Schwester vom Fach - DRK-Schwesternschaft Berlin

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Schwester vom Fach - DRK-Schwesternschaft Berlin

© DRK-SCHWESTERNSCHAFT BERLIN

hedwig

NEWSLETTER

DER

DRK-SCHWESTERNSCHAFT

BERLIN E.V.

AUSGABE II/2011

Meilenstein in Backstein

Jubiläum: 20 Jahre DRK Kliniken Berlin | Westend Seite 14

Schwester vom Fach

Porträt: Diane Bedbur, Vorstandsmitglied Seite 25

Yes, we can

Erfolg: Die Kliniken und ihre vierte JCI-Zertifi zierung Seite 06


04

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08

10

inhalt

Geschlossene

Gesellschaft

270 Rot-Kreuz-Schwestern

kamen zur 38. Mitgliederversammlung

Willkommen

auf der Enterprise

In den DRK Kliniken

Berlin | Mitte befindet

sich Berlins modernster

OP-Saal

Yes, we can

Zum vierten Mal bestehen

die DRK Kliniken Berlin

die JCI-Prüfung

Mit Balgenkamera

und Melone

Eine Postkarte erzählt die

Geschichte von Otto Krüger

und dem Augusta-Hospital

Aufbau Ost um 1900

Clementine von Wallmenich

gründete die Schwesternschaft

Weißensee – im

Auftrag der Kaiserin

schwerpunktthema:

Meilenstein

in Backstein

20 Jahre DRK Kliniken Berlin

Westend: die Geschichte

einer Übernahme

14

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24

25

Das Westend-

Krankenhaus

107 Jahre Westend:

Vom Städtischen Krankenhaus

Charlottenburg zur

Berliner DRK Klinik

„Mehr als gelungen“

Ein Gespräch mit Oberin

Heidi Schäfer-Frischmann

über das Westend

„Das macht

einen stolz“

1991 bis 2011:

Drei Rot-Kreuz-Schwestern

erinnern sich

Auf die Breite

kommt es an

Adolf Muschg über

den Sinn des Lebens und

die Rolle der Kunst

Schwester

vom Fach

Diane Bedbur, Mitglied

im Vorstand der DRK-

Schwesternschaft Berlin

© HOLGER GROSS

Und es wurde Sommer

Seit 1993 hat es in Deutschland keinen so kühlen Sommer gegeben wie diesen.

Als die Schwesternschaft Anfang des Jahres mit der Planung ihres Sommerfestes begann,

konnte niemand ahnen, dass der Sommer 2011 zu kühl und zu nass werden würde.

Die Schwesternschaft hatte Glück, denn pünktlich zur Veranstaltung am 25. August kündigten

die Meteorologen eine Wetterberuhigung an. Noch in der Nacht zuvor war über Berlin eine

Gewitterfront mit Starkregen gezogen. Ein paar Stunden später hörte man nur noch ent-

ferntes Donnergrollen – das „Schwesternschaftssommerfest 2011“ wurde auch eines.

Alle zwei Jahre lädt die Schwesternschaft in die Mozartstraße ein, 2008 fand die letzte

Veranstaltung statt, die turnusmäßige im Jahr 2010 musste wegen der Krise ausfallen.

Um so mehr freute sich

Heidi Schäfer-Frisch-

mann, endlich wieder

zum Sommerfest ihre

Gäste begrüßen

zu dürfen – persönlich,

mit Handschlag; gut

dreihundert kamen

in die Zentrale der

DRK-Schwesternschaft.

Veranstaltungsort war der Garten hinter dem Apartmenthaus, der Weg vom Eingangstor

zu den Büros wurde zur „kulinarischen Meile“, hier hatte der Caterer das Büfett aufgebaut.

„Ein Sommerfest mit Gästen, mit Freunden der Schwesternschaft, mit treuen Weggefährten

und natürlich Mitarbeitern: das ist ein wichtiges Ereignis für uns“, so eröffnete die Gast-

geberin das Fest. Sie nutzte die Gelegenheit zum Dank, denn „in der schweren Zeit haben

wir erlebt, dass uns Viele ihr Vertrauen ausgesprochen haben und unterstützten“. Ihren

Gästen wünschte Oberin Heidi Schäfer-Frischmann einen entspannten und unterhaltsamen

Nachmittag. Den bekamen sie auch geboten: Der „King of Swing“ spielte auf, Andrej Hermlin.

Er kam mit einigen seiner Musikerkollegen vom Swing Dance Orchestra und spielte

Klassiker aus den dreißiger Jahren – Summerswing im Sommergarten.

editorial

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

„was wäre, wenn...“:

Solche Gedankenspiele über veränderte

geschichtliche Abläufe sind

beliebt – ich mag sie nicht. Was

wäre denn gewesen, hätten wir das

Westend nicht bekommen? Wäre dann

die Schwesternschaft eine ganz andere

geworden? Ja, vielleicht, die Entwicklung

der Schwesternschaft und ihrer

Einrichtungen hätte durchaus einen

anderen Verlauf genommen. Das

Endergebnis – unverzichtbarer

Gesundheitsversorger für die Region

zu sein, wie wir es heute sind – wäre

das gleiche, trotz der damals

drohenden Konstellation, Träger

von nur noch zwei Klinikstandorten

zu sein. Und gerade deshalb:

Wir können stolz sein auf unser

Westend, es ist Teil unserer Identität

und Geschichte – so wie Köpenick

und Mitte, das Park-Sanatorium,

die Wiegmann Klinik und natürlich

Mariendorf. Genau zwanzig Jahre

ist der Umzug vom Krankenhaus

Jungfernheide ins Westend nun schon

her, so schnell vergeht die Zeit.

Und auch das Jahr 2011 ist fast

vorbei: Ich wünsche Ihnen und Ihren

Lieben besinnliche Weihnachtsfeiertage

und uns allen einen guten

Start in das neue Jahr.

Ihre

Oberin Heidi Schäfer-Frischmann

Vorsitzende der DRK-Schwesternschaft

Berlin e.V.

NEWSLETTER DER DRK-SCHWESTERNSCHAFT BERLIN E.V. AUSGABE II/2011 03


© DANIEL FLASCHAR

hedwig

»Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann, was er will, sondern das er nicht tun muss, was er nicht will.« JEAN-JACQUES ROUSSEAU

Geschlossene Gesellschaft

Der Zusammenhalt der Schwesternschaft rung – für Jennifer Kirchner und Ralf Der Trend ist eindeutig, Pflegefachkräfte

ist spürbarer denn je, trotz oder gerade Stähler war es übrigens eine Premiere, sie sind gefragt und viele Gesundheits-

wegen der turbulenten Zeiten, die hinter nahmen das erste Mal an einer Mitgliederversorger spüren den Mangel. Nicht so

Verein und Kliniken liegen. „Wir dachten versammlung teil. „Ich weiß, dass unsere die DRK-Schwesternschaft Berlin: Zwar

damals, dass könne alles nur

Situation Sie alle sehr sieht die Oberin durchaus einen wachsen-

ein Missverständnis sein, das

belastet hat und manche den Bedarf an gut qualifizierten Pflege-

sich noch am gleichen Tag

noch immer belastet, personal, aber „wir steuern dagegen“:

aufklären würde“, erinnerte

trotzdem haben Sie sich mit dem schwesternschaftseigenen

sich Oberin Heidi Schäfer-

weiter wie bisher um Bildungszentrum zum Beispiel – „ich habe

Frischmann auf der Mit-

unsere Patienten geküm- immer an der Ausbildungseinrichtung

gliederversammlung im Mai.

mert, immer Rede und festgehalten“ – und der Abteilung Fort-

270 Mitglieder waren gekom-

Antwort gestanden“. und Weiterbildung. Neue Kurse bieten

men, wie jedes Jahr begrüßte

Oberin Schäfer-Frisch- „BiZ“ und „F&W“ an, „damit verschaffen

sie die Schwestern am Einmann

lobte die großartige wir uns einen Wettbewerbsvorteil“.

gang zum Konferenzraum im

Leistung ihrer Kollegen: Und auf die Frage, wie die qualifizierten

Hotel Steglitz International.

„Sie haben sich äußerst Pflegekräfte im Unternehmen gehalten

Die Vorfälle vom Juni und

professionell verhalten“, werden können, verweist die Oberin

Oktober 2010 waren das

trotz negativer Berichter- auf die Satzung: „Wir binden sie ein

Thema dieser 38. Mitgliederversammlung. stattung in den Medien habe es keinen durch „mitgestalten – mitbestimmen –

Für die Vorsitzende der Schwesternschaft Rückgang der Patientenzahlen gegeben. mitverantworten“.

bot die Veranstaltung die Gelegenheit, sich Dem Rechenschaftsbericht fügt die Oberin

zu bedanken: bei allen Mitgliedern, dem auch immer einen Fachvortrag an, diesmal

Vorstand und der Kliniken-Geschäftsfüh- zum Thema „Fachkräfte“.

In Mitte baute die Schwesternschaft Berlins modernsten OP-Saal

Willkommen auf der Enterprise

An ein Raumschiff muss der Bürgermeister denken, wenn er ein Foto vom neuen Hybrid-OP sieht, „der erinnert

mich sehr an die Enterprise 4“. Christian Hanke ist Bezirksbürgermeister von Mitte, „dem einzigen Stadtbezirk,

der kein Vivantes-Krankenhaus hat“.

Aber in Mitte sind dafür die DRK Kliniken

Berlin, zur Drontheimer Straße hat die

DRK-Schwesternschaft Berlin eine über

hundert Jahre andauernde Beziehung,

erklärt Oberin Heidi Schäfer-Frischmann,

denn „wo sich heute die DRK Kliniken

Berlin | Mitte befinden, war damals eines

der ersten Einsatzgebiete der Rot-Kreuz-

Schwestern: die Heimstätte der Wöchnerinnen“.

Und hier steht nun auch der

modernste OP-Saal der Stadt, der an

diesem 14. Mai mit einer Festveranstaltung

eröffnet wird. Dass es hätte anders kommen

können, auch daran erinnert die

Oberin, „vor nicht einmal zwanzig Jahren

haben wir noch gegen die Schließung

dieses Krankenhauses gekämpft“ – mit

Erfolg. „Mitte“ – oder „Dronte“, wie viele

Mitarbeiter ihre Einrichtung nennen – ist

nicht nur ein Kiezkrankenhaus geblieben:

in seinen Schwerpunktzentren werden

Patienten aus allen Ecken der Bundesrepublik

betreut, „hier gibt es Regionalversorgung

und überregionale Versorgung“,

ergänzt Bürgermeister Hanke und

spricht von vielen guten Erfahrungen,

die er mit den freien Trägern seines

Bezirkes gemacht habe. Hanke ist nicht

der einzige Politiker, Berlins Gesundheitssenatorin

Katrin Lompscher will ebenfalls

unbedingt bei der Eröffnungsfeier dabei

sein wie auch die frühere Bundesgesundheitsministerin

Andrea Fischer. Denn

die Spitzen aus Landes- und Bezirkspolitik

wissen um die Bedeutung dieses neu

eröffneten Gebäudeteils. Zehn Millionen

Euro hat der gesamte OP-Bereich gekostet;

© DANIEL FLASCHAR

eine Investition, die sich nicht nur für die

Schwesternschaft gelohnt hat. „Ich bin

überzeugt, dass auch Sie mit dem Ergebnis

zufrieden sein werden“, meint Oberin

Heidi Schäfer-Frischmann in Richtung

Politik. Und die ist es, Christian Hanke

bedankt sich bei der DRK-Schwesternschaft

Berlin „für diese mutige Investitionsentscheidung“.

