nachtmarkt

am Ufer des Nan und auf

dem Nachtmarkt in der Nähe des

Bahnhofs. Dort ist abends vor allem

köstliches Obst und Gemüse zu

kriegen, darunter Mangostan, Jackfrucht,

Durian und Rambutan.

Durian & Schusswaffen

verboten

Wie bitte, Rambutan? Lilafarbene

Kugeln mit borstenfarbigen Haaren,

unter der Schale milchig-weiß und

in der Mitte ein Kern. Die haarige

Rambutan ist mit der borstenlosen

Litschi verwandt und wächst an

drei bis fünf Meter hohen Bäumen.

Recht saftig, erinnert sie geschmacklich

an Litschi, ist aber

einen Tick säuerlicher.

Zwei Stände weiter sind Durian

im Angebot. Grünliche, fast

fußballgroße und recht stachelige

Früchte, die einem besser nicht auf

den Kopf fallen sollten. Die „Königin

der Früchte“ ist auf Grund ihres

intensiven Geruchs (daher auch

ihr Name „Stinkfrucht“) allerdings

nicht überall beliebt. Etwa bei thailändischen

Hoteliers, denen sie im

Hotelzimmer ähnlich willkommen

ist wie eine Packung verdorbene

Milch, die, über das Bett geschüttet,

drei Tage lang einzieht. Meist ist

Durian auf dem Zimmer sogar

streng verboten. Warnschilder am

Eingang weisen darauf hin - nebst

häufigem Hinweis, dass Gleiches

auch für Schusswaffen gilt. Dabei

sind Durian durchaus lecker. Im

Geschmack an süßlichen Vanillepudding

erinnernd, besitzen sie die

Konsistenz eines Käsekuchens.

Ein Stück weiter scheinen tatsächlich

Kartoffeln angeboten zu

werden. Doch halt, seit wann büschelweise

und wie Weintrauben

am Stil? Und seit wann sind sie

mit bloßen Fingern zu schälen und

innen nicht fest, sondern geleeartig?

Die vermeintlichen Kartoffeln

entpuppen sich als Longkong, süßsauer

schmeckende Beerenfrüchte,

die direkt von der Ladefläche eines

Pickups aus verkauft werden.

Nur wenige Meter entfernt wirbt

ein Imbiss in weißer Schrift auf

grünem Grund mit „Favorit Deep

Fried Insects“. In einem anderen

Restaurant, welches sich auf Krabbeltiere

verschiedenster Art spezialisiert

hat, gibt es zur Auswahl

Heuschrecken, Wasserkäfer, Maden,

Sumpfgrillen, Seidenraupen,

Bambuswürmer, Frösche und Hühnermägen.

„Am beliebtesten sind

die Bambuswürmer“, berichtet die

25-jährige Verkäuferin Tak. „Wer

einmal Bambuswürmer gegessen

hat, der will sie immer wieder“,

versichert sie. Wer geschmacklich

dennoch aus der Reihe schlägt, hat

bei Tak neun weitere Insektenarten

zur Auswahl. Ihrer Angabe nach

würden die meisten davon in der

Natur eingefangen und nur wenige

gezüchtet werden. Tak hat mit ihrem

Insektenrestaurant alle Hände

voll zu tun. Die Arbeit beginnt

lange vor dem abendlichen Aufbau

des Standes. Jeden Tag werden die

Tiere lebendig angeliefert, anschließend

gesäubert, aussortiert und eingefroren.

Erst dann werden sie im

Fett frittiert. An ihrem Stand in der

Innenstadt von Phitsanulok werden

sie häufig gleich als Snack gegessen.

Wer nachwürzen will, für den

stehen Pfeffer und Sojasoße bereit.

„Einige meiner Kunden reisen aus

anderen Provinzen an, um bei mir

einzukaufen“, berichtet Tak. Das

von ihren Eltern gegründete Restaurant

hat einen hervorragenden

Ruf. Zuweilen mischt sich auch der

eine oder andere mutige Ausländer

in die Warteschlange vor Taks

Stand. „Schmeckt ein bisschen wie

eine Erdnuss, die man zu lange im

Mund gehabt hat“, berichtet ein

Deutscher, der gerade eine frittierte

Grille verzehrt.

Von fliegendem Spinat

Wer es lieber vegetarisch mag, für

den empfiehlt sich ein Besuch des

Nachtmarktes am Ufer des Nan-

Flusses. Dort steht Sawig Salipeh

am Wok, und das Öl darin ist so

heiß, dass es beim Kochen knackt

und spratzelt wie ein hereinbre-

Reise

Das Organic

Agriculture Project

in Sukhothai, Nähe

Flughafen (www.

kaohomsukhothai.

in.th / nasukhothai@

hotmail.com / Tel. +66

55-647290. Führung

mit Voranmeldung

Ob weiß, schwarz

oder rot, von den

Mitarbeitern des

Organic Agriculture

Projects werden

jährlich 150 Tonnen

Bioreis Korn für

Korn nach Güte

sortiert, das Kilo

für 3,50 Euro

01/2013

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Reise

Reiseangebote Thailand

Kulinarische Reise Thailand - Laos

16-tägige Rundreise. Höhepunkte: Bangkok,

Ayutthaya, Sukhotai, Dan Sai, Chiang

Khan, Wang Nam Mok, Vientiane, Luang

Prabang. RL, Ü/F ab 2.645 € p.P. im DZ,

inkl. Transfers und Flug. Thailand Special

Tours, Tel. +49 (0)89-1270910,

www.thailand-special-tours.de

Thailands Leckerbissen

16-tägige Erlebnisreise. Höhepunkte: Bangkok,

River Kwai, Khao Yai, Phitsanulok,

Lampang, Lisu-Lodge, Mae Hong Son,

Chiang Mai. Dt.-spr. RL, Ü/F/M ab 2.595 €

p.P. im DZ, inkl. Flug und Transfers. Gebeco,

Tel. +49 (0)431-54460, www.gebeco.de

Glanzlichter Thailands (I)

8-tägige Privattour. Höhepunkte:

Bangkok, Ayutthaya, Suphan Buri, Nakhorn

Sawan, Sukhotai, Chiang Mai, Lampang,

Phitsanulok, Lopburi. Dt.-spr. RL, Ü/

F/M ab 1.999 € p.P. im DZ, inkl. Transfers.

East Asia Tours, Tel. +49 (0)30-4466890,

www.eastasiatours.de

Wer in der Garküche von Sawig Salipeh auf dem Nachtmarkt am Nan-Fluss

isst, der muss sich den flambierten Wasserspinat erst verdienen. Ihm wird

seine Portion auf einer zwei Meter hohen Bühne entgegengeschleudert

chender tropischer Regen. Flambierter

Wasserspinat oder auch Pak

bung fai daeng, so nennt sich das

Gericht, das er Abend für Abend

im Freien zubereitet. Und das ist

keine ungefährliche Angelegenheit.

Das Öl im Wok ist so heiß, dass

sofort eine meterhohe Stichflamme

nach oben schießt, wenn Sawig

den Wasserspinat nebst Gewürzen

in die Pfanne gibt. Er dreht dann

seinen Kopf blitzschnell zur Seite.

Ein beeindruckendes Schauspiel.

Doch der von lodernden Flammen

umgebene Wok ist noch nicht der

Höhepunkt der Koch-Show. Denn

wenn der Wasserspinat, gewürzt mit

Chili, Knoblauch, Fisch- und Austernsoße,

nach etwa einer Minute

fertig ist, müssen sich die Gäste ihr

Essen erst verdienen: Sie klettern

dazu auf eine etwa zwei Meter hohe

Bühne und warten dort, bis ihnen

ihr Essen durch die Luft entgegen

fliegt. Wer reaktionsschnell ist, der

fängt seine Spinatportion mit einer

überdimensionalen Aluschüssel

auf, wer zu langsam ist, kratzt

sich den Spinat womöglich aus den

Haaren. „Gemüse ist nicht teuer, da

ist es nicht so schlimm, wenn mal

etwas daneben geht“, meint Koch

Sawig Salipeh und ergänzt: „Immer

nur Gemüse kochen ist ziemlich

langweilig, aber wenn wir es anders

servieren, bekommt es einen

gewissen Kick“. An seinem Stand,

so versichert er, ist das „fliegende

Gemüse“ bereits vor rund 30 Jahren

erfunden worden. Inzwischen, so

sagt er, wird es vielerorts nachgemacht.

50 Baht, etwa 1,30 Euro,

kostet eine Portion des flambierten

Wasserspinats.

Organisch verpackt

Thais sind in Sachen Kräuter und

Gewürze, aber auch beim Gemüse,

zum großen Teil Selbstversorger.

Rund um das Haus von Familie

Yimnu, außerhalb von Phitsanulok

gelegen, wachsen etwa Zitronengras

und Tamarinde, Mini-Auberginen

und Kokosnüsse, Bananen und Koriander,

Kafir-Limetten, Ladyfin-

58

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Gesundheitshinweise und aktuelle Kurse asiatischer Währungen

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01/2013


Reise

ger und Galanka. „Wenn Zitronen

zu teuer sind, dann ersetzen wir Zitronensaft

oft mit Tamarindensaft“,

verrät Hausherrin Somjai Yimnu,

die viele traditionelle, thailändische

Rezepte von ihrer Mutter übernommen

hat. Sie verrät auch, dass

Lotus von Thailändern nicht nur als

Zierpflanze oder als Opferblume

für den Tempelbesuch genutzt wird

und schiebt sich demonstrativ eine

Lotusnuss in den Mund: „Lotosnüsse

sind sehr süß und ideal als

Dessert. Ich liebe sie!“ Manche

Arten sind lilafarben und sehr süß

im Geschmack, andere weiß. Dabei

sind ihre Kerne ebenso essbar

wie Blüten, Wurzeln, Mark und

Knospen, die meist „Lotusnüsse“

genannt werden. Mit Lotusblättern

werden vor allem Süßspeisen verpackt.

Ein anderes beliebtes Verpackungsmaterial

für Lebensmittel sind Bananenblätter,

biologisch voll abbaubar

und direkt aus dem heimischen

Garten von Familie Yimnu. Sehr

lecker etwa der schwarze Klebereis,

der mit Kokosmilch gekocht

und auf Bananenblättern zu kleinen

Stäbchen geformt wird, bevor sie

von den Bananenblättern kunstvoll

umschlossen werden.

Nicht nur das Kochen und Verpacken

von Reis ist in Thailand

eine Kunst, auch sein Anbau erfordert

viel Aufmerksamkeit. Vor

allem, wenn er ohne Kunstdünger

und Schädlingsbekämpfungsmittel

wachsen soll wie etwa beim Organic

Agriculture Project in Sukohthai.

Natürlich ist der Bioreis,

dessen beste Körner Tag für Tag per

Hand aussortiert werden, teuerer

als das Produkt gängiger Anbauformen,

dafür aber auch besonders

schmackhaft. „Von den 150

Tonnen, die hier pro Jahr angebaut

werden, haben etwa 60 Tonnen Reis

höchste Qualität“, berichtet Sutthawadee

Charoenrath, eine leitende

Mitarbeiterin des Projekts. Statt

einem Euro pro Kilo – soviel kostet

Reis in Thailand normalerweise auf

dem Markt – wird dieser Reis für

Einige Kunden reisen zu Taks Insekten-Imbiss sogar aus Nachbarprovinzen an. So gut ist die

Qualität. In die Warteschlange mischen sich zeitweilig auch mutige Europäer

Knoblauch und Galanga bei Familie

Yimnu (Bauernhofbesuche um

Phitsanulok organisiert NTP Tour,

ntp_tour@yahoo.com

mehr als 3,50 Euro pro Kilo verkauft.

Drei verschiedene Reisfarben

stehen dabei zur Auswahl: weiß,

schwarz und rot.

Leckeres aus Reisgras

Die Biofarm des Organic Agriculture

Project in Sukohthai ist

derzeit weltweit der einzige Anbieter

für ein sattgrünes Getränk auf

Basis von Reisgras. Ausschlag für

das neue Produkt waren Weizengras-

und Chlorophyll-Getränke,

die bereits von Supermarktketten

angeboten wurden. Warum also

nicht ein Pendant aus Reisgras

herstellen, fragte sich Sutthawadee

Charoenrath: „Unseren Reisgras-

Saft haben wir zusammen mit einer

Universität entwickelt. Er wirkt

dabei wie chinesischer Tee, senkt

das Cholesterin, und hält mit seinen

Antioxygenen jung und das Gehirn

in Schwung – allerdings nur bei

regelmäßigem Konsum.“

Für Naschkatzen hat das Organic

Agriculture Project noch ein ganz

besonderes Angebot: Reisgras-Eiscreme.

Die Grundlage dafür ist normales

Kokosnuss-Eis, das mit Reisgras-Saft

veredelt wird. „Das Reisgras

verändert Farbe, Geschmack

und Geruch der Eiscreme“, erläutert

Sutthawadee.

Wer nach Sukhothai fährt, um

dort Saft, Eis oder Tee auf der

Basis von Reisgras zu probieren,

der sollte natürlich unbedingt auch

Alt-Sukhothai besuchen. Dort stößt

man in einem historischen Park auf

die Überbleibsel einer alten Königsstadt,

die als Wiege der thailändischen

Kultur angesehen wird.

Und wer die Anreise von Bangkok

nach Sukhothai nicht mit dem Bus

oder Mietwagen, sondern per Flugzeug

zurücklegt, der unterstützt damit

indirekt auch die Bio-Farm: Die

private Fluglinie Bangkok Airways,

die auch den Flughafen in Sukhothai

betreibt, ist Eigentümer des

Öko-Landwirtschaftsprojekts, das

für seine Betreiber im Übrigen derzeit

noch keinen Gewinn abwirft.

Text und Bildder: Rainer Heubeck

01/2013

www.inasien.de 59


Asien mit Links

Home Reportagen Wirtschaft Kultur

Besuchen Sie inAsien im Internet: www.inasien.de

www.kunst aus Asien

Was soll das noch unschuldige Weiß der Wohnungswände zieren: Ein Gemälde des

zeitgenössischen Japaners On Kawara oder lieber eines seines chinesischen Malerkollegen

Fang Lijun? Das Angebot asiatischer Kunst – ob alt oder neu – wächst ständig. inAsien hat

nach Internetseiten gesucht, die definitiv Interessantes zu bieten haben

Kind ist jeder ein Künstler. Die

Schwierigkeit liegt darin, als Erwachsener

einer zu bleiben.“ Und

„Als

da Pablo Picasso mit seinen Worten

wohl recht hat, gibt es für all diejenigen,

die selbst nicht künstlerisch

tätig sein wollen, immer noch die

Möglichkeit, Kunst zu sammeln.

Das Internet enthält dazu viele interessante

Adressen, die nicht nur

Gemälde und Skulpturen online anbieten,

sondern auch Ausstellungshinweise

geben und Stilrichtungen

der asiatischen Kunst erläutern.

Indonesisches

Schattentheater

Eine sehr interessante und schön

gestaltete Internetseite mit Erläuterungen

zu Stilrichtungen der Kunst

ist www.kunst-asien.de. Die auf

der Seite verzeichneten Galerien

haben sich meist auf traditionelle

Gemäldekunst spezialisiert. Sehr

benutzerfreundlich und überschaubar

gestaltet, ist es nur schade,

dass die gegebenen Informationen

nicht alle asiatischen Kunststile einschließt.

Das indonesische Wort

wayang etwa bedeutet „Schatten“

und leitet sich vom indonesischen

Schattentheater ab. Daher ist die

Wayang-Malerei die klassische

Malkunst Indonesiens. Was man im

Internet nicht alles lernen kann.

Wohnkultur

Ob Kitsch auch Kunst sein kann,

darüber scheiden sich die Geister.

www.china-contemporary.de: Sehr benutzerfreundlich, mit vielen

Infos zu chinesischen Künstlern der Gegenwart

Klar ist auf jeden Fall, dass sich

beides als Wohnungsdekoration

eignet – vor allem, wenn man auf

www.art-of-asia.net einen Blick

wirft: Die Hompage mit dem minimalistischen

Design ist sehr benutzerfreundlich

und bietet vor allem

Dekoratives und selbst Nützliches

für Haus und Garten.

Wer lieber hochwertige Kunstdrucke

nach den großen Meistern sucht,

ist bei www.kunstkopie.de richtig.

Geboten wird allerdings nicht nur

asiatische Kunst. Für eine gezieltere

Auswahl daher einfach im Register

der klar strukturierten Internetseite

„asiatische Kunst“ eingeben.

Chinesische Gegenwartskunst

Zwei sehr interessante Internetseiten

für Fans chinesischer Gegenwartskunst

sind www.china-contemporary.de

und www.

chinesische-gegenwartskunst.de.

Vorgestellt werden zeitgenössische

Künstler Chinas sowie wichtige

Hinweise auf Kunstveranstaltungen

und Ausstellungen. Beide Seiten

sind inhaltlich und im Design klar

gestaltet. Letztere stellt außerdem

auch aktuelle Literatur zur chinesischen

Kunst vor. Zwar kann

man hier keine Bilder direkt kaufen,

dafür ist der Informationswert

über die zeitgenössische Kunst sehr

groß.

Kunst des Mönchs

www.artandasia.com, ist die Seite

eines buddhistischen Mönchs, der

60 www.inasien.de

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Service Kulinarisches Reisetipps Gesundheit

www.kunst-asien.de: Eine schön gestaltete Seite mit

vielen Beschreibungen zu Stilrichtungen der Kunst

www.artnet.de: Viel Wissenswertes rund um Auktionen,

Veranstaltungen, Kunstwerke und ihre Erschaffer

in Thailand auch als Künstler tätig

ist. Eine sehr sehenswerte Seite,

wie man beim Blick auf seine Gemälde

feststellen wird. Nebenbei

findet man hier auch Hinweise zu

aktuellen Ausstellungen. Im Übrigen

auch sehr benutzerfreundlich

und schön im Design.

