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Y

Europas gröSStes

Segelmagazin

Evolution

bootsbau

Vom Motorsegler zur Deckssalonyacht Wie sich

das Ideal des sicheren Fahrtenboots verändert hat

Sonderdruck

SIRIUS


Rollen statt Reffen:

Fock, Genua und

Drifter bleiben

angeschlagen und

bringen die Sirius

jederzeit in Fahrt

Ya c h t 7/2011


test sirius 310 DS bootsbau

Aussichtsreich

Mehr Lebensqualität als

die Sirius 310 bietet nur

eine Motoryacht. Doch

damit blieben die schönsten

Stunden auf dem Wasser

verwehrt – die unter Segeln

fotos: yacht/b. scheurer


Wirkt wuchtig: Das Heck ist massiv, die Badplattform dagegen schmal

Funktioniert auch einhand,

das Layout ist durchdacht

Stauraum im Überfluss: Backskisten mit Ordnungshilfen und viel Platz

Fallen und Strecken auf dem Aufbau, nur die Genua hat eigene Winschen

Ya c h t 7/2011

Kompakt und bullig liegt sie im Hafen

von Izola an der noch winterlichen

slowenischen Adria. Mittelmeertypisch

mit dem Heck zum Land – nicht die

ungünstigste Art, das Schiff zu präsentieren.

Zum einen lässt der strahlend blaue Himmel

bereits den nahenden Saisonstart ahnen, und

zum anderen kaschiert der Blick von der über

deckshohen Pier, wie wuchtig die Heckpartie

der nagelneuen Yacht geraten ist.

Stattdessen fällt der Blick von achtern ins

Cockpit: massives, goldenes Teak, ein Menge

Edelstahl und natürlich das Deckshaus. Ganz

klar, hier liegt eine Sirius, aber Moment – Sirius:

Haben die nicht diesen inzwischen etwas

antiquiert wirkenden Holzaufbau?

Richtig, 23 Jahre war er eindeutiges und

eigenwilliges Erkennungszeichen der GFK-

Yachten aus dem kleinen Familienbetrieb

im holsteinischen Plön. Nicht so bei der 310.

Sie gibt sich ganz im Stil der letztes Jahr vorgestellten

35 DS (YACHT 10/10). Mit dem abgetönten,

optisch um laufen den Fensterband

eine moderne Erscheinung. Tatsächlich ist die

gesamte Linienführung an genehm klar und

aus einem Guss.

Die Konstruktion wurde komplett neu

entwickelt. Was aber nicht heißt, dass man

sich von der grundsätzlichen Auslegung verabschiedet

hätte. Im Gegenteil: Das Konzept,

maximalen, witterungsunabhängigen Wohnkomfort

und aus gewogene Segeleigenschaften

zu kombinieren, ist konsequenter umgesetzt

als je zuvor.

So bietet das neue Modell in praktisch

allen Punkten mehr als die nominell größere

Schwester 32 DS. Die Wasserlinie ist dank

moderner Stevenform 23 Zentimeter länger,

die Breite um 20 Zentimeter gewachsen. Der

tatsächliche Raumgewinn fällt noch deutlich

größer aus, denn die Rumpflinien unterscheiden

sich dra ma tisch: Das Vorschiff ist fülliger,

die maximale Breite liegt weiter achtern, und

das Heck schnürt kaum noch ein. Zudem

weist die 310 einen aus geprägten U-Spant auf.

Alles Maßnahmen, die dem Platzangebot

zu gute kommen. Tatsächlich fällt schon das

Cockpit komfortabel groß aus. Wobei die Bewegungsfreiheit

durch die auf dem Testboot

installierte Radsteuerung deutlich eingeschränkt

wird. Trotz des faltbaren Lewmar-

Lenkers ist ein Passieren der Steuersäule nur

über die Sitzducht möglich. Die zur Grundausstattung

gehörende Pinnensteuerung ist

hier, wie auch beim Segeln, die bessere Wahl.

