Jahresbericht 2014

deutscheskulturforum

Überblick über die Aktivitäten des Deutschen Kulturforums östliches Europa, Potsdam, im Kalenderjahr 2014

BLICK

WECHSEL

Journal für deutsche

Kultur und Geschichte

im östlichen Europa

Ausgabe 2 | 2014 | Schutzgebühr 2,50 €

Zeitenwende 1914

Das östliche Europa zwischen Fin de siècle und Weltenbrand

Orte

Menschen Werke

Das Schachbrett Europas: Niederlagen und Siege Auf der Suche nach sich

Was vor dem Ersten Weltkrieg

in den böhmischen Wagner den Ersten Welt-

Von der schönen Mühsal

im Banat: Wie Richard selbst in fremden Texten:

Bädern gespielt wurde krieg gewann

des Übersetzens

Szene

Beharren im Wandel:

Museen in Deutschland

und Polen widmen sich

dem Adel in Schlesien

JAHRES-

BERICHT

2014


Zeitenwende 1914......................................................................................................................................................3

Unser Jahresthema 2014: Das östliche Europa zwischen Aufbruch und Abgrund

Georg Dehio-Buchpreis 2014.............................................................................................................................. 6

Östliche Kulturhauptstädte Europas............................................................................................................ 8

Ein Stadtschreiberstipendium, Pressereisen, Veranstaltungen und

ein Filmprojekt präsentierten vier lebendige Metropolen

Abenteuerlich und verbindend.......................................................................................................................10

Mit Bus, Treckern und Skizzenblock unterwegs im Posener Urwald

Geschichte und Geschichten............................................................................................................................. 12

Die Literaturtage an der Neiße: Ein grenzüberschreitendes Pilotprojekt

Verlag ohne Grenzen............................................................................................................................................. 14

Printpublikationen in Eigenregie und in den Partnerländern

Theophil Richter: Eine musikalische Rehabilitierung........................................................................16

CD-Produktion und Konzert mit dem Odessa String Quartet

Landpartie zur Gräfin von Reden..................................................................................................................18

Ein multimediales Begleitprogramm zum Ausstellungsprojekt »Adel in Schlesien«

»Rom ist eben der Höhepunkt«.................................................................................................................... 20

Der Johannes-Urzidil-Themenabend im Forum Austriaco di Cultura Roma

Programm und Verlag 2014...............................................................................................................................22


Zeitenwende 1914

Unser Jahresthema 2014: Das östliche Europa zwischen Aufbruch und Abgrund

Es gibt Gedenkjahre, denen man sich

als Einrichtung für breitenwirksame Kulturvermittlung

nicht entziehen kann,

auch wenn es noch so viele alternative

Angebote zum Gedenkthema gibt. So

ein Jahr war 2014, und solche Jahre

werden auch 2015 oder 2017 und 2018

sein. 2014 waren die Gedenkanlässe der

Beginn des Ersten Weltkriegs vor 100

Jahren, der Beginn des Zweiten Weltkriegs

vor 75 Jahren, der Fall des Eisernen

Vorhangs und der Berliner Mauer

vor 25 Jahren und die EU-Osterweiterung

vor 10 Jahren.

Rückblickend hatte es natürlich seine

Berechtigung, dass sich das Deutsche

Kulturforum östliches Europa im abgelaufenen

Jahr mit der »Zeitenwende

1914« auseinandergesetzt hat. So

konnte der auch diesmal ausgeprägten

Tendenz, den Blick kaum jemals Richtung

Osten zu wenden, etwas entgegengewirkt

werden. Dabei nahm der

»Weltenbrand« 1914 im Südosten seinen

Ausgang, und lediglich im Nordosten

erreichte das Kriegsgeschehen

schon gleich zu Beginn in Ostpreußen

in erschreckender Weise auch deutsches

Staatsgebiet. Eingerahmt von

zwei Lesungen – im Februar mit Pommern

(Jan Koneffke) beginnend und im

Dezember mit dem Banat (Franz Heinz)

abschließend – waren wir im Rahmen

unseres Jahresthemas bestrebt, »das

östliche Europa zwischen Aufbruch und

Abgrund« im Umfeld des Jahres 1914 vor

allem kulturell auszuleuchten. Mit dem

Wartesaal Europa begaben wir uns im

März in Berlin auf Theaterneuland: Eine

von jungen Schauspielern dargebotene

Collage zeitgenössischer Texte ließ die

Kriegsthematik sehr gegenwärtig werden.

Das erfolgreiche Stück wurde, teilweise

weiterentwickelt, anschließend

noch mehrmals in Lüneburg (Juni), Berlin

(Oktober) und Dresden (November)

wiederholt.

Ein hervorragend besetztes und

moderiertes Podium diskutierte im Mai

im Österreichischen Kulturforum Berlin

die politische, kulturelle und wirtschaftliche

Lage des östlichen Mitteleuropa

am Vorabend des Weltkrieges

– eine so verheißungsvolle wie zugleich

widersprüchliche und spannungsgeladene

Situation. Der Blick richtete

sich mit Vorträgen auch auf die Metropolen

St. Petersburg (März) und Prag

Das Titelblatt des Jahresthemenprogramms für

das 1. Halbjahr 2014 zeigt ein Motiv aus Stettin/

Szczecin, erschienen zwischen 1913 und 1918.

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(April) sowie mit einem Themenabend auf Sarajewo (Mai),

wo das Geschehen am 28. Juni 1914 seinen Ausgang nahm.

Mit dem Kriegsschauplatz Ostpreußen (Mai) und der wilhelminischen

Architektur Stettins (November) wurde die Situationserkundung

1914 abgerundet. Mit der DEFA-Produktion

von 1977 Abschied vom Frieden (November), die den Niedergang

der Habsburgermonarchie am Beispiel einer Familie

spiegelt, konnte auch das Medium Film mit einbezogen werden.

Schließlich sei noch auf zwei Ausstellungen verwiesen:

Aus der Werkstatt des Krieges gibt auf ansprechenden Schautafeln

Einblicke in die Bestände des Instituts für deutsche Kultur

Čaršija in Sarajewo von Ludwig Hesshaimer, 1910. Aus ders.: Miniaturen aus

der Monarchie. Ein k. u. k. Offizier erzählt mit dem Zeichenstift, Wien 1992, S. 55

und Geschichte Südosteuropas (IKGS) zur Thematik des Ersten

Weltkriegs (September bis Dezember), während die Ausstellung

des Adalbert-Stifter Vereins »Musen an die Front!«

im Rahmen unserer Beteiligung an den Tschechisch-Deutschen

Kulturtagen in Dresden gezeigt werden konnte (Oktober

bis Dezember). Mit diesen Veranstaltungen konnten wir

vielfach dazu anregen, beim Gedenken an die Jahre 1914 bis

1918 einerseits die kulturellen Aspekte am Vorabend des Krieges

und in der Folge den Kultur(gut)verlust, andererseits die

besondere Bedeutung für das östliche Europa nicht aus den

Augen zu verlieren.

Train d. I. Armeekorps vor der Kirche in Miechov [Miechów]. Farbstiftzeichnung

von Ludwig Hesshaimer, 1915, ebd., S. 124

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Plakat der Berliner Aufführungen von Wartesaal Europa im Oktober 2014,

v. l. n. r: Saskia Breier, Gero Bergmann, Christian Knöll und Magdalena

Thalmann. Foto: © Jürgen Scheer

Über eine ganze Reihe weiterer Schwerpunkte des Kulturforums

im Jahr 2014 – das Jahresthema machte wie üblich rund

ein Zehntel des Angebots aus – informiert das vorliegende

Heft. Einige Aspekte, die sich nur bedingt darstellen lassen,

die die Arbeit das Jahr über aber dennoch prägten, sollen hier

erwähnt werden. So etwa unser Bestreben, Formate und Angebote

zu entwickeln, mit denen wir jüngere Zielgruppen erreichen:

Dazu gehören Kooperationen mit Schulen, Workshops

und Exkursionen mit Studierenden, neue Medienkonzepte –

oft mit größerem Aufwand verbunden als klassische Veranstaltungen,

aber angesichts des zunehmenden Erfolgs doch

lohnend. Kaum sichtbar ist weiterhin der erhebliche Aufwand,

mit dem einerseits die vorhandenen Wanderausstellungen

tatsächlich auf

Tour gehalten

werden oder

andererseits neue

Wanderausstellungen

entstehen – derzeit

wird an sechs Konzepten

gearbeitet, deren Planungen

bis 2018 reichen. Und schließlich der

Bereich Verlag: Die Bücher im Verlag des Kulturforums werden

angesichts ihrer Ausstattung – etwa mit Abbildungen, Karten

und Tabellen, Erklärungen und Glossaren – oft gelobt, sind

in der Vorbereitung aber außerordentlich aufwendig. Auch

diese Tätigkeiten beanspruchen einen erheblichen Teil unserer

Arbeitszeit, auch wenn dies in einem Jahresrückblick nicht

abgebildet werden kann.

