Layout 1 (Page 2) - Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke (DGM)

dgm.org

Layout 1 (Page 2) - Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke (DGM)

Jahrbuch der

Deutschen Gesellschaft

für Muskelkranke e.V.

und ihrer Neuromuskulären Zentren

Verlag Patient und Gesundheit

Herausgeber:

Reinhard Dengler

Bernhard Neundörfer

Horst Ganter

2010


Mit freundlicher Unterstützung


Jahrbuch der

Deutschen Gesellschaft

für Muskelkranke e.V.

und ihrer Neuromuskulären Zentren

Verlag Patient und Gesundheit

Herausgeber:

Reinhard Dengler

Bernhard Neundörfer

Horst Ganter

2010


Autoren und Verlag haben die Angaben zu Medikamenten und ihren Dosierungen mit

größter Sorgfalt und entsprechend dem aktuellen Wissensstand bei Fertigstellung des

Buches verfasst. Trotzdem ist der Leser aufgefordert, anhand der Beipackzettel der verwendeten

Präparate in eigener Verantwortung die Dosierungsempfehlungen und Kontraindikation

zu überprüfen.

Sollten geschützte Warenzeichen beziehungsweise Warennamen nicht besonders kenntlich

gemacht sein, kann nicht daraus geschlossen werden, dass es sich um einen freien

Warennamen handelt.

Alle Rechte vorbehalten, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung

sowie der Übersetzung. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie,

Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert

oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet

werden.

Jahrbuch der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke e.V.

und ihrer Neuromuskulären Zentren

erscheint jährlich seit 2010

ISSN 1869-991X

Herausgeber:

Prof. Dr. Reinhard Dengler, Prof. Dr. Bernhard Neundörfer, Horst Ganter

Redaktion:

Horst Ganter (V.i.S.d.P.), Frank Laschinski

Verlag:

Verlag Patient und Gesundheit e.K., 42799 Leichlingen

Gestaltung und Satz:

SCHULZ Agentur für Werbung und Kommunikation, 53773 Hennef

Druck und Verarbeitung:

Druckhaus Verlag Friedr. Schmücker GmbH, 49634 Löningen

Qualitätszertifiziert nach DIN EN ISO 9001:2000

Umweltvalidiert nach Verordnung (EG)761/2001 (EMAS)

Jahrbuch der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke e.V. 2010

ist erschienen im März 2011

ISBN 978-3-9813594-1-1


Inhalt

Vorwort von Reinhard Dengler,

Bernhard Neundörfer und

Horst Ganter ……………………………………… 7

Qualitätskriterien für die

Neuromuskulären Zentren der

Deutschen Gesellschaft für

Muskelkranke e.V. (DGM) ………………… 9

DGM-Gütesiegel für

Neuromuskuläre Zentren (NMZ) ……… 10

Neuromuskuläre Zentren in

Deutschland benannt von der

Deutschen Gesellschaft für

Muskelkranke e.V. (DGM) ………………… 11

Deutsche Gesellschaft für

Muskelkranke e.V. (DGM) ………………… 12

Jahresberichte der

Neuromuskulären Zentren

Neuromuskuläres Zentrum

Bayern-Mitte ……………………………………… 14

Neuromuskuläres Zentrum

Bayern Süd ………………………………………… 17

Neuromuskuläres Zentrum Berlin …… 28

Neuromuskuläres Zentrum

Brandenburg ……………………………………… 30

Neuromuskuläres Zentrum

Dresden ……………………………………………… 32

Neuromuskuläres Zentrum

Freiburg ……………………………………………… 36

Neuromuskuläres Zentrum

Göttingen …………………………………………… 41

Neuromuskuläres Zentrum Halle ……… 45

Neuromuskuläres Zentrum

Hamburg ……………………………………………… 48

Neuromuskuläres Zentrum

Hannover …………………………………………… 53

Neuromuskuläres Zentrum

Homburg/Saar …………………………………… 56

Neuromuskuläres Zentrum

Leipzig ………………………………………………… 57

Neuromuskuläres Zentrum

Magdeburg ………………………………………… 62

Neuromuskuläres Zentrum

Mainz ………………………………………………… 67

Neuromuskuläres Zentrum

Marburg-Gießen-Kassel …………………… 72

Neuromuskuläres Zentrum

Mecklenburg-Vorpommern

Bereich Rostock ………………………………… 76

Neuromuskuläres Zentrum

Mecklenburg-Vorpommern

Bereich Vorpommern ………………………… 77

Neuromuskuläres Zentrum

Münster/Westfalen …………………………… 80

Neuromuskuläres Zentrum

Nordrhein …………………………………………… 85

Neuromuskuläres Zentrum

Nordwest …………………………………………… 98

Neuromuskuläres Zentrum

Rhein-Main ………………………………………… 99

Neuromuskuläres Zentrum

Rhein-Neckar ……………………………………… 101

Neuromuskuläres Zentrum

Ruhrgebiet ………………………………………… 103

Neuromuskuläres Zentrum

Stuttgart ……………………………………………… 108


Neuromuskuläres Zentrum

Thüringen …………………………………………… 110

Neuromuskuläres Zentrum

Ulm ……………………………………………………… 117

Neuromuskuläres Zentrum

Würzburg …………………………………………… 127

Themenbeitrag

Heim- und Langzeitbeatmung bei

neuromuskulären Erkrankungen:

Vom Fallbericht zur Leitlinie …………… 138

Preisträger der Deutschen Gesellschaft

für Muskelkranke e.V. 2010

Verleihung der Forschungspreise

der Deutschen Gesellschaft für

Muskelkranke e.V. – DGM

im Jahre 2010 …………………………………… 148

Molekulare Analyse der

Filamin-C-Myopathie ………………………… 149

Studying excitation contraction

coupling in skeletal muscle fibers

of genetically altered mice to

explore the cellular basis of muscle

pathologies ………………………………………… 154

Skeletal muscle cell MHC I expression:

Implications for statin-induced

myopathy …………………………………………… 156

Zellstressmechanismen bei der

sporadischen Einschlusskörpermyositis

…………………………………… 159

Datenbanken und Forschungsnetze

der DGM

Datenbanken für Patienten mit

neuromuskulären Erkrankungen

und diagnostische Kriterien …………… 164

Neuromuskuläres Zentrum Ulm:

Patientendatenbank der Division

of Neurophysiology (Prof. Dr. Dr.

h.c. Frank Lehmann-Horn, Ulm) ……… 165

MD-NET. www.md-net.org

(PD Dr. Maggie Walter, München;

Dr. Janbernd Kirschner, Freiburg;

Prof. Dr. Matthias Vorgerd, Bochum;

Dr. Christine Scholz, München) ……… 166

CARE-NMD. Ein europäisches Netzwerk

zur Verbesserung der Behandlung der

Duchenne-Muskeldystrophie …………… 174

Aktivitäten des Mito-Teams 2010 …… 176

Anhang

Wissenschaftlicher Beirat der

Deutschen Gesellschaft für

Muskelkranke e.V. ……………………………… 180

Ehrenmitglieder der

Deutschen Gesellschaft für

Muskelkranke e.V. ……………………………… 182

Neuromuskuläre Zentren in der

Bundesrepublik Deutschland im

Auftrag der Deutschen Gesellschaft

für Muskelkranke e.V. ……………………… 183

Zusätzliche Neuromuskuläre

Sprechstunden ………………………………… 217

Deutsche Gesellschaft für

Muskelkranke e.V.

– Bundesgeschäftsstelle – ……………… 219

Neuromuskuläre Erkrankungen.

Erbgang, Genort, Genprodukt,

molekulargenetische Diagnostik,

Datenbanken (T. Grimm, Würzburg;

W. Kreß, Würzburg; C.R. Müller,

Würzburg; S. Rudnik-Schöneborn,

Aachen; K. Zerres, Aachen) …………… 220


Vorwort

Liebe Leser,

das Jahrbuch 2010 der Deutschen Gesellschaft

für Muskelkranke ist nun das Zweite,

das mit dem neuen Partner „Verlag

Patient und Gesundheit“, als Teil der

GFMK-Mediengruppe, in neuer Aufmachung

erscheint. Diese Partnerschaft hat

sich bewährt und es ist uns nichts Kritisches

zum Jahrbuch 2009 zu Ohren gekommen.

An den Aufgaben und den Zielen

des Jahrbuches hat sich ohnehin nichts

geändert. Wir halten es für wichtig, dass

den Neuromuskulären Zentren der DGM

einmal im Jahr die Gelegenheit gegeben

wird, sich der Öffentlichkeit vorzustellen

und ihre Aktivitäten und Leistungen in gebührender

Form zu beschreiben. Dass hier

ein großes Bedürfnis besteht, steht außer

Zweifel und zeigt sich daran, dass wir

keine Probleme haben, die Beiträge der

einzelnen Neuromuskulären Zentren einzuwerben.

Umgekehrt möchten wir uns

bereits an dieser Stelle bei den Aktiven der

Neuromuskulären Zentren ganz herzlich

dafür bedanken, dass sie diese Zusatzaufgabe

engagiert auf sich nehmen.

Den größten Raum des Buches nimmt naturgemäß

die Darstellung der Neuromuskulären

Zentren ein. Ihre Angebote und

Leistungen im Bereich der Versorgung der

Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen

werden dort ebenso angesprochen

wie die Aktivitäten in der Forschung und

die daraus resultierenden Veröffentlichungen.

Hierbei geht es natürlich um Aktualität,

so dass nur diejenigen Publikationen

aufgelistet werden, die im Zeitraum 2010

erschienen sind, einschließlich diejenigen,

die bereits in elektronischer Form zur Verfügung

standen. Falls Sie, liebe Leser, in

Einleitung

den Beiträgen der verschiedenen Neuromuskulären

Zentren mehrmals die gleiche

Publikationen aufgelistet finden sollten,

darf Sie dies nicht verwundern. Dies weist

darauf hin, dass die Zentren miteinander

kooperieren, was gewünscht ist und als

positives Zeichen aufzufassen ist.

Traditionsgemäß folgt auf die Berichte der

Neuromuskulären Zentren eine Übersichtsarbeit

über ein aktuelles Thema aus

dem Bereich der neuromuskulären Erkrankungen.

Dieses Mal befasst sich der

Beitrag von PD Dr. M. Winterholler mit den

Möglichkeiten der maschinellen Bea t -

mung. Darüber hinaus stellen die Preisträger

der Forschungspreise der DGM des

Jahres 2010 in Kurzreferaten den Inhalt

ihrer Arbeiten vor.

Im Anhang des Buches wurde nichts Wesentliches

geändert. Sie finden dort eine

Auflistung der Mitglieder des Wissenschaftlichen

Beirates und der Ehrenmitglieder

der Deutschen Gesellschaft für

Muskelkranke und eine aktuelle tabellarische

Zusammenstellung von wichtigen

Adressen der Neuromuskulären Zentren

Deutschlands im Auftrag der DGM. Auch

die Sprechstunden für die Patienten sind

mit aufgeführt, soweit sie bekanntgegeben

wurden.

Die Herausgeber hoffen sehr, dass das

Jahrbuch 2010 genauso wie seine Vorgänger

bei den Kolleginnen und Kollegen an

den Kliniken und Praxen angenommen

wird und ihnen als rasche Orientierungshilfe

zur Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke

und deren Neuromuskulären Zen-

7


Vorwort

tren helfen kann. Bei den Verfassern der

einzelnen Beiträge bedanken wir uns ganz

herzlich, ebenso wie bei der Firma Sanofi-

Aventis Deutschland GmbH für die großzügige

finanzielle Unterstützung. Die Herausgeber

sind davon überzeugt, dass es

Hannover, Erlangen, Freiburg, Januar 2011

Prof. Dr. med. Reinhard Dengler

Direktor der Neurologischen Klinik

Medizinische Hochschule Hannover

Vorstandsmitglied der Deutschen

Gesellschaft für Muskelkranke e.V.

Prof. em. Dr. Bernhard Neundörfer

Neurologische Universitätsklinik Erlangen

2. Vorsitzender der Deutschen

Gesellschaft für Muskelkranke e.V.

Horst Ganter

Bundesgeschäftsführer der Deutschen

Gesellschaft für Muskelkranke e.V.

8

sich lohnt und dass es wichtig ist, die Tradition

der Jahrbücher fortzuführen, sowohl

im Sinne unserer Patienten mit neuromuskulären

Erkrankungen wie auch der Behandlungszentren,

die sich für diese Pati -

enten einsetzen.


Zwingende Voraussetzungen für ein Neuromuskuläres

Zentrum der DGM sind: Regelmäßige

ambulante Muskelsprechstunden

von Neurologen und Neuropädiatern

sowie stationäre Betten mit der Möglichkeit

der intensivmedizinischen Betreuung

einschließlich Beatmung.

Die Fachbereiche der Neurologie, Neuropädiatrie,

Kardiologie und Pulmologie

müssen vertreten und eine humangenetische

Beratung möglich sein.

Zusätzlich gewünschte Fachbereiche sind

die Orthopädie, Rheumatologie sowie eine

Sozial- und Hilfsmittelberatung und eine

beratende Physiotherapie.

Im Rahmen der diagnostischen Möglichkeiten

müssen neurophysiologische Untersuchungen

durchführbar sowie bildgebende

Verfahren vor Ort möglich sein. Muskelbiopsien

sollten vor Ort entnommen und

untersucht werden können.

Biochemische und molekularbiologische

Untersuchungsverfahren müssen nicht vor

Ort vorgehalten werden und sind auch in

Kooperation mit anderen Zentren möglich.

Allgemeine Voraussetzungen für ein Neuromuskuläres

Zentrum der DGM sind auch

eine ausreichende Anzahl von Muskelkranken

in der Betreuung sowie ein regelmäßiges

Sprechstundenangebot.

Innerhalb des Neuromuskulären Zentrums

sollen gemeinsame, interdisziplinäre Sitzungen

und Fallbesprechungen stattfinden.

Eine Zusammenarbeit mit dem jewei-

Einleitung

Qualitätskriterien für die Neuromuskulären Zentren

der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke e.V.

(DGM)

ligen Landesverband der DGM ist unbedingt

notwendig.

(Kriterien wurden bei der Sitzung der Sprecher

der Neuromuskulären Zentren am

27. September 2000 in Baden-Baden beschlossen.)

9


DGM-Gütesiegel für Neuromuskuläre Zentren (NMZ)

DGM-Gütesiegel für Neuromuskuläre Zentren (NMZ)

Im Jahr 2000 hat die DGM erstmals Qualitiätskriterien

für Neuromuskuläre Zentren

(NMZ) beschlossen. Diese stellen die Basis

für die Vergabe eines Gütesiegels dar.

Die Einführung eines Gütesiegels verfolgt

das Ziel, bundesweit einheitliche Standards

für die Diagnose, Behandlung und Versorgung

von Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen

auf einem qualitativ anerkannten

Niveau zu präzisieren und damit sicher zu

stellen.

1. Grundlage für die Struktur und Abläufe eines

NMZ ist die am 8. Mai 2006 verabschiedete

Geschäftsordnung für NMZ.

2. Im NMZ müssen die Fachbereiche Neurologie,

Neuropädiatrie, klinische Neurophysiologie,

Kardiologie und Pulmologie vertreten

sein. Eine humangenetische Beratungsmöglichkeit

muss gegeben sein,

desgleichen die Möglichkeit einer Sozialund

Hilfsmittelberatung sowie einer beratenden

Physiotherapie. Wo dies nicht vorhanden

ist, muss es durch Kooperationen

sicher gestellt sein.

3. Die Möglichkeit einer muskel- und nervenbioptischen

Untersuchung muss gewährleistet

sein.

4. Die Kooperation mit den Fachgebieten Orthopädie

und Rheumatologie muss vorhanden

sein.

5. Kontinuierliche Betreuung mit regelmäßigen

Spezialsprechstunden sowie akute

Untersuchung beziehungsweise stationäre

Aufnahmemöglichkeit von Patienten mit

neuromuskulären Erkrankungen durch einen

mit diesen Krankheiten vertrauten

Arzt muss gewährleistet sein.

6. Bei dem Leiter des NMZ wird eine mindestens

fünfjährige Erfahrung in der Behandlung

von Patienten mit neuromuskulären

Erkrankungen vorausgesetzt.

7. Beim Initialkontakt wird mindestens eine

einstündige Konsultation verlangt.

10

8. Es werden mindestens jeweils 50 Patienten

mit neuromuskulären Erkrankungen

pro Jahr behandelt.

9. Es müssen regelmäßige interdisziplinäre

Sitzungen und Fallbesprechnungen abgehalten

werden.

10. Eine Kooperation mit der DGM und ihren

Landesverbänden wird vorausgesetzt.

Dies geschieht insbesondere durch

• Teilnahme des Sprechers an der Spre-

cherratssitzung,

• regelmäßige aktive und passive Teilnahme

an Kongressen, Fortbildungs-

veranstaltungen und Patiententreffen

der DGM und ihrer Landesverbände,

• regelmäßige Einladung der Landesverbandsvorsitzenden

und/oder dessen

Vertreter zu den interdisziplinären Sit-

zungen.

11. Es müssen eine behindertengerechte

Ausstattung der Räumlichkeiten und

Pflegemöglichkeiten vorhanden sein.

12. Die NMZ erstellen jährlich einen Bericht

über ihre Aktivitäten und überlassen diesen

der Geschäftsstelle der DGM zur

weiteren Verwendung. Derzeit findet dieser

Eingang in das Jahrbuch der Deutschen

Gesellschaft für Muskelkranke e.V.

13. Die Einhaltung der Gütekriterien wird durch

einen schriftlichen Bericht und stichprobenhafte

Prüfungen gewährleistet.

Arbeitsgruppe zur Erstellung der

Kriterien für ein Gütesiegel:

Prof. Dr. Andreas Engelhardt, Oldenburg

Horst Ganter, DGM Freiburg

Prof. Dr. Walter Haupt, Köln

PD Dr. Arpad von Moers, Berlin

Prof. Dr. Bernhard Neundörfer, Erlangen

Prof. Dr. Karlheinz Reiners, Würzburg

Nicht-zertifizierte NMZ können als Muskelsprechstunde

geführt werden (siehe Anhang).


Einleitung

Neuromuskuläre Zentren in Deutschland benannt von

der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke e.V.

(DGM)

Münster/Westfalen

Nordrhein

Homburg/Saar

Nordwest

Mainz

Freiburg

Ruhrgebiet

Rhein-Neckar

Hamburg

Hannover

Marburg-Gießen-Kassel

Standorte der Muskelzentren

Göttingen

Rhein-Main

Würzburg

Stuttgart

Ulm

Magdeburg

Halle

Thüringen

Bayern-Mitte

Bayern-Süd

Mecklenburg-Vorpommern

Berlin

Leipzig

Brandenburg

Dresden

11


Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke e.V. (DGM)

Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke e.V. (DGM)

Im Jahr 2010 hat die DGM im Rahmen der

Gütesiegel für Neuromuskuläre Zentren

mit der Begehung von turnusgemäß drei

Zentren die Bemühungen um die Verbesserung

und Sicherung der Qualität an den

NMZ fortgesetzt. Alle Begehungen verliefen

positiv und bestärkten den guten Eindruck

der NMZ. Im nächsten Jahr läuft die

erste Zertifizierungsperiode aus und alle

NMZ werden neu zertifiziert.

Im Jahre 2010 sind weitere NMZ als Spezialsprechstunden

nach § 116b SGB V anerkannt

worden. Der Genehmigungsprozess

ist allerdings weiterhin intransparent

und für einige NMZ völlig unbefriedigend.

Inwieweit die Anerkennung zu einer tatsächlich

verbesserten Finanzierungsbasis

für die ambulante Versorgung beiträgt, ist

derzeit noch nicht abschließend zu beurteilen.

Erfahrungswerte hierzu werden gesammelt

und ausgewertet.

Der auch im Jahr 2010 zur Verfügung gestellte

Betrag in Höhe von 200.000 Euro

für Forschungsvorhaben brachte erneut

eine Vielzahl von Forschungsanträgen, die

weitgehend positiv beschieden werden

konnten. Die Einführung der Stichtagsregelung

(31. März und 30. September) hat

sich bewährt, da hier besser vergleichend

entschieden werden kann und nicht mehr

das zufällige Antragsdatum mit entscheidend

ist. Die zur Verfügung gestellten Gelder

werden in zwei Tranchen aufgeteilt, so

dass zu beiden Stichtagen die gleichen

Summen bereit stehen.

Die Stelle im Medizinreferat war leider nur

für kurze Zeit wieder besetzt. Da sich die

Neubesetzung aufgrund der Arbeitsmarktlage

für Mediziner schwierig gestaltet, sind

veränderte Organisationsformen in der

Diskussion, um dieses wichtige Angebot

wieder bereitstellen zu können.

12

Die Beteiligung der DGM am Forschungsprojekt

Servcare_ALS, das im Bereich der

modellhaften Versorgung am Beispiel der

ALS angesiedelt ist, war ein Arbeitsschwerpunkt

im Jahre 2010. Das Projekt

(www.servcare-projekt.de) wird mit insgesamt

fünf beteiligten Organisationen, darunter

die ALS-Ambulanz der Charité unter

der Federführung des IAO, Fraunhofer Ins -

titut Stuttgart, durchgeführt.

Im Jahre 2010 fand kein eigener Kongress

der DGM statt, da dieser alle zwei Jahre

durchgeführt wird. So wurden die Forschungspreise

nach inzwischen guter Tradition

beim Kongress der Deutschen Gesellschaft

für Klinische Neurophysiologie

(DGKN) in Halle an der Saale vergeben.

Mit der Durchführung eines ersten Fach -

tage-Symposiums hat die DGM Neuland

bei der Veranstaltungsdurchführung betreten.

Erstmals fanden parallel sechs diagnosespezifische

Fachtage zeitgleich unter

einem Dach statt. Dies ist auch Ausdruck

der Entwicklung in der DGM, die einzelnen

Diagnosegruppen zu stärken und in der

Struktur besser zu verankern. Die Durchführung

der Fachtage-Symposien soll

künftig terminlich und örtlich an den jeweiligen

Kongress des Wissenschaftlichen

Beirates angekoppelt werden. Dies wird

erstmals im April 2011 in Ulm/Neu-Ulm der

Fall sein.

Horst Ganter

Bundesgeschäftsführer

Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke

e.V. (DGM)

• Bundesgeschäftsstelle

• Medizinreferat

• Sozialberatung

• Hilfsmittelberatung


Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

13


Neuromuskukäres Zentrum Bayern-Mitte

Neuromuskukäres Zentrum Bayern-Mitte

Leiter/Sprecher:

Prof. Dr. D. Heuß und Prof. Dr. R. Schröder

Neurologische Klinik der Friedrich-

Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Neuromuskuläres Zentrum/Forschungs-

Netzwerk Neuropathien und Myopathien

an der Neurologischen Klinik der

Universität Erlangen

Das Neuromuskuläre Zentrum ist eine interdisziplinäre

Einrichtung zur fachübergreifenden

Diagnosestellung, Behandlung

und Erforschung von neuromuskulären Erkrankungen.

Das Zentrum ist an der Neurologischen

Klinik angesiedelt und arbeitet

eng mit den übrigen Einrichtungen des

Uni-Klinikums und mit der Deutschen Gesellschaft

für Muskelkranke (DGM) zusammen.

Das Neuromuskuläre Zentrum bietet Spezialsprechstunden

für Patienten mit entzündlichen

und erblichen Polyneuro -

pathien und Muskelerkrankungen, mit

Motoneuronerkrankungen und für die Beatmung

von Patienten mit neuromuskulären

Erkrankungen wie Muskeldystrophien

und Amyotrophische Lateralsklerose. Das

Angebot wird durch die physiotherapeutischen

und sozialen Einrichtungen im Zentrum

abgerundet.

Forschungsaktivitäten

Prof. Dr. Heuß

• IZKF-Untersuchungen zu degenerativen

und entzündlichen Veränderungen der

Myopathie in Proteinkinase CK2-defizienten

Muskeln – Kooperation mit dem

Institut für Biochemie

• Inflammation und Apoptose bei der vaskulitischen

Neuropathie und Myositiden/Signaltransduktion

mononukleärer

Zellen

14

• Phäno- und Genotypisierung einer autosomal-rezessiven

Form der hereditären

motorischen und sensiblen Neuropathie

(ARCMT2B) Typ 2 in einer costaricanischen

Familie

• Phäno- und Genotypisierung einer autosomal-dominanten

Form der HMSN mit

einer neuen Tyr145Ser Mutation im

MPZ-/P0-Protein in einer costaricanischen

Familie

Prof. Dr. Schröder

Das wissenschaftliche Hauptarbeitsgebiet

ist die Gruppe der hereditären Proteinaggregationsmyopathien

auf der Basis von

Desmin- und VCP-Mutationen. Für die

Forschungsarbeiten auf diesem Gebiet

besteht seit Oktober 2009 die Förderung

einer ortsungebundenen Forschergruppe

(FOR 1228, Thema: Molecular Pathogenesis

of Myofibrillar Myopathies) durch die

Deutschen Forschungsgemeinschaft. Die

zunächst über einen Zeitraum von drei

Jahren bewilligte Förderung unterstützt

acht themenbezogene Einzelprojekte an

den Universitäten Erlangen, Würzburg,

München, Heidelberg, Bonn, Bochum,

Köln und Wien. Die Universität Erlangen

fungiert hierbei als Sprecheruniversität der

Forschergruppe.

Projekte der Orthopädischen Klinik

Prof. R. Forst und Mitarbeiter

• Langzeitresultate nach operativer Behandlung

der unteren Extremitäten bei

Patienten mit Duchenne-Muskeldystrophie

• Langzeitresultate nach Skolioseoperationen

bei Patienten mit Muskelerkrankungen

• biomechanische Testung des Teleskopstabes


• makroskopische und mikroskopische

Pathologie des Tractus iliotibialis bei

Duchenne-Muskeldystrophie

• Behandlung von Fußdeformitäten bei

HMSN und Friedreich-Ataxie

• psychologische Untersuchung zur

Krankheitsbewältigung und Lebenszufriedenheit

bei Patienten mit Duchenne-

Muskeldystrophie

• ergotherapeutische Studie zur Funktionsfähigkeit

der oberen Extremitäten bei

Patienten mit Muskelerkrankungen

• Analyse von Gebiss- und Kieferveränderungen

bei Patienten mit Duchenne-

Muskeldystrophie und spinalen Muskelatrophien

Schwerpunkte Fachklinik Herzogenaurach

Dr. Schupp und Mitarbeiter

Die Fachklinik Herzogenaurach hat als

neurologische Rehabilitationseinrichtung

den Forschungs- und Interessenschwerpunkt

im Nachweis der Wirksamkeit physio-,

ergo-, sprach-, schlucktherapeutischer

Maßnahmen sowie der (neuro)psychologischen

Behandlung. Skalen zur

Beurteilung von langfristigen Krankheitsverläufen

(z.B. neuromuscular symptom

score, MRC Kraftgrade, Paresegrade, Barthel-Index)

scheinen für die Erfassung von

Therapieerfolgen kurzzeitiger intensiver

Rehabilitationsmaßnahmen bei neuromuskulären

Erkrankungen wenig hilfreich zu

sein. So werden hier Evaluationsskalen

eingesetzt, die die subjektive Wirksamkeit

der Therapieformen untersucht mit dem

Ziel, bei neuromuskulären Erkrankungen

ein effektives und individuelles Behandlungskonzept

konservativer Maßnahmen

zu erarbeiten.

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

Schwerpunkte der Neurologischen

Klinik am Krankenhaus Rummelsberg

PD Dr. Winterholler

• Schlaflaboruntersuchungen

• Diagnostische Abklärung von neuromuskulären

Erkrankungen

• Heimbeatmungsbehandlung von Patienten

mit neuromuskulären Erkrankungen

Konzepte der Neurologischen Abteilung

der Kiliani-Klinik Bad Windsheim

siehe www.dr-becker-klinikgesellschaft.de

Beratungsstelle der DGM, Landesverband

Bayern e.V. am Neuromuskulären

Zentrum Bayern Mitte

Das Beratungsangebot wird sowohl von

betroffenen Einzelpersonen als auch Familien

und Angehörigen in Anspruch genommen.

Zu vielen Ratsuchenden (über die

Hälfte) bestehen langjährige Beratungskontakte.

Da sich das Einzugsgebiet über

Mittelfranken und die Oberpfalz erstreckt,

macht die Beratung am Telefon den

Hauptanteil aus. Persönliche Beratungen

in der Beratungsstelle und kooperierenden

Kliniken sowie Hausbesuche runden das

Angebot ab. Hausbesuche bieten den Vorteil,

die Lebenssituation im persönlichen

Umfeld besser beurteilen zu können. Besonders

in ihrer Mobilität stark eingeschränkte

Hilfesuchende greifen auf dieses

Angebot gern zurück, weil es ihnen

weite Wege erspart. Die Begleitung bei der

Krankheitsbewältigung sowie die Unterstützung

zur Alltagsbewältigung bilden die

Schwerpunkte der psychosozialen Beratung.

Die Unterstützung von Kontaktgruppen,

die von Ehrenamtlichen organisiert

werden, sowie Informations- und Begegnungsveranstaltungen

ergänzen das Tätigkeitsspektrum.

2010 wurden folgende Veranstaltungen

angeboten:

• zwei ALS-Gesprächskreise mit den Themen

„Hilfsmittelversorgung“ und „Diag-

15


Neuromuskukäres Zentrum Bayern-Mitte

nose und Therapie von Atemstörungen

bei ALS“ in Erlangen und Rummelsberg

• Landesverbandstreffen für Mitglieder

und Freunde der DGM LV Bayern in Herzogenaurach

(Fachklinik)

• zwei Seminartage für Ehrenamtliche des

LV Bayern in Würzburg und Nürnberg

Publikationen

Clemen CS, Tangavelou K, Strucksberg KH,

Just S, Gaertner L, Regus-Leidig H, Stumpf M,

Reimann J, Coras R, Morgan RO, Fernandez

MP, Hofmann A, Müller S, Schoser B, Hanisch

FG, Rottbauer W, Blümcke I, von Hörsten S, Eichinger

L and Schröder R. Strumpellin is a novel

valosin-containing protein binding partner

linking hereditary spastic paraplegia to protein

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Hadden R, Heuss D, Leger JM, Notermans NC,

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Neuromuskuläres Zentrum Bayern Süd

Leiter:

Prof. Dr. med. W. Müller-Felber

Oberarzt der von Haunerschen Klinik für

Kinder- und Jugendmedizin

Ludwig-Maximilians-Universität München

Stellvertreter und Sprecher:

Prof. Dr. med. B. Schoser

Oberarzt des Friedrich-Baur-Instituts der

Neurologischen Klinik

Ludwig-Maximilians-Universität München

Im Mittelpunkt der Aktivitäten des Neuromuskulären

Zentrums Bayern Süd stand

die umfassende medizinische Betreuung

von Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen.

Neben der engen klinischen

und wissenschaftlichen Kooperation der

beteiligten Institutionen ist die Kontinuität

der guten Zusammenarbeit mit den Patientenvertretern

und der Landesgruppe

Bayern der DGM festzustellen. Im Jahr

2010 wechselte PD Dr. J. Anneser in den

Palliativ-Konsilardienst des Klinikums

rechts der Isar, Dr. S. Baumeister wechselte

in die Neurologische Klinik Rechts der

Isar, Dr. T. Suban wechselte in die Psychiatrische

Universitätsklinik Köln, und O.

Schreiber und Dr. S. Wenninger, vormals

Neurologische Universitätsklinik Regensburg,

nahmen ihre Arbeit am Friedrich-

Baur Institut auf. S. Thiele, langjährige

Physiotherapeutin, hat die DGM verlassen

und begann ein Medizinstudium an der

LMU. Sie wird weiter im Rahmen ihrer

TREAT-NMD Register-Drittmittelstelle am

FBI teilzeitbeschäftigt sein. Dr. P. Reilich

wurde am 1. Oktober 2010 zum Funktionsoberarzt

am FBI ernannt.

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

Veranstaltungen 2009

• Sonderkolloquium der Friedrich-Baur-

Institutes 8. Mai 2010: Diagnostik und

Therapie neuromuskulärer Erkrankungen

• 92. Neuromuskuläres Seminar 14. Juli

2010: Hereditären Kardiomyopathien,

Dr. Beckmann, Medizinische Klinik LMU

München

• 44. Myologisches Kolloquium 17. April

2010: Stellenwert der Muskel-MRT Diagnostik

bei hereditären Myopathien,

PD Dr. Dirk Fischer, Neurologische Universitätsklinik

Basel, Schweiz

• 93. Neuromuskuläres Seminar 17. November

2010: Orthopädische Behandlung

neuromuskulärer Erkrankungen, Dr.

Döderlein, Kinderorthopädie Aschau

Klinische Studien

Validierung von prognostischen und

Erkrankungsmarkern für die Charcot-

Marie-Tooth-Erkrankung 1A (CMT1A)

Walter MC, Schlotter-Weigel B, Garcia-

Angarita

Die hereditäre motorisch-sensorische

Neuropathie Typ 1 oder Morbus Charcot-

Marie-Tooth (CMT) gehört zu den peripheren

Neuropathien und ist mit einer Prävalenz

von 1:2.500 die häufigste monogen

vererbte neurologische Erkrankung. Allein

in Deutschland sind ca. 30.000 Patienten

betroffen. In der Hälfte der Fälle handelt es

sich um den Subtyp CMT1A. Sie wird

durch eine Duplikation auf Chromosom

17p11.2-12 verursacht und ist charakterisiert

durch die Demyelinisierung peripherer

Nerven, ihre axonale Degeneration und

neurogen bedingter Muskelfaseratrophie.

Das klinische Bild ist sehr variabel und

reicht bis zur Rollstuhlabhängigkeit. Eine

17


Neuromuskuläres Zentrum Bayern Süd

wirksame Therapie ist gegenwärtig nicht

verfügbar.

In dieser Studie soll untersucht werden, ob

bestimmte Erkrankungsmarker („Biomarker“)

in der Haut von an CMT1A erkrankten

Patienten helfen können, die Erkrankung

zu diagnostizieren sowie die Schwere

und den Verlauf abzuschätzen. In

Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-

Institut für Experimentelle Medizin in Göttingen

wurden in transgenen Tiermodellen

molekulare Marker für den Krankheitsverlauf

der CMT1A in Hautproben identifiziert.

Ein derartiger Zusammenhang soll nun im

Menschen analysiert werden. Hierzu wollen

wir einen Krankheitsscore („CMTNS“)

für die Krankheitsschwere dieser Erkrankung

errechnen, der sich aus der klinischneurologischen

Untersuchung zusammensetzt.

Ziel dieser Studie ist die Korrelation

der aus der Hautbiopsie ermittelten molekularen

Marker mit der Erkrankungsschwere

und somit die Validierung der Erkrankungsmarker.

Die Ergebnisse werden

es uns ermöglichen, weiterführende Erkenntnisse

über die Schwere und den Verlauf

dieser Erkrankung zu gewinnen. Wir

hoffen, damit einen Baustein für zukünftige

experimentelle Therapiemöglichkeiten legen

zu können und die diagnostische Einordnung

anhand von Hautproben zu erleichtern.

Weitere Kooperationen im diesem

Rahmen bestehen mit dem

Medizinisch Genetischen Zentrum (MGZ)

München und dem Institut für Klinische

Neurophysiologie der Georg-August-

Universität Göttingen.

Derzeit ist die Entwicklung neuer spezifischer

Therapien auf molekularer Ebene für

CMT ein hochspannender und kompetitiver

Bereich. Das Ziel ist die Identifikation

von Biomarkern unter Verwendung minimal

invasiver Techniken, um CMT-Patienten

ggf. eine individuelle Therapie anbieten

zu können. In den letzten Jahren wurden

anhand von Tiermodellen große Fortschrit-

18

te in der Aufschlüsselung der CMT-Pathogenese

erreicht. Dadurch wurde für die Erkennung

potenzieller Behandlungsansätze

und neuer Therapiemöglichkeiten der Anstoß

gegeben.

Klinische Studie zum Skipping von Exon 51

Schessl J, Walter MC, Thiele S, Müller-

Felber W

Im Rahmen einer internationalen Phase-III-

Studie wird in einem randomisierten, doppelblinden,

plazebokontrollierten Studiendesign

die Effektivität und Sicherheit der

Therapie durch Exon Skipping bei Patienten

mit Duchenne-Muskeldystrophie untersucht.

Dabei werden wöchentliche subkutane

Gaben der Studienmedikation über

48 Wochen verabreicht. Antisense Oligonukleotide

induzieren Exon Skipping und

sind eine mögliche Therapiestrategie für

die Duchenne-Muskeldystrophie. Exon

Skipping selbst erlaubt die Restoration

des mutierten offenen „reading frames“

und somit die Synthese eines großen neuen

funktionellen Dystrophin-Proteins. Weitere

Informationen unter www.md-net.org.

Klinische Studie mit Olesoxime

(TRO19622) bei SMA

Schessl J, Schreiber O, Walter MC

Dies ist eine multizentrische, randomisierte,

adaptive, doppelblinde, plazebokontrollierte

Phase-II-Studie zur Bewertung

der Sicherheit und Wirksamkeit von Olesoxime

(TRO19622) bei Patienten mit spinaler

Muskelatrophie (SMA) im Alter von drei

bis 25 Jahren. Olesoxime fördert im Zellkulturmodell

das Überleben und die Funktion

beanspruchter Motoneurone. Die

Substanz hat in einer Ib-Studie an SMA-

Patienten im Vergleich zu gesunden Kontrollen

eine gute Verträglichkeit und hohe

Sicherheit gezeigt.


Therapiestudie mit Idebenone bei

Leberscher Hereditärer Optikus-

Neuropathie (LHON)

Klopstock T, Heck S, Schubert M, Dimitriadis

K

Placebokontrollierte Studie, die weltweit

an drei Zentren (München, Newcastle/

England und Montreal/Kanada) den Einfluss

von Idebenone auf die Sehstörung

bei LHON untersucht. Es handelt sich um

die erste große placebokontrollierte Studie

bei dieser mitochondrialen Erkrankung,

die zu schweren beidseitigen Sehstörungen

bei meist jungen Männern führt. Randomisiert

werden sollen 84 Patienten. Zu

den Einschlusskriterien gehört (i) gesicherte

Diagnose einer LHON inkl. Nachweis einer

der typischen Punktmutationen in der

mitochondrialen DNA, (ii) Alter zwischen

14 und 64 Jahren, Körpergewicht > 45 kg,

(iii) Beginn der Erkrankung innerhalb der

letzten fünf Jahre. Es wurden 84 Patienten

eingeschlossen. München trägt mit 42 Patienten

die größte Zahl an Patienten bei.

Die Rekrutierung der Studie ist abgeschlossen.

Die Ergebnisse sind zur Publikation

eingereicht.

Therapiestudie mit Idebenone bei

Friedreich-Ataxie

Klopstock T, Heck S, Dimitriadis K

Europäische erste große, placebokontrollierte

Multicenter-Studie, die den Einfluss

von Idebenone auf neurologische Symptome

und Herzmuskelveränderungen bei FA

untersucht. Es wurden 240 Patienten (> 8

Jahre, > 25 kg, FA genetisch gesichert,

kein Idebenone oder Coenzym Q 10) eingeschlossen.

München trägt mit 47 Patienten

die größte Zahl an Patienten bei.

Die Rekrutierung der Studie ist abgeschlossen,

der letzte randomisierte Patient

wird Anfang 2010 die Studie abschließen.

Die Ergebnisse sind zur Publikation eingereicht.

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

Verlaufsstudie bei Friedreich-Ataxie

Klopstock T, Heck S, Strigl-Pill N, Dimitria -

dis K

Verlaufsstudie zum Einfluss genetischer

Faktoren auf den Erkrankungsverlauf bei

Patienten mit FA im Rahmen des Netzwerkes

für erbliche Bewegungsstörungen

(GeNeMove – German Network of Hereditary

Movement Disorders). Bislang konnten

112 Patienten und Angehörige eingeschlossen

werden.

Verlaufsstudie bei hereditärer spastischer

Spinalparalyse (HSP)

Klopstock T, Heck S, Strigl-Pill N, Dimitriadis

K

Verlaufsstudie zum natürlichen Verlauf und

zur Entwicklung von Progressionsmarkern

bei HSP im Rahmen von GeNeMove. Bislang

konnten 31 Patienten und Angehörige

eingeschlossen werden.

Verlaufsbeobachtung Enzymersatztherapie

bei Glykogenspeichererkrankung

Typ 2

Stigl-Pill N, Konkol B, Strothotte S,

Schütz C, Müller-Felber W, Schoser B

Seit September 2006 wird die Enzymersatztherapie

bei adulten Patienten durchgeführt.

Es erfolgt eine ausführliche Dokumentation.

Nationale Ein-Jahres-Resultate

wurden 2010 publiziert. Eine Fortführung

für zwei weitere Jahre erfolgt.

Multizenter-Studie zu MUSK- und

ACHR-Antikörper negativer Myasthenia

gravis

Kröger S, Melms A, Schalke B, Schoser B

Seit Sommer 2008 wird in Kooperation mit

dem Physiologischen Institut der LMU eine

multizentrische Studie bei Patienten mit

Doppelantikörper-negativen MG in Tübingen,

Regensburg und München durchgeführt.

Ziel ist es, neue Antikörper bei dieser

Patientengruppe aus dem Serum zu isolieren.

Erste Ergebnisse werden 2011 vorliegen.

19


Neuromuskuläres Zentrum Bayern Süd

Forschungsaktivitäten

Molekulare Ursachen und Pathomechanismen

bei hereditären Myopathien

und Neuropathien

Walter MC, Reilich P, Schlotter-Weigel B,

Schoser B

Im Rahmen internationaler Forschungskooperationen

werden verschiedene innovative

Ansätze wie klinische und morphologische

Untersuchungen, molekulare und

zellbiologische Studien sowie die Analyse

von Zellkultur- und Tiermodellen verfolgt,

um die folgenden Ziele zu erreichen:

• weitere Charakterisierung der phänotypischen

Ausprägung und der molekularen

Basis von hereditären Myopathien

und Neuropathien

• präzise Definition des phänotypischen

Spektrums einzelner hereditärer Myopathien

und Neuropathien, um die klinischen

und morphologischen Diagnosekriterien

zu verbessern

• Etablierung von Genotyp/Phänotyp Korrelationen

und prognostischer Kriterien

• Suche nach neuen, phänotypisch homogenen

Patienten-Subgruppen, die

ggf. eine Identifizierung neuer Gene erlauben

• Untersuchung der pathophysiologischen

Mechanismen dieser Erkrankungen

• Generierung von neuen Zellkultur- und

Tiermodellen, um auf der Basis pathophysiologischer

Daten zur Entwicklung

kausaler Therapien beizutragen

• Zielgerichtete Suche molekularer Defekte

bei bereits bekannten Genen und bei

Kandidaten-Genen

Pathogenese der sporadischen Einschlusskörpermyositis

(s-IBM) und der

hereditären Einschlusskörpermyopathie

(h-IBM)

Walter MC, Krause S

Die sporadische Einschlusskörpermyositis

20

(sIBM) ist die häufigste entzündliche Muskelerkrankung

bei Patienten über 50 Jahren.

In seltenen Fällen liegt der Erkrankung

eine erbliche Ursache zugrunde. Bei der

HIBM (hereditäre IBM, OMIM 603824) finden

sich Mutationen im GNE-Gen, bei der

IBMPFD (IBM assoziiert mit M. Paget und

frontotemporaler Demenz, OMIM 167320)

wurden Mutationen im VCP-Gen beschrieben.

Die Analyse der subzellulären Lokalisation

und der funktionellen Enzymbiochemie

von GNE und VCP im Patientenmuskel

soll dabei helfen, nicht nur die

Vorgänge zu verstehen, die zur hereditären

IBM führen, sondern auch diese neuen Erkenntnisse

auf die Pathogenese der sporadischen

IBM zu übertragen. Bei der

IBMPFD wurde eine Störung der Myosin-

Filamentbildung nachgewiesen. Normale

Proteinumsatzvorgänge (Autophagie) sind

wesentlich für die Aufrechterhaltung der

Muskelzellfunktion. Kürzlich fanden sich

Hinweise auf eine Störung des Proteinabbaus

im Rahmen dieses Stoffwechselweges

bei der IBMPFD. Das Ansprechen auf

eine immunsuppressive oder immunmodulatorische

Therapie ist bei IBM-Patienten

sehr heterogen. Unsere Ergebnisse

sollen ein detailliertes Verständnis der pathogenetischen

Mechanismen fördern, um

neue molekulare Therapiestrategien zu

entwickeln.

Pathologische Proteinaggregatforma -

tion – Mechanismen, Prävention und

Therapie

Walter MC, Reilich P, Schessl J, Bulst S,

Thirion C, Schoser B

Pathologische Proteinaggregate sind morphologisch

charakteristisch für myofibrilläre

Myopathien. Wir planen, den gemeinsamen

Pathomechanismus, der zur Proteinaggregation

bei myofibrillären Myopathien

führt, aufzuklären, neue therapeutische

Ziele zu identifizieren und durch molekulare

oder pharmakologische Ansätze die


Proteinaggregation insbesondere bei Desminopathien

und Reducing Body Myopathie/XMPMA

zu verhindern oder rückgängig

zu machen.

Von der Deutschen Forschungsgemeinschaft

wurde eine Forschergruppe zum

Thema „Molecular Pathogenesis of Myofibrillar

Myopathies (MFM) – FOR1228“ für

zunächst drei Jahre bewilligt, zwei Projekte

innerhalb der Forschergruppe sind am

Friedrich-Baur-Institut lokalisiert: Scanning

for intensely fluorescent targets

(SIFT): a new tool to study pathological

protein aggregate formation in MFM and

its reversal through pharmacologic intervention

(Walter MC, Bulst S, Thirion C),

und FHL1-related reducing-body myopathy

and other genetic forms of myofibrillar

myopathies: composition of pathological

protein aggregates revealed by laser capture

microdissection and subsequent proteomic

analysis (Schessl J, Kress W,

Schoser B).

Neue Erkenntnisse über die Auswirkungen

verschiedener Mutationen in

myofibrillären Genen auf die Protein-

Assemblierung mittels konfokaler

Einzelmolekülspektroskopie

Walter MC, Bulst S, Thirion C

Myofibrilläre Myopathien (MFM) sind eine

Gruppe klinisch und genetisch heterogener

Erkrankungen der Skelettmuskulatur.

Morphologisch werden sie durch anormale,

intrazelluläre, desminpositive Proteinaggregate

charakterisiert. Bei Desminopathien

handelt es sich um eine genetisch

definierte Subgruppe der MFM, welche

durch Mutationen im Desmin-Gen auf

Chromosom 2q35 verursacht werden. Des

Weiteren konnten in Patienten mit MFM-

Mutationen in anderen Genen identifiziert

werden, die entweder für Komponenten

der Z-Scheiben kodieren oder daran beteiligt

sind, deren Struktur aufrecht zu erhalten:

Myotilin (MYOT, TTID), ZASP (LDB3),

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

Filamin C (FLNC) und alpha-B-Crystallin

(CRYAB).

Die klinischen Phänotypen der Desminopathien

erstrecken sich über ein weites

Spektrum mit verschiedenen Verteilungstypen,

Schweregraden und möglicher kardiorespiratorischer

Beteiligung. Auch reine

Kardiomyopathien sind bekannt. Die meisten

Patienten zeigen ein autosomal-dominantes

Vererbungsmuster. Es sind allerdings

sowohl Patienten mit einer autosomal-rezessiven

Vererbung, als auch

Patienten ohne ersichtliche familiäre Vorgeschichte

dokumentiert worden.

Desmin ist ein 53 kDa schweres, muskelspezifisches

Intermediärfilament-Protein

der Skelett-, Herz- und glatten Muskulatur

und stellt eine wichtige, strukturelle Komponente

der muskulären Zytoarchitektur

dar.

Das pathologische Merkmal der MFM sind

Desminaggregate in den Muskelfasern betroffener

Patienten. Auch wenn die Akkumulation

von aggregiertem Desmin einen

einheitlichen histopathologischen Befund

darstellt, muss immer noch aufgeklärt werden,

wie die verschiedenen, identifizierten

Mutationen auf molekularer Ebene bei den

betroffenen Patienten zu Fehlfunktionen

der Muskelzellen führen. Ein besseres Verständnis

dieser molekularen Signalwege

kann zu neuen Therapieansätzen führen,

da bis heute nicht geklärt ist, ob eine Verbesserung

der physiologischen Filamentbildung

oder aber eine Reduktion der pathologischen

Aggregate wichtiger ist, um

eine normale Zellfunktion aufrecht zu erhalten.

Die Tatsache, dass die Desmin-Assemblierung

auf unterschiedliche Weise

durch verschiedene Mutationen beeinflusst

wird und diese zu unterschiedlichen

Phänotypen (z.B. vorwiegende Beteiligung

der Skelettmuskulatur versus vorwiegende

kardiale Beteiligung) führen, zeigt, dass

verschiedene Signalwege vorhanden sein

müssen.

21


Neuromuskuläres Zentrum Bayern Süd

Um die Desmin-Aggregation quantitativ

auf Einzelmolekülebene zu analysieren,

verwenden wir Fluoreszenz-Korrelations-

Spektroskopie (FCS), Fluorescence Intensity

Distribution Analysis (FIDA) und Scanning

for Intensely Fluorescent Targets

(SIFT) in einem konfokalen Einzelmolekül-

Detektionssystem. Es stellte sich heraus,

dass sich diese Messmethoden hervorragend

dazu eignen, die Assemblierungs-

Kinetiken fluoreszenzmarkierter Proteine in

Echtzeit und die molekulare Zusammensetzung

von Proteinaggregaten zu bestimmen.

Des Weiteren können so viele Hochdurchsatz-Messungen

mit kleinen Probenvolumina

durchgeführt und neue Substanzen

für Therapieansätze gefunden werden.

Kongenitale Myasthene Syndrome

(CMS)

Abicht A, Dusl M

Kongenitale Myasthene Syndrome (congenital

myasthenic syndromes, CMS) sind

seltene Erkrankungen, die sich meist im

Kindesalter manifestieren. Diese Gruppe

neuromuskulärer Erkrankungen beruht auf

genetischen Störungen der Erregungsübertragung

zwischen Nerv und Muskel.

Verlauf und Schweregrad der Erkrankung

sind sehr unterschiedlich: die Symptomatik

reicht von einer Minimalsymptomatik

mit Ptose und leichter muskulärer Schwäche

bis zum Bild eines floppy infants bei

der Geburt. Im Säuglingsalter fallen Trinkschwäche,

kraftloses Schreien und generalisierte

muskuläre Hypotonie mit oder

ohne Ptose auf. In vielen Fällen kommt es

– ausgelöst durch ansonsten harmlose

Atemwegsinfekte – zu krisenhaften Verschlechterungen,

die zu einer plötzlichen

Ateminsuffizienz und zum Kindstod führen

können. Im Erwachsenenalter steht zumeist

eine abnorme Ermüdbarkeit der

Muskulatur bei Belastung im Vordergrund.

Dazu kommt häufig eine tageszeitabhängige

Ptose mit oder ohne Störungen der ex-

22

ternen Augenmuskulatur. Anders als bei

der autoimmunologisch ausgelösten

Myasthenia gravis lassen sich keine Antikörper

gegen den Azetylcholinrezeptor

(AChR), oder die muskelspezifische Tyrosinkinase

(MuSK) nachweisen. Zudem

sprechen CMS-Patienten nicht auf eine

immunsuppressive Therapie an.

Derzeit sind Mutationen auf zwölf Genen

als ursächlich bekannt, welche zu verschiedenen

CMS-Formen mit unterschiedlichem

Phänotyp, klinischem Verlauf und

Vererbungsmuster führen. Für diese verschiedenen

Formen stehen nur unzureichende

Therapiemöglichkeiten zur Verfügung.

In Zusammenarbeit mit deutschen und

ausländischen neuropädiatrischen Zentren

gelang es unserer Arbeitsgruppe, über 850

nicht verwandte CMS-Patienten zu erfassen

und klinisch zu charakterisieren. Unsere

CMS-Patienten stammen vorwiegend

aus Europa, jedoch auch aus Kanada,

dem Nahen Osten, Indien, Pakistan, Nordafrika

oder Australien.

Das Ziel unserer Arbeitsgruppe ist die

Identifizierung und Charakterisierung von

genetischen Veränderungen, die zu einer

gestörten Erregungsübertragung an der

neuromuskulären Endplatte und damit zu

CMS führen. Mittels PCR-Diagnostik und

Sequenzierung werden Gene, die für verschiedene

Proteine an der neuromuskulären

Synapse kodieren, bei CMS-Patienten

systematisch untersucht. Auf diese Weise

lässt sich bei ca. 50 Prozent der CMS-Patienten

der zugrunde liegende genetische

Defekte identifizieren. Besonders häufig

finden sich Mutationen im Gen, kodierend

für die -Untereinheit des Acetylcholin-Rezeptors

(CHRNE), und im kodierenden

Gen für das postsynaptische Protein Rapsyn

(RAPSN). Darüber hinaus gelang es,

Mutationen in den Genen weiterer AChR-

Untereinheiten, im synaptisch exprimierten

COLQ-Gen sowie im Gen, kodierend


für die präsynaptische Cholinacetyltransferase

(CHAT), nachzuweisen. Vor Kurzem

war unsere Arbeitsgruppe an der Erstbeschreibung

des neuen CMS-Gens DOK7,

kodierend für das postsynaptische Protein

DOK-7, beteiligt. Ausgewählte Mutationen

werden in funktionellen Studien in Zellkultursystemen

auf ihren pathogenetischen

Effekt hin untersucht, um neue Erkenntnisse

bezüglich therapeutischer Möglichkeiten

zu gewinnen.

Entwicklung von Therapiekonzepten

basierend auf der muskelspezifischen

Inhibition des Ubiqitin-Proteasom-

System (UPS)

Pertl C, Thirion C, Walter MC

Der Abbau von Muskelfasern und Muskelproteinen

ist ein zentraler Mechanismus,

der mit der dystrophischen Veränderung

des Skelettmuskels einhergeht. Der Abbau

von Proteinen erfolgt in der Zelle über das

Proteasom. Proteine werden dabei durch

kovalente Verknüpfung mit einer Kette von

Ubiquitinproteinen für den Abbau durch

das Proteasom gekennzeichnet (Polyubiquitinylierung).

Die Polyubiquitinylierung

wird durch Proteinkomplexe (E1-E4) katalysiert,

welche durch ihre Vielfalt einen sowohl

zelltypspezifischen als auch proteinspezifischen

Abbau von Proteinen erlaubt.

