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16 | Volkers Welt

SONNABEND

27. FEBRUAR 2016

Wer im Kampfsport den

schwarzen Gürtel hat, gilt als

Meister seines Fachs. Den

schwarzen Gürtel zu tragen,

ist nur Dan­Trägern vorbehalten,

die eine entsprechende

Prüfung abgelegt haben.

Insgesamt gibt es in japanischen

Kampfsportarten wie

Karate, Judo, Jiu­Jitsu, Aikido

oder Kendo zehn Dan­Grade.

Vom 1. bis zum 10. Dan aufsteigend

heißen sie: Shodan,

Nidan, Sandan, Yondan, Godan,

Rokudan, Nanadan, Hachidan,

Kudan, Judan. Die

Dan­Graduierungen der einzelnen

Sportarten sind nicht

miteinander vergleichbar. Ein

1. Dan im Aikido ist also nicht

gleichbedeutend mit einem

1. Dan im Karate.

Unterhalb des Dans gibt es

die Schüler­Graduierungen

Kyu, aufsteigend vom 9. bis

zum 1. Kyu. Im Judo tragen

sie folgende Gürtel: 9. Kyu:

weiß, 8. Kyu weiß­gelb, 7.

Kyu: gelb, 6. Kyu: gelb­orange,

5. Kyu: orange, 6. Kyu:

orange­grün, 7. Kyu: grün, 8.

Kyu: blau, 9. Kyu: braun. Die

Möglichkeit, sich ständig

neue Gürtel zu erkämpfen, ist

für Kinder und Jugendliche

sehr motivierend. Trotzdem

hat sich die Zahl der Judoka

seit 2002 von 276.000 auf

154.000 fast halbiert.

Die

„W“-Frage:

Was ist

ein DAN?

Die große

weite Welt?

>> Unsere

heutige Frage,

klingt

nach großer

weiter Welt,

doch alle

Ortsnamen

finden sich in

Schleswig-

Holstein. Bis auf einen. Welchen?

Kennen Sie die Lösung?

Gewinnen Sie 50 Euro:

01378 10 11 25*

>> Unsere vergangene Quizfrage

drehte sich um den 50.

Geburtstag von Topmodel

Cindy Crawford. Sie war von

1991 bis 1995 mit dem 16

Jahre älteren Richard Gere

verheiratet. Ihr Verhältnis

beschäftigt die Klatschblätter

bis heute: 2013 titelte die

Bunte: „Cindy Crawford

schwärmt von Ex-Mann Richard

Gere.“ 2016 hieß es

dann: „Cindy Crawford: Abrechnung

mit Ex-Mann Richard

Gere.“

Die 50 Euro hat gewonnen

Regina Kezinski aus Reinbek

Rufen Sie bis zum 28. Februar,

12 Uhr, an und nennen Sie uns die

richtige Lösung. Der Gewinner wird

ausgelost und benachrichtigt.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

*(50 Cent/Anruf aus dem Festnetz

der Deutschen Telekom, Mobilfunkpreise können abweichen)

Da biste

PLATT...

WERT

Wie kostbar ist meine Arbeit?

„Na, was wollen

Sie denn verdienen?“

Diese Frage

ist in Vorstellungsgesprächen

gefürchtet. Aus

gutem Grund.

Geht es wirklich immer nur

ums Geld? Als das Wirtschafts­Branchenmagazin

PwC im Jahr 2014 eine Umfrage

zur Zukunft der Arbeit

durchführte, entwarf es drei

Szenarien:

Blaue Welt: Profitorientierte

Großkonzerne, streng orientiert

am Wachstum und an

Konsumentenwünschen. Viel

Stress, aber hohe Gehälter und

gute Zukunftsperspektiven.

Orangene Welt: Kleine, innovative

Unternehmen, hochspezialisiert

und eng vernetzt

über soziale Netzwerke. Freiberufliche

Arbeit, flexibel und

projektbezogen, mittelmäßig

bezahlt.

Grüne Welt: Unternehmen, die

soziale Verantwortung in den

Mittelpunkt stellen, sich zum

Beispiel mit dem Klimawandel

beschäftigen. Arbeit mit intakter

Work­Life­Balance, gering

entlohnt.

Anschließend

wurden

10.000 Menschen in fünf Ländern

(Deutschland, Großbritannien,

USA, China, Indien)

befragt, wo sie in Zukunft

arbeiten möchten. In Deutschland

entschied sich

die überwältigende

Mehrheit

von 70 Prozent

für einen Job

in der „Grünen

Welt“ – den

geringen Einkommensmöglichkeiten

zum Trotz.

26 Prozent

sahen ihre Zukunft

in der

„Orangenen

Welt“ und

nur vier Prozent

der

Deutschen

entschieden

sich für Geld, Stress und

Karriere in der „Blauen Welt“.

Wir sind also – überspitzt formuliert

– ein Volk von Weltverbesserern.

Wann immer es um Arbeitnehmer

und den Wert der von

ihnen geleisteten Arbeit geht,

prallen Extreme aufeinander.

Reine Kostenfaktoren sind sie

für manche Analysten. Das

„wahre Kapital“ eines Unternehmens,

die Seele der Firma

hingegen für Betriebsräte und

Gewerkschaften. Der wirtschaftswissenschaftliche

Ausdruck

dafür heißt „Humankapital“.

Es ist ein belasteter Begriff,

denn das Transferieren

von Mitarbeitern in Zahlen

wird oft als Herabwürdigung

des Menschen betrachtet.

Die Wissenschaftler Christian

Scholz und Volker Stein

von der Universität des Saarlandes

sehen darin aber auch

eine Chance, den Wert einer

Belegschaft für das Unternehmen

zu beziffern und damit

fassbar zu machen. Zu diesem

Zweck entwickelten sie die

„Saarbrücker Formel“, die sie

allerdings nur auf Gruppen

von Mitarbeitern angewendet

wissen wollen, nicht auf den

einzelnen Arbeitnehmer.

In der Saarbrücker Formel

spielen verschiedene Faktoren

wie die Wissensrelevanz (Erfahrung)

der Belegschaft, die

durchschnittliche Dauer der

Betriebszugehörigkeit oder die

Aufwendungen der Firma für

die Personalentwicklung eine

Rolle. Sind diese Werte alle

zueinander in Bezug gesetzt,

wird das Ergebnis abschließend

mit dem Motivationswert

multipliziert, der in der

Gruppe vorherrscht.

Mal abgesehen davon, dass

Faktoren wie „Motivation“

oder „Erfahrung“ nicht leicht

zu beziffern sind, ergibt sich

so ein Instrument, mit dem

sich der Wert des durchschnittlichen

Mitarbeiters für

ein Unternehmen darstellen

lässt. Professor Scholz nennt

im Dokumentarfilm „Was bin

ich wert“ von Peter

Scharf einen

Wert von 70.000 bis 150.000

Euro für einen Angestellten

bei einem typischen großen

DAX­Unternehmen.

Der entscheidende Punkt

ist: Der Mitarbeitermotivation

wird eine Schlüsselrolle eingeräumt.

Mit anderen Worten:

Ein Angestellter kann noch so

erfahren sein. Wenn er die

Lust verloren hat, ist er für das

Unternehmen nicht viel wert.

Eine Firma kann personell

noch so kompetent bestückt

sein. Wenn keine positive

Arbeitsatmosphäre herrscht,

wird auf die Dauer „Humankapital“

vernichtet.

Arbeitsatmosphäre

ist entscheidend

Mit der Frage „Was bin ich

wert“ wird jeder im Leben einmal

konfrontiert, spätestens

wenn im Vorstellungsgespräch

die gefürchtete Frage

kommt: „Was wollen Sie denn

verdienen?“. Viele Berufsanfänger

nehmen sie eigentümlich

leicht. Doch nur wer sich

vorher über die Firma und die

Branche gut informiert hat,

kann die bestmögliche Antwort

geben. Und die kann bares

Geld wert sein. Legen Sie

sich also ein paar Argumente

zurecht, die das angestrebte

Gehaltsniveau

rechtfertigen. Überlegen

Sie, mit welchen Gegenargumenten

Sie konfrontiert werden

könnten. Und das Wichtigste:

Bewahren Sie die Ruhe.

Wenn Sie Selbstbewusstsein

und Souveränität ausstrahlen,

steigen Ihre Chancen, den

künftigen Chef zu überzeugen.

Die Verbindung zwischen

menschlicher Existenz und

Geld mag zynisch klingen,

aber sie ist Bestandteil unseres

Lebens. „Wie viele Flüchtlinge

können wir uns leisten?“, ist

momentan eine der zentralen

Fragen der Politik, auf die in

Europa ganz verschiedene

Antworten gefunden werden.

Als nach dem Terroranschlag

auf den World Trade Center

die Angehörigen der Opfer

entschädigt wurden, bemaß

sich die Höhe der Summe an

ihrem Beruf und ihrer Lebenserwartung.

Mit dem tatsächlichen

Verlust, den die Menschen

erlitten hatten, hatte das

nichts zu tun.

BEWERBUNGSGESPRÄCH Wer gut vorbereitet ist und bei den entscheidenden

Fragen ruhig bleibt, kann mehr für sich herausholen.

18 300

>> Astronaut ist immer noch

ein Traumjob. 18.300 Bewerbungen

erhielt die NASA

auf eine Stellenanzeige, obwohl

die Bewerber einen naturwissenschaftlichen

Bachelor-Abschluss

und 1000

Stunden Flugerfahrung mitbringen

mussten. Bis zum

Sommer 2017 werden nun

14 Glückliche ausgesucht.

>> „Ich verstehe nur Bahnhof“,

sagt jemand, wenn ihm

ein Sachverhalt unklar ist.

Nach dem Sprachforscher

Lutz Röhrich war der Bahnhof

im 1. Weltkrieg für die

kriegsmüden Soldaten das

Symbol für Heimat. Jedes

Gespräch, das sich nicht darum

drehte, wurde mit dem

Satz abgewürgt. Der Sprachforscher

Wolfgang Mieder

geht hingegen davon aus,

dass die lauten Dampfloks

bei der Entstehung der Wendung

Pate standen.

Redensart:

Venusfliegenfallen

können zählen!

Richtig oder falsch?

Der Tod lauert am Blätterrand:

Berührt eine Fliege die

Sinnehaare einer Venusfliegenfalle,

so gibt es für sie kein

Entkommen mehr. Innerhalb

von 0,1 Sekunden klappen die

Fangblätter zusammen. Das ist

eine der schnellsten Bewegungen

im Pflanzenreich. Das Insekt

ist gefangen und wird von

der Venusfliegenfalle verdaut,

was bis zu zehn Tage dauern

kann.

Das Interessante dabei ist:

Die Fangblätter reagieren

nicht bei der ersten Berührung.

Erst wenn die Pflanze innerhalb

von 20 Sekunden

zweimal auf dieselbe Art berührt

wird, schnappt sie zu.

Die Venusfliegenfalle kann also

zählen, um zu verhindern,

dass sie sich bei einer zufälligen

Berührung vergeblich bemüht.

Denn jede Falle kann

höchstens siebenmal zuschnappen.

Danach stirbt das

Blatt mit der Falle ab.

>> 40 %

>> des Erfolgs eines Unternehmens

lässt sich auf Mitarbeiterpflege

zurückführen

>> 42 %

>> der Mitarbeiter in

Deutschland fühlen sich

nicht richtig anerkannt

>> 250.000 Dollar

>> erhielten die Angehörigen

eines Tellerwäschers im

World Trade Center

>> 7.100.000 Dollar

>> erhielten die Angehörigen

eines Bankmanagers, der bei

demselben Anschlag sein

Leben ließ

>> 19 %

>> verdienen Frauen in

Deutschland im Schnitt weniger

als Männer

>> 21,5 %

>> verdienen Frauen mit wissenschaftlichem

Abschluss

weniger als Männer gleichen

Ausbildungsniveaus

>> 15.000 Euro

>> erhielten die Angehörigen

der ICE-Katastrophe von

Eschede 1998 im Schnitt

>> 400.000 Euro

>> erhielten die Angehörigen

des Concorde-Unglücks in

Paris 2000 im Schnitt

>> 88 %

>> der Gehälter in Finnland

sind tarifgebunden

>> 14 %

>> der Gehälter in Polen sind

tarifgebunden

VOM WERT DES MENSCHEN

UND SEINER ARBEIT

A Brasilien

B

China

C

England

D Kalifornien

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fire, Björn Wylecich.

24 | Volkers Welt

SONNABEND

19. MÄRZ 2016

Savant werden Menschen mit

einer Inselbegabung genannt.

Das Inselgebiet ist ein multisensorisches

Areal im Gehirn,

das Gefühle wie Hunger

oder Durst bewusst macht.

Savants sind Menschen mit

einer geistigen Behinderung,

die von Geburt an erstaunliche

Fähigkeiten besitzen.

Etwa 30 Personen weltweit

wurden nicht als Savants

geboren. Bei ihnen setzte ein

Unfall das Genie frei. So wurde

der Amerikaner Orlando

Serrell als Zehnjähriger von

einem Baseball am Kopf getroffen.

Seitdem ist er ein

hochbegabter Mathematiker,

ebenso wie der Amerikaner

Jason Padgett, der bei einer

Kneipenschlägerei niedergeschlagen

wurde. „Ein weißes

Licht blitzte in meinem Hirn

auf wie bei einem Kamerablitz“,

schilderte Padgett der

Süddeutschen Zeitung. Der

Amerikaner Derek Amato

wollte beim Sprung in einen

Swimmingpool einen Football

fangen, schlug mit dem

Kopf auf den Beckenrand. Als

er wieder erwachte, konnte

er Klavier spielen. Man

nimmt an, dass nach dem Unfall

entstehende Verschaltungen

zwischen alten und neu

gebildeten Gehirnnerven solche

Fähigkeiten freilegen.

Die

„W“-Frage:

Was ist ein

SAVANT?

Superstar des

Fußballs

>> Mit 89

Toren hat

Cristiano Ronaldo

in der

Champions

League häufiger

getroffen

als jeder

andere. Doch wem verdankt

der Fußballstar eigentlich

seinen Namen?

Kennen Sie die Lösung?

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>> Von Leonardo DiCaprio

handelte die vergangene

Quizfrage. Der frischgebackene

Oscar-Gewinner

(„The Revenant“) war im

August 1984 als Neunjähriger

in den Ferien in Deutschland.

In Oer-Erkenschwick

nahm er – total hipp im

bauchfreien USA-Shirt – an

einem Breakdance-Wettbewerb

teil und wurde Dritter.

Als Preis durfte er eine

Schallplatte mit Breakdance-

Musik mit über den Großen

Teich nehmen.

Die 50 Euro hat gewonnen

Uwe Karstens aus Kirchwerder

Rufen Sie bis zum 20. März,

12 Uhr, an und nennen Sie uns die

richtige Lösung. Der Gewinner wird

ausgelost und benachrichtigt.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

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PLATT...

BEGABUNG

Hilfe, mein Kind ist schlau!

Zwei bis drei

Prozent der Kinder

sind hochbegabt.

Tests gibt

es ab zweieinhalb

Jahren.

„Na, los, Papa. Sing’ mit mir!“

Erwartungsvoll blickt mich

meine Tochter (4) an. Gerade

hat sie mir geduldig den Text

des Volkslieds „Der Mond ist

aufgegangen“ vorgebetet. Die

ersten beiden Strophen wortgetreu.

Jetzt ist sie irritiert,

dass ich die Zeilen nicht nach

einmal Hören sofort auswendig

kann. Ich versuche es aufs

Geratewohl, und natürlich

verhaspele ich mich. „,Hold‘,

Papa, es heißt ,hold’.“

Für meine Tochter ist es

vollkommen normal, Dinge

ruck, zuck auswendig zu können.

Vollkommen egal, ob es

sich um Liedertexte in altertümlichem

Deutsch, die Reihenfolge

der Schuhe in der

Kita oder Kindergeschichten

aus dem Autoradio handelt.

Alles wird abgespeichert. Mit

nicht einmal zwei Jahren löste

sie ohne Hilfe ein 25­teiliges

Puzzle. Eine außergewöhnliche

Leistung. Die meisten Kinder

in diesem Alter wollen von

etwas so Kompliziertem wie

einem Puzzle nichts wissen.

Der Unterschied zwischen

außergewöhnlich und genial

sind weitere 25 Puzzleteile.

Vom 25­jährigen Schachweltmeister

Magnus Carlsen aus

Norwegen, einem der brillantesten

Köpfe auf unserem Globus,

ist bekannt, dass er mit

nicht einmal zwei Jahren sogar

schon 50­Teile­Puzzle zusammensetzte.

Viele Eltern wünschen sich

ein Wunderkind. Doch Genialität

kann einsam machen.

Über Carlsen schreibt sein

Trainer Simen Agdestein in

dem Buch „Wunderjunge“:

„Als er vier wurde, konnte er

den ganzen Tag damit verbringen,

mit Legosteinen komplizierte

Modelle für Zehn­ bis

14­Jährige zu bauen. Nach solchen

,Lego­Tagen‘, an denen

sich Magnus in völliger Hingabe

stundenlang mit Bauen befasste,

kam es vor, dass er

nachts wach lag, die Augen

weit offen, unfähig zu schlafen,

weil er ständig an die Legosteine

dachte.“

Rund zwei bis drei Prozent

aller Kinder sind hochbegabt.

Wer Zweifel hat, ob sein Kind

dazu gehört, kann es ab einem

Alter von zweieinhalb Jahren

testen lassen. Das Problem: Intelligenztests

bei Kleinkindern

sagen immer nur etwas über

den augenblicklichen Entwicklungsstand

aus, hingegen wenig

über die grundsätzliche Intelligenz.

Eine Hochbegabung liegt

vor, wenn ein Intelligenzquotient

von 130 übertroffen wird,

entweder insgesamt oder in

einem einzelnen Teilbereich

(Sprachvermögen, Mathematik,

Verarbeitungsgeschwindigkeit

von Informationen).

Eine Hochbegabung ist in jungen

Jahren mehr Fluch als Segen.

Während andere Kinder

ihre Nachmittage mit Spielen

verbringen, müssen Hochbegabte

oft weite Wege zur

nächsten Begabtenschule pendeln.

Ob hochbegabt oder nicht:

Viele Eltern legen Wert darauf,

dass die Fähigkeiten ihres

Kindes frühzeitig gefördert

wird. Mehrsprachliche Kitas,

naturwissenschaftliche Experimente

im Kleinkindalter und

musikalische Frühförderung

boomen. „Es gibt einen regelrechten

Frühförderwahn“, sagte

der Bildungsforscher Heiner

Barz 2014 dem Hamburger

Abendblatt, „das Bestreben,

bloß keine Fähigkeiten brach

liegen zu lassen, hat schon

wahnhafte Züge.“

Viele Eltern sind allerdings

selbst die größte Entwicklungsbremse,

indem sie ihre

Kinder vor dem Fernseher

„parken“ anstatt sich mit ihnen

zu beschäftigen. Das schadet

dem Nachwuchs, ist sich die

Forschung sicher. Fernsehen

liefert eine Vielzahl von visuellen

Eindrücken, die an dem

Kind vorüberhuschen. Das

Kind sitzt dabei fasziniert und

vollkommen reglos vor dem

Bildschirm. „Bildlich könnte

man sagen: Nicht nur die Augenpartie,

sondern der gesamte

Körper sind wie in Gips gelegt“,

schreiben Wolfgang

Goebel und Michaela Glöckler

in dem Buch „Kindersprechstunde“.

Die Folge: Das Überangebot

an Sinneseindrücken

führt zu bruchstückhaften Gedankenabläufen,

was sich negativ

auf die noch im Werden

begriffenen Nerven des Gehirns

auswirken kann.

Egal, wie gut das Gehirn

aufgebaut wurde, ab dem 45.

Lebensjahr beginnt die Denkleistung

abzunehmen. Um 3,6

Prozent bis zum 50. Lebensjahr,

um 7,4 Prozent (Frauen),

beziehungsweise 9,6 Prozent

(Männer) zwischen dem 65.

und 70. Lebensjahr. Das ist das

Ergebnis einer Studie vom

University College London

und dem Institut „Inserm“ in

Frankreich. Was dagegen hilft,

sind gesunde Ernährung, Bewegung

und Gehirnjogging, also

zum Beispiel das Auswendiglernen

von Texten. Ich habe

„Der Mond ist aufgegangen“

jetzt drauf. Zehn Minuten

hat das gedauert. Das nächste

Zu­Bett­Bringen kann kommen.

Autor: Volker Gast

VIELSEITIG INTERESSIERT Wie gut Schüler lernen, hängt auch davon ab, wie lange sie als Kleinkind Fernsehen schauen durften.

500 Mrd. €

>> Rund 500 Milliarden Euro

werden weltweit pro Jahr bei

Wetten auf Fußballspiele gesetzt,

allein 30 Milliarden

davon auf Spiele in Deutschland.

Etwa 70 Prozent der

Wettumsätze werden in

Asien erzielt. Für den Fußball

hierzulande sind die

Wetten ein Riesenproblem.

Vor allem für den deutschen

Jugendfußball, auf den jährliche

weltweit 300 Millionen

Euro gesetzt werden.

>> Nicht aus Zucker sein

bedeutet, den Regen nicht

zu scheuen, sich auch auf

eine unbequeme Sache einzulassen.

Die Wendung kam

im späten 19. Jahrhundert

auf. Zucker galt damals als

Synonym für das bequeme,

privilegierte Leben. So heißt

es ja auch, wenn etwas unangenehm

wird: „Das ist

kein Zuckerschlecken.“

Redensart:

Biber, Otter

und Dachs

sind Fische!

Richtig oder falsch?

Am kommenden Sonnabend

endet die 40­tägige Fastenzeit.

Im Jahr 590 nach Christus hatte

Papst Gregor I. (540­604)

verfügt, dass Katholiken in

dieser Zeit der Genuss vom

Fleisch „warmblütiger Tiere“

verboten sei. Gregor I., auch

„Gregor der Große“ genannt,

war einer der bedeutendsten

Päpste des 1. Jahrtausends.

Fische fallen also nicht

unter dieses Verbot, Biber, Otter

und Dachs als Säugetiere

hingegen schon. Aber sie leben

am und im Wasser. Das brachte

das Konstanzer Konzil der

Katholischen Kirche, das von

1414 bis 1418 tagte, auf die Idee,

sie mit dem Satz „Biber, Otter,

Dachs – alles genug!“ sozusagen

als Fische zu erklären und

als Fastenspeise freizugeben.

Für den Biber hatte das dramatische

Folgen: Er wurde in den

folgenden Jahrhunderten fast

ausgerottet. Heute steht er

unter Naturschutz.

>> Der Mond ist aufgegangen,

die goldenen Sternlein

prangen am Himmel hell

und klar;

>> Der Wald steht schwarz

und schweiget, und aus den

Wiesen steiget der weiße

Nebel wunderbar.

>> Wie ist die Welt so stille

und in der Dämmrung Hülle

so traulich und so hold,

>> als eine stille Kammer,

wo ihr des Tages Jammer

verschlafen und vergessen

sollt!

>> Wie lange brauchen Sie,

um diesen Text auswendig zu

lernen?

DER MOND IST

AUFGEGANGEN

A Ronald McDonald

B

Ronald Reagan

C

Ron Weasley

D Ron Wood

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„Es gibt einen

regelrechten

Frühförderwahn“

Heiner Barz,

Bildungsforscher

8 | Volkers Welt

SONNABEND

4. JUNI 2016

Langjährige „Topmodel“­Gucker

wissen, was es bedeutet,

wenn Heidi Klum ein „Editorial

Shooting“ ankündigt.

Dann sind die jungen Damen

aufgefordert, möglichst keine

Miene zu verziehen und

griesgrämig in die Kamera zu

schauen. Auch bei den klassischen

Modenschauen geht es

ernst zu. Kein Lächeln soll

von der Hauptsache, der

Kleidung, ablenken.

In den 50er­ und 60er­Jahren

durfte Models, die damals

noch Mannequins hießen,

noch lächeln. Das Lächeln

war – wie bei Hostessen oder

Stewardessen – eine Einladung,

sich etwas zu leisten,

und ein Glücksversprechen.

Die in den 70er­Jahren aufkommende

Avantgarde wollte

sich von dieser altbackenen

Glücksvorstellung absetzen.

Sie begriff Mode als

Kunstform und entwickelte

eine völlig neue Bildsprache.

Models kamen nun ernst daher,

düstere Blicke sollten für

eine tiefsinnige und vielschichtige

Atmosphäre sorgen,

wo früher Oberflächlichkeit

regiert hatte. Doch ganz

wurde das Lächeln nicht vertrieben.

In den Versandhauskatalogen,

die weiter auf

schlichte Glücksversprechen

setzen, hat es überdauert.

Die

„W“-Frage:

Warum gucken

Models GRIES-

GRÄMIG?

Mit Torgarantie

>> Gesucht ist heute der effektivste

Torjäger im EM-Kader

von Joachim

Löw.

Zwar haben

andere häufiger

getroffen,

aber niemand

schießt so regelmäßig

Tore

wie der

Mann auf dem Foto.

Kennen Sie die Lösung?

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>> Um das Theaterstück

„Warten auf Godot“ drehte

sich unsere Quizfrage. Obwohl

Autor Samuel Beckett

(1906-1989) Ire war, lebte

er doch seit 1937 in Frankreich

und verfasste das ereignisarme

Stück daher in

Französisch. Uraufgeführt

wurde es am 5. Januar 1953

im Théâtre de Babylone in

Paris.

Die 50 Euro hat gewonnen:

Doris Reichenbächer aus Geesthacht

Rufen Sie bis zum 5. Juni,

12 Uhr, an und nennen Sie uns die

richtige Lösung. Der Gewinner wird

ausgelost und benachrichtigt.

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STAATSBÜRGERSCHAFT

Wer ist eigentlich ein Deutscher?

Wer Deutscher

werden will,

muss eine Menge

über unser Land

wissen.

Wenn in einer Woche die Fußball­Europameisterschaft

beginnt,

dann heißt es wieder:

„Franzosen gegen Schweizer“,

„Schweden gegen Italiener“,

„Deutsche gegen Polen“. Die

Fans feiern ihr Land, ihr Team,

ohne sich groß etwas dabei zu

denken. Seit dem „Sommermärchen“

2006 haben auch

wir Deutschen trotz der belasteten

Geschichte wieder ein

entspanntes Verhältnis zu

unserer Nationalität.

Unsere Staatsbürgerschaft

begleitet uns durch unser Leben,

ohne dass wir uns dessen

immer bewusst sind. Wird in

Deutschland ein Kind geboren,

müssen die Eltern die Existenz

des neuen Erdenbürgers binnen

einer Woche dem Standesamt

melden. Die Bedeutung

dieses formalen Aktes

lässt sich daran ermessen, dass

in vielen Krankenhäusern angeboten

wird, die Anmeldung

gleich vor Ort zu erledigen.

Erst die Geburtsurkunde

macht uns vor dem Gesetz zu

der Person, die wir sind.

Diskussionen um die

Staatsbürgerschaft bekamen

im vergangenen Jahr durch die

Flüchtlingswelle neue Aktualität.

„Deutschland den Deutschen“,

ist ein in reaktionären

Kreisen oft vorgetragener Slogan.

Zuletzt unterschied ein

Politiker gar zwischen solchen

und solchen Deutschen, zwischen

Nachbarn mit heller und

dunkler Hautfarbe, was zu

Recht einen Sturm der Entrüstung

auslöste. Doch was ist das

eigentlich: Deutsch sein? Der

Begriff existiert im allgemeinen

Sprachgebrauch so ungefähr

ab dem

15. Jahrhundert,

als das Heilige Römische

Reich den Zusatz „Deutscher

Nation“ bekam. Doch bis ins

19. Jahrhundert hinein blieb er

im Alltag unbedeutend. Man

war in erster Linie Preuße,

Bayer oder Württemberger,

erst in zweiter Linie Deutscher.

1815 löste der Deutsche

Bund das Heilige Römische

Reich Deutscher Nation ab,

das sich 1806 aufgelöst hatte.

Doch auch der Deutsche Bund

war stets mehr Staatenbund

als Bundesstaat. Obwohl schon

die

Paulskirchenverfassung

von 1848 dies vorgesehen hatte,

gab es weiter keine deutsche

Staatsangehörigkeit. Das

änderte sich erst mit der Gründung

des Deutschen Reiches

am 18. Januar 1871 in Versailles.

Die lange angestrebte deutsche

Nation wurde Wirklichkeit,

deren Bürger nun

„Reichsdeutsche“

genannt

wurden. Doch ihre Anhänglichkeit

an die einzelnen

Gliedstaaten blieb. Dies zeigt

sich exemplarisch an einem

Brief, den der preußische König

Wilhelm an eben jenem 18.

Januar 1871 an seine Frau Augusta

schrieb, nachdem er zum

deutschen Kaiser Wilhelm I.

gekrönt worden war: „Eben

kehre ich vom Schlosse nach

vollbrachtem Kaiserakte zurück.

Ich kann dir nicht sagen,

in welcher morosen (= niedergeschlagenen)

Emotion ich in

diesen letzten Tagen war, teils

wegen der hohen Verantwortung,

die ich nun zu übernehmen

habe, teils und vor allem

über den Schmerz, den preußischen

Titel verdrängt zu sehen.“

Mit dem deutschen Reichsund

Staatsangehörigkeitsgesetz

vom 22. Juli 1913 bekam

der Begriff „Deutscher“ dann

eine rechtliche Grundlage.

Heute ist der Begriff in Artikel

116 des Grundgesetzes geregelt.

Darin heißt es: „Deutscher

ist, wer die deutsche

Staatsangehörigkeit besitzt.“

Diese ist wiederum durch das

Abstammungsrecht geregelt.

Ein Kind erwirbt bei seiner

Geburt die deutsche Staatsangehörigkeit,

wenn zumindest

ein Elternteil Deutscher ist

(Abstammungsprinzip). Seit

1977 erhalten auch von Deutschen

adoptierte Kinder die

deutsche Staatsbürgerschaft.

Seit 2000 können zudem auch

Kinder, deren Eltern beide

Ausländer sind, bei der Geburt

Deutsche werden, wenn sie in

Deutschland geboren sind und

zu diesem Zeitpunkt zumindest

ein Elternteil ein unbefristetes

Aufenthaltsrecht besitzt

(Geburtsortprinzip).

Liegt eine doppelte Staatsbürgerschaft

vor, müssen sich die

Personen mit 18 Jahren entscheiden,

welche Staatsbürgerschaft

sie behalten wollen.

Wer nicht von Geburt an

Deutscher ist, kann dies über

das Einbürgerungsgesetz werden.

Doch die Hürden sind

hoch: Wer die deutsche Staatsbürgerschaft

erwerben will,

muss seit mindestens acht Jahren

in unserem Land leben, ein

unbefristetes Aufenthaltsrecht

Wer war Graf

von Stauffenberg?

besitzen, seinen Lebensunterhalt

sichern, unbescholten

sein, Deutsch sprechen, sich

zum Grundgesetz bekennen

und seine alte Staatsangehörigkeit

aufgeben. Und er muss

den Einbürgerungstest bestehen,

bei dem von 33 Fragen

mindestens 17 richtig zu beantworten

sind. Darin wird zum

Beispiel gefragt, wer Claus

Schenk Graf von Stauffenberg

war (Hitler­Attentäter), wann

die Bundesrepublik Deutschland

gegründet wurde (1949),

wie der erste Bundeskanzler

hieß (Konrad Adenauer) oder

was soziale Marktwirtschaft

bedeutet (Prinzip von Angebot

und Nachfrage mit sozialem

Ausgleich durch den Staat).

Und vielleicht ja auch bald,

wer Deutschland zum Europameistertitel

2016 schoss...

HERZENSSACHE Die Farben Schwarz-Rot-Gold traten als deutsche Nationalfarben erstmals während

der Befreiungskriege (1813 bis 1815) in Erscheinung. Sie gehen auf das Lützowsche Freikorps zurück,

dessen Mitglieder schwarze Uniformen mit goldenen Knöpfen und roten Kragenspiegeln trugen.

850.000

>> 850.000 Tagebücher

hortet das Centre for Time

Use Research der Universität

Oxford in Großbritannien.

Sie dienen der Erforschung,

wie wir unsere Zeit verbringen.

Dabei konnten die Forscher

bereits das weit verbreitete

Vorurteil entkräften,

dass unser Leben immer

arbeitsreicher wird. Tatsächlich

hat sich – gesamtgesellschaftlich

betrachtet – die

Arbeitszeit seit den 80er-

Jahren kaum verändert.

>> Einen Kater haben bedeutet,

die Folgen eines starken

Rausches zu spüren. Es

wird angenommen, dass der

Ausdruck seinen Ursprung in

dem Wort „katarrh“ hat.

Eine andere Theorie ist, dass

er sich aus dem seit dem

18. Jahrhundert bekannten

Begriff „Katzenjammer“ entwickelt

hat. Um 1850 fand

die Wendung zuerst durch

Leipziger Studenten Eingang

in die Umgangssprache. Sie

hebt darauf ab, dass das Gejammer

Alkoholkranker an

das nächtliche Geschrei liebestoller

Katzen erinnert.

Redensart:

Folter ist

keine

Strafe!

Im Mittelalter gab es ein ausdifferenziertes

Rechtssystem.

Die hohe Gerichtsbarkeit verhandelte

Schwerverbrechen

wie Mord, Spionage, Hexerei,

Ehebruch oder Falschmünzerei.

Die niedere Gerichtsbarkeit

wurde vom Grundherrn

ausgeübt. Er urteilte über

Eigentums­ oder Erschaftsangelegenheiten.

Kam man bei

der hohen Gerichtsbarkeit mit

der Beweisführung nicht weiter,

griff man zur Folter, um

ein Geständnis zu erzwingen.

Die Folter war also Bestandteil

des Verfahrens, nicht die

eigentliche Strafe. Sie stammt

aus dem Alten Rom, wo Sklaven

und Verräter gefoltert

wurden. Im Mittelalter war ihr

Gebrauch anfangs völlig willkürlich,

ab dem 13. Jahrhundert

musste mindestens ein Zeuge

die Täterschaft bezeugen. Erst

im 18. Jahrhundert setzte sich

die Erkenntnis durch, dass Folter

unmenschlich ist.

A Mario Gomez

B

Mario Götze

C

Thomas Müller

D André Schürrle

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>> Es war der 24. September

2014, als sich die damals 18-

jährige Alecia Faith Pennington

entschloss zu fliehen. Aufgewachsen

war sie mit acht

Geschwistern auf einer Farm

in Texas als Tochter zweier

fundamentaler Christen. Während

eines Besuchs ihrer

Großeltern raffte sie ihre Habseligkeiten

zusammen und

versteckte sich in deren Auto.

Als ihr Großvater, Jim Southworth,

abends den Wagen öffnete,

war er überrascht, seine

Enkeltochter vorzufinden. Auf

ihr Drängen hin nahm er sie

mit.

>> Schnell stellte sich jedoch

heraus, dass der Sprung in ein

neues Leben für Alecia Faith

Pennington alles andere als

einfach war. Denn sie besaß

keinerlei offizielles Dokument

über ihre Person und war damit

für den amerikanischen

Staat schlicht nicht auf der

Welt. Sie konnte also weder

ein Bankkonto einrichten, noch

studieren, ein Flugticket buchen

oder den Führerschein

machen. In ihrer Not wandte

sich die mittlerweile 19-Jährige

im Februar 2015 in einem

Youtube-Video an die Öffentlichkeit

und erzählte ihre Geschichte:

Sie sei zu Hause geboren

worden, habe nie eine

Schule oder ein Krankenhaus

besucht, sondern privat unterrichtet

worden und sei von

ihren Eltern nie offiziell gemeldet

worden. Innerhalb weniger

Tage machte die Geschichte

vom „Mädchen, das nicht

existiert“ (Hamburger Abendblatt)

Schlagzeilen auf der

ganzen Welt. Das zeigte Wirkung:

Die Politiker in Texas

brachten ein Gesetz auf den

Weg, das solche Fälle regelt.

Im September 2015 konnte

Alecia Faith Pennington

schließlich ihre Geburtsurkunde

in Empfang nehmen – fast

20 Jahre, nachdem sie auf die

Welt gekommen war.

DAS MÄDCHEN, DAS NICHT EXISTIERTE

DIE UNGLAUBLICHE GESCHICHTE DER ALECIA FAITH PENNINGTON

Alecia Faith Pennington

kämpfte lange um ihre

Geburtsurkunde.

Richtig oder falsch?

Fotos: dpa; Fotolia © VRD, Ermolaev

Alexandr, okalinichenko, schinsilord.

16 | Volkers Welt

SONNABEND

12. MÄRZ 2016

Wenn es um die Anzahl der

Teile angeht, kennen Puzzle­

Hersteller kaum Grenzen. So

hat Ravensburger ein 18.000­

Teile­Puzzle im Programm,

das ein vollgestelltes Regal

zeigt (und zum Glück in Etappen

gelöst werden kann).

Clementoni hat Puzzles mit

13.200 Teilen im Angebot.

Die Motive reichen von Michelangelo

über eine Pferdeherde

bis zur New Yorker

Skyline. Das schwerste Puzzle

der Welt aber heißt „Eternity

II“ und besteht aus nur

256 quadratischen Teilen, die

zu einem Quadrat von 16x16

Teilen zusammengelegt werden

müssen. Bei der Veröffentlichung

2007 wurde ein

Preis von 2 Millionen Dollar

ausgelobt, doch bis zum Ende

der Preisausschreibung 2010

konnte niemand die Lösung

präsentieren. Das Problem:

Jedes Quadrat ist mit vier

Dreiecken bemalt, die an passende

Dreicke der Nachbarquadrate

angelegt werden

müssen. Das wäre ganz einfach,

wenn es jede Art Dreieck

immer nur auf zwei

Quadraten gäbe. Tatsächlich

ist aber jede Art Dreieck rund

vier Dutzend Mal vertreten.

Durch diese Wiederholung

steigern sich die Anlegemöglichkeiten

ins Unendliche.

Die

„W“-Frage:

Wie viele TEILE hat

das SCHWERSTE

PUZZLE der Welt?

Leonardos

Jugenderfolg

>> Der Oscar-Gewinner

Leonardo

DiCaprio

machte 1984

als zehnjähriger

Junge

Urlaub in

Oer-Erkenschwick und wurde

dort Dritter in einem

Wettbewerb. Raten Sie doch

mal, worum es dabei ging.

Kennen Sie die Lösung?

Gewinnen Sie 50 Euro:

01378 10 11 25*

>> „Frischer Wind im Norden“,

heißt der Slogan der

46.000-Einwohner-Stadt

Stade. Nach der Bedeutung

des Wortes „Stade“ war bei

unserem Gewinnspiel gefragt.

Plattdeutsch heißt die

Stadt „Stood“, da ist noch

der altgermanische Ursprung

des Namens „stod“ zu erkennen,

der Lagerplatz oder

„Stelle“ bedeutet. Liebhaber

älterer Literatur kennen sicher

noch das Wort „Gestade“

für einen Ort, an dem

Schutz sucht.

Die 50 Euro hat gewonnen:

Hubert Lechner aus Reinbek

Rufen Sie bis zum 13. März,

12 Uhr, an und nennen Sie uns die

richtige Lösung. Der Gewinner wird

ausgelost und benachrichtigt.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

*(50 Cent/Anruf aus dem Festnetz

der Deutschen Telekom, Mobilfunkpreise können abweichen)

Da biste

PLATT...

FARBEN TEIL 2

Wie Farben unser Leben bestimmen

Eine Frau in

einem roten

Kleid erscheint

besonders attraktiv.

Doch keiner

wagt es, sie anzusprechen.

Als Jürgen Klinsmann im Jahr

2004 Bundestrainer der deutschen

Fußball­Nationalmannschaft

wurde, ließ er die traditionell

in Weiß und Schwarz

gekleidete deutsche Elf in

Knallrot spielen, weil diese

Farbe für Aggressivität steht.

Tatsächlich ist wissenschaftliche

erwiesen: Sportler in Rot

sind erfolgreicher als Aktive in

anderen Farben!

Der Nachweis gelang im

Kampfsport. „Rot gegen Blau“,

heißt es in den Sportarten Boxen,

Ringen und Taekwondo.

Welcher Kämpfer welche Farbe

zu tragen hat, wird vor jedem

Kampf ausgelost. Anhand

der Olympischen Spiele 2004

in Athen fanden die Forscher

Russell Hill und Robert Barton

von der Universität Durham

(Großbritannien) heraus, dass

die Mehrheit der siegreichen

Kämpfer Rot trug: im Taekwondo

57 Prozent, im Boxen 55

Prozent und im Ringen 53 Prozent.

Nur ein Zufall, oder steckte

mehr dahinter? Sportpsychologen

der Universität Münster

wollten das genauer wissen

und ließen die Taekwondo­

Bilder aus Athen im Jahr 2008

noch einmal von 42 Kampfrichtern

bepunkten. Danach

zeigten sie die Filme den Unparteiischen

noch einmal,

doch dieses Mal hatten die

Forscher die Bilder manipuliert:

Die in Blau gekleideten

Kämpfer erschienen nun in

Rot und umgekehrt. Das verblüffende

Ergebnis: Wieder

bekamen die rot erscheinenden

Kämpfer im Schnitt 13

Prozent mehr Punkte zuerkannt.

Diese Erkenntnisse lassen

sich auf viele Bereiche unseres

Lebens übertragen. Eine Frau

in einem roten Kleid erscheint

attraktiver als wenn sie Blau,

Grün, Gelb oder Schwarz tragen

würde. Dennoch ist ein rotes

Kleid für eine Frau nicht

ohne Risiko. „Was Männer angeht,

gucken alle Männer hin,

aber keiner wagt es, sie anzusprechen,

weil es verboten ist

wie bei einer roten Ampel“, erklärte

Professor Harald Braem,

der Autor des Buches „Die

Macht der Farben“, gegenüber

dem ZDF.

Farben sind das Spektrum

des Lichts. Das hat Isaac Newton

(1642­1726) schon im Jahr

1671 mit Hilfe eines Glasprismas

nachgewiesen. Eine einzelne

Farbe besteht also aus

Lichtwellen gleicher Wellenlänge.

Der für den Menschen

sichtbare Teil des Lichts beginnt

bei einer Wellenlänge

von 380 Nanometern (nm/

Violett). Es folgen Blau (400­

500 nm), Türkis (500­510 nm),

Grün (510­580 nm), Gelb (580­

600 nm), Orange (600 bis 640

nm) und Rot (640 bis 780 nm).

Wellenlängen unterhalb von

380 Nanometern (Ultraviolett)

sind für den Menschen nicht

zu sehen, wohl aber für Bienen.

Sie folgen ultravioletten

Mustern auf den Pflanzen, um

ins Innere des Blütenkelchs zu

finden und bestäuben so die

Pflanze.

Auch der Bereich jenseits

der 780 Nanometer (infrarot)

bleibt dem Menschen verborgen.