Es ist uns ein Bedürfnis, der Beauftragten der Bundesregierung

für Kultur und Medien nicht nur für die Förderung, sondern

auch für die gute Kooperation und den stets konstruktiven

Austausch herzlich zu danken. Das gilt natürlich auch

für unsere zahlreichen Kooperationspartner – der Gesamtbericht

für 2014 weist rund 120 im In- und Ausland aus. Ohne

diese Unterstützung hätte unser Jahresprogramm nicht realisiert

werden können.

Harald Roth

Titelgrafik der Ausstellung »Musen an die Front!« unter Verwendung einer

von der Ukrainischen Legion herausgegebenen Postkarte

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Georg Dehio-Buchpreis 2014

Dehio-Buchpreis ist aufgeteilt in einen

Hauptpreis und einen Ehrenpreis. Der

Hauptpreis würdigt ein publizistisches

bzw. literarisches Gesamt- und Lebenswerk.

Mit dem Ehrenpreis werden Verfasser

einer herausragenden Publikation

ausgezeichnet.

aus Polen und der Tschechoslowakei.

1991 bis 1995 weilte sie nochmals als

ORF-Korrespondentin in Prag. Sie lebt

heute in Wien und schreibt als freie Journalistin

für tschechische und deutschsprachige

Medien. Ihr Erinnerungsbuch

Zuhause ist überall, das 2013 erschien,

Der Schriftsteller Martin Pollack hielt die Laudatio

auf Barbara Coudenhove-Kalergi.

Das Kulturforum vergibt seit 2003 jeden

Herbst in jährlichem Wechsel den von

der Beauftragten der Bundesregierung

für Kultur und Medien ausgelobten

Georg Dehio-Kulturpreis sowie den

Georg Dehio-Buchpreis. Der Georg

Dehio-Buchpreis wird Autoren verliehen,

die Themen der gemeinsamen Kultur

und Geschichte der Deutschen und

ihrer östlichen Nachbarn in ihrem literarischen,

wissenschaftlichen oder publizistischen

Werk aufgreifen, auf hohem

Niveau reflektieren und breiten Kreisen

anschaulich vermitteln. Der Georg

Die sechsköpfige Jury tagte am 9. Mai

2014 unter dem Vorsitz von Manfred

Sapper (Chefredakteur der Zeitschrift

Osteuropa) und sprach den Hauptpreis

der Journalistin Barbara Coudenhove-

Kalergi zu.

Barbara Coudenhove-Kalergi wurde

1932 in Prag geboren. Ihr Vater war der

Jurist und Japanologe Gerold Coudenhove-Kalergi.

Die Verwandtschaft

mütterlicherseits ist die ungarische

Adelsfamilie Pálffy. Barabara Coudenhove-Kalergi

verbrachte ihre Kindheit

bis zur Vertreibung 1945 in Prag. Zum

Studium ging sie nach Wien und arbeitete

danach bei verschiedenen Tageszeitungen

sowie beim Nachrichtenmagazin

profil. Seit den 1970er Jahren war

sie als Mitglied der Osteuroparedaktion

des ORF für Rundfunk und Fernsehen

tätig und berichtete vor allem

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wurde zu einem im ganzen deutschen Sprachraum wahrgenommenen

Erfolg.

Mit dem Ehrenpreis wurde der Historiker Raymond M. Douglas

für sein Buch Ordnungsgemäße Überführung. Die Vertreibung

der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg ausgezeichnet.

Raymond M. Douglas wurde 1963 in Dublin geboren und

studierte zunächst an der University of Dublin Geschichte.

Nach einem Aufbaustudium in den USA wurde er an der

renommierten Brown University (Providence, Rhode Island)

promoviert. Seit 1996 ist er Professor für Moderne europäische

Geschichte an der Colgate University in Hamilton, NY.

Im Jahr 2012 wurde er in die vom Princeton Review geführte

Liste der 300 besten Professoren Nordamerikas aufgenommen.

Die englischsprachige Ausgabe seines Buches Orderly

and Humane. The Expulsion oft the Germans after the Second

World War, erschienen bei Yale University Press im Jahr 2012,

erhielt in den USA und Kanada mehrere Preisen.

Die Preisverleihung geschah in festlichem Rahmen am

16. Oktober 2014 im gut besuchten Atrium der Deutschen

Bank in Berlin. Die Laudatio auf die Hauptpreisträgerin Barbara

Coudenhove-Kalergi hielt der Schriftsteller und Übersetzer

Martin Pollack, der Historiker und Buchautor Andreas

Kossert hielt die Preisrede auf Raymond M. Douglas. Die Urkunden

überreichte der Stellvertreter der Kulturstaatsministerin,

Staatssekretär a. D. Dr. Günter Winands. Musikalisch umrahmt

wurde die Veranstaltung durch jazz-inspirierte Klavierstücke

des Prager deutschen Komponisten Erwin Schulhoff (1894–

1942), stilsicher gespielt von der Berliner Pianistin Klara Hornig.

Günter Winands, Harald Roth, Barbara Coudenhove-Kalergi, Raymond M.

Douglas und Winfried Smaczny. Alle Fotos: Anke Illing, Berlin

Zusätzlich zur festlichen Preisverleihung hatte das interessierte

Publikum Gelegenheit, die Georg-Dehio-Preisträgerin

Barbara Coudenhove-Kalergi in einer besonderen literarischen

Abendveranstaltung zu erleben. Im Veranstaltungssaal

des Österreichischen Kulturforums Berlin befragte die Prager

Journalistin Bára Procházková Frau Coudenhove-Kalergi über

ihr bewegtes Leben als Journalistin. Dazwischen las Barabara

Coudenhove aus ihrem preisgekrönten Buch Zuhause

ist überall. Anschließend stellte sie sich den Fragen des zahlreich

erschienenen Publikums.

Klaus Harer

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Östliche Kulturhauptstädte Europas

Ein Stadtschreiberstipendium, Pressereisen, Veranstaltungen und

ein Filmprojekt präsentierten vier lebendige Metropolen

Tallinn/Reval, Kaschau/Košice, Riga und Pilsen/Plzeň – vier Kulturhauptstädte

Europas verschiedener Jahre waren 2014 Mittelpunkt

von Projekten des Kulturforums.

Als Stadtschreiber von Riga wurde der Schauspieler, Reisejournalist

und Lettland-Experte Jochen Könnecke ausgewählt.

Von Juni bis Oktober vermittelte er seine Eindrücke in einem

Blog und arbeitete an einem Projekt mit Porträts von Bewohnern,

die für typische Gruppen und Lebensläufe stehen. Das

von Letten, Deutschen, Juden und Russen geprägte Riga gestern

und heute zeigten Themenabende in Berlin, Lüneburg

und Bremen. Helēna Demakova, ehemalige Kulturministerin

Jedes Jahr verlegt das Kulturforum einen Fotokalender mit Informationen

zur Geschichte und Gegenwart der östlichen Kulturhauptstädte Europas.

von Lettland, und der Programmverantwortliche der Kulturhauptstadtorganisation

Gints Grūbe stellten in einem Podiumsgespräch

die Stadtgeschichte anhand ausgewählter

Gebäude und Plätze vor. Bei dem gemeinsam mit dem Ostpreußischen

Landesmuseum und dem Institut für Kultur und

Geschichte der Deutschen in Nordosteuropa in Lüneburg veranstalteten

Abend wurde dieses Thema durch den renommierten

Hamburger Architekten Meinhard von Gerkan bereichert,

der die von ihm in Riga errichteten Bauten präsentierte.

Auch Kaschau, die Kulturhauptstadt des Vorjahres, war

im Frühling noch Gegenstand zweier von der Ackermann-

Gemeinde Hessen und der Karpatendeutschen Landsmannschaft

mitorganisierter Veranstaltungen mit Vortragspräsentationen

und Gesprächen. Das Stadtschreiberstipendium 2013

hatte die Entstehung eines Films über die ostslowakische Metropole

gefördert: Rückkehr in die windige Stadt von Kristina

Forbat erlebte seine Länderpremieren mit der Deutschen Botschaft

in Pressburg/Bratislava und in der Slowakischen Botschaft

Berlin. In Freiburg, Leipzig, Karlsruhe, Stuttgart, Hamburg

und Wien war das Werk Teil und Gesprächsstoff von Veranstaltungen

in Kultureinrichtungen, Kinos und Universitäten.

Die nachhaltige Wirkung des Stadtschreiberstipendiums

zeigte sich auch in der Berliner Präsentation der Ausstellung

In Tallinn leben. Geschichten von Menschen und Häusern von

Sarah Jana Portner, Stadtschreiberin der Kulturhauptstadt

2011. Sie wurde in dem kleinen estnischen Café Jää-äär in der

Nähe des Mauerparks gezeigt.

