Das jugendpolitische Magazin für Baden-Württemberg

bisher.ljrbw.de

Das jugendpolitische Magazin für Baden-Württemberg

ISSN 867 - 5026

Ausgabe 8 • November 2010

Das jugendpolitische Magazin für Baden-Württemberg

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Ferien!

Freizeiten!

Fun?

[

[... need no education? Keine Führungszeugnisse

Claus J. Tully

Daniel Grein

Anne-Kathrin Wolters

Der Schwerpunkt 8

Der Standpunkt Das Interview 14

12

[

[

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Es wird knapper!


inhalt

anriss

Einige Worte an die LeserInnen richtet Kerstin Sommer.

schwerpunkt

Eindrücke von Freizeiten schildern PolitikerInnen.

Erschwernisse für JugendleiterInnen beschreibt Mike Cares.

Ob man bei Freizeitaktivitäten etwas lernt erklärt Prof. Dr. Tully.

Das Geheimnis guter Freizeiten ergründet Wolfgang Ilg.

der standpunkt

Führungszeugnis ist keine Allzweckwaffe warnt Daniel Grein.

das interview

ljr-intern

Das können wir besser – Herausfordernde Kinder und Jugendliche

Einen neuen Landtag wählen – Aktionen des Landesjugendrings

Gesichter des LJR – Volker Schweizer

rezension

Einblicke in die Freizeitenarbeit liefert Anne Kathrin Wolters.

jugendarbeit

Auf einen Blick – Besuche der Kampagne

Sommerimpressionen – Schnappschüsse

Mit einem Bein im Gefängnis? – Alexander Krickl stellt drei Arbeitshilfen

für JugendleiterInnen vor.

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30.11.2010

03.12.2010

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27.03.2011

07.-09.06.2011

Impressum

ljr-termine

Abschluss der Kampagne

„Sommerfeeling oder Lagerkoller“

im Landtag in Stuttgart

14.-18.03.2011

Fachtag zum Projekt

„Herausfordernde Jugendliche“

in Karlsruhe

U18 – Wahllokale

Landtagswahl in Baden-

Württemberg

Kinder.Jugend.Zukunft

14. Kinder- und

Jugendhilfetag in Stuttgart

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kontur - Das jugendpolitische Magazin für

Baden-Württemberg

Herausgeber:

Landesjugendring Baden-Württemberg e.V.

Siemensstr. 11, 70469 Stuttgart

Tel.: o711/16447-0, Fax 0711/16447-77

E-Mail: info@ljrbw.de

Internet: www.ljrbw.de

Redaktion: Irene L. Bär (Leitung), Alexander

Krickl, Kerstin Sommer

Fotos: Titelfoto: BDKJ Göppingen-Geislingen,

Fotos von Freizeiten der Kampagne und Landesjugendring

Layout: Eva Reinhardt

Auflage: 2.500 Exemplare

Druck: e. kurz + co, Stuttgart

V.i.S.d.P.: Isabel Hoever

kontur erscheint zweimal im Jahr, 4. Jahrgang

8. Ausgabe

Artikel einzelner AutorInnen geben nicht unbedingt

die Meinung der Redaktion wieder.

Mit Unterstützung des Kommunalverbandes

für Jugend und Soziales

Stuttgart, im November 2010

Gedruckt auf Papier mit dem Blauen Engel.

[


Liebe Leserin, lieber Leser,

[

ein warmer sonniger Tag geht zu Ende, der Geruch

von Heu liegt in der Luft, die Dämmerung

senkt sich langsam über die Wiese, Sterne blitzen

auf, eine Gitarre erklingt, glückliche Gesichter

spiegeln den Schein des Lagerfeuers.

Freizeitenromantik pur!

Tausendfach erlebt, auch diesen Sommer wieder

in Baden-Württemberg. Aber auch Diskussionen

über Jugendschutz und Aufsichtspflicht,

Aufwand zur Umsetzung von Infektionsschutz

und Hygienevorschriften, Ärger mit Versicherungen

und Zahlenkolonnen in Abrechnungsunterlagen.

All das bekamen Abgeordnete des badenwürttembergischen

Landtages in diesem Sommer

hautnah mit: Was es heißt ehrenamtlich

aktiv zu sein und welche Anforderungen an Ehrenamtliche

auf Freizeiten gestellt werden.

Rund 50 von ihnen besuchten unter dem Titel

„Sommerfeeling oder Lagerkoller – PolitikerInnen

im Praxistest“ Zeltlager und Freizeiten

der Jugendarbeit, packten beim Aufbau mit an,

halfen in der Küche oder wirkten am Programm

mit.

Ziel der Kampagne war es, dass die Abgeordneten

eine Vorstellung davon bekommen, wie

Jugendfreizeiten funktionieren, wo es mangelt

und wie sich ihre eigenen Entscheidungen im

Landtag auf die Arbeit der Ehrenamtlichen auswirken.

Gleichzeitig sollten die Aktiven vor Ort ihre

VolksvertreterInnen kennenlernen, merken,

dass ihre Arbeit honoriert wird und dass PolitikerInnen

eben auch nur Menschen sind. Zudem

Diese Kampagne wurde gefördert von:

Reiner Baur Isabel Hoever Kerstin Sommer

„Behandle deinen Besuch zwei Tage als Gast,

am dritten Tag aber gib ihm eine Hacke.“

Afrikanisches Sprichwort

noch solche, die sich für die Tragweite ihrer

Entscheidungen interessieren und dankbar für

Rückmeldungen sind.

Am Ende waren die meisten Beteiligten sehr

angetan von diesem Besuch, haben etwas über

den/ die anderen erfahren und dazu gelernt.

Geblieben ist die Erkenntnis, dass PolitikerInnen

zuweilen auch ganz schön zupacken kön-

nen, teilweise eigene Erfahrungen in der Jugend-

und Freizeitarbeit haben, und auch nach

dem Besuch der Abgeordneten noch Sommerfeeling

herrschte und sich nirgends der Lagerkoller

breitgemacht hat.

Zudem haben die Abgeordneten von ihren Besuchen

jeweils ein Puzzleteil mitgebracht. Dieses

haben sie im Herbst im Landtag gemeinsam

mit den KollegInnen ihrer Fraktion zu einem

Puzzle zusammen gebaut und damit die

Wette gegen den Landesjugendring gewonnen.

Wir hatten nämlich gewettet, dass es die Abge-

anriss

ordneten nicht schaffen symbolisch eine ganze

Freizeit durchzuführen. Diese Wette haben

alle Fraktionen gewonnen – dafür bekamen sie

von den Jugendverbänden ein Mittagessen aus

der Freiluftküche, die wir im Haus der Abgeordneten

für sie aufgebaut hatten.

In dieser Kontur greifen wir die Kampagne

„Sommerfeeling oder Lagerkoller“ noch einmal

auf und werfen darüber hinaus einen reflektierenden

Blick auf den in der Jugendarbeit

wichtigen Arbeitsbereich „Freizeiten“: Ist Freizeitarbeit

Bildungsarbeit? Darf sie auch einfach

mal nur Selbstzweck sein? Welche Vorschriften

erschweren die Freizeitenarbeit, welche

sind sinnvoll? Wohin entwickelt sich die

Freizeitenarbeit? Wie kann die Qualität der Angebote

auch in Zukunft gesichert und ausgebaut

werden?

Ich wünsche ihnen beim Lesen spannende Einblicke,

einige Aha-Erlebnisse und in der kalten

Jahreszeit ein paar Erinnerungen an den Sommer.

Kerstin Sommer

Stellvertretende Vorsitzende

[ 3 ]


[ 4 ]

Was sie bei ihren Besuchen beeindruckt hat,

[

Über 50 Abgeordnete haben diesen Sommer

im Rahmen der Kampagne „Sommerfeeling

oder Lagerkoller? – PolitikerInnen

im Praxistest“ Ferienfreizeiten besucht.

Hier schildern die jugendpolitischen

SprecherInnen der Fraktionen und

die Abgeordneten mit den meisten Besuchen

ihre Eindrücke.

Friedlinde Gurr-Hirsch

Was hat Sie bei Ihren Besuchen am meisten

beeindruckt?

Mit welcher Professionalität

die Mitarbeiter eine riesige

Jugendfreizeit managen und

die Organisatoren den Jugendlichen

selbst bei Regenwetter

spannende und faszinierende

Angebote machen.

Was ist Ihr Tipp für FreizeitleiterInnen?

Auch die Jugendlichen könnten mit Aufgaben

betraut werden.

Siegfried Lehmann

haben wir Abgeordnete gefragt.[

Sommerfeeling

Was hat Sie bei Ihren Besuchen

am meisten beeindruckt?

Gibt es ein ausgelassenes,

interessantes und glückliches

Leben ohne Handy,

Fernsehen und Computer?

Oh ja, dies gibt es.

Was ist Ihr Tipp für FreizeitleiterInnen?

Tipps habe ich keine. Vielmehr haben die FreizeitleiterInnen

mir eindrücklich gezeigt, wie

wichtig Freizeiten für die Erfahrungswelt der

Kinder und Jugendlichen sind.

oder Lagerkoller?

Christoph Bayer

Was hat Sie bei Ihren Besuchen

am meisten beeindruckt?

Die badische Landjugend

hat Motivationskünstler.

Eine phantastische Verbindung

von Technikeinsatz

und sportlicher Herausforderung

beim Deutsch-französisches Geochaching

im Schwarzwald.

Was ist Ihr Tipp für FreizeitleiterInnen?

Selber Freude haben - im Team. Das ist die beste

Voraussetzung, damit der Funke überspringt.

Heiderose Berroth

Was hat Sie bei Ihren Besuchen am meisten

beeindruckt?

Am meisten beeindruckt

hat mich, wie

sensibel sich evt.

anbahnende Probleme

wahrgenommen,

wie unkompliziert

dann aber auch Lösungen

gefunden

und umgesetzt werden.

Das Schönste

aber ist die RiesenpackungLebensfreude,

die engagierte

junge Menschen

bei jedem

Wetter dort täglich

für ihre Schützlinge

und auch Gäste ausschütten.

Was ist Ihr Tipp für FreizeitleiterInnen?

Mein Tipp für die FreizeitleiterInnen ist, all das

Positive, das sie in ihrer Tätigkeit erleben, immer

wieder deutlich und öffentlich zu benennen,

damit es sich herumspricht, das Image

der Freizeiten weiter steigt und dadurch auch

in Zukunft ausreichend Betreuer zur Verfügung

stehen. Und all das, was ggf. noch nicht zufriedenstellend

geregelt ist sollten sie weiterhin

mutig benennen und mit den für Änderungen.

Zuständigen besprechen, weil nur so Verbesserungen

möglich sind.

Danke, dass ich bei den Freizeiten in Böblingen

und Herrenberg dabei sein durfte. Die Tage haben

mir gutgetan und ich erinnere mich gerne

daran zurück.

Norbert Zeller

Was hat Sie bei Ihren Besuchen am meisten

beeindruckt?

Am meisten beeindruckt hat

mich der Teamgeist, die

Kreativität und den sichtbaren

Spaß den vor allem die

Betreuerinnen und Betreuer

zeigten. Diese positive Ausstrahlung

hat auf die Kinder

eine fantastische Wirkung.

