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Der Sämann

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NOVALIS

Sonderdruck

Der Sämann

Interview mit Antonius Conte

über die Aktion "Der Sämann"

nach einem Motiv von Vincent

Van Gogh. Insel Rügen, 1996

NOVALIS Zeitschrift für spirituelles Denken 9/10 2001


Der Sämann / 1888 / Van Gogh

Der Sämann

Der Aktionskünstler Antonius Conte bekam von Bioland -einer Marke für

Produkte aus kontrolliert oekologischer Landwirtschaft- den Auftrag, für

das 25-Jahre-Bioland-Jubiläumsfest auf dem Hofgut Bisdamiz/Rügen einen

künstlerischen Beitrag zu produzieren. Dabei ist die Arbeit “Der Sämann

entstanden.

Was hat es mit dem Sämann auf sich?

Mein Sämann ist ein Van Gogh-Zitat. Diese Gestalt ist eine der letzten

großen anektodischen Figurenschöpfungen in der Malerei. Danach

kommt die Anti-Anektodische Figur mit den Fauves, mit Picasso, Giacometti

und die Abstraktion.

In meiner Arbeit zitiere ich van Gogh, weil ich überzeugt bin, dass

wir heutzutage nicht mehr in der Lage sind, solche Figuren zu kreieren,

ohne dass diese naiv oder komisch oder einfach bedeutungslos

sind. Van Gogh stand in einer Tradition, er war z.B. ein Verehrer Millets

mit ihm endet diese Art Blick auf die Welt.

Genauso wie es heute keine Sämänner mehr gibt, gibt es keine van

Goghs mehr. Deshalb war es mir wichtig mit dieser Figur zu arbeiten

und mit van Gogh als Repräsentant einer vergangenen Epoche -in der

es noch sehr viel mehr Mut gekostet hat einen authentischen, von der

inneren Wahrheit bestimmten Weg zu gehen und anderen Gesetzen zu

gehorchen als denen der Gesellschaft- einen Verlust zu beklagen und

zu betrauern als auch eine neue Hoffnung zu schaffen.

Der Sämann als Symbolgestalt steht für die Phase der Investition. Sie

ist absolut positiv! Sie wird erst in dem Moment tragisch wo „Schädlinge“

oder „Unwetter“ den ausgelösten Prozess hemmen oder zerstören

und den „Point on return“, die Blüte und die Ernte verhindern. Auch

van Gogh war ein Sämann, der sich dem Risiko ausgeliefert hatte ohne

„Lohn“ auszugehen...; unbeirrt folgte er seinem inneren Feuer. Obwohl

er in seinem persönlichen Leben scheiterte ist er ein Vorbild!

Was symbolisiert der Sämann?

Für mich ist der Sämann die Initialfigur der Fruchtbarkeit, der Urheberschaft.

Das ganze Leben ist ein Zusammenspiel von Säen und Ernten –

Ursache und Wirkung. Es ist wichtig zu wissen, was man sät. Jedes

Wort ist eine Saat, jede Handlung im Sinne des Karma; es kann sehr

lange dauern bis sie aufgeht aber eines Tages geht sie auf. Heute wo

wir mehr und mehr wissenschaftlich und instrumentell denken mutet

das fremd an. Niemand will der Schöpfer seines Unglücks, seiner

Krankheit oder seiner Pleite sein; es ist bequemer wenn man das Opfer

ist. Wirklich Verantwortung zu übernehmen heißt für mich aber

anzuerkennen dass ich auch mein Unglück gesät, das heißt der Autor

davon bin. Nur durch diese Anerkennung nämlich können wir wirklich

schöpferisch sein und mächtig. Alles was geschieht ist Ernte und Saat

zugleich da immer ein Teil der Ernte die neue Saat ist und jede Ernte

wurde irgendwann gesät [...] von uns!

Für mich persönlich war oder ist der Sämann die Auseinandersetzung

damit, dass ich selber gespalten bin. Auch einerseits in eine

Urheber-Persönlichkeit die sät, kreiert, voll Verantwortung übernimmt

und andererseits in einen armen Tropf der die Welt erleidet und sich

beklagen muss; [...] und halt auch vergisst, was er alles sät und gesät

hat.