In die Zukunft wiesen mehrere Veranstaltungen für Multiplikatoren:

Pilsen, die westböhmische Kulturhauptstadt 2015,

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warf ihre nuancenreichen Schatten voraus. Mit einem großen

Vernetzungstreffen brachte das Kulturforum deutsch-tschechische

Akteure wie die Brücke/Most-Stiftung, die Westböhmische

Universität, das Prager Goethe-Institut, das Centrum

Bavaria Bohemia oder die Kulturhauptstadtorganisation vor

Ort zu einem Austausch über geplante Projekte und mögliche

Kooperationen zusammen. Wegen der großen Nachfrage

veranstaltete das Kulturforum mit Partnern wie dem Kulturreferenten

für die böhmischen Länder im Adalbert-Stifter-

Verein und dem Tourismusbüro der Stadt Pilsen gleich zwei

Journalistenreisen. Teilnehmer veröffentlichten im Anschluss

Journalistenreise in Pilsen: Lina Kokaly interviewt den künstlerischen Leiter

der Kulturhauptstadtorganisation Petr Forman für Funkhaus Europa.

Stadtschreiberin Kristina Forbat bei den Filmaufnahmen mit Helmut Bistika,

karpatendeutscher Künstler aus dem slowakischen Metzenseifen/Medzev

Beiträge in Radiosendern – darunter Deutschlandradio, Rundfunk

Berlin Brandenburg, Bayerischer Rundfunk und Westdeutscher

Rundfunk – sowie in Zeitungen wie Die Welt, sueddeutsche.de

oder Der Freitag. Mit einem Podiumsgespräch

informierte das Kulturforum auch das Publikum der Frankfurter

Buchmesse über die kommende Kulturhauptstadt, die

nicht nur für das berühmte Bier, sondern auch für das erste

gedruckte tschechische Buch und die zweitgrößte Synagoge

Europas steht.

Tanja Krombach

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Abenteuerlich und verbindend

Mit Bus, Treckern und Skizzenblock unterwegs im Posener Urwald

Die Exkursion mit Studierenden der Bauhaus-Universität Weimar,

die bei Professor Andreas Kästner einen Kurs im Zeichnen

belegt hatten und nun den Posener Urwald auf Papier

bannen wollten, begann nordwestlich des zu erforschenden

Gebietes. Hier, in Peisern/Pyzdry, trafen wir uns mit Wika

und Przemyslaw Kowalski. Die beiden Vorsitzenden des Vereins

Echo Pyzdry markierten in der Karte die Straßen, die auch

mit unserem schlachtschiffähnlichen Bus befahrbar sein sollten.

Danach fuhren wir zu unserer Agroturystyka-Unterkunft

in Nadleśnictwo Grodziec.

Abendessen und Frühstück fielen reichlich und schmackhaft

aus. Doch es lag nicht an all diesen Mahlzeiten im Magen,

dass wir am nächsten Morgen auf einer Straße, die vom

Ein Raseneisenerzhaus in einem winzigen Dorf …

geteerten abrupt in einen sandigen, vom Regen leicht aufgeweichten

Zustand überging, nach einigen Kilometern steckenblieben.

Denn markiert hatte uns Przemysław Kowalski

eine andere Strecke. Hinzu kam, dass lediglich mein Handy

Funkverbindung hatte, und dies auch nur ab und zu. Diese

seltenen Momente nutzte ich dazu, mich schuldbewusst an

unsere Kontaktpersonen zu wenden. Pan Kowalski war natürlich

überaus überrascht, dass wir nicht seinen Weg genommen

hatten: Er habe ihn doch eingezeichnet, die Tonnenangaben

würden nichts besagen. Wir kamen uns ziemlich unbedarft

vor, mussten aber darauf vertrauen, dass er Hilfe organisieren

würde. Nach einiger Zeit kamen zwei Förster in ihrem Auto

vorbei, begutachteten den Bus, der inzwischen schon etwas

… und auf dem Skizzenblock.

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Schlagseite hatte, versprachen, Trecker

zu organisieren, und fuhren wieder.

Währenddessen waren die Studierenden

mit ihren Zeichenblöcken ausgeschwärmt,

hatten einen alten evangelischen

deutschen Friedhof entdeckt

und gezeichnet, hielten vor allem unser

malerisch im Sand versinkendes Gefährt

auf ihren Skizzenblättern fest.

Endlich bog der erste kleine Trecker

um die Ecke, ein alter Mann sprang vom

Bock und schaute sich die Zeichnungen

an – den Friedhof kenne er, seine

Eltern hätten noch deutsche Nachbarn

gehabt, die dort beerdigt sind.

Ein zweiter Trecker kam mit unserem

Retter: Tomasz Choderny, einem zweisprachigen

Polen. Er tröstete erst einmal

den völlig aufgelösten Busfahrer und vermittelte

dann zwischen ihm, dem gerade

eingetroffenen dritten Treckerfahrer und

uns. Mit Hilfe der Zugkraft von drei Treckern

und der hinter einem nahegelegenen

Dorf beginnenden Asphaltstraße

hatten wir nach einigen Stunden wieder

festen Boden unter den Rädern.

Der Schreck saß uns zwar noch in den

Gliedern, aber ein längerer Aufenthalt mit

vielen Zeichnungen in Stawiszyn, einer

alten polnischen Königsstadt an der Bernsteinstraße,

lenkten die Gedanken allmählich

in andere Richtungen. In Piskory und

Stary Borowiec fanden wir endlich Häuser

in der besonderen Bauweise der niederdeutschen

Siedler, die dafür das direkt

unter der Bodenkrume vorkommende

Raseneisenerz verwendeten – daher

stammt der Begriff »Eisenhäuser«.

Bei einem Ausflug in die Hauptstadt

Großpolens, Posen/Poznań, hatten wir

Gelegenheit, ein Haus am restaurierten

Ring von innen zu betrachten: Radosław

Barek von der Polnischen Architektenvereinigung

mit Sitz in Posen, SARP,

hatte uns in das Büro von SARP eingeladen,

um in einem Bildervortrag auf

die besondere Architektur dieser Eisenhäuser,

auf die Region und ihre Bewohner,

auf die niederdeutschen Siedler und

ihre Urbarmachung des Landes im 17./18.

Jahrhundert einzugehen.

Ein weiterer Höhepunkt erwartete

uns am letzten Tag unserer Expedition,

an dem wir den Verein Echo Pyzdr – Echo

des Posener oder vielmehr Pyzdrsker

Urwaldes – aufsuchten. Dessen Sitz ist

ein großer Bauernhof, auf dem man

auch übernachten kann. Der Ort selbst

Tomasz Choderny überwacht die Tätigkeiten

der Treckerfahrer.

liegt genau an der Stelle, an der sich zur

Zeit der Dritten Teilung Polens die preußisch-russische

Grenze befunden hatte.

Der Hof bot in einem riesigen Garten

zahlreiche Winkel, Tiere und Architekturelemente

zum Zeichnen. Wir erfuhren,

wie weit das Engagement der beiden

Vereinsgründer, des Ehepaars Kowalski,

geht: Sie haben in diesem Gebiet

jedes Haus besucht, um ihren Landsleuten,

die nach 1945 anstelle der geflohenen

oder vertriebenen deutschen

Bevölkerung hier angesiedelt wurden,

die Geschichte des Landstrichs nahezubringen.

Diese Fahrt wird uns lange begleiten

– oder, wie Andreas Kästner es in

einer Nachbetrachtung zum Ausdruck

brachte: »Es war ja wirklich nicht nur

›schön‹, sondern auch abenteuerlich

und verbindend in mehrfacher Hinsicht.

Ich glaube, wir haben gemeinsam

den jungen Menschen eine wirklich

schöne und unaufdringlich lehrreiche

Zeit offeriert.«

Ariane Afsari

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Geschichte und Geschichten

Die Literaturtage an der Neiße: Ein grenzüberschreitendes Pilotprojekt

Jaroslav Rudiš im Barockhaus. Foto: F. Weidle

Sprache trennt, doch »Geschichte und

Geschichten« verbinden. Unter diesem

Motto war das Publikum in Görlitz-Zgorzelec

zwischen dem 11. und

dem 14. September eingeladen, mit

uns auf eine literarische und grenzüberschreitende

(Zeit-)Reise zu gehen. Vierzehn

international renommierte Autorinnen

und Autoren der Gegenwart

sowie kompetente Moderatoren waren

unserer Einladung gefolgt und erzählten

in ihren Lesungen und Performances

über die Folgen von Krieg, Flucht,

Grenzverschiebung und Heimatverlust

als zentrale Erfahrungen des 20. Jahrhunderts

– Themen, die besonders in

unserer mitteleuropäischen Region

identitätsstiftend sind.

Die Literaturtage sollten einerseits

die neuen Literaturströmungen

in Deutschland und Polen sowie dem

weiteren östlichen Europa präsentieren,

zugleich aber auch die Neugier

auf das Entdecken der gemeinsamen

Geschichte wecken. Dies gelang bereits

bei der Eröffnungsveranstaltung, der

Doppellesung von Olga Tokarczuk und

Christoph Hein.