Was einige der Gäste erst

später, beim Rundgang durch den Neubau

erfahren: operiert wird hier bereits seit

drei Wochen, den Umzug vom alten

in den neuen OP organisierten die Mitarbeiter

über Ostern. Am 26. April wurde

im „Saal 3“der erste Patient operiert, ein

17-Jähriger mit Hauttumor. Eine „Vorfuß-

Wundrevision“ ließ sich der erste Patient

des OP-Saal 2 behandeln. Den Hybrid-Saal

nutzten Chefarzt Peter Dollinger

und Kollegen erstmals am 11. Mai,

für eine Gefäßoperation.

Einen Tag später dann eine etwas

größere OP mit allererstem Aorta Sten:

beschichtete Gefäßstützen wurden in die

Leistenschlagader des Patienten eingesetzt.

Bei beiden OPs kam die neue Hybrid-

Technologie zum Einsatz – diagnostische

Untersuchungen und chirurgische

Eingriffe können die Gefäßspezialisten

nun parallel vornehmen. Und die müssen

nicht nur Experten ihres medizinischen

Fachgebietes sein, auch Fingerspitzengefühl

und Computerkenntnisse sind für

die Arbeit unerlässlich. Der Röntgentisch

im Hybrid-OP, auf dem die Patienten

liegen, ist drei Meter lang, er kann gekippt

und verschoben werden. Dazu kommt das

Durchleuchtungsgerät – hochauflösend

und flexibel steuerbar – „Hightech pur“,

sagt Heidi Schäfer-Frischmann. Und von

der – so die Oberin – „werden alle

Bürgerinnen und Bürger profitieren“.

NEWSLETTER DER DRK-SCHWESTERNSCHAFT BERLIN E.V. AUSGABE II/2011 05


Yes, we can Vier

Mitarbeiter hatte die US-amerikanische

„Joint Commission International“

Ende Oktober nach Deutschland geschickt

– die DRK Kliniken Berlin sollten sie prüfen.

Nach zwei Wochen stand ihr Ergebnis fest:

„Sie können relaxen“, die „Surveyer“ hatten

der JCI-Zentrale in Übersee empfohlen,

den Kliniken das Prüfungszertifikat

auszustellen. Die mussten dann nur noch

die gesammelten Daten auswerten – ihr

Ergebnis: Prüfung bestanden, die Kliniken

der DRK-Schwesternschaft haben die

Zertifizierung geschafft. Es ist damit die

mittlerweile vierte: 2002 erhielten die

DRK Kliniken Berlin als erster deutscher

Krankenhausverbund die Akkreditierung

der Joint Commission; die Einrichtungen

der DRK-Schwesternschaft Berlin hatten

nachgewiesen, dass sie auch internationale

Standards erfüllen. 2005 wurde dieser

Erfolg wiederholt, vor drei Jahren gelang

den Kliniken die bislang letzte Zertifizierung

durch die Amerikaner. Die Zertifizierung

gilt in der Branche als überaus

anspruchsvolles Verfahren. Besonders

genau prüfen die Surveyer die Sicherheit

der Patienten und wie diese in ihre Behandlung

einbezogen werden. In den Kliniken

der Schwesternschaft kontrollierten die

JCI-Mitarbeiter sechs, von der Commission

hedwig

»Wir sind verantwortlich für das, was wir tun, aber auch für das, was wir nicht tun.« VOLTAIRE

DRK Kliniken Berlin

erneuern das Zertifikat

// FOTOS VON WOLFGANG BORRS

definierte Patientenziele: die korrekte

Identifizierung des Patienten, eine

verbesserte Kommunikation mit ihm,

die Sicherheit im Umgang mit potenziell

gefährlichen Medikamenten, die Vermeidung

von Eingriffsverwechslungen,

die Verringerung der Sturzgefahr und

schließlich die Minderung des Risikos,

sich im Krankenhaus zu infizieren.

In den zwei Wochen bei den DRK

Kliniken Berlin haben die JCI-

Prüfer hier „viele exzellente

Beispiele für die gute medizinische

und pflegerische Versorgung

erlebt“. Oberin Heidi

Schäfer-Frischmann ist mit dem

Ergebnis mehr als zufrieden,

die Joint Commission ist für sie

„der Rolls-Royce unter den vielen

Qualitätsmerkmalen, die wir

haben“. Ein Kompliment, das

die Prüfer gern zurückgaben:

„Wenn wir krank geworden

wären, wäre es mehr als okay

gewesen, in eines Ihrer Krankenhäuser

eingeliefert zu werden“.

Gut drei Wochen brauchten

die Kollegen der JCI-Zentrale

für ihre Datenanalyse, dann

bekam die Kliniken-Geschäftsführung

Post aus Illinois, in

dreifacher Ausführung teilte

die Joint Commission dort mit:

Die Einrichtungen der Schwesternschaft

sind reakkreditiert. Die DRK Kliniken

Berlin bleiben damit deutschlandweit

der einzige Klinikenverbund,

der mit dem JCI-Zertifikat werben darf.

Im Januar bringen die JCI-Verantwortlichen

den Kliniken ihre Zertifizierungsurkunde

persönlich vorbei.

NEWSLETTER DER DRK-SCHWESTERNSCHAFT BERLIN E.V. AUSGABE II/2011 07


hedwig

»Lache und die Welt lacht mit dir, weine und du weinst allein« ELLA WHEELER WILCOX

In zwei Ausstellungsräumen wird die Geschichte der DRK-Schwesternschaft Berlin erzählt, dabei trennt das

Jahr „1945“ beide nicht nur inhaltlich, auch räumlich markiert es eine Grenze – das Ende und einen Neuanfang.

Das Zimmer links behandelt die Epoche von 1875 bis zum 8. Mai 1945. An seinem hinteren Ende hängt ein Bild,

mitten im Raum: Richtung linker Wand zeigt es eine Gruppenaufnahme von Waldemar Titzenthaler,

auf der anderen Seite sieht man ein Gebäude: das Kaiserin-Augusta-Hospital.

Mit Balgenkamera

und Melone

© CHRISTIAN SCHULZE (1) / ARCHIV DRK-SCHWESTERNSCHAFT BERLIN (3)

Otto und die drei Damen vom Hospital

Otto Krüger war Fotograf, in Alt-Moabit 131 befand sich vor

hundert Jahren sein Atelier; das Wohn- und Geschäftshaus

wurde im Krieg schwer beschädigt, heute ist hier eine Fachhand-

lung für „Arbeitsschutz und Gummiwaren“. Bis zum Kaiserin-

Augusta-Hospital hatte es der Fotograf nicht weit, es waren nur

zehn Minuten Fußweg. Krüger fotografierte das Krankenhaus

einige Male. Die Aufnahme, die in der Ausstellung gezeigt wird,

entstand zwischen 1898 und 1901. Drei Krankenschwestern

sind auf dem Foto zu sehen – und ein Mann, der sich mit einer

der Frauen unterhält: Es ist Otto Krüger, der Fotograf selbst.

Die Voreinstellungen an seiner „Balgenkamera“ hat er persönlich

übernommen: mit der Zahnstange verschob er punktgenau

Objektiv- und Filmstandarte gegeneinander, alles musste präzise

aufeinander abgestimmt werden. Die Kamera wird dann der

Gehilfe ausgelöst haben, alle Anderen hatten sich für Sekunden

nicht zu bewegen, nur Schwester Adelheid von Kall schien von

einer „Fotosession“ nichts gewusst zu haben – rechts sieht man

sie aus der Tür kommend. Die beiden anderen Schwestern waren

Jenny von der Knesebeck – sie sitzt auf der Bank links am Eingang

– und Helene von Massenbach, die sich mit dem Fotografen

unterhält – eine gestellte Szene. Die Namen der fotografierten

Personen wurden auf einer Postkarte notiert; von wem,

ist nicht überliefert. Diese Karte diente als Vorlage für das

über zehn Mal größere Ausstellungsexponat aus Canvas,

einem mit Leinen bespannten Keilrahmen.

„Herz“ der Schwesternschaft

Zum Kaiserin-Augusta-Hospital hat die Berliner DRK-Schwesternschaft

eine besondere Beziehung. Das Krankenhaus wurde

zwischen 1869 und 1870 für den „Berliner-Frauen-Lazareth-

Verein“ gebaut. Die Schirmherrschaft übernahm dessen Namensgeberin,

Kaiserin Augusta. Der zweigeschossige Backsteinbau

stand auf einem vom Kriegsministerium überlassenen Grundstück

an der Scharnhorststraße,

im Norden des Invalidenparks.

Kurz nach der Fertigstellung

erhielt Hedwig von Rittberg von

der Kaiserin das Angebot, Oberin

des Krankenhauses zu werden;

sie zögerte – „ich würde es für

ein Unrecht halten, bei meiner Unkenntnis das Amt zu übernehmen,

weil ich dem Hospital mehr Schaden als Nutzen bringen

könnte“ –, willigte dann aber doch ein. Nach drei Jahren trat

die Gräfin zurück, Probleme mit den Mitarbeitern waren

wohl der Grund. Der 2. Februar 1891 war für vier Schwestern

vom „Märkischen Haus“ der erste Tag am Augusta-Hospital:

Die Einrichtung sollte später die wichtigste Ausbildungsstätte

der Rot-Kreuz-Schwesternschaft sein – und ihr Mutterhaus

beherbergen. Nach dem Ersten Weltkrieg übernahm das Märkische

Haus komplett die Klinikleitung, alle Augusta-Schwestern

– so wohl auch Adelheid von Kall, Jenny von der Knesebeck

und Helene von Massenbach – bekamen ein neues Mutterhaus,

ihre Tracht und die Bezeichnung „Augusta-Schwester“ durften

sie behalten. In der Nachkriegszeit und vor allem während der

Inflation hatte die Schwesternschaft vom Märkischen Haus mit

schweren wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen, die durch

ständige Reform der Vereins- und Krankenhausstrukturen

gelöst werden konnten. Im November 1943 wurde

das Augusta-Hospital von Bomben schwer getroffen.

Wie durch ein Wunder wurde keine Schwester

verletzt, der Sachschaden jedoch war enorm.

In der Nacht zum 30. April 1945 besetzen Rotarmisten

das Krankenhaus, die Märkischen Schwestern

arbeiteten auch dann noch unver-drossen

weiter und versorgten die vielen Verwundeten und Kranken.

Wenige Wochen nach dem Krieg waren die größten Kriegsspuren

beseitigt und der Krankenhausbetrieb konnte halbwegs

normal weiter gehen. Die Märkischen Schwestern waren

optimistisch – bis die Sowjetische Militäradministration das

Deutsche Rote Kreuz verbot und damit den Schwestern ihre

Arbeitsgrundlage entzog; sie mussten das Gebäude räumen.

Die Charité erhielt nun als Ersatz für ihre von der Militärkommandantur

beschlagnahmte Strahlenklinik das Augusta-

Hospital, 1948 zog die Orthopädie ein. Der komplette Wiederaufbau

sollte sich bis weit in die sechziger Jahre hinziehen,

historisch restauriert wurde das Klinikgebäude nie. 1982 wurde

das Augusta-Krankenhaus in einen Bürokomplex umgewandelt,

seit 1995 steht er leer. Im Jahr 2007 wollte ein Investor das Areal

sanieren und in ein Hotel umwandeln, aber es blieb nur ein Plan.

Vor einem Jahr kaufte ein Medizintechnik-Unternehmen aus

Süddeutschland das ehemalige Kaiserin-Augusta-Hospital.

Wenige Tage nach dem Auszug der Märkischen Schwestern schrieb

Marie-Luise Laspeyres als Erinnerung an diesen schweren Schlag:

„Und wenn das Schicksal dann auch so hart mit ihm umging, dass

es aufgehört hat zu existieren, so doch niemals in den Herzen von uns

Märkischen Schwestern. Es wird in uns fortleben als eine unvergessliche

Heimat, die in unser Leben unendlich viel begleitende Arbeit,

Liebe, Fürsorge und Segen gebracht hat.“

Schwesternschaftsjahre

Schwesternschaftsjahre

Schwesternschaftsjahre

S

18

75

BIS HEUTE

Schwesternschaftsjahre 1875

bis heute. Die Ausstellung der

DRK-Schwesternschaft Berlin

in den DRK Kliniken Berlin | Westend, Haus S,

Eingang Nord, Zugang über Spandauer Damm 130

oder Fürstenbrunner Weg.

