Veranstaltung: 8. Silicon Saxony Day Wann: Am 24. Juni 2013 im ...

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Veranstaltung: 8. Silicon Saxony Day Wann: Am 24. Juni 2013 im ...

Rede

Veranstaltung:

Wann:

8. Silicon Saxony Day

Am 24. Juni 2013 im Tagungszentrum des

Akademiehotels Dresden

von Dr. Thomas Alslev Christensen, Ministerialrat und Leiter der Abteilung Innovationspolitik

des dänischen Ministeriums für Forschung, Innovation und weiterführende Bildung

13. Mai 2013

Ref.-nr. 13/009798-01

Strukturwandel in Europa – smarte Cluster als Motoren für

Innovation und Wachstum im globalen Wettbewerb

[Sehr geehrte Damen und Herren,] vielen Dank für die Einladung,

am achten Silicon Saxony Tag teilzunehmen. Ich freue

mich in Dresden zu sein! Der Silicon Saxony Tag konzentriert

sich darauf:

‣ wie sich „eine Smart Factory, eine Smart City und ein Smart

Cluster“ entwickeln und was sie bewirken und


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‣ wie Unternehmen von exzellenten Clusterstrukturen

profitieren können, und damit innovativer, erfolgreicher und

internationaler sind als Unternehmen, die allein agieren.

1. Die Themen der Rede

Mein Vortrag hat die Überschrift „Smarte Cluster als Motoren

für Innovation und Wachstum im globalen Wettbewerb.“ Erlauben

Sie mir, das Privileg der ausländischen Gastredner zu nutzen,

und den Bogen etwas weiter zu spannen:

Um welche smarten Cluster geht es,

- damit Cluster relevanter für die Zukunft der Gesellschaft

sein können,

- damit smarte Cluster die Antwort auf die Frage sein können,

„Wovon sollen wir in 15 Jahren leben?“,

- und damit die Aktivitäten der Cluster zu einem erfolgreichen

Umstellungsprozess in den Unternehmen und in ganzen

Branchen beitragen können?


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Und weiter: um welche exzellenten Clusterstrukturen geht es,

- damit die Effekte der Zusammenarbeit zwischen Forschung

und Wirtschaft – die sogenannten „von Professor zu Profit“

Effekte – schneller und grösser sein können,

- damit Patente und Erfindungen schneller in Gründungen und

neue Produkte umgesetzt werden können,

- und damit Wissen und neue Erkenntnisse gesellschaftlich

relevanter sein und sich viel schneller und breiter in der Gesellschaft

ausbreiten können?

Ich möchte deshalb folgende Fragen beleuchten:

Was ist eigentlich intelligente Spezialisierung? Und was ist

ein smartes Cluster? Nur neue politische Modewörter? Noch

ein neues Buzz von der Europäischen Union?

Wie funktioniert ein smartes Cluster? Was sind die Merkmale

und Wirkprinzipien? Welche rolle können smarte Cluster im

Kontext der intelligenten Spezialisierung spielen?


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Welche Vorteile können Clusteraktivitäten den Unternehmen

bieten?

Und welche Anforderungen stellen die Unternehmen an die

Clustermanager?

Ich gebe Ihnen auch einen Einblick in das Konzept des neuen

paneuropäischen Clusterexzellence-Benchmarkings und in das

Denken der vielen kleinen Nachbarländer Deutschlands.

Wie denkt man über und reagiert auf die Bedeutung des globalen

Wettbewerbs für den Aufbau von smarten Clustern?

2. Das Denken und der Fokus in Europa

Das heutige Thema ist ein sehr aktuelles Thema in ganz Europa,

weil exzellente Clusterstrukturen und Smart Cluster ohne Zweifel

wichtig für Wachstum und Innovation sind. Aber auch weil Clus-


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ter ein Ansatz zur Erneuerung der Wettbewerbsfähigkeit Europas

sind, vor allem auch der heutigen Krisenländer in Südeuropa.

Aber der Ausgangspunkt für Clusterpolitik und smarte Cluster

variiert. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands waren die

neuen Bundesländer gezwungen, auch einen umfassenden

Strukturwandel in der Wirtschaft und einen Wandel in den Wertschöpfungsstrukturen

zu vollziehen.

Durch den deutschen Strukturwandel auf dem Arbeitsmarkt und

in der Wirtschaft und durch den Fokus auf makroökonomischer

Stabilität hat sich Deutschland heute große Vorteile in Clusterentwicklung,

Wachstum, Innovation und globalem Wettbewerb

geschaffen.

