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yachtcheck catana 59: der design-katamaran<br />
Yachten<br />
<strong>MEER</strong><br />
Yachten<br />
<strong>MEER</strong><br />
In Zusammenarbeit mit <strong>Boat</strong> International | meerundyachten.de | 06/12 | 7,00 €<br />
Luxus auf dem Wasser<br />
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Imperial Princess<br />
Eine Yacht der Superlative<br />
Österreich/Luxemburg/Spanien 7,50 €, Schweiz CHF 13 I Frankreich 7,50 € I Griechenland 7,50 € I Italien 7,50 € I Litauen 7,50 € I Portugal 7,50 € I DKK 57,00 I KN 86,00 I PLN 44 I YTL 18,70<br />
arianna<br />
american big boat<br />
neukaledonien<br />
mit dr. no auf tauchfahrt<br />
nancy mueller<br />
eine frau und ihre liebe zur<br />
superyacht<br />
pershing 82<br />
vollgas mit<br />
deutscher technik<br />
1 Segel journal Mai/Juni 2012
SPONSOR OF THE AEZ RC44 SAILINGTEAM<br />
AEZ<br />
<br />
AEZ<br />
<br />
AEZ<br />
<br />
AEZ<br />
<br />
AEZ
Alles im Fluss<br />
Claus Reissig<br />
Chefredakteur<br />
reissig@meerundyachten.de<br />
Editorial<br />
Das einzig Stabile, so weiß ein geflügeltes<br />
Wort, ist der Wandel. Und auch wenn es viele<br />
nicht wahrhaben wollen, so macht unsere<br />
Branche derzeit so eine Phase des Wandels<br />
durch. Bestes Beispiel dafür sind die Messen.<br />
Die ersten Ausstellungen der Saison liegen<br />
bereits hinter uns und deutlich kann man<br />
bereits die Änderung zu den Vorjahren sehen.<br />
Teils als feste Größen bekannte Ausstellungen<br />
wie der Salón Náutico in Barcelona, der sich extra auf einen neuen Termin<br />
im September verlegt hatte, scheinen unter dem Ausstellerschwund zu leiden.<br />
„Große Schiffe sieht man gar nicht mehr“, berichtet ein Aussteller, „da sind<br />
richtige Lücken.“ Auch der Salone Nautico in Genua hat so seine Probleme,<br />
Italien ist als Markt derzeit für viele Werften schlicht nicht mehr interessant.<br />
Das muss erstmal alles nicht schlecht sein, klagte doch in der Vergangenheit<br />
mancher Aussteller darüber, dass es einfach zu viele Messen gibt. Das könnte sich<br />
jetzt ändern, vielleicht ist das sogar gut für die Besucher. Denn die Ausstellungen,<br />
die sich behaupten können, ziehen einen großen Teil des Publikums an und das<br />
wiederum kann sicher sein, dass auch ein repräsentativer Schnitt durch den<br />
Markt seine Produkte präsentiert.<br />
Zu den Gewinnern (oder Nicht-Verlierern) scheinen übrigens zum Beispiel die<br />
Monaco Yacht Show zu gehören oder das Festival de la Plaisance in Cannes.<br />
„Möglich, dass sich diese beiden Ausstellungen derzeit am Mittelmeer durchsetzen“,<br />
sagte derselbe Aussteller wie oben.<br />
Auch die boot in Düsseldorf gehört zu den Gewinnern, auch wenn die Trauben<br />
höher hängen als vor 2008. Aber wenn nur noch begrenzte Budgets bei den<br />
Ausstellern vorhanden sind, gehen sie innerhalb Deutschlands eben nicht mehr<br />
auf drei, sondern nur noch auf eine Messe. Wie gesagt: Für den Kunden ist diese<br />
Zäsur vielleicht sogar ganz hilfreich. Es gibt nur noch wenige Messen, die alle<br />
Märkte abdecken und mehrere Spezialisierte.<br />
Von der Freude des Lebens auf dem Wasser sollte das natürlich niemanden<br />
abhalten, aller wirtschaftlichen Verwerfungen zum Trotz. Denn eins bleibt dann<br />
doch immer gleich: Die Schönheit der See. Insofern wünsche ich Ihnen auch<br />
diesmal viel Freude an der aktuellen Ausgabe von Meer&Yachten.<br />
PS: Das Team von <strong>MEER</strong>&<strong>YACHTEN</strong><br />
finden Sie übrigens mit jeweils einem<br />
eigenen Messestand auf der hanseboot<br />
(27. Okt. bis 3. Nov. 2012) und auf der<br />
boot Düsseldorf (19. bis 27. Jan. 2013).<br />
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Stand A1.A.260<br />
nordwest-najad.se<br />
SE +46(0)304 34960<br />
DE +49(0)5115406447<br />
UK +44(0)1256698006
inhalt06<br />
Titelthemen<br />
26 Arianna An Bord von Deltas jüngster Yacht<br />
34 yachtcheck I Pershing 82<br />
40 yachtcheck II Catana 59<br />
48 imperial Princess Drei Decks Luxus<br />
58 Nancy Mueller Von der Unternehmerin zur Yachteignerin<br />
70 neukaledonien Tauchziel im Pazifik<br />
18<br />
yachten Projekte<br />
12 Glanzlichter<br />
16 Cannes und Monaco 2012<br />
Die Messen in Cannes und Monaco sind die Highlights der<br />
Superyachtszene in Europa. Claus Reissig über Stimmung und Trends<br />
18 lady linda<br />
Um die richtige Schiffsgröße für sich zu finden, haben Linda und<br />
Doug Von Allmen fünf Anläufe gebraucht – Lady Linda passt jetzt<br />
26<br />
26 <strong>American</strong> <strong>Big</strong> <strong>Boat</strong><br />
Amerikanisches Design ist so ganz anders als europäisches.<br />
Arianna ist zudem sehr groß: auf 50 Meter Schiff gibt es<br />
700 Quadratmeter Wohnfläche<br />
34 High Speed mit deutscher Technik<br />
Die Pershing 82 läuft fast 50 Knoten. Der Yachtcheck klärt,<br />
was der italienische Renner sonst noch kann<br />
38 Wenn der Benz zum Boot wird<br />
Der Silberpfeil feiert seine Wiedergeburt als Yacht.<br />
2014 soll das Schiff mit den Auto-Genen das erste Mal fahren<br />
40 Auf langen Strecken zu Hause<br />
Die Catana 59 ist der Hoffnungsträger der französischen Werft.<br />
Der neue 20-Meter-Kat im Yachtcheck<br />
48 imperial princess<br />
Die 40M ist die größte Princess, die je gebaut wurde. Tim Thomas<br />
hat sich das Dreideck-Schiff für Meer&Yachten angesehen<br />
TITELfoto: arianna/Kristina Strobel/Superyacht Media; FOTOS DIESE SEITE: bugsy gedlek, Kristina Strobel/Superyacht Media<br />
4 I
A member of the Moët Hennessy Louis Vuitton family<br />
High performance Flybridge Motor Yachts and V Class Sports Yachts from 39–130 feet<br />
ÖSTERREICH: Boote Feichtner +43 (732) 774416-0 · verkauf@bootefeichtner.at · www.bootefeichtner.at<br />
SPANIEN: Princess Motor Yacht Sales +34 971 676 439 · germany@princess.eu.com · www.princess.eu.com<br />
DEUTSCHLAND: International Yacht Centre +49 (57 31) 98 29 510 · info@iyc-yachts.de · www.iyc-yachts.de<br />
SCHWEIZ: Bächli International <strong>Boat</strong> Sales +41 (41) 620 37 00 · info@boat-trade.com · www.boat-trade.com<br />
www.princessyachts.com
inhalt06<br />
58<br />
yacht stil<br />
56 Glanzlichter<br />
58 Ein Mittagessen mit nancy mueller<br />
Tiefkühlunternehmen verkauft und mit der Yacht auf Weltreise:<br />
ein amerikanischer Traum<br />
66 Die Welt am Handgelenk<br />
Mit der richtigen Uhr ist die Reise durch<br />
die Zeitzonen kein Problem<br />
reise charter<br />
68 Glanzlichter<br />
70<br />
70 Mit dem Tauchboot in den Pazifik<br />
Meer&Yachten reiste mit der Dr. No nach Neukaledonien<br />
80 spotlight: Sarah<br />
Die von Amels gebaute 62-Meter-Yacht läuft seit 2002 im Charter<br />
82 new to the fleet<br />
Neue Schiffe für den Chartermarkt<br />
broker refit<br />
84 glanzlichter<br />
86 Gute Zeiten für Käufer<br />
Der Markt für Gebrauchtboote schwächelt, wer verkaufen will,<br />
muss das mit kräftigen Abschlägen tun – es ist die Zeit der<br />
Schnäppchenjäger<br />
96 inside: Keine Frage des Preises<br />
Farbconsultant Kay Wrede über das richtige Vorgehen<br />
bei der Neulackierung der Yacht<br />
standards<br />
86<br />
03 editorial<br />
08 Augenblicke<br />
97 impressum<br />
98 wo ist eigentlich...<br />
...die Hussar?<br />
FOTOS DIESE SEITE: Crick Gibson/nancy mueller, roger lean-vercoe/francesca truter,claus reissig<br />
6 I<br />
Eine Ausgabe verpasst?<br />
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LORO PIANA CARIBBEAN<br />
SUPERYACHT REGATTA &<br />
RENDEZVOUS 2013<br />
BRITISH VIRGIN ISLANDS<br />
20 – 23 MARCH, 2013<br />
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Griechenland,<br />
14.07.2012<br />
Der Kanal von Korinth in Griechenland ist schon mit einem<br />
kleinen Boot eine Herausforderung. Sechs Kilometer lang<br />
durchschneidet er wie mit einem Messer gezogen das Land<br />
zwischen dem Peloponnes und dem restlichen Griechenland.<br />
Er verbindet den Golf von Korinth mit dem Saronischen Golf.<br />
Yachten, die ihn benutzen, sparen sich eine Strecke von rund<br />
215 Seemeilen um den Peloponnes. Aus der Froschperspektive<br />
von Deck kann man die Steilwände bis zu 84 Meter um sich<br />
herum aufsteigen sehen. Die gut 73 Meter lange Motoryacht<br />
Laurel befuhr den Kanal aus dem späten 19. Jahrhundert mit<br />
bedächtigen drei Knoten. Bei einer Schiffsbreite von 12,26<br />
Metern blieben auf jeder Seite nur vier Meter bis zur Felswand;<br />
große Ausweichmanöver erlaubt das nicht mehr.<br />
8 I
AugenBlicke<br />
I 9
AugenBlicke<br />
Sardinien, 05.09.2012<br />
Auf der Supermaxi Hetairos bekommt die Aufgabe eines<br />
Vorschiffsmanns doch eine ganz neue Dimension. Allein der<br />
Bugspriet, auf den man wie hier zum Maxi Yacht Rolex Cup zum<br />
Setzen des Gennakers herausbalancieren muss, hat eine Länge von<br />
fast sieben Metern, das Tauwerk, mit dem die mächtige Trommel<br />
gehalten wird, ist fast ebenso dick wie die Unterarme der Deckshand.<br />
Rund 2.000 Quadratmeter hat das größte Vorsegel an Fläche, das an<br />
einem 67 Meter hohen Karbonmast gefahren wird. Geholfen hat es<br />
letztlich nichts: Hetairos musste sich in der Klasse der Supermaxis<br />
ihren vier Konkurrenten geschlagen geben.<br />
10 I<br />
FOTO: cRolex/Carlo Borlenghi
I 11
yachten projekte<br />
Glanzlichter<br />
Solaris’<br />
Semi-Custom-Schönheit<br />
Mit der neuen 72 Pilot Classic hat Solaris vermutlich eins der schönsten Schiffe dieses Jahr<br />
vorgestellt: Zwar ist der von Javier Soto Acebal gezeichnete Rumpf eine zeitgemäße und schnelle<br />
Konstruktion, der Aufbau könnte einen aber in die gute alte Zeit der großen Schoner zurückversetzen.<br />
Er ist kurz mit senkrechten Flanken, die Holzkanten springen wie als Sonnenschutz ein wenig vor.<br />
Zwischen dem langen Cockpit und dem Mast wirkt er fast wie eine Art Mini-Decksalon und lässt das<br />
gesamte Vorschiff als Flushdeck.<br />
Für zeitgemäßes Segeln ist das gesamte stehende Gut aus Karbon, ein Hubkiel macht unter Segeln<br />
einen Tiefgang von vier und im Hafen von 2,60 Meter möglich. Der in Tanktests optimierte Rumpf wird<br />
übrigens auch die Basis für die neue 72 DH von Solaris werden, die noch 2012 zu Wasser geht. Der<br />
Stapellauf der Baunummer 1 der 72 Pilot Classic hingegen ist für Frühjahr 2013 geplant. Länge 21,60<br />
Meter, Breite 5,85 Meter, Tiefgang 2,60 bis 4 Meter. solarisyachts-north.com<br />
CRN Nummer 130<br />
Die 60 Meter lange Darlings Danama ist Baunummer 130 der in Ancona<br />
beheimateten Superyachtwerft CRN. Die zur Ferretti-Gruppe gehörende<br />
Werft stellte das Schiff erstmals auf der gerade zu Ende gegangenen<br />
Monaco Yacht Show vor. Darlings Danama ist bereits die<br />
sechste 60-Meter-Yacht, die CRN seit 2005 ausgeliefert hat; sie<br />
alle basieren auf einer 10,20 Meter breiten Basis-Plattform.<br />
Das Stahl-Aluminium-Schiff besticht besonders durch seine<br />
ausgeklügelten Freiflächen, wie einen Balkon an der<br />
Eignerkabine oder eine in eine<br />
Badeplattform aufschwenkbare<br />
Heckklappe. Auf dem Hauptdeck<br />
wurde das Foyer noch einmal für<br />
größere Außenflächen reduziert.<br />
CRN baut Megayachten von 44 bis<br />
90 Meter Länge. Länge 60 Meter;<br />
Breite 10,20 Meter; Maschinen 2<br />
x 1.950 PS.Knoten. crn-yacht.com<br />
12 I
FC 100 Cruiser: Interieur<br />
Häppchenweise enthüllt Maxi Dolphin die Details seiner neuen 100<br />
Fuß (30,50 Meter) langen Segelyacht. Mit der FC 100 baut die Werft<br />
ihre Kapazitäten in der Segelyachtproduktion aus; sonst werden in<br />
der Nähe von Brescia vor allem Motoryachten gefertigt. Das Interieur<br />
soll betont minimalistisch gehalten werden und mit matten weißen,<br />
sowie hochglanzlackierten schwarzen Flächen spielen. Dadurch<br />
sollen die Räume unter Deck noch größer und heller wirken. Dieses<br />
Konzept wurde von Pierre Frutschi erdacht, die Rumpflinien kommen<br />
von Finot-Conq, die mit der FC 100 nichts weniger wollen, als „den<br />
schnellsten 100-Fuß-Cruiser“ aufs Wasser zu bringen. Länge 30,48<br />
Meter; Verdrängung 51 Tonnen; Ballast 15 Tonnen; Segelfläche 690<br />
Quadratmeter. maxidolphin.it/vela<br />
Die 53 folgt der 59<br />
Gerade erst wurde die Catana 59 als Vorreiter einer<br />
neuen Designsprache (Yachtcheck ab Seite 40) vorgestellt,<br />
da kündigt der französische Katamaranbauer<br />
bereits die kleinere Schwester an. Die Catana 53 soll<br />
ebenfalls mit so genannten Axe-Bows und einem kantigen<br />
Äußeren auf den Markt kommen, und wie bei<br />
der 59 werden Salon und Cockpit nahezu nahtlos ineinander<br />
übergehen. Catana zielt mit dem Schiff auf<br />
kleine Crews mit Langfahrtambitionen. Preis: ab 1,33<br />
Millionen Euro. catana.com, jacobs-yachts.com<br />
Compact-Maxi von Aureus<br />
Ende 2012 stellt sich in Marans an der französischen Westküste<br />
eine zumindest von der Beschreibung ungewöhnliche Yacht vor.<br />
Aurelius XV soll mit gut 15 Metern Länge als Compact-Maxi an den<br />
Start gehen, als Zielgruppe hat die Werft, die von einem ehemaligen<br />
Mitarbeiter der Catana-Werft geleitet wird, die Hedonisten<br />
ausgemacht. Also Menschen, die das Leben genießen<br />
und das auch gern allein. Dafür wurde die Yacht komplett<br />
im Karbon-Infusionsverfahren gebaut, verdrängt<br />
nur knapp zwölf Tonnen und soll dank vollständiger<br />
Automatisierung (also push-button-sailing mit elektrischen<br />
Winschen) problemlos von einer Person zu<br />
bedienen sein. Auch unter Deck begibt man sich<br />
auf neues Terrain: Der Salon ist recht klein, dafür<br />
gibt es zwei großzügige Kabinen mit ebensolchen<br />
Bädern. Länge 15,03 Meter; Verdrängung<br />
11,8 Tonnen; Segelfläche 122 Quadratmeter;<br />
Maschine 75 PS mit Saildrive. aureus-yachts.de<br />
85 Sunreef Power<br />
Gerade einmal zehn Jahre ist die polnische Sunreef-Werft<br />
auf dem Markt und präsentiert doch eine Neuheit nach<br />
der anderen. Jüngstes Kind ist die 85 Sunreef Power, ein<br />
Katamaran, der zumindest von hinten und von der Seite<br />
Ähnlichkeit mit einem Einrümpfer hat. So will der Katamaranbauer,<br />
auf dessen Standparty in Monaco selbst Revolutionär<br />
Lech Wałęsa zugegen war, die Vorzüge eines Kats<br />
mit denen einer klassischen Motoryacht verknüpfen. Das<br />
Äußere der 30 Knoten schnellen Yacht ist dabei durchaus<br />
polarisierend, die reinen Zahlen beeindrucken jedoch:<br />
Die Werft verspricht fast 3.000 Seemeilen Reichweite und<br />
einen Lebensraum von gewaltigen 425 Quadratmetern.<br />
Länge 25,90 Meter; Breite 11,30 Meter; Maschinen 2 x<br />
1.800 PS; Kraftstoff 2 x 10.000 Liter.<br />
sunreef-yachts.com<br />
FOTOs: werften<br />
Moonen 42 mit U-Boot<br />
Die 42 Meter lange Superyacht Sofia ist das größte Schiff, das bei Moonen<br />
jemals gebaut wurde. Nach ausführlichen Fahrtests in der Nordsee soll<br />
das Schiff im November schließlich an ihren Eigner ausgeliefert werden,<br />
der davor bereits zwei Moonen besaß. Nachdem der Bau bereits begonnen<br />
hatte, entschloss sich der Käufer, das Schiff noch einmal um<br />
vier Fuß (rund 1,20 Meter) zu verlängern, um ein dreisitziges, statt des<br />
geplanten zweisitzigen U-Boots unterbringen zu können. Damit ist Sofia<br />
das einzige Schiff dieser Größe mit einem U-Boot, das drei Personen bis<br />
auf 100 Meter Tiefe bringen kann. Der Längenrekord Moonens soll übrigens<br />
nicht lange bestehen bleiben: Die Werft plant, ihre Baukapazitäten<br />
für größere Yachten auszuweiten. moonen.com<br />
I 13
yachten Projekte I glanzlichter<br />
Ein Deck für Invader<br />
42 Meter lang, 6,40 Meter hoch und 62,6 Tonnen Gewicht.<br />
Das sind nicht die Dimensionen eines Schiffs, sondern<br />
die des oberen Decks von Invader, jüngstem Schiff der<br />
in Seattle ansässigen Delta Werft. Drei 500-Tonnen-Kräne<br />
waren notwendig, um das Kunststoff-Bauteil in Position zu<br />
bringen. Der Rumpf des 66 Meter langen Schiffes selbst<br />
wiegt 880 Tonnen und wurde mit einem Ponton aus seiner<br />
Bauwerft entlang des Duwamish Waterway zum Ausbau<br />
in die Hallen von Delta gebracht, wo er bis zu seiner<br />
Auslieferung 2014 ausgebaut wird. Invader (deutsch: Angreifer)<br />
wird nach ihrer Fertigstellung 20 Gästen Platz bieten.<br />
Länge 66 Meter; Zero-Speed-Stabilisatoren; Treibstoff<br />
189 Tonnen; Reichweite (bei zwölf Knoten) 5.000<br />
Seemeilen. deltamarine.com<br />
Fit and forget<br />
Auf der Messe Shipbuilding, Machinery<br />
and Marine Technology (SMM) hat ein<br />
recht unscheinbarer Ausrüstungsgegenstand<br />
einiges Interesse hervorgerufen.<br />
Das Comet Light and Smoke<br />
Signal Mark 9 ist leichter, widerstandsfähiger<br />
und vor allem wartungsärmer<br />
geworden. Die Hersteller des Rauchtopfes<br />
mit Notbeleuchtung garantieren mittlerweile<br />
ein unbeschädigtes Abwerfen aus<br />
bis zu 60 Metern Höhe (statt der von SO-<br />
LAS geforderten 30 Meter). Aufgrund seiner<br />
Stabilität und einfachen Installation spricht<br />
Comet von ‚fit and forget’, also einmal montieren und<br />
(bis zum Notfall) vergessen. signalandsafety.com<br />
5 Achsen bei<br />
Veem<br />
Gerade hat der australische Propellerhersteller<br />
Veem seine neuen 4-Blatt-Propeller<br />
vorgestellt, die speziell bei Serienbooten<br />
zum Einsatz kommen sollen. Dank der Bearbeitung<br />
mit einer 5-Achs-CNC-Fräse verspricht<br />
Veem sich eine gleichbleibend hohe Qualität auch bei<br />
größeren Stückzahlen. Bis zu 40 Prozent soll der Preisvorteil<br />
durch die Automatisierung für den Endkunden<br />
betragen. Nicht nur die Form wird computergesteuert<br />
immer wieder reproduziert werden können. Eine perfekte<br />
Steigung und immer die gleiche Stärke der Blätter<br />
sollen für idealen Vortrieb bei Motoryachten sorgen.<br />
veem.com.au<br />
78-Fuß-Kat im Eigenbau<br />
Die zur Gurit-Gruppe gehörende Marke SP-Systems ist<br />
unter anderem auf Materialien für One-Offs, also Einzelbauten,<br />
spezialisiert. Gerade wurde die Fertigstellung<br />
eines 78 Fuß (knapp 24 Meter) langen Katamarans in<br />
Neuseeland bekannt gegeben. Der Bauherr hat sein<br />
Geld eigentlich mit Swimming-Pools verdient und das<br />
Boot mit einer relativ unerfahrenen Truppe in seiner eigenen<br />
Werft gebaut. Ieta, wie der Motor-Kat heißt, wurde<br />
unter Wasser aus 100 Kilogramm Hartschaum geformt,<br />
bevor es mit Epoxid verstärkt und schließlich überlaminiert<br />
wurde. Über Wasser wurden als Kernmaterial bis<br />
zu neun Meter lange Schaumplatten, so genannte Hi-Panels<br />
verbaut. gurit.com/marine<br />
Goldene Zeiten<br />
Einen Quantensprung in Sachen Luxus-Badausstattung<br />
hat die Firma Tecma auf der Dubai<br />
International <strong>Boat</strong> Show präsentiert. An Bord einer<br />
Majesty 135 wurde erstmals eine vergoldete Toilette<br />
nebst ebenfalls goldenem Bidet installiert –<br />
inklusive aller Anschlüsse in Gold, einer goldenen<br />
Dusche und goldenen<br />
Hähnen. Mit den goldenen<br />
Schüsseln wurde<br />
Tecma für den Design<br />
Award der im November<br />
stattfindenden Ausrüstungsmesse<br />
METS in<br />
Amsterdam nominiert.<br />
Durch einen speziellen<br />
Backprozess lässt sich<br />
das Gold untrennbar mit<br />
dem Tecma-Porzellan<br />
verbinden; auch Platin<br />
soll als Beschichtung<br />
möglich sein. tecma.eu<br />
FOTOs: werften, hersteller<br />
14 I
Bei uns<br />
geht Ihre Spende<br />
garantiert nicht unter.<br />
Swan mit Gazprom<br />
Der russische Gasriese Gazprom kauft sich in die Swan<br />
60-Klasse ein, die danach den Namen des Titelsponsors<br />
tragen wird. Ebenso wird Gazprom die Swan European<br />
Regatta als Titelsponsor fördern. Gazprom hat<br />
gerade das Nord Stream Race mit einem Preisgeld von<br />
100.000 Euro veranstaltet, das entlang der neuen Gaspipeline<br />
durch die Ostsee führt und nur mit Swan 60<br />
ausgetragen wurde. Für Nautor eine interessante Partnerschaft:<br />
Zusammen mit dem vor zwei Jahren gegründeten<br />
Yacht Club St. Petersburg wurden bereits fünf<br />
Swan 60 gekauft. Zur Imagewerbung ist Gazprom übrigens<br />
zudem seit 2012 der neue Sponsor der Fußball<br />
Champions League. nautorswan.com<br />
Yachten aus der<br />
Ukraine<br />
Zu Zeiten der UdSSR waren die Bootsbauer in<br />
Nikolajew am Schwarzen Meer gut ausgelastet. Jetzt<br />
soll die Bootsbautradition vor allem mit westlichem<br />
Know-how wiederbelebt werden. Die auf Stahlrümpfe<br />
und Aluminium-Aufbauten spezialisierte Werft Fifth<br />
Ocean Shipyard stellte gerade ihr jüngstes Projekt<br />
vor. Die gut 28 Meter lange Yacht soll es mit zwei<br />
Caterpillar-Maschinen auf 14 Knoten maximalen<br />
Speed bringen, als Reisegeschwindigkeit sind zwölf<br />
Knoten vorgesehen. Gezeichnet wurde das Schiff von<br />
dem holländischen Konstruktionsbüro Guido de Groot<br />
Design. Fifth Ocean will mit niedrigen Preisen vor allem<br />
Werften in der Türkei und in Asien Konkurrenz machen.<br />
Länge 28,30 Meter; Breite 7,60 Meter; Maschinen 2 x<br />
705 PS; Treibstoff 30.000 Liter. foyachts.com<br />
www.seenotretter.de<br />
I 15<br />
Danke.