Von Sammlern für Sammler

Die Gesellschaft für asiatische

Kunst und Kultur e.V. wurde von

dem leidenschaftlichen Sammler

Emil Preetorius gegründet, Präsident

der Bayerischen Akademie der

Schönen Künste. Der Schwerpunkt

von www.gesellschaft-asiatischekunst-und-kultur.de

liegt auf der

Kunst und der Kultur Ostasiens, die

gegebenen Veranstaltungstipps sollen

möglichst viele Menschen erreichen.

Selbst Angebote zu Kunststudienreisen

finden sich hier. Wer

seine Kenntnisse vertiefen möchte,

kann hier auch Mitglied der Gesellschaft

werden.

Eine ebenfalls gut aufgebaute

und sehr ähnliche Homepage ist

die der Gesellschaft für indo-asiatische

Kunst Berlin e.V. (www.giak.

org). Sie informiert über aktuelle

Ausstellungen und Veranstaltungen

im Berliner Museum für Asiatische

Kunst, welches seit 2006 das Museum

für Indische Kunst und das

Museum für Ostasiatische Kunst

unter seinen Namen vereint.

Im Design unterschiedlich, aber

gleich strukturiert ist die Internetseite

www.dgok.de der Deutschen

Gesellschaft für Ostasiatische

Kunst.

Wissenswertes auf einen Klick

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erfahren möchte, sollte sich

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darf den Kunstwerken ja auch nicht

die Show stehlen!


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01/2013

www.inasien.de 61


Reise

Christentum mit chinesischen Charakteristika: Der Hauptaltar der Kirche von Cizhong

Am Oberlauf des Mekong in Yunnan

Von Christen und Lamas

Palmen, Kolonialarchitektur und tropische Früchte sind die Bilder, die beim

Gedanken an den Mekong vor dem geistigen Auge erscheinen. Dabei entspringt

der Strom im Himalaja und fließt fast die Hälfte seiner Länge durch China, durch enge

Schluchten, umgeben von schneebedeckten Bergen. Klein, klar und reißend ist der

Fluss dort und will so gar nicht seinem Klischee entsprechen

62

www.inasien.de

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Vor 200 Jahren mussten französische

Missionare noch gestandene

Kerle sein! Mut und

Ausdauer gehörten neben einer

gesteigerten Portion Gottvertrauen

dazu, um sich in der zweiten Hälfte

des 19. Jahrhunderts in das obere

Mekong-Tal (Provinz Yunnan) zu

wagen. Straßen gab es nicht, einzig

brüchige Bergpfade führten über

die bis über 4.000 Meter hohe Pässe.

Heute bezeichnet man dieses

Geflecht aus lokalen Wegen romantisch

verklärt als die „Teestraße“.

Den Karawanen, die mit jedem

Weg zwischen Lhasa und Kunming

für Seide, Tee und ein bescheidenen

Auskommen ihr Leben riskierten,

war diese Romantik wohl fremd.

Von Nordvietnam kommend, ließen

sich die französischen Missionare

im 19. Jahrhundert jedoch vom

Zauber der Lokalität anstecken

und entdeckten im Mekong-Tal

ein Stück mitteleuropäische Berglandschaft

wieder, die eine ideale

Basis für die Missionierungsambitionen

darstellte und bestens

für den Weinanbau geeignet war.

Schließlich konnten die Sakramente

nicht trockener Kehle durchgeführt

werden. Ohnehin misstrauisch von

der lokalen tibetischen Theokratie

beäugt, war das Maß endgültig

voll, als sich die Missionare für

die Rechte der Bauern einsetzten

und die religiöse Legitimation der

Macht der Lamas in Frage stellten.

Für viele der Kirchendiener wurde

die Mission so zu einem Himmelfahrtskommando.

Nur an wenigen

abgelegenen Orten konnten

sich vereinzelte christliche Dörfer

mit ausländischen Pastoren halten,

bis Anfang der 1950er Jahre alle

ausländischen Gemeindevorstände

die Volksrepublik China verlassen

mussten. Die christliche Tradition

hat sich in der Region dennoch

gehalten. Ein gutes Dutzend katholische

Kirchen gibt es heute noch

im Mekong-Tal zwischen Deqin

und Weixi. Das Gotteshaus in Cizhong

ist bei weitem das am besten

erhaltenste.

Auf dem Boden des grauen, auch

von innen unverputzten Backsteinbaus

wölbt sich roter Teppich über

einem unebenen Steinmosaikboden.

Die Rundbögen, die das Mittelschiff

von den beiden Seitenschiffen

trennen, sind mit stilisierten blauen

Blumen- und Rankenmotiven verziert.

Über dem schlichten Altar

im Sanktum schwebt eine eher unscheinbare

geratene Jesusfigur. Dafür

prunkt im rechten Seitenflügel

eine bunte Ikone der Mutter Maria,

gleich einer Figur des amerikanischen

Künstlers Jeff Koons. Die

hölzerne Kastendecke schmücken

erdig bunte, aus dem Buddhismus

entliehene Symbole.

Zu Gast bei

Weihrauch und Wein

Von den knapp 2.000 Einwohnern

Cizhongs seien gut 80 Prozent Katholiken,

erzählt der greise Liu, seit

ein paar Jahrzehnten Faktotum und

gute Seele des Gotteshauses. Leider

hätte die Gemeinde Cizhong keinen

Priester und müsste sich mit Laien-

Gottesdiensten begnügen. Nur an

manchen hohen Feiertagen, etwa

Weihnachten oder Ostern, käme ein

Priester aus der Provinzhauptstadt

Kunming ins Dorf. Hausmeister Liu

ist ein herzlicher, aber äußerst kurzsichtiger

Zeitgenosse. Das mag an

seinem hohen Alter liegen. 85 Jahre

alt ist er, zumindest sei dies die

Schätzung, sagt er. So genau habe es

damals keiner genommen, zwischen

Revolution und Bürgerkrieg.

Vom Kirchturm blickt man auf

terrassierte Weinberge, die sich vom

Ort bis fast an das Ufer des Mekong

ziehen. Nur noch wenige Familien

verstehen sich auf die Kunst des

Weinausbaus. Unter anderem Lehrer

Liu, der einst als Ministrant bei

den französischen Padres diente und

heute ein bescheidenes Gasthaus im

Zentrum des Ortes betreibt. Gerne

lädt er zur Weinprobe und erzählt

von seinem turbulenten Leben. „Ich

war Messdiener!“, erzählt er. „Die

Patres haben viel Gutes hier in Cizhong

getan, haben den Bauern Land

gegeben und Schulen errichtet. Das

hat mir als Junge sehr imponiert.

Also bin ich nach der Schule in die

Kirche gegangen und habe mir alles

zeigen lassen. Wie man ministriert,

ein wenig Französisch, ein paar

Brocken Englisch. Nur Latein, das

haben die Padres vergeblich versucht,

uns Kindern beizubringen.“

Er lässt seine Worte ein wenig

wirken und fährt dann fort. An

seiner Rhetorik und seinem Hang

zur Theatralik merkt man, dass er

des Öfteren Ausländer als Zuhörer

hat. „1951 mussten dann die letz-

Reise

Tradition in der gut erhaltenen Altstadt von Deqin: Neujahrsbilder

an der Haustür halten Geister und Dämonen fern

Zeugnis französischer Missionierungsversuche im 19.

Jahrhundert ist die Kirche von Cizhong

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Reise

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Der Kagebo, ein noch unbezwungener Eisriese von 6.740 Metern Höhe gilt als

Sitz der Schutzheiligen Karwa Kapo über 4.000 Meter oberhalb des Mekong-Tals

ten Missionare Cizhong verlassen.

Die kommunistische Regierung hat

zwei Jahre nach der Gründung der

Volksrepublik China alle westlichen

Priester des Landes verwiesen.“

Wieder eine kleine Pause.

„Was ich von den Padres gelernt

habe, konnte ich dann als Lehrer

gut anwenden. Nur während der

Kulturrevolution hat man mir meine

westliche Erziehung vorgeworfen

und ich musste mehr als zehn

Jahre als Bauer arbeiten.“ Wieder

macht er eine lange Pause, um

seine Worte wirken zu lassen. „Von

den Missionaren habe ich auch das

Weinkeltern gelernt.“ Er steht auf,

nimmt eine große Plastikflasche

aus dem Küchenschrank. Der Wein

ähnelt einem französischen Nouveau

und schmeckt vor Ort wesentlich

besser als nach der Rückkehr

nach Europa. Derweil schenkt sich

Lehrer Liu einen Schnaps ein. „Ich

mag keinen Wein, der ist nur für

die Touristen.“, erklärt er und trinkt

sein Glas auf Ex.

Flussaufwärts:

Deqin und der Kagebo

Folgt man der Straße das Mekongtal

flussaufwärts in Richtung

Norden, erreicht man die Region

Deqin. Zwischen Yangzi und Mekong

gelegen, ist sie einer der landschaftlich

schönsten und kulturell

interessantesten Orte Chinas. Am

Horizont erheben sich die fast 7.000

Meter hohen Berge des Kagebo

(chin. Meili Xueshan, 6.740 Meter)

über dem fast 5.000 Meter tiefer

gelegenen Mekong-Tal. An der

Grenze zu Tibet gelegen, war Deqin

(3.450 Meter ü. NN.) über die

Jahrhunderte eine der wichtigsten

Stationen auf der Karawanenstraße

nach Tibet.

Der tibetische Einfluss ist schon

deutlich zu spüren, auch wenn in

der Stadt neben Tibetern auch Han-

Chinesen und Naxi wohnen. Neben

der modernen Stadt existieren in

den nördlichen Außenbezirken noch

Reste der alten Stadtviertel. Anders

als in Zentraltibet leben die Tibeter

hier nicht als Nomaden, sondern

sind bereits seit Jahrhunderten als

Bauern und Händler sesshaft. Vor

allem entlang der Zhongxin Jie und

der Dongshan Xiang im Nordosten

der Stadt lohnt ein Spaziergang

durch die alten Stadtviertel, wo die

traditionelle Holzarchitektur noch

ausgezeichnet erhalten ist.

Kommt man aus dem Mekongtal,

passiert man auf dem Weg nach

Deqin den Naka Trashi-Tempel,

Feilei Si, chinesisch für „der Tempel,

der aus der Ferne angeflogen

kam“. Allerdings macht er den Eindruck,

als hätte er beim Anflug eine

Bruchlandung gemacht. Im Tempe-

64 www.inasien.de

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Gesundheitshinweise und aktuelle Kurse asiatischer Währungen

finden Sie unter www.inasien.de

01/2013


Reise

linneren scheint jeder vorbeikommende

Gläubige eine Buddhafigur

abgestellt zu haben. Inmitten der

kuriosen Ansammlung ragt der

Buddha Sakyamuni heraus. Der

Legende nach kam er den weiten

Weg aus Indien geflogen und gab so

dem Tempel seinen Namen.

Auf dem kleinen Vorplatz schälen

ein paar ältere Frauen Knoblauch.

Zu ihrer rechten Seite türmt

sich ein gut ein Meter hoher Berg

ungeschälter, zu ihrer linken ein

halber Meter geschälter Knoblauch.

In einem Jahr werde der Tempel

vollständig renoviert sein, erzählt

eine „Knoblauchdame“. Erst werde

der existierende Tempel abgerissen

und dann an gleicher Stelle neu aufgebaut.

Renovierung auf Chinesisch

eben. Da kann ein Tempel abbrennen

und vollständig mit neuen Materialien

wieder aufgebaut werden

– in den Analen steht dann trotzdem,

dass er 1.200 Jahre alt ist. Mit

der neugewonnenen Wertschätzung

des kulturellen Erbes ist wohl ähnlich

viel historische Bausubstanz

verloren gegangen wie während der

Kulturrevolution, als marodierende

Rote Garden brandschatzend

durch das Land zogen. Immerhin,

die historische Stätte wird wertgeschätzt

und ein Rundgang durch

den Tempel birgt die eine oder andere

Überraschung. Die Haupthalle

ist dem Schutzheiligen des Kagebo,

Kawa Karpo, gewidmet, der in

einem Schrein auf einem weißen

Pferd reitend dargestellt ist. Und die

filigranen Wandmalereien an den

Tempelwänden gehören zu den am

besten erhaltenen in Yunnan.

Zwei Kilometer nördlich des Tempels,

an der Straße nach Tibet, steht

auf der linken Seite eine Reihe von

sieben mit Gebetsfahnen behängten

weißen Stupas. Von hier aus bietet

sich ein phantastischer Ausblick auf

das Kagebo-Massiv und das Mekong-Tal.

Sollten Wolken vor den

schneebedeckten Gipfeln hängen,

so laden mehrere kleine Teehäuser

zum Verweilen ein, bis der Blick

auf den Kagebo wieder frei ist.

Auch wenn es keinen lokalen Priester gibt, trifft sich die lokale Gemeinde

regelmäßig im Hauptschiff der Kirche von Cizhong

Im Mekong-Tal haben sich zwar einige christliche Gemeinden gehalten, die

Hauptreligion ist jedoch der Buddhismus in seiner tibetischen Ausprägung

So manch ein Reisender hat hier

schon mehrere Tage verbracht, bis

der scheue Eisriese sich endlich

zeigte. Es gibt unangenehmere

Orte, um ein paar Tage zu verbringen.

Mehrere Gasthäuser bieten

einfache Doppelzimmer mit Bad

an, einige davon sogar mit Blick auf

den Kagebo. Sollte dieser sich hartnäckig

hinter den Wolken verbergen,

kann man die Zeit nutzen, ins

Mekong-Tal hinabzufahren und auf

den unteren Ausläufern des Ming-

Yong-Gletschers zu wandern. Auch

hier gibt es Übernachtungsmöglichkeiten,

allerdings nur Schlafsäle mit

einfachen sanitären Einrichtungen.

Wer ein wenig Zeit mitbringt, kann

sich den Scharen tibetischer Pilger

anschließen und die traditionelle

Kora um den Kagebo absolvieren.

Dafür sind jedoch zwei Wochen

einzuplanen.

Und Zeit sollte man sich unbedingt

für das obere Mekong-Tal und

die Region Deqin nehmen! Denn

der Weg nach Shangri-la, wie der

Bezirk seit einigen Jahren in Anlehnung

an das christlich-buddhistische

Utopia in James Hilton Roman

„Der verlorene Horizont“ heißt, ist

beschwerlich. Für die 200 Kilometer

lange Strecke von Zhongdian,

die über mehrere 4.000er-Pässe

führt, sind ungefähr sieben Stunden

Fahrzeit einzuplanen. Für die teilweise

recht anstrengende Fahrt wird

man jedoch mit einer der schönsten

Strecken Südchinas entschädigt.

Text und Bilder: Volker Häring

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Reise

inAsien-Leserin Frederike Schneider unterwegs mit dem Zug

Mit „Upgrade“ von Hohhot nach Beijing

11:32 Uhr geht unser Zug durch die innermongolische Steppenlandschaft Richtung

Bejing. Alles verläuft planmäßig: der Souvenirkauf und die Zusammenstellung unseres

Verpflegungspakets. Doch mit dem Gepäckscanner habe ich nicht gerechnet...

A

lles ist vorbereitet. Aus Angst vor

unseren zwar günstigen, aber sicherlich

sehr unbequemen Holzklasseplätzen

sowie der bevorstehenden

zehnstündigen Fahrt kaufen wir uns

schnell noch dicke Kissen, um unsere

Sitze eigenständig „upzugraden“.

Doch bevor es auf Schienen weitergeht,

scheitert unsere Heimreise fast

an der Sicherheitskontrolle. Chinesische

Bahnhöfe sind nämlich,

ähnlich wie Flughäfen, mit Gepäckscannern

ausgerüstet. Das Problem:

mein frisch erworbener Dolch, der

mich geradewegs in den Polizeiraum

des Bahnhofs befördert.

Nervös blicke ich auf die Uhr, noch

fünfzehn Minuten bis zur Abfahrt.

Dem Polizeichef erkläre ich, dass

es sich bei dem Dolch um ein

mongolisches Souvenir handelt, ein

Geschenk für meine Eltern, und ich

könne unmöglich mit leeren Händen

nach Hause kommen. Leider lässt

er sich nicht erweichen, ich solle

den Dolch doch nach Vorschrift

verpacken lassen, sein Kollege begleite

uns. Mein Finger zeigt auf die

Zugtickets und dass wir in Kürze

abfahren müssten. Der Kollege eilt

bereits voraus, der Packspezialist

hält das Vorhaben aber ebenfalls für

unmöglich. Er könne in dieser knappen

Zeit nicht ordnungsgemäß verpacken.

Also laufen wir mit großen

Schritten zurück ins Polizeizimmer.

Aufgeregt beraten sich die beiden

Polizisten, wie sie mit der Situation

verfahren sollen. Sie einigen

sich darauf, dass ich den Dolch in

meinen Rucksack packe, ihn aber

unter keinen Umständen während

der Fahrt auspacken dürfe. Ich versichere

dem Chef erneut, dass es sich

lediglich um ein Geschenk handelt

und ich den Dolch ganz bestimmt

nicht herausholen werde. Noch fünf

Minuten bis zur Abfahrt. Der Kol-

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01/2013


Reise

lege rennt mit uns über einen speziellen

Eingang zum Gleis. Außer

Atem und mit einer erheblichen

Menge an ausgeschüttetem Adrenalin

warten wir am Bahnsteig auf unseren

Zug, der, wie sollte es anders

sein, nach weiteren zehn Minuten

verspätet einfährt. Aber was wäre

eine Reise schon ohne ein bisschen

Abenteuer?

Kaum öffnen sich die Türen,

stürmen und drängeln die Chinesen

in den Zug, als würde er losfahren,

noch bevor alle eingestiegen

sind. Selbstredend sind wir die einzigen

Ausländer im ganzen Zug und

werden dementsprechend von den

Fahrgästen ungeniert angestarrt.

Unsere Plätze liegen leider nicht

nebeneinander: Rechts vom Gang

sitzt eine Vierergruppe um einen

Tisch, links sogar eine Sechsergruppe.