Dies war nicht der Fall in vielen anderen Teilen Europas. Nach

dem Ende der 80er-Jahre mit ihrem hohen Wachstum bestanden

die Hauptherausforderungen in den 90er-Jahren in Südeuropa


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darin, Währungsstabilität, Haushaltsdisziplin, und Preisstabilität

zu schaffen, um den Konvergenz-Kriterien der Wirtschafts- und

Währungsunion in der Europäischen Union zu genügen.

In Großbritannien und den nordischen Staaten lag der Fokus in

den 90er-Jahren auch nicht so sehr auf dem Strukturwandel in

der Wirtschaft als auf Reformen der Produktmärkte, Arbeitsmärkte

und Finanzmärkte und auf den großen Finanz- und Währungskrisen

in den Ländern.

Die Bedeutung des Strukturwandels, der Clusterentwicklung

und des Aufbaus von smarten Clustern war in den meisten anderen

europäischen Ländern weit weniger anerkannt.

3. Smarte Spezialisierung und smarte Cluster

Die Europäische Kommission hat im Rahmen der Strategie Europa

2020 das Konzept von smarter Spezialisierung introduziert.


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Der Kern dieses Konzepts ist, dass jede Region eine Strategie

zur intelligenten Spezialisierung entwickeln soll.

Das Denken in der Strategie Europa 2020 gleicht in den neuen

Bundesländern dem InnoRegion/UnternehmenRegions-

Programm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung

von 1999.

Die Idee der Europäischen Kommission ist, dass durch die Entwicklung

intelligenter Spezialisierung für jede Region

- öffentliche Gelder effizienter genutzt werden,

- Innovationsressourcen die größtmögliche Wirkung erzielen

- Und diese einhergeht mit Maßnahmen zur Verbesserung von

Qualifikation, Bildungsniveau und Wissensinfrastruktur.

Für die Politik bedeutet Spezialisierung auch:

‣ Erstens: Konzentration der Ressourcen auf thematische

Schlüsselprioritäten,


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‣ Zweitens: Wettbewerbsfähigkeit durch mehr Kooperation

zwischen Forschung und Wirtschaft,

‣ Drittens: Nachhaltigkeit und eine effiziente Koordinierung der

Maßnahmen,

‣ Viertens: die Unterstützung von Clustern mit kritischer Masse,

Exzellenz, Service für kleine und mittlere Unternehmen

und Förderung von Forschung, Ausbildung und Fortbildung.

‣ Und schließlich, eine engere Zusammenarbeit für Wirtschaft,

Wissenschaft und Politik.

Der Trend zur Vernetzung schlägt sich jetzt überall in Europa in

der Wirtschaft nieder. Es gibt auf regionaler und nationaler Ebene

viele Netzwerke und Cluster.

4. Gold-Label Silicon Saxony - exemplarisch für den

Strukturwandel


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Exemplarisch für den Strukturwandel durch smarte Cluster und

gezielte Förderprogramme ist Silicon Saxony. Und das Spitzencluster

Cool Silicon ist ein gutes Beispiel dafür, wie durch die

Kombination von Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Führung

von Clusterstrukturen eines der erfolgreichsten Cluster in

Deutschland und Europa etabliert worden ist.

Es ist kein Zufall, und es ist nicht selbstverständlich.

Das Management des Silicon Saxony Clusters hat exzellente

Clusterstrukturen entwickelt und die wesentlichen Markttrends

frühzeitig identifiziert. Unternehmen, Forschungseinrichtungen

und Politik haben dank der Clusteraktivitäten die Gelegenheit

genutzt, durch Interaktion, Zusammenarbeit und Open Innovation

Wachstum und Potential der Region zu stärken. Silicon

Saxony hat den europäischen Gold-Label für exzellentes Cluster

Management erhalten. Europa schaut auf die Erfolge in Sachsen.


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Ein Gold-Label basiert auf einem Benchmarkingsystem für

Clustermanager. 31 Indikatoren messen die Kompetenz des

Cluster Managers sowie Qualität und Effekte des Clusters.

Die Indikatoren fokussieren auf fünf Anforderungen für ein

smartes Cluster:

‣ Erstens, die Struktur des Clusters muss nachhaltig sein. Diese

Anforderung basiert auf dem Alter, der legalen Form, der

Dynamik, der geografischen Konzentration und der Internationalisierungsfähigkeit

des Clusters.