Neuere Forschungsergebnisse haben zur

Identifikation einer Klasse von muskelspezifisch

exprimierten E3/E4 Ubiquitin-Ligasen

geführt. Eine dieser muskelspezifischen

E3/E4-Ligase ist CHIP, welche beim

Proteinabbau des Hauptbestandteils von

Sarkomeren, Myosin, eine Rolle spielt. Die

Inhibition von CHIP im dystrophen Wurmmodell

(C. elegans) führt zur Verbesserung

des dystrophen Phänotyps. Die Suppression

der Aktivität von CHIP im Skelettmuskel

und deren Auswirkung auf den Abbau

von Muskelproteinen in vivo ist Gegenstand

aktueller Forschung. So führt der

Einsatz des generellen Proteasomeninhibi-

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

tors MG-132 zur Reexpression von Dystrophin

in mdx-Mäusen. Die Inhibition von

CHIP und anderen muskelspezifischen E3-

Ligasen und deren Auswirkung auf die Expression

von Muskelproteinen kann sich

auf missgefaltete Proteine auswirken und

von therapeutischem Nutzen sein.

Aufgrund der Ergebnisse in der mdx-Maus

und in C. elegans wurde in unserem Labor

ein neues Mausmodell etabliert, welches

zusätzlich zum mdx-Hintergrund einen

chip-Knockout aufweist. Der Einfluss der

Reduktion des Proteinabbaus im Muskel

durch den Knockout der muskelspezifischen

E3/E4-Ligase CHIP auf die Sarkomerstabilität,

und somit den Erhalt der

Muskelkraft, wird in diesem neuen Modell

(mdx -/- /chip -/- bzw. mdx -/y /chip -/- ) untersucht.

Sollten diese Untersuchungen im

Mausmodell erfolgversprechende Ergebnisse

liefen, dann kann künftig eine adenovirale

Herunterregulierung der E3/E4-Ligase

CHIP für den Einsatz im Patienten in Erwägung

gezogen werden.

Muskeldystrophie-Therapieforschung

am Großtiermodell

Walter MC, Thirion C

Die weltweit häufigste erblich bedingte

Muskelerkrankung beim Menschen ist die

Duchenne-Muskeldystrophie (DMD). In

Deutschland leben etwa 10.000, in Europa

etwa 100.000 DMD-Patienten. DMD beginnt

im Vorschulalter und führt zu langsam,

aber unweigerlich fortschreitender

Degeneration von Skelett, Herz- und

Atemmuskulatur. Die Betroffenen erleiden

einen zunehmendem Kraftverlust, Lähmungen

und schwere Behinderung, sowie

eine deutliche Verringerung der Lebenserwartung

mit enormen Einbußen der Lebensqualität

für die Betroffenen und ihrer

Familien. DMD ist eine Modellerkrankung

für die große Zahl weiterer, genetisch und

klinisch heterogener degenerativer Erkrankungen

der Muskulatur. Mit dem Ziel der

23


Neuromuskuläres Zentrum Bayern Süd

Erstellung eines Großtiermodells, das dem

Menschen in Physiologie und Krankheitsverlauf

ähnlich ist, hat ein Forscherteam

um PD Dr. M. C. Walter und Prof. E. Wolf

von der LMU München begonnen, ein

Schweinemodell für Muskeldystrophieforschung

und Therapieentwicklung zu erstellen.

Dabei wurde ein in der Patientenpopulation

prädominierender genetischer

Defekt künstlich in das Erbgut von primären

kultivierten Schweinezellen eingefügt.

Diese Zellen zeigten sich als geeignet, um

mit der Methode des Klonierens durch

Kerntransfer Embryonen zu generieren.

Gegenwärtig werden Experimente zur Erzeugung

lebensfähiger Tiere, die Träger

der künstlich eingeführten pathogenen

Mutation sind, durchgeführt. In einem Parallelprojekt

konnte eine Methode unter

dem Einsatz von Zinkfingernukleasen experimentell

erprobt werden, mit deren Hilfe

sich gezielt genomische Veränderungen

in das Erbgut einbringen lassen. Ein Einsatz

dieser Methode ist in weiterführenden

Forschungsarbeiten geplant und soll zukünftig

zur Korrektur von Gendefekten

durch Zelltherapie im Großtierschweinemodell

für Muskeldystrophieforschung

eingesetzt werden.

Patientenregister für hereditäre

neuromuskuläre Erkrankungen – Dystrophinopathien

(DMD/BMD), Spinale

Muskelatrophien (SMA), Myotone Dystrophien

(DM1/DM2), FKRPopathien

(MDC1C/LGMD2I) und hereditäre

Neuropathien (CMT)

Walter MC, Schreiber O

Für die Planung und Durchführung klinischer

Studien sind Patientenregister, gerade

im Falle seltener Erkrankungen, eine

unabdingbare Voraussetzung. Um neue

Therapieansätze verfügbar zu machen,

müssen diese zunächst in aufwändigen

klinischen Studien auf ihre Sicherheit und

Wirksamkeit hin untersucht werden. Hier-

24

für sind meist große Patientenzahlen mit

genau definierten Ein- und Ausschlusskriterien

erforderlich. Patientenregister erfassen

neben persönlichen Daten in erster

Linie genetische und klinische Informationen,

die für die Planung von klinischen

Studien erforderlich sind. Zusätzlich können

derartige Register auch Aufschluss

über epidemiologische Daten der Erkrankung,

den Verlauf sowie die derzeit effektiv

genutzten Therapiemöglichkeiten geben

und als Informationsplattform für

Patienten dienen. Diese Daten sind von

grundsätzlichem medizinisch-wissenschaftlichem

Interesse, sie sind aber auch

wichtige Instrumente in der politischen

Meinungsbildung (Lobby-Arbeit), in der

Öffentlichkeitsarbeit und helfen bei der

Akquirierung dringend benötigter, zusätzlicher

öffentlicher Gelder für die Forschung

und Versorgung. Selbstverständlich muss

sichergestellt sein, dass dabei allen legalen

und ethischen Gesichtspunkten des

Datenschutzes Rechnung getragen wird,

um eine fehlerhafte oder missbräuchliche

Nutzung der Daten zu verhindern.

Im Rahmen des europäischen Netzwerks

TREAT-NMD (www.treat-nmd.eu) werden

weltweit Patientenregister für SMA, DMD

und andere, seltenere Muskelerkrankungen

eingerichtet. Für die Patientenregister

für DMD und SMA hat man sich auf eine

international harmonisierte Liste an Daten

geeinigt, die in nationalen Registern erfasst

und anonymisiert und in einem globalen

Register gesammelt werden. Anhand

dieser globalen Datenbank mit Sitz in

Montpellier, Frankreich, können klinische

Studien geplant und die Rekrutierung von

Patienten vereinfacht werden. Die Regelungen

bei Anfragen durch Dritte an die

globale Datenbank werden durch eine

„Charter“ reguliert. Ein „Oversight Committee“

entscheidet über die Nutzung der

Daten durch akademische Forschung und

Industrie.


Am Friedrich-Baur-Institut der LMU München

wurden die deutschen Patientenregister

für Muskeldystrophie Duchenneund

Spinale Muskelatrophie eingerichtet

und stehen seit April 2008 online unter

www.dmd-register.de bzw. www.smaregister.de

zur Verfügung. Die Registrierung

kann von betroffenen Patienten bzw.

deren Eltern online selbst durchgeführt

werden. Bis Oktober 2010 haben sich über

1.000 Patienten, davon fast 800 Patienten

mit DMD oder BMD und fast 400 mit SMA

Typ 1-3, registriert, was die gute Annahme

der Register durch die Patienten widerspiegelt.

Auf nationaler Ebene konnte das Register

bereits zur Rekrutierung von Patienten für

die klinische Studie mit PTC124, für zwei

KardioMRT-Studien sowie Studien mit

Olesoxime und zur Anwendung des Galileo-Trainings

bei DMD und SMA genutzt

werden. Mithilfe des globalen Registers

wurden Anfragen zur Planung von internationalen

Exon-Skipping-Studien bearbeitet.

Auch eine europäische Studie zur

Natural History bei SMA II/III ist derzeit in

Planung. Seit Start der Register für

DMD/BMD und SMA konnten außerdem

bereits internationale „Standards of Care“

etabliert werden.

Neben den beiden genannten besteht am

Friedrich-Baur-Institut in München das aktuell

neu gestartete internationale Register

für FKRPopathien. Wegen der geringeren

Gesamtzahl an Patienten hat man sich in

diesem Fall darauf geeinigt, dass im Rahmen

von TREAT-NMD ein internationales

Register aufgebaut wird, in dem sich alle

Patienten mit LGMD2I oder MDC1C registrieren

können. Das Patientenregister ist

ebenfalls online erreichbar und steht in

mehreren Sprachen zu Verfügung.

Ebenso befinden sich Register für Myotone

Dystrophie Typ 1 (DM1) und 2 (DM2)

und für hereditäre Neuropathien (HMSN,

HMN, HSAN, HNPP und HNA), Letzteres

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

in der Zusammenarbeit mit dem Max-

Planck-Institut für Experimentelle Medizin

in Göttingen, im Aufbau.

SysMBO – Lipidmyopathien

Wenninge Sr, Klopstock T, Schoser B

Ein seit Juli 2009 durch das BMBF gefördertes

Projekt SysMBO wird die Gruppe

der seltenen Lipidmyopathien und die statin-induzierten

Myopathien phänotypisch

und genotypisch charakterisiert. Im Rahmen

dieses Projektes besteht eine wissenschaftliche

Kooperation zwischen Helmholtz-Zentrum

München, der TU München

und der Klinischen Chemie der Universität

Regensburg (Lipidomics/Metabolomics).

Arbeitsgruppe Myotonien und Myotone

Dystrophien

Schoser B, Schüller A, Schmidt A, Kirzinger L

Arbeiten zur CUG-Bindungsprotein-Ex -

pression in DM2 Myoblasten, die abnorme

zytoplasmatische Megaproteinkomplexe

nachweisen konnten und einer veränderten

Proteindegradation unterliegen, wurden

erweitert (Kooperation Luba Timchenko,

Houston, USA, Ian Holt und Glenn

Morris UK). Ergänzend erfolgen Untersuchungen

anderer Repeat-Erkrankungen,

sowie zu Stress- und Autophagiemodellen.

Es erfolgte der Aufbau eines nationalen

Registers für DM1+2. Dieses Register wird

in das TREAT-NMD Programm integriert

werden können. Die Charakterisierung einer

neuen nicht-dystrophischen, schmerzhaften

Myotonie-Form wird fortgeführt. Eine

internationale Biomarker-Studie zur

DM1 ist in Vorbereitung, der Start ist für

2011 geplant.

Motoneuronerkrankungen Zentrum

für Palliativmedizin und Neurologie

Grosshadern

Winkler A, Borasio G

Der Forschungsschwerpunkt lag in der

Untersuchung inflammatorischer und glu-

25


Neuromuskuläres Zentrum Bayern Süd

tamaterger Mechanismen bei der Pathogenese

der ALS. Studien zur Terminalphase

der ALS wurden fortgeführt.

Muscle-Tissue-Culture-Collection

Schneiderat P, Abicht A, Neugebauer E,

Emmerich J, Walter MC

Die Muscle-Tissue-Culture-Collection

(MTCC) mit Sitz am Friedrich-Baur-Institut

der Ludwig-Maximilians-Universität München

wurde im Jahr 1998 von der Deutschen

Gesellschaft für Muskelkranke

(DGM) initiiert. Seit 2003 besteht eine Förderung

im Rahmen des Muskeldystrophie-

Netzwerks MD-NET (www.md-net.org)

durch das Bundesministerium für Bildung

und Forschung (BMBF, „Einrichtung von

Netzwerken für seltene Erkrankungen“).

Seit 2009 besteht eine Erweiterung des

Schwerpunktes um mitochondriale Erkrankungen

im Rahmen des mitoNet und eine

Europäische Vernetzung im Netzwerk „EuroBioBank”,

(www.eurobiobank.org). Die

MTCC wird von vielen DGM-Zentren in

Deutschland unterstützt und leistet einen

wesentlichen Beitrag bei der Etablierung

und Durchführung von Forschungsprojekten

im In- und Ausland. Für interessierte

Wissenschaftler und technisches Personal

werden regelmäßig fünftägige Trainingsprogramme

in der Technik der Myoblastenkultur

an der MTCC abgehalten. Die

Verfügbarkeit kultivierter Muskelzellen für

neuromuskuläre Forschungsarbeiten trägt

dazu bei, Pathomechanismen von Muskelkrankheiten

besser zu verstehen und die

Entwicklung neuer therapeutischer Strategien

für diese seltenen Erkrankungen zu

fördern. Weitere Informationen zur Einsendung

von Biopsiematerial und zum Bezug

von Myoblasten-Kulturen sind telephonisch

unter 089/5160-7424 oder per E-

Mail unter mtcc@med.uni-muenchen.de

erhältlich.

26

Psychosoziale und physiotherapeutische

Beratung der DGM Landesverband

Bayern e.V.

Deuter A, Thiele S, Zang B, Paralkar M

Die Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle

begleiten die Patienten bei der Bewältigung

ihrer Krankheit/Behinderung.

Die psychosoziale Beratung umfasst konkrete

Hilfestellungen bei persönlichen, beruflichen

und sozialen Belastungen, entlastende

Gespräche und Krisenintervention.

Ein Schwerpunkt der Physiotherapie liegt

in der Beratung zu Auswahl und Anwendung

von Hilfsmitteln bei neuromuskulären

Erkrankungen. Die Anzahl der Anfragen

zeigt, wie wichtig die Unterstützung in diesem

Bereich für die Patienten ist.

Zusätzlich bieten die Physiotherapeutinnen

für Betroffene und Kollegen Beratung bei

der Auswahl geeigneter Therapien an.

Durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit

ist umfassende Unterstützung möglich.

Die enge Kooperation von Medizin, Beratung

und Selbsthilfe drückt sich auch in

der gemeinsamen Vorbereitung und

Durchführung von Veranstaltungen für Betroffene

und ihre Angehörigen aus.

Unter anderem konnten dieses Jahr folgende

Veranstaltungen angeboten werden:

• ALS-Gesprächskreis mit dem Thema:

„Atemtherapie“

• Familienwochenende für Eltern, deren

Kinder von Duchenne betroffen sind

• Segelwochenende am Wolfgangsee für

Kinder mit unterschiedlichen neuromuskulären

Erkrankungen

• Wochenendseminar in der Langau für erwachsene

Betroffene und deren Angehörige

Publikationen

Schoser B, Timchenko L. Myotonic dystrophies

1 and 2: complex diseases with complex mechanisms.

Curr Genomics 2010;11(2):77-90.

Clemen CS, Tangavelou K, Strucksberg KH,

Just S, Gaertner L, Regus-Leidig H, Stumpf M,


Reimann J, Coras R, Morgan RO, Fernandez

MP, Hofmann A, Müller S, Schoser B, Hanisch

FG, Rottbauer W, Blümcke I, von Hörsten S, Eichinger

L, Schröder R. Strumpellin is a novel valosin-containing

protein binding partner linking

hereditary spastic paraplegia to protein aggregation

diseases. Brain 2010;133(10): 2920-

2941.

Fratter C, Gorman GS, Stewart JD, Buddles M,

Smith C, Evans J, Seller A, Poulton J, Roberts

M, Hanna MG, Rahman S, Omer SE, Klopstock

T, Schoser B, Kornblum C, Czermin B, Lecky B,

Blakely EL, Craig K, Chinnery PF, Turnbull DM,

Horvath R, Taylor RW. The clinical, histochemical,

and molecular spectrum of PEO1 (Twinkle)linked

adPEO. Neurology 2010;74(20):1619-

1626.

Skuban T, Klopstock T, Schoser B. Lipid storage

myopathies: A clinical and pathobiochemical

challenge. Nervenarzt 2010;81:1460-1466.

Reilich P, Schoser B, Schramm N, Krause S,

Schessl J, Kress W, Müller-Höcker J, Walter

MC, Lochmuller H. The p.G154S mutation of

the alpha-B crystallin gene (CRYAB) causes late-onset

distal myopathy. Neuromuscul Disord

2010;20(4):255-259.

Reilich P, Schramm N, Schoser B, Schneiderat

P, Strigl-Pill N, Müller-Höcker J, Kress W, Ferbert

A, Rudnik-Schöneborn S, Noth J, Lochmüller

H, Weis J, Walter MC. Facioscapulohumeral

muscular dystrophy presenting with unusual

phenotypes and atypical morphological features

of vacuolar myopathy. J Neurol 2010;257(7):

1108-1118.

Kirzinger L, Schmidt A, Kornblum C, Schneider-

Gold C, Kress W, Schoser B. Side effects of

anesthesia in DM2 as compared to DM1: a

comparative retrospective study. Eur J Neurol

2010;17(6):842-845.

Strothotte S, Strigl-Pill N, Grunert B, Kornblum

C, Eger K, Wessig C, Deschauer M, Breunig F,

Glocker FX, Vielhaber S, Brejova A, Hilz M, Reiners

K, Müller-Felber W, Mengel E, Spranger M,

Schoser B. Enzyme replacement therapy with

alglucosidase alfa in 44 patients with late-onset

glycogen storage disease type 2: 12-month results

of an observational clinical trial. J Neurol

2010;257(1):91-97.

Auer-Grumbach M, Olschewski A, Papi L, Kre-

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

mer H, McEntagart ME, Uhrig S, Fischer C,

Fröhlich E, Bálint Z, Tang B, Strohmaier H,

Lochmüller H, Schlotter-Weigel B, Senderek J,

Krebs A, Dick KJ, Petty R, Longman C, Anderson

NE, Padberg GW, Schelhaas HJ, van Ravenswaaij-Arts

CM, Pieber TR, Crosby AH,

Guelly C. Alterations in the ankyrin domain of

TRPV4 cause congenital distal SMA, scapuloperoneal

SMA and HMSN2C. Nat Genet

2010;42(2):160-4.

Beckmann BM, Holinski-Feder E, Walter MC,

Haserück N, Reithmann C, Hinterseer M, Wilde

AA, Kääb S.Laminopathy presenting as familial

atrial fibrillation. Int J Cardiol 2010;145:394-396.

Walter MC, Czermin B, Muller-Ziermann S, Bulst

S, Stewart JD, Hudson G, Schneiderat P, Abicht

A, Holinski-Feder E, Lochmüller H, Chinnery PF,

Klopstock T, Horvath R. Late-onset ptosis and

myopathy in a patient with a heterozygous insertion

in POLG2. J Neurol 2010;257(9):1517-

23.

Stober A, Aleo A, Kuhl V, Bornemann A, Walter

MC, Lochmüller H, Lindner A, Krause S. Novel

missense mutation p.A310P in the GNE gene in

autosomal-recessive hereditary inclusion-body

myopathy/distal myopathy with rimmed vacuoles

in an Italian family. Neuromuscul Disord

2010;20(5):335-6.

Spengos K, Walter MC, Dekomien G, Papadopoulos

K, Lochmüller H, Manta P. C283Y mutation

in the gamma-sarcoglycan gene in Greek

Gypsies with severe limb girdle muscular dystrophy.

Eur J Neurol. 2010;17(6):41-2.

Escher C, Lochmüller H, Fischer D, Frank S,

Reimann J, Walter MC, Ehrat M, Ruegg MA, Gygax

D. Reverse protein arrays as novel approach

for protein quantification in muscular

dystrophies. Neuromuscul Disord 2010;20(5):

302-9.

Alston CL, Bender A, Hargreaves IP, Mundy H,

Deshpande C, Klopstock T, McFarland R, Horvath

R, Taylor RW. The pathogenic m.3243A>T

mitochondrial DNA mutation is associated with

a variable neurological phenotype. Neuromuscul

Disord 2010;20(6):403-6.

Lederer SR, Klopstock T, Schiffl H. MELAS: a

mitochondrial disorder in an adult patient with a

renal transplant. Wien Klin Wochenschr 2010;

122(11-12):363-5.

27


Neuromuskuläres Zentrum Berlin

Neuromuskuläres Zentrum Berlin

Leiterin:

Prof. Dr. Simone Spuler

Hochschulambulanz für Muskelkrank -

heiten der Charité

Sprecher:

PD Dr. Arpad von Moers

Kliniken für Kinder- und Jugendmedizin

DRK-Klinikum Westend

Struktur der ambulanten Versorgung in

Berlin – im Fokus: Neuigkeiten 2010

Die Hochschulambulanz für Muskelkrankheiten

der Charité arbeitet weiterhin unter

Leitung von Prof. Dr. Simone Spuler und

drei zusätzlichen ärztlichen Mitarbeitern –

Dr. Verena Schöwel, Joanna Schneider. Dr.

Knoblauch ist nach bestandener Facharztprüfung

aus Berlin verzogen. Dafür übernimmt

Dr. Ulrike Grieben diese Stelle und

wird auch die Durchführung der klinischen

Studien betreuen. Die Aufgabe der Hochschulambulanz

ist wissenschaftlich ausgerichtet

und viele Patienten sind in klinischen

Studien beteiligt. Die Versorgung

der Patienten mit Muskelkrankheiten hat

sich im vergangenen Jahr sehr erfolgreich

auf mehrere Standorte verteilt. Im Erwachsenenbereich

der Neurologischen Poliklinik

der Charité leitet weiterhin Dr. Huberta

Engelhardt den Bereich Muskelambulanz.

Die Ambulanz im DRK Krankenhaus Köpenick

von Dr. Georg Scherzinger wird ab Januar

2011 eingestellt – vielleicht nur temporär.

In der Neuropädiatrie gibt es unverändert

die Ambulanz von Chefarzt PD Dr.

Arpad von Moers am DRK-Klinikum Westend

sowie die Versorgung im Sozialpädiatrischen

Zentrum am Virchow Campus der

Charité. Eine spezialisierte Sprechstunde

für das Postpolio-Syndrom bietet Dr. Manfred

Tesch an. Die Motoneuronsprechstunde

von Prof. Dr. Thomas Meyer der Neuro-

28

logischen Poliklinik am Virchow Campus

der Charité rundet das ambulante Spektrum

in Berlin ab.

Forschungsaktivitäten – im Fokus:

Neuigkeiten 2010

Im April 2010 hat das weltweit erste Graduiertenkolleg

zum Thema „Muskelwissenschaften“

seine Arbeit aufgenommen –

MyoGrad (DFG GK1631).

Das Institute de Myologie in Paris unter

Leitung von Prof. Dr. Thomas Voit ist die

Partnerinstitution des Programms. Sprecherin

ist Prof. Dr. Simone Spuler. Auf französischer

Seite wird das Programm von

Prof. Dr. Thomas Voit und Dr. Helge Amthor

geleitet. Zusätzliche Unterstützung

bekommt das Graduiertenkolleg von der

Deutsch-Französischen Hochschule. Bis

zum Jahresende wurden 15 naturwissenschaftliche

und zwei medizinische Doktoranden

und Doktorandinnen in einem

kompetitiven Auswahlverfahren ins Programm

aufgenommen.

Unter der Leitung von PD Dr. von Moers

wird ab Januar 2011 eine Studie zur Wirkung

von Epigallocatechin-Gallat bei DMD

durchgeführt (SUNIMUD Studie).

Lehr- und Ausbildungstätigkeiten –

im Fokus: Neuigkeiten 2009

Das Muskelzentrum Berlin bietet viermal

im Jahr Klinische Fortbildungsveranstaltungen

für Muskelkrankheiten für niedergelassene

und andere interessierte Kollegen

an. Referenten kommen aus dem Muskelzentrum

oder werden von auswärts ein -

geladen. Ziel dieser Veranstaltung ist, Interesse

und klinische Wachsamkeit für

Muskelkrankheiten anzuregen und Aufmerksamkeit

für diese wenig beachteten

Krankheiten zu wecken. Die Organisation


der Fortbildung obliegt Dr. Verena Schöwel

(verena.schoewel@charite.de). Der Ort der

Fortbildung ist das DRK-Klinikum im Westend

(Spandauer Damm, 14050 Berlin). Die

Veranstaltung ist bei der Ärztekammer zertifiziert.

Eine neurologisch-neuropathologische

Fallbesprechung findet in 14-tägigem Abstand

mit den Mitarbeitern der Neurologischen

Poliklinik der Charité und dem Institut

für Neuropathologie der Charité statt.

Dies ist eine für jeden Interessierten offene

Veranstaltung. Informationen zu Terminen

erteilt das Sekretariat des Instituts für Neuropathologie

oder PD Dr. Werner Stenzel

(werner.stenzel@charite.de).

Eine weitere engagierte Fortbildungsveranstaltung

ist der Qualitätszirkel „EMG in

der neurologischen Diagnostik“. Dr. Martina

Müngersdorf und Dr. Manfred Tesch leiten

dieses Forum. Die Veranstaltung findet

monatlich statt und ist offen für alle Interessenten

aus den Kliniken und der Praxis.

Die Jahresversammlung des Muskelzentrums

Berlin fand am 22. November 2010

in den DRK-Kliniken Westend statt (siehe

Protokol). Prof. Dr. Simone Spuler und PD

Dr. Arpad v. Moers sind 2010 weiterhin als

Leiterin bzw. Sprecher des Zentrums tätig.

Veröffentlichungen aus dem Muskelzentrum:

Wengert O, Meisel A, Kress W, Dekomien G,

Angstwurm K, Heppner FL, Goebel HH, Stenzel

W. Progressive external ophthalmoplegia as initial

manifestation of sporadic late-onset nema -

line myopathy. J Neurol 2010 (epub ahead of print).

Stenzel W, Prokop S, Kress W, Huppmann S,

Loui A, Sarioglu NM, Laing NG, Sparrow JC,

Heppner FL, Goebel HH. Fetal akinesia caused

by a novel actin filament aggregate myopathy

skeletal muscle actin gene (ACTA1) mutation.

Neuromuscul Disord. 2010;20(8):531-3.

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

Spuler S, Krug H, Klein C, Chaure-Medialdea I,

Jakob W, Ebersbach G, Gruber D, Hoffmann K-

T, Trottenberg T, Kupsch A. Myopathy causing

camptocormia in idiopathic Parkinson’s disease:

a multidisciplinary approach. Movement Dis

2010, 15; 25:552-9.

Boschmann M, Engeli S, Moro C, Luedtke A,

Adams F, Gorzelniak K, Rahn G, Mähler A, Dobberstein

K, Krüger A, Schmidt S, Spuler S, Luft

FC, Smith SR, Schmidt HHJ, Jordan J. LMNA

mutations, skeletal muscle lipid metabolism,

and insulin resistance. J Clin Endocrinol Metabol

2010; 95:1634-43.

Utz W, Schmidt S, Schulz-Menger J, Luft FC,

Spuler S. Cardiac involvement in sporadic inclusion

body myositis. Circulation 2010;121:706-8.

Knoblauch H, Geier C, Adams S, Budde B, Rudolph

A, Schulz-Menger J, Spuler A, Ben Yaou

R, Nürnberg, P, Voit T, Bonne G, Spuler S. Contractures

and hypertrophic cardiomyopathy in a

novel FHL1 mutation. Ann Neurol 2010; 67:136-

140.

Rajab A, Straub V, Seelow D, Varon R, Barresi R,

Schulze A, Lucke B, Lützkendorf S, Mohsen K,

McCann LJ, Spuler S, Schuelke M. PTRF-CA-

VIN mutations cause generalized caveolopathy

with lipodystrophy, rippling muscle disease, and

complex cardiac arrhythmias. PLoS Genetics

2010;6:e1000874.

Knoblauch H, Schöwel V, Kress W, Kassner U,

Spuler S. Another side to statin related side effects.

Ann Int Med 2010;152:478-479.

Koch S, Spuler S, Deja M, Weber-Carstens S.

Critical illness myopathy is frequent – accompanying

neuropathy protracts ICU discharge. J

Neurol Neurosurg Psych 2010 (epub ahead of

print).

Brinckmann A, Weiss C, Wilbert F, von Moers A,

Zwirner A, Stoltenburg-Didinger G, Wilichowski

E, Schuelke M. Regionalized pathology correlates

with augmentation of mtDNA copy numbers

in a patient with myoclonic epilepsy with ragged-red

fibers (MERRF-syndrome). PLoS One

2010;5(10):e13513.

29


Neuromuskuläres Zentrum Brandenburg

Neuromuskuläres Zentrum Brandenburg

Leiter:

MR Dr. med. E. Marg

Klinik für Neurologie

ASKLEPIOS Fachklinikum Brandenburg

Sprecher:

Dr. med. V. Heinsius

Klinik für Neurologie

ASKLEPIOS Fachklinikum Brandenburg

Seit dem letzten Jahr haben sich keine wesentlichen

Änderungen ergeben. Das Neuromuskuläre

Zentrum Brandenburg arbeitet

wie zuvor in fächerübergreifender Kooperation

zur Diagnosestellung, Therapie

und Betreuung neuromuskulär Erkrankter.

Die Adressen der verschiedenen Einrichtungen,

die über das Land Brandenburg

verteilt sind, finden sich im Anhang.

Das Neuromuskuläre Zentrum ist an der

Klinik für Neurologie des ASKLEPIOS Klinikums

(AFK) der Stadt Brandenburg/Havel

angesiedelt.

Ca. halbjährlich finden Forbildungsveranstaltungen

v.a. mit Fallvorstellungen statt,

zu denen alle am Neuromuskulären Zentrum

Beteiligten eingeladen werden. Zu

klinikinternen Fortbildungen werden regelmäßig

die niedergelassenen Kollegen der

Neurologie u.a. Fachgebiete eingeladen.

Sprechstunden und Betreuungsstrukturen

Die Sprechstunde in der neuromuskulären

Ambulanz wird einmal wöchentlich in der

Klinik für Neurologie des AFK angeboten.

Die Sprechstunde ist weiterhin gut besucht,

die Sprechzeiten wurden verlängert.

Seit Oktober 2010 wird logopädische Therapie

für neuromuskulär erkrankte Patienten

mit Sprech- und Schluckstörungen

ambulant am Hause angeboten.

30

Im Rahmen der Sprechstunde wird auch

weiterhin eine Sozialberatung für berufliche

Fragen, Hilfsmittelversorgung, Rehabilitation,

Schwerbehindertenrecht u.ä. angeboten.

Die Rheumatologische Klinik bietet in

Brandenburg/Havel und in Treuenbrietzen

eine rheumatologische Sprechstunde an.

Eine neuroorthopädische Sprechstunde

wird von Chefarzt Dr. Pietsch, Klinik für

Neuroorthopädie, im Oberlinhaus (Ernst

von Bergmann Klinikum) in Potsdam angeboten.

Die neuropathologische Untersuchung

von Nerv- und Muskelbiopsien erfolgt unverändert

im Muskellabor der Klinik für

Neurologie des AFK Brandenburg. Hier

können histologische Untersuchungen

von Nerv- und Muskelbiopsien mit allen

gängigen lichtmikroskopischen Methoden

und im Semidünnschnittverfahren durchgeführt

werden.

Für Patienten mit Atemstörungen können

in der Klinik für Pulmologie des Johanniter-

Krankenhauses Treuenbrietzen Schlaflaboruntersuchungen

und die Anpassung einer

Heimbeatmung erfolgen; dies ist in

Einzelfällen auch an der neurologischen

Klinik des AFK Brandenburg möglich.

Die ambulante und stationäre Versorgung

von Kindern mit neuromuskulären Erkrankungen

ist möglich an den SPZ in Cottbus,

Potsdam, Schwedt, Frankfurt/Oder.

Eine kardiologische Betreuung ist im Städtischen

Klinikum Brandenburg möglich.

Die humangenetische Beratung wird weiter

durch Dr. med. Schneider, Fachärztin

für Humangenetik am Ernst v. Bergmann

Klinikum Potsdam, durchgeführt.


Personelle und strukturelle Änderungen

Es wurde eine neue Kooperation mit dem

Medizinisch Genetischen Zentrum München

zur humangenetischen Diagnostik

getroffen. Daneben erfolgt weiterhin eine

Zusammenarbeit mit dem Genetischen

Zentrum Würzburg.

Die Fortführung der neuromuskulären Ambulanz

nach §116b SGB V wurde auch

nach Konkretisierung durch den GBA nun

von der Landesbehörde bewilligt, so dass

die unkomplizierte Zusammenarbeit mit

den nierdergelassenen Ärzten der Region

weiter geführt werden kann.

Selbsthilfeaktivitäten

Mit den Selbsthilfegruppen im Land besteht

regelmäßig Konakt, es finden ein- bis

zweimal pro Jahr Treffen vor Ort oder beim

jährlichen Treffen des Landesverbandes in

Rheinsberg statt.

Zu dem gemeinsamen Treffen der MITO-

NET-Sektionen Nord und Ost in Malchow

(Mecklenburg-Vorpommern) wurde Dr.

Heinsius als Referent geladen.

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

31


Neuromuskuläres Zentrum Dresden

Neuromuskuläres Zentrum Dresden

Leiter:

Prof. Dr. med. Heinz Reichmann

Direktor der Klinik und Poliklinik für

Neurologie

Universitätsklinikum Carl Gustav Carus

Dresden

Sprecher:

Dr. med. Ulrike Reuner

Oberärztin an der Klinik und Poliklinik für

Neurologie

Universitätsklinikum Carl Gustav Carus

Dresden

Kooperierende Kliniken und Institute

am Universitätsklinikum:

• Klinik und Poliklinik für Neurologie

• Klinik und Poliklinik für Kinder- und

Jugendmedizin

• Klinik und Poliklinik für Orthopädie

• Medizinische Kliniken und Polikliniken

sowie MVZ am UKD mit den Arbeitsbereichen

Kardiolgie/Physiotherapie/

Pulmologie/Rheumatologie

• Institut für Klinische Genetik

• Institut für Pathologie

• Institut für Diagnostische Radiologie

Kooperierende Klinik:

Fachkrankenhaus Coswig GmbH

Zentrum für Pneumologie, Thorax- und

Gefäßchirurgie

Neucoswiger Str. 21

01640 Coswig

Kontakt: Ärztliche Leitung Heimbeatmung

und Intermediate-Care

Leitender Oberarzt Dr. Koschel

Kooperierende Kollegen:

Dres. Ute und Dirk Heinicke

Oberärztin bzw. Chefarzt, Fachärzte für

Pädiatrie

32

Rehabilitationsklinik für Kinder, Jugendliche

und junge Erwachsene

Bavaria Klinik Kreischa-Zscheckwitz/

Sachsen

OT Zscheckwitz 1-3

01731 Kreischa

Dr. med. Friedemann Steinfeldt

Facharzt für Orthopädie und Unfall chirurgie

spezielle orthopädische Chirurgie

Leitender Chefarzt

Johannesbad Raupennest AG & Co.

Rehefelder Str. 18

01773 Altenberg

Bewährtes und Neues im Zentrum

Auch im Jahr 2010 wurden Patienten und

Ratsuchende mit Erkrankungen der Muskulatur

und des peripheren Nervensystems

umfassend und interdisziplinär am

Dresdner Zentrum betreut, wobei die

„Muskelsprechstunden“ der Klinik und Poliklinik

für Neurologie und der Klinik und

Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin in

bewährter Weise wieder die Hauptanlauf -

stellen, von denen aus die Diagnostik und

Therapie mit allen o.g. Partnern abgestimmt

wurden, waren.

Die in den Vorjahren eingerichteten

Schwerpunktsprechstunden für Patienten

mit Mitochondriopathien, Myasthenie und

myasthenen Syndromen sowie Motoneuronerkrankungen

gelten als etabliert und

werden rege in Anspruch genommen.

Wie in vorangegangenen Jahren auch,

fanden monatlich interdisziplinäre Sprechstunden

bzw. Zusammenkünfte der Arbeitsgruppen,

einschließlich der Demonstration

und Diskussion neuro- und myopathologischer

Befunde statt.


Das Komitee für klinische Ethikberatung

nutzt die Erfahrungen langjährig tätiger

ärztlicher Mitarbeiter des Muskelzentrums

insbesondere bei der Beratung von Patienten

und Ratsuchenden in Palliativsituationen.

Kooperationen mit Muskelzentren und anderen

Institutionen im In- und Ausland

wurden fortgeführt und gepflegt, so dass

hiesige Patienten und Ratsuchende auch

2010 Zugang zu diagnostischen und therapeutischen

Angeboten hatten, die im

Zentrum selbst nicht vorgehalten werden.

Seit Juli 2010 erfolgt im Erwachsenenbereich

die Abrechnung gemäß § 116b SGB

V, verlässliche Aussagen über Vor- und

eventuell auch Nachteile dieser Organisationsform

sind aber noch nicht möglich.

Eine erste Auswertung mit dem Medizincontrolling

ist im Januar 2011 vorgesehen.

Am 20. Oktober 2010 besuchten Vertreter

der DGM (Herr Dr. von Moers, Herr Ganter,

Herr Führer, Herr Mitttag, Herr Murrer) im

Rahmen der Gütesiegelbeurteilung unser

Zentrum. Nach konstruktivem Dialog sowie

Besichtigung bzw. Begehung der Örtlichkeiten

wurde die Erteilung des Güte -

siegels bestätigt, was alle Mitarbeiter

ermutigt, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen.

Fort- und Weiterbildung

Über das Jahr trafen sich die Kooperationspartner

regelmäßig zu Problemfallbesprechungen

und Vorträgen, die für alle

„am Muskel Interessierten“ fach- und berufsgruppenübergreifend

offen waren und

sowohl von niedergelassenen ärztlichen

und therapeutisch arbeitenden (z.B. Physiotherapeuten)

Kollegen als auch Vertretern

umliegender neurologischer Kliniken

und Fachkrankenhäuser genutzt wurden.

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

Darüber hinaus referierten Mitarbeiter des

Muskelzentrums u.a. in der Akademie für

Palliativmedizin („Neuropädiatrische

Krankheitsbilder und Neuromuskuläre Erkrankungen

in der Pädiatrischen Palliativversorgung“,

Palliativ Care Kurs. Akademie

für Palliativmedizin und Hospizarbeit

Dresden GmbH, Dresden Februar 2010)

und im Rahmen der Fortbildung der Klinik

und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin

sowie der Klinik und Poliklinik für Neurologie

der TU Dresden („Floppy infant –

Diagnostik und Differenzialdiagnose“, 10.

November 2010; „Diagnostisches Vorgehen

bei Hyper-CK-ämie“, 30. November

2010; Videoseminar neuromuskulärer Erkrankungen;

14. Dezember 2010).

Ausgewählte Forschungsaktivitäten/

neue diagnostische und therapeutische

Möglichkeiten

Die Muskelsprechstunde der Abteilung

Neuropädiatrie der Klinik für Kinder- und

Jugendmedizin ist Studienzentrum der

multizentrischen, placebokontrollierten

doppelblinden, randomisierten Studie zur

Untersuchung der prophylaktischen Therapie

der Herzinsuffizienz mit ACE-Hemmern

und Beta-Blockern bei Kindern und

Jugendlichen mit Muskeldystrophie,

DMD-Kardio-Studie (Leiter der klinischen

Prüfung: Prof. Dr. S. Dittrich, Abteilung

Kinderkardiologie der Universität Erlangen).

Eingeschlossen werden männliche

Patienten im Alter zwischen zehn bis 14

Jahren mit Muskeldystrophie Duchenne.

Unter Leitung von Prof. Dr. Angela Hübner

und Oberärztin PD Dr. Maja von der Hagen,

Mitglieder des MD-NET, wurde das

Projekt „Mirosatellitenanalyse als ökonomische

Strategie für die Differenzialdiagnose

neuromuskulärer Erkrankungen“,

S2a Servicestruktur im Rahmen des Muskeldystrophienetzwerkes

(MD-NET) fortgesetzt

bzw. weiterentwickelt (www.md-

33


Neuromuskuläres Zentrum Dresden

net.org). Diese Servicestruktur wird im

Rahmen des Muskeldystrophie-Netzwerkes

seit Januar 2009 für weitere drei Jahre

vom Bundesministerium für Forschung

und Bildung (BMBF) gefördert. Das Linkage-Zentrum

stellt ein Verbindungsglied

zwischen den Muskelzentren und den

spezialisierten molekularen Muskellaboratorien

dar, die weiterführende Mutationsanalysen

und genomweite Kopplungsanalysen

durchführen. Mit der Integration des

MD-NET in das Europäische „Network of

Excellence“ (TREAT-NMD) ist eine enge

Zusammenarbeit mit 21 TREAT-NMDassoziierten

Partnerorganisationen aus elf

europäischen Ländern zustande gekommen.

Seit nunmehr zwei Jahren ist das Zentrum

Dresden (Prof. Dr. Angela Hübner) einer

von 13 Partnern des von der Europäischen

Union geförderten Projektes „NMD-Chip“.

In Rahmen dieses Projektes sollen bis

2011 neue diagnostische Möglichkeiten

auf Chip-Basis für die Erkrankungsgruppen

Gliedergürtel-Muskeldystrophien, angeborene

Muskeldystrophien sowie hereditäre

motorische und sensorische Neuropathien

(Charcot-Marie-Tooth) erarbeitet

werden.

PD Dr. Kathrin Geiger, Leiterin der Abteilung

Neuropathologie am Institut für Pathologie

konnte das Leistungsspektrum ihrer

Abteilung 2010 um die Diagnostik für

Small fiber Neuropathien der Haut mit Immunhistochemie

und Elektronenmikroskopie

an Hautstanzen erweitern. Zu diesem

Zweck wurde der Antikörper Uchl-1 etabliert.

Seit dem 1. August 2010 steht dem

Bereich auch eine weitere TA, K. Jäschke,

zur Verfügung, Dr. M. Meinhardt wird dem

Bereich Neuropathologie ab dem 1. Januar

2011 zu 75 % zur Verfügung stehen.

Bereits laufende Forschungsprojekte wurden

erfolgreich fortgeführt, das etablierte

34

Untersuchungsspektrum zur differenzierten

myo- und neuropathologischen Diagnostik,

das die Analyse von Biopsien von

Skelett- und Herzmuskulatur, Haut- und

Nervenbiopsien sowie Biopsien von Gefäßen

und Buffy coats beinhaltet, wurde weiterhin

ohne Einschränkungen angeboten.

Das Mitochondrien-Labor der Klinik und

Poliklinik für Neurologie (www.neuro.med.

tu-dresden.de/mitolab) hat sein diagnostisches

Angebot bzgl. molekulargenetischer

Diagnostik im letzten Jahr ebenfalls um eine

Reihe neuer Tests erweitert. Zusammen

mit den bereits etablierten Methoden können

nunmehr alle relevanten mitochondrialen

Gene untersucht werden. Das

breite Angebot auf molekulargenetischer

Ebene wird durch umfassende Enzym -

diagnostik ergänzt.

Die fachärztliche Beratung für anfragende

Ärzte und Patienten erfolgte weiterhin

durch Oberarzt Dr. med. Jochen Schäfer,

die Laborleitung liegt unverändert bei Dr.

Sandra Jackson.

Selbsthilfeaktivitäten

Zum Landesverband Sachsen der Deutschen

Gesellschaft für Muskelkranke bestehen

traditionell enge Kontakte und ein

regelmäßiger Austausch (Gesprächskreise,

Kontaktpersonentreffen und -schulungen,

Mitgliederversammlung, Begegnungswochenende

etc.). Die Treffen des

Eltern- und des ALS-Gesprächskreises,

die regelmäßig und unverändert auch ärztlich

begleitet wurden und mehrfach im

Jahr stattfanden, wurden wieder gern angenommen,

wobei stellvertretend für zahlreiche

Aktivitäten das Seminar mit Dipl.-

Psych. H. Schmitz-Peiffer im März des

Jahres zum Thema Krankheitsbewältigung/psychologische

Aspekte bei chronischen

Erkrankungen und der Besuch der

ALS-Gruppe im „Historischen Grünen Gewölbe“

im Dresdner Residenzschloss und


das sich anschließende gemeinsame Mittagessen

im Coselpalais an der Frauenkirche

im Oktober 2010 genannt seien.

Umgekehrt nahmen Vertreter des Landesverbandes

Sachsen an Arbeitstreffen und

Fortbildungsveranstaltungen im Muskelzentrum

teil.

Kontaktperson Elternkreis: Heike Band,

E-Mail: heike.band@dgm.org

Kontaktperson ALS-Kreis: Martina Rädel,

Tel.: 0351/458-3704

Ausgewählte Publikationen:

Borg K, Stucka R, Locke M, Melin E, Ahlberg G,

Klutzny U, von der Hagen M, Huebner A, Lochmüller

H, Wrogemann K, Thornell LE, Blake DJ,

Schoser B. Intragenic deletion of TRIM32 in

compound heterozygotes with sarcotubular

myopathy/LGMD2H. Hum Mutat 2009;30:831-

44.

Kind B, Koehler K, Huebner A. The nuclear pore

complex protein ALADIN is anchored via NDC1

but not via POM121 and GP210 in the nuclear

envelope. Biochem Biophys Res Co 2009;390:

205-10.

Kind B, Koehler K, Krumbholz M, Landgraf D,

Huebner A. Intracellular ROS level is increased

in fibroblasts of triple A syndrome patients. J

Mol Med 2010;88:1233-42.

Kirschner J, Schessl J, Schara U, Reitter B,

Stettner GM, Hobbiebrunken E, Wilichowski E,

Bernert G, Weiss S, Stehling F, Wiegand G, Müller-Felber

W, Thiele S, Grieben U, von der Hagen

M, Lütschg J, Schmoor C, Ihorst G, Korinthenberg

R. Treatment of Duchenne muscular

dystrophy with ciclosporin A: A randomized,

double-blind, placebo-controlled multicentre

trial. Lancet Neurol 2010;9:1053-9.

Kottlors M, Moske-Eick O, Huebner A, Krause

S, Müller K, Kress W, Schwarzwald, R, Bornemann

A, Haug V, Kirschner J. Late-onset autosomal

dominant limb girdle muscular dystrophy

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

and Paget’s disease of bone unlinked to the

VCP gene locus. J Neurol Sci 2010;291:79-85.

Lanfer B, Hermann A, Kirsch M, Freudenberg U,

Reuner U, Werner C, Storch A. Directed growth

of adult white matter stem cell-derived neurons

on aglined fibrillar collagen. Tissue Eng Part A

2010;16(4):1103-13.

Lutz S, Stiegler B, Kress W, von der Hagen M,

Schara U. Kongenitale Strukturmyopathien.

Med Genetik 2009;21:316-21.

Michot C, Hubert L, Brivet M, De Meirleir L, Valayannopoulos

V, Müller-Felber W, Venkateswaran

R, Ogier H, Desguerre I, Altuzarra C,

Thompson E, Smitka M, Huebner A, Husson M,

Horvath R, Chinnery P, Vaz FM, Munnich A, Elpeleg

O, Delahodde A, de Keyzer Y, de Lonlay P.

LPIN1 gene mutations: a major cause of severe

rhabdomyolysis in early childhood. Hum Mut

2010;31:1564-73.

Mihaylova V, Salih MA, Mukhtar MM, Abuzeid

HA, El-Sadig SM, von der Hagen M, Huebner A,

Nürnberg G, Abicht A, Müller JS, Lochmüller H,

Guergueltcheva V. Refinement of the clinical

phenotype in musk-related congenital myasthenic

syndromes. Neurology 2009;73:1926-8.

Mihaylova V, Scola R, Gervini B, Lorenzoni PJ,

Kamoi CK, Stucka R, Guergueltcheva V, von der

Hagen M, Huebner A, Abicht A, Müller JS,

Lochmüller H. Molecular characterization of

congenital myasthenic syndromes in Southern

Brazil. J Neurol Neurosurg Psychiatry

2010;81:973-7.

Yis U, Uyanik G, Heck PB, Smitka M, Nobel H,

Ebinger F, Dirik E, Feng L, Kurul SH, Brocke K,

Unalp A, Ozer E, Cakmakci H, Sewry C, Cirak S,

Muntoni F, Hehr U, Morris-Rosendahl DJ. Fukutin

mutations in non-Japanese patients with

congenital muscular dystrophy: Less severe

mutations predominate in patients with a non-

Walker-Warburg phenotype. Neuromuscular

Disord 2010 (epub ahead of print).

35


Neuromuskuläres Zentrum Freiburg

Neuromuskuläres Zentrum Freiburg

Leiter:

Prof. Dr. R. Korinthenberg

Klinik für Neuropädiatrie und Muskelerkrankungen

am Zentrum für Kinderund

Jugendmedizin Universitätsklinikum

Freiburg

Sprecher:

Dr. J. Kirschner

Klinik für Neuropädiatrie und Muskelerkrankungen

am Zentrum für Kinderund

Jugendmedizin Universitätsklinikum

Freiburg

Wie in den früheren Jahren so standen

auch im Jahr 2010 die umfassende medizinische

Diagnostik und Therapie neuromuskulärer

Erkrankungen im Mittelpunkt

unserer Tätigkeit. Das Zentrum besteht

aus mehreren Arbeitsgruppen von Ärzten

und therapeutischen Mitarbeitern. Die Leitung

des Muskelzentrums Freiburg hat

Prof. Dr. R. Korinthenberg, Sprecher ist Dr.

med. J. Kirschner.

Klinik für Neuropädiatrie und Muskel -

erkrankungen am Zentrum für Kinderund

Jugendmedizin (Ärztlicher Direktor:

Prof. Dr. med. Rudolf Korinthenberg)

In der Muskelsprechstunde werden von

Ärzten und Physiotherapeutinnen muskelkranke

Kinder und Jugendliche betreut.

Hier werden die regelmäßigen Verlaufskontrollen

vorgenommen, sowie kardiologische,

pneumologische, orthopädische

und radiologische Untersuchungen und

gegebenenfalls stationäre Aufenthalte organisiert.

Das Sozialpädagogische Zentrum

der Klinik ist mit seinen sozialpädagogischen

und psychologischen Mitarbeitern

ebenfalls in die Patientenbetreuung

integriert. Mittelpunkt bei der Patientenbe-

36

treuung sind die interdisziplinäre Beratung

und Therapie mit den wissenschaftlich

neuesten Behandlungsverfahren, gestützt

auf die langjährige Erfahrung der Abteilung.

Derzeit betreuen Prof. R. Korinthenberg,

Dr. J. Kirschner, Dr. C. Rensing-Zimmermann

und Dr. Vry etwa 400 Patienten

im Rahmen dieser Sprechstunde.

Lehre und Wissenschaftliche Projekte

Die Klinik für Neuropädiatrie und Muskelerkrankungen

ist involviert in die Ausbildung

von Medizinstudenten, Krankenschwestern/-pflegern

und Physiotherapeuten zum

Thema „neuromuskuläre Erkrankungen“,

im Rahmen von Vorlesungen, Kursen und

Spezialseminaren.

Im Rahmen des vom Bundesministerium

für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten

Muskeldystrophie-Netzwerks MD-

NET (www.md-net.org) besteht seit 2001

in Freiburg das „Koordinationszentrum für

klinische Studien“. Seit Januar 2007 wurde

diese Zentrale im Rahmen des Europäischen

Projekts TREAT-NMD (von der EU

gefördertes „Network of Excellence“ zur

Erforschung und Behandlung von neuromuskulären

Erkrankungen, www.treatnmd.eu)

auf internationale Ebene ausgeweitet.

Durch die Zusammenarbeit von

klinisch tätigen Ärzten, klinischen Pharmakologen,

Biometrikern kann dieses Zentrum

sowohl anderen Kliniken wie auch

der Industrie eine kompetente Unterstützung

bei der Planung, Durchführung und

Auswertung von klinischen Studien im Bereich

von neuromuskulären Erkrankungen

anbieten.

Seit Mai 2010 besteht das von der Europäischen

Union unterstützte Projekt CA-

RE-NMD unter der Leitung von Dr. J.

Kirschner. Bei diesem Projekt geht es um


die Evaluation und Verbesserung der Versorgung

von Patienten mit Muskeldystrophie

Duchenne in verschiedenen europäischen

Ländern.

Gemeinsam mit der Kinderkardiologie Erlangen

(Prof. Sven Dittrich) und dem Muskeldystrophie

Netzwerk wird von Freiburg

aus eine placebokontrollierte multizentrische

Studie zur prophylaktischen Therapie

der Herzinsuffizienz bei Muskeldystrophie

Duchenne organisiert. Die Studie wird vom

Bundesministerium für Bildung und Forschung

(BMBF) finanziert. Seit 2010 werden

an vielen deutschen Zentren Patienten

in diese Studie aufgenommen. Weitere Informationen

finden sie unter www.mdnet.org.

Eine weitere klinische Studie zur

Therapie der spinalen Muskelatrophie Typ

II und III mit Wachstumshormon hat bereits

ausreichend Patienten aufgenommen

und wurde 2010 abgeschlossen. Freiburg

hat sich als klinisches Studienzentrum an

der internationalen Studie der Firma PTC

Therapeutics zur Behandlung von Patienten

mit Muskeldystrophie Duchenne und

prämaturem Stopcodon mit dem Präparat

Ataluren ® beteiligt und nimmt seit Ende

2010 Patienten in zwei verschiedene Studien

zum Exon Skipping (Exon 51) bei

Muskeldystrophie Duchenne auf. Eine unkontrollierte

Studie in Zusammenarbeit mit

dem Universitätsklinikum Köln (Prof.

Schönau) zur Behandlung von gehfähigen

Patienten mit Muskeldystrophie Duchenne

und Spinaler Muskelatrophie mit Vibrationstherapie

hat ebenfalls 2010 begonnen.

Des Weiteren beteiligt sich die Abteilung

an einer internationalen Studie (SMA

Europe) zum natürlichen Krankheitsverlauf

bei Spinaler Muskelatrophie.

Myologisches Labor am Zentrum für

Kinder- und Jugendmedizin (Leitung:

Dr. J. Kirschner)

Neben der Routinediagnostik von eingehenden

Muskel- und Nervenbiopsien (sie-

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

he unten) werden in dem Labor verschiedene

Forschungsarbeiten insbesondere

zur Charakterisierung und Pathophysiologie

von Muskeldystrophien durchgeführt.

Schwerpunktmäßig werden zurzeit die

kongenitale Muskeldystrophie Typ Ullrich

und die Muskeldystrophie Duchenne

(DGM-gefördertes Projekt: „Regeneration

bei der Duchenne-Muskeldystrophie in

Abhängigkeit von der Fibrose“) bearbeitet.

Neurologische Universitätsklinik und

Poliklinik (Ärztlicher Direktor: Prof.

Dr. C. Weiller)

In der Neurologischen Universitätsklinik

und Poliklinik im Neurozentrum werden

einmal wöchentlich eine Muskelsprechstunde

und eine ALS-Sprechstunde für

Erwachsene abgehalten. Verantwortlich

für diese Sprechstunden ist Prof. Glocker,

der die Sprechstunden gemeinsam mit Dr.

I. Kaupp und Dr. B. Heimbach durchführt.

In Kooperation mit dem Institut für

Geschichte und Ethik (Prof. Maio) berät

Dr. Heimbach ethische Fragen zum Krankheitsverlauf

und zum Lebensende, führt

Hilfsmittelberatungen durch und koordiniert

die Zusammenarbeit mit der Palliativstation

(PD Dr. Becker) zur Versorgungsoptimierung

unserer ALS-Patienten.