Die polnische Autorin Olga Tokarczuk

stellte ihren Essay Schneewittchensyndrom

und andere niederschlesische

Träume vor, der sich mit den

Themen der Regionalidentität Niederschlesiens

befasst. Christoph Hein las

aus seinem bekannten Roman Landnahme,

der Geschichte eines Vertriebenen,

in der er auch sein eigenes Schicksal

thematisiert. Die beiden lasen ihre

Texte anschließend in der jeweils anderen

Sprache vor: Ein Konzept, das viel

Poetry-Slam-Abend

Zuspruch fand und die Gemeinsamkeiten

beider Künstler als Chronisten der

Geschichte betonte.

Auch die anderen Lesungen des Festivals

erregten große Aufmerksamkeit

beim Publikum, wovon angeregte Diskussionen

und lange Gespräche nach

den Veranstaltungen zeugten. Nach

dem Auftakt folgten Autorinnen und

Autoren wie Daniela Dröscher mit

12


Die Eröffnungsveranstaltung mit Olga Tokarczuk,

Andreas Kossert und Christoph Hein

dem biografischen Roman über den

Stummfilmstar Pola Negri Pola, Roswitha

Schieb mit Reise nach Schlesien

und Galizien, Kolja Mensing mit seinem

Familienroman Die Legenden der

Väter, Anna Kaleri mit Der Himmel ist

ein Fluss, Paulina Schulz mit Das Eiland,

Jacek Inglot mit Der Verjagte, Jaroslav

Rudiš mit der gefeierten Graphic Novel

Alois Nebel, schließlich Elisabeth Herrmann

und Sören Bollmann mit ihren Kriminalromanen

Versunkene Gräber und

Mord in der Halben Stadt. Besonders die

drei Letztgenannten haben ihr Publikum

mit spannenden und sehr unterhaltsamen

Leseabenden mitgerissen,

was auch der hervorragenden Moderation

zu verdanken war.

Das Festival war als Kulturfestival

im weitesten Sinne konzipiert und bot

neben Buchvorstellungen auch Aufführungen

von Theatertexten, einen Kinoabend

sowie eine Ausstellung. Bei den

jungen Literaturbegeisterten fanden ein

Poetry Slam und eine Werkstatt großen

Widerhall.

Vier Tage lang – und durch die auffällige

Werbung, etwa an einer Straßenbahn,

schon Wochen zuvor – lebte die

Doppelstadt Görlitz-Zgorzelec mit und

von der Literatur: durch ausverkaufte

Veranstaltungen, bei den Gesprächen

und Feiern im Festival-Café, durch

Medienberichte und Besuche im Festival:

Alles in allem ein Konzept mit einer

breiten Außenwirkung. Bei der feierlichen

Abschlussveranstaltung stellte

Jacek Cygan seine vielbeachtete Biografie

Der letzte Klezmer über das Leben

von Leopold Kozłowski-Kleinman vor,

Axel Krüger moderiert die Veranstaltung

»Alois Nebel zwischen Graphic Novel und Film«

der als einziger seiner Familie den Holocaust

überlebte und als jüdischer Klezmer

alter Tradition Weltruhm erlangt

hat. Ausschnitte aus einem Konzertfilm

rundeten die ergreifende Lesung ab.

Die Literaturtage zogen zahlreiche

Kulturinteressierte an und sorgten für

tiefgehende Diskussionen – nicht nur

beim Publikum, sondern auch bei den

Verantwortlichen der Städte Görlitz und

Zgorzelec, die über ihre Zusammenarbeit

ins Gespräch kamen. So zeigte das

Festival auch, wie weit sich das nachbarschaftliche

Verständnis in Europas

Mitte bereits entwickelt hat. Schon die

erste Edition des Pilotprojekts sorgte für

ein enormes Echo und wurde von einigen

Görlitzern als ein »Geschenk für die

Stadt« bezeichnet.

Paulina Schulz

13


Verlag ohne Grenzen

Printpublikationen in Eigenregie und in den Partnerländern

Die in den vergangenen zwölf Jahren beim Kulturforum

erschienenen Sachbücher und Kulturreiseführer mit Bezug

zur deutschen Geschichte, Kunst und Literatur im östlichen

Europa stoßen in Staaten wie Polen, Rumänien oder Tschechien

zunehmend auf Interesse. Dies äußert sich auch in einer

Reihe von Ausgaben in den Landessprachen, die oft von Initiativen

in den Regionen oder den Autorinnen und Autoren

angestoßen werden. Ein Beispiel ist die mit der Ostseemetropole

verwirklichte polnische Ausgabe des Literarischen Reiseführers

Danzig.

Das Buch Bessarabien. Deutsche Kolonisten am Schwarzen

Meer, das es seit 2011 auch in einer amerikanischen Version

Präsentation der rumänischsprachigen Ausgabe des Buches über die

Bessarabiendeutschen von Ute Schmidt in der Universität Galatz/Galaţi

gibt, erschien 2014 im Verlag Editura Cartier SRL in Chişinău,

der Hauptstadt Moldawiens, und wird auch auf dem rumänischen

Markt vertrieben. Seine Premiere erlebte es im Mai

bei der von der Deutschen Botschaft in der Republik Moldau

veranstalteten Ausstellung Deutsche Spuren in Moldau 1814–

2014. Tradition und Modernisierung. Eine weitere Präsentation

fand unter großem Medienecho im November in der rumänischen

Hafenstadt Galatz/Galaţi statt, die für die Bessarabiendeutschen

als Drehscheibe der Einwanderung zu Beginn

des 19. Jahrhunderts wie der Umsiedlung 1940 eine wichtige

Rolle gespielt hatte.

Ebenfalls auf Rumänisch erschien im November der Kulturreiseführer

Städte im südlichen Siebenbürgen von Arne

Franke. Er wurde von der Übersetzerin Simona Mihalache auf

der Buchmesse in Bukarest präsentiert.

Auch die in den Reihen Große/Kleine Kunstführer in der Potsdamer

Bibliothek östliches Europa beim Verlag Schnell und Steiner

erscheinenden Bände und Broschüren publiziert das Kulturforum

nicht nur auf Deutsch, sondern immer wieder auch

in den jeweiligen Landessprachen. 2014 war dies wiederum

Rumänisch – mit dem Kleinen Kunstführer zur Kirche St. Bartholomä

in Kronstadt/Braşov.

Im Eigenverlag veröffentlichte das Kulturforum eine Bildpublikation

mit Aufsätzen über einen der wenigen namentlich

bekannten Baumeister der mittelalterlichen Backsteingotik im

südlichen Ostseeraum: Hinrich Brunsberg. Seine Kirchen, Rathäuser

und Stadttore in Pommern und der Mark Brandenburg

sind heute ein wichtiger Bestand des gemeinsamen deutschpolnischen

Kulturerbes.

14


BLICK

WECHSEL

Journal für deutsche

Kultur und Geschichte

im östlichen Europa

Ausgabe 2 | 2014 | Schutzgebühr 2,50 €

Die zweite Ausgabe der ebenfalls im

Eigenverlag erscheinenden Zeitschrift

Blickwechsel – Journal für deutsche Kultur

und Geschichte im östlichen Europa

widmete sich unserem Jahresthema,

dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs.

Unter dem Titel Zeitenwende 1914 –

Das östliche Europa zwischen Fin de

siècle und Weltenbrand wurde nicht

nur das direkte Kriegsgeschehen mit

seinen Folgen aufgegriffen, viele Beiträge

beleuchteten auch kultur- und

alltagsgeschichtliche Hintergründe –

etwa das Milieu in den böhmischen

Bädern, dem »Schachbrett Europas«,

wo zwischen den Kuranwendungen

große Politik betrieben wurde. Selten

gezeigte Aufnahmen von Rudolf

Bruner-Dvořák, der als Fotograf am Hof

von Erzherzog Franz Ferdinand wirkte,

und Reproduktionen von Werken bildender

Künstler trugen dem Prinzip

Rechnung, unsere Themen in visuell

ansprechender Form zu präsentieren.

Um einen möglichst breiten Querschnitt

durch die Vielfalt deutscher

Kultur und Geschichte im östlichen

Europa zu bieten, wurde das Konzept

des Blickwechsels konsequent weiterentwickelt.

So haben wir die Anzahl der

Kurzmeldungen erhöht und – neben

den Autoren aus unseren Partnerinstitutionen

– auch Journalisten, Schriftsteller

und Studierende zur Mitarbeit

eingeladen. Mit Richard Wagner kam

dabei erstmals auch ein ehemaliger

Georg Dehio-Buchpreisträger zu Wort.