Doch zunächst geht es unter Motor zur

fotos: yacht/b. scheurer


Sirius 310 DS BOOTSBAU

Tankstelle, schließlich will der Eigner nach

unserem Test auf eine 400 Meilen lange

Über führung starten. Und die Wettervorhersage

verkündet: Sonne satt, aber weniger

als 10 Kno ten Wind. Nicht eben die

optimalen Bedingungen, um eine 6,3 Tonnen

schwere 31-Fuß-Yacht unter Segeln zu

bewegen. Also heißt es auf Thermik hoffen

und die Motor erprobung vorziehen.

„Wir bauen die Maschine weit achtern

ein, daher sitzt der Saildrive direkt

vor dem Ruder“, kommentiert Werftchef

Torsten Schmidt das direkte Ansprechen

des Bootes unter Motor. Mit kräftigen Gasschüben

und Hartruderlage lässt sich die

Sirius trotz des Halbskegs auf engstem

Raum zielsicher manövrieren. Angesichts

der modernen Linienführung verwundert

die Konfiguration auf den ersten Blick. „Ein

frei stehendes Ruder ist zwar günstiger zu

fertigen, lässt sich aber entweder zum Motoren

oder zum Segeln optimieren. Mit

dem Skeg ist das Boot sowohl unter Maschine

als auch unter Segeln kursstabil“,

argumentiert Schmidt für diese Auslegung.

Tatsächlich gibt sich die Sirius lammfromm.

Selbst wenn das Rad losgelassen

wird, bleibt sie auf Kurs. Die Maschine

hält sich bei knapp 6 Knoten Marschfahrt

dezent im Hintergrund, was für die Schallisolation

spricht. Um den Fahrkomfort auf

Motor etappen weiter zu steigern, ist das

Testboot mit einem dreiflügeligen Gori-

Faltprop mit Overdrive ausgerüstet. Dieses

1800 Euro teure Extra verringert die Marschdrehzahl

um 500 Umdrehungen, senkt

den Kraftstoffverbrauch und sorgt für einen

hörbar an genehmeren Klang.

Leichter Wind, schweres Schiff

Am späten Vormittag zeigt sich endlich

ein leichtes Kräuseln; der Windmesser

verspricht immerhin 7 Knoten. Gut, dass

wir das Perfor mance-Rigg mit 1,60 Meter

mehr Mast höhe sowie 20 Prozent zusätzliche

Segel fläche nebst dem zugehörigen

Tiefkiel an Bord haben. Alternativ sind

Anhänge mit 1,35 Meter und 1,15 Meter

Tiefgang möglich, ein Kielschwert mit

Doppelruderanlage (0,75 bis 2,00 Meter)

oder Kimmkiele mit 1,25 Meter Tiefgang.

Zum Werftkonzept gehört es, dass immer

ein passendes Segel angeschlagen

ist. Wir entscheiden uns für die erste der

drei hintereinander montierten Rollanlagen

und das größte Vorsegel. Der 45

Quadratmeter messende Drifter füllt sich

knisternd, und die Maschine verstummt.

Langsam klettert die Logge auf 4, dann

4,5 Knoten, bei etwa 55 Grad scheinbarem

Windeinfall. Gar nicht so übel, wenn man

bedenkt, welche Masse bewegt werden

will.

Die nächste Thermikablösung nutzen

wir zum Segelwechsel: Drifter einwickeln,

Genua ausrollen, dauert knapp eine Minute.

Obwohl nun zehn Quadratmeter

weniger für Vortrieb sorgen, erwacht die

Sirius zum Leben. Es hat auf 8 Knoten aufgebrist,

mit leichter Krängung zieht das

Schiff sauber an der Windkante entlang.

Nach der obli ga tori schen mehrminütigen

Beschleunigungsphase, das Bootsgewicht

fordert seinen Tribut, messen wir 4,9 Knoten

bei 96 Grad Wen de winkel.