Weitere Informationen zur Ausstellung

finden Sie im Internet unter

www.drk-schwesternschaft-berlin.de

NEWSLETTER DER DRK-SCHWESTERNSCHAFT BERLIN E.V. AUSGABE II/2011 09


© ARCHIV DRK-SCHWESTERNSCHAFT BERLIN

hedwig

»Leben lässt sich nur rückwärts verstehen, muss aber vorwärts gelebt werden.« SÖREN AABYE KIERKEGAARD

Clementine von Wallmenich (1849 bis 1908), Oberin der Schwesternschaft Weißensee

Aufbau Ost um 1900

„Den starken, freudigen Arbeitsgeist neben der echten Atmosphäre

des Schwesternberufs anwurzeln zu lassen“, im typisch verqueren Tenor

des 19. Jahrhunderts ließ Kaiserin Auguste Viktoria diese Anweisung

formulieren: die Kaiserin wünschte sich für Weißensee eine Rot-Kreuz-

Klinik inklusive Schwesternschaft; Clementine von Wallmenich schien

für sie die einzig Geeignete, die ein solches Projekt umsetzen konnte.

Quer durch das Königreich Bayern

Clementine von Wallmenich wurde am

14. Juni 1849 in München geboren. Sie war

das erste Kind von Karl und Regine von

Wallmenich, später kamen noch vier

Geschwister hinzu. Der Vater war Jurist,

stammte aus Augsburg, die Mutter kam

aus Nürnberg. Ihre Ehe war eine „ökumenische“:

Offiziell nahm Vater Karl

den evangelischen Glauben seiner Frau an,

der Katholizismus sollte dennoch weiterhin

eine große Rolle spielen. Diese religiöse

Toleranz bestimmte so auch die Erziehung

der fünf Kinder. Ein Jahr nach Clementines

Geburt zog die Familie um, es sollte nicht

der einzige Ortswechsel bleiben: In nicht

einmal zehn Jahren änderten von Wallmenichs

sechs Mal ihre Wohnanschrift –

München, Erding, Landshut, Deggendorf,

Bamberg, Augsburg; der Vater fand immer

wieder eine neue Anstellung, in Augsburg

wurde er zum Oberstaatsanwalt berufen.

18 Jahre alt war da seine älteste Tochter,

und hier in der Fuggerstadt kam es zu

ihrer ersten Begegnung mit dem Roten

Kreuz, mit 20 trat sie dem „Bayerischen

Frauenverein vom Roten Kreuz“ bei.

In Augsburg sollte die Familie nicht lange

bleiben, wieder zogen sie um, zurück

nach Bamberg. Tochter Clementine blieb

im Haushalt der Eltern, hier konnte sie

sorgenfrei leben und sich ihren Interessen

widmen. Und dazu gehörte vor allem ihre

Arbeit für den Frauenverein, 1881 wählte

man sie in den Kreisausschuss Oberfranken,

kurze Zeit später absolvierte sie eine

Ausbildung zur freiwilligen Schwesternhelferin.

Sie fand großen Gefallen an ihrer

Arbeit, ihr Einsatz sprach sich herum.

Clementine von Wallmenich wurde

„Vorsitzende von 64 Damen“, für ihre

„Beaufsichtigung der städtischen Kostkinder“

ehrten sie später Magistrat und

Frauenverein. Jede ihrer Tätigkeiten war

ehrenamtlich, für Damen ihres gesellschaftlichen

Standes war das vollkommen

normal. Sie hatte viel Zeit, sie lernte

Sprachen, reiste viel. Als erste Deutsche

bestieg sie 1893 Europas höchsten Berg,

den Mont Blanc.

Sparfuchs und Systemreformerin

1893 bekam die „Pflegerinnenanstalt des

Bayerischen Frauenvereins vom Roten

Kreuz“ in München

erstmals eine

Oberin, Prinzessin

Ludwig von Bayern

betraute Clementine

von Wallmenich

mit dieser

Aufgabe. Der

Verein steckte in

Schwierigkeiten: Viele Außenstationen

wurde von München aus betreut, in der

Isarmetropole selbst arbeiteten die

Pflegerinnen in der Uni-Klinik und im

eigenen Krankenhaus. Aber die Entwick-

lung stagnierte, von der neuen Oberin

versprach sich die königliche Hoheit

als Protektorin mehr Schwung. Die setze

erstmal den Rotstift an, prüfte jede Ausgabe:

„Ich ließ einmal, als ich vor Tisch auf

meinem Zimmer war, das Licht brennen.

Sie (Oberin von Wallmenich – d.Red.) kam

nach Hause, sah es von draußen, und zwei

Tage musste ich auf dem Erker allein

essen“, erinnerte sich eine Schwester an

den bisweilen pedantischen Sparwillen

ihrer Oberin. Deren Änderungen gingen

tatsächlich noch viel weiter, sie reformierte

die Schwesternschaft von Grund

auf und verpasste ihr professionelle,

Das Städtische Krankenhaus Weißensee (1985)

moderne Strukturen. Auf Mitbestimmung

legte sie dabei großen Wert wie auch auf

die materielle Absicherung ihrer Mitschwestern:

Sie richtete eine Pensionskasse

ein und ließ ein Erholungsheim bauen.

Und sie merkte, wie sehr die Persönlichkeit

einer Oberin die Entwicklung der

Schwesternschaft bestimmt: Eine Oberin

muss fachlich geschult sein, nur dann

habe ihre Arbeit Erfolg. Clementine von

Wallmenich initiierte daher die Gründung

einer Oberinnenschule, der ersten

in Europa überhaupt.

Spreeathen statt Alpenglühen

Selbst im fernen Preußen sprach sich dieses

Engagement herum, die Kaiserin holte

die erfolgreiche Oberin nach Berlin, hier

sollte sie mit zwei Münchner Kolleginnen

das Mutterhaus Weißensee aufbauen und

ein Krankenhaus einrichten, „ein vortreffliches

Gemeinde- und Kreiskrankenhaus“

lobten vier Monate später Honoratioren

aus Weißensee. Die Oberin musste aber

zugeben, dass die Herausforderung ihr alles

abverlangt hatte, trotzdem erledigte sie

auch diesen Job mit gewohnt großer

Begeisterung: „Mir ist das Schönste im

Leben, dass es mir vergönnt ist, das, was

ich im Süden des Reiches erprobt habe,

hier im Norden lehren zu dürfen! Daheim

in meinem lieben, schönen teuern

Mutterhaus schauen die Alpen in die

Fenster, die Zugspitze winkt herüber, und

doch stehe ich als in vollkommener

geistiger Heimat hier in der Hauptstadt

des Reiches. Ist das nicht herrlich, macht

das nicht starkgemut auch in Schwierigkeit

und Mühe und Arbeitslast!“ Ein Jahr

blieb Clementine von Wallmenich in

Berlin-Weißensee. Kurz nach ihrer Rückkehr

erwartete sie eine böse Überraschung:

Das Pflegekomitee kündigte ihren Vertrag,

die Oberin reagierte geschockt – sie wurde

Opfer einer Rufmordkampagne und alten

Zwistes verfeindeter Adelsfamilien.

Aber sie fand neue Herausforderungen,

wurde dann Oberin im Zentralkomitee

der Deutschen Vereine vom Roten Kreuz,

dazu Ausschussmitglied im Verband

Deutscher Krankenpflegeanstalten – und

zur offiziellen Beraterin der Mutterhäuser

ernannt. 1905 versuchte sie sich als

Designerin und entwarf das „hygienischrichtige

Kleid für die Krankenpflege“,

das – als Reichspatent angemeldet – zur

Tracht aller Rot-Kreuz-Schwestern wurde.

Drei Jahre später nahm sie den „sehr

ehrenvollen Auftrag einer Inspektions-

und Informationsreise an, zunächst nach

den Kolonien Togo und Kamerun“, dort

sollte sie nicht nur die Arbeitsbedingungen

von Rot-Kreuz-Schwestern untersuchen,

sie selbst wollte sich auch über die

Lage der Frauen in anderen Ländern

informieren. 59 Jahre alt war Oberin von

Wallmenich, als sie sich via Hamburg

nach Westafrika einschiffte. Auf der Fahrt

zurück in die Heimat erkrankte sie an

Typhus, am 14. Juli 1908 verstarb

Clementine von Wallmenich.

Im Jahr 1953 beschlossen die Mitglieder

der „Schwesternschaft Niederbayern-

Oberpfalz vom Bayerischen Roten

Kreuz“ sich umzubennen in „Schwesternschaft

Wallmenich-Haus vom

Bayerischen Roten Kreuz e.V.“

(Zitate entnommen aus:

Sigrid Schmidt-Meinecke „Clementine

von Wallmenich – Leben und Vermächtnis

einer bedeutenden Frau“,

München 1991)

In der Reihe „Oberinnen im Porträt“

sind bereits erschienen:

Elsbeth von Keudell (hedwig I/2007)

Anna Maria Luise Scheld (hedwig II/2007)

Rose Zirngibl (hedwig I/2008)

Hedwig von Rittberg (hedwig II/2008)

Hertha Janke (hedwig I/2009)

Cläre Port (hedwig II/2009)

Gerda von Freyhold (hedwig I/2010)

Alexandrine von Üxküll-Gyllenband (hedwig II/2010)

Ehrengard von Graevenitz (hedwig I/2011)

NEWSLETTER DER DRK-SCHWESTERNSCHAFT BERLIN E.V. AUSGABE II/2011 11

© ARCHIV SCHWESTERNSCHAFT MÜNCHEN (2)


© DRK-SCHWESTERNSCHAFT BERLIN

hedwig

»Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist.« HENRY FORD

Ab in den Urlaub Letztes Jahr auf dem Archehof „Gut Falkenhain“, diesen Sommer nun

Ruderer mit Brosche

Vor zwei Jahren schickte die DRK-Schwesternschaft Berlin

das erste Mal ein Boot auf den Wannsee, damals holte

das Ruderinnenteam Silber – trotz „Rollsitzklemmers“.

Bei „Rund um Wannsee 2011“ unterstützte die Schwesternschaft

jetzt einen Männer-Achter plus Steuerfrau:

Aber auch diesmal kam das Team nicht als Erste ins Ziel,

„RaW & Friends“ schafften es aber dennoch auf das

Treppchen und holten die Bronzemedaille in ihrer

Rennkategorie. Etwas mehr als eine dreiviertel Stunde

hatten die acht Ruderer für die Rundfahrt um Berlin-

Wannsee gebraucht, damit war „RaW & Friends“-Boot

nur um Sekunden langsamer als die beiden Besserplatzierten.

Mit einer Rennstrecke von fünfzehn Kilometern

zählt „Rund um Wannsee“ zu den schwersten Ruderrennen

weltweit – sieben Seen müssen die Sportler

überqueren. Jedes Jahr am 3. Oktober veranstaltet

der Berliner Ruder-Club die Langstreckenregatta, dieses

Jahr war es eine Jubiläumsveranstaltung: zum zehnten

Mal fand „Rund um Wannsee“ statt.

in der Europäischen Jugenderholungs- und Begegnungsstätte am Werbellinsee: Mit Hilfe der DRK-Schwesternschaft Berlin

konnten Kinder der KJP wieder ein paar Tage ihrer Sommerferien außerhalb Berlins verbringen. 18 Kinder waren es,

die im Juli mit ihren Betreuern Richtung Schorfheide reisten. Baden im

Werbellinsee, Paddeltouren mit dem Kanu, Wandern durch Wald und

Moor, abends Grillen und Stockbrotbacken am Lagerfeuer: die drei Tage

waren für die Kinder kurzweilig und abwechslungsreich. „Danke,

dass Sie den Kindern und auch uns diese wunderbare Fahrt ermöglicht

haben“, bedankte sich die Pflegerische Abteilungsleitung der Kinderund

Jugendpsychiatrie, Bärbel Zeran, bei der Schwesternschaft

für deren Unterstützung.