Wer trotz Dauerregen, Kälte und widrigen

Platzverhältnisse Kinder begeistern kann, verdient

höchstes Lob.

Was ist Ihr Tipp für FreizeitleiterInnen?

Ich kann mir nur wünschen, dass dieser pädagogische

Elan, die Leichtigkeit bei gleichzeitigem

hohem Verantwortungsbewusstsein nicht

nachlässt. Meine Anerkennung.


Monika Chef

Andreas Stoch

Was hat Sie bei Ihren Besuchen

am meisten beeindruckt?

Am meisten beeindruckt

hat mich die Freude und

Begeisterung der TeilnehmerInnen

und LeiterInnen.

Voller Stolz haben mir die Kinder ihre sportlichen

und künstlerischen Fähigkeiten gezeigt.

Die Disziplin war hervorragend!!

Was ist Ihr Tipp für FreizeitleiterInnen?

Machen Sie weiter so !!!

Was hat Sie bei Ihren Besuchen

am meisten beeindruckt?

Am meisten beeindruckt

hat mich das unkomplizierte

und kameradschaftliche

Miteinander von Kindern

verschiedenster sozialer

Hintergründe in diesen AWO-Freizeiten. Kinder,

die in unserem stark gegliederten Schulsystem

niemals die Chance hätten, sich kennen

zu lernen, akzeptieren sich gegenseitig

und haben viel Spaß zusammen.

Was ist Ihr Tipp für FreizeitleiterInnen?

Bevor ich den FreizeitleiterInnen einen Tipp geben

möchte, bedanke ich mich erst einmal bei

allen recht herzlich für ihr großes Engagement

und die Aufmerksamkeit und Offenheit, die sie

den Kindern entgegenbringen. Als Vater von

vier Kindern gebe ich den LeiterInnen den Rat,

eine gesunde Mischung aus Freund-Sein und

Autorität walten zu lassen. Kinder genießen

sehr die Nähe jugendlicher, oft „cooler“ Er-

wachsener als Bezugspersonen, brauchen

aber dennoch jemanden, der ihnen durch sicheres

und konsequentes Auftreten Schutz

und Sicherheit vermittelt und notfalls auch

Grenzen aufzeigt.

Reinhold Gall

Was hat Sie bei Ihren Besuchen am meisten

beeindruckt?

Ich besuche Ferienfreizeiten

und Zeltlager seit Jahren

und kenne sie auch aus

meinem eigenen Engagement

bei der Feuerwehr.

Mich beeindruckt immer

wieder, mit welcher Begeisterung

die zumeist ehrenamtlichen

BetreuerInnen

an ihre Aufgabe gehen und welch tolle Aktivitäten

sie für die TeilnehmerInnen auf die Beine

stellen. Jede Herausforderung wird gemeistert.

Da gibt es kein „Geht nicht“ oder „Kann ich

nicht“ – und dieser Einsatz überträgt sich auch

auf die Stimmung der Kinder und Jugendlichen,

die dann nach einem Freizeittag oder eine Freizeitwoche

mit strahlenden Augen zurückkommen.

Was ist Ihr Tipp für FreizeitleiterInnen?

Als pädagogischer Laie will ich mich auf diesem

Gebiet mit Tipps zurück halten. Ich will

einfach sagen: Bleiben Sie weiterhin mit so

viel Freude bei der Sache! Und seien Sie stolz

auf das, was Sie im Rahmen Ihrer ehrenamtlichen

Arbeit für unsere Gesellschaft leisten!

Sabine Kurtz

schwerpunkt

Was hat Sie bei Ihren Besuchen am meisten

beeindruckt?

An einem Regentag

im CVJM-Haus in

Herrenberg herrschte

eine ruhige und

freundliche Atmosphäre

und innere

Ordnung und Struktur.

Die LeiterInnen

waren alle sehr nett

und den Kindern zugewandt

und zeigten

Nervenstärke.

Ohne dass ein strenges

Wort gesprochen

werden musste,

fand jedes Kind einen Platz und eine Beschäftigung,

die ihm Freude machte und seine

Konzentration beanspruchte. Großzügig wurde

über nasse Haare und schmutzige Schuhe hinweggesehen.

Ganz eindeutig hatten alle einen

Blick für’s Wesentliche.

Was ist Ihr Tipp für FreizeitleiterInnen?

Meiner Ansicht nach dürfen FreizeitleiterInnen

auch offensiv die Einordnung in die Gruppe

und das Zurückstellen individueller Wünsche

von den TeilnehmerInnen verlangen. Neben

der Betonung individuellen Förderung und der

Berücksichtigung der Bedürfnisse des Einzelnen

finde ich es auch wertvoll, wenn Menschen

lernen, dass die Freiheit des Einzelnen durch

die Freiheit des Anderen begrenzt wird. Ich halte

die Fähigkeit, sich persönlich auch mal zurückzunehmen

zugunsten einer Gruppe bis zu

einem gewissen Maße für ein wichtiges Erziehungsziel.

[ 5 ]


[ 6 ]

Was dem Homo vacaniensis – dem gemeinen Freizeitleiter –

Mike Cares

Die Gesellschaft nimmt gerne das

Engagement Ehrenamtlicher in der

Jugendarbeit in Anspruch, wenn sie für

das Leben schwer macht, erklärt Mike Cares.

[[ Vom Aussterben

bedroht?

Kinder und Jugendliche Ferienfreizeiten,

Erholungsmaßnahmen, internationale

Begegnungen, Stadtranderholungen,

erlebnispädagogische und

sportpädagogische Freizeitmaßnahmen als

Wochenendfreizeiten oder mehrwöchiges

Programm im In- und Ausland organisieren

und durchführen.

Am Wert dieser Angebote für die personale und

soziale Entwicklung junger Menschen gibt es

keine Zweifel. Die Jugendarbeit vertritt hier

selbstbewusst und engagiert ein erfolgreiches

Arbeitsfeld. Das sehen auch viele PolitikerInnen

bis hin zum Ministerpräsidenten so. Die

Bedeutung der Freizeitarbeit begründet letztlich

auch die öffentliche Förderung durch Kommunen

und den Landesjugendplan.

Aber welchen Herausforderungen und Auflagen

sehen sich junge Menschen gegenüber,

wenn sie sich im Bereich der Freizeitenarbeit

engagieren wollen?

Hier eine kleine Auswahl ohne Anspruch auf

Vollständigkeit:

Schulungen erforderlich

Wie jedem und jeder JugendleiterIn wird den

FreizeitleiterInnen der Besuch der Ausbildung

zur JugendleiterIn nahe gelegt. Mehrtägige

Kurse mit mindestens 30 Unterrichtsstunden

sind der Einstieg.

Dazu kommt der Besuch des großen Erste-Hilfe-Kurses

mit acht Doppelstunden.

FreizeitleiterInnen, die Freizeiten mit besonderen

Schwerpunkten betreuen wie Klettern, Segeln,

Skifahren oder integrative Freizeiten mit

behinderten und nichtbehinderten Jugendlichen

besuchen darüber hinaus weitere Spezialschulungen.

Als FreizeitleiterInnen übernehmen sie die gesetzliche

Aufsichtspflicht und überwachen die

Einhaltung der Jugendschutzbestimmungen.

Damit tragen sie straf- und unter Umständen

auch zivilrechtlich ein Risiko, das durch entsprechendes

Verhalten der Kinder und Jugendlichen

zur Bestrafung und zu finanziellen Forderungen

führen kann.

Die Einhaltung des Schutzauftrages zum Kindeswohl

zieht zahlreiche Maßnahmen nach

sich. Auch wenn die einzelne Freizeitmaßnahme

als solche keiner speziellen vertraglichen

Vereinbarung bedarf, sind die Ehrenamtlichen

mehrfach betroffen. Sie werden geschult, über

ihre Rolle belehrt, müssen sich zur Einhaltung

vereinbarter Standards verpflichten und bekommen

Hinweise zum Umgang in konkreten

Verdachts- oder Konfliktfällen. Die Jugendverbände

setzen verstärkt auf Prävention, aber

auch das kostet zusätzlich Zeit, Energie und

letztlich Geld.

Das Infektionsschutzgesetz sieht verpflichtend

immer wiederkehrende Schulungsmaßnahmen

vor, für Mitarbeitende bei allen Maßnahmen

bei denen sich Freizeitgruppen selbst

versorgen oder mit Lebensmitteln zu tun haben.

Wie ein Reiseveranstalter

Wenn Freizeitgruppen mit eigenen oder gemieteten

Kleinbussen verreisen, brauchen die

FahrerInnen, die in der Regel ehrenamtliche

FreizeitleiterInnen sind, zwar Gott sei Dank,

entgegen dem politischen Druck aus der kommerziellen

Reisebranche zumeist (noch) keinen

Personenbeförderungsschein, wie ihn etwa

TaxifahrerInnen brauchen, dessen Erwerb

mit erheblichen Kosten und zeitlichem Aufwand

verbunden ist. Stattdessen absolvieren

viele freiwillig ein Fahrsicherheitstraining bei

einem Automobilclub.

Werden Freizeiten öffentlich ausgeschrieben,

benötigt der Verband eine Genehmigungsurkunde

nach dem Personenbeförderungsgesetz,

es sei denn, er beauftragt ein kommerzielles

Beförderungsunternehmen, das eine solche

Genehmigung besitzt. Auch dieses Verfahren

ist mit erheblichen Kosten und zeitlichem

Aufwand verbunden.

Die Vorschriften des Europäischen Reiserechtes

und des Reisevertragsgesetzes, die eigentlich

als Schutz der Verbraucher gedacht sind,


schlagen auch auf die Freizeiten gemeinnütziger

Träger wie den Jugendverbänden voll

durch. Dazu gehört der Abschluss einer Reisepreisversicherung

durch den Verband als Insolvenzschutz,

ebenso wie die genaueste Beschreibung

der Leistungen einer Freizeit in der

Ausschreibung, die von den Teilnehmenden

bzw. deren Eltern einklagbar sind. Viele Verbände

versuchen sich durch mehrseitige Ausführungen

in den Teilnahmebedingungen vor

juristischen Nachstellungen zu schützen.

Dazu kommen der Abschluss weiterer Versicherungen

wie Haftpflicht-, Krankentransport-,

Unfall-, Rechtsschutz-, Reisegepäckversicherung

und so weiter, die Verwaltungs- und Finanzaufwand

nach sich ziehen. Nicht alle Verbände

sind hier optimal versichert, sie tragen

wissend oder auch unwissend ein zusätzliches

Risiko.

Genehmigungen ohne Ende

Feuer und insbesondere Lagerfeuer gehört

nach wie vor zur Grundausstattung von Freizeiten,

aber auch das ist zwischenzeitlich durch

Gesetz und Verwaltungsvorschriften geregelt.

Einfach Feuer machen war gestern. Heute bedarf

es einer vorherigen Genehmigung und die

Beachtung weiterer Vorschriften, welches Holz

wann und wo verbrannt werden darf.