Heimelige Hütte: Der rundumverglaste Deckssalon sieht einladend aus


BOOTSBAU Sirius 310 DS

m e sswe rte

Segelleistungen ohne Abdrift und Strom

4,9 kn Am Wind (ca. 48 Grad)

5,3 kn 60 Grad Windeinfall

5,1 kn 90 Grad Windeinfall

3,5 kn 120 Grad

3,3 kn 180 Grad (Schmetterling)

tech n i sch e date n

ausstattung und preise

2 kn 4 kn 6 kn 8 kn 10 kn

Wind: 5–8 kn (2–3 Bft.),

Wellenhöhe: glattes Wasser

Potenzial

STZ Fock 1 3,7 Genua 1 4,5

4,0 Cruiser Performance-Cruiser 5,0

Hohe Verdrängung und Selbstwendefock

lassen die Segeltragezahl schrumpfen,

die optionale Genua ist ein Muss

Kojenmaße

Vorschiff

2,04 x 1,67/0,38 m

Salon (Option)

2,06 x 1,25 m

Eigner

2,02 x 1,60 m

Knapp Durchschnitt Komfortabel

Stehhöhe

Konstrukteur . . . . . . . . . . v. Ahlen/Schmidt

CE-Entwurfskategorie . . . A (Hochsee)

Lüa (Rumpflänge) . . . . . . . . . . . . . . . 9,30 m

Gesamtlänge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9,90 m

LWL (Wasserlinienlänge) . . . . . . 8,55 m

Breite . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3,38 m

Tiefgang/alternativ . . . . . . . 1,75/0,75 m

Theor. Rumpfgeschw. . . . . . . . . . . . . 7,1 kn

Gewicht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6,3 t

Ballast/-anteil . . . . . . . . . . . . . . . 2,4 t/38 %

Masthöhe über Wasserlinie . . 15,85 m

Großsegel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30,0 m 2

Selbstwendefock (92 %) . . . . . . 18,0 m 2

Rollgenua (140%) . . . . . . . . . . . . . . . 39,2 m 2

Maschine (Volvo) . . . . . . 21 kW/29 PS

Kraftstofftank . . . . . . . . . . Edelstahl, 100 l

Frischwassertank . . . . . Edelstahl, 300 l

Fäkalientank . . . . . . . . . . . Edelstahl, 100 l

Rumpf- und Decksbauweise

Rumpf massiv, mit Vinylesterharz

laminiert. Deck: Divinycell-Sandwich

mit Vakuum verklebt. Rumpf und Deck

verklebt und laminiert, Schotten anlaminiert

Grundpreis ab Werft . . . . . . 172 500 Euro

Standardausrüstung 2 : Motor, Schoten,

Groß und Fock, Reling, Positionslaternen,

Batterie, Kom pass, Polster, Pantry/Kocher,

Lenzpumpe, WC, Anker/

Kette, E-Kühlfach, Fäkalientank m. Absaugung,

Antifouling . . . . . . . . . . . . . . . . . . . inkl.

Segelkleid . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 230 Euro

Fender, Festmacher . . . . . . . . . . 360 Euro

Feuerlöscher . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 115 Euro

Segelklare Übergabe . . . . . . 1795 Euro

Preis segelfertig 2 . . . . . . . . 175 000 Euro

Darüber hinaus im Preis enthalten

Selbstwendefock, Teak-Scheuerleiste,

LED-Beleuchtung

Generelle Garantie . . . . . . . . . . . . . 2 Jahre

Garantie gegen Osmose . . . . . . 5 Jahre

1

Dimensionslose Zahl. Berechnung: 2 √S/ 3 √V. Je höher der

Wert, desto mehr Segelfläche (S) hat das Schiff in

Relation zur Verdrängung (V) 2 Gemäß YACHT-Definition.

Alle Preise inkl. Mehrwertsteuer

Aufpreis für Komfort-Ausstattung 2

Leinenverst. Holepunkte . . . . 555 Euro

Traveller mit Leinenverstell. . . . . . . . . . . . –

Elektrische Ankerwinsch . . 2560 Euro

Rohrkicker . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . inkl.

Achterstagspanner . . . . . . . . . . . . . . . . . . .inkl.

Springklampen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . inkl.

Sprayhood . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . –

Teak im Cockpit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . inkl.