Zusätzlich bieten wir in Kooperation mit

der Tom-Wahlig-Stiftung eine HSP-Sprechstunde

an. An zwei Nachmittagen führen

Dr. Kottlors, leitender Oberarzt der Seidel-

Klinik, und Prof. Glocker zusätzlich eine

Muskelsprechstunde in Bad Bellingen

durch. Ein klinisch-wissenschaftlicher

Schwerpunkt stellen derzeit paraspinale

Muskelerkrankungen als Ursache chronischer

Rückenschmerzen dar.

Eine wachsende Zahl von Patienten mit

unverstandenen Muskelschmerzen und

ungeklärten CK-Erhöhungen, als deren Ursache

sich mit zunehmender Häufigkeit

abortive oder blande Formen von Gliedergürteldystrophien

sowie metabolische und

37


Neuromuskuläres Zentrum Freiburg

myotone Myopathien herausstellen, werden

in den angebotenen Sprechstunden

vorstellig. Weiterhin werden erhebliche

Ressourcen in die Enzymersatztherapie

bei Morbus Pompe eingebracht, die in der

Tagesklinik der Neurologischen Universitätsklinik

durchgeführt wird.

Mit Frau Gumpert begleitet eine erfahrene

Sozialarbeiterin unsere Sprechstunden,

wodurch sich die Betreuung unserer Patienten

weiter optimiert hat.

Auch im vergangenen Jahr hat die hervorragende

Zusammenarbeit mit den komplementären

Einrichtungen, insbesondere

der Pneumologie, der Sportmedizin, der

Myopathologie und der Humangenetik eine

effiziente und optimale Betreuung und

Beratung der Patienten mit kurzen Informationswegen

ermöglicht. In regelmäßigen

neuropathologisch-klinischen Fallkonferenzen,

die von der Abteilung Neuropathologie

durchgeführt und von Prof. Göbel

moderiert werden, werden ungewöhnliche

und besonders lehrreiche Fälle in einem

interdisziplinären Rahmen mit Neurologen,

Neuropädiatern, Rheumatologen und

Neuroradiologen vorgestellt und diskutiert.

Analyse von Muskel- und Nervenbiopsien

(Myologisches Labor am Zentrum

für Kinder- und Jugendmedizin und

Abteilung Neuropathologie im Neurozentrum)

Die Analyse von Muskel- und Nervenbiopsien

erfolgt in enger Zusammenarbeit von

dem Myologischen Labor am Zentrum für

Kinder- und Jugendmedizin (Leiter: Dr. J.

Kirschner) und der Abteilung Neuropathologie

(Prof. Dr. M. Prinz) unter anderem

durch regelmäßige Fallkonferenzen.

Pro Jahr werden etwa 250 Muskel- und

Nervenbiopsate aus dem Universitätsklinikum

Freiburg sowie von zahlreichen auswärtigen

Kliniken im Bereich neuromuskuläre

Pathologie analysiert. Es wird dabei

die differenzierte myo- und neuropatholo-

38

gische Diagnostik aller myogenen und

neuromuskulären Erkrankungen durchgeführt.

Dazu gelangen neben der Routinehistologie

mit Standardfärbungen die notwendigen

und umfangreichen histochemischen,

enzymhistochemischen, und

immunhisto-chemischen Untersuchungen

(u. a. Dystrophin, Spektrin, sämtliche Sarkoglykanproteine,

Merosin, Kollagen VI,

Alpha-Dystroglykan sowie Intermediärfilamente

wie Desmin und Titin) zum Einsatz.

Ergänzt werden diese Untersuchungen

durch computergestützte Morphometrie

von Nerv und Muskel sowie durch Membranproteinanalysen

im Westernblot. Die

lichtmikroskopisch-histochemischen Ergebnisse

werden gestützt und erweitert

durch die elektronenmikroskopische Analyse

von Nerv und Muskel im Laborbereich

für Elektronenmikroskopie.

Zusätzlich notwendige biochemische Untersuchungen,

molekulargenetische Untersuchungen

und andere Analysen erfolgen

in Zusammenarbeit mit anderen Instituten.

Zur Qualitätssicherung wird eine ausführliche,

mindestens zweimal pro Semester

stattfindende interdisziplinäre Fallkon -

ferenz ausgerichtet, in der Problemfälle

zwischen den Fachkollegen erörtert werden.

Weitere Informationen sind unter

folgender Internetadresse erhältlich: www.

uniklinik-freiburg.de/neuropathologie/live/

index.html.

Klinik III: Angeborene Herzfehler/

Pädiatrische Kardiologie am Zentrum

für Kinder- und Jugendmedizin (Ärzt -

liche Direktorin Prof. B. Stiller)

Hier erfolgt die kardiologische Diagnostik

und Therapie von Kindern. Im Rahmen der

Betreuung von Patienten mit Muskeldystrophie

Duchenne wird die Studie zur

Herzfunktion mittels der innovativen Echokardiografie

und Gewebedoppler fortgesetzt.

Erwachsene Patienten werden kardiologisch

in der Medizinischen Universi-


tätsklinik, Abteilung für Kardiologie (Ärztlicher

Direktor: Prof. Dr. Bode) behandelt.

Alle erforderlichen Untersuchungs- und

Behandlungsverfahren stehen hier zur Verfügung.

Sektion Kinder- und Schwerbehindertenorthopädie

am Department für

Orthopädie und Traumatologie

(Ärztlicher Leiter: Dr. Schwering)

Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen

werden in der Sektion ambulant und

stationär untersucht und behandelt. Die

Sprechstunde für Kinder und Jugendliche

leitet Dr. Schwering. Als Schularzt werden

in den örtlichen Körperbehindertenschulen

in Emmendingen-Wasser regelmäßig Visiten

abgehalten. Das Angebot der Versorgung

reicht von der radiologischen Diagnostik

über die orthopädische Beratung

bis hin zu speziellen Hilfsmittelversorgungen

und Operationen. Die Wirbelsäulenoperationen

werden in Zusammenarbeit

mit Oberarzt Dr. Knöller durchgeführt.

Abteilung für Pneumologie der

Universitätsklinik (Ärztlicher Direktor:

Prof. Dr. Müller-Quernheim)

Für Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen

bietet die Abteilung eine diagnostische

Abklärung mit Messung der

Lungenfunktion und Atemmuskelkraft an.

Falls erforderlich, erfolgt die Einleitung und

Kontrolle einer außerklinischen Beatmung,

entweder als nicht-invasive Beatmung via

Gesichtsmaske oder invasive Beatmung

via Tracheostoma. Schlafbezogene Atemstörungen

können in einem Schlaflabor

weiter abgeklärt und gegebenenfalls entsprechend

therapiert werden. Prof. Dr.

Windisch aus der Abteilung Pneumologie

ist 1. Vorsitzender der AG Heimbeatmung

und Respiratorentwöhnung e.V. (AGH),

stellvertretender Sprecher der Sektion Intensiv-

und Beatmungsmedizin der Deutschen

Gesellschaft für Pneumologie und

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

Beatmungsmedizin e.V. (DGP) sowie Sekretär

der wissenschaftlichen Gruppe

(02.02. – nicht-invasive Beatmung) der European

Respiratory Society (ERS). Hier

wird es unter anderem um die außerklinische

Beatmung von Patienten mit Muskelerkrankungen

gehen.

Prof. Dr. Windisch ist zudem federführender

Autor der S2–Leitlinie „Nicht-invasive

und invasive Beatmung als Therapie der

Chronischen respiratorischen Insuffizienz“,

herausgegeben von der DGP unter

dem Dach der Arbeitsgemeinschaft Wissenschaftlich-MedizinscherFachgesellschaften

(AWMF). Diese Leitlinie behandelt

als Schwerpunkt auch die spezielle Gruppe

der neuromuskulären Erkrankungen

und wurde 2010 publiziert.

Forschungsschwerpunkte der Abteilung

sind die technischen und physiologischen

Aspekte der nicht-invasiven Beatmung,

die gesundheitsbezogene Lebensqualität

bei Patienten mit außerklinischer Beatmung

und die Messung der Atemmuskelfunktion.

Abteilung für Rehabilitative und

Präventive Sportmedizin der Medizinischen

Universitätsklinik (Ärztlicher

Direktor: Prof. Dr. H.-H. Dickhuth)

Die Abteilung bietet die Diagnostik mit

Spiroergometrie mit Laktat- und Ammoniakmessung

an. Diese sind vor allem bei

Verdacht auf metabolische Muskelerkrankungen,

wie z.B. Mc Ardle Syndrom oder

MAD-Mangel, indiziert. Im Jahr 2010 blieb

die Zahl der Untersuchungen bei ca. 100

mit dieser Fragestellung auf dem Niveau

des Vorjahrs. Hauptverantwortlicher Arzt

ist PD Dr. Y.O. Schumacher.

Institut für Humangenetik (Ärztliche

Direktorin: Prof. Dr. med. Dr. rer. nat.

Judith Fischer)

Die genetische Beratungsstelle des Instituts

führt die Beratung von Patienten und

39


Neuromuskuläres Zentrum Freiburg

ihrer Familien durch. Die fachärztliche Beratung

wird ergänzt durch sozialrechtliche

und psychosoziale Beratung durch die Sozialarbeiterinnen

der Beratungsstelle. Das

Institut bietet die molekulargenetische Diagnostik

der Typ 2/„Cobblestone“ Lissenzephalien

(Walker-Warburg-Syndrom,

Muscle-Eye-Brain-Disease, Fukuyama

kongenitale Muskeldystrophie), die mit einer

Muskeldystrophie einhergehen. Dies

wird durch die Mutationsanalyse in den

Genen POMT1, POMT2, POMGNT1,

FCMD, FKRP und LARGE durchgeführt.

Publikationen

Kirschner J. Therapie der Muskeldystrophie Duchenne.

Pädiat Praxis 2010;75:495-503.

Kirschner J, Schessl J, Schara U, Reitter B,

Stettner GM, Hobbiebrunken E, Wilichowski E,

Bernert G, Weiss S, Stehling F, Wiegand G, Müller-Felber

W, Thiele S, Grieben U, von der Haug

V, Hagen M, Lütschg J, Schmoor C, Ihorst G,

Korinthenberg R. Treatment of Duchenne muscular

dystrophy with ciclosporin A: a randomised,

double-blind, placebo-controlled multicentre

trial. Lancet Neurology 2010;9:1053-59.

Kottlors M, Kirschner J. Elevated satellite cell

number in Duchenne muscular dystrophy. Cell

Tissue Res 2010;340:541-8.

Kottlors M, Moske-Eick O, Huebner A, Krause

S, Mueller K, Kress W, Schwarzwald R, Bornemann

A, Haug V, Heitzer M, Kirschner J. Lateonset

autosomal dominant limb girdle muscular

dystrophy and Paget’s disease of bone unlinked

to the VCP gene locus. J Neurol Sci

2010;291:79-85.

Venhoff N, Lebrecht D, Deveaud C, Beauvoit B,

Bonnet J, Müller K, Kirschner J, Venhoff AC,

Walker UA. Oral uridine supplementation antagonizes

the peripheral neuropathy and encephalopathy

induced by antiretroviral nucleoside

analogues. AIDS 2010;24:345-52.

40

Windisch W, Brambring J, Budweiser S, Dellweg

D, Geiseler J, Gerhard F, Köhnlein F, Mellies

U, Schönhofer B, Schucher B, Siemon K, Walterspacher

S, Winterholler M, Sitter H für die

Projektgruppe „Nicht-invasive und invasive Beatmung

als Therapie der chronischen respiratorischen

Insuffizienz“. Nicht-invasive und invasive

Beatmung als Therapie der chronischen

respiratorischen Insuffizienz: S2-Leitlinie herausgegeben

von der Deutschen Gesellschaft

für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V.

Pneumologie 2010;64:207-240.


Neuromuskuläres Zentrum Göttingen

Leiter:

Prof. Dr. Ekkehard Wilichowski

Abteilung Pädiatrie II,

Schwerpunkt Neuropädiatrie

Universitätsmedizin Göttingen

Sprecher:

PD Dr. Jens Schmidt

Abteilung Neurologie und

Abteilung Neuroimmunologie

Universitätsmedizin Göttingen

Abteilung Neurologie

Die Arbeitsgruppe Muskelimmunbiologie

wird von Dr. Schmidt geleitet und umfasst

zehn wissenschaftliche Mitarbeiter bzw.

Doktoranden und MTA. Der Schwerpunkt

der Forschung liegt weiterhin im Bereich

der Pathomechanismen der sporadischen

Einschlusskörpermyositis (sporadic inclusion

body myositis, sIBM). Frau Dr. Ingrid

Muth hat als Mitglied der AG den Felix-Jerusalem-Juniorpreis

der DGM erhalten

(siehe gesonderten Bericht in dem vorliegenden

Buch). Ihre preisgekürte medizinische

Doktorarbeit zum Thema Zellstress

und B-Crystallin bei der sIBM wurde 2009

im JNNP veröffentlicht. Neben dem Fokus

auf die sIBM befasst sich die Arbeitsgruppe

mit dem Modell der Duchenne’schen

Muskeldystrophie, vor allem im Bereich

der experimentellen Therapie.

Es wurden Untersuchungen zur Autophagie

im Muskel fortgeführt, nachdem diese

Mechanismen von der Arbeitsgruppe vor

wenigen Jahren bei der sIBM erstmals demonstriert

worden sind (Lünemann/

Schmidt et al. Ann Neurol 2007). In einer

weiteren medizinischen Doktorarbeit konnte

Christian Keller im Berichtszeitraum zeigen,

dass das Zytokin TNF- die makroautophagische

Aktivität im Muskel verstärkt

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

und darüber hinaus die Expression von

MHC-Klasse 2 Molekülen auf der Zelloberfläche

vermehrt (Keller et al. 2010). Er konnte

demonstrieren, dass eine ansteigende

Konzentration von TNF- in Myoblasten zu

einer deutlichen Erhöhung des Autophagie-

Markers light-chain Protein-3 II führte. Ein

solcher Effekt blieb nach Exposition von

Muskelzellen zu anderen Zytokinen wie

IFN- oder IP-10 deutlich geringer und war

bei anderen Zellen wie Keratinozyten nicht

vorhanden. Ebenfalls nur in Myoblasten,

nicht jedoch in Keratinozyten, wurde die

IFN- induzierte Expression von MHC-Klasse

2 Molekülen durch TNF- signifikant verstärkt.

Diese MHC-Regulation durch TNFwurde

durch die Blockade von Autophagie

mittels

3-Methyladenin ebenso wie durch Zellpermeabilisation

unterbunden, was bedeutet

dass TNF- eine Translokation entsprechender

MHC-Moleküle induziert. Immunhistochemische

Färbungen an Muskelbiopsien

von Patienten mit sIBM zeigten, dass

über 20 Prozent der Muskelfasern, die eine

erhöhte autophagische Aktivität aufwiesen,

auch positiv waren für MHC-Klasse 2; des

Weiteren waren fast die Hälfte dieser Fasern

auch von CD4-positiven sowie CD8positiven

T-Zellen umstellt. Die Daten untermauern

die Bedeutung autophagischer

Mechanismen bei der sIBM. Insbesondere

könnte dieser Weg der Prozessierung von

intrazellulären Proteinen über eine entsprechende

Antigenpräsentation auch die zelluläre

Immunantwort im Muskel triggern bzw.

verstärken (Schmidt et al. 2010a und b).

Die Projekte der AG werden weiterhin u.a.

durch die Fritz-Thyssen-Stiftung, die Association

Française contre les Myopathies

(AFM) und die „Aktion benni und co“ gefördert.

41


Neuromuskuläres Zentrum Göttingen

Abteilung Pädiatrie II, Schwerpunkt

Neuropädiatrie

Die interdisziplinäre Neuromuskuläre

Sprechstunde für Kinder und Jugendliche

ist weiterhin integraler Bestandteil des Sozialpädiatrischen

Zentrums (SPZ Göttingen)

und hat ein unverändertes Leistungsangebot.

Die neuropädiatrischen, physiotherapeutischen,

Hilfsmittel-beraterischen,

ergotherapeutischen, neuropsychologischen

und sozialmedizinischen Leistungen

werden an zwei Tagen der Woche

(Mittwoch nachmittags, Donnerstag vormittags)

angeboten. Die ärztliche Betreuung

erfolgt unverändert durch ein Team,

das Kolleginnen und Kollegen der Kinderorthopädie,

Neurologie, Pädiatrischen Kardiologie,

Pulmologie (Bovenden-Lenglern)

und Radiologie umfasst. In der „Muskelambulanz“

werden 300 bis 330 Kinder und

Jugendliche regelmäßig betreut.

Schwerpunkt Kinderorthopädie

Die Patienten des neuromuskulären Zentrums

werden bei Bedarf weiterhin auch

kinderorthopädisch (Leitung: Prof. A.K.

Hell) betreut. In Kooperation mit Neuropädiatern

und Physiotherapeuten werden

adäquate konservative und operative Konzepte

für betroffene Kinder und Jugendliche

erarbeitet. Neben der Orthesenversorgung

und Krankengymnastik werden bei

Bedarf wirbelsäulenstabilisierende Operationen,

Operationen zur Hüftrekonstruktion

oder zur Behandlung von Gelenkkontrakturen

durchgeführt. Hier ist eine frühzeitige

Beratung der Familien wichtig. Die interdisziplinäre

Abklärung der Patienten hilft,

dass Operations- und Narkoserisiko zu

minimieren und einen optimalen Behandlungserfolg

zu gewährleisten.

Arbeitsgruppe Dysferlin

Im Jahr 2008 wurde die Arbeitsgruppe

Dysferlin unter der Leitung von Dr. med.

Lars Klinge als Teil des Muskellabors der

42

Abteilung Pädiatrie II eingerichtet. Schwerpunkt

der Arbeitsgruppe ist die Untersuchung

der zellbiologischen Funktion von

Dysferlin im gesunden Skelettmuskel sowie

in der Pathogenese von Muskeldystrophien.

Nach einer initialen Förderung

durch das Forschungsförderprogramm der

Universitätsmedizin Göttingen werden die

Arbeiten der Gruppe nun durch eine Sachbeihilfe

der Deutschen Forschungsgemeinschaft

gefördert.

In einer experimentellen Arbeit wurde eine

bislang unbekannte Pathologie des T-Tubulussystems

im Dysferlin-defizienten

Skelettmuskel beschrieben. Zudem wurde

gezeigt, dass Dysferlin im regenerierenden

Skelettmuskel der Ratte mit dem T-Tubulussystem

assoziiert ist (Klinge et al.

2010a). In einer Kohorte von Dysferlin-defizienten

Patienten konnte gezeigt werden,

dass sich die Dysferlin-defiziente Muskeldystrophie

bereits im Kindesalter manifestieren

kann und dass Dysferlin-defiziente

Patienten vor dem Auftreten der Muskelschwäche

durch eine sehr gute Muskelkraft

und Sportlichkeit gekennzeichnet

sind (Klinge et al. 2010b).

Weiterhin wurden in Zusammenarbeit mit

der Abteilung Molekulare Kardiologie (Leitung:

Prof. Dr. R. Knöll) des Herzzentrums

der Universitätsmedizin Göttingen ein

myopathischer Phänotyp eines Knock-In

Mausmodells einer häufigen Mutation im

muscle LIM Protein beschrieben (Knoll et

al. 2010). Diese Mutation war bislang insbesondere

mit dem Phänotyp einer Kardiomyopathie

assoziiert.

In Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe

Muskelimmunbiologie unter der Leitung

von Dr. Jens Schmidt wird die Immunglobulin-Behandlung

am Modell der mdx-

Maus als potentielle Therapieform der

Muskeldystrophie Duchenne untersucht.


Abteilung Neuropathologie

Im Rahmen der neuropathologischen Diagnostik

von Muskelbiopsien im Neuromuskulären

Zentrum Göttingen finden

monatlich interdisziplinäre Muskelbiopsiekonferenzen

in der Neuropathologie statt,

die von Prof. Dr. H. H. Goebel moderiert

werden. An diesen Konferenzen sind neben

den Arbeitsgruppen der Abteilungen

Neurologie (PD Dr. J. Schmidt), Neurophysiologie

(PD Dr. D. Liebetanz), Neuropädiatrie

(Prof. Dr. E. Willichowski, Dr. L. Klinge)

und Neuropathologie (PD Dr. W. Schulz-

Schaeffer und Mitarbeiter des Instituts) der

Universitätsmedizin Göttingen auch Mitarbeiter

der Neuropathologie (Dr. A. Brandis)

und des Sozialpädiatrischen Zentrums der

Medizinischen Hochschule Hannover beteiligt.

Ziel dieser Konferenzen ist es, eine

Synthese zwischen klinischen Krankheitsbildern

und neuropathologischen Befunden

zu bilden. Für die Diagnostik stehen

eine breite Palette enzymhistochemischer

und immunhistochemischer Färbemöglichkeiten,

der Nachweis ultrastruktureller

Veränderungen mittels Elektronenmikroskopie

sowie biochemische und molekulargenetische

Analysemethoden zur Verfügung.

Schwerpunkt der wissenschaftlichen Arbeit

an myopathologischen Fragestellungen

sind muskuläre Veränderungen bei

neurodegenerativen Erkrankungen. Nachdem

gezeigt werden konnte, dass Prionproteinaggregate

in der Muskulatur transgener

Mäuse akkumulieren kann, wurde

untersucht, ob PrPSc auch in Muskeln von

experimentell CJD-infizierten Affen zu finden

ist. In der Tat gelingt dieses bei Tieren,

die mit der BSE-assoziierten Variante der

humanen CJD infiziert worden sind, nicht

jedoch bei Übertragung sporadischer CJD

(Krasemann et al. 2010).

Die Kamptokormie ist ein Krankheitsbild,

das überzufällig häufig, wenn auch nicht

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

ausschließlich, bei Morbus Parkinson zu

finden ist. Die Pathophysiologie und auch

das pathologische Korrelat sind bislang

Gegenstand intensiver Diskussion. In einer

prospektiven Studie konnte gezeigt werden,

dass es sich bei der Kamptokormie

um eine Myopathie handelt (Deuschl et al.

2010; Margraf et al. 2010).

Fortbildungsveranstaltungen

Die interdisziplinären Muskelbiopsie-Konferenzen

werden weiterhin jeden Monat in

der Abteilung Neuropathologie durchgeführt.

Ein freiwilliges Wahlfach „Periphere

Neurologie“ für Studenten ab dem zweiten

klinischen Semester wird mit allen Beteiligten

zusammen abteilungsübergreifend

durchgeführt.

Betreuungsstrukturen, Selbsthilfeaktivitäten

Die Betreuung der Patienten mit neuromuskulären

Erkrankungen erfolgen in den

Spezialsprechstunden der Abteilung Neurologie

und der Abteilung Pädiatrie II,

Schwerpunkt Neuropädiatrie. Näheres

hierzu ist im Anhang dokumentiert. Darüber

hinaus bestehen regionale und überregionale

Kooperationen mit zahlreichen

neurologischen und pädiatrischen Abteilungen

sowie Sozialpädiatrischen Zentren

in Süd-Niedersachsen, Hessen, Thüringen

und Sachsen-Anhalt.

Auswahl wichtiger Publikationen

Deuschl G, Margraf N, Spuler S, Kupsch A,

Schulz-Schaeffer WJ. Camptocormia and myopathy.

Mov Disord 2010;25(15):2689-90.

Margraf NG, Wrede A, Rohr A, Schulz-Schaeffer

WJ, Raethjen J, Eymess A, Volkmann J, Mehdorn

MH, Jansen O, Deuschl G. Camptocormia

in idiopathic Parkinson’s disease: a focal myopathy

of the paravertebral muscles. Mov Disord

2010;25(5):542-51.

43


Neuromuskuläres Zentrum Göttingen

Keller CW, Fokken C, Lee M, Turville SG, Lünemann

A, Schmidt J, Münz C, Lünemann JD.

TNF- induces macroautophagy and regulates

MHC Class II expression in human skeletal

muscle cells. J Biol Chem (epub ahead of print:

JBC/2010/159392).

Klinge L, Harris J, Sewry C, Charlton R, Anderson

L, Laval S, Chiu YH, Hornsey M, Straub V,

Barresi R, Lochmuller H, Bushby K. Dysferlin

associates with the developing T-tubule system

in rodent and human skeletal muscle. Muscle

Nerve 2010;41:166-173.

Klinge L, Aboumousa A, Eagle M, Hudson J,

Sarkozy A, Vita G, Charlton R, Roberts M,

Straub V, Barresi R, Lochmuller H, Bushby K.

New aspects on patients affected by dysferlin

deficient muscular dystrophy. J Neurol Neurosurg

Psychiatry 2010;81:946-953.

Knoll R, Kostin S, Klede S, Savvatis K, Klinge L,

Stehle I, Gunkel S, Kotter S, Babicz K, Sohns M,

Miocic S, Didie M, Knoll G, Zimmermann WH,

Thelen P, Bickeboller H, Maier LS, Schaper W,

Schaper J, Kraft T, Tschope C, Linke WA, Chien

KR. A common MLP (muscle LIM protein) variant

is associated with cardiomyopathy. Circ Res

2010;106:695-704.

Krasemann S, Neumann M, Geissen M, Bodemer

W, Kaup FJ, Schulz-Schaeffer W, Morel N,

Aguzzi A, Glatzel M. Preclinical deposition of

pathological prion protein in muscle of experimentally

infected primates. PLoS One

2010;5(11):e13906.

Schmidt J, Dalakas MC. Pathomechanisms of

inflammatory myopathies: recent advances and

implications for diagnosis and therapies. Expert

Opin Med Diagn 2010;4:241-250.

44


Neuromuskuläres Zentrum Halle

Leiter:

Prof. Dr. S. Zierz

Klinik und Poliklinik für Neurologie

Martin-Luther-Universität

Halle-Wittenberg

Sprecher:

Prof. Dr. M. Deschauer

Klinik und Poliklinik für Neurologie

Martin-Luther-Universität

Halle-Wittenberg

Sprechstunden

In der Klinik für Neurologie werden folgende

Spezialsprechstunden angeboten:

• Myasthenie und neuromuskuläre Überleitungsstörungen

• ALS und Motoneuronenerkrankungen

• Hereditäre Myopathien und Myositiden

• Mitochondriopathien

In der Orthopädischen Klinik wird in der

Ambulanz für Kinderorthopädie eine Behandlung

von neuromuskulären Erkrankungen

angeboten. In der Kinderklinik

werden Kinder mit neuromuskulären Erkrankungen

in der Neuropädiatrischen

Ambulanz betreut.

Fortbildungsveranstaltungen

Einmal im Monat fand die Muskelzentrumskonferenz

statt, zu der alle am Muskelzentrum

Beteiligten eingeladen wurden.

Dabei wurden ausgewählte Patienten

besprochen und die myo-histologischen

Befunde demonstriert. Auch aktuelle Entwicklungen

in der Forschung wurden mitgeteilt.

Vom 18. bis 20. März 2010 fand in Halle

die Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft

für klinische Neurophysiologie und

funktionelle Bildgebung statt. Schwerpunkt

des Kongresses mit ca. 1.000 Teil-

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

nehmern bildeten die neuromuskulären Erkrankungen.

Zu diesem Thema waren Mitarbeiter

aus der Neurologischen Klinik

auch als Referenten und Vorsitzende auf

dem Kongress tätig. Es waren auch aus

anderen deutschen Muskelzentren Referenten

eingeladen. Außerdem referierten

eine Reihe ausgewiesener internationaler

Experten aus verschiedenen Gebieten der

neuromuskulären Erkrankungen, u.a. Prof.

Andrew Engel aus der Mayo-Klinik in Rochester

(kongenitale Myasthenien), Prof.

Angela Vincent aus Oxford (Myasthenia

gravis), Prof. Marianne de Visser aus Amsterdam

(Myositiden), Prof. Andew Eisen

aus Vancouver und Prof. Kerry Mills aus

London (ALS) und Prof. Patrick Chinnery

aus Newcastle upon Tyne (Mitochondriopathien).

Mitarbeiter aus der Neurologischen Klinik

wurden auf verschiedenen anderen Kongressen

und Fortbildungsveranstaltungen

(z.B. International Congress of Clinical

Neurophysiology Kobe/Japan, Neurowoche

Mannheim, onkologischer Arbeitskreis

Halle-Dessau-Magdeburg-Leipzig) als Referenten

und Vorsitzende zu neuromuskulären

Themen eingeladen.

Dr. Lebek aus der Orthopädischen Klinik

hat folgende Vorträge auf dem Gebiet der

neuromuskulären Erkrankungen gehalten:

„Potential and limits of the conservative

treatment of neuromuscular diseases”,

World congress of the international society

for prosthetics and orthotics, Leipzig,

12. Mai 2010

„Purpose and possibilities of orthopaedic

surgery in neurologically impaired children”,

Jahrestagung der Baltic association

of paediatric surgery, Tallinn, 14. Mai 2010

„Does lower limb surgery prolongs ambulation

in Duchenne muscular dystrophy? A

45


Neuromuskuläres Zentrum Halle

controversy.” Karolinska Institute, Stockholm,

8. November 2010

Selbsthilfeaktivitäten

Die Selbsthilfegruppe ALS und die Selbsthilfegruppe

Polyneuropathien der DGM-

Landesgruppe Sachsen-Anhalt treffen

sich regelmäßig in Halle und werden von

Dr. Hanisch aus der Neurologischen Klinik

ärztlich unterstützt.

Therapiestudien

Die Neurologische Klinik nahm an zwei

multizentrische Studien bei ALS-Patienten

teil: Die GERP-Studie zur Bewertung der

Sicherheit und Wirksamkeit von Pioglitazon

bei ALS-Patienten wurde im Jahr 2010

abgeschlossen. In der noch laufenden Mito-Target-Studie,

in die aber keine neuen

Patienten mehr eingeschlossen werden,

wurde die Sicherheit und Wirksamkeit von

TRO19622 untersucht.

Netzwerke

Im BMBF-geförderten MITONET (Netzwerk

für mitochondriale Erkrankungen) ist

die Neurologische Klinik Teil des horizontalen

klinischen Netzwerks. In diesem

Netzwerk werden klinische Daten und Bioproben

von Patienten mit Mitochondriopathien

gesammelt. Die Neurologische Klinik

arbeitet auch in der deutschen ALS-Gruppe

mit, die ein Netzwerk zur klinischen

Forschung der Amyotrophen Lateralsklerose

darstellt. Außerdem sind Mitarbeiter

der Neurologischen Klink Mitglieder im

Muskeldystrophie-Netzwerk MD-NET.

Personelle Veränderungen

Seit 2010 unterstützt F. Haarmann Prof.

Deschauer in der Betreuung der Patienten

mit Mitochondrien-Erkrankungen in der

Spezialsprechstunde der Neurologischen

Universitätsklinik. Dipl.-Biochemikerin M.

Knape hat das Muskellabor verlassen,

nachdem sie die biochemischen Untersu-

46

chungen zum Carnitin-Palmityl-Trans -

ferase-II-Mangel für ihre Promotionsarbeit

abgeschlossen hat.

Diagnostik im Muskellabor der

Neurologischen Klinik

Im Muskellabor werden alle gängigen histologischen

Untersuchungen von Muskelbiopsien

durchgeführt. Das Labor erhält

dabei wertvolle Unterstützung von Prof.

Stoltenburg, emeritierte Neuropathologin

aus Berlin. Darüber hinaus erfolgen im

Muskellabor biochemische Untersuchungen

metabolischer Myopathien und ausgewählte

molekulargenetische Untersuchungen.

Die in Halle entnommenen Suralis-Biopsien

werden im Institut für

Neuropathologie der Universität Aachen

untersucht.

Forschungsaktivitäten

Bei einem deutschen Patienten mit autosomal-dominant

vererbter Motoneuronerkrankung

wurde in Kooperation mit der

Neuropathologie Aachen ein Defekt im

VAPB-Gen identifiziert. VAPB kodiert für

das vesikel-assoziierte Membran-Protein

B, das für die Exozytose-Funktion des endoplasmatischen

Retikulums wichtig ist.

Bislang war ein VAPB-Gendefekt nur in

Brasilien beschrieben worden. Der deutsche

Patient trug die gleiche Mutation

(p.P56S) wie die brasilianischen Fälle. Ein

Haplotypenvergleich im Bereich der Mutation

auf Chromosom 20q13.33 zwischen

dem deutschen Patienten und brasilianischen

Patienten zeigte aber keine Übereinstimmung,

so dass es verschiedene

Gründe der Mutation gegeben haben

muss (Funke et al. 2010).

Die Neurologische Klink war klinischer Kooperationspartner

für eine Untersuchung

des Instituts für Klinische Chemie der Universität

Hamburg. Dabei wurde bei Patienten

mit Pompe-Erkrankung die Aktivität

der Alpha-Glukosidase in Trockenblutpro-


en und in Lymphozyten verglichen. Es

zeigte sich, dass der Trockenblut-Test

Patienten mit Late-onset-Pompe-Erkrankung

sicher erkennt, was den biochemischen

Nachweis der Pompe-Erkrankung

deutlich vereinfacht (Lukacs et al. 2010).

Auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft

für klinische Neurophysiologie

und funktionelle Bildgebung 2010 in Halle

stellten mehrere Mitarbeiter aus der Neurologischen

Klinik ihre aktuellen Forschungsergebnisse

auf dem Gebiet der

neuromuskulären Erkrankungen vor:

• C. Clajus: Polyneuropathie als Plus-

Symptom bei chronisch progressiver

externer Ophthalmoplegie: Phänotypischer

Unterschied zwischen singulären

und multiplen Deletionen der mitochondrialen

DNA

• F. Hanisch: 1) Der Vergleich von Muskel -

enzym- und Entzündungsparametern

zum Diagnosezeitpunkt bei 172 Patienten

mit idiopathischen Myositiden, 2)

Phänotypische Charakterisierung von

Patienten mit zentronukleärer Myopathie

und Mutationen im Dynamin-2-Gen

• T. Kraya: Genotypen und Phänotypen

distaler Myopathie

• M. Lorenz: Multiplex Ligation-dependent

Probe Amplification (MLPA) zum

Nachweis von Veränderungen der mitochondrialen

DNA bei Patienten mit Mitochondriopathien

• P. Tacik: Untersuchung mitochondrialer

Veränderungen bei Patienten mit idiopathischen

Myositiden

• T. Müller: Matrin 3-Myopathie: distal und

axial betonte Myopathie mit pathologischen

Veränderungen des Zellkerns und

der perinukleären Region

Publikationen 2010

Charisius J, Stiefel M, Merkel N, Kornhuber M,

Haase R, Kramm CM. Critical illness polyneuropathy:

a rare but serious adverse event in pe-

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

diatric oncology. Pediatric Blood & Cancer

2010;54:161-5.

Eger K, Jordan B, Habermann S, Zierz S. Beevor’s

sign in facioscapulohumeral muscular

dystrophy: an old sign with new implications. J

Neurol 2010;257:436-8.

Funke AD, Esser M, Krüttgen A, Weis J, Mitne-

Neto M, Lazar M, Nishimura AL, Sperfeld AD,

Trillenberg P, J Senderek, Krasnianski M, Zatz

M, Zierz S, Deschauer M. The P56S mutation in

the VAPB gene is not due to a single founder:

The first European case. Clinical Genetics

2010;77:302-3.

Hanisch F, Grimm D, Zierz S, Deschauer M. Frequency

of the FKRP mutation c.826C>A in isolated

hyperCKemia and limb girdle muscular

dystrophy type 2 in German patients. J Neurol

2010;257:300-1.

Lebek S, Funk J. Möglichkeiten und Grenzen

der Orthesenversorgung bei Kindern mit neuromuskulären

Erkrankungen. Orthopädietechnik

09/10.

Lukacs Z, Nieves Cobos P, Mengel E, Hartung

R, Beck M, Deschauer M, Keil A, Santer R. Diagnostic

efficacy of the fluorometric determination

of enzyme activity for Pompe disease from

dried blood specimens compared with lymphocytes

- possibility for newborn screening. J Inherit

Metabol Dis 2010;33:43-50.

47


Neuromuskuläres Zentrum Hamburg

Neuromuskuläres Zentrum Hamburg

Sprecher:

Dr. Karl-Christian Knop

Muskellabor/Abteilung für Neurologie

Asklepios Klinik St. Georg

Das von der DGM zertifizierte neuromuskuläre

Zentrum Hamburg basiert im Kern

auf einer bewährten Kooperation zwischen

dem Universitätsklinikum Eppendorf, den

Asklepios Kliniken St. Georg, Barmbek und

Harburg, dem Altonaer Kinderkrankenhaus,

dem Klinikum Eilbek, dem Krankenhaus

Großhansdorf sowie Praxen für Neurologie,

Orthopädie, Humangenetik und

Physiotherapie.

Da zahlreiche Patienten auch aus dem

Hamburger Umland kommen, besteht eine

enge Zusammenarbeit des Hamburger

Muskelzentrums mit neurologischen Kliniken

außerhalb Hamburgs (Klinikum Itzehoe,

Westküstenklinikum Heide, Klinikum

Neustadt/Holstein, Schleiklinikum Schleswig,

Friedrich-Ebert-Krankenhaus Neu -

münster, Diakonissenkrankenhaus Flensburg

und Diakonieklinikum Rotenburg/

Wümme, sowie zum DGM-Landesverband

Schleswig-Holstein.

Neben der Neurologie und Kinderheil -

kunde sind alle notwendigen Fachgebiete

vertreten, um eine kompetente und interdisziplinäre

Versorgung von Kindern,

Jugendlichen und Erwachsenen mit Muskel-

und Motoroneuronerkrankungen, Myasthenien

und Neuropathien zu gewährleisten.

Koordinierende und integrative

Funktionen auch innerhalb des Muskelzentrums

übernimmt der Sprecher des

Muskelzentrums.

Das Jahr 2010 im Muskelzentrum war geprägt

durch eine weitere Optimierung der

Zusammenarbeit der beteiligten Kliniken

und Institute durch eine Verbesserung

48

der internen Kommunikation (regelmäßige

Treffen der Mitglieder des Muskelzentrums),

durch regelmäßige interne Muskelkonferenzen,

interne und externe

Fortbildungsveranstaltungen sowie Informationsveranstaltungen

für Betroffene

und Angehörige.

Kooperierende Kliniken, Institute und

Praxen

• Neurologie, Universitätsklinikum

Eppendorf (UKE), Hamburg

• Neurologie, Asklepios Klinik St. Georg,

Hamburg

• Neurologie, Asklepios Klinik Barmbek,

Hamburg

• Neurologie, Neuer Wall, Hamburg

(Dr. Knop)

• Neuropathologie, UKE, Hamburg

• Neuropädiatrie, UKE, Hamburg

• Neuropädiatrie, Altonaer Kinderkranken

haus, Hamburg

• Kinder- und Jugendmedizin, UKE,

Hamburg

• Thoraxzentrum/Beatmungszentrum,

Asklepios Klinik Harburg, Hamburg

• Pneumologie, 2. Medizinische Abteilung,

Asklepios Klinik Barmbek,

Hamburg

• Zentrum für Pneumologie, Krankenhaus

Großhansdorf

• Kinderpulmologie, Altonaer Kinderkrankenhaus,

Hamburg

• Orthopädie, Klinikum Eilbek, Hamburg

• Orthopaediecentrum Waitzstraße,

Hamburg (Dr. Korn)

• Orthopädicum-Hamburg

(Dres. Eggers-Stroeder, Schäfer)

• Kinderorthopädie, Altonaer Kinderkrankenhaus,

Hamburg

• Rheumatologie, Klinikum Eilbek,

Hamburg


• Humangenetik, UKE, Hamburg

• Humangenetische Praxis Altonaer

Straße, Hamburg (Dres. Peters, Kleier)

• TherapeutenTeam Blankenese

(Frau Milius)

• Physiotherapiekunkt Eimsbüttel

(Frau Anderson, Frau Lazardzig)

• Zentrum für Rehabilitationsmedizin,

Berufsgenossenschaftliches Unfallkrankenhaus,

Hamburg

a) Personelle Veränderungen im

Zentrum 2010

• Dr. Gerald Eggers-Stroeder und Dr.

Bernd Schäfer, Orthopädische Praxis in

der Mönckebergstr. 18 (Orthopädicum

Hamburg) haben sich als Ansprechpartner

für Kinder und Erwachsenenorthopädie

der NMZ Hamburg angeschlossen.

• Dr. Grischa Lischetzki, Neuropädiatrie,

Altonaer Kinderkrankenhaus ist Ansprechpartner

in der Kindermuskelsprechstunde

(116b Institutsambulanz

• Anna-Lena Lazardzig und Sarah-Lena

Anderson (Physiotherapiepunkt Eimsbüttel)

haben sich als Erwachsenenphysiotherapeuten

mit Schwerpunkt Muskelerkrankungen

dem NMZ Hamburg

angeschlossen.

b) Forschungsaktivitäten 2010

• Die Rolle von glialen Vorläuferzellen im

Tiermodell der Amyotrophen Lateral -

sklerose (ALS) und die Bedeutung von

Zytokinen wie BDNF und TGF-beta für

die gliale Differenzierung bei neuronaler

Alterung (Neurologie, UKE)

• Pathophysiology of prion accumulation

in muscle (Neuropathologie, Direktor

Prof. Dr. Glatzel, UKE) gefördert von der

DFG (GL589/2)

• Beantragt bei der DGM: Bedeutung des

Plasminogen-Activator-Inhibitor 1 (PAI-1)

für Muskelerkrankungen

• MitoNet Patienten Register (Neurologie

Neuer Wall)

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

c) Fortbildungsveranstaltungen 2010

• Interdisziplinäres Neurokolloquium 2010.

Moderne Diagnostik und Therapie der

Erkrankungen peripherer Nerven am 24.

Februar 2010 (Organisation und Leitung

Neurologie Neuer Wall)

• Außerklinische Beatmung 2010 – Möglichkeiten

und Grenzen. Organisation

und Leitung Dr. K. Thomas, 2. Med. Abteilung

– Pneumologie und internistische

Intensivmedizin, Weaningzentrum am

3. März 2010

• ALS-Info-Tag für Betroffene und Angehörige

am 5. Juni 2010 (Organisation

Prof. Urban, Neurologie AK Barmbek,

Frau Raulfs u.a., DGM Hamburg).

• Richard-Jung-Kolleg, Schwerpunkte

Periphere Neurologie, Neuromuskuläre

Erkrankungen. Organisation und Leitung

Prof. Dr. Urban, Neurologie Asklepios

Klinik Barmbek, 18.-20. Juni 2010.

• Infotag für Eltern muskelkranker Kinder,

Dr. Johannsen, Neuropädiatrie UKE,

Frau Raulfs u.a. DGM Hamburg am

9. September 2010

• Myopathie update 2010. Aktuelles zur Diagnostik

und Therapie primärer Muskelerkrankungen.

Organisation Neurologie Asklepios

Klinik St. Georg (PD Dr. Terborg,

Dr. Rosenkranz) und Neurologie Neuer

Wall (Dr. Knop) am 29. September 2010.

• CIDP Workshop. Organisation und Leitung

Dr. Knop Neurologie Neuer Wall

(24. November 2010)

• Wöchentliche neurologisch-neuropathologisch/myopathologischeKonferenz:

Prof. Glatzel und Mitarbeiter (Neuropathologie

UKE), Dres. Magnus, Gelderblom,

Leypoldt (Neurologie UKE), Dr.

Johannsen (Neuropädiatrie UKE).

• Vorträge namhafte Experten für Neuromuskuläre

Erkrankungen im Rahmen

des „Eppendorfer Kolloquium” (Neurologie,

UKE)

• Neuromuskulärer Qualitätszirkel: Themen

sind Muskelerkrankungen, Myas-

49


Neuromuskuläres Zentrum Hamburg

thenie, Neuropathien, Motorneuronerkrankungen.

Diese Veranstaltung richtet

sich an Kliniker und niedergelassene

Neurologen mit einem neuromuskulären

Schwerpunkt und findet zweimal im

Jahr statt (Organisation und Leitung Dr.

Knop, Neurologie Neuer Wall)

d) Betreuungsstrukturen 2010

Die stationäre Diagnostik von erwachsenen

Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen

erfolgt schwerpunktmäßig in

den neurologischen Kliniken des UKE und

der Asklepios Kliniken Barmbek und St.

Georg. Eine poliklinische Versorgung ist

möglich im UKE, Muskelsprechstunden

(wöchentlich) werden angeboten in den

neurologischen Kliniken des UKE und des

AK St. Georg. Eine Termin-Muskelsprechstunde

gibt es ferner in der neurologischen

Gemeinschaftspraxis Neuer Wall (Dr.

Knop), die eng mit den Muskelsprechstunden

des UKE und AK St. Georg kooperiert.

Kinder und jugendliche Patienten mit

neuromuskulären Erkrankungen werden

stationär und poliklinisch in der Neuro -

pädia trie des UKE behandelt, in enger Kooperation

mit der Kinderklinik des UKE

(Stoffwechselstörungen und Kinderkardiologie)

sowie dem Altonaer Kinderkrankenhaus,

wo die pulmologische und orthopädische

Versorgung erfolgt.

Die Kindermuskelsprechstunde im UKE

findet einmal im Monat statt, in dringenden

Fällen sind Termine auch kurzfristig außerhalb

der Sprechstunde vereinbar, eine weitere

Kindermuskelsprechstunde (§ 116

Ambulanz) gibt es seit diesem Jahr auch

wieder im Altonaer Kinderkrankenhaus,

Termin dort nach Vereinbarung.

Die lichtmikroskopische Befundung von

Muskel- und Nervenbiopsien erfolgt zum

einen im neuropathologischen Institut des

Universitätsklinikums Hamburg Eppendorf

sowie im Muskellabor der neurologischen

Abteilung in der Aspklepios Klinik St.

50

Georg. Dafür stehen alle gängigen histologischen,

enzymhistochemischen und

immunhistochemischen Färbungen zur

Verfügung. Die Semidünnschnitt- und

elektronenmikroskopische Untersuchung

erfolgt im neuropathologischen Institut

des UKE. Beide Abteilungen kooperieren

auch untereinander, im UKE gibt es eine

wöchentliche neuropathologisch-neurologische

Fallkonferenz. Für biochemische

und genetische Untersuchungen bestehen

enge Kooperationen mit anderen Instituten.

Suralisbiopsien, die durch das Muskellabor

in der Asklepios Klinik St. Georg

bearbeitet werden, werden zur Befundung

und Weiterverarbeitung an das Referenz -

labor für neuromuskuläre Erkrankungen

der DGNN, neuropathologisches Institut

der RWTH in Aachen von Prof. Weis, versandt.

Eine rheumatologische Sprechstunde gibt

es im Klinikum Eilbek in der Abteilung für

Rheumatologie und klinische Immunologie

(„Kollagenosesprechstunde“). In dieser Abteilung

werden Patienten mit entzündlichen

Muskelerkrankungen sowohl stationär als

auch ambulant betreut. Im UKE gibt es eine

rheumatologische/neurologische Arbeitsgruppe,

in der schwierige immunvermittelte

Muskelerkrankungen und immunsuppressive

Therapien fallorientiert diskutiert werden.

Kooperationen gibt es ferner mit der

Rheumaklinik Bad Bramstedt.

Patienten mit Atemstörungen werden in

den Abteilungen für Thoraxmedizin, Beatmungsmedizin

und Pneumologie (Beatmungszentrum

AK Harburg, Pneumologie

AK Barmbek und Krankenhaus Großhansdorf)

behandelt. Eine KV Ermächtungsambulanz

für Patienten mit Atemfunktionsstörungen

gibt es im AK Harburg (Dr. Bachmann)

und AK Barmbek (Dr. Thomas).

Kinderpulmologische Fragestellungen finden

im Altonaer Kinderkrankenhaus einen

kompetenten Ansprechpartner (Dr. Grolle).

Im UKE besteht eine Kooperation mit dem


universitären Schlafzentrum in der interdisziplinären

Betreuung von Patienten mit

schlafbezogenen Atmungsstörungen bei

Muskelerkrankungen.

Die kardiologische Betreuung erfolgt zum

einen in den internistischen Lungenabteilungen,

zum anderen, insbesondere bei invasiver

Diagnostik und Therapie, in den

kardiologischen Kliniken der genannten

Krankenhäuser.

Die orthopädische Versorgung erfolgt in

der Orthopädie des Klinikum Eilbek und in

der Kinderorthopädie des Altonaer Kinderkrankenhauses

sowie durch niedergelassene

Orthopäden (z.B. Orthopeadiecentrum

Waitzstraße, Orthopädicum Mönckebergstraße).

Die humangenetische Beratung wird zum

einen im Institut für Humangenetik des

UKE, zum anderen in der humangenetischen

Praxis Altonaer Straße angeboten.

Schluckdiagnostik erfolgt zum Teil in den

Krankenhäusern respektive den neurologischen

Abteilungen selbst, eine sehr spezialisierte

Anlaufstelle findet sich im Zentrum

für Rehabilitationsmedizin, Berufsgenossenschaftliches

Unfallkrankenhaus

Boberg (Dr. Thomas van de Weyer).

PEG-Anlagen sind in Kooperation mit den

internistischen Abteilungen der jeweiligen

Krankenhäuser möglich.

Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie

erfolgen über niedergelassene Therapeuten

oder Ermächtigungsambulanzen

der Kliniken. Besonders hervorzuheben ist

die Praxis Physiotherapiepunkt Eimsbüttel

(Frau Anderson, Frau Lazardzig), die einen

besonderen Schwerpunkt in der Behandlung

von Muskelerkrankungen bei Erwachsenen

hat sowie die Praxis Therapeutenteam

Blankenese (Marion Milius) in der

vorwiegend Kinder mit Muskelerkrankungen

behandelt werden. Der Kindermuskelsprechstunde

stehen Physiotherapeuten

des Altonaer Kinderkrankenhauses zur

Seite.

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

Stationäre Rehabilitation: Patienten werden

bevorzugt an die Klinik Hoher Meissner

in Bad-Sooden-Allendorf oder die Weserbergland

Klinik in Höxter empfohlen.

Tagesklinische Reha-Behandlungen sind

möglich im Zentrum für Rehabilitationsmedizin,

Berufsgenossenschaftliches Unfallkrankenhaus

Boberg. Ambulante Reha-

Behandlungen können im RehaCentrum

Hamburg (Martinistr. 66, 20246 Hamburg,

Tel.: 040/2530630) erfolgen.

Die Sozialberatung der DGM Hamburg

(Petra Klostermann) findet statt am Freitag

zwischen 9.00 und 12.00 Uhr. In dieser

Zeit ist Frau Klostermann auch direkt telefonisch

zu erreichen. Ferner besteht die

Möglichkeit, auch Termine außerhalb der

Sprechstunde zu vereinbaren. Die Sozialberatung

wird unterstützt durch ehrenamtliche

Kontaktpersonen der DGM, an die

sich Betroffene und Angehörige ebenfalls

direkt wenden können.

Kooperationen gibt es mit einer Beratungsstelle

für technische Hilfen und

Wohnraumanpassung, mit dem ambulanten

Hospizdienst, dem Hospizzentrum des

Malteser Hilfsdienstes und mit dem Pflegetelefon

Hamburg.

e) Selbsthilfeaktivitäten der DGM

• Kontaktgruppen (Muskeltreff, Herr Borowski;

Gesprächskreis für Menschen

mit Muskelerkrankungen, Frau Meier)

• Gesprächskreise (ALS-Gesprächskreis

Hamburg, Frau Meier)

• Eltern-Kind-Gruppen (Frau Meier)

• Organisation von Patienteninformationsveranstaltungen

(z.B. ALS-Info-Tag)

f) neuere diagnostische oder

therapeutische Möglichkeiten 2010

keine

g) laufende Therapiestudien 2010

keine

51


Neuromuskuläres Zentrum Hamburg

h) Publikationen 2010:

Bachmann M. Neues und Kontroverses in der

Langzeitbeatmung bei neuromuskulären Erkrankungen.

Jahrestagung der Deutschen Interdisziplinären

Gesellschaft für außerklinische Beatmung.

MedReview 2010;7(www.schroedersagentur.de/medpdf2010/MedReview07_2010.p

df).

Urban PP, Wellach I, Faiss S, Layer P, Rosenkranz

T, Knop K, Weis J. Subacute axonal neuropathy

in Parkinson’s disease with cobalamin

and vitamin B6 deficiency under duodopa therapy.

Mov Disord 2010;25:1748-52.

Urban PP, Wellach I, Pohlmann C. Slowly progressive

dysarthria in primary lateral sclerosis.

Nervenarzt. 2010 Aug;81:986-8, 990-1.

52


Neuromuskuläres Zentrum Hannover

Leiter:

Prof. Dr. Reinhard Dengler

Neurologische Klinik, MHH

Sprecherin:

Prof. Dr. Susanne Petri

Neurologische Klinik, MHH

Das Neuromuskuläre Zentrum der MHH

(Medizinische Hochschule Hannover) stellt

einen interdisziplinären Zusammenschluss

folgender Kliniken und Abteilungen dar:

• Neurologie: Prof. Dr. R. Dengler,

Prof. Dr. S. Petri

• Neuropathologie: Dr. A. Brandis

(Prof. Kreipe)

• Pädiatrische Muskelsprechstunde:

Dr. H. Hartmann

• Kardiologische Klinik:

PD Dr. G.P. Meyer (Prof. Dr. Schieffer)

• Orthopädische Klinik:

Prof. Dr. H. Windhagen

• Pneumologische Klinik:

Dr. Hoffmann-Castendiek (Prof. Welte)

• Klinik für Immunologie und Rheuma -

tologie: Prof. Dr. R.E. Schmidt

• Abteilung Humangenetik:

Prof. Dr. J. Schmidtke

• Abteilung Physikalische Medizin und

Rehabilitation: Prof. Dr. Gutenbrunner

• Oststadtkrankenhaus, Pneumologische

Klinik: Prof. Dr. B. Schönhofer

• Kinderkrankenhaus auf der Bult,

Abteilung Neuropädiatrie:

Prof. Dr. H.-J. Christen

• Sozialpädiatrisches Zentrum Hannover:

Dr. M. Schulz, Dr. Voss

Zielsetzung

Kernstück ist die neuromuskuläre Sprechstunde/Sprechstunde

für Motoneuronerkrankungen

der Neurologischen Klinik, in

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

der die Diagnostik eingeleitet und ggf. stationäre

Aufenthalte organisiert werden

können. Hier werden die Behandlung und

regelmäßige Verlaufsuntersuchungen koordiniert,

um eine langfristige Betreuung

zu gewährleisten. Zur Diagnosefindung

stehen neben der klinischen Beurteilung

umfangreiche Laboruntersuchungen, genetische

Tests sowie moderne bildgebende

und neurophysiologische Verfahren in

Labors mit langjähriger Erfahrung mit neuromuskulären

Erkrankungen zur Verfügung.

Ferner können Muskel- und Nervenbiopsien

durchgeführt werden, die in der

Abteilung für Neuropathologie und ggf. in

anderen Speziallabors begutachtet werden.

Die ambulante Betreuung von Patienten

mit neuromuskulären Erkrankungen

nach § 116b wurde bewilligt und soll 2011

an der MHH umgesetzt werden.