‣ Zweitens, das Clustersekretariat soll eine kritische Masse

haben, kurzfristige und langfristige Strategiepläne für das

Cluster sowie konkrete Arbeitspläne für die Rolle der verschiedenen

Clusterpartner und Clustermanager entwickeln.


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‣ Drittens, die finanzielle Haltbarkeit der Clusterorganisation

soll langfristig gesichert werden,

‣ Viertens, viele verschiedene und relevante Clusterwerkzeuge

für die Clustermitglieder sollen angeboten werden.

‣ Fünftens, die Clusteraktivitäten sollen den Unternehmen

Wachstums- und Innovationseffekte, Branding, Profilierung

und attraktive Kooperationspartner ermöglichen.

Nur wenige der vielen tausend Cluster in Europa haben exzellente

Clusterstrukturen und können sich als smarte Cluster bezeichnen.

Silicon Saxony ist eines von nur 16 Gold-Clustern in Europa.

Und Cool Silicon ist eines von 15 Spitzenclustern in Deutschland.

Ihresgleichen findet man fast kaum in den anderen europäischen

Staaten.


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5. Die Merkmale eines Clusters, die Cluster Vorteile für

die Unternehmen und andere Mitglieder anbieten!

Ein smartes Cluster bietet drei klare Vorteile: Die Unternehmen

können

‣ Erstens, schneller ihre Entwicklungsziele für die Organisation

und ihre Produkte erreichen,

‣ Zweitens, vorhandene Ressourcen mit Zusammenarbeitspartnern

effizienter nutzen

‣ Und drittens schneller mit einem marktfähigen Produkt oder

neuen Dienstleistungen auf den Markt kommen.

Es gibt auch drei zentrale Merkmale eines Clusters, die bedeutende

Cluster Vorteile für die Unternehmen bieten:

Ein Schlüsselmerkmal ist der Brückenschlag zwischen Unternehmen,

Hochschulen und Forschungsinstituten. Das Ziel des


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Brückenschlags ist effiziente Verbreitung und effizienter Austausch

von Wissen und Technologien.

Das zweite Merkmal ist die Triple-Helix-Partnerschaft. In smarten

Clustern arbeiten Unternehmen, Industrieverbände, Hochschulen,

Forschungseinrichtungen, Politik und öffentliche Verwaltung

zusammen, um gemeinsame Ziele zu erreichen. Auf

diese Weise soll ein tragfähiges Cluster etabliert und entwickelt

werden. Ein tragfähiges Cluster muss langfristig bereit sein, sich

im internationalen Wettbewerb zu behaupten und sich den immer

neuen globalen Herausforderungen schneller anzupassen.

Nur so funktioniert ein Cluster langfristig zum Wohl der Mitgliedsunternehmen

und der Gesellschaft.

Das dritte Merkmal nimmt internationale Zusammenarbeit für

kleine und mittlere Unternehmen in den Fokus. Durch Interaktion

mit den Clusterakteuren in In- und Ausland und bedarfsgerechte,

gezielte Dienstleistungen können Unternehmen leichter


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neue Märkte auftun, ihren Export steigern und internationale

Forschungs- und Entwicklungsprojekte mit ausländischen Partnern

initiieren.

Die quantitative Bedeutung von smarten Clustern für Wachstum

und Beschäftigung ist nur schwer, wenn auch nicht unmöglich

zu dokumentieren. Ein dänisch-deutsches Forscherteam hat die

unterschiedlichen privatwirtschaftlichen Effekte der verschiedenen

Aktivitäten in Clustern analysiert.

Von kleinen und mittelgroßen Unternehmen, die an Cluster- und

Netzwerkaktivitäten teilnehmen, werden viermal so viele innovativ

wie in entsprechenden KMU, die nicht an Clusterkooperationen

teilnehmen, aber dieselben statistischen Merkmale wie

die teilnehmenden Unternehmen besitzen.

Cluster und Netzwerke tragen auch dazu bei, dass viermal so

viele Unternehmen gemeinsame Innovations- und Forschungs-


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projekte mit externen Wissenspartnern starten im Vergleich zu

entsprechenden Unternehmen ohne Cluster- und Netzwerkkooperation.

Das bedeutet auch im Durchschnitt knapp 10 Prozent

höhere Produktivität pro Mitarbeiter.