In eigener Sache

Zum vierten Mal haben die Surveyer unsere Kliniken geprüft:

reine Routine, da kann uns nichts mehr überraschen – könnte

man meinen. Aber das war es überhaupt nicht, die Zertifi-

zierung war alles andere als „normal“: Die Anspannung war

ungleich größer als bei dem Besuch der Joint Commission vor

drei Jahren. Die Frage, die wir uns alle gestellt haben: Welche

Auswirkungen hatte die Krise von 2010 tatsächlich? Der JCI-Survey war ein Lack-

mustest. Die DRK Kliniken hatten sich wieder einem durch und durch unabhängigen

Kontrollgremium zu stellen; nun sollte sich zeigen, wie es mit unseren Kliniken

weiter geht. Sie können sich bestimmt vorstellen, wie groß unsere Erleichterung

war, als die Surveyer uns schon an den letzten Prüfungstagen „leise“ zu ver-

stehen gaben: „Sie können entspannt sein, es sieht ganz gut aus“. Und als dann

Mitte November endlich die offizielle Bestätigung kam, da war die Freude

natürlich riesig. Was heißt diese Zertifizierung nun übertragen auf die komplexe

Situation im Unternehmen? Eigentlich nichts anderes, als dass die Versorgung

unserer Patienten von der Krise unbeeinflusst blieb, dass sie – im Gegenteil –

sogar eine weitere Steigerung erfahren hat. Dies ist für mich ein großartiger

Erfolg: Für Ihren Beitrag daran bedanke ich mich, dies auch im Namen der

Geschäftsführung der DRK Kliniken Berlin. Der aktuelle Survey ist damit auch

als Aufarbeitung zu verstehen, die längst noch nicht abgeschlossen ist; sie wird

uns wohl noch einige Monate beschäftigen, vielleicht sogar Jahre. Wir als Ver-

antwortliche von Schwesternschaft und Kliniken sind selbstverständlich sehr daran

interessiert, wir unterstützen und kooperieren vollumfänglich – die zuständigen

Behörden haben sich mehrmals lobend über unseren Einsatz geäußert. In diesem

Zusammenhang freut es mich Ihnen mitteilen zu dürfen, dass Staatsanwaltschaft

und Polizei sämtliche Ermittlungen gegen mich eingestellt haben: Ich sehe damit

nicht nur meine Person, sondern vor allem das Amt einer Oberin als rehabilitiert

an. In den genau fünfzehn Jahren, in denen ich die DRK-Schwesternschaft Berlin

als Vorsitzende führe, waren diese vergangenen achtzehn Monate mit Abstand

am entbehrungsreichsten; und ich weiß, nicht nur für mich. Im nächsten

Jahr stehen eine Reihe von Veränderungen an, neue und bekannte Gesichter

in verantwortungsvollen Positionen wird es geben – und das sind dann

tatsächlich „normale“, weil von uns gewünschte Veränderungen.

// Oberin Heidi Schäfer-Frischmann

Zuwachs chs

Ordentliche Mitglieder

der DRK-Schwesternschaft

seit dem 1. Juli 2011:

DRK Kliniken Berlin

Köpenick

Diesner, Constanze (1. Juli)

Pfeiffer, Josephine (1. August)

Junghans, Nicole (1. August)

Gast, Anja (1. September)

Hoffmann, Jenny (1. September)

Böhme, Selda (1. September)

Latussek, Melanie (1. Oktober)

Augustinski, Philine (12. Oktober)

Diehl, Tatjana (1. November)

Steinick, Alexandra (1. November)

Mitte

Dietrich, Franzisca (15. Mai)

Richter, Nadine (24. Juni)

Park-Sanatorium Dahlem

Linke, Maria (16. Mai)

Westend

Heidtmann, Maxie (1. Juni)

Lindner, Jenny (1. August)

Weck, Tanja (1. September)

Fiedler, Tanja (1. Oktober)

Herforth, Sophie Anna (1. Oktober)

Ahrens, Mareike (1. Oktober)

von Thienen, Sandra (1. Oktober)

Kaeks, Anne (1. Oktober)

Dietrichkeit, Maria (1. November)

Schade, Charleen (1. November)

Hanschke, Nadine (1. November)

NEWSLETTER DER DRK-SCHWESTERNSCHAFT BERLIN E.V. AUSGABE II/2011 13


hedwig

»Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen« ARISTOTELES

Seit genau zwanzig Jahren ist das Westend-Krankenhaus bei der Schwesternschaft

Meilenstein

in Backstein

Fährt man auf der A100 Richtung Süden, dann überrascht rechts, kurz hinter dem Dreieck Charlottenburg

die etwas andere Skyline aus vielen Türmchen – es sind die „Dachreiter“ der alten Gebäude der

DRK Kliniken Berlin | Westend, verkleidete Rohre für das Entlüftungssystem des historischen Krankenhausteiles.

Nicht zu übersehen ist auch ein fast vier Meter hohes, rotes Kreuz mit blauem Rand – auf dem Krankenhaushochhaus

– der „Kopfklinik“ – zeigt es, wem dieses Areal gehört.

Das Westend-Krankenhaus nach Fertigstellung des Hochhauses (1971)

Seit dem 1. Oktober 1991 ist

Rittberg-Krankenhaus wurde

die DRK-Schwesternschaft

Aufschub gewährt. Aber auch

Berlin Träger der Charlotten-

über das Westend-Krankenhaus

burger Klinik. Dabei hätte es

gab es eine Mängelliste: Die

auch anders kommen können,

Freie Universität, die das Areal

im „Jahr 1“ der deutschen Ein-

bewirtschaftete, hatte Ende der

heit stand der Verein kurz vor

siebziger Jahre ein Sanierungs-

seinem Aus. Zwei seiner vier

konzept ausgearbeitet, der Senat

Einrichtungen, das Jungfern-

ergänzte die mit eigenen Aufheide-Krankenhaus

in Charlotlagen.

Auf eine halbe Milliarde

tenburg-Nord und die Ritt-

DM, also rund 256 Millionen

berg-Klinik in Lichterfelde-Süd,

Euro, summierten sich die

sollten ihre Arbeit einstellen.

Kosten. Diese Mängelliste kur-

Der Senat hatte die Schließung

sierte als internes Arbeitspapier,

der beiden DRK-Krankenhäuser schon Dort hielt man sich jedoch bedeckt und Oberin Rohr kannte es nicht. Der CDU-

in den achtziger Jahren geplant, die zögerte mit der Freigabe von Investitionsgeführte Senat wollte freie, gemeinnützige

gewaltigen Kosten für die längst übermitteln. Später, bei einer eher inoffiziellen Träger für das Westend. Die Schwesternfällige

Sanierung konnten das Land und Zusammenkunft in der Senatsverwaltung, schaft signalisierte Interesse, aus unver-

auch die Schwesternschaft nicht stemmen. teilte man Oberin Christa Rohr die

bindlichen Gesprächen wurden offizielle

Es war so nur noch eine Frage der Zeit, bis Planänderung mit: Die Schwesternschaft Verhandlungen. Im März 1989 verlor die

die Berliner Schwesternschaft „Jungfern- schließt Jungfernheide und Rittberg, dafür CDU jedoch überraschend die Wahlen zum

heide“ und „Rittberg“ aufgeben musste. bekommt der Verein das renommierte Abgeordnetenhaus, die Sozialdemokraten

Ursprünglich wollte die Schwesternschaft Westend-Krankenhaus – wenn vorerst nur übernahmen mit der Alternativen Liste

spätestens 1985 mit den Umbauten

das Hochhaus, in das dann die Jungfernhei- die Regierungsverantwortung für Berlin

beginnen, der Senat hatte vom Verein de einzieht. Denn die Klinik am Tegeler und das wirkte sich aus auf die laufenden

vorab eine Mängelliste bekommen:

Weg sollte als erste schließen, dem

Verhandlungen zwischen Schwestern-

NEWSLETTER DER DRK-SCHWESTERNSCHAFT BERLIN E.V. AUSGABE II/2011 14

© DANIEL FLASCHAR

schaft und Verwaltung. Die rot-grüne

Koalition favorisierte einen kommunalen

Träger für das Westend, die Schwesternschaft

war plötzlich kein geeigneter

Kandidat mehr und geriet in eine bedrohliche

Situation: Sollte sich die Politik

mit ihrem geänderten Plan durchsetzen,

so blieben dem Verein nur das DRK-Krankenhaus

Mark Brandenburg mit seinen

Standorten „Mariendorf“ und „Drontheimer

Straße“. Die Geschäftsführung der

„Krankenhaus GmbH“ mit Heidi Schäfer-

Frischmann, Gerhard Schwarz und

Berthold Simons wollte so schnell nicht

aufgeben, das konnte sie auch nicht – es

standen hunderte Arbeitsplätze auf dem

Spiel. Simons musste seinen Urlaub

unterbrechen und kam aus Italien

zurück nach Berlin; Geschäftsführerin

Heidi Schäfer-Frischmann und ihr Kollege

Gerhard Schwarz hatten mittlerweile

begonnen, mit den Entscheidungsträgern

ins Gespräch zu kommen: Nicht nur die

Senatoren und ihre Staatssekretäre

mussten die Geschäftsführer überzeugen,

auch bei Abgeordneten der Charlottenburger

Bezirksverordnetenversammlung

warben sie um Unterstützung. In der

Landespolitik gab es mittlerweile den

nächsten Regierungswechsel: Die Alternative

Liste verließ die Koalition, die

Berliner Christdemokraten stellten nach

gewonnenen Neuwahlen wieder die

Parlamentsmehrheit.

Anfang des Jahres 1991 kam endlich der

Durchbruch bei den Westend-Verhandlungen,

beide Seiten einigten sich auf einen

Kompromiss: Die FU Berlin verlegt ihren

Krankenhausbereich in das Rudolf-

Virchow-Klinikum, die Schwesternschaft

übernimmt als neuer Träger das Westend.

Die DRK-Schwesternschaft Berlin bekam

eines der architektonisch reizvollsten

Krankenhäuser Deutschlands. Und mit

der fast gleichzeitigen Übernahme des

Salvador-Allende-Krankenhauses wurde

die Schwesternschaft zu einem der größten

Berliner Gesundheitsunternehmen.


© ARCHIV DRK KLINIKEN BERLIN

hedwig

»Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben« CICELY SAUNDERS

Das Westend-Krankenhaus

Charlottenburg, um 1900:

Seit knapp 25 Jahren ist die Stadt

eigenständig – der Provinziallandtag

hatte Charlottenburg zum 1. Januar

1877 aus dem Kreis Teltow ausgegliedert.

Die Stadt hat ihre Einwohnerzahl

in den vergangenen

drei Jahrzehnten verzehnfacht,

über 200.000 Menschen leben hier.

Bis 1910 werden noch einmal hunderttausend

hinzukommen. In der Provinz

Brandenburg sind Charlottenburg und

Berlin damit die einzigen Großstädte. Für

die Krankenversorgung ist das Krankenhaus

in der Kirchstraße längst zu klein.

Einen Neubau hat die Stadtverordnetenversammlung

1895 beschlossen – am

Fürstenbrunner Weg soll er nun entstehen.