Ich geselle mich einfach

zu meinem Freund Raoul und bitte

den jungen Chinesen neben ihm,

mit mir zu tauschen. Ohne Murren

stimmt er zu – und wird im Verlauf

der Zugfahrt sogar den frei werdenden,

gegenüber liegenden Platz

einnehmen, da er ein wachsendes

Interesse an uns und der weiblichen

Sitznachbarin zeigt.

Die meisten Chinesen fahren sehr

lange Strecken. Eine gute Gelegenheit,

ihr Verhalten über längere

Zeit beobachten zu können. Ausreichend

Zeit ist ja vorhanden, und

man teilt das gleiche Schicksal:

das des Totschlagens selbiger. Was

tut man also? Schlafen, aus dem

Fenster auf die ausgedehnte, innermongolische

Steppenlandschaft

schauen, sich unendlich langweilen

oder eben – und das ist viel interessanter

als schlafen – mit seinem

Gegenüber ins Gespräch kommen.

Anfangs noch schüchtern, unterhalten

sich unsere Gegenüber Lantian

und Xiufeng miteinander, schließlich

auch mit uns. Wir erfahren,

dass beide in Hohhot studierten,

er Pharmazie, sie Russisch, und

auf dem Heimweg sind. Der arme

Beim Souvenirkauf am Dazhao-Tempel in Hohhot kann man viel entdecken, u.a.

meinen Dolch, der uns fast um unseren Zuganschluss nach Bejing gebracht hätte

Lantian muss bis nach Qingdao

sogar ganze 26 Stunden in gerader

Haltung auf dem Holzsitz ausharren!

Vor allem sein Wissensdurst ist

kaum zu stillen. Als mein Freund

Raoul neben mir längst eingenickt

ist, bringe ich unseren neu gewonnenen

chinesischen Freunden

weiterhin geduldig einige wichtige

deutsche Wörter bei.

Gegen 22 Uhr erreichen wir endlich

Beijing. Unsere Kissen schenken

wir Lantian und Xiufeng, die

noch einen weiten Weg vor sich haben

und über die komfortablen Reiseaccessoires

unsagbar glücklich

sind. Wieder einmal erfahre ich,

wie einfach man Chinesen doch

zufrieden stellen kann. Sie freuen

sich eben noch richtig über Kleinigkeiten

– ein Charakterzug, von dem

sich im Westen so manch einer eine

Scheibe abschneiden könnte.

Zugegebenermaßen war mir vor

dem Antritt der Zugfahrt wirklich

bang. Doch mit der netten Begleitung,

dem leckeren Proviant und

der selbst zusammengeschusterten

Polsterung gestaltete sich die Strecke

wirklich angenehm. Im Nachhinein

bin ich sogar der Meinung,

dass eine Zugfahrt durch China

unbedingt zu den unvergesslichen

Erfahrungen gehören sollte, die ein

Reisender dort machen muss. Im

Zug erlebt man China eben pur!

Mehr Komfort in

der „Holzklasse“

dank selbst

beschaffter

Polsterung

Nein, das ist keine

Kunstpostkarte,

sondern das

Ergebnis eines

Schnappschusses

bei einem

Ausflug in die

innermongolische

Steppenlandschaft

Xilamuren

01/2013

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Reise

Toans Erinnerungsfotos aus Deutschland

Die Deutschen Vietnamesen

Viel ist geschrieben worden über Vietnamesen, die nach Deutschland kamen. Es gibt Studien

über die Entsendung von Kindern und Vertragsarbeitern in die DDR und über „Boat People“,

die vor Krieg und Armut in die BRD flohen. Aus der Presse kennen wir die Figur des Zigarettenschmugglers

und des Muster-Immigranten. Aber wer sind die „Deutschen Vietnamesen“

wirklich? Die Fotografen Nguyen Phuong-Dan und Stefan Canham haben für ihr Fotobuch

dreizehn Vietnamesen besucht, die aus ganz unterschiedlichen Gründen in Deutschland lebten

und später nach Vietnam zurückkehrten. Zwei von ihnen erzählen im Folgenden von ihren

Erlebnissen - der Vertragsarbeiter Toan und die bei der Tet-Offensive verletzte Chinh

Toan

D

er Besitzer eines vietnamesischen

Restaurants in Hamburg hat für uns

einen Kontakt hergestellt, und jetzt

treffen wir tatsächlich Tran Van

Toan auf dem Platz vor der Oper in

Ho-Chi-Minh-Stadt. Mit dem Motorrad

– er fährt eine Yamaha, eine

etwas größere Maschine als die in

Vietnam sonst übliche Honda – fahren

wir zu ihm nach Hause.

Toan wohnt vorübergehend in

dem zweistöckigen Haus, das er

für die Familie seines Bruders gebaut

hat. Die Einrichtung ist provisorisch.

Er entledigt sich seines

Anzugs und serviert uns, auf dem

Fußoden sitzend, den besten grünen

Tee, den wir in unserer Zeit in Vietnam

trinken werden. Toan hat mehrere

Jobs, arbeitet als Abteilungsleiter

in einem Stahlwerk, vermarktet

Grundstücke und spekuliert an der

Börse, aber nichts an ihm wirkt extravagant.

Mit täglicher Meditation

holt er seine gute Laune.

Es hat lange gedauert, bis Toan

dort ankam, wo er heute ist. 1988

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Reise

ging er als Vertragsarbeiter in die

Tschechoslowakei und arbeitete dort

zwei Jahre in der Beton-Montage.

Nach dem Fall der Berliner Mauer

überredeten ihn ein paar Kollegen,

nach Westdeutschland zu flüchten.

Er beantragte Asyl, hoffte auf eine

Arbeitsgenehmigung, verliebte

sich in die schönste Verkäuferin

bei Horten, versuchte über Jahre in

Deutschland Fuß zu fassen, wurde

aber 1996 schließlich abgeschoben.

Wieder in Vietnam angekommen,

stand er als vertragsbrüchiger

Vertragsarbeiter lange Zeit unter

Beobachtung. Beruflich war es für

ihn kompliziert, nicht anders als in

Deutschland auch.

Toan: Wir wollten arbeiten, aber

sie sagten uns, dass wir keine Arbeitserlaubnis

besitzen. Wir hatten

zwar Papiere, doch wir waren Ausländer,

Asylbewerber. Das bedeutet,

wir warteten darauf, dass unsere

Asylanträge bearbeitet werden, entschieden

wird, ob wir bleiben dürfen

oder nicht. Für mich war es eine

starke seelische Belastung. Ich hatte

das Gefühl, ein Mensch ohne Land,

ohne Heimat zu sein. Ich lebte wie

auf einem Baum ohne Wurzeln, ich

wusste nicht, was mich am nächsten

Tag erwarten wird. Ich wusste nur,

dass ich bloß essen und herumhängen

werde, essen, rumsitzen, weiter

nichts.

Ich habe nichts gemacht. Ich war

nur zu Hause. Nach einer Weile

empfand ich es als Zeitverschwendung.

Wenn Tage derart verstreichen,

ist es eine reine Verschwendung.

Jeden Morgen habe ich etwas

gegessen und mich danach wieder

hingelegt. Ich war jung und gesund,

es gab überhaupt keinen Grund sich

wieder hinzulegen. Ich fühlte mich

so nutzlos. Dann habe ich nach

Möglichkeiten gesucht. Ich bin zur

Ausländerbehörde gegangen und

habe darum gebeten, arbeiten gehen

zu dürfen. Ich hätte nicht gedacht,

dass ich deswegen vier Jahre

später abgeschoben werde. Ich hatte

nämlich die Idee, in ein anderes

In dem Haus, das er für die Familie seines Bruders gebaut hat, serviert uns Toan

grünen Tee. Er konnte sich seinen Traum in Deutschland nicht erfüllen

Land zu gehen, an einem anderen

Ort einen Asylantrag zu stellen.

Ich wollte raus aus Deutschland,

nach Bulgarien, Ungarn, Frankreich

oder Italien. Aber um weggehen

zu können, brauchte ich unbedingt

meinen Pass zurück. Ich bat also die

Ausländerbehörde um meinen Pass.

Der Beamte war damit einverstanden,

doch nur unter der Bedingung,

dass ich ein Formular ausfülle und

es unterschreibe. In diesem Moment

dachte ich, es wäre nur, um

den Pass wieder zurückzubekommen.

Erst später wurde mir klar,

dass es ein Formular war, auf dem

stand, dass ich freiwillig wieder

nach Vietnam zurückgehen möchte.

Mir hingegen sagte er, wohin ich

auch immer gehe sei meine eigene

Entscheidung. Er hat mich belogen.

Als ich nach Deutschland kam, habe

ich die gesetzlichen Vorschriften

befolgt. Ich habe den deutschen

Gesetzen entsprechend gehandelt,

zwei Jahre lang. Ich blieb zu Hause,

das Amt untersagte es mir, arbeiten

zu gehen. Ich wollte es befolgen,

aber nach diesen zwei Jahren blieb

die Situation weiterhin unverändert.

Eigentlich hatte ich mich fest

dazu entschlossen, nicht schwarz

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Reise

Eine Gasse in Ho-Chi-Minh-Stadt. Lange hat es gedauert, bis Toan hier ankam: 1988 Vertragsarbeiter in der Tschechoslowakei,

nach dem Fall der Berliner Mauer Flucht nach Deutschland, Asylbewerber bis zur Abschiebung nach Vietnam 1996

arbeiten zu gehen. Ich hatte Angst

davor, abgeschoben zu werden. Ich

war jemand, der gekommen ist,

um Asyl zu beantragen, und wenn

man eine Aufenthaltsgenehmigung

bekommen möchte, muss man eben

diese Vorschriften befolgen. Später

bin ich dennoch arbeiten gegangen.

Ich wusste, dass ich gegen die Gesetze

verstoße, aber ich hatte keine

andere Möglichkeit.

Für eine kurze Zeit habe ich

mal in einem Park gearbeitet und

gesehen, dass auch alte Menschen

arbeiten mussten. Früh morgens

sind sie aufgestanden, haben sich

angezogen und sind arbeiten gegangen.

Sie waren schon alt. Und

ich, ich war zwanzig Jahre jünger

als sie und habe gar nichts gemacht.

Das fand ich absurd. Dann habe

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ich angefangen, in Braunschweig in

einem China-Restaurant Geschirr

zu spülen. Der Betreiber hatte

Angst, dass die Polizei uns kontrollieren

und festnehmen könnte.

Er zwang uns, im Restaurant zu

übernachten. Ich durfte nirgendwo

hin, nur zweimal im Monat durfte

ich nach Hause, um mich beim Amt

zurückzumelden.

Es waren damals eine Menge

Asylbewerber, die eine Beschäftigung

suchten, und es gab viel zu

wenig Arbeit. Der Lohn war deshalb

auch sehr niedrig, ungefähr ein

Drittel des Lohnes einer normalen

Aushilfe. Der Lohn, die Bezahlung

für Leute wie mich. Ich musste

sehr gewissenhaft meine Aufgaben

erfüllen, da ich ziemlich schnell

entlassen werden konnte. Sofort

entlassen. Ich musste meinem Chef

absolut gehorchen. Ganz ehrlich,

die Wahrheit ist, dass wir keinen

anderen Ausweg hatten, deshalb

haben wir für sie gearbeitet. Damals

hat man jede Möglichkeit

wahrgenommen. Asylbewerber hatten

es sehr schwer, nicht nur der

Lohn war sehr niedrig, man wurde

beschimpft und behandelt wie

Vieh, wie Büffel. Niemand wollte

wirklich schwarz arbeiten, aber wir

hatten keine andere Möglichkeit.

Der Chef vom Restaurant wusste

das natürlich und hat noch zusätzlichen

Druck auf uns ausgeübt.

Pro Tag habe ich mehr als zehn

Stunden gearbeitet, zwölf, dreizehn

Stunden. Wir waren gestresst, jeder

hatte Angst, jeder war mutlos.

Einige haben sogar geweint. Viele

sagten, wenn sie es gewusst hätten,

dass es so sein würde, dann wären

sie gar nicht erst nach Deutschland

gekommen, ihr Leben zu Hause sei

im Vergleich weniger hart. Meiner

Meinung nach muss man auch

schwierige Situationen aushalten.

Wenn man sich entschieden hat,

nach Deutschland zu gehen, dann

sollte man auch mit solchen Bedingungen

leben können. Ich hatte den

Anspruch, all den mir erteilten Aufgaben

so gerecht zu werden, wie es

mir möglich war. Ich musste mir

so vor allem auch weniger Sorgen

um meinen Arbeitsplatz machen.

Glücklicherweise konnte ich alles

zur Zufriedenheit des Chefs erledigen,

ich habe sehr gewissenhaft gearbeitet.

Dadurch hatte ich weniger

Druck im Vergleich zu den anderen

Freunden und Kollegen. Das heißt

schlichtweg, ich wurde weniger von

ihm beschimpft.

70

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01/2013


Chinh

Wir sind nervös. Wie fotografiert

man einen Menschen,

der im Rollstuhl sitzt, ohne

dass sich das Hilfsmittel in den

Vordergrund drängt? Wir hätten

uns keine Sorgen machen müssen.

Chinhs Gesicht strahlt, und wenn

ihr Mann sie anschaut, strahlt sein

Gesicht auch. Sie ist in jeder Aufnahme

gut.

Vo Thi Kieu Chinh war fünf Jahre

alt, als sie 1968 nach Hamburg

kam. Zweieinhalb Jahre verbrachte

sie im Krankenhaus Barmbek,

ohne ihre Familie, später wurde

sie in ein pädagogisches Zentrum

nach Dehme verlegt. Während der

Tet-Offensive war sie von einer

Bombe verletzt worden. Aufgrund

eines Vertrages zwischen Terre

des Hommes und der südvietnamesischen

Regierung mussten die

kriegsverletzten Kinder nach ihrer

Behandlung in Deutschland wieder

nach Vietnam gebracht werden.

1974 wurde Chinh nach Saigon

geflogen und erlebte inmitten der

Kriegswirren eine Odyssee durch

verschiedene Heime und Einrichtungen

in Vietnam und Laos. Heute

wohnt sie mit ihrem Mann, den sie

in jenen Tagen kennenlernte, in

einem Haus für Rollstuhlfahrer in

Ho-Chi-Minh-Stadt.

Chinh war nur sechs Jahre in

Deutschland, aber die Zeit hat gereicht,

um perfekt Deutsch zu lernen.

Sie fährt jeden Tag mit ihrem

Trike durch den Saigoner Verkehr

zur Arbeit in ein Medienunternehmen,

das ihre Sprachkenntnisse

braucht.

CHInH: Die Zeit in Deutschland

war sehr angenehm, man könnte

vielleicht sagen, dass es die schönste,

ja, glücklichste Zeit meines Lebens

war. Ich lebte zwar weit weg

von meiner Familie, weit weg von

meiner leiblichen Mutter, mit all

diesen fremden Menschen zusammen,

aber es hat mir nie an Zuwendung

oder Wärme gefehlt. Ich war

ja ein Kind, ich habe nur gespielt,

ich hatte nichts worüber ich mir

Gedanken machen musste.

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Chinh in ihrer Wohnung in Ho-Chi-Minh-Stadt. Während der Tet-Offensive

wurde sie von einer Bombe verletzt. Als Fünfjährige kam sie zur Behandlung

nach Deutschland

01/2013

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Reise

Inmitten der Kriegswirren ab 1974 erlebte Chinh eine Odysee durch verschiedene Heime in Vietnam und Laos - und lernte

ihren späteren Mann kennen. Heute arbeitet sie für ein Medienunternehmen, das ihre deutschen Sprachkenntnisse braucht

Ich war im Barmbeker Krankenhaus

und bekam später eine

Pflegemutter zugewiesen. Sie kam

mit ihrer Familie. Vermutlich hat

sie sich vorher irgendwo dafür

eingetragen, dass sie Kindern wie

uns gerne ihre Unterstützung anbieten

möchte. Der Verein Terre

des Hommes hat mich dann

vermittelt, ich weiß es nicht

ganz genau, aber ich denke

so war es. Sie hat mich dort

regelmäßig besucht. Sie ist

ins Krankenhaus gekommen

und... ich erinnere mich

nicht mehr so genau, ich

habe nur noch das Bild im

Kopf, dass sie zu mir kam und mich

auf den Arm nahm. Ich war damals

noch ganz klein. Dann hat sie mich

mit nach Hause genommen und mit

mir gespielt.

Am Anfang war ich sehr traurig,

ich hatte Heimweh und habe sehr

viel geweint. Meine Pflegemutter

hat mir später eine lustige Geschichte

erzählt. Sie erzählte, dass

ich mit niemandem geredet habe,

ich habe nicht gesprochen und mir

immer eine Decke über den Kopf

gezogen, mich immer unter einer

Decke versteckt. Als ich die Decke

wieder herunternahm habe ich

plötzlich Deutsch gesprochen.

Ich habe es auch nicht verstanden,

dass es so schnell ging, keine

Ahnung. Ich habe plötzlich ganz

schnell Deutsch gelernt. So hat es

meine Pflegemutter mir erzählt. Ich

selber erinnere mich nicht daran.

Als ich von Hamburg nach Dehme

verlegt wurde, kam meine Pflegemutter

nicht mit, es war ja so weit

weg. Von Hamburg nach Dehme

dauert es ungefähr drei Stunden.

Aber sie hat mich manchmal besucht,

daher habe ich sie nicht so

sehr vermisst. Als es nach Vietnam

zurückging habe ich anfangs

Deutschland auch nicht vermisst,

weil all die Deutschen mit uns

nach Vietnam geflogen sind. Die

Leute, die sich um uns gekümmert

haben, die Krankenschwestern und

das Pflegepersonal, sie alle kamen

mit uns nach Vietnam, daher war

ich nicht traurig.

72

www.inasien.de

01/2013


Reise

Erst als sie nach dem Fall Saigons

wieder nach Deutschland flogen

war ich ziemlich traurig. Man hatte

sich so sehr an diese Menschen gewöhnt,

sie waren so etwas wie eine

Familie für mich geworden. Mitte

April 1975 sind wir nach Laos geflohen,

weil sie Angst hatten, dass

wir wieder verletzt werden könnten.