Wenn eigene Lagerplätze betrieben werden,

kommt die Beachtung weiterer bau- und umweltrechtlicher

Vorschriften dazu.

In zunehmendem Maß klagen FreizeitleiterInnen

auch über Schwierigkeiten im Umgang mit

herausfordernden, oftmals schwierigen Kindern

und Jugendlichen; zusätzliche Schulungsangebote

sind die Antwort mit zusätzlichem

Aufwand für die Ehrenamtlichen.

Die uneinheitliche Förderpraxis der Kommunen

und die unzureichende Förderhöhe in den

öffentlichen Förderplänen werfen weitere Fragen

auf. Dies gilt sowohl für die Finanzierung

der durch Gesetze und Verwaltungsvorschrif-

ten geforderten Qualität und Quantität von

Schulungsprogrammen für ehrenamtliche FreizeitleiterInnen,

als auch für die Durchführung

von bezahlbaren Freizeiten für Kinder und Jugendliche

selbst.

Freistellung

Neben der Durchführung der Freizeit fordern

auch die umfangreiche Vorbereitung im Freizeitteam

und die nachgehende Evaluation mit

den Teilnehmenden die FreizeitleiterInnen in

erheblichem Maße.

Nicht nur Zeit und Geld bringen die Ehrenamtlichen

in ihr Engagement als FreizeitleiterInnen

ein, oftmals ist es auch noch der eigene Urlaub.

Aus Angst vor beruflichen Nachteilen

oder gar dem Verlust des Arbeitsplatzes verzichten

sie darauf, die ihnen nach dem Gesetz

zur Stärkung des Ehrenamtes in der Jugendarbeit

zustehende, unbezahlte Freistellung zu

beantragen.

Berechtigte Ansprüche

Diese Auswahl mag genügen um deutlich zu

machen, welchen Anforderungen und Belastungen

Ehrenamtliche im Bereich der Freizeitarbeit

ausgesetzt sind. Hinter vielen Regelungen

stehen berechtigte Ansprüche wie beispielsweise

beim Schutz des Kindeswohls und

beim Infektionsschutz. Die damit verknüpften

rechtlichen Regelungen sind aber häufig an

kommerziellen Bezügen orientiert und für die

im Kinder- und Jugendhilfegesetz vorgesehene

gemeinnützige Leistung weitgehend ehrenamtlich

getragener Freizeitarbeit der Jugendverbände

unpassend. Die Vereinfachung und

Ausdünnung der geltenden Restriktionen in allen

Bereichen und die Verhinderung weiterer

Belastungen bleibt eine Herausforderung und

sollte auch von der Politik verfolgt werden.

schwerpunkt

schwerpunkt

Gefahr: Bildungslandschaft

Eine vielleicht noch größere Bedrohung der Freizeitarbeit

liegt in der veränderten Bildungslandschaft.

Schule wie Hochschule haben die

zeitlichen Anforderungen an ihre SchülerInnen

und StudentInnen so verdichtet, dass zunehmend

weniger junge Menschen in der Lage sind,

die nicht unerheblichen zeitlichen Belastungen

auf sich zu nehmen.

Diese Wahrnehmung der Verbände aus ihrem jeweiligen

Tätigkeitsbereich wird zwischenzeitlich

auch von der Jugendforschung bestätigt.

Die beschriebenen Belastungen dürfen den Blick

nicht darauf verstellen mit welcher Freude und

Erfüllung dieses Engagement für viele Ehrenamtliche

verbunden ist, das letztendlich auch durch

die Freude der Teilnehmenden am gemeinsamen

Tun und Erleben honoriert wird. Noch ist der homo

vacaniensis, der gemeine Freizeitleiter, nicht

vom Aussterben bedroht. Sein Lebensraum wird

aber durch die beschriebenen Entwicklungen

bedrängt und unattraktiv.

Dem gilt es politisch zu begegnen.

Mike Cares

Mike Cares

info

[Jahrgang 1952

Sozialpädagoge, lange Jahre bei der

Ev. Jugend als Referent tätig. Zahlreiche

Vertretungen für die Jugendverbände

in Baden-Württemberg auf

Bundes- und internationaler Ebene.

Von 1987 bis 2001 Mitglied im Vorstand

des Landesjugendrings und von

1991 - 1993 dessen Vorsitzender.

Derzeit Vorsitzender des Landeskuratoriums

für Außerschulische Jugendbildung.

[ 7 ]


[ 8 ]

Prof. Dr. Claus J. Tully vom Deutschen Jugendinstitut

über die Frage, ob man bei Freizeitaktivitäten etwas lernt.

Claus J. Tully We

Nichtorganisierte Lernprozesse werden

zahlreicher und bedeutsamer. Gleichzeitig

wird der Ruf nach nicht verzweckter Zeit, nach

echter Freizeit gerade im Jugendalter immer

lauter. Sind wir endlich bei Pink Floyd und

ihrem "we don't need no education, we don't

need no thought controll. Teachers leave them

kids alone“ angekommen?

[[

don't need

no education?

Jugend ist ein Produkt der industrialisierten

Gesellschaft. Mit dem Aufkommen der Industrie

wurde eine umfassende Qualifizierung

unabdingbar. Junge Menschen wurden von der

Arbeit freigestellt, um sich qualifizieren zu

können. Heute ist die Lebensphase, in der es

schwerpunktmäßig um Bildung geht, ausgedehnt.

Wie in der Welt der Arbeit gibt es als

Gegenstück zur Schule die Freizeit, nicht verplante,

zweckfreie Zeit zur freien Gestaltung.

Die Schule mit ihren schulisch organisierten

Lernprozessen ist dabei ein Ort formaler Bildung.

Lernen geht aber weit darüber hinaus:

Diese nicht formalen Lernprozesse werden als

informelles Lernen bezeichnet. Ohne informelles

Lernen ist der moderne, hochdynamische

Alltag nicht zu haben.

Entgrenzung der Orte

Es gibt Orte der Arbeit, des Lernens, der Freizeit

usw. In der modernen Gesellschaft indessen

sind Tendenzen der „Entgrenzung“ auszumachen.

Wer heute aufwächst muss beständig

mit diffusen Anforderungen umgehen. Fortgesetzt

müssen sinnhafte und tragfähige Bezüge

etabliert werden. Die Subjekte stellen „eigeninitiativ“

Bezüge zu ihrer Lebenswelt her. Diese

individuelle Leistung und die damit einhergehenden

Lernprozesse wird als Kontextualisierung

bezeichnet. Damit fällt dem Setting, in

dem gehandelt wird, wachsende Bedeutsamkeit

zu. Setting meint Handlungsfelder, die institutionell

in geringerem Maße geformt sind

und deshalb größere Dispositionsräume unterstellen.

Zwar verschwinden die Institutionen

(Schule, Behörden) und deren Wirkmächtigkeit

nicht, aber die Subjekte müssen die Bedeutung

ihres Handelns in unterschiedlichen Kontexten

und in Bezug auf die Maximen verschie-

dener Kontexte bedenken. Wie handeln wir in

Bezug auf unsere Freunde, was ist Musik, wie

agiert jemand gegenüber einer Lehrerin in der

Schule, außerhalb der Schule usw. Alles wird

zur Herausforderung und zu einem Feld des

Lernens. Der Computer, das Internet, agieren

im Chat, die Formulierung von SMS, Fotos die

ins Netz gestellt werden u.v.a.m. sind Kontexte,

in denen mal so und mal so gehandelt wird.

Wenn von Kompetenzerwerb im Engagement,

beim Nebenjob, bei der Produktion von Musik

oder im Sport die Rede ist, dann geht es genau

darum, dass Kompetenzen in ganz unterschiedlichen

Settings zu erwerben sind.

Was aber ist das Besondere, das Spezifische

am Lernen in der Freizeit?

Freiwillig motiviert

Das Prinzip der Freiwilligkeit stiftet eine spezifische

Motivationslage. Die notwendigen Lernprozesse

verdanken sich einer selbstbestimmten

Entscheidung zur Mitwirkung und deren

Art, Intensität und Dauer. Es geht um Autonomie

und Selbstbestimmung. Dies macht einen

wesentlichen Unterschied zu Lernprozessen in

formalen Settings aus, wie sie idealtypisch in

der Schule angesiedelt sind. Unsere Untersuchungen

zeigen, dass der größte Unterschied

zum verpflichtenden Lernen im Unterricht in

der Freiwilligkeit des Anlasses liegt. Selbstbestimmtes

Lernen ist in der Regel motiviertes

Lernen.

Gestaltungsspielräume nutzen

Lernen ist als diskursiver Prozess angelegt, innerhalb

dessen sich Jugendliche gegenseitig

motivieren und bestärken. Im Zuge der eigenen

Verselbständigung geht es Jugendlichen darum,

die eigene Selbstwirksamkeit zu erleben.


Notwendig spielen hier die größeren Frei- und

Gestaltungsspielräume eine besondere Rolle.

Jugendliche müssen eigene Lebensziele, Wertorientierungen

und Einstellungen entwickeln,

sie brauchen Orte und Gelegenheiten der

Selbsterprobung und Gestaltung. Freiwilliges

Engagement eröffnet solche Räume für Selbstdeutung

und Selbstverortung.

Kompetenzen anwenden

Dem Bedürfnis nach Aneignung kommt Engagement

auch insofern entgegen, da es als

„Learning by doing“ angelegt ist. Die vom

schulischen Lernen her vertraute Trennung von

Kompetenzerwerb und Kompetenzanwendung

ist hier aufgehoben, gelernt wird qua Tätigkeit

und für die Tätigkeit. Kompetenzerwerb ist

nicht einfach Selbstorganisation, sondern die

Ausdifferenzierung anwendbaren und angewandten

Wissens und Könnens. Grundlagen

dafür sind Tätigkeiten und Aufgabenbewältigung,

die die Anwendung von Kompetenzen

unterstellen und begünstigen.

Partizipation wird zum Beispiel in der Jugendarbeit

als konkretes Handlungsfeld erlebt und

bewältigt. Das Prinzip des informellen Lernens

wird dadurch ermöglicht und abgesichert,

dass im Bedarfsfall Unterstützung abgerufen

werden kann, sei es in der Form eines systematischen

Bildungsangebots oder auch nur als

ein Rat durch professionelle, hauptberuflich

im Verband tätige Personen. Dies ist wohl eine

Besonderheit des informellen Lernens in Verbänden.

Das Lern-Setting wird gerahmt, es

gibt Unterstützungen, Hilfestellungen, Erklärungen.

Einem „back office“ vergleichbar können

Jugendliche immer dann Unterstützung

abrufen, wenn sie selbst der Meinung sind,

diese zu brauchen, wenn sie Anerkennung und

Unterstützung von Erwachsenen suchen.

Was und wie lernt man auf Freizeiten?

In der Freizeitenarbeit findet vieles statt: Für

die TeilnehmerInnen Lernen innerhalb pädagogisch

gestalteter Settings und Lernen im Alltagshandeln

der gemeinsam verbrachten Zeit.

Gerade die Übernahme von Verantwortung,

ähnliches gilt für Pünktlichkeit, das Einhalten

von Zusagen, all das lässt sich schwerlich abstrakt

lernen.