Auf diese Weise ist die Rendite für die Unternehmen bedeutend

höher, wenn die Investition in Forschung und Netzwerkzusammenarbeit

gleichzeitig stattfindet.

Wie hoch die Effekte der Clusteraktivitäten für die Unternehmen

aber letztlich sind, hängt auch davon ab, wie gut der Clustermanager

die Clusterpartner zu unterstützen imstande ist:

‣ Erstens: Kooperationen müssen initiiert, begleitet, regelmäßig

überprüft und wenn nötig modifiziert werden.

‣ Zweitens: das Cluster muss gute aktive Clusterpartner engagieren

und Cluster-Dienste mit hohem Mehrwert für die

Clustermitglieder anbieten, und


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‣ Drittens: die Clusterakteure müssen die Möglichkeiten durch

enge Zusammenarbeit und Open Innovation mit den anderen

Clusterpartnern verstehen und nutzen.

Was bedeutet das anders als: Zusammenarbeit müssen exzellent

initiiert und gemanagt werden. Wirkungsvolle Kooperationen

verlangen engagiertes und kompetentes Management. Das sollte

Chefsache an Cluster, Hochschulen und Unternehmen sein.

6. Die Bedeutung von aktivem Clustermanagement: die

Ergebnisse des paneuropäischen Benchmarking-

Projekts

Noch immer unterschätzen viele die Bedeutung von Clustermanagement.

Gutes Management ist nicht nur zentral für die Finanzierung

der Clusterorganisation, für ihr Profil, für ihre innere

Organisation und für die Motivation aller, die am Cluster arbei-


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ten oder an Clusteraktivitäten teilnehmen, sondern auch für die

Effekte der Unternehmen.

Das paneuropäische Cluster-Benchmarking zeigt, dass die Clustermanager

eine große Rolle für die Effekte des Clusters spielen.

Clusterorganisation und Clustermanager stehen in Zentrum

von Entwicklung und Implementierung der Clusterwerkzeuge

und des Clusterstrukturwandels.

Die paneuropäische Studie zeigt auch:

‣ dass Clustermanagements mit vielen Services größere Effekte

für die Clusterakteure produzieren.

‣ dass der Clustermanager Zeit benötigt, um Werkzeuge mit

Wirkungseffekten zu entwickeln und zu implementieren.

‣ dass Cluster mit großer Bedeutung für Innovation und

Wachstum öfter als andere Cluster mehr Mitglieder, eine

formellere Organisationsstruktur, eine klarere Strategie für


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das Cluster, und klarere Rollen- und Verantwortungsbeschreibungen

für die Clustermitglieder haben.

Die Clusterorganisationen, die die größten Effekte für die Unternehmen

schaffen, bestehen schon eine Reihe von Jahren und

haben es vermocht, die relevanten und kompetentesten Akteure

auf nationaler Ebene zusammenzubringen, und sich durch ein

starkes und kompetentes Management zu entwickeln.

Clustermaßnahmen sind somit sowohl auf mittlere als auch auf

längere Sicht am effektivsten. Die Maßnahmen sollen die Entwicklungsmöglichkeiten

der guten Cluster fördern und gleichzeitig

soll innerhalb neuer vielversprechender Wirtschaftsbereiche

Platz geschaffen werden für zukünftige Cluster und Wachstumsunternehmen.

Die Maßnahmen müssen auch die Wachstumsgewerbe der Zukunft,

die Emerging-Cluster, finden und entwickeln.


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7. Von intelligenter Spezialisierung zu intelligenter Diversifizierung

Die Konvergenz der einzelnen Technologien und die neuen

Technologien, Produkte und Dienstleistungen verändern nicht

nur einzelne Unternehmen, sondern auch ganze Branchen und

Cluster. Die Clusterorganisation beeinflusst auch Umstellungsprozesse

in Branchen und Industrien.

Effektive Clustermaßnahmen und tüchtige Clusterorganisationen

können dazu beitragen, zu sichern, dass Unternehmen und

ganze Industrien einen erfolgreichen Umstellungsprozess auf

wissensbasierte und konkurrenzfähige Produktion durchlaufen.