Wir wurden also zu unserer Sicherheit

nach Laos evakuiert. Und als

wir zurück nach Vietnam mussten,

das war Anfang August, das war

ziemlich dramatisch, da durften die

Deutschen nicht mehr mitkommen.

Wir mussten alleine nach Vietnam

zurück. Für uns war das sehr

schwierig, weil wir die ganze Zeit

über mit ihnen zusammen waren

und auf einmal sollten wir mit anderen

Menschen zusammenleben.

Seit ich aus Deutschland wieder

zurück bin, habe ich nur in

Heimen gelebt und nicht bei meiner

Familie. Als ich wiederkam,

war meine Mutter nicht sofort da,

um mich zu empfangen. Erst eine

ganze Weile später kam sie, denn

die Organisation musste es erstmal

meiner Familie mitteilen, dass wir

wieder zurück sind. Damals war

es mit der Post ziemlich schwierig,

nicht so wie heute. Meine Mutter

fragte mich, ob ich denn wüsste

wer hier vor mir steht, ob ich sie

erkennen würde. Ich habe den Kopf

geschüttelt. Ich schüttelte den Kopf

und meinte, nein. Ich konnte kein

Vietnamesisch mehr sprechen, nur

ganz schlecht. Ich traute mich deshalb

nicht zu sprechen. Ich hatte

zwar Fotos, meine Mutter hat mir

Chinh am Frankfurter Flughafen 1974: Aufgrund des Vertrags mit der südvietnamesischen

Regierung mussten kriegsverletzte Kinder nach ihrer Behandlung in Deutschland wieder nach

Vietnam gebracht werden

Fotos nach Deutschland geschickt

und auch Briefe geschrieben, aber

als ich sie in Vietnam sah, habe ich

sie nicht erkannt. Auf den Fotos sah

sie anders aus als in der Realität.

Erst später habe ich meine Mutter

wiedererkannt, weil sie hin und

wieder vom Land gekommen ist,

um mich zu besuchen. Allmählich

wurde sie mir wieder vertraut. Und

ich sehe meiner Mutter sehr änlich,

mein Gesicht ist dem meiner Mutter

sehr ähnlich. Daher erkannte ich sie

wieder. Sie hat mich öfters abgeholt

und mit nach Hause genommen.

Wir sind mit dem öffentlichen Bus

gefahren. Ich war bei ihr zu Hause

und langsam wurde sie mir vertraut.

Bis 1980, dann starb meine Mutter.

Meine Familie, meine beiden älteren

Schwestern teilten es mir mit.

Ich war sehr bestürzt, weil ich nie

mit meiner Mutter zusammen leben

konnte. Wir haben uns nur manchmal

getroffen, aber nie zusammen

gelebt.

Der inAsien-Buchtipp

Die Autoren haben Vietnamesen besucht,

die zu verschiedenen Zeiten und aus ganz

unterschiedlichen Gründen in Deutschland

gelebt haben und später wieder nach

Vietnam zurückgekehrt sind – oder

zurückgehen mussten. In Wort und Bild

dokumentiert das Buch 13 bewegende, teils

aberwitzigen Geschichten von Migration

und Rückkehr. Unbedingt lesen!

Stefan Canham,

Nguyen Phuong-Dan:

„Die Deutschen Vietnamesen“,

Peperoni

Books, 204 Seiten,

Hardcover, 34 €

01/2013

www.inasien.de 73


+ News + + + Meldungen + + + Wirtschaft + + + News + + + Meldungen + + + News + + + Meldungen + + + News + + + M

Windkrafträder bei Jaisalmer, Rajasthan

Grüne Energien in Indien

Nordkorea kooperiert

Bild: statsminsteren kontor / flickr.com

1,2 Milliarden Menschen und das Wirtschaftswunder auf dem Subkontinent bleiben

nicht folgenlos: Indien ist weltweit einer der größten Erzeuger klimaschädlicher Gase.

Gleichzeitig steht Indien als Windstromproduzent in der Weltrangliste auf Platz 5 und

mehr als vier Millionen Biogasanlagen liefern umweltfreundliche Energie für ländliche

Haushalte. Bis zum Jahr 2022 will die indische Regierung eine Solarstromkapazität

von 20.000 MW aufbauen. Eine Reise durch die grüne Energiewelt Indiens bietet

das WDR-Feature von Rainer Hörig, das man sich als Podcast auf der Seite des WDR

herunterladen kann.

China hat, eigenen Angaben zufolge, Verträge unterzeichnet,

die die Wirtschaftskooperation mit Nordkorea

intensivieren sollen. Laut Handelsministerium

beinhalteten sie unter anderem die Entwicklung

zweier Sonderwirtschaftszonen, eine in Rason an

der nordkoreanischen Ostküste, die andere an der

Grenze zu China. Die beiden Staaten unterzeichneten

außerdem Vereinbarungen zur landwirtschaftlichen

Kooperation sowie zur Zusammenarbeit in der

Stromversorgung. Auch Japan hat Gespräche mit der

Demokratischen Volksrepublik Korea angekündigt,

das erste Mal nach vier Jahren Funkstille.

Die Wut auf Japan

Volkswagen profitiert von der

schlechten Beliebtheitsskala Japans

in China. Erstmals hat VW

im größten Einzelmarkt der Marke

zwei Millionen Wagen verkauft,

also 18,5 Prozent mehr als

im Vorjahr! Seit der Streit zwischen

Japan und China um eine

unbewohnte Inselgruppe im Ostchinesischen Meer eskaliert ist, schrumpfte hingegen

der Absatz von Toyota in China um gut ein Drittel.

Bild: Shazari / flickr.com

Bild: Aaron Pocock

Bild: David Phan Photographers

Hoch hinaus!

Der „5. Internationale Hochhauspreis“ wurde kürzlich in

Frankfurt vergeben. Darunter kein einziges Hochhaus in

Europa, dafür jedoch zwei Türme in Asien und je einer in

New York, Sydney und Kanada. Das prämierte Hochhausensemble

„Pinnacle“ in Singapur (rechts) besteht aus sieben

Türmen, „Te Troika“ in Malaysias Hauptstadt Kuala Lumpur

(links) aus einem aus drei Einzeltürmen zusammengesetzten

Gebäude.

74

www.inasien.de

01/2013


eldungen + + + News + + + Meldungen + + + News + + + Meldungen +

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Neuerdings dürfen in China keine 100-Watt-Birnen mehr verkauft werden.

Die 60-Watt-Birne folgt in zwei Jahren und alle anderen in vier

Jahren. Die von chinesischen Wissenschaftlern

ausgerechnete Stromersparnis soll dem jährlichen

Strometat von etwa fünf chinesischen Atomkraftwerken

entsprechen.

Phoenix, 28.12., 21:15 Uhr

Marx und Mönche in Laos

Auf den ersten Blick könnte man meinen, die demokratische

Volksrepublik sei noch ein Land von gestern,

pittoresk und anrührend. Seit einigen Jahren probiert

sich Laos jedoch in einer ganz eigenen Mischung aus

Sozialismus und Marktwirtschaft. Die politischen Zügel

bleiben zwar fest angezogen, wirtschaftliche Freiheit

wird dennoch gewährt. Während der vorsichtige Kurs

wirtschaftlicher Liberalisierung und Öffnung nach außen

Wirkung zeigt, gilt Laos immer noch als eines der

ärmsten Länder der Welt. Doch langsam hält selbst auf

den Dörfern ein bescheidener Wohlstand Einzug. Ein

Film von Peter Kunz, ZDF-Studio Singapur 2012

Fehlt Ihnen was?

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Ausgabe 6/99

Thailands Süden

Reiseführer im Test

Bali

Ausgabe 2/01

Wellness in Asien

Bangkok

Jüdisches China

Ausgabe 3/01

Korea

Bali

Städtetouren

Ausgabe 2/02

Der Yangzi

Ko Samet

Darjeeling-Tee

Ausgabe 5/02

Thailands Inseln

Kulturtrips China

Dubai

Ausgabe 6/02

Indochina

Städteduell

Nordthailand

Ausgabe 1/03

China aktiv

Ost-Australien

Inselduell

Ausgabe 3/03

Chinas Heilkunst

Pazifikinseln

Mount Everest

Ausgabe 4/03

Spezial: Korea

Taiko Trommler

Günstiges Australien

Ausgabe 5/03

Indochina

Neuseeland

Indiens Schätze

Ausgabe 6/03

Indien-Spezial

Mekongdelta

Religionen

Ausgabe 1/04

China: Sichuan

Burma: Inle-See

Tattoo

Ausgabe 2/04

Indien

Nordkorea

Alltag in China

Ausgabe 3/04

Taiwan

Taifun

Angkor Wat

Ausgabe 4/04

Thailand-Spezial

Bollywood

Krakatau

Ausgabe 5/04

China-Kurzreisen

Australien-Outback

Kuala Lumpur

Ausgabe 6/04

Indiens Süden

Weihnachsinsel

Kamikaze

Ausgabe 1/05

Vietnam-Halong Bay

Indien: Karnataka

Piraten

Ausgabe 2/05

Tsunami-Spezial

Indochina

Nordthailand

Ausgabe 3/05

Indien-Goa

Kokosinseln

Samurai

Ausgabe 2/06

Philippine

Laos

Indien-Orissa

Ausgabe 4/06

Shanghai

Malediven, Nepal

Borobudur

Ausgabe 5/06

Kambodscha

Hong Kong

Indonesien: Sulawesi

Ausgabe 3/07

Borneos Orang-Utans

Indien: Orissa

Vietnam: Phu Quoc

Ausgabe 4/07

China

Thailand spirituell

Teezeremonie

Ausgabe 5/07

Olympia 2008

Malediven

Zen verstehen

Ausgabe 6/07

Kasachstan: Trekking

Vietnam: Phan Tiet

Japan vs Korea

Ausgabe 2/08

Trekking in Thailand

Laos

Berühmte Pilgerwege

Ausgabe 3/08

Koh Samui

Kreuzfahrten

Japanische Gärten

Ausgabe 4/08

Annapurna- Trek

Brunei

Sri Lanka

Ausgabe 6/08

Studienreisen

Japan individuell

Fugu

Ausgabe 1/09

Kurztrips

Fahrt durch Rajasthan

Heiliges auf Java

Ausgabe 2/09

Best of China

Indien: Khajuraho

Thailand: Hua Hin

Ausgabe 3/09

Insel-Spezial

So kocht Asien

Sumo-Ringer

Ausgabe 4/09

Asiens Sommerziele

Indien: Ladakh

Maid-Cafés in Tokyo

Ausgabe 5/09

China: Nanxun

Mongolei

Asien de Luxe für alle

Ausgabe 6/09

Best of Asien

Japans Burgen

Asiens Top Ten

Ausgabe 1/10

Kulturschock China

Laos und Kambodscha

Malediven

Ausgabe 2/10

Magische Seidenstraße

Shanghai und die Expo

Frühling in Kyoto

Ausgabe 3/10

Japan unter Palmen

Himmel über Beijing

Asien kaut Lotte

Ausgabe 5/10

Geheimtipp Birma

Sherpas im Himalaya

Chinas Apotheken

Ausgabe 6/10

Gili und Lombok

China Spezial

Asiens Überflieger

Ausgabe 4/11

Thailands Norden

Unawatuna/Sri Lanka

Seidenstrasse

Ausgabe 6/11

Macau Pocket Guide

Vietnams Strände

Rund um Shanghai

Ausgabe 1/12

Malediven

Laos

Burma

Ausgabe 2/12

Myanmar

Hong Kong/Macau

Nord Vietnam

Ausgabe 3/12

China

Japan

Nord-Laos

Ausgabe 4/12

Süd-Indien

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iA 01/13


Wirtschaft

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Früh übt sich...

Längst gehört Vietnam nicht mehr zu den schwächsten Ländern der Region; die

Wirtschaft wächst mit stabilen Raten. Um diese Entwicklung zu konsolidieren,

muss jedoch noch einiges an der Basis geschehen. Voraussetzung für den weiteren

Aufschwung ist eine professionelle Ausbildung von Facharbeitern. Doch an ihr

krankt es noch

Ohne Fleiß keinen Preis. Das weiß

auch die vietnamesische Regierung.

Dabei mangelt es gar nicht an der

Motivation, nur an deren effektiver

Nutzung: Ungefähr 85 Prozent aller

vietnamesischen Arbeitnehmer

können keine berufliche Qualifikation

vorweisen. Das ergab eine

Arbeitskräfteerhebung des Statistikamtes

im vergangenen Jahr. Von

den 50,4 Millionen Beschäftigten

im Land verfügten nur rund 3,7 Prozent

über den Abschluss eines Berufsbildungsinstitutes,

weitere 3,7

Prozent hatten ein berufsbezogenes

Kurzzeittraining absolviert.

Auch mit den akademischen

Abschlüssen ist es nicht weit her.

76 www.inasien.de

01/2013


Wirtschaft

Gerade einmal 1,7 Prozent der Erwerbstätigen

können einen College-

Abschluss vorweisen, 6,1 Prozent

verfügen über einen Hochschulabschluss.

In den Wirtschaftszentren

Ho-Chi-Minh-Stadt und Hanoi lassen

sich die Zahlen besser präsentieren.

Hier sind 30 Prozent der Arbeitnehmer

im Besitz eines Bildungszertifikats.

Die meisten von ihnen

haben sogar ein Studium absolviert.

Im Bereich der praxisnahen Berufsbildung

sieht es dagegen düster aus.

Für Reformen im Beschäftigungswesen

ist das Arbeitsministerium

(Molisa) zuständig. Sein Ziel lautet,

den Anteil der qualifizierten Arbeitnehmer

bis zum Jahr 2020 auf

40 Prozent anzuheben – landesweit

wohlgemerkt, nicht nur in den urbanen

Zentren.

Kein Aufstieg ohne gut

ausgebildete Bevölkerung

Ein optimistisches Ziel, aber auch

ein lohnendes. Denn eine flexiblere

und besser ausgebildete Bevölkerung

ist für den weiteren Fortschritt

und die nachhaltige Entwicklung

der Wirtschaft entscheidend, mahnen

Vertretungen ausländischer

Unternehmen wie die European

Chamber of Commerce (Eurocham)

in Vietnam, sowie nationale Wirtschaftsverbände.

Tatsächlich ist die

Nachfrage nach Fachkräften hoch.

Aus dem Angebot an Ausgebildeten

ist sie allerdings nicht zu decken,

wie mehrere Studien feststellen.

Den Befragungen zufolge suchen

Unternehmen meist vergeblich nach

qualifizierten Facharbeitern.

Dabei sind die Bildungsvoraussetzungen

eigentlich gut. Schulbildung

genießt im Familienleben den

höchsten Stellenwert. Fünf Jahre

lang besuchen Kinder eine Grundschule,

danach schließt sich eine

Mittelschule an, deren Besuch von

der sechsten bis zur neunten Klasse

ebenfalls unter die Schulpflicht

fällt. Disziplin, Motivation und

Leistungen der Schüler bezeichnen

Fachleute als exzellent. Die motiviertesten

unter ihnen können nach

dem erfolgreichen Abschluss der

Mittelschule eine Prüfung ablegen,

die sie zum Besuch einer öffentlichen

Oberschule berechtigt. Weniger

akademisch orientierte junge

Erwachsene haben die Möglichkeit,

sich bei rund 426 Berufsbildungsinstituten

und etwa 750 kleineren

Schulungszentren für eine fachliche

Ausbildung zu bewerben. Betrieben

werden die Einrichtungen von Provinzen,

Kommunen, Ministerien,

Gewerkschaften oder Unternehmen.

Ihre Qualität ist jedoch sehr unterschiedlich.

Berufsschüler tragen ihre

Ausbildungskosten selbst

Im vergangenen Jahr waren 1,86

Millionen Auszubildende an den

Berufsbildungsinstituten des Landes

registriert, ein Plus von 17 Prozent

gegenüber dem Vorjahr. Die Kosten

für die Ausbildung tragen die Schüler

selbst. Die umgerechnet zehn

bis 15 US-Dollar monatlich müssen

die jungen Leute aus eigener Tasche

zahlen. Die Wirtschaft beteiligt sich

nicht an den Ausbildungskosten.

Auch die Zusammenstellung der

Ausbildungsprogramme, Lerninhalte

und Prüfungen geschieht ohne

den Input von Betrieben. Folglich

fehlt der Ausbildung der so wichtige

Praxisbezug. Von einer dualen

Ausbildung, wie sie in Deutschland

gang und gäbe ist, kann Vietnam nur

träumen. Dazu kommt, dass auch

die Lehrer kaum über praktische

Berufserfahrung verfügen und die

Lehrpläne willkürlich umsetzen.

Überdies sei die Ausstattung der

Institute häufig nicht ausreichend

oder aber vorhandene Ausrüstung

sei defekt, beklagen Experten.

Zwei bis drei Jahre dauert das

Training an den Instituten. Im Erfolgsfall

erhalten Auszubildende

Zertifikate in drei Qualifizierungsstufen.

Ein rund dreimonatiges

Praktikum schließt die Ausbildung

ab. Dennoch fehlt es den Absolventen

nur allzu oft an Qualifikationen,

die am Arbeitsplatz dringend

benötigt würden. Es liegt im Anschluss

also an den einstellenden

Betrieben, die jungen Arbeitnehmer

umfangreich in der Praxis auszubilden.

Erst nach einem weiteren

halb- bis ganzjährigen Training im

Unternehmen seien die Absolventen

als Facharbeiter einsetzbar, meinen

Bildungsexperten.

Wirtschaftskooperation

müssen enger werden

Auch die Regierung ist sich dieser

Mängel bewusst und bemüht sich

nach Kräften, eine leistungsfähige,

den wirtschaftlichen Bedürfnissen

des Landes angepasste Berufsbildung

aufzubauen. In einem staatlichen

Dekret vom Mai präsentierte

sie das Ziel, dass bis zum Jahr 2020

40 Prozent der erwerbstätigen Personen

über eine berufliche Ausbildung

verfügen sollen. Die Schwerpunkte

liegen auf den Branchen

Textil, Elektrotechnik und Elektronik,

Schiffbau und Maschinenbau.