Nur selten sind uns diese Zusammenhänge wirklich bewusst. Wenn wir

uns beispielsweise die modernen Medien ansehen, die uns regelmäßig

mit irgendwelchen Schicksalsmeldungen überfluten, dann denken wir,

dass wir damit eigentlich nichts zu tun haben und wir schimpfen dann

über die anderen und denken es fällt vom Himmel. Wenn wir aber

die Bereitschaft aufbringen, uns die dahinterstehenden Systeme anzuschauen,

müssen wir uns letztlich zugestehen, dass wir mit unserem

Verhalten an allem mitwirken und so einiges mittelbar und unmittelbar

miterzeugen. Irgendwann haben wir mit unserem Handeln und Denken

in der Vergangenheit eine Saat für ein Ereignis in der Zukunft gesetzt,

die vielleicht schon zur Gegenwart geworden ist. Vielen ist dies nicht

bewusst, dass sie heute das ernten, was sie gestern selber gesät haben,

z.B in Form von negativen Erwartungen, Ängsten, Halbherzigkeit,

Verachtung etc. und man wird dann tatsächlich krank oder verliert

die Stelle oder den Partner oder führt ein unbefriedigendes Leben in

Zwängen.

Warum ist der Sämann alleine?

Figur

In diesem Feld wird tatsächlich nur der Sämann dargestellt. Oft ist es

so, dass das Säen vom Ernten scheinbar abgekoppelt ist, weil soviel

Zeit dazwischen ist. Meist sind die, die ernten andere als die, die gesät

haben. Früher war in der Landwirtschaft der Säende auch oft ein

Taglöhner, der bei der Ernte meist ganz woanders war. Dadurch das

zwischen säen und ernten diese Zeit ist, wird es eben möglich zu vergessen.

Im Leben liegt oft viel mehr Zeit als ein paar Monate zwischen

diesen zwei Phasen. Da wir in manchen Dingen sehr vergesslich sind,

wissen wir dann nicht, wenn Geschehnisse eintreffen, worin sie begründet

sind und aus was für Quellen sie stammen. Wir können nicht

nachvollziehen, dass wir die Urheber sind. Das gilt vor allem fürs „Negative“

für das „Positive“ will jeder gleich die Urheberschaft an sich

reißen, das heißt quasi das „Gute“ hat man „verdient“, das „Schlechte“

hat man nicht „verdient“.

Irgendwie ist der Sämann eine einsame Gestalt, die lediglich in einer

Beziehung zur Erde und zum Kosmos steht. Bei van Gogh steht auch

eine riesige Sonne am Horizont und im Vordergrund ein Baum. Der

Sämann selbst ist eine Art Gesetz. Ein Symbol für die Hingabe und Ein-


Konstruktionsplan

Thema

gebundenheit an und in einen Prozess aber auch ein Symbol für unsere

menschliche Vollmacht! Vielleicht ist das Zufall aber im Original von

Vincent van Gogh ist der Kopf des Sämannes im unteren Feld der riesigen

Sonne in etwa der gleichen Achse wie diese, die linke Hand -das

Tuch haltend, auch in dieser Achse- liegt auf dem Herzen, während

die rechte die Saat auswirft, beinahe aus dem Bild heraus.

Das Ziel meiner Arbeit war ja, diese Bretter so zusammenzuschustern,

dass die Silhouette zum Fotomodell wurde, ich wollte eigentlich

ein Bild machen mit einer sehr umwegigen Methode. Das Ganze ist

gleichzeitig auch eine Skulptur. Das eigentliche Produkt jedoch ist eine

Fotografie, ein neues Bild: Himmel-Mensch-Erde. Und es ist das Bild

von einem Menschen ganz alleine zwischen Himmel und Erde. Weil wir

in unserer Schicksals-Verantwortung ganz kosmisch und ganz alleine

sind wie Sterne selbst wenn wir mitten in der Gesellschaft stecken und

in viele kollektive Geschehnisse verwickelt sind.