Ein chinesisches Sprichwort sagt: „Die eine Generation baut die

Straße, auf der die nächste fährt.“


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Ein Beispiel hierfür ist das dänische „Innovationsnetzwerk Lifestyle“,

das eine zentrale Rolle gespielt hat bei der Transformierung

der unter der Krise leidenden alten dänischen Generation

der Holz- und Möbelindustrie in eine neue Industriegeneration

und in ein erfolgreiches Cluster, das hochwertige Design- und

Lifestyle-Produkte verkauft. Ein smartes Cluster konzentriert

sich deshalb nicht nur auf das, wovon wir heute und morgen,

sondern auch in 15 Jahren leben sollen.

Es ist ein zentrales Kriterium für die Nachhaltigkeit und die Zukunftsfähigkeit

von einem Cluster, dass das Cluster neben der

regionalen Spezialisierung auch das Potenzial für eine intelligente

Diversifizierung erfüllt.

Ein smartes Cluster hat die Fähigkeit, die Absorption von neuen

Partnern, neuem Wissen und neuen Technologien zu fördern.


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Durch diese Absorptionskapazität steigt das Potenzial für eine

thematische und strukturelle Entwicklung des Clusters, weil das

Cluster den Ausbau von Forschungs- und Innovationspotenzialen

in fokussierten Forschungsfeldern oder eine Diversifizierung

in wirtschaftlichen Sektoren bewirkt. Eine zentrale treibende

Kraft ist auch hier das Clustermanagement.

8. Wirkprinzipien des smarten Clusters

Die zentralen Wirkprinzipien des smarten Clusters sollen sich

deshalb in Netzwerkzeugen manifestieren, die sowohl konkrete,

kurzfristige Vorteile für die Clusterpartner als auch langfristige

Effekte für die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit und Umstellung

der Unternehmen generieren.

Nicht alle Cluster bieten den Partnern dieselben Clusterwerkzeuge

an, weil Mitglieder verschieden sind und unterschiedlichste

Herausforderungen haben.


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Zu den gefragtesten Werkzeugen mit kurzfristigen Vorteilen gehören:

‣ Wissensaustauch und Erfahrungsaustauch,

‣ Matchmaking, Kooperationen und Aktivitäten zwischen Unternehmen

von In- und Ausland, und zwischen Forschungsund

Technologieinstituten, Hochschulen, Unternehmen und

verschiedenen anderen Akteuren,

‣ sowie Forschungs-, Entwicklungs- und Innovationsprojekte.

Das Clustermanagement ist treibende Kraft bei der Identifikation

und Implementierung dieser Clusterwerkzeuge. Es ist für die

Effekte und die Unternehmen aber wichtig, dass die Werkzeuge

sich am Bedarf orientieren.

Für die Nachhaltigkeit des Clusters muss das Management auch

Werkzeuge mit langfristigen Wirkungen anbieten. Clusterwerkzeuge

mit langfristigen Effekten auf die Unternehmen und ande-


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re Partner haben große Bedeutung, aber einen ganz anderen

Charakter als die kurzfristigen Werkzeuge.

Die langfristige Entwicklung eines Clusters hängt davon ab,

dass die regionalen Rahmenbedingungen für das Cluster gute

Entwicklungsmöglichkeiten anbieten, und dass das Branding

des Clusters stark und attraktiv ist.

Zu den populärsten Werkzeugen mit langfristigen Effekten gehören

‣ Kooperationen und Partnerschaften zwischen Unternehmen

und Ausbildungs- und Fortbildungsinstitutionen, um neue

Ausbildungen zu entwickeln,

‣ Rekrutierungs- und Mobilitäts-Maßnahmen,

‣ Der Aufbau von Branding und Profilierungswerkzeugen und

‣ Trendanalysen, Zukunftsforschung und Entwicklungsaussichten

für Technologien.


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Zu den Werkzeugen mit Wirkung für die intelligente Spezialisierung

und die Möglichkeit, ein Sub-Netzwerk zu entwickeln

gehören auch

‣ die Zusammenarbeit mit Clustern und Netzwerken in anderen

Bereichen und Zugang zu neuen Partnern und Akteuren

in anderen Branchen,

‣ langfristige und große Forschungs- und Entwicklungsprojekte

mit mehreren Teilnehmern und

‣ konkrete Roadmaps und Zielstellungen für netzwerkübergreifende

Zusammenarbeit.

Dies sind auch die ersten Schritte in einer intelligenten Diversifizierung.