Nicht aber den Schlangen,

die mit ihrem Grubenorgan

Infrarot­Strahlung wahrnehmen

können. Das Grubenorgan

ist durch einige runde

Öffnungen oberhalb des

Munds gekennzeichnet. Es

sorgt dafür, dass die Schlange

Schlangen sehen in

völliger Dunkelheit

in ihrer Umgebung Temperaturunterschiede

vom Bruchteil

eines Grads wahrnehmen

kann. Auf diese Weise kann sie

in völliger Dunkelheit jagen.

Trifft Licht auf unser Auge,

so fällt es durch die Linse auf

die Netzhaut, auf der sich rund

126 Millionen lichtempfindliche

Sinneszellen befinden,

nämlich 6 Millionen Zapfen

und 120 Millionen Stäbchen.

Letztere ermöglichen das Sehen

bei geringer Lichtstärke.

Die Zapfen hingegen sind die

Rezeptoren für die Farbwahrnehmung.

Es gibt drei verschiedene

Arten für Rot, Grün

und Blau. Während der Anteil

der Zapfen, die auf Blau reagieren,

bei jedem Menschen

bei rund 12 Prozent liegt, variiert

der Anteil von Zapfen für

Rot und Grün von Mensch zu

Mensch. Durch die Mischung

der Impulse sehen wir das gesamte

für uns erkennbare

Farbspektrum von bis zu 7,5

Millionen Farbnuancen.

Diese Impulse bewirken

eine Reaktion unseres Körpers,

die automatisch abläuft.

Sehen wir zum Beispiel die

Signalfarbe Rot, die in früheren

Jahrhunderten mit Blut

und Feuer verknüpft war, so

gibt es eine Adrenalinausschüttung

in unserem Körper.

Puls und Blutdruck steigen.

Wir sind alarmiert. Sehen wir

hingegen Grün, so bewirkt das

eine Melanin­Ausschüttung.

Die Systeme des Körpers fahren

herunter, der Mensch beruhigt

sich.

Diese

Körperreaktionen

können wir nicht steuern. Und

genau das ist der Grund, weshalb

wir im Sport rote Trikots

als aktiv und aggressiv empfinden,

blaue Trikots hingegen

als passiv und schwach. Jürgen

Klinsmann hat seine „Trikot­

Revolution“ trotzdem nichts

genutzt. Die rot gekleidete Nationalelf

verlor sang­ und

klanglos mit 1:4 bei den in Blau

spielenden Italienern. Die roten

Trikots verschwanden daraufhin

ganz schnell wieder im

Schrank.

WAS ZIEHE ICH AN? Bunte T-Shirts hängen auf einer Wäscheleine. Sie erscheinen uns unterschiedlich farbig, weil sie verschiedene Wellenlängen des Lichts reflektieren.

1.176.000 t

>> Rund 3,5 Millionen Tonnen

Uran lagern für den

Menschen erreichbar in

unserer Erde. Fast ein Drittel

davon, nämlich 1.176.000

Tonnen, finden sich in Australien.

Fast schon bescheiden

nehmen sich dagegen

die nächstgrößeren Vorkommen

in Kanada (361.000),

Kasachstan (336.000), dem

Niger (242.000), Südafrika

(195.000), Russland

(181.000) und Brasilien

(158.000) aus.

>> Eine Fahrkarte schießen

bedeutet, das Ziel zu verfehlen.

Die Wendung ist im

Fußball weit verbreitet,

stammt aber aus dem

Schießsport. Wenn ein

Schütze die Ringe auf der

Zielscheibe verfehlt und der

Schuss auf dem Rand daneben

einschlägt, dann sieht

das so aus, als habe ein

Schaffner eine Fahrkarte abgeknipst.

Redensart:

Honig

ist

blau!

Richtig oder falsch?

Passend zum Thema „Farben“

unser heutiges Beispiel für

„Richtig oder falsch?“. Blauen

Honig gibt es tatsächlich, und

zwar in der Stadt Ribeauville

im Nordosten Frankreichs.

Dort staunten die Imker nicht

schlecht, als ihre Bienen plötzlich

anfingen, nicht nur blauen,

sondern auch grünen Honig

zu produzieren.

Des Rätsels Lösung: Die

Bienen ernährten sich von den

Abfällen einer nahegelegenen

Biogasanlage. Dort wurden

Abfälle einer Firma gelagert,

in der die Süßigkeit „M&Ms“

produziert wird. Die Lebensmittelfarben

schlugen auf den

Honig durch. Zwar wurde der

betreffende Abfall fortan drinnen

gelagert, auf ihrem Honig

aber blieben die Imker sitzen.

Niemand wollte blauen oder

grünen Honig kaufen. Auch

einen Ersatz für den wirtschaftlichen

Schaden bekamen

sie nicht.

A Basketball

B

Breakdance

C

Chorgesang

D Skateboard

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Fotos: dpa; Fotolia © stockphoto graf,

bilderzwerg, Elena Baryshkina, Kutukupret,

rcfotostock.

Trifft Licht zum Beispiel mit einer Wellenlänge von 500 Nanometern (Türkis) auf unser Auge, so fällt

es durch Pupille und Linse auf die Netzhaut. Dort „feuern“ die Rezeptoren für Blau stark, die Rezeptoren

für Grün schwach und die Rezeptoren für Rot gar nicht. Aus diesen Impulsen „bastelt“ sich das

Gehirn sein Bild der Wirklichkeit, ordnet der Wellenlänge von 500 Nanometern die Farbe Türkis zu.

>> FOLGE 453 BIS 478

WISSEN | STAUNEN | SCHMUNZELN | RATEN | LERNEN

Jeden Sonnabend neu in Ihrer BERGEDORFER ZEITUNG/LAUENBURGISCHEN LANDESZEITUNG.

WELT

VOLKERS

THEMENÜBERSICHT

453 wert Wie kostbar ist meine Arbeit?

454 FARBEN Eine kurze Geschichte der Farben

455 farben Wie Farben unser Leben bestimmen

456 begabung Hilfe, mein Kind ist schlau!

457 fehmarn Insel der Entschleunigung

458 flohmarkt Flanieren, Finden und Feilschen

459 hightech-landwirtschaft Tablets auf dem Traktor

460 ökosystem wald Wie Bäume kommunizieren

461 ökosystem wald Der Kreislauf des Lebens

462 ökosystem wald Exkursionen ins Extreme

463 rasenroboter Die clevere Alternative

464 zlatan ibrahimovic Der extremste Fußballer

465 hamburg freezers Hinter den Kulissen der Eisshow

466 eichhörnchen Akrobaten der Baumwipfel

467 staatsbürgerschaft Wer ist eigentlich ein Deutscher?

468 schaukeln Glücksgefühle nicht nur für Kinder

469 tour de france Zwischen Faszination und Zweifel

470 tour de france Berge und Bären: Die Anfänge

471 tour de france Die großen Duelle

472 sandburgen Ein Freizeit-Spaß versandet

473 liebesbriefe „Hier zittert mein Herz nach Dir“

474 plastikmüll Eine Gefahr für die Weltmeere

475 kreta Sonnigste Insel im Mittelmeer

476 tatort Deutschlands Kult-Krimi

477 hochsprung Die größte Revolution des Sports

478 ostfriesische inseln Die Spülsaumgesellschaft


16 | Volkers Welt

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SONNABEND

27. FEBRUAR 2016

WERT

Wie kostbar ist meine Arbeit?

Da biste

PLATT...

>> Unsere vergangene Quizfrage

drehte sich um den 50.

Geburtstag von Topmodel

Cindy Crawford. Sie war von

1991 bis 1995 mit dem 16

Jahre älteren Richard Gere

verheiratet. Ihr Verhältnis

beschäftigt die Klatschblätter

bis heute: 2013 titelte die

Bunte: „Cindy Crawford

schwärmt von Ex-Mann Richard

Gere.“ 2016 hieß es

dann: „Cindy Crawford: Abrechnung

mit Ex-Mann Richard

Gere.“

Die 50 Euro hat gewonnen

Regina Kezinski aus Reinbek

Die große

weite Welt?

>> Unsere

heutige Frage,

klingt

nach großer

weiter Welt,

doch alle

Ortsnamen

finden sich in

Schleswig-

Holstein. Bis auf einen. Welchen?

A Brasilien

B China

C England

D Kalifornien

Kennen Sie die Lösung?

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Rufen Sie bis zum 28. Februar,

12 Uhr, an und nennen Sie uns die

richtige Lösung. Der Gewinner wird

ausgelost und benachrichtigt.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

*(50 Cent/Anruf aus dem Festnetz

der Deutschen Telekom, Mobilfunkpreise können abweichen)

18 300

>> Astronaut ist immer noch

ein Traumjob. 18.300 Bewerbungen

erhielt die NASA

auf eine Stellenanzeige, obwohl

die Bewerber einen naturwissenschaftlichen

Bachelor-Abschluss

und 1000

Stunden Flugerfahrung mitbringen

mussten. Bis zum

Sommer 2017 werden nun

14 Glückliche ausgesucht.

„Na, was wollen

Sie denn verdienen?“

Diese Frage

ist in Vorstellungsgesprächen

gefürchtet. Aus

gutem Grund.

Geht es wirklich immer nur

ums Geld? Als das Wirtschafts­Branchenmagazin

PwC im Jahr 2014 eine Umfrage

zur Zukunft der Arbeit

durchführte, entwarf es drei

Szenarien:

Blaue Welt: Profitorientierte

Großkonzerne, streng orientiert

am Wachstum und an

Konsumentenwünschen. Viel

Stress, aber hohe Gehälter und

gute Zukunftsperspektiven.

Orangene Welt: Kleine, innovative

Unternehmen, hochspezialisiert

und eng vernetzt

über soziale Netzwerke. Freiberufliche

Arbeit, flexibel und

projektbezogen, mittelmäßig

bezahlt.

Grüne Welt: Unternehmen, die

soziale Verantwortung in den

Mittelpunkt stellen, sich zum

Beispiel mit dem Klimawandel

beschäftigen. Arbeit mit intakter

Work­Life­Balance, gering

entlohnt.

Anschließend wurden

10.000 Menschen in fünf Ländern

(Deutschland, Großbritannien,

USA, China, Indien)

befragt, wo sie in Zukunft

arbeiten möchten. In Deutschland

entschied sich

die überwältigende

Mehrheit

von 70 Prozent

für einen Job

in der „Grünen

Welt“ – den

geringen Einkommensmöglichkeiten

zum Trotz.

26 Prozent

sahen ihre Zukunft

in der

„Orangenen

Welt“ und

nur vier Prozent

der

Deutschen

entschieden

sich für Geld, Stress und

Karriere in der „Blauen Welt“.

Wir sind also – überspitzt formuliert

– ein Volk von Weltverbesserern.

Wann immer es um Arbeitnehmer

und den Wert der von

ihnen geleisteten Arbeit geht,

prallen Extreme aufeinander.

Reine Kostenfaktoren sind sie

für manche Analysten. Das

„wahre Kapital“ eines Unternehmens,

die Seele der Firma

hingegen für Betriebsräte und

Gewerkschaften. Der wirtschaftswissenschaftliche

Ausdruck

dafür heißt „Humankapital“.

Es ist ein belasteter Begriff,

denn das Transferieren

von Mitarbeitern in Zahlen

wird oft als Herabwürdigung

des Menschen betrachtet.

Die Wissenschaftler Christian

Scholz und Volker Stein

von der Universität des Saarlandes

sehen darin aber auch

eine Chance, den Wert einer

Belegschaft für das Unternehmen

zu beziffern und damit

fassbar zu machen. Zu diesem

Zweck entwickelten sie die

„Saarbrücker Formel“, die sie

allerdings nur auf Gruppen

von Mitarbeitern angewendet

wissen wollen, nicht auf den

einzelnen Arbeitnehmer.

In der Saarbrücker Formel

spielen verschiedene Faktoren

wie die Wissensrelevanz (Erfahrung)

der Belegschaft, die

durchschnittliche Dauer der

Betriebszugehörigkeit oder die

Aufwendungen der Firma für

die Personalentwicklung eine

Rolle. Sind diese Werte alle

zueinander in Bezug gesetzt,

wird das Ergebnis abschließend

mit dem Motivationswert

multipliziert, der in der

Gruppe vorherrscht.

Mal abgesehen davon, dass

Faktoren wie „Motivation“

oder „Erfahrung“ nicht leicht

zu beziffern sind, ergibt sich

so ein Instrument, mit dem

sich der Wert des durchschnittlichen

Mitarbeiters für

ein Unternehmen darstellen

lässt. Professor Scholz nennt

im Dokumentarfilm „Was bin

ich wert“ von Peter

Scharf einen

BEWERBUNGSGESPRÄCH Wer gut vorbereitet ist und bei den entscheidenden

Fragen ruhig bleibt, kann mehr für sich herausholen.

Wert von 70.000 bis 150.000

Euro für einen Angestellten

bei einem typischen großen

DAX­Unternehmen.

Der entscheidende Punkt

ist: Der Mitarbeitermotivation

wird eine Schlüsselrolle eingeräumt.

Mit anderen Worten:

Ein Angestellter kann noch so

erfahren sein. Wenn er die

Lust verloren hat, ist er für das

Unternehmen nicht viel wert.

Eine Firma kann personell

noch so kompetent bestückt

sein. Wenn keine positive

Arbeitsatmosphäre herrscht,

wird auf die Dauer „Humankapital“

vernichtet.

Arbeitsatmosphäre

ist entscheidend

Mit der Frage „Was bin ich

wert“ wird jeder im Leben einmal

konfrontiert, spätestens

wenn im Vorstellungsgespräch

die gefürchtete Frage

kommt: „Was wollen Sie denn

verdienen?“. Viele Berufsanfänger

nehmen sie eigentümlich

leicht. Doch nur wer sich

vorher über die Firma und die

Branche gut informiert hat,

kann die bestmögliche Antwort

geben. Und die kann bares

Geld wert sein. Legen Sie

sich also ein paar Argumente

zurecht, die das angestrebte

Gehaltsniveau

rechtfertigen. Überlegen

Sie, mit welchen Gegenargumenten

Sie konfrontiert werden

könnten. Und das Wichtigste:

Bewahren Sie die Ruhe.

Wenn Sie Selbstbewusstsein

und Souveränität ausstrahlen,

steigen Ihre Chancen, den

künftigen Chef zu überzeugen.

Die Verbindung zwischen

menschlicher Existenz und

Geld mag zynisch klingen,

aber sie ist Bestandteil unseres

Lebens. „Wie viele Flüchtlinge

können wir uns leisten?“, ist

momentan eine der zentralen

Fragen der Politik, auf die in

Europa ganz verschiedene

Antworten gefunden werden.

Als nach dem Terroranschlag

auf den World Trade Center

die Angehörigen der Opfer

entschädigt wurden, bemaß

sich die Höhe der Summe an

ihrem Beruf und ihrer Lebenserwartung.

Mit dem tatsächlichen

Verlust, den die Menschen

erlitten hatten, hatte das

nichts zu tun.

Fotos: Fotolia © Smileus, Contrastwerkstatt,

andris toms, Vadimsadovsky, andrey

fire, Björn Wylecich.

VOM WERT DES MENSCHEN

UND SEINER ARBEIT

>> 40 %

>> des Erfolgs eines Unternehmens

lässt sich auf Mitarbeiterpflege

zurückführen

>> 42 %

>> der Mitarbeiter in

Deutschland fühlen sich

nicht richtig anerkannt

>> 250.000 Dollar

>> erhielten die Angehörigen

eines Tellerwäschers im

World Trade Center

>> 7.100.000 Dollar

>> erhielten die Angehörigen

eines Bankmanagers, der bei

demselben Anschlag sein

Leben ließ

>> 19 %

>> verdienen Frauen in

Deutschland im Schnitt weniger

als Männer

>> 21,5 %

>> verdienen Frauen mit wissenschaftlichem

Abschluss

weniger als Männer gleichen

Ausbildungsniveaus

>> 15.000 Euro

>> erhielten die Angehörigen

der ICE-Katastrophe von

Eschede 1998 im Schnitt

>> 400.000 Euro

>> erhielten die Angehörigen

des Concorde-Unglücks in

Paris 2000 im Schnitt

>> 88 %

>> der Gehälter in Finnland

sind tarifgebunden

>> 14 %

>> der Gehälter in Polen sind

tarifgebunden

Redensart:

>> „Ich verstehe nur Bahnhof“,

sagt jemand, wenn ihm

ein Sachverhalt unklar ist.

Nach dem Sprachforscher

Lutz Röhrich war der Bahnhof

im 1. Weltkrieg für die

kriegsmüden Soldaten das

Symbol für Heimat. Jedes

Gespräch, das sich nicht darum

drehte, wurde mit dem

Satz abgewürgt. Der Sprachforscher

Wolfgang Mieder

geht hingegen davon aus,

dass die lauten Dampfloks

bei der Entstehung der Wendung

Pate standen.

Die

„W“-Frage:

Wer im Kampfsport den

schwarzen Gürtel hat, gilt als

Meister seines Fachs. Den

schwarzen Gürtel zu tragen,

ist nur Dan­Trägern vorbehalten,

die eine entsprechende

Prüfung abgelegt haben.

Insgesamt gibt es in japanischen

Kampfsportarten wie

Karate, Judo, Jiu­Jitsu, Aikido

oder Kendo zehn Dan­Grade.

Vom 1. bis zum 10. Dan aufsteigend

heißen sie: Shodan,

Was ist

ein DAN?

Nidan, Sandan, Yondan, Godan,

Rokudan, Nanadan, Hachidan,

Kudan, Judan. Die

Dan­Graduierungen der einzelnen

Sportarten sind nicht

miteinander vergleichbar. Ein

1. Dan im Aikido ist also nicht

gleichbedeutend mit einem

1. Dan im Karate.

Unterhalb des Dans gibt es

die Schüler­Graduierungen

Kyu, aufsteigend vom 9. bis

zum 1. Kyu. Im Judo tragen

sie folgende Gürtel: 9. Kyu:

weiß, 8. Kyu weiß­gelb, 7.

Kyu: gelb, 6. Kyu: gelb­orange,

5. Kyu: orange, 6. Kyu:

orange­grün, 7. Kyu: grün, 8.

Kyu: blau, 9. Kyu: braun. Die

Möglichkeit, sich ständig

neue Gürtel zu erkämpfen, ist

für Kinder und Jugendliche

sehr motivierend. Trotzdem

hat sich die Zahl der Judoka

seit 2002 von 276.000 auf

154.000 fast halbiert.

Venusfliegenfallen

können zählen!

Richtig oder falsch?

Der Tod lauert am Blätterrand:

Berührt eine Fliege die

Sinnehaare einer Venusfliegenfalle,

so gibt es für sie kein

Entkommen mehr. Innerhalb

von 0,1 Sekunden klappen die

Fangblätter zusammen. Das ist

eine der schnellsten Bewegungen

im Pflanzenreich. Das Insekt

ist gefangen und wird von

der Venusfliegenfalle verdaut,

was bis zu zehn Tage dauern

kann.

Das Interessante dabei ist:

Die Fangblätter reagieren

nicht bei der ersten Berührung.

Erst wenn die Pflanze innerhalb

von 20 Sekunden

zweimal auf dieselbe Art berührt

wird, schnappt sie zu.

Die Venusfliegenfalle kann also

zählen, um zu verhindern,

dass sie sich bei einer zufälligen

Berührung vergeblich bemüht.

Denn jede Falle kann

höchstens siebenmal zuschnappen.

Danach stirbt das

Blatt mit der Falle ab.


16 | Volkers Welt

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SONNABEND

5. MÄRZ 2016

FARBEN TEIL 1

Eine kurze Geschichte der Farben

Da biste

PLATT...

>> Um kuriose Ortsnamen in

Schleswig-Holstein ging es

bei unserem Gewinnspiel.

„Brasilien“ und „Kalifornien“

sind Ortsteile von Schönberg/Holstein

an der Ostsee.

In „Kalifornien“ wurden

einst Wrackteile eines Schiffes

mit dem Namen „California“

angeschwemmt. Daher

erhielt der Strandabschnitt

diesen Namen. „England“ ist

eine Gemeinde auf der

Nordseeinsel Nordstrand.

China war frei erfunden.

Die 50 Euro hat gewonnen:

Heidi Wegner aus Wentorf

Besuch in Stade

>> Wir bleiben im Norden,

wechseln aber nach Niedersachsen:

Die alte Hansestadt

Stade ist immer einen Ausflug

wert. Doch was bedeutet

eigentlich „Stade“?

A Lagerplatz

B Ruhepunkt

C Schönheit

D Zentrum

Kennen Sie die Lösung?

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7,4 kg

>> 7,4 Kilogramm Nudeln

essen die Deutschen im

Schnitt pro Jahr. Jeder Zweite

verzehrt mindestens einmal

pro Woche ein Nudelgericht.

Spitzensportler wie etwas

Bergedorfs Ruder-Olympiakandidat

Torben Johannesen

haben einen sehr viel

höheren Bedarf an Kohlehydraten.

„Im Trainingslager

esse ich daher rund 2,5 Kilogramm

Nudeln pro Woche“,

verriet er der Redaktion.

Redensart:

>> Auf dem Holzweg ist jemand,

der bei der Suche

nach der Lösung für ein

Problem den falschen Pfad

eingeschlagen hat. Niemand

weiß so genau, was ein

„Holzweg“ ist. Nach dem

Sprichwort- und Erzählforscher

Wolfgang Mieder ist

damit wahrscheinlich die unwegsame

Schneise gemeint,

die Forstarbeiter hinterlassen,

wenn sie Holz machen.

PRACHTVOLLER ANBLICK Die Lavendelfelder in der Provence sind im Sommer für ihr intensives Violett weltberühmt. Die beste Reisezeit ist Ende Juni bis Anfang August.

Vor Millionen

von Jahren

begann das Land

grün zu schimmern.

Die erste

Farbe war in der

Welt.

Eine Zeitungsseite wie diese

wäre vor 20 Jahren noch undenkbar

gewesen. Damals galt

es für die Nachrichtenblätter

als seriös und schick, in

Schwarz­Weiß daherzukommen.

Farbbilder waren teuer

und hatten einen schlechten

Ruf. „Wir sind eine Tageszeitung

und kein Anzeigenblatt!“,

sagte unser damaliger Chefredakteur

immer, wenn er auf

die Möglichkeit farbiger Bilder

in der Zeitung angesprochen

wurde. Heute sind Farbbilder

Die

„W“-Frage:

Erinnerungen sind rätselhafte

Phänomene. Sie lauern tief

verborgen in unserem Hirn,

um dann plötzlich wieder

aufzutauchen. Dann sind sie

in einer Intensität wieder

gegenwärtig, als sei das Erlebte

gerade erst vor kurzer

Zeit passiert. Wird eine solche

Erinnerung durch ein bestimmtes

Bild, einen Geruch,

ein Geräusch, eine Bemerkung

oder eine Empfindung

in Zeitungen der Normalfall.

Denn nur so lässt sich zum

Beispiel die Schönheit eines

Lavendelfeldes in der Provence

an einem Sommertag

zeigen.

An den Tag, als die Farben

zum ersten Mal mit Wucht in

mein Leben traten, erinnere

ich mich noch ganz genau. Es

war im Sommer 1974, als sich

unsere Familie sowie einige eilig

herbeigerufene Freunde

und Nachbarn in unserem

Wohnzimmer ehrfurchtsvoll

um das neu angeschaffte Fernsehgerät

versammelten und

Fußballer in bunten Trikots

bestaunten, die über einen

tiefgrünen Rasen liefen und

nicht mehr, wie vorher, über

eine graue Fläche. Jugendliche,

die heute mit bildgewaltigen

3D­Blockbustern wie „Krieg

der Sterne 7“ aufwachsen,

können sich wahrscheinlich

gar nicht mehr vorstellen, was

das Aufkommen des Farbfernsehens

bedeutete.

Was ist der

PROUST-

EFFEKT?

Deutlich heben

sich die

roten Früchte

der Hagebutte

vor dem grünen

Hintergrund

ab. So

erkennen Vögel

leichter,

dass diese

essbar sind.

ausgelöst, so spricht man

vom „Proust­Effekt“.

Der Schriftsteller Marcel

Proust (1871­1922) schildert in

seinem berühmtesten Roman

„Auf der Suche nach der verlorenen

Zeit“, wie der Ich­Erzähler

eine Madeleine, das ist

ein französisches Feingebäck

(Foto), in eine Tasse Lindenblütentee

tunkt. Als der mit

„Gebäckkrümeln gemischte

Schluck Tee meinen Gaumen

berührte“, wird er von einem

unbeschreiblichen Glücksgefühl

durchströmt. Die Erinnerung

an seine Kindheit ist

plötzlich in voller Lebendigkeit

wieder da. Der Anblick

des Gebäcks allein hatte diese

Wirkung nicht. Hirnforscher

haben festgestellt, dass in solchen

Momenten der piriforme

Cortex aktiv ist, eine

Hirnregion, in der Gerüche

abgespeichert sind.

Während im Kino schon

1939 „Vom Winde verweht“ als

einer der ersten Farbfilme die

Zuschauer in bunte, bildgewaltige

Welten entführte, hinkte

das Fernsehen lange hinterher.

Motor der Entwicklung waren

schließlich große Sportveranstaltungen.

Bei der Fußball­

Weltmeisterschaft 1962 in Chile

mussten die Schwarz­Weiß­

Filme noch mühsam per Flugzeug

oder Schiff nach Europa

geschafft werden, wo das

Fernsehpublikum dann die

Spiele Tage später sehen

konnte. Die Olympischen

Sommerspiele 1964 in Tokio

waren die ersten, die live per

Satellit übertragen wurden –

allerdings noch in Schwarz­

Weiß. Bei den Sommerspielen

1968 in Mexiko City folgte

dann die erste Übertragung in

Farbe.

Die Geschichte der Farben

beginnt rund 470 bis 600 Millionen

Jahre früher. Die Kontinente,

wie wir sie heute kennen,

waren damals noch nicht

entstanden. Stattdessen gab es

die Superkontinente Pannotia

(bis vor 550 Millionen Jahren)

und Gondwana (ab der Zeit

vor 550 Millionen Jahren), gewaltige,

stumpfe, grau­braune

Massen ohne jede Farbe. Es ist

in der Forschung umstritten,

wann genau das Leben aus

dem Meer ans Land wechselte.

Die Mehrheit der Wissenschaftler

nimmt an, dass die

ersten Pflanzen an Land im

Zeitalter Ordovizium vor rund

470 Millionen Jahren entstanden

sind. In Doushantuo (China)

wurden jedoch Flechten

gefunden, deren Alter auf 600

Millionen Jahre geschätzt

wird. Bei der Entstehung von

Flechten spielen Cyanobakterien

eine große Rolle. Sie

schimmern grünlich. Der Rand

des Superkontinents dürfte also

irgendwann angefangen haben,

grün zu leuchten. Die erste

Farbe war in der Welt.

Ein Bakterium

machte den Anfang

Farne und Bärlappe bildeten

riesige Wälder, die uns

heute im Ruhrgebiet als Steinkohle

erhalten sind. Doch erst

in der Kreidezeit (vor 66 bis

145 Millionen Jahren) entwickelten

sich Blütenpflanzen

und vor etwa 35 Millionen Jahren

die zweite Farbe: Rot. Das

kurzwellige Rot übt einen starken

Reiz aus und ließ die Tiere

reife Früchte auf Anhieb erkennen.

So ist der Ursprung des Lebens

also fest mit den Farben

Grün und Rot verknüpft. Das

verwundert, möchte man doch

annehmen, die Grundfarbe des

Lebens sei Blau. Schließlich

sind der Himmel und die Meere

blau. Doch tatsächlich ist

Entenbrot

ist

Ententod!

Richtig oder falsch?

Viele Spaziergänger zieht es

regelmäßig an die örtlichen

Weiher, um Schwäne, Gänse,

Enten und Blesshühner zu füttern.

Kaum raschelt jemand

mit der Tüte, kommen die Tiere

auch schon angeschwommen.

Haben sie Hunger? Nein,

sie treibt die Gewohnheit. Sie

wissen, dass sie hier leicht an

Futter kommen, fressen aber

nur soviel, wie sie mögen. Der

Rest der Brotkrumen sinkt auf

den Boden des Weihers ab.

Blau auf dem „blauen“ Planeten

die seltenste Farbe. Denn

sie ist eine pure Illusion, die

nur in der Ferne existiert. Sowohl

die Luft als auch das

Wasser sind farblos, wenn

man sie von Nahem betrachtet.

Der Grund, weswegen uns

trotzdem alles blau erscheint,

liegt darin, dass Licht sich in

Luft und Wasser bricht. Das

kurzwellige Blau wird dabei

viel häufiger von den Luft­ und

Wassermolekülen reflektiert

als die anderen, längerwelligen

Farben.

Über viele Jahrhunderte

glaubten die Menschen, Naturschönheiten

wie ein prachtvoller

Sonnenuntergang seien

göttliche Wunder. Bis Isaac

Newton (1642­1727) mit Hilfe

eines Glasprismas 1671 der

Nachweis gelang, dass Farben

nichts anderes sind als das

Spektrum des Lichts und dass

die Farbe eines Körpers allein

davon abhängt, welches Licht

von seiner Oberfläche reflektiert

wird.

Wie genau unsere Farbwahrnehmung

funktioniert

und was das Licht mit uns

macht, das ist in der kommenden

Woche Inhalt des zweiten

und letzten Teils von „Volkers

Welt“ zum Thema „Farben“.

Autor: Volker Gast

Fotos: Fotolia © stevanzz, Valdislav Gajic,

dynamixx, Olexandr, Brad Pict, Pim

Leijen.

Und genau das ist das Problem:

Zusammen mit dem Kot

der Vögel verfault das Brot am

Boden des Weihers. Dieser

Prozess benötigt viel Sauerstoff,

der dem Gewässer entzogen

wird. Das gefährdet den

Bestand der Fische und durch

die Vermehrung von Bakterien

auch den Bestand der Wasservögel.

Im Extremfall kann der

Weiher sogar umkippen. Man

sollte daher darauf verzichten,

Wasservögel zu füttern.


16 | Volkers Welt

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SONNABEND

12. MÄRZ 2016

FARBEN TEIL 2

Wie Farben unser Leben bestimmen

Da biste

PLATT...

>> „Frischer Wind im Norden“,

heißt der Slogan der

46.000-Einwohner-Stadt

Stade. Nach der Bedeutung

des Wortes „Stade“ war bei

unserem Gewinnspiel gefragt.

Plattdeutsch heißt die

Stadt „Stood“, da ist noch

der altgermanische Ursprung

des Namens „stod“ zu erkennen,

der Lagerplatz oder

„Stelle“ bedeutet. Liebhaber

älterer Literatur kennen sicher

noch das Wort „Gestade“

für einen Ort, an dem

Schutz sucht.

Die 50 Euro hat gewonnen:

Hubert Lechner aus Reinbek

Leonardos

Jugenderfolg

>> Der Oscar-Gewinner

Leonardo

DiCaprio

machte 1984

als zehnjähriger

Junge

Urlaub in

Oer-Erkenschwick und wurde

dort Dritter in einem

Wettbewerb. Raten Sie doch

mal, worum es dabei ging.

A Basketball

B Breakdance

C Chorgesang

D Skateboard

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1.176.000 t

>> Rund 3,5 Millionen Tonnen

Uran lagern für den

Menschen erreichbar in

unserer Erde. Fast ein Drittel

davon, nämlich 1.176.000

Tonnen, finden sich in Australien.

Fast schon bescheiden

nehmen sich dagegen

die nächstgrößeren Vorkommen

in Kanada (361.000),

Kasachstan (336.000), dem

Niger (242.000), Südafrika

(195.000), Russland

(181.000) und Brasilien

(158.000) aus.

Redensart:

>> Eine Fahrkarte schießen

bedeutet, das Ziel zu verfehlen.

Die Wendung ist im

Fußball weit verbreitet,

stammt aber aus dem

Schießsport. Wenn ein

Schütze die Ringe auf der

Zielscheibe verfehlt und der

Schuss auf dem Rand daneben

einschlägt, dann sieht

das so aus, als habe ein

Schaffner eine Fahrkarte abgeknipst.

WAS ZIEHE ICH AN? Bunte T-Shirts hängen auf einer Wäscheleine. Sie erscheinen uns unterschiedlich farbig, weil sie verschiedene Wellenlängen des Lichts reflektieren.

Eine Frau in

einem roten

Kleid erscheint

besonders attraktiv.

Doch keiner

wagt es, sie anzusprechen.

Die

„W“-Frage:

Wenn es um die Anzahl der

Teile angeht, kennen Puzzle­

Hersteller kaum Grenzen. So

hat Ravensburger ein 18.000­

Teile­Puzzle im Programm,

das ein vollgestelltes Regal

zeigt (und zum Glück in Etappen

gelöst werden kann).

Clementoni hat Puzzles mit

13.200 Teilen im Angebot.

Die Motive reichen von Michelangelo

über eine Pferdeherde

bis zur New Yorker

Als Jürgen Klinsmann im Jahr

2004 Bundestrainer der deutschen

Fußball­Nationalmannschaft

wurde, ließ er die traditionell

in Weiß und Schwarz

gekleidete deutsche Elf in

Knallrot spielen, weil diese

Farbe für Aggressivität steht.

Tatsächlich ist wissenschaftliche

erwiesen: Sportler in Rot

sind erfolgreicher als Aktive in

anderen Farben!

Der Nachweis gelang im

Kampfsport. „Rot gegen Blau“,

heißt es in den Sportarten Boxen,

Ringen und Taekwondo.

Welcher Kämpfer welche Farbe

zu tragen hat, wird vor jedem

Kampf ausgelost. Anhand

der Olympischen Spiele 2004

in Athen fanden die Forscher

Russell Hill und Robert Barton

von der Universität Durham

(Großbritannien) heraus, dass

die Mehrheit der siegreichen

Kämpfer Rot trug: im Taekwondo

57 Prozent, im Boxen 55

Prozent und im Ringen 53 Prozent.

Nur ein Zufall, oder steckte

mehr dahinter? Sportpsychologen

der Universität Münster

wollten das genauer wissen

und ließen die Taekwondo­

Bilder aus Athen im Jahr 2008

noch einmal von 42 Kampfrichtern

bepunkten. Danach

zeigten sie die Filme den Unparteiischen

noch einmal,

doch dieses Mal hatten die

Forscher die Bilder manipuliert:

Die in Blau gekleideten

Kämpfer erschienen nun in

Rot und umgekehrt. Das verblüffende

Ergebnis: Wieder

bekamen die rot erscheinenden

Kämpfer im Schnitt 13

Prozent mehr Punkte zuerkannt.

Diese Erkenntnisse lassen

sich auf viele Bereiche unseres

Lebens übertragen. Eine Frau

in einem roten Kleid erscheint

attraktiver als wenn sie Blau,

Grün, Gelb oder Schwarz tragen

würde. Dennoch ist ein rotes

Kleid für eine Frau nicht

ohne Risiko. „Was Männer angeht,

gucken alle Männer hin,

aber keiner wagt es, sie anzusprechen,

weil es verboten ist

wie bei einer roten Ampel“, erklärte

Professor Harald Braem,

der Autor des Buches „Die

Macht der Farben“, gegenüber

dem ZDF.

Wie viele TEILE hat

das SCHWERSTE

PUZZLE der Welt?

Skyline. Das schwerste Puzzle

der Welt aber heißt „Eternity

II“ und besteht aus nur

256 quadratischen Teilen, die

zu einem Quadrat von 16x16

Teilen zusammengelegt werden

müssen. Bei der Veröffentlichung

2007 wurde ein

Preis von 2 Millionen Dollar

ausgelobt, doch bis zum Ende

der Preisausschreibung 2010

konnte niemand die Lösung

präsentieren. Das Problem:

Farben sind das Spektrum

des Lichts. Das hat Isaac Newton

(1642­1726) schon im Jahr

1671 mit Hilfe eines Glasprismas

nachgewiesen. Eine einzelne

Farbe besteht also aus

Lichtwellen gleicher Wellenlänge.

Der für den Menschen

sichtbare Teil des Lichts beginnt

bei einer Wellenlänge

von 380 Nanometern (nm/

Violett). Es folgen Blau (400­

500 nm), Türkis (500­510 nm),

Grün (510­580 nm), Gelb (580­

600 nm), Orange (600 bis 640

nm) und Rot (640 bis 780 nm).

Wellenlängen unterhalb von

380 Nanometern (Ultraviolett)

sind für den Menschen nicht

zu sehen, wohl aber für Bienen.

Sie folgen ultravioletten

Mustern auf den Pflanzen, um

ins Innere des Blütenkelchs zu

finden und bestäuben so die

Pflanze.

Jedes Quadrat ist mit vier

Dreiecken bemalt, die an passende

Dreicke der Nachbarquadrate

angelegt werden

müssen. Das wäre ganz einfach,

wenn es jede Art Dreieck

immer nur auf zwei

Quadraten gäbe. Tatsächlich

ist aber jede Art Dreieck rund

vier Dutzend Mal vertreten.

Durch diese Wiederholung

steigern sich die Anlegemöglichkeiten

ins Unendliche.

Auch der Bereich jenseits

der 780 Nanometer (infrarot)

bleibt dem Menschen verborgen.

Nicht aber den Schlangen,

die mit ihrem Grubenorgan

Infrarot­Strahlung wahrnehmen

können. Das Grubenorgan

ist durch einige runde

Öffnungen oberhalb des

Munds gekennzeichnet. Es

sorgt dafür, dass die Schlange

Schlangen sehen in

völliger Dunkelheit

in ihrer Umgebung Temperaturunterschiede

vom Bruchteil

eines Grads wahrnehmen

kann. Auf diese Weise kann sie

in völliger Dunkelheit jagen.

Trifft Licht auf unser Auge,

so fällt es durch die Linse auf

die Netzhaut, auf der sich rund

126 Millionen lichtempfindliche

Sinneszellen befinden,

Trifft Licht zum Beispiel mit einer Wellenlänge von 500 Nanometern (Türkis) auf unser Auge, so fällt

es durch Pupille und Linse auf die Netzhaut. Dort „feuern“ die Rezeptoren für Blau stark, die Rezeptoren

für Grün schwach und die Rezeptoren für Rot gar nicht. Aus diesen Impulsen „bastelt“ sich das

Gehirn sein Bild der Wirklichkeit, ordnet der Wellenlänge von 500 Nanometern die Farbe Türkis zu.

Honig

ist

blau!

Richtig oder falsch?

Passend zum Thema „Farben“

unser heutiges Beispiel für

„Richtig oder falsch?“. Blauen

Honig gibt es tatsächlich, und

zwar in der Stadt Ribeauville

im Nordosten Frankreichs.

Dort staunten die Imker nicht

schlecht, als ihre Bienen plötzlich

anfingen, nicht nur blauen,

sondern auch grünen Honig

zu produzieren.

Des Rätsels Lösung: Die

Bienen ernährten sich von den

Abfällen einer nahegelegenen

nämlich 6 Millionen Zapfen

und 120 Millionen Stäbchen.

Letztere ermöglichen das Sehen

bei geringer Lichtstärke.

Die Zapfen hingegen sind die

Rezeptoren für die Farbwahrnehmung.

Es gibt drei verschiedene

Arten für Rot, Grün

und Blau. Während der Anteil

der Zapfen, die auf Blau reagieren,

bei jedem Menschen

bei rund 12 Prozent liegt, variiert

der Anteil von Zapfen für

Rot und Grün von Mensch zu

Mensch. Durch die Mischung

der Impulse sehen wir das gesamte

für uns erkennbare

Farbspektrum von bis zu 7,5

Millionen Farbnuancen.

Diese Impulse bewirken

eine Reaktion unseres Körpers,

die automatisch abläuft.

Sehen wir zum Beispiel die

Signalfarbe Rot, die in früheren

Jahrhunderten mit Blut

und Feuer verknüpft war, so

gibt es eine Adrenalinausschüttung

in unserem Körper.

Puls und Blutdruck steigen.

Wir sind alarmiert. Sehen wir

hingegen Grün, so bewirkt das

eine Melanin­Ausschüttung.

Die Systeme des Körpers fahren

herunter, der Mensch beruhigt

sich.

Diese Körperreaktionen

können wir nicht steuern. Und

genau das ist der Grund, weshalb

wir im Sport rote Trikots

als aktiv und aggressiv empfinden,

blaue Trikots hingegen

als passiv und schwach. Jürgen

Klinsmann hat seine „Trikot­

Revolution“ trotzdem nichts

genutzt. Die rot gekleidete Nationalelf

verlor sang­ und

klanglos mit 1:4 bei den in Blau

spielenden Italienern. Die roten

Trikots verschwanden daraufhin

ganz schnell wieder im

Schrank.

Fotos: dpa; Fotolia © stockphoto graf,

bilderzwerg, Elena Baryshkina, Kutukupret,

rcfotostock.

Biogasanlage. Dort wurden

Abfälle einer Firma gelagert,

in der die Süßigkeit „M&Ms“

produziert wird. Die Lebensmittelfarben

schlugen auf den

Honig durch. Zwar wurde der

betreffende Abfall fortan drinnen

gelagert, auf ihrem Honig

aber blieben die Imker sitzen.

Niemand wollte blauen oder

grünen Honig kaufen. Auch

einen Ersatz für den wirtschaftlichen

Schaden bekamen

sie nicht.


24 | Volkers Welt

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SONNABEND

19. MÄRZ 2016

BEGABUNG

Hilfe, mein Kind ist schlau!

Da biste

PLATT...

>> Von Leonardo DiCaprio

handelte die vergangene

Quizfrage. Der frischgebackene

Oscar-Gewinner

(„The Revenant“) war im

August 1984 als Neunjähriger

in den Ferien in Deutschland.

In Oer-Erkenschwick

nahm er – total hipp im

bauchfreien USA-Shirt – an

einem Breakdance-Wettbewerb

teil und wurde Dritter.

Als Preis durfte er eine

Schallplatte mit Breakdance-

Musik mit über den Großen

Teich nehmen.

Die 50 Euro hat gewonnen

Uwe Karstens aus Kirchwerder

Superstar des

Fußballs

>> Mit 89

Toren hat

Cristiano Ronaldo

in der

Champions

League häufiger

getroffen

als jeder

andere. Doch wem verdankt

der Fußballstar eigentlich

seinen Namen?

A Ronald McDonald

B Ronald Reagan

C Ron Weasley

D Ron Wood

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500 Mrd. €

>> Rund 500 Milliarden Euro

werden weltweit pro Jahr bei

Wetten auf Fußballspiele gesetzt,

allein 30 Milliarden

davon auf Spiele in Deutschland.

Etwa 70 Prozent der

Wettumsätze werden in

Asien erzielt. Für den Fußball

hierzulande sind die

Wetten ein Riesenproblem.

Vor allem für den deutschen

Jugendfußball, auf den jährliche

weltweit 300 Millionen

Euro gesetzt werden.

Zwei bis drei

Prozent der Kinder

sind hochbegabt.

Tests gibt

es ab zweieinhalb

Jahren.

„Na, los, Papa. Sing’ mit mir!“

Erwartungsvoll blickt mich

meine Tochter (4) an. Gerade

hat sie mir geduldig den Text

des Volkslieds „Der Mond ist

aufgegangen“ vorgebetet. Die

ersten beiden Strophen wortgetreu.