Es muss auch in der Jugendarbeit nicht immer

das ständige Programm sein, um Lernprozesse

zu initiieren. Auch in nicht verzweckter, vielleicht

sogar scheinbar vertrödelter Freizeit

werden vielfältige Kompetenzen erworben,

ganz so wie beim Spiel beiläufig gelernt werden

kann. Auch dazu braucht es jedoch Rahmenbedingungen

wie gemeinsam festgelegte

Regeln, die gemeinschaftliche Gestaltung des

Alltags und authentische Personen als Gegenüber.

Nachdem früher Lernen nur an formalen Orten

wie der Schule gesehen wurde, ist es nun auch

nicht angezeigt, jegliche Freizeit durch ständiges

„Programm“ bewusst und gesteuert mit

einer Lernerfahrung verknüpfen zu wollen.

Vieles davon passiert scheinbar nebenher und

ungesteuert.

Die eigene Umwelt erleben, die eigene Umwelt

und die daran teilhabenden Personen wahrzunehmen,

allein dies ist wichtig und beeinflusst

künftiges Handeln nicht weniger ob vieles was

unter geordneten Verhältnissen angeeignet

wird. Schließlich geht es in der Freizeit darum

zu wissen wie die eigene Person wahrgenommen

wird, ob das Selbstbild stimmt usw. Es

geht also mehr um das Selbst der Person denn

um die Qualifikation (künftigen Personals).

We don‘t need no education – so ganz ohne

Schule geht es allerdings auch nicht! Der Vorzug

des formellen Lernens besteht gerade darin,

dass so etwas wie ein gemeinsamer Wissensvorrat

weitergegeben wird. Hierbei wird

schwerpunkt

Allgemeinheit vor Individualisierung gestellt.

Und nur der gemeinsam geteilte Wissensvorrat

trägt auch zur Chancengleichheit bei, sicher

aber förder ein gemeinsames Wissen die Kommunikationsfähigkeit.

Denn der „Mangel“ informellen

Lernens ist es dass eben immer das

gelernt wird was momentan interessiert und

zur momentanen Problemlösung beiträgt.

Claus J. Tully

info

[Prof. Dr. Claus Tully forscht am Deutschen

Jugendinstitut in München zu

Medien, Mobilität, Lernen, Engagement.

Aktuelles Projekt: „Jugend, Konsum und

Nachhaltigkeit“ sowie AID:A (Aufwachsen

in Deutschland, Alltagswelten).

Er lehrt an der Freien Universität Berlin

und an der Freien Universität Bozen.

Literatur

Prof. Dr. Claus J. Tully

Deutsches Jugendinstitut München

Tully, Claus J.; Krug, Wolfgang:

Engagement befördert Teilhabe und

setzt sie voraus. In: Betz, Tanja u.a.

(Hrsg.): Partizipation von Kindern und

Jugendlichen.Schwalbach 2010

Tully, Claus J.; Krug, Wolfgang:

Jugend und Konsum. Zwischen Kommerzialisierung

und Nachhaltigkeit. Schwalbach

2010

Wahler, Peter; Tully, Claus J.

Preiß, Christine:

Jugendliche in neuen Lernwelten –

Selbstorganisierte Bildung jenseits institutioneller

Qualifizierung; 2., erweiterte

Aufl. Wiesbaden 2008

[ 9 ]


[

[ 10 ]

Wolfgang Ilg

Ein mangelhafter Bus, fehlende

Infos oder schlecht vorbereitete

LeiterInnen - ein klares „No Go“

bei Gruppenfahrten. Doch ist die

Optimierung solcher Faktoren noch

keine Garantie für eine gelungene

Freizeit. Es muss mehr passieren als

die Einhaltung von Standards.

Wolfgang Ilg setzt sich mit der

Notwendigkeit von Standards und

Zertifikation auseinander.

Das Geheimnis

guter Freizeiten

Es sind Menschen und Beziehungen, Eindrükke

erlebter Natur und verbindender Gemeinschaft,

prägende Erlebnisse, Herausforderungen

für Leib und Seele, die einer Freizeit das

gewisse Etwas verleihen. Solche Erfahrungen

werden möglich, wenn in einem professionell

gestalteten Rahmen Menschen mit durchaus

„verrückten Ideen“ beteiligt sind.

Professionalisierung: Pro und Contra

Im Bereich Jugendreisen findet derzeit auf vielen

Ebenen eine Professionalisierungsdebatte

statt. Dazu gehört die Frage nach Qualitätsstandards

und der Zertifizierung von Anbietern

und Angeboten. Unstrittig haben Standardisierungsverfahren

in den letzten Jahren wichtige

Dienste geleistet, die Juleica (JugendleiterInnen-Card)

ist hierfür ein prominentes Beispiel.

Im Kielwasser solcher Erfolgsgeschichten

traten im Kinder- und Jugendreisebereich

verschiedene Qualitätssysteme auf den Plan,

deren Nützlichkeit sich erst noch erweisen

muss: Systeme wie das „Qualitätsmanagement

Kinder- und Jugendunterkünfte“, das

Qualitätssiegel „Sicher Gut!“ und ähnliche

werden bundesweit angepriesen. Da es ja keine

Zertifikat-Zertifizierungsstelle gibt, kann

bislang jeder sein eigenes Label basteln. Angesichts

der Fülle aufkommender Zertifikate

ist die Befürchtung insbesondere kleinerer Jugendverbände

vor einer unnötig komplizierten

Bürokratisierungswelle gut zu verstehen. Sie

argumentieren, dass der Charme von Jugendfreizeiten

gerade in den Bereichen liegt, die

nicht „nach Schema F“ ablaufen, sondern bei

[

denen engagierte Ehrenamtliche ihr gesamtes

kreatives Potential in die Waagschale

werfen – ein Vorgang, der sich kaum nach

Qualitäts-Checklisten messen lässt. Andererseits

atmen viele etablierte Veranstalter

auf, weil sie die Hoffnung haben, dass

„schwarze Schafe“ im Kinder- und Jugendreisebereich

durch die Einführung einheitlicher

Qualitätsstandards sich nicht länger am

Markt halten können. Die Argumentationslinie

hier bezieht sich meist auf mangelnde Sicherheitsstandards,

durch die junge Menschen

bei unprofessionellen Veranstaltern

unnötigen Gefahren ausgesetzt werden.

Unzufriedensteller und Motivatoren

Die hitzige Debatte kann und soll hier nicht

mit einem Patentrezept gelöst werden. Beide

Positionen sind gut nachvollziehbar. Vielleicht

hilft eine Analogie aus dem Bereich der

Arbeitspsychologie, um Chancen und Grenzen

der neuen Qualitätsverfahren einordnen

zu können: Der Psychologe Frederick Herzberg

stellte fest, dass die Unzufriedenheit

von Industriearbeitern sinkt, wenn schlechte

Rahmenbedingungen, z. B. eine mangelhafte

Beleuchtung, geändert werden. Die Optimierung

solcher Unzufriedensteller führte aber

noch nicht automatisch zu einer leidenschaftlichen

Arbeitshaltung. Engagement und Begeisterung

lassen sich auch durch vollständig

optimierte Arbeitsplätze nicht bewirken.

Hierzu braucht es sogenannte Motivatoren,

wie zum Beispiel das Gefühl, in der Arbeitsgruppe

anerkannt zu sein.


Das Geheimnis der Qualität

Auf die Professionalisierungsdebatte im Jugendreisen

übertragen, könnte das bedeuten:

Unzweifelhaft gibt es äußere Umstände, die

problematisch sind und für eine schlechte Jugendreise

sorgen. Katastrophale Zustände im

Sanitärbereich eines Zeltplatzes oder dilettantische

Sicherheitsvorkehrungen bei einer

Bergtour sind inakzeptabel. Solche Unzufriedensteller

müssen schon allein aus der Verantwortung

für die anvertrauten Kinder und Jugendlichen

abgestellt werden. Hier können

Professionalisierungs-Hilfsmittel wie Qualitätshandbücher,

Standards und Zertifikate eine

gute Unterstützung bieten, insbesondere

dann, wenn sie sich auf die notwendigen

Grundfaktoren beschränken und so beschaffen

sind, dass der „lästige Bürokram“ im Zusammenhang

der Zertifizierung von übergeordneten

Verbandszentralen für ein ganzes

Bündel von Maßnahmen effektiv erledigt werden

kann. Solche Zertifizierung könnte beispielsweise

garantieren, dass alle nötigen Sicherheitsvorkehrungen

getroffen werden,

dass für die ehrenamtlichen BetreuerInnen gute

Qualifizierungsmaßnahmen bereit stehen,

dass ein Krisenmanagement installiert oder die

Erreichbarkeit des Veranstalters während der gesamten

Maßnahme gewährleistet bleibt. Damit

sind die notwendigen Voraussetzungen geschaf-

fen, damit die Freizeit nicht in der Katastrophe

endet. Hinreichende Bedingungen für eine gelingende

gemeinsame Zeit hingegen, entziehen

sich solcher planerischen Verfügbarkeit. Hier

bleibt man angewiesen auf die oft so „herrlich

spinnerten“ PraktikerInnen der Jugendarbeit, die

als Charaktertypen das Leben auf einer Freizeit

prägen: Oftmals ganz unkonventionell, anstößig

und gerade dadurch prägend.

Vielleicht kann eine solche unaufgeregte Einordnung

der aktuellen Zertifikate dazu verhelfen,

Kinder- und Jugendreisen ein solides Fundament

zu verleihen, auf dem dann eine vielfarbige

Palette verschiedener Freizeitkonstruktionen

ein breites Spektrum kleiner und

großer Veranstalter ermöglicht.

Wolfgang Ilg

Evaluation im Do-it-yourself-Prinzip

schwerpunkt

info

Wolfgang Ilg[

Jahrgang 1973

Wohnhaft in Sindelfingen

Pfarrer und Diplom-Psychologe

Seit 2009 Landesschülerpfarrer

im Evangelischen Jugendwerk in

Württemberg.

Freiberuflich und als wissenschaftlicher

Mitarbeiter an der Universität

Tübingen in verschiedenen Evaluationsprojekten

tätig.

Eine Freizeit oder internationale Jugendbegegnung selbst

auswerten kann man mit dem Fragebogenverfahren der Freizeitenevaluation,

das von Wolfgang Ilg entwickelt wurde.

Infos unter www.freizeitenevaluation.de – die CD-Rom „Jugend

und Europa“ mit allen Materialien ist dort für vier Euro

erhältlich.

Buchtipp

Ilg, Wolfgang: Evaluation von Freizeiten und Jugendreisen

- Einführung und Ergebnisse zum bundesweiten Standard-

Verfahren; Hannover 2008

info

[ 11 ]

[


Daniel Grein vom Deutschen Bundesjugendring

begründet, warum Führungszeugnisse nicht weiter bringen.