yacht stil I <strong>Boat</strong>shows<br />
Die beiden kurz aufeinander folgenden Ausstellungen von Cannes und Monaco<br />
sind die Highlights der Superyachtbranche in Europa. Claus Reissig war dort.<br />
Wer das erste Mal nach Monaco und Cannes kommt, dem<br />
verschlägt es dort zu Zeiten der beiden großen Bootsausstellungen<br />
förmlich die Sprache. Die Stege in Monaco liegen<br />
förmlich im Schatten der großen Yachten. Wobei sich im<br />
Fürstentum fast so etwas wie (mindestens!) eine Nebenausstellung<br />
etabliert: Zwar haben sich insgesamt rund 33.000<br />
Aussteller und Besucher in den Zelten und Pavillons des Ausstellungsgeländes<br />
getroffen, aber noch einmal über 80 große<br />
Yachten lagen außerhalb des Hafens auf Reede. Entweder<br />
waren sie schlicht zu groß, oder es gab keinen Platz mehr.<br />
Stattdessen werden mit einem permanenten Dingi-Shuttle-<br />
Verkehr Interessierte, Geschäftsleute oder Eigner hin und<br />
her gefahren. Noch einmal so viele Yachten und Boote<br />
liegen auf der anderen Hafenseite und ebenfalls außerhalb<br />
des Messegeländes. Sehenswert war hier der lange Steg<br />
voll mit Riva-Booten – von den Anfängen bis heute. Riva hat<br />
hier sein größtes Verkaufsbüro.<br />
Und was fiel noch auf? Die Stimmung war nicht schlecht<br />
und – welche Yacht etwas auf sich hält, braucht mindestens<br />
einen Balkon. Die Schiffe wandeln sich, weg vom<br />
Maritimen und hin zu großen, schwimmenden Häusern.<br />
Jede Ecke und Garage wird zur Lounge ausgebaut, auf<br />
einer Benetti in Cannes waren sage und schreibe vier<br />
gewaltige Sonnenschirme übers Schiff verteilt, die für die<br />
FOTO: claus reissig<br />
16 I
Ausfahrt aus dem Hafen einfach nur zusammengeklappt<br />
wurden – nicht sehr schiffig.<br />
Balkone werden derzeit übrigens ebenfalls heiß diskutiert,<br />
zumindest von den Crews: denn werden sie<br />
wirklich benutzt? Liegt das Schiff vor Anker, dürfte der<br />
einzige windgeschützte Platz am Heck sein. Dagegen<br />
halten sich übrigens mit zwei Ausnahmen (Hanseatic<br />
und Vicem) zäh zu schmale und zudem schwankende<br />
Gangways an immer größer werdenden Yachten:<br />
Zubehörteile, die sich ohne viel Arbeit einfach ins Heck<br />
schieben lassen sollen, aber keinerlei Komfort bieten.<br />
Die Dame, die in Cannes das Schiff nicht wieder über<br />
den schmalen Steg verlassen wollte, wird ihren Mann<br />
bestimmt nicht beim Kauf einer Yacht unterstützen.<br />
Aber das ist nur eine Randbemerkung. &<br />
Monaco/Cannes 2012
18 I
lady linda I yachten projekte<br />
Lady<br />
Linda<br />
Manchmal dauert es etwas,<br />
bis man für sich die ideale<br />
SchiffsgröSSe gefunden hat.<br />
Die 57 Meter lange Lady Linda<br />
ist das jüngste von insgesamt<br />
fünf Projekten von Linda<br />
und Doug Von Allmen.<br />
Text Rebecca Cahilly Fotos Bugsy Gedlek<br />
I 19
yachten Projekte<br />
I lady linda<br />
Die Lady Linda ist das zweite individuelle<br />
Yachtbauprojekt der Trinity-Werft für die Eigner<br />
Linda und Doug Von Allmen aus Fort Lauderdale.<br />
Es ist für sie ihre fünfte große Yacht und<br />
bereits die dritte von Trinity. Der Wunsch, neu zu bauen,<br />
kam fast unmittelbar nach der Auslieferung ihrer ersten Lady<br />
Linda, einem 48-Meter-Schiff. Dieses Projekt hatte sich aufgrund<br />
des Hurrikans Katrina mächtig verzögert, und in dieser<br />
Zeit stellten die Von Allmens quasi zwischendurch noch<br />
einmal ein viel größeres Schiff fertig: Die 60 Meter lange<br />
Linda Lou (jetzt Lime Light) hatten sie auf der Lürssen-Werft<br />
in Deutschland in Auftrag gegeben.<br />
Aber die erste Lady Linda war zu klein und bei Linda Lou war<br />
sofort klar, dass sie mit ihren 3,5 Metern Tiefgang nicht hinter<br />
dem Haus der Eigner am Intracoastal Waterway anlegen können<br />
würde. Also suchten sie nach einer Lösung zwischen der<br />
48- und der 60-Meter-Yacht – ein Schiff mit einem ähnlichen<br />
Innenraum wie auf der Linda Lou und einem ähnlich geringen<br />
Tiefgang wie dem der 48-Meter-Yacht. Sie wollten nicht nur in<br />
Fort Lauderdale vor Anker gehen können, sondern durch ihre<br />
liebsten Gewässer um die Bahamas kreuzen. So begann also<br />
2006 ihr drittes Bauprojekt, die 57 Meter lange Lady Linda.<br />
Doug Von Allmen beteiligte sich an der Entwicklung der<br />
Außengestaltung durch den britischen Designer Evan K Marshall.<br />
„Wir lieben den Look der Lürssen-Yacht“, erzählt Linda<br />
Von Allmen, „also wollten wir uns in der Gestaltung dieser<br />
Lady Linda nach ihr richten.“ Die vertikalen Fenster des Steuerhauses,<br />
das teilweise geschlossene Sonnendeck und die<br />
großzügigen Bogenlinien verleihen ihr europäisches Flair und<br />
trotz der Größe eine gewisse Grazie.<br />
Der geringe Tiefgang schließlich, der für die Bahamas und<br />
zum Anlegen hinter dem Haus der Eigner erforderlich war,<br />
wurde durch die große Breite von 10,20 Meter erreicht. 2,40<br />
Meter lassen auch flache Passagen und Ankerplätze zu.<br />
Die Von Allmens legten auch den Grundriss der Lady Linda<br />
selber fest und ließen mehrere Parameter aus jahrelanger<br />
Großyacht-Erfahrung in ihre Gestaltung mit einfließen. Doug<br />
hatte bereits einen Generalplan, als Evan K Marshall für die<br />
Innengestaltung hinzugezogen wurde. „Dieser Grundriss mag<br />
zwar in vielerlei Hinsicht überhaupt nichts bahnbrechendes<br />
haben“, so Marshall, „aber er wurde sehr sorgfältig geplant.<br />
Die Besitzer wissen, wie sie ihr Boot nutzen möchten.“<br />
Der Grundriss wurde zwar mehrfach überarbeitet, aber<br />
Doug Von Allmens Grundvorgaben wurden beibehalten: Alle<br />
Gästekabinen sollten dieselbe Größe haben – ein wichtiger<br />
Aspekt, wenn man mit Freunden auf Tour geht, und günstig<br />
fürs Chartern. So gibt es vier große Doppelbett-Kabinen auf<br />
dem Unterdeck, eine geräumige Mastersuite mit Büro im<br />
Vorschiff auf dem Hauptdeck, und direkt hinter dem Steuerhaus<br />
auf dem Brückendeck wurde eine sechste, kleinere<br />
Kabine als Fitnessraum mit einem Schrankbett eingerichtet.<br />
20 I
Das Dekor der Skylounge kombiniert zeitgenössisches Mobiliar mit einem Touch Art déco (unten links). Die Gästekabinen sind alle gleich<br />
groß, aber einzigartig in ihrem Dekor. Ein bemerkenswertes Detail ist der Ausblick aus den übergroßen Bullaugen vom Bett aus (unten rechts)<br />
Die Bullaugen in den Gästekabinen wurden vergrößert und<br />
bekamen Verdunklungsvorhänge, um die Privatsphäre zu wahren.<br />
Doug hat die Gästebetten querschiffs und zur Schiffsmitte<br />
hin angelegt. „Das war eine brillante Idee“, meint der Vizepräsident<br />
von Trinity Yachts, Billy Smith, „so können die Gäste direkt<br />
vom Bett aus den großen Bullaugen sehen. Das ist ein ungewöhnliches<br />
Erlebnis.“<br />
In enger Zusammenarbeit mit Linda Von Allmen hat Marshall<br />
die Raumplanung des Paars sorgfältig mit einem eleganten Dekor<br />
versehen. Die Lady Linda folgt keinem besonderen Stil oder<br />
Trend, sie verfügt eher über eine gut durchdachte Mischung aus<br />
zeitgenössischen Elementen mit einem Touch Art déco.<br />
Auf der Lady Linda hat die Einrichtung des Unterdecks mehr<br />
Aufmerksamkeit als bei den meisten anderen Yachten erhalten.<br />
Jede der vier Kabinen ist in ihrem eigenen Farbton abgestimmt,<br />
abgesetzt durch Steinarbeiten eines renommierten<br />
Steinmetzes aus Seattle. Zu jedem Raum gehört ein großes<br />
Badezimmer mit Doppel-Waschbecken. Alle Einbaumöbel an<br />
Bord wurden individuell gefertigt; die Betten und Waschtische<br />
in den Gästeräumen haben gerillte Ecken, und zwar nicht<br />
nur die Holzteile, sondern auch der Marmor, eine subtile Anspielung<br />
an Ruhlmann und seinen Art déco-Stil, der ziemlich<br />
schwierig umzusetzen ist.<br />
„Der Grundgedanke war, in der Möbelgestaltung auf jedem<br />
Deck leicht abzuweichen“, so Marshall. „Die Eigner mögen<br />
zahlreiche Stile und kombinieren diese gern und lassen sich<br />
nicht einengen. Auch die Dinge mit „Wow-Faktor“ fügen sich in<br />
eine Gesamteleganz ein.“<br />
Eins dieser Details fällt ins Auge, wenn man vom Gästefoyer zum<br />
Foyer des Hauptdecks hinaufsteigt: ein spektakuläres, handge-<br />
I 21
yachten Projekte<br />
I lady linda<br />
Um den manchmal nicht optimal ausgenutzten Hauptsalon attraktiver zu machen, haben die Von Allmens zahlreiche Grundrisse studiert. Der Bereich umfasst eine<br />
große Bar, die das Achterdeck mit dem Innenbereich verbindet. Die Aufbewahrung der Gläser der Bar ist genial: ein wandhohes Gemälde lässt sich als Tür öffnen<br />
D„Der<br />
Grundgedanke<br />
war, in der<br />
Möbelgestaltung auf<br />
jedem Deck leicht<br />
abzuweichen. Die Eigner<br />
mögen zahlreiche Stile<br />
und kombinieren diese<br />
gern und lassen sich<br />
nicht einengen.”<br />
Designer Evan K Marshall<br />
maltes Wandgemälde nach dem Vorbild des „Chariot of Aurora“-Reliefs im Art<br />
déco-Stil, welches den berühmten Transatlantik-Liner Normandie schmückte.<br />
Die Herausforderung bestand hier in der vertikalen Präsentation des Konzepts,<br />
da das Gemälde vom Gästedeck bis hinauf zum Brückendeck reicht.<br />
„Die Kombination aus Wurzelhölzern verschiedener Ausführungen erwecken<br />
die Innengestaltung zum Leben“, so Marshall. In jedem Bereich<br />
werden drei verschiedene Hölzer eingesetzt. Der Hauptsalon der Lady Linda<br />
mit seiner Einrichtung aus erfrischend hellem Wurzelholz unterscheidet<br />
sich von der Trinity-Innengestaltung der letzten Jahre.<br />
Sehr viel Sorgfalt wurde auf den Grundriss des Hauptsalons verwendet.<br />
Doug Von Allmen war bewusst, dass dieser Bereich oft nicht optimal ausgenutzt<br />
wird. Er hat daher in enger Zusammenarbeit mit Marshall einen<br />
Barbereich auf der Backbordseite, gleich im Eingang achtern entworfen.<br />
„Wir müssen so dreizehn oder vierzehn verschiedene Grundrisse (des<br />
Hauptsalons und der Bar) entworfen haben“, erzählt Marshall. „Geplant<br />
war eine komfortable, halbhohe Sitzbar, die Gäste in den Hauptsalon ziehen<br />
sollte.“ Da die Bar auch mit dem Außenbereich achtern verbunden<br />
ist, erfüllt sie einen ansonsten unterschätzten Bereich mit Leben. Auf dem<br />
Achterdeck befindet sich ein großer Esstisch für zwölf Personen, der über<br />
geräumige Seitendecks für die Crew von der Bordküche auf dem Hauptdeck<br />
aus leicht zugänglich ist. Doug war es wichtig, dass dieser Bereich<br />
windgeschützt ist. Außerdem verfügen alle Außenbereiche über eine Klimaanlage<br />
und Heizung in der Decke.<br />
Einen Schwerpunkt auf dem Brückendeck bilden Steinmetzarbeiten, so<br />
schmückt zum Beispiel eine Einlegearbeit aus Marmor das Foyer, und<br />
auch die Oberflächen der Skylounge sind in Marmor ausgeführt, welche<br />
sich sogar bis auf den Außendeckbereich erstrecken. Der Stil der Skylounge<br />
hebt sich kühn vom übrigen Schiff ab. Mit Perlmutt-Lack, Leder, Teppichen<br />
in Blau-, Silber und Creme-Tönen, einer Holz-Einlegearbeit im Boden und<br />
atemberaubenden handgeschnitzten Paneelen im Art déco-Stil.<br />
22 I
Weiter vorn musste die Kapitänsunterkunft (die sich jetzt auf<br />
dem Hauptdeck befindet) der in einen Fitnessraum umwandelbaren<br />
Kabine hinter dem Steuerhaus weichen. Dies ist eine<br />
Kabine mit Gäste-Ausstattung; der Kapitän kann die Brücke<br />
dadurch jedoch nur über eine Treppe erreichen. Er bekam allerdings<br />
eine geräumige Schreibecke gleich hinter der Brücke<br />
für die Karten- und Büroarbeit.<br />
Ein weiterer Kompromiss beim Grundriss ist, dass durch die<br />
vier großen Gästekabinen unter Deck kein Platz mehr für eine<br />
geräumige Garage für die Beiboote blieb, so dass die Von Allmens<br />
beschlossen, sie auf dem Sonnendeck unterzubringen,<br />
von wo aus sie mit einem Davit zu Wasser gelassen werden.<br />
Das Sonnendeck ist verstärkt und als Hubschrauberlandeplatz<br />
ausgelegt. Zudem wurde es mit mehreren Verstärkern<br />
ausgestattet, damit im Achterbereich Bands spielen können<br />
und getanzt werden kann. Doug hat auch darauf geachtet,<br />
dass eine große Windschutzscheibe gleich hinter dem Wellnesspool<br />
und den Sonnenliegen eingebaut wurde, damit die<br />
Gäste an der Bar geschützt sind.<br />
Lady Linda ist ein relativ schnelles Schiff, sie erreicht dank ihrer<br />
3.384 PS starken Caterpillars eine Höchstgeschwin-digkeit von<br />
20 Knoten. Ihre spezielle Rumpfform hat sich bei Tanktests<br />
als sieben Prozent kraftstoffeffizienter als ein konventioneller<br />
Rumpf herausgestellt. Künftig wird dies die neue Standardrumpfform<br />
von Trinity für Halbgleiter-Yachten. Am Rumpf<br />
der Lady Linda arbeitete auch Ausrüster Quantum mit, um<br />
Die Mastersuite umfasst zwei getrennte Badezimmer sowie ein Gemälde,<br />
dessen untere Hälfte sich absenken lässt und einen Fernseher freigibt<br />
(oben). Die Steinarbeiten an Bord wurden von Jeff Homchick ausgeführt,<br />
wobei jeder integrierte Waschtisch das Dekor der Kabine ergänzt<br />
100% Customised
yachten Projekte<br />
I lady linda<br />
zu gewährleisten, dass sie mit einem Stabilisatorsystem mit zwei<br />
Flossen anstelle der üblichen vier Flossen auskommen würde.<br />
Hinter einem geschmackvollen Kunstwerk, das das Verständnis von Lady<br />
Lindas Eignern für alles Schöne spüren lässt, verbirgt sich die Tür zur Brücke<br />
Im Juni dieses Jahres glitt die 57 Meter lange Lady Linda sanft an<br />
ihren Anleger hinter dem Haus der Von Allmens am Intracoastal.<br />
Der Bau hat sechs Jahre gedauert, da es aufgrund der wirtschaftlichen<br />
Lage zu unvorhergesehenen Verzögerungen bei Zulieferern<br />
kam, aber erfahrene Eigner wissen, dass das beim Bau einer individuellen<br />
Yacht vorkommen kann. „Kein Bau einer kundenspezifischen<br />
Yacht geht ohne geschäftliche Probleme vonstatten“, so<br />
Smith. Ob ein sechstes Schiff in Planung ist? Lady Linda wurde<br />
bereits für die Charter vorbereitet und war im Begriff auszulaufen.<br />
Ihr volles Programm sollte sie ins Mittelmeer und im Winter in die<br />
Karibik bringen. „Jetzt genießen wir erst einmal, was wir haben“,<br />
sagen die Von Allmens. &<br />
lady linda<br />
Länge 57 m<br />
Breite 10,20 m<br />
Tiefgang 2,40 m<br />
Verdrängung 544 t<br />
antrieb 2 x 3.384 PS Caterpillar 3516-C HD<br />
Geschwindigkeit (max./reise) 20/18 kn<br />
Reichweite 4.500 sm bei 10 kn<br />
treibstoff 87.023 l<br />
bugstrahlruder 200-PS Quantum<br />
Stabilisatoren Quantum; 4,5 qm Flossen Zero-Speed<br />
generatoren 2 x 280 kW Northern Lights,<br />
1 x 99 kW Notstromaggregat<br />
wasser 14.759 l<br />
gäste/besatzung 12/14<br />
beiboote Novurania (7 m), Center Console von Nor-Tech (12 m)<br />
material Aluminium<br />
klassifizierung ABS, entspricht MCA<br />
Aussen-/innendesign Evan K Marshall<br />
makler IYC, Frank Grzeszczak, iyc.com<br />
charter Burgess, burgessyachts.com<br />
preis 322.000 € bis 350.000 € pro Woche, zzgl. Auslagen<br />
regionen Mittelmeer (Sommer), Karibik (Winter)<br />
werft Trinity Yachts, Gulfport, Mississippi<br />
trinityyachts.com<br />
Zwei Beiboote sind<br />
auf dem Sonnendeck<br />
untergebracht,<br />
ein zwölf Meter<br />
langes Boot wird<br />
geschleppt, und drei<br />
Wassermotorräder<br />
befinden sich im Bug<br />
Im Vorschiff, unter dem Überhang des Radarmastes, befindet sich eine<br />
eingebaute Windschutzscheibe zum Schutz des Bar- und Sitzbereiches achtern<br />
Eine Nische an<br />
der Rückseite der<br />
Steuerhaustür, in<br />
der eine Skulptur<br />
steht, verbirgt den<br />
Eingang zur Brücke<br />
Das Büro<br />
des Eigners<br />
zeigt Linda<br />
Von Allmens<br />
Aufmerksamkeit<br />
für jedes Detail<br />
Eine sechste Kabine hinter dem Steuerhaus<br />
verfügt über ein Schrankbett und lässt sich bei Bedarf in einen Fitnessraum verwandeln<br />
Der Spiegel reicht<br />
auch tatsächlich bis<br />
zum Heck, dadurch<br />
wird die Wasserlinie<br />
verlängert, und es<br />
gibt kein Geräusch<br />
von klatschendem<br />
Wasser unter einer<br />
Badeplattform<br />
24 I<br />
Der Eigner hat bestimmt, dass die Türen zur<br />
Masterkabine und zum Büro versetzt sein müssen, damit man nicht vom Foyer aus durch alle Räume sehen kann<br />
Die vier Doppelbett-Kabinen sind gleich groß und verfügen über<br />
große Badezimmer mit Doppel-Waschbecken und großartigem Ausblick aus den Betten
gudella, barche.<br />
WÜRSTCHEN<br />
AUF 12 UHR.<br />
ERST JAGEN, DANN WURSTEN. WILDE WÜRSTE. AB SEITE 34.<br />
MÄNNER KOCHEN ANDERS
<strong>American</strong><br />
<strong>Big</strong> <strong>Boat</strong><br />
Text claus reissig Fotos Kristina Strobel/Superyacht Media<br />
26 I
arianna I yachten projekte<br />
Glatt wie ein Stein: aus<br />
der Vogelperspektive<br />
wird vielleicht am<br />
deutlichsten, dass bei<br />
Ariannas Bau auf maximalen<br />
Innenraum Wert<br />
gelegt wurde. Ausufernde<br />
Terrassen sucht<br />
man vergeblich<br />
Arianna aus der amerikanischen<br />
Delta-Werft ist der gröSSte<br />
Kompositverdränger, der jemals gebaut<br />
wurde. Und mit fast 700 Quadratmetern<br />
hält sie zudem den Rekord für die<br />
Wohnfläche auf einem 50-Meter-Schiff.<br />
I 27
Klare Kante: US-amerikanische Yachten sind gegenüber<br />
europäischen Entwürfen häufig etwas konservativer.<br />
Die dunklen Fenster strecken Ariannas Linien<br />
von aussen ist die<br />
leichtigkeit, die das<br />
innere der yacht<br />
ausmacht, nicht<br />
einmal zu ahnen<br />
Wenn man mit einer Motoryacht auf große<br />
Fahrt gehen möchte, ist Wohnraum für viele<br />
Eigner der alles entscheidende Faktor. Denn<br />
wenn man zu Hause schon großzügig lebt,<br />
soll das auf der Yacht nach Möglichkeit nicht viel anders<br />
sein. Gut, wenn das Schiff dabei zugunsten von Handling<br />
und Unterhaltskosten dann nicht zu lang wird. 50 Meter<br />
waren die Vorgabe ihres Eigners an die amerikanische<br />
Delta-Werft, um rund 700 Quadratmeter Gesamtfläche<br />
unterzubringen. Nicht ganz einfach für ihre Konstrukteure:<br />
Alle Maße mussten bis auf die letzten Zentimeter genutzt<br />
werden, um die immense Fläche möglich zu machen.<br />
Ariannas Dimensionen schließlich sind wirklich beeindruckend:<br />
50 Meter lang ist die Komposityacht und über zehn<br />
Meter breit. Ihr Nettoinnenraum beträgt 780 Raumtonnen.<br />
Damit stellt sie gleich zwei Weltrekorde auf. Sie ist der<br />
größte jemals gebaute Komposit-Verdränger und mit 700<br />
Quadratmetern die von der Fläche her größte 50-Meter-<br />
Yacht weltweit.<br />
Auf allzu üppige Freidecks mit riesigen Loungebereichen<br />
wurde daher genauso verzichtet wie auf eine weit ausladende<br />
Badeplattform, die letztlich ebenfalls nicht überbaut<br />
werden kann. Drei von vier Decks schließen nahezu<br />
mit dem Heck ab, auch großzügige Laufdecks sucht man<br />
auf der 2012 zu Wasser gelassenen Arianna vergeblich:<br />
Auch seitlich reichen die Decks bis zu den Außenwänden.<br />
Einzige Ausnahme bildet das obere, zur Eignersuite ge-<br />
28 I
arianna I yachten projekte<br />
hörende Sonnendeck. Optisch bildet die Yacht somit<br />
eine fast geschlossene Einheit. Weit entfernt von den zergliederten<br />
Decksflächen moderner europäischer Yachten<br />
verkörpert sie damit eine typisch amerikanische Bauweise.<br />
Die Konturen sind glatt, zweckmäßig und nahezu abweisend.<br />
Auf übertrieben große Fensterflächen oder gar<br />
Balkone und seitlich aufklappbare Beachclubs und Garagen<br />
verzichtet die Yacht. Von außen ist die Leichtigkeit, die<br />
das Innere der Yacht ausmacht, nicht einmal zu ahnen.<br />
Mit ihrem vorspringenden Steven stemmt sie sich gegen<br />
den derzeit vorherrschenden Trend zu martialischen Linien<br />
und Formen: Arianna ist durchaus zurückhaltend, fast<br />
ein wenig traditionell und konservativ. Für einen späteren<br />
Verkauf muss das nicht die schlechteste Lösung sein.<br />
Auch im Innenraum sieht das Schiff von ausufernden<br />
Extravaganzen ab. Es überwiegt ein klarer, fast strenger<br />
Kolonialstil. Naturmaterialien an den Wänden werden mit<br />
verschiedenen dunklen und seltenen Hölzern wie Mahagoni,<br />
hawaiianische Akazie oder der ebenfalls sehr<br />
seltenen Wenge gemischt. Die Decken sind von Bambus<br />
durchzogen, das die Räume nahezu wie ein Holzhaus<br />
auf einer tropischen Insel wirken lässt. Tatsächlich ließen<br />
die Eigner ihre Wohnräume stark von der polynesischen<br />
Kultur inspirieren und setzten dies auf eine ganz eigene<br />
Weise auf der Yacht um. Gewebtes Leder oder Seidenteppiche<br />
stellen eine eigene Interpretation dar. Die<br />
Wände sind zurückhaltend mit Kunstwerken aus dem traditionellen<br />
Leben der Polynesier geschmückt.<br />
Das Reich des Eigners: Auf dem Sonnendeck<br />
befindet sich der Whirlpool<br />
(oben links); über die verglaste Treppe<br />
können Gäste nach oben passieren<br />
(oben). Die Terrasse vor der Eignersuite<br />
ist komplett abgeschattet<br />
I 29
yachten Projekte<br />
I arianna<br />
ihre jungernfahrt soll die in seattle an<br />
der amerikanischen ostküste gebaute<br />
yacht in den pazifik unternehmen<br />
Insel-Feeling: Das Thema Polynesien findet sich auf der gesamten Yacht, so wie in der Küche und im Essbereich mit seinem naturbelassenen<br />
Tisch (oben); auch das Eignerbad (unten links) und das Schlafzimmer (unten rechts) nehmen die Materialien Polynesiens auf<br />
30 I
Der Esstisch auf dem Hauptdeck wurde aus einem ganzen<br />
Stamm gesägt, alle Ränder wurden unbehandelt und nahezu<br />
roh belassen. Die Stühle bestehen aus mit Naturfasern<br />
verbundenem Bambus, in den Polstern sind traditionelle<br />