Klinische Schwerpunkte

Schwerpunkte bilden die Betreuung von

Patienten mit Amyotropher Lateralsklerose

(Teilnahme an aktuellen internationalen

Therapiestudien), die Sprechstunde für

Post-Polio-Syndrom-Patienten und die

Versorgung von Patienten mit verschiedenen

entzündlichen Muskelerkrankungen

und peripheren neuroimmunologischen

Störungen (z.B. Myasthenia gravis, chronische

entzündliche Neuropathien, Neuropathien

mit Leitungsblöcken). Grundsätzlich

werden jedoch Patienten mit allen Formen

neuromuskulärer Erkrankungen betreut.

Kooperation

Diagnostisch bestehen engste Zusammenarbeit

mit der Abteilung für Pathologie,

in der die feingewebliche Beurteilung

der Muskel- und Nervenbiopsien erfolgt,

sowie auch mit der Neurologischen Klinik

53


Neuromuskuläres Zentrum Hannover

der Universität Halle (Prof. Dr. S. Zierz). Bei

Verdacht auf erbliche Erkrankungen werden

molekulargenetische Tests in Zusammenarbeit

mit der Abteilung für Humangenetik

durchgeführt. Therapeutische Kooperationen

bestehen mit nahezu allen

Abteilungen des Hauses. Stellvertretend

erwähnt seien die Abteilung Physikalische

Medizin und Rehabilitation, die Abteilung

Pulmonologie (Beatmung) und die Orthopädische

Klinik.

Wissenschaftlich bestehen innerhalb der

MHH langjährige Kooperationen mit den

Instituten für Neuroanatomie und Zell- und

Molekularpathologie. Weiterhin existieren

u.a. Kooperationen mit der Neurologischen

Klinik der Universität Ulm (Prof. Dr. A.C. Ludolph),

der Gruppe von Prof. J.P. Loeffler

(Laboratoire de Signalisations Molécularies

et Neurodédénérescence, Université Louis

Pasteur, Strassbourg) sowie mit Prof. M.F.

Beal, Department of Neurology and Neuroscience,

Cornell University New York.

Neuromuskuläres Seminar

Das Neuromuskuläre Zentrum veranstaltet

einmal im Semester ein neuromuskuläres

Seminar mit aktuellen Fallvorstellungen

und wissenschaftlichen Vorträgen für Ärzte

und andere Interessierte.

Arbeitsgruppe Molekulare Neurophysiologie/Molekulare

Mechanismen der

Neurodegeneration bei Motoneuronerkrankungen

An primären Motoneuronkulturen – in Monokultur

und inKo-Kulturmit Astrozyten –

aus dem transgenen ALS-Tiermodell sowie

gesunden Kontrolltieren erfolgen Untersuchungen

der Kalziumhomöostase

mithilfe der Calcium-Imaging-Technik, u.a.

auch um die Interaktion zwischen Motoneuronen

und den umgebenden Gliazellen

genauer zu charakterisieren. Ebenfalls in

Zellkulturexperimenten wird die Differenzierungsfähigkeit

adulter hämatopoeti-

54

scher Stammzellen in neuronale und gliale

Zellen untersucht.

Durch Korrelation histopathologischer, biochemischer

und molekulargenetischer Befunde

aus post mortem Hirn- und Rückenmarksgewebe

von Patienten mit sporadischer

ALS und Untersuchungen von

Gewebe und Motoneuron-Primärkulturen

aus dem transgenen ALS-Tiermodell

(G93A-SOD1-Mausmodell) sollen gemeinsame

und differierende Pathomechanismen

aufgeschlüsselt werden und Veränderungen

in präsymptomatischen Stadien von

nur im Endstadium der Erkrankung aufgetretenen

Phänomenen abgegrenzt werden.

Insbesondere gilt das Interesse derzeit der

Untersuchung der Rolle von Transkriptionsfaktoren

und transkriptionalen Ko-Aktivatoren

in der zellulären Abwehr von oxidativem

Stress und Entzündung (Förderung: DFG

Pe924/2-2). Ein weiterer Schwerpunkt liegt

auf der in-vivo-Untersuchung des neuroprotektiven

Potentials humaner Nabelschnurblutzellen

im G93A-mSOD1-ALS-

Mausmodell (Förderung: DGM).

Forschung

Folgende Forschungsprojekte werden derzeit

im Bereich der neuromuskulären Erkrankungen

verfolgt:

• Histologische Untersuchungen an Hirnund

Rückenmarksschnitten von ALS-

Patienten mittels in situ Hybridisierung

und Immunhistochemie (Zusammenarbeit

mit der Abteilung Neuroanatomie

der MHH), aktuell Analyse der mRNA

und protein-expressionmuster von Histondeazetylasen

und Sirtuinen

• Histopathologische, molekularbiologische

und proteinbiochemische Untersuchungen

von Rückenmarksgewebe

aus dem G93A-ALS-Mausmodell

• Generierung und Charakterisierung von

embryonalen spinalen Motoneuronen und

Astrozyten aus transgenen und nichttransgenen

Tieren als in-vitro-Modell


der mSOD1-assoziierten Neurotoxizität

• Differenzierungsstudien an humanen

Stammzellen aus Nabelschnurblut sowie

Experimente zur Optimierung der

Bedingungen zur Neurotransplantation

von glialen Vorläuferzellen

• In-vivo-Evaluation des therapeutischen

Potentials humaner Nabelschnurblutzellen

im ALS-Mausmodell

• Teilnehme an internationalen Studien

zur Therapie der Amyotrophen Lateral -

sklerose (laufend: Mitotarget-Studie;

geplant 2011: Dexpramipexol-Studie)

sowie der NOG113531-Muskelbiopsie-

Studie (Untersuchung von Nogo-A als

potenzieller ALS-Biomarker)

• Klinische Untersuchungen zu Komorbiditäten,

Ausbreitungsmustern, Lebensqualität

u.ä. mithilfe der abteilungsinternen

ALS-Datenbank

• Bildgebungsstudien (Funktionelle Kernspintomografie)

mit verschiedenen Methoden:

Analyse der funktionellen und

effektiven Konnektivität, morphologische

Untersuchungen: Cortical Thickness,

Voxel-based-morphometry, Diffusion

Tensor Imaging, Tractography in

Zusammenarbeit mit PD Dr. B. Mohammadi,

CNS-Lab, International Neuroscience

Institute (INI) und in Zusammenarbeit

mit Prof. Dr. S. Vielhaber, Otto-von-

Guericke-Univer si tät Magdeburg

Im nächsten Jahr wird der 9. Kongress des

Europäischen ALS Konsortiums (EALSC)

vom 13. bis 15. Mai 2011, federführend organisiert

von Prof. Dr. R. Dengler und Prof.

Dr. S. Petri, in Hannover stattfinden.

Publikationen 2010

Janssen C, Schmalbach S, Boeselt S, Sarlette

A, Dengler R, Petri S. J. Differential histone deacetylase

mRNA expression patterns in amyotrophic

lateral sclerosis. Neuropathol Exp Neurol

2010 Jun;69(6):573-81.

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

Knippenberg S, Thau N, Dengler R, Petri S. Significance

of behavioural tests in a transgenic

mouse model of amyotrophic lateral sclerosis

(ALS). Behav Brain Res 2010;213(1):82-7.

Ragancokova D, Song Y, Nau H, Dengler R,

Krampfl K, Petri S. Modulation of synaptic

transmission and analysis of neuroprotective effects

of valproic Acid and derivates in rat embryonic

motoneurons. Cell Mol Neurobiol

2010;30(6):891-900.

Schmalbach S, Petri S. Histone deacetylation

and motor neuron degeneration. CNS Neurol

Disord Drug Targets 2010;9(3):279-84.

Ludolph AC, Bendotti C, Blaugrund E, Chio A,

Greensmith L, Loeffler JP, Mead R, Niessen HG,

Petri S, Pradat PF, Robberecht W, Ruegg M,

Schwalenstöcker B, Stiller D, van den Berg L,

Vieira F, von Horsten S. Guidelines for preclinical

animal research in ALS/MND: A consensus

meeting. Amyotroph Lateral Scler 2010;11(1-

2):38-45.

Halter B, Gonzalez de Aguilar JL, Rene F, Petri

S, Fricker B, Echaniz-Laguna A, Dupuis L, Larmet

Y, Loeffler JP. Oxidative stress in skeletal

muscle stimulates early expression of Rad in a

mouse model of amyotrophic lateral sclerosis.

Free Radic Biol Med 2010;48(7):915-23.

Mohammadi B, Kollewe K, Samii A, Dengler R,

Munte TF. Functional neuroimaging at different

disease stages reveals distinct phases of neuroplastic

changes in amyotrophic lateral sclerosis.

Hum Brain Mapp 2010.

Dengler R. Amyotrophic lateral sclerosis: Who

has the lead, the upper or the lower motor neuron?

Clin Neurophysiol 2010.

Thorns J, Wieringa BM, Mohammadi B, Hammer

A, Dengler R, Münte TF. Movement initiation

and inhibition are impaired in amyotrophic lateral

sclerosis. Exp Neurol 2010;224(2):389-94.

K. Kollewe, T. F. Münte, A. Samii, R. Dengler, S.

Petri, B. Mohammadi. Patterns of cortical activity

differ in ALS patients with limb- and/or bulbar-involvement

depending on motor tasks. J

Neurol (epub ahead of print).

55


Neuromuskuläres Zentrum Homburg/Saar

Neuromuskuläres Zentrum Homburg/Saar

Leiter:

Prof. Dr. K. Faßbender

Leiter der Neurologischen Klinik

Sprecher:

PD Dr. U. Dillmann

Prof. Dr. U. Dillmann ist Sprecher des Muskelzentrums,

Prof. Dr. K. Faßbender, Leiter

der Neurologischen Klinik, ist Leiter des

Muskelzentrums. Dr. Pour-Ebrahim hat die

Klinik verlassen. In der allgemeinen Muskelsprechstunde

arbeiten jetzt neben Prof.

Dr. U. Dillmann Dr. Bürmann und Dr. Mendling

mit, weiterhin noch die Ausbildungsassistenten

des EMG für neun bis zwölf

Monate. Ein besonderer Schwerpunkt liegt

in der Betreuung von Patienten mit Amyotropher

Lateralsklerose und verwandter Erkrankungen.

Diese Sprechstunde wird von

Prof. Dr. U. Dillmann angeboten.

Ein weiterer Schwerpunkt wurde 2010 mit

der Betreuung und Therapieevaluation von

Patienten mit CIDP durch Dr. Bürmann, Dr.

Mendling sowie Dr. Sühs etabliert.

Eine besonders enge Kooperation besteht

zwischen der hiesigen Neuropädiatrie, vertreten

durch Oberarzt Dr. G. Shamdeen

und Prof. Dr. U. Dillmann in der Betreuung

von Jungen mit Muskeldystrophie Duchenne.

Die Terminvereinbarung erfolgt über die

Neurologische Poliklinik unter 06841/

1624138. Die Zahl der behandelten Patienten

hat sich im Jahr 2010 im Vergleich

zum Vorjahr deutlich erhöht. Angeboten

werden alle diagnostischen Routineverfahren

sowie zahlreiche Spezialverfahren in

der Diagnostik neuromuskulärer Erkrankungen,

dies betrifft elektrophysiologische

Techniken einschließlich Untersuchungstechniken

zur Kraftentwicklung und Gang-

56

analyse, Bildgebung mit NMR und Ultraschall

der Muskulatur sowie die Histologie.

Der Kontakt zu der Landesgruppe der

DGM im Saarland ist traditionsgemäß sehr

gut, es finden regelmäßige Treffen und Besprechungen

zwischen dem Landesgruppenleiter,

Peter Burkholz, und dem Sprecher

des Muskelzentrums, der gleichzeitig

auch stellvertretender Landesgruppenleiter

ist, statt. Für Patienten mit neuromuskuläre

Erkrankungen finden regelmäßig Informationsveranstaltungen

statt,

An der Neurologischen Klinik wurde die

Muskelsprechstunde im Jahr 2010 durch

eine Stelle für eine Sozialarbeiterin erweitert,

die aus Mitteln der Landesgruppe der

DGM finanziert wird. Katarina Wollny führt

hier die Sozialberatung parallel zur Muskelsprechstunde

durch, dies geschieht in

enger Kooperation mit ihren Kolleginnen in

Freiburg.

Die Betreuung von Patienten mit neuromuskulären

Erkrankungen erfolgt in enger

Zusammenarbeit mit anderen Fachdisziplinen

des Klinikums. Ansprechpartner in alphabetischer

Reihenfolge:

• Augenheilkunde:

Prof. Dr. Käsmann-Kellner

• Humangenetik: Prof. Dr. W. Henn

• Kardiologie: Dr. M. Kindermann

• Neuropathologie: Prof. Dr. W. Feiden

• Orthopädie: Oberarzt Dr. Jung

• Pädiatrie: Oberarzt Dr. G. Shamdeen

• Pulmologie: Leitender Oberarzt Dr.

Gröschel


Neuromuskuläres Zentrum Leipzig

Leiterin/Sprecherin:

Dr. Petra Baum

Klinik und Poliklinik für Neurologie

Universitätsklinik Leipzig

In bewährter Weise arbeiten an der Universität

Leipzig verschiedene Kliniken und Institute

im neuromuskulären Zentrum unter

Koordination der Klinik und Poliklinik für

Neurologie (Direktor: Prof. Dr. med. Joseph

Claßen) zusammen. Dazu gehören:

• Selbstständige Abteilung für Neuropathologie

(kommissarische Leitung:

Prof. Dr. med. Wittekind)

• Institut für Humangenetik

(kommissarische neue Leitung:

Prof. Dr. med. E. Passarge)

• Abteilung für Neuropädiatrie der

Universitätsklinik und Poliklinik für

Kinder und Jugendliche (Leitung: Prof.

Dr. med. A. Merkenschlager)

Zur Beratung stehen weiterhin zur Verfügung:

• Orthopädische Klinik und Poliklinik (Leitung:

Prof. Dr. med. von Salis-Soglio)

• Klinik und Poliklinik für Diagnostische

und Interventionelle Radiologie

(Leitung: Prof. Dr. med. Kahn)

• Medizinische Klinik und Poliklinik 1,

Abteilung Pulmologie (Leitung: Prof. Dr.

med. Wirtz)

Eine enge diagnostische Bindung besteht

zum Institut für Immunologie, für Laboratoriumsmedizin,

für Klinische Chemie und

Molekulare Diagnostik.

Klinik für Neurologie

Die Leitung des Muskelzentrums obliegt

weiterhin Oberärztin Dr. Petra Baum. Sie

führt gemeinsam mit Dr. Peter Günther die

Muskelsprechstunde an der Klinik und

Poliklinik für Neurologie durch. In der

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

Sprechstunde werden spezielle Fragestellungen

zur Ätiologie, Differenzialdiagnose,

Therapie, zu Verlaufs kontrollen sowie zu

sozialen Problemen neuromuskulärer Erkrankungen

erörtert. Bei Bedarf wird

die stationäre Abklärung in die Wege geleitet.

Die interdisziplinäre Zusam men arbeit

mit den anderen Einrichtungen des Leipziger

Zentrums sichert dabei die Patientenbetreuung

sowohl im ambulanten als

auch im stationären Bereich in hoher Qualität

ab.

Es werden Patienten aus dem gesamten

Spektrum neuromuskulärer Erkrankungen

betreut, wobei Schwerpunkte für Patienten

mit Amyotropher Lateralsklerose

(ALS), Myasthenia gravis und Chronischer

Polyneuritis (z.B. Chronisch Idiopathische

Demyelinisierende Polyneuropahtie (CIDP))

bestehen. Für die Diagnostik und das therapeutische

Monitoring steht ein breites

Spektrum neurophysiologischer, bildgebender

und laborchemischer Untersu -

chungs verfahren zur Verfügung. Regelmäßig

wird auch eine autonome Funktionsdiagnostik

mittels verschiedener Methoden

(u.a. Pupillografie) durchgeführt. In schweren

Fällen können Patienten intensivmedizinisch

behandelt werden (z.B. Beatmung

bei dekompensierter Atem mus kelin suffi -

zienz oder Plasmapheresebehandlung bei

Patienten mit Guillain-Barré-Syndrom oder

myasthener Krise).

Eine enge Zusammenarbeit ist zwischen

der Abteilung für Neuropädiatrie und der

Neurophysiologie an der Neurologischen

Klinik gegeben.

Regelmäßige Fortbildungsveranstaltungen

finden im Rahmen interdisziplinärer Fallkonferenzen

vornehmlich zwischen den

klinischen Partnern und der Abteilung für

Neuropathologie statt.

57


Neuromuskuläres Zentrum Leipzig

In wissenschaftlicher Hinsicht werden

elektrophysiologische Verlaufsprofile mittels

einer Clusteranalyse bei der Critical Illness

Polyneuropathie bei Sepsispatienten

ausgewertet. Ein Manuskript über diese

Arbeit ist inzwischen zur Publikation angenommen.

Patienten mit ALS werden mit einer speziellen

Sequenz im MRT (DTI) im Verlauf

untersucht. Die Ergebnisse werden mit

den klinischen und den elektrophysiologischen

Untersuchungsbefunden verglichen.

Die Daten werden ebenfalls für die

Publikation vorbereitet.

Eine Serie von Untersuchungen mit autonomer

Testung wird bei Kindern mit Adipositas

durchgeführt. Erste Ergebnisse

sind in der Auswertung.

Selbstständige Abteilung für Neuropathologie

In der neuropathologischen Abteilung werden

alle Gewebsproben von Patienten mit

neuromuskulären Erkrankungen untersucht

und einer differenzierten Bearbeitung

mit zahlreichen unterschiedlichen

Methoden und Spezialmethoden unterzogen.

Diese Versorgungstätigkeit in diagnostischer

Hinsicht umfasst aufgrund der

regionalen Schwerpunktbildung nicht nur

das Universitätsklinikum und andere Institutionen

in Leipzig, sondern auch eine Reihe

neurologischer Institutionen im gesamten

Raum Westsachsen und darüber

hinaus. Nach der Indikation zur Biopsieentnahme

erfolgt diese entweder in der

Neurochirurgie oder anderen Universitätskliniken

oder auch auswärtig mit nachfolgender

Übermittlung durch Boten.

Diagnostische und wissenschaftliche Kooperationen

bestehen neben Praxiskliniken,

niedergelassenen Neurologen und

neuropsychiatrischen Einrichtungen der

Region insbesondere mit der Humangenetik,

der Anästhesiologie und auch mit der

Neurologischen Universitätsklinik Halle,

58

wobei hier genetische Untersuchungen an

Mitochondriopathien im Vordergrund stehen.

Anhand ergänzender Methoden zur

lichtmikroskopischen Darstellung von Mitochondrien

auf immunhistochemischer

Basis wurde eine Reihe von Muskelerkrankungen

untersucht.

In stetig zunehmender Anzahl werden

auch Muskelbiopsien von Patienten mit

Verdacht auf Maligne Hyperthermie bearbeitet,

wobei uns die Proben von der Klinik

für Anästhesie und Intensivmedizin nach

vorangehender Behandlung im dortigen

Bereich übermittelt werden. Diese beinhaltet

bei Patienten mit möglicher Disposition

zu Narkosezwischenfällen zunächst den

in-vitro-Kontraktur-Test, gegebenenfalls

auch eine Sequenzierung des Ryanodin-

Rezeptors. Im Rahmen der kassenärzt -

lichen Versorgung wird dann auch eine

entnommene Muskelprobe zur weiteren

histologischen Diagnostik in der Neuropathologie

bearbeitet. Neben der Abklärung

einer Central-Core-Erkrankung werden

dadurch andere erbliche oder nicht-erb li -

che Myopathien erfasst, die mit der malig -

nen Hyperthermie assoziiert sein können.

Unter anderem gelang dies bei verschiedenen

Mitgliedern einer Familie über drei

Generationen hinweg, wobei eine sonst

nicht seltene und üblicherweise nicht pathogene

Mutation mit diskreten Veränderungen

des oxidativen intermyofibrillären

Netzwerkes der Muskelfasern verbunden

war.

Diese Untersuchungen haben bereits im

internationalen Rahmen Beachtung gefunden.

Weitere Untersuchungen auch unter Einbeziehung

wissenschaftlicher Aspekte erstreckten

sich auf verschiedene neuromuskuläre

Erkrankungen, insbesondere

aber auf CADASIL. Insbesondere bei CA-

DASIL gewinnt die Muskeluntersuchung

an Bedeutung, da häufig bei negativen Ergebnissen

am Hautbioptat die Untersu-


chung von Muskelproben meist eine positive

diagnostische Aussage erbringt.

Schließlich werden in der neuropathologischen

Abteilung Lehraufgaben im Rahmen

der studentischen Ausbildung und der

Facharzt-Weiterbildung wahrgenommen

und es werden besondere Fälle auf gemeinsamen

klinisch-neuropathologischen

Konferenzen im Rahmen des Muskelzentrums

vorgestellt und diskutiert.

Institut für Humangenetik

Unter neuer kommissarischer Leitung seit

dem 1. Februar 2010 beteiligt sich das Institut

für Humangenetik des Universitätsklinikums

Leipzig am Neuromuskulären

Zentrum Leipzig mit genetischer Diagnostik

und genetischer Beratung bei neuromuskulären

Erkrankungen. Die große Zahl

genetisch bedingter neuromuskulärer Erkrankungen

mit breitem klinischen Manifestationsspektrum

in allen Altersstufen

erfordert eine interdisziplinäre Zusammenarbeit

des Instituts mit der Klinik für Neurologie

und allen anderen am Neuromuskulären

Zentrum beteiligten Einrichtungen.

Fachärzte für Humangenetik und für Kinderheilkunde

am Institut für Humangenetik

ergänzen die ärztlichen Aufgaben des Neuromuskulären

Zentrums durch ambulante

Diagnostik und genetische Beratung im

Rahmen einer Genetischen Sprechstunde

sowie ggf. durch ein humangenetisches

Konsil bei stationären Patienten, insbesondere

Säuglingen und Kindern.

Auf der Grundlage vorhergehender neuromuskulärer

Diagnostik ergänzen ärztliche

Mitarbeiter die Beurteilung aus humangenetischer

Sicht. Die meisten neuromuskulären

Erkrankungen sind genetisch heterogen.

Dies heißt, dass sich häufig hinter

einem scheinbar einheitlich erscheinenden

klinischen Bild genetisch gänzlich verschiedenen

Krankheiten mit unterschiedlichen

Erbgängen verbergen. Erst nach

einer ergänzenden humangenetischen Be-

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

urteilung kann die Evaluierung als abgeschlossen

gelten.

Die wesentlichen Ziele der humangenetischen

Abklärung sind (1) genaue genetische

Zuordnung einer neuromuskulären

Erkrankung und (2) Bestimmung des genetischen

Risikos für ein erkranktes Kind

bei einer weiteren Schwangerschaft.

Genetische Beratung ist ein Kommunikationsprozess,

der sich auf der Grundlage einer

möglichst präzisen neuromuskulären

Diagnostik und Familienanamnese mit allen

genetischen, medizinischen, psychischen

und sozialen Fragen nach oder

vor Auftreten einer Erkrankung beschäftigt.

Der genetische Berater trifft keine eigenen

Entscheidungen, sondern informiert

Eltern über ein genetisches Risiko. Der

Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe für die

betreffende Erkrankung wird vermittelt.

Bei bekanntem, erhöhtem genetischen Risiko

und bestehender Untersuchungsmöglichkeit

kann einer Schwangeren nach

entsprechender Beratung eine pränatale

Diagnostik angeboten werden, um in der

frühen Schwangerschaft zu klären, ob der

krankheitsauslösende genetische Defekt

beim Fetus vorliegt oder nicht.

Angesicht der großen Zahl möglicher genetischer

Laboruntersuchungen kann keine

Einrichtung sämtliche Möglichkeiten

anbieten. Das Institut für Humangenetik ist

darauf vorbereitet, im Rahmen der klinischen

Abklärung eine labordiagnostische

genetische Untersuchung auch bei auswärtigen

Einrichtungen zu vermitteln. Am

Institut selbst können gegenwärtig folgende

molekulargenetischen Untersuchungen

durchgeführt werden, darunter mehrere

bei neuromuskulären Erkrankungen relevante

Untersuchungen:

CADASIL-Syndrom (Cerebrale Autosomal-Dominante

Arteriopathie mit Subcor-

59


Neuromuskuläres Zentrum Leipzig

ticalen Infarkten und Leukenzephalopathie)

– NOTCH3-Gen

Chorea Huntington – HTT-Gen (Huntingtin-Gen)

Familiäre Dysautonomie (Hereditäre sensorische

und autonome Neuropathie III

(HSAN III)) – IKBKAP-Gen

Fragiles-X-Syndrom (FRAXA) – FMR1-Gen

Hereditäre motorsensorische Neuropathie

Ia (HMSN Ia, CMT 1A, Charcot-Marie-

Tooth- Krankheit) – PMP22–Gen

Hereditäre motorsensorische Neuropathie

Ib (HMSN Ib, CMT 1B) – MPZ-Gen

Hereditäre sensorische und autonome

Neuropathie II (HSAN II) – HSN2-Gen

Hereditäre sensorische und autonome

Neuropathie IV (HSAN IV) –TRKA-Gen

HMSN, X-linked (HMSN II, CMT X) –

GJB1-Gen (Connexin 32, CX32-Gen)

Hereditäre Neuropathie mit Druckparesen

(HNPP, Tomakulöse Neuropathie)-

PMP22-Gen

Lissenzepahlie – LIS1-Gen

Morbus Wilson (hepatolenticuläre Degeneration)

– ATP7B-Gen

Myoadenylatdesaminasemangel (MADD) –

AMPD1-Gen

Spinocerebelläre Ataxie

• Typ 1 – ATXN1-Gen

• TYP 2 – ATNX2-Gen

• TYP 3 – ATNX3-Gen

• TYP 6 – CACNA1A-Gen

Spinale Muskelatrophie (SMA)

• Typ 1 Werdnig Hoffmann, SMA1 –

SMN1-Gen

• Typ 2 intermediäre Form, SMA2 –

SMN1-Gen

• Typ 3 Kugelberg-Welander, SMA3 –

SMN1-Gen

- Spinocerelläre Ataxie Typ 17 –

TBP-Gen

- Spinobulbäre Muskelatrophie –

AR-Gen

Das am 1. Februar 2010 in Kraft getretene

Gendiagnostik-Gesetz schreibt zwingend

60

vor, dass jeder genetischen Untersuchung

eine humangenetische Beratung vorangehen

muss. Im Rahmen dieser Beratung

müssen die zu untersuchenden Individuen

ihr Einverständnis zur Untersuchung erteilt

haben. Dies muss schriftlich dokumentiert

werden. Die Untersuchung muss auf das

angegebene Ziel beschränkt bleiben.

Besondere Anforderungen bestehen für

prädiktive genetische Untersuchungen,

mit dem Ziel einer Information über das

Vorliegen einer genetischen Veränderung,

die ersten nach vielen Jahren manifest

werden kann, wie z.B. bei Chorea Huntington.

Hier sind eine Bedenkzeit vor der Untersuchung

und eine begleitende psychologische

Betreuung erforderlich. Prädiktive

genetische Untersuchungen dürfen vor

dem 18. Lebensjahr nur durchgeführt werden,

wenn das Ergebnis eine unmittelbare

diagnostische oder prognostische Bedeutung

für das untersuchte Individuum hat.

Im vergangenen Jahr gelang es, neue methodische

Verfahren, basierend auf HPLC-

Techniken zu etablieren, die einen schnelleren,

preisgünstigeren und sicheren

Nachweis von Repeat-Verlängerungen ermöglichen.

Unserer Biotechnologin, Marzena

Skrzypczak-Zielinska, gelang es im

Rahmen ihrer Dissertationsarbeit, unterstützt

durch ein KAAD-Stipendium, eine

völlig innovative Technik zu entwickeln, die

derzeit evaluiert wird.

Abteilung für Neuropädiatrie der

Universitätsklinik für Kinder- und

Jugendmedizin

Die neuromuskuläre Sprechstunde in der

Klinik und Poliklinik für Kinder und Jugendliche

wurde im vergangenen Jahr

weiter optimiert. Die Möglichkeiten des

neuen Zentrums haben sich hierbei für die

Versorgung der Kinder und Jugendlichen

sehr bewährt.


Es entstanden in Kooperation vielfältige

Publikationen, einige sind im Anhang erwähnt.

Weiterhin beschäftigt uns das Phänomen

des Zehenspitzenganges an der

Schnittstelle zu neuromuskulären Erkrankungen.

Publikationen 2010

Bernhard MK, Wehner M, Herbertz S, Merkenschlager

A. Toe walking as the first presenting

symptom of Emery-Dreifuss muscular dystrophy

Type 1. Kinder- und Jugendmedizin

2010;10:484-488.

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

61


Neuromuskuläres Zentrum Magdeburg

Neuromuskuläres Zentrum Magdeburg

Leiter:

Prof. Dr. Helmut Feistner

Oberarzt der Klinik für Neurologie

Universitätsklinikum Otto-von-Guericke

Magdeburg

Sprecher:

Prof. Dr. Stefan Vielhaber

Leitender Oberarzt und Leiter der Muskelambulanz

der Klinik für Neurologie

Universitätsklinikum Otto-von-Guericke

Magdeburg

Das Neuromuskuläre Zentrum der DGM

e.V. am Klinikum der Otto-von-Guericke-

Universität Magdeburg, Klinik für Neurologie,

hat durch die Neuordnung des Neurozentrums

und Fusion der neurologischen

Kliniken mit einer zukunftsweisenden Departmentstruktur

neue Impulse erfahren.

Der Standort wurde durch den Aufbau eines

MRT-Messplatzes im Ambulanzbereich

der Klinik wesentlich aufgewertet.

Damit sind erstmals MRT-gesteuerte Muskelbiopsien

möglich. Die Hochfeldtechnologie

erlaubt auch direkte Einblicke in den

Muskelstoffwechsel.

Etabliert wurden im Muskelzentrum Magdeburg

weitere nicht-invasive Diagnoseund

Forschungsmethoden: Die Nah-Infrarot-Spektroskopie

(NIRS) ist eine neue

Technologie, mit der sich die Mikrozirkulation

des Blutflusses in der gesamten Hirnrinde

messen lässt. Sie ist ähnlich leicht

anzuwenden wie die Hirn-Sonografie,

auch bei Implantatträgern einsetzbar, aber

in der räumlichen Auflösung weniger genau

als PET oder MRI. Mit diesem nichtinvasiven

Messverfahren können Neurowissenschaften

durch Detektion der regionalen

Oxygenierung die Gehirnaktivität

62

untersuchen. Ein sehr leistungsstarkes

Multi-Kanal-System steht jetzt auch den

Forschergruppen in Magdeburg zur Verfügung.

Das NIRS-Verfahren befindet sich in

der Entwicklungsphase und eignet sich

unter klinischen Bedingungen für die funktionelle

Charakterisierung und Kartierung

von adaptativen Prozessen, z.B. im Motokortex

und den Assoziationsfeldern bei

Patienten mit ALS, die z.B. aufgrund ihrer

Behinderung nicht mehr in einem MRT-Gerät

untersucht werden können. Die nichtinvasive

Technologie erweitert das Spektrum

funktioneller Untersuchungsmöglichkeiten

des Gehirns in besonderer Weise, in

dem im Gegensatz zur bekannten funktionellen

Kernspintomografie (fMRT) auch

Bedside-Untersuchungen (tetraparalytische

Patienten) und Analysen bei Menschen

mit ferromagnetischen Implantaten

(z.B. Hirnschrittmachern) möglich sind.

Die noch relative junge Methode der hochauflösenden

Sonografie peripherer Nerven

(Linear-Array-Schallkopf mit Frequenzen

zwischen 9 und 17 MHz) stellt ein nicht-invasives

Verfahren zur Beurteilung peripherer

Nerven dar. Dabei ist neben der hohen

räumlichen Auflösung, anhand derer eine

gute Abgrenzung der feinen anatomischen

Strukturen möglich ist, die hohe zeitliche

Auflösung von Bedeutung. Diese ermöglicht

eine funktionelle Testung (z.B.

[Sub]Luxation des N. ulnaris als Ursache

eines Sulcus-ulnaris-Syndroms) sowie eine

gute Beurteilung der Vaskularisierung

(Doppler-/Duplexmodus) der Nerven (z.B.

persistierende A. mediana) bzw. der umgebenden

Strukturen (z.B. Beurteilung der

Dignität tumoröser Läsionen). Die Anwendung

der Nervensonografie erfolgt derzeit

zur Identifizierung sekundärer Ursachen

von Kompressionssyndromen, zur Mitbe-


urteilung traumatischer Nervenläsionen,

zur Lokalisation der Nerven vor einer infiltrativen

Therapie bzw. zur postoperativen

Verlaufskontrolle (z.B. nach offener oder

endoskopischer Operation eines Karpaltunnelsyndroms).

Mithilfe der nicht-invasiven

Sonografie ist eine Verlaufskontrolle

von an einer Neuropathie unterschiedlicher

Ätiopathologien leidenden Patienten

möglich. Dabei werden mittlere Werte der

pathologisch vergrößerten Querschnittsfläche

erhoben und eine sonographische

Klassifikation der Strukturabnormalitäten

der erkrankten Nerven angestrebt. Zusätzlich

ist eine Korrelation der bestimmten

Parameter mit den Ergebnissen der (bereits

vorliegenden) elektrophysiologischen

Messungen und denen der Laborchemischen

Untersuchung vorgesehen.

Die Kinderklinik hat einen diagnostischen

Tätigkeitsschwerpunkt im Bereich der

nicht-invasiven Myosonografie (in Zusammenarbeit

mit der Radiologie). Muskelzentrum

und Spezialambulanz profitieren von

den sehr guten räumlichen Bedingungen

und der modernen Funktionsdiagnostik.

Wie in den Vorjahren stand die umfassende

medizinische Betreuung von Patienten

mit neuromuskulären Erkrankungen ganz

im Vordergrund unserer ärztlichen Tätigkeit.

Die Mitgliederzahl und der Patientenanteil

sind stetig gewachsen. In der Muskelsprechstunde

der Klinik und auf den

Stationen wurden wie in den Vorjahren einige

hundert Patienten interdisziplinär betreut.

Es besteht ein enger Kontakt zu den

Physio- und Ergotherapeuten sowie den

Rehabilitationseinrichtungen. Die Sozialberatungsstelle

des Uniklinikums steht

Patienten und ihren Angehörigen zur Verfügung.

Sie übernimmt vielfältige Funk -

tionen, z.B. wenn es um Fragen der Hilfsmittelversorgung,

der häuslichen Pflege,

des Schwerbehindertenrechts oder auch

den Kontakt mit anderen, von der gleichen

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

Krankheit Betroffenen geht. Durch die kurzen

Wege in der Einrichtung wird eine optimale

und umfassende Patientenbetreuung

gewährleistet. Die enge Kooperation

mit der neurologischen Rehabilitationsklinik

(NRZ Magdeburg, Direktor Prof. Sailer)

rundet das Betreuungsangebot ab.

Prof. Mawrin hat als Neuropathologe an

der Medizinischen Fakultät der Otto-von-

Guericke-Universität Magdeburg seine

Forschungstätigkeit im neuromuskulären

Sektor weiter ausgebaut (z.B. Eisenstoffwechselstörungen

bei ALS). Prof. M. Zenker

hat den Ruf auf die Universitätsprofessur

für Humangenetik angenommen und

leitet das Institut auf dem Campus seit einem

Jahr. Seine besondere wissenschaftliche

Expertise erstreckt sich auch auf

neuromuskuläre Erkrankungen und die

molekulargenetische Spezialdiagnostik bei

Muskel- und peripheren Nervenkrankheiten.

Seit Gründung des Muskelzentrums Magdeburg

wurden Muskelsprechstunden

mit Krankheitsschwerpunkten wie ALS,

Post-Polio-Syndrom, Fibromyalgie und

Myasthenie etabliert. Diese klinische

Schwerpunktbildung bei der Diagnostik

und Beratung von Muskelkranken hat sich

sehr bewährt. Insbesondere wurde die

Spezialsprechstunde für Patienten mit Motoneuronerkrankungen

(MND) sehr gut von

den ALS- und Myasthenie-Kranken angenommen.

In regelmäßigen gemeinsamen

Konferenzen mit den ärztlichen und wissenschaftlichen

Mitarbeitern der Klinik für

Kinderheilkunde, dem Institut für Humangenetik,

dem Institut für Neuropathologie

sowie den einzelnen neurobiologischen

und neurochemischen Abteilungen des

Klinikums werden die Untersuchungsergebnisse

der Patienten diskutiert und therapeutische

Konsequenzen erörtert. Zahlreiche

Fortbildungsveranstaltungen mit

Referenten aus dem gesamten Bundesge-

63


Neuromuskuläres Zentrum Magdeburg

biet ermöglichen einen intensiven wissenschaftlichen

Gedankenaustausch und ein

breiteres diagnostisches Angebot.

Ein interdisziplinärer wissenschaftlicher

Forschungsschwerpunkt unseres Zentrums

stellt seit einigen Jahren die Untersuchung

von degenerativen Muskelerkrankungen

dar. Dabei stehen Untersuchungen

des mitochondrialen Energiestoffwechsels

im Mittelpunkt des Interesses. So gelang

es uns, bei der ALS in Muskelproben erstmals

funktionelle Störungen in den Mitochondrien

(die Kraftwerke der Muskelzellen)

in Abhängigkeit von der Krankheitsdauer

nachzuweisen. Es zeigte sich, dass

die Energiebereitstellungsreaktionen in

den Mitochondrien an spezifischen Stellen

unterbrochen sind. Diese Defekte der Mitochondrien

sind wahrscheinlich erworben

und beruhen auf zellschädigenden radikalischen

Veränderungen der Erbsubstanz

(mt DNA). Interessanterweise fällt dieser

Energieverlust in den Zellen mit dem Ausbruch

der ALS-Erkrankung zusammen. Mit

anderen Worten, diese Störungen sind bereits

vor dem Ausbruch der eigentlichen

Erkrankung nachweisbar und verstärken

sich mit dem Fortschreiten der Erkrankung.

Darauf zielen auch unsere neuartigen

therapeutischen Ansätze bei der ALS

ab. Durch Stabilisierung des Mitochondrienstoffwechsels

in den Zellen soll ein

Fortschreiten der Erkrankung verhindert

werden. Auch im Hinblick auf das mitunter

relativ junge Erkrankungsalter halten wir

solche spezifischen Untersuchungen zur

Mitochondrienfunktion, wie sie in unserem

Zentrum mit entsprechender Expertise angeboten

werden, für sehr relevant und stehen

Ärzten und Patienten sehr gerne für

weitere Informationen zur Verfügung. Magnetresonanzspektroskopie

(MRS) ermöglicht

die in-vivo-Beobachtung von Stoffwechselvorgängen

und neurozellulären

Veränderungen im Gehirn. Am Beispiel der

64

neurodegenerativen Modellerkrankung

Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) wird der

Einfluss dieser innovativen Technik auf die

Entwicklung neuer therapeutischer Ansätze

besonders deutlich. Unsere Ergebnisse

bei tierexperimentellen Untersuchungen

untermauern die Hypothese einer bereits

präklinisch bestehenden Störung im mitochondrialen

Metabolismus (s.o.). Die Befunde

unterstreichen am Beispiel der ALS

das Potential der klinischen MR-Spektroskopie

im Frühstadium neurodegenerativer

Veränderungen und bei der Weiterentwicklung

konservativer Therapiestrategien

mithilfe biologischer Marker.

Die enge Zusammenarbeit mit den Neurochemischen

Laboren der Universitätskliniken

für Neurologie Magdeburg (Prof. D.

Siemen, Prof. Dr. S. Vielhaber) und Epileptologie/Neurochemie

Bonn (Prof. W.S. Kunz)

sowie den benachbarten großen Neurologischen

Universitätskliniken in Halle (Prof.

S. Zierz) und Hannover (Prof. R. Dengler)

hat sich auch in wissenschaftlicher Hinsicht

hervorragend entwickelt und mündete

in gemeinsame Publikationen. Das gemeinsame

diagnostische Angebot umfasst

u.a. enzymatische und polarographische

Untersuchungen zur Mitochondrienfunktion.

Neben den Untersuchungen an Skelettmuskelfasern

können auch mitochondriale

Schädigungen an Fibroblasten

(Hautzellen) nachgewiesen werden. Defekte

des mitochondrialen Genoms werden in

Zusammenarbeit mit dem Institut für Neuropathologie

des Universitätsklinikums

Magdeburg (PD Dr. E. Kirches, Prof. Dr. C.

Mawrin) untersucht, welches sich seit Jahren

neben der klassischen Myohistologie

mit der molekulargenetischen Diagnostik

von Deletionen und Insertionen in der

mtDNA von Patienten mit Verdacht auf Mitochondriopathien

beschäftigt. Daneben

wurde die PCR-Diagnostik einiger ausgesuchter

Punktmutationen der mtDNA


etabliert, vor allem der häufigsten MERRFund

MELAS-assoziierten Mutationen sowie

die Abschätzung der mtDNA-Menge in

Relation zur Kern-DNA mit speziellen

Southern-Blot-Verfahren und die Bestimmung

des Heteroplasmiegrades. Sequenzierungen

von Abschnitten des mitochondrialen

Genoms werden vorgenommen,

z.B. zur Ermittlung einiger LHON- oder AT-

Pase-Punktmutationen. In einem Forschungsprojekt

werden zurzeit mögliche

Zusammenhänge zwischen Mutationen

und Apoptose an Zellkulturen analysiert.

Ein Schwerpunkt des Instituts für Humangenetik

ist die molekulargenetische Diagnostik

neuromuskulärer Erkrankungen.

Nachdem das für die proximal myotone

Myopathie (PROMM/DM2/Ricker-Syndrom)

verantwortliche Gen identifiziert

wurde, konnten im Institut für Humangenetik

zahlreiche Familien mit dieser Erkrankung

molekulargenetisch untersucht werden.

Da das expandierte CCTG-Repeat-

Motiv bei PROMM/DM2 sehr heterogen

und daher nur schwer nachweisbar ist,

wurden hier Anstrengungen unternommen,

die diagnostische Prozedur zu verbessern.

Hierzu wurde u.a. die Pulsfeldgelelektrophorese

zu dieser Diagnostik mit

herangezogen. Zu dem diagnostischen

Angebot des Instituts für Humangenetik

gehören weiterhin die Analyse der hereditären

motorisch sensorischen Neuropathie

Typ 1A, der Myotonen Dystrophie Curschmann-Steinert,

der Duchenne’schen

und Becker’schen Muskeldystrophie, der

Fazioskapulohumeralen Muskeldystrophie

und der Spinobulbären Muskelatrophie.

Für alle nicht im Institut untersuchten genetischen

Erkrankungen steht das molekulargenetische

Labor den Kliniken zur

DNA-Extraktion, zur Beratung über diagnostische

Möglichkeiten und zur Kontaktaufnahme

mit anderen Gruppen zur Verfügung.

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

In Zusammenarbeit mit der Klinik für Plastische,

Wiederherstellungs- und Handchirurgie

(Prof. Schneider, Magdeburg, Prof.

Dr. Fansa, Bielefeld/Magdeburg) erfolgt

die restaurative periphere Nervenchirurgie

und die tierexperimentellen Studien werden

im benachbarten Institut für Neurobiologie

(Prof. Keilhoff) durchgeführt. Im Muskelfunktionslabor

der Klinik für Orthopädie

(Prof. Awiszus) werden detaillierte Bewegungsanalysen

und Untersuchungen des

motorischen Systems durchgeführt: Quantifizierung

von Willküraktivierbarkeit von

Skelettmuskulatur, Quantifizierung propriozeptiver

Leistungen, Untersuchungen zur

Wirkung transkraniell magnetischer Stimulation

auf die Willkürmotorik. Ein Arbeitsschwerpunkt

liegt im auf der Quantifizierung,

pathophysiologische Basis und

the -rapeutische Beeinflussbarkeit des motorischen

Defizits bei Patienten mit Muskelglykogenosen

(z.B. Morbus Pompe).

In der Klinik für Kinderheilkunde mit angeschlossenem

Sozialpädiatrischen Zentrum

der Universität werden ebenfalls zahlreiche

neuromuskuläre Erkrankungen untersucht

und betreut. Ein klinisch-wissenschaftlicher

Schwerpunkt liegt in der

schmerzfreien und schonenden Untersuchungstechnik

der Myosonografie. Die

verbesserte Bilddokumentation ermöglicht

mittlerweile myogene und neurogene Erkrankungen

in vielen Fällen sicher zu unterscheiden

und ist auch zur Verlaufsdokumentation

geeignet. Die Kinderklinik ist

nach ihrem Umzug auf den Hauptcampus

auch räumlich vernetzt mit den klinischen

Nachbardisziplinen.

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debridement or arthroscopic partial repair. J Orthop

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Neuromuskuläres Zentrum Magdeburg

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Schoser B. Enzyme replacement therapy with

alglucosidase alfa in 44 patients with late-onset

glycogen storage disease type 2: 12-month results

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Winter Y, Schepelmann K, Spottke AE, Claus D,

Grothe C, Schröder R, Heuss D, Vielhaber S, Tackenberg

B, Mylius V, Reese JP, Kiefer R,

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quality of life in ALS, myasthenia gravis and facioscapulohumeral

muscular dystrophy. J Neurol

2010;257:1473-1481.

66


Neuromuskuläres Zentrum Mainz

Leiter/Sprecher:

Prof. Dr. Wilfred A. Nix

Klinik und Poliklinik für Neurologie

Universitätsmedizin Mainz

Im Neuromuskulären Zentrum sind interdisziplinär

folgende Kliniken und Abteilungen

zusammengeschlossen.

Universitätsmedizin

• PD Dr. Oliver Bartsch – Institut für

Humangenetik,

• Prof. i.R. Dr. med. Hans H. Goebel –

Institut für Neuropathologie,

• Prof. Dr. Andreas Kurth – Orthopädische

Klinik,

• Dr. Sven Klimpe – Klinik für Neurologie,

• Dr. Harald Müller – Inst. für Neuropathologie,

• Prof. Dr. Bernd Reitter – Zentrum für

Kinder- und Jugendmedizin,

• Prof. Dr. M. Beck – Villa Metabolica,

• Dr. Irene Tzanova – Klinik für Anästhesiologie

– Labor für Maligne Hyper -

thermie,

• Dr. Ralf von Bardeleben – II. Medizinische

Klinik – Kardiologie.

Katholisches Klinikum Mainz

• Dr. Budan, Pneumologie, Klinik für

Pneumologie, Beatmungs- und Schlafmedizin.

Personelle Veränderungen

Im letzten Jahr fanden im Klinikum einige

Veränderungen in der Leitungsebene verschiedener

Kliniken statt. Die Klinik für

Neurologie hat ab 2010 mit Prof. Dr. Frauke

Zipp eine neue Leiterin. Mit Prof. Zipp

erhält die Klinik für Neurologie insofern eine

neue Ausrichtung als schwerpunktmäßig

wissenschaftlich jetzt neuroimmunolo-

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

gischen Fragestellungen nachgegangen

wird. Das Forschungsinteresse gilt dabei

den Mechanismen von Entzündungen in

verschiedenen Organen, besonderes denen,

die sich am Zentralnervensystem bei

der Multiplen Sklerose abspielen. Das Institut

für Humangenetik wird seit 2009

kommissarisch von PD Dr. Oliver Bartsch

geleitet, weil Prof. Dr. Thomas Haaf einen

Ruf an die Universität Würzburg angenommen

hat. Neu am Institut sind die Assistenzärztinnen

Ira Schwaab und Julia

Schröder (beide seit 2010), nachdem die

langjährige Mitarbeiterin Dr. Brigitte Wellek

das Institut aus Altersgründen verlassen

hat.

Sprechstunden

Die Klinik für Neurologie bietet neben der

Sprechstunde für neuromuskuläre Erkrankungen

auch eine Spezialsprechstunde für

Patienten mit Myasthenie und ALS an.

Die humangenetische Sprechstunde (PD

Dr. Oliver Bartsch) erfolgt seit dem 1. Juni

2010 sowohl über das Medizinische

Versorgungszentrum (MVZ) der Universitätsmedizin

Mainz, als auch (noch) über

das Institut für Humangenetik. Die MVZ

der Universitätsmedizin Mainz GmbH ist

eine 100-prozentige Tochter der Universitätsmedizin

Mainz, Körperschaft des öffentlichen

Rechts. Durch eine fachübergreifende

Behandlung sowie die Nutzung

gemeinsamer Ressourcen konnte für die

Patientinnen und Patienten eine bessere

medizinische Versorgung und genetische

Diagnostik erreicht werden.

Forschungsaktivitäten

An der Klinik für Neurologie werden Patienten

für die internationale Thymekto-

67


Neuromuskuläres Zentrum Mainz

miestudie rekrutiert und behandelt. Ziel

der Studie ist es herauszufinden, ob die

Thymektomie einen Einfluss auf die Behandlung

der nicht-Thymom-assoziierten

Myasthenie hat. Insbesondere ob die

Thymektomie einen zusätzlichen Effekt im

Vergleich zu der lediglich medikamentös

behandelten Myasthenie ausübt.

Schon seit langer Zeit besteht eine enge

Zusammenarbeit mit dem Institut für Pathologie

der Universität Mannheim unter

der Leitung von Prof. Dr. Alexander Marx

zur Aufklärung der immunologischen

Grundlagen der Pathogenese der Myasthenie,

insbesondere bei Thymom-assoziierter

Myasthenie.

Des Weiteren wird in der international zusammengesetzten

Arbeitsgruppe European

Standardized Telematic Tool to Evalu -

ate Electrodiagnostic Methods (ESTEEM)

dem Problem der Standardisierung elektrophysiologischer

Methoden bei neuromuskulären

Erkrankungen nachgegangen.

Derzeitiger Forschungsgegenstand ist die

Evaluierung der Awaji-Kriterien im Hinblick

auf die El-Escorial-Kriterien zur ALS-Diagnostik.

In Zusammenarbeit und auf Initiative der

Neurologischen Klinik des Klinikums Ludwigshafen

wurde ab 2010 damit begonnen

ein rheinland-pfälzisches ALS-Register zu

erstellen, um für die Versorgung der ALS-

Patienten relevante epidemiologische Daten

zu erheben.

Am Institut für Humangenetik besteht seit

vielen Jahren ein Schwerpunkt in der

Behandlung von Patienten mit Muskelkrankheiten.

Gemeinsam mit der Spezialsprechstunde

für maligne Hypertonie an

der Klinik für Anästhesiologie und der Klinik

für Neurologie wurden Patienten rekrutiert,

diagnostiziert und behandelt. Ziel der

Studie ist es, das Mutationsspektrum im

südwestdeutschen Raum herauszufinden,

neue Mutationen zu identifizieren und für

68

die häufiger vorkommenden Mutationen

zur Genotyp-Phänotyp-Korrelation bei -

zutragen. Seit 2006 besteht eine enge

Zusammenarbeit mit dem Institut für Anästhesiologie

der Universitätsmedizin, insbesondere

mit der Oberärztin Dr. Irene

Tzanova, zur Aufklärung der genetischen

Grundlagen und Pathogenese der Malig -

nen Hypertonie.

In einem anderen europäischen Forschungsprojekt

werden die genetischen

Ursachen von Spina Bifida und Hydrocephalus

untersucht. Forschungsgegenstand

ist zunächst die Evaluierung des

Gens VANGL1 (Van Gogh-like 1), dabei

sollen die Häufigkeit und das Mutationsspektrum

für dieses Gen bei Patienten in

Deutschland, der Slowakei und Siebenbürgen

(Rumänien) ermittelt werden. Begonnen

wurde dieses Vorhaben im Jahr

2008 zusammen mit den pädiatrischen

und neurochirurgischen Universitätskliniken

in Bratislava (Preßburg) und in Cluj-

Napoca (Klausenburg). In diesem Rahmen

erfolgte auch eine Famulatur einer Medizinstudentin

der Universität Cluj-Napoca

in der Genetischen Beratungsstelle des Instituts

bei PD Dr. Bartsch (Leitender Oberarzt).

Als neues Forschungsprojekt am Institut

für Humangenetik erfolgte 2009 und 2010

die Etablierung einer gesamtgenomischen

Diagnostik auf Mikrodeletionen und Mikroduplikationen

mit einer hochauflösenden

Mikroarray-Analyse (CGH-Array, Affymetrix

6.0). Diese Untersuchungen sind unter

anderem bei tiefgreifenden Entwicklungsstörungen

des Autismus-Formenkreises,

bei Hirnfehlbildungen und schweren Funktionsstörungen

des Gehirns sowie bei

geistiger Behinderung indiziert und ab

dem 1. Januar 2011 auch als genetische

Untersuchungen im Rahmen der kassenärztlichen

Versorgung verfügbar.


In der Abteilung für Neuropathologie der

Universitätsmedizin Mainz werden histologische,

immun- und enzymhistochemische,

elektronenmikroskopische und molekularpathologische

Untersuchungen an

Muskel- und Nervenbiopsien aus einem

überregionalen Einzugsgebiet, dem nahen

Ausland und dem Nahen Osten durchgeführt.

Regelmäßige Fortbildungsveranstaltungen

und Fallkonferenzen mit den einsendenden

Kliniken werden durchgeführt.

Ein Schwerpunkt der wissenschaftlichen

Aktivitäten der Abteilung sind neuromuskuläre

Erkrankungen. In Kooperation mit

der Klinik für Hand-, Plastische und Rekonstruktive

Chirurgie der Berufsgenossenschaftlichen

Unfallklinik Ludwigshafen

(Leiter: Prof. M. Lenhardt) wurden Untersuchungen

zur Behandlung peripherer Nervenläsionen

durchgeführt.

Die mehrjährigen Untersuchungen an archivierten

Muskelbiopsieproben von Patienten

mit genetisch gesicherter spinaler

Muskelatrophie infolge SMN-1 Deletionen

wurden endgültig abgeschlossen. Als auswärtige

Kooperation wurde die Aktinfilamentaggregation,

der eine neue Punktmutation

im ACTA1-Gen zugrunde lag, beim

fetalen Akinesiesyndrom klinisch, morphologisch

und genetisch in Zusammenarbeit

mit der neuromuskulären Arbeitsgruppe

von PD Dr. Stenzel am Institut für Neuropathologie

der Charité bearbeitet und publiziert.

Damit ist das Spektrum nicht nur

der ACTA1-Mutationen erweitert, sondern

auch das klinische Spektrum der Aktinfilamentaggregationsmyopathie,

ein weiterer

Hinweis auf eine Entwicklungsstörung in

der Integration von Aktinfilamenten in reguläre

Sarkomeren. Ebenfalls wurde in

auswärtiger Konsultation mit der Arbeitsgruppe

Stenzel ein Bericht über die

sporadische adulte Nemalinmyopathie

publiziert, die durch eine langjährige Oph -

thalmoplegie gekennzeichnet war, welch

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

letztere bei der Nemalinmyopathie nur selten,

und dann im Kindesalter, beobachtet

wird.