Debatten im Themenfeld Kinderschutz

scheinen immer nach einem ähnlichen Motto

abzulaufen: Es ereignet sich ein tragischer

Fall – Die Medien stürzen sich darauf und

sorgen für landesweite Aufmerksamkeit –

selbsternannte Fachleute und PolitikerInnen

nehmen dies als „öffentlichen Druck“ wahr

und glauben Entschlossenheit zeigen zu

müssen und fordern daher Verschärfungen,

Verbote Kontrollen, Zertifizierungen und

vieles mehr. Die Verantwortlichen in den

Verwaltungen versuchen sich durch gut

überprüfbare Maßnahmen abzusichern.

[ 12 ]

Untaugliche

[[

Symbolpolitik

Daniel Grein

Im Sommer 2010 konnte man dies wieder einmal

im dem Fall erleben, bei dem es sexualisierte

Übergriffe zwischen Kinder bei einer Ferienmaßnahme

in Ameland gab.

Einigkeit besteht, dass solche Vorfälle vermieden

werden müssen. Einigkeit besteht ebenso

darin, dass Angebote für Kinder und Jugendliche

qualitativ gut und sicher sein sollen. Absurd

hingegen sind oft die Forderungen und

Ideen, mit denen dies erreicht werden soll.

Auch im Fall Ameland wurde reflexartig, wie

schon in anderen Debatten eine Vorlagepflicht

von Führungszeugnissen für BetreuerInnen gefordert.

Sicherheit wird suggeriert

Egal, ob in den tragischen Fällen von Übergriffen

in Ferienmaßnahmen der letzten Jahre BetreuerInnen

Täter waren oder nicht: Führungszeugnisse

lösen hier keine Probleme, sie suggerieren

lediglich Sicherheit.

Absolute Sicherheit wird durch keine Maßnahme

herstellbar sein. Anbieter, seien es kommerzielle

oder gemeinnützige, die behaupten,

dank ihrer Standards oder Überprüfunge könnten

sie hunderprozentige Sicherheit garantieren,

wollen nur mit der Unsicherheit von Eltern

Geld verdienen. Es kann nur darum gehen, ein

möglichst hohes Maß an Sicherheit und Qualität

sicherzustellen. Die Qualifizierung von verantwortlichen

Ehrenamtlichen ist dabei ein

wesentlicher Kernbaustein.

Präventive Strukturen

Gleichzeitig ist es wichtig, dass sich Organisationen,

Verbände und Vereine darüber klar

werden, dass auch bei ihnen, in ihren Maßnahmen,

Übergriffe oder andere Vorfälle passieren

können. Es gilt, aus dieser Sensibilität heraus

präventive Strukturen zu entwickeln, die eine

Kultur des Hinschauens und wo nötig ein beherztes

Eingreifen ermöglichen oder sicherstellen.

Verantwortliche Ehrenamtliche, die

dadurch besonders sensibilisiert sind und auch

über ein entsprechendes Handlungskonzept

verfügen, können Kindern und Jugendlichen

wirklich helfen und so Übergriffe verhindern

bzw. in Krisensituationen richtig reagieren.

Dies wäre die richtige Forderung als Reaktion

auf den Fall Ameland gewesen.

Checklisten-Mentalität

Die „Allzweckwaffe“ Führungszeugnisse für

Ehrenamtliche führt dagegen in eine Sackgasse.

Sie etabliert eine Checklistenmentalität im


Kinderschutz; nicht Aufmerksamkeit und hinschauen

wird damit befördert, sondern die formale

Kontrolle mit dem Gefühl, dass ja jetzt

nichts mehr passieren kann. Neben diesen

kontraproduktiven Effekten muss außerdem

schlicht und ergreifend festgehalten werden,

dass die Aussagekraft von Führungszeugnissen

gerade bei jungen Menschen, die in vielen

Maßnahmen die ehrenamtlichen BetreuerInnen

sind, sehr gering ist.

Keine Risikoeinschätzung

Ein Führungszeugnis gibt keine Risikioeinschätzung

ab, sondern gibt nur darüber Auskunft,

ob jemand bereits eine Straftat begangen

hat, diese nachgewiesen wurde und er/sie

dafür in einem Maße verurteilt wurde, dass diese

Verurteilung Eingang in das Bundeszentralregister

gefunden hat. Unter den wenigen bekanntgewordenen

Fällen, in denen BetreuerInnen

Übergriffe in Ferienmaßnahmen begangen

haben, gibt es keinen mir bekannten, in denen

ein Führungszeugnis einen präventiven Mehrwert

erbracht hätte. Es darf nie vergessen werden,

dass ein Führungszeugnis maximal vor

der zweiten Tat schützen helfen kann, es kann

niemals die erste Tat verhindern. Und sogar bei

Widerholungstätern sind die Führungszeugnisse

oft leer, da Strafverfahren eingestellt oder

noch gar nicht abgeschlossen sind.

Wie ein Genehmigungsverfahren

Für die selbstorganisierte Jugendarbeit der Jugendverbände

kommt noch ein Besonderheit

hinzu. In Jugendverbänden ist nicht immer ab-

solut eindeutig, wer Teilnehmer und wer BetreuerIn

ist. Ein Hineinwachsen in Verantwortung

auch für nicht formal als BetreuerIn Benannte

und die sukzessive Übernahme von

Aufgaben auch in Maßnahmen gehört zu Methodik

von Verbänden. Es gibt darüber hinaus

Fluktuationen bei BetreuerInnen, da sagt jemand

kurzfristig ab, jemand anders springt ein

etc.. Ein formales Genehmigungsverfahren,

und das wäre die Vorlagepflicht eines Führungszeugnisses,

macht eine selbstorganisierte

Jugendarbeit gerade im Bereich von Freizeiten

schwierig bis unmöglich.

Qualifizierung notwendig

Unbestritten ist, dass sich Verbände und Leitungen

von der Eignung der Menschen überzeugen

müssen, mit denen sie arbeiten. Unbestritten

ist die Notwendigkeit von qualifizierten

Verantwortlichen, z.B. durch die Juleica. Untaugliche

und potentiell kontraproduktive Symbolpolitik

wie eine verpflichtende Vorlage für

Führungszeugnisse helfen nicht Kindern und

Jugendlichen. Sie haben aber das Potenzial ehrenamtliche

getragene Jugendarbeit, die wichtig

ist für Kinder und Jugendliche, zu erschweren

oder zu verunmöglichen.

Daniel Grein

der standpunkt

info

Daniel Grein[

Jahrgang 1979

Medienpädagoge (M.A.)

Seit 2006 Geschäftsführer des

Deutschen Bundesjugendrings

[ 13 ]


Ihre Erfahrungen in der Freizeitenarbeit schildert im Gespräch

[ 14 ]

[

Anne-Kathrin Wolters vom BDKJ Göppingen-Geislingen.

Anne-Kathrin Wolters

Bei der Eröffnung im Juli 2010 im Landtag waren

sie dabei, im Freien Radio Stuttgart gaben

sie ein einstündiges Interview, Justizminister

Prof. Dr. Ulrich Goll hatten sie zu Besuch: Referentin

Anne-Kathrin Wolters und ihre ehrenamtlichen

TeamerInnen des BDKJ im Dekanat

Göppingen-Geislingen. Irene L. Bär hat sie zu

ihren Erfahrungen befragt.

Der Justizminister hat Euch besucht – wie war das?

Er kam mit seinen fünf Kindern und seiner Frau

zu uns, die wurden alle mit eingebunden. Wir

haben Spiele und Interviews im Zelt gemacht.

Unser Thema der Kinderwoche „Kinder macht

mit – Kinder mit Macht“ hat gut gepasst. Ein

„Kinder-Radioteam“ hat ihn interviewt.

Die TeilnehmerInnen fanden es schön, dass er

da war. Und seinen Kindern hat es so viel Spaß

gemacht, dass er Angst hatte sie könnten verloren

gehen.

Waren noch andere PolitikerInnen zu Besuch?

Wir machen schon länger bei der Aktion des

Kreisjugendrings „Wir schicken den Kreistag in

die Ferien“ mit. Da waren weitere zwei PolitikerInnen

zu Besuch. Seit es die Aktion gibt, kommt

jedes Jahr mindestens eineN PolitikerIn.

Was wissen die PolitikerInnen im Vorfeld über

Freizeiten?

Wir erleben es oft, dass sie überrascht sind.

„Hier gibt es ja wirklich kein Wasser! Und Ihr

knapper![

Es wird immer

kocht ja sogar selbst.“

Die sind schon ziemlich erstaunt, was die Jugendlichen

alles leisten.

Gibt es gesetzliche Regelungen, Vorschriften

oder ähnliches, die Euer Ehrenamt erschweren?

Schwierig wird es mit den Führungszeugnissen.

Falls die kommen sollten, müssten wir das

Zeltlager definitiv schließen.

Die Verordnungen zur Hygiene sind jedes Jahr

wieder Thema. Es ist schwierig Ehrenamtliche

zu finden, die bereit sind zur Schulung zu gehen,

weil das ein zusätzlicher Termin ist.

Und Zuschüsse!

Unsere Zeltlager sind sehr günstig, sie kosten

80 Euro pro Woche pro TeilnehmerIn, alles inklusive

mit Freibadbesuch und Essen.

Entsprechend haben wir auch TeilnehmerInnen

mit ihrer eigenen Problematik dabei: Sie kommen

zum Beispiel aus Kinderheimen oder

Hartz IV-Familien. Da brauchen wir natürlich

auch entsprechend geschulte Leute. Die ehrenamtlichen

LeiterInnen sind immer schwieriger

zu finden, die bereit sind das zu machen.

Sie bekommen keine Aufwandsentschädigung,

weil man sonst das Zeltlager nicht so günstig

anbieten könnte. Die LeiterInnen sagen selbst:

„Wir wollen das so, wir nehmen das in Kauf.“

Darum zahlen sie auch ihre Getränke selbst.

Wir rechnen die Maßnahmen über den Landesjugendplan

und den Kreisjugendplan ab, aber

das deckt wenn überhaupt gerade so die Kosten

ab.

Ihr habt zwei Angebote auf Dekanatsebene,

eines für Jugendliche und eines für Kinder –

wieviel TeamerInnen seid Ihr?

Insgesamt sind es 30 TeamerInnen, sie sind

überwiegend in einer katholischen Kirchengemeinde

engagierte Jugendliche und junge Erwachsene.

Das ist ein für die katholische Jugendarbeit

untypisches Publikum, das wir da

haben: Zimmermänner und -frauen, Forstwirtschaftler,

Erzieher – und viel weniger StudentInnen

als in anderen Bereichen unserer Arbeit.

Habt Ihr Schwierigkeiten TeamerInnen zu finden?

Es wird immer knapper. Dieses Jahr haben wir

lange gebraucht, bis das Team stand. Wir fangen

im Februar mit den Vorbereitungen an und

die TeamerInnen wissen nicht was im Sommer

ist. Meist ist erst drei bis vier Wochen vorher

klar, wer definitiv dabei ist. In der Vorbereitung

sitzt man dann manchmal mit 20 Leuten

und manchmal mit fünf Leuten da, das ist

schon schockierend.

Sie sagen häufig, sie haben keine Zeit mehr,

müssen lernen, sind unterwegs, usw.

Ist es schwierig TeilnehmerInnen zu finden?