Muster eingewebt. Schwere, geschliffene Gläser<br />
und traditionelles Silberbesteck nehmen unübersehbar<br />
die Vorlage des Kolonialstils wieder auf.<br />
Die oberen beiden Decks sind der Brücke und dem Eignerbereich<br />
vorbehalten. Das Eignerschlafzimmer reicht<br />
achtern über die gesamte Schiffsbreite und endet über<br />
eine Terrassentür auf einem eigenen Freideck. Auch hier<br />
finden sich die Designelemente des Pazifiks an der Decke,<br />
in den Möbeln und auch in der Dekoration wieder. Über<br />
eine Wendeltreppe gelangt man vom Außenbereich aus<br />
auf das obere Sonnendeck, den einzigen Bereich, der<br />
nicht großflächig überdacht ist. Auf dem Sonnendeck ist<br />
genügend Platz für ein intimes Dinner oder nur zum Entspannen<br />
im Whirlpool. Die Möblierung ist ebenfalls<br />
zurückhaltend, nahezu konservativ und strahlt einen eigenen<br />
und klaren Charme aus. Ein großflächiger Karbon-<br />
Sonnenschutz schattet fast das gesamte Deck ab.<br />
Die offene Bar verzichtet auf Extravaganzen, die Linien<br />
sind klar, auf Spielereien wurde bewusst verzichtet. Nichts<br />
stört den freien Blick in die Natur. Ganz im Sinne einer<br />
Yacht, die zum Bereisen der schönsten Reviere der Welt<br />
gedacht ist. Auf Eignerwunsch wurde die Wendeltreppe<br />
auf dem Oberdeck rund verglast. So können die Gäste<br />
vom Hauptdeck die Eignerräume passieren, ohne dort zu<br />
stören. Bei Bedarf kann die gebogene Glastür zum Eignerdeck<br />
zudem verriegelt werden, die Besucher des Oberdecks<br />
befinden sich quasi im Transit; für eine Nutzung mit<br />
vielen Gästen oder Kindern eine zweckmäßige Lösung, die<br />
das gesamte Schiff auszeichnet. Alternativ kann ein Aufzug<br />
benutzt werden, der alle Decks miteinander verbindet.<br />
Auch bei den Maschinen setzt die US-amerikanische Werft<br />
auf Bewährtes. Zum Einsatz kommen zwei Caterpillar 12-Zylinder-Diesel<br />
mit einer verhältnismäßig moderaten Drehzahl<br />
von 1.650 Umdrehungen pro Minute. Sie bringen die 522<br />
Tonnen schwere Yacht auf maximal 16 Knoten Fahrt, als Reisegeschwindigkeit<br />
gibt Delta Marine 14,5 Knoten an. Da die<br />
Yacht für lange Strecken konstruiert wurde, sollen bei Überführungsfahrten<br />
mit rund 13 Knoten Geschwindigkeit um die<br />
5.000 Seemeilen Reichweite möglich sein. Dafür werden pro<br />
Tankstopp knapp 83 Tonnen Treibstoff gebunkert. Quantum-<br />
Stabilisatoren sorgen auf See und vor Anker dafür, dass<br />
die Yacht nicht rollt. Um eine größtmögliche Unabhängigkeit<br />
in entlegenen Gebieten zu gewährleisten, sorgen zwei<br />
Caterpillar-Generatoren für die nötige Energie an Bord. Zwei<br />
Seewasserentsalzungsanlagen mit einer Tagesleistung von<br />
zusammen über 25.000 Litern sind zudem in der Lage, die<br />
Wasservorräte innerhalb kürzester Zeit wieder aufzustocken.<br />
Bei aller Ausrüstung und dem Bau wurde auf eine möglichst<br />
einfache Handhabung der Yacht Wert gelegt. Auf große Garagen<br />
für möglichst viele Wasserspielzeuge wurde beispielsweise<br />
verzichtet. Stattdessen stehen lediglich zwei Jetskis auf<br />
dem Vordeck zur Verfügung, einer von zwei Tendern wird bei<br />
Nichtgebrauch mit einem Kran auf dem Sonnendeck verstaut.<br />
Ein verstecktes technisches Schmankerl ist hingegen die Garage<br />
für den zweiten Tender: Bei geöffneter Heckklappe kann<br />
das Beiboot direkt in die Wassergarage gefahren werden und<br />
wird im Bootsinneren verstaut. Ein fast symptomatisches Feature<br />
für die nach außen geschlossen wirkende Arianna. Ihre<br />
Jungfernfahrt soll die in Seattle an der amerikanischen Ostküste<br />
gebaute Yacht übrigens in den Pazifik unternehmen. &<br />
Die Eignersuite zeichnet sich wie<br />
das gesamte Interieur durch eine<br />
Art Kolonialstil aus. Es überwiegen<br />
Naturmaterialien, Kunstwerke zeigen<br />
pazifische Themen.<br />
I 31
yachten Projekte<br />
I arianna<br />
arianna<br />
Länge 50 m<br />
LWL 45 m<br />
Breite 10,40 m<br />
Tiefgang 2,90 m<br />
Verdrängung 522 t<br />
brt 750<br />
antrieb 2 x 1.650 PS Caterpillar 3512-B<br />
geschwindigkeit (max./reise) 16/14,5 kn<br />
reichweite 5.000 sm bei 13 kn<br />
treibstoff 82.900 l<br />
bugstrahlruder Quantum QT 150, 150 PS<br />
stabilisatoren Quantum QC-1800 Zero Speed<br />
generatoren 2 x Caterpillar C6.6, je 125 kW<br />
klimaanlage Aqua Air 60 ton<br />
Meerwasserentsalzung 2 x Sea Recovery 3600 GPD<br />
wasser 11.356 l<br />
gäste/besatzung 12/12<br />
Material GfK Komposit<br />
klassifizierung LR100 A1 SSC Yacht G6 Mono MCH<br />
innen-/auSSendesign Delta Design Group<br />
tender 2 x Nautica<br />
kran Nautical Structures EZ 300 FB<br />
werft/baujahr Delta Marine / 2012<br />
deltamarine.com<br />
Sonnendeck<br />
Oberdeck<br />
Hauptdeck<br />
Unterdeck<br />
32 I
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mit der neuen Pershing 82 das perfekte<br />
Schiff. Der Antriebsstrang für die immense<br />
Geschwindigkeit kommt komplett aus<br />
deutscher Produktion.<br />
Speed Machine: Mit knapp 50<br />
Knoten dürfte die Pershing 82<br />
wohl die schnellste Serienyacht<br />
ihrer Größe sein<br />
34 I
Andrea Fabretti weiß, dass er mit seinem jüngsten<br />
Kind ein Schiff in die Welt geschickt hat, das nahezu<br />
keine Konkurrenz hat. 25 Meter ist sie lang,<br />
ein luxuriöses Appartement zur See und gewaltige<br />
47,3 Knoten schnell. Alle anderen Yachten auf der<br />
bewegten See vor Cannes in Südfrankreich scheinen nahezu<br />
stillzustehen, wenn die Pershing 82 gefolgt von einer<br />
meterhohen, durch die Oberflächenantriebe aufgeworfenen<br />
Hecksee vorbeirast. Im Inneren zeugt lediglich ein leises<br />
Rumpeln von fast 90 Stundenkilometern Geschwindigkeit.<br />
Bei geschlossenen Türen ist auf den komfortablen Fahrersitzen<br />
eine Unterhaltung in Zimmerlautstärke möglich; raus<br />
geht jetzt niemand mehr – trotz der in der flachen Linie versteckten<br />
Flybridge. Zu sehr zerrt dort der Wind an einem.<br />
„Da vorne ist Saint-Tropez“, scherzt der für die Produktentwicklung<br />
bei Pershing zuständige Fabretti und zeigt auf einen<br />
fiktiven Punkt am Horizont, „in einer Stunde sind wir da und<br />
trinken ein Glas Champagner – 2.000 Euro für Diesel, was<br />
soll’s?“ Was manchen Bootseigner schon als Summe für eine<br />
Urlaubsreise zusammenzucken lässt, sollte man mit einer<br />
Pershing als normal einkalkulieren, dafür ist sie da. Schnell<br />
lange Strecken zurücklegen kann sie wahrscheinlich wie<br />
keine andere Yacht. Und selbst manches hoch motorisierte<br />
Speedboat dürfte an ihr verzweifeln.<br />
Der Antrieb? Komplett aus deutscher Produktion. Die<br />
Getriebe liefert ZF, ebenso wie die dazugehörigen SeaRex-<br />
Oberflächenantriebe. Ihre unbändige Kraft von fast 5.000 PS<br />
schöpft die Pershing 82 aus zwei MTU 16-Zylinder-Dieseln.<br />
„Die besten, die es gibt“, schwärmt der Italiener, „am stärksten,<br />
leichtesten und am leichtesten zu warten. Und am kleinsten“,<br />
fügt Fabretti hinzu, „schließlich verkaufen wir Kabinen<br />
und keine Maschinen.“<br />
Heißt, dass die Kraft zwar zur Verfügung stehen soll, aber das<br />
Leben an Bord an mindestens zweiter Stelle steht, wenn nicht<br />
gar an erster.<br />
neben einem direkten Zugang zum Maschinenraum auch die<br />
Pantry der Yacht. Gekocht wird hier unten, serviert oben auf<br />
dem Hauptdeck, das sich in seinem Auftritt auf Wohnbereich<br />
und den Fahrstand konzentriert: ein offener Salon mit weiten<br />
Sichtachsen, nach vorn abgeschlossen durch einen Fahrstand<br />
für drei Personen.<br />
Das Fahren an sich ist undramatisch, die Manöver durch die<br />
schwenkbaren Antriebe direkt. Fast wie in einem Film zieht<br />
die Umgebung vor der riesigen Windschutzscheibe vorbei.<br />
Wer es anders gewohnt ist, kann die Entfernung zur See und<br />
die Geschwindigkeit zunächst als befremdlich empfinden.<br />
Fahrerorientiert: Wie bei einem Sportwagen bekommt der Fahrstand<br />
einen prominenten Platz im Salon (oben), auf der Flybridge klappen<br />
Instrumentenkonsole und Windschutzscheibe bei Bedarf auf<br />
Schließlich beschleunigt die Pershing 82 neben fast sechs<br />
Tonnen Diesel, der sich im Gewichtsschwerpunkt in einem<br />
Tank im doppelten Boden des Schiffes befindet, 1.300 Liter<br />
Wasser, drei Kabinen mit En-suite-Bädern sowie Crewunterkünfte<br />
für drei Personen. Die liegen Geräusch dämpfend<br />
zwischen Maschinenraum und Eignersuite und beherbergen<br />
I 35
Dank des großen Schiebedachs wird die 82 fast zur Open (links);<br />
serienmäßig ist die Yacht komplett ausgestattet, für den Vortrieb<br />
sorgen zwei MTU-Maschinen (Mitte); die mächtige Heckklappe<br />
öffnet die Badeplattform gleich mit (unten)<br />
Fast fühlt man sich wie in einer komfortablen Limousine bei<br />
hoher Geschwindigkeit auf der Autobahn.<br />
Damit der zukünftige Eigner beim Durcheilen der verschiedenen<br />
Geschwindigkeitsbereiche nicht den Überblick<br />
zwischen den Anzeigen für die Trimmklappen, den idealen<br />
Stand der Antriebe, der Gasstellung sowie dem Joystick zum<br />
Steuern verliert, während er die vorbeirasende Umgebung<br />
kontrolliert, hilft im Verborgenen Smarttrim. Ein System, das<br />
Pershing gemeinsam mit ZF entwickelt hat, um den jeweils<br />
besten Trimm automatisch zu gewährleisten. Bis auf weiteres<br />
gibt es Smarttrim nur auf den Schiffen aus Mondolfo. Alles<br />
läuft auch für Laien perfekt und wie von Geisterhand, aber<br />
wen es beruhigt: Die letzten Zehntel an Speed kitzelt der<br />
Werftskipper mittels manuellen Eingriffs aus dem Schiff.<br />
Neu ist auf der 82 die von außen nahezu unsichtbare Flybridge,<br />
die man über eine elektrisch aus der Decke über dem<br />
Cockpit hervorklappende Karbonleiter erreicht. Ein ansprechend<br />
gestalteter Platz mit aufklappbarem Steuerstand und<br />
einer ebensolchen Windschutzscheibe. Gemacht, wie gesagt,<br />
nicht zum Schnellfahren, sondern zum Bummeln durch<br />
die Buchten. Denn auch das geht natürlich mit einer Pershing.<br />
Vor Anker öffnet eine mächtige Heckklappe den Zugang<br />
zur Garage und gleich noch einen Teil der Badeplattform.<br />
Unter der Heckklappe verbergen sich die Rollen, über<br />
die der Williams-Jettender zu Wasser gebracht wird.<br />
Die Innenräume der Hochgeschwindigkeitsyacht mit ihrem<br />
tiefen V-Rumpf wurden von Pershing aufwendig gegen Geräusche<br />
und Vibrationen gedämpft. Nichts soll in den komfortablen<br />
Kabinen die Ruhe stören. Die gesamte Technik<br />
nebst Generator, Klimaanlage und aller Pumpen, die nachts<br />
eventuell anspringen könnten, wurde ans äußerste Ende des<br />
Maschinenraums verlagert. Ein beeindruckendes Gesamterlebnis:<br />
Kraft und Technik in Bestform, von denen man außer<br />
der Geschwindigkeit fast nichts merkt. &<br />
Umdrehungen Geschwindigkeit Verbrauch Verbrauch Reichweite<br />
/Minute (kn) (l/h) (l/sm) (sm)<br />
2 x 700 8,3 56 6,74 883<br />
2 x 1.000 10 116 11,6 513<br />
2 x 1.500 13,7 350 25,5 233<br />
2 x 1.800 25,5 570 14,5 410<br />
2 x 2.000 31,4 680 21,7 274<br />
2 x 2.200 40,5 766 18,9 315<br />
2 x 2.450 47,3 908 19,2 309<br />
Die Pershing 82 ist für hohe Geschwindigkeiten optimiert. Bei gut<br />
25 Knoten gleitet das Schiff relativ ökonomisch, die Reichweite<br />
liegt dann rechnerisch bei 410 Seemeilen (ohne Reserve). Allerdings<br />
ist auch eine Marschfahrt von 40 Knoten bei 2.200 Umdrehungen<br />
möglich, die Reichweite beträgt dann immer noch 315<br />
Seemeilen, selbst bei Volllast und fast 50 Knoten sind es über<br />
300 Seemeilen – das kann keine andere Yacht dieser Größe.<br />
36 I
yachtcheck I yachten projekte<br />
LüA 24,97 m<br />
lwl 18,55 m<br />
Breite 5,50 m<br />
tiefgang 1,40 m<br />
verdrängung (leer) ca. 54,45 t<br />
treibstoff 5.950 l<br />
wasser 1.300 l<br />
maschinen 2 x MTU 16V 2000 M93, je 2.435 PS<br />
mit SeaRex-Oberflächenantrieben<br />
kabinen 3<br />
kojen 6<br />
konstruktion Fulvio De Simoni<br />
ce-kategorie A (Hochsee)<br />
preis 5.688.200 Euro<br />
konstruktion Deck und Rumpf Balsaholz-Sandwich;<br />
Infusionsverfahren mit Vinylestherharz<br />
serienausstattung (u.a.) Teakdeck, Anker (50 kg); Kette (100<br />
m); elektr. Ankerwinde (2.700 W); Passarelle; Mooringwinde<br />
(1.700 Watt); Kompass; Außenlautsprecher; Biminitopp<br />
(Vorschiff); Log/Lot/Autopilot/Kartenplotter; Internet; UKW-<br />
Funk; Smarttrim; Audio-/Video-System; Generator 20kW;<br />
hydr. Bugstrahlruder; Rettungsinsel; Williams-Tender (325 Jet)<br />
werft Ferretti Spa, Mondolfo<br />
Pershing-yacht.com<br />
händler Lengers Yachts, Muiden<br />
lengersyachts.com<br />
I 37
Wenn der Benz<br />
zum Boot wird<br />
Text claus reissig<br />
illustrationen Silver Arrows Marine foto wikimedia commons<br />
38 I
neuvorstellung I yachten projekte<br />
Der Silberpfeil von Mercedes ist eine Legende, seit er zum<br />
ersten Mal auf dem Nürburgring gewann, das war im Jahr<br />
1934. Jetzt soll sein Name eine Motoryacht zum Erfolg<br />
tragen. Ein erster Blick auf das Boot der Autobauer.<br />
Ausgerechnet der Silberpfeil! Nicht, dass das Synonym<br />
für einen erfolgreichen Renn-Mercedes unbedingt eine<br />
schlechte Namenswahl für ein Boot von Benz wäre, aber<br />
die Erwartungen dürften immens sein. Seit 1934 ist der<br />
Silberpfeil bereits der Inbegriff für schnelle Mercedes und dazu gehört<br />
auch noch eine Geschichte, wie man sie nicht besser erfinden<br />
könnte. Zum Eifelrennen auf dem Nürburgring trat der Mercedes<br />
Benz W 25 ein ganzes Kilogramm zu schwer an. Um ihn wieder auf<br />
seine dem Reglement entsprechenden 750 Kilogramm zu bekommen,<br />
entschied man sich, den Lack von der Aluminiumkarosserie<br />
zu schleifen, so erzählt man sich. Nach Manfred von Brauchitschs<br />
Sieg war der Silberpfeil geboren.<br />
Und jetzt kommt die Yacht mit diesem Namen. 2014 soll sie genau<br />
80 Jahre nach dem Eifel-Sieg von der Silver Arrows Marine (SAM)<br />
zu Wasser gelassen werden. Das Boot entstand zusammen mit<br />
Mercedes-Designern, Martin Francis und Konstrukteurslegende<br />
Tommaso Spadolini. Nach Willen ihrer Erbauer nimmt der Silberpfeil<br />
zur See gleich eine weitere Anleihe beim Automobil auf: er soll<br />
ein GT sein, ein Gran Turismo, also ein langstreckentaugliches, gut<br />
motorisiertes und komfortables Boot.<br />
Die 14-Meter-Yacht soll aber nicht das Design der 1930er, sondern<br />
das moderner Mercedes widerspiegeln. Laut Gordon Wagner, Leiter<br />
von Mercedes-Benz Design, war der Auftrag, die Auto-Merkmale<br />
auf die Proportionen und Anforderungen einer Yacht zu übertragen.<br />
Dazu gehören die kuppelförmige Windschutzscheibe, das Coupéartige<br />
Dach sowie der wie ein Kunstwerk gestaltete Rumpf.<br />
Von außen ein Mercedes: der neue Silberpfeil zur See<br />
(links oben); unter der großen Glaskuppel lässt sich der<br />
Loungebereich zum Bett umbauen (links Mitte); das<br />
Achterdeck ist als Terrasse offen, hinter dem Aufbau<br />
stehen die Fahrersitze (links unten). Der Original-Silberpfeil<br />
von 1937 mit Hermann Lang am Steuer (oben)<br />
Auffällige Merkmale der Yacht sind die weite, sich nach achtern<br />
öffnende Terrasse zur See sowie der vorn unter der Glaskuppel<br />
liegende Loungebereich. Dahinter stehen für den Fahrer und den<br />
Beifahrer zwei komfortable Sitze mit getrennten Armaturenbrettern,<br />
die auch lange Strecken problemlos möglich machen. Ein kompromissloses<br />
Schiff für eine anspruchsvolle Besatzung.<br />
Quasi als Mercedes-Kernkompetenz standen geringe Vibration und<br />
Lautstärke sowie ein weiches Einsetzen in die See auf der Agenda.<br />
Auch bei Energieeffizienz und Emissionen will Mercedes mit dem<br />
Boot Vorbild sein. Nichts weniger als einen neuen Standard sieht<br />
SAM-Vorstandsvorsitzender Ron Gibbs mit der neuen Yacht gesetzt.<br />
Welche Farbe der in Porto Montenegro liegende Prototyp bekommen<br />
soll? Silber natürlich; lackiert – nicht geschliffen. &<br />
technische daten<br />
Lüa 14 m<br />
Breite 3,70 m<br />
tiefgang 0,80 m<br />
diesel 1.000 l<br />
wasser 300 l<br />
Maschinen 2 x 350 PS<br />
geschwindigkeit 30 kn<br />
ce-kategorie B (12 Personen)<br />
silverarrowsmarine.com<br />
I 39
yachten Projekte<br />
I Yachtcheck<br />
Catana hat bei Langfahrtyachten<br />
einen Ruf zu<br />
verteidigen. Entsprechend<br />
gespannt war die neue<br />
Catana 59 erwartet worden.<br />
Sie verkörpert einen<br />
Quantensprung bei Design<br />
und Lebensraum. Claus Reissig<br />
war exklusiv an Bord.<br />
Auf langen Strecken<br />
zu Hause<br />
Text claus reissig<br />
fotos Catana/claus reissig<br />
40 I
Markante Kanten: die neue Catana 59<br />
mit aufgeholtem gebogenen Luvschwert<br />
(links). Sowohl der Steuersitz,<br />
als auch die Fußstütze sind klappbar<br />
(oben). Auf dem Dach ist der Traveller<br />
aus dem Weg (Mitte); Klüverbaum mit<br />
Gennakerblock und Roller für die<br />
Leichtwindgenua (unten)<br />
I 41
Am Bug wird die gewaltige<br />
Rumpfhöhe des Katamarans<br />
deutlich. Die elektrischen Harken-Winschen<br />
sind eine Option<br />
(unten links), ebenso wie die<br />
aufgerollte Kreuzfock und die<br />
gesetzte Leichtwindgenua<br />
(unten rechts)<br />
Das Schiff ist<br />
vollgestopft mit<br />
Ideen – mangelnden<br />
Einfallsreichtum kann<br />
man den Entwicklern<br />
nicht vorwerfen<br />
42 I
yachtcheck I yachten projekte<br />
Der Katamaran ist das Richtige für<br />
lange Strecken, am besten geht es<br />
mehrere Tage geradeaus und dann<br />
liegt das Schiff als Bungalow vor<br />
Anker in einer Bucht. Ein Kat ist das<br />
Lebeschiff; wo andere Segler die Reise<br />
beginnen zu verfluchen, könnte es mit einem Kat noch komfortabel<br />
sein – oder zumindest aufrecht. Ausprobieren können<br />
wir das heute nicht. Aber immerhin schon einmal von Cannes,<br />
Ort einer Wassersportmesse, zurück zum Heimathafen Caneten-Roussillon<br />
an der spanischen Grenze fahren. Sicher, eine<br />
Überführung kann – darf – nicht die Konzeption eines Schiffs<br />
rechtfertigen. Besser wäre es vielleicht einmal über den Atlantik,<br />
aber das wäre zu viel des Aufwands. Was sich feststellen<br />
lässt, ist, dass die Art zu Reisen auf zwei Rümpfen eine sehr<br />
angenehme ist. Da hat sich seit den Zeiten der polynesischen<br />
Ureinwohner nicht viel geändert. Die hätten vermutlich die Frage<br />
gestellt: Wofür braucht man eigentlich einen Einrümpfer?<br />
Darauf kann man antworten, dass sie natürlich keine Regatten<br />
vor der Haustür gesegelt sind, zweifelsfrei eine Domäne von<br />
Kielyachten. Katamarane hingegen sind die perfekten Reiseyachten,<br />
und Catana, Werft aus Südfrankreich, ist der Name, der<br />
seit Jahrzehnten damit verbunden wird: schnell, solide, in gewisser<br />
Weise kompromisslos. Aber auch: modern und voller Ideen,<br />
Designvorreiter. Da ist es mit der neuen Catana 59 nicht anders.<br />
Sie wurde heiß erwartet, verkörpert die neue Designsprache der<br />
Werft. Ähnlich wie bei Autoherstellern ein komplett neues Design<br />
nach einer Zeit von Facelifts. Immerhin, so stark wird die<br />
Werft aus Canet-en-Roussillon beobachtet, kein schlechter Ruf,<br />
aber auch einer, den es zu erhalten gilt. Catana braucht frischen<br />
Wind, wie alle Werften leidet sie unter der Konjunktur. Der<br />
stärkste Mitbewerber (Outremer) hat schon seine neue 5X am<br />
Start, da darf man nicht zu lange warten.<br />
und gar nicht leicht, vielleicht ganz gut so, gerade bei ein wenig<br />
Wind und Seegang. Das Kajütdach setzt sich ansatzlos als Wetterschutzdach<br />
über das Cockpit fort, zwei kleine Luken lassen<br />
bei warmem Wetter Wind ins Cockpit.<br />
Überhaupt scheint die 59 nichts dem Zufall überlassen zu wollen,<br />
vor allem an Ideen, so scheint man bei Catana zu denken,<br />
darf es nicht mangeln. Und tatsächlich ist sie vollgestopft damit,<br />
mangelnden Einfallsreichtum kann man den Entwicklern wahrlich<br />
nicht vorwerfen. Jede der drei Kabinen ist anders layoutet,<br />
steuerbord die Eignersuite über fast die gesamte Schiffslänge<br />
mit eigenem WC und separater Dusche, zwei Waschbecken<br />
und einem wie ein riesiger Reisekoffer wirkenden, mit Leder<br />
bezogenen Schrank. Das ist schick, das Grau vom Deck findet<br />
sich hier wieder und es wirkt kühl unter Deck. Nicht unpassend<br />
für dieses Schiff. Backbord liegen zwei weitere Kabinen<br />
mit jeweils einem Bad en suite, wobei das achtere den Vogel<br />
abschießt: Seine Wände sind aus Plexiglas, die Durchsicht ist<br />
nur unwesentlich verhindert.<br />
Das gesegelte Schiff ist Baunummer 1, es zeigt, was es kann,<br />
aber jeder Eigner wird sicherlich für sich selbst entscheiden,<br />
wie er seine Yacht gestalten möchte. Mit derzeit rund 20<br />
Drivers Seat: Von jedem<br />
Karbonrad aus überblickt<br />
man jeweils eine Schiffsseite<br />
Statt der bisher Catana-typischen senkrechten Steven trägt<br />
die 59 so genannte Axe-Bows (also Axt-Büge), die in der Wasserlinie<br />
weiter vorspringen als an Deck. Kantig das Äußere, ein<br />
wenig wie ein Stealth-Boot, dazu weiß und grau, das Teak an<br />
Deck wurde zeitgemäß gegen Kunststoff getauscht. Zwar mit<br />
Holzanmutung, aber ebenfalls grau – mit weißen Fugen. Man<br />
kann es kaum anders sagen: Es passt perfekt zusammen, der<br />
Bodenbelag läuft fast nahtlos (bis auf die Türschienen) durch<br />
die mächtige dreiteilige Salontür nach innen. Cockpit und Salon<br />
verschwimmen zu einem gemeinsamen Lebensraum.<br />
Mehrteilig lässt sich die Glastür backbord in der Wand verstecken,<br />