Weitere extramurale Kooperation führte zu

Publikationen über die familiäre „reducing

body myopathy“ und die „Myopathie mit

kristallinen Einschlüssen“. Zudem begann

die Herausgebertätigkeit an einer Neuauflage

des (blauen) ISN-Buches über neuromuskuläre

Krankheiten.

Der Besuch des internationalen neuromuskulären

Kongresses im Juli in Neapel

und des World Muscle Society Kongresses

in Kumamoto brachte viele neue Erkenntnisse,

Erfahrungen, allerdings auch

die, dass deutsche Teilnehmer (aus Mainz

die Professoren Goebel und Nix) recht

spärlich im Vergleich zur Größe des wissenschaftlichen

Beirates der DGM vertreten

waren.

Im Jahre 2010 wurden im Malignen Hyperthermie-Labor

Mainz 19 Patienten mit dem

Verdacht auf MH-Disposition biopsiert und

dem IVCT-Test unterzogen. Die Diagnoseergebnisse

sind wie folgt: MHS bei zwei

Patienten, MHE(H) vier Patienten und bei

weiteren zwölf MHN. Bei drei Patienten lautete

die Einweisungsdiagnose „Verdacht

auf Maligne Hyperthermie Disposition“ bei

einem Ereignis in der Eigenanamnese und

bei weiteren sieben bei MH-Disposition in

der Familie. Fünf Patienten wurde bei unklarer

Creatinkinaseerhöhung biopsiert,

drei Patienten im Rahmen der Diagnosestellung

bei dem Bild einer Myopathie.

Ein Patient wurde biopsiert nach intensivtherapeutischer

Behandlung mit der Diagnose

Malignes Neuroleptisches Syndrom

und wurde als MHS klassifiziert.

Seit 2006 werden unsere Patienten in Zusammenarbeit

mit dem Institut für Humangenetik

auf kausative Mutationen untersucht.

Bei 17 im Jahr 2010 untersuchten

Patienten wurde bei sechs eine Mutation

am Ryanodin-1-Gen gefunden.

69


Neuromuskuläres Zentrum Mainz

Fortbildungsveranstaltungen

Über 16 Jahre hinweg wurden die „Mainzer

Tage der Neurophysiologie“ veranstaltet.

Ziel des zweitägigen Kurses war es,

elektrophysiologische Methoden wie EMG

und NLG im Hinblick auf die Diagnostik

neuromuskulärer Erkrankungen zu erlernen.

Wie sich zeigt, ist es anscheinend zunehmend

schwieriger, Freistellung vom klinischen

Betrieb über zwei Tage zu erhalten.

In 2010 wurde daher im Dezember ein

eintägiger und gut besuchter Fortbildungskurs

vom neuromuskulären Zentrum

in Mainz organisiert. Die Fortbildung wurde

speziell für Mitarbeiter der mit dem Neuromuskulären

Zentrum in Mainz assoziierten

Kliniken veranstaltet. Oberarzt Dr. Müller

aus dem Institut für Neuropathologie und

Prof. Dr. Nix sowie Dr. Wilhelm-Schwenkmezger

aus der Klinik für Neurologie referierten.

Ziel der Veranstaltung war die Vermittlung

von Kenntnissen zur Bearbeitung

und Auswertung von Muskel- und Nervenbiopsien

sowie die Anwendung elektrophysiologischer

Methoden von NLG und

EMG zur Diagnostik. Im Rahmen reger

Diskussionen konnten neue Kontakte zum

Zentrum und zwischen den Kliniken geschlossen

werden. Damit gelang ein weiterer

Schritt, die Versorgung von Patienten

mit neuromuskulären Erkrankungen in

Rheinland-Pfalz zu verbessern.

Publikationen

Balci S, Aypar E, Beksaç S, Bartsch O. A severely

mentally and motor retarded girl with monosomy

3pter–p25 and trisomy 8q24–qter due to

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Muller-Hermelink HK, Marx A. The PTPN22

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Claeys KG, Pellissier JF, Garcia-Bragado F, Weis

j, Urtizberea A, Poza JJ, Cobo AM, Stoltenburg

G, Figarella-Branger D, Willems PJ, Depuydt

CE, Kleiner W, Pouget J, Piraud M, Brochier G,

Romero NB, Fardeau M, Goebel HH, Bönnemann

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Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

71


Neuromuskuläres Zentrum Marburg-Gießen-Kassel

Neuromuskuläres Zentrum Marburg-Gießen-Kassel

Sprecher:

PD Dr. Björn Tackenberg

Neurologische Klinik

Universitätsklinikum Marburg

Stellvertreter:

Dr. Anne Schänzer

Institut für Neuropathologie

Universitätsklinikum Gießen

Das Neuromuskuläre Zentrum (Muskelzentrum)

ist ein Zusammenschluss verschiedener

Institute der Universitätskliniken

Marburg und Gießen sowie des Klinikums

Kassel. Es hat zum Ziel, die

Versorgung von Patienten mit Erkrankungen

der Muskulatur und des peripheren

Nervensystems zu verbessern und Informationsmöglichkeiten

für Betroffene, ihre

Angehörigen und Therapeuten anzubieten.

Vonseiten der Muskelsprechstunden werden

spezielle ambulante und stationäre Diagnose-

und Betreuungsmöglichkeiten

angeboten.

Zusätzlich zur Patientenversorgung dient

der interdisziplinäre Austausch im Rahmen

gemeinsamer Fortbildungen und Fallkonferenzen,

welche alle drei Monate in einer

der beteiligten Kliniken stattfinden. Zudem

treffen sich jährlich die hessischen Muskelzentren

zu einer gemeinsamen Veranstaltung.

Personelle Veränderungen im Zentrum

Im Zentrum gab es 2010 folgende personellen

Veränderungen:

• Neuer Zentrumssprecher: PD Dr. Björn

Tackenberg, Oberarzt, Klinik für Neurologie,

Universitätsklinikum Marburg

• Neue stellvertretende Zentrumssprecherin:

Dr. Anne Schänzer, Oberärztin,

72

Institut für Neuropathologie, Universitätsklinikum

Gießen

• Antritt einer Chefarztstelle im Klinikum

Gummersbach: Prof. Dr. Franz Blaes,

Zentrumssprecher bis 30. Juni 2010

• Neue Leiterin Klinische Neurophysiologie

Gießen: PD Dr. Heidrun Krämer,

Oberärztin, Klinik für Neurologie, Universitätsklinikum

Gießen

• Neue Leiterin AG Neuroimmunologie

Gießen: Dr. M. Tschernatsch, Klinik für

Neurologie, Universitätsklinikum Gießen

Forschungsaktivitäten

Die Arbeitsgruppe Klinische Neuroimmunologie

an der Neurologischen Universitätsklinik

Marburg (PD Dr. B. Tackenberg)

beschäftigt sich unter dem Oberthema „T-

Zell-/B-Zell-Interaktion bei neuroimmunologischen

Erkrankungen“ zum einen mit

der Entstehung der Myasthenia gravis. Die

Forschungstätigkeit wird von der Deutschen

Myasthenie-Gesellschaft unterstützt.

Kooperationen bestehen unter anderem

mit Prof. Nick Willcox, Oxford, und

mit Prof. Gellert, Berlin. Weiterhin bestehen

Forschungsaktivitäten zur Pathophysiologie

und Wirkweise von IVIG bei chronisch-entzündlichen

Neuropathien (CIDP)

in Zusammenarbeit mit Prof. Jan Lünemann,

Zürich/CH. Das Zentrum Marburg

ist darüber hinaus ein international anerkanntes

Klinisches Prüfzentrum in der Medikamentenentwicklung

und führt Phase II

und III Studien im Bereich neuromuskulärer

Erkrankungen durch. Auch ein Projekt

zur Pharmakoökonomie neuromuskulärer

Erkrankungen wird derzeit an der Neurologischen

Universitätsklinik Marburg (PD Dr.

B. Tackenberg, Prof. R. Dodel) weitergeführt.


In der Abteilung für Neuropädiatrie der

Universitätsklinik Gießen leitet PD Dr. A.

Hahn eine Untersuchung zur nicht-invasiven

Erfassung der Atemmuskelfunktion

mithilfe der Mundverschlussdruckmessung.

Weiterhin führt diese Abteilung derzeit

eine Verlaufsuntersuchung bei Kindern

mit infantiler Verlaufsform eines Morbus

Pompe unter Enzymersatztherapie durch.

In Kooperation mit Oberärztin Dr. A.

Schänzer (Institut für Neuropathologie

Giessen) werden die Muskelbiopsien von

Patienten mit infantiler Verlaufsform des

Morbus Pompe morphologisch untersucht.

Ziel dieser Untersuchungen ist die

Etablierung von histomorphologischen

Markern, die eine bessere prognostische

Aussage zum Verlauf der Erkrankung erlauben.

Die Neuroimmunologische Arbeitsgruppe

der Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums

Giessen (bis 30. Juni 2010 Prof.

Dr. F. Blaes, seit 01. Juli 2010 Dr. M.

Tschernatsch) untersucht Autoantigene

bei Patienten mit paraneoplastischen Myositiden

und beim CRPS. Ein Projekt über

die Regulation von MHC I Molekülen auf

Muskelzellen wurde erfolgreich beendet

und wurde mit dem Felix-Jerusalem-Preis

für neuromuskuläre Erkrankungen der

DGM 2010 ausgezeichnet (Singh et al.

2009). Die Projekte wurden aus Mitteln des

Nachlasses von Margarete Schalk gefördert.

Darüber hinaus findet eine klinische

Studie zur Wirksamkeit von IVIg bei CRPS

statt. In Zusammenarbeit mit Dr. Beth

Lang, Oxford, werden Untersuchungen zur

Pathophysiologie des Lambert-Eaton-

Syndroms durchgeführt.

Die Abteilung für klinische Neurophysiologie

der Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums

Giessen wurde zum 1. Juli

2010 von PD Dr. H. Krämer übernommen

(Nachfolge von Prof. Blaes). Es entsteht

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

gerade eine neue Arbeitsgruppe, welche

mittels Mikroneurografie Einzelfaserableitungen

aus beispielsweise dem N. peroneus

durchführen kann. Die einzelnen Fasergruppen

können so klar differenziert

werden. Besonderes Augenmerk gilt hierbei

den autonomen Nervenfasern. Des

Weiteren werden neuroimmunologische

Vorgänge untersucht, welche für die Entstehung

und Unterhaltung neuropathischer

Schmerzsyndrome wichtig sind. Die

Untersuchungen finden im Serum, in Hautbiopsien

und auch in vitro statt.

Die Arbeitsgruppe Molekulare Humangenetik

am Universitätsklinikum Gießen

(Prof. Dr. D. Nolte) beschäftigt sich mit der

Identifizierung neuer Genorte und Mutationen

bei Patienten, die an Spinocerebellärer

Ataxie erkrankt sind. Es bestehen Kooperationen

mit PD Dr. B. Tackenberg

(Neurologie Marburg) und Dr. S.J. Kang

(Neurologie Frankfurt).

Fortbildungsveranstaltungen

Neben regelmäßigen Fallkonferenzen, die

alle drei Monate von einer der Kliniken organisiert

werden, findet ein jährliches Treffen

der Hessischen Muskelzentren statt. In

diesem Jahr wurde das Jahrestreffen der

Hessischen Muskelzentren in der Neurologischen

Klinik des Universitätsklinikums

Marburg durchgeführt.

Seit Mitte 2009 findet in der Universitätsklinik

Gießen monatlich eine interdisziplinäre

„neuromuskuläre Diskussionsrunde“

statt, bei der ausgewählte Muskel- und

Nervenbiopsien mikroskopiert und diskutiert

werden. Die Veranstaltung wird von

Oberärztin Dr. A. Schänzer, Institut für

Neuropathologie organisiert und beinhaltet

abwechselnd einen neuropädiatrischen

und einen neurologischen Schwerpunkt.

73


Neuromuskuläres Zentrum Marburg-Gießen-Kassel

Im Universitätsklinikum Marburg werden

durch die Abteilung Neuropathologie monatlich

neuropathologisch-klinische Fallkonferenzen

ausgerichtet, in denen besondere

Muskelbefunde diskutiert werden.

Die Veranstaltungen werden mit drei Fortbildungspunkten

durch die Landesärztekammer

zertifiziert.

Betreuungsstrukturen

Die bestehenden Sprechstunden für neuromuskuläre

Erkrankungen des Muskelzentrums

wurden unverändert weitergeführt.

Weiter ausgebaut wurden die ambulanten

Behandlungsmöglichkeiten mit

immunsuppressiven und immunmodulatorischen

Therapien in der Infusionsambulanz

der Neurologischen Universitätsklinik

Marburg (PD Dr. B. Tackenberg). Am Institut

für Neuropathologie der Universität

Gießen wird derzeit neben der bisherigen

Routinediagnostik auch ein Schwerpunkt

zur Diagnostik von Hautbiopsien im Rahmen

der Polyneuropathiediagnostik etabliert.

Am Muskelzentrum beteiligen sich derzeit

folgende Kliniken und Institute:

Marburg (www.ukgm.de)

• Neurologische Klinik, Universitätsklinikum

Gießen und Marburg GmbH

Standort Marburg, Rudolf-Bultmann-

Str. 8, 35033 Marburg

• Zentrum für Humangenetik, Universitätsklinikum

Gießen und Marburg

GmbH Standort Marburg , Bahnhofstr.

7, 35033 Marburg

• Abteilung für Neuropathologie, Universitätsklinikum

Gießen und Marburg

GmbH Standort Marburg, Baldingerstr.,

35043 Marburg

Gießen (www.ukgm.de)

• Neurologische Klinik, Universitätsklinikum

Gießen und Marburg GmbH

74

Standort Gießen, Am Steg 14, 35392

Gießen

• Abteilung Neuropädiatrie und Sozial -

pädiatrie, Universitätsklinikum Gießen

und Marburg GmbH Standort Gießen,

Feulgenstr. 12, 35392 Gießen

• Institut für Humangenetik, Universitätsklinikum

Gießen und Marburg GmbH,

Standort Gießen, Schlangenzahl 14,

35392 Gießen

• Institut für Neuropathologie, Universitätsklinikum

Gießen und Marburg

GmbH, Standort Gießen, Arndtstr. 16,

35392 Gießen

Kassel (www.klinikum-kassel.de)

• Neurologische Klinik, Klinikum Kassel,

Mönchebergstr. 41-43, 34125 Kassel

• Neuropädiatrie mit Sozialpädiatrischem

Zentrum, Klinikum Kassel, Mönchebergstr.

41-43, 34125 Kassel

• Abteilung für Neuropathologie, Klinikum

Kassel, Mönchebergstr. 41-43, 34125

Kassel

Selbsthilfeaktivitäten

Es bestehen sowohl auf Landes- wie auch

auf Bundesebene intensive Kontakte zur

DGM. Bei Konferenzen des Muskelzentrums

sind regelmäßig Mitglieder der DGM

anwesend. Weiterhin nehmen Mitglieder

des Muskelzentrums regelmäßig an örtlichen

und überregionalen Veranstaltungen

der DGM teil.

Publikationen

(Auswahl aus allen 25 „full-length“-Publikationen

des Zentrums im Berichtszeitraum)

Denora PS, Schlesinger D, Casali C, Kok F, Tessa

A, Boukhris A, Azzedine H, Dotti MT, Bruno

C, Truchetto J, Biancheri R, Fedirko E, Di Rocco

M, Bueno C, Malandrini A, Battini R, Sickl E,

de Leva MF, Boespflug-Tanguy O, Silvestri G,

Simonati A, Said E, Ferbert A, Criscuolo C, Heinimann

K, Modoni A, Weber P, Palmeri S, Plasilova

M, Pauri F, Cassandrini D, Battisti C, Pini A,


Tosetti M, Hauser E, Masciullo M, Fabio RD,

Piccolo F, Denis E, Cioni G, Massa R, Giustina

ED, Calabrese O, Melone MA, De Michele G,

Federico A, Bertini E, Durr A, Brockmann K, van

der Knaap MS, Zatz M, Filla A, Brice A, Stevanin

G, Santorelli FM. Screening of ARHSP-TCC

patients expands the spectrum of SPG11 mutations

and includes a large scale gene deletion.

Hum Mutat 2009;29:500-519.

Ferbert A, Kress W. Klinik und Genetik der Gliedergürteldystrophien.

Medgen 2009;21:332-

336.

Hahn A, Mengel E, Reinke J, von Landenberg P,

Tanislav C, Merz C, Neubauer BA. Enzymersatztherapie

bei Morbus Fabry. Vermeidung von Infusionsreaktionen

und Sicherung der Akzeptanz

durch Präparatewechsel. Monatsschr Kinderheilkd

2010;158:477-479.

Krämer HH, He L, Lu B, Birklein F, Sommer C.

Increased pain and neurogenic inflammation in

mice deficient of neutral endopeptidase. Neurobiol

Dis. 2009;35:177-183.

Kress W, Jakubiczka S, Koch MC. Fazioskapulohumerale

Muskeldystrophie: Aktuelle klinische

und molekulargenetische Aspekte. Medizinische

Genetik 2009;21:337-342.

Nolte D, Sobanski E, Wißen A, Regula JU, Lichy

C, Müller U. Spinocerebellar ataxia type 17 associated

with an expansion of 42 glutamine residues

in TATA-box binding protein gene. J Neurol

Neurosurg Psychiatry 2010;81:1396-1399.

Tackenberg B, Nimmerjahn F, Lünemann JD.

Mechanisms of IVIG efficacy in chronic inflammatory

demyelinating polyneuropathy. J Clin

Immunol 2010;30:65-69.

Lünemann JD, Tackenberg B, Stein A, Wandinger

KP, Oertel WH, Wagner HJ, Münz C, Meisel

H, Sommer N, Zipp F. Dysregulated Epstein-

Barr virus infection in patients with CIDP. J Neuroimmunol

2010;218:107-111.

Tschernatsch M, Singh P, Gross O, Gerriets T,

Kneifel N, Probst C, Malas S, Kaps M, Blaes F.

Anti-SOX1 antibodies in patients with paraneoplastic

and non-paraneoplastic neuropathy. J

Neuroimmunol 2010;226:177-180.

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

75


Neuromuskuläres Zentrum Mecklenburg-Vorpommern Bereich Rostock

Neuromuskuläres Zentrum Mecklenburg-Vorpommern

Bereich Rostock

Leiter:

Prof. Dr. med. R. Benecke

Sprecher:

Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. J. Pahnke, EFN

Stellvertretender Leiter:

Prof. Dr. med. D. Haffner

Stellvertretender Sprecher:

Prof. Dr. med. U. Zettl

Struktur

Im Rahmen der umfassenden Betreuung

von Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen

stehen folgende Standorte in

Rostock für die Diagnostik und Therapie

zur Verfügung:

• Klinik und Poliklinik für Neurologie

• Klinik für Kinder- und Jugendneuro -

psychiatrie

• Klinik für Kinder- und Jugendmedizin

Das Neuromuskuläre Labor an der Klinik

für Neurologie führt routinemäßig alle histologischen

Untersuchungen von Muskelund

Nervenbiopsien von Erwachsenen

und Kindern durch. Die Zuweisungen erfolgen

aus dem Großraum Rostock/westliches

Mecklenburg-Vorpommern sowie

dem Bundesgebiet (Homepage

www.nrl.uni-rostock.de/index-

Dateien/Diagnostics.htm).

Die ambulante Betreuung von Patienten

mit neuromuskulären Erkrankungen bzw.

Muskelbeteiligung bei neurologischen Erkrankungen

erfolgt über die etablierten

Spezialambulanzen für neuromuskuläre

Erkrankungen (Prof. Dr. R. Benecke), neurogenetische

Erkrankungen (Oberarzt Dr.

C. Kamm), neuroimmunologische Erkran-

76

kungen (Prof. Dr. U. Zettl), neurodegenerative

Erkrankungen (Oberarzt Dr. A. Wolters),

die Sprechstunde für ALS und andere

Motoneuronerkrankungen (Oberarzt Dr.

Wittstock) oder neuromuskuläre Erkrankungen

im Kindes- und Jugendalter (Prof.

Dr. F. Häßler, PD Dr. J. Buchmann).

Kooperationen

Enge Kooperationen bestehen zu PD Dr.

B. Schoser (Friedrich-Baur-Institut, München),

Prof. Dr. J. Weiss (Leiter des Referenzzentrums

für Neuromuskuläre Erkrankungen

der DGNN, Universitätsklinikum

Aachen) sowie zu Prof. Dr. S. Zierz (Klinik

für Neurologie, Universität Halle) und Prof.

Dr. H. Reichmann (Klinik für Neurologie,

Universität Dresden).

Forschung

Auch im Jahre 2010 hat sich die Klinik und

Poliklinik für Neurologie um die Weiterentwicklung

der Botulinumtoxin-Therapie bei

neuromuskulären Erkrankungen bemüht.

Geplante/durchgeführte Fortbildungsveranstaltungen

• Jahrestagung der Nervenärzte Mecklenburg-Vorpommerns

in Rostock

(Dezember 2010)

• dreitägiger EuroCNS-Kurs „Pathology

of Muscle and Nerve Diseases“ im Juni

2010 in Amsterdam (www.eurocns.org)


Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

Neuromuskuläres Zentrum Mecklenburg-Vorpommern

Bereich Vorpommern

Leiter/Sprecher:

Prof. Dr. med. Ulf Schminke

Klinik und Poliklinik für Neurologie

Universitätsklinikum der Ernst-Moritz-

Arndt-Universität Greifswald

Am Universitätsklinikum Greifswald gibt es

Sprechstunden für Patienten mit neuromuskulären

Erkrankungen in der Klinik für

Neurologie, Orthopädie, dem Institut für

Humangenetik und der Abteilung Neuropädiatrie

und Stoffwechselerkrankungen

der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin.

Darüber hinaus kooperieren im Bereich

Vorpommern die Institute für Pathologie

und Pathophysiologie, die Klinik für Kinderchirurgie,

das Zentrum für Zahn-,

Mund- und Kieferheilkunde sowie das Sozialpädiatrische

Zentrum Vorpommern.

Personelle Veränderungen im Zentrum

keine

Forschungsaktivitäten

Im Bereich der Grundlagenforschung beschäftigt

sich eine Arbeitsgruppe des Institutes

für Humangenetik zusammen mit

auswärtigen Partnern mit Laminopathien.

Das Greifswalder Institut ist Teil eines europäischen

Netzwerks (EURO-LAMINO-

PATHIES), das zell- und molekularbiologische

Untersuchungen zur Aufklärung des

Pathomechanismus bei Laminopathien

durchführt, insbesondere solcher, die auf

Mutationen in LMNA- und ZMPSTE24-

Gen beruhen.

Das Greifswalder Institut für Pathophysiologie

beschäftigt sich mit der Erforschung

von Ionenkanälen von Muskelzellen und

konnte einen osmo-sensitiven Kathionen-

Kanal aus der Familie der Ionenkanäle mit

transienten Receptorpotentialen im Ske-

lettmuskel von Mäusen nachweisen, der

für die Ermüdung von Skelettmuskeln eine

Rolle spielt.

Darüber hinaus beschäftigt sich eine Arbeitsgruppe

aus der Abteilung für Kieferorhtopädie

des Greifswalder Zentrums für

Zahn-, Mund- und Kiefererkrankungen

schwerpunktmäßig mit dem Einfluss von

Muskelerkrankungen auf den Kauapparat,

insbesondere wird die Rolle von oxidativem

Stresses in masticatorischen Muskeln

in Dystrophin-defizienten Mäusen untersucht.

Im Bereich klinischer Forschung wird die

Rolle der Sonografie von Muskeln und peripheren

Nerven für die Diagnostik von

Muskelerkrankungen untersucht.

Neue diagnostische oder therapeutische

Möglichkeiten

An besonderen diagnostischen Möglichkeiten

bietet die humangenetische Arbeitsgruppe

im Rahmen des Muskelzentrums

neben der üblichen genetische Beratung

von Betroffenen und deren Familien sowie

der Vermittlung der molekulargenetische

Diagnostik von Muskelerkrankungen dar -

über hinaus die molekuargenetische Diagnostik

von Laminopathien an, zu denen die

Emery-Dreifuss-Muskeldys trophie (EMD1,

EMD2, EMD3), die Charcot-Marie-Tooth-

Neuropathie Typ 2 B1 (CMT2B1) und die

Kardiomyopathhie mit Rhytmusstörungen

(CMD1A) gehören. Für die mit Mutationen

im Emerin (STA)- und LMNA-Gen assoziierten

Formen der EDMD ist Greifswald ein

etabliertes molekulagenetisches Diagnostikzentrum

im nationalen Muskeldystrophie-Netzwerk

(MD-NET). Bisher gab es

neben diagnostischen Anforderungen aus

ganz Deutschland auch solche aus anderen

europäischen Ländern wie Belgien,

77


Neuromuskuläres Zentrum Mecklenburg-Vorpommern Bereich Vorpommern

Estland, Jerusalem, Kroatien, Norwegen,

Österreich, Polen, der Schweiz, Spanien,

Ungarn als auch Übersee (USA, Canada,

Korea, China, Australien, Iran).

An besonderen therapeutischen Maßnamen

wird das Greifswalder Drei-Phasen-

Modell, das ursprünglich für Patienten mit

Kopfverletzungen etabliert wurde, jetzt

auch für Patienten mit Muskelerkrankungen

ausgeweitet. An diesem Drei-Phasen-

Model sind das Universitätsklinikum

Greifswald als Akutklinikum, die BDH-Klinik

Greifswald als Rehabilitationszentrum

und das Berufsbildungswerk Greifswald

beteiligt. Es bietet Menschen mit Muskelerkrankungen

sowohl eine medizinische

Diagnostik als auch eine Rehabilitationsbehandlung

und darauf aufbauend eine

berufliche Ausbildung, wobei die einzelnen

Phasen der Wiedereingliederung eng miteinander

verzahnt sind. Dieser Ansatz verfolgt

eine interdisziplinäre medizinische

Behandlung und Rehabilitation in enger

Kooperation mit dem Muskelzentrum Vorpommern

am Universitätsklinikum, der

BDH-Klinik als neurologischem Rehabilitationszentrum

und dem Berufsbildungswerk

in Greifswald. Das Modell soll vor

allem muskelkranken Jugendlichen und

Erwachsenen helfen, wieder einen Platz im

Berufsleben zu finden.

Die Klinik und Poliklinik für Neurologie hat

ihre allgemeine Muskelsprechstunde um

eine Spezialsprechstunde für Patienten

mit Motoneuronerkrankungen ausgeweitet.

Fortbildungsveranstaltungen

Muskeltag 2010 am 13. März 2010 in

Greifswald

Gemeinsame Veranstaltung des Landesverbandes

Mecklenburg-Vorpommern der

Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke

e.V. (DGM) zusammen mit dem Neuromuskulären

Zentrum M-V, dem Universitätskli-

78

nikum der Ernst-Moritz-Arndt-Universität,

der BDH-Klinik Greifswald und dem Berufsbildungswerk

Greifswald. Es handelte

sich um eine Informationsveranstaltung

mit insgesamt 85 Teilnehmern, insbesondere

konnten sich Betroffene, Angehörige,

Therapeuten und Ärzten über moderne

Behandlungsmethoden bei neuromuskulären

Erkrankungen informieren. Als Schwerpunkt

der Veranstaltung wurde auch ein

neues Drei-Phasen-Modell zur übergreifenden

Behandlung von muskelkranken

Menschen öffentlich vorgestellt.

Wissenschaftliche Publikationen aus dem

Zentrum in 2010

Columbaro M, Mattioli E, Schena E, Capanni C,

Cenni V, Levy N, Navarro CL, Del Coco R,

Squarzoni S, Camozzi D, Hutchison CJ, Wehnert

M, Lattanzi G. Prelamin A processing and

functional effects in restrictive dermopathy. Cell

Cycle 2010;9(23):4766-4768.

Roblek M, Schüchner S, Huber V, Ollram K,

Vlcek-Vesely S, Foisner R, Wehnert M, Ogris E.

Monoclonal antibodies specific for disease-associated

point-mutants: lamin A/C R453W and

R482W. PLoS One 2010;5(5):e10604.

Fidzianska A, Niebrój-Dobosz I, Madej-Pilarczyk

A, Duong NT, Wehnert M. X-linked Emery-Dreifuss

muscular dystrophy with lamin A deficiency

and IBM inclusions. Clin Neuropathol

2010;29(2):78-83.

Randles KN, Lam le T, Sewry CA, Puckelwartz

M, Furling D, Wehnert M, McNally EM, Morris

GE. Nesprins, but not sun proteins, switch isoforms

at the nuclear envelope during muscle

development. Dev Dyn 2010;239(3):998-1009.

Rudnik-Schöneborn S, Vogelgesang S, Armbrust

S, Graul-Neumann L, Fusch C, Zerres K.

Digital necroses and vascular thrombosis in severe

spinal muscular atrophy. Muscle Nerve

2010;42(1):144-147.


Pritschow BW, Lange T, Kasch J, Kunert-Keil C,

Liedtke W, Brinkmeier H. Functional TRPV4

channels are expressed in mouse skeletal muscle

and can modulate resting Ca(2+) influx and

muscle fatigue. Pflugers Arch 2010 (epub ahead

of print).

Spassov A, Gredes T, Gedrange T, Lucke S,

Pavlovic D, Kunert-Keil C. Histological changes

in masticatory muscles of mdx mice. Arch Oral

Biol 2010;55(4):318-24.

Spassov A, Gredes T, Gedrange T, Lucke S,

Pavlovic D, Kunert-Keil C. Increased oxidative

stress in dystrophin deficient (mdx) mice. masticatory

muscles. Experimental and Toxicological

Pathology 2010, Doi:10.1016/j.etp.2010.04.006.

Spassov A, Gredes T, Gedrange T, Lucke S,

Morgenstern S, Pavlovic D, Kunert-Keil C. Differential

expression of MyHC isoforms in masticatory

muscles of mdx mice. Europ J Orthodont

2011, Doi:cjq11310.1093/ejo/cjq113.

Morris G E, Sewry CA, Wehnert M. Molecular

Genetics of Emery–Dreifuss Muscular Dystrophy.

In: Encyclopedia of Life Sciences (ELS).

John Wiley & Sons, Ltd: Chichester.

www.els.net/ 2010:1-8, DOI:10.1002/

9780470015902.a0022438.

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

79


Neuromuskuläres Zentrum Münster/Westfalen

Neuromuskuläres Zentrum Münster/Westfalen

Leiter/Sprecher:

Prof. Dr. E. B. Ringelstein

Direktor der Klinik und Poliklinik für

Neurologie

Westfälische Wilhelms-Universität

Münster

Der klinische Kooperationsverbund des

Neuromuskulären Zentrums (NMZ) Münster/Westfalen

behandelt neuromuskulär erkrankte

Patienten aus dem Einzugsgebiet

des Universitätsklinikums Münster (UKM)

mit etwa drei Millionen Einwohnern. Seit

der Gründung des NMZ im Jahr 1995 besteht

eine enge Verzahnung und Zusammenarbeit

zwischen den einzelnen Partnerinstitutionen

und innerhalb des UKM.

Die folgenden Kliniken und Institute sind

am NMZ Münster/Westfalen beteiligt:

• Klinik und Poliklinik für Neurologie des

UKM

(Direktor: Prof. Dr. Dr. E. B. Ringelstein)

• Klinik und Poliklinik für Neurologie des

UKM – Sektion für Schlafmedizin und

ambulante Neurologie

(Leitender Arzt: Prof. Dr. P. Young)

• Klinik und Poliklinik für Neurologie des

UKM – Abteilung für Entzündliche Erkrankungen

des Nervensystems und

Neuroonkologie

(Direktor: Prof. Dr. H. Wiendl)

• Klinik und Poliklinik für Allgemeine Pädiatrie

des UKM (Direktor: Prof. Dr. H.

Omran), Abteilung für Neuropädiatrie

(Leiter: Prof. Dr. G. Kurlemann)

• Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie

des UKM

(Direktor: Prof. Dr. W. Stummer)

• Klinik und Poliklinik für Allgemeine Orthopädie

des UKM

(Direktor: Prof. Dr. G. Gosheger)

• Klinik und Poliklinik für Kinderorthopä-

80

die, Fußchirurgie und Deformitäten -

rekonstruktion des UKM

(Chefarzt: Prof. Dr. R. Rödl)

• Medizinische Klinik C des UKM,

Kardiologie und Angiologie (Kommis -

sarische Leitung: Prof. Dr. L. Eckhardt

und Prof. Dr. H. Reinecke)

• Institut für Neuropathologie des UKM

(Direktor: Prof. Dr. W. Paulus)

• Klinik für Neurologie des Städtischen

Klinikums Osnabrück

(Chefarzt: Prof. Dr. F. Stögbauer)

• Abteilung für Neurologie der Weserbergland-Klinik

Höxter

(Chefarzt: Dr. K. Dechant)

Personalia

Leiter des NMZ ist unverändert Prof. Dr. E.

B. Ringelstein, Direktor der Klinik und Poliklinik

für Neurologie des UKM. Koordinator

und Ansprechpartner des NMZ ist der

leitende Oberarzt der Klinik für Neurologie,

Prof. Dr. P. Young. Die Leitung des neurogenetischen

Labors und der 2008 neu geschaffenen

Sektion Schlafmedizin der Klinik

und Poliklinik für Neurologie liegt bei

Prof. Dr. Young. Seit dem 1. Januar 2009

ist die Neuromuskuläre Ambulanz der Klinik

und Poliklinik für Neurologie in das Medizinische

Versorgungszentrum (MVZ) des

UKM integriert; ermächtigter Kassenarzt

ist Prof. Dr. Young.

Assoziierte Mitglieder des NMZ

Münster/Westfalen

Seit November 2009 besteht eine assoziierte

Mitgliedschaft der Neuromuskulären

Sprechstunde am Klinikum Osnabrück

zum NMZ Münster/Westfalen. Diese wird

in Form einer Ermächtigungsambulanz zur

Diagnostik neuromuskulärer Erkrankungen

von Dr. Neumann (Oberarzt der Neurologi-


schen Klinik des Klinikums Osnabrück) im

KV-Zulassungsbezirk Osnabrück auf Zuweisung

von Fachärzten für Neurologie

und Nervenärzten geführt.

In der Neurologischen Klinik der Asklepios

Weserberglandklinik in Höxter (Chefarzt Dr.

Klaus Dechant) wird eine auf neuromuskuläre

Erkrankungen spezialisierte Rehabilitationsbehandlung

bei Erwachsenen und

Kindern durchgeführt. Zu Beginn steht ein

Eingangsassessment mit dem Ziel, die individuellen

und z.T. standardisierten Therapiemodule

entsprechend des muskulären

Status‘ und der Fähigkeitsstörungen

der Patienten zusammenzustellen. Es

kommen krankengymnastische Maßnahmen,

gerätegestützte Bewegungstherapie,

physikalische Maßnahmen und balneotherapeutische

Maßnahmen zum Einsatz.

Die Ergebnisse jeder Rehabilitation werden

evaluiert. Es werden Hilfsmittelanpassungen

beraten und diese können erprobt

werden (Ergotherapie, Orthopädietechnik,

medizinischer Schuhmacher). Es besteht

die Möglichkeit einer flankierenden neurologischen,

orthopädischen und internistischen

Diagnostik. Bei der Überleitung zur

gesellschaftlichen und beruflichen Teilhabe

werden Hilfen geleistet.

Forschungsaktivitäten

Die neurogenetische Arbeitsgruppe in der

Klinik und Poliklinik für Neurologie des

UKM wird weiterhin von Prof. Dr. P. Young

geleitet. In dieser Arbeitgruppe werden

insbesondere Genotyp-Phänotyp-Korrela -

tionen hereditärer Neuropathien und die

molekulare Pathologie peripherer Nervern

untersucht. Mittels verschiedener transgener

Mausmodelle werden molekulare Interaktionen

zwischen peripher Glia und Axonen

untersucht. Des Weiteren werden in

diesen Gruppen Techniken zur Manipulation

der Genexpression in vivo und in vitro

etabliert. 2009 wurde unter Federführung

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

von Prof. Dr. P. Young die erste Metaanalyse

zur Therapie der HMSN in der Cochrane

Libery in Kooperation mit dem Neu -

romuscular-Disease Center in Naarden

(Niederlande) publiziert.

Die Arbeitsgruppen werden aktuell durch

die DFG und das IMF-Programm der Universität

gefördert. Es bestehen weiterhin

übergreifende Forschungsprojekte mit der

Sektion Schlafmedizin. Dabei werden insbesondere

schlafbezogene Atmungsstörungen

bei verschiedenen neuromuskulären

Erkrankungen und weitere Ursachen

einer verminderten Schlafqualität bei betroffenen

Patienten untersucht. Einen

Schwerpunkt stellen hier erneut die hereditären

Neuropathien (HMSN), aber auch

der Morbus Pompe und die Amyotrophe

Lateralsklerose dar. Diese Arbeiten werden

z.T. durch das IMF der Medizinischen Fakultät

gefördert.

Fortbildungsveranstaltungen

In Zusammenarbeit mit der Fortbildungsakademie

der Ärztekammer Westfalen-

Lippe und der Arbeitsgemeinschaft Neuromedizin

an der WWU Münster werden

regelmäßig interdisziplinäre Fortbildungsveranstaltungen

und Workshops zu neuromuskulären

und neurogenetischen Themen

angeboten. Weiterhin finden zudem

regelmäßige neuromuskuläre Falldemonstrationen

und interdisziplinäre neuropathologisch-neuromuskuläre

Demonstrationen

statt. Daneben nahmen Referenten des

Muskelzentrums erneut an zahlreichen

Fortbildungsveranstaltungen in auswärtigen

Zentren teil, u.a. auch bei der Fortbildungsakademie

der Deutschen Gesellschaft

für Neurologie.

Betreuungsstrukturen

An der Klinik und Poliklinik für Neurologie

des Universitätsklinikums Münster werden

erwachsene neuromuskulär erkrankte Patienten

in enger Abstimmung zwischen

81


Neuromuskuläres Zentrum Münster/Westfalen

Poliklinik, stationärem und teilstationärem

Bereich und den Abteilungen für Krankengymnastik

und Ergotherapie sowie in Zusammenarbeit

mit den anderen beteiligten

Instituten und Kliniken des NMZ diagnostiziert,

behandelt und teilweise langfristig

betreut. Neu hinzugekommen ist eine

Tagesklinik mit derzeit sechs Behandlungsplätzen,

in der auch neuromuskuläre

Patienten unter bestimmten Voraussetzungen

diagnostiziert und behandelt werden

können. Ebenfalls neu hinzugekommen ist

eine neurogenetische Sprechstunde mit

dem Schwerpunkt hereditäre Neuropathien.

Wesentlich verbessert hat sich

die Versorgung schwerstkranker neuromus

kulärer Patienten, da die Kapazität der

klinikeigenen Intensivstation auf 13 Beatmungsplätze

erweitert wurde und zunehmend

Patienten mit neuromuskulär bedingten

Hypoventilationssyndromen auf

eine nicht-invasive Heimbeatmung eingestellt

werden können.

Neuromuskuläre Ambulanz der Klinik

für Neurologie

Die Neuromuskuläre Ambulanz der Klinik

und Poliklinik für Neurologie ist Teil des

MVZ am Universitätsklinikum Münster.

Ärztlicher Vertreter von Prof. Young in dieser

Ambulanz ist Herr Oberarzt PD Dr. M.

Schilling. Die Sprechstunde ist offen für erwachsene

Patienten aus dem gesamten

Spektrum der neuromuskulären Erkrankungen.

Einen besonderen Schwerpunkt

stellt die medizinische und sozialmedizinische

Betreuung von Patienten mit hereditären

Neuropathien, amyotropher Latera

l sklerose, myotoner Dystrophie und

Morbus Pompe dar. Patienten mit Myasthenia

gravis und inflammatorischen Polyneuropathien

werden zukünftig in Kooperation

mit der Abteilung für entzündliche

Erkrankungen des Nervensystems am

UKM betreut. Für Patienten mit hereditären

Neuropathien (HMSN) hat die Ambu-

82

lanz ihren überregionalen Einzugsbereich

weiter ausgebaut. Für Patienten mit Morbus

Pompe hat das NMZ ebenfalls regionalen

Zentrumscharakter erlangt, da mittlerweile

14 Patienten unter laufender Enzymersatztherapie

regelmäßig betreut

werden. Das NMZ deckt in Zusammenarbeit

mit dem Institut für Neuropathologie

und der Klinik für Neurochirurgie des UKM

alle diagnostischen Basisuntersuchungen

ab (Neu rophysiologie, Labordiagnostik,

Muskelbi opsie). Zahlreiche molekulargenetische

Untersuchungen können im neurogenetischen

Labor der Klink und Poliklinik

für Neurologie durchgeführt werden. In

der langfristigen Versorgung von Patienten

mit neuromuskulären Erkrankungen kooperiert

die Ambulanz mit der orthopädischen

und kardiologischen Universitätsklinik,

der Physiotherapie-Abteilung und den

orthopädischen Werkstätten des UKM.

Ferner ist eine enge Zusammenarbeit mit

ambulanten und stationären Rehabilitationseinrichtungen

sowie niedergelassenen

Fachärzten gewährleistet. Die institutionelle

Nähe unserer Neuromuskulären Ambulanz

zum Schlaflabor der Klinik für

Neurologie eröffnet die häufig genutzte

Möglichkeit, Patienten mit Schlafstörungen

oder einer exzessiven Tagesschläfrigkeit

schlafmedizinisch zu untersuchen und

optimal zu behandeln. Dieser Aspekt

konnte durch die nochmalige Erweiterung

des Schlaflabors auf insgesamt zwölf Betten

unter der Leitung von Prof. Dr. Young

(FA Neurologie, FW Schlafmedizin, FW Intensivmedizin)

und der Intensivstation gestärkt

werden. Im Jahr 2009 wurden 89

Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen

auf eine nicht-invasive Heimbeatmung

eingestellt. Damit ist die Zahl dieser

Patienten weiterhin steigend. In diesem

Bereich ist der ärztliche Vertreter Prof.

Dr. R. Dziewas (FA Neurologie, FW Schlafmedizin,

FW Intensivmedizin).


Die intensive Zusammenarbeit mit dem Institut

für Neuropathologie (Direktor: Prof.

Dr. W. Paulus) wurde ausgebaut. In regelmäßigen

neurohistologischen Konferenzen,

bei denen alle aktuellen Muskelbiopsien

am Diskussionsmikroskop demonstriert

und gemeinschaftlich diskutiert

werden, kommen verschiedene Mitglieder

des NMZ zusammen. Ebenfalls direkt im

Hause kann ein großer Teil der molekulargenetischen

Diagnostik hereditärer Neuropathien

und anderer neuromuskulärer

Krankheiten im Labor für Neurologische

Molekulardiagnostik der Klinik und Poliklinik

für Neurologie erfolgen.

In Ergänzung zu der bewährten Zusammenarbeit

mit den Kliniken für Neuro -

chirurgie (Nerv- und Muskelbiopsien) und

Orthopädie, der Medizinischen Klinik C –

Kardiologie (Herzmuskelbeteiligung bei

Myopathien) und dem Institut für Humangenetik

(Diagnostik und humangenetische

Beratung) konnte insbesondere die Zusammenarbeit

mit der Klinik und Poliklinik

für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie

(Direktor: Prof. Dr. H.H. Scheld; Thymektomie

bei Myasthenia gravis) gefestigt werden.

In Kooperation mit dem Bereich Psychosomatik

der Kinderklinik unter Leitung

von Prof. Dr. E. Kammerer bestehen Möglichkeiten

einer neuropsychologischen

Diagnostik und eventuellen psychischen

Betreuung betroffener Kinder. In der Patientenversorgung

besteht eine enge Kooperation

für die Orthesenversorgung mit

der Klinik für Technische Orthopädie unter

der Leitung von Prof. Dr. Wetz. Eine neue

Kooperation hat sich mit der Klinik für Kinderthopädie,

Fußchirurgie und Deformitätenrekonstruktion

in der operativen

Ver sorgung neuromuskulär bedingter Fuß -

deformitäten ergeben. Die Patienten mit

Fußdeformitäten aus der neurogeneti-

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

schen Sprechstunde werden hier interdisziplinär

betreut.

Neuropädiatrie

Das neuropädiatrische Team in der Klinik

für Allgemeine Pädiatrie des UKM ist spezialisiert

auf die Diagnose und Behandlung

neuromuskulärer Erkrankungen. Dies erfordert

einen interdisziplinären Ansatz und

enge Zusammenarbeit mit den Kollegen

der pädiatrischen Pulmonologie (Lungenheilkunde)

und Kardiologie, der Klinik für

Kinderorthopädie, Klinik für Neurologie

und anderen. Zusätzlich zur Muskeldystrophie

Duchenne, kongenitalen, erworbenen

und entzündlichen Myopathien werden

hereditäre Neuropathien, Motoneuron-

Erkrankungen und Erkrankungen der neu -

romuskulären Synapse entsprechend

neuesten wissenschaftlichen Standards

diagnostiziert und behandelt. Die folgenden

Untersuchungsmöglichkeiten stehen

zur Verfügung: Laboruntersuchungen,

insbesondere molekulargenetische Diagnostik,

Neurophysiologie, Ultraschall und

Kernspintomografie der Muskulatur, Echokardiografie

und EKG, Nerven-, Muskelbiopsie,

Lungenfunktionsprüfung,

Laryngo-, Tracheo-, Bronchoskopie, Stoffwechseldiagnostik.

Um die Therapie neuromuskulärer Erkrankungen

stetig optimieren zu können, ist die

Kinderklinik an neuromuskulären Forschungsprojekten

beteiligt oder hat diese

selbst initiiert. Im Zentrum der Aufmerksamkeit

stehen das Kind und seine Familie

mit deren individuellen Bedürfnissen im

Kontext der neuromuskulären Erkrankung.

Das Team der Neuropädiatrie arbeitet eng

mit den betroffenen Familien zusammen

und ist Ansprechpartner bei allen aufkommenden

Fragen.

83


Neuromuskuläres Zentrum Münster/Westfalen

Selbsthilfeaktivitäten

Es besteht weiterhin enger Kontakt mit

den Landesverbänden Niedersachsen und

Nordrhein-Westfalen der DGM. Intensiver

Kontakt zur Untergruppe Peroneale Muskelatrophie

der DGM besteht weiter. Prof.

Dr. P. Young ist medizinischer Berater der

Internetseite www.hmsn.de

Publikationen 2010 zu neuromuskulären

Themen (aus der Klinik und Poliklinik für

Neurologie des UKM)

Boentert M, Dziewas R, Heidbreder A, Happe S,

Kleffner I, Evers S, Young P. Fatigue, reduced

sleep quality and restless legs syndrome in

Charcot-Marie-Tooth disease: a web-based survey.

J Neurol 257:646-652.

Duning T, Warnecke T, Schirmacher A, Schiffbauer

H, Lohmann H, Mohammadi S, Young P,

Deppe M. Specific pattern of early white-matter

changes in pure hereditary spastic paraplegia.

Mov Disord 25:1986-1992.

Gess B, Lohmann C, Halfter H, Young P. Sodium-dependent

vitamin C transporter 2 (SVCT2)

is necessary for the uptake of L-ascorbic acid

into Schwann cells. Glia 58:287-299.

Kleffner I, Schirmacher A, Gess B, Boentert M,

Young P. Four novel mutations of the myelin

protein zero gene presenting as a mild and lateonset

polyneuropathy. J Neurol 257:1864-1868.

Warnecke T, Duning T, Schirmacher A, Mohammadi

S, Schwindt W, Lohmann H, Dziewas R,

Deppe M, Ringelstein EB, Young P. A novel

s plice site mutation in the SPG7 gene causing

widespread fiber damage in homozygous and

heterozygous subjects. Mov Disord 25:413-420.

84


Neuromuskuläres Zentrum Nordrhein

Leiter/Sprecher:

Prof. Dr. W. F. Haupt

Klinik und Poliklinik für Neurologie der

Universität zu Köln

Nach wie vor sind die Rahmenbedingungen

für die ambulante Tätigkeit in den

Muskelzentren schwierig. Wenn auch in einigen

Standorten im Bereich Nordrhein

bereits ambulante Leistungen nach § 116b

SGB V abgerechnet wurden, so ist immer

noch nicht sicher, ob diese in Rechnung

gestellten Leistungen auch vergütet werden.

In einigen anderen Standorten ist die

Planung noch nicht abgeschlossen. Die

Mitglieder des Muskelzentrums Nordrhein

haben auch in 2010 drei Arbeitssitzungen

abgehalten, die jeweils von etwa 20 Mitgliedern

besucht wurden und die mit je

etwa sechs multidisziplinären Fallvorstellungen

bestückt waren. Hier kamen die

klinischen, neurophysiologischen, neuropathologischen

und genetischen Gesichtspunkte

zur Sprache und wurden lebhaft

diskutiert. Diese Arbeitstreffen führen

stets zu einem sehr regen Informationsaustausch

und zur Verbesserung der Koordination

der einzelnen Arbeitsgruppen.

1. Aachen

a) Institut für Humangenetik der RWTH

Aachen

Ansprechpartner für das Muskelzentrum:

Prof. Dr. Klaus Zerres

(kzerres@ukaachen.de),

Prof. Dr. Sabine Rudnik-Schöneborn

(srudnik-schoeneborn@ukaachen.de)

Tel.: 0241/8080178, Fax: 0241/8082580

Die diagnostischen und wissenschaftlichen

Schwerpunkte im Bereich neuromus-

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

kulärer Erkrankungen im Jahr 2010 lagen

weiterhin bei der klassischen spinalen

Muskelatrophien (SMA) und ihren Sonderformen

und den hereditären Neuropathien.

Auch erbliche Myopathien sind wichtige

differenzialdiagnostische Felder. So werden

wir ab 2011 unser diagnostisches Angebot

auf die myotonen Dystrophien Typ 1

und 2, die bulbospinale Muskelatrophie

Typ Kennedy und die facioscapulo -

humerale Muskeldystrophie (FSHD) erweitern.

Im Bereich der Forschung haben wir neue

Erkenntnisse zum klinischen Bild der infantilen

SMA beitragen können. Nachdem

durch Mausmodelle in den letzen Jahren

deutlich wurde, dass Gefäßanomalien zum

Manifestationsspektrum der SMN1-Defizienz

gehören, haben wir aus klinischer

und pathoanatomischer Sicht anhand von

zwei Patienten, die digitale Nekrosen entwickelt

haben, diese Beobachtung bestätigen

können (Rudnik-Schöneborn et al.

2010a).

Zeitgleich bemühen wir uns um die weitere

Erforschung der SMA-Sonderformen.

Die Identifikation von Genen und Mutationsanalyse

von Kandidatengenen für die

(ponto)cerebelläre Hypoplasie mit SMA

(PCH-1) wird an unserem Institut mit

Nachdruck verfolgt.

Im Berichtzeitraum haben wir außerdem

eine Geschwisterschaft mit einem molekulargenetisch

gesicherten Andermann-Syndrom

veröffentlicht, die belegt, dass das

Andermann-Syndrom sehr variabel sein

und sich als reine periphere Neuropathie

des frühen Kindesalters manifestieren

kann (Rudnik-Schöneborn et al. 2009).

In Zusammenarbeit mit anderen Kollegen

haben wir erstmalig das Auftreten einer

bestimmten erblichen Herzrhythmusstö-

85


Neuromuskuläres Zentrum Nordrhein

rung, des Brugada-Syndroms, bei Patienten

mit einer myotonen Dystrophie Typ 2

beschrieben (Rudnik-Schöneborn et al.

2010b) und zum klinischen und morphologischen

Spektrum bei der FSHD beigetragen

(Reilich et al. 2010).

1. a) Literatur:

Rudnik-Schöneborn S, Hehr U, von Kalle T, Bornemann

A, Winkler J, Zerres K. Andermann syndrome

can be a phenocopy of hereditary motor

and sensory neuropathy – report of a discordant

sibship with a compound heterozygous mutation

of the KCC3 gene. Neuropediatrics.

2009;40:129-133.

Reilich P, Schramm N, Schoser B, Schneiderat

P, Strigl-Pill N, Müller-Höcker J, Kress W, Ferbert

A, Rudnik-Schöneborn S, Noth J, Lochmüller

H, Weis J, Walter MC. Facioscapulohumeral

muscular dystrophy presenting with unusual

phenotypes and atypical morphological fea -

tures of vacuolar myopathy. J Neurol 2010;

257:1108-1118.

Rudnik-Schöneborn S, Vogelgesang S, Armbrust

S, Graul-Neumann L, Fusch C, Zerres K.

Digital necroses and vascular thrombosis in severe

spinal muscular atrophy. Muscle Nerve

2010a;42:144-147.

Rudnik-Schöneborn S, Schaupp M, Lindner A,

Kress W, Schulze-Bahr E, Zumhagen S, Elbracht

M, Zerres K. Brugada-like cardiac disease

in myotonic dystrophy type 2: report of two

unrelated patients. Eur J Neurol 2010b (epub

ahead of print).

b) Neurologie und Neuropädiatrie

Neuromuskuläre Ambulanz (Erwachsene):

Dr. Kristl Claeys

Klinik für Neurologie

Direktor: Prof. Dr. J.B. Schulz

Universitätsklinikum der RWTH Aachen

Pauwelsstraße 30, 52074 Aachen

Tel.: 0241/8089605, Fax:

0241/803389605,

E-Mail: kclaeys@ukaachen.de

86

Neuropädiatrische Ambulanz (bis zum 17.

Lebensjahr):

Prof. Dr. Martin Häusler

Klinik für Kinder- und Jugendmedizin

Direktor: Prof. Dr. N. Wagner

Universitätsklinikum der RWTH Aachen

Pauwelsstraße 30, 52074 Aachen

Tel.: 0241/8088773, Fax: 0241/8082484

Die Neurologische Klinik und die Neuropädiatrische

Ambulanz der Klinik für Kinder-

und Jugendmedizin am Universitätsklinikum

der RWTH Aachen bieten eine

Spezialsprechstunde für neuromuskuläre

Erkrankungen an. Die Arbeit dieser Ambulanz

konzentriert sich auf Erwachsene,

Kinder und Jugendliche mit verschiedensten

neuromuskulären Erkrankungen, wie

Myopathien, (Poly)Neuropathien, myasthene

Erkrankungen und Erkrankungen

der Motoneurone.

Für die Diagnostik und Behandlung betroffener

Patienten wichtige Kooperationspartner

innerhalb des Universitätsklinikums

sind das Institut für Neuropathologie

(Direktor: Prof. Dr. Joachim Weis), das Institut

für Humangenetik (Direktor: Prof. Dr.