Um die ambitionierten Zahlen zu

erreichen, sollen mehr Institute eine

qualitativ bessere Berufsbildung

anbieten.

Zumindest ist das Land auf dem

richtigen Weg. Über die vergangenen

Jahre hat sich die Lage etwas

verbessert. Dennoch muss es weitere

Fortschritte geben, wie auch die

Generaldirektion für berufliche Bildung

des Arbeitsministeriums weiß.

Sie plant eine engere Kooperation

mit der Wirtschaft. Zudem sollen

ausgewählte Berufsbildungsinstitute

und deren Abschlussprüfungen

künftig internationalen Standards

genügen. Diese „Talentschmiede“n

werden sich auf die Hervorbringung

qualifizierter Arbeitskräfte in den

als strategisch ausgemachten Sektoren

konzentrieren.

Thomas Hundt,

Korrespondent GTAI

01/2013

www.inasien.de 77


Wirtschaft

Die nächste Präsidentenwahl steht in Indonesien 2014 an. Bis dahin versucht die Regierung Yudhoyonos die Macht zu

sichern, ist aber innerlich zerstritten und verliert an öffentlichen Zuspruch

Der Präsident muss liefern

Susilo Bambang Yudhoyono verspricht viel. Die Korruption will er ausmerzen,

Banken mit Kapital versehen und das infrastrukturelle System revolutionieren. Bis dato

waren diese Versprechen hauptsächlich Taktik. Nun aber müssen Taten folgen. Denn

sonst wenden sich die indonesischen Wähler ab

Europas Krise taugt derzeit als wohlfeile

Entschuldigung für Asiens

Politiker – schließlich lastet der

schwache Euro immer schwerer auf

den Exporten und damit der Konjunktur

ihrer Länder. Nicht so für

Susilo Bambang Yudhoyono: „Wir

können die globale Krise überleben.

Unsere Wirtschaftsdaten sind stark,

unsere Fiskalposition ist relativ gut,

und Armut und Arbeitslosigkeit fallen.

Diese Fakten sind ermutigend“,

sagte der indonesische Präsident

Mitte August. Mit Lob für die eigene

Arbeit und sein Land indes hielt

er sich nicht auf: Er mahnte, die

größte Volkswirtschaft Südostasiens

drohe die „goldene Gelegenheit“

zu verpassen, Investoren ins

Land zu holen und Wachstum zu

schaffen, wenn sie nicht jetzt ihre

Herausforderungen meistere. Dazu

zählte Yudhoyono die Überprüfung

der Investitionsgesetze, den Ausbau

der Infrastruktur und den Kampf

gegen die Korruption.

„Unter dem alten Regime war

Korruption organisiert und berechenbar.

Heute ist alles offen“,

sagt Hal Hill, Professor der Australian

National University. Mit

dem „alten System“ meint Hill

das Regime des langjährigen Präsidenten

Suharto, den die Asienkrise

aus dem Amt gespült hatte. Er

hatte das größte muslimische Land

78 www.inasien.de

01/2013


Wirtschaft

der Erde auf Selbstbereicherung

ausgerichtet und nach Schätzung

der Korruptionswächter von Transparency

International bis zu 35

Mrd. US-Dollar in die Taschen seines

Clans pumpen lassen. Bis heute

muss Abraham Samad mit den

Folgen kämpfen. Der seit Dezember

vergangenen Jahres amtierende

Chef der Antikorruptionsbehörde

in der Hauptstadt Jakarta gewinnt

Anerkennung, weil er beginnt, in

der mächtigen Polizei aufzuräumen.

„Wir zögern nicht, jeden zu

verfolgen, wenn es nötig ist. Egal,

ob Parteichef, Politiker oder Unternehmer.

Sobald wir Beweise haben,

werden wir ihn verfolgen.“ Harte

Töne, denen mehr Taten folgen

müssen.

Auf Erfolg angewiesen

Denn die Indonesier akzeptieren

die Bestechung immer weniger, und

für Yudhoyono wird sie zum Wahlkampfthema.

Seine letzte Amtszeit

endet in weniger als zwei Jahren.

Seine Partei und sein Nachfolger

als Präsidentschaftskandidat müssen

von den Erfolgen von Yudhoyonos

Regierung zehren, sind aber

zerstritten und verlieren Zuspruch.

Auch will der frühere General als

erfolgreicher Reformer in Erinnerung

bleiben. „Ich muss zugeben,

es gibt immer noch viele Täter, und

das sogar in der Regierung, im Parlament,

bei den Regionalvertretern

oder unter den Juristen“, wetterte

Yudhoyono. Analysten schätzen,

Korruption in Indonesien mache

bis zu einem Drittel der Geschäftskosten

aus.

Taten müssen auch seinen beiden

anderen Ankündigungen folgen:

Indonesien braucht mehr

Auslandskapital. Damit dies aber

strömt, müssen Korruption und

Bürokratie abgebaut werden. Es

muss Rechtssicherheit einkehren,

es muss geklärt werden, welche Anteile

ausländische Unternehmen an

indonesischen Firmen besitzen dürfen.

Diesen Streit spürt die größte

Bank Südostasiens, die Singapurer

DBS Holdings. Die von ihr geplante

Übernahme der indonesischen Bank

Danamon für gut 7 Mrd. US-Dollar

gilt als Lackmustest für die Offenheit

Indonesiens.

Im Luftverkehr geht es ohne Offenheit

nicht mehr: Tony Fernandes,

der Gründer von Asiens erfolgreichster

Billigfluglinie Air Asia,

will für 80 Mio. US-Dollar die

indonesische Batavia Air kaufen.

„Alle strömen in diesen Markt, und

wenn wir dem Platzhirsch Lion Air

nichts entgegensetzen, können die

uns bald fressen“, sagt Fernandes,

der sonst immer vor Übernahmen

gewarnt hat. Lion Air, ein indonesisches

Familienunternehmen,

hatte Boeing Ende vergangenen

Jahres mit der Bestellung von 230

Maschinen zum Listenpreis von 22

Mrd. US-Dollar einen Rekordauftrag

beschert.

Der Aufstieg der Luftfahrt, getrieben

vom wachsenden Wohlstand

einer immer größeren Mittelschicht,

zwingt das Land zum

Ausbau der Flughäfen. Die über

Jahre aufgeschobene Vergrößerung

des Flughafens Jakartas nimmt nun

Gestalt an. Es ist der erste Ausbau

des Hauptstadtflughafens seit 27

Jahren. Gebaut für 22 Millionen

Fluggäste, werden hier heute 50

Millionen jährlich durchgeschleust,

die Kapazität soll auf 62 Millionen

steigen. Im April lag das Passagieraufkommen

18 Prozent über dem

Vorjahresniveau, im internationalen

Verkehr lag das Plus bei 6 Prozent.

Susilo Bambang Yudhoyono wird 2014

nicht mehr als Präsidentschaftskandidat

antreten. Dennoch soll seine Partei

weiterhin an der Macht bleiben

5 Mrd. US-Dollar für

neue Häfen

Auch der Hafen in Jakarta soll für

3,1 Mrd. US-Dollar endlich erweitert

werden, Niederländer wollen einen

Containerhafen auf Sumatra für

mehr als 2 Mrd. US-Dollar bauen.

Auf dem Weltwirtschaftsforum in

Jakarta gaben im vergangenen Jahr

10 Prozent der Unternehmen an,

die schlechte Infrastruktur bremse

ihren Investitionswillen – 2008 hatte

der Wert noch bei 16,4 Prozent

gelegen. Yudhoyono kündigte an,

die Investitionen in Infrastruktur

im kommenden Jahr von 169 Bill.

Rupiah auf 194 Bill. Rupiah (16,6

Mrd. Euro) anzuheben.

Das alles sind neue Töne in der

größten südostasiatischen Volkswirtschaft.

Sie lassen Investoren

aufhorchen. Denn die Entwicklung

Indonesiens passt in die Renaissance

der südostasiatischen ASE-

AN-Staaten. Gestützt wird das bessere

Image von einem Wachstum,

das im zweiten Quartal um 6,4

Prozent zulegte. Im kommenden

Jahr sollen es 6,8 Prozent werden.

Schon jetzt verzeichnete das Inselreich

mit seinen mehr als 240

Millionen Einwohnern die stärkste

Konjunktur der G20-Länder nach

China. Dennoch warnt nicht nur

Robert Prior-Wandesforde, Asien-

Volkswirt der Credit Suisse, vor

Übermut: „Wir sind skeptisch, dass

diese Wachstumsgeschwindigkeit

nachhaltig ist. Um das zu glauben,

fehlen uns die Strukturreformen,

die 6 bis 7 Prozent Wachstumsgeschwindigkeit

festigen.“ Nachdem

Indonesien in den vergangenen

Monaten mit seinem Wachstum

den bisherigen Hoffnungsträger

Indien hinter sich gelassen hat

und auch mit einer Inflationsrate

von 4,5 Prozent besser als Indien

abschneidet, könnte ihm auch in

punkto Reformfähigkeit ein ähnliches

Schicksal drohen.

Dr. Christoph Hein,

Asien-Pazifik-Korrespondent der

Frankfurter Allgemeinen Zeitung

mit Sitz in Singapur

01/2013

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15.02.-12.05.2013, Schirn Kunsthalle

Yoko Ono in Frankfurt

Sie ist eine der einflussreichsten Künstlerinnen unserer Zeit. Zu ihrem 80.

Geburtstag bereitet die SCHIRN Kunsthalle eine umfassende Retrospektive

vor, die eine charakteristische Auswahl der letzten 60 Jahre ihres

Schaffens präsentiert. Bekannt wurde Yoko Ono mit ihren richtungsweisenden

Arbeiten in den

frühen 1960er-Jahren,

die zuerst in New York

und später in Japan gezeigt

wurden. Besondere

Aufmerksamkeit legt die

Retrospektive auf ihren

Einfluss auf Fluxus-Bewegung,

Konzept- und

Performancekunst, Film,

Musik, sowie ihren Einsatz

für den Frieden.

Auch mehrere große Installationen

und andere aktuelle Werke werden in der Ausstellung zu

sehen sein („Yoko Ono. Half a wind show“, www.schirn.de).

Thailands Farben des Tages

Die meisten Thais glauben, dass Schicksal und persönliches

Glück durch äußere Hilfsmittel zu beeinflussen sind und tun

deshalb alles, um auf ihr eigenes Glück positiv einzuwirken. So

ist etwa jedem Wochentag eine Farbe zugeordnet. Ursprung

dieses Brauchs ist die hinduistische Mythologie, in der Göttern

jeweils ein Planet, eine Farbe und ein Wochentag zugeordnet

ist. Aus dieser Zuordnung ergibt sich dann die Farbe eines jeden

Wochentages. Und wer sich schon immer fragte, warum die

Farbe Seiner Majestät König Bhumibol gelb ist, den erwartet

die Antwort: König Bhumibol wurde an einem Montag geboren,

die Farbe des ersten Tages der Woche ist gelb. Damit

drücken Thais mit gelber Kleidung an einem Montag oder zu

besonderen Anlässen gerne ihre Verehrung dem König gegenüber

aus. Und wie sehen die anderen Wochentage aus? Der

Dienstag rosa, der Mittwoch grün, der Donnerstag orange der

Freitag blau, der Samstag lila und der Sonntag rot.

20.10.-20.01.2013, Köln

Der Glanz der Kaiser

Diese Ausstellung ist eine Sensation für Köln. Insgesamt 90 Objektgruppen aus der Verbotenen Stadt in Bejing

geben Einblick in den universellen Herrschaftsanspruch der Kaiser von China und beleuchten das traditionelle Ideal

des harmonisch geordneten Staates aus der Sicht des Kaiserhofs. Herausragende Kunstwerke veranschaulichen

den Geschmack und den Lebensstil, aber auch die Weltsicht der chinesischen Kaiser des 17. und 18. Jahrhunderts.

Offizielle Porträts, Zeremonialgewänder, ein monumentales Glockenspiel und ein komplettes Thron-Ensemble,

Kultobjekte sowie einzigartige, in den kaiserlichen Manufakturen hergestellte Porzellane geben Einblick

in das Leben am Kaiserhof. Astronomische Messinstrumente der europäischen Jesuitenmissionare, etwa des in

Köln gebürtigen Hofastronomen Adam Schall von Bell, bezeugen das Interesse an westlichen Wissenschaften.

Das Palastmuseum ist der Ort, an dem sich die Jahrtausende alte Tradition chinesischer Zivilisation sichtbar manifestiert.

1987 wurde die Verbotene Stadt zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt (www.museenkoeln.de).

27.01.-25.02.2013

Indien: Größtes Pilgerfest

Bei der mit Abstand größten Massenveranstaltung der Welt heiß es, die Menschenmassen

seien sogar vom Mond aus zu sehen! Alle 12 Jahre versammeln sich Pilger zur

„Kumbh Mela“ in Allahabad. Für 2013 werden 90 Millionen Pilger erwartet. Dann zieht

es Hindus, Buddhisten und Jainas in die Stadt am Zusammenfluss von Ganges, Yamuna

und Saraswati, um sich in den heiligen Wassern von Sünden reinzuwaschen. Wer dieses

Spektakel miterleben will, sollte sich der Führung ortskundiger Spezialisten anvertrauen.

Der Veranstalter COMTOUR hat etwa eine besondere Gruppenreise aufgelegt, die

auch den Haupttag des Festes einschließt (www.comtour.de).

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26.10.- 13.10.2013, MAK Wien

Meisterwerke Asiens

Die MAK-Sammlung Asien in Wien ist eine der wichtigsten Asiensammlungen Europas. In

der neuen Präsentation „Masterpieces“ werden nun Highlights der Sammlung ausgestellt,

darunter bedeutende Objekte mit Schwerpunkt China und Japan aus dem Zeitraum vom

3. Jahrhundert v. Chr. bis zum 19. Jahrhundert. Ziel der Ausstellung ist es, einerseits einen

historischen Überblick zu gewähren, andererseits auch die Verflechtungen und kulturellen

Beziehungen der Länder untereinander und zu Europa darzustellen. Durch die Einbeziehung

der Sammlung Slunecko werden auch Querverbindungen zu Vietnam und Korea

hergestellt (www.mak.at).

ab 14.12.2012, Hamburg

Die Welt des Buddhismus

bis 3.03.2013, Zürich

Bengalische Bildrollen

Anlässlich der jüngsten Neuerwerbungen und Schenkungen präsentiert

das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg die Kunst des Buddhismus.

Die Ausstellung führt die Besucher bis

in das 6. Jahrhundert v. Chr., als weit vor

Jesus und Mohammeds Zeit der Buddhismus

mit Siddhartha Gautama seinen Anfang

nahm. Im Mittelpunkt der Präsentation stehen

Holzskulpturen und Malerei aus China

und Japan vom 6. bis 16. Jahrhundert,

ergänzt durch Figuren aus Indien und

Zentralasien. Sie zeigen Buddha-Gestalten,

Mönche, Schutzgottheiten

und Bodhisattvas, die auf dem Weg

zur Erlösung von Leid befreien sollten.

In der Ausstellung wird auch

die tolerante Natur des Buddhismus

veranschaulicht. Ihm geht es um

Ethik, die Achtung gegenüber jedem

Lebewesen und um Meditation. Daher

war auch eine Verschmelzung mit

Religionen wie dem japanischen Shintô

möglich (www.mkg-hamburg.de).

Die Kunst der Bildrollenmalerei und

des mündlichen Vortrags der gemalten

Erzählungen existiert in Indien seit

mehr als zweitausend Jahren. Von

Indien aus verbreitete sie sich entlang

der Seidenstrasse nach China, Korea,

Japan und bis nach Bali! Während

die Vermittlung von religiösen und

literarischen Stoffen mit Hilfe von

Bildrollen heute fast überall verschwunden

ist, halten sich im bengalisch

geprägten Osten Indiens

gleich zwei solcher Traditionen bis

in die Gegenwart: die der patua

und die der jadopatia. Doch während

bei den jadopatia nur die

alten Männer noch an der Tradition

festhalten und die Jungen ihr

Auskommen in anderen Berufen

suchen, feiern die patua internationale

Erfolge. Die Ausstellung

erzählt anhand von Bildrollen

die faszinierende Geschichte

der indischen Bildrollenkunst

(www.musethno.uzh.ch).

DVD: Bilder entdecken!

Entschlüsselungen von Bildsprachen erhöhen den Kunstgenuss. Dafür sorgt auch die

Dokumentation aus der arte Edition über frühe Meisterwerke des Orients: persische Miniaturen

aus dem aufwendig illustrierten Buch „Fünf Schätze“ (1619-1624), der mit Tusche

gemalte „Berg Jingting im Herbst“ (1671) von Shitao oder der berühmteste japanische

Farbholzschnitt „Die Woge“ (1831) des Japaners Katsushika Hokusai. Eine ganze Welt von

Entsprechungen, Anspielungen und Figuren tummeln sich in ihren Werken! („Bilder aus

Asien“, DVD, 90 Min., arte Edition, 14,90 €)

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MIT EINER STUNDE

DIE WELT VERÄNDERN.

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Stichwort „Stunde“.


S t i c h w o r t A s i e n

Kummerbund

Wenn Herren schon mal edle Seide um ihre Hüften schwingen, dann handelt es sich

zumeist um einen Kummerbund. Vor gut 100 Jahren kam er als unverzichtbares

Accessoire zum Smoking nach Deutschland. Sein Ursprung aber liegt in Asien

Er gerät hierzulande teilweise

in Vergessenheit: Dabei gibt

der Kummerbund, statt einer

Weste zum Smoking getragen, dem

Abendanzug erst das gewisse Etwas.

Meist aus Seide oder Satin

gefertigt, verdeckt er den Hosenbund,

denn es gilt als unfein,

diesen bei festlichen Anlässen

unverdeckt zu zeigen. Die Leibbinde

wird in Farbe und Design

mit der Schleife abgestimmt.