Kannst Du dieses Thema „säen-ernten“ noch weiter erläutern und

mit der heutigen Situation in Verbindung bringen

Mehr als je wird es notwendig, aus einem authentischen inneren

Impuls heraus das Leben zu gestalten, ohne sich zu vergleichen oder

ein Resultat zu berechnen! Ganz im Gegensatz zu den Lehrsätzen der

Wirtschaft. Alle sensiblen Verfahren sind heute wirtschaftlich untauglich,

da sie Faktoren beinhalten wie lange Wartezeiten etc. Etwas reif

werden zu lassen ist anachronistisch! In wirtschaftlichen Prozessen mit

den Faktoren Intuition und Vertrauen zu arbeiten ist obsolet.

Unsere Wirtschaft möchte mit allen Mitteln dem Wunsch der

Menschen, alles möglichst schnell und ohne große Investitionen zu

bekommen, entsprechen. Natürlich weil diese Fickerigkeit das Absatztpotential

schlechthin ist. Dabei werden wichtige Gesetzmäßigkeiten

der Natur übergangen. Schließlich können wir nicht erwarten, dass

ein Kern, den wir heute in den Boden bringen, bereits morgen einen

ausgereiften Kürbis für unser Mittagessen hervorbringt. Wir müssen

Geduld aufbringen und sind vielen Faktoren wie dem Wetter ausgeliefert,

wenn es zu trocken ist, fällt die Ernte eben etwas kleiner aus.

Wenn wir uns auf solche Prozesse wirklich einlassen, lernen wir, dass

wir nicht alles in der Hand haben. Doch heute sind wir ja nicht mal

bereit uns auf den Prozess der Nahrungszubereitung einzulassen,

geschweige denn den eigenen Anbau von Gemüse. Wir überlassen

das Kochen, weil es aufwendig und zeitintensiv ist, immer mehr den

Fastfood-Ketten oder greifen auf Fertiggerichte vom Supermarkt oder

vom Eismann zurück oder essen belegte Brote von der Tankstelle. Aus

„Zeitmangel“ wird geschlungen. Wenn wir uns wenigstens die Zeit zum

Kauen unserer Nahrung nehmen würden, könnten wir die Leere und

die Geschmacklosigkeit dieser Gerichte bestimmt nicht ertragen. Die

Schnelligkeit scheint heute vielen Menschen enorm viel zu bedeuten.

Sie ist zu einem absurden Maßstab geworden. Vielfach wird lieber auf

Qualität verzichtet, als auf Schnelligkeit.

Wie entstand diese Arbeit, wie war der Prozess von den ersten

Ideen zur fertigen Figur

Mein Sämann entstand in einer Phase, in der ich aufgehört habe einzukaufen.

Natürlich unter dem Einfluss von Beuys, der gesagt hat, dass

der erste Fehler beim Arbeiten ist, wenn man loszieht um Material

einzukaufen. Bei meiner Arbeit standen jedoch auch ökologische und

persönliche Aspekte im Vordergrund, die zur Verweigerung führten,

ressourcen-schädigende Materialien zu verwenden. Ich habe angefangen

mit Dingen zu arbeiten, die rum lagen und die für andere Leute

keinen Wert mehr hatten. Dabei handelte es sich nicht etwa um irgendwelche

interessanten Fundstücke, sondern um wirklichen Abfall,

gar nichts Besonderes! Ich fand Recycling faszinierend und es machte

mir damals großen Spaß in Abfällen herumzustöbern und so verwendete

ich Abfälle. Abfall ist heute der mächtigste und interessanteste

Rohstoff.

Ich besichtigte den Hof in Bisdamitz einige Wochen vor der Jubiläumsveranstaltung

und da war ein Haufen halbmorscher Bretter und

Pfähle vom Abbruch eines alten Nebengebäudes. Ich entschloss mich,

daraus was zu machen. Ich wusste aber noch nicht was und fing an im

Geist herumzustreifen.

Im Berliner Umland nach der Wende konnte man hunderten von

Werbetafeln (Pfahlgerüst plus Frontfläche) an den Straßenrändern sehen,

wie in Amerika oder gewissen Teilen Frankreichs. Immer wieder

kreisten meine Gedanken um diese „Zweckskulpturen“ und der Möglichkeit

dieses Prinzip irgendwie anzuwenden.