UKW-Funkgerät . . . . . . . . . . . . . . . 915 Euro

Logge und Echolot . . . . . . . . . 1215 Euro

Windmessanlage . . . . . . . . . . . 1385 Euro

Autopilot . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2695 Euro

Ladegerät . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 630 Euro

Landanschl. m. FI-Schalter 990 Euro

230-Volt-Steckdose (eine) . . . . . . . . . inkl.

12-Volt-Steckd. in der Navi . . . 90 Euro

Heizung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3220 Euro

Druckwassersystem . . . . . . . . . . . . . . . . . inkl.

Warmwasser-Boiler . . . . . . . . 1580 Euro

Dusche WC-Raum . . . . . . . . . . 1885 Euro

Cockpitdusche . . . . . . . . . . . . . . . . 395 Euro

Komfortpreis 2 (inklusive YACHT-Komfort-Paket

oben) . . . . . . . . . . . 193 115 Euro

Vorschiff

1,88 m

Salon (Mitte)

1,97 m

Nasszelle

1,89 m

Eignerkammer

1,90 m

Knapp Durchschnitt Komfortabel

Stauraum

Innen

3960 l

Außen

5000 l

Nasszelle

130 l

Gesamt

9090 l

Knapp Durchschnitt Komfortabel

Y-B ewe rtu ng

Die Sirius 310 DS bietet einzigartigen

Wohnkomfort bei guten

Segeleigenschaften. Der Preis entspricht

der Kleinserienfertigung

Konstruktion und Konzept

Å Konsequentes Fahrtenschiff

Å Diverse Kieloptionen

Å Individuell anpassbar

Nur eine von 15

Ausbauvarianten.

Es stehen diverse

Kiele zur Wahl

Werft und Vertrieb

Sirius Werft GmbH,

24306 Plön; Tel. 04522/45 65;

www.sirius-werft.de

Schalldruck

Plicht 67 dB(A)

Salon 67 dB(A)

Achterkabine 68 dB(A)

Vorschiff 60 dB(A)

Leise 65 Normal 75 Laut

Gemessen in Marschfahrt (80 % der

Höchstdrehzahl): 5,8 kn, 1900 min -1

Segelleistung und Trimm

Å Solide Leistungen

Å Einfache Bedienung

Í Ohne Genua untertakelt

Wohnen und Ausbauqualität

Å Sehr gute Verarbeitung

Å Überragende Raumnutzung

Å Komfortable Kojengrößen

Ausrüstung und Technik

Å Üppig dimensionierte Ausrüstung

Å Hochwertige Komponenten

Å Aufwändige, wartungsfreundliche

Installationen

Der Motor wirkt

versteckt, ist aber

gut erreichbar

und wird als

Letztes installiert

Fotos: yacht/b. scheurer; zeichnung: A. hoppenhaus

Ya c h t 7/2011


Ruderdruck will sich dabei allerdings

nicht einstellen. Auch wenn die Sirius

sehr kursstetig geradeaus läuft, wäre etwas

mehr Rückmeldung doch wünschenswert.

Zumal die Windfäden der Genua bei der

radgesteuerten Version nur in Lee sitzend

sichtbar sind. Von Luv aus bleibt also nur,

nach Gefühl zu steuern. Als Konsequenz

aus dem Test wird die Werft die Vorbalancierung

des Ruderblatts bei den nächsten

Baunummern von 24 auf 16 Prozent verringern,

was für das gewünschte Steuergefühl

sorgen sollte.

Wer aktiv segeln möchte, sollte in jedem

Fall zur Pinne greifen. Damit sind

deutlich mehr Sitzoptionen im ergonomisch

gelungenen und bequemen Cockpit

möglich.

Als leichtfüßig oder besonders schnell

kann man die Sirius bei den flauen

Bedingun gen nicht bezeichnen. Hält der

Windstrich lang genug durch, um sie in

Fahrt zu bringen, kommt aber durchaus

Segelvergnügen auf. Zumindest bis zur

nächsten Wende. Die drei Rollanlagen erfordern

beim Manöver entweder eine sehr

gut eingespielte Crew oder etwas mehr

Zeit, denn wie der Drifter muss auch die

Genua beim Überstaggehen weggewickelt

werden. Kreuzduelle lassen sich so nicht

gewinnen.