oder man lässt nur ein Element offen, oder mehrere.<br />
Das Steuerbord-Salonsofa findet sich draußen wieder, wie eine<br />
endlos lange Loungebank mit vier höhenverstellbaren Cocktailtischchen<br />
– die ideale Partylocation. Auch sie variabel: Die<br />
Esstischplatte lässt sich an drei verschiedenen Stellen individuell<br />
montieren, die Gesellschaft sich nach Wind und Aussicht positionieren.<br />
Fast schon typisch die Aluminium-Faltstühle. Solide<br />
I 43
yachten Projekte<br />
I yachtcheck<br />
Die Catana vermittelt ein neues<br />
Raumgefühl mit groSSen unverbauten<br />
Flächen und vielen Durchsichten<br />
Schiffen im Jahr ist Catana fast eine Manufaktur. Eine mit<br />
einem sehr hohen Fertigungslevel übrigens, denn Performance<br />
steht ganz oben auf der Karte. Der Rumpf wird mit<br />
Glasfasern und Twaron im Infusionsverfahren hergestellt. Das<br />
reduziert das Gewicht und verbessert die Laminatstruktur. Alle<br />
Schotten werden einzeln im Infusionsverfahren mit Karbonlaminat<br />
hergestellt. Bei der 59 konnte das Gesamtgewicht so<br />
auf knapp 19 Tonnen reduziert werden. Dem stehen nahezu<br />
200 Quadratmeter Segelfläche am Wind entgegen.<br />
Trotz 48 Stunden an Bord meint es das Wetter nicht gut mit<br />
uns, zwar Sonne, aber wenig Wind und der auch noch gegenan.<br />
Zwei bis drei Beaufort sind nichts für eine Überführung<br />
und die Standardbeseglung mit Selbstwendefock. Wir setzen<br />
die optionale Leichtwindgenua und der große Kat läuft, und<br />
nicht einmal zu schlecht. Zwar liegt der Wendewinkel bei diesen<br />
Bedingungen jenseits von 100 Grad, aber sieben Knoten<br />
Wind genügen für knapp fünf Knoten Geschwindigkeit. Nicht<br />
schlecht für ein Fahrtenschiff, auch wenn die gebogenen<br />
Schwerter und das aufwendig im Topp ausgestellte Großsegel<br />
wesentlich mehr erwarten ließen. Bei einem späteren Test, bei<br />
dem der Autor nicht mehr an Bord war, soll das Schiff bei 15<br />
bis 20 Knoten Wind (fünf Beaufort) elf Knoten mit der Kreuzfock<br />
gelaufen sein. Kräftige Böen bis 25 Knoten sollen den Kat<br />
schließlich auf rund 13 Knoten gebracht haben.<br />
Dann wird er auch seine gebogenen, circa 250 Kilogramm<br />
schweren Schwerter zum Einsatz gebracht haben können.<br />
Deren spezielle Form soll jeweils auf der Leeseite für bis zu<br />
einer halben Tonne Auftrieb sorgen. Das reduziert die Verdrängung<br />
und lässt das Schiff aufrechter und leichter gleiten. Aber<br />
die Tests mit der Yacht sind auch werftseitig noch nicht abgeschlossen,<br />
im Moment wird die Yacht von Messe zu Messe<br />
herumgereicht. Es genügt aber für einen ersten Eindruck.<br />
Catana-typisch wird der Steuermann aus den Lebensbereichen<br />
heraus auf die Seitendecks gebeten. Dadurch spart<br />
man sich Luken im Dach oder die derzeit bei großen Kats mo-<br />
Cockpit und Salon gehen in einer gewaltigen fast ununterbrochenen<br />
Fläche ineinander über. Man hat die<br />
Wahl zwischen nicht weniger als drei verschiedenen<br />
Positionen für den Esstisch<br />
44 I
Zum Teil durchsichtig: Ein ungewöhnliches<br />
Detail ist das Bad backbord achtern, dessen<br />
Wände komplett aus Plexiglas bestehen<br />
(oben links). Auffällig ist der aufwendige, mit<br />
Leder bespannte Schrank in der Eignerkabine,<br />
der ein wenig an einen Schrankkoffer<br />
erinnert (oben rechts). Die Steuerstände<br />
liegen gut geschützt hinter dem Schanzkleid<br />
dernen Flybridges mit all ihren Vor- und Nachteilen. Zu einer<br />
Catana passt das jedenfalls nicht. Auf jeweils einer klappbaren<br />
Doppelbank mit klappbarer Fußstütze hat der Rudergänger von<br />
jeweils einem Steuerstand einer Seite freie Sicht auf die Genua<br />
und auf eine Bugspitze. Dass er nicht das ganze Schiff übersehen<br />
kann, liegt an der abgesenkten Position der Ruderstände:<br />
Sie sind nicht auf Decks-, sondern eher auf Cockpitniveau.<br />
Somit leichter zu erreichen und auch geschützter. Als Nachteil<br />
könnte man empfinden, dass gerade bei Manövern im Hafen<br />
immer eine zweite Person als Ausguck für die Übersicht auf<br />
dem Vorschiff sein sollte. Die Werft möchte, dass der Steuermann<br />
durch die großen Salonfenster diagonale Sicht hat; das<br />
funktioniert aber gerade in der Nacht durch Spiegelungen nur<br />
bedingt. Trotz des wenigen Winds auf unserer Testfahrt stellte<br />
sich für den Rudergänger fast so etwas wie Segelspaß ein. Das<br />
Schiff reagiert schnell auf kleine Lenkbewegungen, auch wenn<br />
Druck und Rückmeldung am Steuer Kat-typisch fehlen.<br />
Und wie lebt es sich an Bord? Ungewohnt, könnte man antworten.<br />
Die Werft hat auf große unverbaute Flächen und viele Durchsichten<br />
Wert gelegt, nicht nur wie bei dem schon beschriebenen<br />
Bad. Auch der gewaltige Salon-Cockpit-Bereich ist nicht voneinander<br />
getrennt, jede Stelle ist von fast überall einsehbar. Das<br />
gibt ein neues, freies Gefühl von Raum, reduziert jedoch auch<br />
die Rückzugsmöglichkeiten, wenn man darauf Wert legt. Einen<br />
Kardinalfehler hat die Werft zum Glück vermieden: nämlich alle<br />
verfügbaren Ecken mit Möbeln und dementsprechend Gewicht<br />
zuzubauen. Trotz ihrer Langfahrttauglichkeit ist die Catana 59 ein<br />
recht agiles Schiff geblieben. Die Weite in den Räumen wird man<br />
vermutlich spätestens auf einem Ankerplatz in den Tropen richtig<br />
schätzen lernen. Dafür ist eine Überführung unter Maschine nur<br />
bedingt geeignet – aber dafür kann das Schiff nichts.<br />
Aus den Konstrukteuren der neuen 59 macht man bei Catana<br />
übrigens ein großes Geheimnis. Es seien namhafte Designer<br />
daran beteiligt gewesen, aber man lege Wert darauf, dies<br />
nicht publik zu machen. Stattdessen steht die Werft selbst als<br />
Konstrukteur in den Unterlagen. Ein ungewöhnlicher Schritt,<br />
definieren sich doch viele Yachtbauer gerade über ihre prominenten<br />
Zuarbeiter. Es ist aber auch ein Schritt, der zu der<br />
französischen Werft passt – man arbeitet hier eben auch immer<br />
am eigenen Mythos. &
yachten Projekte I yachtcheck<br />
Traumschiff: Die Pantry kommt mit schwarzen Oberflächen,<br />
Leder bezogenen Knöpfen und Spülmaschine daher; halb<br />
versenkter Instrumententräger am Kartentisch (oben)<br />
catana 59<br />
LüA 17,90 m<br />
Breite 9,49 m<br />
Tiefgang 1,56 - 3,75 m<br />
Verdrängung (leer) 18,9 t<br />
treibstoff 5.950 l<br />
segelfläche (am Wind) 192 m 2<br />
segelfläche (am vorWind) 237 m 2<br />
masthöhe (über wasser) 26,47 m<br />
wasser 800 l<br />
maschinen 2 x Volvo Penta, je 110 PS mit starren Wellen<br />
und dreiflügligen Drehpropellern (Option 2 x 150 PS)<br />
kabinen 3 (plus Crew)<br />
kojen 6 (plus Crew)<br />
konstruktion Chantier Catana<br />
ce-kategorie A (Hochsee)<br />
preis ab 1.879.952 Euro<br />
konstruktion Deck und Rumpf GfK-Sandwich<br />
im Infusionsverfahren mit Vinylesther-Harz. In<br />
besonders belasteten Bereichen Twaron-verstärkt,<br />
Schotten mit Karbon-Laminat.<br />
Serienausstattung u.a. Alumast und -baum; elektr.<br />
Ankerwinde (Lofrans 2.300 W); Harken-Winschen<br />
(elektrisch für Großfall); Harken-Rutschersystem für<br />
Großsegel; 4-flüglige Faltpropeller; Cockpit-Möblierung;<br />
Landanschluss 230 Volt; CD-Tuner plus Lautsprecher<br />
(innen/außen)<br />
aufpreis u.a. Segel, Lazy Bag; Skipperkabine; Upgrade<br />
Maschinen (150 statt 110 PS); Karbonmast; Kevlar-<br />
Wanten; Elektrowinschen; Bodenbelag/Cockpit; Gangway;<br />
Instrumente (Furuno); TV; Heizung; Klimaanlage;<br />
Außenbeleuchtung; zu Wasser lassen und Aufriggen<br />
werft Chantier Catana<br />
Canet-en-Roussillon, Frankreich<br />
catana.com<br />
händler Jacobs Yachts<br />
Sierksdorf/Ostsee<br />
jacobs-yachts.com<br />
46 I
0 6<br />
4 191806 205907<br />
<br />
<br />
65
yachten Projekte I imperial princess<br />
imperial<br />
48 I
Serienyachthersteller Princess hat<br />
mit einem 40-Meter-Schiff den Markt<br />
der groSSen Yachten geentert. Erste<br />
Eindrücke von Bord der gerade vom<br />
Stapel gelaufenen Imperial Princess.<br />
Text Tim Thomas Fotos Jeff Brown/Superyacht Media, Mike Evans<br />
[Copyright of <strong>Boat</strong> International Media Limited: All rights reserved], Licensed by <strong>Boat</strong> International Media Limited<br />
Die Princess 40M ist das<br />
erste Drei-Deck-Schiff der<br />
englischen Werft. Bei allen<br />
modernen Details sollte<br />
sie klassische Proportionen<br />
behalten, wie zum<br />
Beispiel einen traditionell<br />
vorspringenden Bug<br />
princess<br />
I 49
Das große Sonnendeck<br />
bietet Sonnenstühle, einen<br />
Whirl-Pool, eine Bar<br />
und einen Chill-out-Sitzbereich<br />
unter dem klappbaren<br />
Hardtop<br />
50 I
imperial princess I yachten projekte<br />
Princess mit<br />
Sitz in Plymouth,<br />
GroSSbritannien, hat sich einen Ruf<br />
als Erbauer von soliden Serienbooten<br />
erarbeitet, aber nie viel Aufhebens<br />
darum gemacht<br />
„Sie ist ein richtiges kleines Schiff“, verkündet Peter Levine<br />
stolz, während wir auf dem Oberdeck der 40M Imperial Princess<br />
sitzen, die in einer malerischen Bucht von Mallorca ankert.<br />
„Sie ist solide, und sie fühlt sich solide an. Sie verkörpert eine<br />
grundlegende Veränderung gegenüber allem, was Princess<br />
bisher gebaut hat, und der Unterschied ist deutlich.“<br />
Levine ist bei Princess kein Fremder, hat er doch seine erste<br />
66-Fuß-Yacht vor zwölf Jahren auch dort gekauft. „Das hier<br />
ist unterdessen mein sechstes Boot von Princess, und ich<br />
habe mich von der 21-Meter-Yacht über eine 20-Meter-, eine<br />
25-Meter- und eine 95-Fuß-Yacht (29,42 Meter) bis zu meinem<br />
letzten Boot emporgearbeitet. Ich befand mich im steten Austausch<br />
mit Princess, habe immer nachgefragt, wann sie den<br />
nächsten Level erreicht hatten. Die Pläne für das 40-Meter-<br />
Projekt sah ich schließlich im Januar.“<br />
Princess mit Sitz in Plymouth, Großbritannien, hat sich<br />
einen Ruf als Erbauer von soliden Serienbooten erarbeitet,<br />
aber nie viel Aufhebens darum gemacht. Dieses relativ bescheidene<br />
Auftreten brachte dem Unternehmen den Vorteil,<br />
dass es eine fast ergebene Gefolgschaft von Eignern an<br />
sich gebunden hat, die sozusagen mit den Bootsklassen<br />
mitgewachsen sind – so wie Levine.<br />
„Ich bin seit 25 Jahren bei Princess“, sagt Chris Gates, Managing<br />
Director von Princess Yachts, „und in dieser Zeit haben<br />
wir ungefähr ein Dutzend Mal gesagt, dass das gegenwärtige<br />
Modell das größte wäre, das wir bauen würden. Aber da wir<br />
immer auch von den Wünschen der Kunden geleitet werden,<br />
gab es einen gewissen Druck, ein noch größeres Boot zu<br />
bauen.“ Das 42-Meter-Modell startete etwa zur selben Zeit<br />
wie das 32-Meter-Projekt, das ebenfalls 2012 zu Wasser ging.<br />
Aber dennoch gibt es deutliche Unterschiede zwischen den<br />
beiden. Nicht nur in der Länge oder im Volumen, sondern auch<br />
hinsichtlich der Systeme, der Bauweise, dem Aufbau und den<br />
zu befolgenden Richtlinien. Peter Levine als zukünftiger Eigner<br />
war von Anfang an dabei.<br />
„Princess ist sehr gut bei Flybridge-Booten“, sagt Levine, „ aber<br />
der Schritt weg davon zu einem echten Drei-Deck-Boot bedeutet<br />
einen fundamentalen Wandel in allen Bereichen. Mein<br />
Hauptanliegen war, sicherzustellen, dass das Schiff modern<br />
und dennoch zeitlos aussehen sollte und dass es alle Qualitäten<br />
und Charakteristika eines Bootes seiner Klasse haben<br />
sollte, statt einfach ein Sonnendeck auf ein 40-Meter-Chassis<br />
aufzustecken.“<br />
Wenn man über die Yacht geht, ist sofort erkennbar, dass es<br />
sich nicht um irgendeine Sonderserie handelt, sondern um<br />
echte Maßkonfektion auf hohem Niveau und mit einigen Elementen,<br />
die üblicherweise nur auf 40- oder 50-Meter-Yachten<br />
zu finden sind. Etwa die Treppe, die von der Mannschaftsmesse<br />
zum Oberdeck führt und so eine erwünschte Trennung<br />
zwischen Crew und Passagieren ermöglicht. Ähnlich führt die<br />
Hauptgästetreppe – mit Stufen wie auf einem Edelstahlrückgrat<br />
– vom unteren Deck direkt aufs Oberdeck. Der Salon auf<br />
dem Hauptdeck und der Essbereich sind großzügig und hell<br />
dank großer Fenster und der Doppelbalkone auf beiden Schiffsseiten.<br />
Der obere Salon ist unprätentiös, aber gemütlich, mit<br />
Sofas auf der Steuerbordseite gegenüber einer großen TV-<br />
Leinwand und einzelnen Sitzen auf der Backbordseite.<br />
I 51
yachten Projekte I imperial princess<br />
Die Gästekabinen bieten ebenfalls gleichermaßen Raum und<br />
Luxus. Achtern erstreckt sich eine VIP-Kabine über die volle<br />
Breite, die sich allerdings auch in zwei Doppelkabinen aufteilen<br />
lässt; beim dritten Entwurf wurde die Gästekabine vorn<br />
in einen Sportbereich umgewandelt. Die Bäder sind wie die<br />
der Mastersuite sehr luxuriös, mit viel verarbeitetem Stein und<br />
beheizbaren Böden.<br />
Die Mastersuite selbst befindet sich vorn auf dem Hauptdeck<br />
und beherbergt – auf der Imperial Princess – steuerbord ein<br />
Eignerbüro, das an einen Schlafbereich über die volle Schiffsbreite<br />
angrenzt. Danach folgen getrennte Bäder für sie und<br />
ihn. Spätestens hier wird Levines Input ersichtlich: Die vordere<br />
Querwand zwischen den aneinandergrenzenden Räumen<br />
wurde für einen ausfaltbaren Spiegel in gesamter Raumhöhe<br />
genutzt. Das Kopfende des Bads bildet ein TV-Bildschirm –<br />
diese Idee wurde aus dem Connaught-Hotel in London kopiert,<br />
in dem Levine häufig wohnt.<br />
Die enge Zusammenarbeit von Ingenieur Keith Willis und Interieur-Spezialistin<br />
Chantal Gaudreau mit dem Team von Princess<br />
hat sich auch im Äußeren niedergeschlagen. „Ich wollte<br />
ein relativ steil abfallendes Heck: Das Boot, das mir immer gut<br />
gefallen hat, war die Limitless mit ihrer symmetrischen Neigung<br />
von Bug und Heck“, begeistert sich Levine. „Ich kann<br />
mich erinnern, dass ich Zeichnungen mit meinen amateurhaften<br />
Verbesserungen und Ergänzungen zurückfaxte – und<br />
man muss gerechterweise sagen, dass Princess das gutwillig<br />
und sogar mit Lobesbekundungen hingenommen hat. Ich<br />
wollte, dass andere Leute, die diese Boote künftig bestellen,<br />
sagen: ,Ja, das will ich!‘, statt: ,Oh je, das ist schrecklich, aber<br />
wir werden daraus lernen und uns weiterentwickeln.‘“ Diese<br />
Qualität wird in allen Details sichtbar. Die Türen sind schwer,<br />
viel Arbeit floss in die dreifache Isolierung aller Gästebereiche<br />
gegen Geräusche und Vibrationen. Das bringt natürlich viel<br />
unerwünschtes Gewicht mit sich, aber im Fall der 40M wird<br />
das Problem durch die Konstruktionsmethode abgemildert.<br />
Die Yacht hat einen Sandwichrumpf, der im Infusionsverfahren<br />
hergestellt wurde – wahrscheinlich der größte jemals. „Wir haben<br />
davor wohl 80 bis 100 Boote auf diese Weise gebaut“,<br />
sagt Gates, „aber bei diesem großen Schiff dauerte es sechs,<br />
sieben Stunden, um überhaupt das Vakuum herzustellen…“<br />
Tatsächlich verkörpert die 40M einige Superlative: die größte<br />
jemals gebaute Princess, die erste Drei-Deck-Princess, die<br />
größte im Infusionsverfahren hergestellte Yacht. Alles ist Neuland<br />
für die englische Werft.<br />
Der Trennschirm am Foyer des Hauptdecks ist von außen undurchsichtig,<br />
um den Gästen Privatsphäre zu bieten (oben links).<br />
Der obere Salon ist im Design klassisch modern und in zurückhaltenden,<br />
neutralen Farben gehalten (unten)<br />
52 I
Dann endlich steigt das<br />
GroSS über dem Karbon-<br />
Baum empor, die Genua<br />
wird ausgerollt und<br />
Xnoi läuft bei leichter<br />
Brise mit dichtgeholten<br />
Schoten fast so<br />
schnell wie der Wind<br />
Mastersuite auf dem Hauptdeck:<br />
Die Kabine nutzt die<br />
volle Breite des Schiffes, da<br />
es an dieser Stelle keine Seitendecks<br />
gibt. Neben<br />
großzügigen Bädern umfasst<br />
sie unter anderem ein<br />
eigenes Arbeitszimmer<br />
Aber auch die für Gäste und Techniker unsichtbaren Bereiche<br />
sind durchdacht. Die Küche auf dem Hauptdeck verfügt<br />
zum Beispiel über eine beneidenswerte Aussicht durch<br />
Fenster im Rumpf und wurde mithilfe eines französischen<br />
Top-Küchenchefs designt. Die Brücke enthält ein komplettes<br />
Kontroll- und Alarmsystem von Böning und kann papierfrei<br />
betrieben werden. S-Band- und X-Band-Radar bieten einen<br />
klaren Blick – mit bis zu 120 Seemeilen Reichweite –, und<br />
für Nachtmanöver stehen Wärmebildkameras zur Verfügung.<br />
Die Böning-Bildschirme haben zwei Außenstationen, in der<br />
Mannschaftsmesse und auch unten im Maschinenraum, der<br />
selbst ein kleines Ingenieurbüro und gleichzeitig eine Werkstatt<br />
mit Werkbank ist. Angetrieben wird die Yacht von zwei<br />
MTU-Motoren und erreicht eine Spitzengeschwindigkeit von<br />
ungefähr 23 Knoten. Als Langstreckenyacht soll die Imperial<br />
Princess aber eher mit zwölf bis 14 Knoten fahren und dabei<br />
250 bis 300 Liter Treibstoff pro Stunde verbrennen; die Reichweite<br />
beträgt dann 1.500 Meilen. Bei zehn Knoten kann sie<br />
allerdings auf gut über 2.000 Meilen ausgedehnt werden. Das<br />
ist dem effizienten, von Bernard Olesinski konstruierten Rumpf<br />
zu verdanken. Gerade für dieses Schiff ist die Reichweite elementar<br />
– Levines vorherige Yacht, die 95er, war pro Saison<br />
etwa 10.000 Meilen im Mittelmeer unterwegs.<br />
Die Heckgarage beherbergt einen Jetski – mit Hebevorrichtung,<br />
sodass ein weiteres Fahrzeug untergebracht werden<br />
kann – und ein maßgeschneidertes, 6,5 Meter langes Rib-X für<br />
Wassersport. Das Beiboot für die Mannschaft und für Rettungszwecke<br />
ist mit weiterem Spielzeug in einem riesigen Raum<br />
auf dem Vordeck verstaut, direkt vor einem Sitz- und Sonnenbadebereich,<br />
der sich wiederum an eine so genannte portugiesische<br />
Brücke anschmiegt, also eine Außenbrücke vor dem<br />
Steuerhaus. So groß wie der Heckgaragenbereich ist noch einmal<br />
der Beach Club mit eigener Leinwand.<br />
Eine Yacht zu bauen, die so viel größer ist als alle bisher gebauten,<br />
hat die Werft natürlich vor Herausforderungen gestellt<br />
„Diese Schiffe sind extrem kompliziert“, sagt Gates. „Wir<br />
benötigten 100.000 Mann-Stunden für dieses erste Exemplar,<br />
aber ein riesiger Anteil dieser Arbeit ist für niemanden sichtbar,<br />
da vieles davon in die Entwicklung ging. Insbesondere Systeme<br />
wie die Audio-/Videoanlage sind kompliziert. Da haben<br />
wir gelernt, dem besondere Priorität einzuräumen. Aber wir haben<br />
vieles daraus für unsere anderen Baureihen übernehmen<br />
können, von der Systemintegration bis zu Versteifung, Geräuschminderung<br />
und Vibrationsbegrenzung. Wir haben bei<br />
RINA vorgesprochen und die Anforderungen bei Weitem übertroffen.“<br />
Die Yacht entspricht auch den LY2-Anforderungen.<br />
„Wir haben alles gemeinsam ausgearbeitet“, fügt Levine hinzu.<br />
„Es war eine echte Herausforderung für eine Werft, die tatsächlich<br />
bisher nie mehr als eine erhöhte Kapitänskajüte gebaut<br />
hat, einen Gang höher zu schalten.“<br />
Es gibt keinen Zweifel, dass Princess mit der 40M einen eindrucksvollen<br />
Einstand im Markt der Großyachten hingelegt hat.<br />
Die Yacht fühlt sich trotz ihres beeindruckenden Volumens von<br />
395 Raumtonnen wie ein kleines Schiff an, und Styling, Ausstattung<br />
und Gesamtkonzept täuschen darüber hinweg, dass<br />
sie ein Prototyp ist – es fühlt sich vielmehr so an, als habe<br />
Princess die meiste Zeit seiner Geschichte nichts anderes<br />
als Schiffe dieser Größe gebaut. Wenn es weiterer Beweise<br />
bedürfte – Princess hat bereits die Baunummern zwei und drei<br />
verkauft, und mit der Infrastruktur bei South Yard in Plymouth<br />
besteht die Option, sogar noch größere Schiffe zu bauen. „Ich<br />
habe ihnen [bei Princess] gesagt, wenn sie in Betracht ziehen,<br />
die Größenskala nach oben zu erweitern, könnten wir dasselbe<br />
noch mal machen“, lässt Levine anklingen. „Aber für mich gibt<br />
es eine Grenze in der Größe – ich möchte nicht als traurige<br />
I 53
yachten Projekte I imperial princess<br />
Person enden, die über die Decks eines riesigen Bootes wandert<br />
und sich überlegen muss, wie man die mit Menschen<br />
füllen könnte. Das hier ist wirklich eine nette Größe. Es geht ja<br />
nur darum, ob man das Meer mag, und ich mag das Meer. Ich<br />
machte die erste Fahrt bei fünf bis sechs Windstärken in der<br />
Biskaya, und ich möchte das um alles in der Welt nicht missen.<br />
Nur darum geht es für mich.“<br />
Wenn die 40M bei Princess der Maßstab für zukünftige Schiffe<br />
ist, wird es vermutlich bald mehr Eigner wie Levine geben. Mit<br />
der Möglichkeit des Reisens auf einer Yacht, deren Standard<br />
manch teureres Schiff in den Schatten stellt. &<br />
imperial princess<br />
Länge 40,16 m<br />
LWL 34,06 m<br />
Breite 8,02 m<br />
Tiefgang 2,28 m<br />
Verdrängung 230 t<br />
motoren 2 x MTU 12 V 4000 M73L<br />
geschwindigkeit (max./reise) 23/16 kn<br />
reichweite bei 12 kn 1.500 sm<br />
seitenstrahlruder ABT TRAC, 75 PS (Bug), 65 PS (Heck)<br />
stabilisatoren ABT TRAC 440<br />
generatoren 2 x Onan 80 kW<br />
kraftstoff ca. 29.000 l<br />
wasser 5.000 l<br />
eigner und gäste 10-12<br />
mannschaft 7<br />
beiboote 1 x 6,5 m Rib-X, 1 x 3,4 m Zodiac<br />
bauweise GfK-Komposit<br />
klassifikation RINA, MCA LY2<br />
schiffsarchitektur Bernard Olesinski<br />
auSSengestaltung Bernard Olesinski/Princess Yachts<br />