Jetzt ist sie irritiert,

dass ich die Zeilen nicht nach

einmal Hören sofort auswendig

kann. Ich versuche es aufs

Geratewohl, und natürlich

verhaspele ich mich. „,Hold‘,

Papa, es heißt ,hold’.“

Für meine Tochter ist es

vollkommen normal, Dinge

ruck, zuck auswendig zu können.

Vollkommen egal, ob es

sich um Liedertexte in altertümlichem

Deutsch, die Reihenfolge

der Schuhe in der

Kita oder Kindergeschichten

aus dem Autoradio handelt.

Alles wird abgespeichert. Mit

nicht einmal zwei Jahren löste

sie ohne Hilfe ein 25­teiliges

Puzzle. Eine außergewöhnliche

Leistung. Die meisten Kinder

in diesem Alter wollen von

etwas so Kompliziertem wie

einem Puzzle nichts wissen.

DER MOND IST

AUFGEGANGEN

>> Der Mond ist aufgegangen,

die goldenen Sternlein

prangen am Himmel hell

und klar;

>> Der Wald steht schwarz

und schweiget, und aus den

Wiesen steiget der weiße

Nebel wunderbar.

>> Wie ist die Welt so stille

und in der Dämmrung Hülle

so traulich und so hold,

>> als eine stille Kammer,

wo ihr des Tages Jammer

verschlafen und vergessen

sollt!

>> Wie lange brauchen Sie,

um diesen Text auswendig zu

lernen?

VIELSEITIG INTERESSIERT Wie gut Schüler lernen, hängt auch davon ab, wie lange sie als Kleinkind Fernsehen schauen durften.

Der Unterschied zwischen

außergewöhnlich und genial

sind weitere 25 Puzzleteile.

Vom 25­jährigen Schachweltmeister

Magnus Carlsen aus

Norwegen, einem der brillantesten

Köpfe auf unserem Globus,

ist bekannt, dass er mit

nicht einmal zwei Jahren sogar

schon 50­Teile­Puzzle zusammensetzte.

Viele Eltern wünschen sich

ein Wunderkind. Doch Genialität

kann einsam machen.

Über Carlsen schreibt sein

Trainer Simen Agdestein in

dem Buch „Wunderjunge“:

„Als er vier wurde, konnte er

den ganzen Tag damit verbringen,

mit Legosteinen komplizierte

Modelle für Zehn­ bis

14­Jährige zu bauen. Nach solchen

,Lego­Tagen‘, an denen

sich Magnus in völliger Hingabe

stundenlang mit Bauen befasste,

kam es vor, dass er

nachts wach lag, die Augen

weit offen, unfähig zu schlafen,

weil er ständig an die Legosteine

dachte.“

Rund zwei bis drei Prozent

aller Kinder sind hochbegabt.

Wer Zweifel hat, ob sein Kind

dazu gehört, kann es ab einem

Alter von zweieinhalb Jahren

testen lassen. Das Problem: Intelligenztests

bei Kleinkindern

sagen immer nur etwas über

den augenblicklichen Entwicklungsstand

aus, hingegen wenig

über die grundsätzliche Intelligenz.

Eine Hochbegabung liegt

vor, wenn ein Intelligenzquotient

von 130 übertroffen wird,

entweder insgesamt oder in

einem einzelnen Teilbereich

„Es gibt einen

regelrechten

Frühförderwahn“

Heiner Barz,

Bildungsforscher

(Sprachvermögen, Mathematik,

Verarbeitungsgeschwindigkeit

von Informationen).

Eine Hochbegabung ist in jungen

Jahren mehr Fluch als Segen.

Während andere Kinder

ihre Nachmittage mit Spielen

verbringen, müssen Hochbegabte

oft weite Wege zur

nächsten Begabtenschule pendeln.

Ob hochbegabt oder nicht:

Viele Eltern legen Wert darauf,

dass die Fähigkeiten ihres

Kindes frühzeitig gefördert

wird. Mehrsprachliche Kitas,

naturwissenschaftliche Experimente

im Kleinkindalter und

musikalische Frühförderung

boomen. „Es gibt einen regelrechten

Frühförderwahn“, sagte

der Bildungsforscher Heiner

Barz 2014 dem Hamburger

Abendblatt, „das Bestreben,

bloß keine Fähigkeiten brach

liegen zu lassen, hat schon

wahnhafte Züge.“

Viele Eltern sind allerdings

selbst die größte Entwicklungsbremse,

indem sie ihre

Kinder vor dem Fernseher

„parken“ anstatt sich mit ihnen

zu beschäftigen. Das schadet

dem Nachwuchs, ist sich die

Forschung sicher. Fernsehen

liefert eine Vielzahl von visuellen

Eindrücken, die an dem

Kind vorüberhuschen. Das

Kind sitzt dabei fasziniert und

vollkommen reglos vor dem

Bildschirm. „Bildlich könnte

man sagen: Nicht nur die Augenpartie,

sondern der gesamte

Körper sind wie in Gips gelegt“,

schreiben Wolfgang

Goebel und Michaela Glöckler

in dem Buch „Kindersprechstunde“.

Die Folge: Das Überangebot

an Sinneseindrücken

führt zu bruchstückhaften Gedankenabläufen,

was sich negativ

auf die noch im Werden

begriffenen Nerven des Gehirns

auswirken kann.

Egal, wie gut das Gehirn

aufgebaut wurde, ab dem 45.

Lebensjahr beginnt die Denkleistung

abzunehmen. Um 3,6

Prozent bis zum 50. Lebensjahr,

um 7,4 Prozent (Frauen),

beziehungsweise 9,6 Prozent

(Männer) zwischen dem 65.

und 70. Lebensjahr. Das ist das

Ergebnis einer Studie vom

University College London

und dem Institut „Inserm“ in

Frankreich. Was dagegen hilft,

sind gesunde Ernährung, Bewegung

und Gehirnjogging, also

zum Beispiel das Auswendiglernen

von Texten. Ich habe

„Der Mond ist aufgegangen“

jetzt drauf. Zehn Minuten

hat das gedauert. Das nächste

Zu­Bett­Bringen kann kommen.

Autor: Volker Gast

Fotos: dpa; Fotolia © Oleg Erin, lucadp,

Alex White, dfikar.

Redensart:

>> Nicht aus Zucker sein

bedeutet, den Regen nicht

zu scheuen, sich auch auf

eine unbequeme Sache einzulassen.

Die Wendung kam

im späten 19. Jahrhundert

auf. Zucker galt damals als

Synonym für das bequeme,

privilegierte Leben. So heißt

es ja auch, wenn etwas unangenehm

wird: „Das ist

kein Zuckerschlecken.“

Die

„W“-Frage:

Savant werden Menschen mit

einer Inselbegabung genannt.

Das Inselgebiet ist ein multisensorisches

Areal im Gehirn,

das Gefühle wie Hunger

oder Durst bewusst macht.

Savants sind Menschen mit

einer geistigen Behinderung,

die von Geburt an erstaunliche

Fähigkeiten besitzen.

Etwa 30 Personen weltweit

wurden nicht als Savants

geboren. Bei ihnen setzte ein

Was ist ein

SAVANT?

Unfall das Genie frei. So wurde

der Amerikaner Orlando

Serrell als Zehnjähriger von

einem Baseball am Kopf getroffen.

Seitdem ist er ein

hochbegabter Mathematiker,

ebenso wie der Amerikaner

Jason Padgett, der bei einer

Kneipenschlägerei niedergeschlagen

wurde. „Ein weißes

Licht blitzte in meinem Hirn

auf wie bei einem Kamerablitz“,

schilderte Padgett der

Süddeutschen Zeitung. Der

Amerikaner Derek Amato

wollte beim Sprung in einen

Swimmingpool einen Football

fangen, schlug mit dem

Kopf auf den Beckenrand. Als

er wieder erwachte, konnte

er Klavier spielen. Man

nimmt an, dass nach dem Unfall

entstehende Verschaltungen

zwischen alten und neu

gebildeten Gehirnnerven solche

Fähigkeiten freilegen.

Biber, Otter

und Dachs

sind Fische!

Richtig oder falsch?

Am kommenden Sonnabend

endet die 40­tägige Fastenzeit.

Im Jahr 590 nach Christus hatte

Papst Gregor I. (540­604)

verfügt, dass Katholiken in

dieser Zeit der Genuss vom

Fleisch „warmblütiger Tiere“

verboten sei. Gregor I., auch

„Gregor der Große“ genannt,

war einer der bedeutendsten

Päpste des 1. Jahrtausends.

Fische fallen also nicht

unter dieses Verbot, Biber, Otter

und Dachs als Säugetiere

hingegen schon. Aber sie leben

am und im Wasser. Das brachte

das Konstanzer Konzil der

Katholischen Kirche, das von

1414 bis 1418 tagte, auf die Idee,

sie mit dem Satz „Biber, Otter,

Dachs – alles genug!“ sozusagen

als Fische zu erklären und

als Fastenspeise freizugeben.

Für den Biber hatte das dramatische

Folgen: Er wurde in den

folgenden Jahrhunderten fast

ausgerottet. Heute steht er

unter Naturschutz.


24 | Volkers Welt

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OSTERN 2016

26. MÄRZ 2016

FEHMARN

Insel der Entschleunigung

Da biste

PLATT...

>> Der portugiesische Fußballstar

Cristiano Ronaldo ist

tatsächlich nach Ronald

Reagan benannt. Das ist die

Lösung unserer Quizfrage.

Reagan war der Lieblingsschauspieler

von Cristiano

Ronaldos Vater José Dinis

Aveiro (1954-2005). Daher

benannte er das jüngste seiner

vier Kinder nach dem

späteren Präsidenten.

Die 50 Euro hat gewonnen:

Ulrich Werner aus Schwarzenbek

Treuer Freund

auf vier Rädern

>> 1,2 Milliarden Autos

schieben sich derzeit über

die Straßen dieser Welt.

Welches Modell ist wohl am

häufigsten anzutreffen?

A VW Golf

B Toyota Corolla

C Ford Focus

D Mercedes S-Klasse

Kennen Sie die Lösung?

Gewinnen Sie 50 Euro:

01378 10 11 25*

Rufen Sie bis zum 28. März, 12 Uhr,

an und nennen Sie uns die richtige

Lösung. Der Gewinner wird ausgelost

und benachrichtigt.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

*(50 Cent/Anruf aus dem Festnetz

der Deutschen Telekom, Mobilfunkpreise können abweichen)

0,86 mm

>> Dieses Schneckenhaus

passt durch ein Nadelöhr:

Forscher aus Japan, Ungarn

und der Schweiz haben in

Südchina „Mikroschnecken“

gefunden, deren hellgraue

Häuser nur 0,86 Millimeter

groß sind. Bei der sogenannten

Angustopila dominikae

handelt es sich um die derzeit

kleinste bekannte Landschneckenart

überhaupt.

Fehmarn ist

immer eine Reise

wert – nicht nur

für die Touristen,

sondern auch für

Tausende von

Vögeln.

Es gibt diesen einen Moment

auf dem Weg nach Fehmarn,

der meinen Puls jedes Mal ein

wenig höher schlagen lässt.

Die Abfahrt der Autobahn 1

bei Heiligenhafen ist im Rückspiegel

nicht mehr auszumachen,

wenn die Bundesstraße

207 bei Großenbrode beinahe

die Ostsee küsst, zu einer langgezogenen

Linkskurve ansetzt

und das flache Land den Blick

auf die Fehmarnsund­Brücke

freigibt. Nur eine Autostunde

von Hamburg entfernt, tut sich

mit der Überquerung der

schmalen Ostsee­Meerenge

eine andere Welt auf.

Wie von Geisterhand werden

die meisten Autos bei der

Überfahrt des 963 Meter langen

„Kleiderbügels“, wie die

Netzwerkbogenbrücke von

den Einheimischen liebevoll

genannt wird, langsamer. „Entschleunigung“

lautet im wörtlichen

Sinn das Motto, um den

Blick schon einmal über das

glitzernde Meer und die obligatorischen

Segelboote

schweifen zu lassen. Auf der

Insel gilt das dann sowieso.

Trotz oder vielleicht auch wegen

der beständig steifen Brise,

die Wolken und stressige

Gedanken beiseiteschiebt.

Der Wind lässt Kumulus

und Co. kaum eine Chance,

längere Zeit über Deutschlands

drittgrößter Insel (circa

185 Quadratkilometer) zu verweilen.

Mit gut 2000 Sonnenstunden

pro Jahr ist Fehmarn

daher einer der sonnenreichsten

Orte der Bundesrepublik.

Das Wetter kann sich aber

schnell ändern. Eben noch das

Kind ob der dicken schwarzen

Regenwolken wetterfest eingepackt,

kann es sein, dass Minuten

später eher Sonnenbrille

und lockeres Langarmshirt angebracht

sind. Ein Nachmittag

im Liegestuhl mit Blick auf das

Schauspiel am Himmel kann

auch ein Erlebnis auf Fehmarn

sein.

WAHRZEICHEN Die Fehmarnsund-Brücke im romantischen Dämmerlicht des Sonnenuntergangs über der Ostsee.

Vor allem die Ornithologen

kommen hier auf ihre Kosten.

Denn Vögel gibt es auf Fehmarn

en masse. Etwa 80 verschiedene

Arten von Brutvögeln

können Besucher im

Wasservogel­Reservat Wallnau

beobachten, ganz im Westen

der Insel bei Bojendorf. Im

Frühjahr und im Herbst kommen

Zehntausende Zugvögel

dazu. Fehmarn ist zu diesen

Zeiten das größte „Luft­Drehkreuz“

Deutschlands: Kraniche,

Gänse oder auch Schwalben

nutzen die Insel für einen

Zwischenstopp. Sie kommen

Landmarke: Flügger Leuchtturm

im Westen der Insel.

über Dänemark eingeflogen

und müssen so lediglich die

circa 19 Kilometer breite Wasserstraße

Fehmarn­Belt überqueren,

bevor sie wieder Rast

machen können.

Da lag es auf der Hand,

auch die Verkehrsverbindung

zwischen Hamburg und Kopenhagen

über die Insel Fehmarn

„Vogelfluglinie“ zu nennen.

Denn nach Eröffnung der

Fehmarnsund­Brücke im Jahr

1963 und mit der Fährverbindung

von Puttgarden nach

Rodbyhavn nahmen die Autos

und Züge auf dem Weg nach

Norden oder Süden dieselbe

Route wie die Zugvögel. „Wir

werden eine ganz neue Kultur

bekommen. Das Unberührte

ist vorbei. Wir sind entdeckt“,

sagte Heimatforscher Peter

Wilpert damals. Er sollte

Recht behalten.

Mittlerweile zählt Fehmarn

300.000 Besucher pro Jahr und

rund zwei Millionen Übernachtungen,

Tagesausflügler

nicht mitgerechnet. 90 Prozent

der Bevölkerung leben vom

Tourismus. Zahlreiche Campingplätze,

vor allem an den 78

Kilometern Küstenlinie verteilt,

sind vornehmlich bei

windliebenden Wassersportlern

angesagt. So gilt Fehmarn

als das deutsche Kitesurf­Mekka

schlechthin. Die Surf­ und

Segel­Bedingungen sind fast

das ganze Jahr über gut. Landwirtschaftliche

Betriebe, die

allein von ihren Erzeugnissen

leben können, findet der Besucher

hingegen kaum noch.

Doch die Bauern haben aus

der Not eine Tugend gemacht.

Unter dem Stichwort „Urlaub

auf dem Bauernhof“ haben sie

sich den kleinen und großen

Gästen verschrieben, mit dem

entsprechenden Erlebnisprogramm

aus Tieren, Treckerfahren

und Trampolinspringen.

„Auf ideellen Gebieten wird

sich unser ‚Fehmarnland‘ sehr

verändern“, hatte Heimatforscher

Wilpert prophezeit. „Ja

und Nein“ möchte der Insel­

Besucher entgegnen. Aus dem

unberührten Eiland ist eines

der beliebtesten Reiseziele geworden.

Doch noch immer ticken

hier die Uhren gefühlt

wie vor 100 Jahren. Vielleicht

der Grund, warum die Autos

der Stadtmenschen auf dem

„Kleiderbügel“ auch wieder

langsamer werden, wenn es

zurück in Richtung Festland

geht. Autor: Matthias Heidrich

Fotos: dpa; Fotolia © Frank Raderschatt,

Krane, Julien Tromeur, andreapetrlik,

Robert Kneschke.

GESCHICHTE DER

INSEL FEHMARN

>> ca. 5000 v. Chr.: Erste

Siedlungsspuren von Rentierjägern

>> ca. 400 n. Chr.: Besiedlung

durch Slawen, die der

Insel ihren Namen geben.

Slawisch „fe mer“ bedeutet

„im Meer gelegen“.

>> 1022 n. Chr.: Dänenkönig

Knut der Große unterstellt d.

Insel dem Bistum Odense

>> 1137: Einfall der Slawen in

Holstein

>> 1138: Vertreibung der Slawen

durch Holsteiner Reiterheer.

Slawische Gebiete in

Ostholstein werden annektiert.

Nur Fehmarn bleibt uneinnehmbar.

>> 1420: Dänenkönig „Erich

der Pommer“ lässt Fehmarn

fast vollständig zerstören.

>> 1424: Neubesiedlung der

Insel durch Stormarner,

Dithmarscher und Sachsen.

>> 1864: Fehmarn wird im

Zuge des Deutsch-Dänischen

Krieges von den Preußen

erobert.

>> 1903: Eröffnung der

Dampffähre Fehmarnsund.

>> 1963: Einweihung der

Fehmarnsund-Brücke.

Redensart:

>> In Harnisch geraten bedeutet,

Ärger mit jemandem

zu haben. Der Harnisch ist

der wichtigste Teil einer Ritterrüstung,

der die Brust

schützt. Er wurde angelegt,

wenn der Ritter in den

Kampf zog. Er war dann „in

Harnisch gebracht“. Als Synonym

für Ärger lässt sich

der Begriff heute auch noch

finden, wenn von einer „geharnischten

Rede“ oder

einem „geharnischten Brief“

gesprochen wird.

Die

„W“-Frage:

Mit der Bezeichnung „Berliner

Stunde“ ist der Schlüssel

gemeint, nachdem die Redezeit

der Fraktionen im deutschen

Bundestag bei einer

Debatte geregelt ist. Die Aufteilung

wird immer zu Beginn

der Wahlperiode unter den

Parteien vereinbart. In der

aktuellen Zusammensetzung

des Parlaments stehen der

CDU/CSU als stärkster Fraktion

(310 Sitze) 27 Minuten

Was ist die

BERLINER

STUNDE?

zu. Die 93 SPD­Abgeordneten

dürfen in Summe 17 Minuten

reden, Die Linke (64) und Die

Grünen (63) haben jeweils

acht Minuten.

In der vorangegangenen

Wahlperiode war die Berliner

Stunde 62 Minuten lang, weil

die fraktionslosen Abgeordneten

zwei Minuten Redezeit

bekommen hatten. Wer zu

welchem Thema reden darf,

bestimmen in der Regel die

Parlamentarischen Geschäftsführer

der Fraktionen.

Die Listen werden dann dem

Bundestags­Präsidium vorgelegt.

Die Minister sowie die

Mitglieder des Bundesrats

besitzen ein Redeprivileg und

müssen laut Grundgesetz jederzeit

angehört werden. Allerdings

ist es üblich, dass

ihre Redezeit auf die Zeit der

gesamten Fraktion angerechnet

wird.

Wer steht,

lebt länger!

Richtig oder falsch?

Das ist tatsächlich richtig. Sitzen

im Beruf symbolisiert

Fortschritt, Macht und Ansehen.

Wer steht, ist in der

Hierarchie zumeist niedriger

angesiedelt, lebt dafür aber

wahrscheinlich länger. Australische

Ärzte haben anhand

einer Studie mit 782 Erwachsenen

herausgefunden, dass

Stehen im Gegensatz zum Sitzen

das Risiko für Herzkreislaufkrankheiten

verringert.

Die Probanden, die am Tag

zwei Stunden länger standen,

hatten einen niedrigeren Blutzuckerwert.

Auch die Triglyzerid­Konzentration

(Blutfette)

war deutlich geringer, die

des „guten“ HDL­Cholesterins

hingegen höher. Also rein mit

den Stehpulten ins Büro!

Allerdings: Wer regelmäßig

stehen muss, riskiert Muskelund

Gelenkprobleme sowie

Krampfadern, wenn er nicht

durch entsprechende Gymnastik

einen Ausgleich schafft.


40 | Volkers Welt

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SONNABEND

2. APRIL 2016

FLOHMARKT

Flanieren, Finden und Feilschen

Da biste

PLATT...

>> In der vergangenen Woche

haben wir bei unserem

Gewinnspiel nach dem

meistverkauften Auto der

Welt gefragt. Toyota Corolla

ist richtig. Seit 1966 gibt

es den Mittelklasse-Japaner.

Verkauft wurden seitdem in

zehn Generationen knapp

40 Millionen Modelle. In

Deutschland heißt der Corolla

seit 2007 übrigens Auris.

Vom VW Golf wurden

bislang rund zehn Millionen

Autos weniger verkauft.

Die 50 Euro hat gewonnen

Lisa Krämer aus Geesthacht

Für Feinschmecker

>> Roastbeef, Hüfte oder

Filet: Es gibt viele Fleischstücke

beim Rind. Eines hat allerdings

einen ganz speziellen

Namen. Welches?

A Bürgermeisterstück

B Kanzlerstück

C Fürstenstück

D Königsstück

Kennen Sie die Lösung?

Gewinnen Sie 50 Euro:

01378 10 11 25*

Rufen Sie bis zum 3. April,

12 Uhr, an und nennen Sie uns die

richtige Lösung. Der Gewinner wird

ausgelost und benachrichtigt.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

*(50 Cent/Anruf aus dem Festnetz

der Deutschen Telekom, Mobilfunkpreise können abweichen)

40 km/h

>> Was für ein Auto nicht

viel ist, stellt bei Wasser

einen Superlativ dar. Der

Saltstraumen im Norden

Norwegens ist der stärkste

Gezeitenstrom der Welt.

400 Millionen Kubikmeter

Meerwasser strömen durch

einen lediglich 150 Meter

breiten, aber 2,5 Kilometer

langen Sund. Dabei erreicht

das Wasser eine Geschwindigkeit

von bis zu 40 Kilometern

pro Stunde. Es entstehen

gewaltige Strudel.

Flohmarktbesucher

lassen sich

in „Jäger“,

„Sammler“ und

„Flaneure“ unterteilen.

Jede

Gruppe hat ihre

eigenen Ziele.

Gelegentlich geht meine Frau

am Sonntag auf die Jagd, und

ich versorge den Nachwuchs

in der heimischen Höhle. Für

diesen Geschlechterrollentausch

steht sie zu einer unchristlichen

Zeit auf, schnappt

sich eine große Tasche und

ausreichend Bargeld – in nicht

zu großen Scheinen. Klingt

konspirativ, ist es allerdings

nicht. Denn an diesen Sonntagen

tun es ihr Hunderte Frauen

gleich. Ihr Ziel: Schnäppchen

für die Schützlinge auf

dem Flohmarkt für Kindersachen.

Trödelmärkte haben seit

Jahrzehnten ihren Platz in

unserer Stadtkultur. In allen

möglichen Ausprägungen, für

die unterschiedlichste Klientel.

Der Handel zwischen Privatpersonen

mit gebrauchten

Dingen auf einem Marktplatz

hat Tradition und erfreut sich

trotz Internet­Tauschbörsen

großer Beliebtheit. Laut dem

Fachmagazin „Trödler“ finden

jedes Jahr über 40.000 Flohmärkte

in Deutschland statt,

im Schnitt über 100 pro Tag.

Genug Möglichkeiten zum

Stöbern also, besonders für

diejenigen, die dieses eine besondere

Fundstück suchen.

Der Begriff „Flohmarkt“ ist

wörtlich aus dem Französischen

übersetzt. Die Second­

Hand­Märkte heißen bei unseren

Nachbarn „Marché aux

Puces“. Bereits seit dem späten

Mittelalter war es in Paris

üblich, mit den abgetragenen

Kleidern der Reichen Handel

zu treiben. Hygiene war damals

noch ein Fremdwort, und

so wechselten mitunter nicht

nur die gebrauchten Klamotten

den Besitzer, sondern auch

der ein oder andere Floh.

Eine Mutter sucht auf einem Flohmarkt für Kinderkleidung etwas

für ihren Nachwuchs.

ANTIQUITÄTEN sind traditionell ein Renner auf Flohmärkten. Doch Billigwaren aus China und Internet-Auktionshäuser sind eine starke

Konkurrenz für die Straßenhändler geworden.

Seit die Ökobewegung in

den 70er­ und 80er­Jahren das

Stichwort „Recycling“ in der

deutschen Gesellschaft etablierte,

sind Flohmärkte auch

bei uns salonfähig geworden.

Ökologisch wertvolles Wiederverwerten

gepaart mit der

Möglichkeit, seinen Lifestyle

individuell und originell zu gestalten,

treibt seitdem Millionen

Menschen auf die Trödelmärkte.

Ökonomisch typisch

ließ die Spezialisierung nicht

lange auf sich warten. Es gibt,

wie eingangs beschrieben, reine

Flohmärkte für Kindersachen,

klischeehaft überlaufen

von Müttern, aber auch Märkte

für Antiquitäten, Briefmarken

oder Porzellan. Für jeden

Schnäppchenjäger und Sammler

ist etwas dabei.

Weniger sozialromantisch

ist die Tatsache, dass gerade

auf diesen Spezialflohmärkten

die ursprüngliche Idee, gebrauchte

Sachen von Privatperson

zu Privatperson zu verkaufen,

mittlerweile aufgeweicht

ist. Über zwei Millionen

Menschen bestreiten

ihren Lebensunterhalt mit

dem Verkauf von Trödel.

Sebastian Münz, Autor des

Buches „Flohmarkt: Märkte,

Menschen, Waren“, unterteilt

die Flohmarktgänger in drei

Gruppen: „Jäger“, „Sammler“

und „Flaneure“. Die „Jäger“

sind die „Early Birds“. Sie sind

zumeist schon am Start, wenn

die Sonne gerade am Horizont

kratzt und die meisten schlaftrunkenen

Händler noch ihre

Autos entladen. Diese hartnäckigen

Schnäppchenjäger lernt

jeder kennen, der sich selbst

einmal mit seinem entbehrli­

Erste Kundschaft kurz

nach Sonnenaufgang

chen Hausrat auf einen Flohmarkt

begibt. Merke: Für die

zumeist elektronischen Highlights

ihrer Habseligkeiten

sollten Sie schon vor dem Auspacken

einen Preis im Kopf

haben, damit sie den „Early

Birds“ entsprechend entgegentreten

können.

Danach erscheinen die

„Sammler“. Diese Spezies

weiß genau, was sie sucht,

scannt den jeweiligen Flohmarkt

nach interessanten oder

vernachlässigbaren Ständen ab

und macht sich sogleich ans

Feilschen. Während die

„Sammler“ noch um den besten

Preis ringen, sind die „Jäger“

mit ihren Schätzen schon

längst wieder zu Hause.

Weniger verbissen ist die

dritte Kategorie, die der „Flaneure“.

Sie schlendern an den

Ständen vorbei, um zu stöbern,

ohne bestimmtes Ziel.

Sie kaufen nur vereinzelt,

meist Unnötiges. Für sie geht

es vielmehr um das Gesamterlebnis

Flohmarkt, das Flair. Sie

wollen beobachten, Kurioses

bestaunen und sind anders als

„Jäger“ oder „Sammler“ empfänglich

für das, was Flohmärkte

von Online­Märkten

wie eBay unterscheidet – die

Kommunikation. Hier trifft der

„Flaneur“ Gleichgesinnte, es

wird geplauscht. Wer will, bekommt

für jedes Fundstück die

entsprechende Geschichte

mitgeliefert und nimmt so

mehr als eine hübsche Vase direkt

mit nach Hause.

Autor: Matthias Heidrich

Fotos: Fotolia © kasto, highwaystarz,

Christian Fischer, Franziska Krause, Uwe

Landgraf, womue.

Redensart:

>> Gepfefferte

Preise.

Das ist

eine Wendung,

die

immer

dann gebraucht

wird, wenn Rechnungen als

sehr hoch empfunden werden.

Pfeffer war bereits in

der Antike beliebt und teuer.

Im frühen Mittelalter war

das scharfe Gewürz zeitweise

mehr wert als Gold. Dementsprechend

wurden Steuern,

Zölle oder Rechnungen

mit Pfeffer bezahlt. Damals

waren die Preise also tatsächlich

und nicht nur im

übertragenen Sinne „gepfeffert“.

Die

„W“-Frage:

Weiß der

GEIER, wo die

Leiche liegt?

Der Truthahngeier (Foto),

der in Süd­, Mittel­ und

Nordamerika zu Hause ist, ist

zwar kein Adlerauge, dafür

aber eine Supernase. Er kann

Aas kilometerweit riechen

und so ausfindig machen.

Das brachte Rainer Hermann

vom Landeskriminalamt

Niedersachsen auf eine

ungewöhnliche Idee: Warum

bei der Suche nach Leichen

nicht Truthahngeier einsetzen,

die aus der Luft ein viel

größeres Terrain absuchen

können als Spürhunde oder

Menschen am Boden? Vogeltrainer

German Alonso vom

Vogelpark Walsrode fand

den Ansatz interessant und

begann 2010, drei Truthahngeier

zu trainieren. „Sherlock“,

„Columbo“ und „Miss

Marple“ wurden in die Flugshow

des Vogelparks integriert.

Die Plüschratte, die sie

aufspüren mussten, enthielt

Stoffstücke, die mit dem Geruch

menschlicher Leichen

präpariert waren. Trotzdem

scheiterte der Versuch. Das

von Hand aufgezogene Trio

stritt vornehmlich um die

Gunst ihrer Bezugsperson

Alonso, anstatt ein Team zu

bilden. Das wäre aber nötig

gewesen, denn Truthahngeier

überfliegen größere Gebiete

nur in Gruppen.

Wäsche wird nur

ab 60 Grad so

richtig sauber!

Richtig oder falsch?

Die Formel „je heißer, desto

sauberer“ ist vielen Menschen

quasi ins Gehirn gebrannt.

Früher mag das ja noch gestimmt

haben, heutzutage jedoch

schon lange nicht mehr.

Der Grund liegt darin, dass die

Waschmittel immer leistungsfähiger

geworden sind. Sie

kriegen auch bei niedrigen

Temperaturen normal verschmutzte

Wäsche sauber.

Waschmittel zerlegen mit

Hilfe von Enzymen an der Wäsche

Eiweiße und Fette, aus

denen die meisten Flecken bestehen.

Wie heiß das Wasser

ist, spielt dabei kaum noch

eine Rolle. Hinzu kommen immer

bessere Waschmaschinen

mit ausgeklügelten Waschprogrammen.

Also lieber mit 40 statt 60

Grad waschen und auch noch

Geld sparen. Nach Angaben

der Universität Bonn wird so

bis zu 50 Prozent weniger

Energie verbraucht.


16 | Volkers Welt

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SONNABEND

9. APRIL 2016

HIGHTECH-LANDWIRTSCHAFT

Tablets auf dem Traktor

Da biste

PLATT...

>> In der vergangenen Woche

haben wir nach einem

speziellen Fleischstück beim

Rind gefragt. Bürgermeisterstück

war richtig. Dabei handelt

es sich um ein äußerst

zartes Stück, das früher aufgrund

seines feinen Geschmacks

und nicht zuletzt

seines Preises wohlhabenden

und wichtigen Personen

von Dorfgemeinschaften

vorbehalten war, zum Beispiel

dem Bürgermeister.

Die 50 Euro hat gewonnen:

Sabina Sievers aus Nettelnburg

Wortschwall

>> Otto

Antrick

hält den

Rekord für

die längste

gehaltene

Rede in

einem

deutschen Parlament. Wie

viele Stunden stand der Abgeordnete

am 13. Dezember

1902 am Rednerpult?

A 3 Stunden

B 8 Stunden

C 12 Stunden

D 24 Stunden

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433 Brüche

>> Robert Craig „Evel“ Knievel

(1939 bis 2007) erlangte

weltweite Berühmtheit, weil

er wie kein Zweiter todesmutige

Motorradstunts vollführte.

So sprang er einmal

über 50 Autos hinweg. Seinen

Mut bezahlte der US-

Amerikaner mit vielen Verletzungen:

Im Guinness Buch

der Rekorde steht er mit unglaublichen

433 Knochenbrüchen,

die er erlitt.

Redensart:

LANDWIRTSCHAFT GESTERN UND HEUTE Das Bild oben zeigt die Gülleausbringung und Einarbeitung

auf herkömmliche Weise. Künftig soll mit Hilfe von Drohnen (Bild darunter) die Bodenbeschaffenheit

exakter erfasst werden, um „Präzisionsackerbau“ („Precision Farming“) betreiben zu können.

Drohnen, Melkroboter,

Robospinnen:

Die

Landwirtschaft

stößt in ein neues

Zeitalter vor.

Ewas hölzern in seinen Bewegungen,

aber mit einem festen

Ziel vor Augen bahnt sich der

Melkarm seinen Weg. Das Euter

von Kuh 67 ist das Objekt

der Begierde. Rote Lichtstrahlen

streifen über die Zitzen.

Der Melkroboter scannt den

Euter von Emma, Kuh 67. Immer

wieder korrigiert der

Computer die Ausrichtung der

Melkbecher, bis sie an Emmas

Euter andocken und die Milch

fließt. Der schwarz­weiß­gefleckte

Wiederkäuer gibt sich

bei der ganzen Prozedur, die

auch Euterpflege und Maschinenreinigung

beinhaltet, unbeeindruckt.

Emma genießt das

spezielle Futter, das sie neben

dem Verlangen, Druck vom

Euter zu nehmen, in die Melkvorrichtung

getrieben hat.

Dass jetzt gerade Kuh 67

gemolken wird, weiß Bauer

Heinrich übrigens. Auch,

wenn der letzte verbliebene

Milchbauer Fehmarns nicht

romantisch auf einem Schemel

neben Emma sitzt, sondern

nebenan vor einem Computerbildschirm.

Alle seine 80

Milchkühe tragen Transponder

um den Hals und werden

vom Melkroboter sofort erkannt.

Volle Milcheimer zu

zählen, war vorvorgestern.

Heute liefert der Computer in

Bruchteilen von Sekunden den

Ertrag und die Milchqualität

von Emma und Co. – Gerne

auch auf das Smartphone,

wenn Bauer Heinrich denn

eins hätte. Kostenpunkt für

eine Melkmaschine dieser Kategorie:

über 100 000 Euro.

Der Trecker fährt

von selbst

Und wer denkt, dass diese

ohne Frage beeindruckende

Maschine die Krönung der

heutigen Hightech­Landwirtschaft

ist, dem sei gesagt: Sie

ist gerade mal der Anfang.

Unter dem Stichwort „Precision

Farming“ sind unsere

Bauern in ein neues Zeitalter

der Landwirtschaft vorgestoßen.

Die moderne Technik

macht es möglich, dass sie

mittlerweile „Präzisionsackerbau“

betreiben. Immer häufiger

sitzen heute auf den Treckern

und Mähdreschern mehr

IT­Fachleute denn zupackende

Landwirte.

Auf dem Feld sind selbststeuernde

Fahrzeuge bereits

Realität. Über GPS werden die

Trecker satellitengesteuert in

der idealen Spur gehalten. Der

Bauer braucht nicht ans Lenkrad

zu greifen. Er überwacht

nur noch, mit einem Laptop

oder Tablet an Bord. Es ist

dasselbe Prinzip wie bei einem

Navigationssystem im Auto,

allerdings viel feiner programmiert.

„Präzisionsackerbau“

gibt den Bauern die Möglichkeit,

praktisch jeden Quadratmeter

eines Feldes unterschiedlich

zu bewirtschaften.

Sie können so perfekt auf die

variierenden Bodenbeschaffenheiten

eingehen. Eine trockene

Teilfläche muss anders

beackert werden als eine extrem

feuchte. So lässt sich die

Effizienz steigern. Schließlich

ist die Ressource Ackerland

begrenzt, aber immer mehr

Menschen müssen künftig versorgt

werden.

Bislang wurden Felder anhand

von Durchschnittswerten

komplett bewirtschaftet.

Auf jedem Quadratmeter dieselbe

Tiefe der Bodenbearbeitung,

dieselbe Menge Saatgut,

Dünger und Pflanzenschutzmittel.

In der Hightech­Landwirtschaft

erstellen Ingenieure

aus verschiedenen Daten digitale

Karten, mit denen die

Bauern dann ihre Maschinen

füttern. Dabei werden geografische

Daten, Klimamessungen

oder auch Ertragszahlen

berücksichtigt. Auch ein

Drohnenflug über landwirtschaftliche

Flächen ist keine

Science Fiction mehr. So können

die Techniker ermitteln,

wo der Boden am fruchtbarsten

ist.

Auch bei der Ernte hilft die

moderne Technik. Zum Beispiel

um die kraftstoffschonendste

Route für den Mähdrescher

zu berechnen. Die

großen Häcksler sind mittlerweile

rollende Fabriken, die

nicht nur mähen und fördern,

sondern auch schon reinigen

und separieren. Den Ertrag bekommt

der Bauer quasi in

Echtzeit auf sein Laptop im

Führerhaus geschickt, das zum

Büro wird. Da er nicht steuern

muss, kann er seine Ernte direkt

vom Feld verkaufen. Fährt

er vom Acker, ist ein Großteil

dieser Arbeit bereits getan.

Noch nicht futuristisch genug?

Nun ja, eine amerikanische

Firma hat achtbeinige Roboter

entwickelt, die eigenständig

über die Felder staksen

und mithilfe von Bohrern

die Saat setzen. Sie kommunizieren

untereinander über versprühte

Duftstoffe, um eine

doppelte Aussaat zu verhindern.

Bis Robospinnen in

Deutschland über die Äcker

krabbeln, werden aber wohl

noch ein paar Jahre vergehen.

Emma, sollte sie dann noch

nicht im Kuh­Himmel sein,

wird ihren Anblick mit Gleichmut

hinnehmen. Sie ist ja

schon längst in der Hightech­

Landwirtschaft angekommen.

Autor: Matthias Heidrich

Fotos: Fotolia © countrrypixel, Kietr,

mdaake, Salome, Jenny Sturm, Ipanki.

>> Touché! Hat ein Diskussionspartner

ein schlagendes

Argument gebracht, oder

einen wunden Punkt in einer

Argumentation gefunden,

quittieren wir den guten

Konter mit dem Ausruf

„Touché“. Man könnte auch

sagen „Punkt für dich“. Aus

dem Französischen übersetzt,

bedeutet der Begriff

„berührt“. Ein Treffer beim

Fechten wird „Touché“ genannt.

Dann hat man in diesem

Sport einen Punkt gemacht.

Die

„W“-Frage:

Wie finden

ROBBEN ihre

Babys wieder?

Jeder, der schon einmal einen

Tierfilm gesehen hat, weiß,

dass Robben­Kolonien eine

ziemlich wuselige Sache sein

können. Die arktischen Raubtiere

sind an Land äußerst gesellig

und finden sich zu Zigtausenden

zusammen. Umso

beeindruckender, dass weibliche

Robben nach der Futtersuche

im Meer unter Hunderten

von Jungtieren ihren

Nachwuchs immer wiederfinden.

Verhaltensforscher

von der Universität Bielefeld

haben herausgefunden, dass

die Flossenfüßer dafür ihre

Nase nutzen. Eine etwas

überraschende Erkenntnis.

Lange Zeit dachte man, dass

der Geruchssinn für die Robben

keine allzu große Rolle

spielt. Unter Wasser schließen

die Säugetiere Mund und

Nase und orientieren sich

dank ihrer großen Augen,

dem exzellenten Gehör und

vor allem mit ihren empfindlichen

Tasthaaren an der

Schnauze. An Land rückt

dann der Geruchssinn in den

Mittelpunkt, da Mütter einen

sehr ähnlichen Duft wie ihre

Kinder verströmen. Am Geruch

lässt sich sogar erkennen,

aus welcher Kolonie ein

Tier stammt und wie eng es

mit anderen Robben verwandt

ist.

Der Queen

gehören alle

Schwäne!

Richtig oder falsch?

Am 21. April wird Queen Elizabeth

II 90 Jahre alt. Und was

Sie garantiert noch nicht

wussten: Sie ist reich an

Schwänen! Auf alle freilaufenden,

nicht markierten Schwäne

im Vereinigten Königreich

hat die Queen ein Vorrecht.

Schon seit dem 12. Jahrhundert

hat der Höckerschwan in

Großbritannien königlichen

Status. Seit 1482 stellt ein Gesetz

(„Act of Swans“) Schwäne

unter besonderen Schutz der

Krone. Denn die weiß gefiederten

Vögel waren damals ob

ihres Fleisches und der Daunenfedern

beliebte Jagdobjekte.

Sie waren aber auch fester

Bestandteil königlicher Bankette

und Festmähler. Heute

kommen andere Braten auf die

königlichen Teller. Doch die

Queen pflegt ihr Vorrecht

durch das alljährliche „Swan

Upping“, bei dem alle Schwäne

auf der Themse gezählt und

markiert werden.


SONNABEND

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Volkers Welt | 39

16. APRIL 2016

Bergedorfer Zeitung | Volkers Welt | Curslacker Neuer Deich 50 | 21029 Hamburg

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Ältere Ausgaben unter

www.bergedorfer-zeitung.de/volkerswelt

Da biste

PLATT...

>> In der vergangenen Woche

haben wir nach der

längsten jemals in einem

deutschen Parlament gehaltene

Rede gefragt. Der Zigarettenfabrikant

und SPD-Abgeordnete

Otto Antrick

sprach am 13. Dezember

1902 acht Stunden im

Reichstag und verhinderte so

mit Erfolg eine geplante Abstimmung

über Getreidezölle.

Die 50 Euro hat gewonnen

Gabriele Johns aus Bergedorf

ÖKOSYSTEM WALD TEIL 1

Wie Bäume kommunizieren

Singen verboten?

>> Die

USA

sind das

Land der

unbegrenzten

Möglichkeiten. Oder doch

nicht? Was dürfen Passagiere

der New Yorker U-Bahn

denn wohl nicht?

A Schlafen

B Sitzen

C Singen

D Telefonieren

Kennen Sie die Lösung?

Gewinnen Sie 50 Euro:

01378 10 11 25*

Rufen Sie bis zum 17. April,

12 Uhr, an und nennen Sie uns die

richtige Lösung. Der Gewinner wird

ausgelost und benachrichtigt.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

*(50 Cent/Anruf aus dem Festnetz

der Deutschen Telekom, Mobilfunkpreise können abweichen)

3,2 Mio. $

>> Umgerechnet knapp drei

Millionen Euro war einem

Liebhaber bei einer eBay-

Auktion das Comic-Heft

wert, in dem Superman zum

ersten Mal auftritt. „Action

Comics No. 1“ von 1938 hält

damit den Rekord als teuerstes

Comic-Heft. Damals kostete

das Heft übrigens zehn

Cent, bei einer Startauflage

von 200.000 Stück.

SONNENDURCHFLUTETES WALDPANORAMA Die Ruhe ist trügerisch. Bäume können über eine Distanz von bis zu 30 Metern Informationen austauschen.