Ein Beispiel ist auch hier Silicon Saxony, das sich

zum führenden Mikroelektronikstandort in Europa entwickelt

hat. Durch eine intelligente Strategie, Trend- und Marktanalysen

und Forschungs- und Entwicklungsinvestitionen mit Partnern

aus dem eigenen Netzwerk und aus anderen Netzwerken entstand

ein Sub-Netzwerk mit einer führenden Position im The-


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mafeld Energieeffizienz der Informations- und Kommunikationstechnik.

Am Ende wurde ein neues Spitzencluster „Cool Silicon

ausdifferenziert.

Finanzierungsmodelle für die Entwicklung der Clusterorganisation

sind wichtig für Nachhaltigkeit und Wirkung des Clusters.

Es ist leichter, die Unternehmen zu überzeugen, Werkzeuge mit

kurzfristigen Effekten zu finanzieren.

Dagegen ist es schwieriger, Werkzeuge mit langfristigen Effekten

zu finanzieren, aber genau diese Werkzeuge sind Voraussetzungen

für Nachhaltigkeit sowie intelligente Diversifizierung

und Umstellungspotenzial des Clusters.

Hier spielt Politik eine große Rolle. Förderprogramme können

sichern, dass es für die Clusterorganisationen langfristige Entwicklungsperspektiven

gibt. Durch dieses Engagement der Poli-


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tik werden Entwicklung und Implementierung von Werkzeugen

mit langfristigen Wirkungen unterstützt.

Bei dem Ausbau von neuen Netzwerken muss die Politik auch

vorsichtig sein. Es handelt sich nicht um die Menge von Netzwerken

und um die Anzahl der Mitglieder, sondern um die Qualität.

2005 gab die dänische Regierung ein Wahlversprechen. Sie

versprach eine Menge neuer Netzwerke und Cluster.

In einigen Bereichen wurden neue Cluster mit öffentlicher Unterstützung

für Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und Unternehmen

schnell etabliert. Nach einer Evaluierung wurden

viele Netzwerke geschlossen. Es wurde auch klar, dass es in einem

Cluster wenige richtige Unternehmen gab. Die Forscher

hatten ihre eigenen individuellen Unternehmen erstellt und kollaborierten

mit sich selbst, um öffentliche Gelder zu bekommen.


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Eine Clusterpolitik mit Fokus auf die zentralen Clustermerkmale,

Wirkprinzipien und Anforderungen der smarten Cluster ist

die Antwort auf diese Herausforderung.

9. Kritische Punkte für ein smartes Cluster

Es gibt viele kritische Punkte, an die sich die Clusterorganisation

und die Mitgliedspartner anpassen und gewöhnen sollen.

Wirtschaftsorganisationen betrachten oft die Clusterorganisation

als Konkurrent anstatt als Zusammenarbeitspartner. Aber die

zentralen Merkmale des Clusters unterschieden sich von denen

der Wirtschaftsorganisation, die als aktive Clusterpartner für

ihre Mitgliedsunternehmen nützlich sein könnte. Doch die Wirtschaftsorganisation

muss nicht die Clusterorganisation entführen

oder als Geisel nehmen. Das Cluster muss eine neutrale

Plattform sein.


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Ein weiterer kritischer Punkt ist das Engagement der Forschungsinstitute.

Durch Forschungskooperation und Wissensaustausch

bekommen die Forscher Zugang zu neuen Daten.

Diese bedeuten Vorteile für die Forschung und die Forscher.

Forschungsanalysen zeigen, dass die Patentierungsaktivität, die

Gehälter der Forscher und Publikationsaktivitäten bedeutend

höher für Forscher sind, die an Forschungskooperationen mit

Unternehmen teilnehmen als für entsprechenden Forscher, die

nicht an Kooperationen teilnehmen. Hochschulen und Forscher

sollen das Cluster als Chance, für bessere Forschung sehen, anstatt

als Bedrohung ihrer akademischen Freiheit.

Ein Punkt für Aufmerksamkeit ist auch, dass viele Forscher von

Forschungsinstituten eigene Netzwerke für Unternehmen haben.

Diese unterstützen neue Forschungskooperationen und Forschungs-

und Entwicklungsinvestitionen in den Unternehmen

und in den Instituten. Statt Zusammenarbeit mit relevanten

Clusterorganisationen besteht die Gefahr, dass diese kleinen


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Netzwerke auf sich selbst konzentriert bleiben. Dadurch riskieren

die Forscher und die Unternehmen, dass die kleinen Unternehmensnetzwerke

degenerieren, auf längere Sicht unhaltbar

sind und letztendlich den Strukturwandel verpassen, den sie in

einem Smart Cluster erleben könnten.