Klaus Zerres), das Neurophysiologische

Labor der Klinik für Neurologie, die Klinik

für Diagnostische und Interventionelle

Neuroradiologie, das Sozialpädiatrische

Zentrum der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin

sowie Spezialisten aus den

Bereichen Lunge, Herz, Orthopädie, Rheumatologie/Immunologie

und Endokrinologie.

Wissenschaftlich kooperiert unser Zentrum

lokal und überregional mit verschiedenen

Arbeitsgruppen, beispielsweise zu

Myopathien, zur Amyotrophischen Lateralsklerose

(ALS), zu Charcot-Marie-Tooth

Neuropathien (CMT) und zu Spinalen Muskelatrophien

(SMA). Dies gewährleistet eine

Versorgung unserer Patienten auf dem


neuesten Stand der Wissenschaft und ermöglicht

zugleich die Teilnahme an nationalen

und internationalen wissenschaftlichen

Studien.

1. b) Publikationen Neurologie und

Neuropädiatrie (2010):

Laforêt P, Doppler V, Caillaud C, Laloui K, Claeys

KG, Richard P, Ferreiro A, Eymard B. Rigid

spine syndrome revealing late-onset Pompe

disease. Neuromuscul Disord 2010;20:128-130.

Claeys KG, Maisonobe T, Böhm J, Laporte J,

Hezode M, Romero NB, Brochier G, Bitoun M,

Carlier RY, Stojkovic T. Phenotype of a patient

with recessive centronuclear myopathy and a

novel BIN1 mutation. Neurology 2010;74:519-

521.

Claeys KG, Sozanska M, Martin JJ, Lacene E,

Vignaud L, Stockholm D, Laforêt P, Eymard B,

Kichler A, Scherman D, Voit T, Israeli D. DNAJB2

expression in normal and diseased human and

mouse skeletal muscle. Amer J Pathol

2010;176:2901-2910.

Claeys KG, Pellissier JF, Garcia-Bragado F, Weis

J, Urtizberea A, Poza J, Cobo AM, Stoltenburg

G, Figarella-Branger D, Willems PJ, Depuydt

CE, Kleiner W, Pouget J, Piraud M, Brochier G,

Romero NB, Fardeau M, Goebel HH, Bönnemann

C, Voit T, Eymard B, Laforet P. Myopathy

with hexagonally cross-linked crystalloid inclusions:

Delineation of a new clinico-pathological

entity. Neuromuscul Disord 2010;20:701-708.

Wary C, Nadaj-Pakleza A, Laforêt P, Claeys KG,

Carlier R, Monnet A, Fleury S, Baligand C, Eymard

B, Labrune P, Carlier PG. Investigating glycogenosis

type III patients with multi-parametric

functional NMR imaging and spectroscopy.

Neuromuscul Disord 2010;20:548-558.

Hernandez-Lain A, Husson I, Monnier N, Farnoux

C, Brochier G, Lacène E, Beuvin M, Viou

M, Manéré L, Claeys KG, Fardeau M, Lunardi J,

Voit T, Romero NB. De novo RYR1 heterozygous

mutation (I4898T) causing lethal core-rod

myopathy in twins. Europ J Med Genet 2010.

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

Voigt A, Herholz D, Fiesel FC, Kaur K, Müller D,

Karsten P, Weber SS, Kahle PJ, Marquardt T,

Schulz JB. TDP-43-mediated neuron loss in vivo

requires RNA-binding activity. PLoS One

2010;5(8):e12247.

Fiesel FC, Voigt A, Weber SS, Van den Haute C,

Waldenmaier A, Görner K, Walter M, Anderson

ML, Kern JV, Rasse TM, Schmidt T, Springer W,

Kirchner R, Bonin M, Neumann M, Baekelandt

V, Alunni-Fabbroni M, Schulz JB, Kahle PJ.

Knockdown of transactive response DNA-binding

protein (TDP-43) downregulates histone

deacetylase 6. EMBO J 2010;29(1):209-221.

2. Bonn

Klinik und Poliklinik für Neurologie der

Universität Bonn

Leiter: Prof. Dr. med. T. Klockgether,

Direktor der Klinik und Poliklinik für

Neurologie, Universitätsklinikum Bonn,

Sigmund-Freud-Str. 25, 53105 Bonn

Allgemeine Sprechstunde für Muskelerkrankungen:

Oberärztin PD Dr. C. Kornblum,

Oberarzt Dr. J. Reimann, Dr. Anhuf,

Th. Dold; Tel.: 0228/287-15714 (9.00 bis

12.00 Uhr)

Spezialambulanz für Mitochondriale

Erkrankungen und Myotone Dystrophien:

Oberärztin PD Dr. C. Kornblum; Tel.:

0228/287-15714 (9.00 bis 12.00 Uhr)

Spezialambulanz für Amyotrophe Lateralsklerose

(ALS) und andere Motoneuronerkrankungen:

Oberarzt Prof. Dr. M.T.

Heneka, Dr. D. Kurzwelly; Tel.: 0228/287-

15714 (9.00 bis 12.00 Uhr), -13091

(13.00 bis 15.00 Uhr)

Muskellabor: Organisatorische Leitung:

Oberärztin PD Dr. C. Kornblum; Ärztliche

Mitarbeiter: Oberarzt Dr. J. Reimann, Dr.

D. Anhuf, Th. Dold; TA: K. Kappes-Horn,

K. Tolksdorf, M. Stepien-Mering;

Telefon: 0228/287-16391

Diagnostik und Therapie von Patienten mit

neuromuskulären Erkrankungen sind seit

87


Neuromuskuläres Zentrum Nordrhein

1982 einer der Schwerpunkte der Neurologischen

Universitätsklinik Bonn. Mitochondriale

Erkrankungen und Myotone

Dystrophien bilden einen klinischen und

wissenschaftlichen Schwerpunkt der Klinik.

Fokus der Arbeiten von PD Dr. Kornblum

sind Untersuchungen zur klinischen

Phänotypisierung sowie klinische, genetische

und biochemische Analysen zur Genotyp-Phänotyp

Variabilität mitochondrialer

Erkrankungen. Eine 2009 begonnene

Studie zu Klinik und Genetik isolierter mitochondrialer

Myopathien wird fortgesetzt,

Zwischenergebnisse wurden auf der 83.

Jahrestagung der DGN 2010 vorgestellt.

Ein zerebrales Bildgebungsprojekt bei Patienten

mit MELAS-Syndrom wurde initiiert

und ist voraussichtlich Ende 2010 abgeschlossen.

Die Neurologische Universitätsklinik

Bonn ist Zentrum des horizontalen

klinischen Netzwerkes für mitochondriale

Erkrankungen (MITONET), einem

seit Mitte 2009 durch das Bundesministerium

für Bildung und Forschung (BMBF)

mehrjährig geförderten bundesweiten Forschungsprojektes.

Patienten mit mitochondrialen

Erkrankungen werden seither

fortlaufend über unsere Spezialambulanz

in das nationale MITONET-Register aufgenommen.

2010 wurde das Patiententreffen-West

des „Mito-Teams“ der DGM in

Bonn veranstaltet. Die zerebralen Bildgebungsprojekte

mit 3T MRT- und neuropsychologischen

Untersuchungen bei Patienten

mit Myotoner Dystrophie Typ 1 und Typ

2 wurden Ende 2010 abgeschlossen, eine

Verlaufsstudie über einen Zeitraum von

zwei bis drei Jahren ist in Planung.

Die Arbeitsgruppe von Dr. Reimann beschäftigt

sich mit Fragestellungen der

Muskelregeneration, u.a. zur Charakterisierung

der Satellitenzellaktivierung am Mausmodell

und zur Interaktion von Makrophagen

und Myoblasten im humanen Muskel.

Dr. Anhuf befasst sich mit molekularen Mechanismen

der Inaktivitätsatrophie in Zell-

88

kultur (Kooperation mit Prof. D.O. Fürst,

Institut für Zellbiologie, Universität Bonn).

Ambulante Behandlung von Patienten mit

adultem Morbus Pompe mit Enzymersatztherapie

sowie Einschluss und Teilnahme

dieser Patienten an einer multizentrischen

nationalen Verlaufsstudie werden fortgesetzt.

Es besteht eine enge Kooperation

mit der hiesigen neuroimmunologischen

AG (Oberarzt PD Dr. M. Müller), in einem

wissenschaftlichen Projekt werden derzeit

Makrophagenpopulationen in verschiedenen

Myopathien und Myositiden charakterisiert.

Die Neurologische Klinik bietet eine

Spezialambulanz für ALS und andere Motoneuronerkrankungen

an, über die auch

klinische Therapiestudien durchgeführt

werden. Schwerpunktmäßige lokale

Kooperationen der neuromuskulären Arbeitsgruppe

Bonn bestehen mit dem Neurochemischen

Labor Prof. Dr. Kunz, Epileptologische

Universitätsklinik Bonn/

Life&Brain Center, der Epileptologischen

und Radiologischen Universitätsklinik

Bonn, der Augenklinik der Universität

Bonn, dem Institut für Zellbiologie der Universität

Bonn und dem Institut für Vegetative

Physiologie der Universität zu Köln,

Prof. Dr. Wiesner.

2. Relevante Publikationen 2010

Fratter C, Gorman GS, Stewart JD, Buddles M,

Smith C, Evans J, Seller A, Poulton J, Roberts

M, Hanna MG, Rahman S, Omer SE, Klopstock

T, Schoser B, Kornblum C, Czermin B, Lecky B,

Blakely EL, Craig K, Chinnery PF, Turnbull DM,

Horvath R, Taylor RW. The clinical, histochemical,

and molecular spectrum of PEO1 (Twinkle)linked

adPEO. Neurology 2010;74:1619-26.

Zsurka G, Hampel KG, Nelson I, Jardel C, Mirandola

SR, Sassen R, Kornblum C, Marcorelles

P, Lavoué S, Lombès A, Kunz WS. Severe epilepsy

as the major symptom of new mutations

in the mitochondrial tRNA(Phe) gene. Neurology

2010;74(6):507-12.


Kirzinger L, Schmidt A, Kornblum C, Schneider-

Gold C, Kress W, Schoser B. Side effects of

anesthesia in DM2 as compared to DM1: a

comparative retrospective study. Eur J Neurol

2010;17:842-5.

Kornblum C, Lutterbey GG, Czermin B, Reimann

J, von Kleist-Retzow JC, Jurkat-Rott K,

Wattjes MP. Whole-body high-field MRI shows

no skeletal muscle degeneration in young patients

with recessive myotonia congenita. Acta

Neurol Scand 2010;121:131-5.

Reimann J. Acute respiratory insufficiency in

undefined necrotising myopathy. Neuromuscul

Disord 2010;20:617.

Reimann J, Schnell S, Schwartz S, Kappes-

Horn K, Dodel R, Bacher M. Macrophage migration

inhibitory factor in normal human skeletal

muscle and inflammatory myopathies. J

Neuropathol Exp Neurol 2010;69:654-62.

Tamboli IY, Barth E, Christian L, Siepmann M,

Singh S, Tolksdorf K, Heneka MT, Luetjohann D,

Wunderlich P, Walter J. Statins promote the degradation

of extracellular amyloid {beta}-peptide

by microglia via stimulation of exosome-associated

IDE secretion. J Biol Chem 2010 Sep

28 (epub ahead of print).

Kalbe E, Onur OA, Minnerop M, Reimann J, Althaus

A, Ahmadzadehfar H, Dodel R, Strach K,

Clemen CS, Herholz K, Haense C, Fink GR,

Schröder R. Early signs of VCP-related frontotemporal

dementia: a neuropsychological, FDG-

PET and fMRI study. J Neurol 2010 (epub ahead

of print).

Clemen CS, Tangavelou K, Strucksberg KH,

Just S, Gaertner L, Regus-Leidig H, Stumpf M,

Reimann J, Coras R, Morgan RO, Fernandez

MP, Hofmann A, Müller S, Schoser B, Hanisch

FG, Rottbauer W, Blümcke I, von Hörsten S, Eichinger

L, Schröder R. Strumpellin is a novel valosin-containing

protein binding partner linking

hereditary spastic paraplegia to protein aggregation

diseases. Brain 2010;133:2920-41.

Escher C, Lochmüller H, Fischer D, Frank S,

Reimann J, Walter MC, Ehrat M, Ruegg MA, Gy-

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

gax D. Reverse protein arrays as novel approach

for protein quantification in muscular

dystrophies. Neuromuscul Disord 2010;20:302-

9.

Reimann J, Jacobson L, Vincent A, Kornblum C.

Endplate destruction due to maternal antibodies

in arthrogryposis multiplex congenita. Neurology

2009;73:1806-8.

3. Düsseldorf

a) Universitätsklinikum Düsseldorf

Neurologische Klinik

Direktor: Prof. Dr. H.-P. Hartung

Ansprechpartner: Oberarzt Prof. Dr. S.

Jander, Oberarzt Prof. Dr. B. Kieseier,

R. Fröhlich, Dr. P. Zickler

Anmeldung für die Spezialambulanzen:

Tel.: 0211/811-7887, Fax: 0211/811-6282

Internet: www.neurologie.uni-duesseldorf.

de.

Die Neurologische Klinik bietet Spezialsprechstunden

für neuromuskuläre Erkrankungen

sowie autoimmun bedingte

neuromuskuläre Übertragungsstörungen

(Myasthenia gravis, Lambert-Eaton-

Syndrom, Neuromyotonie) an. Daneben

existiert ein umfangreicher Forschungsschwerpunkt

zur Pathogenese neuromuskulärer

Erkrankungen. Schwerpunkt sind

hierbei entzündliche Prozesse und Mechanismen

der Nervenregeneration.

Schwerpunkt der neuromuskulären

Sprechstunde (Leitung: Prof. Dr. S. Jander)

sind entzündliche und autoimmun bedingte

Neuropathien und Myopathien sowie

hereditäre Erkrankungen von Nerv und

Muskel. Molekulargenetische Untersuchungen

bei Verdacht auf HSMN und

HNPP werden im Labor der Klinik durchgeführt.

Wir stehen als Referenzlabor für

die Neurografie- und EMG-Diagnostik zur

Mitbeurteilung schwieriger neuromuskulärer

Differenzialdiagnosen auf Zuweisung

89


Neuromuskuläres Zentrum Nordrhein

der niedergelassenen neurologischen Kollegen

zur Verfügung. Neben der stationären

Behandlung können wir nach individueller

Kostenzusage immunmodulatorische

Therapien auch ambulant im hiesigen interdisziplinären

ambulanten Therapiezentrum

durchführen. Es besteht eine enge

Zusammenarbeit mit den hiesigen Instituten

für Neuropathologie und Humangenetik

sowie der Klinik für Rheumatologie.

Der Myasthenie-Schwerpunkt (Leitung:

Prof. Dr. S. Jander) betreut als überregionales

Zentrum pro Jahr ca. 400 Patienten.

Hierbei kommt der Myasthenie-Sprechstunde

eine wichtige Funktion in der Verzahnung

der stationären und ambulanten

Behandlung zu. Die Klinik ist Referenzlabor

für spezielle elektrodiagnostische Verfahren

inkl. Einzelfaser-EMG und die Bestimmung

der Acetylcholin-Rezeptor-

Autoantikörper.

Die Arbeitsgruppe für klinische und experimentelle

Neuroimmunologie (Leitung:

Prof. Dr. B. Kieseier) beschäftigt sich mit

Fragen der Pathogenese immunvermittelter

Erkrankungen des peripheren Nervensystems

und des Muskels. Durch die Charakterisierung

spezifischer Proteasen und

chemotaktischer Signale konnten potentielle

Zielstrukturen einer gezielten Immuntherapie

definiert werden und in verschiedenen

Tiermodellen bereits erfolgreich

gehemmt werden.

Die Arbeitsgruppe für translationale Gliazellforschung

(Leitung: PD Dr. P. Küry) studiert

das Differenzierungs- und Degenerationsverhalten

myelinisierender Gliazellen

infolge von Verletzungen und Krankheiten

des Nervensystems. Über den Vergleich

dieser Prozesse im PNS und ZNS sollen

neue Wege zur Regeneration von Myelinstrukturen

identifiziert werden. Aktuell werden

intrinsische Inhibitoren der glialen Dif-

90

ferenzierung, Zelltodmechanismen und

Zelldegenerationsdeterminanten untersucht.

3. a) Literatur:

Lehmann HC, Hartung HP, Kieseier BC, Hughes

RA. Guillain-Barré syndrome after exposure to

influenza virus. Lancet Infect Dis 2010;10:643-

51.

Wolf C, Menge T, Stenner MP, Meyer zu Hörste

G, Saleh A, Hartung HP, Wiendl H,Kieseier BC.

Natalizumab treatment in a patient with chronic

inflammatory demyelinating polyneuropathy.

Arch Neurol 2010;67:881-3.

Kieseier BC, Hohlfeld R. Regulatory T cells in

myositis—Good Samaritans at the site of inflammation?

J Neuroimmunol 2010 14;226:1-2.

Lehmann HC, Hoffmann FR, Meyer Zu Hörste

G, Hartung HP, Kieseier BC. Central nervous

system involvement in patients with monoclonal

gammopathy and polyneuropathy. Eur J Neurol

2010;17:1075-81.

Lehmann HC, Jangouk P, Kierysch EK, Meyer

zu Hörste G, Hartung HP, Kieseier BC. Autoantibody-mediated

dysfunction of sympathetic

neurons in guillain-barre syndrome. Arch Neurol

2010;67:203-10.

Meyer zu Hörste G, Heidenreich H, Mausberg

AK, Lehmann HC, ten Asbroek AL, Saavedra JT,

Baas F, Hartung HP, Wiendl H, Kieseier BC.

Mouse Schwann cells activate MHC class I and

II restricted T-cell responses, but require external

peptide processing for MHC class II presentation.

Neurobiol Dis 2010;37:483-90.

Meyer Zu Horste G, Heidenreich H, Lehmann

HC, Ferrone S, Hartung HP, Wiendl H, Kieseier

BC. Expression of antigen processing and presenting

molecules by Schwann cells in inflammatory

neuropathies. Glia 2010 1;58:80-92.

Zickler P, Küry P, Gliem M, Hartung HP, Jander

S. Differential patterns of local gene regulation


in crush lesions of the rat optic and sciatic nerve:

relevance to posttraumatic regeneration.

Cell Physiol Biochem 2010;26:483-94.

Odemis V, Boosmann K, Heinen A, Küry P, Engele

J. CXCR7 is an active component of SDF-

1 signalling in astrocytes and Schwann cells. J

Cell Sci 2010;123:1081-8.

b) Institut für Neuropathologie,

Universitätsklinikum Düsseldorf

Direktor: Prof. Dr. Guido Reifenberger

Ansprechpartner: PD Dr. Eva Neuen-

Jacob

Tel.: 0221/81-18662, Fax: 0211/81-17804

E-Mail: Neuen-Jacob@med.uni-duesseldorf.de

2010 wurden insgesamt ca. 635 Biopsien

aus einem großen, überregionalen Einzugsgebiet

untersucht, darunter ca. 400

Muskelbiopsien, 190 Nervenbiopsien, 35

Hautbiopsien und 20 Gefäßbiopsien und

Buffycoats.

Routinemäßig wurden folgende Methoden

angewandt: Schnellschnittdiagnostik, Histochemie,

Immunhistochemie (Identifizierung

und Subtypisierung von Entzündungszellen,

Bestimmung von Entzündungsparametern,

Blut-Nerv-Schrankenstörungen, Untersuchungen

zum Nachweis von Dystrophin

und Dystrophin-assoziierten Glykoproteinen

und Muskelproteinen, Charakterisierung

von Amyloid), Paraffinhistologie,

Kunststoffeinbettung, Elektronenmikroskopie.

Zur Fortbildung werden regelmäßige Fallkonferenzen

mit den einsendenden Kliniken

durchgeführt.

Frau Neuen-Jacob ist Mitglied im Gutachterboard

des Referenzzentrums für neuromuskuläre

Krankheiten der Deutschen Gesellschaft

für Neuropathologie und Neuroanatomie

(DGNN), das von Prof. Dr. Weis,

Institut für Neuropathologie der RWTH

Aachen, geleitet wird.

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

4. Essen

a) Neurologie

Neurologische Universitätsklinik Essen

Direktor: Prof. Dr. H.C. Diener

Ansprechpartnerin für das Neuromuskuläre

Zentrum: Oberärztin Dr. S. Koeppen

Tel.: 0201/723-2804/ -2730 Sekr., Fax:

0201/723-5176

Der klinische und wissenschaftliche

Schwerpunkt im Rahmen der Spezialambulanz

für Diagnostik und Therapie neuromuskulärer

Erkrankungen liegt auf der Betreuung

von Patienten mit Myasthenia

gravis, immunvermittelten Polyradikuloneuropathien

und Myositiden. Für die Therapie

schwerer Krankheitsverläufe steht

eine neurologische Intensivstation zur Verfügung,

wo in Kooperation mit der hiesigen

Klinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten

(Direktor: Prof. Dr. A. Kribben)

immunmodulatorische Behandlungsverfahren

(Plasmapherese, Immunadsorption,

in travenöse Immunglobulin-Therapie) zur

Anwendung kommen. Eine zusätzliche

wichtige Aufgabe der neuromuskulären

Sprechstunde ist die differenzialdiagnos -

tische Abklärung, Beratung und Behandlung

von Patienten mit Motoneuronerkrankungen,

kardiovaskulärer autonomer Dysfunktion

und Chemotherapie-induzierten

Neuropathien. In Zusammenarbeit mit der

Inneren Klinik und Poliklinik im Westdeutschen

Tumorzentrum (Direktor: Prof. Dr. M.

Schuler), der Klinik für Hämatologie im

Westdeutschen Tumorzentrum (Direktor:

Prof. Dr. U. Dührsen), der Klinik für Knochenmarktransplantation

(Direktor: Prof.

Dr. D. W. Beelen), dem Institut für Molekularbiologie

(Direktor: Prof. Dr. E. Gulbins),

dem Zentrum für Frauenheilkunde und Geburtshilfe

(Direktor: Prof. Dr. R. Kimmig)

sowie der hiesigen Klinik und Poliklinik für

Urologie, Kinderurologie und Urologische

Onkologie (Direktor: Prof. Dr. Dr. h.c. H.

91


Neuromuskuläres Zentrum Nordrhein

Rübben) stellt die Analyse neurotoxischer

Störungen und Entwicklung neuroprotektiver

therapeutischer Ansätze einen weiteren

wissenschaftlichen Schwerpunkt dar.

Im Rahmen dieses interdisziplinären Projektes

ist es gelungen, ein Tiermodell zur

Cisplatin-induzierten Neurotoxizität zu

etablieren. Ziel ist die individuelle Risikoeinschätzung

sowie frühzeitige Erkennung

und Behandlung Chemotherapie-bedingter

Nebenwirkungen am zentralen und peripheren

Nervensystem.

4. a) Publikationen

Müller D, Obermann M, Koeppen S, Kavuk I,

Yoon MS, Sack F, Diener HC, Kaube H, Katsarava

Z. Electrically evoked nociceptive potentials

for early detection of diabetic small-fiberneuropathy.

Eur J Neurol 2010;17(6): 834-841.

CI-PERINOMS Study Group. CI-PERINOMS:

Chemotherapy-induced peripheral neuropathy

outcome measures study. J Peripher Nerv Syst

2009 Jun;14(2):69-71.

Koeppen S. Tumortherapie-bedingte Neuropathie.

Onkologe 2009;15:142-149.

Koeppen S. Neurotoxizität. In: Feyer P, Ortner P

(Hrsg.): Supportivtherapie in der Onkologie. 1.

Auflage München: Urban & Vogel, 2009:53-61.

Gold R, Hartung HP, Heuss DF, Kieseier B, Koeppen

S, Reinhold-Keller E, Sommer C. Therapie

akuter und chronischer immunvermittelter

Neuropathien und Neuritiden. In: Diener HC,

Putzki N (Hrsg): Leitlinien für Diagnostik und

Therapie in der Neurologie. 4. Auflage Stuttgart:

Thieme, 2008:476-484.

92

b) Sozialpädiatrischen Zentrums am

Zentrum für Kinderheilkunde und

Jugendmedizin

Ansprechpartnerin für das Muskelzentrum:

PD Dr. med. Ulrike Schara, leitende

Ärztin Sozialpädiatrisches Zentrum

Hufelandstr. 55, 45122 Essen

Kontakt/Terminvergabe: Sekretariat des

Sozialpädiatrischen Zentrums

Tel.: 0201/723-2176, Fax: 0201/723-2333

Im Rahmen des Sozialpädiatrischen Zentrums

am Zentrum für Kinderheilkunde

und Jugendmedizin finden täglich von

Montag bis Donnerstag neuromuskuläre

Sprechstunden statt. Diese sind grundsätzlich

als interdisziplinäre Sprechstunden

konzipiert. Neben Mitbeurteilungen

durch Kinderkardiologen und – pulmologen

finden an ausgesuchten Terminen

auch Paralellvorstellungen und Besprechungen

mit neuromuskulär spezialisierten

Orthopäden statt. Der klinische, diagnostische

und wissenschaftliche Schwerpunkt

umfasst alle genetischen und erworbenen

neuromuskulären Erkrankungen des Kindes

und Jugendlichen, wobei besondere

Spezialisierungen für kongenitale Myopathien,

Muskeldystrophien und kongenitale

myasthene Syndrome zu nennen sind. Zusätzlich

betreibt die Abteilung ein neuromuskulär-molekulargenetisches

Labor, in

dem Muskelbiopsien direkt morphologisch,

immunzytochemisch und molekular

untersucht werden. Darüber hinaus besteht

ein Schwerpunkt der Abteilung in der

Einleitung und Überwachung nicht-invasiver

Beatmung bei Muskelkrankheiten. Derzeit

werden 130 Patienten ambulant und

stationär betreut, die eine kontinuierliche

oder nächtliche nicht-invasive Beatmung

nutzen.

In enger Zusammenarbeit mit dem Institut

für Humangenetik des Universitätsklinikums

Essen werden genetische Klassifi-


zierungen der Erkrankungen durchgeführt

und wird, wenn möglich, eine spezifische

Pränataldiagnostik angeboten.

Weitere nationale Kooperationen finden im

Rahmen des Muskelzentrums Nordrhein

und des Muskeldystrophie-Netzwerkes

statt; eine internationale Zusammenarbeit

mit anderen Institutionen und Laboratorien

erfolgt in Abhängigkeit der klinischen

und/oder wissenschaftlichen Fragestellungen.

4. b) Literatur:

Schara U, Christen HJ, Durmus H, Hietala M,

Krabetz K, Rodolico C, Schreiber G, Topaloglu

H, Talim B, Voss W, Pihko H, Abicht A, Müller

JS, Lochmüller H. Long-term follow-up in patients

with congenital myasthenic syndrome

due to CHATmutations. Eur J Paediatr Neurol

2010;14:326-333.

Kirschner J, Schessl J, Schara U, Reitter B, Wilichowski

E, Stettner G, Bernert G, Weiss S,

Stehling F, Wiegand G, Müller-Felber W, Thiele

S, Grieben U, von der Hagen M, Lütschg J,

Ihorst G, Korinthenberg R. Treatment of Duchenne

Muscular Dystrophy with Cyclosporine

A – a Randomized, Double-blind, Placebo-controlled

Multicentre Trial. Lancet Neurology 2010.

Lutz S, Schara U. Neuromuskuläre Erkrankungen

im Kindes- und Jugendalter. Leading Opinions

Neurologie & Psychiatrie 2010;3.

Lutz S, Schara U. Myotone Dystrophie im Kindesalter.

Patientenratgeber myotone Dystrophien.

2010 Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke.

Schara U. Kongenitale myasthene Syndrome.

Klinik, Elektrophysiologie und Therapie. DMG-

Aktuell 2010;3.

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

5. Köln

a) Neurologie

Klinik für Neurologie der Uniklinik Köln

Direktor der Klinik: Prof. Dr. G.R. Fink

Ansprechpartner des Muskelzentrums:

Prof. Dr. W.F. Haupt

Im Jahre 2010 wurde die neuromuskläre

Sprechstunde entsprechend dem großem

Bedarf erweitert. Die Abrechnung nach §

116 b SGB V lässt hoffen, dass zumindest

eine kostendeckende Finanzierung möglich

sein wird. Es wurden etwa 350 Patienten

mit neuromuskulären Erkrankungen

versorgt. Ein besonderer Schwerpunkt

liegt nach wie vor im Bereich der Myasthenia

gravis, der Polyneuropathien und der

Motoneuronerkrankungen.

Das EMG-Labor der Klink ist Referenzlabor

für neurophysiologische Untersuchungen

des peripheren Nervensystems sowie

für evozierte Potentiale. Im Jahre 2010

wurde zum 25. Mal der Kölner Elektrodiagnostik-Seminar

abgehalten.

In der Therapieambulanz der Klinik für

Neurologie werden in zunehmender Zahl

ambulante immunsuppressive Therapien

bei neuromusklären Erkrankungen durchgeführt.

5. a) Literatur:

Galldiks N, Pauls KA, Fink GR, Haupt W. Traction

lesions of the brachial plexus in bodyflying. J

Neurol 2010;257: 851-852.

b) Klinik für Kinderheilkunde der

Uniklinik Köln

Ansprechpartner des Muskelzentrums:

Oberarzt Dr. P. Herkenrath und PD Dr.

Jürgen-Christoph von Kleist-Retzow

Tel.: 0221/478-5900

Die Universitätskinderklinik Köln hat im

Jahr 2010 an einer internationalen Multi-

93


Neuromuskuläres Zentrum Nordrhein

center-Medikamentenstudie für Patienten

mit spinaler Muskelatrophie Typ 1 (Carni-

Val I) teilgenommen. Des Weiteren beteiligen

wir uns seit 2009 am horizontalen

Netzwerk der durch das BMBF geförderten

MitoNet-Studie, in der klinische Daten

von Erwachsenen und Kindern mit mitochondrialen

Atmungsketten deutschlandweit

zusammengeführt werden. Krankheitsverläufe

und auch die zentrale Sammlung

von Bioproben können und sollen als

Ausgangspunkt für übergreifende Grundlagenstudien

zu dieser klinisch sehr variablen

Krankheitsgruppe zur Verfügung stehen.

5. b) Literatur:

Hoefs SJ, Skjeldal OH, Rodenburg RJ, Nedregaard

B, van Kaauwen EP, Spiekerkötter U, von

Kleist-Retzow JC, Smeitink JA, Nijtmans LG,

van den Heuvel LP. Novel mutations in the

NDUFS1 gene cause low residual activities in

human complex I deficiencies. Mol Genet Metab

2010;100(3):251-6.

Kornblum C, Lutterbey GG, Czermin B, Reimann

J, von Kleist-Retzow JC, Jurkat-Rott K,

Wattjes MP. Whole-body high-field MRI shows

no skeletal muscle degeneration in young patients

with recessive myotonia congenita. Acta

Neurol Scand 2010;121(2):131-5.

c) Abteilung für Neuropathologie

Klinikum der Uniklinik Köln

Direktorin: Prof. Dr. Martina Deckert

Ansprechpartnerin: Dr. Anna Brunn, Tel.:

0221/478-97249, Fax: 0221/478-7237,

E-Mail: anna.brunn@uni-koeln.de

Diagnostik: 2010 wurden ca. 400 Biopsien

untersucht, die aus einem überregionalen

Einzugsgebiet stammen. Vorwiegend wurden

Muskelbiopsien übersandt (ca. 250).

Darüber hinaus wurden Nervenbiopsien

bei unklaren Neuropathien (ca. 132), Hautbiopsien

mit der Frage nach einer small fi-

94

bre neuropathy (ca. 16) und Darmbiopsien

mit unklaren Störungen der autonomen Innervation

(2) untersucht. Routinemäßig

werden Schnellschnittuntersuchungen,

histochemische, enzymhistochemische

und immunhistochemische Methoden angewandt.

Zudem wird das kunststoffeingebette

Material in Semidünnschnitt-Technik

untersucht.

Es besteht ein enger Kontakt zu den Kollegen

der einsendenden Kliniken, mit denen

Fortbildungsveranstaltungen und Fallkonferenzen

durchgeführt werden.

Dr. Brunn wird auch als Dozentin zu Fortbildungsveranstaltungen

der Einsender

eingeladen und referiert hier insbesondere

zu Themen inflammatorischer Neuro- und

Myopathien sowie gastro-intestinaler Motilitätsstörungen

aufgrund einer gestörten

Innervation.

Der wissenschaftliche Schwerpunkt der

Abteilung für Neuropathologie liegt in der

Neuroimmunologie. Die verschiedenen Arbeitsgruppen

beschäftigen sich mit Fragestellungen

zur Pathogenese autoimmunmediierter

Erkrankungen des peripheren

Nervensystems sowie Mechanismen der

immunologischen Toleranz im Zentralnervensystem,

zentralnervösen Infektionen,

vor allem der murinen Toxoplasma-Encephalitis

und der Listeria monocytogenes-

Meningoencephalitis, sowie primären malignen

Non-Hodgkin-Lymphomen des

Zentralnervensystems.

5. c) Literatur:

Brunn A, Utermöhlen O, Sánchez-Ruiz M, Montesinos-Rongen

M, Blau T, Schlüter D, Deckert

M. Dual role of B cells with accelerated onset

but reduced disease activity in P0 106-125 -

induced experimental autoimmune neuritis of

IgH 0/0 mice. Acta Neuropathol 2010;120(5):667-

681.


e) Institut für Humangenetik, Uniklinik

Köln

Direktorin: Prof. Dr. Brunhilde Wirth

Kontakt: Prof. Dr. Brunhilde Wirth

(0221/478-86464), Dr.med. Raoul Heller

(-86832),

Dr. Anne Baasner (-86826), Dr. Jutta

Becker (-86835), Dr. Eric Hahnen

(-86825), Dr.med. Julia Schreml (-86612)

E-Mail: vorname.name@uk-koeln.de

Diagnostik

(www.uk-koeln.de/humangenetik)

• Spinale Muskelatrophien (SMA Typ I-

IV): SMN1-Gen (alle Mutationsarten

inkl. Punktmutationen); Bestimmung

der SMN1-/SMN2-Kopienzahl mittels

MLPA-Analyse

• Spinale Muskelatrophie mit respiratorischer

Insuffizienz (SMARD1 = DSMA1

= HMN6): IGHMBP2-Sequenzierung

• X-chromosomale spinale Muskelatrophie

(XL-SMA): UBE1-Sequenzierung

• Autosomal-rezessive Pontocerebelläre

Hyoplasie (PCH2 und PCH4): TSEN54-,

TSEN2-, TSEN34-Sequenzierung

• Amyotrophe Lateralsklerose (ALS1 und

ALS2): SOD1-,ALS2-, VABP-Sequenzierung

• Distale Arthrogryposen (DA1, DA2 =

Freeman-Sheldon, DA7): TPM2-,

TNNI2-, TNNT3-, MYH3-, MYH8-Sequenzierung,

bei familiären Fällen auch

Kopplungsanalyse

• Kongenitale Myopathien (NEM3, NEM4,

CFTD): ACTA1, TPM2, SEPN1-Sequenzierung

• Kongenitale Myasthenien (CMS) /

Arthrogryposis multiplex congenita

(AMC) : RAPSN-, CHRNA1-, CHRNB1-,

CHRND-, CHNRE-, CHRNG-Sequenzierung,

bei familiären Fällen auch

Kopplungsanalyse

Patientenbetreuung/Klinische Forschung

Sowohl für SMA als auch für AMC beraten

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

wir weiterhin auch überregional und international

die betroffenen Familien und ärztlichen

Kollegen.

Entscheidende Impulse zur intensivierten

Betreuung von SMA-Patienten in Köln haben

sich aus der Teilnahme unseres Institutes

an der ersten internationalen Therapiestudie

mit Valproat/L-Carnitin bei SMAI

Patienten (CARNIVAL Type I; NCT0066

1453) ergeben. Zum festen interdisziplinären

Team gehören neben der Humangenetik

(Prof. Wirth, Dr. Heller, Dr. Schreml) und

Neuropädiatrie (Drs. von Kleist-Retzow

und Herkenrath) mittlerweile speziell auf

SMA geschulte Mitarbeiter aus der Physiotherapie,

Diätberatung, und dem klinischen

Studienzentrum des Uniklinikums

Köln. Die Teilnahme an der multizentrischen

klinischen Studie wurde für Köln als

das europäische Zentrum von der Initiative

„Eine Therapie für SMA“ finanziert. Mit Ergebnissen

wird im Frühjahr/Sommer 2011

gerechnet. Außerdem werden Familien mit

SMA-Patienten, die sich an uns wenden,

über aktuelle oder geplante therapeutische/klinische

Studien informiert und ggf.

in direkten Kontakt mit dem Studienteam

gebracht. Ein Beispiel hierfür ist die Studie

zur Verträglichkeit und Wirksamkeit eines

Ganzkörper-Vibrationstrainings auf einem

Galileo ® -Gerät für SMA III Patienten zwischen

fünf und 18 Jahren u.a. an der Universitätskinderklinik

Köln.

Grundlagenforschung

Unsere Arbeitsgruppe hatte im Jahr 2006

nachgewiesen, dass SAHA, wie Valproat

ein Wirkstoff aus der Gruppe der Histondeacetylase

Hemmer, im Reagenzglas (in

vitro/ex vivo) die SMN-RNA und -Eiweißspiegel

hochreguliert. Konsequenterweise

wurde nun der Effekt von SAHA im lebenden

Organismus auf die Überlebensfähigkeit

untersucht. Wir konnten in zwei un -

abhängigen SMA-Mausstämmen sowohl

eine verbesserte Überlebensfähigkeit als

95


Neuromuskuläres Zentrum Nordrhein

auch eine verbesserte motorische Funktion

bei den überlebenden Mäusen eindrucksvoll

nachweisen (1). Neben der Forschung

an potentiellen Wirkstoffen zur Behandlung

von SMA bemühen wir uns

weiterhin um ein besseres Verständnis der

molekularen Pathomechanismen bei SMA.

Aus einer anderen Versuchsreihe in unserem

Labor ergab sich, dass das Eiweiß

SRFS10 (auch Htra2-beta1 genannt), für

welches bisher eine zentrale Rolle beim

Ablesen der SMN-Gene angenommen

wurde (sog. splicing-Faktor), zumindest im

SMA-Mausmodell für das Überleben zwar

unentbehrlich ist, jedoch diese Wirkung

überraschenderweise nicht über eine Beeinflussung

des SMN-splicings entfaltet

(2).

Insgesamt ist die Vernetzung von Patientenbetreuung,

humangenetischer Diagnostik,

klinischer und Grundlagenforschung

eine erfolgreiche Strategie am Institut

für Humangenetik, die in enger

Zusammenarbeit mit den betroffenen Familien

und Patientenverbänden weitergeführt

werden wird.

5. e) Zitierte Literatur:

Riessland M, Ackermann B, Förster A, Jakubik

M, Hauke J, Garbes L, Fritzsche I, Mende Y,

Blumcke I, Hahnen E, Wirth B. SAHA ameliorates

the SMA phenotype in two mouse models

for spinal muscular atrophy 2010;19:1492-506.

Mende Y., Jakubik M, Riessland M, Schoenen F,

Rossbach K, Kleinridders A, Köhler C, Buch T,

Wirth B. Deficiency of the splicing factor Sfrs10

results in early embryonic lethality in mice and

has no impact on full-length SMN/Smn splicing.

Hum Mol Genet 2010;19:2154-67.

96

f) Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie

der Uniklinik Köln

Direktor: Prof. Dr. P. Eysel

Ansprechpartner: Dr. R. Sobottke,

Tel.: 0221/478-4616

Terminvereinbarung über das Service -

center: 0221/478-88664

Im Rahmen der Skoliosesprechstunde

werden Patienten mit neuromuskulär bedingten

Skoliosen untersucht und behandelt.

6. Wuppertal

Direktor: Prof. Dr. Stefan Isenmann

Ansprechpartner für das Neuromuskuläre

Zentrum: PD Dr. Carl-Albrecht Haensch

E-Mail: carl-albrecht.haensch@helioskliniken.de

Kooperierende Kliniken und Institute:

• Klinik für Kinderheilkunde, Helios

Klinikum Wuppertal

• Institut für Neuropathologie der

Heinrich-Heine Universität Düsseldorf

• Institut für Neuropathologie der RWTH

Aachen

• Medizinische Klinik/Abteilung Rheumatologie,

St. Josef Krankenhaus,

Wuppertal

• Institut für Praenatale Medizin und

Humangenetik Wuppertal

• HELIOS-Schlaflabor Wuppertal

Bewährtes und Neues

Die neuromuskuläre Sprechstunde wird

weiterhin regelmäßig angeboten (Terminvereinbarung

unter 0202/896-2641; Frau

Jandt-Scheler). Zusätzlich besteht eine

ambulante KV-Ermächtigung auch für

Patienten mit Myalgien (Oberarzt PD Dr.

Haensch). Es wurden im Jahr 2010 über

100 Muskelbiopsien durchgeführt. In der

Botulinumtoxinambulanz (Oberarzt Dr.

Hennen) werden rund 300 Patienten im


Jahr behandelt. Das HELIOS-Schlaflabor

Wuppertal (Tel.: 0202/896-2647) bietet alle

Möglichkeiten der nicht-invasiven Beatmungstherapie

bei neuromuskulären Erkrankungen

mit Weiterbildungsermächtigung

für die Schlafmedizin. Die neurophysiologische

Abteilung ist anerkannte

Ausbildungsstätte der DGKN für die Elektromyografie

und evozierte Potenziale mit

allein über 1.000 EMG-Untersuchungen

pro Jahr.

Am Lehrstuhl für Neurologie der Universität

Witten/Herdecke wird in der Ausbildung

von Anfang an auf eine starke Praxisorientierung

geachtet. Begleitet wird

das patientennahe und problemorientierte

Lernen der Studenten durch Seminare und

Vorlesungen auch zu neuromuskulären

Themen durch die Dozenten der Klinik.

6. Publikationen mit neuromuskulärem

Bezug:

Haensch CA, Wehe J, Jigalin A , Isenmann S.

Gastroparesis in myotonic dystrophy 1. Clin Auton

Res; DOI: 10.1007/s10286-010-0097-z.

Fischer M, Kempkes U, Haage P, Isenmann S.

Recurrent Orbital Myositis Mimicking Sixth Nerve

Palsy: Diagnosis with MR Imaging. AJNR Am

J Neuroradiol 2010;31(2):275-6.

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

97


Neuromuskuläres Zentrum Nordwest

Neuromuskuläres Zentrum Nordwest

Leiter/Sprecher:

Prof. Dr. A. Engelhardt

Neurologische Klinik

Evangelisches Krankenhaus Oldenburg

Zum Neuromuskulären Zentrum Nordwest

gehören die Standorte Oldenburg, Bremen,

Westerstede, Sanderbusch und

Rotenburg (Wümme). Ambulante Untersuchungen

und Beratungen im Muskelzentrum

finden innerhalb der Ermächtigungsambulanz

der jeweiligen Chefärzte der

Neurologie statt. In Rotenburg werden

Muskelpatienten im Medizinischen Versorgungszentrum

betreut (Kontakt: siehe Anhang).

Neue Versorgungsmodelle innerhalb

des § 116b wurden bei den Landesregierungen

beantragt. Ein Bedarf ist im

Nordwesten auf jeden Fall gegeben.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt in Oldenburg

jedoch unverändert in der Diagnostik

und Therapie immunologisch bedingter

neuromuskulärer Erkrankungen.

Die Zusammenarbeit mit dem Rheumazentrum

am Ev. Krankenhaus ist gut. Das

Muskelzentrum Nordwest beteiligte sich

2010 an dem Forschungsprojekt „Servcare_ALS“)

der Universität Augsburg (Dr.

Stöger).

Ein wesentlicher Teil der Arbeit im Muskelzentrum

liegt in der Sozialberatung (Frau

Hylla). Überwiegend werden Informationsund

psychosoziale Entlastungsgespräche

geführt, die auch für Angehörige große Bedeutung

haben. Individuelle Hilfsangebote

werden aufgezeigt, damit trotz krankheitsbedingter

Einschränkungen neue Zukunftsperspektiven

entwickelt werden

können. Kontaktaufnahmen mit Leistungserbringern

und Kostenträgern, Reha-An-

98

träge und Hilfsmittelberatung sind die

wichtigsten Inhalte. Ablehnungen seitens

der Kostenträger sind nach wie vor häufig.

Im Berichtszeitraum wurden 98 Beratungsgespräche

durchgeführt. Die Diagnosenverteilung

zeigt unverändert einen

besonders hohen Anteil an ALS-Patienten

(29 Prozent). Ärztlicherseits wurden wiederum

Widersprüche gegen MDK-Gutachten

eingelegt, die die stationäre Abklärung

und Behandlung von Muskelkranken ablehnten.

Die vierteljährlichen Fallkonferenzen der

beteiligten Kliniken wurden weiterhin

durchgeführt. Herr Schulz als Landesgruppenleiter

Niedersachsen ist bei diesen

Treffen stets anwesend.

Der Landesverband der DGM Bremen-

Niedersachsen feierte 2010 sein 30-jähriges

Jubiläum. In diesem Zusammenhang

fanden mehrere gut besuchte Veranstaltungen

statt. Hervorzuheben ist die ALS-

Fachtagung in Syke mit Vorträgen von

sechs Fachärzten, Sozialberatung und Informationen

über Heil- und Hilfsmittelversorgung.

Die Veranstaltung wurde von 170

Teilnehmern besucht.


Neuromuskuläres Zentrum Rhein-Main

Leiter/Sprecher:

Prof. Dr. D. Claus

Klinik für Neurologie und Klinische

Neurophysiologie

Klinikum Darmstadt

Forschungsaktivitäten:

Dr. Schrank, Wiesbaden: Pioglitazon-

Studie zur Behandlung der ALS.

Fortbildungsveranstaltungen:

Neben dem jährlichen Treffen der hessischen

Muskelzentren fanden an allen

Standorten Fortbildungsveranstaltungen

für Ärzte und Informationsveranstaltungen

für Betroffene statt.

Vorträge bei Selbsthilfegruppen werden

durch Mitglieder des Zentrums regelmäßig

gehalten.

An den gemeinsamen Sitzungen des Zentrums

nehmen Vertreter der DGM teil.

Betreuungsstrukturen:

Neuromuskuläre Spezialambulanzen werden

in allen Kliniken des Zentrums angeboten.

Für spezielle Fragestellungen wird

an die einzelnen Abteilungen verwiesen.

Selbsthilfeaktivitäten:

Dr. J. Seeger ist Mitglied im pädiatrischen

Beraterkreis im Kindernetzwerk e.V.

Neue Kontaktgruppe in Darmstadt unter

der Koordination von G. Büttner.

Kontaktgruppen in Marburg

(Herr Schwerdtfeger).

Muskelstammtisch in Kassel

(Herr Germandi und Herr Eckhardt)

sowie in Frankfurt (Frau Sauerhöfer).

In Bad Sooden-Allendorf hat sich eine

ALS-Gruppe gebildet. Sie wird von Dr.

Schröter von der Klinik Hoher Meißner und

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

von Herrn Germandi oder von Frau Haberland

durch die DGM unterstützt.

In Wiesbaden ist Dr. Schrank mit dem

ALS-Gesprächskreis aktiv.

Die Landesgruppentreffen werden nicht

mehr zentral in Friedberg, sondern einmal

jährlich im nördlichen und einmal im südlichen

Hessen angeboten. Damit soll auf die

eingeschränkte Mobilität der Teilnehmer

Rücksicht genommen werden.

Kontakt zu Selbsthilfegruppen

Vorsitzender des Landesverbandes:

Karsten Eckardt

Am Donarbrunnen 59a

34134 Kassel

Tel.: 0561/282970

E-Mail: karsten.eckardt@dgm.org

Diagnostische und therapeutische

Möglichkeiten:

Die histopathologische Beurteilung von

Muskel- und Nervenbiopsaten findet im

Neuromuskulären

Labor des Neurologischen Instituts (Edinger-Institut)

der Universität Frankfurt, welches

von PD Dr. med. D. S. Tews geleitet

wird, statt. Im Rahmen der üblichen histologischen,

histochemischen und enzymhistochemischen

Routinepräparationen

werden auch spezielle immunhistochemische

Untersuchungsschemata für Muskeldystrophien,

Strukturmyopathien, metabo -

lische und mitochondriale Myopathien

sowie entzündliche Myopathien durchgeführt.

Bei entsprechenden Fragenstellungen

werden elektronenmikroskopische

Untersuchungen angeschlossen. Ansprechpartner

für diagnostische Fragen

sind PD Dr. med. D. S. Tews sowie PD

Dr. K. Müller.

99


Neuromuskuläres Zentrum Rhein-Main

Anleitungen zu Gewebeentnahmen und

-asservierungen können unter www.kgu.

de/ni abgerufen werden.

Publikationen aus dem Zentrum:

Claus D. Botulismus. Klin Neurophysiol

2009;40:163-169.

Claus D. Diabetische neuropathische Kachexie.

Klin Neurophys 2009;40:272-273.

Schepelmann K, Winter Y, Spottke AE, Claus D,

Grothe C, Schroder R, Heuss D, Vielhaber S,

Mylius V, Kiefer R, Schrank B, Oertel WH, Dodel

R. Socioeconomic burden of amyotrophic lateral

sclerosis, myasthenia gravis and facioscapulohumeral

muscular dystrophy. J Neurol 2010;

257:15-23.

Schoser B, Jacob S, Hilton-Jones D, Muller-Felber

W, Kubisch C, Claus D, Goebel HH, Vita G,

Vincent A, Toscano A, Bergh PV. Immune-mediated

rippling muscle disease with myasthenia

gravis: A report of seven patients with long-term

follow-up in two. Neuromuscul Disord 2009;

19:223-228.

Seeger J, Schrank B, Pyle A, Stucka R, Lörcher

U, Müller-Ziermann S, Abicht A, Czermin B, Holinski-Feder

E, Lochmüller H, Horvath R. Clinical

and neuropathological findings in patients with

TACO1 mutations. Neuromuscul Disord 2010;

20(11):720-4.

Winter Y, Schepelmann K, Spottke AE, Claus D,

Grothe C, Schroder R, et al. Health-related quality

of life in ALS, myasthenia gravis and facioscapulohumeral

muscular dystrophy. J Neurol

2010;257:1473-1481.

100


Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

Neuromuskuläres Zentrum Rhein-Neckar

Leiter:

PD Dr. med. F. Ebinger

Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin

Universitätsklinik Heidelberg

Sprecher:

Dr. med. C. Blahak

Neurologische Klinik

Universitätsmedizin Mannheim

Dr. med. J. Wolf

Neurologische Klinik

Klinikum der Stadt Ludwigshafen

Veränderungen

Im Juni 2010 hat sich die Neurologische

Klinik des Städtischen Klinikums Karlsruhe

dem bestehenden Muskelzentrum Heidelberg

– Mannheim – Ludwigshafen angeschlossen.

Im Rahmen der Erweiterung

wurde der Name des Neuromuskulären

Zentrums in Neuromuskuläres Zentrum

Rhein-Neckar geändert.

Fortbildungsveranstaltungen

Im vergangenen Jahr fanden zwei neuromuskuläre

Konferenzen zusammen mit

Prof. Dr. med. C. Sommer und Dr. med. H.

Müller (Institut für Neuropathologie, Universitätsmedizin

Mainz) statt. Am 10. Februar

2010 in Mannheim und am 21. Juli

2010 in Heidelberg wurden ausführlich

schwierige Fälle mit allen interessierten

und beteiligten Kollegen des Muskelzentrums

diskutiert.

Auch der 2006 gegründete Expertenkreis

Mitochondriale Medizin Rhein-Neckar traf

sich in vierteljährlichem Rhythmus koordiniert

durch Prof. Dr. med. Matthias Bauer

und Dr. Bert Obermaier-Kusser in Ludwigshafen.

Dabei wurden sowohl wissenschaftliche

Kooperationsprojekte als auch

klinische Fälle diskutiert. Regelmäßige

Fortbildungen im Rahmen der Treffen ergänzen

das Spektrum des Expertenkreises,

der sich aus Mitgliedern des NMZ sowie

weiteren regionalen und überregionalen

Kooperationspartnern zusammensetzt.

Am 24. Februar 2010 fand darüber hinaus

eine ärztliche Fortbildungsveranstaltung

zum Thema „Amyotrophe Lateralsklerose“

im Klinikum Ludwigshafen statt.

Wissenschaftliche Arbeiten

Rheinland-pfälzisches ALS-Register: Im

Oktober 2009 begann die Patientenerfassung

des rheinland-pfälzischen ALS-Registers

unter der Leitung der Neurologischen

Klinik des Klinikums Ludwigshafen.

Das rheinland-pfälzische ALS-Register ist

ein bevölkerungsbasiertes Register, welches

durch eine enge Kooperation der stationären

und ambulanten Versorgungseinrichtungen

in Rheinland-Pfalz und den

umliegenden Bundesländern alle rheinland-pfälzischen

Patienten, bei denen

erstmals eine ALS diagnostiziert wurde,

systematisch erfasst. Zur Erhebung des

Krankheitsverlaufs und der Letalität erfolgen

halbjährliche Nachuntersuchungen.

Das Ziel ist, epidemiologische Daten zur

Inzidenz, regionalen Verteilung, Klinik, zum

Verlauf und zur Prognose der ALS in der

rheinland-pfälzischen Bevölkerung zu erlangen.

Zusätzlich werden Lebensstil-,

Umwelt- und sozioökonomische Faktoren

erfasst, um Risiko- und Prognosefaktoren

zu identifizieren. Informationen zum Register:

Dr. Joachim Wolf, Neurologische Klinik,

Klinikum der Stadt Ludwigshafen, Tel.:

0621/503-42580.

101


Neuromuskuläres Zentrum Rhein Neckar

Sozialberatung für Muskelkranke im

Universitätsklinikum Mannheim

Das seit April 2006 bestehende Sozialberatungsangebot

für Patienten mit Muskelkrankheiten,

welches durch Mittel der

Dietmar-Hopp-Stiftung finanziert wurde

und dem Engagement von Familie Regina

und Erich Müller aus dem DGM-Landesvorstand

Baden-Württemberg zu verdanken

ist, wird von Patientinnen und Patienten

des Neuromuskulären Zentrums

Mannheim – Heidelberg – Ludwigshafen in

weiter steigendem Umfang sehr gut angenommen.

Im Jahr 2010 wurden fast 500

Beratungen durch Frau Christina Reiß

durchgeführt. Die Schwerpunkte reichen

von Informationen über die Erkrankung,

insbesondere nach Diagnosestellung, die

Vermittlung an andere Betroffene zum

Austausch und zur gegenseitigen Unterstützung,

beispielsweise in den örtlichen

Gesprächskreis der DGM, bis hin zur Unterstützung

bei sozialrechtlichen Angelegenheiten.

Fortgeführt wurde auch der Gesprächskreis

für ALS-Patientinnen und Patienten

sowie deren Angehörige, der sich bei stetig

wachsender Beteiligung regelmäßig in

Heidelberg trifft.