Bäume verständigen

sich über

symbiotisch verflochtene

Wurzeln

und Pilze,

das „Wood Wide

Web“.

Es ist diese himmlische Ruhe,

die viele Menschen an einem

Sonntag in den Wald treibt. All

die Buchen, Eichen, Birken

oder Tannen spenden Schutz,

nicht nur vor Sonne und Regen,

sondern auch vor dem

Lärm unserer Zivilisation.

Der Mensch tauscht Informationen

über Körperhaltung,

Gesten, aber vor allem über

Sprache aus. Bäume sind akustisch

wahrnehmbar, wenn ihre

Äste knarren oder ihre Blätter

rascheln. Doch das spielt für

ihre Verständigung untereinander

keine Rolle. Sie kommunizieren

mit Düften – den

Pheromonen – und Mykorrhizen.

Das sind riesige unterirdische

Netzwerke symbiotisch

verflochtener Wurzeln und

Pilze. Forscher sprechen mit

einem Augenzwinkern vom

„Wood Wide Web“.

Zunächst zu den Pheromonen:

Diese Duftstoffe bestimmen,

warum wir jemanden

„gut riechen können“ oder

eben auch nicht und beeinflussen

so unsere Partnerwahl. Bei

den Bäumen dienen sie als

Warnsignale. Entdeckt haben

Forscher diese Art der Verständigung

unter Bäumen bereits

vor über 40 Jahren – zuerst

bei der Schirmakazie. Diese

weit ausfächernden Bäume

sind in Afrika sehr verbreitet

und ein Wahrzeichen des

Schwarzen Kontinents. Ihre

Blätter stehen auf dem Speiseplan

der Giraffen, die sich von

Die Wurzeln

eines Laubbaums

sind so

weit verzweigt

wie seine Krone.

Ein Geflecht

aus

Wurzeln und

Pilzen schafft

Kontakt zum

Nachbarbaum.

den Dornen auf den Ästen

nicht abschrecken lassen. Um

dem Kahlfraß zu entgehen, behilft

sich die Schirmakazie mit

einem Giftstoff, den sie innerhalb

von Minuten in ihre Blätter

einspeisen kann, um selbige

für die Giraffen ungenießbar

zu machen. Gleichzeitig

verströmt die Akazie Ethylen.

Dieses Warn­Gas veranlasst

alle Nachbarbäume, ebenfalls

Giftstoffe in ihre Blätter zu

pumpen. Clever. Aber die Giraffen

sind auch nicht dumm.

Sie wissen, dass die Duftstoffe

der Schirmakazie nur eine

Reichweite von 100 Metern

haben und laufen einfach etwas

weiter. Oder sie wandern

gegen den Wind und fressen

die Blätter der noch ahnungslosen

Akazien.

Duftstoffe können auch zur

Verteidigung gegen Schädlinge

dienen. So rufen manche

Bäume bei Raupenbefall Wespen

zu Hilfe. Diese legen ihre

Eier in die Raupen, die durch

das Heranwachsen der Wespenlarven

absterben.

Die überirdische Kommunikation

über Pheromone ist an

sich schon faszinierend, doch

sie wird durch das unterirdische

„Wood Wide Web“ noch

übertroffen. In einem Fingerhut

voller gesunder Erde befinden

sich Kilometer dieser

Pilznetze. Im Wald können sie

Bäume über eine Entfernung

von 30 Metern miteinander

verbinden. Die Symbiose aus

Pilzen und Wurzeln dient in

erster Linie dem Austausch

von Nährstoffen, ermöglicht

über wasserlösliche Botenstoffe

aber auch den Informationsaustausch

der Bäume. So können

die Riesen des Waldes

Antworten auf drängende Fragen

bekommen: Sind die Bäume

in der Nachbarschaft Verwandte

oder Fremde? Das ist

wichtig zu wissen, denn nur

mit Familienmitgliedern pflegen

Bäume ihr unterirdisches

Netzwerk. Nähern sich schädliche

Bakterien, Pilze oder Tiere?

Informationen, nach denen

Bäume ihr Wachstum ausrichten

oder Abwehrsysteme starten.

Droht eine Trockenzeit?

Gut zu wissen, denn dann fangen

Bäume an, sich ihre Wasservorräte

einzuteilen.

Diese Art der Kommunikation

erfolgt durch chemische

Prozesse und eher im Zeitlupentempo.

Das „Wood Wide

Web“ kann aber auch schneller:

Wissenschaftler haben

jüngst elektrische Signale im

Informationssystem der Bäume

gefunden. Mit einem Zentimeter

pro Sekunde bewegen

sich diese Impulse vorwärts –

rasend schnell im Reich der

Bäume. Wenn Wurzeln im Boden

zum Beispiel auf Gift stoßen,

wachsen sie binnen Sekunden

in eine andere Richtung.

Um diesen Vorgang in

die Wege zu leiten, braucht es

einen schnellen, elektrischen

Informationsfluss. Die Weiterreichung

dieser überlebenswichtigen

Nachricht an die

Artgenossen geht dann wieder

chemisch­gemächlich vonstatten.

Lautlos. Die Bäume wollen

eben die Ruhe unserer

Sonntagsspaziergänge nicht

stören… Autor: Matthias Heidrich

Fotos: dpa, Fotolia © John Smith, andreusK,

Speedfighter, andris toms, Matthew

Cole.

Redensart:

>> Sich am Riemen reißen

bedeutet, sich zusammenzunehmen.

Mit Riemen ist im

weitesten Sinne ein längliches

Stück Leder gemeint.

Denn „Riemen“ ist eine veraltete

Bezeichnung für Gürtel.

Die Wendung stammt

aus der Zeit des Ersten

Weltkriegs. Damit Soldaten

in tadelloser Uniform vor

dem Vorgesetzten standen,

musste ihre Gürtelschnalle

genau in der Mitte sitzen.

Andernfalls musste sich der

Soldat am Riemen reißen.

Die

„W“-Frage:

Das ist wohl das Pechtropfenexperiment.

Der australische

Professor Thomas Parnell

wollte das Tropfverhalten

von Pech erforschen, das bei

Zimmertemperatur extrem

zäh ist und wie ein Feststoff

wirkt. Im Jahr 1927 goss Parnell

erwärmtes Pech in einen

unten verschlossenen Trichter,

ließ es sich drei Jahre

lang setzen, ehe er den Trichter

öffnete und das Pech zu

Was ist das

LANGWEILIGSTE

Experiment der Welt?

fließen begann. Wobei fließen

vielleicht das falsche

Wort ist, denn der erste

Tropfen fiel 1938. In den Jahren

1947, 1954, 1962, 1970,

1988, 2000 und zuletzt im April

2014 fielen sieben weitere

Tropfen, und die Medien

sprachen längst „vom langweiligsten

Experiment der

Welt“. Parnell starb 1948, erlebte

also nur zwei Tropfen

mit. Wobei er sie nicht fallen

sah, so wie niemand bisher

live dabei war, wenn ein

Tropfen fiel. Den Fall des

achten Tropfens 2014 zeichnete

aber immerhin eine Kamera

auf, die in den 90er­Jahren

installiert worden war.

Zuvor beim Fall von Tropfen

Nummer sieben im Jahr 2000

war sie ausgefallen. Mehr dazu

finden Sie unter www.bergedorfer­zeitung.de/volkerswelt

(Folge 258).

Katzen

sind wie

Babys!

Richtig oder falsch?

Katzenliebhaber werden es bestätigen

können: Das ist tatsächlich

richtig. Und das nicht

nur, weil sie oft süß und nicht

selten quengelig sind. Die

„Stubentiger“, gemessen an

den Zahlen des Deutschen

liebstes Haustier, sind auch

extrem fordernd. Britische und

amerikanische Forscher fanden

erst 2014 heraus, dass Katzen

in ihr Schurren einen hohen

Ton mischen können, der

eine ähnliche Frequenz wie

das Weinen menschlicher Babys

hat. Schreiende Kinder lösen

bei Eltern einen schnelleren

Puls, höheren Blutdruck,

Schweißausbrüche und eine

innere Unruhe aus. Dabei werden

Gehirnareale aktiviert, die

auch bei Verlust und Kummer

angesprochen werden, und der

Erwachsene reagiert. Katzen

wenden den Ton vorzugsweise

an, wenn sie Futter haben

wollen. Auch eine Parallele zu

den Babys.


38 | Volkers Welt

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SONNABEND

23. APRIL 2016

ÖKOSYSTEM WALD TEIL 2

Der Kreislauf des Lebens

Da biste

PLATT...

>> In der vergangenen Woche

haben wir gefragt, was

in der New Yorker U-Bahn

verboten ist. Schlafen war

richtig. Bitter für die vielen

müden Pendler, aber seit

Anfang 2016 ist die Polizei

dazu übergegangen, schlafende

Passagiere konsequent

zu wecken. Der Grund: Bei

jedem zweiten Diebstahls-

Delikt in der U-Bahn ist ein

schlafender Fahrgast das

Opfer.

Die 50 Euro hat gewonnen:

Marina Roth aus Schwarzenbek

Demokratische

Tradition

>> Viele

Staaten in

Europa

sind stolz

auf ihre

demokratische

Tradition. Doch wo tagt das

älteste bestehende Parlament

der Welt?

A Griechenland

B Island

C Italien

D Schweden

Kennen Sie die Lösung?

Gewinnen Sie 50 Euro:

01378 10 11 25*

Rufen Sie bis zum 24. April,

12 Uhr, an und nennen Sie uns die

richtige Lösung. Der Gewinner wird

ausgelost und benachrichtigt.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

*(50 Cent/Anruf aus dem Festnetz

der Deutschen Telekom, Mobilfunkpreise können abweichen)

43 Trillionen

>> Insgesamt 350 Millionen

Mal wurde der legendäre

Zauberwürfel bislang verkauft.

Entwickelt wurde er

1974 vom ungarischen Ingenieur

Ernö Rubik. Der Zauberwürfel

bietet 43 Trillionen

(43 000 000 000 000

000) mögliche Positionen.

Man würde einen Computer

mit 5000 Festplatten brauchen,

um diese alle abzuspeichern.

Eine Lösung des

Zauberwürfels finden sie in

Volkers Welt, Folge 83,

unter www.bergedorfer-zeitung.de/volkerswelt.

Redensart:

>> Vitamin B hat jemand,

der gute Beziehungen zu

einflussreichen Leuten besitzt.

Das „B“ steht hier für

Beziehung. Die Wendung

spiegelt aber auch die große

Bedeutung des Vitamins B in

der Ernährung wider. Seit

der Entdeckung der Vitamine

um 1911 gilt Vitamin B als

wichtig für die Gesundheit.

Die deutschen

Wälder sind ein

Naturwunder

direkt vor unserer

Haustür.

WÄLDER RUND UM HAMBURG

>> Der Sachsenwald im Osten

der Stadt ist in unserem Heimatgebiet

ja bestens bekannt.

Er entspricht mit seinen rund

6000 Hektar Waldfläche in

etwa der Biomasse, die in

Deutschland im Laufe eines

Jahres nachwächst.

>> Der Duvenstedter Brook

im Nordosten Hamburgs erstreckt

sich auf etwa 800

Hektar zwischen Bargteheide

und Tangstedt. Er ist ein abwechslungsreiches

Mosaik

aus Heide-, Wiesen- und

Waldlandschaften, in dem

man ab und zu auch einem

Gewässer begegnet.

Die

„W“-Frage:

Von dem römischen Schriftsteller

und Verwaltungsbeamten

Gaius Suetonius Tranquillus,

genannt Sueton (70­

122 n. Chr.), ist überliefert,

dass Gaius Julius Caesar (100­

44 v. Chr.) in seiner Zeit als

Imperator allen anderen Bürgern

das Tragen von Purpur

verbot. Die Farbe der Könige

sollte nur ihm vorbehalten

bleiben, nachdem sie zuvor

unter höheren Beamten und

SONNENLICHT fällt auf eine Waldlichtung. In dichten Wäldern hingegen erreichen nur zwei Prozent des Sonnenlichts den Boden.

>> Das Arboretum Ellerhoop

befindet sich im Nordwesten

Hamburgs. Der mächtige

Baumpark in Ellerhoop-Thiensen

ist vor allem im Herbst ein

Geheimtipp, wenn sich entlang

des Arboretum-Sees die

Blätter der Bäume verfärben:

Indian Summer in Deutschlands

Norden!

>> Die Harburger Berge sind

ein mit dichten Wäldern besetzter

Höhenzug, der sich auf

– für norddeutsche Verhältnisse

– stolze 155 Meter erhebt.

Unauffällige Schilder am Wegesrand

helfen dabei, sich zu

orientieren.

Warum tragen

Könige

PURPUR?

den Frauen der besseren Gesellschaft

weit verbreitet war.

Bis in die heutige Zeit hinein

hat sich Purpur als Ausdruck

königlicher Würde in Adelshäusern

erhalten.

Der Farbstoff Purpur

stammt vom extrem übel riechenden

Sekret der Purpurschnecke.

Dieses Sekret färbt

sich unter dem Einfluss von

Sauerstoff und Sonnenlicht in

einem langwierigen, widerlichen

Prozess erst grün, dann

blau, purpurfarben und

schließlich scharlachrot. Das

Händler­ und Seefahrervolk

der Phönizier hatte das Geheimnis

der Purpurschnecke

um 1000 vor Christus entdeckt

und auf dem neuen

Farbstoff seinen Wohlstand

aufgebaut. Denn Purpur war

kostbar: Zum Färben einer

einzigen Toga benötigte man

250 000 Purpurschnecken.

Ein knappes Drittel der Fläche

Deutschlands, rund 11,1 Millionen

Hektar, bestehen aus

Waldgebieten. Sie sind das

Naturwunder direkt vor unserer

Haustür. Rund um Hamburg

gibt es beispielsweise

mehrere attraktive Erholungswälder

(siehe Kasten).

Der Kreislauf des Lebens

im Wald beginnt im Februar,

wenn Sonne und Wasser den

Wald aus seinem Winterschlaf

wecken. Die Fichten sind die

ersten, die ihre Samen freigeben,

denn im Schmelzwasser

des Frühjahrs können diese

keimen. Und auch bei den Tieren

tut sich bereits etwas:

Wildschweine bekommen früh

im Jahr Nachwuchs. Dabei hat

jeder Frischling seine eigene

Zitze, an der er säugt und die

er vehement verteidigt.

Wenn im März die Haselnusssträucher

blühen, beginnt

die Leidenszeit für Allergiker.

Jede männliche Kätzchenblüte

beherbergt zwei Millionen

Pollenkörner, von denen nur

die wenigsten die Narbe der

weiblichen Blüte am Nachbarzweig

treffen. Wer mit Pollen

keine Probleme hat, empfindet

einen Waldspaziergang deshalb

so beruhigend, weil hier

ein besonderes „Waldinnenklima“

herrscht: Es ist kühl

und luftfeucht. Eine große Eiche

verdunstet rund 200 Liter

Wasser pro Tag, eine große

Birke über 100 Liter, Buchen

circa 30 Liter und Fichten 10

Liter. Unterschiedlich sind

auch die Geschwindigkeiten

im Baum: Während das Wasser

in einer Eiche bis zu 40

Meter pro Stunde zurücklegt,

schafft es in einer Buche gerade

mal einen Meter pro Stunde.

76 Baumarten stehen in

deutschen Wäldern, wobei die

Fichte am häufigsten anzutreffen

ist, gefolgt von Kiefer und

Birke. Die Wälder sind außerdem

Lebensraum für 140 Wirbeltiere

und ungezählte

Kleinstlebewesen wie zum

Beispiel Ameisen. An kalten

Apriltagen, wie wir sie im Moment

haben, wenden sie einen

besonderen Trick an. Sie wärmen

ihre Körper in der Sonne

auf, rennen dann schnell in

den Bau und geben die Wärme

dort wie ein Heizkissen wieder

ab. Ameisen sind für das

Leben im Wald von elementarer

Bedeutung, denn drei Viertel

aller Waldblumen vermehren

sich mit ihrer Hilfe.

Im April/Mai bekommt die

Buche ihren ersten Austrieb.

Dieser wird bis zu einer Länge

von 40 Zentimetern sehr

schnell geschoben und hängt

dann herab. Erst danach setzt

wie bei allen verholzenden

Pflanzen die Ligninbildung

ein, und die Zweige richten

sich auf. Ein Buchenblatt ist

ein kleines Wunder der Natur.

Da die Buche mit bis zu 40

Metern Höhe zu den höchsten

Bäumen im deutschen Mischwald

gehört, sind die Buchenblätter

im äußeren Kronenbereich

einer besonders intensiven

Lichteinstrahlung ausgesetzt,

die in dichten Wäldern

bis zu 250 Mal intensiver ist

als die Lichtmenge, die auf

dem Waldboden ankommt.

Müsste ein Buchenblatt also

auf Waldbodenniveau existieren,

würde es an Lichtmangel

eingehen. Umgekehrt müssen

Moose am Boden in der Hitze

des Sommers verdorren, wenn

die Buche mit ihrem schützenden

Blätterdach gefällt wird.

Fünf Stockwerke

eines Waldes

Biologen unterscheiden fünf

„Stockwerke“ eines Waldes:

Ganz unten die Moose, Flechten

und Pilze, darüber die Farne,

dann die Sträucher, gefolgt

von den Bäumen bis 25 Metern

Höhe (Ebereschen, Hainbuchen)

und schließlich den Riesen

der Wälder (Eichen, Buchen).

In einem dichten Wald

können die höchsten Bäume 78

Prozent des Sonnenlichts für

sich nutzen. Weitere 10 Prozent

werden reflektiert. Nur 10

Prozent bleiben für die Sträucher,

Moose und Farne. Lediglich

2 Prozent des Lichts erreicht

den Waldboden.

Viele Tiere und Pflanzen

sind im Ökosystem Wald von

Deutsche Kinder

dürfen Jesus

heißen!

Richtig oder falsch?

den Bäumen abhängig. Ein gutes

Beispiel sind die Ameisen:

Sie nutzen Baumharz in ihrem

Bau als Schutz gegen Bakterien.

Doch das Sammeln ist gefährlich:

Ist der Baumharz zu

flüssig, stirbt die Ameise im

klebrigen Saft.

Neigt sich der Kreislauf des

Lebens im Wald im Oktober/

November langsam seinem

Ende zu, kann so ein Baumriese

schon mal Opfer eines

Herbststurms werden. Ein

Baumstamm verrottet über

Jahrzehnte und gibt während

dieser Zeit bis zu 3000 Pilzarten,

1000 Käferarten sowie Regenwürmern

und zahllosen

Kleinstlebewesen Arbeit und

Nahrung. Das Edaphon, die

Gesamtheit der unterirdischen

Lebewesen eines Waldes,

wiegt bis zu 25 Tonnen pro

Hektar und verarbeitet im Jahr

bis zu 15 Tonnen an Pflanzenresten.

Wird der Wald jedoch

gerodet, verringert sich das

Edaphon sehr schnell auf vier

bis fünf Tonnen pro Hektar.

Hier zeigt sich die zentrale Bedeutung

der Bäume für das Leben

im Wald.

Fotos: dpa (2); Fotolia © Gabriele Rohde,

kamasigns, jorisvo.

Jahrezehntelang war es in

Deutschland nicht erlaubt,

sein Kind Jesus zu nennen,

weil das religiöse Gefühle verletzen

könnte. Im Spanischen

und Portugiesischen ist der

Name hingegen seit Generationen

gebräuchlich. Der historische

Hintergrund ist die

Reconquista, also die Rückeroberung

der Iberischen Halbinsel

von den Muslimen im

Mittelalter. Der Name Jesus

wurde damals als äußeres Zeichen

des christlichen Glaubens

dem Namen Mohammed

entgegengesetzt.

In Deutschland setzte in

den 90er­Jahren ein Umdenken

ein. 1998 entschied das

Oberlandesgericht Frankfurt,

dass es mit Blick auf internationale

Gebräuche Eltern nicht

verwehrt werden dürfe, ihr

Kind Jesus zu nennen. Verboten

sind hingegen die Namen

„Borussia“, „Tom Tom“, „Pfefferminze“

und „Woodstock“.


16 | Volkers Welt

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SONNABEND

30. APRIL 2016

ÖKOSYSTEM WALD TEIL 3

Exkursionen ins Extreme

Da biste

PLATT...

>> Nach dem ältesten bestehenden

Parlament der

Welt war bei unserem Gewinnspiel

gefragt. Das ist

das Althing in Island. Es ist

bereits seit 930 nach Christus

die gesetzgebende Versammlung

der Insel. Das

Althing wurde früher immer

zwei Wochen nach der Sommersonnenwende

abgehalten.

Seit 1844 ist es ein Parlament

moderner Prägung

mit zurzeit 63 Abgeordneten.

Die 50 Euro hat gewonnen:

Eleonore Reimers aus Buchhorst

Wer bin ich?

Ein Blitz schlägt auf einer Waldlichtung ein. Dieses spektakuläre Foto wurde in Bubnyshche (Ukraine) geschossen. Es illustriert, wie

schwer es für einen Menschen ist, einer solchen Gefahr zu entkommen. Das kleine Bild rechts zeigt die mächtigen Mammutbäume im

Redwood Forest an der amerikanischen Westküste. Die dortigen Küstenmammutbäume sind die höchsten Bäume der Welt.

>> Heute wird es botanisch:

Wie heißt diese Orchideenart?

A Frauenschuh

B Kinderhut

C Männerhose

D Zwillingshemd

Kennen Sie die Lösung?

Gewinnen Sie 50 Euro:

01378 10 11 25*

Rufen Sie bis zum 1. Mai,

12 Uhr, an und nennen Sie uns die

richtige Lösung. Der Gewinner wird

ausgelost und benachrichtigt.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

*(50 Cent/Anruf aus dem Festnetz

der Deutschen Telekom, Mobilfunkpreise können abweichen)

1,2 Sprachen

>> Rund 6000 Sprachen gibt

es auf der Welt. Jeder Deutsche

beherrscht im Schnitt

aber nur 1,2 Sprachen. Englisch,

Spanisch, Französisch,

Arabisch und Deutsch gelten

als Weltsprachen, weil sie

auf mehreren Kontinenten

als Amtssprachen verwendet

werden. Eine willkürliche

Einteilung, sprechen doch

beispielsweise weltweit fünfmal

mehr Menschen Chinesisch

als Deutsch.

Eichen sollst du weichen,

die Weiden sollst du meiden,

zu den Fichten flieh’ mitnichten,

doch die Buchen sollst du suchen.

Diesen Reim über ein Gewitter

im Wald kennt wohl jedes

Kind. Doch wie sieht es mit

dem Wahrheitsgehalt aus?

Wer sich bei einem Gewitter

in einem Wald befindet, ist

auch unter einer Buche nicht

sicher. Denn Blitze schlagen

meistens in die höchste Erhebung

ein. Sie scheren sich

nicht darum, um welche Art

Baum es sich dabei handelt.

Die Ursache, warum sich

im Volksmund trotzdem die

Auffassung festgesetzt hat,

dass man bei Gewitter unter

Buchen sicherer ist als unter

anderen Bäumen, liegt wahrscheinlich

darin, dass die Menschen

über Jahrhunderte hinweg

Rückschlüsse aus den

Schäden gezogen haben, die

Gewitter im Wald hinterlassen

haben. Buchen kommen häufiger

in Gruppen vor als zum

Beispiel Eichen und dürften

deswegen seltener getroffen

werden. Doch eine einzeln stehende

Buche ist genauso gefährlich

wie eine Eiche, die allein

auf weiter Flur ist.

Nachdem im ersten Teil

dieser Serie die Kommunikation

zwischen Bäumen beschrieben

wurde und im zweiten

Teil das Ökosystem Wald

in seiner Gesamtheit erfasst

wurde, soll es in dieser Woche

nun im dritten und letzten Teil

um Extreme in der Welt der

Bäume gehen. Extreme in jeder

Beziehung: extreme Mengen,

extreme Größen, extremes

Wetter und – leider –

auch extreme Misswirtschaft.

Denn wir gehen alles andere

als pfleglich mit unserem

Naturerbe um. Ein paar Zahlen

machen das Ausmaß des Problems

deutlich: Rund 3,6 Milliarden

Kubikmeter Holz stehen

in Deutschlands Wäldern.

Gleichzeitig ist aber nirgendwo

in Europa Holz so teuer

wie bei uns. Es gilt längst als

„stehendes Gold“. Der Preis

hat sich in den vergangenen

zehn Jahren in etwa verdoppelt.

Der Grund ist die gestiegene

Nachfrage nach Holz

durch die Pelletheizungen, deren

Zahl im gleichen Zeitraum

um das 20­fache von 20.000

auf 400.000 gestiegen ist. Etwa

zwei Millionen Tonnen Pellets

wurden allein im Jahr 2013

verbrannt. Die Vereinten Nationen

schätzen, dass der

Holzbedarf vor allem aufgrund

der energetischen Nutzung bis

2030 massiv ansteigt. In

Deutschland wird dann 50

Prozent mehr Holz benötigt

werden als im Moment. Nur:

Die Waldflächen wachsen

nicht mit. Mit anderen Worten:

Wir heizen unsere Wälder

zu Tode.

In globaler Hinsicht ist die

Brandrodung, um Ackerflächen

zu schaffen, das größte

Problem und seit Jahrzehnten

im Fokus der Umweltpolitik.

Weltweit „verschwinden“ pro

Jahr rund 13 Millionen Hektar

Wald, das ist mehr als

Deutschland überhaupt an

Wald besitzt (11,1 Millionen

Hektar). Wenn wir also nicht

aufpassen, wird sich für zukünftige

Generationen vielerorts

die Frage, unter welchem

Baum sie Zuflucht vor einem

Gewitter suchen sollen, kaum

noch stellen.

738 Tage auf einem

Baum gelebt

Doch es gibt Menschen, die

sich wehren. Die extremste

und entschlossenste aller

Baumschutz­Aktivistinnen ist

zweifellos die Amerikanerin

Julia Hill, die zwischen 1997

und 1999 weltweite Bekanntheit

erlangte, als sie 738 Tage

in der Krone eines 1500 Jahre

alten Mammutbaums verbrachte,

um ihn vor der Säge

zu retten. Mit Erfolg. „Amerikas

letzte Heldin“ titelte die

Wochenzeitschrift „Time“

über Hill, deren faszinierende

Geschichte Sie übrigens ausführlich

in der „Volkers Welt“,

Folge 121, im Internet unter

www.bergedorfer­zeitung.de/

volkerswelt nachlesen können.

Wälder gelten seit jeher als

verwunschene Welt mystischer

Geheimnisse. Sie haben

sich diesen Charakter bis in

unsere moderne Zeit hinein

bewahrt. Dass es trotz Internet

und Allgegenwart der Medien

immer noch möglich ist, ein

Geheimnis zu bewahren, beweist

die Geschichte der beiden

„Baumjäger“ Chris Atkins

und Michael Taylor. Die Amerikaner

waren im Sommer

2006 auf einem Streifzug

durch einen abgelegenen Teil

des Redwood Forest an der

Westküste der USA unterwegs,

einem Wald aus mächtigen

Küstenmammutbäumen.

Am 25. August 2006 entdeckten

Atkins und Taylor dort

den höchsten Baum der Welt

und nannten ihn „Hyperion“.

In der griechischen Mythologie

ist Hyperion im Stammbaum

der Titanen der Sohn

von Uranos (Himmel) und

Gaia (Erde). Drei Wochen lang

wurde der Baum in Zusammenarbeit

mit der Zeitschrift

National Geographic fotografiert

und vermessen. Er ragt

bis auf eine Höhe von 115,5 Metern

hinauf und ist damit zweieinhalb

Mal so hoch wie die

New Yorker Freiheitsstatue

oder in etwa so hoch, wie die

fertige Elbphilharmonie einmal

sein wird.

Doch den genauen Standort

von „Hyperion“ halten seine

Entdecker bis heute geheim,

damit dieses Wunder der Natur

nicht Opfer von Touristenmassen

wird. Erstaunlich ist:

Obwohl Hyperion die umstehenden

Bäume überragt, weist

er keinerlei Spuren eines Blitzschlags

auf.

Fotos: Fotolia © panaramka, andersmorre,

baluzek, Cybrain, MKPhoto, Jiri Hera.

Redensart:

>> Zeter und Mordio schreien

bedeutet, sich lautstark

zu beschweren oder gellend

um Hilfe zu rufen. „Zetermordio“

war im Mittelalter

ein förmlicher Ruf des Anklägers

zu Beginn einer Gerichtsverhandlung

über

Mord oder ein anderes

schweres Delikt. „Zeter“ war

damals ein gängiger Hilferuf,

mit dem man Anwesende

zur sofortigen Hilfeleistung

verpflichtete. „Mordio“ ist

eine Abwandlung von Mord.

Die

„W“-Frage:

„Reiche mir doch bitte mal

die Nutella.“ „Ich brauche

eine Aspirin.“ „Wo ist die Nivea?“

„Ans Essen muss mehr

Maggi.“ „Hier hast du einen

Tesastreifen.“ Sätze wie diese

fallen wohl von Zeit zu Zeit

in jeder Familie. Nutella, Aspirin,

Nivea, Maggi und Tesastreifen

sind dabei Eponyme,

das heißt, der Eigenname

eines Produkts ist zur Gattungsbezeichnung

geworden.

Was ist ein

EPONYM?

Für die Werbeindustrie ist

das gewissermaßen der Ritterschlag.

Es liegt ja auch auf

der Hand, warum wir lieber

„Nutella“ als „Haselnussbrotaufstrich“

sagen, zumal Nutella

bei dieser Sorte Brotaufstrich

ohnehin einen Marktanteil

von 60 Prozent hat.

Doch nicht immer ist ein

Eponym so gut zu erkennen.

Das Wort „Fön“, zum Beispiel,

ist eine eingetragene

Marke des schwedischen

Konzerns Electrolux (AEG).

Das allgemeine Wort lautet

„Haartrockner“. Und ein Zeppelin

heißt so, weil Ferdinand

Graf von Zeppelin (1838­1917)

die Luftschiffe als Erster bauen

ließ. Und wer an der Zapfsäule

Diesel tankt, denkt

wohl kaum darüber nach,

dass es Rudolf Diesel (1858­

1913) war, der den dazu passenden

Motor entwickelte.

Käse schließt

den Magen!

Richtig oder falsch?

Die Wendung „Käse schließt

den Magen“ verdanken wir

dem römischen Schriftsteller

Plinius dem Älteren (23­79 n.

Chr.), der die Angewohnheit

hatte, jede Mahlzeit mit einem

Stück Käse zu beenden. Plinius

glaubte, der Käse würde den

Magen in Richtung Speiseröhre

wie ein Pfropf verschließen

und so verhindern, dass Magensäure

in die Speiseröhre

zurückfließt. Das ist nicht der

Fall.

Trotzdem kennt wohl jeder

das angenehme Sättigungsgefühl,

das sich einstellt, wenn

Käse als letzter Gang eines Essens

gereicht wird. Es entsteht

durch die im Käse enthaltenen

Fettsäuren. Sie verzögern die

Entleerung des Mageninhalts

in den Darmbereich. Somit

verbleibt die Nahrung länger

im Magen, wo sie in Ruhe und

ausgiebig verdaut werden

kann, was sich uns als Völlegefühl

darstellt.


16 | Volkers Welt

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SONNABEND

7. MAI 2016

RASENROBOTER

Die clevere Alternative

Da biste

PLATT...

>> Nach einer Orchidee mit

einem seltsamen Namen

war bei unserem Gewinnspiel

gefragt. Frauenschuh

war richtig, eine Pflanze, deren

Aussehen tatsächlich an

einen Schuh erinnert. Lateinisch

heißt sie: Cypripedium

calceolus. In Cypripedium

steckt das griechische Kypris,

der Beiname der Aphrodite.

Calceolus bedeutet

„kleiner Schuh“. Es handelt

sich also eigentlich um den

kleinen Schuh der Aphrodite.

Die 50 Euro hat gewonnen:

Christiane Reichel aus Lohbrügge

Historische Hilfe

>> Die berühmtesten Musiker

der USA sangen vor 31

Jahren gegen den Hunger in

Afrika „We are the World“

und landeten damit einen

Welterfolg. Doch welcher

Superstar blieb der Aufnahme

fern?

A Madonna

B Michael Jackson

C Prince

D Lionel Richie

Kennen Sie die Lösung?

Gewinnen Sie 50 Euro:

01378 10 11 25*

Rufen Sie bis zum 8. Mai,

12 Uhr, an und nennen Sie uns die

richtige Lösung. Der Gewinner wird

ausgelost und benachrichtigt.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

*(50 Cent/Anruf aus dem Festnetz

der Deutschen Telekom, Mobilfunkpreise können abweichen)

25,378 km

>> Mit 25,378 Kilometern ist

der Nürburgring die längste

Rennstrecke der Welt. Am

Sonnabend, den 28. Mai, um

15.30 Uhr wird wieder das

traditionsreiche 24-Stunden-

Rennen gestartet, das seit

1970 dort ausgetragen wird.

Dann gibt es stimmungsvolle

Nachtszenen zu bewundern.

RTL Nitro überträgt live.

Früher galten

Rasenroboter

noch als Hightech­Spielzeuge

für spleenige

Gartenbesitzer.

Das hat sich

geändert.

FINGER WEG!

>> Wenn einer der folgenden

Punkte auf Sie zutrifft,

sollten Sie auf die Anschaffung

eines Rasenroboters

verzichten.

>> 1.) Auf Ihrem Rasen liegt

immer irgendetwas herum

>> 2.) Ihre Rasenfläche ist

extrem verwinkelt oder von

Beeten durchsetzt

>> 3.) Die Grenze Ihres Rasens

weist harte Kanten auf

oder Ihr Rasen besteht aus

mehreren Teilen, die nur

über holprige Wege miteinander

verbunden sind

>> 4.) Nahestehende Bäume

lassen regelmäßig Äste und

Tannenzapfen auf den Rasen

fallen

>> 5.) Sie lieben das Rasenmähen

GESTATTEN, JAKOB! Unser Rasenroboter wurde schnell zu einem Familienmitglied, das wir nicht mehr missen möchten.

Aufgereiht wie Perlen an einer

Kette steht unsere gesamte Familie

hinter dem Wohnzimmerfenster

und drückt sich an

der Scheibe die Nasen platt.

Gebannt starren wir hinaus in

die Abenddämmerung. Um 18

Uhr soll es losgehen. Jetzt ist

es schon drei Minuten nach

Sechs, doch nicht das Geringste

passiert. Unser nagelneuer

Rasenroboter steht draußen

im Garten an seiner Ladestation

und rührt sich nicht von

der Stelle.

Vor einigen Jahren galten

Rasenroboter noch als Hightech­Spielzeuge

für spleenige

Gartenbesitzer. Das hat sich

gründlich geändert. Schon für

das Jahr 2011 schätzte die Gesellschaft

für Konsumforschung

den Marktanteil der

Rasenroboter auf stolze fünf

Prozent. Das bedeutet, dass

damals unter 1,2 Millionen Rasenmähern,

die in Deutschland

pro Jahr verkauft werden,

rund 60.000 Rasenroboter waren.

Seitdem ist ihr Anteil rasant

angestiegen.

Jahrelang hatten wir unsere

etwa 1000 Quadratmeter Rasen

mühsam mit einem altersschwachen

Benzin­Handmäher

bearbeitet. Als der dann

langsam den Geist aufgab, war

das wie eine Erlösung. Doch

was nun? Ein neuer Handmäher

(zu nervig!), ein Aufsitz­

Rasenmäher (zu laut! Wo lassen?),

das schien alles nicht

das Richtige zu sein.

Auf einen Rasenroboter

waren wir erst gar nicht gekommen,

weil unser Grundstück

nach mehreren Seiten

offen ist. Unsere Rasenfläche

geht ohne Zäune in die Rasenstücke

der Nachbarn über.

Und deren Grün wollen wir ja

nicht mitmähen, geschweige

denn unseren Roboter regelmäßig

bei den Nachbarn suchen.

Bis Verwandte, die

schon länger so ein Gerät besitzen,

bei diesem Thema wissend

lächelten: „Keine Sorge,

der haut nicht ab!“

Tut er nicht? Nun, die Botschaft

hörten wir wohl, allein

es fehlte der Glaube. Einfach

so ein Ding im Baumarkt zu

kaufen und auf gut Glück in

unserem Garten auszusetzen,

das war uns jedenfalls zu heikel.

Stattdessen suchten wir

den Fachmarkt auf und ließen

uns überzeugen. Hier zwei

Tipps, die künftige Rasenroboterbesitzer

beherzigen sollten:

Was Sie beim Kauf

beachten sollten

1. Wählen Sie das Gerät

nicht zu klein. Wenn Sie einen

750 Quadratmeter­Rasen haben

und ein Rasenroboter ist

genau für diese Fläche ausgewiesen,

dann mäht er tags und

nachts, um diese 750 Quadratmeter

zu schaffen. Das wollen

Sie nicht! Faustformel: Nehmen

Sie den doppelten Wert

Ihrer Rasenfläche als Orientierung,

also einen 1500­Quadratmeter­Mäher

für einen 750­

Quadratmeter­Rasen.

2. Kaufen Sie einen Verlegeservice

für die Begrenzungsdrähte

mit dazu. Sagen Sie

nicht: „Das kann ich doch

selbst!“ Natürlich können Sie

das, aber schon so mancher

hat ein frustrierendes Wochenende

mit dem verbracht,

was unser Fachhändler dank

Verlegemaschine in zwei

Stunden hingetackert hat.

Natürlich ließen mir die offenen

Grenzen zu den Nachbarn

noch immer keine Ruhe.

Sollte dieser kleine Draht die

teure Maschine tatsächlich davon

abhalten, stiften zu gehen?

Der Fachhändler grinste: „Also

gut, schubsen wir ihn rüber!“

Er ließ den Roboter auf die

Grenze zufahren und gab ihm

einen kräftigen Schubs, sodass

er zwangsweise auf dem Rasen

der Nachbarn landete. Sofort

begann das Gerät, sich wie

wild im Kreis zu drehen. Der

Grund: Rasenroboter orientieren

sich an den Begrenzungsdrähten,

die rings um das Rasenstück

verlegt sind, das sie

mähen sollen. Nehmen sie diese

nicht mehr wahr, sind sie

orientierungslos.

So haben wir uns also auf

das Abenteuer eingelassen.

Und jetzt dieses Fiasko: 18.05

Uhr und kein Mucks! Unsere

Tochter (4) wird ungeduldig,

beginnt zu singen: „Bruder Jakob,

schläfst du noch?“ Schon

hat der Rasenroboter seinen

Namen weg: Jakob.

Dann fällt uns auf, dass die

Küchenuhr ja vorgeht, damit

wir nie zu spät kommen. Es ist

also noch gar nicht sechs Uhr!

Pünktlich auf die Minute setzt

sich Jakob schließlich in Bewegung.

Wie von Geisterhand

gelenkt durch einen unterirdischen

Leitdraht. Sirrend schaltet

er die Rasierklingen an, die

mit Tausenden Umdrehungen

pro Minute rotieren. Das ist so

leise, dass wir Jakob nachts

fahren lassen können.

Würde ein neugieriges

Kind den Rasenroboter anheben,

zieht er blitzschnell seine

Klingen ein. Würde ein Dieb

versuchen, ihn zu klauen, veranstaltet

Jakob einen Heidenlärm,

der mühelos im ganzen

Viertel zu hören ist, und verweigert

seinen Dienst, bis die

von uns vergebene Codenummer

eingegeben wird.

Ein Jahr ist unser Abenteuer

„Rasenroboter­Kauf“

nun her. Es ist in der Familie

ein liebgewonnenes Ritual geworden,

jeden Morgen nach

Jakob zu schauen. Ein Rasenroboter

häckselt immer nur

die obersten Millimeter der

Grashalme ab und lässt die

Stücke liegen. „Mulchen“

nennt man das. Das hat unser

Grün schon nach wenigen

Wochen deutlich grüner gemacht,

die Moosbildung in nur

einer Sommersaison um zwei

Drittel reduziert. Und in der

ganzen Zeit hat der kleine Kerl

nicht einen Fehler gemacht.

Autor: Volker Gast

Fotos: Gast (1); dpa (4).

Redensart:

>> Nachtigall, ick hör’ dir

trapsen heißt auf gut Berlinerisch,

dass man jemandem

auf die Schliche kommt. Die

Wendung wurde 1878 erstmals

in Hans Meyers „Richtigem

Berliner“ veröffentlicht.

Sie ist eine Verballhornung

eines Liedes aus der

Sammlung „Des Knaben

Wunderhorn“ der Romantiker

Clemens Brentano und

Achim von Arnim. Darin

heißt es: „Nachtigall, ich hör’

dich singen, das Herz möcht’

mir im Leib zerspringen.“

Die

„W“-Frage:

Wer von Geesthacht aus die

Elbuferstraße entlangfährt,

der passiert die drei mächtigen

Rohre des Geesthachter

Pumpspeicherwerks (Foto).

Es besteht seit 1958 und ist

das größte in Norddeutschland.

Die Rohre führen zu

einem Speichersee, der 3,6

Millionen Kubikmeter Wasser

fasst. Über eine Fallhöhe

von 80 Metern rauscht das

Wasser wieder hinunter.

Wie funktioniert

ein PUMPSPEI-

CHERWERK?

Von der Energiebilanz her,

ist ein Pumpspeicherkraftwerk

immer ein Verlustgeschäft,

denn von der Energie,

die benötigt wird, das Wasser

zum See hinaufzupumpen,

können beim Herabfließen

nur etwa 80 Prozent zurückgewonnen

werden. Dennoch

sind solche Kraftwerke sehr

wichtig, denn sie sind flexibel

und „schwarzstartfähig“, das

heißt sie funktionieren auch

ohne Strom – anders als Kohlekraftwerke.

Gäbe es in

Hamburg einen Blackout, wäre

Geesthacht am Zug. Das

Herabfließen eines Großteils

des Sees würde etwa fünf

Stunden dauern. Der in dieser

Zeit produzierte Strom könnte

dann dazu genutzt werden,

um die anderen Kraftwerke

zu reaktivieren und die

Stromversorgung der Stadt

wiederherzustellen.

Es gibt Vögel,

die rückwärts

fliegen!

Richtig oder falsch?

Die meisten Vögel segeln mit

dem Wind, doch Kolibris

(Foto) sind wahre Flugkünstler,

die sogar ein kurzes Stück

rückwärts fliegen können. Ihr

Geheimnis ist die hohe Frequenz

ihrer Flügelschläge. Kolibris

fliegen mit knapp 40 Flügelschlägen

pro Sekunde, was

sie nicht sonderlich anzustrengen

scheint. Alle zwei Minuten

steuert der kleinste Vogel der

Welt eine Blüte an. Dabei ist er

durch seinen wie eine Hummel

klingenden Flugstil in der

Lage, auf der Stelle in der Luft

zu schweben, was hilfreich ist,

um seinen langen Schnabel in

den Blütenkelch zu bugsieren.