Der Klassiker: Beide in

Schwarz, das passt perfekt

zur Silvestergala. Was aber

so gar nicht passen will, ist

der „traurige“ Name.

Freude statt Kummer

Ursprünglich diente das Accessoire

sogar dazu, Kummer – in diesem

Fall Hitze – zu vermeiden, und

zwar im fernen Indien. Britische

Kolonialoffiziere entdeckten hier

im 19. Jahrhundert den Kummerbund

für sich. Die vom Reglement

der Armee bei offiziellen Anlässen

vorgeschriebene Uniformweste

ließ die Soldaten auf dem heißen

Subkontinent einfach zu schnell

ins Schwitzen geraten. Sie schauten

sich daher bei den Indern den

Kummerbund ab, eine Leibschärpe,

die wesentlich weniger schweißtreibend

und dennoch elegant war

– und praktisch! Die waagrechten,

nach oben offenen Falten versteckten

kleine Taschen, in denen Geld,

Karten und andere Kleinigkeiten

verwahrt werden konnten. Der Name

dieser Schärpen (Hindi: kamarband)

bedeutet soviel wie

Hüftgürtel bzw. Taillenband.

Den Begriff übertrugen die

Briten einfach dem Klang nach ins

Englische cummerbund. Von hier

aus wanderte der Ausdruck nach

demselben Prinzip ins Deutsche

und wurde zu Kummerbund. Der

Begriff hat also nichts mit dem

deutschen Wort „Kummer“ zu tun.

Macht schmale Hüfte

Wie das Wort, so brachten die britischen

Soldaten auch die indische

Mode nach England: In den 1890er

Jahren wurde dort der Kummerbund

als Alternative zur Weste in

der Abendmode populär. In anderen

europäischen Ländern setzte

er sich erst in den 1930er-Jahren

durch. Und bis heute sieht man den

Kummerbund bei vielen Völkern,

etwa den Griechen und Armeniern.

Auch im militärischen Kontext hielt

er sich tapfer am Leib, so bei der

französischen Fremdenlegion oder

eben in Indien.

In Deutschland sieht man ihn

wohl am häufigsten bei Musikern

und Dirigenten. Der Kummerbund

bietet einfach mehr Bewegungsfreiheit

als eine Weste. Positiver Nebeneffekt:

Er verleiht eine schmale

Hüfte. Der Figur schmeichelnd, bequem

und nicht zu warm, verbreitet

der Kummerbund wahrlich alles

andere als Kummer.

Milena Bähnisch

Keine Frage von Kummer! Der

sollte durch den Kummerbund eher

vermieden werden. Und zwar im

fernen Indien bei sengender Hitze

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Kultur

Chinas Tradition der Kantonoper

Acht Töne, die die Welt bedeuten

Andächtige Stille im Opernhaus – das gibt es vielleicht in Europa, nicht jedoch in einer

Kantonoper. Bei dem ständigen Kommen und Gehen, kleinen Schwätzchen mit dem

Nachbarn und leiblichen Stärkungen bekommt man nicht nur auf der Bühne viel Kultur

geboten. Seit der Rückgabe Hong Kongs an die Volksrepublik China ist die Gattung

der Kantonoper mit ihrem fulminanten Klang- und Farbspektakel zu einem Stück

wiedergewonnene Identität geworden

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Kultur

Es dämmert schon, als wir gegen

Abend das schmucklose Gebäude

der Community Hall in Sheung

Shui betreten, der vorletzten U-

Bahn-Station in Hong Kongs New

Territories vor der Grenze zum

Festlandchina. Die New Territories,

in denen in den 1970er Jahren sogenannte

New Towns wie Sheung Shui

aus dem Boden gestampft wurden,

gelten nicht gerade als Schmuckstück

Hong Kongs. Nur selten verirren

sich hierher Touristen.

Hier finden also die Proben statt,

die wir uns ansehen wollen. Ein

wenig klamm und kühl ist es an

diesem Februartag, und auf Heizen

ist man in Hong Kong nicht

eingestellt. Chan Yee Lee und ihre

Mutter Li Sin Wah lotsen mich in

einen dunklen Raum mit braunen

Schultischen und Stühlen, Holzvertäfelung

und einer Spiegelwand.

Dort warten bereits sechs Damen

mittleren Alters, die mich neugierig

mustern. Schließlich kommt es

nicht alle Tage vor, dass jemand

aus dem Ausland kommt, um sich

die Probe einer lokalen Laiengruppe

anzuschauen. Zunächst wird

allerdings red pocket money ausgetauscht,

kleine rote Papiertäschchen,

in die man für Freunde und

Bekannte Geldscheine steckt. Das

braucht Zeit, denn schließlich ist

Lunar New Year, das chinesische

Neujahrsfest. „Heute dauert es länger

als sonst“, erklärt mir Yee Lee.

„Sie haben sich seit Weihnachten

nicht gesehen, da gibt es besonders

viel zu erzählen.“

Wer wirklich gut ist,

spricht sich rum

Yee Lees Mutter Li Sin Wah ist eine

von etwa einem Dutzend Frauen,

die bei Tse Chiu Ming, selbst professioneller

Opernsänger, das Singen

von Kantonopern erlernen. Ein

bisschen fühlt man sich an einen

Volkshochschulkurs erinnert, aber

die Teilnehmerinnen, überwiegend

Frauen mittleren Alters, sind durchaus

ambitioniert. Mehrmals jährlich

treten die Begabtesten und die, die

Aufführungen im Freien sind oft kostenlos. Eine Gelegenheit, die von weniger

gut Betuchten gerne wahrgenommen wird - schlechte Witterungsbedingungen

eingeschlossen

es sich leisten können, denn ein billiges

Hobby ist das nicht, auf. Meist

finden solche Laienkonzerte in den

Veranstaltungshäusern der jeweiligen

Stadtteile und Vororte statt.

Sie sind für viele ärmere Menschen

eine preisgünstige Möglichkeit,

Kantonoper live zu hören. Während

man für eine professionelle Oper mit

bekannten Darstellern umgerechnet

siebzig bis achtzig, manchmal sogar

bis zu hundertdreißig Euro berappen

muss, sind semi-professionelle

Aufführungen einzelner Szenen

oder Arien schon deutlich billiger,

bei Laienaufführungen ist man mit

ein paar Euro dabei. „Wundern darf

man sich dann allerdings nicht, dass

man hauptsächlich zwischen Freunden

und Verwandten der Aufführenden

sitzt“, raunt mir die Tochter

einer anderen Laiensängerin zu und

meint wohl damit, dass sich viele

diese Art von Aufführungen lieber

nicht antun.

Yuen Siu Hing hat sich lange

Jahre mit Kantonopern befasst

und organisiert Führungen durch

die thematische Dauerausstellung

im Hong Kong Heritage Museum.

Obgleich sie selbst singt, sieht sie

die Aufführungspraxis unter Laien

auch kritisch: „Viele Frauen machen

das nur, weil sie dann einen Abend

hübsch aussehen und im Mittelpunkt

stehen. Natürlich, man sagt ja

auch: In einem Opernkostüm sieht

jede Frau wunderschön aus. Aber

zum guten Singen gehört viel mehr.

Man muss verstehen, was man

Tradition und Innovation sind kein Widerspruch. Viele zeitgenössische

Inszenierungen setzen auf neue Elemente der Aufführungspraxis. Wie auch in

Europa, sind nicht immer alle davon begeistert

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Kultur

Das Auftragen des Make-ups ist eine Kunst für sich und dauert manchmal Stunden. Farben und Muster sind bedeutungstragend

und einendes Element alle chinesischen Opernformen. Sie geben Auskunft über den verkörperten Charakter

singt, muss die kulturellen Zusammenhänge

verstehen, um die es in

der Geschichte geht. Oberflächlich

betrachtet geht es da oft um Intrigen

am Hof, um Liebesgeschichten, es

werden alte Legenden erzählt. Aber

dahinter stehen Jahrtausende chinesischer

Kultur und Philosophie.

All das muss man dann auch noch

gesanglich zum Ausdruck bringen.

Und man muss sehr genau auf die

Tonhöhen und ihre Akzentuierung

achten. Das kann kaum einer.“

Wer tatsächlich etwas kann und

wer nicht, spricht sich herum. Laienvorstellungen

leben eben von der lokalen

Mund-zu-Mund-Propaganda.

Mir persönlich reichte ein einziges

Hörerlebnis, mein Interesse an

der Chinesischen Oper zu wecken

– und das eher zufällig. Als ich

meine langjährige Freundin Yee

Lee 2007 in Hong Kong besuchte,

sprach ich kein Wort Kantonesisch,

ihre Mutter verstand weder Englisch

noch Mandarin; die Konversation

drohte etwas zäh zu werden. So

holte sie kurzerhand ein Foto von

sich im Opernkostüm hervor und

begann, mir vorzusingen. Ich war so

begeistert, dass mich das Kantonoper-Fieber

packte und seitdem nicht

mehr losließ.

Wiedergewonnene Identität

Li Sin Wah hat aus ihrem Talent

ein Hobby gemacht. Heute tritt sie

regelmäßig recht erfolgreich auf,

manchmal als Solistin, manchmal

in Dialogszenen. An ihrem Ausdruck

arbeitet sie hart. „Ich habe

mich sehr verbessert“, sagt sie,

„aber zufrieden bin ich trotzdem

oft nicht. Ich feile dann stundenlang

zuhause am Ausdruck einzelner

Szenen und versuche, die Gefühle

besser zum Ausdruck zu bringen.“

Wie für Li Sin Wah sind die Motive

der meisten Laiensänger meist eine

Kombination aus dem Wunsch, ein

vorhandenes Talent zu entwickeln,

dem Interesse an der eigenen Tradition

und dem Bedürfnis, Gleichgesinnte

kennenzulernen.

In Sheung Shui gibt Lehrer Tse

Chiu Ming Notenblätter aus. Heute

steht eine Szene mit einem Dialog

zwischen einem Liebespaar

auf dem Programm. Die Frauen

nehmen entsprechend ihrer Rolle

Platz: Links sitzen die Besetzungen

für die männlichen Rollen (kant.

sang), rechts für die Rolle der weiblichen

Geliebten (kant. daan). Zur

zweiten Gruppe gehört auch Li Sin

Wah. Doch zuerst erklärt Tse Chiu

Ming die Besonderheiten der Szene.

Heute wird er mit einer Geige

begleiten.

Manchmal, vor allem, wenn Aufführungen

vorbereitet werden, übt

die Gruppe auch mit anderen Musikern

zusammen, die mit den für eine

Kantonoper typischen, chinesischen

Instrumenten spielen. Die Gruppe

beginnt zu singen. Nach etwa drei

Minuten unterbricht Tse. Er ist nicht

zufrieden mit seinen Schülerinnen

und erklärt noch einmal, worauf es

im Ausdruck ankommt. Die Szene

beginnt von vorn.

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01/2013


Kultur

Vor allem seit der Rückgabe

Hong Kongs an die Volksrepublik

China ist die Kantonoper mehr

und mehr zu einem Instrument der

Aushandlung von kulturellen Identitäten

geworden, politisch wie für

die Bürger Hong Kongs und der

Kantonesisch sprechenden Provinzen

auf dem Festland.

Sehr großen Wert wird dabei darauf

gelegt, dass Kantonoper eben

nicht bloß Pekingoper auf Kantonesisch

ist, sondern ihre ganz eigene

Geschichte und Darstellungsform

hat. Eine besondere Rolle kommt

dabei dem beherzten „Kulturkampf“

zu, den so manch ein Anhänger der

Kantonoper der jüngeren, aber viel

berühmteren Schwester Pekingoper

angesagt hat.

In der Tat lassen sich die Vorläufer

der Kantonoper bis ins 13. Jahrhundert

zurückverfolgen, während die

Pekingoper ihren Ursprung im 18.

Jahrhundert hat. Ob es aber auch

zutrifft, dass letztere schon darum

weniger wertvoll und weniger ausdrucksstark

ist, weil der nördliche

Dialekt nur vier Tonhöhen unterscheidet,

das Kantonesische hingegen

acht, da mag man seine Zweifel

haben. Dies hat vor allem mit

Sprach- und Minderheitenpolitik in

der Volksrepublik China zu tun und

der Angst davor, die eigene regionale

Kultur und Sprache zu verlieren.

So ganz leicht fällt es Außenstehenden

natürlich nicht, Fakt von

Fiktion zu trennen. Aktuelle Forschungen

fangen erst an, dieser

Musikform in ihrer regionalen Ausprägung

auf die Spur zu kommen.

Dabei wird in die Erforschung und

Bewahrung dieser lokalen Tradition

viel investiert. Beispiele dafür sind

etwa das Chinese Opera Information

Centre an der Chinese University

of Hong Kong oder das Hong Kong

Heritage Museum in Sha Tin mit

einer großen Ausstellung zur Entwicklung

der kantonesischen Form

Chinesischer Oper. Um auch die

Jugend für die lokale Operntradition

zu begeistern, wurde sie sogar in

den offiziellen Lehrplan von Hong

Eine kleine Aufmerksamkeit des

dankbaren Hörers an die Sängerin

Kongs allgemeinbildenden Schulen

aufgenommen. Dies alles ist nicht

zuletzt der Tatsache zu verdanken,

dass die Kunstgattung der Kantonoper

2009 zum UNESCO-Weltkulturerbe

erklärt wurde.

WC-Schlangen im

Konzertsaal

Westliche Besucher schrecken vor

dem Besuch chinesischer Opern

oft zurück. Die Furcht davor ist zu

groß, ahnungslos über das Geschehene

wieder herauszukommen. Zugegeben:

Jedermanns Geschmack

ist dieses Genre nicht, aber welche

Musik ist das schon? Und zur

Beruhigung: Auch chinesischen

Besuchern, die mit der Gattung

nicht vertraut sind, erschließt sich

das Bühnengeschehen meist nicht

wirklich. Sogar Yee Lee zeigte sich

überrascht, nachdem wir gemeinsam

mit ihrer Mutter eine Oper mit

Koi Ming Fai, eine der berühmtesten

zeitgenössischen Opernsängerinnen,

gesehen hatten: „Ich wusste

vorher eigentlich kaum etwas über

Bild: eclipsx/flickr.com

Die Liebe zum Detail verleiht der

Kantonoper ihren Zauber

Trommeln sind ein wichtiges Begleitinstrument chinesischer Opern. Für den „typisch

chinesischen“ Klang sorgen traditionelle Instrumente wie die Erhu (mittig)

die Kantonoper. Das Chinesisch

ist sehr alt, selbst ich kenne nicht

alle Ausdrücke.“ Ihre Mutter Li

Sin Wah strahlt. Schließlich ist sie

es, deretwegen wir überhaupt erst

dort saßen.

Auch wenn Gala-Abende, an denen

nur einzelne Arien oder Szenen

vorgetragen werden, um einiges billiger

sind: Dem Interessierten sei

eine klassische Aufführung empfohlen.

Sie ist nicht nur ein grandioses

musikalisches, sondern auch

Unsere Autorin

Dr. Ann-Kristin Iwersen hat Philosophie

und Ethnologie in Hamburg studiert.

Seit 2010 forscht sie zu Laiensängern

der kantonesischen Oper in Hong

Kong. Neben Musikethnologie

interessiert sie sich vor allem

für Literatur und Philosophie

verschiedener Kulturräume mit

besonderem Augenmerk auf

China und Indien.

Bild: eclipsx/flickr.com

Bild: Arnis D/flickr.com

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Kultur

Kantonoper erleben

Aufführungstermine findet man am

einfachsten über die Internetseite des

Hong Kong Tourism Board. Dort kann

man Eintrittskarten auch online erwerben

(www.discoverhongkong.com/german).

Wer schon vor Ort ist, kann sich an

Touristen-Informationen wenden, etwa

das Kowloon Visitor Centre am Star

Ferry Pier (Star Ferry Concourse,

Tsim Sha Tsui, Kowloon, Hong Kong,

http://beta.discoverhongkong.com/eng).

Wer Chinesisch spricht und auch Interesse

an semiprofessionellen Aufführungen

hat, für den sind Aufführungen von

Cantonese Operatic Songs, also Ausschnitten

aus Opern, empfehlenswert.

Man kann sich dazu in ganz Hong Kong

direkt bei den jeweiligen Civic Centres

der Stadtteile informieren, wo viele dieser

Veranstaltungen üblicherweise angeschlagen

werden und auch stattfinden.

Zur Geschichte der Kantonoper

empfehlenswert: Dauerausstellung im

Hong Kong Heritage Museum (1 Man

Lam Road, Sha Tin, New Territories,

Hong Kong, www.heritagemuseum.gov.

hk). Dort findet auch regelmäßig die

einstündige und kostenfreie Cantonese

Opera Appreciation Class statt.

ein kulturelles Erlebnis, das man so

schnell nicht vergisst: Anders als in

westlichen Opernhäusern, wo man

pünktlich seinen Platz einnimmt

und in andächtiger Stille lauscht,

bis die Pause kommt, herrscht in

chinesischen Opernvorführungen

ein ständiges Kommen und Gehen.

Ohnehin wird jede Szene mit einer

kurzen Pause abgeschlossen, in der

sich die Besucher etwas zu essen

holen, sich austauschen oder auf die

Toilette gehen. Wer es aber dennoch

nicht bis zur nächsten Pause schafft,

der erledigt eben alles während der

Vorführung. Im Sunbeam Theatre,

wo die Toiletten direkt vom Zuschauersaal

zugänglich sind, werden

diese auch während der Vorstellung

fleißig frequentiert. Wer

vor den Toiletteneingängen sitzt, ist

also doppelt geschlagen: Da in den

Warteschlangen auch nach Kräften

geschwatzt wird, ist weder Sehen

noch Hören möglich. Auch die

Sitzenden tauschen sich gerne mal

darüber aus, was sie von dem halten,

was da vorne gerade gespielt

wird. In aller Regel trübt das aber

den Genuss nur wenig – einen guten

Sitzplatz vorausgesetzt. Wer sich

auf die fremdartig klingende Musik

einlässt, den erwartet ein fulminantes

Klang- und Farbspektakel,

das regelrecht so in den Bann zieht,

dass man nie mehr in die reale Welt

zurückkehren möchte.