Frau Reiß ist Dienstag nachmittags von

13.00 bis 18.00 Uhr sowie Freitag vormittags

von 09.00 bis 13.00 Uhr in der Neurologischen

Ambulanz (Haus 13, Ebene 3,

Zimmer 1) anwesend, es empfiehlt sich

eine Terminvereinbarung unter Tel.: 0621/

383-2918 oder unter christina.reiss@ dgm.

org.

Selbsthilfeaktivitäten

Die Kontakte zur Landesgruppe Baden-

Württemberg und Rheinland-Pfalz wurden

auch in diesem Jahr gepflegt.

Am 20. November 2010 fand in Mannheim

ein ALS-Patienten-Tag statt. In mehreren

Vorträgen verschiedener Mitarbeiter des

Neuromuskulären Zentrums wurden unter-

102

schiedliche Aspekte der Erkrankung, unter

anderem aktuelle therapeutische Entwicklungen,

Beatmungsmedizin, Ernährungsberatung,

Physiotherapie, Sozialberatung

und palliativmedizinische Themen diskutiert.

Die Veranstaltung war mit einer Teilnahme

von mehr als 50 Betroffenen und

Angehörigen sehr gut besucht.

Literatur:

Wolf J, Bergner R, Mutallib S, Buggle F, Grau

AJ. Neurologic complications of Churg-Strauss

syndrome - a prospective monocentric study.

Eur J Neurol 2010;17(4):582-8.

Jacobi C, Ruscheweyh R, Vorgerd M, Weber

MA, Storch-Hagenlocher B, Meinck HM. Rippling

muscle disease: Variable phenotype in a family

with five afflicted members. Muscle Nerve

2010;41:128-132.

Yis U, Uyanik G, Heck PB, Smitka M, Nobel H,

Ebinger F, Dirik E, Feng L, Kurul SH, Brocke K,

Unalp A, Ozer E, Cakmakci H, Sewry C, Cirak S,

Muntoni F, Hehr U, Morris-Rosendahl DJ. Fukutin

mutations in non-Japanese patients with

congenital muscular dystrophy: Less severe

mutations predominate in patients with a non-

Walker-Warburg phenotype. Neuromuscul Disord

2010 (epub ahead of print).


Neuromuskuläres Zentrum Ruhrgebiet

Leiter und Sprecher:

Prof. Dr. M. Vorgerd

Leitender Oberarzt der Neurologischen

Klinik

Kliniken Bergmannsheil, Ruhr-Universität

Bochum

Kooperierende Kliniken und Institute:

Kliniken der Ruhr-Universität Bochum:

• Neurologische Universitätsklinik,

Kliniken Bergmannsheil

• Neurologische Universitätsklinik,

St. Josef-Hospital

• Humangenetik der Ruhr-Universität

Bochum

• Univ.-Kinderklinik, St. Josef-Hospital

• Orthopädische Universitätsklinik,

St. Josef-Hospital

Duisburg:

Neurologische Klinik, Ev. und Johanniter

Klinikum Niederrhein

Witten/Herdecke:

Vestische Kinder- und Jugendklinik, Datteln,

Universität Witten/Herdecke

Im Rahmen der regelmäßig stattfindenden

Sprechstunden in den einzelnen oben angeführten

Kliniken und Instituten erfolgt

die umfassende klinisch-medizinische Betreuung

von Patienten mit neuromuskulären

Erkrankungen.

Grundlage bilden die Neuromuskulären

Sprechstunden der Neurologischen Kli -

niken Bergmannsheil und des St. Josef

Hospitals (Kliniken der Ruhr-Universität

Bochum) sowie der Niederrheinklinik in

Duisburg. Darüber hinaus werden Spezialsprechstunden

für hereditäre Neuropathien,

für ALS und andere Motoneuroner-

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

krankungen sowie für Patienten mit hereditärer

Spinalparalyse angeboten.

Kinder und Jugendliche werden in der Klinik

für Kinder- und Jugendmedizin des St.

Josef-Hospitals, Bochum sowie im Zentrum

für Neuropädiatrie, Entwicklungsneurologie

und Sozialpädiatrie der Vestische

Kinder- und Jugendklinik, Datteln betreut.

Humangenetische Beratung wird in der

Humangenetik der Ruhr-Universität Bochum

durchgeführt.

Kooperationen mit den Kliniken für Orthopädie,

Endokrinologie, Kardiologie und

Pneumologie an den einzelnen Standorten

mit besonderer Ausrichtung auf Patienten

mit Neuromuskulären Erkrankungen sind

etabliert. In den Kliniken Bergmannsheil

besteht darüber hinaus die Möglichkeit der

Vorstellung der Patienten im Schlaflabor

sowie bei speziellen Fragestellungen bei

einem klinischen Ethikkomitee.

Sprechstunden des Muskelzentrums

Ruhrgebiet:

1.) Sprechstunde für erwachsene

Patienten mit neuromuskulären

Erkrankungen (Muskelsprechstunde):

An allen drei Standorten werden neuromuskuläre

Sprechstunden mit der Zielsetzung

einer Diagnosestellung oder -überprüfung,

einer Therapieeinleitung oder

-kontrolle sowie einer regelmäßigen klinischen

Verlaufskontrolle und Beratung angeboten.

Sie sollen in Zusammenarbeit mit

den niedergelassenen Kollegen die ambulante

Betreuung der Patienten optimieren

und stationäre Aufnahmen vorbereiten

bzw. nachbereiten. Darüber hinaus erleichtert

die Anbindung der Patienten die

Durchführung wissenschaftlicher Projekte

und klinischer Studien. Das Spektrum der

103


Neuromuskuläres Zentrum Ruhrgebiet

behandelten Erkrankun gen reicht von

Neuropathien, Neuronopathien, Erkrankungen

der Neuromuskulären Übertragung

bis hin zu allen Formen der Myopathien

(Stoffwechsel-, Strukturmyopathien,

Myositiden, degenerative Myopathien und

Myotonien sowie Kanalerkrankungen).

Bergmannsheil:

Laufende wissenschaftliche Projekte:

• Klinik und Pathogenese der erblichen

und immunogenen Rippling-Muskel -

erkrankung

• Proteomanalysen humaner Skelettmuskelbiopsate

myofibrillärer Myopathien

• Phänotypisierung und molekulare

Pathogenese der Filamin-C-assoziierten

myofibrillären Myopathie

St. Josef-Hospital:

Klinisch-wissenschaftliche Schwerpunkte

der Ambulanz sind

• Myasthenia gravis und Lambert-Eaton

myasthenes Syndrom (LEMS)

• Myopathien

• Myositiden

• Myotone Dystrophie Typ 1 und 2

• Hereditäre Neuropathien

• Autoimmune Polyneuropathien

• Läsionen peripherer Nerven

Kooperationen:

• Prof. J. Epplen, Humangenetik

Ruhr- Universität Bochum

PD Dr. C. Kornblum, Neurologische

Universitätsklinik Bonn

• Prof. A. Marx, Institut für Pathologie,

Universität Heidelberg-Mannheim

• Dr. Martina Minnerop, Forschungs

zentrum Jülich

• PD Dr. J. Schmidt, Abteilung Neuro -

logie und IMSF, Universität Göttingen

• PD Dr. B. Schoser, Friedrich-Baur-

Institut, LMU München

• Prof. Lubov Timchenko, Baylor College

of Medicine, Houston, US

104

2.) Sprechstunde für Kinder und Jugendliche

mit neuromuskulären Erkrankungen

(Muskelsprechstunde):

In der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin

der Ruhr-Universität Bochum im St.

Josef-Hospital finden regelmäßige, wöchentliche

Muskelsprechstunden statt.

Ca. 80 Kinder und Jugendliche mit neuromuskulären

Erkrankungen (Einzugsbereich:

Bochum, Dortmund und Umgebung,

nord-östliches Ruhrgebiet, angrenzendes

Münsterland, Sauerland und Ost-Westfalen)

befinden sich in ständiger ambulanter

Betreuung (entsprechend der Häufigkeit:

Patienten mit Dystrophinopathien, spinaler

Muskelatrophie, Myasthenia gravis, hereditären

Neuropathien etc., unklaren Kreatinkinase-Erhöhungen

und anderen selteneren

Diagnosen wie der malignen Hyperthermie).

Diagnostisch bestehen folgende Möglichkeiten:

Neurophysiologie, Muskel-MRT mit

spezialisiertem Radiologen-Team, Stoffwechseldiagnostik,

Muskelbiopsie einschließlich

„In-vitro-Kontrakturtest“ (bei

Verdacht auf Maligne Hyperthermie) in enger

Kooperation mit dem Muskellabor der

Neurologischen Universitätsklinik „Bergmannsheil“,

Bochum.

Neben der ambulanten ärztlichen Betreuung

durch Kinderärzte mit dem Schwerpunkt

Neuropädiatrie werden folgende

Leistungen in Kooperation angeboten:

• Hilfsmittelberatung und Versorgung

durch Orthopädietechnik mit Werkstatt

• Physiotherapeutische Behandlung

(Statuserhebung und Beratung)

• Logopädische Diagnostik und Therapie

(Schluckstörung)

• Ambulante pneumologische und kardiologische

Betreuung, Polysom no grafie,

Ein leitung und Betreuung bei nichtinvasiver

Beatmung

• Gastroenterologische Betreuung (z.B.

PEG-Anlage möglich), Ernährungsberatung


• Sozialberatung, Vermittlung psychologischer

Anbindung in Heimatnähe

Im Zentrum für Neuropädiatrie, Entwicklungsneurologie

und Sozialpädiatrie der

Vestischen Kinder- und Jugendklinik in

Datteln finden regelmäßige Sprechstunden

für Kinder und Jugendliche mit neuromuskulären

Erkrankungen (Dystrophinopathien,

spinaler Muskelatrophie, here -

ditären Neuropathien, mitochondrialen

Myopathien, Myasthenia gravis etc.) statt.

Die Hilfsmitttelberatung und Versorgung

durch Neuropädiater, Orthopäden und Orthopädietechnik

mit Sozialberatung erfolgt

im Rahmen einer gemeinsamen neuro-orthopädischen

Sprechstunde.

Diagnostisch bestehen folgende Möglichkeiten:

Neurophysiologie (EMG, NLG, EP),

Muskel-Sonografie und -MRT in Kooperation

mit der Abteilung für Pädiatrische Radiologie

und Stoffwechseldiagnostik sowie

Muskelbiopsie, Lungenfunktionsdiagnostik,

EKG, Langzeit-EKG, Echokardiografie,

Schlaflabor und Pädaudiologische Abklärung

in Kooperation mit entsprechenden

Fachabteilungen etc.

3.) Sprechstunde für Amyotrophe

Lateralsklerose und andere Motoneuronerkrankungen

einschließlich

der Hereditären Spastischen

Spinalparalyse (ALS-Sprechstunde)

Seit 1999 wird in der Neurologischen Universitätsklinik

Bergmannsheil in Bochum

eine Sondersprechstunde für ALS und andere

Motoneuronerkrankungen angeboten.

Im laufenden Jahr werden über 400

Patienten (in der überwiegenden Mehrzahl

mit einer ALS) betreut. Neben differenzialdiagnostischen

Fragestellungen und der

Überprüfung der Erstdiagnose standen die

Optimierung der symptomatischen Therapie,

die Beratung der Patienten und der

Angehörigen und die palliativmedizinische

Betreuung im Mittelpunkt der Tätigkeit.

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

Als etabliertes Studienzentrum konnten im

letzten Jahr internationale Multicenter-Studien

zur Therapie der ALS (ALS-GA 201,

der Firma Teva ® , SIRONA, der Fa. Ono ® ,

ALS-TAL 201, der Fa. Teva ® , GERP, initiiert

am Universitätsklinikum Ulm) begonnen,

bzw. durchgeführt werden. Weitere Therapiestudien

sind für das Jahr 2011 geplant.

Darüber hinaus bestehen Kontakte und

Kooperationen mit den wichtigsten nationalen

und einigen internationalen Zentren.

Die Sprechstunde wird von Oberarzt Dr.

Grehl geleitet, ärztliche Mitarbeiter sind Dr.

P. Budde, Dr. A. Güttsches sowie M. Siebels.

Zusätzlich besteht die Möglichkeit einer

psychologischen Vorstellung bei M.

Rupp, Dipl.-Psychologin.

Laufende wissenschaftliche Projekte:

• Untersuchung von Depression und der

Lebensqualität von Patienten mit ALS

und deren Angehörigen

• Aufbau einer Biobank für Patienten mit

einer Amyotrophen Lateralsklerose

• Einrichtung eines landesweiten bevölkerungsbasierten

Registers zur Erfassung

von ALS-Patienten in Nordrhein-

Westfalen

Kooperationen:

• Prof. H. Fangerau, Inst. für Geschichte,

Philosophie und Ethik der Medizin der

Universitätskliniken Ulm

• Prof. Dr. Lars Steinsträßer, Berufs genossenschaftliche

Universitätskliniken

Bergmannsheil GmbH, Bochum;

Plastische Chirurgie

4.) Sprechstunde für an Hereditärer

Spastischer Paraplegie (HSP)

erkrankte Patienten sowie für

Patienten mit Amyotropher

Lateralsklerose und anderen

Motoneuronerkrankungen

In der neurologischen Universitätsklinik

am St. Josef-Hospital Bochum wird von

105


Neuromuskuläres Zentrum Ruhrgebiet

Dr. Otto eine Spezialsprechstunde für an

HSP erkrankte Patienten bzw. solche, bei

denen diese Verdachtsdiagnose besteht,

angeboten.

In dieser Sprechstunde erfolgt zunächst

eine ausführliche differenzialdiagnostische

Abklärung zur Verifizierung der Diagnose.

Darüber hinaus wird das individuelle Vererbungsmuster

erfasst und die sich daraus

ableitende humangenetische Diagnostik

veranlasst. Nach Vorliegen der humangenetischen

Befunde erfolgt eine ausführliche

Beratung, einerseits bezüglich der humangenetischen

Befunde, andererseits

bezüglich der Möglichkeiten der symptomatischen

Therapie der Erkrankungssymptome,

inkl. der Möglichkeit einer Botulinumtoxinbehandlung.

Eine Zusammenarbeit mit der Tom-Wahlig-Stiftung

besteht auch bezüglich der

Rekrutierung von Patienten für die vom

Bundesministerium für Forschung geförderte

GeNeMove-Studie, eine Natural-History-Studie,

die dem Erkenntnisgewinn

über Verlauf und Symptomatik sowie begleitende

Therapien dieser seltenen Erkrankung

dient. Gleichzeitig wird im Rahmen

dieser Studie auch in Zusammenarbeit

mit dem Institut für Humangenetik der

Universität Tübingen eine Gendatenbank

angelegt, um neue für die HSP verantwortliche

Genloci zu finden.

Darüber hinaus wird von Frau Dr. Otto eine

Sprechstunde zur klinischen und neurophysiologischen

Diagnostik bei Verdacht

auf Motoneuronerkrankungen angeboten.

Auch hier erfolgt eine ausführliche Beratung

sowie symptomatische Behandlung

der Patienten und Begleitung im Krankheitsverlauf.

Laufende wissenschaftliche Projekte:

• GeNeMove Studie in Zusammenarbeit

mit Prof. Dr. Schöls, Universität Tübingen

106

5.) Humangenetik (Beratung,

Diagnostik, Forschung)

Humangenetische (Familien-)Beratung findet

statt in der Abteilung für Humangenetik

der RUB auf dem Campus. Insgesamt

stehen als Team für die oft zeitintensiven

Abläufe fünf Fachärzte und zwei Ärzte zur

Verfügung. Das Spektrum der molekulargenetischen

Diagnostik für mehrere erbliche

neuromuskuläre Erkrankungen wird

von mehreren Ärzten sowie einer spezialisierten

Naturwissenschaftlerin (Dr. G. Dekomien)

abgedeckt. Die Forschungsaspekte

der neurogenetisch ausgerichteten

Abteilung sind krankheitsspezifisch

gefächert und sind immer in möglichst enger

Interaktion mit klinischen Partnern

ausgerichtet.

Laufende wissenschaftliche Projekte:

• Molekulargenetische Grundlagen und

Mutationsanalytik bei hereditären Neuro

pathien

• Mutationsanalyse bei maligner Hyperthermie,

Central-Core-Erkrankung und

Glie dergürtel-Muskeldystrophie-Formen

• Service-Einheit für MD-Net: Mutationsanalyse

und Genotyp/Phänotyp-

Kor re lation bei Sarkoglycanopathien,

kongenitalen Muskeldystrophie mit

Merosin-Defizienz

• Mutationsanalyse und Genotyp/Phänotyp-Korrelation

bei Morbus Tay-Sachs,

Myotilinopathie und Caveolinopathie

Neuromuskuläres Labor des Muskelzentrums

Ruhrgebiet

Das Labor verfügt über die folgenden

Techniken zur Auswertung von Muskelbiopsien:

Histologie, Histochemie, Enzymhistochemie,

Immunhistologie, Western

Blot, Morphometrie, In-vitro-Test für die

Erfassung der Disposition zur malignen

Hyperthermie (Koffein, Halothan)

Nervenbiopsien: Immunhistologie


Verantwortliche Ärzte für die Auswertung

und Befundung der Nerv-/Muskelbiopsien:

Dr. A. Güttsches, Prof. Dr. M. Vorgerd.

Wesentliche Publikationen im Jahre 2010:

Delnooz CC, Lefeber DJ, Langemeijer SM, et al.

New cases of adult-onset Sandhoff disease

with a cerebellar or lower motor neuron phenotype.

J Neurol Neurosurg Psychiatry 2010;81:

968-972.

Guettsches AK, Kuechler A, Gal A, Schmitz W,

Tegenthoff M, Vorgerd M. Female carriers of Xchromosomal

adrenoleukodystrophy: a major

differential diagnosis in progressive myelopathy.

J Neurol 2010;257:1394-1395.

Huichalaf C, Sakai K, Jin B, et al. Expansion of

CUG RNA repeats causes stress and inhibition

of translation in myotonic dystrophy 1 (DM1)

cells. FASEB J 2010;24:3706-3719.

Jacobi C, Ruscheweyh R, Vorgerd M, Weber

MA, Storch-Hagenlocher B, Meinck HM. Rippling

muscle disease: variable phenotype in a family

with five afflicted members. Muscle Nerve

2010;41:128-132.

Kiphuth IC, Krause S, Huttner HB, Dekomien G,

Struffert T, Schroder R. Autosomal dominant

nemaline myopathy caused by a novel alphatropomyosin

3 mutation. J Neurol 2010;257:

658-660.

Kirzinger L, Schmidt A, Kornblum C, Schneider-

Gold C, Kress W, Schoser B. Side effects of

anesthesia in DM2 as compared to DM1: a

comparative retrospective study. Eur J Neurol

2010;17:842-845.

Klauke B, Kossmann S, Gaertner A, et al. De novo

desmin-mutation N116S is associated with

arrhythmogenic right ventricular cardiomyopathy.

Hum Mol Genet 2010;19:4595-4607.

Peters SA, Kley R, Tegenthoff M, Vorgerd M, Nicolas

V, Heyer CM. MRI in lipid-lowering agentassociated

myopathy: a retrospective review of

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

21 cases. AJR Am J Roentgenol 2010;194:

W323-328.

Schneider-Gold C, Grimm T, Kress W, Schoser

B. Myotone Dystrophien. Akt Neurol 2010;37:

348-359.

Schneider-Gold C, Kotting J, Epplen JT, Gold R,

Gerding WM. Unusual Charcot-Marie-Tooth

phenotype due to a mutation within the intracellular

domain of myelin protein zero. Muscle Nerve

2010;41:550-554.

Schneider-Gold C, Timchenko LT. CCUG re -

peats reduce the rate of global protein synthesis

in myotonic dystrophy type 2. Rev Neurosci

2010;21:19-28.

Spengos K, Walter MC, Dekomien G, Papadopoulos

K, Lochmuller H, Manta P. C283Y mutation

in the gamma-sarcoglycan gene in Greek

Gypsies with severe limb girdle muscular dystrophy.

Eur J Neurol 2010;17:e41-42.

Zschuntzsch J, Dibaj P, Pilgram S, Kotting J,

Gerding WM, Neusch C. Severe demyelinating

hypertrophic polyneuropathy caused by a de

novo frameshift mutation within the intracellular

domain of myelin protein zero (MPZ/P0). J Neurol

Sci 2009;281:113-115.

107


Neuromuskuläres Zentrum Stuttgart

Neuromuskuläres Zentrum Stuttgart

Sprecher:

Prof. Dr. med. A. Lindner

Ärztlicher Direktor der Klinik für Neurologie

Marienhospital Stuttgart

Am Marienhospital Stuttgart sind alle für

die Diagnostik und Therapie neuromuskulärer

Krankheiten erforderlichen Abteilungen

wie Endokrinologie, Kardiologie, Lungendiagnostik,

Beatmung und Schlaflabor,

Rheumatologie mit klinischer Immunologie,

HNO-Heilkunde, Phoniatrie und Logopädie

sowie Physiotherapie und Ergotherapie

unter einem Dach vorhanden, so

dass kurze Wege bestehen und dadurch

die Patienten umfassend interdisziplinär

betreut werden können. Bei schweren

Krankheitsverläufen stehen eine eigene

und eine anästhesiologisch geführte Intermediate-Care-Station

sowie operativ und

konservativ geführte Intensivstationen zur

Verfügung. Daneben besteht eine enge

Kooperation mit den Nephrologen (Drs. N.

Frischmuth und U. Schenk). Invasive immunmodulatorische

Verfahren, wie z.B.

Immunapherese können auch auf der Intensivstation

unserer Klinik für Innere Medizin

I (Prof. Dr. M. Kellerer, Dr. H. Tröster,

Dr. M. Theisen) durchgeführt werden.

Gut etabliert und ausgebaut werden

konnte die nicht-invasive Heimbeatmung

von Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen

durch die pneumologische

Abteilung im Hause (Dres. Reinecke und

Glockner).

Eine weitere wichtige Einrichtung im Marienhospital

sind die Palliativstationen. Hier

werden nicht nur Krebspatienten in einem

weit fortgeschrittenen Krankheitsstadium

betreut, sondern auch Patienten mit fort-

108

geschrittenen neuromuskulären Erkrankungen,

insbesondere ALS.

Für die ganzheitliche Betreuung der

Schwerkranken wie auch ihrer nächsten

Angehörigen steht ein geschultes Team

von Ärzten, Pflegekräften, Psychologen,

Theologen, Sozialpädagogen, Krankengymnasten,

Diätberatern sowie Musik-,

Kunst- und Maltherapeuten zur Verfügung.

In Kooperation mit der anästhesiologischen

Klinik im Hause (Ärztlicher Direktor

Dr. W. Junginger) ist eine Schmerzambulanz

(Leitung Dr. U. Köster) etabliert, bei

der neben medikamentös-invasiven Verfahren

auch nach Indikation und mit Erfolg

Akupunkturbehandlungen zum Einsatz

kommen.

In den neuromuskulären Sprechstunden

der Neurologischen Klinik werden Diagnostik

und Behandlung, regelmäßige Verlaufsuntersuchungen

und gegebenenfalls

stationäre Aufnahmen koordiniert mit dem

Ziel der langfristigen Betreuung. Hier stehen

alle modernen neurophysiologischen

und neuroradiologischen Methoden und

Laboruntersuchungen zur Verfügung. Es

werden regelmäßig auch zur Qualitätssicherung

neurophysiologischer Methoden

Fortbildungsveranstaltungen durchgeführt.

In Zusammenarbeit mit der Klinik für

Plastische Chirurgie (Ärztlicher Direktor

Prof. Dr. Th. Schoeller) werden Muskelund

Nervenbiopsien durchgeführt, die im

Muskellabor (Prof. Dr. A. Bornemann) des

Instituts für Hirnforschung (Prof. Dr. R.

Meyermann) der Universität Tübingen oder

in der Neurologischen Universitätsklinik

Halle (Ärztlicher Direktor Prof. Dr. S. Zierz)

begutachtet werden. Mit beiden Instituten


esteht zudem ein reger wissenschaftlicher

Austausch.

Zusammen mit Myopathologen, klinischen

Neurologen und Vertretern aller wichtigen

Nachbardisziplinen finden in monatlichem

Abstand regelmäßig Konferenzen statt, in

denen einzelne (Neu)Diagnosen ausführlich

besprochen und diskutiert werden.

Aus unserer Klinik werden regelmäßig wissenschaftliche

Beiträge publiziert (Poster

auf der DGN, Fachzeitschriften) sowie Vorträge

(z.B. im Rahmen des jährlichen Medizin-Kongresses,

Stuttgart-Messe) und

Fortbildungsveranstaltungen (u.a. 4. Treffen

der Neuromuskulären Zentren Baden-

Württembergs am 10. November 2010 im

Marienhospital) durchgeführt. Unsere

Neurologische Klinik ist Kooperationspartner

der Klinischen Studie „Herzerkrankungen

bei Patienten mit mitochondrialen

Erkrankungen Projekt Mito-Herz” der Abteilung

für Kardiologie des Robert-Bosch-

Krankenhauses Stuttgart (Ärztlicher Direktor

Prof. Dr. U. Sechtem) und beim Aufbau

eines ALS-Registers in der Region Schwaben

(Prof. Dr. A.C. Ludolph).

Es besteht ein enger Kontakt und regelmäßiger

Austausch mit der seit Langem bestehenden

neuropädiatrischen Muskelsprechstunde

(Leitender Oberarzt Dr. R.

Keimer) des Pädiatrischen Zentrums Olgahospital

Stuttgart. Es kann dort sämtliche

Diagnostik, die bei Kindern mit neuromuskulären

Erkrankungen notwendig ist,

durchgeführt werden. Hierzu gehören neben

der klinischen Untersuchung und Labor-

und Stoffwechseldiagnostik auch die

Elektromyografie, die Myosonografie, die

Kernspintomografie sowie die Durchführung

von Nerven- und Muskelbiopsien.

Zusätzlich zu einer evtl. möglichen medikamentösen

Therapie werden alle physikalischen

Behandlungen angeboten (Kran-

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

kengymnastik, Ergotherapie, Logopädie).

Im Olgahospital steht eine Orthopädische

und Kinderorthopädische Klinik (Prof. Dr.

T. Wirth) für rehabilitative und korrigierende

operative Eingriffe sowie zur Hilfsmittelversorgung

zur Verfügung. Eine genetische

Beratung ist bei Dr. Heilbronner in der Humangenetischen

Abteilung möglich. Ebenso

wird ein Schlaflabor vorgehalten. Kinderpsychologen

(Frau Raab-Schneider),

Sozialarbeiter (Frau Dämmrich) und eine

Krankenhausschule (Rektor J. Orts) helfen

bei der Integration muskelkranker Kinder

im Alltag.

In der monatlich stattfindenden Muskelkonferenz

werden die Patienten und Befunde

gemeinsam diskutiert.

Publikationen:

Rudnik-Schöneborn S, Schaupp M, Lindner A,

Kress W, Schulze-Bahr E, Zumhagen S, Elbracht

M, Zerres K. Brugada-like cardiac disease

in myotonic dystrophy type 2: Report of two

unrelated patients; Eur J Neurol 2010 (epub

ahead of print).

Stober A, Aleo A, Kuhl V, Bornemann A, Walter

MC, Lochmüller H, Lindner A, Krause S. Novel

missense mutation p.A310P in the GNE gene in

autosomal-recessive hereditary inclusion-body

myopathy/distal myopathy with rimmed vacuoles

in an Italian family. Neuromuscul Disord

2010;20(5):335-6.

109


Neuromuskuläres Zentrum Thüringen

Neuromuskuläres Zentrum Thüringen

Leiter/Sprecher:

PD Dr. med. J. Grosskreutz

Universitätsklinikum Jena

Mit Erhalt des zertifizierten Gütesiegels der

DGM, dem Ausbau der engen Zusammenarbeit

engagierter Kliniken mit ihren Spezialambulanzen

ist es 2010 gelungen, die

Forschung und Versorgung neuromuskulär

Erkrankter in Thüringen optimiert fortzuführen.

Mehrere Veranstaltungen für Ärzte

und Patienten haben das Netzwerk im

TMZ weiter gestärkt. Auch konnte unsere

Homepage (www.tmz.uniklinikum-jena.de)

weiter zur umfangreichen Informationsquelle

für Ärzte und Betroffene mit ihren

Angehörigen in Thüringen aufgebaut werden.

a) Personalia

Auf der Mitgliederversammlung und der

Vorstandssitzung im Juli 2010 in Erfurt

wurde unter dem 1. Vorsitzenden PD Dr. J.

Grosskreutz (Jena) und der 2. Vorsitzenden

Dr. med. A. Thieme (Erfurt) sowie Dr.

med. B. Romeike (Neuropathologie FSU

Jena), Dr. med. A. Kunze (Jena) und Dr.

med. S. Demuth (Praxis für Humangenetik,

Erfurt) als Ziel für 2011 die Etabliereung einer

landesweiten Sozialarbeit in den Vordergrund

gestellt. Als neues Mitglied

konnte Dr. med. T. Neumann (Jena) aus

der Klinik für Nephrologie gewonnen werden.

b) Forschungsaktivitäten

Im Jahr 2010 wurden im Forschungszentrum

Lobeda kombinierte Kalzium-Imaging-

und Patch-Clamp-Messungen an

Zellkulturen fortgeführt, um die Rolle des

ER-Mitochondrien-Kalzium-Zyklus in der

selektiven Degeneration von Motoneuro-

110

nen zu untersuchen. In Kooperation mit

Partnern in Rom (Italien), Valladolid (Spanien)

und Göttingen stehen hierzu EU-

Drittmittel von NEURON-ERANET für

2009-2012 zur Verfügung. Ein weiterer

Schwerpunkt liegt bei der molekularbiologischen

Charakterisierung von ER-Stress

in Motoneuronen. In verschiedenen Projekten

werden weiter Patienten mit ALS

und HSP in Zusammenarbeit mit dem Biomagnetischen

Zentrum auf frühe Veränderungen

der sensomotorischen Integration

mittels Magentenzephalografie untersucht,

während mit neuen voxelbasierten

Analyse der Kernspintomografie (VBM,

DTI) feinstrukturelle Frühveränderungen in

Zusammenarbeit mit der Abteilung für

Neuroradiologie im Querschnitt und Verlauf

der Erkrankungen erfasst werden. Die

Studien zur Analyse verschiedener entscheidender

Faktoren für die Lebens- und

Versorgungsqualität von ALS-Patienten

wurden 2010 fortgeführt. Mittels der elektrophysiologischen

Methode des Thresh -

old Tracking werden HSP-Patienten untersucht,

um die Pathogenese der gehäuft

beobachteten peripheren Neuropathie zu

untersuchen.

In der kardiologischen Klinik Jena werden

in Kooperation mit der Ambulanz für Motoneuronerkrankungen

Untersuchungen

zum myokardialen Remodelling durch histologische

Untersuchungen der Reexpression

von Tenacin-C bei ALS Patienten

durchgeführt. Im Institut für Klinische Chemie

der FSU Jena werden die Molekulare

Genetik der HSP (Kopplungsanalysen, Sequenzieren,

Kopienzahl-Screening; Genotyp-Phänotyp-Korrelation),

Mausmodelle

für die HSP (SPG31, SPG4, SPG15) und

neuronal differenzierte adulte Stammzellen


von HSP-Patienten untersucht. Dafür wurden

Drittmittel von der DFG, der Uni Jena

und der Tom-Wahlig-Stiftung eingeworben.

In der Abteilung Neuropädiatrie des Universitätsklinikums

Jena werden nicht-invasive

Untersuchungen mittels hochauflösender

Oberflächen-Elektromyografie zur

Diagnostik und Verlaufskontrolle neuromuskulärer

Erkrankungen bei Kindern und

Jugendlichen durchgeführt. Es steht ein

HSR-EMG-Gerät zur Verfügung (high

spatial resolution electromyography, d.h.

räumlich hochauflösende Elektromyografie).

Das Oberflächen-EMG hatte bisher

keinen großen Stellenwert in der Diagnostik

von neuromuskulären Erkrankungen.

Durch die Entwicklung von Mehrkanal-Ableitmethoden,

speziellen Software-Applikationen

und der Messmöglichkeit der

Muskelfaser-Leitgeschwindigkeit konnten

viele technische Probleme minimiert und

neue Messgrößen etabliert werden. Das

HSR-EMG ermöglicht die nicht-invasive

Detektion der Aktivität einzelner motorischer

Einheiten der Muskulatur über ein

zweidimensionales Elektrodenarray mit 16

Kanälen. Dabei werden bei Kontraktion

oder in Ruhe im Muskel entstehende elektrische

Signale visualisiert. Die Gerätetechnik

basiert auf Forschungen am Helmholtz-Institut

für Biomedizinische Technik

an der RWTH Aachen.

Am Institut für Physiotherapie des Universitätsklinikum

Jena läuft eine prospektive

Verlaufsstudie zur Evaluierung der Lebensqualität

von Poliopatienten. Weiterhin wird

eine Therapiestudie zur kontinuierlichen

Erfassung von Muskel- und Bewegungsfunktion

zur Einschätzung differenzierter

Therapiemittel durchgeführt. Die Ortho -

pädische Klinik in Eisenberg ist Mitglied im

„Forschungsnetzwerk Muskuloskelettale

Biomechanik“ (MSB-Net) der Sektion

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

Grundlagenforschung der Deutschen Gesellschaft

für Orthopädie und Orthopädische

Chirurgie (DGOOC). Weiterhin ist die

Anwendung eines Systems für die klinische

Ganganalyse (3D-Bewegungsanalyse)

einer der Arbeitsschwerpunkte.

c) Fortbildungsveranstaltungen

In diesem Jahr wurden die interdisziplinären

Fallkonferenzen des TMZ zu interessanten

und lehrreichen Kasuistiken aus

dem Bereich der neuromuskulären Erkrankungen

fortgeführt und in wechselnder

Verantwortung der einzelnen am TMZ beteiligten

Kliniken organisiert. Am Univer -

sitätsklinikum Jena findet weiterhin jeden

2. Montag im Monat eine neurologischpalliativmedizinische

Fallkonferenz im

Zentrum für Palliativmedizin statt.

Im Rahmen der Patientenakademie im Mai

2010 wurden Ätiologie, Pathogenese und

die Therapieoptionen bei neuromuskulären

Erkrankungen ausführlich mit Betroffenen

und Angehörigen diskutiert. Das Kolloquium

Neurologie der Klinik für Neurologie

an der FSU Jena am 6. Oktober 2010

fand zum Thema Muskelerkrankungen

statt und umfasste ein breites Spektrum

an myogenen Erkrankungen.

Regelmäßige Fortbildungsveranstaltungen

zu Themen der Heimbeatmung/Respiratorentwöhnung

im Säuglings- bis Erwachsenenalter

werden am Zentrum für Schlafund

Beatmungsmedizin Apolda (zertifiziertes

Zentrum der AG Heimbeatmung und

Respiratorentwöhnung e.V.) durchgeführt.

Es fanden regelmäßige Fortbildungsveranstaltungen

für Sonografie der Säuglingshüfte

und des Bewegungsapparates unter

Berücksichtigung von Muskelerkrankungen

unter Leitung Oberarzt Straub (Seminarleiter

der DEGUM und DGOOC) in Eisenberg

(fünf Kurse/Jahr) statt.

111


Neuromuskuläres Zentrum Thüringen

d) Betreuungsstrukturen

Zentrum für Schlaf- und Beatmungsmedizin,

Robert-Koch-Krankenhaus

Apolda

Ambulante und stationäre Diagnostik und

Therapieeinleitung bei Fragen der Atmungsstörung/ventilatorischenInsuffizienz

wird durch langjährig erfahrenes Personal

mit hoher Sachkompetenz gesichert.

In Zusammenarbeit mit regionalen Pflegediensten,

die langjährige Erfahrungen mit

der Heimbeatmung haben, werden der

weitere Betreuungsbedarf individuell abgestimmt

und erforderliche Schritte inkl.

Abstimmung mit den Kostenträgern eingeleitet.

Kinderorthopädische Abteilung,

Marienstift Arnstadt

Unter der Leitung von Cchefarzt Dr. med.

Senst werden regelmäßig zehnwöchige

Bobathkurse für Ärzte, Physiotherapeuten,

Ergotherapeuten und Logopäden zur Diagnostik

und Therapie von neurologischen

und neuromuskulären Erkrankungen

durchgeführt. Daneben findet eine enge

Verzahnung der ambulanten und stationären

Behandlung von Kindern, Jugendlichen

und jungen Erwachsenen mit neuromuskulären

Störungen statt. Hierdurch ist

auch eine langjährige kontinuierliche Betreuung

von Patienten möglich. Stationär

erfolgen insbesondere Multilevel-Eingriffe

an Sehnen, Muskeln und Knochen, um bei

mehrfachbehinderten Patienten in möglichst

wenigen Schritten zum Ziel zu kommen.

Bei gehfähigen Patienten werden

regelmäßig 3-D-Ganganalysen zur Therapieevaluation

durchgeführt.

Orthopädische Klinik – Lehrstuhl für

Orthopädie FSU Jena, Eisenberg

Im Waldkrankenhaus „Rudolf Elle” wird

unter der Leitung von Lehrstuhlinhaber

Prof. Dr. Venbrocks in enger Zusammenar-

112

beit mit niedergelassenen Kollegen eine

Muskelsprechstunde angeboten, wobei

die Koordination in der Abteilung Kinderorthopädie

unter Leitung von Oberarzt Dr. A.

Sachse und Oberarzt Dr. A. Straub erfolgt.

Das kurative Spektrum beinhaltet insbesondere

Operationen, Sehnentransfers,

Langzeitbetreuung von Patienten mit neuromuskulären

und neuropädiatrischen Erkrankungen,

ambulante Diagnostik und für

ausgewählte Fälle eine Ganganalyse (Vycon-System).

Bei Erwachsenen mit muskulären

und neurologischen Erkrankungen

werden nahezu sämtliche Operationen

und deren Nachbehandlung durchgeführt,

die z.B. mit der Algos-Klinik oder in Bad

Klosterlausnitz rehabilitativ weitergeführt

werden. Im Hause stehen ein hochspezialisiertes

Sanitätshaus mit besonderen

Möglichkeiten der Schienen- und Korsettversorgung,

Anpassung von Orthesen

(GRAFOS, AFOS, Carbonfederorthese),

Fertigung von Prothesen der oberen und

unteren Extremitäten), eine hochspezialisierte

physiotherapeutische Abteilung

(Vojtatherapie, Hippotherapie mit ausgebildeter

Hippotherapeutin, Verordnung von

Lagerungshilfen, Bewegungsbad und

Turnraum) und eine spezialisierte Kinderstation

mit Erfahrung mit stark bewegungsgestörten

Kindern, ggf. auch Erwachsener

zur Verfügung.

Klinik für Neurologie, Helios-Klinikum

Erfurt

Die gut etablierte Spezialambulanz für

neuromuskuläre Erkrankungen unter Oberärztin

Thieme bietet auch eine Sozialberatung

durch Frau Feltz an. Die umfassende

Versorgung neuromuskulär Erkrankter in

Erfurt ambulant und stationär ist interdisziplinär

in Zusammenarbeit mit der Abteilung

für Neuropathologie gesichert.


Sozialpädiatrisches Zentrum der

Klinik für Kinder- und Jugendmedizin,

Erfurt

Am Sozialpädiatrischen Zentrum wird die

Betreuung von Kindern mit Erkrankungen

aus dem neuromuskulären Bereich durch

Dr. Lohr gewährleistet. Anmeldungen können

über das Sozialpädiatrische Zentrum

im HELIOS-Klinikum unter der Leitung von

Dr. med. F. Schulze erfolgen.

Institut für Pathologie des Helios-

Klinikums Erfurt

Langjährige Erfahrungen bei der histologischen

Untersuchung von Muskelgewebe

werden ergänzend neuropathologisch befundet

durch Dr. med. M. Brodhun. Verschiedene

enzymhistochemische Nachweisverfahren

zur diagnostischen Abklärung

von metabolischen Myopathien

(Myoadenylatdesaminase, Cytochrom-C-

Oxidase, Succinatdehydrogenase, Phosphofructokinase,

Muskel-Phosphorylase)

sind etabliert. Für die Diagnostik von entzündlichen

Muskelerkrankungen stehen

neben den Standarduntersuchungen auch

Untersuchungen bezüglich C5b9 und

MHC-I zur Verfügung. Zur immunhistochemischen

Abklärung von dystrophen Muskelerkrankungen

werden – in Abhängigkeit

von klinischer Fragestellung und morphologischem

Befund – Untersuchungen bezüglich

Dystrophin 1, 2 und 3, alpha-, beta-,

gamma- und delta-Sarkoglykan, alpha-

und beta-Dystroglykan, Merosin,

Desmin, Emerin, Dysferlin, Caveolin-3,

Spektrin-1 und -2, Laminin A/C sowie

Utrophin n/c durchgeführt. Des Weiteren

erfolgt die Kryokonservierung und Asservierung

von Muskelgewebe für weiterführende

elektronenmikroskopische und molekulargenetische

Untersuchungen außerhalb

des Instituts. Es besteht eine enge

Zusammenarbeit mit dem Referenzinstitut

für neuromuskuläre Erkrankungen Aachen,

Prof. J. Weis.

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

Klinik für Neurologie der FSU Jena

In der Klinik für Neurologie der FSU Jena

werden Spezialsprechstunden für Muskelund

Motoneuronerkrankungen angeboten.

Zudem steht bei Erstdiagnostik, Therapiebeginn

oder Verlaufskontrollen neuromuskulärer

Erkrankungen neben der stationären

Abklärung ein interdisziplinäres tagesklinisches

Setting zur Verfügung. Unter der

Leitung von Oberarzt PD Dr. med. Grosskreutz

betreut das Team mit Dr. Ringer, Dr.

Smesny, Dr. Prell, der Studienkoordinatorin

Frau Herzau sowie Frau Aurich und der

Sozialarbeiterin Frau Tautz Patienten und

Angehörige. Patienten mit Amyotropher

Lateralsklerose und anderen Motoneuronerkrankungen,

entzündlichen Muskelerkankungen,

Myopathien oder myasthenen

Syndromen, hereditären Neuropathien,

Muskeldystrophien und myotonen Störungen

erhalten spezifische Therapiekonzepte

einschließlich der medikamentösen Behandlung,

supportiven Maßnahmen und

fachgerechten Heil- und Hilfsmittelversorgungen.

Die Anlage transkutaner Ernährungssonden

mit Nachbetreuung auf der

neurologischen Intensivstation, Polysomnografie

und Initiierung einer nicht-invasiven

Heimbeatmung ergänzen die stationäre

Diagnostik.

In der Abteilung für Klinische Neurophysiologie

unter Leitung von PD Dr. med.

Axer wird die komplette neurophysiologische

Diagnostik als wesentlicher Pfeiler im

stationären und ambulanten Bereich der

Klinik angeboten. Das Labor ist als Ausbildungsstätte

der Deutschen Gesellschaft

für Klinische Neurophysiologie (DGKN) für

EEG, Elektromyografie und evozierte Potenziale

anerkannt.

Klinik für Kardiologie, FSU Jena

Als Kooperationspartner steht Prof. Dr.

med. Bernhard Brehm aus der Klinik für

Kardiologie, Klinik für Innere Medizin I zur

Verfügung. Er bietet spezifische kardiale Di-

113


Neuromuskuläres Zentrum Thüringen

agnostik und Behandlung myokardialer Beteiligung

einschließlich Ergometer-Untersuchungen

für neuromuskulär Erkrankte an.

Klinik für Neuropädiatrie/Sozialpädiatrisches

Zentrum Jena

Unter Leitung von Prof. Dr. Brandl führt Dr.

Husain eine Spezialsprechstunde für neuromuskuläre

Erkrankungen bei Kindern

und Jugendlichen, die innerhalb des SPZ

dessen umfassende und interdisziplinäre

Versorgungsstrukturen nutzt. Es liegt eine

große Erfahrung in der Diagnostik und

Therapie von angeborenen Stoffwechselerkrankungen

mit primärer oder sekundärer

Muskelbeteiligung vor. Es besteht eine

enge Zusammenarbeit mit den Abteilungen

Kinderradiologie und Kinderkardiologie,

dem Institut für klinische Chemie und

Laboratoriumsdiagnostik sowie der Abteilung

Neuropathologie.

Neben der ärztlichen, physio- und ergotherapeutischen

sowie sozialmedizinischen

Betreuung besteht eine direkte

Kooperation mit dem Zentrum für Humangenetik

mit genetischer Diagnostik und

Beratung für Kinder mit neuromuskulären

Erkrankungen und deren Eltern bzw. Geschwistern

in einer SPZ-eigenen Sprechstunde.

Zur frühzeitigen Erkennung von

Gang- und Bewegungsmustern werden

regelmäßig Ganganalysen mit dem Zebris-

System unter Leitung von Herrn Geisendorf

durchgeführt, die eine zügige Anpassung

der Hilfsmittel zum Erhalt der aut -

onomen Mobilität ermöglichen. Des

Weiteren erfolgen monatliche gemeinsame

Patientenbesprechungen mit dem Kinderorthopäden

Oberarzt Dr. Sachse der FSU

Jena.

Abteilung für Neuropathologie, Jena

In der Abteilung für Neuropathologie des

Universitätsklinikums Jena werden Muskel-

und Nervenbioptate aus ganz Thüringen

und teils auch aus Sachsen und Sach-

114

sen-Anhalt mit aufwendigen modernen

Methoden untersucht. Darüber hinaus

kommen auch elektronenmikroskopische

Untersuchungen zum Einsatz. Im letzten

Jahr wurden ca. 100 Muskelbiopsien, über

50 Nervenbiopsien, und mehr als zehn

Hautbiopsien (meist bei V.a. CADASIL, einschließlich

elektronenmikroskopischen

Untersuchungen) durchgeführt.

Institut für Physiotherapie, Jena

Die erfolgreiche Dispensaire Sprechstunde

für Patienten mit Postpoliosyndrom wird

fortgeführt und bietet ein multimodales

physiotherapeutisches und berufs- und arbeitsbegleitendes

Behandlungskonzept.

Es erfolgt der Aufbau eines stationären

Kompetenzzentrums für Polio-Patienten.

Institut für Klinische Chemie und

Laboratoriumsmedizin (IKCL), Jena

In den Arbeitsgruppen von Prof. Hübner

und Prof. Deufel werden molekulardiagnostische

Untersuchungen für Ursachen

der HSP angeboten.

Abteilung für Neurologie, Klinikum

Meiningen

Neben einer KV-Ermächtigungssprechstunde

für neuromuskulär Erkrankte bietet

die Klinik im DGSM-zertifizierten Schlaflabor

neben der Therapie der obstruktiven

Schlafapnoe Behandlungen komplexer

Atemstörungen wie zentrales SAS, Cheyne-

Stoke-Atmung oder auch chronische

Hypoventilationen bei neuromuskulären

Erkrankungen an.

Praxen für Humangenetik in Thüringen

Im Rahmen der differenzialdiagnostischen

Bestrebungen zur Klärung neuromuskulärer

Erkrankungen erfolgt in den humangenetischen

Praxen in Suhl (Frau Dr. Mitulla),

Jena (Dres. Schreyer und Schulz) und Erfurt

(Dres. Demuth und Weidensee) die begleitende

genetische Beratung und Diag-


nostik. Bei der genetischen Heterogenität

der Muskel- und Nervenerkrankung bei oft

ähnlichem Phänotyp hat die molekulargenetische

Diagnostik einen wichtigen Stellenwert

eingenommen. Ziel ist es, die rasche

Entwicklung molekularer Kenntnisse

bei der Ätiologie der Muskelerkrankungen

mit in die Diagnostik ungeklärter Muskelerkrankungen

einzubringen. Auf der Basis

der erhobenen Befunde erfolgt eine ausführliche

genetische Beratung der Familien

nach den Richtlinien der Gesellschaft für

Humangenetik. Ratsuchende und Überweisende

werden über die humangenetische

Beratung und Diagnostik durch ein

abschließendes humangenetisches Gutachten

informiert.

Bei zahlreichen neuromuskulären Erkrankungen

können mittlerweile Mutationen,

Deletionen oder Repeat-Expansionen als

kausale Ursache nachgewiesen werden.

Insbesondere bei den häufigsten neuromuskulären

Erkrankungen im Kindesalter

wie der Spinalen Muskelatrophie, der

Fazio-Skapulo-Humeralen Muskeldystrophie,

der Myotonen Dystrophie, der Charcot-Marie-Tooth-Erkrankung

Typ IA sowie

der Muskeldystrophien Duchenne und Becker

ist eine routinemäßige molekular -

genetische Diagnostik Standard. Die Anwendung

molekulargenetischer Techniken

ermöglicht eine definitive Diagnosestellung

bei Betroffenen. Ergänzt wird die Diagnostik

in den letzten Jahren durch neue

Möglichkeiten der genomweiten Suche

nach Deletionen und Duplikationen mittels

Array-CGH.

e) Selbsthilfeaktivitäten

In Thüringen gibt es eine Reihe von Selbsthilfgruppen.

Neben dem ALS-Gesprächskreis

in Gotha und der Elterngruppe muskelkranke

Kinder finden Treffen in Altenburg,

Bad Salzungen, Erfurt, Gotha, Greiz

und Suhl/Meiningen statt. Regionalen

Selbsthilfegruppen für alle Krankheitsbil-

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

der werden thüringenweit unterstützt, insbesondere

die Betreuung der Selbsthilfegruppe

Polio. Im November 2010 fand ein

Treffen der Selbsthilfegruppe in Jena statt,

bei der neben der Vorstellung der dortigen

Spezialambulanzen Informationen über die

Erkrankungen und Hilfsmittelmöglichkeiten

für die Betroffenen weitergegeben wurden.

f) Neuere diagnostische und therapeutische

Möglichkeiten

Die Abteilung Neuropädiatrie der Klinik für

Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums

Jena bietet in Zusammenarbeit

mit der Abteilung Kinderradiologie des

IDIR des Universitätsklinikums Jena bei

bestimmten Fragestellungen MRT- und

MR-Spektroskopie-Untersuchungen der

Muskulatur an. Zudem befindet sich ein

Diagnostikprogramm mit quantitativer

Myosonografie im Aufbau. Im Institut für

Physiotherapie findet eine Spezialvariante

des Oberflächen-EMGs vertiefte Anwendung.

g) Laufende Therapiestudien

In der Neurologie der FSU Jena wurden 21

Patienten in die multizentrische Therapiestudie

zur Wirksamkeit von Pioglitazone

auf den Verlauf der ALS (GERP-ALS, Studienleiter

Prof. Ludolph, Ulm) rekrutiert.

Leiter der Prüfung am Zentrum ist PD Dr.

med. Julian Grosskreutz. Die Studie wurde

wegen Nichtwirksamkeit abgebrochen. Im

Institut für Physiotherapie läuft eine Verlaufskontrolle

zur Orthesenversorgung der

Kniegelenkinstabilität als Folge eines

Post-Polio-Syndroms mittels Oberflächen-

EMG und Ganganalyse.

h) Publikationen

Bocker B. Harninkontinenz bei Patienten mit

Postpoliosyndrom. Polionachrichten 2009;3:63-

65.

115


Neuromuskuläres Zentrum Thüringen

Tröger M, Beck B, Buschbeck HJ, Bocker B,

Hendrich A, Kemper A, Ruetz A, Steinfeldt F,

Tesch M. Orientierungshilfe zur Diagnostik und

Therapie bei Patienten mit Poliofolgen und

Post-Polio-Syndrom. Bundesverband Poliomyelitis

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Bocker B, Münzel K, Smolenski UC. Muskelaktivitätsmuster

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life-threatening hyperammonemic crisis

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Neuromuskuläres Zentrum Ulm

Personalia

Sprecher: Prof. Dr. Dr. h.c. Frank

Lehmann-Horn (Institut für Angewandte

Physiologie, Division of Neurophysiology)

Stellvertreter: Prof. Dr. Albert C. Ludolph

(Neurologische Universitätsklinik)

Sekretärin: PD Dr. Karin Jurkat-Rott

(Division of Neurophysiology)

Unverändert sind die Lehrstuhlinhaber/

Leiter der folgenden Institutionen/Mitglieder

des Neuromuskulären Zentrums (NMZ)

Ulm: Klinik für Anästhesiologie des Rehabilitationskrankenhauses

Ulm (RKU), die

Ulmer Universitätsinstitute für Anästhesiologie,

Division of Neurophysiology, Experimentelle

Chirurgie, Humangenetik, Pathologie

mit Neuropathologie, sowie die Ulmer

Universitätskliniken für Kardiologie,

Neurologie, Orthopädie, die Sektion

Sport- und Leistungsmedizin der Kardiologischen

Universitätsklinik und die Sektion

Sozialpädiatrisches Zentrum der Universitätskinderklinik.

Weiter gehören dem NMZ Ulm an die Ehrenmitglieder

Prof. Dr. Dr. h.c. Reinhardt

Rüdel, Ulm, und Prof. Dr. Dieter Pongratz,

Augsburg, sowie die Externen Prof. Dr.

Herbert Schreiber, Neurologische Praxisgemeinschaft

Ulm, und Dr. Wilhelm Fischer,

Vorstandsmitglied der DGM und

Studienkoordinator an der Neurologischen

Klinik.

Zusammenfassung

Das NMZ Ulm besteht seit 18 Jahren. Es

ist ein fest installiertes Bindeglied in der

Forschung, Diagnostik und Betreuung von

Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen

und verfügt über mehrere Spezialam-

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

bulanzen (s.u.). Hauptschwerpunkte bilden

Erkrankungen der motorischen Systemdegenerationen

(ALS, SMA), die hereditäre

spastische Spinalparalyse (HSP), Krankheiten

des Muskels (Myotonien, periodische

Lähmungen) und die Anlage zu maligner

Hyperthermie. Zu den Spezialsprechstunden

gehört auch die Palliativ- und die

Dysphagie-Sprechstunde. Die Einrichtung

ist Mitglied im European Consortium of

Respiratory Insufficiency.

Stationäre Patientenversorgung

Die stationäre Patientenversorgung erfolgt

am RKU (Neurologie, Orthopädie, Anästhesie)

sowie in der Universitätskinderklinik.

Operationen (z.B. bei Kontrakturen

oder Skoliosen) werden an der Orthopädischen

Universitätsklinik durchgeführt. Ein

Team von Krankengymnastinnen nimmt an

speziellen Schulungen teil und verbessert

so die physikalische Behandlung stationärer

neuromuskulärer Patienten.

Ambulante Patientenversorgung

Die Spezialambulanzen der Neurologischen

Universitätsklinik Ulm (Neuromuskuläre

Sprechstunde, Sprechstunde für

Motoneuronerkrankungen einschließlich

Sprechstunde für hereditäre spastische

Spinalparesen, Palliativsprechstunde), das

Sozialpädiatrische Zentrum (SPZ) des Universitätsklinikums

und der stationäre Bereich

der Neurologischen Universitätsklinik

im RKU sind die ersten Anlaufstellen für

Patienten mit neuromuskulären Beschwerdebildern

sowie deren Angehörige. Neben

der klinischen Versorgung von neuromuskulär

erkrankten Patienten, der Beratung

der Betroffenen und deren Angehörigen

stehen die Mitarbeiter der jeweiligen Ein-

117


Neuromuskuläres Zentrum Ulm

richtungen auch beratend für niedergelassene

Kollegen, die sich mit neuromuskulären

Erkrankungen beschäftigen, zur Verfügung.