Wenn er dann zum Rückwärtsflug

ansetzt, um sich von

der Blüte zu entfernen, erhöht

er die Frequenz seiner Flügelschläge

sogar noch einmal auf

44 Schläge pro Sekunde, wie

die Forscher Nir Sapir und Robert

Dudley von der University

of California herausfanden.


16 | Volkers Welt

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PFINGSTEN 2016

14. MAI 2016

ZLATAN IBRAHIMOVIC

Der extremste Fußballer

Da biste

PLATT...

>> Dem Song „We are the

world“ galt unsere Quizfrage.

Fast alle Popstars der

USA waren an dem Benefiz-

Projekt beteiligt – bis auf

Prince und Madonna. Prince

verzichtete, weil sein großer

Rivale Michael Jackson zusammen

mit Lionel Richie

das Lied geschrieben hatte.

Madonna wurde wegen

ihres sexy Images nicht eingeladen.

Dafür verdrängte

sie später mit „Crazy for

you“ den Song von der Spitze

der US-Popcharts.

Die 50 Euro hat gewonnen:

Franz Stegmeier aus Lohbrügge

Erfolgreicher

Fehlschlag

>> Bleiben

wir bei

Madonna:

Für welche

Fernsehserie

bewarb

sie sich erfolglos

und

wurde stattdessen Popstar?

A Alf

B Drei Engel für Charlie

C Fackeln im Sturm

D Fame

Kennen Sie die Lösung?

Gewinnen Sie 50 Euro:

01378 10 11 25*

Rufen Sie bis zum 15. Mai,

12 Uhr, an und nennen Sie uns die

richtige Lösung. Der Gewinner wird

ausgelost und benachrichtigt.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

*(50 Cent/Anruf aus dem Festnetz

der Deutschen Telekom, Mobilfunkpreise können abweichen)

1/20 Mio. mm

>> Ein Millimeter geteilt

durch 20 Millionen: So unvorstellbar

klein ist Nanoporphyrin,

ein Nanopartikel,

das australische Forscher

2014 erstmals synthetisiert

haben. Es hat große Bedeutung

für die Krebsmedizin,

denn Nanoporphyrin kann

gleichzeitig Kontrastmittel

unterstützen und Tumorzellen

abtöten.

Wenn in einem

Monat die Fußball­EM

beginnt,

könnte ein 34­

jähriger „Oldie“

der große Star

werden: Zlatan

Ibrahimovic!

Drei Jahre lang hatte der niederländische

Rekordmeister

Ajax Amsterdam gegenüber

der Konkurrenz aus Rotterdam

und Eindhoven das Nachsehen

gehabt. Dann verpflichteten

sie im Sommer 2001 für

sagenhafte 7,8 Millionen Euro

einen 19­jährigen Jungspund

aus Schweden namens Zlatan

Ibrahimovic. Und wurden mit

ihm prompt wieder Meister.

Juventus Turin, die große

„alte Dame“ des italienischen

Fußballs, hatte 2004 das Meisterschaftsrennen

gegen den

Erzrivalen AC Mailand verloren

– mit 13 Punkten Rückstand!

Dann kauften sie Ibrahimovic

und wurden mit ihm

zweimal in Folge Meister.

Inter Mailand war nur ein

Underdog, bis 2006 Ibrahimovic

kam. Viermal in Folge holten

sie den Titel. Inters Lokalrivale

AC Mailand hatte sechs

Jahre lang die Meisterschaft

nicht mehr gewonnen, bevor

im Sommer 2010 Ibrahimovic

dort anheuerte und das Team

zum Titel führte. Paris St. Germain

hatte 18 Jahre lang im

französischen Fußball nur eine

Nebenrolle gespielt. Im Sommer

2012 kam Ibrahimovic.

Seitdem hieß der Meister stets

Paris St. Germain.

Was also ist dran an diesem

Spieler, den die Frankfurter

Allgemeine Zeitung den „letzten

Actionhelden“ nannte, den

„extremsten Fußballer dieser

Zeit“? „Ich bin ein Krieger“,

sagt er in seiner von David Lagercrantz

verfassten Autobiographie

„Ich bin Zlatan Ibrahimovic“.

Einer, der vorangeht.

Der auf dem Platz und in der

Umkleidekabine den Ton angibt.

Ein eitler Pfau, der Fans

und Offizielle mit seinen Eskapaden

in den Wahnsinn treibt.

Momentan feilscht er mit Paris

um seine Vertragsverlängerung.

„Ich bleibe nur, wenn sie

ABGEHOBEN Ausgelassen feiert Zlatan Ibrahimovic seinen 1:0-Führungstreffer bei der EM 2008

gegen Griechenland. Der 34-Jährige ist der erfolgreichste Torschütze, den Schweden je hatte.

statt des Eiffelturms eine Statue

von mir bauen“, hat er gesagt.

Es ist ihm zuzutrauen,

dass er das ernst meint.

Wenn am 10. Juni die Fußball­Europameisterschaft

in

Frankreich beginnt, könnte der

mittlerweile 34­jährige Ibrahimovic

zum Star des Turniers

werden. Schweden hat zwar

eine schwere Vorrundengruppe

mit Italien, Belgien und Irland

erwischt, doch an ihrem

Superstar können sie sich aufrichten.

Denn Ibrahimovic ist

bekannt dafür, dass er Unmögliches

möglich macht. So wie

bei seinem berühmtesten Tor

am 14. November 2012 in

Stockholm, als er im Spiel

gegen England einen Fallrückzieher

aus 30 Metern Entfernung

versenkte.

Es ist diese Mit­dem­Kopfdurch­die­Wand­Attitüde,

die

den Schweden von allen anderen

Stars des Fußballs abhebt.

Aufgewachsen ist er in Rosenborg,

einem sozialen Brennpunkt

am Stadtrand von Malmö.

Fahrradklau, Revierkämpfe

und Ladendiebstähle prägten

seine Kindheit. Seine ihn

schlagende Mutter und der

Vater, ein Alkoholiker, ließen

sich scheiden, als er zwei Jahre

alt war. Welche Chance hat jemand,

der so aufwächst? Ibrahimovic

fand sein Ventil – den

Fußball. Heute hängt an einer

Brücke in Rosenborg ein Zitat

von ihm: „Du kannst einen Typen

aus dem Ghetto holen,

aber du holst niemals das

Ghetto aus einem Typen.“

Seine Vergangenheit treibt

ihn bis heute an. Dieser Allesoder­nichts­Lebensstil

lässt

ihn schnelle Autos fahren,

Journalisten, Mitspieler und

Offizielle bepöbeln oder eben

Fallrückzieher aus 30 Metern

Entfernung versuchen. In Turin

blieb er einmal, statt zum

Spiel zu fahren, einfach vor

seiner Playstation sitzen.

Doch wenn er dann auf dem

Platz steht, dann kommt diese

für einen 1,95­Meter­Riesen

und 95­Kilo­Brocken unfassbare

Beweglichkeit zum Tragen,

die er sich in zahllosen Stunden

auf dem Hinterhof von

Rosenborg antrainiert hat. Die

ihn die unglaublichsten Tricks

ausführen lässt. Und die aus

jedem Team einen Gewinner

macht, wenn es einen Ibrahimovic

hat. Volker Gast

REZENSION: IBRAHIMOVIC -

DAS GROSSE FANBUCH

>> Nachdem der Verlag Die

Werkstatt bereits Fanbücher

über Lionel Messi und Cristiano

Ronaldo herausgegeben

hat, folgt nun also:

„Zlatan Ibrahimovic - Das

große Fanbuch“. Das großformatige

Werk (21,5x28

Zentimeter) besticht vor allem

durch seine reiche,

prächtige Bebilderung und

dürfte sich mit seinem oft

recht euphorischen Sprachstil

vor allem an eine jugendliche

Leserschaft wenden.

Beim Umfang wurde der

Buchtitel mit nur 64 Seiten

leider nicht wörtlich genommen,

aber den geringen

Platz hat Autor Adrian Beasley

gut genutzt. Der Leser

bekommt einen kompletten

Überblick über die Karriere

des schwedischen Weltklasse-Fußballers.

>> Was das Buch auch attraktiv

macht, ist sein abwechslungsreiches

Layout.

Die Aufarbeitung der Karriere

wird immer wieder unterbrochen

durch Rubriken wie

„Zlatans beste Tore“, „Zlatans

WM-Abenteuer“ oder

Sprüche von und über Ibrahimovic.

Und natürlich wird

auch sein „Tor des Jahrhunderts“,

der 30-Meter-Fallrückzieher

gegen England,

entsprechend gewürdigt. Da

ist es zu verschmerzen, dass

der Statistik-Teil etwas bemüht

wirkt.

>> Fazit: Dieses Buch ist genau

das Richtige, um sich

Lust auf die Fußball-EM zu

machen. Volker Gast

Fotos: dpa; Fotolia © Fiedels, Th. Schier,

Jens Klingebiel; Verlag Die Werkstatt.

Redensart:

Die

„W“-Frage:

Wie unterscheiden

sich GAU

und STÖRFALL?

Es gibt Vögel,

die sich

schminken!

Richtig oder falsch?

>> Du Nachtwächter! ist

eine verächtliche Art, einen

geistesabwesenden Träumer

zu beschimpfen. Nachtwächter

bekommen nachts keinen

Schlaf und müssen ihn daher

tagsüber nachholen. Der ehrenwerte

Beruf kam im Mittelalter

auf, als die ersten

größeren Städte entstanden.

Nachtwächter waren für die

Sicherheit zuständig und

machten auch Zeitansagen.

Nach der Katastrophe von

Fukushima am 11. März 2011

wurde in Deutschland der

Atomausstieg beschlossen.

Doch acht Anlagen, darunter

das Kernkraftwerk Brokdorf

(Foto), sind immer noch am

Netz. Sie werden bis spätestens

2022 stillgelegt.

International werden nukleare

Zwischenfälle in acht

Stufen unterteilt. Die Stufen

„0“ und „1“ sind Ereignisse

ohne sicherheitstechnische

Bedeutung. Hier liegt es beim

Anlagenbetreiber, ob er die

Öffentlichkeit informiert. Ab

Stufe „2“ (Störfall mit Sicherheitsreserve)

ist es seine

Pflicht, unverzüglich die Öffentlichkeit

zu informieren.

Stufe „3“ (Ernster Störfall)

beschreibt einen Störfall mit

Sicherheitsversagen.

Im Unterschied zum Störfall

gelangen bei einem Unfall

radioaktive Stoffe ins Freie.

Je nach Menge wird von Stufe

„4“ (Unfall), Stufe „5“

(Ernster Unfall) oder Stufe

„6“ (Schwerer Unfall) gesprochen.

Die Stufe „7“ (Katastrophaler

Unfall) ist die

höchste Stufe, im Volksmund

der „größte anzunehmende

Unfall“ (GAU). Hier wird

neben radioaktiven Stoffen

auch Kerninventar in großen

Mengen freigesetzt.

Dieses Phänomen gibt es tatsächlich

und zwar bei den

Bartgeiern. Das sind die größten

Greifvögel Europas mit

einer Spannweite von knapp

drei Metern. Sie leben in den

Pyrenäen und ernähren sich

ausschließlich von Aas.

Bevor sie auf Partnersuche

gehen, legen die Bartgeier etwas

Rouge auf. Sie nehmen

ausgiebige Bäder in eisenhaltigem

Schlamm, der ihre sonst

leuchtend weiße Halskrause

rostrot erscheinen lässt. Sowohl

Männchen als auch

Weibchen zeigen dieses Verhalten,

denn Rostrot ist die

Farbe, der kein Bartgeier widerstehen

kann.

War die Partnersuche erfolgreich,

ist wieder Durchhaltevermögen

gefordert, denn

Bartgeier brüten im Winter

und müssen daher so lange auf

ihren Eiern hocken wie kein

anderer Vogel in Europa: rund

zwei Monate!


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SONNABEND

21. MAI 2016

HAMBURG FREEZERS

Hinter den Kulissen der Eisshow

Da biste

PLATT...

>> Unsere Quizfrage handelte

von Madonna. 1980 bewarb

sie sich vergeblich als

Schauspielerin und Tänzerin

für die TV-Serie „Fame“. Es

war die Zeit, als Madonna

sich noch mit Gelegenheitsjobs

über Wasser halten

musste. Im Nachhinein war

die Absage ein Glücksfall,

denn danach konzentrierte

sie sich stärker auf den Gesang.

Gleich ihr erstes Album,

„Madonna“ (1983),

verkaufte sich millionenfach.

Die 50 Euro hat gewonnen:

Ronja Marie Funke aus Marschacht

Rätselhafter Fisch

>> Heute geht es um einen

Zierfisch, den Türkisen

Prachtgrundkämpfling. Der...

A ... altert im Zeitraffer

B ... schwimmt nur rückwärts

C ... atmet Steine ein

D ... spricht mit Krebsen

Kennen Sie die Lösung?

Gewinnen Sie 50 Euro:

01378 10 11 25*

Rufen Sie bis zum 22. Mai,

12 Uhr, an und nennen Sie uns die

richtige Lösung. Der Gewinner wird

ausgelost und benachrichtigt.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

*(50 Cent/Anruf aus dem Festnetz

der Deutschen Telekom, Mobilfunkpreise können abweichen)

68 572 Produkte

>> Im September 2001 wurde

in Deutschland das Bio-

Siegel eingeführt, das Erzeugnisse

aus ökologischem

Landbau kennzeichnet. Seitdem

wurden 68 572 Produkte

von 4367 Herstellern bei

der Bundesanstalt für Landwirtschaft

und Ernährung registriert.

Spitzenreiter sind

die Heißgetränke: Knapp

9500 Kaffees, Tees und Kakaos

tragen das Bio-Siegel.

Die Hamburg

Freezers sind

Geschichte. Ein

Reporter erinnert

sich.

Mein ganz persönliches Andenken

an die Hamburg Freezers

trage ich lebenslang in

meinem Körper mit mir herum.

Es handelt sich um eine

kleine Metallklammer, die die

Reste meiner zertrümmerten

Schulter zusammenhält. Nach

dem Besuch eines Spiels war

ich 2010 außerhalb der Arena

beim Sprint nach dem Shuttle­

Bus auf den Beton gestürzt,

weil ich eine Bodenunebenheit

übersehen hatte.

Ganz oben, in der allerletzten

Reihe der riesigen Halle,

hatten wir Journalisten unseren

Platz. Von hier aus verfolgte

ich zahllose Begegnungen

der Freezers, und doch

war die Identifikation mit den

Kristallblauen nie dieselbe wie

die mit den Rothosen im Stadion

ein paar Meter weiter.

Das hat zuallererst mit der

Sportart zu tun: Die Spieler

sind vermummt, die Identifikation

mit ihnen ist daher

schwierig. Zudem sieht man

beim Eishockey im Getümmel

oft den Puck nicht. Hat er die

Torlinie überschritten oder

nicht? Das lässt sich für die

Zuschauer oft nur anhand der

Torlampe, der Reaktionen der

Spieler, den Gesten des

Schiedsrichters oder in der

Zeitlupe auf dem Video­Würfel

ausmachen.

In luftiger

Höhe...

FEUER UND EIS Die Einlaufshow bei den Hamburg Freezers sorgte stets für Gänsehaut-Momente unter den im Schnitt 9000 Zuschauern

in der Arena. Wenn kein Wunder mehr geschieht, wird es das nie wieder geben.

Oben in der letzten Reihe

ist die Hallendecke bereits

ganz nah. Dort in luftiger Höhe

verlaufen zahllose Metallstreben,

auf denen tollkühne

Menschen – „Rigger“ genannt

– herumturnen und für die

Bühnentechnik, also Ton und

Licht, sorgen. Der Name

stammt noch aus der Zeit der

Segelschiffe, als Rigger in der

Takelage herumkletterten. Es

war eine glorreiche Idee, irgendwann

einem solchen Rigger

das Outfit des Freezers­

Maskottchens überzuziehen.

Der „Freezer“ konnte sich so

mit großer Gestik vom Hallendach

abseilen, umgeben von

Pyrotechnik, Video­Animationen

und Scheinwerferlicht.

Und natürlich dem unvermeidlichen

„Let me entertain

you“ von Robbie Williams. Bei

den Hamburg Freezers ging es

nie allein um Sport. Es ging

immer auch um Show. Und

doch gehörten diese Gänsehaut­Momente

für mich immer

zum Schönsten an einem

Arena­Besuch.

... und tief

im Keller

Auch für uns Reporter ging

es nach einem Spiel an einem

Drahtseil abwärts. Zum Glück

mussten wir uns nicht daran

abseilen, sondern durften den

Fahrstuhl nehmen, der vom

Pressebereich unter dem Dach

tief hinunter in den Bauch der

Arena führt, hinein ins Allerheiligste:

die Katakomben der

Spieler. In einer Nische parkt

die Eismaschine, die in den

Pausen immer ihren großen

Auftritt hatte. Vom Glanz der

Inszenierung befreit, wirkt

hier unten alles nüchtern, geschäftsmäßig.

Vor den Umkleidekabinen

geht es locker

zu, es ist ein lustiges Gemisch

aus Bayerisch und Englisch zu

hören. Die Spieler sind offen

und freundlich. Selbst als einmal

die Stars von den Los Angeles

Kings aus der nordamerikanischen

Profiliga NHL bei

den Freezers zu Gast waren,

war die Atmosphäre entspannt

und fast familiär. In einem

kleinen Raum in der Nähe der

Kabinen geben die Trainer auf

der Pressekonferenz ihre Eindrücke

zum Spiel wieder, während

ein paar Meter weiter

jenseits eines geöffneten Garagentores

bereits der Bus des

Gästeteams den Motor anschmeißt.

Alles muss immer

zack­zack gehen. Nach dem

Spiel ist vor dem Spiel, nach

der Show ist vor der Show.

Vielleicht liegt hierin auch ein

Grund, warum sich Eishockey

in Hamburg nie wirklich

durchsetzen konnte. 52 Saisonspiele

bei nur 14 Teams sind

einfach zu viel. Die einzelne

Begegnung verliert an Bedeutung,

wenn sich die Mannschaften

allzu oft gegenüberstehen.

Es ist daher ein Freundschaftsspiel,

das vor allen anderen

in Erinnerung geblieben

ist. Jene 4:5­Niederlage am

4. Oktober 2011 gegen die Los

Angeles Kings war sicherlich

der Abend, an dem das beste

Eishockey in der Arena gespielt

wurde. Begeisternde

Freezers verlangten den Stars

aus Kalifornien alles ab.

Geburtsstätte eines

Eishockey-Wunders

Für die Kings war es übrigens

der Beginn eines Eishockey­Wunders.

Nachdem sie

sich in der Saison 2011/2012 als

eines der letzten Teams für die

Playoffs qualifiziert hatten,

spielten sie dort plötzlich die

Sterne vom Himmel und gewannen

erstmals in ihrer Geschichte

den Stanley­Cup.

So ein Eishockey­Wunder

sind die Freezers ihren Fans in

der 14­jährigen Geschichte des

Vereins leider immer schuldig

geblieben. Ein Endspiel um die

deutsche Meisterschaft erreichten

sie nie. Nur zweimal,

in den Jahren 2004 und 2014,

kamen die Hamburger zumindest

mal bis ins Halbfinale der

Deutschen Eishockey­Liga.

2004 unterlagen sie den Frankfurt

Lions mit 2:3 Siegen, 2014

war der ERC Ingolstadt mit 2:4

Endstation. Ansonsten kam

stets frühzeitig das Aus ­ viel

zu wenig für einen Klub mit

einem der größten Etats.

Aller sportlichen Mittelmäßigkeit

zum Trotz hatten die

Eishockeystunden in der Arena

oft etwas Magisches. Eishockeyspiele

sind – anders als

Fußball – noch echte Familienfeste.

Randale unter den Fans

kommen praktisch nicht vor.

Zudem lag der Frauenanteil in

der Halle bei den Freezers immer

so ungefähr bei 30 Prozent

und damit mehr als doppelt

so hoch wie beispielsweise

beim HSV nebenan.

Mein Lieblingsplatz als Zuschauer

ist schräg hinter dem

Tor leicht oberhalb der Plexiglas­Bande.

Dort sieht man die

Cracks auf sich zurasen, bekommt

die ganze Wucht und

Dynamik des Spiels mit. Ich

hatte immer gehofft, dies alles

in ein paar Jahren mal meiner

Tochter (4) vorführen zu können.

Doch diese Chance wird

es nun nicht mehr geben.

Autor: Volker Gast

Fotos: Hamburg Freezers; Fotolia © Natis,

stockWERK, Alena Ozerova, Steinar.

Redensart:

>> Einen Denkzettel bekommt

jemand verpasst, an

dem man sich rächt. Der Begriff

stammt aus dem 15.

Jahrhundert. Damals gab es

im Rechtssystem der Hanse

den „Gedenkzettel“. Dabei

handelte es sich um eine

schriftliche Mitteilung des

Gerichts, die der heutigen

Vorladung vergleichbar war.

In Jesuitenschulen war es

zudem üblich, zusätzlich zu

körperlichen Züchtigungen

Schülern „Denkzettel“ zu

überreichen, auf denen ihre

Fehler verzeichnet waren.

Die

„W“-Frage:

„Rechten Fuß nach vorn“,

lautet ein Lehrspruch beim

Surfen. Während der linke,

hintere Fuß als Basis quer

aufs Brett gestellt wird, landet

der rechte Fuß vorn zwischen

den Händen etwa auf

der Mitte des Brettes und ist

grob in Fahrtrichtung ausgerichtet.

Auf unserem Foto

führt das Surf­Mädchen die

richtige Position in schulbuchmäßiger

Form vor.

Wie steht man

auf einem SURF-

BOARD auf?

Doch wie schafft man es in

die aufrechte Position? Der

Hamburger Alexander Tesch,

ein ehemaliger deutscher

Meister, gibt auf www.primesurfing.de

Tipps für den richtigen

„Take off“, wie die Surfer

sagen. Demnach legt man

sich bis zum Unterschenkel

aufs Board und drückt den

Oberkörper so weit hoch wie

möglich. Dann das linke Bein

bis auf Höhe des rechten

Knies anziehen und mit der

Fuß­Innenseite auf dem

Board absetzen. Schließlich

führt man den rechten Fuß

nach vorn und platziert ihn

zwischen den Händen.

Also: Nicht knien auf dem

Surfboard! Das nimmt den

Schwung aus dem Bewegungsablauf.

Und Geduld!

Nur wenn man bereits auf

der Welle gleitet, bevor man

aufsteht, ist es erfolgreich.

„Eher geht ein

Kamel durch

ein Nadelöhr...

Richtig oder falsch?

... als dass ein Reicher in das

Reich Gottes gelangt“, heißt es

im Markus­Evangelium, Kapitel

10, Vers 25. Das markante

Gleichnis von Jesus Christus

ist auch bei Lukas (18,25) und

Matthäus (19,24) überliefert.

In der Theologie sind viele

Auslegungen dieses sehr bekannten

Gleichnisses versucht

worden. So könnte das Nadelöhr

als Symbol für die Kirche

stehen, die den Zugang zu Gott

ermöglicht, aber eben nur jenen,

die gottgefällig leben, also

nicht auf die Anhäufung von

Besitz aus sind.

Eine andere Vorstellung ist,

dass es im alten Jerusalem ein

enges Stadttor mit dem Namen

„Nadelöhr“ gab. Wollte

ein Reicher mit seinem vollbeladenen

Kamel in die Stadt gelangen,

musste er erst alles abladen,

bevor er passieren

konnte. So wäre das Gleichnis

eine Aufforderung, von irdischem

Besitz loszulassen.


16 | Volkers Welt

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SONNABEND

28. MAI 2016

EICHHÖRNCHEN

Akrobaten der Baumwipfel

Da biste

PLATT...

>> Der Türkise Prachtgrundkärpfling

ist ein Zierfisch mit

einer besonderen Eigenschaft:

Er altert im Zeitraffer.

Das war die Lösung

unserer Quizfrage. Obwohl

die Gene des Türkisen

Prachtgrundkärpflings denen

des Menschen ähneln, wird

er nur etwa vier Monate alt

und zeigt bereits ab dem

dritten Monat deutliche Alterserscheinungen.

Das hat

ihn zu einem beliebten Forschungsobjekt

gemacht.

Die 50 Euro hat gewonnen:

Kerstin Flick aus Geesthacht

Warten auf Godot

>> Zwei

Männer, die

warten. Viel

mehr passiert

nicht

im Theaterstück

„Warten

auf Godot“,

das für

die den irischen Schriftsteller

Samuel Beckett der Durchbruch

war. In welcher Sprache

wurde es uraufgeführt?

A Deutsch

B Englisch

C Französisch

D Gälisch

Kennen Sie die Lösung?

Gewinnen Sie 50 Euro:

01378 10 11 25*

Rufen Sie bis zum 29. Mai,

12 Uhr, an und nennen Sie uns die

richtige Lösung. Der Gewinner wird

ausgelost und benachrichtigt.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

*(50 Cent/Anruf aus dem Festnetz

der Deutschen Telekom, Mobilfunkpreise können abweichen)

10 Prozent

>> Die Landwirtschaft verbraucht

70 Prozent des

weltweiten Wasserbedarfs,

die Industrie 20 Prozent. Für

die Privathaushalte bleiben

da nur noch 10 Prozent. Dabei

sparen wir ohnehin

schon, wo wir können. Benötigte

jeder Deutsche 1991 im

Schnitt noch 144 Liter Wasser

pro Tag, so sind es heute

nur noch 121 Liter. Trotzdem

wird der weltweite Wasserbedarf

bis 2050 um die

Hälfte ansteigen.

Redensart:

>> Hals und Beinbruch sagen

wir, um jemandem bei

einer Unternehmung viel

Glück zu wünschen. Die seltsame

Wendung ist die Verballhornung

eines jiddischen

Ausdrucks. „Hatslokhe u

brokhe“ bedeutet dort „Erfolg

und

Segen“

und leitet

sich von

den hebräischen

Wörtern

„hazlacha“

(Glück)

und „birache“

(Segen)

ab.

Eichhörnchen

sind neugierig.

Das gibt manchmal

Ärger mit

der Polizei.

Tatort: Eichenstraße in Bottrop.

Wohin auch immer sich

die junge Frau wendet, ihr unheimlicher

Verfolger bleibt ihr

dicht auf den Fersen. Egal, ob

sie schnell oder langsam geht,

ihr stiller Schatten ist immer

da. Schließlich weiß sich die

junge Frau nicht mehr anders

zu helfen. Sie wählt die Notrufnummer

110. „Ich werde

von einem Eichhörnchen verfolgt“,

sagt sie den verblüfften

Polizeibeamten. Die rücken

sofort aus. Das Tier, ein Eichhörnchen­Baby,

ist schon am

Rande der Erschöpfung. „Es

ließ sich ohne Widerstand

festnehmen“, sagt die Polizeisprecherin

Ramona Hörst, die

wie ihre Kollegen großen Spaß

an diesem „tierischen“ Einsatz

hatte.

In der Geborgenheit der behandschuhten

Polizistenhand

gibt es ein paar kleine Apfelstückchen

zur ersten Stärkung

für das verängstigte Tier. Anschließend,

in der Ruhe der

Polizeiwache, machen sich die

Kollegen schlau, was so ein

Eichhörnchen denn essen darf.

Sie verabreichen schließlich

Apfelstückchen in Baby­Eichhörnchen­gerechten

Häppchen

sowie Honigtee mit einer

Pipette. So päppeln sie das

Tier ein wenig auf, bevor sie

es in eine Aufzuchtstation für

Wildtiere bringen.

Solche Fälle wie dieser aus

dem Juli 2015 sind gar nicht so

Die

„W“-Frage:

Wer ein interessantes Ausflugsziel

sucht, wird seit vergangenem

Herbst im Hunsrück

fündig. Dort wurde am 3.

Oktober 2015 die längste Hängeseilbrücke

Deutschlands

eingeweiht. Über eine Länge

von 360 Metern verbindet die

Hängeseilbrücke Geierlay die

Orte Mörsdorf und Sosberg.

In bis zu 100 Metern Höhe

geht es über das Mörsdorfer

Bachtal hinweg.

Die Krallen der Eichhörnchen sind so scharf, dass sie sich zur Not mit einer einzigen Pfote an der Baumrinde festhalten können.

Wo kann man sich

so richtig schön

HÄNGEN LASSEN?

Die Idee kam in Mörsdorf

2006 anlässlich einer Dorferneuerung

auf. Sie wurde jedoch

zunächst als nicht realisierbar

verworfen. Doch drei

Bürger mochten sich damit

nicht abfinden. Ingo Börsch,

Hans­Peter Platten und der

jetzige Ortsbürgermeister

von Mörsdorf, Marcus Kirchhoff,

gingen das Unternehmen

2010 in einer ehrenamtlichen

Projektgruppe neu an.

selten. Im Juni 2013 wollten

Polizisten in Enger (Kreis Herford)

eine Blitzfalle aufstellen.

Doch die Aktion wurde von

einem Eichhörnchen sabotiert,

das ständig an den Beamten

hinaufkrabbelte, bis es die Gesetzeshüter

für eine Weile in

„Polizeigewahrsam“ nahmen.

Im April dieses Jahres wählten

zwei Autofahrer aus Pulheim

(Nordrhein­Westfalen) verzweifelt

den Notruf, weil sich

zwei Eichhörnchen unter ihre

Autos geflüchtet hatten und

nicht dazu zu bewegen waren,

ihr Versteck wieder zu verlassen.

Und im Juli 2015 drang ein

Eichhörnchen durch ein Fenster

in einen britischen Pub ein,

drehte die Zapfhähne auf und

verstreute den Inhalt der Kasse,

um anschließend unerkannt

zu entkommen. Es war

von Knabberkram angelockt

worden, der im Pub auf den

Tischen stand.

Normalerweise ernähren

sich Eichhörnchen vorwiegend

von Baumsamen. Im

Herbst legen sie sich einen

Vorrat aus Eicheln, Nüssen

und Bucheckern an, von dem

sie später zehren. Da das Eichhörnchen

ein Winterschläfer

ist, müssen sie auch in der kalten

Jahreszeit alle paar Tage

auf Nahrungssuche gehen.

WIE KNACKT EIN

EICHHÖRNCHEN

EINE NUSS?

Die Tiere nehmen die

Nuss in beide Pfoten

und reißen blitzschnell

die Blätter, die die Nuss

umhüllen, mit den Zähnen

weg. Dann tragen

sie die Nuss zu einer

ruhigen Stelle und nagen

so lange an ihr herum,

bis irgendwo ein

kleines Loch entstanden

ist. Schließlich hebeln

sie die Nuss mit Hilfe

ihrer unteren Schneidezähne

auf.

Und eine Machbarkeitsstudie

ergab: Die Brücke war realisierbar.

Vier Jahre dauerte es,

bis die Finanzierung von 1,14

Millionen Euro stand und im

Sommer 2014 mit den konkreten

Planungen begonnen

werden konnte.

Im ersten halben Jahr haben

150 000 Menschen die

Brücke besucht. An schönen

Tagen sollte man daher auf

Gedränge eingestellt sein.

Vom Nahrungsangebot

hängt ab, wie gut die Tiere

über den Winter kommen und

wie viel Nachwuchs sie im

kommenden Sommer aufziehen

können. Ein Wurf Neugeborener

umfasst üblicherweise

drei bis fünf Junge, die im kugelförmigen

Nest, dem Kobel,

hoch oben in den Bäumen zur

Welt kommen. Anfangs sind

sie noch nackt, erst mit drei

Wochen bekommen sie ihre

Behaarung.

Wenn ein junges Eichhörnchen

so anhänglich wird wie in

den beschriebenen Fällen,

dann ist üblicherweise eine

Tragödie vorausgegangen.

Entweder das Jungtier ist aus

dem Nest gefallen und hat den

Sturz auf wundersame Weise

überlebt oder die Mutter ist

umgekommen. Beides führt

dazu, dass der Nachwuchs

vom Futter abgeschnitten ist,

denn die Väter beteiligen sich

ohnehin nicht an der Aufzucht

der Jungen.

Von klein auf sind Eichhörnchen

fantastische Kletterer,

die hoch oben in den Bäumen

waghalsige Sprünge von

einem Ast zum nächsten vollführen.

Dazu befähigt sie ihr

besonderer Körperbau. Um

solche Sprünge genau berechnen

zu können, sind die Augen

Hamburg

ist

einmalig!

Richtig oder falsch?

Auch wenn viele Hamburger

ihre Stadt für einmalig halten,

das Gegenteil ist der Fall. Nordische

Städtenamen sind vor

allem in den USA stark verbreitet.

So zählte die Wochenzeitung

„Die Zeit“ dort 20

„Hamburgs“. Und damit nicht

genug: Auch in Südafrika entdeckte

das „Hamburger

Abendblatt“ zehnmal den Namen

der Hansestadt, in Südamerika

fünfmal. Das nördlichste

Hamburg ist übrigens

der Eichhörnchen weiter nach

vorn gerichtet als bei anderen

Nagetieren. Zudem ist ihre

Schnauze sehr kurz und lässt

den Blick nach vorn frei.

Wenn die Tiere an den Bäumen

auf­ und abwärts klettern,

verlassen sie sich ganz auf ihre

scharfen Krallen. Schon mit

einem einzigen Fuß können

sich die Eichhörnchen so stark

in der Baumrinde verankern,

dass das Gesamtgewicht eines

erwachsenen Tieres von etwa

400 Gramm mühelos getragen

wird.

Eichhörnchen „Polly“

ist weltberühmt

Normalerweise bekommen

wir Menschen vom Leben der

Eichhörnchen, das sich hoch

oben in den Baumwipfeln abspielt,

nicht viel mit. Anders

war es bei dem anhänglichen

Tier aus Bottrop. Das von den

Medien flugs „Polly“ getaufte

Junge erlangte weltweite Berühmtheit:

Die Meldung „Eichhörnchen

verhaftet“ druckten

im Sommer 2015 Zeitungen

von den USA über die Niederlande

bis nach Indien.

Autor: Volker Gast

Fotos: Fotolia © studion, jarrycz, Trueffelpix

(2), astrid guenther, kameraauge.

„New Hamburg“ in Ontario

(Kanada), pikanterweise eine

Ortsgründung von bayerischen

Auswanderern.

In Schweden gibt es 120 Kilometer

nördlich von Göteborg

die Insel Hamburgö mit

der Ortschaft Hamburgsund.

Die Insel ist 4 Kilometer lang

und 1,5 Kilometer breit und hat

ihren Namen vom schwedischen

Wort „homborg“, das

für eine schmale Meerenge

mit hohen Klippen steht.


8 | Volkers Welt

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SONNABEND

4. JUNI 2016

STAATSBÜRGERSCHAFT

Wer ist eigentlich ein Deutscher?

Da biste

PLATT...

>> Um das Theaterstück

„Warten auf Godot“ drehte

sich unsere Quizfrage. Obwohl

Autor Samuel Beckett

(1906-1989) Ire war, lebte

er doch seit 1937 in Frankreich

und verfasste das ereignisarme

Stück daher in

Französisch. Uraufgeführt

wurde es am 5. Januar 1953

im Théâtre de Babylone in

Paris.

Die 50 Euro hat gewonnen:

Doris Reichenbächer aus Geesthacht

Mit Torgarantie

>> Gesucht ist heute der effektivste

Torjäger im EM-Kader

von Joachim

Löw.

Zwar haben

andere häufiger

getroffen,

aber niemand

schießt so regelmäßig

Tore

wie der

Mann auf dem Foto.

A Mario Gomez

B Mario Götze

C Thomas Müller

D André Schürrle

Kennen Sie die Lösung?

Gewinnen Sie 50 Euro:

01378 10 11 25*

Rufen Sie bis zum 5. Juni,

12 Uhr, an und nennen Sie uns die

richtige Lösung. Der Gewinner wird

ausgelost und benachrichtigt.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

*(50 Cent/Anruf aus dem Festnetz

der Deutschen Telekom, Mobilfunkpreise können abweichen)

850.000

>> 850.000 Tagebücher

hortet das Centre for Time

Use Research der Universität

Oxford in Großbritannien.

Sie dienen der Erforschung,

wie wir unsere Zeit verbringen.

Dabei konnten die Forscher

bereits das weit verbreitete

Vorurteil entkräften,

dass unser Leben immer

arbeitsreicher wird. Tatsächlich

hat sich – gesamtgesellschaftlich

betrachtet – die

Arbeitszeit seit den 80er-

Jahren kaum verändert.

Redensart:

>> Einen Kater haben bedeutet,

die Folgen eines starken

Rausches zu spüren. Es

wird angenommen, dass der

Ausdruck seinen Ursprung in

dem Wort „katarrh“ hat.

Eine andere Theorie ist, dass

er sich aus dem seit dem

18. Jahrhundert bekannten

Begriff „Katzenjammer“ entwickelt

hat. Um 1850 fand

die Wendung zuerst durch

Leipziger Studenten Eingang

in die Umgangssprache. Sie

hebt darauf ab, dass das Gejammer

Alkoholkranker an

das nächtliche Geschrei liebestoller

Katzen erinnert.

Wer Deutscher

werden will,

muss eine Menge

über unser Land

wissen.

Wenn in einer Woche die Fußball­Europameisterschaft

beginnt,

dann heißt es wieder:

„Franzosen gegen Schweizer“,

„Schweden gegen Italiener“,

„Deutsche gegen Polen“. Die

Fans feiern ihr Land, ihr Team,

ohne sich groß etwas dabei zu

denken. Seit dem „Sommermärchen“

2006 haben auch

wir Deutschen trotz der belasteten

Geschichte wieder ein

entspanntes Verhältnis zu

unserer Nationalität.

Unsere Staatsbürgerschaft

begleitet uns durch unser Leben,

ohne dass wir uns dessen

immer bewusst sind. Wird in

Deutschland ein Kind geboren,

müssen die Eltern die Existenz

des neuen Erdenbürgers binnen

einer Woche dem Standesamt

melden. Die Bedeutung

dieses formalen Aktes

lässt sich daran ermessen, dass

in vielen Krankenhäusern angeboten

wird, die Anmeldung

gleich vor Ort zu erledigen.

Erst die Geburtsurkunde

macht uns vor dem Gesetz zu

der Person, die wir sind.

Die

„W“-Frage:

Langjährige „Topmodel“­Gucker

wissen, was es bedeutet,

wenn Heidi Klum ein „Editorial

Shooting“ ankündigt.

Dann sind die jungen Damen

aufgefordert, möglichst keine

Miene zu verziehen und

griesgrämig in die Kamera zu

schauen. Auch bei den klassischen

Modenschauen geht es

ernst zu. Kein Lächeln soll

von der Hauptsache, der

Kleidung, ablenken.

HERZENSSACHE Die Farben Schwarz-Rot-Gold traten als deutsche Nationalfarben erstmals während

der Befreiungskriege (1813 bis 1815) in Erscheinung. Sie gehen auf das Lützowsche Freikorps zurück,

dessen Mitglieder schwarze Uniformen mit goldenen Knöpfen und roten Kragenspiegeln trugen.

Diskussionen um die

Staatsbürgerschaft bekamen

im vergangenen Jahr durch die

Flüchtlingswelle neue Aktualität.

„Deutschland den Deutschen“,

ist ein in reaktionären

Kreisen oft vorgetragener Slogan.

Zuletzt unterschied ein

Politiker gar zwischen solchen

und solchen Deutschen, zwischen

Nachbarn mit heller und

dunkler Hautfarbe, was zu

Recht einen Sturm der Entrüs­

DAS MÄDCHEN, DAS NICHT EXISTIERTE

DIE UNGLAUBLICHE GESCHICHTE DER ALECIA FAITH PENNINGTON

>> Es war der 24. September

2014, als sich die damals 18-

jährige Alecia Faith Pennington

entschloss zu fliehen. Aufgewachsen

war sie mit acht

Geschwistern auf einer Farm

in Texas als Tochter zweier

fundamentaler Christen. Während

eines Besuchs ihrer

Großeltern raffte sie ihre Habseligkeiten

zusammen und

versteckte sich in deren Auto.

Als ihr Großvater, Jim Southworth,

abends den Wagen öffnete,

war er überrascht, seine

Enkeltochter vorzufinden. Auf

ihr Drängen hin nahm er sie

mit.

>> Schnell stellte sich jedoch

heraus, dass der Sprung in ein

neues Leben für Alecia Faith

Pennington alles andere als

einfach war. Denn sie besaß

keinerlei offizielles Dokument

Alecia Faith Pennington

kämpfte lange um ihre

Geburtsurkunde.

Warum gucken

Models GRIES-

GRÄMIG?

In den 50er­ und 60er­Jahren

durfte Models, die damals

noch Mannequins hießen,

noch lächeln. Das Lächeln

war – wie bei Hostessen oder

Stewardessen – eine Einladung,

sich etwas zu leisten,

und ein Glücksversprechen.

Die in den 70er­Jahren aufkommende

Avantgarde wollte

sich von dieser altbackenen

Glücksvorstellung absetzen.

Sie begriff Mode als

tung auslöste. Doch was ist das

eigentlich: Deutsch sein? Der

Begriff existiert im allgemeinen

Sprachgebrauch so ungefähr

ab dem 15. Jahrhundert,

als das Heilige Römische

Reich den Zusatz „Deutscher

Nation“ bekam. Doch bis ins

19. Jahrhundert hinein blieb er

im Alltag unbedeutend. Man

war in erster Linie Preuße,

Bayer oder Württemberger,

erst in zweiter Linie Deut­

über ihre Person und war damit

für den amerikanischen

Staat schlicht nicht auf der

Welt. Sie konnte also weder

ein Bankkonto einrichten, noch

studieren, ein Flugticket buchen

oder den Führerschein

machen. In ihrer Not wandte

sich die mittlerweile 19-Jährige

im Februar 2015 in einem

Youtube-Video an die Öffentlichkeit

und erzählte ihre Geschichte:

Sie sei zu Hause geboren

worden, habe nie eine

Schule oder ein Krankenhaus

besucht, sondern privat unterrichtet

worden und sei von

ihren Eltern nie offiziell gemeldet

worden. Innerhalb weniger

Tage machte die Geschichte

vom „Mädchen, das nicht

existiert“ (Hamburger Abendblatt)

Schlagzeilen auf der

ganzen Welt. Das zeigte Wirkung:

Die Politiker in Texas

brachten ein Gesetz auf den

Weg, das solche Fälle regelt.

Im September 2015 konnte

Alecia Faith Pennington

schließlich ihre Geburtsurkunde

in Empfang nehmen – fast

20 Jahre, nachdem sie auf die

Welt gekommen war.

Kunstform und entwickelte

eine völlig neue Bildsprache.

Models kamen nun ernst daher,

düstere Blicke sollten für

eine tiefsinnige und vielschichtige

Atmosphäre sorgen,

wo früher Oberflächlichkeit

regiert hatte. Doch ganz

wurde das Lächeln nicht vertrieben.

In den Versandhauskatalogen,

die weiter auf

schlichte Glücksversprechen

setzen, hat es überdauert.

scher. 1815 löste der Deutsche

Bund das Heilige Römische

Reich Deutscher Nation ab,

das sich 1806 aufgelöst hatte.