Ein neuer Serviceteil – bestehend aus

Zeitenwende 1914

Das östliche Europa zwischen Fin de siècle und Weltenbrand

Orte

Das Schachbrett Europas:

Was vor dem Ersten Weltkrieg

in den böhmischen

Bädern gespielt wurde

Menschen

Niederlagen und Siege

im Banat: Wie Richard

Wagner den Ersten Weltkrieg

gewann

Werke

Auf der Suche nach sich

selbst in fremden Texten:

Von der schönen Mühsal

des Übersetzens

Szene

Beharren im Wandel:

Museen in Deutschland

und Polen widmen sich

dem Adel in Schlesien

einer Überblicksdarstellung der Förderlandschaft

nach § 96 BVFG der Beauftragten

der Bundesregierung für Kultur

und Medien sowie einem Terminkalender

mit wichtigen Veranstaltungen

der Partnereinrichtungen – rundete

das Informationsangebot des zweiten

Blickwechsels ab und betonte einmal

mehr die Forumsfunktion unserer Einrichtung.

Tanja Krombach und Vera Schneider

15


Theophil Richter: Eine musikalische Rehabilitierung

CD-Produktion und Konzert mit dem Odessa String Quartet

V. l. n. r.: Theophil Richter, Tamara Moskaljowa (»Tante Mary«), Swjatoslaw

Richter und Anna Richter in den 1920er Jahren.

Theophil Richter (1872–1941) wurde als Sohn einer

deutschen Familie in Shitomir in der nördlichen

Ukraine geboren. Die Richters gehörten zu einer

der beiden protestantischen Gemeinden der

Stadt. Über das Leben Theophil Richters ist nur

sehr wenig bekannt. Einige Auskünfte gab sein

Sohn, der berühmte Pianist Swjatoslaw Richter

(1915–1997), in seinen letzten Lebensjahren

seinem Gesprächspartner und Biografen,

dem französischen Filmautor Bruno Monsaingeon.

Theophil Richter, dessen Vater von Beruf

Klavierstimmer war, studierte Musik am Wiener

Konservatorium. Swjatoslaw Richter erzählte, sein Vater habe

über zwanzig Jahre in Wien gelebt. 1912 lernte Theophil Richter

in Shitomir seine spätere Ehefrau Anna Pawlowna Moskaljowa

kennen. Im Kriegsjahr 1916 wurde er als Organist an

die St. Paulskirche in Odessa berufen, eine der bedeutendsten

lutherischen Kirchen im Russischen Reich, die über eine

große Orgel der Ludwigsburger Firma Walker verfügte. Hier

in Odessa erlebte die Familie Richter die dramatischen Ereignisse

von Weltkrieg, Revolution und Bürgerkrieg. Seinen

Dienst in der evangelischen Kirche musste Theophil Richter

bald aufgeben. Er ernährte seine Familie und sich fortan

als Lehrer am Odessaer Konservatorium und als Mitglied

des Opernorchesters. Neben vielen anderen Privatschülern

unterrichtete er auch die Kinder des deutschen Konsuls in

Odessa. Im August 1941 wurde er aufgrund einer Denunziation

vom sowjetischen Volkskommissariat für innere Angelegenheiten

(NKWD) verhaftet und Anfang Oktober 1941

als vermeintlicher Agent verurteilt und erschossen.

Swjatoslaw Richter, der damals als Student bei

Heinrich Neuhaus am Moskauer Konservatorium

bereits erste Triumphe als einer der glänzendsten

Pianisten seiner Zeit feierte, erfuhr

erst Jahre später vom Tod seines Vaters. Anna

Richter, die noch Anfang Oktober versucht

hatte, mit einer Eingabe beim örtlichen Militärtribunal

ihren Mann Theophil freizubekommen,

blieb während der rumänischen Besatzung

Theophil Richter 1904

16


in der Stadt und floh 1944 mit ihrem

zweiten Ehemann nach Deutschland.

In der Biografie des sowjetischen

Starpianisten Swjatoslaw Richter stellten

diese Umstände eine schwere Belastung

dar. Sowohl die russlanddeutsche Herkunft

des Vaters als auch seine Tätigkeit

als Kirchenmusiker und vor allem sein

Ende als Opfer des stalinistischen Terrors

auf der einen Seite, die Emigration

seiner Mutter nach Deutschland andererseits

waren Tabus, die sich auch auf

den Pianisten selbst in traumatisierender

Weise auswirkten. So weigerte sich

Swjatoslaw bis zu seinem Tode im Jahr

1997, in Odessa, der Stadt, in der sein

Vater erschossen wurde, aufzutreten.

Musiker aus Odessa und das Deutsche

Kulturzentrum Bayerisches Odessa

bemühen sich seit vielen Jahren um

die Rehabilitierung Theophil Richters.

So wurde im Jahr 2013 an der Außenmauer

der St. Paulskirche eine Gedenktafel

enthüllt. Als gemeinsame Initiative

mit dem Kulturforum entstand die

Idee, Theophil Richter als Komponisten

zu rehabilitieren und eine CD mit seiner

Musik zu produzieren. Denn Swjatoslaw

Richter schätzte die Werke seines

Vorbereitung der Tonaufnahme: das Odessa String Quartet – v. l. n. r.: Natalia Litvinova und Leonid

Piskun (Violine), Iya Komarova (Viola) und Sergei Scholz (Violoncello) – mit dem Tonmeister Andreas

Ziegler im Festsaal des Bezirks Oberpfalz, Regensburg.

Vaters sehr und bewahrte die unveröffentlichten

Manuskripte zeit seines

Lebens auf. Wo sich diese Notenmanuskripte

heute befinden, ist leider unbekannt.

Von einem sehr schönen Streichquartett

in F-Dur sind jedoch mehrere

Fotokopien erhalten, auf deren Grundlage

ein Stimmensatz erstellt wurde. Das

renommierte Odessa String Quartet studierte

das Werk ein. Schließlich konnten

im Juli 2014 die Tonaufnahmen in den

Räumlichkeiten des Sudetendeutschen

Musikinstituts in Regensburg, der Partnerstadt

Odessas, durchgeführt werden.

Und so wird das Streichquartett

von Theophil Richter zum 20. März

2015, dem 100. Geburtstag seines Sohnes

Swjatoslaw Richter, als Zeichen der

Versöhnung auf CD erscheinen.

Klaus Harer

17


Landpartie zur Gräfin von Reden

Ein multimediales Begleitprogramm zum Ausstellungsprojekt »Adel in Schlesien«

Die Auseinandersetzung mit dem Thema »Adel in Schlesien«

zeigt, dass europäisches Bewusstsein und regionale Identität

keinen Widerspruch darstellen, sondern sich wechselseitig

ergänzen. Die Aktualität des Themas betonte die Ausstellung

»Adel in Schlesien«, in der sich Schlesien und die Oberlausitz

als Landschaften des Adels präsentierten. Erstmals vereinten

Museen in Polen (Liegnitz/Legnica und Breslau/Wrocław),

Deutschland (Görlitz) und Tschechien (Troppau/Opava) ihre

Bestände zu einer Gesamtschau; das Projekt haben wir am

20. Mai 2014 zusammen mit den beteiligten Museen in der

Vertretung des Freistaates Sachsen in Berlin präsentiert.

Zu dem großangelegten Ausstellungsprojekt boten wir

– gemeinsam mit dem Verband der Riesengebirgsgemeinden

und der Kulturreferentin für Schlesien am Schlesischen

Graf von Reden (Witold Szczudłowski) grüßt die Gäste in Buchwald

Museum zu Görlitz – ein umfangreiches, multimediales Begleitprogramm

an. Die »Landpartie zur Gräfin von Reden« fand im

September 2014 als deutsch-polnische Kooperation in Schloss

und Park Buchwald/Bukowiec im Hirschberger Tal statt. Das Tal

am Fuße des Riesengebirges beeindruckt seine Gäste schon

seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert. Viele Künstler, Dichter

und Kulturreisende fühlten sich von der imposanten Landschaft

angezogen. Im frühen 19. Jahrhundert begann sie auch

der preußische Hof und der europäische Hochadel zu entdecken.

Ein »Schlesisches Elysium«, ein Tal der Schlösser, Parks

und Gärten entstand. Das Schloss Buchwald war das geistigkulturelle

Zentrum des Hirschberger Tales.

Um ein möglichst breites Publikum zu erreichen, wurde

das Programm der »Landpartie« abwechslungsreich gestaltet

– mit Parkführungen, Konzerten, Lesungen, Filmaufführungen,

wissenschaftlichen Vorträgen und Angeboten für Kinder.

Lokale Künstlerinnen und Künstler präsentierten ihre Werke,

serviert wurden kulinarische Spezialitäten aus der Region.

Das Programmangebot war durchgängig zweisprachig, bei

allen Veranstaltungen im Schloss wurde simultan übersetzt.