Die bäuerischen Themen interessieren mich schon lange, da sie

zur Basis der Kultur gehören, jedoch der Kunst im gesellschaftlichen

Strickmuster entgegengesetzt sind; oder besser ausgedrückt ist die

Landwirtschaft die Wurzel und die Kunst die Blüte der gesellschaftlichen

Gestalt. Das Verhältnis zur Erde ist ein bedeutender Parameter

für das Niveau einer Kultur. Unsere technisch orientierte Zivilisation,

die nur noch Schatten einer Kultur ist, zeigt dies deutlich: die Erde

wird nur noch als Halterung für das Saatgut und die Wurzeln der

Pflanzen verwendet und ansonsten gleich behandelt wie ein Nährboden

im Labor. Es gibt keinen Mythos, keinen Dank, kein Respekt und auch

nicht viel Freude; sie wird als kalter, pragmatischer Faktor und nicht

als Wesen verstanden! Protagonist in der Entmythifizierung und Pornographisierung

der Erde ist Amerika. Für mich wurde nun klar, dass

diese Werbe-Tafelskulpturen an den Straßenrändern eine Art Ikone

eines modernen Mythos sind: der Verkaufs-Show, der Werbung! Die

Werbung nimmt einen enormen Raum ein; sie ist eine neue Kirche, ein

Bindeglied und Orientierungsmittel ohne das man heute wirtschaftlich

nicht überleben kann und ohne dies unser Welt auch sehr grau wäre,

da eine echte Kultur ja fehlt. Einer der bedeutendsten Werber (ein

Amerikaner!) hat mal gesagt, dass die Verkäufer die Helden des 21.

Jahrhunderts sein werden. Also nicht die Kreatoren, Erfinder, Forscher


Alles was abfiel nahm ich mit und stupfte kleine Sämann-Silhouetten auf die Holzstücke. Die Verwertung des Abfalls vom Abfall. Damit ging ich

am Tag des Bioland-Fests auf den Markt, der Teil der Jubiläumsveranstaltung war, und bot neben den Bäckern, Käsern und Gemüsehändlern die

Stücke feil.

und Produzenten oder Staatsführer, Wissenschaftler, Heiligen und Weisen

sondern die Verkäufer!

Die Mechanismen des Marktes haben mich schon immer fasziniert.

Mit dem Sämann, der nach dem Prinzip einer großen Werbetafel geplant

und gebaut wurde, wollte ich eine paradoxe Sache in eine Form

bringen. Also eben den Sämann der bäuerliche Disziplin und Tradition,

Ordnung, Aufgabentreue, Erd- und Naturverbundenheit aber -weil

er von van Gogh ist- auch tragischer Individualismus, Bohème, Radikalismus

und Bruch mit den ordnungsgebenden Insanzen verkörpert

mit einer aktuellen Werbemethoden zu verbinden.

Die Arbeit ist auf der Insel Rügen in der ehemaligen DDR entstanden.

1996, also 7 Jahre nach der Wende. Hat diese Arbeit einen Bezug

zur dortigen Situation?

Die Wiedervereinigung hat die Kunst in Ost und West erst mal blokkiert;

plötzlich floss spürbar weniger Geld und Support in die Kultur.

Obwohl auch viel Hoffnung da war. Jedoch konnte man sehr spüren,

was Priorität hatte. Es war eine Krise, die dazu führte, dass auch viele

kleine Privatsammler kein Geld mehr für Kunst ausgaben. Und im

Osten war sowieso nichts mehr los; die versuchten alle direkt oder

indirekt im Westen anzudocken.

In dieser intensiven Phase des Paradigmenwechsels befand ich mich

in Berlin. Mir stellte sich die Frage, ob man die Kunst nicht an einen

anderen Platz in der Gesellschaft rücken könnte, damit sie nicht unter

der Dominanz der sogenannten Grundbedürfnissen und deren Ökonomie

eine Schattenrolle bekommt. Es kann doch manchmal wichtiger

sein, ein Bild anzuschauen oder Musik zu hören als etwas zu essen!

Es ist auch möglich, geistig zu verhungern oder seelisch obdachlos zu

sein!