Doch auch der Deutsche Bund

war stets mehr Staatenbund

als Bundesstaat. Obwohl schon

die Paulskirchenverfassung

von 1848 dies vorgesehen hatte,

gab es weiter keine deutsche

Staatsangehörigkeit. Das

änderte sich erst mit der Gründung

des Deutschen Reiches

am 18. Januar 1871 in Versailles.

Die lange angestrebte deutsche

Nation wurde Wirklichkeit,

deren Bürger nun

„Reichsdeutsche“ genannt

wurden. Doch ihre Anhänglichkeit

an die einzelnen

Gliedstaaten blieb. Dies zeigt

sich exemplarisch an einem

Brief, den der preußische König

Wilhelm an eben jenem 18.

Januar 1871 an seine Frau Augusta

schrieb, nachdem er zum

deutschen Kaiser Wilhelm I.

gekrönt worden war: „Eben

kehre ich vom Schlosse nach

vollbrachtem Kaiserakte zurück.

Ich kann dir nicht sagen,

in welcher morosen (= niedergeschlagenen)

Emotion ich in

diesen letzten Tagen war, teils

wegen der hohen Verantwortung,

die ich nun zu übernehmen

habe, teils und vor allem

über den Schmerz, den preußischen

Titel verdrängt zu sehen.“

Mit dem deutschen Reichsund

Staatsangehörigkeitsgesetz

vom 22. Juli 1913 bekam

Folter ist

keine

Strafe!

Richtig oder falsch?

Im Mittelalter gab es ein ausdifferenziertes

Rechtssystem.

Die hohe Gerichtsbarkeit verhandelte

Schwerverbrechen

wie Mord, Spionage, Hexerei,

Ehebruch oder Falschmünzerei.

Die niedere Gerichtsbarkeit

wurde vom Grundherrn

ausgeübt. Er urteilte über

Eigentums­ oder Erschaftsangelegenheiten.

Kam man bei

der hohen Gerichtsbarkeit mit

der Beweisführung nicht weiter,

griff man zur Folter, um

der Begriff „Deutscher“ dann

eine rechtliche Grundlage.

Heute ist der Begriff in Artikel

116 des Grundgesetzes geregelt.

Darin heißt es: „Deutscher

ist, wer die deutsche

Staatsangehörigkeit besitzt.“

Diese ist wiederum durch das

Abstammungsrecht geregelt.

Ein Kind erwirbt bei seiner

Geburt die deutsche Staatsangehörigkeit,

wenn zumindest

ein Elternteil Deutscher ist

(Abstammungsprinzip). Seit

1977 erhalten auch von Deutschen

adoptierte Kinder die

deutsche Staatsbürgerschaft.

Seit 2000 können zudem auch

Kinder, deren Eltern beide

Ausländer sind, bei der Geburt

Deutsche werden, wenn sie in

Deutschland geboren sind und

zu diesem Zeitpunkt zumindest

ein Elternteil ein unbefristetes

Aufenthaltsrecht besitzt

(Geburtsortprinzip).

Liegt eine doppelte Staatsbürgerschaft

vor, müssen sich die

Personen mit 18 Jahren entscheiden,

welche Staatsbürgerschaft

sie behalten wollen.

Wer nicht von Geburt an

Deutscher ist, kann dies über

das Einbürgerungsgesetz werden.

Doch die Hürden sind

hoch: Wer die deutsche Staatsbürgerschaft

erwerben will,

muss seit mindestens acht Jahren

in unserem Land leben, ein

unbefristetes Aufenthaltsrecht

Wer war Graf

von Stauffenberg?

besitzen, seinen Lebensunterhalt

sichern, unbescholten

sein, Deutsch sprechen, sich

zum Grundgesetz bekennen

und seine alte Staatsangehörigkeit

aufgeben. Und er muss

den Einbürgerungstest bestehen,

bei dem von 33 Fragen

mindestens 17 richtig zu beantworten

sind. Darin wird zum

Beispiel gefragt, wer Claus

Schenk Graf von Stauffenberg

war (Hitler­Attentäter), wann

die Bundesrepublik Deutschland

gegründet wurde (1949),

wie der erste Bundeskanzler

hieß (Konrad Adenauer) oder

was soziale Marktwirtschaft

bedeutet (Prinzip von Angebot

und Nachfrage mit sozialem

Ausgleich durch den Staat).

Und vielleicht ja auch bald,

wer Deutschland zum Europameistertitel

2016 schoss...

Fotos: dpa; Fotolia © VRD, Ermolaev

Alexandr, okalinichenko, schinsilord.

ein Geständnis zu erzwingen.

Die Folter war also Bestandteil

des Verfahrens, nicht die

eigentliche Strafe. Sie stammt

aus dem Alten Rom, wo Sklaven

und Verräter gefoltert

wurden. Im Mittelalter war ihr

Gebrauch anfangs völlig willkürlich,

ab dem 13. Jahrhundert

musste mindestens ein Zeuge

die Täterschaft bezeugen. Erst

im 18. Jahrhundert setzte sich

die Erkenntnis durch, dass Folter

unmenschlich ist.


8 | Volkers Welt

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SONNABEND

11. JUNI 2016

SCHAUKELN

Glücksgefühle nicht nur für Kinder

Da biste

PLATT...

>> Na, haben Sie ihn erkannt?

Es war natürlich Thomas

Müller, nach dem in

unserer Quizfrage gesucht

wurde. Mit 31 Toren in 70

Länderspielen ist Müller der

effizienteste Stürmer unserer

Nationalelf. Im Schnitt trifft

er alle drei Stunden und 23

Minuten. Lukas Podolski ist

Müller zwar sowohl nach

Toren (48) als auch nach

Länderspielen (127) weit voraus,

aber im Schnitt braucht

er für jedes Tor 35 Minuten

länger. Der treffsicherste

deutsche Spieler sitzt auf

der Bank: Teammanager Oliver

Bierhoff war früher alle

2:50 Stunden erfolgreich.

Die 50 Euro hat gewonnen:

Wiebke Ohle aus Nettelnburg

Das große Ziel

>> Heute

eine Scherzfrage:

Was

reckt das

siegreiche

EM-Team

am Ende in

die Höhe?

A Gold

B Silber

C Bronze

D Platin

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28 Prozent

>> Insgesamt 28 Prozent aller

Frauen werden laut einer

Studie des Spine Health Instituts

in Florida (USA) in

ihrem Leben niemals High

Heels tragen. Als High Heels

gelten laut einer Definition

der High-Fashion-Modefirma

Gucci Schuhe, deren Absätze

höher als 3,5 Inches (8,9

Zentimeter) sind. Darunter

gibt es „Mid Heels“ (6,4 bis

8,9 Zentimeter) und „Low

Heels“ (bis 6,4 Zentimeter).

Abraham Lincoln

liebte es zu

schaukeln. John

F. Kennedy auch.

WICKIE –

DAS SCHAUKELLIED

Lied aus aus der bekannten

Zeichentrick-Serie:

Komm’ mit auf die

Schaukel

und lerne von ihr fliegen.

Dann wirst du versteh’n:

Die Welt ist schön!

Lass’ dich von der

Schaukel

durch die Lüfte wiegen.

Du wirst mich versteh’n:

Die Welt ist schön.

Frei wie ein Vogel,

ein kleiner Vogel,

fliegen wir allen davon.

Wir steigen höher,

immer noch höher,

leicht wie ein Luftballon.

Komm’ mit auf die

Schaukel

und lerne von ihr fliegen.

Dann wirst du ersteh’n:

Die Welt ist schön.

EINE FRÖHLICHE FAMILIE BEIM SCHAUKELN Es liegt in unserer Natur, dass das Spiel mit der Schwerkraft glücklich macht.

„Hier, versuch’ es mal mit

dem!“ Meine Frau Ulrike

reicht mir einen faustgroßen

Stein. Entschlossen visiere ich

den Ast an, der in ungefähr

acht Metern Höhe fast waagerecht

über mir hängt, und werfe.

In einer schönen Kurve

fliegt der Stein über den Ast

hinweg. „Na, also!“

Eine Himmelsschaukel für

unsere vierjährige Tochter haben

wir im Sinn. Der Eichenast

scheint ideal dafür zu sein.

Leider hat der Baum sonst

kaum Äste. Hinaufzuklettern

wäre gefährlich. Die längste

Leiter, die wir besitzen, ist nur

sechs Meter lang. Nun haben

wir also meterweise Seil, aber

keine Ahnung, wie wir es über

den Ast kriegen sollen. Mit

dem Stein jedenfalls, das stellen

wir schnell fest, klappt es

nicht. Er wird durch das Seil

rasch ausgebremst, saust mit

deutlichem Abstand unter

dem Ast hindurch. Auch Versuche

von der Leiter aus bringen

nichts, weil man kaum

Schwung holen kann.

Wann zum ersten Mal jemand

die Idee hatte, ein Holzbrett

an zwei Seilen aufzuhängen

und darauf zu schaukeln,

ist schwer zu sagen. Schaukeln

dürften so alt sein wie die

Kunst, Seile herzustellen.

Schon in der Mittelsteinzeit,

also vor rund 9000 Jahren, gab

es Seile aus Weidenbast. Die

älteste Darstellung einer Seilerei

stammt aus dem Alten

Ägypten, also aus einer Zeit

vor rund 3000 Jahren.

Bekannte Spielarten des

Schaukelns sind jüngerer Natur:

Im Jahr 1620 montierten

Farmer der Shaker­Glaubensgemeinschaft

gebogene Kufen

unter einen Stuhl und schufen

damit den ersten Schaukelstuhl

der Welt. Von den US­

Präsidenten Abraham Lincoln

(1809­1865) und John F. Kennedy

(1917­1963) ist bekannt, dass

sie solche „Shaker­Schaukelstühle“

besaßen. Kennedy litt

an chronischen Rückenschmerzen

und nutzte Schaukelstühle

zur Entspannung.

Vom Oval Office im Weißen

Haus über die Präsidentenmaschine

Air Force One bis zu

seinem Wohnsitz Hyannisport

und der Suite im New Yorker

Carlyle Hotel ließ er während

seiner Amtszeit sämtliche Orte,

an denen er sich regelmäßig

aufhielt, mit einem solchen

Stuhl ausstatten.

Erst gut 100 Jahre alt ist die

Hollywoodschaukel, die 1909

in Großbritannien erfunden

wurde. So richtig in Mode kam

sie allerdings erst in den 50erund

60er­Jahren, als Symbol

des Wirtschaftswunders: Das

Schaukeln im eigenen Garten

weckte wohlige Erinnerungen

an den letzten Urlaub in Südeuropa.

Wir werden

das Kind schon

schaukeln!

Doch zurück zu den herkömmlichen

Schaukeln. Sie

sind für Kinder jeden Alters –

aber auch für viele Erwachsene

– der Inbegriff des Glücks.

Für eine Weile ist man der

Welt entrückt, die Gesetze der

Schwerkraft scheinen aufgehoben.

Das spricht Urinstinkte

in uns an. Schon ein Kind in

der Wiege beruhigt sich, wenn

es sanft geschaukelt wird. Eine

Erfahrung, die sich auch in

unseren Sprachgebrauch übertragen

hat. Wenn jemand sicher

ist, eine Sache hinzubekommen,

sagt er: „Wir werden

das Kind schon schaukeln!“

Doch dieses Glücksgefühl

kann auch trügerisch wirken,

von den wirklich wichtigen

Dingen ablenken. Wenn das

jemandem passiert, fühlt er

sich „verschaukelt“.

Physikalisch betrachtet,

verhält es sich mit dem Schaukeln

wie bei einem Pendel, das

permanent einen neuen Antriebsimpuls

bekommt. Der

Schaukelnde leistet eine physikalische

Arbeit, um zu verhindern,

dass die Schaukel zum

Stillstand kommt. Dafür lehnt

er sich am Ende der rückwärts

gerichteten Phase am höchsten

Punkt zurück und richtet

sich während des Vorwärts­

Schaukelns wieder auf. Somit

senkt er seinen Körperschwerpunkt

zunächst ab und hebt

ihn dann wieder an. Man kann

sich das gut vorstellen, wenn

man an einen stehenden

Schaukler denkt, der jeweils

am höchsten Punkt am Ende

der Rückwärts­Fahrt kurz in

die Knie geht und sich danach

wieder aufrichtet. Dieses Wiederaufrichten

– egal ob sitzend

oder stehend – geschieht

gegen die Schwerkraft. Der

Schaukelnde muss dafür also

Energie aufwenden.

Gleichzeitig verleiht das

Zurücklehnen am höchsten

Punkt dem Schaukelsitz einen

Drehimpuls. Da ein Pendel am

höchsten Punkt jedoch für

einen Sekundenbruchteil ruht,

kann sich dieser Drehimpuls

des Körpers nicht auf den

Schaukelsitz auswirken. Stattdessen

wird er durch einen

Gegenimpuls aufgehoben, der

den Schaukelsitz ein kleines

Stückchen anhebt und damit

den Schwung der Pendelbewegung

noch verstärkt.

Als Kind lernen wir die

Schaukelbewegung instinktiv,

ohne uns über die komplexen

Zusammenhänge Gedanken

machen zu müssen. „Komm’

mit auf die Schaukel und lerne

von ihr fliegen. Dann wirst du

versteh’n, die Welt ist schön!“

heißt es im Schaukellied der

Zeichentrick­Serie „Wickie“.

Dazu schaukeln Hägar, der

Wikinger­Häuptling, und sein

Sohn Wickie auf Himmelsschaukeln,

die sie hoch oben

am Quermast des Schiffes angebracht

haben. Wie sie das

geschafft haben, verraten die

Zeichner allerdings nicht.

Wir jedenfalls haben unser

Problem gelöst: Ulrike hatte

die Idee, ein dünneres Seil zu

nehmen (weniger Gewicht!)

und es an einen kurzen Stock

zu binden. Diesen schleuderte

sie dann aus der Hocke nach

oben, anstatt ihn aus der

Schulter heraus zu werfen.

Das klappte! Wenig später

konnte unsere Tochter ihre

neue Himmelsschaukel einweihen.

Autor: Volker Gast

Fotos: dpa; Fotolia © JackF; Nik Merkulov,

Konstantin Yuganov, phive2015.

Redensart:

Die

„W“-Frage:

Woher kommt

der SCHNURR-

BART?

Sommerhitze

fördert

Tankbetrug!

Richtig oder falsch?

>> Mit jemandem Fraktur

zu reden bedeutet, ihm ohne

Umschweife die Meinung zu

sagen. Fraktur ist die gotische

Schrift, die im 16. Jahrhundert

entstand und die

man aus älteren deutschen

Büchern kennt. Laut Lutz

Röhrichs „Lexikon der

sprichwörtlichen Redensarten“

ist die Wendung erstmals

1612 in dem Text „Der

Schneider Genug- und sattsame

Widerlegung“ belegt.

Heute geht es um die folgende

Anfrage einer Leserin:

„Wir konnten in der Firma

am Mittagstisch nicht klären,

woher das Wort ,Schnurrbart‘

kommt. Wurde dieser früher

mit einer Schnur fixiert oder

kommt es von dem Verb

,schnurren‘, weil der Bart

beim Schnurren zittert?“

Beide Vermutungen führen

in die falsche Richtung.

Der Wort „Schnurrbart“ etablierte

sich in der Soldatensprache

des 18. Jahrhunderts

und ist aus dem niederdeutschen

Begriff „snurbaard“

(„Schnauzbart“) entstanden.

Das Verb „schnurren“ hingegen

ist aus dem Mittelhochdeutschen

„snurren“

entstanden, das lautmalerisch

„rauschen“ oder „sausen“ bedeutet.

Natürlich stand die

Katze mit ihrem charakteristischen

Geräusch Pate, aber

schnurren konnte früher auch

das Spinnrad.

Übrigens: In Eureka (Nevada/USA)

ist es Schnurrbartträgern

verboten, Frauen

zu küssen. Das verrückte Gesetz

ist schon im 19. Jahrhundert

entstanden und hat seitdem

in den Gesetzbüchern

des 600­Einwohner­Ortes

überlebt. Vergehen werden

heutzutage aber nicht mehr

verfolgt...

Die Sommerferien rücken so

langsam näher, und das ist vor

allem für Tankstellenbesitzer

eine schwere Zeit. Denn jeder

fünfte Tankbetrug in Deutschland

wird in den acht Wochen

zwischen Anfang Juli und Ende

August begangen. Offenbar

ist vielen bei 30 Grad der Weg

zur Kasse zu weit...

Insgesamt wird bei rund

80 000 Tankstellenbesuchen

pro Jahr nicht bezahlt, allein in

Berlin rund 20 Mal am Tag.

Unrühmlicher Rekordhalter

sind Spritdiebe in Bergisch­

Gladbach, die am 28. Juli 2015

270 Liter Super tankten und

dank geklauter Kennzeichen

unerkannt entkamen.

Besonders selten bekommen

übrigens Tankstellen in

Norddeutschland (Heide,

Stralsund, Celle, Bremerhaven)

und Süddeutschland

(Bayreuth, Regensburg, Tübingen,

Fürth, Reutlingen) ungebetenen

Besuch.


36 | Volkers Welt

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SONNABEND

18. JUNI 2016

TOUR DE FRANCE TEIL 1

Zwischen Faszination und Zweifel

Da biste

PLATT...

>> Bei unserer Quizfrage

musste man ein wenig um

die Ecke denken. „Was reckt

das siegreiche Team bei der

Fußball-Europameisterschaft

am Ende in die Höhe?“, lautete

sie. Natürlich den Pokal,

und der ist zu 92 Prozent

aus Silber und zu 8 Prozent

aus Kupfer. Er ist nach dem

Franzosen Henri Delaunay

benannt, der als geistiger

Vater der EM gilt. 2008

wurde die ursprüngliche Trophäe

durch eine neue, leicht

veränderte ersetzt, die als

Wanderpokal von Sieger zu

Sieger weitergereicht wird.

Die 50 Euro hat gewonnen:

Traute Otto aus Wohltorf

Der beste Freund

>> Für viele

Kleinkinder

ist er der

beste

Freund: der

Teddybär.

Doch welchem

US-

Präsidenten

verdankt er seinen Namen?

A John F. Kennedy

B Franklin D. Roosevelt

C Theodore Roosevelt

D George Washington

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450 Autos

>> Gut 7000 Ferraris werden

weltweit pro Jahr verkauft,

jeder Zehnte davon in

Deutschland. Bei Lamborghini

sind es 3200 Fahrzeuge

pro Jahr. Das ist Ihnen noch

zu gewöhnlich? Der britische

Formel-1-Stall McLaren

brachte 2014 nur 1649 Exemplare

seines Flügeltürers

McLaren F1 zu Preisen ab

160 000 Euro an den Mann.

Und die VW-Tochter Bugatti

produzierte ihr 1000-PS-

Monster Bugatti Veyron

(Foto) in zehn Jahren nur

450 Mal. Der Letzte wurde

im Februar 2015 verkauft.

Redensart:

>> Arm wie eine Kirchenmaus

ist jemand, der nichts

mehr besitzt. Die Wendung

ist seit dem 18. Jahrhundert

bezeugt. Da es in einer Kirche

keine Vorratskammern

gibt, galt früher die Kirchenmaus

als ärmste unter den

Mäusen. Im Französischen

heißt es: „gueux comme un

rat d’église“ – bettelnd wie

eine Kirchenratte.

Wie quält man

sich einen Berg

hoch? „Du musst

ausblenden, was

dein Körper dir

sagt“, schildert

Tour­Champion

Chris Froome.

Inmitten der ausgedehnten Lavendelfelder

und Weinstöcke

der Provence erhebt sich unerwartet

ein Berg. Der 1912

Meter hohe Mont Ventoux, im

Volksmund der „Riese der

Provence“ genannt, wirkt so

trostlos wie eine Mondlandschaft.

Er ist stets windumtost

und großer Hitze ausgesetzt.

Daher existiert dort jenseits

von 1600 Metern Höhe weder

Baum noch Strauch.

„Keinen Anstieg fürchten

die Fahrer der Tour de France

so sehr wie diesen erbarmungslosen

und das Blut in

den Adern gefrieren lassenden

Hexenkessel aus Hitze, Lärm

und Wind“, schreibt Richard

Abraham in seinem Buch

„Tour de France – 20 legendäre

Anstiege“. Seit 1951 ist der

Ventoux Teil der „großen

Schleife“. Auch bei der diesjährigen

Tour de France, die in

zwei Wochen am 2. Juli auf der

Insel Le­Mond­Saint­Michel in

der Normandie gestartet wird,

müssen die Fahrer wieder dort

hoch. Am Donnerstag, den

14. Juli, ist der Ventoux das

Ziel der 185 Kilometer langen

12. Etappe von Montpellier hinauf

auf den Bergriesen.

Auch der 13. Juli 1967, als

die Tour de France ihre

schwärzeste Stunde erlebte,

war ein Donnerstag. Es war

der heißeste Tag des Jahres.

Die

„W“-Frage:

LICHT UND SCHATTEN Die Fahrer erbringen beeindruckende Leistungen, aber das Doping-Problem fährt immer mit.

Eines der letzten

Bilder von

Tom Simpson

auf der verhängnisvollen

Etappe während

der Tour

de France am

13. Juli 1967.

Warum riecht

URIN nach dem

Genuss von

SPARGEL?

Oh köstliche Spargelzeit!

Rund 90 000 Tonnen des Gemüses

werden in Deutschland

pro Jahr produziert.

Doch der Genuss hat Folgen,

und das merken viele von uns

später auf der Toilette. Der

Urin bekommt einen strengen,

bei manchen Menschen

auch beißenden Geruch.

Spargel enthält Asparagusinsäure.

Das ist eine Schwefelverbindung,

deren Bestandteile

im Körper verstoffwechselt

werden. Die Abbaustoffe

werden über den Harn

ausgeschieden und verursachen

den Geruch. Übrigens

sind dieselben Stoffe auch im

Sekret eines Stinktiers enthalten.

Trotzdem riecht nicht

jeder Urin nach einer Spargel­Mahlzeit

gleichermaßen

unangenehm. Das ist genetisch

bedingt und liegt zum

einen daran, dass nicht alle

An der steilen Bergstraße hinauf

auf den Ventoux drückte

ein Fotograf auf den Auslöser,

als ihn der britische Rennfahrer

Tom Simpson passierte. Es

ist das letzte Foto, das Simpson

lebend zeigt: Seine Augen

sind seltsam hervorgetreten

und blicken starr nach

oben, als sei er bereits der

Welt entrückt. Sein Gesichtsausdruck

ist resigniert, die

Mütze verrutscht, der Mund

vor Trockenheit ganz schmal.

Simpson hatte das Fahrerfeld

als Erster in den Anstieg geführt.

Doch in den steilen Hängen

des Ventoux hatten ihn

die Kräfte verlassen. Die Konkurrenten

zogen vorbei, die

Hoffnung auf den Tour­Sieg

war dahin. Nun ging es nur

noch darum, den Abstand

nicht zu groß werden zu lassen.

Drei Kilometer unterhalb

des Gipfels begann er, Schlangenlinien

zu fahren, kippte

vom Rad. Helfer eilten herbei.

„Setzt mich wieder aufs Rad“,

soll er gesagt haben. Seine

letzten Worte. Noch einmal

fuhr Simpson los, doch er kam

nur wenige Hundert Meter

weit. Dann stürzte er erneut,

blieb bewusstlos liegen und

starb am Straßenrand. Hinterher

wurde in seiner Trikottasche

ein leeres Röhrchen Amphetamine

– Aufputschmittel –

entdeckt. Die Tour hatte ihren

ersten Dopingfall.

Das Thema Doping ließ die

Tour nie wieder los. So wurde

der Belgier Michel Pollentier

1978 dabei erwischt, wie er bei

der Dopingkontrolle Fremdurin

aus einer Gummiblase im

Trikot abgab. Oft waren es die

Top­Stars, die betrogen, so

wie der Spanier Luis Orcana,

der Niederländer Joop Zoetemelk,

der Spanier Pedro Delgado,

der Usbeke Dshamolidin

Menschen dieselbe Fähigkeit

besitzen, Asparagusinsäure

zu verstoffwechseln, zum anderen

daran, dass manche

Menschen mit einer Mutation

in einem Geruchsrezeptor­

Gen leben, sie daher nicht

wahrnehmen können, was andere

abstößt. Spargel wird

üblicherweise nur bis zum 24.

Juni gestochen. Wer also

noch einen Urintest machen

möchte, sollte sich beeilen.

Abduschaparow, der Italiener

Marco Pantani und vor allem

der siebenfache Sieger Lance

Armstrong. Er gestand 2013

jahrelanges Doping. Sämtliche

Tour­Siege wurden ihm daraufhin

aberkannt.

Als 1998 Willy Voet, ein Betreuer

des Rennstalls Festina,

an der belgisch­französischen

Grenze mit einem Koffer voller

unerlaubter Präparate verhaftet

wurde, kam der Verdacht

auf, dass in den Rennställen

systematisch gedopt

werden könnte. Das verdichtete

sich schnell. 2006 belasteten

Blutproben, die bei dem spanischen

Mannschaftsarzt Eufemio

Fuentes gefunden wurden,

eine Reihe von Fahrern, darunter

auch Jan Ullrich, der

1997 als einziger Deutscher die

Tour gewann. Er wurde für

zwei Jahre gesperrt und beendete

seine Karriere.

2007 löste dann Jef d’Hont,

ehemaliger Masseur im Team

Telekom, einen Skandal aus,

als er von systematischem Doping

im Team berichtete. Bjarne

Riis, Tour­Sieger 1996 und

fünf weitere Telekom­Profis

gestanden.

Im Weltall

wachsen

Blumen!

Richtig oder falsch?

So ist neben der Faszination

für die Radsportler und ihre

Leistungen auch der Zweifel

ein steter Begleiter der Tour.

Jeder Radamateur wäre froh,

auf ebener Strecke mit etwas

Rückenwind für eine Weile

einen Schnitt von 40 Kilometern

pro Stunde zu fahren. Die

Profis halten einen solchen

Schnitt über die gesamten

3400 Kilometer der Tour de

France durch, inklusive aller

Berge. Selbst die brutalen

Berghänge des Mont Ventoux

hetzen sie noch mit 20 Kilometern

pro Stunde hinauf.

Eine Leistung, die jede Vorstellungskraft

sprengt.

„Du musst ausblenden, was

dein Körper dir sagt“, hat der

Brite Chris Froome, Tour­Sieger

2013 und 2015, seine Gefühle

während eines Berganstiegs

mal beschrieben, „es ist ein

psychologischer Kampf: du

gegen die anderen. Wer sagt

zuerst: ,Okay, das ist zu

schnell für mich.‘“

Nächste Woche Teil 2: Die Anfänge

der Tour de France

Fotos: dpa (3); Fotolia © bluebat, karepa,

Marty Kropp.

Die Nachricht hatte das Potenzial

zur Weltsensation: „Ja, es

gibt andere Lebensformen im

All“, twitterte im Januar dieses

Jahres der US­Astronaut Scott

Kelly von der Internationalen

Raumstation ISS.

Doch Kelly hatte keine grünen

Männchen entdeckt, sondern

eine Zinnie (Foto) zum

Blühen gebracht – die erste

Blume im Weltall. Zuvor hatten

die Astronauten bereits

selbst gezogenen Salat geerntet

und verzehrt. Wurzeln von

Pflanzen besitzen so eine Art

Mini­Steinchen, anhand derer

sie immer wissen, wo oben

und unten ist. In der Schwerelosigkeit

fällt diese Orientierung

weg. Trotzdem gediehen

die Pflanzen der Astronauten

unter rotem, grünem und blauem

LED­Licht ganz prächtig.

Selbst gezogenes Gemüse

spielt eine Schlüsselrolle als

Nahrungsquelle auf zukünftigen

Langzeit­Missionen.


36 | Volkers Welt

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SONNABEND

25. JUNI 2016

TOUR DE FRANCE TEIL 2

Berge und Bären: Die Anfänge

Da biste

PLATT...

>> Der Teddybär ist nach

dem US-Präsidenten Theodore

„Teddy“ Roosevelt

(1858-1919) benannt. Das

war die Lösung unserer

Quizfrage. Roosevelt war ein

passionierter Jäger und

nahm 1902 an einer Bärenjagd

in Mississippi teil, allerdings

ohne ein Tier vor die

Flinte zu bekommen. Als

Ausgleich bot man ihm ein

angebundenes Bärenbaby

an, doch der Präsident weigerte

sich, es zu erschießen.

In der Folge wurde er in den

Zeitungen als Bärenbaby karikiert.

1906 kam der erste

Teddybär von Steiff in den

USA auf den Markt.

Die 50 Euro hat gewonnen:

Erika Waltemade aus Geesthacht

Spätentwickler

>> Frauen

dürfen bei

uns schon

seit fast 100

Jahren wählen.

In welchem

europäischen

Land gab es

hingegen bis 1990 eine Region

ohne Frauenwahlrecht?

A Irland

B Italien

C Österreich

D Schweiz

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18 Prozent

>> Die Liebe wird offensichtlich

überschätzt. Für immerhin

18 Prozent der Europäer

– 20 Prozent der Männer

und 16 Prozent der Frauen –

ist Geld der wesentliche

Grund, eine Beziehung aufrecht

zu erhalten. In Frankreich,

dem Land der Liebe,

denken sogar 37 Prozent der

Bevölkerung so. Das ergab

eine Umfrage unter 22 000

Menschen in 21 Ländern.

Redensart:

>> Kapriolen schlagen bedeutet,

Unsinn zu treiben, im

wörtlichen Sinn aber, übermütig

oft unkontrollierte

Luftsprünge zu vollführen.

Die Bezeichnung kam im

16. Jahrhundert als Name für

die kunstvollen Sprünge italienischer

Tänzer in die

deutsche Sprache. Das italienische

Wort „capriola“ bedeutet

„Bocksprung“.

Schlafmittel im

Essen, Abführmittel

in der

Trinkflasche,

Juckpulver im

Trikot: Es wurde

eifrig getrickst.

Am 13. Juli 1998 erlebte die

französische Sport­Tageszeitung

„L’Équipe“ ihre größte

und gleichzeitig auch ihre bitterste

Stunde. Die französische

Nationalelf war Fußball­

Weltmeister. Mit dieser Nachricht

verkaufte die „L’Équipe“

an jenem Tag sagenhafte

1 956 573 Exemplare, die größte

Auflage, die in Frankreich

jemals erzielt wurde.

Gleichzeitig stand das Blatt

am Pranger, weil es Nationaltrainer

Aimé Jacquet zuvor

harsch kritisiert und die Nationalelf

als „Krämerladen“ bezeichnet

hatte, der sowieso

keine Chance auf den Titel habe.

Noch auf dem Spielfeld

wurde Jacquet gefragt, ob er

seinen Kritikern in der Stunde

des Triumphs verzeihen würde.

„Jamais! Jamais!“ („Niemals!,

Niemals!“), schrie er

wütend und nannte die Redakteure

„Gangster“.

Die Sportzeitung „L’Auto“

erfand das Rennen

Mit einer Auflage von rund

250 000 Exemplaren ist die

„L’Équipe“ die bedeutendste

Sportzeitung Frankreichs.

Sollte die französische Elf in

zwei Wochen Europameister

werden, ist kein Stress mit Nationaltrainer

Didier Deschamps

zu erwarten. Denn

die „L’Équipe“ hat ihn bereits

mit einem Buch hofiert: „Deschamps

1er, roi des bleus“

(Deschamps der Erste, König

der „Blauen“).

Begonnen hatte die Geschichte

der „L’Équipe“ im

Jahr 1900 als Plagiat. Unter

dem Titel „L’Auto­Vélo“ versuchte

man, dem damaligen

Marktführer „Le Vélo“ Konkurrenz

zu machen und musste

bald den Namen in „L’Auto“

abändern. 1946 wurde aus der

„L’Auto“ die „L’Équipe“.

Mit einer Auflage von

33 000 Exemplaren dümpelte

Die

„W“-Frage:

Für die meisten Menschen ist

es der Rhythmus, der sie

durch das ganze Leben begleitet:

Von Montag bis Freitag

arbeiten und dann das

freie Wochenende genießen.

Doch so normal uns dieser

Rhythmus vorkommen mag,

er hat nicht für alle Menschen

Gültigkeit. In islamisch

geprägten Gesellschaften

reicht die Arbeitswoche von

Sonnabend bis Donnerstag

die „L’Auto“ im Jahr 1900 an

der Existenzgrenze herum. Die

rettende Idee hatte der Journalist

Geo Lefévre. Im Sommer

1902 stürmte er in das Büro

von „L’Auto“­Chef Henri Desgrange

in der Rue du Faubourg

in Paris und schlug ihm ein

Radrennen durch ganz Frankreich

vor, über das L’Auto

dann exklusiv berichten könne.

Desgrange, ein ehemaliger

Stundenweltrekordler auf dem

Rad, ließ sich überzeugen.

Am 1. Juli 1903 war es soweit:

An der Herberge „Reveille

Martin“ in Villeneuve­

St.­Georges bei Paris machten

sich 60 Fahrer bei der ersten

Tour de France für ein Startgeld

von zehn Francs pro Nase

auf den Weg. 21 von ihnen erreichten

nach 2428 Kilometern

das Ziel in Paris, darunter mit

dem bayerischen Kraftprotz

Joseph Fischer auf Platz 15

auch ein Deutscher. Fischer

war bereits 38 Jahre alt, hatte

seinen größten Erfolg bereits

1896 gefeiert, als er die erste

Auflage des Rad­Klassikers

Paris­Roubaix gewann.

Erster Tour­de­France­Sieger

wurde Maurice Garin, ein

gebürtiger Italiener mit französischem

Pass. Nach sechs

Etappen und zwölf Ruhetagen

erreichte er das Ziel in Paris

mit knapp drei Stunden Vorsprung.

Bis heute ist das der

größte Abstand, den je ein Sieger

herausgefahren hat.

Durch das Interesse an der

Tour steigerte sich die Auflage

der „L’Auto“ auf 60 000. Der

Medienrummel blieb nicht ohne

Folgen. Die zweite Auflage

der Tour 1904 war skandalumwittert.

Die Fahrer versuchten

sich mit allerlei fiesen Tricks

wie Juckpulver im Trikot oder

Abführmittel in der Trinkflasche

gegenseitig auszuschalten.

Dem späteren Sieger Henri

Cornet aus Frankreich reichte

irgendjemand eine mit

Schlafmittel versetzte Hähnchenkeule.

Daraufhin schlief

er während der Etappe ein und

stürzte in einen Graben. Cornet

gewann nur deshalb, weil

vier andere Fahrer nachträglich

disqualifiziert wurden. Sie

hatten bei einer Etappe den

Zug genommen.

Tragisch ist auch die Geschichte

des Siegers von 1906,

René Pottier aus Frankreich.

Während er sich über die

Etappen quälte, betrog ihn seine

Frau daheim in Paris mit

Warum hat das

WOCHENENDE

zwei Tage?

(Afghanistan, Iran) oder von

Sonntag bis Donnerstag (Malaysia,

Saudi­Arabien). Auch

in Israel wird von Sonntag bis

Donnerstag gearbeitet. Der

Sabbat reicht vom Sonnenuntergang

am Freitag bis zum

Sonnenuntergang am Sonnabend.

Tunesien und der Libanon

haben sich dem Westen

angeglichen. Hier sind

Sonnabend und Sonntag die

Wochenend­Tage.

150 JAHRE FAHRRADGE-

SCHICHTE IN ZWEI BILDERN

Als die Tour de France 1903

zum ersten Mal gestartet wurde,

war die große Zeit der

1870 entwickelten Hochräder

gerade erst vorbei. Mit der Erfindung

des Kettenantriebs

setzte sich seit 1885 langsam

das Niederrad durch. Heutzutage

sind bei der Tour de France

futuristische Geschosse zu bewundern

wie das Rad des deutschen

Zeitfahr-Spezialisten Tony

Martin vom belgischen

Team Quickstep.

einem anderen Mann. Aus

Kummer darüber brachte sich

Pottier ein halbes Jahr nach

seinem Tour­Sieg um.

Im Jahr 1910 kam dann

Tour­Mitarbeiter Alphonse

Steines mit einer völlig verrückten

Idee zu Desgrange.

Man könnte die Strecke doch

auch durch die Pyrenäen führen.

Desgrange schickt Steines

los, um zu erkunden, inwieweit

der Pass über den mächtigen

Col du Tourmalet passierbar

war. Mit einem ortskundigen

Chauffeur fuhr Steines hinauf,

doch in einem

Der englische Begriff

„weekend“ entstand in Großbritannien

in der ersten Hälfte

des 19. Jahrhunderts, als

dort zum freien Sonntag ein

freier Sonnabendnachmittag

hinzukam. Der Politiker Lord

Shaftesbury (1801­1885), dem

der Arbeiterschutz besonders

am Herzen lag, hatte dies

durchgesetzt. In anderen

Ländern wurde der Begriff

dann übernommen.

Schneefeld drei Kilometer

unterhalb des Gipfels wendete

der Einheimische. Er hatte

Angst vor wilden Bären. Trotzig

stapfte Steines in seinen

Lackschuhen allein weiter.

Bald war er durchnässt, durchgefroren,

dehydriert, und eine

tiefschwarze Nacht brach herein.

Doch Steines schaffte es

über den Gipfel. Beim Abstieg

stürzte er in eine Schlucht,

rappelte sich mit letzter Kraft

auf und fiel schließlich einem

der Bergführer in die Arme,

die sich aufgemacht hatten,

ihn zu suchen. Zwei Monate

Der Dudelsack

ist gar kein

Schotte!

Richtig oder falsch?

Er gehört zu Schottland wie

der Whiskey oder der Schottenrock:

der Dudelsack. Doch

das Nationalinstrument der

stolzen Briten hat seine Wurzeln

nicht auf der Insel, sondern

in Asien. Wo genau, darüber

streiten die Gelehrten

noch. Sackpfeifen waren schon

im alten Persien bekannt. Das

beweist eine Höhlenmalerei

aus dem 6. Jahrhundert vor

Christi, die auf dem Gebiet der

antiken Stadt Susa gefunden

später rollte das Feld der Tour

erstmals über den Tourmalet.

Als der Etappensieger und

spätere Tour­Gewinner Octave

Lapiz aus Frankreich im

Ziel die Organisatoren entdeckte,

schrie er sie an: „Mörder!

Ihr verdammten Mörder!“

Doch die Auflage der L’Auto

stieg auf über 100 000 Exemplare,

die Bergetappen wurden

zum festen Bestandteil jeder

Tour de France.

Fotos: dpa; Fotolia © Photocreo Bednarek,

PrettyVectors, Andrey Popov, Olivier

Le Moal, jokatoons.

wurde. Auch im Alten Ägypten

und im Alten Rom gab es

Sackpfeifen. Kaiser Nero soll

eine besessen haben, schreibt

der Historiker Sueton. Der Dudelsack

gelangte als Militärinstrument

vermutlich von Indien

aus, das von 1756 an britische

Kolonie war, nach Schottland.

Die erste Erwähnung

eines schottischen Dudelsacks

stammt aber schon aus dem

Jahr 1547 von der Schlacht bei

Pinkie Cleough.


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SONNABEND

2. JULI 2016

TOUR DE FRANCE TEIL 3

Die großen Duelle

Da biste

PLATT...

>> Vom Frauenwahlrecht

handelte unsere Quizfrage.

Wer das für ein politisches

Problem aus längst vergangener

Zeit hält, war noch nie

in der Schweiz. Erst 1971

führten die Eidgenossen das

Frauenwahlrecht offiziell ein,

doch der Kanton Appenzell-

Innerhoden weigerte sich

standhaft. Selbst 1990 votierten

dort die Männer noch

gegen ein Wahlrecht für

Frauen. Das Schweizer Bundesgericht

zwang den Kanton

danach, es trotzdem einzuführen.

Die 50 Euro hat gewonnen:

Inga Engel aus Kirchwerder

Noten für das

Sonnenbaden?

>> Hawaii gilt als Traumziel.

Manche haben das Glück,

dort aufzuwachsen. Was ist

auf Maui Schulfach?

A Baströckchen flechten

B Orchideen züchten

C Sonnenbaden

D Surfen

Kennen Sie die Lösung?

Gewinnen Sie 50 Euro:

01378 10 11 25*

Rufen Sie bis zum 3. Juli,

12 Uhr, an und nennen Sie uns die

richtige Lösung. Der Gewinner wird

ausgelost und benachrichtigt.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

*(50 Cent/Anruf aus dem Festnetz

der Deutschen Telekom, Mobilfunkpreise können abweichen)

–89,2 Grad

>> Von der Hitze Hawaiis

zum kältesten Punkt der Erde:

Minus 89,2 Grad Celsius

wurden am 21. Juli 1983 auf

der russischen Forschungsstation

Wostok in der Antarktis

gemessen. Dies ist die

tiefste Temperatur, die jemals

ermittelt wurde. Die

Forscher in Wostok sind das

gewohnt: Selbst im Hochsommer,

im Dezember und

Januar, steigt das Thermometer

lediglich

auf 30

Grad

unter

Null an.

Redensart:

>> Nicht die Bohne interessiert

mich das! Dann ist es

für mich vollkommen ohne

Belang. Unglaublich, aber

wahr: Schon Walther von

der Vogelweide (1170-1230)

benutzte im Mittelhochdeutschen

einen ähnlichen Ausdruck.

Folglich ist dieser

Vergleich fast 1000 Jahre

alt. Neben der Bohne standen

zeitweilig aber auch die

Erbse, die Linse und sogar

die Wicke symbolisch für

das Niedrigste, Geringste.

TREFFEN DER GENERATIONEN Eine 92-jährige Frau winkt dem Fahrerfeld. Die Tour de France ist für die Etappenorte ein Volksfest.

Beim spannendsten

aller Tourde­France­Rennen

entschieden

nach 3285 Kilometern

nur acht

Sekunden.

Wenn heute auf der normannischen

Insel Mont Saint­Michel

die 103. Tour de France gestartet

wird, gibt es nur einen großen

Favoriten: Chris Froome.

Der Brite trug bereits 2013 und

2015 das Gelbe Trikot nach Paris.

„Natürlich wird er wieder

gewinnen. Wenn nicht er, wer

dann?“, fragte der fünffache

Tour­de­France­Sieger Eddy

Merckx in einem Interview

mit der französischen Sportzeitung

„L’Équipe“, die das

Rennen ausrichtet. „Auf dem

Papier hat Froome wirklich

keine Rivalen“, befand

Merckx.

So wird Froome vielleicht

eines Tages zum Kreis der

größten Tour­Fahrer aller Zeiten

zählen. Nur vier Pedaleure

gewannen die „große Schleife“

bislang fünfmal: der Franzose

Jacques Anquetil (1957, 1961­

1964), der Belgier Merckx

(1969­1972, 1974), der Franzose

Die

„W“-Frage:

Sportunfälle können immer

passieren. Schnell ist man

umgeknickt. Und dann heißt

es, besonnen und entschlossen

zu handeln! Denn die

richtige Vorgehensweise in

den ersten Minuten kann einiges

an Regenerationszeit

sparen. Da ist es hilfreich, das

PECH­Schema im Kopf zu

haben. PECH steht für: P =

Pause, E = Eis, C = Compression,

H = Hochlagern. Der Sinn

Bernard Hinault (1978, 1979,

1981, 1982, 1985) sowie der Spanier

Miguel Indurain (1991­

1995). Hinzu kommt der Amerikaner

Lance Armstrong, der

zwischen 1999 und 2005 sogar

siebenmal in Folge gewann,

aber alle Siege später nach seinem

Doping­Geständnis wieder

aberkannt bekam.