Den Auftakt der »Landpartie« bildete die Eröffnung der

zweisprachigen Ausstellung Friederike und Friedrich Wilhelm

von Reden – Mutter des Hirschberger Tales und Vater der oberschlesischen

Industrie, die Urszula Bończuk-Dawidziuk, Mitarbeiterin

des Museums der Breslauer Universität, konzipiert und

gestaltet hat. Für die »Poetische Begegnung im Park« wurden

Fragmente aus den Briefen der Friederike von Reden, Auszüge

aus dem Tagebuch von Izabella Czartoryska über den Park von

Buchwald und die Gräfin sowie ein Text über Friederike von

18


Graf von Reden wurde 1795 zum preußischen Berghauptmann ernannt und

reformierte die schlesischen Bergwerke. Unter seiner Leitung wurden in

Oberschlesien neue Eisenhütten gegründet. Der Abbau von Erz und

Steinkohle erreichte unter ihm eine neue Blüte. Neben der Modernisierung

der Betriebsanlagen leitete Reden Maßnahmen zur

Verbesserung der Verkehrswege durch den Bau von Straßen

und Kanälen ein. Zur Ausbildung qualifizierter Steiger errichtete

Reden die Bergschule in Tarnowitz/Tarnowskie Góry. Reden verbrachte

seinen Lebensabend auf Gut Buchwald, das er 1785 erworben

hatte. Ab 1802 war er mit Friederike von Riedesel, der späteren

›Mutter des Hirschberger Tals«, verheiratet.

Die junge Friederike Riedesel zu Eisenbach,

spätere Gräfin von Reden. Ernst Heinrich Schröder,

1795, Nationalmuseum Breslau/Wrocław

Porträt des Grafen Friedrich Wilhelm

von Reden. Johann S. von Sallwürk, 1941,

Deutsches Bergbau-Museum Bochum

Reden aus der Feder des späteren Herrnhuter Pfarrers Theophilus

Reichel ausgewählt.

Mit der Kutsche konnte der Ort Ruhberg/Ciszyca erkundet

werden. Dort, wenige Kilometer von Buchwald entfernt,

verbrachte Prinzessin Luise Friederike von Preußen mit ihrem

Mann Fürst Anton Radziwill die Sommer. Ihre Tochter Elisa war

die große Liebe des preußischen Prinzen Wilhelm, der später

Kaiser Wilhelm I. wurde. Über diese Liebesgeschichte, die

wegen dynastischer und politischer Zwänge sich nicht in einer

Ehe erfüllen konnte, hat Dagmar von Gersdorff das Buch Auf

der ganzen Welt nur sie. Die verbotene Liebe zwischen Prinzessin

Elisa Radziwill und Wilhelm von Preußen geschrieben. Im

Rahmen der »Landpartie« stellte sie es vor.

Die Schauplätze – das Teehaus im Park, die Pergola und

die Treppen zum Schloss – wurden eindrucksvoll beleuchtet:

Bei Kerzen- und Fackellicht flanierte das Publikum von Ort zu

Ort. Auch die Kostüme der Epoche trugen zu einer einzigartigen,

romantischen Atmosphäre bei.

Die Schloss- und Parkanlage wurde in den letzten Jahren

durch die Stiftung »Tal der Schlösser und Gärten im Hirschberger

Tal« mit europäischen Fördergeldern wiederhergestellt.

Sie, wie auch weitere elf Park- und Schlossanlagen

preußischer Provenienz aus dem Hirschberger Tal, wurden

2012 auf die Liste der Denkmäler der Polnischen Geschichte

gesetzt. Ein Zeichen der Zeit?

Thomas Schulz

Führung durch den Park in Buchwald

19


»Rom ist eben der Höhepunkt«

Der Johannes-Urzidil-Themenabend im Forum Austriaco di Cultura Roma

»Was ist ein Urzidil? Kann man es fassen?

Ist es ein Attribut? Abstrakt …

konkret?«, fragte die Dichterin Mascha

Kaléko scherzhaft in einem Brief an

Johannes Urzidil (1896–1970). Das war

1952, noch vor dem Durchbruch des

seit 1941 im New Yorker Exil lebenden

Schriftstellers auf dem deutschsprachigen

Buchmarkt. An seinen ersten großen

Erfolg Die verlorene Geliebte (1956),

eine Hommage an seine Heimatstadt

Prag, konnte Urzidil mit zahlreichen weiteren

Titeln anknüpfen. Seine Werke

erzielten hohe Auflagen und wurden

mit renommierten Preisen bedacht.

Doch allmählich geriet die zutiefst

humanistische und oft liebevoll ironische

Erzählerstimme aus Böhmen in Vergessenheit.

Als wir – Tanja Krombach vom

Kulturforum, der Literaturwissenschaftler

Klaus Johann und ich, damals noch freie

Autorin – den Plan fassten, ein Johannes-

Urzidil-Lesebuch herauszugeben, wussten

nur noch wenige Eingeweihte, was

ein Urzidil ist.

Im November 2010 erschien dann

HinterNational – Johannes Urzidil. Darin

zeichnen wir den Lebensweg eines

Autors nach, der sich schon als Kind als

Spross einer deutsch-tschechisch-jüdischen

Familie »hinternational« fühlte

und sich stets für die Verständigung zwischen

den Nationalitäten seiner Heimat

einsetzte. Das Lesebuch bietet neben

ausgewählten Texte von und über Urzidil

einen umfangreichen Anhang; die

beigefügte CD mit einem Audiofeature

von Ingo Kottkamp enthält seltene

Tondokumente, die das warme Prager

Deutsch des Dichters erklingen lassen.

Noch vor dem Erscheinen des Buches

begannen wir mit einer langen Reihe

von Multimedia-Präsentationen, in

denen wir Urzidils bewegtes Leben zwischen

Böhmen und New York anhand

Cover des Johannes-Urzidil-Lesebuchs

Referenten und Veranstalter besuchten vor

dem Themenabend das Grab Johannes Urzidils

auf dem Campo Santo Teutonico.

20


Die drei Referenten der Präsentation von Hinter-

National, Klaus Johann, Gerhard Trapp und Vera

Schneider, in der Bibliothek des Forum Austriaco

von zahlreichen Zitaten, Ausschnitten aus seinen Radiolesungen

und Bilddokumenten aus dem Nachlass einem breiten

Publikum nahebrachten. Oft begleitete uns dabei unser Kollege

und Freund Gerhard Trapp, einer der wichtigsten Urzidil-

Forscher, der den Schriftsteller noch persönlich kannte, und

trug aus Briefen Urzidils an ihn vor. Unsere Lesereise führte

uns in vier Jahren an 28 Orte im In- und Ausland. Nachdem

wir schon in Metropolen wie Prag, Berlin, Budapest und Wien

gastiert hatten, stand 2014 eine weitere Hauptstadt auf unserer

Wunschliste.

»Rom ist eben der Höhepunkt [...], alles andere bisher war

Vorspiel. Und das weitere wird Nachspiel sein«, sagte Johannes

Urzidil im November 1970 zu Heinrich Schmidinger, dem

damaligen Direktor des Österreichischen Kulturinstituts in

Rom. Urzidil liebte die italienische Metropole mit der reichen

Geschichte; schon als Student der Kunstgeschichte war er fasziniert

von der griechisch-römischen Epoche. »Hier könnte ich

bleiben«, sagt er zu Schmidinger, der ihn zu einer Lesung eingeladen

hatte. Dieser Wunsch sollte auf tragische Weise erfüllt

werden: In der Nacht vor seinem Auftritt starb der Vierundsiebzigjährige

überraschend an Hirnschlag. Seine letzte Ruhestätte

fand Johannes Urzidil auf dem Campo Santo Teutonico

in der Vatikanstadt.

Mit unserer Idee, unser Johannes-Urzidil-Lesebuch auch in

Rom zu präsentieren, stießen wir beim Forum Austriaco di Cultura

Roma auf offene Ohren. Gemeinsam mit der Nachfolgeinstitution

des Österreichischen Kulturinstituts erweiterten wir

die Buchpräsentation zu einem Themenabend, dessen zweiter

Teil sich der besonderen Beziehung Urzidils zur Ewigen

Stadt widmete. Nach einer Einführung durch den italienischen

Literaturwissenschaftler Marino Freschi las die österreichische

Schriftstellerin Brita Steinwendtner Auszüge aus ihrem

Essay Rom. Ballett von Tod und Leben. Ingeborg Bachmann –

Johannes Urzidil. Über vierzig Gäste waren gekommen – eine

gute Resonanz angesichts des für Rom doch recht exotischen

Themas. Viele nutzten die Möglichkeit, sich die Buchpräsentation

simultan ins Italienische dolmetschen zu lassen.

So kam es, dass 44 Jahre nach seinem Tod Urzidils Stimme

doch noch im ehrwürdigen Lesesaal des Forum Austriaco

di Cultura erklingen konnte. Für uns Referenten war es sehr

bewegend, gerade an diesem Ort das Gedächtnis an den Autor

wachzurufen. An den Reaktionen des Publikums und an den

Gesprächen nach den Lesungen merkten wir, dass wir mit diesem

Gefühl nicht allein waren.