Die wahren Stärken der Sirius liegen

wohl bei etwas mehr Wind. Dann kann auf

die Selbstwendefock gewechselt werden,

womit sich das Kreuzen aufs Ruderlegen

beschränkt, was auch vom Innensteuerstand

aus gelingt. Dieser wird nur bei Bedarf

mechanisch eingekuppelt, sodass die

Ruder anlage nicht unnötig schwergängig

ist. Leider hat die Kupplung systembedingt

etwas Spiel, wodurch das kleine Rad unter

Deck etwa zwei Fingerbreit leer dreht. Auf

Dauer überlässt man das Steuern daher

besser dem Autopiloten. Der funktioniert

wie auch die restliche Beschlagsausstattung

tadellos.

Sirius setzt im Gegensatz zu vielen anderen

Werften auf eine sehr solide Dimensionierung.

Großschotblöcke, Winschen,

An kerwinde – alles ist mindestens eine

Nummer größer als sonst üblich. Erfreulich

daran: Der Kraftaufwand zum Trimmen

bleibt gering. Wer will, kann auch

eine elektrische Fallwinsch ordern und

Reffleinen, Fockschot und Großfall auf

Knopfdruck bedienen. Angesichts des

konsequenten Segelwechselns, das ein

Reffen der Genua erübrigt, lässt sich die

fehlende Leinenverstellung der Holepunkte

verschmerzen.

Das Innen-Außen-Gefühl

Hinter der Tür wartet die Wärme. Mit diesem

Wissen im Hinterkopf werden auch

nicht ganz so sommerliche Törns zum

Genuss. Das galt schon bei den bisherigen

Sirius-Modellen. Mit dem Deckssalon

der 310 wurde die Entwicklung aber

noch weiter geführt. Wer die rahmenlose

Plexiglastür öffnet, bleibt quasi an Deck.

Üppige Fensterflächen, die hellen Deckenpaneele

und das große, durch sichtige

Schiebeluk lassen keine Keller-Stimmung

aufkommen. Tatsächlich hat man sowohl

vom Innensteuerstand aus als auch von

der Sitz ecke freie Rundumsicht auf den

Horizont. Damit sitzt man nicht nur beim

Hafenkino in der ersten Reihe, sondern

fühlt sich auch auf See unter Deck jederzeit

wohl.

Obwohl zwei Stufen tiefer liegend, ist

auch von der Pantryebene aus Seeblick

möglich, wodurch der Kochbereich gut in

den Wohnraum integriert wird. Eine Etage

oder zwei Stufen weiter unten schließlich

liegen Kojen und WC. Hier zeigt sich der

wohl größte Gewinn der neuen Rumpflinien.

„Unser Konzept bietet den Platz einer

etwa sechs Fuß größeren Yacht“, kommentiert

Schmidt die üppige Eignerkammer

unterhalb des Salons. Der Clou daran:

Die maximale Breite wird mit Salon und

Schlafstätte praktisch doppelt genutzt,

was Raum für eine sehr komfortable Zweierkoje

schafft. Kopffreiheit und Stehhöhe

sind mit 1,90 Metern vor und 50 Zentimetern

über der Koje ebenfalls beachtlich.

Gegen eventuell aufkommendes Klaustro

phobie gefühl im Untergeschoss bietet

die Op tionsliste ein Rezept. Für 1180 Euro

Aufpreis pro Stück gibt es große Rumpffenster,

Mee resblick ein geschlossen.

Was von außen gewöhnungsbedürftig

erscheint, verblüfft von innen: Der

Raum öffnet sich ähnlich dem Salon und

bekommt gleichzeitig eine ungewohnte

Spannung. Die ständig veränderlichen

Farbstimmungen und Licht reflexe der

Wasseroberfläche dringen ein und lassen

die Eignerkammer regelrecht aufleben.