Dort, wo sich früher der Pferdemarkt

befand. Der Magistrat beauftragt den

renommierten Architekten Heino Schmieden,

zusammen mit Martin Gropius hat er

„Gropius & Schmieden“ gegründet: das

erste freie Architekturbüro Berlins. Beide

haben sich auf den Bau von Krankenhäusern

spezialisiert. Nur zwei Jahre

braucht Schmieden, dann sind seine

Pläne für das neue Krankenhaus fertig

gezeichnet und von der Stadt freigegeben.

Der Architekt hat sich für die

„Pavillonbauweise“ entschieden: Um eine

grüne Mittelachse gruppiert er acht

Krankenhauspavillons mit Sälen für die

Patienten, hinzu kommen das Badeund

Operationshaus und der wuchtige

Verwaltungstrakt an der Spandauer

Chaussee. Schmieden lässt sich von

Fritz Karl Bessel-Hagen beraten – der

Mediziner wird später zum Direktor

des „Städtischen Krankenhauses Charlottenburg-Westend“

ernannt. 1901 rücken

die Bautrupps an, ein Jahr später steht

der Rohbau – jetzt kann der Innenausbau

beginnen. Wie bei der Gebäudeanordnung

werden auch hier „Hygiene“ und

„Desinfektion“ zu baulichen Vorgaben,

von Bessel-Hagen formuliert und durch

Schmieden zu Papier gebracht. Der Arzt

bringt sich ein, er erfindet Geräte zur

Desinfektion und veranlasst den Einbau

einer hochmodernen Haustechnik.

Das Team Bessel-Hagen/Schmieden entwickelt

ein völlig neuartiges Lüftungssystem

für das Westend – die Lüftungs-

rohre, die bei den Kopfbauten aus der

Dachmitte ragen, werden später mit

ihren Verkleidungen die Silhouette der

Klinik prägen. Es dauert zwei Generationen,

bis sich das Westend der nächsten

großen baulichen Veränderung unterzieht.

1971 öffnet die „Kopfklinik“, ein

funktionaler Zehnstöcker, der den

Nordwestteil des Krankenhausgeländes

dominiert. Der aber auch das neue

„Wahrzeichen“ der Klinik ist und für die

Spitzenmedizin steht, die im Westend

angeboten wird. Ein Krankenhaus hat

eine kurze Halbwertszeit. Medizin und

Pflege verlangen ständig nach neuen

Infrastrukturen für ihre Arbeiten.

Ende der achtziger Jahre ist der historische

Krankenhausteil veraltet: Umbauen

und Renovieren ist immer teurer als

neu bauen. Es wird laut darüber nachgedacht,

die historischen Pavillons durch

funktionale Betonbauten zu ersetzen.

Die Pläne bleiben glücklicherweise in der

Schublade: Backsteinhäuser und Plattenbau

legen auch in den nächsten Jahrzehnten

Zeugnis ab für das gelungene

Miteinander von Tradition und Moderne

– für die DRK Kliniken Berlin | Westend.

NEWSLETTER DER DRK-SCHWESTERNSCHAFT BERLIN E.V. AUSGABE II/2011 17


hedwig

»Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren« BERTOLT BRECHT

„Man kann das nur als gelungen bezeichnen“

Oberin Heidi Schäfer-Frischmann wurde im April 1986

zur Geschäftsführerin der „DRK Krankenhaus GmbH I“,

sechs Jahre später dann auch der „GmbH II“.

Bei der Übernahme des Charlottenburger Westend-

Krankenhauses war sie von Beginn an dabei.

Frau Oberin, warum hatte sich die Schwesternschaft

ausgerechnet für das Westend entschieden?

Aussuchen konnten wir uns das nicht: Das Westend bot uns der

Senat, dafür sollten wir das Jungfernheide-Krankenhaus und

später das Rittberg-Krankenhaus schließen – so stand es im Krankenhausplan

von 1990. Wir hatten einen Bauplan für beide Häuser

ausgearbeitet: je 75 Millionen DM hätten wir investieren

müssen, um die Kliniken auf den neuesten Stand umzurüsten.

Genau die nun hätte der Senat nicht bewilligt, wir hätten demnach

Jungfernheide und Rittberg ersatzlos schließen müssen.

Der Senat mit Senator Fink, Staatssekretär Hasinger und besonders

dem Staatsdirigenten Dr. Unger schlug vor, uns das Westend

anzubieten. Berlin verfügte damals über zu viele Krankenhausbetten.

Die Universität sollte ins Rudolf-Virchow-Klinikum

ziehen, wir Jungfernheide und Rittberg schließen und das Westend-Gelände

übernehmen.

Hat Ihnen der Senat das komplette Gelände angeboten?

Nur Teile, wir haben zuerst den operativen Bereich übernommen,

auch einen Teil der inneren Bereiche und dann sukzessive

ausgebaut: Kinderklinik und Frauenklinik waren erst in der

Pulsstraße und sind 1996 umgezogen. Wir bekamen nur die Gebäude,

die notwendig sind für den Krankenhausbetrieb.

Wie lange hat die Übernahme gedauert:

vom ersten Gespräch bis zur endgültigen Vertragsunterzeichnung?

Gar nicht so lange – knapp fünf Jahre hat das gedauert, von 1986

bis 1991.

Eine Übernahme in der Größenordnung gab es bis dahin nicht.

War sie wirtschaftlich riskant?

Das würde ich nicht sagen. Für uns stand doch viel auf dem Spiel:

Mit der Schließung von Rittberg und Jungfernheide wären uns

nur noch Drontheimer und Mariendorf geblieben – eine gefährliche

Konstellation für die Schwesternschaft! Wir bekamen doch

auch die Zusage, 165 Millionen DM für die Sanierung der Gebäude

des Westendes zu verwenden. Damit waren wir gesichert. Für

uns als Schwesternschaft war das eine glückliche Fügung.

Kulisse „Westend“: Oberin Heidi Schäfer-Frischmann

mit dem ersten JCI-Zertifikat (2002)

Ein Meilenstein für die Schwesternschaft, kann man das so sagen?

Ja, ein Meilenstein. Wir dürfen nicht vergessen: In der Jungfernheide

waren wir nur Mieter, das Gebäude gehörte Schering.

Und das Rittberg-Krankenhaus wurde früher als Homöopathisches

Krankenhaus genutzt und war von seiner Bausubstanz her

für ein Krankenhaus nicht mehr zeitgemäß.

Fand die Übernahme überall

Zustimmung oder gab es auch Widerstand?

Es gab natürlich auch Widerstände, sehr massiv dann 1991, kurz

vor dem Umzug: Im Sommer ´91 war die politische Stimmung im

Abgeordnetenhaus plötzlich eine andere. Und die Universität

wollte auch nicht aus Charlottenburg weg. Das Projekt wurde

also wieder in Frage gestellt. Wir Geschäftsführer – das waren

Berthold Simons, Gerhard Schwarz und ich – sind in diesem Som-

mer wirklich von Mann zu Mann, von Frau zu Frau marschiert

– ob es nun Abgeordnete waren, Mitarbeiter der Senatsverwaltung

oder auch der Universität – und haben dafür geworben,

dass der Plan doch noch umgesetzt wird.

Die Universität hat dann das Gelände

fluchtartig verlassen: Haben Sie dafür eine Erklärung?

Wir alle waren enttäuscht, wie die Stationen und Bereiche aussahen,

als wir den ersten Rundgang nach der Übernahme machten

– eine merkwürdige Situation war das. Dafür habe ich keine Erklärung,

das muss man wahrscheinlich so hinnehmen. Ich habe

damals auch nicht so viele Gedanken daran verschwendet, wir

mussten doch innerhalb kürzester Zeit umziehen von der Jungfernheide

auf das Gelände vom Westend. Ich war verantwortlich

für den Umzug, zwei Tage hatten wir dafür eingeplant – mit

180 Patienten von der Jungfernheide rüber ins Westend! Einen

Tag vorher waren noch Bauleute im „Kopfhaus“. Ich bin der Firma

Gegenbauer damals sehr dankbar gewesen, die haben eine

Nachtschicht eingelegt, um noch das gesamte Gebäude zu putzen.

Ich erinnere mich, wir haben Pizza und Cola ausgegeben,

damit in der Nacht wirklich die Gebäude gereinigt werden. Wir

hatten zuvor eine Art „Masterplan“ entwickelt, die Schwestern,

die dann umgezogen sind aus der Jungfernheide, haben erst mal

alles eingerichtet, dafür hatten sie in der Jungfernheide alles stehen

und liegen gelassen, sind mit den Patienten umgezogen und

haben dann eine Nachhut gebildet, die die Jungfernheide wieder

aufgeräumt hat. Und das klappte sehr gut, in den zwei Tagen ist

alles reibungslos abgelaufen.

Woher kamen die vielen Mitarbeiter,

die Sie für den Betrieb des Westends benötigen?

Das Personal hatten wir schon vorher eingestellt. Wir haben die

Stationen vollkommen neu zusammen gestellt, hunderte von

Gesprächen gingen dem voraus. Schon zu dem Zeitpunkt hatten

wir die Mitarbeiter des Rittberg-Krankenhauses einbezogen,

auch einige aus der Drontheimer Straße. Die Personalplanung

war ein echtes Bravourstück: Der Pflegenotstand war damals

noch größer als heute. Wir haben in Zeitungen inseriert oder bei

anderen Schwesternschaften nachgefragt. Irgendwie haben wir

es geschafft, unser neues Krankenhaus bekam seine Mitarbeiter.

1991 die Übernahme, kurz darauf begannen die Bauarbeiten, die

sich bis 2003 hinzogen: immer wieder Umzüge, immer wieder neue

Mitarbeiter: War da professionelles Arbeiten überhaupt möglich?

Professionell gearbeitet haben wir immer, selbst wenn man

manchmal das Gefühl hatte, auf einer Baustelle zu arbeiten.

Schwestern und Ärzte, auch das andere Personal wie Putzfrauen

oder Stationshilfen: Sie alle haben professionell gearbeitet. Das

war eben auch unsere Stärke: im Provisorium gut zu arbeiten!

Aber fertig mit den Baumaßnahmen – ich glaube, dass sind wir

heute noch nicht. Wir sind immer noch dabei, alles zu verschönern,

besser zu machen. Ich denke, so ein Krankenhaus ist, wenn

es sich gut aufstellen will, immer auch eine Baustelle.

Der Architekt Beer, der den Umbau des Westends

mit plante, meinte: „Die durchschnittliche Lebensdauer

eines Krankenhauses beträgt zwanzig Jahre“.

Und dann fängt man wieder von vorne an, genau. Es war eben

auch diese Besonderheit, dass wir auf einen universitären Standort

gezogen sind. Ich finde, dass das ganz hervorragend geklappt

hat und dass sich wirklich jeder eingebracht hat. Und die Schwestern

haben das natürlich ganz besonders begleitet.

Sind viele ehemalige Universitätsmitarbeiter geblieben?

Sehr wenige, das ist fast zu vernachlässigen. Die hatten ihren Beamtenstatus

und fast alle sind dann doch mitgezogen. Bei uns

geblieben sind Dr. Schauwecker und dann später auch Prof. Kentenich

und Prof. Grothe.

Welchen Einfluss hatten Sie auf die großen Umbaumaßnahmen?

Gab es da Vorgaben seitens der Schwesternschaft:

„So stellen wir uns das vor“?

Das ist ein Prozess gewesen, wir hatten sehr strenge Denkmalschutzauflagen

zu beachten, gerade bei den Kämmen. Es gab eine

Arbeitsgruppe aus Senat und Denkmalschutzbehörde, den Architekten

und Bauingenieuren, der Geschäftsführung und dem

Träger. Und da haben wir immer einen guten Konsens gefunden.

Mit Ihrem heutigen Wissen: Hätten Sie irgendwas anders gemacht?

Man kann immer alles noch besser machen! Aber ich denke, unter

dem Strich ist das Westend-Krankenhaus sehr gelungen. Was

mich sehr freut, dass es eine hohe Akzeptanz hat in der Bevölkerung,

bei den Patienten und den Mitarbeitern – das kann man nur

als gelungen bezeichnen, darauf kommt es doch letztendlich an.