Gerhard Trapp, Klaus Johann und ich sind von unserer Lesereise

bei bester Gesundheit zurückgekehrt und werden 2015

einer Einladung der Smetana-Tage in die Kulturhauptstadt Pilsen/Plzeň

folgen. HinterNational – Johannes Urzidil ist mittlerweile

fast vergriffen, für eine zweite Auflage sammelt der

Verlag Interessenten unter deutsches@kulturforum.info. Ein

Höhepunkt muss kein Finale sein.

Vera Schneider

21


Programm und Verlag 2014

Thementage und Veranstaltungsreihen

Riga – Kulturhauptstadt Europas

2014: Berlin (März)

Kaschau/Košice – Europas Kulturhauptstadt

2013: Heppenheim an der

Bergstr., Bernried am Starnberger See

(April)

Geteilte Städte. Deutsch-polnische

Beziehungen an Oder und Neiße

nach zehn Jahren EU-Osterweiterung:

Słubice (Mai)

Adel in Schlesien: Berlin (Mai)

Literaturtage an der Neiße. Geschichte

und Geschichten: Görlitz/Zgorzelec

(September)

Landpartie zur Gräfin von Reden: Hirschberger Tal (September,

h Foto)

Begegnungen, Verflechtungen, Abgrenzungen in der Dobrudscha.

Deutsche Siedler und ihre Nachbarn zwischen Donau und Schwarzem

Meer: Mainz (November)

Baltische Metropole im Wandel. Riga – Kulturhauptstadt Europas

2014: Bremen (November)

Riga – Kulturhauptstadt Europas 2014: Lüneburg (November)

Podiumsdiskussionen

Der Erste Weltkrieg – Krieg der Dinge? Deutsch-slowenische

Betrachtungen mit Aleš Šteger und Matthias Göritz: Berlin (März)

Hermannstadt/Sibiu. Ein digitaler Rundgang durch die Stadt am

Zibin/Cibin; Oppeln/Opole. Ein kunstgeschichtlicher Rundgang

durch die Stadt an der Oder (Urszula Zajączkowska): Leipzig (März)

Das östliche Mitteleuropa am Vorabend des Ersten Weltkriegs:

Berlin (Mai)

Jugend und Geschichte im Südkaukasus: Berlin (August)

»Pilsen, open up!« Multikulturelle Geschichte und Gegenwart in

der Kulturhauptstadt Europas 2015: Frankfurt am Main (Oktober)

Generation Hoffnung. Literatenrunde zum 25. Jahrestag des Mauerfalls:

Berlin (November)

Vorträge

Die Zips – Schatzkammer der Ostslowakei:

Berlin (Januar)

St. Petersburg 1914 (in der Reihe

»Kulturstädte – Kulturlandschaften

1914«): Potsdam (März)

Kulturhistorische Ausgrabungen

und kulturelle Verständigungsbemühungen.

Aus der Arbeit im

Deutschen Kulturforum östliches

Europa: Frankfurt a. d. Oder (April)

Prag 1914 (in der Reihe »Kulturstädte

– Kulturlandschaften

1914«): Potsdam (April)

Zoppoter Streiflichter. Das legendäre Ostseebad und seine

Geschichte: Potsdam (Mai)

Ostpreußen 1914 (in der Reihe »Kulturstädte – Kulturlandschaften

1914«): Potsdam (Mai)

Aus dem Deutschen Casino in die Welt. Prager Literatenzirkel vor

der »Erfindung« des Prager Kreises: Prag (Mai, h Foto)

Die Kurische Nehrung als nostalgischer Sehnsuchtsort im Wandel

der Zeit: »Das Baden in Kostümen ist für beide Geschlechter

22


gestattet« – Badekulturen und -moden an der Ostseeküste des

Russischen Reiches (Estland und Lettland): Potsdam (Juni)

Schloss Friedrichstein in Ostpreußen und die Grafen von Dönhoff:

Wildau (Juni)

Elchwald gestern und heute: Lüneburg (November)

»Es brodelt und kafkat, es werfelt und kischt«. Ein Streifzug durch

die Prager deutschsprachige Literatur: Kleinmachnow (November)

Zwischen großdeutscher Romantik und bürgerlichem Pragmatismus.

Die Architektur der Backsteinneugotik im wilhelminischen

Deutschland am Beispiel Stettins: Berlin (November)

Lesungen

Eine nie vergessene

Geschichte. Am Vorabend

des Ersten Weltkrieges

(Lesung und Konzert

mit Jan und Ulrich

Koneffke): Berlin, Greifswald

(Februar, g Foto)

28. Juni 1914 – Der Anfang

vom Ende des alten

Europa: Berlin (Mai)

Ein Sommer in Kaschau/

Košice; Stadtschreiberin

von Kaschau/Košice

– Rückkehr in die fremd-vertraute Stadt. Lesungen mit Filmausschnitten

(Kristina Forbat): Freiburg im Breisgau, Leipzig (Mai)

Němci (»Die Deutschen«, Jakuba Katalpa): München, Augsburg

(Mai)

Kriegerdenkmal 1914 – Hundert Jahre später (Franz Heinz): Berlin

(Dezember)

Wintersorgen und Frühlingsfreuden.

Lesung und Gespräche

zum 300. Geburtstag des

Dichters und Predigers Christian

Donelaitis (1714–1780): Lüneburg

(Dezember)

Theater, Film und Musik

Wartesaal Europa – Literarische Zeugnisse zu Beginn des Ersten

Weltkriegs. Szenische Lesung und Theaterstück: Berlin (März, Oktober,

k Probenfoto), Dresden (November)

Wiener Klassik aus Russland neu entdeckt. Konzert mit dem Hoffmeister-Quartett:

Hannover, Northeim (Juni)

Rückkehr in die windige Stadt. Ein Film von Kristina Forbat:

Pressburg/Bratislava (Juni), Berlin (September), Karlsruhe, Stuttgart,

Hamburg (Oktober), Wien (November)

Odessa String Quartet -Konzert: Regensburg (Juli)

Salon beim Fürsten Radziwill. Konzert im Rahmen des Usedomer

Musikfestivals: Lüttenort bei Koserow (September)

Abschied vom Frieden. Filmvorführung und Gespräch mit Angelika

Waller: Potsdam (November)

Der junge Chopin im schlesischen Kontext. Konzert zum Jahresausklang

mit dem Trio Margaux: Potsdam (Dezember)

Exkursionen, Workshops und Tagungen

Vernetzungstreffen zur Europäischen Kulturhauptstadt Pilsen 2015:

Pilsen/Plzeň (Februar)

Pfarrer – Mechanikus – Nationaldichter. Tagung anlässlich des

300. Geburtstages von Christian Donalitius – Kristijonas Donelaitis

(1714–1780): Berlin (März)

23


Informationsfahrten für Medienvertreter

nach Pilsen/Plzeň, Kulturhauptstadt

Europas 2015: Pilsen/Plzeň (Mai

und September, f Foto)

Eisenhäuser im Posener Urwald/

Puszcza Pyzdrska. Studienreise mit einer Zeichenklasse der Bauhaus-Universität

Weimar: Peisern/Pyzdry und Umgebung (Mai)

Die deutsche Literatur Schlesiens. 9. Mitteleuropäische Nachwuchsgermanistentagung:

Bad Kissingen (Oktober)

Kulturmanagement in den deutsch-polnischen Beziehungen am

Beispiel der Aktivitäten des Deutschen Kulturforums östliches

Europa: Breslau/Wrocław (November)

Buchvorstellungen und Messen

Geschichtsmesse 2014. Diktatur und

Demokratie im Zeitalter der Extreme:

Suhl (Januar)

Die Verjagten. Flucht und Vertreibung

im Europa des 20. Jahrhunderts (Jan

Piskorski): Potsdam (Januar)

Chronik der Schule zu Nidden: Berlin

und Leipzig (März), Bremen (Oktober)

Leipziger Buchmesse: Präsentation des

Kulturforums (März)

Literarischer Reiseführer Danzig/

Gdańsk. Przewodnik literacki (Peter Oliver

Loew): Danzig/Gdańsk (April)

Von Backsteingotik bis Jazz: Das Kulturforum präsentiert sich beim

2. Potsdamer Tag der Wissenschaften: Potsdam (Juni, j Foto)

HinterNational – Johannes Urzidil: Stuttgart (September), Rom

(November)

Frankfurter Buchmesse: Präsentation des Kulturforums (Oktober)

Basarabia/Bessarabien. Deutsche Kolonisten am Schwarzen Meer

(Ute Schmidt, rumänische Fassung): Galatz/Galaţi (November)

Städte im südlichen Siebenbürgen (Arne Franke, rumänische Fassung):

Bukarest (November)

Literarischer Reiseführer Danzig (Peter Oliver Loew):

Berlin (Dezember)

Innovation und Tradition. Hinrich Brunsberg und die spätgotische

Backsteinarchitektur in Pommern und der Mark Brandenburg:

Potsdam (Dezember)

Wanderausstellungen

Struktur und Architektur. Das postindustrielle Erbe Oberschlesiens:

Breslau/Wrocław (Januar–Juli), Neisse/Nysa (September–

November)