Wie viele wir mitnehmen können hängt davon

ab, wieviele TeamerInnen wir sind. Die Kinderwoche

ist immer sehr gut besucht, die Jugendwoche

wird weniger. Dieses Jahr waren es 71

Kinder und 35 Jugendliche. Das Zeltlager ist

integrativ, das heißt wir können behinderte

Kinder im Schlüssel von 1:10 mitnehmen. In

der Kinderwoche waren es fünf behinderte

Kinder, in der Jugendwoche vier. Wir hatten in

der Jugendwoche zehn Anfragen und mussten

den anderen absagen. Es gibt kaum integrative

Angebote, bei denen behinderte Kinder mitgehen

können. Das macht den Eltern sehr zu

schaffen. Wir haben Briefe von den Eltern bekommen,

weil wir ihre Kinder nicht mitnehmen

konnten. Der Bedarf nimmt überhand.

Die TeamerInnen sind ehrenamtlich – sind

auch Hauptberufliche bei der Freizeit dabei?

Ich bin verantwortlich für die Freizeit, bin aber

nicht die ganze Zeit anwesend. Ich mache die

Organisation im Hintergrund, d.h. die Vorbereitung

der TeamerInnen, ich koordiniere alles

was benötigt wird, erledige den Papierkram.

Die Programmplanung machen die TeamerInnen.

Ich bin dann auf dem Zeltplatz und reflektiere

jeden Abend mit den TeamerInnen und

schaue ob alles in Ordnung ist. Hauptamt – Ehrenamt

ist für die TeamerInnen jedes Jahr ein

Thema. Sie brauchen das nicht, aber sie hätten

am liebsten, dass ich drei Wochen am

Stück da bin.


Wie bereitet Ihr die TeamerInnen auf ihre Aufgabe

vor?

Das komplette Team trifft sich jedes Jahr für

ein ganzes Wochenende zur Schulung. Rechtliche

Belehrungen, Aufsichtspflicht, Hygiene

sind immer Themen. Dieses Jahr hatten wir zu-

sätzlich einen Schwerpunkt zum Thema Kindeswohl.

Wir haben auch ein MitarbeiterInnnen-ABC, da

stehen die Regeln drin, die das Team selbst jedes

Jahr untereinander vereinbart – da geht es

auch um Themen wie der Umgang mit Alkohol

oder das Rauchen.

Was sind Herausforderungen, die die TeilnehmerInnen

mitbringen?

Aufmerksamkeitsdefizit – ganz viele haben da

ein starkes Problem. Aggressivität, sich nicht

in die Gruppe einfügen wollen.

Geld ist ein Thema. Wir sagen den Leuten, sie

sollen alte Klamotten mitnehmen. Dementsprechend

fällt das da nicht so auf. Die Eltern

schämen sich Zuschüsse für finanziell schlechter

Gestellte anzunehmen. Das merkt man den

Kindern dann auch an: Wenn sie bei der Anreise

von den Eltern gebracht werden, sind sie

sehr zurückhaltend. Ich weiß nicht, welche Erfahrungen

sie bisher in Gruppen gemacht haben.

Das gibt sich dann mit der Zeit, aber man

merkt es am Anfang deutlich.

Habt Ihr auch Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund

dabei?

Es sind immer ein paar, auch Moslems. Wir fragen

in der Anmeldung ab, wer vegetarisch isst.

Wir sind vom Gottesdienst abgekommen und

machen einen Impuls, der sich auf das Zeltlager

bezieht, damit sich niemand ausgeschlossen

fühlt.

Kommen die TeilnehmerInnen auch zu anderen

Angeboten des BDKJ?

Nein! Wir schicken ihnen zwar die Infos, treffen die

TeilnehmerInnen aber nur bei der Freizeit. Viele

kommen mehrere Jahre hintereinander, sind auch

bei den Nachtreffen da, da kommen alle. Aber sie

haben nichts mit verbandlicher Jugendarbeit zu

tun und kommen auch nicht zu anderen Freizeitangeboten.

interview

Woran liegt das?

Die Angebote sind zum Teil in einer anderen

Preisklasse, aber sie sind auch bei kostenlosen

Angeboten nicht da. Das sind auch nicht

ihre Themen. Dadurch, dass wir bei den Zeltlagern

eine andere Teamerstruktur haben, haben

wir auch eine andere Teilnehmerstruktur. Wenn

man es nach den Sinusmilieus anschaut, sprechen

wir mit den Zeltlagern genau die Milieus

an, die die katholische Kirche sonst nicht erreicht.

Anne-Kathrin Wolters

info

Anne-Kathrin Wolters[

Jahrgang 1983

Diplom Erziehungswissenschaftlerin

/ Diplompädagogin;

Leiterin des katholischen Jugendreferats/

Bund der Deutschen Katholischen

Jugend (BDKJ) Dekanatsstelle

Göppingen-Geislingen

Dekanatsjugendreferentin

[ 15 ]


[

Besuche der Kampagne [

Aktion Ferienspiele Friedrichshafen - Norbert Zeller/ SPD

ASB Jugend - Monika Chef/ FDP

AWO Fellbach - Christoph Palm/ CDU

AWO Giengen - Andreas Stoch/ SPD

AWO Heidenheim - Bernd Hitzler/ CDU + Andreas Stoch/ SPD

AWO Neckarsulm - Reinhold Gall/ SPD

AWO Rhein-Neckar - Georg Nelius/ SPD

AWO Württemberg - Wolfgang Stehmer/ SPD

BDKJ Ehingen-Ulm - Norbert Zeller/ SPD + Karl Traub/ CDU

BDKJ Ferienwerk Seemoos - Dr. Hans-Peter Wetzel/ FDP

BDKJ Göppingen-Geislingen - Ulrich Goll/ FDP

Bund Badischer Landjugend - Christoph Bayer/ SPD + Klaus Schüle/ CDU

DLRG Schefflenz - Peter Hauk/ CDU

DPSG auf Höri, Stamm Rainbow - Siegfried Lehmann/ Grüne

ejw Böblingen - Paul Nemeth/ CDU + Heiderose Berroth/ FDP

Ev. Waldheim Gaffenberg Heilbronn - Friedlinde Gurr-Hirsch/ CDU + Reinhold Gall/ SPD + Ingo

Rust/ SPD

Familienreferat Ehingen/ Jugendkulturcafé Boing + Kinderzirkus - Florian Wahl/ SPD (kein MdL) +

Paul Nemeth/ CDU

Johanniter-Jugend Baden-Württemberg - Reinhard Löffler/ CDU

Jugendferien- und Bildungswerk Karlsruhe - Katrin Schütz/ CDU + Johannes Stober/ SPD

Jugendhaus Plochingen - Sabine Fohler/ SPD

Jugendrotkreuz Bad Wurzach - Paul Locherer/ CDU

Jugendrotkreuz Mosbach - Georg Nelius/ SPD

Jugendtreff Sulzgries - Claus Schmiedel/ SPD

Kinderstadtranderholung STARA Sindelfingen - Bernd Murschel/ Grüne

KjG Hl. Dreifaltigkeit Freiburg - Edith Sitzmann/ Grüne

KjG Mühlheim-Badenweiler - Bernhard Schätzle/ CDU

KjG St. Peter & Paul Freiburg - Reinhold Pix/ Grüne

Kreisjugendpflege Albstadt - Hans-Martin Haller/ SPD

Kulturfenster Heidelberg - Theresia Bauer/ Grüne

Rainbow City Adelberg - Dietrich Birk/ CDU

Schwäbische Albvereinsjugend - Stefan Mappus, Günther-Martin Pauli, Karl-Wilhelm Röhm/ CDU

+ Hagen Kluck, Ulrich Noll/ FDP + Gisela Splett/ Grüne

Seelsorgeeinheit Meersburg-Seefelden - Ulrich Müller/ CDU

SJR Geislingen - Brigitte Lösch/ Grüne

SJR Herrenberg - Sabine Kurtz/ CDU + Thomas Brenner/ SPD + Heiderose Berroth/ FDP

SJR Pforzheim - Thomas Knapp/ SPD

Spatzennest Tübingen - Ilka Neuenhaus/ Grüne

Sportkreis Heilbronn - Bernd Lasotta/ CDU + Reinhold Gall/ SPD

Stadtjugendpflege Oberndorf (in Kooperation mit KjG, Nabu & AWO) - Siegfried Lehmann/ Grüne

Stadtranderholung Haigern - Friedlinde Gurr-Hirsch/ CDU

Waldheimrundfahrt des Jugendamts Stuttgart - Andrea Krueger/ CDU

[ 16 ]

Kampagne „Sommerfeeling oder Lagerkoller“ –

PolitikerInnen im Praxistest

info

Diese Gruppen hatten Lust an der Kampagne

teilzunehmen, es kam jedoch leider kein Termin

zustande:

AK Freizeiten (Kooperation von BDP und BUNDjugend)

Bund der Landjugend Württemberg-Hohenzollern

BUNDjugend Baden-Württemberg

CVJM Blaustein

Diakonisches Werk Rastatt

DPSG Pforzheim

ejr Reutlingen

ejw Freiburg

ejw Blaubeuren

Ev. Kinder- und Jugendwerk Mannheim (in Kooperation

mit den Adlern Mannheim)

Ev. Schülerinnen- und Schülerarbeit Baden

fib Biberach

Jugendwerk der AWO Württemberg

Kath. Kirchengemeinde St. Martin Sinzheim

Kath. Kirchengemeinde St. Nikolaus Markdorf

Kath. Kirchengemeinde St. Nikolaus Schluchsee

KjG Frickingen

KjG St. Thomas Morus Karlsruhe

KjG Linkenheim-Hochstetten-Dettenheim

KjG Stegen

KjG St. Martin Tauberbischofsheim

Kolpingjugend Stockach

KSJ Tettnang

KSJ Wangen

NAJU Baden Württemberg

Schreberjugend Südwest

Trachtenjugend des BSG

YOUZ Nagold

[


[

[ 17 ]


[ 18 ]

Das können

wir besser

[[

Erik Flügge

Das Modellprojekt „Vom schwierigen

Umgang mit herausfordernden Kindern und

Jugendlichen” bildet MultiplikatorInnen in

der baden-württembergischen Jugendarbeit

fort. Ehrenamtliche werden dabei

unterstützt, einen positiven Umgang mit

Herausforderungen zu entwickeln, die in

der Arbeit mit Jugendlichen immer wieder

aufkommen.

Wie ehrenamtliche JugendleiterInnen gestärkt werden,

weiß Erik Flügge.

Immer wieder sind Ehrenamtliche in der Jugendarbeit

mit Kindern und Jugendlichen konfrontiert,

deren Verhalten zur Herausforderung

oder Überforderung wird. Sie treffen zum Beispiel

auf Probleme wie Aggression, Alkohol

oder Drogen, extreme Ideologien, kulturelle

Hürden oder Ausgrenzung.

Trotz dieser oftmals überfordernden Themen

arbeiten ehrenamtliche JugendleiterInnen gerne

in der verbandlichen Jugendarbeit mit Kindern

und Jugendlichen, fahren auf Ferienfreizeiten

und gestalten Gruppenstunden. Die Tätigkeit

macht ihnen Spaß, sie wollen einen

Beitrag für die Gesellschaft leisten und sie profitieren

zudem persönlich von ihrem Engagement.