Umso bedauerlicher, dass das

Sunbeam Theatre als einzige Spielstätte,

die ausschließlich dem Genre

Gerade für Gala-Abende wird oft auf traditionelle

Kostüme verzichtet, so auch Yuen Siu Hing links. Im

Kostüm ist sie jedoch nicht mehr wiederzuerkennen

der Kantonoper gewidmet war, der

städtebaulichen Entwicklung zum

Opfer fallen musste. Wie es um die

Zukunft der Kantonoper bestellt ist,

darüber streiten Gelehrte wie Laien.

Denn auch das aus der „Heritage-

Politik“ resultierende Engagement

für ihren Erhalt zeigt unerwünschte

Folgen: Im Zuge der Vermarktung

der lokalen Tradition als Weltkulturerbe

machen sind nämlich Tendenzen

einer Zementierung traditioneller

Formen bemerkbar, die die

natürliche Vielfalt und Dynamik

der lebendigen Tradition ersticken

könnte.

Dennoch: So lange Menschen wie

Li Sin Wah singen, so lange wird

die Kantonoper am Leben bleiben

und sich als das weiterentwickeln,

was sie ursprünglich immer war:

eine Volkstradition.

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…Mo Yan

A s i e n s P r o m i n e n t e

Die Welt spricht über …

Zwiespältig ist das Bild vom jüngst gekürten Nobelpreisträger für Literatur 2012. Die

einen feiern ihn als großen Schriftsteller unseres Zeitalters, die anderen bezeichnen ihn

als Opportunisten, regimetreu und wenig kritisch

„S

prich nicht“ bzw. „der

Sprachlose“ bedeutet das

Pseudonym Mo Yan. Seine

Eltern hätten ihm in gefährlichen

Zeiten beigebracht, den Mund zu

halten, um bloß keinen Ärger zu

bekommen, so Mo Yan. Sie waren

Bauern in der Provinz Shandong,

und als 1966 in China die Kulturrevolution

ausbrach, musste Guan

Moye, so sein bürgerlicher Name,

mit 12 Jahren die Schule verlassen

und auf dem Land arbeiten, später

in einer Fabrik.

Scharfer Realismus

Mo Yan ist nicht mit großer Literatur,

sondern mit den Erzählungen

der Bauern aufgewachsen. In seiner

Gegend, wie er in einem Interview

schildert, wussten manche unter

ihnen ihre Zuhörer nach getaner

Arbeit mit spannenden Geschichten

und Anekdoten zu fesseln. Und

genau das wurde der Traum von

Mo: wie diese Bauern endlos Geschichten

erzählen zu können.

In der Tat gründet seine Erzählkunst

auf den Kindheits- und Jugenderinnerungen

in der Provinz.

1976 begann er sein Studium der

Literatur, verfasste eigene Erzählungen

und trat der Befreiungsarmee

des Volkes bei. Seine erste

Kurzgeschichte veröffentlichte er

1981. Doch erst 1987 gelang ihm

der literarische Durchbruch mit

dem Roman Hong gaoliang jiazu

(Das rote Kornfeld). Mit scharf

gezeichnetem Realismus schildert

er darin eine Familiengeschichte im

China des 20. Jahrhunderts, inbegriffen

Banditenkultur, japanischer

Okkupation und der Schilderung

der schweren Bedingungen des verarmten

chinesischen Landproletariats.

1987 wurde der Roman von

Zhang Yimou erfolgreich verfilmt.

Kritiklos oder subversiv?

„Mo Yan vereint mit halluzinatorischem

Realismus Märchen,

Geschichte und Gegenwart“, so

der O-Ton im Rahmen der Nobelpreisverleihung.

Inspirieren ließ

er sich dazu übrigens in seinen

Jugendjahren, eigenen Angaben zufolge,

vom „magischen Realismus“

des lateinamerikanischen Schriftstellers

Gabriel García Márquez.

Tatsächlich erschafft Mo Yan in

seinen Romanen eine Welt aus einer

Mischung aus Phantasie und

Wirklichkeit, aus historischen und

sozialen Perspektiven, die an Márquez

erinnern.

Und obwohl regimekritische chinesische

Schriftsteller dem Meister

der Sprache eine kritiklose Haltung

vorwerfen, wurden zwei seiner Romane

(Die Knoblauchrevolte und

die Schnapsstadt) aufgrund ihrer

scharfen Kritik an der zeitgenössischen,

chinesischen Gesellschaft

als subversiv angesehen. Vielleicht

muss ein Autor wie Mo Yan einfach

nur die Realität messerscharf

darstellen, um den Leser das endgültige

Urteil zu überlassen.

Simona Bianco

simona.bianco@asiavision.de

Mo Yan 2008 zum Anlass seiner Lesung im Hamburger

Gymnasium Marienthal. Ein Jahr später hat er China als

Gastland bei der Frankfurter Buchmesse vertreten

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+ News + + + Meldungen + + + Bücher, Filme, CDs + + + News + + + Meldungen + + + News + + + Meldungen

Gebrauchsanweisung für Kathmandu und Nepal

In der überarbeiteten Neuausgabe von Christian Kracht und Eckhart Nickel wird

der Leser zum Zeitzeugen und Zivilisationsforscher: Er ist mit den beiden vor Ort,

als der letzte König mit einem „Coup d’État“ die Macht ergreift – und kurz darauf

die Monarchie ihr Ende findet. Er erlebt die Reinkarnation Buddhas unter dem

Geburtsbaum des Meisters, trinkt Tee mit dem Maoisten Prachanda und erfährt,

wie der Alltag berühmter Hippies in der Freak Street aussah und was man heute

braucht, um preiswert eine Fluglinie zu gründen. Ja, und dann sollte man noch

wissen, warum man einmal im Jahr das Annapurna-Massiv umrunden sollte.

Christian Kracht, Eckhart Nickel: „Gebrauchsanweisung für Kathmandu und

Nepal“, Piper, 192 Seiten, 14,99 € (D) / 15,50 € (A)

Taiwan neu erklärt

Japanisch für Dummies

Japanisch lernen? Zu schwer, zu langwierig, aussichtslos.

So zumindest lautet das allgemeine Vorurteil aus

deutscher Sicht. Eriko Sato, Dozentin für Japanisch

an der New York State University, tritt mit diesem

Buch an, genau dies zu widerlegen. Einfach heruntergebrochen

erläutert sie die Struktur der Sprache

und verzichtet dabei konsequent auf die japanische

Schrift: Sämtliche Beispielsätze sind in Umschrift

gehalten. Für Studenten der Japanologie mag dies

nicht sinnvoll sein, für alle anderen jedoch entfällt

damit eine große Hürde. Das Fazit: Einfacher kann

man es sich nicht machen: Dieses Buch ist sogar als

Badewannen-Lektüre geeignet!

Taiwans Baukunst ist jung: Erst nach 1945, nach dem Ende der japanischen

Besatzung, konnte sich ein eigener Stil entwickeln. Im

Ausland fast völlig verkannt, zeichnet sich die Insel heute durch

eine Fülle von spektakulären Gebäuden aus. Der Architekt Ulf

Meyer hat die spannendsten 125 Projekte ausgesucht und präsentiert

sie mit viel Karten- und Bildmaterial. Für all jene, die sich

schon immer mal fragten,

was hinter all den aufregenden

Wolkenkratzern

und Designer-Gebäuden

steckt, ist dies die passende

Referenz – und

eine Anregung, beim der

nächsten Taiwan-Reise

unbedingt das eine andere

bisher unbekannte

Stadtviertel zu besuchen.

Ulf Meyer: „Architekturführer

Taiwan“, DOM

Publishers, 250 Seiten,

28 €

Eriko Sato: „Japanisch für Dummies“, Wiley-VCH

Verlag, 351 Seiten, inkl. CD, 22,95 €

90

www.inasien.de

01/2013


+ + + News + + + Meldungen + + + News + + + Meldungen + + + News + + + Meldungen + + +News + + + Meldungen + + + News + + +

Auswandern ohne anzukommen

„Picture brides“ nannte man die japanischen Bräute, die sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf

den Weg nach Amerika machten, um japanische Einwanderer zu heiraten. Ihre Träume zerplatzen

schnell: Die Ehemänner stellten sich meist als ungehobelte Kerle raus, und den meisten gelang es bis

ans Lebensende nicht, in Amerika heimisch zu werden. Nicht zuletzt, weil sie nach dem japanischen

Angriff auf Pearl Harbour als potentielle Spione galten und in Internierungslagern verschwanden.

Das Besondere an diesem Buch ist jedoch nicht nur das Thema. Die Wir-Perpektive lässt die individuelle

Unterschiede verschwinden und zieht doch – oder vielleicht gerade deshalb – den Leser

unerbittlich in die tragische Geschichte.

Julie Otsuka: „Wovon wir träumten“, Mare, 159 Seiten, 18 €

Kannste knicken!

Japanisches Design besticht durch Schlichtheit und Liebe zum Detail. Genau

das macht es möglich, mit einfachen Mitteln einen Hauch Fernost in den deutschen

Alltag zu bringen. Adeline Klam

zeigt Schritt für Schritt, wie man mit

wenigen Knicken oder Klebepunkten

kleine Deko-Objekte und Geschenke

herstellt. Außer japanischem Papier,

das es mittlerweile in jeder gut sortierten

Papeterie gibt, braucht es dazu

wenige Utensilien. Sämtliche Beispiele

sind auch für handwerklich Unbegabte

gut umzusetzen.

Adeline Klam: „Japan Papierwerkstatt“,

Edition Michael Fischer, 144

Seiten, 16,90 €

Musik

JayJayJay

Drei Musiker singen gemeinsam Mantras, also heilige Wörter

bzw. Sätze aus dem indischen Sanskrit. Ihre Musik ist

vor allem für all diejenigen geeignet, die sich gegen Ende

des Jahres wieder ganz auf sich selbst besinnen möchten.

Einfach mitsingen, zuhören oder sich besingen lassen!

Film / DVD-Neuerscheinung

Flucht aus Tibet

JayJayJay, Silenzio Music, 19,50 €

Die junge Medizinstudentin Johanna (Hannah Herzsprung) will hoch hinaus: In Tibet möchte sie

einen Achttausender bezwingen. Doch die schneebedeckten Gipfel scheinen unüberwindbar,

das Land ist riesig, die tibetische Kultur voller Geheimnisse. Da macht Johanna auf einer ihrer

Trekkingtouren eine Entdeckung, die ihr Leben von Grund auf verändert. Und so ist sie bald auf

einer abenteuerlichen Reise hoch oben im Himalaya unterwegs – denn laut eines Orakels muss der

„Goldene Junge“, der als legitimer Nachfolger des Dalai Lama gilt, außer Landes gebracht werden.

Eine magische Abenteuerreise in die Kulisse tibetischer Klöster und in die Bergwelt des Himalaya,

inspiriert von wahren Begebenheiten.

Die Autorin und Regisseurin Maria Blumencron engagiert sich seit über zehn Jahren dafür, dem

tibetischen Volk eine Stimme zu geben. Inspiriert von wahren Geschichten, entwickelte sie das

Drehbuch von „Flucht aus Tibet“ und adaptierte den Stoff als Kinofilm.

01/2013

www.inasien.de 91


DAS ABO.

DIE PRÄMIEN.

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pur. Wir schenken

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Ihren Lieblingsthemen.

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finden Sie unter

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Das chinesische

Nationalepos: Mulan.

Der Film von Jingle

Ma schildert die

Geschichte der legendären

Heldin Mulan

(verkörpert von

Vicky Zhao Wei), die

anstelle ihres Vaters

in die Armee eintritt,

um die feindlichen

Mongolenstämme zu

bekämpfen.

Mit den vielfach ausgezeichneten Guides können Sie sich perfekt auf Ihre nächste Tour vorbereiten.

Wählen Sie aus folgenden Titeln: Citytrip Bangkok, Chinas Osten, Indiens Norden, Indiens Süden,

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Ich abonniere inAsIen für 1 Jahr (27,50 euro bzw. CHF 57 für 6 Ausgaben frei Haus). Das Abo verlängert sich

um 1 Jahr zum gültigen Bezugspreis, wenn ich nicht 3 Wochen vor Ablauf schriftlich kündige. Die Bestellung

kann ich bei Asia Vision innerhalb von 10 Tagen nach eingang beim Verlag schriftlich widerrufen.

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O Infopaket Ausgabe nr. ___ + ___ O DVD Mulan

O Reiseführer

Datum, Unterschrift IA 01-13


Kultur

Bild: Meena Kadri

Indischer geht‘s nicht!

Wo ist denn die Vorspeise, und warum steht der Nachtisch schon auf dem Tisch? Eine

indische Mahlzeit unterscheidet sich fundamental von einer europäischen. Vorspeisen

existieren nicht, und das Essen wird erst recht nicht in Gängen serviert. Ein kleiner

Ausflug zu indischen Gepflogenheiten mit dem Fachmann Pushpesh Pant

Schaut man auf einen gedeckten

Tisch in Indien, so ist der in der Regel

eine wahre Augenweide: Eine

Vielzahl von Gerichten, etwa Hühner-

und Fischgerichte, Fleischspieße

(Kebabs) und Currys, dampfen

in kleinen Schüsseln auf einem

großen runden Serviertablett, dem

thali. Andere werden auf Bananenblättern

serviert. Gereicht werden

dazu knusprige Snacks wie

Samosas oder Onion Bhajiya und

die Grundnahrungsmittel Brot und

Reis. Für gewöhnlich gibt es mindestens

ein Gericht ohne und eines

mit Sauce. Dazu isst man fast obligatorisch

Dal, Sambhar oder Karhi

(Joghurtklöße). Bei Brot und Reis

bedient man sich nach dem persönlichen

Geschmack. Milchprodukte

kommen in Form von Naturjoghurt

oder Raita auf den Tisch und sind

selbst bei der bescheidensten Mahlzeit

ein Muss.

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www.inasien.de 93


Kultur

Der inAsien-Buchtipp

20 Jahre lang hat Pushpesh Pant, Professor

an der Universität von Delhi und Kochbuch-

Autor, indische Familienrezepte gesammelt

und getestet. Zusammengekommen sind

über 1.000 Rezepte, vom Fisch-Curry aus

Goa bis zum Schmalzgebäck aus Rajasthan.

Viele Gerichte sind hierzulande noch nicht

bekannt und bieten auch erfahreneren

Köchen Neues zum Ausprobieren. Alle

Rezepte sind im Übrigen so konzipiert,

dass sie auch mit dem

deutschen Warensortiment

gut nachgekocht werden

können.

„Indien. Das Kochbuch“,

Edel Verlag, 816 Seiten,

Hardcover mit Tasche,

39,95 € (D) / 41,10 € (A)

Ein Inder sorgt zu Hause im Übrigen

immer dafür, dass Chutneys

und Pickles (süßsauer eingelegtes

Gemüse) vorrätig sind. Sie werden

zu jeder Mahlzeit gereicht, so dass

alle Grundgeschmacksrichtungen

angeboten werden und nach der indischen

Vorstellung eines guten und

gesunden Essens für unterschiedliche

Farben und Konsistenzen sorgen.

Eine Süßspeise, zum Beispiel

Reispudding oder Halwa, gehört

ebenfalls dazu. Getränke, hauptsächlich

Sherbets, für die Fruchtsaft

mit Milch, Sahne oder Eiweiß angerührt

werden, bietet man Gästen

vor dem Essen an. Kleine Mengen

mancher Getränke, etwa Buttermilch,

werden auch während den

Mahlzeiten getrunken.

Brot statt Gabel

Als Grundprinzip einer indischen

Mahlzeit gilt, dass sie der Jahreszeit

und dem Anlass entsprechen

muss. Größere festliche Bankette

sind daher wesentlich vielfältiger,

mit verschiedenen Fischgerichten,

Wachteln und Rebhühnern und

präsentieren aufwendige und ungewöhnliche

Rezepte.

Oft mischt man Gerichte unterschiedlicher

kulinarischer Regionen.

So wäre es durchaus nicht

ungewöhnlich, Tandoori Tikka aus

dem Punjab, Korma aus Avadh

und Biryani aus Hyder abad neben

Snacks aus Gujarat, Broten aus Kerala

und Süßspeisen aus Bengalen

nebeneinander auf den Tisch zu

bringen.

In der Tat ist dies in den meisten

Häusern Indiens üblich – außer bei

religiös-rituellen Mahlzeiten. Doch

sollte dies keinen Enthusiasten davon

abhalten, ein rein regionales

Menü zu kochen. Ein indischer

Feinschmecker verwendet bei Tisch

übrigens weder Messer noch Gabel

oder Löffel. Die Finger, unterstützt

von verschiedenen Brotsorten, reichen

ihm vollauf.

Küche der Mogule

Die indische Küche ist für viele

ein Synonym für die Gerichte der

Mogule, die vom 16. bis 19. Jahrhundert

über beinahe ganz Indien

herrschten. Und tatsächlich wurden

zu ihrer Zeit viele Gerichte erfunden,

etwa Kormas und Biryanis.

Die weltweite Leidenschaft für

indisches Essen geht geschichtlich

bis ins erste Jahrtausend vor Christus

zurück, als ein griechischer

Gesandter Zuckerrohr als „mit Honig

gefüllten indischen Bambus“

beschrieb. Später lockte der Reichtum

an wohlriechendem Pfeffer,

Nelken, Kardamom und Zimt arabische

Händler an die Malabarküste

im Südwesten Indiens.