Lässt man Armstrong also

außen vor, wer war dann der

größte Tour­Fahrer aller Zeiten?

Vermutlich Merckx. Niemand

trug häufiger als er das

Gelbe Trikot (110 Tage) und

gewann mehr Etappen (34).

Wie bereits Anquetil 1957 kam

Merckx 1969 als Neuling zur

Tour und gewann sie sofort –

allerdings nur, weil eine umstrittene

Dopingsperre verkürzt

worden war. Weil

Merckx nie bereit war, seinen

Helfern auf der Tour Etappensiege

zu überlassen, wurde er

„Kannibale“ genannt.

Wie gut er war, lässt sich

vielleicht am besten anhand

der folgenden Episode darstellen:

Bei der Tour 1974 war sein

ärgster Rivale, der Franzose

Raymond Poulidor, ihm durch

einen Etappensieg im Gesamtklassement

dicht auf die Fersen

gerückt. Wütend darüber

raste Merckx auf der 21. Etappe

von Vouvray nach Orléans

dem gesamten Feld davon und

distanzierte es im Alleingang

um 1:25 Minuten. Mit einem

Was ist das

PECH-Schema?

liegt auf der Hand: Die Pause

verhindert, dass sich die Verletzung

verschlimmert. Die

Kühlung verengt die Blutgefäße

und vermindert so die

Schwellung. Auch der Druckverband

und das Hochlagern

reduzieren die Einblutung

und erleichtern so den Heilungsprozess.

Viele Hobbysportler

unterschätzen vor allem

die Bedeutung des Hochlagerns.

Den lädierten Fuß

Schnitt von 48,532 Kilometern

pro Stunde zählt Merckx’ furioser

Ritt bis heute zu den

zehn schnellsten Etappen aller

Zeiten – obwohl seinen Nachfolgern

über 40 Jahre später

sehr viel besseres Material zur

Verfügung steht.

Mit Merckx mussten sich

die Radsport­Fans auch an

eine neue Zeitrechnung gewöhnen.

Distanzierten andere

Tour­Sieger den Zweiten oft

nur um zwei, drei Minuten,

legte der Belgier bis zu 18 Minuten

zwischen sich und den

Nächstbesten. Abstände, wie

es sie seit den frühen 50er­Jahren

nicht mehr gegeben hatte.

Armstrong stürzt,

Ullrich wartet

möglichst unmittelbar nach

dem Umknicken über Herzniveau

zu bringen, hilft bei

der Genesung enorm weiter.

Beim Kühlen sollte man das

bei Fußballern so beliebte

Eisspray unbedingt meiden,

sondern den Fuß stattdessen

am besten unter fließendes

kaltes Wasser halten. Einen

Besuch beim Arzt können

solche Maßnahmen jedoch

auf keinen Fall ersetzen.

Freiluft-Kinder

haben den

Durchblick!

Richtig oder falsch?

REZENSION

>> Die Faszination der Tour

de France entfaltet sich vor

allem bei den Bergetappen.

Legendäre Anstiege wie

L’Alpe d’Huez, Col du Galabier,

Mont Ventoux oder Col

du Tourmalet reizen aber

auch Radamateure, sich mal

am Aufstieg zu versuchen.

Sie finden in dem Buch Tour

de France – 20 legendäre

Anstiege (34,90 Euro) des

riten Richard Abraham ein

perfektes Hilfsmittel. Alle

Anstiege sind nicht nur detailliert

beschrieben, sondern

auch mit prächtigen Fotos

und Luftbild-Aufnahmen von

Google Earth perfekt in Szene

gesetzt. Da möchte man

sofort losfahren!

>> Aber auch Nicht-Radsportler

werden an dem

Buch viel Freude haben und

das Flair genießen, das es

ausstrahlt. Enttäuschend

bleibt einzig und allein die

historische Aufarbeitung. Ein

Buch über die Geschichte

der Tour de France will das

Werk nicht sein. Daher gibt

es zu jedem Anstieg nur vier

kurze, offenbar völlig willkürlich

zusammengestellte Episoden.

Schade. Dennoch:

klare Kaufempfehlung.

Dabei sind es vor allem die

großen Duelle, die in der

Tour­Historie in Erinnerung

geblieben sind, so wie das zwischen

Lance Armstrong und

Jan Ullrich. Der Deutsche, Sieger

1997, hatte 2003 nach einer

14­monatigen Dopingsperre

sein Comeback gegeben, und

es wurde eines der spannendsten

Rundstrecken­Rennen aller

Zeiten. Auf der 15. Etappe

beim Aufstieg nach Luz Ardiden

in den Pyrenäen stürzten

der im Gesamtklassement führende

Armstrong und der

L’Alpe d’Huez­Sieger Iban

Mayo aus Spanien. Ullrich dahinter

konnte sich gerade noch

auf dem Rad halten. Überaus

fair wartete er anschließend,

bis seine beiden Konkurrenten

sich wieder berappelt hatten

und verlor schließlich die

Tour gegen Armstrong mit der

Winzigkeit von 1:01 Minuten

Unterschied.

Wie der sichere Sieger sah

1989 der Franzose Laurent Fignon

aus, als er mit 50 Sekunden

Vorsprung auf den Amerikaner

Greg Lemond auf die

letzte Etappe ging, einem Einzelzeitfahren

von Versailles

nach Paris. Fignon galt als

glänzender Einzelzeitfahrer,

doch Lemond legte alles in den

Schlussabschnitt hinein. Er

kurbelte die 24,5 Kilometer mit

der unfassbaren Durchschnittsgeschwindigkeit

von

54,6 Kilometern pro Stunde

herunter – der schnellste Ritt,

den je ein Fahrer hingelegt hat.

Atemlos verfolgten die Zuschauer

auf dem Champs Elysée,

wie Fignons 50 Sekunden

Vorsprung dahinschmolzen.

Im Ziel hatte Lemond schließlich

58 Sekunden Vorsprung

auf den Franzosen. Nach einer

Gesamtstrecke von 3285 Kilometern

hatten somit acht Sekunden

zugunsten des Amerikaners

über den Toursieg entschieden.

Es war das knappste

Duell der Geschichte.

Der erste Deutsche im Gelben

Trikot war 1932 der Berliner

Kurt Stöpel (1908­1997).

Legendär war sein Duell 1932

mit dem französischen Tour­

Sieger André Leducq. Stöpel

hatte seinen Konkurrenten am

Galibier abgehängt, wurde

dann aber von einem Reifenplatzer

gestoppt. Während

Stöpel bei eisiger Kälte mühsam

den Schlauch wechselte,

zog Leducq vorbei. In Paris,

nach der Siegerehrung, überreichte

der Franzose Stöpels

Frau einen Strauß roter Rosen

und sagte: „Madame, wir beide,

Kurt und ich, haben die

Tour gewonnen.“ Beide Konkurrenten

blieben Freunde bis

zum Tod.

Fotos: dpa; Fotolia © detailblick-foto,

Tim UR, RioPatuca Images, farnveldman.

Jedes vierte Kind kommt nach

einer Erhebung der Uni Karlsruhe

nur einmal in der Woche

an die frische Luft. Die heutige

Playstation­Generation ist weniger

fit als die Generation

ihrer Eltern. Heutige Kinder

können weniger weit springen

und schlechter balancieren als

die Kinder der 70er­Jahre und

sie erreichen bei Rumpfbeugen

seltener ihre Füße. Das Inder­Stube­Hocken

könnte aber

auch Langzeit­Wirkungen haben.

Das legt eine chinesische

Studie nahe. Die Forscher hatten

Erstklässler ohne Sehhilfe

in zwei Gruppen geteilt: die

einen sollten täglich mindestens

40 Minuten draußen spielen,

die anderen konnten machen,

was sie wollen. Bei einer

Kontrolle nach drei Jahren gab

es in der sich selbst überlassenen

Gruppe mehr Kurzsichtige.

Die Forscher vermuten,

dass dies mit Tageslichtmangel

zusammenhängt.


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SONNABEND

9. JULI 2016

SANDBURGEN

Ein Freitzeit-Spaß versandet

Da biste

PLATT...

>> Nach einem seltenen

Schulfach auf Hawaii war in

unserem Gewinnspiel gefragt.

Surfen war die richtige

Antwort. Es gibt in den USA

nationale Schulmeisterschaften

im Surfen, doch erstaunlicherweise

hatte das Surf-

Mekka Hawaii bei diesen Titelkämpfen

nie viel gerissen.

Bis Surfen Schulfach wurde.

Das trug Früchte. Bei den Titelkämpfen

2014 und 2015

setzte sich jeweils die Kamehameha

School, eine Privatschule

auf Maui, sicher

durch.

Die 50 Euro hat gewonnen:

Susanne Goy aus Lohbrügge

Portugiesische

Spezialität

>> Portugal hat es etwas

überraschend ins EM-Finale

im Fußball geschafft. Daher

soll die heutige Quizfrage

sich um dieses Land drehen.

In welcher Produktion ist

Portugal weltweit führend?

A Aluminium

B Bananen

C Kautschuk

D Kork

Kennen Sie die Lösung?

Gewinnen Sie 50 Euro:

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Rufen Sie bis zum 10. Juli,

12 Uhr, an und nennen Sie uns die

richtige Lösung. Der Gewinner wird

ausgelost und benachrichtigt.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

*(50 Cent/Anruf aus dem Festnetz

der Deutschen Telekom, Mobilfunkpreise können abweichen)

6000 Dollar

>> Hugh Hefner arbeitete für

eine Kinderzeitschrift, bevor

er sich 1953 mit geliehenen

6000 Dollar selbstständig

machte. An seinem Schreibtisch

entstand die Nullnummer

des Magazins „Playboy“,

das ihn weltberühmt

machen sollte. Innerhalb von

fünf Jahren schoss die Auflage

auf über eine Million Exemplare

– ein Ausdruck der

Rebellion gegen die biederen

50er-Jahre.

Redensart:

>> Mir ist eine Laus über

die Leber gelaufen bedeutet,

dass mir etwas schlechte

Laune macht. Die Leber

galt ursprünglich als Sitz der

leidenschaftlichen Empfindungen.

Auf die Laus verfiel

man schlicht aufgrund des

Stabreims mit „Leber“.

Die längste Sandburg

aller Zeiten

maß 27,5 Kilometer.

Rügen schaffte

es damit in das

Guinness­Buch

der Rekorde.

Im Juni 2011 schaffte es die

Insel Rügen in das Guinness­

Buch der Rekorde. Tausende

Einheimische und Touristen

arbeiteten gemeinsam an

einem Rekordprojekt, schleppten

Wassereimer, häuften

Sandhügel auf und formten die

schönsten Skulpturen. Am Ende

war die größte Sandburg aller

Zeiten fertig: 90 Zentimeter

hoch und 27,5 Kilometer lang

erstreckte sie sich im Norden

der Insel. Damit hatte Rügen,

wie sich die Jury per Hubschrauber

vergewisserte, den

über 20 Jahre alten Weltrekord

von Myrtle Beach im US­

Bundesstaat South Carolina

um über einen Kilometer Länge

verbessert. Dort war 1991

eine 26,38 Kilometer lange

Sandburg entstanden.

Sandburgen faszinieren seit

Generationen die Touristen

überall auf der Welt, vor allem

aber bei uns in Deutschland.

Wer mal richtig tolle Kunstwerke

bestaunen möchte, dem

sei ein Ausflug auf die Insel

Usedom empfohlen. Beim 3.

Sandskulpturen­Festival sind

unter anderem lebensecht wirkende

Figuren und ein von

Palmen eingerahmtes Sultan­

Zelt zu bewundern. 50 internationale

Künstler haben dafür

auf 4000 Quadratmeter überdachter

Ausstellungsfläche

rund 9000 Kubikmeter Sand

verbaut. Die Ausstellung ist

täglich von 10 bis 18 Uhr auf

dem Parkplatz Grenzübergang

Ahlbeck (Swinemünder

Chaussee 16) im Seebad Ahlbeck

geöffnet.

In Lübeck traute man sich

jahrelang, sogar unter freiem

Himmel zu bauen. Bei der

Sand World waren zwischen

2002 und 2007 meterhohe Figuren

zu bestaunen. Doch das

Besucher­Interesse ließ stetig

nach. Kamen zur Premiere

2002 noch 450 000 Besucher,

so waren es im verregneten

Sommer 2007 zuletzt nur noch

Die

„W“-Frage:

Auch wenn Deutschland den

Atom­Ausstieg längst beschlossen

hat, einzelne Anlagen

wie das Atomkraftwerk

Brokdorf (Foto) laufen noch

für viele Jahre. In dieser Woche

ist Brokdorf nach einmonatiger

Revision wieder angefahren

worden. Die Anlage,

die noch bis Ende 2021 in Betrieb

bleiben soll, liefert genug

Strom, um 80 Prozent

von Hamburg zu versorgen.

VERGÄNGLICHE SCHÖNHEIT Hier waren Könner am Werk. Doch irgendwann wird jede Sandburg ein Opfer von Wind und Wellen.

140 000, bevor das Projekt

mangels Interesse eingestellt

wurde.

Wer lieber selbst Hand anlegt,

anstatt die Kunstwerke

anderer zu bestaunen, der ist

in diesem Sommer in Strande

an der schleswig­holsteinischen

Ostsee­Küste genau

richtig. Beim Strandburgen­

Wettbewerb am Donnerstag,

den 21. Juli, kann jeder aus

Sand, Muscheln, Steinen und

Strandgut die Burg seiner

Träume bauen und diese anschließend

von einer Jury bewerten

lassen. Gebuddelt wird

zwischen dem Bistro „Das Kaiser“

und der Ostmole.

Typisch deutsch?

Das war einmal!

Jahrzehntelang galten

Strandburgen als typisch

deutsch, schien es sozusagen

zur DNA des deutschen

Strandtouristen zu gehören,

morgens erst einmal einen

Wall rund um den eigenen

Strandkorb oder Liegeplatz

auszuheben. Doch diese Zeiten

Wie stark

strahlen ATOM-

KRAFTWERKE?

Doch wie groß ist das normale

Strahlungsrisiko durch

solche Anlagen? Die Atomwirtschaft

beziffert die Strahlenbelastung

durch die bloße

Existenz der Kernkraftwerke

auf 0,06 Millisievert pro Kopf

und Jahr. Zum Vergleich:

Wenn Sie in den Ferien in die

USA fliegen, nehmen Sie aufgrund

der höheren Strahlung

in der Atmosphäre zusätzlich

0,04 Millisievert auf.

sind weitgehend vorbei. Schon

1995 kam Buchautor Dr. Harald

Kimpel in seinem Werk

„Die Strandburg. Ein versandetes

Freizeit­Vergnügen“ zu

dem Schluss: „Die Kraterlandschaften,

die aussahen wie die

Mondoberfläche, sind fast

überall verschwunden. Heute

ersetzt die Strandmuschel aus

Zeltstoff die gute alte Sandburg.“

Wer die Buddelei trotzdem

als unverzichtbaren Teil seines

Urlaubs betrachtet, der

sollte genau darauf achten,

wohin er reist. Denn nicht

überall ist das Bauen von

Sandburgen erlaubt. Auf Sylt,

zum Beispiel, ist der Bau von

Sandburgen ab einer bestimmten

Größe aus Küstenschutzgründen

untersagt. Außerdem

will die Kurverwaltung so ein

lästiges Problem loswerden: In

der Vergangenheit wurden

teure Strandkörbe, die von

einer Sandburg umringt waren,

häufig Opfer der Flut,

wenn das Wasser den Weg in

die Sandburg hinein aber hinterher

nicht mehr hinaus fand,

Kernkraft­Gegner sagen,

dass bereits so geringe Werte

– etwa fünf Prozent der normalen

Hintergrundstrahlung

– bei Risikogruppen wie

Schwangeren geeignet sind,

das Leukämierisiko bei Kleinkindern

zu verdoppeln. Denn

die Belastung könne kurzfristig

stark ansteigen, wenn zum

Beispiel bei einer Revision

der Reaktordeckel geöffnet

werden muss.

und der Strandkorb so dauerhaft

feucht stand.

Dabei ist der klassische

Sandwall rund um den eigenen

Strandkorb so etwas wie die

ursprünglichste Art des Sandburgenbaus,

wie Dr. Harald

Im 19. Jahrhundert

fing alles an

Nagellack hält

länger im

Kühlschrank!

Richtig oder falsch?

So etwa zwischen 3 und 15

Euro kostet ein Fläschchen

Nagellack. Da ist es ärgerlich,

wenn die neue Traumfarbe

eintrocknet. So manche Frau

verfällt daher auf die Idee, den

Nagellack in den Kühlschrank

zu stellen, weil er dort angeblich

länger hält. Doch das ist

eine schlechte Idee, wie die

Kosmetik­Wissenschaftlerin

Dr. Meike Strecker gegenüber

dem „stern“ erläuterte. Zum

einen können die Lacke im

Kimpel gegenüber der Bild­

Zeitung erklärte: „Die erste

Hochblüte erlebte die Sandburg

im deutschen Kaiserreich

Ende des 19. Jahrhunderts in

Form von Strandburgen – wie

mit dem Zirkel gezogenen

Ringwällen um den Strandkorb

herum. Damit markierte

in der Regel das Familienoberhaupt

seinen Revieranspruch.“

Der erste Strandkorb der Geschichte

war 1882 in Warnemünde

vom Korbmachermeister

Wilhelm Bartelmann (1845­

1930) konstruiert worden.

Wer besonders spektakuläre

Sandburgen bauen möchte,

sollte auf das richtige Mischungsverhältnis

von Sand zu

Wasser achten. Etwa ein Prozent

Wasser gilt als ideal, wie

Physiker der Universität Amsterdam

herausgefunden haben.

Sie bauten – allerdings unter

Laborbedingungen – simple

Sandzylinder verschiedener

Dicke und Höhe. Dabei machten

sie die typische Erfahrung,

die auch jeder Tourist kennt,

der sich schon mal an einer

Sandburg versucht hat: Wird

ein Turm zu hoch und schmal,

bricht er unter seinem eigenen

Gewicht zusammen. Wählt

man die Mischung zu trocken,

zerbröselt er, denn es sind

winzige Brücken aus Wasser,

die bei Sandburgen die einzelnen

Sandkörner zusammenhalten.

Mit der richtigen Mischung

schafften es die Forscher,

einen Zylinder mit 40

Zentimetern Durchmesser 2,5

Meter hoch werden zu lassen.

Allerdings gibt es im Labor

weder Sonne, noch Wind. Und

auch keine kleinen und großen

Kinder mit einem spontanen

Anfall von Zerstörungswut.

Fotos: Fotolia © R. Erler, mozZz, 7activestudio,

U. Gernhoefer, Olexandr.

Kühlschrank ebenso antrocknen

wie anderswo, zum anderen

geben sie dort Dämpfe ab,

die dann von den Nahrungsmitteln

aufgenommen werden.

Am besten sei ein dunkler, trockener

Ort zur Aufbewahrung

geeignet, zum Beispiel der Badezimmerschrank.

Entscheidend,

so führte Dr. Strecker

aus, sei es ohnehin, wie diszipliniert

die Besitzerin das

Fläschchen nach der Benutzung

fest verschließe.


16 | Volkers Welt

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SONNABEND

16. JULI 2016

LIEBESBRIEFE

„Hier zittert mein Herz nach Dir“

Da biste

PLATT...

>> Unsere Quizfrage handelte

von Portugal, dem bedeutendsten

Kork-Produzenten

der Welt. Ob für Korken von

Weinflaschen oder Bodenbeläge

– ein Drittel der weltweiten

Kork-Ernte stammt

aus Portugal. Zwischen Mai

und August wird dort die

Rinde mit der Axt von den

Korkeichen geschält. Eine

Kunst für sich: Wer zu vorsichtig

ist, kriegt die Rinde

nicht los. Wer zu tief hineinschlägt,

verletzt den Baum.

Die 50 Euro hat gewonnen:

Edith Damasiewicz aus Reinbek

Wer bin ich?

>> Dieses Tier lebt ausschließlich

in Australien und

verbringt die meiste Zeit mit

Schlafen. Wie heißt es?

A Faultier

B Tapir

C Wallaby

D Wombat

Kennen Sie die Lösung?

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Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

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100 Flakons

>> Über 100 Duft-Flakons

nennt die Schauspielerin

Gwyneth Paltrow ihr Eigen.

„Es passiert mir fast nie,

dass ich ohne Duft aus dem

Haus gehe“, verriet sie dem

„stern“. In

Deutschland

setzt

der Parfümerie-Einzelhandel

knapp drei

Milliarden

Euro im

Jahr um.

Besonders

beliebt sind Chanel Nr. 5 bei

den Frauen und Boss (Hugo

Boss) bei den Männern.

Redensart:

>> Mit seinem Latein am

Ende zu sein bedeutet, nicht

mehr weiter zu wissen. Lateinische

Sprachkenntnisse

gelten als Zeichen von Wissen

und Können, man denke

an Begriffe wie „Anglerlatein“

oder „Jägerlatein“. Wie

die Wendung entstand, ist

unklar. Möglicherweise in

der Medizin oder im Schülerjargon,

wenn jemand verspottet

wurde, weil er bei

einem lateinischen Vortrag

ins Stocken geriet.

„Eine Million

Küsse, heiß wie

unter dem Äquator“,

versprach

Napoleon einst

seiner Geliebten.

Wann zum ersten Mal jemand

die Worte „Ich liebe Dich“ auf

ein Blatt Papier schrieb, lässt

sich nicht mehr ermitteln. Liebesbriefe

sind in der Literaturwissenschaft

stets stiefmütterlich

behandelt worden. Ihre

Anfänge reichen zurück bis in

die Zeit des Alten Roms. Plinius

der Jüngere (61 bis 115 n.

Chr.) ist der erste Autor, von

dem Liebesbriefe erhalten geblieben

sind. Er schrieb sie an

seine dritte Ehefrau Calpurnia

(„Es ist unglaublich, wie sehr

ich mich nach dir sehne“).

Ihre Blütezeit erlebten die

Liebesbriefe allerdings erst im

18. und 19. Jahrhundert, als die

Post so weit entwickelt war,

dass man auf die Antwort immer

nur wenige Tage zu warten

brauchte. Der Ton war

empfindsam, vor allem bei den

Vertretern der romantischen

Dichtkunst. „Hier zittert mein

Herz nach dir“, schrieb Friedrich

Gottlieb Kloppstock seinem

„Clärchen“. „Zwei Stunden habe

ich nun schon auf dem Sofa

gesessen und von dir geträumt“,

verriet Clemens Brentano

seiner späteren Frau Sophie

Mereau. Und in dem 17­

jährigen Friedrich Hölderlin löste

die Begegnung mit der ein

Jahr älteren Louise Nast einen

Sturm der Gefühle aus: „Das

war ein Brief von dir, liebe

Seele! Hättest du mich sehen

können, wie ich Tränen der innigsten

Freude weinte auf dieses

neue Zeichen deiner so unaussprechlich

süßen, beglückenden

Liebe.“

Eine gängige Sitte war es,

sich gegenseitig mit fantasievollen

Kosenamen zu übertreffen.

So schrieb Henriette

Vogel 1811 an Heinrich von

Kleist: „Mein Süßtönender,

mein Schoßkindchen, mein

Schmeichelkätzchen, mein

Herzensnärrchen, mein Hyazinthenbeet.

Meine Wiedergeburt,

meine Freiheit, meine

Fessel, mein zarter Page, mein

Erzdichter. Meine Seele sollst

du haben.“ Der Brief hatte

Die

„W“-Frage:

MÜHSELIG Tinte und Feder wurden erst Mitte des 19. Jahrhunderts vom Füllfederhalter abgelöst.

einen ernsten Hintergrund:

Kleist war von Todessehnsucht

erfüllt und hatte in der

an Gebärmutterhalskrebs erkrankten

Vogel eine Seelenverwandte

gefunden. Am 21.

November 1811 erschoss Kleist

am Ufer des Kleinen Wannsees

mit ihrem Einverständnis

erst sie und dann sich.

Aber sind Liebesbriefe

heutzutage überhaupt noch

zeitgemäß. Sein Innerstes in

Worte zu fassen, fällt nicht jedem

leicht, und so mancher

Schüler hat schon die böse Erfahrung

gemacht, dass seine

sich mühsam abgerungenen

Zeilen von einer Clique kichernder

Mädchen auf dem

Schulhof Wort für Wort rezitiert

werden. 40 Prozent der

Wie viele

Planeten könnten

BEWOHNT sein?

Deutschen haben nach einer

Umfrage der online­Partnervermittlung

„Elitepartner“

noch nie einen Liebesbrief geschrieben.

Folglich kennen sie

dann aber wahrscheinlich

auch nicht das Gefühl, mit

pochendem Herzen und

schweißnassen Händen die ersehnte

Post zu öffnen. Wer nur

mit SMS­Kürzeln wie

„HDGDL“ (Hab’ dich ganz doll

lieb!“) operiert, verpasst das

Beste im Leben.

Zur Sache,

Schätzchen!

Sind wir allein im Weltall?

Oder gibt es irgendwo da

draußen Leben? Fragen, von

denen die Menschheit seit

Generationen fasziniert ist.

Tatsächlich ist die Wahrscheinlichkeit

sehr hoch, dass

irgendwo da draußen Leben

existiert. Im November 2013

gab die amerikanische Raumfahrtbehörde

NASA offizielle

Schätzungen bekannt, nach

denen es allein in unserer Galaxie,

der Milchstraße, über

zehn Milliarden bewohnbarer

Planeten geben dürfte, die in

Größe und Umlaufbahn

unserer Erde ähneln.

Wie kommt man auf so

eine Zahl? Grundlage sind

Daten aus vier Jahren Himmelsbeobachtung

mit dem

Kepler­Weltraumteleskop,

das die Sonne umkreist und

dabei starr auf 190 000 Sterne

im Sternbild Schwan ausgerichtet

ist. Ziel ist es, auffällige

Helligkeitsschwankungen

festzustellen, die auf das Vorbeiziehen

eines für das Teleskop

„unsichtbaren“ Planeten

hindeuten. Bei 42 000 Sternen

fanden die Forscher auf

diese Weise 603 erdähnliche

Planeten. Hochgerechnet auf

die gesamte Milchstraße ergibt

sich dann die Zahl von

zehn Milliarden Planeten, die

bewohnt sein könnten.

Der König der Schwerenöter

war Johann Wolfgang von

Goethe. Im Lauf seiner knapp

82 Lebensjahre schrieb er insgesamt

230 Liebesgedichte an

13 Frauen. Weitere 48 Gedichte

können nicht eindeutig zugeordnet

werden. In seinen

Liebesbriefen schreibt der 21­

jährige Goethe seiner ersten

großen Liebe, Friederike Brion,

stürmisch und kokett vom

„Andenken unsrer niedlichen

und mutwilligen Lustbarkeiten“.

So ein Tonfall war zwölf

Jahre später gegenüber der

nüchternen, sieben Jahre älteren

Charlotte von Stein nicht

drin. Ob sein Verhältnis zu ihr

nur erotisch­platonischer oder

sexueller Art war, darüber rätselt

die Wissenschaft. Auf jeden

Fall war es schmerzhaft,

was Goethe kunstvoll ausdrückte:

„So tief Deine Liebe

drang und mir wohl machte, so

Die Elster ist

ein diebischer

Vogel!

Richtig oder falsch?

Elstern gelten in Asien als

„Glücksbotin“, doch hierzulande

haben die Tiere einen

schlechten Ruf. Im Mittelalter

schimpfte man sie „Hexenvögel“

oder „Galgentiere“, in der

Mythologie gilt die Elster als

Vogel der Todesgöttin Hel.

Und sie sind als diebisch

verschrien. Angeblich ist kein

glitzerner Ring vor ihnen sicher.

„Alles Unfug“, sagen Forscher

der Universität Exeter in

Großbritannien. In 64 Tests

tief hat der Schmerz die Wege

gefunden und zieht mich in

mir selbst zusammen.“ Nach

Goethes Italien­Reise 1786 zerbrach

die Beziehung, und der

Dichter verliebte sich in die 16

Jahre jüngere Christiane Vulpius,

die er 1806 heiratete. In

einem Liebesbrief an sie vom

10. September 1792 klingt der

mittlerweile 43­jährige Goethe

plötzlich wie ein schüchterner

Teenager: „Behalte mich ja

lieb! Denn ich bin manchmal

in Gedanken eifersüchtig und

stelle mir vor, dass Dir ein

andrer besser gefallen könnte.“

Was zu der beruhigenden

Erkenntnis führt, dass auch

große, erfolgreiche Männer

vor der Anmut und Schönheit

einer Frau ganz hilflos und

klein werden können. Selbst

erfolgreiche Feldherrn wie Napoleon

Bonaparte sind da keine

Ausnahme. Doch wer täglich

um sein Leben fürchten muss,

der redet nicht lange um den

heißen Brei herum, sondern

kommt zur Sache. „In Kurzem

hoffe ich, Dich in meine Arme

zu schließen und Dich mit

einer Million Küssen, so heiß

wie unter dem Äquator, zu bedecken“,

schreibt er am 13. November

1896 seiner großen

Liebe Joséphine. In einem anderen

Brief vom 17. Juli 1796

stellt er schwärmerisch fest:

„Der Zauber der unvergleichlichen

Joséphine entfacht immer

von Neuem die wildglühende

Flamme meines Herzens

und meiner Sinne.“ Fürwahr

ein Eroberer!

Auch Francois­Marie Arouet,

alias Voltaire, musste als

Außenseiter am französischen

Königshof beständig auf der

Hut sein, dass ihn nicht der

Dolch eines Rivalen niederstreckte.

Gegenüber der Liebe

seines Lebens, Marie­Louise

Denis, wird er daher so konkret

wie es sich gerade noch

ziemte: „Sie sagen mir, dass

mein Brief brennende sinnliche

Begierde in Ihnen geweckt

hat, und auch ich brenne vor

Begierde.“ Wenn er dann noch

betont beiläufig einfließen

lässt: „Man wollte mich begraben,

aber ich bin ihnen entschlüpft“,

klingt er wie ein früher

James Bond. Welche Frau

hätte da schon widerstehen

können?

Fotos: dpa; Fotolia © JackF; Nik Merkulov,

Konstantin Yuganov, phive2015.

hatten sie das Verhalten der

Vögel untersucht. Neben etwas

Futter wurden eine Reihe

glitzernder Ringe und Schrauben

sowie einige mattblaue

Stücke gelegt. Ergebnis: In 62

der 64 Tests sammelten die

Elstern lieber etwas Futter für

ihren Wintervorrat ein und

verschmähten das Glitzerzeug.

Dieses schien sie eher zu ängstigen.

So pickten sie weniger

von dem Futter, wenn

Schmuck in der Nähe lag.


16 | Volkers Welt

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SONNABEND

23. JULI 2016

PLASTIKMÜLL

Eine Gefahr für die Weltmeere

Da biste

PLATT...

>> Nach einem australischen

Tier war beim Gewinnspiel

gefragt. Gesucht war der

Wombat. Die gemütlichen

Zeitgenossen, die bis zu 1,20

Meter groß und 40 Kilogramm

schwer werden können,

verbringen einen Großteil

des Tages mit Faulenzen.

Es sei denn, sie graben gerade

an ihrer Wohnhöhle. Da

sind sie echte Künstler. Ihre

Höhlen können bis zu 20

Meter lang werden und bis

zu 3,5 Meter tief liegen.

Die 50 Euro hat gewonnen:

Carola Althoff aus Nettelnburg

Ein Leben im Flug

>> Mauersegler sind die

Flugkünstler unter den heimischen

Zugvögeln. Wie

lange können sie ununterbrochen

in der Luft bleiben?

A 3 Stunden

B 3 Tage

C 3 Monate

D 3 Jahre

Kennen Sie die Lösung?

Gewinnen Sie 50 Euro:

01378 10 11 25*

Rufen Sie bis zum 24. Juli,

12 Uhr, an und nennen Sie uns die

richtige Lösung. Der Gewinner wird

ausgelost und benachrichtigt.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

13

*(50 Cent/Anruf aus dem Festnetz

der Deutschen Telekom, Mobilfunkpreise können abweichen)

>> Viele Lottospieler kreuzen

gern die „13“ an, weil sie

eine besondere Zahl ist.

Was sie oft nicht ahnen:

Keine andere Zahl wird so

selten gezogen, nämlich in

61 Jahren bislang nur 610

Mal. Am häufigsten fiel die

„26“, nämlich 728 Mal. Kurios:

Bei der Lotto-Premiere

am 9. Oktober 1955 zogen

zwei Waisenmädchen die

„13“ als allererste Gewinnzahl

der Geschichte.

Auf jeden Meter

Ufer kommen

15 Einkaufstüten

voll Plastik in

den Ozeanen.

Ferienzeit! Millionen Touristen

strömen in den kommenden

Wochen an die Strände

vom Mittelmeer bis Mexiko,

von Skandinavien bis Südostasien.

Wenn sie wieder abgereist

sind, bleibt tonnenweise

Plastikmüll zurück. Und der

wird für die Weltmeere langsam

zum Problem.

Umweltverbände warnen

schon seit Jahren, denn die

Verschmutzung hat Dimensionen

angenommen, die für die

Weltmeere langsam zur Gefahr

werden. Allerdings kennt

niemand das genaue Ausmaß.

Die Schätzungen belaufen sich

laut Naturschutzbund (NABU)

auf fünf bis zwölf Millionen

Tonnen Plastikmüll, die jährlich

in die Ozeane gelangen.

Der World Widelife Fund for

Nature (WWF) geht von sieben

Millionen Tonnen aus,

Forscher der University of

Georgia kamen bei ihren Berechnungen

auf acht Millionen

Tonnen. Umgerechnet auf die

Küsten, entspricht das 15 Einkaufstüten

voll Plastikmüll für

jeden Meter Ufer weltweit,

gab die Umweltingenieurin

Jenna Jambeck von der University

of Georgia 2015 gegenüber

dem „Spiegel“ an.

46 000 Teile Plastik

pro Quadratkilometer

Ozean

Selbst wenn man nur von

der Untergrenze von fünf Millionen

Tonnen Plastikmüll pro

Jahr ausgeht, so entspricht das

schon ziemlich exakt der Menge

Thunfisch, die weltweit pro

Jahr gefangen wird. Der WWF

nennt die Zahl von 46 000 Teilen

Plastik pro Quadratkilometer

Ozean, die heute schon in

unseren Meeren schwimmen.

Tendenz stark steigend.

Als im vergangenen Januar

einige Pottwale an der Nordseeküste

strandeten, bot sich

den Wissenschaftlern eine unverhoffte

Chance, das Problem

näher zu ergründen. Die Autopsie

der Tiere ergab, dass

MEER AUS MÜLL Eine Umwelt-Aktivistin sammelt Plastikreste an einem stark verschmutzten Strand in Italien.

vier der 13 Pottwale größere

Mengen Plastikmüll im Magen

hatten. Unter anderem fanden

sich die Plastikabdeckung

eines Autos und ein 13 Meter

langes Fischernetz. Bei zwei

Walen, so schätzt der NABU,

waren die Plastikmengen im

Magen bereits so groß, dass

die Tiere über kurz oder lang

daran gestorben wären. Solche

Fälle hat es bereits gegeben:

2012 wurde in Spanien ein toter

Pottwal angeschwemmt,

dessen Magen von 36 Metern

Plastikfolie verstopft war. Er

war sozusagen mit vollem Magen

verhungert.

Der NABU schätzt, dass bis

zu einer Million Seevögel und

Hunderttausende Wale, Robben

und Delfine jedes Jahr am

Plastikmüll in den Weltmeeren

zugrunde gehen. Um dem

Problem entgegenzuwirken,

hat der NABU 2013 gemeinsam

mit dem Land Niedersachen

das Projekt „Fishing for Litter“

In gestrandeten Walen finden sich mitunter große Mengen an

Plastikmüll. Daran können Wissenschaftler ablesen, wie stark die

Verschmutzung der Meere zugenommen hat.

ins Leben gerufen. Die Idee:

Die Fischer sammeln auf hoher

See den Plastikmüll, den

sie als „Beifang“ in ihren Netzen

finden, und bringen ihn

zur kostenlosen Entsorgung an

Land. 90 Krabben­ und Miesmuschelkutter

an der Nordseeküste

beteiligen sich bereits

und fischten pro Jahr

zwischen drei und sieben Tonnen

Plastikabfälle aus der

Nordsee.

Ein schöner Erfolg, aber effektiver

wäre es zweifellos,

wenn gar nicht erst soviel

Plastikmüll in die Umwelt gelangen

würde. In den Ländern

der westlichen Welt landen

nur 2 Prozent der Plastikabfälle

in der Natur. Ganz anders

sieht es nach einer Statistik

der University of Georgia in

Ländern wie Indien (87%), Indonesien

(83%) oder China

(78%) aus, wo das Entsorgungssystem

nicht mit der

boomenden Wirtschaft mithält.

Auch in vielen afrikanischen

Entwicklungsländern

gelangen zwischen 70 und 90

Prozent der Plastikabfälle in

die Umwelt.

Uns Touristen bleibt derweil

nur, mit gutem Beispiel

voranzugehen. Dass man im

Urlaub am Strand keine Plastikflaschen

zurücklässt, sollte

Ehrensache sein. Doch die

traurige Wahrheit ist, dass es

auch umweltbewusste Bürger

kaum vermeiden können, die

Natur mit Plastik zu verschmutzen.

Nehmen wir die

Waschmaschine: Ein einziger

Fleece­Pullover verliert nach

Angaben des WWF bei jedem

Waschgang bis zu 2000 winzig

kleine Fasern, die so klein

sind, dass sie weder im Sieb

der Waschmaschine, noch in

der Kläranlage hängen bleiben,

sondern direkt ins Meer gelangen.

Und auch Zahnpasta, Kosmetik­Produkte

oder Duschgel

enthalten winzige Plastikkügelchen,

um den Reinigungseffekt

zu verstärken. In der Summe

ergibt das riesige Mengen.

Das Problem des Plastikmülls

in den Weltmeeren wird uns

also auch in den kommenden

Jahrzehnten weiter begleiten.

Fotos: dpa (2); Fotolia © fmarsicano,

Nailia Schwarz, Gernot Krautberger, ra2

studio.

Redensart:

Die

„W“-Frage:

Woher kommt

das HERZ auf

der Toilettentür?

Schon an Sport

zu denken,

macht fit!

Richtig oder falsch?

>> Ein Schaumschläger ist

jemand, der viel aufgeblasenes

Zeug daherredet, hinter

dem aber nicht viel steckt.

Vergleichbare Wendungen

gibt es auch in Frankreich

und Russland. „Schaum ist

kein Bier“, sagte man früher,

um Schaum als wertlose Sache

zu brandmarken. Aus

Schwaben stammt der

Spruch: „Fett schwimmt

oben, aber Schaum noch

weiter oben.“

Eine Holztür mit einem eingeschnitzten

Herz, das erkennt

jeder sofort als Eingang

zu einem Plumpsklo früherer

Zeiten. Das Loch in der Tür

diente zum einen der Entlüftung,

zum anderen konnte

durch einen vorsichtigen

Blick hinein geprüft werden,

ob das stille Örtchen unbesetzt

war.

Doch warum ein Herz?

Dafür gibt es allerlei fantasievolle

Erklärungen. Zum Beispiel

die, das Herz könnte

eine stilisierte Form des Hinterns

sein. Oder auf den Zusammenhang

von Körper und

Seele verweisen, getreu der

bayerischen Redensart:

„Wenn’s Arscherl brummt,

ist’s Herzerl g’sund.“

Die nüchterne Antwort jedoch

lautet: Das war gar nicht

so, dass früher jede Toilettentür

ein eingeschnitztes

Herz als Entlüftungsloch hatte.

Wir glauben das nur. Tatsächlich

traf das auf nur etwa

jede hundertste Tür zu. Alle

anderen Türen hatten eine

schlichte Raute oder ein

Quadrat. Doch weil das Herz

eine so hübsche Form ist, haben

sich in unserer Vorstellung

die Türen mit einem

Herzchen als die einzig typische

Form einer früheren Toilettentür

erhalten.

Nur an Sport DENKEN zu

müssen, um fitter zu werden,

anstatt sich im Fitness­Studio

mit Gewichten zu quälen. Das

klingt wie ein Traum. Ein

Stück weit funktioniert das

tatsächlich, wie Brian Clark

von der Ohio University herausfand.

Er ließ 29 Freiwilligen

für einen Monat das

Handgelenk bandagieren. Elf

Testpersonen sollten sich an

fünf Tagen in der Woche für

jeweils elf Minuten ganz auf

das Handgelenk konzentrieren

und sich vorstellen, sie würden

trainieren. Der Rest bekam

keine Vorgabe. Nach

einem Monat hatten diejenigen,

die regelmäßig an Sport

gedacht hatten, doppelt soviel

Kraft in ihren Handgelenken.

Zwar war nicht die Menge an

Muskulatur größer geworden,

aber durch das Denken an

Sport waren die Steuersignale

vom Gehirn an die Muskulatur

gestärkt worden.


16 | Volkers Welt

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SONNABEND

30. JULI 2016

KRETA

Sonnigste Insel im Mittelmeer

Da biste

PLATT...

>> Jeden Sommer klingt das

charakteristische „Sriiih“,

„Sriiih“ der Mauersegler am

norddeutschen Himmel. Von

Mai bis August sind die flinken

Vögel zum Brüten bei

uns zu Besuch. Den Rest der

Zeit verbringen sie südlich

der Sahara. Mauersegler

sind Flugkünstler: Sie essen,

schlafen, trinken und paaren

sich sogar in der Luft. Bis zu

drei Jahre verbringen sie am

Stück in der Luft, bevor sie

geschlechtsreif werden und

zum Brüten auch mal landen

müssen.

Die 50 Euro hat gewonnen:

Jutta Distel aus Schwarzenbek

Weibliche Seite

>> Der ehemalige US-Präsident

George W. Bush hatte

in seiner Jugend auf der

High School

und im College

ein

Hobby, das

sonst eher

bei Mädchen

beliebt ist.

Welches?

A Cheerleading

B Stricken

C Töpfern

D Voltigieren

Kennen Sie die Lösung?

Gewinnen Sie 50 Euro:

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Rufen Sie bis zum 31. Juli,

12 Uhr, an und nennen Sie uns die

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Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

*(50 Cent/Anruf aus dem Festnetz

der Deutschen Telekom, Mobilfunkpreise können abweichen)

12 kg

>> Der Softwareentwickler

Adam Osborne präsentierte

1981 der Welt den „Osborne

1“, den ersten tragbaren

Computer. Ein Rechner in

Koffergröße, quasi der erste

Laptop der Welt. Er wog

stolze zwölf Kilogramm, was

aber eher gefeiert als kritisiert

wurde. Heutzutage

muss alles leicht sein: Moderne

Laptops wiegen ein

bis zwei Kilogramm.