Können Sie spekulieren und sagen, wo die Schwesternschaft

heute ohne das Westend stehen würde?

Nein, das will ich nicht und das kann ich auch gar nicht. Ich

denke, wir haben uns gut positioniert in den letzten zwanzig

Jahren. Wir haben ein hervorragendes Krankenhaus – nicht nur

baulich, sondern auch von den Menschen her, die es mit Leben

füllen. Wenn wir das die nächsten zwanzig Jahre schaffen, dann

können wir doch nur zufrieden sein. Ich denke nicht nur an die

Vergangenheit, an der Zukunft müssen wir arbeiten, damit wir

das, was wir erreicht haben, nicht verlieren.

NEWSLETTER DER DRK-SCHWESTERNSCHAFT BERLIN E.V. AUSGABE II/2011 19


hedwig

»Die höchste Form des Glücks ist ein Leben mit einem gewissen Grad an Verrücktheit« ERASMUS VON ROTTERDAM

Drei Rot-Kreuz-Schwestern: Sie arbeiten in den DRK Kliniken Berlin | Westend, haben zu drei verschiedenen

Zeitpunkten dort angefangen. Seit seiner Übernahme verändert sich ihr Krankenhaus, auch wenn das Tempo der

Veränderungen nicht mehr so rasant ist wie noch vor zehn Jahren. Sibylle Griebsch, Ellen Richter und

Anette Skalla sind mehr als nur Augenzeugen, sie haben mitgewirkt an der Umwandlung der Universitätsklinik

zu einer Einrichtung der DRK-Schwesternschaft Berlin. // FOTOS VON DANIEL FLASCHAR //

ELLEN RICHTER: Wir sind nach und nach ausgezogen. Wir hatten

eine Kollegin, die bis zum Schluss blieb – sie hat noch die Station

ausgefegt und alles sauber hinterlassen.

Und wie lange hat es gedauert, bis so etwas wie Normalität einkehrte?

ELLEN RICHTER: Ich denke, eine Woche, ganz genau weiß ich es

nicht mehr. Wir hatten geputzt, alles sauber gemacht und uns so

eingerichtet, wie wir es gern wollten. Wir haben viel organisiert.

Und was wir benötigten, haben wir uns geholt.

„Das macht einen stolz“

Frau Richter, Sie waren damals beim Umzug dabei...

ELLEN RICHTER: Ja, das war im September ´91. Wir hatten bereits

vorher begonnen, unsere Sachen von der Jungfernheide hierher

ins Westend zu bringen – mit unseren privaten PKWs. Wir haben

auch nach dem Dienst gearbeitet, in der Freizeit sind wir

hergekommen und haben alles aufgebaut. Die Anzahl der Patienten,

die wir noch auf der Station im Krankenhaus Jungfernheide

betreuten, hatten wir nach und nach reduziert – wir hatten

ja noch nichts auf den neuen Stationen, die Betten wurden

erst später geliefert.

Was war Ihr erster Eindruck, als Sie hier ankamen?

ELLEN RICHTER: Alles war so groß – aber unheimlich dreckig. Und

das fand ich sehr, sehr negativ. Wir haben dann gründlich ge-

„Natürlich sind wir auch stolz,

Westendlerinnen zu sein“

Ellen Richter

putzt – wir wollten doch eine saubere Station! Volle Töpfe waren

das Ekligste, was wir vorgefunden haben, überall war Dreck: Es

sah so aus, als hätten sie die Häuser fluchtartig verlassen. Da waren

so viele wertvolle Sachen, die sie haben liegen lassen: Sterilgut,

das noch über Jahre gut war, doppelt und dreifach eingepackt

– das haben wir dann genommen.

SIBYLLE GRIEBSCH: Auch Wandanschlüsse haben sie da gelassen.

Und wirklich wertvolle Dinge, die wir gut gebrauchen konnten:

Defibrillatoren, EKG-Geräte – fahrbare, tragbare...

ELLEN RICHTER: Eigentlich ein Wunder, dass sie nicht ihre Patienten

auch noch da gelassen haben. Die Schwesternschaft hat das

Jungfernheide-Krankenhaus sicherlich nicht von jetzt auf gleich

verlassen.

„Es hat sich einfach

so viel und so oft verändert“

Sibylle Griebsch

War das Westend komplett leer, als die Schwesternschaft kam?

SIBYLLE GRIEBSCH: Ich selbst bin damals nicht mit umgezogen, ich

war im Mutterschutz zu der Zeit. Aber ich weiß, dass sich auf

dem Westend-Gelände noch Einrichtungen der Charité befanden

wie die Chirurgische Station, auch die Augenklinik wurde

erst später übernommen. Die Chirurgen von Charité und DRK

Kliniken haben sich dann auch ein bisschen in den Haaren gehabt

– es ging um die OP-Säle: da hat der alte Träger „geschubst“,

wollte sie wie früher uneingeschränkt nutzen und der neue

wollte das natürlich auch.

ANNETTE SKALLA: September 1990 hatte ich mich im Virchow beworben

und war zum Vorstellungsgespräch auf diesem Gelände.

Danach habe ich mir die Intensivstation angesehen. Diese be-

fand sich zu dieser Zeit noch in den Räumen der jetzigen Kinder-

und Jugend-Psychiatrie. Es war eine sehr enge und verwinkelte

Station, sie machte wirklich einen sehr unaufgeräumten Eindruck.

Für mich stand fest: Hier will ich nie arbeiten. Und dann

kam doch alles ganz anders...(lacht)

Sind Sie damals freiwillig von der Jungfernheide ins Westend gezogen?

ELLEN RICHTER: Natürlich, über Alternativen haben wir auch gar

nicht nachgedacht. Für uns stand fest: Die Jungfernheide zieht

geschlossen um.

Ihr Team ist so geblieben wie es war?

ELLEN RICHTER: Ja, das Team ist unverändert

geblieben.

Was hat Sie dann hier positiv überrascht?

ELLEN RICHTER: Die Station war sehr

übersichtlich und gut geschnitten: Da

ist ein Gang, auf der rechten Seite sind

die Patientenzimmer, auf der linken

Seite die letzten beiden sind Einzelzimmer,

dann war da ein Dienstzimmer,

daneben befand sich unser kleiner

Aufenthaltsraum, ein Durchgangszimmer,

und wieder nebenan war das

„Spritzenzimmer“ – also der reine Arbeitsraum

– und wieder dahinter lag

ein Arztzimmer – das gefiel mir sehr,

alles war übersichtlich und zugleich

komfortabel. In der Jungfernheide

sind wir immer „Um-die-Ecke“ gelaufen:

Auf der alten 2b zum Beispiel hatten

wir den Fahrstuhl, da kam die Urologie

nach oben, um in den OP zu

gehen, nebenan war auch noch das

Röntgenzimmer – es war eine stark

frequentierte Station, im Jungfernheide-Krankenhaus

ging es hin und her.

Wann kamen die ersten „neuen“ Patienten?

ELLEN RICHTER: Gleich mit dem Umzug – das war am 1. und 2.

Oktober.

Sie haben das aufmerksam verfolgt und auch befürwortet?

ELLEN RICHTER: Dafür haben wir doch alle gekämpft, das war

schon lange im Gespräch.

SIBYLLE GRIEBSCH: Die Jungfernheide musste schließen – komplett.

Dann hat sich die Fraktion der Grünen in Charlottenburg

dafür stark gemacht, dass die Jungfernheide hier ins Westend

kommt. Das Westend sollte ebenfalls geschlossen werden, zumindest

große Teile. Aber Charlottenburg braucht doch ein ordentliches

Krankenhaus: Und einige Politiker im Abgeordnetenhaus

und in der Bezirksverordnetenversammlung hier in Char-

NEWSLETTER DER DRK-SCHWESTERNSCHAFT BERLIN E.V. AUSGABE II/2011 21


hedwig

»Kein besseres Heilmittel gibt es im Leid als eines edlen Freundes Zuspruch« EURIPIDES

lottenburg haben sich dafür stark gemacht. Die Schwesternschaft

hat sich natürlich für das Gelände interessiert, und die

Politik wollte uns letztlich doch auch erhalten. Trotzdem sind

wir auf die Straße gegangen und haben demonstriert, dass die

Jungfernheide bleibt: Wir sind raus mit Rollstühlen, mit Patienten

und Betten; wir sind nach Siemensstadt gefahren in das

Einkaufszentrum, haben dort Zettel verteilt, Unterschriften gesammelt,

damit die Jungfernheide erhalten bleibt oder wir zumindest

dann ins Westend umziehen können.

Frau Griebsch, Sie kamen etwas später hierher?

SIBYLLE GRIEBSCH: 1990 wurde meine Tochter geboren.

'92, im Januar, habe ich dann schon wieder angefangen:

1991 ist die Schwesternschaft ins Westend

umgezogen und wegen des Personalmangels wurden

die Mütter aus dem Erziehungsurlaub geholt, das

musste unbedingt sein.

Frau Skalla, auch Sie sind nach

dem Umzug ins Westend gekommen?

ANNETTE SKALLA: Ich bin im Dezember 1995 mit der

Schließung des Rittberg-Krankenhaus hierher gekommen:

Mit dem Team der Intensivstation aus dem

Rittberg wurde die Intensivstation hier um fünf Betten

erweitert. Es war eine tolle und spannende Zeit –

und aus zwei doch sehr unterschiedlichen Teams

wurde dann ein eingeschworenes.

Fühlen Sie sich als „Westendlerinnen“, die

sich von den Kolleginnen aus Mariendorf, Köpenick,

Mitte unterscheidet?

ELLEN RICHTER: Wir sind alle Rot-Kreuz-Schwestern,

wir sind alle Kolleginnen. Natürlich sind wir auch

stolz darauf, „Westendlerinnen“ zu sein: Wir haben

sehr viel geschafft in diesen zwanzig Jahren.

SIBYLLE GRIEBSCH: Ich denke, dass wir sehr stolz darauf

sein können, dass es uns gelungen ist, bei den Patienten

nicht nur in Charlottenburg, sondern auch weit über die

Grenzen hinaus bekannt zu sein: für unser „Kümmern“ um und

für die Patienten. Das gilt natürlich auch für die Medizin, ganz

klar: über die Jahre konnten viele gute Ärzte gewonnen werden.

Aber ich spreche da jetzt für uns: Wir DRK-Schwestern, wir kümmern

uns, sind immer freundlich. Und dazu dann in dieser Umgebung,

unter diesen Bedingungen zu arbeiten – ich denke, auch

darüber kann man nur glücklich sein und das macht einen stolz.

Haben Sie in der Anfangszeit Vorbehalte gespürt:

Jetzt kommt ein Verein, die Universität ist weg?

SIBYLLE GRIEBSCH: Nein, im Gegenteil! Die Patienten haben gesagt:

„Sie sind ja ganz anders, Sie sind ja viel netter, hier kümmert

man sich ja um uns – Sie fragen, ob ich Schmerzen habe, Sie fra-

gen, wie es mir geht“. Wir hatten natürlich anfangs unsere Befürchtungen,

aber die traten überhaupt nicht ein. Lob bekommen

wir auch heute noch täglich zu hören.

ELLEN RICHTER: Wir bekommen überwiegend positive Briefe von

den Patienten, die sich bei uns bedanken für die gute Pflege, eigentlich

für alles. Die Schwester fängt im Grunde genommen

doch alles auf: Der Arzt war gerade zur Visite da – und wen fragt

der Patient nachher?

ALLE (lachen): Die Schwester!

„Wo man baut,

da geht es weiter, es wird

besser und schöner“

Annette Skalla

SIBYLLE GRIEBSCH: Also für mich bleiben die vielen Umbauarbeiten

immer auch etwas ganz Besonderes. Mir gefällt das grüne

Ambiente – und natürlich ein wenig die Kunst, die ja immer

wieder für Diskussionen sorgt.