innenraumplanung Bannenberg & Rowell/Princess Yachts<br />
innendesign Princess Yachts<br />
werft/baujahr Princess Yachts/2012<br />
princessyachts.com<br />
Die Sonnenplätze<br />
auf dem Vorderdeck<br />
schmiegen sich an<br />
eine Luke, die den<br />
Stauraum für das<br />
Mannschaftsbeiboot<br />
abdeckt<br />
Der obere Salon<br />
öffnet sich auf ein<br />
Achterdeck, das einen<br />
Freiluft-Essbereich für<br />
bis zu zwölf Personen<br />
bietet. Glasgeländer<br />
garantieren einen<br />
ungestörten Ausblick<br />
Die Küche auf<br />
dem Hauptdeck<br />
ist mit einem<br />
diskret verdeckten<br />
Vorbereitungsraum<br />
verbunden<br />
Die Unterbringung für<br />
die Crew entspricht<br />
MLC-Anforderungen<br />
und ist gutem<br />
Standard angepasst.<br />
Der Bereich der<br />
Gästekabinen kann<br />
nach Kundenwunsch<br />
verändert werden<br />
54 I
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yacht stil<br />
Glanzlichter<br />
Türkisblau ...<br />
... und so klar, wie eine frühmorgendliche, einsame Lagune nur schimmern<br />
kann. Das ist die Farbe der typischen, urheberrechtlich geschützten<br />
Flasche des Bombay Sapphire Gin. Nicht nur die Verpackung, sondern<br />
auch der Inhalt ist ganz besonders: So wird der Gin mit zehn ‚botanicals’,<br />
also pflanzlichen Zutaten, hergestellt (Zitrone, Mandel, Süßholz,<br />
Wacholder, Schwertlilie,<br />
Der<br />
Angelica,<br />
Reise-Klassiker<br />
Koriander, Zimtkassie, Kubeben-<br />
Pfeffer, Paradieskörner).<br />
Es gibt viele<br />
Zusammen<br />
Arten von Reisegepäck,<br />
mit der dreifachen<br />
doch die klassische<br />
Destillierung<br />
Weekenderdes<br />
Produkts,<br />
Tasche<br />
bei der<br />
gehört<br />
die Kräuter<br />
zu den<br />
in einem<br />
unverzichtbaren<br />
Kupfertopf<br />
Stil-Ikonen.<br />
über dem Alkohol<br />
Egal wohin man<br />
hängen, sodass<br />
reist,<br />
der<br />
immer<br />
Dampf<br />
macht<br />
die Aromen<br />
sie eine<br />
aufnimmt,<br />
gute Figur.<br />
erhält<br />
Dieser<br />
der<br />
Klassiker<br />
Gin seine<br />
ist aus feinstem<br />
Einzigartigkeit. Einfach<br />
Kalbsleder,<br />
auf Eis<br />
nicht<br />
oder<br />
ganz<br />
als Longdrink<br />
leicht, aber<br />
mit<br />
schwer<br />
Tonic<br />
kultverdächtig:<br />
genießen.<br />
Wer<br />
Herrlich! bombaysapphire.com<br />
ihn einmal hat, gibt ihn nicht mehr her. Die ebenso elegante wie<br />
robuste Tasche ist auch ein wunderbares Geschenk nicht nur für<br />
Gentlemen, die auf dem Business-Trip sind. Perfekt für die Flugsafari,<br />
im Wasserflugzeug und natürlich an Bord einer Yacht. Etwa 2.400<br />
Euro. loropiana.com<br />
Edle Wärme<br />
Es gibt klassische Kaschmir-Pullis – und es gibt diese<br />
feine Variante der edlen Faser: Der Joey-Hoody für<br />
Damen ist eine lässige Kapuzenjacke aus Cashmere<br />
double, dem leichtesten zweilagigen<br />
Kaschmir überhaupt von Loro Piana.<br />
Durch die spezielle Behandlung mit<br />
dem so genannten Loro Piana Rain<br />
System ist die ultrafeine Faser<br />
wasserabweisend – Feuchtigkeit<br />
bleibt draußen und drinnen alles<br />
trocken. Der Hoody ist figurbetont<br />
geschnitten, sehr<br />
leicht und eignet sich<br />
auch gut zum Unterziehen:<br />
er trägt unter<br />
Jacken nicht auf. Der<br />
federleichte Luxus<br />
hat seinen Preis<br />
– der Pulli kostet<br />
rund 2.645 Euro.<br />
loropiana.it<br />
Für blaue<br />
Stunden<br />
Ob rund, quadratisch, als Nackenrolle oder rechteckiges<br />
Fletzmodell, das Kissen ist nicht wegzudenken, weder im maritim<br />
angehauchten Zuhause, noch auf dem Schiff, wenn es<br />
darum geht, es sich mit der Lektüre oder einfach mal so zum<br />
Entspannen bequem zu machen. Diese Edition aus handgearbeiteten<br />
Einzelstücken besticht nicht nur durch ihr Streifenmotiv,<br />
sondern auch durch ihren einfach immer wieder guten, klassischschiffigen<br />
Hingucker: den Anker. the-art-of-hamburg.de<br />
56 I
FOTOs: hersteller<br />
Schneller Wandel<br />
Wenn strahlende Sonne und dunkle Wolken ständig<br />
abwechseln, braucht man eine Brille, die bei jedem Licht<br />
funktioniert. Phototrope Gläser, die in Räumen klar sind<br />
und bei Sonne rasch dunkel werden, sind ideale Begleiter<br />
an Bord, wo Brillenträger sonst dauernd wechseln müssen.<br />
Das französische Designlabel Face à Face hat Brillen für<br />
Transitions-Gläser gestaltet, die sportlich-elegant sind und<br />
drinnen wie draußen passen. Brillenrahmen<br />
von Face à Face ab etwa<br />
300 Euro, die dynamischen<br />
Gläser von Transitions gibt<br />
es in Glas und leichtem<br />
Kunststoff, sie kosten ab<br />
ca. 100 Euro. transitions.de,<br />
faceaface-paris.com<br />
Treuer<br />
Partner<br />
Die Schweizer Uhrenmanufaktur Ulysse Nardin aus dem<br />
Uhren-Mekka Le Locle hat nicht nur einen Anker im Logo – sie<br />
ist auch fest verankert in der Yacht-Szene. Seit 166 Jahren entwickelt<br />
Ulysse Nardin nautische Präzisionsgeräte. Als Partner<br />
der Monaco Yacht Show haben die Schweizer gerade wieder<br />
eine eigene limitierte maritime Uhr zum Event präsentiert –<br />
von der neuen Marine Diver gibt es nur 100 Exemplare. Die<br />
Monaco Limited Edition 2012 ist jetzt im Handel und eine Investition<br />
in die hochfeine Technik fürs Handgelenk lohnt sich:<br />
Die Freude am edlen Objekt ist nicht nur in Monaco und in<br />
der Schweiz steuerfrei. ulysse-nardin.ch<br />
Leichte Brise<br />
Der Tegernsee ist nicht unbedingt das Revier,<br />
an das Designerin Tamara Comolli bei diesem<br />
Schmuckstück dachte. Dort ist sie zuhause,<br />
und Wasser und Wind gibt es natürlich auch,<br />
doch erinnert ihre Kreation „Breeze“ in der<br />
Farbgebung eher an die Karibik oder die Südsee.<br />
Tamara Comolli ist international bekannt – ihre<br />
Schöpfungen werden weltweit getragen und geschätzt.<br />
Das Armband „Breeze“ ist aus 18 Karat<br />
Weißgold mit Türkis, weißem Opal und Topas, für<br />
etwa 33.000 Euro wird man Besitzer(in) eines<br />
ganz und gar nicht windigen Schatzes, mit dem<br />
frau an Bord wie an Land immer auffällt.<br />
comolli.com<br />
Feine Nase<br />
Es ist schon so – nicht jeder<br />
hat das Meer vor der Tür<br />
oder lebt ständig auf (s)einer<br />
Yacht. Für alle, die den<br />
Duft würziger Seeluft vermissen,<br />
hat Linari, italienischer<br />
Hersteller edler Raumdüfte, ihn<br />
für zuhause eingefangen. Die<br />
Zutaten sind mediterran – eine<br />
Brise Bergamotte, ein wenig<br />
Zitrus und Grapefruit, umhüllt<br />
von ozonischen Noten.<br />
Feine Akzente aus Florentiner<br />
Schwertlilie, Sandelholz, Zeder<br />
und Tonka runden die<br />
strahlende Frische ab. Der<br />
Raumduft Oceano kostet etwa<br />
71 Euro, ist zu haben im eleganten<br />
Diffusor und auch als<br />
Geschenk sehr edel.<br />
linari.com<br />
I 57
yacht stil I Ein mittagessen mit...<br />
Ein Mittagessen mit...<br />
nancy mueller<br />
Nur Männer bauen Schiffe?<br />
Nicht wirklich – Nancy Mueller<br />
ist Eignerin der Exploreryacht<br />
Andiamo und Langzeit-Reisende.<br />
Geplant hat sie das Schiff nach<br />
ihren Vorstellungen, Feadship<br />
bekam schlieSSlich den<br />
Zuschlag für den Bau.<br />
Text Mark Chisnell fotos Erick Gibson, Nancy Mueller<br />
[Copyright of <strong>Boat</strong> International Media Limited: All rights reserved],<br />
Licensed by <strong>Boat</strong> International Media Limited<br />
Als Amerikaner ist man ziemlich sicher schon mit Nancy Mueller<br />
in Verbindung gekommen – möglicherweise unbewusst.<br />
Sie steckt hinter Nancy’s Specialty Foods und den Tiefkühl-<br />
Vorspeisen und Appetizern, die im Laufe der vorigen drei Jahrzehnte<br />
so manchen viel beschäftigten Gastgeber und Gastgeberin gerettet<br />
haben. Muellers Unternehmen wuchs sozusagen aus ihrer Küche<br />
heraus, bis sie 1999 alles verkaufte und eine 42,60 Meter lange<br />
Feadship baute. Seitdem ist sie samt Kamera und Tauchausrüstung<br />
damit in der Welt unterwegs.<br />
Wir trafen uns im „Eclipse”, einem Bistro in Wilmington, Delaware.<br />
Ganz in der Nähe lebt Muellers Tochter. Das Bistro bietet eine<br />
sehr coole, sehr europäische Atmosphäre und eine vielseitige<br />
Musikauswahl.<br />
Nancy Mueller ist die geborene Unternehmerin und hat schon mit<br />
sechs Jahren am Straßenrand Limonade verkauft. Ihr Arbeitsleben<br />
jedoch startete sie in der chemischen Forschung, nachdem sie ihren<br />
Bachelor-Abschluss in Chemie gemacht hatte und ihrem frischgebackenen<br />
Ehemann, Glenn Mueller, nach Stanford folgte. Hier arbeitete<br />
sie für die Syntex Corporation im Herzen des gerade entstehenden<br />
Silicon Valley. Ihre Karriere in der Chemie endete fünf Jahre<br />
später, als das Paar Kinder bekam, doch ihr Unternehmergeist ließ<br />
sich nicht so einfach zügeln. Als Risikokapitalgeber im Silicon Valley<br />
58 I
Selfmade-Frau: Nancy Mueller hat den<br />
amerikanischen Traum erlebt. Ihre Firma<br />
startete in der eigenen Küche und entwickelte<br />
sich zu einer respektablen Firma<br />
„Ich bin fast überall gewesen,<br />
wo ich hin wollte, und nach<br />
neun Jahren, in denen ich<br />
jeweils mehr als sechs<br />
Monate unterwegs war,<br />
habe ich ein wenig Heimweh“<br />
I 59
yacht stil I Ein mittagessen mit...<br />
Mueller setzte den Gewinn<br />
ihrer Quiche-Firma ein, um die<br />
43-Meter-Motoryacht Andiamo<br />
zu bauen und weltweite Törns<br />
zu unternehmen<br />
ließ Glenn Mueller häufig Gäste bewirten, und von 1972 bis<br />
zu seinem Tod 1994 veranstaltete Nancy Weihnachtsfeiern<br />
für viele hundert Personen und richtete Appetithäppchen an.<br />
1972 gab es allerdings noch keine Pasteten im Laden um<br />
die Ecke zu kaufen, und diese Marktlücke nutzte Mueller:<br />
die vielbeschäftigte, emanzipierte Baby-Boomer-Generation<br />
brauchte Unterstützung bei der Ausrichtung von Partys.<br />
Nancys Unternehmen Specialty Foods entstand 1977,<br />
nachdem Freunde sie ermuntert hatten, ihre Appetithappen<br />
den örtlichen Geschäften und Restaurants anzubieten. Anfänglich<br />
war der Weg steinig – am Ende des Jahres 1983<br />
war die Firma auf 50 Angestellte angewachsen, die zumeist<br />
in Handarbeit Backwaren herstellten, und stand mit einer<br />
halben Million Dollar bei den Banken in der Kreide. Zwei<br />
Wochen vor Weihnachten im gleichen Jahr setzte man sich<br />
hin, um einen Weg aus der Klemme zu finden – und erfand<br />
die Petite Quiche (Schweizer Käse und herzhafter Speck<br />
„Ich verwandelte die Quiche in<br />
eine Yacht. Nicht ganz, aber ich<br />
investierte einen Teil des Gewinns<br />
mit der Quiche in die Yacht.“<br />
mit frischer Milch, Eiern, Zwiebeln und Schnittlauch, fein<br />
gebacken in einem Butterteig). Mueller stellte das neue<br />
Produkt einer amerikanischen Großhandelskette vor, die<br />
gleich 25 Kisten für zwei Filialen bestellte und feststellte,<br />
dass ihnen das Produkt aus der Hand gerissen wurde.<br />
Mueller baute ihre Firma mit 30.000 Dollar Startkapital zu<br />
einem mehrere Millionen Dollar schweren Unternehmen<br />
aus, indem sie innovative Lösungen für Probleme fand:<br />
Da war der pensionierte Luftfahrtingenieur in der Nachbarschaft,<br />
der die Werkzeuge für die Pasteten-Maschine entwickelte,<br />
die Spinatpresse, die im vorherigen Leben eine<br />
Waschmaschine gewesen war, und da waren die Produktvorführungen<br />
in den Geschäften. Und dann kamen noch<br />
die glücklichen Zufälle dazu. Während Julia Child mit ihrem<br />
Buch über die französische Küche (Mastering the Art of<br />
French Cooking) in den 1960ern den Amerikanern die<br />
Quiche vorgestellt hatte (und Mueller das Rezept lieferte),<br />
brachte 1982 Bruce Feirsteins Bestseller<br />
(Real Men Don’t Eat Quiche)<br />
das Ganze erst richtig zum Laufen.<br />
Als sie ihr Geschäft 1999 verkaufte,<br />
hatte Nancy’s Specialty Foods 350<br />
Angestellte und wuchs weiter. Aber<br />
da waren andere Dinge, die sie tun<br />
wollte und zudem machte ihr Sorgen,<br />
dass ein Großteil ihres Geschäfts von<br />
nur einer Firma erwirtschaftet wurde.<br />
„Und so verwandelte ich die Quiche<br />
60 I
zu lassen. „Als ich von dem Törn zurückkam, wusste ich,<br />
dass ich verkaufen würde. Auf dem Boot, auf dem Wasser<br />
hatte ich mich emotional befreit gefühlt und wusste daher,<br />
dass ich so weitermachen wollte. Ich war 55 und hatte noch<br />
den Rest meines Lebens vor mir. Ich besaß ein florierendes<br />
Unternehmen – welcher Zeitpunkt wäre besser gewesen, es<br />
zu verkaufen?“ So wurde Andiamo geboren.<br />
Nancys Firma wurde am 31. Juli 1999 verkauft, und Mueller<br />
hatte bereits eine 32-Meter-Motoryacht geplant. Sie<br />
beauftragte Konstrukteur Doug Sharp, sie zu beraten und ihre<br />
Anforderungen zu spezifizieren – sie selbst las sich durch alle<br />
Zeitschriften. Sie besuchte das Designunternehmen Glade<br />
Johnson in Seattle, beauftragte es mit dem Innenausbau<br />
und investierte 250.000 Dollar in Schlepptank-Tests. Die<br />
Yacht sollte ein klassisches Aussehen haben und für Expeditionen<br />
geeignet sein, und langsam aber sicher wurde<br />
sie immer größer. „Die Crewräume waren nicht groß genug,<br />
die Kombüse war nicht groß genug, die Aufenthaltsräume<br />
waren zu klein... Die gesamten Abmessungen des Boots<br />
leiteten sich von der Kombüse ab.“<br />
in eine Yacht. Nicht ganz, aber ich investierte einen Teil des<br />
Gewinns mit der Quiche in die Yacht“, erzählt sie.<br />
Muellers Bootsgeschichte reicht bis in ihre Jugend zurück,<br />
als sie 1968 mit Glenn einen Urlaub in Italien verbrachte,<br />
bei dem sie mit fünf Dollar pro Tag auskommen mussten.<br />
Freunde hatten ihnen Portofino ans Herz gelegt: „Wir mieteten<br />
schließlich ein Zimmer für 20 Dollar, was unglaublich<br />
teuer war, aber es war die beste Zeit, die wir je hatten. Wir<br />
liefen am Dock entlang und an all diesen großen, tollen<br />
Booten vorbei, mit Blumen und Stewards und all dem. Wir<br />
beide wussten, dass wir das auch einmal haben wollten.“ In<br />
Stanford nahm Nancy zusammen mit Glenn Segelunterricht<br />
und sie kauften verschiedene kleine Segelboote. Schließlich<br />
wechselten sie auf eine Motoryacht: eine Grand Banks 42,<br />
die von einer 1989 gebauten, 16 Meter langen Tollycraft<br />
ersetzt wurde. So fuhren sie bis weit in den Norden nach<br />
Alaska und weit in den Süden bis nach Acapulco.<br />
Das geschah allerdings nicht immer auf den eigenen<br />
Booten, sie charterten auch. Ein Törn ins Mittelmeer gab<br />
1992 den Ausschlag: drei Wochen lang auf einer 37 Meter<br />
langen Motoryacht. „Das war das Beste, was sich mein<br />
Mann vorstellen konnte, eine wunderbare Erfahrung, die<br />
uns endgültig infizierte“, sagt sie. Sein tragischer früher Tod<br />
bereitete den Träumen ein Ende.<br />
Schließlich wurde Andiamo 42,60 Meter lang gezeichnet<br />
und Mueller beteiligte sechs Werften an der Ausschreibung,<br />
von denen sie sich fünf ansah, bevor sie sich für Feadship<br />
entschied. Der Vertrag wurde im Januar 2000 unterzeichnet.<br />
„Im Wesentlichen traf ich alle Entscheidungen bezüglich der<br />
Yacht selbst, Ausnahmen waren der Maschinenraum und<br />
die Statik“, erzählt Mueller. Das Boot wurde nach Lloyd’s-<br />
Standard gebaut und entsprach den MCA-Regulationen –<br />
Mueller ist sehr sicherheitsbewusst und absolvierte während<br />
dieser Zeit die Ausbildung zum professionellen Skipper.<br />
Nicht genug Stunden, um die Lizenz zu erhalten, aber sie<br />
erwarb genug Wissen, um gut informiert Entscheidungen<br />
treffen zu können: „Ich würde jedem Eigner empfehlen, das<br />
zu tun, weil es mich in die Lage der Crew versetzt hat. Es<br />
ging um das einzige Schiff, das ich je bauen wollte, und da<br />
sollte nichts schief gehen.“<br />
Vier Jahre später nahm Mueller eine Auszeit, fuhr zusammen<br />
mit einem Freund und einem Skipper auf der Tollycraft nach<br />
San Diego und Baja. Da hatte sie bereits eine Investmentbank<br />
angerufen, um den Wert ihres Unternehmens schätzen<br />
I 61
yacht stil I Ein mittagessen mit...<br />
‚Sicherheit an erster Stelle’ und ‚Funktion vor Form’ waren<br />
ihre Leitsprüche, nicht ohne Grund konnte die Andiamo<br />
lange Wege über die Ozeane dieser Welt zurücklegen,<br />
und dank der an der Wasserlinie verstärkten Beschichtung<br />
konnte noch nicht einmal ein halb im Wasser versunkener<br />
Container bei elf Knoten Geschwindigkeit der Andiamo<br />
etwas anhaben. Die Yacht wurde im Oktober 2002 zu Testzwecken<br />
ins Wasser gelassen, und am 3. Januar 2003 übernahm<br />
Mueller das Schiff als Eignerin, ziemlich genau drei<br />
Jahre, nachdem sie es in Auftrag gegeben hatte. Andiamo<br />
gewann im selben Jahr einen Showboats Award.<br />
Die Crew überführte die Andiamo von der Feadship Royal<br />
van Lent-Werft in den Niederlanden, wo sie gebaut worden<br />
war, auf die Kanaren, wo Mueller an Bord ging für die Reise<br />
zurück über den Atlantik nach St. Lucia. Muellers Tochter<br />
hatte gerade ihre Schule abgeschlossen und feierte dies auf<br />
der Insel mit zwölf Freunden, der Crew und sogar einigen<br />
Servicetechnikern, die noch an Bord waren.<br />
„Es ging um das einzige<br />
Boot, das ich je bauen<br />
wollte, und da sollte<br />
nichts schief gehen“<br />
Die ersten drei Jahre über blieb die Andiamo hauptsächlich<br />
im Atlantik und wechselte in den Pazifik, nachdem Raymond<br />
Heer als Kapitän die Schiffsführung übernommen hatte. Mueller<br />
sagt, dass ihr an einer kollegialen Atmosphäre gelegen<br />
sei; die Uniformen sind informell gehalten und üblicherweise<br />
speist der Kapitän mit den Gästen, wenn sie nicht auf See<br />
sind. Mit einer Ausnahme hat sie während der zurückliegenden<br />
neun Jahre mindestens sechs von zwölf Monaten<br />
an Bord verbracht, meist im Rahmen von fünf oder sechs<br />
Törns. Wenn es sein Zeitplan erlaubt, wird Nancy Mueller<br />
von ihrem zweiten Ehemann Bob Fox begleitet, den sie<br />
2001 heiratete – und jeder Törn wird in kleinere Abschnitte<br />
unterteilt, die durch das Kommen und Gehen von Freunden<br />
an Bord bestimmt werden. Seit sie in den Pazifik wechselte,<br />
befindet sich die Andiamo auf einer langsamen aber<br />
stetigen Weltumrundung.<br />
Mueller sagt, dass sie drei Motive habe für ihre Reisen.<br />
Zum einen möchte sie mit Freunden zusammen sein; jeder<br />
Törn war lang genug, dass sich an Bord alle untereinander<br />
besser kennenlernen konnten. Zum zweiten wollte Mueller<br />
„etwas von der Welt sehen, die Kulturen der Welt kennenlernen“.<br />
Sie hatte die schicken Orte gesehen und wollte viel<br />
lieber vor einem abgelegenen Strand ankern als an einem<br />
im Trend liegenden Platz. Und nicht zuletzt waren da noch<br />
das Tauchen und das Fotografieren. Zuerst war das Tauchen<br />
dagewesen, und das Fotografieren kam auf Vorschlag eines<br />
Freundes dazu und resultierte schließlich in der Spezialisierung<br />
auf Unterwasseraufnahmen, die sie während ihrer<br />
1.100 Tauchgänge machte. Zurzeit ist eine dreimonatige<br />
Ausstellung ihrer Aufnahmen im Apalachicola Museum of<br />
Art in Florida zu sehen.<br />
62 I
Mueller bei einer<br />
besonderen Begegnung;<br />
ihre beeindruckenden<br />
Fotos, die bei ihren<br />
weltweiten Erkundungen<br />
entstanden, werden im<br />
Apalachicola Museum of<br />
Art in Florida gezeigt<br />
Nancy Mueller hat die Andiamo ostwärts durch das Mittelmeer<br />
bis in die Türkei geführt, nordwärts auf dem Atlantik<br />
bis nach Maine und im Pazifik bis hinauf nach Alaska.<br />
Nach Süden hin haben sie die Galápagos-Inseln erreicht<br />
und nach Westen hin Französisch-Polynesien, Tonga und<br />
Samoa, weit im Süden Neuseeland, wieder nordwärts Vanuatu,<br />
dann Australien, Palau und Papua-Neuguinea, bevor<br />
es schließlich nach Asien ging und auf einen Besuch nach<br />
Borneo, Thailand und Myanmar, dann wieder westwärts<br />
über den Indischen Ozean und durch den Suezkanal (unter<br />
bewaffneter Aufsicht) wieder ins Mittelmeer.<br />
Zu ihren Lieblingsplätzen gehören Vanuatu, das südöstliche<br />
Alaska und die Galápagos-Inseln. Bevorzugte Tauchplätze<br />
sind der Tuamotu-Archipel und die indonesische Lembeh-<br />
Straße, ersterer wegen der Haie, letzterer wegen der<br />
Fotografie.<br />
Es ist ein außergewöhnlicher Reisebericht, und die Fotos<br />
sind beeindruckend. Doch trotz all dieser unglaublichen<br />
Erinnerungen steht die Andiamo jetzt zum Verkauf. „Ich<br />
bin fast überall gewesen, wo ich hin wollte, und ich muss<br />
zugeben, dass ich nach neun Jahren, in denen ich mehr als<br />
sechs Monate im Jahr an weit entfernten Orten unterwegs<br />
war, ein wenig Heimweh habe.“<br />
Mueller meint, dass sie ein paar Jahre warten möchte, um<br />
zu entscheiden, ob sie noch einmal ein anderes Boot kauft,<br />
und in der Zwischenzeit vielleicht chartern. Sie weiß, dass<br />
das nicht dasselbe sein wird – sie wird ihre Tauch- und Fotoausrüstung<br />
zum Beispiel einpacken und mitbringen müssen,<br />
weil beides nicht mehr an Bord auf sie wartet. Dafür wird sie<br />
mehr Zeit für andere Interessen haben: Sie ist Beauftragte<br />
der technologischen Universität Rensselaer Polytechnic Institute<br />
in New York, eine Aufgabe, die sie von ihrem ersten<br />
Ehemann Glenn Mueller übernommen hat, und sie ist im<br />
Vorstand der San Francisco Opera, seit sie nach Glenns Tod<br />
eine Aufführung von La Bohème erlebte.<br />
Mueller hat eine erstaunliche Erfolgsgeschichte zu erzählen,<br />
und sie scheint als Frau auch keine Probleme mit dem Aufstieg<br />