Dennoch dürfen die Herausforderungen für die

Ehrenamtlichen nicht vernachlässigt werden.

Wer Kinder und Jugendliche betreut, soll nicht

allein gelassen werden, sondern hierfür die

bestmögliche Unterstützung erhalten.

Schulungen im Modellprojekt

Der Landesjugendring Baden-Württemberg hat

in Kooperation mit den Jugendverbänden, Jugendringen

und kommunalen Jugendreferaten

das Modellprojekt „Vom schwierigen Umgang

mit herausfordernden Kindern und Jugendlichen“

erarbeitet. Darin schult er landesweit

ehrenamtliche JugendleiterInnen, wie sie auf

Herausforderungen in der Arbeit mit Kinder

und Jugendlichen reagieren können.

Das Themenspektrum reicht weit: Von klassischen

Themen wie dem Umgang mit ADS,ADHS

oder Autoaggression bis hin zu neuen Strategi-

en, wie MigrantInnen vor Ort in die Strukturen

der Jugendarbeit involviert werden können. So

kann das Projekt sowohl die drängende Fragen

des alltäglichen Arbeitens mit Kindern und Jugendlichen,

als auch einige Herausforderungen

für die Jugendarbeit der Zukunft abdecken.

JugendleiterInnen stärken

Hierbei steht stets der Grundgedanke des Projektes

im Vordergrund: Ehrenamtliche JugendleiterInnen

sollen im Umgang mit herausfordernden

Kindern und Jugendlichen gestärkt

werden und die bestmögliche Unterstützung

erhalten, aber auch die eigenen Grenzen erkennen

und zum richtigen Zeitpunkt nach Hilfe

rufen. Denn nicht jede Herausforderung kann

und muss von Ehrenamtlichen gemeistert werden.

Das Projekt sensibilisiert dafür, dass

manche Herausforderung zu groß ist und es

keine Schande ist, die eigenen VerbandsreferentInnen,

die Eltern, Polizei oder das Jugendamt

um Hilfe zu bitten.

Das Modellprojekt fördert das lösungsorientierte

Arbeiten mit scheinbar schwierigen Kindern

und Jugendlichen und stellt deren spezifischen

Stärken in den Vordergrund, anstatt sich

ausschließlich auf Problemlagen zu konzentrieren.

Der konstruktive Umgang mit Herausforderungen

ist ein Kernanliegen der Schulungen und

wird von den MultiplikatorInnen auch gerade

deshalb als sehr positiv bewertet.


Das Thema trifft den Zeitgeist

Hierbei entstand im Verlauf des ganzen Jahres

immer wieder überraschendes. Seniorengruppen,

die in der Schule Hausaufgabenbetreuung

anbieten, meldeten sich und baten um

Unterstützung – dort wo Veranstaltungen

durchgeführt wurden riefen in den folgenden

Wochen immer wieder TeilnehmerInnen an und

baten um einen zweiten Anschlussteil der Qualifizierung

mit einem ergänzenden Fokus und

manch eine Veranstaltung war plötzlich überlaufen.

Das Thema der Herausforderungen

trifft den Zeitgeist und nimmt die alltäglichen

Sorgen in der Jugendarbeit ernst.

Ein Projekt, das aus der direkten Lebenswelt

der Ehrenamtlichen entstanden ist und nicht

versucht Themen an JugendleiterInnen heranzutragen,

mit denen sich diese noch nicht auseinander

gesetzt haben und damit eine gute

Ergänzung der Bildungsprogramme, die neue

Themen entwickeln und aufbereiten.

Publikationen bündeln Erfahrungen

Um über den Projektzeitraum hinaus auch Wirkung

zu entfalten, entstehen im Rahmen des

Projektes zwei Publikationen, die die im Projektverlauf

entstandenen Konzepte für die Bildungsarbeit

der verbandlichen Jugendarbeit

aufbereiten. Zum einen ein klassischer Bildungsbaustein,

der in die Schulungsprogramme

für die Juleica von den verschiedenen Anbietern

eingebunden werden kann und direkt

in der Ausbildung der Ehrenamtlichen Anwendung

finden wird.

Zum anderen ein interaktives Spiel für Schulungen

von Freizeitleiterinnen: „Quests!“ simuliert

dabei eine zehntägige Freizeit, bei der

so allerlei Herausforderungen auftauchen, die

kreativ gemeistert werden müssen. Anstelle

von Vorträgen oder Wissenstransfer will das

Spiel das vorhandene Wissen und die Fähigkeiten

der Ehrenamtlichen aktivieren. Sie sollen

konfrontiert werden mit Herausforderungen

und dann erkennen, dass sie diese meistern

können. Dabei wird selbstverständlich

auch viel gelernt, aber eben auch trainiert sich

Lösungen für Herausforderungen auszudenken

und diese einfach auszuprobieren. Ob die

Lösung dann funktioniert hat – oder nicht –

das entscheidet wie so oft im Spiel das Würfelglück.

All diese Materialien sind ab sofort beim

Landesjugendring erhältlich.

Erik Flügge

Projektmitarbeiter des

Landesjugendrings

ljr-intern

Landesjugendring Baden-Württemberg

(Hrsg.):

„Quests! Die Suche nach dem Umgang

mit Herausforderungen – Das Spiel für

FreizeitleiterInnenschulungen“

Stuttgart 2010; 36 Seiten

Landesjugendring Baden-Württemberg

(Hrsg.):

Das können wir besser! Methodische

Bausteine für die JugendleiterInnen- und

FreizeitleiterInnen-Ausbildung zum Umgang

mit herausfordernden Kindern und

Jugendlichen“

Stuttgart 2010; 32 Seiten

Die Broschüren sind kostenlos, bei größeren

Mengen müssen die Versandkosten

übernommen werden.

Bestellung bei:

Landesjugendring Baden-Württemberg

Siemensstr.11

Telefon: 0711/16447-0

Fax:0711/16447-77

E-mail:info@ljrbw.de

oder online unter www.ljrbw.de

Internetseite „Ferienspaß und Freizeiten

– Tipps für JugendleiterInnen“

www.ljrbw.de/freizeiten

[info

[ 19 ]


[

[ 20 ]

Einen neuen

Landtag wählen!

Nico Alt

Am 27.03.2011 stellen die BürgerInnen Baden-

Württembergs die Weichen für die Zukunft ihres

Landes und wählen einen neuen Landtag.

Kinder und Jugendliche sind davon besonders

betroffen. Damit junge Menschen vor den

Landtagswahlen sich informieren können und

zu Wort kommen, stellt der Landesjugendring

einiges auf die Beine.

Zukunftskonferenzen in den Regionen

Auf zehn regionalen Zukunftskonferenzen sollen

Jugendliche die Möglichkeit haben, die für

sie interessanten und wichtigen Themen zu finden,

ihre Wünsche und Forderungen zu äußern

und sie mit Gleichaltrigen und den LandtagskandidatInnen

ihrer Wahlkreise zu diskutieren.

Die Fragestellungen dabei sind:

t In welcher Gesellschaft wollen wir leben?

t Jung und glücklich, dort wo du lebst?

t Engagiert für mich oder andere?

t Macht Schule von heute fit für morgen?

t Braucht Politik Beteiligung?

t Wo komme ich hin, wenn ich weg will?

Und wie?

t Mein Freund ist Ausländer… oder nicht?

t Vor oder nach mir die Sintflut?

Träger der Zukunftskonferenzen ist der Landesjugendring

gemeinsam mit Ringen und Verbänden

quer durch Baden-Württemberg.

Die Botschaften der Zukunftskonferenzen werden

in einem gemeinsamen Buch veröffentlicht

und im Landtag den neu gewählten Landtagsabgeordneten

von Jugendlichen übergeben.

U18-Wahlen für Kinder und Jugendliche

Kinder und Jugendliche von 0 bis 17 Jahre haben

bei der "Jugendwahl U18" die Möglichkeit,

einige Tage vor der Landtagswahl in Baden-

Württemberg zu wählen.

Bis zum 18.03.2011 sind die Wahllokale in Jugendhäusern

und -treffs, in Schulen und bei

den Verbänden geöffnet. Kinder und Jugendliche

bekommen im Wahllokal einen Stimmzettel

für ihren Wahlkreis, suchen eine Wahlkabine

auf, kreuzen ihren Stimmzettel an und werfen

ihn in die Wahlurnen. Die Wahllokale

schließen um 18 Uhr.

Die Auszählung der Stimmzettel erfolgt öffentlich

und durch die jungen Menschen selbst. Im

[

Internet gibt es ab 18 Uhr die ersten Hochrechnungen,

und gegen 22 Uhr wird dann bekanntgegeben,

wie der Landtag aussähe, wenn er

von Kindern und Jugendlichen gewählt würde.

Auf verschiedenen Wahlveranstaltungen werden

die Ergebnisse mit jungen Menschen und

VertreterInnen der Politik und der Presse diskutiert.

U18 in Baden-Württemberg ist ein Angebot

der Arbeitsgemeinschaft Jugendfreizeitstätten

und des Landesjugendrings.

www.jugendwahl-bw.de

Die ersten Wahllokale für U18 stehen inzwischen

schon fest, und auch für die Zukunftskonferenzen

gibt es schon erste Veranstalter.

Sehr aktiv ist zum Beispiel Freiburg: eine aktive

Gruppe rund um den Schülerrat hatte hier

schon 2010 zur OB-Wahl eine U18-Jugendwahl

veranstaltet. Bei der U18-Jugendwahl 2011

wird Freiburg regionale Anlauf- und Kontaktstelle

sein, und auch eine Zukunftskonferenz

ist dort schon in Planung.


Jugendpolitische Wahlprüfsteine

Wie denken sie, könnten die Beteiligungsmöglichkeiten

von Jugendlichen erhöht werden?

Wie wollen sie die Bildungschancen von jungen

MigrantInnen verbessern? Wie würde eine

nachhaltige Jugendpolitik aussehen, wenn sie

in der Landesregierung wären? Die Wahlprüfsteine

der Arbeitsgemeinschaft Jugendfreizeitstätten

und des Landesjugendrings fühlen den

Parteien auf den Zahn, die zur Landtagswahl

kandidieren. Die Ergebnisse gibt es als gedruckte

Entscheidungshilfe rechtzeitig vor der

Wahl.

Wähl-Bar – Zutritt ab 0 Jahren

Die streitfreudigste Zukunftskonferenz, das

100. Wahllokal für U18, die provokanteste Antwort

auf die Wahlprüfsteine – alle Infos in der

heißen Phase von Januar bis März 2010 gibt es

auf dem Wahlblog des Landesjugendrings.

Dort können auch die Verbände und Ringe ihre

Aktivitäten rund um die Landtagswahl kund

tun.

www.waehl-bar.de

Nico Alt

Praktikant des Landesjugendrings

[Gesichter des LJR

Volker

Schweizer

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ljr-intern

Jahrgang: 1973

Wohnort: Stuttgart

Beruf: Leiter „Medieninhalte Planen &

Bauen“ beim Fraunhofer IRB

Ausbildung: Diplomingenieur

Funktion beim LJR: Fachvorstand der

Kommission Ehrenamt

Verband: Bund der Deutschen Katholischen

Jugend (BDKJ)

Volker, Du bist eifriger Facebook-Schreiber - was magst Du an Facebook?