ANNETTE SKALLA: Jeden Tag beim Betreten des Geländes vom

Spandauer Damm aus, wenn man durch den großen Torbogen

geht, die mächtige Lampe sieht und dann auf die Aue schaut,

denke ich: Wow, schön!

Gibt es irgendwas für die Zukunft, was Sie sich noch wünschen

für das Westend? Was könnte man zum Beispiel verbessern?

ELLEN RICHTER: Besser kann man immer werden, und wir verbessern

uns auch immer.

ANNETTE SKALLA: Es hat sich so viel getan. Als ich ´95 hier ankam,

waren die Häuser rechts und links der Aue leer. Es funktionierten

nur das Hochhaus, die Rettungsstelle, das Haus 12 und

Haus 14. Seitdem wurde so viel gebaut, verändert und erweitert.

Es ist wirklich gut. Die Arbeitsbedingungen waren während der

langen Umbauphase bestimmt alles andere als optimal.

SIBYLLE GRIEBSCH: Ich bin mit der Unfallchirurgie von der Ebene

22 und 23 auf die 8b gezogen: Dort wurden neue Schränke eingebaut,

Modulsysteme eingeführt, daran musste man sich gewöhnen.

Aber auch die Kollegen mussten wir oft erst mal suchen

oder anrufen: „Wo sind denn die jetzt schon wieder?“ Wir wurden

zwar über die Rundschreiben informiert, aber trotzdem: Es

hat sich einfach so viel und so oft verändert.

ELLEN RICHTER: Dann ist man vielleicht manchmal in die falsche

Richtung gelaufen. Aber das war egal, irgendwann war doch der

richtigen Weg gefunden. Dem Patienten konnte man dann erklären:

„Ach, ich wollte Ihnen mal unser schönes Gelände zeigen“. Und

wir sind doch immer angekommen, wo wir hinwollten.

ANNETTE SKALLA: Die Bauarbeiten waren und sind wichtig – sie gehören

zum Westend. Ich denke: wo man baut, da geht es weiter, es

wird besser und schöner. Klar ist es jedes Mal ein Kraftakt und wie

immer ist man hinterher klüger. Was mir vielleicht noch fehlt, ist

eine Cafeteria, am besten oben im Hochhaus, mit Blick über Berlin...

Annette Skalla (45), ist seit 1991 bei den DRK Kliniken Berlin, zuerst war sie im

Rittberg-Krankenhaus, dort arbeitete sie drei Jahre lang als Stellvertretende Stationsleitung.

1995 kam sie in das Westend auf die ITS, die sie von 1999 bis 2005 leitete. Seit Mai 2010

ist Annette Skalla Stellvertretende Pfl egedienstleitung der DRK Kliniken Berlin | Westend.

Sibylle Griebsch (52), ihre erste Station bei den DRK Kliniken Berlin war die Jungfernheide,

zehn Jahre arbeitete sie in dem Krankenhaus der Schwesternschaft. 1992 wechselte sie ins

Westend. Im Mai 2007 übernahm Sibylle Griebsch hier die Abteilungsleitung der Station

27/28 Endoskopie.

Ellen Richter (53), ist seit 1977 bei der DRK-Schwesternschaft Berlin und arbeitete ab 1984

im DRK-Krankenhaus Jungfernheide. Sie zog als eine der ersten Berliner Rot-Kreuz-Schwestern

in das Westend-Krankenhaus. Ellen Richter arbeitet heute auf der Station 4B/Traumatologie.

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hedwig

»Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen.« JOHANN WOLFGANG VON GOETHE

Adolf Muschg und das Figurenfest im Westend

Auf die Breite kommt es an

„Die Kunst leistet gar nichts“, sagte Adolf Muschg, als er 1994 den

wichtigsten Literaturpreis der Bundesrepublik bekam – den Georg-Büchner-

Preis. Muschg gestand der Kunst aber zumindest zu, „so viel leistet sie

vielleicht doch: Sie kann das dumme Spiel, das wir mit klügeren Apparaten

spielen, ablösen durch ein Spielwissen, das nicht nur eine Alternative,

sondern auch das ganz Andere kennt“. Für Muschg gibt es also nicht nur

Leben und Tod, er meint, da wäre noch etwas Drittes.

Adolf Muschg: Schweizer Schriftsteller,

von 2003 bis 2005 Präsident der Akademie

der Künste, Goethe-Experte, ein „öffentlicher

Intellektueller“ wie die ZEIT ihn einmal

beschrieb. Dem Publikum fiel es nicht

immer ganz leicht, seinen Gedanken mit

den vielen Analogien zu folgen, die Muschg

als Gastredner des „Zweiten Figurenfestes“

vortrug. Leben, Krankheit, Tod – und eben

die Kunst, das waren Fixpunkte in seiner

Rede, die der Schweizer mit „Kunst als

Therapie?“ betitelt hatte. „Jeder ist sein

Leben lang Patient“, jeder müsse sich darüber

im Klaren sein, dass letztlich die

Länge des Lebens nicht entscheidend sei –

„es ist vielmehr seine Breite“, ermahnte

Muschg seine mehr als einhundert Zuhörer.

Kann die Kunst nun Patienten therapieren?

Professor Ernst Kraas als Mediziner gab

offen zu: „Ich weiß es nicht, auch hier im

Krankenhaus ist das ein Experiment mit

offenem Ausgang“. Kraas ist im Kuratorium

der Stiftung „Figuren im Park“, der Chefarzt

der Minimal-Invasiven Chirurgie und

die anderen Kuratoren hatten in die DRK

Kliniken Berlin | Westend geladen. Nach

2009 fand hier wieder ein „Figurenfest“

statt, auf das Adolf Muschg mit seinem

gut einstündigen Vortrag die Kunst- und

Literaturliebhaber einstimmte. Das Figurenfest

soll nicht nur unterhalten, es will

auch zum Kauf von Kunst animieren.

34.000 Euro hatte die Stiftung vor zwei

Jahren eingenommen – Kleinplastiken und

Grafiken wurden verkauft. Eine Großplastik

konnte die Stiftung „Figuren im

Park“ davon erwerben. Eines Tages sollen

alle Figuren, die auf dem Gelände der DRK

Kliniken Berlin | Westend stehen, keine

Leihgaben mehr sein. Deutlich weniger an

Erlös kam jetzt nach der Neuauflage des

Figurenfestes zusammen: zwölf Kunstobjekte

verkauften die Veranstalter, lediglich

12.800 Euro wurden eingenommen. Aber

die Geschäftsführung der DRK Kliniken

Berlin hat auch hier versprochen zu

helfen: Die Einnahmen sollen verdoppelt

werden, dann kann die Stiftung die „Gelbe

Figur“ erwerben, eine Sandsteinskulptur

von Berndt Wilde. Das Westend ohne

seine Figuren – auch für Oberin Heidi

Schäfer-Frischmann ist das undenkbar,

„die Figuren gehören zum Westend“ hat

sie schon vor dem Figurenfest verkündet.

Sie vertritt die DRK-Schwesternschaft im

Stiftungskuratorium, zur Veranstaltung

kam die Oberin dann mit einer guten

Nachricht: „In den nächsten drei Jahren

kaufen wir die sieben Großplastiken,

die auf der Parkaue stehen“ – und die

dann dort für immer bleiben werden.

Auch wenn nicht alle Kunstwerke Gefallen

finden – Muschg: „Die Kunst im Park

schmeichelt dem Betrachter nicht, sie

macht ihm zu schaffen“ – jeder kennt sie,

jeder spricht über die Figuren – und

beschäftigt sich damit auf seine Weise

mit dem Thema Kunst, „er begegnet ihr

in einem Impuls der Brüderlichkeit“. Und

Professor Kraas berichtet in dem Zusammenhang:

„Viele Patienten erzählen, dass

sie durch die Figuren eine Ablenkung

erleben“, eine Ablenkung vom Alltag im

Krankenhaus, in das man – nun wieder

Adolf Muschg – zwar nie gern geht, wo

man trotzdem immer mehr den Eindruck

bekommt: „Die Götter in weiß, sie werden

menschlich“.

Schwester vom Fach

Diane Bedbur leitet die Personalabteilung und Buchhaltung

der DRK-Schwesternschaft Berlin. Seit elf Jahren ist sie Mitglied

im Vorstand des Vereins

Von Berlin nach Berlin:

Eine Weltenreise

Rückblende. Vor ihrer Karriere

bei der DRK-Schwesternschaft

Berlin, hatte Diane Bedbur

einen „steinigen Weg zurückzulegen“.

Die Entscheidung,

1980 mit Ehemann und Kind

zu Angehörigen in die Bundesrepublik

übersiedeln zu wollen,

brachte persönliche Einschnitte

und große Veränderungen:

Dem Antrag auf Übersiedlung

folgte umgehend die Exmatrikulation,

ihr auf den erlernten

kaufmännischen Beruf

aufbauendes Studium durfte sie

dann nicht mehr abschließen.

Auch dem Mann verboten die

DDR-Behörden als Englisch- und

Russischlehrer tätig zu sein.

Endlich, im März 1984, durften

Bedburs die DDR verlassen, die

junge Familie zog von Ost-Berlin

nach Hessen und schließlich

weiter nach Bayern. Die erste

Tätigkeit ihres Mannes endete

dort – nach nur einem dreiviertel

Jahr: die Firma des

Cousins hatte Konkurs anmelden

müssen. „Das war eine Zeit

mit vielen Höhen und Tiefen“,

Diane Bedbur bestärkte ihren

Ehemann, wieder an einer

Schule zu unterrichten. Schnell

fand er eine Anstellung – in

West-Berlin, als Referendar an

einer Kreuzberger Hauptschule.

Eine Schwesternschaftskarriere

Seine Frau Diane sucht noch,

sie liest den Stellenmarkt der

Berliner Morgenpost“, spricht

beim Arbeitsamt vor. Ihr Sachbearbeiter

vermittelt Diane

Bedbur drei offene Stellen.

Zum ersten Gespräch muss

Diane Bedbur in die Frobenstraße

– zur Verwaltungszentrale

der DRK-Schwesternschaft

Berlin. Sie soll in der Personalverwaltung

des Vereins arbeiten,

schon nach einer Woche

bietet ihr Oberin Christa Rohr

die Festanstellung an. Es ist der

6. Mai 1985, „das Datum werde

ich nie vergessen“. Die Schwessternschaft

ist damals noch

ein kleiner Verein mit gerade

einmal vierhundert Mitgliedern,

viele davon sind pensionierte

Rot-Kreuz-Schwestern.

„Es war so angenehm familiär“,

sagt Diane Bedbur heute, „ die

pensionierten DRK-Schwestern

lebten noch im Mutterhaus „

und in einem „Frauenunternehmen

zu arbeiten, das gefiel mir

sehr“. Auch wenn Oberin Rohr

streng in Mitglieder und

Nicht-Mitglieder trennt und

Diane Bedburs direkte Vorgesetzte

– „das war damals Frau

Gläßer“ – oft nicht ganz so

einfach ist.

Bald schon bekommt die Neue

mehr Verantwortung zugeteilt

– jetzt für den gesamten Bereich

der Personalverwaltung. Das

Vereinsleben gefällt ihr, sie

zeigt großes Interesse an der

Schwesternschaft, bringt sich

mehr und mehr ein, „anders als

viele meiner Kolleginnen“.