Auch den portugiesischen Eroberer

Vasco da Gama zog es 1498

wegen des äußerst lukrativen Gewürzhandels

nach Indien. Zu dieser

Zeit waren Gewürze ein Vielfaches

ihres Gewichts in Gold wert, und

die importierte Menge an Gewürzen

deckte die von Gamas Expeditionen

verursachten Kosten

mehrfach. Es wird berichtet, dass

er allein von einer seiner indischen

Fahrten 1.500 Tonnen Pfeffer,

28 Tonnen Ingwer, acht Tonnen

Zimt und sieben Tonnen Nelken

mitbrachte. Und während Indiens

Gewürze ganz Europa verzückten,

führten die europäischen Händler

die kulinarischen Geheimnisse von

Hefebrot, Süßgebäck und Nudeln

im Land ein. Als Gegenleistung

machten die Inder sie mit den Gaumenfreuden

von Currys, Mangos

und Chutneys bekannt.

Frühstück mit Reis und Fisch

Im 17. Jahrhundert kamen die

Engländer nach Indien und ließen

sich von den Gerüchen, visuellen

Eindrücken und Geräuschen des

Subkontinents betören. Viele fanden

Geschmack an den einheimischen

Delikatessen und Aromen,

so dass deren Zutaten bald den

Weg nach England fanden, wie man

an Gerichten wie Kedgeree, einem

Frühstück aus Reis und Fisch, und

an der herzhaften Fleischsuppe

Mulligatawny unschwer erkennt.

In der jüngsten Vergangenheit

hat sich Indien in gesellschaftlicher

und wirtschaftlicher Hinsicht rasant

verändert; davon blieben auch

viele kulinarische Traditionen nicht

unberührt. Die jüngere Generation

ist weitaus experimentierfreudiger.

Seit auch in Indien Halbfertigprodukte

wie Tamarindenextrakt oder

Kokosmilch erhältlich sind, ist auch

die beschwerliche Küchenarbeit um

einiges leichter geworden.

Authentische indische Rezepte

verwenden oft erstaunlich große

Mengen am Butterfett Ghee. Diese

kann man durchaus reduzieren,

nachdem man das Rezept einmal

auf traditionelle Weise gekocht hat.

Auch Gewürzmengen lassen sich

auf den persönlichen Geschmack

abstimmen. Wichtig ist, das Fleisch

schön weich zu kochen, wobei man

regelmäßig prüfen sollte, dass die

Sauce nicht zu sehr einkocht. Durch

Marinieren, zum Beispiel in roher

Papaya, wird das Fleisch zarter

und schneller gar. Wird Fleisch mit

Knochen verwendet, verlängert sich

die Garzeit.

94 www.inasien.de 01/2013


Kultur

Asienrezepte zum S ammeln

Lal Machhali

Fisch in rotem Chili-Chutney

Bild: Andy Sewell Bild: Andy Sewell

Methi Murg

Hähnchen mit Bockshornkleeblattern

www.inasien.de 95


Kultur

Zutaten (für 4 Pers.)

• 750 g festes Fischfilet ohne Haut

• 1 EL Pflanzenöl

• Salz

Für die Marinade

• 1-2 TL gemahlene Gelbwurz

• 4 Knoblauchzehen, geschält und

zerdrückt

• 1 EL Limettensaft

• ½ TL Zucker

Für die rote Chili-Paste

• 6 getrocknete rote Chilischoten

• 40 g Kokosflocken

• 1 TL Essig

Rezept aus: „Indien - Das Kochbuch“, Edel Verlag

Lal Machhali

Fisch in rotem Chili-Chutney

Zubereitung 25-30 Min. / Ruhe- und Garzeit 15-20 Min.

Zubereitung

Für die Marinade in einer Schüssel Gelbwurz, Knoblauch, Limettensaft, Zucker

und Salz gut verrühren. Den Fisch auf eine große Platte legen und damit

gründlich einreiben. Abdecken und 30 Minuten im Kühlschrank marinieren.

Für die Chili-Wurzpaste die getrockneten Chilischoten, Kokosflocken und

Essig in einem Mixer pürieren. Falls nötig, etwas Wasser zugeben, damit

die Paste cremig wird. Das Öl in einem Topf stark erhitzen, die Würzpaste

zugeben und nur leicht anbraten, so dass die leuchtend rote Farbe nicht

nachdunkelt. Die Hitze reduzieren, den Fisch einlegen und 125 ml Wasser

zugießen. Sanft umrühren und alles 7-8 Minuten köcheln lassen, bis der

Fisch gar ist.

A sienrezepte zum Sammeln

Zutaten (für 4 Pers.)

• 1 TL Ingwerpaste

• 1 TL Knoblauchpaste

• 2 Zwiebeln, geschalt und in Ringe

geschnitten • 2 EL Joghurt, aufgeschlagen

• 1 TL Cayennepfeffer • 1/2 TL

gemahlene Gelbwurz • 1 mittelgroßes

Brathahnchen, in Stucke zerteilt • 175 ml

Pflanzenöl • 2 große Kardamomkapseln

• 1 Zimtstange, 2-3 cm lang • 3 grüne

Chilischoten, entkernt und gehackt

• 1/2 TL gemahlene Kümmelsamen

• 125 g frische Bockshornkleeblatter,

gehackt • Saft von 1 Limette • Salz

Rezept aus: „Indien - Das Kochbuch“, Edel Verlag

Methi Murg

Hähnchen mit

Bockshornkleeblattern

Zubereitung 30 Min. / Marinier- und Garzeit 45 Min.

Zubereitung

Für die Marinade Ingwer- und Knoblauchpaste, die Hälfte der Zwiebelringe,

Joghurt, Cayennepfeffer und Gelbwurz in einer großen Schüssel verrühren

und salzen. Die Hähnchenstücke einlegen und darin wenden. Abdecken und

20 Minuten im Kühlschrank marinieren. Die Hälfte des Öls in einem großen

Topf schwach erhitzen und darin die Hähnchenstücke 8-10 Minuten anbräunen.

750 ml Wasser zugießen und alles etwa 30 Minuten köcheln lassen, bis

zwei Drittel des Wassers verkocht sind und das Fleisch gar ist. Das restliche Öl

in einer Pfanne bei mittlerer Hitze heiß werden lassen. Kardamomkapseln,

Zimtstange, grüne Chilischoten, Kümmelsamen sowie die restlichen Zwiebelringe

zugeben und 1-2 Minuten anbraten, bis der Kardamom anschwillt.

Den Bockshornklee unterheben und 3-4 Minuten mitbraten. Das Hähnchenfleisch

einlegen und köcheln lassen, bis die Bockshornkleeblatter aromatisch

duften und die Hähnchenstücke in einer dicken Sauce schwimmen. Zum

Schluss den Limettensaft über das Gericht träufeln.

96

www.inasien.de


inAsien-Preisrätsel

GEWINNNEN SIE ein von drei Kartensets „Erleuchtung

zum Frühstück – Zen im Alltag“

von Sandy Taikyu Kuhn Shimu (Schirner Verlag).

Die 108 Karten mit Anleitung machen den

Geist des Zen im Alltag erlebbar: Denn ob

Geld, Kindererziehung, Ernährung, Liebe oder

Freizeit, kleine Rituale der Achtsamkeit verhelfen

zu mehr Bewusstheit. Untermalt

werden die Übungen von Anekdoten

rund um die Lehre des Zen.

Schicken Sie das Lösungswort

bis zum 13. Februar 2013 an:

Asia Vision Verlag

Rudolfstraße 22–24

60327 Frankfurt

oder an: redaktion@inasien.de

Lösungswort

der letzten Ausgabe:

Chatuchak

s1818 .39-57

mit Farbe

bedecken

Gewonnen haben:

Claudia Öttgen, Beilstein

Rolf Wilkening, Frankfurt am Main

Christina Weinreich, Berlin

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T I G E R H A I

A D E L P U N M U T

K N G A B E P H I L

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(1-9) Chatuchak

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gleicher

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in Nordwestafrika

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(Nota)

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3

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Oscar“

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1

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südosteurop.

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Grund

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Dichtkunst

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schwerfallende

Spende

weiblicher

Naturgeist

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Polstermöbel

Regelverstoß

(Sport)

positive

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Abk.:

Self-Extracting

Archive

6

Gewürzblatt

Beförderungszeittafel

hohes

Laufgestell

unverschlossen

Strom

in Westeuropa

frühere

landwirtsch.

Gehilfin

kleines,

flaches

Segelboot

persönliches

Fürwort

Impressum inAsien

inAsien

erscheint zweimonatlich im:

Asia Vision Verlag

Rudolfstraße 22–24

60327 Frankfurt

Tel.: +49 (0)69-665632-0

Fax.: +49 (0)69-665632-22

Internet: www.inasien.de

E-Mail: redaktion@inasien.de

Chefredakteur: Martin Brückner

Redaktion: Ann-Karin Heyer

Layout: Muhammet Simsek

Autoren dieser Ausgabe:

Milena Bähnisch, Simona Bianco, Stefan

Canham, Roland Dusik, Jovan Evermann,

Bjoern Gantert, Andrea Glaubacker, Volker

Häring, Marcus Haid, Roland Hanewald,

Francoise Hauser, Rainer Heubeck, Ann-

Kristin Iwersen, Erik Lorenz, Nguyen

Phuong-Dan, Katharina Schnurpfeil, Michael

Scholten, Karen Schreitmüller, Ina Spogahn,

Rainer Werning

Anzeigenverkauf: Dagmar Hummel

Druck: Dierichs Druck, Kassel

Vertrieb: VU Verlagsunion Walluf

Bildnachweise:

Titel: Shutterstock // Inhalt (S. 4): flickr.com, Stefan Canham, Nguyen Phuong-Dan,

Shutterstock // Asien im Bild (S. 6-7): Shutterstock // Travel-Meldungen (S. 8-9):

Thailändische Fremdenverkehrsamt, Shutterstock, e-kolumbus // Bildreportage (S.

10-15): Bjoern Gantert // Tipps & Trends (S. 16-17): polyband Medien GmbH, insider

Asia, Hubert Burda Medien, Shutterstock, )) www.parkroyalhotels.com, Shutterstock //

Japan Yakushima (S. 18-21): Marcus Haid // Indien Majuli (S. 22-24): Karen Schreitmüller

// Indien in Portraits (S. 26-29): Andrea Glaubacker, Ranjith Shenoy (www.facebook.

com/pages/Ranjith-Shenoy-Photography/173355882693551 // Top Ten der Strände (S.

30-35): Jovan Evermann, Roland Hanewald, Erik Lorenz, Francoise Hauser, Ina Spogahn,

Michael Scholten, Shutterstock // Philippinen Schnäppchenjagd (S. 38-42): flickr.com //

Hongkong (S. 44-46): Katharina Schnurpfeil // Reisekalender (S. 48-49): Shutterstock

// Weihnachten in Kambodscha (S. 50-53): Michael Scholten // Jazz in Bangkok

(S. 54-55): Adrian Lobe // Kulinarischer Streifzug durch Thailand (S. 56-59): Rainer

Heubeck // China Mekong (S. 62-65): Volker Häring // Die deutschen Vietnamesen

(S. xx-xx): Nguyen Phuong-Dan, Stefan Canham // Wirtschafts-Meldungen (S. 74-75):

Shutterstock, flickr.com, David Phan Photographers, Aaron Pocock // Vietnam (S. 76-

77): flickr.com // Indonesien (S. 78-79): Shutterstock // Kultur-Meldungen (S: 80-81):

Völkerkundemuseum Zürich, Kunsthalle Schirn, Shutterstock, MKG, The Palace Museum,

MAK/Katrin Weißkirchen, MAK/Kawamoto Masukichi // Stichwort (83): Shutterstock //

China Kantonoper (S. 84-88): Ann-Kristin Iwersen, Shutterstock, flickr.com // Asien Promi

(S. 89): Johannes Kolfhaus, Gymn. Marienthal (Wikimedia) // Asien kulinarisch (S. 93-96):

Meena Kadri, Andy Sewell // Vorschau (S: 98): Shutterstock

Sämtliche Artikel und Informationen sind

nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt.

Eine Gewährleistung für ihre

Richtigkeit und Vollständigkeit kann jedoch

nicht übernommen werden. Zuschriften an

die Redaktion sind erwünscht, Rücksendung

erfolgt gegen beigefügtes Rückporto. Für

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Gewährleistung übernommen. Es gelten

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urheberrechtlich geschützt. Ihr Nachdruck,

auch auszugsweise, ihre Vervielfältigung auf

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Abonnements: 27,50 Euro, CHF 57,–

01/2013

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97


Vorschau

Ausgabe 2/2013 erscheint am 27. FEBRUAR

Thailand in Feierlaune

Das farbenfrohe Songkran und das kerzen- und weihrauchreiche Loy

Krathong-Fest sind wohl fast jedem Thailandreisenden bekannt. Sie sind

jedoch nur zwei von vielen Feiertagen, die von den Thais begangen

werden. Ein Überblick über die interessantesten und manchmal auch

verrückten Feierlichkeiten.

Zentralasien im Überblick

Sie haben keinen Zugang zum Ozean und ihre Flüsse

erreichen ihn erst gar nicht. Im Altertum und Mittelalter

wurden sie von Großreichen regiert – und dennoch ist

wenig von Skythen, Saken und Timuriden bekannt, die

das heutige Zentralasien prägten.

Volksfest Kirschblüte

Sie ist eines der wichtigsten Symbole der japanischen Kultur: die

Kirschblüte. Mögen im Februar und März auch bereits Pflaumen- und

Pfirsichbäume blühen, das Aufspringen der Sakura-Knospen wird im

ganzen Land ausgiebig gefeiert.

Trekking auf dem Dach der Welt

ITB 2013

Vom 6. bis 10. März ist es wieder soweit: Auf der

Internationalen Tourismusbörse in Berlin stellen sich wieder

Destinationen weltweit vor. Was es von den Asiaten zu

berichten gibt, erfahren Sie in der nächsten Ausgabe.

Die Wandermöglichkeiten in Ladakh sind schier unbegrenzt – und die

Konkurrenz unter den Reiseagenturen ist groß. Bei Strecken zwischen

zwei Tagen und vier Wochen kann man entweder nur mit einem

Rucksackträger von Teehaus zu Teehaus ziehen oder sich gleich einer

ganzen Karawane anschließen. Unsere Autorin hat auf dem Weg zum

5.000er letzteres gewählt.

Wir bitten um Ihr Verständnis, wenn angekündigte Beiträge aus aktuellem Anlass verschoben werden.

98 www.inasien.de 01/2013


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ThAilAnd

Triumph für

Thaksin

Messen & Kongresse

China präsentiert

sich auf der CeBIT

MAcher & MärKTe

Ratan Tata – Manager

mit Macht und Bedacht

chinA

31

Neue Chancen für

das Perlflussdelta

AsiA Bridge

:::

Glaubt man den Prognosen,

geht Indonesiens Stahlindustrie

goldenen Zeiten entgegen. In

wichtigen Abnehmerbranchen

Trends | Analysen | Strategien für Ihr Asiengeschäft 11:2011


Indonesien





vereinigt mit

aktuell ASIA

stehen die Zeichen auf Wachstum.

Beispielsweise erwarten

Experten, dass die größte ASE-

iMMoBilienMärKTe

steter

Aufstieg


AN-Nation in den kommenden

zwei Jahren Thailand als führenden

Automarkt überholen wird.

Produktion und Verkauf sollen

auf jährlich 1,2 Millionen Autos

und 8,1 Millionen Motorräder

anwachsen. Der dafür benötigte

Stahl wird zumeist importiert.

Um den einheimischen Markt

für ausländische Anbieter von

Ausgangsstoffen und Verarbeitungsmaschinen

zugänglicher zu

machen, kooperiert das indonesische

Industrieministerium ab

diesem Jahr mit der Deutschen

Messe AG als Gastgeber der „Indonesia International

Steel, Iron and Aluminium Expo and

Forum“ (Inasal).


Auf dieser neuen Messe werden vom 11. bis 13. Juli internationale

Aussteller die gesamte Bandbreite der Aluminium-,

Eisen- und Stahltechnologie zeigen. Die Ausstellungsfläche

wird sich im Jakarta Convention Center befinden, das

ursprünglich für eine Gipfelkonferenz der Bewegung der

Blockfreien Staaten gebaut worden war. Nun dient es als

Hauptumschlagplatz für Stahlwaren aus dem In- und Ausland.

Das Angebot der Ausstellungsplattform umfasst die ganze

Produktkette der Aluminium-, Eisen- und Stahlindustrie.

Von Rohmaterialien über Verarbeitungstechnologie bis hin

zum Endvertrieb werden Besucher der „Inasal“ alles vorfinden.

Überdies bieten Aussteller Rohre und Kabel an.

Organisiert wird die „Inasal“ von Hannover Fairs International,

einer Tochtergesellschaft der Deutschen Messe AG




Aussteller zu öffnen und Netzwerkmöglichkeiten für Produzenten

und Konsumenten zu schaffen. „Damit erschließen

wir für unsere Kunden zusätzliche Geschäftsperspektiven

auf dem wichtigen asiatischen Markt“, berichtet Dr. Andreas

Gruchow, der im Vorstand der Deutschen Messe AG fürs

Auslandsgeschäft verantwortlich zeichnet.


In Zusammenarbeit mit

:::







Mit der „Inasal“ erweitert die Deutsche Messe ihr Portfolio

in den Bereichen Gießerei und Metallurgie. Zu dem gleichen

Thema existieren bereits etablierte Messen des Hannoveraner

Messeanbieters. Die Fachmessen „Ankiros/Annofer“ und

„Aluexpo“ in der Türkei erfreuen sich beispielsweise schon

in Hannover, in Kooperation mit dem indonesischen Messeveranstalter

Wahyu Promo Citra. Das dreitägige Event zielt

issn: 1864-3752

darauf ab, den indonesischen Handelsplatz für ausländische

seit Jahren eines großen Zuspruchs. Auch die in Indien beworbenen

Fachausstellungen „Ifex“, „Metex“ und „Alu India“, die

die Deutsche Messe AG gemeinsam mit der Kölnmesse YA

Tradefair bewirbt, sind geschätzte Branchenveranstaltungen.

„Umso mehr freuen wir uns, jetzt auch auf dem indonesischen

Wachstumsmarkt vertreten zu sein“, so Gruchow. Die Wei-

Mit newsletter

des dAW









:::

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