Durch Facebook bleibe ich mit vielen Freunden in Kontakt. Besonders interessant

sind für mich die Facebook-Gruppen. Durch sie werde ich schnell über

Aktivitäten und Neuigkeiten informiert. Durch meine eigenen Kommentare

kann ich mich direkt an Diskussionen beteiligen.

Gewinnt man im Web 2.0 Ehrenamtliche?

Bei Preisausschreiben mach ich prinzipiell nicht mit! Im Ernst: Ich denke

schon. Für die so genannte „digital natives“ ist das Web 2.0 heute das wichtigste

Medium. Wenn wir sie nicht auf diesem Weg ansprechen, wird es schwer

sein, sie dauerhaft für ein ehrenamtliches Engagement zu begeistern.

Was ist für Dich das Schöne an Deinem Vorstandsamt?

Zunächst finde ich schön, dass ich mein Vorstandsamt ehrenamtlich ausüben

kann. Ich erfahre hierfür von vielen Menschen eine hohe Wertschätzung.

In meinem Amt kann ich meine „praktische Erfahrung“ aus über 20 Jahren

ehrenamtlicher Jugendarbeit dazu einsetzten, dass Rahmenbedingen für die

Jugendarbeit für die Zukunft gesichert werden.

Über was kannst Du Dich herzlich aufregen?

Über Menschen, die aus Bequemlichkeit nicht wählen gehen – Gremien, die

Dinge zum fünften Mal diskutieren – und vor allem: Mandarinen mit Kernen!

Was fällt Dir zum 27. März 2011 ein?

Natürlich die Landtagswahl in Baden-Württemberg! Ich hoffe, dass viele junge

Menschen, trotz der Parteienverdrossenheit, wählen gehen und sich die Chance

nicht nehmen lassen, die politische Landschaft in Baden-Württemberg mitzugestalten.

Außerdem wünsche ich mir eine echte Landtagswahl, bei der die wichtigen

Zukunftsthemen wie Bildung, Integration oder Energiepolitik im Vordergrund

stehen. Ich finde es nicht gut, wenn - wie es Bundeskanzlerin vorschlägt - die

Landtagswahl auf eine Ersatz-Volksabstimmung reduziert wird

[ 21 ]


ezension

Hilfreiche Informationen für die Freizeitenarbeit

hat Alexander Krickl gefunden[

[ Mit einem Bein

[ 22 ]

im Gefängnis?

Alexander Krickl

Der Sommer ist vorüber, die Zelte sind wieder

verpackt und trotzdem ist es nie zu früh, sich

gedanklich schon mal auf die nächste Freizeit

im kommenden Sommer vorzubereiten - zum

Beispiel mit den Arbeitshilfen der Jugendverbände.

Gerade die kalte Jahreszeit eignet sich

um mit einer Tasse Tee in Opas Ohrensessel zu

schmökern.

Mit der „Recht so“-Broschüre gibt der Stadtjugendring

(SJR) Mainz seinen JugendleiterInnen

einen Leitfaden zum Thema Recht mit auf dem

Weg. Auf über 100 Seiten spannt die Autorin

einen weiten Bogen von den Grundlagen über

die zentralen Themen Aufsichtspflicht, Jugendschutz

und Sexualität bis hin zum Reisevertragsrecht,

mit dem auch ehrenamtliche FreizeitleiterInnen

vertraut sein sollten. Dabei erspart

sie der/dem LeserIn unnötiges Fachlatein

und macht deutlich, dass JugendleiterInnen

eben nicht „immer mit einem Bein im Gefängnis

stehen“. Dadurch ist das Heft für Interessierte

ab 14 Jahren geeignet und bietet einen

umfassenden Überblick über alles, was man

wissen sollte. Vorbildlich ist das große Stichwortverzeichnis:

Es bietet knappe, konkrete

Antworten auf quasi alles, vom Lagerfeuer bis

zum Reisevertrag.

Zum Thema Hygiene hat der Bund der Deutschen

Katholischen Jugend (BDKJ) Oldenburg

eine Arbeitshilfe herausgegeben, die viele TeamerInnen

spontan schlucken lässt. Was der

beruflich in der Hygiene tätige Autor alles beim

Kochen, Putzen und der Wahl des Zeltplatzes

zu bedenken gibt, bedeutet zunächst einmal

viel Arbeit – die sich aber leider nicht verhindern

lässt. Sehr hilfreich ist dabei nicht nur,

dass die Kapitel übersichtlich und verständlich

gemacht sind, sondern auch, dass Hintergründe

erklärt werden. Das verringert zwar nicht

die Arbeit, erhöht aber wenigstens die Motivation

dabei. Für besonders Motivationsbedürftige

(oder einfach Interessierte) bietet das letzte

Kapitel vertiefende Informationen zu Keimen,

Krankheiten und Infektionswegen.

Das umfassendste Werk unseres gesichteten

Broschüren-Trios hat der Bund Deutscher Pfadfinder

(BDP) erstellt. Die Pfadis haben ihre gesamte

Freizeiten-Erfahrung der vergangenen

14 Jahre zusammengetragen, um sie ihren TeamerInnen

weiterzugeben. Die dabei entstandene

Sammlung lässt fast kein Thema aus: Von

der Freizeitplanung über Grundlagen von Gruppendynamik,

Führungsstilen, Kommunikation,

Teamarbeit, Rechtlichem und Hygiene bis zur

Ersten Hilfe und Spielideen ist quasi alles dabei.

Aber nicht für alle: Da sich viele Tipps auf

Besonderheiten des BDP beziehen, ist der Leitfaden

für Außenstehende nur bedingt zu empfehlen.

BDPlerInnen werden dagegen mit fast

allem versorgt, was sie für eine gelungene Freizeit

brauchen.

Obwohl man ihnen anmerkt, dass sie primär

für den eigenen Verband geschrieben wurden,

bieten alle drei Arbeitshilfen allen Interessierten

wertvolle Informationen zum jeweiligen

Thema. Daher empfiehlt es sich, mal beim eigenen

Verband nachzufragen, was es an Publikationen

gibt und im Zweifelsfall bei anderen

Verbänden zu „wildern“. Eine Tasse Tee in

Opas Ohrensessel ist es in jedem Fall wert.

Alexander Krickl

Projektmitarbeiter des Landesjugendrings

SJR Mainz (Hrsg.):

„Recht so. Ein Leitfaden für rechtliche

Fragen in der Kinder- und Jugendarbeit.“

3., überarbeitete Auflage 2008

111 Seiten, 5,00 Euro Schutzgebühr

Bezug: www.sjr-mainz.de

BDKJ Oldenburg (Hrsg.):

„Von Zeltplätzen, Frikadellen und unliebsamen

Gästen. Arbeitshilfe für Verantwortliche

von Freizeitmaßnahmen und

Küchenteams zum Thema Hygiene.“

2. Auflage 2008

107 Seiten, 2,50 Euro Schutzgebühr

Bezug: www.bdkj-olvoldenburg.net

BDP Bundesverband (Hrsg.):

„Der Freizeitenleitfaden gegen Bodennebel

& Orientierungslosigkeit.“

12., erweiterte und aktualisierte

Auflage 2009, 226 Seiten, 12,00 Euro

Bezug: www.bawue.bdp-ev.de

[info


Jung und glücklich an deinem Wohnort?

Online Voting im Jugendnetz Baden-Württemberg

Jugendliche in Baden-Württemberg können den Verantwortlichen

der Politik sagen, wie zufrieden sie

mit dem Leben in ihrer Gemeinde sind.

Auf der Online-Plattform www.deinestimme.jugendnetz.de

können sich Jugendliche von 14 bis 18 Jahren

einfach und problemlos in die Kommunalpolitik einbringen,

ihre Meinung sagen und konkrete Anliegen

formulieren. Kommunalpolitik, Infrastruktur, Bildungs-

und Freizeitangebote werden von den Jugendlichen

mit Schulnoten bewertet.

Daraus ergibt sich für jede Gemeinde ein sehr konkretes

Bild. Städte und Gemeinden erfahren, was

junge Menschen bewegt, was ihre Anliegen sind und

wo der Schuh drückt. Die Ergebnisse können Grundlage

für einen Dialog zwischen Jugend und Politik

sein.

Das landesweite Online-Modul ist eine Form der Jugendbeteiligung.

Die Ergebnisse können Basis für einen

umfassenden Jugendbeteiligungsprozess sein.

Getragen wird das Projekt vom landesweiten „Aktionsbündnis Kommunalwahl“:

t Dachverband der Jugendgemeinderäte Baden-Württemberg

t Gemeindetag Baden-Württemberg

t Jugendnetz Baden Württemberg

t Jugendpresse Baden-Württemberg

t Landesjugendring Baden-Württemberg

t Landesarbeitsgemeinschaft Offene Jugendbildung Baden-Württemberg

t Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg

t Landkreistag Baden-Württemberg

t Städtetag Baden-Württemberg

Mit Unterstützung der Jugendstiftung Baden-Württemberg und des Ministeriums für

Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg

Der Landesjugendring Baden-Württemberg ist die landesweite Koordinierungsstelle.

Weitere Informationen bei Udo Wenzl,

Tel. 0711/16447-31,wenzl@ljrbw.de

www.deinestimme.jugendnetz.de

www.gelingende-beteiligung.de


Vom schwierigen Umgang mit

herausfordernden Kindern und

Jugendlichen

Landesjugendring Baden-Württemberg (Hrsg.):

Das können wir besser! Methodische Bausteine für

die JugendleiterInnen- und FreizeitleiterInnen-Ausbiludng

zum Umgang mit herausfordernden Kindern

und Jugendlichen“

Stuttgart 2010; 32 Seiten

Die Broschüren sind kostenlos, bei

größeren Mengen müssen die Versandkosten

übernommen werden.

Bestellung bei:

Landesjugendring Baden-Württemberg

e.V.

Im Haus der Jugendarbeit Stuttgart

Siemensstr.11

Telefon: 0711/16447-0

Fax:0711/16447-77

E-mail:info@ljrbw.de

Oder online unter www.ljrbw.de

„Vom schwierigen Umgang mit herausfordernden

Kindern und Jugendlichen“

ist ein landesweites Projekt

des Landesjugendrings Baden-

Württemberg, gefördert vom Ministerium

für Arbeit und Sozialordnung,

Familien und Senioren

und von „KommLern!“.

Landesjugendring Baden-Württemberg (Hrsg.):

„Quests! Die Suche nach dem Umgang mit Herausforderungen –

Das Spiel für FreizeitleiterInnenschulungen“

Stuttgart 2010; 36 Seiten

Internetseite „Ferienspaß und Freizeiten – Tipps für JugendleiterInnen“

www.ljrbw.de/freizeiten

„KommLern!“ ist ein Projekt der

Jugendstiftung Baden-Württemberg

Gefördert vom Land

Baden-Württemberg und dem

Europäischen Sozialfonds

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