Die Orthopädische Universitätsklinik

im RKU hat eine hohe Expertise in Fragestellungen,

welche muskulär bedingte Deformitäten

und Fehlstellungen betreffen.

Weiterhin ist die Orthopädie im Rahmen

einer speziellen Muskelsprechstunde

Hauptansprechpartner zu Korrekturoperationen

und Orthesenversorgungen. Eine

Beatmungssprechstunde für überwiegend

invasiv beatmete Patienten ist seit Jahren

Anlaufstelle in der Klinik für Anästhesiologie

im RKU. Nicht-invasiv beatmete Patienten

und Betroffene mit einer Ernährungssonde

werden im Rahmen der Palliativambulanz

in der Neurologie betreut. Im

Sozialpädiatrischen Zentrum werden Kinder

mit neuromuskulären Fragestellungen

vorstellig. Sie werden entsprechenden diagnostischen

Maßnahmen zugeführt. Im

Rahmen regelmäßiger Kon sultationen besteht

eine enge Zusammenarbeit zwischen

den einzelnen Sprechstunden, wobei elektrophysiologische

Untersuchungen in der

Neurologischen Universitätsklinik durchgeführt

werden.

Spezialsprechstunden

Ambulanz für neuromuskuläre

Erkrankungen

Etabliertes Bindeglied zwischen niedergelassenen

Ärzten und dem klinischen Bereich

bleibt die Neuromuskuläre Sprechstunde,

die vornehmlich die Diagnostik,

die Therapiekontrolle, die Nachbetreuung

und auch die Beratung von Patienten, Angehörigen

und (nicht)ärztlichen Kollegen

wahrnimmt. Auch 2010 wurden Patienten

für klinische Studien rekrutiert. Im Zeitraum

Januar bis Oktober 2010 wurden 227

Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen

betreut. Das Spektrum reicht von

Neuropathien, degenerativen, entzündli-

118

chen und metabolischen Myopathien bis

hin zu Kanalerkrankungen und Überleitungsstörungen

der neuromuskulären

Endplatte. Die neuromuskuläre Sprechstunde

wird von Herrn Prof. Dr. J. Kassubek

geleitet. Weitere ärztliche Mitarbeiter

sind Dr. H.-J. Gdynia, Dr. R. Gastl, Dr. M.

Ponfick und PD Dr. M. Orth. Im Rahmen einer

Kooperation mit der Arbeitsgruppe von

PD Dr. Huber, dem Leiter des Ultraschallabors

im RKU, werden standardisierte Ultraschalluntersuchungen

von Muskeln und

peripheren Nerven bei neuromuskulären

Krankheitsbildern durchgeführt und unter

quantitativen und qualitativen Gesichtspunkten

ausgewertet. Eine enge Zusammenarbeit

besteht auch mit der von Herrn

Prof. Dr. J. Kassubek geleiteten Arbeitsgruppe

für Bildgebung hinsichtlich des

standardisierten Einsatzes der Kernspintomografie

der Muskulatur.

Ambulanz für Motoneuronerkrankungen

einschließlich HSP-Sprechstunde

In der Ambulanz für Motoneuronerkrankungen

wurden 2010 von Januar bis Oktober

266 Motoneuronpatienten versorgt.

Überwiegend werden Patienten mit Amyotropher

Lateralsklerose betreut, und Patienten

mit Spinalen Muskelatrophien

sowie anderen erworbenen Motoneuronerkrankungen.

Neben der Diagnostik, Differenzialdiagnostik

und der langfristigen Betreuung

stehen Beratungen hinsichtlich

einer adäquaten Hilfsmittelversorgung sowie

zum Einsatz von Logopädie, Ergotherapie

und Krankengymnastik im Vordergrund.

Die bereits etablierte und bewährte

Kooperation mit der von Prof. Dr. A. Riecker

geleiteten Ambulanz für Schluckstörungen

im RKU wurde weitergeführt, in der

insbesondere die Fragen nach Charakter

und Schweregrad einer Dysphagie und die

möglichst optimale Nahrungsanpassung

erörtert werden. Über die Ambulanz für

Motoneuronerkrankungen werden bei Be-


darf auch gezielt gesonderte Termine für

die einzelnen Beratungen oder auch Therapiesitzungen

in den jeweiligen Therapiebereichen

vermittelt. Gemeinsam mit Ernährungsberaterinnen

werden alle Fragen

zur angepassten oralen und intragastralen

Ernährung über gastrointestinale Sonden

sowohl mit den Patienten als auch deren

Angehörigen detailliert erörtert.

Die beiden im Jahr 2008 begonnen Studien

einer Behandlung der ALS mit dem oralen

Antidiabetikum Pioglitazon und mit

dem Wirkstoff Talampanel wurden im Jahr

2010 abgeschlossen. Die im Jahr 2009 begonnene

Studie mit der Substanz

TRO19622, die sogenannte MitoTarget-

Studie wurde fortgeführt. Diese Substanz

stabilisiert den Mitochondrienstoffwechsel

und soll dadurch das Absterben der Mitochondrien

verhindern. Gleichzeitig begann

eine neue Studie zur Untersuchung von

Nogo-A, eines myelinassoziierten Transmembranproteins,

das das Axonwachstum

hemmt, in Muskelbiopsieproben bei

ALS-Patienten. Diese Studie dient als Voraussetzung

für die Prüfung der Wirkung

eines Nogo-A-Antikörpers auf die Krankheitsprogression

bei ALS-Patienten.

Die ALS-Sprechstunde wird von Prof. Dr.

A. C. Ludolph und Prof. Dr. J. Kassubek

geleitet. Ärztliche Mitarbeiter sind Dr. J.

Dorst, S. Endruhn, C. Hendrich, Dr. M.

Ponfick, Dr. S. Waibel und Dr. U. Weiland.

Sabine Raubold und Melanie Mayer sind

als Studienassistentinnen wichtige Stützen

der Ambulanz.

Die Spezialambulanz für Patienten mit hereditären

spastischen Spinalparesen (HSP)

bietet neben der Diagnostik der verschiedenen

Varianten der Spinalparalysen

symptomatische Therapieverfahren und

die Hilfsmittelversorgung an. Ärztliche Mitarbeiterin

ist C. Hendrich.

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

Palliativsprechstunde

Eine in die Motoneuronambulanz integrierte

und fest etablierte Einrichtung ist die

Palliativsprechstunde. Zwischen Januar

und Oktober 2010 wurden 34 Patienten

betreut. Sie ist über das Neuromuskuläre

Zentrum Ulm Mitglied in der Arbeits -

gemeinschaft der deutschen Heimbe -

atmungszentren und im Europäischen

Consortium of Respiratory Insufficiency. In

diesem Rahmen findet die Langzeitversorgung

von chronisch Atem-insuffizienten

Patienten statt, auch die Versorgung von

Patienten mit einer Ernährungssonde

(PEG/PEJ). Viele Patienten leiden an verschiedenen

neuromuskulären Erkrankungen

und kommen aus dem Ulmer Raum,

aber auch von außerhalb der Region. Ärztliche

Ansprechpartner sind Dr. S. Waibel

und Dr. J. Dorst.

In der Palliativsprechstunde bilden die invasiv

beatmeten Patienten den Schwerpunkt.

Daneben werden auch nicht-invasive

Beatmungstechniken angewandt und

eine optimale Hilfsmittelversorgung gewährleistet.

Es werden Patienten mit unterschiedlichen

Motoneuronerkrankungen,

dystrophen Myopathien und seltenen Erkrankungen

(z.B. Einschlusskörperchenmyositiden)

betreut.

Nach wie vor läuft die Langzeitstudie zu

Determinanten der Entscheidungen bezüglich

lebensverlängernder Maßnahmen

bei ALS-Patienten in fortgeschrittenen

Stadien unter der Leitung von Prof. Dr.

A.C. Ludolph und Dr. Dorotheé Lulé. Die

Studie wird in Kooperation mit dem Institut

für Medizinische Psychologie der Universität

Tübingen unter Leitung von Prof. Dr. N.

Birbaumer und in zusätzlicher Kooperation

mit der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. A.

Kübler an der Universität Würzburg durchgeführt.

In Kooperation mit der Arbeitsgruppe

von Dr. L. van den Berg am Uni-

119


Neuromuskuläres Zentrum Ulm

versitair Medisch Centrum Utrecht ist geplant,

dieses Projekt auch im Hinblick auf

einen interkulturellen Vergleich zwischen

Deutschland und den Niederlanden zu bearbeiten.

Des Weiteren wird in einer Querschnittstudie

die Diskrepanz zwischen

Fremd- und Selbsteinschätzung der Lebensqualität

von ALS-Patienten unter der

Leitung von Prof. Dr. A.C. Ludolph und Dr.

Dorotheé Lulé untersucht.

Zur Erfassung der kortikalen Veränderungen

und Reorganisationsmechansismen

im Verlauf der ALS werden zwei von der

Deutschen Forschungsgemeinschaft

(DFG) geförderte fMRT-Studien durchgeführt,

die sich auf die Verarbeitung von Bewegung

und auf die von Gefühlen beziehen.

Die beiden Studien werden unter der

Leitung von Prof. Dr. A.C. Ludolph und Dr.

Dorotheé Lulé sowie Dipl.-Psych. Johanna

Heimrath und Dipl.-Psych. Dirk Lang

durchgeführt.

Zusammen mit der Arbeitsgruppe für Bildgebung

der Neurologischen Klinik (Leiter:

Prof. J. Kassubek) finden aktuell mehrere

Studienprojekte zur Phänotypisierung von

Motoneuronerkrankungen statt, diese dienen

der Charakterisierung von Patientenkollektiven

mit Primärer Lateralsklerose,

HSP, Spinobulbärer Muskelatrophie Typ

Kennedy und der Flail-Arm-Variante. Hierbei

werden spezielle Protokolle zur Computer-basierten

Analyse von MRT des Gehirns

erhoben, zudem werden – wie in einem

weiteren Projekt bei der ALS –

MRT-Analysen der Body Composition

(Körperfett) durchgeführt.

Die in den Untersuchungen zu den Langund

Kurzzeiteffekten einer PEG-Anlage erhobenen

Befunde und die gesammelten

Erfahrungen wurden auch in diesem Jahr

wieder allen Patienten im Rahmen eines

Patiententreffens mitgeteilt.

120

Genetische Beratung

Die Genetische Beratungsstelle des Instituts

für Humangenetik steht den im Neuromuskulären

Zentrum betreuten Familien

zur Verfügung, soweit dies gewünscht und

benötigt wird. Nach differenzialdiagnostischer

Klärung erfolgt eine fachlich qualifizierte

Genetische Beratung gemäß Gendiagnostikgesetz

(GenDG) vom 31. Juli

2009, §10. In den letzten fünf Jahren waren

es 145 Beratungen (Familien/Ratsuchende)

bei neuromuskulären Erkrankungen.

Muskel- und Nervenbiopsien

Die Muskelproben werden an der Orthopädischen

Universitätsklinik in Absprache

mit der Neurologie und der Division of

Neurophysiology entnommen. Im Zeitraum

Januar–November 2010 wurden insgesamt

99 Muskelbiopsien durchgeführt.

Die In-vitro-Diagnostik der Anlage zu malig -

- ner Hyperthermie (MH) und bei speziellen

Formen von Myotonien und periodischen

Paralysen erfolgt in der Division of Neurophysiology.

Die histologische MH-Diagnostik

findet in der Neuropathologie statt,

die histologische Diagnostik der Myopathien

im Muskellabor der Neurologischen

Universitätsklinik im RKU durch Dr. R.

Gastl, Dr. H.-J. Gdynia, Dr. M. Ponfick, Dr.

A. Rosenbohm, Prof. Dr. H. Tumani und

Frau H. Mogel. Im Muskellabor werden

neben der Routinehistologie (Strukturmyopathien,

entzündliche Myopathien, d.h.

Poly-/Dermatomyositis, Inclusion-Body-

Myositis, mitochondriale Myopathien,

Faserdisproportionen, MAD-Mangel, toxische

Myopathien, Fettstoffwechselstörungen,

neurogene Muskelatrophien) immunhistochemische

Färbungen für alle derzeit

einer Diagnostik zugänglichen Gliedergürteldystrophien,

kongenitalen Myopathien

sowie Dystrophinopathien durchgeführt.

Die immunhistochemischen Methoden

umfassen ferner Lymphozyten- und Ober-


flächenmarker für entzündliche Myopathien.

Darüber hinausgehend werden aktuell

Western-Blot-Verfahren zur Analyse von

Membranproteinen etabliert. Die elektronenmikroskopische

Analyse der Muskulatur

erfolgt in der Neuropathologie (Prof. Dr.

D. Thal).

Gen- und Patientendatenbank

Die DNA- und Patientendatenbank der Division

of Neurophysiology wuchs auch

2010 beständig, wobei die Finanzierung

mit lokalen Mitteln erfolgte. Die Patientendatenbank

umfasst mehr als 9.000 Personen

mit dystrophischen und nicht-dystrophischen

Myotonien, periodischen Paralysen

und Anlage zu maligner Hyperthermie.

In der Genbank sind mehr als 8.000 DNA-

Proben asserviert. Für die Motoneuronerkrankungen/ALS

sind bisher mehr als

2.700 Lymphoblastenkulturen angelegt.

Ansprechpartner sind für die ALS-, Phänotyp-Genbank

Dr. S. Waibel (Tel.: 0731

/1771201); für die Datenbank der Division

of Neurophysiologie Prof. Dr. Dr. h.c. F.

Lehmann-Horn (Tel.: 0731/500-23251) und

PD Dr. K. Jurkat-Rott (Tel.: 0731/500-

23065). Im Rahmen der Motoneuronerkrankungen/ALS-Genbank

wurde die bestehende

Kooperation mit anderen Kliniken

Deutschlands (München, Hannover,

Berlin, Lübeck) weitergeführt und ausgebaut.

Molekulargenetische Diagnostik

Myotonien, periodische Paralysen und

maligne Hyperthermie

In der Division of Neurophysiology wird die

molekulare Diagnostik der nicht-dystro -

phischen Myotonien (CLCN1, SCN4A),

der periodischen Paralysen (SCN4A,

CACN1AS) und der Anlage zu maligner

Hyper thermie (RYR1) durchgeführt. Die

potentiellen Differenzialdiagnosen werden

ebenfalls abgeklärt: episodische Ataxien,

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

hemiplegische Migräne und Neuromyotonien

(KCNA1, CACN1A1, ATP1A2,

KCNQ2/3). Bisher konnte bei 2.259 Patienten

eine krankheitsverursachende Mutation

nachgewiesen werden (je nach Diagnose

bei 20-70 Prozent), bzw. bei 1.294

Familienmitgliedern die in der Familie bekannte

Mutation ausgeschlossen werden.

Weitere Klärung ist bei neuen genetischen

Veränderungen nötig um festzustellen, ob

es sich dabei um krankheitsverursachende

Mutationen oder benigne Polymorphismen

handelt. Dazu werden Familienmitglieder

und ggf. Hunderte von Kontrollen untersucht.

Häufig ist es erforderlich, die Veränderung

in einem Expressionssystem funktionell

zu charakterisieren. Dies kann sehr

schwierig sein, da viele genetische Veränderungen,

die mit einer Aminosäuresubstitution

einhergehen, funktionelle Auswirkungen

haben, die aber nicht unbedingt

krankheits verursachend sein müssen.

Zusätzlich erfolgen an großen Familien mit

neuen neuromuskulären Syndromen Genom-weite

Kopplungsstudien.

Motoneuronerkrankung/Amyotrophe

Lateralsklerose (ALS)

In der Neurologischen Klinik wird in

Kooperation mit dem Institut für Humangenetik

Mutations-Screening für Kupfer/

Zink-SOD-Mutationen (ALS1), TDP-43-

Veränderungen, VABP-Veränderungen

(ALS8) und Untersuchungen des Dynactin-

Gens durchgeführt. Mit den Instituten für

Humangenetik in Aachen, Tübingen und

Ulm besteht eine Kooperation bei der Suche

nach weiteren genetischen Defekten

für ALS, SMA und HSP. Hauptsächlich

werden hier familiäre Varianten und Suszeptibilitätskandidaten

untersucht. Die Kooperation

mit der Humangenetik der Universität

Bochum (Dr. L. Arning) mit der Frage

nach Senataxin-Veränderungen (ALS4)

wird weitergeführt.

121


Neuromuskuläres Zentrum Ulm

Progressive Muskeldystrophien

Duchenne/Becker und myotone

Dystrophien

Die für das Neuromuskuläre Zentrum relevante

DNA-Diagnostik im Institut für Humangenetik

umfasst die molekulargenetische

Diagnostik der Muskeldystrophien

Duchenne und Becker sowie die myotonen

Dystrophien Typ I und Typ II (www.uniulm.de/humangenetik).

Pro Jahr werden

200 bis 250 Patienten mit dieser klinischen

Verdachtsdiagnose molekulargenetisch

untersucht.

Therapiestudien

Klinisch-wissenschaftlicher Schwerpunkt

ist die Durchführung von Therapiestudien

im klinischen Studienzentrum der Neurologie.

In diesem Jahr wurden die Therapiestudien

mit den Wirkstoffen Pioglitazon

(GERP ALS) und Talampanel (ALSTAR) abgeschlossen

sowie die Studie mit dem

Wirkstoff TRO19622 (MitoTarget) weitergeführt.

Sowohl mit Pioglitazon als auch mit

Talampanel konnte kein Effekt auf die

Krankheitsprogression bei ALS-Patienten

nachgewiesen werden. Eine Studie zur

Bestimmung von Nogo-A in Muskelbiopsieproben

bei ALS-Patienten wurde neu

gestartet. Des Weiteren wurden die Einzelprojekte

mit der Frage zur Lebensqualität

in der Terminalphase der ALS, nach spezifischen

serologischen Markern zur Gewichtsregulation

und zur Frage der Objektivierbarkeit

des subkutanen Fettverlustes

durch kernspintomografische Methoden

weitergeführt. Nach wie vor wird in Kooperation

mit der Universität Tübingen die

Studie „Kommunikation durch Selbstkontrolle

der Hirnströme – eine neue Möglichkeit

der Verständigung für gelähmte Patienten“

durchgeführt. Außerdem konnte in

diesem Jahr das ALS-PEG-Register und

das ALS-Register Schwaben gestartet

werden. In das ALS-PEG-Register sollen

in der Neurologischen Klinik in Ulm und in

122

weiteren 14 Kliniken in Deutschland alle

ALS-Patienten aufgenommen werden, die

eine Ernährungssonde (PEG) benötigen.

Ziel ist die prospektive Erhebung sowie

Auswertung von demographischen, krankheitsbezogenen

und ernährungsspezifischen

Daten in Zusammenhang mit der

PEG-Anlage und die Verfolgung des

Krankheitsverlaufs nach PEG-Anlage. Mithilfe

des ALS-Registers Schwaben soll

zum ersten Mal in Deutschland die Inzidenz

der ALS in einem definierten Gebiet

erfasst werden.

Translationsforschung zu Kanalopathien

Untersuchungen zu den periodischen

Paralysen

In der Division of Neurophysiology wurde

herausgefunden, dass Muskelfasern zwei

Zustände einnehmen können, nämlich einen

(Z1), von dem aus sie sich verkürzen

und Kraft entwickeln können, und einen

zweiten (Z2), in dem sie unerregbar und

somit gelähmt sind. Normalerweise befinden

sich alle Muskelfasern im Zustand Z1.

Wenn aber die Kaliumkonzentration im

Blut extrem niedrig ist (


Zellmembranleck verursachen, wie z.B.

Amphotericin B.

Es ist anzunehmen, dass auch andere Zellen

wie Herzmuskelzellen und Nervenzellen

in Abhängigkeit vom Blutkaliumwert

den Zustand Z1 oder Z2 annehmen können.

Daher kann eine diätetische oder medikamentöse

Erhöhung der Kaliumkonzentration

auch bei Krankheiten sinnvoll sein,

bei denen ein „elektrischer Kurzschluss“

der Zellmembran durch Ischämie besteht,

z.B. nach Schlaganfall oder Herzinfarkt.

Bei Postinfarktpatienten hat sich das Konzept

der relativ hohen Serumkaliumkonzentration

schon seit einiger Zeit bewährt,

ohne dass hierfür die Gründe bekannt waren.

Untersuchungen zur malignen

Hyperthermie

In der Division of Neurophysiology wurden

immortalisierte B-Lymphozyten von MH-

Patienten mittels einer empfindlichen

pH-metrischen Methode (Cytosensor) untersucht.

Es wurde die Protonensekretionsrate

in Antwort auf einen Ryanodinrezeptoragonisten

verfolgt. Dabei wurde der

Zusammenhang zwischen zellulärem Kalzium

und dem Energiestoffwechsel der

Lymphozyten ausgenutzt und Änderungen

der Sekretionsrate in den Zellen wurden

mit mutierten Ryanodinrezeptoren erfasst.

Ein Mitarbeiter der Universität Neapel hat

die Methode in Ulm erlernt und dann in

Neapel angewandt.

In einer weiteren Studie wurden Kalziummessungen

unter Voltage-Clamp-Bedin -

gungen an isolierten Muskelfasern einer

transgenen Maus durchgeführt, die eine

der menschlichen MH-Mutationen des

Ryanodinrezeptors exprimiert (Y522S).

Diese Maus wurde von der Gruppe um Susan

Hamilton (Baylor College of Medicine,

Houston, TX) erzeugt und uns zur Verfügung

gestellt. Es konnten charakteristi-

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

sche Änderungen der Spannungsabhängigkeit

von Aktivierung und Inaktivierung

der Kalziumfreisetzung aus dem sarkoplasmatischen

Retikulum nachgewiesen

werden.

Kooperationen mit auswärtigen

Einrichtungen

Kardiale Kernspintomografie

Die bereits seit 2007 bestehende Kooperation

mit der Kardiologischen Abteilung

des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart

wurde hinsichtlich der Evaluation der

kardialen Kernspintomografie bei Patienten

mit Dystrophinopathien erfolgreich

weitergeführt. Nachdem erste Daten, welche

die Vorteile dieser Untersuchungsmethode

gegenüber der konventionellen

Echokardiografie zeigten, bereits publiziert

wurden, werden aktuell sowohl die Verlaufsuntersuchungen

der Patienten durchgeführt

als auch neue Patienten rekrutiert.

Die ersten Daten der Verlaufsuntersuchungen

werden bereits ausgewertet und zur

Publikation vorbereitet. Weiterhin werden

nach wie vor Konduktorinnen für Dystrophinopathien

mittels der kardialen MRT

untersucht.

In einem zweiten Projekt wird im Rahmen

dieser Kooperation der Nutzen der kardialen

Kernspintomografie zur Evaluation einer

kardialen Beteiligung bei Patienten mit

mitochondrialen Myopathien (MELAS,

MERRF, KSS etc.) durchgeführt. Erste Ergebnisse

dieser Arbeiten sind bereits ausgewertet

und zur Publikation eingereicht.

Eine neue Kooperation besteht seit dem

Jahr 2010 mit der Klinik für Innere Medizin

II der Universität Ulm (PD Dr. Bernhardt,

Prof. Dr. Rottbauer). Diese Zusammenarbeit

hat sich zur Aufgabe gesetzt, eine kardiale

Beteiligung bei Patienten mit entzündlichen

Muskelerkrankungen (Poly-

123


Neuromuskuläres Zentrum Ulm

myositis, Dermatomyositis, Inclusion-Body-Myositis)

zu evaluieren.

Natrium-Kernspintomografie der

Muskulatur

In einer Kooperation zwischen dem DKFZ

Heidelberg und der Division of Neurophysiology

gelang es, die intrazelluläre

Natriumkonzentration im Muskelgewebe

in-vivo nicht-invasiv darzustellen. Dazu

wurde die neuartige 23 Natrium-Magnetresonanztomografie

( 23 Na-MRT) implementiert.

Die Methode ist schwierig und erfordert

hohe Ansprüche an den MR-Tomographen

und das Sequenzdesign. Grund

dafür ist die Tatsache, dass das 23 Na-MR-

Signal im Menschen 22.000-fach niedriger

ist als das 1 H-MR-Signal, welches die

Grundlage für das Standard-MRT sind.

Zusätzlich weisen Natriumatome ungünstige

Eigenschaften wie eine extrem kurze

T2-Relaxationszeit im Gewebe auf, so

dass das Signal-zu-Rausch Verhältnis in

der Natriumbildgebung sehr niedrig und

die Messdauer dementsprechend lang ist.

Durch Entwicklung einer dreidimensionalen

23 Na-MR-Sequenz mit ultrakurzer

Echozeit von 0,2 ms wurde es möglich,

binnen zehn Minuten den intrazellulären

Natriumgehalt beider Unterschenkel mit

einer Messung zu erfassen. Damit wurden

Patienten mit muskulären Natrium- und

Kalziumkanalopathien untersucht, da bei

diesen Krankheiten eine reversible Muskellähmung

durch Abkühlung und andere

Trigger in-vivo provozierbar ist. Es zeigte

sich, dass die Lähmung bei verschiedenen

Kanalopathien mit einer pathologisch erhöhten

intrazellulären Natriumakkumulation

einhergeht und dass die Natriumakkumulation

mit bestimmten Medikamenten

verhindert bzw. rückgängig gemacht werden

kann, wodurch auch die Muskelkraft

normalisiert wird.

124

Organisation von Kongressen,

Workshops und Fortbildungsveranstaltungen

Muskelkolloquien 2010, organisiert von

PD Dr. Jurkat-Rott und Dr. Gdynia:

• Prof. Dr. Frank Lehmann-Horn, Physiologie,

Ulm: Ist nach zehn Jahren im

Rollstuhl noch eine Therapie möglich?

• Prof. Dr. Antje Bornemann, Muskelzentrum

Tübingen: Zwölf Monate alter

Junge mit Muskel schwäche und Ptose

• Dr. Hans-Juergen Gdynia, Neurologie,

Ulm: Zentronukleäre (myotubuläre)

Myopathie

• Dr. Hans-Jürgen Gdynia, Neurologie,

Ulm: Histologisch atypische Motoneuronerkrankung?

• Prof. Herbert Schreiber, Neurologie,

Ulm: Augenmuskelparese ohne immunologisches

Profil

• Dr. Matthias Ponfick, Neurologie, Ulm,

und Dr. Kurt Wollinsky, Anästhesiologie,

Ulm: Auch Herz und Diaphragma sind

Muskeln. Falldarstellung einer bislang

unklaren generalisierten Muskelschwäche.

• Dr. Adelheid Struck, Kinderklinik Ulm:

Spinale Muskelatrophie mit atypischen

Befunden

• PD Dr. Michael Orth, Neurologie Ulm:

Außer Atem

• PD Dr. Oliver Neuhaus, Neurologie

Sigmaringen: Ein Chirurg, der seine

Praxiseinrichtung erhöhen musste

Preise und Auszeichnungen für

Mitglieder des NMZ Ulm

• PD Dr. Karin Jurkat-Rott erhielt 2010

den mit 50.000 Euro dotierten Eva

Luise Köhler Forschungspreis für

Seltene Erkrankungen.

• Dr. biol. hum. Zoita Andronache,

ebenfalls von der Division of Neurophysiology,

erhielt den 2nd Felix-Jerusalem

Preis der DGM.


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126


Neuromuskuläres Zentrum Würzburg

Leiter/Sprecher:

Prof. Dr. K. Reiners

Neurologische Klinik des

Universitäts klinikums Würzburg

Die muskelkranken Patienten und ihre Angehörigen

aus dem Einzugs- und Betreuungsgebiet

des Neuromuskulären Zentrums

(NMZ) Würzburg erhielten in den

hier zusammengeführten Aktivitäten der

Neurologischen Klinik, der Kinderklinik

und dem Sozialpädiatrischen Zentrum

„Frühdiagnosezentrum”, der Orthopädischen

Klinik und der Klinik für Anästhesiologie

des Universitätsklinikums Würzburg

und der Abteilung für Medizinische Genetik

des Instituts für Humangenetik der Universität

eine kompetente medizinische

Versorgung. In einem zunehmenden Anteil

sind die Mitarbeiterinnen in den Psychosozialen

und Ergotherapeutischen Beratungsstellen

Würzburg des DGM-Landesverbandes

Bayern e.V. die erste Anlaufstelle

für die Betroffenen und die

Angehörigen. Zur überörtlichen Koordination

fand eine gemeinsame Sitzung der

Mitglieder und Mitarbeiterinnen des Zentrums

mit dem Vorsitzenden des LV, Herrn

Dr. R. Janiak, statt.

In diesem Jahr gab es eine Reihe tiefgreifender

personeller Veränderungen. Prof.

Dr. K. V. Toyka, Direktor der Neurologischen

Klinik und einer der Mitbegründer

der NMZ, und Prof. Dr. T. Grimm, Leiter der

Abteilung für Medizinische Genetik des Instituts

für Humangenetik, wurden zum 30.

September 2010 in den Ruhestand versetzt.

Jedoch wird Prof. Toyka als Seniorprofessor

für drei weitere Jahre dem NMZ

Würzburg weiterhin zur Verfügung stehen;

Prof. Grimm wird als Vertreter seiner bis-

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

herigen Funktion ebenfalls weiterhin im

NMZ mit arbeiten. Durch die Initiative beider

Professoren wurde nicht nur die Organisationsform

der NMZ in Bayern, sondern

besonders auch vor Ort entscheidend geprägt,

so dass die Mitarbeiter des NMZ

Würzburg und des gesamten Landesverbandes

ihnen großen Dank für die innovative

Gestaltung einer effektiven Betreuung

muskelkranker Patienten schulden. Bereits

zu Beginn des Jahres ist Brigitte Wolf aus

den Diensten der DGM ausgeschieden. In

den vielen Jahre ihrer Tätigkeit hat sie weit

über ihre Tätigkeit als Schreibkraft hinaus

vor allem auch ihr organisatorisches Geschick

zum Wohle der Muskelkranken im

NMZ Würzburg eingebracht. Für ihre Mitwirkung

danken wir ihr sehr herzlich.

Gleichzeitig konnten wir Karina Grimm als

Nachfolgerin gewinnen, die diese Funktion

nahtlos und engagiert weiterführt.

Über die beteiligten Kliniken ist das NMZ

Würzburg eingebunden in das Muskulo -

skelettale Centrum Würzburg (MCW); hier

werden zusätzlich zum Beratungsangebot

der DGM spezielle Versorgungs- und Forschungsaspekte

der Auswirkungen von

Muskelkrankheiten auf das Bewegungssystem

bearbeitet. Ein weiterer Schwerpunkt

ist die Information der Öffentlichkeit

über Fragen der Vorsorge vor dem Hintergrund

einer durch die Alterstruktur zunehmenden

Bedeutung der Osteoporose, der

Sarkopenie (Muskelschwund im Alter) und

neuromuskulärer Defizite im Alter (www.

mcw.medizin.uni-wuerzburg.de/). Das

NMZ Würzburg hat sich ferner eingebracht

in die Initiative zur Sturzprävention im Alter,

die durch das Bayerische Staatsministerium

für Umwelt und Gesundheit im Rahmen

des Programms „Gesund.Leben.Bay-

127


Neuromuskuläres Zentrum Würzburg

ern“ gefördert wird (www.sicher-im-tritt.

de).

Psychosoziale und Ergotherapeutische

Beratung für Patienten und Angehörige/Öffentlichkeitsarbeit

Das umfangreiche Angebot der Beratungsstelle

unter der Trägerschaft der DGM – LV

Bayern e.V. – stellt für Patienten und Angehörige

eine wertvolle Ergänzung zum diagnostisch-therapeutischen

Angebot der

Universitätseinrichtung dar. Die Kontakte

mit Patienten und Angehörigen finden in

sehr unterschiedlichen Formen statt:

• Telefonisch, bereits vor einer Diagnosestellung

und begleitend während der Diagnosephase,

die für Betroffene in ihrer

Ungewissheit oft schwer zu ertragen ist.

• Im Rahmen von Befundmitteilungen und

Beratungen am Institut für Humangenetik.

Hier ist beispielsweise Gelegenheit

zu einer ersten Kontaktaufnahme. Die

Bedeutung der Erkrankung für mehrere

Familienmitglieder wird thematisiert;

erste Schritte hin zur Klärung von Fragen

des beruflichen Alltags werden erwogen;

Möglichkeiten zur Vernetzung

mit Gleichbetroffenen können besprochen

und Folgetermine vereinbart werden.

• Im Rahmen von Hausbesuchen: Hausbesuche

haben sich sowohl für die

ergothera peutische als auch für die psychosoziale

Beratung als sehr effektiv

erwiesen. Die Berücksichtigung der äußeren

Rahmenbedingungen ist für die

Hilfsmittelberatung sowie die Wohnraumanpassung

unerlässlich. Allerdings

gibt sie auch für die Planung von Pflege

und die Gestaltung von alltäglichen Abläufen

im Familienalltag wertvolle Hinweise.

Während in der Beratungsstelle

„klinische Bedingungen“ das Gespräch

bestimmen, gibt der familiäre Alltag im

häuslichen Umfeld wichtige Hinweise

auf das Zusammenspiel von Familien-

128

mitgliedern und zeigt Möglichkeiten für

geeignete Hilfeangebote auf.

• In Kliniken des NMZ, oft begleitend zu

medizinischen Maßnahmen, z.B. Legen

einer PEG oder Anpassung einer häuslichen

Beatmung. Hier geht es vor allem

darum, Entscheidungsprozesse zu begleiten,

Betroffene in der Dokumentation

ihrer Entscheidung zu unterstützen (z.B.

Patientenverfügung) und die Anpassung

der häus lichen Lebenssituation vorzubereiten.

Während das medizinische

System dem Patienten viel Aufmerksamkeit

widmet, ist die Psychosoziale

Beratung häufig wichtige Anlaufstelle für

(pflegende) Angehörige.

• In Außensprechstunden (hier v. a. in der

Kiliani-Klinik Bad Windsheim). Der Aufenthalt

in einer Rehaklinik wird von Betroffenen

häufig genutzt, das Lebenskonzept

zu überdenken. Hier kann die

Beratung dabei unterstützen, die rechtlichen

Rahmenbedingungen aufzuzeigen

und eine mittelfristige Perspektive für

die berufliche und private Lebensplanung

zu entwickeln.

• Am Arbeitsplatz: Hier kann z.B. die

ergotherapeutische Beratung Arbeitgebern

und Arbeitnehmern Wege aufzeigen,

den Arbeitsplatz durch geeignete

Hilfsmittel anzupassen und so Betroffenen

eine weitere Erwerbstätigkeit zu ermöglichen.

Schließlich finden Beratungen auch im

Rahmen von Selbsthilfegruppentreffen

statt. Hier ergibt sich vielfach eine Art von

„Gruppenberatung“, in der fachliches Wissen

der hauptamtlichen Berater und das

Erfahrungswissen von Betroffenen zusammenfließen.

Diese Art von Gesprächen betrifft

punktuell die diagnoseübergreifenden

Kontaktgruppen, die im Rahmen der

Selbsthilfe von Betroffenen und Angehörigen

organisiert werden. Regelmäßig führen

Angelika Eiler (Psychosoziale Bera-


tung) und Brigitte Brauner (Ergotherapie)

Gesprächskreise für ALS-Betroffene und/

oder Angehörige durch, in denen Beratung

und Erfahrungsaustausch sich ergänzen.

Auch Fachdienste (Pflegekräfte von ambulanten

Diensten, Hausärzte, Therapeuten,

Lehrkräfte, Mitarbeiter von Behörden) nutzen

die langjährige Erfahrung der Beraterinnen.

Wissenschaftliche Aktivitäten

Die Ziele der Forschungsaktivitäten des

Zentrums sind die Erlangung eines besseren

Verständnisses der Ursachen, eine

zielgerichtete frühzeitige Diagnostik und

die Entwicklung neuer Behandlungsverfahren;

hierbei spielen Krankheitsmodelle

eine zunehmende Rolle.

Arbeitsgruppe Motoneuronerkrankungen

(Prof. Reiners, Prof. Sendtner vom Institut

für Klin. Neurobiologie, Prof. Toyka, PD Dr.

Wessig, Dr. Kraft, Dr. Grimm, Frau Brauner,

Frau Eiler)

Schwerpunkt der Arbeit ist die Beratung

und klinische Versorgung von Patienten

und deren Angehörigen mit systemischen

Motoneuronerkrankungen, insbesondere

der Amyotrophen Lateralsklerose. Neben

der symptomatischen Behandlung steht

die Erörterung medizinischer und soziomedizinischer

Folgen im Mittelpunkt der

klinischen Betreuung. Die Beratung orientiert

sich an Standards, die in Zusammenarbeit

mit ALS-Zentren in Deutschland und

Europa entwickelt wurden. Hilfsmittelberatung,

Anpassung von Kommunikationshilfen,

Schluckdiagnostik und -therapie bei

Dysphagie sind wesentlicher Teil der Arbeit

unserer ergotherapeutischen Abteilung.

Bei Atemstörung informieren wir über

Behandlungsmöglichkeiten bis hin zur Anpassung

maschineller Abhusthilfen und

Heimbeatmungssystemen. Die enge Kooperation

mit dem Institut für klinische

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

Neurobiologie der Universität Würzburg

ermöglicht eine Brückenbildung zwischen

Grundlagenwissenschaft und klinischer

Versorgung. Molekulargenetische Untersuchungen

befassen sich mit der Aufdeckung

von Erkrankungsmodulatoren bei

sporadischer und familiärer ALS. Darüber

hinaus werden insbesondere im Rahmen

des SFB 581 an genetisch veränderten

Mausmodellen der spinalen Muskelatrophie

und der ALS grundlegende Mechanismen

der Motoneuron-Degeneration und

Krankheitsentwicklung untersucht.

Arbeitsgruppe Neuromuskuläre

Erkrankungen

(Prof. Reiners, Prof. Toyka, Prof. Sommer,

Prof. Stoll, PD Dr. Wessig, Dr. Buttmann,

Dr. Ip, Dr. Üçeyler)

Die Mitglieder dieser Arbeitsgruppe nehmen

die laufende ärztliche Betreuung von

muskelkranken Patienten und ihren Familien

im NMZ wahr. Die Zusammenarbeit mit

den kardiologischen Kollegen der Medizinischen

Universitätsklinik I bezüglich einer

Skelettmuskelbeteiligung und zur Differenzierung

des Phänotyps bei Patienten mit

hereditären Kardiomyopathien wurde jetzt

im Rahmen des neu begründeten Interdisziplinären

Forschungs- und Behandlungszentrums

Herzinsuffizienz (IFB) fortgesetzt,

derzeit fokussiert auf Patienten mit Myotoner

Dystrophie Typ 1. Die Evaluation der

Enzymersatztherapie bei erwachsenen

Patienten mit Saure-Maltase-Mangel (Morbus

Pompe) wurde mit der Veröffentlichung

der Ergebnisse abgeschlossen.

Die mitwirkenden Kliniken und Institute

sind überregionale Schwerpunkte für die

neuromuskuläre Diagnostik im nordbaye -

rischen Raum und für spezielle Frage -

stellungen auch darüber hinaus. Die nichtinvasive

Diagnostik mit neurophysiologischen

Úntersuchungen bleibt auch nach

dem Wechsel in der Direktion in der Neurologischen

Klinik ebenso verankert wie

129


Neuromuskuläres Zentrum Würzburg

die Diagnostik mittels Muskel-, Nervenund

Hautbiopsien, die im eigenen neuromorphologischen

Speziallabor, ggf. mit

Elektronenmikroskopie, analysiert und befundet

werden. Neuropathologische Demonstrationen

der Präparate im Kontext

der klinischen und neurophysiologischen

Befunde finden wöchentlich für die betreuenden

Ärzte, Neurologen in der Weiterbildung

wie auch die anderen Mitglieder der

neuromuskulären Arbeitsgruppen statt

und sind auch für externe Interessenten

offen. Im laufenden Jahr wurden erneut

über 80 Muskelbiopsien bearbeitet, über

90 Suralis-Biopsien und über 350 Hautbiopsien

für die Diagnostik der Pathologie

epidermaler Nervenfasern (s. a. AG Morphologie

und Schmerz).

Experimentelle Untersuchungen zur Pathogenese

verschiedener neuromuskulärer

Erkrankungen wurden an Krankheitsmodellen

in Kooperation mit verschiedenen

internen und externen Arbeitsgruppen

durchgeführt. Die Bedeutung der Myotubularin-relatedPhosphatidylinositol-Phosphatasen

(mtmr2 und 13) in der Entwicklung

hereditärer Neuropathien wurden im

Modell neurophysiologisch untersucht. In

Zusammenarbeit mit dem Institut für Neuropathologie

der Universität Zürich konnte

gezeigt werden, dass das Prion-Protein im

Axon für die Myelinerhaltung im peripheren

Nervensystem notwendig ist.

Arbeitsgruppe Experimentelle

Entwicklungsneurobiologie

(Prof. Dr. rer. nat. Martini; Dr. Ip, Dr. Smigelskaite,

Dipl.-Biol. Groh; Dipl.-Biol. Klein;

stud. med. Heinl, stud. med. Meißner)

Die Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit der

Erforschung der Pathomechanismen bei

erblichen peripheren Neuropathien unter

Zuhilfenahme natürlicher und künstlicher

Mausmutanten. Ein besonderer Schwerpunkt

liegt auf modulierenden Mechanismen,

wie der Beteiligung des Immunsys-

130

tems, und auf der Entwicklung von Behandlungsstrategien

im Mausmodell. Hierbei

wird besonders der Einfluss der Immunkomponenten

auf das axonale Überleben

untersucht (SFB 581, GHS und andere

Förderbereiche).

Arbeitsgruppe Neuroregeneration

und Neuroimaging, interdisziplinäre

Einrichtung der Neurologischen Klinik

(Prof. Stoll, Dr. Weise, PD Dr. Kleinschnitz,

PD Dr. Wessig, Prof. Reiners) und Abteilung

für Physik V (Prof. Jakob, Dipl-Phys.

Basse-Luesebrink)

Die Arbeitsgruppe entwickelt neue Bild -

gebungstechniken zur Darstellung und

Verlaufskontrolle von mechanischen und

entzündlichen Nervenaffektionen. Der

Schwerpunkt liegt derzeit auf der Entwicklung

artefaktfreier MR-Methoden zum Inflammationsimaging

mittels 1 H/ 19 F-Spektroskopie.

Im klinischen Bereich konnten

mittels des gezielten Einsatzes der Magnetresonanztomografie

(MRT) zur Darstellung

von Muskelpartien und Nervenabschnitten

zahlreiche zuvor diagnostisch

unklare Fälle mit fokalen neuromuskulären

Krankheitsbildern geklärt und behandelt

werden. Die MRT entwickelt sich damit zunehmend

zu einem wichtigen zusätzlichen

Instrument in der differenzialdiagnostischen

Abklärung von neuromuskulären Erkrankungen.

Arbeitsgruppe Morphologie und

Schmerz

(Prof. Sommer, Dr. Doppler, Dr. Geis, Dr.

Hansen, PD Dr. Üçeyler)

Im Jahr 2010 wurden mehrere Leitlinien

neu herausgebracht bzw. aktualisiert. Mit

einer internationalen Expertengruppe wurde

im Auftrag der Peripheral Nerve Society

eine Leitlinie zur Bearbeitung und Auswertung

von Nervenbiopsien erstellt. Dies

ist die erste internationale, evidenzbasierte

Leitlinie zu diesem Thema, und ihre


Beachtung sollte deutlich zur Qualitätsverbesserung

dieses invasiven diagnostischen

Schritts bei Patienten mit Polyneuropathien

beitragen. Dem gleichen Ziel

diente eine Studie zum diagnostischen

Nutzen von Hautbiopsien zum Nachweis

einer Vaskulitis. Des Weiteren wurden internationale

Leitlinien zur Diagnostik und

Behandlung der CIDP, von paraproteinämischen

Neuropathien und der MMN aktualisiert,

ebenso die Leitlinien zur Diagnostik

bei neuropathischen Schmerzen.

Der aktuelle Kenntnisstand zur CIDP wurde

in einer Übersichtsarbeit zusammengefasst.

Eine Serie von Patienten mit schwerer

immunbedingter Polyneuropathie, die

erfolgreich mit autologer Stammzelltransplantation

behandelt wurde, konnte in Kooperation

mit unseren Internisten publiziert

werden. Mitglieder der Arbeitsgruppe waren

zudem federführend an systema -

tischen Reviews und Metaanalysen zu

Ursachen und zur Behandlung des Fibromyalgie-Syndroms

beteiligt. Ferner wurden

die systematischen Untersuchungen

zur Beteiligung des peripheren Nervensystems

bei Patienten mit M. Fabry fortgeführt.

Im Rahmen des langjährigen Forschungsprojekts

zur Rolle von Zytokinen bei

neuropathischen Schmerzen wurde in Kooperation

mit der Uniklinik Mainz die Frei -

setzung bzw. Expression des Zytokins

Tumor-Nekrose-Faktor(TNF)-alpha bei

Gesunden und bei Patienten mit komplexem

regionalen Schmerzsyndrom (CRPS)

untersucht. Zur Frage nach der Schmerzentstehung

bei den Small-Fiber-Neu -

ropathien konnten zwei Subgruppen mit

unterschiedlicher Läsionsverteilung und

unterschiedlichen Zytokinprofilen identifiziert

werden. In der experimentellen

Schmerzforschung konnten wir an mehreren

neuen Modellen die Bedeutung von

proinflammatorischen Zytokinen für die

Schmerzmodulation zeigen.

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

Arbeitsgruppe Institut für Klinische

Neurobiologie

(Prof. Sendtner, PD Dr. Jablonka, PD Dr.

Blum, Dr. Drepper, PD Dr. Wessig von der

Neurol. Klinik)

Schwerpunkt der Arbeit des Instituts ist

die Etablierung und Analyse von Zellkulturund

Mausmodellen für Amyotrophe Lateralsklerose

und spinale Muskelatrophie.

Neben den Arbeiten zur Signaltransduktion

neurotropher Faktoren für die Aufrechterhaltung

von neuromuskulären Endplatten

widmet sich die Arbeitsgruppe den

Mechanismen für die axonale Translokation

von mRNAs und konnte zeigen, dass

Störungen dieser Mechanismen bei der

spinalen Muskelatrophie des Kindesalters

eine wesentliche Rolle spielen. Medikamente,

die zwischenzeitlich für die Therapie

der spinalen Muskelatrophie getestet

wurden, wie Valproinsäure, wurden in Zellkultur

und Mausmodellen getestet. Die positiven

Effekte auf die Hochregulation der

Expression des SMN-Gens konnten bestätigt

werden, gleichzeitig wurde jedoch

ein negativer Effekt auf präsynaptische

spannungsabhängige Kalziumkanäle gezeigt,

der den therapeutischen Effekt negativ

beeinflusst.

In Zusammenarbeit mit der Neurologischen

Klinik wurde eine DNA-Sammlung

von Patienten mit Amyotropher Lateral -

sklerose erweitert. Gemeinsam mit einem

internationalen Netzwerk, das von B. Traynor

am NIH/USA geführt wurde, konnten

bei 5.000 Patienten mit ALS weitere Gen-

Loci identifiziert werden, die mit einer Prädisposition

für ALS assoziiert sind. Parallel

dazu wurden in Zusammenarbeit mit PD

Dr. Wessig, Neurologische Klinik, bei

Patienten mit ALS neue Mutationen im C-

Terminus des FUS-Proteins identifiziert.

Laufende Arbeiten sollen die Pathomechanismen

aufklären, die von solchen Mutationen

zu Defekten in der Funktion und

131


Neuromuskuläres Zentrum Würzburg

Aufrechterhaltung von Motoneuronen führen.

Arbeiten des Instituts werden durch die

Schilling-Stiftung und die Deutsche Forschungsgemeinschaft

über die SFBs 487

und 581 gefördert.

Humangenetik/Medizinische Genetik

Zum Zentrum Medizinische Genetik Würzburg

gehören das Institut für Humangenetik

(Vorstand und Lehrstuhl Prof. Dr. Haaf),

die Abt. für Medizinische Genetik (Prof. Dr.

Grimm) und die Praxis für Humangenetik

(PD Dr. Kunstmann). Zusammen mit der

Praxis für Humangenetik werden humangenetische

Beratung und Diagnostik angeboten.

Ein Forschungsschwerpunkt ist

die Erforschung der molekulargenetischen

Grundlagen und der populationsgenetischen

Aspekte neuromuskulärer Erkrankungen

(Arbeitsgruppe Molekulare Humangenetik,

Prof. Müller-Reible) und Abt.

für Medizinische Genetik (Prof. Grimm, Dr.

Kreß).

Von praktischer Bedeutung für die molekulargenetische

Diagnostik von Muskelkrankheiten

ist das neue Gendiagnostikgesetz

(GenDG), das seit 01.Februar 2010

in Kraft getreten ist. Es fordert für alle

genetischen Analysen eine ausführliche

Aufklärung und eine schriftliche Einwilligung

der Patienten sowie vor vorgeburt -

lichen und prädiktiven Analysen zusätzlich

eine genetische Beratung. Vorlagen für die

Dokumentation der Aufklärung und für die

Patienteneinwilligung sowie ein Auftragsformular

findet man auf der Homepage

des Institutes für Humangenetik

(www.humgen.biozentrum.uni-wuerzburg.

de/diagnostik/formulare/).

Im Rahmen dieser Patientenversorgung

wird die molekulargenetische Diagnostik

auf Gen- oder Proteinebene u. a. bei folgenden

neuromuskulären Erkrankungen

durchgeführt:

132

• Duchenne/Becker-Muskeldystrophie

(Deletionen/Duplikationen und Punkt -

mutationen)

• Emery-Dreifuss-Muskeldystrophie

(aut. dom.)

• Emery-Dreifuss-Muskeldystrophie

(X-chr.)

• Fazio-skapulo-humerale Muskeldystr.

(FSHD)

• Myoadenylatdesaminase-Mangel

(MADA)

• Okulo-pharyngeale Muskeldystrophie

(OPMD)

• Rigid Spine Muskeldystrophie (SEPN1)

• Spinale Muskelatrophien (Typ I, II und III)

• Spino-bulbäre Muskelatrophie

(Typ Kennedy)

Myotubuläre Myopathien

• MTM1 (X-chromosomal)

• DNM2 (autosomal-dominant)

• BIN1 (autosomal-rezessiv)

Myofibrilläre Myopathien

• Desmin

• ZASP (Hot spots)

• Myotilin (Hot spot)

• a-B-Crystallin

• Filamin C (Hot spot oder gesamt)

• FHL1

• BAG3

Strukturmyopathien – Maligne Hyperthermie

• Central-Core-Erkrankung (RYR1, Hot

spot oder gesamt)

• Multi-Mini-Core-Erkrankung

(SEPN1/RYR1)

• Nemaline Myopathie (ACTA1)

• Maligne Hyperthermie (RYR1, Hot spot

oder gesamt

Gliedergürtel-Muskeldystrophien

• Typ LGMD 1B (Lamin A/C)

• Typ LGMD 1C (Caveolin3)

• Typ LGMD 2A (Calpain 3)


• Typ LGMD 2B (Dysferlin)

• Typ LGMD 2D (Adhalin, Hot spot)

• Typ LGMD 2G (Telethonin)

• Typ LGMD 2i (FKRP)

• Typ LGMD 2J (tibiale MD, Titin)

• Typ LGMD 2L (ANO5)

Myotone Dystrophien

• DM1 (Curschmann-Steinert)

• DM2 (Proximale myotone Myopathie)

Universitäts-Kinderklinik/Sozialpädiatrisches

Zentrum „Frühdiagnosezentrum“

In der Arbeitsgruppe von Prof. Straßburg

werden in der Universitäts-Kinderklinik und

im Sozialpädiatrischen Zentrum „Frühdiagnosezentrum“

Patienten mit neuromuskulären

Erkrankungen in enger Zusammenarbeit

mit den anderen Institutionen des

Muskelzentrums untersucht und behandelt.

Schwerpunkte der wissenschaftlichen

Arbeit sind u.a. Untersuchungen zur Pro -

gnose von ehemaligen Frühgeborenen bis

ins Erwachsenenalter, polygrafische Registrierungen

im Schlaflabor, Nachuntersuchungen

bei Patienten mit spinalen Fehlbildungen

und Analysen zur Optimierung der

Botulinumtoxin-Therapie bei Spastik.

Orthopädische Klinik

In der Arbeitsgruppe von Prof. Raab, Orthopädische

Universitätsklinik, König-Ludwig-Haus,

werden Patienten mit Skelettund

Gelenkveränderungen infolge neuromuskulärer

Erkrankungen in der Klinik und

den betreuten Behinderteneinrichtungen

untersucht und behandelt. Einen Schwerpunkt

stellt die Versorgung von Patienten

mit neuromuskulären Skoliosen, Deformitäten

von Hüft- und Kniegelenk und Fußfehlstellungen

dar. Es erfolgt eine wissenschaftliche

Auswertung vor allem hinsichtlich

der postoperativen Schmerztherapie,

der postoperativen Funktionsverbesserung

und der Verbesserung der Lebens-

Jahresberichte der Neuromuskulären Zentren

qualität. Die Ärzte der Orthopädische Klinik

sind ferner führend im Muskuloskelettalen

Centrum Würzburg (MCW) engagiert

und tragen wesentlich zu den Forschungsaktivitäten

in diesem Rahmen bei.

Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie

Die Maligne-Hyperthermie-Ambulanz (Leiter:

PD Dr. F. Schuster) betreut als Beratungs-

und Diagnosezentrum weit über

1000 Patienten, vorwiegend aus dem südund

mitteldeutschen Raum. Ein breites

Spektrum der myopathologischen Diagnostik

wird in Zusammenarbeit mit der

Neurologischen Universitätsklinik, der Universitätskinderklinik

und dem Institut für

Humangenetik der Universität Würzburg

angeboten. Im Rahmen der Malignen-Hyperthermie-Diagnostik

kommen der In-vitro-Kontrakturtest,

die histologische Untersuchung

und die Mutationsanalyse entsprechend

der diagnostischen Richtlinien

der „Europäischen-MH-Gruppe“ zum Einsatz.

Darüber hinaus wird eine individuelle

Beratung angeboten für betroffene Patienten,

Familien mit MH-Veranlagung, behandelnde

Ärzte, vor allem Anästhesisten, Allgemeinmediziner

und Neurologen.

Die wissenschaftlichen Aktivitäten im Jahr

2010 lagen zum einen in der Untersuchung

von 5-HT3-Antagonisten im In-vitro-

Kontraktur-Test, zum anderen in