Als Antwort auf diese Überlegungen entstand ein kreisförmiger

Stempel: Kunst = Brot = Kunst = Brot. Ich verband damit die Hoffnung,

dass erkannt wird, dass Kunst ein geistig-seelisches Grundnahrungsmitteln,

also ein echtes Lebens-Mittel ist. Hinter dem Begriff

Brot steht natürlich viel mehr als das Brot, welches wir beim Bäcker

kaufen. Das Brot ist ein Symbol für die Grundversorgung des Körpers,

während die Kunst die Grundversorgung des Geistes und der Seele

symbolisiert. Das Oben und das Unten – "wie im Himmel so auf Erden".

Heute ist Kunst nicht an Zwecke gebunden und daher relativ

frei, zumindest frei von einem Auftrag. Brot und Kunst sind von ihrer

Natur her zwei komplementäre Energien, die einander bedingen und

ohne einander keinen Bestand haben – keinen Sinn ergeben. Beide

Komponenten gehören zu einem ganzen Menschen; das setzt das Streben

nach Ganzheit voraus. Kunst ist eine Art Nahrung der Seele und

des Geistes und gleichzeitig ihr Ausdruck.

Nachdem mir diese Zusammenhänge klar wurden, wurde mir bewusst,

dass die Lebensmittelbranche gegenüber der Kunstbranche eine komplementäre

Stellung einnimmt. Schon immer dachte ich, wenn ich mal

was anderes mache als Kunst, würde ich in die Lebensmittelbranche

www.antonius-conte.com

gehen, ans andere Ende eben wegen dieses Gegensatzes. Es kam in

mail@antonius-conte.com

meiner persönlichen Biographie dann tatsächlich zu einem Fronten-

10 5 / 1999 Novalis

wechsel. Es befriedigte mich schon länger nicht mehr im Atelier zu

hocken. Seit über 4 Jahren bin ich nun in der BIO-Lebensmittelbranche

als freier Unternehmer tätig. Ich habe eine Marke kreiert für Produkte

aus biologisch-dynamischem und biologischem Anbau und bin

dabei meinen eigenen Aufruf von 1996 zu verwirklichen.

Was geschah nach dem Bioland-Anlass mit dem Sämann?

Er blieb einfach auf dem Acker stehen und wurde dann vom ersten

richtigen Wintersturm umgefegt; dann wurden noch die Öfen auf dem

Hof damit angefeuert.

Du warst am 31. August auch mit einem Stand auf dem Hofmarkt

zusammen mit anderen Händlern und Bauern. Wie ist das zu verstehen?

Als wir die Silhouette des Sämanns mitten im Acker bauten, stellten

wir ein Pfahlgerüst auf und nagelten Bretter vorne drauf. Nicht akkurat

und schön, sondern schnell, bewusst-pfuschig und expressiv

– obwohl ich sogar einen Plan angefertigt hatte. Dann zeichnete ich

die Figur auf die Fläche und schnitt sie mit der Kettensäge aus. Alles

was abfiel, nahm ich mit und stupfte kleine Sämann-Silhouetten auf

die Holzstücke. Die Verwertung des Abfalls vom Abfall. Damit ging ich

am Tag des Bioland-Fests auf den Markt, der Teil der Jubiläumsveranstaltung

war, und bot neben den Bäckern, Käsern und Gemüsehändlern

die Stücke feil. Weit weg in der Achse des Platzes, auf dem ich

den Tisch aufstellte, war die 5 Meter hohe Sämann-Silhouette auf dem

Acker zu sehen.

Dies war’s nun. Da stand ich auf dem Markt als Verkäufer! Nicht auf

dem Kunstmarkt. Auf dem Lebensmittelmarkt!

Die Botschaft dieser ganzen Sache ist, dass die Landwirtschaft eine

der großen Künste ist. In dem Sinne ist jeder Landwirt, jeder „Brotmacher“

aufgerufen, sich zu trauen Künstler zu sein. Das heißt einfach

sich von linearen, additiven Konzepten (1+1=2) zu trennen und in

die Schönheit, die Poesie und das schöpferische Risiko zu investieren.

