Ausgabe 4 / 2005 - Onkologische Schwerpunktpraxis Darmstadt

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Ausgabe 4 / 2005 - Onkologische Schwerpunktpraxis Darmstadt

Praxis JournalNachsorge7Anspannung und Ängste gehören fürKrebspatienten nahezu zwangsläufigzum Alltag; schließlich steckt man einelebensbedrohliche Erkrankung nicht maleben so weg. Wenn wir im Folgendenüber Entspannungstechniken berichten,so wollen wir Sie nicht animieren, mehroder minder populären Wellness-Trendshinterherzulaufen. Vielmehr liegt unsdaran, Ihnen zu zeigen, wie Sie selbstaktiv etwas für Ihre Entspannung tunkönnen.Studien haben eindeutig gezeigt, dass sichmit konsequent durchgeführten Entspannungsübungenein messbares Mehr anLebensqualität erreichen lässt. Richtig angewendetmachen sie die Nebenwirkungeneiner Chemotherapie leichter erträglich.Kein Entspannungsverfahren kanneine adäquate medikamentöse Schmerztherapieersetzen. Patienten, die Entspannungregelmäßig „trainieren“, tun aberneben der Medikamenteneinnahme aktivetwas gegen ihre Schmerzen.Aktives Training ist nötigEs ist für den Einstieg relativ gleichgültig,ob Sie sich für Atemschulung, ProgressiveMuskelentspannung oder AutogenesTraining entscheiden; wichtig ist allerdingseines: Entspannungsübungen können nurdann wirken, wenn sie unter fachkundigerAnleitung erlernt und danach täglich zehnbis 20 Minuten lang konsequent durchgeführtwerden.Atemschulung: Wer angespannt ist,atmet flach. Wird die Atmung tiefer, gehtauch die Spannung zurück. In Atemkursenübt man deshalb, die Aufmerksamkeitauf die „Atmung in den Bauch“ und aufdas Ausatmen zu richten. Beim Räkelnund sich Dehnen reguliert sich der Atemflussunbewusst von selbst. Massagen könnenden Atemgang lenken, Stimmübungenund bestimmte Formen von Tanz könnenihn vertiefen. Nach ähnlichen Prinzipienarbeiten fernöstliche Methoden wiedas Qigong oder Thai-Chi.Progressive Muskelentspannungnach Jacobson: Diese Methodewird Krebspatienten besonders häufigempfohlen. Im Liegen werden nacheinanderverschiedene Muskelpartien von Kopfbis Fuß für jeweils 15 Sekunden angespanntund während des Ausatmens wiederlosgelassen. Durch diesen regelmäßigenWechsel entsteht eine tiefe körperlicheEntspannung, die häufig als Wärme undSchwere erlebt wird. Idealerweise wirkendiese körperlichen Signale dann auch mental,sodass der Übende einen gelösten Ruhezustanderreicht.Autogenes Training: Diese Technikgeht den umgekehrten Weg, alsonicht vom Körper zum Bewusstsein, sondernvon der Vorstellung zur Körperwahrnehmung:In festgelegter Abfolge suggeriertman sich wiederholt den Zustand vonSchwere und Wärme in allen Gliedmaßenund Körperregionen – in den Zehen, einemFuß, einem Unterschenkel, einem Arm undso weiter. Ziel ist, diese Empfindungen tatsächlichkörperlich herzustellen, damit die„angesprochenen“ Muskeln sich so entspannenkönnen. Autogenes Training eignetsich besonders bei Schlaflosigkeit.Bochumer Gesundheitstraining:Dieses von zwei Bochumer Psychologenin den 1980er Jahren entwickelteTraining nutzt die Tatsache, dass Gedankenund Vorstellungen körperliche Reaktionenzur Folge haben und umgekehrtkörperliche Veränderungen das seelischeBefinden beeinflussen können.Das Programm geht zurück auf eine Methode,die der US-Amerikaner O. C. Simontonbereits Anfang der 1970er Jahre beiPatienten mit fortgeschrittenen Krebserkrankungenangewandt hatte. Mit so genanntenVisualisierungen – beispielsweiseder Vorstellung, dass angriffslustige weißeBlutkörperchen in großer Zahl Krebszellenbekämpfen und besiegen – wollte Simontondie Selbstheilungskräfte der Patientenmobilisieren. Weitere Elemente des Programmswaren körperliche Aktivität undEntspannungstechnikenEntspannungsübungen sowie die Suchenach neuen Lebenszielen.Das Bochumer Gesundheitstraining wirdvielerorts als einwöchiger Kompaktkursoder an zehn Abenden angeboten. Visualisierungenund Entspannungstechnikensind die Kernelemente des Trainings. Nichtimmer richtet sich das Programm ausschließlichan Krebspatienten, sondern auchallgemein an „Gesundheitsinteressierte“.Die drei Säulen derGesundheitEntspannung gilt neben Ernährung undBewegung sowohl in der so genanntenSchulmedizin als auch in vielen traditionellenMedizinsystemen als eine der dreiSäulen der Gesundheit. Gerade wenn dieakute Phase der Tumorbehandlung vorbeiist, versuchen sich viele Patienten diesbezüglichneu zu orientieren. Wir unterstützensolche Aktivitäten nach Kräften. FragenSie uns, wenn Sie dazu weitere Informationenwünschen.

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