gehabt zu haben, was sie selbst darauf zurückführt, ihre<br />
eigene Firma gehabt zu haben und nicht auf der Unternehmensleiter<br />
nach oben klettern zu müssen. Einen Teil ihrer<br />
Inspiration verdankt sie ihrem College, wo zwar nicht alle<br />
Studenten weiblich waren, aber die einflussreichen Posten<br />
eben auch von Frauen besetzt waren. „Uns kam gar nicht in<br />
den Sinn, dass wir zu irgendetwas nicht fähig sein könnten“,<br />
sagt sie. Als Beispiel führt sie an, wie ein europäischer<br />
Lebensmitteltechnik-Anbieter sie nach einer halben Stunde<br />
Wartezeit mit einem Gespräch „nur“ mit einem Ingenieur abspeisen<br />
wollte, wo sie doch mit dem Chef in Verhandlung<br />
treten wollte. Im Großen und Ganzen jedoch findet sie, dass<br />
ihr die Männer, die sie im Laufe ihrer Geschäftstätigkeit traf,<br />
den nötigen Respekt entgegenbrachten. Wer ihr persönlich<br />
begegnet, weiß, dass es gar nicht anders sein kann. &<br />
[Copyright of <strong>Boat</strong> International Media Limited: All rights reserved]<br />
Licensed by <strong>Boat</strong> International Media Limited<br />
I 63
anzeige<br />
Shuttle-Service der Extraklasse: Limousinen<br />
der luxuriösen 7er Serie garantierten den<br />
VIP-Gästen der Monaco Yacht Show auch zu<br />
Land Mobilität mit Stil.<br />
Eleganz, die bewegt.<br />
Die schönsten Yachten der Welt gehen jedes Jahr bei der<br />
Monaco Yacht Show vor Anker. Für stilvolle Mobilität an Land<br />
sorgten dabei wieder die aktuellen Flaggschiffe von BMW.<br />
Hier wohnt die Exklusivität. Wer im Fürstentum Monaco beeindrucken<br />
will, muss Außergewöhnliches bieten. Die rund zwei<br />
Quadratkilometer an der Côte d‘Azur sind nicht nur Schauplatz<br />
des berühmtesten Formel 1-Rennens der Welt. Dieser erlesene<br />
Küstenstreifen steht auch wie nur wenige andere Orte auf der<br />
Welt für Luxus, Eleganz und Savoir-vivre. In Monaco weiß man<br />
Mobilität mit Stil zu verbinden. Das beste Beispiel liefert die<br />
Monaco Yacht Show, die seit nunmehr 22 Jahren Hersteller,<br />
Käufer und Liebhaber von Luxus-Yachten in den Hafen des<br />
Fürstentums lockt. Neben rund 500 Yachtsport-Marken und anderen<br />
Luxus-Anbietern dreht sich bei der Monaco Yacht Show<br />
alles um die edelsten Schiffe der Welt. So wurde der Port Hercules<br />
von Monaco auch in diesem September wieder für fünf<br />
Tage zum Ankerplatz der schönsten Super- und Megayachten.<br />
Eine Flotte, die selbst die anspruchsvollste Klientel begeisterte.<br />
Anlass zur Freude bot auch eine andere Form der stilvollen<br />
Fortbewegung jenseits des Wassers: BMW präsentierte<br />
sich in diesem Jahr zum fünften Mal als Hauptsponsor<br />
dieser exklusiven Yacht-Ausstellung. Der Münchener Premiumhersteller<br />
war mit einer Flotte Luxus-Limousinen der<br />
BMW 7er Serie vertreten, um den VIP-Gästen der Monaco<br />
Yacht Show einen Shuttle-Service der Extraklasse zu bieten.<br />
Der neue BMW 7er, der erst im Juli auf den Markt gekommen<br />
ist, verkörpert die für BMW typische Dynamik in ihrer<br />
luxuriösesten Ausprägung – die perfekte Verbindung von Ele-<br />
64 I
anzeige<br />
Zwei Quadratkilometer Luxus,<br />
Eleganz und Lebensart: das<br />
Fürstentum Monaco, Schauplatz<br />
der legendären Monaco<br />
Yacht Show.<br />
ganz und Präzision. Auf der Terrasse des Port Palace und auf<br />
den Ausstellungsflächen präsentierte das Unternehmen zudem<br />
das neue BMW 6er Gran Coupé, ein Modell, das Ästhetik,<br />
Sportlichkeit und Reisekomfort kombiniert. Und das<br />
im Rahmen einer Ausstattung, die in ihrem Luxus auch bei<br />
Yachtbesitzern keine Wünsche offen lässt. Eleganz, die bewegt.<br />
Ein Motto, mit dem man auch die 100 Luxus-Yachten charakterisieren<br />
kann, die sich 2012 im Port Hercules eingefunden<br />
haben. Für die Monaco Yacht Show waren dabei ausschließlich<br />
Schiffe zwischen 25 und 90 Metern Länge zugelassen.<br />
Darunter allein 40 Yachten, die als Weltpremieren<br />
erstmals exklusiv in Monaco präsentiert wurden. Letztlich<br />
warteten Werte von rund zwei bis drei Milliarden Euro im<br />
Hafen von Monaco auf potenzielle Käufer und Bewunderer.<br />
Dabei machte das enorme Interesse der rund 30.000 Besucher<br />
deutlich: Yachten sind heute nicht nur als einzigartige<br />
Luxusgüter begehrt, sondern auch als Investment gefragt.<br />
Um die Gunst der Yacht-Enthusiasten warben Schiffsdesigner<br />
wie Olivier van Meer oder Evan K. Marshall. Sie präsentierten<br />
neben Luxus-Giganten wie der 88,5 Meter langen Nirvana<br />
von Oceanco auch Innovationen wie die hypermoderne, 49<br />
Meter lange Aluminiumyacht „Nassima“<br />
von Acico Luxury Yachts.<br />
Für 29,5 Millionen Euro bekommt Die perfekte Synthese aus Ästhetik,<br />
man dabei neben dem yachtüblichen<br />
Luxus eine Sonderausstat-<br />
Hauptsponsor präsentierte BMW<br />
Sportlichkeit und Reisekomfort: Als<br />
tung geboten, zu der neben auf der Monaco Yacht Show auch<br />
einem raumfüllenden Aquarium das neue BMW 6er Gran Coupé.<br />
auch ein MINI Cooper S zählt.<br />
Eine Flotte für die anspruchsvollste<br />
Klientel: Während der Monaco Yacht<br />
Dieses Ambiente bot BMW eine ideale<br />
Bühne für einen weiteren spek-<br />
wieder für fünf Tage zum Anker-<br />
Show wurde der Port Hercules<br />
takulären Auftritt: Im Umfeld der platz der wertvollsten Yachten der<br />
Yacht-Elite stellten die Münchner<br />
Welt (links unten).<br />
ein BMW 6er Cabrio in besonderer<br />
Yacht-Ausstattung vor - eine Performance, die bei den vielen<br />
Partys an Bord, in Ausstellungszelten und in der 650 Quadratmeter<br />
großen Upper Deck Lounge auf dem Hafengelände<br />
für Aufmerksamkeit sorgte. Dieses Traumauto greift Elemente<br />
aus dem Yachtdesign auf und beeindruckt mit einer edlen<br />
tansanitblauen Individuallackierung sowie einer exklusiven<br />
Vollleder Merino Innenausstattung. Das BMW 6er Cabrio signalisiert<br />
athletische Eleganz und sinnliche Sportlichkeit und<br />
bietet ein ebenso luxuriöses wie dynamisches Fahrerlebnis.<br />
I 65
yacht stil I uhren<br />
Die Welt am<br />
Handgelenk<br />
Für Weltreisende sind Uhren mit Anzeigen für verschiedene Zeitzonen<br />
ideal. Stefan Hencke stellt die wichtigsten Modelle vor.<br />
Waren die ersten Weltumsegler auf ihren teils jahrelangen<br />
Fahrten isoliert und abgeschnitten, stehen heute verschiedenste<br />
Kommunikationsmittel zur Verfügung. Vor der<br />
Kontaktaufnahme mit der Heimat ist es jedoch bisweilen<br />
praktisch, sich schnell und unkompliziert über die dortige<br />
Ortszeit informieren zu können. Dabei erweisen sich mechanische<br />
Armbanduhren, welche die Zeit verschiedener Zeitzonen<br />
simultan anzeigen, als nützliche Helfer.<br />
Bei diesen Uhren werden zwei grundsätzliche Konzepte unterschieden.<br />
Zum einen Zeitmesser mit GMT-Funktion (GMT:<br />
Greenwich Mean Time, also Zeit am Nullmeridian), zum anderen<br />
Weltzeituhren. Modelle mit GMT-Funktion ermöglichen<br />
das Anzeigen einer zweiten oder gar dritten Zeitzone, realisiert<br />
über zusätzliche Zeiger und Skalen. Weltzeituhren erreichen<br />
eine darüber hinausgehende Funktionalität. Ihr Zifferblatt<br />
wird um eine weitere Scheibe ergänzt. Diese ist mit bis<br />
zu 24 Ortsnamen, stellvertretend für die jeweilige Zeitzone,<br />
bedruckt. Entsprechend lassen sich simultan die Zeiten ver-<br />
schiedener Zonen ablesen, indem Zeiger und Ortsscheibe<br />
durch Betätigen der Drücker synchronisiert werden.<br />
Die erste derartige Weltzeitarmbanduhr fertigte die Genfer<br />
Manufaktur Patek Philippe im Jahr 1937. Diese war allerdings<br />
rechteckig, weshalb die Ortsscheibe nicht, wie heute üblich,<br />
am Rand des Zifferblattes, sondern in dessen Zentrum zu finden<br />
war. Interessanterweise folgte die erste Uhr mit der technisch<br />
simpleren GMT-Funktion deutlich später. Rolex fertigte<br />
1954 im Auftrag der Pan <strong>American</strong> Airlines einen Zeitmesser<br />
mit zweitem Stundenzeiger und 24-Stunden-Drehlünette. Ein<br />
Jahr danach brachte man das Modell auf den Markt. In der<br />
Folgezeit nahm nahezu jeder bedeutende Hersteller Uhren<br />
mit mehreren Zeitzonen in seine Kollektion auf.<br />
Heute liegen Weltzeit- und GMT-Uhren im Trend. Mit ihren<br />
Features sind sie bei Reisen ein nützliches Accessoire. Zumal<br />
zahlreiche maritime Modelle existieren, die über ausreichende<br />
sportliche Qualitäten verfügen.<br />
66 I
1. Zeit in Scheiben: Das komplexe<br />
Zusammenspiel von vier Aluminiumscheiben<br />
im Uhrwerk der King Power<br />
Unico GMT Ceramic von Hublot ermöglicht<br />
Reisenden das unverzügliche<br />
Ablesen der lokalen Uhrzeit.<br />
2. Eine Hommage: Die limitierte<br />
Weltzeituhr ww.tc John Harrison von<br />
Girard-Perregaux ist dem legendären<br />
britischen Uhrmacher gewidmet, der<br />
im 18. Jahrhundert die Positionsbestimmung<br />
auf hoher See<br />
revolutionierte.<br />
3. Der Titanriese: Neben einer<br />
GMT-Funktion verfügt die Corum<br />
Admiral’s Cup Challenger 48 Day<br />
& Night über eine Tag-und-Nacht-<br />
Anzeige. Ihr Gehäuse aus leichtem<br />
Titan misst stolze 48 Millimeter.<br />
4. König der Lüfte: Der Senator<br />
Navigator WorldView von Glashütte<br />
Original soll an die Anfänge der<br />
zivilen Luftfahrt erinnern, als Piloten<br />
noch Abenteurer sein mussten.<br />
Das Design ist an jenes klassischer<br />
Fliegeruhren angelehnt.<br />
5. Bunter Kosmopolit: Die Skalen für<br />
drei Zeitzonen und 24 Städtenamen<br />
bevölkern das auffällige Zifferblatt<br />
der Fortis World Timer GMT. Die Uhr<br />
ist auf 2012 Exemplare limitiert.<br />
6. Gelassen durch die Zeitzonen:<br />
Die klassische Master Collection<br />
GMT von Longines ist vor allem der<br />
Tradition der Marke verpflichtet. Ihr<br />
Design gibt sich klassisch reduziert.<br />
FOTO: www.shutterstock.com/S. Pytel<br />
FOTOs: hersteller; www.shutterstock.com/semisatch<br />
7. Komplikationen gemeistert: Das<br />
Uhrwerk der Ocean Project Z6 von<br />
Harry Winston besteht aus 340 Einzelteilen.<br />
Das auf 250 Exemplare<br />
limitierte Modell verfügt über eine<br />
24-Stunden-Alarmfunktion.<br />
8. Beweist Nehmerqualitäten: Die<br />
extrem robuste Marinus GMT von<br />
Mühle-Glashütte ist bis 30 bar<br />
druckfest, zudem unempfindlich gegen<br />
Temperaturschwankungen und<br />
speziell gegen Salzwasser.<br />
I 67
eise charter<br />
Glanzlichter<br />
Meer Luxus<br />
Einige der besten Hotels der Welt hat die Oetker Collection versammelt, darunter<br />
das Hotel du Cap-Eden-Roc bei Antibes. Jetzt hat die kleine, feine Gruppe ihr<br />
Portfolio um ein außergewöhnliches Haus in der Karibik erweitert: Neuzugang ist<br />
das Hotel Saint-Barth Isle de France, das den Charme der Französischen Antillen<br />
mit der traditionellen Hotel-Kultur der Oetker-Luxusgruppe verbindet. Das Haus<br />
ist der perfekte Rückzugsort für Gäste mit höchsten Ansprüchen. Es liegt direkt<br />
an der Baie des Flamands, die mit einem der schönsten und unberührtesten<br />
Stränden der Karibik aufwartet. isle-de-france.com<br />
Meer tempo<br />
Schnell, schnell – wer den 12.12.2012 als Hochzeitstermin auserkoren<br />
hat, sollte seine Yacht zu den karibischen Inseln der<br />
Turks & Caicos steuern: Der Inselstaat hat seine Heiratsbestimmungen<br />
zum außergewöhnlichen Termin gelockert,<br />
so dass sich eilige Yachties hier auch ganz kurzfristig das<br />
Ja-Wort geben können: Schiff festmachen, Insel entern, Ja<br />
sagen. Bislang musste man dafür mindestens 48 Stunden<br />
im Land sein. Natürlich darf man auch weiterhin länger<br />
bleiben, aber es ist keine Pflicht mehr. Wichtig: Die Eil-<br />
Ehe gilt natürlich auch andernorts.<br />
turksandcaicostourism.com<br />
68 I
Meer design<br />
Die Yas Marina in Abu Dhabi wird<br />
Meer Platz<br />
wegen großer Nachfrage vergrößert:<br />
Camper & Nicholson schafft 32 neue Liegeplätze, das ist rund ein Fünftel<br />
mehr als zum Start 2011 und damit eine echte Erfolgsgeschichte.<br />
Die Plätze sowohl für Dauerbucher als auch für Besucher-Yachten werden<br />
dringend gebraucht – zur Formel 1-Woche Anfang November stehen sie<br />
für die ersten Gäste bereit. Wer für das Motorsport-Event einen Gastliegeplatz<br />
bucht, bekommt den Eintritt, auch für die Konzerte nach dem<br />
Nachtrennen, als Zugabe. cnmarinas.com/yas<br />
FOTOs: anbieter<br />
Wer zu den Kiwis nach Neuseeland<br />
reist, kann jetzt an einem<br />
Meer wasser<br />
eleganten neuen Hotel festmachen: Direkt am Waitemata-Hafen von<br />
Auckland hat das Sofitel eröffnet. Das Haus ist auch ideal für alle, die<br />
ohne eigene Yacht kommen, aber maritimes Feeling wollen. Am hauseigenen<br />
Steg legen Wassertaxis an, mit denen man zum Dinner ins<br />
Restaurant fahren kann. Die Zimmer haben alle Balkon und Panoramafenster.<br />
Wem das Wasser draußen nicht reicht: Es gibt einen 20 Meter<br />
langen Indoor-Pool. Feiner kann man in Auckland nicht wohnen – und<br />
näher am Wasser nur auf einem Schiff. sofitel.com<br />
Die Malediven sind traumhaft schön – ein<br />
Shopping-Paradies sind sie nicht. Das ändert sich:<br />
Pop-up-Stores sind weltweit Trend, im One&Only<br />
Reethi Rah macht jetzt der von Babajaan Furore,<br />
der Fashion-Marke der Designerin Sandra<br />
Moleirinho. Sie hat eine eigene One&Only-Linie<br />
mit Bikinis, Kaftans und Hüten kreiert. Gäste des<br />
Luxus-Resorts, das Gäste übrigens mit der Yacht<br />
am Airport abholt, können ihr eigenes Designerteil<br />
jedoch noch individueller gestalten: vor Ort und<br />
mit der Designerin höchstpersönlich. Fertig sind<br />
die Einzelstücke dann binnen weniger Stunden.<br />
reethirah.oneandonlyresorts.com<br />
I 69
Einfach mal<br />
abtauchen<br />
Der große französische Leuchtturm aus dem 19.<br />
Jahrhundert auf Amédée war eigentlich für Martinique<br />
gedacht, bevor er hier aufgestellt wurde<br />
70 I
neukaledonien I reise charter<br />
Mit atemberaubenden Gesteinsformationen, verschiedenen<br />
Kulturen und einer reichen Unterwasserfauna ist<br />
Neukaledonien maSSgeschneidert für die Dr. No und ihr<br />
innovatives Tauchboot. <strong>MEER</strong>&<strong>YACHTEN</strong>-Autor roger Leanvercoe<br />
verliert sich in der Welt unter Wasser.<br />
text/Fotos Roger Lean-Vercoe, Francesca Truter<br />
[Copyright of <strong>Boat</strong> International Media Limited: All rights reserved], Licensed by <strong>Boat</strong> International Media Limited<br />
I 71
eise charter I neukaledonien<br />
Tom Perkins (links) und U-Boot-<br />
Konstrukteur Graham Hawkes<br />
Es gibt nicht viele Orte auf dieser Erde, wo man<br />
ein authentisches pain au chocolat mit Blick auf<br />
Pinien, türkisblaues Meer und endlose weiße, palmengesäumte<br />
Strände essen kann, einer davon<br />
ist Neukaledonien. Diese Inselgruppe und insbesondere ihre<br />
Hauptstadt Nouméa ist ein echter französischer Außenposten.<br />
Allerdings macht sie ihre Position auf 166° Ost und 220° Süd<br />
im Südpazifik zum entferntest gelegenen der Pays d’outre-mer,<br />
wobei Neukaledonien da noch einmal einen Sonderstatus hat.<br />
Warmes Wasser des Pazifiks säumt die Küstenlinie, davor<br />
liegen lebende Korallenriffe und sandige Inselchen. Neukaledoniens<br />
aufregende Landschaft und sichere Ankerplätze<br />
machen es zu einem Traumziel für Törns mit der<br />
Yacht – wenn man die weite Entfernung auf sich nimmt.<br />
So gesehen kann man sich sehr glücklich schätzen, wenn<br />
einen Tom Perkins zu einer Fahrt auf seiner neuen Yacht,<br />
dem U-Boot-Transporter Dr. No, einlädt. Ungewöhnliche<br />
Fahrzeuge, das eine wie das andere. Das Mutterschiff, ein<br />
ehemaliges japanisches Fischereischiff, das U-Boot, eine<br />
lange Zigarre mit Flügeln wie ein Flugzeug, die Abtrieb erzeugen<br />
und zwei Personen auf einige hundert Meter Tiefe<br />
bringen können sollen.<br />
72 I
Mit Dr. No hat sich der Eigner<br />
nach dem Verkauf seiner Maltese Falcon einen<br />
Traum erfüllt<br />
Der Plan für den ersten Tag bestand darin, an den Südrand von<br />
Nouméas riesiger Lagune zu fahren, um dort einen Testtauchgang<br />
mit Dr. Nos Tauchboot Super Falcon zu machen. Nach<br />
einer Stunde Fahrt Richtung Süden durch ruhiges, türkisblaues<br />
Wasser läuft Dr. No Amédée Island an, wo sie im Schatten<br />
eines großen Leuchtturms ankert, der den Hauptweg durch<br />
das Saumriff markiert.<br />
Mit Dr. No hat sich der Eigner nach dem Verkauf seiner Maltese<br />
Falcon einen Traum erfüllt. Ein Expeditionsschiff wollte er,<br />
mit dem er auch die Unterwasserwelt erkunden kann. Neben<br />
allem erdenklichen Luxus an Bord ist das Mutterschiff daher<br />
mit allem möglichen Spielzeug beladen: vom Segelkatamaran<br />
über Tauchequipment inklusive einer Dekompressionskammer<br />
bis zu Kanus und Kajaks.<br />
Das ultra-coole Tauchboot Super Falcon selbst soll es schließlich<br />
bis auf 300 Meter Tiefe schaffen und dank einer Kombination von<br />
positivem Auftrieb und Flügeln mit bis zu sechs Knoten regelrecht<br />
durchs Wasser fliegen. „Ich wollte das Unter-Wasser-Äquivalent<br />
eines Kampfjets, nicht einen Heißluftballon“, sagt Tom Perkins,<br />
und dieses Gerät kommt seiner Vision sicherlich nahe.<br />
Aber auch die Technik muss sich der Natur manchmal beugen:<br />
Nach kurz zuvor niedergegangenem Starkregen ist das<br />
normalerweise makellos klare Lagunenwasser von Schlamm<br />
getrübt, der von der Insel abgewaschen worden war. Im Blindflug<br />
und wie in einem Flugzeug allein mit Echolot, Beschleunigungs-<br />
und Neigungsmesser taucht das Boot durch die Bucht.<br />
Kurz nach dem Start taucht der undeutliche Schatten eines<br />
neugierigen Hais auf, doch sonst sieht man nichts, von einem<br />
kurzen Blick auf den Grund abgesehen – und das U-Boot kehrt<br />
nach 40 Minuten elegantem, weitgehend blindem Manöver<br />
unter den Wellen zur Basis zurück.<br />
Die Gäste der Dr. No erleben einen wesentlich ergiebigeren<br />
Nachmittag im klareren Wasser um Amédée. Ihnen begegnen<br />
grüne Schildkröten, Riesenmakrelen, laichende Seegurken, die<br />
sich vom Grund aufrichten, und eine giftige Salzwasserschlange.<br />
Tauchguides vor Ort gewähren ausgezeichnete Möglichkeiten<br />
zur vorsichtigen und ungefährlichen Begegnung mit potenziell<br />
gefährlichen Meeresbewohnern wie diesen, außerdem<br />
kennen sie die besten Tauchplätze. Das winzige Inselchen<br />
Amédée rund zwölf Seemeilen vor Nouméa ist bekannt für<br />
seinen historischen Leuchtturm. Die aktuelle Eisenguss-Konstruk-<br />
I 73
eise charter I neukaledonien<br />
Strände, Riffe, klares Wasser: Die Inselgruppe<br />
östlich von Australien ist das perfekte Reiseziel<br />
für eine große Yacht<br />
Neukaledonien ist ein Paradies<br />
für Taucher, nicht umsonst soll die Super<br />
Falcon hier fliegen lernen<br />
tion wurde bereits vor über hundert Jahren für zwei Jahre in Paris<br />
ausgestellt, um auf die seinerzeit neue Technologie aufmerksam<br />
zu machen, ehe sie zerlegt, nach Neukaledonien verschifft und<br />
als bleibendes Monument für französische Ingenieurskunst neu<br />
zusammengesetzt wurde. Der Turm ist vor allem extrem hoch,<br />
dekorativ mit sternenbewehrten Bolzen bestückt und hat einen<br />
zwiebelförmigen Unterbau. Angeblich sollte er eigentlich auf<br />
Martinique stehen, wurde aber schlicht falsch geliefert und letztlich<br />
hier zusammengebaut.<br />
Neukaledonien ist ein Paradies für Taucher, nicht umsonst<br />
soll die Super Falcon hier fliegen lernen. Bei hervorragenden<br />
Bedingungen gleitet der Falke außerhalb der Passage in die<br />
Tiefe, und während sich große Meeresbewohner fernhalten,<br />
sind die Korallenbewohner scheinbar unbeeindruckt von dem<br />
grauen Gefährt. Wer es nicht erlebt hat, kann sich kein Bild<br />
davon machen, wie der Falke schwerelos durch die Korallenlandschaft<br />
gleitet, fast wie ein Fluggerät aus einem Star-<br />
Wars-Film, er teilt Fischschwärme und tanzt fast spielerisch<br />
durch Korallenausbuchtungen. Die Super Falcon wird von den<br />
Lebewesen um sie herum so gut angenommen, dass sich ein<br />
Remora-Saugfisch an den Bootskörper des U-Boots anheftet,<br />
vermutlich, weil er hofft, ein paar Krümel von seinem nächsten<br />
Mahl abzubekommen.<br />
Wer nicht zur optimalen Jahreszeit in Neukaledonien reist, darf<br />
sich nicht wundern, wenn sich schlechtes Wetter ankündigt –<br />
ein Zyklon mit heftigem Wind und Starkregen. So eilt Dr. No<br />
74 I
Der Hafen Port Moselle in Nouméa, Ausgangsort<br />
zur Tauchreise von Dr. No<br />
Die Super Falcon, das Zwei-Personen-Tauchboot<br />
der Dr. No mit einer möglichen<br />
Tauchtiefe von 300 Metern, wird zu Wasser<br />
gelassen. Kommunikation und Spurensuche<br />
mithilfe von UQC (Underwater Communications<br />
Equipment), einer Art Unterwassertelefon,<br />
von der Brücke aus (rechts)<br />
in die geschützte Prony-Bucht, entlang der wilden südöstlichen<br />
Küstenlinie, wo alte Mineraliendepots die steil abfallenden<br />
Berge tiefrot färben. Die Vegetation ist aufgerissen und tiefe<br />
Schluchten und Löcher wurden in den Boden gewaschen. Diese<br />
Art, eine Mine zu betreiben, ohne das Land in seinen früheren<br />
Zustand zurückzuversetzen, wäre andernorts inakzeptabel,<br />
doch in Neukaledonien, dem drittgrößten Nickelproduzenten<br />
weltweit, ist das trauriger Alltag. Das Abwasser aus der Mine<br />
macht das Wasser so trübe, dass ein geplanter Tauchgang an<br />
der Prony Needle unmöglich ist. Schade – die Wasserlandschaft<br />