Jeder Künstler kann dazu beitragen, dass das „Brot“ besser wird. Das

heißt sich von Standesdünkel zu trennen und aus dem Atelier raus in

den Wald, auf den Acker, auf den Markt, auf den Bau, in die Fabrik!

Wie hast Du diesen Aufruf selber umgesetzt?

Antonius Conte

1954 (Wädenswil/CH) geboren und aufgewachsen.

1970-74 (Zürich) Bauzeichner-Lehre. Private Ausbildung und

Kurse in Kunstgeschichte, visuelle Kommunikation, Zeichnen,

klassische Gitarre.

1974-77 (verschiedene Orte, CH) autodidaktische Auseinandersetzung

mit Malerei und Plastik.

1977-86 (verschiedene Orte, CH, Amerika, Berlin) Tätigkeiten:

Briefträger, Hilfskrankenpfleger, Holzfäller, Fensterputzer, Kellner.

Später: Dekorations- und Schriftenmaler, Bauhandwerker,

dann Planung und Gestaltung von Innenräumen und Häusern.

1982 löse meinen ganzen Besitz auf und gehe nach Amerika.

Danach direkt nach Berlin.

Ab 1983 fester Wohnsitz in Berlin.

1986 nach einer längeren Pause Neueinstieg in die Malerei.

1991 fange an mit Bauhandwerkermethoden zu arbeiten und

verwende Baustoffe, Junkmaterialien, Abfälle und Natur. Das

gemalte Bild verschwindet.

Gründung der Galerie T&A in Berlin-Mitte mit Tanja Hermann

Gründung des ersten Rügenschen Kunstvereins auf Rügen, Mecklenburg

Vorpommern

1992-94 Atelier in Hennigsdorf bei Berlin. Stromere tagelang in

den Steppen und Müllhalden am Rand der Stadt herum: Heilpflanzen,

Bäume, Erde, Blech, Polster, Büchsen.

1994/95 Heilpraktikerausbildung als Projekt

Die Verbindung zwischen Kunst, Medizin, Bauen und Natur wird

der Inhalt meiner Arbeit.

1995-2000 Atelier in Töpchin / Brandenburg und Berglase/Rügen

1996 Gründung der Marke „NaturKraftWerke®“ für biologischdynamische

und biologische Naturprodukte und Lebensmittel

und Firmierung unter diesem Namen. Aufbau dieses Unternehmens.

1996-2000 Pendeln zwischen

Berlin-Töpchin-Zürich

2001 neues Atelier in Schnerkingen

bei Messkirch / Bodensee-Albregion,

BW


„Besinne dich doch:

wer verdarb je unschuldig,

wo wurden Gerechte vernichtet?

Soviel ich gesehen:

Die Unrecht säen, die ernten es auch.

Durch Gottes Odem verderben sie,

vom Hauch seines Zornes schwinden sie hin.“

Erste Rede des Eliphas/Erwiderung auf Hiobs Klage

Das Gleichnis vom Sämann und seine Deutung

Siehe, der Sämann ging aus, um zu säen. Und indem er säte, fiel etliches

auf den Weg, und die Vögel kamen und fraßen es auf. Andres

fiel auf den felsigen Boden, wo es nicht viel Erde hatte, und es ging

sogleich auf, weil es nicht tiefe Erde hatte; als aber die Sonne aufging,

wurde es verbrannt, und weil es nicht Wurzel hatte, verdorrte es. Andres

fiel unter die Dornen, und die Dornen wuchsen auf und erstickten

es. Noch anderes fiel auf den guten Boden und brachte Frucht,

etliches dreißigfältig. Wer Ohren hat, der höre!

Die Jünger traten herzu und sagten zu ihm: Warum redest du in

Gleichnissen zu ihnen? Er aber antwortete und sprach: Weil es euch

gegeben ist, die Geheimnisse des Reiches der Himmel zu erkennen,

jenen aber ist es nicht gegeben. Denn wer hat, dem wird gegeben

werden, und er wird Überfluss haben; wer aber nicht hat, dem wird

es genommen werden was er hat. Deshalb rede ich in Gleichnissen zu

ihnen, weil sie mit sehenden Augen nicht sehen und nicht verstehen.