NEWSLETTER DER DRK-SCHWESTERNSCHAFT BERLIN E.V. AUSGABE II/2011 25

© PRIVAT

Das Vereinsleben gefällt

Diane Bedbur, sie zeigt

großes Interesse an

der Schwesternschaft,

bringt sich mehr und

mehr ein.


hedwig

»Glück misst man nicht nach der Länge, sondern nach der Tiefe.« CARL SANDBURG

Oberin Renate Lawrenz, die

mittlerweile Christa Rohr

abgelöst hat, freut sich und

kommt mit einem ungewöhnlichen

Angebot: Diane Bedbur

soll Mitglied der DRK-Schwesternschaft

werden. Zwar kann

sie keine medizinische Ausbildung

vorweisen, auch arbeitet

die Personalsachbearbeiterin in

keinem Gesundheitsberuf.

Dennoch gäbe es da die

Möglichkeit, als „Fachschwesster“

einzutreten – am 1. Januar

1993 wird Diane Bedbur die

erste in Berlin aus der Verwaltung

und Mitglied der DRK-

Schwesternschaft. Sogar Tracht

und Haube darf sie tragen, „die

zeige ich heute auf den

Einführungsveranstaltungen,

die neuen Schwestern wollen

die alte Tracht unbedingt

sehen“. In den Vorstand wählen

sie die DRK-Schwestern auf der

Mitgliederversammlung im

Herbst 2000, vier Jahre später

nimmt die Fachschwester als

„ständiger Gast“ teil an den

Sitzungen des Geschäftsführenden

Vorstands.

Rechte Hand der Oberin

Als Lisa Gläßer Anfang 1996 in

Rente geht, soll Diane Bedbur

die Nachfolge antreten und

Finanzbuchhaltung und

Personalverwaltung übernehmen.

Zuerst zögert sie, dann

geht sie auf das Angebot ein.

Gemeinnützigkeitsrecht,

Steuerrecht, Buchhaltung:

aufbauend auf den bereits

erworbenen Kenntnissen

erarbeitet Diane Bedbur sich im

Selbststudium die zum Teil

unbekannte Materie. Oberin

Heidi Schäfer-Frischmann, die

ab Dezember 1996 die Schwesternschaft

als Vorsitzende

führt, hilft ihr, „schon seit dem

ersten Tag ist unsere Zusammenarbeit

sehr vertrauensvoll

und offen“, die neue Oberin

wird ihr eine besondere

Vorgesetzte. Am 1. November

2000 bittet Oberin Heidi

Schäfer-Frischmann zum

Gespräch: „Können Sie sich

vorstellen, die gesamte Verwaltung

und dazu die Buchhaltung

zu übernehmen?“ Solch einen

Aufgabenbereich gab es bislang

nicht, Diane Bedbur sagt

trotzdem „ja, das kann ich“.

Obwohl sie auch weiß: mit der

Verantwortung wächst der

Berg an Arbeit. Und Diane

Bedbur ist klar: „so eine

Karriere wäre in einem

anderen Unternehmen nicht

möglich“, dort werden die

entscheidenden Stellen eher

mit Männern besetzt. Nicht so

in der Schwesternschaft, beide

Oberinnen – Renate Lawrenz

und Heidi Schäfer-Frischmann

– hätten sie immer gefördert,

„sie haben mir den Weg

geebnet, dafür bin ich sehr

dankbar“. Seit ihrer Berufung

in den Aufsichtsrat der

Krankenhausgesellschaften im

Januar 2006 wird sie immer

mehr zur rechten Hand von

Oberin Schäfer-Frischmann.

Diesen neuen, weiteren Posten:

sie findet ihn spannend – „hier

bekomme ich einen tiefen

Einblick in die Geschäfte der

Gesellschaften“. Aber die Arbeit

im Aufsichtsrat wird Diane

Bedbur einiges abverlangen:

Mittwochmorgen, 9. Juni 2010,

das Landeskriminalamt

durchsucht die Geschäftsstelle

der Kliniken und die Einrichtungen

in Mitte und Westend,

„es begann die schlimmste Zeit

hier im Unternehmen, ich

hatte so ein Gefühl der Leere,

alles ging mir sehr nah“.

„So eine Karriere

wäre in einem anderen

Unternehmen nicht

möglich“

Die Krise ist für sie eine sehr

emotionale und sie verlangt

noch mehr Einsatz, statt sich

ein Mal im Quartal zu treffen,

kommen jetzt die Aufsichtsräte

mindestens wöchentlich

zusammen. „Die Zeit hat mich

geprägt“ und dass jeder auch

ersetzbar ist, wird ihr nun so

richtig bewusst. Ein paar Jahre

– „fünf, sechs, sieben“ – wird

Diane Bedbur noch von der

Mozartstraße aus die Schwesternschaft

verwalten, spätestens

mit 63 Jahren soll Schluss

sein. Als pensionierte Schwester

will sie aber auf jeden Fall für

„meine Schwesternschaft“ da

sein – „wenn ich gebraucht

werde“, schränkt Diane Bedbur

ein. Nach ihrer Nachfolgerin

schaut sie sich schon jetzt um,

sie weiß, dass die Einarbeitung

viel Zeit in Anspruch nehmen

wird. Auf die „Neue“ wartet

eine „Arbeit, die mir viel

Freude macht“, viel Anerkennung

bekomme sie, spürt aber

auch: „Die Batterie ist schneller

leer als früher“. Diane Bedbur

genießt daher jede freie

Minute, sie liest viel: Biographien

sind die bevorzugte

Lektüre – über den Alten Fritz,

Katharina die Große, Wilhelmine

von Bayreuth – „Frauenschicksale

finde ich besonders

spannend“. Auch die Natur hat

es ihr angetan, die Mark

Brandenburg gefällt der

55-Jährigen ganz besonders, „ich

liebe diese Region“. So wie den

Landstrich gut achttausend

Kilometer westlich: Bedburs

verbringen ihren Urlaub gern

im Nordosten Floridas, in St.

Augustine. Dort kann Diane

Bedbur am besten ausspannen,

„hier sind kaum Menschen,

alles ist so schön ruhig“. Denn

auch wenn es die, die sie gut

kennen, nicht glauben wollen:

„Ich bin ein Menschenflüchter“,

sie brauche nun mal ab und zu

eine Auszeit vom eher unruhigen

Arbeitsalltag in der

Schwesternschaft.

© DRK-SCHWESTERNSCHAFT BERLIN

Im Grunewald

Vor einem Winter

Ich mach ein Lied aus Stille

Und aus Septemberlicht.

Das Schweigen einer Grille

Geht ein in mein Gedicht.

Der See und die Libelle.

Das Vogelbeerenrot.

Die Arbeit einer Quelle.

Der Herbstgeruch von Brot.

Der Bäume Tod und Träne.

Der schwarze Rabenschrei.

Der Orgelfl ug der Schwäne.

Was es auch immer sei,

Das über uns die Räume

Aufreißt und riesig macht

Und fällt in unsre Träume

In einer fi nstren Nacht.

Ich mach ein Lied aus Stille.

Ich mach ein Lied aus Licht.

So geh ich in den Winter.

Und so vergeh ich nicht.

EVA STRITTMATTER wurde am

8. Februar 1930 als Eva Braun

in Neuruppin geboren.

Von 1947 bis 1951 studierte sie

Germanistik und Romanistik in

Ost-Berlin. Danach arbeitete sie

beim Deutschen Schriftstellerverband

und beim Kinderbuchverlag

der DDR. Seit 1954 war sie freie

Schriftstellerin. Seither veröffentlichte

sie 14 Gedichtbände, mehrere Kinderbücher

sowie sechs Prosa-Bände,

darunter die „Briefe aus Schulzenhof“-Trilogie.

1956 heiratete sie den

18 Jahre älteren Schriftsteller Erwin

Strittmatter, der 1994 starb. Am 3.

Januar 2011 verstarb Eva Strittmatter,

sie wurde 80 Jahre alt. „Die Ausnahmepoetin

vermochte den Reigen

des Lebens in Verse zu kleiden, in

denen die Menschen Halt finden“,

hieß es im Nachruf ihres Verlages.

© Herausgeber: DRK-Schwesternschaft Berlin e.V., Mozartstraße 37, 12247 Berlin, Telefon: 030-3035-5450

Telefax 030-3035-5473, www.drk-schwesternschaft-berlin.de | hedwig@drk-schwesternschaft-berlin.de

Verantwortlich: Oberin Heidi Schäfer-Frischmann, Diane Bedbur, Doreen Fuhr (DRK-Schwesternschaft Berlin e.V.)

Redaktion und Gestaltung: Brille und Bauch Agentur für Kommunikation: www.brilleundbauch.de

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hedwig

»Wir sind verantwortlich für das, was wir tun, aber auch für das, was wir nicht tun.« VOLTAIRE

Endlich Schule „Als ich mich taufen ließ, dit fand der

Guru fies“, sang Nina Hagen, Stargast auf der Eröffnungsfeier der neuen Arche-

Grundschule. Die Sängerin hat sich vor zwei Jahren taufen lassen, seit kurzem

ist sie Botschafterin für das evangelische Kinderhilfswerk. Wesentlich länger

unterstützt die DRK-Schwesternschaft Berlin die Arche, seit 2005 hilft der Verein

sozial benachteiligten Kindern aus Berlin. Die Arche-Schule hat in fünf Jahren

die Schülerzahl fast verzehnfacht, 120 Kinder lernen hier fürs Leben. Viele

Schüler, zu wenig Platz – die Arche-Schule in Hellersdorf musste daher umziehen.

Im Sommer bezogen Lehrer und Schüler nun ihr neues Schulgebäude,

in dem schon vorher eine staatliche Bildungseinrichtung untergebracht war.

Die Eröffnung der neuen Arche-Schule feierten Schüler, Lehrer und Eltern

im September ausgiebig. Arche lud auch alle ein, die das Projekt von Beginn

an unterstützen. Wie die DRK-Schwesternschaft Berlin; der Verein hat die

Patenschaft für zehn Schüler übernommen.

Zurück nach Nord-Nord-West Einige hunderttausend Kilometer werden es schon gewesen sein,

die Hannelore Rebien in den letzten Jahren zurück-gelegt hat. Zwischen Travemünde und Berlin ist sie bis einschließlich

1. Dezember 2011 gependelt: an dem Tag wurde nun die Rot-Kreuz-Schwester in den Ruhestand verabschiedet. Seit 1975

ist sie in der DRK-Schwesternschaft Berlin, mehr als 25 Jahre lang arbeitete sie als Pflegedienstleitung der DRK Kliniken Berlin | Mitte.

Statt „Personalgespräch führen“ und „Stellenplan ausarbeiten“ heißt es nun „giepen“ und „gieren“: Hannelore Rebien

wird Schwesternkittel gegen Friesennerz eintauschen und Segeltörns auf der Ostsee unternehmen.

© ARCHE

© DRK-SCHWESTERNSCHAFT BERLIN

Familientreffen

in der Mozartstraße

Seit Mai 2009 begrüßt die „Stehende“ Besucher

und Mitarbeiter der Schwesternschaftszentrale,

im September kam jetzt ihre „Schwester“ hinzu.

Auch die „Gestreckt Liegende“ gehörte zum

„Figurenpark“, einer Dauerausstellung mit etwa

dreißig Plastiken, die auf das Gelände der

DRK Kliniken Berlin | Westend verteilt sind.

In der Nähe des Hochhauses hatte sie ihren Platz,

nun liegt die Bronze-figur im Garten der

Mozartstraße. 1,85 Meter ist die Skulptur lang,

erschaffen wurde sie 1958 von Ludwig

G. Schrieber. Seine „Stehende“ ist drei Jahre älter,

sie zählt zu den bekanntesten Werken

des Bildhauers. Schrieber arbeitete unter anderem als Professor an der Berliner Hochschule der Künste,

er verstarb 1975 im Alter von 68 Jahren und wurde auf dem Friedhof in Dahlem in einem Ehrengrab

beigesetzt. Einer seiner besten Freunde war Günter Grass; der Literaturnobelpreisträger

widmete Schrieber ein ganzes Kapitel im Buch „Der Butt“.

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