Innovation und Tradition. Hinrich Brunsberg und die spätgotische

Backsteinarchitektur in Pommern und der Mark Brandenburg:

Breslau/Wrocław (Januar–März), Bad Doberan (März–Juni),

Greifswald (Juni–September)

Die Neumark. Begegnung mit einer historischen Landschaft:

Gusow (November 2013–Januar 2014), Wiesbaden (März/

April)

»Fromme und tüchtige Leute ...« – Die deutschen Siedlungen in

Bessarabien (1814–1940): Rathenow (April; Ausstellungseröffnung

mit Vortrag)

Zoppot, Cranz, Rigaer Strand. Ostseebäder im 19. und 20. Jahrhundert:

Caputh (Mai–August)

24


Zwei Regionen im zusammenwachsenden

Europa. Siebenbürgen

und Brandenburg –

Versuch einer Annäherung im

Geiste der Toleranz:

Berlin (Juni), Potsdam (Juli),

Perleberg (September), Hermannstadt/Sibiu

(November)

Aus der Werkstatt des

Krieges: Graz, München

(September), Bad Kissingen

(November, g Foto)

Zeit-Reisen. Historische

Schlesien-Ansichten aus der

Graphiksammlung Haselbach/Podróze

w czasie. Dawne

widoki Şlaska na grafikach

z kolekcji Haselbacha: Coswig

(September/Oktober)

Musen an die Front! Schriftsteller

und Künstler im Dienst der

k. u. k. Kriegspropaganda 1914–

1918: Dresden (November/

Dezember; Ausstellungseröffnung

mit Vortrag)

Georg Dehio-

Buchpreis

Verleihung des Georg Dehio-Buchpreises 2014 mit Begleitveranstaltung:

Zuhause ist überall (Barbara Coudenhove-Kalergi, Lesung

und Gespräch): Berlin (Oktober)

Neuerscheinungen und Übersetzungen

Ute Schmidt, Basarabia. Coloniştii germani de la Marea

Neagră. Rumänische Ausgabe von Bessarabien. Deutsche Kolonisten

am Schwarzen Meer, ersch. bei Editura Cartier SRL, Chişinău.

Mit zahlr. farb. u. S.-W.-Abb., Kartenteil und Übersichtskarte in Einstecktasche,

Zeittafel u. ausführl. Registern, 420 S., gebunden, I

SBN 978-9975-79-765-8 (Mai)

Innovation und Tradition. Hinrich Brunsberg

und die spätgotische Backsteinarchitektur

in Pommern und der Mark

Brandenburg. Mit Beiträgen von Ernst

Badstübner, Jarosław Jarzewicz, Barbara

Ochendowska-Grzelak, Wolfgang Ribbe

und Dirk Schumann. Mit Fotografien

von Thomas Voßbeck. Zahlr. farb. u. S.-

W.-Fotos, 120 S., Broschur, € 9,80,

ISBN 978-3-936168-60-0 (Juni, g Foto)

Silvia Popa, Kronstadt/Braşov/Brassó. Kirche St. Bartholomä Mit

farb. u. S.-W.-Abb., 16 S., geheftet. In Kooperation mit dem Verlag

Schnell & Steiner in der Reihe Kleine Kunstführer in der Potsdamer

Bibliothek östliches Europa, Band 3, € 2,50, ISBN 978-3-7954-7001-2

(August)

Silvia Popa, Braşov/Kronstadt/Brassó. Biserica Sfântul Bartolomeu

Rumänische Ausgabe, mit farb. u. S.-W.-Abb., 16 S., geheftet. In

Kooperation mit dem Verlag Schnell & Steiner in der Reihe Kleine

Kunstführer in der Potsdamer Bibliothek östliches Europa, Band 3,

ISBN 978-3-7954-7002-9 (August)

Arne Franke: Cetăți medievale din sudul Transilvaniei Rumänische

Ausgabe von Städte im südlichen Siebenbürgen, ersch. bei EIKON,

Klausenburg/Cluj-Napoca, gebunden, mit Lesebändchen, zahlreichen

Farb- und S.-W.-Abbildungen, Kurzbiografien, Ortsnamenkonkordanz,

umfangreichen Registern, zweisprachigen Karten,

348 S., gebunden, ISBN 978-606-711-130-9 (November)

25


Team des Kulturforums

(Stand: 1. Januar 2015)

Saskia Aberle, Assistenz Direktion, Veranstaltungsorganisation

Ariane Afsari, Verlag, Fachreferat Kulturelle Bildung

Susanna Becker, Assistenz Verlag, Elektronische Medien

Dr. Klaus Harer, Fachreferat Musik, Länderreferat Osteuropa

Conny Hartmann, Sachbearbeiterin Verwaltung/

Buchhaltung (befristet)

Frauke Kraft, Verwaltungsleiterin

Tanja Krombach, Stellvertretende Direktorin, Leitung Verlag,

Länderreferat Tschechien und Slowakei

Dr. Harald Roth, Direktor

Dr. Vera Schneider, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit,

Verlag, Elektronische Medien

Thomas Schulz, Fachreferat Literatur, Länderreferat Polen

Magdalena Sturm, Assistenz Verlag und Programm (befristet)

Hana Kathrin Stockhausen, Grafik, Design

Dr. Claudia Tutsch, Fachreferat Kunstgeschichte,

Länderreferat Baltikum

Ilona Wäsch, Sachbearbeiterin Verwaltung/Buchhaltung

André Werner, Redaktionsleitung Website

Das Team des Kulturforums im Oktober 2014.

Foto: Anke Illing, Berlin

Vorstand

(Stand: 1. Januar 2015)

MinDgt. i. R. Winfried Smaczny, Berlin, Vorstandsvorsitzender

Dr. Elisabeth Fendl, München

MinDir. Hans-Heinrich v. Knobloch, Berlin

Kuratorium

Dr. Nicole Zeddies, Referatsleiterin bei der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (Vorsitz)

Dr. Markus Bauer, Direktor des Schlesischen Museums zu Görlitz, Vertreter der Mitgliederversammlung im Kuratorium

Zdeněk Kuna, Vertreter der Botschaft der Tschechischen Republik

Prof. Oliver Günther, Ph. D., Präsident der Universität Potsdam

Dr. Uwe Koch, Vertreter des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg

Dr. Viera Polakovičová, Direktorin des Slowakischen Instituts, Berlin

Prof. Dr. Matthias Weber, Direktor des Bundesinstituts für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa

26


Mitglieder

Deutsche Gesellschaft e. V., Berlin: Dr. Andreas H. Apelt, Bevollmächtigter des Vorstandes der D. G. e. V.

Festival Mitte Europa – Mißlareuth 1990 e. V.: Kammersänger Professor Thomas Thomaschke, Intendant

Institut für deutsche Kultur und Geschichte in Südosteuropa, München:

Hon.-Prof. Dr. Konrad Gündisch, komm. Direktor

Institut für deutsche Musikkultur im östlichen Europa: Prof. Dr. Klaus W. Niemöller, Vorsitzender

Moses Mendelssohn Zentrum, Potsdam: Prof. Dr. Julius H. Schoeps, Direktor

Nordost-Institut – Institut für Kultur und Geschichte der Deutschen in Nordosteuropa e.V., Lüneburg:

PD Dr. Joachim Tauber, Direktor

Ostpreußisches Landesmuseum, Lüneburg: Dr. Joachim Mähnert, Direktor

Pommersches Landesmuseum, Greifswald: Dr. Uwe Schröder, Direktor

Schlesisches Museum zu Görlitz: Dr. Markus Bauer, Direktor

Stiftung Martin Opitz Bibliothek, Herne: Dr. Hans-Jakob Tebarth, Direktor

Universität Potsdam: Prof. Oliver Günther, Ph. D., Präsident

Universität Potsdam, Philosophische Fakultät, Institut für Slavistik: Prof. Dr. Norbert Franz,

zur Zeit der Gründung des Kulturforums Dekan

Impressum

Herausgeber: Deutsches Kulturforum östliches Europa e. V.

Berliner Straße 135, Haus K1

D–14467 Potsdam

www.kulturforum.info

deutsches@kulturforum.info

© 2015. Alle Rechte vorbehalten.

V. i. S. d. P.: Dr. Harald Roth

Abbildungen und Bildrechte: Wenn nicht anders in der Bildunterschrift angegeben,

stammen die Bilder vom Deutschen Kulturforum östliches Europa.

Gestaltung und Satz: Hana Kathrin Stockhausen

Redaktion: Dr. Vera Schneider

Druck und Bindung: Flyeralarm, Würzburg

27


Das Kulturforum wird gefördert von der

Beauftragten der Bundesregierung für

Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses

des Deutschen Bundestages.

Deutsches Kulturforum östliches Europa

Berliner Straße 135, Haus K1 · 14467 Potsdam

Tel. +49(0)331/20098-0

Fax +49(0)331/20098-50

deutsches@kulturforum.info

www.kulturforum.info

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