um die Landspitze ist berühmt für ihre großen Bullenhaie.<br />
Der Regen kommt in Mengen, wie angekündigt, doch der<br />
starke Wind bleibt aus; Dr. No umfährt am folgenden Tag<br />
die Südspitze Neukaledoniens und tastet sich entlang der<br />
Küstenlinie nordwestwärts zur Baie Ouinné. Ein guter Ausgangspunkt<br />
für einen Trip zu den Loyalty Islands, die etwa<br />
50 Meilen vor der Küste liegen. Am äußeren Saumriff nahe<br />
der Koaukoue-Passage fällt dessen innerer Rand von fünf auf<br />
50 Meter ab – ein idealer Platz für einen Tauchgang an der<br />
Wand. Gleich beim Runtergehen treffen wir auf einen Wahoo<br />
und eine Stachelmakrele, die wiederum einem Weißspitzen-<br />
Riffhai hinterherschwimmt. Dann erscheint unsere Eskorte –<br />
ein kleiner neugieriger grauer Riffhai. Als wir uns an der Wand<br />
entlang bewegen, kommen immer mehr von der Sorte, und<br />
schließlich sind wir von einer achtköpfigen Gruppe umgeben,<br />
die sich für uns interessiert.<br />
Vor dem Morgengrauen lichtet die Mannschaft für die Reise<br />
nach Lifou, eine östlich gelegene Insel der Loyalty Islands,<br />
den Anker. Die Sonne erhebt sich an diesem perfekten Reisetag<br />
aus dem Wasser, das nur von einer leichten östlichen<br />
Dünung bewegt wird. Rußseeschwalben tauchen ihre Flügelspitzen<br />
in die Wellen und fliegen in großen Kreisen auf der<br />
Suche nach Fischschwärmen um die Yacht. An Bord kommt<br />
das Leben zur Ruhe, man verbringt die Zeit mit einem Kaffee<br />
in der einen Hand und einem Buch in der anderen. An<br />
Bord der Dr. No gehen die Uhren deutlich anders: Gesucht<br />
wird das Erlebnis unter Wasser, nicht darüber. Mit der Entfernung<br />
von Nouméa verlangsamt sich das Leben, und hier<br />
herrschte eindeutig der melanesische Lebensrhythmus vor.<br />
Absolut nichts passiert schnell an einem Ort, wo die Zeit mit<br />
den Gezeiten oder dem Feiern eines Fests gemessen wird<br />
und selten mit der Armbanduhr.<br />
In der von niedrigen Kalkklippen umgebenen Bucht von Jinek<br />
im Nordwesten von Lifou zeigt das Echolot einen vertikalen Anstieg<br />
in der Topografie von 700 auf 200 Meter leuchtend blauen<br />
Wassers an – und damit potenzielles U-Boot-Tauchgebiet.<br />
I 75
Rücksichtslos wird die Natur ausgebeutet:<br />
Die Hinterlassenschaften<br />
der Nickelgewinnung im Tagebau<br />
zerstören die Landschaft<br />
Alte Steingebäude, die zur französischen<br />
Strafkolonie in Prony gehörten, sind jetzt von<br />
Baumwurzeln umschlossen und verfallen<br />
Um dem Stammesführer der Insel und der Tradition, „la coutume“,<br />
Respekt zu erweisen, überbringt man dem Ortsvorsteher<br />
ein kleines Geschenk. Traditionellerweise handelt es sich dabei<br />
um ein Stück Tuch und etwas Tabak, das ein Gefühl der<br />
Verwandtschaft und geteilter Verpflichtungen symbolisieren soll.<br />
Alles Land und auch alle Gewässer haben nach der Tradition<br />
der Einheimischen einen Eigentümer, und es ist üblich, eine<br />
Erlaubnis einzuholen, bevor man sich Aktivitäten wie Fischen,<br />
Schnorcheln oder Tauchen hingibt. Hauptanliegen der Einheimischen<br />
ist verständlicherweise, dass beim Tauchen kein Fisch<br />
oder andere Nahrung gesammelt wird. Die Idee, dass die tiefen<br />
Wände und Korallenplateaus des Schutzriffs mit einem U-Boot<br />
überflogen werden, macht dagegen keine Probleme...<br />
Am Ankerplatz gleiten Manta-Rochen unter dem Boot hindurch<br />
und durchstoßen mit ihren Flügelspitzen die Wasseroberfläche,<br />
grüne Schildkröten trudeln gemächlich auf den Wellen.<br />
Alle Kontrollinstrumente des U-Boots sind intakt, alle Systemchecks<br />
über die Navigation, die Druckkontrolle und die Sauerstofftanks<br />
gelaufen. Der Plan ist, in den nächsten Tagen durch<br />
das berühmte Reciffe Shelter zu tauchen. Die Bedingungen<br />
nahe am Reciffe-Shelter-Tauchrevier sind perfekt mit 40 Meter<br />
Wasser unterm Bug. Der Wind ist zu vernachlässigen, die<br />
Sicht beträgt 50 Meter und mehr, und die Strömung ist minimal.<br />
Hinab geht es zu einem riesigen Plateau, das sich vom<br />
Meeresgrund nach oben erhebt, bedeckt von großen, gesunden<br />
Korallen und Tausenden Azur-Demoisellen, Füsilieren und<br />
Antheas. Über dem Tauchboot aus 50 Meter Tiefe sieht die Dr.<br />
No aus wie ein Spielzeugboot in der Badewanne. Fast kann<br />
man vergessen, dass man auf dem Wasser hierhergekommen<br />
ist, die Tiefe zieht einen in einen Rausch, der in einem autarken<br />
Tauchboot fast endlos werden kann.<br />
Für Taucher sind die Inseln<br />
ein Paradies. Diese Seeschlange<br />
erwies sich zum<br />
Glück als ungefährlich<br />
76 I<br />
Das nächste Ziel der Dr. No und ihrer Super Falcon ist Fidschi<br />
und danach Tonga, wo der Eigner wissenschaftliche<br />
Studien betreiben will – er will Walen und ihren Klängen<br />
folgen und dabei herausfinden, was sie bewegt. Beneidenswert,<br />
denn vielleicht ist die schönste Form, auf See zu sein,<br />
unter Wasser... &<br />
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Licensed by <strong>Boat</strong> International Media Limited
neukaledonien I reise charter<br />
FOTO: www.shutterstock.com/viadoskan<br />
neukaledonien<br />
Office de Tourisme de Nouvelle-Calédonie<br />
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office-tourisme.nc oder en.visitnewcaledonia.com<br />
Information für Besucheryachten<br />
inklusive Wetter und Gezeitentafeln<br />
cruising-newcaledonia.com<br />
Anlegemöglichkeiten<br />
Port Moselle, am Eingang zum Hafen von Nouméa, bietet Anlegestellen<br />
für Yachten bis 30 Meter Länge und Tiefgang bis 8<br />
Meter, sodemo.nc<br />
Port du Sud Marina, Nouméa, befindet sich in der Orphelinat<br />
Bay und hat Liegeplätze für Schiffe von 8 bis 25 Meter Länge,<br />
Queranlegeplätze am Kai für Schiffe bis 40 Meter<br />
portdusud.nc<br />
Zeitzone<br />
Mittlere Greenwich-Zeit +11 Stunden<br />
Sprachen<br />
Französisch, Englisch und einige indogene Sprachen<br />
währung<br />
CFP-Franc<br />
Bevölkerung<br />
etwa 250.000<br />
Klima<br />
Neukaledonien befindet sich auf der Südhalbkugel im tropischen<br />
Bereich, das bedeutet von November bis März Temperaturen<br />
bis 30 Grad bei hoher Luftfeuchtigkeit. Von Juni bis<br />
August ist es kühler und trockener, zwischen Dezember und<br />
April kann es Wirbelstürme geben.<br />
Politik<br />
Neukaledonien ist ein so genanntes selbstgewähltes Kollektiv,<br />
dem schrittweise manche Machtbereiche von Frankreich<br />
übertragen wurden. Es wird von einem 54-köpfigen Territorialkongress<br />
regiert, einer gesetzgebenden Institution, die von<br />
drei Provinzversammlungen beschickt wird. Der französische<br />
Staat ist durch einen Hochkommissar vertreten.<br />
Wie man hinkommt<br />
Aircalin ist die lokale Airline, die mit modernen Jets regelmäßig<br />
und direkt Sydney, Brisbane, Auckland, Seoul und Tokyo anfliegt.<br />
Nouméa (Tontouta Airport) wird auch von Qantas und Air<br />
France in Kooperation mit Aircalin angeflogen.<br />
Einreiseformalitäten<br />
Bürger der USA, der EU und vieler anderer Länder benötigen<br />
kein Visum für touristische oder geschäftliche Aufenthalte von<br />
90 Tagen oder weniger innerhalb von sechs Monaten. Der Reisepass<br />
sollte mindestens sechs Monate gültig sein.<br />
Tauchen<br />
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I 77
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sarah<br />
Text<br />
Claus reissig<br />
fotos werft<br />
Ein Platz ohne Sonne: Das Sonnendeck<br />
wird komplett mit Segeln abgeschattet.<br />
Zur Ausstattung der<br />
Charteryacht gehören unter anderem<br />
zwei kräftige Beiboote (oben)<br />
80 I
spotlight I reise charter<br />
Die 2002 von Amels<br />
gebaute, 62 Meter lange<br />
Motoryacht Sarah wurde<br />
kürzlich neu ausgestattet.<br />
Sarahs Fahrtgebiet ist das<br />
westliche Mittelmeer.<br />
Superyacht Sarah ist ein Refugium für Gäste, die sich<br />
von einer großen Crew verwöhnen lassen möchten.<br />
20 Personen stehen für die vom Charterer angegebenen<br />
maximal zwölf Gäste zur Verfügung, wobei Platz für<br />
18 Gäste ist. Von ihren äußeren Linien ist das Schiff extrem<br />
zurückhaltend gestaltet und wurde von der niederländischen<br />
Werft Amels 2002 übergeben. Beeindruckend ist<br />
die Reichweite: 6.000 Seemeilen kann das Schiff zwischen<br />
den Tankstopps zurücklegen. Das Fahrtgebiet wird für den<br />
Winter 2012/2013 die Karibik oder über das Rote Meer<br />
weiter in Richtung Mittleren Osten sein.<br />
Gerade wurde die Yacht unter Deck neu ausgestattet und<br />
geht wie neu in die nächste Saison. Das Innendesign<br />
stammt von Donald Starkey, der auch zahlreiche andere Superyachten<br />
ausgestattet hat. Sein jüngstes Projekt ist die 47<br />
Meter lange Loretta Anne.<br />
Die 62 Meter lange Sarah kann bis zu 18 Gäste in insgesamt<br />
neun Suiten und Kabinen beherbergen. Dazu gehören<br />
die voll ausgestattete Mastersuite mit einem Kingsize-Bett<br />
auf dem Hauptdeck und vier Doppelsuiten mit Queensize-<br />
Betten (zwei auf dem Haupt- und zwei auf dem Oberdeck)<br />
sowie vier Kabinen mit je zwei einzeln stehenden Betten,<br />
alle mit eingebauten Bädern.<br />
Gerade wurde die Yacht in den Innenbereichen neu<br />
ausgestattet: Salon (oben) und Eignersuite (Mitte)<br />
Die Sarah verfügt über zwei Beiboote und eine große<br />
Auswahl unterschiedlicher Wassersportfahrzeuge. Aktive<br />
Gäste finden dadurch viele Möglichkeiten für sportliche<br />
Betätigung. &<br />
Charter<br />
Fahrtgebiet: Sommer 2013:<br />
Frankreich und westliches Mittelmeer<br />
Winter: Karibik oder Mittelmeer<br />
Crew: 20<br />
Gäste: 12 laut Charterer/Platz für 18<br />
Unterbringung: 1 Mastersuite; 3 Doppelsuiten;<br />
5 Doppelkabinen<br />
Bäder: jeweils en suite<br />
Preis: 325.000 bis 395.000 Euro/Woche (je nach Saison)<br />
oceanindependence.com<br />
technische daten<br />
Länge 62 m<br />
Breite 11,80 m<br />
tiefgang 3,65 m<br />
maschinen 5.270 PS<br />
geschwindigkeit (max./reise) 17/15 kn<br />
reichweite (bei 15 kn) 6.000 sm<br />
treibstoff 120.000 l<br />
wasser 35.000 l<br />
baujahr 2002<br />
I 81
Neu auf dem Chartermarkt<br />
Lady Kathryn V<br />
2011 zu Wasser gelassen, hält die<br />
großräumige Lady Kathryn V<br />
Unterkünfte für bis zu 12 Personen<br />
in sechs Suiten bereit.<br />
Cape Arrow<br />
Die komfortable Segelyacht wurde von<br />
Southern Wind gebaut; sie geht mit<br />
maximal acht Gästen und vier Mann<br />
Crew in Charter.<br />
Pegasus<br />
Pegasus besticht durch ihre großzügigen<br />
Lebensräume. 2009 wurde die Yacht<br />
einem gründlichen Refit unterzogen.<br />
LüA: 61 m<br />
werft/baujahr: Lürssen/2011<br />
Gäste/Crew: 12/15<br />
preis: ab 450.000 Euro/Woche<br />
Fahrtgebiet: Mittelmeer<br />
Kontakt<br />
Kevin Callahan<br />
Tel: +44 954 768 0707<br />
Email: kevin@moranyachts.com<br />
Web: moranyachts.com<br />
LüA: 30,20 m<br />
werft/baujahr: Southern Wind/2011<br />
Gäste/Crew: 8/4<br />
preis: ab 40.000 Euro/Woche<br />
(+ Extrakosten)<br />
fahrtgebiet: westl. Mittelmeer<br />
KOntakt<br />
Bernard Gallay<br />
Lisa Spiller<br />
Tel: +33 633 424 509<br />
Email: lisa.spiller@bernard-gallay.com<br />
Web: bernard-gallay.com<br />
LÜA: 52,3 m<br />
werft/baujahr: Feadship/1995<br />
Gäste/Crew: 12/12<br />
preis: ab 196.000 Euro/Woche<br />
Fahrtgebiet: östl. Mittelmeer<br />
Kontakt<br />
Burgess<br />
Tel: +44 20 7766 4300<br />
Email: london@burgessyachts.com<br />
Web: burgessyachts.com<br />
Makira<br />
Die sportliche Makira wurde nach<br />
einem Design von Studio Bacigalupo<br />
gebaut. Sie bietet einen Whirlpool und<br />
eine aufwendige Soundanlage.<br />
Kontakt<br />
Fraser Yachts<br />
Daniela De Marco<br />
Tel: +377 93 100 498<br />
Email: daniela.demarco@fraseryachts.com<br />
Web: fraseryachts.com<br />
LÜA: 43,1 m<br />
werft/baujahr: Leopard/2010<br />
Gäste/Crew: 9/6<br />
preis: ab 115.000 Euro/Woche<br />
(+ Extrakosten)<br />
fahrtgebiet: westl. Mittelmeer<br />
beach club diving jet ski bikes fishing gym kayaking<br />
82 I
new to the fleet I reise charter<br />
xnoi<br />
Die Karbonyacht wurde von einer<br />
Tochterfirma von Perini Navi gebaut.<br />
Sie besticht durch ihren Komfort und<br />
die guten Segeleigenschaften.<br />
LüA: 30,6 m<br />
werft/baujahr: Perini Navi/2012<br />
Gäste/Crew: 10/4<br />
preis: 55.000/50.000 Euro/Woche<br />
(+ Extrakosten)<br />
fahrtgebiet: Mittelmeer<br />
kontakt<br />
Perini Navi USA<br />
Tel: +1 401 683 5600<br />
Email:charter@perininaviusa.com<br />
Web: perininavi.it/en/charter<br />
Aquarius<br />
Die 30-Meter-Kunststoffyacht hat<br />
ihr Stammrevier in Fidschi. Sie geht mit<br />
bis zu zehn Personen zu günstigen<br />
Raten in Charter.<br />
LüA: 29,6 m<br />
werft/baujahr: Horizon/2009<br />
Gäste/Crew: 10/4<br />
preis: 60.000 Euro/Woche<br />
(+Extrakosten)<br />
Fahrtgebiet: Fidschi<br />
Heavenly Daze<br />
Eine klassische Yacht, die gerade einem<br />
gründlichen Refit unterzogen wurde.<br />
Es gibt eine Mastersuite, eine VIP- und<br />
zwei weitere Kabinen.<br />
LüA: 32 m<br />
werft/baujahr: Feadship/1972<br />
Gäste/Crew: 8/6<br />
preis: ab 49.500 Euro/Woche<br />
fahrtgebiet: westl. Mittelmeer<br />
Lars<br />
Dagegen wirkt alles andere langweilig:<br />
Lars wurde 2012 von einem Hochseeschlepper<br />
zu einer Luxusyacht umgebaut<br />
und fährt in die extremsten Gegenden.<br />
LüA: 36,4 m<br />
werft/baujahr: Damen/1995<br />
Gäste/Crew: 8/5<br />
preis: ab 65.000 Euro/Woche<br />
fahrtgebiet: Grönland/Island<br />
kontakt<br />
37 South Yacht Charter<br />
Fleur Tomlinson<br />
Tel: +64 9302 0178<br />
Email: charter@37south.co.nz<br />
Web: 37southyachtcharter.com<br />
kontakt<br />
Ocean Independence<br />
Stephanie Archer<br />
Tel: +44 1273 831 010<br />
Email: sarcher@ocyachts.com<br />
Web: oceanindependence.com<br />
kontakt<br />
Classic-charters.com<br />
Nick Hardy<br />
Tel: +44 791 943 0863<br />
Email: nick@classic-charters.com<br />
Web: classic-charters.com<br />
FOTOs: werften<br />
spa pool sailing snorkelling wind surf water ski/ inflatables<br />
wakeboard<br />
I 83
oker refit<br />
Glanzlichter<br />
Boot des<br />
Monats<br />
Axantha II<br />
In Zeiten maximaler Raumausnutzung und ultramodernen<br />
Designs ist die Axantha II eine wohltuende<br />
Ausnahme. Das Äußere der bei der französischen JFA-<br />
Werft gebauten Explorer-Yacht orientiert sich an einem<br />
Berufsschiff des 20. Jahrhunderts, der Bug springt weit<br />
vor, sogar einen Schornstein gibt es. Obwohl der auf<br />
Axantha II lediglich dekorativen Zwecken dient und<br />
die Treppe aufs Oberdeck verbirgt. Die an einen<br />
Trawler mit einem weiten, offenen Vordeck erinnernde,<br />
43 Meter lange Yacht wurde erst 2011 ausgeliefert,<br />
durchfuhr die Nordwestpassage und steht<br />
jetzt zum Verkauf, weil ihr Eigner ein kleineres Schiff<br />
bauen möchte. Das hatte er schon einmal: Vorgängerschiff<br />
Axantha sah ähnlich aus und war lediglich 37<br />
Meter lang. Maschinen Cummins 2 x 750 PS; Preis 18,5<br />
Millionen Euro. yachtmoments.com<br />
Refit liegt im Trend<br />
Vripack, als Designer und Konstrukteur von Neubauten<br />
ein Name in der Branche, entdecken das<br />
Refit für sich. In Zeiten, da Marktpreise für Gebrauchtyachten<br />
fallen und Neubauten zu riskant scheinen,<br />
überholen viele Eigner stattdessen ihre bisherige<br />
Yacht. Das betrifft auch die Innenräume: Vorhänge,<br />
Möbel, Lampen und Accessoires werden nach einiger<br />
Zeit auf See ersetzt. Das gilt aber auch für die<br />
Einbauten wie Bäder, Bars oder festes Mobiliar. Derzeit<br />
überholen die Holländer drei Schiffe. Im Vripack-<br />
Jargon wird das übrigens updressing genannt, was<br />
übersetzt ungefähr fein machen bedeutet.<br />
vripack.com<br />
Sessa im Norden<br />
Die italienische Motorbootmarke Sessa<br />
wird jetzt auch in den Niederlanden und in<br />
Deutschland von einem eigenen Händler angeboten.<br />
Das niederländische Unternehmen<br />
Sessa Yachts b.v. hat seinen Sitz in Muiden.<br />
Sessa Yachts gehört zu den großen italienischen<br />
Yachtbauern, die Flybridge-Modelle<br />
der Yacht Line reichen von 44 bis 68 Fuß.<br />
Darunter gibt es kleinere Modelle als Cruiser-,<br />
Fisher- oder die trendige Key Largo-Line.<br />
FOTOs: werften, anbieter<br />
84 I
Eigner gesucht<br />
Zwischen August 2011 und August 2012 wurden den Maklern<br />
weltweit insgesamt 241 Yachten über 24 Meter Länge angeboten,<br />
die verkauft werden sollen. Naturgemäß sind große<br />
Schiffe dabei die Minorität: Lediglich fünf Superyachten über<br />
71 Meter Länge suchen einen neuen Eigner. Mit Abstand am<br />
größten ist der Markt in der Größenklasse zwischen 24 und 40<br />
Meter, dort stehen insgesamt 171 Schiffe zum Verkauf. Vielleicht<br />
das prominenteste Schiff: die erst 2011 ausgelieferte<br />
Diamonds Are Forever (M&Y 05/12).<br />
Anzahl neuer Gebrauchtyachten<br />
Länder/Bootslänge jeweils insgesamt<br />
100<br />
Italien baut die Meisten<br />
Geht es um die Gesamtlänge der derzeit im Bau befindlichen<br />
Superyachten, steht Italien unangefochten an der Weltspitze.<br />
Über zehn Kilometer Länge würden die in den Werfthallen<br />
befindlichen Yachten aneinandergereiht ergeben. Auf den<br />
Plätzen folgen die Niederlande, USA und an sechster Stelle<br />
die Bundesrepublik. Zwar sind dort „nur“ 1.235 Meter Schiff<br />
im Bau, aber die brechen immer auch gleich alle Größenrekorde.<br />
Allein die derzeit bei Lürssen entstehende Azzam (Projektname)<br />
ist 180 Meter lang. Ihr Auftraggeber ist angeblich<br />
der 57-jährige Prinz al-Walid ibn Talal Al Saud, Neffe des saudischen<br />
Königs. Das Auftragsvolumen dieser einen Yacht wird<br />
auf rund 500 Millionen Euro geschätzt.<br />
1<br />
2<br />
3<br />
4<br />
5<br />
6<br />
7<br />
8<br />
9<br />
10<br />
75<br />
50<br />
25<br />
0<br />
Neue Gebrauchtyachten auf dem Markt<br />
Die top 10 der Yachbauer nach Land<br />
Italien 10.765m<br />
Niederlande<br />
USA<br />
Türkei<br />
UK<br />
Deutschland<br />
86 85<br />
Taiwan<br />
China<br />
VAE<br />
Frankreich<br />
3.536m<br />
2.695m<br />
2.662m<br />
1.471m<br />
1.235m<br />
1.021m<br />
792m<br />
592m<br />
148m<br />
63<br />
15<br />
7 5<br />
20-30 31-40 41-50 51-60 61-70 71+<br />
Länge (in Metern)<br />
0 50 100 150 200 250 300<br />
Azimut-Benetti in Genua<br />
Die italienische Werftgruppe Azimut-Benetti war<br />
auf dem Salone Nautico in Genua (6. bis 14. Oktober)<br />
der mit Abstand größte Aussteller. Die Ausstellungsfläche<br />
zu Wasser und zu Land betrug fast<br />
4.000 Quadratmeter, insgesamt wurden 26 Yachten<br />
über zehn Meter Länge gezeigt, darunter vier Weltpremieren.<br />
Neuheiten waren unter anderen die<br />
Azimut 54 und 84 (Foto) sowie die Magellano 43<br />
und 76. Ebenfalls auf der <strong>Boat</strong> Show in Genua fand<br />
zum ersten Mal das von Benetti initiierte Design<br />
Innovation Project statt, bei dem die Designtrends<br />
für zukünftige Megayachten ausgelotet werden sollten.<br />
Azimut-Benetti ist der weltweit führende Anbieter<br />
für Megayachten. azimutbenetti.com<br />
Beste Arbeit!<br />
Gleich mit zwei neuen Auszeichnungen kann sich<br />
Yachting Developments aus Neuseeland rühmen.<br />
Beim World Superyacht Award 2012 wurde die<br />
30 Meter lange Komposit-Fahrtenyacht Antares<br />
III als bestes Schiff zwischen 30 und 40 Meter<br />
Länge ausgezeichnet. Die Yacht soll fast 30 Prozent<br />
leichter als ein vergleichbares Aluminiumschiff<br />
sein, gegen Beschädigungen wurde eine komplette<br />
Lage Kevlar in das Laminat eingelegt. Mit dem Refit<br />
der 130 Fuß langen J-Class-Yacht Endeavour (M&Y<br />
4/12) hat Yachting Developments es zudem bis ins<br />
Finale der International Superyacht Society Awards<br />
2012 gebracht.<br />
yachtingdevelopments.co.nz<br />
Anzahl der im Bau befindlichen Yachten<br />
I 85
Broker<br />
refit I marktanalyse<br />
Klarer Trend im Markt: Wer derzeit<br />
verkaufen möchte, darf nicht auf<br />
seinem Wunschpreis beharren<br />
Gute Zeiten<br />
für Käufer<br />
<strong>MEER</strong>&<strong>YACHTEN</strong> befragte weltweit Superyacht-Makler nach ihrer<br />
Einschätzung der ersten sechs Monate dieses Jahres – und<br />
erhielt interessante Einblicke in einen perfekten Käufer-Markt<br />
[Copyright of <strong>Boat</strong> International Media Limited: All rights reserved], Licensed by <strong>Boat</strong> International Media Limited<br />
Manchmal erscheint der Bootshandel wie<br />
eine ehemals pflegeleichte, treuherzige Dame,<br />
die Ende 2008 einen schweren Unfall hatte,<br />
wahrscheinlich auf einem prächtigen Gebirgspass<br />
mit einem skrupellosen Agenten am<br />
Steuer. Seitdem päppeln die Yachtmakler sie wieder<br />
hoch, überwachen ihren Zustand und berichten gelegentlich<br />
den Medien nüchtern, dass sie sich erholt. Aufgrund<br />
der niedrigen Stückzahlen bei Superyachten schwankt<br />
der Umsatz zwischen den Monaten naturgemäß erheblich<br />
und erschwert ein zusammenhängendes Bild. Doch das<br />
erste Halbjahr insgesamt gibt einen besseren Aufschluss.<br />
„Es sind die härtesten sechs Monate seit Krisenbeginn<br />
2009“, sagt Toby Maclaurin, kaufmännischer Geschäftsführer<br />
von Ocean Independence. Frank Grzeszczak, Makler<br />
bei International Yacht Collection (IYC), meint: „Vor genau<br />
einem Jahr lag ich weit vor dem heutigen Stand und stelle<br />
nun fest, dass der Absatz in diesem Jahr generell nicht gut<br />
läuft.“ Der allgemein zurückhaltende Ausblick wird durch<br />