Besonders zur blauen Stunde oder in

Der Innensteuerstand liegt auf Cockpithöhe,

das Luk erlaubt den Blick ins Rigg

Die Tür führt

ins Warme, nicht

in den Keller

der Morgendämmerung ein faszinierendes

Schauspiel.

Individuelles Interieur

Je nach Ausbauvariante bietet die 310 zwei

bis vier feste Schlafplätze und unterschiedlich

gro ße WC- und Duschräume. Wobei jede

der 15 angebotenen Alternativen noch individuell

modifiziert werden kann. So ist statt der

Eignerkammer beispielsweise eine Werkstatt

möglich, oder das Vorschiff wird mit einer separaten

Dusche ausgestattet.

Egal für welche Version sich der Käufer

entscheidet: Die klassischen Sirius-Merkmale

wie der aufwändige, handlackierte und

anschließend gewachste Innenausbau aus


Polsterung und Bodenbretter setzen helle Kontraste zum Mahagoni

Aus- und Einblicke

sind beherrschendes Thema

Eignerkammer unter dem Salon, Seeblick durch die Rumpffenster

Kleine Nasszelle ohne Dusche

Tiefe Staufächer unter den Bodenbrettern

Mahagoni sind auf der 310 immer an Bord.

Wer ein Faible für liebevollen und qualitativ

höchstwertigen Bootsbau hat, kann hier stundenlang

über makellose Furniere und Umleimer

streicheln.

Oder Schubladen-Memory spielen. Denn

jeder Kubikzentimeter Innenvolumen wird

genutzt. Ob unter den Kojen, in der Pantry

oder am Niedergang: Wo immer möglich und

sinnvoll, setzt Schmidt auf Schubfächer, zum

Teil mit individuell an Geschirr oder Ausrüstungswünsche

der Eigner angepassten Einsätzen

und Abtrennungen.

Angesichts des enormen Stauraums erscheint

eine Packliste mehr als angebracht:

Allein unter die Bodenbretter der Pantry

passen mehrere Sprudelkästen. Das gilt im

Übrigen auch für die beiden Backskisten; sie

fassen unglaubliche fünf Kubikmeter und

schlucken problemlos Dingi, Falträder und

Spinnaker. Zudem steckt hier ein Großteil der

technischen Ausstattung wie Ladegeräte, Batteriebank,

Warmwasserboiler und Heizung.

Alle sehr ordentlich und wartungsfreundlich

installiert.

Sicherlich mit ein Grund für die selbstbewuss

te Preisgestaltung: 172 500 Euro für

das Standardboot sind nicht eben wenig. Immerhin

entspricht die Sirius damit fast schon

der YACHT-Definition segelfertig. Der Großteil

der Eigner dürfte aber noch das ein oder

andere Extra von der praktisch unbegrenzten

Optionsliste wählen. Schon unsere Komfortausstattung

lässt den Preis auf 193 000 Euro

steigen. Mit Lattengroß, Kuttertakelung und

der unbedingt empfehlenswerten Genua ist

die 200 000-Euro-Marke dann auch überschritten.

Wer den Komfort einer echten Deckssalonyacht

sucht, findet am Markt aber praktisch

keine Alternativen, zumindest nicht in dieser

Konsequenz und mit einem derartigen Platzangebot.

Im reinen Wohnkomfort für eine

Zweiercrew mit Gästen übertrifft die Sirius

locker eine 35- oder 36-Fuß-Yacht. Zudem

sorgt die hochwertige Bauausführung für ein

langes Leben mit überdurchschnittlichem

Werterhalt.

So verwundert es auch nicht, dass die

Kunden zum Teil von deutlich größeren

Yachten kommen. Der Eigner des Testbootes

segelte zuvor ein 39-Fuß-Schiff und hat sich

nicht zuletzt wegen des einfacheren Handlings

für einen kür zeren Typ entschieden.

Hauke Schmidt

fotos: yacht/b. scheurer

Tests zu Vergleichsschiffen als PDF-Download plus

weitere Infos im Internet: www.yacht.de/test

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