TRAUM IN BLAU, TÜRKIS UND WEISS Elafonisi Beach im Südwesten Kretas. Der Sandstrand ist durch winzige Muschelteilchen stellenweise rosa gefärbt.

Rakomelo ­ der

süß­herbe Likör

wird bei einem

typisch kretischen

Tavernen­

Abend gereicht.

Vangelis‘ Händedruck ist hart,

aber herzlich. Die Taverne des

kräftig gebauten Griechen

liegt am Fuße des Kournas,

dem einzigen großen Süßwasser­See

auf Kreta. Die viel beschriebene

griechische Gastfreundschaft

ist bei Vangelis

kein Klischee, sondern natürliches

Programm. Ein großer

Grill, Fleisch satt, Gemüse aus

eigenem Anbau, rustikale

Holzmöbel und viel Herzlichkeit

sind die Zutaten für einen

typischen kretischen Tavernen­Abend.

Die Musik dazu

kommt nicht aus Vangelis’ Anlage,

sondern aus den zahllosen

Olivenbäumen, Pinien,

Zypressen und Wacholderbüschen.

Horden von männlichen

Singzikaden liefern mit

ihrem Zirpen den vertrauten

Sound des Mittelmeer­

Urlaubs. Je lauter, desto heißer

soll es am nächsten Tag

werden, wird sich auf der Insel

erzählt.

Ein Abend in dieser Postkarten­Idylle

lässt erahnen,

warum in der Identität der Bewohner

das Gefühl mitschwingt,

besondere Griechen

zu sein. Ökonomisch geht es

Touristen­Magnet Kreta ohnehin

besser als vielen anderen,

von der Finanzkrise gebeutelten

Regionen Griechenlands.

Ein Blick in die reiche Geschichte

der mit gut acht

Quadratkilometern größten

griechischen Insel (mehr als

doppelt so groß wie Mallorca)

unterstreicht diese Besonderheit.

Vor über 3500 Jahren entwickelte

sich auf Kreta mit der

minoischen Kultur die erste

europäische Hochkultur.

Durch die Lage der breit gezogenen

Insel (255 Kilometer

Luftlinie zwischen West­ und

Ostküste) zwischen Orient,

Europa und Afrika sowie ihrer

Entfernung zum griechischen

Festland hat sich bei den Bewohnern

Kretas ein großes

Maß an Eigenständigkeit entwickelt

– gepaart mit Widerstandsfähigkeit.

Die Kreter

mussten sich immer wieder

gegen fremde Mächte zur

Wehr setzen, die die Insel erobern

wollten. Das sitzt auch

heute noch tief.

„Megali Nisos“ (Großinsel)

nennen die Kreter ihre Heimat.

Damit drücken sie aus,

dass Kreta bisweilen wie ein

eigener Kontinent anmutet.

Neben der reichen kulturellen

Geschichte heben die Einheimischen

dabei vor allem auf

die geografischen Gegebenheiten

ab. Durch Kretas Lage weit

im Südosten des Mittelmeeres

(südlicher als Gibraltar)

herrscht auf der Insel zum Teil

afrikanisch anmutendes Klima,

vor allem auf der Südhälfte.

Auf der Nordseite hat die

europäische Wetterlage mehr

Einfluss und drückt die Temperaturen

um einige Grad im

Vergleich zum Süden. Eine

west­östlich verlaufende, eindrucksvolle

Gebirgskette dient

als massive Klima­Trennwand

und sorgt gleichzeitig dafür,

dass der Besucher schon mal

vergessen kann, dass er sich

auf einer Insel befindet.

Von trocken-heiß

bis feucht-alpin

Den weitläufigen Strand

von Georgioupoli und das

glasklare Mittelmeer­Wasser

zu genießen, während sich

hinter dem Besucher ein Bergmassiv

auf über 2000 Meter

Höhe erhebt, mit schneebedeckten

Bergspitzen, hat etwas

Spezielles. Von trocken­heiß

bis feucht­alpin hat Kreta zahlreiche

Klimazonen zu bieten.

Ist es am Strand extrem windig

und wolkig, kann es fünf

Kilometer weiter schon wieder

windstill bei strahlend

blauem Himmel sein. Mit rund

300 Sonnentagen pro Jahr ist

Kreta zusammen mit Zypern

die sonnigste Insel im Mittelmeer.

Um das nach Sizilien, Sardinien,

Zypern und Korsika

fünftgrößte Mittelmeereiland

entspannt erkunden zu können,

ist ein Mietauto alternativlos.

Dabei gibt es allerdings

ein, zwei Kleinigkeiten zu beachten.

Zum einen Schlaglöcher

und Ziegenherden. Beides

kann auf den Straßen Kretas,

die landeinwärts auch gerne

zu Pfaden mutieren, ziemlich

unvermittelt auftauchen. Zum

anderen gilt es, die „Freestyle­

Fahrweise“ der Einheimischen

einzuplanen. Fahrspuren werden

von Kretern eher als Vorschlag,

denn Vorschrift interpretiert.

Dementsprechend befindet

sich die Ideallinie der

Kreter in Kurven des Öfteren

auf der Gegenverkehrsseite.

Äußerstes Rechtsfahren ist für

ein entspanntes Ankommen

hilfreich. Es empfiehlt sich, es

den Griechen gleichzutun und

die Hupe mit dergleichen

Selbstverständlichkeit zu benutzen

wie sie. Vor unübersichtlichen

Kurven – und davon

gibt es auf Kreta einige –

wird zwecks Vorankündigung

gehupt.

Die kurze Fahrt zu Vangelis

hat zwei Huper beinhaltet.

Wie viele auf der Rückfahrt

angebracht sind, daran denkt

in unserer gemütlichen Runde

noch niemand. Vangelis hat

ein goldgelbes Getränk auf den

Tisch gestellt. Die Abfüllung

in unetikettierten Plastikflaschen

lässt den gemeinen Mitteleuropäer

zunächst etwas

misstrauisch werden. Doch die

entwaffnende Freundlichkeit

des Gastgebers, der bereits mit

am Tisch sitzt und die erste

Runde einschenkt, lässt einem

keine Wahl. „Rakomelo“ sagt

Vangelis und prostet dem Besucher

zu. Der süß­herbe Likör

ist typisch kretisch und

einfach lecker. „Raki“ (Tresterschnaps)

und „Meli“ (Honig)

sind Zutaten und Namensgeber

zugleich. Zimt und

Gewürznelken runden den Geschmack

ab. Auf der handschriftlichen

Rechnung finden

sich die Rakomelo­Flaschen

freilich nicht wieder. Ehrensache

für Vangelis, der auch nur

unter Androhung roher Gewalt

ein ordentliches Trinkgeld

akzeptiert. Ansonsten wäre

das Preis­Leistungs­Verhältnis

doch etwas arg schief

ausgefallen …

Autor: Matthias Heidrich

Fotos: dpa; Fotolia © arsdigital, rdnzi,

psdesign 1, jolopes.

Redensart:

Die

„W“-Frage:

Was sind

EDDYS?

Abgelenkte

Eltern hemmen

ihre Kinder!

Richtig oder falsch?

>> Casus knacksus nennen

wir umgangssprachlich den

Kern einer Sache oder den

Knackpunkt einer Diskussion.

Das klingt nach Latein

und Bildung zugleich. Dabei

handelt es sich lediglich um

eine scherzhaft latinisierende

Bildung von „zu knacken“.

„Casus“ ist der „Fall“, der

einen „knacksus“ hat, einen

Knackpunkt.

Seefahrer wissen, worum es

geht, wenn von „Eddys“ die

Rede ist. Sie erkennen sie an

der Ansammlung von Algen,

Müll oder Treibgut, das sich

auf einmal in einem Meergebiet

ballt. Denn „Eddys“ saugen

alles ein, was sie zu fassen

kriegen. Es handelt sich

um riesige Wirbel im Meer.

Sie rotieren zwar nicht

schnell, sind dafür aber zum

Teil mehrere hundert Kilometer

breit und bis zu einen

Kilometer tief. Das macht sie

für unser Ökosystem enorm

wichtig. Denn durch ihren

Tiefgang durchmischt sich

das Meer besser und wichtige

Nährstoffe gelangen an die

Meeresoberfläche. Neues Leben

kann entstehen.

Die Erddrehung zwingt

Meeresströmungen in Kurven,

die sich immer weiter

krümmen, bis Eddys entstehen.

Wie Hoch­ oder Tiefdruckgebiete

drehen sie sich

mal mit und mal gegen den

Uhrzeigersinn. Durch Satelliten,

die elektromagnetische

Wellen zur Erde senden, haben

Forscher herausgefunden,

dass diese gigantischen

Wasserwirbel Mulden haben.

Das Zentrum von Eddys liegt

ungefähr einen halben Meter

tiefer als das Meer drumherum.

Viele Eltern kennen das:

Nebenbei aufs Smartphone

schielen, während eigentlich

mit dem Kind gepuzzelt wird.

Oder der Versuch, einen Blick

auf die Zeitung zu erhaschen,

die eigentlich als Unterlage für

die Malversuche des Nachwuchses

dient. So ein Verhalten

ist menschlich, aber für die

Entwicklung des Kindes nicht

gerade förderlich. US­amerikanische

Forscher haben herausgefunden:

Wenn Eltern

beim Spielen abgelenkt sind,

könnte dies die Konzentrationsfähigkeit

der Kinder langfristig

beeinträchtigen. Die Fähigkeit,

dem Blick eines anderen

zu folgen, entwickelt sich

etwa im Alter von einem Jahr.

Das spielt beim Lernen und in

der Entwicklung eine wichtige

Rolle. Dementsprechend leicht

lassen sich Kleinkinder von

der Unaufmerksamkeit ihrer

Eltern ablenken und werden in

ihrer Entwicklung gehemmt.


24 | Volkers Welt

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SONNABEND

6. AUGUST 2016

TATORT

Deutschlands Kult-Krimi

Da biste

PLATT...

>> In der vergangenen Woche

haben wir bei unserem

Gewinnnspiel nach dem ausgefallenen

High-School-Hobby

von George W. Bush gefragt.

Cheerleading war richtig.

Der 43. Präsident der

USA, der von 2001 bis 2009

regierte, gehörte in den 60er

Jahren zu den Jungs neben

dem Feld, die die Baseballer

anfeuerten. Eine Familientradition,

denn auch Vater

George Bush und Opa Prescott

Sheldon Bush waren

Cheerleader.

Die 50 Euro hat gewonnen:

Astrid Garber-Lewandowski aus Börnsen

Prominent

>> Künstlernamen

sind

heute gang

und gäbe.

Guildo Horn

ist zum Beispiel

einer.

Dabei ist der

bürgerliche Name des Sängers

durchaus bekannt. Wie

lautet er wohl?

A Joachim Gauck

B Roman Herzog

C Horst Köhler

D Johannes Rau

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6000 Euro

>> Eine

Haarsträhne

des

1826 verstorbenen

früheren

US-Präsidenten

Thomas

Jefferson (1743-1826) hat

bei einer Auktion in Dallas

umgerechnet 6080 Euro

eingebracht. Jeffersons Privatarzt,

Dr. Robley Dunglison,

hatte dem mächtigsten

Mann der Welt am Totenbett

eine Locke abgeschnitten

und diese über Generationen

im Familienbesitz behalten.

Redensart:

>> Mit gleicher Münze

heimzahlen bedeutet Gleiches

mit Gleichem zu vergelten.

Ursprünglich hatte

mit gleicher Münze heimzahlen

eine praktisch-positive

Bedeutung. Das Deutsche

Reich bestand früher aus

zahlreichen Fürstentümern,

die alle ihr eigenes Geld hatten.

Für Händler war das Herausgeben

von Wechselgeld

in den verschiedenen Territorien

ein großes Problem.

Um Streit zu vermeiden, versuchten

sie immer, mit gleicher

Münze heimzuzahlen.

Vor 46 Jahren

eroberte der

Tatort den

Bildschirm.

Eine Kontrolle an der deutschdeutschen

Grenze. Quälend

genau und langsam nimmt ein

DDR­Grenzer das Auto eines

Mannes aus Westdeutschland

unter die Lupe. Er findet

nichts, außer einem vermeintlich

schlafenden Kind auf der

Rückbank und lässt den Herrn

schließlich die Grenze passieren.

Totale auf den Grenzposten.

Im Hintergrund verschwindet

das Auto des Mannes

aus dem Blickfeld, Musik

wird eingespielt und einer

weißer Schriftzug im Bild eingeblendet:

„Taxi nach Leipzig“.

Der Kalender der Fernsehzuschauer

zeigt den 29.

November 1970, als sie diese

eindringlich inszenierte Szene

von knapp drei Minuten Länge

im Ersten sehen. Damals ahnte

wohl noch niemand, dass dies

der Beginn deutscher Fernsehgeschichte

sein würde. Denn

„Taxi nach Leipzig“ war die

erste Folge der Krimireihe

Tatort. Der Film mit Kommissar

Paul Trimmel erreichte

einen Marktanteil von 61 Prozent.

Ohne Privatsender bedeutete

das eine Einschaltquote

von rund 20 Millionen Zuschauern.

46 Jahre später gibt es die

Serie immer noch und gemessen

an den heutigen, medialen

Alternativen sind die Zahlen

beeindruckend. Im Schnitt

versammeln sich rund neun

Millionen Krimifans zum Ende

der Woche vor dem Fernseher,

um den Tatort zu sehen.

Die

„W“-Frage:

MARIA FURTWÄNGLER darf beim 1000. Tatort, der wie der erste „Taxi nach Leipzig“ heißt, ermitteln. Als Kommissarin Charlotte Lindholm

gerät sie gemeinsam mit Axel Milberg als Klaus Borowski in Gefahr. Der Ausstrahlungstermin ist voraussichtlich am 16. Oktober.

Werte, die sonst eigentlich nur

König Fußball erreicht. Nach

dem Ende von „Wetten,

dass..?“ ist der Tatort am

Sonntagabend das letzte große

Lagerfeuer des Fernsehens,

um das sich eine treue Fangemeinde

versammelt – und über

das geredet wird. Das liegt

nicht zuletzt daran, dass die

Macher der Krimireihe immer

wieder kritische Themen anpacken

und so für Diskussionsstoff

sorgen. „Der Tatort

zeigt die soziale Realität in

Deutschland und ist ein Spiegel

der Gesellschaft“, sagt Professor

Gebhard Henke, Tatort­

Koordinator für die ARD. So

sind Tatorte oftmals mehr Milieu­Studie

denn Krimi.

Warum

watscheln

PINGUINE?

Seit 46 Jahren unverändert ist

der Tatort-Vorspann mit den

eindringlichen Augen, die den

Zuschauer durch ein Fadenkreuz

anstarren, und den weglaufenden

Beinen. Sie gehören

dem damaligen Münchener

Schauspieler Horst Lettenmeyer,

der 1970 für 400 D-Mark

Gage einen halben Tag Standaufnahmen

(Augen, Hände) sowie

das Filmen der Laufszene

am Flughafen München-Riem

absolvierte. Später wechselte

Lettenmeyer in die Lampenbranche,

baute ein Unternehmen

für Leuchtröhren auf.

Kurz gesagt: Die Füße der

Pinguine sind zu kurz und liegen

anatomisch gesehen viel

zu weit hinten. Sie lassen nur

die charakteristischen Trippelschritte

zu, die den Körper

beim Gehen hin und her pendeln

lassen. Das sieht putzig

und auch etwas unbeholfen

aus, hat für die flugunfähigen

Seevögel aber einen nicht zu

unterschätzenden Effekt. So

können sich die ausgezeichneten

Schwimmer an Land so

energiesparend wie möglich

fortbewegen. Sie rollen die

Füße beim Gehen nicht ab,

sondern treten immer mit der

gesamten Sohle auf. Dadurch

vermeiden es die Pinguine,

ihr komplettes Körpergewicht

vom Boden abdrücken

zu müssen. Ihr Pendelgang ist

so perfekt austariert, dass sie

ihren Körperschwerpunkt bei

geringstmöglichem Energieaufwand

auf den jeweils anderen

Fuß verlagern können.

So bringen es Pinguine beim

Watscheln auf eine Energieerhaltungsrate

von bis zu 80

Prozent. Als Energieerhaltungsrate

wird der prozentuale

Anteil der Energie bezeichnet,

der zwischen zwei

Schritten erhalten bleibt, also

nicht in Bewegung umgesetzt

wird. Der Mensch bringt es

nur auf ungefähr 65 Prozent.

Das zweite Erfolgsgeheimnis

der Serie ist ihre Regionalität.

Die ARD wendet ihr föderales

Prinzip auch bei der Produktion

der Tatorte an. Die

neun Landesrundfunkanstalten

(BR, HR, MDR, NDR, RB,

RBB, SWR, SR, WDR) sind für

die Entstehung der Folgen verantwortlich

und haben somit

freie Hand. Daraus entstand

über die Jahre – gemessen an

den Handlungsorten – ein

gleichmäßiges über ganz

Deutschland gesponnenes

Netz an Ermittlerteams, von

Kiel bis München und von

Köln bis Dresden. Insgesamt

gehen mittlerweile 22 Teams

auf die Suche nach den bösen

Jungs. Ein 23., in Freiburg beheimatet

und vom SWR produziert,

wird kommen. Die

ganze Republik findet sich in

der Serie wieder. Die einzelnen

Folgen sind aber bewusst

von Lokalkolorit geprägt, sowohl

in der Darstellung des

Handlungsortes als auch bei

den Protagonisten.

Dabei können Kultfiguren

entstehen wie die des Horst

Schimanski. Götz George brillierte

ein Jahrzehnt lang als

Kriminalhauptkommissar in

Duisburg und hatte so gar

nichts mit seinen gradlinigen

Vorgängern gemein. Schimanski

fluchte und prügelte sich

mehr durch seine Fälle, als

dass er ermittelte. „Ruhrpott­

Rambo“ tauften die Medien

diese Figur aus dem Arbeitermilieu,

die polarisierte und das

Bild des „Fernsehkommissars“

im deutschen Fernsehen veränderte.

„Gib dem Kaninchen

eine Möhre extra“

Während die Ermittler die

stets wiederkehrenden Konstanten

sind, tauchen Stars und

Sternchen immer mal wieder

mit Gastauftritten im Tatort

auf: Sänger Udo Lindenberg,

James­Bond­Darsteller Roger

Moore oder Bundestrainer

Joachim Löw waren schon zu

Affen im Zoo

sind kreativer

als in Freiheit!

Richtig oder falsch?

Das ist tatsächlich richtig. Der

niederländische Zoologe Carel

van Schaik hat bei seinen Forschungen

über die Verhaltensweisen

von Orang­Utans gravierende

Unterschiede zwischen

frei lebenden Exemplaren

und Artgenossen in

Tierparks festgestellt. Egal,

was der niederländische Zoologe

den Orang­Utans im Regenwald

von Sumatra zum

Spielen hinlegte (Leitern, Plastikfrüchte),

sie missachteten

sehen. Während Löw nur

durchs Bild lief, hat einer seiner

Vorgänger die Tatort­Geschichte

durch eine unvergessliche

Sprechrolle bereichert.

Berti Vogts‘ Auftritt

1999 in der Folge „Habgier“

endete mit dem schönen Satz:

„Gib‘ dem Kaninchen eine

Möhre extra, es hat uns das

Leben gerettet.“

Prominente, zahlreiche Ermittlerteams,

über 20 Handlungsorte,

doch eines ist immer

gleich: der Tatort­Vorspannfilm.

Die um sich blickenden

Augenpaare,

eingerahmt in farbige Balken

und das markante Fadenkreuz

auf dem linken Auge; dazu die

rennenden Beine auf dem nassen

Asphalt sind Kult und

wurden von den Machern über

die Jahre nur in Nuancen

(Farbgebung, Anzahl der Ringe

beim Fadenkreuz) verändert.

Der Vorspann war am 29.

November 1970 zu sehen und

wird auch im Oktober vor dem

1.000. Tatort über die Bildschirme

flimmern. Die Jubiläums­Folge

läuft übrigens unter

dem Titel „Taxi nach Leipzig“,

genauso wie der Auftakt der

kultigen Krimireihe vor 36 Jahren.

Autor: Matthias Heidrich

Fotos: dpa, ARD/SF/DRS/ORF/WDR;

Fotolia © joeydanuphol, PrintEquipment.

es. Präsentierte er dasselbe

Spielgerät Orang­Utans im

Zoo, stürzten sich die Affen

regelrecht darauf und wurden

kreativ. Die einfache Erklärung:

In freier Wildbahn haben

Orang­Utans schlichtweg

keine Zeit für Neugier. Hier

geht es ums Überleben. Die

Artgenossen im Zoo müssen

nicht ständig auf der Hut sein

und kompensieren ihre Langeweile

mit Kreativität – wie der

Mensch übrigens auch.


16 | Volkers Welt

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SONNABEND

13. AUGUST 2016

HOCHSPRUNG

Die größte Revolution des Sports

Da biste

PLATT...

>> Vergangene Woche haben

wir nach dem bürgerlichen

Namen von Guildo

Horn gefragt. Horst Köhler

war richtig. Der Schlagersänger

heißt so wie der 9. Bundespräsident.

Ob er Angst

hat, irgendwann nicht mehr

gefragt zu sein, wurde Horn

von der „Bunte“ gefragt.

„Darüber habe ich mir nie

viele Gedanken gemacht.

Das ist wie beim Balancieren,

da sollst Du dir auch

keine Gedanken machen, ob

du runterfallen könntest.“

Die 50 Euro hat gewonnen:

Otto Puls aus Lohbrügge

Die Show der

schönen Körper

>> Beachvolleyball ist eine

Hingucker-Sportart in Rio.

Seit wann ist es olympisch?

A 8 Jahre

B 20 Jahre

C 40 Jahre

D 68 Jahre

Kennen Sie die Lösung?

Gewinnen Sie 50 Euro:

01378 10 11 25*

Rufen Sie bis zum 14. August,

12 Uhr, an und nennen Sie uns die

richtige Lösung. Der Gewinner wird

ausgelost und benachrichtigt.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

*(50 Cent/Anruf aus dem Festnetz

der Deutschen Telekom, Mobilfunkpreise können abweichen)

2406

>> Die USA sind nach Angaben

von Statista die erfolgreichste

Olympia-Nation aller

Zeiten. Vor den Spielen

in Rio hatten amerikanische

Sportler bereits 2406 Medaillen

gewonnen. Damit liegen

die USA deutlich vor

Russland (1528), Deutschland

(1305, davon DDR:

755), Großbritannien (779),

Frankreich (671), Italien

(556) und China (531).

Nächste Woche

ist Hochsprung­

Zeit in Rio. Da

werden Erinnerungen

wach.

Oft haben Athleten mit ihrem

Erfindungsreichtum Sportgeschichte

geschrieben. Im Skispringen,

beispielsweise, ruderte

man anfangs wild mit

den Armen, bevor es sich

durchsetzte, die Hände an die

Hosennaht zu nehmen. Die

Skier wurden parallel geführt.

Dann machte der Schwede Jan

Boklöv in den 80er­Jahren eine

Entdeckung: Als er bei einem

missglückten Sprung die Skispitzen

auseinander nahm,

flog er noch fünf Meter weiter.

Der V­Stil war geboren.

Im Skilanglauf wurden jahrzehntelang

die Skier parallel

geführt und mit kräftezehrenden

Doppelstock­Schüben

Tempo gemacht. Bis der Finne

Pauli Siitonen in den 70er­Jahren

herausfand, dass man mit

Schlittschuhschritten leichter

vorankommt.

Im Schwimmen stellte der

Amerikaner David Berkoff bei

den Olympischen Spielen 1988

in Seoul einen neuen Weltrekord

über 100 Meter Rücken

auf, indem er fast die gesamte

erste Bahn tauchte und sich

mit Delfin­Beinschlag vorwärts

bewegte. Erst kurz vor

der Wende tauchte er auf –

eine halbe Länge vor der Konkurrenz.

Seine Erfolge sicherten

Berkoff einen Eintrag in

der Hall of Fame, aber seine

Technik wurde verboten. Die

Tauchphasen sind heute auf 15

Meter limitiert.

Die größte Veränderung

der Sportgeschichte erlebte jedoch

die Leichtathletik. „Er

sieht aus wie ein Fisch, der

aufs Boot gehüpft kommt“,

Dick Fosbury, der Erfinder der

Flop-Hochsprungtechnik.

FASZINIERENDE ÄSTHETIK Springerin, Latte und Himmel verschmelzen auf dieser ungewöhnlichen Aufnahme zu einer Einheit.

spottete eine amerikanische

Zeitung 1968 über den damals

21­jährigen Studenten Richard

„Dick“ Fosbury, der gerade auf

kuriose Weise die Olympia­

Qualifikation im Hochsprung

geschafft hatte. Statt vorwärts

sprang er rückwärts über die

Latte – eine Revolution.

Hochsprung basiert im Wesentlichen

auf zwei Regeln:

Der Absprung muss mit einem

Bein erfolgen, und die Latte

muss liegen bleiben. Im 19.

Jahrhundert sprang man zunächst

in der Hocke. Dann

zeigte der Amerikaner William

Page 1874 erstmals den

Scherensprung, bei dem die

Beine seitwärts nacheinander

wie bei einer auf­ und zuklappenden

Schere über die Latte

geschwungen werden. Der

Brite Marshall Brooks überquerte

auf diese Weise 1876

immerhin schon 1,83 Meter.

Anfang des 20. Jahrhunderts

entdeckten die Athleten

dann, dass es erfolgversprechender

war, sich seitwärts

bäuchlings über die Latte zu

wälzen. Besonders populär

wurde der Western Roller, bei

dem das Sprungbein unter

dem weit in die Luft hinauffliegenden

Schwungbein hindurchgezogen

wurde. Der

Amerikaner George Horine

(1890­1948) überquerte auf

diese Weise 1912 als Erster

zwei Meter. 1936 bei den

Olympischen Spielen in Berlin

kreierte der Amerikaner Dave

Albritton (1913­1994) den

Straddle. Die ausladende Bewegung

des Schwungbeins

war Geschichte, aus dem Wälzen

wurde ein Rollen über die

Latte. Albritton übersprang

zwei Meter und gewann Silber

hinter seinem Landsmann

Cornelius Johnson, der im

klassischen Western Roller

2,03 Meter schaffte. Der

Straddle verdrängte alle bekannten

Formen und sollte für

drei Jahrzehnte die dominierende

Technik sein. Bis die

Einführung der Hochsprung­

Matte Anfang der 60er­Jahre

neue Wege eröffnete.

Es war die Zeit, als ein 16­

jähriger Schüler namens Richard

Fosbury in Medford

(Oregon) zu verzweifeln begann,

weil er im Straddle­Stil

die 1,50 Meter nicht schaffte,

die für die Teilnahme an High­

School­Meisterschaften nötig

waren. Die Bewegung war ihm

zu komplex. Also begann er zu

experimentieren. „Ich wusste,

dass ich meine Körperposition

verändern musste. Das war es,

was die Revolution startete“,

erinnerte sich Fosbury 2014

gegenüber der Corvallis Gazette­Times

an den Sommer

1963. Der Flop war geboren.

Den Zuschauern

verging das Lachen

Immer wieder versuchten

Trainer, ihn in den folgenden

Jahren von seiner neuen Technik

abzubringen, doch als Fosbury

1965 an der Oregon State

University den Schulrekord

verbesserte, war die Diskussion

vorbei. Mit 21 Jahren qualifizierte

er sich für die Olympischen

Spiele 1968 in Mexiko­

City. Ein zeitgenössischer Bericht

des Sportinformationsdienstes

lässt erahnen, was für

eine Sensation sein dortiger

Auftritt war:

„Man lachte über ihn, amüsierte

sich über seinen scheinbar

exaltierten Stil. Rund

70 000 Zuschauer verfolgten

die etwas merkwürdige springerische

Demonstration. Anfangs

mag es noch Lacher gegeben

haben. Mit zunehmender

Höhe schlug die Stimmung

immer mehr um. Dick Fosbury

begeisterte. Seine Konzentrationsfähigkeit,

sein lockerer,

schwingender Anlauf, dann

der kraftvolle Absprung – das

faszinierte.“

Fosbury überquerte als Einziger

2,24 Meter und gewann

die Goldmedaille. Das sah

Tausende Kilometer entfernt

in Wesseling (Nordrhein­

Westfalen) eine Zwölfjährige

namens Ulrike Meyfarth und

begann, die neue Technik zu

trainieren. Vier Jahre später

gewann sie als 16­Jährige Gold

bei den Olympischen Spielen

in München und stellte mit

1,92 Metern den ersten Flop­

Weltrekord auf. Die neue

Technik hat sich endgültig

etabliert.

Mal schauen, was uns die

Olympischen Spiele in Rio de

Janeiro bringen. Das Hochsprung­Finale

der Männer ist

am kommenden Mittwoch um

1.30 Uhr deutscher Zeit, das

der Frauen folgt am Sonntag,

den 21. August, um 1.30 Uhr.

Fotos: AP, dpa; Fotolia © Stefan Schurr,

snaptitude, wernerrieger, aroas.

Redensart:

>> Citius, altius, fortius lautet

das Motto der Olympischen

Spiele. Wörtlich übersetzt

heißt es eigentlich

„schneller, höher, stärker“,

im Volksmund hat sich allerdings

„schneller, höher, weiter“

durchgesetzt. Der Ausspruch

geht auf den französischen

Dominikanermönch

Henri Didon (1840-1900)

zurück und wurde 1894 von

Olympia-Wiederbegründer

Pierre de Coubertin (1863-

1937) als Olympia-Motto

vorgeschlagen.

Die

„W“-Frage:

Wer ist der

OLYMPIA-

CHAMPION

der Tiere?

Müssten die Boxer beim

Olympia­Turnier gegen den

Fangschreckenkrebs (Foto)

antreten, sie wären hoffnungslos

überfordert. Zum

Vergleich: Die Hamburger

Box­Königin Susi Kentikian

gilt als schnellste Boxerin der

Welt. Sie kann bis zu 400 Mal

pro Minute zuhauen. Ihrer

Gegnerin bleiben dann nur

120 Millisekunden, um zu reagieren,

wie die ZDF­Dokumentationsreihe

„Terra X“

mit Hilfe von Spezialkameras

herausfand, die 300 000 Bilder

pro Sekunde aufnehmen

können.

120 Millisekunden, das ist

etwa dreimal so schnell wie

ein menschlicher Lidschlag.

Rund 40 Mal so schnell wie

ein Lidschlag hingegen, nämlich

innerhalb von neun Millisekunden,

teilt der Fangschreckenkrebs

aus. Das bis

zu 30 Zentimeter große Tier

kann seine an der Vorderseite

extrem hart verdickten

Beine explosionsartig vorschnellen

lassen und trifft

sein Opfer mit der Geschwindigkeit

von 80 Kilometern

pro Stunde. So erschlägt er

seine Beute, zertrümmert

Muschelschalen oder setzt

sich gegen wesentlich größere

Angreifer, zum Beispiel

Tintenfische, zur Wehr.

Eiskunstlauf

ist ein

Sommersport!

Richtig oder falsch?

Die Olympischen Sommerspiele

1908 in London waren

die vielfältigsten und langwierigsten

aller Zeiten. Sie begannen

am 27. April und endeten

am 31. Oktober. Selbst Eiskunstlauf

gehörte damals zum

Sommer­Programm.

Die Wettkämpfe in London

waren in drei Blöcke aufgeteilt:

Im Frühjahr waren bereits

die Titel im Hallentennis

und Jeu de Paume, einem Tennis­Vorgänger,

vergeben worden,

bevor die Spiele im Juli

dann offiziell eröffnet wurden

und die Publikums­Magneten

Leichtathletik und Tauziehen

folgten. Ebenfalls im Juli fanden

die „nautischen Spiele“

statt, die von Schwimmen über

Rudern bis zu Motorbootrennen

reichten. Im Herbst wurden

dann Fußball, Hockey und

Eiskunstlauf nachgeschoben.

Erster Eiskunstlauf­Olympiasieger

wurde der Schwede Ulrich

Salchow (1877­1949).


8 | Volkers Welt

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SONNABEND

20. AUGUST 2016

OSTFRIESISCHE INSELN TEIL 1

Die Spülsaumgesellschaft

Da biste

PLATT...

>> Seit 20 Jahren werden

bei Olympischen Spielen

Medaillen im Beachvolleyball

vergeben. Das war die Lösung

unserer Quizfrage.

1992 in Barcelona war

Beachvolleyball Demonstrationssportart,

seit 1996 in

Atlanta ist es offizieller Teil

des olympischen Programms.

Von Beginn an

setzte man mit knappen Bekleidungsvorschriften

auf

viel nackte Haut und lief

dem Hallenvolleyball damit

schnell den Rang ab.

Die 50 Euro hat gewonnen:

Astrid Garber-Lewandowski aus Börnsen

Sprachgewirr

>> Bei den Olympischen

Spielen wurde in vielen Sprachen

interviewt. Was schätzen

Sie: Wie viele Sprachen

gibt es auf der Welt?

A 70

B 700

C 7000

D 70000

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12 Uhr, an und nennen Sie uns die

richtige Lösung. Der Gewinner wird

ausgelost und benachrichtigt.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

*(50 Cent/Anruf aus dem Festnetz

der Deutschen Telekom, Mobilfunkpreise können abweichen)

135 000

>> Wer jeden Mittwoch und

Sonnabend brav zwei Kästchen

auf seinem Lottoschein

ausfüllt, müsste – rein statistisch

gesehen – spätestens

nach 135 000 Jahren einen

„Sechser“ haben. Allerdings

wird nur

jeder

Zehnte

von diesen

„Glückspilzen“

dann

auch einen

Sechser mit Superzahl haben

– und nur mit dem knackt

man den Jackpot.

Redensart:

>> Eine Grimasse schneiden

bedeutet, absichtlich ein besonders

lustiges oder hässliches

Gesicht zu machen.

Das Wort „Grimasse“ hat

seinen Ursprung im französischen

„grimace“ (Fratze),

das wiederum wahrscheinlich

auf das althochdeutsche

„grimo“ (Maske) zurückgeht.

Die einfachste Form einer

Maske ist eine Schnittmaske,

ein Papier mit einer Aussparung,

das man über ein

Bild legen kann, um nur

einen bestimmten Ausschnitt

davon zu zeigen.

AUF SAND GEBAUT Auf dieser Luftaufnahme von Borkum erkennt man sehr schön, dass alle Ostfriesischen Inseln ihren Ursprung einer Sandbank verdanken.

Strandhafer ist

ein Wunder der

Natur. Er überlebt

sogar, wenn

er von Flugsand

verschüttet wird.

Bereits im 19. Jahrhundert, das

zeigen alte Seekarten, kannten

die Seefahrer die Kachelotplate,

eine ausgedehnte Sandbank

im Südwesten der Nordseeinsel

Juist. Das französische

Wort „cachalot“ (= Pottwal)

stand bei der Namensgebung

Pate, weil die Form des Eilands

einem Pottwal gleicht.

Die Kachelotplate ist ein Paradies

für Seehunde und Kegelrobben.

Menschen ist der Zutritt

verboten, die Insel darf

sogar nicht einmal mit Booten

umrundet oder mit Flugzeugen

überflogen werden, um

die Tiere nicht zu stören.

Für Biologen ist die Kachelotplate

eine Art Zeitmaschine,

denn von Wangerooge bis

Borkum haben alle Inseln vor

der niedersächsischen Küste

einmal als eine solche Sandbank

angefangen. Sie sind

durch die Kraft von Wind und

Wellen buchstäblich aus dem

Meer gewachsen. Bis heute

vergrößern sie sich und verändern

stetig ihre Lage. Ihre

Existenz verdanken die Inseln

der „Spülsaumgesellschaft“,

einer Gruppe von Pflanzen mit

erstaunlichen Fähigkeiten.

Die

„W“-Frage:

Diese Woche sorgte Hoch

„Fatih“ für angenehme Temperaturen.

Ein Mensch namens

Fatih Yilmaz hat 299

Euro dafür gezahlt, das Wetterphänomen

nach sich benennen

zu dürfen. Bereits seit

Ende 2002 gibt es diese

„Wetterpatenschaften“, die

vom Institut für Meteorologie

der Freien Universität

Berlin (www.met.fu­berlin.de)

vergeben werden, wobei in

Wenn eine Sandbank eine

Höhe von 30 Zentimetern erreicht

hat und zeitweilig überflutet

wird, bleiben, nachdem

sich das Wasser zurückgezogen

hat, im Spülsaum die Samen

verschiedener Erstansiedler­Pflanzen

liegen: Salzmiere,

Strandkamille und

Strandmelde.

Diese „Spülsaumgesellschaft“

eint, dass alle Pflanzen

extrem anspruchslos sind,

denn der Boden, auf dem sie

wachsen, ist karg. Die Pflanzen

sind Nutznießer einer ökologischen

Nische. Wenn Winter­

Sturmfluten Tang und anderes

zersetzbares Material abgelagert

haben, ist der Boden kurzzeitig

extrem nährstoffreich.

Die „Spülsaumgesellschaft“ ist

rechtzeitig vor Ort, um davon

zu profitieren. Die Pflanzen

sind kurzlebig, denn die nährstoffreichen

Stellen befinden

sich jedes Jahr woanders. Aber

während der Zeit ihrer Existenz

bieten sie einen ersten

Halt und ermöglichen es, dass

sich Dünen auftürmen.

Doch die brauchen Halt,

und hier kommt eine weitere

faszinierende Pflanze ins

Spiel: der Strandhafer. Haben

Sie einmal versucht, eine

Strandhafer­Pflanze auszubuddeln?

Hoffentlich nicht,

denn die sind geschützt. Aber

selbst wenn: Sie werden es

kaum geschafft haben. Fünf bis

acht Meter tief reichen die

Wurzeln des Strandhafers in

den Sandboden.

Das Besondere dabei:

Strandhafer toleriert es, wenn

er durch Flugsand verschüttet

Woher bekommen

WETTERPHÄNO-

MENE ihre Namen?

geraden Jahren Hochdruckgebiete

grundsätzlich männliche

und Tiefdruckgebiete

weibliche Namen tragen. In

ungeraden Jahren ist es umgekehrt.

Ein Tief ist mit 199

Euro etwas billiger als ein

Hoch, weil es sich üblicherweise

nicht so lange hält.

Die Idee, Wetterphänomenen

Namen zu geben, entstand

im Zweiten Weltkrieg.

Die Amerikaner begannen

Die sechs großen Ostfriesischen Inseln heißen Spiekeroog, Langeoog, Baltrum, Norderney, Juist und

Borkum (von Ost nach West). Wangerooge hingegen ist eine Friesische Insel. Zwischen Juist und

Borkum finden sich zwei weitere Inseln: Memmert, das nur von einem Vogelwart bewohnt ist, und

das unbewohnte Lütje Hörn. Im Südwesten von Juist ist die Sandbank Kachelotplate zu erkennen.

damit, Hurrikane und Taifune

mit Namen zu versehen,

um sich leichter orientieren

zu können. 1954 regte die spätere

ZDF­Fernsehmoderatorin

Dr. Karla Wege als Studentin

an der FU Berlin an,

Hochs und Tiefs zu benennen.

Als dann 1990 die Orkan­

Tiefs „Vivian“ und „Wiebke“

Schlagzeilen machten, wurde

die Öffentlichkeit auf diese

Praxis aufmerksam.

wird. Die dauerhaft unter dem

Sand begrabenen Pflanzenteile

wandeln sich in Wurzeln um,

während weiter oben neue

Pflanzenteile entstehen. Auf

diese Weise wächst der

Strandhafer Stück für Stück

mit der Düne mit.

Trotz der erstaunlichen Fähigkeiten

der Pflanzen ist das

System aus „Spülsaumgesellschaft“

und Strandhafer sehr

fragil. Auf der Kachelotplate

waren Dünen bis 2,5 Meter

Höhe und ein erster Bewuchs

entstanden. Dann kam im

Herbst 2006 eine Sturmflut

und riss alles weg. Die Sandbank

verlor in zwei Tagen ein

Viertel ihrer Größe.

Etabliert sich eine Dünenkette

jedoch dauerhaft, so können

sich dahinter weitere

Pflanzen ansiedeln: Bauernsenf,

Dünenrose, Kartoffelrose

(auch Kamschatka­Rose genannt),

Tüpfelfarn, Sanddorn,

Hornklee, Leinkraut oder das

schmalblättrige Weidenröschen

sorgen für Arten­ und

Farbenvielfalt. Die Lebensverhältnisse

sind ideal: Die Pflanzen

sind hinter den sogenannten

„Weißdünen“ weitgehend

von Wind, Wellen und Flugsand

geschützt, aber ein geringer,

stetiger Nährstoffeintrag

in den Boden durch Flugsand

ist weiterhin vorhanden.

Erst wenn dieser ausbleibt,

weil sich die Insel vergrößert

hat, wird die Artenvielfalt

durch anspruchslosere, krautige

Gewächse verdrängt. Auf

der Schattenseite der Düne

wächst dann Krähenbeere, auf

der Sonnenseite Silbergras.

Trocknet der Boden vollkommen

aus, können dort nur

noch Moose und Flechten

existieren, die kein Grundwasser

brauchen.

Der September

ist der

siebte Monat!

Richtig oder falsch?

So langsam steht der September

vor der Tür. In dem Namen

steckt das lateinische

Wort „septem“ (= sieben).

Denn im Alten Rom war der

September der siebte Monat,

da das Jahr damals im März

anfing. Das macht Sinn, da im

Frühjahr der Kreislauf des Lebens

aufs Neue beginnt.

Der Kalender der Römer

hieß nach Gaius Julius Caesar

(100­44 v. Chr.) Julianischer

Kalender. Da er elf Minuten

Die Dünenlandschaft einer

Ostfriesischen Insel lässt sich

also in vier Vegetationszonen

unterteilen. Im Naturschutzgebiet

im Osten Spiekeroogs

lassen sich die vier Zonen auf

dem Weg vom Strand bis zum

Wattenmeer mühelos erkennen:

Anfangs Sanddünen, dahinter

die üppige Vegetation

der jüngeren Dünenlandschaft.

Weiter in Richtung Wattenmeer

werden die Dünen älter,

der Bewuchs ändert sich hin

zu Krähenbeere und Silbergras,

bevor die von Moosen

und Flechten überwucherten

ganz alten Dünen erreicht

werden. Eine Erinnerung daran,

dass auf einer Nordseeinsel

alles immer nur eine Momentaufnahme

im ewigen

Spiel der Elemente ist.

Fotos: dpa (2); Fotolia © pschewe, lesniewski,

Fiedels, klenger.

länger war als das tatsächliche

Sonnenjahr, hatte sich der

Frühlingsbeginn im Jahr 1582

schon auf den 11. März nach

vorn verschoben. Daher regte

die Katholische Kirche eine

Reform des Julianischen Kalenders

an, der heute weltweit

akzeptierte Gregorianische

Kalender entstand. Im Zuge

dieser Reform rückte der Jahresbeginn

näher an Weihnachten

und die Wintersonnenwende

heran auf den 1. Januar.


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Jeden Sonnabend neu in Ihrer BERGEDORFER ZEITUNG/LAUENBURGISCHEN LANDESZEITUNG.

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WELT

>> FOLGE 453 BIS 478

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