Und es erfüllt sich an ihnen die Weissagung des Jesaja, welche sagt:

„Hören werdet ihr und nicht verstehen, und sehen werdet ihr und

nicht erkennen. Denn das Herz dieses Volkes ist verstockt und ihre

Ohren sind schwerhörig geworden und ihre Augen haben sie geschlossen,

damit sie nicht etwa mit den Augen sehen und mit den Ohren

hören und mit dem Herzen verstehen und sich bekehren und ich sie

heile.“

Selig aber sind eure Augen, weil sie sehen, und eure Ohren, wie sie

hören. Denn wahrlich, ich sage euch: Viele Propheten und Gerechte

haben begehrt, zu sehen, was ihr seht, und haben es nicht gesehen,

und zu hören, was ihr hört, und haben es nicht gehört.

So höret nun ihr das Gleichnis vom Sämann! Sooft jemand das Wort

vom Reiche hört und es nicht versteht, komm der Böse und raubt das,

was in sein Herz gesät ist. Dies ist der, welcher auf den Weg gesät ist.

Der aber [, bei dem der Same] auf den felsigen Boden gesät ist, das

ist der, welcher das Wort hört und es alsbald mit Freuden aufnimmt;

er hat jedoch keine Wurzel in sich, sondern ist ein Mensch des Augenblicks;

wenn aber um des Wortes willen Trübsal oder Verfolgung

entsteht, nimmt er alsbald Anstoß. Der aber [, bei dem der Same]

auf den guten Boden gesät ist, das ist der, welcher das Wort hört und

versteht; dieser bringt denn auch Frucht, und zwar trägt der eine hundertfältig,

der andre sechzigfältig, ein anderer dreißigfältig.

(Aus den Sieben Gleichnissen bei Matthäus (Kap. 12, 38-13, 11)

Um den 30. Juni 1888

Ich arbeite sogar mitten am Tage, mitten im Sonnenschein ohne jeden

Schatten, in den Kornfeldern, kreuzvergnügt wie eine Grille. Großer

Gott, wenn ich doch dieses Land mit fünfundzwanzig Jahren gekannt

hätte, statt mit fünfunddreißig herzukommen! In jener Zeit war ich für

Grau begeistert, oder richtiger für das Farblose, ich träumte immerfort

von Millet, und dann hatte ich in Holland Bekannte vom Schlag

der Maler Mauve, Israels usw. Da hast Du eine Skizze vom Sämann.

Weites umgepflügtes Gelände mit Erschollen, zum großen Teil frischweg

violett. Reifes Kornfeld in einem ockergelben Ton mit bisschen

Karmin.

Der Himmel chromgelb, fast ebenso hell wie die Sonne selbst, die

Chromgelb I mit ein wenig Weiß ist, während der übrige Himmel

Chromgelb I und II gemischt ist. Sehr gelb also.

Das Hemd des Sämanns ist blau und seine Hose weiß..

Im Gelände gibt es immer wieder Andeutungen von Gelb, neutrale

Töne, die aus der Mischung von Violett und Gelb entstehen; aber mit

der Wahrheit der Farbe habe ich es nicht so genau genommen. Vielmehr

will ich kindlich-schlichte Bilder machen wie in alten Kalendern,

alten Bauernkalendern, wo Hagel, Schnee, Regen, Schönwetter auf

eine ganz primitive Art dargestellt sind... Ich verhehle Dir nicht, dass

ich das Landleben durchaus nicht verabscheue, denn ich bin auf dem

Lande groß geworden – noch wie früher entzücken mich unvermutet

auftauchende Kindheitserinnerungen, Sehnsüchte nach jenem Unendlichen,

wofür Sämann und Garbe Sinnbilder sind.

(Vincent Van Gogh, Ein Malerleben. Der Künstler in seinen Briefen

an den Bruder Theo, an Freunde und Familie. Henschelverlag Kunst

und Gesellschaft, Berlin 1982)

Das Gespräch mit Antonius Conte führte Njezna Pivac

Dieser Beitrag erscheint in der Reihe "Herausforderungen der Seele"

von Njezna Pivac

©NOVALIS 2001

Der Säman,

Feder (Brief-Skizze)

Van Gogh,

November 1888


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