Statistiken belegt: In der ersten Jahreshälfte wurden 119<br />
Superyachten verkauft, 24 Prozent weniger als die 156 im<br />
gleichen Vorjahreszeitraum. Die erste Hälfte 2010 war mit<br />
108 noch schwächer, den Tiefpunkt markiert weiterhin das<br />
erste Halbjahr 2009 mit 74.<br />
FOTO: claus reissig<br />
86 I
82 Grey Goose Baujahr: 2006, LÜA: 24,89 m, Breite: 5,86 m, Tiefgang: 4,30 m, Flush Deck Version in Top-Zustand, mit durchdachtem Deckslayout,<br />
Performance Kiel, PBO Rigging etc. mit umfangreicher Segelgarderobe. Eignerkabine achtern, separater Crewbereich vorne. Innenausbau in<br />
82 Grey Teakholz. Goose Diese Swan Baujahr: 82 FD 2006, verspricht LÜA: kompromissloses 24,89 m, Breite: Segeln 5,86 m, beim Tiefgang: Cruisen 4,30 und m, Racen. Flush € Deck 4.950.000. Version Liegeplatz: in Top-Zustand, USA mit durchdachtem Deckslayout,<br />
Performance Kiel, PBO Rigging etc. mit umfangreicher Segelgarderobe. Eignerkabine achtern, separater Crewbereich vorne. Innenausbau in<br />
Teakholz. Diese Swan 82 FD verspricht kompromissloses Segeln beim Cruisen und Racen. € 4.950.000. Liegeplatz: USA<br />
46 RACHULL Baujahr 2005, LÜA 14,05 m, Breite 4,27 m,<br />
Tiefgang 1,32/3,40 m. Sie ist in einem herausragenden neuwertigen Zustand<br />
mit Leisure Furl Baum, Maxpower Bugstrahlruder, elektrische Winden, drei Kabinen,<br />
kompletter Satz UK Segel uvm. € 670.000 Liegeplatz: Flensburg.<br />
46 RACHULL Baujahr 2005, LÜA 14,05 m, Breite 4,27 m,<br />
Tiefgang 1,32/3,40 m. Sie ist in einem herausragenden neuwertigen Zustand<br />
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46<br />
MEDIA NARANJA Wunderschöne Swan 46 aus<br />
2006 mit einem Tiefgang von 2,30 m und ausgestattet mit einem manuellen<br />
Leisure Furl-Baum, Rollfock, elektrischen Lewmar Winden, B&G Hydra System,<br />
Bugstrahlruder, Teakdecks etc. € 710.000. Liegeplatz Balearen<br />
46<br />
MEDIA NARANJA Wunderschöne Swan 46 aus<br />
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46 JOSS Baujahr 1985 in außergewöhnlichem Zustand, professionell<br />
gewartet mit vielen Neuerungen, z.B. neuer Elektronik. Zwei Kabinen-Version,<br />
elektrische Genuawinden, Rollfock, neue North Sails, Teakdecks<br />
von 2004 etc. € 310.000. Sie befindet sich in Norddeutschland an Land.<br />
46 JOSS Baujahr 1985 in außergewöhnlichem Zustand, professionell<br />
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JWS-Yachten GmbH<br />
Am Industriehafen 4<br />
D - 24937 Flensburg<br />
Tel: +49-(0)4 61-12 32 30<br />
Fax: +49-(0)4 61-1 23 23 33<br />
info@nautors-swan.de<br />
www.germany.nautorswan.com<br />
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Broker<br />
refit I marktanalyse<br />
INSIGHT<br />
Marktaktivität der letzten 12 monate<br />
Anzahl der Yachten<br />
100<br />
80<br />
60<br />
40<br />
20<br />
0<br />
85<br />
76<br />
72<br />
67<br />
67<br />
59<br />
60<br />
55<br />
56<br />
50 50 52<br />
49 47<br />
47<br />
46<br />
38<br />
33 29 30 32<br />
31 27<br />
25<br />
23<br />
24 24<br />
17<br />
17<br />
12<br />
14<br />
16 16<br />
16<br />
13<br />
JUL AUG SEP OKT NOV DEZ JAN FEB MÄRZ APR MAi JUN<br />
Updates<br />
Neu auf<br />
dem Markt<br />
Sales<br />
[Copyright of <strong>Boat</strong> International Media Limited: All rights reserved] Licensed by <strong>Boat</strong> International Media Limited<br />
„Im Laufe von zwölf Monaten schien sich der Markt erholt zu<br />
haben. In der Mitte des zweiten Quartals 2012 schwächelte<br />
er etwas, der Aufwärtstrend wie im letzten Jahr blieb jedoch<br />
aus“, sagt Wes Sanford, Makler bei Northrop & Johnson.<br />
Hein Velema, Geschäftsführer bei Fraser Yachts, hat ähnliche<br />
Erfahrungen gemacht. „Von Januar bis April war ich<br />
zufrieden, alles verlief positiv und vergleichbar mit dem<br />
vergangenen Jahr“, sagt er. „Mai und Juni, normalerweise<br />
unsere Hochsaison, waren dann aber enttäuschend.“ Das<br />
ist die Crux des Geschäfts: Bleiben die Hauptmonate ruhig,<br />
leiden darunter die Verkaufszahlen des gesamten Jahres.<br />
Bei den groSSen<br />
Preisnachlässen im<br />
ersten Halbjahr 2012<br />
wurde die 70-Meter-<br />
Yacht Reverie 10<br />
Millionen Dollar<br />
günstiger angeboten<br />
Schwebezustand<br />
Welche Faktoren sind aber dafür verantwortlich? Die gängige<br />
Antwort der Makler lautet: Unsicherheit. „Die Ungewissheit<br />
der künftigen wirtschaftlichen<br />
Stabilität,<br />
egal wo, ist sogar noch<br />
größer als 2009“, sagt<br />
Maclaurin. Sanford glaubt,<br />
es sei eher eine psychologische<br />
Frage als<br />
eine materielle. „Heute<br />
in einem Jahr werden<br />
unsere Kunden wahrscheinlich<br />
immer noch<br />
das Geld für einen Bootskauf haben, aber schon die Ungewissheit<br />
lässt sie zögern.“<br />
Velema stimmt dem zu: „Es liegt nicht am fehlenden Geld,<br />
sondern an ihrer Bewertung, was in der Wirtschaft geschieht;<br />
die Sorge, wohin der Kurs geht, macht die Menschen zögerlich.“<br />
In Anbetracht der akuten wirtschaftlichen Unsicherheit<br />
des Euro wäre verständlich, dass die Amerikaner zuversichtlicher<br />
an einen Kauf herangehen. Tatsächlich hat Velema<br />
herausgefunden, dass in diesem Jahr der US-Marktsektor<br />
etwas gesünder ist als der europäische. „Noch geht es uns<br />
Neubauten<br />
Mit 48 Neuaufträgen im ersten Halbjahr 2012 ist die<br />
Zahl im Vergleich zu 2011 unverändert. 16 entfallen<br />
auf die beliebteste Größenklasse 40-50 Meter. Acht<br />
Yachten ab 70 Meter (einschließlich einer von 147<br />
Meter) wurden geordert – im Vergleich zu zehn im<br />
gesamten Jahr 2011.<br />
„Auch wenn der Markt gut gewesen wäre, gab es in<br />
der Größe 75, 80 Meter und darüber nur eine kleine<br />
Auswahl“, sagt Maclaurin. „Offensichtlich bauen<br />
Eigner mehr nach eigenem Geschmack und behalten<br />
ihre Yacht über einen sehr langen Zeitraum.“<br />
Für Grzeszczak ist es auf den US-Werften in diesem<br />
Jahr mit sechs neuen Aufträgen ruhig. „Da der Kurs<br />
des Euro sinkt, finden es Europäer weniger attraktiv,<br />
in den USA zu bauen“, sagt er und fügt hinzu:<br />
„Umgekehrt ist es für Amerikaner interessanter, auf<br />
dem europäischen Markt zu kaufen.“<br />
So wird ein bestehender Trend noch ausgeweitet:<br />
Amerikaner kaufen eher in Europa als umgekehrt,<br />
vor allem weil der in den USA beliebte klassische Stil<br />
nicht zu den Europäern passt. Aber Sanford glaubt,<br />
dass sich das ändern wird: „Der amerikanische Markt<br />
richtet sich nach dem europäischen und tendiert zur<br />
Moderne. Man sieht jetzt viel mehr Boote mit einem<br />
etwas moderneren Interieur. Das macht die Sache interessanter,<br />
wenn die Werften beim Versuch, diesen<br />
Markt zu öffnen, daran Gefallen finden.“<br />
Grzeszczak stimmt dem zu: „Der Nachwuchs rückt<br />
in der Industrie auf, und viele sehr junge Milliardäre<br />
sind hinzugekommen, die den europäischen Minimalismus<br />
mögen.“<br />
88 I
THE SUPERYACHTS<br />
VOLUME 26, 2013<br />
THE GOLD STANDARD FOR THE WORLD’S FINEST SUPERYACHTS<br />
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(please quote SY26)
Broker<br />
refit I marktanalyse<br />
Putzen für die Kunden: Vor allem<br />
die Finanzierung neuer Yachten ist<br />
im Moment nicht immer möglich<br />
in den USA etwas besser, das heißt positiver als in Europa.<br />
Und ich bin wirklich froh, dass es auch auf die Westküste,<br />
die jahrelang fast völlig am Boden lag, zutrifft. Zwar nur mit<br />
kleineren Booten, aber immerhin ist die tiefe Talsohle überwunden.<br />
2010/11 hatte sich Europa wesentlich besser als<br />
die USA erholt, aber<br />
„Einige Banken<br />
fordern: ‚Wir<br />
finanzieren Ihren<br />
Yachtkauf, aber wir<br />
wollen Ihr Vermögen<br />
verwalten.’“<br />
das ist jetzt rückläufig,<br />
während die USA endlich<br />
etwas aufgeholt<br />
hat.“ Sanford, dessen<br />
Standort Fort Lauderdale<br />
ist, bestätigt,<br />
das. Obwohl die Probleme<br />
der Euro-Krise<br />
seine amerikanischen<br />
Kunden weniger beunruhigen als die europäischen, „sind<br />
die meisten weltweit orientiert und achten deshalb darauf.“<br />
Umsatzentwicklung<br />
„Gerade der mittlere Größenbereich von 30 bis 50 Meter<br />
hat am meisten gelitten“, sagt Maclaurin. „Darin tätigen wir<br />
normalerweise die meisten Verkäufe. Vor zwölf, 18 Monaten<br />
waren wir ganz entspannt, als einige Banken anscheinend<br />
wieder Yachten finanzierten – sie sind eilig wieder ausgestiegen.<br />
Jetzt sind sie zwar wieder im Kommen, aber ihre<br />
Bedingungen sind schwer zu schlucken. Manche Banken<br />
sagen: ‚Gut, wir finanzieren die Anschaffung Ihrer Yacht,<br />
aber wir möchten Ihr gesamtes Vermögen verwalten.’“<br />
„Diese Größe 30 bis 40 Meter kann man sich auch hinsichtlich<br />
der Unterhaltskosten eher leisten“, sagt Velema.<br />
Und: „Wer bisher ein sportliches Boot besaß [ein Typ, der<br />
sich weiterhin nicht verkaufen lässt, wie er sagt], möchte<br />
jetzt auf einen Verdränger umsteigen. Zum Beispiel von einer<br />
großen Mangusta auf eine klassische Benetti.“<br />
Bei den kleineren Superyachten ist der Segelmarkt generell<br />
schwierig, doch Maclaurin beobachtet eine Bewegung bei<br />
Yachten unter 30 Meter. „Es könnte mit dem Käuferprofil<br />
Neue Märkte<br />
Laut Grzeszczak boomt der brasilianische Markt<br />
immer noch und der Absatz gedeiht. Er glaubt, dass<br />
China „noch keine Rolle spielt und es noch ein paar<br />
Jahre dauern wird“, obwohl es bereits einige Aktivitäten<br />
auf dem Markt über 50 Meter gibt. „Der Verkauf<br />
eines 50-Meter-Bootes im vergangenen Jahr hat<br />
gezeigt, dass man dort nicht den üblichen Aufwand<br />
treibt, der zum Unterhalt einer Yacht erforderlich ist.“<br />
Velema bestätigt, dass die erheblichen kulturellen<br />
Unterschiede ein Hindernis seien. „Brasilianische<br />
Kunden begreifen das Konzept von St. Tropez schneller<br />
als diejenigen aus Beijing“, sagt er. „Sie bevorzugen<br />
Corporate Entertainment.“ Doch er ergänzt:<br />
„Was China betrifft, war ich immer skeptisch, aber<br />
allmählich ändere ich meine Meinung. Wir bauen<br />
dort jetzt ein gutes Netzwerk auf.“<br />
FOTO: claus reissig<br />
90 I
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Broker<br />
refit I marktanalyse<br />
Monaco: Eine Reede voller Angebote. Der<br />
Gebrauchtbootmarkt ist derzeit voll,<br />
perfekt für alle, die jetzt kaufen wollen<br />
zusammenhängen: Vielleicht sind Segler etwas konservativer,<br />
zahlen eher bar als auf Kredit“, meint er. „Wenn man<br />
eine Segelyacht einer guten Marke in gutem Zustand günstig<br />
anbietet, ist man einem Verkauf näher als jeder andere<br />
– außer man bietet eine fast neue 60 bis 70 Meter lange<br />
Motoryacht zu einem marktgerechten Preis an.“ Also dem,<br />
den die Käufer wirklich zahlen wollen.<br />
Dass viele Anbieter<br />
nicht verkaufen<br />
müssen, deutet<br />
auch auf eine<br />
Stärke im Markt<br />
Aktuelle Preise<br />
Alle Makler, mit denen wir sprachen, meinten einhellig, dass<br />
weltweit, jenseits von Typ oder Größe, der wichtigste Umsatzfaktor<br />
der Wert sei. Sanford beschreibt Käufer als „wertgesteuert“,<br />
viele Käufer<br />
achteten auf Schnäppchen.<br />
„Im Frühjahr gab es<br />
einen deutlichen Anstieg<br />
nach einigen Preisnachlässen“,<br />
sagt Maclaurin.<br />
„Manche beliefen sich auf<br />
Millionen; unsere Zentralagentur<br />
hat zum Beispiel Reverie auf einen Schlag um zehn<br />
Millionen Dollar reduziert.“<br />
Er glaubt, der Aufschwung im Mai sei durch die Empfehlung<br />
der Makler an die Kunden verursacht worden: Dass in diesem<br />
Jahr vermutlich kein Verkauf zustande komme, wenn nicht<br />
jetzt etwas dafür getan, also der Preis reduziert werde. Velema<br />
findet die Differenz zwischen der ursprünglichen Preisforderung<br />
und dem aktuellen Verkaufspreis sehr aufschlussreich<br />
für die neue Preislandschaft. „Boote werden knapp 25 Prozent<br />
unter der letzten Forderung verkauft, beziehungsweise<br />
36 Prozent unter der ursprünglichen. Diese liegt wiederum<br />
durchschnittlich 45 Prozent niedriger als im vergangenen<br />
Jahr. Mein Fazit: Wer jetzt sein Boot auf den Markt bringt,<br />
setzt den Preis schon zu Beginn niedriger an.“<br />
Auf der anderen Seite scheinen viele Anbieter nicht zwingend<br />
verkaufen zu müssen, das ist auch ein Zeichen für Stärke im<br />
Markt. Bei dem Gegenwind, den der Bootshandel in diesem<br />
Jahr zu verkraften hat, zeigt er Durchhaltevermögen. Es sieht<br />
aus, als wäre die alte Dame noch ganz lebhaft. &<br />
[Copyright of <strong>Boat</strong> International Media Limited: All rights reserved]<br />
Licensed by <strong>Boat</strong> International Media Limited<br />
Charter<br />
„Das Chartergeschäft war kein Feuer aus allen<br />
Rohren, aber zum Glück haben wir einen Last-<br />
Minute-Ansturm erlebt, der noch später als in den<br />
vergangenen Jahren einsetzte“, berichtet Maclaurin,<br />
der gleichzeitig Präsident der Mediterranean Yacht<br />
Broker Association (MYBA) ist. Er schreibt es ebenfalls<br />
der Ungewissheit zu, in diesem Fall bedingt<br />
durch Steuerfragen. „Ein großer Teil der Sommercharter<br />
findet in italienischen Gewässern statt und<br />
unsere italienischen Freunde haben mit ihrer Liegeplatzsteuer<br />
die Leute zu Tode erschreckt. Zum Glück<br />
war sie wesentlich niedriger als erwartet und wurde<br />
nur vereinzelt erhoben“, sagt er. Doch in der Charter<br />
gibt es anhaltende Unsicherheitsfaktoren. „Mehrwertsteuer<br />
auf Chartergebühren zum Beispiel: Es ist nicht<br />
die Frage, ob Steuern anfallen, sondern welche Sätze<br />
gelten, und die Verwirrung und Bürokratie, die Steuer<br />
abzuführen.“ Nach Rechtssicherheit sucht man da<br />
derzeit vergeblich.<br />
Velema meint, obgleich Charter an sich positiv<br />
sei, sehen die Eigner eventuell zu wenig Nutzen.<br />
„Die Anzahl der Buchungen ist in Ordnung. Doch<br />
jedes neu ausgelieferte Boot bedeutet auch ein<br />
weiteres auf dem Chartermarkt.“ So wächst die<br />
Flotte, während der Markt auf dem Niveau von<br />
2007 bleibt.<br />
FOTO: claus reissig<br />
92 I
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Bei Refits variieren häufig die<br />
Preise und die Qualität der<br />
Lackierung. Eine professionelle<br />
Herangehensweise spart auf lange Sicht Geld<br />
und garantiert, dass das Schiff möglichst<br />
wenig Zeit in der Werft verbringt.<br />
Keine Frage des Preises<br />
„Eines unserer gröSSten Themen ist,<br />
Eignern oder deren Vertretern die Qualitäts- und damit<br />
die Preisunterschiede von Beschichtungen für Neubauten<br />
oder Refits zu erklären. Derzeit machen wir rund 70 Prozent<br />
Neubauten und 30 Prozent Refits. Durch jedes neue Schiff<br />
werden die Refits natürlich mehr, demnächst sind wir wahrscheinlich<br />
bei 50/50.<br />
Bei einem Neubau nehmen wir prinzipiell 1.500 Euro pro<br />
Quadratmeter Fläche inklusive Spachtel und Korrosionsschutz<br />
an. Für ein Refit („Scratch and Shoot“, also schleifen,<br />
grundieren, erneut schleifen, lackieren) rechnen wir 400 Euro<br />
pro Quadratmeter. Beim Refit für große Yachten (über 75 Meter)<br />
geht dabei die Hälfte in Docken, Gerüst und Zelt, die<br />
anderen 50 Prozent sind für die Lackierung.<br />
Bei Anfragen geht es gern um den Preis. Eignervertreter holen<br />
häufig von kleinen lokalen bis hin zu ganz großen Werften<br />
Angebote ein und jeder macht dabei einen anderen Preis.<br />
Da muss man hinterfragen, was in den Angeboten enthalten<br />
ist: Manchmal fehlt das Zelt, ein andermal sind nur minimale<br />
Materialstärken aufpreisfrei dabei. Man sollte auf einer ernsthaften<br />
Ausschreibung auf Basis einer gründlichen Inspektion<br />
bestehen. Nur dann sind Angebote vergleichbar.<br />
Bei unseren Gesprächen mit der Eignerseite ermitteln wir zuerst,<br />
was gewünscht, möglich oder machbar ist. Dabei müssen<br />
wir natürlich davon ausgehen, dass unsere Gesprächspartner<br />
durchaus Grundkenntnisse von der Geschichte haben,<br />
schließlich gehen sie jeden Tag damit um. Bei Refits muss<br />
zumeist der PU-Lack auf der Oberfläche erneuert werden:<br />
das ist die UV-stabile Verschleißschicht. Sie hält je nach Revier<br />
und Behandlung zwei bis maximal zehn Jahre. Alles darunter<br />
ist UV-instabil, kann aber normalerweise erhalten bleiben.<br />
Ein guter Untergrund kann 30 Jahre und länger halten.<br />
Im Umkehrschluss heißt das aber nicht, dass die günstigste<br />
Lackierung völlig ausreicht. Denn bei einer aufwendigeren<br />
Lackierung ist in der Regel nicht nur die Schichtdicke größer.<br />
Durch die umfangreicheren Vorbereitungsarbeiten, die sich<br />
im höheren Preis widerspiegeln, gibt es zum Beispiel auch<br />
weniger Staubeinschlüsse, weil wahrscheinlich das Zelt vor<br />
dem Lackieren neu gebaut, eine hochwertige Absaugung<br />
installiert oder das Schiff vor der Lackierung sorgfältig gewaschen<br />
wird.<br />
Bei unseren Inspektionen ist für uns wichtig: Was finden wir<br />
eigentlich vor? Wenn sich beispielsweise der Spachtel ganz<br />
oder teilweise vom Substrat gelöst hat, braucht man gar<br />
nicht erst zu lackieren. Derartige Probleme schlagen sich<br />
einfach auf den Preis nieder. In so einem Fall reden wir dann<br />
im Grunde über eine ganz andere Art von Refit.<br />
Da ein dickerer Lack eine stabilere Oberfläche ergibt, empfehlen<br />
wir immer die höhere Qualität. Das hat einen ganz<br />
pragmatischen Grund: So eine Beschichtung hält länger,<br />
das Schiff ist flexibler einsetzbar und kürzer außer Betrieb.<br />
Denn Beschichten bedeutet, dass das Schiff jedes Mal circa<br />
drei Monate nicht einsetzbar ist. Für die Planung der Verfügbarkeit<br />
einer Yacht sind längere wartungsfreie Intervalle also<br />
von großem Nutzen.<br />
Während der Arbeiten müssen die einzelnen Vorbereitungs-<br />
und Beschichtungsschritte natürlich kontrolliert<br />
werden, sonst werden eventuell Beschichtungsintervalle,<br />
Trocknungszeiten oder Schichtdicken nicht eingehalten,<br />
oder der Korrosionsschutz ist mangelhaft. Wir kontrollieren<br />
selbstverständlich auch die Einrüstung und überwachen<br />
die Umgebungstemperatur für die Beschichtung. Ein einziger<br />
Fehler bedeutet häufig, dass das ganze System nicht<br />
mehr funktioniert.“<br />
FOTO: claus reissig<br />
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Chefredakteur<br />
Mitarbeiter dieser Ausgabe<br />
Art Direktion<br />
Grafik<br />
Chefin vom Dienst<br />
REDAKTION<br />
Claus Reissig, reissig@meerundyachten.de<br />
T. Thomas, P. Boulton, S.-V. Bruhns, N. Brewer, A. Mc Cracken<br />
A. Fingerhut, B. Gedlek, Prof. Dr. S. Henke, K. Panzer-Gunkel,<br />
M. Kludas, H.-H. Schack, J. Langdon, I. Wilkens, Andrea Willen<br />
Bianca Stüben<br />
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I 97
wo ist eigentlich...<br />
...die Hussar?<br />
Mindestens zwei Jahre lang soll<br />
Marjorie Merriweather Post Anfang<br />
der 1930er ihre Yacht<br />
eingerichtet haben. Heute genießen<br />
Gäste der damaligen<br />
Hussar Marmorbäder, Goldarmaturen,<br />
edle Möbel und<br />
Kamine<br />
Die 110 Meter lange Viermastbark war einst das Schmuckstück<br />
einer US-Millionärin, heute segelt die Hussar unter<br />
dem Namen Sea Cloud als Kreuzfahrtschiff für eine<br />
Hamburger Reederei Text Natalie Brewer<br />
Was schenkt man einer Dame, die schon<br />
alles hat? Eine Megayacht, entschied der amerikanische<br />
Börsenmakler Edward Francis Hutton 1931. Für seine Ehefrau<br />
Marjorie Merriweather Post ließ er die luxuriöseste und größte<br />
Yacht der damaligen Zeit bauen. Schließlich musste sie den<br />
Ansprüchen einer Millionenerbin und Konzernchefin genügen.<br />
Den Auftrag vergab der einflussreiche Geschäftsmann<br />
nach Deutschland an die Kieler Germaniawerft, die ihm eine<br />
Viermastbark mit schwarzem Rumpf, flachem Heck und Teakdecks<br />
konstruierte. Wie schon seine vorherigen Schiffe und<br />
seinen privaten Eisenbahnwaggon taufte Hutton die Yacht auf<br />
den Namen Hussar. Das Prestigeobjekt war der ganze Stolz<br />
von Mrs. Post, die sich damit gemeinsam mit ihrem Mann vor<br />
Monaco, den Galapagos-Inseln oder Hawaii zeigte.<br />
Die Ehe mit Edward Hutton zerbrach, die enge Bindung zur<br />
Hussar aber blieb. 1935 bekam das Statussymbol von Marjorie<br />
einen weißen Anstrich und den Namen Sea Cloud (Seewolke).<br />
Nach kurzer Station im russischen Leningrad – die<br />
Amerikanerin hatte nur ein Jahr nach der Scheidung einen<br />
Botschafter geheiratet – tat die Sea Cloud im Zweiten Weltkrieg<br />
ihren Dienst bei der US-Marine. 1944 segelte die Yacht<br />
zurück zu ihrer Besitzerin, die sie 1955 schließlich verkaufte.<br />
In der Folge ging das Schiff durch mehrere Hände, unter<br />
anderem die des dominikanischen Diktators Rafael Trujillo.<br />
Letztendlich rottete es dann aber jahrelang ungenutzt im<br />
Hafen von Colón, Panama vor sich hin.<br />
Zu neuer Blüte kam die Sea Cloud erst, als sie 1978 ein<br />
deutscher Kapitän gemeinsam mit einer Gruppe Hamburger<br />
Kaufleute erwarb und umfangreich renovieren ließ. Als<br />
Flaggschiff der Sea Cloud Cruises kreuzt die Yacht seither<br />
mit Urlaubsgästen durch das Mittelmeer, die Karibik oder<br />
den Atlantik. Bis zu 30 Segel werden dabei von Crewmitgliedern<br />
per Hand gehisst. Und noch immer weht ein Hauch<br />
von Nostalgie an Bord der Sea Cloud, denn selbst die historischen<br />
Eignersuiten sowie weitere Originalkabinen können<br />
bis heute gebucht werden.<br />
FOTOS: SEA CLOUD CRUISES<br />
98 I