Statt die Clusterorganisation zu ignorieren wäre es besser für

Forschungsinstituten und Unternehmen, ein aktives Sub-

Netzwerk innerhalb eines smarten Clusters zu sein.

Es gibt auch kritische Herausforderungen in einem Spitzencluster:

Es braucht Zeit, große Forschungskooperationen zu initiieren

und zu koordinieren.

Sehr große Projekte sind am interessantesten für Forschungseinrichtungen,

Hochschulen und große Unternehmen.

Die kleinen und mittleren Unternehmen haben fast keinen

Einfluss auf den Inhalt der großen Forschungs- und Entwick-


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lungsprojekte, und es ist schwierig, von den Aktivitäten kurzfristig

zu profitieren.

Flexibilität und Offenheit der größeren Partner für die Bedürfnisse

der kleinen Unternehmen sollen ein zentrales Thema sein.

Die Höhe der Förderung in einem Spitzencluster bedeutet, dass

die Forscher mehr den Fokus auf Forschung und Wissenschaft

und weniger auf Innovation und Zusammenarbeit mit den kleinen

Unternehmen richten. Die Risiken, die wir in Dänemark

sehen, sind Hindernisse für Kooperationen zwischen Forschern

und den kleinen und mittleren Unternehmen.

Ein weiterer kritischer Punkt sind schließlich die vielen nicht

ausreichend koordinierten politischen Maßnahmen. Fehlende

Koordination der neuen Maßnahmen und Fördermodelle zwischen

Ministerien und Behörden auf lokaler, regionaler und nationaler

Ebene bedeuten, dass öffentliche Gelder nicht effizient

genutzt werden, und dass es keine Konzentration der Ressour-


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cen auf thematische Schlüsselprioritäten, weniger Transparenz

und Kooperation zwischen relevanten Partnern und weniger

Maßnahmen zur Verbesserung von Exzellenz, Qualität und

Kompetenzen und kein Nachhaltigkeit der Maßnahmen gibt.

10. Abschluss und Zusammenfassung

Zusammengefasst, exzellente Clusterstrukturen, smarte Cluster

und Netzwerke existieren nicht nur in Deutschland, sondern auch

in den nordischen sowie einigen anderen europäischen Ländern.

Die besten Cluster der Zukunft werden sogenannte smarte Cluster

sein. Viele Cluster von heute sind auf dem Weg dorthin.

Wir sind in Nordeuropa aber mehrere Jahre voraus und weiter in

dem Strukturwandel, der zu einer nachhaltigen Gesellschaft mit

einer wettbewerbsfähigen Wirtschaft führt, dank der Umstellungsbereitschaft

der Unternehmen, der Politik und der Bevölkerung

und dank der Tüchtigkeit der Cluster und von Forschung

und Lehre.


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Aber das Leben in einem Cluster ist nicht leicht. Es gibt wie gesagt

viele kritische Herausforderungen. Die Clustermanager

müssen Wege finden, die Unternehmen dazu zu überreden, in

das Überleben ihrer eigenen Branchen einzuwilligen. Wie viel

netzwerkübergreifende Kooperation und Netzwerkzeuge mit

langfristigen Wirkungseffekten sind möglich? Wie sieht die optimale

Balance aus zwischen kurzfristigen und langfristigen

Wirkungseffekten?

Es ist eine Kunst, die Clusterwerkzeuge richtig einzusetzen. Unterschätzen

Sie nicht die Notwendigkeit eines kompetenten

Cluster-Managements.

Ich hoffe, dass das Silicon Saxony Cluster in Zukunft nachhaltig

und erfolgreich sein wird, und dass viele Unternehmen Kooperationen

initiieren und deutlich davon profitieren.


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Willy Brandt hat einmal gesagt: „Der beste Weg, die Zukunft

vorauszusagen, ist, sie zu gestalten“. Die Zukunft zu gestalten

ist die Aufgabe einer smarten Clusterorganisation. Es wäre wünschenswert,

wenn Kooperation und Internationalisierung der

Clusteraktivitäten von Silicon Saxony auch in Zukunft zu vielen

deutsch-dänischen Zusammenarbeitsprojekten gestaltet würden.

Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit und viel Erfolg bei

der Arbeit im Smart Cluster Silicon Saxony.

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